-ocr page 1-
w*
GEOLOGISCHE STUDIËN
UEBER
NIEDERLAENÜISCH WEST-INDIEN,
AÜF GRUND EIGENER UNTERSUCHUNGSREISEN
VON
K. MARTIN,
Professor f\'ir Qeoloyk an der Universitat zu Leiden.
Separatausgabe des 2tkn Theils von: K. Martin, Bericht ueber eine Keise nacii
NlEDERLAENDISCH WEST-INDIEN UND DARAUF GEGRUENDETE STUDIËN.
Mit 4 col. Kakten, 4 Tafeln ünd 41 Holzschnitten.
LEIDEN.
E. J. BRILL.
1888.
-ocr page 2-
-ocr page 3-
-ocr page 4-
-ocr page 5-
-ocr page 6-
-7V-S
6
UNIVERSITEITSBIBLIOTHEEK I
A06000032141966B
3214 196 6
-ocr page 7-
bUz 0>
GEOLOGISCHE STUDIËN
UEBER
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN,
AUF GRUND EIGENER UNTERSUCHUNGSREISEN
VO>\'
K. MARTIN,
Vrofettor fiir Geologie au der Vniverritüt zit Leiden.
:i r
! UTRECHT
Separatausgabe des 8«» Theils von: K. Martin, Bericht ueber kink Reise nach
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN UND DAHAUF GEGRUENDETE STUDIËN.
Mit 4 col. Kakten, 4 Tafeln und 41 Holzschnitten.
LEIDEN.
E. J. BRILL.
1888.
-ocr page 8-
-ocr page 9-
VORWORT,
Du vorUegende Arbeit bildef eine Separatausgabe des zweiten Theiles von «.K. Martin,
Bericht Uber eiite Reine noch Niederlandisch West-Indien und darauf gegründtte Studiën".
Für manche die Reine betreffende Einzelheiten darf daher nuf (de Vorrede turn Gesammtwerke
und auf den enten, die Reisebeschreibung enthaltenden Theil verwiesen werden; hier moge
mtr Einiges auf die geohgischen Untersuchungen Bezügliche seinen Platz finden.
Da meine Amtsthatigkeit mir nur eine fünfmonatliche Abwesenheit von Leiden gestattete
und Niedêrlandisrh West-Indien geologisch /ast unbekannt war, so verkebrte ich vor Antritt
der Reise lange in Zweifel darüber, ob icb meine Untersuchungen auf eine einzige Insel,
üuracrto, beschranken oder mit Aufopferung einer gründlitheren Durchforschung auf weitere
Geblete ausdehnen sol/e. Ich entsehied mieh für Letzteres, weil mir ein vorldufiger Ueberblick
uber die geognostiscben Verhaltnisse der Colonie wichtiger erscbien als eine nahere Untersu-
chung eines kleineren Abschnittes, zumal für eine erscböjfende Studie über nur eine einzelne
Insel die verfügbare Zeit doch nicht genwjend gewesen sein irürde.
Selbstverstiindtich musste meine Forschung auf diese Weise den Charakter einer Recognosci-
rung erlangen, urn so mehr als die mit der Feldarbeit verbundene Schwierigkeit der Unter-
suchung ungewöhnlich gross war. Nicht nur machten körperliche Strapazen, welcbe in dem
westindiscben Klima so leicht verhangnissvoll werden, und über deren Umfang der Reise-
bericht nahere Auskunft giebt, sich bei der schnellen, stetigen Ortsveranderung doppeltfühlbar,
sondern es gesellte sich dazu noch eine Reihe anderer die Untersuchung erscbwerender Um-
stande: Auf den Insein ungenügende topographische Karten, in Surinam ausserbalb der
F/ussbetten, und stellenweise ebenfalls auf den Eilanden, tiefe Zersetzung des Bodens und
eine fast undurchdringliche Vegetation; dazu eine unzuverlassige Bedienung, welcbe in
Bonaire das Anlegen einer grosseren Sammlung von Gesteinsproben vereitelte und in Surinam
oft nur noch eigenem Gutfinden handelte, ohne sich meinen Wünschen zu fügen. Die Einge-
borenen in Hollandisch-Guiana wollten namlich hiiufig wahrend der Flussfahrt nur dort
halten, wo sie selbst es für angezeigt hielten, so dass interessante Vorkommnisse nurftwhtig
beobarhtet werden konnten, wahrend an unwichtigen Stellen der Verbleib in unliebsamer Weise
in die Lange gezogen wurde. Auf der Rwkreise aus dem Initern Sarinams musste zudem
das Mitnehmen von Gesteinsprotten anfangs unterbleiben
, da die Biite int Gebiete der Strom-
schnellen nicht weiter beschwert werden durffen. Andere Nachtheile erwuchsen der Forschung
aus der Sorge urn ein Narhtquartier oder urn einen Unterschlupf zur heissesten Tageszeit,
-ocr page 10-
II
die ungederkt im Freien zuzubringen mit Lebensgefahr verbunden ist, und so mussten awh
aus (liesril Gründen die Stationen offers an tcenig interessanten Lokaliteiten yewaltlt werden,
wii/trend die Heanfwortuny wichtiyer Fragen
, für die vielleicht ntu einige Standen erforderlieh
gewesen sein wArden , ruhen blieb. Ein wiederholtes Besiuhen derselben Paukte und ein neues
Prüfen und Veryleic/ten auf Grand spater aufyeworfener Fragen war in den meisten Falleii
ausgescMossen.
Wenn ieh es trotzdem unternommen habe, ein Gesammtbild von der Geoloyie derdurch-
reisten Lander zu ent werf en, so gesehah dies in der Ueberzeugung, dass ein durchgeistigtes
Bihl, der Abklatsch dessen, was bei dem Untersucher setlist sichge/estigt hot, stets nützlicher
ist als eine trorkene Aufzahlung einze!ner Thatsachen
— vorausgesetzt allerdings, tlass diese
Thatsachen selbst ungesehminkt teiedergegeben werden und in der Darstellung ijenau von
jeder hypothetisehen Zugabe geschieden bleiben. Hoffentlkh ist es mir gelungen, Heides streng
aus einamler zu halten, so dass dem Leser ninjeuds ein Zweifel über das wirklkh Beobachr
tete übriij bleibt und es bei einer spateren, yenaueren Auf na/t me möylich sein wird, daran
direkt amuknüpfen.
Mein Bericht hotte in Einer Hinsuht yründlirher sein kunnen, als er jetzt vorlieyt,
demi er ist abgeschlossen , lieror das yesammte, von mir mityebrar/i/e Material bearbeitet leurde,
fferr Magister Pratz in München hut noch meine fossilen Korallen von West-Indien in
Handen, und vor allem stelit auch noch die eingehendere Untersurhung der Gesteine von
Surinam durch Herrn Professor Dr.
./. H. Kloos in Braunschweig zu erwarfen. Letzterer hot
zwar die Suriiiamyesteine einer vorldufif/eu mikroshopischen Prüfuny unterworfen, deren Resul-
tate auch int Folyenden zum Theil verwertltet sind, doch wird das Eryebniss der ausführ-
licheren petrographischen Untersurhung erst spater im Ansehlusse an die veröffentlichte
Beschreibung t/er Gesteine der Ei/ande von demselben Forse/ter in den «.Sanimlunyen des
Geoloyisihen Reichs-Museums in Leitien, Ser. II" publicirt werden.
Dass ir/t, diese Publikation nicht erst abivartete, hut einen doppetten G/rund: Einerseits
sehien es wünschenswerth, meine eigenen Beobarhtunyen voranzuschicken, um die petrogra-
phische Untersurhung frwldbarer zu gestalten; andererseits wollte ie/t mit der Veröffentlichung
meiner Reiseergebnisse nicht noch liinyer warten, weit trotz der amfiihrlirhsten Aufzeiclinun-
yen t/och manche Erinneruny verblasst und jetzt bereits
2\'/2 Jahre seit meiner Rwkkunft ver-
strichen sind. Wer unter ahnlichen Verlüiltnissen yearbeitet hut, wird mit mir ermessen.
können, wie schwieriy es ist noch lanyerem Zeitverluufe und o/tne die Möylichkeit einer nor/t\'
maligen Controle die objektive Darstellung des Geschenen zu wahren, wie vor allem die
Gefahr yross ist, seine Beobarhtunyen im Felde den am Srhreibtische geborenen Gedanken
anzupassen, So zoy ieh demi eine in gewisser Hinsuht noch verfrü/tte Publikation der aufye-
schobenen und vielleicht minder getreuen Darstellung vor.
Ein wesentliches Hilfsmiltel für meine Ar heit sind mir die Pltotoyraphieen gewesen,
welthe mein Reisebegleiter Herr J. R. H. Neervoort van de Poll anyefertigt hat und welche
zum Theil im eisten Abschnitte dieses Werkes Verwendung fanden, zum anderen Theile einer
Rei/te von Holzsc/mitten der folyeiulen Darstellung zu Grimde liegen; noch ihnen sind ver-
-ocr page 11-
111
fertigt Eig. 1, 9, 11, 12, 14, 15 und 34. Es ist mr eme angmehme Pd irh f an diesem
Orte für die wichtige Unterstützung Hemi K. r. d. Poll meinen aufrichtigen Dank aunzu-
sprechen
, sou-ie irh i/m gleirhfalls Hemt Professor Kloon hiemit aafs verbindJirhste abstatte.
Ferner srhulde irh Dank dein Ingenieur Herrn F. A. A. Simons, dem Conrhyliologen Hemt
M. M. Schepman, dem fruitere» Amtsvorstande ron Bonaire Hemt ,/. H. Water» Graven-
horst, tiet» Herrn Hofrath R. Fresenius mul tlem (\'hemiker Herrn R. Ludirig, allen für
Angaben, ire/r/te treiter uitte» attsfiütrlirher bezeirhnet sind. Besonders verpjlirhtete mirh
aurh fferr H. Evertsz ttuf (\'uracao dun/t Mittheilung mancher auf das Phosphatlager ron
Aruba bezilglicher Einzelheiten
— vieler Dienste, t/ie mir eine Rei/teandererPersönlichkeiten
erwiesen, die aber mit nieiner Untersuchung i» keinem tlirekten Verbande steken, an t/iesem
Orte nicht zu gedenken.
Leiden 26 Decbr. 1887.
-ocr page 12-
-ocr page 13-
I N H A L T.
Pag.
Vorrede....................       I.
DIE INSELN CURAgAO, ARUBA. UND BONAIRE........      1.
Schriften und Karten.................     1.
Curaqao......................     6.
Orographische Gliederung............      6.
Geognostische Beobachtungen..........    11.
lm östlichen Cttragao...............    12.
Diabase. . . -..............    12.
Quartiire Conglomerate und Kalke........    14.
Kreideformation...............    18.
lm westlichen und mittleren Curagao.........    21.
Rudistenkalk................    21.
Kieselschiefer................    27.
Sandsteine, Mergel, Kalksteine und Conglomerate . . .    29.
Das Alter der Sedimente............    32.
Diabas..................    36.
Diorit..................    o9.
Quartare Conglomerate und Kalke........    39.
Aruba.......................    40.
67
-ocr page 14-
VI
Pag.
Orographische Gliederung...........      67.
Geognostische Beobaehtungen..........      70.
Von Kralendijk bis Fontein............      70.
Von Fontein bis Goto..............      73.
Das irestliche Bonaire..............      74.
Den Inseln gkmeinsame Bilddnokn uni> Verhaeltnisse.....      79.
Aeltore quartare Korallenkalke.........      79.
Petrographischer Oharakrer...........      79.
Palaoontologischer Charakter..........      80.
Wachsthum................      81.
Machtigkeit................      84.
Vcrbrcitung................      85.
Phospborite..................      88.
Phosphorite von Aruba............      89.
Das Phosphoritlager von St. Barbara.......      95.
Die Höhlenphosphate.............      96.
Die Verbreitung der Phosphate.........     100.
WirbelthierresteausmarinenPhosphaten.....     101.
Erosion durch das Meer.............     106.
GrundwasserundQuellen............     113.
Strandverschiebung, Bildung der Seen und A u s r si u -
mung des Innern...............     119.
Jungqartiiire Bil dun gen.............     125.
Muschelbünke...............     125.
Petrefakte aus quartiiren Ablagerungen......     125.
Jüngste Itiffkalke..............     127.
Dünen..................    130.
SCHMJSSBETRACHTUNGEN ÜBER DIE INSELN..........     131.
Liste von Gesteinen der Eilande.........     137.
HOLLAENDISCH GUIANA................     141.
Schriften und Karten................    141.
GeoüNOSTISCHE BeOBACHTI\'NGEÏJ AM SURINAM.........     145.
Von Gelderland bis Bergendaal...........    146.
Von Bergendaal bis zum Sarakreek.........     150.
Vom Sarakreek bis Toledo............    159.
Alluvium des Flusses..............     167.
-ocr page 15-
VII
Pag.
AlJSZUG AU8 DEN BRIEFEN VON Vl)I,TZ...........     178.
Beobachtungen am Moroni............     179.
Beobachtungen am Surinam............     182.
Beobachtungen am Coppename...........     183.
Beobachtungen am Xickerie und an der Wayombo ....     185.
Al.LGEMEINES ÜBEK SüRlNAM...............     188.
Uebersicht der Beobachtungen am Flusse Surinam ....     188.
Der Sarakreek.................     193.
Dan Surinamgebiet verglichen mit den übrigen (regenden von
Niederlandisch-Guiana.............     195.
Gehobene Mmchelbanke..............     199.
Sürinams Beziehungen zc den Xachbari.ündern.......    204.
Zu FranzSsisch-Guiana..............    204.
Zu Britisch-Guiana...............    206.
Zu den Insein Cnragao, Aruba und Bonaire......    211.
Liste vnn Gestcincn Surinams..........    216.
ANHANG.......................    219.
HüHENMESSL\'NGEN...................     219.
ElNE QlARTÜRFORMATION VOM CaBO BLANCO IN VENEZUELA. . . .     227.
Tafelerklarung................    230.
Index.....................    232.
-ocr page 16-
-ocr page 17-
DIE INSBLN
CURACAO, ARUBA UND BONAIRE.
Schriften und Karten.
Die alteste mir bekannt gewordene Mittheilung über den geologischen Bau
von Curacao ist von Cortes abkünftig.\') Er führt das Eiland nebst Bonaire bei einer
Classification der Antillen auf geologischer Basis unter der Gruppe derjenigen Insein
an, welche nach ihm ganz aus Kalkstein aufgebaut sind. Huraboldt stützt sich auf
diesen Gewahrsmann und sagt bei Gelegenheit der Beschreibung seiner Reise in
die Aequinoctialgegenden des neuen Continentes: „Selon 1\'observation de ce même
naturaliste (Cortes) Curacao et Bonaire (Buen Ayre) n\'offrent aussi que des forma-
tions calcaires" 2)rtind in der spater erschienenen, deutscben Ausgabe nochmals auf
den Gegenstand zurückkommend: „Man hat mich versichert, auch die Eilande
Orchilla und los Frailes bestehen gleicbfalls aus Gneiss. Curasao und Bonaire sind
Kalkfelsen. Sollte die Insel Oruba, worin Goldgeschiebe (pepites) von gediegenem
Golde in ansehnlicher Grosse jüngsthin angetroffen wurden, dem Urgebirge angc-
hören?" 3) Humboldt\'s Mittheilungen beruhen somit nicht auf eigenen Beobachtungen.
Auch Reinwardt, wclcher sich zuerst ausführlicher mit der Geologie von Aruba,
anliisslich des dort gefundenen Goldes, beschaftigte, hat keine Untersuchungen
an Ort und Stelle vorgenommen. Er stützt sich bei seiner Publikation auf übersandte
Gesteinsproben und schriftliche Mittheilungen, die ihm vermuthlich von Stifft
gemacht wurden, da sich Derselbe gerade derzeit auf den Insein befand. Nach
1)  Cortes. Mémoire sur la geologie des Antilles. Extrait d\'une lettre de M. Cortes (au Port royal
de la Martinique) a M. Humboldt. (Journ. de Phys. de Chim. et d\'Hist. Nat. Tomé LXX. 1810.
pag. 129).
2)  A. von Humboldt. Voyage aux régions équinoxiales du Nouveau Continent par Al. de Humboldt
et A. Bonpland. Tomé V. Paris 1820. pag. 51, 52.
3)  A. von Humboldt und A. Ponpland. Reise in die Aequinootial-Gegenden des neuen Continentes
in den Jahren 1799—1804. 5">\' Theil. Stutfgart und Tübingen. 1826. pag. 568.
1
-ocr page 18-
Tab 1
K Mirtin Jïvederlandisch WeH^Jndiea
-ocr page 19-
2
Reinwardt ist das Hauptgestein von Aruba Syenit, neben Diorit und Serpentin;
die goldführenden Quarzite waren ihm bereits bekannt und das alluviale Goldvor-
kommen wird ausführlich von ihm behandelt. \')
lm Jahre 1827 untersuchte der Oberbergrath C. B. R. Stifft im Auf-
trage der Niederlandischen Regierung die Insein Curacao, Aruba und Bonaire
und brachte darüber drei verdienstvolle Rapporto aus. Er unterschied auf Curacao:
„1. Grünstein des Uebergangsgebirges; 2. Todtliegendes oder alten Sandstein des
alten Flötzgebirges und 3. Kalkstein der neuesten Flötz-oder Alluvialbildung." Die
Formationcn auf Aruba wurden von ihm eingetheilt in: „1. Syenit; 2. Grünstein;
3. Kalk; 4. Letten und 5. Sand", diejenigen von Bonaire in: „1. Porphyr; 2. alten
Sandstein und 3. Riffstein."
Obwohl nun die Rapporte von Stifft niemals als solche gedruckt wurden, so
ging doch ihr Inhalt in eine Reihe von Schriften theils mit theils ohnc Angabe
der Quelle über. Bosch 2) und Teenstra 3) geben bald mit mehr bald mit minder
Glück und Yerstiindniss die Resultate der Untersuchungen von Reinwardt und
Stifft wieder, ohne sic weiter zu bereichern, denn fast jede ihrer eigenen, geolo-
gischen Beobachtungen ist werthlos. Simons 4) lieferte den l)esten Auszug aus dom
Curayao bctreffenden Rapporte Stifft\'s und nennt auch seinen Gewiihrsmann;
Dumontier dagegen bat Jenen fast wörtlich übersetzt und reproducirt um ihn in
unerhörter AVeise als sein Eigenthum auszugeben.6)
Einer selbstiindigen Arbeit über Curacao begegnen wir erst wieder bei Gabb6);
doch hat Dieser kaum etwas Anderes als die nachste Umgebung der Stadt gesehen
und hienach die Insel in einer nicht sehr glücklichen Weise beurtheilt. Es ist
kaum erkliirlich, dass Derselbe auf Curacao nur Eine Formation, den „coast
1)  C. G. C. Reinwardt. Waarnemingen aangaande de gesteldheid van den grond van het eiland
Aruba en het goud aldaar gevonden. (Nieuwe Verhandlg. d. 1"\' KI. v. h. Koninkl. Nederl. Instituut
van Wetenschappen, Letterkunde en Schoone Kunsten te Amsterdam. Deel I. pag. 265—281. — Am-
sterdam.)
2)   G. B. Bosch. Reizen in West-Indië en door een gedeelte van Zuid- en Noord-Amerika.
Deel I, 1829; Deel II, 1836; Deel III, 1843. — Utrecht.
3)  M. D. Teenstra. De Nederlandsche West-Indische Eilanden. — Amsterdam 1836 u. 1837. — Fer-
ner: Ueknopte beschrijving van de Nederl. Overzeesche bezittingen. 3 Bande. — Groningen
1852.
4)  O. J. Simons. Beschrijving van het eiland Curacao.— Osterwolde. 1868.
5)  Dumontier. Bijdrage tot de kennis der geologische gesteldheid van het eiland Curacao. (Ver-
slagen en Mcdedeelingen d. Kon. Akad. v. Wetensch. Afdeeling Natuurkunde, Deel VIII, pag. 287
—307). — Amsterdam. 1858. — Vgl. über dies Plagiat ferner 1. c. Deel X. 1860. pag. 307.
6)  W. M. Gabb. Notes on the island of Curacao. (The American Journal of science and arts.
Ser. III. Vol. V. Nos. 25—30. pag. 382). 1873.
-ocr page 20-
Tab. Il
_A\'JLirtin . NïederléuuUseh Wért-IntUen.:
2.V 2f
:f
.X
--
-ocr page 21-
3
limestone" erkannt hat, wührend andere, von ihm begangene Fehler, auf die ich
nnten naher werde eingehen mussen, eher verstandlich erscheinen.
Darauf habe ich vor meiner Reisc naeh Westindien eine kurze Notiz über
Phosphate von Bonaire gebracht\'), und wenig spater erschien eine Abhandlung
von Meyn 2) über den Phosphorit von Curacao; kleinere, Aruba betreffende Aufsatze
wurden vor einigen Jahren vom Pastoren van Kool wijk veröffentlicht3). Auch
D. de Loos hat sich gelegentlich mit Aruba beschiiftigt4) und Hughes hat eine
Mittheilung über die Phosphate der Insein gemacht\'1); zusammenhiingende Dar-
stellungen der Geologie von Curacao, Aruba und Bonaire sind aber seit Stifft
nicht mehr geschrieben, bis ich selbst dem Gegenstande mich zuwandte.
Vor dem Beginne meiner Untersuchungen war mir von den Stifft\'schen Rappor-
ten nichts Anderes bekannt als das in den oben citirten Schriften Veröffentlichte, und
es ist mir überhaupt nicht gelungen,die ursprünglichen Berichte von Stifft zur Einsicht
zu erhalten. Dagegen empfing ich in Westindien von dem Gouverneur von Curacao,
Excl. N. van den Brandhof, Copieen hollandischer Uebersetzungen jener Arbeiten,
die indessen ohne Sachkenntniss angefertigt und in unsinnigster Weise verstümmelt
waren, so dass ein spater angestellter Versuch, die Rapporto in der Zeitschriit
der Geographischen Gesellschaft von Amsterdam zu publiciren, wieder aufgegeben
werden musste. Auch die Karte, welche Stifft von Aruba angefertigt hat, wie
aus dem diese Insel betreffenden Berichte sicher hervorgeht, ist meines Wissens
nicht mehr vorhanden; wie denn überhaupt jede kartographischc Darstellung und
jedes Profil in den mir zugiinglich gewordenen Schriftstücken fehlte. Aus diesen
Gründen konnte ich für die Nachforschungen auf den Insein von Stifft\'s verdienste
vollen Untersuchungen nicht mehr verwenden, als was mir bercits vor meiner
Abreise aus Europa mit Hilfe der oben citirten Schriften bekannt geworden war.
Erst nach Abschluss meiner Reise erfuhr ich, dass deutsche Copieen der Rapporte
sich im Archive der Akademie der Wissenschaften zu Amsterdam befiinden. Diesel-
ben würden mir sicherlich von grossem Dienste gewesen sein, wenn ich sie vor dem
Beginne meiner Untersuchungen hütte einsehen können; obgleich auch diese
1)  K. Martin, Phosphoritische Kalke von der westindischen Insel Bonaire. (Zeitsclir. d. deutsch.
geolog. Gesellsch. Bd. XXXI. pag. 473). — Berlin 1879.
2)  L. Meyn. Das Phosphorit-Lager von Curacao (daselbst pag. 607).
3)  A. J. van Koolwijk. De Aruba-phosphat-Maatschappjj. Het goudland Aruba. Bronnen van
mineralwater. (Tijdschr. v. h. Nederl. Aardrijksk. Genootsch. Ser. II. Deel I. pag. 505,508, 600).
— Amsterdam 1884. — Abhandlungen nur mit „v. K." gezeichnet.
4)  D. do Loos. Mineralen van Aruba (Tijdschrift v. Nijverheid. Stuk III). 1883. — Aruba-Bitter-
wasser. (Berichte d. deutschen chem. Gesellsch. Jahrg. XVII, Heft 7. pag. 250.) — Berlin 1884.
ö) G. Hughes. On some West-Indian 1\'hosphates (Quart. Journ. of the Geological Society. Vol.
XLI. N° 161. pag. 80.) — London 1885.
-ocr page 22-
Kt u\'te I.
K Martin. .V/< »/<y/</7/,//\'.v< 7/ K>.\\t-Trui ion.
OflSV
(ii) WL . V (V/V»7<M7u4
09\' \'10
20-\\
1.3> in
ïoo ..
,_^). iïit:
.mi
Klemt Beró
Priesterben
,\'A*.>
iV<>
.. 100
SO.
2TJiL
Sl Christof fe
IDEALPROFILE DURCH OST-MITTELUND WST-CURACAO.
>Lia*stab der Liuujfcii . 1 : 100000, derllöfien . I : 10000.
Vérhaltniss vun Höhen zu Lanqvn • 10:1.
(\'wiiiessen sind. die mit «"inpin a bezeichneten Hohen f
die andt-ron sind ,<»if?«cliatzl.
KteineBer^
GEOIDOISCUF. KAKTl\'-YON
CURACA0.
D
Maassiab 1: 150000.
Deinaltumi: l\'i\'bt\'t\' Jen \\With der Foimuitionscirenzen
i.%\'1 tier T&vl y.n wrgleiclwn
.
I\' a 14 >ot i< * rkl. i ri m \\qf.
I i:
"
I l\\>ij>hyr\\irti<ier fJiorit.
\\Ki>etJïjbm>titu>n.
                     UkiarUiiv Riffkalke and Conabmumtfe
oV n>
AeenJr. r P.W.M. Trap LeiiLil
-ocr page 23-
4
Copieen nicht fehlerfrei sind; jctzt hatton sie für mich aus loicht ersichtlichen
Gründen kaum noch ein anderes als historisches Interesse, zumal auch ihnen jede
Karte und Zeichnung fehlt und Stifft sich nur vcrhaltnissmiissig selten auf be-
stimmte Lokalitaten bezieht. Der Charakter der Arbeiten über Aruba und Bonaire
ist der gleiche wie derjenige des Rapportos über Curacao, den Dumontier ropro-
ducirte; \\vu ich indessen in den StiftVschen Berichten noch Beobachtungen fand,
die ich verwerthen zu kunnen glaubte, da ist dies im Nachfolgenden unter Angabe
der Quelle geschenen. Im Uebrigen habe ich von den derzeit gewiss sehr be-
langreichen Untersuchungen StiftYs keinen Gebrauch gemacht.\')
Vor der Verüffentlichung dieses Werkes publicirte ich bereits einige vorlaufige
Berichte über die Geologie der Insein,2) einem dringeuden Wunsche der Geo-
graphischen Gesellschaft in Amsterdam nachgcbend. Dass sich aber in diese
unmittelbar nach meincr Rückkehr niedergcschriebenen Mittheilungen Ungenau-
igkeiten und Fehler einschleichcn mussten, da noch kein Gestein anders als
oberniichlieh makroskopisch wiihrend der Reise untersucht und kein Petrefakt
anders als nach der Erinnerung bestimmt war, liess sich voraussehen und wurde
seinerzeit auch von mir hervorgehoben. Die im Felde gezogenen Formationsgren-
zen haben sich aber in allen wesentlichen Zügen auch nach der vorgeuommcnen,
genaueren Untersuchung des Materiales als richtig erwiesen.
Die von mir gesammelten Gesteine und einige Mineralien wurden von Herrn
1\'rof. .1. H. Kloos 3), die Conehylien aus quartaren und jüngeren Ablagerungen von
Herrn Dr. J. Lorié 4) untersucht und beschrieben. Weitere Publicationen, welche das
von mir mitgebrachte Material betreffen, haben indessen noch nicht stattgefunden.
Karten. Unter den Karton, welche von den Insein bekannt sind, besitzt
eine alte, von Hering im Jahre 1779 publicirte 6) nur noch ein historisches Interesse.
Eincn Augenblick wollte es mir zwar scheinen, als ob sie uns mit Binnenmeeren einer
früheren Zeit, deren Boden jetzt trocken gelegt sei, bekannt mache, was mit
1)  Die Copieen der hollündischen Rapporte befinden sich im Archivo des Oeologischen Museums
zu Leiden, diejenigen der doutschen, wie erwiihnt, im Archive der Akademie der Wissen-
schaften zu Amsterdam.
2)  Reise nach den Niederl.Westindischen Besitzungen. Brief (Revue Coloniale Internationale Tomé
I, N° 1, pag. Tl. — Amsterdam 1885.) — Ferner: Vorlaufiger Bericht, erschienen unter dem allge-
meineu Titel: „De Nederlandsche expeditie naar de West-Indische eilanden en Suriname 1884—85."
I. (Tijdschr. v. h. Nederl. Aardrijkskdg. Genootschap Ser. II. Deel II. N° 6—10.) — Amsterdam 1885.
3)   J. II. Kloos. Untersuchungen über Gesteine und Mineralien aus West-Indien. (Sammlg. des
Geolog. Reichs-Museums. Ser. II. Bd. I. pag. 1—110). — Leiden 1886.
4)  J. Lorié. Fossile Molluskcn von Curacao, Aruba und der Kuste von Venezuela (l.c. pag. 111—149).
5)   J. H. Hering. Beschrijving van het eiland Curacao en de daaronder behoorende eilanden,
Bon Aire, Oroba en Klein-Cura<;ao. — Amsterdam 177\'J.
-ocr page 24-
K Martin . yiedertöndiach Mest-Jndien
Harte II.
Oranjesladt                                           Hooibero                                                             Anekok.Jamanota. Parabusté.
IDEALPROFIL DURCH ARUBA,PROJICIRT AUF DIK LINIE A-B.
Maasstab der Lmwrii-I: 100000, da* Höhen = 1: LOOOO.
Verliallniss vori llöhen zu Langen = 10:1.
Genirssen siml die mit ejnetn \\ Wzeiehneten Ilölicn; die anderen sind «eschatil.
Fontein
GEOLOGISCHE KARTE VON
ARUBA.
Maasstab 1:100000.
Bemefkuna: Ueba> den H\'ert/i derFomuittinsyi-enzm ist der Hu-t m venjlacken.
F.\' irbe mM\'kl.inm <>*.
iVc/iif/i\'u/t\' AmplubolifiwL\'me Hflj Diabas
Dioritporplvyre . \\ Kreideformation ?
Mm/de RifptaJhe, AHuvium and Dünen.
_____Alk Mxviwbucht..
Granschüfèr.
Ouarzdiorit.
j Onwidrfomutiuni.
L
tftemJr •• /f W. .</ Tiun Itiiten.
-ocr page 25-
5
Rücksicht auf die unten zu behandolnden Verhiütnisso dieser Becken wohl denkbar
gewesen ware. Aber cine niihere Betraehtung der Zeichnung ergiebt, dasswirihr
nur wenig Vertrauen entgegenbringen dürfen. Hering verzeichnet unter anderen
ein „hohes Gebirge" im Norden des Schottegat, von dein keine Spur vorhanden
ist, tragt den Tafelberg im Nordwesten des „Spaansch Water" ein, wiihrend er
im Südosten desselben gelegen ist, u. s. w. Eine Karte aus dem Jahre 1800,
welche sich im Archive von Curacao befindet und deren Mittbeilung in Copie ich
Herrn Baron van Heerdt tot Eversbergen verdanke, ist übrigens noch ein bedeu-
tender Rückschritt gegenüber der alteren Hering\'schen Darstellung.
Von den Karten von Curacao konnte überhaupt nur Eine \') für die Verwendung
bei geognostischen Untersuchungen in Betracht kommen, diejenige, welche nach
einer Zeichnung des um die Colonie so sehr verdienten II. F. van Baders im
Maasstabe von 1 : 100000 angefertigt und mit ganz unwesentlichen Verbesse-
rungen in 1871 und noch vor Kurzem wieder in 1886 reproducirt worden ist.
Die Ausgabe des vorigen Jahres zeigt nur in der Einzeichnung eines einzelnen
Langen- und Breiten-Grades einen Fortschritt. Die gleiche Verbesserung wiess
auch bereits eine Karte auf, welche Kuyper 1882 publicirte-); im Uebrigen ist
aber die Kuyper\'sche Darstellung eine Verschlechterung gegenüber der uiteren von
Raders. Denn wiihrend der Autor auf Grund noch nicht publicirter Aufnahmen (die
Quellen sind nicht niiher angegeben) eine Verbesserung zu liefern glaubt, ist auf
der im Maasstabe von 1 : 200000 angefertigtcn Karte (nicht 20000, wie publicir
wurde) die Darstellung der orographischen Verhaltnisse völlig verfehlt. Sic steht
weit hinter der Rader\'schen Karte zurück, trotzdem auch diese ganz erhebliche
Lücken und Unrichtigkeiten aufweist. Eine kleine, von Simons 1. c. publicirte Karte
scheint sich auf diejenige von Raders zu stützen.
Von Aruba sind zwei Karten vorhanden, von denen wiederum die altere weit
besser ist als die neuere. Jene ist der Abhandlung Reinwardt\'s 1. c. im Maasstabe
1)  Kaart van het eiland Curacao, te Amsterdam bij de Wed. Gerhard Hulst van Keulen; (1836)
1871. — Die Ausgabe von 1886 erschicn bei Seyffardt in Amsterdam.
2)   J. Kuyper. Curacao. (Tijdschr. v. h. Ned. Aardrijkskundig Oenootsch. Deel YI). — Amster-
dam 1882. — Die Grade auf dieser Karte weichen allerdings von denjonigen ab, welche auf der
verbesserten Rader\'schen Karte eingetragen sind. Kuyper ltisst den 69° W. L. Gr. westlich von
St. Michiel Bai, 12° 10\' N. Br. nördlich vom Binnen wasser bei Hermanus verlaufen; bei der anderen
Ausgabe ist umgekehrt die erstgenannte Gradlinie östlich von St. Michiel Bai, die zweite südüch
vom erwithnten Becken eingetragen. Welche Angabe die richtigere ist, vermag ich nicht zu
beurtheilen, da auf Keiner von beiden Karten die Quelle angegeben ist, nach der die Grade ver-
zeichnet wurden.
Nach Simons (vgl. pag. 2) sollto der Leuchtthurm am Eingange der St. Annabai 12 6\' N. Br.
und 68° 59\' W. L. Gr. gelegen sein. Die Oberflache der Insel wird von ihm auf 7,62 geogr. o
Meilen angegeben (1. c. pag. 16 u. 17).
-ocr page 26-
Korte UI.
K.Martin. JÏÏedaiiïndueh West-Fiu/ieii
\\r
Zi\'.W /*//•• I
Masehu
rtva Qaaj€U\\
SI ach tb ai
po
*>
ïjH
Mi i
—I------H
3
-Z t.
—! *
•a
g
5 £
O
til
GEOLOGISCHE KARTE VON
BONAIRE.
Maasstab 1:150000.
Benurkang: Ueberden \\terth der Formalioiuuiviizcn
ist der Tai\'l zu veiyleiehen
Farbenerkla i>uilo\\
til
a
Kreidefbmutlion
Tufte
< liirnjxh • Riff1i\\ Mt • urn/. 411 m ia/n.
] üHmnu\'-rikwithvrib \\
\\ Ouartarfbpmalion
.. Ahe Mceresbucht
S/twu/r\' r. P.M\' ,\\J 7\'ittv. /.t\'ühm.
-ocr page 27-
(i
von 1:72000 beigegeben, im Jahre 1820 vom Kapitfin zur See W. A. van Spengler
aufgcnonnnen und 1825 init Verbesserungen von R. P. van Raders versehen; diese
liess die Gold Mining Company herstellen1), weil ihr die Spengler\'sche Karte unbe-
kannt war, wie denn überhaupt Keiner von allen westindisohen Bewohnern, mit
denen ieh zusatnmentraf, Kenntniss von der filteren Plublikation besass.
Die englische Karte ist sehr ungenau, hat aber den Vorzug, dass die Schluch-
ten, welche auf dem filteren Blatte ganz vernaehlassigt wurden, zum Theil einge-
tragen wind, und enthült ausserdem eine Reihe von Namen, welche ebenfalls in
der früheren Darstellung dor Insel fehlen. Sie kann deswegen zur Anfüllung der
Spengler\'schen Arbeit dienen, wobei freilich wegen der unrichtigen Angabe der
Lüugcnverhültnisso mit grosser Vorsicht zu verfahren ist.
Von Bonaire ist mir nur Eino Karte, im Maasstabe von 1 : 80000 bekannt,
welche im Jahre 1867 publicirt ist2) und zu Verkaufszwecken vom Lieutenant
A. Conradi und E. E. Jarman angefertigt wurde. So gut sie dieser Aufgabe genügt
haben mag, so ist sie doch für geognostische Zwecke wenig brauchbar, da die
orographischen Verhaltnisse kaum berücksichtigt worden und dort, wo dies ge-
schehen, noch obendrein fehlerhaft eingezeichnet sind. Aus einem der Stifft\'schen
Rapporto geht hervor, dass bereits im Jahre 1827 eine Karte von der Insel bestand,
doch scheint dieselbe nicht publicirt zu sein 3) und vermochte ich nichts Naheres
über sie zu erfahren.
CnraQao.
Orographische GHiederung.4)
Die Insel Curacao zerffillt in einen höheren, westlichen und einen nie-
drigeren, östlichen Theil, welche beide durch einen schmalen, nicht ganz V2 geogra-
phische Meilen breiten Landstrich von einander geschieden werden. Letzterem gehort
1)  The Aruba Island Gold Mining Company, limited, registeredjuly 4">-1872. — London, Banken,
National Provincial Bank of England.
2)  A. M. Ohumaceiro. Het eiland Bonaire, met eene schetskaart. — \'s Gravenhage 1867. (Die
Arbeit ist anonym erschienen).
3)  Auch den 1825 ausgebrachten Rapporten von Krayenhoff (vgl. Verslagen en Mededeelingen d.
Kon. Akademie v. Wetensch. te Amsterdam. Deel X. 1860. pag. 308.) waren Karten von Curacao,
Aruba und Bonaire beigeiügt, die indesseri nicht von ihm selber verfertigt worden sind. Auf
Bonaire war Krayenhoff laut eigener Mittheilung nicht langer als 1% Tage. (Copieen der Rapporto,
ohno Karten, bciinden sich im Archive des Leidener Museums, sie sind aber für die Geologie ohne
jeden Wcrth).
4)  Ueber die in diesem Abschnitte angegebenen Höhen ist das Capitel, welches fiber Hühenmes-
sungen handelt, niiher zu vergleichen. Desgleichen bei Aruba, Bonaire und Surinam.
-ocr page 28-
Korte IV.
K. Jltiiiiii. WiieUrltmiiack West-Indien,
Stcendv. ir. P. W. 3f. Trcift. Zeidav.
-ocr page 29-
7
der sogenannte „Kleine Berg" an, dessen ab-
r. bo
~3 g
geflachter Gipfel sich nur 78 m über den Meeres-
8)3 spiegel erhebt. Der westliche, höhere Abschnitt
des Eilandes wird das „Benedengedeelte," der
östliche,niedrigere, das „Bovengedeelte"genannt,
°3
• —
co o
Benennungen, welche sich anf die Lage unter
und über dem Winde beziehen, nicht aber auf
^5
| 3 das Relief des Landes. Das Benedengedeelte
ai soll im Folgenden stetsals West-, das Bovenge-
I
deelte als Ost-Curacao bezeichnet werden, wiih-
ET "O
£ o
*° a
a x
fe £
o
"3 m
rend die nach Nordwest gekehrten Kusten Bei-
der in ihrer Gesammtheit als Nordküste, die gegen-
überliegenden als Südküste angeführt werden.
Im Nordwesten von West-Curacao befindet
3 s g. sich die höchste Spitze der ganzen Insel, der
Vi •** ^
£ -s i scharfgratige St. Christoffel, welcher sich 876 m
a *
über das Meer erhebt und an den sich nach
_ .a
K   a 5.
"*         a
»~
i II
S  .2 g
3    *• ff
Westen zu noch eine Reiho niedrigerer Höhen
anschliesst, die man auf der Insel zwar nicht
mehr mit dem genannten Gipfel unter demselben
Namen zu vereinigen pflegt, \') welche aber den-
noch am natürlichstcn ihm zugerechnet werden,
| 8> da sic nur durch unbedeutende Thaleinschnitte
:3
ê?"5. unter einander und vom Christoffel geschieden
o I
        sind und auf breitem Sockel mit Letzterem
° S-       zusammenhiingen.
I §3           Südöstlich vom Christoffel liegt im Innern der
,» "gj |?    Tafelberg St. Hieronimo, welcher seinen Namen
j^-a "3    dem völlig flachen, auf conischer Basis ruhen-
| ^ ^    den Gipfel verdankt und 218 m hochist; aber-
g 3 .
"f « mals südöstlich von diesem befindet sich unweit
.
der Nordküste der kegelförmige St. Antonieberg,
\'t 7. i welcher nur wenig hinter dem Hieronimo an
j « I
s|\'3 Höhe zurücksteht.
£ is 2
.3 j         1) Beeondere Namen für diese niedrieeren Höhen
konnte ïcn ebensowenig in Erfahrung Dringen.
-ocr page 30-
s
Die genannten drei Berge sind niclit nur die bedeutendsten Erhebungen auf
der ganzen Insel, sondern sie führon uns gleichzeitig sammtliche verschiedenen
Gebirgsformen derselben vor Augen und mit ilinen, wie unten n&her zu erörtern
sein wird, diejenigen Formationen, welche sich fast ausschliesslich an dem Aufbau
von Cura^ao betheiligen. Sie sind forner, das Küstengebirge ausgenommen, die
einzigen Höhen in West-Curacao, die man als Berge bezeichnen kann; denn alle
anderen besitzen einen sehr geringen Grad von Selbstündigkeit, sind durch flache,
muldenförmige Thaler getrennt und ragen über diese so wenig hervor, dass sie
nur Ilügel genannt werden dürfen.
Das Innere von West-Curacao besitzt an vielen Orten kaum 30 m Meres-
höhe (das Haus von Hermanus liegt nur 27 m, dasjenige von Savonet 20 m
hoch) und im Mittel dürftc es schwerlich mebr als 60 m sich über den Spiegel
des Oceans erheben, wenn die genannten drei Berge unberücksichtigt bleiben.
Noch niedriger ist das Innere von Ost-Cura^ao, dessen mittlere Höhe ich auf
40 m schatze und welches violcrorts nur bis zu 20 m und minder sich erhebt.
Sieht man auch hier vom Küstengebirge ab, so bleibt nur Eine Kuppe
übrig, auf welche in Ost-Curacao der Name eines Berges angewandt werden kann,
das ist der „Ost-Seinpost".J) Dieser wird im Nordwcsten von einer Schlucht
begrenzt, welche die „Rooi2) Kibrahacha" heisst, im Nordosten von dem schroffen
Küstengebirge, im Süden und Südosten von einer ausgedehnten Ebene. Im
t\'ebrigen wird das ganze Innere von Ost-Curagao von einem Hügellande gebildet,
dessen sanfte Wellen an das Relief unseres Diluviums erinnern und welche im
Oston des Schottegats, woselbst sich auch der „Midden-Seinpost" befindet, die
bedeutendste Anschwellung zeigen. Feberall aber, den etwa 100 m hohen Ost-
Seinpost nicht ausgeschlossen, bleibt das Innere dieses Theiles von Cura§ao an
Höhe weit hinter dom Küstengebirge zurück und als Ganzes betrachtet lasst es
sich als ein ovales Kesselthal bezeichnens), dessen Gehiinge von den die Kuste
einfassenden Höhen gebildet werden. Das Gleiche gilt auch von dem östlichen
Abschnitte von West-Curacao, woselbst der Höhenunterschied zwischen dem
Innern und dem Küstengebirge ein ganz ahnlicher ist.
1)  Ks ist dies eigentlieh der Name für einen auf der Hühe befindlichen, optischen Telegraphen,
den man aber auf die Kuppe selbst übertriigt.
2)  Rooi heisst auf den Insein jede Schlucht und jedes Thai; der Name ist abkünftig vom
Bpanischen arroyo.
3)  Dieser t\'liarakter eines Kesselthales ist besonders augenfallig, wenn man aus grösserer Ent-
fernung von Nordwesten her — so z. B. von St. Podro an der Nordküste von West-Curacao —
nach dom östlichen Inscltheile blickt. Der Tafelberg und das Küstengebirge von Hato erscheinen
dann anniihernd gleich hoch, gewissermaassen projicirt auf eine Nord- und Südküste verbindende
-ocr page 31-
9
Das Küstengobirge, welches mit sehr unbedeutondea Hntcrbrochungon die
ganzc Insel gürtclartig umsanmt, dohnt sich in dor Mitte derselbcn und an der
Nordküste, vor allem an der Kuste von Hato, am weitesten landeinwiirts aus;
schmaler ist der Rücken, welclier von ihm langs der Südküste von West-Cnracao
gebildet wird, und am mcisten tritt es zwischen Westpunt und Savonet zurück.
Seine Höhen sind sehr verschieden; so erhebt sicb der Gipfel, auf welchem
das Fort Nassau liegt, nur 68 m über den Mecresspiegel, der benachbarte Prie-
sterberg dagegen 129 m; unweit Hormanus besitzt das Oebirge der Südküste am
inneren Absturze G7 m Meeresliöhe; die bedeutendste Ilöbe erreicht aber der
Tafelberg an der Fuikbai , denn ieh scbiitze ibn auf 200 m.\')
Ueberall besitzt das Kttstengebirge landeinwiirts schroff abfallende Wande ,
der Art dass nabe dem Gipfel sich nicht selten ein niedriger, fast lothrechter Ab-
sturz befindet, an den sich nach unten zu cine weit minder steile Basis mit
30—40° Neigung anschliesst. Diese Verschiedenheit des Büschungswinkcls ist
namentlich bei den hölieren Gipfeln an der Südküste von Ost-Curacao sehr augen-
fitllig; bei den nicdrigeren weniger ausgcpriigt und bei den noch unbodoutenderen
Höhen des Küstengebirgcs ist der ganze innere Absturz gleich steil wie es bei
den ansehnlichen Bergen (Priesterberg, Fort Nassau, Tafelberg u. a.) nur deren
oberer Abschnitt ist. Wie unten niiher zu betrachten ist, hangt dieser wechselndo
Bösehungswinkel sehr nahe mit der geognostischen Gliederung des betreffondeu
Gebirges zusammen.
Nach dem Meere zu fiillt das Lctzterc meistens steil, in mehreren schroffen
Terrassen ab; doch macht hievon die Südküste von Ost-Curacao eine Ausnahme,
denn die Neigung betriigt hier höchstens 20°, oft 15", selbst 10° und weniger,
so bei den drei Gebrüdern, beim Gruneberg, Fort Nassau, Tafelberg und ande-
rcn, minder ansehnlichen Höhen.
Kurze, scnkrccht zur Kuste gerichtete, von schroffen Wanden begrenzte Thiiler
zerlegen das Gebirge in eine Anzahl von unbedeutcnden, hiiufig sargförmigen
Höhen, welcho oftmals an der Basis kaum noch zusammcnhiingen oder auch
völlig von cinander isolirt sind. In diesom Falie reicht das Thai fast bis zum
Meeresspiegcl hinab und mehrfach erreicht der Einschnitt dies Niveau in Wirklich-
keit, so dass an Stelle der Thalsohle entweder ein kurzer Canal tritt, wclcher
Ebene, und ilire steilcn Oehiinge ragen wie der Hand einer Sehüssel über dasniedrigo Hiigelland
des Innern hervor, wiilirond die Ilühen nacb dem Meere zu sanft abfallen.
1) Teenstra und Bosch (vgl. pag. 2) goben 300 und 302 m an; doch ist dies ohne Zweifel übor-
tricben. Ich selbst konnte eine Messung des Oipfels nicht ausfüliren, da der Eigenthümer Jedem
den Zugang untersagt.
2
-ocr page 32-
10
den Ocoan mit Einem der vielen „Binnenwasser" (binnenwater) verbindet, odcr
die Ausbuchtung eines solehcn Binnenwassers greift zwischen die betreffcnden
Hühen ein.
Die Binnonwasser sind im letztgeuannten Falie durch einen niedrigen Ufcr-
wall vom Meere abgeschlossen; aber die Anwosenheit oder das Fehlen eines
solchen ist von sehr untergeordnotcr Bedeutung, da Jeno ihrer Lage nach stets
den Charakter von Landseen tragen, wiihrend sie ihrer übrigen Eigenschaften
wegen als mehr oder minder vollstandig abgeschlossene Meeresbecken zu bezeich-
nen sind. Ihre Form ist entweder einfach, lang gestreckt, oder eine eigenthüm-
licli gelappte, so dass man den Umriss der betrcffenden Boeken blattfórmig nennen
kann. Diesc beiden verschiedenen Formen stehen obenfalls im engsten Verbande
mit der Art der Gebirgsformationen, wclcho die Ufer der Becken bilden.
Ausscr den bereits erwühntcn, kurzen Thalern im Küstengebirge und der
Rooi Kibrahacha giebt es nur noch sehr wenige andere Thaleinschnitte von einiger
Bedeutung. Zu ihnon gehort in erster Linie eine von steilen Klippon eingefasste
Schlucht, welche sich am nordöstlichen Abhangc des Christoffels befindet; ferner
ein Thai, welches im schmalstcn Thcilo der Insel von Hcrmanus aus sich nach
Osten ausdehnt und ebenfalls sehr schroffe, aber wenig hohe Seitenwande besitzt.
Die Letzteren werden von den inncren Abstürzen der beiden Küstengebirge ge-
bildet, welche hier wogen der Schnialheit des betrcffenden Theiles des Eilands nahe
zusammengerückt sind und so das Thai entstehen lassen.
Alle anderen Tlmler, nur sehr unbedeutende Wasserrisse ausgenommen,
werden von Gehangen mit so geringer Xeigung eingeschlossen, dass es bosonderer
Aufmcrksamkeit bedarf, urn ihren Verlauf\'zu erkennen; es sind langgestreckte,
flache Mulden oder Canale, in donen zur Regenzeit das Wasser nach der Kuste
abstrümt und welche mcistentheils ihre Endigung am Ufer der oben erwiihnten,
abgeschlossenen Becken finden.
Untcr den Ebenen von Curacao ist nur diejenige von einiger Bedeutung,
welche sich im Osten des Tafelbergs an der Fuikbai, südöstlich vom Ost-Seinpost,
ausdehnt und an der Kuste unvollstündig von dem dort mehrfach unterbrochenen
Randgebirge eingeschlossen ist. Kleinere Ebenen befinden sich am lnnenrando der
Binnen wasser, so östlich vom Schottegat, westlich von Hcrmanus, hinter der
Boca von Savonet und an einigen anderen Orten; indessen ist ihre Ausdehnung
eine so geringe, dass sie in dieser Darstellung iibergangen werden dürfen.
Die orograpliischen Verhaltnisse von Curacao sind auch auf der besten der
bestehenden Karton, der oben erwahnten Darstellung von Raders, nur Susserst
-ocr page 33-
II
unvollkommeii wiedergogeben. Daa Küstengcbirge ist ina mittleren und östliehen
Curacao gut, im westlichen Theile der Insel mangelhaft eingezeichnet; die Höhen
des Innern sind indessen so falsch und lückenhaft, dass von der sie betreffenden
Zeichnuug nur der Christoffel, der Hierunimo, Antonieberg, Ost-Seinpost und
Midden-Seinpost zuverliissig erscheincn, wahrend die Karte im Uebrigen betreffs
des inneren Theiles des Eilands ganz falsche Vorstellungen erweckt.
Abgesehen von den ReliefVerhaltnisseii ist aber die Kader\'sehe Karte sehr
brauchbar und konnte ieh deren neuesto Ausgabe um so eher als Basis für meine
geologische Karte benutzen, als darin jene Verhiiltnisse nicht weiter in Betracht
kommen. Meine topographische Grundlage ist eine auf kleineren Maasstab reducirte
Reproduction der Rader\'schen Zeichnung, unter AVeglassung ihres orographischen
Theiles.
Greog\'nostisehe Beobachtungen.
Von einein 29tügigen, durch die Reisen nach Aruba und Bonaire zweimal
unterbrochenen Auf\'enthalte auf Curacao konnte ich für die goognostischo Unter-
suchung der Insel nur 18 Tage verwenden. Die im ersten Theile dieses Werkes
geschilderte Schwierigkeit des Reisens auf Curagao war hievon die Hauptursache.
Zudem mussten die Excursionen so eingerichtet werden, dass sie gleichzeitig den
Anforderungen der Botaniker unserer Gesellschaft genügten, was bekanntlich von
vornherein nur wenig zweckentsprechend sein konnte. Der Ueberbliek über die
geognostischen Verhiiltnisse wurde indessen im östliehen und auch in einem Theile
des westlichen Curacao durch den fast völligen Mangel an dichtem Pnanzenwuchse
sehr erleichtert.
In der angegebenen Zeit konnte ich untersuchen: lteils die weitere Umgebung
von Willemstadt. 2teus Hato. 3tens Brievengat. 4*»"*1 Fuik und den östlich von dort
gelegenen Landstrich. 5tens Beekenburg. 6ie»i Hermanus und den schmalsten Theil
der Insel. 7tens die Gegend von St. Jan. 8tens Savonet und Umgegend, bis nach
Westpunt einerseits und bis zum Antonieberg andererseits.
Die zwischenliegenden Landstriche sind nur auf sehr flüchtiger Durchreise
passirt; indessen konnte von den angegebenen Stationen aus jedenfalls das \\Vesent-
lichste der geognostischen Verhaltnisse studirt und ein allgemeiner Ueberbliek
gewonnen werden. Welcher Werth den Formationsgrenzen meiner geologischen
Karte zukommt, soll weiter unten bei den verschiedenen Bildungeu im Einzelnen
angegeben werden.
-ocr page 34-
12
<(. lm östlichen Cwagao.
Diabase.
An dein Aufbau von Ost-Curacao , nohmen Diabase den wesentliehsten
Antheil, dcnu nicht nur bestehen fast siimmtliche vum Küstengebirgc eingeschlos-
senen Hiigel aus dieser Formation, sondern es werden aueh die das Meer beglei-
tcnden Hölicn zum ïheil von ihr gebildet. Sodimentargcstoinc, denen die Dia-
base zwischengelagert waren, siud auf Curacao nicht bekannt; auch deutet die
Kichtung der kleinen, von diosem Eruptivgesteine gebildeten Hügcl nirgends
auf ein bestiinmtes Streiclien hin, so dass eine Anordnung in Lagern sich
nicht nachweisen liisst. Da es ferner nach Analogie anderer Vorkommnisse
bekanntlich nicht wahrscheinlich ist, dass die Diabase auf Curacao als typho-
nischer Stock auftreten sollten, so betrachte icli die Lagerungsforin als deeken-
artige Ausbrcitung. Der Vergleich mit den Diabaseu von Aruba legt aber die
Vermuthung nahe, dass diese Decke in der Ticfo mit Lagergiingon zusammen-
hiingc. Ursprüngliche Kuppen dürften nirgends vorhanden sein, deun das flaclnvellige
Terrain bat sein heutiges Kelief iin Wesentlichen der Erosion zu danken, welche
die zahlreichon, kleinen Hiigel leicht herausmodelliren konnte, da das Innore der
Insel noch vor Kurzem vom Meere bedeckt war (vgl. unteu) and die ganze Diabas-
formation in Folge dessen eine tief hinabreichende Auflockerung und Zersetzung
erfahren hat.
Die Gesteine besitzen meist dichte Struktur, selten sind sie kleinkörnig; es
muss aber leider uuentschieden bleiben, ob wir es in letzterem Falie nur mit einer
verschiedenen Facies oder mit verschiedenen Eruptionen zu thun haben, da grössere
Aufschlüsso in dem ganzen Diabasgebicte fehlen. Diese Unsicherheit herrsclit auch
betretts des kleinkörnigcn Diabases, den Kloos von Australia, am inueren Abhango
des Priesterbcrgs, beschricb und den ic-h daselbst aus einem Brunnenloche erhielt,
in welehem er in 10 m Tiefe ansteht, bedeckt von aufgelockerten Massen derselben
Fel sart.
Nur in der Niihe von Klein Mal Pays traf ich einen körnigen Diabas an,
welcher den dichten Diabas gangfönnig durchsetzen könnte. Ersterer bildet hier
unter andern einen Hiigel, auf dessen Oberfhïche rundliche, nicht kugelschaligc,
schwer zersprengbare Hlöcke zerstreut liegen, wahrend an seinein Fusse körniger
und dichter Diabas inuerhalb des Abstandes von nicht mehr als 1 m neben ein-
andcr anstehen. Der Contakt beider Gesteine war wegen Unvollstandigkeit der
kauin mehr als handbreiten Aufschlüsse freilich nicht zu beobachten.
Die dichten Diabase in Ost-Curacao sind so sehr zersetzt, dass sich fast an
-ocr page 35-
\\:\\
keinem Punkte ein Handstück schlagcn liisst; dio Felsart zerbrückelt unter dem
Hamincr in dem Maasse, dass sie bequem zur Ausbesserung von Wegen abgo-
stochen werden kann. ISTur in der Rooi Kibrahacha, am Fussc des Ost-Seinpost, war
die Diabasformation minder verwittert, und ich schreibe dies dem Umstande zu,
dass dasclbst das durch die Meeresbedeekung zersetzte und aufgelockerte Material
mit Hilfe des fliessonden Wassers fortgeführt worden und das minder zersetzte
Gestein an die Oborflache gerückt ist. Hier entsprechen die Verhaltnisse denen der
Inscl Aruba, deren Diabase uns spiiter beschaftigen werden.
Fio. 2. Ost-Seispost ,
geseheu von Fuik aus. Der Tlialeinschnitt zur Linken ist die Hooi Kibrahacha.
Nirgends nimmt man im Gcbiete der dicliten Diabase von Ost-Curacao Blöcke
aU Ueberreste sehwerer verwitternder Massen wahr, obwohl hie und da in dem
grünlich gefiirbten Gesteine unregelmassig ellipsoidische bis rundlichc, von braunen
Zersetzungsprodukten umgebene Partieen erscheinen, die indessen keine merklich
grössere Festigkeit zeigen. Auch sie sind gleich dem Ausgehenden der ganzen
Formation von zahlreichen, regellos verlaufenden Kluftfliichen durchsetzt, auf denen
Kalkspath eine gewöhnliche Erseheinung ist. Nach Kloos kommt aueh Prehnit in
schmalen Trümern vor. Für die Reobachtung diescr Verliiiltnisso ist namentlich
der Weg von der Stadt nach Hato geeignet, woselbst die Diabase auf weite Strecken
in mannshohon Entblössungon aufgeschlossen sind. Siiulcnförmigo Absonderung habe
ich nirgends wahrgenommen.
Vereinzelt setzen Quarzgiingc von geringer Miichtigkeit im Diabase auf, unter
denen indessen nur die in der Rooi Kibrahacha vorkommenden erwiihnenswerth
sind. Hier liegen auch am Ausgange der Schlucht, bis in die N&he des Hauses von
Fuik, Broeken von Quarzit in grosser Menge an der Oberfliiclie zerstreut, so dass
man an die Verhaltnisse im Diabasgebirge von Aruba erinnert wird, wahrend im
1\'ebrigen die Quarzgangc von Curagao einen Vergleich mit dicsen nicht zulassen.
Die Verwitterungsprodukte der Diabase werden durch die zu Zeiten fallenden,
schweren Regengüsse von den Höhen abgespült, so dass die Letzteren, statt von
-ocr page 36-
14
Thon, nur von zahllosen kleinen Seherben des Eruptivgesteins bedeckt werden, wenn
nicht der lauchgrünc oder von einer dunnen, braunen Eisenockerrinde überzogene
Fels unniittelbar zu Tage ausgcht. Das gelbbraune Colorit, hie und damiteinem
Stich ins Grüne, h\'isst sich bei dem Mangel einer Prianzendecke aufweite Strecken
hin leicht überblicken. Die braunen, eisenschüssigen ïhone aber, welche als End-
produkfc der Verwitterung in den tlaohon Mulden des Binnenlandes sich ablageru
und hier durch künstliehe Anlagen vor der Wegführung ins Meer geschützt werden,
erreichon eine ganz bedcutende Machtigkeit. In mehreren Brunnenlöchern waren
die Thnne bei 10 m Tiefe noch nicht durchsunken.
Die Bothoiligung der Diabaso an dem Auf bau des Küstengebirges bedarf noch
besonderer Erliiuterung, da das Eruptivgestein hier als Liegendes der quartiiren
Kalke auftritt und durch Letztere fast ganz verhüllt wird. Deswegen giebt auch
Gabb an, dass das ganze Küstengebirge aus Korallenkalken bestehe, wiihrend er die
Diabasformation auf Curacao überhaupt nicht erkanntc und den im Inncrn von ihr
eingenommenen Raum nur als „intcrnal rolling plain" in seiner Mittheilung an-
führt, und zwar als aequivalcnt mit den Korallenkalken. Es mag dies gleichzeitig
als ein Beweis für die grosse Schwierigkeit gelten, mit der die geognostische
I\'ntersuchung des niedrigen, tief zersctzten Gebirges verbunden war.
Wenn man aber an den innercn, steilen Gehangen der die Kuste begleitenden
Höhen emporsteigt, so überzeugt man sich bald, dass dieselben von einem Grus
bedeckt sind. welcher sich durch nichts von demjenigen des Diabasgebietes im
Innern der Inscl unterscheidet. Erst nahe dem Gipfel, wo der geringere Böschungs-
winkel plötzlich in den steileren Absturz übergeht (vgl. Orographie), beginnt
der Korallenkalk, der somit nur in einer verhaltnissmiissig geringen Machtigkeit
die Diabasformation überlagert. Das Eruptivgestein betindet sich an der Grenze
der beiden verschiedenen Böschungswinkel in unmittelbarem Contakte mit dem
Korallenkalke, und die Scheidungslinie der Formationen lasst sich in der weiteren
Umgebung der Stadt mit grosser Schiirfe verfolgen, so an der Höhe, auf der Fort
Xassau gelegen ist, und an den kleinen Bergen im Westen von Willemstadt.
Instruktiv ist in dieser Beziehung vor allem auch der Ueberblick, den man von
Altena aus liat, wenn man von dort nach genanntem Fort hinübersieht.
Quartare (Jonglomerate und Kalke.
VVahrend nahe dein Gipfel, am Innenrande des Küstengebirges, Diabase und
Kalke, wie eben erwahnt, in unmittelbarem Contakte sich befinden, ist dies
am Fu88e des seewiirts gekehrten Abhanges nicht der Fall. Hier schaltet sich
zwjschcn beide Formationen noch eine aus unreinen Kalken und Conglo-
-ocr page 37-
L5
meraten bestellende Schiehtenroihe ein.
Gegenüber dein Eingange zum Gute
Plantcrsrust, im Westen der Stadt, istdas
_
               »^_ , ^ ^- ^- —, beiötehcnde Profil aufgeschlossen. Der Dia-
Fio. 3. Profil dei Plantersrust.           bas wird von Schichten überlagert, welche
1. Diabas. - 2.KGmgtemer.te umi unrcine annghernd para„el der Bcgrenzungsflücho
des Eruptivgosteins, ein Pullen von 27" nach SW und ein Streichen von W 17°X
zeigea. In den unreinen Kalksteinen und den durch ein kalkiges Cement bald fest
bald locker verbuudenen Conglomeraten lassen sich die allothigenen Bestundtheilc
leicht als Diabasbruchstücke erkennen, um so clier als in der Schicht, welche das
Eruptivgestein unmittelbar überlagert, auch ziemlich ansehnliche, eckige Bruch-
stücke von Diabas enthalten sind. Der feinkörnige Detritus erweist sich bei mikro-
skopischer Prüfung als von der gleichen Felsart abkünftig.
Beim Zurücktreten der gröberen Bestandtheile des Conglomerates stellen sich
Petrefakte ein, die freilich nur in Steinkernen übcrlicfert sind. Ich fand darunter
Lamellibranchiaten und Gastropoden, besonders aber auch Korallen, deren aus-
.gefüllte Mesenterialfiicher ungemoin zierliche Verstcinerungen gebildet habcn.
Diese Korallen sind aber allem Anscheine nach nur in Bruchstücken in dein
Gesteine vorhanden, und unter ihnen sind Madreporaceen in erster Linie vertreten.
Unter den Steinkernen von Gastropoden glaubte ich Strombus gigas zu erkennen;
nur Ostrea spec. fand sich in Schalonbruchstücken vor, da die Schalen dieser Gat-
tung bekanntlich zu den am meiston widerstandsfiihigen gehören; aber auch sie
Hessen cine Artbostimmung nicht zu. Der Eindruck, den die Fauna macht, ist der
einer sehr jugendlichen Bilduug; das lasst sich trotz der ungünstigen Erhaltung
jedenfalls noch wohl erkennen.
Das Hangende der hier beschriebenen Sedimente ist an demselben Orte nicht
mehr aufgeschlossen; dagegen sieht man in unmittolbaror Nühe, in den Anpflan-
zungen von Plantersrust, die Conglomerate als Liegendes derjenigen Korallenkalkc
aut\'treten, welche sich bis zum Gipfel des Priestcrberges ausdehncn. Die Conglo-
merate, in denen abgerundete Diabasbruchstücke bis zu mehreren Centimetern
Durchmesscr vorhanden sind, enthalten auch hier neben Resten von Mollusken
wiederum astige Korallonstöcke in grösserer Zahl.
Wfihrend bei Plantersrust demnach die drei verschiedenen Formationen, welche
von unten nach oben als Diabas, Conglomerate und Korallenkalke auf einander
folgen, gleichzeitig aufgeschlossen sind, ist dies an keinem anderen der von mir
besuchten Punkte der Fall. Wohl aber sind an vielen Orten in den kurzen, das
Küstengebirge rechtwinklig durchschneidenden Thiilern und Canalen Profile ent-
-ocr page 38-
Ili
blösst, welchc das Lagerungsvorhiiltniss von Conglomeraten and Korallonkalken
nëher demonstrircn. Unter ihncn Bind zwei I\'rofile, welche westlich untl östlich vom
Hafen, unweit des Eingangs zum
Schottegat, 8ich bcfinden, besonders
von Wielttigkeit.
Der bedeutendste Aufschluss ist
der westliche. Hier liegt unmittel-
Fio. 4. Profil westi.ich vom Hafen.
1. Diabas-Tnimraergesteinc. — 2. Korallcnkalk mit
Diabaageröllen. — 3. Korallenkalk, fast rein.
bar über dem Meeresspiegel ein
Complex von lockerem Grand,
Breccien und Conglomeraten, in
denen die Gescltiebe und Gerölle faustgross werden (1). Es sind Diabas-Trümmer-
gesteinc, von denen die Conglomerate durch ein kalkiges Cement zu einem sehr
festen Gesteine verblinden sind, und welche, bald gröber bald feiner, ohne Gesetz-
massigkeit mit einander abwechseln. Gerölle herrschen unter den allothigenen
Bestandthcilen bedcutend vor den Gesehieben vor. Korallenbruchstüeke sind in den
oberen Schichten dieses Complexes nicht sclten, doch fehlcn unvcrsehrto Korallen,
wie es scheint, ganzlich. Strombus gigas liess sich mit Sicherheit auch darin nach-
weison, neben Venus cancellata und anderen, unbestimmbaren Muschelresten. Die
Schichten fallen unter einem Winkel von 4—5° nach der Kuste zu ein.
lm Hangenden treten zuniichst unreine Koralleakalke auf(2), in denen die
östigen und fittgerförmigen Abdrücke von Madreporiden in grosser Zahl der Art zu
beobachten sind, dass ihrc Lage der vom lebenden Thiere eingcnommenen Stellung
entspricht. An der Basis schlicssen diese Kalke noch zahlreiche Gerölle ein und
vermitteln so unmerklich den Uebergang zu den das Liegende darstellenden Trüm-
mergesteinen (1). Ebenso ist die Grenze nach dem Hangenden (3) hin sehr undeut-
lich, denn Letztercs wird obenfalls von Korallonkalken gcbildet, die sich nur durch
fast giinzlich zuriicktretende Gerölle und eine Neigung von 18 —19° nach der Kuste
zn als znsammengohörig und von den soeben erwühnten Kalken verschieden cha-
rakterisiren. Die Discordanz von 1 und 3 wird also durch die mit 2 bezeichneten,
an Geröllen reichen Korallenkalke vermittelt, und das Ganze stellt einc ununtcr-
brochene Ablagerung dar, welche seit ihrer Bildung keinerlei Stömng erlittenltat.
Die 8cheinbare Aufrichtung der Kalke stcht, wie unten nither erörtert werden soll,
mit der Verschiebung der Strandlinie in Zusammenhang; hier moge nur noch her-
vorgehoben werden, dass in diesem instruktiven Profile sammtliche Korallenstöcke
ihrc naturgemasse Stellung bewahrt haben, was sich in allen Einzelheiteu ander
senkrecht abgoschnittenen Wand verfolgen lasst. Madreporiden herrschen unter den
Korallen ganz bedeutend vor; dazwischen liegen, gleichsam in Höhlungen der iistigen
-ocr page 39-
17
Stöcke, Gruppen von Astraeaceen, zu denen sich dann noch eine Reihe von
Muscheln, Wurmröhrcn u. s. w. gesellt. Unter Ersteren ist wiederum St rombus
gigas neben Pyrula mehngena, Chama macro-
phylla, Lithodomus
und anderen verfoeien. Die
meisten Fossilien sind nur als Steinkerne über-
liefert.
Fig. 5. FitoKii. östi.ich vom Haken. Gegenüber dem hier beschriebenen Profile be-
l.ürand.-2^Conglomerate.-3. Ko- fin(]et sich östHch vom Hafen ein zweites , welches
rallenkalk nut Diaoasgemllen. — 4. Ko-
rallenkalk, rein.                               sich nacli Obigem von sclbst crkliirt. Diagonal
geschichteter Grand, welcher einzelne grössere Diabasgeschiebe cnthiilt und kaum
Spuren von Kalk, wird von eisenschüssigen, durch Kalk ccmentirten Conglomeraten
der Art überlagert, dass sich beide Gesteinsarten rasch gegen einander auskeilen.
Darüber liegt eine Kalkbank, die in ihrem tieferen , der Seeseite zugekehrten Niveau
zahlreiche, im Mittel faustgrosse Gerölle von Diabas einschliesst und so allmiihlig
von Kalk in Diabasconglomerat übergeht. Ihr Hangendes wird von Korallenkalkcn
gebildet, die ihre Fortsetzung in den quartaren Kalken des Fort Nassau finden.
13eide Profile sind nicht nur vom geognostischcn Gesichtspunkte aus interessant,
sondern vor allem auch deswegen, weil sic uns anzeigen, wie der für das Wachs-
thum von Korallen ungünstige Untergrund von grobem Sande allmiihlig durch das
Auftreten eines Kalkcementes init Bruchstücken von Korallen, Muscheln u. s. w.
für die Ansiedlung der Bauten vorbereitet wurde.
Aehnliche Aufschlüsse finden sich noch an manchen andereu Punkten der
Südküste des östliclien Curacao, und es würde ermüdend sein, hier die stets in
den wesentlichsten Zügen sich wiederholendeu Verhültnisse einzeln zu schildern.
Erwühnenswerth ist nur noch der Umstand, dass am spanischeu Ilafen in den
Diabasconglomeraten auch eine offenbar von der Kuste abgeschwemmte Land-
schnecke sich fand, und zwar Pupa uva, welche noch heute das Eiland bewohnt.
Nur im Innern der Caracas-Bai wird der Diabas unmittelbar von den KoralIen-
kalken überlagert, ohne dass sich zwischen beide Formationen ein Trümmergestein
einschaltete. Statt dessen sind die Kluftniichen, welche das Eruptivgestein regellos
durchsetzen mit einer Breccie gangartig ausgefüllt. Die Bruclistücke derselben
sind vom Nebengesteine abkünftig und das Cement ist Kalk, welcher von oben
her in die Spalton eingedrungen sein dürfte. Diese Verhaltnisse, welche am Fusse
der Klippe, auf der das Quarantane-Etablissement sich befindet, gut zu beobachten
sind , deuten darauf hin, dass in der Caracas-Bai zur Zeit der Bildung dor Korallen-
kalke keine erhebliche Brandung stand, entsprechend den Zustanden, die wir
aucli heute noch dort finden; denn die Bucht ist fast so ruhig wie ein Binnenmeer.
-ocr page 40-
is
Die Ausdchnung dor quartiiren Bildungen ist aus der Karte ersichtlich; die
Beschreibung des petrographisehen und palaeontologisohon Charakters dor Kalke
behaltc ich mir fiir einen spitteren Abschnitt vor, da die gleichartige Ausbildung
dor betreffenden Schichten auf allen drei Insein einc gemoinschaftliche Behandlung
anempfiehlt. Aus glcichem Grimde übergehe ich hier vorliiufig die jüngst gehobenen
Korallenkalke und Muscholbiinke, deren Trennung von den alteren quartiiren
Bildungen stellenweisc mit sehr grossen Schwierigkeiten verbunden ist.
Kreideforrnation.
Wenn man dem Wcgc folgt, welcher vorbei an dom obcn erwiihnten Gutc
Plantersrust von der Stadt nach Dato führt, so begegnet man anfangs keincr
anderen Formation als don Diabasen. Erst kurz bcvor der Innenrand des Küsten-
gobirgos am Xordstrandc erreicht ist, sinkt das Eruptivgestein unter alluviale
Bildungen weg, und bald darauf sieht man aus Letztercn die Schichtenköpfo einer
aus Sandsteinen, Tutenmergeln und Kalksteinen gebildeten Formation heraus-
schneiden. Es siud mehrere
Km. »;. Am Ixnkxranuk des KasTEscEBim;Es von Hato. Alluvium hervorragende Par-
1. Diabas. — 2. Alluvium. — .!. Cretaceïsche Sedimente.         tieen, deren Schichten auf dem
Kopfe stchen und von W nach O, fast parallel der Kuste, quer über den Weg
streichen. In wcnigen Sehritteu Abstand folgen nach der Seeseite zu noch andere
Schichtenköpfo von gleicher petrographischer Beschaffenheit, von gleich geringer
Miichtigkeit und mit glcichem Streichen, und dies wiederholt sich noch mehrfach
in der Eichtung von Süd nach Nord.
Der petrographische Charakter der betreffenden Schichten stimmt durchaus
mit denijenigen überein, den die cretaeeïschen Sedimentiirgesteine im westlichen
Curacao zeigen, und dort wird auch die Altersbestinimung niiher zu begründen
sein. Hier ist indessen noch hervorzuheben, dass in West-Curacao die Sand- und
Kalksteine hiiufig mit scliiefrigen Mergein vergesellschaftet sind. Das dürfte auch
an diesem ürte der Fall sein, doch sind wahrscheinlich die leicliter zerstörbaren
Schichten, welche mit den Sand- und Kalksteinen wechsellagern, an der Oberflache
durch die Wirkung der Erosion fortgeführt und nur die widerstandsfiihigeren Reste
des Schichtencomplexes hier erhalten geblieben. Ihre Ausdohnung im Streichen Hess
sich weder nacli W noch nach ü bei Hato weiter verfolgen.
Andere Schichten, welche sich durch ihren petrographischeu Charakter gleich-
falls als den cretaeeïschen Ablagerungen des westlichen Inseltheiles aequivalent
-ocr page 41-
I!»
erweisen, traf ich bei Brievengat an. Das Haas ruht daselbst auf Kieselschiefer
und in seiner unmittelbaren Nahe, nach Westen zu, erhebt sich oin nur wenigc
Meter hoher Hiigel, weieher aus Kieselschiefer und Sandstein besteht. Die Umge-
bung ist wieder durcli die künstlieh angehiiuften Abschwiimmungsprodukte des
innoren Inseltheiles verhüllt; aber weiter nach der Kuste zu, wo dasabströmende
Wasser eine der Schutzmauern der Plantage zerrissen hatte, war ein kleines
Profil entblösst, in dem ein thoniger Kalkstein und Sandsteine zu ïage traten.
Die Schichten streichen auch hier von W nach O und fallen 45° nördlich. Unfern
dieses Aufschlusses, östlich vom Strandwege, steht ein aus Kieselschiefer-, Diabas-
und kleinen Quarz-Bruchstücken gebildetcs Conglomerat an, welches durch Kalk
cementirt und von Kalkspathadern durchzogen ist; alle hier genannten Gestcine
aber nehmen im westlichen Curaeao an dem Aufbau der Kreideformation Theil.
Besonderer Erwiihnung verdient schliesslich noch ein eigenthümlich blaugrün
gefiirbtes Trüminergestcin, welches am Inncnrande des Küstengebirges, zwischen
Ronde Klip und Brievengat und zwar mehr dom letzteren Orte genahert, östlich vom
erwahnten Strandwege, ansteht. Es stimmt mit den Beschreibungen überein, die
von der sogenannten, auf den westindischen insein weit verbreiteten, cretaeeïschen
„Blue-beache" gegeben werden. \') lm Einklange damit steht auch das Kesultat
einer von Wichmann ausgeführten, mikroskopischen Untersuchung, nach der das
Gestein als Dioritbreccie zu bezeichnen ist. An keinem anderen Orte der drei Eilande
habc ich die Blue-beache angetroffen.
Trotz der unbedeutenden Aufschlüsse, die ich gelegentlich nieiucr nüchtigen
Besuche bei Hato und Brievengat beobachten konnte, glaube ich doch nicht zu irren,
wenn ich annehme, dass die cretaeeïschen Schichten an der Bildung des nördlichen
Küstengebirges denselben Antheil nehmen, wie es die Diabase im südlichen Kü-
stengebirge thun. Der innere Abhang der den Strand beglcitenden Höhen ist
nfimlich bei Brievengat durch ein röthliches, von dein der Diabase vóllig ab\\vei-
chendes Colorit ausgezeichnet, und rothbraune, eisenschüssige Quarzsande findeu
sich hie und da in den Niederungen. Die gleiche , röthlicho Eürbung ist aber
auch für die Kreideformation an anderen Orten der Insel bezeichnend. Ausserdem
sind die oben erwahnten Aufschlüsse von Kalkstein, Sandstein und Conglomeraten
in Einschartungen des quartiiren Korallenriftes gelegen, wonach sie nur als
Liegendes des Letzteren gedeutet werden kunnen, wenngleich die Ueberlagerung
durch die Kalke nicht direkt beobachtet wurde.
Auf Grund der mitgetheilten Lagerungsverhaltnisse bei Hato und Brievengat
1) P. ï. Cleve. On the Ueology of the North-EaBtern West India Islands. (Kongla Svenska
Vet. Akad. Handl. B. 9. N° 12) pag. 4 u. 40. — Suess. Das Antlitz der Erde I. pag. 702.
-ocr page 42-
2(1
und besonders dos an beiden Orten beobachteten Streichens der crotaceïschen
Schichten von W nach O liabo ieli angenommen, dass die Kreideformation sich
!iings der ganzen Nordküste von Ost-Curacao ausdehne, eine Annahme, wclche
auch dadurch gestützt wird, dass gleicho Schichten abermals im Groote Berg
angetrofïen werden. A\'on diesem westlichsten 1\'unkte Ost-Curacao\'s aus erstrecken
sich die Ablagerungen der Kreideformation noch weiter nach Süden und Süd-
osten, denn bereits unweit Klein Mal Pays stehen am Fusse des oben beschrie-
benen Ilügels von körnigem Diabas cretaceïsclie Sandsteine an. Hier nimmt man
auch eine sehr wesentliclie Aenderung im Relief der Landschaft wahr, wenn man
von der Stadt kommend seinen Weg zura Groote Berg hin fortsetzt, denn statt
des flachwelligen Hügellandes, welches das Innere von Ost-Curacao im llebrigen
auszeichnet, bemerkt man zwischon Klein Mal Pays und dein Groote Berg nicdrigo
Höhcn mit scharfen Kammen, eine Reliefform, die auf Curacao, soweit mir bc-
kannt, nur den crotaceïschen Ablagerungen eigen ist.
Im westlichen Abschnitte von Ost-Curacao schaltet sich demnach, gleichwie
an seiner Nordküste, zwischen die Diabaso und quartiiren Bildungen die Kreide-
formation ein; dagogen zoigt der östliche Abschnitt dicses Inseltheiles wiederum
einen mit der Südküsre übereinstimmenden Bau. Die Diabase werden hier unmit-
telbar von den jungen Korallenkalken überlagert, und ihre Grenze ist durch eine
Linie angedeutet, welche vom Westen von Punt Canon aus sich über den Südfuss
des Ost-Seinpost, von dort über das Hans von Fuik bis an den östlichen Abhang
des Tafelberges hinzieht. Im Süden und Südosten grenzt hier an die Diabasforma-
tion eine alluviale, aus den Yerwitterungsprodukten des Eruptivgesteins entstan-
dene Ablagerung, als deren Miichtigkeit man bei Anlage eines Brunnens auf Fuik
11 in fand. Von der Kreideformation ist im Osteu nirgends eine Spur aufzufinden.
Aus don geognostischen Beobachtungen im östlichen Curacao ergiebt sich,
dass von der Kuste nach dem Innern der Insel zu die untenstehenden Formationen
auf oinander folgen:
lm Norden und Westen.                              Im Süden und Osten.
Quartiire Kalke                                                              Quartiire Kalke
(Quartiire Congloineratc mit Bruchstücken                  Quartiire Diabasconglomerate
eretaeeïscher Gesteine?)                                         Diabas.
Cretaceïsclie Sedimento
Diabas.
Die quartiiren Conglomcrate, welche im Norden und Westen bei dem Mangel
an grosseren Aufschlüssen nicht bcobachtct sind, dürften daselbst, wie nach Analogie
-ocr page 43-
21
anderer Lagerungsverhiiltnisse im westlichen Curacao zu schliessen ist, schwerlich
fohlen. Ich vertnuthe, dass aus den Bestandtheilen der cretaceïschen Formation
gebildete Trümmergesteine hier die gleiche Rolle spielen wie die Diabasconglomerate
an der Südküste, und dass der petrographische Charakter dieser Conglomerate
des Nordstrandes mit demjenigen der unten zu behandelnden Conglomerate von
Hermanus übereinstimme. Die jüngsten Korallenkalko und aequivalenten Bildun-
gen sind aus bereits erwahnten Gründen in dieser Uebersicht vorlilufig übergangen.
b. Im westlichen und mittleren Curacao.
An dem Aufbau von West-Curacao betheiligen sich die gleichen Formationen,
welche von Ost-Cura^ao im Obigen beschriebcn wurden; es orreicheu aber die
cretaceïschen Ablagerungen im Westen eine weit grössere Machtigkeit und die Lage-
rungsverhaltnisse sind so complicirt, dass sie sich bei dein Mangel an grosseren
Aufschlüssen nur ungemein schwierig beurtheilen lassen. Es scheint deswegen ge-
boten mit der Beschreibung derjenigen Schichten zu beginnen, deren Altersbe-
stimmung kcinem Zweifel unterworfen ist, um darauf ihre Beziehungen zu den
übrigen Bildungen zu erörtern.
Rudistenkalk.
In der Gegend von Savonet tritt vereinzclt ein feinkörnig krystallinischer bis
dichter, von vielen, feinen Kalkspathadern durchzogener Kalkstein auf, welcher
splittrig bricht und schmutzig-bis blaugrau, einzeln auch gelblichweiss, gefarbt
ist. Selten kommen kleine, abgerundete Kieselschieferbruchstücke in dem Kalksteine
vor. Dem petrographischen Charakter nach könnte man geneigt sein, ihnfüreino
palaeozoische Bildung zu halten.
Der bedeutendste Aufschluss dieser Formation befindet sich in unmittelbarer
Nühe von Savonet, südlieh vom Hause, und wird von der Fahrstrasse durchschnitten.
Hier dürften die Kalksteine etwa 20 m über die Thalsohle sich erheben und 40 m
Meereshöhe erreichen. Sie werden stellenweise von einer groben Breccie bedeckt,
die aus mehrere cm grossen Bruchstücken von Rudisten und Kalkalgen besteht,
einzelne Exemplare von Pupa uva einschliesst und durch einen rothbraunen Kalk
cementirt ist, offenbar eine Bildung der allerjüngsten Zeit.
Von gleicher Höhe ist nach roher Sclmtzung eine zweite, ansehnliche Partie
derselben Formation, welche nordwestlich von Savonet, links von dem nach West-
punt führenden Wege, ansteht und hier eine schroffe, von den übrigen Gesteinen
scharf sich abhebende Klippe formt. Kleinere Fetzen der Kalkschicht ragen nördlich
und Ö8tlich von Savonet aus den unten zu behandelnden Kieselschiefern hervor, welche
-ocr page 44-
22
der Zerbröckelung ohcr nnheimgefallen sind als die machtigen Kalkbiinke; doch
sind auch die Letzterea oberfliiculich fast ganz in grosse, quaderförmige Blöcke
zertheilt, wclche in der Itegel sich nicht mehr in situ befinden.
Die Bestimmung dos Streichens uad Fallens ist dadurch an den meisten Punkten
unmöglich geworden; nnr an einer Kalkpartie östlich von Savonet Hess sich als
Streichungslinie Wl^N feststellon , verbunden mit aDtiklinaler Lagerung. In diese
Streichungslinie fallen noch
zwei andere der kleineren
Fetzen dieser Formation;
die ttbrigen Partieen pas-
sen nicht hinein und Hessen
auch keine nahere Bestim-
mung zu. Sie sind in der
beigefïigtcn Kartenskizze
I aus diesem Grimde einigcr-
Fio. 7. L\'M.iEOEM) von Savonet.                          maassen willkürlich einge-
1. Diabas. — 2. Kieselschiefer. — 3. (sihwarz) Rudisteukalke. — tragen. Aufdem Gipfel der
4. Uuartïrformation.                                                                         ersterwiihnten Anhöhe im
Süden der Plantage nimmt die Kalkschicht eine schwebende Lage ein, wiihrend
sie am nordöstlichen Abhange mit dem Berge f.ïllt; hier befindet sich also wahr-
scheinlich eine zweite Antiklinale.
Die Kalksteine tieten in unmittelbarem Contakte mit Kiesolschiefern auf, und
wo das Einfallen der steil aufgerichteten Schichten überhaupt zu bestimmen ist,
überzeugt man sich auch leicht von der völlig concordanten Lagerung der Kalke
und Schiefer. Da nun die Letzteren, wie im Folgenden erürtert werden wird, vicl-
fach goknickt und gefaltet sind und die Kalkschicht ebenfalls antiklinalen Ban
erkennen liisst, so gewinnt es einen hohen Grad von Wahrscheinlichkeit, dass
Schiefer und Kalke ein Schichtensystem darstellen, welches zu mehreren, unter einan-
der und der Kuste von Savonet annahernd parallelen Falten zusammengeschoben ist.
l\'ngemein reich sind die Kalksteine an Resten von Rudisten (Radiolites Lam.),
wclche freilich in einem so unvollkommenen Erhaltungszustande überliefert sind,
dass es besonderer Aufmerksamkeit bedarf, um sie als solche zu erkennen. Es sind nur
grosse Broeken der iiusseren Schalenschicht, welche bekanntlich am lftngsten von
den Gehausen genanuter Gattung erhalten bleiben, und diese Broeken sind vielfach
verdrückt, verschoben und zersplittert, so dass sie dem Gesteine eine breccienartige
Struktur verleihen. In einzelnen Fallen sind an den Bruchstücken indessen noch sehr
wohl die veriistelten Eindrücke der Radialgofassc auf den Querböden erhalten (Tab. II,
-ocr page 45-
23
Fig. 14 u. 17) und an Einem derselben erkennt man noch deutlieh die innere Grenzo
der Schalenschicht (Fig. 14), obwohl auch sie nicht ïnehr den ursprünglichen Verlauf
zeigt, sondern an der mit einem Sterne bezeichneten Stelle stark verdrückt ist.
In Folgc der vielen Verdrückungen haben die Querbüden nicht selten ihre
parallele Lage eingebüsst, nnd die Fossilien machen dann im Langsbruche den
Eindruck von incrustirenden Korallen, welche andere im Kalke eingeschlosseno
Organismen zu überzichen scheinen. In Wirklichkeit haben aberLetztere bei dor
mechanischen Yeriinderung des Gestcines nur das Widerlager für die Bruchstücke
der Rudisten gebildet (Fig. 21).
Lassen sich schon makroskopisch derartige Stortingen in der gogenseitigen
Lage der einzelnen Tlieile der Fossilien wahrnehmon, so ist dies mikroskopisch in
noch weit höherem Grade der Fall, denn hier sieht man an manchen Stellen im
Gesteine die Zertriimmcrung so weit fortgoschritten, dass jede einzelne Zellwand
isolirt ist. Solche Partieen machen in Dünnschlitfeu auf den ersten Bliek den Ein-
druck, als ware der Kalkstein mit zahlreichen kleinen, vertikal durchschnittenen
Gehiiusen von scheibenförmigen Foraminiferen erfüllt, urn so mehr, als man nur
vereinzelt darin noch kleine Bruchstücke findet, an denen rechtwinklig auf einander
stossende Zellwiinde wahrgenommen werden. Der Antang ciner solchen Zertrüm*
mcrung ist in Fig. 18 dargestellt.
Diese Abbildung (Fig. 18) wcist zugleich Merkmale auf, wodurch sich die
Broeken von Rodiolites Lam. im Liingsschnitto sicher von palaeozoischen Korallen
und Bryozoen unterscheiden lassen. Die Querbüden gehen ohno irgend welclie 1 nter-
brechung von dem Einem in das jedesmal anliegonde, andere Prisma über, wiihrend
die Liingswiinde des Letzteren in Folge dieser Eigenschaft in zahlreiche Glieder
aufgelöst sind, die nur locker mit einander zusammenhangen. Die Seitenwande der
Prismen benachbarter Querschichten liegen nicht einmal stets in derselben Rich-
tung, sondern weichen hie und da aus ihr heraus; sie fügen sich zapfenartig in die Ein-
biegungen der Querbüden, welche im Liingsschnitto wellig gebogen erscheinen, ein.
Der Querschnitt dagegen zeigt eine auffallende Uebereinstimmung mit solchen
von palaeozoischen Korallen und besonders von Chaetetiden: Von den völlig ver-
schmolzenen Wanden aus ragen einzelne, hervorspringende Leisten, ganz in
Uebereinstimmung mit Chaetetes, in das Lumen der Zeilen hinein \'); os sind
dies die Durchschnitte durch die Lamellen, welche in diagonaler Richtung die
Prismen von Radiolites durchsetzen (Fig. 16 u. 18)2). Als einziges Unterschcidungs-
1)  Vgl. H. A. Nicholson. On the structuro and afHnities of the tabulate corals of the palaeozoic
poriod. London 1879. tab. 12, fig. 4.
2)  Vgl. auch Roemer. Die Kreidebildungen von Texas. Bonn 1852. tab. 6, fig. lrf.
-ocr page 46-
24
merkmal kann in solchon Querschnitten der Rudisten vielleicht der Umstand
dienen, dass die Zeilen hier eine sehr auffallende Unregolmiissigkeit im Umrisse
zeigen und bisweilen stark geschwungenc Seitenriinder besitzen \'), aber Aehn-
lichcs kommt doch auch bei palaeozoischen Bryozoen und Korallen vor 2).
Der Umriss der Zeilen ist meistens fünf- oder sechsseitig; ihr Durchmesser
Bchwankt zwischen Va und 2 mm, am hiiungsten betragt er 1 mm. Von den
Querbüden kommen 13 bis 40 auf den Raum eines Centimeters. In der Regel
ist die Hölilung der Zeilen von Kalkspath, in anderen Fiillen von Chalcedon aus-
gefüllt und nicht selten kommen ganz aus Kieselsubstanz bestehende Steinkerne
vor (Fig. 15), welche die Rudisten auch da noch erkennen lassen, wo die Meta-
morphose im Uebrigen ihre Spuren bereits ganz verwischt hat. So ist in der oben
erwiilmten Kalkpartie iim Wege naeh Westpunt kein anderer Feberrest eines Fossils
mehr wahrzunehmen als die höckrigen Steinkerne der aus dem Gesteine her-
vorragenden, verkieselten Broeken von Radiolites.
An den anderen Aufschlüssen sind verkalkte Bruchstücke allerorts hiiufig und
oft sieht man Letztere so dicht auf einander gepackt, dass Blöcke von mehreren
Fussen Durchmesser überall die zierliche, netzfürmige Struktur der Rudisten schalen
zeigen, deren gegenseitige Begrenzung nicht mehr nachzuweisen ist. Tlebrigens
muss die Art eine bedeutende Grosse erreicht haben, denn ich fand unter anderen
einen herausgewitterten Broeken der Aussenschale, welcher senkrecht zur Langs-
richtung der Prismen 14 cm maass, wodurch sicherlich noch nicht die ganze
Dicke angegeben ist.
Diese oben behandelten Reste habe ich früher als Dankt curamvica s) be-
schrieben, da sie keinerlei Merkmale zeigen, wodurch sie von der Gattung Dania
E. H.
getrennt werden könnten, einer Gattung, welche auf Grund eines kleinen,
D. huronica benannten Brockens eines Fossiles errichtet worden ist4). Unterstützt
wurde diese Bestimmung durch die mikroskopische Prüfung des Querschnittes,
das Vorkommen von Bruchstückcn, welche an incrustirende, palaeozoische Korallen
und Bryozoen crinnern, sowie durch die petrographischc Beschaffenheit des Kalk-
steines; endlich schien der Umstand, dass die Kalke in Verband mit echten Kiesel-
schiefern auftretcn, auf ein palaeozoisches Alter der in Rede stellenden Schicht hinzu-
weisen. Ferd. Roemer erkannte zuerst die Ueboreinstimmung des Fossils von Curayao
mit Radiolites, und ohne Zweifel ist diese Deutung die richtige, wie aus Obigem
1)  Fig. 20, unten rechta.
2)  Vgl. Nicholson 1. c. tab. 1, fig. G und tab. 12, fig. 46.
3)  Brief im Neuen Jahrbuclie für Mineralogie etc. Jahrg. 1885, Bd. II, pag. 239.
4)   Kilwanls u. Haime Monogr. des polyp. foss. des terr. palaeoz. (Arch. du Mus. d\'ilist. Nat
Tomé V.) pag. 275, tab. 18, fig. 2.
-ocr page 47-
25
genügcnd hervorgehen dürfte; aber nichts destoweniger halte ich doch auch heute
noch die anfiingliche Bestimmung als Dania ebenfalls für richtig,da ich genannte
Gathing für nichts Anderos als das Bruchstück eines Rudistcn ansehen kann.
Die 1. c. gegebenen Abbildungen und Beschreibungon lassen Nichts erkennen,
wodurch Dania E. H. von einem Broeken von Radiolites Lam. \') zu untor-
scheiden wiire, so dass mehrere unserer verdientesten Palaeoatologen das west-
indische Fossil mit mir als Dania gedeutet haben. Urn die Frage endgiltig zu
entscheiden, wünschte ich das Original der D. huronica, welches sich in Paris
befindet, zu untersuchen, konnto es aber leider nicht erhaltcn; dagegen war
A. Milne Fidwards so freundlich, ein Bruchstück des Petrefakts von Curacao daselbst
für mich zu untersuchen und zu vergleichen sowie mir mitzutheilen: „C\'est une
autre espèce appartenant je crois a, un autre genre". Das Erstore schloss ich auch
bereits, als ich die Broeken unter dem Namen D. cnramvica beschrieb; das Letztere
bodarf aber aus angeführten Gründen des Beweises 2).
Auch Quenstedt beschriebs) eine Dania unter dem Namen D. saxonica, ab-
künftig von Harschlcben bei Halbcrstadt aus unbekannter Schicht. Es kommt
aber daselbst auch Kreide vor, und dor mitteldeutsche Quader beherbergt, wie be-
kannt, Sphaerulites, so dass nach Obigem die Annahmo wohl kaum gewagt ist,
dass Quenstedt gleich mir das Bruchstück eines Rudisten zur Gattung Dania E. H.
gezogen hat, weil eben die letztgenannte Gattung auch nichts Anderes als ein
solches Bruchstück ist, welches irrthümlich als silurisch beschrieben wurde.
Dass die cretaeeïsche Dania Edwardsi de Greg. 4) ein Rudistenbruchstück ist,
kann überhaupt keinem Zweifel unterliegen. Jedenfalls kann auch der Umstand
nicht dazu beitragen, den Glauben an die Berechtigung des Genus zu erhöhen, dass
die erwahnten Broeken, welche die Namen D. huronica, D. saxonica und D. Edwardsi
tragen, die einzigen bis jetzt bekannten Repraesentanten von Dania bleiben 5).
An diesem Orte kam es in erster Linie darauf an, die Existenz der
Kreideformation auf Curacao nachzuweisen, und diese wird sicherlich trotz
der Uebereinstimmung der Bruchstücke von Radiolites Lam. mit Dania E. H.
1)   Eine niihere Begrenzung der Oattung, insonderheit eine Treiinung von Sphaerulites Desm.
ist bei den Bruchstücken nicht müglich.
2)   Ich vermuthe, dass vielleicht die Radialgefiisse an dem Fossile von Curacao die Ursache
sind, weswegen A. M. Edwards an eine andere Oattung glaubt; aber es kann nicht bofremden,
wenn dieselben an dem kleinen Bruchstücke, welches D. huronica genannt worden ist, nicht
wahrgenommen weiden.
3)  Quenstedt. Handbuch der Petrefaktenkunde. 3te Auflage. Tübingen 1885. pag. 993, tab. 80, fig. 25.
4)  Ant. de Gregorio. Fossili dei Dintorni Di Pachino. pag. 16, tab. 1, fig. 2; u. tab. 2, fig. 3. —
Palermo 1882.
5)  Ich halte es für müglich, dass die als Favosites Dietzi Diieh. et Mich. und als Favosites
4
-ocr page 48-
26
in koinem Punkto mchr zweifelhaft erscheinen. Leider ist die palaeontologische
Ausbeute trotz eifriger Nachforsehungen, die ich an mehreren Tagen in Curacao
angestellt liabe, im lTebrigen eine sehr geringe für die Altersbestimmung der
bcsprochenen Rudistoukalke gewesen. Ausser den Broeken von Radiolites fanden
sich nur Kalkalgen, einige Foraminiferen, die in Dünnschliffen als Textularia
bestimmt werden konnten, und eine einzige Korallenart \').
Vor allem die Kalkalgen sind neben den Rudisten von Bedentung, da sie
diese bisweilen geradezn ersetzen und stellenweisc gesteinsbildend auftreten. Die
angewitterte Oberfhïcho vieler Blücko und Gesteinsbrocken zeigt die Skeletc der
Algen blaugrau gefürbt und deutlich von der eigcntliehcn Felsmassc sich abhe-
bend; in frischen Brüchen und auf angeschli tronen Durchschnitten sieht man die
Umris.se der licht gefiirbten Stüeke gleich seharf von der braungrauen Gesteins-
masse abgegrenzt (Fig. 22). Alle diese Reste geboren, wie die Untersuehung
zahlreicher Dünnschliffe lehrte, ciner Art von Lithothamnium an, welche mit
kcincr der bis jetzt beschriebenen Species identificirt werden konnte und deswegen
ƒ,. curasavicum nor. spec. genannt worden mag.
Lithothamnium curasavicum bildet rundlichc Knollen, welche bis zu 35 mm
Durchmesser erreichen und eine unregelmüssig höckrige Oberfliiche besitzen, an
der mau stellenweisc eine grosse Zahl von feinen, nadelstichartigen Foren wahr-
nimmt, welche die Lage der früheren Cystocarpicn andeuren. Ausgowitterte Exem-
plarc, wie man sie in der erwiilinten Kalkpartie südlich von Savonet zahlreich
findet, gleichen bei makroskopischcr Betrachtung ungemein feinröhrigen Bryozoen.
In Durchschnitten crhalt man mehr oder minder deutlich runde, an den Ründern
unregelmüssig gelappte Umrisse; aber gleichzcitig orkennt man, dass die Knollen
keineswegs ganz von der Kalkalge gebildet werden, sondern dass dieselbe fremde
Bcstandtheile in sich aufgonomrnen hat. Die Fflanze ist von Gesteinsbrocken
erfüllt, in denen man nebcn Kalkspathindividuen unter dem Mikroskope auch
Foraminiferen und eine an Korallen erinnernde Struktur wahrnimmt, so dass also die
betrert\'enden Fartieen nicht etwa durch Annahmc einer Metamorphose des Algen-
Sancti-Thomae Duch. et Mich. beschriebenen Reste ebenfalls von Rudisten abkünttig sind. Sie
sollen aus angeblich silurischen Schichten von St. Thomas, die man früher fiir Jura gehalten,
stnmmen, wiihrcnd altere als cretaeeïscho Sodimente auf den Antillen überhaupt nicht bekannt
sind (vgl. unten). Auch ist es in der Beschreibung des orstgenannten Fossils auffiillig, dass als
Unterschied von F. Gothlandica angegeben wird: „Les tubes sont parallèlcs au lieu d\'être couchés
les uns sur les autres." (Duchassaing et Michelotti, Jlém. sur les coralliaires des Antilles; Mem.
della Reale Accad. d. Sc. di Torino Ser. II. T. XIX.. 1800. pag. 3(50. — ferner: Supplément au
Jlém. etc; 1. c. T. XXIII. 1866. pag. 199). Leider sind daselbst keine Abbildungen gegeben.
1) Befindet sich noch unbestimmt im Besitze des Herrn Magister Pratz, wclcher die Bearbeitung
aller von mir mitgcbrnchler Korallen Ubernommcn hat.
-ocr page 49-
27
skelcts erklart werden köanen, sondern Körper repraesentiren, welclie von dem
Lithothamnium überwuchert wurden. \') Bisweilen erseheint der Stock ringfürmig
nach aussen geschlossen, wiihrend sein Inneres eincn fremden Kern birgt.
Concentrische Streifen der Anwachszonen lassen sich schon mit der Loupe
sehr dcutlich in Querbrüchen und Dünnschliffen wahrnehmen, ebenso die früheren
Cystocarpien, welche nnter dem Mikroskope in grosser Zahl sichthar werden
(Fig. 23). In Langsschliffen zeigen sich fast qnadratische Zellendurchsclinitte
(Fig. 25), da ihre Breite 0,012, ihre Liinge nur 0,015 mm betriigt; -) stellenweise,
namentlich dort wo die Cystocarpien sich einschalteten, tieten aber bedeutonde
Abweichungen von diesen Maassen auf, denn die Liinge kann 0,012 auch 0,019
und sogar 0,021 mm betragen, wiihrend die Breite fast immer constant ist und
nur selten 0,015 mm erreicht. In Querschnitten besitzen die Zeilen einen regel-
massig sechseckigen Ilmriss (Fig. 24).
Kieselschiefer.
Die Kieselschiefer, welche bei Savonet im Verbande mit den Rudistenkalkcn
angetroffen werden, erreichen im Süden und namentlich im Südwesten von diesem
ürte eine bedeutendere Entwicklung, denn hier bauen sie unter anderen auch
den 376 in hohen St. Christoffcl auf.
Das Gestein ist deutlich und in der Ilogol
dünn geschichtet; nur auf dem Gipfel des gc-
nanntcn Berges sah ich Biinke von mehreren
Metern Machtigkeit, 3) und an seinem Fusse be-
obachtete ich an Einem Orto das Auftreten
concretioniirer Massen von Kieselschiefer, wel-
che als Knollen und Linson in dem gleichen
Gesteine sich einstellcn, ohno dessen Parallel-
struktur merklich zu storen. Rechtwinklig zur
Fio. 8. KiESELsriiiKi\'er mit Conc rk- Schiclitungsflüche verlaufende Kluftfliichen zcrle-
tiokem. — Bei Savonet.             gen das Gestein je nach der Machtigkeit der
Schicht und der Haufigkeit der Kliifte bald in quadcrförmige und an Mauer-
1)  Uies ist auch bereit» von Unger an don Lithothamnien des J^eithakalkes wahrgonominen
worden. (Beitrago zur naheren Kenntniss des Lcithakalkes — Denkschr. d. Kais. Akad. Wien;
Math. Xaturw. Cl. Bd. XIV", 1858, pag. 23.) — Ygl. ferner: J. W\'alther. üie gesteinsbild. Kalkalgen
des Ooifes von Neapel etc. (Zeitschr. d. deutsch. geolog. Ges. Bd. XXXVII, Heft 2, pag. 229,1885.)
2)  Es ist hier der Durchmesser angegeben, den Oümbel den „scheinbaren" nannte. Die Benen*
nungen sind überhaupt im Sinne dieses Forscher» angewandt (Die sogenannten Nulliporen. —
Abhdlg. d. Math. Phys. Classe d. Königl. Bayer. Akad. d. Wiss. Bd. XI, 1874, pag. 11 «.).
3)  vgl. Band. I. Tab. XII.
-ocr page 50-
28
werkc erinnernde Partieen, bald in kleine, würfelartige und unregelmtissig polye-
drische Stücke. In lotzterem Falie erseheiut das Gestein biswcilen an der Oberfl&che
wie zerhackt. Feine Kalkspathadern sind in dom Kieselschiefor eine gewühnliche
Ersclieinung. Seinc Fürbung i.st im unverwitterten Zustande meist blauschwarz,
seltener schinutziggrün; verwittert nimmt der Kieselschiefor eine graue oder
schmutzig- bis strohgelbc Fürbung an; stellenweiso wird er auch rothbraun, und es
ist sehr bemerkenswerth, dass sammtliche, den Gipfel des Christoffels bildenden
Gesteinc in dieser W\'eise verandert sind, einsclilics.slieh der niiichtigsten Biinke.
Am Fusse des Berges stehen dagegen blauschwarze Schiefer an, welche die
von den SchichtungsHachen und Kluften ausgehende Verwitterung und Entfiir-
bung in allen Stadiën verfolgen lassen.
Röthlich getiiibto Hornsteine sowie gelbe und rothe Eisenkiesel sind dein Kiesel-
Bchiefer an manchen Orten eiugelagert, Erstere auf dem Gipfel des Christoffels
anschoincnd in fortsetzcnden Schichten. An organischen Resten glaubte Kloos Radio-
FlO. \'J. (iKFAI.TKTK KlESELSTHlEFER AM FUSSE DES St. CHRISTOFFELS.
(VgL auch Band I, Tab. XI.)
lanen zu erkennen; daneben beobachtete Derselbe in Kieselschieferbruchstücken
eines Conglomerates von Engelen berg Foraminifercu •).
1) 1. c. pa£. 83 u. 85.
-ocr page 51-
29
Die Lagerungsform der Kieselschiefer ist eine sehr complieirte. In dem neben-
stehenden, am Fusse des Christoffels beobachteten Profile 2) erscheincn die Schichten
als scharf znsammengestauchte Falten, deren Axenebenen anniihernd parallel
liegen. Die Langsaxen der Falten sind aber aus der Horizontale herausgerückt
und steil aufgerichtet, so dass die unteren Enden der zusammengepressten, scharf
umgebogenen Muldenflügel aus der Felswand hervorstehen, verkohlten Baumstam-
men iihnelnd (1 u. 2 in der Zeichnung). Der Sattel der liegenden Falte in der Mitte
des Bildes ist aufgeborsten und seine Flügel sind quer zu den Sehichtungsfh\'ichen
zerrissen. Ausserdem schaltet sich zwischen die Falten 1 und 2 noch eine dritte
ein (3), welche sehr unvollstandig überliefert und zum Theil zcnnalint ist. Gegen die
Nachbarfalten ist sie durch ein aus Kieselschieferbruchstücken gebildetes Trüm-
mergestein abgegrenzt; die Schichten der dritten Falte
sind ferner theilweise zu dunnen Lamellen zusammon-
gedrückt und zerquetscht (Fig. 10.).
Das Profil lehrt uns, dass nach der Faltung der Kiesel-
schiefer noch bedeutende Störungen in der Architcktur des
Gebirges eingetreten sind, welche ziemlich regellos durch
einander geworfene Trümmer hiiben entstehen lassen,
und es erklürt somit auch den Fmstand, dass in der
Kreideformation von Curaeao nirgends ein bestimmtes
FlO. 10. ZKRQUËTSCHTE K.VI.TK                 .                                                      .                                                               .                    .
im Kieselschiefer von Savonet Streicben wahrnehinbar ist. Die anscheinend gleichmassig
(3), durch ein Trümmergestein auf einander folgenden Schichten, die in unbedeutenden
(1) von den nicht gequetschten
Nachbarfalten (2) geschieden. Aufschlüssen hie und da, besonders auch in der Nahe
des geschilderten Profils, zu beobachten sind, mussen ebenfalls als Theilc einer
gefalteten und zusammengepressten Keihe betrachtet werden.
Sandsteine, Mergel, Kalksteine und Coiiglomerate.
Den Kieselschiefern sind in der Gegend von Savonet hie und da dünnplattige
Sandsteine eingeschaltet, so auch auf dem Gipfel des Christoffels; an anderen Orten
der Iii8cl ist aber das Verhaltniss von Kieselschiefern zu Sandsteinen der betref-
fenden Schichtengruppe in dor Regel das Fmgekehrte, indem Letztere das herr-
schende Gestein darstellen, dem gegenüber die Ersteren uur eine untergeordnete
Holle spielen.
2) Das Profil ist nach ciner grossen Photographio meinos Reisebegleiters in allen Kinzelheiten
nachgezeichnet worden, unterstützt durch an Ort und Stelle gemachtc Skiisen. Eine vorkloinerte
Reproduktion der Photographie findet sich in Band I auf Tab. XI dieses Werkes.
-ocr page 52-
30
Die Sandsteine sind fein-bis grobkörnig, blaugrau in frischein Zustande, ver-
wittert schmutzig-bis strohgelb, seltcner Iichtgrau gefarbt, nach den Tntersuchungen
von Kloos grösstentheils oder ganz aus einem granitisehen Detritus gebildet, welcher
liiiufig durch Calcit cementirt ist; aber auch Sandsteine mit thonigem Bindemittel
sind weit verbreitet; zum Theil sind sie chloritisch. Die Sandsteine mit kalkigem
Bindemitlel sind reich an Foraminifereu und zeigen Neigung zu kugeliger Abson-
derung, ohne dass indessen concentrisch-schalige Struktur vorkiime; bisweilen sieht
man rundliche und ellipsoidische, faust- bis kopfgrossc Knollen in einer feinerdigen
Kalkmasse gelegen, unter anderem aueh am Groote Berg und im üstlichen Curacao
bei Klein Mal Pays. Im Allgemeinen sind aber die Sandsteine dünn gesebichtet
und selten erreichen die Biinke \'/a m Miiehtigkeit. Die grobkörnigen Sandsteine,
welche mit Kalksteinen lagern, sind von einem aus krystallinischcm Kalkspathe
bestehenden Trümernetze durchzogen.
Durch Zunahme des Bindemittels verlaufen die Sandsteine eiuerseits in Kalk-
stein andererseits in Mergel. Schiefrige, gelbliche Meruei, besitzen namentlich im
schmalsten Theile des Eilands eine bedeutende Entwicklung, sind aber oberHach-
lieh zerfallen und liaben bei der Zerstückelung bisweilen griffelförmige Brnchstücke
geliefert, welche eine transversale Sehieferung andeuten.
Auf den geliobenen 1\'ferterrassen, welche sich nordwestlich und südöstlich
vom Kleineberg befinden, sind sic zersetzt und umgelagert. Diese Terrassen werden
an der Seeseito von quartarem Kalke, landeinwarts dagegen von erdigem, unge-
scliichtetem Mergel gebildet, welcher vorherrschend rostbraun, seltener grau oder
auch lauchgrün gefarbt ist. Solche Mergel stenen auch am nordwestlichen Abhange
des Groote Berg an und schliesscn hier einzelne Gerölle von Korallenkalk ein ,
welche ihrem petrographischen (Miarakter nach dem ([iiartitren Itiffe entstammen.
Ihr Hangendes wird ebenf\'alls von jungen Korallenkalkon gebildet, die hier nur
wenige Meter machtig u\'nd an der Basis röthlich gefarbt sind, weil sie mit den
Morgein verwaschen wurdeu. Die gleiche Erscheinung sieht man noch mehrfach
in der Nachbarschaft, im schmalsten Theile von Curacao, wiibrend aus den erdigen
Mergein hie und da die Schichtenköpfe der widerstandsfiihigeren Sandsteine her-
vorragen , die früher mit schiefrigen Mergein lagerten. Die Verhiiltnisse entsprechen
somit den oben von Hato geschilderten; nur liisst sich in der Umgegend des
Groote- und Kleine Berg die Zerstörung der mit den Sandsteinen wechsellagernden
Mergel nachweisen, Aviihrend an der Nordküste von Ost-Curacao diese nur vermuthet
werden konnte.
Kalksteike und Conglomerate nehmen den geringsten Antheil an der
Zusammensetzung der in Rede stellenden Schichtenreihe. Erstere sind dunkelgraue,
-ocr page 53-
31
thonige oder sandige Gesteine, welche in Banken von geringer Miichtigkeit im
Sandsteine auftreten, wie dies oben bereits von Hato beschrieben wurdc.Die san-
digen Kalksteine zeigen das allm&hlige Verlaufcn beider Gesteinsarten in einander
an, die thonigen Kalksteine den Uebcrgang in Mergel. Obwohl es kaum einem
Zweifel unterworfen sein kann, dass diese Kalko den Rudistenkalkcn von Savonot
aequivalent sind, 80 traf ich doch weder makroskopisch noch mikroskopisch wahr-
nehmbare Fossilien in ihnen an.
Die Conglomerate bestehen aus Kieselschiefer-, Diabas- und Quarzitbruchstük-
ken, welche durch Kalk cementirt sind. Im Einzelncn ist ihrc Zusammensetzung,
nach der Grosse der Fragmente und dem Vorherrschen der Einen oder dor anderen
Gesteinsart unter diesen, nianchcm Wechsel unterworfen; nur die Quarzite sind
überall lediglich in kleinen Fragmenten in dem Conglomerate enthalten; die Grosse
der anderen Bestandtheile schwankt zwischen der einer Haselnuss und von gerin-
geren Dimensionen bis zu derjenigen einer Faust. Die gleichfürmige Lagerung der
Trümmergesteine mit den übrigen Sedimenten ist allerorts, wo sie auftreten,
deutlich, so namentlich auch bei Engelenberg, ferner an einem Punkte zwischen
Fontein und Sebastian sowie bei Brievengat in Ost-Cura^ao.
Offenbar sind es diese Conglomerate, welche Stifft als Grauwacke bezeichnet
hat\'), da sie der Grauwacke ausserordentlich ahnlich sehen und auf keine andere
Bildung der Insel die von ihm gegebene Beschreibung des betreffenden Gesteines passt.
Sandsteine, Mergel, Kalksteine und Conglomerate sind wie die Kieselschiefer,
mit denen sie gleichförmig lagern, steil aufgerichtet; nirgends beobachtet man ein
flaches Fallen, sondern es betragt der Fallwinkel, soweit meine Beobachtungcn
reichen, stets mindestens 25°, in der Regel aber mehr. Ein constantes Streichen
fehlt, und Stifft glaubte aus diesem Grimde die Lagerungsform so auffassen zu
mussen, als ob die Sedimente den Diabasen muldenförmig eingelagert wiiren, eine
Auffassung, welche bei dem fast völligen Mangel grösserer Aufschlüsse durchaus
erkliirlich ist, die ich aber doch im Hinblick auf das oben vom Fusse des Christof-
fels beschriobene Profil nicht für richtig halten kann. Ich betrachte vielmehr die
steile Stellung und das gesetzlose Fallen und Streichen der Schichten als die Folge
scharfer Faltungen und bedeutender Vcrwerfungen, dem das ganze System in
gleichem Sinne ausgesetzt gewesen sein dürfte, wie es die Lagerungsform der KieseU
schiefer von Savonet uns lehrt. Die Griffelstruktur der Mergel steht damit im besten
Einklange.
1) Vgl. Dumonticr 1. c. pag. 298.
-ocr page 54-
32
Das Alter der Sedimente.
Stifft betrachtoto die Sedimente von Curacao als palaeozoisch, speciell als
„graues Todtliegendes;" \') sein Urtheil gründete sich auf die petrographische
Beschaffenheit der Formation, da ilun Fossilien überhaupt nicht bekannt waren.
Ich selbst liabe bei der Untersuchung im Folde die Schichten ebenfalIs fürpalaeo-
zoisch gehalten und dabei die Gleichaltrigkeit siimmtlicher oben beschriebener
Sedimente, einschliesslich des Rudistenkalkes, angenommcn.2) Als sich bei wei-
terer Untersuchung und Auffindung der Reste von Radiolites das cretaceïsche
Alter der Kalke von Savonet herausstellte, zögerte ich, diese Altersbestimmung aucli
auf die Kieselschiefcrformation zu übertragen, obwohl die Lagerungsverhiiltnisso
fïir die Zugehörigkcit zu derselben Schichtenreihe sprachen.3) Es war bei dem
Mangel an Aufschlüssen immerbin denkbar, dass das angenommone Lagerungs-
verhaltniss unrichtig und die gleichförmige Folge der Kieselschiefer und
Rudistonkalke nur eine scheinbare, durch spiitere Verschiebungen in dem stark
gostörten Gebirge entstandene sei. Die Thatsache aber, dass in Columbien und
Venezuela cbenfalls cretaceïsche Kieselschiefer in Verband mit Rudistenkalken
vorkommen, mussten diese Zweifel beseitigen, um so mehr als auch im Uebrigen
die Sedimente Curacao\'s in petrographischer Hinsicht eine bemerkenswerthe Ana-
logie zu süd- und mittclamerikanischcn Kreidebildungen zeigen.
Nach Karsten bestoht an der Nordküste von Südamerika die obere, von ihm
mit dem oberen Quadcr und Pliiner Sachsens parallelisirte Kreide aus einem Systcme
vorherrschend kieseliger Gesteine, dessen Miichtigkeit im Durchschnitto auf 1000
m geschiitzt wird. Es sind feinkörnige, weisse oder gelbliche Sandsteine, welche
rot\'h verwittern und mit machtigen Schichten von Kieselschiefern weehsellagern,
untergeordnet mit Thonschiefern, Conglomeraten und Kalksteinen. Die Kieselschie-
fer sind gelblich, seltener dimkel gefi\'irbt und „die Kalke, die diese Quarzgesteine
begleiten," enthalten neben Resten von Zweischalern und Echinodermen auch Ru-
disten. 4) Wall, welchcr dicsclben Schichten zum Gegenstande seines Studiums
machte, sic aber irrthümlich zum Neocom rechnete, erwiihnt, dass die betreffenden
Kalke (in Uebereinstimmung mit den Rudistenkalken von Curacao) stellenweise
1)  Dumontier 1. c. pag. 2!I8 u. 301.
2)  Revues Colonialo Internationale. Tomé I. pag. 72. (briefliche Mittheilung). — 1885.
3)  Tijdschr. Nederlandsen Aardrijkskundig Genootschap. Ser. II. Deel 2. pag. 638. — 1885.
4)  H. Karsten. Ueber die geognost. Verhültnisse des westliehen Columbien. (Verhandlgn. d.
Versammlg. deutsch. Naturforscher und Aerzte. Wien 1856. pag. 83 u. 85.) — Vgl. ferner: Karsten.
Geologie de 1\'Anciennc Colombio Holivarienno , Venezuela, Nouvelle-Grenado et Ecuador. Berlin
1880. pag. 9 ff. und pag. 48. -- ferner: Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesollsch. II. 1850. pag. 353 ff.
-ocr page 55-
33
reich an in Kalkspath umgewandelte Fossilien seien, die sieh nicht aus dem
Gesteine herausschlagen lassen, und legte ferner dar, dass die Schichten des gan-
zen Kreidesystems gewaltige Störungen, Faltungen und Verwcrfungen crfahren
haben. Er schatzte die Miichtigkeit desselben auf 7000—8000 Fuss.\')
Es ist somit die Ilebereinstimmung zwischcn den Kreideablagerungen des
Festlandes und den oben beschriebenen Sedimenten eine sehr grosse, und dazu
kommt noch das Fchlen aller vorcretaceïscher, versteinerungsführender Schichten in
der betreffenden Cordillere. Denn auf dem südamerikanischen Continente, dessen
geognostische Glicdorung bei fortschreitenden Kenntnissen sich bedeutend mannig-
faltiger erwiescn hat, als man früher anzunohmen geneigt war, sind doch bereits
die niichst uiteren, weit verbreiteten Juraablagerungen, wie Gottseho darlegte,2)
auf die von N nach S streichende Cordillere der Westküste beschrankt; ilire
östliche Orenze fiillt mit der Wasserscheide der Cordillere zusammcn und nördlich
sind Juraschichten nur bis zu 5°46\' S. Br. in Peru bekannt. In der von W—O
streichenden Küstencordillcre fehlen sic cbensowohl wie allo uiteren, versteinerungs-
führenden Schichten nach dem Stande unserer heutigen Kenntnisse.
Cleve s) und darauf Suess 4) haben ausscrdem gezcigt, dass auch auf den west-
indischen Insein keine alteren versteincrungsführenden Schichten als diejenigen
der Kreideperiode bekannt seien, und Letzterer entwickelte in geistreicher Weise,
dass die grossen Antillen nach dem Typus der nördlichen Küstencordillere von Süd-
amerika gcbaut seien. Die als cretaceïsch erkannten Schichten der Antillen stimmen
ferner wiederum sowohl petrographisch als hinsichtlich ilirorLagerungsvcrhaltnisso
in allen wesentlichen 1\'unkten mit den in Rede stellenden Ablagcrungen von
Curacao überein, soweit es möglich ist, sich nach Beschreibungen ein l\'rtheil zu
formen 5). Deshalb sind sic auch ihres petrographischen C\'harakters wegen, ebenso-
wohl wie die entsprechenden Sedimente in Venezuela und auf Curacao, anfiinglich
für palaeozoisch gehalten0), bis palaeontologische Untersuchungen den Irrthum
1)  O. P. Wall. On the Oeology of a part of Venezuela and of Trinidad. (Quart. Journ. Oeol.
Soc. Vol. XVI. London 1800, pag. 400.)
2)  C. Gottscho. Ueber jurassische Versteinerungen aus der Argentinischen Cordillere. dissel 1878.
3)  P. T. Cleve. On the Oeology of the North-Kastern West India Islands. (Kongla SvenskaVet.
Akad. Handl. B. «J. N° 52. 1871.) pag. 47.
4)  E. Suess. Das Antlitz der Erde. I. pag. 098 ff.
5)  Vgl. die Literaturangaben bei Cleve und Suess.
0) Nach Knrsten (Oéolog. de 1\'Aiic. Col. Bol. pag. 4) in Venezuela, bis diepalaeontologisclicn Unter-
suchungen L. v. Buch\'s das cretaeeïsche Alter feststellten (Pétrificat. reeueill. en Amér. par A. de
lluniliul.lt et par C\'h. Degenhardt. 1839. pag. 18). Nach Suess sind im wcstlichen Cuba schwarze
Thonschiefer und Quarzite ohne Orund als palaeozoisch betrachtet (1. c. pag. 703). De la Beche
5
-ocr page 56-
34
aufdeckten. Hippuriten sind in einem Kalksteine von Cuba und Jamaica gefunden
worden, auf letztgenanntem Eilande auch Radioliten.
Die Uebereinstimmung, welche die betreffenden Sedimente unseres Eilands
sowohl in petrographischor Hinsicht als auch betreffs der Lagerungsverhiiltnisse mit
den cretaceïschen Ablagcrungen des Festlandes und der übrigen westindischen
Insein zc\'gen, ferner der geschilderte Verband zwischen den Rudistenkalken von
Curacao und den Kieselschiefern daselbst, endlich die grosse Analogie, welche über-
haupt im geologischen Baue von Curacao, Aruba und Bonaire mit der Cordillere
von Venezuela und derjenigen der grossen Antillen besteht *)— dies Alles recht-
f\'ertigt die Annahme, dass die Rudistenkalke von Curac.ao ders lben Schichtenreihe
angehören, wie die Kiesclschiefer, Sandsteine, Mergel und Conglomerate, und dass
alle diese Ablagerungen als Kreideformation zu bezeichnen sind.
Solche Erwi\'igungen veranlassten mich spiiter2), die Sedimente von Curagao,
meiner ursprünglichon Auffassung entsprechend, als Glieder desselben Schichten-
8ystcms anzusehen und sie als cretaceïsch zu bestimmen. Die von Kloos ausge-
führte, mikroskopische rntersuchung3) enthüllto dann ferner noch die Anwesenheit
von kleinen Organismen, welche eine weitere Stütze für diese Altersbestimmung
bilden:
Die Sandsteine enthalten Globigerinen, Rotalinen und Textularinen in grosser
Zahl, und unter diesen licss sich Dixcorbina und Text ular ia nicher erkennen, wenn-
gleich die Mehrzahl der Formen ungünstiger Erhaltung wegen eine nüherc Bestimmung
nicht zuliess. Ausserdem kommen sehr haufig kleine Stücke von Kalkalgen vor,
die ihrer Undurchsichtigkeit wegen schon bei Betrachtung der Praeparate mit der
Loupe leicht aufzufinden sind, trotz der unbedeutenden Grosse, die in den angefer-
tigten Schliffen 1 mm nicht übersteigt. Alle diese Kalkalgen stellen eckige oder
abgerundetc, losgeiöste Bruchstücke von Pflanzen dar, welche gleich den übrigen
Bestandtheilen der Sandsteine allothigen sind. Sie gehören dom Genus Lithotham-
nium
an und stimmen nicht nur in der Form der Zeilen, sondern auch in deren
Dimensionen mit dem oben aus den Rudistenkalken beschriebenen L. curusavicum
überein. Dass sie derselben Art angehören, lasst sich freilich trotzdem der geringen
Grosse der untersuchten Bruchstücke wegen nicht behaupten.
hielt die cretaceïschen Ablagcrungen von Jamaica aus petrograpliischen Gründcn ebenfalls fttr
palaeozoisch (Trans. Gcol. Soc. 2"(|. ser vol. 2. part. 2. pag. 143). Die Aehnlichkeit cretaeeïscher
Sedimente mit silurischen Gesteinen wird von Cleve hervorgehoben (1. c. pag. 39.) —etc.
1)  Vgl. über diesen (iegenstand die Schlugsbetrachtungen.
2)   Verslg. en Mededeelgn. d. Kon. Akad. v. Wetensch. te Amsterdam Afd. Natuurk. III\'Reekg.
2d« Deel. 2\'« stuk, pag. 238.— 1886.
3)  Sammlgn. des Ueol. Keichs Museums in Leiden. 2\'° Serie. Bd. I. pag. 82.
-ocr page 57-
35
Man wird aber zugeben mussen, dass die paleontologische Ausbeute, wie
bescheiden sie auch sein mag, die aus anderen Oründen gefolgerte Zusammenge-
hörigkeit der in Rede stehenden Schichten mit den Rudistenkalken nur stützen
kann. Freilich betrachte ich dabei die Letzteren sammt den Conglomeraten als
die relativ jüngsten Bildungen der cretaeeïschen Schichtenreihe, da ich in einem
einzelnen Falie in den Besitz eines lose an der Oberrliiche aufgelesenen Hand-
stückes gelangte, welches kleine Bruchstücke von Kieselschiefer einschliesst. Die
Lagerung der übrigen Kalksteine, die ich gleich den Rndistenkalken stets nur am
Aussenrande der Kreideformation angetroffen habe, spricht ebenfalls für ein relativ
jüngeres Alter auch dieser Bildungen und für ihre Aequivalenz mit den Rudistenkalken.
Die hier zuletzt gemachte Annahmo wird wiederum wesentlieh durch die geogno-
stischen Verhaltnissc der grossen Antillen, insonderheit von Jamaica \'), gestützt. Dort
nehmen sogenannte „metamorphosed or altered rocks," wolche petrographisch mit der
Sandstein- und Kieselschieferformation von Curacao übereinstimmen und, wie bereits
Suess hervorhob2), Hyschahnliche Kreideablagerungen sind, an dem Aufbaue der
höchsten Höhen Theil. Jn ihróm l\'mkreise und im Hangendon treten Rudistcn
führende Sedimente auf, welehe letztgenanntc Formation: „seems to comprisc two
varieties of strata, au upper portion consisting ofmarlsand sands containing corals
etc. many hippurite remains, and a lower coDsisting of compact massive limestone
with large radiolites very firmly imbedded, some indicating a length of seven feet.
The genus Barrettia is obtained from these strata»)." Sollte sich die Zweitheilung
der betreffenden Ablagerungen als gerechtfertigt erweisen, so würden also die
Rudistenkalke von Curacao mit grosser Wahrscheinlichkeit der letzterwahnten,
unteren Schicht, in der auch die so sehr fragliche Barrettia vorkommt, gleichzu-
stellen sein; jedenfalls dürfen sie aber als das relativ jüngere Glied der cretaeeïschen
Schichtenreihe der Insel bezoichnet werden.
Sawkins halt die Kreideformation von Jamaica für aequivalent mit den Gosau*
schichten, begeht aber aus Unbekanntheit mit der betreffenden Literatur gleich
Wall4) den Fehler, die cretaeeïschen Ablagerungen der Küstencordillere von Yeue-
zuela für Neocom zu halten. Die Schichten von Jamaica (und, so weit
unsere Kenntnisse reichen, der Antillen überhaupt) sind dagegen
der oberen Kreide von Yenezuela gleichaltrig, und dasselbe
1)  James O. Sawkins. Report» on the Geology of Jamaica; or, Part. II of the West Indian Sur-
vey. London. 1869.
2)  1. c. pag. 705.
3)  Sawkins 1. c. pag. 26.
4)  Vgl. o ben.
-ocr page 58-
36
gilt nach obigen Auseinandersetzungen für die cretaceïschen
Ablagcrungen von Cura^ao. Wahrscheinlich sind alle d i e s e Bi 1-
dungen der m i 111 e r e n Kreide von Europa acquivalent.l)
Diabas.
lm westlichen Curacao spiclen Diabasc eine iihnliche Holle wie im üstlichen
Theile der Insel, doch bilden sie im Westen ansehnlichere Höhen. Im Tafelberge
St. Hieroninio steigen sie bis zu 207 m Meereshühe an; ferncr wird der St. Antonie-
berg von Diabas gebildet, and alle die zugerundeten Gipfel, welche, im Nord-
westeu von Paradera beginnend, sieh südlich und südöstlich vom St. Cliristoffel durch
das Iimerc der Insel verfolgcn lassen, bestehen aus derselbeu Formation. Aueh
nördlich vom Cliristoffel, an der Nordwcstecke der Insel, crreichen die Diabase
eino bedeutendc Entwicklung, bauen hier aber nur niedrige Hügel auf und fallcn
allmaklig mit sanfter Neigung zum Strando ab, um sieh langs der Nordküste
noch weiter nach Osten auszudehnen, woselbst sie ein flaclnvelliges, nur wenige Meter
über den Meeresspiegel sieh erhebendes Hügelland formen. In Letzterem tritt in
unmittclbarer Nahe von Savonet ein Gestein auf, welchcs nach Kloos aller \\Yahr-
sclieinlichkeit nach als Diabasporphyrit zu deuten ist.
Die Struktur des Eruptivgesteins ist wie im Osten in der Kegel eine dichte;
Fig 11. Bai vos Westpunt.
Kingeschlosseu von gehobencn Kalklmnken. Dahinter dus Diabasgebirgc, dessen iiusserster Theil im
Nordwesten eine alte Brandungsterrasse darstellt.
körnige Diabase treten dagegen hier wie dort sehr zurück, und unter diesen sind
einige in der Umgegend von Savonet anstehende Gesteine durch ziemlich bedeuten-
den Quarzgehalt ausgezeichnet. Solche Quarzdiabase schlug ich etwa \'/i Wegstunde
westlich von Savonet, ander Strasse nach Westpunt und ausserdem südöstlich vom
Cliristoffel, zwischen diesem Berge und Westpunt, woselbst sie reich an erdigem
Malachit sind.
Das genannte Mineral kommt hier auf den Kluftfliichen des Eruptivgesteins
vor und bekleidet dicselben so vollstiindig, dass man kauni einen Stein zerschlagen
kann, ohne eine mit Malachit bedeckte Brucbrlaehe zu erhalten, wenn man nicht
1) Vgl. hiorüber aucb R. Etberidge in: Appendix V to tho Geolog. Surv. of Jamaica etc. (Saw-
kinu 1.
c. pag. 308).
-ocr page 59-
:57
mit Vorbedacht das Spalten nach den Kluften vermeidet. Thut man dies, so
überzeugt man sich allerdings leicht von der im Verhiiltniss zur Gesteinsmasse
geringen Menge an Kupfererz, welche den Gedanken an einen Abbau sofort
zurückdrangt.
Leider hat man aber die Erfahrung, daas diese Kupfererze nicht abbau-
würdig seien, erst nach dem Verluste bedeutender Capitalien auf Savonet
gemacht. Man ist mit so wenig Sachkenntniss zu Werke gegangen, dass man
sogar im Schotter, welcher von diesen Diabasen abkünftig ist und somit ebenfalls
den erdigen Malachit enthalt, Gruben zur Gewinnung des Erzes ausgetieft hat.
Neben Malachit kommt untergeorduet erdiger Azurit und Rothkupfererz vor,
endlich derbes Magneteisen und aus dessen Verwitterung hervorgegangener Braun-
eisenstein. Alle diese Erze sind aber dem Diabase eigen, denn von Gangen und
Trümorn ist nirgends eine Spur zu bemerken. Indcssen liisst die Vertheilungs-
weise der Kupfererze keinen Zweifel darüber auf kommen, dass sie naehtraglich
als Impraegnationen langs der Kluftfliichen in das Eruptivgestein eingedrungen sind.
Die ursprünglichen Kupfererzlagerstiitten, aus denen die Solutionen hervor-
gingen, sind aber nichts dosto weniger aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls
im Diabase zu suchen, denn es kommen in ihm an anderen Orten der Gegend
von Savonet schmale Kalkspatbgiinge vor, die Kupfererze führen. StifFt hat ihrer
Untersuchung besondere Sorgfalt zugewandt; er sagt: „sie streichen meistens
zwischen Stunde 9 und 12 und wechseln hiiufig im Einfallen. Sie führen Roth-
kupfererz, Kupferglas, Malachit und gediegen Kupfer. Wahrscheinlich stammt
von einem solchen Gange das grosse Stück Rothkupfererz mit gediegen Kupfer
ab, welches in der Rooi am Tafelberg bei Savonet gefundcn wurde". Auf Groot
St. Martha, wo dieselbcn Gange im Diabas vorkommen, ist man nach mir ge-
machten Mittheilungen beschiiftigt, den bereits friiher angestellteu Versuch, die
Erze in Abbau zu nehmen, augenblicklich zu erneuern; doch dürfte sich der
Betrieb schwerlich als lohnend erweisen.
*Selten setzen schmale Quarzgiinge im Diabase von West-Cura<;ao auf, die
an Bedeutung hinter den Gangen von Ost Seinpost im östlichen Curacao noch weit
zurückstehen.
Das Lagerungsverhaltniss der Diabase zu den cretaceïschen Sedimenten ist
ausserst schwierig zu beurtheilen, denn es ist mir kein Profil bekannt, in dem
das Eruptivgestein überhaupt aufgeschlossen wiire. Deswegen verkehrte auch Stifft
bezüglich der Deutuug des Lagerungsverhaltnisses in grosser Unsicherheit; wiihrend
er einerseits annahm, dass die Sedimente dem Diabase bassinförmig eingelagert seien,
war er andererseits gcneigt, einen Theil der Kiesclschiefer und Sandsteine als
-ocr page 60-
;?s
gleiehaltrig mit ihm anzusehcn \'). Zu erstcrer Auffassung veranlasste ihn ncben
dcm bcreits erwiilinten, regellosen Fallen der steil aufgerichteten Sedimente die
Beobachtung, dass die Höhen ini wcstlichen Curacao vielfach von dem Eruptivge-
steine, die Thaler von den Sandsteinen gebildet werden; zu der zweiten Auffassung
dürfte namentlich der Christoffel und seine Umgebung den Anlass geliefert haben.
Fio. 12. Blick aik DEN Sr. ChRISTOFFFL. — lm Vordergrunde links liegt Savonet.
Die nebenstchendc Skizze, von Nordost genommen, zeigt zwei wesentlieh
verschiedene Reliefformen: Hachwellige, aus Diabas gebildete Hiigel und den scharf-
gratigen, aus Kieselschiéfer aufgebauten Christoffel. Betrachtet man den Berg von
Osten (vgl. die Abbildung im Den Thoile. Tab. X), so erseheint er sowohl nach Süden
als nach Norden vom Eruptivgesteine eingeschlossen, und dies Bild legt den Godan-
ken nahe, die Diabase könnten dem Kieselschiéfer eingeschaltet sein; die bedeuten-
dere Höhe des Christoffels gegenüber seiner Umgebung würde in der grosseren
Widerstaudsfiihigkeit des ihn aufbauenden Gesteines einc zwanglosc Erkliirung
finden.
Indessen wird diese Annahme auf Grund des geschilderten Profiles am Fusse
des Christoffels höchst unwahrscheinlich; denn es würde auffallig sein, dass bei
dem von Stifft angenommenen Lagorungsverhaltnisse in den scharf zusammenge-
stauchten Falten der Kreideformation das Eruptivgestein nirgends gleichzeitig mit
den Sehiefern und Sandsteinen auf dem Eilande aufgeschlossen ist.
Auch für die Annahme, dass die Diabase jünger seien als die cretaceïschen Abla-
gerungen liegt kein Grund mehr vor, seit sich herausgestellt bat, dass die von dem Erup-
tivgesteine auf Aruba wahrscheinlich2) durchsetzte Schieferformation nicht mit den
Sehiefern von Cura^ao aequivalent ist. Das Yorkommen von Diabasen unter den Be-
standtheilen der cretaceïschen Trümmergesteine beweist ohnehin, dass mindestens ein
Theil der Diabase von Cura^ao alter ist als die Sedimente der Kreideperiodedaselbst. Es
steht deswegen nichts derjenigen Auffassung entgegen, welche auch ohne Kenntniss
des Lagerungsverhaltnisses nach der Analogie anderer Diabasvorkommnisse von
1)  Dumontier 1. o. pag. 297 u. 305.
2)  X&heres hierüber bei Aruba zu vergleichen.
-ocr page 61-
m
vornherein die grösste Wahrscheinlichkeit für sichhat, dass die Diabase das altere,
die Kreideschichten das jüngere Gebirge repraesentiren.
Demnach betrachte icli die Diabase als die iïlteste Formation von Curacao,
welche von gefalteton und verworfenen Kreideschichten bedeckt, aber durch spiiter
erfolgte Abtragung der Letzteren zum Theil wieder blosgelegt ist. Die isolirten,
aus den Sedimenten aufragenden, kleinen Kuppcn sind als das Ausgehende von
Decken aufzufassen, welche das Liegende der cretaceïschen Ablagcrungen bilden.
Diese Kuppcn konnten übrigens in die Karte nicht eingetragen werden, da die
topographische Qrundlage so ungenügend ist, dass ein genaues Einzeichncn auf der
flüchtigen Reise nicht möglich war, und esmir überhaupt anZeitfehlte, die zahlreichen,
kleinen Hügel zu besteigen und einzeln zu untersuchen. Die Grenzlinie zwischen
Diabas und Krcide ist aus diesem Grundc nur so zu betrachten, dass sie die Haupt-
verbreitungsbezirke beider Formationen von einander trennt, wiihrend sie im
Einzelnen noch mancher Correcturen bedürftig ist, die nur bei specieller Aufnahme
der Insel angebracht werden können.
Diorit.
In der Nahe von Westpunt, ein wenig nordöstlich von genanntem Orte, steht
ein massiges Gestein an, welches in grossen, rundlichen und ellipsoidischen Blöcken
verwittert, wie sie sonst nirgends im Gcbiete der Diabase vorkommen. Das por-
phyrische Gestein, welches mit sehr beschrimkter Ausdehnung innerhalb der
niedrigen, aus Diabas gebildeten Hügel auftritt, ist schon hiedurch auffallend;
die mikroskopische Untersuchung von Kloos ergab, dass es als porphyriscber Diorit
zu bezeichnen ist, ein Gestein, welches in gleicher Ausbildung auch innerhalb
der Diabase von Aruba vorkommt. Da sich auf Curacao über seine Beziehungen
zu letztgenanntem Eruptivgesteine nichts erkennen lasst, so verweise ich diesbe-
züglich auf Aruba. Die auf dieser Insel beobachteten Verhiiltnisse können ohne
Schwierigkeit auch auf Curacao übertragen werden.
Quartare Cong-loinerate und Kalke.
Entsprechend den von Ost-Curacao geschilderten Verhaltnissen werden auch
im westlichen ïheile der Insel die alteren Bildungen von quartiircn Conglomera-
ten mit kalkigem Bindemittel überlagert, in deren Hangcndem reine Korallen-
kalke auftreten. Manchmal erreichen einzelne Bestandtheile des ïrümmergesteins
Va bis l m Durchmesser, und die Zusammensetzung wechselt je nach der das
Liegende bildenden Formation. So sind an der Nordküste bei Savonet nahezu
-ocr page 62-
40
homomikte Conglomerate, gebildet aus den Bruchstücken der Diabasformation
und ungemein reich an Gehiiusen und Steinkernen von Trochus pica L.,entwik-
kelt; am östliehen Ufer des Binnenmeeres von Hermanus dagegen stehen nahe
der Kuste die steil aufgerichteten , dünn
geschichteten Sandsteino der Kreidefor-
"3                               I""                        mation an, überlagert von polymikten
Fiu. ia. Profil bei Hkrhanus.                   n i                              1 i_           i i
Conglomeraten, welene neben Bruch-
1. Sandstein der Kreideperiode. — 2. Quartiüc
Conglomerate. — 3. Qnartïre Kalke.             stücken der alteren Sedimente auch
grosse Gerölle von Kalkstein einschliessen, die gleieh den Geröllen im Mergel
des Grootebergs nur um wemges alter sein können als die beide Bildungen be-
deckenden, quartaren Korallcnkalke.
Die allgemeinen Schlussfolgerungen, welche aus den mitgetheilten Beobach-
tungen übcr den geognostischen Bau von Curacao abzuleiten sind, werden in
eiueni spiiteren Absthnitte gleichzeitig mit den Untersuchungsresultaten von Aruba
und Bonaire behandelt weiden, da die vielfachen Analogien, welche die drei
Insein in ihrein Auf\'bauo zeigen, bei eiuer gesonderten Darstellung zu ermüdenden
Wiederholangen führen müssten. Hier sollen auch die geologischen Beobachtungen
noch weiter mit Darstellung der quartaren Riffbauten und einiger, allen drei
Insein gemeinsamer Verhiiltnisse, die aus gleichem Grunde eine einheitliche
Behandlung wünschenswerth erscheinen lassen, vervollstiindigt werden.
Aruba.
Orographische Q-liederung*.
Die Insel Aruba besitzt nur Ein Gebirge von einiger Bedeutung, welches an
der nach XO gekehrten Kuste des Eilands sich vom Matevidirie bis indiounmit-
telbare Nahe von Fontein ausdehnt und nach dem Innern zu dureh eine Linie
begrenzt wird, die sich von dort aus in siidwestlicher Richtung zur spanischen
Lagune hinzieht, hier sich nach Nordwesten wendet und nun im Westen des Jama-
nota, Ariekok und von St. Lucie verliiuft, bis sie am Fusse des Matevidirie wiederum
die Kuste trifft. Es wird somit ein Gebirgsstock von anniihernd dreiseitigem Um-
risse gebildet, dessen Eine Seite an der Nordküste ans Meer stösst.
-ocr page 63-
41
Die höchsten Höhen dieses Stockes liegen im Südwesten, hart an seiner Grenze,
und hier befinden sich auch zwei isolirte Gipfel, welche sich als Berge aus dem
Massive herauslösen, der 183 m hohe Jamanota und derAriekok, dessen Meores-
höhe 167 m betragt. Von ihnen aus fallt das Gebirge rasch nach Westen und
Süden, langsam nach Osten und Norden ab, und dem entspreehend ist auch die
Gliederung eine unregelmiissig radiale; scine liingsten Thaler haben eine östliche
und nordöstliche Kichtung, scine kürzercn eine westliche und siidwestliche. Auf
diese Weise herrschen senkrecht zur Nordostküste sich erstreckende Rücken in
dem Stocke vor, aber alle Thaler, welche dieselben trennen, besitzen nur eine
unbedeutende Tiefe, so dass diese Gliederung nicht sehr scharf ausgepriigt ist. Die
flachen Rücken selbst sind durch noch seichtere Einschnitto in eine grosse Anzahl
niedriger Kuppen zerlegt worden, deren Erhebung über die ïhalsohle im Mittel etwa
30 m betragen dürfte, so dass die Bezeichnung „Berg" auf sie nicht wohl mehr
angewandt werden kann.
Wo das Massiv unmittelbar ans Meer hinantritt, endigen auch seine Thaler •)
an dem Strande; mehrfach lagert sich aber noch ein Hacher Uferstreifen dem
Gebirgsstocke vor, und in diesem Falie sotzt sich entweder das Thai als unbedeu-
tender Wasserriss in dem Uferstreifen bis zur Kuste fort, oder es ist daselbst durch
Dünen geschlossen und endigt blind. Die kleineren, am landeinwarts gekehrten
Steilabfalle des Gebirges eingeschnittenen Thaler treten mcist ohnc deutlich nach-
weisbare Grenzen über flache Schuttkegel in das niedrige Plateau ein, welches
sich im Westen des Massivs befindet; nur in der Richtung zur spanischen
Lagune hin lassen sich auch ausserhalb des Letzteren scharf markirtc Thalein-
schnitte noch weiter bis in die Niihe des Strandes verfolgen.
Die meisten Thaler werden von sanft ansteigenden Gehangen eingcschlossen;
nur an einigen Orten, wie in der Rooi Fluit und vor allem auch in der Rooi
Cachuntie, begegnet man steileren Winden und niedrigen Klippen; aber trotz-
dem beweisen die gewaltigen Mengen von grobom Gesteinsschutt und ansehnlichen
Blöcken im oberen Abschnitte der Thaler, sowie die machtigen Anhiiufungen von
Sand an ihren Ausmündungen, dass zu Zeiten ansehnliche Wassermengen durch
sie zum Meere abfliessen mussen. Auf meiner Reise durch die Insel traf ich frei-
lich nur eine kleine Wasserlache von etwa 1 m Durchmesser in dor Rooi Cachuntie
an; sonst war Alles trocken, und bei weitem die langste Zeit des Jahres hindurch,
oft mehrere Jahre nach einander, bleibt dieser Zustand der gleiche.
1) Nur die bedeutendsten Thiiler habe ich in die Karte cintragen kunnen; für dieEinzeichnung
anderer, so auch durjenigen von Daimarie und Antikuric, fehlten mirdic nüthigen Anhaltspunkte.
6
-ocr page 64-
42
Das bereits erwahnte Plateau im Westen des Gebirgsstockes von Aruba ist
von einem Felsenmeere bedeekt. Sieht man von den liaushoeh aufgethürmten
Blöcken ab, welche of\'t kaum noch so viel Zusammenhang besitzen, dass sie als
Hügel betrachtct werden dürfen, so ist seine Oberflacho völlig nivellirt. Sie steigt
langsam von Südwest nach Nordost au und dürfte nirgends mehr als 60 m
Meereshöhe besitzen; am Fusse des Hooibergs liegt sie nur 37 m hocli. Die
ansehnlichsten Hügel, welche sich in der Mitte der Insel in geringer Zahl über
diese Flache erheben, schiitze ich auf 20 bis höchstens 30 m.
Am südwestlichen Kande dieses Plateaus liegt der 175 m hohe, kegelfórmige,
in seinem Unirisse durchaus eincm Vulkano gleichende Hooiberg, und von diesem
aus zicht sich ein niedriger Höhonzug bis zum Innenrande der spanischen Lagune
hin. Der8elbe ist in eine Reihe von Hügeln aufgelöst, zu denen der Wind-
berg und Carachito geboren und welche, bogenfórmig geordnet, ihre convexe Seite
dem Meere zukehren, um nach dieser ltichtung hin das Plateau abzugrenzen.
Fio. 14. Blick von St. Cm/, als.
Rechts der Hooiberg, an den sich der Windberg, in der Mitte, und der Carachito, links, anschliessen.
Nach Norden zu bildet ein anderer, gleich Hacher, aber zusammenhiingender
Rücken die Grenze desselben. Er geht vom Krystallberge aus und wendet sich
nach Nordwesten. indem er anfangs liings der Nordküsto sich hinzieht, um spater
eine mehr westliche Riehtung anzunehmen und in der Nahe von Karamajeta,
unfern der gegenüberliegenden Kuste des Eilands, zu endigen. Diesem Rücken
gehören Alta Yista und Kalabass an, neben einigen anderen, sehr flachen
Kuppen, welche sammtlich nur einen sehr geringen Grad von Selbstiindigkeit
besitzen.
Nach Westen zu ist das Plateau offen und geht es unmerklich in den nie-
drigeren Küstenstrich über, desgleichen zwischen Krystallberg und Matevidirie an
der Nordküste.
Ein zweites Plateau von wesentlich anderem Charakter formt den südöstlichen
Theil von Aruba; es schliesst sich gleich dem ersterwiihnten dem Gebirgsstocke
der Insel an und dehnt sich von hier bis zur aussersten Südostecke Aruba\'saus,
wobei gleichzeitig seine Höho von innen nach aussen hin abnimmt. Im Mittel mag
dieselbe etwa 30 m betragen, im Norden vom S. Colorado kaum mehr als 15 m;
der Serro Colorado selbst erhebt sich dagegen wiederum 38 m über den Meeres-
-ocr page 65-
4.5
spiegel und bildet den einzigen Berg in diesem Theilc des Eilands; seine Gehange
fallen im Osten und Südosten steil zum Meere ab.
An der JTordküste ist diesem Plateau ein niedriger, sehr schmaler Uferstreifen
vorgelagert, von welchem es sich durch schrofFe Felswandc seharf abgrenzt; an
der gegenüberliegenden Kuste ist diese Scheidung indessen weit minder ausge-
priigt und besitzt der Uferstreifen eino viel grössere Breite. Er zicht sich lüngs
der ganzen Süd-und Westküste bis nach Westpunt hin und erreicht nördlich
von Oranjestadt die grösste Ausdehnung. Hier und in der Niihe der spanischen
Lagune zeigt seine Oberflache eino sanfte Wellenbildung, wahrend sie im Uebri-
gen fast völlig eben ist.
An der nordwestlichen Ecke der Insel befinden sich nur einzelne, niedrige
Hügel, von denen Keiner mehr als 30 m Meereshöhe besitzen dürfte.
Die oben erwahnte, von Reinwardt publicirte Karte Aruba\'s giebt das Wesent-
lichste der orographisehen Glicderung der Insel gut wieder und übertrifft hierin
bei weitem diejenige von Curacao; am mangelhaftestcn ist auf ihr die Darstellung
des Plateaus im Innern der Insel und die Xordwestecke.
Ich habe die betreffende Publikation im vorkleinerten Maasstabe als Grundlage
für meine geologische Karte benutzt, indem ich sie durch die englische Darstel-
luug und eigene, auf die Feststellung vieler Compassdirektionen gegründete
Beobachtungen weiter anfüllte. Ausserdem ist die südöstliche Ecke der Insel auf
Grund von Aufnahmen verbessert, die J. H. Waters Gravenhorst gemacht und
mir zur Verfügung gestellt hat.
Leider enthalten die erwahnten Bliitter keine Gradeinthcilung, und die
TJebersichtskarten in kleinerem Maasstabe, insonderheit auch die mir bekannten
Seekarten, •) geben den Umriss der Insel so an, dass sie nicht als Basis für die
Einzeichnung von Liinge und Breite irgend eines Punktes dienen konnten; denn
es war mir nicht mögïich, die nöthige Ubereinstimmung mit den besseren, grös-
seren Darstellungen des Eilands aufzufinden. Deswegen musste ich von dem
Eintragen einer Gradeintheilung absehen, um so mehr als selbst bei Curacao,
wie oben erwahnt, noch bedeutende Unsicherheiten betreffs der genauen geogra-
phischen Lage herrschen. Es ware sehr wünschenswerth, dass einige Orte astro-
nomisch fixirt würden, wozu die Anwesenhcit der hollündischen Kriegsschiffe leicht
Gelegenheit bieten könnte.
1) Eg gilt dies auch für die neueste englische Admiralitatskarte.
-ocr page 66-
44
Gheog-nostische "Beobachtungen.
Auf Aruba konntc ich von eincin 12 tiigigen Aufenthalte 10 Tage für geogno-
stisclie Untersuchungen verwenden. Ich habe in diescr Zcit die Insel in den ver-
schiedonsten Riehtungen durchkreuzt und sic fast ganz gesehen, wenn auch, wie
sclbstrcdcnd ist, nicht an allen Orten eingehonder studirt. Auch hier wurde, wie in
einem grossen Tlieile von Curacao, die Uebersicht vielfach durch den Mangel einer
dichten Pflanzendecke erleichtcrt, so naincntlich in der Niiho des Nordstrandes und
fast im ganzen Gebiete des Quarzdiorits und der jungen Scdimente. Wiihrend abor
in diesen Gegenden die Formationen fast völlig cntblösst auftreten, sind sie dort,
wo PHanzenwuchs sich in üppigerer Entwicklung einstellt, desto unzugiinglicher.
Dorniges Gestrüpp macht es daselbst unmöglich, sich in Kurzem einen Ueberblick
zu verschaffen, da man zur Ueberwindung dieser Hindernisse vielleicht das Drei-
fache an Zeit gebraucht wie in einem glcich coupirten Terraiu von Europa
und an manchen Orten der Versuch des Durchdringens überhaupt aussichtslos ist.
Die Route, welche ich auf dein Eilande zurücklegte und die zum Theil auch
in dein Reisebericlite nüher beschriebon wurde, ist folgende : Von Oranjestadt vorbei
am Hooiborge und St. Cruz nach der spanischen Lagune; von dort langs des Strandes
über St. Nikolas zum S. Colorado; dann liings der Nordküste nach Fontein. Von
hier durch die Rooi Cachuntie zum Jamanota, ferner über Miralamar, Pedro
Cachoor und Parabusté zurück nach Fontein; weiter zur Boca dos Playos und im
Bogen landeinwarts wieder zur Xordküste bei der Boca van Welvaart; von dort über
Chetta, am Fusse des Ariekok, ferner über St. Cruz und Hooiberg nach Oranje-
stadt. Vom Dorfc nach Daimarie auf einem Wege, der östlich von St. Lucie vor-
bciführt; von hier zur Rooi Fluit einerseits, nach Buschiribana, liings des Strandes,
andererscits. Von letztgeuanntcm Orte zum Krystallbergo, dann über Kalabass und
S. Plat nach Oranjestadt zurück. Ferner von hier aus über Ponton, Bukuruï und
Karamajeta nach Westpunt, Arascliie, Hurischibana, Anabuï und Adikurarie; von
dort zum Xordstrande, liings Tikibanaï und Moskito zur Boca di Kurumjauw und
weiter am Ufer nach Südosten bis in die Nahe von Alta Vista; dann zwischen Alta
Vista und Kalabass hindurch nach North Church, am Innenrande des Bukuruï,
und endlich zurück nach Oranjestadt.
Quarzdiorit.
Das Hauptgostein der Insel Aruba ist ein Quarzdiorit von rein granitischkörniger
Struktur, meist mittel-, seltener grobkörnig, durch weissen, init einem Stich ins Gelb-
liche verwitternden Feldspath und in der Regel hellgrauen Quarz, denen gegenüber
die Horublende sehr zurücktritt, heil gefiirbt. Da der Plagioklas die Zwillingsstrei-
-ocr page 67-
45
fung bei der an den meisten Orten eingetretenen Zersotzung nicht mehr wahrnehmen
lasst und liier auch der hohe Quarzgehalt leicht der Beobachtung entgeht, so gleichen
diese Gesteine bei makroskopischer Betrachtung durchaus Syeniten.\')
Bisweilen sind die Quarzdiorite durch Zunahme der Hornblende dunkler ge-
farbt, ohne dass im (Jebrigen eine wesentliche Aenderung der mineralischen Zusam-
mensetzung und der Struktur zu beobachten würe; in der llegol tritt aber bei
Anreicherung des Amphibols gleichzeitig eine bedeutende Gróssenzunahme diesos
Minerals ein und wird die Struktur eine porpliyrartige. In diesen porpliyrartigen
Quarzdioriten bemerkt man ausserdem ein in kleinen, hellgrünen Körnern vorkom-
mendes Mineral, welches die Hornblende umgiebt und von Kloos als Augit erkannt
wurde.") Mit der Anreicherung des Amphibols tritt aber ebenfalls eine Concen-
tration desselben ein, und so bilden sich in dem normalen Quarzdiorite Concretionen
grosser, dunkelgrüner Hornblendekrystalle, deren Zwischenriiume von hellgrünen,
körnigen Augitaggregaten angefüllt sind. Diese wallnuss - bis faust - und kopfgrossen
Aggregate von Amphibol und Pyroxen grenzen sich scharf von den übrigen Gestcins-
partieen ab und gleichen dadurch vollkommen fremden Einschlüsseu. Es eutsteht
auf diese Weise ein hellgefarbtes, dem normalen Quarzdiorit entsprechendes
Gestein, in dem bald mehr bald minder zahlreieh grosse Hornblendekrystalle und
dunkle, von Amphibol und Pyroxen gebildete Concretionen auftreten, so dass
sich aus demselben Blocke sowohl Quarzdiorit als auch Mineralaggregate, welehe
Ai\'GiTDiOKiT genannt werden könnten, eine geognostische Selbstiiudigkeit aber
nicht besitzen, herausschlagen lassen.
Die Untersuchungen von Kloos haben das hier geschilderte Verhiiltniss von
Augitdiorit zum Quarzdiorit bestiitigt;3) es liisst sich im Felde besonders schön
am Fusse des Hooibergs studireu, namentlich am Wege, welcher nach St. Cruz
führt, und an dem Fusspfade, welcher sich südlich vom Hooiberg zum Carachito
hinzieht; die ganze Oberfliiche ist hier mit den eigenthümlich geHeckten Blöcken
bedeckt. Aber noch an manchen anderen Orten erkennt man eine iihnliche Zusam-
menziehung von Hornblende und Augit im Quarzdiorite, und dies nicht nur in
der Mitte der Insel, sondern vor allem auch bei Westpunt, woselbst die Verhalt-
nisse den soeben dargestellten in jeder Hinsicht entsprechen.
Die Concentration von Amphibol und Pyroxen kann aber einen nochhöheren
Grad erreichen, indem durch Zunahme der Concretionen der hellgeiïirbto, mittcl-
körnige Quarzdiorit so sehr zurücktritt, dass er nur noch netzartig die Z\\vischen-
1)  Als solche sind sic auch in meiner voiliiutigen Mittheilung beschrieben worden.
2)  1. o. pag. 25.
3)  Kloos 1. c. pag. 27.
-ocr page 68-
-ji;
raume zwischen don Letzteren ausfüllt. Dies ist namentlich im Hooiberge der
Fall, welcher am Gipfel der Hauptsaehe nach aus einem klcinkornigen Augitaggre-
gate mit porphyrartig eingesprengten, kurz siiulentörmigen Horublendekrystallen,
deren Grosse bisweilen 2 cm übersteigt, aufgebaut wird. Zwar ist aueh hier noch
eine Mineralcombination rorhanden, welche dem normalen Quarzdiorite der Insel
durchaus entspricht, aber sie gleicht in ihrem Auftreten fast einem Trümernetze.
Ich schliesse aus diesen Vcrhiiltnissen, dass der Hooiberg den Mittelpunkt einer
im Gebiete des Quarzdiorites stattgehabten Zusammenziehung von Hornblende und
Augit darstellt, welche sich im weiteren Umkreise des Berges allmiihlig verliert,
bis das Gestein in den normalen Quarzdiorit übergeht.
Aehnliches ist auch Rir die Nordwestecke der Insel angedeutet. Südöstlich
vom Hause steht dasclbst der normale Quarzdiorit an, in dem sich bei Westpunt
selbst wieder die oben erwiihnten Concretionen einstellen. Folgt man dem Wege am
Strande nach, Nord westen hin, so trifft man zunachst südlich von Araschie eine
bis nahe ans Meer vorspringende, niedrige Klippe, deren kleinkörniges Gestein
hauptsiichlich aus Augit und Hornblende mit Chlorit, untergeordnet aus Quarz
und Feldspath besteht\'). Weiter nördlich , ebenfalls noch südlich von Araschie, tritt
der Amphibol zuriick 2) und erscheineu gleichzeitig unregclmassig begrenzte, licht-
gefiirbte, mittelkörnige Partieen im Gesteine, welche dem Quarzdiorite der Insel
entsprechen. Noch weiter nördlich , an der aussersten Nordwestecke steht der Diorit
in der herrschenden Varietiit Aruba\'s an. Das augit- und hornblendereiche Gestein
im Süden von Araschie scheint demnaeh einen almlichen Concentrations - Mittel-
punkt im Nordwesten darzustellen , wie der Hooiberg in der Mitte der Insel, da sowohl
nach der Einen als nach der anderen Kichtung langs des Strandes der Uebergang
in den normalen Quarzdiorit allmiihlig erfolgt. Auch östlich von Araschie, im Hügel
Wijs, welcher nur wenig landeinwiirts von dem Punkte liegt, an dem der Quarz-
augitdiorit (141) ansteht, schlug ich ein kleinkörniges Gestein, welches nach Kloos
als lokale Ausbildung des normalen Quarzdiorits zu betrachten ist.3)
Gabhroartige Gesteine treten ebenfalls inncrhalb des Dioritmassivs auf, ohne
dass ihnen eine geognostische Solbstiindigkeit zugeschiïeben werden dürfte, denn ihre
Verknüpfung mit dem Quarzdiorite ist eine gleich enge wie sie es zwischen diesem
und dem Augitdiorite ist.
Nur wenig östlich von Buschiribana bildet quarzfreier Hypersthengabbro
1)  N\'. 140 meiner Sammlung. Kloos 1. c. pag. 27.
2)  K°. Hl. 1. c. pag. 28.
3)  Die Nordwestecke Aruba\'s und der Ostabhang des S. Colorado sind die einzigen Punkte auf der
Insel, an denen ich einen klcinkornigen bis dichten Quarzdiorit antraf. Diese Oesteine, vorallem
von der Nordwestecke, sind bei makroskopischer PrUfung von den Diabasen nicht zu unterscheiden.
-ocr page 69-
47
eine bis nahe an den Strand hcrantretende, keilfürmig vorgoschobeno Klippe
(130*), und das Haus von Buschiribana ruht ebenfalls auf gabbroartigem Ge-
steine, in dem übrigens „Feldspath und Quarz in gleicber Wcise ausgebildet,
sind wie im normalen Quarzdiorit" (133*)\'). Ein andercs Gestein stoht bier
überhaupt nicht an; folgt man aber in nordwestlicher Richtung dem Wege am
Strande, so trifft man unter den zahlreichen Blöcken, welehe hier die gehobene
Uferterrasse bedecken, nicht nur Amphibolgabbro (135) und an Hornblende reiche
Quarzdiorite an, sondern unter Letzteren vor allem auch ungemein zahlreich
Blöcke, in denen eine gabbroartige Mineralcombination (135*) in gleicber Art als
Concretion auftritt, wie Hornblende und Augit in den Gesteinen vom Hooiberg und von
Westpunt. Auch hier sind die abweichend zusammengesetzten Aggregate scharf um-
grenzt, nicht selten polyedrisch und bis \'/a ni im Durchmesser gross. Das weitere
Zurücktreten der gabbroartigen Partieon liess sich am Strande nicht weitor verfolgen,
da vorspringende Klippen das Passiren daselbst unmöglich machten, dagegen stellte
sich auf dem nördlich vom Krystallberge zum Kalabass führenden Wege alsbald der
normale Quarzdiorit wieder ein. Im Krystallberge selbst herrscht noch das gabbroar-
tigc Gestein, welches auch nordwestlich von Buschiribana auf der Ufertcrrasse
angetroffen wurde, vor; aber man nimmt daneben bereits umfangreiche Partieon
von Quarzdiorit wahr, welehe in machtigen Blöcken auf dem Gipfel zerstreut liegen.
Von einer Formationsgrenze zwischen Gabbro und Quarzdiorit, deren Existenz
schon auf Grund der beobachteten, gabbroartigen Concretionen in Letzterem unwahr-
scheinlich ist, vermochte ich nirgends eine Spur zu entdecken; auch ist es nicht
wohl denkbar, dass eine solche bei der Nacktheit des betreffenden Inseltheiles
meiner Beobachtung entgangen sein sollte.
Durch den Quarzdiorit setzen mehrore sich durchschneidende Kluftsysteme hin-
durch, welehe bei beginnender Verwitterung unregelmassig rundliche oder ellip-
1) Kloos pag. 36. Vgl. hier niilier die Gründe, welehe zur Benennung der Oesteine als Gabbro
Anlaxs gegeben haben.
-ocr page 70-
4S
soidische Rlöcke entstchen lassen, deren Durchmesser 6 m und mehr betragen
kann. Seltener, an der Nordküste, sicht man an kurze Siiulen erinnernde Formen,
die indessen nirgends ganz scliarfe Kanten und Ecken aufwoisen. Diese Art der
Zerklüftung geilt mit eincr concentrisch-schaligen Zusammensctzung gepaart, die
sich freilich nur an dem zerfallenden Gesteine wahrnehmen liisst. In der Mitte
der Insel sicht man vielfach gekrümmte Platten, welche diese Art der Absonderung
andeuten, nirgends aber traf ich dieselben in solcher Zahl an wie in unmittel-
barer Nahe der Nordküste, in der weiteren Umgebung des Krystallbergs. Hier ist
der Boden an vielen Stellen mit mehrero cm dicken, topfscherbenübnlichen,
vüllig frisehen Gesteinsfragmentcn üborsat. Ich schreibe diese Erscheinung dem
Fmstande zu, dass die Felsblöcke nach grosser Erhitzung wiihrend der Tageszeit
am Abende durch den Passat, der gerade auf das Gebirge stösst, eine rasche und
bedeutende Abkühlung erfahren, wodurch Eine Schale nach der anderen abgesprengt
wird. Die Yerwitterungsrinde des Diorites ist von lichtgrauer Farbe.
lm ganzen Dioritgebiete ist die Blockbildung weit vorgeschritten; keineswegs
ist sie auf die Mitte der Insel beschriinkt, wie die Reinwardt\'sche Karte andeuten
zu wollen schcint, obwohl sie innerhalb derjenigen Linie, welche ich als alte
Meeresbucht bezeichnet habe, am meisten auffallt. Denn hier sind die Hügel und
Haufwerke loser Ellipsoide verhiiltnissmiissig niedrig und wird das noch nicht
zerfallene Gestein durch die Zersctzungsprodukte des Diorits verhüllt, welche
zwischen den Blücken abgelagert und wiihrend der noch jüngst stattgehabten Mee-
resbedeckung völlig ausgeebnet worden sind.
Die Brandung des Meeres hat an diesen Orten auch zur Bildung höchst eigen-
thümlicher Formen Anlass gegeben, denn zahlreich kommen concave Höhlungen in
den Blöcken vor, welche sammtlich der südwestlichen Kuste zugekehrt sind. Bis-
weilen ist die Auswaschung so weit vorgeschritten, dass überhangendo DHcher und
an die Korbstühle europaeischer Seebiider erinnernde Gestalten entstanden sind. In
anderen Fiillen bildetcn sich durch das Zusammenflicssen zweier concaver Fliichen
nasonf irmige Yorspriinge und Hoeker nebst anderen, bizarren Formen, welche
besonders sehön am westlichen Fusse des Hooibergs und in der weiteren Umgebung
von Santa Cruz zu sehen sind. Diese Höhlen im Diorit dienten thcilweise auch den
früheren Bewohnern des Landcs, den Insclcariben, zum Aufenthalte.*)
Dass dem Meere ein wesentlicher Antheil bei der Blockbildung überhaupt
zukommt, ist augenscheinlich, wenn man die ungeheuren Mengen von Ellipsoïden
und zugerundeten Dioritblöcken in Betracht zieht, die gerade auf den unlangst
1) Vgl. Band I, pag. 133 ff. —Die Erosionserscheinungen in Gebirgsbachen lassen sich hiemit
iin Urossartigkeit gar nicht vergleichen.
-ocr page 71-
4!)
gchobcnen Uferterrassen sieh befindcn, so am Nordstrande zvvischen S. Colorado
und Fontein, fcrner nördlich von Buschiribana und an der Nordwestecke der
Inscl.
Erwahnenswerth ist noch die woitgehende Zersetzung, welene das Gestoin des
Adikurarie in der Tiefe erfahren bat und welche auf die Durchtnïnkung mit Meeres-
wasser zurückzuführen ist, denn Stifft stiess beim Abteufen eines Schachtes in dein
niedrigen, kaum über den Ocean hervorragenden Hügel bereits in 15 Fuss Tiefe
auf eindringendes Salzwasser. Das Gestein ist daselbst ebenso aufgelockert und
zersetzt, wie es die Diabase im niedrigen Theilc von Ost-Curagao aus iihnlicliem
Aniasse sind.
Die Verbreittng des Quarzdiorits ist aus der Karte ersiehtlich: Ausser
dem Plateau im Innern der Insel sind auch die bogcnförmig angeordneten Höhen,
welche, vom Hooiberge und vom Krystallberge ausgehend, dasselbe unvollstandig um-
gürten, aus dieser Formation aufgebaut. Im Nordwesten des Hooibergs, wo sich
das Plateau nach Westen mit dem Küstenstriche zu Einer Ebene vereinigt, ist
freilich das Eruptivgestcin grösstentheils durch seine eigenen Zersetzungsproduktc
verhullt und ragen nur noch wenige Haufwerke aus dem alten Meeresboden her-
vor. Hier habe ich die Formation nach der Grenze der Blöcke, soweit ich sie ver-
folgen konnte, eingezeichnet und die von ihr eingenommenen Flachen abgedeckt
angelegt, da es keinem Zweifel unterliegen kann, dass die Haufwerke sich noch
auf ursprünglicher Lagerstatte befindcn. Aus gleichen Gründen ist die Formations-
grenze auch westlich vom Hooiberge durch einen Landstrich gezogen, an dessen
Oberflache nur hie und da noch ein einzelner Block herausragt, wiihrend der Boden
mit Trümmern von Diorit und Gangquarziten bedeckt ist, deren Grosse und Hiiu-
figkeit in der Richtung von der Kuste nach dem Innern bin zunehmen. Ueber die
Formationsgrenze zwischen Quarzdiorit und Diabas werde ich unten noch zu sprechen
haben; im Uebrigen ist sie allerorts scharf ausgesprochen, in der Weise, wie die
Karte es darstellt.
An der Nordwestecke der Insel setzt der Quarzdiorit ausser dem Tikibanaï
und Moskito, östlich von dem ausgetrockneten Binnenmeere, nur noch kleine
Hügel zusammen; er bildet hier unter anderen auch das Liegende der unbedeu-
tenden, in der Karte verzeichneten Fetzen von quartarem Kalke. Bemerkenswerth
ist aber vor allen Dingen, dass auch an verschiedenen Orten des flachen, südost-
lichen Inseltheiles der Quarzdiorit als Liegendes der quartiiren Kalke beobachtet
wurde, so etwas westlich vom S. Culebra und im S. Colorado, wo neben dem
normalen, an verschiedenen Punkten durch den Abbau der Phosphate blossgelegten
Quarzdiorite auch noch eine eigenthümlich dunkle, feinkórnige, apatitreiche Varietat
7
-ocr page 72-
50
des Gesteins ansteht. Ferner gehen Quarzdiorite in der auf der Insel gewöhn-
liclien Ausbildung am Innern der gehobenen Uferterrasse zwisehen Colorado und
Fontein als Liegendes der quartaren Kalkc zu Tage aus. Es ist mir deswegen
sehr wahrscheinlich, dass dies Eruptivgcstein aueh das Grundgebirge des ganzen
südöstliehen Theiles von Aruba bildet und hier nur von dem quartaren Kalke über-
lagert wird, dass sonaeh, mit Ausnahme des gleich zu behandelnden Diabasgebie-
tes, fast die ganze Insel von dieser Formation eingenommen wird.
Diabas, üntergeordnet Diabasconglomerat.
Niichst den Dioriton nehmen Diabase don wesentlichsten Antheil an dem Aufbau
von Aruba; sie bilden das Hauptgestein des eingangs beschriebenen Gebirgsstockes
am Nordstrande, dem unter anderen der Jamanota und Ariekok angehören. Diese
Diabase sind kleinkörnige bis dichte, sehr selten grobkörnige, dunkelgrüne Ge-
steine, welche nach Kloos in allen Einzelheiten der Struktur mit denjenigen von
Curacao übereinstimmen und zum Theil uralitisirt sind. Wie weit sich diese Umwand-
lung raumlich erstreckt, vermag ich nicht zu beurtheilen, da die Uralitite von den
übrigen Diabasen bei makroskopischer Hetrachtung nicht zu unterschoiden sind
und beide Gesteine aus diesem Orunde im Felde von mir zusammengefasst wurdeu.
Bekannt ist das Vorkommen der uralitisirten Diabase von Miralamar sowie von
Chetta am Fusse des Ariekok, in beiden Fallen also von 1\'unkten, welche in der
niichsten Niihe der Formationsgrenze von Diabas und Diorit gelegen sind; ganz
besonders gilt dies für den Uralitit von Chetta. Dagegen sind die Diabase, welche
ich am Nordstrande geschlagen habe, nicht metamorphosirt.
Südöstlich von Fontein, an der Grenze der Diabasregion und in unmittel-
barer Nachbarschaft der gleich zu behandelnden, archaeischen Amphibolite, steht
ein Dxabasconglomerat an, welches einige keilförmig auf die gehobene Ufer-
terrasse vorgeschobene Partieen bildet. Die Gesteinsfragmente, welche auf der
frischen, dunkelgrüncn Bruchflache nicht wahrzunehmen sind, treten erst bei der
Yerwitterung deutlich hervor, da sie leichter als das sie verbindende Cement
zersetzt werden und sie sich zudem durch ihre rostbraune Farbung gegenüber den
mehr gelbbraunen, übrigen Gesteinspartieen auszeichnen. Die in die Grundmasse
eingcsenkten Bruchstücke stellen sich dann am verwitterten Gesteine alsrundliche,
ellipsoidische und zugerundet-polyedrische Körper dar, deren Durchmesser 5 cm
nicht selten übersteigt und andererseits bis zu 5 mm und weiter herabsinken kann.
In Dünnschliffen treten sie gleich scharf mit unverwaschenen Grenzen hervor und
erweisen sich die Fragmente zum Theil als solche von Variolit, zum grössten
Theile aber als solche von echtem Diabas mit langleistenförmigen, gewundenen,
-ocr page 73-
51
gebogenen und vielfach verzwillingten Feldspathen, die hie und da radial-
strahlige Aggregate bilden, bei herrscheiider riehtungsloser Struktur. Das Cement
dieaes Gesteins ist ebenfalls Diabas-Material. In der Kichtung nach Fontein zu
wird das Conglomerat sehr bald durch Diabas verdriingt, und an keinem anderen
Punkte des Nordstrandes traf ich das gleiche Gestein wieder an; die augenfiillige
Verwitterungsforni macht es auch unwahrscheinlich, dass os von mir daselbst
übersehen sein sollte, da alle Felsen dieses Htrandes den zersetzenden EinHüssen
des Meeres in hohem Grade unterworf\'en gewesen sind.
Nur auf dom Gipf\'el des Jamanota fand ich das gleiche Conglomerat anstehend;
die Gesteinsfragmente lassen sich hier schon auf frischen BruchHiichen wahrnehmen,
indem sie sich als tiefer grün gefiirbte Massen von den umgebenden Partieen
schwach abheben. Bemerkenswerth ist, dass dieser Punkt ebenfalls an einer For-
mationsgrenze, hier nahe dem Grünschiefer, gelegen ist. Diese Nachbarsrhaft
erkliirt auch vielleicht das Vorkommen dor erwiihnten Fragmente von Yariolit,
welche eine endogene Contakterscheinnng der Diabase andeuten.
Das Conglomerat vom Jamanota ist nach Kloos uralitisirt, gleich den in der
Nahe anstehonden Diabasen von Miralamar, wahrend das sonst gleiche Trüm-
mergestein von Fontein diese Umwandlung nicht erfahren hat.
Da die Fragmente des Conglomerats rasdier verwitteren als das Cement, so
mussen sie im zersetzten Gesteine Hohlriiume zurücklassen, welche die Ansiedlung
sekundilrer Mineralien ermüglichen und somit eine unechte Mandelsteinbildung
hervorrufen kunnen, welche nicht auf die Ausfüllung praeexistirender Blasenriiume
zurückzuführen ist. Als solche ist vielleicht das von Stifft erwiihnte Vorkommen zu
deuten: „Eine Varietiit (von Grünstein), die jedoch selten ist und nur an zwei
Punkten vorkam, ist die wo ein dichter, schwarzlieh-dunkellauchgrüncr Grünstein
durch liinglichte und rundliche Mandeln, die von 1—2 Linien bis zu ± und ^
Zoll Grosse vorkommen, eine mandelsteinartige Bildung annimmt. Diese Mandeln
bestehen entweder aus Quarz allein, der zuweilen chalcedonartig wird, oder aus
einem Gemenge von Quarz und Feldstein, zuweilen aber aus Feldstein allein."
An einem anderen Orte sagt Stifft: „Chalcedon, brauner Jaspis und Eisenkiesel
kommen auf dem Rücken des Ariekok im Grünsteine vor."
Diese Bildungen sind mir selber anstehend nicht bekannt geworden; doch
erhielt ich durch van Koolwijk zahlreiche Bruchstücke und kleinere Splitter von
Chalcedonmandeln, welche nebst Broeken von Diabas und von anderen Gesteincn
in der Gcgend des alten indianischeu Dorfes bei St. Cruz aufgelesen sind, und da
die Diabase der Insel von ihren früheren Bewohnern zu Steinbeilen verarbeitet
-ocr page 74-
52
warden \'), so dürften diese Chalcedone ebenf\'alls au» dein genannten Eruptivge-
steine abkiinftig sein.
Die Diabase sind mit einer dunnen, dunkelbraunen bis röthliehen Verwitte-
rungsrinde bekleidet, welche durch ihre Farbung manchmal an Laterit erinnert,
und ihr Ausgehendes ist mit Blöcken und kleineren Gesteinsbrocken bedeckt, welche
stellenweisc ganz ungelieure Mengen von Schotter bilden. Der scharfeckigo Umriss
der Fragmente deutet die herrschende, regellos polyedrische Zerklüftung an, die
man auch bei den Aufschlüssen in den alten Minen wahrnimmt. Spuren einer
bankförmigen Absonderung zeigt das Diabasconglomerat auf dem Gipfel des
Jamanota. Abgerundete Blöcke kommen nur vereinzelt bei der grobkürnigen Varietiit
dos Diabases vor, wahrend im Uebrigen kugelfürmige und saulenförmige Abson-
derung enbenso fehlt wie auf Curaoao.
Die Zerklüftung des Gesteins ist am besten am Nordstrande zu beobachten,
woselbst die Erosion des Meeres oine grosse Zahl von bogenförmigen Aussclmitten
____________________________ mit kleinem Radius in
den steilen Gehangen
Fm. 16. An uf.u Boca van Welvaart.                             lCn Kreisbögen wer-
Vom Innern der Bucht nach NW gesehen. — 1. Diabas, welcherzwischen ,         , . .. , .
den quartSren Kalken (2) ins Meer reicht. — 3 u. 4. Sehotter von Kalk den durcn «ïaclltlge,
und Diabas. — 5. Meer.                                                                     keilförmig vorge8cho-
bene Gestcinspartieen gesL-hieden, in denen grosse, polyedrische Blöcke mauerartig
sich über einander aufthürmen. Zum Theil sind ihre Kanten und Ecken durch die
Brandung iibgeschlitfen, aber eine kugelfürmige Absonderung fehlt auch hier
überall.
Die erwiihnten Buchten werden entweder noch heute vom Meere bespuit, wie
es auf der Strecke zwischen der Rooi Noordkap und der Boca dos Playos der Fall
ist, so dass hier das Rassiren des Strandes unmöglich wird, oder es lagert sich
vor sie noch eine jüngst gehobenc Uferterrasse der Nordküste, wodurchdie Diabas-
keile landeinwiirts gerückt sind. Letzteres ist zwischen der Boca dos Playos und
der südüstlichen Grenze der Forrnation zu beobachten.
1) Dasselbo Qestein wurdu ïiucli auf Curaruo zur Herstellung von Beilen verwendet (vgl. Theil
I, Tab. VI, Pig. ló).
-ocr page 75-
53
Wie sich hier am Meere die Formationsgrenze scharf bestimmen liisst, so ist
dieselbe auch deutlich von dem Plateau des quartaren, den südöstlichen Insel-
theil bedeckenden Kalkes geschieden; minder ausgopriigt ist aber die Grenze
zwischen Diabas und Quarzdiorit. Ieh habe dieselbe an zwei Punkten, die gleich-
zeitig einen guten Ueberblick gewührten, durchschnitten, einmal auf dem Wege
von Oranjestadt nach Daimarie, östlich von St. Lucie, das andere Mal bei Chetta,
unweit der alten Direktorswohnung, und in beiden Fallen zalilreiche Blöcke von
Diorit auf den westlichen Gehangen des Diabasgebirges zerstreut gefunden. Nament-
lich an dem ersteren der genannten Punkte ist die Zahl der Dioritblöcke, die das
unterlagernde Gebirge bedecken, eine ungeheure, so dass anfangs auf dem Wege
nach Daimarie zu nur hie und da ein Bruchstück der Diabasformation zwischen
den Sphaeroiden von Quarzdiorit sichtbar wird; dann geht weiter nach Osten der
Diabas in immer grosseren Particen zu Tage aus, und endlich sieht man nur noch
zungenartig vorgestreckte und einzelne isolirte Haufworke von Quarzdiorit jene For-
mation bedecken. Es geht daraus hervor, dass der Diabas das Liegende des Diorits
ist, welcher deckenartig sich über die Gehange der westlichen Kuppen und Hügel
ausbreitete und durch die Verwitterung, wie allerorts auf der Insel, weit zerfal-
len ist, so dass er die unterlagernde Formation nur noch unvollstandig verhüllt.
Die geschilderten Verhaltnisse verhinderten eine in allen Einzelheiten getreue
Einzeichnung der Grenzlinie zwischen Diorit und Diabas; in ihren Hauptzügen
liess sich aber dieselbe in der Art, wie sie die Karte wiedergiebt, ohne Schwie-
rigkeit erkennen, da sie bei der grossen Verschiedenheit der Ausgehenden beider
Eruptivgesteine leicht auf weite Strecken überblickt wird, so namentlich auch vom
Jamanota aus. Die lichtgrau verwitterten, grossen Sphaeroide von Quarzdiorit
zeichnen sich deutlich genug von den rostbraunen und rothen, nie mit so grossen
und runden Blöcken bedeckten Hühen von Diabas ab. Auch in Handstücken ist
eine Verwechselung der hellgefarbten Diorite von granitischem Habitus und der
dunklen, meist feinkörnigen bis dichten Diabase fast immer ausgeschlossen; nur
die erwahnten, feinkörnigen Ausscheidungen innerhalb des Dioritmassivs können hier
zu einem Irrthume Anlass gebon, doch sind dieselben, wie oben bereits hervorge-
hoben, ausserst selten. Aus solchen Gründen konnte das Haupt-Diabasgebiet schon
im Felde in der Weise begrenzt werden, wie es die Karte angiebt.
Grünschiefer und schiefrige Amphibolgesteine.
Ich fasse hier zwei Gesteinsarten zusammen, von deuen die erstere innerhalb
der Diabasregion, die letztere ausserhalb derselben, aber doch in unmittelbarer
Nahe des Eruptivgesteins, ansteht,
-ocr page 76-
54
Die Grünschiefkr, welche durch Kloos auf Grund mikroskopischer Unter-
suchung als quarzfreie Epidotamphibolschiefer erkannt wurden, erscheinen dem
blossen Augc als dichte, homogene Gesteine von dunkelgrauer bis schmutzig- und
lauchgrüner Farbe. Die graue Farbung tritt nur bisweilen auf frischen Bruchflachen
hervor, wahrend das Ausgehende der Formation entweder intensiv grün oder bei
weit fortgeschrittener Zersetzung rostbraun erscheint. Die Schieferung ist bald mehr
bald minder deutlich ausgepriigt, im Grossen und Ganzen aber stets ohne Schwie-
rigkeit zu erkennen; doch kommt neben der den Ablagerungsebenen parallelen noch
eine transversale Schieferung vor, welche das Gestein stellenweise leicht in dunne,
nie sehr grosse Platten zerspalten liisst; in der Regel erhalt man aber beim Zer-
schlagen nur polyedrische, unvollkommen griffelfürmige oder schilfrige Bruch-
stücke. Die leicht spaltbaren Gesteine ahnoln in Handstücken den Dachschiefern.
Die Stellung der Schichten ist überall eine sehr steile, fast senkrechte, und
das Streichen im stratigraphischen sowohl wie im tektonischen Sinne annahernd
von W nach O in beiden Thiilern, in denen ich die Schiefer anstehend fand,
namlich in der Rooi Cachunti und dom Einschnitte, durch welchen der Weg von
Oranjestadt nach Fontein führt, zwischen Pan Blanco und Parabusté. Dieselbe
Richtung von W nach O nimmt aber nach der englischen Karte auch der obere,
östliche Arm derjenigen Schlucht, welche in die spanische Lagune einmündet und
an deren Ausgange ich ungemein zahlreiche Geschiebe von Grünschiefer gefunden
habe, neben Fragmenten von Quarzdiorit, welche liings der westlichen, aus dem
Dioritmassive herabsteigenden Nebenschlueht transportirt worden sind. Hierauf
stützt sich die Einzeichnung der dritten Grünschieferpartie als Gestein des oberen
Abschnittes der erwahnten Rooi, welchen ich selber nicht betreten habe.
Dass die Schluchten in die Schiefer durch Erosionswirkungen der zu Zeiton
abfliossendon, gewaltigen Regenmengen eingoschnitten worden sind, kann keinem
Zweifel unterliegen, denn die meist trockenen Wasserliiufo tragen alle Charaktere
eines Gebirgsbaches, so selten ein soldier auf der ausgedörrten Insel auch fliessen
mag. Auch ist deutlich, dass das Ausgehende der Grünschiefer in ein stets tiefer
sich verlegendes Niveau gerückt werden musste, wahrend die widerstandsfahigeren
Diabase der Zerstörung minder rasch unterlagen. Deswegen wird man den Umstand,
dass die Schiefer nur in den Thaleinschnitten zu Tage ausgehen, das Eruptivgestein
dagegen die benachbarten Höhen bildet, auch nicht als Beweis dafür anführen
können, dass die Schiefer die altere von beiden Bildungen darstellen und von
den Diabasen durchsetzt sind. Wohl sprechen hiefür indessen andere Umstande:
Wollte man die Diabase als den Schiefern eingeschaltete und mit diesen
zusammengestauchte Lager a aliassen, so müsste es zunachst uu Hallen, dass die
-ocr page 77-
55
Grünschiefer nur in einem Theile, und zwar gerade in dem höchsten Thcilo, dos
Diabasgebietos auftreten. Dass sie an anderen Ortcn fehlen, wird schon durch den
Verlauf der übrigen Schluchten im Gobirgsstocke der Nordküste wahrscheinlich,
denn siimnitliche Thaleinschnitte von einiger Bedeutung haben, mit Ausnahme
der von den Sehiefern eingenommcnen, eine Richtung von N nacli S oder von SW
nacli NO. Die Schluchten würden aber zweifellos dem Streichen der Schiefer von
W nach O folgcn mussen, wenn solclie Gesteine überhaupt in dem betreffenden
Gebiete anstanden. Eine Aenderung der Streichungslinie der Schiefer, in dem
Sinne wie es der abweichende Verlauf der Rooien fordern würde, ist nicht wohl
denkbar. Auch habe ich in den Schluchten, die ich an ihrer Ausmiindung am
Nordstrande untersuchen konnte, nirgends Grünschiefer anstehend oder als Ge-
schiebe gefundon, auch nicht in der bedeutendsten von ihnen, der Rooi Fluit,
in der ganz ungeheure, an das Hochgebirge erinnernde Mengen von Schotter
liegen.
Sind diese Verhiiltnisse auffallend bei der Annahme der Gleichaltrigkeit von
Diabas und Schiefer, so sind sie umgekehrt sehr verstandlich, wenn die Lctzteren
als die altere beider Bildungen aufgefasst werden, da bei deckenförniigcr Anf-
lagerung des Eruptivgesteins die Sedimente am ehesten in den tiefst eingeschnit-
tenen Schluchten und somit in dem höchsten Theile des Gebirges, woselbst die
Erosion am wirksamsten thatig war, blossgelegt werden musston.
Noch wichtiger ist der Umstand, dass auch am Nordstrande bei Fontein die
Schiefer fehlen, denn die Endigung der Schlucht liegt daselbst im Diabase. Folgt
man von genanntcm Orte dem zum Jamanota führenden Wege, so durchschneidet
man am Strande zunüchst das Eruptivgestein in der Mündung der Rooi, darauf
die im Hangenden auftretenden, quartaren Kalke, welche landeinwarts in isolirtc
Broeken aufgelöst sind und bakl ganz schwinden. Jetzt führt der Weg auf der
Höhe über einen Diabasrücken nördlich von der Rooi Cachunti weiter, und an der
gegenüberliegenden, südlichen Grenze der Schlucht sieht man ebenfalls in einer steil
abfallenden Wand das massige Gestein von einer landoinwarts sich auskeilenden
Schicht des quartiiren Kalkes bedeckt. Dann reicet man am nördlichen Abhange
der Rooi hinunter; einzelne, kegelförmige Partieen von Schiefer, durch die Erosion
von der Wand losgelöst, schieben sich gegen die Mitte des trockenen Bachbettes
vor, und halbwegs Cachunti\') und Jamanota werden die alten Sedimentiirgesteine
von einer durch quartaren Kalk verkitteten, aus Diabas- und Grün8chiefer-Bruch-
1) Der Name gilt nicht nur für die Schlucht, sondern auch für die sie begrenzende Anhöhe
im Norden. Die Höhennamen werden allgemein zur Bozeichnung der benachbarten Rooien ver-
wondet.
-ocr page 78-
56
stücken gebildeten, groben Breccie, die nur geringe Machtigkeit besitzt, über-
lagert. An Einem Punkte sah ich auch ein massiges Gestein als Hangendes auf-
treten, aber die Unzuganglichkeit desselben verhinderte mich ein Handstück davon
zu schlagen, und da an der Grenze der Grünschiefer auch Dioritporphyre empor-
gedrungcn sind, so liisst sich aus dieser Beobachtung niehts für die Lagerung des
Diabases abloiten. Wohl aber müsste es bei Annahme der Gleichaltrigkcit von
Diabas und Grünschiefer befremden, dass die Lager des Sedimcntiirgesteins nicht
bis zur Nordküste fortsetzen, dass vielmehr hier in der Schlucht nur der Diabas
aufgeschlossen ist.
Zieht man dabei in Erwiigung, dass auch auf Curacao niehts auf die An-
wesenheit von Diabaslagern hindeutet, dass dagegen am Rande des Diabasgebietes
von Aruba ebenfalls in einem niedrigen Niveau schiefrige Amphibolgesteine vor-
kommen, welche ohne Sehwierigkeit mit den Grünschiefern zusammengefasst werden
können, so wird man sich der Annahme nicht verschliessen diirfen, dass die Se-
dimentiirgesteine das Liegende der Diabase darstellen.*) Dazu kommt, dass von
der kleinen Insel Orchilla im Osten der niederlandischen Eilande, in gleicher
Richtung also mit dom Streichen der Grünschiefer, das Vorkommen von Gneiss
schon seit Humboldt bekannt ist. „Die Gneisshügel waren mit Griisern bewachsen.
Die geologische Beschaffenheit von Orchilla scheint im Kleinen der von Margarita
ahnlich zu sein." 2) Ich selbst erhielt durch Ernst in Caracas einen ausgezeichnet
schiefrigen Quarzit von Orchilla, welcher wohl nur mit gemengten, krystallinischen
Schiefergesteinen daselbst lagern kann. Das legt im Verbande mit der grossen
Analogie, welche die Insein überhaupt zu dem Festlande in ihren geognostischen
Verhiiltnissen afweisen,8) die Annahme nahe, dass die Grünschiefer und Amphibolite
das Grundgebirge darstellen und der archaeischen Schichtenreihe angehören.
Diese Amphibolite, welche südöstlich von St. Lucie und an der Nordküste südöst-
lich von Fontein anstehen, werden an beiden Orten von Haufwerken des Quarzdiorits
in ahnlicher Weise überlagert, wie es in der Nachbarschaft von St. Lucie für den
1)  Ich zweifle nicht daran, dass sich die Frage an Ort und Stelle sehr leicht bei liingerem Ver-
bleibe entscheiden liisst. Mir war es leider nicht möglich, die Schluchten ihrer ganzen Erstreckung
nach abzureiten.— Bezüglich der entgegengesetzten Auff\'assung, vgl. Kloos 1. c. pag. 60.
2)  A. v. Humboldt und A. Bonpland. Iteise in die Acquinoctial-Oegenden des neuen Continentes
in den Jahren 1799—1804. 5\'^ Theil. pag. 729. — Stuttgart u. Tübingen. 1826.
3)  N\'iiheres hierübor in einem folgenden Capitel: Schlussbetrachtungen.
Beinerkenswerth ist auch die Angabe von Ernst, gclegentlich der Besprechung des l\'™ Theiles
dieses Werkes in Nature. 1887. March 17, pag. 460: „All these islands — Curacao, Aruba, Bonaire,
Los Koques, Orchila, Las Aves, Los Testigos etc. — have a nucleus of eruptive rocks (diorite,
diuhiiMc, gabbro, eclogite); the same geological constitution exists in the central hill of tho penin-
sula of Paraguami and in the monntain-ridges of La Quajara."
-ocr page 79-
57
Diabas oben beschrieben wurde. An letzterem Orte gehen nur kleine Fetzen \') des
Amphibolgesteins zu Tage aus, und zwar am Fusse der Diabashügel, so dass man
von Oranjestadt nach Daimarie reitend zuerst Amphibolit und dann weiter aufwiirts
Diabas als Liegendes des Diorits wahrnimmt. Das Ampliibolgcstein ist an diesem Orte
von ausgezeichnet dünnschiefriger Struktur; seine Schichten sind steil aufgerichtet.
An der Nordküstc ist der Amphibolit unvollkonimen dickschiefrig, im Ganzen
aber ebenfalls in deutliehen Platten abgesondert. Er bildet hier einen selir niedrigen
Höhenrücken, welcher eineni flachen Uferwalle gleieh sich von der südöstlichen
Grenze der Diabasregion aus langs der Kuste weit ausdehnt und sich landein-
wiirts unter den sein Hangendes bildenden Diorit und den quartiiren Kalk verliert.
Unbedeutende, kleine Wasserrisse, welehe vom Kalkplateau aus nach dem Meere sich
erstrecken, lassen nur bic und da das Gestein in steil auf\'gerichtoten Schichten an-
stehend wahrnehmen, wiihrend im Uebrigen das Ausgehende von reichlichen, unter
dem Einflusse der früheren Meeresbedeckung gebildeten Trümmern bedeckt ist.
Dioritporphyre und Granite.
An der Grenze des Diabasgebietes fand ich mehrfach in losen Blöcken auf
der Oberthiehe Gesteine zerstreut, welehe den Dioritporphyren angehören, so bei
Chetta und nördlich von der Schlucht bei Fontein, unfern des Strandes, auf der
Höhe. Diese Blöcke sind möglicherweise als eine Porphyrfacies des Quarzdiorits
zu bezeichnen und sammt einem porphyrartigen Diorite, den ich als Gerölle am
Fusse des Matevidirie auflas, mit dem herrschenden Gesteine dor Insel zu vereinigen.
Sie könnten von Doeken abküuftig sein, welehe die Diabase an der Grenze über-
lagerten, sowie dies oben auch für den typischen Quarzdiorit geschildert ist; deun
Chetta liegt am Rande des Dioritmassivs 2) und nichts steht der Annahmo enrgogcn,
dass auch am Nordstrande sich früher gleiche deckenartige Ausbreitungen des
Quarzdiorits befunden hutten, welehe mit jetzt zerstörten Theilen desHauptmassivs
in Verbindung standen.
Indessen siud Dioritporphyre auch anstehend innorhalb des Diabasgebietes
bekannt; ich traf sie am südöstlichen Ufer der Boea van Welvaart an und ausser-
dem am Parabusté, an der Nordseite des von Oranjestadt nach Fontein führenden
Wegcs, welcher sich über die Schichtenkópfe der Grünschiefer hinzieht. Das Erup-
tivgestein, welches eine ansehnliche, mit abgerundeten Blöcken bedeckto Höhe
bildet, setzt hier scharf an den durchbrochenen Sedimenten ab; sein Lagerungs-
verhiiltniss zum Grünschiefer ist an diesem Orte somit das gleiche wie das der
1)  Sie sind so unbedeutend, dass sie nicht in die Karte eingetragon werden konnten.
2)   Vgl. oben pag. 53.
S
-ocr page 80-
!ÏH
Dialmse zum Schiefer. Das Lagerungsvorhiiltniss von Diabas und Dioritporphyr
dagegen ist bei dem Mangel eines jegliehen anderen Aufschlusses nicht festzu-
stellen; mir scliien die Verknüpfung eine sehr enge, so dass ich im Felde die
Ueberzeugung hegte, die Dioritporphyre seien nur als eine lokale Facies des (der-
zeit als Diorit gedeuteten) Diabases anzusehen. Die mikroskopische Untersuchung
konnte aber diese AufFassung nicht bestiitigen und die Erkliirung des Vorkommens
muss deswegen in anderer Richtung gesucht werden.
Es ist nun vor allem von Bedeutung, dass Dioritporphyre auch innerhalb
des Dioritmassivs der Insel bekannt sind , und zwar in Einem Falie sicher als gang-
förmige Durchsetzung desselben. An dem nordöstlichen
Abhange des Serro (\'olorado, dort \\vo die alte Mine
sich befindet, setzen im Diorite einige Quarzgiinge auf,
welchc nur wonigc Centimeter machtig sind; daneben
Fio. 17. Ki.ii\'i\'i: am Serro ist das gleiche Eruptivgestein von einem etwa ili Meter
COLORAIH).
l. Normaler Quarzdiorit. - machtigen Gange von Dioritporphyr durehbrochen, des-
2. Unzugttnglkh. — 3. Feinkor- sen sjalbiinder sich an der völlig kahlen, ins Meer hin-
niger Quarzdiorit. — 4. Diorit-
porphyr. — 5. Korallenkalk. ausragenden Klippe mit grosser Deutliclikeit verfolgen
lassen. Das Ganze wird von eisenreichen, quartaren Korallenkalken überlagert.
Oestlich von Alta Vista, uufern des Xordstrandes, steht ferner innerhalb des
Gebietes des Quarzdiorits ein Dioritporphyr an, welcher durch seine Absouderung
in ungemein regelmassigen, sechsseitigen, basaltiihnlichen Siiulen bemerkenswerth
ist. Dasselbe Gestein traf ich noch mehrfach in der weiteren Umgebung des ge-
uanuten 1\'unktes an, und es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass wir in
ihm ebenfalls eine Gangmasse zu sehen haben. \') Daran schliesst sich ein anderes
Gestein, welches in einer Niederung zwischen Kalabass und Serro Plat ansteht,
inmitten eines Cautuswaldes, der hier jede Feststellung der Grenze gegen
den benachbarten Quarzdiorit uumüglich machte.
Als sicher moge nur die Thatsache hervorgehoben werdeu, dass innerhalb des
Quarzdioritmassivs Giinge von Dioritporphyren vorkommeu, welche Gesteinen, die
innerhalb des Diabasgebietes anstehen, lithologisch sehr ühnlich sind. Es liegt des-
wegen nahe, nach einer für beide Vorkommnisse •) in gleicher Weise verwendbareu
Erkliirung ihrer Entstehung zu suchen :
Es werden unten ausfiihrlich die Erzgiinge von Aruba zu behandeln sein, die
1)  Das Terrain ist kaum Uber den Mueresspiegel erhoben, von Felsonmeereii bedeckt, oline
Aufsclilus8. Nur Kina der Vorkommnisse ist eingetragen, da es mir bei den anderen nicht möglieh
war, die Lokalitüt genuu zu tixiren. Meine Aufzeicbnungen sind für dies Oebiet in Folge einge-
tretener Unpiisslicbkeit überhaupt mangelhaft.
2)  stitl\'t liiit auch die Vrurmuthung ausgesprochen, dass „Qrünstein" sovrohl den Quarzdiorit als
-ocr page 81-
59
mit den Dioritporphyren das gemein habon, dass sic sowohl dem Gebicto des
Quarzdiorits als demjenigen des Diabases angohören; auch srheint ein gewisser
Zusammenhang zwisehen den MinoraN and Gesteinsgiingen dadnrch angedeutet,
dass auf Aruba, woselbst Erstere in grossen Mengen auftreten, auch der Dioritporphyr
cine bedcutenderc Yerbreitung hat, wahrend auf Cura^ao dies Gestcin nur an
Eincm Punkte bokannt ist und die Quarzgünge in gleicliem Sinne sehr zurück-
treten; auf Bonaire cndlich sind weder die Mineralgünge noch die Dioritporphyro
bis jetzt aufgefunden. Ich sehliesse hieraus auf das Bestehen eines genetisehen Ver-
bandes zwisehen dem A\'orkommen beider Gangbildungen und halte es für wahr-
scheinlich, dass die Dioritporphyre zu derselben Zeit erumpirten, als das Gang-
spaltennetz Aruba\'s, welches nur unbedeutende Ausliiufer bis nach Curagao sandte,
sich bildete, dass also die Aufbruchsspalten zum Theil durch das injicirte Ge-
stein, zum Theil spiiter mit Quarz erfüllt wurden.
Dass auch bei Bildung des Quarzdiorits Apophysen dcsselben zwisehen die
Gosteine der Diabasregion eingcdrungen sein kunnen, wie KIoos besonders für das
Gestein von Parabusté anzunehmen geneigt ist, soll diibei ebensowenig in Abrede
gcstellt werden, wie die eingangs hervorgehobene Mügliehkeit, dass die Blöcko
von dem Rande des Diabasgebietes als Porphyrfaeies des Quarzdiorits aufgefasst
werden könnten. Sicherheit ist über alle diese Fragon auf Grand der vorliegendcn
Beobachtungen nicht zu erreichen.
Gramtgaesge von geringer Miichtigkeit sieht man nicht solten die grossen
Sphaeroido von Quarzdiorit durchsetzen; sie dürfton innerhalb des Magmas der
letztgenannten Felsart entstanden und .als Schlieren zu deuten sein. Eine losc Platte
eines hievon durchaus verschiedenen Ganggranits, welche in der Mittc der Insel,
halbwegs St. Cruz und Belaschie, an der Oberniicho aufgelescn ist, wurde von Kloos
als Mikroklingranit bestimmt.
Kre i clef orm ati on ?
Von cretaeeïschen Ablagerungen ist mit Sicherheit auf Aruba nichts bekannt,
und es erscheint dies um so auffallender, als Sedimente der Kreideperiode nicht
nur auf Cura^ao, sondern auch auf Bonaire eine grosse Yerbreitung besitzen.
Nach dem, was wir von erstgenannter Insel über das Lagerungsverhaltniss soleher
Bildungcn kennen lernten , mussen wir sie am ehesten am Rande der von ihnen
übcrlagerten Diabase zu finden erwarten. Dem entspricht das Vorkommen eines
den Diabas durchsetzt habo, welche beiden Letzteren er für gleiehzoitige Bildungen ansah. Diese
sog. Griinsteingünge können nur die Dioritporphyre sein, so dass also die Yermuthung von Stifft
mit der hier ausgesprochenen Auffassung im Einklange steht.
-ocr page 82-
lilt
dunkelgrauen Mergelschiefere, welcher mikroskopisch dem cretaceïschen Mergel
von Hermanua auf Curacao sehr ahnlich sieht, als anstehendes Gestein am Nord-
strande, an der Boca dos Playos. Hier ragen die Schichtenköpfe nur wenig
über das Meeresniveau in ganz unbedeuteuden Broeken hervor, die Bucht im
Nordwesten begrenzend, wiihrend an ihrem inneren Rande und aufwiirts sogleich
wieder der von Quarzgüngen durchsetzte Diabas an die Stelle des Sedimentiirge-
steins tritt. Von Petrefakten ist niehts zu finden, und deswegen muss es sehr
zweifelhaft bleiben, of diese Mergel in der That der Kreideperiode angehören.
Darauf, dass eretaeeïsche Ablagerungen mindestens früher an dein Aufbau
von Aruba ïheil genonunen haben, spricht indessen auch der Umstand, dass in den
Phosphaten des Colorado das Bruchstück eines Animoniten gefunden ist, weieher
aus Kreidcsehichton abkünftig sein dürfte. Das unvollstftndige und obendrein noch
verdrückte Petref\'akt (Tab. 1, Fig. 13) liisst eino Speciesbestimmung nicht zu; sehr
nahe steht es aber anscheinend dein Annnotiitea Treffryanus Karst. aus der Kreide
von Bogota. \') Sein Vorkomnien in den quartaren Phosphaten von Aruba hat niehts
Auffallondes,2) da dieselben auch andere Bruchstücke alterer Fonnationen, vor
allem Rollsteine von Quarzit, bisweilen einsehliessen.
Schliesslich verdienen hier noch sehr feinkörnige, lichtgraue und hellgelbe
Sandsteinc niit iiusserst spiirlichcm, thonigen Bindcmittel Erwühnung, welche bei
St. Cruz als Geschiebe aufgelesen worden sind. Sie enthalten freilich weder ma-
kroskopisch noch inikroskopisch wahrnehmbare, organische Jteste; aber ausserder
Kreideformation ist auf\' Keiner der drei Insein irgend eine Ablagerung vorhanden,
init der man die Sandsteine in Verband bringen köunte.
Erz^iing\'e und Seit\'en.
In den Quarzdioriten und Diabason von Aruba troten zahlreiche Quarzgange
auf\', und besonders reich ist die erstgenannte Forination an solchen Bildungen,
entsprechend ihrcr grosseren raumlichcn Ausdehnung. Im Diabas setzen die Giinge
des Jamanota und Ariekok, t\'erncr diejenigen von Miralamar und besonders der Gegend
von Daimarie auf; über das Dioritmassiv sind sie zicmlich gleichmassig vertheilt.
Ihro Anzahl wird auf etwa 200 geschatzt, doch scheinen mir bei dieser Schiitzung auch
Paralleltrümer und Triimer zusammengesetzter Giinge gesondert aufgeführt zu sein.
Iminerhin ist der Keichthum an Quarzitgiingen auf Aruba ein ungemein grosser.
Die Miichtigkeit der Giinge schwankt von wenigen cm bis zu etwa 10 m,
1)  Karaten. Ueber die geognost. Verhültnistie des westlichen Columbien, pag. 109, tab. 4, tig. 1.
2)  Ich habc das Petrefakt nicht itelbst gct\'unden, aber keine Ursache an der richtigen Angabe des
Fundorts zu zweifeln (vgl. don vorliiufigen He richt pag. 43).
-ocr page 83-
lil
und das Aushalten im Streichen ist, soweit es an den Ausgehenden zu verfolgen
war, bei vielen als 100 m und mchr, bei einzelnen als \';2 bis 1 englisehe Meilc ange-
geben worden. Da die Ausgehenden sich durch ihre weisse Farbe gegenüber den
dunkleren Eruptivgesteinen scharf markiren und das Xebengestein in der Kegel
der Verwitterung raseher erliegt, so sieht man die gewaltigen Quarzmassen bis-
weilen schon aus grosser Eatfernung in Form kleiner Hiigel aus den umgebenden
Formationen hervorragen, so „Fort George" im Norden der spanischen Lagune,
den „Serro Blanco" bei Belaschie, welcher gleich dem sog. „Sneeuwberg" \') den
Gangquarzen seinen Namen verdankt, ferner die Giinge des Kalabass, des Kry-
stallberges, des Jamanota und manche andere
Ueber Streichen und Fallen der Giinge ist wenig bekannt. Ich selbst habe
bei meiner flüchtigen Reisc nur eine beschriinkte Anzahl derselben besuchen
können und muss mich deswegen im Wesentlichen auf die Angaben des Be-
richtes der Gold Mining Company stützen. Hierin heisst es nun zwar pag. 22
von den Gangen: „running in all directions and dipping at all angles", wenn man
indessen die Streichlinien, welche bei den einzelnen Erzgiingen angegeben sind,
zusammenstcllt, so ergiebt sich dennoch eine weit grössere Regelmiissigkeit
als nach obigen Ausdrücken geschlossen werden könnte.
In nebenstehendem Grundrisse
.ü \\ Jst das Streichen von 104 Gangen
dargestellt. Die Streichlinien ent-
sprechen den vei^schiedensten lïich-
tungen der Windrose, aber deutlich
lassen sich aus ihnen mehrere
Gruppen von Parallelgiingen -) ab-
].\'j.i. I. S- *\'
leiten, denen gegenüber allen an-
Fio. 18. Das 8tbeichen der Qu\\rzo&nue ai f Aruba ,
ïnit Angabe der in jede Streichlinie falleuden Anzahl dcr-
selben.
deren nur eine sehr untergeordnete
Bedeutung zukommt. Nicht we-
niger als 27 Giinge streichen von
W nach O und 9 andere weichen nur um 10° von dieser Bichtung ab; 13 Giinge
streichen von SW nach NO, wiihrend wiederum bei 12 anderen der Richtungs-
unterschied nur 15° und weniger betragt; 8 Giinge endlich streichen von NW
1)  Dieser Name steht auf der alten Karte für einen Hügel im Westen vom Kalabass angegeben,
ist aber auf der Insel unbekannt — aus leicht ersichtlichen Gründen. Die wirkliche Bezeichnung
daselbst vermochte ich nicht zu erfahren.
2)  Dass der Parallclismus sich auch stets auf das Fallen erstreckt, ist freilich noch nicht zu er
woiii\'ii, wohl aber bei einzelnen, benachbarten Gangen bcreits festgestellt.
-ocr page 84-
62
nach S O. Es lassen sich somit drei Gruppon von Gangen erkennen, welche im
Grossen und Ganzen von einerlci Streielien sind. Unter diesen besitzen die Morgen-
gange bei weitem die grüsste Bedeutung; darauf folgen unter den diagonal
streiehenden die 8W- und endlich in geringerer Zahl die NW-Gange.
So weit mir bekannt ist, sind die Gitngo steil bis saiger; über ihro Tiofener-
streckung fehlon alle Angaben. Gabelung ist ziemlich hiiufig. Die Salbander atel-
len in weitaus den meisten Fallen scbarf ausgesprochene Begrenzungsfliichen dar
und nicht solton legt sich zwischen sic und das Nebengestein ein dunner, lettiger
Besteg, welcher bis 5 cm Macbtigkeit erreichen kann.
Der deutlich krystallinischo Quarz, welcher die Gangspaltcn ausgefüllt hat,
ist in der Kegel von massiger Struktur, nur hie und da deutet eine lagenförmigo
Anordnung noch auf Succession in dem Ausfüllungsprocesse hin; bisweilen ist er
auch löchrig und zellig, und die Hohlraume sind dann mit kleinen Krystallen aus-
gekleidet. Unter diesen verdienen die wasserklaren Bergkrystalle, welche dem
Krystallberge bei Buschiribana seinen Xamen verliehen haben, besonderer Er\\vah-
nung, da sie nicht scltcn die Combination oc I\\ R darstellen; daneben kommt
co P. R.—R. 21*2 vor, links entwickelt und die Rhombenflachen parallel zur
Comhinationskante von I\' gestreift. Die Farbe des Quarzes wechselt von Schnce-
weiss oder von schmutzigem und blaulichem Grau bis zu rothem und dunklem
Braun; auch kommen blutrothe, rosenrothe und grünlich gefiirbte Yarieta-
ten vor.
Alle diese Gangquarzo enthalten in grösserer oder geringerer Menge Gold,
welchos indessen nur an einigen Orten makroskopisch sichtbar vorkommt. Vor allem
die Giinge des Adikurarie an der nordwestlichen Ecke der Insel haben sich als
reichhaltig erwiesen, und hier wurde auch zucrst das Arorkommcn der Goldquarzo
auf Aruba entdockt, nachdem die Seifen den Anlass zur Gcwinnung des Erzes
gegeben batten. Im Adikurarie bildot das Gold bisweilen hübsche, moosfbrmigo
Uebcrzüge auf zierlichen Quarzkrystallen; doch soll es hier keineswegs auf den
Gangquarz beschriinkt, sondern auch im Xebengesteine (feinkörnigerDiorit) einge-
sprengt und in Trümern gefunden sein. Ferner ist in den Gruben Schaffenbcrg und
Bruin, welche nur wenig südlich vom Adikurarie gelegen sind, freies Gold gefunden,
und besonders auch in der Gegend von Buschiribana, in der Nahe der Nordküste, in den
Gruben Kaduschie, Buschiribana, Serro Hacha, Tras Muralla und im Kalabass. Alle
diese Gruben befinden sich in Gangen, welche im Quarzdiorite aufsetzen. Im
Diabasgebiete ist bis jetzt nur Ein reichhaltigcr Gang mit makroskopisch sicht-
barcni Golde bei Miralamar bekannt; unbedeutende brengen Freigolds kamen in dem
Gangc von Boca dos Playos vor. Das Gold ist mit verschiedenen Mengen von Silber
-ocr page 85-
63
gemischt; es ist 19—21 karatig. Reinwardt bestimmte den Feingohalt zu bJ2/iooo
= 21 Karat 49/10 Griin.\')
Accessorisch kommen in den Gangquarzen allgemein vcrbrcitet goldhaltige
Pyrite vor und in seinen Höhlungen Brauneisenerz, seltenor Magneteisen; aus-
serdem Kupferkies, Malachit, untcrgcordnet Aznrit und Rothkupfererz ; vereinzelt ist
auch Arsenkies und Silbcr gefunden. Die Kupfererze werden von Limonit begleitet
und dürften daher aus dein Kupferkiese entstanden sein; sie bilden unrcgelmiissige
Nester in den Gangausgehenden und sind, so weit bekannt, auf das Diabasgebiet
beschriinkt, denn man liat sie nur bei Daimarie und bei Belaschie angetroffon.
Vor allem westlich von der bei Daimarie zur Sec hinabfiihrenden Schlucht sind
grössere Mengen von Kupfererzen gefunden, nachstdem etwas weiter nach Westen
zu, südöstlich von der Bucht von Antikurie. Weit unbedeutender sind die Kupler-
erze von Belaschie; nach mir gezeigten I\'roben weisen sieauf durchaus das gleiclie
Yorkommen hin, welches obon aus der Umgegend von Savonet auf Curacao erwahnt
wurde. Irgend welchc Bedeutung scheint auch dein Vorkommen der Kupfererze
aut Aruba nicht beizumessen zu sein.
So lückenhaft unsere bisherige Kenntniss von den Erzgiingen Aruba\'s auch ist,
so liisst sich daraus doch Folgendes ableiten:
Die Insel ist von einem dicliten Gangnetze durchzogen, welches das Dioiït-
und Diabasgebiet in gleichen Richtungen durchsetzt. Unter Lotzteren herrscht das
Streichen von VV nach O ganz entschioden vor, und es fiillt dieses mit dein
Streichen der Grünschiefer zusammen, welche oben als das Grundgebirge von Aruba
betrachtet wurden. In dieser angedeuteten Abhiingigkeit der Gangspalten von dom
Faltensysteme der Schiefer liegt aber eine weitere Stütze für die Annahme, dass
die alten Sedmente auch das Liegende der Quarzdiorite bilden; ich möchte sie
als eine Folge des Aufreissens langs den Schichtungsfliichen der zusammengc-
stauchtcn Grünschiefer und aequivalenter Bildungen betrachten.
In dem aus der Verwitterung und Zertrümmerung der anstehenden Formationen
hervorgegangen SeikExoebirge ist das Gold schon seit langer Zeit bekannt. Es
ist wohl nicht zu bezweifeln, dass aus ihm das ansehnliche Stück Freigold abkünftig
war, welches bereits im Jahre 1750 gefunden wurde2) und veranlasste, dass ein
gewisser Prins die Insel besuchte, welchcr ohno Erfolg dem Edelmetall nachspürte 3).
1)  Die Angaben beziehen sicli vermuthlich nuf Seifengold. — 1. c. pag. 281.
2)  Bosch. Reizen. Deel II, pag. 230.
3)  Derselbe teufte an der Ostseite des Serro Colorado am Meere einen Schacht im Diorite ab.
Er befindet sich im Kreuzungspunkte eines von unbedeutenden Quarzgüngen gebildeten Winkel-
kreuzes und steht jetzt voll Wasser, da das Meer Zutritt zur Orube erhalten hat. (vgl. auch pag.
58, oben).
-ocr page 86-
64
Erst im Jahre 1824 wurde in Folgc einor zufiilligen Entdeckung von Neuem die
Aufmerksamkeit auf das Erz gerichtet, denn man fand in den Alluvionen des
Diabasgebirgcs, vor allem in der Rooi Fluit, ansehnliche Mengen Goldes. Ein
Klumpen wog naeli Teenstra1) 32 Pfund und 8 Unzen Amsterdamsches Gewicht,
ein anderer, den das Leidener Museum besass,2) nach Reinwardt3) 6,415 niedcrl.
Pfunde, eine ganze Reihe melir als 1 Pfund. Im Ganzen wurden im Jahre 1825
an Gold 142 I\'funde gewonnen.4).
Diese Fun.de wurden die Veranlassung der geologischen Untersuchungen Stifft\'s,
welclier in seinen Berichten die goldführenden Letten des Diabasgebirgcs ausführ-
lich bewchricbcn hat. ;) Dagegen blieb es Stifft unbekannt, dass auch in den Sand-
und Lehmablagerungcn, welche sich zwischen den Felsenmecren des Quarzdiorits
ausbreiten, Gold vorkommt, gleichwic von den Giingcn nur die im Adikurarie
aufsetzonden von ihm als goldhaltig erwahnt werden °).
Das Seifengebirge im Gebiete der Quarzdiorite besteht der Hauptsache nach
aus Quarzsand, welcher Feldspath, Hornblende und Glimmer in verschiedenen
Mengen enthalt und hic und da mit Lehin abwechselt; seine Machtigkeit fand ich
an verschiedenen I\'unkten, an denen Gold gegraben war, zul — 7 m. Das Liegende
wird durch die unregelinassig höckrige Oberflitche des bald mehr bald minder vcrwit-
terten Quarzdiorits gebildet und das meiste Gold fand sich in den kummenfönnigen
Yertiefungcn des Grundgebirges, der sogenannten „Flur", bis zu welcher die Gold-
1)  1. c. Bd. II, pag. 215.
2)  Dieser Klumpen ist jetzt nur noch im Abgusso vorhanden, doch besitzt das Leidener Museum
noch immer einige ansehnlichu Stücke von Aruba-Gold.
3)  1. c. pag. 274.
4)  A. D. van der Oon Netschor (Bijdrag. tot de Taal-, Land en Volkenkunde van Ned. Indië. 3e
Reeks, III, pag. 494.)
5)  Nach Stitft findet sich der Letten hauptsiïchlich in den Niederungen des Orünstein (Uiabas)-
gebiete9, dessen Verwitterungsprodukt er darstellt; seine Machtigkeit wechselt von wenigen Zoll
bis zu 4—"» Kussen, und zwar bilden die miichtigeren Letten das Hangende von stark zerklüftetem
und angegrirTunom, die minder miichtigen das Hangende von festerem Grüiisteino. Das Hangende des
Letten ist Steingerölle und Dammerde oder Sand und Dammorde oder auch Sand allein, welche
ihn in verschiedener, selten 1 Fuss betragonder Machtigkeit bedecken. Seine Farbe ist bliiulich,
gclblich, n\'ithlich un«l grünlichgrau ; durch Kisenoxydul, Kisenoxyd und Eiscnoxydhydrat wird er
flecken- und streil\'enwciso ockergelb, gelblichbraun, schwarzbraun und blutroth. In den tiefuren
Lagen erscheint er am reinsten. Er ist milde und weich, von erdigem Hruche, bisweilen fettig
anzutïihlon und dann ziiber und mehr formbar. Die goldführcnde Schicht liegt im Allgemeinen zu
unterst. —Specielleres findet sich in den Berichten von Stitft, welche gerade dicsem Oegenstande
in erster Linie gowidmet sind und die Hesultate der verschiedenen Versuche, die angestellt wurden,
darstollen. Da sio augcnblicklich weder von geologischem noch von praktischem Standpunkte aus
von besonderem Interesse mehr sind, so habe ich nur Obiges den Rapporten entnommen.
6)  Die reichen Erzmittel des Adikurarie erwahnt auch Reinwardt, denn die Einwohner entdeckten
dieselben schon früher (Krayenhotf, van Raders, Oravenhorst.).
-ocr page 87-
65
sucher gruben. Viellcicht ist dies nicht allein die Folge eines Schlemmprocesses,
der die im Meere abgesetzten Seifen1), welche diluviale Bildungen in der eigentlichsten
Bcdeutung des Wortes darstellen, bei bestiindiger Umlagerung des Materiales
ausgesetzt gewesen sind, sondern theilweise auch auf nachtragliche Löaung und
darauf folgende Ausseheidung des Goldes in den tieferen Schichten zurückzuführen.
I)io grossen Pepites der Seifen, welche den eisten Anstoss zur Goldsuche
gegeben, sind die Ursache vielfacher Enttauschungen geworden; dcnn so wenig in
Australien die Giinge Klumpen Goldes enthalten, welche den dort gefnndencn
Riesen-Nuggets auch nur anniiherud entspriichcn, so wenig ist dies auch auf Aruba
der Fall. Diose Klumpen sind nicht die unmittelbaren I\'rodukto der Umlagerung
goldführender Gesteine des Eilands, sondern durch Concentrirung des fein vertheilten
Erzos crst nachtriiglich im Schwemmlande gebildet. Das beweist nicht nur ihre
unregelmiissig höckrige, an Concretionen durchaus erinnernde Gestalt, sondern vor
allem auch ein bereits durch Reinwardt hervorgehobener Umstand, dass die Pepites
hi\'iufig „kleinere Stiicke von Erde oder Steinchon umschliessen, als wiiren sie um
und zwischen denselben gesclimolzen." 3) Dasselbe erwahnt Teenstra 1. c. von dein
grössten auf Aruba gefundenen Goldklumpen und fiigt ausserdem hinzu, dass Der-
selbe den Abdruck des Steines, auf dem er gefundcn wurde, onthielt. Wollto
man annehmen, dass die oberen, bereits zerstörten Gange goldreicher gewesen
seien als die tiefer gelegenen, noch auf primiirer Lagerstiitte sich befindenden Gc-
steinc, so würde hiebei die Thatsache höchst auffallend sein, dass allerorts gerade
die grössten Klumpen in den Seifen vorkommen, so dass also in den entlegenstcn
Erdtheilen die Vertheilung der edelsten Gesehicke die gleiehe gewesen sein müssre.
Endlich ist von Egleston der Nachweis geliefert worden, dass die Tageswjissor im
Stande sind Gold in Löaung zu bringen, aus der es bei Gegenwart von organischen
Substanzen wieder ausgefallt weiden kann3).
Die Gewinnung des Goi-des beschrankte sich lange Zeit hindurch fast aus-
schliesslich auf die Ausbeutung des Schwemnilandes und fand in iiusserst priniitiver
Weise statt. Entweder wurden die Seifen in grossen Schalen am Meere oder
in stehenden Tümpeln gewaschen oder in noch roherer Weise mit Hilfe
des kriiftigen Windes gesiebt, da fliessendes Wasser fehlte. Zu diesem Zwecke
breitetc man die ausgegrabene Erde auf cinem Tuche aus, zerklopfte sie mit cinem
1)  Vgl. übor die frühere Meoresbedeckung das Capitol „Krosionaerscheinungen" im Folgenden.
2)  Reinwardt (1. c. pag. 274) kann sich deswegen der Ansicht nicht verschliessen, dass das Oold
von Aruba im Soifengebirge uispiünglich gesclimolzen vorkam, und widerspricht sogar cntscliie-
den der Annahme, als ob es sich auf sekunditrer Lagerstiitto bofinden könnte (1. c. pag. 278).
3)  Transact. Am. Inst. of Min. Eng. Easton. IX. 1881.
9
-ocr page 88-
66
Stockc und lass die grosseren Gcsteinsbrocken zuniiehst mit der Hand aus. Daraut
warde das zurüekgebliebene Material in einen Kübel geschütret, mit den Handen
lioch emporgehoben und nun wieder, vollig trocken, auf das Tuch ausgegossen,
wobei alle leichteron Bestandtheile durch den Wind fortgeblasen wurden. Derselbe
Proeess wurde mehrfach wiederholt und endlich der Goldstaub aus dem rückstan-
digen Sande mit der Hand ausgelesen. Auch suchte man nach heftigen Regen-
güssen das Gold an der OberHache in den Thiilern. Von den goldhaltigen Gangen
wurden anfangs nur die im Adikuarie aufsetzenden in Abbau genommen. \').
Aber die reichen P\'rtriige blieben, wie in allen Goldlandern, in den Seifen
bald aus, und da die Letzteren nur eine geringe Ausdehnung besitzen, so trat
die Erschüpfung dor Goldproduktion so rasch ein •), dass sie für den Weltmarkt
niemals von Bedeutung gewesen ist und weiteren Kreisen völlig unbekannt blieb.
Schon im Jahre 1827 war der Ertrag sebr gering; 1845 betrug er nach Teen-
stra nur 500 bis 600 Gulden an Werth,s) und augenblieklich könnten die armen
und sehr schleeht venvaschenen Alluvionen nur noch von den genügsamen, fleis-
sigen Eingeborenen ausgebeutet werden, wenn nicht das alleinige Recht der
Goldgewinnung der „Aruba Company" zustiinde.4)
Freilich wiirde die Anwendung der in Californien üblichen, liydraulischen
Vorrichtungcn gewiss noch viel Gold aus dem Seifengebirgc zu Tage fördern, aber
es tehlt an rliossendem Wasser und die Verwendung des Meereswassers dürfte
schwerlich angezeigt sein; denn die Alluvionen des Diabasgebirges besitzen eine
zu geringe Ausdehnung, als dass grossartige Vorrichtungcn für sie angelegt werden
könnten, die Seifen im Dioritgebirge sind aber gleichzeitig die Ackergründe der
Einwohner und ihre Fortschwemmung liiesse die Tnsel in eine Einöde verwandeln.
Die englische Gesellschaft bat sich dem Abbau der Gruben zugewandt, aber
die Ausbeute bat den Erwartungen bis jetzt nicht entsprochen; der Grubenbau wurde
eine Zeit lang eingestellt, wird indossen jetzt viellcicht wieder auf\'genommen. Dass
derselbe bei gutem bergmannischem Betriebe einen bescheidenen, aber regelmas-
1)  So betrieb die Begierung die Goldgewinnung bis zum Jahre 1827, darauf die einheimische
Bevölkerung von 1S32 an bis 1867. Von dieser wurden aueh Schachte in» Adikurarie abgeteuft, dio
nber 1854 in Folge eindringonden Wassers aufgegebon worden mussten, denn es fehlte an den
einfacbsten Maschinerieen zum zweekmiissigen Betriebe.
2)   U. van Lennep (.\'oster (Aanteekeningi.\'ngehouden gedurende mijn verblijf in de AVest-lndiën,
in de jaren 1837—40; Amsterdam 1842. pag ï)G.) erzitblt, dass man für die Krlaubnisskarten urn
Uold zu graben 1 (lulden per Hutho zahlte; ferner 1. c. pag. 99, dass ein Manu in einem ganzen
.Mmiatr nicht mehr Gold als für 3 Gulden an Werth fand. Der Goldgewinn muss sonach schon sehr
bald erschöpft gewesen sein.
3)  1. c. Bd. II, pag. 707.
4 Seit 1867 hat dieselbe das Monopol für die bergmannische Gewinnung von Erzen auf der Insel
erhalten.
-ocr page 89-
67
sigen Gewinn liefern wird, scheint mir ausser allem Zweifel zu stehen, zumal
in den Gangen, welche Freigold erkennen lassen, das geförderte Gestein in Einer
Tonne Gold im Werthe von 6 bis 7, ja sogar von 10 bis 22 £ enthielt.\') Diese
reichen Giinge sind also den reicheren, wenn auch nicht den reichsteii, califor-
nischen Vorkommnissen gleiehzusetzen; aber gerade im Hinblick aut\' die Erfahrung,
die man in diesem Lande gemacht hat, wird man sieh hüten mussen, an sic
übertriebene Erwartungen zu knüpfen. Bekanntlich nimmt der Adel der Giinge
naeh der Tiefe hin sehr bald bedeutend ab, und die Gangquarze, welche von Aruba
untersucht sind, stammten zum grössten Theile aus den Gangausgchenden, wie
aus dem cnglischen Rapporte deutlich ersichtlich ist.
Die allgemoinen, aus den geognostischen Beobachtungen auf Aruba abzulci-
tenden Schlussfolgerungen sollen aus bereits pag. 40 angoführtcn Gründon in einem
spatoren Capitel, „Schlussbetrachtungen über die Insein", behandelt werden; ebenso
die quartiiren Kalke und alle anderen, die drei Insein in gleicher Weise berühren-
den Verhaltnisse.
Bonaire.
Orographische GHiederung".
Ein Theil der Insel Bonaire erstreckt sich gleich Curacao und Aruba in der
Richtung von Nordwest naeh Südost; er ist gebirgig, ahnlich den beiden anderen
Insein. Ein anderer Theil dagegen hat eine Richtung von Nord naeh Süd und
ist dor Hauptsache naeh Hach, eine kaum über den Meeresspiegel sich erhebende
Ebene bildend, deren Umrisse erst in niichster Nahe des Strandes vor dem An-
kömmlinge aus dem Wasser hervortauchen. Der gebirgige Theil moge im Fol-
genden als \\Vest-, der flache als Ost-Bonaire bezeichnet werden.
Der höchste Gipfel von West-Bonaire ist der Brandaris, welcher aus der
Ferne gesehen in seiner Form einem Vulkano mit wiederholter Kegelbildung un-
gemein Hhnelt. Sein unterer, abgestutzter Kegel mit etwa 45° Neigung besitzt im
Westen 177 m Meereshöhe, seine Spitze, welche sich in Gestalt eines kleineren
Kegels über dieser Basis erhebt, 254 m; der Fuss des Berges ist nur wenig
höher als das Niveau des Oceans gelegen. 2)
1)  Kahere Angaben sind in dem citirten, englischen Berichte zu vergleichcn.
2)   Vgl. die Abbilduug in Band I, Tab. 10.
-ocr page 90-
68
Vom Brandaris aus zieht sich nach Rincon zu, in südöstlicher Richtung, ein
langgestreckter Bergrückon, nnd oin zweiter mit glcichcin Streichen geht vom
Karakao aus. Beide sind durch eine Anzahl von seichton Eiuschnitten in Höhen
zerlegt, welche sich als runde Kuppen und kleine Spitzen über der gemein-
schaftlichen Basis erheben, ohne aber in Forin von Bergen aus dem Rücken sich
herauszulösen. Der Juwa und der Makaku besitzen unter ihnen den grössten Grad
von Selbstandigkeit und sind gleichzeitig die bedeutendsten Gipfel, deren Meeres-
liöhe etwa 200 in sein dürfte.
Die Kuste von West-Bonaire wird von einem Gebirge eingefasst, welches
durchaus den gleichcn Charakter triigt wie das Küstengebirgo von Curacao;
aber scino sammtlichen Höhen sind fiach und Böschungswinkel von 10—20°,
wie sie an der Südküste von Ost-Curacao vorkoninien, findet man auf Bonaire
in diesem Gebirge nirgends. Foberall ist sein Absturz seewarts mit sehr steilen
Terrassen vcrschen und an der Nordküste zeigt os den gleichen Charakter wie
an der Küsto von Hato auf Curacao. Wie auf dieser Insol, so ist auch auf Bonaire
im schmalsten Theile eine Brücke vorhanden, welche die Gebirge der Nord- und
Südküste verbindet; aber diese Brücke ist hier bedeutend breiter und nimmt die
Gestalt eines Plateau\'s an, welches östlich von Rincon sicli zwischen dem soge-
nanntcn Lange Berg und Fontein ausdehnt und dessen mittlore Höhe ich auf etwa
40 m schatze.
Gleich (Juracao besitzt auch Bonaire liings des Küstensaumes eine grössero
Anzahl von kleinen, abgeschlossenen Meeresbecken, unter welchon diejcnigen von
Goto und Slachtbai die bedeutendsten sind. Ihr Charakter ist auf beiden Insein
derselbe; doch kommen auf Bonaire keine Boeken vor, welche noch durch einen
schmalen Canal die Verbindung mit dem Meere unterhiolten; alle sind durch
Uferwalle völlig isolirt.
An der Nord- und West-Küste des westliclien Bonaire ist das betreffende Gebirge
vielfach unterbrochen und durch breite, kurzo Thaleinschnitte in eine grössere Anzahl
von unbedeutenden Höhen zcrlogt, welche sich nur an wenigen Punkten mehr
als 25 m über den Meeresspiegel erheben dürfton, in der Regel aber noch weit
hinter dicses Maass zurückbleiben; an der Südküste dagegen besitzt es mehr
Zusammenhang und östlich von Goto dehnt sich der Lange Berg in Form einer
ununterbrochenen Mauer, mit flachem Gipfel und vielleicht 40 m Meereshöhe,
von Nordwesten nach Südosten aus. Dabei weicht dieser Berg im Osten mehr
und mehr vom Ufer zurück, indem ein flacher Küstenstrich sich zwischen ihn
und das Meer einschiebt.
Der letzte Auslaufer des Lange Berg bildet die bedeutendste Höhe des
-ocr page 91-
69
üstlichcn Bonaire, und in der Verliingcrung seines Streichens liegen nocli einige
andere, niedrigere Ilügel in der Mitte der Insel; sie tragen die Namen Serro
Grandi, Waniari und Baradicarta. Fast der ganze übrige Theil von Ost-Bonaire
ist kaum über den Meeresspiegel erhoben; er seheint in der Richtung von Süden
nacli der Nordküsto hin, deren Höhe ich auf 30 m schiitze, allmiihlig anzusteigen
und die Oberfiache des Landes ist bis auf wcnigc, unbedcutende Wellen vollkom-
men eben.
Das bedeutendste Thai auf Bonaire ist dasjenige von Ilincon. Es ist ein
Kesselthal, welches im Norden, Osten und Süden von den steilen Gehangen der
Küstengebirge und des Beide verbindenden Plateau\'s eiugesohlossen wird, im Westen
von den Ausliiufern der von Brandaris und Karakao ausgehenden Hóhenriicken,
im Nordwcsten von einigen niedrigen Hügeln. Nur im Südwesten ist das Thai
nach Goto hin geöffnet, vvahrend ein sehmaler Einschnitt dasselbe östlich vom
Serro Largo mit der Nordküste verbindet.
Ausser diesem ïhale und dem Liingsthale, welches die öfter erwahnten
Hühenzüge im Innern von West-Bonaire trennt, verdient noch ein drittes hier
gonannt zu werden. Es scheidet den Karakao vom Mangel und erstreckt sich
vom Eusse des Brandaris aus in nordöstlicher Richtung bis in die Niiho der Nord-
küste. Dort tindet es seine Endigung in einer langgestreckten Ebene, welche sich
zwischen dem vom Karakao ausgehenden Hühenzüge und dem Meere ausdehnt
und an Letzterem nur in sehr unvollstiindiger Weise vom Küstengebirge einge-
schlossen wird, da dieses hier wenig Zusammenhang besitzt.
Die topographische Grundlage meiner geologischen Karte von Bonaire gründet
sich theilweise auf diejenige von Conradi und Jarman; die Darstellung des \\vest-
lichen, jedenfalls belangreichstcn Inseltheiles abcr, mit Ausnahnic der Küsteulinie,
im Wesentlichen auf eine Kartenskizze , welche von dem Ingenieur F. A. A. Simons
angefertigt und mir zur Benutzung übergeben wurde, neben anderen, interessanten
Angaben, die ich unten zu crwühnen haben werde. Die Binnengewiisser konnten
auf diese Weise bedeutend besser zur Darstellung gelangen als auf der friiher
publicirten Karte; auch die Angabe der Lage der Berggipfel in West-Bonaire ist
vcrvollstiindigt und verbessert. Meine eigenen Beobachtungen waren hauptsachlieh
auf die Einzeicbnung der Formationsgrenzen gerichtet, da an den wichtigsten
1\'unkten die Feststellung von Compassdirektionen in Folge des zum Sturm ange-
schwollenen Passates nur mit anniihernder Richtigkeit erfolgen konnte. Von der
Einzeichnung einer Gradeintheilung habe ich aus gleichcn Grimden wie bei der
Karte von Aruba absehen mussen.
-ocr page 92-
7<>
Gheog-nostische TBeobachtung-en.
Für die geognostische Untersuchung von Bonaire konnte ich nur vier Tage
verwenden und von diesen musste ich noch obendrein einen Tag ziemlich nutzlos
unter Zurücklegung eines schon Ein Mal passirten AVeges vergeuden. Das Terrain
ist zudem in den höher gelegencn ïheilen der Jnsel sehr coupirt und Aufschlüsse
fchlen daselbst fast giinzlich, so dass eine eingehendere Darstellung des geogno-
stischen Baus der Insel nur bei langerem Verweilen möglich sein wird. Ich hatte
dazu keine Gelegenhcit, denn die einzige Station, die meinen Zwecken dienlich
gewesen ware, stand unserer Keisegesellschaft nur kurze Zeit offen und auf den
Verbleib im Freien war ich nicht vorbereitet.\') So habe ich denn im Fluge den
gebirgigen Theil von Bonaire durcheilt, und wenn ich dabei auch ohne Zweifel die
hauptsachlicbsten Forniationen kcnuen lernte, die an seinem Auf bau Theil nehmen,
so ist doch meine Kenntniss der Insel weit lückenhafter als diejenige von Curacao
und Aruba. Erleichtert wurde niir frcilich das Studium auf Bonaire durch Manches
Gemeinsamo, welches diose Insel mit den beiden anderen Eilanden besitzt; erschwert
wioderum durch die ausserst schlechte topographische Kartc. Urn keinen Missver-
stand über die Tragweite ineiner Beobachtungen aufkonimeu zu lassen, scheint es
mir angozeigt, über dieselben zuni Theil an der Hand des zurückgelegten AVeges
zu berichten.
<t. Von Kralend ijk bis Fontein.
Folgt man dem in die Karre eingetragenen AYege nach Fontein, so durch-
schneidet man zuniichst einen niedrigen Küstenstrich, welcher aus Korallenkalken
gebildet wird, die erst in allerjüngster Zeit dem Aleere entstiegon. Nach dem Lange
Berg zu wird das Terrain riachwollig, aber die Formation bleibt dieselbe; sic er-
innert an die hügeligen Korallenkalke an der Südküste von Aruba, besonders an
die Gegend der spanischen Lagune und an diejenige von Ponton. Es sind Flach-
bauten, welchc sich dem üntergrunde angeschmiegt haben, ohne zur Ausebnung
zu gelangen ; zahlreiche Fragmente von Kieselschiefer und Sandstoin bedecken ihrc
Oberriiiche und nehmen an Hiiufigkeit zu, je mchr man sich dem Lange Berg niihert.
Die Fahrstrasse bleibt östlich von diesem Berge und durchschneidet hier die
bereits von Curacao bekannten Seditnente der Kreideperiode, die nach der Kuste
1) Ich liatte nach mir gemachten Mitthoilungen erwartet, daas ich Bonaire in gleicher Weiso
wie Aruba würde durchreisen können, aber es lindet tiich daselbst ausser Kralendijk und Rincon
kaum ein Haus zura Verbleib. "Wir waren nicht einmal im Stande, uns I\'roviant zu besorgen; zu-
dem sind die Itewohner zu keinen Dienstleistungon zu gebrauchen. Wer Bonaire untersuchen will,
muss sich wie für eine Kxpedition in unbewohnte Liinder ausrüsten.
-ocr page 93-
71
zu vcrmuthlich auch das Liegende der soeben erwiihnten Korallenkalke bilden und
sich durcli den Schotter schon vorher angekündigt batten. Oestlich vom Lange Berg
befindet sich eine niedrige Klippe, welche von eincni hellgelben, dünnplattigen,
sehr f\'einkörnigen Sandstein gebildet wird; seine Schichten streichcn W 32J X und
fallen 45° NO. In der Verliingerung der Streichungslinie sind auch der S. Grandi,
der Wamari und Baradicarta gelegen, und die Mittheilung des mich begleitenden
Herren Gravenhorst\'), nach der diese Höhen ebenfalls aus Sandstein und Kiesel-
schiefer aufgebaut sind, steht somit in gutem Eiuklangc mit dieser Beobachtung.
Hierauf gründet sich die schematische Einzeichnung der Kreideformation hiesclbst.
Noch mehrfach treten hierauf\' in den Büscliungen des Weges Kieselschiefer
und Sandsteine in kaum niehr als handbroiten Aufschlüssen zu Tage; es liisst
sich nur erkennen, dass die Stellung der Schichten überall, wie auf Curacao,
eine sehr steile ist.
Nachdem der Weg über einige kleine, aus cretaceïschen Ablagerungen
aufgebaute Hügel geführt hat, passirt man eine niedrige Anhöhe, die im Wesent-
lichen aus einem schneeweissen Kalkmehle gebildet ist. Nur ein/.elne, faust- bis
kindskopfgrosse Kalkknollen liegen darin, und diese onthullen in Dünnschliffen
bei mikroskopischer Betrachtung ungemein zahlreiche, winzige und eckige Bruch-
stücke der sowohl in Kreide- wie in Quartiir-Ablagerungen der Eilande weit ver-
breiteten Lithothainnien. Ausser den Kalkalgen sind auch Foraminiferen, und zwar
meistens als Fragmente, vertreten; das Ganze ist durch eine feinkrystallinische
Kalkmasse unvollkommen zu einem porösen, abfarbenden Kalksteinc verblinden.
Makroskopisch sind keinerlei organische Iteste wahrzunehmen. Der feine, kreitle-
ahnliche Staub, welcher von dieser Ablagerung abkünftig ist, bedeckt ringsumher
alle Pflanzen, so dass sie wie getüncht ausseheu.
Ich betrachte die Bildung als einen auf\' der alten Uferterrasse, über die von
jetzt ab der Weg führt2), zusammengewehten, feinon Kalksand, der einer Zer-
trümmerung sehr jugendlicher Ablagerungen seine Eutstehung zu danken hat. Er
erinnert in seiner Zusammensetzung an den unten zu beliandelnden Kalk des
St. Hieronimo auf Curacao, nur ist er, mit Ausnahme der in ihm onthaltenen
Knollen, nicht verfestigt worden.
Die erwiihnte Terrasse triigt alle Kennzeichen der gehobenen, auf den Insein
so weit verbreiteten Plattformen. Bruchstücke der cretaceïschen Sedimente, welche
1)   lli\'ir J. II. Waters Oravenliorst, Amtsvorstand dur Insel, der mich durcli Uonairo überall
begleitete, hat den geognoütischen Verhaltuissen daselbat vieltach seine Aufmerksamkeit iuge-
wandt, und ich verdanke Demselben manche Angaben, besondors betreffs des von mir nicht betre-
tenen, niedrigen, güdlichen Bonaire.
2)   Ygl. die Karte.
-ocr page 94-
72
untcr dem Schotter anstehen mussen, bedecken in grosser Zahl den Boden, und
von ihnen diirfte auch der üusscrst feinc, alles durchdringende Staub abkünftig
sein, welcher hier auf der ebenen Fliiche von !ern kriiftigen Passate fortgetrieben
wird. Daneben begegnet man dasclbst zahlreichen Broeken quartiiren Korallenkalkes
als Feborresten zerstörtcr Biiukc, welche die Fortsetzung der Schichten des
Lange Berg gebildet babcn. Dieser sammt dom höheren Plateau, welches ihn
mit den gehobenen Riffen des Nordstrandcs verbindet, überragt mauerartig be-
grenzt die Ebene, durch die der Weg leitct, die alte Strandlinie im Westen
andeutend. Nach Osten hin soll die Brandungsterrasse sich allmiihlig in die
reeenten Korallenkalkc der Insol verlioren, welche Letztere an dem Aufbau des
flacheren Theiles von Ost-Bonaire sieh in erster Linie betheiligen. Somit herrsehen
hier überall an der Oborfh\'iche moderne Bildungen vor, und es war nicht möglieh
die Flachen im Innern des Eilands, zwischen dem Lange Berg und Fontein, abgedeckt
anzulegen, da vom anstehenden Fels nirgends eine Spur zu bemerken ist.\')
Nahert man sich dem Nordstrande, so nimmt die Zahl der Bruchstücke von
quartfirem Kalke bedeutend zu, und alsbald findet man an der Grenze der Bran-
dungsterrasse des rnnern dasselbo Gestein anstehend. Die gehobenen Riff kalke fallen
in mehreren, seharfgeschnittenen Stufen zum Nordstrande ab, wiihrend sie land-
einwiirts ganz allmiihlig in die zerstückelten Schichten derselben Formation über-
gehen. Die Grenze ist deswegen höchst unbestimmt.
An dem Punkte, wo der Weg zum Nordstrande hinabführt, sieht man als
Liegendes der quartaren Kalke graue, röthlichc und grünliche Mergel anstehen,
mit einzelncn Kalkgeröllen, ganz entisprechend den Mergcln, welche oben aus dem
mittleren Curagao beschrieben wurden -) und hier aus den Sedimenten der Kreide-
formation entstanden sind. Weiter abwiirts ragt aus der untersten T\'ferterrasse ein
kleinkörniger Diabas hervor; das Gestein, nach Kloos ein Proterobas, ist in lose,
ellipsoidische Blöcke von \'/a m und mehr Durchmesser aufgelöst. Etwas weiter
wostlich ist im gleichen Niveau abermals das Ausgehende der Diabasformation in
stark von der Verwitterung angegriffenen Partieen entblösst, wiihrend die Haupt-
massc des Eruptivgestcins vom quartaren Riffkalke verhüllt wird, um erst bei
Fontein selbst auf weitere Strecken hin aufgcscblossen zu werden. Aber auch hier
wird der Diabas noch von vielen, gewaltigen Kalkblöcken bedeckt, so dass das
Relief der Landschaft durch ihn iu keinem Punkte beeinHusst wird und es schon
aufmerksamer Beobachtung bedarf, um seinc Ausdehnung zwischen den zerstückelten
1)  In dem Profile, welches den „idealen" Durchschnitt giebt, ist das Alluvium im Innern fortge-
lassen, da es jsdenfalls nur von sehr geringer Miichtigkeit ist.
2)  Vgl. pag. 30.
-ocr page 95-
73
Kalken zu verfolgen. Ich sah indessen das Eruptivgestein bei Fontein als Lie-
gendes der genannten jungen Bildungen bis zu betriichtlicher Höhe hinansteigen,
und hierauf gründet sich seine Einzeichnung in die Projektionsebene durch den
mittleren Theil von Bonaire, welche das Profil auf der Karte darstellt.
Ueberblicken wir die im Obigen dargelegten Verhiiltnisse, so erkennen wir in
Allem, was uns zwischen Kralendijk und Fontein begegnete, die grüsstmögliche
Uebereinstimmung mit Curacao: Die Diabase, die Sandsteine und Kieselscbiefer,
die Mergel, welche auf die Anwesenheit der schiefrigen Mergel im Liegenden der alten
Terrasse schliessen lassen - das Alles ist auf beiden Insein durchaus gleich entwickelt,
der Uebereinstimmung der quartiiren Kalke beider Eilande nicht zu gedenken.
b. Von Fontein bis Goto.
Von Fontein nach Rincon reitend durchschneidet man zuniichst wieder den
gehobenen Riffkalk \') und gelangt durch eine alte Einschartung, welche in der
Bucht von Onima endigt, in die Ebene von Rincon. Ihr südöstlicher Theil ist fast
völlig Hach; nur hie und da nimmt man eine kaum merkliche Bodenschwelle wahr.
Grössere Aufschlüsse fehlen ganz; wo aber ein kleiner Einschnitt am Wege sich
zeigt, da sieht man wieder die Schichtenküpfe der Schieferformation herausragen,
deren Bruchstücke auch die OberflSche in grosser Zahl bedecken. Unter ihnen
befinden sich Broeken, die reich an eingeschalteten, aber nicht scharf geschiedenen
Lagen eines hellgrauen, krystallinischen Kalkes sind und von Kloos deswegen
als „Kalkkieselschiefer" bezeichnet wurden.
Sie sind besonders ihrer Fossilführung wegen interessant, denn das Gestein
enthïilt zahlreiche, runde und elliptische Durchschnitte von Organismen, welche
sich nur als Radiolarien deuten lassen, wie Kloos bereits vermuthet hat. Mir
scheinen die Fossilien, unter denen zwei durch verschieden weite Kammern aus-
gezeichneteFormen sich befinden, der Gruppe der Disciden anzugehören. Man bemerkt
in Dünnschliffen concentrische, von radialen Balken durchschnittene Ringe, und
die Gesammtform des Skelets dürfte eine linsenförmige gewesen sein. In einem ein-
zelnen Falie beobachtete ich auch das deutlich erhaltene Gehiiuse einer Foraminifere,
vermuthlich aus der Gruppe der Rotalinen, in dem gleichen Kieselscbiefer.
Im Westen von Rincon wird die Gegend etwas hiigeliger, ohne aber den
Charakter einer Ebene einzubüssen. Kieselschiefer herrschen auch hier noch vor,
aber innerhalb des von ihnen eingenommenen Gebietes steht unmittelbar an der
westlichen Grenze des Dorfes ein aus Porphyrbruchstücken gebildetes, durch Kalk
1) Vgl. Hand I, pag. 145 u. 146.
10
-ocr page 96-
74
cementirtes Conglomerat an, dessen Bestandtheile Haselnussgrösse erreichen. Es
formt einen kaum 2 m hohen Hügel, der wiederum in der flachen Umgebung
und beim Mangel jeglichen Aufschlusses sein Lagerungsverhiiltniss nicht erkennen
lasst; dass er aber als ein Glied der cretaeeïschen Schichtenreihe anzusehen ist,
scheint mir trotzdem nicht zweifelhaft, da die ganze Umgegend nichts Anderes
als die Sedimente der Kreideperiode erkennen lasst. Das Conglomerat dürfte den
von Curagao beschriebenen, cretaeeïschen Trümmergesteinen aequivalent sein, wobei
selbstredend die abweichende Beschaffenheit der allothigenen Bestandtheile dem
Vergleiche keinen Abbruch thut.
Weiter nach Goto zu stellen sich unter dem die Oberflache bedeckenden
Schotter der Kreideablagerungen wieder mehr und mehr Broeken von quartarem
Kalke ein; es mussen hier machtige Bönke dieser Formation zerstört sein, welche
anstehend im Süden und Osten das Thai von Rincon mauerartig, mit steilem Absturze
überragt. Die Verhaltnisse erinnern durchaus an diejenigen der Brandungsterrasse
zwischen Fontein und Kralendijk. Dann steigt der Weg, welcher sich am In-
nenrande des erwühnten Kalkgebirges hinzieht, ein wenig an; er führt über einen
niedrigen, aus kleinkörnigem Diabas gebildeten Hügel, dessen Gestein in grosse,
sphaeroidische Blöcke zerfallen ist. Diese Verwitterungsform findet sich überhaupt
auf Bonaire weit haufiger als auf den beiden anderen Eilanden, denn sie ist nur
dem körnigen Diabase eigen, der auf Bonaire fast ausschliesslich vorkommt,
wahrend auf Curayao und Aruba dichte Varietaten vorherrschen. Im TJebrigen
bot aber die Geologie der durchreisten Strecke von Kralendijk aus in Bezug auf
die Formationen kaum etwas Bemerkenswerthes, für Bonaire Eigenthümliches; auch
die mikroskopische Prüfung der Gesteine konnte die Uebereinstimmung mit den
betreffenden Formationen der beiden, benachbarten Insein nur bestatigen.
Kurz bevor man den nordöstlichen Rand von Goto erreicht hat, andert sich
indessen mit Einem Schlage die ganze Landschaft; Relief und Formation erscheinen
im Vergleiche zu dem von Curacao und Aruba Bekannten durchaus fremdartig.
c. Das nordwestliche Bonaire.
Das Gebirge, welches sich im Norden und Nordwesten von Goto erhebt und
durch seine steilen Gchange und ansehnlicheren Höhen in so grossem Gegensatze
zu den übrigen ïheilen der lnsel steht, ist ausschliesslich aus porphyrischen Ge-
steinen aufgebaut. Diese Gesteine, vorherrschend Glimmerporphyrite, in deren
rothbrauner bis gelber, feinporöser Grundmasse kleine, weisse Feldspathe liegen,
bilden fast sammtliche, vom Küstengebirge umschlossenen Berge des nordwest»
lichen Bonaire. Es sind die zahlreichen, kleinen Kuppen und Spitzen, welche
-ocr page 97-
75
bereits dem Ankömmlinge von der Rhede aus dureh ihre oharakteristische, an das
Siebengebirge erinnernde Form auffallen und unter denen der 254 m hohe
Brandaris sich am höchsten erhebt.
Ich bestieg den Gipfel von N\\V aus, wo die Basis des Berges wenig geneigt
und mit prismatischen, lose daliegenden SSulenbruchstücken des Eruptivgesteins
bedeckt ist, welche 4 m Lange und Mannsdicke erreichen. Der Boden steigt erst lang-
sam, dann rascher an, und ein kleiner Thaleinschnitt führt an dem jetzt steilen
Gehënge bis zu dem westlichen Absatze des Berges, welcher von Slachtbai gesehen
sich wie ein alterer Ringwall gegenüber der höher ansteigenden Spitze ausnimmt. •)
Beim Ersteigen des Brandaris schwindet aber jeder Eindruck einer wiederholten
Kraterbildung. Der erwahnte Absatz ist völlig flach, und auch die Spitze entbehrt
einer Einsenkung; sie wird aus annahernd vertikal stehcnden, unregelmassig po-
lygonalen Saulen gebildet, welche haufige Gliederung und hie und da auch kuge-
lige Absonderung (diese indessen in geringer Vollkommenheit) erkennen lassen.
Die Gliederung der Saulen erleichtert einigermaassen den schwierigen Anstieg,
doch fehlt sie nicht selten giinzlich.
Da der Gipfel kahl ist und das kleine Eiland völlig beherrscht, so hat man
von ihm aus einen sehr instruktiven Rundblick, umsomehr, als auch die benach-
barten Höhen jedes dichten Pflanzenwuchses entbehren. Der Passat verhindert das
Wachsthum und der Gegensatz zu dem stark coupirten, windgeschützten Terrain
des Thales ist deswegen ein sehr grosser. Durch diese Verhiiltnisse wird es aber
möglich, die Ausdehnung des Porphyrits auf weite Strecken zu übersehen. So weit
das bewaffnete Auge reicht, erkennt man dieselbe Absonderungsform des die Höhen
aufbauenden Eruptivgesteins; alle zwischen Brandaris und Juwa, zwischen Karakao
und Makaku sich ausdehnenden Kuppen tragen den gleichen Charakter. In Ueber-
einstimmung hiemit erwiess sich das zuerst bei Goto anstehend gefundene, saulen-
förmig abgesonderte Gestein als identisch mit dem Gesteine des Brandaris, und
als ich, von Letzterem aus in nordöstlicher Richtung zum Serro Grandi reitend, die
Gebirgslandschaft durchschnitt, traf ich daselbst abermals fast ausscbliesslich die-
selben Glimmerporphyrite an.
Nur an Einem Punkte stand ein als Mandelstein ausgebildeter Porphyrit an, dessen
kleine Mandeln mit Quarz und Chalcedon gefüllt sind. Vielleicht sind aus einem
8olchen auch die zahlreichen Chalcedonbrocken und Achate abkünftig, die ich mit
der Angabe „aus der weiteren Umgegend von Rincon" erhalten habe und welche
hier auf sekundarer Lagerstatte gefunden sind8). Welche Stellung dem Gesteine
1)  Vgl. Band I, Tab. XVI.
2)  Stifft erwahnte ebenfalls, das» „im üstlichen Theile der Insel der Porphyr zu einem schonen
-ocr page 98-
TC.
zukommt, vermag ich uicht anzugcben; ich traf es nur im Waldwege, wo übcr
sein Lagerungsverhiiltniss nichts zu erkennen war, anstehend an. Indessen möchte
ich es für wahrscheinlieh halten, dass dies porphyrische Gestein (nach Kloos ein
Diabasporphyrit seiner mineralischen Zusammensetznng nach) geologisch zu den
Glimmerporphyriten gehort. Auch für einen braunvioletten Porphyr mit Cumuliten
und Longuliten (nach Kloos ein Orthoklasporphyr), welcher am Innenrande von
Goto ansteht, dürfte dieselbe Annahme gerechtfertigt sein. Beide Gesteine besitzen
jedenfalls nur eine sehr beschrankte Verbreitung.
Kurz bovor der vom Brandaris zum S. Grandi führende Weg in die Ebene
hinaustritt, welche sich südlich von letztgenannter Höhe und langs des Nordstrandes
ausdehnt, verflacht sich die das Innere von Westbonaire bildende Gebirgslandschaft.
Gleichzeitig treten einzelne Broeken der cretaeeïschen Kieselschiefer rait steiler
Schichtenstellung im Wege auf, urn mehrfach von einem schmutziggrünen Tuffge-
steine verdrüngt zu werden. ]) Die Ebene selbst ist wieder mit zahlreichcn Fragmen-
ten von Kieselschiefer bedeckt; auch sie ist, gleich den oben beschriebenen Ebenen,
alter Meeresboden, über den der S. Grandi isolirt mit terrassirtem Bau sich erhebt.
An seinem Fusse lass ich als Gerölle einen Glimmerporphyrit auf, der durch
grossen Keichthum au mehrere cm im Durchmesser erreichenden Calcitmandeln
ausgezeichnet ist, und die ausgewaschenen Höhlungen der alten Htrandlinien da-
selbst sind reich an Diabasgeröllen.
Nach Südosten zu setzt sich die Brandungsterrasse mit gleichbleibendem Cha-
rakter eine betraehtliehe Strecke weit langs des Strandes fort, landeinwiirts be-
grenzt von dein steil ansteigenden , vom Karakao zum Makaku sich ausdehnenden
Höhenrücken, der an seinem Fusse deutlich die frühere Einwirkung des Meeres in
dem stark zersetzteu Gesteine erkennen liisst. Soweit dasselbe eine 1\'rüfung zuliess2)
vermochte ich auch hier keinerlei Intersehiede von den in Westbonaire herrschen-
den Glimmerporphyriten zu entdecken. Jch folgte der Ebene bis zur Kooi Graudi
und gelangte durch sie auf dem Wege nach Itincon in einen flachwelligen, nach
dem Dorfe zu allmiihlig ansteigenden Landstrich, dessen Hügel durchaus den
gleichen Charakter tragen, wie manche Gegcnden in West-Cura^ao. Sie werden
Mandelsteine wird," desgen Blasenraame in der Kegel mit Chalcedon, seltener mit Amethygt,
Quarz, Jaspis iii.d Upal gefüllt seien. Es kommen indessen auch Diabase mit Mandeln von Quarz
und Chalcedon auf Bonaire, ebensowohl wie aut\' Aruba, vor.
1) Die braunen Streifen der Tutte in dem dor Karto beigegebenen Protile sollen keineswegs eine
Schichtung audeuten.
•2) Das Mitnehmen grüsserer Mengen von Oosteinsproben war leider dadurch unmöglich geworden,
dass uns unsere sammtliche Dienerschaft ohne Umstande verlassen hatte. Deswegen vermochte ich
die Ueobachtungen spüter auch nicht zu controliren.
-ocr page 99-
77
von cretaceïschcn Schichten gebildet, unter denen auf dein Gipfel mehrfach ein in
runde Blöcke zerfallender, körniger Diabas hervorstósst, die Bodenschwellen gleich
einem Mauerwerke kronend.
Diabase habe ich auch auf dem Wegc von Goto nach Slachtbai angetrofFen; hier
bildet das Eruptivgestein ein niedriges, dem Innern des östlichen Cura<,\'ao vergleichbares
Terrain, dessen Oborfliiche eine sehr tief hinabreichcnde Zersetzung erfahren hat.
Halbwegs zwischen den beiden Binnenmeeron gelang es mir erst in einer Tiefe
von (i in iu einem zur Gewinnung von Wasser angelegten Loche ein einigermaasscn
frisches Gestein zu erhalten. In dieser Gegend ist überhaupt die Grenze der For-
mationen sehr schwor anzugeben, da am Innenrande der Binnenmeere Alles in
hohem Grade zersetzt ist; sicher nehmen aber keine anderen als eruptive Bil-
dungen dort an ihrer Umgrenzung Theil. \')
Unter diesen verdienen noch einige Vorkommnisse besonderer Erwiihnung. In
erster Linie ein Tuffgestein, welches am Innenrande von Goto ansteht, am Fusse
eines ansehnlichen Hügels, in der Fortsetzung der Glimmerporphyrite, welche
nordöstlich von Goto am Wege angetrofFen werden. Dieses Tuffgestein lagert hier
mit dem oben erwiihnten, violetten Porphyr, den ich an keinem anderen Orteder
Insel gefunden habe. Bei Slachtbai bildet ein palagonitartiges Tuffgestein das
Liegende des die Kuste umsiiumenden, quartaren Kalkes.
Die sammtlichen, von Bonaire bekannten Tuffe liegen nach Obigem am Bande
der Glimmerporphyrite; sie doeken den Fuss des von den Porphyriten gebildcten
Gebirgslandes, und da keine anderen Bildungen von der Insel bekannt sind, mit
denen die Tuffe in Verband gebracht werden künnten, so hat ihre Zugehörigkeit
zu jenen Gesteinen von vornherein viel Wahrscheinlichkeit. Mir scheint sie in
keiner Hinsicht zweifelhaft zu sein.
Nun können aber die Tuffe nach der Untersuchung von Kloos nur von
jüngeren Eruptivgesteinen abkünftig sein und deuten sie zum Theil auf eine in
niichster Ntihe befindliche Eruptionsstelle hin. Demnach waren die Glimmer-
porphyrite ebenfalls junge Eruptivgesteine, und die mikroskopisehe Untersuchung,
wonach sie einen „besonderen Typus" darstellen und weder mit jungpalaeozoischen
noch mit tertiiiren, massigen Gesteinen völlig übereinstimmen, steht dieser An-
nahme nicht entgegen. Kloos halt es ebenfalls für möglich, dass die Porphyrite
jünger seien als die Sedimente der Kreideformation auf Bonaire.2)
Vielleicht haben wir in den Glimmerporphyriten der Insel die durch Denu-
dation blossgelegten Kerne junger Eruptionskegel zu sehen, deren Tuffe im Umkreise
1)  Vgl. Band I, pag. 147.
2)  1. c. pag. 106.
-ocr page 100-
7S
an günstigen Stellen erhalten blieben, indem sie wahrend der Meeresbedeckung in
quartarer Zeit überall dort, wo sie jetzt anstehen, durch aufgelagerten Korallenkalk
geschützt wurden, wie solches noch heute an der Kuste von Slachtbai der Fall ist.
Leider gab kein Profil über das Lagerungsverhaltniss der Eruptivgesteine zu
den cretaceïschen Sedimenten Aufschluss, und da die oben gegebene Erklarung
durch ahnliche Vorkommnisse von anderen Orten nicht gestützt wird, so bedarf
der Gegenstand erneuter und eingehender Untersuchung. Freilich liegen die Ver-
haltnisse auf Bonaire so ungünstig, dass es mir fraglich erscheint, ob man jemals
das relative Alter der in Rede stenenden Bildungen daselbst mit Sicherheit wird
feststellen können.
lm Gebiete der Porphyrite habe ich cretaceïsche Sedimente nicht angetroffen,
und das ware, wenn die Kreideschichten jünger als das Eruptivgestein sein sollten ,
nur schwierig zu erklaren. Man sollte vielmehr in diesem Falie ein ahnliches La-
gerungsverhaltniss zu finden erwarten, wie es im westlichen Curacao und auch
auf Bonaire selbst zwischen Diabasen und cretaceïschen Sedimenten besteht:
isolirte Kuppen des Eruptivgesteins, welche unter den Sedimenten hervorstossen.
Statt dessen bilden aber die Porphyrite ein zusammenhangendes Gebirgsland,
welches in seinem Belief an dasjenige jungeruptiver Gebiete erinnert.
Stifft deutete das Lagerungsverhaltniss der Porphyrite zu den Schiefern ganz
so wie dasjenige von Diabas zu den cretaceïschen Ablagerungen auf Curacao,
indem er einerseits die „Porphyre" als das Grundgebirge ansah, andererseits aber
annahm, dass Lager von Kieselschiefer ihnen eingeschaltet seien. Der „Porphyr"
soll in „Thonstein" und „Kieselschiefer" übergehen; offenbar ist unter dem Thon-
steine das Tuffgestein verstanden, und die oben geschilderten, auf dem Waldwege
vom Brandaris zum S. Grandi beobachteten Yerhaltnisse erklaren deswegen, was
die Tuffe betrifft, die Auffassung von Stifft vollkommen, ohne dass Letztere mit
meinen Beobachtungen in Widerspruch stonde.
Von Bonaire könnte auch das Material von Tuffgesteinen abkünftig sein,
welche auf Curacao vorkommen und petrographisch mit den Tuffen jenes Eilands
übereinstimmen. Ich fand sie in einem Wasserrisse bei St. Jan und in einem
Brunnenloche unweit Brievengat anstehend, ohne dass es mir möglich gewesen
ware, über ihre, jedenfalls sehr beschrankte, Ausdehnung daselbst weitere Beobach-
tungen anzustellen.
Ueber andere Bonaire betreffende Bildungen und Verhaltnisse ist der folgende
Abschnitt zu vergleichen.
-ocr page 101-
7!)
Den Insein gemeinsame Bildungen
nnd Verhaltnisse.
.Altere quartare Korallenkalke. \')
Petrographischer Charakter. Der petrographische Charakter der Korallen-
kalke ist grossem Wechsel unterworfen. Feinkörnige, scheinbar dichte und erdige
Gesteine wechsein ohne erkennbare Regelmassigkeit mit einander ab; fast alle sind
porös, andere zellig; ihre Farbe ist weiss oder lichtgelb, grau in allen Nuancen,
röthlich oder rosenroth, seltener rothbraun und zuweilen steinroth. Auch geflammte
Varietaten kommen vor. Die Verwitterungsrinde ist indessen fast stets eintönig
lichtgrau gefarbt, so dass die geschilderte Mannigfaltigkeit nicht besonders in die
Augen fallt.
Kleine Höhlungen, an denen das Gestein reich ist, sind vielfach mit Kalk-
spathdrusen und zierlichen Stalaktiten ausgekleidet; auch Grotten kommen im Kalk-
steine vor, die als Lücken in den Korallenbauten, zum Thcil spiiter durch ab-
fliessendes Wasser erweitert, aufzufassen sind, soweit sie nicht zur Kategorie der
durch Meereserosion entstandenen Höhlungen gehören. Als eine solche Lücke in dem
RifFkalke betrachte ich auch die Grotte von Hato auf Curaeao, welche durch ihre
Grosse ausgezeichnet ist und sich in Westindien besonderer Bekanntheit erfreut.2)
Die Oberfliiche der Kalke ist zackig und zerrissen, mit vielgestaltigen Zinken
und Spitzen vergehen, welche durch sehr unregelmiissige Hohlriiume geschieden
werden, beim Betreten einen klingenden Ton geben und das Begehen der For-
mation ungemein erschweren. Diese an Karrenfelder erinnernden Bildungen, deren
Höhlungen bis zu Meter Tiefe erreichen, haben der Einwirkung des Meereswassers
ihre Entstehung zu danken, sind aber spa ter durch die Wirkung der Atmosphaeri-
lien in den gehobenen Kalken erweitert worden. Man kann ihre Bildung auch
heute noch am Nordstrande der Insel wahrnohmen, besonders schön bei Fontein
auf Aruba, wo an der Basis einer durch das Hochwasser geformten Hohlkehle zur
Ebbezeit zahlreiche, schüsselförmige Vertiefungen sichtbar werden, die der Gischt
jeder auflaufenden Welle von Neuem benetzt und welche stets mit Meereswasser
gefüllt bleiben. Durch Zusammenfliessen der beckenförmigen Vertiefungen bilden
1)  Mit Inbegriff der wesentlich aus Conchylien und anderen Organismen aufgebauten Kalke, die
sich bekanntlich in jedem Ui lic befinden und geognostisch gleichwerthig sind. — Die alteren quar-
taren Korallenkalke sind auf den Karton als „QuartRrformation" bezeichnet; im (jegensatze zu
den „Jüngsten Riffkalken etc." Statt „Quartarformation" hatte hier „Aeltere Quar-
tarformation" stehen sollen.
2)  Vgl. Band I, pag. 116.
-ocr page 102-
80
sich unregclmassig zackige Jlöhlungon, deren Form durch die molir «dor minder
grosse Widerstiindsfiihi^keit einzelncr Kalkparticen, besonders auch durch die Vor-
theilnng der Fossilien, wescntlii\'h lteeinHusst wird.\')
Risweilen sielit man in den Korallcnkalkcn rostbraune Partiecn , wclcho scharf
pogen das iihrigc fJestoin abgegrenzt sind nnd in ihrer Form die erwahnten, un-
rcgelmassigen Höhlungen nachahmen. Sic sind durch einen geringen Gehalt an
Posphorsaure ausgezeiclinct und scheinen mir als spiitere Ausfüllungen aufgefasst
werden zu mussen, da cin soldier Process sich im Hinblick auf (lic Bildung dor un-
ten zu behandelnden, durch Metamorphose aus den Kalken entstandenen Phosphate 2)
leicht erklürt, wahrend die scharfe, zackigo Pegrenzung sonst nicht verstandlieh ist.
Gesonderte Schichten werden oft selbst in machtigen Ablagcrungen der Kalkc
völlig vermisst; Letztcre stellen dann ein durch ununterhrochcnos Waclisthum der
Korallonthiere entstandonos Geliilde dar; an andoren Orten dagegen wicht man
Piiiike von 1 m und niehr Machtigkeit, welehe vielf\'ach senkrecht zur Schichtungs-
fliiche zerklüftet sind.
I\'alaeontolooischer Ciiaraktek. Die Kalke sind ungemein reich an Petre-
faktcn, die sich indessen trotz dieses Reichthums nicht leicht in genügender Zahl
sainineln lassen, denn Belten sind sic in gut crhaltoncni Zustande aus dem Gesteino
herauszuschlagen; beim Sammoln ausgewittertor Exemplare bedarf es aber ganz
besouderer Vorsicht, wenn man sicher gehen will, keinc jüngeren, organischen
Poste zu erhaltcn, als die Kalko selbst sind.3) Deswegen sind in der wciter unten
folgenden Uebersichtstabelle über die Fossilien der alteren quartiiren und aller-
jüngsten Bildungen auch nur verhaltnissmassig wenige Species aus don erstgo-
nannten angeführt. Diese Arten sind abor, soweit einc Pestiinmung überhaupt
möglich war, sümmtlieh noch lebend und bewohnen das Meer, welches die Kusten
dor Eilande bespuit; die hautigsten unter ihncn geboren zudein auch in dor Jctzt-
zeit zu don gemeinsten Pepracsentanten der wostindischen Mccrcsfauna, so dass
die palaoontologischo Verknüpfung dor alteren quartiiren Kalkc und der jüngston
PiH\'bildungon eine ungemein enge int\').
1)  Karrenfeldartige Bildungen, welche nach J. Walther unter dem Einflusse dos Seewassers an
den Kalkf\'elsen von Sorrent und Capri entstvhen (J. Walther: Die gcstcinsbildendcn Kalkalgen des
Golft-s von Neapel etc. — Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch. XXXVII. 2. 1885, pag. 348.), werden
von 1\'. Scliirlitz als das licsultat der Kinwirkung der Chloride des Meerwassers auf die Gesteino
angesehen (J. Walther und P. Schirlitz : Studiën zur Geologie des Golfes von Neapel.— 1 c. XXXVIII,
2, 1880, pag. 338 ff.).
2)  Vgl. unten Niiheres über diesen Gegenstand.
3)   Vgl. hierUber unten in dem die jüngsten Kiffkalke behandelnden Theile.
4)  Ucber dies Alles ausführlicher unten, I. c.
-ocr page 103-
s|
lm Gogensatzc hiezu schien eine Carcharodon-A.rt zu stelten, die kaum von
C. megaiodon Ag. zu untorseheiden int;1) und mich veranlassto die in Rede stehen-
den Ablagerungen früher für Tertiiir zu halten*). Ich habe nun zwar trotz wieder-
hol ter Prüfungen zu keiner sicheren Benennung dieser Reste gelangen können, aber
die betreffenden Petrefakte verursachen doch kaum noch Schwierigkeiten für die Beur-
theilung der Kalkbanke. Die mikroskopische Untersuchung von Korallenkalken von
Bonaire lehrto mich namlich unter anderen die Anwcsenheit von zahlreichen, zer-
brochenen, offenbar auf sekundiirer Lageretatte befindüchcn Oehausen von Forami-
niferen kennen, die der flattnng Orbitoides anzugehören scheinen. Orbitoidesistin
den cretaeeïschen Schichten \\Vcst-Indien* bekannt, und die jongen Kalke, in denen
ich die Bruchstücke in grosser Zalil zu erkennen meinc3), bilden au der Nordküste
von Bonaire das Hangende von Mergein , die aus der Zerstörung von Kreideschichten
hervorgegangeu sind \'). Eh kann deswegen in keiner Hinsicht befremden,dass diequar-
türen Kalke dort, wo sie diese Mergel überlagern, an ihrer Basis Fragmente von
Orbitoiden einsehliesscn, und die Vermuthung liegt nahe, dass auch die Carcharo-
don-krt
aas cretaeeïschen Schichten abkünftig sei und sich in don Korallenkalken
auf sekundiirer Lagerstatte bctindc. Diese Annahme wird noch dadurch gestützt,
dass der Ort, an dein die Wirbelthicrreste auf Bonaire gefunden sind, nur wenig
nordwestlich von dem Orbitoiden-führenden Kalksteine und fast in gleichem Niveau
mit Letzterem gelegen ist, sowie ferner durch das Vorkommen eines Ammoniten
in den Kalken vom S. Colorado auf Aruba, für wclchos die gleiche Erklarung
gefordert wird. Jedenfalls ist nach Obigem der Fund des Carcharodon nicht im
Standc das quartiirc Alter der Korallenkalke in Frage zu stellen, da dasselbe
durch die bckanntcn Molluskcn völlig sichor bestimmt werden konnte.
WACHSTHUM. Die Versteinerungen sind in den Kalken sehr verschieden ver-
theilt, und dies nicht nur bezüglich der einzelnen Thiergruppen, BOndern auch
der Species. Nirgends fand ich z. B. Trochus pica in solchen Mengen wie an der
Kuste von Savonet, nirgends bo viele Exemplarc von Strombus gigas wie bei
Westpunt; im Allgemeinen seinen es mir auch, als ob an der Wctterseite die
Korallen mehr durch Astraeaceetl vertreten seien als an der im \\Vind- und Strom-
schatten gelegenen Kuste, woselbst neben anderen Korallen besonders auch Con-
chylien zahlreicher gefunden werden. Indessen sind meine Beobachtungen soldier
Verhiiltnisse, die nur bei liingerem Verwcilen mit Frucht studirt werden können,
1)   Unton: „Wirbelthicrreste aus marinen Phoaphaten."
2)   Vorliiufiger Bericht, pag. 73.
3)  Der tirhaltungszustand ist ungünstig, denn die Roste sind theilwcise metamorphosirt.
4)  Vgl. oben, pag. 72.
11
-ocr page 104-
82
zu lückcnhaft, als dass ich darauf allgcmeinc Schlussfolgerungen bauen möchte.
Nur Einc Thatsache ist mit grosser Klarhcit zu erkennen, dass namlich die
Kalke nirgends von lebenden Korallen aufgebaut worden sind, woSchlamm, Sand
und Trümmer das Wasser verunreinigten. Hier warde zunüchst durch andere
Thiere der Boden für ihre Bauten vorbereitet, durch Mollusken, und vor allem
durch Kalkalgen, mit denen sich Bruehstücke von Korallen mengten, die durch
ihre abgerollrc Porm in den Conglomeraten deutlich als solche sich kennzeiclmen.
Die oben bcschriebenen Profile von Curacao\') lassen das Wesentlichste dieser
Yerhültnisse bereits bei makroskopischer Betrachtung erkennen. Das Mikroskop
enthüllte ausserdem in I\'raeparaten, welche von den quartaren Conglomeraten
angefertigt wurden, neben Diabasbrocken mit allen Kigenthiimlichkeiten des anste-
henden Eruptivgesteins, bcsonders einen ungeheuren Heichthum an Kalkalgen
und zwar an Lithothamnium. Die Ptlanze ist fast nur in Bruchstücken von \\vinzi-
gen Dimensionen vorhanden, herrscht aber vor allen anderen, organischen Besten
vor, auch vor den Foraminiferen, die niichst den Kalkalgen und vereinzelten
Korallcnbruchstücken den wichtigsten Antheil an der Bildung der Diabasconglo-
merate nehmen. Das Ganze ist durch einen sehr feinkörnigen Kalk cementirt.
Diesc Beschaffenheit zeigen die Conglomerato von Plantersrust, ferner aus
dem Profil westlich vom Hafen, bei der Stadt, sowie voni spanischen Hafen und
von Savonet. Wesentlich das gleiche mikroskopisehe Bild zeigen auch Diabascon-
glomerate von der Boca van Welvaart, nur mit dem Fnterschiede, dass statt der
Foraminiferen reichliche Korallenbruchstücke sich einstellen. Die Kalke unweit
Fontein auf Bonaire, welche als ] langendes der bunten Mergel auftreten , sind fast ganz
aus Bruchstücken von Foraminiferen aufgebaut, die sich hier zur Bildung einer
feinen Breecie vereinigt haben und wiederum von einzelnen Broeken der genannten
Kalkalge begleitet werden.
Die betretfenden 1\'rofilc lehren uns gleichzeitig, dass die Schichten, die in
ihnen aufgeschlosscn sind, nur wiihrend einer positivon Strandverscbiebung ge-
bildet sein können, denn bei umgekehrter Bewegung des Meeresspiegels würden
die Trümmergesteine im Untergruiule der Korallen und ihr alliniihliges Verlaufen
nach dem Hangenden hin gar nicht zu erkliiren sein. Dabei ist freilich nicht aus-
geschlossen, dass die Korallenkalke auch wiihrend der negativen Strandverschie-
bung noch wciter fortwucherten; es ist dies im Hinblick darauf, dass noch heute
die Bitt\'bildung in unuuterbrochenem Fortgange begriffen ist und dass eine scharfe
Trennung von altquartiiren und recenteu Bildungen uumüglich erscheint,2) keinem
Zweifel unterworfen.
1) Pag. 10 u. 17.
          2) Vgl. hierUber unten.
-ocr page 105-
SU
Die complicirten Wachsthumsverhaltnisse lassen sich bei dem Mangel petro-
graphischcr und palaeontologischer rnterschiede zwischen den wiihrend positivcr
und negativer Strandverscliiebung gebildeten Korallenkalken im Einzelnen
nicht weiter verfolgen. Xur soviel darf als feststehend angenonimen werden , dass
die Korallcn bei positivcr Bewegnng des Meeresspiogels zu bauen bogannen, indem
sic sich auf Uferbildungen in geringer Tief\'e ansiedelten und mit dem Fort-
schreiten der Strandverscliiebung allmiihlig alle dem Meere benachbarten Ilöhen
überwuchcrten, so dass die Zahl der vom Orundgebirge abkünt\'tigen Gcrülle,
welcho in die Bauten gelangten, bestandig abnahm; dass aber ferner bei nega-
tiver Strandverscliiebung, welche bis in die Jetztzeit fortdauert, nach aussen
zu neue Korallenbauten ringformig über und um den alten Bitten sich bildeten, in
iihnlicher Weise wie dies von Guppy \') auf den Salomon-Inseln beobachtet wurde.
Bei üppiger Entwicklung und Eniporwachsen der Polypcn bis zum Meeres-
spiegel musste sich nun wiihrend der positiven Strandverscliiebung ein den alteren
Formationen aufgelagerter Kalkkeil bilden, dessen grösste Mïchtigkeit an der
Aussenseite gelegen ist, und in der That liisst sich das Auskcilen der quartaren
Kalko nach der Landseite hin an niehreren Punkten beobachten, so unter anderen
vortremich in der Rooi Cachunti auf\' Aruba.2)
Wo die AVaehsthunisverhiïltnisse indessen ungünstige waren, da formten die
Korallen minder miichtige Abla»erungen, die sich dem rntergrunde anschmiegten
und dessen Belief auch nach stattgehabter Verhul hing noch deutlioh durchtreten
Hessen; die Ausebnung, eine Folge des Emporwucherns bis zum Meeresspiegel,
oder auch des rasdieren Wachsens an der Aussenseite, trat nicht ein. Es bildeten
sich mantelfórmige l\'mlagerungcn von Korallenkalken, die besonders schön am
Innenrande des Schottegat zu sehen sind, sowie ursprünglich genoigte Scliichten,
die ihre Neigung lediglich den ihnen als Unterlage dienenden Gehangen der
uiteren Formationen zu danken haben.
Solche geneigte, aber keineswegs aufgerichtete Schichten, in donen die
Korallenstöcke alle noch die ihrem Wachsthumo entsprechende, vertikale Stellung
einnehmen, sind vor allem in der Umgebung von Willemstadt entwickelt und
machen hier bei oberfhichlicher Betrachtung den Eindruck, als ob das Küstenge-
birge gewaltige Störungen in der quartaren Periode erfahren hatte. Die Forma-
tion erscheint nicht nur aufgerichtet, sondern auch verworfen, da von aussen nach
1)  Uupi>y. Observ. on the recent Calcareous formations of the Salomon Uroup (Nature 1885.
Bd. XXXIII, pag. 202, Abstract of a paper road beforc the Roy. Soc. Edinburgh on Juno 15\'1»
1885, bcing. comm. by J. Jlurray.)
2)  Vgl. oben, pag. 55.
-ocr page 106-
84
innen zu mehrere dorartig geneigte Schichten im Kalkgürtel des Eilandseinander
folgon, und aogar Gabb hat sich dureh dicse Verhaltnisse tauschen lassen, indem
er die Nord- und Südküste bcgleitenden Korallenkalke als Flügel einer AntiklU
nale, deren Aehse der Langsrichtung der Iusel parallel verlaufe, aufgefasst hat.
Anch Stifft glaubte, dass das betreffende Küstengebirge eine Aufrichtung
erfahren habe, indem es nach Südosten einstürzte, \') und sah in den gewaltigen
Bloekbildungen, wie sie die Formation unter andcrom besonders auffallig in der
Caraeas Bai zoigt, die Folge stattgehabter Erdbeben. Mir ist indessen kein einziger
1\'unkt bekannt, welchcr eine wesentliche Störung der ursprünglichen Lagerungsform
erkennen liesse, abgeseheu die unbedeutenden Verworfungen, welche in Folge der
Erosionswirkungen des Meercs hie und da im Kalkgebirge zu beobachten sind,
sowie u. a. am Nordstrande von Curacao, in der Nahe von Ostpunt. Die flachen
Wölbungen, welche die Kalkbanke an der Caracas Bai zeigeu, haben ebensowenig
niit ciuer Sattelbildung zu schaffen wie die mantelfürmigen Ueberlagerungen von
Korallenkalk am Innern des Schottegat; sie sind gleich ungestört wie die in
schwebender Lage sich befindenden Biinke von anderen Orten der Insein.
Dass solche Verhaltnisse, die selbst erfahrene Geologen tauschen konnten,
lehrreich und wichtig für die Würdigung des Schichteubaus iilterer Sedimente
sein kunnen, braucht kaum liervorgehoben zu werden.
MaCHTiGKEiT. Die geschilderten Wachsthumsverhiiltnisse und die daraus sich
ergebende Lagerung der Riff kalke haben aucli zu Irrthümern bei der Beurtheilung
der Machtigkeit der (iuartiirfbrmation gefïihrt, deun Dieselbe erscheint nach der
Kuste zu fast überall völlig geschlossen, ohnc dass die uiteren Formationen zu
Tage tieten, und wer die Korallenkalke für aufgerichtet ansah , der inusste in Tleber-
einstinimung mit dem eisten Eindrucke, den die Schichten machen, auch annehmen,
dass ihre Machtigkeit eine sehr bedeutende sei. Deswegen giebt auch Gabb an, die
Uiffkalke Beien die einzige Formation auf Curacao.
Ich schatze die Machtigkeit der Korallenkalke im Durchschnitte auf nicht
mehr als 20 111; selten dürfte sie 30 m erreichen, wiihrend sie oftmals auf 15 m,
10 m und noch minder herabsinkt; sie bilden demgemüss im Verhaltnisse zu den
bis 200 m ansteigenden Küstengebirgen nur eine dunne, den alteren Formationen
aufgelagcrte Schicht und ihre geringe Machtigkeit ist auch die Ursache der so sehr
verschiedencn Höhen des Küstengebirges. Hutten die Korallen sich üppiger eut-
wickelt, so würde der Einfluss, den das Relief des Untergrundes auf die Höhe
des Riffes ausübte, bald geschwunden sein; jetzt aber wird die Höhe des Küsten-
1) Dumontier 1. c. pag. 304.
-ocr page 107-
85
gebirgeg nach wie vor durch diejenige des Grundgebirges liings des Meeresstrandes
bedingt
Dureb spiiter crfolgte Erosion, namentlich durch die Herausbildung der Ufer-
terrassen, ist die Kalkdecke an manchen Orten noch bedeutcnd unter das angegebene
Maass ihrer Msichtigkeit herabgesunken und das Grundgebirge bisweilen wieder bloss
gelegt worden, wiihrend es iu anderen Fiillen nurnocli von einer sehr dunnen Kalk-
schicht bedeckt ist, so z. B. am Xordstrande von Bonaire, unweit Fontein. Vielfach liisst
sich indessen nicht mehr beurtheilen, ob die Miichtigkeit stets eine geringe war,
oder ob Letzteres als Folge gpiiterer, zerstörender Einfliisse aufzufassen ist, so
z. 13. an der Nord\\vest- und Südosteeke von Aruba, wo überall die Eruptivgesteine
unter der Kalkdecke in geringer Tiefe anstehen und sich die Existenz einer Bran-
dungsterrasse nicht nachweisen liisst.
Ueber die Miichtigkeit der quartiiren Kalke von Bonaire verdanke ich interes-
sante Angaben Herrn Ingenieur Simons, welcher ihre Ausdehnung gcnau studirte,
da er sich mehrere Monate im Interesse dor Phosphatgewinnung auf der Insel
aufhielt. [Ihm gehulde ich auch die Angabe der Formationsgrenzen der Ititfkalko
im nordwestlichen Bonaire.] Der S. Grandi ist nach Simons an seinem iiusse-
ren, dom Meere zugekehrten Steilabsturze von 15 m Höhe ausschliesslich aus Ko-
rallenkalk gobildet, landeinwarts ist aber die Riffbildung nur noch 6 m machtig;
in den 24 m hohen, zu Seiten der Playa Franz gelegenen Hügeln betragt sie nur
4,5 m und im 45 m hohen Wazal sinkt sie an manchen Stellen auf l,5mherab.
Diese Kalkschichten werden in Uebereinstimmung mit den von (Juracao geschilder-
ten Verhiiltnissen durch Conglomerate vom Grundgebirge geschieden, welche an
der Iimenseite des S. Grandi mehr alg 1 m, im Wazal fagt 2 in Miichtigkeit bc-
sitzen.
Vükbreitung. Uie alteren quartaren Kalke bildeten zur Zeit Ihres Wachsthums
dort, wo jetzt Ost-Cuka^ao gelegen ist, ein ovales Atoll. Dasselbe war an der Strom
und Wind ausgesetzten Nordküste am vollkommensten geschlossen, denn hier ist
der Kalkgiirtel nicht nur am breitesten, sondern es befinden sich in ihm auch nur
wenige, unbedeutende Einschartungon, von denen nur Eine noch bis zum heutigen
Meeresspiegel hinabreicht. An der Leeseite dagegen war, entsprechend den kurzen,
das Küstengebirge rechtwinklig schneidenden Thalern, eine grosse Zahl tiefer
Kinnen vorhanden, durch welche das zur Fluthzeit ins Innere des Atolls gelangto
Wasser wieder abströmen konnte.
Mit Ausnahmc der Ronde Klip, welche sich hoch über die niichgte Umgebung
erhebt, befinden sich augenblicklich innerhalb deg einstmaligen Atolls keinerlei
Kalkablagerungen mehr; aber sowie sich jetzt im Schottegat noch unbedeutende
-ocr page 108-
Sli
Flachbauten bilden, so diirften dioselben auch im quartiiren Atoll von Ost-Curacao
nicht giinzlich gefehlt liaben. Sie sowohl wie etwaige Ablagcrungen von Korallen-
sand mussten indessen bei Trockcnlegung der Insel leiclit wieder zerstört werden.
West-Cura^ao vernielt sich in seinem südöstliehen Theile genau so wie Ost-
Curacao , in seinem nordwestlichen Theile dagegen ragten die Gipfe! der Christoffel-
gruppe hoch über die Riffe hervor, so dass diese die Form von Damm- und Saum-
riffen annahmen. Ein betriiehtliclier Theil derselben ist durch die Erosion wieder
zerstört worden, wie namontlicli am Ufer von Savonet zu beobachten ist. Einschar-
tungen treten daselbst, in Verband mit der veranderten Form der Riffe, sehr zurück.
Jm [nnern befindet sich aber noch auf dem Gipfel des St. Hieronimo eine Schicht quar-
tiiren Kalkes, und ein andcrer Fetzen dieser Formation soll in etwa gleicher Höhc
auf den östlichen Gehangen des Christoffels gelegen sein. Die lichtgefiirbte Schicht,
welche von Savonet aus deutlich zu erkennen ist, war mir unzugönglich, doch
habe ich keinen Grund an der Mittheilung zu zweifeln\'), wonach sic in petro-
graphischer Hinsicht mit dem Kalke des Hieronimo übereinstimmt.
Interessant ist die Thatsache, dass die letzterwahnte Ablagerung weder eine
Koralle noch irgend einen andoren Thierrest makroskopisch wahrnehmon lasst;
ottenbar deswegen, weil die Nahrungszufuhr für die Polypen an diesem Ortc eine
ungenügende war und mit ihnen auch die sic begleitende Thierwelt dem Innern
der Insel fern blieb. Der petrographische Charakter gestattet indessen ohnebin
die Bestimmung der Kalke als JMldungen, welclie den altquartaren aequivalent
sind. h\\ Diinnschlitt\'en sieht man zahlreiche IJruchstiicke von Foraminiferen und
Kalkalgen (Lithothamnium), alle von winzigen Dimensionen, eckig und durch fein-
körniges Kalkcement veibunden. Selten bemerkt man eine unversehrte Foramini-
fere, und ich halte deswegen die ganze Ablagerung für einen durch den "Wind
im innern des quartaren Atolls zusammengebrachten und nachtriiglich verkit-
teten Korallensand.
Der schmalste Theil der Insel verband die Korallenbauten von \\Vest- und Ost-
Curacao; er wird noch heutc im Grootc und Kleine Berg von den jungen Kalken
vollstiindig überbrückt.
Auf Aruba war die Yerbreitung der altquartaren Korallenkalke zur Zeit ihres
Warhsthums ohne Zweifel eine weit bedeutendere als wie sic uns jetzt entgegentritt.
>Vie an der Kuste des nordwestlichen Curacao nach dem Emportauchen Vieles
1) Die Neger, welche mich auf meinen Excursionenbegleiteten, zeigten für Oesteinsunterschiede,
auf die ilire Aufmerkeamkcit durch den Abbau der 1\'hosphate gelenkt worden war, ein ganz
überraschend gutes Augo. Ich batte oft üelcgenheit mich davon zu überzeugen. Ihncn danke ich
auch obige Mittheilung.
-ocr page 109-
87
zerstört wurde, so auch an der Ndrdkfiste von Aruba, in beiden Fallen als Folge
der nahe ans Meer hinantretenden Gehange des Grundgebirges, wie die Betrach-
tung der Uferterrassen lehren wird.
Einzelne Sparen der Kalkbedeckung sind auch in weitem Abstande von dem
Nordstrando noch erhalten geblieben, denn ich fand einen Broeken Kalk mit dem
Reste von Strombusgigas am Fusso des Pan Blanco, und in der Rooi Cachunti wird, wie
bereits mitgetheilt, der Grünschiefer von einor durch jungen Kalk verkitteten Breccie
überlagert. Das Cement diesos Trümmcrgosteins entbehrt jedes orgnniseben Rcstes
und ist ungemein feinkörnig, aucb bei mikroskopischer Bctrachtung fast dicht. Sein
Ursprung dürfte derselbe sein wie derjenige dos Kalkes vom Hicronimo auf Curacao,
und die glcichc Entstehung aus Korallonsand halte ich auch betreffs des Kalkes
für wahrscheinlich, weieher den Gipfel des S. Plat auf Aruba bildot. Derselbe un-
tersclieidet sieh vom Kalke des Hicronimo mikroskopisch durch Beimengung eines
feinen Sandes, welcher zahlreieh Quarzbrocken mit Flüssigkeirs-Einsehlüssen, einzeln
Hornblende und Magneteisen entbi\'ilt und offenbar vom Grundgebirge der Insel
abkünftig ist. Die allgemein verbreiteten Broeken der genanntcn Kalkalgen finden
sich aber aucli hier wieder, nur etwas sparlicher, und Foraminiferen vermochte
ich überhaupt nicht mit Sicherheit zu erkennen. Dagegen kommen einzelne Con-
chyüen vor.
Langs der Xordküste bildeten die Bauten ein langgestrecktes Saumriff, liings
der friiheren, jetzt landeinwarts gerückten Südküste ein vielfach unterbrochenes
Barrièreriff, dem unter andern auch der Hooiberg sieh anreibte und weiehes im
Nordwesten und Südostcn sich mit dem Kiffe der Nordküstc verband. Das Riff
der Südküste umschloss eine weite Lagune, deren Boden von dem Plateau im
Innern der Insel gebildet wurde und welche sieh bis zu der alten, in der Karte
bezeichneten Meeresbucht ausdehnte.
Ein Hacker, von Quarzdiorit gebildeter Boden ragte in der uiteren quartiiren
Zeit vermuthlich zungenförmig südöstlicb vom Jamanota ins Meer hinein und
bot den Korallcn Gelegenheit zur Entwieklung breiter Bauten, von denen das
Kalkplateau dieses Inseltheilos bis heute erhalten blieb.
Auch West-Bonaire war von Damm- und Saumriffcn umgürtet, iihnlich
West-Curacao; doch herrschte, nach der grossen Zahl von Binnenmeeron zu
sehliessen, welche heute die Kuste besetzen, die Dammritfbildung auf Bonaire vor.
Ansehnliche Mengen von altquartiiren Kalken sind auch hier zerstört worden, so dass
diese Formation augenblicklich an der Südküste weit geschlossener auftritt alsan
der Xordküste; der Serro Grandi und S. Largo sowie die Kalke von Fontein sind
nur noch Ruinen der einst so machtig entwickelten Riffe. Der Zerstörung der Ko-
-ocr page 110-
SN
rallenkalke in dor Ebene von Iliucon und auf der alten Brandungsterrasse, östlich
vom Langeberg, sowic dennen Verbindung mit den Kalken am Nordstrando wurde
bereits oben gedacht\'). Zur Erliiuterung der Karte ist nur noch hinzuzufügen, dass
die altere5) Quartarformation im Norden der Brandungsterrasse ein niedrigeres
Niveau einnimt als die durch die alte Meeresbucht begrenzte Partie, welche Letz-
tere im Westen abschlicsst.
IPhosphorite.
Der Inselkranz, weieher das Caribische Meer im Norden und Osten einschliesst
und sich im Süden dem Festlande vorlagert, ist durch einen grossen Reichthum
an Phosphorit-Ablagerungen ausgezeichnet. Am bekanntesten ist unter ihnen der
Sombrero-Phospliat, dessen Beschreibung wir Sandberger3) verdanken; doch kommt
das üestein auch auf Mona vor und auf St. Martin 4), und zahlreich sind besonders
die Phosphatlager auf den kleinen Insein, welche liings der Kuste von Venezuela
gelegen sind.
Hier ist zunachst das unbedeutende Eiland Toas zu erwiihnen, welches dem
See von Maracavbo vorgelagert ist; dann folgt im Meere als westlichster Punkt
der Insein unter dem Winde die kleine Insel Los Monges, auf der die Phosphat-
ablagerungen zuerst, bereits vor reichlich 30 Jahren, entdeckt wurden; dann Aruba,
Curacao mit Klein-Curacao und Bonaire; weiter östlich die Vogel-Inseln, Los
Roques und endlich Orchilla.5) Alle diese Insein enthalten mehr oder minder
ausgedchnte Ablagerungen von Phosphat. u)
Unter den Phosphoriten der Niederliindischen Insein kommen vor allen Dingen
zwei Lager in Betracht, welche durch einen ungeheuren Reichthum des Minerals
ausgezeichnet sind. Das wichtigstc liegt im Tafelberge au der Fuik-Bai auf Cu-
1)  Pag. 72 und pag. 74.
2)  Siehe Anmerkung 1 auf pag. 79, oben.
3)  F. Sandberger. Das Sombrero-Phospliat, ein metamorphosirtes Gestein der neuesten Zeit. (Würz-
burger Naturw. Zeitschr. IV lid. 1863, pag. 152; abgedruckt im Neuen Jahrbuche f. Min. 1864, pag.
631) — Vgl. ferner Cleve 1. c. pag. 21.
4)    Dr. J. DornscilFen. Het eiland St. Martin, met eene kaart. (Tijdschrift v. h. Aardrijkskdg.
Genootschap te Amsterdam. Deel VII, N°. 3, pag. 126—142, 1883). — Vgl. auch meine Anmerkung
anten.
5)  West-India Pilot. Vol. I, pag. 159.
6)    Uebcr alle diese Vorkommnigse sind mir zahlreiche, mündliche Mittheilungcn gemacht und
von fast allen habe ich Proben gesehen oder auch erhalten.
Vgl über die Phosphate auch Krnst in „La exposicion nacional de Venezuela en 1883. Tomol,
Caracas 1886", speciell pag. 123 ff. (Die Arbeit ist mir erst wiihrond des Druckes zugegangen.)
-ocr page 111-
89
racao und gehort zu St. Barbara; es wurdc 1874 entdeckt. Das zweite liegt an
der iiussersten Ostecko von Aruba und bildet einen Theil des Serro Colorado und
des S. Culebra; es wurde fast gleichzcitig mitdem erstgenannten Lager aufgcfunden.
J)asjenige von Klein-Curacjao, welches bereits 1871 bekannt war, ist günzlich
abgebaut und bestand nach Moyn aua cinem fast ganz stickstoffreicn, pulverigen
Guano. Derselbe sagt: „Dieser graue, staubige Guano, unterteuft von Kalkstcin
und nur im Innern einzelno, verhartete Knollen enthaltend, bedeckte in etwa 5
bis 8 Fuss Miichtigkeit einen Tlieil der kleinen, niedrigen Insel Klein-Curacao.....
Das Lager hat ungefahr 100000 Tons im Ganzen geliefert."\') Der Guano dieses
kleinen Eilands ergab durchschnittlich etwa 69n/o dreibasisches Phosphat.
Ausser diesen Phosphaten Hnden sich kleinere Mengen in sogenannten Pockets
über die Insein Curacao und Bonaire in grosser Zahl zerstreut. Es wird sich
nachher ergeben, dass denselben eine wesentlich andere Bildungsweise zukommt
als den ausgedehnten Ablagerungen des Tafelberges, sowie des Serro Colorado
und des S. Culebra von Aruba. 2)
Die Phosphorite von Aruba stellen ein lichtgraues odcr gelbliches bis
rost- und leberbrauncs Gestein dar, welches allerorts zahlreiche Ueberreste von
Organismen einschliesst, sowohl in der Form von Steinkernen als in derjenigen
von Umwandlungspseudomorphosen. Vor allem sind es Korallen, welche darin
angetrofFen werden, aber am S. Colorado kommen auch Mollusken in ungemein
grosser Zahl als Steinkerne vor; hin und wieder sind ferner Beste von Manatus
gefunden.3)
Die Steinkerne von Mollusken Hessen eine sichere Bestimmung der Species
nur in den seltensten Fiillcn zu; aber diejenigen Namen, welche hierunten als
„vermuthlich" richtig angegeben worden sind, diirfen doch fast ohne Bedenken
angenommen werden. Xach M. M. Schepman sind folgende Genera und Arten
unter den Mollusken des Serro Colorado vertreten:
Spondylus (e).
Pecten (e).
Lithodomus (m.)
Arca (e).
Lucina, vermuthlich L. jamaicensis
Lam. (h).
Cardium, daruntcr C. muricatum L. ? (e).
Venus (m).
Cytherea (Caryatis)? (e).
Tellina, vermuthlich T.faustaDonov.(hh.)
Tellina, vermuthlich ï. interrupta
Wood. (e).
1) Das Pliosphorit Lager von Curacao. (Zeitschr. d. deutach. geolog. Gasellsch. XXXI. 1879) pag. 698.
2)  Auf die Phosphorite wird in West-Indien allgemein die Benennung „Guano" angewandt.
Auch Dana bedient sieh der Bezeichnung von „hartem Guano."
3)  Ueber die Vertebraten vgl. unten.
12
-ocr page 112-
90
Pholadomya, vermuthlich P. candida Cypraea (hh).
Sow. (c).
                                                 Turbinella (e).
Trochus (Livona) pica L. (hh).                   Pyrula melongena L. (e).
Hipponyx (e).                                             Oliva (e).
Strombus, darunter St. gigas L. (h).          Conus (hh).
Die grosse Anzahl von Petrefakten, welche obiger Liste zn Grunde liegt,
gestattet auch ein Urthcil über die rclative Hiiufigkeit. Dieselbe ist durch die
beigefügten Buchstaben ausgedrückt, und zwar bcdeutet hh: sehr hiiufig, li: hiiufig, m:
mehrfach vorkommend, e: nur in einzelnen Exemplaren vertreten. Man erkennt
die grosse Einförmigkeit der haupteachlich durch Tellina, Trochus, Cypraea und
Conus charakterisirten Fauna. Die bestimmbaren Arten leben noch sammtlich in
den benachbarten Meeren, entsprechend dem Charakter der quartaren Kalkbiinke,
denen auch die Phosphorito angehören.
Die Steinkerne verleihen dem Phosphorite eine feinporöse bis cavernöse
Struktur; aber daneben fehlt es nicht an dichten VarietSten, welche als Concre-
tionsmassen die Hohlraume im Korallenriffe angefüllt haben, ganz in derselben
Weise wie Kalksiuter die Zwischenriiume zwischen den Stöcken jüngst gehobener Ko-
rallenbauten allmahlig auskleiden. Auf don muschligen Bruchflachen dieses dichten,
porcellanartigen Phosporits, welcher Fettglanz besitzt, nimmt man zierliche,
gestreifte und wellenfürmige Farbenzeichnungen wahr. Auch kommen breccienar-
tige Phosphato vor, welche zahlrciche kleinere Organismen, vor allem auch Ko-
rallenbruchstiicke, enthalten, die völlig in Phosphorit umgewandelt und durch
dasselbe Mineral verkittet worden sind.
Nach einer von K. Fresenius ausgeführten Analyse onthielten 100 Gewichts-
theile des Aruba-Phosphats im luftlrockenen Zustande:
Wasser, bei 100° C weggehend . . . 3.54
Bei 100° C getrocknete Substanz . . . 95.46
100.00
In bei 100° C getrocknetem Zustande enthielt der Phosphorit:
Phosphorsfture..........35.77
Schwefelsiiure..........         1.74
Kohlensaure...........         1.89
Fluor............         2.86
Kalk............47.62
89.88
-ocr page 113-
91
89.88
0.30
1.64
2.00
1.33
5.27
0.78
101.20
1.20
100.00
Magnesia......
Thonerde .......
Eisenoxyd.......
In Saurcn unlüslicher Silicatrückstand
Chemisch gebundenes Wasser
Alkaliën, organische Bestandtheile and Verlust
ab Sauerstoff für Fluor.
Mit dieser Angabe stimmt einc von G. Hughes publicirte Analyse \') im We-
sentlichen überein, und eine grosse Zahl von Proben des Phosphats, wolche nach
Europa ausgoführten Ladungen entnomnien sind, zeigte sich ziemlicb gleichförmig
in dor Composition, wie aus den nachfolgenden Analysen von G. H. Ogston zu
ersehen ist. Dieselben sind aus einer Keihe von Untersuchungcn 2) so ausgewiihlt,
dass unter ihnen möglichst abweichende Varietiiten sich befinden:
I.
II.
III.
IV.
37.28
36.52
36.13
35.18
2.00
2.20
2.40
2.50
49.20
50.40
47.48
46.36
3.72
3.05
3.35
4.80
2.50
1.15
2.20
3.15
3.24
3.38
4.79
5.01
2.06
3.30
3.65
3.00
0.00
0.00
0.00
0.00.
100.00
100.00
100.00
100.00.
81.40
79.73
78.89
76.80
4.51
5.00
5.45
5.68.
Phosphorsiiure.........
Kohlensiiure.........
Kalk............
Eisenoxyd u. Thonerde.....
In Sauren unlöslicher Silicatrückstand
Unbestimmt.........
Chemisch gebundenes Wasser . .
Wasser bei 100° C.......
Entsprechend dreibas. phosphors. Kalke.
Kalkcarbonat.........
1)  On some West Indian Phosphates - Quart. Journ. Geolog. Soc. London. Vol. XLI, Part. 1, N°.
161. Febr. 1885. pag. 80.
2)  Copies of Analyses of Cargoes of Aruba Phosphate, from end of 1881 to beginning of 1885
imported trough. Messrs. Isaac u. Samuel. London.
-ocr page 114-
92
Hicnach könnte man zu der Annahmc gelangcn, dass die Aruba-Phosphato ziem-
lich constant in der Zusammcnsotzung scien; aber diese öleichförmigkeit erstreckt
sich uur auf die ausgeführten Massen und entspricht keineswegs dem geognostisehen
Vorkommen. Sehon die reicheren Varietiiten des S. Culebra besitzen nur noch
74—75 % dreibasisch phosphorsauren Kalkes und bleiben oft hinter diesen Gehalt
zurück; .andere Gosteine sind so reich an Kalk, dass sic nicht mehr den Namen
von Phosphoriten verdienen, und es liisst sich dann überhaupt keine seharfeGrcnze
zwisclien Phosphoriten und Kalksteinen mehr ziehen. Ebenso wechsclnd ist der
Eisengehalt \'), der am Culebra grösser ist als am westlichen Colorado; eine von
dort stammende Probe enthielt bei 69..\'59 % Calciumphosphat nicht minder als 9.74%
Eisenoxyd und Thonerde, und am Ostabhange des Colorado nimmt der Eisenge-
halt so sohr zu, dass die zerrisseno ObcrHs\'icho der dunkelbraun gefürbten, phos-
phathaltigen Kalke den Eindruck macht, als ware sie mit vulkanischen Schlacken
dicht bedeckt. Dieser Fürbung hat auch der Serro Colorado (rothcr Berg) seinen
Namen zu danken.
Brauneiscnstein wird dasclbst viel angetroffen und stellenweiso ist die Ablage-
rung durch Manganerz sehwarz gefürbt. Auch Grüneiscnerz ist nicht selten, und
ein grünes, erdiges Eisonphosphat ist als Annug und in kleineren I\'artieen in
den Phosphoriten weit verbrcitet, so dass die Oberrlaehe des Colorado stellenweise
eine buntscheckige Fürbung durch diese verschiedenen Mineralien erhiilt. Stilft
tand auch Sphaerosiderit daselbst.
"Wegen des sehr wechselnden Verhiiltnisses von Calciumphosphat zu Calcium-
carbonat, welches an allen Orten der Insein, an denen Phosphorite vorkommen,
zu bcobachten ist, wird es schwierig zu entscheiden, wie weit man den Namen
Phosphorit ausdehnen soll. Mir scheint es geboten, die Gesteine mit überwiegendem
Gehalte an kohlensaurem Kalk bei den Kalksteinen zu belassen, und schon frtther
liabe ich bei ciner Mitthcilung über Phosphorite von Bonaire -) fflr solche Gesteine
die Bezeichnung „phosphoritische Kalke" benutzt, deren ich mich auch im Eol-
genden bedienen werde. Denn sowie Dolomite und Kalksteine durch dolomitische
Kalksteine verknüpft werden, so sind hier die Phosphorite und Kalksteine durch
die pbosphoritischen Kalke mit einander aufs engste verbunden. Die Analogie ist
1)  Eisonfreiü Pliospliatc kommen nuf Aruba überhaupt niclit vor. Diejonigen Varietiiten, welcbo
zu viel Uigenoxyd und Thonerde cnthalten, kunnen augenblicklich nicht auf den Markt gebracht
werden, da die Preise den aufzuwendenden Kouten nicht entsprechen.
2)  K. Martin. Phosphoritische Kalke von der wcstindittehen Insel Bonaire. (Zeitschr. d. deutsch.
geologischen (jesellschaft. Pd. XXXI, 1879, pag. 473.) — Ich habe hier die Bezeichnung in noch
weiterem Sinne angewandt, als wie ich dienelbe jetzt beibehalten möchte.
-ocr page 115-
93
um so grösser, als die Phosphorite West-Indicns gleieh den meisten Dolomiten
einer Metamorphose ihren Ursprung zu danken haben uud diese Metamorphose in
beiden Fiillen das Verhalten sowohl der Phosphorite als der Dolomite zum Kalk-
steine bedingt.
Dass die phosphathaltigen Gesteine von Aruba theilweise metamorphosirte
Riffkalke darstellen, bedarf nach Obigem keiner weiteren Erörterung; die erwahn-
ten Organismen beweisen dies zur Genüge. Auch hat bereits Sandbcrger 1. c. dar-
gelegt, dass das von Phipson\') als Sombrerit bezeichnete, von der westindischen
Insel Sombrero abkünftige Gestein, weiehes in allen wescntlichen Punkten mit den
metamorphosirten Korallenkalken der niederlandischen Insein übereinzustimmen
scheint2), durch Lösungen von Guanosalzen umgewandelt ist. Cleve nimnit 1. c. das-
sclbe an. Eine Metamorphose von Korallen in mohr oder minder reincn Phosphorit
und unter der Einwirkung von Guano wurde auch durch Dana beobachtet;i). Stelz-
ner giebt dieselbe Erkliirung für Phosphate von Curacao uud Aruba4), Meyn 1. c.
für diejeuigen der erstgenannten Insel.
Auf Sombrero bildet Guano noch hcute das Hangende des IMiosphorits, und Sand-
berger nimmt an, dass die Lösungen der Guanosalze, phosphorsaures Ammoniak,
Kali und Natron, sehr allmahlig in die Tiefe gedriuigen seien und so die Meta-
morphose bcwirkt haben. Der gleiche Process darf auch bei der Bildung der Aruba-
Phosphate angenommen werden, wenngleich hier von den Guano-Ablagcrungen
nichts mohr erhalten gcblieben ist5), dcnn die Fortführung der Letzteren kann um
1)  Journ. of tlie cliem. soc. of Lomion. XV. 1862, pag. 277.
2)  Das Gestein von Sombrero enth&lt durchschnittlich 75% i)liosphorsauren Kalk. Es beflnden
sieh darin Zwischenlngen, welche Palagonit führen. Diesolben dürften nach Sandbcrger von dem
angescbwemmten Materiale vulkanisolier Ansbrüclie abkünftig sein. In Aruba fehlen diese palago-
nitfübrenden Bohicbten au» leicht eraichtliohen Gründen, aber statt ihrer finden sich einzelne Roll-
stücke des Grundgobirges , vor allem Quarzit, dein Pliosphorite beigeraengt.
:•)) Auf Howland\'s Island: „Coral fragments of various species wero found that had long been
covered up under the deposit (guano), and in some of wich the corbonic acid had been almost
entirely replaced by phosphoric acid. In such I have found soventy por cent of phosphate of lime"
(Dana, C\'oraU and Coral Islands. London 1872, pag. 2\'J3).
4)  A. Stelzner. Uober Kalksteinc und Kalkphosphate von Curacao. (Neues Jahrb. f. Mineralogie
etc. 1877. pag. 415.)
5)  Dass Guanobildungen in dieser Gegend überhaupt stattgefunden haben, bewcist unter anderen
das Vorkommen von Klein-Cura«;ao. An soiner Zusamraensetzung haben sich aucli die verfaulcnden
Ueberreste von Seevügeln, Siiugern und Fiseben betheiligt, denn ich erhielt durch den ohemaligen
Gouverneur von Nied. W. Indien, Herm Wagner, sowohl von Klein-Curarao als auch von St. Martin
oine grosse Zahl freier Skelettbeilo soldier Thiere, welche noch der lioarbeitung harren.
Es ist möglich, dass die Fischwanderungen, von denen Ernst bcrichtet auch zur Iiildung von
Guano Veranlassung gegeben haben, da bei solchen Wanderungen ungeheure Mengen von Fischen
auf den Strand der Kuste von Venezuela geworfen werden, so dass „their remains form a truc
-ocr page 116-
94
so minder befremden, als sie durch den Vorgang der Metamorphose selbst erlau-
tert wird.
Daneben hat indessen aueli ein direkter Absatz des Pliosphorit» aus Lösnng \')
stattgefunden, wie nebenstehendes Profil voni S. Culebra beweist. Ueber den Quarz-
diorit und sein Verwitterungsprodukt, den Kaolin, folgt dort eine
ëM*m
Schicht von 3—5 m machtigen, oben an Manganerz reichen Phos-
phoriten; darauf eine Breccie, in der Fragmente von Kalk durch
Pliosphorit coinentirt sind; das Hangende der Breccie endlich
stellt eine dunne Kalkschicht dar, mit vvelcher oberrliichlich Roll-
stiicke von Pliosphorit verwachsen sind. Es ist offenbar, dass die
Breccie, welchc im Haugenden des metamorphosirten Korallen-
riffes vorkommt, nicht auch einer Metamorphose ihre Entstehung
zu danken haben kann, da der Pliosphorit in ihr nur das Bindc-
J^\'f^i JVri mittel fiir die unreinen Kalkbrocken bildet. Er zeigt demgemass
auch kcine an Organismen erinnernde Strnktur. Die Lösung, aus
Fm. 19. Pnoi 11. ^Qr ^as 31 i 11 ei*a 1 sich absetzte, magr von Guano abkünftia; gewesen
AM SliRllo (Vl.KltlIA.                                                                                                      CT                                                        ° °
l. Quarzdiorit. — sein; abor es ist auch denkbar, dass boreits metamorphosirte
uhorit. — 4. Dun h Korallenkalke spater das Material fiir die Neubildung lieferten,
tiiC\'Kulklirc\'i\'d"!*— gleicliwio die Broeken von Pliosphorit auf der oberfliichlichen
Kalkschicht den Boweis fiir die mechanische Zerstörung von
Phosphatlagen in jüngst verflossener Zeit abgeben.
Auch fiir manche der oben erwiihnten Concretionsmassen, welche in dem
metamorphosirten Korallenriffe als Ausfüllungen von Holilraumen vorkommen, halte
ich wegen ihrer Armuth an Calciumcarbonat und ihrer gleichmiissigen, dichten
Struktur den direkten Absatz aus Lösung fiir wahrsehoinlich, wiihrend andere
metamorpliosirte Sinterbildungen darstellen mogen, die bereits im Riffe vorhanden
waren, bevor noch dessen Umwandlung einen Anfang nahin.
Ueber die Miichtigkeit des Phosphatlagers von Aruba liisst sich ohne zahlreichc
Bohrungen kein genügendes Urtheil gewinnen, denn der Diorit hatte bereits ein
coniplicirtes Relief, bevor die Korallenkalke sich bildeten. Das ist an manchen
cordon littoral, several feet in width and hight, wich soon fills the air with a most offensive smell."
(Xature Vol. XXXIII. 1886. pag. 321).
Auf Aruba kommen die erwiihnten Sirenonresto in einer Muschelbreccie vor, wiesolche innerhalb
des Kaumes von Korallenritt\'en nicht selten sind. Jedenfalls sind sie hier nicht aus Guano abkünftig,
und ihre Zahl ist gegenüber dem ausgedehnten Phosphatlager dos Colorado zu unbedeutend, als
dass sie einen wesentlichen Antheil an der Hildung der I\'hosphorite künnten genommen haben.—
Auch auf Sombrero scheinen Kesie von Süugethieren in den Phosphaten vorzukommen (I\'hipson 1. c.)
1) Ygl. hierüber besonders auch Stelzner 1. c.
-ocr page 117-
95
Punkten der Insel sicher zu beobachten, und im Einklango damit steht die That-
sache, dass man im Colorado bisweilen kaum 1 m untcr der Obcrfliiche schon
wieder den Kaolin anstehend findet, wahrend an anderen Punkten das Liegende
der Phosphate in der Tiefe von vielen Metern nocli nicht erreicht wurde. Die
Angabe von Hughes 1. c., dass das Lager aut 500,000 tons geschützt wcrde, ist
cbenso unsicher, wie die Hühenangabe des Serro Colorado unriehtig ist, dadiose
nicht 300 englische Fuss, sondern 38 m betriigt.
Das Phosphoritlager von St. Barbara im Tafelberge von Curacao kcnno
ich nicht aus eigener Ansehauung;\') aber nach Gesteinsproben, welcho von dem
Chemiker, Herrn It. Ludwig daselbst gesammelt und analysirt worden sind,
darf ich mit grosser Wahrseheinlichkeit schlicssen, dass es gleich dem Lager von
Aruba durch Metamorphose von Korallenkalken gebildet ist. Sicherlich ist dies
der Fall bei einem granen, porósen, im Aeussern an gewisse Dolomito erinnoiuden
Gesteine, welches 10 m Miichtigkeit besitzen soll und 83 % Calciumphosphat
enthalt. Es zeigt undeutliche Roste meeresbewohnender Thicre, darunter auch
den Abdruck eines Echinidenstachels. Auch metamorphosirte Korallen, welcho
vom Tafelberge abkünftig waren, sind mir wicderholt gezcigt worden.
Ausserdem kommen am gleichon Orte prachtige, nierenförmige Conerctionen
von Phosphorit vor, welcho bis zu 84,6 °f0 Calciumphosphat enthalten;3) sie sind
lichtgrau oder hellbraun, bisweilen auch schneeweiss gefiirbt und zeigen auf
Bruchflachen ungemein zierliche, wollige Farbenlinien. Diese Varietiiten sind dicht
gleich den entsprechenden von Aruba.3) Danoben kommen ganz ahnliche Bildun-
gen vor, in denen nur 79,2 "/o dreibasischen phosphorsauren Kalkes enthalten ist.
In einem hellgelben, dichten Gesteine, welches keino Concretionen wahrnehmen
lüssfc und einem Kalksteine ausserlich gleicht, sinkt der Gehalt an Calciumphos-
phat bis aut 45 % herab. *)
1)  Der Kigenthümer Godden untersagt den Zutritt.
2)  Nach Meyn zeigten einzelne Varietiiten 87 bis i\'0%. Das Gestein dieses Lagers ist von donv
selben Forscher sehr ausführlich beschrieben.
3)  Es fehlt ilinen aber, gleich allen Phosphoriten vora Tafelberge, der hohe Kisengehalt, welcher
die Phosphate von Aruba auszeichnet. Auf Aruba kommen weisse und sohr lichte Varietiiten von
Phosphorit überhaupt nicht vor.
4)  Es ist ein Irrthum, wenn Meyn annimmt, dass der Phosphorit im Allgemeinensehr glpichmiissigin
seiner Zusammensetzung sei; dies ist, wie auf Aruba, nur bei den ausgeführten Masscn der Kali. Aucli
ist die Vorstellung sicherlich unriehtig, nach der das Ausgehende iirmer an dreibasischem Phos-
phate sein soll als das Innere des Lagers; alle Mittheilungen, die ich habe einzichen kunnen,
weisen auf die gleiche Art des Vorkommens hin wie auf Aruba, was ohnchin von vornherein zu
erwarten war. Meyn ist aueh falsch berichtet betreffs der Lagerung des öesteins, denn der Phos-
phorit bildet keineswegs einen „ungeheuren Wall" am Fusse des aus Korallenkalk bestehenden
lierges; er liegt vielmchr im Korallenkalke selbst und wurde bei meinor Anwesenlieit auf einer
-ocr page 118-
96
Gypskrystalle, von denen bokanntist, daas sie auf Curacao nicht selten an der
OberHiiche der quartaren Kalke angetroffen werden, sind am Tafolbcrge cbenfalls
in ein Phosphal umgewandelt worden, welcbes von Kloos mit dem Namen Marti-
nit \') belegt warde. Dies Mineral, welcbes in nur mikroskopisch erkennbaren
Ivbomboödern als Pseudommorphose nach Gyps auftritt, bat die Constitution
Ca ,„ H4 (P 04)9 H, O, die als 2 Ca, (PO ) . Hoü mfM ^m
4 Ca H P O 4 f \' -           °
kann. Es ist unter der Guanodecke entstanden; nicht aber durch vollstilndigon Aus-
tausch von Schwefelsaure gogen Phosphorsaurc, wie Kloos hervorhebt, „sondern das
Calciumsulphat ist erst vollstandig ausgelaugt und darauf z. Tb. durch Pbosphat
ersetzt worden." Deswegen sind die Pseudomorphosen im Innern hohl, wiibrcnd ihre
iiussere Form derjenigen von Gypslinsen durcbaus cntspricht. Umhüllungspseudo-
morpbosen von Phosphorit nacb Gyps kommen auf Klein-Curaeao vor.2)
Die Höhlenphosi\'Hate stellen eine zweite Grnppe von Pbospboriten und
pbospboritischen Kalken dar, welebe von den metamorphosirten Korallenkalken
sebr wesentlich verschieden sind. Ilir Vorkommen liisst sich am zweckiniissigsten
an der Hand der folgenden Profile erlautern.
Das Erste derselben zeigt den Doden einer alten, im Korallenkalke befindlicben
Hülile mit dem Bruchstücke eines Stalagmiten, welcber in eine 2 m machtige
Knochenbreccie von eigenthümlich ziegelrotber Farbe hineinragt. Das Gestein ist
fast dicht, nur bie und da mit feinen Hühlungen versehen,
M
nm^ïw
an deren Innenseite man Concretionsmassen wahrnimmt; es
, enthalt im Mittel 35°;, Calciumphospbat, ein Gebalt, welcber
i \' i ^f&ffi.sS-S zum grösstcn Theile von den eingescblosseuen Knocbenrcsten
herrührt, wahrend das Gestein selltst weit armer an Posphor-
Fic. i\'o. An ui:u Tr.ri\'i:i.s-
Ki.ii\'i\'K iiki Klik. siiuro ist. Die Knocben geboren siimmtlicb kleinen Süuge-
1. Korallenkalk. — 2. thieren an, und da die Höhlen der Insein noch heutigon
Kuochenbreccie.
Tagcs von zahlreichen Flodermiiusen und Ratten sowic (auf
Curaeao) von Kaninchen bewohnt werden, so liegt die Annahme nahe, dass
auch die Knocbcnreste von solchen ïhieren abkünftig sind. Zahlreich findet
man zudem die Schncidezahno, in einzelnen Fiülcn auch die Iliilf\'te des Unter-
der oberen Stiandterrasson in bedeutender Höhe über dem Meerosspiegel gebrochen. Dies konnte
ich constatiren, als ioh von der Seeseite den Berg betrachtete, wenngleich icli ihn niebt betrat.
1)   Kloos. Uesreino und Jlineralien aus West-Indien. Sammlg. d. Oeolog. Roichs-Museums in
Leiden. Her. II, Bd. I, pag. 1.
2)  Vom Rath. Sitzungsber. d. niederrh. Ges. in Bonn am 3 Aug. 1878. — Vgl. Ferner Meyn 1. c.
pag. 701.
-ocr page 119-
07
kiefers eines Nagers in unvollkommenem Zustande üborliefert. Leider eignet sieh
das Gestein durchaus nicht zur Praeparation, doch möchte ich nach der Grosse
der Nageziihne annehmen, dass dieselben eher einem kleinen Kaninchon als einer
Ratte angehört haben. Anssor den Siiugethierresten kommt vereinzelt auch Cg-
clostoma megachile Pot. et Mfch.
in der Breccie vor.
Das zweite Profil zeigt unter einer Decke von Korallenkalk. an der kleine
Stalaktiten hangen, eine Anzahl von dunkelgrauen bis braunen und grünlichen
Phosphoritlagen von wenigen Centimetern Miichtigkeit und mit einem durchschnitt-
lichen Gehalte von etwa 80 °/„ Calciumphosphat. Dunne Lagen von sehr dunkler
Fiirbung enthalten das Mineral in fast reinem Zustande.
Scharf begrenzte Schichtungsflachen fehlen; es sind
vielmehr alle Lagen innig mit cinander verwachsen
und nur ilire verschiedene physikalische und chemische
Beschaffenheit verloiht ihnen einen gewissen Grad von
ZZZZ2.
Solbstiindigkeit. Alle werden durch ein schmales Kalk-
Fio. 21. An deu Ti:ipi:i.s-
klippe bei Fuik.
1. Phosphorit. — 2. Phos-
phoritischer Kalk. — 3. Ko-
rallenkalk.
band von einem lichtgrauen Gesteine geschieden , welches
40—60 % Phosphat enthiilt, keinerlei Schichtung wahr-
nehmen liisst und ohne scharfe Begrenzung sowohl oben
in den Korallenkalk als seitlich in einen ziegolrothen,
phosphoritischen Kalkstein mit 25—30 "/o Calciumphosphat übergeht. Dieser Letz-
tere ist ebenfalls ungeschichtet und enthiilt sehr zahlreiche Gehiiuse von Pitpa
uva L.
und Cyclostoma megachile Pot. et. Mich. Stellenweise kommen in diesem
Gesteine auch traubige Concretionen vor, deren sphaeroidische Massen durch
Kalkspath getrennt sind und auf Bruchfliichen bisweilen durchaus den Eindruck
oolithischer Bildungen machcn.
Das dritte Profil zeigt eine Höhle, deren Decke zerstört ist, wiihrend der untere
Theil mit Phosphorit gefüllfc wurde, in dem Bruch-
stücke von Korallenkalk in grosser Zahl vorkom-
men. Die Fragmcnte erreichen etwa V3 m Durch-
messer; nach oben zu werden sie kleiner, um
hier ein durch Phosphorit verkittctes Conglomerat
Fio. 22. Ax der Teufelski.ippe
REI Flik\'.
zu bilden.
Neben diesen drei Profilen, welche ich an der
„Duivelsklip" bei Fuik beobachtete, kommen an gleichem Orte noch verschiedene
andere vor, worunter auch solche, in denen Durchschnitte durch Tropfsteine, all-
seitig von Phosphorit umgeben, auftreten. An sie schlicsst sich das vierte der hier
13
-ocr page 120-
OS
abgebildeten Profilo an, welches bei Hormanus aufgenom-
incn ist. Es^stellt den mit Phosphorit und phosphoritischen
Kalken angefüllten Raam cinor alten Höhle dar, welche
allseitig von unveriinderten Sinterbildungen umgeben wird.
Solche Sinterbildungen bat man vielfach beim Sprengen
der Phosphorite angetroft\'en, und die Thatsache, dass die
reichsten Pockets plötzlich von reincm Kalksteine ver-
Fio. 23. Bei Hkrmanls.
1. Phosphorit. — 2. Sintcr- driingt werden, ist Eine der Ursachen, welcbe bis jetzt
bildungen.
                            verbindert bat, diese Lager in Abbau zu nehmen. Sie
ist selbstredend, weil die Phospbate innerhalb bereits bestehendcr Tropfsteinbil-
dungen sich ablagerten, und darin liegt auch derGrund, weswegen sich über ibre
Ausdehnung an soleben Orten kaum etwas voraussagen liisst. So unregelmassig
wie die Form der Hohlriiume, so unregelmassig muss auch die Masse der abge-
lagerten Phospbate sein.
Sowie für die Umwandlung der Korallenkalke Seevögel und meeresbewohnende
Thiere das Material geliefert habcn, so ist dies für die Bildung der Hohlen-
phosphate durch die kleinen Siiugetbiere gescheben, welcbe die Grotten in grosser
Zalil noch beute bewohnen. Schwarme von Fledermiiusenbevölkern jeden Hoblrauni
des Kalkgebirges, so dass man ibre Gegenwart schon an dem intensiven Geruche,
der ihnen eigen ist, wabrnimmt, f\'alls es nicht glückt, die Thiere selbst aus ihren
Schlupi\'winkeln aufzuscheuchen, um sie wie eine Wolke emporHattern zu sehen.
Auch Patten sind liiiufig, wahrend die Kaninchen durch den Menschen fast ganz
ausgerottet worden sind. Nur Ein Mal sah ich ein solches Thier auf Savonet; doch
dürften dieselben früher viel zahlreicher gewesen sein, und ich halte die oolithischen
Phosphorite für Koprolitho von Kaninchen.
Der Boden der Hohlraume ist bisweilen von einem an Phosphorsaure reichen,
crdigen Guano bedeckt, in den man hie und da bis an die Knöchel einsinkt. Er ist
hauptsachlich durch die Anliiiufung der Excremente genannter Siiugetbiere gebildet,
doch nehmen an seiucr Zusammensetzung stellenweise auch die Skelette von grossen
Schabcn einen bedoutendcu Autheil. So sah ich in der Höhle von Hato ungeziihlte
Mengen dieser Insekten den Boden beleben, und dem entsprechend fanden sich
Massen von Chitinskcletten daselbst den Excrementen beigemengt. Dass auch die
Skelette der Sauger in den Guano gclangen, bedarf keines weiteren Hinweises.
Es moge nun angenommen werden, dass eine solche Guanodecke auf einer
Kalksinterbildung am Boden der Höhle gelegen ist, so mussen die in ihr enthal-
tenen Salze bei den zu Zeiten fallenden, gewaltigen Regengüssen, welche das
Wasser auch ins Innere der Hohlraume führen, ausgelaugt werden. Die Guano-
-ocr page 121-
99
salzo dringen in die Sinterbildungen ein und wandein dieselben in Phosphorit um,
aber gleichzeitig wird eine Umwandlung der ursprünglichcn Guanoschicht in Phos-
phorit angenommen werden mussen, da dasselbe Wasser, welchcs die Guanosalze
auflöste, auch doppclt-kohlensauren Kalk enthiilt; wiihrend einerseits der Guano phos-
phorsaure Salzo in die Tiefe abgiebt, wird ibm selber Kalk in Lösung zugeführt. End-
Hch ist ein direkter Absatz von Phosphorit aus dein Kalk und phosphorsaure Salze
_—---------r__          enthaltenden Wasser von vornherein wahrscheinlich ;
, - ~c^~* "j- . ~-zztl dass er wirklich stattgcfunden, beweist der nebenste*
-E3t[]j              ,T\\\\~TTlLy== bond abgebildete, sphaoroidische Ilohlraum, welcher
-----1^^-----------^= durch weingelbcn Kalkspath und rothen Phosphorit
Fic. 24. Geodk im Phosphorit nur zum Theile ausgefüllt ist. Er liegt in einem
von Hkrmams.                Phosphate mit deutlich sreschiedcnen Lagen und
1. Hohlraum. — 2. Phosphorit. —            r                                   o                           o
3. Kalkspath. — 4. Phosphorit. gleicht in jeder Hinsicht einer Mandel.
Die Concretionen, welche so zahlreich in den Phosphaten vorkommen, halte
ich auch, ebenso wie die in dem metamorphosirten Korallenriffe von Aruba auftre-
tenden, zum ïheil für Bildungen, welche durch direkten Absatz entstanden sind;
ferner ist das in Fig. 22 vorkommende Conglonierat mit dor Breccie voni Culebra,
deren Fragmente durch Phosphorit verkittet sind (Fig. 19), zu vergleichen. Da-
gegen halte ich die dunklen , dunnen Schichten des in Fig. 21 dargestellten Profils,
welche die Apatitsubstanz fast ganz rein zeigen, für metamorphosirten Guano, die
dazwischen oingeschalteten, machtigeren und lichter gefarbten Lagen aber für
umgewandelte Kalksinter. Selbstredcnd liisst sich die Entstehungsweise der phos-
phathaltigen Gesteinc nicht in jcdem einzelnen Falie erörtern.
Die behandelten Profilc erkliiren sich nach übigem selbst; nur das zweite
bedarf noch cinigcr Erliiuterung. Hier ist es klar, dass die etwa 80 % Calciumphos-
phat enthaltenden Lagen in einem Hohlraume gebiklet wurden; dasselbe gilt für
diejenige Partie, welche nur 25—30% Phosphat besitzt, da sie zahlreiche Land-
8chnecken aufweist, welche die Existenz einer Höhlung wahrend der Pildungdes
phosphoritischen Kalkes voraussetzen. [Dabei kann gleichwohl die Metaniorphose
erst spiiter eingetreten sein.] Die mittlere Partie mit etwa 40—00 °/0 Calciumphos-
phat muss dagegen ein Tropfstein sein. Er mag vielleicht gleichzeitig umge-
wandelt sein mit der Bildung der reichen Phosphorite in seiner unmittelbaren Niihe;
jetzt wird er von ihnen durch ein dunnes Kalkband geschieden, welches ich für
die Ausfüllung einer Ablösungskluft ansehe; an der anderen Scite ist seiue Grenze
durch den Einfluss der Metaniorphose ganzlich verwischt worden.
Diejenigen Höhlen, welche ganzlich mit Phosphorit und phosphoritischen Kal-
ken gefüllt sind, mussen die oberen Ausfüllungsmassen von ihren höher gefegenen
-ocr page 122-
100
Fortsetzungen im Korallenriffe erhalten haben, da in ilmon selbst cinc nennens-
werthc Guanobildung nach bctrachtlicher Reduktion des den Thieren zum Aufent-
lialtc dienenden Raumes nicht mehr angonommen werden kann.
Eine grosse Reihe von Höhlenphosphaten, die ich gesehen, war ohne Aus-
nahme dureb das Vorkommen von Landschnceken ausgezeiehnet, der oben genann-
tcn Pupa uva und Cyelostoma megachile, welehe beide in ungeheuren Mengen noch
heute die OberHiiche des Kalkgebirges bewohnen. Dasselbe ist in buchstiiblichem
Sinne niit diesen Thieren besiit, vor alleni mit der Pupa, die auch in den Höhlen-
bildungcn am hiiufigsten ist. Die kriiftige Wirkung der Regen güsse wird leicht eine
grössere Menge soldier Schalen durch irgend eine Spalte der Korallenkalke in die
Höhlungen hinabführen, und so gelangen Letztere in die Sinter und Phosphorite.
Sic sind die ausgezeichnetsten Leitfossilien derselben, wahrend Knochenreste bis
jetzt nur aas den Höhlen von Fuik und vom S. Grandi bekannt sind.
Die Landschnecken einerseits, die Gehiiuse von Meeresconchylien und namentlich
von Korallcn andererseits lassen nun zwar die Höhlenphosphate leicht von den umge-
wandelten, alteren quartaren Korallenkalken unterscheiden; aber es ist auch der Fall
denkbar, dass eine von Höhlungen ausgehendePhosphoritbildung einen Theildesumge-
benden Korallenkalkes ergriffen hat, so dass metamorphosirte Korallcn unter der Ein-
wirkung des Guanos der Grotten entstehen. Eine grössere Ausdehnung von so entstan-
denen Phosphoriten mit Resten von Meeresorganismen ist aber nicht sehr wahrsehein-
lich, und doswegen muss man in jedem einzclnen Falie die Ursacho der lTmwand-
lung besonders feststellen, bevor man über die Abbauwürdigkeit irgend ciner Ab-
la<*erun<!: ein Urtheil faIIen kann.
Die Verbreitung der Phosphate auf den Insein Curacao, Aruba und Bonaire
ist eine sehr bedeutende. Höhlenphosphate kenne ich aus eigener Anschauung von
Fuik und von Hermanus auf Curacao in grosser Zahl; auch zweiHe ich nach mir
gemachten Mittheilungen nicht daran, dass reiche Phosphorite (75 %), wclche aut
St. Jan und Ascention in "SYest-Curacao vorkommen, derselben Gruppe von Ge-
steinen zuzurechnen sind. Auf Bonaire sind mir unzweifelhafte Höhlenphosphate
nur im Scrro Grandi bekannt\'), bei Phosphoritnestern mit undeutlicher Begren-
zung gegen den Korallenkalk, welehe bei Fontein daselbst vorkommen, vermag ich
1) Herr Simons, welcher die Lager genau untersucht hat, theilto mir darüber Folgendes mit:
„I made excavations in all tho open caves (11) and generally found a layer of red limestone con-
taining 15 % to 20 % phosphate, l\'ull of landshells and in some places bone fragments. In one
cave this red deposit was 6 feet deep. Bolow, a few inches of dark brown phosphate (60 % to
70 %) usually foliowed, and onder that, another thin layer of white phosphate (82 % to 86 %)
when the hard compact coral limestone was met with. No two caves were exactly alike." — Hier
scheint demnach die Metamorphose ziemlich gleichmüssig von oben nach unten fortgeschritten zu
-ocr page 123-
101
dagegen nicht zu entscheiden, ob ihre Bildung von Höhlen aus ihren Anfang go-
nommen \'). Da man in ihncn zahlreich die Roste von Haifischon, sowie von Sirenen
und Rochen antrifft, so ist es móglieh, dass die vergangenen Leiber dieser Thiere
die einzige Ursacho der Phosphoritbildung daselbst sind. Auf Aruba sind in Grotten
gebildete Phosphate bis jetzt nicht bekannt, doch dürften sie auch dort schwerlich
fehlen.
Die ausgedchnten Lager metamorphosirter Korallenkalke von der Ostküste
Aruba\'s und vom Tafelberge auf Curacao wurden oben bereits behandelt; daneben
kommen kleinere Lager und phosphoritische Kalke dieser Art noch an vielen an-
deren Punkten vor, an dencn vielleicht die Ablagerung der die Metamorphose be-
dingenden Excremcnte eine geringere Ausdehnung hatte (wie z. B. ara Carachito auf
Aruba) oder auch Verhaltnisso obwalteten, welche mit den von Fontein auf\'Bonaire
angeführten übereinstimmen. Endlicb sind Kalksteine mitgeringem Phosphorsiiurc-
gehalt weit über die Insein verbreitet; oft sinkt der Gehalt au Calciumphosphat
bis auf 6 °/0 herab.
Wirbelthierreste aus marinen IPhosphaten.
1. Reste vox Sirenen. (Tab. I, Fig. 1 u. 2.)
In den Phosphaten des Sorro Colorado auf Aruba findet man nicht scltcn Reste
grosser Wirbelthiere, vor allen Dingen Rippeu und Wirbel, welche indessen mei-
stens in dem für eine Praeparation sehr ungünstigen Gesteinc so eingebettet sind,
dass sie nur in Durchschnitten studirt und deswegen nicht niiher bestimmt werden
kunnen. Unter den wenigen freien Bruchstücken, die ich erhiclt, war nur Eins
einer eingehenderen Betrachtung werth.
sein. Die tiefsten Schichten waren ihr am liingsten ausgesetzt und zeigen demnach den grüssten
Uehalt an Calciumphosphat, die oborflaclilichen den geringsten. Kssteht dies in völligem Einklange
mit der oben gegebenen Erkltirung für die Entstehung der Phosphorite. Die von Simons erwiihntcn
Landschnecken sind die oben genannten Arten. Sie kommen unter dem von mir gesammelten Ma-
teriale voui S. Orandi theils mit noch erhaltener Schale, theils als Steinkerne vor.
1) Für dieso Phosphate habe ich zucrst, vor meinem Aufenthalto in West-Indien, die Möglichkeit
hingestellt, dass sie aus Korallenkalken durch einen von Fledermiiusen abküuftigen Guano in Folgo
von iJmwandlung ontstanden sein könnten (1. c. pag. 476). Hughes, wclcher meine Arbeit so
wenig wie diejenige vou Sandberger kennt, spricht 1. c. ebenfalls die Ansiclit aus, dass Fledermiiuse
den Anlass zur Bildung von Phosphoriten gegeben haben. Wenngleich sich somit meine früherauf-
gestellte Hypothese bestütigt hat, so findet dieselbe doch vorltiuüg keine Anwendung für die Erkla-
rung derjenigen Phosphorite, für die ich sie zuerst annahm.
-ocr page 124-
102
Es ist eine ziemlich vollstiindige, sehr plumpe Rippe, welche doppelt, abwiirts
und glcichzeitig nach hinten, gebogen ist. An dom zerbrochenen Distalende zeigen
die glanzenden Bruchfliiehen eine massige Struktur; das Proximalende ist fast un-
versehrt, am Capitnlum Eine GelenkHiiche erhalten; das Tuberculum, ziemlich
hoch und spitz, liat seine Form unbeschSdigt bewahrt. Capitulum und Tuberculum
werden dureh einen wohl entwickelten, hohen, vorne und hinten abgeflachten Hals
geschieden; namentlich an der Vorderseite ist diese Abflachung bedeutend, und im
Verbande mit ihr ist der Innenrand am Vertebralende der Hippe sehr scharfkantig.
Im Febrigen ist dieser Rand, und mehr noch der Aussenrand, zugerundet; an
Letzterem fiillt die gleichmüssige I3iegung vom Tuberculum bis zum Distalende auf,
da dieselbe kaum durch den schwach entwickelten Angulus costae unterbrochen
wird. Eine stumpfe, vom Tuberculum ausgehende, zugc-rundete Kante zieht sich
der Lange nach zum Distalende über die Mitte der Vorderfliiche der Rippe hin,
deren Querschnitt anfangs elliptisch ist, nach unten zu aber mehr und mehr einen
zugerundet-rhomboidischen Umriss annimnit (vgl. ng. la u. lb). Die hintere Rippen-
flachc zeigt einen seichten Gefiisscaual, welcher nahe dem Innenrande unter dem
Tuberculum beginnt und sich unter schwach GOförmigcr Biegung zum Ausscn-
rande hinzieht.
Die plumpe Form, der eigenthümliche Querschnitt und die massige Struktur der
Rippe Hessen sie als Rest einer Sireue erkennen, und die in demselben Gesteine befind-
lichen Wirbelbruchstiicke zeigen Durchschnitte, welche ebenfalls mit dieser Deutung
im völligen Einklange stehen. Keine andere AVirbelthiorgruppe besitzt iihnlich
gebaute Rippen, und speciell bei den anderen, meeresbewohuenden Siiugethieren
sind dieselben sehr abweichend geformt. Der bedcutende Abstand von Capitulum
und Tuberculum sowie die dem Letzteren selir geniiherte Lage des Angulus costae
woist ferner auf eine der erston Rippen des Körpers hin, und es ist somit der in
Figur 1 dargestellte Ueberrest als linke Vorderrippe einer Sirene zu bezeichnen.
Es musste sich nun zuniichst die Erage auf\'driingen, ob das Fossil vielleicht
mit Einer der noch lebenden Sirenen identiscli sei, und ich konnte zu diesem Zwecke
folgende Skelette vergleichen: Manatus australis von Surinam, 2.20 mlang; Ma-
nutus senegalensix
von Liberia, 2.53 m lang, llalicore ihii/omj von Amboina, 1.86 m
lang. Grossere Skelette standen mir nicht zu Gebote.
Beim Manatus australis stimrnt die zweite, linke Rippe in ihrer allgemeinen
Form ziemlich gut mit dem Fossile überein; alle anderen zeigen mehr oder minder
bedcutende Abweichungcn. Sammtliche Rippen, mit Einschluss der zweiten, besitzon
aber einen flachelliptischen Querschnitt und dem entsprechend ziemlich scharfkan-
tige Innen- und Aussen- (resp. Vorder- und Hiuter-) Rüuder; auch ist der Hals
-ocr page 125-
103
bei weitem nicht so sehr abgeflacht wie bei dem Fossile, so dass einc Zuziehung
des Letzteren zu der genannten, recenten Art ausgesohlossen ist.
Beim Manatus seneyalensis besitzen auch alle Kippen einen elliptischen Durch-
sehnitt, und vor allem sind auch die beiden ersten, mit denen der Ueberrest der
starken Krümmung wegen wohl nur verglichen werden darf, im Querschnitre flach-
elliptisch. Dazu kommt, dass bei diesen Kippen der Angulus costae selir stark
ausgepriigt ist
Bei Halicore dugong ist der Querschnitt der vorderen Kippen wieder flach-
elliptisch und der Winkel so sehr entwickelt, dass jeder nahere Vergloich weg-
fallen darf. Die Kippen von Rhytina endlich sollen denen von Halicore gleichen \')
und sind auch schon dadurch von dein Fossile zu unterscheiden, dass sic einfach
nach abwarts gekrümmt sind.
Ebensowenig wie die lebenden zeigen auch die fossilen Sirenen Europa\'s He-
ziehungen zu dem Fossile von Aruba; diejenigen von Halitherium2) und Felsino-
therium
3) weisen ganz bedeutende Abweichungen auf, wiihrend mit Metaxytherium
ein niiherer Yergleich bis jetzt nicht möglich ist. Aus Amerika, und zwar von der
Westküste von Maryland, erwabnt Ilarlan die Kippc eines fossilen Manatus, bildet
sic aber nicht ab.4) Leidy beschrieb ferner ein Fossil als M. antiquus auf Grund
von Kippenfragmenten und eines Molaren, von denen die Ersteren aus miocaenen
Schichten von New Jersey in Virginien und aus den postpliocaenen Schichten des
Ashley-Flusses in Süd-Carolina abkünftig waren, gab aber von den Kippen auch
kcine Abbildung.5) Von der fossilen Sirenengattung Prorastomus endlich, welche
Owen aus Schichten von Jamaica beschrieb,6) sind die Kippen völlig unbekannt;
ebenso von dem Manatus inornatus Leidy aus den postpliocaenen Phosphaten des
1)  ö. R. Lepsius. Halitherium Schinzi, die fossile Sirene des Mainzer Beckens pag. 140. (Ab-
handlg. des mittelrheinischen geologischen Vercins, I Hand. 1882.)
2)  1. e. pag. 136 ff., tab. VII, hg. 78.
3)  Ach. de Zigno. Sopra un nuovo Sirenio fossile scoperto nello collino di Bril in Piemonte pag.
947, tab. 0 (Atti della B. Accademia Dei Lincei 1877, 78, Ser. III, Mem. d. Class. di se. lis., math.e
natur. vol. II, Roma).
4)  Richard Harlan. Notiee of the Plesiosaurus and other fossil reliquiae from the State of New
Jersey, pag. 230 (Journ. of the Acad. of Nat. Sciences of Philadelphia. Vol. IV). — Nach J. Leidy
(1\'he Ancient Fauna of Xebraska, 1852, pag. 10.) stammt das von Ilarlan crwiihnte Fossil aus plio-
caenen Schichten.
5)  J. Leidy. Notice of some reraains of extinct Vertebrated Animals, pag. 105. (Proceedings of
the Acad. of Nat. Sc. Philadelph. Vol. III, 1850). Der Jlolar ist von Holmes abgebildet (Postplio-
cene fossils of South Carolina. Charleston 1800, pag. 117, tab. 24, fig. 5—7.)
6)  Quart. Journ. of the Oeological Society. London. Vol. XI. 1855. pag. 541. — Dasolbst Vol.
XXXI, 1875, pag. 559. — Es ist noch nicht festgestellt, welchem Zeitalter die betreffenden Sehich-
ten angehören.
-ocr page 126-
104
Ashloy-Flusses, einer Art, welche nur auf «las Bruchstück eines Molaren ge-
gründet ist.\')
Nach Allem zeigt das Fossil von Aruba, so weit mir der Vcrgleich mit ande-
ren Sirenen möglich war, die nachsten Beziehungen zu den Kippen des Manatus
amttralin;
freilich ist der Jiest zur Feststellung irgend welcher vcrwandtschaftlicher
Beziehungen ungenügend. Vergleicht man aber die Dimensionen desselben mit den
entsprechcnden Kippen der Sirene, welche an den Kusten des caribischen Meeres
lebt, so crkennt man, dass der fossile Kest einem Thiere von ganz bedeutender
tlrösse angehört liaben muss. Die grösste Breite desselben betriigt 38 mm, diejenige
der zweiten Kippe von M. australis, mit der das Fossil am ehesten vergliehen
werden darf, bei dem mir vorliegonden Skelette dagegen nur 25 mm. Noch viel
grósserc Dimensionen zeigt das zweite der dargestellten Rippcnfragmente (Fig. 2)
an, welchcs von derselben Lokalitüt abkiinftig ist und dor Form seines Querschnittcs
nach ebenfalls mit grosser "Wahrscheinlichkeit derselben Species zugerechnet werden
dart*. Seine Grosse ist eine so betriichtliche, dass sie weit diejenige aller bekannten
Kippen von lebenden Sirenen übersteigt.
Zu derselben Art, welche in den Phosphaten von Aruba vorkommt, dürfen viel-
leicht auch noch einige Rippcnfragmento gerechnet werden, die von Fontein auf Bo-
naire abkiinftig sind ; dagegen kommen im Serro Colorado ausserdem Bruchstücke von
Kippen vor, welche durch einen sehr Hachelliptischen Querschnitt ausgezcichnet
sind und nicht wohl mit dem oben bescliriebenen Fossile vereinigt werden kunnen.
Uire BruchHiichen sind gleich glanzend und die Struktur ist gleich dicht wie bei
den Kippen der Sirenen.
2. Carcharodon Smith. (Tab. I, Fig. 3—7.)
Yon Bonaire liegt mir eine Keihe von Bruchstücken eines Carcharodon vor,
welche durch nichts von C. megulodon A<j. zu unterscheiden sind und deswegen
auch früher mit diesem Namen von mir belegt wurden. Andere Zahnspitzen
unterscheiden sich von jcnen nur durch eine sehr grobe Ziihnclung, sind aber
offcnbar von dem gleichen Thiere abkiinftig, wie deun auch bcreits durch
Agassiz erkannt wurde, dass dcrartige Abweicbungen in der Ziihuelung der
Kiinder keinen Art-l\'nterschicd abgeben. Agassiz beobachtete dies unter anderen
auch bei dem C. niegalodon: „j\'ai reconnu plutard que oe caractère n\'avait
pas assez de fixité pour justifier une distinction spécifique." 2) Noch andere
Ziiline von Bonaire sind kleiner als dasjenige Fossil, welches man gewöhnlich als
1)  Contiibuiions to tho extinct Vertebrate Fauna of the Western Territories by J. Leidy. — Un.
8t. Geolog. Surv. Hayden Vol. I, pag. 330, tab. 37, fig. 16, 17.
2)  Recherches sur les poissons fossiles, ï. III, pag. 249.
-ocr page 127-
105
C. megalodon zu bezeichnen pHegt, ohnc indessen im Oebrigen Abwcichungen von
ihm erkennen zu Lassen; selbstredend kunnen aber Grüssenuntcrschicde keine Artcha-
raktere abgebcn. Aueh durch Quenstedt ist beroits darauf hingewicsen worden, dass
mit C. megalodon zusammen in der Molasse von Sehwaben kleinere Ziihno vor-
kominen (C. Escheri Ag.), die vielleieht mit jener Art zu vereinigon waren. \')
Xur zwei Zahnspitzen von Bonaire, die von dem gleiehen Fundorte wie die
oben erwiihnten abkünftig sind, besitzen eine Form, welclie mit derjenigen von
C. megalodon nicht übereinstinimt, und da es eincn hohen Grad von \\Vahrschein-
lichkeit hat, dass diese gleichschenkligen, geraden und spitzen Ziihno (Fig. 7.)
dcrselben Art angehören wie die cingangs erwiihnten Bruchstüeke, so zielie ich
aucli für Letztere die Benennung C. megalodon wieder ein.
Von der einzigen Carcharodon-\\rt, welche in den heutigen Meeren noch lebt,
C. Rondeletii Müll. Henle,2) sind die Fossilien sicher verschiedon, da unter ihnen
die ersterwiihnten Formen sich durcli die betriichtliche Biegung der Zahnriinder
weit von den Ziihnen der reeen ten Art entfernen.
Der Fundort sammtlicher Zahnbruchstüoke ist Fontein auf Bonaire.
3.   Oxyrhina Aa. (Tab. I, Fig. 8.)
Eine Reihe von Zahnbruchstücken, welche in allen Merkmalen mit Ziihnen der
lebenden Art O. gomphodon Müll. Henle 3) übereinstimmen, ebensowenig aber von
O. glauca Müll. Wnle*) zu unterscheiden sind. Die Kiefer der beiden recenten Arten
kunnen überhaupt nicht von einander getrennt werden, wenn sie allein zur Unter-
suchung vorliegen, und deswegen glaube ich auch von der Benennung der betref-
fenden Fossilien abselien zu mussen.
Es ist indessen nicht unmöglich, dass auch die in Figur 9 u. 10 dargestellten,
glattrandigen, doppelt gekrümmton Ziihne mit breiter, unvollstiindig erhaltener
Basis, welche von dom gleiehen Fundorte stammen, dcrselben Art angehören, und
in diesem Falie würde sich Letztere sicher von den genannten Species der heuti-
gen Fauna unterscheiden lassen.
Der Fundort aller Bruchstüeke ist Fontein auf Bonaire.
4.   Zahnbruchstücke eines Itochen aus der Familie der Myuohatiden (Tab. I,
Fig. 11.) Abkünftig von Fontein auf Bonaire.
5.   Zahnbruchstüek eines Fisches aus der Gruppe der Gymxodoxtex (Tab. I,
Fig. 12), bestellend aus 7 unvollstiindig erhaltenen Zahnplatten und vielleieht der
Gattung Dlodon angehörig. Ebcnfalls von Fontein auf Bonaire stammend.
1)   Handbuch der Petrefaktenkunde. 3te Auflage. 1885. pag. 207.
2)  Muller und Henle. Systematische Beschreibung der Plagiostomen, p»g. 70.
8) Muller u. Henle. 1. c. pag. 68.
               4) 1. c. pag. 69.
14
-ocr page 128-
106
Krosion durch das IVIeer.
Auf allen drei Insein kommen gohobene Ukertkrrassen vor, welche in grossor
Vollkommenheit besonders an den Nordküsten sich ausbildeten, da dioselben offen
und der herrschenden Wind- und 8tromrichtung\') ohne Schutz ausgesotzt sind.
Ihrer Form nacli lassen die Terrassen sich in drei Hauptgruppen zcrlegen.
Eine derselben (A) zeigt eine gleichmiissig dom Meere zugenoigto Abdachung,
welche die alte Brandungsterrasse nnterhalb des Niveau\'s der halben Fluthöho
darstellt, landeinwiirts begrenzt von einer steilen, anniihernd oder auch vüllig loth-
recht abstürzcnden Wand. Diese Stirnwand ist meist 5 bis 10, selten 15 m hoch
und in ihren Fnss ist die Hohlkehle eingeschnitten, welche sich nicht selten ticf
cinwiirts als Grottc im Kalkgebirge vcrfolgen liisst. Die Neigung der Plattformon
botiiigt auf Curacao, wo sic in diescr Ausbildung am vollkommenstcn auftreten,
nur 2-3\', so weit ich im Stande war, unterstützt durch Fhotographieen und aus
weitem Abstande, Messungen anzustellen; denn lctztere sind auf den Uferterrassen
selbst wegen der sie bedeckenden Yegetation kaum auszuführen. Die Höhe der Höhlen
betriigt viclfach nur 2 m, an anderen Orten etwa das Doppelte, aber nach den mir
vorliegenden Bcobachtungon nicht mehr; ihre Wande zeigen an regelmiissige Ge-
wolbe erinnernde Bogcnlinien, und unter dem den Boden bedeckenden Kalksinter
liegen bisweilen zahlreichc Rollsteine des Grundgebirges, welche die Wellen bei
der Erosion durch ihre ausschleifende Tliiitigkeit unterstützt haben.
Derartigo Höhlen lassen bei aufmerksamer Be-
trachtung keinen Zweifel über die Art ihrer Entste-
hung zu und sind leicht von den ursprünglichen
Hohlriiumen des Riffes, die ihren Grund in Wachs-
thumsverhiiltnissen der Korallenbauten haben, zu un-
terschciden. Die Oberfliiche der IMattformon ist mit
zahlreichen Blöcken bedockt, deren Grosse in der Rich-
tung vom Meere nach der Stirnwand hin zunimmt und
welche Haushöhe erreichen, wiilireiid ihre Oberflache
zerfressen ist und überall die Einwirkung des Mee-
reswassers erkennen liisst. Bisweilen begegnct man
FlO. 25. LüSK Bl.ikKE VON
QUARTaRtM KaLKE.
auf den I\'lattformen auch den Fusstücken von Stalag-
miten, so z. B. besonders schön bei Hermanus, wo
1) Die Geschwindigkeit des ONO-PasBates wird auf etwa 7 m im Mittel angegeben. Der Wind
ist ziemlich gleichmassig das ganze Jahr hindurch, und es dürften kaum 30 ruhige Tage in diesem
Zeitraume eintreten, welche sich auf die Monate November, October und September vertheilen.
Im Allgemeinen ist der October dor windiirmste Monat.
-ocr page 129-
107
sich dor Umriss einer alten Grotto auf der gehobenen Brandungsterrasso recon-
struiren liisst. Dass jene vor dor Herausbildung der Plattform bereita iin quartaren
Riffe bestanden babcn muss, bedarf kaum dos Hinweises.
Die zweite Form der Terrassen (C) ist eine Modifikation der soeben beschriobe-
nen. Die überhiingondc Decke des von vielen, senkrechtenKluftniichen durchsotzten
Korallenkalkos ist eingestürzt und die Brandung hat sich ihrer Bruchtheile bemiteh-
tigt, um am Fusse der Htirnwand oinen Uferwall mit 8—10° Neigung zu formen,
welcher mehr oder minder rasch und gleichmiissig in den weniger geneigton, see-
Pio. 26. Versomedene Ausbildung der Brandungsterrassen.
a—b. Hochwasserliiiie; e— d. Niedrigwasserlinie.
wiirts gekehrten Abschnitt dor Brandungsterrasse übergoht. Eino nach innen oin-
fallende Dachfliiche ist als Rest dor am Fusse durch Schottcr verhülltcn Hohlkohlo
bestehen gebliebcn, entsprechend demjenigen Abschnitte der Höhlung, welcher über
der Hochwasserliiiie gelogen war. Statt der concaven Flache ist also oin stumpf-
winkliger Einschnitt entstandon, der eino Zcit lang erhalteu bleiben mnsste,weil
die am (Jferwalle auflaufende Welle oinen grossen Thcil ihrer Kraft cinbüsste und
kaum noch über die Hochwasserlinio hinaus wirken konnte. Der Einschnitt kann
indossen aucli giinzlich fehlcn, so dass sich der Schuttwall an eine einfach loth-
recht oder etwas geneigt abstürzende AVand anlehnt. Dies erkliirt sich durch die
Móglichkeit eines sehr verschiedenen Abbrechcns der Dcckentheilo von selbst, und
boide Arten von Uforwiillen kommen deswegeu unmittelbar neben einander vor,
wie es Figur 30 zeigt.
Dio dritte Form der Tcvrassen (B) weist wesentlich ab\\veichcndeObcrtlachenver-
hiiltnisse auf, deun unterhalb der Hohlkehle folgt entweder unmittelbar (neben-
T~~T-r-
1 II
stehende Figur) oder in gcringem Abstande seewiirts ein
FWfOTWfl
treppenformiger Absatz, und dies kann sich mehrfach wic-
dcrholen, so dass dio Plattform oinen stufenartigeu Rau
zeigt, statt eine einfach geneigte Ebene zu bilden. "Wiihrend
die beiden ersterwahnten Formen dort vorkommen, wo
die Kalkschichten nach der Seeseite mit starker Neigung
Fig. 27. Grotte bei Fontein,
mit Siaterbüdungen ausge- einfallen1), tritt diese letztere bei schwebender Lage der
kleidet. Kalkbiinke in schwe-                          . . , . _,.                       .
bender Lage bilden ihr Lie- Biinke aut, ist abcr im Einzelnen, wie es scheint, sehr
gendes und Bind seewiirts                      IT            . _ . , ..                          „
steil abgebroehen.                 grossen l nrogelmassigkeiten unterworten.
1) Strenger ausgedrückt: eine mantelförmige Lagerungnform aufweisen. (Vgl. oben pag. 83.)
-ocr page 130-
108
Man beobachtet derartige Terrassen in der Umgebung von Fontein, und auch in
den ilölilen des Serro Grandi auf Bonaire sind dieselben entwickelt. Simons, wel-
cher die in der mittleren Strandlinie des S. Grandi gelegene Grotte bis etwa 90
m ins Innere des Berges hinein verfolgt hat, tbeilte mir mit: „The door was uot
level, but in terraees, some very abrupt and vvith as mach as 4 feet rise." Die
Brandungsterrasse hat hier im Innern des Berges also noch eine ansehnliehe Breite
und dasselbe ist bei Fontein der Fall, wo die mittlere Neiguug aus diesein Grande
eine geringe bleibt. An anderen Orten dagegen sieht man die Stufen der Plattforni
in rascher Folge von innen naeh aussen auftretcn, so dass die Brandungsterrasse
schmal wird, wahrend ihr Neigungswinkcl eine dem entsprechende, bedeutende
Zunahme aufweist. Dies ist unter anderen auch an der Boca van Welvaart der
Fall. \')
Eine Gesetzmiissigkeit vermochte ich betreffs der Ausbildung der Stufen nicht
aufzufindeu, und es schcint mir, als ob dieselbe auch nicht bestehe,dass vielmehr
zufiiHiger Wechsel in der Widerstandsfiihigkeit der Gesteiusschichten und das
Auftreten odcr Fehlen von Kluftflachen hier die mannigf\'altigsten Modifikationen
herauszubilden im Stande seicn. So sieht man denn auch verscbiedene Ausbildiingen in
den gehobenen Terrassen unmittelbar nebeu einander auftreten und an der Kuste
von Fontein augenblicklich entstehcn.
Dort wird vor dem Hause am Xordstraude bcim Sinken der Flut eine Hohl-
kehle entblösst, welche dem Hochwasser ihre Bildung verdankt und nach unten
hin an Einer Stelle durch eine senkrecht abstürzcnde Wand bcgrenzt wird, wahrend
in unmittelbarer Nahe die Letztere fehlt und die Wellen weit unter die gehobene
Uferterrasse fortrollen. Es will mir hienach und auf Grund anderer, ahnlicher
Beobachtuiigen scheinen, als ob bei schwebender Lage der Biinke die Form der
Brandungsterrasse allcrdings vielfach eine treppcnartige werden kunne, dass indessen
diese Ausbildung nicht immer eiutriitc. So vermochte ich auch an der Kuste von
Antikurie, wo die Erosionsthiitigkcit am besten zu beobachten ist, nur eine gleich-
förmige Abdachung der Plattform wahrzunehmen.
Fiü. 28. EROSlONSERSCllElNUNGEN rei Antikirie. — 1. Diabas. — 2. Korallcn-
kalk. — 3. JIcer.
Die gehobcne Tcrrasse ist hier an einigen Punkten der ganzen Breite nach
1) Vgl. oben pag. 52.
-ocr page 131-
109
untorvvaschen, »o dass die Brandungawogen des Hoch wassers an ihrer laudeinwiirts
gekehrten Grenzc wieder ans Licht treten, urn an den Gehangen des Diabaagebirgcs,
weiehes hier das Liegende der quartaren Kalke darstellt, emporzulecken. Die
ganze, niedrige Plattform von Autikurie ist soniit ein einziges, ausgedehntes Ge-
wölbe, wclehes uur noch auf einzelnen Pfeilern des Grundgebirges ruht und des
Einsturzes harrt. Vielfaeh hat aber dieser schon stattgefunden, und eine Reihe von
pittoresken Brücken ist entstanden, welche dein Ufer vorgelagert sind, gekrünt
von den Fetzeu der Kalkbank, mit der sie sich früher zur Bildung einer zusain-
nienhangcnden Terrasse vereinigten. Auch landeinwarta sind liie und da sclion be-
traehtliehe Einstürze erfolgt, und hier aieht man an den Seitenwiinden der früheren
Höhluugen gesehwungene Bogenlinien von auffallend regelmaaaiger, an Nischen
erinnerndcr Form, welche den gewölbeahnlichen Bildungen in den gehobenen
Strandlinieu gleichkoninien, aber diesclben au Regelmiissigkeit übertretf\'en, da sie
uoch nicht niit Kalkainter bekleidet sind. An ihrem Boden liegt die mit Sand und
Geröllen bedeckte Terrasse, über welche die Brandung des Hochwassers hinweg-
Fio. 29. Ukerterrassen bei Hato.
Jm Hintergrnnde das Niveau des Meeres. (ieseheu von dem Hausc bei Hato, nach NÜzu.
stiebt. Broeken einer alteren T\'ferterrasse befinden sich noch weiter aufwarta an
den Gehangen des Diabasgebirges, welches der zerstörenden Wirkung einen weit
bedeutenderen AViderstand entgegensetzen konnte und so das Vordringen der Strand-
linie weiter landeinwiirts verhinderte. Mit desto grösserer Kraft konntcn aber die
Wogen das Zerstörungswerk an den quartaren Kalken vollführen, welche hier an
der Nordküste von Aruba auf diese Weise fast völlig vernichtet wurden.
Am vollstiindigsten sind die Sïkandlinien auf Curaqao entwickelt, woselbst
sie, von geringen Unterbrechungen abgesehen, das ganze Eiland ringfórinigumgeben.
An der Nordküste vor allem, wo der Kalkgürtel sehr breit ist und die vordringende
Brandungswelle keine Aenderung des Gesteins antraf, konntcn sie sich am regel-
miissigstcn ausbilden.
Bei Hato liegen über der niedrigen Uferterrasse, welche den heutigen Strand
-ocr page 132-
110
begrenzt und mit einer Höhe von 3—5 m fast ununterbrochen alle drei Insein
umsaumt, landeinwarts noch zwei andere Plattformen, wolche, nirgends eine nen-
nenswerthe Lückc aufweisend, sich von Hato au» oinorseits bis nach Asccntion,
anderersoits bis nach Briovengat verfolgen lassen und überall nahezu den gleichen
Abstand von der Kuste innehalten. lm schmalsten Theile reicht die höchste der
Terrassen ohne Unterbrechung von den quartiiren Kalken in die Kreideformation
hinüber, da die cretaeeïscheu Schichten hier aus leicht zerstörbareii Mergein be-
standen, und westlich vom Kleine Berg hat diese Plattform eine so bedeutende Aus-
dehnung erlangt, dass ihre Stirnwaud der Südküste mehr geniihert ist als der JsTord-
küste. Hier hangt die Strandlinie mit den inneren Steilabstürzen des Küstenge-
birges von Nord- und Südstrand, welehe das Thai im Oston von Hermanus ein-
schliessen, zusammen.
Via. 30. KoinsKTziNc in ii in >\'i<i. 29 iiarukstei.i.tkn Stranic p-ebung der Stadt, wosclbst die
i.iMKN N.M ii Westen zu.
,.•.,,., , ..... . ....         ,                . . Höhen mit ffcrincrer Neigung
Ine Ansii\'lit ist von dor Höhe der Stirnwand genommen, in der                          e o            o o
anch die Grottevon Hato liegt (in der Zeichnung vorne links), «eewarts einfallen und die
lm vordergronde ilie bewaensene Brannungsterrasse; rechts die
Kuste von Hato, stark verkürzt und daherals Bucht erscheinend. Ausprafunir der Straildlinicn
deinzuf\'olge undeutlicher ist. An der Sttdostecke nimmt die Zahl der Uferterrassen
vnrii Tafelberge nach Ostpunt zu allmahlig ab: der Tafelberg besitzt drei, der nach
Osten fblgende, niedrige Berg, welcher „Duivelsklip" genannt wird, nur noch zwei
gehobenc Strandlinien, von welchon die obere nur unvollstiindig nach innen be-
grenzt ist, da die Erosion die zur i\'lattform gehörige Stirnwand bereits theilweise
zerstört hat. AVeiter nach Osten fehlt die Stirnwand ganz und siukt die Zahl der
Strandlinien auf Eine herab; ebenso an einem Thoiledergegenüberliegenden Nord-
küste, nahe bei Ostpunt.
Wie hier die früherc Anwesenheit einer grosseren Anzahl von gehobenen
Brandungsterrassen durch den Vergleich mit den Verhaltnissen ani Tafelberge wahr-
scheinlich vird, so sind auch an einigen anderen Orten der Insel die höheren
Terrassen vernichtet worden. Deutlich ist dies durch die noch theilweise erhaltenen
-ocr page 133-
111
Reste solchcr Bildungen an der Kuste von Savonet zu erkennen. M\\r ist es ferner
wahrschcinlich, dass auch die K.ilkbriickcn des Groote- und Kleine Berg als go-
hobene Plattformen aufzufassen sind, die aber einer inneren Bogrenzung durch eino
Stirnwand entbehren, weil die von Norden und Süden vordringenden Brandungs-
wellen sich nach völliger Zerstörung einer solchen im Innern des Eilands die Hand
reiehten. Die Kalkbriicken entspriiclien dann einer vierten Brandungsterrasse; in-
dessen bedarf es genauerer Messungen und Vergleiche , urn die Verhaltnissc deutlich
übersehen zu können.
Dem gegenüber fehlt in der Caracasbai, welche sehr geschützt liegt und auch
in jüngst verflossener, quartarer Zeit dor Brandung wenig ausgesetzt gowesen ist1),
eine Strandlinie ganz. Hier hat eine ruhige Erosion durch das Meer stattgefunden,
wie sie auch jetzt noch langsam bei den fast unmerklich auflaufenden Wellen ilnen
Fortgang nimmt.
Der durch seine eigenthümliche Form als „Grenadiorsmützo" bekannte Fels
daselbst besitzt einen verschmalcrtcn Fuss, welcher durch eine ebene, dem
höchsten Wasserstande entsprechendc Flache von der brciteren Hauptmassc gc-
schieden ist. Eine derartige, ebene, wie abgeschnitten sich darstellende, horizon-
tale Erosionsfliicho zeigt auch der Fuss der Klippe, auf welcher die Beekenburg
Via. 81. Dik Grenadiersmütze in der Caracasbai.                     dung durch lang-
same Lösung des Gesteins ein Gebilde erzeugte, welches an die Nadelformen
grosser Flüsse mit stark einschneidender Thatigkeit erinnert.
1) Vgl. oben png. 17.
-ocr page 134-
112
Vielleicht hat die Caracasbai ebenfalls einor solehen ruhigen Erosion dos Mee-
res, welehe sich im Wesentlichen aufeine lüsende Thatigkeit beschriinkte, znm Theil
ihre Existenz zu danken; denn die zahlreichen isolirten Kalkblöcke, welehe an ilirem
Ufer auf dem Diabase lagern, zeigon auch siimmtlich noch eine ungestörte, gesetz-
massige Anordnung. Wahrend sio auf den ersten Bliek den Eindruek eines wirren
Durcheinander hervorrufen, reiiien sic sich, vom Thurme der Beekenburg betrachtet,
zu regel miissigen Schichten an einander und erscheinen sic nur durch crweiter-
te Kluftflüchen und senkrecht zu dicsen gerichtete Spalten geschieden. An die
abgestürztcn Blöcke der Brandungsterrassen erinnert hier nichts Andercs als die
zerfressene Obernache des Gcsteins.
Nachst Curacao besitzt West-Bonaire den vollstiindigstcn Gürtel von Strand-
linien; sic sind an der Siid- und Südwestküsto dieses Inseltheiles besser crhalten
als an den meisten 1\'unkten der Nordküste, woselbst die Zerstörung der Korallen-
kalke vielerorts so weit vorgeschritten ist, dass selbst ihr Liegendes, die cretaeeïsche
Schieferformation, durch die Brandung abgehobelt wurde. Bereits oben ist der grossen
Ausdehnung der Brandungsterrassen gedacht;1) die ursprüngliche Verbreitung der
Kiff\'kalke liisst sich unter solchen Verhaltnissen nicht mehr reconstruiren. Bei
Fontein sind sie am besten crhalten, und hier sieht man wiederum drei scharf
ausgepriigte Terrassen Eine über der Anderen sich erheben.
Ob sie ihrer Lage nach den Terrassen von Curacao entsprechen, vermag ich nicht
anzugeben2), da sich dies, ohne genaue Messungen in grössererZahlauszuführen,nicht
beurthcilon liisst. Aus der gleiclion Anzahl von gchobenen Strandlinien auf\'beiden In-
seln liisst sich hiefür nichts ableiten , da jedejüngere Terrasse, welehe weiter als die
altere ins Land eindringt, die Spuren der Letzteren völlig vorwischen muss, sobald die
Decke nachgestiirzt ist. Etwas Aehnliches hat auch am S. Grandi stattgefunden, in
dessen steilen, dem Meere zugekehrton Absturz zwei Hohlkehlen über einander
eingeschnitten sind, wahrend an seinem Fusse nur Eine der zugehörigen Brandungs-
terrassen überliefert ist. Der Boden jeder Hohlkehle ist froilich als eine innei\'halb
des Berges sich fortsetzende ]5randungsterrasse zu bezeichnen, aber im Relief
der Landschaft kommt die uitere Plattform niclit zum Ausdrucke. Solche Verhalt-
nissc erschweren aber den Ueberblick sehr und lassen die Beurtheilung der Zu-
samineiigeliörigkeit verschiedener Terrassen an einander entfernten Orten bei Hüch-
tiger Durclireise gar nicht zu.
1)   Vgl. oben pag. 71 u. 76.
2)  Xnch meinen Schatzungen ist dies nicht der Fall.
-ocr page 135-
113
Auf Arub.v , wo die quartiircn Kalke cinc noch weitere Reduktion erfahren
haben als auf Bonaire, sieht man fast überall nur eine einzigc gehobene Plattform,
wiihrend Spurcn einer alteren noch nördlich von Fontein auf den Geliiirjgen des
Grundgebirges liegen. Die altc Strandlinie der Südwestküste ist jetzt weit land-
einwarts gerückt; zu ihr gehörcn die Grotten des Carachito, welche den gleichen
Charakter tragen wie die Höhlen in der gehobenen Uferlinio der Nordostküste des
Eilands. \')
Orundwasser und Quellen.
Auf den Insein sind atmosphürische Niedersehliige sclten. Selbst sehr feuchte,
über die Eilande hinziehende Luftströme bringen nur ausnahmsweise Regen, da
die erforderliche Abkühlung nicht nur fohlt, sondern sogar eine bedeutende Hitze
von den kahlen Felsen ausstrahlt, welche die relative Feuelitigkeit der Luft ver-
ringert und den bereits zu Wolken verdichteten Wasserdampfam Niederfallen ver-
hindert. Dor Mangel einer dichten Vegetationsdecke als Folge der Regenarmuth
ist gleichzeitig Eine der Ursaclien der Letzteren.
Man sieht die Wolken herantreiben, um in der Regel scheinbar emporzusteigen,
sobald sie die felsige, stark erhitzte Kuste erreichen; aber auf Curagao erfolgt
dann im Westen nicht selten noch ein Niederschlag, nachdem der östliche Theil
der Insel vom feuchten Luftströme passirt ist, olme dass hier der ltegen eingetreten
ware. Ich schreibe dies dem Umstande zu, dass West-Curacao nicht nur dichter
bewachsen, sondern auch höher ist als Ost-Curacao, so dass die Temperaturabnahme
für den Gipfel des Christoffels fast 2° C betragt.*)
Zu Zeiten fallen indessen auf den Insein ganz ungeheure Regenmengen. Es
kommt vor, dass dieselben im an Einem Tage betragen, so dass sogar wiederholt
1)  Andore Erosionswirkungen dos Meeres wurden bereits oben bei Beschrcibung der verschiede-
non Formationen Aruba\'s behandelt. Vgl. pag. 48 und pag 52.
2)  Es ist liiubci, wio gewülinlich, \'A0C für je 100 m in Rcchnung gebracht. Dem entspricht auch
tneine Beobnchtung, denn am 21tu" Januar fand icli um f>\'A L\'lir Morgens auf Savonet, 20 m über
dem Meere, die Temperatur der Luft—24,6\' C; auf dem Oipfel des Christoffels, 876 m über dem
Meere, um T/t Uhr Morgens, nur 22,8\'C. Die beobachtote AbkOhlung für 3")6 m betriigt demnach
1,8° C, wiihrend sie nach der gewühnlich angewandten Rechnuug =: 1,78J C sein sollte. Uie Ueber-
einstimmung ist demnach eine sehr befriedigende; die Beobachtungen in den frülien Morgenstun-
den dürften aber fast den Werth gleichzeitiger Ablesungcn, zu denen ich keine Gclegenheit hatte,
beanspruchen.
15
-ocr page 136-
114
Leute vor den abströmenden WasserHuten sich auf Biiume retteten und unter
anderen einstmals ein Junge sammt Esel bei Zuikertuin ins Schottegat geschwemmt
wurde.
Vou diesem Regenwasser muss eine bedeutende Menge im Boden versinken,
da niebt nur das Kalkgcbirgo, sondern auch die cretaeeïschen Sedimente und die
Eruptivgesteinc, besonders die Diabasformation, in liobem Grade zerklüftet sind.
In die aufgoloekerten Diabasmasscn eindringend erreicht das Wasser bereits
in einigen Metern ïiefe unzersetztes Gestein, welches durch seine geringere Per-
meabilitiit den weiteren Durebgang zur Tief\'e verhindert und auf geneigter Begren-
zungsfliiche den aufgesogenen Regen allseitig von den Kuppen thalwiirts abfliessen
liisst. Stellt das Thai eine kesselförmig geschlossene Mulde dar, wie sie so hiiufig im
Diabasgebiete vorkommen, so sammelt sich in ihr ein Grundwassertümpel an. Diescr
wird aber nicht nur von dem unter der Oberflaehe der Gehange absickernden \\Vas-
ser gespeist, sondern selbstredend auch von dem Regen, weieher unmittelbar auf den
das Kesselthal im Grunde ausfüllenden Aufschüttungsboden fiillt und ausserdem
oberflachlich von den Gehangen dorthin abströmt.
Die Pflanzer stauen nun das Regenwasser durch Anlage breiter, niedriger
Steinmauern, welcho weit ausgedehnt und bisweilen zu mehreren hinter einander
gelegen sind, auf und verhindern dadurch nicht nur das direkte, oberfliichliche Ab-
fliessen des Regens und die Fortführung des lockeren Erdreiehs, sondern versehaf-
fen vor allen Dingen dem Wasser Zeit zum Einsickern in den Boden. Der Reich-
thum an Gruudwasser wird auf diese Weise erheblich vermehrt, und bei gunstiger
Lage kann es jetzt unter dem Aufschüttungsboden durch das Relief des unzersetzten
Gesteins am weiteren Abfliessen gehindert werden, auch dort wo an der Oberflaehe
eine natürliche Stauung nicht vorhanden ist.
Brunnen, welche in derartige Grundwassertümpel hinabreichen, werden naturge-
mass am besten und am langsten gespeist wer-
den; das Wasser, welches aus den obcrfliichlich
abströmenden Regenmengen in den künstlichen
Behaltern von gcwaltigen Dimensionen gesam-
melt werden kann, wird sich in ihnen nicht nur
l. Diabas.— 2. Zersctzter Uiabas.— 3 Auf- am liingsten halten, sondern auch durch neue
schüttungsbodea.                                                „ .                                         .
Zutuhr ersetzt werden. Es ist ferner deuthch,
dass bei gleichen Regenmengen der Reichthum an Grundwasser von der Grosse des
Einsickerungsgebietes und von dem Grade der Verduustung abhöngig ist, dem auch
das in den Boden eingedrungene Wasser noch ausgesetzt bleibt. Deswegen sollte
man darauf bedacht sein, bei Anlage von Brunnen weite Kesselthaler mit sanft
-ocr page 137-
115
ansteigenden Gehangen zu vvahlen, in deren Grunde sich ein machtiger Aufschüt-
tungsboden befindet und deren Oberrliiehe von PHanzenwuchs bcdcekt ist. Denn
sowie das überlagernde Erdreieh den bereits gebilde ten Grundwassertümpel schfltzt,
so wird das Siekerwasser, welches dieson noch nicht erreicht hat, nahe der
Oberrliiehe durch die Vegetation vor rasdier Verdunstnng bewahrt bleiben. Die
vielfach geausserten Klagen über Zunahme dor Dürre bei der gedankenlosen Ver-
nichtung der Vegetation sind sicherlich nicht grundlos.
Wie von der Diabasformation, so mussen auch von den tief zerklüfteten cre-
taceïschen Sedimenten erhebliche Regenmcngen aufgesogen werden, und wo die
betreffenden Ablagerungen so machtig sind wie im Gebiete des Christoffels, da
hiilt sich in ihnen auch bis in die trockenstcn Zeitcn hinein fast stets noch ein
geringer Vorrath an Wasser. An den meisten Orten dürfte es aber bald bis auf
das unterlagornde Diabasgestein wegsinken; so dass sich dasclbst das Grundwasser
in einer der eben beschriebenen analogen Weise ansamrnelt, überlagert von den
Sedimenten der Kreideformation.
Diese Verhaltnisse lassen aber die Anlage von Brunnen im Sandstein- und
Schiefergebiete nicht riithlich erscheinen, da das Wasser erst in grösserer Tiefe
als im Diabasgebiete erreicht werden kann. Welche Kolle den Mergein als wasser-
dichte Schicht zukommen mag, ist bis jetzt gar nicht zu beurtheilen, da das Aus-
streichen an der Oberflache des zerfallenen Gesteins nur ungenügend festgestellt
werden kann. \')
Zur Anlage von artesischen Brunnen, welche auf den Insein so sehr gewünscht
wird, liefert die Kreideformation — die einzige, welche überhaupt in Betracht
kommen könnte — jedenfalls keine Handhabe; ihre zusammengestauchten und ver-
worfenen Schichten, welche mit complicirter Lagerung tiefe Zerklüftung verbinden,
mussen jeden Gedanken daran sofort zurückdrangen.
Die bedeutendsten Regenmengen werden unstreitig von den quarritren Kalken
eingesogen, da sie nicht nur am reichsten an grosseren Spalten und Hühlungen
sind, sondern ihre zerrissene Oberflache auch das direkte AbHiessen des Wassers
1) Die Betrachtungen über das Grundwasser boziehen sich fast aussohliesslich auf Curarao , da
mir t\'iii\' die beiden anderen Insein nur ein unzureichendos Beobachtungsmaterial vorliegt. Westlich von
Goto auf Bonaire scheinen indessen im Diabasgebiete die gleichen Verhaltnisse wie auf Cura<;ao
obzuwalten, wiihrend das gleiche Eruptivgestein auf Aruba ungünstig für die Ansammlung von Grund-
wasser sein dürfte, da seine Oberflache wenig gelockort ist, der Aufschüttungsboden fast ganz fohlt
und das Belief ein rasches Abströmen befördern muss. Die Grundwassertümpel, welche liings der Süd-
küste von Aruba im Korallenkalke gelegen sind, verdanken otfenbar den Verwitterungsprodukten
des im Liegenden auftretenden Quarzdiorits ihre Existenz.
-ocr page 138-
116
verhindert. Von diescm Sickerwasser kommt den Insein indessen nur sohr wenig
zu Gute, indem es von den Kalken bis zur Grenze der alteren Formationen durch-
gelassen wird und nun an den Begronzungsflachen des unterlagernden Gebirges
abströmt. Denn nur in den wenigeu Fallen, wo die Kalke mantelförmige Umla-
gorungen bilden, kann ein Theil des von ihnen aufgeuonimonen Wassers land-
einwarts seinen Weg nehinon, und es spielt danu die Kalkschicht eine ahnliche
Rollc wie die vergruste ObcrHüche der üiabase. Wenn aber, wie fast stets, die
quartiiren Kalke seewiirts einfallen, so strömt unter ihnen das Sickerwasser zum
Meere ab — es sei denn, dass die wasseriührende Schicht angezapft wird und das
Wasser als Quelle zu Tage austritt.
Dies Anzapfen ist in einigen Fallen durch die Herausbildung der gehobenen
Brandungsterrasson geschehcn, indem deren Stirnwand bis zur wasserführenden
Schicht an der Grenze der alteren Formationen
vordrang, eine höchst interessante Art der Quellen-
bildung, welche sich auf allen drei Insein in je
Einem Falie beobachten liisst. Die Quelle von
Hato, von Fontein auf Aruba und von dom gleich-
namigen Orte auf Bonaire sind alle drei auf diese
Fia. 33. QüELLENniLDUiro.          Art entstanden.
1. Diabas.— -J. Zerkliit\'teter Kalkstein.                     , . .           . .. _           . ..,         . .
— * L\'reprungstelle der Quelle.                    Am deutlicnsten ist die Quellenbildung bei
Fontein auf Bonaire. Hier trat das Wasser früher aus einer einige Fuss weiten, zum
Theil mit Erde gefüllten Spalte im Riffstein hervor, ^jctzt ontspringt sie im Grunde
eines künstlich angelegten Stollens, andessen Eingange von unten nach oben Thon,
lockere Conglomerate undSinterbildungcnaufeinanderfolgen, wiihrend wenige Schritte
aufwarts die Diabase in sehr zersctztcm Zustande als Liegendes der quartaren
Kalke anstehen. Der Tlion ist zweifellos das Verwitterungsprodukt des Eruptiv-
gesteins, sowie auch die Rollsteine in den sein Hangendes bildenden Conglomeraten
von derselben Formation abkünftig sind. Letztere entsprechen den allgemein an
der Basis der Riffkalke auftrctenden Trümmergestcinen, und die wasserführende
Schicht liegt ebenfalls an der Basis der Kalke, im Hangenden der thonreichen
Conglomerate, woselbst die Sinterbildungen durch die abströmende Quelle geformt
wurden. Die Kalkbedeckung oberhalb Fontein, welche als das Wurzelgebiet der
Quelle anzusehen ist, hat eine bedeutende Ausdehnung; trotzdem war aber der
Wasservorrath zur Zeit meiner Anwesenheit, nach einer lang anhaltenden Dürre,
1) Rapport von Stiil\'t. Die Anlage dea Stollens wird von Stiil\'t daselbat angerathen und hat of-
fenbar in Folge dessen spüter stattgefunden.
-ocr page 139-
117
so weit zusammengeschmolzen, daas nur ein kaum fingerdicker, trage strömender
Strahl ausfloss.
Auf Curacao und Aruba sind die Ursprungsstellen der Quellen vormauert, so
daas sich nichts weiter als der Austritt aus der Kalkformation erkennen lasst;
aber die Analogie mit Fontein auf Bonaire ist bezüglich der Lage dieser Ursprungs-
stellen zu den übrigen Formationen eine sehr grosse und augenfallige. Sowohl bei
Fontein auf Aruba als bei Hato troten die Quellen im Innern der Brandungster-
rassen zu Tage, wahrend aufwarts die altere Quartarformation eine machtige Ent-
wicklung zeigt.
Als Liegendes dieser Formation erkennt man auf Aruba den Diabas, auf
dessen seewarts genoigtem Gehange der in der Rooi Cachuntie aufgeschlossene
Kalkkeil lagert. \') Das Eruptivgestein setzt also auch hier dem üurchdringen des
Sickerwassers in grössere Tiefen ein Ziel, wahrend es ihm gleichzeitig Gelegenheit
giebt, in der Richtung zum Meere nach Fontein abzufliessen, wo dann die
wasser füh rende Schicht am Fusse der alten Stirnwand, gerade in der gehobenen
Strandlinie, angezapft ist. Auf Curacao ist mir das Liegende der quartiiren Kalke
bei Hato unbekannt; es kann wiederum Diabas, vielleicht aber auch ein Mergel-
schiefer der Kreideformation sein.
Die Quellen auf Aruba und Curacao sind ebenfalls wasserarm und würden in
einem minder dürren Lande, als die Insein es sind, kaum grosser Beachtung werth
sein. Auf Aruba bildete die Quelle wahrend meiner Anwesenheit cinen kleinen
Bach von kaum V2 01 Breite und wenigen cm Tiefe; bedeutender dagegen ist der
Wasservorrath von Hato, so dass man daran sogar die, allerdings nicht crfüllte,
Hoffnung knüpfen konnte, Willemstadt mit seiner Hilfe mit Trinkwasser zu vor-
sorgen.
Indessen bin ich überzeugt, dass an der Nordküste von Curacao keineswegs
der Vorrath der an der Grenze des Kalkes und der alteren Formationen gelegenen
wasserführenden Schicht vollkommen oder auch nur annahernd vollstandig gesam-
melt wird. Seitwarts von der Ursprungsstelle der Quelle werden ansehnliche Men-
gen von Wasser unter der Bedeckung von Riff kalk zum Meere abfliessen, und es
ware vielleicht wohl möglich, dieselben im Boden künstlich zu stauen oder auch
durch Nebenrinnen, welche bis zur wasserführenden Schicht auf der gehobenen
Plattform niedergehen, den Vorrath der Hauptquelle zu steigern. Schutz des Pflan-
zenwuchses auf der Brandungsterrasse ist dabei sicherlich ebenfalls anzuempfehlen.
Prüft man die Bedingungen, welche für die Bildung von Quellen der in Rede
1) Vgl. oben, pag. 55.
-ocr page 140-
118
stellenden Art auf den Eilanden erfüllt werden mussen, so sind dies: ltcns die An-
wesenheit einer für die VerhSltnisse der Insein ausgedehnten und niiichtigen Schicht
von Korallenkalk, welcher in seinen lussen nnd Kluften das Wasser wie in einem
Schwamme zurückhalten und langsam an die Quellen abgeben kann, 2tens das Vor-
kommen der Diabasformation \') oder der cretaeeïschen Mergel als Liegendes der
Kalke, und zwar init seewiirts geneigten Begrenzungsflachen, 3teils die Anwesenheit
tiet landeinwarts vordringender Brandungstcrrassen, welche die wasserführende
Schicht anzapf\'en und das Abströmen zum Meere unter der Oberfliiche ganz oder
theilweise verhindern.
Der Gedanke liegt nahe, dort wo die beiden ersten Bedingungen erfüllt sind,
die dritte aber nicht, die wasserführende Schicht künstlich anzustechen: vielleicht
bedürfte es auf den Brandungstcrrassen der Xordküsten, an denen alle drei Quel-
len sich befinden, uur geringer Nachhilfo bei der bereits durch die Meeresorosion
verrichteten Arbeit, um zur wasserfülirenden Schicht zu gelangen. Es wird aber
mit grossen Schwierigkeiren verblinden sein, die geeigneten 1\'unkte für derartige
Versuche anzugeben, da beim Mangel an Profilen das Liegende der quartaren
Kalke im Einzelnen kaum zu beurtheilen ist. Am ehesten könnte dies noch in Ost-
Curagao geschehen, denn hier liegen meines Erachtens die VerhSltnisse am gün-
stigsten, da sich das Ausstreichen der cretaeeïschen Sedimente vielleicht am Innen-
rande des Küstengebirges verfolgen lasst.
Versuche auf Aruba und Bonaire zur Auffindung weitercr Quellen halte ich
dagegen für ziemlich nutzlos; denn hier kunnen sie kaum an anderen Orten vor-
kommen als dort, wo sie bereits austretend bekannt sind. Die Orte „Fontein" auf
beiden Eilanden sind die einzigen Punkte der betreffenden Nordküsten, welche
durch bedeutende Entwicklung der Kalke ein Wurzelgebiet von grösserer Ausdeh-
nung voraussetzen lassen und gleichzeitig durch die vermuthliche Beschaffenheit des
Untergrundes ein Abfliessen in gedachtem Sinne möglich machen. Das ist in Bezug
auf Bonaire bei einem Bliek auf die Karte bereits deutlich; für Aruba moge noch
hervorgchoben werden, dass das östliche Kalkplateau für die Wasserfrage bedeu-
tungslos ist, da die Schichten sich hier in schwebender Lage als Hangendes der
Felsenmeere von Diorit und nur in geringer Höhe über dem Meeresspiegel befinden.
1) An und für sich künnten zwar auch die anderen Eruptivgesteine der Eilande die gleiche Rolle
«pielen, den geognostischen Yerhültniggen nach iat dies indessen nicht wahrscheinlich.
-ocr page 141-
119
Strandverschiebung1, Bildung" der Seen uud AuerJiu»
mung" des Innern.
Strandversciiiebung. Es ist oben dargelegt worden, daas in quartiirer Zcit
die Eilande zum grössten Theile vom Meere\'bedeckt waren, dass sie Atolie and
isolirte, von I)amm- und Saumriffen umgebene Inselchen formten, deren Ausdeh-
nung weit hinter derjenigen der jetzigen Insein zurückstand. Sie tauchten allmahlig
in Folge einer positiven Strandverschiebung unter den Ocean, nnd ich vcrmuthe,
dass wahrend dieses Vorganges durch den Tafelberg St. Ilieronimo eine Abrasions-
fliiche gelegt wurde, welche jctzt in 207 m Meoreshöhe die Basis der dort ent-
wickelten, quartiiren Kalke formt. Auch die 177 m hohe Plattform des Brandaris,
welche sieh unter dem Gipfel dos Berges nach der Sceseite ausdehnt, halte ich
für eine Abrasionsrlache, deren weitere Ausbildung durch spiiter erfolgte Niveau-
veranderungen verhindert wurde, so dass der Gipfel nicht völligabgetragen werden
konnte. \')
Der positiven folgte eine negative Strandverschiebung, welche mindestens
218 in betragen haben muss, da bis zu dicser Höhe die quartiiren Kalke im JTio-
ronimo anstehen. Auch diese Strandverschiebung hat allmahlig stattgefunden, wie
das Auftreten mehrerer über einander gelegener Uferterrassen beweist; sie muss
zudem lediglich in dein Zurückzuge des Meeres, nicht aber in einer Niveau-
schwankung des Landes ihren Grund gehabt haben. Denn die Strandlinien
verlaufen nicht nur unter sic.h und dem jetzigen Meeresspiegcl parallel, wie sich
dies namentlich an der Kuste von Curacao auf weite Strecken hin verfolgen liisst,
sondern es befinden sich auch die Korallenkalke, wie oben dargelegt,noch durchaus in
derjenigen Lage, welche dem Wachsthume der Polypen entspricht. Ein solches
Verbleiben in situ, ohne irgend welche Störung des Gcbirgsbaus, liesse sich aber
bei einer Niveauschwankung des Landes schwerlich verstehen.
Seen. Wahrend der negativen Strandverscliiebung zog sich das Meer allmalilig
aus dem Innern der Eilande zurück; lange Zeit noch bedeckte es das niedrigc
Binnenland von Ost-Curacao und einen Theil von West-Curacao, wahrend es sich
auf Aruba bis zu der in der Karte verzeichneten, alten Meercsbucht ausdehntc,
die Ebene von Itiucon auf Bonaire ein fast abgeschlossencs, durch die Bucht von
Onima mit dem Meere verbundenes Becken formte und weite Küstenstriche auf
dieser Insel und auf Aruba ebenfalls noch von Wasser bedeckt waren.
1) Dass eine Abrasionsflache am St. Christoffel fehlt, ist nicht auffallig, da derselbe aus sehr
widerstandsfühigen, machtigen Oankon von Kieselschiefer besteht.
-ocr page 142-
120
Die abgoschnittenen Meoresreste, welche bei der
fortschreitenden Trockenlegung der Insein anfënglich
in den Depressionen noch erhalten blieben, mussten
bei dem Mangel an Wasscrzufuhr der Austrocknung
durch Verdampfung bald unterliogen. \') Anders ge-
stalteten sich aber die Verhaltnisse dort, wo solche
Reste auch fernerhin mit dem Meere in Verbindung
bleiben konnten. Die zahlreichen Einschartungen der
quartaren Riffe boten hiezu Gelegenheit; denn in
ihnen wurde die Ansiedlung von Korallenbauten nach
wie vor durch die periodisch zugeführten Regen- und
Scblammassen verhindert, und so blieben sie als Ver-
bindungscanale zwischen dem Meere und denjenigen
Meeresresten bestehen, die nahe dem Strande inner-
halb des Küstengebirges die Depressionen der Insein
füllten: es entstanden die sogenannten Binnenwasser
(„binnenwater").
In seiner typischen Ausbildung besitzt ein solches
„Binnenwasser" eine sehr charakteristische Form,
die ich blattartig nonnen möchte, da sich der Ver-
bindungscanal zwischen dem abgegliederten Becken
und dem Meere einem kuizen Stiele gleich an die
Wasserfliiche mit unregelmassig gelapptem Umrisse
im Innern des Eilands ansehliesst. Curacao zeigt
diese Ausbildungsweise am besten in seinem östlichon
Theile. Bei anderen Becken dicser Insel und bei
denen von Bonaire ist die Form insofern modificirt,
als sich am Strande aus groben Korallenbruclistücken
und aus Sand gebildete Uferwiille aufbauten , so dass
die Lostrennung voin Oceane eine vollstiindige wurde.
Aruba besitzt kein Binnenwasser, da ein das
Binnenland übcrragcndes, mit Einschartungen ver-
sehenes quartares Riff nicht vorhandcn ist und die
I! 1 m
lieh
1 \\ Li Sm
•— .c
1 ia Hl
-= Md
n
SJ
1 1
1 irll
*J=
} Il
II
irande die
welchcsic
i Uil
1
S *"
£ 3
il
IfJ]
r il 1
:illfB < =
1 1!
\'iLii.H ^
1
hu fl - -c
\\ Wm "^ ~
Fm ~ "c
"H ES
, ¥M . -r bc
i Hl
i 11
% k<
1
1 ë Ï-»
, 1
til lil - - w
1 i
Vil
1 H
e 1 ï
(s S
\\|f;
ïl
11
1*1
/1 li"\'
1 x 1
< £S
/ j
\' J! j!
* §1
X. f» fl
(
IJ
g h
II1 3*i M
se t •
RIJ Ja1 ,
— /. r3
1
Bi1 » :§
« S
11 ^
r 1
. w§
\\
^ \'!i -k"
f<. 1
* |I
V
i i/,1
s «
•
«•iï(
V
^ li\' 3
liirge
Igrun
crnia
\\ 83/
// AH
\\lu
f ƒ TB
S 2 "B
/ W
•s * i1
1
1
npwH
tf i ^ n
es < 9
isif
ïi
!>"\'\'\' \'* !-\' -
e^l
jWi
lil
= 3 -
fftj
lm Hi
iinnenw
Wasser
//Il
tf S
9 !
CS 3
•
Hm
Ji!,tö
•O N
74
1) Die Gypskrystallo, welche auf Cura^ao nicht gelten an der
Oberfliicho gefundcn werden sollen, dürften als Ausscheidun-
gen bei diesetn Processo entstanden sein.
-ocr page 143-
121
Reliefverhiiltnisse überhaupt für die Erhalttmg abgetrennter Mceresreste nicht
gunstig sind. Nur cin ausgetrocknetes Becken befindet sich an der Nordwestecke
der Insel zwischen Adikurarie und Tikibanaï, wclches vermuthlich durch diejiingstc
Verschiobung der Strandlinio trockengelegt ist. Das Meereswasser struint hier
nicht melir durch den alten Verbindungscanal ein, wiihrend etwaige Regen-
mengen durch diesen sofort wieder abfliessen mussen.
Auch bei Savonet nuf Curaeao befindet sich ein ausgetrocknetes Seebecken,
welches früher durch die Boca an der Nordküsto mit dem Meere communicirte; es
wird in seinem ausgedehnten, inneren Theile nie mehr von Salzwasser überströmt,
wolil aber bisweilen in seinem ausseren Abschnittc, welcher nur dui-ch einen nie-
drigen Uferwall gegen die Wellen geschützt ist. Auf dem trockengelegten Boden
findet man daselbst Korallon und Meeresconchylien, und zwischen ihnen zahl-
reiche Landschnecken, die mit den hergeführten Schlammassen zur Regenzeit ein-
geschwemmt wurden.
Allen diesen Seen, die als abgetrennte Mceresreste auf den Insein sich er-
halten haben {binnenwater), kann nur ein ephemeres Bestehen boschieden sein, da
die langsame Erhöhung ihres Bodens durch Hinzuführung von Alluvioncn, ferner die
Bildung von Uferwallen und besonders die noch fortschreitende Hebung der Eilande
ihre Verbindung mit dem Meere auf hebt und so bei dem Mangel genügender Zufuhr
von Süsswasser ihre Existenz unmöglich macht.
Lagunen. Zu einer ganz anderen Art von Beckon gehören diejenigen, welcho
ausserhalb der altoren quartaren Kalke in den jiingsten Riflfbildungen gelegen sind
und lediglich durch die Entstehung von an die Kuste sich anlehnonden Wallriffen
vom Meere abgetrennt wurden. Sic verrathen ihren Ursprung und ihre Verschie-
denheit von den „Binnenwassern," abgesehen von der vorschiedonen Lage, bereits
durch ihre Form, die einfach oval oder langlich ist, wiihrend ihre Liingsachso der
Kuste parallel vcrliiuft. Diese Boeken sind Küstenlaguncn.
Die Kiistenlagunen befinden sich vor allera in grösserer Anzahl an der Süd-
küste von Ost-Curacao; denn zu ihnen gehort die Fuikbai, die sog. Lagune,
Ava blanco und das Water van Oostpunt. Auch das Rifwater und Waaigat bei
Willemstadt tragen den gleichen Charakter. Auf Bonaire sind ferner mehrere
Kiistenlagunen an dem Weststrando des östlichen Inseltheiles vorhanden , auf Aruba
dagegen fehlen sie giinzlich und tieten ausgedehnte Wallriffe an ihre Stelle, die
bis jetzt keinon Anschluss an die Kuste erreicht haben. Die sog. spanische Lagune
auf diesor Insel ist die Fortsetzung der in sic einmündendon Rooi und wird ott\'enbar
mit Hilfe der periodisch durch sie abströmenden Regen- und Schlammassen
offen gehalten. Deswegen trifft ihre Liingsachse auch senkrocht auf die Kiiste,
16
-ocr page 144-
122
statt wie bei don eigentlichen Randlagunen dursclben parallel zu verlaufen.
Unter den völlig abgegliederten Beckon, Binnenmeeren sowie Küstenlagunen,
befindon sich solche, welche noch fortwiihrend mit Meereswasser gespeist werden,
indem dasselbe entweder durch die Uferwiille hindurchsickert oder auch in grüsse-
ren Zwischenraumen bei Hochfluten über sie hinweg in die Seen eintritt. Sie
ersetzen also don durch Verdunstung an ihrer übornache erlittenen Wasserverlust
und erfüllon somit auf don tropischen, an Niederschlagen armen, einer starkon
Luftstrümung ausgesetzten Insein alle diejenigen Vorbedingungen, welche nach
Ochsonius \') bei Seichtheit der abgetronnten Meerestheile zur Bildung von schwachen
Salzfi.ötzen, bei grösserer Tiefe zu derjenigon von machtigen Salzlagern führon
mussen. Einige Seen befinden sich im Zustande oiner Mutterlauge, so das bekannte
1\'ekelmeer auf Bonaire, und seit undenklichon Zeiten sind die natürlichen, nie aus-
trocknenden Salzpfannen, welche namentlich letztgenanntes Eiland im Süden
besitzt, bekannt. 2)
lm Einzelnen muss die Salzbildung je nach der Höhe der Uferwiille und ihrer
Durchliissigkeit mancherloi Modifikationen unterliegen. So wird z. B. im westlichen
Bonaire der durch Verdampfung orlittene Wasserverlust nicht genügend wieder
ersctzt; ich fand die Boeken daselbst schr zusammengeschmolzen und don früher
vom Wasser bedeckten Boden im Umkreise des derzeitigen Ufers mit Salzkrystallen
bekleidet, die in parallelen Wellenlinien abgeset/.t den allnii\'ihligen Fortgang der
Eindampfung erkennen Hessen.3) Auch die Menge des periodisch zufliessenden Re-
gens und mit ihm des Schlammes muss in den einzelnen Becken jo nach dem
Relief der Umgobung sehr verschieden, bedeutender im Allgemcinen in gebirgiger
Gegend, sehr gering in nadien Küstenstriclicn sein, ebenso aber wechselnd in den
aufcinander folgendon Jahron, und dies Alles wird den Niederschlagsprocess in den
einzelnen Becken sowohl wie in den verschiodenen Zeiten modificiren.4)
1)  C. Ocli8eriiua. Die Bildung dor Steinsalzlager. Hallo 1877. — Ferner: Boitriigo zur Krkliirung
der Bildung von Steinsalzlagern u. ihrer Mutterlaugcnsalze (Nova Actad. Ksl.Loop-Carol.-Deutsch.
Akad. d.Naturf. Bd. XL, N°. 4.
2)  Bosch. 1. c. II, pag. 300.
3)  Vgl. auch Tab. XVI im 1\'cn Theile dieses Vcrkes.
4)  Bosch sagt 1. c, dass in sehr trockonen Jahren das abgeschicdene Salz in den natürlichen
Plannen etwas bitter ist. Es findet hiei ort\'onbar eine Abscheidung von Magnesiumsull\'at statt, welche
in regenreicheren Jahren nicht bemerkbar wird, durchaus entspreehend den theoretischen Entwick-
lungen von Ochsenius. (Nova Acta 1. c. pag. 140).
Bisweilen ist die Regonmenge auf den Insein so bedeutend, dass die Ernte in den küiistlicli
angelegten Salzpfannen, an denen die Binnenmeere reich sind, misslingt. Iudesscn gehören solche
Jahre zu den grössten Seltenheiten. Nach v. Lennep Coster fand dies 1838, nach von Dissol 1855,
nach Zeitungsberichten 1886 statt. (G. van Lennep Coster, Aanteekeningen gehouden in \\Vest-
Indiö 1837—1840; Amsterdam 1842, pag. 57. — S. van Dissel. Curacao; Leydcn 1857, pag. 102).
-ocr page 145-
123
Ea ware mit Rücksieht suf die Erkliirung der Bildung von Steinsalzlagern
von höchstem Interesse, die in den Binnenmeeren und Lagunen der Eilande sieh ab-
spielenden Processe niiher zu prüfen, wozu sich rair bei der Kürze meiner Reisen
keine Gelegenheit bot, und von nicht geringerem Interesse ware es, die Becken
auf ihre Fauna und Flora zu untersuchen, soweit sie eine solche überhaupt noch
besitzen. Der Reichthum an Binnenmeeren, welche bald ganz abgeschlossen siud,
bald mehr oder minder vollkommen mit dem Oceane communiciren, liisst vermuthen,
dass hier manche bemerkenswerthe Uebergange von Faunen sich finden werden.
Mehrere der Seen beherbergen wegen ihres Salzreichthums keine Organismen mehr.
Das ist z.B. bekannt für die erwiihnten Binnenwftsser des südlichen Bonaire \'); aber
auch am Rande des Wassers und auf dem trockengelegten Boden der Seen des west-
lichen Insoltheiles habe ich vergebens nach einer Spur von meeresbewohnenden
Thieren mich umgesehen.
Acsrüumunu des Innern. In engem Zusammenhange mit der erwiihnten
Trockenlegung der Binnenseen steht die Ausriiumung des Innern der Eilande durch
den abfliessenden Regen. Wasserfluten, welche im Stande sind, Steindiimme von
mehr als Meter Breite zu zerreissen, mussen gewaltige Mengen des auf\'gelockerten
Erdreichs mit sich fortführen, und bedeutend muss die Menge der mitgerissenen
Schutt- und Erdmassen vor allem dort sein, wo der Boden eine tiefgehende Zer-
setzung erfahren hat.
Dies Letztcre ist, wie obon bereits hervorgehoben, ganz besonders in Ost-
Curacao der Fall, dessen Inneres durch die lang audauernde Meeresbedeckung bis in
betrachtliche Tiefen aufgelockert wurde, und so bildete sich hier in den Kum-
men des Diabasgebirges und hinter den künstlichen Schutzwiillen der Pflanzer ein
machtiger Aufschüttungsboden, wiihrend die Hügel jeder Humusdecke beraubt
wurden. Das abströmende Wasser fliesst indessen durch seine natiirlichen Abzugs-
canale, die Einschartungen im quartaren Riffe, schliesslich ins Meer und setzt auf
diesem Wege auch einen Theil seiner feinen Sedimente in den Seebecken ab, deren
Trockenlegung befördernd.
Die Folge der Regengüsse ist demnach nicht nur eine fortschreitende Mvellirung
des Innern, sondern vor allem auch eine Ausriiumung desselben, da die feinsten,
erdigen Theile jedesmal mehr und mehr dem Küstengebirge zugeschwemmt werden,
um schliesslich ins Meer zu gelangen. So erklart sich auch die Bildung des Kes-
selthales, wie man das Innere von Ost-Curaeao, als Ganzes betraebtet, bezeichnen
muss, und die anfanglich höchst auffallond erschcinende Thatsache, dass die Diabase
1) Bosch l.c. II, pag. 300.
-ocr page 146-
124
dort am höchsten sind, wo sic als Liegendes der Kalke auftreton, also liiugs des
Straades.
Die quartSren Kalko sehützon das anterlagernde Gobirgo vor den Wirkungen
der Erosion und mussen dies bereits in einer früheren Periode getlian liabcn, als
Mecresstrüniungen im Atoll eine iihnliche Abtragung bewirkten, wie eieheutenoch
durcli das Regenwasser ausgeübt wird. Dies kounte bosonders in einem Zeitab-
schnitte geschenen, in dem die Trockenlegung des Küstengebirges schon so weit vor-
geschritten war, dass der Korallensand im Innern kcine neuo Zufuhr mehr crhielt
und auch die Polypen daselbst abgestorben waren.
Es liegt nicht der mindeste Grund vor, urn für die geringe Erhcbung des
Innern der Insel über den Meeresspiegel init Gabb anzunehmen: „that it can only
be accounted for by the existonce of a fault" (1. c.)
Auf gleiche Weise erkliirt sich auch die Existenzdes Randgebirges von Diorit, wel-
ches das aus derselben Formation gebildete Plateau im Innern von Aruba so weit über-
ragt. Auch diese Höhen worden durch Korallenkalke, welchejctzt bereits thoil weise
den Einwirkungen der Atmosphaerilien crlegen sind, geschützt, wiihrend im Innern
der Insol die Brandung stand und bei weitcrer Trockenlegung die lockeren Mate-
rialou mehr und mehr durch den abniessenden Regen der Südwestküste zugcführt
wurden. Die Ausraumung ist hier, wie auf Curacao, noch stets in gleichem Sinne im
Fortgange begriffen.
Bei der Erhaltung des Hooibergs in seiner jetzigen, alle anderen Partieen
des Dioritmassivs überragenden Höhe hat neben dem Schutze von Korallenkalk
(nach der Abtragung des Letzteren) wohl auch die Zusammensetzung seines Gestei-
nes, in dem Hornblende und Augit so sehr vorherrschen, eine bedeutende Rolle
gespielt, wiihrend die Erosion dem Berge seine eigenthümlichc, an einen Vulkan
erinnerude Form verlieh. Sic ist lcicht verstiindlich, wenn man erwiigt, dass sich
seitlich von dem Gipfel Eiuschartungen im Korallenriffc befundeu haben mogen,
wiihrend sowohl an der Seescite als im Innern des Eilauds die Brandung ihn
bestürmte.
Ausriiumungen werden selbstredend auf allen drei Eilanden durch Abtragung
des Inneren und Transport des Materiales in die See stattfinden, aber nur in Ost-
Curacao, einem Theile von West-Curacao und auf Aruba kann der Ettekt in Folge
der starken Auflockerung der Formationcn und ihrer weit vorgeschrittenen Zer-
setzung ein so grossartiger sein, dass das Binnenland kesselartig ausgetieft wird.
-ocr page 147-
125
Jungquartare Bildungen.
Durch die Fortdaucr der negativen Strandversehiebung sind in einer kaum
verflossenen Zeit Muschelbitnke und junge Riff kalkc trockengelegt worden , welche
von dea oben behandelten, uiteren quartiiren Bildungcn getrennt werden mussen.
Die Mischelhünke bilden lockero, erdige und sandige Ablagerungen, welche
durch einen grossen Reichthum an Conchylien und Resten von anderen Meeres-
organismen ausgezeichnet sind, untor die sich stellenwcise eingeschwemmte Land-
schnecken gemengt haben, vor allem Pupn uva. Am Fusse des Forts Nass.au, wo
am Wege zum Gipfel eine derartige Muschelbank als Hangondes der uiteren IIÜF-
kalke wenige Meter über dein Niveau des Meeres ansteht, finden sich die Gehiiusc
der genannten Landschnecko besonders zahlreich vortreten.
Eine zweite Muschelbank lagert bei Beckenburg, etwa 2 m über dem Meercs-
spiegel, theils vor theils unter den überhangenden Kalkfelsen der Quartarformation,
und da sie den Raum zwischen Letzteren und dem das Liegende bildenden Diabase
ausfüllt, so erweckt dies anfangs die irrthümliche Vorstellung, als ware die Muschel-
bank bei Beekenburg iilter als der Korallcnkalk, dessen Blöcke auf sie herabgestürzt
scheinen. Es ist eine alte Strandbildung, welche ausser zahlreichen Schalenbrueh-
stücken von Muscheln und Steingeröllen einen grossen Reichthum gut erhaltener
Conchylien birgt, vor allem Ostrea frons und Chama macrophylla.
Eine dritte Muschelbank befindet sich bei Veeris, östlich von der Piseaderos-
bai, auf Curayao, \') und aequivalente Schichten stehen auch am Innenrande der
spanischen Lagune auf Aruba an, an beiden Orten wiederum in einem nur wenige
Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Niveau.
In allen diesen Ablagerungen kommen, wie von vornherein zu erwarten war
und aus der hier folgenden ïabelle ersichtlich ist, nur Reste von Organismen vor,
welche noch heute das westindische Meer bewohnen.
Petrefakte aus quartaren Ablagerungen, bestimmt von
M. M. Schepman.
Bemerkang: In der folgenden Tabelle bedeuten die Buchstaben die verschiedonen
Fundorte. Es befinden sich darunter von Curai;ao: B = Beekenburg, B\' = Brievengat,
F = Fuik, H = Hato, J — Klein St. Joris, S\' = Spanischer Hafen, S" = Savonet,
N = Fort Nassau, P = Priesterberg, V = Veeris, W = Willemstadt, VV\' = West-
1) Diesen Ort habe ich nicht selbst besucht. Ioh empiing die darauf bezüglichen Mittheilungcn
und die unten angefiihrten, organiachen Reste von meinem Heisebegleiter Herrn Molengraatf.
-ocr page 148-
126
punt; yoii Aruba: S= Spanische Liigune, P\'= Serro Plat, B" = Pan Blanco,
D = Daimarie; von Bonaire: G = Serro Grandi, F\' = Fontein.
In Uiteren qitartii-
ren Schichten.
In gehobenen
Muschelbiinken.
In den jüngsten
Kalkbiinken.
Ostrea frons Lin....... B.
Ostrea folium Lin.......• B.
Spondylus Americanus Lam.. .
Spondylus spec. (?).....
Lima tenera Chemn. (?)...
Lima scabra Born.......|
Pecten nodosus Lin. (?)...
Pecten spec........
Modiola spec........
V.
\\v.
IV,
F.
G. H.
S(?).
Arca Deshayesii Hanlcy . . . .     B. N. V.
Arca (Barbatia) candida Chemn. (?).     B. N. V.
Arca umbnnata Lam......     B. N. V. S.
Chama macrophylla Chemn. ...      B. N. V. S.
Lucina Antillarum Rve.....     B. . V. S.
.1.
.1.
W.
Lucina chrysostoma Phil......N. V.
Lucina tigerina Lin.......N.
Lucina pensylvanica Lin. .
Lucina serrata d\' Orb. (?)
Cardium serratum Lin.
Cardium muricatum Lin. .
Cardium medium Lin. .
Cardium spec.....
Venus cancellata Lam.....B. N. V.
Yenus Listeri Gray (?)...... S". .
Cytherea (Caryatis) albida Gmel. . I . N. .
Tellina fausta Bonov........V.
Tellina interrupta Wood.......
Tellina spec...........V.
Amphidesma reticulata Sow.....V.
Mactra spec. (?).........V.
Corbula spec...........V.
Fissurella larva Rve. (?)......V.
ïrochus (Livona) pica Lin. ... B. . .
Natica (Pollinices) caribaea Phil. (?). ...
Modulus modulus Lin......B.
D.
F. S\'.
F. S.
F.
S.
B\'.
B\'.
S.S\'.
S».
F.
w.
s.
s.
s.
D.
IJ\'.
S(?).
D. P\'. S».
8\'.
8\'.
-ocr page 149-
127
Cyclostoma (Tudora) megachile Pot.
et Mich.\')........
Cerithium spec........
Strombus gigas Lin......
Strombus pugilis Lin......
Triton Antillarum d\'Orb.....
Latirus spec.........
Pyrula melongena L. 2).....
Pyrula spec.........
Murex calcitrapa Lam.....
Murex aff. bellus Rve.....
Voluta musica Lin.......
Oliva reticularis Lam......
Bulla media Phil.......
Pupa uva Lin........
Echinometra subangularis Leske3) .
V.
V.
B. N.
S. .
B\'i.H.W.W.F\'.
B\'.
15.
P(P).
S\'(?>
s.
S\'(P).
P.
15.
p.
F. S.
B.
X.
S\'.
S".
Jüngste Riffkalke. Gleichzeitig mit den erwühnten Muschelbiinken wurdon
Riffkalke trockengelegt, welche noch heute fortwachsenden Korallenbauten an
der Südwestküste der drei Insein unmittelbar die Hand reichen und schon biedurch
genügend als Bildungen einer kaum verflossenen Zeit charakterisirt sind. Die auf-
gefundenen, organischen Reste — sieh die 2^ Spalte der obigen Tabelle — stehen mit
dieser Annahme ebenfalls in vollem Einklange.
Auf Curacao stehen solche Riffkalke im Untergrunde der Stadt an, in der
Fortsetzung des die Kuste begleitenden Wallriffs, ferner am Inncnrando des
Schottegats, woselbst auch die kleinen Insein hauptsüchlich aus diesen Bildungen
bestehen. Am spanischen Wasser stellen die jüngst gehobenen Riffe eine niedrige,
das Ufer umsiiumende Bank dar, welche den auf geneigtem Untergrunde angesie-
delten, alteren quartaren Kalken und Conglomeraten vorgegelagert ist. Gleiche
1)  Reide in der Liste angeführten Landschnecken finden sich auch in einer bis 6 m miichtigen,
recenten Süsswasserablagcrung, welche bei St. Jan auf Curacao im Hangenden von Diabas auf-
tritt. Ueber ihr Vorkommen in anderen, jungen Bildungen dor Insein vgl. oben pag. 17, 21, u. 100.
Eine dritte, auf Cura<jno lebende Landschnecke, Buliiniiliis elongatus Dolten, habe ich fossil nicht
angetroffen. Sie ist in der heutigen Zeit weit seltencr als die beiden anderen Arten, und dürfte
sich daraus auch ihr Fehlen unter den Petrefakten erkliiren.
2)  Diese Art ist auch in don alteren quartiiren Kalken überall hüuiig, fehlt aber in der letzten
Spalte der Tabelle, wcil sie in meiner Hammlung aus diesen Ablagerungen nicht vertreten ist.
3)  Dies Fossil ist nach der Bestimmung von Dr. J. Lorié hier nngeführt, wiihrcnd seine übrigen
Bestimmungen von quartaren Petrefakten der Eilande (Sammlgn. des Qeolog. K. Mus. in Leiden,
Ser. II, Bd. 1) durch diejenigen von Schepman ersetzt wurden.
-ocr page 150-
128
Schichten schliessen sich anch seewatts an
den Fu88 des Tafelberg» an und dehnen sich
von hier liings des Strandes bis zum Water
van Ostpunt aus; denn alle ausserhalb der
-i—\'-f \' i \' i \' l \' I \' I \' I \' I 3
alteren Quartiirformation gelegenen Bildungen
Fm. 35. Am spasischks Wasskr.
          dieses Küstentheiles sind jugendlicheltiffkalke.
1. Quartare Conglomerate. — 2. Aeltcre Innerhalb der genannten Formation fehlen
quartare Kalke. —3. Jüngste Riffkalke.
sic, und an ihre Stelle tntt südlich vom Ost-
Seinpost ein aus den Verwitterungsprodukten des Diabases gebildetcs Alluvium,
ein alter, gleichzeitig mit den in Rede stellenden Korallenbauten trockengelegter
Meeresbodcn.
Auf Aruba und Bonaire ist der Verband der jüngst gehobenen Riffkalke mit
den noch lebenden Korallen ein gleich enger, ihre Ausdehnung eine bedeutendere
als auf Curacao, und dies wiederum in Uebereinstimmung mit der grossen Ver-
breitung von Flachbautcn im lieutigen Meere liings den Südwestküsten dieser
Eilande. Klein Bonaire utid die langen Wallriffe bei Aruba legen Zeugniss hiefür
ab, und an der Kuste der letzterwahntcn Insel liisst sich eine scharfe Grenze
zwischen den kaum vom Wasser bedeckten, fortwachsenden Bauten und dem
Ufer überhaupt nicht ziehen.
Für das allmahlige Anwachsen des Landes liefert der Strand östlich von der
spanischen Lagune auf Aruba ein hiibsclies Beispiel, denn hier bilden diejungen
Riffkalke an einer Stelle einen dem Ufer
\'-\\ parallelen und durch sumpfiges Terrain von an-
-3 deren Kalken geschiedenen, niedrigen Wall,
"VvS^"^ "v\'v^T^ "v\'^yy^.) wahrend an der Kuste Mangrove und weiteraus-
Fio. 36. Am Straxde vos Aruba,         warts, durch einen schmalen Wasserstreifen
l.Wallriff. — 2 Meor. — 3. Jüngste Riff- getrennt, das Wallriff folgen. Die Vegctation
kalke. — 4. Sumpflger Boden. — 5. Aelterc
quartare Kalke.                                        leistet der Versumpfung Vorschub\'), so dassbei
weiterer Trockenlegung der Insel vermutlilicli abermals ein Streifen von sumpfigem
Boden und von Riffkalk sich dem jetzigen Strande anfügen würdc.
Meist sind die Riffkalke horizontal gelagort, hie und da bilden sieaberauch
kleine Bodonschwellen, so vor allem auf Aruba bei dor spanischen Lagune und
bei Ponton, ferner auf Bonaire in der Umgegend von Kralendijk. Dicse Lagerungs-
form ist, wie die entsprechende der altquartiiren Kalke, als eine ursprüngliche zu
betrachten und die Hügelbildung als eine Folge der Abformung desjenigen Reliëfs
1) Durch Kalk incrustirte Wurzeln und Blütter der Mangrove geben bisweilen auch zur
Bildung schoner Kalktuffe Veranlassung, wie ich solche von Cura(;ao erhalten habe.
-ocr page 151-
129
welches dem unterlagernden Gebirge vor Ansiodlung der Korallcn eigen war, zu
erkliiren.
Die Scheidung der jüngstcn Riffkalke von den als ülterc Quartiirformation zusam-
mcngefassten Bildungen ist mit grosser Schwierigkeit verbunden und liisst sicli genau
genommen überhaupt nicht scharf durchführen, denn so eng wie die Verknüpf\'ung
der bei positiver und bei negativer Strandverschiebung ent.standenen uiteren Koral-
lenbauten ist1), so eng sind wiederum die jüngsten Kalke mit den bereits weiter
landeinwiirts gerückten und langer trockengelegten Riffen verbunden, die ich zum
alteren Quartiir gezogen habe, weil sie mit ihm ein organisches, dureh keinerlei
Unterbrechung im Wachsthum gestörtes Ganzes formen.
Trotz dieser engen Verknüpfung siimmtlicher Korallenbauten der Insein scheint
es aber doch von vornherein unzweckmiissig, sie alle in Eine Gruppe zusammen-
zufassen, da man in diesem Falie zu keiner Scheidung der noch fortbauenden
Riffe von den alteren Kalken gelangen würdc und sonach die Quartiirbildungen,
welche landeinwiirts in mehr als 200 m Höhe über dem Meeresspiegel lagern, mit den
lebenden Polypen vereinigen müsste. Wir haben es mit zwei rclativ sehr vcrschio-
denen Extremen zu thun, welche durch allmahligc Vebergünge verbunden sind, so
dass eine Scheidung erforderlich wird, die indessen der Natur der Sache nach
eine einigermaassen künstliche sein muss.
Mir schien es am zwockmiissigsten, bei der vorzunehmenden Trennung von den
noch bestenenden recenten Riffen und den kaum gehobenen Fortsetzungen derselben
langs der Kusten auszugehen und, von diesen Bildungen aas landeinwiirts fort-
schreitend, mit ihnen alle Kalke zu vereinigen, welche anniihernd in dem gleichen
Niveau gelegen sind und noch keine bedeuteude Mctamorphose aufweisen. Ich ge-
langte auf diese Weise zur Abtrennung niedriger Uferstreifen von dem uiteren
Quartiir, und die angenommeno Formationsgrenze erhielt an manchen Orten auch
durch das Lagorungsverhaltniss der als jüngste Riffkalke bezeichneten Bildungen
eine gewisse Deutlichkeit. So sind diese auf Cura^ao nicht selten in iihnlicher
Weise von dem die Hügel bedeckenden iilteren Quartiir geschieden, wie dies be-
reits für das Spanische Wasser beschrieben wurde, wiihrend sie auf Aruba vieler-
orts landeinwiirts unter die Verwitterungsprodukte des Quarzdiorits, auf Bonaire
unter diejenigen der Kreideformation wegsinken und schon dadurch von den die
Höhen bedeckenden iilteren Kalken geschieden sind.
An manchen ürten ist aber die Trennung überhaupt nicht ohnc Willkürlich-
keit vorzunehmen, da der Uebergang von Riffkalken mit deutlicher Korallenstruktur
1) Vgl. Pag. 88.
17
-ocr page 152-
130
in Kalkstein so allmiihlig erfolgt, dass beim Fchlen anderer Handhaben jede
Sicherheit schwindet. Palaeontologische Merkmale sind nicht zu verwerthen, da
ausgestorbene Formen weder der Einen noch der Anderen Ablagerung zukommen
und die etwaige Verschiedenheit der aufgefundenen, lebenden Arten beider Kalk-
bildungen — sieh die Tabelle — bcdeutungslos ist. Denn schon die gleichzeitigen
Riffkalke zeigen grosse Faciesunterschiede in Bezugauf die Fauna, die sie an von
einander entfornten Orten beherbergen und deren Grund in Lebensverhiiltnissen
der Thiergruppen und Arten gelegen ist, die zu deuten einem flüchtigen Reisenden
schwerlich möglich sein wird. Auch sind diejenigen Petrefakte der altquartiiren Kalke,
welche allgemein in ihnon angetroffon werden, gleichzeitig in den jüngeren Riff-
kalken und in den gehobenen Muschelbiinken zahlreich vcrtreten: Chama macro-
phylla, Lucina tigerina, Venus cancellata, Tellina interrupta
, Trochuspica, Strom-
bus gigas, Pyrula melongena.
Dazu kommt noch, dass auf gehobenen Brandungsterrassen die alteren Kalke nicht
selten durch cementirten Korallensand der jüngsten Zeit verhüllt sind, wahrend
frische, von den Wellen hergeführte Gehiiuse von Mollusken und anderen Thieren
in grosser Zahl umherlicgen und die Richtigkeit des Urtheils erschweren, endlich
die nicht zu unterschiïtzende Thatsache, dass zahlreiche Conchylien durch die
früheren Bewohner der Insein verschleppt sind und in ungemein grosser Menge
noch stets durch Seevügel und vor allem durch Einsiedlerkreb.se vom Strande auf
die Höhe hinauf transportirt werden. So fand ich z. B. sogar auf der Höhe des
Hieronimo auf Curagao, also im Innern und mehr als 200 m über dem Meeres-
spiegel, einen lebenden Pagurus, welcher eine Nerita mit sich herumtrug. Ober-
flachlich aufgelesene Conchylien mussen aus allen diesen Gründen mit grosser
Vorsicht beurtheilt werden.
Die angenommene Formationsgrenze zwischen alterem Quartiir und den jüngsten
Bildungen beansprucht somit keineswegs einen hohen Grad von Genauigkeit; sie ist
vielmehr wesentlich aus dem Bedürfnisse entstanden, die noch fortwachsenden
Riffe von den alteren Kalken zu scheiden. Ein solches Fortwachsen dürfte rings
um den Insein noch heute stattfinden , aber dort, wo ich die altere Quartarformation
bis an den Strand hinanreichend darstollte, scheinen die jüngeren Bildungen bei
der Entwicklung der Brandungsterrassen völlig zerstört zu sein, so dass die relativ
alteren Kalke wieder zu Tage traten und dadurch ein vollstandiger Ring von
gleichwerthigen. jüngsten Bauten langs den Kusten der Eilande fehlt. Indcssen
sind bezüglich dieses 1\'unktes weitere Untersuchungen, zu deren Anstellung es
mir an Zeit gebrach, sehr erwünscht.
Dünen. Die quarzreichcn Gesteine von Aruba haben an der Nordküstedieserlnsel
-ocr page 153-
131
dem auf sie gerichteten Passate Material zur Bildung von Dünen geliefert. Nament-
lich an der Ostecke des Eilands haben diese Letzteren eine bedeutendo Entwick-
lung erlangt; sie lehncn sich hier an das lothrecht zur Kuste abfallende Kalk-
plateau, welches 15—20 m Höhe besitzt, indem sie fast bis zu dessen Gipfel em-
porreichen, wahrend tiefer Sand auf der jüngst gehobenen Uferterrasee lagert,
•durch eine spiirliehe Vegetation von Coccoloba muf era zurüekgebalten.
Auch am Ausgange der Schluchten, welche vom Diabasgebirge zum Nord-
straude hinabreichen, treten Uünen auf, zu denen vermuthlich zerstörte und durch
den Regen seewarts geführte Gangmassen das Material geliefert haben. Sie
schliessen mehrfach das Innere der kleinen Buchten daselbst ab und erreichen bei
Fontein Haushöhe; ferner kommen sie an der Boca bei Daimarie,\') bei derBoca
dos Playos und an anderen ürten vor, in unbedeutender Höhe auch am nördliehen
Ufer der aussersten Nordwestecke von Aruha.
Am Strande von Bonaire scheinen sich ebenfalls Dünen von geringer Höhe
zu hefinden, vielleicht entstanden aus den Zerstörungsprodukten der cretaceïschen
Sandsteine; ich sah sie indessen nur an der Nordküste aus der Ferne. AufCuracao
dagegen ist mir von diesen Bildungen nichts bekannt.
Schlnssbütrachtnngen Uber die Insein.
Der östliche, von den Anden sich abzvveigende Gebirgszug. welchersich über
Bogota, Pamplona und Merida nach Valencia hinzieht, nimmt bekanntlich von
hieraus einen west-östlichen Verlauf und bildet die Küstencordillere von Venezuela.
Sie erstreckt sich an der Südgrenze des caribischen Meeres bis zur nordöstlichen
Ecke von ïrinidad, nur unterbrochen bei Barcelona und durch die Strassen, welche
den Golf von Paria mit genanntem Meere verbinden, die sogenannten Bocas.2)
Diese Küstencordillere ist vorherrschend aus archaeischen und cretaceïschen Sedi-
mentcn aufgebaut, welche beide complicirte Lagerungsverhaltnisse und ein herrschen-
des Streichen von W nach O zeigen.3)
Suess hat ausserdem vor kurzem in seiner classischen Arbeit „das Antlitz der
Erde" dargelegt, dass überhaupt in Mittel-Amerika das Streichen des Grundgebirges
nicht dem Verlaufe der lauggestreckten Verbindung des nördliehen und des südlichen
1)  Vgl. Theil I dieses Werkes, pag. 139.
2)  Vgl. Theil I, pag. 104, Tab. VII, Fig. 2.
3)  Humboldt. Reise in die Aequinoctial-Gegenden. V, pag. 567 ff.— G.P. Wall. On the Oeology
of a part of Venezuela and of Trinidad (Quart. Journ. Oeolog. Soc. Vol. XVI, London 1860,
pag. 460 ff.) — Karaten 11. cc.
-ocr page 154-
132
Continenten folgt, sondern qner auf dieselbe verlauft. \') Er zeigte temer, dass die
Cordillere der grossen Antillen nach dcmselben Typus gebaat sei wie dioKüsten-
cordillere von Venezuela; die iiltesten versteinerungsführenden Schichten gehören
auch in ilir der Krcideperiode an.
Die Insein, deren Untersuchung uns im Obigen beschattigt hat, weisen aber-
mals in ihrem geologischen Bau eine selir angenfallige Analogie zu der Cordillere
des Festlandes auf\'. Sie sind CHieder einer Kette von Eilanden, die sich von West
nach Ost erstreckt und deren iiltestes, auf Aruba aufgoschlossenes Grundgebirge
das gleiche Streichen zcigt. Diesc iilteste Formation wird von Grünschiefern und
schiefrigen Amphiboliten gebildet, wahrend auf Orchilla Gneissablagerungeu be-
kannt sind, und es dürfte deswegen kaum einein Zweifel unterworfen sein, dass
wir in jenen Gesteinen ebenfalls Glieder einer archaeischen Schichtenreihe zu sehen
haben, urn so mehr als Hornblendeschiefer in der archaeischen Formation des süd-
amerikanischen Continentes eine weite Verbreitung besitzen 2) und solclie Gesteine
auch in der Kiistencordillere von Venezuela mit Gneiss und Glimmerschiefer lagern3).
Ob auch die Grünschiefer daselbst vorkommen, lasst sich an der Hand der bcste-
hendcn Literatur nicht beurtheilen; doch ist es sehr wohl möglich, dass sie unter
den als Thonschiefer beschriebenen Gesteinen von Venezuela stecken, 4) da auch
die Schiefer von Aruba solchen ausserlich bisweilen zum Verwechseln iihnlich sehen.
Die Schiefer wurden von Diabasen durchbrochen, welche sich deckenförmig
über die Schichtenköpfe der Sedimente ausbreiteten, so dass die Letzteren nur
dort der Beobachtung zugiinglich sind, wo tiefe Thaleinschnitte bis ins Liegende
des Eruptivgesteinshinabrciehen. Da solche Einschnitte in den Diabasen von Bo-
naire und Curacao fast ganz vermisst werden, soerklitrt sich aus diesom Umstande auch
das Fehlen der Grünschiefer und Amphibolite unter den zu ïage ausgehenden Forma-
tionen auf den genannten beiden Insein. Schichten, denen die Diabase eingelagert
waren, sind unbekannt und cbenso— von dein beschriinkten Vorkommen eines Diabas-
conglomerates auf Aruba abgesehen — DiabastufFe, die vielleicht ursprüuglich im
Hangenden der Decken eutwickelt waren, aber bei der bedeuteuden Abtragung,
welclie die Eilande spater erfahrcn haben, leicht wieder zerstürt werden konnten.
Auch im westlichen Abschnitte der Kiistencordillere, im Süden des Secs von
Valencia und der Villa de Cara treten Grüusteine, und unter ihnen Diabase, in
1)  E. Suess. Das Antlitz der Erde. I, pag. 098 ff.
2)  A. Stclzner. Boitriige zur Ueulogie u. Palaeontologie d. Argentinischun Kepublik. I, Oeolog.
Theil, pag. 21.
3)  Humboldt 1. c. pag. 570.              4) Humboldt 1. c. pag. 573.
-ocr page 155-
133
machtiger Entwicklung auf, nach Humboldt\') sowohl wie nach Wall2) den Sedi-
menten eingelagert. Es ist aber über diese Gesteine bis jetzt nur iiusserst wenig
bekannt, und Wall, welcher die grosse Schwierigkeit der Beurtheilung des Lage-
rungsverhaltnisses hervorhebt, vermochte nicht einmal mit Sicherheit zu erkennen,
wo in diesern Gebiete die Grenze zwischen der archaeischen und der Kreideformation
gelegen sei. Ein Theil der Grünsteine, und zwar gerade „varieties of the diabasic
type" ist indessen nach der Darstellung von Wall cretaceïschen Sedimenten einge-
lagert und kann somit, wie ich auch für die Insein annahm, die archaeischen
Ablagerungen durchbrochen haben.
Vielleicht lagerte auf den Eilanden das Eruptivgestein anfiinglich in ahnlicher
Weise wie in Britisch Guiana, wo nach Brown und Sawkins 3) Lager von Grün-
srein („chiefly diorite and diabase") vorkommen, welche Sandsteinen in schwebender
Lage eingeschaltet sind, sich über mehrere Langen- und Breitengrade ausdehnen
und eine sehr ansehnliche Machtigkeit besitzen. In wie weit die Diabase der Insein
von der Stürung, welche die Kreideschichten daselbst spater erlitten haben, mit
betroffen sein mogen, lasst sich nicht beurtheilen.
Die Diabase der drei Insein zeichnen sich durch gleiche petrographische
Eigenschaften aus, umfassen aber im Uebrigen verschiedene Varietaten, von denen
die körnige auf Bonaire, die dichte auf Aruba und Curacao vorherrscht. Es liegen
in den Lagerungsverhaltnissen einzelne Andeutungen vor, welche auf verschiedene
Diabaseruptionen schliessen lassen. Die nur auf Aruba vorkonimenden Diabascon-
glomerate sind hier auf die Nachbarschaft der archaeischen Sedimente boschrankt;
sie enthalten unter ihren Fragmenten Yariolite, welche eine endogene Contakter-
scheinung des Eruptivgesteins andeuten.
Die Diabase vermochten bei dem spater erfolgten Untertauchen der Eilande
der Zerstörung einen grosseren Widerstand entgegenzusetzen als die Schiefer, und die
ïrennung von Curacao in eine östliche und eine westliche Hiilfte, welche bereits
vor der Ablagerung der Kreideformation stattgefunden haben muss, hat augen-
scheinlich ihren Grund in dem Fehlen des Eruptivgesteins im mittleren Inselthoile.
Nach den Diabasen erumpirten die Quarzdiorite Aruba\'s, ohue dass bei dem
Mangel alles palaeoutologischen Beweismateriales geuau das Zeitalter anzugebeii
ware, in das die Entstehung beider Eruptivgesteine fiillt; nur die deekenförmige
1)  Humboldt, briefliche Mittheilg. an Ewald (Zeitachr. d. deutsch. geolog. Gesellsch. V. 1853,
pag. 18).
2)  1. c. pag. 465.
3)  Ch. B. Brown and J. G. Sawkins. Keports on the phyg. descript. and econom. geology of
liritish Guiana. London 1875.
-ocr page 156-
134
Ucberlagerung der Diabase durch die Diorite Hess sich feststellen. Da indesscn
die Letztercn auch im Hangcndon der Amphibolite auftreten und ihnen gegenüber
eine ahnliche, scbützende Rulle gespiclt haben, wie die Diabase gegenüber den
Grünschiefern, wahrond Kreideablagerungen zwisehen beiden Formationen giinzlich
fehlen, so tnüchte ich daraus sehliessen, daas auch die Quarzdierite in einer vor-
cretaceïschen Zeit erumpirten, was bekanntlich uhnehin am meisten "\\Yahrschein-
liobkeit für sich hat.
Die Quarzdierite enthalten als lokale Ausscheidungen Mineralcombinationen,
welche petrographisch als Augitdiorit und Gabbro zu bezeichnen sind, eine geo-
gnostische Selbstiindigkeit aber nicht besitzen. Vielleicht sind die Dierite die
Ursache einer Uralitisirung der Diabase und Diabasconglomerate, welche nur auf
Aruba und auch hier wiederum bisher nur in der Nahe des Centaktes beider Erup-
tivgesteine beobachtet wurde.
Diabase sowohl wie Diurite sind auf Aruba von einem dichten Gangspalten-
netze durchzogen, welches von goldf\'ührenden Quarziten angefüllt wurde, und da
das Hauptstreichen der Giinge \\V—O ist, sonach mit demjenigen der Grün-
schiefer zusanunenfallt, so liegt die Annahme nahe, dass das Aufreissen haupt-
sachlich in der Richtung der SchichtungsHachen des Grundgebirges erfolgte. Nun
sind aber liings den Schichtungsrlachcn der Grünschiefer auch üioritporphyre em-
porgedrungen, und es gewinnt deswegen einen gewissen Grad von Wahrscheinlich-
keit, dass die letztgenannten Eruptivgesteine die Ursache der Entstehung des
Gangnetzes waren, dass die Aufbruchspalten zum Theil durch den injicirten Dio-
ritporphvr, zum Theil spiiter durch Quarz gefüllt warden. Mit dieser Annahme steht
im Einklange, dass Quarzgiinge und Dioritporphyre eine deutlichc Abhangigkeit
von einander zeigen, indem beide auf das Diabas- und Dioritgebiet von Aruba in
gleicheni Sinne vertheilt sind, auf Curacao eine hüchst untergeerdnete Rolle spielen
und auf Bonaire fehien.
Zur Kreidezeit waren die Eilande weit untergetaucht, wahrscheinlich ganz
vom Meere bedeckt. Es bildeten sich cretaceïsche Ablagerungcn, welchc* vorherr-
schend aus Kieselschiefer und Sandstein, untergeordnetaus Mergein, Conglomeraten
und Kalksteinen, darunter Rudistenkalk, bestehen. Diese Kreideschichten sind den
oberen cretaceïschen Ablagerungcn des Festlandes von Südamerika und denen der
grossen Antillen aequivalent; sic sind gleich Letztercn sehrgestort, scharf gefaltet und
verworfen, und bedecken einen grossen Theil von Curacao und Bonaire, wahrend
sie auf Aruba nicht mit völliger Sicherheit nachgewiesen werden konnten. Ver-
muthlich haben sie aber auch hier früher eine bedeutende Entwicklung gehabt
und sind sic im quartaren Zeitalter zum grössten Theile vom Meere abgetragen
-ocr page 157-
135
worden. Auf den beiden anderen Insein sind ebenfalls bedeutende Partieen der
Kreideschichten zerstört und wurde in Folge dessen das Liegende, die Diabas-
formation, vielerorts wieder aufgeschlossen.
lm westlichen Bonaire bauen Glimincrporphyrite den höchsten Theil dos Eilands
auf, wiihrend sein Fuss von Tuffen gedeckt ist. Letztere sind mit gleichen petro-
graphischen Eigenscliaften aucb auf Curacao in sehr beschraukter Entwicklung
bekannt; es fehlen aber Porphyrite .auf dieser Insel, ebenso wie auf Aruba, günz-
lich. Ibre Stellung ist eine sehr unsichere.
Tertiare Sedimente fehlen durchaus. In quartiirer Zeit crfolgte eine oscil-
latorische und zwar zunaehst eine positive Strandverschiebung, welehe mehr
als 200 m, darauf wiederum eine negativo, welchc mindestens 218 m betragen
haben muss. Wiihrend dieser Niveauverandcrungen siedelten sich Korallen auf den
von Geröllen der alteren Formationen gebildeten Trümmergesteinen an und über-
wucherten die Küstengebirge ganz und gar. Sic erwecken dadurch den Eindruck,
als ob ihre Machtigkeit gleich derjonigen der Gesammthöhe des genannten Gc-
birges wiire und tiiuschten in diesem Sinnc sogar erfahrene Geologen, wiihrend in
Wirklichkeit ihre Dicke eine relativ sehr geringe ist. Diese Korallenbauten
liefern somit ein lehrreiches Beispiel für die Schwierigkeit, welehe die Beurtheilung
der Machtigkeit von Riffen überhaupt bietet, denn wenn dieselbe schon bei trocken-
gelëgten Bauten zu Tiiuschungen Anlass giebt, urn wie viel mehr muss dies
bei noch stattfindender Meeresbedeckung der Fall sein! So lange ein Atoll im
Innern noch mit Korallensand gefüllt ist, lasst sich die Miichtigkeit eines Riffes
überhaupt nicht beurtheilen.\')
Die Korallenkalke sind zum Theil unter dem Einflusse von Guanosalzen, für
die namentlich Vogelexcremente das Material geliefert haben dürften, in Phos-
phorite umgewandelt worden. Ausserdem finden sich Phosphorite in Höhlen der
quartaren Kalke als metamorphosirte Sinterbildungen, hier durch einon von
Landsiiugethieren (Fledermausen, Ratten und Kaninchen) producirten Guano ent-
standen. In beiden Fiillen sind die Phosphate durch phosphoritische Kalke eng
mit den reinen Kalksteinen verknüpft.
1) Ich theile in dieser Beziehung durcliaus die Ansichten von Supan (Petermann\'s Mittheilungen,
82 Band. 1886. IV, pag. 39), wonach Tiefbohrungen allein Aufschluss über die Miichtigkeit der
jetzigen Riffe geben kunnen; aus dem Vertikalabstande, inncrhalb dessen Grenzen an irgend
einem Orte Korallenbauten vorkommen, lasst sich bezüglich ihrer Machtigkeit gar keine Folgerung
ableiten. Im Uebrigen habe ich von einer Vergleichung der auf den Insein beobachteten Yerhültnisse
mit den Theorien, welehe sich an die Machtigkeit der Korallenbauten u. s. w. anknüpfen, abgesehen,
da ich es aus nahe liegenden Gründen nicht für angezeigt hielt, meine Beobachtungen auf die
oceanischen Insein zu übertragen.
-ocr page 158-
136
Bei Trockenlegung der quartiiren Riffe zog sieh das Meer allmiihlig aus dem
Innern der Insein zurück; doch ist der Rückzug nicht vollstündig erfolgt, denn
die sogenannten Binnenwiisser stellen abgeschnittene Meeresreste dar, welche sich
bis in die Jetztzeit im Innern der quartiiren liiffe erhaltcn haben. Strandlinien von
grosser Scharfe und Regelmiissigkeit der Ausbildung deuten die allmahlige Trocken-
legung der Insein an.
Noch heute ist dieselbe im Fortgange begriffen, wie die in jüngster Zeit trocken-
gelegten Riffe und Muschelbiinke beweisen, welche ausserhalb der alteren Quartar-
formation sich befinden. In ihnen bildete sich eine Anzahl von Küstenlagunen,
die durch Lage und Form leicht von den ersterwahnten Becken unterschieden
werden können.
Die Erosion des Meeres hat ausser den gehobenen Uforlinien und Brandungs-
terrassen, welche Letztere zum Theil eine ganz bedeutende Ausdehnung erreichten,
an der Nordküste von Aruba zahlreiche Kreisbuchten mit kleinem Radius und
innerhalb des Gebietes der Quarzdiorite abcntcuerliche Felsformcn gebildet. Die
Meeresbedeckung lockerte zugleich die Gesteine bis in grosse Tiefen auf und crmüg-
lichte dadurch, dass nach der Trockenlegung der Insein eine bedeutende Abtragung
statt hatte, die sich auf Aruba und namentlich im östlichen Curacao zu einer
Ausriiumung des Innern dieser Insein gestaltete. Dieser Process dauert noch heute
bestiindig fort. Auch an der Bildung des Goldseifengebirges auf Aruba nahm in
einer kaum verflossenen Zeit das Meer einen bedeutenden Antheil.
Der jüngsten Zeit gehören endlich auch die Dünen von Aruba und Bonaire an.
-e=-^MggJxS£r3-^&2^&<^>\'§&^^
-ocr page 159-
137
Liste von öesteinen,
welche von Hemt Prof. Dr. J. H. Kloos in Braunschweig untersucht und in den
„Sammhmgen des Geolog. Beichs-Museums in Leiden, Ser. II, Band 1"
heschrieben worden sind.
Ich habe iin Folgenden alle von Kloos untersuchten Gesteine mciner Sammlung zusammen-
gestellt, unter genauer Angabe des Fundorts. Die beigofügten Nummern beziehen sich auf die in
Leiden bewahrten Objekte, wiihrend die Seitenzahl auf die betreffende Beschreibung 1. c. hinweist.
I. OURAQAO.
Diabase.
Dichter Diabas. Am Wege zwischen Savonet und Westpunt anstehend, Liegendes der
Kieselschieferformation (64h. pag. 72). — Am westlichen Fusso des St. Antoniebergs anstehend, am
"Wege, nordwestlich von llarber, südöstlich von St. Hieronimo (58). — Die Wiinde eines tiefen
Brunnenlochs beim Wohnhause von St. Jan bildend (86. pag. 74). — In einem anduren Brunnen,
etwa % Wegstunde landeinwitrts, nach NO zu, anstehend (55. pag. 74). — Bei Fontein, am Innen-
rande des Kalkgürtels der Nordküsto anstehend (150).— Bei Plantersrust, westlich von der Stadt,
am Wege nach Hato, anstehend. Liegendes der quartiiren Sande und Conglomerate (18,19,24. pag.
70). Hiezu gehören auch lose Bruchstücke von der Oborfliicho aus den Pflanzungen daselb.st (22 pag.
70). — In der Rooi Kibrahacha, am Fussevon Oost-Seinpost anstehend (165. pag. 72).
Kleinkörnige und dichte Diabase. Gerölle aus einem Wasserriase in unmittulbarcr Xiiho des
erwiihnten, landeinwiirts gelegenen Brunnens von St. Jan. (54:1, 54h. pag. 74).
Kleinkörniger Diabas. Aus einem Brunnenlocïie bei Australië, am inneren Fusse des Priester-
bergs, in 10 Meter Tiefe entnommen (23. pag. 73).
Körniger Diabas. Südöstlich von Klein Mal Pays, am Wege zur Stadt anstehend (43. pag. 75).
— Niedrige Kuppe, nur wenig weiter westlich als das letztgenannte Gestein, südlich vom Wege.
An dem Fusso dor Kuppe steht Sandstein an (44*. pag. 75).
Quarzdiabas, körnig. Am Wege von Savonet nach Westpunt anstehend; nahe bei dem Hause
des Outes. Lagert mit Rudistenkalken (66. pag. 75). — Südöstlich vom Christoffel unweit Pa-
radera anstehend. Gestein der alten, zur Gewinnung von Kupfererzen angelegten Gruben (70, 71.
pag. 76).
Diabasporphyrit. Niedrige Klippe, nördlich vom Hause von Savonet, zwischen Letzterem und
der Kuste. Lagert mit Rudistenkalken (81. pag. 76).
Porphyrartiger Diorit.
Steht ein wenig nordöstlich von Westpunt, an der Nordwestecke der Inael, an (65. pag. 77).
18
-ocr page 160-
138
Kiesehchiefer.
Vom höchsten Qipfel des St. Christoffels (74*. pag. 84). — Vom oberen, südöstlichen Abhange
des St. Christoffels (73**. pag. 84) — Am Fusse des St. Christoffels anstehend (73. pag. 84). — Bei
Savonet, unweit des dargestellten I\'rofils (pag. 28 oben) anstehend (75, 75*. pag. 84). — Am
Wege zwischen Savonet und Westpunt anstehend. Hangende» von Diabas (64». pag. 84). — Bei
Brievengat, in unmittelbarer Xiiho des Hauses anstehend (lóli\'. pag. 84).
Sandsteine.
Sandstein mit thonigem Bindumittel. DOnnplattiges Oestein vom oberen Abhange des St. Chri-
stoffels (73\'. pag. 83). — Anstehend ani östlichen Ufer der Salzpfanne von Hermanus (47. pag. 83).—
In unmittelbarer Xiihe des Hauses von Brievengat anstehend. (150*. pag. 83). — — Sandstein mit
kalkigem Bindemittel. Am südöstlichen Abhange des Oroote Berg, iu der Mitte der Insel,anste-
hend. (44*, 44**. pag. 81). — Am Fusse der Kuppe von körnigem Diabas, unweit Klein Mal
Pays (vgl. oben) anstehend. (44\'. pag. 81). — Am Innenrande des Küstengebirges von Hato anste-
hend (31 .pag. 81).
Mergel.
Schiefriger Mergel. Etwas östlich vom Hause von Hermanus, am Innenrande des Gebirges der
Süiküste anstehend (49. pag. 84).
Tutenmergel. Lagern mit den oben erwiihnten Sandsteincn von Hato (30* u. 32. pag. 83).
Conglomerate.
Cong\'omerat, bestellend aus Bruchstücken von Kieselschiefer, Milchquarz und Diabas. An-
stehend bei Kngelenbeig (52. pag. 83).
Dichter Diabas aus einem Conglomerate, anstehend am Innenrande des Gebirges der XTord-
küste, halbwegs Fontein—Sebastian (50. pag. 71).
Kalksteine.
Kalkstein mit abgerundeten Kieselschiefer-Bruchstücken. Gehort zu den Rudistenkalken von
Savonet. Lose an dor Oberfliieho daselbst. (72. pag. 83).
Sandiger Kalkstein. Oestlich von St. Jan, nahe bei Engelenberg (52*. pag. 83).
Thoniger Kalkstein. Am Innenrande des Kalkgebirges von Hato anstehend. (81». pag. 83). —
Anstehend bei Brievengat. Westlich vom Wege zum Strande (158. pag. 83).
Tuffe.
In dem oben erwiihnten Wasserrisse (vgl. Diabasc) bei St. Jan anstehend. (53, 57. pag. 87). —
Aus einem Brunnen, südlich vom Hause von Brievengat, etwa 12 m tiof entnommen (155. pag. 87).
Augitandesit? und Hypersthenandesit.
{Diese beiden Gesteine sind nicht von mir selbst gesammelt).
Augitandesit? Angeblich von Klein St. Joris, welches am Innenrande der St. Joris Bai im
nordöstlichen Cura(;ao gelegen ist (pag 78).
Hypersthenandesit. Angeblich als Rollstein im Hafen von Curae.ao gefunden (pag. 80).
-ocr page 161-
139
II. ARUBA.
Gesteine aus dem Dioritmassiv.
Quarzdiorit, mittcl- bis grobkörnig. Anstehend an der Sussersten Nordwestecke der Ingel (142)
und südlich davon, etwas nördlich von Westpunt (141); ferner im Krystallberge (132), sowie süd-
westlich von Daimarie, auf dem Wege nach Oranjestadt zu, östlich von Ayo (124 u. 124*); ferner
vom Abhange des Hooibcrgs (122*) und von losen Haufwerken bei St. Cruz (92), daselbst nberauch
anstehend; anstehend ausserdem westlich vom Ariekok (121) und westlich vom S. Colorado (97),
sowie an der Xordküste zwischen Colorado und Fontein (106). Als öeschiebc in der Sehlucht hinter
der Spanischen Lagune (96). — (pag. 16, 17 u. 28).
Quarzdiorit, kleinkörnig. Anstehend im Hügel Wys, nördlich von Westpunt (144. pag. 16) und
im Serro Colorado (104. pag. 23).
Quarzdiorit, porphyrartig. Oeschiebo am Fusse des Matevidirie, am Xordstrande (130.pag. 39).
Quarzaugitdiorit. Am Wege nach St. Cruz, am Fusse des Hooibcrgs anstehend (147), ferner
vom Gipfel des genannten Berges (122) und von seinem südöstlichen Abhange (122*) — (pag.
26 u. 27).
Quarzaugitdiorit, kleinkörnig bis dicht. Südlich von Araschie (140) und ein wenig weiter nörd-
lich von ilic-rm Punkte, ebenfalls noch südlich von genanntor Lokalitiït, nahe dem Strande
(141) - (pag 27).
Oabbro Klippe östlich von Buschiribana (130*), ferner bei dem Wohnhause von Buschiribana
anstehend (133*) und in geringem Abstande nordwestlich davon, am Strande (135 u. 135*); endlich
im Krystallberge (133). — (pag. 30 ff.)
Dioritporphyre.
Anstehend im Gebiete des Dioritmassivs, östlich von Alta Vista, nahe der Xordküste (146.
pag. 40) und südöstlich vom Kalabass (136. pag. 41).
Gang im kleinkörnigen Quarzdiorite (104) des Serro Colorado (105. pag. 42).
Anstehend im Diabasgcbiete, bei Parabusté (115*) und an der Boca van Welvaart (119) —
(pag. 62 u. 63).
Losen Blöcken an der Oberflüche des Diabasgebietes entnommen, bei Fontein (117h) und bei
Chetta (120\') — (pag. 64 u. 63).
Mikroklingranit.
Losen Platten an der Oberflache des Dioritmassivs entnommen , halbwegs zwischen St. Cruz
und Belaschie (93*. pag. 43).
Diabase.
Diabas, anstehend südöstlich von Fontein, nahe dem Hause, am Strande (116 u. 107. pag.
48); ferner nordwestlich von diesem Orte, nördlich von der Schlucht, ebenfalls nahe dem Strande
(117". pag. 52).
Uralitdiabas, den Gipfel des Jamanota bildond (110), anstehend ferner bei Miralamar (113)
sowie bei Chetta (120\'J u. 120 ); als Geröllo in einem Wasserrisse bei Miralamar (UI)—(pag. 55).
-ocr page 162-
140
Grünschiefer.
Anstehend in der Rooi Cachuntie (108) and ain Fusse de» Parabusté (115), ferner als Schotter
in der Rooi, welche in die Spanische Lagune mündet. (96) — (pag. 45—47).
Schiefrige Amphibolgesteine.
Anstehend südöstlich von St. Lucie (125), als Liegendes des Quarzdiorits, undan derNordküste,
halbwegs zwischen Colorado und Fontein, ebenfalls als Liegendes des genannten Eruptivgesteins
(106*). — (pag. 67 u. 68).
Mergelschiefer.
An der Boca dos Playos anstehend (118. pag. 48).
III. BONAIRE.
Diabase.
Feinkörniger Diabas, anstehend auf der Uferterrasse bei Fontein (176. pag. 90). — Kleinkörniger
Diabas (Proterobas), anstehend daselbst, etwas weiter östlich (177. pag. 91). — Kleinkörniger Dia-
bas, anstehend südwestlich von Rincon (180. pag. 93). — Diabas (Mandelstein), anstehend westlich
von Goto (183. pag. 93). — Körniger Diabas, anstehend nordwestlich von Rincon (196. pag. 94).
Porphyrische Gesteine.
Diabasporphyrit (?). Zwischen Brandaris und Serro Orandi anstehend (195il. pag. 98).
Glimmerporphyrit, südwestlich von Rincon anstehend (181. pag. 94), ferner vom Gipfel des
Brandaris (185. pag. 94) und anstehend am Wege zwischen Brandaris und 8. Grandi (195\'>. pag. 96);
als Gerölle am Fusse des S. Grandi (191. pag. 96).
Orthoklasporphyr, südwestlich von Rincon in der Niihe von Goto anstehend (182\', pag. 97).
Tuffe.
Obsidianluff, anstehend südwestlich von Rincon, in der Niihe von Goto (182 \'. pag. 103 u. 107).
Tuffgestein, palagonitartig. Liegendes der quarlüren Kalke bei Slachtbai (197. pag. 102).
Tuffgestein. Zwischen Brandaris und S. Grandi anstehend (194. pag. 101.)
Kieselschiefer, Conglomerat e, Sand- und Kalksteine.
Thoniger Sandstein, dünnplattig, anstehend nördlich von Kralendijk (168. pag. 100).
Kieselschiefer aus der Ebene von Rincon und anstehend am Wege zwischen Brandaris und
8. Grandi (179 u. 193. pag. 104).
Zerreiblichcr Kalkstein. Zwischen Kralendijk und Fontein anstehend. (186. pag. 101).
Conglomerat aus Porphyrbruchstüeken, anstehend bei Rincon (178. pag. 100).
Conglomerat aus Diabasgeröllen, aus einer Hühle des 8. Grandi (189. pag. 100).
-ocr page 163-
HOLLAENDISCH GUIANA.
Schriften und Karten.
Die Berichte über die geognostischen Verhaltnisse Surinams sind noch weit
dürftiger als diejenigen, welche wir über die Geologie der obcn beschriebenen
Eilande seither besassen. Der Erste, welcher einige kurze Notizen über die Ge-
birgsformationen von der Grenze von Niederlandisch-Guiana brachte, war Schom-
burgk. \')
üerselbe bereiste im Jahre 1836 den Grenzfluss zwischen der englischen und
holliindischen Colonie, den Corantijn, und fuhr bei dieser Gelegenheit auch den
Cabalaba bis zum Falie Avanavero aufwiirts.s) Seine sparlichen, die Geologie des
Grenzgebietes betreffenden Mittheilungen sind von Bodeutung geworden, weil sich
auf die Angaben des berühmten Naturforschers der noch heute in Surinam ver-
breitete Glaube an das Vorkommen von Steinkohlcn daselbst stützt. Sehomburgk
hat sich auch so bestimmt darüber ausgelassen, dass der Glaube der Laienwelt in
Bezug auf diesen Punkt jedenfalls sehr verstandlich ist.
Bei Oreala und eine kurze Strecke aufwiirts stehen in niedrigen Hügeln
Schichten an, über welche der Heisende folgenden Bericht gab: „Nach ihrer(der
Hügel) Formation, denn bei meiner Bückkehr von den Wasserfallen unterwarf
ich sie einer genaueren Untersuchung, mussen sie Kohlenlager enthalten. Andere
Anzeichen bestiirkten mich in meiner Annahme, und da ich nicht zweifle, dass
sich dieselben geologischen Merkmale bis nach Berbice erstreckcn , so kann ihre
Bildung dort leichter untersucht werden und zu einer Entdeckung führen, die für
die Colonie von unberechenbarem Nutzen sein müsste. Die Erdschichten sind ab-
wechselnd aus Thon, Schiefer und Sand, wie ich schon früher angab3), zusam-
1)  Robert Hermann Schomburgk\'s Rcisen in Ouiana und am Orinoko withrend der Jahro 1835-
1839. Herausgegeben von ü. A. Sehomburgk. Mit einem Vorworte von A. von Flumboldt, Leipzig 1841.
2)  Vgl. 1. c. pag. 175 ff.
3)  Vgl. 1 c. pag. 168.
19
-ocr page 164-
142
mcngesetzt und stimmen der Analogie nach ganz mit den Kohlenlagern in Polen
überein; zerstreute Stücke einer bituminösen Substanz, die ieh auf den Sandbiinkcn
des Flusses fand, zogen zuerst meine Aufmerksamkeit auf diesen Gegenstand."\')
Es bedarf für den Geologen keines weiteren Hinweises, dass die Annahme
des Vorkommens von Kohlen auf Grund obiger Beobachtungon nicht gorechtfertigt
ist, wenngleich Schomburgk seiner Zeit sich veranlasst fühlen durfte, petrographische
Charaktere in gedachtom Sinne zu verwerthen. F.Voltz, welcher spiiter dioselbcn
Bildungen untersuchte, sah in ihnen nichts anderes als in starker Verwitterung
begriffenen Granit oder fortgeflössten Granitgruss," J) Brown und Sawkins führen
sie als quartiir an. s)
Als Mitglied einer Commission von Deutsehen, welche den Auftrag hatte zu
erforschen, ob Surinam für deutsche Colonisten zur Nicderlassung geeignet sci, hat
Dr. F.Voltz in den Jahren 1853—1853 einen grossen Theil der holliiudischen
Colonie geologisch untersucht. Leider wurden Voltz in unbegreiflicher Weise bei
seinen Arbeiten an Ort und Stelle die grössten Sehwierigkeiten in deu Weg ge-
legt, die nur in der Unbckanutheit mit dem Nutzen geognostischer Untersuchun-
gen cine anniihernd guitige Entsehuldigung finden mogen. Abor trotzdem legte der
energische Mann , welcher als Opfer seiner PHichttreue kurz vor der beabsichtigten
llückkehr nach Europa in Paramaribo starb, eine ausgedehnte, gcognostische
Sammlung an, welche sich noch heutigen ïages im Leidener Museum befindet,
ohne dass jemals ein Stück davon publicirt worden ware. Die Tagebüeher und
Karten des Keisenden, welche den übjekten einen höhoren Werth verlcihen würden,
da den Handstücken selbst nur dürftige Etiquetten beigefügt sind, vermochte ich
bis jetzt nicht zu erhalten. Das Einzige, was ich über den schriftlichen Nachlass
von Voltz habe in Erfahrung bringen können, ist, dass derselbe einem anderen
Mitgliede der Commission, Schunk, zur Publikation übergeben wurde. Schunk ist
aber bereits vor einer Reihe von Jahren in der Jioldau gestorben und die Papiere
sind mit ihm verschollen.4)
Wir würden deswegen ohne alle Nachrichten von Voltz\'s Untersuchungsresul-
taten sein, wenn nicht eine Reihe von Briefen vorlage, die der Forscher an Sand-
berger "\') und in grüsserer Zahl an den niedcrliindischen Geologen \\V. C. H. Staring
1) 1. c. pag. 170. 2) Brief vom 12ten Septbr. 1854. (sieh unten). 8) British Ouiana pag. 218.
4)  Ich richte an Jeden, welcher durch zufiillige Umstiiudc über den Verbleib der Schriften und
Karten von Voltz noch etwas mitzutheilen im Stande ist, hiemit die Bitto, mir über den Gegenstand
Auskunft ertheilen zu wollen, da der Nachlass von Voltz auch heute noch unstreitig von grosser
Wichtigkeit lür die geognostische Kenntniss von Surinam, namentlicli im Verbande mit den Samm-
lungen des Verstorbenen, sein wird.
5)  F. Sandberger. Mittheilung eines Briefes von Voltz in einem an Bronn gerichteten Schreiben.
-ocr page 165-
143
gerichtot hatte. Letzterer publieirte \') schon zu Lebzeiten von Voltz den Inhalt der
an ihn gerichteten, schriftlichen Berichte zum grossen Theile, hatte aber mit Rück-
sicht auf die erwartete Rückkehr des Reisenden weder die Veranlassung, den
geologischen Theil systematisch zu behandeln, noch auch (bei dem damaligen
Mangel einer guten Karte der Colonie und seiner eigenen Unbekanntheit mit dem
Lande) die Fahigkeit, dies im Einzelnen zu thun. Ich habe deswegen aus den
Originalbricfen, welche mir durch die Güte des Herrn M. Staring, des Sohnes des
Erstgenannten, für das Archiv des Leidener Xfuseums geschenkt wurden, Alles
zusammengestellt, was vom geologischen Gesichtspunkte aus von Interesse war, und
im Anhange zu meinen Untersuchungen publicirt, auch ausführlich für den von
mir besuchten Landstrich.
üiese Voltz\'schen Ilesultato sind für denjenigen Theil der Colonie, den ich
selbst nicht bereiste, noch stets fast die einzigen, begründeten, geologischen
Berichte über Surinam und werden es bei der ungeheuren Schwierigkeit und
lebensgefahrlichen Arbeit, welche mit der Erforschung verbunden ist, voraussichtlich
noch lange Zeit bleiben. Dass sie mir selber nur sehr dürftige Angaben für das
durchreiste Gebiet lieferten, liegt in der Natur der Sache.
Offenbar stützen sich auf Voltz auch die zum Theil missvcrstandenen Angaben,
welche Sijpestjjn über die Geologie Surinams macht;2) ferner sind die geognosti-
schen Notizen über das Strombett des Nickerie3) auf dieselbe Quelle zurückzu-
führen. Sijpestijn bildet dann wieder die Grundlage für die werthlose Zusammen-
stellung Zimmermann\'s,4) und endlich scheint aus Letzterem abermals Bonaparte
geschöpft zu haben, welcher ebenfalls eine oberniichliche Darstellung des geolo-
gischen Baus von Surinam giebt. 5)
(Neues Jahrb. f. Mineralog. etc. von Leonhard und Bronn. Stuttgart. 1853. pag. 682). Dieser Brief ist
von Staring überaetzt in: Algemeene Konst- en Letterbode. 1854. pag. 13. Haarlem u. \'s Graven-
hage. — Die Ueborsetzung sowohl wie die übrigen, unten angeführten Mittheilungen Staring\'s
sind ebenfalls abgedruckt in der Zeitschrift „West Indië, bijdragen tot de bevordering der kennis
der Nederlandsch West-Indische Koloniën". Haarlem 1855 u. 1858; (nicht weiter erschienen).
Deel I pag. 153 u. 312; Deel II pag. 69.
1)  W. C. H. Staring. Iets over de geologische gesteldheid van Suriname. Alg. Konst- en Letter-
bode. 1854, pag. 110 u. 379 und 1855, pag. 254.
2)  C. A. van Sijpestijn. Beschrijving van Suriname, \'s Oravenhage 1854.
3)  Verslag eener reis van het Nickerie-Punt (Nieuw Rotterdam) naar de Boven Nickerie, gedaan
door den Landdrost II. van Oenderen met den Heer Tyndall, II. Schunck en Dr. F. Voltz (Tijd-
schrift van Staathuishoudkunde en Statistiek door Mr. B. W. A. E. Sloet tot Oldhuis. Deel XII,
pag. 263—280) Zwolle. 1855.
4)  G. P. H. Ziramermann, Beschrijving van de rivier Suriname (Tijdschr. v. h. Aardrijkskundig
Oenootschap te Amsterdam, Deel II, pag. 342). Amsterdam 1877.
5)   Prince Holand Bonaparte. Les Habitants de Suriname. Notes recueillies a 1\'exposition Colo-
niale d\'Amsterdam en 1883.
-ocr page 166-
144
Was Stifft"s Untersuchungon fiir die Geologie der Insein, das sind diejenigen
von Voltz für die Geologie von Surinam gewesen: die einzigen auf eigener An-
schauung und eigener Forschung beruhenden Angaben von allgemeinerer Bedeu-
tung, welche von spiiteren Schriftstellern mehrfach reproducirt und in Folge
mangelnder geognostischer Kenntnisso bisweilen arg missverstanden sind.
Den Resultaten von Voltz gegenüber ist sogar die neueste Publikation über
die Geologie von Französisch-Guiana und angrenzender Gebiete von M. Ch.
Vélain,1) soweit dieselbe Surinam betrifFt, als ein Rückschritt zu bezeichnen.
Vélain stützt sich bei der Zasammenstellung seiner geologischen Karte des fran-
züsischen und eines Theiles des brasilianischen und holljindischen Guiana\'s aut
Sammlungcu und Mittheilungen des beriïhmten Reisenden Crevaux, ist aber mit
Voltz aus leicht ersichtlichen Gründen unbekannt. Das Verdienst der Karte im
Allgcmeinen will ich hier nicht erörtern, wenngleich es von vornherein misslich
erscheint, so ausgedehnte Liinderstrecken lediglich auf Grund von Beobachtungen
zu kartiren, welche wiihrond flüchtiger Reisen angestellt sind; für Hollandisch-
Guiana ist aber die Darstellung Vélain\'s sicherlich ganz verfehlt.
Derselbe verzeichnet in der niederlandischen Colonie, vom westlichen Ufer
der Saramacca 2) bis zur Ostgrenze, ausser dem die Kuste begleitenden Alluvium
nur noch Gneiss und Granulit, und zwar nimmt letztere Felsart ein schmales
Gebiet ein, welches sich etwa von Gansee aus (in der Karte steht ein mir völlig
unbekannter Name: Gingée) in südöstlicher Richtung bis zum ZusammenHusse des
Tapanahoni und Maroni (Marowijne) ausdehnt. Alles Uebrige wird nach Vélain
von Gneiss gebildet, welcher sich unter anderm am Surinam noch nördlich von
der Judensavanne finden soll. Es bedarf nur des Hinweises auf die folgenden Mit-
theilungen, urn den obigen Ausspruch, dass die Darstellung verfehlt sei, zu
rcchtfertigen; am Maroni ist sie laut Berichten von Voltz, welche bis Armina auf-
wiirts reichen, ebenfalls fehlerhaft.
Karten. Unter den Karten besitzt eine altere, welche Sijpestijn s) nach Hene-
man herausgegeben hat, nur noch ein historisches Interesse. Sie ist durch die
vorzüglichc Karte Rosevelt\'s und Lansberge\'s,4) welche ursprünglich im Maas-
stabe von 1 : 100000 gezeichnet und spater in demjenigen von 1 : 200000 publicirt
1)  M. Ch. Vélain. Esquisse géologique de la Guyane Fran^aise et des bassins du Parou et du
Yari. D\'après leg explorations du Dr. Crevaux. (extrait du Bullet. d. 1. Société de Géographie;
4e Trimestre 1885) — Paris. 1880.
2)  Der weiter westlich gelegene Theil der Colonie ist nicht geognostisch kartirt.
3)  Kaart van do Kolonie Suriname. Uitgegeven in het jaar 1784 door den Ingenieur J. C. Hene-
man, verbeterd door Jonkheer C. A. van Sijpestijn (1:194000). 1849.
4)  J. F. A. (\'ateau van Rosevelt en J. F. A. E. van Lansberge. Kaart van Suriname (1: 200000). 1882.
-ocr page 167-
145
wurde, ganz verdrangt worden. Letztere ist eine sehr getreue und für diesch\\vie-
rigen Aufnahmeverhiiltnisse gründliche Bearbeitung der Hauptstróme der Colonie,
bei der etwa 80 Orte ihrer Lage naeh astronomisch fixirt und die zwischenliegen-
den Streeleen mit Hilfe von Compass und Log gegisst wurden. Dieser Arbeit
widmete Rosevelt die J<ahre 1862—1879, nachdem er bereits 1861 bei der Auf-
nahme des Maroni thütig gewesen war, als Mitglied einer hollandisch-französi-
schen, zum Zwecke der Grenzregelung eingesetzten Commission, der von Seiten
der Hollander auch die Herren van Lansberge und H. J. W. van Heerdt tot
Eversbergen, von Seiten der Franzosen Vidal angehürten.
Freilich ist die Rosevelt\'sche Karte kaum etwas anderes als eine Stromkarte,
weil die zwischen den Flüssen gelegenen Landstriche, ausgenommen nur die
Savannen, völlig unbewohnt und kaum gekannt sind. Die undurchdringlichen
Walder machen jede genaue Kartirung dieser Gegenden unmöglich, denn nicht
einmal den Eingeborenen sind sie bekannt. Nur Loth \') hat sich mit unsiiglichen
Mühen, gestützt von einer ganzen Arbeitercolonne, Wege hindurchgekappt, die
indessen schon lange wieder bewachsen und fast unkenntlich geworden sind. Seine
Darstellungen von den Reliefverhaltnissen der im buchstiiblichen Sinne durchschnit-
tenen Strecken und das Wenige, was bei Gelegenheit der Goldwiischen bekannt
wird, bilden noch immer das Hauptsftchlichste, was wir von dem zwischen den
einzelnen Stromen gelegenen Waldgebiete wissen.
Unter solchen Verhaltnissen kann sich auch die geologische Untersuchung
nur auf die Strombetten beschranken; sie würde es im Wesentlichen selbst dann
thun mussen, wenn die Walder leichter zu durchdringen waren, da in ihnen die
Verwitterung so weit fortgeschritten ist, dass die nicht im Flussbettegesammelten
Gesteinsarten nur in den seltensten Fallen eine Bestimmung ermöglichen. Somit
besitzen wir denn in der Karte Rosevelt\'s eine topographische Grundlage, welche
für alle überhaupt möglichen geognostischen Untersuchungen der Colonie von
vortrefflichem Dienste sein kann.
Geognostische Beobachfrimgen
am Surinam.
Es standen mir 20 Tage für die Untersuchung des Surinambettes zu Gebote.
In dieser Zeit legte ich den Weg von Paramaribo nach dem Negerdorfe Toledo
1) Sieh: Tijdschr. v. h. Nederl. Aardrijkskundig Genootschap te Amsterdam. Deul III, pag. 159
u. pag. 332; Deel IV, pag. 250; Deel V, pag. 10.
-ocr page 168-
146
zurück, einen Abstand, welcher in der Luftlinie gemessen 18, mit Einrechnung
der Kriimnningen des Strotnes 28 geograpliische Meilen betriigt; ausserdem wurden
kleine Excursionen am Kassipurakreek , bei Phaedra und bei Brokopondo gemacht.
Die geologisch wenig interessante Para hatte ieh bereits frühcr zu befahron Ge-
legenheit gehabt.
Die schwierige nnd angreifende Reise aufdem Surinam war in einer Bezie-
hung aussergewöhnlich gunstig; der Strom hatte in Folge anhaltender Trockenheit
einen so tiefen Stand eingenommen, wie er selten beobachtet werden soll. So
wurden Felsen entblösst, welchc in weitaus den meisten Zeiten vom Wasser be-
deckt sind, und diesem Unistande ist es offenbar zuzuschreiben, dass ich auch im
untcren, von Voltz bereisten Flussgebiete noch Gesteine antraf, die diesem Unter-
sucher, so weit Briefe und Sammlungen Aufschluss zu geben vermogen, unbe-
kannt blieben.
Ich werde nun zunachst moino Boobachtungen so niederschreibcn, dass ich dem
Flusse von der Mündung in der Richtung nach aufwiirts folge und die wenigen orogra-
phischen Mittlieilungen, die ich zu machen habe, mit denjenigen über die geogno-
stischen Vcrhtiltnisse verknüpfen. An dieso Einzelbeobachtungen füge ich das von
Voltz Erforschte und daran allgomeine Betrachtungen über die Geologie Surinams
und seiner Nachbarlander.
a. Von Gelderland bis Bergendaal.
Die Ufer des Surinam sind von der Mündung bis hinauf zum früheren Mili-
tairposten Gelderland völlig flach und ausschliesslieh von alluvialen Ablagerungen
gebildet. Xur bei Portorieo sieht man rechts landeinwarts einen etwa 20 m hohen
Hügel sich erhebcn, aus einem Laterite gebildet, welcher den Verwitterungspro-
dnkten des im Innern anstehenden Diabases durchaus entspricht,\') und ein zweiter,
gleich gebauter und gleich hohcr Hügel befindet sich fast auf derselben Höhe am
rechten Ufer der Para, bei Topibó. Er ist vom Hauptstrome aus nicht wahrzu-
nehmen und war auch an der Para selbst in Folge der ihn umgebenden Vegetation
vor kurzem noch unbekannt. Auf seinem Gipfel sah ich das massige Gestein an
einem Punkte in dicken , unregelmüssigen Banken entblösst und einen darin befind-
lichen Hohlraum mit rundlichen, durch die Verwitterung losgelösten, lateritisirten
Kugeln von Faustgrösse bedeckt.
1) Durch Benjamins erhielt ich vun Portorieo auch einen kaolinisirten Mandelstein, über dessen
Vorkommen mir Nühcrcs nicht bekannt ist.
-ocr page 169-
147
Bei Gelderland begognet man zuorst cincm Hachwelligen, landcinwiirts bis etwa
20 m ansteigenden Hügellandc, dossen Oberfliiche von blendend weissem Quarz-
sande bedeckt und aus diesem Grunde wiederholt mit dem Diluvium verglichen
worden ist. Dies Hügelland, die sogenannte Judensavanne, hat indessen zersetzten
krystallinischen Gesteinen, welche noch heute daselbst in grösserer Tiefe anstehen,
seine Existenz zu danken.
So fand ich beim Aufgange zur Savanne, nur wenig östlich vom alten Posten,
einen niedrigen Buekel von stark zersetztem, grobkörnigem Granit und ausserdem
unmittelbar am Flusse, halbwegs zwischcn Gelderland und der Mündung des Kassi-
purakreeks, einen kleinkörnigon Biotitgranit, welcher trotz weit vorgeschrittener Zer-
setzung die eiuzelnen Gemengtheile noch recht deutlich erkennen lasst und in
jeder Hinsicht an die Biotitgranite erinnert, die ein wenig weiter Hussaufwiirts
die ersten Klippen des Stromes bilden. Die erwahnten Gesteine vom Ufer der
Judensavanne, welche nur bei niedrigem Wasserstande entblüsst sind, zeigen bank-
förmige Absonderung, verbunden mit parallelepipedischer Zerklüftung, und gehen
nach dem Hangenden zu ganz allmahlig in ein völlig kaolinisirtes Gestein über,
welches aber noch so viel Zusammenhang besitzt, dass die crwiihnte Absonderungs-
form erhalten blieb. Weiter aufwarts nimmt der Thon ab, schwinden die Biinke
und folgt endlich reiner Quarzsand, gebildet durch Fortf\'ührung der Thonmasse.
Die Höhe der Wand, in der dies Profil entblösst ist, betriigt etwa 5 m.
Etwas weiter südlich, wo der Strom unterhalb des Kassipurakreeks die scharfe
Biegung nach N macht, nachdem er eine kurze Strecke ungefahr W—O gefiossen,
ist ein ahnliches Profil aufgeschlossen. Hier stehen unter der Hochwasserlinic dünn-
geschichtete, steil aufgerichtete Gneisse mit hellem Glimmer an, deren Feldspathe
völlig in einen gelblichweissen und braunrothen Kaolin umgewandelt sind, so dass
ein eigenthümlich genammtes Gestein gebildet ist, welches nach oben zu wiederum
in quarzreichen Thon und darauf in Sand übergeht.
Erliiutern diese Verhaltnisse einerseits die Entstehung der Savannen aus kry-
stallinischen Gesteinen, welche an Ort und Stelle unter dem Einflusse der Atmo-
spharilien zersetzt wurden, so erklaren sie gleichzeitig die Bildung der bekannten
Quelle in der Judensavanne: ihr Wasser wird durch den Quarzsand filtrirt und
darauf durch die thonreichen Schichten des Untergrundes am weiteren Durchgang
zur Tiefe gehindert. Dieselbe Art der Quellcnbildung sah ich auch in der Savanne
bei ünoribo, am linken Ufer der Para, des letzten, ziemlich bedeutenden, linken
Nebenflusses des Surinam, und die zahlreichen kleinen Kreeke, welche man bei
einem Bliek auf die Karte am Rande der Savannen anstreten sieht, um sich nach
kurzem Laufe mit den bedeutenderen Neben- und Hauptflüssen zu vereinigen,
-ocr page 170-
148
deuten darauf hin, dass Quellcn gleicher Art sehr allgemein in der Savannenrogion
verbreitet sind.
Am Kassipurakreek sah ich nur alluviale Bildungen. Ich befuhr ihn bis eine
Strecke oberhalb des Punktes, wo der kleine, auch in der beigefügten Karte ver-
zcichnete, linke Zufluss sich mit ihm vereinigt. Letzterer wird Simonkreek genannt,
wiihrend der Kassipura aus zwei kleineren Armen seinen Ursprung nimmt, von
dcncn der nördliclic den Namen Swartwater, der südliche denjenigen von Witt-
water triigt. Vom Swartwater crhiclt ich einen sandigen, eisenreichen Laterit, wel-
cher daselbst sehr viel vorkommen soll und auch den Namen des Gewassers
erkliirt. Ich betrachte diosen Laterit gleichfalls als eine alluviale Bildung.1)
Das Wittwater dürfte beigemengten Kaolintheilchen seinen Namen verdanken,2)
denn Kaolin steht auch wiederum beim Aufgange zu der Savanne an, die sich
zwischen Kassipura- und Simonkreek ausdehnt, fast 10 Minuten Gehens landein-
wiirts vom Ufer des Hauptkreeks entfernt. Es sind hier fast weisse, ziegelroth
geflammte, ziihe Thone aufgeschlossen, an deren Obcrflache jedes abgefalleue Blatt
und jeder aufliegende Stengel zur Bildung zierlicber Erdpyramiden Anlass giebt;
dann folgen weiter aufwarts alsbald reine Quarzsande, deren krüppelige Vegetation
einen grossen Gegensatz zu den üppig entwickelten Waldungen des thonreichen,
die Savanne ringförmig umgebenden Bodens der Niederung bildet. Die Verhalt-
nisse entsprechen somit durchaus denen der Judensavanne. An der südöstlichen
Grenze der am Kassipura gelegenen Savanne sollten mir gemachten Mittheilungen
zufolge Kalksteine vorkommen; ich fand daselbst aber nur Quarzbrocken in einem
kleinen Rinnsal des Waldes.3)
Bei Worsteling Jakobs, unmittelbar unterhalb der kleinen Insel, welche etwas
stromabwiirts von Phaedra gelegen ist (vgl. die Karte), befinden sich die ersten
Klippen im Surinam. Es sind kleine, zugerundete, etwa 2 m über das Wasser
hervorragende 1\'artieen von feinkörnigem Biotitgranit mit rleischrothem oder gelb-
gebleichtem Feldspath und Neigung zur Annahme von Gnoisstruktur, Gesteine,
welche in jeder Hinsicht den Graniten des Innern von Surinam gleichen und
weiter unten ausführlichcr behandelt werden sollen. Dieselbe Felsart, nur grob-
1)  Nüheres über Laterite unten.
2)  Weisses, milchiges Wasser ist auch den Flüssen von Englisch-Guiana eigen, wo dieselben
an weissen Tbonablagerungen reiche Savannenregionen durchfliessen (Brown u. Sawkinsl. c pag. 9).
3)  Ein zersetztes, arebaeisches Gestein fand ich in einer verlassenen Indianerhütte der Savanne.
Es war offenbar am Heerde benutzt worden und dann zurückgelassen. Bei der bekannten Tragheit
der Rothhiiute darfte das Gestein nicht weit transportirt sein und lüsst es sich also in der Nfthe
anstehend vermutben.
-ocr page 171-
149
körnigcr, mit frischem, weissom Fcldspath und regellos körnigcr Struktur, steht
etwa \'/j Wegstunde vom linken Ufer des Stromes entfernt, gegenüber der erwiihn-
ten Insel, im Walde an. Sie bildet hier inmitten einer sumpfigen Umgobung eine
Anzahl von ellipsoidischen Blöcken, zum Thoil von gewaltigen Dimensionen,\') und
stellt vermuthlich das Ausgehende einer Oranitmasse dar, welche mit den Klippen
im Flusse zusammenhangt, aber grósatentheils durch jungc Alluvionen bedeckt ist.
Auch bei Phaedra steht Granit an, welcher aber von dem Gesteine von Wor-
steling Jakobs, und von allen mir vom Surinam bokannten Graniten überhaupt,
abweicht. Es ist ein rother, mittel- bis grobkörniger, zweiglimmeriger Granit, in
dein beide Glimmer fust in gleichen Mengen vorkommen und welcher am Landungs-
platze eine niedrige, flachgewölbte Partie bildet, die in Banken von 1—2 Fuss
Miichtigkeit abgesondert ist und bei dor Yerwitterung in matratzenahnliche Blöckc
zerfiillt. Einige kleine Klippen und ein sehr unbedeuteudes Insekhen bei Phaedra
bestehen aus derselben Felsart, welche auch am linken Ufer landeinwiirts die bis
über 30 m ansteigenden Hügel ausschliesslich aufbaut. Hie und da ist auf diesen
Höhen nackter Fels entblösst mit stark gebleichtem und zorsetztem Fcldspath,
wahrend Granitgrus die Kinnsale füllt und auch den Boden bildet, auf welchem
am Fusse das Dorf gebaut ist; von Lateritbildung dagegen sah ich an diesem
Orte keine Spur.
Noch wiederholt tritt bis Carolinenburg, dort wo der Surinam die starke
Krümmung macht, indem sein Lauf von SܗNW in SW—NO sich iindert, Granit
am Ufer und in unbedeutenden Klippen des Flusses zu Tage; dann ist das Wasser
frei bis zur kleinen Insel Tuf ra.2) Letztere wird von feinkörnigem Granatbiotit-
schiefer aufgebaut, welcher unter 27—30 nach NW einfallt und N 37\'0, quer
zur Stromesrichtung, streicht, eine den Surinam fast ganz verschliessende Bar-
rière bildend, die nur an dem rechten Ufer eine schmale Durchfahrt liisst und
sich in der Mitte zu der wcnige Q m grossen, etwa 2 m über die Hochwasserlinie
hervorragendeu Insel erhebt. Das Gestein ist deutlich- und sehr dünnschiefrig,
im frischen Zustande grau, aber an der überfliiche gelbbraun abgcbleicht; seino
braunen Granaten von 1—3 mm Durchmesser sind meist abgorundet und lassen
nur vereinzelt scharfe Kanten und Ecken wahrnehmen, welche der Combination
co 0.202 angehören. Dunne Quarzlagen und machtigere Schichten von Quarz-
schiefer sind dem Glimmerschiefer eingeschaltet, und gleiche Quarzitc bilden auch
noch eine kurze Strecke flussaufwiirts scharfkantige Blöcko von 1—2 m Durch-
1)  Hiezu gehort auch der heilige Fels. Vgl. Theil I, pag. 91 und Tab. III, Fig. 2.
2)  Vgl. Thoil I dieses Workes , pag. 82 u. Tab. I.
20
-ocr page 172-
150
messer im Flusse, die weitere Ausdehnung der archaeischen Formation nach
Süden hin andeutend.
Erst unmittelbar unterhalb Sonnetje Eiland folgen die nachsten Klippen des
Strombettes. Hier erstreckt sich am Taskreeke vom linken Ufer her eine Landzunge
weit in den Fluss hinein, auf der zwischen grobem Quarzsande machtige, scharf-
kantige, polyedrische Blöcke eines körnigen, frischen Diabases hervorstehen. Ganz
das gleiche Gcstein bildet aueh den blauen Berg bei Bergendaal, und es liegt mirferner
in der Voltz\'schen Sammlung ein zersetztes, vielleicht ebenfalls als Diabas zu bezeich-
nendes Handstück von Nooitgedaeht vor, einem auf den Karten nicht verzeichneten
1\'unkte, welcher ein wenig oberhalb Phaedra sich befindet und gleichbedeutend
mit Carolinenburg ist. In Uebereinstimmung hiemit theilt Voltz mit, \') dass etwas
oberhalb Phaedra „Grünstein" anstehe und sich von hieraus bis zum Sarakreeke ver-
folgen lasse, und die Verwitterungsprodukte der 15—20 m hohen Kuppen, welcho
sich am linken, steilen Ufer zwischen Tafra und Sannetje Eiland ausdehnen,2)
gleichen den Lateriten der Diabasregion, ebenso auf den gleich hohen Hügeln
rechts, zwischen Tafra und Beaumontskreek. Endlich ist auch das Reliefdasselbe
wie im Gebiete der Diabase und kunnen die zahlreichen, dicht aneinandergereih-
ten, rundlicheu Kuppen nur als eine durch die Wirkung der Erosion zerschnittene
Decke angesehen werden. Hierauf gründet sich die Einzeichnung des Diabases
auf der Strecke zwischen Carolinenburg und Bergendaal.3)
b. Von Bergendaal bis zum Sarakreek.
Die körnigen Diabase des Blauen Bert/es, welcher sich am linken Ufer des
Stromes bei Bergendaal 85,5 m hoch erhebt, haben wie überall in Surinam zur
Bildung machtiger Laterite Anlass gegeben. Diese Verwitterungsprodukte kommen
an genanutem ürte in gelben und rothbraunen, dichten, löchrigen, zelligen und
schlackigen Varietiiten vor, mit verschiedenem und zum Theil sehr bedeutendem
Eisengchalt, welcher im Staring\'schen Cataloge für ein Handstück der Voltz\'schen
Sammlung zu 55,6 °/u angegeben wird. Einen ziegelrothen, fast dichten Laterit
mit erdigem Bruch las ich an der Klippe bei Bergendaal auf.
Die Bildungsweise dieser verschiedenen Zersetzungsprodukte liess sich im Ein-
1)  Vgl. unten die Briefe.
2)  Sie fehlen auf der llosevelt\'schen Karle.
3)  Da mir dio erwfihnto Mittheilung von Voltz schon vor meiner Reise bekannt war, so habe
ich mich in dom betretienden Gebiete, in dem es so sehr mühevoll und zeitraubend ist, sich in
den Busitz friacher Oesteiuo zu setzen, nur kurz aufgehalten. Ich konnte dies urn so eher thun,
als ich dort, wo Mitthcilungcn von Voltz rorlagen, dieselben durchaus bestütigt Tand, wie auch
nicht anders zu erwarten war.
-ocr page 173-
151
zelnen nicht erkennen, aber der Uebergang von ganz frischem, körnigem Diabas
in eine gelbbraune, erdige Verwitterungsrindc ist am blauen Berge direkt zu ver-
folgen. Ferner kommen, so weit meine Beobachtungen reichen, die Laterite mit sehr
hohem Eisengehalte besonders auf dem Gipfel der Anhöhe in losen Blücken vor,
wahrend andere Abarten in Gemeinschaft mit einem eigenthümlich violet gefiirbten
Thone die Gchange dea Berges an der Flusseite bedecken. Es ist deswegen wohl
anzunehmen, dass die eisenreichsten Laterite Ueberreste einer Verwitterungs-
decke seien, aus welcher der Thon ausgewaschen worden ist.
Ein machtiger im Diabase bei Bergendaal aufsetzender Quarzgang wurde be-
reits von Voltz erwahnt, und Broeken des Ganggesteins finden sich zahlreich
daselbst an der Küppe unterhalb des Hauses zerstreut.
Vom Gipfel des blauen Berges hat man oinen weiten Ausblick, wie ich ihn
sonst auf meiner Reise am Surinam nirgends gefunden, da in der Regel des hohen
Pflanzenwuchses wegen \') nur die allernachste Umgcbung zu Gesicht kommt. Hier
erblickt man im Südosten fünf flache Gebirgskamme, welche allmahlig nach dem
Innern des Landes hin an Höhe zunehmen, so dass sie terrassenartig Einer hinter
dem Anderen hervortreten; ihre Einschnitte sind seicht, und nur hin und wieder
lost sich eine flache Kuppc in etwas isolirterer Lage heraus. Diese Höhenrücken
machen den Eindruck, als ob ihre Streichungslinicn annahernd parallel und senk-
recht zur Gesichtslinie (S .r)B°0) verliefen; sie gehören einem Gebirgslande süd-
östlich von Brokopondo an, und die südlichst gelegenen Höhen, welche bis zu
etwa 250 m ansteigen dürften, stellen vermuthlich Theile des Granitmassivs des
Innern dar, dessen terrassirter Bau uns unten boschaftigen wird. In gleicher
Stellung verharrend sieht man links einige niedrige Gipfel, welche in der Gegend
des Cederkreeks, östlich von Boschland, sich befinden, denn ihre Lage liisst sich
dadurch bestimmen, dass sie auch unfern der Judensavanne zu Gesicht kommen.
Nur sehr wenig oberhalb der Mündung des Kassipurakreeks erblickt man namlich in
der Richtung S 12°0 zwei Gipfel, von denen der am meisten östlich gelegene
durch eine vulkaniihnliche Form ausgezeichnet ist und auch vom blauen Berge
aus wieder wahrgenommen wird. Seine Höhe schatze ich auf etwa 120 m. Südöst-
lich bemerkt man von genanntem Punkte aus einen langgestreckten, niedrigen, viel-
leicht 50 m hohen Bergrücken mit flachem Gipfel, wahrend hügeliges Terrain den
Vordergrund einnimmt.2)
Gegenüber Bergendaal liegt der Pilatus,3) welcher gleich dem blauen Berge
1) Der blaue Berg wird kUnstlich frei von I\'flanzenwuchs gehalten (vgl. Theil I, pag. 86), and die
Laterite sind nicht etwa die Ursache des Vegetationsmangels.
           2) Die erwühnten beiden Ge-
aichtslinien sind in die Karte eingetragen.           3) Vgl. unten die Abbildung. pag. 171.
-ocr page 174-
152
einem aus Diabas aufgebauten Gebirgslande angehört, dessen Ausdehnung liings
des rechten Cfers des Surinatn bis zum Mawassiekreek und weiter üstlieh, im Norden
des erwiihnten Baches, sich verfolgen liisst. Ein wenig oberhalb Bergen daal treten
aber diese Höhen zun.ïehst vom Flusse zurück und lagcrt sich ihnen allnviales
Land vor, welchos auch ausschliesslich an der Bildung dos linken Ufers in diesem
Flussabschnitte sich betheiligt. Erst eine Strecke unterhalb der scharfen Biegung
des Stromes, dort wo seine Richtung plötzlich von S — N in NO—SW übergeht,
koinint die Diabasformation rechts wieder zu Gesicht, flache, rechtwinklig zur
Flussrichtung zerschnittene, niedrige, vielleicht bis 50 m ansteigende Höhen bil-
dend, die dicht an einander gereiht und deren Gesteine an manchen Stellen
des Ufers entblösst sind. So besonders bei einer Kauruwatra genannten, kleinen
Uuelle, wenig abwiirts von der Mündung des Mawassiekreeks, woselbst durch das
fliessendo Wasser der anstehende Fels auch noch eine Strecke landeinwiirts gut
aufgeschlossen ist. Das dichte, schmutziggrüne, von zahlreichen, feinen Kalkspath-
trümern durchzogene Gestein ist in grosse Blöcke zerfallen, welche mehr oder
minder zugerundet sind, letzteres aber augenscheiulich erst in Folge spiiterer Ein-
wirkungen. Nach Kloos ist dieser Diabas uralitisirt. Seine Oberniiche ist mit einer
glanzend schwarzen Yerwitterungsrinde, wie mit einem Harnische bedeckt, eine
Erscheinung, welche bereits von Schomburgk *) an Felsen Guianas und seither
vielfach im tropischen Amerika beobachtet wurde, namentlich auch in Brasilien.
Es moge hier gleich erwahnt werden, dass auch die zu Zeiten vom Wasser be-
deckten Gesteine der archaeischen Schichtenreihe dieselbe Verwitterungsrinde
zeigen, wiihrend sie den Graniten durchaus fehlt, ein nicht zu unterschiitzendes
Hilfsmittel für die Abgrenzung der Formationen bei flüchtigen Kecognoscirungen.
Auch zwischen Mawassiekreek und Brokopondo tritt die Diabasformation in
gleicher Entwicklung auf, indem zahlreiche, niedrige Kuppen des Eruptivgesteins
entweder unmittelbar ans rechte Ufer des Surinam hinanreichen oder durch schmale
Streifen alluvialer Ablagerungen von letzterem geschieden werden. Am linken
Ufer scheinen ausschliesslich recente Bildungen vorzukommen; ich sah mindestens
keinc anderen, und die ein wenig landeinwiirts gelegenen Anhöhen, welche Rose-
velt beim früheren Posten Victoria verzeichnet, blieben mir unbekannt. Vercinzelt
treten auch wieder Klippen von Diabas in diesem Abschnitto des Strombettes auf,
vor allem bei Boschland, woselbst sie bei niedrigem Wasserstande in grosser Zahl
entblösst sind. Diese Klippen ragen siimmtlich in keilförmigen Partieen über die
WasserHache hervor, da sie einen steileren, stromaufwarts gekehrten und einen
1) lleisen in Uuiana und am Orinoko pag. 52,175u. 182. — Schoraburgk nennt die Kruste Braun-
steinoxyd, nach Brown und Sawkin» bestcht sie aus Eisen- und Manganoxyd. (1. c. pag. 10).
-ocr page 175-
153
minder steilen, stromabwarts gerichteten Abfall besitzen, und es scheint jener eine
bankförmige Absonderung des Eruptivgesteins anzudeuten.
Endlieh baben Diabase landeinwiirts von Brokopondo, im Südosten des genann-
ten Ortes, anscheinend einen sehr bedeutenden Antheil an dein Aufbau der ersten
Höben, welche man vom blauen Berge aus in der auf der Karte verzeicbneten
Gesichtslinie erblickt; Bestimmtes liisst sich freilich über die geognostische Beschaf-
fenheit dieses von dichtem Urwalde bedeckten Oebirgslandes nicht aussagen. Ich
habo von Brokopondo aus etwa 3 Wegstunden landeinwiirts zurückgelegt,
anniihernd in der Richtung des von Loth ausgeführten, aber langst wieder bewach-
senen Durchhaues von dort in gerader Linie nach den Pedrosungu-Fiillen
am Maroui. >) Auf dem ganzen Wege, einem zu einer Goldw&scherei fübrenden
ausgekappten Fusspfade, sah ich indessen nirgends ein nur einigermaassen frisches
Gestein. Dagegen traf ich Laterite, welche mit den Verwitterungsprodukten des
Diabasgebirges völlig übereinstinimen, besonders an dem zweiten Kreeke von Bro-
kopondo aus, den Loth in seinem Durchschnitte verzeichnet. Die Seitenwande des
derzeit ganz trockenen Bachbettes und alle darin gelegenen Blöcke bestanden aus
diesem Gesteine, dessen Farbung prachtig blutroth, bisweilen gclb gefleckt oder
auch ganz gelb war und deutlich seine Entstehung aus einer massigen Felsart
erkennen liess. Da nun aber die Granite am Surinam nach meinen Beobachtungen
nicht lateritisirt werden und andere massige Gesteine in der betreffonden Gegend
nach Analogie der geognostischen Verhaltnisse des Strombettes nicht zu erwarten
sind, so wird es, abgesehen von der bereits hervorgehobenen Uebereinstimmung
mit den Verwitterungsprodukten der Diabase, sehr wahrscheinlich, dass am
erwahnten Orte das letztgenannte Eruptivgestein unter der Oberfliiche ansteht.
Indessen sind es nicht allein die Diabase, welche in der weiteren Tmgebung
von Brokopondo zur Lateritbildung Anlass geben. Am Fusse der ersten Anhöhe,
welche östlich, unfern des Surinam, gelegen ist, las ich in der rothen und gelben,
die Gehange deckenden Erde zahlreiche Broeken von zersetzten Schiefern auf, dichte,
an Magneteisenerz reiche, umgewandelte Quarzamphibolite (?), welche den Uebergang
in Laterit in allen Stadiën verfolgen lassen und offenbar die Fortsetzung der gleich zu
behandelnden, in niichster Nahe im Strome anstehenden, archaeischen Formation
darstellen. Noch an zwei anderen, ziemlich weit landeinwiirts gelegenen Punkten traf
ich, einmal auf der Höhe, das andere Mal am steilen Abhange eines nicht unbe-
deutenden Bergrückens lateritisirte Gesteine an, deren Entstehung aus krystallini-
schen Schiefern ich für wahrscheinlich halte, ohne hier indessen den Uebergang
direkt verfolgen zu können.
1) Vgl. Tjjdschr. v. h. Aardrijkskdg. Genootschap. III, pag. 159 u. Karten.
-ocr page 176-
154
Daneben kommen Neubildungen von Laterit vor, welehe von der an ursprüng-
lieher Lagerstiitte entstandenen Bodenart bisweilen schwer zu unterscheiden sind.
Leicht wird aber letzteres, falls Quarzbrocken dem Gesteine beigemengt sind,
wie auf dem Gipfel der soeben erwiihnten Hühe von Brokopondo, wo eine durch
Lateritbestandtheile cementirte Breccie, welehe melir als Centimeter grosse Bruch-
stücke von eekigem Quarz enthalt, in grossen rundlichen Blöcken an der Ober-
flüche gefunden wird. Sind diese Blöcke als Produkte der meehanischen Zerstörung
von Gesteinen aufzufassen, deren Material vor oder erst nach der Zusammen-
schwemmung lateritisirt sein mag, so boweist das vereinzelte, isolirte Vorkommen
dor Breccien, dass auch sic wiederum nur die widerstandsföhigcren Reste alluvialer
Bildungen darstellen, welehe zum grössten Theile abermals, nach einer neuen
Lagerstatte, abgeschwemmt worden sind.
Nach Loth, welcher „Brauneisenerz, mit Quarz vermengt, in gelbem Thon"
sowohl für die von mir betretene Gegend als auch noch weit nach SO hin in
seinem Profile verzeichnet, muss Laterit eine ganz bedeutende Verbreitung in
diesem Theile von Surinam haben. Noch weiter südösHich giebt derselbe Gewahrs-
mann Granit langs seines Durchhaues vom Surinam zum Maroni an.
Kehren wir zur geognostischen Beschreibung des Strombettes zurück, so
bleiben auf der Strecke zwischen Bergendaal und Brokopondo noch einige Gesteine
zu besprechen, welehe die grösste Zeit des Jahres hindurch vom Wasser bedeckt
und in Folge dessen stark zersetzt sind, so dass ihre Bestimmung mit grossen
Schwierigkeiten verblinden ist. Hier kommt zuniiehst die mehrerwahnte Klippe
am linken Ufer des Flusses, unmittelbar unter dem Hause von Bergendaal in
Betracht. \') Dicselbe wird von machtigen, zugerundeten Blöcken eines sehr festen,
dichten, graugrünen Gesteins gebildet, welches durch reichlich eingesprengte Cal-
citkörnor, zahlreiche Würfel von Schwefclkies und voreinzelt durch Kupferkies
eine porphyrartige Struktur annimmt. Auf den Spaltungsflachen erscheint bisweilen
ein seidenartiger Schimmer und dunne chloritische Hautchen verleihen dem Ge-
steine hie und da eine undeutliche Parallelstruktur. In verwittertem Zustande ist es
blaugrün gefarbt, sehr weich und gut in Platten spaltbar. Die mikroskopische Unter-
suchung ergab als Hauptbestandtheil ein chloritisches Mineral und daneben Quarz.
Ein Gestein von iihnlicher mineralischer Zusammensetzung steht ferner eine
kurze Strecke oberhalb des Cederkreeks an, woselbst es an der rechten Stromseite
eine in der Richtung von W—O streichende Barrière darstellt, deren Fortsetzung
nach links durch eine recente Quarzbreccie gebildet wird. Dies Gestein ist eben-
1) Vgl. die Abbildung weiter unten, pag. 171.
-ocr page 177-
155
falls dicht, unvollkommen dickschiefrig, schmutziglauchgrün und cnthiilt statt der
Calcitkörner und Eisenkies zahlreiche, zugeruudete und unregelmiissig begrcnzte
Quarzmassen, welche schon mit Hilfe der Loupe als ein Mosaik rundlicher Kür-
ner erscheinen. Das Mikroskop enthüllt neben dem vorherrschenden Chlorit und
Quarz auch Plagioklas.
Wciter stromaufwiirfcs, bei Brokopondo, unmittelbar unterhalb der kleinen,
dort gelegenen Insel, stehen abermals dichte, uneben-dickschiefrige Gesteine von
graugrüner Farbe an, welche Chlorit als Hauptbestandtheil enthalten und eine den
Flus8 von W—O durchquerende Barrière bilden. Das Gestein enthalt auch viel
Quarz, ferner Plagioklas und zwei Glimmer mit vorherrschendem braunem Biotit
und reichlich eingesprengten Kalkspath. Kloos sieht diese chloritreichen Gesteine
von Brokopondo, aus der Gegend voni Cederkreek und von Bergendaal auf Gruud
der von ihm ausgeführten, mikroskopischen Untersuchung als stark metamor-
phosirte Schiefer an.
Diese Auffassung lasst sich mit der Lagerung dor betreffenden Felsarten
sehr gut vereinigen, denn einerseits folgen unmittelbar oberhalb Brokopondo im
Flussbette Gesteine, welche ohne Zweifel der archaeischen Schichtenreihe ange-
hören und in gleichem Sinne mit der Barrière der fraglichen Schiefer von genann-
tem Orte streichen, andererseits wurde die archaeische Formation auch unterhalb
Bergendaal eingangs bereits nachgewiesen, und schliesslich kommen wenig fluss-
aufwarts von letzterwahnter Lokalitat, an der scharfen Biegung des Stromes
südlich vom Pilatus, dünnschiefrige, auf dem Kopfe stehende, zersetzten
Gliedern der krystallinischen Schieferformation durchaus iihnliche Gesteine vor,
die hier eine schmale Landzunge bilden. Dann folgen grüugraue, zersetzte Schie-
fcr etwas unterhalb Kauruwatra — und alle diese Bildungen sind steil aufgerichtet ,
streichen im Wesentlichen \\V—O und liegen im gleichen Niveau, so dass ihre
Zugehörigkeit zu einer und derselben Schichtenreihe von voruherein sehr wahr-
scheinlich wird. Ich muchte den Ursprung der chloritreichen Gesteine von Bergen-
daal, aus der Gegend des Cederkreek\'s und von Brokopondo auf Hornblendcschiefer
und Gneisse zurückführen. Feinkörnige, schmutziggraue oder auch gelbliche
Quarzite sind ihnen unterhalb Brokopondo eingelagert und bilden unter andern die
4 m über den Wasserspiegel hervorragende, würfelartige Klippe an der Mündung
des Tapuripakreeks, welche den Namen Kanzel tragt.
Der Charakter des Strombettes erfiihrt bei Brokopondo eine wesentliche Aen-
deruug, da hier die erste bedeutendere Zunahme des Getalles eintritt und gleich-
zeitig Schichten archaeischer Gesteine, als die widerstandsfiihigeren Eeste eines
machtigen Complexcs dieser Formation, den Surinam in grösserer Zahl durch-
-ocr page 178-
156
setzen. So entstehen gewaltige Stromschnellcn, welche sich bereits auf der mehr-
erwahnten Barrière bei Brokopondo in der Trockenzeit durch zahlreiche Strudellücher
ankündigen. Es sind 15—30 cm, selten 60 cm im Durchmesscr haitende Höhlungen,
wenig tiefer als breit und nach unten zu etwas verengt, an deren Seitenwanden
man bisweilen absteigende, gebogene Linien, ahnlich den Spiralen unserer Riesen-
kessel, wahrnimmt. Ihr Boden ist mit grobem Sande bedeckt, und nur hin und
wieder bemerkt man aut ihm ein faustgrosses Gesteinsbruchstück, welches mit
an der ausscbleifenden Tbiitigkcit Theil genommen bat, ofïenbar eine Folge des
Umstandes, dass die Strudellücher in einem schiefrigen Gesreine sich befinden.
Die grüsston von ihnen liegen an der stromaufwarts gekehrten Seite der Felspartie.\')
Zwischen der bei Brokopondo gelegenen Insel und dem linken Ufer des Suri-
nam treten, durch einen sehr kurzen Zwischenraum von einander getrennt, zwei
Banieren auf, deren Schichten auf dem Kopfe stehen, W 103 _N streichen, etwa
4 m über den Fluss bei niedrigstem Wasserstande hervorragen und beide von sehr
feinkörnigem, quarzreichem Glimmerschiefer aufgebaut werden. Das Gesteiu der
flussabwiirts gelegenen Felspartie ist dickschiefrig, schmutziggrau und enthiilt einen
grünlichen Glimmer, ist aber stark zersetzt, so dass es nahe der Oberfliiche in
einen eisenschüssigen Sandstein übergeht, dessen veiliger Zerfall noch eine Weile
durch den oben erwahnten, fast alle Felsen bedeckenden, glanzend schwarzen Har-
nisch verhindert wird. Diese Kruste kittet gleichsam emailartig alle Poren des
Schieters aus und vermindert so die Angriffspunkte für dessen weitere Zerstörung.
Yielleicht spielt sie auch bei anderen Felsarten des Flussbettes eine derartig
schiïtzends Holle. Ein Gang von grobkürnigem, blaugrauem Quarz, mit Andeutung
einer lagenförmigen Struktur und etwa \'/s ni machtig durchsetzt diesen Glimmer-
schiefer; er führt Gold, welches in winzigen Blöttchen bereits mit Hilfe der
Loupe leicht wahrgenommen wird. Die flussaufwiirts gelegene Felspartie zeigt eine
grobHaserige Struktur, und die Stelle des zersetzten Glimmers ist bisweilen ganz
von ockrigem Rotheisenerz eingenommen, der Art, dass die Spaltungsflachen von
1) Solche Strudellücher sah Ten Kate in den Felsen , weluhe die Stromschnellen bei Pauwiesie
Eiland am oberen Nickerie bilden, ein wenig unterlialb der Mündung des Fallawatrakreeks.
(Persönliche Mittheilung des Reisenden. Ueber den Ort vgl. aucli unten den Auszug aus Voltz).
Offenbar waren es auch dieselben Uildungen , welche Schomburgk am oberen Corantijn bei den
grossen Kallen, die sein weiteres Vordringen unniöglich machten, wahrnahm. Er sagt, die Felsen
„zuigten rundliche Höhlungen, die theilweise mit runden Quarzstücken gefüllt waren. Ich maass
eine der grössten Vertiefungen und fand sie 3 Fuss tief und 10 Zoll im Durchmesser" (Reisen in
Guiana u. am Orinoko pag. 185). Kappler sah „fusstiefe und fussbreite" Strudellöcher mit vielen
abgerundeten Steinchen am Fusse des Pulugudufalls, welcher sich vor der ËinmUndungdes Tapa-
nahoni in den Maroni befindet (Ilolliind. Uuiana pag. 314).
-ocr page 179-
157
blutrothem, abfarbendem Eisenoxyd bedeckt sind und das Ansehen von Lateiïfc
erhalten.
Die Felsart, welche die lte Barrière oberhalb der erwahnten Insel bildet, blieb
mir unbekannt, weil es bei meiner Reise aufwarts wegen der starken Strom-
schnellen nicht möglich war, hier zu landen. Bei der Rückfahrt sah ich uur noch
zahlreiche Quader eines feinkörnigen , weissen Quarzits von mehr als Meter Durch-
messer an dein gleichen Orte über die Wasserfliiche hervorstehen.
Die nfichste, schon in sehr geringem Abstande folgende Barrière wird von
einem festen, dickplattigen, rothon Gesteine gebildct, dossen Schichten wiederum
auf dein Kopfe stehen und W 4 N streichen. Es sind quarzreiche Musoovitschiefer,
hauptsiichlich aus zugerundeten, annahernd gleich grossen, grauen Quarzkürnern
bestehend, deren enge Zwischenraume von einer röthlichen, kaolinartigen Masse
eingenommen werden, so dass der Schiefer einem mittelkörnigen Sandsteine ahnelt.
Auf angeschliifenon Flachen bemerkt man winzige, silberweisse Muscovitschüppchen,
welche in Dünnschliffen in grosser Zahl onthüllt werden, aber haufig zu Lamellen
vereinigt sind, die, wellenförmig gebogen, sich zwischen die dicht aneinander ge-
drangten Quarzkörner durchschlingen. Auf den Spaltungsnachen des unebenschief-
rigen Gesteins ruft der zarte Glimmerbeschlag nur einen seidenartigen Glanz an
der Oberflache der Quarzkörner hervor, welche letztere die Parallelstruktur in mehr
oder minder ausgepriigter, aber nie sehr vollkommener Weise hervorrufen. Offen-
bar steht dieser Muscovitschiefer strukturell dem Itacolumit sehr nahe, der nach
Schomburgk\'s Mittheilungen \') ebenfalls in Britisch-Guiana am Essequibo vorkom-
men soll. Massen von weissem, löchrigem, grobkörnigem Quarzit, welche dem
Schiefer eingelagert sind, erreichen l/3 m Miichtigkeit.
Am Dabikicénkreeke durchsetzt wiederum eine von W—O streichende Fels-
partie den Surinam und wird hier die Veranlassung bedeutendcr Stroinschnellen. An
der Mündung des genannten Baches steht ein grünlichgrauer, tiusserst feinkörniger
und im Querbruche einem Felsite iihnelnder Glimmerschiefer an, dessen Spaltungs-
flachen einen zu dunnen Membranen verwebten, hellgrünen, seidenartig gliinzen-
den Glimmer zeigen. Das Gestein ist unebenschiefrig und wird von einem die
Schichtungsflachen schneidenden Kluftsysteme durchsetzt, so dass es leicht in polye-
drische Stücke zerspaltet; dabei bemerkt man auf den Spaltungsnachen reichlich
ockriges Brauneisenerz und ausserdem, eingesprengt, Markasit.
Dieser Glimmerschiefer geht in derselben Barrière in ein Gestein über, welches
bei sonst gleichem Habitus durch zahlreiche Einsprenglinge von weissem Feldspath
.1) Vgl. J. Roth. Allg. u. Chem. Geologie II, pag. 448.
21
-ocr page 180-
158
und grauem Quarz eino porphyrische Struktur annimmt. Beide Mineralien finden
sich in grossen, mehrere mm Durchmesser erreichenden, zugorundcten oder un-
regelmassig begrenzten Körnern, doch tritt der Quarz gegenüber dem Feldspathe
sehr zurück. Dieser porphyrische Gneiss könnte zu den Porphyroiden gerech-
net werden — wie es auch Kloos ohne Kenntniss seiner Lagerung gethan —
wenn man mit jenem Namen nach Lossen\'s Yorgang nur einen petrographischen,
nicht aber einen geologischen Begriff verbinden will; die Zugehörigkeit des betref-
fenden Gesteins zu den Glimmerschiefern ist aber keinem Zweifel unterworfen. Ver-
wittert nimmt die Felsart eine grünlichgelbe Fiirbung an; Quarzite sind ihr am
genannten Orte eingelagert.
Aktinolithschiefer steht bei Neirstar Eiland, ferner Chloritschiefer oberhalb
dieser Insel, halbwegs zwischen Newstarkreek und Fobakkakreek, im Flussc
an. Letzteres Gestein ist schuppig dickschiefrig, dunkelgrün, dicht, mit Seidon-
glanz auf den Spaltungsflachen und bildet nahe dem rechten Ufer eine aus dunnen,
steil aufgerichteten Platten bestehende Klippc, welche mehrere Meter über den
Wasserspiegcl der Trockenzeit hervorragt. \') Ausserdem sind aber bei niedrigem
Stande des Stromes auf der Streckc zwischen Brokopondo und Fobakkakreek
noch eine ganze Keihe von Klippen entblösst, welche ich im übigen übergangen
habe, da sie entweder aus Zeitmangel nicht niiher untersueht wurden oder auch in
Folge der Stromschnellen unzugiinglich blieben. Sie alle stellen aber Schichten dar,
welche anniihrend oder völlig auf dem Kopfe stehen, im Wesentlichen von W—O
streichen und offenbar demselben Complexe angehören wie die übrigen, naher
bekannten Gesteine.
Solche Klippen, zum Theil zu niedrigen Banieren vereinigt, trifft man
zahlreich in dem Stromabschnitte, welcher sich von der oberen Endigung der Insel
bei Brokopondo bis zum Vaillantkreeke ausdehnt; dann fehlen sie im Surinam,
treten aber zwischen Vaillantkreek und Newstar Eiland haufig am Ufer des
Bettes zu Tage, um bei genannter Insel sich abermals im Wasser zu haufen und
oberhalb derselben bis zum Fobakkakreeke vereinzelt aufzutreten. Bei Newstar
Eiland kommen auch grobkörnige, weisse Quarze, vermuthlich als Gangbildung,
in dem Aktinolithschiefer vor.
Die Ufer des Stromes, welche seit Brokopondo nur hie und da eine sehr
unbedeutende Bodenanschwellung erkennen Hessen und im Uebrigen ganz Mach
waren, werden oberhalb der letzterwahnten Insel rechts hügelig, und alsbald tritt
1) Auf der Rückreise waren dies die einzigen Klippen, welche ich zwischen Koffiekamp und
Newstar Eiland noch walirgonommen habe, nachdcm der Strom gestiegen war.
-ocr page 181-
159
wieder Diabas im Flussbette auf, ein wenig aufwarts von der beschriebenen Chlo-
ritschieferklippe, nahe der Mündung des Sarakreeks, etwas unterhalb des früheren
Militairpostens Huguesburg. Das Gestein verschliesst zur Trockenzeit fast den
ganzen Fluss, und es ist zu vermuthen, dass die niedrigen, GO m und mehr hohen
Hügel, welche sich sowohl links als rechts zu Seiten des Stromes erheben, aus
derselben Formation aufgebaut werden. Das dichte, schmutziggrüne Eruptivgestein
ist unregelmiissig zerklüftet und zerfallt in kleine polyedrische Stücke, genau cnt-
sprechend den Diabasen von Aruba, so dass die OberHache der Felsen wie zer-
hackt erscheint. Nach Kloos stimmt auch das mikroskopische Bild im Wesent-
lichen mit demjenigen der von ihm beschriebenen Aruba-Diabase überein.
c. Vom Sarakreek bis Toledo.
Zwischen der Mündung des Sarakreeks und Toledo, dem südlichsten von
mir erreichten Punkte, wird das Flussgebiet fast ausschliesslich von Granit be-
herrscht, in dem hie und da Diabasdurchbrüche vorkommen. Nur anfangs tritt
auf einer kurzen Strecke die archacische Formation nochmals zu Tage.
Am Landungsplatze des Negerdorfes Pisjang, ara linken Ufer des Sarakreeks,
steht ein heller, feinkürniger Quarzit an, welcher daselbst eine ziemlich ansehn-
liche Klippe bildet. Das Gestein zeigt in einzelnen Partieen sehrdeutliche Parallel-
struktur, welche durch Schuppen eines hellen, glanzenden Glimmers, hie und da
auch durch kleine Blattchen von Eisenglimmer, hervorgerufen wird; im Ganzen
ist aber die Schicferung unvollkommen ausgeprSgt. Einzelne Partieen sind so reich
an Glimmer, dass für sie die Bezeichnung „Glimmerschiefer" gewiihlt werden könnte;
die durch Eisenglimmer ausgezeichneten stehen dem Itabirite Brasiliens nahe.
Feinkörniger, weisser Quarzitschiefer mit spiirlichen Blattchen eines hellen,
glanzenden Glimmers steht auch im Hauptstrome an, unmittelbar oberhalb der
Insel, welche ein wenig aufwarts von Koffiekamp gelegen ist. Er lagert hier mit
einem ausgezeichnet dünnschiefrigen, quarzreichen Hornblendeschiefer, dessen
Parallelstruktur durch abgeplattet-linsenförmige, dunne Quarzlagen und damit
abwechselndo, feinkrystallinische Lagen von Hornblende, die u. d. M. ebenfalls
deutlich parallel angeordnet erscheint, zum Ausdrucke kommt. Der schmutziggrüne,
feinkörnige Schiefer ist so hochgradig zerzetzt, dass es schwierig fallt, sich nach
Entfernung der dicken Verwitterungskruste noch in den Besitz eines festen Ge-
steinstücks zu setzen. Denn diese Schichten sind nur bei ganz aussergewöhnlich
niedrigem Wasserstande entblösst, so wie er manchmal Jahre hindurch nicht
eintritt. Bei meiner Reise flussaufwarts waren aber die Schiefer hier fast durch
die ganze Breite des Stromes zu verfolgen, welcher letztere durch einen
-ocr page 182-
160
schmalen Canal mit gewaltiger Kraft und untor Biidung zahlreicher Stromschncl-
len sich hindurchzwangte. Die krystallinischen Schiefer ragten nur etwa \'/s m
hoch zu beiden Seiten empor und erschiencn oben horizontal abgeschnitten,
wahrend die Schichten steil auf\'gerichtet waren und nahezu\') auf dem Kopfe
standen. An ihren unterwaschenen Itiindern kommt es öfters zur Biidung zierlicher
Felsenthore, und die Oberrliiche des zerbrückelnden Gesteins ist in Folge zahlrei-
cher, die Schichtungsfliichen schneidender Klüfte zerstiickelt.
Auf die Schiefer folgt etwas flussaufwiirts, eine kurze Strecke unterhalb des
Diëtifdl/s, ein dickschiefriger Hornblendegneiss. Es ist ein kleinkörniges, grün-
lichgraues Gestein, weiss gefleckt durch putzenartig zerstreute l\'lagioklas- und
Quarzaggregatc, mit vereinzelten Einsprenglingen von Feldspath und vorherr-
schender, dunkelgrüncr Hornblende, welche auf dem Querbruche deutlich die
Parallelstruktur zum Ausdrucke bringt. Letzteie ist auf angewitterten Fliichen
aucli durch eine zarte Streifung angedeutet. Das Gestein ist reehtwinklig zur
Schichtiingsflitche zerklüftet und deswegen an der Oberrliiche gleich den Schiefern,
mit denen es auch die steile Schichtenstellung theilt, zerstückelt. Offenbar ge-
hören alle diese Gesteine, Hornblendegneiss, Hornblendeschiefer und Quarzite,
demselben Schichtencomplexe an, dessen Glieder weiter oberhalb nirgends wieder
angetroffen wurden.
Der Graxit bildet im Flusse flachgewölbte, kuppelartige Biinke, welche
Fio. :i7. Aiibondbruno des üuANiTs.                     Hüchcn durchkrcuzt werden.
Letztere geben zur Biidung der bekannten Wollsackformcn Anlass, wiihrend das
Absprengen von Stücken concentrischer Schalen hie und da dickbliittrige Massen
erzeugt, deren Entstehung namentlich in der Regenzeit durch abwechselnde
starkc Erhitzung und Benetzung der Absonderungsrliichen befórdert werden dürfte.
Ganz vereinzelt sah ich siiulenförmige Granitmassen, Baumstümpfen nicht unahn-
lich, im Wasser stehen. Die Grosse der zugerundeten Buckel ist manchmal recht
bedeutend und kann bis mehrere Dekameter im Durchmesser erreichen; ihrc Ver-
witterungsrinde ist rostbraun, seiten schwiirzlich.
Die ersten Granitfelscn liegen an der Mündung des Sarakreeks im Surinam;
dann treten sie in der Gegend von Koffiekamp etwas zahlreicher auf und oberhalb
1) Messiiii:,\'<\'ii waren nicht auszuführen, da sie vom Wasser aus hutten geschehen müsBen und
hier durch die Stromschnellcn vereitelt wurden.
-ocr page 183-
1(51
der Boeben erwahnten Schieferformation bilden sic ein Labyrinth von Klippen und
Insein im Strome, welches sich bis in die Niihe von Kadju, an dom Beginne des
verengten Strombettes, ausdehnt. Der Diëti-, Biabia- und Arusabanjafall stürzcn
sich über diese Granitfelsen, die stellenweise 2—4 m über die Wasserflachc her-
vorragen. Minder ansehnlich sind die Felsmassen, welche oberhalb Wakibassu,
links vom Kapasie Eiland zur Bildung von Stromschnellen Anlass geben; bedeu*
tend an Zahl und dicht gedriingt treten aber die Buckel von Granit wieder in der
weiteren Umgebung des Lantiston auf, der Name einer grossen , flachen, 3 m hohen
Kuppe, flussabwiirts von Gansee aus. Ganz ahnlich haufen sich die Felsen zwi-
schen Feulkreek und dem unteren Ende der erstfolgenden, grossen Insel bei Sisone;
sie erreichen hier 4 m Höhe. Dann ist zwischen der nachsten grosseren Insel,
sie tragt den Namen Jabutabiti, und dem linken Ufer der Fluss mit Klippen
besat und bisweilen ganz versperrt; es befinden sich hier u. a. die Stromschnellen von
Gongotha. Desgleichen bei Komoso, welches am linken Ufer, gegenüber Sakke-
pratti, liegt; hier sind an den Fiillen von Miengotiri die Granitfelsen bis 5 m hoch.
Darauf folgen bedeutendere Felsenanhiiufungen beim Papantirifall und in der
Gegend des Akunkunfalls und weiter unmittelbar vor Kapua ausgedehnte, etwa
3 m hohe, kuppelförmige Partieen mit conccntrischschaliger Absonderung. Endlich
ragt oberhalb des letztgenannten Ortes, woselbst das GefalIe des Stromes plötzlich
eine ganz bedeutende Zunahme erfahrt, die Granitformation vielerorts in gewalti-
gen Massen aus dem Strome hcrvor, und eine Anzahl schoner Fiille stürzt über sie
herab: der Gidibo, Madiengi, Kotipau, Kwefa, Sisabo uud Sopo\'). Am Madiengi
liegen 2 m, am Kotipau 3 m, am Sisabo 3\'/2 ni, am Kwefa 4 m bohc Felsen
im Flussbette.2)
Man sieht, dass es wesentlich die erweiterten, inselreichen Abschnitte des
Stromes sind, welche sich durch Keichthum an Granitklippen auszeichnen, und es
leuchtet von vornherein ein, dass letztere den Anlass zur Inselbildung gegeben
haben; aber in den zwischenliegenden Strecken mit eingeengtem "Wasserlaufe fehlen
die Felsen von Granit keineswegs ganz. Sie treten hier bald einzeln, bald in
Gruppon auf, die nur mindere Bedeutung als die eben angeführten besitzen,und
es dürfte ebenso überflüssig wie ermüdend sein, die betreft\'enden Lokalitaten hier
alle gesondert zu nennen. Erwahnenswerth ist aber, dass bisweilen ganze Strom-
abschnitte fast völlig freies Fahrwasser besitzen, wie dies z. B. sehr auffallend
1)  Vgl. den Reisobericht, pag. 75 ff.
2)  Alle diese Maasse geiten nur für die Trockenzeit bei sehr niedrigcm \'Wasserstande. In der
Kegenzeil sind die Felsen vüilig bedcckt, denn sclion auf meiner Uüukfahrt, nachdem es wenige
Tage geregnet, war die Qegend kaum wiederzuerkennen (vgl. Theil I, pag. 84).
-ocr page 184-
162
auf der Strecke zwischen dem Akunkunfall und Kapua zu beobachten ist. Ich
betracbtc dies als eine Folge des Rückscbreitens der Wasserhïlle, denn unmittol-
bar oberhalb dieses klippenfreien Wassers beginnen letztere; auch ist das Wasser
unterhalb des Papantiri und des Akunkun offen, ebenso zwischen den einzelnen
Fiillen oberlialb Kapua, ferner unterhalb des Arusabanja u. s. \\v.
Die Granite des oberen Surinam sind in ihrer normalen Ausbildung hellfarbige
Biotitgranite mit weissem oder gelblichem, selten röthlicbem Feldspath, braunem
oder schwarzem Jliotit und grauem Quarz, meist fein- bis mittelkörnig; grobkör-
nige Varietiiten besitzen nur oberhalb Sisone, in dor Gegend zwischen den Strom-
8chnollen von Gongotha und Komoso, eine weitere Verbreitung. Der Feldspath
ist vorherrschend Orthoklas, untergeordnet Plagioklas; accessorisch tritt stellcn-
weise Augit auf. Aus diesem normalen Gesteine, welches sich stets nur auf
unbedeutende Entfernungen mit gleichem Charakter verfolgen lasst, entsteht aber
eine ganze Reihe von Spaltungsgesteinen, durch Aenderung der Struktur, der
Quantitat der Hauptgemengtheile und das Hinzutreten oder örtliche Ueberhand-
nehmen ncuer Mineralien. ^eigung zur Parallelstruktur bei übrigens gleichblei-
bender Zusammensetzung wird sehr hiiufig beobachtet, der Art dass grössere und
kleinere Partieen gneissartiger Biotitgranite ganz allmahlig in rein granitisch-
kürnige Gesteine übergehen; vielfach lassen beide Abiinderungen sich aus ein und
demselben Blocke herausschlagen. Gneissartige Granite, welche von typischen
grauen Gneissen in Handstücken nicht zu unterscbeiden sind, nehnien unter
anderen an der Zusammensetzung der ausgedehnten, concentrischschaligen Kuppeln
von Kapua Theil.
In anderen Partieen der Eruptivmasse nimmt Plagioklas und Quarz bedeutend
zu, oder es bildet sich durch Anreicherung von Pyroxen Augit-Biotitgranit, oder
es tritt auch der Glimmer sehr zurück, so dass glimmerarme Gesteine mit oder
ohne scharfe Begrenzung in dem normalen Granitite auftreten. Die scharfbegrenz-
ten, glimmerarmen Massen scheinen den Werth von Ausscheidungstrümmern zu
besitzen, welche örtlich manchmal eine grosse Bedeutung im Granite des oberen
Surinam erreichen. Die bedeutendste Abiinderung erföhrt aber der Biotitgranit
durch den Eintritt und das Ueberhandnehmen von Hornblende, welche zur Her-
ausbildung von Gesteinstypen Anlass giebt, die, aus dem geologischen Verbande
gorissen, nicht mehr als zusammengehörig erkannt werden können. Instruktiv ist
in dieser Beziehung unter auderem das Gestein vom Sisabo, von dem ich hier
zwei in allen Einzelheiten nachgezeichnete Partieen darstelle:
Die lichtgehaltenen Theile der betreffenden Massen bestehen aus einem gra-
nitisclikörnigem Gemenge von Quarz und Feldspath, worunter viel, bereits mit
-ocr page 185-
163
Hilfe der Loupe erkennbarer Plagioklas, ohno oder nur mit sehr spiirlichen Bei-
mengungen von Glimmer und Hornblende Die gangartigen Gebilde in beiden
Zeiehnungen enthalten die beiden letztgenannten Mineralien in kaum nachweis-
baren Mengen und sind von weisser Farbe. Die dunklen, scharf begrenzten, oft
mehr
oder minder deutlich polyedrisehen Massen bestehen ganz
vorwiegend aus Hornblende sowie aus weissem Feldspath
und Quarz; auch hier herrscht Plagioklas stellenweise
vor. Unten und oben in der durch Fig. 38 dargestell-
tyf-ifo ten Partie sieht man solche Amphibolgranite mit we-
**£?\'**& sentlich aus Feldspath und Quarz bestehenden
Bandera abwechseln und cinen gneissartigen
Charakter annehmon, der dann weiterhin in
der nicht mehr gezeichneten Fortsetzung der
FlG. 38. SCHLIEREH IM GRAN1TE
ÜKS SlSAHO.
Etwa \'/a der wirkl. Grosse.
betreffenden Gesteinspartie noeh entschiedener
zum Ausdrucke kommt. Stellenweise enthalten
die dunklen, hornblendereichen Ausscheidun-
gen auch viel Glimmer, so dass Hornblende-Biotitgranite entstehen, die abermals
gneissartige Struktur annehmen, welche durch den Glimmer bisweilen in vorzüg-
licher Weise hervortritt. Daneben treten granitischkörnige und gneissartige Biotit-
granite von der mineralischen Zusammensetzung des oben als normal bezeichneten
Gesteinstypus auf. Wir sehen somit glimmerarme Granite durch Biotitgranite,
Hornblende-Biotitgranite und Hornblendegranite in Diorite verlaufen, und alle
diese Mineralaggrcgate gleichzeitig in granitischkörniger und in gneissartiger Struk-
tur auftreten . Dass sie sammtlich zusammengehören lehrt der Augenschein, da
keine Discontinuitat irgendwo besteht und nirgends eine scharfe Grenze an dem
völlig nackten, überall gut zugünglichen Fels anzugeben ist.
Dass auch die gangartigen Gebilde nicht etwa wirkliche Giinge sind,sondern
nur als Ausscheidungstrümmer bezeichnet werden können, geht schon aus den
Zeichnungen gcnügend hervor; der innige Verband mit den angeführten Spaltungs-
gesteinen des Biotitgranits, so u. a. auch das plötzliche Abschueiden der gangarti-
gen Masse gogen die gneissartige Partie (oben in Fig. 38) sind hiefür genügende
Beweisc. Einmal zu dieser Auffassung gelangt, kann ich aber auch andere trum-
ahnliche Massen mit seitlich symmetrischem Bau, die zahlreich im Gesteine dos
Sisabo auftreten, nicht mehr als spatere eruptive Ausfüllungen von Spalten im
Biotitgranite ansehen.
Diese Gebilde erreichen bis \'/s ™ Machtigkeit und mehrere Meter Lange; sie
ragen vielfach schwielen- und rippenartig aus der umgebcnden Gosteinsmasse her-
-ocr page 186-
164
vor und bestehen zum Thcil, gleich den bereits beschriebenen, gangartigen Bil-
dungen, fast ausschliesslich aus Fcldspath und Quarz. Beide Mineralien, in etwa
gleicben Mengen auftretend, bilden ein granitischkürniges Gemenge, welches im
Innern sehr grobkörnig ist und mehr als cm grosse Feldspathe enthalt, nach aussen
aber klcinkürnig wird und hier Quarzschichten aufweist, die ganz oder annahernd
parallel den Begrenzungsflachen der Masse angeordnet sind. Der Feldspath ist
ganz vorwiegend Plagioklas; dunkle, stark dicliroitische Hornblende ist in kleinen,
unvollstiindig ausgebildeten Krystallen vertreten, jedoch in so geringen Mengen,
dass das Gestein nicht mehr als Hornblendegranit bezeichnct werden kann; Biotit
fehlt fast ganzlich; sparsam ist Magneteisen von unregeliniissiger und oktaëdrischer
Gestalt vorhanden. Da die Verwitterung rasch bis zu den erwiihnton Quarzlagen
fortschreitet, so gleicht das Aeussere dieser gangartigen Massen durchaus demjenigen
von Quarzitgiingen.
In anderen dieser als Ausscheidungstrümmer aufgefassten Gebilde tritt mit
dem Glimmer auch der Feldspath zurück und es entstehen mittelkörnige Quarzite
mit sehr vereinzelt auftretenden, kleinen, gelblichen Feldspathen, welche sich in
Diinnsehliffen als trübe Plagioklase ausweisen. Daneben kommt
auch dunkler Glimmer vereinzelt vor, in grosseren Blattchen,
welche parallel den Begrenzungsflachen des Quarzits au-
geordnet sind.
Die hornblendereichen Schlieren deuten durch ihre
Anordnung bisweilen eine Fluktuationsstruktur an, und
auch die in Fig. 39 dargestellte Gesteinspartie ist,
wie mir scheiut, nur durch Strömungen im Magma
>t<^
a                          bc
FlO. 39. Sciii.ikiikx im Grakite
DES SisA no.
Etwa V.o dor wirkl. (irösse.
zu erklaren. Sie macht durchaus den Eindruck,
als ob die gangartige Bildung (b) gegen den gneiss-
artigcn Amphibolgranit (a) abwarts sich bewegt
hatte, ebcnso c gegen b, wobei die mit mehr oder
minder deutlicher Parallclstruktur versehencn, hornblendereichen Partieen an ihren
Itandcrn vcrschleppt wurden.
Die hier vom Si\'sabo gcschildcrten Verhilltnisse wiederholen sich nun sehr
hiiufig in allen wesentlichen Ziigen auf der ganzen Strecke zwischen Kapua und
Toledo und lassen sich an den grossen Fallen vielfach gut studiren, besonders
auch am Kotipau. Den reiehlichen, grossen Ausscheidungen von Hornblende im
Biotitgranite begegnet man überall, und im untiefen Wasser kann man sogar die
dunklen Schmitzen oft weit verfolgen, so dass für den ganzen, eben erwahnten
Stromabschnitt die gleiche Beschaffenheit der mineralischen Zusammensetzung an-
-ocr page 187-
165
genommen werden darf. Ganz untergeordnet kommen auch Augit-Biotitgranite vor,
die aber, so weit mir bekannt, nirgends eine bcdeutendere Entwicklung in diesem
Gebiete erlangen; bei Kapua sind sie gneissartig und treten sie im Verbande mit
den bereits angeführten, gneissahnlichen Graniten auf. Nur weiter unterhalb Kapua,
an der stromaufwürts gerichteten Endigung des Eilands Pitipratti, traf ich einen
grauen, klein-granitischkörnigen Augit-Biotitgranit, dem hier eine grössere Aus-
dehnung zuzukommen scheint; weiter unterhalb ist mir dies Gestein überhaupt
nicht bekannt.
Hornblende-Biotitgranite treten zwar auch an anderen Punkten als in dem
erwahnten Abschnitte zwischen Kapua und Toledo auf, so z.B. nicht weit oberhalb
Komoso und schon gleich an der Mündung dos Sarakreeks, wo sie mehrere, reich-
lich 1 m hoch hervorstehende Buckel formen; aber nur in unmittelbarer Nahe,
südwestlich, von Sisone stehen Gesteine an, welche eine gleiche Anreicherung von
Amphibol erfahren haben, wie sie vom Sisabo geschildert wurde, dunkelgrüne
Hornblendegneisse und Amphibolite ihrer mineralischen Zusammensetzung nach,
welche ohne Scheidung in normale Biotitgranite verlaufen.\')
Schliesslich sind hier noch grobkórnige, pegmatitische Ausscheidungen im
Biotitgranite zu erwahnen, die entweder ohne regelmiissige Begrenzung oder
gangartig auftreten, in welcher Ausbildung sie mir indessen nur vom Lantiston
und seiner Umgebung bekannt sind. Hier durchschwarmen sie in grosser Zahl alle
Felsen, sich vielfach kreuzend und verwerfend, und erlangen sie bis \'/a m Durch-
messer. Sie bestehen aus hellen, bis mehrere cm grossen Feldspathen, grauem
Quarz sowie spiirlichem dunklem und hellem Glimmer und zeigen gleich den Aus-
scheidungstrümmern des Sisabo zum Theil deutliche Parallelstruktur, indem sie
nahe den Begrenzungsflachen feinkörnig werden und reichlich dunklen Glimmer
enthalten, wahrend der Feldspath eine röthliche Farbe annimmt. Sie verbinden sich
ohne scharfe Grenzen mit dem sie umgebenden, feinkörnigen Biotitgranite.
Vereinzelt kommen im Granitgebieto machtige Quarzmassen vor, besonders
in der Gegend des Arusabanja; an dem Falie selbst liegen gewaltige Blöcke
schneeweissen, grobkörnigen Quarzits. Vielleicht sind es Ausfüllungen von Spalten,
deren Bildung mit dem Durchbruche der Diabase zusammenhangt, da ein solcher
gerade in diesem Stromabschnitte an verschiedenen Punkten stattgefunden bat.
Oberhalb der Mündung des Sarakreeks begegnet man nur wenig rlussauf-
warts von der bei Koffiekamp gelegenen Insel den orsten Diabasen ; sie stellen fein-
1) Diese Gegend ist von mir gezeichnet (vgl. Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde van
Ked. Indië, 5- Reeks, l>c Deel, 1886, Tab. IV.)
22
-ocr page 188-
166
körnigc, stark zersetzte, laucligrüne Gesteine dar, welche unregelmiissig polyedrisch
zerklüftet sind und übcr ihr Lagerungsverhiiltniss nichts Niiheres erkennen lassen.
Dann folgen aber alsbald am Biabiafall verschiedene Massen desselben Eruptiv-
gesteins, deren Aufsetzen im Biotitgranite an einem Punkte sehr klar zu beobachten
ist; eine andere, in der Nahe des linken Ufers gelegene Diabaspartie ist sehr
machtig, so dass nur ein einzelnes Salband cntblüsst war, wiihrend das zweite sich in
den Stromschnellen nicht auffinden Hess. Voltz erwiihnt, dass am Arusabanjafalle eine
Anzahl kleiner Grünsteingange den Granit durchsetze; ich habe dieselbon nicht
gesehen,\'was bei der Schwierigkeit der Untersuchung nicht auffallend ist, schliesse
aber aus den übereinstimmenden, an verschiedenen Punkten gemachten Beobach-
tungen von Diabasdurchbrüchen, dass letztere in dieser Gegend in grösserer Zahl
vorkommen mussen. Die zicmlich frischen, blaugrauen Gesteine besitzen in den
von mir wahrgenommenen Gangen ein etwas verschiedenes Kom; sie sind fein-
körnig bis nahezu dicht.
Weiter oberhalb treten Diabase crst .wieder in der Niihe von ïoledo auf,
wahrend sie in dem ganzen zwischen Arusabanja und hier sich ausdehnendon
Granitgebiete fehlcn. Bei Toledo bilden sie den 104 m hohen J/om»/, eine zuge-
rundete, dem blauen Berge iihnliche Kuppe, an die sich westlich eine zweite von
ahnlicher Gestalt anschliesst,\') welche auf der Rosevelt\'schen Karte noch nicht
verzeichnet ist.2) Am Fusse des Monni und unten auf seinen Gehangen liegen zahl-
reiche Blöcke von Diabas, anscheinend nur so weit aufwarts hinan wie das Wasser
des Flusses zur Kegenzeit steigen mag; dann folgen oben wieder die bekannten
rothen Thone und Laterite. Ausserdem erstreckt sich eine Barrière von Diabas
vom Fusse der Anhöhe weit in den Fluss hinein und bildet hier in Gemeinschaft
mit einem kleiukörnigen Biotitgranite bedeutende Stromschnellen, in denen das
Salband weithin sich verfolgen liisst. Der Üiabas vom Monni ahnelt dem entsprechen-
den Gesteine vom Biabiafall, ist aber durch einzelne grosso Einsprenglinge von
Feldspath ausgezeichnet; er zerfallt basaltühnlich in kleine, polyedrische Blöcke.
Das letztc Gestein, welches mir auf der Strecke zwischen Sarakreek und
Toledo noch zu bosprechen übrig blcibt, steht bereits unfern der Mündung des
erwahnten NebenHusses an, auf der llöhe der mehrfach genannten Insel bei
Koffie/camp.
Es bildet daselbst eine vom Ufer nach dem Eilande sich erstreckende
1)  Die Eingeborenen aagten, dass man vom Gipfel des Monni aus noch mehrere Ilölien sehen
könne; doch fanden wir die Aussicht leider ganz durch die Vegetation versperrt.
2)  Es sind dies die einzigen Anhöhen, welche von dem Sarakrceke an aufwarts an den Fluss
herantretcn.
-ocr page 189-
167
Barrière, und seine grossen, abgerundeten Blöcke bestehen aus einem hellen
grünlichgrauen, im verwitterten Zustande gelben Gesteine, welches in sehr fein-
körniger granitischer Grundmasse zahlreiche grosse Einsprenglinge von Feldspath
enthiilt. Die Form der Barrière lasst auf einen aus dem umgebenden Gesteine
herausgewitterten Gang schliessen, und dass wirklich ein solcher vorliege wird
ausserdem dadurch wahrscheinlich, dass auch am Sarakreek das gleiche porphy-
rische Gestein an einem in der Verlangerung der Barrière gelegenen Punkte
ansteht. Dasselbe ist am erwahnten Nebenrlusse von meinem Iteisebegleiter Loth
unmittelbar oberhalb des Landungsplatzes von Pisjang geschlagen, woselbst der
Seite 159 boschriebene Quarzitschiefer ansteht, so dass beide Gesteine sich dort viel-
leicht im Contakte befinden. Die Verbindungslinie der vermuthlichen Gangmassen
entspricht aber dem Hauptstreichen der archaoischen Formation, und es gewinnt
des wegen eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das porphyrische Gestein zwischen
die Schichtungsflachen der Schiefer eingedrungen ist, welche am Landungsplatze von
Pisjang aufgoschlossen sind, aber im Strome selbst, unter- und oberhalb der
isolirt aufragenden Barrière, verdeckt sein mogen. Ich halte das Gestein für eine
Porphyrfacies des Biotitgranits.
d. Alluvium des Flusses.
Bei der Bildung der alluvialen Ablagerungen im Gebiete des Surinam sind
zwei Faktoren von wesentlichster Bedeutung gewesen, die Gezeiten des Meeres
und der Unterschied des Flusstandes in Regen- und Trockenzeit.
Die oceanische Fluthwelle dringt mit grosser Macht in das Aestuar des
Stromes ein, und wenn ihre Wirkung auch nicht mit derjenigen der Peroroken
des Amazonas zu vergleichen ist, so ist sie doch der Art, dass sie kleinen Fahr-
zeugen leicht verhangnissvoll wird; noch auf der Höhe der Judensavanne sind
letztere nicht selten genöthigt das Ufer zu suchen. Diese Fluthwelle schreitet
weit landeinwiirts fort, obwohl der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrig-
wasser bei Paramaribo sehr gering ist und nach Bonaparte gewöhnlich nicht mohr
als 1,7—2,0 m betragt,1) so dass nur ihre Erhebung über den Meeresspiegel in
Folge der Einengung des Strombettes das tiefe Eindringen ins Innere des Landes
zu erklaren vermag.
Der Punkt, bis zu welchem das Aufwartsströmen stattfindet, muss aber je
nach der Jahreszeit grossem Wechsel unterworfen sein, denn er ist abhangig von
1) Prince Roland Bonaparte. Les Habitants de Suriname, pag. 36.
-ocr page 190-
168
der Differenz zwischen der absoluten Höhe der Fluthwelle im Flussbette und dem
Niveau des Wassers in den höher gelegenen Stromabschnitten, sowie ferner von
der Quantitiit der seewürts stromenden Wassermassen überhaupt, welche der auf-
wiirts schiebenden Kraft bald grosseren bald geringeren Widerstand entgegenzu-
setzen vermogen. Regen* und ïrockenzeit bieten in dieser Hinsieht die grössten
Gegensatze, aber auch innerhalb der gleichen Zeitabschnitte wird in den verschie-
denen Jahren maneher Wechsel bezüglich der Grenze des Aufwarlsstrómens eintreten.
Bei langandauernder Trockenheit macht sich die Wirkung der oceanischen Fluth-
welle bis Brokopondo bemerkbar, also 13\'/2 geographische Meilen landeinwarts;])
hier erst wird das weitere Fortsehreiten durch die plötzliche Zunahme der Boden-
neigung verhindert. Bei der Para scheint das Ansteigen des Landes in der Savan-
nenregion, in welcher der NebenHuss entspringt, die Ursache zu sein, dass in ihr
die AVirkung der Fluthwelle schon in der Höhe der Judensavanne, bei etwa 8
geogr. Meilen Abstand von der Kuste, erlischt. In der Regenzeit wird das Auf-
wartsströmen im Surinam bis Phaedra nach Loth\'s mündlieher Mittheilung wahr-
gonommen und ein einfaehes Aufstauen auch dann noch bis Brokopondo; Rosevelt
giebt dagegen auf seiner Karte an, dass in der grossen Regenzeit, von April bis
Juli, der Strom bis unterhalb der Einmündung des Siparipabokreeks, welche sich
etwa 6-/a geogr. Meilen vom Meere entfernt befindet, stets nur seewürts fiïesse
und zwar mit einer Schnelligkeit, die 1 m in der Sekundo oft ükersteige. Dieser
Unterschied der beiden Angaben dürfte wohl nur in dem Wechsel der Erscheinung
seinen Grund haben, da verschiedenzeitige Beobachtung aus erwabnten Gründen
leicht zu abweichenden Resultaten führen kann.
Das Anwachsen des Stromes beim Eintritte der Regenzeit geschieht sehr
rasch; wenige Tage Regenwetter genügen, um ein Ansteigen von 2—3 m zu
erzielen, so dass der Fluss ein ganz veriindertes Ansehen durch Bedeckung seiner
Klippen erhiilt. Die Höhe, bis zu welcher der Strom anschwellen kann, ist aber
selbstredend in seinen verschiedenen Abschnitten sehr verschieden, da dies von
der Anwcsenheit oder dem Fehlen von Stauungen langs den Ufern abhangig ist.
1) Schon Stodman giebt an, das8 sich der Einfluss der Gezeiten mehr als 60 engl. Meilen auf-
warts spüren 1ms.sc; doch finde man bereits bei 24 oder 30 Meilen Abstand von der Kuste Süss-
wasser für die Versorgung der Schiffe, welche in Paramaribo kein Wasser einnehmcn kunnen.
Wie heute noch, so pflegte man indessen auch schon zu Stedman\'g Zeiten das Wasser für die
Schiffe aus der üegend der Judensavanne dem Flusse zu entnehmen; die Kntfernungderselben von
Paramaribo wird durch Stedman auf 40 engl. Meilen angegeben. Seine Abstande sind jedcnfalls
nicht mit übergrosscn Fehlern beliultet. (Stedman, Heize in de Binnenlanden van Suriname. Leiden
1799, I pag. 32). — Wie weit das Salzwasser eindringt und in wiefern die Aufwürtsbcwegung des
Stromes nur in einem Zurückschieben des Süsswassers besteht, ist nicht bekannt.
-ocr page 191-
169
Wo Höhenzügo die allscitige Ausdehnung der breiten, aus dem Bette der Trocken-
zeit ausgetretenen Wassormasse verhindern, wird das Anschwellen des Stromes
am meisten sich geitend machen. Dies ist unter anderm bei Brokopondo der Fall,
und ich will versuchen darzustellen, wie gross der Unterschied im Stande des
Wassers daselbst in den verschiedenen Zeiten des Jahres etwa sein kann:
Ich passirte den Ort am 2\'e" und am 12ten April, zuerst bei ungewöhnlich
niedrigem Wasserstande, so dass die oben erwahnten Strudellöcher in der Barrière
bei Brokopondo entblösst waren, wahrend ich sie spater sammt den auf den Felsen
wachsendcn Strauchern bedeckt fand. Der Unterschied im Niveau des Surinam
betrug für beide Tage mindestens 2 m. Am 12te» April lag aber die alluviale Ufer-
terrasse an genanntem Orte noch 6 m über dem Spiegel des Stromes. Auf dieser
Terrasse steht ein verfallenes Haus, in dem ein 1877 errichtetor Militairposten sich
befand, welcher indessen der hiiufigen Ueberschwemmungen wegen wieder ver-
lassen wurde. Dies Gebaude sah mein Reisebegleiter Benjamins einmal bis zum
Dachrande, welcher 2,5 m über dem Boden gelegen ist, unter Wasser stehen und
rettete, mit einem Dampfschiffe über die Terrasse fahrend, seine Insassen. Daraus
ergiebt sich, zu den oben gefundenen Werthen hinzugeziihlt, eine Differcnz von
10,5 m zwischen niedrigstem und höchstem Wasserstande bei Brokopondo.
Auch bei Bergendaal liegen die Verhaltnisse ungemein gunstig für das Auf-
stauen des Stromes, denn dieser stösst unterhalb des Mawassiekreeks auf das Diabas-
gebirge, dem der blaue Berg und der Pilatus angehören, wird darauf nach SW
abgelenkt und durchbricht dann das Gebirge, indem er sich zwischen die genann-
ten Höhen hindurch einen Weg nach N bahnt. Der Durchgang ist schmal und der
Abschluss durch die aus Diabas aufgebauten Berge ein volkommener; dem ent-
sprechend war nach einer mir gemachten Mittheilung der Wasserstand bei Bergen-
daal im Monat Mai 12 m höher als wie ich ihn am ltel> April daselbst gesehen.
Bei Victoria ist nach Rosevelt der Unterschied im Wasserstande von Regen- und
Trockenzeit 7—9m.
Bezüglich anderer Orte am Flusse fehlt es mir an Zahlen für die direkte
Angabe der betreffenden Werthe, aber einen gawissen Anhaltspunkt zur Schiitzung
des Unterschiedes im Wasserstande des oberen Surinam liefern die Höhen, in
denen die Buschnegerdörfer daselbst sich befinden; denn einerseits ist anzunehmen,
daas die Wohnorte ausserhalb des Bereiches der Ueberschwemmungen gelegen sind,
andererseits, dass sie sich so nahe wie irgend möglich am Strome befinden, da
die Eingeborenen dies ihrer ganzen Lebensweiso gemtiss zu erreichen suchen.
Ich habe nun wahrend meiner lteise flussaufwiirts die Höhenlage verschiedener Dórfer
über dem damals sehr niedrigen Niveau des Flusses gemessen und fand für Waki-
-ocr page 192-
170
bassu 9 m, Gansee 6 m, Langahuku 5 m, Kapua 8 m, Toledo 7 m, Zahlen die
jedenfalls den Maximalwerth für den Unterschied des "Wasserstandes an den betref-
fenden Orten angeben. Minimahverthe fand ich dnrcb Messung der Höhe von Ufer-
terrassen, von denen es bekannt ist, dass sie in der Regenzeit überströmt werden,
und zwar am Newstarkreek 5 m, bei Koffiekamp 7 m.
Das Austreten des Flusses zur Regenzeit hat zur Bildung machtiger alluvialer
Ablagerungen zn seinen Seiten Anlass gegeben, welche sich terrassenartig über
den Strom der Trockenzeit erhcben. Stets ist indessen nur ein einziges Plateau
vorhanden und dieses wird in weitaus den mcisten Fallen noch jetzt seiner ganzen
Ausdohnung nach alljahrlich überströmt, so dass man den Schlamm vergangener
Fluthen nicht seltcn mehrerc Meter hoch vora Boden an den Biiumen hangen sieht,
die diese Terrasso bedecken. Eine derartige alluviale Terrasse ist auch in neben-
stehender Abbildung \') dargestellt; sie bildet südlich vom Pilatus eine Savanne
von grosser Ausdohnung, welche am Ufer steil abgeschnitten ist und auch an der
gegcnüberliegenden Seite des Stromes eine bedeutende Flache einnimmt.
Da die für das Niedersinken der schwebenden Bestandtheile günstigsten Linien
beim Anwachsen und Zurückziehen des Stromes einer bestandigen Verschiebung
untcrlicgen und die Terrasse stets mit einer dichten Vcgetationsdecke, vielfach
mit Hochwald, bedeckt ist, welche die Differenz in der Stromgeschwindigkeit in
Folge des von ihr selbst gebotenen Widerstandes minder zum Ausdrucke bringt,
so ist zu crwarten, dass der Niederschlag in nahezu horizontalen Schichten, viel-
leicht ahnlich den Yerhaltnissen des Nildeltas, erfolgt. Dem entsprechend ist auch
die OberHaehe des Plateaus meist eben und nur dort, wo die Breite betrachtlich
zunimmt und die landeinwiirts befindlichen, alluvialen Ablagerungen in Folge des
tieferen Einschneidens des Stromes nicht mehr überströmt werden, steigt das Ufer-
land dem Auge kaum merklich nach dem Innern an, ohne dass es zur scharfen
Abgrenzung eines Inundationsbcttes kiime.
Die Machtigkeit der alluvialen Ablagerungen muss unter übrigens gleichen
Voraussetzungen von der Tiefe der austretenden Wassermassen abhangig sein und
ist naturgemitss dort am bedeutendsten, wo Stauungen stattfinden, so an den oben
erwiihnten Orten Bergendaal und Brokopondo, ahnlich auch bei Koffiekamp und an
manchen anderen Punkten des oberen Strombettes. Sie ist aber selbstredend vor
allem auch von der Menge der in gleichen Wassermassen mitgeführten Substanz
abhangig und da dieselbe im unteren Surinam weit geringer ist als im Oberlaufe
1) Links auf dem Bilde befindet sich die mehrerwHhnte Klippe von archaeischem Schiefer am
Fusse des Hauses von Bergendaal; ihr gegenüber liegt die „Pilatus" genannte Kuppevon Diabas.
Der Vordergrund ist Alluvium des an der Stelle des Durchbruchs sehr eingeengten Flusses.
-ocr page 193-
ƒ
o
c
n
o
I
03
c
o
I
D
m
(0
C
2
z
>
2
DJ
m
CD
(II
O
m
z
o
>
>
r
-ocr page 194-
172
des Flusses, Stauungen hier ebenfalls giinzlich vcrmisst werden, so vereinigen sich
beide Faktoren, urn die Machtigkeit der alluvialen Ablagerungon im unteren Fluss-
laufe weit hintor diojenige des oberen zurücktreten zu lassen.
"Wie weit sich im untersten Stromabschnittc das Alluvium über den niedrigston
Wasserstand erheben mag, kann ich nicht beurtheilen, da lihizophoren, Caladium
arborescens
und Drepanocarpus lunatus, das Uforland veilig maskiren; weitor auf-
wiirts, zwischen Chatillon und Gelderland, sieht man nicht selten 1V2—2 m hohe
Lchmufcr cntblösst, welche lothrecht zum Flusse abfallen und an deren Fuss sich
ein niedrigcr, sanft geneigter, schmaler Strand anschliesst, welcher zur Ebbezeit
entblösst und zur Fluthzeit überströmt wird. Aber erst unterhalb Sannetje Eiland
werden die alluvialen Ablagerungen so machtig, dass ihre steilen, durch das Ein-
schneiden des Stromes in der Trockenzeit erzeugten Wande mauerartig emporstei-
gen, und von jetzt ab begleiten sic tast ununterbrochen (\\vo nicht das Relief des
Untergrundes und die Stromesrichtung den Absatz der Sedimente verhindert) den
Flusslauf. Ihre Höhe über dem Wasser fand ich meist zu 5—7 m, öfterauch4m
und wenigor, bisweilen 8 m.
Diesc alluvialen Wiinde sind aber keineswegs auf die TJfer des Stromes be-
echrankt, sondern treten in gleicher Ausbildung auch auf den grosseren Insein auf,
deren Entstehung sich im Oberlaufe durch alle Stadiën verfolgen lösst: Sandbanke,
zwischen Felsen und an deren stromabwarts gekehrtem Ende abgelagert, geben
den ersten Anstoss zur Inselbildung, Psidium aromaticum siedelt sich alsbald auf
ihnen an und bcfördert das Auffangen der vom Wasser mitgeführten Bestandtheile,
und endlich bedecken machtige, alluviale Ablagerungen die Eilande ebenso wie die
Ufer des Stromes.
Namentlich das Granitgebiet ist durch Reichthum an Insein dieser Art ausge-
zeichnet, da das widerstandsfiihige Gestein durch Bildung zahlreichor Klippen viel-
fach Gelegenheit zur Ablagerung der Sedimente giebt und die Menge der mitge-
führten Uestandtheile hier überdies am bedeutendstcn ist; Labyrinthe von Felsen und
Eilanden nehmen in diesem Gebiete bisweilen die erweiterten Stromabschnitte ein.
Unterhalb des Sarakreeks werden die Insein seltener, da der Fluss in das archaeische
Schiefergebiige leichter einschneiden konnte und demzufolge die Punkte, welche
zur Festlegung von Sand- und Schlammassen dienen,1) erheblich vermindert sind.
Gleichzeitig werden die Insein langer und schmaler gegenüber den mehr ellipsoidisch
geformten Eilanden des Granitgebietes, obwohl im Uebrigen ihr Charakter sich
1) Die Vegetation spielt hiebei eine geringe Holle, da das Holz der meisten liiiiimo schwerer
al» Wasser ist und demzufolge Baumstamme nur gelten verflösst werden.
-ocr page 195-
173
nicht iindert und auch die machtigen, alluvialen Ablagerungen mit steilen Seiten-
wiinden bis hinunter nach Sannetje Eiland ihnen eigen sind.
Die Sandbiinke, welche dem Schiefergebiete angehören und namentlich un-
mittelbar oberhalb Bergendaal in ganz gewaltigen Massen im Flussbette auftreten,
kommen, falls sie sich an Klippen anlehnen, aufwarts von Brokopondo nur an deren
8tromabwiirt8 gerichteter Seite vor, unterhalb des genannten ürtes dagegen, so unter
anderen noch an der sogenannten Kanzel, an beiden Seiten. Es steht dies in engem
Zusammenhango mit der oben beschriebenen Wirkung dor oceanischen Fluthwelle,
derzufolge das Material abwechselnd stromauf- und stromabwiirts transportirt wird.
Dieser letzterwiihnte Umstand spielt offenbar auch eine sehr grosse Rolle bei
der Entstehung der langgestreckten, an beiden Enden scharf keilförmig zuge-
spitzten Insein, welche dem unteren Stromabschnitte, von Worsteling Jakobs an
abwarts, eigen sind. Ob ihnen noch ein Kern anstehenden Gesteins zu Grunde
liegt, oder ob es lediglich Schlammassen sind, welche ihre Bildung veranlasst
haben, ist nicht bekannt. Das Letztere ist für die unterhalb der Judensavanne
gelegenen Eilande wohl am wahrscheinlichsten.
Der Abschnitt von der Mündung des Hauptstromos bis zu derjenigen des
Siparipabokreeks ist frei von Insein, vielleicht eine Folge der auswaschenden Tha-
tigkeit der Ebbe; aber doch vermag die Zugkraft der Letzteren die Flussmündung
des Surinam, wie der Augenschein lehrt, nicht frei zu halten, trotz ihrer Verstar-
kung durch den an der Kuste vorbeittiessenden Aequatorialstrom. Die Erscheinung
erkliirt sich leicht durch den Umstand, dass ausgedehnte Schlammbiinke sich weit
von der Kuste aus ins Meer hinein erstrecken und die ins Aestuar eindringende Fluth-
welle demzufolge ein sehr siltiges Wasser mitführt. Da ferner die Bodenneigung
im untersten Theile des Flussbettes ganz oder nahezu gleich O ist, das Eindringen
des Salzwassers zudem don Niederschlag der schwebenden Tlieilchen des Süsswas-
sers befördertl), so muss die reinigende Thfttigkeit der Ebbewelle zum Theil durch
diejenige der Fluth compensirt werden. Der Ueberschuss des nicht fortgeführten
Detritus verschliesst allmiihlich die Mündung.
Das Material, welches an der Bildung der alluvialen Ablagerungen im
Flussgebiete sich betheiligt, ist Schlick, gelber Lehm und feiner bis grober Quarz-
sand, welcher letztere hiiufig durch Brauneisenerz zu einem eisenschüssigen Sand-
steine oder zu einer Quarzbreccie cementirt wird. Bisweilen erreicht das so ent-
atandene Gestein eine zicmlich bedeutende Entwicklung; doch ist es nicht leicht
seine Ausdehnung zu verfolgen, da es zumeist von Wasser bedeckt bleibt. Ich
1) t. Richthofen. Fübror für Forsclmngsreisende, pag. 184.
1 \'6
-ocr page 196-
174
fand es oberhalb des Arusabanja und ein wenig aufwarts von der Mündung des
Sarakreeks, woselbst es einzelne niedrige, aus dem Wasser hervorragende Klippen
formte, ferner eine kurze Strecke oberhalb des Cederkreeks als Hangendes von
zersetzten archaeischen Schiefern und in ziemlich bedeutender Ausdehnung langs
des linken Ufers entwickelt, dann als niedrige Klippe etwas aufwarts von der Mün-
dung des Mawassiekreeks. Auch am Coropinakreeke, einem Zuflusse der Para,
kommt der eisenschüssige Sandstein unterhalb Prospérité vor, und endlich erhielt
ich ihn durch Ten Kate vom oberen Nickerie, woselbst er nach der Beobachtung
des Keisenden als Hangendes von fettem, grauem Thon ansteht und die ersten
Felsen im Flussgebiete darstellt, gloichwie an der Coropina. Die bctreffenden
Funde weisen auf eine ziemlich wcite Verbreitung der eisenschüssigen Sandsteine,
entsprechend der überall im Flussbette sich vollziehenden Bildung von Eisenerz,\')
auf die schon oben hingewiesen wurde. Naturgemass nimmt das Kora der Neubil-
dung nach dem Oberlaufe zu und gehen die Sandsteine hier in Breccien über,
deren Bestandthoile bis 1 cm Grosse erreichen können.
Gröbere Conglomerate und Breccien fand ich nirgends, und es ist eine auffal-
lende Erscheinung, dass der Surinam so ungemcin arm an Goschieben ist. Sieht
man von den durch die Zersetzung gebildeten, wollsackahnlichen Granitblöcken
ab, so gehort selbst im Gebiete der grossen Wassertülle der Fund eines losen,
auch nur faustgrossen Gesteinstücks zu den Seltenheiten. Die intensive Verwitte-
rung und die Gewalt des Stromes, welche das einmal zersetzte Gestein um so
rascher zerkleinert, dürften die Erscheinung wohl erklaren.
Ein eigenthümlich rother, grau gebiinderter, sandiger Lehm wird am Ufer
von Ayo bei niedrigem Wasserstande entblösst, fast einem alten Mauerwerke
ahnelnd. In seiner Farbung stimmt er mit den Zersetzungsprodukten des Gneisses
vom Ufer der Judensavaune überein sowie mit den ïhonen aus der Gegend des
Kassipura, aber der Lehm befindet sich bei Ayo auf sekundiirer Lagerstatte als
Ablagerung des Stromes.
Wenig nördlich von Ayo, bei Carolina, las ich einzelne Rollsteine im Alluvium
des Flusses auf, worunter auch einen Kalkbrocken von mehreren cm Durch-
messer, das einzige postarchaeische Sedimentargestein, welches mir ausser den
erwiihnten Neubildungcn aus Surinam bekannt wurde und welches, seiner Grosse
nach zu urtheilen, sich nicht sehr weit von dor ursprünglichen Lagerstatto
befinden dürfte. Es ist ein dichter, von feinen Kalkspathadern durchzogener, grauer
1) Die Neubildung von Lateriten im "Waldgebiete wurde schon oben erwahnt (pag. 150 u. 153). Sie
sind in gewissem Sinne als ein Auquivalent der eisenschüssigen Sandsteine des Stromes anzusehen.
-ocr page 197-
175
Kalkstein, dessen angewitterte Oberflache Andeutungen von Petrefakten zeigte.
Seine mikroskopische Untersuchung ergab aber leider nur stark metamorphosirte,
unbestimmbare organische Roste, unter ihnen auch einen Querschnitt durch eino
Koralle (mit noch erkennbaren, gleich langen, radiiiren Kalkscheidewiinden und
einer warzenartigen Columella), welche den Alcyonarien angehören könnte. An
demselben Orte kommen Broeken von Quarziten vor, welche zum Theil durch grosse
Blatter eines hellen Glimmers ausgezeichnet sind; einige von ihnen gleichen ganz den
Quarziten von Tafra, und es ist wohl nicht zu bezweifeln, dass sie gleichaltrigen
Schichten eDtstammen. Endlich sind Gerölle von Bleiglanz bei Carolina nicht
selten. Beim Zurückziehen des Wassers zur Ebbezeit sieht man am Strande
daselbst schwarze Streifen des zerkleinerten Minerals vom Ufer zum Flussc sich
hinziehen und Broeken von mehreren cm Durchmesser werden beim Graben viel-
fach gefunden. Man hat sogar an eine Gewinnung des Erzes gedacht, da man
sich übertriebene Vorstellungen von dem Vorkommen machte.
Von desto grösserer Bedeutung sind die Goldseifen, über deren Reichthum
schon im ersten Theile dieses Werkes gesprochen ist\') und deren Ausbeutung nach
californischer Weise durch Sluice und Long Tom, besonders durch letztgenannten
Apparat, geschieht. Nur an Einem Orte hatte ich Gelegenheit die Goldseifen niiher
kennen zu lernen, und zwar einige Wegstunden östlich von Brokopondo in einem
vermuthlich aus krystallinischen Schiefern und Diabas aufgebauten Landstriche.2)
Hier wurde das Gold aus einer Geröllschicht von etwas mehr als 1 m Miich-
tigkeit gewonnen, deren Liegendes ein gelber, zaher Lehm war. Derselbe Lehm
trat im Hangenden in \'/s—1 m Machtigkeit auf und wurde durch eine Humus-
schicht von wechselnder Dicke überlagert. An anderen Orten wechseln goldführende
Geröllagen, laut mir gemachten Mittheilungen, mehrfach mit dem Lehme ab.
Die Gerölle, welche ich unweit Brokopondo in den Goldseifen antraf, liessen
leider keine nahere Bestimmung zu, denn ausser grobkörnigen Quarziten fand
sich darunter nichts anderes als völlig zersetztes Material, worunter wieder eisen-
reiche Laterite.
Es bleibt mir zum Schlusse noch die Umlagerung, welche die alluvialen
Bildungen im Unterlaufe des Flusses erfahren, zu besprechen übrig, denn obwohl
sie nach denselben Gesetzen wie in anderen Gegenden von gleichem geologischem
Bau sich vollzieht, so ist die Wirkung der Wassermengen zur Regenzeit doch
eine weit grossartigere als unter übrigens gleichen Stromverhaltnissen in den
1)  Land und Leute pag. 17.
2)  oben pag. 153.
-ocr page 198-
170
meisten aussertropischen Landern. Geringfügigo Unterschiede in der Zusammen-
setzung des Bodens, welche die erste unbedeutende Krümmung des Flusses hervor-
rufen, geben sehr bald den Anlass zur weiteren Verschiebung der Curve nach
aussen, dor Loslösung der Sedimente an der convexen, ihres Niederschlages an
der coneaven Seite, und so ziehen sich die Ströme gleich ihren Nebenflüssen in
vielen maoandrischen Krünimungen durch das flache, alluviale Küstenland von
Surinam. Wo diese Schlangenwindungen fehlen, wie am Untcrlaufe des Maroni,
da be.sitzt auch das Alluvium nur eine iiusserst geringe Entwicklung.
Wird die Curve sehr scharf, so dass sie, mit nahezu elliptischem oderkreis-
rundem Umrissc versehen, erst auf weitem Umwege zu ihrem Ausgangspunkte
zurückkehrt, und dcmzufolge der Absatz von Sedimenten in diesem Flussabschnitte
befürdert, so bietet die Regenzeit die günstigsten Umstiinde für die weitere
Erfüllung von Bedingungen, welche zur Abtrennung eines hufeisenförmigen
Stüekes des Stromlaufes führen; der Fluss bricht aus, indem er sich ein neues, den
Weg abkürzendes Bett griibt. Solche Canale, in denen der Strom seinen nach
rechts und links verlegten Lauf selbst corrigirt, sind in Surinam ungemein ver-
breitet. Sie bofinden sich, 2 an Zahl, am Nickerie unterhalb der Miindung des
Aruaruakreeks und tragen hier die Namen Manilie- und "Warappekreek, ferner
Maratakka, ausserdem am Coppename oberhalb der
Einmündung der Wayombo und unterhalb
der ersten Granitfelsen, hier wiederum zwei
=****) an Zahl. Auch der rechte Nebenfluss des
I Coppename, der Tibiti, besitzt zwei solcher
^^j) Querverbindungen , ebenso der Cusewijne und
die Para; ferner befindet sich eine solche bei
Sommelsdjjk, an dem Zusammenflusse von
Cottica und Commewijne, und weiter aufwarts
folgen in erstgenanntem Nebenflusse dicht auf
einander noch 3 an Zahl. An der Perica,
linkem Nebenflusse der Cottica, kommt die
Fig. 40. Stromschi.isoen des Coppknamk (1)         ,
und uk.. Cottua (2... „;.„          Bildung ebenfalls vor.
Die Querverbindungen der Stromschlingen mussen die Versandung der
ursprünglichen Krümmungen und somit die Bildung untiefer Wasser und MorSste
befördern, und vielleicht gehören zu diesen die beckenartigen Erweiterungen,
welche Voltz von Aruarua\') und Wayombo als Pirotó\'s anführt und die nach
1) Oleichbedeutend mit Arrawarra auf der Karte von Rosevelt. Voltz sagt, dass der Name
„Aruarua" in der Sprache der Arowakken der „biegungsreiche" Kreek bedeute.
-ocr page 199-
177
ihm durch geringen Strom ausgezeichnet sind.J) Sie dürften den bekannten sichel-
förmigen Altwassern des Mississippi und anderer Ströme zu vergleichen sein und
offenbar ist auch „Indianenpul", oberhalb Finisanti an der Saramacca, zu den Alt-
wassern zn zalilen.
Veranderungen des Flusslaufes kommen indessen auch im oberen Stromab-
schnitte vielfach vor, und wenngleich die Schlingen nicht in demselben Maasse
sich hier entwickeln kunnen, so erfolgt doch die Bildung von Insein im Oberlaufe
haufig nach denselben Principien, sobald die alluvialen Ablagerungen an irgend
einem Orte eine bedeutendere horizontale Ausdehnung erfahren haben. Das nie-
drige Uferland, welches sich als Terrasse über den Strom der Trockenzeit erhebt,
wird dann zur Regenzeit zerschnitten, und es entstehen Wasserlaufe, welchc nur
durch ihre Beschrankung auf das Inundationsbett sich von den Windungen der
Ebene unterscheiden. Nicht selten zieht sich auch neben dem Hauptstrome ein
zur Trockenzeit leerer Graben hin, welcher durch einen nur wenige Meter breiten
alluvialen Wall von jenem geschieden ist. Nahe dem Ufer im Flusse stehende
Baumstümpfe beweisen ferner, dass kleine Veranderungen des Laufes überhaupt nicht
ungewöhnlich sein kunnen, und fallende Biiume, die nach Unterwaschung des Ufers
gewaltige Mengen von Erdreich mit sich fortreissen — nicht selten sieht man
bedeutende senkrechte Abstürze, die so entstanden sind — dürften ebenfalls eine
erhebliche Bolle dabei spielen.
Es Hess sich von vornherein erwarten, dass die hohen, alluvialen Ufer so
wenig wie die starken Windungen des Laufes auf das Gebiet des Surinam be-
schrankt seien, und die Mittheilungen von Voltz erweisen auch, dass die Erschei-
nung in Niederlandisch-Guiana allgemein verbreitet ist. Dieselben Verhiiltnisse
finden wir ferner in Britisch-Guiana,2) und überhaupt mussen sie, wie bekannt,
1)  Rosevelt\'s Karte giebt hierüber keinen Aufschluss. Vermuthlich ist wegen der sehr weiten
Verbreitung von Morüsten im Alluvium Surinams die Erscheinung nicht weiter beachtet. Auch
kann die Kartirung derselben wegen der bestandigen Veranderung der Waggervertbeilung nur einen
vorübergehenden Werth haben.
2)  Nach Schomburgk (Roisen in Ouiana und am Orinoko, Leipzig 1841) hat der Cuyuni steile
Lehmufer, kurz bevor er in den Essequibo fiillt (pag. 43), und kommen 10—12 Fuss hohe Lehm-
und Sandwande im Unterlaufe des Essequibo vor. „Hinter ihncn zieht sich gewöhnlich ein natür-
licher Orabcn hin, der durch die zurückweichenden Gewüsser nach den jahrlichen Ueberschwem-
mungen gebildet ist" (pag. 47). Kurz unterhalb des Rupununi, des linken Xebenflusses des Essequibo,
sind die Ufer des Letzteren „12—15 Fuss hoch, von einem weissen Thon" (pag. 66). Die Ufer
des Rupununi „bestehen aus einem gelblichen Thon mit Sand". Diese Ufer „sind steil, gegen 16
Fuss hoch, und die horizontalen Streifen von Sand und Schlamm zeigen den verschiedenen Was-
serstand nach den UeberBchwemmungen deutlich an" (pag. 68). Oberhalb Tomatai, in der Nahe
-ocr page 200-
178
überall wiederkehren, wo bei nicht zu starkem Gefölle gewaltige Schlammassen
mit Hilfo oft auftretender Ueberschwemmungen im Flusslaufe ab- und umgelagert
weiden kunnen. Tropische Gegenden mit normaler Rcgenzoit erfüllen aber allge-
mein diese Bedingungen, abgesehen vom Relief des Landes, und stimmt auch
das Letztere mit den von Surinam geschilderten Verhaltnissen in den Hauptzügen
überein , so begegnen wir auch denselben Uferterrassen und denselben Stromschlin*
gen. Grossartig ist ihre Entwicklung am Amazonenstrom \') und, um von anderen
Erdtheilon iihnliche Bildungen anzuführen, so berichtet bereits Horner von Borneo,
dass der Baritu von „einer Art Uf\'erdeieh" begrenzt werde, welcher durch Anschwem-
mungen gebildet sei,2) dass zahlreiche Querverbindungen von Krümmungen in
seinem Laufe vorkommen, welche hier ArUassati\'s oder TirussatCs genannt werden,
dass viele Meere durch Yerstopfung der Antassans gebildet werden u. s. w. Nach
giitigen Mittheilungen meines Freundes J. Büttikofer, des bekannten Erforschers
Liberias, wiederholen sich an der Westküste von Afrika abermals genau diesel-
ben Verhiiltnisse, und leicht liesse sich die allgemeine Verbreitung der erwiihnten
Erscheinungen in regenreichen, tropischen Gegenden noch weiter verfolgen; doch
moge es an diesem Ürte genügen, darauf hingewiesen zu baben.
Auszug aus den Briefen von Voltz.
Im Folgenden habe ich versucht Alles Dasjenige zusammenzustellen, was aus
den von Voltz an Staring gerichteten Briefen von geologischem Gesichtspunkte aus
der Insel Alavarlae „erheben sich die l\'fer (des Corantijn) von 10—12 Fuss; sie bestehen aus
einer Thonart" (pag. 179). — Vgl. femer Brown u. Sawkins, speciell pag. 172 ff. — Mappa Lake
am Berbiee und das Meer am Kimbiakreeke, rechten Zufluss des erwiihnten Stromes, sowie iihnliche
andere Wasser von Britisch-Guiana gehören wohl auch zu den Seebildungen der oben behandelten Art.
1)  Sieh Brown, On the ancient river-deposit of the Amazon (Quart. Journ. Geolog. Soc. London
1879. Vol. 35. pag. 763.) — Derby nimmt freilich an, dass das untere Stromthal des Amazonas ein
Aestuarium gewesen sei, in welches die jetzigen Nebenflüsse als selbstündige Flüsse einmündeten,
und dass nach Hebung des Aestuariums diese Letzteren zu tributüren Gewiissern herabgesunken
seien. Die Canule der Deltas der einstmaligen Nebenflüsse seien zu sogenannten „Furos" geworden,
d. h. zu Verbindungscaniilen zwischen verschiedenen ZuflUssen des Amazonas; wahrend „die Caniile
des schlammigen Grundes des Aestuariums" zu sogenannten „Paranamirins" wurden, d. h. zu
Canalen, welche zu demsclben Flusse zurückkehren, von dem sie ausg. hen. (O. A. Derby, Physik.
Geogr. u. Geolog. Brasiliens — Mitthlgn. d-. geogr. Ges. zu Jena V. 1887. pag. 18). Diese Annahme
Derby\'s entbehrt genügender Begründung und ist überhaupt überflüssig, da Brown\'s DarBtellung
die Canalbildung völlig erkltirt.
2)  Verslag van een geol. onderzoek v. h. Z.O. gedeelte van Borneo. 1837 (Verhandelgn. v. h.
Bataviaasch Genootschap, XVII) pag. 93, ff.
-ocr page 201-
179
Interesse verdient, ausgenommen einige, bei den Muschelbanken mitgetheilte
Einzelheiten. Ich habe das Material so gesichtet, daas es bei einer spiiteren Bear-
beitung der Voltz\'schen Sammlung, übersichtlich gruppirt, ohne Mühe benutzt wer-
den kann. Dazu war es nöthig die ursprüngliche Anordnung, wie sie sich inden
Briefen findet, vielfach zuverlassen, da Zusammengehöriges aus leicht ersichtlichen
Gründen von Voltz mehrfach an verschiedenen Orten behandelt wird. Aus gleichcn
Gründen führe ich den Schreiber nicht immer selbst sprechend ein; zumal die
umfangreichen Briefe neben geologischen Beobachtungen viele Mittheilungen über
persönliche Erlebnisse, Vegetation etc. enthalteu, wodurch der Faden oftmals
unterbrochen ist. Zusatze habe ich nur dort gemacht, wo es der Deutlichkeit
wegen erforderlich war, vor allem zur Fixirung der Lokalitaten; denn da Voltz
die Hosevelt\'sche Karte noch nicht benutzen konnte, so bedarf es nicht selten eines
sehr ausführlichen Studiums seiner Schriftstücke zur Orientirung, eines Studiums,
welches durch die verblassten, auf dünnem Mailpapier geschriebenen Buchstaben
nicht wenig erschwert wird. Indessen hoffe ich auf diese Weise von den Forschun*
gen des verdienten Reisenden bewahrt zu haben, was noch zu bewahren möglich war.
Meine eigenen Zusatze sind in eckigen Klammern beigefügt; dabei bedeutet
S. die Karte von Sijpestijn, welche auch Voltz benutzte, K. diejenige von Cateau
v. Rosevelt, worauf die Orte1) naher zu vergleichen sind. Wo Voltz selbst spricht,
sind Anführungszeichen beigefügt, bei veranderter Wiedergabe seiner Mittheilun-
gen fehlen dieselben. Alle so angebrachten Veranderungen beziehen sich indessen
lediglich auf Gruppirung der beobachteten Thatsachen, enthalten somit niclits Frag-
liches. Ich folge stets dem Laufe des Flusses von der Mündung ab nach aufwiirts.
a. Beobachtungen am Moroni.
(Brief vom l <•» Mai 1855).
An der Mündung des Wanekreeks ist das hollandische Ufer „ziemlich hoch
und an einigen Stellen ist es selbst stets über dem hóchsten Wasserstande ge-
legen. Es besteht aus einem gelben, thonigsandigen Boden mit vielem braunen
Eiseuocker. Oefters treten Bünke von weissem Clay darunter hervor, und darüber
zieht sich langs des Flusses cine Lage Sand von derselben Beschaffenheit wie der
in seinem Bette selbst, von einer Dicke von wenigen Zollen bis zu 2—3 Fuss und
von geringer Breite. An einigen Stellen ist sie unterbrochen. An dem unmittelbaren
Ufer, wo abwechselnd durch Ebbe und Fluth Trockene und Nasse herrscht, ist der
Flussand an einzelnen Stellen zu festen, geschichteten Conglomeraten von geringer
Ausdehnung durch Eisenoxydhydrat verkittet."
1) Die Orte, welche in erster Linie zur Orientirung dienen kunnen , sind cursiv gedruckt.
-ocr page 202-
180
Weiter flussaufwiirts steht am französischen Ufer „Granit von grobem Korne
mit weissem Feldspathe" an [dieser Punkt muss ein wenig südlich von den Arouabo
Insein
, kaum unterhalb St. Laurent, gelegen sein. R.], und eine Viertelstunde
oberhalb dieses Punktes besteht der Boden des französischen Ufers „mehr aus den
Vervvitterungsprodukten des Granits als der des hollandischen Ufers, welcher zum
grössten Theile aus Grünsteinzersetzung hervorgegangen zu sein scheint." Auf
diesem Boden liegt auch Alhina [R.; nicht S.]. „Die 20 Minuten entfernten Hügel
[bei Albina. Es sind wohl die westlich gelegenen gemeint. Vergl. R.] bestellen aus
einem dichten, iiusserst feinen Grünstein und aus Granit. Beide sind zum Theil
zersetzt."
Die Insel Orinabo [Oranobo R.] ein wenig oberhalb Albina besteht wieder aus
Granit, welcher von „einer dicken Schicht lehmigen Bodens" überlagert wird. Die-
selbe Felsart steht weiter oberhalb am hollandischen Ufer an [etwa gegenüber
dem Südende der grossen Insel, welche von S. als Terra Firma, von R. als Portal
bezeichnet wird] sowie im Bette des Aranduïnikreeks, an dessen linkem Ufer
Granit auch eine kleine Höhe bildet.
Oberhalb der Insel Blakarébo folgt eine Reihe kleiner Eilande, darunterIri-
baribatu
[R.], zwischen denen Granitfelsen in grosser Zahl, namentlich am hol-
landischen Ufer, gelegen sind. Daselbst am französischen Ufer auch Quarzfels neben
Granit. Die Quarzite treten öfters in grossen Felsen auf, so auch etwas unterhalb
Kuitara [mit Guidala R. identisch], und scheinen Günge zu bilden; Erzspuren waren
indessen in ihnen nicht wahrzunehmen. Bei der Inselgruppe Kuitara [Guidala] andert
sich die Formation [R. verzeichnet hier „Felsen von Granit und Gneiss mit Gra-
naten"] und ander hollandischen Seite bildet der Asekedakanakreek [AschendaganaR.;
bei S. Uruwaruwa genannt, wie auch Voltz bemerkt. Nicht mit dem weiter ober-
halb mündenden Aruwarwa zu verwechseln.] die südliche Grenze des Granitterrito-
riums, dessen Hügel im Wesentlichen "NV—O streichen.
Die geognostische Beschaffenheit beider Ufer ist in allen Hauptzügen die
gleiche. Stellenweise steht in dem Granitgebiete ein weisser Thon an, wie er auch
am Coppename, Nickerie und Corantijn vorkommt und welcher von den Negern
der Para gegessen wird. Quarzgerölle sind im Maroni, besonders an der
rechten Seite, schr zahlreich, wahrend alle anderen Flüsse Surinams arm an
Geröllen sind.
„Am südlichen Ende der letzten Insel, der vorhin erwahnten Gruppe von Kui-
tara [Guidala] steht ein aus Glimmerschiefer bestehender Fels au dem Ufer zu
Tage. Er ist in einzelne Schichten abgetheilt, die fast senkrecht und in rechtem
Winkel gegen die Richtung des Flusses einfallen. Sie sind reich an Quarzadern,
-ocr page 203-
181
welche stets parallel mit den SchichtungsHiiehen laufen. Der Glimmer ist schwarz
und das Ganze hat eine dunkelgraue Farbe. Als zufiillige Gemengtheile orscheinen
Granaten darin, welche meist von dunkelbrauner Farbe, oft aber auch mehr golb-
lich bis röthlich gefiirbt sind und gewöhnlich die Krystallform des Rhombendode-
kaëders, bisweilen in Verbindung mit dem Ikositetraëder zeigen. Einige von denen,
die ich fand, waren sehr schön ausgebildct und linsengross."
„Ausser an dieser Stelle findet man das Gestein auch auf der dritten, grosseren
Insel der Kuitaragruppe und auf dem hollandischen Ufer, dieser gerade gegenüber.
Auf jener ist es mehr in zersetztem Zustandeund zeigt es noch ein anderes Mineral,
welches ich noch nicht bestimmen konnte und welches viel an Epidot erinnert. An
dem hollandischen Ufer ist es von ahnlieher Beschaffenheit als auf der zweiten
Insel Kuitara, aber man bemerkt hier eine Erscheinung, welche von grossem In-
teresse ist. Es scheint namlich ein allmahliger Uobergang des Glimmerschiefers in
Grünstein stattzufinden. Je weiter sich namlich das Gestein vom Wasser entfernt,
um so geringer wird der Glimmergehalt, und in wenigen Fuss Abstand von dem
Wasser zeigt es den Glimmer und die glimmerschieferartige Beschaffenheit nur auf
der Oberflache, wiihrend das Innere iiusserlich ganz und gar nicht von Dioritschiefer
zu unterscheiden ist. Auch dieses dichte Gestein enthült Granaten. — Etwas ober-
halb dieser Stelle zeigen sich, nachdem man an einer kleinen, sumpfigen Insel vor-
bei ist, grosse, unregelmassig geformte und ebenso unregelmassig durch-und über
einander liegende, weisse und graue Quarzblöckc."
Der erste Hügel, welcher jetzt flussaufwiirts am hollandischen Ufer auftritt,
„besteht gi\'inzlich aus Brauneisenstein, welcher die deutlichen Spuren seiner Her-
kunft aus Grünstein an sich tragt" [dieser Punkt muss ungefiihr gegenüber der
Mündung des Siparawinikreeks gelegen sein]. Dann folgt in geringer Entfernung
[südlich] „eine Anhöhe, welche ebenfalls sehr viel Brauneisenstein hat, grüssten-
theils aber von einem graurothen Thonschiefer gebildct ist, der von da an alle
Hügel bis unmittelbar unterhalb Armina zusammensctzt [es ist wohl ein Irrthum,
dass bei R. hier Grünstein verzeichnet steht] und auch überall auf dieser Strecke
langs des französischen Ufers getroffen wird. Ebenso beobachtete ich ihn an beiden
Ufern der Siparuini (Siparawini R.) ...., dessen Lauf ich 4 Stunden weit ver-
folgte". Der Thonschiefer ist von „grauer, rother und gelber Farbe, sehrbröckc-
lig, reich an Quarzadern zwischen den Schichtungsfliichen und mit viel Braun-
eisenstein und ïhoneisenstein an dor Oberflache. Ich habe dieses Gestein noch
niemals in Surinam gesehen [es war die letzte Reisc von Voltz]. Yersteinerungen
fand ich trotz vielfacher Bemühungen keine darin. Es scheint dor Dioritbildung
anzugehören und viel Aehnlichkeit mit den Bildungen in der brasilianischen Pro-
24
-ocr page 204-
182
vinz Maranham zu haben, in welchen man in neuorer Zeit Goldlagerstatten von
grösstem Umfango entdeckte".
Ein wenig oberhalb dos Sakurakreeks steht am franziïsischen Ufer Grünstein an,
„in welchcm ein wasserhelles Feldspathmineral und ein dunkelgrünes Hornblende-
gestein deutlich zu erkennen sind. Dieselben Gesteine bilden mebrere Felsen und
Inselchen im Flusse und ziehen sich bis vor die Mündung des Kreeks Takutu,
welcher oberhalb des Aruarua [Aroewarwa R.] niündet. Hiernach folgen die Strom-
schnellen von Armina. Sie werden durch verschiedene Riffe gebildet, welche sich
in O—W Richtung dureh den Strom ziehen und aus einem eigenthümlichen
grünsteinartigen Gestein von dunkel- und hellgrauer Farbe bestehen, je nachdem
es von der Verwitterung angegriffen wurde, und grosse Aehnlichkeit mit gewissen
Gesteinen des Coppename und Suriname hat". [Armina ist der südlichste, von
Voltz erreichte Punkt am Maroni].
b. Beobachtungen am Surinam.
(Brief vom 1\'cn October 1853.)
Den Fluss aufwarts fahrend trifft man zuerst bei Worsteling Jakobs Granit
an, „der zum grössten Theile an der Oberflache verwittert ist, und da der Feldspath
als Thon hinweggeführt wurde, sich als ein feiner Sand von scharfkantigem
Korne, mit Glimmerblattchen untcnnischt, darstellt". — »Auf dein rechten Ufer
trifft man dieses Verwitteruugsprodukt des Granits etwas früher, niimlich an der
sogenannten Judensavanne." Bei Gelderland wurde ein kleiner Bohrversuch ge-
macht, ohne dass in eincr ïiefe von etwa 5 m festes Gestein gefunden ware,
zugleich wurden einige Beobachtungen über Erdtemperatur angestellt. „Bei sechs,
in einer Tiefe von 1 rh. Fuss angestellten Beobachtungen blieb das Thermometer
auf 81,5° F. stehen, obwohl die auf das Bohrloch scheinende Sonne eine Hitze
von 120° entwickelte. Bei 3 Fuss ïiefe zeigte das Thermometer eine merkbare
Erhöhung." Eine in der Niiho befindliche Quelle [offenbar die bekannte Quelle
der Judcnsavanne] zeigte ebenfalls eine Temperatur von 81e F, und dieselbe Tem-
peratur wurde noch bei mehreren anderen Quellen gefunden.
Bei Phaedra betindet sich eine etwa 80 rh. Fuss hohe Anhöhe, welche aus
Granit besteht; aber ein wenig oberhalb des ürtes andert sich die Formation und
tritt Grünstein am Ufer des Flusses auf, welcher sich bis zum Sarakreek hinzieht.
Als Liegendes dieses Grünsteins wird Granit angesehen „denn auf\' dem Boden der
kleinen Thaleinschnitte findet man nicht nur überall verwitterten Granit, sondern
man trifft auch festanstehonden, und Bruchstücke dieser Eelsart sind da, wo nur
-ocr page 205-
183
Grünstein als anstehender Fels getroffen wird, keine Seltenheit". — „Dieeinzel-
nen Grünstein", resp. Diabas-Hügel sind gewöhnlich nur einigo hundert Schritte
von einander entfernt. Der Diabas ist auf seiner Oberfliiche vollstündig verwittcrt"
und hat dadurch u. a. eine grosse Menge von Brauneisensteinknollen gebildet.
„Sie sind sehr schwer und scheinen viel Eisen zu enthalten".
Zwischen Morea und Bergendaal befindet sich im Flusse eine kleine Insel,
welche „von einem Glimmerschiefer gebildet wird, der eine Menge kleiner Gra-
naten enthalt und in welchem sich Anzeichen eines Erzganges befinden". [Es ist
Tafro gemeint.J
An der östlichen Seite des Blauen Ben/s hat man früher einen Versuchsbau
auf edle Metalle betrieben, offenbar auf unzuliingliche Anzeichcn hin. „Ieh fand
in einem feldspathigen Gestein, vvelches am Fuss des Berges ansteht, Spuren von
Kupfer- und Eisenkies". — „In der Niihe des Negerdorfes daselbst durchsetzt ein
kolossaler Quarzgang den Grünstein".
Das Hauptgestein an der Sarakreek ist Granit, doch kommen hin und wieder
auch noch einzelne Grünsteindurchbrüche vor. Ueberraschend war mir die Menge
Braunstein, welche in dem das unmittelbare Ufer bildenden Lehme lag".
Am Arusnbanja-Fulle durchsetzt eine Anzahl kleiner Grünsteingange den Granit.
[Es ist dies der südlichste Punkt am Surinam, über den eine Notiz von Voltz
vorliegt. Er erreichte Gansee, wurde aber dort von den Buschnegern in fürmlicher
Gefangen8chaft gehalten und endlich gezwungen wieder umzukehren.]
c. Beobachtungen am Coppename.
(Brief vom 20t™ Ai\'Rii. 1855.)
Im oberen Abschnitte des letzten, rechten Nebenflusses, welchen der Coppe-
name aufnimmt, des Cusewijne, tritt mehrmals Granit auf; im Bette dos Tibiti,
des aufwarts mündenden, rechten Nebenflusses, steht neben Granit auch Grünstein
an, und zwar oberhalb der von ihm durchströmten Savanne.
Ein wenig oberhalb der Mündung des Tibiti steht bei De goede Hoop am
Coppename weisser und rother Letten an, der ein 5—6 Fuss hohes, steiles Ufer
bildet und welcher an der Mündung des Stromes bei Batavia in wenigen Fussen
Tiefe als Liegendes des Alluviums, des graucn Clays, gefunden wurde.
An der zweiten, schlingenförmigen Krümmung des Coppename [dort wo R.
Tweede doorsnede verzeichnet] „ist das Ufer auf dem ganzen seitherigeu Laufe am
höchsten". Es steht ctwa 25 Fuss über das Wasser seukrecht hervor und wird
„von weissem Thon mit rothem und gelbem Ocker und mit gelbem Lehm darüber"
gebildet. Ein wenig oberhalb besteht das rechte Ufer aus rothem Thon.
-ocr page 206-
184
„Nachdem der Fluss hier noch zwei kurze Biegungen gemacht hat, bemerkt
mau die ersten Felsen in seinem Bette. Es ist Granit" [dieser Punkt muss nahe
der Mündung des Amerikakreeks gelegen sein. Vgl. R.J. Von Gude Hoop bis
hieher reicht also die „Savannen- und Thonformation". Ein wenig oberhalb folgt
dann in seinem Bette „eine bedeutende Partie Grünsteinfelsen" am rechten Ufer
[nach der Beschreibung etwa in der Gegend des Netikreeks]; dann stehen aufwarts
„granitische Felsen aus dem Wasser, welche grosse, tafelförmige Blöcke von
Gneuss darstellen, die durch eine zahllose Menge von oft mehr als einen Zoll
langen Feldspathkrystallen, ganz ahnlich den bekannten böhmischen, ein eigenthüm-
liches Ansehen bekomtnen. Der Feldspath ist violet gefiirbt". Die Felsen nehmen
eine Strecke von etwa V2 Stunde Lange im Flusse ein. „Am Ende derselben be-
findet sich ein kleines, aus Grünstein bestehendes Inselchec". [Der Beschreibung
nach muss die geschilderte Gneisspartie sich in der Gegend des Dee- und Kwari-
kreeks
befinden.] Das genannte Inselchen ist Leguanen Eiland. „An beiden Ufern
sind hier Grünsteinhügel bis mehr als 200\' Höhe".
Die ersten Felsen, welche folgen, sind Gianitblöcke von ungeheurem Umfange.
Sie erfüllen das ganze Bett des Flusses; nur eine kleine Grünsteinpartie zeigte
sich dazwischen. Dann folgen stromaufwarts gegen 100\' hohe, aus verwitterten
Grünsteinen gebildete Hügel, welche das Ufer einfassen. Die genannte Felsart
nimmt „von da an in unziihligen Varietaten, die man, einzein betrachtet, gar
nicht mehr als Grünstein sollte gelten lassen, den ganzen von mir durchtahrenen
Raum von sicherlich mehr als einen Breitengrad bis an die grossen Wasserfalle
ein." Grünstein bildet auch die erste Stromschnelle, welche durch einen W—O
streichenden Damm des genanntcn Gesteins verursacht wird. Weiter aufwarts
folgen „kleine Wasserfalle von etwa 2\' Höhe", welche von einem „vereinzeltauf-
tretenden Gneuss" gebildet werden, „vor dem der Flussand zu einem ziernlich
festen Conglomerate durch Eisenoxydhydrat verkittet ist". [Die Orte lassen sich
nicht genau mehr fixiren, doch kann der Gneiss, wenn man dem Gange des
Briefes folgt, wohl kaurn an einer anderen Stelle als im 2\' hohen Manakoafall
anstehen].
„Der Fluss hat nun eine langere Strecke hindurch wenig Felsen, aber desto
mehr Sand in seinem Bette". Endlich folgt „schiefriger Grünstein; ahnlich dem,
welchen ich von den Gujava Eilanden im Suriname gesandt habe" [es sindoffen-
bar mit Guave bewachsene Insein gemeint; Kujawa Eiland ist bei S. unterhalb
der Mündung dos Sarakreeks verzeichnet]. Dann zahlreiche Insein und Felsen,
zwischen denen viele Sandbanke gelegen sind; Bruchstücke von Quarz und Granit
im Flussbette. In dieser Gegend liegt auch eine aus Grünstein gebildete Insel [es
-ocr page 207-
185
kann nur Makambo sein]; die Ufer des Flusses sind hoch [ebenfalls auf der Karte
von R. verzeichnet].
Weiter aufwarts folgen Stromschnellen, welche durch Granit und Grünstein
veranlasst werden [es können nur diejenigen sein, welche sich zwischen ltoozen- und
Vischkreek befinden, wie sich aus den von Voltz stets angegebenen Richtungs-
anderungen des Flusses schliessen lsisst]. Etwas weiter südlich kam plötzlich ein
nur wenige Stunden entferntes Gebirge zu Gesicht „aus welchem ein Berg von
ansehnlicher Höhe und von der Gestalt eines in 2/3 der Höhe abgestumpften Kegels
hervorragte. Er mag wohl 800—1000\' hoch sein [Voltz schiitzt entfernte Gebirge
meist zu hoch]. Das Ganze war mit Wald bewachsen, aber auf der Nordwestseite
dieses Berges gliinzte uns eine ansehnliche, weisse Eliiche enrgegen, welche die
Indianer wohl mit Recht für eine Savanne hielten. [Der Punkt, von dem aus
Voltz das Gebirge sah, muss in der Nahe der Mündung des Jabakreeks gelegen
sein. R. verzeichnet den Berg und die Gesichtslinie ebenfalls]. Hier bildet ein
durchsetzender Grünsteingang bedeutende Stromschnellen.
Am südlichen Ende einer „wohl mehr als \'/a Stunde langen Insel", welche
den Fluss in zwei Canule theilt [es kann nur Fungu Eiland sein] beginnt ein
Felsenmeer von ungeheuren Granitblöcken. Dann folgen Wasserfiille, welche nicht
überschritten werden konnten. Sie werden sammtlich von Granit gebildet.
[Die Falie wurden von Voltz, der sie zuerst gesehen, alle mit besonderen
Namen belegt, die leiderspater nicht beibehalten sind. Es sind diejenigen, welche
auf Rosevelt\'s Karte als Raleigh\'s Wasserfiille verzeichnet stenen. Die Schilderung
von Voltz erinnert durchaus an das Gebiet des oberen Surinam; aber die Raleigh-
falle scheinen nicht passirbar zu sein, denn auch Rosevelt\'s Karte endigt hier.]
d. Beobachtungen am Nickerie und an der Wayombo.
(Briefe vom 18ten Jam ak und 20\'en Aprii. 1855.)
In der Gegend des Tapuribakreeks [Tapoeripa oder Tapoeromonipo R.] steht
am Ufer des Nickerie Lehm an, wahrend landeinwarts die bekannte Savan-
nenbildung (verwitterter Granit) folgt. Die thonigen Ufer des Flusses sind
hier 6\' hoch. Auch an dem in einer grossen Savanne entspringenden Arkonikreek
„setzt rother und weisser Thon die Gegend zusammcn; hin und wieder liegt
weisser Savannensand darauf". Gelber Lehmboden bildet die „allzeit wenigstens
4—5 Fuss über den höchsten Wasserstand" hervorragenden Ufer des Aruarua-
kreeks [Arrawarra R.], welcher Nickerie und Wayombo mit einander verbindet.
[Voltz fuhr die Wayombo bis zur Quelle aufwarts, wahrend in die Karte
-ocr page 208-
186
von R. der Oberlauf dieses Flusses noch nicht eingetragen ist. Ich schalte die
Beobachtungen, welche die Wayombo betreffen, hier ein, um nachher zum
Nickcrie zurückzukehren].
,Vom rechten Ufer lier mündet in die meist N-Richtung verfolgende Wayombo
die Kreek Saramassa. [Es ist der erste von Voltz beim Auffahren der oberen
Wayombo genannte Nebenfluss]. — Das Land erhebt sich hinter dem unmittelbaren
Ufer zu 30—40\' iiber den Flusspiegel. — Es bestand aus dem bekannten, weissen
Granitsande der Savannen. — Die unmittelbaren Ufer blieben [weiter aufwarts]
fortwiihrend niedrig, aber die zahlreichen Kreeken und die weit fort über die
Vegetation der Ufer hinragonden Baume des Innern bewiesen uns, dass das Land
dort höher ist. — Etwa eine Stunde oberhalb der Saramassa mündet vom linken
Ufer hor die Takotu, welche die Verbindung mit der Arinickreek und dadurch
mit dem Xickerie herstellen soll. Ihro Mündung ist etwa 40\' breit." Jetzt erschei-
nen öfters sogenannte Pirotó\'s, wie sie auch in der Arrawarra auftreten. (Es sind
das beckenartige, durch geringen Strom und grossen Fischreichthum ausgezeich-
nete Erweiterungen des Flussbettes), wiihrond der Lauf des Flusses O—W wird.—
„Nachdem die Wayombo eine sehr grosse Anzahl Kreeke aufgenommen und man
ein kleines Inselchen passirt ist, theilt sie sich in zwei Arme, von denen der von
dem rechten Ufer kommende Copiaicuru bei den Indianern heisst." Jetzt verengert
sich die unter vielen Krümmungen von S herkommende Wayombo bis auf 20
Schritte und bald darauf ist ihr Ende erreicht. Die Quelle kommt aus Schichten
eines durch Eisenoxydhydrat verbundenen Conglomerates, welches vielfach in
Surinam und unter anderen an der Para angetroffen wird, zum Vorscheine, am
Saume einer Savanne.
[Voltz kehrte zuriick und fuhr jetzt die untere Wayombo abwarts, nach Osten.
Hier kann ich mich wieder auf die Karte von R. beziehen].
An der uitteren Wayombo, so unter anderen in der Gegend des Perekokreeks,
steht wieder gelblicher und röthlicher Thon und Lehm an. — „Das Terrain blieb
an den folgenden ïagen, wiihrend welcher wir die Wayombo hinabfuhren, ganz
dasselbe. — Ausser rothem und gelbern Thon und Lehm bemerkte ich auch jenen
weissen," der bei Oreala vorkommt.
Die Thone sind Zersetzungsprodukte des Granits. Organische Reste fehlen
in ihnen ganz, so dass ihr Alter nicht bestimmt werden kann. Die Gebilde haben
in Surinam eine sehr weite Verbreitung und es stellt sich heraus: „dass die
Alluvionen des Oceans vorall in dem östlichen Suriname auf ein kaum zwei Stun-
den breites Band zusammensinken."
[Das Folgende bezieht sich wiederum auf das Gebiet des Nickerié].
-ocr page 209-
187
Oberhalb des Zonnevischkreek und unterhalb der ersten Felsen im Flusse [dort
wo R. verzeichnet „Botsen", nicht zu verwechseln mit dem Punkte weiter abwiirts,
wo „Rots" am rechten Ufer steht] sind die Ufer ungefiihr 30\' hoch „und bestehen
aus demselben weissen Thon wie die des Corantijn bei Oreala. Ich erfuhr bei dieser
Gelegenheit, dass die Arowakken diesen Thon Aureala nennen." — „Auch die
Sandsteine vom Corantijn, von denen Schomburgk irrthümlicher Weise glaubte,
dass sie vielleicht der Steinkohlenformation angehörten, fand ich hier wieder, und
meine frühere Ansicht, dass sie ganz jugendliche Gebilde und Verwitterungspro-
dukte des Granit seien, fand neue Bestiitigung."
Ein wenig aufwarts wird der Fluss von Granit quer durchsetzt; es sind dies
die ersten Felsen im ganzen Flussbette. Es folgt dann noch eine ganze Reihe von
Felsen, die alle aus derselben Gesteinsart bestehen und verschiedene Stromschnel-
len bilden.
Die Granitfelsen sind in den Stromschnellen mit Lach fluviatilis bewachsen
[= Mourera fluviatilis; ganz wie im Surinam]; sie theilen im Vereine mit kleinen
Insein den Strom hier in viele Arme und ziehen sich mehrero Stunden lang durch
den Fluss fort. „Der Fluss hat meist SW-Richtung und hohe Ufer. Der Boden langs
desselben ist aus Granit- und Grüusteinverwitterungsprodukten zusammengesetzt."
Jetzt theilt sich der Fluss in zwei Arme, der aus SWkommende soll Masonia,
der kleinere, aus SO kommende Arm Nickerie heissen. Alle darum befragten Indi-
aner stimmten bezüglich der letzteren Benennung in ihren Aussagen überein. [Die
Karte Rosevelt\'s endigt hier und die Arme sind nicht mehr benannt. Ten Kate,
welcher den Nickerie spiiter bereiste und noch weiter aufwarts drang, theilte mir
mit, dass der grössere südwestliche Arm Nickerie, der andere Fallawatrakreek
heisse. Da von hier an alle Karten fehlen, so liisst sich die Reise von Voltz nicht
genau weiter verfolgen].
Wenige Schritte von der Mündung der Fallawatra (d. i. „fallendes Wasser")
aufwarts in diesem Nebenflusse „stürzt sich das Wasser über einen etwa 5\' hohen
Granitdamm," welcher O—W streicht. — „Der ganze Fluss [Fallawatra] ist, soweit
ich ihn an diesem und dem folgenden Tage verfolgen konnte, voll Granit- und
Grünsteinfelsen". — Weitor oberhalb bilden Granit und Grünstein wieder einen
kleinen Wasserfall.
[Von hier kehrte Voltz zur Mündung der Fallawatra zurück und fuhr nun den
Nickerie, nach ihm „Masonia", aufwarts.].
„Feinkörnige Granite mit ziemlich starkem Magneteisengehalte" ziehen sich
mehrere Stunden lang den Nickerie flussaufwarts im Bette hin. „Die Ufer sind
hoch und bestehen unmittelbcir am Flusse aus weissem , grauem und gelbem Thon."
-ocr page 210-
188
Jetzt folgt im Bette eine Streeke von etwa 6 Stunden, welche frei von Felsen ist;
in ihrer Mitte mündet von rechts ein bedeutender Kreek, dessen Mündung reich
an Mokko-Mokko war [Ten Kate vermuthet, dass er Mokkomokkokreek genannt
wird]. Darauf steht wieder Granit an „von kugeligem und schaligem Ansehn. Diese
Felsen hielten nun an, soweit ich den Fluss hinauffuhr. Sie bilden alsbald Strom-
schnellen, die eigentlieh kleine Wasserfalle von V2—2\' Höhe darstellen und bei
denen das Wasser von 3 oder 4 Granitterrassen herabfallt." Unter den Graniten
kommen wollsackiihnliche Blöcke in grosser Zahl vor; ein ungeheures Felsen-
meer, Stromschnellen und AYasserfalle verhinderten endlich das weitere Vorgeben,
da eine genügende Mannschaft für den Transport des Fahrzeugs fehlte und Ietzteres
selbst bereits beschadigt war. [Diese Gegend ist seit Voltz noch von Keinem wieder
betreten].
Allgemeines Uber Surinam.
Vcbersicht der Beobachtungen am Flusse Surinam.
Die iiltesten Schichten, welche im Bette des Surinam zu Tage treten, gehören
der archaeischen Formatioxsgruppe an; sie bestehen aus Quarziten, Quarzit-
schiefern, quarzreichen Glimmerschiefern, worunter ein itacolumitahnlicher Musco-
vitschiefer, ferner Granatbiotitschiefer, Chloritschiefer, Amphiboliten, Hornblende-
gneiss, Gneiss und verschiedenen zersetzten, schiefrigen Gesteinen, deren ursprüng-
liche Zusammensetzung noch nicht mit genügender Sicherheit erkannt werden konnte.
Alle diese Gesteine bilden nur die widerstandsfühigeren Reste eines Schichtensy-
stems, dessen leichter zerstörbare Glieder im Flussbette nicht mehr erhalten sind,
80 dass sein petrographischer Charakter nur unvollstandig bekannt wurde. Es
liefern aber die angeführten Gesteine genügende Handhaben, um die betreffende
Schichtenreihe ins obere Niveau der archaeischen Formationsgruppe zu verweisen
und sie als huronisch zu bezeichnen.
Die Stellung der Schichten ist überall eine steile; meist stehen sie anniihernd
oder völlig vertikal, und ihr Streichen ist mit wenigen Ausnahmen nahezu W—O.
Sie treten im Flussbette von der Judensavanne ab bis aufwarts zum Diëtifall auf,
anfangs sehr vereinzelt, dann in zunehmender Zahl als Barrièren, je mehr man
sich dem Oberlaufe des Stromes nahert, je weniger also die einschneidende Tha-
tigkeit des letzteren wirksam sein konnte. Der von der Schichtenreihe eingenommene
Raum, senkrecht zum Streichen gemessen, betriigt etwa 52000 m, und diese Aus-
-ocr page 211-
189
dehnung in Verband rait der steilen Aufrichtung liisst auf cin System zusammen-
gequetschter Falten schliessen, wenngleich eine Wiederkehr derselben Formations-
glieder in dem untersuchten Gebiete niclit wahrgenommen wurde. Die Schwierig-
keit und Unvollstiindigkeit der Beobachtung crkliiron dies zur Genüge.
Als die nüchst jüngere Formation sind die namentlich am oberen Surinam herr-
schenden Biotitgranite zu betrachten. Schon der Umstand, dass oberhalb des Diëti-
falls die Schieferformation fehlt, liefert den Beweis, dass die Granite des Innern nicht
etwa als Lagergranite innerhalb der erwahnten archaeischen Sedimente zu deuten
sind, trotz des lokalen Auftretens ciner, namentlich in Handstücken bisweilen sehr
ausgesprochenen, gneissartigen Struktur. Die oben mitgethcilten Einzelbeobach-
tungen erharten dies noch weiter und zeigen ferner, dass auch jeder Grund für
die Annahme fehlt, als könne das von mir als Granit angeführte, massige Gebirgs-
glied dem unteren Niveau des Urgebirges angehören.
Es würde kaum nothwendig erscheinen, dies hier besonders hervorzuheben,
wenn nicht die Darstellung, welche Yélain vom geognostischen Baue des Surinam-
bettes gegeben hat, so völlig von der meinigen abwiche. Yélain1) nümlich kartirt
von einem etwa an der Mündung des Siparipabokreeks gelegenen Punktc bis
flussaufwiirts fast zu den Quellen des Surinam grauen Gneiss, nur in der Gegend
von Gansee „granulite a mica noir," also einen Granit im Sinne deutscher For-
scher. Worauf sich diese Angaben stützen, erhellt aber aus keinem Worte der
betreffenden Publikation, und dass sie für den Stromabschnitt untcrhalb der Ein-
mündung des Sarakreeks werthlos sind, ergiebt sich sofort aus dem, was ich oben
in meinen Einzelbeobachtungen über diesen Landstrich mittheilte. Deswegen wird
es auch unnöthig, Vélain\'s Darstellung, die lediglich Phantasie ist, für den oberen
Lauf des Surinam (das Granitgebiet) im Einzelnen zu widcrlcgen.
Ich betrachte die Biotitgranite als eine aus den krystallinischen Schiefern
hervorgetretene Eruptivmasse, welche sich deckenartig über die Schichtenköpfe der
archaeischen Formation ausgebreitet hat, die innerhalb der huroniscben Ablage-
rungen gelegene Granitmasse von Koffiekamp demnach als einen machtigen Gang,
an den sich der porphyrisch erstarrte Granit ein wenig oberhalb im Flusse natur-
gemass als schmalerer Gang p.nschliesst. Doch möchte ich hier nicht die einzigen
Ausbruchstellen des Magmas suchen, denn andere Eruptionspunkte könncn inner-
halb des Granitgebietes liegen, an Ortcn wo durchgreifendo Lagerung unmöglich
zu beobachten ist. Selbstredend lassen sich hierüber nur Vermuthungen anstellen; doch
dürfte es gerechtfertigt sein dieselben auszusprechen, wenn sie lediglich als solcho
1) Esquisso géologique do la Guyanc Fran^aise (Buil. de la Soc. do Qéogr. 1886. Paris).
25
-ocr page 212-
190
hingestellt werden, urn zur weiteren Untersuehung des Gegenstandes anzuregen:
Der bedeutendste Facies-Unterschied wird im Gebiete des Biotitgranits auf
der Strecke von Kapua bis Toledo wahrgenommen; hier ist der Reichthum an
Schlieren und die damit gepaarte Bildung von Spaltungsgesteinen am grössten,
und kein anderer Stromabschnitt lasst sich mit dem genannten in dieser Beziehung
vergleichen. Die widerstandsfahigen, hornblendereichen Gesteine gaben den Anlass
zur Entstehung der bedeutenden Wasserfalle dieser Gegend und sie sind es ver-
muthlich auch, welche den Fluss von seiner N—S Richtung abgelenkt haben,
denn irgend ein anderer, tektonischer Grund lasst sich für die Aenderung des
Laufes in W—O nicht auffinden. Dass sich das Flussbett zwischen Kapua und
Toledo allmiihlig nach Norden vorschob und in die hornblendereichen Gesteine
einschnitt, welche ursprünglich die Ablenkung hervorriefen, erscheint dabei nicht
befremdlich. Ist aber diese Aufïassung richtig, so ergiebt sich daraus, dass die an
basischen Schlieren reichste, durch Fluktuationsstruktur ausgezeichnete Partie des
Biotitgranits W—O streicht, in Uebereinstimmung mit dein Hauptstreichen der
archaeischen Formation, welche von dein Eruptivgesteine durchsetzt wurde. Letz-
teres könnte langs den Schichtungstliichen des Grundgebirges emporgedrungen sein
und die durch einen so auffallenden Facies-Unterschied ausgezeichnete Partie der
Granitmasse die Nahe einer Eruptionsstelle andeuten, um welche sich der zuletzt
ausgetretone, basische Eruptionsbrei angehauft hat. Der Reichthum an Hornblende
in dem als Gang aufgefassten Granite von Koffiekamp macht die Annahme noch
wahrscheinlicher; es bedarf aber dieselbe sehr der weiteren Bestatigung, und be-
sonders ist es wünschenswerth, zuniichst zu erfahren , ob die Richtungsanderung
der Saramacca, welche etwa auf gleicher Höhe und in demselben Sinne wie am
Surinam statt hat, ebenfalls durch die Existenz hornblendereicher Schlieren daselbst
ihre Erklarung findet.
Mit der Granitmasse, welche von der Mündung des Sarakreeks aufwarts das
Flussgebiet beherrscht, sind aller Wahrscheinlichkeit nach die Biotitgranite des
unteren Surinam, zwischen Gelderland und Carolinenburg, zusammenzufassen; sie
lassen mindestens keinerlei unterscheidende Merkmale erkennen. Dagegen ist der
zweiolimmrige, rothe Granit von Phaedra von allen übrigen Granitvorkomm-
nissen am Strome so verschiedcn, dass er von ihnen gcsondert werden muss. Es
ist indessen unbekannt, wo die Grenze beider Eruptivmassen gelegen ist, und
ebensowenig ist ihr relatives Alter festgestellt; deswegen wurden die beiden Granite
in der Karte auch vorlaufig noch mit einander vereinigt.
Nach dem Biotitgranite erumpirte Diaiias, denn Giinge des letztgonannten Ge-
steins Hessen sich deutlich im Granite des oberen Surinam beobachten, und
-ocr page 213-
191
Voltz\'s Untersuchungen am unteren Flusslaufe führten ebenfalls zu der Auffassung,
dass der Diabas sich daselbst deckenartig über den Granit ausgebreitet habe.\')
Auch das Lagerungsvcrhftltniss zwisehen Diabas und Schiefer bei Bergendaal liisst
sich nur so deuten, dass das Eruptivgestein die jüngere von beiden Bildungen darstcllt
und auf den Schichtonkópfen der archaeischen Sedimente lagert. Freilich kann die
Gleichaltrigkeit sammtlicher Diabasdurchbrüche nicht erwiesen werden; sie ist
sogar im Hinblicke auf die geognostischen Verhaltnisse von\' Britisch-Guiana un-
wahrscheinlich.
Ausser den quartaren Bildungen sind jüngere als archaeische Sedimente
unter dem von mir gesammelten Materiale nur noch durch den Fund eines Kalk-
brockens mit undeutlichen Resten von Fossilien zwisehen den Geröllen von Caro-
lina angedeutet, sowie ferner durch einen kleinkörnigen, zerreiblichen, gelblichen
Sandstein und einen Thonschiefer aus der Sammlung von Voltz. Der Sandstein,
ausgezeichnet durcli kleine Aggregate von deutlich krystallisirtem Turmalin, ist
laut den Angaben des Catalogs2) von Nooitgedacht (also von Carolinenburg),
der Thonschiefer von Victoria abkünftig; aber es fehlen alle weiteren ^Iitthei-
lungen betreffs beider Vorkommnisse. Sie gewinnen nur durch den Vergleich mit
der Geologie von Englisch-Guiana eine grössere Bedeutung, wie unten naher zu
erörtern sein wird.
Die jüngsten Bildungen im Stromgebiete des Surinam sind ausgedehnte Ab-
lagerungen des Flusses und des Meeres, sowie machtige noch auf ursprüng-
licher Lagerstiitte befindliche Zersetzungsprodukte, unter denen eine dunkel-
rothe, durch Verwitterung von Diabas entstandene Erde besonders hervorzuheben
ist, da sie mit der durch ihre Fruchtbarkeit sowohl in Brasilien als auch in Englisch-
Guiana berühmten „terra roxa" übereinstimmt.3) Ausserdem sind Laterite von
Bedeutung, welche in den Waldern aus archaeischen Schiefern und aus Diabas
1)  Vgl. oben pag. 182.
2)  Die Angaben des Catalogs von Staring sind oft nur annahernd richtig; denn in Fallen wo
Voltz schrieb: „Zwisehen Lokalitiit a und b" hat Staring nicht selten nur a oder b angegeben.
Das konnte ich aus einzelnen Etiquetten von der Hand von Voltz sowie durch Vergleich meiner
eigenen Sammlungen genau erkennen. Dieser Umstand wird bei der Bearbeitung der Voltz\'schen
Sammlung zu bcrücksichtigen sein, wenn man nicht zu falschen Schlussfolgerungen kommen will.
So enthalt z. B. die Yoltz\'sche Sammlung archaeische Gesteine mit der Bezcichnung „Blauer Berg",
wahrend diese Anhöhe lediglich aus Diabas aufgebaut ist und die betreffenden Handstttcke aus
ihrer weiteren Umgebung stammen. Staring hat die vielfach mit Bleifeder und in undeutlicher,
deutscher Handschrift geschriebenen Originaletiquetten wohl nicht gut lesen kunnen, denn auch
mir wollte es nicht gelingen, alle noch erhaltenen Etiquetten von Voltz zu entziffern. Die oben
mitgetheilten Briefe erlangen hiedurch eine uin so grössere Bedeutung.
3)  Die „terra roxa" bildet sich in Brasilien ebenfalls aus Diabas (vgl. Derby 1. c. pag. 10).—
Ueber Englisch-Guiana vgl. Brown und Sawkins 1. c. pag. 17.
-ocr page 214-
192
entstehen, aus denselben Gesteinen, wclche im Strombotte durch diomehrerwahnte
dicke, schwarze Verwitterungsrinde ausgezeichnet sind, nicht aber aus Granit.
Die Oberfliiche der Granite ist vergrust; ihre Zersetzungsprodukte sind, gleich
denen der Gneisse, Sand und Kaolin.
An nützbaren Mixeralien Surinams ist zunachst das Gold zu erwahnen,
dessen reiches Vorkommen im Seifengebirge bereits behandelt wurde und welches
bis 1887 ausschliesslich als Waschgold gewonnen ist. Jetzt sollen auch reiehe
Quarzgange in Abbau genommen weiden, die in grösserer Zahl an der oberen
Saramacca, besonders am Mindrinetrikreek, aufgefunden sind, ohne dass die
Formation, in der die Günge aufsetzen, bekannt geworden ware.
Es ist nun aber unten entwickelt, dass die Gegend des Mindrinetrikreeks der
Schieferregion angehört, dass ferner die Goldseifen von Brokopondo vermuthlich
in derselben Region gelegen sind, \') und wenn man die Gegenden, welche bisher
die reichste Ausbeute an Waschgold geliefert haben, kartirt, so erkennt man,
dass sie ebenfalls innerhalb des unten als „Schiefer- und Diabasregion" abgetrennten
Landstriches sich befinden. Ich habe ferner Freigold in einem Quarzgange ge-
funden, welcher im Glimmerschiefer bei Brokopondo aufsetzt, so dass hieraus in
Uebereinstimmung mit den zuerst erwahuten Thatsachen die huronische Schie-
fer formation Surinams als diej enige betrachtet werden muss,
welche das Gold spondet.
Dass es den übrigen Gebirgsgliedern des Landes fehle, soll freilich hiemit
nicht ausgesprochen sein;2) aber der Vergleich mit Brasilien legt die Vermuthung
nahe, dass der Goldreichthum, entsprechend den bis jetzt auch in Surinam ge-
machten Erfahrungen, in der huronischen Formation jedenfalls am bedeutendsten
sei. Denn „diese Schichtengruppe stellt die grosse Mineral-Schatzkammer Brasi-
liens dar" und „fast alles aus Brasilien gewonnene Gold (Provinzen Minas Geraes,
Sao Paulo, Param!, Goyaz, Matto Grasso und Bahia) wurde aus Minen dieser
Schichtenreihe gezogen oder vorzugsweise aus Alluvionen derselben Abstammung."3)
Der allgemeine petrographische Charakter der huronischen Ablagerungen Surinams
und Brasiliens ist aber der gleiche.
Die Abgrenzung der Schieferregion muss daher als eine im Interesse der Gold-
gewinnung sehr erwünschte Arbeit bezeichnet werden, da sie bei der grossen
Unsicherheit, mit der heute noch vorgegangen wird, der erste Schritt zur syste-
matischen Ausbeute des reichen Landes sein würde. Das A.uffinden von edlen
1) Sieh auch oben pag. 153. 2) Wiihrend des Druckes gelangen die Nachrichten von den
reichen Ooldfundon an der Lawa nach Europa. Sollten die betretfenden Oegenden dem Oranitge-
biete angehüren? (Zusatz wiihrend des Druckes). 3) Derby 1. c. pag. 8, 9.
-ocr page 215-
193
Quarzgangen ware damit wesentlich erleichtert, und fremde Capitalicn, welche
nicht gerne an Goldwaschereien sich betheiligen, könnten einen grossartigcn Minen-
bau ins Leben rufen, entsprechend den ungeheuren Schatzen, die das Land un-
streitig birgt. Auch die Gewinnung des Goldes aus dem Seifengebirge würde bei
der Kenntniss der Formationsgrenzen eine bessere Basis gewinnen. lm Flussbette
dürfte das Edelmetall besonders im Stromschatten der Barrièren und Insein, welche
der Schieferregion angehören, reichlicher angetroffen werden, sowie in denjenigen
Canalon der alluvialen Ablagerungen seiner Ufer, welche durch geringere Strom-
geschwindigkeit ausgezeichnet sind, selbstredend besonders an der concaven Seite
von Krümmungen und nach Hochwasser.
Die hervorgehobene Uebereinstimmung mit Brasilien liisst vermuthen, dass
noch eine Reihe anderer nutzbarer Mineralien, von denen Bleiglanz bereits im
Alluvium von Carolina mir bekannt wurde, in der Schieferformation Surinams vor-
kommt. Vielleicht darl man auch Diamanten zu finden erwarten und besonders
Eisenerze, da der Reichthum gewisser archaeischer Sedimente von Niederliindisch-
Guiana an Eisenglanz und an Magneteisenerz auf die Gegenwart der eisenführen-
den Schichten Brasiliens, insonderheit des Itabirits, hinweist. Silber und Platin,
welche neben Gold in der Schieferformation von Französisch-Guiana vorkommen,\')
sind meines Wissens in Surinam noch nicht entdeckt; nur eine Notiz von Benoit
ist vorhanden, nach der die Indianer daselbst Nasenverzierungen trugen, welche
ihm von Silber oder von Platin zu sein schienen; die Eingeborenen theilten
Benoit mit, dass das betreffende Metall hüufig in ihrem Lande vorkomme.2) Auch
für die Gegenwart von Kohlenlagern, welche, wie oben erwahnt, früher ver-
muthet wurde, fehlt es bis jetzt an allen Anzeichen; der nördlichste Punkt, an
dem die Carbonformation nachgewiesen ist, liegt in der Amazonas-Depression, am
Unterlaufe des Stromes, östlich vom Rio Negro.3)
Dass die eisenreichen Laterite, welche im Diabas- und Schiefergebiete Suri-
nams vorkommen und hier eine so ausserordentlich grosse Verbreitung besitzen,
zur Darstellung von Eisen benutzt werden künnten, ist mir nicht im mindesten
zweifelhaft, und vielleicht sind sie berufen mit Eisenerzen der archaeischen For-
mation eine noch wichtigere Rolle für die Entwicklung der Colonie zu spielen
als das Gold. Die Sande der Savannen und der weit verbreitete Kaolin endlich
könnten für eine Glas- und Porzellan-Industrie verwerthet werden.
Der Samkreek.
Den Sarakreek, den bedeutenden rechten Nebenfluss, welcher anniihernd
1) VY\'laiii 1. c- pag. 5. 2) Benoit. Vuyage a Surinam pag. 58. 3) Derby pag. 12 und Karte.
-ocr page 216-
194
parallel einem Abschnitte des oberen Strombettes verlauft, sah ich selber nur bei
Fisjmtg und an seiner Mündung in den Hauptfluss. Es hat aber spSter mein
Reisegenossc Loth diesen Kreek bis zum Djédjêfall befahren und ihn sehr sorgfaltig
im Maasstabe 1 : 100000 kartirt, wobei gleichzeitig von den in ihm auftretenden
Klippen schone Gesteinsproben gesammelt wurden. Die Fundorte aller Handstücke
sind genau in die Karte eingetragen, welche im verkleinerten Maasstabe zur Ver-
vollstiindigung der Darstellung des Surinambettes von mir benutzt wurde und eine
wesentliche Verbesserung der Karte Rosevelt\'s bildet, denn Letzterer hatte den
Nebenfluss nicht selbst aufgenommen. Aus den Mittheilungen Loth\'s \') ergiebt sich
nun, dass die geognostischen Verhaltnisse des Sarakreeks denen des Oberlaufes
des Hauptstromes entsprechen:
Die archaeische Formation tritt ausscr bei Pisjang 2) nur noch etwas ober-
halb des Lokuskreeks, fast auf derselben Höhe mit dem Lantiston im Surinam,
auf; es kommt dort ein Amphibolit vor, dessen Schichten nach Loth\'s Mittheilung
auf dem Kopfe stehen. Graxite dagegen, mit allen wesentlichen Charakteren der
Biotitgranite des Hauptstromes, bilden auch im Sarakreeke die hemchende For-
mation; zum Theil sind sie von gneissartigcr Struktur, zum Theil reich an Am-
phibol und bisweilen enthalten sie wiederum accessorisch Augit. Ein sehr grob-
körniger Amphibolgranit, wie er mir in gleicher Ausbildung im Bette des Surinam
nicht bekannt wurde, ist von Loth im Sarakreeke genau östlich vom Arusaban-
jafalle geschlagen; ein porphyrischer Granit, identisch mit einem bei Koffiekamp
im Hauptflusse anstehenden Gesteine, von einem Punkte oberhalb Pisjang, wurde
bereits erwahnt;3) ein wenig aufwarts von dort tritt auch Diabas auf, entsprechend
dem Vorkommen dieses Eruptivgesteins im Surinam auf annahernd gleicher Breite,
in der Gegend des Arusabanja- und unterhalb des Diëtifalls. Diabas bildet nach
Handstücken der Voltz\'schen Sammlung auch die ersten Felsen, denen man beim
Auffahren des Sarakreeks am rechten Ufer begegnet, und seine bekannten Verwit-
-~._ ..—•»»                      terunarsprodukte sah ich einzeln auf den Anhöhen
Vy^-\'^\'V;TV;^-yyV,fy\'^.^\\\'fyl\'/ zwischen Pisjang und Koffiekamp. Vermuthlich han-
Jc— ~ ~^l -^- -— gen diese Diabaspartieen mit der unterhalb des Sara-
Fio. 41. HöiiEN bei Koffiekamp, kreeks im Surinam auftretenden Masse desselben
geteichnet von einem Punkte ober-
halb des Ortes, im Surinam.           Eruptivgesteins zusammen.
Die erwühnten Gesteine bilden nach Loth\'s Beobachtung in der Regel nur
unbedeutende Klippen im Sarakreeke, bei Adjanakondre flach gewölbte Buckel
1)  Auch in Uebereinstimmung mit Voltz. Vgl. oben die Briefe, pag. 183.
2)  Vgl. oben pag. 159.
8) pag. 167.
-ocr page 217-
195
von grö88erer Ausdehnung; bedeutende Gesteinspartieen folgen dann bei Braminfl-
ston
, welches ungefahr auf gleicher Breite mit den Stromschnellen von Nana liegt^
und aufwiirts besonders auch am Djédjéfall sowie eine kurze Strecke unterhaU)
desselben.
Das Surinamgebiet verglichen mit den übrigen Gegenden von
Niederlandisch\' Guiana.
Das Bett des Surinam lasst sich naturgemass in folgender Weise gliedern:
Der Unterlauf, dessen Bodenneigung nahezu gleich O ist und welcher nub
von alluvialen Ablagerungen begrcnzt wird, dehnt sich von der Mündung bis zum
früheren Posten Gelderland, an der Judensavanne, aus. Klippen fehlen ihm giinzN
lich und sein Uferland ist völlig fiaeh.
Der Mittellauf, von Gelderland bis zur Mündung des Sarakreeks, besitzt
ebenfalls noch ein sehr geringes Gefalle, so dass die oceanische Fluthwelle zur
Trockenzeit sogar bis Brokopondo aufwiirts bonierkbar wird; dann nimmt die Nei-
gung des Bodens zu, und zahlreiche Stromschnellen treten oberhalb des genanntefl
Ortes bis zum Sarakreeke auf. Die Ufer werden anfangs von einem niedrigeO
Hügellande, bei Bergendaal und weiter flussaufwörts von ansehnlicheren HöheO
begleitet; archaeische Sedimente und Diabase sind die herrschenden Formationen,
denen gegenüber Granit nur eine untergeordnete Rolle spielt. Das Bett ist in
diesetn Stromabschnitte schmal im Vergleiche zum Ober- und Unterlaufe und
besitzt nut wenige, langgestreckte Insein.
Der Oberlauf, vom Sarakreeke aufwarts, ist die Region der Wasserfalle;
in ihm herrscht Granit vor, wahrend die Schieferformation und Diabas durchaus
zurücktreten. Beichthum an ellipsoidischen Eilanden, worunter viele von bedeu-
tender Grosse zeichnet diesen Theil des Flusses aus und hat an vielen Orten eine
bedeutende Zunahme seiner Breitenausdehnung zur Folge. Zwischen diese erwei-
terten Stromabschnitte schieben sich schmiilere ein, deren Entstehung auf die
einschneidende Wirkung der rückwarts schreitenden Wasserfalle zurückzuführen ist.
Betrachtet man die Stromkarte von Surinam, so erhiilt man den Eindruck,
als ob ahnliche Verhaltnisse sich auch in den übrigen Flussbetten des Landes
abspiegelten, und in der That kehren sic daselbst in allen wesentlichen Zügen wieder,
wie sich durch Zusammenstellung der Daten herausstellt, welche über das nicht von
mir bereiste Gebiet vorliegen. Ich habe die Angaben der Voltz\'schen Briefe kartirt\')
1) Eine vollgtündige Bcarbeitung der Voltz\'gchen Sammlungen ist aus den auf png. 191 in An-
merkung 2 angefülirten OrQnden ausserst zeitraubend und konnte deswegcn noch nicht von mir
vorgonommen werden. Die Karte soll spüter publicirt werden.
-ocr page 218-
196
und durch diejenigen von Loth \') und Cateau van Rosevelt2) weiter vervollstan-
digt, wonach ich zu folgendem Ergebniss gelangte.
Granit traf Loth auf seinem Durchhau von Brokopondo in gerader Linie
zum Maroni in den Vorhügeln des Nassaugebirges, welche etwa auf gleicher Höhe
mit Sisone am Surinam liegen, an, ferner im Nassaugebirge selbst und endlich
am linken Ufer des Maroni landeinwarts, unfern der Pedrosungufalle. Rosevelt
verzeichnet dasselbe Eruptivgestein weiter nördlich im Nassaugebirge, neben Grün-
stein, und ausserdem nahe den Quellen des Stromes , nördlich vom Tumuc-Humac-
Gebirge. Loth giebt ferner an, dass der Wasserfall im Oberlaufe des Tempati,
Nebonflusses des Commewijne, welcher am nordwestlichen Abhange des Nassau-
gebirges entspringt, durch Granitfelsen gebildet werde.3) Die Ausdehnung der Granit-
formation am oberen Surinam wurde oben ausführlich besprochen, von der Saramacca
fehlen leider alle den Oberlauf betreffende Mittheilungen, am Coppename dagegen
ist durch Voltz die Granitformation an den Raleighfallen bekannt, in einer Ent-
wicklung, welche nach den Schilderungen dieses Forschers durchaus den Verhalt-
nissen des oberen Surinam entspricht. Die gewaltigen Raleighfillle sind noch niemals
überschritten; bcmerkenswerth ist, dass sie nur wenig nördlicher gelegen sind als
das Gebiet der grossen Falie des Surinam und die Pedrosungufalle des Maroni.
Weitere Mittheilungen über die geognostische Beschaffenheit des südlichsten Theiles
der Colonie liegen nicht vor; die bekannten Beobachtungen weisen aber alle auf
eine bedeutende Entwicklung der Granitformation hieselbst.
Der SchiefeR" und Diabasregion des mittleren Surinamlaufes begegnen
wir nach Voltz 4) am Maroni, von Albina an aufwarts bis Armina. Granit tritt auf
dieser Strecke in etwas bedeutenderer Entwicklung auf als im entsprechenden
Stromabschnitte des Surinam, doch thut dies aus naheliegenden Gründen dem
Vergleiche keinen Abbruch. Aus dem Gebiete zwischen Maroni und Surinam be-
sitzen wir wiederum Mittheilungen von Loth, welcher sich von Foto am Tempati-
kreek in gerader Linie nach einem Punkte am Surinam, nur wenig unterhalb
der Mündung des Cederkreeks, durchkappte. Derselbe sah ausser alluvialen Bil-
dungen nur Eisenerze auf den Höhen, über die sein Weg führte, keinen Granit,
1)  Sieh die Quellen oben, pag. 145.
2)  Sie sind in die Karte Rosevelt\'s eingetragen.
3)  Aardrijk8kdg. Genootschap. IV, pag. 253.
4)  Es ist hiebei und weiter unten die gewiss berechtigto Annahme gemacht, dass die „Grfin-
steine" von Voltz in erster Linie 7.u den Diabasen gehören, dass aber auch archaeische Amphi-
bolite und chloritreiclie, archaeische Schiefer von Voltz als „Grünstein" bezeichnet wurden. Die
Briefe, im Verbande mit den Sammlungen und mit meinen eigenen Beobachtungen am Surinam,
begründen dicse Annahme hinreichend. Deswegen könnon die Schiefer und Diabase auch nicht
gesondort behandelt werdon.
-ocr page 219-
197
und bemerkt ausdrücklich, dass die geognostische Beschaffenheit zwischen dem Suri-
nam und dem passirten Oberlaufe des Commewijne mit derjenigen der Höben von
Brokopondo übereinstimme.\') Letztere besuchte ich selbst mit Loth; es sind die oben
beschriebenen,2) von Latent bedeckten Gipfel, welche aller Wahrscheinlichkeit
nach der Diabasformation angehören. Zwischen Surinam und Saramacca, auf
einem Durchhaue von Brokopondo in gerader Linie nach den Awara-Inseln, sah
Loth abermals dieselben alluvialen Bildungen und Laterite, letztere sowohl auf
den Anhöhen im Westen von Brokopondo als auf denen, welche wenig östlich von
genannten Eilanden in der Saramacca gelegen sind. Granit fehlte auch hier.
Weiter nördlich dagegen, zwischen dem oberen Abschnitte des Mindrinetri- und
demjenigcn des Maréchalkreeks, NebenHüssen der Saramacca und des Surinam,
sind die Höhen aus Quarzit und Schiefer aufgebaut und stellen sic langgestreckte,
schmale Rücken, welche oft Gehiinge von 48D Neigung besitzen, dar.3) Von
Maabo, wo die erste Anhöhe am Ufer der Saramacca sich befindet, erhielt ich
wieder durch Benjamins einen Laterit, welcher im Verbande mit der Form der
niedrigen Kuppe daselbst auf das Vorkommen von Diabas schliessen liisst.
Im Oberlaufe des Tibiti, des bedeutenden, rechten Xebenflusses des Coppename,
tritt nach Voltz Grünstein etwa auf gleicher Breite mit Saunetje Eiland im Surinam
auf, auf der W—O gerichteten Flusstrecke, und abermals bcgegnet man dieser
Formation nach demselben Forscher im Coppename auf gleicher Breite. Von hier
ab bildet Grünstein bis hinauf zum Fungakreeke, ein wenig unterhalb der Raleigh-
falle, durchaus das herrschende Gestein, wahrend archaeische Sedimente4) dieselbe
Rolle wie im Surinam zu spielen scheinen und Granit hier wie im mittleren Surinam-
bette durchaus zurücktritt. Ueberhaupt zeigt das Bett dos Coppename vom Columbus-
kreek aufwiirts die grösstmögliche Analogie zum betretfenden Theile des Surinamlaufes.
Auch im Oberlaufe des Nickerie steht nach Voltz Grünstein an, doch hat Granit
hier eino bedeutendere Entwicklung, so dass diese Gegcnd etwa derjenigen von
Albina am Maroni zu vergleichen ist; an der Maratakka, dem ansehnlichen, linken
Nebenflusse des Nickerie, fehlt anstehender Fels überhaupt ganz; ihre Ufer sind
nach Rosé velt aus Sand und Lehm gebildet. Dann begegnet man dem Grünsteine
(Diabas) nahe der westlichen Grenze der Colonie wiederum an den Avanoverofallen im
Cabalaba, .Nebenflusse des Corantijn. Dieser Partie des Eruptivgesteins schliessen
sich ferner die Diabase an, welche in der britischen Colonie am linken Ufer des
Corantijn vom Matappiekreek aufwarts bekannt sind.
1) 1. c. pag. 254.          2) pag. 153.          3) Loth, Aardrijkskdg. Genootschap V, pag. 16.
4) Abgesehen von den Grünsteinen, welche zum Theil hiezu gehören mogen, so namentlicb
der „schiefrige Grünstein" (vgl. oben pag. 184).
26
-ocr page 220-
198
Alle Beobachtungen weisen darauf hin, dass die Region der Diabase und
archaeischen Gesteine nördlich vom Granitmassive des Innern einen breiten, von
West nach Ost durch Surinam sich hinziehenden Landstrich bildet, welcher
am Maroni dem Meere genahert ist und sich nach Westen zu mehr und mehr
von der Kuste landeinwarts zurückzieht. Man könnte geneigt sein, hienach auf
eine Gleichaltrigkeit der Sedimente und des Eruptivgesteins zu schliessen, im
Gegensatze zu der oben gemachten Annahme des jüngeren Ursprungs des Diabases.
Aber es ist zu beachten, dass letzterer auch innerhalb des Granitmassivs auftritt
und keineswegs auf die Region der Schieferformation beschriinkt ist, wahrend der
Durchbruch des Eruptivgesteins dort am leichtesten stattfinden konnte, wo die
archaeischen Gesteine nicht von Granit überlagert waren und sich also natur-
gemüss die Linien des geringsten Widerstandes finden mussten.
Entsprechend dem Verlaufe der Xordgrenze der Schiefer- und Diabasregion
nimmt der von alluviaxen Bildungen eingenommene Landstrich in der Richtung
von O nach W bedeutend an Breite zu. Am linken Ufer des Maroni betragt dieselbe
nur 26 km, gemessen von der Nordgrenze der Granithügel bei Albina bis zum
Leuchtfeuer bei Galibi; am Surinam 63 km, gemessen von den Granithügeln bei
Gelderland in gerader Linie nach N an die Kuste; an der Saramacca 79 km, ge-
messen vom Hügel bei Maiibo in gerader Richtung nach N an die Kuste. Am
Coppename dehnt sich das Alluvium noch etwas weiter nach S aus, doch ist der
direkte Abstand des anstehenden Gebirges von der Kuste geringer in Folge der
nach W gerichteten Ausmündung des Stromes; er betragt nur 70 km, gemessen
von den ersten Granitfelsen oberhalb Columbuskreek nach N zu. Die ersten Gra-
nitfelsen am oberen Nickerie befinden sich wiederum 85 km in geradem Abstande
vom Meere, und an der Maratakka dehnt sich das Alluvium noch weiter nach S aus,
da in ihr anstehende Felsen überhaupt nicht vorkommen. Es ist dies im Einklange
damit, dass in Britisch-Guiana die Quartürformation bis zum Matappiekreeke am
Corantijn sich ausdehnt, fast bis zu dersclben Breite, in der die Quellen der
Maratakka sich befinden.
Innerhalb dieses breiten, alluvialen Landstriches fehlen kleinere Hügel an-
stehenden Gesteins nicht güuzlich, doch erlangen dieselben nur eine ausserst
geringe Bedeutung. Einige derartige Höhen wurden oben bereits von Topibó und
Portorico, unfern des Surinams, erwahnt. Verwitterungsprodukte des Grünsteins
finden sich nach Voltz auch noch am Wanekreek, unfern der Wasserscheide
zwischen Cottica und Maroni, nahe dem Ningre, ferner anf den Hügeln von
Mungo an der oberen Cottica, von wo ich Laterit auch durch Benjamins erhielt\') und
1) Ciesammclt von Ten Kate auf seiner Reise zur PatamacCa.
-ocr page 221-
199
endlich sogar an der Mündung des Combukreeks, oberhalb Landswelvaren ander
Cottica. Einzelne Granitpartieen treten nach Voltz auch im Cusewijne, letzten
rechten Nebenflusse des Coppename, auf; dieselben dürften in der Höhe der
Savannen, durch die der Cusewijne fliesst, gelegen sein, doch ist der Ort des
Vorkommens nicht genau bekannt.
Die alluvialen Bildungen , innerhalb deren Grenzen die letzterwahnten, verein-
zelten Partieen anstehenden Gesteins noch vorkommen, sind indessen keineswegs
aequivalent; wir haben unter ihnen die Savannen, die Ablagerungen der Flüsse
und die Anschvvemmungen des Meeres zu unterscheiden, deren gegenseitige Abtren-
nung bis jetzt aber nur in ganz allgemeinen Zügen stattfinden kann.
Das hügelige Savannengebiet , welches sich der Nordgrenze der oben be-
schriebenen Schiefer- und Diabasregion vorlagert und gleich letzterer durch ganz Suri-
nam erstreckt, ist durch Verwitterung der Granite entstanden, die neben den Diabasen
überall in den unteren Flusslaufen vorkommen. Zwischen ihnen. und besonders see-
warts, dehnen sich die Abschwemmungsprodukte der verwitterten Granithügel aus,
gelber Lehm sowie weisser und rother Thon, welche mit den bereits behandelten,
alluvialen Bildungen hauptsachlich die den Savannen nordwarts sich anschliessende
Niederung formen. Die Thone sind namentlich am Coppename bekannt, von Gude
Hoop aufwarts, ferner an der "Wayombo sowie am Nickerie, in der Gegend des
Tapuriba- und Arkoniekreeks und weiter flussaufwarts, ausserdem nahe der Mün-
dung des Maroni und am Wanekreek, endlich an der Cottica, westlich von Jericho.
Ablagerungen des Meeres setzen den nördlichsten Theil von Surinam langs
der Kuste zusammen, wahrscheinlich vielfach mit unregelmassiger Begrenzung
zwischen diejenigen der Flüsse eingreifend und sich mit ihnen verquickend. Beson-
derer Erwahnung verdienen unter ihnen nur noch die gehobenen Muschelbanke.
Gehobene Muschelbanke.
Gehobene Uferwalle sind unter dem Namen von „zand- en schulpritsen" in
der Colonie wohlbekannt. Es sind niedrige, oft durch Moraste geschiedene und des-
wegen durch eine eigene Vegetation charakterisirte Kücken, welche bald aus Sand
bald aus Muschelresten bestehen und in letzterem Falie nicht selten Banke von sehr
fest verkitteten Breccien darstellen, wie sie unter anderem auch am linken Ufer des
Surinam gegenüber dem „Gouvernementsplein" in Paramaribo bei Niedrigwasser
zu Tage stehen. In den Muschelbreccien sind die Gehause der Mollusken oft wohl
erhalten, in anderen Fallen als Steinkerne überliefert, sehr oft zerbrochen, und
die Menge des sie verbindenden Cementes ist ebenfalls grossem Wechsel unter-
-ocr page 222-
200
worfen. Aus der Oranjestraat von Paramaribo — die Stadt liegt zum Theil auf
den in Rede stehenden Bildungen ]), welche sieh hier etwa 3 m über Niedrigwas-
ser erheben — erhielt ich eine lockere Breccie mit reichliehem, erdigem Kalk-
cemente, welche Gesteinen aus jungen Korallenbauten sehr ahnlich sieht. Auch
zerreibliche, aus kleinen Schalenfragmenten gebildete und zu feinem Muschelsand
zerfallende Gesteine kommen in den Uferwallen vor; in anderen Fallen stellen
dieselben wieder lockere Schichten dar, welche in ungemein grosser Zahl unver-
sehrte Gehause von Conchylien enthalten, ganz übereinstimmend mit den oben
beschriebenen Muschelbanken der Eilande, so unter anderem am Judenkirchhofe
bei Paramaribo.
Nach Voltz betragt die Machtigkeit der Muschelbanke selten mehr als 12
Fuss2) und sind sie „theils von Sand oder Thon bedeckt, theils bilden sie die
Stellvertreter für diese", wie denn auch an der heutigen Kuste von Surinam
Muschelbanke und Muschelsande mit Sand und Thonschichten abwechseln. s) Die
genannten Thone, von blaugrauer Farbe,4) bilden im Uebrigen den Küstenstrich
dort, wo die Sand und Muschelschichten fehlen; sie enthalten ebenfalls hin und
wieder organische Reste, die Voltz als identisck mit denjenigen der „Schulp-
ritsen" erkannte. Letzterer sprach auch bereits die Ansicht aus, dass sammtliche
Reste Arten angehören dürften, welche noch an der benachbarten Kuste leben,
und die Untersuchung der reichen Sammlung von Voltz hat diese Annahme nur
bestatigen können. Ich lasse hier die Liste der aufgefundenen Conchylien folgen,
über die bereits an anderem Orte von Schepman ausführlicher geschrieben worden
ist.6) Ausser ihnen kommt noch eine einzelne Echinidenart, wie es scheint nicht
selten, in den Ablagerungen von Groningen vor:
Purpura Floridana Conr.....
Purpura coronata Lam.....
Pyrula (Cassidulus) melongena Lin.
Pyrula (Pugilina) morio Lin. . .
Nassa Antillarum d\'Orb.....
Marginella prunum Gmel. . . .
Dolium Antillarum Mörch. . . .
A. P.  G. C.
. . P.  G. C.
........N.
A. P.  . . C.
A . .  G. C.
A. P.  G. C. N.
. . .  G.
1)  Vgl. Band I, pag. 6.
2)  Bonaparte giebt als grösste Dicke 4 m an. (1 c. pag. 6).
3)  Zwischen Coronie und Nickeriepunt auf der Karte von Sijpestijn angegeben.
4)  Dieselben Thone san ich mit dem Senkblei uufern der Kuste Surinams emporgezogen werden.
5)  M. M. Schepman. Bijdrage tot de kennis der Mollusken-Fauna van de Schelpritsen van 8uri-
name. (Sammlgn. des (Jeol. Ueichs-Museuma in Leiden. Sur. II. Band 1. pag. 150.)
-ocr page 223-
201
Ranella crassa Dillw......
Natica pennata Schröter ....
Natica maroccana Chemn. . . .
Litorina columellaris d\'Orb. . . .
Doryssa devians Brot......
Bulimu8 distortus Chemn.....
Melampus coffea Lin......
Auricula pellucens Menke ....
Pholas costata Lin.......
Pholas campechiensis Gmel. . . .
Tagelus caribaeus Lam.....
Mactra Portoricensis Shuttleworth. .
Mactra (Spisuia) tellinoides Reeve .
Tellina constricta Brug.....
Tellina punicea Bom......
Donax striatus Lin.......
Donax denticulatus Lin.....
Iphigenia Brasiliensis Lam. . . .
Venus Portesiana d\'Orb.....
Venus cardioides Lam......
Cryptogramma flexuosa Lin. . .
Cytherea (Tivela) mactroides Bom.
PCyrena ordinaria Prime.....
Cyrena sp..........
Cardium muricatum Lin.....
Arca Americana Gray.....
Arca Brasiliana Lam......
Arca Chemnitzii Phil......
Arca Martinii Recl.......
Pecten Sowerbyi Rve......
Ostrea parasitica Gmel.....
Anomia Humphreysiana Rve. . .
PTeredo sp..........
Arbacia punctulata Lamk. . . .
A. P.
A. P.
A. P.
A . .
M.
G.
G.
G.
C. N.
M.
M.
G.
N.
A.
A.
A.
A.
P. G. C. N.
G. C.
A.
A. P.
A. P.
. . P.
G
G
N.
N.
A.
A.
P.
G. C. N.
G. C. N.M.(?)
P.
P.
G.
N.
M.
. . .    G.
A. P.  G.
A. P.  G.
. . P.  G.
A. P.  G.
A. P.  G.
A. P.  G.
A. P.  G.
A. P.  G.
A.
. . . . G.
C. N.
. . N.
. . N.
Die beigefügten Buchstaben bedeu ten die Fundorte, und zwar: P = Juden-
kirchhof bei Paramaribo, G = Groningen an der Saramacca, A = Anna Catharina
am Matappica-Canale, C = Coronie, N — Nickerie, M = Maroni.
-ocr page 224-
20\'2
Dass wir in den gehobenen Muschelbiinkcn Bildungen einer kaum verflossenen,
nachtertiiiren Zeit zu sehen haben, geht aus der angeführten Liste ohne Zweifel
hervor; im Einklange damit steht das Aeussere der Gehiiuse in den lockeren Abla-
gerungen, deren Couchylien zum Theil noch ziemlich frische Farben aufweisen,
und vor allen Dingen auch eine interessante Mittheilung von Voltz, nach der man in
den Schulpritson von Paramaribo am Wege nach Quatta Bruchstücke indianischer
Töpferwaren gefunden hat. *)
Ueber die Verbreitung der Muschelbünke enthiilt die Rosevelt\'sche Karte
interessante Angaben; soweit das meincr Arbeit beigefügte Blatt reicht, sind
sie auch in dieses eingetragen und kann ich demnach zum Theil darauf\'verweisen.
Weiter üstlich erstreckon sich die Schulpristen nördlich von der Cottica bis zum
Koopmanskreek, südlich von der Cottica treten sie unweit des linken Ufers der in
sie mündenden Perica auf; endlich folgen noch weiter nach Osten gehobene
Muschelbanke in einem Landstriche, welcher sich zwischen der Mündung des
Maroni und Tamarin an der Cottica ausdehnt.
Im Westen von Paramaribo ist die Gegend, welche sich von Groningen an
der Saramacca bis zum Cusewjjne, Nebenflusse des Coppenamc, erstreckt, reich an
Muschelablagerungen, ferner das niedrige Land zwischen dem Kalebasskreek,
welcher südlich von Batavia in den Coppename fiiesst, und dem von links her in
den Cusewjjne mündenden Arapappakrsek. Noch weiter nach "Westen fehlen die
Schulpritsen in der liosevelt\'schen Darstellung; doch ist dies vermuthlich nur
deswegen der Pall, weil dieser Theil der Colonie wenigbebaut und so nur unvoll-
kommen bekannt ist. Nach den Voltz\'schen Sammlungen mussen Muschelbanke
unter anderem bei Xickerie und Coronie vorkommen.
Bosonderer Erwithnung verdient noch eine Mittheilung dieses Forschers, der-
zufolge Schichten mit recenten Conchyjien, identisch mit solchen aus den Schulp-
ritsen, auch bei Onoribo 2) am Paradurchstiche vorkommen, der südlichste und am
weitesten landeinwarts gelegene Punkt, an dem sie bis jetzt beobachtet wurden.
1)  Auch in den Uforwallen von Buenos Aires kommen Topfscherben vor. (Heusser u. Claraz.
Essais p. s. a une descript. phys-géogn. de la province argentine de Buenos Aires; Neue Denkschr.
d. Schweiz. Ges. f. Naturw. Zürich 1865, pag. 136).
2)  Voltz schreibt in seinem Briefe Ornamibo, aber der Zusatz „am Paradurchstich" lasstkeinen
Zweifel darüber aufkommen, dass Onoribo gemeint ist, da erstgenannter Ort an der Mündung
der Para liegt. In einem anderen Briefe spricht Voltz auch davon, dass Muschelbiinke noch „bei
7 geogr. Meilen geradem Abstando vom Meere gefunden werden." Für Ornamibo ist dieser Abstand
zu gross; freilich auch noch für Onoribo (es sind 5 Meilen in gerader Kichtung), ltisst sich hier
aber schon eher annehmen, besonders mit Rücksicht auf die aus den Briofen ersichtliche Thatsache,
dass die Abstünde durch Voltz in der Regel zu gross angegeben werden.
-ocr page 225-
203
Iii der Rosevelt\'schen Karte sind diese Bildungen nicht verzeichnet, so wenig wie
der HügeJ von anstehendeni Gestein in ihrer Niihe bei Topibó, und wer die
Schwierigkeit der Beobachtung in Surinam nur einigermaassen zu beurtheilen ver-
mag wird dies nicht befremdlich finden. Ich möchte aber aus gleichem Grunde
annehmen, dass gehobene Uferwalle in dom alluvialen Landstriche eine weit
grössere Verbreitung besitzen, als bis jetzt bekannt ist.
lm Grossen und Ganzen verlaufen in Surinam die Schulpritsen stets parallel
der Kuste, wenngleich unbedeutende Abweichungen von dieser Hauptrichtung vor-
kommen, welche hie und da untcr geringem Winkel divergirende und gelegentlich
sich verbindende Ufcrwiille entstelien lassen. Dieser Verlauf ist von grossem Ein-
flusse auf die Richtung mehrerer Ströme gewesen, denn letztere wurde beim Ansatz
neuen Landes durch die vom Meere aufgeworfenen Schulpritsen bestimmt. Unter
der Einwirkung der herrschenden Strömung fand ein Losreiasen des Ufers an der
linken Seite der Mündung statt, indem das hier abgelagerte Alluvium weiter nach
Westen, der Kuste entlang, transportirt wurde, mitsammt dem neu vom Flusse
angebrachten Materiale. Der Process hat noch stets statt und lasst sich aus der
Verbreitung der Sand- und Schlammbiinke direkt ablesen. Gleichzeitig aber bauten
sich, in der Richtung von O nach W fortschreitend, die Uferwalle an der Kuste
auf und bildeten allmahlig einen die Mündung nach N hin begrcnzenden Strand,
so dass der Fluss nahe dem Meere seinen Lauf in O—W veranderte. Daher die
anfangs so auffallende Thatsaclie, dass eine Reihe ansehnlicher Flüsse und Neben-
flüsse in ihrem Unterlaufe dem Meeresstrande ganz odor annühernd parallel gerichtet
ist (so der Nickerie, die Saramacca, der Cusewijne, die Cottica und der Commewijne),
statt direkt dem Oceane zuzufliessen. Besonders Cottica und Saramacca zeigen dies
in ausgepragter "Weise. Ihr Bett ist ursprünglich nicht in die alluvialen Ablage-
rungen eingeschnitten, sondern durch die aufbauendo ThStigkeit des Meeres fest-
gelegt, bei seinem Entstehen an der jedesmaligen Mündung nur ein abgeschnittener
Theil desselben. Durch neue Anschwemmungen und geringe Hebung des Bodens
entfernten sich dann die einmal gebildeten Flussbetten weiter vom Ocean. Die
Strandverschiebung war indessen unbedeutend, da sogar an der Para die Muschel-
banke nach Voltz nur 6 m über dem Meeresspiegel gelegen sind, wahrend sie sich
in der Regel nicht mehr als 3 m über ihn erheben.
-ocr page 226-
204
Surinams Beziehnngen zu den
Nachbarlandern.
Der Vergleich der geognostischen Verhaltnisse Surinams mit denjenigen der
benachbarten Gebiete ist mit grossen Schwierigkeiten verbunden, da die verwend-
baren Beobachtungen allerseits lückenhaft sind. Besonders gilt letzteres für Fran-
zösisch-Guiana; denn hier liegen nur die Publikationen Vélain\'s\') vor, die schon
aus oben angeführten Grimden2) nicht sehr vertrauenerweckend erscheinen. Sie
werden es noch minder, wenn man seine Beschreibung des Grenzflusses der nie-
derlündischen und französischen Colonie mit den Mittheilungen der Voltz\'&chen
Briefe vergleicht,3) denu es ergiebt sich dabei, dass Vélain mit den im Unterlaufe
entwickelten Bildungen ziemlich unbekannt blieb.
Die geologische Beschaffenheit von Französisch-Guiana ist nach diesem For-
scher sehr einfach: Der Küstenstrich wird von alluvialen Bildungen eingenommen.
„Au dela, a 1\'exception d\'une bande étroite de quartzites et de schistes ferrugi-
neux, limitée dans Ie cours supérieur du Maroni a une étcndue de 15 11 20 kilo-
mètres, les terres hautes, qui commencent avec les premiers rapides des rivières
et s\'élèvent ensuite par gradins successifs jusqu\'aux Tumuc-Humac, se montrent
uniformément constituées par une série puissante de gneiss et de micaschistes, que
de nombreuses éruptions de roches granitoïdes diverses (granites, granulites, diori-
tes), en les traversant, ont profondément modifiées a leur contact." 4)
Es ist mir aber nach dem Studium der petrographischen Beschreibungen
Vélain\'s nicht im mindesten zweifelhaft, dass seine Granite mit den Biotitgraniten
Surinams übereinstimmen und dass zu ihnen auch die als Granulite 6) und Diorite
bezeichneten Felsarten gehören, sowie die Mehrzahl seiner Gneisse. Dass Vélain
daneben archaeische Gesteine untersucht hat, soll nicht bestritten werden, aber es
ist nicht möglich, sie auf Grund der Publikation alle genau von den gneissartigen
Graniten, die auch zum Theil als „gneiss granitoïde" angeführt werden, zu
scheiden. Der Umstand, dass wirklich archaeische Gesteine in Französich-Guiana
vorkommen und dass ferner ein Theil der Spaltungsgesteine des Granitmassivs
1)  Ausser der bereits citirten Arbeit, welche hier am belangreichsten ist, sind noch zu verglei-
chen: Notes géologiques sur la Haute-Guyane d\'après les explorations du Dr. Crevaux (Buil. Soc.
Géol. de France, 3 série, t. VII,pag.388,1879 und daselbst t. IX, pag. 396 1881).
2)  pag. 189.
3)  pag. 179.
4)  1. c. pag. 3.
5)  lm Sinne französischer Geologen.
-ocr page 227-
205
diesen zugerechnet wurde, war aber wohl noch nicht genügond, urn den Gneiss
ala das herrsehendo Gcbinrssrlied in dor französischen Colonie hinzustellen. Dazu
gesellte sich noch einc irrthümlicho Auffassung der terrassenartig gebauten Fluss-
betten, die Französich-Guiana durchaus mit Surinam theilt, das Abwechseln von
klippenfreien Stromabschnitten, welche durch ruhiges Wasser ausgezeichnet sind,
mit Barrièren und dadurch hervorgerufenen Stromschnellen und Wassertallen.
Vélain, welcher das Land nicht aus eigener Anschauung kennt, nimmt an, es
seien die klippenfreien Strecken als Folgo dor leichteren Zerstörung der archaeischen
Schichten gegenüber den Eruptivgesteinen entstanden, welche letztere vermöge
ihrer grosseren Widerstandsfiihigkeit die Banieren bildeten. \') Ware die Auffas-
sung richtig, so katne den archaeischen Gesteinen selbstredend eine sehr grosse
Verbreitung zu; aber sie entspricht durchaus nicht der Wirkliehkeit, wie aus den
Beobachtungen in Surinam sich ergiebt, Beobachtungen, die bei der grossen
Uebereinstimmung in den Reliefverhaltnissen beider Liinder gewiss ohne Bedenken
auf Französisch-Guiana übertragen werden dürfen.
Die Irrthümer Vélain\'s erklaren sich leicht dadurch, dass die geologischen
Beobachtungen von Crevaux, dossen grosse Verdienste auf anderem Gebiete hie-
mit nicht verringert werden sollen, ausserordentlich dürftig waren, trotz der
gegentheiligen Behauptung Vélain\'s. Das geht namentlich aus der letzten Publi-
kation, die fast nur eine petrographische Studie ist, deutlich hervor, und wenn
auch der Fundort jedes zur Untersuchung gelangten Gesteines genau fixirt war,
so genügte das noch nicht, urn die zahlreichen Facies-Untorschiede der Granit-
masse im Studirzimmer zu erkennen.
Neben archaeischen Gesteinen, welche in Französisch-Guiana in gleich gerin-
ger Entwicklung wie in Surinam auftreton dürften, fehlen dort auch Grünsteine
nicht, wie aus Voltz\'s Untersuchungen am Maroni hervorgeht. In den übrigen
Theilen der Colonie können sie von Crevaux so gut wie am genannten Strome
übersehen sein. Granitbiotite mit zahlreichen Facies-Unterschieden herrschen aber
vor allen anderen Forraationen vor, so dass sich für dies Eruptivgestein ent-
sprechend dem aus Surinam bekannten Vorkommen eine weite Ausdehnung nach
O und S ergiebt. Auch in den nördlichsten Theilen der französischen Colonie sind,
abermals entsprechend den aus Hollandiseh-Guiana mitgetheilten Beobachtungen,
die Granite noch nachgewiesen, denn Vélain verzeichnet das Gestein in isolirten
Partieen, welche rings von Alluvium umgeben sind, langs der Kuste bis in die
Nahe von Cayenne.
1) 1. o. pag. 4.
27
-ocr page 228-
206
In Britisch-Güiana tritt die allgemeinc TJebereinstimmung des geognosti-
schen I3aus mit dcmjenigen Surinams ia vielen gemeinsamen Zügen schon bei
Betrachtung der von Brown entworfenen Karte hervor, dem Ergebnisse jahre-
langer Untersuehungen von Brown und Sawkins. lm Besonderen wird aber ein
Vergleich beider Liinder recht erschwert; denn trotz der zahlreichen, werthvollen
Ein/.elheiten, welche die umfangreiche Arbeit der genannten Forscher über die
britische Colonie onthult, fehlt es doch an einer durchgeistigten Zusammenfassung
der Hanptresultate, wahrend die petrographischen Beschreibungen zu unvollstiindig
sind, als dass ein Dritter ohne eine solche Zusammenfassung zum völlig richtigen
Verstiindnisse des geologischen Baus dos Landes gclangen könnte. In der kurzen
gcognostischen Uborsicht werden von Brown und Sawkins folgeude Gebirgsglieder
unterschieden:
1.   Grmüt und Sijenit werden als die iilteste Formation hingestellt, aber gleich-
zeitig wird hervorgehoben, dass Giinge von Granit den Gneiss und sogar den weit
jiingeren Sandstein durchsetzen. Der Granit ist reich an verschiedenen Varietaten,
welche durch abweichende Struktur und Zus.ammensetzung entstehen. Syenit spielt
nur eine unbedeutende Rolle.
2.   Quarzporphyr und Felsit. Beide Gesteine geboren zusammen und an vielen
Orten liisst sich der Uebergang des Ersteren in Granit verfolgen.
3.   Gneiss. Das Gestein tritt in runden Buckeln auf und ist oft granitisch,
hiiufiger jedoch wirklicher Gneiss „with extremely contorted foliation". Seine
Schichtung ist sehr undeutlich und konnte nur an Einem Punkte deutlich er-
kannt werden.
4.  Krystallinische Schiefer. Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, Talkschiefer
Chloritschiefer, Quarzschiefer, mit eingelagerten Quarziten und Quarzgangen.
5.   Grünstein, übcrlagert deckenartig den Granit und wechsellagert mit Sand-
stein, kommt ausserdein in Gangen vor, welche den Gneiss, Granit, Quarzpor-
phyr und Sandstein durchsetzen. Er besteht aus Feldspath und Hornblende, wird
aber von Brown und Sawkins trotzdem als Diorit und Diabas, zum ïheil als
Diabasmandelstein, bezeichnet.
(3. Sandstein, dem der Grünstein éingeschaltet ist. Die Gesammtmachtigkeit
beider betriigt ungefahr 7000 engl. Fuss. Der Sandstein befindet sich in nahezu
schwebender Lage, ist versteinerungsleer, wird aber für aequivalent dem ,new
red sandstone" angesehen. Seine Farbung ist roth und weiss; Conglomerate und
dunne Schichten von rothem Jaspis treten in ihm auf, letztere bisweilen in
grosser Zahl.
7. Alluvium. Ablagerungen der Flüsse und des Meeres.
-ocr page 229-
207
Aus der Anfiihrung der Einzelbeobachtungen scheint hervorzugehen, dass be
weitem die Hauptmasse der Granite zu den Biotitgraniten gehort; daneben
kommt aber einzeln auch zweiglimmriger Oranit vor.]) Die Spaltungsgesteine des
Biotitgranits sind dieselben wie in Surinam, denn als solohe werden angeführt
„a kind of syenite", welcher in Hornblendosehiefer und Diorit übergeht;2) auch
den zugerundeten, concentrischschaligen Buckeln begegnet man wieder in Englisch-
Guiana. Es gehort aber ferner unstreitig ein Theil der als Gneisse angeführten
Gesteine auch noch zum Granit, denn die als „contorted foliation" bezeichnete
Erscheinung stimmt in allen Einzelheiten mit Schlieren der Biotitgranite am
oberen Surinam überein, wie aus der Abbildung und Beschreibung im speciellen
Theile der Arbeit hervorgeht.3) Rechnet man hinzu, dass diese Struktur als all-
gemeiner verbreitet angegeben wird und dass die Gneisse nach Brown und Saw-
kins selbst oft granitisch sind, dass sic ferner ebenfalls in runden Buckeln gleich
den Graniten auftreten und dass endlich die Schichtung schr undeutlich genannt
wird, so ist es wohl kaum noch zweifelhaft, dass die weitaus grösste Masse der
als Gne 88 angeführten Gesteine zum Granit gezogen werden muss. Die That-
sache, dass die Quarzporphyro haufig den Uebergang in Granit nach Brown und
Sawkins erkennen lassen, scheint die Vereinigung auch dieses Gebirgsgliedes mit
dem Granite zu rechtfertigen.
Eine scharfe Scheidung der so abgetrennten Granitformation von der wirklich
nachgewiesenen, archaeischen Schichtenreihe lasst sich auf Grund der vorlie-
genden Daten nicht ausführen, um so minder als Gneiss und krystallinische
Schiefer in der Karte zusammengefasst sind. Gründe, welche die Annahme eines
höheren Alters für die Granite gegenüber den archaeischen Gesteinen rechtfertigen
würden, sind in der Bublikation nicht enthalten. Selbst bei der Auffassung der
Formationsgrenzen im Sinne von Brown und Sawkins liesse sich jene Annahme
nicht aufrecht erhalten, da sic selber angeben, dass der Granit den Gneiss durch-
brochen habe.
Die Grünsteine sind, ihrer Lagerungsform nach zu urtheilen, Diabase, und
wenn sie zum Theil als Diabas zum Theil als Diorit bestimmt wurden, so hat hier
wohl nur eine haufig begangene Verwechselung beider Gesteine stattgehabt, viel-
leicht als Folge des Auftretens sekundarer Hornblende, welche sich auch in den
Diabasen Surinams vorfand. Dass sie jünger sind als die archaeischen Schichten
und die Granite ist in der englischen Colonie ebenso deutlich festgestellt wie in der
1)  pag. 17.
2)  vgl. unter anderem pag. 230. 1. o.
3)  pag. 188 u. 189. 1. c.
-ocr page 230-
208
niederliindischen; ihr Alter fallt mit demjenigen der Sandsteinformation zusammen.
Diese Sandsteinformation, wolehe als „new red sandstone" bezeichnet worden
ist, gehort aller Wahrscheinliehkeit nach der Kreideformation an, denn ein
gleich machtigea System vorherrschcnd kieseliger Gesreine ist im benachbarten
Venezuela als cretaceïsch bekannt \') und hier ebonfalls durch eingeschaltete
Diabaslager ausgezeichnet. 2) Brown und Sawkins bemerken zudem, dass die
betreffende Formation bis in dieses Land hinein sich erstrecke; ihr gehort unter
anderem der 2600 m hohe Roraima an der Grenze von Venezuela und Britisch-
Guiana an, dessen steile Gehünge bis 1885 als unersteigbar galten. Er ist
gleich den benachbarten Hiïhen durch die Wirkung der Erosion aus dem Sand-
steinplateau herausgeschnitten,\') und die gewaltigen Wasserfalle, welche von ihm
herunterstürzen, stromen dem Amazonenstrom, dem Orinoco und dem Essequibo zu.
Schomburgk bemerkt aber, dass der Sandstein des Roraima ebenfalls am oberen
Orinoco eine grosse Ausdehnung besitze, so in dor Gegend von Esmaralda, wo
der Duida und das Maravaeagebirge aus ihm aufgebaut sind und als Liegendes
der Formation Granit auftritt; auch das Sarisharinimagebirge und der 5000 Fuss
hohe Paba sowic, weiter abwiirts am Parima, das Maritanigebirge bestehen aus
der gleichen Formation wie der Roraima; *) das Flussgebiet des Orinoco und des
Amazouas ist auf weite Strecken durch sie geschieden. 5) Am Amazonas selbst
und an manchen Orten des weitor südlich gelegenen Theiles von Brasilien, so
namentlich auch im Paianahyba-Boeken, sind ferner unzweifelhaft cretaeeïsche
Ablagerungen bekannt, anderen Zusainmensetzung vor allem machtige Sandstein-
bildungen Theil nehmen. 6) Das Alles deutet auf eine bedeutende Ausdehnung
desselben Systems kieseliger Gesteine hin, und es gewinnt damit die Annahme
eine sehr grosse Wahrscheinliehkeit, dass auch die erwiihnten, petrographisch
1)  Vgl. oben pag. 32.
2)  Desgl. pag. 133.
3)  Vgl. die Abbildung bei Schomburgk, 1. c. pag. 388, sowie Brown u. Sawkins pag. 264.
4)  Schomburgk 1. c. pag. 4fi8.
5)  Auffiilliger Weiso hat Karsten bei Zusammenstellung seiner 1886 publicirten Karto (Geologie
de l\'&ncienne Colombia Bolivarieune) die boreits 1875 erschienene Publikation von Brown und
Sawkins über Britisch-Ouiana gur nicht berücksichtigt, sowenig wie Schomburgk\'s Mittheilungen.
Er verzoichnet deswegen auf der ganzen Lauderstrecke, welche sich zwischen dem Orinoco im Norden
und Westen und dem Essequibo im Oston (bis über den Fluss hinaus) ausdehnt, sowie endlich
südlich bis in die N\'ühe des Acquators nur „roches plutoniques" und untergeordnet „formation
tertiaire et quartaire." Unter erstgenannter Uruppe wird verstanden „Granit, Syenit, Gneiss,
Porphyr, krystallinische Schiefer etc." Die Darstellung ist durchaus nicht mehr zeitgemüss und
sehr fehlerhaft, und zwar nicht uur betreffs des hier in Hede stellenden Uebietes, sondern auch
für andere der kartirten Gegenden, insonderheit auch für andere Strocken von Venezuela.
6)  Derby 1. c. pag. 12 ff.
-ocr page 231-
209
gleichen Kreidebildungen vou Venezuela ihm noch angehören, so dass hiemit das
Alter des Sandsteins und der Diabase von Britisch-Guiana als cretaceïsch festge-
stellt sein würde.
Keliron wir nach diesen Ausführungen zu einem Vergleiche von Niederliindisch-
und Britisch-Guiana zurüek, so finden wir im geognostischen Baue letztgenannten
Landes die folgende Uebereinstimmung mit Surinam :
Neben der krystallinischen Schieferformation, deren Ausdehnung an der Ober-
flache sich noch nicht genau beurtheilen liisst, aber nach allem bis jetzt Bekannten
nicht sehr bedeutend zu sein scheint, besitzen besonders an Facios-Unterschieden
reiche Biotitgranite eine bedeutende Entwickelung. Die Granitformation findet sich
schon in gcringem Abstande von der Kuste ]) und liisst sich bis an die iiusserste
Südgrenze des Landes vorfolgen; der 59° W.L. Gr. durchschneidet in der englischen
Colonie, abgesehen von der Sandstoinformation, fast ausschliesslich Granit und
aus dessen Verwitterung hervorgegangene Savannen. Zwischen die Granite des
Innern und die mit ihnen übereinstimmenden Gesteine im nördlichen Theile
der Colonie schiebt sich ein Diabasgebiet ein, welches von W nach O das Land
durchquert und von O nach W an Ausdehnung zunimmt. Es liegt auf gleicher
Breite mit der Diabasregion Suriname; der 5 °N.Br. durchschneidet es der
Lange nach in Englisch-Guiana sowohl wie in der niederliindischen Colonie; auf
gleicher Breite findet auch am Corantijn der Anschluss der Diabase beider Liindcr
statt. Einzelne Diabasdurchbrüche kommen auch ausserhalb des vorherrschend
von diesem Eruptivgesteine eingenommenen Gebietes vor, sowohl im Innern als
mehr der Kuste geniihert, innerhalb der Granite. Auch der Charakter der alluvialen
Bildungen von Englisch-Guiana stimmt durchaus mit demjenigen der entsprechenden
Sedimente in Surinam überein; besonders hervorgehoben zu werden verdient hier
noch das Vorkommen der gehobenen Muschelbiinke. Sie sind in grosser Zahl zwischen
Demerara und Berbice bekannt, „run parallel to te coast and contain numbers of
sea shells of the genera Mactra, Venus, Blicatula, Marginella, Fasciolaria, Nassa
etc., of the same species as those now inhabiting the ocean off the coast." *)
Gegenüber dieser Reihe von gemeinsamen Grundzügen des geognostischen
Baues beider Lander scheint die Thatsache des Fehlens der Sandsteinformation in .
1)   Granite sind auch am unteron Orinoco bekannt. Sio stehen bei Las Tablas an, an der
Einmünduug des Curoni in den Hauptstrom, und erstrocken sieh von hier aus in südöstlicher
Richtung bis in don Minendistrikt von N. Providencia, in fast 7° X.Br. (G. Altwood, A contribut.
to South-American Geology; Quart. Journ. Geol. Soc. London, vol. 35, 1879, pag. 582). Weiter
landeinwtirts ist die Gegend meines Wissens nicht untersucht.
2)   Urown u. 8awkin6 1. c. pag. 11. — Wegen der Uebereinstimmung der alluvialen Ablage*
rungen beider Lander vgl. daselbst besonders pag. 10 ff., ausserdem oben pag. 177.
-ocr page 232-
210
Surinam anfanglich sehr auffallend, um so mehr als letztere mit dem Eruptiv-
gesteine wechsellagert. Man könnte freilich die Erklarung durch die Annahme
geben, dass nur die alteste Diabasdecke, welche in Englisch-Guiana den Granit
direkt überlagert, in Surinam erhalten sei, wahrend die jüngeren Diabase sammt
den Sandsteinen durch die Erosion völlig zerstört wurden; und in der That halte
ich es für sehr wahrscheinlich, dass die Diabase der niederlandischen Colonie
ihrer Hauptmasse nach der erwiihnten, altesten Diabasdecke von Englisch-Guiana
aequivalent sind. Daneben fehlt es aber nicht an Andeutungen dafür, dass Reste
der Sandsteinformation auch noch in Surinam vorkommen, welche indessen bis
jetzt in Folge der noch sehr lückenhaften Untersuchungen nicht genügend bekannt
wurden.
Es ist schon von vornherein nicht sehr wahrscheinlich, dass die Sandstein-
formation, welche sich durch ganz Englisch-Guiana von W nach O erstreckt, am
Grenzflusse völlig abschneiden soll, wahrend die ihr zwischengelagerten Eruptiv-
gesteine nach Surinam hinüberstreichen. Hier am Corantijn war unter 5° N.Br.,
gegenüber der Mündung des Cabalaba, die betreffende Bildung bereits Schomburgk
bekannt; Brown und Sawkins kartiren sic auch noch eine Strecke weiter aufwarts
an demselben Strome. Schomburgk erwahnte indessen ausserdem das Vorkommen
der Sandsteinformation am Falie Itafe im Cabalaba, eine Strecke unterhalb des
Avanaverofalls, also auf niederlandischem Gebiete.\') Von demselben Orte liegt mir
das Gestein auch in der Voltz\'schen Sammlung vor,2) und da die englischen Geologen
angeben, dass die Sandsteinformation von Englisch-Guiana am Cabalaba und in
der Nahe von Akalikatabo Eiland den Corantijn durchquere,3) so dürfen wir in
dem erwiihnten Vorkommen die östliche Fortsetzung der als cretaceïsch gedeuteten
Formation von Britisch-Guiana sehen.
Erwiihnung verdient ferner, dass am oberen Coppename, von einem Punkte
an der Mündung des Jabakreeks aus, ein eigenthümlicher Berg zu Gesicht kommt,
welcher durch seine einem abgestumpften Kegel gleichende Gestalt und durch
Mangel an Pnanzenwuchs ausgezeichnet ist. Voltz (Briefe) sowohl wie Rosenberg
(Karte) führen ihn besonders an, und Letzterer sagt, dass die Höhe des Berges
,auf 200 m geschatzt werde. Form und Nacktheit weichen von allem ab, was die
1)  1. c. pag. 173 u. 174.
2)  Fundort und petrographische Beschaffenheit der Handstücke (N°. 9754—9756) stimmim nicht
nur mit den Angaben Schomburgk\'» überein, sondern auch ein Zusatz , wonauh dieser Sandstein
als Schleifstein benutzt wird und welcher sich sowohl bei genanntem Reisenden 1. c. als im Cata-
loge der Voltz\'schen Sammlung fludot. — Diese Sandsteine dürfen nicht mit der vermeintlich kohlen-
fUhrenden Schicht Schomburgk\'s von Oreala verwechselt werden, (vgl. oben pag. 141).
3)  1. c. pag. 13.
-ocr page 233-
211
übrigen Gebirgsglieder Surinams zeigen, und legen die Vermuthung nahe, dass der
abgestumpfte Kegel ein Ueberrest des Sandsteingebirges sei, welches im Westen
durch gleiche Reliefformen ausgezeichnet ist.
Endlich liegt ein Sandstein unter den Handstücken vor, die Voltz bei Nooit-
gedacht sammelte, ferner ein Thonschiefer von Victoria \') und ein fossilführendes
Kalkgerölle von Carolina.2) Kalksteine sowohl wie Thonschiefer treten aber in der
cretaceïschen Sandsteinformation Venezuelas auf,3) für welche die Uebereinstim-
mung mit detn Systeme von Sandstein und üiabas in Britisch-Guiana aus oben
dargelegten Gründen sehr wahrscheinlich ist. Somit würde auch für Surinam das
Vorkommen von Kreideablagerungen, wenn auch in beschrankterer Ausdehnung,
angedeutet sein.
Die zuletzt gezogene Schlussfolgerung lenkt den Bliek schliesslich noch auf
die eingangs beschriebenen Insein, Cüra£a.o, Aruba und Bonaire, da die gleichen
cretaceïschen Ablagerungen, welche an dem Aufbau der Küstencordillere von
Venezuela Theil nehmen, auch zweifellos auf den genannten Eilanden nachgewiesen
sind. Es gewinnt den Anschein, als ob dieselben cretaceïschen Sedimente, welche
im Umkreise des Senkungsfeldes des caribischen Meeres steil aufgerichtet und
gefaltet wurden, im Innern von Venezuela und der Guianen noch in ungestörter,
schwebender Lage sich befinden.
Es ist ferner oben dargelegt, dass auf Curacao Diabase als Liegendes der
Kreideformation auftreten und dass dasselbe Eruptivgestein sich abermals in gleichem
Lagerungsverhaltnisse gegenüber der Sandsteinformation von Englisch-Guiana be-
findet. Demnach könnten auch diese Bildungen aequivalent sein, eine Annabme
für die weiterhin die petrographische Uebereinstimmung gewisser Diabase von
Surinam mit solchen von Aruba spricht. Archaeische Schichten sind ebenfalls
auf der Inselreihe aufgeschlossen. Endlich halte ich es für móglich, dass die
Quarzdiorite von Aruba mit den Biotitgraniten Surinams zu derselben Eruptiv-
masse gehören und nur eine lokale Facies-Verschiedenheit der Letzteren darstellen;
denn diese Quarzdiorite von rein granitischem Habitus gleichen Schlieren des
1)  Vgl. oben pag. 191. Wie erwahnt, enthalt der Sandstein Turmalin; vielleicht entspricht er dom
„altered sandstone, with black crystals", den Brown u. Sawkins (1. c. pag. 29) in ilirer Gesteins-
liste aus der in Rede stellenden Sandsteinformation anführen, und zwar vonderöstlicbsten Grenze
der britisctien Colonie, aus dor Nüho der Insel Akalikatabo im Corantyn.
2)  Vgl. oben pag. 175.
3)  oben pag. 32.
-ocr page 234-
212
Surinamgranites in allen wesentlichen Ziigen und sind gleich der Eruptivmasse des
Fe8tlandes wieder selber durch das Auftreten von verschiedenen Spaltungsgesteinen
ausgozcichnet. Bemerkensworth ist noch, dass die augitdiorit- und gabbroartigen
Schlieren Arubas an den Ründern des Dioritmassivs der Insel gelegen sind, und
namentlich ist hervorzuheben, dass unter ihnen der Hypersthengabbro bei Buschiri-
bana in unmittelbarer Niiho der Diabasformation ansteht, welene letzterealsdas Durch-
broehene aufgefasst wurde. Das steht abermals in Uebereinstimmung mit der früher
entwickelten Ansicht, wonach wir in der an Schlieren reiehen Gegend zwischen Ka-
pua und Toledo die Nahe einer Eruptionsstelle der Granitmasse zu vermuthen hutten.
Indessen kann die Zusammenfassung der Granite und Diorite nur unter der
Voraussetzung geschenen, dass die Diabase Surinams, und vielleicht auch diejenigen
der Eilande, theils vor theils nach den erstgenannten Gesteinen erumpirten; denn
auf Aruba überlagern die Quarzdiorite den Diabas, wahrend in Surinam Giinge
des Letzteren den Granit durchsetzen. Andere Gründe leiteten zwar bereits zur
Annahme verschiedener Diabaseruptionen aowohl auf den Eilanden als in Surinam,
doch konnte die Richtigkeit derselben bis jetzt nicht sicher erwiesen werden. \')
Dass die hier nur fliiehtig angedeuteten Beziehungen zwisehen Surinam und den
Insein Curacao, Aruba und Bonaire bei der grossen gegenscitigen Eutfernung beider
Gegenden und der iiusserst lückenhaften Kenntniss der zwischenliegenden Lander-
strecken weiterer Untersuchung und Begründung bedurfen, ist selbstredend. Des-
wegen beschriinkte ich mich auch auf diese Andeutungen, ohne weittragende Schluss-
folgerungen daranzuknüpfen, und gleiche Gründe veranlassen mich, von einem
Vergleiche mit Brasilien vorliiufig noch ganz abzusehen, zumal hier nur an der
Hand der Beobachtungen von Crevaux 2) der Anschluss an andere Porschungen
zu erreichen ist. Nur so viel darf als feststohend hervorgehoben werden, dass
wie in Britisch-Guiana und in Venezuela, südlich von Orinoco, so auch in dem
südlicheren Gebiete der brasilischen Masse eine Unterlage von steil aufgerichteten
archaeischen Sedimenten und Graniten vorhandon ist, welche von jüngeren Sedi-
menten diskordant und nahezu horizontal überlagert wird. Sandsteine spielen unter
diesen jüngeren Ablagerungen eine hervorragende Rolle und erinnern, da die
Decke in Tafelberge aufgelöst ist, landsehaftlich an die Sandsteingebirge der
1)  An der nordüstlichen Orenze des (\'aribischen Meeres besitzen Diorite, die anscheinend den-
jenigen von Aruba sehr iihnlich sind, eine weite Verbreitung und werden sie von Diabasg&ngen
durchsetzt. (Cleve, Geolog. of the North-Eastein West India Islands, besonders pag. 6, 35, 37.)
2)  Wie unvollstiindig diese Beobachtungen auch in dem weiter südlich gelegenon Qebiete sind,
geht aus der Darstellung hervor, die Yélain von einem Theile der Niederung des Amazonas
giebt und welche durchaus nicht im Einklange mit den daselbst bereits bekannten, geognostischen
Verhaltnissen steht.
-ocr page 235-
213
erstgenannten Lander; doch sind sie in Brasilien von sehr verschiedenem (auch
cretaceïschem) Alter und ist deswegen ein naherer Vergleich vorlaufig noch
durchaus unmöglich. \')
Dagegen muss als sicher hingestellt werden, dass wir in den
Insein abgelöste Splitter des siidamerikanischcn Continentes zu
sehen haben, da der geognostische Zusammenhang mit der Kuste von Venezuela
erwiesen werden konnte,2) so fraglich ein solcher für Surinam auch noch sein moge.
Ob diese Trümmerinseln als tektonische Abgliederungsinseln 3) aufzufassen sind und
das gegen 2000 m tiefe Meer, welches sie vom Festlande trennt, im Wesentlichen als
Ausfüllung eines durch Faltungsvorgünge und Verwerfungen entstandenen, von W
nach O streichenden Querthales, oderob lediglich die Wirkungen der Meeres-Erosion
zur Loslösung geführt haben, lasst sich zur Zeit noch nicht beurtheilen. Vielleicht
wirkten beide Faktoren zusammen. Einerseits überlagern die quartaren Kalke
von Curacao alle diskordant und horizontal die aufgerichteten Sedimente der
Kreideformation, so dass die Störung in eine den Absatz der altquartaren Kalke
vorangehende Zeit verlegt werden muss, andererseits zeigt die grosse Ueberein-
stimmung der Inselfauna mit derjenigen von Venezuela,4) dass die völlige Lostren*
nung der Eilande erst in allerjüngster Zeit erfolgt sein kann; jedenfalls muss also
nach der Aufrichtung der Kreideformation noch eine Landbrücke 5) bestanden haben,
falls tektonische Vorgünge als wesentlichste Ursache der Abgliederung aufzufassen
sein sollten. Die Halbinseln von Araya und Paria mit Einschluss von Trinidad6)
1)  O. A. Derby, Physik. Oeogr. u. Oeolog. Brasilions (Mittheilg. Geogr. Ges. Jena, Bd. 5, pag.
1, 1887). — Stelzner, Beitr. z. Geol. u. Palaeont. d. argentin. Republik I. pag. 65 — Suess,Ant-
litz der Erde, I. pag. 655 ff., 1885 — Bei Suess und Stelzner ausführlichere Literaturangaben
über den Gegenstand.
2)   Vgl. oben pag. 132; ferner Martin in: Verslgn. en Mededeelgn. d. Kon. Akademie, Afd.
Natuurkd. 1886, pag. 240 und 1887, pag. 114. — Sievers sagt anliisslich der Besprechung dessen,
was oben fiber die Eilande publicirt wurdo: „Nach allem, was über diese Insein bekannt gewor-
den ist, scheinen sie Aehnlichkeit mit der Goajira-Halbinsel und der Sierra Nevada de Santa
Marta zu haben, wie ich bestimmt glaube annehmen zu dürfen". (Gesellsch. f. Erdkunde, Berlin
1887, pag. 438). — Die Erdbeben des Festlandes werden auf den Insein noch wahrgenommen,
wenngleich sehr abgeschwacht (Bosch, Reizen I, pag. 155). — Ueber die Beziehungen der Eilande
zum Festlande ist ausserdem vor allem zu vergleichen: \\V. Sievers, Die Sierra Nevada de Santa
Marta und die Sierra de Perijii, speciell pag. 65 ff. Leider ging mir die wichtige Arbeit erst
wahrend des Druckes zu und konnte ich sie nicht weiter verwerthen (Zusatz wiihrend des Druckes).
3)  Vgl. A. v. Lasaulx. Die Insein. (Handwörterb. d. Mineral. Geolog. u. Palaeontologie).
4)  Sieh Theil I dieses Werkea, pag. 141.
5)   Hieffir sprechen auch die Meerestiefen. Sieh: Berghaus\' Physik. Atlas N°. 26, II Abthlg.
Hydrographie N°. XI.
6)  Vgl. auch Theil I, pag. 104.
28
-ocr page 236-
214
scheinen Ablüsungsstadien vorzustellen, welche von den Insein Curacao, Aruba
und Bonaire bereits durchlaufen sind.
Die geognostische Uebereinstimmung von Insein und Featland erstreckt sich,
ausser den bereits hervorgehobenen Punkten, vor allem auch auf die quartaren
Ablagerungen, welche für die jüngst verflossene Zeit eine in gleichem Sinne fort-
schreitende Strandverschiebung hier wie dort erkennen lassen. Denn die jung-
quartaren Muschelbanke der Eilande finden sich an der Kuste von Venezuela
wieder\') und lassen sich, wie bereits besprochen ist, langs der Kuste von Englisch-
Guiana bis nach Surinam verfolgen, überall nur wenige Meter über den Meeres-
spiegel sich erhebend.
Es liegt des wegen nahe, die Frage nach der Existenz von Ablagerungen der
Guianen aufzuwerfen, welche den altquartaren Bildungen der Insein aequivalent
seien, urn so mehr als solche nicht nur auf den Eilanden östlich von Bonaire vorkom-
men,2) sondern auch noch auf Tortuga, westlich von Margarita. Von dort erhielt ich
durch Ernst einen sehr festen, quartaren Korallenkalk zugleich mit der Angabe,
dass die Insel ein „zweimal gehobenes Korallenriff" sei. Aequivalente Ablagerun-
gen scheinen nach den Untersuehungen von Etheridge 3) auch noch auf Trinidad
vorzukommen, als oberste Abtheilung der jüngeren Pariagruppe; doch sind sie
weder in Englisch- noch in Niederlandisch- oder Französisch-Guiana bis heute
sicher nachgewiesen. — — — —
Sind die uiteren, alluvialen Thonablagerungen Surinams mit dem Altquartar
der Insein aequivalent? Hat frühero Meeresbedeckung einen wesentlichen Antheil
an der tiefgehenden Auflockerung und Zersetzung der Granitformation und wui"de
so die Savannenregion gebildet, die das Alluvium nach Süden begrenzt? Ist der
eigenthümliche, terrassenartige Bau Surinams, welches als Ganzes betrachtet eine
sanft zum Meere geneigte, schiefe Ebene mit anniihernd parallel der Kuste strei-
chenden Stufen darstellt,4) vielleicht durch weit in das Innere reichende Strand-
linien zu erkliiren, da sich dieser Bau auch auf das Granitmassiv erstreckt und
keine einzige tektonische Ursache für ihn aufzufinden ist? Stürzten die Wasser-
falie der Ströme anfönglich über die Uferterrassen herab, um erst bei rückwarts
1)  Vgl. unten den Anhang.
2)  Theil I, pag. 108.
3)  Wall and Sawkins, Geology of Trinidad, Appendix J, pag. 163.
4)  Aehnliches gilt auch für die beiden anderen Guianen. Vgl. besonders die Karte von Schom-
burgk sowie die Proflle von Brown, ausserdem Vélain. Brown u. Sawkins sind überzeugt, dass
Meereserosion auch dem Pacaraimagebirge sein jetziges Relief verliehen habe, so dass hier die
Meeresbedeckung bis etwa 4° X. Br. landeinwürts nachgewiesen sein wiirde (1. c. pag. 14).
-ocr page 237-
215
schreitendem Einschneiden ihre jetzige Lage einzunehmen und dort vor allem
bestehen zu bleiben, wo widerstandsfahige Schlieren des Granitmassivs die Schaf-
fung einer gleichmassigen Bodenneigung verhinderten ? Das alles sind Fragen,
deren Beantwortung nach den bis jetzt vorliegenden Beobachtungen nicht möglich
ist und, wie so manche andere im Vorhergehenden aufgeworfene Frage einer
specielleren, geognostischen Aufnahme der betreffenden Gegenden überlassen
bleiben muss.
«=>®^g!ïi®ga«e!®<®N®^»
-ocr page 238-
216
Laste von Q-esteinen.
Die folgendc Liste enthiilt siimmtliche Gesteine, welche von inir in Surinam gesammelt worden
Bind, unter genauer Angabe der Fundorte. Die Letzteren sind, wo die beigegebene Karte nicht
ausreicht, nöthigenfalls auf derjenigen Cateau van Rosevelt\'s naher zu vergleichen; sie wurden
innerhalb der einzelnen druppen go angeordnet, dass sie im Allgemeinen in der Richtung von
Nord nach Süd, flussaufwiirts, einander folgen. Die beigefügten Nummern beziehen sich auf die
in Leiden bewahrten Objekte. Allo Gesteine sind, falls nicht das Gegentheil bemerkt ist, an den
betreffenden Orten anstehend.
Urschieferformation.
Gneiss, vom Ufer der J uden savanne (297).
Granatbiotitschiefer nebst eingelagerten Quarziten, von Tafra (220, 221).
Quarzit, ein wenig oberhalb Tafra anstehend (222).
Zersetzte Gesteine (z. Th. chloritisirte Gneisse und HornblendeschieferP): Von der Elippe bei
Bergendaal (224). — Von einer Landzunge, unmittelbar oberhalb desselben Ortes (228). — Eine
kurze Strecke unterhalb Kauruwatra (229). — Ein wenig aufwarts vom Cederkreek (234). — Von
der Barrière bei Brokopondo (236). — Oestlich von Brokopondo im Walde anstehend, lateritisirt
(284?, 287).
Quarzamphibolit(?) aus dem Walde bei Brokopondo, am Fusse der ersten Höhen, beginnende
Lateritbildung zeigend (282).
Quarzit von der Kanzel unterhalb Brokopondo (235).
Quarzreiche Glimmerschiefer: Von der ersten Barrière oberhalb Brokopondo (279, 280). — In
diesem Schiefer aufsetzender Quarzgang (280*). — Von der zweiten Barrière daselbst (278).
Quarzit von der ersten Barrière oberhalb der bei Brokopondo gelegenen Insel (277).
Quarzreicher Muscovitschiefer von der zweiten Barrière daselbst (237,238), nebst eingelagerten
Quarziten (238*).
Glimmerschiefer und Gneiss von der Mündung des Dabikwénkreeks, zum Theil porphyrartig,
als Porphyroid, ausgebildet (239 u. 276).
Aktinolithschiefer von Newstar Eiland und Quarzit, welcher vermuthlich als Gang in Letzte-
rem aufsetzt (240, 240*).
Chloritschiefer, oberhalb Newstar Eiland anstehend (275).
Quarzitschiefer: Vom Landungsplatze bei Pisjang am Sarakreeke (245). — Oberhalb der bei Kof-
fiekamp gelegenen Insel anstehend (247\'>).
Quarzamphibolit, von letztgenanntem Orte (249).
Hornblendegneigs, et was aufwarts von N . 249 anstehend (250).
-ocr page 239-
217
Porphyrartiges Gestein, als Gerülle auf den Klippen von Hornblendegneiss aufgelesen und viel-
leicbt zur gleichen Gruppe gehörig (250*).
Granite des unteren Flussgebietes.
Zersetzter Granit von Gelderland (298).
Zersetzter Biotitgranit vom Ufer der Judensavanne (290).
Biotitgranit: Klippen bei Worsteling Jakobs (289). — Daselbst am linken Ufer landeinwarts
anstehend (288).
Rother Uranit von Phaedra (218, 219).
Aus dem Granitgebiete des Innern.
Biotitgranit und zugehörige Spaltungsgesteine: An der Mündung des Sarakreeks ira Surinam
anstehend (242). — Zwischen der Mündung des Sarakreeks und Koffiekamp (244). — Unmittelbar
oberhalb der bei Koffiekamp gelegenen Insel (247c, 248). — Nahe dem linken Ufer des Surinam,
unmittelbar oberhalb des Diütifalls (251). —Am Fusse des Arusabanjafalls (252). — Zwischen Dotti-
und Makamiekreek (254). — Am linken Ufer bei Wakibassu (255). — Am (Jfer bei Otobuka (256).—
Gestein des Lantiston (257). — Am linken Ufer, gegcnüber der unteren Endigung der ersten grossen
Insel, welche bei Sisone liegt (258, 258*). — Unterhalb der Stromschnellen von Gongotha, nahe
dem linken Uier (259). — Halbwegs zwischen Grankadjie- und Gibokreek (260). —Etwas oberhalb
Komoso, zwischen der Insel Sakkepratti und Kokomonjé (261, 262). — Halbwegs zwischen Papan-
tiri- und Akunkunfall, zwischen den beiden westlichsten von den drei, dort in einer Keihe gele-
genen Ins \'In (263). — lm Flusse bei Kapua (264, 265). — Vom Kotipau, der Fortsetzung des
Gidibo (266, 266u, 266\'\'). — "Vom Sisabo (267, 273). —Aus den Stromschnellen am Fusse des Monni
(269). — Halbwegs zwischen Monni und Toledo, nahe dem rechten Ufer (270). — Am Ufer von
Toledo (271).
Ausscheidungstrümmer im Biotitgranite: Vom Sisabo (274, 274*). — Vom Lantiston (257*).
Porphyrischer Granit, vermuthlich Gangapophyse, von einer Barrière zwischen dem linken
Ufer und der oberhalb Koffiekamp gelegenen Insel (246).
Quarzit: Vom Fusse des Aruaabanja (252*). — Aus dem unter X". 258 angeführten Granite
(258**).
Diabasformation.
Diabas: Von der Landzunge unmittelbar unterhalb Sannetje Eiland (223). —Von Kauruwatra,
unterhalb Mawassiekreek (230). — Von Boschland (232). — Beim Fobakkakreek, unterhalb der MUn-
dung des Sarakreeks (241). —Unmittelbar oberhalb der bei Koffiekamp gelegenen Insel (247u).—
Aus zwei verschiedenen Gangen am Biabiafall (253, 253*). — Aus den Stromschnellen am Fusse
des Monni (268). —Vom Fusse des Monni selbst (272).
Laterit und Lehm, Zersetzungsprodukte des Diabas: Vom Gipfel des Blauen Berges (227).—
Vom Gehange desselben Berges (226*). — Schotter an der Klippe bei Bergendaal (225*, 226). —
Aus dem Walde unfern Brokopondo (286). —Von Topibó (299, 300),
-ocr page 240-
218
Quarzit, an der Klippe bei Bcrgendaal als Geschiebe aufgelesen, vermutblich aus einem im
Diabas aufsetzenden Gange (225).
AUuvium.
Laterit: Vora Swartwater (294). — Vom Gipfel der bei Brokopondo gelegenen Höhe (283).
Savannensand: Aus der Savanne an der Kassipura (296). —Von Onoribo an der Para (300*).
Flussand: Von der Landzunge unterhalb Sannetje Eiland (223). — Yon der ersten Gliminerschie-
fer-Barrière oberhalb Brokopondo (281).
Eisenschüssige Sandsteine und Quarzbreccien : \\on Kweeklust an der Coropina (301). —Von
einem Punkte wenig oberhalb Mawassiekreek (231). — Et was oberhalb Kwassiekreek (233). —
Oberhalb der Mündung des Sarakreeks (243).
Lehm : Am Ufer von Ayo (291). — Aus der Gegend von Prospériló an der Para (302).
Gerölle: Von Carolina (292, 292*, 292**, 293, 293*). —Aus den Goldseifen unfern Brokopondo
(286). — Aus einem Bache am Bande der Savanne der Kassipura (295).
-ocr page 241-
I
219
ANHANG.
Höhenmessungen.
Zur Messung von Hühen bediente ich mich zweier Aneroidbarometer von
Naudet, und zwar eines Normalinstrumentes, welches genau vor dein Antritte
der Reise und nach meiner Rückkunft geprüft worden \') und im Folgenden
ausschliesslich berücksichtigt ist, und eines kleinen Taschenaneroids, welches zur
Controle diente, vor allem um festzustellen, ob der Transport stets mit derselben
Sorgfalt stattgefunden hatte.
Bei jeder der auf den Insein ausgeführten Messungen wurde erst die Höhe
der Station, von der aus jene unternommen werden sollten, festgestellt. Es Hess sich
dies mit Hilfe des Aneroids durch eine kurze Wanderung vom Meere zur Station
ausführen, da ich stets in nachster Nühe des Ufers wohnte; eine Vergleichung mit
dem Quecksilberbarometer war dabei unnöthig. Alle anderen Messungen wurden
nun zunachst auf die betreflenden Stationen bezogen und die so gefundenen
relativen Höhen durch Addition der Stationshóhe in absolute umgewandelt. Bei der
Berechnung der relativen Höhen-Unterschiede wurde in folgender Weise verfahren:
Die Werthe, welche die Scala des Luftdrucks am Aneroide auf den beiden
zu vcrgleichenden Höhen angab, wurden zunachst auf die gleiche Temperatur
reducirt. Der Werth für diese Correction war in Leiden dadurch erhalten, dass
das Instrument bei den zwischen 13° C und 30° C liegenden Temperaturgraden,
zum Theil nach künstlicher Erwiirmung, beobachtet worden war.
Darauf mussten die tüglichen Aonderungen des Barometerstandes in Rechnung
gezogen und eine dem entsprechende Correction angebracht werden. Da fast alle
Messungen in den Morgenstunden bei steigendem Barometer angestellt wurden,
1) Die Untersuehung des Instruments hat durch Herrn Dr. J. E. Couvóe im physikalischon
Institute von Herrn Prof. H. Kamerlingh Onnes in Leiden stattgehabt, und bin ich beiden Herren
für die Hilfe, welche sie mir bei den Berechnungen der Höhen geleistet haben, sehr zu Dank
verpflichtet. Desgleichen Herrn Dr. P. J. Kuiser in Leiden, Verificator der Reichs-Seeinstrumente.
Das Instrument hatte nach Ablauf der Reise den gleichen Stand wie vor dem Antritte derselben.
-ocr page 242-
220
so führte ich an fünt\' Tagen in Westindien Morgens zwischen 6 und 10 Uhr
halbstündige Ablesungen des Aneroids aus und berechnete aus den auf 0° C
reducirten Werthen fünf Mittel für das halbstündige Steigen an den fünf Tagen.
Hieraus leitete ich dann abermals den Mittelwerth ab, wie beistehend. \')
0,15                   Nun zeigt zwar ein Bliek auf diese Zahlen, dass die betreffende
0,23            Correction des Aneroids stets nur annahernd richtig sein kann, da
0,05            die einzelnen Mittelwerthe zu sehr differiren; aber trotz dieserUnge-
0,25            nauigkeit werden die Messungen doch nur sehr unbedeutend durch
0,12            sie beeinflusst, da jene stets innerhalb sehr kurzer Zeit, wahrend
0,16 welcher der Barometerstand fast als unverandert angenommen werden
könnte, ausgeführt wurden. So ist z. B. der Höhenunterschied zwischen dem
höchsten Punkte der Insein, dem Christoffelberge, und Savonet innerhalb des
Verlaufes zweier Stunden gemessen; die Correction für die tagliche Barometer-
anderung kann hier nur wenige Meter betragen und der dabei nvigliche Fehler
liegt innerhalb noch geringerer Grenzen.
Nachdem die beiden genannten Correctionen angebracht waren, wurden die
den corrigirten Werthen entsprechenden Zahlen der Höhenscala am Aneroide
abgelesen und durch einfache Subtraction der Höhenunterschied der beiden be-
treffenden Punkte gefunden. Diese Ablesungen lassen sich bei einiger Uebung
bis auf 1 m genau ausführen; indessen bedarf der so gefundene Werth x bei
bedeutenderen Höhen doch noch einer weiteren Correction, die Lufttemperatur
betreflend. Eine eingehende Untersuchung des Instruments hatte ergeben, dass
dasselbe mit einer Scala versehen sei, welche für 20° C verfertigt war, wahrend
meine Messungen bei höherer Temperatur stattfanden. Der Werth x wurde noch
T
um das ;r— fache seines Betrages vergrössert, wobei T gleich der mittleren
Temperatur der beiden verglichenen Orte, vermindert um 20 ist. Selten war aber
T 1
diese mittlere Temperatur höher als 25° C, wobei dann k^K = tk wurde, mithin
erst bei einem Höhenunterschiede von funfzig m die angebrachte Correction für
die Lufttemperatur den gefundenen Werth um 1 m erhölte. Die betreffende Cor-
rection konnte aus diesem Grunde auch bei den kleineren Höhendifferenzen ver-
nachlassigt werden.
Bei allen Messungen sind die beiden benutzten Instrumente stets horizontal
getragen, obwohl sie zum Umhangen eingerichtet sind; denn ich überzeugte mich
1) Für andere Tagesstunden konnte ich wegen Zeitmangels keine getuigende Anzahl von
Beobachtungen tnachen; hier benutzte ich zur Correction die von Schomburgk auf Barbados
angestellten Berechnungen (The history of Barbados, London 1848).
-ocr page 243-
221
schon vor der Reise davon, dass die vertikale Stellung der Genauigkeit der
Messung wesentlich Abbruch thut. Man trage die Aneroide wiederholt von der
ebenen Erde auf den Boden Beines Hauses und man wird bei horizontaler Lage
stets dieselben, bei vertikaler aber sehr abweichende Höhendifferenzen erhalten.
In ersterem Falie schleppt das Instrument auch nicht nach, und man kann fast
unmittelbar nach der Ankunft an dem zu messenden Punkte die Ablcsung vor-
nehmen. So ist zum Beispiel die Höhe von Boqueron (vgl. Tabelle) wtihrend der
Eisenbahnfahrt von Caracas nach La Guaira gemessen, indem ich das Instrument
stets horizontal in der Hand hielt; die Uebereinstimmung mit dem durch Nivel-
lement gefundenen Werthe des Punktes ist eine fast vollstandige, und dass sie
nicht zufallig ist, beweist der zweite, noch genauere Werth für die Höhe von
Caracas.
Bei den Beobachtungen, welche ich wahrend der Reise in Surinam anstellte,
musste ich ein anderes Verfahren für die Berechnung der Höhen einschlagen; es
war erforderlich den Stand des Aneroids mit dem gleichzeitig in Paramaribo
beobachteten Stande des Quecksilberbarometers zu vergleichen. Es wurden zu
diesem Zwecke zunachst alle Werthe, welche die Scala des Luftdrucks am Aneroide
angab, auf O1 C reducirt; ferner musste auch hier eine Correction für die tügliche
Aenderung des Barometerstan des angebracht werden, da es nicht möglich war
auf der raschen, schwierigen Reise die Instrumente zu den festgestellten Zeiten
abzulesen. Wahrend das Quecksilberbarometer in Paramaribo um 8 Uhr Morgens,
12 Uhr Mittags und 6 Uhr Abends abgelesen wurde, sind meine Beobachtungen
selten ganz gleichzeitig, sondern meistens etwas vor oder nach deu betroffenden
Stunden vorgenommen. Die Correction wurde in gleichem Sinne wie auf den
Insein angebracht, aber sie muss in Surinam die gefundenen Werthe in etwas
ungünstigerer Weise als dort beeinflussen, da es sich um weit geringere Niveau*
differenzen handelt und die oben erwühnte Ungenauigkeit der Zeitreduction sich
daher für das Gefiille des Surinam verhaltnissmassig mehr fühlbar macht.
Wesentliche Fehler können in Folge der geringen Zeitdifferenzen aber auch bei
der Berechnung dieser Höhen sich nicht eingeschlichen haben.
Die grösste Schwierigkeü brachte dagegen die letzte Correction mit sich, da ich
durch Vergleichen der aufO° reducirten Angaben des Aneroids mit denjenigen des
Quecksilberbarometers in Paramaribo zu verschiedenen Tageszeiten eine verschiedene
Standcorrection erhielt. Mein Aneroid zeigte Morgens 2,7 mm, Abends 6 Uhr
dagegen -f- 1>5 mm, und da der Unterschied von 1,2 mm im Luftdrucke einem
solchen von 14 m in dem betreffenden Abschnitte der Höhenscala entspricht, so
differirten die aus den Morgen* und Abendbeobachtungen für dieselben Stationen
29
-ocr page 244-
222
abgeleiteten Höhen um diesen Betxag, falls ich für beide die gleiche Corrcction
anwandte. Benutze ich z. B. die Correction von 2,7 mm für die Abendbeobachtung
von Phaedra, so berechnet sich daraus die absolute Höhe des Flussbettes daselbst
auf 14 m, wiihrend sie in Wirklichkeit 0 m ist; wende ich dagegen die verschie-
denen Correctionen an, so stimmen die beiden Reihen von Abend- und Morgen-
beobachtungen in sehr befriedigender Weise mit einander überein.
Die verschiedenen Correctionen erhielt ich nun aber sowohl für die Ablesungen
des Aneroids in Paramaribo als auch auf demjenigen Theile des Flusses, welcher
noch dem Einflusse von Ebbe und Fluth unterworfen ist, und zwar beiderorts in
gleichem Sinne. Deswegen würde die Anwendung der verschiedenen Standcorrec-
tionen für Morgen- und Abendbeobachtungen zulassig sein, selbst wenn keine
nahere Erklfirung dafür gefunden werden könnte; inzwischen glaube ich aber
letztere wohl geben zu können:
Bekanntlich weisen Aneroide Veranderungen des Luftdrucks rascher an als
Quecksilberbarometer. Nun fallt aber das Barometer zwischen 5\'/2 und 6 Uhr
Nachmittags sehr rasch, und da das Aueroid früher den niedrigeren Stand ein-
nehmen wird als das Quecksilberbarometer, sein Stand aber im Allgemeinen ein
zu hoher war ( 2,7 mm), so musste der Correctionswerth bei einem raschen Sinken
für eine kurze Zeit ein geringerer werden. Ich glaube damit die anscheinende
Schwiorigkeit als weggeriiumt betrachten zu können.
Nach Anbringung der genannten drei Correctionen wurden wie auf den Insein
die entsprechenden Werthe der Höhenscala (für den Stand des Quecksilberbaro-
meters in Paramaribo und denjenigen des Aneroids an dem zu messenden Orte)
beide an dem Aneroide abgelesen und so die Höhendifferenz durch Subtraction
erhalten. Auch die Lufttemperatur ist in der oben angegebenen Weise in Rech-
nung gebracht. Bei einigen Punkten wurde nur die relative Höhe, verglichen
mit dem Flusse, in der auf den Insein angewandten Weise geméssen; die absolute
Höhe ergab sich dann wieder durch Addition der Höhe des Strombettes.
Es stellte sich nun bei der Berechnung heraus, dass die Mittagsbeobachtungen
unbrauchbar waren, und dies dürfte darin einen Grund haben, dass sie alle auf
dem Flussbette unter ungünstigen Verhaltnissen vorgenommen wurden. Denn da
ich mich bei der raschen Reise zu dieser ïageszeit nicht nach genügend geschütz-
ten Orten für die Ablesungen umsehen konnte, sondern dieselben an beliebigen
Punkten und bei bestandiger Ortsveranderung vornehmen musste, so dürfte das
Thermometer des Aneroids zu diesen Zeiten schwerlich die richtige Temperatur
des Instruments angegeben haben;\') es war bald den Strahlen der tropischen
1) So zcigte am Sfsabo um 12 Uhr Mittags daa Thermometer des Aneroides 33,1; die Tempe-
-ocr page 245-
223
Sonne, bald einem Regenschauer, bald dem Schatten des überhëngenden Laub-
daches in stetem Wechsel ausgesetzt. Unbrauchbar sind auch die eingeklammerten
Zahlen, welche die Abendbeobachtungen vom l\'en bis 4ten April und die Morgen-
beobachtung vom 2*en April ergeben haben, da zu dicsen Zeiten das Wetter ganz
ungemein veranderlich war; vielleicht ist auch die Abendbeobachtung des 5\'en
April noch in gleicher Weise beeinflusst, denn ich fand auf der Rückfahrt am llten
April Morgens für Gansee wiederum 18 m absolute Höhe, ein Werth, welcher
mit demjenigen fast übereinstimmt, den ich am Morgen des 6tei> April auf der
Hinfahrt erhielt (16 m). Unter allen Umstanden ist aber den Morgenbeobachtungen
das grössere Vertrauen zu schenken, da in der Frühe des Tages die Temperatur
des Aneroids am meisten zuverlassig sein dürfte und auch die Nachtruhe das
Einnehmen des richtigsten Standes zur Folge haben musste.
Uebrigens sind die mitgetheilten Werthe keineswegs zur Erzielung der
gewünschten Uebereinstimmung aus anderen Beobachtungen ausgewahlt; sie geben
sammtliche Ablesungen der Hinreise am Morgen und Abend, welche den für die
Ablesung in Paramaribo festgestellten Zeiten am nachsten lagen. Vergleicht man
aber die beiden Reihen, so wird man sich des Urtheils nicht enthalten dürfen,
dass die Aneroide bei vorsichtiger Behandlung auch auf Expeditionen von Dienst
sein können, falls es sich um die Erzielung von Naherungswerthen handelt. Die
Schatzung der Höhe von Wasserfiillen und Stromschnellen, welche zwischen je
zwei Beobachtungsorten liegen, liefert ausserdem einen weiteren Beweis dafür,
dass die gefundenen Werthe sich unmöglich weit von der Wahrheit entfernen
können; man darf sie ohne Zögern als Basis für die Construktion geognostischer
Profile benutzen.
Freilich sind meine Instrumente unter so günstigen Verhaltnissen transportirt
worden, wie sic nicht oftmals sich darbieten; die Aneroide sind wahrend der
ganzen Reise in Surinam keinen Augenblick aus ihrer horizontalen Stellung
herausgerückt, ausserdem im Bote oder in der Hand transportirt, so dass sie
unmöglich eine Erschütterung erleiden konnten. Auch betrug die Luftlinie von
Paramaribo nach der Endstation gemessen nur 18 geographische Meilen,\') so dass
der Luftdruck an dem Orte der Ablesung des Quecksilberbarometers im Allge-
meinen gleich demjenigen der Beobachtungsstation im Innern angenommen wer-
den durfte.
ratur der Luft betrug aber nur 26,7, und selbstredend ist die betreffende Ablesung unbrauchbar.
Auch haben die Untersuchungen des Instruments im physikalischen Laboratorium gelehrt, dass
mindestens Va Stundo erforderlich ist, bis es nach starker Erwürmung seinen richtigen Stand
wieder eingenommen. Mittags war es aber nicht möglich, so lange mit der Ablesung zu warten.
1) Der im Flussbette zurückgelegte Weg betragt 28 geogr. Meilen.
-ocr page 246-
224
Verzeichniss der gemessenen Böhen.
1. Curagao.
Eigene Messungen. ! Höhen.
Formation.
Aeltere Angaben.
1.
Gipfel des St. Christoffelbergs. Ueber dem
376 m
8!
350 m (Stifft), 365 m (Kuy-
per), 1200\' (Bosch u. Teen-
stra). 1)
2.
Haus von Hermanus. n * n
27 m
3.
Haus von Savonet. „ „ „
Ober© Grenze des Eruptivgesteins itn Tafel-
berge St. Hieronimo. Untere Grenze der
20 in
4.
207 m
J
5.
Plantersrust. Grenze des Eruptivgesteins
gegen die quartaren Conglomerate. Ueber
Gipfel des Tafelbergs St. Hieronimo. Ueber
16 in
218 m
5
6.
Der Tafelberg an der Fuik-
bai ist nach Bosch 950\', nach
7.
8.
9.
Gipfel des Priesterbergs. Ueber dem Meere.
Gipfel des Kleine Berg. „ „ „
Gipfel von Fort Nassau. „ „ „
129 m
78 m
68 m
nation.
Teenstra fast 1000\' hoch. 2)
130\' nach Gabb. (Die Nord
kuste der Insel ist nach dem-
selben Autor 100\' hoch).
10.
Höchster Punkt am innern Absturze des
3.
Kalkplateaus im SO von Hermanus. Ueber
67 m
lartiir
11.
Höchster Punkt in der oberen Uferterrasse
unweit der Boca von Savonet. Ueber dem
37 m
a
12.
Relativer Höhen-Unterschied zwischen dem
Uause von Hato und dem höchsten Punkte
29 m
II. Aruba.
13. Gipfel des Jamanota. Ueber dem Meere . . 183 m
Nach Teenstra 500\', nach der
englischen Karte 182 m.
(Ariekok 167 m).
197 in nach d. engl. Karte,
nach Teenstra 400\', nach
Bosch 300—400\'.
I
175 m
Gipfel des Hooibergs.
I
Ueber der Thalsohle . 138 m
1)  Keiner von Allen giebt an, wolier er die Angaben erhalten hat.
2)  Desgleichen ohne n&here Angabe.
-ocr page 247-
225
Höhen. \\ Forma f ion.
Aeltere Angaben.
Eigene Messungen.
38 in
i o
- o
|l
li
38 m
»a
Oipfel des Serro Colorado. Ueber dem Meere.
Conglomerate, Hangende» von Orünschiefern,
in der Schlucht von Fontein. Ueber dem
Meere...............
10.
17.
III.  Bonaire.
Gipfel des Brandaris. Ueber dem Meere . . 254 m
Plateau an der Westseite des Brandaris. Ueber
dem Meere.............1177 m
IV.   Cardcas.
Hotel St. Armand in Caracas. Ueber dem
.Meere.....•.........909 m
Höchster Punkt der Seitenwand einer steilen
Schlucht, an der die Bahn von La Quaira
nach Caracas hinführt, Boqueron genannt.
Ueber dem Meere...........616 m
V.   Surinam. \')
IS.
19.
lil
905 m
StatistischerJahres-
bericht über ie ver-
einigten Staten von
Venezuela. Caracas
1884. (Nivellirt).
21.
60\',» m
U!
a
es
S
28—31 m
31,5 m
O
0D
85,5 m
aba
94 m
61 in
Q
94 m
88.
Kuppen im Walde bei Phaedra. Mittel aus
der Messung von 2 Höhen. Ueber dem Flusse
Surinam..............
Blauer Berg. Mittel aus 2 Messungen. Ueber
dem Flusse Surinam.........
Monni, unterhalb Toledo. Ueber dem Flusse.
(Absolute Höhe dieses Gipfels 104 m)
Karte Cateau
van Rosevelt\'s
(Schfitzungen).
23.
24.
Beobachtungen, das Gefdlle des Surinam betreffend,
a. Morgens.
Station am Flusse.
A. Bar.
Qu. Bar.
H.
H\'.
H\\
Phaedra ....
31 Marz.
7635
7637
2
0
2
Bergendaal . . .
1 April.
7632
7632
0
0
0
Boschland . . .
2 „
7629
7635
7
0
(7)
Waldstation . .
3 .
7617
7627
11
5
6
Koffiekamp . . .
4 ,
7613
7625
14
7
7
1) Die Werthe von X\'. 22 und 23 sind zugleich als absolute Höhen zu betrachten; am Monni
(24) dagegen besitzt das Flussbett bereits eino Meereshöhe von etwa 43 m, so dass die absolute
Höhe dieser Kuppe zu 104 m angenommen werden muss.
-ocr page 248-
226
Station am Flusse.
A. Bar.
Qu. Bar.
H.
II\'.
H\\
Wakiba9»u .
Gansee. . .
5  April.
6      ,
7        „
8       »
9      .
7617
7605
7596
7587
7574
7636
7628
7623
7620
7619
22
26
31
39
52
9
10
5
8
7
13
16
Langahuku .
26
31
Toledo. . .
46
b.
Abends.
7621
7621
0
0
0
7622
7625
3
0
3
7623
7620
(-3)
0
l-»)
7619
7620
(1)
5
(-4)
7618
7615
(-3)
7
(-10)
7605
7612
(9)
9
(0)
7595
7625
35
10
25
7589
7615
31
5
26
7575
7610
41
8
33
7565
7608
51
7
44
Phaedra .
30 Mfirz.
Bergendaal
Boschland
Waldstation
31 .
1   April.
2      ,
KofHekamp
3 ,
Wakibassu
4 ,
Gansee .
5 n
Langahuku
Kapua
Toledo. .
6       „
7       .
8       „
In diesen Tabellen giebt die Spalte A. Bar. den corrigirten Stand meines
Aneroidbarometers an, die Spalte Qit. Bar. denjenigen des Quecksilberbaro-
meters in Paramaribo; H die daraus abgeleitete Höhendifferenz, gleichzeitig die
absolute Höhe der Station, da diejenige von Paramaribo = O gesetzt werden darf.
H1 giebt die Höhe der Station über dem Flussbette an, ebenfalls mit dem Aneroide
gemessen. H2 ist durch Subtraction des Hl von H erhalten und liefert somit die
absolute Höhe des Strombettes an den genannten Orten.
Die eingeklammerten Zahlen sind bei sehr veranderlichem Barometerstande
erhalten und aus diesem Grunde unbrauchbar. Sie sind bei der Berechnung der
Mittelwerthe in der folgenden ïabelle vernachlassigt.
Abschnitte
des
Strombettes.
Die Vertheilung der Stromschnellen und Wasserfillle.
Mittelirerthe der Höhen. \')
Phaedra
o i
2  I
3  j
0  *
(7)  I
ui
Bergendaal
Ifi
Boschland
Brokopondo. Barrière mit Strudellöchern.
1) Cateau van Bosevelt schatzt das Oefalle des Surinam zwischen Sarakreck und Sfsabo auf
etwa 45 m (vgl. Karte).
-ocr page 249-
227
Mittelwerthe der Höhen.
Absehnitte
des
Strombettes.
Die Vertheilung der Slromschnellen und Wasserfülle.
Waldstation. (—4) j
Koffiekamp (-10) /
7 S1
Gebiet der
Strom-
schnellen.
Stromschnellen gegenüber dem Dabikwénkreeke.
Stromschnellen gegenüber dem Fobakkakreeke.
Wakibassu. . (0) |
13 S 13
Gansee . . . 25 j
16 \\ \'
Langahuku. . 26 1
26 S
Kapua . . . . 33 i
31 1 32
Toledo ... 44 1
45 | 44\'5\'
Gebiet der Wasserfülle.
Diëti- und Biabin-Fall (links). Arusabanja (rechts),
2 m.
Kapasie-Fall (rechts), 1 m.
Stromschnellen bei Adjubikreek.
Stromschnellen von Gongotha.
Stromschnellen von Nana.
Falie von Miengotiri (links), 1 m (?).
Fall Papantiri (links), 0,5 m.
Fall Akunkun (rechts), 1 m.
Katipau (links). Gidibo oder Bin (rechts), 3 m.
Madiengifall, 2 in.
Kwct\'ii (links). Sisabo (Mitte). Sopo (rechts), 3,5 m.
Stromschnellen zwischen Sisabo und Toledo, 2 m (?).
Eine Quartarformation von Cabo Blanco
in Venezuela.
An der Kuste von Venezuela, westlich von La Guaira, liegt Cabo Blanco,
eine etwa 80 m sich erhebende, ins Meer vorspringende Anhöhe, welche nach
Humboldtl) aus Gneiss, nach der Karte von "Wall2) aus krystallinischem Schiefer
aufgebaut ist. Das Gestein geht, nach Humboldt\'s Mittheilung 1. c. zu schliessen,
nur ara westlichen Abhange daselbst zu Tage aus; auch sah ich am östlichen
Abhange nur Sande und Trümmergesteine der archaeischen Formation in land-
einwarts einfallenden Schichten und durchaus entsprechend den an den Gehangen
der Sillakette von Caracas auftretenden, recenten Bildungen. Die südliche Fort-
setzung des Caps wird von Höhen gebildet, welche wie viele andere in der weiteren
Umgebung von La Guaira die rothe Fürbung der Laterite zeigen. Von der Rhedo
von La Guaira gesehen, schliosst das Cap den Bliek im Westen ab.3)
Oestlich von Cabo Blanco, im Innern einer der zahlreichen in die Kuste
1)  Reise in die Aequinoctial-Gegenden 5ter Theil, pag. 596.
2)  Wall. On the Geology of a part of Venezuela and of Trinidad.
3)  Ygl. die Abbildung in Theil I dieses Werkes, Tafel 18. Das quartare Plateau ist auf dieser
Tafel auch noch deutlich erkennbar.
-ocr page 250-
228
eingeschnittenen Kreisbuchten, stösst ein aus horizontal gelagerten Schichten
gebildetes Plateau ans Ufer, dessen Höhe ich nahe dem Meere auf etwa 30 m
schatzte, weiehes nach Süden zu aber noch etwas ansteigt. Es ist von zahlreichen
Wasserrissen durchschnitten, in denen versteinerungsführende Schichten aufge-
schlossen sind, und zwar zu unterst ein Trümmergestein mit Bruchstücken der
archaeischen Formation, dessen Cement ein sehr feinkörniger, zerreiblicher, licht-
grauer, mit Siluren lebhaft brausender und an Muscovitschüppchen reicher Sand-
stein ist. Diese Schicht ist nur in etwa 1 m Machtigkcit am Boden der Einschnitte
aufgeschlossen; dann folgen aufwiirts machtige, lockere Sande. lm Wesentlichen
sind aber beide Ablagerungen gleichaltrig, wie aus der nachfolgenden Liste von
Petrefakten sich ergiebt, in der ein dem Namen beigefügtes o die obere, ein u
die untere Schicht bedeutet, wahrend ein h angiebt, dass die betreffende Art
hiiufig, ein hh, dass sie sehr haufig vorkommt. Die Bestimmung der von mir
gesammelten Versteinerungen ist durch M. M. Schepman ausgeführt:
Marginella marginata Born. — u, o.
Marginella interrupta Lam. — hh. — u, o.
Oliva jaspidea Gmel. — u.
Oliva nitidula Dillw. — u, o.
Oliva fusiformis Lam. — u, o.
Oliva reticularis Lam. — u.
Terebra rudis Gray. — o.
Terebra Cosentini Phil. — o.
Conus columba Brug. — o.
Conus echinulatus Kien. — h. — u, o.
Conus pygmaeus Rve. — h. — o.
Balanus spec. — o.
Pectunculus spec. (?) — o.
Leda acuta Conrad (?) — u.
Cardita spec. (?) — o.
Venus cancellata Lam. — o.
Cytherea maculata Lin. — hh — u, o.
Turritella variegata Lin. — h. — o.
Turritella imbricata Lin. — h. — o.
Triton Antillarum d\'Orb. — o.
Columbella recurva Sow. — o.
Purpura haemastoma Lin, — o.
Murex spec. (?) — u.
Siimmtliche Arten sind lebend und, mit Ausnahme der von La Plata be-
kannten Columbella recurva Sow., als Bewohner des westindischen Meeres ange-
führt; die betreffende Ablagerung ist demnach als Quartiir zu bezeichnen.
Ilumboldt betrachtete die versteinerungsführenden Sedimente von Cabo Blanco
als Tertiiir\') und das Trümmergestein daselbst als das iilteste Glied der in
Venezuela entwickelten, tertiaren Schichtenreihe, s) zu der auch verschiedene
andere, cbenfalls von Karsten mit den Ablagerungen von Cabo Blanco vereinigte
Sedimente von ihm gerechnet wurden. Karsten3) erklarte mit Humboldt Schichten,
1) 1. c. pag. 548 u. 595 ff.          2) 1. o. pag. 597.
3) Karsten. Beitrag zur Kenntniss der Gesteine d. nördl. Venezuela. (Zeitschr. d. deutsch. geolog.
Oesellach. Bd. II, 1850, pag. 345).
-ocr page 251-
229
welche in den Hügeln des St. Antonio bei Cumana und auf A.raya anstehen, für
aequivalent mit denjenigen von Cabo Blanco, ferner Schichten vom Südrande des
Gebirges von Cumana, von Mucujucual, vom Flusse Capaya und Tuy; vermuthlich
gehören nach ihm auch noch Sedimente vom Morro l\'nare und von Clarines
hieher. Er sagt, dass die betreffenden Ablagorungen „nur die ji\'mgsten, noch
lebenden Seethiere" enthalten \') und dem entsprccbend scheinen ihm spiitcr die
bei Cumana und an anderen Orten anstehenden Schichten, welche mit den an
der ganzen Jïordküste Neu-Granadas vorkommenden Muschclbreccien zusammen-
gefasst werden, „einer quarternaren Schöpfung anzugehüren." 2)
Darauf sind aber die Schichten von Cabo Blanco durch Karsten wieder als
Tertiar bezeichnet,3) der Kalk von Cumana und Araya als „Tertiiir oder viel-
leicht, wenigstens zum Theil, als Quartar,"*) und ferner nochmals die Kalke
von Antonio bei Cumana als Tertiar,6) wahrend die bereits angoführten, für
aequivalent gehaltenen Ablagerungen auch hier wieder als gleichwerthig betrachtet
werden. Die Unklarheit der Darstellung kann kaum grösser sein. In den Karten
sind von Karsten beide Male die tertiaren und quartiiren Bildungen zusammen-
gefasst worden, so dass durch sie auch kein Licht zu erhalten ist.
Wall6) verzeichnet auf Araya und bei Cumana „Newer Parian (Miocene?),"
bringt aber keinerlei Beweis für seine Altersbestimmung, so wenig wie auch die
Parallelisirung mit dem Xewer Parian von Trinidad genügend begründet ist. Sind
aber die betreffenden Schichten von Venezuela und Trinidad wirklich aequivalent,
so folgt daraus doch noch keineswegs das tertiiire Alter, da das Newer Parian
auf Trinidad nach Etheridge7) vermuthlich auch quartare Ablagerungen umfasst.
Auch ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Llanos jünger seien als die Kalke
von Cumana und Araya, wie Wall annimmt.
Sind die von Humboldt und spiiter von Karsten zusammengefassten Schichten
wirklich alle aequivalent, so mussen sie gleich den Ablagerungen von Cabo Blanco
als Quartar bezeichnet werden, doch ist der Beweis für die Aequivalenz bis jetzt nicht
sicher geführt worden. Es dürfte eine dankenswerthe Aufgabe sein, die erwahnten
Sedimente genauer auf ihre Fossilführung zu prüfen, da sie bei Berücksichtigung der
Höhenlagen und des Einfallens der Schichten wichtige Aufschlüsse über tektonische
Veranderungen im Gebiete der Küstencordillere von Venezuela geben könnten.
1) I. o. pag. 351.          2) Oeogn. Vorhiütnisse d. wescl. Columbien, pag. 86.
3) Oéolog. de 1\'Ancienno Colombic Bolirarienne, pag. 8. 4) 1. c. pag. 9. 5) 1. o. pag. 10.
C>) 1. o. pag. 466 und Karte. 7) Wall and Sawking. Qeology of Trinidad. Appendix J, pag. 163.
80
-ocr page 252-
Tafel-Erklarung.
Tafel I.
Fig. 1 u. 2. Roste von Sirenen. Rippenfragmente. la Querschnitt, in der
Richtung c—d durch das in Fig. 1 dargestellte Fossil gelegt; lb des-
gleichen, in der Richtung a—b; beide Querschnitte nach Gypsabgüssen
hergestellt. \'/a nat- Grosse. — pag. 101.
Fig. 3—7. Carcharodon. Nat. Grosso. — pag. 104.
Fig. 8. Oxyrhina. Nat. Grosse. — pag. 105.
Fig. 9 u. 10. Oxyrhina?? Nat. Grosse. — pag. 105.
Fig. 11. Fragment eines Rochenzahnes. Nat. Grosse.—pag. 105.
Fig. 12. Zahnfragment von Diodon? Nat. Grosse. — pag. 105.
Fig. 13. Ammonites spec. indet. Nat. Grosse. — pag. 60.
Tafel II.
Fig. 14. Radiolites Lam. Bruchstück der iiusseren Schalenschicht mit Ein-
drücken von Radialgetiissen und deutlich erkennbarem Innenrande,
woleher daneben im Vertikalschnitte vergrössert dargestellt ist. An der
mit einem * bczeichneten Stelle verdrückt. Nat. Grosse. — pag. 23.
Fig. 15. Radiolites Lam. Steinkern von Zeilen dersclben Schalenschicht,
aus Kiesclsubstanz bestehend. Ycrgrösserung \\. — pag. 24.
Fig. 1G. Radiolites Lam. Liingsschliff durch dieselbe Schalenschicht. a in
nat. Grosse, b ein Thcil dosselben vergrössert. — pag. 23.
Fig. 17. Radiolites Lam. Bruchstück dor iiusseren Schalenschicht mit Ein-
drücken von Radialgofassen. In der Mitte zum Theil verkioselt, sonst
aus Kalk bestehend. Nat. Grosse. — pag. 23.
-ocr page 253-
231
Fig. 18. Radiolites Lam. Langsschliff, vergrössert, die beginnende Zertrüm-
merung der Zeilen in den stark gestörten Schichten andeutend. —
pag. 23.
Fig. 19. Radiolites Lam. Querschliff, etwas schrüg gegen die Liingsachse
der Zeilen, so dass verschiedeno Schichten derselbea getroffen sind.
Nat. Grosse. — pag. 23.
Fig. 20. Radiolites Lam. Querschliff, vergrössert, zum Theil mit Chalcedon
gefüllte Zeilen enthaltend. — pag. 23.
Fig. 21. Radiolites Lam. Langsbruch mit stark verdrückten Zellenlagen.
Der mit einem * bezeichnete Körper bildete das Widerlager. Nat.
Grosse. — pag. 23.
Fig. 22. Lithothamnium curasavicum n. sp., eingeschlosson im Gestein, auf
einer angeschliffenen Fliiche desselben. Nat. Grosse. — pag. 26.
Fig. 23. Lithothamnium curasavicum n. sp. Langsschliff. Vcrgrösserung ".
— pag. 26.
Fig. 24. Lithothamnium curasavicum n. sp. Querschliff. Vcrgrösserung L^s-.
— pag. 27.
Fig. 25. Lithothamnium curasavicum n. sp. Langsschliff. Vcrgrösserung ***.
— pag. 27.
-ocr page 254-
INDEX.
A. Für die Insein.
Abrasionsfliichen. 119.
Achat. 75.
Adikurarie. 02.
Alta Vista. 58.
Altquartiir. 79, vgl. ferner Kalkstein.
Ammonitee TrefTryanus. 60.
Amphibolit von Aruba. 50. 53. 36. 132.
Analysen von Phosphoriten. 90.
Antikurie. 63. 108.
Antillen. 33. 85. 132. 134.
Araschie. 46.
Archaeisch. 56. 132.
Ariokok. 50. 60.
Aruba. 40. 86.
Ascention 100. 110.
Atmosphaerische N ieder schlage. 113.
Aufscliüttungsboden. 114. 123.
Augitdiorit. 45. 134.
Ausn\'iuiniing der Kilande. 119. 123. 136.
Ava blanco. 121.
Azurit. 37. 03.
Baradicarta. 71.
Beekenburg. 111. 125.
Belaschie. 61. 63.
Binnenwasscr. 120. 136.
Binnenwaaser auf Bonaire. 77.
Blue-beache. 19.
Boca dos IMayos. 52. 60. 62. 131.
Boca van Welvaart. 52. 57.
Bonaire. 07. 87.
Bramluris. 75. 76. 119.
Brandungsterrassen. vgl. Uferterrassen.
Brievengat. 19. 78. 110.
Britisch-Uuiana. 133.
Brunnen. 114.
Buschiribana. 46. 47. 62.
Caraeas-Bai. 17. 84. 111.
Caraobito. 42. 45. 101. 113.
Carcliarodon. 81. 104.
Chalcedon. 75.
Chetta. 50. 57.
Coccoloba uvifera. 131.
Conglomerat, cretaceïseh, von Bonaire. 74.
Conglomerat, cretaceïseh, von Curaeao. 19. 28. 31.
Conglomerat, quartiir, von Curaeao. 15. 16. 17.
39. 82.
Cordillero von Venezuela, vgl. Venezuela.
Curaeao. 0.
Curaeao. Nordküstc. 117.
Curaeao. Südküste. 110.
Cyclostma megacbile. 97. 100.
Dnimarie. 60. 03. 131.
Dania. 25
Diabas. 1.12.
Diabas auf Aruba. 50. 55, 57. 62. 109.
Diabas auf Bonaire. 72. 74. 76. — 78.
Diabas in Ost-Curaeao. 12. 125.
Diabas in West Curaeao. 36. 39.
Diabascongloinorat. 50. 133.
Diabasporphyrit. 30. 76.
Diabastuff. 132.
üiodon. 105.
Diorit von Curaeao. 39.
Diorit von Aruba. vgl. Quarzdiorit.
Dioritporpliyr vo» Aruba. 57. 58. 59. 134.
Disciden. 73.
Discorbina. 34.
Dünen. 130. 136.
-ocr page 255-
233
Erosion durch das Meer. 106. 108.111.119.136. I
Erosion durch fliessendes Wasser. 54. 123.
Erosionsformen des Quarzdiorits von Aruba. 48.
Erosionsformen im Diabaa von Aruba. 52.
Erzgiinge. vgl. Oangnetz u. Kalkspathgtinge.
Facies-Unterschiede. 130.
Fischreste. 101. 104.
Fontein auf Aruba. 50. 57. 107. 108. 113.
117. 131.
Fontein auf Bonaire. 70. 73.87.104.105.112.116.
Fort George. 61.
Fort Nassau. 7. 125.
Fuik. 96. 100.
Fuik-Bai. 88. 121.
Oabbroartige Oesteine. 46. 134.
Oangnetz von Aruba. 61. 63. 134.
Oeognostische Beobachtungen auf Aruba. 44.
Oeognostische Beobachtungen auf Bonaire. 70.
Oeognostische Beobachtungen auf Curai\'ao. 11.
Gesteinsliste. 137.
Glimmerporphyrit. 74. 76. — 78. 135.
Globigerinen. 34.
Gneiss von Orchilla. 56.
Gold von Aruba. 62.
Goldgewinnung. 65.
Goldseifengebirge. 63. 136.
Goto. 73. 75. — 77.
Granit von Aruba. 57. 69.
Grenadiersmütze. 111.
Groote Berg. 86. 111.
Grundwasser. 113.
Grünschiefer. 51. 53. 54. 57. 132.
Guano. 89. 93. 98. 99.
Gymnodonten. 105.
Gyps. 96. 120.
Hafen von Cura;ao. 16.
Haifische. 101. 104.
Hato. 18. 98. 109. 110. 117.
Hermanus. 40. 98. — 100. 106. 110. 120.
Höhlenphosphate. 96. 135.
Hooiberg. 42. 45. 46. 87. 124.
Jamanota. 50—53. 60. 61.
Jungquartiire Bildungen. 125. vgl. ferner Rift-
kalke etc.
Juwa. 75.
Kalabass. S8. 61. 62.
Kalkalgen. 26. 34. 71. 82. 86. 87.
Kalksinter. 79. 96—99.
Kalkspathgtinge. 37.
Kalkstein, cretaceïsch, von Cura^ao. 18.20.30.
Kalkstein, altquatür. 79.
Kalkstein, altquartür, Miichtigkeit. 54. 135.
Kalkstein, altquartür, Metamorphose. 93.
Kalkstein, altquartür, Verbreitung. 85.
Kalkstein, quartiir, von Aruba. 49. 55. 58.
Kalkstein, quartiir, von Bonaire. 70—74. 77.
Kalkstein, quartiir, von Cura^ao. 15. 16. 17.30.
39. 85. 124.
Karakao. 75. 76.
Karto von Aruba. 43.
Karte von Bonaire. 69.
Karte von Curarao. 10.
Karten der Insein. 4.
Kiesclschiefer, cretaceïsch, von Bonaire. 70. 71.
73. 76.
Kieselschiefer, cretaceïsch, von Cura^ao. 19. 22.
27. 32.
Klein-Cura<;ao. 89. 96.
Kleine Berg. 86. 110. 111.
Knochenbreccie. 96.
Korallen, Flachbauten von. 128.
Korallenkalke, ihr Wachsthum. 81.135; vgl. fer-
ner Kalkstein, quartiir u. altquartür, fer-
ner Hift\'kalke.
Kralendijk. 70. 128.
Kreideformation auf Aruba. 59.
Kreideformation auf Bonaire. 70. 73. 74. 76. 78.
Kreideformation auf Cura<;ao. 18 u. 21 ff.
Kreideformation der Antillen, vgl. Antillen.
Kreideformation der Eilande. 134.
Kreideformation von Südamerika. 32. 35. 131.
133. 134.
Krystallberg. 47. 61. 62.
Kupferorz. 37. 63.
Küstengebirge von < \'ui arao. 14. 84.
Küstenlagunen. 121. 136.
Lagunen. 121.
Lange Berg. 70. 72. 88.
Lagerungsform der altquartiiren Kalke. 84.
Lagerungsverluiltniss der Kreideformation von
Cura\\ao. 22. 28. 37. 40.
Lithothamnium (curasavicum) 26. 34. 71.82.86.
Los Monges. 88.
Los Koques. 88.
Miichtigkeit der altquartiiren Kalke. 84. 135.
Makaku. 75. 76.
Malachit. 36. 63.
M iiiial us. 89. 101.
Mandelstein. 51. 75.
Mangrove. 128.
-ocr page 256-
234
Quarzdiorit. Seino Verbreitung. 49.
Quarzgünge auf Aruba. 58. 60. 134.
Quarzgünge auf Curaoao. 13. 37.
(Juaiv.it von Orchilla. 56.
Quellen. 113. 116. 118.
Radiolarien. 73.
Radiolites. 22. 32.
Riffkalko, jungquartar. 127. 128. 130. 135. 136.
Rifwater. 1S»1.
Rincon. 73. 74. 76. 88. 119.
Rochen. 101. 105.
Ronde Klip. 85.
Rooi Cachunti. 54. 55. 87. 117.
Rooi Grandi. 76.
Rooi Noordkap. 52.
Rotalinen. 34. 73.
Rothkupfererz. 37. 63.
Rudisten. 22. 32. 34. 35.
Rudistenkalk. 21. 32. 35.
Salzbildung. 122.
Salzpfannen. 122.
Sandstein, cretaceïsch (?), von Arubi». 60.
Sandstein, cretaceïsch, von Bonaire. 71.
Sandstein, cretaceïsch, von Curagao. 18. 29.
Saugethierreste. 89. 96. 101.
Savonet. 21. 22. 27. 36. 39. 63. 86. 111. 121.
Schlussbetrachtungen über die Insein. 131.
Schottegat. 7. 83. 127.
Schriften Uber die Insein. 1.
Schutzwalle. 114. 123.
Seenbildung. 119.
Serro Blanco. 61.
S. Colorado. 49. 58. 60. 89. 92. 95. 101.
S. Culebra. 49. 89. 92. 94.
S. Orandi (in Ost-Bonaire). 71.
S. Grandi (in West-Bonaire). 75. 76. 87. 100.
108. 112.
S. Largo. 87.
S. Plüt. 58. 87.
Sirenen. 89. 101.
Slachtbai. 75. 77.
Sneeuwberg. 61.
Sombrero. 88.
Spanische Lagune. 54. 61. 121. 125. 128.
Spanischcs Wasser. 127. 129.
St. Antonieberg. 36.
St. Barbara. 89. 95.
St. Christoffel. 27. 29. 36. 38. 86. 113.
St. Cruz. 42. 47. 51. 60.
St. Hieronimo. 36. 86.
Martinit. 96.
Matcvidirie. 57.
Mergel, cretaceïsch, von Bonaire. 72.
Mergel, cretaceïsch, von (\'ura^ao. 18. 30.
Mergelschiefer, cretaceïsch (?), von Aruba. 00.
Metamorphosirte Korallenkalke. 93. 135.
MineralgSnge auf Aruba. 59. 60.
Miralamar. 50. 00. 62.
Mittelamerika. 131. 132. vgl. ferner Antillen.
Mona. 88.
Muachelbiinke. 125. 136.
Myliobatidcn. 105.
Nivellhung der Insein. 123.
Xordküsten der Eilande. 118.
Nordstrand von Aruba. 52. 55. 57. 60. 87.
Nordstrand von Bonaire. 72. 76.
Onima. 73. 119.
Orbitoides. 81.
Orchilla. 56. 88. 132.
Orographische Gliederung von Aruba. 40.
Orographische Gliederung von Bonaire. 67.
Orographische Gliederung von Cura«;ao. 6.
Ost-Curarao. 12. 85. 123.
Ostpunt. 110. 121. 128.
Ost-Seinpost. 13. 128.
Oxyrhina. 105.
Palaeontologischer Charakter. vgl. Petrefakte.
Parahusté. 54. 57.
Pan Blanco. 54. 87.
Passat. 106.
Pekelmeer. 122.
Pepites. 65.
Petrefakte, cretaceïsche. 22ff. 34. 73.
Petrefakte, quartiire. 80. 125. 130.
Petrefakte, quartiire aus Phosphoriten. 89. 101.
Plantersrust. 15.
Phosphorite. 88.
Pbospborite, Bildung der. 93. 98. 99. 135.
Pliosphorite, Geode im. 99.
Phosphorite, Miiehtigkeit. 94.
Pliosphorite, Verbreitung. 88. 100.
Phosphorite von Aruba. 89.
Phosphorite von Cura^ao. 95.
Piscaderosbai. 125.
Ponton. 128.
Pioterobas. 72.
Pupa uva. 17. 21. 97. 100. 125.
Quartiir. 79. 125. Vgl. ferner Kalkstein.
Quarzdiabas. 36.
Quarzdiorit. 44. 53. 56. — 59. 62. 94. 124.133.
-ocr page 257-
235
Tutenmergel, cretaceïsch, von Curgaao. 18.
Uferterrassen. 30. 106. 116. 130. 136.
Uferterrassen auf Bonaire. 72. 76.
Uferterrassen. Vgl. ferner Strandlinien.
Uralitite. 50. 51. 134.
Veeris. 125.
Venezuela. 32. 33. 35. 88. 131. 132.
Verbreitung der altquartiiren Kalke. 85.
Verbreitung des Quarzdiorits auf Aruba. 49.
"Waaigat. 121.
Wachsthum der Korallenkalke. 81. 135.
Wamari. 71.
Wasserarmuth. 117.
West-Curaoao. 86.
Westpunt auf Aruba. 46.
Westpunt auf Cura^ao. 36. 39.
Windberg. 42.
Wirbelthierreste. 101.
St. Jan. 78. 100.
St. Martin. 88.
Strandlinien von Aruba. 113.
Strandlinien von Bonaire. 76. 112.
Strandlinien von (\'uiai.ao. 109.
Strandlinien. Vgl. ferner Uferterrassen.
Strandverschiebung. 82. 11». 125. 127. 129. 135.
Südamerika. 32.V gl. fernerVenezuela u. Britisch-
Ouiana.
Südküste von Aruba. 128.
Tafelberg. 88. 110. 128.
Tertiar. 135.
Teufelsklippe. 96. 97. 110.
Textularinen. 26. 34.
Toas. 88.
Trennung von Cura^ao. 133.
Trockenlegung der Eilande. 119.
Tuffgestein von Bonaire. 76. 77. 135.
Tuffgestein von Curai;ao. 78. 135.
B. Filr HolliindischA
Ablögung der Insein (\'ura<.ao etc. 213.
Adjanakondre. 194.
Aestuar. 173.
Aktinolithschiefer. 158.
Akunkunfall. 161. 162.
Albina. 180.
Allgemeines über Surinam. 188.
Alluvium. 146. 148. 152. 154. 167.
Alluvium, Ausdehnung des. 198.
Alluvium, Bildung des. 170.
Alluvium, Milchtigkeit. 170. 172.
Alluvium, Material des. 173.
Alluvium, Meere8-. 199.
Alluvium. Seine Umlagerung. 175.
Altquartiire Bildungen. 214.
Altwasser. 177.
Amazonas. 178. 208.
Amerikakreek. 184.
Amphibol vgl. Hornblende.
Ampbibolit. 153. 165. 194.
Anwacbsen des Flusses. 168.
AranduTnikreek. 180.
Archaeische Gesteine. 148. 153. — 155. 159.
160. 172. 188. 194. 196. Vgl. f. Oneiss etc.
Arkoniekreek. 185.
Arouabo Insein. 180.
Aruba. 211.
Arusabanjafall. 161. 162. 165. 166. 174. 183.
uiana und don Anhang.
Aschendagana. 180.
Auflockerung der Granite. 214.
Aufwiirtsströmen des Flusses. 167. 168.
Augit-Biotitgranit. 162. 165.
Ausblick vom blauen Berge. 151.
Ausscheidungslrümmer. 162. — 165.
Austreten des Flusses. 170.
Avanovero. 141.
Ayo. 174.
Baritu. 178.
Barri(-ren. 154. — 158. 166. 167. 188.
Beaumontskreek. 150.
Bergendaal. 146. 150. 154. 169. 170. 173.
Biabiafall. 161. 166.
Biotitgranit. Vgl. Granit.
IHakarébo. 180.
Blauer Berg. 150. 169. 183.
Bleiglanz. 175. 193.
Bonaire. 211.
Boschland. 151. 152.
Braminaston. 195.
Brasilien. 192. 212.
Breccion. 154. 173. 174.
Britisch-Guiana. 177. 206.
Brokopondo. 151. 152. 153. 154. 155. 156. 158.
168. 169. 170. 173. 175.
Cabalaba. 141.
Cabo Blanco. 227.
-ocr page 258-
23G
Geognostische Beobachtungen am Surinam. 145.
182.
Geognostische Beobachtungen. Uebersicht. 188.
Gerölle. 174. 175.
Geschiebe. 174.
Gesteinsliste ffir Surinam. 216.
Gezeiten des Meeres. 167.
Gidibo. 161.
Glimmerschiefer. 149. 156. — 159.
Gneiss. 147. 155. 158. 160.
Gneissartige Granite. 162. — 165.
Goajira-Halbinsel. 213.
Gold. 156. 192.
Goldseifen. 175. 192.
Gongotha. 161. 162.
Granatbiotitschiefer. 149.
Granaten. 149.
Granit. 147. — 149. 154. 159. 100. ff., 166. 172.
189. 190. 194. 19«.
Granit, Absonderung. 160. 162.
Granit, Gfinge. 189.
Granit, normale Ausbildung. 162.
Granit, Verbreitung. 160.
Granit, zweiglimmeriger. 190.
Granitformation in Britisch-Guiana. 209.
Granitgrus. 149.
Granitit. Vgl. Granit.
Granitmassiv. 151.
Guidala. 180.
Höhenlage der Dörfer. 169.
Hühenmessungen. 219.
Höhenverzeiehniss. 224.
Hornblende-Biotitgranit. 163. 165. 190.
Hornblendegneiss. 160. 165.
Hornblendegranit. 163. 164.
Hornblendeschiefer. 153. 155. 159. 194.
Huguesburg. 159.
Huronisch. 188.
Inselfauna. 213.
Insein Cuiiu.ao, Aruba und Bonaire. 213.
Insein im Surinam. 161. 172. 173.
Inneres von Surinam. 151. 214.
Inundationsbett. 170. 177.
Iribaribatu. 180.
Itabirit. 159. 193.
Itacolumit. 157.
Jabakreek. 185. 210.
Jabutabiti. 161.
Judensavanne. 147. 173. 182. 188.
Caladium arborcscens. 172.
Carolina. 174. 191. 193. 211.
Carolinenburg. 149. 150. 190. 191.
Cederkreek. 151. 154. 174.
Chatillon. 172.
Chloritschiefer. 158.
Coppename. 183.
Corantijn. 141.
Coropinakreek. 174.
Crevaux. 205.
Cura(,\'ao. 211.
Ousewijne. 183.
Dabikwénkreek. 157.
Deekreek. 184.
De goede Hoop. 183.
Diabas. 146. 150. — 153. 159. 165. 166. 169.
190. 194. 196.
Diabas. Seine Lagerung. 191.
Diabasrcgion in Britisch-Guiana. 209.
Diamant. 193.
Diëtifall. 160. 161. 188.
Diorit. 163.
Djédjéfall. 194. 1S5.
Drepanocarpus lunatus. 172.
Durchbruch des Stromes bei Bergendaal. 169.171.
Einscbneiden des Flusses. 172.
Eisenere. 150. 154. 174. 193.
Erdbfben. 213.
Krklürung der Abbildungen. 230.
Krzgiinge. 192.
Facies-Unterscbiede des Granits. 190. 194. 212,
Fallawatrakreek. 187.
Feulkreek. 161.
Flussbett. 172. 173. 176.
Flusslauf. 176. 177. 203.
Flusstand. 167. 169.
Flussterrassen. 169. 170. 172.
Fluthwelle. 167. 168. 173.
Fobakkakreek. 158.
Fossilien aus den Muschelbiinken. 200.
Fossilien, quartüre von Cabo Blanco. 228.
Französiscb-üuiana. 204.
Fungu Kiland, 185.
Oünge von Diabas. 166. 190.
Gangartige Bildungen im Granit. 163. 164. 165
Gang von porpbyrischem Granit. 167. 189.
Gansee. 161. 170.
Gefiille des Stromes. 155. 161.
Gelderland. 146. 147. 172. 182. 190.
-ocr page 259-
237
Muschelbiinke von Venezuela. 214.
Muscovitachiefer. 157.
Netikreek. 184.
Isewstar Eiland. 158.
Newstarkreek. 170.
Nickerie. 174. 185. 187.
Nooitgedacht. 150. 211.
Oberlauf des Surinam. 195.
Otfenes Fahrwasser. 161.
Onoribo. 147.
Oranobo. 180.
Oreiila. 141.
Orinoco. 208.
Papantirifall. 161. 162.
Para. 146. 147. 168. 174.
Pegmatit. 165.
Phaedra. 148. 14» 150. 168. 182. 190.
Pilatus. 151. 155. 169. 170.
Pirotos. 176.
Pisjang. 159. 167. 194.
Pitipratti. 165.
Plateau. Vgl. Flussterrassen.
Platin. 193.
Poiphyrischer Granit. 167. 189. 194.
Porphyroid. 158.
Portal. 180.
1\'ortorico. 146.
Prospérité. 174.
I\'.-i<liiiiii aromaticum. 172.
Quarttir von Venezuela. 227.
Quai-zamphibolit. 153.
Quarzgang. 151. 158. 192.
Quarzgang, goldfiihrend. 192.
Quarzite. 149. 155. — 159. 164. 165. 175.
Quarzitschiefer. 159.
Quaizsand. 147. 148. 150. 173. 193.
Quellen. 147. 182.
Raleighfalle. 185.
Regcnzeit. 167. 168. 176. 177.
Uegion der alluvialen Bildungen. 198.
Region des Granits. 196.
Region der Savannen. 199.
Region der Schiefer und Diabase. 196.
Rhizophoren. 172.
Koozonkreek. 185.
Roraima. 208.
Rotheisenerz. 156.
Sakkcpratti. 161.
Sandbanko. 172. 173.
Sandstoin. 173. 174. 191. 211.
Kadju. 161.
Kalkstein. 148. 174. 191. 211.
Kanzel. 155. 173.
Kaolin. 147. 148. 193.
Kapasie Eiland. 161.
Kapua. 161. 102. 164. 165. 170. 190.
Karaten. 208.
Karten von Surinam. 144.
Kassipurakreek. 147. 148.
Kauruwatra. 152. 155.
Klippen. 148. 161. 172.
Koffiekamp. 159. 160. 165. 170. 189. 194.
Koffiekamp. Insel daselbst. 166.
Komoso. 161. 162. 165.
Kotipau. 161. 164.
Kreide (?). 191. 211.
Krümmungen der Flüsse. 176.
Kwarikreek. 184.
Kwefa. 161.
Lacis lliiviutiilis. 187.
Lagerungsform d. archaeisch. Gesteine. 155.
188. Vgl. ferner Streichen.
La Quaira. 227.
Langabuku. 170.
I.antistciii. 161. I6.V
Laterit. 146. 148-149.150.153.154.166.175.
Lawa. 192.
Leguanen Eiland. 184.
Lehm. 172—175.
Liste von Gesteinen Surinams. 216.
Lokuskreek. 194.
Madiengi. 161.
Makambo. 185.
Manakoafall. 184.
Slarkasit. 157.
Maroni. 179.
Masonia. 187.
Mawassiekreek. 152. 169. 174.
Meeresablagerungen. 199.
Meeresbedeckung in Surinam. 214.
Metamorphosirte Schiefer. 155.
Miengotiri. 161.
Mindrinetrikreek. 192.
Mineralien. 192.
Mittellauf des Surinam. 195.
Monni. 166.
Mourera fluviatilis. 185.
Muschelbilnke in Surinam. 199.
Muschelbiinke. Ibre Verbreitung. 202.
Muschelbünke in Britisch-Guiana. 209. 214.
-ocr page 260-
238
Sandsteinformation in Britisch-Guiana. 208.
Sandsteinformation in Surinam. 210.
Sandsteinformation in Venezuela. 208.
Sannetje Kiland. 160. 172. 173.
Sarakreek. 150. 159. 100. 165. — 167. 174. 183.
193.
S;ll am;liv;l. 192.
Savannen. 147. 148. 168. 170. 199. 214.
Schlammbünke. 173.
Schlieren im Oranit. Uii. 164. 190. 212.
Schriften über Surinam. 141.
Schulpritaen. 199.
Sedimente (cretaceïsch?). 191. 211.
Silber. 193.
Simonkreek. 148.
Siparawinikreek. 181.
Sipnripabokrcek. 168. 173.
Si\'sabo. 161. 162. — 164.
Sisone. 161. 162. 165.
Sopo. 161.
Spaltungsgesteinc des Granits. 162. 163. 190.
Spaltungsgesteine des Quarzdiorits der Insein.
212.
Stauungen. 168. 170. 172.
Steinkohlen. 141. 193.
Streichen der archaoisch. Gesteine. 155. —
158. 188.
Strombett. vgl. Flussbett.
Stromschlingen. 176. 177.
Stromschnellen. 156. 157. 166.
Strudellücher. 156. 169.
Surinam vergliclien mit den Insein. 211.
Surinam vergliehen mit den Xachbarlanderu.204.
Swartwater. 148.
Tafelerkliirung. 230.
Tafra. 149. 150. 183.
Tapoeripa. 185.
Tapoeromonipo. 185.
Taskreek. 150.
Terra roxa. 191.
Terrassenartiger Bau Surinams. 151. 214.
Thon. 147. 148. 151. 174. 193. 199.
Thonschiefer. 191. 211.
Tibiti. 183.
Toledo. 159. 164. 166. 170. 190.
Topibó. 146.
Tortuga. 214.
Triuidad. 214.
Trockenzeit. 167. 168. 170. 172. 177.
Trümnicrinscln. 213.
Tweede doorsnede (Coppenamu). 183.
Uebersicht der Beobauhtungen am Surinam. 188.
Ueberströmung. 170. Vgl. ferner Flusstand.
Ufer des Stromes. 146. 150. 152. 158. 172.
Uferterrasse. Vgl. ferner Flussterrasse.
Uferwiille. 199.
Unterlauf dos Surinam. 195.
Unterlauf der Flüsse Surinams. 203.
Uralitit. 152.
Vaillantkreek. 168.
Vélain. 144. 189. 204.
Venezuela. 209. 227.
Versandung des Stromes. 173. 176.
Verwitterungsdecke von Diabas. 151. 153.
Verwitterungsrinde. 152. 156. 159. 192.
Victoria. 152. 169. 191. 211.
Vi8chkreek. 185.
Voltz. 142. 178. 191.
Wakibassu. 161. 170.
Wanekreek. 179.
Wasserfiille. 161. 190. 214.
"Wasserfiille. Ilir Kückschreiten. 162. 190.
Wayombo. 185. 186.
West-Afrika. 178.
"Wittwater. 148.
Worsteling Jakobs. 148. 173. 182.
Zersetzungsprodukte. 191.
Zonnevischkreek. 187.
-<5="^^-<^>^^-s3-^e=J^SX®>^*\'-
DRUCKFEHLER.
pag. 7. Zeile 11 v. o. liess: „nach Nordost gekehrten."
Der erste Theil dieses Werkes wurde am 15 Juni \'86, die crstc Lieferung des geologischen
Theiles, die Insein betreffend, im Juni \'87 zum Druck befördert; das Ganze ist am 26 Deobr. \'87
abgeschlossen.