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$ oft a ttit tiait
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^ofjanna ©cfyopenijiiuer.
iÃeibcä, ilji'c Ãttnfi nnb ijiv Sieben nJ«r
fei i^itctt in ein itÃerf eine« ju;
fammengeMmoijni, unb in biefer innigen,
fKirfenben Bereinigung ging iC>t Safeyn
einen beÃo fefleven , fixeren @ang fur(t>
bie fUld;tige umgeOenbe iiÃett (jinburd).
ttÃ. ·£. SBaientober.
® V ft e v S8 « li ti,
^ranitfurt am Jttatit 1822.
X>rudP 11 it fc 58eriag »on £einri$ 3Bilmané.
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I
o v m o r t
SBflê \à ) bei 2ibfajfnng nactjfîe^cttbcr flatter
bejwetfte, fyabe id) in bet @inieitnng jit ben*
feiben meinen îefent gejagt, unb fo 6tei6t nttr
nur noch übrig, bic £hteïien ju nennen, au$
benen ici) fcfyopfte*
îrte ûorjitgiic^fïen berfeiben ffnb, cwger
Ãariüon 9ftanber'ö 2Ãerf: Het Leven der
Doorluchtighe Nederlandtsche on froogduyt-
sehe Scliilders, nodtj: ©anbrart'S $unfl*
Sïfabemie, ^neëtt'ê $iinfHeri Serif on, 2>eë*
Catlt^eà vies des Peintres flamands, WOtt
Ofturr'ë $unfïi3ournaÃ, nnb bei ber 2fbfaf*
fnng «on Jpemiing'ê Seben einige ber fefyr
reicfyfyaitigen Sîoten $tt bem Ãtmfli Romane:
⢠· .. .. ... ' '
â ' 'v: '/K :ti: ' â i;·':·/· .' '-;HÃ<·'· y···
Ursule , Princesse britannique, öölt Jpernt
»on Ãetternberg,
(Sobamt öcrbmtfe iefy SDïancfyeê uod), cüt*
^cirrcit, iit anbern Söücfycrn »erfreuten 33cmer*
fitngen, bic icfr nicijt atte namentlich auffuhren
faun; fcfyr üBieicê beu gütigen 9Mtt)eiiungen
fnnfHiebenber $reunbc, üor Sitten Jperrn
^jije 35 o(ffcré e unb beffen jpiiweifnngen auf
eüïjcfne Sfuffäfce, weld;e iit bent, baê Wlox?
genOiatt begfeitenben Ãunpiatte ju ftnbeit ftttb,
unb tfyetB Jperrit 58otfferée r tfyeifê £errn
hoftor ©d)om ju SSerfaffcru Ijaben.
llebrigenê bin id) mir tt>oi)i 6cu>u$t, beu
ïctd)t)aiiigcu ©tof bet weitem md)t erfcfytfpft
3U fyabem üftöge eine geübtere £anb baib'bie
geber ergreifen, um baê $el)icnbe 31t ergänzen,
mogen etttflwciicn biefe Söiätter mit fo »iei
gutem SOÃttteu aufgenommen werben, afê id)
ftc fammiete unb gab-
Beünar, im fflai 1821.
©eftopenfjauer.
?$8er§etcfwtf t>e$ erffcn Q3anbe3.
SSorrebe. ©ette.
Gnnieitung...............1
3ofwnn unb £ufcer »an Gri;cf .................18
Slntonetlo »on Steffin«..............................99
Stfogier »an SSrügge.......................104
Sfogter »an ber Söepbe......................106
â fntgo »an ber @oe$................................110
£ait$ Pentling, sttweiien aud) SKemmeling genannt 116
â Durmttn Söic^tö....................................194
!Berent »on 33rüflTet, audj Serit^arb »on £>rlat;
genannt........................206
iOiidjael ffoxi* . . . ...............213
SMredjt Diirer . . .......... ...... . 221
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etine Ka rifùlger*
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<$ t n ( c t t u n g.
©ttt fcbotter £ag ifï i>eti unb fiar angebrochen, bei
beffen Ctcfyt mir unS, unfre Umgebungen, ja td)
mödjte fagen, baê iBaterfjauS, nad) fattger vBer*
â
bienbung mteber erfenneit. JDie â¬5cbeingione,
reelege nod) »ot me mg en ^a&rjefynben atteê Siuêt
länbtfdjc unfern Singen umfïraite, täufcfyt unê iagïtd)
rocntger, unb ber getfltg untergeorbneie3«ftanb/ ftt
ben ju erft eigne ©cbroäd)e unb frembc Söerfüftrung,
fpäter Stileê oerl)D^ncnbe ©ewalt unS »erfe^te, tfï
«uf immer übervuunbeu. Str fmb barurn mcfyt un*
geredet/ wir eieren aucfy frembeê aScrbienffj aber
wir furiën mit frohem ©tol^e, baf? ber £>eutfd)c in
n>aö ben 39ïenfcfyen ergebt, in jeber Siffen*
1
I
fcfyaft wie tn jeber $uniT, ftd), ebne err&t&en,
neben alfe gebtlbete SSölfer be§ GsrbbDbenö fteCfeit
barf, »nb eö fci)Dit fett Sabrbunberten burfte.
£>ergltdje, fünft weniger beutltcfy empfunbene Siebe
jw beutfdjer 3lvt unb Slunft ift unter tinö erwacht,
mit t()r et« rübmltdjeö ©trebeit Sittem nad)jufcrfd)en
wa$ bie teilte bunfie nnbattfbare mit ftd) in
<£ci)»tt unb krümmer btnabrig.
Stefeö Siebereriiiöftcben jnm tebenbtgen ©efübl ·
unfreS belfern Dafe^nS »erbcwftett wir anfangt nur
wenigen bodjberjtgen / talentoDtfen, unterrichteten
Scannern, bereu3«bt ftd) aber tägiid) »ermebrte.
©eit faunt jwcmjtg S^ren bieten fie etnauber überall
in ©eutfcfylfttib jum rnbmltcfyften ftorftfyen bie ^anb,
unb ber glänjenbfte Erfolg li>bnt tfyr fd)6ne3 ernfteS
©treben, £5a3 DiiebeluugeuiSteb entflieg burd? fie bem
ftaubbebecften Sunfet tu weldjeö bte Barbarei un?
iMfieuber&fterbilbung eö werfenft batte, unb mit tl)m
erftanb eine groÃe beutfcfyer £)id)ter unb SOftn*
nefanger, SÃergeifen unb »erf hingen waren tbre etnft
bocbgefeterten pretöwürbtgen Tanten ttod) sor furjern,
nur bte mtb ba won gelehrten ©efcbtd)t3forfd)ern ge»
fannt. nennt ttnb greifet fte lieber 3uttg unb
9ilt jebeö @cfd()lecf)t§ 5 fte ftnb un3 Sitten wieber liebe
95efannte geworben, Sitmberren, beren ($ebäd)tni0
banfbare Snfei tveulidj feiernj unb mancfyeö tbrer
Ãteber gebt wieber im fröhlichen Greife ber 3»ge«b
t>on $?unb ju Sftunbe, wie etnft in ber glaujenbften
93lütbenjeit ber ebrwürbigen ©ärtger.
JOitt bem Siiiebelungetti Ãiebe unb bett SOiimte*
fangern muÃten auefy bt'e alten ftünfHer wtebev er*
fteben, beim ^oefte unb bilbenbe ftunft gingen ewig
â f)anb tn £attb bei alien QÃölfern ber G£rbe, weil i^r
(Streben unb Strien tm ©runbe einö tft, unb Qitx
@et<l: beibe belebt, £)te $atfel ift nun einmal
angeji'mbet, mit welcher wir naefy ben ©cbä^en ber
Urväter in bie büftre 5Tiacf)t binableudjten, weiche
fte ii)ven ©obnett 3abrf>unberte lang »erbarg.
©taub unb itftober, unter veraltetem jertrümmertem
Ãtrcbeitgerätbe, in bunfeln Sircbiöett, unter i>ai£>
üertÃfdjten pergamenten, wie in alten ©cblöffern,
in ©älcn unb Kammern, feit S^bren md}t bem Siebte
geöffnet, bat ein regeö Xretben unb $orfd)en be*
gönnen, unb wer fudjt ber ftnbet.
1*
1> .
4
33alb warb e3 mit frobem (£rftatmen anerfamtt,
bafj aucb wir, wte bte Staltciner, un3 einer eigens
tbitmiicben, ltrfprüngiid) beutfcben 5tunflfcbu(e
rühmen bürfen, meiere 3abrbunberte lang, »oh
allen aitbern ftd) unterfebetbenb, am DTieber?3i^ine
blühte, bort »Ott ben b^antimfdjen Ueffeln fid)
loértg, ct)ne anbere $ütfe ctlé bie ber Statur, füljn,
feil unb ernft ben ©attg jum ©tpfel ber $otU
fommenbeit wagte, uub tbn eitbltcb unter »an Ãitydf,
$emting, ©d?oreel erreichte, wo fte tn t'brer ©igen*
tbümltd)fett neben bem ^odjften jtetjt, beffen bte
SiBelt ftd) rübmen bar f. iDiefe (Jntbecfuug »er*
banfen wir »orjügltd) ben (Uebrübew 33otiferee unb
tbrem $reuube Bertram, tarnen weiche jeber
beutfebe Ãunftfreunb unfrer^ett fennt, unb mit Siebe
unb Sanfbarfett auöfyricbt. (£tne (Sammlung, wie
fte wobt febwertieb jttm zweitenmal tn ber SSÃeit â ju*
fammengebrad)t werben fomite, warb berSobtt tbre§
Wéber $?ül)e itod) Sofien febeuenben $orfdbené -, eine
«Sammlung, bereu Siubiicf fdjon Xaufenbe wie midj,
mif bte rübrenbfte Seife erfreute. 33et mir mufite
neben biefer Sveube aueb ber SBunfcb rege werben,
»du ben ölten ?0?etftevit felbft, weiche bte ftttbcutfd^c
©djule fttfteten unb »erberrltcbten, ctwa§ ju er *
fabreu, b« td) mit 23orltebe an bem einfädle« Sebett
unb bem fc^önett ernften (Streben unfrer SÃorfabren
bange, unb mich gern jimtcf t'n jene gemütbrctcbe
flnnootte 3ett »erfeije, in ber fie lebten unb wtrften.
£tc Ãberzeugung, baf? wobt 20?aud)e, befonberS
metneö <25efrfjledf?tö btc§ @cfü()l mit mir tbeilen,
»jeranlafte mtd) tn btefen blättern fdjmudfloö, wahr
unb treu auf$ujetd)tten, wa§ td) »on bem Seben unb
bett Serien jener $?etfrer tu (Erfahrung bringen
fonnte. £5ocb bleibt mir babet bte Sfitmafiuug fern,
für gelehrte Jhinftfenner fd)retbctt $u wollen, beue«
fowobl bte Duetten, au3 weld)en tcb fdjopfen fonnte,
atöbie, welche, meiner 3nbimbualttat nad), mir
»erfcbloffen bleiben muÃten, offen unb jugängltcber
finb alö mir, 3d) fdjreibenur für met'neö ©letcben:
für Bremen, welche, wie ich, bte beutfehe ftunft lieb
gewannen, bäcbftenä fiu-Ãunftfreuube, beren übrige
SÃerbältniffe ihnen nicht erlauben ber Ãunftgefcbicbte
ibreS 9Ãaterlanbe$ ein eignes tieferes ©tubium jw
weihen.
r
6
Unb fo möchte e3 «tcfjt überflüflfig fe^n, hier
»on bern früheren ber ilunft, »or »an (ü^cf,
einige 2Ãorte $it fagen, ehe wir jit unferem eigent*
lieben 3v»ecfe weiter »orfcfjretten. ^nbeffen fann td)
tn biefer£)inftd)t wenig mehr tbun alö meine Ãefer an
baS, waö itttö @oetl)e in feinem erften >£)efte über
ifrutft unb 9lltertbum »on biefern ©egenftanbe fagte,
wieber erinnern, unb jwar jum Xbeil in feinen
eignen Korten 5 benn wo wären belfere ju ftttben?
!t)te t'bm eigne Klarheit, Xtefe unb 3lufd)aulid)feit
gtebt jenen wenigen flattern einen fo uufd)ä£baren
3Bertb, baà Sittel waö in fpätern 3eiten über biefen
X()cit ber $unftg efd)id)te gefcbrieben unb gelehrt
werben famt, nur jum Belege beffen btenen wirb,
waö er mit gewobnterSOieifterfcbaft tn wenige ©eiten
ju faffen wuÃte.
©ute ^ttftaïten aller 3(rt waren burdf? militari-
fcbeêtutb pDÃttifcbeê Unbetl »du ber GÃrbe »ertilgt unb
mit biefen batte fidi) bte, wenige 3abrl)unberte früher
nod) fo beef) ftebenbe Ãunfl im wilbeften^riegêi unb
^eere^SBefen »ötttg »erloren. Sie frauenhaften
7
©arfl-ettungcn einer Uitja&l »on ftatferit unb Aatfer*
Itngeu auf elettben ÃupfeviDOttinjen jener 3eit legen
ein traurige«? 3cl'9l,Ml bauen ab btö an bett beu*
tt'gen Xag. £)te Sluuft wäre wollig erlofdjen uub
baS SOienfcbengefd^ecbt boffmtug3lo3 »erfunfen tu
Barbarei, t;atte meijt bte cbrtfUtcbe Strebe fte tn
©cbu£ genommen uub fte oom gänjltcben Untergänge
gerettet, wenn gletd) nur al3 fcbwadjeit, unter ber
Sifcbe fortglimmenben $uufeu. SfBoratt ber iOienfd)
glauben, wa§ er lieben foll, ba§ mufj ftdj tbm auch
gehalten, uub fo würben bte alten, auS ibren
Xempeln »ertriebnett ©otterbtlber, ber Xrt'umpb
§)eiientfd)er Ãunft, gar batb burd) aubre, menfd)*
lieber gebadete Silber erfe£t, ju benen bie gläubige
betenbe Spenge um fo boffnuttgSretdber ben Q3lttf
erbeb, je näber fie ftd) %ibrer93efcbränftbeit btefen
Silbern »erwanbtfüblen fomtte, bte mit befannten,
flet§ treu wieberbolten 3»gett *br entgegen traten.
33et bem Srucf ber QSerworrenbett, we(d)em
bamaB bie Seit unterlag, warb inbeffen bie
58ilbung auö bem Seften »ertriebenj fte fluttete
fieb £um glanierfüttteuDfieu, unb nurSSpiani blieb
8
not*) eüt fefter ©t$ für bte cfjvtftltdfje $trd)e unb bte
tbr üermattiste 5vuitft j obgletd) tu btefer ©pocbe letber
aud) ber Orient ein immer traurigeres 3lnfeben ge*
warnt. Die Religion fetbffc muÃte einen biplomatifd)*
pebanttfdjenSlaracfter annehmen, bte ftrdjltcben^ejte
gewannen bte Ãkftalt üdh unb ©taatSfcftcn,
bei benen 2llleS einer einmal beftimmten, etifetteni
artigen, mefyr für bte©tmte als baS ©emütb berede
ttcten Siegel folgte. Uitb fo wie bem 3ercmonteni
metfler bei £>offeften über bte Befolgung ber einmal
für allemal öDrgefdjrtebncn^uÃevlicbf'eiteiT ju wadjen
auferlegt war, fo wadjte aud) bte @eifHtd)fett über
SllleS waS auf Ftrd)ltd)e $et'er 23ejug batte.
©ie-betligen 93t(ber, welche fte bernad) kurdj
SÃetbe unb 2Bmtber bem einmal beftebenben @otteö*
btenfle »ölltg aneigneten, muÃten alle auf baS ge*
nauefte nad) ber einmal aitgenommnen 9Rorm, unter
ber 5lufftd)t unb uad) ber $orfd)rift ber ^Jrtefter »er*
fertiget werben. fucbte immerfort bte auS ben
erften cbrtftlicb* firchltdjett 3abrl)unberteu burd) Xra*
bttfoit erbaltnen ®eftalten ber Slpoftel unbäftärtijrer
fo tubtmbuel als mogltd) betjubebaltettj bod) bte
9
3cif)l ber ^eiligen mebrte ftdf? faft täglich, unb bei
bcm immer mebr überbanb nebmetföcn ftarreu mu*
nitenbaften @tt)l ging alle Sebeutfamfeit nad) unb
nad) in einer 9Xrt »oit $amilicnäl)ulid)fctt »erloreu,
fo baà man eubltd) anfangen muÃte unter ober neben
jebem 2nlbe beit Diamen beS bargeftellten ^eiligen
febretben, bannt man nicfjt ©inen · ftatt be$
Sinbern uerebrte unb 3ebem fein 3fadjt, wte billig,
bewahrt bliebe.
Sabvfd)etitiicb auö ägyptifebeu, ätbiopifeben,
abpffmifdjenSinläfiTen begann man enblid) fogar bie
SOiutter Ootteö mit braungefärbtem 2(ntlii$ ab$u*
btlbeitj bei getrockneten «erbarmten SOiuöfeln be*
hauptete nur w>cb bie (Beftalt beö ©ebetnö einiger^
maÃen ihr Stecht, unb bie ftunft »erfanf allgemach
in einen immer mehr »erfümmerten
(Strenge, troefue Symmetrie blieb babei ber
einzige wenig erfreultdje SSorjug ber btyjantinifcben
©djule, auf bem fte mit $efttgfeit bebarrtej jeber
(Seftalt muÃte eine zweite, ihr auf ba3 genauere
entfprecbenbe entgegen fteben, an jebe SOiitte etn
. ^übeit unb Sriiben fleh auslieÃen.
: · \ .
10
Um tiefe wav cuiê S^aKett aKc3 praf*
ttfcbe Valent gättjltcb »erfd)wunben; Sltieê, wsciê
gebtibet werben follte, hing »on ben (Srtedjen ab*
©o mürben bie ïburen ber Ãtrdje ©t. *paul
ttujferhalb ber Jauern im etlften Sabrbunbert
|u Ãonftantinopel gegojfen unb mit eingegrabnen
Figuren abfcheultd) »erjiert <Briedf>tfdfjc JWaler,
5D?uft»arbeiter unb 33aumetfter, »on Ãonftantinopel
gefenbet/ »erbreiteten fid) bureb baê ganje Ãanb
unb bebedften eö mit ihrer traurigen Ãunft, bis
titblicb tm breijehnten 3abrbunbert baâ ©efübl
für äÃahrheit unb Einmuth ber Statur wieber er»
roadjte» £)te ^tatiäner ergriffen fogleid? baê
einige an ben 33%antinern gerühmte aSerbtenft,
bie fymmetrifche ÃompDfition, ben Unterfdjieb ber
Ãaracftere j unb ber ©inn für ^orm that bei ihnen
um fo eher fiefy wieber fcbnetl beroor, ba er bei
btefem, »du ben herrlich ften ttberreften einer groÃen
îBormelt umgebnen SÃolfe nie ganj untergegangen
fei;u fonnte*
3(ucb cm ben, »on romifchen beeren bureb*
jogneu, »o« rômifdbe» fiolmitea angebauten unb
1!
begeiferten Ufern beSiftbeinS hatte bie b^antintfcbe
SDcalerfdmle, in allen tbren QSerjwetgungen, wie
über beit ganjen Seiten, geberrfebt, aud) b*er ein*
betmtfebe Reiftet/ ©efellen unb (Schüler $u atf*
gemeinen $trcbenarbettcn gebtlbet, wie manche*
au3 jener büftern <Sd)ule ftammeube 23tlb in Ãoin
unb ber 9Zacbbarfcbaft noch beweifet, ^ette orten*
talifcbe Xrodfenbett erbeiterte fid) aud? in biefen
Oegenben nicht »er bem brennten ^abrbunbert.
9iun aber bricht ein freubtgeö SfJaturgefübl «udj
mit einmal burrf), unb »ielletd)t ntrgenbS tritt ber
iftationatfaraefter, bte flimatifche Ãinwtrfung, fo
fdjön in ber flunftgefdjicbte beruor, al§ gerabe in
bett Sibetttgegenben.
(B tft ntd)t nur gelungne 9iacbabmung be5
etnjelnen Strfltcbett, eö tft etite behagliche Singen*
luft, bte fid) im Sdlgemetnen über bte ftnnlidbe
Seit auftbut Sfyfelrunbe Ãnaben unb SMäbd&eiw
geftd)ter, et)formtgeS Banner* unb grauen? 9intlf§,
woblbäbtge ©reife mit flieÃenben ober gekauften
harten, ba3 ganje ©efd)led)t gut, fromm unb better
burdb einen jarten ^titfel faradftertfttfcb genug bar*
12
gebellt. £)te $arbett ftnb heiter, flar, fräftt'g,
ohne eigentliche |>armonie, aber attd) ohne Buntheit,
burcbauS beut 2luge angenehm nnb gefällig.
@in gauj goltner @runb, mit eingebruciten
|)eiligenfc()etneu um baS $aupt, worin ber Siame
beS bargeftellten ^eiligen ju lefen, bezeichnet bte
(Bemalte auS biefer 3ei*> Oft tft bie glänjenbe
iDZetallflädfje mit munberltchen, tapetenartigen,
ebenfalls bnreb |)ittfe etneS ©tcmpelS etngebrücFtett
SSlumen »erjiert; oft bittet fte, burd) braune
Umrtffe unb ©djattmmgen »ergotbeteö ©ebni^werf
nach, fteine ÃapeHcben, ober SSalbacbtne, unter
welchen bie^etltgenbilber ttt ruhiger ©tettung einzeln
flehen. 9iit ^erfpeftioe badete bamatS noch Sitemanb,
unb bte §uâ¬nbe beS Mittelalters auch tnlDeutfdhlanb
ber ÃOialeret weit juooreitenbe ^latW fcheint auf
biefe (Semalbe nicht geringen (Einfluà gehabt ju
babett.
£>och weht ein heitrer fHller (Seift über fle,
ein mtauSfpred)ttd) frommer ©tun unb ein wahrhaft
beiliger (SJotteSfrieben, Sie Q3otffereefche ©amm*
luug bewahrt mehrere gröÃere unb fleinere ©ematbe
13
öuä fetter 3e*t, weiche alle SBorzüge unb Langel
berfefben auf baä beutltcbfte beurfunben.
©tarr unb unbeweglich flanb fo bte jtunft, wenn
gleich nicht mehr fo ganj erbrüeft »on bett bnjan*
ttmfcben Ueffeln, btS an ber ©rättje beö merjebnten
unb fünfzehnten 3abrbunbertS tu $i>ln ber ©ebopfer
beS borttgen berühmten iDontbilbeö beröovtrat,
welches ©oetbe als bte Sicbfe ber nieberrbetnifchett
itunft auszeichnet. ©einen Kamen, bte ©efdjicfjte
fetneS £>afet)n§ rià ber ©trom ber 3ett mit ftcfy
fort, nur wirb in alten Urfunbcn um baö Sahr
1380 ber funftretebe SOieifter Silbelm oon Ãöln
erwähnt, als einer, beffen ©leiten nie juoor ge*
fehen warb, weil er bte Söienfdjen lebenb unb
atbmenb auf feinen tafeln barzuftelieit wuÃte. Unb
ba nacb einer auf bem 33t(be angebrachten S^hr*
gabt bte iÃoflenbung beffelben int 3«br 1410 für
gewià angenommen wirb, ba ein 23tlb »Ott biefem
Umfang bei bt'efer forgfältigen QSollenbung, nur
in einer Siethe »on mehreren Söhren entftehen
/ II
founte, uitb baS ©anje »Ott groÃer Ãbung unb
Aufierorbeutlicbem Ãunfttalent beS £9?eifterS jeugt,
14
fo fînb alle ©rüttbc »orbanbett, eS fin' baê SBerf
biefeS son feinen .Ãeitgenoifen über 5llle ï;ocf? ge*
geprtefeuen ÃOîeifterô äötl&elm j» galten*
5luf btefem auê einem îOîitteibitbe nnb jmete«
©eitentafeln beftebenben Stitar = ©emciifce ift nodj
immer feine Sllmung von ^erfpeftioe ju erb liefen ;
ber reine, 211'leé abfebtteÃenbe (Solbgnmb, ber mit
Stempeln gepreÃte, mit färben bunt ausgemalte
Teppich ftnb beibehalten, bte Figuren beS 50?tttel#
bilbeS, fo rote aud) bie ber ©eitenbtlber belieben fid)
auf bte SOfttte mit gewohnter (Symmetrie j bie
berfommlidje btjjanttntfcbe Lanier ijevrfcfjt uod) »oll?
fomrnen, aber mit Sieblidjfeit unb Freiheit bead)tet
!Dte Anbetung ber bret weifen Wenige beö Georgen*
lanbeS, weld)e ber belle <2>tern jur |)ütte beS neu*
gebornen £>etlanbeä führte, tft auf ber mittlem
Xafel bargefteÃt j auf einem ber beiben $lügel
ber heilige @ereon in betlglänjenber prächtiger
Lüftung, thm folgen bte bitter welche mit t'hm
unter bern ftatfer SOiaxtmtan für beit djrtftltdjen
©tauben ben -Sftärtyrer * Xob litten j auf bem
jwetten glügelbtlbe, in hoher Schönheit unb Sin?
15
mutl), tu fürftlicher ^3vae(;t ber Jiletbung uttb
fcbmeibe, führt bte bvittanffdK gürfKn Urfula
xt)ve itebitdfjert jugenbltcben ©efärttnnen an, welche
ebenfalls unter bem nämlichen Ãöifer mit ihr
»or Jtoln bte SOiartiprer trotte errangen. SSeibe,
©ereon unb Urfula, fcbetnen mit t'brem ©efolge
jn bem beben btnjuwaKen, »er welchem
bte Röntge fcbcm in iDemutb mtb Sfnbacht bte
$niee bengett. JDaö Safchenbucb für $reunbe alt*
beutfcbcr Ãw«ft/ »om 3abr 1816, ent*
hält einen Sfrtpferfltcb btefeö föjtltcben ©emälbeS,
ber jebe genauere 23efcbretbung beffelben überpf«
ftg macht»
30?tcb felbft b«ben wibrige 3»fäiltgfeiten
einer üfteife nach ftöln ftetS abgehölten, obgleich
ich ber (Erfüllung beS SunfcbeS babüt ju gclan»
gen zweimal febr nahe war. 9(ber in ber 93otj]e*
reefdjen (Sammlung beftnben ftch vier tafeln,
welche bte 93eftf$er berfelben auö bebeutenben
©rttnben für Slrbeiten beö nämlichen SOietfterö
SÃilheim »on $öltt hölten. 2luf jweten berfelben,
welche augenfchetulid) $u etnanber gehören, jteben
16
auf golbnem ©runbe adjt heilige $?ämter unb
3(poftel, auf jeber öter 5 über jebem berfelbeit
erbebt ftcfy eine bureb febwarje Umrtffe unb ©ebraf*
ftrungen angebeutete fapellenartige 3fitfdf)e. 2luf
beit beiben anbern itafein, roeld)c ebenfalls
fammen geboren, ftnb auf fd)war$em '©runbe, auf
jeber brei $tguren l) eilig er Scanner unb grauen
abgebtlbet$ biefe flehen nicf)t mehr gan$ auf einer
Stute, einige ftnb mebr r»or, anbere mehr jurücf;
geftellt, bte Stopfe nähern ftd) mebr tn Sott unb
93ebanbluttg »on Siebt unb ©chatten bem wahren
wtrfltcben Seben. Sie betten farbigen ©ewänber
faffen auf allen wer Xafetn in breiten galten »oit
eblem groÃartigem ©ttyl um bte ©eftalten ber,
bte trefflid) gemalten Ãöpfe futb fo unbefcbretbltcl)
ebel fromm unb bebeutenb, baà man eS faum
»ermag, ben 23ltcf »on t'bnen abjumenben, unb
baS 3lnfd)auen btefer ©emätbe gab mir wenigftenS
eine 3lbnuttg ooit bem, waS baS Serf fetpn muÃ,
weites »on Zennern als ber böd)fte »on biefem
SOieifter erreichte ©tpfel feiner taft betrachtet
wirb.
17
Siebt an Stibeim »on Ãoin ft<f> anfcblt'eÃenb,
ja gewtifermafiett mit tbm glefcbjettig, tritt nun
Johann »an (äfycf mit Kiefenfcbritten beröÃr, er,
weichen bte fb mit t'bm jugietcb lebten für ben
dürften ber iOialer feiner 3eii etrtjltmmtg erflär*
ten nnb aiö folgen jtannenb bewunberten.
2
18
3>of)amt imb Hubert Dan (£t)cf,
2Raaéet)(f, ein FletneS unbebeutenbeé ©täbt*
eben am Ufer ber 2D?aaé, ift ber ©eburtèort biefer
förüber 5 »ielleid)t fogar ein noch fletnereö, nur
eine $iertelftunbe weit »du jenem ©täbtcfyen ge*
legeneS £)orf, weldjeé ehemals (£t)cf bieS, nachher
aber bei (gntjtehung ber ©tabi !iÃiaaSet)cf, ben
tarnen Gliben ; Ã^cf erhielt. Der ©runb biefer
SÃermuthung liegt barin, baà bt'efe Ãünftler,
welche jufolge ber ©ttte ihrer 3ci* ben Siamen
ibreö ©eburtéortS annahmen, ftd) fonft njabrfcbetn*
lid) 3Dh«n» nnb Hubert uau $?aaèet)cf genannt
haben mürben.
$>ubert warb im 3abr 1366 geboren, wenig*
ftenS fünf unb $roanjig Sabre früher alö fein
trüber 3Dh«nu, beffeu Ãebrer in ber Stunft er
mavbj benn auch Hubert mar ein groÃer beben«
tenb er 9Jf elfter. iöon wem biefer Unterricht erhielt,
*ft unbefannt geblieben, wie benn überhaupt bidjteö
»erwirrenbeö Dunfel bie ©efcbicbte ber Stunft »or
ber bei' un£ »erbüllt. Svur ber
19
Sflame 2Btibelm5 »du Sloln fcbtmmert beli mtb be*
beutfam beroer;? unb auch nur btefer, obtte be«
tftimmtere ftuube fetneé SebenS auf Girben.
5®er bte (Altern #uberté uni) S^nneS uan
<£t)cf waren, bawon ffntset ftdf> ebettfallé feine ©pur ;
mettetebt, ja wabrfcbetnitcb fogar, tft fcbon ibr
flÃater ein SOiaier gewefen; @eijt, Talent, regeS
©efiibi für baé $obe unì) ©dböne waren wentgftenS
gewià in tbrem 5Ãaterbaufe etubetmtfcb, ttictleicht
als berrltcbeè, burcb eine JKet'be langft »ergeffner
Verfahren auf baöfetbe berabgefr>mmne§ Srbtbeii,
Denn jwtfcben betben 95rttbern ftanb audb noch eine
funflbegabte ©cbwefter, als glückliche, ju t'brer
3eit weit uttb breit im Ãanbe geprtefene unb be*
rübmte üiRalertn. Diefe bteà £�argaretb, unb
Ãarl 00119D?anber, ber ©rünber altbeutfcber tfunfb·
gefliehte, nennt fte tn feiner SStograpbte ber nie*
beriänbifcben unb betbbeutfcbeit SlitnfHer, eine gei*
ftige SOitneroa, weiche atte £eiratb$anträge »on
fleh wteé, um als freie Jungfrau etnjtg unb alleiti
ber Sfunft ju leben, burcb welche fte fleh allgemeine
33erebrung unb 93ewunbevung erwarb.
2 *
20
Ãbrigens fornten bie Aitern btefcr hochbegabten
©efdjmtfter weber ju bett niebrigftenlStättbett gebort,
»och t» Slrmutb gelebt ijaben 5 bte forg fällige (ir*
jtebung ihrer Ãtuber, tnfonberbett bte beö jünger»
©obneS Johann »an (£t;cF bemetft, baà fte nach
!$?aaögabe ihrer ,3eit gewià eben fo moblbabenb
als gebtlbet wäre». iDtefer jeigte »0» früher
Sugenb au, «eben feinem hoben Stünftlertalent auch
fonft noch bie berrlicbften getfltge» Gräfte »»b
läge», bte auf baS melfeitigfte auögebilbet mürbe»,
Bartholomaus ftacctuS, fein 3eitgcnoffe, ber febo»
im 3abr 1456 fein 23ucb de Yiris illustribus fcbrteb,
meines aber erft im 3abr 1745 jw $lore»$ im £H'»c?
erfebie», greifet tb» befo»berS megen fetner groÃe«
^enntutà ber ©contetrte, »nb fetneS fleiÃigen ©tu*
btumS ber SfBerfe beS spltntuS unb auberer alte»
1'
©cbriftfteller j et» Ãob, meldjeS felbft eine gelehrte
Girjtehung »orauSfe^t Ãbrigens mar3ob<mneS an^
mit ber, bamalS fretltd) noeb tn ber Stege liegenbe»
(Shemtemohl befaitnt, ttt ber DefHUirfunft erfahre»,
w»b befdjäftigte fld? gern mit Jorfcbungett tn bet'be»,
gleich als habe er fdjon früh .bte groÃen SÃorthetle
n
geartet, weiche er mit ihrerf)ülfe etnft für feie
lerei erringen würbe. £>obe Ãlarbett beö ©eifteS,
unglaublich fdmelleé $affung3»ermögen erleichterten
tiefem feltnen 9J?ettfcben jebeé wiffcnfcbaftltcbe unb
fünftlertfcbe (Streben ; fein »crftänbtgeS äÃefen, bie
Slnmutb,bie©üte fetneöilaracfterS, bie anfprucblofe
eble 3teriicbfctt fetner (Sitten erwarben ibnt überall
Slcbtnng nnb Stebe, wo er aud) erfchien, bei ©roÃen
unb kleinen, Hubert, ber weit ältere 33ruber,
Slnfangé 3obanne3 unb auch wohl iDfargaretbenS
»äterltd)er$reunb unb Cebrer, warb balbberwürbtge
itetblofe ©ebülfe beä hochbegabten jüngern 33ruberé,
unb btefer htug bafür mit unfägltcher Ãtebe uub
(Ehrfurcht an ihm, bem er bte (intwicfelung fetner
Gräfte in fo hohem ©rabe »erbanfte. Mehrere
feiner berrltcbftett SOÃerfe / tn benen er bte ©eftalt
beö geliebten 35ruberé auf bte ebrenbfte SBet'fe
»erewtgte, geben uné noch bt§ auf ben heutigen
2ag bie fprechenbften 93ewetfe btefeä »on DanFbarfett
unb Siebe feftgefdjlungnen brüberlichen ÃBereiné.
Unter $uberté Seitung, an ber (Seite feiner
©djwejter Margarethe, »erlebte SohanneS »an
22
<£i)cf fit feinem befcbetbuen ©eburtSort bte 3abre
ber Stinbbett unb bte ber erften ^ugenb. (£S mag
wohl etn fcböneS genuÃreiches Ãeben gemefen feipn,
meines btefe@efcbwtfter bei ber bamaltgcit einfachen
©itte beSüftittelftanbeS, tit gemeinfcbaftlicberSlrbett
unb gemeinfchaftltchem ©eltitgen mit einanber führten,
bis enbltch ber bie Schwingen immer weiter entfall
tenbe (SentuS beS jungem 33ruberS etneS gröÃeren
JKaumS beburfte.
S3rügge, btefe groÃe, jejt fo tief gefunftte
unb »eröbete ©tabt, war barnalS burch tb^n weit
ausgebreiteten |?anbe( glänjenb uttb reich, »dH
SEÃohKeben unb ^racht wie feine anbere in ben
bamalS fo blübeitben, glücklichen 9iieb erlauben.
3Ão jejt in ber Xobtenftitte ber wetten, mit (SraS
bewaffnen ©traÃen ber wanfenbe ©chritt etneS
etnfamen 93ettlerS lange noch nachhallt, wogte tm
»{ersehnten unb fünfzehnten 3'ahrhunbert baS regjte
treiben ber tn bracht unb Ãpptgfeit tebenben
deichen unb ©rüÃep, neben bem unaufhörlichen
SÃtrfeit fleiÃiger, aber nicht mühfeltger, Arbeit ber
mtnber begüterten» 5Mt ihren Steichthümern
23
ftremten mich bte ^emobuer frember, jum $betl
n?ctt entlegner Sauber bort jubeiub jufammen, wo
jejt trauerttbe Ãberbletbfel tu fleh «erfunfner ^attäfte
ben ©urcbretfenben mit banger äÃebmntb erfüllen,
ihn antretbenb fo fdf>neà als möglich auö biefer
beflemmenben £)be ju flüchten.
3n einem blübenben Sanbe ftebelt auch bte
^nnft neben bern 9ietcbtbum gerne ftd) an, bemt fie
bebarf feiner jum ©ebetbeit, wte bte ^flanje beS
©omtenfdjetnS; ber JReidjtbum aber bebarf wieDer*
um ber Slunft, um fleh fetner felbft würbig ju er*
freuen, unb burd) fte erft ju werben waS er fei;n famt.
|)ubert unb 3eb«»tt »an (Stytf faubeit baber mit
Margarethen t'n bem ohnehin noit sJ)?aaöet>cf ntdjt
eben weit entfernten S3rügge einen aÃen ibrem
2Dünfchen unb SSebürfen üöötg jufagenbett Scbnort j
fie lieÃen ftch bort i;ii«äitcf) nteber uttb begannen mit
neuem (Stfer uttb SOiutb ihre Ãunft ju üben. 3uweilen
vereinten betbe 33rüber tbr Xalent tn Söeiienbung
eiueS unb beffelben ©emälbeS, juwetlett malte jeber
für ftch ott«»* StrfÃcb bewahrt aud) bie 93iblto.-
tbef in 93ritgge noch heute baS äitefte ©emälbe oon
24
3obann watt (£tycf, »Dtt welchem matt mit (Sicherheit
weiÃ, eS tft »ott t'bm, (£3 fteltt einen (Sbriftuéfopf
weit unter SebewSgröÃe bar, mit beS SlünftterS
9Ãamenèunterfd)rift uttb ber Sabrjabt 1420 bejeieb*
net. Ãbrtgené fanbett fid) baib md)t nur unter ben
SÃornebmen »nbOietchen Sfrutfifreunbcgenug, wetd)e
mit etnauber um ben33efttj berSerfe betber 35vüber
metteiferteu, and) frembe uttb einbetmifdje Stauf*
(eute ftrebten barnacb, unb führten bann bte mit
©otb erfauften XafeUt tn baö Sinöianb, wo ber
Scarne »an Gfycf tu Futter 3eit nicht mittber rubmooti
befattut warb até babetm.
fp günfiigen SÃerbältntffcn unterjtüjt,
regten Johannes urfräftt'ger ©eift, fein b^bcS
Xatent, fein SCRuti; ftd) immer mutiger tn feiner
©ruft; tmmer fühuer fprad) ftcb bte ©ebnfttdtf in
feinem Innern auö, »ormarté ju £wben ju ftreben,
wetd)e ttccb »Ott Steinern. erretd)t waren 5 immer
beutlicber warb ihm baä ©efübt be3 Unjulängttcben
ber ihm jttr ^luéfiihrung fet'ueé SottcusS ju ©ebete
fUbeuben Littel Sie Seit tag bett unb btühenb
»or feinem fiarett $uge, tu taufeubfad^er $orm be?
25
iebtj an ©eftalt/ tfleibung, Siudbrucf auf ba$
manmdhfaittgfte »Ott etnanber unterfdjteben, wogten
bie 93ewobner bcö ©üben unb Korben »or ber
ftilleu Serfftatt auf unb ab, in welker ftcfy ber
junge Maler beut feiner eignen fräfttgen nnb
ernften $letÃe auf baö ungeftörtejte ergab, (£r
blidfte b^nanö in bie fonnenbelle Seit, unb fübtte
in fidb 5?vaft unb Mutb, fejtjubalten unb nacbäubtl*
ben waS bort tn ewigem Becbfel ftd) bewegte; er
fab jwücf auf feine Safel, ber metalltfcbe ©lattj
beS ©olbgruitbeS ftarrte, beengenb, t'bm entgegenj
er wagte e3 baö lange Sabrbuuberte btnburd) oon
feinen SÃorgängern für unmöglich ©eaebtete ju un?
tentebmeit, ben ©olbgrunb $u »erlajfen, unb bette
mit btefern ©d) ritte 9löeS gewonnen. Suft, SEÃaffer,
baä gattje ^flanj cur eich, waö nur unfre fcböite
(£rbe fdjmücft unb beileibet, Q3crge, ©teibte, ferne
©egenbett, ju benen baö Sluge faum reicht, b«tte
3obann »an (£t)cf mit etnemmal für baö ©ebiet ber
Malerei fid) erobert, unb ber febopfertfebe ©eniuS
ber Ãunft benujte, einmal erwadjt, Silleö wie er
wollte unb muÃte» $on t'bm burdjbrungen, lernte
26
3oi>cmtt »cm ©t)cf bte früher erworbenen matbema*
ttfcfjen ^cnntmffe $ur 33ebaublung ber $erne an*
wenben, unb feine jejt in freien Räumen ftrf) be*
wegenben ©eftatteu gewannen SÃärme, Ceben nnb
@igentbümltcbfeit.
SiBnnberbare, nie juoor geabnete ©ernälbe
entftanben jejt unter bem feböpfertfeben <ptnfel 3o*
bannä »an @t)cf. SÃte wuttberbar fte feiner 3ett
erfdjeinen muÃten fattn nur ber ganj begreifen,
ber ©elegenbet't batte, fte mit benen feiner OSor*
ganger jit »etgleicben. »£>od)gewöl()te ardjiteftontfebe
iftäume, £)urd)ficbten in enbloö ftrf? »erlterenbe
©traÃen, enge $elfentbäler, nnb bis in bie blaue
fterne ftebbin erftreefenbe bliibenbe ©egenten, fteUte
^obann »an Gttycf »on nun an mit »etifornmenfter
©tdjerbett nnb möglicbfter Siaturwabrbeit bem $luge
bar, mäbrenb feine nädjften Vorgänger, felbft
SOietfter Silbelm »Ott Sicht aud) ntebt bte fleinfte
©pur einer 5ib«ttttg ber üüiögltcbf'eit jetgen, eine
flacbe Xafel bem 2luge auf tiefe SBetfe bt$ in bte
UuenbltcbFett btnauö bebnen ju fonnen. 3oba»ne3
ein$tge§ iÃorbtlb, wie feine Ãebrerin, mar »on nun
33
an bie Katur 3 fte leitete feitte S^tfcbritte auf ber
3Babn, welche bie, wie buref) höhere Offenbarung
ibm geworbene ftenntnifj ber £intettperfpeftt»e tbro
geöffnet batte, unb £reue gegen fle würbe fein
unabläfftgeö 93emitben wie fein böcbfteS Q3erbtenfh
2luf feinem feiner biö auf uttfre 3e^en gCi
fommuen ©emeitbe ftnbet fidi) eine ©pur crfünftel*
ter, auf (Sffeft beregneter ^Beleuchtung ; im flaren
mtlben Xageélicbt, nicht im ©Dttnenfcbetne, fteben
bie ©egenfteinbe, bell unb beuttidf) wie fte in ber
Sirfticbfeit baflebett. ©cbarf bezeichnete bunfle
©chlagfchatten brängen ftch ntrgenb bem 2iuge auf,
ntrgenb grelle Sichter, jober erjwungne farbige
üfteflere, nichté erfd)ctnt »erfcbwebelnb ober flach,
verworren ober unbeutltd).
93et ber ^ompofttton feiner ©emälbe bachte
Sebattn »an (£t;cf fleh bie i)anblung, welche er
barftetlen wollte, als ginge fle unmittelbar unter
feinen 3lugen »or; beSbalb ift eè auch uné bei tbrem
Slufchauen alö ftänben wir mitten brtnn, alé lebten
unb regten ft# bie GJeftalten »or uné, unb um un$
ber. SlnfpruchlÃS flettt er fle bin, wie eö ber
28
Stugenbttf forbert, unb »erga§ babei wobt ^uwetlen
ber Siücfftcbt auf baä etnjtg tobenSwertbe ber b^jani
tintfcben ftuuft, auf bte Sieget fymmetrifcber ©ru»*
pirung. ©od) bte unglaubliche Siaisetät unb 3Babv«
bett, bte unauöfprecbttcbe Stnmutb uttb fjo^fte
ficbttofigfett tu ber 3nfammenftettung fetner $tguren,
bte Sirt mit ber fte ftcb bewegen, geben ttjnen einen
unbefcbreibticben Siei^, unb ber au3 Ottern hervor*
ieucbtenbe retne würbige ©tnit erfe$t reichlich
waö bie ftrenge Sieget fonft noch forbern formte.
2Bte weit entfernt 3>obcmn ran ©vjcf oou jeber ber
Siatur ftdb entfrentbenbett ftünftetet war, jetgt be*
fonberS bte 2trt wie er baö $teifcb matte, weber
grütte, nocb graue, noch motette Xone herrfcben
rwr, eö atbmet unb tebt wie baö Seben fetbft,
Sh'cbtö ift ber SiuSfübrttcbfeit ju »ergletcbett, mit
wetcber er 2itteS »om ©röÃten biö jum Stteinften
btö tu faft ttuftcbtbare (ünuzetnbeiten ju bebaubetn
wuÃte; StttesHft ^orträt, 2(ffeö ootteubet wte bie
feinfte SDftniaturmaterei, fein ©egenftanb auf einer
feiner Xafetn, ber nicht bie genauefte Unterfucbung
bttrcb bte Supe ertrüge, bennoch ift ntrgenb
29
euie ©pur ängfUtcber «Steifheit ober mantrtrter
Unnatur ju erblicken. 3n feinen ©ewänbern, weit
uitb faltenreich, nad) ber bamaltgett Slrt, ftnben
fld) ntrgenb kleinlich gebrod)tte ober iiberflüfftge
Saiten/ jebe berfetben ift motiotrt, burcb bte
©tellung beö Störperö, burcb Surf ober ©cbwere
beö ©ewanbeö felbfh ©ammt, Seinen, SoÃe
ober ©eibe erfcbeinen in allen tbren (£igenbeitcnj
©oft), perlen unb Gibetftetne, welche er gerne
anbringt, Arabien in unglaublichem @lan$, ohne
ade Sinwenbung wirklicher Metalle.
Ãbne ©pur »du Kacbabmung ber 2lnttke, welche
er nidjt kannte, ober beS ©trebenS nach bem ab*
ftraften 3beal, welches btefem ©ohne ber Katur
nte in ben ©tnn fommen konnte, btlbete SobanneS
»an Gnpck feine ilöpfe nur nach feinen ijeitgenoffen
tu ber t'bn umgebenben Seit. Doch Unebleö ober
©emetneö jtanb mit bt'efem b^ben reinen ©etfte tu
cffenbarem Stberfpruch, eS burfte t'bm nicht naben,
unb bte ganje Katur jeigte fleh t'brem begünstigten
Siebltng ftetS im »erklärten Sidjt. Daber ftnb auch
bei «Her nur erbenftieber Sabrbeit, feine Ãöpfe
30
ebel unb fdbön gn ncnnert tn $örm unb Stuêbrucf,
IDctê ©tubtum nach einem £0?obell mar ju feiner
3eit noch nicht ©ebraueb, eben fo menig mag eö
barnafê einem Stünftler eingefallen fet)it für fetne
Jiunft Anatomie ju ftubt'ren; biefe SfBtflTenfcf?aft mar
obnebih noch in ber Stinbbeit. ^obamteê fonnte
baberuur nacbbilben waê er fab/ waê tbn umgab:
febwer unb biebt befleibete ©eftalten. £>ennodf>
berrfeben bet ibm (Ebenmaà unb Slnmutb, nirgenb
treten tn feinen figuren unmögliche ©tel*
Inngen, ober unnatürliche QSerrenfungen beroer;
nur i)anbe unb $üÃe erfdbeinen jumeilen etwaS
mager, menn gletd) nte fo febr um ftörenb ju
werben. £)te Farben* gracht feiner ©emälbe läÃt
nicht mit Sorten fleh befhretben, gegen fïe erbleicht
*J3aut SSeronefe unb aller ©lanj ber »enejtanifeben
©ebufe/ 1« bte Sirfltchfeit felbft. @r matte mit
möglichster 58ermetbnng aller (Erbfarben, gröÃten*
tbeilê nur mit 2acï ober burchftcbtt'gcn ©aftfarben,
auf einem febr feinen, wabrfchetnltch abgefcbltffneu,
ganj weiÃen fretbearttgen ©runbe. Siefer fchtm*
mert bureb bte «nförperlichen färben bnrch, unb
31
bringt etwaS bem Sffeft SlbnlicbeS hervor, bcn bie
©ilberfolie bat, welche einige Miniaturmaler ihren
auf Elfenbein forgfältig ausgeführten SSilbern un*
terjulegen pflegen.
Ãberhaupt ifl eS, wenn man3t>b«n« vanÃ^cfS
©emälbe lange betrachtet, als ob eingrabt tnnern
ÃebenS hervorbräche, unb ber Purpur, baS 55lau
ber@ewänber, bie £elle beS Rimmels, baS @rün
ber ^flanjenwelt, baS @olb ber ©tiefereien unb
ftletnobe, btefchtmmernben SfBaffen ftrahlen in über*
trrbtfchem ©lanj. $rifcb, «I* fämen fie beute erft
von ber ©taffelei, flehen bie vier 33tlberbeS hohen
MeifterS, welche bie 93ot{fereefcbe ©ammlung auf*
bewahrt, in neu verjüngter blenbeitber bracht.
3br ©lanj übertrifft allen ©lauben, feit flc mit
fchoneuber £>anb von allem $remben unb (int*
ftellenben befreit würben; von bem trüben Strnif}
- ben bie Unwtffenbeit barüber jog unb von mehr als
bunbertjäbrtgem ©taube unb fterjenbampf.
25aS erfte biefer vier ©emalbe, eine einzelne
itafei, tft wabrfcbeinlicb auS einer frühern 3eit als
*v
bte übrigen bret, welche, jufammengeborenb, eine»
32
heiligen bilben., £>er $?etf!er mar, alä
er btefcö fcbuf, «odf? nicht gan$ ju ber ©ro^ijett
unb ©rünbltcbFeit tn ber 3eicbnung unb bem $al*
tenmurf ber ©emänber gelangt, bte auS feinen
fpätern^lrbettenberoorleucbtenj 33tlbung, 5lu$britcF
unb iOialerei ber Ãopfe fütb tnbeffeu fd)on oon ber
böcbften OSortveflicbFeit, £>teö ©emälbe tft auf eine
febr rübrenbe unb erfreuliche Söetfe als bte
tbeofe fettteS rerebrteu unb geliebten brüberltd;en
ÃebrerS anjufeben, betut ber Gsoangetift CitfaS,
wie er jufolge ber Ãegenbe bt'e iDiabcnna matt, tft
barauf unter ber ©eftatt Huberts »att (üit)cF bar*
gebellt. Sie ^tgttrett bt'efer Xafet jtnb faft Sebent
groÃe, Sie heilige f^t in einem b^ben
sprunfgemacbe. 3'" £>intergrunbe, jmtfchen jmet
fchlattfen bunfetbtauen ©äuten öffnet ftch bem 93lnf
eine oont beitcrften Gimmel überwölbte Ãanbfchaft
©dböne b»be |>ättfer oon ber einen ©ette, grüne
$ügel »on ber anbern, weithin lachenbe blübenbe
$erne, (Sin f'öftltcber Xeppt'd) »on ©olbbrofat mit
grüner ©tnfaffuttg bangt hinter ber heiligen 3ungfrau
fcodj »onber £)ecFe herab, unb bt'lbet ihren ©efiel
33
jum $bron ber f>tmmel8f6mgin um. @te felbf!: tft
reich gefcbmucft mit einem weiten violetten Mantel,
baS gefenfte Sluge ruht mit unendlicher Ãtebe unb
Einmuth auf bent fttnbe an ihrem 23ufenj ihr gegen*
über, in halb fnteenber Stellung, im rotben <3e<
waitbe, ein fletneS violettes ^äpchett auf bent
Raupte, fcbetnt Hubert, als ©cbu^betliger ber
Maler, ben Umrià auf ber Xafel tn feiner -S>anb
mit ber ©rttppe vor ftch nach ber er arbeitete ju
»ergletdjem (ibrfurcbtSooll, bewunbernb, anbetenb
ruht fetn Singe entjücft auf Mutter unb Ãtnb
wäbrenb er mit ber anbern <£>anb, ju SSerbeflTe*
rungeu bereit, ben ©rtffei hält Seitwärts hinter
bem Maler fleht bte Xhüre eiiieö KebengemacbS
offen 3 wir blnfen tnS ftrete bttrch beffen halb offnes
halb gefcbloÃneö $enfter von wirklich burchftcbttgem,
fMettwetfe buntgefärbtem @laS.
2)aö gattje 23tlb in feiner blenbenben färben*
pracbt tft baö heiterfte fo ich je fah. Man möchte
in baS SRebenjtmmer hinetntreten, btefeö ^eitfter
- nach SSelieben öffnen unb fdjlieÃen; feiner ber
fpätern uteberlänbifdjeu Maler hat bie ^erfpective
3
34
beS Innern etneSf>aufeê mit grÃ^evei· 2Baï)rï>eft bar*
aufteilen »ermocht, unb bte Ausführung, bte Sarme,
bte Ãraft btefeS wunberbaren SötlbeS [teilen eS bent
2toltenbetften in ber ftunft gleich·
Sie bvet anbern ©emälbe beS Sol)attneê rait
(£i)cf t'n bet' 33otfferéefd)en ©ammtung fütb auS bent
3eitpunft, tu welchem fettte Stunft beit böcbften
©ipfel erreicht hatte unb fchmüdften wohl urfprüngltcb
ben ber SOïutter ©otteS geweihten Slltav einer Sttrche
ober Capelle, ©te fielten auf einem SOïittelbilbe
unb jwet ^lügclbtibern bret ber freubigen Ufte*
meute ihres ÃebenS bar.
3n hauêltcher fttder 33cfcbräuftheit öffnet ftcb
unü-auf bem erfteu ©eitenbtlbe baö hodjgewölbte
fchmaleBimmer, tn welchem ?ü?aria auS berftnoSpe
ber Slinbheit jur anmuthigften retnjten Sungfräus
liebfett heranblühte, j©te feibft fnteet am 33etputt
im QSorgrunbe, in einem in breiten galten meit auf
ben 33oben InnfliieÃenbcn bunfelbraunctt ©ewanbe,
- bte flechten ihreS lichtbeden f)aareS walten aufgelöft
in ftetnen Sellen über bte (Schultern bi«. Stebltd?er
unb babet mäbdjenb^fter laÃt nichts fieb erbenfen aU
35
btefeö fcböne Dual be3 feitwävtö gewenbeten ftöpf*
cbenS, als bte unbcfcbvetbitcbe Uufd)uib btefeS »or
ber glänjenben Srfd^etuung beö (iugelS ntebergei
fchiague« Mavta ift fo furchtlos tn ihrem
(grftauneu, fo jutrauungSvofl tu ihrer Demutb, als
erkenne fle einen bev halben ©efpielen anS ben
füÃlacbelnbett Xräumen ihrer Ãtnbbett in bem
3i'tugltnge, bev, wetÃgefleibet, auf mächtigen,
weiÃen *Pfauenfeber * ©dringen vor ihr ieid)t übet
bett 93oben binftywebt Der goibtte ©cepter tn
feiuev |?anb hübet gaitj ungefuebt etu 5h-cuj mit bem
©onnenftral weldjev bte bebeutungSuolle Xaube
bem beben geöffneten ^enfter im ^tntevgrunbe
hereinträgt, uttb ^wtfdjen bem (Sttgel uttb ber
Jungfrau entblübt auö glänjenber $afe baö fd)öue
©tjmbol höcbfter Feinheit, eine fcbttecwetÃe Ctlte
ebne ©taubfäben, Sie Slnorbnung beö ganzen
»
3immerS fprtdjt bte heitre fromme Häuslichkeit ber
jungfräultd^en Bewohnerin auS; bte rotben 33ors
bange beS mit einer gleichfalls rotben Decke ge*
fcbmücften 33etteS im |)tntergrunbc ftttb ^tevltd) auf*
gebttnben unb jttrückgefcblagett, fo baà bte golb*
3 *
36
brofatue «^tnterwanb beffelbeu ftdf?t6af wirb j «ebe«
bcm 23ette fteht ein Seifet mit einem rotbfammtnen
ittffen, biefeS ifl noch ein wenig eingebrücft, beim
Maria ftanb eben baoen auf um ju beten. 3iwcf>
bev5J5etjtubt/ an welchem fte fnieet, tft mit fauberm
Sehniger?/ ben Süubenfall ber erften Ottern bar*
ftellenb, gefcbmücft.
£)aS an btefeS erfte Settengemälbe junäcbft
fiel) «nfchlteÃenbe Mittelbilb jeigt unS bie ijo£)e (Er*
fullung jener geheimnisvollen göttlichen SÃerFünbi*
guttg. Unter ben eblett Ruinen eine§ XempelS,
meiebe, jejt jurn Stall berabgewürbtgt, ein letchteö
Strohbad) gegen bie Witterung fd)ü£t, fi£t bie
jungfräuliche Mutter in ihren bunfelblauen weit
unb feböu gefalteten Mantel gehüllt Der mahnen*
hafte ifteij ber Sugenb ging in hohe SBürbe, in
ernftere Schönheit über, ber ueugeborne -f)eilaub
ruht ganj tu StinbeSgeftalt in ihrem SchooÃe. 3U
feinen $üf}en »erfammeltt fiel) bie anbetenben Seifen
beö MorgenlanbeS, in reichen fönigltchen ^raebt*
gewättbern unb aller £>errltcbfcit beS Orients. Der
ältefte ber Könige, welcher fnteenb baS f)änbcben
37
bee ÃtnbeS fugt, tft et» treues Portrait <phtltpp
beS ©utc«/ lierjogS »oit 95urguttb; ber zweite
etwaö lungere ftöntg beut btebt hinter btefem mit
gebogenem Ãnte einen golbneit, juwelenretcben
SÃecber bem fttitbe bar $ wahrscheinlich trägt auch er
bte Sibnltcbfeit irgenb etneS dürften jener
£>tefe beiÃen Röntge ftnb in weit über ben 35oben
hin fld? »erbrettenben Mänteln von ©olbbrofat unb
föftltcben ©toffen würbtg befletbet Doch tu fur^er,
rotbfammtner, faft farajenifeber Xracbt fleht ber
brttte, ber Mauren ftöntg, fein Mohr, wie
frühere Maler ihn abbilbeten. ©tolj, tro^enb
beinahe ftebt er ba; etwaS feftwärtS gewenbet,
batb beletbtgt, tjatb »erwunbert über bte anfebei*
nenbe Sfrmltcbfeit beS 3*^/ 8U welkem ber ©tern
tbn führte, unb bod) ergriffen oon ber Slhnung be3
nahen ©otteS tn ntebrer ©eftalt. Unwtllfübrlicb
lüftet bte eine £>anb bte turbanartige ftopfbefleii
bung, währenb bte anbrenacb bem von einem weiÃ*
gefletbeten ^agen bargebotnett ©olbgefäfje greift.
Sluö ber gaujen Haltung ber eblen hohen ©eftalt
beS faum ben SrtnglingSjabren entwaebfenen gelben
38
fpvufyt fei)on ber nädhfte Moment, ber mich ih*t
ben $üf}en beö göttitc^ert Stinbeö nieberbeugen wirb.
Diefer MaurenFöntg tft in Gittern baS treue, fetjr
ähnliche Porträt $ergog3 ftati beö Duhnen, wahr*
fchetnltch fogar bis auf Soffen, Schmu cF uub 53e-
Fletbung, benu mentgftenS erinnerte mid? fein reib*
fammfner 3iocF, ber in Sutern nebft attberer ihm ab*
genommenen Krieges?3$eute aufbewahrt mtrb, bureh
$arbe unb gönn auf baö lebhaftere an fctcfcà ©e*
mälbe.
hinter Siarl bem Duhnen fcblteÃen mehrere 93c*
gleiter ber Könige fleh an ben fchon ermähnten wetfj
gefieibeteit (Ebelfnaben; einige nehmen an ber
35erebrung, weldje ihre ©ebteter bem $tnbe be*
feigen, bennttbigen Ifntbetl, anbre brücken nur
<£rftaunen ober Sieugterbe auS» «Stumpf unb ge*
banfenloö ftarren einige gelbbraune orientaltfcbe
©eftebter heroor, tu ber $erne fteht man ben 3»g
mehrerer herannahenber Diener, Die bracht beä
jumelenreichen Orients berrfcht in Sd^mucF, Met'*
bung unb in ben blt^enben ©efehenfen, babei
eine gan§ eigne Sol'aitiat in ben fonberbar frembar*
39
tigen Baffen, in bei $uf?bef(etbung, beit 5topfbe*
bedungen; au3 5iHem teuftet et» ttefeS ©tubiuw
ber (Sitten beö MergeulanbeS ber»or. Smtge im
legten ^Befreiungskrieg auS bc» entfernteren rufft^
fcbe» ^romn^en berbet gezognen Dfftjteve legte»'
b(t»D» unwillkürlich baö 3eu3m'f* ai)· ©tcbtbar
freitbtg beim Slnbltck bcö SBilbeö ernannten unb be*
grüÃte» fte bte »Dcb immer tn ibrem 93aterlanb
beftebenbeit gönnen, unb wtefen babet, laut «nb
fröbltdj ttttter etitaitber fprecbenb, batb auf btefeS
balb auf feneS SBaffe»* ober MetbwtgSfHkt Dtefer
Umftanb tft nidbt nur et» fprecbenber 25eineiö für
bte streue fcnbern aucb für bte Xveffh'cbfett einer
©arfteliuug, bte folcbe »»erfahrne, burcbauS an
ben Slnbltt von Ãunftwerfen nicht gewohnte Singen
fo btö jur Xäufcbuug entzücken konnte.
StnkS neben ber göttlichen Mutter, mebr nach
bem QSorgrunbe (lebt Sofepb/ ihr unb beS
ÃtnbeS frommer, fcbü^enber greunb, mit ehrfurcbtS*
»oli entblöÃtem Raupte, beit fcbwarje» #ut in ber
#anb, b«lb »erwunbert, balb gebrückt von bem
prachtvollen 33efucbe. SluS feinen eblen 3l"13eit
f. .â â "-·â
A
40
ftm'cfyt (litte oorabneitbe Sebmutl). ©eitmärtS am
©emäuer über bern 33egen einer Xbüre, bie $u
einem tiefen ©emolbe $u führen febetut, flebt man
nadi) alter ©ttte ben Donator beö 53tibeö, einen
jiemltcb jungen Mann mit einem Siofenfranj in ber
£>anb j bte ©tabt, bte lebenSretdje ©trafje unb
ferne 93erge fcblieÃen ben -frtntergrunb.
3(uf ber jmetten, beut Mittetbilbe ftdf> an*
fdjliefjeitben ©eiteutafel, tft beö neugeborneu $ei*
lanbeö Darftettuug im Xempel abgebilbet; burd?
bie offenftebeub.e Xbnre beö bocbgemölbtcn, mit
©äulen, vielen $enftern unb in bie Xtefe flcb oer*
liercnbeit Bogengängen gefdjmücFten ©ebäubeS blicft
man nad) Stufen in bie »otfreidje, belebte ©trajje
unb auf grüne 33äume; im Xempet fetbft lehnen
troftfuebenbe Traufe unb Mübe an ben entfernten
©äulett. ©mit unb gebautem? oll, bett Haren
rubigen 93ticf bem |)obenpriefl:er jugemenbet,
meld)er, von ber Begeiferung beS Moments er=
griffen, baö Stinb auö tbren 3lrmen in bie feine
nimmt, ftebt Maria im SSorgrunb am 3lltar. Die
meiÃe ©tirnbinbe ber grauen, ber meite blaue
41
Mantel, verhüllen fte faft matronenarttg> ba§
fd)öue ebie ©eftcbt trägt ben Sluöbrucf ber Söefcbet*
bettbeti uttb be§ SöewuÃtfe^nS IMer Muttertwiirbe.
meh" zurück ftebt 3ofepb ihr zur «Seite, eine
bremtenbe ^erje tit ber #aitb, Gttntge anbere
^erfonett reihen fid) um beit Slltar her; gcmj vortte,
«eben ber heiligen 3il»gfrau, fleht fcblattk uub
fcböu ein febr jungeä Mäbcben, ba3 Körbchen
mit bett Xaitben in ber |)aub ; eine »du jenen ©e*
ftalten, bte man, einmal gefebett, nie wteber »er*
giÃt ©te trägt ein grüneS, bett Körper btS an
bte «Ruften enge umfdjlteÃeitbeS, unten in wette
galten fld> auöbrettenbeä ©ewanb, mit langen
engen Ãrmeln j bte bionben zierlichen 3öpfe be?
ritbreit faft beu 23oben, fte hängen unter einem
gan$ burcbftdjttg feinen ©cbleter hervor, ber, gier*
lieb um baS fdjöne £>aupt gewunben, einen febr
retjeuben Ãopfpitj btlbet ©anz unbekannt mit
beut ernfteren ©auge beä Sebent*, welcher auf ber
jungen Mutter fcl)on fdjwer ju laften beginnt, febaut
baS lieblicheÃtitb jum 33tlbe herauf, bemBufchauer
inS ©eflcht, uub nimmt mit bem natvften SluSbrucf
unbefangner Uufcfyulb uitb nach iluÃen gemeitbeter
ftnbltcber SKcttgter an ber ernften $eter tm Xempcl
faj> gar fetnett Sintbert* 3e länger man bie gang
?tnfad)c ftompoftttoit btefeS foftltcbett BtlbeS an*
fcbaitt, je erfreulicher geigt fte ftdf> ; id) möchte
fagett, baà fetneS ben Bltcf fo uttabmenbbar feffclt
alö btefeö* 3um ©«bluffe btefer Befdjretbung fantt
td) nur (Sothel Sorte mteberbolen:
//SÃon ben $lecbtbreiten auf bem verwitterten,
âjerbröcfelten Siutngeftetn, von ben (Braöbalmen
//bie auf bem »ermoberten ©trobbad) madjfeit, btä
âju ben golbnen, jumclcnretdjcn Becbergefdjenfen,
(Semanb gum Slutlij, vott ber Stäbe gur
â^erite, alleS tft mit gicicber Sorgfalt bebanbelt,
âunb feine ©teile btefer tafeln, bie itid)t burd)S
âSSergröÃerungöglaS gewänne/'
£>ergog StarlS be§ Slübneit ^orträt auf bem
Mittelbilbe beftimmt glücklicher Seife bie £tit ber
Gtntftebung btefeS unfebä^baren Ãunftwerf«. Uit*
»erfennbar äbnlt'd), gang ben Betnamen »erbtenenb,
ftebt bie jugcitbltdje |)elb eng eftalt in einem Sllter
von fünf unb jwangtg btSftebeuuub gwaitgtg
43
unb ba biefer Surft im 3<>br 1433 geboren warb,
fo muà baber baS 53ilb notbwenbig um 1458 ober
1460 in ber legten »otlenbetiten 3ebamt
»an StycfS gemalt werben fet)tu SfBar btefer, wie
SllleS unö benimmt ju glauben, ungefähr fünf unb
jwaujtg 3abre jünger als fein tm 3abr 1366 gebor«
tter 93ruber, fo faÃt bte $ollenbung biefeS Meilter*
werfS jwtfcben fetn fiebert unb fedjjigfteö unb neun
unb fecbjtgfteS Satyr. S)aà ber Ãünftler fo fpät
uoeb ft Hobes vermochte, barf unS m'djt befrembeit.
3n unfern Xagen überetit baS Sllter bte S^genb,
in ben feinigen war eS umgefetyrt. 3ln Xtyatfraft,
©et'ft unb ÃebettSfrifcbe ftctö junge wenn gleid)
tyoebbejatyrte ©reife waren barnalS eben fo wenig
feiten, als jejt im grütyltttg beS SebenS fd)en
lebenSttfübe, altkluge, um baS ©lück tbrer fünftigett
Gtnkel ängftltd) beforgte ©reife im Swgenbalter.
Ãberbem war von jeber bte 3fiatur ben ilünfl·
lern, infonbertyett ben Malern, tyolb unb günftigj
fle lieà fte mit ungeftywäcbten ©innen lange leben
auf Arbeit. Sie $luuftgefd)td)te liefert bauen un*
44
5«l)itgc 33eweife, wie matt felbft im Verfolg btefer
Blätter »erbältniÃmäÃig finben wirb,
©aö Beftreben, beö 3obann van b^beS
SSerbienft anfdjaultd) in feilten Serfen barjuftellen,
fo gut biefeö tu bloÃen Sorten gefcbebcn fann, bat
unö tnbejfen verleitet ber 3^it vorzugreifen j wir
febren jttrücf ju feiner Seriftatt, inbem wir beu
$abe»t ber ®efcbid?te fetneS ÃebettS von Beuern
ergreifen.
Der gränjenlofe Siaurn, mit SlHem, ma§ ba*
rinnen blübt/ atbmet unb lebt, mar nun von t'bm für
baö ©ebiet ber Stunft errungen/ aber fein rafttoS
tbätiger ©etfl erlaubte tbm iucf>t r bier jteben ju
bleiben. SÃon Sieuem quälte tbn baä Unzulängliche
ber tecbntfcben Mittel, baö Siberftreben beS
tobten ©toffeS tn ber Sluöfübruug beffen waö er im
gerechten Vertrauen auf ftdh, fein gebilbeteS Singe,
feine fuuftgeübte $anb unternebmen ju bi'trfen ftdf)
bewuÃt war. (£r abnete bie Möglichkeit einer anbereu
SJarbenberettung, uitb wanbte fowobl SllleS waö
er von Sbemie uitb Deftillirfunft erlernt hatte, alö
überhaupt jebe Straft fetueö ©eifteS baratt, «m
45
btefe aufjuftnbetu Saufenbfältige Q3erfucbe, bte
mithfamflen Unterfucbungen ber »erfcbtebneu garben*
floffe, t'brer 3ufam»ienfe§uug / ihrer Bereitung,
befd)äftigten t'btt tauge biefem ebe er
glaubte am 3^ fe*)Jt*
Giubltcb erfattb er einen gröÃtenteils au8
öligen ©ubflanjen jufammengefe^ten gtrntÃ, mit
weldjem er bte mit getmwaffer ober (Stwetà gemalten
Btlber gattj julejt überjog; bte gröÃere Datteri
baftigfeit, bte erböbte griffe ber $arbett, ber
©tanj, ben btefe neue ©rftnbung feinen ©emcilben
mittbeilte, erwarb ihnen nod) groÃem Beifall, uttb
ber üiuhm beS Sobattn van Ãfycf breitete ftcb immer
weiter auS.
(£tn berrltcbeö Btlb war fertig geworben, So*
banneö hatte rn'el 3eit, viel Mühe unb gleiÃ
baratt »erwenbet, Mit jener unnennbaren Ãüitfls
lerfreubean einem oollenbetenwoblgelungnenBerfe
betradjtete er eS, währenb er eS nacb ber von thm
neu erfunbnen Seife mttgirnià überwog, unb flellte
eS bann btnattS att bte @Dime §um Xrocfnett, wie
er gewohnt war ju tbun, Dod) »ielteid)t brannten
4t)
tfjve ©trabte« btefeSmaf gu heiÃ/ »tettetcfyf «udj
mare» bte Breter, au3 betten bte Xafet bejtanb,
nicht forgfam genug gufammengefügt ; fte jerfprang,
uub baS föflitcije (Semälbe lag, ju Xrümmern »er*
nid)tet , umber.
Unmutbtg konnte »an Ã:t)ck über btefett
Unfall woi)l werben, bod) nicht mutlos. ©o wie
er baé UnjuoerlafTtge unb Unzulängliche feiner (ir*
ftnbung etngefeben batte, fe£te er biefe bei ©ette,
unb unterfuchte »on neuem $arben, bitge unb
geiftige ^lüffigFetten j er fanb, baà SiuÃöl unb
getnol am fdjrtcÃÃftett trennen, er ftebete btefe, »er*
feilte fte mit aubernSugrebienjen, unb batte enblid)
bie $reube einen vollkommen geuügeitben firniÃ
ju beft^en, ber im ©chatten trocknete, obne ^u*
ti)un ber ©Mutenbt§e»
Der firnià war unuerfunben, br>d) jejt be*
fcbäfttgte tbn bte Bereitung ber färben, Siaci)
vielen 2Ãerfucl)en fant er barauf, fte, ftatt mit
Setmwaffer ober ©iwetp, mit Ãleit ju bereiten,
unb fab mit unauéfprecbltd)er Sreube tu (Erfüllung
geben, wa3 3al)re lang feinem abnungévoflen©ctfte
47
»orgefcbwebt hatte. Die garten lieÃen fiel)/ mit
Dl bereitet, weit beffer bebanbeln unb vertreiben,
fle gewannen nnenbtüb an Ãebbaftigfeit, t'br natür*
lieber ©lau} machte jeben gtrnià überflitfftg, unb
bte Dauerhaftigkeit ber auf biefe Seife gemalten
5-afeltt wtberftaub bem 2Baifer mtb ben beftigften
Srfcbütterungen.
©o warb Sobamt »an G£t)(f, ber juerft bie
Ãnfti unb Ãtnienperfpective entbeefte, jejt and) ber
(Srftnber ber Ãlmalerei, Die 3et't trt &er biefeS
gcfd?ab, wirb gewöhnlich um baö 3«br 1410 an*
genommen, bod) tft bteà nur eine $crmutbung
ol;ne befonbern ©ruub.
3obann »an (Sipcf fowobl alö Hubert hielten
biefe (£rftnbung in ber golge fortwährenb febr
geheim j feiner ihrer ©d)iiler burfte bie Slrt ber
Bereitung ber garbeit erfahren, bie SDietfler arbet*
teten nur bei »erfcbloÃnen Xbüren j ntemanb betrat
ihre Serfftatt, auö ber von nun an ©emälbe ber«
»orgingen, weldje bte Seit tn immer neueö höheres
©rflaunen verfemten; um fo mehr, ba fte in red)*
«tfdjer £>tnficbt von allen »orhergefeheuen abwid)en,
48
urtb ntemanb bte $(rt tbreö Gmtjtehené ju begreife»
verm Ãd)te,
SÃBte 3obawt van (£t)tf feine $arbett bereitete,
mit meinen öligen ober vielleicht aud) geiftigen
glüfftgfetten, bavon tonnte unö jegt, nach bet'nab
vier ^abrbwnberten, fetuc ©pur mebr übrig bletbem
©etvtà gt'ng auch im Sauf ber Betten itoci) maitcl)cé
anbre geheime Verfahren ber alten Meifter, mancher
bebeutenbe, ihnen befannt gemefene tedf)itifche
aöortbetl ihren Ginfeltt verloren; beult auch ber
Unfuttbigfle muà <tuf ben erflett Blicf bewerfen,
mie fehr ihre ©emätbe tu tecbntfdjer ^>irtficf)t ftdf)
von ber neuem Ãlmalerei unterfd)?tbeit. Ste
Farbenpracht bereiten bat nod) fetn fpätererftünftlec
völlig erreichen föiutett uub eben fo mentg bte
beroitnberuömertbe Sauer ihrer färben, ©te glanjett
noch jegt in unveräuberter $rtfd)e mie bamalé ba
fle von ber ©taffeiet fanten, ohne uadjgebunfelt jn
feijn. Unretneä fottute jmar ihre Oberfläche »er*
fchleiern, jebodb ohne b.arauf fo gu haften, baà eS
nicht bem forgfältigen Bemühen funftretdjer £>änbe
hätte gelingen fömten, ben entftellenben ©djleter
49
weghieben unb fte tn ihrer ursprünglichen pracbt
uub Feinheit wteber berjuftclleu.
3m 3al)r 1420, gerate jur 3eit ba beö
3obamt »an ©eift uub latent am bevrlicbftett
ftcf) entfalteten, tarn Philipp ber ©üttge alö Herzog
»onBurgunb unb ©raf »ouglanbern jur Regierung.
Slbwecbfelttb hielt er feilten glanjenbcn Hof i" bett
citianber nah gelegnen ©täbten, tn ©ettt uub ttt
Brügge, wo ber berühmte Kante ber Bri'tber »au
baib btö ju ihm bringen muÃte, (£r lernte
fte unb ihre 2Ãerfe fenttett, uub btefe fowobl
ihre ^erfönltcbfett erwarben ihnen Sichtung unb
2EBoblwollen beö funftltebenbeu dürften, Hubert,
ber bamalS fdjott mit ftarfen «Schritten ftd) bem
©reifeualter nahte, erhielt bei näherer Scannt*
fdjaft jebe ehrenbe 3lu§zctd)nuttg feines Herzogs,
bie ein fo bebeutenber Ãünftier nur immer »erhielten
uub erwarten mochte; bod) bie Slnmuth ber ©ttten
beS noch jugenblicben 3oh«ttneö gewann baS Herj
Philipp^ beö ©ütigen, bie Offenheit unb Milbe
fetueS SharacfterS feffelten ben ihm gletchgeflnnten
gitrjleu mit jebem Sage mehr, unb bie attdb ohne
4
50
|)inftd)t öuf ituntl feltne mtffenfcbaftlidbe Btlbung
beê jungen MaterS, fein burdjbrtngenb Flarer iBer*
ftanb, bte Sicherheit fetneö itrtbeifê, gewannen
tt)m nad) unb nad) baê unumfdjränftefte Vertrauen
fetneê fürflltcbett greunbeS. sge{ |ebet- ©etegeubeit
fucbte biefer tï;n an feine 9iäl)e ju feifein, jog feine
©efellfcbaft äffen cutfcevn vor unb befragte t()n bet
jebem bebeutenben Unternehmen um feine Meinung,
bte er auch oft befolgte. Start von Mauber nennt
bei ber Bcfchretbtutg btefeö fdjönen 93erbäL.Te§
3obann »an G:i;cF «fjerjogê Philipps heimlichen 9ïatb;
bod!) mar er biefeö mabrfdjeinltcb nie bem 9iamen
nach menu gleich in ber 2ÃirFtid)feit.
©er Slnfentbalt an btefern gtänjenben £>ofe
mar fiW baS Stunfttalent beö Sobann »att ©pdf »on
nicbt ju beredbnenbem unfehlbarem Sföertb. Sdjone,
vornehm gefchmücFte grauen, ftattltcbe gürfteu mit
tbren geputzten ipageit, tn gtänjeuber äöaffenritftuug
fcfyimmernbe bitter unb mitrbtge ©cftaltcn bebeu*
tenber (Staatsmänner umgaben t'bn täglid?; er fab
fte tn ben manutdjfaltigften (Situationen ftd) beme«
gen, gebe»/ reben, hobeln, unb fetne ^bantafie
51
faÃte 911ic3 auf, um tu ber heimlichen Serffïatt eine
neue febönere Seit barauê ju fdjaffen. £)a3 auS
allen Sänbertt, feïbft aué bem fernen Orient, her*
betgejogne perfouat ber £)tenerfd)aft beS Surften
trug nicht menig baju bei bem Hofe ein wunberbar
romanttfeheê 9(nfeben ju geben, baê man tu unfern
Xagett »teHeicbt tijeatraitfcf) nennen möchte. 3eber
muÃte bte Xracht fetneS Saubeê treulich beibehalten,
unb baà 3ohcm» »cut (Stycf alle biefe »erfcbtebnen
itofhtme ju tenu^en muÃte bemeifen bte wobige*
baltnen orientaltfcben Xrad)ten unb ©eftalten auf
feiner Slbbtlbung ber weifen Röntge beê Morgen*
lanbeS. 9fuch feine auffattenbe SSürltebe für (£bel*
ftetne unb ftletnobten, fo wie bie gefcbmacfsolle 2(rt,
mit ber er feine Bitbungen $war »erfd)wenbertfcb,
bod) nicht i'tberiabett mit biefen ju fdjmücfctt wuÃte,
rührt wabrfcbetnltcb auS jener glänjettben (Spodje
fettteê ÃebenS her.
Kicbt lange nach Slntritt feiner Regierung,
wahrfd)etnltch um baê Sahr 1424 ober 1425, for*
berte Herjog Philipp bte Brüber »att Ãtycf ju einem
Ãunjtwerf auf, beffe« gleichen an Bebeutfamfctt
4 *
52
unb Umfang «odf> nie gefeben werben war. Gsr
übertrug t'bnen namiid) bte 5(u§fübrnng etneö auö
jwoif groÃen Xafefn beftebenben StttarbfattS tn
einer ftapetie ber St. SobarnttSfitcbe gu ©ent, unb
ijubert fowobl Sobantt »an Gst)cf ergriffen mit
freubiger Bereitwilligkeit btefe ©eiegenbett, tbrew
furfUtcben Befcbü^er unb fid> felbft ein bauernbeä
unb mürbtgeS Dentmat ju ftiften. Sie »erlieÃen beS*
batb ibren felbjigemablten SSobnpIaii tn Brügge uitb
jogen nacb ©ent; frÃblici) begaben fte ftd) bort tn
treuer gewohnter ©emeiitfcbaft an bte Sirbeit £>odj
Hubert erkrankte unb flarb, lange »or 5Ãoflenbuug
be§ SBerfeS, am adjtjebnten September beS 3a(;re3
1426/ in einem Sttter »on fedjjig fahren, (£r warb
tu ber «(unlieben Sttrdje ebrenooll begraben ju
beren Scbmucf & bte legten Xage feineö Sebent
»erwenbet b«tte. ©tn Monument mit einer ©rab*
fcbrtft bejetdfjnete nod) gegen baS Grube beö fecbjebn*
ten3«bvbwnbertä ben Ort/ wo btefer groÃe MetjTer
unfern fetner tbm »orangegauguen Sd^wefter Mar«
garetba beerbigt warb. 3lud) biefe batte tn ©ent
baS tb^S SebeuS erreid)t, beklagt »on bett
Siunflfreunben unb feierlich befangen öd« bett Steh«
tertt t'breö SattbeS unb ihrer 3ct't
(iinfam unb »ermatfet ftanb jeljt 3obamt »att
gpcf, boeb fein fürftltcber greunb unb feine Ãunft
waren t£>m geblieben; in biefer »or attem fud^te et
Xroft unb fanb tijtt aud). Mutbig waubte er fld)
mit »erboppettem (£ifer t'br ju unb »ollenbete ba$
hohe SÃerf allein ba8 er fo freubig unter bem
Betjtanb fettteS Bruberö begonnen hatte. gertig
flanb eS ba, baS SBunber ber Seit, ju bem auS
ber Käbe unb gerne 2llle$ berbei wallfahrtete. Dod)
ber Metjler, ber eS »ollbracbt, jog fliCt unb be*
fdjetben ftcb wieber nacb Brügge in feine »erobete
Serfftatt, ju neuen Arbeiten jurücf.
Der ©egenftaub jeneS allberübmten Slltarblat*
teä in ©ent ift auS ber Offenbarung SobamtiS ent*
lebitt, bod) beffen Ausführung umfaÃte eine ganje
SBelt. gürften unb Kitter, Beltleute unb ©eift*
liebe, Strieger, heilige pilger, Sremiten, stehen
tu alt ihrer Gngentbümltebfeit herbei, um »or bem
Samrne, biefem ©prnbol beS hofften ©ebetmntffeS
ber ©ottbeit, anbetenb nteberjufutfen; ja biefe
felbft erfcbetnt jtt beffeit aSerberrltcbuttg, begleitet
»Ott ben ^eiligen beS Rimmels unb ben bimmlifcbeit
$eerfcbaaren.
ber ober« 2lbtbeilung beö ©emälbeS, über
bem bebeutungSüollen Ãamrne, ift©ott23ater fl^enb
abgcbtlbet, ba£ ©cepter tu ber £attb, bte päpftltcbe
trotte auf bem |>aupt, t'bm jur a^edjten Marta,
etit 93ucb auf bem ©d)00f?e, gur Ãtnfen Johannes
ber Xäufer; alle bret lebensgroÃe gtguren.
Dtefer Xbetl beö urfprüugltcb auS gwölf Xafeltt
beftebenben ©emälbeS beftnbet ftcf> tu btefern Slugen*
bltcf mteber tn ©ent, über bem 3lltar einer Capelle tn
ber Strebe ©t Bavon. Saö ©anje mar nod) btS ju
bem traurigen 3ettpunfte betfantmen, ba raubfüd)*
tige plihtbernbe getnbe bte 2Belt überftromtenj ein
Ãunftmerf »on biefer Bebeutung konnte tbrem
©päberbltf ntd)t entgehen, bod) gelang eö ber
©etjtlicbfett beS Domkapitels »on ©t Baoott, mit
#ülfe einiger »aterlänbtfd) geftnuter Männer, ad)t
biefer Xafeln, unb gwar' mdt?t obne SebotSgefabr,
ju »erbergen. SÃur »ter mürben nacb ^artS ge*
fcbleppt, von wo fle tm 3«br 1815 wieber jurück*
55
festen. ©ccbê ber früher verborgnen Xafel»
würben feitbem von ber ©eiftlicbfeit ber Ãtrd)e ©t.
Bacon vertan ft; fte beftnben flcf> jetjt al$ Privat*
eigentbum etneé ^uuftfreunbeé tit Berlin, baâ
böcbfte ftletitob einer in t'brer 3lrt einzigen uufcbäj*
baren ©ammlung. £)α·3 ©cbtffal ber übrigen tft
mir unbekannt.
SUtf einem ber obertt ©eiteugemalbe batte
Sobann vait (ätycf mit unnachahmlicher Stunft 2ibam
bargeftellt, wie btefer, fämpfenb mit innerem
©raiten unbSllleê btugebenberÃiebe ju feiner jungen
©attin, bte Unheil brtngenbe gruebt betrautet,
welche fie tbm beut. SÃuê Sichtung für bte Meinung
beê heiligen îlugnftinuê uub einiger anbern Streben*
väter batte ber ftünftter flott beê 3lpfelâ eine
frtfebe geige alâ 23eranlaffung beé ©ünbenfalleS
unfrer erften ©Item bargeftellt. £>tefe 58orftellung
bejog ftdb auf bett Kamen ber Capelle itt welcher
ber 3lltar ftanb, benn btefe würbe StCam unb (£va
geheiÃen.
SÃon bem, waâ biefeê wunbervotle Ãunfiwerf
gewefen fepn muf, alê noch alle jwölf ïafeltt in
50
ttrfprüngltd?em ©lanj ben Slitar fcbmücften, baooit
geben bie fedjö tn Berlin beftnbltcben Settengemälbe
etile bödjft erfreute 2lbmutg. entftellt
ftc Staub unb Sterjenbampf, bod? be§
»an ©lorte flimmert burd? btefe Decfe ftrab*
lenb hervor. Möge nur ein freunbltcber ©eutuS
über btefe föftitdjenlleberbfetbfel ctneS unfcbajbaren
ftunftmerfeS ferner walten, bamtt feine ungefcbifte
ober voreilige |)anb eö wage ftc ju berühren unb
gu gerftöreu, tttbem fle beifern wiö.
3ebe biefer Xafcln fcbten mir etwa bret (Ellen
bod) unb balb fo breit; bte gtguren auf ben beiben
erfteu flitb beinahe Sebent * ©röÃe, bie auf ben
übrigen weit Flciner.
3(nf ber erften Xafel erblift man bie heilige
Ãäctlie vor ihrer Orgel fi^eub, »du »ter ihr Or*
gelfptel auf »erfd)tcbnen ^nftrumenten beglettenben
©ngeln umgeben; ftc trägt etn meiteö, mit £>erme*
litt aufgefd)lagne§ föntgltcbeS ©ewanb mit groÃen
golbtteit Blumen auf bunfelem ©runbe. Dtefer
erfcbetnt fdjwarj, ift aber vermutbiid) urfprüngltd)
bnufelblan ober purpurfarben. £)a§ reiche helle
Haar flieÃt wellenförmig gebeft über bte <Sd?«ïtevtt
bin, »Ott einer auö 3'umeleu unb perlen gufami
mengefeipteu ©tirubtnbe ober Saette gehalten. Man
erbtift bte bobe ©eftalt faft ganj von i;iutett, aucb
baê fdjone ernfte ©eflcbt jetgt ftdi? nur im abge*
menbeten ^roftl, Die ©ngel ftnb in retcbe
getoanber ödu ©olbbrofat uttb hellfarbigen reidjett
©tojfeu gcflctbet, fle tragen, wie bie Heilige,
foftltcbe »Ott ©olb unb (Sbelfteinen ftrablenbe
Btnben nm bie «Sttrne unb urn baê fd)ön gebefte
Haar. Der, meldjer oben neben ber Orgel, halb
»Dit btefer verbeeft, ftel)t, fpteit bte Havfe, eiit
anbrer tm QSorgrunbe biebt btnter (Sactltett fptelf
baê Söiolonjell.
5fuf ber jmeiten Xafel, mclcbe baê ©egen*
ftücf ber erften btlbet, fteben ebenfalls tn retcbetr
Sborgemäubern mit juwelettretdjen ©tirnbtnben ocfjt
attbre QÃnget» Der©tan$, bte ipvadjt,, bte unauê*
fpredjltcbe naive Slnmutb betber ©ruppen, fomobl
ber betitgett Gtactlte alê befonberê btefer jweiten,
taffen ffcb-iiicbt in Sorte faffen. ©anj tm QSor^
grunbe balt ein ©nget baö mit fünftttcbem
5
werf versierte Notenpult in bei· eine« f)anb unb
gibt mit bev attbertt bett Xacft att, um bett ©efattg
feinet hinter ihm gruppirten Brüber $u leiten»
Uneracbtet ihrer groÃen, fcbtmmewben ginget ftnb
«tte btcfe hünmlifchen (Sänger bocb eigentlich nur
baS treue Porträt fdjoner ©borfttaben, mie fie ber
Ãünftter nnjähltgemal fabj in SluSbrurf unb Be*
meguug ret'it menfchlich bargeftetlt, mit unübertroff*
ner 2Babrbett unb entjücfenber Naiöetät, «ber
himmelweit entfernt »on jebem ©ebanfen an
3beal. Sllle bitcfen fehr ernft in baö auf bent
^Julte liegenbe Notenblatt unb ftugen fo ei|.vg,
mit fo emfiger Slnftrettgung, baà man faft taub
ju fei;n glaubt, tnbem man fte fteht unb nicht
bort. Start »Ott CÃianberS natoe Bemerkung, baÃ
mau jebem oon ihnen beuttich anfehen könne, welche
Stimme er fingt, ob BaÃ, Xenor ober Sopran,
muà babei jebem einfallen. f«b btefeö (Be*
nialbe einft burd) bte offne Xhür beS 3tmmerS/
melcheö an baö ftöÃt wo bte Xafeln aufgeftellt
ftnb, in einiger Entfernung ; ein fd)arfer heller Son*
neuftraht beleuchtete eS, unb bie Ãnaben ftanbett
59
wie herausgetreten auö ben 9iabmett frei mib
iebenbtg tm3tmmerj fD täufdjenb ift bie Sföabrbeit
fciefeö munberbarett, big 5» jeber einzelnen |)a«r<
btfe aufgeführten ©emätbeS.
âJusti Judicis" ift bie Unterfcbrift ber britten
Xafel. 3n einem retten biübenben Xbal/ jrotfdjett
bol;en Bergen, bereit ©tpfel Xbürme unb feftc
Od^iöffer· frönen, ziehen mehrere 3iitter jur 3ln*
betung beS ÃammeS bin. 3m iBorgrunbe rettet ber
(Stifter beö ©emälbeö, ^btltpp ber ©üttge, neben
ihm 3obattn unb Hubert van (£t;cf. Dtefc
Slbbilbuitg betätigt vollkommen ben groÃen Unter?
febieb beö SllterS ber Britber; Hubert, fafl febott
ein ©ret'S, reitet auf einem ftoljen prächtig ge*
fdjmücften ©cbtmmel, aueb er felbft ift ftattlicb ge«
fleibet unb trägt eine vorn aufgefcblagtte Unb mit
«peijmerf verbrämte £0?üi}e von feitfamer gornt auf
beut Ha»Pt j 3ob«ttn trägt über einem fd)tt>arjeit
$alar ein rotheö ^aternofter, mit einer baran bän*
genben golbnen Mebaitte, unb eilte Xurbauartige
iiopfbebeefung an ber hinten ein 3tpfel herabhängt j
er fdjeint fünf unb breiÃig bis ad^t unb breiÃig 3«bre
60
aft. ©îc fettteS @eftd)t3 itabcn md)tö auSs
gejetdjneteô, ftnb aber »o»t milbem ebiem Sfuöbrutf
imb tragen gang baé ©epräge fetneê iöaterlanbeä.
Nbd) fedjô anbere Neuter füffett ben £tntergrimb,
unter tbneu ein Stöntg, bte Ãrcne auf bem $aupt,
ben man aber nur tm Siudfeit ftebt.
Siuf ber vierten Xafel, mit bcr Unferfcbriff
âChristi milites" reiten bte Strieger ©otteS , burd)
eine ber vorigen febr âbnltd).e Sanbfdjaft, junt
nebmltcbeu 3ieie. Vorauf, auf prächtigen, reid>
gefdjmucften jiebcn jmet mit Sorbeerfrättjett
gefronte junge gelben, mit bodjflatternbem panier,
in fUberbetter von ©otb unb Gtbelfteinen ftrabtenber
Lüftung; ftebett anbere bitter fofgen biefett, einer
èon tbnett tragt einen föfHtdjen reteben #eim, btV
ftnbern bftben jterltdje jum Xbeii mit ^etjmerf »er*
bramte Stopfbefleibungeu, bte ^Jferbe ftnb febr fdjön,
gauj ber Natur getreu, bte gauje ©ruppe ift von
uhauôfpted)tid)er ritterlicher Ãebenbigfeit unb $obeit.
Die fünfte Xafel bat jur Unterfcbrift âPegrini
sti." Sie bat mebr gelitten alö bte vorbergebenben,
un'b fdjetni au einigen Steifen burd) Staub unb
61
©cbmufc febr üerbunfelt. Die Ãanbfcbaft (iettt eine
fdjöne ©egettb tm üpptgften ©lanj beä ©ubettS bar$
sptnten fcbmutfen fie, Gebern unb Orangenbäume,
gwifcben btefett taufenb frembartige btö in bte
fleiuften Details aufgeführte ©räfer, Ãräuteruttb
Blumen. 2Ste Wiefel am 2Bege (eitlen »erftreute
Serien unb farbige (Sbelfteine auf bem ©rafe unb
ZWifcijett gelSftütfeit unter ben SüÃen bcr Pilger
hervor. Diefe Rieben fit manntdjfaltiger Ãletbuttg
unb ©eftalt auf allen ©täuben berbet, jum Xl?ett
attd) mit Mufcbelbut unb ©tab, mitten unter tbnen
eine eble aufbrucfövolle ©reifengeftalt mit langem
ebrtvürbtgen Bart. @an$ tm £tntergrunbe ftebt
eine feltfame ladjenbe gtgur, tu einer MöncbSfutte,
bettn tn fetter einfachen Bet't glaubte man baS
ntd)t burd) einen gutgemeinten ©d)er§ p entweihe«.
Sfitefengrof} fübrt tm $8orgrttnbe ber betitge (£briftopb
bie fromme'©cbaar an, bod) ebne bie fernere Saft
bef göttlichen &tnbeö auf ber ©cbulter jtt tragen,
Die feebfte Xafel trägt bie Uuterfcbvift âHey-
remite sti." Durch ein engeS gelfetttbal von gan$
fübltdjem Ãavacfter jtebt bie fromme ©djsar bet
62
(Etnftebler herb et, gmtfcben *jJtnten unb Orangem»
fcäumen; Kräuter unb Blumen, gleich benett auf ber
vorige« Xafel, Mühen uub grünen unter ihren $üÃen,
unb aud) hier liegen perlen unb farbige Sumelen tn
iÃicttge um berg eftreut. 3met fcfjöite herrliche ©reife
führen ben 3»g <*n, einer von ihnen hält beit Diofen*
franj tn ber £>anb, ihnen feigen bte mürbigften
cbelften ©eftalten mit prächtigen langen Barten;
fcech auch hier mifcht ftd? ber Sdjerj bem ©ruft bei,
ibenn einige Stopfe von äd>t humoriftifchem-SluSbrucf
laufdhen bie unb bort et'njeln hervor. Magbalenct
mit bem Salbengefäà unb neben ihr noch eine heilige
»s
$rau befcblieÃen im £>intergruube beit $ug.
Die 2lu§führung, befoitberS ber $aare unb
Barte, fo wie ber fo naturgetreue Sluöbrucf jebeä
einzelnen Stopfeö, tft böcbft bemunbernömertb. CÃott
ollen biefen Xafeltt läÃt ftdh nur baö über bie ©e*
mälbe beö StünftlerS in bcrBotfere'efcbcn Sammlung
©efagte mieberholen. Unerachtet ber verfebmeu*
fcertfcb überall verbreiteten bracht ber foftltdjeit
Stoffe, beö ^©olbeS unb ber 3umeleit fennte td)
boch nirgenb tu biefen eilte Spur wirtlichen Metalls
63
entbetfen, nur auf ben betben erflen tafeln, btntet
bcr betligen Giäetlie uttb hinter bem ftttgenben (in*
gelcbor flimmert ber @runb von wirklichem ©elbe,
wabrfd; einlief) um bie flrablenbe Herrlidjfeit beS
©anjen noch ju erhöhen.
Da ba§ ^>aui>tgemäilDe burcb biefe glügelbtlber
gewöhnlich »erfcbloffen gehalten warb, fo ift and) bie
Oiücffeite berfelben »on bef £�etflerà £>anb $war
einfadjer bod? tttdfjt minber würbig gefdjmüdft. 5luf
jleber Xafel fleht nur eine einzelne gigurj favbioö,
grau in grau, jeigen biefe ft<h je|t, »ielleicbt wäre»
fte früher etwaö folorirt, wie einzelne ©puren bem
genau ffe beobad^tcnben Sluge anjujetgcn fd) einen,
bodb laÃt ftch btefeS nicht mit (GewiÃheit behaupten,
©o wie fie je£t fleh jeigen, tfl bemtoch ber b^b*
©etfl beö Meiflerä in foleber gülle über fle
ergoffen baà wahrlich bie ganje blenbenbe bracht
beö Ãmtern baju gehört, um biefe eblen, einfachen,
alleö garbeujauberS beraubten ©eflalten $u »er*
bunfeln.
3m flillen fchntalen bochgewölbten 3immep
fnieet bte reinfle bolbfeeltgfle ber Sungfrauen twf
64
ber erften Xafel, vor.bem Betpult, unb »ernimmt
tu Demutb bte wunberbarfte aÃerfüubtgung einer
utibegrciflid^en 3ufimft. Die betlige Xaube ritbt
mif t'bvem Raupte. Dte gauje Darstellung ber tu
£>ulb unb Slnmutb verklärten Jungfrau, farbloö mtb
verblieben wie fle tft, gebort ju bemSSortrcfh'cbften,
unb erinnert unwtberftebltd) an -3obann »<*«
23erfüubtgung in ber Botfereefcben Sammlung;
fogar bt$ auf bte Slnorbnung be$ ©emacbS. SluS
bern groÃen offnen genfter tm £tntergruub blickt
man tn eine weite, von fd)önen©ebäuben umgebene
StraÃe btnauS.
Die jwote Xafel geigt un3, als würbigeö
genftücf ju ber erftett, bett gi>ttlid)cn Boten; eine
Tblübenbe Ãtlte tn ber |)anb febmebt ber jugenbltd)
febone Süngling, von mädjttgen Schwingen getragen,
leidet über ben Boben bin. Die Nückfet'te ber
brttten Xafel febmüdft bte bobe ernfte ©eftalt
banneö be§ XäuferS, .er trägt baö Ãamm in feinen
i
Slrmcit.
2luf ber vierten Xafel bilbete 3obamt van
(£t;ck ttodjmalö feinen Bruber Hubert ab, bett
65
Sebrer feinet Sugeub, ben treuen ©ebülfen feiner
Sirbett , ben Mttgenoflfen feinet 5K»bmS. <£r fleht
mit gum ©ebet erbobnen Hänben · (eiber bat baS
SÃiib mebr als bie übrigen »Ott ber ©erealt ber
3eit gelitten, bie 3iig« beS ©eficbtS ftnb nicht
ganz beutltcb erhalten, aber fo mie eS ifl,
eS bureb Abel unb ©eifl in (Stellung unb gorm
unmiberflehlid) an. Sin rotbeS ©ewaub, bei übriger
garblofigfeit, jetcl>net btefeS Btlb fonberbar auf.
Auf ber fünften Xafel fleht SohanneS ber
(£»aitgeltfl, mit feinem Attribut, bem teld), auS
welchem eine (Schlange emporfleigt; auf ber feebflen
enbltcb erbltcft man eine grau in ber geft-£racbt
ber damaligen 3«t. Aud) fle fleht in betenber
(Stellung wie Hilbert; mait gibt btefe,- leiber
ebenfalls febr »erblichene ©eflalt, für bie ©attin
etiteS ber beiben Brüber »an Gtpcf auS, ich aber
möchte fte lieber für ihre ©cbwefler, bie z« ihrer
3eit berühmte jungfräuliche Ãtinfllerin Margarethe
halten, befenberS. ba, fo rn'el ich weiÃ, ntrgenb
ber SSerheirathung 3ebanniS ober Huberts erwähnt
wirbv
5
m
Hubert warb »ad) Jtarl von ManberS SSer*
fldjerung in ber 3tob«nni$ * Stird)e g« ©ent unfern
feiner ©cfywefter Margarethe begrabe». IDteÃ
läÃt vermutbe», baà le^tere ben Brübern von
Brügge nach ®e»t gefolgt fei), vtelleid)t wm ftc
bei ber groÃe» Arbeit mit ihrem Xalent nad)
Gräften jw unterftü^en,... ben» fic bebwrfte» mobl
bei bem t'bre» @d)itler» verborgnen ©ebeimniife
ibrer Stunft einer treiten verfcbwiegnen ©ebüljtn.
Margarethe ftarb befanntlid) vor Huberts Ableben,
nnb waS fann ungezwungner ttnö entgegen treten,
waö ftimmt beffer mit Johann van (Seift
unb ©emütb, alö bie SSermuthung, baà er beiben
thm burd) ©etft nnb Xalent noeb mehr als burd?
Banbe be§ Bluts vermanbten ©efdjwtftern hier ei»
©ebädjtnià ftiften wollte auf bem unter ihre»
Auge», mit ihrer #ülfe, begonnenen groÃen SSerfe,
weld)e§ er nun allein vollenben muÃte.
9itd)t nur Gimmel unb Grrbe, Seben unb
i)offen be§ Menfdhen, umfaÃte biefeS ungeheure
SQÃerf; unter ber #aupttafel beifelben, a»f einer
Art von guà ober ©ejtell worauf tiefe ruhte, war
67
auch baS gegefeuer abgebilbet, beffen unglückliche
Bewohner tn gurd)t, peinlicher Cuaal
vor bern Karben beö SarnmeS bie Ãniee beugen.
Doch biefer Xbeil beö ©emälbeS war letber nicht
mit Ãlfarben gemalt, unb ba er ftetö offen jtanb,
ging bie Maleret barauf aömäbltcb burch bie bekannte
nieberlänbtfcbe 9?etnlid)kett3ltebe ju ©runbej utt*
verjtänbige SSerbefferer verfugten ben ©chaben
wteber gut p machen, unb fo war biefer Xbetl beö
Altar btlbeS fdbon im fechjehnten 3<»brbwubert burch'
auö »erborben, fo baà nur bureb Xrabttton feine
frühere Gwfteuj unS befamtt geworben tjt,
Kte warb et'n Ãunflwerf höher geachtet / all;
gemeiner geprtefen, als biefeS ©emälbe, vom Mo*
ment an ba eS vollenbet in nte gefebner ^raebt ben
Altar fcbmückte. ©ewobultd) blieb eS »erfchlojTen,
nur an feltnen hohen gelten warb eS ben Blicken beS
SSolkS ^retS gegeben, aufferbem würbe eS nur mäd)*
tigen gürften gejetgt, ober Sletfenben, welche btefe
Begünfttgung mit fchwerem ©olbe erkauften.
Doch war einmal ein folcher feflltcber Xag an*
gebrochen, an bem bie glügel beS £etltgtbumS f«h
bs
«Heu Augen erfcbloffen / bamt vermochte auch bte
Spette, welche eê bewahrte, bie Menge faum 5«
faffeu, bte vom Morgen bis jur Nad)t ftd) ber^u*
brängte, 2Beit nnb breit waren bann bie StÃege um
@ent mit binjueiienbe» Sallfabreru bebecft; au§
gattj glanbern unb Brabant jogen^unjtfreunbe unb
StünfHer herbet, unb itmfcbwärmten baê SBunber*
btlb wie Bienen ben Blütbenbaum» Dtefe laute,
allgemeine Bewunberung fchwaub nicht mit bem
Neige ber Neuheit 3al)te folgten fahren tn langen
Nethen unb jebeö führte bie £age beS hohen
Triumphs ber Ãunft in erneutem ©lang herben
Ãttfas be £>eere, ein gead;teter $ünftler unb ^öoet
feiner 3ei*/ weihte hnnbert 3ahre nach ©utftehung
beê heben Metfterbtlbeö biefem ein eigneö Ãebge*
bt'd)t unb erlebte bte ©hrtf folcheé an einem
Pfeiler in ber Capelle, bem Altar gegenüber, gc*
heftet gu fehen, wo Alt unb 3»ng an folgen feft*
lieben Xagen ftcb baratt erfreute
Mandjerlet Gefahren brohten btefem Ãttnfb'
werfe in jener trüben 3eit, alê ber bilberftürmenbu
gauatismuö Streben unb ^löfter »erheerenb burdK
69
jog. Der UJerlujt, weiden bte fttuift bamaliS
erlitt, tft eben fo wenig ju beregnen als ju
eiferen, unb bte Errettung beä Gstttjelnen mitten
im allgemeinen Untergange gränjt oft an SÃunber.
©ocb nicbt nur üerblenbete Barbaren, aucb ^blltpp
ber $weite, Ãönig von «Spanten, brühte bem ge*
fcbäfcteften Mein ob ber (Stabt ©ent (£r jtreckte
bett eifernen Arm, ber bte unglücklichen Ifttebcrlanbe
vernidbtenb beberrfdite, nacb biefent ffiunberbtlbe
auf, um eS nad) (Spanien ju führen, unb kaum
laÃt eS ftcb begreifen, wie allgemeine Bitten unb
SÃorjteliungen t'bn enbltd) bewegen konnten bavott
ftbjuiteben. (£r begnügte ftd) mit einer 5?opte
von ber |)aub beä befonberS aud) in «Spanten
bod)berübmten Mctfterö Midjael GtorteS »Ott
Mecbelu. Dtefer arbeitete für bte bantalS febr be*
träcbtlicbe (Summe »Ott »iertaufenb ©ulbett mit
unermübltdjem gleiÃe jwet 3«hre lang baratt, Die
*Ãracbt ber garben mag t'bm manche uni'tberwinbliche
(Schwierigkeit entgegeugefMt haben; unter anbern
»erjwetfelte er baran, baS Blau beS ©ewanbeS
ber heiligen erreichen |u können, unb
70
Philipp j5Ct. jWe{te »erwenbete fidi) feibfl bei bem
groÃen Xtjtan für tbu, ber tbm »du QÃenebtg auS
eine febr foftbare, auS ben ungartfeben ©ebirgen
fommetibe Ajttrfarbe fdf>icfte* SBabrfcbetnltcb mar
cS Ultramarin, beffen jener Metfler ficb bekannt*
lieb febr häufig bebieitte. $arl »on Maitber erjäblt
als etmaö merfmürbtgeS, baà Michael GwteS
allein ju bem Mantel ber betltgen Jungfrau für
gmet nnb bretÃtg SDufaten »01t biefer garbe »er*
braucht b«be. Sie $opte marb enbitch naef) uufäg*
lieber Arbeit glücklich »otfenbet unb nach ©Ponten
gefanbt, nur batte ber Metfler eS ftch berauSge*
nommett, einiges barin ju »eränbertt, gum Betfptel
bie Stellung ber betltgen Quietile, bte ju febr »Ott
hinten gefeben, ihm nicht gierlich genug bünfte;
3it unfern Reiten tft biefe Arbeit Michael GtoxteS,
mabrfchetnltch als Beute trgenb eines franjoflfdhen
©eueralö, mteber itad) ben iJìteberlanben gekom*
meu, beim ein gelehrter Ihmftfreunb auS jenem
Ãanbe, #err »du teoerberg ber ältere, »erflchert,
ffe im Sabre 1817 in Brüffel gefeheu gu haben,
mo fte »ielleicht noch tn biefern Augenblick ftch befinbet,
71
Doch febren wtr $urücf $n ber ©efcbicbte mtb
ju ber fhìlctt geheimen 2Berfftaii beê MctfterS,
auf welcher wabrenb ettter langen !RcH)t »0«
Sabren, nach SMcnbuttg btefer feiner gröÃten
Arbeit, eine unüberfebbare Attjabl »»» ©emälben*
hervorging, bt'e t'br nur an Umfang, nicht cm innerem
SBertbe nachgeben burften.
3mmer lauter warb bie 93erFüubigung feine«
KubmeS, immer gekannter bie Auf.nerffamfeit ber
tfimftter, »or allem in Stalten, um bie Bereitung
von garben §u entbecken, beren groÃe iÃortbetle
Ade etufaben, ©ale unb ©alterten ber Surften
Italiens, wo bamalê auch bie Ãuttft ftdf> mächtig
ju regen begann, prangten mit ben SBerfen be8
iDeutfeben, 3obamt »au S^cf, bort unter bem
Kamen Giovanni da Brugge bekannt ; letber bat
un§ bte Ãunftgefchtchte nur Kamen unb Befchret*
buugcn »on wenigen btefer läugft ju ©runbe ge*
gangeneu ©emälbe aufbewahrt (£tn heiliger Htero*
nymuê wirb bc^gepriefett, ber fpäter baê Stgen«
tbum be§ groÃen Ãorenjo »on 5D?ebictö warb j auch
eine iöerfünbigung, welche Alfons bererjte,
72
»Dil Neapel befaà unb bic ber Bcfd^retbimg nach,
toeldje utt3 gacctuä tit feinem Buche de viris ilJustri-
Lus baoon gibt, bie gröÃte 2ibu(id)feit mit ber
er(ten £afel beö Slltargemälbeö tu ber Betffere'e?
fcbett Sammlung gehabt haben muÃ.
£)ocb ntd)t nur ber heiligen ©efcbidjte affem
weihte 3rbaiut »an Ãtycf fein bol)e§ Talent; er
batte ja ber ituuft bie gange fidjtbare 2Ãelt gu eigen
erworben tutfe achtete eS baber nicht feiner unwür*
big audf) anbete ©egeufitänbe gu malen, ober bie
©eftalt eingeiner 50?enfd)en ihren grennben nnb
feet Nad)wolt gu erhalten. (£r malte mehrere Btib*
«iffe feiner Bentgcnoffen nach bem Ãeben unb
fdbmiufte biefe oft mit fcbönen Sanbfcbaften im f)ini
iergtuube, £>tefe Heiner« ©emäibe »du feiner
$aub würben fpater gu lobe« greifen gefud)t unb
»erkauft. Sie »erwittwete Königin »on Ungarn,
f
©d)wefter Statte be3 fünften, gÃb einem Barbier
in Brügge, ber fo glücklich war burd) ©rbfchafi'
ober 3ufaà ein fDld)eö Bübchen gu beft^en, ein
3al)tgelb »on buubert ©ttlben auf Ãettlebenä bafür,
<£,$> (teilte ttt einem kleinen Naum ein iörautpas?
73
»or, beifen fiatibe bte Xreue jufammen gibt
gaeciuS gebenf't bewurtbernb ber täufcbenbeu ^er*
fpecttee eineS öd» Sob«»» »an Gn?cf bargefteilten
iBtbliotbef ? 3l'mmerS / mtil fffc* bt»5» * //«»f
âber äuÃern (Seite berfeiben XÃfci ift 33optifl·«
//?pmmei(muö gemalt, bem fie Cbie Biblictbef)
âjugebert batte, u»b bem nur bte (Stimme $u
âfehlen fcbetnt w»b fem. geliebtes 2Ãetb, ge»au
âfo fdtjön abgebilbet als fte mar; jtmfcben betbett
âfällt et» «Sonnenftrabl, wie" bitrcb eine 9it§e
âherein, be» ma» für wahren (Smtenfdjetn halten
âmochte."
SSafart gebenft ber Ablulbitng eineS Babejtm*
mevS, mcid)e ebenfalls ftönig 3llfonfo »o» Neapel
teon ^Dbann »an (£i)cf erhielt, »ub bte ein Snnber
naturgetreuer DarfMung gemefenfet)» muÃ. 2Babr--
fdjcütltcb tft eS btefelbe, weldje gacctuS als baS
(Stgenfcbum beS S^arbinalS Dctaman folgenbermaÃeu
befdjreibt: âDu fiebft fd)ö»e grauen, wie fCc
ftuS bem 33abe ftetgen, unb, merfltcb errötbeub,
fid) mit einem feinen Xudje bebeefen; eine bavon
ftellte er fo, baà nur ©eficbt unb S3ruft gefeben
74
wirb, bte entgeg engefeiste Seite beS 5türperS aber
fld? tn etilem barteben gemalten Spiegel bergeÃtatt
geigt, baà man ben Nücfen eben fo fiei;t mie bte
Bruft. Auf bemfelbett Bilbe t'ft eine Campe ttt bem
JBabegtmmer, alö ob fte brenne; ein atteö Stöetb
welche^ gu febmt^en febeint; ein -?)ünbcben baö »om
SSJaffcr lecft; weiterhin fütb ^ferbe, Menfcben, febr
fletn, Berge, SBälber, IDorfer, ©rfjloffer, fo
fünfttieb aufgeführt, baà man meint, eS fei) jebeS
»Ott bem attberit funfgtgtaufenb Stritte entfernt.
Aber nichts tn btefem SBerf tft bewunbernSwürbiger
«IS etn Spiegel, auf berfelbett Xafet gemalt,
worin bu Alleö, waS bort abgebitbet tft, wie in
einem wahren Spiegel flebft"
3eber, ber nur etneS ber unö erhaltnen ©es
mätbe 3obamt »an ©pdfö fah/ wirb biefer 93es
febretbung ber für bte SBelt »ertönten ©tauben bei;
ttteifen. Uub auf welcher f)öbe, in weiter Macht
uttb ©roÃe muà bann ber gewaltige ©etft etttei
Manueö cor uuS ftehen, ber währenb eineS eingtgen
befchränfteu MenfcbentebenS btefe lebenbe, ge--
faltenreiche 2Belt beroorgurufen »ermochte!
Der Kttf jeber btefer Xafeln verbrettete fidfj
fogletd) buvcb bie ganje ttaiientfcbe ÃünfUertvelt, ft>
mte eine bcrfelbett über bte Alpen gelangte, ©cbaa«
reutvetfe eilten bte Maler ju t'brer 33erounberuttg
tyerbei. <5>ie nnterfudbten bie ©emälbe auf baö ge^
«guefte, fie bemerkten beit eignen fcbarfen ©erudj
ber ölgemifcbten garben, bod) ohne t'bn ju erkennen.
Xaufenb fÃerfitcbe mürben gemacht, e$ bem groÃen
Giovanni da Brügge gleich ju tbun, feiner gelang,
btS ein einiger ernftlidE) vorwärts ftrebenber Mann,
Antouello von Mefftna beu (Sntfdjluà faÃte, btefent
©ebetmuiffe an ber Duelle nachjuforfcbeu.
Sin glücklicher 3uf^ führte btefen ÃünfHer
mtf einer Keife von Meffuta, feiner 58aterftabt,
nad) Keapel an ben £>of ftiwtgS Alfons beS durften.
Dort erblickte er juerft etneS jener aligeprtcfnen
3Q3uuberbtlber beS beutfehen ÃünjTlerS. <£S mar bt'e
fdjott ermahnte SSerfünbigung, beren hohe iÃoffen-
bung t'hn fogletch bemog, jebeS anbere Unternehmen
aufzugeben, fein fchoneS fonnenheÃeS ©aterlaub ju
verlaffen unb jenfeitS ber Alpen ben hohen Meifter
öufsufuchen, ber folche Sunber vermochte.
I
82
Nid)t jugenbltcber GintbufiaSmuS befttmmtc
ben Antonello ju Antretung ber wettert ^Jxtgerfcfyaft
»on Neapel nad) gtanbern, welche bamatS weit
unbequemer unb gefährlicher war atS in unfern
itagert, fonbern vielmehr eine AiteS überwtnbenbe
Siebe jur Stunft. Gir war fcboit ein febr bebeuteu*
ber Mater in feinem Ãanfce unb batte gewià längft
baà reifere MannSalter erreidjt. SSafart berietet
uu5 von ihm , baà er von Mejfitn« juerft
nad) Nont ficb begab, wo er mele $abre binburd)
mir B^ten fidb befcbäftigte. $ou bort jog
er nach Palermo, wo er ebenfalls jahrelang
lebte, bis feine CanbSteute ibn wieber in t'brer
Mttte ju febeu wunfdjten. AtS bebeutenber, ge*
«djteter ifünftler febrte er barauf nad) Mefftua
gitrücf, malte bort meleS, unb fubrte, wegen fettteS
XatentS unb feiner übrigen guten lobenSwertben
©igenfdjaften von Allen geadjtet, -ein jufriebeneS
gtürfticbeS Ãünftlerlebeit, bis eine ©efcfyäfiSreife
ibn nad) Neapel bradjte, von wo fein ftrebenber .
@ei)t ibn nacb glauber» trieb.
77
Slntottello fegte bte groÃe Keife nicht nurglucfs
licb$urücf> foubern eö gelang ihm fogar auch im
Hanfe beS S'obdntt ran (£t)cf frSunblicb aufgenbm*
nteu ju werben. G£r fanb ben groÃen Meifler
jwar als hochbejahrten ©retS, aber noch immer
rüfttg, in gewohnter Xhättgfett nnb reger Xi)ei(?
mime au Slllem, wa§ mit ber Shwft, ber er fein
geben gewet'bt hatte, tu Berührung ftanb» Ante?
netto führte »tele italtemfcbe Zeichnungen unb artfcre
Ãfrinftwerfe mit ftch, er legte fie ihm vor, erjagte
ihm von feinem fd)önen 93ater(anbe, von bent Ãebeif
unb 2Bt'rfen ber bortigen ftüuftler, von ber hohe«
Sichtung tn weldjer ber groÃe Käme Giovanni da
Brügge bort bei dürften unb Malern ftanb, votj
ber Bewunberuug, bte SWe ihm Rollten, unb wie
er ben weiten 2Beg zurückgelegt habe, einzig un»
ihn von Slitgepdjt ju Singeftcht $u feben unb von
ihm ju lernen.
Deö füblt'dben gremblütgS etunebmenbeS SÃBefen,
feine ^enntntife, feine beiÃe SllleS opfernbe Siebe
jur Ãunft, gewannen ihm beö ebrwürbigen ©reifet
freunbliche Ketgung; er gewöhnte ftd) halb, i(ftt
78
gleich einem lieben, ju ihm geljörenben $>auSgei
noffen ju betrachten. 3pbanu »an ©pcf füllte bie
©«^wachen beS Alters, er wuÃte feine Xage -gejohlt/
unö hatte »ieiteidi)t lange fdjon nad) einem würbigen
©rbeit beS (SebeimntifeS fld? gefehnt, baS er, fo
lange er lebte, jwar heilig bewahrte, »ott bem er
aber gewià nicht wünfehen fonnte, eS mit fleh "wS
(Stab ju nehmen. £>ie beifpiettofe Xreue, mit
welcher ber in »oller Straft ftebenbe jüngere S0?amt
t>cr Ãunft fein Ãeben geweiht hatte, erfüllte bie
alte bod) nicht erfaltete Bruft beS ©reifeS mit
Ãtebe unb Vertrauen, unb Antonello fab tu weit
fürjerer 3eit als er gehofft hatte beit @i»fel aller
feiner 2öiinfd)e erreicht. 3cbann »an öffnete
ihm bte btSher Allen »crfchloffen gebliebne SÃBerf*
ftatt, theilte ihm ben gangen reichen <5d)a0 feiner
(Erfahrungen mit, fo »iel Antonello ba»on gu faffeit
»ermodjte, unb lieà m'djt nur unter feineu Augen
thn malen, fonbern erlaubte ihm auch 3euge
feiner eignen wunberoolleit Arbeiten gu werben.
SRogter »oit Brügge, ebenfalls ein ©cbi'tler Sobann
»an ©9cfS, theilte biefeS Olücf mit Antonello,
i
79
unb tiefer blieb »on nun an um feinen eblen Sehr er,
gleich einem vielgeliebten ©ob«/ in treuer uner?
mübeter Anhänglichkeit, btö ber £ob in einem febr
beben Alter bie Itchtbelien aber müben Augen beö
beben MeifterS auf immer fd)loÃ.
3obann »an (i^rf warb ju Brügge in ber
5tird?e ©t. Sonatt begraben. Sine ©äule mit
jt
» einer »on ilarl »en Mattber unS erbaltnen tateimV
feben 3»f<brift bezeichnete bte beilige ©tätte wo er
ruht, bed) weber btefe, necb trgenb eine anbre
ftdjre Kacbricbt beftimmt un8 baS $abr fetncS XöbeS,
I
2Babrfd)etnlid) jtarb er in ben jlebgiger Sabren beS
fünfzehnten SabrbunbertS, unb jmar im fünf ober
fedjS unb acbtjigften 3abre feineS Alters, wenn
er, wie fo »teleö unS $u glauben berechtigt, fünf
unb zwanzig 3abre fpäter als Hubert, um baS
Sabr 1391 geboren warb.
@be wtr unS »on Sobattn »an GsipcfS Sebett
unb SBerfen ijinmeg zu feinen Kacbfolgern wenben,
muà icb uod) ber ©arftetfung beö jüngften ©erid)t§
erwähnen, bte feit iiidf>t zu berechneter 3eit irt
Danzig, meiner SÃaterftabt, forgfältig aufbewahrt
80
warb> bt$ 1807 fvaftjDfifciK 9?auf>ft4* fiel) aucf>
btefeS ftleinobö bemäd)ttgte. Seutfcf)C XapferFeit
gewarnt eS wieb^r, eS warb itebft ben übrigen
wtcber eroberten $unflfd)ä£en tri Berlttt öffentlich
auSgefbllt tutb babitrcb unter bem Namen bc§
JDattjtger Sötlbcö allbeFamtt. ©eitbem babett ftdj
febr bebeutenbe ©ttmmen gegen feie alte £ta bitten
erbeben, weld)e btefeS »ortrefflid)e ©emälbe bett
Btübern »an ©pcF jufcbrteb. ©te ftnb ju bebeu*
tenb, als baà icb ihnen entgegen treten ntöcbte,
tutb bod) »erntag td) eS eben fo wenig, tbnen mein«
eigne Ãberzeugung bltnbltugS ju opfern. Seöbalb
bleibt mir nichts übrig als, neben ber 93efd)tetbuug
biefeS ©emalbeS einfach nnb wahr J« fagen, wa£
td) »ort bemfelben weiÃ, unb wie td) eS anfebe,
ebne mir bod) babei ettte entfdjetbenbe ©ttmme an*
gutnaÃen.
2Ãann btefeS 25tlb nach Ãanztg Fant/ wetfj
matt btS je§t nid;t genau zM befttmmen, boefy
ging fett unbenflidjer 3^tt bie ©age »du Sftunb z«
5Ãtunb, baà ein ©d)tffe'r eS ttt einem wel)l »erfcbloÃf
iten haften auf offnem SOieere aufgeftfeht urtb tta<h
81
Danjig gebradjt babe, wo er eS ber bamaligett
Marten Strebe wetzte, Ãe^tere wirb jei^t bte
^farr ? ^trd)e genannt unb tft etttef ber impofatt»
teften, gröÃten Denkmäler früherer Baukunft, baf
nod) fein Menfcfy ohne (£brfitrd)t unb Sewuttberung
erblickte. Die ©age vergaà ferner nte babet jn
erwähnen, baà zwei 33rüber Kamenf van Ãfyck,
welche ntan jugletd) alö bte erjten (Srftnber ber Dl*
maleret bejctd)nctc, e§ gemalt hätten, unb fo lebte
btefer groÃe Käme faft au ber äuÃerten norbtfebett
©ränge betttfeber ©pracbe noeb immer fort, felbft
unter bern SÃolf, unb mar aueb ttttr bekannt unb
befreunbet von ^ugettb auf, mäbrenb ti>tt bte übrige
SBelt, wenige Ãunftverftanbige aufgenommen, bei?
nabe gänjltd) vergaÃ.
3u ber 3eit, wo bie fatboltfcbe Ãt'rcbe tu
Dattjtg bie berrfebeube war, fcbmütfte biefef 95tlb
vietletdjt einen kleinen ©ettenaltar, bod) gewià nie
bett febr groÃen beben Hauptaltar ber von ihren
Erbauern ber beiligen Jungfrau geweihten Ãircbe,
weil ftcb ber ©egettftanb beffelbett, baf jüngfte
©ertd)t, nidjt htejn eignet, Senn man wählte
0
82
girnt ©djmucfe beö $auptaltar£ immer ein StunfU
werf, baS bauptfädjlicb auf ben ^eiligen Bejug
hatte, bcm ju ©brett bie Stirpe erbaut mar. Unb
fo enthält auch baö innere beö £>auptaltar£ btcfer
Strebe eine in -£>olg gefebnt^te unb reich »ergelbete,
faft foloifale Abbilbung ber von ber heiligen Sret;
eiuigfeit umgebenen Mutter ©ottcä, bie aller
9Ãabrfd)einlicbfeit nach noch biefelbe ift, »on
welcher Sfrtrtfe in feiner Sironicf, alö im 3«br 1517
»du Meifter Michell überantwortet, fprtcbt. ©ehr
adbteuöwerthe Ãnrtjtfenner, welche aber biefe Sttrdje
nie fahen, fühlten fld) burdb biefe in ber Strentctf
enthaltne ©teile bewogen, ba§ Sangiger Bilb für
biefe Xafel ju halten unb e$ beShalb bem Meifter
Michael SBolgemut gugufchretben, ©otticher aber/
ber biö in« $abr 1615 bei biefer ftrehe ati tfir*
cbenoorfteber angefeilt war/ nennt in feinem im
Manufeript vorbanbenen ^tftortfc^cn Sftrebcnregtfter
ben löerfertiger ber Xafel auf bem $auptaltsir einen
^rtefter, Namenö Michael, unb bemerft, baà baS
Malwerf nebft bem QSergülben be§ Altarö 3386
Marf gefoftet ba&e, nnb ber Ãontracft barüber mit
TT
83
einem Meifter Mtcbell gef^ioffen fei?, ben^rätoviuö
in einem anbent SÃ3erf SQitd^oet ©cbwarj nennt.
3wet gewaltige groÃe glügeltbiiren, ebenfalls mit
gefebnifcten gtguren bebeeft, verflieÃen gewöhnlich
baö Snnere btefel SiltarS. äöabrfcbeinltcb waren eS
biefe gtgureu, beren Slnmalung ben Maler befebäf*
ttgte, wie man eS noch l;äuftg tri alten Ãtrdjen finbetj
je£t fmb fte weià angetrieben unb vergöltet j baS
@ange tft überhaupt alö Ãunftwerf wenig erfreultd).
©eit ber lutberifebe ©laube in Danjig ber
berrfebenbe würbe unb man bte fleinen <BeitemU
tave wegnabm, bt'ng baö 23ilb in einem verfcbloÃ-
nen «Schrein, an einem ber gewaltigen Pfeiler
welche baö fcbwinbelnb bebe ©ewölbe ber ^Sfarr=
firdbe tragen. war gewöhnlich verfehl» Ifen, boch
fetneSwegeS verfannt ober vergeffen, im ©egeu;
tbetl warb wobl nie etu Ãunftwerf höher geachtet
Unb allgemeiner bewmtbert, gerabe weil e$ in ber
groÃen ©tabt fo vereinzelt ba flaitb- 9ln beben
geften , wenn bie Ãtrche mit i'brem foftbarfteii
5lltargeratbe prangte , pflegte aud) baö Btlb aufge*
fdjloffen gu werben, unb bann fhömte AlleS herbei
§ *
I
84
eà gu bcwuttberm 2)a8 ©ebränge war groà mtb
bie Ãircbe warb nie leer fo lange baö 95tlb offen blieb,
benn baS SÃolf betrachtete eà alö einen ©egenftanb
ber ©rbauung, eà fcbauberte yor bem Anblick ber
£>ölle, unb gewià flnb »on fonft robett ©emütbern
vor biefem 93tlbe mand)e gute Grntfd)lüffe gefaÃt
werben-, bie ber ftrengfte BuÃprebiger nicht bätte
erwecken können. Ãbrigen^ konnte man ba§ 35tlb
fiel) auffcblieÃen laffen wann man wollte j eà war bie
erfte Merkwürbigkeit, welche jeber ©tnwobner aitS
ben gebtlbeten Stauben fetneu fremben ©äften gu
geigen ftcb beftrebte. -^anögenoffeu unb aSorübets
geljenbe brängteit fldi) bann freubig binj»/ id) b«be
bei folgen (Gelegenheiten eà als Sttnb uugäbligemal
gefebeit unb barf wobl fagen . baà vor biefem
Bilbe baö erfte ©efübl für bie ftunft in meiner
Seele erwachte. 30t f1i« einer SeitenkapeUe
ber Kirche, bod) »ergeben wenige Xage im Sabr,
an benen eà nicht auf grember ober (£inbeimtfd)cr
Begehren gegeigt wirb. £)aö 33i(b felbft befiehl
ai\Ã einem Mtttelbilbe uttb gwet gli'tgeb Bilbcvtt.
- «
Auf einem groÃen glängenben Regenbogen/ beffeu
91
Sireid Inf auf einen fietneu $beil unten, wo er ben
Horizont berührt, gan$ ficbtbar tft, thront ber
Hettaub ttt ernfter Diicbterftrenge. Ãin gtübenb
rotheö ©cbmert, bte ©pi£e nach ihm gewenbet,
fcbwebt jur itufett «Seite btcf)t an feinem Haupt,
jur rechten eine Ãtlte. ©ine in ber Ãuft fcbmebenbe
golbne ftuget, in mel'cber ftdi) bie näcbften ©egen*
ftänbe fpiegetn, btent ihm jurn ©cbemel. (£r ift
mit einem rotben Mantel beftetbet; ber auf ber·
93ruft bnrd) eine reiche ©pange jufammengehatten.
wirb, bann von beibcn ©etten jurücffatlt, fo baÃ
ber nacfte Körper ficbtbar wirb, unb über bem
©cbooà in groÃem fcbönen Faltenwurf ficb auf?
breitet. Söier ©ngel in farbigen taugen ©ewänbent
fcbroebeit über ihm mit ben Emblemen feineö SeibenS
für eine fünbtge Seit. ©t'cbt hinter bem Kegen*
bogen, auf äBolfen fi^enb, bitben bie jwölf Apoftel
einen fld) biefem aufcblieÃenbett Ãreiö, auf jeber
©eite fecbfej am (Eube biefeö Ãreifeö fm'eet jur
Kenten Maria in betenber ©tetlnng, eine ©traten*
glorie um ba§ Hawpt/ in einen wetten bunfelgrünen
Mantel matronenartig verhüllt; ber AuSbrucf t'hreS
86
fd)Diten ©eftdhté ili mütterliche ©üte unb ocrluttenbe
Milbe. 3hr gegenüber, am anbernGrnbe befftretfeä
fnieet ^obanneé ber Käufer, ebenfalls eine ©fori?
um baè febr ebie fcböite £>aupt, mit einem eng
anfcblieÃenben ©ewanbe von feinen gellen befletbet,
über welche et'n grüner, rotb gefütterter Mantel
fällt. Sie btS tn bte fleinften ©injelbetten »ortreff*
iieb aufgeführten |>änbe erfcheinen etwaè mager,
bodb marm unb lebcnbtg, Unter bt'efer ©ruppe
fdjwebe» brei ©ngel, ebenfalls in langen, bie güÃe
beberfenben ©ewänbern, unb laffeit bie furdjtbare
$ofg»»e (Jrwecfung ber lobten jertotten. 31M
btcfeS gebt in ber ?ttf£ »or, auf ber f£rbe offnen
ftd) bie ©r^ber unb bie ^obfen fte(;en auf.
bem Slnftbauer ^ugewenbet, unb riefen?
groà gegen bie faft um i>te fjälfte feineren Slufer?
ftebenben, ftebt in ì>er Mitte bip bPbP $elbe»ge?
ftalt beé (£r$engelä Michael {« prachtöoller golbner
Lüftung, in welcher fleh oon bptfccit ©eiten bip
nachften Umgebungen fpiegeln, eben s^ie in ber
Sfrigel auf welcher bie gi'tÃe beö $eiianbS ruhen,
Sie prächtigen groÃen gli'tgel beö ©rjengelS flnb auf
87
fcbtmmernben spfauettfebertt gufammcitgcfe^t, ein
weiter Mantel, fcbarlacbrotb mit golbnett Blumen,
mit ^urpur gefüttert, mit einer Doppelreihe »ou
perlen ttub farbigen Gtbelfteinen eingefaÃt, über
ber Bruft burcb ein groÃes juwelenreicbeä Mebattlott
jufammengebalten, flieÃet ju beibeit (Seiten von
feinen ©(bultern btö auf ben Bobeit herab, fo baÃ
ber ganje ficbtbar i>lei6t5 oben am Half«
erfcbeint baf ^anjerbemb von golbnem ©eftriefe.
Daö ernfte, vott golbigeit Socken umfloÃite
fcbmücft eine fcbmale Binbe, auö welcher vorn ein
jumeleureicbeS Ãreuj emporftetgt. Hoch in ber
rechten Hanb fyält ber (£ngel einen langen febwarjen
©tab, an beffen oberm G£nbe ein retdjer freujförmt*
ger ©rtff fchimmert, in ber linfeit, mit bem ©tabe
fleh freujenb, halt er bte furchtbare Saage. Die
rechte ©chaale, in welcher ein ©eeltger beteub fnt'eet,
rubt am Beben, bt'e It'nfe, mit bem ju leicht Be*
funbenen, fährt hoch in bte Hobe; bte Stellung
be§ faft herauöfatlenben Unglücklichen, ben ein nahe*
ftebenber Seufel fd^on beim Haar faÃt, brückt baS
ganje (Befühl feine« SlenbS au$. KichtS fattn im*
88
pofanter, höher, gröÃer gebaut werben, als
Michaels eble, glänjenbe, fdjlanfe ©eftalt, als ber
ridjtenbe Blick fetneS etwaS »orgebeugten ernften
d?eftdf>tö» ©eunod) tft gerabe bieS ntd)t mit »oll*
Fommner gretbett bebanbelt, bt'e garbe tft fo bünn
aufgetragen, baà bei genauer Betrachtung einige
33eranberungen beS mit Bletflift gejeidjneten Slott*
tnrS hittburch fcbtmmern, als habe bem Maler ein
ned) höhereö Bt'lb »orgefcbwebt. Auch bet einigen
attbern köpfen entbecft man fcbwadje ©puren foldjer
auSgetöfchten Monture. Sie ©rttppett ber Erwachen*
ben unb Erftanbttcu ju beiben ©etteu beS mägenben
Engels fhtb ju manntdjfalttg um fte alle ju befd)ret>
ben. 3n ber Nähe unb gerne fteigen bt'e Xobten
auS ihren ©räbertt, alle brücken baS aÃorgefühl
threS nahettben ©d)tckfalS auS, fe») eS greube, fet) eS
Entfesselt. 3(uf einem ©rabftetn fteht bte 3<*bl
CCCLXVII, bod) mie mir fchetut »Ott fpäterer
$aub übermalt, fo mie auch bt'e ÃÃpfe beS©eeltgen
tu ber äöaage unb beS mittelften ber brei Engel
mit ber ^ofaune ftdjtbar aufgemalt ftnb.
89
Dtd;t hinter bem <£rjengel ftrciten ein (£ngel
unb etit Xettfel ftdj um ben einer ©eele. Die
nnau«fpred)lid)fte Augft, ©djmerj, an 2©abnftnn
gränjenbe Verzweiflung fprtdjt jur Stufen Michaeis
attö ben unfeeligen, auf ba« mannicbfalttgfte grup*
pirten, junt Xbeil bid)t jufammengcbräitgten ©e*
ftalten jebe« Alter« unb ©efdjlecbt«. SÃuttberbar
fautaftifcbe Xeufelffrafjett, zum Xbeil mit fdjönen
©djmetterltngöflügelu, mtfcbett (ich unter JDte 93er*
bammten ltitb treiben fte auf mannidjfalttge 2'Ãeife
mit wahrhaft fatanifcber greubc bent Abgrunbe ju.
©elbft Dante« gewaltige ^bäntafte founte nidjt« er?
ftntten wa« biefe« überträfe. Auf ber redeten ©eitc
hingegen tft Alle« fromme Kube unb feeltge« 93nrgci
fiibt ber£tmmel«freuben, ba« in einigen/ befonber«
weiblichen köpfen fügar an faft finbifd) * füfjlädjelnbe
greubtgfett gränjt. Unter einer btdjt jttfamntett
gebräugten, ber £)immel«pforte ffd) juwenbenbeit
©ruppe, jcidjnet ftd) ber $opf eine« Keger« au«; iii
einer anbent, biefer gegenüber auf ber linfen ©eiter
wo e« auch an tonfurirten Moncb«föpfett nicht fehlte
ftebt ein ernfter ftiller ©ret«, bejfen ©eftcht mir
yo
tiefe -IfBebmutb , bocb weber Scbmerj noch Slngft
aufbrüeft unb ber wabrfcbetultch, im tfontraft mit
jenem getauften Neger, einen ber alten tugenbboften
Reiben barfteUt, bte, ohne eigentlich »erbammt j«
fct)tt, bennod) nad) bem ©lauben ber fatboltfchen
Slircbe, befonberf bem bamalt'gen, feinen Anfprucf)
auf bte Secltgfett bef Rimmels machen föttnen,
3wtfchen bebe»/ bunfeln, gaeftgen Reifen,
jtt welchen bie flammen bef tiefen Abgrunbef, »on
bem wir tnt iöorgrunbe nur ben Eingang erbltcfen,
boch berauflobertt, jeigt unf baf linfe glügelbtlb
alleS benfbare Entfetten, alle QÃerjwetflung, alle
Dual, atleu Sammer ber linfen Seite bef Mittel
bilbef, auf baf fürchterlichste geweigert. Noch
wilbere, eittfefclidjere Teufel, bte aber nie tnf
SBtberwarttg - ScheuÃliche aufarten, treiben bie
armen Seelen ben engen gelfenfteig hinunter,
jwtfchen £>ampf, flammen unb ©rauf, bem
Slbgrunb jtt. Sie ftürgen hinten über, fte fallen
unter etnanber, über etnanber, flammern fleh «n,
werben fortgefcbleubert mit entfeljlicher ©ewalt.
Sie SNannidjfaltigfeit ber Stejtungeu aller biefer
91
Itacften Stërper ift eben fo nnbefdjreiblüh,, öl« bet
oerfcbiebene A««brucf be« nämlichen ©efübt« i»
fitten btefen topfen. Dabei fmb bie (Stellungen
pft in ber wunberbarfte» 58erfür$ung, mit einer
SBabrbeit gebaat unb aufgeführt, bie man nur
^emunbernb anftaunen kamt,
Der rechte ginget bef ©emölbeê jeigt uit« exit
prächtige«, mit ©äuten gezierte« unb tm gotbifeben
.<Stt)l erbaute« portal, burdb welche« bie (Seeligen
§ur ewigen greube einrieben. Bilbwerfe *>on halb
erhabner Arbeit fd)mütfen bie gacabe unb ben
fjJlafonb ber becbgewolbten eintritt« - Hatte. Ãber
berfelben tn einem ©iebetfetbc tfl auf gleiche Seife
bt'e Schöpfung ber (£oa batgeftettt j im Innern be«
^Jiafonb« Ãberubint unb (Seraphim 5 unter bem
flogen beffelben, tnwenbtg auf einem ^fetter,
(Sbriftu« at« ftönig auf bent Zfronc fi$enb, ju
feinen giiÃen ba« Ãamrn, ring« um ihn bt'c Embleme
ber vier ©»augeliften, An $wei groÃen tburmäbnltcben
Pfeilern, 311 betbert (Seiten ber Hatte/ ftnb jebtt
©tatüen tbeit« ft$euber, thei'l« fnieenber Könige unb
heiliger Drbeuêfttfter angebracht, über ihnen er*
92
beben fïd) gierlid? gefémytc Balbachtne, genau wie
matt eS an ben i)errixd?fl:en alten Ktrdjen ftebt. Sllleê
bteö fchetnt nut folder täufcbenben Sföabrbett tn
Stein gehauen, unb tft von fo öolleitbeter 2luS*
führung, baà man fogar baê ©eäber beê &olgwerfê
an ber offen ftcbeuben Xtyüre, bte Befcbtäge ber*
felben, ja fogar bte etngelnen Nagel erblickt, ginter
ber btefeê ^racbtgebaube krënenben Baluftrabe
fteben flngettbe, muftjirenbe, jubflirenbe, Blumen
btnabftrèueube Engel, tn reiben SOieÃgemänbern $
ttwaê tiefer, auf gmeten bte Pfeiler umgebenben
Balkonen, aufjebem bret kleine wunberliebltcbe unb
fd)on befchmingte Engel, ebenfalls tu MeÃgewän*
berit, meldbe von ©olb unb Juwelen ftrablenj bret
»ort ihnen fingen a»ê einem Budje, bret anbere
fptelett bte f)arfe, bie Bither unb bie @etge. SBolken
umgeben baê (Bebäube von betben Seiten, eS
fchetnt fogar auf btefen jit ruhen, obgleich bte leiste
ber krtftalli ähnltd;en Stufen, melcbe jn benfelbett
führen, ttod? bie Erbe berührt, auf welcher jwtfcben
Riefeln unb Kräutern Siamanten unb Nubtnen
umhergeftveut liegen. Sicht ©eiftlidie boten fchon
93
bte Stufen erfìtegen, uttb ztebett, fctd)t an einanber
gebräugt, $ur ^>imn;*iöpfDrtc et», fo baà man von
ben mebrften nur bte tonfurirten Hinterkopfe erblickt,
voran prangt einer mit ber Xtare, neben btefer
jetgt ftcb ein fta'rbtnalSbttt. 93ter febr fdjone
â¬ngel, tu reichen MeÃgewänbern, mit hoben präcb*
tigen «Schwingen, befletben bie Sintretenben mit
getfHtcben ©ewänbertt, einem ber ie^tern wirb eben
bte Bifchop ? Mü^e aufgefegt Unten auf ber
^weiten Stufe, recht väterlich freunbltch uttb miib,
ftct;t bie würbtge ©eftalt beé betitgen Petrus 3 er
hält ben groÃen gclbnen Scblüifel uttb rcicbt einem
©reife bie £>aub, Weld)er bte erfte Stufe betritt*
Mehrere Seeltge nahen, Männer uttb grauen,
unb ein febr reich befletbeter (£itgel, unfern bem
heiligen^etru«, fleht, bei ihrem Empfange helfenb,
biefent jur Seite uttb winft ben (Erwählten bte
Stufen »ottenbö ju erffeigen.
Mit berfelben Sahrheit, wie auf ber linieri
Xafel ber Sammer ber böcbften OSergwetflung, ift
auf btefer bte Sfube bei Himmels, baS freubtge
unb boch bemiitbtge Gsrftaunen beim erften ©eft'tbi
94
unftuSfprecfyitcber «Seeltgfett KuSgebrücft. $eber voti
tiefen Köpfen fcbeint ^ortr1· gu fet)n, ölte fm&
aufgeführt wie bie fetnjte Miniatur, alle leben wie
bie SBirflicbfeit felbft,
Sie melen nackten Körper finb in 3e"fynung
Mnb garbe tabellof, bocb etmaS bager, befonberf
an Armen unb Beinen, Man fiebt, baà ber
Stünftler ntcbt ©elegeitbeit hatte, in btefer $inftcbt
fo bie Natur gu ffubiren mie in beu Köpfen,
Rauben, ©emänbero unb aÃen artber» bargujtelle«*
ben ©egenftänben.
2Bie auf ber iafel ber beiiigen (£aci(ie unb
ber fingenben Engel bef ©enter Bilbeö gu Berlin/
ift aud) auf feiefen ber ©runb' ober bte £uft »on
wirklichem ©olbe; Wabrfcbeinlief bie* mie bort weit
ber ©lang bef ftd) öffnenfeen Rimmels bärgejMt
»erben feilte, unb feine irbtfdje Atmefpl/ärc/
inbem bie Erftebenben unb ^eiligen ibrer 31(11*
Atbmen «ici>t mebr bebürfen* AlleS anbre ©olb, in
©cbnuick, (Stickereien imb ©toff, mie überhaupt
alleä Metall, ift et'njtg butcbgarbeit bt'S gur böcbftert
Xäufcbttng hervorgebracht. And) bie gelbne Kugel
95
unter bem guÃe beä £etlanbe3 unb bte Lüftung
â¦
beS Srjengetö Michael. Die Art wie fich tn
betben bte äuÃern ©egenftänbe. abfptegelu erinnert
lebhaft an ben ©piegel, beflfen gacctuS ttt ber Be*
fcbretbung bcr »on 3»b«tttt »an gemalten Bah*
ftiibe ermähnt.
Die HimmelSpforte, in allen ibreit Xb eilen,
in allen ihren Verzierungen, gleicht auf baö genauere
ben arcbiteftcnifcbert ©egenftänben, ben stempeln,
©äulett, uub bem erhabnen ©cbni^werf auf ben
©emälben »an G^cfS tn ber Botffereefcbett ©amm*
lurtg. ©» auch bte Bebanblung ber ©tiefereien,
bcr Staffen, beö ©efcbmeibeS, Dte »or ber Htm*
melSpforte geftrenten Juwelen uub farbigen Sbcl*
ftetne flub genau bte nämlichen wie bte, welche
unter ben gi'tÃeu bcr jur Anbetung bcS SammeS bin*
Ztehettben Kitter uub ^tlger auf ben ©euter Xafcln
in Berlin her»orftrablen.
Die Ãrttgel, in t'hrer prächtigen Siletbuttg, ftnb
ebenfalls bis in bte fleinften (Stnjelhetten ber &öpfe,
beS ©cbmucfcS, ber ©olbftoffe, ber ©chwtngen>
ber ganzen Bebanblung ber Sitgel auf ben ©euter
96
Söilbern aufbaS »ollfommenfte aijuttd?; ja bie kleinen
fingenben unb muftctrenben Engelcben auf bett Bai*
fönen gleichen fo fet>r ben Engeld)en auf bem ©enter
Bilbe, baà mau fie für Miniatur * Porträte ber
nämlichen Eborfnaben halten könnte, bie bei jenen
groÃen giguren gum $orbtlbe bleuten.
Sie uttbefcbreibttd) frönen Kopfe ber Slpoftel,
ber Mutter ©otteö, beS heiligen ^etruö unb
bannef beö XäuferS ftnb in garbe, AuSbrucf,
gorm, Bebanblung ber $aare ganj fo, mie auf
beu Xafeltt 3o&ann »an Ei;ckö in ber Boiffercefcben
Sammlung, befonberS erinnert hier 33ielef an bte
jȣafel beö heiligen ÃukaS. So tft eö ferner mit
beut galtenmurfe ber ©emänber, ber Behandlung
ber »erfcbiebenartigeit Stoffe unb beö ©olbbrokatS.
Unter ben Köpfen ber Seeligen fanb td) mehrere,
bie td) auf beu ©enter tafeln, unter ben Gittern
unb Eremiten gefebcn ju h«be glaube. Die fÃradjt
ber garben ift übrigens gang fo fhrablenb mie mir fte
tu allen mir bekannten ©emälbeit »an Et)ck3 be-
munbern muffen.
97
Ai« td> im grübltng beS 3«breS 1820 nach
einer langen Keifte »pit fahren meine iBaterflabt
mteber befugte, eilte icb, fobalb td) eS fonnte,
and) biefeS ©entälbe mteber ju feben. Sem'ge
Sage »orber b«tte icb bte ©enter Xafeln in Berlin
aufmerffam betrachtet, im£erbfte beS^abreS juoor
mid) in ber BotfFereefcbett (Sammlung an ben Met*
fterrcerfen Sobattn *>«n aufs neue erfreut,
unb alle btefe ©entälbe fcbmebten noch bell unb
beutltd) »or meinem innern Auge, Die Ãhnlichkeit
beS Danjiger BtlbeS mit jenen mir unvergeÃlichen,
befonberS mit benen in Berlin, trat mir im erfleu
Moment auf baS beflimmtefte unb erfreultd)fle ent*
gegen. Die tteberjeugung-, baà bt'efeS Daujtger
Bilb unter »an GfycfS fcbbpferifd)en |)änben ent*
ftanb, begrünbete ftcf? immer fefler, je öfter unb
je länger icb eS betradjtete , unb td) glaube in
ber Xbat baà auch bei Anbern jeber 3weife*
fdjmtnbeit mürbe, fobalb man nur bie ©enter
tafeln tu Berlin btefem Bilbe gegen über ftellen
konnte , um fte mit eittanber genau ju »ergleid)eit.
Ãbrigen« flammen biefe tafeln gewià attS ber
7
93
frühere« 3ett ber »an Gs^df, unb mürben lange vor
bent Ã^ftuö auf bem Seben ber heiligen Jungfrau,
ben bte Boiffere'efcbe (Sammlung beft^i, gemalt;
mabffcbeinlicb turj vor bem groÃen Altargemälbe in
(Scnt, über meinem Hubert im 3<*br 1426 ftarb.,
Kenner mögen entfcbeibcu , ob td) irre, mentt id) tu
Manchem, vor Allem in ben Ãrftanbnen unb in ben
£eufelSgeftalten, bin unb mteber £>ubertö Mitmir*
fung ahne. Beftätigt fid) bief, fo märe btefeS
herrliche ©emälbe ein Meiftermerf ber vereinten
Kräfte beiber SSrüber unb babur^ für bie ©e-
fchtd)te ber Kunft von um fo gröÃerer SSebeutung.
99
Simonetfo üou SJJSeflfna.
Antonello eilte gletcb nad) bem Ableben feine«
gvofjeit Sebrer« nad) Stalten jurücf, unb begab ftd)
nad) Venebig, wo er burd) feine in ben Kieberlauben
erlernte ftunft allgemeine Bewunberung ftd) erwarb,
Viele feiner 3eitgeuofTen bemiibten fid) auf ba« an«
gelegentlid)fte, ba« ©ebetmnif} be« Giovanni da
Brügge »Ott tbm ju erforfdjen ; er mibcrjtanb lange
uttb nur einem ©tnjigen gab er ftd) julejt btn. Dtcfcr
btep Domenico j fein Käme ift jcjt faft »crfd)olieu,
feine 2Ãerfe bat ber Strom ber 3e^tt fortgeriffen,
bod) war er in feinen Xagett ein bodjberübmtcr
Meiftcr ber faurn im Gcntftefyen begriffenen oencjias
ntfdjett Sd)ule. Söte AtttottcHo ba« |)er$ bc«
Sobantt »an (£i)cf gewann, fo wuÃte Domenico ba«
â¢Â£>ers Antonello« ju gewinnen unb biefer »ertraute
t'bm nacb Verlauf weniger Mottbe, au« uneigen*
nüfjtger Siebe, ba« ©ebetmntÃ, welche« er für
feinen anbern *prei« »erfauft babett würbe.
55eibe greunbe arbeiteten »on nun an mit
bober greube tutb Stift 3 ibr Kubm warb groà im
7 *
100
Jöaterlaube, bocb Antonello erfreute fleh beifen mc^t
lauge, vielleicht uur wenige Söhre«. Er erhielt
ben ehrenvollen Auftrag, einen groÃen ©aal im
^Jallaft ber ©tgnortft von 33enebig mit feiner neu er«
»crimen Kunft ju fdjmücfen, bod) er erkrankte unb
ftarb im neun unb vterjtgfteu Sahr fetneS Alters,
.vT"'"' *
noch ehe er baS groÃe 3Ãerf beginnen konnte. Auel)
Somentto erfreute flcb nicht lange beS mit £>ülfe
fetneS greunbeS erwerbnen NuhmS. Ein Maler,
NamenS Anbrea bal EaftagnO j. wuÃte fein 58er*
trauen in fo hohem (Brabe ju erfcbleicbeit, baà er
fldh julejt bewegen lieÃ, t'hm baS von Antonetlo
von Mefflna erlernte ©ebetmntà ber Dlmaleret mit--
* "
jutheilen. SerÃohn btefeS treuherzigen aÃertraueitS
war ein gewaltfamer, graufamer Xob, von ber |)anl)
beS meuchelmörberifcben Buben.
.·.. · â i.
©o waren Antonello unb iDomenico beibe in
ber Blütbe ihrer Kuuft bem Untergänge geweiht,
boch bie Ãlmalerei war für alle nachfommenben
3eiten gerettet; fie verbreitete ftch von nun
an burch «He Serfftätte ber Maler in ganj Stalten,
4?.
101
wo balb barauf bic herrlichen SOïciftcr aufftanben,
beren unterbliebe 3Berfe eine bewuttbentbe SRacb-
rocft atè unerreichbar »erebrt.
iÃon Sintonettoê ©emalben ift tn Stalten wenig
ber jerftörenbett ©ewalt ber 3c^en entgangen;
»ielleicbt baê eindige, weldjeê tn ben Kteberlanben
erhalten warb, beftnbet fleh in ber ©ammtnng be$
Herrn »on Kotterbamm, ^rofefforê ber fbntgltcben
Uni»erfität jtt ©ent. Dtefeê ©emälbe trägt bte
Unterfcbrtft: â1477 Antonjllus Messaneus me
pinx.", unb tft für bie ©efd^icbte bcutfcber Stitnfl
»Dtt uttfdbä^barent SÃertbe, weil burcb bie bent
Btlbe beigefügte Sabrjabl gewtffermaÃeit bte 3ett
»en Sobattn »an tobe befttmmt wtrb. (Si
ift alle SBabrfcbetnlicbfeit »orbanbett, baà Slntoitelio
btefeê Bilb nocb tn Brügge malte, »ielleicbt furj
»or Sobann »an Cïtjcfê Xob; bod) märe btefeê
auch nicht, fo ift bocb fo »tel gewiÃ, baà er feinen
groÃen Sebrer nur wetttge Sabre überlebte, ba er
fcbon weit über bte Sünglingêjabre btnauS war,
all er nacb ^Brügge fam, bort mehrere Sabre »er?
102
weilte ttttb im neun uttfe oiergigften 3obr bte SBelt
»erlief?, SlntonrtloS ©emalbe ftellt ben £>etlanb
gwifeben ben beiben mit ibm gugletd) gefreugigteu
Verbrechern bar. An einem Baum, gut Rechten
beö ÃreugeS, au welchem ber reuige Verbrecher
bangt, lebnt bte Mutter, tief »erfunfen in laut*
lofem Sommer; tbt gegenübet ftebt 3ol)anneö, au*
betenb in Siebe uub Semutb. Ser Slufbrutf ber
©ejtalt be§ tobten SbrtftuS tft burebauä ebel unb
ruhig; bie Verbrecher ftnb augeufd)ctnltcb in peilt?
lieber Ouaal »erfebteben, ber gut Ãinfen in gemalt*
fönten .Bübingen, bie ber Künftler gmar furchtbar
barftellt > bod) obite in baf ©tätliche gu fallen, 3m
Mt'ttelgrunbe erblicft man einen £betl ber ©tobt
3erufalent, im £>intergrunbe baö mtlb empörte
' Meer, 3» ber $orm uub bent burebfiebtigen
©chtmnter ber Sogen wollen aufmerffame Beobadj?
ter ben (Sbarocfter beö mittellänbifchen ober abriati*
feben Meerö erfettnen, aud) bte warmen £öue ber
Ãnft geboren bent leuebtenben ©üben. SlntoneUo
hielt mit Siebe unb treue an ben Vorgügen fettteS
fchönen fÃaterlanbeö, ober alleö Xed)utfd)e in btefern
103
augcnfehci»ltd) in Di gemalte» Söilbe gehört unwiber*
ÎÏνεÏÎ¯Î¯Ï j»r ©«buie Sohan» »a» (Spciê, ȟb fe ijt
btefeö Btlb, gleidjfam alä 5öeret»tgu»göp»»Ft ber
bcutfdje« unb ttalie»tfche» (Sch»le, von hoher Be*
beutfamfeit.
104
Wogtet: Dan 33rnggc.
9?ogter »au Brügge , ber gweite fetner
©djüier, welchem Sobann »an Etjcf baf ©ebetmniÃ
ber Ãlmalerei entbeefte, warb ein groÃer allgead)*
teter iOieijter fetner 3eit. Er malte nad) ber Art
feitteö hohen Ãehrerf tn EiweiÃ, Ãetmfarben unb
â¢I
£>l; le^tere Art bie garten ju bereiten war »oit
nun au fein ©ebetmntà mehr, unb »erbreitete fld)
balb allgemein in ben Nteberlanben wie tu St^ie»·
Rogter war ein trefflicher 3eid)iter ber AuSbrucf
unb bie Anmuth, weldhe er feinen ©eftalte« ju
geben wuÃte, »erfebafften ihm bie allgemeine Be*
wunberuttg feiner 3eti9cttDfirert- malte meiften*
theilö fehr groÃe ©egenfteinbe in SebenSgröÃe unb
war »erntuthlicb einer ber erften, bie ftd) ber Sein*
wanb, (tatt holjerner Xafeltt, bei ihren ©entälbett
bebienten. Senn bie auch in jenen Sagen allge*
wältige Mobe brachte groÃe bemalte Seelen als
einen feltnen ©egenftanb be§ CuruS auf, mit benen
bie SÃättbe groÃer ©äle in ^JaUaften unb tn offeut*
liehen ©ebäuben gefdhmücft würben, ftatt ber fenft
05
üblich gctuefeiten teppid;arttgen Xopetctt »t>n man*
djcrlei ©toffeu, SRogier »an Brügge jeidjnete ftdf)
befottber« in biefer (Gattung »on Maleret au«, tutb
»tele ©tabtbäufer, Ãtrdjen unb sprt»fttgebäube in
bett ©täbten ber Kteberlanbe prangten nod) lange
nacb fetner l'oftbarett ©ebilben »du fetner
fuuftreteben £>anb. Da« 3abr feine« £pbe« ift un-
befauut. Starl »cit Manber erwäbut eine« $erüd;t«
r»cld;eö tbn fegar in ber Mitte be« fecbjebnteit
3abrbunbert« al« nod) lebeub »erfüitbigte, bed)
büuft ibnt biefe« felbft ju unwabrfcbetttltd), unb
er jiebt »or, biefe ©age, ttad) Art ber bamaltgett
3ett, auf bie unterbliebe Ãuuff be« Metjter« atte=
gcrifd) ju beuten.
106
logier ttcut ber 2öet)bc,
SeScampS, unb gucStt nad) ihm, ermähnen
etneS Sdji'tlerS »an GttycfS unter bem Namen Negier
»an ber 3fÃet)be ober Nogter BrurellenftS, bejfen
©eburtSjabr fie aber munbertid) genug auf baS 3«hr
1480 befttmnten, mäbrenb fic Sohamt »an Stjtf,
bei bem er nad) ihrer SluSfage gelernt haben foll,
fdbon im 3abr 1441 fterben laifen. Sine faft bei*
fpiettofe UnacbtfamFeit, bie zugleich bte Möglichkeit
beS ^rrtbumS bezeugt, ber fte verleitete, utter;
ccbtet aller oben fdjon angeführten Bemeife für eine
mett fpätere Seit, baS Sahr l44l als baS Sterbe?
jähr Sobamt Et;cfS beftimmt anzunehmen,
SÃabrfd) einlief) irrte fte ober ihre Vorgänger bie
gorm ber alten 3al)len. Sic 3<*bl fiebert marb ttt
früherer ^cit mte eine umgekehrte römtfebe günfe
gefcbrt'eben, unb 14a0 fattn in alten »ergelbten
unb ftaubbebeeften Manuffripten »on Unfunbtgcn
»ber Slcbtlofen leicht für 1440 ftatt 1470 angefehen
»Sorben fet)n.
Oh»c ihn genauer als -Sohctnn »an (£t)cf$
Stüter ju bezeichnen, ermähnt Kart »on Manber
/
107
btefeS Diogter »an ber Sevjbe, als eineS mit fjoi)cr
Ãunjt rctci) begabten alten -JDieitterS auS ber legten
Hälfte beS funfjebnten unb ber erfreu beö fedjjebn*
tcn SabrbunbertÃ, bev »tele bebeutfanie ©emälbe
»on r et dl) er (Srftnbung unb bemunbernömertbem SlttS*
brucf in Dl malte. Vier groÃe ht'itortfcfye Xafeltt
»on fetner Hanb fd)mücften beit ©ertcbtöfaal bei
alten prächtigen 3iatt)baufeö ju Brüflfel, melcbe alle
bte (treugfte Ausübung ttnbeugfamer Kecbtöpflege
btlbltcb barftellten. Sluf einer berfclbett fab man
einem Vater unb feinem ©ebne, jebem eilt Singt
ausreiÃen, roetl einer »Dn ibnen megen eine« Ver*
brechen« beibe Slugen ju verlieren »erurtbeilt mar,
unb bte« furd)tbare Urtbetl nur baburcb gemilbert
rnerbeu fonnte, baà bte ©erecbttgfeit ftcb bemegen
lieÃ, beibe burd) innige Siebe Verbunbene mte
(Sine Herfen anjufeben. Sluf einem anbern btefer
©emälbe morbet eilt flerbenb auf bem Ãranfenbette
hütgeftreefter Vater mit eigner Hanb ben »erbredjci
rtfd)ett ©obn, jur ©übne beö ®efe£e«. 2Ãie
btmmlifd) flar unb rein erfebetnt bagegen 3obann
»an®ncf, beffen ewig ijettre ^bautafie fotcfyc ©rettet
108
bilber nie aufgufaffeu vermochte! iDennocb erwarben
biefe ©emälbe 3iogterS oait ber äöe^be burch
SBabrbett beS 5luSbrucfS allgemeine Bewuitberung,
obgleich ©cfjauer unb Entfe|en von ihnen auSgtng.
SSefottberS würbe ber gelehrte SampfontuS wäbrenb
fetneS Aufenthaltes in Brüffel niebt mübe fle gu
betrauten unb gu pfeifen, Ein Altarblatt für bie
Marienkirche in ber ©tabt Söwen warb für baS
gröÃte Metfterwerk Rogterä »an ber SBeipbe ge*
halten. ES ftellte bie Abnebmuttg com Krettge bar.
5Ãf gmeien an baS Kreug gelehnten Settern flehen
gwet Männer unb laffen ben in ein leinenes Xucb
gefaÃten tobten EbrtftuS t'tt bie Arme SofepbS »on
Sfrimathia unb etneS ©ebülfett hinabgleiten, währen*
bte heiligen grauen unb SobamteS bte tu £>bu*
madjt hingefunfne Mutter beS |>ei(attbeS unterftü^en.
©o wie *>«» Ei^ckS berühmte^ 3lltar = @e?
mälbe tu ©ent, fo erregte auch bt'efeS bie $abfucbt
«Philipps »on ©panien, er lieà eS ebenfalls bnreh
Mtdhael EorteS kopieren, nahm aber bteSmal baS
Oiiginal unb lieà ben Bürgern von Söwen bie
Kopie, s
109
£>a3 Schiff, welche« bte ©emötbe nad) Spanten
führen follte, fdjextcrte cm ber fpantfcben Ãüfle,
unb ba« 23tlb fiel in« Meer, warb aber wieber ge*
borgen, unb war junt ©linf fo gut »erwabrt, baÃ
ibm ba« Seewaffer nur wenig hatte fcbaben tonnen,
(iin Umftanb ber bte Möglichkeit beffen bejeugt,
waö bie Sage »on bem Danjtger Btlbe erjäblt.
logier »an ber 2Ãe»)be warb enblicb febr reich
burcb feine Siunft Einige feiner heften ©emälbe
für bie Ãöuigiu »on Spanien würben mit einem be-
beutenbett lebenslänglichen Einkommen belohnt,
unb er erwarb auch fonft noch »iel »Ott ben ©roÃen
feiner 3eit, bie feine Slrbeiten fürftlicb bejahten.
($v wanbte feinen Steicbtbum auf bie ebelfte SBeife
jurUnterftü^uUg Armer unb Diotbleibenber an, warb
allgemein geliebt unb »erehrt bt« an feinen Xob, unb
ftarb im &erbtt be« SabreS 1529, an einer peft*
artigen Ãranfbeit, welche bamal« in ben Siieber^
lanben wüthete unb »tele taufenb Menfchen hi»-
wegraffte. Man nannte biefeö Uebel ju jener Ãeit
bie englifche Krankheit.
110
/
£itgo »an ber
3obamt »an Ei)cfS eignes unabtäffigeS Vor*
wärtSftreben auf fetbft gebrockter Balm mad)te t()it
wabrfcfyeinlief) gur Annahme einer groÃen Angabt »oit
©cl)ülern mentg geneigt. ES febeint, atS ob nur
ein befh'mmt beroorragenbeS Xaleut ibn bewegen
mochte fiel) ber Mühe beS SebrenS gu untergieben,
benn auffer AntoneHo »on Mefftna unb Nogter
uan Brügge fettnen mir mit einiger ©ewtÃbett nur
noeb £>ugo »an ber ©oeS unter bem ebrenoolten
Spanten fetueS ©dntlerS.
Nur wenig auS bem Ãebeu biefeS $ugo tft bis
auf unfre 3eiten gekommen; man weià nur, baÃ
er um baS 3«br '1480 bte »on Sobann »an Et)cf
erlernte Stunft mit groÃem CÃliuf unb feltnem ©C*
»
lingeit in beit Nieberlanben, befonberS in ©eut,
übte, unb ftd) als beffen würbiger Nachfolger Nuhm
unb Ehre erwarb. SBabrbeit in 3ei<b«i>ng / 3Ui
fammenftellung unb AuSbruci feiner gtgüaeu, Bol*
lenbung tm ©roÃten mie im Ãleinften, geidinetett
I r
feine Arbeiten auS, unb erhoben ihn 51t einem ber
117
crflew Metfter feiner feine« Vater*
lanbe«.
Seine Sebreriit in her ©arjtellung weiblicher
©ejtalten, in welcher nadj bem llrtbeil ber bamali*
gen Siunftfenner e« niemanb ihm gleid) tbat, war
bie beiÃe innige Siebe ju 3afob SSepten«, eine«
Bürger« oen ©ent, fdjoner Siebter. Diefenr ge*
liebten Mabdjen 511 (Ehren umjtralte olle feine
$r«uenbilber eine nur t'bm eigne unbefcbretblidje
Anmutb/ neben ber jüd)tigften Befcbeibenbeit in
Stellung unb SluSbrucf. (Sin tu Dl auf einer 2Banb
int $aufe be« Vater« feiner ©eliebten gemalte«
Bilb jeidjnete üt btefer £>tufid)t befonber« ftd) au«.
(£« (teilte bie finge Abtgatl bar, wie fte, begleitet
von ihrer wetbltdjett i>au«genojfenfd)aft, bem hoch*
erzürnten, auf einem ftoljen Sftoife einher reitenben
Slönig Da»ib mit fanfte.r Uberrebung entgegen tritt
^nb bureb weibliche Milbe feinen ftrengen Sinn be*
ftegt. Auf biefem Btlbe prangte auch ba« nad? bem
Ãebett gemalte febr ähnliche «porträt ber fdjeuen @e*
liebten be« Maler«, unb ber ©lüeflicbe empfing
bafi'tr mit ihrer §>aub bett lang erfebttten Seh«*
r ' '·*'
112
Ãufafi be $eere, welcher »an (£»)cf4
SOieifterwerf in ©ent befangen i)ittte, weihte auch
biefem Söti&e einige nad) Art feiner ftnnreithe
9ietme, in welchen er bie grauen »on ©ent auf
$ugof »an ber ©oef ©emälbe »erweift, um An*,
mutb unb Befcbeibenbeit 51t lernen, unb gule^t be*
bauptet, baà bfefef äfleifterf grauenbtlber nur
einen einigen bei t'brem ©efcbledjt feltneu gebler
befäÃen, ben, nicht p fprecben.
Ein fletnef, faunt anbertbalb guà bobed
lötlbdjen $ugof »an ber ©oef, in ber 3afobö?
ftrcbe ju ©ent, ftellte bie heilige Jungfrau mit bent
Ktnbe in aller ihrer #olbfeligfett bar, unb war
bis auf bie fleinften 93lümd)eit, Kräuter unb Kiefel
im Vorgrunbe mit unauffpred^lid) jarter VoHenbung
aufgeführt. Ein anberef feiner ©emälbe im Ma?
rten ? Klofter gu ©ent flammte auf feiner früheften
3ettj ber ©toff baju war auf ber Segeube ber
heiligen Katharina entlehnt, unb audj btefe feine
"Sitgeubarbeit erwarb ihm fchon allgemeine Bewun?
berung. Von allem btefen Bilbern tft unf letber nur
bie Kuube ihref ehemaligen £>afes;nf geblieben,
uitb überhaupt-mögen wohl mir wenige btefeö alten
Metfter« bi« auf uufre Xage gefommen fet)n ; bod)
befliÃt bte S3oiflrcreefd)c Sammlung eine« ober mehrere
berfelbeu, »01t beuen mir aber nicht« nähere«
bekannt ift,
£>err Refrath £>trt erwähnt mit groÃem Sobe
eine« ©emälbe« »on 'f)ugo »an ber ©oe«, weld;e«
er tu $lorenj fanb, uttb beffen Attfcbauen t'hn bewog
ba« erwähnte Sandiger Büb mit Beftimmtbeit für
eine Arbeit beffelben ju erklären. Ohne hierüber
entfebetben jit wollen, kann bt'efe Anftdjt eine6 fo
berühmten ftunftfeunerS wenigften« al« Beleg ber
hohen 23ortreffltd)feit fowohl jene« Florentiner @e*
mälbeö, al« überhaupt ber Arbeiten £>ugo« »an ber
©oe« bienen, unb jugletd) bt'e täufchenbe Ãhnlich*
feit feiner Art $u malen mit ber feine« heben Sebrer«
bewetfen. Sine« ber »orjügli'chften ©emälbe i>ugo«,
etite Ãrcujigung, welche ben Altar ber 3akob«*
Ãtrd)e in ©ent nod) ju 5larl »ou Mauber« 3eiteu
fdjmückte, warb bamal« wie burd) ein SBunber »ont
gänzlichen Untergänge gerettet. Sange war
e« gleid? einem föftlichen ftleiitob fehr bod) gehalten,
8
114
unb felbft bie Btlberftürmer jener Söge hatten n(d)t
gewagt eö ju berühren, ES ftanb ruhig uub ftdjer
ait heiliger Stätte, btS man juiejt beit EntfcbluÃ
faÃte, bie Kirche aifeö fatbolifdien ScbmucfS jtt
\
berauben unb fte für trgenb eine ber proteftanti;
fdjett Seiten einzurichten, meld)e bamalö mit threit
«prebtgten baö Sanb burchjogen. Selbft ba§ 311*
tar ? ©emälbe burfte bieÃmal fetttett Stanbort nicht
behalten, e$ warb berabgenemmen, unb ein
Maler, ein Kunftoerwanbter, beifen Namen Karl
»Ott Manber auf ju groÃer Schonung »erfebwetgt,
gab bei btefer ©elegenbeit ben unbegretfltd) betffofen .
3?atb / bt'e fd^Dite gmljtafel beS feftlicben ©emälbeö
ju bettu^en unb baä S5ilb mit febmarjer garbe ju
überziehen, um t'n golbtten Q3ud)ftaben bte jebn
. bete barauf ju febreiben. Der greoel warb wirklich
vollbracht, bod) gum ©litcf hatte £>ugo gemalt wie
er cö »on feinem Metfter gelernt batte j bie garben
waren febr fetn unb bi'mne auf einem febr feflen,
glatt abgefcbltffnen ©runb aufgetragen, unb bte
mit fetten Dien bereitete fd)marje garbe vermochte
eben fo wenig, alö baS ©olb, auf btefer fpiegelglat*
115
ten, oen ber mehr gehärteten ^Ãacf>e
haften 3 ba« Bilb rowrbe halb barauf »cn beffer
©efmnten mit groÃer (Sorgfalt mteber gereinigt,
nnb trat Î·Î±Ï fnrjer Verftnfternng *>on neuem heö
unb unöerfehrt beroer.
122
§emltng, pweiien aitcfy S^em^
meitng genannt,
SGÃobl «od) nie retate fld> ber Name beö
Süngerf mit befferm Neckte an ben fetneö ihm »or?
angefchriitnen Metflerf , alf ber Name £)auö
-fjemltng an ben Namen 3<>bannef »an (£t)cf. Nur
ber 3eitfdge ttac^ er Jweite nad) jenem,
fouft fleht er überall bid)t neben ihm, ja man
möd)te fageu, gumetlen über thm, menn eö bern
Xalent mögltd) mare, ftd) höheren $lugf ju erbe?
ben alf jeuer Niefcngetft, ber erjt ben Naum ftd)
fdjaffen muÃte, tu melcbem er ftd) nachher fo fühn
unb frei bewegte. Siöahrheit, Einmuth, pünftltcbe
Xreue bei böcbfter Freiheit, tief gefühlter Aufbruch,
VoUenbung im $i>d)iten mte im Kletnften bei liebt?
heller Klarheit, ^oefte ber Erftnbung ohne eine
©pur »du ^bemtaiterei ober gefugtem StÃefen, fur$
Slllef, waf mir bei Johann »an (ipef ftaunenb be?
tomtbern, ftralt auch auf £>anf £>emliugf Serien
unö blenbenb entgegen. Mit allem biefem »ereinte
er nodh bte auf ber tn)jantinifd)en 3ett ftammenbe
117
höhere ftorrefthett ber Stompofitton, welche 3ohann
van (£t)of / l)tugeviiTen vom eignen Schöpfung«*
triebe, utd>t immer beachtete.
Pentling« gange« Siöcfen mar ^oefte / öurch
fie warb jebe« fetner ©entälbe jum lebcttbaucben*
ben ©ebtcbt, nnb »tele berfelbeit ftnb gemalte (^po*
peen, wie nur bte erjten Säuger aller 3eiten flc
in SSSorte ju faffen vermod)ten. Selten genügte
ihm bte (Gegenwart be« Slugenbltf« ben er barjtelien
wollte, er fnd)te Vergangenheit unb ihm
anjuretben, unb benu^te baju beit bamaltgen Slunfk
gebrauch, bte nämlichen ©cftalten welche bte i)aupt?
gruppe eine« ©ernälbe« btlben, nad) ÃftaaSgabe
ber Ferne verkleinert, unb tu ben vevfcbtebcHartigi .
ften Situationen, auf ben entferntem ©rünben feiner
£afei wteber anzubringen. Sin weite« uttabfeb*
bare« Fcib, ba« er freubt'g jtt benutzen wuÃte,
warb ihm bterburch geöffnet , unb viele feiner
groÃem ©entälbe wimmeln von foldjeit eptfobeuatv
tigen Darftettungen. Der geläuterte ©efdjmacf
unfrer verwirft btefc bamal« burchau« üblidje
Freiheit ber alten Maler, unb jwar mit 9ied)t;
118
aber gewià wirb feiner im Angefügte ber (Schöpfun-
gen $emitngö fte unbarmbergtg gu »erbammen »er;
mögen, benn mer mottte bem wahrhaft Schönen
ba§ Nedjt gu ertjtiren ftreitig machen, eä fei) in ber
SirfKchfett ober in ber Kunft.
93on ben Scbtcffalen, weichen $anf £em(iug
wäbrenb ber Saufbahn fetnef Sebent begegnete, ijt
nur wenig @efchicht(icheö auf unfre 3eiten gefommen j
war ja boeb fetn Name bis »er wenigen fahren
unter unf faft »erfebotten! Dod) feine Arbeiten,
beren eine »crbäitntÃmäÃtg groÃe Angabt unf erbat?
- ten matb, gewähren un§ Anbeutungen fetneS
Sebent, weiche, »ergiidjen mit bem, waö wir
beftimmt oon ihm wiflfen , wentgftenS bt'e ^aupt*
epoeben unb merfwürbtgften Begebenheiten beffetben
mit einiger «Sicherheit begetebnen.
Nad) Einiger Behauptung warb 'i)anö -fjemltng
tn bem ohnweit Brügge liegenben Orte Samm
geboren, ttad) Anbern in jener att berühmten Stabt
fetbjt j boch eine »om $errn »on ÃaÃberg gu Ep?
ptfhöufen, ohnweit Ãenftang, aufgefunbne unb ben
Herren Boifferöe mitgetheitte &anbfcbrift macht eS
119 ,
v
ì
neuerbingS wabrfebeinlicb, baà er fein 9Web erlaubet
war, fonbern eigentlich aué Sionftanj ftammte.
JDiefe £anbfd)rift, eine um ba« 3abr
gefdjrtebne Gilfaffer donici, warb »or furjem »on
i)erra von FaÃberg in Ãonftanj gefauft, nnb er
fanb auf ben legten Blättern beö Bud)« baö »on
fpäterer f)anb gefebriebne ©tammregifter eine«
43an« Pentling nebft $amtlienereigniffen, wie man
biefe in jener 3eit gewöbnlid) in Bibeln ober anbern
mertbgeaebteten Biicbern aufzeichnen pflegte,
IDtefe« (Stammregifter beginnt mit bem ©roÃöater
Stnbin Reinting, geboren 1342, geftorben 1424.
!Dem folgt ber Vater Gtonrab i)emling, geboren
1394, geftorben 1448 . «nb beffen (Sbefrau,
Margaretb Brufen, geftorben 1448. Auf btefen
folgen fecb« Ãiuber btefe« dibepaar« , unter benen
â f)an« $emling ber vorlebte, im 3«br 1439 ge;
boren ift. Die Famtlieneretgniffe finb bié in ba«
3abr 1490 fortgefegt, in welchem ber Xob eine«
ber ©efdjwifter angezeigt ift, unb nad? £>errn »on
CaÃberg« Verficherung war ba« ©efcbledbt ber
120
Mutter Margaretb Brufdmt uub baS beS ©alten
einer ber Siebter, *£)äuS £mbfcbltn, tn ber ©egenb
»du Stonftaug ctnbetmtfcb; le^tereS blüht bort fogar
nod) btS auf ben heutigen Xag. Die in tiefen ©e?
fcblecbtSnacbrid)ten enthaltnen 3ci^eftunmungen
paffen übrigens red)t gut gu bem, waS wir fünft
noch vott bem Sebett $>emltngS wtffen, . fo auch
ber NamK 2luf gweien fetner tn Brügge be*
ftubltdjen ©emälbe, von betten weiterhin ausführ-
licher bte SKebe fepn wirb, fchrieb er, opus Jo-
hannis Pentling, anno 1479, unb ntd)t ^emme*
linrf, wie 2>eöcamp, mit feiner gewohnten frangö*
ftfeheu glüdjtigfeit, eS berichtet j fetn eignes 93ilb,
welches er auf einer btefer Xafeln anbrachte, hat
augenfd)etnltd) baS Anfehen et'neS bödjftenS viergig
Saf)r alten MautteS, waS ebenfalls mit bem @e?
burtSfahr 1439 vollkommen gufammentrijft. Sluffer
btefett gamiliennadjrichten ftnbcn fiel) in her Krontcf
mehrere von bem SÃerfaffer bcrfelben Jtid)t äuge?
führte Denfwürbigfeiten ber ©tabt Konjtang, von
berfelben £vanb, n>eld>e jene Nad)rid)ten febrieb,
..hinzugefügt, and) eine Aufgäblung ber Btfdjofe von
121
Stonftanj, bt« auf i)cinrtd) »on &oewen, weicher
»du 1439 btd 1475 biefe ©teile befieibete,
©tu gweiter 3ufa£ kommt in ber Sironick bei
Frtebvtcb »Ott Blankenheim »er, mit welcfjem
5töntgöbo»en, ber Verfafier berfelben, bie Diethe
ber ©traöburger Bifdjöfe fd)lteÃt. Diefer ge*
laugte um baö 3abr 1393 zum BtStbum Utrecht,
weldjem er biö zum 3abr 1423 »orftanb, unb
jener 3ltfa^ bat bauptfächltd) Bezug auf biefe
Vcränberitng, £rierau« fowobt, al« baburd) baÃ
bevfelbe in nicbcrlättbifäjcr ©pradje gefchrteben ift,
gebt ber»or, baà biefe« (Sremplar ber Strouick eine
Ãcitiang in Utrecht war, unb fo wirb e« erklärt,
wie ba« Buch felbjt in bte |)äube beö in ben 9fiie-
berlanben lefceuben Maler« i)an« |)emltng kommen
konnte.
©o wie je£t junge Ãunftler nadb 9tom geben
um tbr Xalent au«zubilben, fo wauberten in altern
3etten bie Sebrlinge nad) ben SKieb erlauben, wo
fd)Dit im bret'zebnten 3abi'bunbert in $eltt unb
Maftrid^t bie bevübmtcftcn Malcrfchulen Deutfd)*
i
lattb« blühten. 3m fünfzehnten 3<*brbunbert $og
122
ber.groÃe SKubnt 3ob<*ttn »an EpcfS atteé att fleh,
um fo mehr ba ber Neicbtbum unb bte spradjt ber
nieberlänbifcben ©täbte ber Ausübung btibenber
tfunft bte günftigften AuSftcbten beten. ES ift alfo
um fo letebter erklärbar, wie $anS i)emltng gerabe
nad? Brügge kam, ba beffen Cebvjabre eben in bte
3eit fielen, tn melier 3obonn »an Et?ck bte bödjfte
Stufe fetner Ãunft unb fetneS überall verbreiteten
JftubmeS erretdjt botte. Db £>emltng mtrfitcb
beS ©lückS tbeilbaftig marb; unter bte kleine 3abl
ber eigentlidjen Schüler beS groÃen MeifterS auf?
genommen gu merben, läÃtftcb fretitcb ntd)t mit biplo?
matifeber ©emiÃbett behaupten, «ber baà eS mehr
aiS mabrfcbetulicb ift, bavon mtrb jeber, ber £>em*
lingS ©emälbe mit betten von 3<>b«nn »<*n S«
vergleichen ©elegenbett batte, fogleicb bttrd) ben
Augettfcbetn überzeugt.
Der gelehrte Jacopo Moretto, Auffebet'ber
Bibliothek St, Marco $u SÃenebtg, gab im 3«hr
1800 baS Xagebud) eineS anonymen Netfenben auS
bem feebjehnten Sahrhunbert heraus, unter bem
Xitel: Notizia d' opere di disegno della prima
123
meta del Secolo XVI esistenti in Padova, Cre-
mona , Milano, Pavia, Bergamo, Crema e Ve-
nezia. Scritta da un anonimo di quel tempo,
publicata e illustrata da Jacopo Morello. IDÃefer
Sietfenbe erwähnt mehrerer trefflidjer ©emälbe
eine« ultramentanifcben Ãiinftier« , bie er t'n
Ipabua unti Venebtg gefehen, unb ben er Memeltno
ober Memeltngo nennt, ©aà htemtt fein anbrer
al« |)emltng gemeint fet)n fann, leibet feinen
3metfel ·, benn felbft ftarl wen Manber nannte tl)n
SOZemmeltncf, inbern fetn att bie nieberlaubifd)e
Sprache gewöhnte« Ohr/ fowobl ben Anfang«?
bucbftaben al« ben legten feine« tarnen« »erwedji
feite. Sine« btefer ©ernalbe, welche ber Dietfenbe
alle näher befd)reibt, trug bie 3«l)rjahl 1470, ein
anbere«, unb jwar ba« Porträt Sfabcllen« ödu
Portugal, war fetner 3lu«fage nach mit ber Sahrjahl
1450 bejeidjnet. Dtefe« wäre bentt freiltdj ba«
ältefte »Dn biefem Meifter, ba« wir fernten, unb
fein Däfern wäre ein wichtiger (Srunb gegen bie
fenft wahrfd^einliche 93ermuthttng, welche fein (Se*
burtöja&r auf 1439 befttmmt, wenn ftch hier nicht
124
eine abermalige Vermecbfelung bef im fünfzehnten
Sabrbunbert üblichen 3cicbenö A für fteben, mit
ber römtfcbett V oermutben lieÃe, fo baà matt 1450
fhtt 1470 laf, meldje 3a£)rgai)I mit atiem Ãbrigen
maà mir von £)emlittg miffett, vollkommen übereilt?
fHmmt.
Dtefe (Semälbe finb mabrfcbeinlicb alte längft
untergegangen / menigftenf ntd)tmebr an ben Orten
guftnben, mo jener Netfenbe vor mebr alf jwet?
bunbert Streit fte antraf. !DDcb auf tbrern einftt?
geit nid)t gu bejmetfelrtben S5afet)n, auf ben Ãbtt?
h'djf'eiteu mit beit antiken ^ferben bef SOiarfuf?
plafjef von Venebig, auf ben Abbtlbuttgeit bef
Koltfäuntf unb aubrcriDmifcben Altertümer, melcbe
mir tu $emlingf fpatern Arbeiten antreffen, gebt
menigftenf bte böcbfte Stöabrfcbeiultdbfcit beroor,
baà er t'it feiner Sugenb Stallen gefeb'en babe, mo
freilief) bamalf felbft Diapb«elf 2el;rer, ^ietro ^5eru?
gtno, mobl faunt geboren mar.
Vielleidjt ftanb £>emltng mit Antonetto t'tt Ver?
biubung, beffen Befamttfdjaft er in Brügge gemacht
baben muÃte, uitb kehrte nacb einem Bcfucbe bei
125
ihm wieber nach Brügge jurütf, wo er nad) täugft
überftanbneu Sehrjahren , jünftig nttb anfäfftg
war. iföenigftenS fpricbt ber Umftanb für biefe
Vermutbung, baà MorelloS anonymer $etfenbe
£)emlingS Arbeiten nur in Venebtg unb spabua
antraf, unb fonft in feiner italienifcben ©tabt.
Die Miniaturmalerei, btefer jetjt fo fehr ver--
nacbiafftgte unb gefunfene 3wetg ^unft, ftanb
bamalS fo hoch, baà fetbft Meifter wie Pentling ihn
nicht »erfchmähen burften; ber anonyme 9ieifenbe
liefert unS einen Beweis bauen in ber Befchrcibuitg
eine« feftbaren lateintfdjen MauufcrtptS, welche«
ned) gegenwärtig in Venebig aufbewahrt wirb,
©o wie wir beu prunkvollen ©otteSbienft ber fatho?
lifcben fttrdje überhaupt als beu Duell ber ©rhal#
tung moberner ftunft anjufehen haben, fo verbanfte
bamalS befonberS bte Miniaturmalerei uuenblich viel
bent SuruS unb ber *prad)t, welche in jenen 3e«ten
dürften unb vornehme ©etftlicbe mit ihren ©ebet*
bücbem trieben. Mehrere bebeutenbe Meifter
vereinten ftch gewöhnlich um einige Blätter ^Jerga?
meut burch ihre ftunft ju einem unfdjäfcbareu Ãleinob
s
126
gu erhebe«, unb ein folcheS Buch ging bernacb »tele
©enerationen binbureb , in gürftenbäufern unb
Ãlöftern alf ein föftltcber ©cha£ 0051 einem Erben
auf ben anbern. Eine furge ©efebtebte be§ ©ebet*
bu^ö/ »Ort bem eben bte Nebe tft, mag bier gunt
Belege ba»on bienen. üüiorelloö anonymer Netfenbe
fanb e3 im Befl|j bei Starbinal ©rimano, ber e3
con einem ©ictltaner, Meiser Antonio, für bte
barnalé febr beträchtliche ©nmme »on fünfbuttbert
3ecbinett erfauft batte. Bei feinem Ableben hinter*
lief} berKarbtital biefeS Buch feinem Neffen, Ma=
rtno, Patriarchen »on Aqutleja, boch mit ber Be*
binguttg, baà e§ nach bejfen Xobe beni ©taate
gufalten unb in ber ©chaÃfammer aufbewahrt
werben folle. Martnoè Nachfolger, ber patriarci)
©to»anni ©rimalbt, erhielt tnbeffen »on ber ©ig*
noria bte ErlaubniÃ, eö ebenfalls 3eitleben3 be*
halten gu bürfen, unb übergab eö erft furg »or
feinem Xobe bem ©taat ttt einem befonberé bagu
»erfertigten, mit Ebelfteinen unb ©emmen reich
»ergterten Ãäftdhen »on Ebenholg. Sange warb
baranf baé Buch tn ber Bibliothek ©t. Marco mit
127
groÃer (Sorgfalt bewahrt, bod) fam e$ fpäter in
bett 5?trd)enfcba§ von St Marco, wo eê ftd) nod)
beftnbet, aber letber nicht mebr ganj unbeföä«
bigt erhalten. £>enno<h weià Moretto fclbft nocb
je£t faurn 2Borte für beffen gracht unb |)crrlicbfeit
ju ftnben.
iDtefeê Buch ift in fletn F»lto auf bem feinften
Pergament gefcbrieben. Sitte groÃe Budjjtaben
beffelben flnb mehr ober weniger mit ©olb unb
fletnen Ftgürdjett oerjiert, alle 9tänbcr bcr Seiten,
ber Sange uacb, mit munberfdjonen Slrabeéfen,
Blumengewinbcn, Früchten, 93ögeln unb ähnlichen
©egenftänbcn. (Sinjelne Blätter, welche bie 5lb«
i
fcbnitte bejeichnen, flub ganj mit Darftettungen
auö ber Segenbe ber |)eiligen in ber feinften Minia*
tur angefüllt, auf anbcrn flnb bie jwölf Monate
abgebilbet, unter benen ber Februar alê »orjügltch
fd)ön bewunbert wirb. Sanbfchaften unb ©cbaube,
auch bte ©eftalten fetbft tragen augenfcheinlich ba§ -
©epräge beö Flammänbiftben Sfiationai- ©haracfteré,
unb ber SluSbrucf, bte Stompofltion, bie richtige
3eid)iiung bcr fleinen i?tflorifcijen ©emälbe flnb in
128
btefcm feijr verjüngten Maafjftab nur um fo bewun*
bernSwertber. Nach bem Beruhte beS anonymen
Netftnben beftnbeit ftch in btefem Buch einbunbert
fünf uub jmanjtg Miniaturen »Du@trarbD ba@uant,
mabrfcbeiniicb ©erbarb »an ber Metre, einem mit
Reinting gleichzeitig lebenben »orzügltcben Maler auS
@ent; ein bnnbert fünf unb jmanjtg aitbre ©e?
mälbe ftnb »on einem Maler, ben ber Ncifenbe
Ãiettino b'An»erfa nennt, mit bem eigentlich wohl
£te»er be 2Bitt auf @ent>,! ober auch £>ugo »du
Antwerpen gemeint ift, unb mehrere fmb »on
3uan Memelin, Johann Memeling, bereu
aber, mabrfcbeiniicb megen einer Unbeutlichfeit im
Manufcript, in MorelloS Aufgabe biefef tage*
buchf nur mit fünften auf gebrückt ift.
Ein anberef, biefem völlig ähnliches, lateini*
fchef ©ebetburf), »on ungefähr · einbunbert unb
ftebenjig Blätter in SÃnart, beftnbet ftch in ber
fchöiten unb merfmürbt'gen ©emälbe* (Sammlung bef
#errn ^aftorf gecbem t'n Köln. ES warb ju Eitbe
beS fünfzehnten 3<*hrbwnbertS ebenfalls auf ^erga*
ment geschrieben, uub flammt, mte ber Beft^er
m
beffelben mit hoher <sf)vfei)etnitd)fe11 »ermuthet,
auS bern 9fiad)laffe Katharinens von MeÃtet«, meldte
fid) jule^t tit $öltt aufhielt. 3n biefem Buche ftnb
*tid)t nur ade groÃe AnfangSbud)ftaben, fonbern
aud) bte 3mtfd)cnräume ber abgefegten 3eilen ÃWf
baS allerjierltdjfte mit ©olb unb Farben ausgemalt;
ben äuÃern 9ianb jeber Seite fdjmücft ein »tereefu
geS $elb, fo lang al« bte gefcbrtebne Ãolonne unb
etroa ein Drittel fo 'breit. biefem Selbe ftnb
auf mattem ©olbgruttb in glänjeuöen Farben
mancherlei Blumen , Vögel, ^rüdtjte unb Ãra*
beSfen höcbft jierltd) gemalt. Die Anfänge ber
Kapitel unb ©ebete ftnb mit groÃen btftorifcben
©emälbctt gefebmürft, 51t melcben Die btbltfcbe ©e*
fdf)tcf)te nnb bte Ãegenben ber ^eiligen beit Stoff
boten. Dieicbtbum ber (irftnbttng, ^Babrbett unb
Anmutb ber Anorbnuttg, ber Bebanblung Der ©e?
mäuber unb Ãanbfcbaften geben allen btefett im
©etfte unb Stpl Pentlings ausgeführten Miniaturen
einen hoben 233ertb. Aber bte 9iamen ber Met'fTer,
meldje mit thm ju biefem 2Ãerfe ftcb vereinten,
flnb eben fo ferner auSjumitteln, als cS ftcb be*
9
130
fttmmen läÃt, weiche Blätter auSfcblteÃenb von
feiner £>anb ftd) unter ben vielen behüben mögen.
Nur einem biefer ©emälbe, ber Krone von allen,
bat er unverkennbar ben Stempel feinef ©entuö
aufgebrückt, unb jwar einer Darfteilung beö ^ftngft?
fefteö. i)änbe unb ©ewänber ftnb auf btefem
Btlbcben vorjitgltd) fcbön. Die Köpfdjen alle, un?
erachtet beS kleinen NaumeS, voll @eift unb 3lus?
brück, unb einige ber Slpoftel gleichen auffallenb
benen auf einer Darfteilung be$ nämlichen (Segen?
ftanbeä in ber Boiffercefdjen Sammlung, weldje
jeboch in ber Slnorbnung von biefer völlig abweicht.
3n einem altbeutfch versierten Betfaal mit Kandel
unb Betftüblen fleht man auf btefem Bübchen bie
Apoftel verfammelt. Die Xaube fd)webt mitten
tut Saat; Maria, 3obamte§, unb noch gwet 3lpo?
ftet knteett tut QSorgrunbe vor einem kleinen ^ult,
tu einem Betftubl jur Seite bret anbre Apoftet,
unb biefett gegenüber auf ber aitbern Seite nod)
einer. 3m |)intergrunbe unter ber Kantet fUtb
noch jwet Apoftet, ein brttter, ber ftdf? verfpftete,
kommt eben erjt bie Xreppe herab; in ber geöffneten
131
Xbüre, weiche bett Blut tu« $rete gewährt, flehen
nod) einige jünger, unb alle« bteà tfl tn bem be?
fdbränften 9£aume eine« fletnen Pergament s Blatt*
djeu« höd)fl »oöenbet, wahr unb au«brucf§ooll Dar*
geflellt.
Ob Pentling tn 5Tötn felbfl jum ©djmucf
btefe« felttten Budjc« beitrug, (aÃt ftcb nid)t mit
©ewtÃbett behaupten, wohl aber-gebt au« fernen
anbern Söerfen beroor, baà er in jener ebrwürbtgett
(Stabt, ber 2Ãtege unD beut @t£ altbeutfdjer Kunfl,
ftcb 'ange aufhielt unb SSÃtlhelm« »on Köln 95?et*
flerwerfe für feine ftunft fleiÃig benu^te. Ueber*
baupt muà er geraume 3^it an ben Ufern be«
Sihettte« oerwetlt haben; bte treffenben Abbtlbun*
gen »ott Streben, itlöftern uttb alten ©ebäuben
au« Köln, bie wir in feinen SfÃerfen antreffen , be*
weifen bteà eben fowobl/ al« fetne otelcn Ãanbfdjaf*
ten, in welchen man bie Ufer be« Dibetnö burchau«
wteber erkennt. 2luch bte Urbilber gu bett (BeftaU
ten auf bem groÃen 2öcrf, tn welchem er ba«
geben ber heiligen Urfula bilbltch barftellte, unb
welche« tn btefen Blättern fpäterhttt au«führlich
g *
132
erwähnt werben foll, flnb augenfcheinltch weber
in Stalten nod) ttt glaubern / wohl aber noch K1?t
an ben Ufern beS NhetneS etnheimtfd) jn ftttben.
|)emltngö Ceben fiel in eine trübe, wtlbe 3eit/
voller ©trett, 3wtetracht uttb Unheil aller 9lrt, nttb
aud) er fonnte ihrer fürdjterlichen Einwirkung nicht
entgehen. Söahrfch einlief) 50g er, im (Befolge Karls
beS Kühnen, alö Maler mit ttt baö gelb gegen
bie ©chwet'jer. Sohanneö von Müller gtbt uttö tn
fetner @efd)td)te ber ©chweij eine 33efd)rcibuug ber
faft unglaublichen spracht unb <£)errltd)fett ber 3»'
rüfluttgen jeneS gürflcit ju btefern Kriege, jufolge
welker ber gröÃte Xheil fetneS |)ofeS unb feine
ganje IDtenerfchaft ben Herzog bamalS begleiten
muÃte, ©ewtà befanbett ftch mehrere Maler barunter,
beun ftc burften in jener 3ei* in feiner Hofhaltung
groÃer Herren fehlen. Unb waS wäre betttt wohl
natürlicher anzunehmen, als baà ber pradjtlt'ebenbe
gürft ben in feiner £auptftabt anfäÃtgen, uad) bem
Xobe Johann »an EmfS, gröÃten Meifter in allen
Oberbeutfchen unb Nieberbeutfchen Sänbern, für
feinen Dteuft ju gewinnen wuÃte ? Vieiletdjt fudjte
133
$>emltng, «té Krteger gefleibet, nach ber $lud)t
bei ©raufen ober Murten bie $ctmatb mteber
auf, vielleicht tbat er auch mirkltd) ftriegètuenfte,
naebbem er bte iftteberlage fetneS $ürften gefehen,
«nb fiel) erft nad) ber unglücklichen <5cf)tad)t bte im
Sabr 1477 am fed)ften Januar bei SKancp gefdjlagen
warb, t'n 9iotb unb Ungemadj mitten im b«rteften
SBtnter nach &aufe. ©ewtà t'ft eé, baà um btefe
3ett von Damm au§ ein Krteger, krank unb ent*
ftellt, in äymltcbc Sumpen gehüllt, bureb bte Xbore
von Brügge beretnwantte unb baö Mitleib ber
Bürger tu Anfpruch nahm, bie in t'bm t'bren ehema*
iigen Mitbürger unb 3unftgenoffen erkannten. (Sie
führten ben Armen in ba« »du bem (Stifter $u
folgern Bebufe errichtete ^obanuté -£>ofpitaL Dort
marb er verpflegt unb geheilt; ber ©enefene ergriff
«pinfel unb palette, um baè $au§, baé ihn aufge*
nDmmen hatte, jum Bewet'fe fetner Dankbarkeit
mit fetner Arbeit ju fd)mückeit, unb mit frohem
©rftaunen erkannte man je§t in ihm ben groÃen
Pentling wteber.
BewunbernSwertbe ©ebilbe gingen von nun
m
an tit btefcrn feinem SfBebnort unter be§ Met'fterf
fdjöpfenfcben £>änben hervor. Viele bavott ftnb
in ber golge ber 3eiten jerftreut, verloren, unter?
gegangen, bod) Vteleö warb aueb bort erhalten.
3(»ffer bem Bilbe ber ©tbpffe 3<*mbetb, meld^eö
ber faum vom Krankenlager Evflanbne mit noch
fcbwacber $anb matte, bewahrt baS ^ohaumS*.
£>Dfpttal noeb gwet feiner gröÃten, ijerritdjftert
Sföerfe. DaS erfte von biefen ift eineö ber mit
ber Sabrjaht 1479 bezeichneten unb befielt auf
einem SDcittetbilbe unb gwet glügeln. Daà £>aupt?
gemälbe ftettt bte heiligen Könige gu beu güÃen beö
neugebornen £>etlanbe3 bar; bte gange Anorbuuug
beifelben erinnert uumiberjtcblicb an SOietfter 2Bit?
belrnS von Köln berühmte Abbtlbuttg btefeö an
lieblichen Kontrajten überreichen ©egenjtanbeö, ben
bte alten SDietfter ber beutfehen ©cbule fo oft unb
gern mit vorzüglicher Siebe unb unermüblicbem
gleiÃe fleh erwählten. Der burd) bobeà Alter
ebrwürbigite König füÃt, hingefunfen in Demutb
unb Anbacbt, baf güÃeben beö Ktnbeö; neben
ihm fnteet ber zweite König mit feinen reteben
135
©aben; ber,brttte frebt tn bewunbernbem Anfcbauen
verloren, Gittter ber 3«f'bauer/ in einiger (int*
fernung, mit ber Mü§e auf bem Raupte, meldbe
fonfr bte ©enefenben in btefem f)efpttale trugen,
ifr, nach einer in bemfelben bt« auf unfre 3^tten
bemabrten Xrabttton, ba« fdjon ermähnte Porträt
be« Maler« felbfr, fo wie ber neben ihm frebenbe
£>emltng« Freunb / t,cr fttofrerbruber Floren« von
Dtyfr, melcber ihm ju btefem ©emälbe bie erfre
SÃeranlaffung gab.
Stuf bem erfreu ber ju btefem 23tlbe gebörenben
©ettengemälbe beten (jngel ben neugebornen
i)eitanb an; auf bent jweiten tfr bte Darfrellung
beffetben tm Xentpel abgebtlbet; tn hoher 2Bürbe
freht bie göttliche Mutter am Altar, neben ihr bie
heilige Amta unb ber böchft fräftig unb ebet gehaltne
i)obepriefrer. Kenner, metche ©elegenbett hatten
bte gröÃten Metfrerwerfe ttaliänifcher Kunfr ju
bcmun&ern, rechnen bennoch biefe au« fünf ^er*
fönen befrehenbe @ruppe ju bem Atfervortreffltcbfren,
ma« je ber chrifrticben (fpocbe ber Kunfr fetne &t\U
frehuug verbanfte. Auf ber Auffenfeite eine« ber
136
glttgelbtlber ift 3oi)att«ef ber taufer, baS Samm
int'Arm, abgebtlbet, Auf ber gmeiten ctite i>Dd>fi
liebliche Veronika; fie l>ält baà munberbare tud)
mit bem Abbrucf beö ebleit AntUgeS beà ErlöferS.
DaS Zmeite ©emälbe im Sobaunt'S * Hofpttal,
mit ber nämlichen 3<>br$abl mte ba§ »ortge
bezeichnet , tjt eine ber gröÃten KompoftttDiien
$emltug6. ES beftebt tn fünf tafeln, »du benen
bte mittlere bie Vermahlung ber tltgen Katbarina
vorjtcllt. Die gange Anorbnung ber Hauptgruppe
auf biefer tafel gehört augenfcbetnltcb ber bpjani
tinifdben ©djule an. Maria mit bem Kinbe ft£t tu
ber Mitte auf einem »ouSäuten getragenen throne,
beifen Verzierungen bià au beit obem üftattb beS
©emälbeS emporiteigen. 3mei Heine Engel w
grünen ©emänbern tragen ihre Krone. NecbtS
bem throne fleht bte beiltge Katharina, neben
biefer ein Engel tn 3üngltugö?©eftalt, mit einem
reichen Ehorgemattbe betleibet, fo mte aud) Sobann
»an E»)ck biefe S3emohner beö ^tmmelö abjubtlben
pflegte; neben bem Engel, ganj im Vorgrunbe,
fleht Sohaunef ber taufet*.. ÃtntS neben bem
137
trotte fleht et» gwetter (£ngcl, neben btefent bie
heilige Barbara, unb ganj vorn Sobanne« ber
Givangelifl. Cetebe Stoffe, ©Dlb, perlen, @bel*
fleitte febmitefen in einer nur bureb Sobann »an
Gn)cf übertroffenen ^raebt bie ^eiligen unb Grngel auf
bt'efem berrlicben Btltie.
Die Säulen am throne geben ju betben
Seiten beffelbett in einer Ãolonabe au«, bereu
offne 3wifcbenräume freie 2Xu§firf)t auf eine vetcfje
Sanbfcbaft gewähren. 3n fdjönen SBtnbuugen
fd)längelt fieb bort ber 3orban burdb grüne Oeftlbe,
ferne Berge begränjen bie ©egettb, Seifen, Bäume
unb febone ©ebäube, unter betten ba$ Kolltfäum
bemerkbar wirb, verleiben ihr mannigfaltigen
Sdjmuct Die nämliche Ãanbfcbaft gebt aud) auf
%
bie Seitengemälbe über, welche fie auf tiefe 5Ãetfe
mit bem Mittelbtlbe ju einem groÃen (Battjen »er*
btnbet.
3n biefer Ãanbfcbaft lieà nun |)emltng feinen *
iibcrretdjen @etfl tu ungebunbuer SiÃführltchfeit
frei walten. Saff unjähltge , jurn Xhetl ganj
flehte Figuren beleben fte, bereu einzelne hemmt*
144
bernfwertbe ©rttppen gufammen etit eptfcbef ©ebidjt
btlbltd) barftellen. Der Naum gut Neckten bef
Xbronf tft beut Ãebeit Sobannef bef Xäuferf
gemeint , meldjer auf btefer Seite, wte oben
erwähnt warb , im Vorgrunb ber £>auptgruppe
fleht.
©ang oben, faft am Nanbe ber Mitteltafel, jur
redeten «Seite hin, liegt ber £>etltge tm ©ebete cor
@ott; etwaf tiefer fiet)t man ihn alö ^rebiger in
ber ©üfte, »om flarften £>tmmelöltd)t beleuchtet/
auf einem greifen flehen, uttb oor ihm mehrere treff*
lieh grupptrte 3"hörer. Noch tiefer führt tbtt ein
römtfdjer Krieger nad) ber rechten Setteutafel jum
!£obe, unb nur gmei fetner 3nborer folgen ihm, eon
Mitletb bewogen, ein ©reif uttb ein Mann mitt*
lern 2llterf. ©egett bte Mitte bef 53tlbef,-immer
nod) auf ber Mitteltafel, liegt ber enthauptete Ãeieb*
natn bef ^eiligen auf einem brenttenben Sdjeiter?
haufeit, unb ein Krieger auf einem metfjett ^ferbe
treibt bie Manner an, welche baf geuer fchüren.
3egt gebt bte Hanblung auf bie gur red)ten
#anb ftch aufdjliepenbe Settentafel über; ber blu*
139
tenbe Körper be« ^eiligen Hegt im Vergruube auf
ber (£tbe, unb neben ihm (lebt bie fd)öne, reid)
gefd)mücfte Xod)ter be« König« Aerobe«. ©d)au*
bernb, erbletcbenb, mit gefenftem 93licf empfängt
fie ba« $aupt be« ©emorbeten, beffen ebte 3üge
felbft fterbenb nod) ben Sluöbrudf ber erhabensten
9lube bernährten. Mehr feitmärt« ftcbt man bie
nämlichen beiben Männer, in ©cbmerg »erfunfen,
meld)e früher ben ^eiligen auf bem 2Bege gum
tobe begleitetem
Ãber btefer |)auptgruppe be« ©ettengemälbe«
erblickt man im Mtttelgrunbe ber Ãanbfdjaft ben
«pallaft be« König« Aerobe« unb groet gu foldjem
gebörenbe terraffenarttg fleh übcret'nanber erbebenbe
£>öfe. iBerfdjtebne au« mehreren ^erfonen hefte»
benbe ©ruppen fd)einen fid) in tiefen &öfen über
bie eben »orgegangne |)inrid)tung be« -^eiligen gu
unterhalten 3 etn Ktnb befinbet ftd) mitten unter
ibnen, melcbe« »on einem ^ferbe herab berfelben
»du bort au« gugefehen gu haben fcbeint. Sinei) ba«
3itnere be« ^allafte« tft unfern Blicken aufgethan}
in einer offnen &alle flgt Aerobe« neben feiner blut*
i4o
türftigen ©emaltn f)erobia$ an ber tafel, fettwarti
ein Eher Mnfifanten, nach bereit ©attettfptel bte
junge prtngefftn ihre Eitern burcb anmutbigen Xang
erfreut.
Dte vom Mittelgemälbe auögebettbe herrliche
ganbfcbaft fehltest bett Hitttergruttb unb man erblickt
bort nochmals Den Heiligen/ wie er ben Etlöfer
ber SfÃelt im 3prban tauft; bte kolken tbeüen ftcb
über feinem Haupt uttb ber ewtge Vater blickt
ouS ber Klarbett feiner Himmel auf fbn unb ben
©Dbn herab.
<So wie bte rechte (Seite btefeS SStlbeS ber
©efcbtcbte SobatuteS beS täuferS geweiht tft, fo
tft eS bte Itnfe ber beS Eoangeliften gleiches NamenS,
ber aud) in ber ©ruppe beS VorgrttnbeS auf bt'efer
©eite »Drau fleht. 3eue geigt unS ben klaren
ÃebenSgang ettteS heiligen frommen ManneS, in
biefer fcbtmmert ber gebetmntjj»Dlle ©lang höherer
Offenbarung auS bent unbegreiflichen Dunkel ber
Slpokatypfe mipfttfcb ber»er.
3n ber Sanbfchaft auf ber Hawpttafel, gegen
bte Mitte berfelben, erblickt man $ur Sinken ben
141
(£vangeltfîen mit gum ©ebet gefalteten Rauben, in
bem ©efäÃe voll ftebenben £lé r in melcfyeê er
auf Befehl beê Katferê Domitian geworfen warb,
baê aber jufolge ber Segenbe, ftatt t'hit gu verleben,
ibm mfe ein linbeê erqutcfenbeê Bab bünfte. Fünf
^erfonen, tbeiB genfer, tbet'lö 3ufcbauer/ fteben
um t'bu ber. f)öber hinauf erblickt man einen
Btfd)of im offnen portal einer Ktrdje, wahrfcbettt«
Itcb ber (Svangelift felbft; vor t'bm fnteet etn SReube*
febrter, bte taufe ermartenb j tiefer hinunter jtebfr
ein römtfdber Krieger ben f)etltgen bem ©trom
wo baê Boot feiner harrt, baê, weil ©ewait ibn
nicbt gu tobten vermag, ihn in bte Verbannung
auf bte wi'ifte $elfeninfel spatbmoê tragen foll.
©an$ tm£tntergrunbe laÃt ftcb noch ein febr flet'neê
wunberbar* forreft gejetcbneteê $tgürcben erfen*
nen, unb am linfett äuÃerften Dianbe biefer tafel
tft ba« fd}ön unb FraftvoE gemalte Porträt bei
Donatorê berfelben angebracht.
Die Itnfe ©eitentafel führt unS jur $nfet
«PatbmoS, wo btmmlifcbe ©eftcbte ben Slpoftel jum
Siteberfcbreiben ber Slpofatypfe begeiftern. Sr
142
felbft, gang unten tmVorgtunbe, erliegt faft ber©e?
«jittt beS AugenbiicB unb bem Anfdjauen ber hoben
SButtber, welche feinem entjücften Auge oorfcbme?
ben. DaS böcbfte Erjtaunen feifelt bie eble, fcfjone
©eftalt, baS 2Bort erjtarrt auf ber Sippe uub bie
gehobne £)anb »ermag eS nidjt, bie begonnene ©e*
berbe ju »ollenben. SBunberbare Sufterfdjeiuuugen,
Nebel, S&olken, verbüÃen auf ber rechten ©ette
biefer tafel bie Sanbfcbaft, welche nur bem Mittel?
btlbe nahe nod) ftcbtbar bleibt. Ein gebeimitiÃ?
reicbeö Nunb, auS Sid)t, ©lanj unb wunberfam
verfchlungenen Negenbogen gebtlbet , umgibt ein
weiter KreiS auS Engeln, heiligen flammen, unb
noch einem AöeS abfchlteÃenben Regenbogen jufam?
mengefejt· Der ewige Vater, in ber Mitte beS
SidjtkretfeS , auf einem auS Säulen erbauten
throne, hält in ber Sinken baS Scepter; bie
Krone liegt tu feinem ©cboÃe, auf meldjen baS
Camm ftd) ftü£t. Die gebeimnifmoUen Seucbter ber
Apokatypfe, mit wunberbar gemalten, tn mannig?
faltigen garben glübenbeit flammen flehen vor ihm,
unb neben btefen bie bebeutungSretcben, fechSfadh ge?
143
Ãugelten, ©eltalten beö Menden, beS AblerS, be$
©tterö unb beS Ãowen, lauter mpftifcbe ©elulbe
ber Apcfalppfe. B^f gefreute Könige in weiÃen
©ewänbern btlben ju betben ©etten beS XbroneS
einen £>albfret$; bte ©eftalt beö legten unter ihnen
ftebt man nur bureb bie transparenten Farben
beS Diegenbogenö bmbttrebfebimmern. 9iDcb inner*
halb beS KretfeS , boeb am äuÃerften 3?anbe,
ftebt ein (Engel »er ©ott; ein gmetter, aufferbalb
beffelben-, mit lang berabmallettben Ãoefen, im
reiben MeÃgewanbe, opfert oor einem Slltar, ben
iffiethraucbfeffel fd)wingenb. Der htmmltfcben (Er*
fdjetnung gut Stufen, näher bem £)auptgemälbe ju,
tritt nun bte Canbfd)aft mieber hervor. Man
erbltcft bort baö Meer, von hoben Reifert umgeben,
beten Bilb, fo mie ber f)immel über bem Meere,
auS ber friftallbeilen ^i(id>c miberfdjeint (Er*
fdjrocfette Menfdjen flüchten hier ängftlid) ju ben
FelSflüften, um ftd) vor bett graufenbaften 2Bun*
bent gu verbergen , bte an btefett Ufern häufen,
bem iumntelplaj ber unerflärlidjften ©eftalten ber
Slpofafypfe, Der ©efrönte auf bem weiÃen SKoÃ,
144
ber bett Bogen trägt, baS fcbwarge mit feinem
Netter, ber bte 2öaage in ber £anb hält, ber ©e?
hanttfcbte auf bem rotbeit Nof?, unb enbltdf? ba$
bern flammenben Nabelt etneS 'JQicerungehcuetS ent?
fprttngene fahle Noà , baS bett tob in ber abfcbref*
fenbjten ©eftalt auf feinem Nmfen trägt, tofen
$ter wie fieberhafte traumgeftalten. Haltung unb
©eroaub ber fleinen gtgitrcben, befonberS beS
KönigS, ftnb bewttnbernSwertb, bte fcbönen, äugen?
fcbeinltcb ben fortntbtfcben ju SÃenebig nacbgebilbeten
spferbe athmen unb leben. Die gange mttnberbare
Kompofttton vernichtet burcb ihre VoUfornmeubett
im Einzelnen jeben Säbel, ber fld? gegen baS ©auge
melteicbt mit Necbt erheben Föttttte. Sanft 3afobS
»Ott Kompoftella unb beS heiligen Antonius eble,
ruhige ©eftalten auf bem einen ber gulegt ftcb an?
fcblteÃenbett glügelbtlber, fo wie bte fcbönen heiligen
grauen, AgneS unb Klara, auf bemanbew, reihen
flcb, gleidjfam beruhtgettb, bem gewaltigen Ãeben
auf ben brei anbern tafeln att, bte, mit tiefen
»ereint, ein etngtgeS grofeS ©emälbe hüben. Der
fcböne fräftige Kopf beS heiligen Antonius, bte
145
fauften lieblichen 3üge bet heiligen Sfiata, fo mie
«Uc figuren auf tiefen munberoolten Xafeht, vont
gröÃten btS gum fleinften, tragen baê ©epräge ber
ebelften Söabrbeit unb beften Voïlenbung. Figuren
»ou alten Dtmcnftoueu, fü ftein baà fte baö unge*
maffnete Auge faum ju entbecfen oermag, btê jur
batben SebenögröÃe hinauf, tonnen bet bet ge^
naueften Betrachtung butcb etn VergröÃerungsglas
nur gewinnen, weit butcb baffelbe bie ©roÃbeit ber
£)vapperieit, ber AuSbrucf ber Köpfeben tu btefen
oft faum einen 3°^ beben Figuren, erft recht
ftcbtbar m'trb.
Die föntgltcbe Afabemte ju Brügge bewahrt
bte in ihrer beben (Einfachheit höcbft bewunbernä*
merthe Abbtlbung beS heiligen (SbriftopbS, eine*
OegenjtanbeS, ben f)emling ofterS unb ftetS mit
groÃer Siebe behanbette. ©eftüfct auf ben Baum,
ber biefem liefen * fettigen bekanntlich gunt Stabe
btente, tragt er ben f)errn ber Seit in KtubeS*
geftatt burch bte im Morgenroth glänjenben SfBogen
eine« breiten von hoben Feifenufent umgebnen
©tromS. Oben auf bem Fetfen tinfer £anb ftebt
1U
m
ber ben belügen ®brtfbpb gemèbnltcb begieitenbc
Etnfiebler mit feiner Scudate, unten ganz im Vor?
grunbe auf ber einen ©ette ber heilige Beitcbtct,
eine rapbaeltfcbe ©eftalt, auf ber anbern ber heilige
Qjgibiuè, ben burd)bDbrcnDett Pfeil im 2lrm, neben
ihm fein Neb. Die mtlbe treuherzige greunbltdjs
feit im (Beliebte beé bureb bie glitten nur mühfam
unter feiner munberbar fcbmereit Saft fortfebreiten*
benNtefen, baé fttlle gelfenbett beö breiten ©tromS,
bte ©cböttbett ber betben jugenbltcben Heiligen, bie
2öahrbett be§ ©aitgen, gem< breit einen unbefd)reib?
(td) mobltbuenben Einbrucf von 2lbgefd)tebenheii
unb frommer Nube. Beibe zu btefern ©emälbe ge«
börenbe glügelbilber zeigen bie BtlDntffe beé Dona*
torö unb feiner gamtlte. Den Vater unb feine
©öbne begleitet als ihr ©d)u§patron ber heilige
SÃtlbelm, glänzenb gemapnet im prächtigem |)arutfcb,
ein Ãrteger ©ottef. Neben ber Mutter unb ihren
Siebtem fteht freunbltd) unb aumutbtg bte heilige
Barbara. Etite munberfeböne, vom Mittelbtlbe
aufgehenbe Saubfdjaft bilbet aud) bter ben Hinter*
jjrunb, grün Mnb frtfd; mie bie Natur felbft; bie
147
©ebäube, bte Vegetation, bte Seifen, alle« erin*
nert hiev auf ba« lebbaftefte an bte fd)Dticn Ufer
be« D^betn«. 3Db<*»tne« ber Xäufer uttb ber (Erj*
enge! Michael flnb grau in grau auf ber 3luÃenfette
tiefer tafeln gemalt, uttb megen ber eblen Kor?
reftbeit ber 3etcbttuug be« beben Metfter« auf
alle 2öetfe mürbtg.
(£tn anbete« Meifterwerf Pentling« teffnbei
ftd) unbegreifltcljer Seife tn Brügge felbft in
einem gerftücfclten 3wilattbe, tnbem bie Slfabernte
bte betben ju bentfelben geborenten ©eitentafeln
bewahrt, mäbrenb ba« Mittelbtlb im »JKatbbaufe
aufgehellt ift. Der ©egenftanb beffelben tft bte
Xaufe be« i)etlanb«. 3ltt bem Ãbriftu« im Vor*
grunbe »ermiÃt- man jmar bett 5lu«brucf erbabiter
©öttlicbfett, ben £>emltng auf aubern ©emälben
glücklicher aufjufajfen wuÃte; bte eble »out ©efübl
feine« beben Beruf« begetfterte ©eftalt Sobanne«
be« Xäufer« ift weit gelungner, wunberfd)ön aber
ein febr reich befletbeter (Engel mit lang berabflte«
Ãenbem blonben $aar, ber mäbrenb ber heiligen '
ijaublung am Ufer be« S^rbatt« bte einfadjen
10 *
148
mänber beö £etlanbfl bemacbt, Die fcfyone £anb*
febaft, welche ben £>intergrunb btefer -f)aupttafct
biltet, erftreeft fldf> aud) bier, wie wir ef bei btefem
öfteifter öfter ftttben, burd) beibe giügelbilber,
ttnb Pentling bat aud) tiefe ju bewunbernfwertb
gruppirten, fletnen epifobenartigen Darfteltungen
benu^t. Sinff gegen bie Hauptgruppe tritt Ebrtfluf
auf ben mit grünen Nafen bebeeften gelfeit auf
beut ©chatte« feböner mit Epbeü retcb umgogner
Bäume beröor. Stnnettb lenft er feine Sdjrttte
ber Süfte ju, mo bie Stimme fettteS ^ugettbfreuni
bef erfdjallt, mer feiner jünger folgen ibm tit ebr*
furcbtf&oller Entfernung. Nedjtf auf ber ttäm?
lieben Xafel oerfünbet 3ob«nnef ber Xäufer, alf
fprebiger in ber SBi'ifte, auf einem moefbebeeften
getfenftücf ft§enb, bte Anfunft bef Herrn. Nenn*
gebit 3llbörer jebef @efd)leebtf unb Alterf fammein
fld) um ibn unb bett gelfen, nod) »ier anbere naben
jmtfeben ben Bäumen. Alle tiefe »etfebiebnen
fleinen gtgüreben flnb mit unnennbarer 90?anntcbfal*
tigfeit, mit Sabrbett unb Aufbrutf gebac^t, ju*
fammengefteöt unb aufgeführt»
149
Die Fortfefcung ber fcbonen reichen Sanbfc^oft
be« MittelbtlteS füllt ben |)intergrunb ber betbe«
I« biefem ©emälbe geborenben Flügelbtlber, meldbe
man letber, rnte fcbon ermähnt marb, tn einem gan$
anbern Ãofal anffudben muÃ. Auf bem erflett ber*
felben fnieet ber Donator unb er bebt bie fcbön ge»
formten |)änbe jum frommen ©ebet. (£r trägt
ein fcbmarjfamtneö mit ^eljmerf aufgefd)lagtte4
ftletb unb fdjöneö braune« $aar umgibt bie angeneb·
men 3"ge be« biebem ©ejlcbt«; feiner ber berübnt*
tejten fpätew Siiteberiänber bat in Anmutb unb
SBabrbeit btefe« fo »ollenbete^nb babei fo lebeitbtge
Porträt übertreffen. Sieben bem Betenben ftebt
beffen ©cbu^betitger, ber (Eoangeltfl Sobanne«,
himmiifcbe @üte in bem ftbönen geiflreidben ©ejtdbt*
©etn meiÃer Mantel fällt »on ber fechten jur
Ãinfen in herrlichen Falten über ba« graue (Semanb,
fein f)aar flieÃt tn fdbönen Cocfen t'bm über bie
Schultern bin. (Sanj im -f>tntergrunbe ber Ãanb»
fdbaft fleht man nodb ein gang fleine« Figürcben bem
^rebxger in ber Süfle auf bem Mittelbilbe juetlen.
Auf bem jmeiten Flügelbtlbe fnieet im 9Ãor»
150
gruttbe bte ©atttn jettcS MamteS, eine flotte gra»
mittlem SllterSj fie betet auf einem Budje, meldjef
mit täufdjenber Sabrbett auö ber Xafel hervortritt, ·
SÃter gang junge Mäbchen, ihre Söttet, ftnb im
lieblichen Kreife um fte »erfammlet, anbäcbttg betenb
mte fie, in ftnb lieh er Einfalt, Eltfabetb, bte
©cbu^betltge ber frommen ©ruppe, biteft freunbltcb
/
auf fte bi»t/ eine Krone fcbmücft baö Hanpt ber
Heiltgettj eine gmette rubt auf bem Buche, meldjeS
fte itt ber Hanfe trägt.
Betbe glitgelbtlber brebeu fleh auf 5lngeltt,
nnb bte Nücffette berfelbett bietet eine melletd)t noch
ongtebenbere Darftellung. £)urd) bie groÃen Bogen
einer offnen HaUe titelt man auf ber erften Safel
in ben einen Halbkreis bilbenbett H^f etneS mit
©äulen gefdjmürften pallafteö, über melcben noch
bobere ©ebäube gu ben Sölten emporfteigen, 3«
ber Halle fnteet eine grau neben einem gang jungen
50?äbcben, bod> febeineu beibe burd) baS Aufbauen
trgenb eineö äuÃern ©egenftanbeö vom ©ebete ab*
gegogem Saö Ktnb befonberö tjT ftcbtbar gerftreut,
unb in fernem ©emütb gleicbfam mtber Stilen nach
151
ttuÃen gemenbet. hinter ben Betenb.en ftef)t ihre
©cbu^betitge, Magbaleua, tn bev |)anb baö ©ai«
bengefäÃ, einen Xurban, unb eine ©ttrnbtnbe »on
perlen gum Kopffcbmucf. 3hr fcböneS <55efid>t geigt
eine Slbulidbfeit mit O^apbaelö Eiliger Säctlte, bie
eb«e ben gefenften Bltcf ber Magbalena nod)
auffaftenber erfebeinen würbe. £>a3 ©egenftüdf
gu btefer lafel geigt unS tn ber heiligen 3ung*
flau bie l)immlifd)e (Jrfcbetnung, meldje bort bte
Slufmerffamfett ber Mutter unb tbrer Xecbter fo
uumtberfteblicb rege mad)t. Sie beilige Jungfrau
Maria ft£t neben einem Bette mit grünen Vors
bangen, fte trägt ein rotbe« ©emanb, über meldjei
bie langen blcnben aufgelösten $led)ten in f'leinen
Sellen retcb unb fetben herabfliegen, unb hält,
recht mütterlid) fergfam, ba3 liebliche Ãinb auf
ibrem ©djoefje beim red;ten Ãrmcben feft, mäbrenb
biefeS mit ber linf'en f)cnb ben Betenben auf ber
anbern Xafel eine Xraube entgegen reicht. Pentling
felbft bat nicht« Aumutbtgere« unb VoltenbetereS
gemalt, al« tiefen alierltebften ©egenftanb, bie
bolbe jungfräuliche Mutter unb btefeö Ãinb mit bem
158
Köpfte« »oft retcber Socken unb bem lebenbtgen
Auöbruck btmmiifcber @üte.
3« ber ©t. ©al»ater3--Ktrcbe gu Brügge befttv
bet ftd) ein (Semälbe Hemltitgö / befielt graufeit»
bafter ©egenjtanb mit beit meiften feiner bekannten
SfBevfe, befenberf mit bem oben befebriebnen, ge»
maltfam fentraftirt. @emtà mar er nid)t be8
Meijterf freie 5öabl, unb bte Art, mte er ben
mibermartigen ©toff nttlbernb gu bebanbeln muÃte,
tjt ein neuer Bemetö ber tbm tnmobneuben poefte,
welche aud) bem Emporenbften eine »erfd)önerte
©eite abgugemtnuen muÃte. Daà ©emalbe ftetlt
bte Marter bef heiligen Hippolyt uuS »er Augen;
3ufolge ber Ãegenbe mar biefer Heilige ein römi*
feber Krieger, ber gur 3ett bef Katferö Valert'an
Od) gunt Ãbriftentbum betebrte unb »on btefem
furd)tbaren Verfolger beffelbett »erurtbeilt marb,
lebenbtg »oit Pferbeit gerrtffen gu merben. Hemling
bat gart uitb fd)Dnenb nur bte Vorbereitung gur
Vottgtebung btefeà graufamett Urtbetlf gemäblt, unb
btefe bot tbm, abgefeben »on bem ©ebanfen an
ben gunäd)(tfoigcnben Augenblick, eine gülle fd)öner
159
malertfdber Kentrafte, irt bcn milb fcbttaubenbert
^ferben, tl)ren nod) mtlberen Treibern, unb bem
^eiligen, ber, ttod) unserle^t, tit frommer 95er
gcifterung unb rubtger Gsrmartung, mit Armen unb
©einen an bte wilben JKoffe gefeffelt, ba liegt
Aud) bet btefeit, fo mie bet benen auf ber QSifton
be« ©oangeliften 3obanne« , fd)einen bie oene«
tiantfcben antifen Dioffe bem Meifter »orgefcbmeb*
ju babcn. An bem alten Gahmen biefeö ©emälbel
beftnbet flcb abermal« bte 3abrjal)l 1479.
(£ineS ber alleranjicbenbften äöerfe -fjemling«
ift ein fleine«, nur au« jmei tafeln beftebcnbeJ
BtlDcben t'm 93erfammluttgSfaal ber jur 93eforgung
ber -£)ofpitäler beftellten Kommtffion. Die erfte
btefer Xafetn jetgt uu« bte beilige 3utt9frau/
bcn blonben Sellen tbre« über bte ©cbulter hinab*
roöenben $aare« umfloffen, in all ihrer bolbfeltgen
Anmutb unb i)errlicbfett. 9ieid) gefcbmiicft, mit
©olb, perlen unb Gfbelfteinen, einen .rotben
Mantel über ein glänjenb blaue« ©emanb, ret'djt
fte freunblid) bem Kinbe auf t'brem ©d)oof? eine»
Apfel. Dtefe« fl$t auf einem Kiffen »on ©olbbrofat
154
mit grünen Blumen, et« ©toff, ben ^>emititg vor*
gugfmeife oft iräülte.
£)aö ©egenftitcf gu btefer tafel, mekbei
gugletcb als Decfel bieut fte gu »erfdjlteÃen, jetgf
I4iiö beu frommen ©ttftcr biefeö BÃbef in fntcenber
Anbetung, einen ^uncfer »on Neuenbooen, ber
hier, mte eine $nfd)rift aujr j>cm mtg
im 3<*br 1487 in feinem bret unb groangtgften 3«bre
öbgebtibet marb. -Obgleich man biefe btetdje jugenb«
liebe ©eftalt burdjanf nid)t fd)ön nennen fann, fo
tft eö boeb unmöglich, ffe obne bie tnnigfte tbet'l*
»tabme gu betrachten. AüeS an ibr fpriebt gum
Hergen, biefe ftitte trauer in Haltung unb ©e^
berbe, biefeö erbletcbeuDe ftdjtbare Hinfcbmtuben
in eben erbliibter 3ugettbu_ Die nnau3fpred)ltd)e
SOftlbe etneö frommen ©emütbf leud)tet auf ben
braunen frommen Augen, au§ Haltung unb ©eberbe;
man möd}te ibm helfen, t'bn trollen, aber man
fühlt gugleid) , baà btefern in ©ebnfucht unb
©lauben »ergebenben Jünglinge ber troft nur au$
böbern Negt'oneu zuflieÃen fonnte.
DaS legte ber Meijterwerfe |>anS f)emling$,
155
tveicfye bte ©tabt Brügge bewahrt, stfi ber berühmte
ifteltgutenfaften ber heiligen Urfula, im Beft£ ber
Sfiomtett beö 3obaunt«if)ofpttal«. Siefen Kalten,
tu Form einer kleinen Kirche, (einer fogenannten
Baftltfa) fchmüdfen »terjehn gröÃere uub kleinere
SOiiniaturgemälbe beö groÃen Metfter«, alle in Begug
auf bte @cfchici)te ber ^eiligen, bereu Ãberrcfte er
aufzubewahren bcjttmmt warb. £>eu Beterinnen
beffelben würbe fd)on öfter in frühern 3eiten ein
ähnlicher üon gebiegnem©t'lber für biefeö Kunjtwcrk
geboten, weldje« bte berübmteftenMaler uub Kunfti
fettner fletöal« ein unübertroffne« Kunftwert bewun*
bernb betrachteten.
211« im 3ahr 1794 bte Franjofen Kirchen uttb
Klofter ber SRteberianbe plünberten, »erbanften bte
Tonnen bejfen Erhaltung nur ihrer Stuf alt, weiche
etit glücklicher 3ufaH Su ihren ©uttften wettbete.
£)e«camp« Befchretbung ber Sftieberlanbe , al4
Führer jtt bett niebcrtänÃifcben Kunftwerten, tn ber
£)attb, ermangelten bie frattjöftfchen Kommtffarten
nicht, aud) tn baö fh'tte £etligthum ber frommen
©d)we(tertt ju ftürmen. La Chässe riefen fte, la
162
Châsse ce'lèbre, unb bie «rmen »ernüchterte*
Können »erflcberten lange umfonft, baà fie ga*
«tctjt einmal wüÃten, maê man forbere j bte mwer«
fennbare SÃabrbett, melcbe in ihrer Slngft felbft
Betätigung faub, trug inbefien enblt'cb ben ©teg
ba»on ; bie piunberer glaubten fleh »on DeêcampS
trre geleitet unb jogen mit leeren |)anben ab.
ÃKïur erft nacb geraumer 3el* erfuhren bie Nonnen,
baà mit biefer geforberten Châsse nichts mebr unb
nichts mtnber gemeint gemefen fety, als baS Ãletnob
t'breS £aufeS / ber Neltgutenfaften ber heiligen ilr*
fula, ben fle in ihrem glaubrifcben PatotS la Ryve
ju nennen gemohnt waren, ein SfÃort, für baS ftc
ben richtigen franjöflfchen AuSbrucf bis bahin nie
gehört hatten.
Sie Ãegenbe ber Märtyrer unb ^>etitge« fennt
betnahe feinen an heitern malerifchen Mottfen reich*
baltt'gern ©toff, als bte ©age »Ott ber fchönen bei*
benmüthigen Urfulaunb t'hren ©efäbrttnnen, welche
f)emltng hierzu einer Net'befolge »on Darfteilung et»
fehr glücflidb ju benul^en wuÃte. Urfula war, wie
bte Segenbe erzählt, bie îocbter eineS Königs, ber
157
ju Anfang be8 brüten Sabrbunbert« eine« ber
fiebcn Cetebe beberrfebte, in welche bamal« ba8 jegt
t'n feiner (Sinbett fo mächtige Sngianb ftdf? gertbeilte.
(£r fowobl al« feine (Semaltn , obgleich »on Reiben
umgeben, hatten fchon früher jum Ãbriftentbum fld)
bekannt unb erjogen aud) t'hre Tochter in tiefem
fte beglückenben ©lauben. Fromm unb gläubig
wudjö bie *prtujefftn heran, bt'3 in ihrem fecbjebnten
3ahre ihre fldf) immer herrlicher eutfaltenbe Schön*
heit bie Aufmerkfamkett ber benachbarten heibnifchen
Könige auf fleh 50g unb £etratb3anträge fle »on
allen Seiten ju verfolgen begannen. Dem frommen
Küthe fdjauberte cor einer 23erbinbung, bie fte in
Ãbung ihrer iKeligtonityflicbten froren konnte; ängft*
itd) um Rettung flebenb maubte fte ftch ju ©ott,
unb eine btmmltfcbe (üirfcbet'nung marb ibr jum Xroft.
Diefe forberte fle auf, in weit entfernte Sättber
$u jiebett, unb bort in frommer (Ergebung Die (SnU
wtckelung ihre« Scbtckfal« ju erwarten. Urfula war
mit Freuben bereit, bern ernften 9fufe unbebingt
Folge gu letfren, unb ihre frommen Sltern, weit
fntfernt, ihr irgenb ein |)inbernif tn ben Seg ju
158
legen, machten fogletch alle Slnflaltett jur Erfüllung
beS göttlichen Befehls. Bäume »ut-beu gefällt,
©cbiffe barauS erbaut, uub ein Aufruf erging an
bie ebelften Jungfrauen beS ÃanbeS, um fle jur
Begleitung ber tochter tbreS KönigS wäbrenb ber
gefahrvollen Reife etnjulabett. 3brer fanben fidj
eilftaufenb auS ben angefebenften ©efcbledjtern ein,
alle jung unb lieblid? wte ber Mai, uub uid)t nur
wie bie prinjeffin felbft, »cm glübeubfteit Verlangen
befeelt©ott ju btenen, fonbern aitd) bereit in feinem
Diettft mit ibr bie Märtyrer?Krone ju erringen.
Der fromme Eifer ber Jungfrauen erweckte
äbnlidjeS Empftttbeit tu ber Bruft ber männlichen
^ugettb. Ritter unb Knappen, alle im grübltng
beS CebenS, jogett »Ott allen ©etten berbei, ge*
lobten, heilig unb rein tl)r Ãeben unb ihre Saffen
etnjtg bem £)tmmel Su weihen, uub gewannen bamt't
bie Erlaubnis, bie Köuigötocbter unb ihre Jung*
frauen auf ber langen Reife begleiten unb befehlen
ju bitrfen.
Die $fotte war nun bereit, auf welcher bie
Blütbe beö SanbeS unter frommen Siebern ftch ein*
159
fcbtffte; fie überlieà ftcfy ohne eigenmacbtfgeS Cenfen
bem $aud)e beS Rimmels, gelangte fo ju er fr an
bte bollänbtfcbe Kttfre, unb fcbwamm bann weiter
ben Dibetn berauf btS Köln, bem bamatigen römifcben
Agttpptttum. Ateranber ©eoeruS berrfcbte bantatS
mit milbem ©inn gegen bie Sbrtfren, unb bte
fromme ©cbaar fanb beSbalb in tiefer römtfd^en
Kolonie eine fo freunblicbe Aufnahme, baà fie ftcf)
am Biete geglaubt trotte , wenn nt'd)t ein jwetteS
tlraumgeftcbt bie ^rinjefftn nach JKom ju ben FüÃen
beS heiligen QSaterS gerufen hatte. Site Siitter uttb
Jungfrauen fcbifften ftcb bem 31t $elge abermals
ettt, unb lanbeten bei Bafet, »Ott wo fie ben wetten
b efd) w er Ii d)en iÃeg über bie Alpen ju FuÃe
traten.
Freubtg empfing fie in S^om ber Sftacbfctger
?petri, â ÃtrtafuS nennt ihn bte Ãegenbe,â unb
»erfünbete ihnen batb nad) ihrer Anfunft, baà audj
ihn eine unmittelbar 00m f)tmmel gefanbte Offene
1 -
barttttg berufen habe, ber frommen ©d?aar ftd) an*
jufcblieÃen, unb ftegitriicf an ben9ibetn ju begleiten/
wo ihrer Atter bie Märtyrer? Krone $um£ohHe ihrer
160
grömmtgfeit b<*rre. Abermals matten ftd) Alle auf
ben Seg, ben heiligen Vater tu ibrer Mitte. Die
Aipett mürben mteber erliegen, Bafel erreicht, mo
tbre ©cbtffe fle ermarteten. ©te fdjifften fld) ein,
fte erreichten Köln mteber, bod) Aleranber ©eoerud
mar tubeffen burcb ben Meucbelmörber Marimtatt
gefallen, btefer bcrrfcbte jejt, unb eilte , eon
feinen barbartfcben -f>orbeu begleitet, ber Ãbriften«
fdjaar mit tiegermutb entgegen. Unter ben Keulens
fd)lägen, ben ©cbmertern, ben Pfeilen ber Reiben,
auf bem gelbe oon Köln ober aud) tn ben falten
Sellen beö Nbet'nS (tarben Alle freubtg unter Abfln*
gung beiliger pfalmen ben felbft ermäblten tob für
ben ©tauben; bte Ritter, bte 3»ngfr<*uen, ja ber
beilt'ge Vater felbftj bte fd)öne Königstochter burd)»
bohrte ein Pfeil »Ott Maximian felbft gefenbet.
©o erjäblt bte fiegenbe, beren glänjenbfte
Momente i)emling mit acht poetifcbem ©tnn ergriff,
um fte mit geübter £anb auf bem ber f)elbtn berfeU
ben gemet'bten Heiltgtbume in »terjebn ©emalben
barjuftetlen. ©ecbS ber gröpern ftnb, oben bogen?
â¢rttg abgerunbet, auf ben beiben langen ©eiten bei
161
fivcbcuförmtgen SfoltqutenFaften« angebradjt , auf
jeber Seite breij gwet ähnliche an betben ©tebel*
cnben beffelben, unb ben oben baebförmtg febräg
gufammenlaufenben Decfel fchmücfen feeijö Mebatl*
Ion«, auf jebet Seite etn gröÃere« jmtfeben jwei
Fietncn. Sa« erfte ber ©emälbe tn ber ©efcbtd)tS*
folge, eine« von benen an ber langen Seite beS-
Ãaften«, jeigt un« Köln an'ben Ufern be« Dibetne«,
mit feinem Dom unb feinen vielen Stürmen; ein
Sbeil be« febon auögefdjifften ©efolge« nebft vielen
eblen grauen unb Bürgern erwarten am Ufer bte
König«tocbter, welche eben berrlid) gefcbmücft ben
Kabn verlaffen will, ©ine ibrer Jungfrauen trägt
ihr ein Scbmucffäjtcben vor, jwei anbre halten bie
im dachen ft<h auäbreitenbe Schleppe ihre« &erme^
lin^JEftantel«. Alle« iftSeben unb frifche jugenbliche
i) eiterfeit.
©ine« ber bet'ben ©tebelbtlber fehltest fieb hier
ber Segenbe an. (£8 jeigt un« bie ^rtnjefftn üt
ihrem ftitten 3iwmer ju Köln bei nächtlicher 28etle,
Dieben ihr futeet eine ihrer Sungf^»««/ ba« ©eftch*
11
162
mit beiben H«"ben »erbergenb; Urfula felbft, halb
aufgerichtet auf ihrem Säger, heftet bett begeifterten
Blick auf bie htmmlifche Erfdjeinung, welche ihr
burch baS meit geöffnete genfter t'breS ©emacbS
entgegen ftrahlt ©te fteht tu bett Sollen beu
heiligen Vater, ihre Jungfrauen, ihre Ritter tm
himmlifdhen ©lang, eine unabfebbare ©cbaar wer?
Härter Heiliger, unb unter allen btefen ihre eigne
©eftalt tu einer Alle überftrahleuben ©lorte, genau
fo, wie bte katbolifcbe&trdje fle ttod) heute als Heilige
»erehrt, mit bem Pfeil tn ber Hattb. Ein anbereS
©eitengemälbe geigt unS bte fromme ©cbaar, wte
fle bei Bafel anlanbet. Ãberall herrfcht baS frohe,
rege ©efi'tbl beS AuSfdjtjfenS, beS AnkommenS,
beS SettergebenS. Einige Jungfrauen unb Ritter
flehen fcbott gelanbet am Ufer, anbere gehen eben
gum Xhore ber ©taöt ein, nodh anbere erblickt man
bereits jenfett berfelben, ber Aipenfette guetlenb,
welche ben fernen Horizont begrättgt. ^Ddhctufge^
richtet ftebt bie eble ©eftalt ber gürfttn Urfnla tm
Nachen,- fte fdjeint baS AuSfdjiffen mit ihren Blicken
ju leiten, mährenb fowohl in ihrem als in gwei be*
163
nacbbarten Schiffen tijve ©efäbrtinnen, ruhig ba
fl^enb, ben Aufgang erwarten.
Da« uäcbfte ©emälbe, eine« ber »orjüglicbften,
jeigt un« bie jugenblicbe ^Jtigerfchaar in Diorn an?
gelangt. Urfuia nebft einigen ihrer Jungfrauen
fnt'een in Demutb htngefunfen au ben (Stufen be«
Xempel«, auf weichen ber heilige 93ater mit feinem
geiftlichen (befolge berabftetgt, um fle würbig unb
freunblicb ju begrüÃen.
Auf bem fünften Btlbe tft ber weite 2Ãeg über
bie Alpen jum jweitenmal wieber juritcf gelegt,
2fötr ftnben llrfula unb ihr (Befolge abermal« vor
Bafel, im Begriffe fleh J»r 9ietfe nach Köln einju?
fchtffen. Der heilige 5Ãater hat fchon im dachen
fernen ^la^ jwifchen jween feiner Karbinäle etnge?
nommen, unb tm anmuthigften Kontraft mit ben
ehrwürbtgen ©reifen?©eftalten fifct ihnen gegen?
über bie «prinjeffin gwtfcbett jwo ihrer lieblichften
©efpielinnett. Unabfehbare Scbaaren »on Gittern
unb Jungfrauen kommen noch jienfeit« ber Stabt
»Ott ben Alpen herab unb jtehen bem Scheine
wo mehrere ©cbtffe ihrer warten.
11 *
164
£><*$ fechte Btlb jetgt un3 ben Untergang
alles btefeö jungen, freien unb frommen gebend.
{Ritter unb Jungfrauen , auf baö manm'cbfalttgjte
gruppirt, in unenbltdjer Abmecbfelung ber ©tellim*
gen, falten, rote Blumen »or ber öerntd^tenben
©enfe, unter ben blutigen SÃaffen beibnifeber· Bar*
baren. Hier will ein Ritter bie Jungfrauen oer*
tbeibtgen, bort finft eine odh einem Pfeil im Arm
getroffen, eine anbere oerbirgt baö @efid)t, um
ben tob ntebt $u feben, bem fle bod) niebt gu eut*
geben wünfebt, anbere ermarten ober empfangen
ibn tn fltlter Ergebung.
â ->«.·' - · -·, \\ â
Auf bem flebenten Btlbe enbltd), bem legten
ber ©ettengemälbe, erbtiefen mir bie Königstochter
in Maximians 3elt; bod) unb furcbtloS rote ein Helb,
febön unb fromm wie ein Enget ftebt fle ba. Da*
riefenartige Ungeheuer Maximian fpannt ben Bogen,
ber Pfeil fuebt fein 3iet/ aber mir feben ibn nidjt
fliegen, wir feben bie Helbin nid)t finfen. Hemltng
wollte wtiö ben Anblick beS Untergangs ber frommen
fonigltdhen Juugfra« erfparen, nnb begnügte fleh.
'465
nur bte näd) fte Stäbe be3 fcbmerjltcb fc^onett Augen»
bltcfà anjubeuten,
Auf bem jweiten ©tebelfelbe erblicken wotif
Urfula, wie bte fatboltfcbe Ktrdje fte als ©djugi
heilige ber Ktnbbett unb ber retuften Uttfd)ulb noch
je$t »erebrt Jn btmmltfdjer ©d)önbett unb b^ber
Anmutb ftebt fte ba unb breitet ben KonigSmantel
weit über tbre Jungfrauen au«, bte vertrauensvoll
ju betben ©etten fidf) tbr anfcbmtegen. Jn jebem
ber vier kleinen Mebaillonö auf bem bacbförmtgen
Decfet be£ Diettgutenfaftenö tft ein munberltebltdjeif
©nget abgebtlbet, ber mit ©aitenfptel baö Sob ber
fettigen feiert, bereu Apotbeofe etneS ber groÃem
Mebatllonö barftetit Auf gotbnem ©tubl im Siebt*
gemanbe tbronenb feben mir bte Verklärte. ' Die
Xaube febmebt über tbr, unb ber ewige iöater
nebft bem göttlidjen ©obn brücken bte Krone be&
Märtertbumö tbr auf baS lid)tumftratte
Da« jwette btefer MebatllonS jeigt uttö bte â
Königin beS f)tmmelS, Maria, mit bem Ktnbe im
Arm, wetdbeö einen Apfet unb eine Blume ben
ibren FüÃen fnieenben llrfulinernDunen btnreidjk
166
Jebeê btefer ©emalbe, tm ©anjen rote tu be*
Einzelheiten, vereint in öcrbctltniÃmäfjtg feljr ftetnem
Rannte bte tmbefci)vetbttc()flc Anmutb , bte voilen?
betfte Aufführung, mit unübertroffner Siöabrbeit;
unb ber Reicbtbum ber Erftnbung in atten btefen
mannigfaltigen/faft unzählbaren ©rttppen übertrifft
atten ©tauben.
Auffer tiefen ©emätben Hemtingë in Brügge,
bemabrte uttê ein günftigef ©efcbick nod) maudjef
feiner unfehlbaren Serfe in anbern Stäbten. So
befl^t |)err von Bettenborf in Aachen in fetner
reid)baltigen Sammlung beren jwet, mcldjen bte
frühe 3eit ihrer Entftebung ein um fo bobereê Jn*
tereffe gibt, ba rotr in ihnen bef Meifterf Begiit?
iten auf fetner fpäterbin fo glorreich «oltenbeten
Bahn beutlid) erkennen. Die erfte tiefer Xafetn
getgt unf tn einer'von f)emltngf foftltdjften Ãattb*
fdjaften beit Propheten Eliaô, einen kräftigen
(ebenen Alten mit langem ehrmürbigen Bart. Jn
tiefem «Schlummer »erfunfen ahnet er jeijt nicht bie
©egenmart bef meifjbetletbeten fd)ön gelockten
Eugelf, ber neben ihn baö ju feiner Erhaltung
167
notinge Brcb hinlegt. 2öetterf)tn, tn einem ent«
fewterett ©runbe ber Ãanbfcbaft unb burd) bte
Ferne »erfletnert , erblicken wir ben Propheten
erwadjt unb ben fernen ©ebtrgen guwanbernb.
£)te Feter beö OfterlammS tn einer ifraeltttfcf>e«
Familie xjt ber ©cgeuftanb beS gmeiten ber oben
ermähnten ©emälbe. 2ln bent gebeerten $,tfcbe, auf
metchem nach bem jübtfeben @efe£e neben bem Ãfter*
lamm aud) Brob, grüne Blätter, unb einige Becher
(Id) beftnben, ftebt ber in ortentalifd^er bracht vors
nehm unb prädjtig gefletbete ifraelittfcbe -£>auSöater,
im Begriff baä Ofterlamm ju jetlegen. Sfleben
ihm ein nicht minber reidj- gefcbmütfter ©retS mit
langem cbrwürbtgen Barte, ©in jüngerer Jfraeltt,
ebenfalls tn reicher feftlid)et Kletbung, fleht neben
btefem, ben Sieifeftab in ben täuben, nad) bem
SiituS ber Jubett bei biefern jum Anbenfen ber
Siuäwanberung auS ©gtjpten geftifteten feierlichen
Mahl/ welche« ftehenb unb gleichfam retfefertig ge*
noffen werben muÃ. Frauen flehen noch auf
ber anbertt (Seite neben bem $auSoater; betben
fteht ein hinter ihnen ftehenber Mann über bte
168
Schultern weg, unb ein bt'e Aufwartung bet ber
Xafel beforgenber Knabe tritt gur halb geöffnete«
itbüre bin ei«, bnreb weiche man hinaus inf greie
blickt.
Herr von Ãtewer&berg in Köln beft^t in feiner
Sammlung act)t alte auf @olbgrunb gemalte Dar?
fteliunqen ber 2etbenegefd)td)te Gihrtftt, auf ber
ttieberrbeinifeben an 2öilbelm von Köln ftcb anfd)lte*
Ãenben 3eit, in welcher ber ftarre ftetnerne Styl
ber bi)ganttntfd)en Sdjule vor bem warmen H<*ud)
ächten Ãebenö ftd) aufgulöfen begann. Slità einigen
biefer Xafeln gebt nun HemltttgS frühere StlCung
nad) ben Muttern biefer Schule auf baä beut«
iichfte hervor. Vor allen auö einem, welches bt'e
©efangennehmung Sbrtfti barftellt. Jubaö fleht
etwaS hinter feinem Herrn, als wolle er felbft im
Momente, ba er ben verrätberifeben Kuà ihm gibt,
fleh «od) oor beffeu Augen verbergen. Ein ©ertd)t3*
btener ergreift benHeilanb bei ber Bruft, ein anbrer
faÃt fern ©emanb um ihn- fortjugteben, währeub
Petruö über Mald)nö baS Schwert fchwingt. AtleS
fctefeS geht im Vorgrunbe gtemltd) auf einer Cittie
m
»et; hinter berfelben erblickt «tan ba§ empörte, mit
Schwertern unb Stöcken bewaffnete 93olt. ©tue
gleiche Anorbuuttg beS nämlichen ©egenftanbeS,
nur freier unb mit gröÃter SBabrbett bebaubelt,
fmben mir auf einem ©emälbef)emlingS beibehalten,
welches, au« feiner früheren 3eit ftammenb, ftd) je£t
ebenfalls tn Köln in ber (Sammlung beS |)errn
*ÃaftorS Fiebern beflnbet. $retltcb finb iJemltngS
©eftalten ebler, lebenbtger, grattbtofer, baS Ko*
lorit mahrer unb kräftiger, (Schatten unb Sicht auS*
gefproebner unb beffer oerfcbmoljen, als bei bem
ölten nieberrbeinifd)en Maler, bod) bte Kempofltiou
ift augenfcheinltch jener nacbgebtlbet.
Jn Soweit, wo Reinting fpäterbüt böd)jt wahr*
fchetnltch längere 3eit lebte, beftnbet ftd) noch eine
auS mehreren Abteilungen befteheitbe 9?etbefelge
feiner ©emälbe. Sie Anorbttung beS mitteilten
ffiilDeS, einer Sarftetfung ber ©tnfe^ung beS Abettb*
mahlS, gebort mieber urfprünglid) einem jener acht
©emälbe beS $errn StewerSberg in Köln. (SbriftuS
(It^t an ber Mitte, ber Xafel, ihm gu betben (Seiten
jwei Apojltel, gegen ihm über noch gwei, unb brei
170
an bett beibc« fcbmaien Ecke» beö ttfdjeS. Jn ber
ober» Ableitung über biefer tft ber Märtyrer ?Xob
beö ijeiftgctt SraSmuf bargefteÃt, ein ©egenftanb,
ben ber Metjter mabrfd)etnlicb eben fü wenig alö
ben bef Xobeö be§ beütgen -fjtppoltt freiwillig
wäblte; bod) wuÃte er btefe Aufgabe ebenfalls mit
iticbt mtnberem (Belingen ju lofen. Die untere Ab?
tbeiiuug ift mieber breifacb jertbetlt. Jn ber Mitte
finb bte Jünger von EmauS abgebtlbet, jn beiben
(Seiten / betenb auf ben Kuteen, bte gamtlte beS
£)onatorö.
©tefe ©ernälbe bangen fo bo<b, baà e§ ferner
mirb, fie »on unten beutltcb genug ju erkennen, um
tu alle ibre Einzelheiten einzugeben j bod) ber £>t«
reftor ber3eid)ettiAfabemte in Ãömen, Herr ©uetö,
bat e§ ftd) möglich gemacht,' fle ttt ber Sftäbe
gu feben. Sftacb feinem Urtbetle tft bte 3ei^nung
febr lobenSmertb unb in Adern ber Sftatur
geireuj bte Kopfe auSbruckSooll, ber beö JubaS
befonberS d)araftert|tifd), ber ebleKopfbe§|)eilanb8
böcbft »ollenbet, unb mabrbaft göttlich ju nennen.
£)a3 Kolorit tft frifdj, angenebnt, unb ber Ratur
171
gemäÃ, bte ©chatten ftttb flar ttnb »erfd)moljett·,
bte Ausführung gleist üt allen ©injeltyeiten bèv
fetnjten Miniatur, unb nirgenb jeigt ftd) eine ©pur
ängjtlicber Kleinlichkeit ober manirirten SefettS.
DtefeS Urtbeil gilt »ttd?t nur »on btefett, fon*
bern »on allen Serien £)emltngS, nur bte Jünger
»on (SmauS, in biefer Oietljefolgc von ©emälben,
machen hierin ettte Aufnahme. Dtefe ftnb febwach,
unb tragen feine ©pur feiner gewohnten Mctfter*
fcbaft, Sahrfcheinlid) mürben fte oon Pentling nur
angelegt, unb er muÃte otclletdjt bei feiner fdjnetten
Abreife oon Sowen nad) ©pattten baS Btib unvollen*
betlafieit, weichet bann einem-anbern Künftler jur
93ollenbung übergeben warb.
Freilich läÃt eS ftcb nicht mit (GewiÃheit bebaup*
ten, baà t>emling in einem fd)on jtemlich hohen
Alter nach©panien gereifet fet), unb bort baS Otnbe
feiner $age gefunben habe, bod) flnb viele (Briinbe
»orhanben, bte eS als bod)ft wabrfchetnltch anfehen
laffen, unb tdf> fenne feinen etnjtgen, ber bt'efe
Sahrfchetultcbfeit wiberlegte. Den bebeutenbften
BewetS für Pentlings Aufenthalt tn ©panten gewährt
172
un§ Dott Alottzo Pong, ©eFretär beS KöntgS unb
ber Afabemie oon ©anct gerbtttanb, in feiner
Viage de Espano, en quo se da noticia de les
cosas raus apreciables y dignas de saberse gue
baj en ella. !Bon biefer Retfebefcbreibung erfebteu
ju Mabrtb tn ben Jabrett 1776 bt§ 1794 eine zweite
Aufgabe tn Detern in adfjtjebn Bänbeit mit Kupfer«
fliehen,
Don SiionjD pong fpriebt ttt bt'efem 2Ãerfe mit
ziemlicher Ausführlichkeit »du bemKartbäuferiKlofter
SOttrafloreS nahe bei BurgoS. 3U btefem Klofter
lieferte, jufolge fetner Erzählung, ein beutfcberBau«
meifter im Jahre 1454 ben plan, unb erbfeit bafür
3350 CQfaraoebt'S, Dtefer Baumeifter bteS Johann
von Köln, «nb mar mit bem Btfdjof »Ott Kartbagena,
Don Sllonjo, bet bejfen Rückkehr »om Bafeler
Konzilium ttadb ©pantett gekommen. Jbm folgte
©arctaS gernanbez be SOiatienzo alS Baumeifter,
Mnb btefem ©tmon, ber ©ctm Johanns von Köln.
Jtt bem (£bor biefer Kartbaufe fattb Don
Alonjo ponz einige febr alte ©emälbe an einem
Altar, berett bobe Söortrefflichkett feine ganje Auf*
173
«terfjamfett rege machte, ©te jteÃten <£pod)en
au« bem Seben Jobamte§ beS Xäuferö bar,
mel(f)eö |)emiing, mte befamtt, oft unb mit aus!*
gezeichneter Ãtebe bebanbelte, mabrfcbettiltcb meil
er btefett feinen 9ftamen6betltgen befottberö »er*
ehrte. Don Atonjo ^onj fühlte ftcb burcb ben
eblen SluSbrucf ber ©ejtatten, bie hohe iöettenbuug
jeber (Sinjetbett, unb bie feitue ^racbt ber noch
ganj frifcb erhaltnen Farben btefer ©ematbe ^od>ftcf>
angejogeu. (£r bemühte ftd> um Siiacbricbt von bem
Metfter, ber in früher fa S)obe3 vermochte,
mtb fanb baib maö er fudjte in bem Strebte be§
Klojterö Mtrafloreö..
â¬in Mater, Juan Ftamenco, (Jobann ber Fla*
mänber), beiÃt eö bartn, bat btefe ©emalbe im
Jabr 1496 begonnen, unb im Jabr 1499 »ölten*
bet. (£r erhielt bafür, aujfer ben bagu nötbtgen
f)otjtafeitt, bie ibm vom Klofter getiefert mürben,
noch 26735 Maravebt'S für fldb unb feine ©e*
hülfen.
9?un aber tft auffer $anS £emltng in jener
3eit fein meberlänbtfdber Maler befannt/ ber bte
4
174
gobfprücbe »erbietten konnte / weid£>e Don Alonjo
fpong jenen ©emälbett tn MtrafloreS gibt; ber Vor?
narnen beö Metjterö, bte 2Babl beö ©egenftanbef,
bie Eigenfcbaften meldte »orgugSmetfe an jenen
tafeln gerühmt werben, 2llle3 bient baju, unS in
ber Vermuthung ju beftärfen , baà Hemltng fte
wirklich malte. Vielleicht haben felbft bte eben
ermahnten beutfcfjen Baumeifter, Johann , ober
beffen So|n Simon »Ott Köln, £>entling früher ge-
kannt unb feinen Ruf nach Spanien »eranlaÃt.
Auch tft e§ fehr benfbar, baà ber junge Philipp
#
»Ott Spanten bei ferner £)ulbtgung als Herjog »Ott
Brabant, melcbe ttt Ãöwen felbfl im Jahr 1494 »or
fid) ging , ben berühmten Hemltng bort kernten
lernte unb ihn mit ftd) nad) Spanien führte, einem
Ãanbe, mo aucb fpäterht'n bte Meifter feiner Schule
tn hohen Ehren gehalten würben.
©ewtà hatte ber um baf Jabr 1439 ge*
fcorne Hemlittg fcbon ein bebeutenbef Sllter erreidbt,
alf er bte Reife nach Spanten unternahm, um
tort im Jahr 1499 »ielleicbt fein letztes 2BerF in
ber Karthaufe »on Mirafl»re$ ju »»Ifenben? Seine
175
Stürffebr trt bic i>eimatb ift ntc^t benfbar, unb
TOrti>rfci?etnltrf? fanb ferne Afc^e unter ben finten
oon MirafloreS ihre Siubeftätte, neben beit ©räbern
ber ftummen Söri'tber r beren ewigem (Schweigen
geweihten 2Bobnfi§ er fcbmücfte. Audi) feine ©c?
mälbe ertfttren fdbwerltcb noch in Miraflore«; spiüu?
berung, $euer unb «Schwert haben feit £>on Atonjo
Dietfe oft bort gewütbet, man weià gewiÃ,
baà ein franjöftfcber ©euerat im testen Kriege ton
Befehl gab, baé Klofter anjujünben, unb wenn
gtetcb bie feftcn atten Mauern oiettei^t bamatS
wiberftanben, wie »ernicbtenb mögen nicht bennoch
bte legten t'nnern Unruhen in ihren Ruinen ge*
waltet haben.
Btê je^t war in biefcn Blättern »du @e*
mätben Reintings bte Oïebe , welche theitS b.te
Bfïiebertanbe , thetlS fiibltcbere ©egenben be«
wahren, boch auch bte Botffereefche (Sammlung
beft^t eitf Xafetn bt'efeS hoben Meifterê, beren An?
bltcf Jebem bieïBabrbeit altcê beffen oerbürgt, waS
jum Sobe ber übrigen gefagt werben fann.
3wet $lügetbitber in btefer (Sammlung,
17(5
betten baf $?ittelbilb fehlt, bilbeten mit btefem
wabrfdjeinlid) einen auf baö AbenbmablBegug haben?
bett 3»)tluö. Auf bem erfteu berfelben erblicken
mir ben Patriarchen Abraham, ftolg unb kühn tritt
er an ber ©pit^e fetneö HauSbaltf bem Könige Mel*
djifebeck entgegen; Kinber unb KtttbeSkinber, ein
unabfehbarer 3»g/ btlben gu Roà unb Sföagen fein
©efolge, einer feiner ©ohne, reich gewapnet, fleht
neben ihm. Abraham, noch in kräftigem Mannet
alter, mit braunem £>aar unb fchöttem Bart, in
reicher kriegertfdjer traebt, berührt nur mit ber
i)aub ben belmartigen Kopffdjmuck, uin ben König
ju begrüÃen, ber, gtänjenb itt orientaltfcher Pracht,
vor bem frommen gelben baö Knie beugt, inben?
er ihm jum Pfattbe freunbltcher ©eflnnungen Brob
unb Söein entgegen bringt. Die jmette tafel geigt
unö ben bie Jfraeliten »pm £ungertobe errettenben
Manua?Regen, bcch febeint ber ÃJfetfter mit poettV
fd)em (Seift bt'efef Sunber mehr fpmboltfcb ergriffe«
ju b«ben 5 benn ntrgenb auf bt'efem Btlbe ift eine
©pur oon einer burch wirklichen Mangel erzeugten
Begier ju erblicken, nirgenb bräugt unb flöÃt fidj
177
ba« fammcittbe 33olf, wie matt wohl fottft e« auf
£)ar(Teilungen tiefe« 28unber« $u feben gewohnt
ift. Die Ãberzeugung, ftcbtbar unter bem unmittel«
baren ©cbufe be« Kö-tttg« ber Könige ju ftebeu, oer?
brängt für ben Moment ba« ©efübt trbtfeben 53e*
bürfen«. ©ebnen unb fürchten, llnmutb nnb ©orge
ftnb oerfcbwunben unb fromme« Vertrauen erwärmt
jebe« friiber troftlo« yerjweifclnbc £er$. Darum
gleicht ba« ©attje ebev einer *eitgtöfen $eicr al«
bem Abhelfen einer britcfettben 9Zotb, beim ber An?
blick be«2Bunber« allein erbebt fcbon btefe Menfcbet»
über ftd) felbft unb über ta«Seben aufarten. ^lanti
menb bridjt bfe Morgenrötbe auf tiefer £afet über
ber glübenb heiÃen Söüfte beroor, in einem, jeben
fonft nur benfbaren F<*rbeueffeet übertreffenbe»
©lang; unb bocb erbleicht tiefer @lanj »er bem
©tuten?Meer, au« weichem auf tiefem nämlichen
SBttbe Jehooa ftralenb »om Gimmel auf fein 2)oIf
herabbltrft. Der gffect be« Sicht« ift blenbenb
tm befh'mmtejten ©inne be« Sort« , unb id)
jweifle ob je eilt Maler etwa« Ahnliche« her?
»orbradjte. Der |>iutergrunb ber füblichen Sanb*
12
178
fcfyaft erhebt ftcf> terraffenarttg unb überall ttt ber
gerne treten bte Jfraeliten auf Hahlen unb ©e?
büfeben beroor, bte ihnen bei nächtlicher 3ctt ein
Dbbacb gewährten. Jit feierlicher (Stille fammlett
einige ben (Segen beö Himmels, anbre oergeffett
in frommem ©ebet ber ©abe, um beut ©eber jit
banfeit , beffen ©(orte fte umftralt. Q3ter baö
Manna faminelnbe gtguren tm 23orgruube fünbett
fiel) bureb Xradjt, Anftanb unb ©eftalt aà Surften
beS Volfeö an. Die eine von ihnen, eine reich
gefletbete grau »on fehr eblent Anfehen, fleht hoch
unb febern jur Itnfen Hanb beö ©emälbeö; fte trägt
ein rotbeS golbgefticfteS ©emanb, barüber einen
burebftebtigett glor, auf bem Haupt einen wetf?ett
turban, beffen Enbe fcbleterartig herabfällt, unb
unter bem Kinn burdjgebeub mteber an beit Xurbatt
befeftigt tft. Etn neben btefer grau ftebenbeS Ktnb
bebt btttenb bie Häubchen ju tbr auf, bod) fte,
»du ber geierltchfeit beS Moments ergriffen, fchetnt
thm Schweigen ju gebieten. Ein fehr ebler fchöner
Mann, in reichem ortentaltfchen ©djntucf, fammelt
neben t'hr, tief jur Erbe gebücit, baS -f>imnielä^
179
bvob; neben tl)m ftet;t eine anbre febr aumutbige
weibliche Figur, »ut einem gcfdjniacfoDlt georbneten
turbanartigen ftopfpu^. Jn einiger ©ntfernung im
Mittelgrunbe getgt ftcb eine tiefer ähnlichen ©ruppe,
meld)er ftd) bte gang kleinen Säuren im £>inter*
gutnbe aufstieÃen.
©in groÃe« ©emälbe £>emltng« in tiefer ©amm*
luug, eine feiner ©popeen, »ieöetdjt bte reidjhali
tt'gfte meicbe er je malte, pflegen bte Beft^er gerne
nur nacb unt ttad) tljcilmetfe ten Ãunftfreunben gu
geigen, unt felbft fo tft eö fdjrcer, jete ter vielen
mannigfaltigen ©ruppett auf tiefer Xafel »oltfem«
rnen aufgufafftn , obgleich ade« flar unt folgerecht
neben etnanber ftel)t, ntrgenb Verworrenheit ba«
Singe blenbet.
Dtefe« SStlb für ftcb allein bittet eigentlich
eine gange ©alterte, meld)er man »tele Xage weihe«
mödjte. ©« tft eine mabre Abgrübe für Mater,
welche um (Stoff uttb Kompofttion gu t'bren ©emäl?
ben oerlegen ftnb, bettn au« jeber biefer ©ruppen
könnten eben fo »tele Metfterwerfe entfteben, obne
<
etwa« anbereö al« beu MaaSftab berfelben $u »er*
12 *
180
änbern. Man fagt bajj funfjebnbunbert »erfcOte^
bene ©eftalten auf tiefer tafel ftd) entbecfen laifett,
ber Augenfdjetn bekräftigt bte Möglidjkeit ber
Behauptung, bod^ wer »erniöcbte bier nad)ju*
jäbteu!
DtefeS Btlb tfl faitm eüte Canbfcbaft ju nennen,
të ijl bte treufle Abbtlbung beê Sebenö ttub ber
SÃelt, t^rer i>errïtd)feit uub praebt, tbrer Mübe
Hub Arbeit Dem ungewaffueten Auge faum flcbt?
bar ftebeu bte weifen Könige beö Morgenlanbeé
wn fernften £>tntergrunbe, jeber auf feinem Berge,
ben wunberbaren ©tent beobadjtenb. ©te jteben
$erab, fle fommen näber ttnb ttäber ju Canbe, auf
Strömen, mtr febett t'brett ganjen 2öeg, tbr ganjei
reicbef (Befolge. Auf bem Kabartberg feben mir fle,
wte and) bte SegenDe eö erjablt, alle brei, mentt
and) auf oerfdjiebnen 3©egen angelangt, tmuamltcben
Moment jufammen treffen, ©te erkennen etnanber,
fle erblicken Jerufalent ju tbrett giifjen liegen, unb
eilen nun »ereint weiter. 2ötr febett fte auf
Brücken über breite ©tröme jtebett, wir feben fle
bei £erobe8 einkehren, ber ihnen beu 2öeg nach
'181
Bethlehem bezeichnet. Dagwtfcben gebt bei« Seben
ber Bewohner be« Sattbeö, webte« fte burebgteben,
immerfort ben gewohnten ©ang ; bte Sente feien,
ernbten nnb tragen ba« Korn jnr Mühle. San*
berer beleben bie StraÃen, Birten nnb ihre beerben
bte gelber; wir feben Stäbte, Dörfer, Ströme,
^atlcifte, in einer tn Frühling« ? Dietj grünenben
unb blübenben ©egenb. Jrn 93orgrunbe enbltch
erblicken wir bie Könige am 3^1/ fett wärt« eine
unbefcbretblicb retgenbe ©ruppe oon Birten, beneti
©ugel ba« £>etl ber Seit »erkünDen. Dann erblicken
wir bte heilige Familie auf ber Flucht nach Egypten,
wir febett bte Krieger be« Aerobe«, welche öd«
ben Sanbleuten, benen fte begegnen, ben Seg ber
Flüchtigen ju erforfchen fueben; e« folgt ber Ktn*
bermorb gu Bethlehem, unb fo nach unb nach «He
-gjauptepoeben be« Seben« unb Seiben« (Sbrifti bifl
gn bem Momente, wo er »or ben Augen ber «nbe*
ienben Jünger von einem $ügel «ufwärt« gum
SBater fchwebt. S^un folgt bte bei ©elegenbeit beft
tu £>errn *Pà ft$r FÃ<bem« Sammlung beftnbitchen
Manuftriptö erwähnte Au«gteÃuug be« heiligen
'182
©eiftef übet bte um fcte Mutter t'brcf Herrn »er?
frtmnteiten Jünger, unb feitmdrtf gur rechten Haut)
mehrere ^aupt^ucje auf bem Ãebett berfelbett, mte
bte Segettbe unter bent Ramen t'brer fiebert greubett
ttttb fteben Scbntergen fte auf ttttfre 3eitett brachte 3
guleljt t'br frommer fdf)öner tob, tu ber Mitte ber
Jünger tbref göttlichen Sobnef. Man müÃte biefem
9$übe ein etgttef 93ttcb weihen, um jebe fettter gabt?
reichen unb mannigfaltigen ©arfteffungett gehörig
gu mürbtgen unb gu befcbret'ben. Alle btefe »tele
hunbert, oft faum einen 3eü hohe gigüreben be?
wegen ficf>, grttpptren fieb , in unbefcbret'bltcber
iffiabrbeit, feinem fehlt ef an Sbenmaaf unb Auf?
britcf, äffe, btf tn bt'e fieinften Stngelbeitcn, ber
©ewänber, ber Haare, fmb aufgeführt mte bt'e
feinfte Miniatur. Rtcbtf ift bunt, verworren ober
fleinlicb unb baf @an$e btefef muttberbarcu 95tlbef
reine Harmonie unb unauffprecblt'cbc 2Bahrheit.
Mtnber ttmfaffenb, aber nicht mt'nber erfreu?
tidb tft ein auf bret tafeln bejtehenbef flet'nef Altar?
gemdlbe Hemlittgf tn biefer Sammlung, beffen
Hauptfiguren böcbftenS eine Elle hoch fintf. £>af
'183
Mtttelbtlb geigt unö ebenfalls bie brei Könige gn
ben FüÃen beS göttlichen KtnbeS. Die Mutter ft£t
in ber Vorhalle eine« oerfaÃnen eblen ©ebäubeS,
von Xaitben umflattert, »Ott Blumen unb bufttgen
Kräutern in fttbltcber Fülle umblübt; vor ibr bt'e
mürbtgen bärtigen ©eftalten ber in Demutb anbeten*
ben Seifen beS MorgentanDeS. Dod) fo febr biefeS
fd)öne ©emälbe, allein gefeben, Jebett entgücfen
müÃte, fo mirb beffen bennocb »on ber
böberen unauSfprecblicben Schönheit ber beiben gu
bemfelben gebörenbeit Flügelbtlber übertreffen.
Johannes ber Käufer, eine febr eble, leicbt
mit Fellen befleibete ©eftalt, ftebt auf bent erften
. 4 ' J â
berfelben, baS meicbe fcbneemeiÃe Ãamm im 3lrm,
ernft vorwärts blickettb, am JKanbe eineS bell unb
flar burcb üppig macbfenbe Blumen unb Kräuter
binriefelnben FelSbacbeS. Man bört baS ^lätfdbern
ber kleinen frt'ftallbeilen Sellen, man ftebt auf bem
fanbtgen ©runb bt'e F>fcb<ben grotfcben bunten Kiefeln
fpielen. ©ine fdböne Silte fproÃt neben bem f)eili-
gett aitS bem ©rafe auf, unb überhaupt trägt jebe
^flattge, jebe Blume beS SöorgruubeS ben eigen*
184
m*
tf)itmitdf»eit Ebaracfter. Stein Ãttg btcfeS föiHtcbett
©emdlbef, i?er nicht voll garter unb erufter Anbeu?
tungett einer nahen, bte Seit begltufenben 3uf»ttft
wäre. abnenbe Erwarten berfelben fprfdf>t
fldf) vor Adern tu bem fd)önett, ebleu, auöbntcff?
eoöeu Kopf bef Heiligen auf, bocfy auch allem
Ãbrigen lieb bier ber begeisterte Kttuitler eine
jjebem QSolfe verftänblidje ©prad^e.
Rod) tft Die ©einte nicht aufgegangen , nod)
fel;lt ihr belebeubef Sicht, aber bte gange bcrrltdje,
reich blübeube ©egenb febwimmt im rofigen 3d)tm?
wer einer Morgenrötbe, bt'e bett fd)önjtcn beiterften
Ãag verfprtdjt j neben beut Heiligen auf einem gel?
feuitiief flt.it et'tt Et'foogel, ber 93erfünbtger guter
3eit. Jm 33ad)e, btebt atn Ufer, eilt ettte febone
fletne ©cblattge hinter et'tter Eib.edjfe her; tn vielen
©egenbett ijt btefef flettte Xhier alf Vorläufer ber
©drangen allbefattnt, unb mettn man, von bett
fcbäbltcbeu Etgenfdjaftett einiger ©drangen abge?
fehett, ftd) erinnert, baà aud) im alten Xeftameut
(Shrtftuf bureb bie erhöhte eherne ©cblange vorge*
bilbet warb, bereu Anblick ©terbenbe gefuub mad)te,
'185
twb baà Jobattne« feüt SÃerfüttber ift, fo erfcf>ctnt
tiefe gang natürlich herbeigeführte Allegorie fo fittn*
reich, alö eine beS Altertbumê. Unb biefeê Btlb *
gewährt beren nod) »tele.
Auf beut jweiten Jlügelbtlbe, bern berrltd)ften
unter btefen breien, warb baè flare S8äd)letn ber
»ortgen Xafel gum breiten retÃenben ©trom, ber,
«uS bem -^tntergrunbc gwtfcben hohen $elfcnufern
baher ftrömenb, unb imQöorgrunbe gu betben©eiten
»Ott nod) gewaltigem Reifen begrängt, ben gröÃten
ïhetl beê Dïaumeê aitêfitilt. Der fromme Dftefc
©anct (Sbrtftopboruö fcbreitet faft mitten in ben
fd)äumenben Sogen mühfam fort; im purpurroten
oufgefd)ürgten ©ewaitte, auf feinen mächtigen ©tab
gelehnt, blieft er nad) bent wuitberfamen fttttbe auf
fetner ©d)ulter um, beffen unbegreifliche Schwere t'hn
betnahe nieberbri'tcft. ©anct Ãhrtftopb ift fetneS
jener aufgebunfenen Solfenbtlber, wie fte bie aller*
neufte ftunft unê juwetlen geigt, er ift ein wirflidjer
S^tefe, mädjtig unb ftarf, unb 3eber ftcht beutlich,
baà feine nati'trlid)c Saft foleber Art btefen fräftigen
©ebnen unb Muêfeln gu fchwer werben fouute.
'186
'©er Aufbrucf freunbitcber 93erwuttberung in bem
frommen treu bergigen ©eftcbt bef Riefen ift böcbit
angtebenbj bod) wahrhaft göttlich groÃ, bei aller
ftnb Itcben Einmuth, ift ber junge, etwa bret' Jahr
alte Ebrtftuf. £>af lichte Köpfchen »du bimmlifcber
©lorte umfloffett, hebt er bte erhobue Rechte gen
Himmel, tnbem er bte ernflenSBorte auffpriebt: â·
âbu trägft ben Herrn ber 2Belt." â Dbett auf bem
hohen gelfenufer fteht eine Etnftebelet, ber fte be?
wohnenbe Eremit »ernahm baf ©eräufcb auf bem
SBaffer, er eilte hinauf unb ftebt über bte Reifen*
wanb gebogen, fein fcbwacbef Sämpcben binaufbal*
teub. Aber im nämlichen Moment fteigt bte «Sonne
tn ftegenber Pracht auf bem unabfebbarett SfÃellen?
bette. ©er Strom wirb gum Sichtmeer, unb bte
erfreute SÃelt, ftralenb im ©lange bef Himmelf,
bebarf nicht mehr bef fünftltcben fchwachen Std)tf
bef in ber Dämmerung SBohnenben.
Kein Miniaturbilb, fein berühmtef Kabinetf?
flücf ber fleiÃt'gften nteberlänbifchen Meifter fpäterer
3eit, fantt bif trt bte fleinften Etngelheiten garter
unb »ollenbeter feyn alf biefe «nbefchretblich berr*
'187
itcfyen Btlbet bei niögiidbfter ©roÃbeit ber 3eicbnung
uub beöAuöbrucfC unb bei Der blenbent>iteu Farben*'
pvaebt e3 ftnb. ©te ftnb ein Jumeet, ein Kleinob, $
beffett ©lang man gefebett baben muà um baran ju
glauben.
ätuffer biefeit fcd)§ ©emätbeit $emitng§ befliÃt
bie Bct'(fevf;efcbe ©ammlung »du biefem Metfter noch
eine Auferftebnng (grifft, bret F»à fünf 3Dti boeb,
einen Grvaugeliften Johannes von berfetben ©röÃe,
unb, grau tu grau gematt, eine heilige Katharina
unb eine heilige Barbara. JebeS berfelben tft feiner
miirbt'g, bodb eile tcb an ihnen vorüber ju bem gött--
Itcbften erbabenften (ShrtftuSfovf, ber je einem
©terbtieben vorgefdbmebt hat unb von ihm bärge?
ftetlt mürbe.
Mtnber jugenblicb aufgefaÃt, fötmte er für
einen ©Ott Vater gelten, becb ten Auöbrutf beffet?
ben, biefen innigen Verein göttlicher Roheit unb
unenbltthen ©rbarmenS ber emigen Siebe fpreeben
tffiorte nidbt attö. ©brfurcbtSootle ©cbauer ergreifen
Jeben vor biefem wunberbaren Bilbe; ilnebteö ober
©emetneö in feiner Sftäbe nur $u beuten, muà un?
'188
möglich fetyn, benn bte munberflarett leucbtenben
Augen bitcfen ttnS tit bte ttefften Xiefert ber Seele,
mit faft ftrafenbem Ernft. Sie böcbfte Schönheit
beS guin »ollfommenften Manu herangereiften Jung?
ItitgS tritt hier unS entgegen, obgletd) mir babet bte
Unmöglichkeit fühlen, biefer ©eftalt trgenb im
Ãcben ju begegnen, benn fte tft bte etneS jugenb*
lieben @otteS, für menfdjltdje Ãeibett uttb greubeu,
felbft für menfdjltcbe Xugenb ju erhaben.
2Bte btefeS munberbare 35ilb gemalt tft, bleibt
ein Rätbfel; je länger man eS betrachtet, je leben?
btger mtrb eS; man lobt ja baS SfÃaffer etneS £>ta*
manten, tcb möchte btefett AuSbruck borgen, tttbem
tdj von ben Augen btefeö SbrtftuS fpredje; nie,
felbjt nicht tn ber Ratur, meine td> ähnliche^ ge*
fehen ju haben.
ÃbrtgenS glet'djt btefer (SbriftuSfopf auf ba8
genaufte bem hunbert unb fünfzig .Jahre nach
Ãbrifto bereits in ber Kirche angenommenen
Xi;puS beffelben. £>aS Bilb über melcbeS ber
fpapft ttod) alljährlich in Rom bte 2Q5eibe auSfpricbt,
fp mie alle alten Ebriftuöbtlber ber neugrtedjtfdjen
'189
©djule tragen biefelben 3"ge> fe^ft baé bttnfle
furchtbare -£)aupt ouf bem ©cbweiÃtucb jener beili*
gen Verontfa, weiche ©cetbe unS alö ben Ã)Déjteti
©tpfel bttjanttnifcber Kunft t'm erften $eft feine«
SÃerf« über Kunft unb Altertbum fo anfdjaultcb bar?
iteKt, Jcb babe btefe betben ©emälbe mit etnanber
lange unb aufmerffam verglichen, unb eö läÃt ftcf>
ntdf>t wegleugnen, jene« mebufenarttge braune
i)aupt, tu aller fetner wunberfamen Verlogenheit,
geigt benttocb bte böcbfte Ãhnlichkeit mit btefer
fehlten ©eftalt tu ber böcbften Q3lütbe jugenbiidier
Kraft
Die XrabittDnen von ber eigentlichen ©eftalt
be« #ctlanb« ftnb vielfältig unb auf mannigfache
SBetfe bi« auf unfre Xage gekommen. Die merk*
tvürbigften berfelben bat Jobann Sfetéke, 9ìector
31t Solfenbüttel, im Jahr 1685 gefammelt, unb
ihnen unter Bern Xitel de imaginibus Jesu Christi
ein gelehrte« unb grünbltche« Serf gemtbmet.
©tntge btefer ®efd)retbungen fcbeinen mit fo äcbt
pb^fiognomtfcbem ©inn unb mit fü inbivibuellen
3ügett aufgefaÃt/ fte flammen au« fo grauer, ben
'100
Sagen Ebrifti naher ^orgelt, fte tragen fo ganj
ben ©tempel einfacher ïöabrbeitöliebe , baà eê
beinahe unmöglich wirb, ihnen in ber Hauptfacbe
allen ©lanben ju verfageit, wenn gletd) ftcb ©rünbe
ftnben, bie eö mehr alê zweifelhaft machen, baÃ
gum Beifpiel fol^enber Brief gerabe oom Eonful
Sentuluê gefchrteben fep, welcher fünf uub jwanjtg
Jahre nach Ebrifti ©eburt lebte, unb thn perfönltch
gefannt haben konnte. Jd) laffe btefen Brief um
fo lieber bier folgen, alö er bie Hauptzüge beS
Hemlingfd)ett Ebriftuêtopfeê weit beffer beschreibt
alö id) eö vermöchte.
«Brief beè (Jonful Sentuluê.
ES bat fid) bei unS bervorgetban unb lebt
«pdj ein iOïenfd) von vielen Xugenöen, ben man
JefuS nennt, welcher von vielen Ãeuten ein ^rpphet
ber SBabrbeit, von feinen Jüngern aber ©oh«
©otteS genannt wirb. Siefer erwecket bie Xobten
unb heilet bie Kranken. Er tft anfebnltcb, lang
von £ÃucbS uitb von folcbent Slnfehen, baà ihn
Jebermann liebet uub fürd;tet. Er hat bräunlich«
'191
|)aare, wie bie Farbe einer reifen .f)afelnuÃ, oben
glatt iinb bunfel, bed) unten ju etwa« frauS unb
heller um bie Schultern, auf bem Raupte getbeilt,
nach Art ber SRagarder j eine freie Stirn unb mun»
tereS Angeftdjt, ohne Tungeln unb Flecfen, niit
einer mäÃigen 9iöthe gegiert 3 9iafe unb Munb ftub
ohne Xabel, fein voller Bart, bem Haupthaare
ähnlich, tft nicht lang mtb in ber Mitte gefpalteu.
(£r tft aufrid)tigen unb beftänbigen ©eftcbtS, von
groÃen flaren Augen, entfe§ltch wenn er beftraft,
liebreich unb fanftmüthig wenn er ermahnt, fröhüd),
bod) mit einem anftänbigen (ümtft; man hat ihn
niemals lachen gefehn, wohl aber gum öftern weinen;
er fpricht wenig, aber AlleS mit Anfebn; feine @e*
ftalt tft »ortrefflid? vor allen Menfcbenftubew,
Auf hochft überrafchenbe Seife fanb ich tu
Berlin, in ber nämlichen reid)en Sammlung meldte
auch bie unfchäl^baren Seitentafeln beS ©enter
©emälbeS von »an G^cf beft§t, ben beutltcbften
Beweis, baà f)emltttg burch jene alte Befchretbun*
'192
gen gefettet, feinen munberbaren CTbriftuS malte,
giir btefett Bemct'S nämlich muÃte tdf> einen EbriftuS?
fopf anfeben, ben ich bort fanb mit folgenber Unter*
fd)rift. Johes (le ejk me fecit et apicivit anno
'1438. 31. Jannary A/VE. IXH. XAN. Primus
et Novissimo.
IDiefer Kopf, ber aud) ohne bte Unterfcbrift
für eineS ber Meiftermerfe Johann oatt EpcfS gelten
müÃte, fdjten mir jenem oott Hemltttg fo burchauS
ähnlich, baà tch ihn für bett nämltdjen gehalten
hätte, ohne bte Krufte von Kerjettbampf uttb
©taub, melcher thn nod) ocrbuitfelt, ba hingegen
ber, melchen bie Herren Botiferc'e beÃ^en, oon
allen jenen Unbtlben befreit, tn blenbenber grtfebe
ber garben ftralt, als fame er eben »on ber
Staffelet. SSJahrfcbeinlid) mürbe ftd) mancher Unter*
fchteb jmtfcben betbett (BemalDen entbeefen laffen,
märe eS möglich fle neben etnanber-ju ftellen, boefy
fo bünfte mir bie Ãbnlicbfeit täufchenb, nur baÃ
mir baS Berliner ©entälbe bei genauer Betradjtung
mtnber groà porfam alé baS ber Boiffere'efcben
Sammlung. JebeS biefer ©emälbe ift ju »ortreff*
'193
ltd)/ ju ftcbtltcb unb unwtberlectltcb eon SOïetfter*
haut) , atê baà mau etneê für bte Kopte bei< aubern
galten konnte, unb fo tft benn nur bcnfbar, baÃ
taê nämltdje Jbeat, auê alten Xrabittenen unb
93tlbern gefd>ëpft, bctbe groÃe Metfter ju böd)ft
«bnltcber Sarjteitung t'bre« aöttltdjen ©egenjtanM
begeisterte.
Î- l'y 'â im
13
'194
Stt^tttut üttePt*.
Ãcttt freunblicber ©tern leuchtete ber ©eburt
«Mb ber ftinbbeit beS armen JQupntin; Sunfelbeit
unb Armutb empfingen ihn, als er um baS Jahr
1450 ju Antwerpen tnS Ceben trat, ©ein s$ater,
ein armer fjanbmerfer, ftarb, ba Gnpnttn alö m*
münbigeöKtnb btefen iOerluft nod) nid)t 511 empftnben
»ermoebte, unb feine Mutter erjog ihn unter
Stummer, Mangel unb ©orgen, bt'S er fräftig genug
febten, um bet einem -£>anbwerfer bte Cehrjahre
antreten ju fönnen. ©te bradrte ihn in btefer Abftd)t
0u einem ©djmieb, mahrfcbetnltcb weil aud) fein
Später biefeö (Bewerbe betrieben hatte; bort wud)4
er üpÃenbS heran, bei fdjwecer Arbeit unb grober
Ãoft, -"heilte, fobalb er eS vermochte, bett fauer
erwor^nen kärglichen Sehn mit feiner Mutter, bfe
mit tinn £au$ hielt, unb bi.e er herjltcb liebte unb
ehrte, unb führte fo ein bunfleS, kümmerliches CebenA
tiS in fein gmanjigfleS Jabr.
©te febwere Arbeit am AmboS mochte bem
»wt ber Statur einer bityew SJeftimmung geweihten
195
Jüngling wenig gufagenj ba$ mühevolle Sebett, bie
gewaltige fövperitcije Anftrengung, ju welcher ktnb®
lidje Siebe ihn trieb, griffen t'bn heftig an, feine
Kräfte erlagen unb er fiel t'tt eine töbtltdje KranfV
beit. Sange lag er fdjwer unb gefäbrltd) franf tn ber
ärmlichen glitte feiner treftlofen Mutter, bie nun,
ba fte ihrer einzigen Stülpe beraubt war, titelt mehr
wuÃte, wie fte für ftcf? uitb ihren ©ob« »wr baö ^etb*
bürftigfte berbetfdjaffen füllte, fo baà Betbe Mangel
unb DZotb litten. Jugenb unb etne uuverborbne
Sftatur halfen ibm jwar enblicb bie XobeSgefabr
überwtnben, bod) muÃte er nod) Monbenlang baS
Bette büten, unb ber Anblick feiner barbenben
Mutter, baö ©efi'tbl t'br noch lange nicht helfen J«
föntten, quälten ihn unabläfftg, mehr als Krankheit
ober ©djmerj, unb brachten ihn faft jur Vergwetf*
lung. $reunbe / Verwanbte, Bekannte, bie feinem
©cbmerjenSlager mitleibig nahten, bat er unab*
läfftg, ihm einen ©rmerbSquell anjuweifen, ben
er tn feiner gegenwärtigen Sage jur ©rletcbterung
häuSlidjer 9Ãotb ergreifen könne, bochniemanb wuÃte
iRath.
13 *
'196
(B war eben um bte (uftige gaftnacbtSjeit, unb
mancherlei @ebvä«cf>e unb Ãuflbarkeiteu waren tu
jeuett Xagen, befonberö bei ben unteren ©tänben,
tnt ©djwange, »on beneu unfre verfeinerte ©itte
nidjtS mebr weiÃ. ©o mar eö benu aud) bamald
<n ben nieberlänbtfcben ©täbten ©ebraud), baà in
tiefer 3eit allgemeiner gröblid;keit bte Armen unb
©d)macben, meld)e in ben f)ofpitälem verpflegt
Würben, in ben ©traÃen von Hauö ju £)auö jogen,
eine groÃe aut> £olj gefcbnifcte unb mit bunten
fiappen bebangene Puppe mit fld) herumführten,
unb ben Ktnbern buntbemalte Btlber^en febenkten,
»on beren Eltern fle bafür mit mandjerlet ®aben
wieber erfreut mürben. £)tefe 93ilbd)en, beren
man jur SÃertbeilung eine febr groÃe Anjabl be?
burfte, beftanben auf illuminirten £oljfd)ttttten,
unb glücklicher 2Ãetfe fam enblid) einer von SupnttnS
greunben auf ben Einfall, t'bm jum Anmalen biefer
Holjfcbnitte , alö ju einem ErwerbSjwetge ju
ratben, beut aud) wobl ein Kranker vorfteben könne.
Um ju begreifen, wie Qupntt'nä greuub gerabe auf
biefett, beut Hubwerk beä £>uffd)mieb$ fo entgegen?
'197
gefegten ©ebanfen verfallen konnte, muffen wir
wohl annehmen, t>aà Du^nttn ohnehin fd)ou in ge*
funben Xagen fidf> unb feüte $reunbe burcb rohe
Kunftoerfucbe ju ergoÃen pflegte, eine VorauSfej-
jung, bie überbem febr natürlich fcbetut, ba ange«
borneS Kunfttalent, and) bei bern fdjwerften Drucf
ber ÃuÃerlichkeiten, ftcb immer aitS Siebt bringt,
gietd) bem auf harten $elfengrunb gefalltten Samen*
forn, baS im $rüblingStbaue wentgftenS Keime
treibt, wenn gletd) fpäterhin fein gitnftiger Boben
bie febwadjen Surjeln ber ebleit ^flanje in Sd)u$
nimmt.
£5er fcbmad)e, faurn genefenbe Jüngling folgte
banfbgr beS $reunbeS wohlgemeintem Sftatbe, unb
bie leichte Arbeit gelaug ihm über fein (Smarten
unb hoffen. Seine Fertigkeit in ihr wudjS mit
jebem Xage, bie SÃilbdjen geriethen jufebenbS immer
beffer, fte gemauuen immer ausgebreitetem Abfa§,
uitb iJioth unb Sorge waren balb auS feinem fleiitett
Haushalte verbannt. Beffre pflege unb Siuhe beS
©emiithS beforberten mächtig feine gäitjlicbe Her?
ftellung, fo baà er nach einiger 3eit wieber völlig
'198
/ v
3« Kräften gelangte. £>och wäbrenb bem waren
mich bte frDbitdfjert gafcbingStage vorübergezogen,
«tan beburfte ber Bilbdjen vor ber £anb nicht
weiter/ unb Hlnpnttn muÃte ftd? mteber, menu
gletdf) mit febwerem Herjeu, bent Slmbofe juwenben,
unb ber met't liebem Befdjäftiguug eittfagett , ju
ber bittre Roth ihn geführt batte.
Er lebte uttb hämmerte nun mteber eine SÃBetTc
fo fort, im bumpfbeflemmeuben fehnfiiebtigen
fühl, baö fo oft bett grübltng talentrefdher Jüugs
Itttge umbüftert/ bte ohne Mittel unb Sege baju
gu entberfen / bennoeb ben Xrieb jum Höheren
feringenb in fleh entpftnben. £)od) enbltd) ging ein
beller ©tern feinem Ãebett auf / ber ihm mirflid)
ter rechten SSahn juleuchtete.
IDiefer ©tern jtralte tu bent Sluge etueé febr
fdjönen MäbdjenS, unb bem armen ©d)mtebejungen
gerabe tné Herj: !Daé hübfdje Ktttb mar nidjt von
fo hohem ©taube/ baà &uipntin ftd) ihr nicht hätte
f
nahen bi'trfejt, e§ fdjien ihm auch fogar, als ob er
nicht ungern mürbe gefebett werben / wenn nur
nicht feine fchmufctge ArbeitSjatfe, feine »om führen
'199
be« Hammer« geartete« H®ttbe, fern »du Konten*
jlaub gefd)wär§te« ©efici/t, ba« in nieberlänbtfcber
Sieiulidjfeit erjogne Mabcbett jurücfgefdjrecft hatten,
bem e« obenbretn an feiern unb Verehrern ntd)t
mangeite. Der arme Qupnttn muÃte feiner iftotb
»ollenbö fein ©übe, als ein artiger gepikter ©efelf,
ein Maler feine« H*"bwerf«, ftd) ernftltcb um Ca«
Mabcben bemarb. ©r n>ar ber Verjmetflung nahe/
al« eine ÃuÃerung ber Jungfrau, bie er burcb bie
brttte |)aub »ernahm , ihn plbjltd) mteber ermu*
thigte: 5öäre bod) jener ber Hufföwteb, unb
jQuqnttn ber Malerhatte (te gefagt, unb bieg
mar ihm genug, ©r lieà ben Simbo« fteben, marf
beu |)ammer meg, unb fld? ganj ber ftunft in bie
Sinne, gu ber fdjon längft fein innerer ©eutu« ihn
gejogen hatte.
Mit bem ©ifer ber Jugenb, »on beiÃer Siebe
getrieben, Durcb fcbnelle« feltne« ©elingen begetftert,
arbeitete er nun Xag unb 9iad)t, unb, mie bebaup*
tet mirt>, ohne bie Seitung eine« Metfter« gu H"ffe
$u nehmen; wa« ihm mabrfcbeinlicb meber feine
Sirmuth «otl) ber SÃunfdj/ bie ©eliebte feine«
'200
i>ergenS balb heimzuführen , ertaubte». £>enn
nad) beut ©âbrauche bantalt'ger 3eit/> in ^er ÃUCh
bte Kitnft junftmäÃig betrieben warb, hätte er
m'd)t nur ein Ãebrgelb jabten, fonbern ftcb aud) auf
mehrere Jahre bei einem Scbrherrn »erbtugen
muffen , bie er ju opfern ntrf)t SWenS mar.
£)urd) fleiÃiges ©tubtum ber Ratur unb ber
»ieten herrlichen Serie groÃer 'Ãi elfter, melcbe
feine, ju jeuer 3eit lebenSretdje unb practjtvotfe
Ãfoterftabt Antwerpen fchmiicften , machte er t'it
furjer 3ett bte bewunbernSwürbigften gortfcbritte in
ber Kunft, unb warb um fo eber berühmt, b<1
Jeberinaun auch burcl) bte fctjnette Entwicfetung
fetneS XatentS, unb bie wunberbare Umwanblung
etneS HnffcbmtebS in einen Mater in baS gröÃte
(grftaunen oerfe^t warb. ©ein fd)öiteS Mäbdjen
belohnte ihn, wie billig, mit ihrer £>anb, er führte
mit ihr unter feinen SanbSlettten ein tangeS glücfi
licbeS Ãeben in £(n*e unb Soblhabenheit, uttD auf
alten feinen (Bemühen , wo eS nur irgenb ber
gettftanb ertaubte , liebelt un§ nod) immer, nach
mehr als brethunbert Jahren, ihr freunblicfyeS an*
1
'201
mutbtge« Köpfchen entgegen, benn er liebte fie
immerfort mit unwandelbarer Xreue. Sinei) bt'e
Xonfunft oerfebonerte fein Ceben ; er übte fie mit
groÃem ©einigen , unb war beSbalb unter feinen
CaubSleuten ebenfalls befannt unö geliebt, ©r
ftarb 15211 im neun unb ftebjigften Jahre feine«
Alter«. 3Bte boeb feine Vatevftabt ihn ehrte, be*
weift fern in Stein gehauene« 4|Jreftl , an ber
AuÃenfeite Der Marienf'trcbe ju Antwerpen , mit
ber Umfcbrift be« befaunten Verfe« âConnubialis
Amor etc."
Jn ber Ausübung feiner Kunit war Oupntin
MeÃt« fein blinber 5Kad)al)mer be« fd)on Vorgefunb*
neu. Sein fräftige« beharrltdieö ©emiitirbabnte
ftd) einen eignen 2L'eg unb feine ©ebtlbe tragen
beit Stempel einer ihm gong angebörenben Drtgtna*
lität, bie ntebt obne Armüth iÃt. (£r »erfd)mähte
bte jterltdje unb ausgefüllte Vollenbitttg ber üOieifter
fetner 3ett , »ermuthlid) weil feine burd) febwere
Arbeit in ber Jugenb minber gefügig geworbne
£anb ihm ntd)t erlaubte, e« ihnen hierin gletd) j«
tbuuj bafür aber erfanb er ftd) eine etgenthümlidje
'202
Art, auf ben Effekt (;ttt gtt arkttc», bte »Dt* ihm
Siitcmaü'b weber kannte ttod^ übte, ©ein Kolorit ift
j»arm unb kräftig, obgleich eS fiel) mit »an Epck4
«nb Hemlt'ngS garbenglut niebt mefiTen kamt. Mtt
feftem herzhaften ptnfei ftellte er waS er wollte auf
bie Xafel bin; in einiger Entfernung gefeben, er«
fd)tenen feine (Semälbe fogar febr fleiÃig gearbeitet,
wenn gleich etwaö troefeu uttD fcharf gezeichnet
©er warme Xon, bte anfdjetnenbe Ausführlichkeit
geben t'bnen einen gang eignen Retj, boeb in ber
Rabe fd)winbet ber 3a»ber, ben t'bnen bt'e gerne
»crlteb/ ttnD manftnbet fie im QSergletcb eber etwaf
raub unb bart.
Einef feiner oorjüglidhften ©entälbe, »ielletcbt
baS befte unter allen, eine Abnahme »om Kreuj,
befanb ftd£> ju Karl »on -JOiattöerö Reiten tn ber
Marten ? Ktrdje ju Antwerpen, ©en tobt baltegen*
ben EhriftuS hat er, wie man glaubt, nach ber
Sftatur gemaltj ber AuSbruck beS ©chmerjeö ber
Mutter, ber heiligen grauen, unb ber übrigen
Umftehenben , fo rote auch bte Behanblung ber
Starben, wirb als febr vortrefflich gepriefen. ©t'e
m
'203
eine ber ©eitentafeln fteCfte ben heiligen Johanne«,
bie gwette bte £od)ter £)erobcö tm Xanje bar, unb
obgieid) ba« ©anje ebenfalls auf ben (Sffeft gemalt
war, fo erregte e« bod) wegen fetner übrigen Xreff?
Itcbfett ntd)t nur allgemeine Bewunberung, fonbertt
warb aueb von Kennern febr boeb gehalten. DtefeS
©emälbe geborte urfprüngltd) ber Xtfcblergtlbe ju
Antwerpen, für bte Qu^nttnMeÃt« e« gemalt hatte.
König Philipp ber jweite von ©panien ftrebte eifrig
nach beffe« 25eftt3 ; bte £)enott« mögen bamal« bodj
uod) ntdjt ganj üblich gewefen fet;n, bettn er begnügte
ftd), groÃe ©ummen bafi'tr ju bieten, ebne baÃ
jebod) bte Xtfd)lerjunft fleh bagu bewegen lieÃ, ba«
Kitnftwerf bafür hittjugeben. SReue (Gefahren
brobten bem Meifterwerfe balb barauf, al« bie
Btlberftürmer »ernichtenb herumzogen , boch e«
warb forgfälttg »erborgen unb gerettet, wo fo
»tele« 51t ©runbe ging, ©itbltd) im Jahr 1577/
jwangeu bte ilmftänbe bte Beft^er e« an bte ©tabt
Antwerpen felbft ju »erlaufen, welche ihm ben
<£breupia£ tu ber Marten?Kirche einräumte, ©te
erhielten bte bamdö beträcbtlidje ©unirne »o«
'204
funfjehnbuubert ©»(ben bafür, bte fle jum Anfauf
einef 3unf^aufe^ »emenbeten , beffen fle nöthig
beburften.
Die Botffere'efchc (Sammlung befliÃt ebenfalls
ein fetjf »orgitgltdjef ftgurenretdjef ©emätbe btefef
Meifterf , beffen ©egenftanb mir tnbeffen nicht
mehr gegenwärtig genug ift um eö hiev näher ju
befdjretbett. Auch habe ich in anbern Sammlungen
mandie feiner Arbeiten getroffen, alte »on fröhlichem
hetterm (Stttbrucf, boch mögen fte tut ©attjen jefct
fetten fepn.
Johann MeÃtö, £htt)ttttnä Sohn, war ju*
gleich beffen ©d)üler, unb galt ju feiner 3eit für
einen über bte MittelmäÃigkeit ftd) erhebettben
Maler, ohne bet wettern ben Rubm fetnef 93ater3
ju erreichen. Jebod) machte er fleh beffen Art ju
malen fo ju eigen, baà manche feiner Arbeiten für
bte fettteê 9Ãaterf gehalten würben, unb »iettéid)t
eê noch werben. Die ©alterte tu Schiesheim befaÃ
»on btefern Johann MeÃtf eine Abbilbttng bef (£»an*
geliftcn Matthäuf tu halber gtgur, W ftd) wahr*
fdjetultd) jefct itt ber Münchner ©allerie beftjtbet
'205
©tu« feiner gelungenften SfÃevfe war eine 38ed)«(er*
ftube, tu welcher nach bamaltger Art, @Dlb gewogen
unb gejählt wirb. £>tefe« Bilb malte er für einen
Kunftltebbaber tu Amfterbam, unb tch glaube e« ju
Berlin in ber oft fcbon erwähnten «Sammlung gefehn
ju haben, wo man eS utt« alö ein S33erf feine«
Vater« geigte. Sind) befanben ftd) ju Antwerpen
mehrere gute Arbeiten bt'efe« Meifter«, bte jetjt
wohl gröÃtenthetl« gerftreut fuib.
'206
latent wn SBruflci, auci) 33ernf)arb
Don Deia^ genannt.
Seit freunbltcber alf bent armen £üutjnttn
iWeÃtf läc^eite baf ©lück ber ©eburt btefem Meifter,
ber fcbon in früher Jugettb nad? Rom tarn, wo er
unter bie ^^bt von Raphaels ©djülern attfgenom»
meit warb, ©o »om ©djickfal begünstigt, bilbete
er fein angcborneS unb aufgejetdjnetef Talent auf
baf aller melfeittgfle auf 3 er malte in Dl, mit
â EBaffer färben, auf ©laf, allef mit gleichem ©e*
fingen, unb kehrte enbltd) als »offenbeter Metfter
uadb 93rabant jurücf, "wo Katfer Karl ber fünfte ihn
«nter bte $abl fetner Hofmaler aufnahm. 33efon<
berS erwarb er fld? bte ©unft biefeS gürften burd)
mehrere groÃe Jagbflücke, nach welchen ber Katfer
in bett funflretdhen ^abriefen »on Brüffel koflbare
unb prächtige Xapeten weben lief. Sie ©egenb
unb bie Haltungen um 95rüfcl roarett in btefen ©e?
mälben auf baf treufte koptrt, fo baà Karl ber
fünfte bett ©cbaupla^ feiner ehemaligen Ãuft in ihnen
wieber erkennen konnte} and) war bejfen BtlbntÃ
'207
tmb ba« ber Fürittnnen unb dürften feine« Haufe«,
bte bei ben Jagbfeften gegenwärtig gewefen, in
biefen ©emälben vottfemmen cibnltd) bargefteÃt*
Au« bem Dienfte Karl« be« fünften trat Bern*
»
batb von Delat) in ben ber ©tabtbalterin ber
SKteberlaitbe , Margaretha von ^arma , Katfer
Karl« natürlichen Xocbter. Aud) tiefe $ürfttn getcb*
nete nad) bem Beifptel tbre« Vater« ben Künftler
auf ba« ebrenvoÃfte au« unb belohnte äÃe feine
Arbeiten mit königlicher Freigebigkeit, fü taà er
fid) ntd)t nur ©bre fonbern aud) ein beteutente«
â Vermögen erwarb. $ür tiefe Fürfttn, fo wie
früher für t'bren Vater, malte er auger vielen
«nbern bebeutenben Serfen aud) noch mehrere groÃe
Vorbtlber, Karton« ober Patronen ju gewirkten
Xapeten, bamal« ein -^aui-tgegenftant be« Sujcu«
in ben ^attäjten ber ÃkoÃen. ©ecb«jebn von btefen
würben fajt hunbert Jahren nach ihrem ©ntftehen
im Haag wieber an« Siebt gebradrt; auf jebem ber?
felben fah man eine Fürfttn ober einen Fürft au«
bem öiaffauifchen Haufe ju Uferte abgebilbet, unb
aÃe waren von fo feltuer Vortrefflicbfett , baà ber
'208
bamalige ©tätigtet: ber Rteberfanbe, !0?ovi^ von
Raffau, ftd) bewegen füllte, fte burcb ben tu Delft
wobnenben Maler, £)anö Jorbaen von Antwerpen,
foptren ju laffett.
Dtefer Metfter war bamafö hoch berühmt, ntd)t
nur wegen fetner Jtunft, fcnbern and) wegen fetner
feltnen gerttgfeit unb ber wenigen beren er
jur SÃoKenbung etneö ©emälbeS beburfte. 3«
Jtalten, wo er fld) lauge aufhielt, pflegten feine
Kuuftgenoffen beSbalb ju fagen: er fd)i>pfe feine
gtguren mit bem Söffel auf ben garbentöpfen
berattä, unb von btefem ©djerj trug er aud) fpäter?
bin tn feiner ben Ramett ^otlepel (Xopf*
löffei) baoon.
Reben ben Arbeiten für ben £>of, fdjmitcfte
SSerttbarb von Oelap aud) viele Kirchen unb öffent?
ltd)e ©ebäube tn ben Rieberlanben mit groÃen ®e#
mälben von bebeutenbem iöerth. EtneS ber be*
rühmteften unb fd)önften berfelben befanb ftd) in ber
Kapelle ber AÃmofenpfleger ju Antwerpen ; ef flöÃte
baf jüngfte ©ericbt vor. £)te iafel, auf welche
tr btefeä SÃilb malte, lieà er vorher ganj übergol*
'209
bett, woburd) feine Farben an ©lang unb Durd);
fidjtigfett itnenbltd) gewannen , befonberS tu beu
Suftpartbteen, tn welchen Der golbtte ©runb ftcbtbar
hervorschimmerte ; wabrfdjetnltd) um, wte auf bem
Danjtger ©entälbe, bie übertrötfcbe Sltmofpbäre beS
geöffneten Rimmels anjubeuteu. DeScamp gibt
btefeS ©entälbe für eine grüÃe gemalte Fenfterfdjeibe
an«, rnetl er wabrfdjetnltd) mit gewohnter Flüchtig?
feit ftd) nicbt bie -Diübe nahm, Karl von MattberS
93efd)retbttng beffelbett recht gu verfteben , ttnb
FueSlt lieà ftcbbaburd) verleiten, eS in feinemKünft?
ter - Serifott ebenfalls als feld)e anzuführen, DtefeS
gu miberlegett bebarf eS faum mebr als bcr 25e?
merfung baà eine ftarf mit ©olb belegte Fünfter?
fdjetbe unmöglich burcbftd)ttg bleiben fann, maS bocb
ein Haupterforberntà ber alten ©laSmaleret mar»
»
UbrtgenS mar 93ernbarb von Oelat) , wte fcbon
früher ermähnt warb, aud) in btefer, feinem 3eit?
alter eigeutbümltdjen Kuttft ein groÃer Meifter, Unb
viele Kirchen in Brüffel prangten mit foldjeit fchtm?
mernbett SBerfett von fetner |)anb.
gi'tr bie ber Malerjunft eigene Kapelle ju
14
'210
£0?ecf>eiit malte Bernbarb von Delap eine febr ge*
priefine ©arftellung ber heiligen Jungfrau mit bcm
Ktnbe ·, »or ihr tft ber heilige SufaS im Begriffe, bie
himmlifche Erfcbetttung auf feiner Xafel ttacbjujetd)?
nen, Die ©ettenbilber btefeö Altargemälbeö maren
von Michael EorctS, »oit bent in bett näcbft folgen?
ben Blättern ausführlicher gefprocbeu werben wirb,
Jn unfern 3eiten f*tt& Bernharb »on DelapS
(Semälbe fehr feiten gemorben, bod) befliÃt bie
Boiffere'efcbe Sammlung etneS berfelbeit, beffett
feltne iöortrefflicbfeit in ber Ausführung , getft?
reiche Kompofltton uub hohe Raturmahrhett itt 51 uS*
brucf uub gorrn, ben 2Ãertb biefeS alten MeifterS
auf baS anfchaulidhfte beurfunben, SS ftellt ben
heiligen SiiorbertuS »or , ber im Anfange beS
zwölften JabrbunbertS Btfcbof »Ott Magbeburg
würbe unb furj »orber nach Antwerpen gerufen
warb , um mit einem bamalS berühmten Ke£er
«ber ©laubenSartüfel ju biSputtren unb ihn wo
möglich ber Stöahrheit jujuwenbett.
©er heilige Btfcbof fleht in btefem ©emälbe
auf ber nicht fehr hohen Kanjel einer fd;önen, mit
'211
meuteren 3«höreru belebten Kirche, ©t'nbringenbe
Berebfamfett, fefte Ãberzeugung, unb ernfteê i)tn*
ftreben jum 3wecf fwb bcr Auêbrucf fetueè eblen
(SJefidfjtê unb fetner $mar mannen bocfj gemäÃigt
ten 3iebnergeberbe. (£r fcbeint eben ein febr ein?
brtngenbeê Argument vorgebracht ju haben, unb
beobachtet ben ©inbrucf beffelbett auf feinen t'bm
rechts gegenüber (tebeuben ©egner, Mit bem
AuSbrucfe tnnern Kampfes, halb erfreut , halb
betrübt, achtet btefer mit gefpannter Aufmerffants
fett auf bt'e Sorte beS 3îebnerS, mabrenb fetne um
ihn »erfantmelten Angehörigen, von einer Art innerer
Benommenheit ergriffen , ben AuSgang ermarten.
Siteben bem Keiner bat ber Maler fein eignes Btlb
unter ben 3ubörern angebracht, an beffen Ãhnlich*
fett mit befannten Abbtlbungen beS MeifterS bt'e
Beft^er juerft btefeS ©emälbe für eine fetner Ar*
betten erfannten. Unter ber Kandel ft£t eine febr
fcböne Frau mit ihrer faum ber Kinbbeit ent*
machfenen Xochter \ baS junge Mäbchen fühlt fleh
mit jugettbltcher ©cbmârmeret von ber et'nbrt'ngenbeif
Sftebe ergriffen, mährenb bie Mutter mit bem
14 *
212
©rufte ber Erfahrung unb bem rubtgen Abrorttrteit
beS reiferen AlterS nur ftttt ftnnenb bem Vortrage·
be$ -fjctitgen aufmerffam gu fotgen fcbeint. £)a£
gauje ©emätbe tft nicbt groÃ, bDch baö Ãeben,
ber AuSbrucf in biefen fletnen gtgureu, fo rate and)
bie gange Anorbnuug unübertrefflich. SSernbarb
»du Delai) erregte , wie faft alte Mater feiner
3ett, ein bebeutenbeS Alter. Er ftarb, flebenjtg
Jabre alt, tm Jabv 1560.
'213
cf) a e i <S o x c t &
IDtefem Meifter warb , wte in Jobantt »<ut
â¬i)cf« geben früher erwähnt tft, bte ©hte,- ba$
berühmte Altarbtlb tn @ent für König ^btltpp »on
(Spanten ju foptreit. Jm Jahr 1497 ju Medjeln
geboren, jetgte er fdjon tn früher Jugenb bte au§*
i
gefprocbenften Anlagen für feine Kunjt, welcbe er
alê ©cbüier BernbarbS »Ott Delap burd) ben rühm*
Itdjflett $letà auêjubilben ftrebte. Mit unermübe*
tem ©tfer menbete er alle feine 3eit auf bte Befol*
guttg ber Sebren feine« Metfter«, fanute fein anbre«
Vergnügen al« ba« ©eltngen fetne« (Streben«, unb
»erlebte fo feine Jugenb in MäÃigfeit unb Arbeit,
ohne ftcb »on feine« ©letdjen ju ber Verberbtheit
ber (Sitten bttttetfien ju lajfen, bte in ben SWteber*
lanben gerabe ttt feinen Jugenbtagen nur jtt aft*
gemein berrfcbenb murbe.
Sfiadb »olienbetett Ãebrjabren jog er, mie früher
audb fetn Sehrer gethan batte, nacb Dtom, mo er
geraume 3ett »erweilte , unb unermübet ber
Ãwtft lebte, (£r jeicbnete unb malte »iel nad)
'214
/
Raphael «ttb anberit groÃen italtantfcben Metfiern,
«ahm Rath uttb Ãebre an, uttb warb balb aud) burch
Ãbertragung bebeutenber Sirbetten ehrenvoll aufge?
jetcbnet. ©o malte er unter anbern tn ber alten
Peterfftrcbe ju Rom eine Auferftebung (Sbrtftt al
Fresco auf ber Mauer ; auch bte Kirche ©t. Maria
della pace unb anbere prangten mit feinen
Serien.
5ln ber |)anb «Her ttaltäntfcben ©attin febrte
Michael Eorctö enbltcb mteber tn bte Hctmatb jurücf.
£)tefe mar eine eben fo »erftänbige als geistreiche
grau, meldte bttrcb tbr flttlicbeö Betragen ftcb uttb
tbnt allgemeine Sichtung erroarb. ©ie ijteit fomobl
burch Xbetlnabme an feinen Kunfl wer fett als burch
Bitten unb Ermahnungen jtt ftetem gleiÃe ihn an,
ititb »eranlaÃte baburd) nach unb ttad) bte Erwer?
bung etneS bebeutenben Vermögens. Rad)bem fte
mehrere Jahre glücfltd) mit ihm »erlebt hatte, ftarb
fle, unb Michael SorciS mahlte balb barauf unter
feinen ÃanbSmänntnnen eine jwette ©atttn , bod)
»on minber auSgejetdjneten Etgenfcbaften, Siefe
zweite Ehe blieb fütberloS, auf ber erften aber
215
ijatte Michael einen ©ob« / ÃftamenS Raphael,
ben er für tic Kunft bilbete,
£)tefer warb jwar ein gan$ guter Maler, boch
gewià fein Raphael, woju ber Vater ihn bod? in ber
Xattfe befttmmt ju babeit fdjetnt. Wenige feiner
Söerfe ftnb auf bie 9fìad)welt gekommen , bennoch
erhielt er fpäterbtn etite Art *>on Berühmtheit burdb
feinen ©cbi'tler (£aSpar be (SrapeS, weldjer ju Alt*
fang beS ftebjebntett JabrbuubertS unter bie banialS
»orjügltcbflen in $lanbern lebenbett Maler gewählt
warb,
£>aS erfte ©ernalbe, woburch Michael (SorciS
ttad) feiner ^ücffunft auS Stalten ftcb berühmt
machte, war ein groÃes Altarbilb, ein gefreujtgter
©brtfluS, int ©d)loà £>alfeuberg, wenige Meilen
von Brüjfel, ju welchem alle Kunftoerftänbtge ttnb
Künftler auS Britffel btnjogen, um eS mit freubtger
93ewunberung ju. betrachten. ©ine Darftellung beS
XobeS ber heiligen Jungfrau, auf bem Aitar ber
Kirche ©t, ©alluS in Brüjfel, war ebenfalls ein
herrliches aÃbewunberteS 2Berf uuferS MetfterS,
boch letber fam btefeS, fo wie auch baS »orer*
I
'216
malmte , fpäterbin wäbrenb ber «tebcviänbtfdf?e"
Unruhen in bie Haube etiteö gewiffett Xbomaf
Sern), einef Kunftbänblerf , ber in jener traurigen
3ett bie allgemein l)errfd)enbe 9taubfud)t unb Utt?
Drbuung benutzte , um btefe unb »tele anbere berr?
ltdjen Kunftwerfe umfonft über für ein ©pottgelb
ju erhalten , unb fie bann ttad) ©paniett führte,
wo man fte mit @olb aufwog. Unzählbare Kunft?
werfe würben bamalf auf btefe Seife beit unglücf?
Itdjen Rieb erlauben entführt, auch bie betben ©ei?
tengentälbe, weld)e Mtdjael Sorct'S 311 93ernbarb
»on Delapf Abbtlbung bef Evangeliiten Sutaf unb
ber heiligen Jungfrau tn ber Kapelle ber Malergtlbe
$u Mecbeln gemalt hatte, unb bte ju ben beften
feiner Arbeiten gejäblt würben.
Säbreub etitef fehr langen glücklichen 2e?
benf gingen »tele gröÃere unb kleinere (Semälbe
auf ber Sertftatt bef fleiÃigen Metfterf beroor.
©0 hatte er unter anbern für bie Marten? Kirdje in
Antwerpen einen heiligen ©ebafttan oon feltuer
Schönheit gemalt, unb eine Einfettung bef heiligen
Abenbmahlf/Weldje ben Altar ber Kirche ©t. ©alluS
'217
tit SSritjfel fcbmücfte. Ãberall fltebte man nacf>
bem 23eft£ fetner 2öerfe , bod) wollten Künftiger?
ftättbtge fetner ^cit feinen früheren Arbeiten vor
ben fpäter entftanbnen tn mancber H"tftd)t ben Vor*
jug geben, (£r felbft hatte bte tmttgfte Freube an
feiner Kuttft, ttnb bewahrte mehrere fetner ÃteblingS*
Arbeiten, bte er um feinen ^retà wegjugeben ent«
fdjleffen war, in breten ^allaft; ähnlichen Häufern,
weldje tn Mecbelu fein Gsigentbum waren, uttb
einen Xbetl fetner groÃen wohlerworbnen Dffetcb*
tbümer ausmachten.
Mit leichtem feinen ^tnfel wuÃte Michael
(SorctS feinen ©eftalten etmaS bod)ft gefälliges unb
fyettrcS ju »erlethett, uitD obgleich man baS fräftige
naturgetreue Kolorit feiner groÃen Vorgänger wohl
juwetlen oermtffen fönnte, fo tft eS bod) unmöglich,
bem 3<mber fetner leicht aufgetragneu bellen fchÃnen
Farben ju wtberftebctt. 3öte uttbefdjretbltd) retjenb
er feine weiblichen ©eftalten barjuftellen , wie
föftltch er fte ju fchmücfen wuÃte, beweifen jwei
©emälbe tit ber Botffere'efchen Sammlung. JebeS
»on biefen enthält nur eine einzige Figur; baS eine
'218
bte Slbbtlbung ber heiligen Katharina, baê anbere
bte ber heiligen Barbara, betbe fiirftlich gefdhmncft,
mit Juwelen, @olb, perlen unb hellfarbigen glatt*
genben ©ewanbern, RicbtS fanti lieblidher fepn
alö btefe beiben jugenbltd)cn Köpfchen, befottberS
halber heiligen Barbara ; ein jarter burebftchtiger,
leicht gefdjlungtter (Schleier bilbet ihren höchft ge*
falligen Kopfpu£. Eigne Erftnbung bei ber £)arftel*
4
lung bebeutenber Momente in feinen groÃem Korn*
pofittoneit mar tubeffen nicht bie glängenbfte (Seite
btefeê fonft fo trefflichen 93?etfterê. Dft bet ber
3ufammeuftellung feiner ©ruppen tu Verlegenheit,
half er ffcb mit feinen auê Jtalten gebradhten
(Stubien, mit Erinnerungen auf ben Serien feiner
bortigen berübmteften Kunftgenoffen. SDeêtjalb mar
er höchft unjufrieben als HteronpmuS Eocf eine
(Sammlung Kupferftiche nach Raphaels Serien ber*
auSgab> meil baburch offenbar mürbe, mie febr er
biefe, befonberS bei fetner ©arftellung ber fterben*
ben Maria, benutzt b«tte.
Bei feinem groÃen Retdhthum warb Michael
EojcciS bennod; nicht leifftg im Erwerb unb »er*
'219
fcbmabte ihn feifcft im Kleinen nicht* ©o ^atte er
eine ihm eigne 3lrt, etne metge -iBanD von oben
luS unten nut alteriet artigen Verzierungen ju be«
becfen, bie er febr bebenbe mit Der Kohle hin $u
Zeichnen wuÃte, unD lieà ftd) Durcb fletne tbm attge*
oebrne ©efcbenl'e leidet Daju bewegen.
Den Mangel an innerer, Alle« belebenden
®}Joefte, Der auS feiner Verlegenheit bei Der Kompo*
fttion gröÃerer ©emalbe hervorgeht, erfet^te bei
ihm, wie bet fo vielen fonjt getftreicben Männern,
ein leichte« fdbnelleS Sluffaifung« * Vermögen, unD
eine groÃe Fertigfeit, zwei ganz entgegeugefe^te
©egenjtänDe mit einanDer z» vergleichen. ©ein
heitrer Umgang warD Deshalb von Vielen gefucht,
Doch «weh von Vielen gefürchtet, Denn er verlebte
oft Die, welche ihm nahten, Durch fchorfe beiÃende
Sieben unD wiiitge ©infälie, Die niemand fchonten.
Dteà erfuhr unter anDern ein junger Maler, Der,
ferner belaDen mit Ãeiebnungen unb anDern Kunft*
werfen, au« Jtalt'en zurücf'fehrte, unb Die einbei*
mtfdjen Kunftverwanbteu unD Freunde einluD, fte
«nzufeben. 211« er nun bei Vorzeigung feiner ©cha^e
'220
mehrmals über bie ©dbmere ber getragenen Saft
klagte, unb mte wunb fte tbm auf bem langen Sege
ben Rücken gebrückt habe, maitbte ftcb COitdjael
gorciö plögltd) mit ber grage au ibn: 2Barum er
fle ntdjt lieber unb bequemer tut 95ufen mit ftd>
getragen babe? ©er junge Meufd) erklärte tbm mit
groÃer Raivetät: mte baö Paket bajtt m'el gu groÃ
gemefen fei), ©o. äufferltcb batte eö ber -Ãietfter
freilich nicht gemeint, mte bie Aumefenbett gur 93e?
fdjäntung beö jungen Malers teiebt etnfaben.
Michael (SorciS erreichte in ununterbrodjener
ilbätigkeit, in ©lück unb äÃoblleben, bie äuÃerfte
©ränge beö menfeblicben SebettS. 3llS gefunber
rüfttger ©reiö arbeitete er nod) im fünf unb neunjtgi
ften Jabre an einem ©emälbe im ©tabtbaufe gu
Antwerpen, batte aber baö Unglück um biefe 3ei*
«ine Xreppe beruntergufalleu , unb ftarb an ben
folgen bavon im Jabr 1592.
227
51 i b x e d) t S) it t e r,
©tu günfttgeS ©efd)üi bewahrte unS red)t ölt*
Ztebenbc 3vottjen über bte (Eltern imt> bie Jugenb
beö groÃen eblen Metfterö, »on fetner eignen £>anb
ntebergefcbrteben , nnb td) freue mich um fo mehr,
mit fctttcn eignen Sorten biefe feinem Anbenfen
gemibmeten Blätter beginnen ju fönnett, ba er felbjt
iit ihrer riibrenben treuherzigen ©tnfalt gletd)fant
mte lebettb oor unö fleht, fromm nnb gut, einfad),
@ott ergeben uttb arbeitfam, mte er eö mar un'o
blieb , btö an fein ©nbe*
//3S Albredjt Dürer, ber jüngere, bab
âfamra engetragen auS metneö Vater« ©cbrtftett,
,,»on mannen er gemefen fei), mte er bekommen
âunb blieben, unb geenbet feltglicb, ©Ott fep ibme
âunb un$ gnäbtg, Amen/'
Anno 1524.
âAlbrecbt Dürer ber ältere tft au« feinem ©e<=
,,fd)lecbt geboren im Königreich ju ^umgarn, nicht
âfern von einem ©täbtlein, genannt Jula , acht
/,Meilen äÃeg« weit unter Harbern, au« einem
'222
âDörflern, babet gelegen, mit Ramen
âSptaS/ unb fein ©efdjledbt bat ftd) gendbret ber
âDcbfen nnb Pferbe, aber meines VaterS Vater
,/tft genannt gemeft Antoni Dürer, ift ÃnabenmetS
in baS obgebaebte ©täbtlein kommen ju einem
©olbfd)mtbt, nnb bat baS fjaubmerk bei t'bm ge*
^lernet Darnad) bat er ftd) »erbeiratbet mit
âeiner Jungfrauen mit Ramen Eltfabetb, mit ber
âbat er eine Tochter, Eatbartna unb brer ©ohne
//geboren/ ben erften ©obn, Albred)t Dürer, ber
âtft mein lieber Vater gemeft, ber ift aueb ei»
//©olbfcbmibt werben / ein künftltcber reiner
z/Maun. Darnach ift Albred)t Dürer, mein lieber
Vater/ in Xeutfcblanb fommeu/ lang in Rieber*
lanb gemeft/ bei ben groÃen Künftlern, unb auf
bie legt ber gen Riirnberg kommen , alS man ge*
jeblet bat nacb Gbriftt @eburt 1455 Jabr, an
Sotten Xag / unb auf benfelben lag hatte
PbiÃPP Birkbeimer Hocbjett auf ber Veiten, unb
mar ein groÃer Xanj unter ber groÃen Ãt'nbeu;
//
//
//
/f
//
//
ff
tf
âbarnacb bat mein lieber Vater, Albrecbt Dürer,
âbem alten Jeronpmuö Heller, ber mein Ahnherr
'223
âgewefen ift, gebtent eine fange 3ett/ btä baÃ
âman ttacfy ©brtfti ©eburt gejeblet bat 1467
âJabr / ba bat t'bm mein Slbnberr feine Xocbter
^geben, eine bübfdje gevabe Jungfrau, Barbara/
z/15 Jabr alt, unb bat mit tbr £od)§ett gehabt
âacht Xage »er Vitt. 2(ucb ift ju mtffen, baÃ
z/meine Slbnfrau, meiner Mutter Mutter, ift be3
âDelltngerg Xocbter »du SSetffenburg gemeft, bat
âgebetffen Kuntgunb , unb mein iieber Vater bat
âmit feinem ©emabl, meiner iieben Mutter, btefe
ânacbfolgenbe Ktnber gejeugt, baö fe$td), wie er
âbaS in fein Bud? gefebrieben bat, »on äÃort ju
âBor t."
Hternäcbft folgen bie »om alten Dürer aufge*
jeicbneteit Familien ? 9fiad)ricbten , ©eburt« * Xage,
9iamen unb Rathen jmeier fttnber, bann fäbrt er
r
Wetter fort ben ©eburtö^Xag unferS 3tlbred)t Dürer
anzeigen.
âJtern nacb ©briflt ©eburt 1471 Jabr in
âber feebften ©tunbe, an ©⦠sprubentten * Xag,
âan einem Freptag itt ber (Ereujwocben, gebabr
//mir meine Hausfrau meinen anbern ©ob«/ jw
'224
âbent war ©eoatter Antoni Koburger, unb uannt
âtl)it Albred)t nad) mir."
Run folgen wteberunt Ramen , Rathen unb
©eburtê?£ag oon nod) funfjebn ©efdjwiftern, anf
bic nämliche 2Betfe von bem Vater Albred)t Dürerö
treulich ntebergefdjrteben, etn langeê RamettiRe?
giller, nad) beffen Beenbtguttg Albred)t Dürer ber
©obn wteber bte geber ergreift,
âRun finb btefe meine ©efdjwifterigt, metuef
âlieben Vaterê Ktrtber, alle geftorben, etliche in
âber Jugenb, bte aubertt, fo fte erwad)fen, allein
âleben wtr bret 53rüber uod), fo lang ©ott will,
ânämlich td) Albrecbt, unb mein Bruber AnbreaS,
âbeögletcben mein SÃruber |>annê beê RamenS,
âmetneê Vaterö Sïtnber."
âStem btefer Albrecbt Dürer, ber ältere, bat
âfein Seben mit gr offer -Jftttb, unb fcbwerer barter
âArbeit jugebradjt , unb »oit ntd)ten anberè
âRabrung gebabt, Benn roaê er oor ftcb, fetn ÃÃetb
âunb Ktnb mit feiner £>attb gewonnen bat, barunt
âbat er gar wenig gebabt. Er bat and) mancherlei
,,Betriibung, Anfechtung unb Siberwärtigfeit
'225
âgehabt, <£v b<*t «u<h *>orr mänm'gltdb, bte ib»
âgekannt böben, ein gut 2ob gehabt, benn er hielt
âein erbar Ãbriftlid) Sebeit, war ein gefcultig Mann
âunb fanftmütbtg, gegen jebermann frteDfam, unb
âer war feft banfbar gegen ©ott. ©r hat OS auch
ânicht viel weltlicher $reub' gebraucht, er war aucf>
âweniger SBort, hat nicht viel ©efeöfdjaft, unb
âwarb ein ©otteöfürcbtiger Mann/'
âDtefer mein lieber Vater hat groÃen $leig
âauf feine Ãtnber , bte auf bie ©br ©Dtte« j«
âgieÃen, benn fein böcbft Begehren war, baà er
âfeine Ktnber mit 3ucht mohl aufbrächt, bamit fle
âvor ©ott unb ben Menfchen angenehm würben,
âbarum mar fein täglid) ©pracbju un«, baà mir ©ott
âlieb folten haben unb treulich gegen unferm
âSfiächften hanbeln, unb fonberlich hatte mein Vater
âan mir ein ©efatten, ba er fahe baà ich fleiÃig in
âber Ãbung ju lernen mar, Darum Ite« mich mein
âVater in bie ©d)ule geben, unb ba ich febreibe«
âunb lefen gelernt, nahm er mich wieber au« ber
â©chul, unb lernet mich ba« ©olbfcbmtb; 2Berf,
âunb ba ich nun fäwberlich arbeiten fonnt, trug
15
m
âmich mein Cuft mehr gu ber Maierei bemt gu bem
â(S o lb fdjmib * 5©er f. £>aö hielt id) meinem Vater
âfür, aber er mar nicht wohl gufrieben, benn ihm
âreuet bte »erlerne 3eit, &ie ct* ^it ©olbfcbmib*
âSehr hatte gugebradjt, bod) lte§ er mirö nad), unb
âba man gablet nad) Ehriflt ©eburt i486 an
âAnbreaS«%ag »erfprad) mich mein Vater in bte
âSehr?Jahr gu Michael Solgemut, brei Jahr
âlang ihm gu btenen. Jit ber 3e'* »erliehe mir
â(Bott gleiÃ, baà ich mohl lernete, aber »tel »oit
âfeinen Knechten leiben mu{te» Unb ba td) auöge?
âbient bat, fehteft mid) mein Vater hinmeg, unb
âblieb »ier Jahre auffen, btö baà mich mein Vater
âwieber forbert. Unb ald ich im 1490 Jahr
âhinmeg gog nach Dftern, barnach Fant ich wieber
â<xlö man gählt 1494 nadh ipfingften. Unb als id?
âanbeimS kommen mar, banbelt £an3 grep mit
âmeinem Vater, unb gab mir feine Xod?ter, mit
ânamen Jungfrau SlgneS, unb gab mir ju ihr 200
â(Bulben, unb hielt bie i?DCh$eit, bte mar am
âMontag, »or Margarethe im 1494 Jahr. Dar*
ânad; begab fld) 3Hf^ mein Vater franf
'227
âwarb cm ber iftubr, alfo, baà ihm bte ntemanb
âftellen mocbt, Unb ba er beti Xob vor feinen
âAugen fabe, gab er ftd) milltg bretn, mit groÃer
â@ebulb, unb befahl mir meine Mutter unb befahl
,,un« göttlid) ju leben/''
Jn btefein treuherzig ? etnfadjen Xon fährt
Albrecbt Dürer uod) eine Seile tu feinen Familien*
9f?ad)ricbteu fort, bertd)tet nähere llmftciube von beut
fecltgenHmfdjeiben feine« frommen Vater«, ermähnt
einiger XobeSfälte in feiner Vermanbfcbaft , unb
erjählt julet^t, mt'e er feine alte arme Mutter jmef
Jahre nad) bem Xobe fetneö Vater« gu ftd) in5
|)au« genommen , unb fte treultd) gepflegt habe,
befonber« in ihrer legten langwierigen Krankheit,
ba fle ein gange« Jahr ba« Bette hüten muÃte/
bi« aueb fle fanft unb felig entfcblief.
Albreebt Dürer hatte, ba er tu feinem fecbjebn*
ten Jahre bie SBerfftatt feine« Vater« mit ber
Meiiter« Micbael SBolgemut« »ertaufd)te , ftd)
fdjon groÃe @efd)icfltd)feit ermorben in ben bamal«
unter beu @olbfd)mteben üblichen fünftlidjeu Arbei*
ten, mt'e mir fle noch je(?t an benen mit getriebne»
15 *
'228
gtguren gezierten Bechern unb Anbetern foftiteben
©ilbergerätbe ber Vorgett tit Kunftfabtuetten bemun*
bern. Er hatte, jnr groÃen greube fetneS VaterS,
«nb jur Bemunberung alter Vermanbten unb Be*
fannten, febon bte feeben gälte beS Sctbenö Ebrtflt
tn getriebner ©tiberarbeit febr febön unb fünftitcb
aufgeführt, fo baà ef bem Vater allerbtngf leib
fetjn muÃte , ben boffnungöootlen ©obn von ber
fo wobl betretnen Bahn abgeben gu feben, unb gemtÃ
geborte febr brtngenbef Bitten fetttef Stebtingf baju,
um feine EtnfHmmung jtt btefem bebenflidjen ©ebrttt
gu erb«lten. !Docb ergab er flcb enbltcb, unb trat
mit feinem alten greunbe, bem berühmten Meifter
Martin'©cbön ju Colmar, bem er am liebsten feinen
©obn anvertrauen mochte, befbalb in fcbriftlicbe
llnterhanblungenboch biefer jtarb vor Vottenbnng
berfelben, unb fo entfdhloà ber alte Dürer fiel),
feinen Wibrecht bem bamatf berühmteften Mater in
Dürnberg / Michael SfSoigemut, ju übergeben,
»abrfcbeinitch um fo lieber, ba er ihn auf btefe
SÃeife unter feinen Augen behielt.
Auf ber SBanberfcbaft, bte Albrecht Däret
'229
«ad) votfeitbetenÃebrjabren antrat, befugte- er bte
berübmteften, bamatS icbcnbe« Mater, nicht nur
in Deutfcblanb, fonbern auch in bett SKteberlanbett,
lernte von ihnen mit bem FleiÃ, ber btS anS ©nbc
feiner Xage ihn auszeichnete, nnb ftubirte mit befott*
berer Vorliebe bte äöerfe Martin ©chönS nnb Jfraeti
von Mecbeltt,
Sfiad) vier Jahren febrte er beim, auSgebitbet
att Setb nttb ©etft, fromm, rettt nnb gut, mie er
vom väterltdjen Haufe ausgegangen mar. ©eine
^robejetebnung, bte er nacb ber |)etmfebr in
Dürnberg mit ber $eber zeichnete, um nacb barna*
tigern ©ebraud) unter bte Meiner aufgenommen ju
merben, erhielt megett ibrer feltnen unb voltenbeten
Ausführung von aiten Kunflver(tänbigen groÃes Ãob,
unb erregte atigemeine Bemunberung , befonberS
in £tnftd)t auf fcie ben Htntergruub (nfoenbe Sanft*
fdjaft. £)tefe 3etdjnung ftettte einen DrpbeuS bar,
bem, freilich profatfeb genug, von ben rvütbenben
5J3adbanttnnen mit Ãnitteln übel mitgefptelt mirb.
fieiber tft bte 2Babl btefeS MotifS als eine fetjr un*
gtürftiebe Vorbebeutung auf feine balb fcarauf ge*
'230
fctyloÃne Ehe mit AgneS gret) anjufeben, beren
Vater, Hanêgrep, ftd) burcb ebett btefe 3etcbnung
bewogen fühlte, tijm feine Xodjter jujufübren, ba
er fte bet einem jungen Künftler, ber fo ju beginnen
wuÃte, für WDbl verforgt adjtete. Daé böêartige,
geijtge, janffücbtige SEBefen btefer grau vergällte
Silbredjt Dürerê ganjeê Ãebeit unb führte jttle^t
baê frühe Gtnbe feiner lage herbet.
2Benn wtr ben 3ettraum ven ein unb vterjt'g
Jabreit, »om evften itage an, ba 5ilbred)t Dürer
ber Kunft ftcb wtbmete, btë an feinen £ob, mit ber
iDZettge ber ttnö von t'bm erbaltnen Kunftwerfe
vergletdjett, unb babet bebenfen, wie Vteleö nod>
int Sauf »en breibuubert Jahren für unö verleren
geben muÃte, fo wirb ber gleià beê eblen Metfterê
i\id)t mittber ttnfre Bewunberung erregen, atê bt'e
Stunftwerfe felbft, beren feltne Vortrefflidjfeit ben
hoben ©entuS beurfunben, ber, vom ©lücf beffer
begünftigt, unb ohne bte traurige Befdjränfuitg ber
Umgebungen, in benen er leben muÃte, wabrfdjetiti
Ucb neben Sftavhael unb Jobann van Epcf ju bett
bödbften Höben ber Kunft fld) erhoben hotte.
'331
©d)on tu ber erfleit Hälfte be« flebenjehnten
Jabrbunbert«, faum Rimbert Jahre nad) Wibrecht
Dürer« £ob , war e« febr fcbwer, alle noch vor*
battbnen Blätter jufammen ju bringen, bte er in
Holj gefcbnttten, in Kupfer geftocbctt, einige fogar
in ©ifen geäjt, ober in 3ütn mit ber Spatel geriffen
hatte, bettn er verfugte flcb gern unb ebne ju ermü*
beu in Allem woburcb er fetne Kunft ju vervotf*
fommnen hoffte* ©einer bamal« nod) vorbanbuen
Holjfcbnitte jäblt ©anbrart bretbuubert unb jwolfe,
ebne Katfer Maximilian« groÃe (Ehrenpforte uttb bte
vier Xrtumpbgüge jum Xbeurbanf; von Kupferfttdjett
gibt er etnbunbert uttb fedjfe al« ibm bekannt an*
Unb wie viele HaitbjeiSttungen bereichern nicht nod)
bte Mappen ber Kunftfreunbe, wie viele Krujtfire/
Heiligen ^Btlber unb ähnliche SBerfe von Wibrecht
Dürer an« HÃlS «ttb ©Ifenbeitt metfterhaft gebtlbet,
werben nicht nod), gletd) Heiligtümern , in unb
auÃer Deutfdjlanb ttt retchen ©atumlungen aufbe*
wahrt! ©eine, jum Xbeil gro.Ãett, figurenreichen
©emälbe flnb noch ber ©tolj vieler ©alieriett unb
privat - ©ammlungeu, bei un« wie im AuSlanbej
'232
ü
gewià fattb etne ntd)f minber groÃe Sinja^i berfelben
im Saufe ber 3etten ihren Untergang , unb mabr*
fcbetnltdb liegt aueb nod) manches nnerfannt, in
©taub mtb Sunfel »erborgen.
äiuffer ber Ãbung feiner Stunft befdbäfttgte er
fldb aud) mit ber geber, unb ermarb ficbalS ©ebrift*
ftetler ebenfalls Sichtung unb Ehre, fo baà feine
2Berfe in franjöflfcben, latetuifdjen unb ttaliänifcben
Ãberfettungen aueb im SluSlanÃe gar balb bekannt
würben. Er fcfjrteb mehrere 2Ãerfe über (Geometrie,
^Jerfpectioe, Proportion beS menfdjlicben Körpers,
fogar über einen feiner Kunjt ganj frembeit ©egen*
ftaub, über gortiftfatton j melcbe ©cbrtft 1527
unter bem Xitel: âEtliche Unberrtcbt, ju SSefeftt*
gung ber ©tätt, ©d)loà unb flecken," im £>rucf
erfebten , nebft einer 3"cig«wng an ben römifeben
Ãönig gerbinanb. ©eine oier Bücher oon ber Bt'lbs
unb Maler ? Stunft mürben »on ^aulo ©alluti au«
bem latetnifcben inS ttaliänifdje überfe$t, unb um
ein fünftes Buch vermehrt. 5Diefe Ãberfe£ung warb
tm Jabr 1594 ju SJeuebig in golio * gormat
gebruckt.
'233
SfBtc hoch Albredjt Dürer« Kunftwerfe auch in
Jtalien gefdjä^t würben, wo bamal« mit ihm gleich'
jettig Midjael Attgelo unb Raphael Alle« übcrjtrals
ten, beweifet be«, gewià gegen bie Deutfcben
nicht nnpartbeüfcben Vafart eigne« BekenntniÃ, baÃ
ber berühmte Kupferjtecber Marc Antonio fed)« unb
breifig »on Albredjt Dürer in £>ol$ gefchnittne kleine
®Paffton«ftücke fogar mit beifert bekannten Flamen«*
jeichen nachahmte , unb fte at« bejfeit Arbeit »er*
kaufte. Atbrecht Dürer verklagte ihn be«halb, unb
bradjte e« babin, baà er auf Befehl ber ©tgnorta
wentgften« ba«3cid)en in ben Holjftöcken weglöfchen
muÃte.
Albrecht Dürer war t'm Umgänge mit $reunben
unb Bekannten einer ber lteben«würbigflen Mens
fdjen; noch je§t gewinnt in feinem Bilbc fein eble«,
fromme«, von langen, liebten, fanft gekräufelten
Haaren umüoÃne« Antlt§ alle Herjen,
ber Milbe unb Feinheit be« ©eilte«, ber etnft btefe
3üge belebte. (Er war ber ©tolj feiner Vaterjtabt,
bie tbn jurn Bemetfe ihrer Achtung jum Mitglteb
be« groÃen JKath« erwählte. Alle feine Mitbürger
'234
»cm gröÃten gum fteinften liebten ihn, bte getflretcb'
flen Männer fetner 3eit fachten feine Befanntfcbaft,
feine aftä^e^ unb Katfer ttnb Könige zeichneten ihn
ehrenvoll auf. Der König von Englanb unb viele
gürjtctt unb @roÃe belohnten freigebig bett gleiÃ,
ben er ctuf ihre Btlbntjfe vetmenbet hatte, vor
Allem aber hielt Katfer Marimiltatt ihn tu hohen
Ehren, ernannte t'hn mit einem Jahrgelbe von ein*
bunbert ©ulben ju feinem Hofmaler, unb belohnte
überbeut and) reichlich jebe feiner Arbeiten tn biefem
feinem Dtettft, tu meinem nach Maximilians Ab*
leben attd) Katfer Kart ber fünfte ihn betätigte.
Alf Atbrecht Dürer cttift in Katfer MartmtlianS
©egenmatt auf einer Mauer etmaS bezeichnen
moltte, manfte bie Setter, auf melier ber Metfter
ftanb, unb ber Katfer hieà einem feiner naheftehen*
bett Ebelleute bte Setter ju hatten. Dtefer aber
gog fleh etmaS ^uviuf, unb mtnfte einem ttt ber Ent*
fernung ftehenben Diener, an feiner ©teile btefett
Dtettft zw verrichten, bett er unter feiner SiÃürbe
hielt. Der Katfer marb bieà gemahr, unb ftettte
fogletch ben Ebetmann beShalb jur Siebe, unb als
2.35
btefer einige auf feine« 9?attg Be$ug babenbe
©ritnbe verbrämte, erzürnte ftd) ber Ãatfer ttod)
»nebt/ â âAlbert ift wobt mebr al« ein ©beimann
megen $ürtrefTltd)fett feiner Knnfi, " â fprad) er,
â âbenn ich mebl au« einem Bauern einen ©bei*
mann, aber nid)t gletd) oün einem ©beimann einen
Künftler machen fann." â Sind) gab er von Stunbe
au bem 9Ubred)t Dürer ein abliebe« Sappen, bret
ftlberne Sd)tlbe im blauen ftelbe, ^ mifc, fet'nc
3unft
Mebr aber al« alle ©brenbejeugungen, bte
ibm entgegen famen, tröftete 2ilbred)t Dürer bte
treue Anbänglid)fett t'bm berjltcb ergebner $reunbe,
bei feinem , mtrflid) febr fcbmeren bättölicben Unge*
macb, an ber Seite ber unerträglichen $rau, mit ber
er in ftttberlofcr ©be leben muÃte. Mehrere bureb
"£)erj unb ©eift ftcb auSjeidmenbe Männer fcbloffen
im traultcbften Verein ftd) ti)nt an, unt> fud)ten jebe
Sfiotb unb Sorge ibm mentgften« ju erleichtern.
Unter biefen befanb ftd) Doctor Jobann AegtbtuS
Anrer, ein marmer $reunb ber Kunft, bem Albrecbt
Dürer feine greunblidjfeit unb mandje ibm erzeigte
'536
©efälltgfeit babttrcb beiob«tc, baà er ihm bei Anle*
gung unb Drbitung feiner bebeutenben Sammlungen
fräftig betftanb. Doch ber eigentliche,, bis an feinen
$ob ibm ergebne greunb fet'nef Herjenö war ber
geiftreiebe nnb gelehrte Sfiürnberger JKatbfbrrr Btli?
balb ^Jirfbeimer. Dtefer befaà fein ganjef Vertrauen,
unb batf tbm auch auf mancher beHemmenben Ototb;
benn uueraebtet aller feiner Arbeit mar bennodh im
Haufe beö burchauö unetgennü^tgen MeifterS nie
ÃberfluÃ, mobl aber zuweilen Sorge unb Mangel ju
finben. 3⢠»ertrauten Umgange mit btefem feinem
greunbe, mar e§ auch mobl, baà Albrecht Dürer auf
fiutberä bamalö bertfortretenbeErfcbeinung juerft auf*
merffam mürbe. 95etbe lafen alle bantalS »on btefem
erfcheinenbe ©dbrtften, welche ganj Deutfcblanb in
Bewegung festen , tbetlten eirtanber t'bre Bemer«
Jungen mit, unb gelangten mit etnanber ju einer
Ãberjeugung, bte betber burch Ãbermutb bef
?)Jfaffentbum§ aufgeregte^ ©erniitb ber neuen Ãebre
enblich jumenbete j ^trfbetmer ergab fleh ihr mit ber"
Ãberlegung beö SBetfen , ber JebeS »on allen
©eiten betrachtet ebe er e3 für gut erkennt, «nb
'237
fatit fpäterbtn ttt mancher Hfttficht auf attbre ©ebatt*
fen, wie auö einem »du ihm balb nach Albrecbt
Di'trerö Xobe gefcbrtebnen merfwürbtgen Briefe
hervorgeht, aber Albredbtö ftünftler = 9?atur ergriff
mit feuriger Begeiferung, waS feinem bellen Auge
im ftraienben ©lang ber 2öahrhett erfcbietteu mar,
ohne fidb je mteber bavon abmenben ju laffen.
Jrn Jahr 1506 unternahm Albrecbt Dürer
eine Kunftreife nach Venebtg. ©r warb bort von
Vielen freunblich empfangen, unb führte mehrere
Kunftaufträge, bie er erhielt, ehrenvoll auS. 2Bte
fröhlich er, fern von rinem häuslichen (£lenb, unter
einem fchonen Himmel fepn founte , beweif't eine
Steibe Briefe, welche er an feinen $reunb spt'vff
heimer von Venebig auS fcbrteb, beren mitunter $u
berb luftiger Xon aber freilich nicht mehr in unfere
3eit paffen will. 3ur belfern Darftellung fetner
Sage, fowohl babetm als in feinem bamaltgen
Aufenthalt, hebe ich nur ein paar ©teilen auS btefen
Briefen attS, -· ·..·
" âSollt ©ott baà ich euch groÃen Dt'enft fönnt,
z/benn b«S wollt ich mit Stuben ausrichten, benn
'238
âtcb erfenn baà Jbr nur »tel tbut, unb ich bitt
âeucb habt Mttleiben mit meiner ©cbttlb, id) ge?
âbenf baran öfter benn 3hr, Alöbalb ©ott mir
âbeim hilft fo mià id) eud) erbarltd) jahlen mit
âgroÃem Danf, weil id) l)ab ben £eutfd)en ju
âmalen ein Xafel, baoott geben fte mir 110 ©ulbeu
ârheint'fcb. Darauf gebt mit fünf ©ulben Koftung,
âDie werb ich nod) in acht Xagen oerfertigen mit
âweiÃen (grünben) unb fcbaben, fo rnill id) fie
âvon ©tunb anheben ju malen, menn fte mag, fo
â©Ott miÃ, ein Monat nach Dfteru auf bem Altar
âftebn. Daö ©elb hoff id) / wenn ©ott will, aÃ
âju etfparen, wenn td) gebenf td) bürf Cer Mutter
ânoch bem 2öetb alöbalb fein ©eli> fcbtcfen u. f, w."
âVenebtg an ber beil. bret Konige Xag tm
âJahr 1506»"
Die in b4efem Briefe ermähnte Xafet war ein
heiliger Bartholomaus*, für ben bamaltgen Verein
beutfdjer Kaufleute in VeneDtg, unD fcbmüifte einen
Altar tn ber Dem bentfcbcn -faule gunäcbft liegen*
ben Kirdje. Mit groÃer Mübe fanr KaiferjKuiolph
fpäterhin $um Beft§ biefeö ©emalbef, inbem er fidj
'245
erbet, jiebe Summe, welche bte Kirche uur immer
bafür forbertt mijtte, ju jableu. Auf baS forg«
fälttgfte eingepackt, warb eS hierauf nach beSKatferS
eigner Veranftaltung burcfy vier ftarfe Männer auf
bett Sd)ultern ven Venebig bis ^Jrag getragen,
bannt baS feftbare ©emälbe nid^t burd) baS Rütteln
et'neS SBagenS uutermegS Schaben (itte.
Jn einem anberü Briefe fd)retbt Albrecht Dürer
an Bilibalb ^Jirfbeimer:
âJcb wellt baà 3br bie ju Venebig märt <£S
âflnb fe viel artiger ©efellen unter ben SBelfcben,
âbte ftd) je länger je mehr jtt mir gefellen, baà eS
âeinem am Herjen fanft feilt Denn vernünftig
âgelehrt gut §antenfd)leger , Pfeiffer, verftänbtg
âim (Bemale, uttb viel ebleS ©emüth / redete
âXugenbS von Ceutett, unb thun mir viel (£br unb
â$reunbfcbaft Dagegen ftnb 3br aueb ber untreu*
âften verlegen btebtfd) Böfewtdjter ba, Jch glaub
âbaà fle auf Srbreich nit fe leben , unb wenn«
âeiner nit müÃt, fe gebäht er eS mären bie artig«
âften Ãeut bie auf ©rbreieb mären. Jd) muà ih»
âfelbft lachen, wenn fle mit mir reben, fte rniffen
'240
âbaà matt folcb 95o0^ett oott ihnen weià , aber fle
âfragen nie barnad). 3<b bab »tele guter greuitb
âunter ben 2Belfd)en , bte mtd) warnen, baà id)
âmit ihren Malern nt'd)t eà unb trtnf, aueb ftnb mir
âihrer »tel fetnb, unb ntadjett (foptren) mein Ding
âin Ktrcben ab, unb wo fle eö mögen bekommen;
ânoch fcbelten fle eö, unb fagen eö fet> ntt antiftfd)
âArt, baju fei) eä nit gut; aber ©ambetltnufi
â(©tan BeHtno, auf nenettanifcb Beltn, ZU
âjtanS groÃer Cebrer) ber bat mieb »or »tel ©en*
âttlomen faft febr gelobt. Er mollt gern etwad
,,»on mtr haben unb tft felber ju mir gefommen unb
âbat mtd) gebeten, er roellö mobl jahlen, Unb
âfagen mtr bie Ãeut alle, rote ei fo ein frommer
âMann fei), baà icb tbm gleich günftig btn. Er ift
âfebr alt unb ift noeb ber 93efte tnt ©enteile u. f. w.
â©eben ju Söenebig neun Ubr tn bte Stacht, am
â©amftag nad) Lichtmeà im 1506 Jabr."
Von Venebig auö machte Albrecbt Dürer eine
Kufflud)t nad) Bologna j ,, Um Kunft willen,"
fdjretbt er, ât'n heimlicher ^erfpeftioe , bie mich
âeiner lernen will, ba werb i<h ungefehr in ad)t
'241
âober $ebn Xagen auf fctjit gen Venedig wieder ju
âreiten, darnach will tcb mit dem nädjften Boten
âfommen. D wie wird mich nad) der Sonne
âfrieren! hier bin id) ein Herr, dabeim ein Sd)ma?
âro^er."
3n Bologna ward er oon den dortigen Malern
wie juoor tu Venedig ebren»Dll empfangen , unb
langte wabrfdjetnlid) erft im Spätberbft befietben
Jahre« mieder in Dörnberg an, mo er in ununter*
broebnem $teià baö gewohnte Seben von neuem
begann. Sange gefühlte Siebe und Bewunderung,
noch erhöht durch bte unfterblichen Serie Raphaels,
welche thnt mabrfcbeinlich in Venedig und Bologna
ju ©efldjte gekommen, trieben t'hn je£t unwiderfteh*
lieh / dtefem hohen Metfter ju fchreiben und ihm
fein eigne« Btlbnià ju überfenden; eine 3eicbMUt,8/
die er höchft funjtreich, ohne alte« aufgefegte Sicht,'
mit täufebender Sabrbeit ausgeführt. Beide«
langte glücklich in 3tom an, und Raphael erkannte
mit $reuben den t'hm »erwandten @eniu«, beffen
JKubm gewià fchon früher bi« ju ihm gebrungen mar.
©r nahm ba« Schreiben wie bie @abe banfbar
iÃ
'242
unb freunbltcb auf, unb ermieberte betbef, mit
einem liebevollen Briefe ttnb mit 3eicbnungen 0Dn
feiner i)anb gurn ©egengefcbenfe.
JnntgeS Verlangen , bie groÃen Metfler ber
JKteberlanbe unb ihre SfÃerfe gu feben, bemog
Sltbrecbt Dürer »tergebn Jahre fyater nochmals feine
ijeimatb gu oerlaffen unb baf 2anb gum gmeitetu
male gu befucben, mo er früher mutbtg nnb forgloö
ben SSJeg gum 3^* begonnen. Je^t mar baö
freilich »tel anberö, fein Söeib begleitete tbn mit
tbrer Magb ©ufanne / nnb fo ging SllteS otel fcbrner*
faltiger al§ barnalä, ba bem fröblttben, lebrbegiertgen
Jüngling 2Bett nnb Kunft im Morgenrotb beö
Sebenö entgegen lächelten.
Von btefer feiner iftetfe ift ber gröÃte Xbcit
fetneö febr forgfältig geführten £agebud)ö btf auf
unfre 3eit gekommen, auö melcbem ich hier bie mir
am merfmürbtgften fdjetnenben ©teilen bem Ãefer
mittheile, ba baf ©ange, bei aller fetner naiven
Slnmuth unb bergltdjen Einfachheit bocb mohl gu
»tel 9?aum erforbew möchte. £>err von Murr
bat ti im fieberten Xbeit bef Journals jur ftunft*
'243
gefcbtdjte und allgemeinen Ãttteratur, welche« et
tut Jahr 1779 s» Dürnberg berau«gab/ abbrucfen
(äffen.
Anno 1520.
âAm «pfingfttag nach SKliani bab tdf> Albrecbt
,/Dürer auf metn Verfoft unb Ausgeben mich mit
,/meinem 2Bcib oon Dürnberg hinweg tn ba« SKie*
âberlanb gemad)t, uttbia mir beffelben Xag« au«?
âjogen burd) (Erlang, ba behaupten mir ju 9iadit«
âju 93aier«borf, unb »erjebrten bafelbft brei 53a£en
z/minber fed)« Pfennig u.f. m."
//Darnach fuhren mir gen Antorff (Antwerpen),
âba fam tdf> in bie Herberg, jum Jobft ^lanf'felb/
/,unb bettfelben Abenb lub mich ber ftugger Factor
âmit 9iamen Bernbarb ©tecber, gab un« ein föft*
âlieb Mal. Aber mein SÃBeib aà in ber Herberg,
,/unb bem Fuhrmann bab td) für unfer brei «per*
âfönen ju führen gegeben brei $1. an @olb."
//Am ©onntag mar aud) ©anct Démalbtag/
âba Juten mich bie Maier auf ihr ©tuben, mit
//meinem 3S>eib unb Magb / unb hatten allettng
âmit ©ilbergefdjirr, unb aubcrn föftltcben (Ãejt'er
16 *
'244
âmtb überföftltdb Effen. ES waren and) ihre SÃctber
âalle ba, unb ba td) ju Xiffbe geführt warb, ba
âftunb baS Volt auf betben ©ettett, a(S führe man
âeinen groÃen -!perrn. ES waren auch unter ihnen
âgar trefflich ^Jerfonen, 0011 Mannen, bt'e fid> alt
âmit tiefen Steigen auf baS allerbemütbtgft gegen
âmir erzeigten, unb fte fagten fte wollten alleS baS
âthuu, als »iel möglich, *»aS Ãe wüÃten baS mir
âIteb märe. Unb als ich alfo faÃ, ba fam ber
âHerren »du Slntorff JKatbSbotb mit jweten Ãnecb*
âten, unb febenfet mir oon ber Herren oon Antorff
âwegen vier Kannen 2öein, unb lieÃen mir fagett,
âich falle htemtt oon ihnen oerehret fepn, unb ihren
âguten SEBtllen haben. Deà fagte ich ihnen unter?
âthänigen Danf, unb erbot meine untertänige
âDtenfl. Darnach fam Metfter peter, ber ©tabt
â3immermann, unb febenfet mir jwei Kannen
âäöetu, mit Erbietung feinen willigen Dtenft. Sllfo
âba wir lang fröhlich bei etnanber waren, unb fpat
âin bie Stacht, ba belaitben fte uns mit Sinbltcb?
âteru gar ehrlich beim, unb batest mtd) fcf) foll ihren
âguten Stilen haben , unö annehmen , unb follt
'245
âmachen maö tcb mofilt, barju mottten ftc mir
âaöbebülfiid) fepn. Alfo banfte ich ihnen, unb
âlegte mid) fcblafen/'
âAuch bin ich gemeft in Metfter äDuinttneS
â(Quintin MeÃt«) £)au$. Aber td) btn gemefen
âauf ihren groÃen bret (£>d)ieÃplä£en, td? bab geffen
âetn föjtlid) Mal , mit bem ©taber. Aber ein
âanber mal mit Dem $actor spertugaU , ben
âhab tcb mit ber Koblen fonterfett, rnebr bab ich
âmeinen 2Birtb fonterfett, item Jobft ^lanffelb,
âber b«t mir gefcbenft ein metà Korallen/'
âJtem ©ebalbt ?5ifct>er bat mir ju Antorff ab?
âfauft fecbjebn fleiner faÃten pro 4 fl., mebr 32
âBücher pro 8 fl./ mebr ii geftocbne ^ajftoit pro
â3 fl. / mehr 20 balbe Bogen aller (Gattung gleich
âburch etnanber pro i fl. Jtem meinem Strtb b«b
âich J« faufen geben auf ein Xüchlet'n ein gemalt
âMartenbtlb um 2 fl. rbeinifch u. f. »."
âJtem am ©onntag nach Bartolom« bin ich
âvon Antorff mit Herr Xomaftn gen Mecfjeln ge*
âfahren , ba lagen mir über stacht , ba lub ich
,,Metfter Konvab unb ein Maler mit ihm, ju9ftau)t*
'246
âeffen, unb biefer Mcttëer Konrab ift bet gut
â©cbntÃer, ber bleuet grau Margaretb bef Katfer
âMartmtltauf Rechter, beögletcbett td) fein gefeben
/,bab* Von Medjeln fuhren wir burcf) baö ©tabt*
âlein SJBtlÃtoart, unb famen am Montag gen
âBritffel.ju Mittag u. f. m."
t
//3d) bab gefeben ju Britffel im 3iatbbauö üt
âber gulben Kammer, bte ot'er gemalten Materien
âbte ber groà Meifter 3ïubiger (Regier »an ber
âäöepbe) gemacht bat/'
,,$lud) bab id) gefeben bte iDtng bte man bem
âKönig aujj bem neuen gulben Sanb (Merico) bat
âgebracht, eine gang gulbene ©onneit, einer ganjer
âKlafter breit, befgletcben ein ganj ftlberner Monb,
âauch alfo grog , befgletdjen »on allerlei tbrer
,,Waffen, -^arntfcb, ©efcbütp, unb allerlei wunber*
âbarltd)er Ding ju menfd)ltd)en Brauch , baf ba
â»iel fchöner ju feben ift atf Sunberbing. Dtefe
â£)tng ftnb alle föftlich gercefen baà man fte befdjäjt
âbuubert taufenb ©ulben rcertb. Unb td) bab aber
â¢r
âall mein Ãebtag m'djtë gefeben baf mein $erj alfo
erfreut bat, alf btefe Ding. Denn td) bob barin
947
âgefebett munberltcbe fünftttdje Ding, unb Hb nitcb
âvermunbert ber fubttlett Jugento ber Menfcben in
âfrembett Canben/'
âStent Mabonna Margarethe ( bie ©tattljal*
âtertn) bte bat ju 23ritffel nad) nur gefd)ici't, unb
âmir jugefagt fte moti meine Beforbertn fepn gegen
âKönig Karl, unb bat ftcb fonberltcb ganj tugenb*
,,lid) gegen mtd) erzeigt. -£)ab ihr mein geftodjnen
âRafften gefcbeuft , beögletdjen ein fotdjen ihrem
âPfenning*Metfter mit tarnen Jan Marini, unb
âbab tbn audb mit ben Kühlen konterfeit. Jtern
âals tcb bin gemeft tn beS »ott Staffati £auS, ba
âbab tcb gefebn baé gut ©emäbl tu ber Kapellen
âbaS Metfter £mgo (Hugo »an ber ©oeé) gemalt
âbat/'s
âStern Metfter Bernbarbt (Bernbarb »cn
âDetap) bat mtcb gelaben, ber Maler, unb bat
âein folcb föftltd) Mabl jugericbt , baö td) nit -
âglaub baà erzeugt fei mit j?b« ©uibett. £)aju
âbaben fldj oon ihm felbö gelaben mir gut ©efell*
âfcbaften ju teilten, ber $rau Margareth
âmetfter ben tcb konterfeit bab, unb beè KönigS
I
'348
âfjofmetfter mit Tanten t>cr Metern', unb ber ©tabt
â©cba$metfter mit tarnen »en «puöflabtS , bem
âfebenfet tcb ein Rafften in Kupfer geftodjen, unb
âer bat mir mteber gefebenft eine febmarje fpantfebe
â£afcben brei (Bulben roertl). Unb Eraömo iftot*
âterbammo bab td> audf) ein ^ajfton gefebenft in
âKupfer geftochen , ber tft beS Bont'ftuS ©efre*
âtariuS."
â3tem bab Meifter Bernbarbt (oon £)elap)
âber grau Margaretb Maler mit ber Kohlen fonter?
z/feit. habe ben EraSmum 3ioterobam nodh
âeinmal konterfeit. Jcf) bab bem Coreng ©tarfen
âgefebenft ein fl^enben i)terpnpmum unb bte Me«
âlancbolep , unb bab mein Strthin ©eoatterin fon*
âterfeit. Stein fed)ö ^erfon haben mir nichts geben
âbte ich ju Brüifel bab fouterfeit. 3d) bab auö*
âgeben für jmet ^tiffelhörner bret ©tiiber, ein
â©tüber für jmeen Eulenfptegel." ( Ein je§t faft
unbezahlbares Blatt »on CulaS »on Sepbeit.)
âSllfo bin tdh am ©onntag nach ©. ©ilgentag
âmit $err Xomafln gen Mecheln gefahren, unb hab
âUrlaub oon £errn £anS Ebner genommen, unb
'249
âer hat »or bte3ebrung, feiang tdf> bei ihm gemeÃt,
ânicht« motten nehmen, ftebcn Xag, oon be« Han«
â(Seuber« megen. ©tu Stiiber hob ich be« 2öirtb«
âKnecht $ule£t geben. Jet) bab mit ber $rau
âoon Siieuftrchen ju iXiad^t geffen, nnb bin »on
âMecbetu früh am Montag gen Antorff gefahren,
ânnb ich aà früh mit ^ortugate«, ber fchentet mir
âbret *porgoiana (Ma je tifa Schalen) unb ber 9Ãu*
âbert'go fchenfet mir etltd) Gebern, (Satefutifcb (in*
âbt'anifch ) Ding/'
âJtem be« Raphael« von Urbin« Ding tjt nach
âfein Xobt atte« eerjogen, aber feiner Dtöciputn
âeiner mit 9iamen Xborna« ^Jotonier, ein guter
âMaier, ber hat mich begehrt ju feben, fo i(t er
âju mir fommen, unb hat mir ein guiben Dftng ge*
âfchenft, antica , gar mit ein guten gefchnitten
â«Stein, tft fünf (Süthen merth, aber mir b«t man
âjmtefach ©etb bafür motten geben/'
Die Sprache be« Xagebuch«, ift »on hier an
burcb Herrn »on Murr etma« mobernffirt.
âVerehrte $rau Margareten, Karl be« fünf*
âten ©chmefter, ein ©remptar atter meiner Kupfer*
'250
âftid)e 1Mb £ol$fcbnitte. Verfertigte tbr giro ^eicb'
ânungen auf Pergament, unb für ihren Ãetbarjt
âeinen 3jn einem £>aufe/'
âDem Xbomaö polontuS alle meine SiÃerfe
âgegeben, bte nad) 9iom gefcbidft mürben nm bafür
âSiapbaeltfcbe «Sachen ju bekommen. poloniuö
âverfertigt mein Bilbntà nm eS mit nad) iftorn jn
ânehmen."
âAm Donnerftag nacb Michaelis fuhr icb nad)
âAad)en. Am 23. October fab td) bte Krönung
âKatfer Karte, Am $ret)tag vor Simon unb Juba
âverlieà tcb Aachen unb fam nad) Söivenj am ©omt?
âtag nach Ãöln, mo td) ein Xractat Doctor SutberS
âum fünf Setfjpfennige taufte, unb gab ich ein
âiöeiÃpfennig für bte (Sonbemnation Sutbert beS
âfrommen ManneS. Jn Bri'tifel, Aad)en unb
âKöln b«tte td) fret Quartier bet ben bret SWürnber?
âgtfdjett Herren Krongefanbten, Seonbarb ©rotanb,
âDan§ Ebner unb SKtfolauS Datier. Jn Köln fab
âtd) am «Sonntage nach Aflerbetligen Katfer Karls
âgürftentanj unb Banquet (barnach machte er eine
â3etchnung bte tit £ol$ gefchnitten tft). Am Mon--
'251
âtag nach Martini erfetett id) »Ott Jtaifer Karin tote
âBetätigung alö fatferltcber Hofmaler/'
âAn unfer grauen Abenb retfete td) nach ©ee*
âlanb. ©ebaftian Jmbof liel) mir fünf ©ulDett.
âSir muÃten bie erfte Diadjt oor Anfer liegen,
â©amftag konterfeite td) ein Mäbcben in ihrer
âXrad)t. Kam nad) Mittelburg, fab in ber Abtei
âJohann'S be Mabufe groÃe Xafelj tft beffer ge;
âmalt als gezeichnet."
âKam am $reptag nad) Sucia mteber nad) Ant*
âmerpen $u Jobft ^lanffelb."
Anno 1521.
âAm ©amftag nad) Ottern mit Han§ Cteber
â»du Ulm unb Jan ^lo«, einem guten Mater oon
âBrügge gebürtig, nad) Brügge gefahren/'
,,©al) in KaiferS Haufe 9tiiDiger$ (DiogierS
â»an Brügge) gematte Kapelte, unb (Bemälbe oon
âeinem groÃen alten Meifter (mahrfcbetnltd) Hem*
âItng). Bei ©t. Jafob föftltdje ©emälbe »on
âJKiibtger unb H"ge (»an ber ©oeä) ben groÃen
âMetftern. ©ab baö Martenbtlb »on Alabafter
âju unfrer grauen, baö Michael Angelo gemacht
'252
âhat. ©ah alle gute ©emälbe beS Johannes (watt
âSpcf) ttnb auberer tn ber Kirchen, unfc tri ber
âMalerfapelle. ©aben wir ein groÃes Banquet
âauf ihrer ©tube ju Stacht, unb befebenften mt'd).
âJafob utib Peter Moftaert , bie ^atbSberren
âfd?enftett mir jmölf Kannen 933etn, unb bte gange
â©efellfdjaft »on fedjjig perfonen begleiteten mich
âmit äÃtnblicbtern heim/"
âKam nach ©ent. ©er ©eebant von ben
âMatern unb bte oorberften empfingen mich herrlich
âunb aÃen mit mir ju Stacht. 3im Mitmocbe frühe
âführten jte mich auf ben hohen ©t Johanm'St&urnu
â©ahe beS Johannes Xafel ( oan EptfS berühmtes
â©emälbe) baS ift ein überföftltcb, bocböer|tänbig
â©ernätb, unb fonberltcb bte (£»a, Maria, unb
â@ott ber Vater flnb faft (fehr) gut/'
,,©ah bte Ãomen , unb jetchnete einen mit
âbem ©teffte. ©te Maler mit ihrem ©eebant haben
âmich nicht »erlajfen, haben gu MorgenS unbStadjtS
âmit mir geffen unb alle ©ing bejahtet, gubr am
â©t'enftag frühe mteber nach Antwerpen.
golgenbeS ift mteber gang unoeränbert im ©tipl
'253
Sllbrecbt Stirer«. Der gan$e 2luffa£ aber fo
rübrenb ttnb berjergretfenb, baà td) mtdf) nur mit
Mühe entfd)(teÃen tonnte, tbu, al« bocb ntdjt gauj
bieder gehörig, nur tbetlweife mttjutbeilen,
â3tem am $re»)tag nad) ^ftngflten im 1521
âJahr fam mir Mähr gen Antorff, baà man Marti«
âÃutber fo oerrätherltd) gefangen hätt, benn ba
âihm be« Katfer« Karül« £>erolb mit bem fatfet'i
âHeben ©eteit marjugeben, bem mar er oertrauet,
âaber fo batb ihn ber ^>eroib bracht bei ©tfenacb tn
âein unfreundlich Ort, fagt er borfte fein ntt mehr,
âunb ritt »on t'bm, 5ll«balb maren jebn ^ferb ba,
âbte führten »errätherltch ben verkauften frommen,
âmit bent belügen (Seift erleuchteten Mann hinweg,
âber ba mar ein 9<iad)folger beö wahren chrijb
âliehen ©tauben«, und lebt er nod) ober haben
âfie t'hn gemörbert, ba« ich ntt weiÃ, fo hat er
,,ba« gelitten um ber dbriftlicben SBabrbett willen,
âunb um baà er gejtraft hat ba« unchrtjtliche
â«papfttbum/' â.--
âUnd fonberlicb tft mir noch ba« fd)wereft,
âbaà un« ©ott vielleicht noch unter ihrer falfchen
'254
âbltnben fiebr will lafFen bleiben, bte bod) bfe
âMenfcben, bte fte23dter nennen, erbidjt unb auf«
âgefegt haben, baburcb unf baf foftltcf) Sort an
âviel Enben fälfdjttcb aufgelegt wirb, ober gar nit
âfürgebalten." .
âDarum febe ein jeglicher, ber ba Martinuf
âSutber Sebre lieft, wie fein Sehr fo flar burdjftd)?
âtig tft , fo er baf beilige Evangelium führt.
âDarum ftnb fte in groÃen Ehren ju balten, unb
ânit ju verbrennen, ef wäre beim baà man fein
âSiberpart, Die allezeit bie Sabrbett wtberfed)?
âten, tnf geuer würf mit allen ihren Ãpinionen,
âbte ba auf Menfd)en ©otter machen motten. Aber
,,bod) tjtf gut, baà man wieber neuer lutberifcber
âBücher Drucf batt. D ©ott tft Sutber tobt, wer
âwirb unf bittfür baf heilig Evangelium fo flar für«
âtragen? Ach ©Ott, maf bätt er unf nod) in jel)tt
âober jmangig Jahren fctjreiben mögen! D ihr alle
âfromme Ebriftenmenfcben , belft mt'r fleifftg be?
âweinen btefett gottgeifh'gen Menfd)en, unb ©ott
^bitten baà er unf einen anbern erleuchten Mann
âfenbe. O Erafme Sioterobame wo mtlt bu biet*
'255
âben? fleh, wa« vermag bte ungerechte Xirannei
âber-weltlichen (Bematt, ber Madjt ber $iufterntÃ?
âHör bu bitter (Sbrijtt, reutb hervor neben bem
âHerrn ©brtftnm, befd)i't§ bte Sabrbeit, erlang
âber Märttrer Krön , bu btft bocb fonjt ein alt
âMennifen (Männchen). 3d) b«b von btr gehört,
âbaà bu btr felbft noch gwet Jahr gugeben baff,
âbte bu nod) tügeft etwa« gu tbun, btefelbeu leg
âwohl au, bem (Evangelium unb bem wahren djrtfl--
âUdjen ©tauben gu gut. â â â D Gsra«me
âhalt btcb bin, baà ftd) ©Ott bettt rübme, wie vom
âDavtb gefcbrieben ftebt, benn bu magftö tbun,
âunb fürwahr bu magft ben ©oliatb fällen."
9iacb btefer (Erleichterung feine« frommen,
£ ; U, 'tillZ tpfj-j i. â . IS· K V v i: Iii
forgenerfültten H^gen« führt Stlbrecht Dürer nach
gewohnter Seife fein Xagebud) weiter fort.
,/Stent am achten Xag nach Ãorpu« Sh-tti
âbin td) gen Mecbetn mit bett Meinen gu ^rau
âMargaretb gefahren. Bin gur Herberg geweÃt
âgum gotben Haupt, bei Meifier Heinrich, Mater,
âba haben mich ju ©ajt gelabeit in meiner Herberg
'256
âbte Maier unb Btlbbauer, haben mir groÃe Ehre
âgetban in ihrer Verfammlung."
,.2Ãar bei grau Margaret!)/ lieà tbr meinen
âKatfer feben, unb mollt tbr benfelben verehren,
,,fte nabm ihn aber burcbauö itit an. 2lm greptage
âgeigte fle mir alle ibre fcböne ©adjen, barunter
âfabe tcb bet »iergtg fietne Xäfeletn oon Ãlfarben,
âfo fd)ön/ baà tcb bergietcben nie gefeben bab. Bat
âgrau Margaretb um Meifter Jafobö C 3«kob (£or=<
z/neltf, ©cborrelö Cebrer) Büd)lettt/ fte fagte aber
j
âfle bätte ef ihrem Maier (Beruharb oon Delap)
z/jugefagt. ©ah aucb eine fcböne Bibliothek."
âBin am ©amftag oon Mecbeln gen Slntorff
//fomtnen. Mtd) hat ju ©ajt gelaben Metfler Ãucaö,
/,ber t'n Kupfer (tidht/tft ein klein Männlein unb biir?
âtig von Ãepben auf Doltanb, ber mar gu Antorff."
//Den Bernharb ©tecber unb fein 2Ãetb fouter*
â)At, unb Meifter Sucaf mit bem ©tefft."
z,3d) bab in allem meinem Macben, ^ebrun*
z/gen, Verkaufen/ unb anberer f>anblung Sriadjtheil
âgehabt in 9iteberlanb, t'n all meinen ©acben, gegen
//groÃen unb niebern ©tänbeny unb fottberltd) hat
'257
â
mir Margaretb für da« tcf) ihr gefcbenft unb
âgemacht b^b / nid)t« geben."
âättexanber Jmboff Itcb mir b«ttbert ©elb«
âgulbeu, att unfrcr Tratten Abenb alö fie über Da«
â©ebtrg gebt, 1521, barum bab ich ihm geben
âmein »erftegelte |)anbfd)rtft, baà er mir bte j«
âSfiürnberg antmerten laÃ, fo mià icb tbm bte
âmteber ju Danf jablen."
9ln unfrer grauen Hetmfucbung , ba td) gleich
meg von Slntorff moÃte, ba fchtdfet ber König »on
âDännemarf ju mir ((Sbrifttan ber jmette), baÃ
âtd) etlenb ju ihm fdm, unb t'bn konterfeiet, ba«
âtbät td) mit ber Kohlen, unb td) fonterfeiet auch
âfein Diener Antottt), unb ich muÃt mit bem König
âefiTen, erzeugt ftd) gnäbtgltcf) gegen mich/'
â3lm Xage nach unfrer grauen |>etmfuchung
ânach Srüffel gefahren auf bem @d)tfF be« König«
â»on Dannemarf, bem ich bie bejten ©tücfe meine«
âKunftbrucf« oerebrte."
âStern hab gefehen wte ba« SSolf ju Antorff
âÃid) febr »ermunbert hat, ba fte ben König »on
âDännemarf faben, baà er fo ein männlich fchön
17
â
'258
âMann war, unb nur feto britt burcb fcüict geinbe
âSattb fommen. Jd) hat aud) gefeben, rote tijm
âber Katfer »du Druffel entgegen geritten, unb ihn
âempfangen, c^ritd? mit groÃem prange, JDamtad)
âbab tcb gefeben baf ebrlid) föftlid> Banfett, baf
âihm ber Katfer nnb grau Margaretb gehalten bat
âam anöern Xag."
â3tem am ©omttag »or Margaretha hielt ber
âKönig »Ott Ddnnemarf etn groà SSanfett bem
âKatfer , grau Margarethen nnb Königin »on
â©panien j unb lub mich, unb id) aà aud) barauf.
z/3d) hab jwölf ©tüber für bef Köntgf gutteral
âgeben, unö id) hab ben König »on Ãlfarben fon?
âterfeit, unb er bat mir breiÃtg ©ulben gefdbenft//
â3tem am greitag frühe »on morgenf bin t'cb
â»on Druffel aufgefahren , fuhren am ©onntag
âfrühe gen 9ld). u. f. m."
3cb habe mir beim Slbfdbretben biefer ©teilen
auf 9llbred)t £>ürerf Xagebucb nur einige 93erätt*
bernng ber Orthographie erlaubt, bte mir bef leid)*
tern Verftebenf megen nothmenbtg büufte. 9fitd)t
nur bef Verfajferf wegen, fonbern aud) alf merf«
'259
würbigeö Btlb beà bürgerlichen SebenS jener 3eit,
mitjfcn jene Blatter Aufm erffamf eit unb Xbeilnabme
erregen. 2Ãtr fcbelten bie ©ttten jener Xage roh
unb ungebtlbct, fie waren eö and) tn »teler â¢fjtnfidf)^
unb bod) fprtd)t bte regfte Xhetlnabme an allem
©roÃen unb ©d)önen auS ber Art wie dürften,
©bedeute unb Bürger bte befd)etbtte anfprucbSlofe
©rfcbetnung beS groÃen Metfterö überall aufnahmen/
unb tbm felbft fogar fürftltcbe ©l)re erzeigten.
3Bte gern er lebte, welcbe wahrhaft ftnbltcbe
$reube er an allem hatte, waS ©uteö unb ©d)öneö
tbm wtberfubr , geht auS bem ©anjen nod) otel
beutltcber beroor, als btefer AuSjug eS barfteÃe»
fann. Mit groÃer ©emüthlicbfett führt er »tele,
gröÃtenteils ihm ju ©bren gegebne Banfette, audf)
einige MaSfenjüge an ; aud) fommett mit unter
einige tm ©ptel gewonnene ober verlorne ©Ulbert
uttb ©tüber vor, benn über ©innahnte unfc Ausgabe
hielt er fehr orbentlid) Rechnung. Demtod) war
er gern freigebig, wie alle heitre Staturen ; fafl
verfchwenbert'fd) theilte er überaà feine Ãunftwerf«
nach aÃen ©eiten auS, boch heiÃt eS auch einmal;
'260
//Sei) machte mel ©acben, bett beuten gtt gefallen,
aber baf roentgft warb mir begablt." Da feine
grämliche grau ftcf) gleich bäuSlid) in Antwerpen nie?
berltef, Sffiafdbjuber , Blafbalg unb ©cbüffelnapf
fld) taufte, für ftd) unb t'bre Magb felbft föchte unb
mufch, unb ihn nad) ber bamaltgen ©ttte wenig
aufferbalb bem £>aufe ju ©aftmalew unb geften
begleitete , fo behielt er greibeit unb fröblidjeu
Mutb j machte auch all bte fletnen Reifen »on Ant*
werpen auö , ebne ihre läjttge Begleitung. @e?
fd)enfe an Sein, Konfitüren, unb foftbarem ©ei?
benjeuge, bie fle fetnetwegen erhielt, unb bte er
alle forgfältig in feinem Xagebuch aufjeidjnete,
mod)ten fte auch wohl bei guter Saune erhalten; boch
mod)ten auch fleine bäuflidje Unglücksfälle juwetlen
fle wieber »erjtimmen, als jurn Betfptel, baà t'hr
einmal auf bem SÃiarft $u Antwerpen ihre (Selbtafche
abgefdjnitteu warb.
3» D.aufe, nach vollbrachter Sieife ging freilich
baS ängftltdje treiben beS bäuölteben Uufriebenf
wieber au, ja e£. nahm bermaÃen ju, baà eS an
fcern Cebeu Düverö nagte, unb nad) unb nach feine
'261
©efuttbbett jerftèrte. <£tit heitrer ©trabt brach tn=
beffen bod) nod) tn ba« Sunfet fetner Xage, al«
Metancbton, im Jabr 1526 jum brttteumal, megen
ber ©tnmetbung be« ©pmuafutm« »en ©t. Ãgtbien,
Sfiiirnberg befucbte. Bei feinem $reunbe ^Jtrfbetnter
lernte Albredjt Dürer ben Mann fennen, ber fdjon
um Ãutber« mitten ibm tbeuer fet)n muÃte, unb »er*
tebte bort mit t'bm manche berjerbebenbe ©tunbe,
tn troftreicben frommen ©efpräcben unb gegeufeitiger
erfreulicher Mitteilung tl;rer (Bebauten.
3met Jahre fpäter, im Jahr 1528 , am 6.
Aprit, tn ber Ãbarmedje, tmftebenunb fünfzigsten
<
Jahre feine« Atter«, entfcbmang ftd) fein entfeff elter
©eift, unb ein metattner ©arfopbag mit einer lateint*
fdjen Jnfcbrift bezeichnete bie ©teile, mo man auf
bent Kirchhof ber ©t. Jobanniöi'irdje fetne fterblicbe
£ütte jur 9iube bradjte.
Von feinem Sebett in ber legten Bett unb
feinem Xobe, mie auch »Ott feinem Verbältntà ju
feinen $reunben, gibt Bittbalb «pirfbetmer im Aue
fange be« fchon ermähnten merfmürbigen Briefe«
ein ju rührenbe« unb treue« Btlb, at« baà man
'262
nicht gern einer bis auf bie Orthographie getreuen
Jlbfcbrift biefer ©teile hier bett 3iaum gönnen feilte,
©er Brief felbft tft an Schämt £fd)erte , Kaifer
KarlS Bau ? unb Brücfenmeifter tn SBten gerichtet,
unb »otlftanbig im gehnten Xbetl beS febon erwähn^
ten 3»urnalS beS i)erw von Murr, nad) pirfbetmerS
eigner £>anbfcbrtft, abgebrueft.
âMein freunbltd) tmlltg ©teuft flnb euch bevor,
âmein lieber f)err Xjerte, mir bat unfer greuttb
â£err 3Drg £>artmann ein Schreiben bureb euch an
âihn getban angezeigt, in welchem ibr mein tut
âallein tm ©uten gebenft, fonbern me§t mir auch
âmehr ÃobS unb Ehre ju, benn ich mich felbft
âwürbig erkenn. 2BtU aber folchen guten SBtHen
âunfer betber tn ©Ott oer^vrbnen greunb Wibrecht
â©ürer jurechnen; benn btemetl ibr benfelben um
âfeiner Kunft unb Xugettb willen geliebt, flnb euch
âohne 3weifel auch bte fo t'bn geliebt hoben aud)
âIteb. ©olcbem will td> euer Sob, unb gar nit
âmetner ©cbicfltcbfeit jumejfen."
â3ch hob roarltcb an Wibrechten ber beften
âgreunb einen, fo ich auf (Srbreich gehabt hob »er*
'263
âloren, unb bauert mich nicht« höhet, af« baà er
âeine« fo bartfeligen XoDeö geftorben ift, meinem
âich nach bem Vcrbängntà ©otte« ntemanb benn
âfetner f)au«frauen jttfagen fann , bte t'hnr' feiti
,,£>er$ etngenagen, unb bermaà gepeintget hat,
âbaà er ftch befto jcbneller »on binnen gemad)t hat,
âbenn er mar auögeborrt wie ein ©cbaub, burft
ânienbert feinen guten Muth mehr fudjen, ober ju ben
âCeuten gehn. Alfo bat ba« bofe Seib fein ©org,
,,ba« ihn boch mahrltd) ntt Diotb gethan hat. 3U
âbem hat fte ihm Xag unb 9iacbt ju ber Arbeit
âhärtigiieh gebrungen, allein barum baà er ©elb
â»erbtent unb ihr bac< lieÃ, fo er ftarb. Senn fie
âaÃmeg »erberben hat wollen, mte fte bann noch
âtbuet, unangefehen baà ihr Albred)t bt« in bte
âfed)ö taufenb ©ulben SBertb gelaffett hat. Aber
âba ift fein ©eniigen, unb in ©umma ift fie aUettt
âfeine« Xobe« ein Urfacb."
âJch bab fie felbft oft für ihr argmobnig (traf*
âlieh Sefen gebeten unb fte gewarnet, auch ihr vor*
âhergefagt, waö ba« (£nbe hteoon fepn wirb, aber
âbamtt hab ich ntt anber« benn Unbattf erlangt."
'264
âSamt wer btefem DO?ann wohlgewollt unb um
âihn gemeÃt, bern ift fte fetub werben, baS wahr?
,,ltd) ben Albred)t mit bem £öd)ften bekümmert,
âunb tbn unter bie Erben bracht bat."
//3cb bab tbr fett fetneS XobeS nie gefeben, fte
âauch ntt ju mir motten laffen , wiewohl tcb tbr
âbennod) in viel ©adjen bülflidf) gemeÃt bin, aber
âba tjt fein Vertrauen. 2Ber tbr 293tberpart hält,
âunb nit aller ©ad) 3^ecf)t gibt, ber tft t'br »erbäcbt?
âlieb, bem roirb fte aucb alSbalb fetnb, barum ffc
âmir lieber weit »on mtr benn um mich tft/'
âES finb ja fle unb tbr ©djmefter nit Sübinn,
âfonbern wie td) nit jweifet, ber Ebrett fromm unb
âganj gottSfürcbtig grauen. ES füllt aber einer
âlieber ein Q3übtun, bt'e ftcb fonft freunblicb hielt,
âbaben , benn fold) nagenb, argwöbntg , unb
âfeifenb fromm grauen, bei ber er weber $ag noch
âStacht 3tube ober grt'eb baben tonnt. Aber wie
âbem, mir müffen bte ©ad) (Bett befehlen, ber
âwofl bem frommen Albrecht gnäbtg unb barmbergig
âfet)n, benn er bat wie etn frommer Btebermann
âgelebt, fo ift er auch ganj chriftenlicf) unb feeltglich
'205
»erworben , Darum fetrteS £etl« ntt ju fürchten
ift. @ott verleib un« fein ©naÃ, baà mir ihm ju
-feiner 3ett feeltgltd) uadjfolgen/'
SÃon Albrecfyt Dürer« vielen un« noeb erbaltuen
©emälben, mià tei) nur eine« ber aÃervortreffltd)-
ften anführen. Die Boifferc'efcbe Sammlung be*
mabrt btefe« berrtiebe 23ilb/ e« jetgt beutltd) fomobl
aÃe Vorjitge ber Sdppfungen Albredjt Dürer«/
tute ba«, ma« ihnen jur bödjfteu 93oÃfommenbeit
nod) abgebt.
Da« 93iib fteÃt bt'e Abnahme be« Ãetebnam«
©hriftt vom Kreuje bar, 2Ãte mahr, mt'e fd>ött,
unb boeb mit tvte groÃer 2)crfd)iebenbett ift ber
AuÃbrucf be« nämltdjeu ©cbmerje« in ben Köpfen
unb ©teÃungen ber umftebenben ftreunbe be« ©r*
blaÃten, in bem vor AÃen von ihm geliebten Jünger
Johanne«, in ben heiligen $rauen/ bte innig unb
treu ihn verehrten! SÃabrbaft erhaben unb berger--
greifenb ift bte gottergebne S'römmigfeit ber Mutter,
mitten im tiefften ©eelenletben auögebriicft, Die
18
'266
SÃabrbett beö Koloritf, ber ©ewdnber, ber 3eicb*
nung , tft bewunberufwertb , eö tft ein föftltdjef
©emctlbe, baf matt §tt befrachten nt'djt ermübet,
ait bent man immer neue Vorzüge entbeckt, aber eS
tft ein ©emälbe, ©djoreel, ^>cj.nltitg ^ »or Alien Jo»
bann »an (£\)d ftelien unf mitten in tbre ©djöpfun*
gen, t'bre ÃJebtlbe ftnb bte SBirt'iicbfeit felbft,
bte Albred)t Dürer unf nur mit groÃem gleià nach*
gebtlbet jetgtj t&nt mangelt bte Jugenbfrifdje, bte
unauffprecblid) feelenwolle Heiterkeit, ber ©trabl
bef SebettS, ber bei ben alten Meiftern red^t auf
bem Jmtertt beroorbricbt. Vor ihren Safein »er?
giÃt man oft über bem 2Berfe beit Meifter, hier
muà man ftetf , menn gleich bewunberub, feiner
gebenfen. Diefe fcbmarjett fcbarfen Umrtife, bte
er fomobi im Kontur ber Köpfe, alf in ben galten
ber ©emänber untermalt fteben lief, fo meifterbaft,
mit fo fefter £>anb ftc aud) gezeichnet ftnb, kennt
bte 0catttr eben fo wenig alf tbre obengenannten
treuften iJiacbfolger fte kannten, Auch Albredjt
Di'trerf garben, bei aller ibrer (Schönbett, erbiet*
eben vor ber brennenben Pracht feiner Vorfahren,
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, ' v
unb bei manchem feiner 3Berfe fpuven wir recht
fcbmerjltcb bte beengenbe Sebenöluft, tn meldber
btefer, »on Der Siiatur fo hochbegabte Meifter
unter bern Keifen fetneä böÃarttgen SfBeibeö wie jur
$robne arbeiten muÃteer, ber fldb in anbern 93er·
bältntfTen frei, ebel unb leicht im ©ebiete ber
Kunft gewià noch weit beeren $lugä erhoben
hätte,
£öcbit bewunbernöwertb tft inbeffen bte Saftig»
feit, mit ber Wibrecht Durer in 3etci)nung «üb 2itt*
orbnung feiner ©eftalten an ber Statur btelt. ©tnb
biefe gleich nicht immer ebel unb fcbött ju nennen,
fD fmb fie benitocb ftetö von unübertrefflicher 2Babr*
betr. Dtefe« tft um fo hoher $u achten, ba feine
3eit, obfehon noch immer überreich an trefflichen
Metftern, bemtod) fd)on begann, fld) jener Manier
jujuwenben, weldje beit ©d)etn ber Dinge ftatt bei
SBefett« ergreift, burch btenbenbe Sicht * Heftere,
buvd) ttefe ©chlagfchatten , wo bte Siiatur feine
fennt, unb bitrcb taufenb ähnliche Künfteleten, baS
Singe 51t feffetn, unb ihre innere Armfeligfeit jtt
verbergen fudjt, ©ehr batb nad) thm führte biefe
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neue, grogentbettè burefy faifcbverftftnbneâ ©tubturn
ber ttctïtântfd}ett Metfïer tmb ber Sinttïe entftanbne
Hftanter, ber balb ntemanb ntebr rotberftrebte, bte
«ebte beutfebe Kunji: wtaufbaltfam bem Unter?
gange $u.
£>mtffejjieri$erçeici)iug btê erjïen
@ette 10 3eile 15 fieé : âber" ftatt fcen.
â 25 â 12 fel>tt ftnnentfîelienb, ein Ãomma
tinter bie SGBorter ,,eê unb baè."
â 34 â 19 Itcè : âbuniefblauen" fiait bunfef-
braunen, "
â 92 â 19 lieé : âbemfef&en" fiait benfeffcen
â 135 â 7 fetyft jmnentftelfenb, (nnter âjte--
ijenbe" ein Ãomma.
â 170 â 15 lie« : ,,@eetô" flatt ©neté.
â 202 â 7 fie«: ,,erfct>einen" flatt erfd)ienen.
â 2o7 â 1 «Bavent »on SBrûffef, aud) SBern-
tyarb »on Defat) genannt, mttf
burctyroeg, it>o festerer 9?ame irn
SBudje »orfommt, âSBernfwrb
»on £>rlat> " Reifen.
â 207 â 18 fie«: âSatyvt" fratt Sauren.
â 225 â 5 Iieé: âfaft" flatt fefl.