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UEBER
ALBÜMINATUM UI PEPTO
DIALYSATÜM,
VON
Du. C. LE NOBEL,
Militararzt der niederlandischen Colonialarmee
HAARLEM,
DE ERVEN F. BOHN.
4 890.
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U E B E R
PERRUM ALBUMINATUM UND PEPTONAÏUM
DIALY8ATUM.
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UEBER
FERRUM ALBÜMINATUM UI PEPTO-
NATUM DIALYSATUM,
VON
Dr. C. LE NOBEL,
Militarai\'zt der niederlandischen Colonialarmee.
HAARLEM,
DE ERVEN F. BOHN.
1890.
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H i st orisch-Kr itisches.
Dasz der Gebrauch des Eisens so alt ist wie die Geschichte
der Medicin, und dasz anorganische Eisensalze seit mehreren
Decenniën von den Aerzten gegen Chlorose vorgeschrieben
worden sind bed ar f kaum der Erwahnung.
In die Pharmacopoëen der verschiedenen Lander ist dann
auch eine ungeheure Anzahl Eisenpraeparate aufgenommen
und noch fortwahrend tauchen immer neue auf.
Wie diese Eisenverbindungen wirksam waren, ob aus ihnen
sich das Haemoglobin bildete, ob sie überhaupt resorbirbar
waren, das alles war für den praktischen Arzt von unterge-
ordeten Bedeutung.
Die glanzende Erfolge, welche man bei der Behandlung
der meisten Falie von Chlorose mit salzartigen Eisenverbin-
dungen erreichte waren genügend um felsenfest an ihrer spe-
cifischen Wirkung zu glauben.
Allein als in neurer Zeit durch die sorgfaltigen Untersu-
chungen Hamburger\'s \') dargethan wurde, dasz die Resor-
birbarkeit der anorganischen Eisensalze in hohem Grade
unwahrscheinlich sei, so bekam die alte Lehre: „das Haemo-
globin unseres Blutes entstehe durch Synthese aus Eisensalzen
und dem Eiweisz unserer Nahrung" eine starke Erschütterung.
Wohl hat man den Causalzusammenhang zwischen Auf-
\') Zeitschrift f. physiol. Chemie Bd. 2 1878.
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e
nahme von Eisenverbindungen und Haemoglobinbildung
nachweisen wollen, indem man die rothen Blutkórperchen
zahlte oder den Haemoglobingehalt des Blutes photometrisch
bestimmte; allein auf diesem Wege hat man nur das post
hoc, niemals das propter hoc nachgewiesen. (Bunge.)
Weiter hat Andreesen \') nachgewiesen, dasz das relative
Verhiiltniss der Blutkórperchen zum Plasma im Gesammtblutc
sich andern kann , ohne dasz die absolute Menge der Blutkör-
perchen sich andert.
Man kann also auf diesem Wege niemals-Zu oder Abnahme
der absoluten Haemoglobinmengen im Gesammtblut feststellen.
Nicht destoweniger hat man geglaubt in der Darstellung
von Eiseneiweiszverbindungen und verabreichung derselben
den Zweck erreicht zu haben, nmtl. ein Praeparat einführen
zu können, welches sofort resorbirt und zur Haemoglobinbil-
dung verwerthet würde.
So sind vielleicht bunderte von Eiseneiweiszpraeparaten in
die Pharmacie eingeführt worden!
Die erste Anregung zur Darstellung und Einführung eines
flüssigen Eisenalbuminats ging von Friese2) aus.
Er versetzte das Weisz eines Eies mit 10 gr. Liquor ferri
sesquichlorati, spüllte den braunrothen Niederschlag mit
Wasser aus und loste ihn in 500 gr. Aqua destillata und 12
Tropfen Salzsiiure. Doch wies Hager s) bald nach, dasz auf
dieser Weise keine klare Lósung zu gewinnen war, und dasz
die Darstellungsmethode als unbrauchbar betrachtet werden
musz; gleich wie eine Verbesserung welche Bernbeck ") an-
brachte.
Merck , Döll und Hofmann stellten trockne Praeparaten
dar, welche sich aber nur kurze Zeit der Aufmerksamkeit der
Aerzte erfreuten.
\') Diss. Dorpat 1883.
\') Berliner Klin. Wochenschrift 23 Juli 1877.
») Pharm. Centralhalle 1878 N°. 26.
4) Fharmaceutische Zeitschrift f. Russland 1878 S. 13.
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7
Nachdem Hager in seiner Pharm. Praxis noch eine Vor-
scbrift angegeben hatte kam in Jahre 1878 Biel \') mit einer
sachgemassen Arbeit über Eiseneiweiszpraeparate.
Biel wies nach, dasz dem Praeparate Friese\'s freies Eisen-
chlorid beigemengt war, sodasz es einen unangenehmen den
Schlund zusammenziehenden Geschmack hat.
Er kam schliesslich zu dem Schluss, dasz es unmóglicb sei
„aus der Friese\'schen Vorschrift irgend etwas wissenschaftlich
und practisch Brauchbares herauszuarbeiten".
Er versuchte deswegen ein neues Praeparat darzustellen und
gab folgende Vorschrift:
1.  Eine Lösung von sublimirtem Eisenchlorid von genau
festgestelltem, aber mindestens zehnmal schwacherem Gehalt
als die officinelle Lösung.
Durch die Anwendung des Sublimirten Eisenchlorids elimi-
nirte Biel den Einflusz, den ein gröszerer oder geringerer
Gehalt an freier Salzsaüre auf die Qualitat des Eisenalbumi-
nates ausüben konnte.
2.  Eine Albuminlösung, 10 Ccm., entsprechend 1 gr. trock-
neur Albumin werden unter Umschütteln mit 4,5 Ccm. der
Eisenchlorid-losüng versetzt.
Der Mederschlag lost sich beim Schütteln und schwachem
Erwürmen volkommen zu einer rothbraunen klaren Flüssigkeit.
„Auf diese Erscheinungen gestützt, glaube ich michfürbe-
rechtigt halten zu dürfen, dasz zuletzt erhaltene Praeparat als
die normale Verbindung zwischen Albumin und Eisenchlorid
anzusehen".
Biel war, so weit mir bekannt, der Erste, der ein Eisen-
eiweisz-Praeparat dialysirte, aber merkwürdig scheint es mir,
dasz ein Autor eine normale Verbindung von Albumin und
Eisenchlorid durch Dialyse von der Salzsaüre zu befreien ver-
sucht.
Aber wichtig ist für uns, dass Er schreibt:
\') Phamaceutische Zeitschrift f. Russland 1878 S. 194.
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s
„Jedenfalls glaube ich aber srhon jetzt aus meinen Versvchen
mit dialysirten Lösungen das Urtheil abgeben zu können dasz
durch die Dialyse heine beachtenswerthe Vortheile gewonnen wer-
den
, welche die langwierige Arbeit aufwiegen hönnten".
Leider theilt Bikl nicht mit, wie dialysirt wurde, wie sich
das Praeparat wührend der Dialyse vernielt, sondern ergiebt
nur an, dasz eine völlig neutrale Lösung erhalten wurde.
Der nach Biel\'s Ansicht rationelle Liquor ferri albuminati
und mit ihm das flüssige Eisenalbuminat überhaupt schien
bald der Vergessenheit anheimgefallen.
In der Pharraaceutischen Zeitung 1878 N". 32 gab zwar
der Apotheker Dr. Drees aus Bentheim in Hannover eine
Vorschrift zur Darstellung eines vortrefflichen (?) Eisenalbu-
minat-Liquor, doch erst vier Jahren spüter wurde die Auf-
merksamkeit der Aerzte auf das neue Praeparat gelenkt, und
bald kam es dadurch stark in Aufnahme.
Wührend Einige die vorzügliche Eigenschaften hervorhoben,
stimmten Anderen darin überein, dasz es den daran gestellten
Anforderungen nur sehr mangelhalt entspruch. Es scheint,
dasz Dr. Drees spüter seine Darstellungsweise anderte, denn
der Alkoholgehalt ist höher als 5"/0, wie er in 1878 war und
sic geheim halt.
De Groot \') analysirte die von Drees bezogene Flüsigkeit:
„sie reagirte neutral" nicht schwach alkalisch wie Drees an-
giebt, „sie riecht nach Zimmt und Alkohol und schmeckt
nicht adstringirend". Weiter war sie immer mehr weniger
deutlich trübe, und nicht im durchfallendem Lichte roth-
braun durchscheinend wie angegeben wird; durch Zusatz einer
Kochsalzlösung entsteht ein Niederschlag. Nach Drees ent-
halt sein Liquor 0,5"/0 Fe. 03, de Groot fand aber 0,572"/,,,
ich neuerdings in einem Falie 0,591°/0 Fe2 03. Wührend de
Groot 2°/0 Albumen fand, erhielt Grüning J) 3,04°/0. Wurde
das Praeparat abfiltrirt, so war das heil gelbe Filtrat von
neutraler Reaction(?) und enthielt 0,08"/0 Fe, 03.
*) Weekblad voor Pharmacie 1884 N°. 17.
\') Pharmaceutiscb Zeitschrift f. Russland 1888.
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„Der Liquor ferri albuminati Drees enthalt also jedenfalls
nur einen sehr kleinen Theil Eisenalbuminat in löslicher Form".
Ich kann, nach eigenen Versuchen, den Angaben de Groot\'s
völlig beistimmen aber nicht denen Grüning\'s , der behauptete,
dasz das Eiseneiweisz durch Pergamentpapier diffundirte.
In der Pharmaceutischen Zeitschrift für Russland \') lieferte
der Magister W. Grüning, Apotheker in Polangen eine kri-
tische und chemische Arbeit über Liquor ferri albuminati.
„25 Ccm. des Eisenalbuminat-Liquor Biel\'s, welcher genau
die 0,5°/,, Fe. 03 entsprechende Menge Eisen enthielt und
ohne Glycerin \') dargestellt war, wurden in einem mit Perga-
jnentpapier versehenen Dialysator gebracht und anhaltend
mit Wasser dialysirt" (wie lange ist nicht angegeben).
„Die Exosmose-Flüssigkeiten wurden gesammelt, vereinigt,
mit Ammoniak alkalisch gemacht, bis auf ein geringes Volum
eingedampft, filtrirt, der Niederschlag gewaschen im Filtrate
und den Waschwassern das Chlor und im Niederschlage das
Eisen bestimmt." Gefunden wurden: 0,1665 gr. Chlor, und
0,0444 gr. Eisenoxyd.
Ferner wurde die im Dialysator rücksttindige Albuminat-
Lösung folgendermaassen analysirt: Das Volum der Flüssig-
keit hatte sich durch Endosmose und Ausspülen des Dialysators
um das 4 fache vermehrt, betrug also 100 Ccm. Davon wur-
den 40 Ccm. mit Chlorfreiem Caliumcarbonat eingedampft und
verascht, die Asche ausgelaugt, die Lauge mit Salpetersaüre
neutralisirt und mit \'/u Norm: Silbernitrat titrirt, wobei ver-
braucht wurden 6,3 Ccm. = 0,022365 gr. Cblor.
„Andere 40 Ccm. der Albuminatlösung wurden einge-
dampft unter Zuhülfenahme von Salpetersaüre verascht, der
Rückstand in Salzsaüre gelost und das Eisen durch Titration mit
Natriumhyposulphit bestimmt; gefunden wurden: 0,0312 Gr.
Fe, 0S oder 0,02184 Gr. Fe.
„Der mir von der Albuminatlösung noch gebliebene Rest
\') Jahrgang 1887, N«. 34, 35 und 36.
*) Biel stellte auch ein Grlycerin-haltiges Praeparat dar.
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von 20 Ccm. wurde eingedarapft, der Rückstand wog 0,2873
Gr. Nach Abzug des darin enthaltenen Eisens und Chlors
bleiben für Albumin 0,2652 Gr.
Aus diesen Analysen berechnet sich Folgendes: von 100
Tlieilen des in dem Albuminatliquor enthalten gewesen Eisen-
oxydes wurden 98,2 Theile durcb die Analyse wieder ermit-
telt und zwar 35,5 Theile im Dialysat und 62,7 Theile in der
Albuminatlösung ".
Bis soweit Grüning!
Auf 0,0444 Gr. Fe2 0, im Exarysatorwasser fand er also
0,1665 Gr. Cl;
0,0444 Gr brauchen aber um als Eisenchlorid gebunden zu
sein nur 0,0591 Gr. Cl.
Das Praeparat enthielt also zweifelsohne freie Salzsaüre1),
oder aber es hatte sich das Eisenchlorid wahrend der Dialyse
serlegt: 0,0312 Gr. Fe„ 0, des Dialysaterinhalte brauchen
0,0415 Gr. Cl, also weit mehr als der Autor fand.
Im Dialysator blieb also noch Fe„ Cl6 zurück und man hat
volles Recht die Frage zu stellen wie viel Chlor würde der
Autor in den Exosmose-Flüssigkeiten gefunden habe und
wieviel Eisen im Dialysator, wenn er langere oder kürzere
Zeit dialysirt hatte (Siehe Versuch II Seite 21)?
Nun zieht Grüning den Schluss aus seinem Versuche, dasz
ein Theil des Chlors mit dem Eisen, allem Anscheine
nach ein Radical Fe2 Cl3 bildet, welches weiter mit Albumin
verbunden ist, und belegt eine derartige Verbindung mit dem
Namen Ferrichloroalbuminat.
Wir werden spiiter sehen, dasz eine solche Verbindung un-
möglich existiren kann und dasz die ganze Behauptung Grü-
nings nur eine chemische Spielerei ist.
Herr Provisor Buwa s) aus St. Peterburg, gab eine Vor-
schrift die im Einklang war mit der zweiten Dr. Biel\'s.
\') Dasz dies richtig ist erkennt der Autor selbstan, indem er sagt: „Das
nach der BiEi.Vhen Vorschrift dargestellte Praeparaat enthiilt Ferrichloroal-
buminat, Eisenchlorid und wenig Salzsaüre".
\') Pharmaceutisch Zeitschrift für Russland 1886 N°. 43.
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Grüning fand statt 0,5°/0 Eisen blosz 0,33°/0, „die Arbeit
macht den Eindruck grosser Flüchtigkeit, die sich in Anbe-
tracht der Wichtigkeit der Sache gar nicht entschuldigen laszt".
Nach Buwa sollte das Praeparat neutral reagiren: „ad reac-
tionem neutralem et planem solutionem" eindigt seine Vor-
schrift.
Dies achtet Grüning für eine absolute Unmöglichkeit da
das Ferrichloroalbuminat (?) beim Neutralisiren seiner Sauren
oder alkalischen Lösung sich vollstündig ausscheidet.
Auch Grüning hat versucht durch Dialyse ein flüssiges
neutrales Praeparat dar zu stellen. Er sagt:
„Vor allen Dingen galt es ein Eisenpraeparat wahlen , welcher
mit Eiweisz sich zu einem Ferrialbuminate verbindet."
„Die einzigen Praeparate, welche hier in Betracht zu kommen
scheinen sind das Acetat und das dialysirte Oxyd; was das
letzte anbetrifft so schien es mir jedoch nach einigen Experi-
menten unmóglich damit ein Resultat zu erzielen schon des-
halb nicht, weil das nothwendig darin enthaltene Chlorid stets
Ferrichloroalbuminat bilden musz, ich dehnte meine Versuche
daher mit den Acetat aus, von dem es ja bekannt ist, dasz
es sich mit Albumin unter Freiwerden der Essig-
saüre umsetzt."
Weiter sagt er „ Meine weiteren Mittheilungen beziehen sich
daher auf die Substanzen, welche durch Dialyse erhalten wur-
den. Sie sind, wie erwiihnt unfahig neutrale Lösungen zu
bilden und verdanken diese Eigenschaft anscheinend einem
Gehalte an Essigsaüre, die sich in ihnen nachweisen aber
nicht durch die Dialyse entfernen laszt, sie ist daher aller
Wahrscheinlichkeit nach an das Eiweiszmolecül ge-
bunden".
Das stimmt also gar nicht!
Uebrigens habe ich immer aus einer Mischung von Eisen-
acetat und Albumen alle Saüre fortdialysiren kónnen.
Die Vorschrift Grünings lautet:
45 Gr. trockenes Hühnereiweisz werden mit 270 Gr. destib
lirtern Wasser durchgemischt und nach vollkommener Lö-
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sung(?) dieselbe mit 89 Gr. Liquor ferri acetici von 1,044—
1,046 spec. Gewicht (Pharm. Germ. Ed. II) versetst, einige
Mule durchgeschüttelt und falls erforderlich durch ein leinenes
Colatorium gegossen.
Der Rückstand kann noch mit 40—50 Gr. Wasser gewa-
schen werden. Alsdann bringt man die Flüssigkeit in einen
mit Pergamentpapier verschenen Dialysator und dialysirt so
lange unter haüfiger Ersetzung des Wassers im Exarysator
bis das Ganze eine gallertige Masse bilde!"
Das bedeutet, so lange bis alle Saüre fortdialysirt sei und
im Dialysator nur ein Gemenge von Eiweisz und Eisenoxyd
zuruckbleibe. (Siehe Versuch II, Seite 22.)
„Zu dieser (gallertigen Masse) setzt man 10 Gr. Acidum
muriaticum dilutum, schwenkt um bis Alles in Lösung ge-
gangen ist und dialysirt wciter bis die Flüssigkeit neutral
odcr doch nur ganz schwach sauer reagirt."
Dass nenn ich eine zeitraubende zu Nichts nützende Arbeit!
Eine Mischung von Albumen und Liquor fcrri sesquichlorati
konnte nicht dialysirt werden, weil sich Ferrichloroalbuminat
bildete, aber in cincm Gemenge von Albumen, Eisenoxyd
und 10 Gr. Acid murial. dil. bildct sich eine derartige Ver-
bindung nicht!
Das verstebe ich nicht.
„Hierauf bringt man die Flüssigkeit, welche vielleicht wieder
sehr schwach (sic) gegallert ist aus dcm Dialysator and fügt
ganz allmahlig verdünnte Natronlauge zu bis der anfangliche
Niederschlag gerade wieder in Lösung geht.....weitor
fügt man dann 75 Gr. Aqua Cinnam spirituosa und darauf
so viel Wasser zu, dasz das Gewicht der ganzen Flüssigkeit
750 betriigt, schliesslich setzt man unter starkum Umschwen-
kcn der Flüssigkeit noch 250 Gr. Alkohol von 90° zu."
„Auf diese Weise er halt man den schwach alkalischen Li-
quor ferri albuminati......"
Ich habe genau nach der Vorschrift Grünings gearbeitet,
und danach nur eine alkalische trübe Mischung von Albu-
men und Eisenoxyd erhalten.
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r.i
„10 Ccm. mit 1 oder höchstons 2 Tropfen HC1 dil. versetzt
und durchgeschüttelt mussen i;ine klare Mischung geben."
Auch das versteht sich: das Eisenoxyd lost sich als [Fe„] Cl,..
Als in Holland das Praeparat Drees vielfach vorgeschrie-
ben wurde, kam der Herr Apotheker de Groot auf die Idee
ebenfalls einen flüssigen Eisenalbuminatliquor in den Handel
zu bringen, und wohl einen durch Dialyse dargestellten.
1884 publicirte er seine Vorschrift:
625 Gr. einer filtrirten 10"/0-igen Lösung von trocknem
Eiweisz (Spec. Gewicht: = 1,0261) werden mit 125 Ccm.
gleichfalls filtrirten Lösung von 7,3 Gr. sublimirten Eisen-
chlorids versetzt. Durch kriiftiges Schütteln erfolgt bald Lösung
des gebildeten Niederschlags. Die erhaltene Flüssigkeit wird nun
dialysirt bis Silbernitrat keine Reaction mehr hervorruft. Nach
beendigter Dialyse, was innerhalb 3 Tagen der Fall ist,wird
die Flüssigkeit mit destillirtum Wasser bis auf 900 gr. auf-
gefüllt und mit 100 gr. Spir. Cinnamomi versetzt.
Die Lösung, von de Groot „Solutio albuminatis ferrici
dialysati" genannt, bat eine rothbraune Farbung, ist völlig
klar, reagirt aber nicht schwach sondern stark sauer und
schmeckt nach Zimmt. Der Eisengehalt ist 0,2°/0 als Fe2 0, be-
rechnet, der Eiweiszgehalt 5°/u.
Spater wurde von dem Apotheker Koek ein ühnliches Prae-
parat dargestellt, das sich von dem de Groot\'s sehr wenig
unterscheidet; vielleicht schmeckt es etwas angenehmer.
Der Apotheker Verwey stellte eine Solutio peptonatis fer-
rici dialysati dar.
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Eigene Untersuchungen.
Ich gehe jetzt zur Beschreibung meiner eigenen Untersu-
chungen über.
Da zwischen den Apothekern in Holland einen heftigen
Streit entstanden war über die Frage ob Albumen durch Per-
gamentpapier diffundire oder nicht, Einige annahmen dasz in
dem Papiere immer feine Löcher seien, Andere das Gegentheil
behaupteten, habe ich in dieser Richtung vorlaüfige Versuche
angestellt; wollte ich doch über die dialysirten Eiseneiweisz-
verbindnngen genauere Aufschüsse erlangen.
Rosenthal \') und Neuss :) hatten zwar schon langst nach-
gewiesen, dasz im Graham\'schen Dialysator nur das Eisen
diffundirte, das Albumen zurückblieb, allein bei den sicheren
Aussprüchen mancher wissenschaftlich gebildeten Apotheker
wurde von mir die Lösung der Frage von Neuem aufgenom-
men. Es stellte sich nun heraus, dasz sich jedes nicht alles
Pergamentpapier gleich verhielt; dasz nur das von de la Rue
und C°. in London bezogene unter gewisse Cautelen alles
Eiweisz zurückhielt.
Ich benutzte bei meinen Versuchen folgenden Apparat, wie
er von meinem Lehrer Heynsius immer angewendet worden war.
In den umgekehrten Flaschen C und D (man kann zu
\') Wiener medicin Presse 1878 S. 45—49.
\') Zeitschrift f. Klin. Medicin 1881.
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gleicher Zeit mehrere benutzen) sind die Dialysatoren Huizinga\'s
aufgehangen (Der Boden ist abgesprengt worden).
Wie bekannt stellen sie Rahmen aus Hart-Gummi dar, die
mittelst Cbromatleimes \'), mit dein Pergaraentpapiere umklebt
sind.
Vor jedem Versuche, überzeugt man sich, dasz absolut kein
Wasser durch das Papier gebt, dasz es also ganz Lócherfrei ist.
Je mebr frisches Wasser in der Zeiteinbeit bindurchgebt
desto schneller findet die Dialyse statt; um dies nun zu er-
möglichen dient folgende Einrichtung:
Aus dem Reservoir A strömt das Wafser durch Hebenwir-
\') 10 Gr. Gelatin, 1 Gr. Kalium bichromicum, 100 Gr. Wasser.
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kung durch die Röhre Y ins centrale Gefiiss B und von
hier auf ahnlicher Weise nach C, D etc.
Durch Quetschhiihne, bei V und W angebrachtet, kann
man die Schnelligkeit der Wasserströmung reguliren.
Da das Reservoir A hermetisch verschlossen ist so strömt,
in Folge der Luftdruckabnahme in A, kein Wasser mehr
nach B so lange das Ende der Röhre Z O noch unter Was-
ser getaucht ist. Strömt nun schliesslich nur Wasser von B
nach C und D, so wird die atmosphaerische Luft durch die
Röhre Z O nach A hinweichen, damit ist aber die Span-
nungsdifferenz aufgehoben und die Hebenwirkung fangt von
Neuem an.
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Versuch I.
50 Ccra. der „Holutio albuminatis ferrici dialysati de
Groot" wurden mittelst eines kleinen Trichters in den Dialy-
sator Huizinga\'s gegossen, welcher in einem mit 750 Ccm.
destillirtem Wasser gefüllten Becherglase aufgehangen war.
Nach 24 Stunden war das Wasser im Exarysator deutlich
rothgelb gefiirbt, es reagirte auf blaues Lackmuspapier stark
sauer.
Den Inhalt des Becberglases theilte ich in drei nahezu
gleichen Portionen.
!Theil « zeigte, mit KCy S und HC1 \') versetzt,
eine blutrothe Farbung.
Theil ,i gab mit K4 (Fe Cy6) Berliner blau.
( Diese wurde auf dem Wasserbade bis auf 25
( Ccm. allniahlicb eingeengt; nach Abkühlung
zeigte die Flüssigkeit, nacbdem das Eisen als
Eisen-oxydhydrat niedergeschlagen worden
war, ganz deutlich die Tropaeolin, Congo-
roth und Phloroglucin-Reactionen.
Portio C. | Zeigte keine Biuret-Reaction.
\') Ein Salzsüurezusatz erhöhte de blutrothe Verfarbung.
-\'
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Versuch II.
Es wurden abermals 50 Ccm., doch jetzt im Dialysator
von Heynsius dialysirt.
Nachdem in 4 v 24 Stunden etwa 45 Liter destillirtes
Wasser durchgelaufen waren, reagirte das Praeparat noch
sauer und hatte es sich bedeutend <jetrübt.
Da die saure Reaction bei fortgesetzter Dialyse nicht ver-
schwand, hauptsachlich wohl daruni, weil sicli innerhalb des
Perkamentpapiers ein starker Niederschlag abgesetzt batte,
wurde der Inhalt in einen neuen Dialysator übergegossen.
Als min nach ungefahr 24 Stunden neutrale Reaction ein-
getreten war, wurde der trübe Inhalt abfiltrirt; es ergab sich,
dasz das Filtrat Eisen und Chlor-frci war, und der Nieder-
schlag aus Eisenoxydhydrat und Albumen bestand.
Versuch III.
Eigenthümlich blieb immer, die, im Anfange der Dialyse,
saure Reaction des Dialysator-Inhaltes, wahrend sich doch ein
Niederschlag von Eisenoxydhydrat ausschied.
Da es sich nuii urn eine durch Dialyse bedingte Spaltung
des Eisenchlorids handlen könnte habe ich 25 Ccm. Liquor
Ferri sesquichlorati 10°/0 wie im Yersuche I und II dialysirt.
Dabei zeigte sich, dasz im Anfange blosz [Fe,] Clri in den
Exarysator überging, wahrend bij kraftiger Dialyse nur
Salzsaure durch das Perkamentpapier ging und der Inhalt
des Dialysators schliesslich nur aus [Fe„] (OH)ri bestand.
Aus diesen drei Versuchen geht also noch nicht bestimmt
bervor, dasz das „Ferrum albuminatum dialysatum de Groot"
freie Salzsaure enthalt, dcnn wiewohl das Praeparat sauer rea-
girt, konnte es sich doch um eine Verbindung von Albumen
mit Eisenchlorid handlen, welche an und für sich die saure
Reaction bedingte.
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Weiter hat der Nachweis freier Salzsaüre im Exarysatorwasser
(Versuch I) nur einen geringen Wcrth, deun wie Vcrsuch III
lernt wird das [Fe„] C1G durch die Dialyse in Salzsaüre und
Eisenoxyd zerlegt.
Was sich wohl herausgestellt hat ist die Thatsache, dasz
bei Verwendung des Pergamentspapiers von ije la Rue und C".
kein Albumen durch die Membran <>\'eht und, ware das Fer-
rum albuminatum dialysatum eine chemische Verbindung,
so wiire dieselbe jedenfalls eine sehr lockere, durch Dialyse
zerlegbare.
Zur Entscheidung der Frage oh überhaupt eine chemische
Verbindung von Eisenchlorid (Eisenoxyd) mit Albumen vor-
liegt, stellte ich folgende zwei Versuche an:
Versuch IV.
100 Ccm. wurden mit \'/,„ Ar. Natronlauge sorgfaltig neu-
tralisirt in der Art, dasz das Filtrat völtig Eisenfrei war.
(Jefunden für 100 Ccm.:
1". Flasche\') 97,3 Ccm. \'/„ A\'. Na OH.
                    rtQ 1
" •              11                   yjv,±          ..             »         n »         ii
                         V» 1
M \'            tl                UVyX        „           „        „      „        „
Das Praeparat hat also jedenfalls keine constante Zusam-
mensetzung! Und schon dieser Umstand spricht entschieden
gegen einer chemischen Verbindung.
Für die erste Flasche berechnet nach der Gleichung:
Na O H H Cl = Na Cl -f- H: O
finden wir also einen Salzsaüregehalt von
36,5 x 9,73 — 35ö,14ö Mmgr.
oder 3,551 gr. pro Liter.
\') Ich verdaneke die Zuscndung dieser diei verziegelton Putschen meinen
Kreunden den Herrn Apotheker Ackma und Dykstra in Leiden und Herra
SPRUYT in Arnheim.
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1 Liter enthalt nun 2 gr. Fe3 03, und diese mussen nacb
der Gleichung:
Fe„03-4 6 H Cl = [Fe.]Cl, » 3H:0
219
—- X 2 = 2,737 gr. HC1 gebunden haben
Es bleibt also 3,551—2,737 = 0,814 gr. freie Salzsaüre pro
Liter, und dies stimmt ganz genau mit dem Resultate des
Versuches I, wie mit den Angaben des Hcrnn de Groot , dasz
sein Praeparat schwach sauer reagirt
Ganz anders stebt es um den 2°. und 3". Fall; dort finden
wir 2,522 und 2,011 gr. IL Cl. pro Liter; also zu wenig Salz-
saüre um alles Eisenoxyd zu binden:
160
Es bleiben also 215 X —^ oder ± 157 Mmgr.
160
und 726 y ^r~- oder ± 530 Mmgr.
Eisenoxyd ungebunden.
Sind diese nun einfach in dem Liquor ferre sesquichlorati
gelost\') oder sind sie an das Eiweisz chemisch gebunden?
Um diese Frage zu lösen habe ich folgenden Versuch an-
gestellt.
Versuch V.
Aus den vorigen Versuchen geht hervor, dasz bei lang-
samer Dialyse, (ich arbeitete im Winter 1887—1888,)keine
Zerlegung des Eisencblorids stattfindet und dasz blosz Salz-
saüre und [Fe„] Clfi durch die Membran geht. Ich habe nun,
indem ich den Dialysator zwei bis drei stündlich in ein neues
Becherglas brachtete, beobacbten können, dasz, wann die letzte
Spuren Eisencblorids fortdialysirt waren, der Inhalt des Dia-
lysators neutral reagirte und ein starker Niederschlag sicb ab-
gesetzt batte.
\') Dasz Thonerdehydrat, Eisenoxyd anorganische Colloïdstofl\'e sind, wclche
nicht dift\'undiren und in zwei Modeficationen; in der scheinbar gelösten und
in der geronnenen auftreten liat uns Guaiiam gelehrt(Philosofical transactions).
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21
Diese Menge von Eisenoxyd und Albumen (Flasche N°. 3),
welche Chlorfrei war und nur Spuren Ca und Mg enthiclt,
habe ich, in gröszerer Quantitat dargestcllt, auf Glasplatten
im Luftbade getroknet und scbliesslich zu Pulver zerrieben im
Exsiccator über Schwefelsaüre so lange behandelt bis kein Ge-
wichtsverlust raehr stattfandet.
10,163 gr. wurden in der Platinschale verascht, weitermit
Salzsaüre und Kaliumchlorat so lange erwiirmt bis alles Chlor
ausgetrieben war.
Der Rückstand wurde abfiltrirt, mit destillirtem Wasser
verdünnt, eine Jödkalium-Lösung hinzugesetzt und das Jod.
mithelst Natriumhyposulpit bestimmt.
Verbraucht: 13,9 Ccm. \'/,„ N Na. O, Ss.
(Jefunden: 13,9 * 5,6 = 77,84 Mmg. Fe = 111,27 Mmg.
Fe203.
Es bleiben also 10,163 — 0,11127 gr. = 10,051 gr. Albumen.
Nun bat Versuch IV uns aber gezeigt, dasz in 200 Ccm.,
enthaltond 10 gr. Albumen, nach der Dialyse 106 Mmgr.,
niclit an Salzsaüre gebundenes, Fe„ O., vorkoinmen.
Es ist somit diese ganze Menge zurückgefunden worden!
Durch die Dialyse wurde also dem Praeparate das Eisen-
chlorid entzogen und deshalb fiel das Eisenoxyd aus.
Ware mehr Salzsüuro vorhanden gewesen, dan hatte sich
auch mehr [Fe;] Cl, dimmdiren können.
Selzt man zu der Mischung verdünnte Salzsaüre so wird
ihr schliesslich alles Eisen entzogen und es bleibt im Dialy-
sator blosz Albumen zurück.
Es leuchtet ein, dasz in solchem Falie, von einer chemi-
scher verbindung von Albumen mit Fe„ O, oder mit [F„] Cl„
gar keine Rede sein kan, denn es existirt zwischen beiden,
wie sich leicht berechnen laszt absolut kein bestimmtes Aequi-
valentverhültniss.
Der Salzsaüregehalt des Praeparates bedingt es, wie viel
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•22
Eisen als [Fe5] Cl6, und wie viel als Fe„ 03 darin enthal-
ten ist.
Wir kommen also zu dein Schluss, dasz durch Dialyse keino
chemische Yerbindung zu erhalten ist und dasz das „Ferrum
albuminatum dialysatum de Groot" ein Gemenge ist von
Eisenchlorid , (Eisenoxyd) und Albumen mit oder ohne freie
Salzsaüre.
Um das Yerhiiltniss der Albuminatflüssigkeit dem Magen
safte gegenüber genauer kenne zu lemen habe ich, theils an
einem kriiftig gebauten Soldaten, theils an mir selbst folgende
Versuche angestellt.
Versuch VI.
Am Sontag, 21 April 1888 10 Uhr Morgens trank der
Mann, die sich selbst sehr leicht die Magensonde einführen
konnte, 50 Ccm. Solutio albuminatis ferrici dialys. de Groot
und ein Glas Wasser (der Mann batte um 9 Uhr Suppe und
etwas Fleisch verzehrt).
Um 12,30" wurde der Mageninhalt ausgehebent; es ergab
sich, dasz die trübe saure Flüssigkeit deutliche Reactioncn
auf Eisenoxyd- und Eisenoxydul-Verbindungen zeigte und
dasz sie neben Spuren Albumins hauptsachlich Hemialbumose
cnthielt.
Freie Salzsaüre konnte durch Congoroth, Tropaeolin und
Methylviolet nachgewiesen werden.
Versuch VII.
Als ich am folgenden Dinstag (der Mann batte um 9 Uhr
Suppe, um 10 Uhr Brot mit Café bekommen) um 11 Uhr
60 Ccm. (Fliische N". 2), einfübrte und um l,45u den Inhalt
aushebente erhielt ich etwa 450 Ccm trübe saure Flüssigkeit,
welche abfiltrirt ein orangegelb-gefarbtes Filtrat gab.
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Wurde mit KOH genau neutralisirt und der roth-
Portio A. { braune Niederschlag abfiltrirt.
Theil « vom Filtrate gab mit KOH und Cu S04
eine geringe Biuret-Reaction.
Theil (i zeigte mit Essigsaüre versetzt eine ge-
ringe Opalesccnz, welchc in der Siedonhitze
verschwand.
Zeigte mit Essigsaüre und Kochsalz-Lösung er-
Portio B. { warmt nur eine geringe Opalescenz, welche
beim Sieden verschwand.
100 Ccm. wurden verwendet um den Saüregrad
Portio C. { zu bestimmen mittelst \'/,„ iVNaOH.
Gefunden 0,3435°/0 Salzsaüre.
I In 100 Ccm. wurde der Eisengehalt, nach der
Portio D. < Methode in Versuch V angegeben, bestimmt.
f Gefunden 25,2 Mmgr. Fe3 03. •
Dieser Versuch zeigt uns 1". dasz die, in 00 Ccm. anwe-
sende, 3 Gr. Albumen, durch Digestion in 2,45St völlig pep-
tonisirt worden sind und höchst-wahrscheinlich zur Resorption
gelangen sind.
2°. dasz von den in 00 Ccm. anwesende 120 Mmgr. Fe„ 03
25,2 y 4,5 = 113,4 Mmgr. zurückgefunden worden sind.
3°. dasz das im Pracparate vorkommende nicht an Salz-
saüre gebundenes Eisenoxyd, sich wohl mit der Salzsaüre des
Magensaftes zu Ferrichlorid gebunden bat, denn der Filter-
rückstand des Mageninhalts enthielt eine kaum nachweisbare
Spur Eisens.
Versuch VIII.
10 Gr. der getrockneten Rückstand (Siehe Versuch V) welche
also, wie gefunden 109,4 Mmgr. Fe., als Fe„ 03 berechnet, ent-
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hielt wurdc «ra 11,30 Ulir Morgens dein Versuchspersone mit
Wasser einverleibt und der Magen um 2,20 Uhr ausgehebent.
Die 175 Ccm. waren trübe mit rotbbrannen Flocken; die
Reaction war schwach Sauer.
Das gelbe Filtrat zeigte nacb Versuch VII geprüft keine
nennenswerthe Biuretreaction, 100 Ccm. entliielten 36,7 Mgr.;
175 Ccm. also 04,225 Mmgr. Fe, O,.
Der Filterrückstand wurde verascht und das Eisen nach
Versuch V bestimmt.
Gefunden: 39,1 Mmg. Fe; 03.
Es wird also auch in diesem Versuche nahezu die ganze
Menge des Eingeführten Eisen zurückgefunden:
64,225 - - 39,1 - 103,325 Mmgr.
Versuch IX.
Zu einem durch Ausbebeln entlialtenen Mageninhalt, der
freie Salzsaüre und Speichel enthielt wurde das Gemenge von
Eisenoxyd und Albumen gesetzt und bei 38° C. im Wasser-
bade digirirt.
Nach fünf Stunden brachte ich einen Theil im den Dialy-
sator; es ergab sich, dasz [Fe,] Cl, und Fe Cl„ durch das
Pergamentpapier ging, und dasz nach beendeter Dialyse der
Inhalt aus Eisenoxyd und Hemialbumose bestand.
Aus den Resultaten der Versucben VI—IX dürfen wir wohl
den Schluss ziehen, dasz der ursprüngliche Gedancke vieler
Aerzte und Apotheker, es wurde das Eiseneiweisz qua talis
resorbirt und zur Haemoglobinbildung verwendet werden, eine
illusorische gewesen ist.
Das Eiweisz wird im Magen einfach peptonisirt and gelungt
zur Resorption, wahrend das Eisen langere Zeit darin verwedt
und als anorganische Verbinding ein dhnliches Schicksal erleidet
gleich wie soviele andere Eisensalze.
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Solutio peptonatis ferrici dialysati Verwey.
Diese stellt eine klare rothbraun-gefarbte Flüssigkeit dar;
bei liingerem Stehen scheidet sich Eisenoxyd aus, die Reaction
ist sauer, in einem Falie fand ich für 100 Ccm. 32,6 Ccm.
\'/,. N Na OH; Sie enthalt 0,25f\';o Fe, O,.
Versetzt man die Lösung mit Kalilauge \') so fallt dieganze
Menge Eisens als Eisenoxydrat aus, neutralisirt man das Filtrat
mit Essigsaüre dann bleibt es klar, setzt man dagegen mebr Es-
sigsaüre hinzu so entstebt ein weisser Nicderschlag (Albumen ,
oder Hemialbumose oder beide).
Erhitzt man das Filtrat mit einer hinreicbenden Menge von
Essigsaüre und Kocbsalzlösung und filtrirt beiss so bleibt nur
eine geringe Spur Albumen auf dem Filter zurück; das an-
fangs klare Filtrat scheidet nach Abküblung Hcmialbumose aus.
Zur Entscbeidutig der Frage ob das Praeparat wirklich Pep-
ton enthalt, habe ich genau nach der Methode von Kühne
und Chittenden =) gearbcitet.
Etwa 100 Ccm. des eisenfreien Filtrats warden im Mörser
solange mit kristallisirtem Ammoniumsulfat zerrieben bis kein
Salz sich mehr loste, und abfiltrirt.
Aus dem mit (NH4)„ S04 gesiittigten Filtrate wurde ein
groszer Theil des Salzes durch Eindampfen entfernt, die Mut-
terlauge mit Wasser verdünnt, mit einer beiss gesattigten
Lösung von Baryt und Ba C03 das Ammoniak ausgetrieben.
Nach Abfiltriren des scbwefelsauren Baryts zeigte das Fil-
trat gar keinc Biuretreaction (keine Rosefiirbung).
Es kommt also in der Solutio peptonatis etc. gar kein Pepton
vor, sondern es finden sich nur Albumosen, nebst Spuren
Albumins.
\') le Nobel, Pbannaceutisch Weekblad voor Nederland 1886.
2) Zeitschrift für Biologie Bd. \'22.
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Versuch X.
100 Ccra. der Solutio wurde ahnlich wie in Versuch I mit
dcstillirtem Wasser dialysirt.
Das Wasser im Becherglase fiirbte sich bald orangeroth, es
zeigte deutliche Eisenreactionem, dagegen keine Biuret-
reaction, wohl aber die Farbenreaction auf freier Salzsaüre.
Im Dialysator setzte sich nacb einigen Tagen ein Niedcr-
schlag von Eisenoxyd ab, und als der Inhalt neutral reagirte
blieb nur eine gallertige Masse übrig.
Mit warmen Kochsalzlösungen (etwa 5°/u) gelang es mir
aus dieser die Hemialbumose auszuziehen und auf ihre Eigen-
schaften zu prüfen.
Versuch XI.
Morgens 10,15Uhr trank ich 50 Ccm. und ein (ïlas Wasser.
Um 12u,ir erbrach ich durch forcirte Brechbewegung circa
180 Ccm. trübe saure Flüssigkeit, welche rothgelb gefarbt war.
Das Filtrat zeigte eine zweifelhafte Biuretreaction.
In 100 Ccm. wurde das Eisen bestimmt (Versuch V).
Gefunden 67,76 Mmg. oder auf 180 Ccm. 121,968 Mmgr.
Auch hier wurde also nahezu die ganze Menge zurückge-
funden. Die 50 Ccm. enthielten 125 Mmgr.
Wir haben also im Vorhergehenden gesehen, dasz chemische
Verbindungen von Eisenchlorid oder von Eisenoxyd mit Albu-
men, Hemialbumose oder Pepton höchstwahrscheinlich nicht
existiren, und wenn überhaupt derartige Verbindungen bc-
stehen würden sie jedenfalls sehr lockere durch Dialyse spalt-
bare sein mussen.
Wir wissen nun weiter, dasz das Haemoglobin eine ziem-
lich feste chemische Yerbindung einer eisenhaltigen Substanz,
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des Haematins, mit cinem Einweiszkórper, dem Globin durch
die Einwirkung der Verdauungsfermente in ihrem Compo
nenten gespal ten wird.
Und dasz eine derartige Spaltung schon im Magen statt-
findet dafür spricht der von mir im Jahre 1886 auf der chirur-
gischen Klinik in Leiden beobachtete Fall:
Ein Kranker starb plótzlich an einer inneren (Magen) Ver-
bluting; bei der Obduction wurde im Magen eine schwarz-
braune trübe Flüssigkeit vorgefunden; eine Analyse ergab mir,
dasz sie hauptsachlich aus Haematin, Hemialbumose und
Pepton zusammengesctzt war; von Haemoglobin war keine
Spur zu entdecken.
In Holland benutzt das Volck auf dem Lande vielfach das
Blut soeben getöteter ïhieren gegen die Chlorose, und wie
man meint mit gutem Erfolge.
Icb habe nun eines Tages etwa \'/, Liter solchen Blutes
getrunken und sorgfaltig Harn und Faeces auf etwaïgen Blut-
farbstoffe untersuebt: der Harn blieb normal, die schwarzen
Faeces onthielt en keine Spur von Haematin.
Ganz ahnlich verhaltt es sicb mit den Haemoglobin-Tablet-
ten, welche der Herr Apotheker Polak aus Amsterdam in
den Handel gebracht bat; nach Einnahme derselben erscheint
kein Haematin in den Faeces.
Icb kann also den Angaben , wie sie in verschiedenen Hand-
büchern vorkommen, dasz nmtl.: nach Haemoglobinreicher
Nahrung, Haematin reichlich in den Faeces erscheint, nicht
beistimmen; ich musz vielmchr annehmen, dasz auch dem
Haematin im Darme durch den Schwefelwasserstofi\'(Schwefel-
alkaliën) das Eisen entzogen wird.
Es wird nun klar, dasz, angenommen , das Eisen der künst-
lich dargestellten Albuminat- odcr Peptonatverbindungen ginge
im Dünndarme eine Verbindung mit Albumin, Hemialbumose
oder Pepton ein, dicse als eine sehr lockere doch sofort durch
den Schwefelwasserstofi\' (Schwefelalkaliën) zerlegt werden müss-
te, denn eine so feste chemische Verbindung wie das Hae-
matin wird doch angegriffen.
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Schuiten wir nun die Hypothese Bunge\'s \') in unseren Be-
trachtungen ein so wird die Sache um Vieles verstündlieher.
Buxge sagt:
„Vnsere Nahritng miiss also ganz andere Eiweiszverbindungen
enthalten
, Verbindungen, die im Verdammgscanale nicht zerstört
teerden, resorbirbar sind nnd das Material zur Haemoglobinbil-
dinig lief er nu.
Durch Versuche:) wurde von dicsera Autor festgestellt, dasz in
dem Eidotter und in der Milch das Eisen als nucleo-albumin-
artigc Verbindung enthalten sei und dasz bei der Verdauung
des Eidotters mit künstlichem Magensafte die Eiweiszkörper
peptonisirt würden, das Eisen sich dagegen in unverdaulichem
Rückstande, dein Nucleïn befiinde. Weiter stellte erfest,dasz
in dem Nucleïn das Eisen fester gebunden sei als in den salz-
artigen Eisenalbuminaten, aber weit lockerer als in dem Hae-
matin, und er betrachtet schlieslich eine derartigo Verbin-
dung als die Vrorstufe des Haemoglobins, und belegt ihr den
Namen Haematogen bei.
Nun nimmt Bunge weiter an, mul darum handelt es sich
hauptsachlich ,
dasz durch die Darreichung anorganischen Eisen-
praeparaten, die organische Eisenverbindungen, nmtl. die
Haematogene unserer Nahrung vor der Zersctzung durch den
Schwefelwasserstoff (Schwefelalkaliën) geschützt werden.
Der im Darme sich bildende Schefelwasserstoff (.Schwefel-
alkaliën) welche bei Verdauungsstörungen , ein sehr praegnantes
Symptom der Chlorose, sich besonders reichlich vorfindet würde
sofort von den anorganischen Eisensalzen gebunden werden,
die Haematogene blieben also unberührt und kamen zur Re-
sorption.
Wiire die Hypothese Bunge\'s correct so könnte man durch
Verabreichung anderer den Schefclwasserstofï\' bindende Metal-
salze den Eisengehalt der Faeces nachweisbar veringeren und
dies ist nun, wie icb gefunden habe auch wirklich der Fall.
\') Lehrbut\'h der physiol. und pathol. Chemie S. 94.
") Zeitschrift f. physiol. Chemie Bd. i).
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29
Bei gemischter Kost variirte der Eisengehalt meiner Faeces
von 19—24 Mmg. pro die; nahm ich nun wahrend einigerTagen
taglich 4 x 500 Mmgr. Bismuthum subnitricum ein, so ent-
hielten die Faeces eine Quantitiit Eisens, welchc kaum nach-
weisbar war.
Kehren wir jetst zu unseren Eiseneiweiszpraeparaten zurück!
Durch die Versuche VI—IX hat sich herausgestellt, dasz
das Eiweisz im Magen peptonisirt wurde, wahrend das Eisen
als anorganische Verbindnng vorlaüfig znrückblieb und wohl
ebensowenig resorbirt werden wird wie die Eisensalze in den
Versucben Hamburger\'s.
Nur ein kleiner Tbeil des Eisens wurde in den Versucben
nicht zurückgefunden, doch darf man wohl annehmen dasz
dieser im Magen haften geblieben, oder aber durch den Py-
                               I
lorus fortbewegt worden ist.
Wir kommen somit zu den Schlusz, dasz den dialysirten
Eiseneiweiszpraeparaten als Martialia keinen höboren Werth
                               j
beizulegen ist als den anorganischen Eisensalzen.
Uiul doch ist der Erfolg, den man bei ihrer anwendung
erzielt ein weit besserer!
Dies laszt sich meiner Meinung nacb erklaren durch den
Umstand, dasz die drei genannte Praeparaten öfters freie
Salzsaure enthalten, welche wie bekannt eine antifermentative
Wirkung hat und besonders der Buttersauregahrung entge-
gentritt.
Bei dieser Gahrung wird nmtl. Wasserstoff in Statu nascendi
frei und bildet aus den Schwefelverbindungen unserer Nah-
rung Schwcfelwasserstoft\' (Schwefelalkaliën) und dieser zerstört
die Haematogene, die Vorstufen des Haemoglobins.
Zander \') halt dann auch die Salzsaure für ein noch wirk-
sameres Mittel gegen Chlorose als das Eisen.
Weiter ist das Albumin als lösliche Eiweiszsubstanz neben
der freien Salzsaure ein sehr guter Nahrungstoff und die Ver-
\') Virchow\'s Archiv Bd. 84.
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dauung desselben wird noch wesentlich beschleunigt durch
den Gehult der Praeparate an Spiritus Cinnainomi, ein, wie
bekannt, sehr vortreffliches Stomachicuin.
Vnn diesem Standpuncte au* betrachte! verdienen die sogenannten
dialymrten Praeparate oor den anorganischen Eisensalzen jedenfaüs
den Vorzug.
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