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GEOLOGISCHE STUDIËN
UEBER
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN
AUF GRUNI) EIGENER UNTERSUCHUNGSREISEN
VON
K. MARTIN,
Professor für Qeoloyie an der Universitat zit Leiden.
Separatausgare des 2\'1™ Tiieils von: K. Martin, Bericht ueber eine Reise nach
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN UND DAHAUF GEGRUENDETE STUDIËN.
1«« Lieferung: Curacao, Aruba und Bonaire.
Mit 3 col. Karten, 2 Tafeln und 3G Holzschnitten.
LEID E N.
E. J. BRILL.
1887.
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UNIVERSITEITSBIBLIOTHEEK UTRECHT
A06000032142238B
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GEOLOGISCHE STUDIËN
ÜEBER
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN,
AUF GRUNI) EIGENER 1ÏNTKR8UCHUNGSREI8EN
VON
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K. MARTIN,
Professor f\'dr Geologie un der Unwersitiit zu Lehlfn.
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Separatausgabe des 2\'1\'1" Theils von: K. Martin, Bericht uebkr eine Reise nach
NIEDERLAENDISCH WEST-INDIEN UND DARAUF GEGRUENDETE STUDIËN.
l«e Lieferung: Curacao, Aruba und Bonaire.
Mit 3 col. Kakten, 2 Tafeln und 3G Holzsciinitten.
LEIDEN.
E. J. BRILL.
1887.
B&ÜOTHEEK OÉR
R(|KSUNfVeRSlTEIT
UTRECHT
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Instituut veor Geschiedenis
der Exacte Wetenschappen der
|65^7-*.iji\'3univers;teit, Utrecht
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DIE INSELN
CURACAO, AEUBA UND BONAIRE.
Schriften und Karten.
Die iiltesto mir bckannt gewordene Mittheilung über den geologischen Bau
von Curacao ist von Cortes abkünftig.\') Er fiihrt das Eiland nebst Bonaire bei einer
Classifieation der Antillen auf geologischer Basis unter der Gruppe derjenigen Insein
an, welchc nach ihm ganz aus Kalkstein aufgebaut sind. Elumboldt stützt sich auf
diesen Gewiihrsmann und sagt bei Gelegenheit der Beschrcibung seiner Reise in
die Aequinoctialgegenden des neucn Continentes: „Selon 1\'observation de ce même
naturaliste (Cortes) Curacao et Bonaire (Buen Ayre) n\'offrent aussi que des forma-
tions calcaires" 2) und in der spiiter erscliienenen, deutschen Ausgabe nochmals auf
den Gegenstand zurückkommend: „Man hat mich versiehert, aucli die Eilande
Orchilla und los Frailes bestellen gleichfalls aus Gneiss. Curasao und Bonaire sind
Kalkfelscn. Sollte die Insel Oruba, worin Goldgeschiebe (pepites) von gediegenem
Golde in anscbnlicbor Grosse jüngsthin angetroffen wurden, dem Urgebirge ange-
hören?" 3) Humboldt\'s Mittheilungen beruhen somit nicht auf eigenen Beobachtungen.
Aucli Reinwardt, welcher sich zuerst ausführlicher mit der Geologie von Aruba,
anlasslich dos dort gefundenen Goldes, beschaftigte, hat keinc Untersuchungen
an Ort und Stelle vorgenommen. Er stützt sich bei seiner Publikation auf übersandte
Gesteinsproben und schriftliche Mittheilungen, die ihm vermuthlich von Stitt\'t
gemacht wurden, da sich Derselbe gerade derzeit auf den Insein befand. Nach
1)  Cortes. Mémoire sur la geologie des Antilles. Extrait d\'une lettre do H. Cortes (au Fort royal
de la Martinique) a M. Ilumboldt. (Joum. de Phys. de Cliim. et d\'Ilist. Nat. Tomé LXX. 1810.
pag. 129).
2)  A. von Humboldt. Voyago aux régions équinoxiales du Nouveau Continent par Al. do Ilumboldt
et A. lionpland. Tomé V. Paris 1H20. pag. 51, 52.
3)  A. von Humboldt und A. Honpland. Reise in die Aequinoctial-Gegenden des neuen Continentes
in den Jahren 1799—1804. b\'"\' Theil. Stuttgart und Tiibingen. 182G. pag. 568.
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Reinwardt ist das Hauptgcstein von Aruba Syenit, neben Diorit und Serpentin;
die goldführenden Quarzite waren ilim bercits bekannt und das alluviale Goldvor-
kommcn wird ausführlich von ihm behandelt. \')
lm Jahrc 1827 untersuchte der Oberbergrath C. B. R. Stifft im Auf-
trage der Niederlandischen Regierung die Insein Curacao, Aruba und Bonaire
und brachte darüber drei verdienstvolle Rapporto aus. Er unterschied auf Curacao:
„1. Grünstein des ITebergangsgebirges; 2. Todtlicgendes oder alten Sandstein des
alten Flützgebirges und 3. Kalkstein der neuesten Flötz- oder Alluvialbildung." Die
Formationen auf Aruba wurden von ihm eingetheilt in: „1. Syenit; 2. Grünstein;
3. Kalk; 4. Letten und 5. Sand", diejenigen von Bonaire in: ,1. Rorphyr; 2. alten
Sandstein und 3. Riffstcin."
Obwohl min die Rapporto von Stifft niemals als solche gedruckt wurden, so
ging doch ihr Inhalt in eine Kciho von Schriften theils mit theils ohne Angabe
der Quelle über. Bosch 5) und Teenstra :i) geben bald mit mehr bald init minder
Glück und Verstandniss die Resultate der Untersuchungen von Reinwardt und
Stiffr wieder, ohne sie wei ter zu bereichern, denn fast jede ihrer eigenen, geolo-
gischen Beobachtungen ist werthlos. Simons 4) lieferte den besten Auszug aus dein
Curacao betretfenden Rapporto Stifft\'s und nennt auch seinen Gewahrsmann;
Dumontier dagegen bat Jcnen fast wörtlich übersetzt und reproducirt urn ihn in
unerhörter Weise als sein Eigenthum auszugeben.6)
Einer selbstiindigcn Arbeit über Curacao begegnen wir erst wieder bei Gabb6);
doch hat Dieser kaum etwas Anderes als die niichste Umgebung der Stadt gesehen
und hienach die Insel in einer nicht sehr glücklichen Weise beurtheilt. Es ist
kaum erklarlich, dass Derselbe auf Curacao nur Eine Formation, den „coast
1)  C. G. C\'. Reinwardt. Waarnemingen aangaande de gesteldheid van den grond van liet eiland
Aruba en het goud aldaar gevonden. (Nieuwe Verhandlg. d. 1"\' KI. v. h. Koninkl. Neder 1. Instituut
van Wetenschappen, Letterkunde en Schoone Kunsten te Amsterdam. Deel I. pag. 265—281. — Am-
sterdam.)
2)   G. B. Bosch. Reizen in \\Vest-Indii; en door een gedeelte van Zuid- en Noord-Amerika.
Deel I, 1829; Deel II, 183G; Deel III, 1843. — Utrecht.
3; M. D. Teenstra. De Nederlandscue West-Indische Eilanden. — Amsterdam 1836n. 1887.—Fer-
ner: <jeknopte beschrijving van do Nederl. üverzeesche bezittingen. S Biinde. — Groningen
1852.
4)  Q. J. Simons. Beschrijving van het eiland Curaono. — Osterwolde. 1868.
5)  Dumontier. Bijdrage tot de kennis der geologische gesteldheid van het eiland Curacao. (Ver-
slagen en Mededeelingen d. Kon. Akad. v. Wetensch. Afdeoling Natuurkunde, Deel VIII, pag. 287
—307). — Amsterdam. 1858. — Vgl. über dies Plagiat ferner 1. c. Deel X. 18G0. pag. 307.
6)  W. M. Gabb. Xotes on the island of Curacao. (The American Journal of scienco and arts.
Ser. III Vol. V. Nos. 25—30. pag. 382). 1873.
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Tab. U
. i /, We. tl - Indien
Maria, SwJMan.Usch
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3
limestone" erkannt hat, w&hrend andere, von ihm begangene Fehler, auf die ieh
unten naher werde eingehen mussen, eher verstiindlich erscheinen.
Darauf habe ich vor meiner Rciso nach Wcstindien eine kurze Notiz über
Phosphatc von Bonaire gebracht\'), und wenig spiiter erschien eine Abhandlung
von Meyn 2) über den Phosphorit von Cura^ao; kleinere, Aruba betreffende Aufsiitze
wurden vor einigon Jahren vom Pastoren van Koohvijk veröffentlicht3). Auch
D. de Loos hat sich gelegentlich mit Aruba beschaftigt4) und Huglies liat eine
Mittheilung über die Phosphate der Insein gemaeht"); zusammenhiingende Dar-
stellungen der Geologie von Curacao, Aruba und Bonaire sind aber seit Stifft
nicht mehr geschrieben, bis ich selbst dem Gegenstande mich zuwandte.
Vor dem Beginne meiner Untersuchungen war mir von den Stifft\'schen Rappor-
ten nichts Anderes bekannt als das in den oben citirten Schriften Veröffentlichte, und
es ist mir überhaupt nicht gelungcn,die ursprünglichen Berichte von Stifft zur Einsicht
zu erhalten. Dagegen empfing ich in Westindien von dem Gouverneur von Curacao,
Excl. N. van den Brandhof, Copicen holliindischer Uebersetzungen jener Arbeiten,
die indesseu ohne Sachkenntniss angefertigt und in unsinnigster Weise verstümmelt
waren, so dass ein spiiter angestellter Vcrsuch, die Rapporto in der Zeitschrift
der Geographischen Gesellschaft von Amsterdam zu publiciren, wieder aufgegeben
werden musste. Auch die Karte, welche Stifft von Aruba angefertigt hat, wie
aus dem diese Insel betroffenden Berichte sicher hervorgeht, ist meines Wissens
nicht mehr vorhanden; wie deun überhaupt jode kartograpbische Darstellung und
jedes Profil in den mir zuganglich gcwordenen Schriftstückcn fehlte. Aus dieseu
Gründen konnte ich für die Xachforschungen auf den Insein von Stifft\'s verdienst-
vollen Untersuchungen nicht mehr verwenden, als was mir bereits vor meiner
Abreise aus Europa mit Hilfe der oben citirten Schriften bekannt geworden war.
Erst nach Abschluss meiner Keise erfuhr ich, dass deutsche Copieen der Rapporto
sich im Archive der Akadcmie der Wissenschaften zu Amsterdam befiinden. Diesel-
ben würden mir sicherlich von grossem Dienste gewesen sein, wenn ich sic vor dem
Beginne meiner Untersuchungen hatte einsehen können; obgleich auch diese
1)  K. Martin, 1\'hosphoritisehe Kalko von der weatindischen Insel Bonaire. (Zeitschr. d. deutsch.
geolog. Uesellsch. Bd. XXXI. pag. 473). — Berlin 187<J.
2)  L. Meyn. Das Phosphorit-Lager von Curarao (dasolbst pag. 697).
3)  A. J. van Koolwijk. Do Aruba-phosphat-Maatsohappij. liet goudland Aruba. Bronnon van
mineralwater. (Tijdschr. v. h. Nederl. Aardrjjksk. Qenootsch. Ser. II. Deel I. pag. 51)5,51)8, 600).
— Amsterdam 1884. — Abhandlungen nur mit „v. K." gezoiehnet.
4)  D. do Loos. Mineralen van Aruba (Tijdschrift v. Nijverheid. Stuk III). 1883. — Aruba-Bitter-
wassor. (Berichte d. deutschen chem. Cresellsch. Jahrg. XVII, Heft 7. pag. 250.) — Berlin 1884.
6) G. Hughes. On somo West-Indian 1\'hosphatcs (Quart. Jouru. of the Ueological Society. Vol.
XLI. N° 161. pag. 80.) — London 1885.
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lüirlc I.
A" yfartin. Suihflajttlisch Wwt-fmUen.
Avm/r<- PM\'M Tn,fi LcttLm
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Copieen nicht fehlerfrei sind; jetzt batten sie für inic:h aus leicht ersichtlichen
Qründen kaum noch ein anderea als historisches Interesse, zumal auch ihnen jede
Karte und Zeichnung fohlt und Stifft sich nur verhaltnissmassig sclton auf bo-
stimmte Lokalitatcn bezieht. Der Cliarakter dor Arbeiten über Aruba und Bonaire
ist der gleiche wie derjenige des Rapportes iiber Curacao, den Dumontier repro-
ducirte; \\vo irh indessen in den Stifft\'schen Berichten noch Beobachtungen f\'and,
die ich verwerthen zu können glaubte, da ist dies im Nachfolgenden unter Angabe
der Quelle geschehen. Im Uebrigen liabc icli von den derzeit gewiss sehr be-
langreichen Untersuchungen Stitft"s keinen Gebrauch gemacht.\')
Vor der Veróffentlichung dieses Werkes publicirte ich bereits einige vorliiufige
Berichte über die Geologie der Insein,2) einem dringenden Wunsche der Geo-
graphischen Gesellschaft in Amsterdam nachgebend. Dass sich abcr in diose
unmittelbar nach meincr Kückkelir niedergeschriebenen Mittheilungen Ungenau-
igkeitcn und Fehler einschleichen mussten, da noch kein Gestein anders als
oberHachlich makroskopisch wahrend der Keise untersucht und kein Petrefakt
anders als nach der Erinnerung bestimmt war, liess sicli voraussehen und wurde
seinerzeit auch von mir hervorgehoben. Die im Pelde gezogenen Formationsgren-
zen haben sich aber in allen wesentlichen Zügen auch nach der vorgenommenen,
genaueren Untersuchung des Materiales als richtig erwiesen.
Die von mir gesammelten Gesteine und einige Mineralien wurden von Herrn
Prof. J. H. Kloos 3), die (Jonchylien aus quartaren und jüngeren Ablagerungon von
Herrn Dr. J. Lorié 4) untersucht und beschrieben. Weitere Publicationcn, welche das
von mir mitgebrachte Material betreffen, haben indessen noch nicht stattgefunden.
Kaktkx. Unter den Karten, welche von den Insein bekaunt sind, besitzt
eiue alte, von Hering im Jahre 1779 publicirte 6) nur noch ein historisches Interesse.
Einen Augenblick wollte es mir zwar scheinen, als oh sie uns mit Binnenmeeren einer
früheren Zeit, deren Boden jetzt trockeu gelegt sei, bekannt mache, was mit
1)  Die Copieen der hollandisehen Rapporto befiiiden sich im Arcliivo des Geologischen Museums
zu Leiden, diejenigen der doutschen, wie erwiihnt, im Archive der Akademie der Wissen-
schal\'ten zu Amsterdam.
2)   Keise nach den Xiederl.Westindischen liesitzuugen. Brief (Revue (\'oloniale Internationale Tomé
I, N° 1, pag. "!-. — Amsterdam 18*5.) — Pernor: Vorliiuhger Bericht, erschienen unter dem allge-
meinen Titel: „De Nederlandsche expeditie naar de West-Indische eilanden en .Suriname 1884—85."
I. (Tjjdsohr. v. h. Nederl. Aardrijkskdg. Uenootschup tier. II. Deel II. N\'°6—10.)—Amsterdam 1H85.
3)   J. II. Kloos. Untersuchungen über tiesteine und Mineralien aus West-Indien. (Sammlg. des
Geolog. Keielis-Museums. Ser. II. JJd. I. pag. 1—110). — Leiden 1880.
4)  J. Lorié. Possile Mollusken von Curacao, Aruba undder Kuste von Venezuela(l.c. pag. 111—149).
ï>) J. H. Jlering. Beschrijving van het eiland Curacao en do daaronder behoorende eilanden,
Bon Aire, Oroba en Klein-Cura<;ao. — Amsterdam 177\'J.
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Km/o II.
K Jltiiji/t . NiedertaruUsch hï-s/ -Imlicn
:;
JülüMDIHiniimm^;^:-, m.so.
GEOLOGISCHE KAKTE VÖN
ARUBA.
Maasstab I: L00OO0.
/ie/m•i\'kuiHj: t \'r/w/\' i/i\'/i H\'i\'i-//i i/c/- thmmticnsifivnzen ist der Boet jsu verglamcn.
Farbenei\'Hiirunjyf.
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Rücksicht auf die unten zu behandclndcn Verhiiltnisse diescr Becken wohl denkbar
gewescn wiire. Aber eine niihere Betraehtung der Zeichnung ergiobt, dass wir ihr
nur wenig Vertrauen entgegenbringen diirfen. Hering verzeiehnct unter anderen
ein „hohes Gebirge" im Nordon des Scliottcgat, von dein keinc Spur vorhanden
ist, tragt don Tafelberg im Nordvvesten des „Spaansch Water" ein, wahrend er
im Südosten desselben gelegen ist, u. s. w. Eine Karte aus dein Jahre 1800,
welene sich im Arehive von Curacao bofindet und deron Mittlicilung in Copio ieh
Herrn Baron van Heerdt tot Eversbergen verdanke, ist übrigens noch ein bedeu-
tender Rüekschritt gegenüber der uiteren Hering\'schen Darstellung.
Von den Karten von Curacao konnte überhaupt nur Eine \') t\'ür die Verwendnug
bei geognostisehen Untersuchungen in Betracht kommen, diejenige, welche nach
eiuer Zeichnung des um die Colonie 80 sehr verdienten 11. E. van Kaders im
Maasstabe von 1 : 100000 angefertigt und mit ganz unwesentlichen Yerbesse-
rungen in 1871 und noch vor Kurzem wieder in 1886 reproducirt worden ist.
Die Ausgabe des vorigen Jahres zeigt nur in der Einzeichnung eines einzelnen
Langen- und Breiten-Grades einen Fortschritt. Die gleiche Verbesserung wiess
auch bereits eine Karte auf, welche Kuyper 1882 publicirte2); im Uebrigen ist
aber die Kuyper\'sclie Darstellung eine Yerschlechterung gegenüber der alteren von
Raders. Denn wahrend der Autor auf Grund noch nicht publicirter Aufnahmen (die
Quellen sind nicht naher angegeben) eine Yerbesseruug zu liefern glaubt, ist auf
der im Maasstabe von 1 : 200000 angefertigten Karte (nicht 20000, wie publicir
wurde) die Darstellung der orographischeu Verhaltnisse völlig verfehlt. Sic steht
weit liinter der Rader\'sehen Karte zurück, trotzdem auch diese gauz erhebliche
Lücken und Uurichtigkeiten aufweist. Eine kleine, von Simons 1. c. publicirte Karte
scheint sich auf diejenige von Raders zu stützen.
Von Aruba sind zwei Karten vorhanden, von denen wiederum die altere weit
besser ist als die nouere. Jene ist der Abhandlung Reinwardt\'s 1. c. im Maasstabe
1)  Kaart van het eiland Curarao, te Amsterdam bij de Wed. Gerliard Hulst van Keulen; (1836)
1871. — Die Ausgabe von 188(5 erschien bei Seytf\'ardt in Amsterdam.
2)   J. Kuyper. Curai.\'ao. (Tijdsehr. v. h. Ned. Aardrijkskundig Uenootscb. Deel VI). — Amster-
dam 1882. — Die ürade auf diescr Karte weicben allerdings von denjenigen ab, welche auf der
verbesserten Rader\'sehen Karte eingetragen sind. Kuyper liisst den 69° W. L. Gr. westlich von
St. Michiel liai, 12° 10\' N. Br. nördlich vom Binnenwasser bei Hermanus verlaufen; bei der anderen
Ausgabe ist umgekehrt die erstgenannte Uradlinie iistlich von St. Michiel liai, die zweite siidüch
vom erwiihiiten Becken eingetragen. Welche Angabe die riohtigere ist, vermag ich nicht zu
beurtheilen, da auf Keiner von beiden Karten die Quelle angegeben ist, nach der die Grade ver-
zeichnet wurden.
Nach Simons (vgl. pag. 2) sollte der Leuchtthurm ani Eingange der St. Aunabai 12 0\' N\'. Br.
und 158° 5\'J\' W. L. Gr. gelegen sein. Die Obcrfliiche der Insel wird von ihm auf 7,(52 geogr. o
Meilen angegeben (1. c. pag. 16 u. 17).
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Korte III.
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GEOLOGISCHE KARTE VÖN
BONAIRE.
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\',_______Alle Meevesbncht.
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von I : Tl\'OOO boigegeben, im Jnhre 1820 voni Kapitan zur See W. A. van Spengler
aufgenommen und 1825 mit Verbesserungon von R. F. van Raden vcrsehen; diese
Hess die Gold Mining Company herstellen1), weil ihr die Spengler\'sche Karte unbe-
kannt war, wie denn überhaupt Keiner von allen westindischen Bewohnern, mit
denen ich zusammentraf, Konntniss von dor alteren Plublikation besass.
Die englische Karre ist sehr ungenau, hat aber den Yorzug, daas die Schluch-
ten, welche aul\' dein aireren Blatte ganz vernachlassigt wurden, zum Theil einge-
tragen sind, und enrhalr ausserdem eine Rcihe von Namen, welche cbenfalls in
der friiheren Darstellung dor Insol fehleu. Sic kann deswegen zur Anfülluug der
Spengler\'schen Arbeit dienen, wobei freilieh wegen der uurichtigen Angabe der
Langenverhaltnisse mir grosser Vorsieht zu verfahren ist.
Von Bonaire isr mir uur Eine Karre, im ilaasstabe von 1 : 80000 bekannt,
welche im Jahre IS\'37 publicirt i-r-) und zu Verkaufsz wecken voni Lieutenant
A. Conradi und E E. Jarman angefertigt wurde. So gut sic dieser Aufgabe geniigt
haben mag, so isr sie doch für geoguosrische Zwecke wenig brauchbar, da die
orographischen YerhSltnisse kaum berücksiehtigt worden und dort, wo dies ge-
schehen, noch obendrein fehlerhaft eingezeichnet sind. Aus eincm der Stifft\'sehen
Rapporto geht hervor, dass bereits im Jahre 1827 eine Karte von der Insel bestand,
doch scheiut dieselbe nicht publicirt zu sein 3) und vermochte ich nichts Niiheres
übcr sie zu erfahren.
Curacao.
Orographische Grliederung.4)
Die Insol Curacao zcrfiillt in einen hüheren, westlichen uud einen nie-
drigeren, östlichen Theil, welche beide durch einen schmalen , nicht ganz 7a geogra-
phische Meilen breiten Landstrich von einander geschieden werden. Letzterem gehort
1i The Aruba Island Gold Mining Company, limited, registeredjuly 4"\'-1872.— London, Banken,
Xational I\'rovintial Bank of England.
2) A. M. Chumaceiro. Het eiland Bonaire, met eene eohetskaart. — \'s Gravenhage 1867. (Die
Arbeit ist anotiyin ersehienen).
3; Auch den 1825 aiMgebrachten Rapporten von Krayenhoff (vgl. Verslagen en Mededeelingen d.
Kon. Akademie v. Wetensch. te Amsterdam. Deel X. 18(50. pag. 308.) waren Kartel) von Cura<;ao,
Aruba und Bonaire beigefügt, die indessen nicht von ihm selber verfertigt worden sind. Auf
Bonaire war Krayenhoff laut eigener Mittheilung nicht langer als Vi Tage. (Copieen der Rapporte,
ohne Karten , behnden sich im Archive des Leidener Museums, sie sind aber für die Geologie ohne
jeden Werth).
4,; L\'ebor die in diesem Abschiiitte angegcbcnen Höhen ist das Capitel, welches über Höhenmes-
sungen handelt, niiher zu vergleiohen. Desgleiehen bei Aruba, Bonaire und Suriuam.
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7
der sogenannto „Kleine Berg" an, dessen ab-
geflachter Gipfel sich nur 78 m über den Meeres-
spiegcl erhebt. Der westliehe, hühere Abschnitt
des Eilandes wird das „Benedengedeelte," der
östliclie,niedrigere, das „Bovengedeelte"gonannt,
Benennungen, welche sich anf die Lage unter
und über dem Winde beziehen, nicht aber anf
das Belief des Landes. Das Bcnodengedeelte
soll im Folgcndon stets als West-, das Bovenge-
deelte als Ost-Curacao bczeichnet werden, wiih-
rend die nach Nordwest gekehrten Kusten Bei-
der in ihrerGesa mm tbeit als Nordkiiste, die gegen-
überliegcnden als Südküste angeführt werden.
Im Nordwesten von West-Curacao befindet
sich die höeliste Spitzo der ganzen Inscl, der
seharfgratige St. Christoffel, welcher sich .\'57f> m
über das Meer erhebt und an den sich nach
Westen zu noch eine Reiho niedrigerer Höhen
anschliesst, die man auf der Iusel zwar nicht
mehr niit dem genannten Gipfel unter demselben
Namen zu vereinigen pflegt, \') welche aber den-
noch am natürlichstcn ihm zugerechnet werden,
da sic nur durch unbedeutende Thaleinschnitte
unter einander und vom Christoffel geschieden
sind und auf breitem Sockel mit Letzterem
zusammonhiingen.
Südöstlich vom Christoffel liegt im [nnern der
Tafelberg St. Hieronimo, welcher seinen Namen
dem völlig flachen, auf conischer Basis ruhen-
den Gipfel verdankt und 218 m hochist; aber-
mals südöstlich von diesem befindet sich unweit
der Nordkiiste der kegelförmige St. Antonieberg,
welcher nur wenig hinter dem Hieronimo an
Höhe zurückstelit.
1) Besondere Namen für diese niedrigeren Hühen
konnte ioh ebensowenig in Erfahrung bringen.
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Die genannton drei Berge Bind nicht nur die bedeutendsten Erhebungen auf
dor ganzen Insol, Bondern sio führen una gleichzeitig BÜmmtliche verschiedenen
Gebirgsformen dcrselben vor Augen und init ihnen, wie unten naher zuerörtern
sein wird, diejenigen Korinationen, welehc sich fust ausschliesslich an dein Aufbau
von Curacao betheiligen. Sie Bind ferner, dus Küstengebirge ausgenommen, die
einzigen Höhen in West-Curac,ao, die man als Berge bezeichnen kann; denn alle
anderen besitzen einen sehr geringen Grad von Selbstandigkeit, sind durch flache,
muldenfórmige Tliiilcr getrennt und ragen über dieso so wenig hervor, dass sie
nur Tlügel genannt werden dfirfen.
Dus Innere von West-Curacao besitzt an vielen Orten kaum 30 m Meres-
liölie (das Hans von Hermanus liegt nur 27 m, dasjenige von Savonet 20 m
hoch) und im Mittel dürf\'tc es scliwcrlich niebr als 00 in sich Qber den Spiegel
des Oeeans erheben, wenn die genannton drei Berge unberücksichtigt bleiben.
Noch niedriger ist das Innere von Ost-Curacao, dossen inittlere Höhe ich auf
40 m schatze und welches viclerorts nur bis zu 20 in und minder sich crliebt.
Sielit man auch bier voin Küstengebirge ab, so bleibt nur Eino Kuppe
übrig, auf* welehc in Ost-Curacao der Name eines Berges angewandt werden kann,
das ist der „Ost-Seinpost". \') Dieser wird im Nordwcsten von einer Seblucht
begrenzt, welehc die „Kooi2) Kibrabacha" heisst, im Xordosten vori dom schroffen
Küstengebirge, im Süden und Südoston von ciner ausgedobnten Ebene. Im
l\'ebrigen wird das ganze Innere von Ost-Curacao von eincm Hügellande gebildet,
dossen sanf\'to Wellen an das Relief unseros Diluviums orinnern und welehc im
Oston des Sebottegats, woselbst sich auch der „Midden-Seinpost" belindet, die
bedeutendste Anschwellung /.eigen, l\'eberall abor, den etwa 100 m boben Ost-
Seinpost nicht ausgeselilosson, bleibt das Innere dicses Theiles von Curacao an
Höhe weit hinter dem Küstengebirge zurfick und als Ganzes bctraehtet liisst es
sich als ein ovales Kesscltbal bezeichnen3), dessen Gehange von don die Küstc
einfassenden Höhen gebildet werden. Das Gleiche gilt auch von dem östlichen
Abscbnitte von West-Curacao, woselbst der llüheiuinterschied zwisehen dein
Innern und dein Küstengebirge ein ganz iihnlichcr ist.
1)  Ks ist dies eigentlich der Name fiir einen nuf\'der lliïhe befindliclicn,optischenTelegraphcn,
den man aber nuf die Kuppe solbst ühcrtrügt.
2)  Rooi heisst nuf den Insein jede Schlucht und jedes Thai; der Xanie ist abkünftig vom
spniiisclien arroyo.
\'A) Dieser Charakter eines Kesselthales ist besonders nugenfilllig, wenn mnn aus grösserer Ent-
fernnng von Nordwesten her — so z. B. von St. Pedro an der Nordkiiste von AVesf-Curacao —
nnch dem östlichen Inseltheile blickt. Der Tafelberg und das Küstengtbirgo von Hato erschcinon
dimn anniihernd gleich hoch, gewissermaassen prqjicirt auf eine Nord- und Südküste verbindende
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Das Küstengebirge, welches mit sehr unbedeutenden Untorbrechungen die
ganze Fn.scl gQrtelartig umsaumt, dehnt sicli in dor Mitto derselben und an der
Nordküste, vor allem :in der Kuste von Hato, am weitesten Iandeinwnrts aus;
schmaler ist der Rücken, welcher von ihin langs der Südküste von West-Curacao
gebildet wird, und am meisten tritt es zwischen Westpunt und Savonet zurück.
Seine Höhen sind sehr vcrschieden; so crhcbt sieh der Gipfel, auf welchem
das Fort Nassau liegt, uur G>S m übor den Meeresspiegel, der benaehbartc I\'rie-
sterberg dagegen 129 m; unweit Hermanua besitzt das Oebirge der Südküste am
inneren Absturze 07 m Meeresliöbe; die bedoutondstc Ilöbe erreicht abor der
Tafelberg an der Fuikbai, denn icli schatze ilin auf 200 m. \')
Ueberall besitzt das Küstengebirge landeinwarts Bchroff abfallende Wande,
der Art dass nahe dein Gipfel sieh nicht sclten ein niedriger, f\'ast lothrechter Ab-
sturz befindet, an den sieh nach unten zu cino weit minder steile Basis mit
30—40" Neigung ansehliesst. Diese Verschiedenhcit des Böschungswinkels ist
namentlich bei den liöberen Gipfcln an der Südküste von Ost-Curacao sehr augen-
fiillig; bei den niedrigeren wenigcr ausgeprügt und bei den noch unbedeutenderen
Höhen des Küstengebirges ist der ganzc innerc Absturz gleich steil wie es bei
den ansehnlichen Bergen (I\'riesterberg, Fort Nassau, Ta tel berg u. a.) nur deren
oberer Abschnitt ist. Wie unten naher zu betrachten ist, hangt dieser wechselnde
Böschungswinkel sehr nahe mit der geognostischen Gliederung des betreffenden
Gebirges zusanuncn.
Nacli dem Meere zu fiillt das Letztere meistens steil, in mehreren Bchroffcn
Terrassen ab; doch macht hieven die Südküste von Ost-Curacao eine Ausnahine,
deun die Neigung betriigt hier höehstens 20", oft 15", solbst 10° und weniger,
so bei den drei Gebrüdern, beim Gruneberg, Fort Nassau, Tafelberg und nndc-
ren, minder ansehnlichen Höhen.
Kurze, senkrecht zur Kuste gcrichtete, von schrotten "Wanden begrenztc Thaler
zerlegen das Gebirge in eine Anzahl von unbedeutenden, haufig sargförraigen
llohen, welche of\'tmals an der Basis kauiii noch zusannnenhiingen oder auch
völlig von einander isolirt sind. In diesom Falie reicht das Thai fast bis zum
Meerosspiegel hinab und mehrfach erreicht der Einschnitt dies Niveau in Wirklich-
keit, so dass an Stelle der Thalsohle entweder ein kurzer Canal tritt, welcher
iïbene, und ihre steilen (ïehiingo ragen wie dor Rand einer Sehiissol Ober dasniedrigeHttgelland
des Innern liervor, walirend die Höhen nacli dem Meere zu sauft abfallen.
1) Teenstra und lioseh (vgl. pag. L\') geben .\'!()() und 302 m an; doch ist dies obnc Zweifel über-
trieben. Ieli selbst konnto cino Messung des (lipfcls nicht ausliibien, da der Eigentbümer Jcdem
den Zugang untersagt.
o
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den Ocean mit Eiuctn dor viclou „Binnen wasser" (binnenwater) verbindet, oder
die Ausbuchtung eines solchen Binnenwassers greit\'t zwischen die betroffenden
Höhen ein.
Die Binncnwiisser sind im letztgenannten Falie durch einen niodrigen Ufer-
wall vdin Meere abgesehlossen; nber die Anwesenheit oder das Fehlen eines
solchen ist von sehr untergeordneter Bedeutung, da Jene ihrer Lage nach stots
den Charakter von Landseen tragen, wahrend sie ihrer übrigen Eigenschaften
wegen als mehr oder minder vollstiindig abgcschlossene Meeresbccken zn bczeieh-
nen sind. Ihre Form ist entweder einfach, lang gestreckt, oder eine eigenthiïm-
lich gelappte, so dass man den (Jmriss der betroffenden Boeken blattfórmig nonnen
kann. Diese beiden verschiodencn Formen stehen cbonfalls im engsten Verbande
mit der Art dor Gebirgsformationen, wolche die Ufer der Boeken bilden.
Ausscr den bereits erwiihnten, kurzen Thalern im Kiistcngebirge und der
Rooi Kibrahacha giebt es nur noch sehr wenige andere ïhaleinschnitte von einiger
Bedeutung. Zu ihnen gehort in erster Linie eine von steilen Klippen eingefasste
Schlucht, welcho sich am nordöstlichon Abliangc dos Christort\'cls bcfindot; ferner
ein Thai, welchcs im schinalsten Theile der Insol von Ilermanus aus sich nach
üsten ausdehnt und ebenfalls sehr schroffe, aber wenig hoho Seitenwiiude besitzt.
Die Letztcren worden von don inneren Abstiirzen der beiden Kiistcngebirge ge-
bildet, welche hier weson der Schnuilheit des betretf\'enden Theiles des Eilands nahe
zusammengerückt sind und so das Thai ontstellen lassen.
Alle anderen Thfiler, nur sehr unbedeutende \'Wasserrisse ausgenommen,
werden von Gehangen mit so geringer Xeigung eingeschlossen, dass os bcsonderer
Aiit\'merksamkeit bedarf, um ihron Vorlauf zu erkennen; es sind langgestreckto,
flaehe Mulden oder Cauiile, in denen zur Regenzeit das Wasser nach der Kuste
abstrümt und welche meistentheils ihre Endigung am Ufer der oben erwiihnten,
abgeschlossenen Beckcn findon.
l\'nter den Ebenen von Curacao ist nur diojenige von einiger Bedeutung,
welche sich im üsten des Tafelbergs an dor Fuikbai, südöstlich vom Ost-Seinpost,
ausdohnt und an der Kuste unvollstandig von dom dort mehrfach unterbrochenen
Randgebirge eingeschlossen ist. Kleinere Ebenen befinden sich am Innenrande der
Binnen wasser, so üstlich vom Schottcgat, westlich von Hermanus, hinter der
Boca von Savonet und an einigen andoren Orten; indessen ist ihre Ausdehnung
eine so geringe, dass sic in dieser Darstellung übergangen werden dürfen.
Die orographischen Verhitltnisse von Curacao sind auch auf der besten der
besteliendcn Karton, der oben erwiihnten Darstellung von Raders, nur ausserst
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unvollkommen wiedergegeben. Das Küstengebirge ist im mittleren umi östliehen
Curacao gut, im wostliohen Thcilo der Insel mangelliaft eingezeichnet; die Ilölien
des Inaern sind indessen so falsch uud lückonhaft, dass von der sie betretfenden
Zeichnung nur der Christoffcl, der Hieronimo, Antonieberg, Ost-Seinpost und
Midden-Seinpost zuverlassig erseheinen, wiihrend die Karte im Uebrigen betreffs
des inneren Tlieilos des Eilands ganz falscho Yorstellungen erweckt.
Abgeselien von den Beliefverhaltnissen ist aber die Bader\'sche Karte sehr
brauclibar und konnte icb doren neuesto Ausgabo urn so eher als Basis für meinc
geologische Karte benutzen, als dariu jene Verhaltnisse nicht weiter in Betracht
koniinen. Meinc topographische Griuullage ist einc auf kleineren Maasstab reducirte
Beproduction der Bader\'schen Zeichnung, unter Weglassung ihres orographischen
Theilcs.
Greog\'iiostisclie Beobachtungen.
Von einem 29taeis;en, durch die Beisen nach Aruba und Bonaire zwei mal
unterbrochenen Auf\'enthalte auf\' Curacao konnte icli für die geognostischc Unter-
siichun" der Insel nur 18 Ta «re verwenden. Die im ersten Theile diesos Werkes
geschilderte Schwierigkeit des Beisens auf Curacao war hievon die Hauptursache.
Zudem mussten die Exeursionen so eingerichtet werden, dass sie gleichzeitig den
Anforderungen der Botaniker unserer Gesellschaft genügten, was bekanntlich von
vornherein nur wcnig zweckentsprechend sein konnte. Der Ueberblick über die
geognostischen Yerhiiltnisse wurde indessen im östliehen und auch in einem Tbcile
des wcstlichen Curacao durch den fast völligen Mangel an dichten) 1\'Hanzenwuchse
sehr erleichtcrt.
In der angegebenen Zoit konnte ich untersuchen: Dens die weitere Umgebung
von Willemstadt. 2u\'a!i Hato. 3tens Brievengat. 4teM Fuik und den östlich von dort
gclcgenen Landstrich. 5te"s Beekenburg. 6t,,|ls Hermanus und den schmalsten Theil
der Insel. 7teils die (icgend von St. Jan. 8tens Savonet und Umgegend, bis nach
Westpunt einerscits und bis zutn Antonieberg andererseits.
Die zwiseheuliegendcn Landstriche sind nur auf sehr flüchtigcr Durchroise
passirt; indessen konnte von den angegebenen Stationen aus jedentalls das Wesent-
lichste der geognostischen Verhaltnisse studirt und cin allgemciuor Ueberblick
gewonnen werden. Welcher Worth den Formationsgrenzen meiner geologischen
Karte zukommt, soll weiter uuten bei den verschiedenen Bildungen im Einzelnen
angegeben werden.
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<i. lm östlichen Curagao.
Diabase.
An dein Aui\'bau von Ost-Curacao nehmon Diabase den wcsentlichsten
Antheil, dcnn nicht nur bostellen fust siimmtlichc vom Kiistengebirge eingeschlos-
senen Hügel aus dieser Formation, sondern es werden auch die das Meer beglei-
tenden Höhen zmn Theil von ihr gebildot. Sedimentargestcine, denon die Dia-
base zwischengelagert waren, sind auf Curagao nicht bekannt; auch deutet die
Richtung der kleinen, von diesein Eruptivgesteine gobildeton Hügel nirgends
auf ein bestimintes Streichen hin, so dass eino Anordnung in Lagern sich
nicht nachweisen liisst. Da es ferner nacli Analogie anderer Vorkommnisso
bekanntlich nicht wahrscheinlich ist, dass die Diabase auf Curagao als typho-
nischer Stock auftreten sollten, so betrachte ich die Lagerungsform als decken-
artige Ausbreitung. Der Vergleich niit den Diabasen von Aruba legt aber die
Vermuthung nahe, dass diese Decke in der Tiefe mit Lagergangen zusammen-
hangc. Ursprüngliche Kuppcn dürften nirgends vorhanden sein , denn das flachwellige
Terrain liat sein houtige* Relief im Wesentlichen der Erosion zu danken, welche
die zahlreichen, kleinen Hügel leiclit herausmodelliren konntc, da das Innere der
Insel noch vor Kurzem vom Meere bedeckt war (vgl. uuten) und die ganze Diabas-
formation in Eolgo dessen cine tief hinabreichende Auflockerung und Zersetzung
erfahren hat.
Die Gesteine besitzen nieist dichte Struktur, selten sind sie kleinkörnig; es
miiss aber leider unentschieden bleiben, ob wir es in letzterem Falie nur mit ciner
verschiedenen Facies oder mit verschiedenen Eruptionen zu thun haben, da grössero
Aufschlüsso in dem ganzen Diabasgebiete fehlen. Diese Unsieherheit herrscht auch
betrctf\'s des kleinkörnigen Diabases, den Kloos von Australia , am inneren Abbango
des Priesterbergs, beschrieb und den ich daselbst aus einem Brunnenloche erhielt,
in welchem er iu 10 m Tiefe anstcht, bedeckt von aufgelockerten Massen dcrselben
Fel sart.
Nur in der Nahe von Klein Mal Pays traf ich einen körnigen Diabas an,
welcher den dichten Diabas gangförmig durchsetzen könnte. Ersterer bildet hier
unter andern einen Hügel, auf dessen Oberflache rundliche, nicht kugelschalige,
sclnvcr zersprengbarc Ulöcke zerstreut liegen, wahrend an seinem Fusse körniger
und dichter Diabas inneihalb des Abstandes von nicht mchr als 1 m neben ein-
ander anstehen. Der Contakt beider Gesteine war wegen Unvollstandigkeit der
kamii mehr als handbreiten Aufscliliisse freilich nicht zu beobachten.
Die dichten Diabase in Ost-Curacao sind so schr zersetzt, dass sich fast an
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keinem Punkto ein Handstück schlagcn lilsst; die Felsart zerbröekelt untcr dom
Hammor in dein Maasse, dass sie bequcm zur Ausbessorung von Wegen abge-
stochen werden kann. Nur in der Rooi Kibrahacha, am Fusse des Ost-Seinpost, war
die Diabasformation minder verwittert, uud ich schreibe dies dem Umstande zu,
dass daselbst das durch die Meeresbedeckung zersetzte und aufgelockerte Material
mit Hilfo des fliessenden Wassers fortgeführt worden und das minder zersetzte
Gestein an die ObcrHüche gcrückt ist. Hier entsprechen die Verliiiltnisse denen der
Insel Aruba, deren Diabase uns spiiter beschiiftigen werden.
Fui. 2. Ost-Seinpost ,
gesehen von Fuik aus. Der Thaleinschnitt zur Linken ist die Hooi Kibrahacha.
Nirgends nimmt man im Gebiete der dichten Diabase von Ost-Curacao Blöeke
als Ueberreste schwerer verwitternder Massen wahr, obwohl hie und da in dem
grünlieh gefiirbten Gesteine unregclmiissig ellipsoidische bis rundlieho, von braunen
Zersetzungsprodukten umgebene Partieen erscheinen, die indossen keine merklich
grössere Festigkeit zeigen. Auch sie sind gleich dem Ausgehenden der ganzen
Formation von zahlreichen, regellos verlaufenden Kluftfliichen durchsetzt, auf denon
Kalkspath eine gewölinliche Erscheinung ist. Nacli Kloos kommt auch Prehnit in
schmalen Trümern vor. Für die Beobachtung dieser Verliiiltnisse ist namcntlich
der AVeg von der Stadt nach Hato geeignet, woselbst die Diabase auf weite Strcckcn
in mannshohen Entblössungen aufgeschlossen sind. Saulenförmige Absonderung liabe
ich nirgends wahrgenommen.
Vereinzelt setzen Quarzgangc von geringer Machtigkeit im üiabase auf, unter
denen indessen nur die in der Rooi Kibrahacha vorkommenden erwiihnonswerth
sind. Hier liegen auch am Ausgange der Schlucht, bis in die Niihe des Hausos von
Fuik, Broeken von Quarzit in grosser Menge an der Oberflache zerstreut, so dass
man an die Verliiiltnisse im Diabasgebirge von Aruba erinnert wird, wahrendim
T^ebrigen die Quarzgiinge von Curacao einen Vergleich mit diesen nicht zulassen.
Die Verwitterungsprodukte der Diabase werden durch die zu Zeiten fallendeu,
schweren Regengüsse von den Höhcn abgespült, so dass die Letzteren, statt von
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Thon, uur von zahllosen kleinen Scherben des Eruptivgcsteins bedeekt werden, wenn
nicht der lauchgrüne odor von einer dunnen, braunen Eisenockerrinde überzogene
Fels unmittelbar zu Tage ausgeht. Das golbbraune Colorit, hie und damiteinem
Stieh ins Grüne, liisst sich bei dem Mangel einer Ptlanzendecke aufwcitc Strecken
hin leicht überblicken. Die braunen, eisensehüssigen ïhone aber, welehe als End-
produkt dor Verwitterung in den Hadien Muiden des Binnenlandes sich ablagern
und hier durch künstliehe Anlagen vor der Wegführung ins Meer geschützt werden,
erreichen eino ganz bedoutendo Machtigkeit. In mehreren Brunnenlöchern waren
die Thone bei 10 m Tiefe noch nicht durchsunkon.
Die Betheiligung der Diabase an dem Auf bau des Küstengebirges bedarf noch
bosondcrer Erliiuterung, da das Eruptivgestein hier als Liegendes der quartiircn
Kalke auftritt und durch Letztere fast ganz verhüllt wird. Deswegen giebt auch
Gabb an, dass das ganze Küstengebirge aus Korallenkalken bestehe, wiihrend er die
Diabasformation auf Curaeao überhaupt nicht erkannte und den im Innern von ilir
eingenommonen Kaum nur als „internal rolling plain" in seiner Mittheilung an-
führt, und zwar als aequivalent mit den Korallenkalken. E.s mag dies gleichzeitig
als ein Beweis für die grosse Scbwierigkoit gelten, mit der die geognostischc
Untersuchung des niedrigen, tief zersetzten Gebirges verbunden war.
Wenn man aber an den inneren, steilen Gehangen der die Kuste begleitenden
Dobcn emporstcigt, so überzeugt man sich bald, dass dioselben von einem Grus
bedeekt sind. welcher sich durch nichts von detnjenigen des Diabasgebietcs im
Innern der Insel unterscheidet. Erst nahe dem Gipfel, wo der geringere Böschungs-
winkel plötzlich in den steileren Absturz übergeht (vgl. Orographie), beginnt
der Korallenkalk, der somit nur in einer verhiiltnissmassig geringen Machtigkeit
die Diabasformation überlagert. Das Eruptivgestein betindet sich an der Grenze
der beiden verschiedenen Böschungswinkel in unmittclbarem Contakto mit dem
Korallenkalke, und die Scheidungslinie der Formationen liisst sich in der weiteren
Umgobung der Stadt mit grosser Scharfe verfolgen, so an der Höhe, auf der Fort
Nassau gelegen ist, und an den kleinen Bergen im Westen von Willemstadt.
Instruktiv ist in dieser Boziehung vor allem auch der Ucberbliek, den man von
Altena aus bat, wenn man von dort nach genanntem Fort hinübersieht.
Quartare Conglomerate und Kalke.
Wiihrend nahe dein Gipfel, ara Inneurande des Küstengebirges, Diabase und
Kalke, wie ebcn erwahnt, in unmittelbarem Contakte sich befinden, ist dies
am Fusse des scewlirts gekehrten Abhanges nicht der Fall. Hier schaltet sich
zwischen beide Formationen noch eine aus unreinen Kalken und Conglo-
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ir»
777T^- v.-- -^—~^__                               mcraten bestellende Sehichtenreihe cin.
■* l J./ ^ ^/^!^^^P^^^^^sS2,-= Gegenüber dein Eiugange zum Gutc
)i t i^iI\'\'iS iT «^-^§^ö*&»É^   Plantersrust, im Westen der Stadt, ist das
J                          " \'2" ~             beistehende Profil aufgeschlossen. Der Dia-
Fio. 3. Profil hei Plaktersrust.           bas wird von Schichten überlagert, welche
1. Diabas. - 2kConglomerate nnd unreine     aunahornd paml,el der BegrenzungsMche
des Eruptivgostcins, ein Fallen von 27n nach SW und ein Streichen von W 17° N
zeigen. In den unreinen Kalksteinen und den durch ein kalkiges Cement bald fest
bald locker verbundenen Conglomeraten lassen sich die allothigcnen Bestandtheile
leicht als Diabasbruchstücke erkennen, urn so eher als in der Schicht, welche das
Eruptivgestein unmittelbar überlagert, auch ziemlich ansehnliche, eckigo Bruch-
stüeke von Diabas enthalten sind. Der feinkörnigo Detritus erwcist sich bei niikio-
skopischer Prüf\'ung als von der gleichen Fel sart abkünftig.
Beim Zurücktreten der gröberen Bestandtheile des Conglomerates stollen sich
Petrefakte cin, die freilich nur in Steinkernen überliefert sind. Ich fand darunter
Lamellibranchiaten und Gastropoden, besonders aber auch Korallen, deren aus-
gefüllte Mesenterialfficher ungemein zierliche Versteinerungen gcbildet haben.
Diesc Korallen sind aber allem Anscheine nach nur in Bruchstücken in dein
Gesteino vorhanden, und untcr ihnon sind Madreporaceen in erster Linie vertreten.
Unter den Steinkernen von Gastropoden glaubte ich Strombus gig as zu erkennen;
nur Ostrea spec. fand sich in Schalenbruchstücken vor, da die Schalen dieser Gat-
tung bekanutlich zu den am meisten widerstandsfahigen gehören; aber auch sie
liessen cine Artbcstimmung nicht zu. Der Eindruck, den die Fauna macht, ist der
einer sehr jugendlicJien Bildung; das lasst sich trotz der ungünstigen Erhaltung
jedenfalls noch wohl erkennen.
Das Hangende der hier beschriebenen Sedimentc ist an demselben Orte nicht
mclir aufgeschlossen; dagegen sieht man in unmittelbarer Nahe, in den AnpHan-
zungen von Plantersrust, die Conglomerate als Liegendes derjenigen Korallenkalke
auftreten, welche sich bis zum Gipt\'el des Priesterberges ausdehnen. Die Conglo-
morate, in denen abgorundete Diabasbruchstücke bis zu mehreren Centimetern
Durchmesscr vorhanden sind, enthalten auch hier neben Hosten von Mollusken
wiederum iistige Korallenstöcke in grösserer Zahl.
Wfthrend bei Plantersrust demnach die drei verschiedencn Formationen, welche
von unten nach oben als Diabas, Conglomerate und Korallenkalke auf einander
folgen, gleichzeitig aufgeschlossen sind, ist dies an keinem anderen der von mir
besuchten Punkte der Fall. Wohl aber sind an violen Orton in den kurzen, das
Küstengebirge rechtwinklig durchschneidenden Thalern und Canalen Protile ent-
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blösst, welche das Lagerungsverhaltnisa von Conglomeraten unrl Korallenkalken
naher demonstriren. Unter ihnen sind zwei Profile , welche westlich und östlich vom
Hafen, unweit des Eingangs zum
Schottegat, sich befimlen, besonders
von Wichtigkeit.
Der bedeutendste Aufschliiss ist
der westlicbe. Hier liegt unmittel-
Fio. 4. Profil westi.icii yom Hafen.
1. Diabas-Triimmergesteine. — 2. Korallenkalk init
Diabasgeröllen. — ii. Korallenkalk, fast rein.
bar über dem Meeresspicgel ein
Complex von lockerem Grand,
Breccien und Conglomeraten, in
denen die Geschiebe und Gerölle faustgross werden (1). Es sind Diabas-Triïmmer-
gesteine, von denen die Conglomerate dureli ein kalkiges Cemenc zu einem sebr
festen Gesteine verbunden sind, und welche, bald gröber bald fciner, ohne Gesetz-
massisrkeit mit einander abwechsoln. Gerölle horrschon unter den allothigenen
Bestandtlieilen bedeutend vor den Gcsehieben vor. Korallenbruchstücke sind in den
oberen Schichten dieses Complexes nicht selton, doch feblen unversehrte Korallen,
wie es scheint, giinzlich. Strombm tji(j«* licss sich mit Sicherheit auch darin nach-
weisen, ncben Venus cancellata und anderen, unbestirambaren Muschelresten. Die
Schichten fallen unter einem "Winkel von 4 — 5° nach der Kuste zu ein.
lm Hangenden treten zunachst unreine Korallenkalke auf(2), in denen die
iistigen und fingerförmigen Abdrücke von Madreporiden in grosser Zahl der Art zu
beobachten sind, dass ihre Lage der vom lebenden Thiere eingenommenen Stellung
entspricht. An der Basis schliessen diese Kalke noch zahlreiche Gerölle ein und
vermitteln so unmerklich den Uebergang zu den das Liegende darstellenden Triim-
mergesteinen (1). Ebenso ist die Grenzo nach dem Hangenden (3) hin sehr undeut-
lich, deun Letztercs wird ebenfalls von Korallenkalken gebildet, die sich nurdurch
fast giinzlich zurücktretende Gerölle und eine Xeigung von IS—19° nach der Kuste
zu als zusammengchörig und von den soebon erwahnten Kalken verschieden cha-
rakterisiren. Die Discordanz von 1 und 3 wird also durch die mit 2 bczeichnoten,
an Geröllen reichen Korallenkalke vcrmittolt, und das Ganze stellt eine ununter-
brocliene Ablagerung dar, welche seit ihrer Bildung keinerlei Störung erlittcnhat.
Die scheinbarc Aufrichtung der Kalke stcht, wie unten naher erörtort werden soll,
mit der Verschiebung der Strandlinie in Zusammenhang; hier moge nur noch her-
vorgehoben werden, dass in diesem instruktiven Profile siimmtliche Korallenstöcke
ihre naturgemiisse Stellung bewahrt haben, was sich in allen Einzclheitcn ander
senkrecht abgeschnittenen Wand verfolgen liisst. Madreporiden herrschen unter den
Korallen ganz bedeutend vor; dazwischen liegen, gleichsam in Höhlungen der iistigen
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Stöcke, Grappen von Astraeaceen, zu donon sich dann noch cine Reihe von
Muscheln, Wurmrühren u. a. w. gesellt. Untcr Ersteren ist wiodcrum Strombus
(jiffos neben Pyrula melongena, Chama macro-
phylla, Litltoilottiux
und anderen vertrelen. Die
meisten Fossilien sind nur als Steinkerne über-
liefert.
Fi<i. 5. Phokii. östi.ich vom Haken.
         Gcgenübor dom hier beschriebenen Profile bc-
l.(Jrand.-2 Conglomerate.-a Ko- findot ^ ^y^ vom Hafeil ein ZNVeitcs , welches
rallenkiilk nut J)iauasgernllcn. — 4. Ko-
rallenkalk, rein.                                  sich nach Obigom von selbst erklart. Diagonal
geschichteter Grand, welchor oinzclne griïssore Diabasgeschiebe enthiilt und kaam
Spuren von Kalk, wird von eisensehiissigen , durch Kalk cementirtcn Conglomeraten
der Art überlagert, dass sich beide Gesteinsarten rasch gogen einandcr auskeilen.
Dariiber liegt cine Kalkbank, die in ibrom tieforen , der Seeseite zugekohrten Niveau
zahlreiche, im Mittel faustgrosse Gerölle von Diabas einschliesst und so allmiililig
von Kalk in Diabasconglomerat übergeht. Ihr Hangendes wird von Korallenkalken
gebildet, die ihre Fortsetzung in den quartaren Kalken des Fort Nassau finden.
Beide Frofile sind nicht nur vom geognostischen Gosichtspunktc aus interessant,
sondern vor allem auch deswegen, weil sie uns anzeigen, wie der fiir das Wachs-
thum von Korallen ungünstige Untergrund von grobem 8ande allmiililig durch das
Auftreten eines Kalkcementes mit Bruchstücken von Korallen, Muscheln u. s. w.
fiir die Ansiedlung der Bauten vorbereitet wurde.
Aehnliche Aufschliissc finden sich noch an manchen anderen Funkten der
Südküste des östlichen Curacao, und es würde ermüdend sein, hier die stets in
den wesentlichsten Zügen sich wiederholendeu Yerhiiltnisse einzeln zu schildern.
Erwiihnenswerth ist nur noch der Umstand, dass am spanischen Hafen in den
Diabasconglomeraten auch eine offenbar von der Kuste abgeschwemmte Land-
schnecke sich fand, und zwar Pnpa uva, welche noch heute das Eiland bcwohnt.
Nur im Innern der Caracas-Bai wird der Diabas unmittelbar von den Korallen-
kalkon überlagert, ohne dass sich zwischen beide Formationen ein Trümmcrgestein
einschaltete. Statt dessen sind die Kluftflachen, welche das Eruptivgestein regel los
durchsetzen mit einer Breccie gangartig ausgefüllt. Die Bruchstiicke dersclben
sind vom Nebengesteine abkünftig und das Cement ist Kalk, weleher von oben
her in die Spalten cingedrungon sein dfirfte. Diese Yerhiiltnisse, welche am Fusse
der Klippe, auf der das Quarantiine-Etablissement sich befindet, gut zu beobachten
sind, deuten darauf hin, dass in der Caracas-Bai zur Zeit der Bildung der Korallen-
kalke keine erhebliche Brandung stand, entsprechend den Zustiinden, die wir
auch heute noch dort finden; denn die Bucht ist f\'ast so ruhig wie ein Binnenmeer.
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Die Ausdehnung der quartarcn Bildungen ist aus der Karte ersichtlich; die
Beschreibung des petrographischen und palaeontologisch.cn (Jharakters der Kalkc
behalte ieh mir für cincn spateren Abschnitt vor, da die gleichartige Ausbildung
der betreffendcn Schichten auf allen drei Inselu eine gemeiaschaftliche Behandlung
anempfiehlt. Aus gleichem Grande übergehe ich hier vorhïufig die jüngst gehobenen
Korallcnkalkc und Musehelbitnke, deren Trcnnnng von den alteren quartarcn
Bildungen stellenweise mit sehr grossen Schwicrigkciten verblinden ist.
Kreidetbrmation.
Wenn man dcm \\Vegc folgt, welcher vorbei an dcm oben erwahnten Gute
Plantersrust von der Stadt nacb Hato fülirt, so bcgegnet man anfangs keiner
anderen Formation als den Diabasen. Erst kurz bc vor der Innenrand des Küsten-
gebirges am Xordstrande erreicht ist, sinkt das Eruptivgestein unter alluviale
Bildungen weg, und bald darauf siebt man aus Letzteren die Schichtenköpfe einer
aus Sandsteinen, Tutenmergeln und Kalksteinen gcbildetcn Formation heraus-
schneiden. Es sind mebrere
Km. 6. Am Innknhamm: dks KUstengeiuruks von Hato.        Alluvium hervorragende Par-
l. Diabas. — 2. Alluvium. — :!. Cretaceïsche Sedimente.         ticen, deren Schichten auf dem
Kopfe stehen und von W nach O, fast parallel der Kuste, quer über den Weg
stretchen. In wenigen Sehrittcn Abstand folgen nach der Sceseite zu noch andere
Scbichtenköpfe von gleicher petrographischer Beschaffenheit, von gleich geringer
Machtigkeit und mit gleichem Streichen, und dies wiederholt sich noch mehrfach
in der Richtung von Süd nach Nord.
Der petrographische C\'harakter der betreffenden Scliichten stimnit durchaus
mit demjenigen übercin, den die cretaeeïschen Sedimentargesteine im westlichen
Curacao zeigen, und dort wird auch die Altersbestimmung naher zu begründen
sein. Hier ist indessen noch hervorzuheben, dass in West-Curacao die Sand- und
Kalksteinc haufig mit schiefrigen Mergein vergesellschaftet sind. Das dürfte auch
an diesem Urte der Fall sein, doch sind wahrscheinlich die leichter zerstörbarcn
Schichten, welche mit den Sand- und Kalksteinen wechsellagern, an der Oberflache
durch die VVirkung der Erosion fortgeführt und nur die widerstandsialiigeren Reste
des Scbichtcncomplexes hier erhalten gcblieben. Jhre Ausdehnung im Streichen liess
sich weder nach \\V noch nach O bei Hato weiter verfolgen.
Andere Schichten , welche sich durch ihren petrograpbischeu Charakter gleich-
falls als den cretaeeïschen Ablagerungen des westlichen Inseltheiles aequivalent
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I!»
erweisen, traf ieh bei Brievengat an. Das Haus rulit daselbst auf Kieselschiefer
und in seiner unmittelbaren Ni\'ilie, nach Westen zu, erhebt sich ein nur wenige
Meter holier Hügel, weieher aus Kieselschiefer und Sandstein besteht. Die Umge-
bung ist wieder durch die künstlieh angehiiuften Abschwammungsprodukte des
inneren Inseltheiles verhüllt; aber weiter nach der Kuste zu, wo das abstrümende
Wasser eine der Schutzmauern\' der Plantage zerrissen hatte, war ein kleines
Profil entblösst, in dem ein thoniger Kalkstein und Sandsteine zu Tage traten.
Die Schichten streichen auch hier von W nach O und fallen 45° nördlich. Unfern
dieses Aufschlusses, östlich vom Strandwege, steht ein aus Kieselschiefer-, Diabas-
und kleinen Quarz-Brnchstücken gebildetes Conglomerat an, weiehes durch Kalk
cementirt und von Kalkspathadern duivhzogen ist; alle hier genanntcn Gesteine
aber nehnien im westlichen Curacao an dein Aufbau der Kreideformation Theil.
Besonderer Erwahnung verdient schliesslich noch ein eigenthünilich blaugrün
gefiirbtes Trümniergestein, welches am Jnnenrande des Küstengebirges, zwischen
Ronde Klip und Brievengat und zwar mehr dem letzteren Orte genahert, östlich vom
orwiihuten Strandwege, ansteht. Es stimnat mit den Bcschreibungen überein, die
von der sogenannten, auf den westindischen Insein weit verbreiteten , cretaeeïschen
„Blue-beache" gegeben werden. \') lm Einklango damit steht auch das Resultat
einer von Wichmann ausgeführten, mikroskopischen Untersuclning, nach der das
Gestein als Dioritbreccie zu bezeichnon ist. An keincm anderen Orte der drei Eilande
habe ich die Blue-beache angetroffen.
Trotz der unbedeutenden Aufschliissc, die ich gelegentlich meiner Hüchtigen
Besnche bei llato und Brievengat beobachten konnte, glaube ich doch nicht zu irren,
wenn ich annehme, dass die cretaeeïschen Schichten an der Bildung des nördlichen
Küstengebirges dcnsclben Antheil nehmen, wie es die Diabase im südlichen Kü-
stengebirge thun. Der innere Abhang der den Strand begleitenden Höhen ist
namlich bei Brievengat durch ein röthliches, von dem der Diabase vóllig abwei-
chendes Colorit ausgezeichnet, und rothbraune, eisenschüssige Quarzsando finden
sich hie und da in den Niederuugen. Die gleichc , röthliche Farbung ist aber
auch für die Kreideformation an anderen ürten der Insel bezeichnend. Ausscrdem
sind die oben erwiihnten Aufschlüsse von Kalkstein, Sandstein und Conglomeraten
in Einschartungen des quartaren Korallenrift\'es gelegen, wonach sic nur als
Liegendes des Letzteren gedeutct werden kennen, wenngleich die Ueberlagcrung
durch die Kalke nicht direkt beobachtet wurde.
Auf Gruud der mitgethcilten Lageruiigsverhiiltnisse bei Hato und Brievengat
1) P. T. (.\'leve. On the üeology of the Xorth-Eastern West India Islands. (Kongla Svenska
Vet. Akad. Handl. B. 9. N° 12) pag. 4 u. 40. — Suess. Das Antlitz der Erde I. pag. 702.
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und besonders dos an beiden Orten boobachtoten Streichons dor crctaeeïschen
Schichten von W nach O habe ich angenoinmen, dass die Kreideformation sich
langs dor ganzen Nordküste von Ost-Curaeao ausdchno, eine Annabnie, welcbe
aucli dadureh gestützt wird, dass gleiche Schichten abermala im öroote Berg
nngetroffen werden. Von diesem westlichsten Punkte Ost-Curacao\'s aus erstrecken
sich die Ablagerungen der Kreideformation noch weiter nach Siiden und Süd-
osten, deun bereits unweit Klein Mal Pays stellen ain Fusse des oben beschrie-
benen llügels von kürnigem Diabas cretaeeïsche Sandsteine an. Hier ninunt man
auch eine sehr wesentliche Aenderung im Relief der Landschaft wahr, vvonn man
von dor Snuit Uommend seinen Weg zum Groote J5erg hin fortsetzt, deun statt
des flachwelligen Hügellande», welches das Innere von Ost-Curaeao im Uebrigen
auszeiehnet, bemerkt man zwischen Klein Mal Pays und dem Groote Berg niedrige
Holien mit scharfen Kammen, eine Reliefform, die auf Curacao, soweit mir be-
kannt, nur don eretaeeïsehen Ablagerungen eigen ist.
Im westliclion Absohnitte von Ost-Curaeao schaltet sioh demnach, gleichwie
an seiner Nordküste, zwischen die Diabase und quartaren Bildungcn die Kreide-
formation ein; dagogou zeigt der östliche Abschnitt dieses Inseltheiles wiederum
einen mit der Südküste iibercinstimmenden Bau. Die Diabase werden hier unmit-
telbar von don jungon Korallenkalken überlagert, und ihre Grenze ist durch eine
Linie angedoutct, welche vom Westen von Punt Canon aus sioh über don Südfuss
des Ost-Seinpost, von dort über das Hans von Fuik bis an den östlichen Abhang
des Tafelhergcs hinzieht. Im Süden und Südosten grenzt hier an die Diabasforma-
tion eine alluviale, aus den Verwitterungsprodukten des Eruptivgesteins entstan-
dene Ablagerung, als deren Machtigkeit man bei Anlage eines Brunnens auf Fuik
11 m fand. Von der Kreideformation ist im Osten nirgonds eine Spur aufzufinden.
Aus den geognostischon Beobachtungen im östlichen Curacao ergiebt sich,
dass von der Kuste naeh dem Inncrn der Inscl zu die unteustehenden Formationen
auf einandor folgen:
lm Nor den und Westen.                               Im Süden und Oston.
Quartare Kalke                                                               Quartare Kalke
(Quartare Conglomerate mit Bruchstücken                  Quartare Diabasconglomerate
crctaceïschcr Gesteino?)                                         Diabas.
Cretaceïsche Sedimente
Diabas.
Die quartaren Conglomerate, welche im Norden und Westen bei dem Mangel
an grosseren Aufschlüssen nicht bcubaohtct sind, dürften daselbst, wie nach Analogie
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anderer Lagerungsverhiiltnissc im westlichen Curacao zu sehliessen ist, sehwerlich
fehlen. Ich vermutho, dass aus den Bestandtheilen der cretaceïschen Formation
gebildote Trümniergesteine hier die gleiche Holle spielen wie die Diabasconglomerate
an der Südküste, und dass der petrographische Charakter dieser Conglomerate
des Nordstraudes mit demjenigen der nnten zu behandelnden Conglomerate von
Hermanus übereinstimme. Die jüngsten Korallenkalke und aequivalenten Bildun-
geu sind aus bereits erwiilinten Grimden in dieser Uebersicht vorlaufig übergangen.
b. Tm westlichen und mittleren Curacao.
An dein Aufbau von West-Curacao betheiligen sicb die gleichen Formationen,
welche von Ost-Curacao im Obigen beschricben wurden; es orreichen aber die
cretaceïschen Ablagerungeu im Westen eine weit gróssere Miichtigkeit und die Lage-
rungsverhiiltnisse sind so eomplicirt, dass sie sich bei dem Mangel an grosseren
Aufschliissen nur ungemein schwierig beurtheilen lassen. Es scheint deswegen ge-
boten mit der Beschreibung derjenigen Schichten zu beginnen, deren Altersbe-
stiinmung keinem Zweifel untorworfen ist, urn daraut\' ihrc Beziehungen zu den
übrigen Bildungen zu erörtern.
Rudistenkalk.
In der Gegend von Savonet tritt vereinzolt ein feinkörnig krystallinischer bis
dichter, von vielen, feinen Kalkspathadern durchzogener Kalkstein auf, welcher
splittrig bricht und schmutzig-bis blaugrau, einzeln auch gelblichweiss, gefürbt
ist. Selten kommen kleine, abgerundete Kieselscliieferbruchstücke in dem Kalksteine
vor. Dem petrographischen Charakter nach könnte man geneigt sein, ihn füreine
palaeozoische Bildung zu halten.
Der bedeutendste Aufschluss dieser Formation bcfindet sich in uumittelbarer
Ni\'ihe von Savonet, südlich voni Hause, und wird von der Fahrstrasse durchsclinitten.
Hier dürften die Kalksteine etwa 20 m über die Thalsohle sich erheben umi 40 m
Meereshöhe erreiclicu. Sie werden stellenweise von einer groben Breccie bedeckt,
die aus mehrere cm grossen Bruchstücken von Rudisten und Kalkalgen besteht,
einzelne Exemplare von Pupa uva einsehliesst und durch cinen rothbraunen Kalk
cementirt ist, offenbar eine Bildung der allerjüngsten Zeit.
Yon gleichcr Höho ist nach rohcr Schiitzung eine zweite, ansehnliche Partie
derselbcn Formation, welche nordwestlich von Savonet, links von dem nach West-
punt führenden Wege, ansteht und hier eine schroife, von den übrigen Gesteinen
schart" sich abhebeude Klippe formt. Kleinere Fetzen der Kalkschicht ragen nördlich
und östlich von Savonet aus den unten zu behandelnden Kieselschief\'ern hervor, welche
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dor Zerbröckelung eher anheimgefallen sind als die machtigen Ealkbanke; doch
sind auch die Letzteren oberHiïchlieh fast ganz in grosse, quadcrförmige Blüeke
zertheilt, welcho in der Regel sich nicht mehr in situ befinden.
Die Bestimmung dos Streiehens und Pallena ist dadurch an den meisten Punkten
unmöglieh geworden; nur an einer Kalkpartie östlich von Savonet liess sich als
Streichungslinie "NV 18\'X feststellen , verblinden mit autiklinaler Lagerung. In diese
Streichungslinie tallen noch
zwei andere der kleineren
Fetzen diescr Formation;
die übrigen Partieen pas-
sen nicht hincin und Messen
auch keine nahere Bestim-
nuing zu. Sie sind in der
bcigefügten Kartcnskizzc
I aus diesein Grimde einiger-
Fio. 7. ümoeoend von Savonet.                          maassen willkürlich einge-
I. Diabas. — 2. Kieselst-hiefer. — 3. (schwarz) Rudisteiikalke. — tragen. Auf dein Gipfel der
4. Quartarformation.                                                                  ersterwahnten Anhöhe im
Siiden der Plantage nimmt die Kalkschicht eine schwebende Lage ein, wahrend
sie ara nordöstlichen Abliange mit dem Berge fiillt; hier behndet sich also wahr-
scheinlich eine zweite Antiklinale.
Die Kalksteine treten in unmittelbarem Contakte mit Kieselschiefern auf, und
wo das Einfallen der steil aufgerichteten Schichten überhaupt zu bestiniincn ist,
überzeugt man sich auch leicht von der völlig concordanten Lagerung der Kalkc
und Schiefer. Da nun die Letzteren, wie im Folgenden erörtert werden wird, vicl-
facli geknickt und gefaltet sind und die Kalkschicht ebenfalls antiklinalen Pau
erkennen liisst, so gewinnt es einen liohen Grad von "Wahrscheinlichkeit, dass
Schiefer und Kalkc ein Schichtensystem darstellen , welches zu mehroren, unter einan-
dcr und der Kuste von Savonet anniiliernd parallelen Falten zusanunengeschoben ist.
LJngemein reich sind die Kalksteine an Resten von Rudisten (Radiolites Lam.),
welche freilicb in eineni so unvollkommenen Erhaltungszustande überliefert sind,
dass es besonderer Aufmerksamkeit bedarf, um sic als solcho zu erkennen. Es sind nur
grosse Broeken der ausseren Schalenschicht, welche bekanntlich am liingsten von
den Gehiiusen genannter Gattung erbalten bleiben, und diese Broeken sind viclfaeh
verdriickt, verschoben und zersplittert, so dass sie dem Gesteiue eine breccienartige
Struktur verleihen. In einzelnen Fallen sind an den Bruchstücken indessen noch sehr
wohl die veriistelten Eindrückeder Radialgefasseauf den Querböden erbalten (Tab. U,
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Fig. 14 ii. 17) und an Einem derselben erkonnt man noch deutlich die innere Grenze
der Schalenschicht (Fig. 14), obwohl auch sie nicht mehr den ursprünglichen Verlauf
zeigt, sondern an der mit einem Sterne bezeichneten Stelle stark verdrüekt ist.
In Folge der vielen Verdrückungen haben die Querbüden nicht selten ilire
parallele Lage eiugebüsst, und die Fossilien machcn dann im Langsbruche den
Eindruck von inerustirenden Korallon, welehe andere im Kalke eingesehlossene
Organismen zu überziehen scheinen. In Wirklichkeit haben aberLetztere bei der
mechanischen Veranderung des Gesteines nur das Widerlager für die Bruchstücke
der Rndisten gebildet (Fig. 21).
Lassen sich sehon makroskopisch derartige Stürungon in der gegenseitigen
Lage der einzelnen Thoilo der Fossilien wahrnehmen, so ist dies mikroskopisch in
noch weit höherem Grade der Fall, denn hier sieht man an manchen Stellen im
Gesteine die Zertrümmerung so weit fortgeschritten, dass jede einzelne Zellwand
isolirt ist. Solche Partieen machen in Dünnschliffon anf den erstcn Bliek den Ein-
druck, als ware der Kalkstein mit zahlreichen kleinen, vertikal dnrehschnittenen
Gehiiiisen von scheibenförmigen Foraminiferen erfiïllt, urn so mehr, als man nur
vereinzelt darin noch kleine Bruchstücke findet, an (lenen reehtwinklig auf\'einander
stossende Zellwande wahrgenommen werden. Der Antang einer solchen Zertriim-
mcrung ist in Fig. 18 dargestellt.
Diese Abbildung (Fig. 18) weist zugleich Merkmale auf, wodurch sich die
Broeken von Radiolites Lam. im Langsschnitto sicher von palaeozoischen Korallen
und Bryozoen unterscheiden lassen. Die Querbüden gehen ohne irgend welehe l\'nrer-
brechung von dem Einem in das jedesmal anliegende, andere Prisma über, wahrend
die Langswiinde des Letzteren in Folge dieser Eigenschaft in zahlreiche (ilieder
aufgelöst sind, die nur locker mit einander zusammenhiingen. Die Seitenwiinde der
Priemen benachbarter Quorschiehten liegen nicht einmal stets in derselben Eich-
tung, sondern weichen hio und da aus ihr heraus; sie fügen sich znpfenartig in die Ein-
biegungen der Querbüden, welehe im Liingsschnitte wellig gebogen erscheinen, ein.
Der Qucrschnitt dagegon zeigt cine auffallende Ucbereinstimmung mit solchen
von palaeozoischen Korallen und besonders von Chactetiden: Von den völlig vcr-
schmolzcnen Wanden aus ragen einzelne, hervorspringende Leisten, ganz in
Ueboreinstimmung mit Chactetes, in das Lumen der Zeilen hinein1); es sind
dies die Durchschnitte durch die Lamellen, welehe in diagonaler Richtung die
Prismen von Radiolites durchsetzen (Fig. 16 u. 18)*). Als einziges Unterscheidungs-
1) Vgl. II. A. Nicliolson. On the slructure and affinities of the tabulate corala of the palaeozoic
period. London 1679. tab. 12, fig. 4.
i) Vgl. auch Roemer. Die Kreidebildungen von Texas. Honn 1852. tab. 0, fig. UI.
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mcrkmal kann in solchon Querschnitten der Rudisten vielleicht der Umstand
dienen, dass die Zeilen hier eine sehr auffallende Unregelmiissigkeit im Umrisse
zeigen und bisweilen stark gesehwungene Seitenriinder bositzen \'), aber Aehn-
liehes koinmt doch anch bei palaeozoischen Bryozocn und Korallen vor 2).
Der Umriss der Zeilen ist meistens fünf- oder sechsseitig; ihr Durchme.sser
schwankt zwischen Vj und 2 mm, ara hüutigsten betrügt er 1 mm. Von den
Querböden kommen 13 bis 40 auf den Raum eines Centimeters. In der Regel
ist die Höhlung der Zeilen von Kalksparh, in anderen Fallen von Chalcedon aus-
gefüllt und nicht seltcn kommen ganz aus Kieselsubstanz bestellende Steinkerne
vor (Fig\'. 15), welclie die Rudisten auch da noch erkennen lassen, wo die Meta-
morphose im Uebrigen ihre Spuren bereits ganz verwischt bat. So ist in der oben
erwahnten Kalkpartie ara Wege nach Westpunt kein anderer Ueberrest eines Fossils
mehr wahrzunehmen als die höckrigen Steinkerne der aus dem Gesteine her-
vorragenden, verkieselten Broeken von Radiolites.
An den anderen Aufschlüssen sind verkalkte Bruchstiicke allerorts hiiufig und
oft sieht man Letztere so dicht auf einander gepackt, dass Blöcke von mehreren
Fussen Durchmesser überall die zierlicho, netzförmige Struktur der Rudistcnschalen
zeigen. deren gegenseitige Begrenzung nicht mehr nachzuweisen ist. Uebrigons
muss die Aït eine bedeutendc Grosse erreicht haben, denn ich fand unter anderen
einen herausgewitterten Broeken der Aussenschale, welcher senkrocht zur Liings-
richtung der Prismen 14 cm maass, wodurch sicherlich noch nicht die ganze
Dickc angegeben ist.
Diese oben behandeltcn Reste habe ich früher als Dania curasavica 3) be-
schrieben, da sie keinerlei Merkmale zeigen, wodurch sie von der Gattung Dankt
E. H.
getrennt werden könnten, einer Gattung, welche auf Grund eines kleinen,
D. huronica benannten Brockens eines Fossiles errichtet worden ist4). Untorstiitzt
wurde diese Bestimmung durch die mikroskopische Prüfung des Querschnittcs,
das Vorkommen von Bruchstücken, welche an incrustirende, palaeozoischc Korallen
umi Bryozocn erinnern, sowie durch die petrographische Beschaffenheit des Kalk-
steines; endlich schien der Umstand, dass die Kalke in Verband mit echten Kiesel-
schiefern auftreten, auf oin palaeozoischcs Alter der in Rede stellenden Schicht liinzu-
weisen. Ford. Roemer erkannte zuerst die Ueboreinstimmung des Fossils von Curacao
mit Radiolites, und ohne Zweifel ist diese Deutung die richtige, wie aus Obigem
1)  Fig. 20, unten rechts.
2)  Vgl. Xicholson 1. c. tab. 1, tig. « und tab. 12, fig. 46.
3)  Brief im Xeuen Jahrbucbe für Mineralogie etc. Jahrg. 1885, Bd. II, pag. 239.
4i Kdwards u. Haime Monugr. des polyp. foss. des terr. palaeoz. (Arch. du Mus. d\'11 ist. Nat
Tomc V.) pag. 275, tab. 18, fig. 2.
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genügcnd hcrvorgchcn dürfte; abcr nichts destowoniger halte ich doch auch heute
noch dio anfiingliclio Bestimmung als Dania ebcnfalls für richtig,da ich gcnannte
Gattung für nichts Andores als das Bruchstück eines Rudistcn ansehen kann.
I)ie 1. c. gegebenen Abbildungen und Beschreibungen lassen Nichts erkennen,
wodurch Dania E. H. von einem Broeken von Radiolites Lam. \') zu unter-
scheiden ware, so dass mehrere unserer verdientcsten Palaeontologen das west-
indische Eossil mit mir als Dania gedeutet haben. Um die Fragc ondgiltig zn
entschoiden, wünschte ich das Original der D. huronica, welches sich in Paris
bcfindet, zu untersuchen, konntc és aber leider nicht erhalten; dagogen war
A. Milno Edwards so freundlich, ein Bruchstück des Pctrefakts von Curagao daselbst
für mich zu untersuchen und zu vergleichen sowie mir mitzutheilen: „C\'est unc
autre ospèce appartenant jo crois ti un autre genre". Das Erstore schloss ich auch
boreits, als ich dio Broeken unter dem Namen D. curasavica bcschrieb; das Letztere
bcdarf aber aus angoführten Griinden des Beweises 2).
Auch Quenstedt beschricb\') eine Dania unter dem Namen D. saxonica, ab-
künftig von Harschleben bei Halberstadt aus unbekannter Schicht. Es kommt
aber daselbst auch Kreide vor, und der mitteldcutsche Quader beherbergt, wie be-
kannt, Sphaerulites, so dass nach Obigem die Annahme wohl kaum gewagt ist,
dass Quenstedt gleich mir das Bruchstück eines Rudisten zur Gattung Dania E. H.
gezogen hat, weil eben die letztgenannte Gattung auch nichts Anderes als ein
solches Bruchstück ist, welches irrthümlich als silurisch beschrieben wurde.
Dass die cretaeeïsche Dania Edwardsi de Greej. 4) ein Rudistcnbruchstück ist,
kann überhaupt keinem Zweifel unterliegen. Jedenfalls kann auch der Umstand
nicht dazu beitragen, den Glauben an dio Berechtigung des Genus zu erhöhen, dass
die erwahnten Broeken, welche die Namen D. huronica, D. saxonica und D. Edwardsi
tragen, die einzigen bis jetzt bekannten Repraescntanten von Dania bleiben 5).
An diesem Ortc kam es in erster Linie darauf an, die Existenz der
Kreideformation auf Curacao nachzuweisen, und dicse wird sicherlich trotz
der Uebereinstimmung der Bruchstücko von Radiolites Lam. mit Dania E. H.
1)   Kino niihere Hegronzung der (iattung, insonderheit eine Treunung von Sphaerulites Desm.
ist bei den Hruchstücken nicht müglioh.
2)   Ich vermuthe, dass violleicht dio Radialgofiisse an dem Fossile von Curacao die Ursache
sind, weswogen A. M. Edwards an eine andere (Jattung glaubt; aber es kann nicht befremden,
wenn dieselben an dem kleinen Bruchatiicke, welches D. huronica genannt worden ist, nicht
wahrgenommen werden.
3)  Quenstedt. Ilandbuch der Petrefaktenkunde. 3te Auflage. Tübingen 1885. pag. 993, tab. 80, fig. 25.
4)  Ant. de Gregorio. Fossili dei Dintorni Di Pachino. pag. 16, tab. 1, Hg. 2; u. tab. 2, tig. 3.—
Palermo 1882.
5)  Ich halte es für inöglich, dass die als Fuvosites Dietzi Duch. et Mich. und als Favosites
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in keincm I\'unkto mehr zweifelhaft erseheinen. Luider ist die palaeontologische
Ausbeute trotz eifriger Nachforscliungen, die ich an mehrcren Tagen in Curaeao
angestellt liabc, im Uebrigen oino sehr geringe für die Altcrsbestimmung der
besproehenen Rudistonkalko gewesen. Ausser den Broeken von Hailiolitex fanden
sich nur Kalkalgen, einigo Foraminiferen, die in Diinnschlift\'en als Tcrtiilaria
bestimmt werden konnten, und oino einzige Korallenart *).
Yor allem die Kalkalgen sind neben den Rudisten von Bedeutung, da sic
diese bisweilen geradezu ersetzen und stollenweise gesteinsbildend auftretcn. Die
angewitterte Oberfls\'iche vieler Blöcke und Gesteinsbrockcn zeigt die Skeletc dei-
Algen blaugrau gefarbt und deutlicb von der eigentlicbon Felsmasse sich abhe-
bend; in frisehen Brüchen und auf angeschliffenen Durchschniffen sieht man die
Kmrisso der Hebt gefarbten Stöcke glcieh scharf von der braungrauen Gestoins-
masse abgegrenzt (Fig. 22). Alle diese Reste geboren, wie die 1\'ntersuehung
zahlreicher Dünnschliffe lehrte, ciner Art von Lit hot ham ui uhi an, vvelche mit
keiner der bis jetzt besebriebenen Species identificirt werden konnte und deswegen
L. curasavirum nor. spec. genannt werden mag.
Jjithothaninium n irasari e urn bildet rundliche Knollen, welcbc bis zu 35 mm
Durebmesser erreichen und eine uuregelniiissig böckrige OberHiiche bcsitzen, an
der man stcllenwoise eine grosse Zahl von fcinen, nadelstichartigen Poren wabr-
nimmt, wclche die Lage der früberen (\'vstocarpien andeuren. Ausgewittcrte Exem-
plare, wie man sic in der erwahnten Kalkpartie südlich von Savonet zahlreich
findet, gleichen bei makroskopiseber Betrachtung ungemein feinröhrigeu Bryozoen.
Jn Durchschnitten erbiilt man mehr oder minder deutlicb runde, an den Riindern
unregelmiissig gelappte Umrisse; aber gleichzeitig erkennt man, dass die Knollen
keineswegs ganz von der Kalkalge gebildet werden, sondern dass dieselbe fremde
Bestandtheile in sich aufgonommen hat. Die PHanze ist von Gesteinsbrocken
erfüllt, in denen man neben Kalkspathindividuen unter dem Mikroskope auch
Foraminiferen und eine an Korallen erinnernde Struktur wahrnimmt, so dass also die
betreffenden Partieen nicht ctwa durch Annahmc einer ^Jetamorphose des Algeu-
Sancti-Thomae Duch. et Mich. bcschriebenen Reste cbenfalls von Kudistcn abkünftig sind. Sio
sollen aus angeblich silurischen Schichten von St. Thomas, die man frtther für Jura gehalten,
stammen, wiihrend altere als cretaeeïsche Sedimente auf den Antillen überhaupt nicht beknnnt
sind (vgl. unten i. Auch ist es in der Beschreibung des ergtgenannten Fossils aullïillig, dass als
Unterschied von F. Gothlandica aiujegeben wird: „Les tubes sont parallèles au lieu d\'être couchés
les uns sur les autres." (Duchassaing et Michelotti, Mém. sur les coralliaires des Antilies; Mem.
della Keale Acead. d. .Sc. di Torino Ser. II. T. XIX. 18G0. pag. 360. — ferner: Supplément au
Mém. etc; 1. c. T. XXIII. 1«6G. pag. 199). Leider sind daselbst keino Abbildungen gegeben.
\\) Betindet sich noch unbestimmt im Besitze des Herrn Magister Pratz, welcher die Bearbeitung
aller von mir mitgobrachter Korallen übernommen hat.
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skelcts erklart worden kunnen, sondern Körper repraesentiren, welelie von dom
Lithothamnium überwuchert warden. \') Bisweilen erscheint der Stock ringförmig
naeh aussen geschlossen, wiilirend sein fnnercs einen fremden Kern birgt.
Concentrische Streifen der Anwachszonen lassen sicli schou mit der Loupo
sehr deutlich in Querbriichen nnd Diïnnsehliffen wahrnehmen, ebenso die früheren
Cystocarpion, welchc iinter dein Mikroskope in grosser Zalil sichtbar werden
(Fig. 23). In Langsscliliffon zeigen sicli fast quadratische Zellendurclischnitte
(Fig. 25), da ihre Breite 0,012, ilire Lange nar 0,015 mm betragt;2) stellenweise,
nameutlieh dort wo die Cystocarpien sicli einschalteten, treten aber bedeutende
Abweichungcn von diosen Maassen auf, deun die Lange kann 0,012 auch 0,019
nnd sogar 0,021 mm betragen, wiilirend die Breite fast immer constant ist mul
nur selten 0,015 mm crreicht. In Querschnitten besitzen die Zeilen einen regel-
miissig scchseckigcn Umriss (Fig. 24).
Kieselschiefer.
Die Kieselschiefer, welche bei Savonet im Verbande mit den Rudistenkalken
angetroffcn werden, erreichen im Süden und namentlich im Siidwesten von diosom
Urte eino bedeutendere Entwicklung, deun hier bauen sie iinter anderen auch
den 376 m honen St. Christoffel auf.
Das Gestein ist deutlich und in der Kegel
dünn geschichtet; nur auf dem Gipfel des ge-
nannten Berges sah ich Biinke von mehreren
Metern Machtigkeit, 3) und an seincm Fusse be-
obachtete ich an Eineni Orte das Auftreten
coneretioniirer Massen von Kieselschiefer, wel-
che als Knollen und Linsen in dem gleichen
Gesteine sicli einstellen, ohne dessen Parallel-
struktur merklich zu storen. Rechtwinklig zur
Schichtungsflache verlaufende Kluftflachen zerle-
tionen. — Bui Savonet.
             gen das Gestein je nach der Machtigkeit der
Schicht und der Haufigkeit der Klüfte bald in quaderförmigc und an Maucr-
1)   Dies ist auch beroits von TJnger an den Litliothamnicn des Leithakalkea wahrgenommen
wordon. (Beitrage zur imkeren Kenntniss des Leitliakalkes — Denkschr. d. Kais. Akad. Wien;
Math. Naturw. €1. Bd. XIV, 1858, pag. 23.) — Vgl. ferner: J. Walther. Die gesteinsbild. Kalkalgen
des (iolfes von Neapel etc. (Zeitschr. d. deutseh. geolog. Ges. Bd. XXXVII, Heft 2, pag. 229,1885.)
2)   Ks ist hier der Durchinesser angegeben, den Gümbel den „gcheinbaren" nannte. Die Bencn-
nungen Bind überhaupt im öinne dieses Forst-hors angowaiidt (Die sogonaunteii Nulliporen. —
Abhdlg. d. Math. Phys. Classo d. Königl. Baycr. Akad. d. Wiss. Bd. XI, 1874, pag. 11 ff.).
3)  vgl. Band. I. Tab. XII.
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werke erinnernde Partieen, bald in kleine, würfelartigo und unregelmiissig polye-
drische Stiicke. In letzrereni Falie crscheint das Gestein bisweileu an der Oberflache
wie zerhackt. Feine Kalkspathadern sind in dein Kiesclschiefer eino gcwühnliche
Erscheinung. Seine Farbung ist ini unverwitterten Zustande meist blauschwarz,
seltcner schinutziggrün; verwittert niinnit der Kieselschiefer eine graue oder
schmutzig- bis strohgelbe Farbung an; stellenweiso wird er auch rothbraun, und es
ist sehr bemerkenswerth, dass siiinintliehe, den Gipfel des Christoffels bildenden
Gesteine in dieser Weise verandert sind, einsehliesslich der niaehtigsten Bênke.
Am Fusse des Berges stehen dagegen blauscbwarze Schiefer an, welche die
von den Schichtungsflachen und Kluften ausgehende Verwitterung und Entfiir-
bnng in allen Stadiën verfolgen lassen.
Röthlich geförbte Hornsteine sowic gclbe und rothe Eisenkiesel sind dein Kiesel-
sehiefer an manchen Orten eingelagert, Erstere auf dein Gipfel des Christoffels
anscheinend in fortsctzenden Schichten. An organischen Resten glaubte Klooa Ivadio-
Flli. 9. GEFALTETë KlESELSTMEFER AM Fl\'SSE ÜKS Sr. CHRISTOFFELS.
(Vgl. auch Band I, Tab. XI.)
lanen zu erkennen; daneben beobachtete Dorsclbc in Kiesclschieferbruchstücken
eines Conglomerates von Engelenberg Foraininiferen \').
1) 1. c. pag. hu u. 8i>.
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29
Die Lagerungsforni der Kieselschiofer ist eine schr complicirtc. In dein uebcn-
stehenden, tam Fusse des Christoffels beobachteten I\'rofile =) erscheinen die Schichten
als scharf zusammengestauchte Falten, deren Axencbenen annahernd parallel
liegen. Die Langsaxen der Falten sind aber aus der Horizontale herausgerückt
und steil aufgerichtet, so dass die untcren Enden der zusaniniengopressten, scharf
unigebogenen jMuldcntlügel aus der Felswand hervorstehen, verkohlten Baumstam-
men ahnelnd (1 u. 2 in der Zeichnung). Der Sattel der liegenden Falte in der Mitte
des Bildes ist aufgeborsten nnd seine Flügel sind quer zu den Schichtungsflachen
zerrissen. Ausserdem sehaltet sich zwischen die Falten 1 und 2 noch eine dritte
ein (8), welche sein- iinvollstiindig überliefert und zum Theil zennalnit ist. Gegcn die
Nachbarfalten ist sic dureb ein aus Kieselschieferbruchstücken gcbildetes Triim-
niergestein abgegrenzt; die Schichten der dritten Falte
sind ferner theilweise zu dunnen Lamellen zusaminen-
gedrückt und zerquetscht (Fig. 10.).
Das Profil lehrt uns, dass nach der Faltung der Kiesel-
schiefer noch bedeutende Störungen in der Architcktur des
(jlebirges eingetreten sind, welche ziemlich rcgellos durch
einander geworfeno Trümmer habcn ontstellen lassen.
und es erklart somit auch den l\'nistand, dass in der
Kreideformation von Curacao niigends ein bestiinmtes
Fm. 10. Zku^iktscmtk Falte
im Kieselschiefer von Savonet
Streichen wahrnehmbar ist. Die anscheinend gleichiniissig
(3), durch ein Trümmergestein auf einander folgenden Schichten, die in unbedeutenden
(1) von den nicht gequetschten
Xarhbarfaltcii (•>) geschieden. Aufschlüssen hie und da, besoiidors auch in der Ni\'ilie
des geschilderten Profils, zu beobachten sind, mussen ebenfalls als Theilc einer
gefaltcten und zusainiiiengepresstcn Keihe betrachtet werden.
Sandsteine, Mergel, Kalksteine und Coujflomerate.
Den Kieselschiefern sind in der Gegend von Savonet hie und da. dünnplattigo
Sandsteine eingeschaltet, so auch auf dein Gipfel des Christoffels; an anderen Orten
der Insel ist aber das Verbal tui ss von Kieselschiefern zu Sandsteineu der betref*
fenden Schichtengruppe in der Kegel das Umgekehrte, indem Letztere das herr-
schende Gestein darstellen, dem gegenüber die Ersteren nur eine untergcordnete
Kolle spielen.
2) Das Profil ist nach einer grossen l\'hotographio meines Keisebegleiters in allen Kinzelhcitcn
nachgezeichnet worden, unterstützt durch an Ort und Stelle gemachte Skizzon. Eine verkleinerte
Keproduktion der Photographie findet sich in Band I auf Tab. XI dieses Werkes.
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30
Die Sandsteine sind foin-bis grobkörnig, blaugrau in friseliein Zustandc, ver-
wittert schmutzig-bis strohgelb, seltener liehtgrau gefarbt, Dachden Untersuchungen
von Kloos grösstentheils odor ganz aus eincni granitischen Detritus gebildet, welcher
höufig durch Caleit cementirt ist; aber auch Sandsteine mit thonigem Bindemittel
sind weit verbreitet; zuin Theil sind sie chloritisch. Die Sandsteine mit kalkigem
Bindemittel sind reich an Foraminiferen und zeigen Xoigung zn kugeliger Abson-
derung, obne dass indessen concentriseh-schalige Struktur vorkame; bisweilen sieht
man rundliche und ellipsoidisehe, faust- bis kopfgrosse Knollen in einer feinerdigen
Kalkmasse gelegen, unter anderem auch am Groote Berg und im östlichen Curacao
bei Klein .Mal 1\'ays. Fm Allgemeinen sind aber die Sandsteine dünn geschichtet
und selten erreichen die Bankc Va m Machtigkeit. Die grobkiirnigen Sandsteine,
welchc mit Kalkstoinen lagern, sind von einem aus krystallinisehem Kalkspatlie
bestelienden Triiinernetze durelizogen.
Durch Zunalmie des Bindemittels vcrlaufen die Sandsteine einerseits in Kalk-
stein andererseits in Mergel. Scbief\'rige, gelbliehe Mergel besitzen namentlich im
schmalsten Theile des Eilands eine bodeutende Entwicklung, sind aber oberflach-
lich zerfallen mul liaben bei der Zerstückelung bisweilen griffelförmige Bruehstücko
geliefert, welchc eine transversale Schieferung andeuten.
Auf den gehobenen (\'forten-assen, welchc sich nordwestlich und südöstlich
vom Kleineberg betinden, sind sie zersetzt und umgelagert. Diese Terrassen worden
an der Scescito von quartarem Kalke, landeinwarts dagegen von erdigem, unge-
schichtetem Mergel gebildet, welcher vorlierrschend rostbraun, seltener grau odcr
auch lauchgrün gefarbt ist. Solche Mergel stehen auch am nordwestliehen Abhange
des Groote IJerg an und sehliesscn hier einzclne Gerölle von Korallenkalk eiu,
welchc ihrem petrographischen (\'harakter nach dein ([iiartiircn Riffe entstammen.
Ihr Hangende» wird ebenf\'alls von jungen Korallonkalken gebildet, die hier nur
wonigo Meter machtig und an der Basis röthlich gcfiirbt sind, weil sic mit don
Mcrgeln verwaschen wurden. Die gleiche Ersclicinung wicht man noch mehrfach
in der Nachbarschaft, im schmalsten Theile von Curacao, wahrend aus den erdigen
Mcrgeln liie und da dio Schichtenköpfe dor widerstandsfahigeren Sandsteine her-
vorragen, die friiher mit schiefïïgen Mcrgeln lagertcn. Dio Verhaltnisse entsprechen
somit don oben von Hato geschilderten; nur litsst sich in der rmgegend dos
Groote- und Kleine Berg die Zerstürung der mit den Sandsteinen wechscllagernden
Mergel naehweisen, wahrend an der Nordkiiste von Ost-Curayao diese nur vcrniuthet
worden konnto.
Kalksteixe ind Coscjj.omekate neliiiien den geriugston Antheil an der
Ziisannnensotzung der in Bede stellenden Schichtonreihe. Erstere sind dunkolgraue,
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:;i
tlionige oder sandige Gesteine, weidie in Banken von geringer Machtigkeit im
Sandsteine auftreten, wie dies oben bereits von Hato besclirieben wurdo. Die san-
digen Kalksteino zeigen das allmahlige Yerlaufen beider Gesteinsarten in einander
an, die thonigen Kalksteino den l\'ebergang in Mergel. Obwohl es kaïim einein
Zweifel unterworfen sein kann, das.s diese Kalke den Kudistenkalken von Savonct
aoquivalent sind, so traf ich doch weder makroskopisch noch mikroskopisch walir-
nehmbare Fossilien in ihnen an.
Die Conglomerate bestchen aus Kieselschiefer-, Diabas- nnd Quarzitbruchstük-
ken, welche durch Kalk cementirt sind. Tm Einzelnon ist ihre Zusammensetzung,
nach der Grosse der Fragmentc nnd dem Vorlierrselien der Einen oder der anderen
Gesteinsart unter diesen, nianchem Weehsel unterworfen; nnr die Quarzite sind
überall lediglich in kleinen Fragmenten in dem Conglomerate cnthalten; die Grosse
der andoren Bestandtheilo schwankt zwischen der einer Haselnuss und von gerin-
geren Dimensionen bis zu derjenigen einer Faust. Die gleichformige Lagerung der
Trümmergesteine mit den übrigon Sedimenten ist allerorts, wo sie auftreten,
deutlich, so namentlieh auch bei Engelenberg, ferner an einem Punkte zwischen
Fontein und Sebastian sowie bei Brievengat in Ost-Curacao.
Offenbar sind es diese Conglomerate, welche Stift\'t als Grauwackc bezeichnet
hat\'), da sie der Grauwackc ausserordentlich iihnlich sehen und auf kcine andere
I3ildung der Insel die von ihm gegebene Beschreibung des betreffenden Gesteines passt.
Sandsteine, Mergel, Kalksteino und Conglomerate sind wie die Kieselschiefer,
mit deneu sie gleichfönnig lagern, steil aufgerichtct; nirgends bcobachtet man ein
flaches Fallen, sondern es botriigt der Fallwinkel, soweit mcinc Beobachtungon
reichen, stets mindestens 25°, in der Regel aber mehr. Ein constantes Streichen
fehlt, und Stifft glaubte aus diesem Grunde die Lagerungsform so auffasson zu
mussen, als ob die Sedimente den Diabasen muldcnfürmig eingelagert waren, eine
Auffassung, welche bei dem fast völligon Mangel grösserer Aufschlüsse durcliaus
erkliirlich ist, die ich aber doch im Jlinblick auf das oben vom Fusse des Christof-
fels beschricbeno Profil nicht für richtig halten kann. Ich betrachte vielmchr die
steile Stellung und das gosetzlose Fallen und Streichen der Schichten als die Folgo
scharfer Faltungen und bedeutendcr Verwerfungen, dem das ganze System in
glcichem Sinne ausgesetzt gewesen sein durf te, wie es die Lagerungsform dor Kiesel-
schiefer von Savonct uns lehrt. Die Grittclstruktur der Mergel steht damit im besten
Einklangc.
1) Vgl. üumontior 1. c. pag. 29«.
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32
Das Alter der Sedimentc
Stifft betrachtoto die Sedimentc von Curacao als palaeozoisch, speciell als
„graues Todtliegendcs;" \') sein Urthcil gründete sich auf die petrographische
Boschaffenheit der Formation, da ihm Fossilien überhaupt nicht bekannt waren,
ïcli selbst habc bei der rntersuehung im Feldo die Schichten ebenf\'alIs fürpalaeo-
zoisch gehalten und dabei die Gleichaltrigkeit sammtlicher oben beschriebener
Sediineiite, cinschliesslich des Rudistenkalkes, angenomnien.2) Als sich bei wei-
terer Fntcrsuchung und Auffindung der Reste von Radiolitez das cretaeeïsche
Alter der Kalke von Savonot hcrausstellte, zögcrte ich, diese Altersbestimmung auch
auf\' die Kiesclschieferformation zu übertragen, obwohl die Lagerungsverhiiltnissc
fiir die Zugehörigkeit zu derselben Schichtenreihe sprachen.3) Es war bei dem
Mangel an Aufschlüssen immerbin denkbar, dass das angenommene Lagerungs-
verhaltniss unrichtig und die gleichförmige Folge der Kiesel schiefer und
Rudistenkalke nur eine scheinbare, durch spiitere Verschiebungen in dem stark
gestörten Gebirge entstandeno sei. Die Thatsacho aber, dass in Columbien und
Venezuela ebenfalls cretaeeïsche Kieselschicfer in Verband mit Rudistenkalken
vorkommen, mussten diese Zweifel beseitigen, um so mehr als auch im Ucbrigen
die Sedimentc Curacao\'s in petrographischer ILinsicht eine bemerkenswerthe Ana-
logie zu süd- und mittelamerikanischcn Kreidebildungen zeigen.
Xach Karsten besteht an der Xordküste von Südamerika die obere, von ihm
mit dem oberen Quader und Planer Sachsens parallelisirte Krcide aus eincm Systcme
vorherrscliend kicseliger Gesteino, dessen Mi\'ichtigkeit im Durchschnitte auf 1000
m gexchittzt wird. Es sind feinkörnige, weisse oder gelbliche Sandsteine, welene
roth verwittern und mit machtigen Schichten von Kieselschiefern wechsellagern,
untergeordnet mit Thonschiefern, Conglomeraten und Kalksteinen. Die Kicselschie-
fer sind gelblich, seltener dnnkcl gcfiirbt und „die Kalke, die diese Quarzgcstcine
bcgleiten," enthalten neben Resten von Zweischalern und Echinodermen auch Ru-
disten. 4) Wall, welcher dicselben Schichten zum Gegenstande seines Studiums
machte, sie aber irrtlnimlich zum Neocom rechncte, erwahnt, dass die betreftenden
Kalke (in (Jebereinstimmung mit den Rudistenkalken von Curacao) stellcnwcise
1)  Dumontier 1. c. pag. 208 u. 301.
2)  Ilevuo (\'olonialo Internationale. Tomé I. pag. 72. (briofliche Mittheilung). — 1885.
3)  Tijdsein\'. Nederlandsen Aardrijkskundig Genootschap. Ser. II. Deel 2. pag. 638. — 1885.
4)  II. Karn ten. Ueber dio gcognost. Verliiiltnisse des westlichen Columbien. (Verhandlgn. d
Versammlg. deutscli. Xaturforschci\' und Aerzte. Wien 185G. pag. 83 u. 85.) — Vgl. ferner: Karsten.
Geologie do 1\'Ancienno Colombie Holivaiienne, Venezuela, Xouvelle-Grenade et Ecuador. IJerlin
1886, pag. 9 tl\', und pag. 48. -• ferner: Zeitschr. d. deutscli. geolog. üesellsch. II. 1850. pag. 353 ft\'.
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33
reich an in Kalkspath umgewandelte Fossilicn seien, die sich nicht aus dom
Gesteine herausschlagen lassen, und legte ferner dar, dass die Schichten desgan-
zen Kreidesystems gewaltige Störungen, Faltungen und Verwerfungen erfahren
liaben. Er schiitzte die Miichtigkeit desselben auf 7000—8000 Fuss.\')
Es ist soinit die (Jebereinstimmung zwischen den Kreideablagerungen des
Festlandes und den oben beschriebenen Sedimenten eine sehr grosse, und dazu
kommt noch das Fehlcn aller vorcrctaceïscher, versteinerungsführender Schichten in
der betreffenden Cordillere. Denn auf dom BÜdamerikanischen Continente, dessen
geognostische Gliederung bei fortschreitenden Kenntnissen sich bcdeutcnd mannig-
faltiger erwiesen hat, als man friïher anzunolimen geneigt war, sind doch bereits
die niichst alteren, weit verbreiteten Juraablagerungen, wie Gottsche darlegte,2)
auf die von X nach S streichende Cordillere der Westkiïste beschriinkt; ihre
östliche Grcnze fiillt mit der Wasserscheide der Cordillere zusainmen und nördlich
sind Juraschichten nur bis zu 5°46\' S. Br. in Peru bekannt. In der von \\V—O
streichenden Küstencordillere fehlcn sic ebensowohl wie alle uiteren, verstcinerungs-
führenden Schichten nach dem Stande unserer heutigen Kcnntnisse.
Cleve 3) und darauf Suess 4) haben ausserdem gezeigt, dass anchanf den west-
indischen Insein keine alteren versteincrungsführenden Schichten als diejenigen
der Kreideperiode bekannt seien, und Letzterer entwickelte in geistreicher Weise,
dass die grossen Antillen nach dem Tvpus der nördliehen Küstencordillere von Süd-
amerika gebaut seien. Die als cretaeeïsch erkannten Schichten der Antillen stimmen
ferner wiederum sowohl petrographisch als hinsichtlich ihrcr Lagcrungsvcrhi\'iltnisse
in allen wesentlichcn Punkten mit den in Rede stellenden Ablagerungen von
Curacao überein, soweit es möglich ist, sich nach Bcschrcibungen ein l\'rtheil zu
formen 5). Beshalb sind sie auch ihres petrographischen Cliaraktcrs wegen, ebenso-
vvohl wie die entsprechenden Sedimente in Venezuela und auf Curacao, anfanglieh
für palaeozoisch gehalten0), bis palaeontologischo Untersuchungen den Irrthum
1)  O. P. Wall. On the Geology of a part of Venezuela and of Trinidad. (Quart. Journ. Oeol.
Soc. Vol. XVI. London 1800, pag. 4ÜO.)
2)  C. Gottsche. Ueber jurassische Versteinerungen aus der Argentinischen Cordillere. (\'assel 1878.
3)  P. T. Cleve. On the Geology of the North-Eastein West India Islands. (Kongla Svenska Vet.
Akad. Hand). B. 9. N° 12. 1871.) pag. 47.
4)  E. Suosg. Das Antlitz der Erde. I. pag. 098 ft\'.
5)  Vgl. die Literaturangaben bei Cleve und Suess.
ü) Xaeli Karsten (Góolog. de 1\'Anc. Col. Bol. pag. 4) in Venezuela, bis die palaeontologischen Unter-
suchungen L. v Bucli\'s das cretaeeïsehe Alter foststellten (Pétrificat. reoueill. en Amér. par A. do
llumboldt et par Ch. Degenhardt. 1831). pag. 18). Nach Suess sind im westlichen Cuba Bchwarze
Thonschiefer und (iuarzite oline Grund als palaeozoisch betraohtet (1. c. pag. 703). De la Becho
5
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:il
aufdeckten. Hippuriten sind in einem Kalksteinc von Cuba und Jamaica gefunden
worden, auf letztgenanntem Eilande auch Radioliten.
Die ITebereinstimmung, welche die betroffenden Seditnente unscres Eilands
sowohl in petrographischer 11iiiwïeht als aueb betreffs der Lagerungsvcrbaltnisse mit
den cretaeeïschen Ablagerungen des Festlandcs und der übrigen westindischen
Jnseln zeigen, ferner der geschilderte Verband zwischen den Rudistenkalken von
Curacao und den Kieselschiefern daselbst, endlich die grosse Analogie, welcbe über-
haupt im geologiseben I3aue von Curacao, Aruba und Bonaire mit der Cordillere
von Venezuela und derjenigen der grossen Antillen bestebt!) — dies Alles recht-
fertigt die Annabme, dass die Rudistenkalke von Curacao ders lben Schichtenreibe
angehören, wie die Kieselschiefcr, Sandsteine, Mergel und Conglomerate, und dass
alle diese Ablagerungen als Kreideforniation zu bezeicbnen sind.
Solche Erwagungen veranlassten mich spiiter-), die Sedimente von Curacao,
meiner ursprünglichen Auffassung entsprechend, als Glieder desselben Schichten-
systems anzuseben und sic als cretaeeïsch zu bestimmen. Die von Kloos ausge-
führte, mikroskopische Fntersuchung 3) enthüllte dann ferner nocb die Anwesenbeit
von kleinen Organismen, welche eine weitere Stiitze für diese Altersbestimniung
bilden:
Die Sandsteine entlialten (Jlobiyerinen, Rotalinen und Textularinen in grosser
Zahl, und unter diesen Hess sicli Discorbina und Textularia sicher erkennen, wenn-
gleichdie Mehrzahl der Formen ungünstiger Erhaltung wegen eine naherc Bestimmung
niebt zuliess. Ausscrdem kommen sehr biiufig kleine Stüeke von Kalkalgen vor,
die ibrer ühdurchsichtigkeit wegen scbon bei Betracbtung der Praeparate mit der
Loupe leicht aufzufinden sind, trotz der unbedeutenden Grosse, die in den angefer-
tigten Scbliffen 1 mm niebt übersteigt. Alle diese Kalkalgen stellen eckige oder
abgerundete, losgciüste Bruchstücke von Pflanzen dar, welche gleich den übrigen
Bestandtheilen der Sandsteine allothigen sind. Sic geboren dem Genus Lithotham-
nhim
an und stammen nicht nur in der Form der Zeilen, sondern auch in deren
Dimensionen mit dein oben aus don Rudistenkalken besebriebenon L. curasavicum
übercin. Dass sic derselben Art angobören, liisst sich freilieh trotzdem der geringen
Grosse der untersuebten Brucbstückc wegen niebt behaupten.
hielt die cretaeeïschen Ablagerungen von Jamaica aus petrograpliischon Gründen ebenfalls für
palaeozoigch (Trans. ücol. Soc. 21"1. ser vol. 2. part. 2. pag. 143). Die Aehnliclikeit eretaeeïseber
Sedimente mit silurisclien Gesteinen wird von C\'leve hervorgehoben (1. c. pag. 39.) —etc.
1)  Vgl. über diesen (legenstand die Sclilu-ssbetrachtungcn.
2)   Verslg. en Mededeelgn. il. Kon. Akad. v. YVetensch. te Amsterdam Afd. Xatuurk. III\'Reoks.
2de Deel. 2" stuk, pag. 238.— 1886.
3)  Sammlgn. des Oeol. Reichs Museums in Leiden. 2\'e Serie. Bil. I. pag. 82.
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. 35
Man wird aber zugoben müsson, dass die paleontologische Ausbeute, wie
besehüiden sic auch sein mag, die aus anderen Grimden gefolgerte ZusaTiimenge-
hörigkeit der in Ilede stellenden Schichten mit den Ihidistonkalken nur stützen
kann. Freilich betrachte ich dabei die Letzteren sainmt den Conglomeraten als
die relativ jüngsten Bildungen der cretaeeïschen Schiclitenreihe , da ich in einem
einzclnen Falie in den Besitz eines lose an der Oberrliicho aufgelescnen liand-
stiickes gelangte, welches kleine Bruchstücke von Kieselschiefer einschliesst. Die
Lagernng der übrigen Kalksteine, die ich gleich den Kudistenkalken stets nur am
Aussenrande der Kreideformation angetroffen habe, spricht ebenfalls für ein relativ
jüngeres Alter auch dieser Kildungen undfürihre Aequivalenz mit den Kudistenkalken.
Die hier zuletzt gemachte Annahme wird wiederum wesentlich dureb die geogno-
stischen Verhaltnisse der grossen Antillen, insonderheit von Jamaica \'), gestützt. D(trt
nehmen sogenannte „metamorphosed or altcred roeks," welche petrographisch mit der
Sandstein- und Kieselschieferformation von Curacao übereinstimmen und, wie bereits
Suess hervorhob8), Hyschahnliche Kreideablagerungen sind, an dein Aufbaue der
höchsten Höhen Theil. In ihrem l\'nikreise und ini Haiigenden treten Kudistcn
führende Sedimente anf, welche letztgenannte Formation: „sooins to comprise two
varieties of strata, an upper portion consisting ofmarlsand sands containing corals
etc. many hippurite remains, and a lower consisting of compact massive limestone
with large radiolites very firmly imbedded, some indicating a length of seven feet.
The genus Barrettia is obtained froni these strata 3)." Sollte sich die Zweitheilung
der betreffenden Ablagerungen als gerechtfertigt erweisen, so würden also die
Kudistenkalke von Curacao mit grosser Wahrscheinlichkeit der letzterwahnten,
unteren Schicht, in der auch die so sehr fragliche Uarrettia vorkommt, gleichzu-
stellen sein; jedenfalls dürfen sic aber als das relativ jüngere Glied der cretaeeïschen
Schiclitenreihe der Insel bczeichnet werden.
Sawkins halt die Kreideformation von Jamaica für aequivalent mit den Gosau-
schichtcn, begeht aber aus Unbekanntheit mit der betreffenden Literatur gleich
Wall4) den Fehler, die cretaeeïschen Ablagerungen der Küstencordillere von Vene-
zucla für Xeocom zu halten. Die Schichten von Ja niai ca (und, so weit
unsere Kenntnissc reienen, der Anti 11 en überhaupt) sind dagegen
der oberen Kreide von Venezuela gleichaltrig, und dassclbe
1)  James O. Sawkins. Reporia on tho Geology of Jamaica; or, Part. II of tho West Indian Sur-
voy. London. 1809.
2)  1. c. pag. 705.
3)  Sawkins 1. c. pag. 26.
4)  Vgl. oben.
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gilt nacli obigon Ausci nandersetzungen für die eretaceïschen
Ablagorungen von Curacao. Wahrscheinlich sind allo diese 15i I-
d u n g e o dor m i 111 e r o n K r e i d e von Europa a e q u i v a 1 e n t. ■)
Diabas.
lm westlichen Curacao spielen Diabase cinc ahnlichc Holle wie im üstlichen
Theile der Insel, doch bilden sio im "Westen ansehnlichere Höhen. Im Tafclberge
St. Hieronimo steigon sie bis zu 207 m Meereshöhe an; ferner wird der St. Antonic-
berg von Diabas gcbildet, und alle die zugcrundeten Oipfel, welclie, im Jïord-
westen von l\'aradera beginnend, sidi südlicb und südüstlidi vom Sr. (\'hristoffel dureb
das Innere der Tnscl verfolgen lassen, bostellen aus derselbou Formation. Audi
nördlieh vom Chris toffel, an der Xordwestecke dor Insel, erreichon die Diabaso
eino bedeutende Entwicklung, bauon hier aber nur niedrige Iliigcl auf und fallcn
allmahlig niit sanftcr Xcigung zum Strnnde ab, urn sich langs der Nordküste
noch wciter nach Osten auszudehnen, woselbst sic cin flachwelliges, nur wonigc Meter
über den Mcoresspiegol sicli erhobendos Jlügelland formen. In Letzterem tritt in
unmittelbarer Xühe von Savonct ein Gestein auf, welches nacli Kloos aller Wahr-
scheinlichkeit nach als Diabasporphyrit zu douten ist.
Die Struktur des Eruptivgesteins ist wie im Osten in der Kogel cine dichte;
Fig 11. Bai von Westpunt.
Eingeschlossen von gehobenen Kalkbauken. Dahiuter das Diabasgebirge, dessen iiusserster Theil im
Nordwesten eine alte Brandungsterranse darstellt.
körnigo Diabaso treton dagegon hier wie dort sehr zurück, und untcr diesen sind
einigc in dor Umgegend von Savonet anstehende Oostcine durch ziemlich bedeutou-
den Quarzgehalt ausgezeiohnet. Solcbe Quarzdiabase schlug ich etwa \'/* Wegstunde
wostlich von Savonet, ander Strasse nach Westpunt undausserdem südöstlich vom
Christoffel, zwischen diesen) Berge und Westpunt, woselbst sic reich an erdigem
Maladiit sind.
Das genannte Mineral kommt hier auf den Kluftflachen dos Eruptivgesteins
vor und bekloidot diosolben so vollstiindig, dass man kaum einon Stein zerschlagen
kann, ohne cine mit Maladiit bcdooktc Bruchflache zu crhaltou, wenn man nicht
1) Vgl. hierflber aucli K. Etberidge in: Appendix V to the Oeolog. Surv. of Jamaica etc. (Saw-
kins 1. c. pag. SOK).
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mit Yorbedacht das Spalten nach den Kluften vermeidet. Tliut man dies, so
überzeugt man sich allerdings leiclit von der im Yerhiiltniss zur Gestoinsmasse
geringen Menge an Kupfererz, welche den Gedanken an einen Abbau sofort
zurückdriingt.
Leider bat man aber die Erfahrung, dass die.se Kupfererze niebt abbau-
würdig seien, erst nach dem Yerluste bcdeutonder Capitalien auf Savonet
gomacht. Man ist mit so wenig Sachkenntniss zu Werkc gegangen, dass man
sogar im Schotter, welcher von diesen Diabasen abkünftig ist und somit ebenfalls
den erdigen Malachit enthalt, Gruben zur Gewinnung des Erzes ausgetieft bat.
Neben Malachit kommt nntergeordnet erdiger Azurit und Rothkupfererz vor,
endlieh derbes Magneteisen und aus dessen Verwittcrung hervorgegangener Braun-
eisenstein. Alle dieso Erze sind aber dem Diabase eigen, denn von Giingen und
Trümern ist nirgends eino Spur zu bemerken. Indessen l.\'isst die Ycrtheilungs-
weise der Kupfererze keinen Zweifel darüber auf kommen, dass sic nachtriiglich
als Impraegnationen liings der Kluftflachen in das Eruptivgestein eingedrungen sind.
Die ursprünglichen Kupforerzlagerstiitten, aus denen die Solutionen hervor-
gingen, sind aber nichts desto weniger aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls
im Diabase zu suchen, donn es kommen in ihm an anderen Ortcn der Gegend
von Savonet scbmale Kalkspathgiinge vor, die Kupfererze führen. Stift\'t bat ihrer
Untersuchung besondere Sorgfalt zugewandt; er sagt: „sie streichen meistens
zwischen Stunde 0 und 12 und wechseln hiiufig im Einfallen. Sie führen Roth-
kupfererz, Kupferglas, Malachit und gediegen Kupfer. Wahrscheinlich stammt
von einem solchen Gango das grosse Stück Rothkupfererz mit gediegen Kupfer
ab, welches in der Rooi am Tafelberg bei Savonet gefunden winde". Auf Groot
St. Martha, wo dieselben Giinge im Diabas vorkommen, ist man nach mir ge-
machten Mitthcilungen beschiiftigt, den bereits früher angestellten Yersuch, die
Erze in Abbau zu nehmen, augenblicklich zu erneuern; doch dürfte sich der
Bctrieb schwerlich als lohnend crweisen.
Selten setzen scbmale Quarzgange im Diabase von West-Curacao auf, die
an Bedeutung hintcr den Giingen von Ost Seinpost im östliehen Curacao noch weit
zurückstehen.
Das Lagerungsverhiiltniss der Diabase zu den cretaeeïschen Sedimenten ist
iiusserst schwierig zu beurtheilen, denn es ist mir kein Profil bekannt, in dem
das Eruptivgestein überhaupt aufgeschlossen wiire. Deswegen verkehrte auch Stitt\'t
bezüglich der Deutuug des Lagerungsverhaltnisses in grosser Unsicherheit; wahrend
er einerscits annalim, dass die Sedimentc dem Diabase bassinfürmig eingelagert seien,
war er andererseits geneigt, einen Tlieil der Kieselschiofer und Sandsteine als
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glcichaltrig mit ihm anzusehcn \'). Zn ersterer Auffassung veranlasste ihn noben
dcm bereits erwiilnitcn, regelloscn Fallen der steil aufgeriehtoton Sedimente die
Deobachtung, dass die Jiöhen im westlichen Curacao vielfacb von dcm Eruptivge-
steine, die Thaler von den Sandsteinen gebildet werden; zu der zweiten Auffassung
dürfte namentlich der Christoffol und scine Umgebung den Anlass geliefert habon.
Vut. 12. Bl.KK ai i iiks Sr. (\'iiltisToiTFl.. — lm Vorilergrumle links liegt Savouet.
Die nebenstehende Skizze, von Nordost gonominen, zeigt zwei woscntlich
verschiedene Roliefformen : tl ach wel Ugo, aus Diabas gebildete Tlügel und den scharf-
gratigen, aus Kieselscbiefer aufgebauten Cbristoffel. Betrachtet man den Berg von
Osten (vgl. die Abbildung im De» Theile. Tab. X), so erseheint er sowohl nach Süden
als nach Norden vom Eruptivgesteinc cingcschlossen, und dies Bild legt deii Gedan-
ken nahe, die Diabase könnten dcm Kieselscbiefer eingeschaltet sein; die bedcuten-
dere Höhe des Christoffels gegenüber seiner Umgebung würde in der grosseren
Widerstandsfahigkeit des ihn aufbauenden Gcstcines eine zwanglose Erklarung
finden.
Indessen wird diese Annahme auf Grund des geschilderten Profiles am Fusse
des Christoffels höchst unwahrscheinlich; denn es würde auffallig sein, dass bei
dem von Stifft angenommenen Lagerungsverhaltnisse in den scharf zusammenge-
staucliten Falten der Kreideformation das Eruptivgestein nirgends gleichzeitig mit
den Schiefern und Sandstcinen auf dem Eilande aufgeschlossen ist.
Auch für die Annahme, dass die Diabase jünger scien als die cretaccïschen Abla-
gerungen liegt kein Grund mehr vor, seit sich herausgestcllt bat, dass die von dem Erup-
tivgesteinc auf Aruba wahrscheinlich2) durchsetzte Schieferformation nicht mit den
Schiefern von Curacao aequivalent ist. Das Yorkommen von Diabasen untcr den Be-
standtheilen der cretaccïschen Trümmergestcine bewcist ohnehin , dass mindestens ein
Theil der Diabase von Curacao alter ist als die Sedimente der Kreideperiodc daselbst. Es
stcht deswegen nichts derjenigen Auffassung entgegen, welche auch ohne Kenntniss
des Lagerungsvcrhaltnisses nach der Analogie anderer Diabasvorkomninisse von
1)  Dumontier 1. c. pag. -2D7 u. 305.
2)  N&heres bierüber bei Aruba zu vergleichen.
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:;\'.)
vornhercin die grüsstc Wahrsclieinlichkeit für sich bat, dass die Diabase das altere,
die Kreideschichten das jüngere Gobirge repraesentiren.
Demnach betrachte icli die Diabase als die iiltestc Formation von Curacao,
wclclie von gefalteten und verworfenen Kreideschichten bedeckt, aber durch spater
erfolgte Abtragung der Letzteren zum Tlioil wieder hlosgclegt ist. Die isolirten,
aus den Sedimenten aufragenden, kleinen Kuppen sind als das Ausgehende von
Decken aufzufassen, welche das Liegende der cretaceïschen Ablagerungen bilden.
Diese Kuppen konnten übrigens in die Karte nicht eingetragen werden, da die
topographische Grondlage so ungenfigend ist, dass ein genaues Einzeichnenauf der
flüchtigen Reise nicht möglich war, und esmir überhauptanZeitfehlte,diezahlreichen,
kleinen Hügel zu bcsteigen und einzeln zu untersuclien. Die Grenzlinio zwischen
Diabas und Kreide ist aus diesem Grunde nur so zu betrachten, dass sic die Haupt-
verbreitungsbezirke beider Formationen von einander trennt, wiihrend sie im
Einzelnen noch mancher Correcturen bcdürftig ist, die nur bei specielier Aufnahme
der Insel angebracht werden können.
Diorit.
In der Nfihe von Westpunt, ein wenig nordöstlich von genanntem Orte, steht
ein massiges Gestein an, welches in grossen, rundlichen und ellipsoidischen Blücken
verwittert, wie sie sonst nirgends im Gebiete der Diabase vorkommen. Das por-
phyrische Gestein, welches mit sehr bcschriinkter Ausdehnung innerhalb der
niedrigen, aus Diabas gebildetcn Hügel auftritt, ist schon hiedurch auffallend;
die mikroskopische Untersuchung von Kloos ergab, dass es als porphyriscber Diorit
zu bezeichnen ist, ein Gestein, welches in gleicher Ausbildung auch innerhalb
der Diabase von Aruba vorkommt. Da sich auf Curacao über seine Beziehungen
zu Ietztgenanntem Eruptivgesteine nichts erkennen lasst, so verweise ich diesbe-
züglich auf Aruba. Die auf dieser Insel beobachteten Verhaltnisse können ohne
Schwierigkeit auch auf Curacao übertragen werden.
Quartare Conglornerate und Kalke.
Entsprechend den von Ost-Curacao geschilderten Verhiiltnissen werden auch
im westlichen Theile der Insel die alteren Bildungen von quartaren Conglomera-
ten mit kalkigem Bindemittel überlagert, in deren Hangendem reine Korallen-
kalke auftreten. Manchmal erreichen einzelne Bestandtheile des Trümmergesteins
Va bis 1 m Durchmesser, und die Zusammensetzung wechselt je nach der das
Liegende bildenden Formation. So sind an der Nordküste bei Savonet nahezu
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homomikte (Jonglomerate, gebildet aus den Bruchstücken der Diabasformation
und ungcmein reicli an Gehausen und Steinkernen von Trochus pica L.,entwik-
kelt; am östlichen Ufer des Biuncnmeeres von Hormanus dagegen stehen nahe
der Kuste die steil aufgerichteten, dünn
geschichteten Sandsteine der Kreidefor-
~*~                             f                        niation an, iiberlagert von polymiktcn
Fm. 13. Profil bei Hermakls.                   r, ^                              i i            i           ., ,
Conglomeraten, welene neben Bruch-
I. SaniLstein iler Kreiilepcrinile. — -J. Quartïre
Conglomerate. — 3. Qnartare Kalke.             stücken der alteren Sedimente auch
grosse Gerölle von Kalkstein einscbliessen, die gloich den Geröllen im Mergel
des Grootebergs nnr um weniges alter sein können als die beide Bildungen be-
deckenden, quartaren Korallenkalke.
Die allgemeinen Seblussfblgerungen, welehe aus den mitgetheilten Beobach-
tungon über den geognostisehen Bau von Curacao abzuleiten sind, werden in
einem sptiteren Abselinittc gleiehzeitig mit den Untersuchungsresultaten von Aruba
und Bonaire behandelt werden, da die vielfachen Analogicn, welche die drei
Insein in ihrem Aufbaue zeigen, bei einer gesonderten Darstellung zu crmüdenden
Wiederholungen fïihren müssten. Hier sollen auch die geologischen Beobachtungen
noch weitcr mit Darstellung der quartaren Riffbauten und einiger, allen drei
Insein gemeinsamer Verhaltnisse, die aus gleiehem Grunde eine einheitliche
Behandlung wünschenswerth erscheinon lassen, vervollstiindigt werden.
Aruba.
Orographische öliederung*.
Die Inscl Aruba besitzt nur Ein Gebirge von einiger Bedeutang, welches an
der nach XO gekebrten Kuste des Eilands sich vom Matevidirie bis in dicunniit-
telbare Niihe von Fontein ausdehnt und nach dein Innern zu durch eine Linie
begrenzt wird, die sich von dort aus in südwestlieher Richtung zur spanischen
Lagune hinzieht, hier sich nach Nordwesten wendet und nun im Westen des Jama-
nota, Ariekok und von 8t. Lucie verlauft, bis sic am Fusse des Matovidirie wiederum
die luiste trifft. Es wird somit ein Qebirgsstock von anniihernd dreiseitigom Um-
risse gcbildet, dessen Eine Seite an der Nordküste ans Meer stösst.
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tl
Die höchsten Höhen dieses Stockes liegen im Sfidwesten, hart an seiner Grenzc,
und hier betinden sich auch zwei isolirte Gipfel, welche sich als Berge aus dem
Massive herauslösen, der 1S3 m hohc Jamanota und derAriekok, dessen Meeres-
höhe 107 m botriigt. Von ihncn aus fallt das Gcbirgo raseh nach Westen und
Süden, langsam nach Osten und Norden ab, und dem entsprechend ist auch die
Glicderung eine unregelmiissig radiale; scine liingsten Thaler haben einc östliche
und nordöstliche Richfung, seinc kürzeren eine westliche und südwestliche. Auf
dieso Weise herrschen senkrecht zur Xordostküste sich erstreckende Rücken in
dem Stocke vor, aber alle Thaler, welche dieselben trennen, besitzon nur eine
unbedeutende Tiefe, so dass diese Glicderung nicht selir scharf ausgepriigt ist. Die
flachen Rücken selbst sind durch noch seichtere Einschnitto in eine grosse Anzahl
niedriger Kuppen zerlegt worden, deren Erhebung über die Thalsohlc im Mitreletwa
30 m betragen dürfte, so dass die Bezeichnung „Berg" auf sie nicht wohl mehr
angewandt werden kann.
Wo das Massiv unmittelbar ans Meer hinantritt, endigen auch seinc Tliiiler\')
an dem Strande; mehrfach lagert sich aber noch ein Hachcr Uferstrcifen dem
Gebirgsstockc vor, und in diesem Falie setzt sich entweder das Thai als unbedcu-
tender Wasserriss in dem Uferstrcifen bis zur Küstc fort, oder es ist dasclbst durch
Dünen geschlossen und endigt blind. Die kleineren, am landeinwiirts gekehrten
Steilabfalle des Gebirges eingeschnittenen Tliiiler treten meist ohne deutlich nach-
weisbare Grenzen über flache Schuttkegol in das niedrigc Plateau ein, welches
sich im Westen des Massivs befindet; nur in der Riehtung zur spanischen
Lagune hin lassen sich auch ausscrhalb des Letzteren scharf markirte Thalein-
schnitte noch weiter bis in die Xiihe des Strandes verfolgen.
Die meisten Tliiiler werden von sanft ansteigenden Gehangen eingeschlossen;
nur an einigen Orten, wie in der Rooi Fluit und vor allem auch in der Rooi
Cachuntie, begegnet man steiloren Wanden und niedrigen Klippen; aber trotz-
dem beweisen die gcwaltigen Mengen von grobem Gosteinsschutt und ansehnlichen
Blöcken im oberen Abschnitte der Tliiiler, sowic die machtigen Anhiiufungen von
Saud an ihren Ausmündungcn, dass zu Zeiten ansehnliche Wassermengen durch
sie zum Meere abnicssen mussen. Auf meiner Reise durch die Insel traf ich frei-
lich nur eine kleine Wasserlachc von etwa 1 m Durchmcsscr in der Rooi Cachuntie
an; sonst war Alles trocken, und bei weitem die langste Zeit des Jahres hindurch,
oft mehrere Jahre nach einander, bleibt dieser Zustand der glciche.
1) Nur die bedeutendslen Tliiiler habe ich in die Karte cintragen kunnen; für die Einzeichnung
anderer, so auch derjenigen von Daimarie und Antikurie, fehlten mir die nüthigen Anhaltspunktc.
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Das bercits erwahnte Plateau im Westen des Gebirgsstockes von Aruba ist
von einem Felsenmeere bedeckt. Siebt man von den liaushoch aufgcthürinten
Blocken ab, welche oft kaum noch so viel Zusammenhang besitzen, dass sie als
Hügel betrachtet werden dürfen, so ist seine Oberflache völlig nivellirt. Sie steigt
langsam von Südwest nach Nordost au und dürfte nirgends mehr als 60 m
Meereshühe besitzen; am Fussc des Hooibergs liegt sie nur 37 in hoch. Die
ansehnliehsten Hügel, welche sich in der Mitte der Insel in geringer Zahl über
diese Flache crheben, schiitze ich auf 20 bis höchstens 30 m.
Am südwestlichen Rande dieses Plateaus liegt der 175 m hohe, kegelförmige,
in seinem Umrisse durchaus einem Vulkane gleichende Hooiberg, und von diesem
aus zielit sicb cin niedriger Höhenzug bis zum Innenrande der spanischen Lagune
hin. Derselbe ist in eine Reihe von Hügeln aufgelöst, zu denen der Wind-
berg und Carachito geboren und welche, bogenformig geordnet, ihre convexe Seite
dem Meere zukehren, urn nach dieser Richtung hin das Plateau abzugrenzen.
Rechts der Hooiberg, an den sich der Windberg, iu der Mitte, und der Carachito, links, anschliessen.
Nach Norden zu bildet cin andcrer, glcich flacher, aber zusammenhiingender
Rücken die Grenze desselben. Er geht vom Krystallbergo aus und wendet sich
nach Nordwcsten. indem er anfangs langs der Nordküstc sich hinzieht, um spater
eine mehr westliche Richtung anzunehnien und in der Nühe von Karamajeta,
unfern der gegenüberliegenden Kuste des Eilands, zu endigen. Diesem Rücken
geboren Alta Vista und Kalabass an, neben einigen anderen, sehr flachen
Kuppen, welche sammtlich nur einen sehr gcringen Grad von Selbstiindigkcit
besitzen.
Nach Westen zu ist das Plateau offen und geht es unmerklich in den nie-
drigeren Küstenstrich über, dcsgleichen zwischen Krystallberg und Matcvidirio an
der Nordküste.
Ein zweites Plateau von wcsentlich anderem Charakter formt den südöstlichen
ïheil von Aruba; es schliesst sich gleich dem ersterwahriten dem Gebirgsstocko
der Insel an und dehut sich von hier bis zur ausserstcn Südostccke Aruba\'saus,
wobei gleichzeitig seine Höho von innen nach aussen hin abnimmt. Im Mittel mag
dieselbe etwa 30 ra betragen, im Norden vom S. Colorado kaum mehr als 15 m;
der Serro Colorado selbst erhebt sich dagegen wicdorum 38 m über den Meeres-
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spiegel und bildet den einzigen Berg in diesem Theile des Eilands; seine Gehange
fallen im Osten und Südosten steil zum Meere ab.
An der Nordküste ist diesem Plateau ein niedriger, sehr schmaler Uferstreifen
vorgelagert, von welchem es sich durch sehroffe Felswande scharf abgrenzt; an
der gcgonüberliegenden Kuste ist diese Scheidung indessen weit minder ausge-
priigt und besitzt der Uferstreifen eine viel grössere Breite. Er zieht sich langs
der ganzen Süd-und Westküste bis naeh Westpunt liin und erreicht nürdlich
von Oranjestadt die grösste Ausdehnung. Hier und in der Niibe der spanischen
Lagune zeigt seine Oberfliiche eine sanfte Wellcnbildung, wahrend sie im Uebri-
gen fast völlig eben ist.
An der nordwestlichen Ecke der Insel befinden sich nur einzelne, niedrige
Hügel, von denen Keiner mehr als 30 m Meereshöhe besitzen dürfte.
Die obeu erwiihnto, von Reinwardt publicirte Karte Aruba\'s giobt das Wesent-
lichste der orographischen Gliederung der Insel gut wieder und übcrtrifft hierin
bei weitem diejenige von Curacao; ara mangelhaftesten ist auf ihr die Darstellung
des Plateaus im Innern der Insel und die Nordwestecke.
Ich habe die betreffende Publikation im verkleinerten Maasstabe als Grundlage
für meine geologische Karte benutzt, indem ich sie durch die englische Darstel-
luug und eigene, auf die Feststellung vieler Compassdirektionen gegriindete
Beobachtungen weiter anfüllte. Ausserdem ist die südüstliche Ecke der Insel auf
Grund von Aufnahmen verbessert, die J. H. Waters Gravenhorst gemacht und
mir zur Verfügung gestellt bat.
Leider enthalten die erwiihnten Blatter keine Gradeinthcilung, und die
Uebersichtskarten in kleinerem Maasstabe, insonderheit auch die mir bekannten
Seekarten,1) geben den Umriss der Insel so an, dass sie nicht als Basis für die
Einzeicbnung von Lange und Breitc irgend eines Punktes dienen konuten; denn
es war mir nicht raóglich, die nöthige Ubereinstimmung mit den besseren, grós-
seren Darstellungen des Eilands aufzufinden. Beswegou musste ich von dem
Eintragen einer Gradeintheilung absehen, um so mehr als selbst bei Curacao,
wie oben erwiihnt, noch bedeutende Unsicherheiten betreffs der genaueu geogra-
pbischen Lage herrschen. Es wiire sehr wünschenswerth, dass einige Orte astro-
nomisch fixirt würden, wozu die Anwesenheit der holliindischen Kriegsschiffe leicht
Gelegenheit bieten könnte.
1) Es gilt dies auch für die neueste englische Admiralitütskarte.
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II
Q-eognostische T3eobachtungen.
Anf Aruba konnte ich von einctn 12 tagigcn Aufenthaltc 10 Tagc für geogno-
stischo Untersuchungen verwenden, lcli habo in dieser Zeit die Inscl in den ver-
achiedensten Richtungen durchkreuz\'t und sic fast ganz gesehen, wcnn auch, wie
selbstredend isr, nicht an allen Orten cingehcnder studirt. Auch hier wurde, wie in
einem grossen Tlieile von Curacao, die Uebersicht vielfach durch den Mangel ciner
dichten Pflanzendeckc erleichtert, so namentlich in der Xiihc des Nordstrandes und
fast im ganzen (iebiete des Quarzdiorits und der jungen Sedimente. Wahrend aber
in diesen Gegenden die Formationen fast völlig cntblösst auftreten, sind sie dort,
wo Pflanzenwuchs sich in üppigerer Kntwicklung cinstellt, desto unzuganglicher.
Dorniges Qestrüpp macht es daselbst unmöglich, sich in Kurzem einen Ueberblick
zu verschaffen, da man zur Ueberwindung dieser Hindernisse vielleicht das Drei-
fache an Zeit gebraucht wie in einem gleich coupirten Terrain von Europa
und an manchen Orten dor Versuch des Durchdringcns überhaupt aussichtslos ist.
Die Route, welche ich auf dom Eilande zurücklegto und die zum Thoil auch
in dein Keisebericlite naher beschrieben wurde, ist folgende: Von Oranjestadt vorbei
am 1 looiberge und St. Cruz nach der spanischen Lagune; von dort langs des Strandes
über St. Xikolas zum S. (\'olorado; dann liings der Nordküstc nach Fontein. Yon
hier durch die Kooi Cachuntie zum Jamanota, ferner über Miralamar, Pedro
Cachoor und Parabusté zuriick nach Fontein; weiter zur Boea dos Playos und im
Bogen landeinwarts wieder zur Jfordküste bei der Boca van Welvaart; von dort über
Chetta, am Fusse des Ariokok, ferner über St. Cruz und Hooiberg nach Oranje-
stadt. Yom Dorfe nach Daimarie auf einem Wegc, der östlich von St. Lucie vor-
bciführt; von bier zur Pooi Fluit einerseits, nach Buscbiribana, liings des Strandes,
andererseits. Yon letztgeuanntcm Orte zum Ivrystallberge, dann über Kalabass und
S. Plat nach Oranjestadt zuriick. Ferner von hier aus über Ponton, Bukuruï und
Karamajeta nach "Westpunt, Araschie, Hurischibana, Anabuï und Adikurarie; von
dort zum Nordstrandc, langs Tikibanaï und Moskito zur Boca di Kurumjauw und
weiter am I\'fer nach Südosten bis in die Niihe von Alta Yista; dann zwischen Alta
Vista und Kalabass hindurch nach North Church, am Innenrande des Bukuruï,
und endlich zuriick nacli Oranjestadt.
Quarzdiorit.
Das Ilauptgcstcin der Insel Aruba ist ein Quarzdiorit von rein granitischkörniger
Struktur, nieist mittel-, seltener grobkörnig, durch weissen, init einem Stich ins Gelb-
liche verwitternden Pcldspath und in der Kegel belIgrauen Quarz, denen gegenüber
die Hornblende sehr zurücktritt, heil gcfiirbt. Da der Plagioklas die Zwillingsstrei-
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fung bei der an den meistou Orten eingetretenen Zersctzung nicht mehr wahrnehmen
liisst und hier auch der hohe Quarzgehalt leicht der Beobachtung entgeht, so gleiclien
diese Gesteine bei makroskopischer Botraclitung durchaus Syeniten.\')
Bisweilen sind die Quarzdiorito dureh Zunahme der Hornblende dunkler ge-
fiirbt, oline das» im Uebrigen eine wesentliehe Aenderung der mineralischen Zusam-
mensetzung und der Struktur zu bcobaehten ware; in der Kegel tritt aber bei
Anreicherung des Amphibols gleichzeitig eino bedeutende Grössenzunahme dieses
Minerals ein und wird die Struktur eine porphyrartige. In dienen porphyrartigen
Quarzdioriten bemerkt man ausserdem ein in kleinen, hellgrünen Körnern vorkom-
mendes Mineral, weiehes die Homblendc umgiebt und von Kloos als Augit erkannt
worde. *) Mit der Anreicherung des Amphibols tritt aber ebenfalls eine Concen-
tration desselben ein, und so bilden sich in dein normalen Quarzdiorito Concretionen
grosser, dunkelgriiner Hornblendekrystalle, deren Zwischenriiume von hellgrünen,
körnigen Augitaggregaten angefüllt sind. Diese wallnuss - bis faust - und kopfgrossen
Aggregate von Amphibol und Pyroxon grenzen sich scharf von den übrigeu Gesteins-
partieen ab und gleiclien dadurch vollkommon fremden Einschliissen. Es entsteht
auf diese Weise ein hellgef\'iirbtes, dein normalen Quarzdiorit entsprechendes
Gestein, in dein bald mehr bald minder zahlreich grosse Hornblendekrystalle und
dunkle, von Amphibol und Pyroxen gebildete Concretionen auftreten, so dass
sich aus demsclben Blocke sowohl Quarzdiorit als auch Minoralaggregate, welche
Auoitdiorit genannt werden könnten, eine geognostisehe Selbstandigkcit aber
nicht besitzen, herausschlagen lassen.
Die rntersuchungen von Kloos haben das hier geschilderte Verhiiltniss von
Augitdiorit zum Quarzdiorit besratigt;3) es liisst sich im Felde besonders schön
am Fusso des Hooibergs studiren, namontlich am Wege, welcher nach Sr. Cruz
führt, und an dein Fusspfade, welcher sich südlich vom Hooiberg zum Carachito
hinzieht; die ganzc Oborniiehe ist hier mit den eigenthümlich gerlecktcn Kloeken
bcdeckt. Aber noch an manchen anderen Orten erkennt man eine iihnliehe Zusam-
menziehung von Hornblende und Augit im Quarzdiorito, und dies nicht nur in
der Mitte der Insel, sondern vor allem auch bei Westpunt, woselbst die Yerhiilt-
nisse den soebeu dargestollten in jeder Hinsicht entsprechen.
Die Concentration von Amphibol und Pyroxen kann aber eincn noch höheren
Grad erroichen, indem durch Zunahme der Concretionen der hellgefïirbto, mittel-
körnigc (Quarzdiorit so sehr zurücktritt, dass er nur noch netzartig die Zwischen-
1)  Al» solche sind sie auch in meiuer vorlüuligen Mittheilung besclirieben worden.
2)  1. c. pag. 25.
3)   Kloos 1. c pag. 27.
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raume zwischen don Letztoren ausfüllt. Dies ist naniciitlich im Hooiborgo der
Pall, weieher am Gipfel dor Hauptsachenachaus oincin kleinkörnigen Augitaggre-
gatc mit porphyrartig eingesprengten, kurz saulentörmigen Hornblendekrvstallen,
deren Grosse biswcilen 2 cm übersteitrf, aufj*ebaut wird. Zwar ist aueh bier uocli
eine Mineralcombinntion vorbanden, welche dcm normalen Quarzdiorite der Insel
durchau8 entspricht, aber sie gleicht in ilirem Auftreten fast cinem Trümeruetze.
Icli schliesse ans diesen Verhal tnissen, dass der Hooiberg den Mittelpunkt einer
im Gebiete des Quarzdiorites stattgehabten Zusammenziehung von Horublcndc und
Augit darstellt, welche sich im weiteren Umkreise des Berges allmahlig verliert,
bis das Gestein in den normalen Quarzdiorit iibcrgcht.
Aehnliches ist aucli für die N"ordwestcckc der Insel angedeutct. Südöstlich
vom Hause steht daselbst der normale Quarzdiorit an, in dem sich bei Westpunt
selbst wieder die oben erwiihnten Concretionon einstellen. Folgt man dem Woge am
Strande nach Nordwesten hin, so trifft man zuniichst südlich von Araschio eine
bis nahe ans Meer verspringende, nicdrige Klippe, deren kleinkörnigcs Gestein
hauptsiichlich aus Augit und Hornblcnde mit Chlorit, untergeordnot aus Quarz
und Feldspath besteht\'). Weiter nördlich , ebenfalls noch südlich von Araschio, tritt
der Amphibol zurück 2) und erscheinen glcichzeitig unregolmiissig begrenzte, licht-
gefi\'irbte, mittelkürnige l\'artieen im Gesteine, welche dom Quarzdiorite der Insel
entsprechen. Noch weiter nördlich, an der iiussersten Nordwestecke steht der Diorit
in der herrschenden Variëteit Aruba\'s an. Das augit- und hornblendereiche Gestein
im Siiden von Araschio scheint demnach einen iihnlichen Concentrations - Mittel-
punkt im Xordwesten darzustellen . wie der Hooiberg in der Mitte der Insel, da sowohl
nach der Einen als nach der anderen Kichtung langs des Strandes der Uebergang
in den normalen Quarzdiorit allmahlig erf\'olgt. Auch östlich von Araschie, im Hügel
AVjjs, welcher nur wenig landeinwiirts von dem Punkte liegt, an dem der Quarz-
augitdiorit (141) ansteht, schlug ich ein kleinkörnigcs Gestein, welches nach Kloos
als lokale Ausbildung des normalen Quarzdiorits zu betrachten ist.3)
(ïAHHKOAUTKiE Gesteine treten ebenfalls innerhalb des Dioritmassivs auf, ohnc
dass ihnen eine gcognostische Selbstiindigkeit zugeschriebcn werden dürfte, denn ilire
Verknüpfung mit dem Quarzdiorite ist eine gleich enge wie sie es zwischen diesem
und dem Augitdiorite ist.
Nur wenig östlich von Buschiribana bildet quarzfreier Hypcrsthengabbro
1)  N°. 140 meiner Snmmlung. Kloos 1. e. pag. 27.
2)  N°. UI. 1. c. pag. 28.
3)  Die Nordwestecke Aruba\'s und der Ostaliliang des S. Colorado sind die einzigen Punkte auf der
Insel, an denen icli einen kleinkörnigen bis diehten Quarzdiorit antraf. DieBe Gesteine, vorallem
von der Nordwestecke, sind bei makroskopiacher 1\'rüfung von den Diabasen niebt zu unterscheiden.
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eino bis naho an den Strand herantretende, keilfürmig vorgeschobene Klippe
(130*), und das Haas von Buscbiribana rubt ebenfalla auf gabbroartigem Ge-
steinc, in dem übrigena „Feldspath und Quarz in gleieher Weise ausgebildet,
sind wie im normalen Quarzdiorit" (133*)\'). Ein anderea Gestcin steht bier
überhaupt nicht an; folgt man aber in nordwestlieher llichtung dem Wege am
Strande, so trifft man unter den zahlreichen Blöcken, welche hier die geliobeno
Uferterrasse bedeckon, nicht uur Amphibolgabbro (135) und an Hornblende reielie
Quarzdioritc an, sondern unter Letzteren vor allem auch ungemein zahlreich
Blücke, in denen eino gabbroartige Mineralcombination (135 *) in gleieher Art als
Concretion auftritt, wie Hornblende und Augit in den Gesteinen vom Hooiberg und von
"Westpunt. Aucb hier sind die abweicbend zusammengesetzten Aggregate scliarf um-
grenzt, nicht selten polyedrisch und bis \'/a m im Durchmesser gross. Das weitere
Zurücktreten der gabbroartigen Partieen liess sich am Strande nicht weiter verfolgen,
da vorspringende Klippen das Passiren daselbst unmöglich machten, dagegen stellte
sich auf dem nördlich vom Krystallberge zum Kalabass führcnden Wege alsbald der
normale Quarzdiorit wieder ein. Im Krystallbcrge selbst herrscht noch das gabbroar-
tige Gestein, welches auch nordwestlieh von Buscbiribana auf der Uferterrasse
angetroffen warde, vor; aber man nimmt daneben bereits umfangreiche Partieen
von Quarzdiorit walir, welche in machtigen Blöcken auf dem Gipfel zerstreut liegen.
Von einer Formationsgrenze zwischen Gabbro und Quarzdiorit, deren Existenz
schon auf Grund der beobachteten, gabbroartigen Concretionen in Letztereni unwahr-
scheinlicb ist, vermochte ich nirgends eine Spar zu eutdecken; auch ist es nicht
■\\vohl denkbar, dass eine solche bei der Nacktheit des betreffenden Inseltheiles
meiner Beobachtung entgangen sein sollte.
Fio, 15. Quarzdiorit bei St. Ou/..
Durch den Quarzdiorit setzen mebrere sicb durchsebneidende Kluftsysteme hin-
dureb, welche bei beginnender Verwitterung unregelmassig rundlicbe oder ellip-
1) Kloos pag. 36. Vgl. hier nüher die Oründe, welche zur Benennung der Gesteine als Oahbro
Anlass gegeben haben.
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soidische Blöcke cntsrehen Lassen, deren Durchnicsser G m und melir betragen
kann. Seltener, an der Nordküste, sieht man an kurze Saulen crinnernde Formen,
die indessen nirgonds ganz scharfe Kanten und Eokcn aufweisen. Diese Art der
Zerklüftung geht mit einer concentrisch-schaligen Zusammensetzung gepaart, die
sich freilich nur an dom zerfallenden Gesteine walirnelimen liisst. In der Mitte
der Insel sieht man vielfach gekrümmte Platten, welche diese Art der Absonderung
andeuten, nirgends abor traf ich dieselben in aolcher Zalil an wie in unmittcl-
barer Nahe der Nordküste, in der weiteren Umgebung des Krystallbergs. Hier ist
der Boden an vielen Stellen mit mehrere cm dicken, topfscherbenahnlichen,
völlig frischen Oesteinsfragmenten übersat. Ich schreibe diese Erscheinung dom
Umstande zu, dass die Felsblöcke nach grosser Erliitzung wahrend der Tageszeit
am Abende durch den Fassat, der gerade auf das Gebirge stösst, eine rasche und
bedeutende Abkühlung crfahren, wodurch Eine Scliale nach der andoren abgesprengt
wird. Die Yerwitterungsrinde des Diorites ist von lichtgrauer Farbe.
lm ganzen Dioritgebiete ist die Blockbildung weit vorgeschritten; keincswegs
ist sic auf die Mitte der Insel bescbrankt, wie die Reinwardt\'sche Karte andeuten
zu wolion scheint, obwohl sie innerhalb derjenigen Linie, welche ich als alte
Meeresbucht bezeichnet habo, am meisten auffiillt. Deun hier sind die llügol und
Haufwerke loser Ellipsoïde verhaltnissmassig niedrig und wird das noch nicht
zerfallene Gestein durch die Zersetzungsprodukte des Diorits verhüllt, welche
zwischen don Blöcken abgelagert und wahrend der noch jüngst stattgehabten Mee-
resbedeckung vüllig ausgeebnet worden sind.
Die Brandung dos Meeres bat au diesen Orten auch zur Bildung höchst eigen-
thümlicher Formen Anlass gcgcben, donn zahlreich kommen concave Höhlungen in
don Blöcken vor, welche sammtlich dor südwestlichen Kiiste zugekehrt sind. Bis-
weilen ist die Auswaschung so weit vorgeschritten , dass überhangende Dacher und
an die Korbstühle europaeischer Seebader erinnernde Gestalten entstandcn sind. In
anderen Fiillen bildcten sich durch das Zusammenfliessen zweier concaver Flachen
nasenfurmige Vorsprünge und Hoeker nebst andoren, bizarren Formen, welche
besonders schön am westlichen Fusse dos Hooiberg* und in der weiteren Umgebung
von Santa Cruz zu sehen sind. Diese Ilöhlon im Diorit diententheilweise auch don
trüheren Bewohnern dos Landes, don Inselcariben, zum Aufenthaltc.])
Dass dem Meere ein wesentlicher Antheil bei dor Blockbildung überhaupt
zukommt, ist augenscheinlich, wenn man die ungeheuren Mengen von Ellipsoiden
und zugerundeten Dioritblöcken in Betracht zieht, die gerade auf den unlangst
1) Vgl. Rand I, pag. 133 ff. —Die Erosionserscheinungen in Gebirgsbiichen lassen sich hicmit
nn Qrossartigkeit gar niclit vergleichen.
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gohoboncn Ufertorrassen sich befindcn, so am Nordstrande zwischen S. Colorado
und Fontein, ferner nördlich von Buschiribana und an der Nordwcsterke der
Inscl.
Erwiihnenswerth ist noch die weitgehonde Zersetzung, welche das Gestein des
Adikurarie in der Tiefe erfahren hat und welche auf die Durchtriinkiiiig mit Meeres-
wasser zurüekzuführen ist, denn Stifft stiess beim Abteufen eines Schachtes in dem
niedrigen, kaum über den Ocean hervorragenden Hügol bereits in 15 Fuss Tiefe
auf eindringendes Salzwasser. Das Gestein ist dasolbst ebenso aufgelockert und
zersetzt, wie es die Diabase im niedrigen Tlieile von Ost-Curacao aus ahnlichem
Anlasse sind.
Dje Verbreittng des QrARzmoRiTS ist aus der Karte ersichtlich: Ausser
dem Plateau im Innern der Insel sind auch die bogenförmig angeordneten Hülicn,
welche, vom Hooiberge und vora Krystallberge ausgehend, dasselbe unvollstitndig um-
gürten, aus dieser Formation aufgebaut. Im Nordwesten des Hooiberg*, wo sich
das Plateau nach Westen mit dem Küstenstriohe zu Einer Ebene vereinigt, ist
freilich das Eruptivgestein grösstentheils durch seine eigenen Zersetzungsprodukte
verhüllt und ragen nur noch wenigc Haufvverke aus dem alten Meeresbodcn her-
vor. Hier habe ich die Formation nach der Grenzo der Blöcke, soweit ich sic ver-
folgen konnte, eingezeichnet und die von ihr eingenommenen Flachen abgedeckt
angelegt, da es keinem Zweifel unterliegen kann, dass die Haufwerkc sich noch
auf ursprünglicher Lagerstiitte befindcn. Aus gleichen Gründen ist die Formations-
grenze auch westlkh vom Hooiberge durch einen Landstrich gezogen, an dessen
Oberflaehe nur bic und da noch cin cinzelner Block herausragt, wahrend der Boden
mit Trümmern von Diorit und Gangquarziten bedeckt ist, deren Grosse und Hau-
figkeit in der Richtung von der Kuste nach dem Innern hinzunehmen. Feber die
Formationsgrenze zwischen Quarzdiorit und Diabas werde ich unten noch zu sprechen
haben; im Uebrigen ist sic allerorts scharf ausgesprochen, in <lcr Weise, wie die
Karte es darstel lt.
An der Nordwestecke der Insel setzt der Quarzdiorit ausser dem Tikibanaï
und Moskito, östlich von dem ausgetrockneten Binnenineore, nur noch kleine
Hiigel zusammen; er bildet hier unter anderen auch das Liegende der unbedeu-
tenden, in der Karte verzeichneten Fctzen von quartiirem Kalke. Bemerkenswerth
ist aber vor allen Dingen, dass auch an verschiedenen Orten des flachen, südöst-
lichcn Inseltheiles der Quarzdiorit als Liegendes der quartaren Kalke beobachtet
wurde, so etwas westlich vom S. Culebra und im S. Colorado, wo neben dom
normalen, an verschiedenen Punkten durch den Abbau der l\'bosphato bloss^eleo-ten
Quarzdiorite auch noch eine eigenthümlich dunkle, feinkörnige, apatitreiche Varietat
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des Gesteins ansteht. Pernor gehen Quarzdioritc in der auf der Inscl gewöhn-
lichen Ausbildung am Fnnern der gehohenen Uferterrasse zwisehon Colorado und
Fontein als Liegendes der quartaren Kalkc zn Tage ans. Es ist mir deswegen
selir wahrscheinlich, dass dies Ernptivgcstein aueh das Grundgebirge des ganzen
südöstliehen Theiles von Aruba bildet und liier nur von dem quartaren Kalkc über-
lagert vrird, dass sonaeli, mit Ausnahme des gleich zu behandelndon Diabasgebie-
tes, fast die ganze Insel von diescr Formation eingenommen wird.
Diabas, iinrei^-eordnet Diabasconglomerat.
Nachst den Dioritcn nebmen Diabase den wesentlichsten Antheil an dem Aufbau
von Aruba; sie bilden das llauptgcstein des eingangs beschriebenen Gebirgsstockos
ain Nordstrande, dem unter anderen der Jamanota und Ariekok angehöron. Dicse
Diabase sind kleinkörnige bis dichte, sehr selten grobkörnige, dunkelgrüne Gc-
steine, welche nach Kloos in allen Einzelbeiten der Struktur mit denjenigen von
Curacao übereinstimmen und zum Theil uralitisirt sind. Wie weit sich diese Umwand-
lung raumlich erstreckt, vermag ieh nicht zu beurtheilen, da die Uralitite von den
übrigen Diabasen bei makroskopischer Betrachtung nicht zu unterscheiden sind
und beide Gesteine aus diesem Grande iin Felde von mir zusamniengef\'asst wurden.
Bekannt ist das Vorkommen der uralitisirten Diabase von Miralamar sowie von
Chetta am Fusse des Ariekok, in beiden Fallen also von Punkten, welche in der
Uiichstcn Nahe der Formationsgrenze von Diabas und Diorit gelegen sind; ganz
besonders gilt dies für den L\'ralitit von Chetta. Dagegen sind die Diabase, welche
ich am Nordstrandc geschlagen habe, nicht metamorpbosirt.
Südöstlich von Fontein, an der Grenze der Diabasregiou und in unmittcl-
barer Nachbarschaft der gleich zu behandelnden, archaeischen Amphibolite, stelit
ein Diabasconglomerat an, welches einige keilformig auf die gehobene Ufer-
terrasse vorgeschobene Partieen bildet. Die Gesteinsfragmente, welche auf der
friseben, dunkelgrünen Bruchflache nicht wahrzunehmen sind, treton erst bei der
Verwitterung deutlich hervor, da sie leichter als das sie verbindende Cement
zersetzt weiden und sie sich zudem durch ilue rostbraune Farbung gegenüber den
mehr gclbbrauncn, übrigen Gesteinspartiecn auszeichnen. Die in die Grundmasse
eingesenkten Bruchstüeke stellen sicli dann am verwitterten Gesteine als rundliche,
ellipsoidisclie und zugerundet-polvedrischc Körper dar, deren Durchmesser 5 cm
nicht selten übersteigt und andorerseits bis zu 5 mm und weiter herabsinken kann.
Ju Dünnschlitt\'en treten sie gleich scharf mit unverwaschenen Grenzen hervor und
erweisen sich die Fragmente zum Theil als solche von Variolit, zum grössten
Tlieile aber als solche von echtem Diabas mit langleistenförmigen, gewundenen,
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gebogenen und vielfach verzwillingten Feldspatlien, die hie und da radial-
strahlige Aggregate bilden, bei herrscbender richtungsloser Struktur. Das Cement
dieses Gesteins ist ebenfalls Diabas-Matcrial. In der Kiehtung naeh Fontein zu
wird das Conglomerat sehr bald durcb Diabas verdraagt, und an keinem anderen
1\'unkte des Nordstrandes traf ich das gleiche Gestein wieder an ; die augenfiillige
Verwitterungsform macht es aueh unwahrscheinlich, dass es von niir daselbst
überschcn sein sollto, da alle Felsen dieses Strandes den zersetzenden EinHiissen
des Mceres in bohem Grade unterworfen gewesen sind.
Nur auf dem Gipfel des Jamanota fand ich das gleiche Conglomerat anstehend;
die Uesteinsfragmentc lassen sicli hier sehon anf frischen Bruchflachen wahrnelimen,
indem sie sieh als tiefer grün gefiirbte Wassen von den umgebendcn Partieen
sehwach abheben. Jiemerkonswerth ist, dass dieser Punkt ebenfalls an einer For-
mationsgrenze, hier nabe dem Grünschiofer, gelegen ist. Diese Nachbarschaft
erklart auch vielleicht das Vorkommen der erwiihnten Fragmente von Variolit,
welche eine endogene Contakterscheinung der Diabase andeaten.
Das Conglomerat vom Jamanota ist naeh Kloos uralitisirt, gleieh den in der
Niihc anstehenden Diabasen von Miralamar, wiihrend das soust gleiche Trüm-
mergestein von Fontein diese Umwandlung nicht erfahren bat.
Da die Fragmente des Conglomerats rasdier verwitteren als das Cement, so
mussen sie im zersetzten Gesteine Hohlraume zurücklassen, welche die Ansiodlung
sekundilrer Mineralien ermöglichen and somit eine uneclite .Wandelstoinbildung
hervorrul\'en könncn, welche nicht auf die Ausfüllung praeexistirender Blascnraume
zurückzuführen ist. Als solche ist vielleicht das von Stifft erwiihnte Vorkommen zu
deuten: „Eine Varietat (von Grüusteiu), die jedoch selten ist und nar an zwei
Punkten vorkam, ist die wo ein dichter, schwiirzlich-dunkellauchgrüncr Grünstein
durcb liinglichte und rundliche Mandeln, die von 1—2 Linien bis zu ± und J-
Zoll Grüsse vorkommen, eine mandelsteinartige Bildung anuimmt. Diese Mandeln
bestehen entwedcr aus Quarz allein, der zuweilen chalcedonartig wird, oder aus
einem Gemenge von Quarz und Feldstein, zuweilen aber aus Feldstein allein."
An einem anderen Orte sagt Stifft: „Chalcedon, brauner Jaspis und Eisenkiesel
kommen auf dem Kücken des Ariekok im Grünsteine vor."
Diese Bildungcn sind mir sclber anstehend nicht bekannt geworden; doch
erhielt ich durch van Koolwijk zahlroiche Bruchstücke und kleinere Splitter von
Chalcedonmandelu, welche nebst Broeken von Diabas und von andereu Gcsteiuen
in der Gegend des alten indianischeu Dorfes bei St. Cruz aufgelesen sind, und da
die Diabase der Insel von ihren früheren Dewoliucrn zu Steinbeilen verarbeitet
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wurden \'), so dürften diese Chalccdonc ebenfalls aus dein gcnnnntcn Eruptivge-
steine abkünftig sein.
Die Diabase sind mit einer dunnen, dunkelbraunen bis rüthlichen Verwitte-
rungsrindc bekleidet, welche durch ihre Farbung manehmal an Laterit erinnert,
und ihr Ausgehondea ist mit Blikken und kleineren Gesteinsbrooken bedeckt, welche
stellenweise ganz ungeheure Mengen von Schotter bilden. Der scharfockige Umriss
der Fragmente deutet die herrsehende, regellos polyedrischc Zerklüftung an, die
man auch bei den Aufsehlussen in den alten Minen wahrnimmt. Spuren einer
bankförmigen Absonderung zeigt das Diabaseonglomerat auf dem Gipfel des
Jamanota. Abgerundete Blöcke kommen uur vereinzelt bei der grobkörnigen Varietat
des Diabases vor, wahrend im Uebrigen kugelfórmige und situlenförmige Abson-
derung enbenso fehlt wie auf Curacao.
Die Zerklüftung des Gesteins ist ani besten am Nordstrando zu beobachten,
woselbst die Erosion des Meeres einc grosse Zahl von bogcnfönnigcn Ausselinitten
mit kleinem Radius in
den steilen Gehangen
des Diabases erzeugt
hat. Hier reiht sich
Eine Bucht an die
andere, und die vie-
Fio. 10. An der Boca van Welvaart.                          lCn Kreisbögcn wer-
Voin Innern der Bncht nach XW gesehen.— 1. Diabas, welcher zwischen      , , ■ . ...
den quartHren Kalken (2) in.s Meer reicht. — 8 n. 4. Schotter von Kalk     rten dulrn HiaelltlgC,
und Diabas. — 5. Meer.                                                                      keilfönuig vorgescho-
bene Gestcinspartieen geschieden, in denen grosse, polycdrischoBlöcke rnaucrartig
sich über einander auf\'thürmen. Zum Theil sind ilirc Kanten und Keken durch die
Brandung abgeschiiffen, aber cine kugelförmige Absonderung fehlt auch hier
ü bc rail.
Die crwahntcn Duchten werden entweder noch heute vom Meere bespuit, wie
es auf der Strecke zwischen der Hooi Xoordkap und der Boca dos Playos der Fall
ist, so dass hier das Passiren des Strandes unmöglich wird, oder es lagert sich
vor sic noch cine jüngst gehobenc Uferterrasse der Nordküste, wodurchdie Diabas-
keile landeinwarts gerückt sind. Letzteres ist zwischen der Boca dos Playos und
der südöstlichen Grenze der Formation zu beobachten.
1) Dasaelbe Qeatein wurde uucli auf Ourw.ao zur Uerstellung von Beilen verwendet (vgl. Tlieil
I, Tab. VI,
Vig. 16).
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Wie sich hier ain Meere die Formationsgrenzo scharf bcstimmen liisst, so ist
dieselbe auch deutlich von dem Plateau des quartaren, den südöstlichen Insel-
theil bedeekenden Kalkes geschieden; minder ausgepriigt ist aber die Grenzc
zwischen Diabas und Quarzdiorit. Ich habe dieselbe an zwei Punkten, die glcich-
zeitig einen guten Ueberblick gowahrten, durchschnitten, einmal auf dem AVege
von Oranjestadt nacli Daimarie, östlich von St. Lucie, das andere Mal bei Chetta,
unweit der alten Direktorswohnung, und in beiden Fiillen zahlreiche Blöcke von
Diorit auf\' den westlichen Gehangen des Diabasgebirges zerstreut gefunden. Nament-
lich an dom ersteren der genaniiten Punkte ist die Zahl der Dioritblöeke, die das
unterlagerndc Gebirge bedecken, eine ungeheure, so dass anfangs auf dem Wege
nach Daimarie zu nur hie und da ein Bruchstück der Diabasformation zwischen
den Sphaeroiden von Quarzdiorit siehtbar wird; dann geht weiter nach Osten der
Diabas in immer grosseren Particen zu Tage aus, und endlich sieht man nur noch
zungenartig vorgestreckte und cinzelne isolirte Haufvverko von Quarzdiorit jene For-
mation bedecken. Es geht daraus hervor, dass der Diabas das Liegende des Diorits
ist, welcher deckenartig sich über die Gehiinge der westlichen Kuppen und Hügel
ausbreitete und durch die Verwitterung, wie allerorts auf der Insel, weit zerfal-
len ist, so dass er die unterlagernde Formation nur noch unvollstiindig verhiillt.
Die geschilderten Verhaltnisse verhinderten eine in allen Einzelheiten getreue
Einzeichnung der Grenzlinie zwischen Diorit und Diabas; in ihren Hauptzügen
Hess sich aber dieselbe in der Art, wie sie die Karte wiedergiebt, ohne Schwie-
rigkeit erkennen, da sie bei der grossen Verschiedenheit der Ausgehenden beider
Eruptivgesteine leicht auf weite Strecken überblickt wird, so namentlich auch vom
Jamanota aus. Die lichtgrau verwitterten, grossen Sphaeroide von Quarzdiorit
zeichnen sich deutlich genug von den rostbraunon und rothen, nie mit so grossen
und runden Blöcken bedeckten Höhen von Diabas ab. Aucli in ilandstücken ist
eine Verwechselung der hellgefarbtcn Diorite von granitischem Habitus und der
dunklen, meist feinköruigen bis dichten Diabase fast immer ausgcschlossen; nur
die erwahnten, feinkörnigen Ausscheidungen innerhalb des Dioritmassivs können hier
zu einem Irrthume Anlass geben, doch sind dieselben, wie oben bereits hervorge-
hoben, iiusserst selten. Aus solchen Grimden konnte das Haupt-Diabasgebiet schon
im Felde in der Weise begrenzt werden, wie es die Karte angiebt.
Grunseliieier und schiefrige Amphibolgesteine.
Ich fasse hier zwei Gesteinsarten zusammen, von deneu die erstere innerhalb
der Diabasregion, die letztere ausserhalb derselben, aber doch in unmittelbarer
Niihe des Eruptivgesteins, ansteht.
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Die Grünschiefer, welche durch Kloos auf Grund mikroskopischer Untor-
sucliung als quarzfreie Epidotamphibolschiefer erkannt wurden, erscheinen dem
blossen Auge als dichte, homogene Gesteine von dunkelgrauer bis sehmutzig-und
lauchgrüner Farbe. Die graue Farbung trittnur biswcilen aut\'frischen Biuchniichen
hervor, wahrend das Ausgehende der Formation entwedcr intensiv grün oder bei
weit fortgeschrittener Zersetzung ro&tbraun erseheint. Die Schieferung ist bald mehr
bald minder deutlich ausgepriigt, im Grossen nnd Ganzen aber stets ohne Schwie-
rigkeit zu erkennen; doch kommt neben der den Ablagerungscbenen parallelen noch
eine transversale Schieferung vor, welche das Gestcin stellcnweise lcicht in dunne,
nie sehr grosse Platten zerspalten lasst; in der Begel erhalt man aber beim Zer-
schlagen nur polyedrische, unvollkommen griffelformige oder schilfrige Bruch-
stiicke. Die leicht spaltbaren Gesteine ahneln in llandstücken den Dachschiefern.
Die Stellung der Schichten ist überall eine sehr steile, fast senkreclite, und
das Streichen im stratigraphischen sowohl wie im tektonischen Sinne anniihernd
von W nach O in beiden Thalern, in denen ich die Schiefer anstehend faud,
namlich in der Kooi Cachunti und dem Einschnitte, durcli welchen der Weg von
Oranjestadt nach Fontein fiihrt. zwischen Pan Blanco und Parabusté. Dieselbe
Richtung von W nach O nimmt aber nach der englischeu Karte auch der oberc,
östlielio Arm derjenigen Schlucht, welche in die spanische Lagune einmündet und
an deren Ausgange ich ungemein zahlreiche Gcschiebe von Grünschiefer gcfunden
habe, neben Fragmenten von Quarzdiorit, welelni liings der westlichen, aus dem
Dioritmassive herabsteigenden Xebenschlucht transportirt worden sind. Hierauf
stützt sich die Kinzeichnung der dritten Griinschieferpartie als (Jestein des oberen
Abschuittes der erwiihnten ]{ooi, welchen ich selber nicht betreten habe.
Dass die Schluchten in die Schiefer durch Erosionswirkuugen der zu Zeiten
abHiessenden, gewaltigen Ixegenmengen eingoschnitten worden sind, kann keiuem
Zweifel unterliegen , deun die meist trockenen "Wasserlaufe tragen alle Gharakterc
eines Gebirgsbaches, so selten ein soldier auf der ausgedörrtcn Insel auch fliessen
mag. Auch ist deutlich, dass das Ausgehende der Grünschiefer in ein stets tiefer
sich verlegendes Niveau gerückt werden musste, wahrend die widorstandsfïihigeren
Diabase der Zerstörung minder rasch unterlagen. J)eswegen wird man den LImstand,
dass die Schiefer nur in den Thaleinschnitten zu Tagc ausgehen, das Eruptivgestcin
dagegen die benachbarten Höhen bildet, auch nicht als Beweis dafür anführen
kunnen, dass die Schiefer die uitere von beiden Bildungen darstellen und von
den Diabasen durchsetzt sind. Wohl sprechen hiefür indessen andere Umstande:
Wollte man die Diabase als den Schicfern eingeschaltete und niit diesen
zusamniengestauchte Lager autt\'asscn, so miisstc es zuniichst auifallen, dass die
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Grünschiefer nur in eincm Thcile, und zwar go rade in dom höchsten Thoilc, des
Diabasgebietes auf\'trcten. Dass sic an anderen Orfen f\'elilen, wird schon dureh den
Vorlauf der übrigen Schluchten im Gebirgssfocko dor Nordküste wahrscheinlich,
donn samintliehe Thaleinschnitte von einiger Bedeutung liaben, mit Ansnalimo
der von den Schiefern eingenomnienen, eine Kiclitnng von N nacli S oder von S\\V
nacli NO. Die Schluchten würden aber zwcifcllos dern Streichcn der Schiefer von
W naeh O folgen mussen, wenn solche Gesteine überhaupt in dem betretï\'enden
Gebiete anstitnden. Eine Aendernng der Streichungslinic der Schiefer, in dem
Sinnc wie es der abweichendo Verlauf der Hooien tbrdern wiirdc, ist nicht wohl
denkbar. Aueh habo ich in den Schluchten, die ich an ihrer Ausmiindung am
Nordstrande untersuchen konnte, nirgends Grünschiefer anstehend oder als Ge-
scliiebe gefunden, auch nicht in der bedeutendsten von ihnen, der Rooi Fluit,
in der ganz iingeheuro, an das Hochgebirge erinnernde Mengen von Schetter
liegen.
Sind diese Vcrhiiltnisse auffallend bei dor Annahme der Gleichaltrigkeit von
Diabas und Schiefer, so sind sic umgekelirt sohr verstandlich, wenn die Letzteren
als die altere beider Bildungen aufgefasst werden, da bei deckenforiuigcr Auf-
lagerung des Eruptivgesteins die Sediment© am ehesten in den tiefst eingesehnit-
tenen Schluchten und somit in dem höchsten Theile des Gebirges, woselbst die
Erosion am wirksamsten tliiitiir war, blosssrelest werden mussten.
Noch wichtiger ist der Uinstand, dass auch am Nordstrande bei Fontein die
Schiefer f\'elilen, denn die Endigung der Schlucht liegt daselbst im Diabase. Folgt
man von genanntem Orte dem zum Jamanota fübrenden Wege, so durchschneidet
man am Strande zunachst das Eruptivgostein in der Mündung der Rooi , darauf
die im Hangenden auftretenden, quartaren Kalke, welche lahdeinwarts in isolirte
Broeken aufgelöst sind und bald ganz schwinden. Jetzt führt der Weg auf der
llölie iiber oinen Diabasrücken nördlich von der Rooi Cachunti weiter, und an der
gegeniibcrliegonden, südlichen Grenze der Schlucht sieht man ebenfalls in einer steil
abfallendcn Wand das massige Gestein von einer landeinwarts sich auskeilenden
Schicht des quartaren Kalkes bedeckt. Dann reitet man am nördlichen Abhange
der Rooi hinunter; einzelne, kegelförmige Partieen von Schiefer, durch die Erosion
von der Wand losgolöst, schieben sich gogen die Mitte des trockenen Ilachbettes
vor, und halbwegs Cachunti\') und Jamanota werden die alten Sedimentargesteine
von einer durch quartaren Kalk verkitteten, aus Diabas- und Grünschiefer-Bruch-
1) Der Nnme gilt nicht nur für dio Schlucht, somlern auch für die s\\e begrenzende Anhühe
im Norden. Uie lliihennnmen worden allgomein zur Bezeichnung der benaohbarten Hooien ver-
wendet.
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stücken gebildeten, groben Breccie, die nur geringe Machtigkeit besitzt, über-
lagert. An Einem I\'unkto sah icb aueh ein massiges Gestein als Hangendes auf-
treten, aber die Unzuganglichkeit desselben verhinderte mich ein Handstüek davon
zu echlagen, und da an der Grenze der Grünschiefer aueh Dioritporphyre empor-
gedrungen sind, so liisst sich aus diescr Heobachtung niehts für die Lagerung des
Diabases ableiten. Wohl aber müsste es bei Annabnie der Gleichaltrigkeit von
Diabas und Grünschiefer bef\'remden, dass die Lager des Sedimentiirgesteins nicht
bis zur Nordküste fortsetzen, dass vielmehr hier in der Schlucht nur der Diabas
aufgeschlossen ist.
Zicht man dabei in Erwiigung, dass aucli auf Curacao nichts auf die An-
wesenheit von Diabaslagern hindcutct, dass dagegen am Rande des Diabasgebietes
von Aruba ebenfalls in einem niedrigen Niveau schiefrige Ampliibolgestcine vor-
kommen, welche oline Schwierigkeit mit den Grünschiefern zusammengcfasst werden
kunnen, so wird man sich der Annahmc nicht verschliessen dürf\'en, dass die Se-
dimentiirgesteine das Liegende der Diabase darstellen.\') Dazu kommt, dass von
der kleinen Insel Orchilla im Oston der niederliindischen Eilande, in gleicher
Richtung also mit dem Streichen dor Grünschiefer, das Yorkonimen von Gneiss
schon scit Humboldt bekannt ist. „Die Gneisshügcl waren mit Gn\'isern bewachsen.
Die geologische Beschaffenheit von Orchilla scheint im Kleinen der von Margarita
iihnlich zu sein." 2) Ich sclbst erhielt durch Ernst in Caracas einen ausgezeichnet
schiefrigen Quarzit von Orchilla, weieher wohl nur mit gemengten, krystallinischen
Schiefergesteinen daselbst lagern kann. Das legt im Verbande mit der grossen
Analogie, welche die Insein überhaupt zu dem Festlande in ihren geognostischen
Verhfiltnissen afweisen,3) die Annahmc nahe, dass die Grünschiefer und Amphibolite
das Gruntlgebirge darstellen und der archaeischen Sehichtenrcihe angehören.
Diesc Amphibolite, welche siidöstlich von St. Lucie und an der Nordküste südöst-
lich von Fontein anstehen, werden an beiden Ortcn von Haufwerken des Quarzdiorits
in ahnlicher Weise überlagert, wie es in der Nachbarschaft von St. Lucie für den
1)   Ich zweifle nicht daran, dass sich die F rage an Ort und Stelle sehr leicht hei langerem Ver-
hleibo entscheiden liisst. Mir war es leider nicht möglich, die Schluchten ihrer ganzen Krstreekung
nach abzureiten. — Bezüglieh der entgegengesetzten Auff\'assung, vgl. Kloos 1. c. pag. 60.
2)   A. v. Humboldt und A. Bonpland. Reise in die Aequinoctial-Oegenden des neuen Continentes
in den Jahren 1709—1804. 5t« Theil. pag. 729. — Stuttgart u. Tübingen. 1820.
3)   Niiheres hieriibor in einem folgenden Capitel : Schlussbetrachtungen.
Beinerkenswerth ist auch die Angabe von Krnst, gelegentlich der Besprechung des 1\'"» Theiles
dieses Werkes in Nature. 1887. March 17, pag. 460: „All these islands — Curacao, Aruba, Bonaire,
Los Koques, Orchila, Las Aves, Los Testigos etc. — have a nucleus of oruptive rocks (diorite,
diabase, gabbro, eclogite); the samo geological constitution exists in the central hill of the penin-
sula of I\'araguanii and in the monntain-ridges of La Guajara."
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Diabas obon beschrieben wurde. An letzterem Orte gehen uur kleine Fetzen \') des
Amphibolgesteins zu Tage aus, und zwar ani Fusse der Diabashügol, sodassman
von üranjestadt nach Daimarie ruitend zuurst Amphibolit und dann weiter aufwiirts
Diabas als Liegendes des Diorits wahrnimmt. Das Amphibolgestein ist an diesem Orte
von ausgezeichnet dünnschiefrigur Struktur; seine Scbichten sind steil aufgerichtct.
An der Nordküste ist der Amphibolit unvollkommen dickschiefrig, im Ganzen
abur ebenfalls in deutlichun Platten abgesondert. Er bildet hier einen sehr niedrigen
Höhenrücken, welcher einem flachen LTferwalle glciuh siuh von der südöstlichen
Grenzo der Diabasregion aus langs der Kuste weit ausdehnt und sieh landein-
warts unter den sein Hangendes bildenden Diorit und den quartaren Kalk verliert.
Unbedeutende, kleine Wasserrisse, wclehe vom Kalkplateau aus nach dem Meere sieh
erstreeken, lassen nur hie und da das Gestein in steil aufgerichteten Schichten an-
stehend walirnehmen, wührend im üebrigen das Ausgehende von reichlichen, unter
dem EinHusse der früheren Meeresbedeckung gebildeten Trümniern bedeckt ist.
Dioritporphyre und Granite.
An der Grenze des Diabasgebietes fand ich mehrfacli in losen Blöcken auf
der Oberflache Gesteine zerstreut, wclehe den Dioritporphyren angehüren, so bei
Chetta und nördlich von der Schlucht bei Fontein, unfern des Strandes, auf der
Höhe. Diese Blöeke sind möglicherweise als eine Porphyrfacies des Quarzdiorits
zu bezeiehnen und sammt einem porphyrartigen Diorite, den ich als Gcrölle am
Fusse des Matevidiric auflas, niit dem herrsehenden Gesteine der lnsel zu vereinigen.
Sie könnten von Doeken abküuftig sein, welche dio Diabase an der Grenze über-
lagerten, sowie dies oben auch ffir den typischen Quarzdiorit gesehildert ist; deun
Chetta liegt am Rande des Dioritmassivs s) und niehts stehtder Annahme entgegen,
dass auch am Nordstrande sieh früher gleiehu deukenartige Ausbreitungen des
Quarzdiorits bet\'unden hutten, welcho mitjetzt zerstörten Theilen des Hauptmassivs
in Verbindung standen.
Indessen sind Dioritporphyre auch anstehend innurhalb dus Diabasgebietes
bekanut; ich traf\' sie am südöstlichen Ufer der Boca van Welvaart an und ausser-
dem am Parabusté, an der Nordseite des von Üranjestadt nach Fontein führenden
Wcgcs, welcher sieh über die Schichtenköpfe dor Grünschiefer hinzieht. Das Erup-
tivgestein, weiehes eine ansehnliche, mit abgerundeten Blöcken bedeckte Ilölie
bildet, setzt hier seharf\' an den durehbrochenen Sedimenten ab; sein Lagerungs-
verhaltniss zum Grünschiefer ist an diesem Orte somit das gleiche wie das der
1)  Sie sind so unbedeutend, dass sie nicht in die Karte eingetragen werden konnten.
2)   Vgl. oben pag. öii.
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Diabase zum Schiefer. Das Lagerungsverhaltniss von Diabas und Dioritporphyr
dagegen ist bei dein Mangel eines jeglichcn anderen Aufschlusses niclit festzu-
stellen; mir seliien die Verknüpfung eine sehr enge, so dass ich im Fel de die
Ueberzeugung hegte, die Dioritporphyre seien nur als eine lokale Facies des (der-
zeit als Diorit gcdeuteten) Diabases anzusehen. Die mikroskopische Fntersuchung
konnte aber dicse Auffassung nicht bestittigen und die Erklarung des Vorkommens
muss deswegen in anderer Itichtung gesucht werden.
Es ist nun vor allem von Bedeutang, dass Dioritporphyre auch innerhalb
des Dioritmassivs der Insel bekannt sind , und zwar in Einem Falie sicher als gang-
förmige Durclisetzung desselben. An dein nordöstlichen
Abhange des Serro Colorado, dort wo die alte Mine
sich befindet, setzen im Diorite einige Quarzgange auf,
welche nur wenigc Centimeter machtig sind; daneben
Fiu. n. Ki.iiii: a.m Serro ist das gleiche Eruptivgestein von einem etwa % Meter
Colorado.
i. Normaler quarzdiorit. — machtigen Gange von Dioritporphyr durchbrochen, des-
■-\'. Unzuganglich.- 3. Feiukör- seu Salb.ïnder sich an der v.illig kahlen, insMeerhin-
niger Quarzdiorit. — 4. Diorit-
porphyr. — 5. Korallenkalk. ausragenden Klippe init grosscr Deutlichkeit verfolgen
lassen. Das Ganzo wird von cisenreichen, quartaren Korallenkalken übcrlagcrt.
üestlich von Alta Vista, unfern des Nordstrandes, steht f\'erner innerhalb des
Gebietes des Quarzdiorits ein Dioritporphyr an, welcher dnrch seine Absondorung
in ungemein regelmiissigen, sechsseitigen, basaltahnlichen Siiulen bemerkenswerth
ist. Dasselbe tiestein traf\' ich noch mehrfach in der weiteren Umgebung des ge-
nannten 1\'unktes an, und es kann wohl keinem Zweifel unterliegen, dass wir in
ihm ebeufalls eine Gangmasse zu sehen haben.\') Daran schliesst sich ein auderes
Gestein, welches in eiuer Xiederuug zwischen Kalabass und Serro Plat ansteht,
iumitteu eines (Jactuswaldes, der hier jede Feststellung der Greuze gogen
den benachburtcn Quarzdiorit uumöglich machte.
Als sicher moge nur die Thatsache hervorgehoben werden, dass innerhalb des
Quarzdioritmassivs Uiiugc von Dioritporphyren vorkommen, welche Gesteinen, die
innerhalb des Diabasgebietes anstehen, lithologisch sehr ahnlich sind. Es liegt des-
wegen nahe, nach eiuer für beide Vrorkoinninisse 2) in gleicher Weise verwendbaren
Erklarung ihrer Kntstehung zu sucheu :
Es werden uuten ausführlich die Erzgiinge von Aruba zu behandelu sein, die
1)  Dus Terrain ist kaum ilber dun Meoresspiegel erhobon , von Felsenineeren bedeckt, olino
Aufschluss. Nur Eins der Yorkomuinisse ist eingetragen, da es mir bei den anderen nicht uiüglich
war, die Lokalitüt genau zu fixiren. Jleine Aufzeiihnungen sind für dies Gebiet in Folge einge-
treteuer Unpiissliehkeit überhaupt mangelhaft.
2)   Ötifft liat auch die Vermuthung ausgesproehen, dass „Urünstein" sowohl den Quarzdiorit als
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mit den Dioritporphyren das gemein habcn, dass sic sowohl dem Gebiete des
Quarzdiorits als demjenigen des Diabases angchürcn; aueli scheint ein gewisser
Zusammcnbang zwischen den Mineral- und Gesfeinsgiingen dadureb angedoutot,
dass auf Aruba, woselbst Erstcro in grossen Mengen auftreten, aucli der Dioritporphyr
cine bodeutendere Yerbreitung bat, wahrend auf Cura^ao dies Gestoin nur an
Eincm 1\'unkte bckannt ist und die Quarzgange in gleichem Sinne sehr zurüek-
treten; auf Bonaire cndlich sind weder die Mineralgiinge noch die Dioritporphyre
bis jetzt aufgefunden. Icb scbliosse hieraus auf das Bestellen eines genetischen Yer-
bandes zwisebcn dem Vorkommen beider Gangbildungen und halte es ffir wabr-
scheinlich, dass die Dioritporphyre zu derselben Zeit erumpirten, als das Gang-
spaltennetz Aruba\'s, welehcs nur unbedeutonde Aualaufer bis nach Curacao sandte,
sich bildete, dass also die Aufbruchsspalten zum Theil durch das injicirte Ge-
stein, zum Theil spiitcr mit Quarz erfüllt wurdon.
Dass aucb bei Bildung des Quarzdiorits Apophysen dosselben zwischen die
Gesteine der Diabasregion eingedrungen sein kennen, wie Kloos besonders für das
Gestein von Parabusté anzunehmen geneigt ist, soll dabei ebensowenig in Altrede
gestellt werden, wie die cingangs hervorgchobene Mögliehkeit, dass die Blöcko
von dem Rande des Diabasgebietes als I\'orphyrfacies des Quarzdiorits aufgefasst
werden könnten. Sieherheit ist übor alle dicse Fragcn auf Grund der vorliegenden
Beobachtungen nicht zu erreichen.
Guanitgaenge von geringer Machtigkeit sieht man nicht solten die grossen
Sphaeroide von Qnarzdiorit durebsetzen; sic dürften innerhalb des Magmas der
lotztgenannten Fclsart entstanden und als Schliercn zu dcuten sein. Eino lose Platte
eines hievon durebaus verschiedenen Ganggranits, welche in der Mitte der fnsel,
halbwegs St. Cruz und Bolaschie, an der Oberfliiche aufgelesen ist, wurde von Kloos
als Mikroklingranit bcstimmt.
Kreidetormation ?
Von cretaeeïschen Ablagerungen ist mit Sieherheit auf Aruba niehts bckannt,
und os erscheint dies um so auffallcndcr, als Sedimentc der Krcideperiode nicht
nur auf Curagao, sondern aueh auf Bonaire eino grosse Yerbreitung besitzen.
Nach dem, was wir von erstgenannter Tnscl über das Lagerungsverbiiltniss solcher
Bildungen kennen lernten , mussen wir sic am ehesten am Rande der von ihncn
überlagerton Diabase zu finden erwarten. Dem entspricht das Yorkommen eines
don Diabas ilurchsetzt habe, welche beiden Letzteren er für gleichzeitigo BiUlungen ansah. Dieso
gog. Orüngteingiinge können nur die Dioritporphyre sein, so dass also die Vermuthung von Stifft
mit der hier ausgesproehenen Auffassung im Kinklangu stuht.
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(•»()
dimkolgrauen Mcrgelsehiefers, weieher mikroskopisch dom cretaeeïschen Mergel
von Ilermanus auf\' Curaoao sehr iilinlich sielit, als anstehendes Gestein am Nord-
strande, an dor Boca dos Playos. Hier ragen die Schichtenköpfe nur wenig
über das Meeresniveau in ganz iinbedeutenden Broeken hervor, die Bueht im
Nordwesten begrenzend, wiihrend an ihrein inneren Kande und aufwarts sogleich
wieder der von Quarzgangen durchsetzte Diabas an die Stelle des Sedimontiirgo-
steins tritt. Von Petrofakten ist niehts zu finden, und deswegen niuss es sehr
zweifelhaft bleibon, of\' diese Mergel in der That der Krcideperiode angeliörcn.
Darauf, dass cretaeeïsche Ablagerungen mindestens früher an dem Aut\'bau
von Aruba Theil genommen haben, spricht indessen auch der Umstand, dass in den
Phosphaten des Colorado das Bruehstück eines Ammoniten gefunden ist, welcher
aus Kreideschichten abkünftig sein dürf\'te. Das unvollstiindige und obendrein noch
verdrüokre I\'etrefakt (Tab. I, Fig. 13) liisst eine Speciesbcstimmung nicht zu; sehr
nabe steht es aber anscheinend dem Ammonites Treffryanus Karst. aus der Kreide
von Bogota. \') Sein Yorkoininen in den quartnren L\'hospliaten von Aruba liat nichts
Autfallendes,-) da diesclben aueh andere Bruchstücke alterer Formationen, vor
allem Kollsteinc von Quarzit, bisweilen cinschliessen.
Sclilicsslicli verdienen hier noch sehr feinkörnige, lichtgraue und hellgelbe
Sandsteine mit iiusserst spiirlichem, thonigen Bindemittel Erwahnung, welche bei
St. Cruz als Geschiebe aut\'gelesen worden sind. Sie enthalten froilich weder ma-
kroskopisch noch mikroskopisch wahrnehmbare, organische Restc; aber ausser der
Krcideformation ist auf Keiner der drei Insein irgend eine Ablagerung vorhanden,
mit der man die Sandsteine in Verband bringen könnte.
Erz^iin^e und Seit\'en.
In den Quarzdioriten und Diabasen von Aruba treten zahlreiche (^uarzgiingc
auf, und besonders reich ist die orstgenannte Formation an solchen Bildungen,
entsprechend ihrer grosseren raumlichen Ausdehnung. lm Diabas setzen die Giinge
des Jamanota und Ariekok, ferncr diejenigen von Miralamar und besonders der Gegend
von Daiinarie auf; über das Dioritmassiv sind sie ziemlich glcichmassig vertheilt.
Ihrc Anzahl wird auf etwa 200 geschiitzt, doch scheinen mir bei diescr Schützung auch
Paralleltrümer und Trümer zusanimengesetzter Giinge gesondert aufgeführt zu sein.
[mmerhin ist der Keichthum an Quarzitgiingeii auf Aruba ein ungemein grosser.
Die Miichtigkeit der Giinge schwankt von wenigen cm bis zu etwa 10 m,
1)   Karsten. l\'ebei- die geognost Verliiiltiiisse des wcstliehen Uolumbien, pag. 109, tab.4,fig. 1.
2)   leb liabo das Petrefakt nicht selbst gef\'unden, aber keine Ursaebe an derriebtigen Angabe des
Fundorta zu zweifeln (vgl. don vorliiuKgen Belicht pag. 43).
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und das Aushalten im Streichen ist, sowcit es an don Ausgehenden zu vcrfolgen
war, boi violen als 100 m und mehr, bei einzelnen als\';2 bis 1 englische Meile ange-
geben worden. Da die Ausgehenden sieli dureh ihrc weissc Farbe gegcnübor den
dankleren Eruptivgesteinen schart\' markiren und das Xebengestcin in dor Kegel
der Verwitterung rasdier orliegt, so sieht man die gewaltigen Quarzmassen bis-
weilen schon aus grosser Entfernung in Form kleiner Hügel aus don umgebenden
Formationen hervorragen, so „Fort George" im Norden der spauischen Lagune,
den „Serro Blanco" bei Belaschie, welcher gleich dom sog. „Sneeuwberg" \') den
Gangquarzen seinen Xamon verdankt, ferner dio Giinge des Kalabass, des Krv-
stallbergos, des .lamanota und manche andore
Ueber Streichen und Fallon der Giinge ist wonig bokannt. Ich selbst habe
boi meinor flüchtigen Reise nur eine beschriinkto Anzahl derselben besuchcn
kunnen und muss midi deswegen im Wesentlichen auf die Angabon des Be-
richtes dor Gold Mining Company stützen. Hierin heisst es nun zwar pag. 22
vonden Gangen: „running in all diroctions and dipping at all angles", wenn man
indessen die Streiehlinien, welche bei den einzelnen Erzgangen angegeben sind,
zusammenstellt, so ergiebt sich dennoch eine weit grössere Regelmiissigkeit
als naoh obigon Ausdrücken gosehlossen werden könnte.
In nebenstchendom Grundrisse
JV
-ü \\ ist das Streichen voii 104 Gangen
dargostellt. Die Streiehlinien ent-
sprechen don verschiedensten Rich-
tungon der Windrose, aber deutlich
lassen sich aus ilincn mehrere
Gruppen von Parallelgangen2) ab-
l\'j.l. t- V-
leiten, denen gegonüber allen an-
Fio. 18. Das Streichen der Ql-arzoïnok ai f Aruba,
mit Angabe der in jede Streiehlinie lullenden Anzahl der-
selben.
deren nur oino sehr untergeordnete
Bcdeutung zukommt. Nicht wo-
niger als 27 (Üinge streichen von
W nach O und 9 andere weichon nur um 10° von dieser Richtung ab; 13 Giinge
streichen von SW nach NO, wahrend wiederum bei 12 anderen der Richtungs-
unterschied nur 15° und wcnigor betriigt; 8 Giinge endlich streichen von N\\V
1) Dieser Name steht auf der alten Karte für einen Hügel im Westen vom Kalabass angegeben,
ist aber auf der Insel unbekannt — aus leicht ersielitlicben (iründen. Die wirkliche Bezeichnung
daselbst vermochte ich nicht zu erfahren.
•2) Dass der Purallelismus sich auch stets auf das Fallon erstreckt, ist freilich noch nicht zu er
weisen, wohl aber bei einzelnen, bciiachbarten Oiingen bereits festgestellt.
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ti-2
nach S O. Es lassen sich somit drei Gruppcn von Gangen erkennen, wclche im
Grossen und Ganzen von cinerlei Strcichen sind. l:nter dioson besitzen die Morgen-
giiiif^o bei weitem die griïsstc Bedcutung; darauf folgon unter den diagonal
streichenden die SW- und endlich in geringerer Zahl die NW-Gange.
So weit mir bckannt ist, sind die Giingc steil bis saiger; über ihre Tiofcner-
streckung fohloa alle Angabcn. Gabelung ist ziemlich hauh\'g. Die Salbiinder stel-
lon in weitaus den meisten Kullen scharf ansgesproeliono Begrenzungsflachen dar
und nicht solten legt sich zwischen sic und das Nobcngcstcin ein dunner, lettiger
Besteg, weiehor bis 5 ein Miichtigkeit erreichen kann.
Der deutlich krystallinische (juarz, weieher die Gangspalten ausgefüllt hat,
ist in der Regel von massiger Struktur, nur hie und da deutet eine lagenförmige
Anordnung noch auf Suecossion in dom Ausfiillungsprocesse hin; bisweilen ist er
auch löchrig und zcllig, und die Hohlraume sind dann niit kleinen Krystallen aus-
gekleidet. Unter dieson verdienen die wasserklaren Bergkrystalle, wclche dom
Krystallberge bei Buschiribana seinen Namen verliehen habcn, besonderer Erwah-
nung, da sic nicht seltcn die Combination oc 1\'. R darstellen; danebcn konunt
oo I\'. R.—R. 21*2 vor, links ontwickelt und die Rhombenflachen parallel zur
Combinationskante von I\' gestreift. Die Farbe des Quarzos wcchselt von Schnee-
wciss oder von schmutzigem und blaulichem Grau bis zu rothem und dunklem
Braun; auch kommen blutrothe, rosenrothc und grünlich gefiirbte Varieta-
ton vor.
Alle diese Gangquarze onthalten in grösserer oder geringerer Menge Gold,
welches indessen nur an cinigen Orten makroskopisch sichtbar vorkommt. Vor allem
die Giinge dos Adikurarie an der nordwostlichen Ecke der rnsel habcn sich als
reichhaltig erwiesen, und hier wurde auch zuerst das Vorkommen dor Goldquarze
auf Aruba entdeckt, naehdem die Scifen den Anlass zur Gowinnung des Erzes
gegeben batten. Im Adikurarie bildet das Gold bisweilen hübscho, moosförmigo
Ueberzügc auf zierlichcn Quarzkrystallen; doch soll es hier koineswogs auf den
Gangquarz bcschriinkt, sondern auch im Nebengosteino (feinkörnigerDiorit) eingc-
sprengt und in Trümern gefunden sein. Ferner ist in den Gruben Schaflfenberg und
Bruin, wclche nur wenig südlich vom Adikurarie gelegen sind, freies Gold gefunden,
und besonders auch in der Gegend von Buschiribana, in der Niihc der Nordküste, in den
Gruben Kaduschic, Buschiribana, SerroHacha, TrasMurallaund im Kalabass. Alle
diese Gruben befinden sich in Gangen, wclche im Quarzdiorite aufsetzen. Im
Diabasgebiete ist bis jetzt nur Ein reichlialtigcr Gang mit makroskopisch sicht-
barem Golde bei Miralamar bckannt; unbedeutendo Mengen Frcigolds kamen in dom
Gangc von Boca dos 1\'layos vor. Das Gold ist mit vorschiedenen Mengen von Silber
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gemischt; es ist 19—21 kariitig. Reinwardt bcstimmtc den Feingehalt zu 89*/iooo
= 21 Karat 49/l0 Grün. \')
Acecssorisch kommen in den Gangquarzen allgemein verbreitet goldhaltige
Pyrite vor nnd in seinen iröhlungen Draunoisenerz, seltener Magneteisen; aus-
serdem Kupferkies, Malachit, untergeordnet Azurit nnd Kothkupfererz ; vereinzelt ist
aueh Arsenkies und Silber gefunden. Die Kupfererze werden von Limonit begleitet
und diirften dalier aus dein Kupferkiese entstanden sein; sie bilden unregelmassigc
Nester in den Gangansgehenden und sind, so weit bekannt, anf das Diabasgcbiet
beschrünkt, denn man hat sie uur bei Daimarie und bei Delasehie angetroffen.
Tor allem westlieh von der bei Daimarie zur See hinabführenden Schlucht sind
grössere Mengen von Kupfererzen gefunden, nachstdem etwas weiter nach Westen
zu, südöstlich von der Ducht von Antikurie. Weit unbedcutender sind die Kupfer-
erze von Belasehie; nach mir gezeigten l\'roben weisen sie aufdurehaus das gleiclic
Yorkommen hin, welches oben aus der Umgegend von Savonet auf Curacao erwfihnt
wurde. Irgend welche Bedeutung scheint aueh dein Yorkommen der Kupfererze
aut Aruba nicht beizumessen zu sein.
So lückenhaft unsere bisherige Kenntniss vonden Erzgangen Aruba\'s aueh ist,
so liisst sieh daraus doch Folgendes ableiten:
Die Inscl ist von einem dichten Ganguetze durchzogen, welelies das Diorit-
und Diabasgebiet in gleiehen Richtungen durchsetzt. Unter Letzteren herrscht das
Streichen von NV nach O ganz entschieden vor, und es fallt dicses mit dem
Streiehen der Grünschiefor zusammen, welche oben als das Grundgebirge von Aruba
betrachtet warden. In dieser angedeutetcn Ablüingigkeit der Gangspalten von dem
Faltcnsysteme der Schiefer liegt aber eine weitere Stiitzc für die Annahme, dass
die alten Sed<mente aueh das Liegende der Quarzdiorite bilden; ich möchte sie
als eine Folge des Aufreissens langs den Schichtungsflachen der zusammenge-
stauchten Grünschiefer und aequivalenter Bildungen betrachten.
In dem aus der Yerwitterung und Zertiünunerung der austelienden Formationen
hervorgegangen Seieexgeuirge ist das Gold sehon scit langer Zeit bekannt. Es
ist wohl nicht zu bezweifeln, dass aus ihm das ansehnliche Stück F reigold abkünftig
war, weiehes bereits im .Jahrc 17Ö0 gefunden wurde2) und veranlasste, dass ein
gewisser I\'rins die Insel besuchtc, wclcher ohne Krfolg dem Edclmetall nachspürte 3).
1) Uie Augabcn beziehen sicli vermuthlich nut\' Seifengold. — 1. c. pag. 281.
\'2) Bosch. Reizen. Deel II, pag. 230.
3) Dersulbe teuftu an der üstseite des Serro Colorado am Meero einen Schacht im Diorite ab.
Er befindet sich im Kreuzungspunkte eines von unbedeutenden Quarzgiingen gebildeten Winkel-
kreuzes und stelit jetzt voll Wasser, da das Meer Zutritt zur Orube crhalten lint. (vgl. aucli pag.
58, oben).
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lil
Erst im Jalire 1824 wurdc in Folge eincr zufiilligcn Entdeckung von Neueni die
Aufmerksamkeit auf das Erz gerichtet, dcnn man fand in don AUuvionen des
Diabasgebirges, vor allem in dor Kooi Fluit, .ansehnliche Mengen Goldcs. Ein
Klumpen wog nacli Teenstra1) 32 Pfund und 8 Unzen Amsterdamsches Gewicht,
cin anderer, den das Loidencr Museum bcsass, -) naeli Keinwardt3) 6,415 niedcrl.
Pfunde, eine ganze Keihe mchr als 1 Pfund. Im Qanzen wurden im Jahre 1825
an Gold 142 Pfunde gewonnen. \').
Dicse Kunde wurden die Vcranlassung der geologischen (Jntersuchungen Stitt\'t\'s,
welcher in seinen Berichten die goldführcnden Lotton des Diabasgebirges ausführ-
lich beschriebon liat. ~\') Dagegen blieb es Stitt\'f unbekannt, dass auch indenSand-
und Lehmablagerungen, welche sieh zwisehen den Felsenineeren des Quarzdiorits
ausbreiten, Gold vorkommt, gleichwie von den Gangen nur die im Adikurarie
aufsetzenden von ihm als goldhaltig erwahnt worden ").
Das Seifengebirge im Gebietc der Quarzdiorite bosteht dor Hauptsache nach
aus Quarzsnnd, weieher Feldspath, Hornblende und Glimmer in verschiedenen
Mengen enthalt und hie und da mit Lebm abwochselt; seine Machtigkeit fand ich
an verschiedenen Punkten , an denen Gold gograben war, zul — 7 m. Das Liegende
wird durch die unregelmiissig höckiige OberHiicbe des bald niehr babi minder verwit-
terten Quarzdiorits gebildet und das meiste Gold fand sieh in den kummenförniigen
Vertiefungen des Grundgebirges, der sogenannten „Flur", bis zu welcher die Gold-
1)   l.o. lid. II, pag. 215.
2)   Dieser Klumpen ist Jetzt uur noch im Augusse vorhanden, doch besitzt das Lcidencr Museum
noch immer einige ansehnliehe Stüeke von Aruba-Gold.
3)   1. c. pag. 274.
4)  A. D. van der Oon Xetschor iBijdrag. tot de Taal-, Land en Volkenkunde van Xed. Indië. :ie
Reeks, III, pag. 494.)
5)   Nach Stifft lindet sich der Letten hauptsitchlich in den Niederungen des Grünstein (Diabas)-
gebietes, dessen Verwittorungsprodukt er darstellt; seine Machtigkeit wechselt von wenigen Zoll
bis zu 4 — \'i Kussen, und zivnr bilden die miichtigeren Letten das Hangende von stark zerklQftetem
und angegriffenem, die minder niiiclitigcii das Hangende von festerem Qrflnstcine. Das Hangende des
Letten ist Steingerölle und Dammerde oder Sand und Dammerde oder auch Sand allein, welche
ihn in verschiedener, geiten 1 Kuss betragender Machtigkeit bedecken. Seine Farbe ist blaulich,
golblich, röthlich und grünlichgrau; durch Kisenoxydul, Kiscnoxyd und Eisenoxydhydrat wird er
tlecken- und streifenwoise oekergelb, gelblichbraun, Bchwarzbraun und blutruth. In den tieferen
Lagen erscheint er am roinsten. Kr ist milde und weicb, von erdigem liruche, bisweilen fettig
nnzufühlen und dann ziilier und mehr formbar. Die goldführende Schicht liegt im Allgemeinen zu
unterst. —Speciellerea (indet sich in den Berichten von Stifft, welche gerade diesem Qegenstande
in erster Linie gewidmet sind und die Rcsultate der verschiedenen Versuehe, die angestellt wurden,
darstellen. Da sio augenblicklich weder von geologischem noch von praktisohem Standpunkte aus
von besonderem Interesse mehr sind, so habe ich nur übiges den Rapporten entnoinmen.
6)   Die reichen Krzmittel des Adikurarie crwiihnt auch Keinwardt, deun die Kinwohnerentdeckten
dieselben schon früher (Krayenhofl\', van Kaders, Oravenhorst.).
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li.-,
sucher gruben. Vielleicht ist dies nicht allcin die Folge eines Schlemmprocesses,
der <lio im Meere abgesetzten Seifen1), welche diluviale Bildungen indereigentlichsten
BedeutuDg des Wortes darstellen, bei bestiiiidiger Umlagerung des Materialcs
ausgesetzt gewesen Bind, sondern tbeihveise auch auf nachtragliche Lösung und
darauf folgende Ausscheidung des Goldes in den tieferen Schichten zurückzuführen.
Die grossen Pepites der Seifen, welche den ersten Anstoss zur Goldsuche
gegeben, sind die Ursache vielfacher Enttauschungen geworden; denn so wenig in
Australien die Oiinge Klumpen Ooides enthalten, welche den dort gefundenen
Iliesen-Xuggets auch nur annahernd entsprtichen, so wenig ist dies auch auf Aruba
der Fall. Diese Klumpen sind nicht die unmittelbaren I\'rodukte der Umlagerung
goldf\'ührender Gesteine des Eilands, sondern durch Concentrirung des fein vertlieilten
Erzes erst nachtraglich im Schwemmlande gebildet. Das beweist nicht nur ihre
unregelmassig höckrige, an Concretionen durchaus erinnornde Gestalt, sondern vor
allem auch ein bereits durch Reinwardt hervorgehobener Umstand, dass die Pepites
hiiufig „kleinere Stiicke von Erde oder Steinchen umschliessen, als waren sic» um
und zwischen denselben geschmolzen." \'-\') Dasselbe erwahnt Teenstra 1. c. von dem
grössten auf Aruba gefundenen Goldklumpen und fügt ausserdem hinzu, dass Der-
selbe den Abdruck des Steines, auf\'dem er gefunden wurde, enthielt. Wollte
man annehmen, dass die oberen, bereits zerstörten Giinge goldreicher gewesen
seien als die tiefer gelegenen, noch auf primarer Lagerstatte sich befindenden Ge-
steine, so würde hiebei die Thatsache höchst auffallcnd sein, dassallerorts gerade
die grössten Klumpen in den Seifen vorkommen, so dass also in den entlegensten
Krdtheilen die Yertlicilung der edelsten Geschicke die gleiche gewesen sein müsste.
Eudlich ist von Egleston der Xachweis geliefert worden, dass die Tagoswiisser im
Stande sind Gold in Lösung zu bringen, aus der es bei Gegenwart von organisehen
Substanzcn wieder ausgefallt werden kann :i).
Die Gewinnung des Goldes beschrtinkte sich lange Zcit hindurch fast aus-
schliesslich auf die Ausbeutung des Schwemmlandes und fand in ausserst priiniriver
Weise statt. Entweder wurden die Seifen in grossen Schalen am Meere oder
in stehonden Tümpeln gewaschen oder in noch roheror Weise mit Hilfe
des kraftigen Windes gesiebt, da Hiessendes Wasser fehlte. Zu diesem Zwecke
breitete man die ausgegrabene Erde auf einom Tuche aus, zerklopfte sie mitoinem
1)   Vgl. über die friiliere Mecresbedeckung dus Capitol „EroaionserBcheinungen" im Eolgenden.
2)  Keinwardt (1- c- Pa£- 274) kann sich deswegen der Ansicht niclit verschliessen, dass dus Gold
von Aruba im Seifengebirge nrsprünglich geschmolzen vorkuni, und widerspricht sogar entachie-
den der Anuahme, als ob es sich auf sokundiirer Lagerstatto belinden könnte (1. c. pag. 278).
3)  Transact. Am. Inst. of Min. Eng. Easton. IX. 1881.
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Stoeke und lass die grosseren Gesteinsbrocken zunüehst mit der Hand aus. Daraut
wurde das zurückgebliebene Material in einen Kübel geschüttet, mit den Hiinden
hoch emporgehobcn und nun wieder, völlig trocken, auf das Tueh ausgegossen,
wobei alle leichtoren Bestandtheile durch den Wind fortgeblasen wurden. Derselbe
Proeess warde mehrfach wiederholt und endlich der Goldstaub aus dem rückstiin-
digen Sande mit der Hand ausgelesen. Auch suchte man nach heftigeu Regen-
güssen das Gold an der Oberflachc in den Thiilern. Von den goldhaltigen Gangen
wurden anfangs nur die im Adikuarie aufsetzenden in Abbau genommen.\').
Aber die reichen Ertrage blieben, wie in allen Goldliindern, in den Seifen
bald aus, und da die Letzteren nur eine geringe Ausdehnung besitzen, so trat
die Erschöpfung der Goldproduktion so raseh ein -\'), dass sie für den Weltmarkt
nieinals von Bcdeutung gewesen ist und weiteren Kreisen völlig unbekannt blieb.
Schon im Jahre 1827 war der Ertrag schr gering; 1845 betrug er nach Tcen-
stra nur 500 bis 600 Gulden an \\Yerth,3) und augenblicklieh könnten die armen
und sehr schlecht verwaschenen Alluvionen nur noch von den geuügsamen, Heis-
sigen Eingeborenen ausgebeutet werden, wenn nicht das alleinige Recht der
Goldgewinnung der „Aruba Company" zustande. 4)
Freilich würde die Anwendung der in Californien üblichen, hydraulischen
Vorrichtungen gewiss noch viel Gold aus dein Seifengebirgc zu Tage fördern, aber
es tehlt an Hiessendeni Wasser und die Ycrwendung des Meereswassers dürfte
schwerlich angezeigt sein; denn die Alluvionen des Diabasgebirges besitzen eine
zu geringe Ausdehnung, als dass grossartige Vorrichtungen für sie angelegt werden
könnten, die Seifen im Dioritgebirge sind aber gleiehzoitig die Ackergründe der
Einwohner und ihre Fortschwemmung liiesse die Insel in eine Einöde verwandeln.
Die englische Gesellschaft hat sich dem Abbau der Gruben zugewandt, aber
die Ausbeute hat den Erwartungen bis jetzt nicht entsprochen; der Grubenbau wurde
eine Zeit lang eingestellt, wird indessen jetzt vielleichfc wieder aufgenommen. Dass
derselbe bei gutem bergmiinnischem Betriebe einen besclieidenen, aber regelmas-
1) 8o betrieb die Rogierung die UoUigewinnung bis zum Jaliro 1827, darauf die einlieimisclic
Bevülkerung von 1832 an bis 1867. Von dieser wurden aueh Seliachte im Adikurarie abgeteuft, dio
aber 1864 in Kolge eindringonden Wassers aufgogebnn werden mussten, denn es felilte an don
einfachsten Maschinerieen zum zweckmüssigen Uetriebe.
i) O. van Lennep Coster ^Aantcckeiiingeii gehouden gedurende mijn verblijf in de West-Indiën,
in de jaren 1837-40; Amsterdam 1842. |>ag 96.) erziiblt, dass man für die Kilaubnisskanten urn
Oold zu graben 1 (iulden per Rutlio zalilte; ferner I. c. pag. 99, dass ein Manu in einem ganzen
.Monate nicht mohr Ciold als für 3 (iulden an Werth fand. Der Ooldgewinn musssonach schon sehr
bald erscliöpl\'t gewesen sein.
3)  1. c. Bd. II, pag. 707.
4)  Seit 1867 hat dieselbe das Monopol für die bergmünnische Oewinnung von Erzen auf der Insel
erhalten.
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UT
sigcn Gcwinn licfcrn wird, scheint mir ausser allem Zweifel zu stehen, zumal
in den Giingon, welche Freigold erkennen lassen, das geförderte Gestein in Eincr
Tonne Gold im Werthe von 6 bis 7, ja sogar von 10 bis 22 £ onthielt.1) Diese
reichen Giinge sind also den reicheren, wenn auch nicht den reichsten, ealifor-
nischen Vorkommnissen gleichzusetzen; aber gerade im Hinbliek aut\'die Erfahrung,
die man in diesein Lande gemacht hat, wird man sich luiten mussen, an sio
übertriebene Erwartungen zu knüpf\'en. Bckanntlich nimint der Adel der Giinge
nach der Tiefe hin sehr bald bedeutcnd ab, und die Gangquarze, welche von Aruba
untersucht sind, stammten zum grössten Theile aus den Gangausgchenden, wie
aus dem englischen Rapporte deutlich ersichtlich ist.
Die allgemeinen, aus den geognostischen Beobachtungen auf Aruba abzulei-
tenden Schlussfolgerungen sollen aus bereits pag. 40 angeführten Gründen in einem
spiiteren Capitel, „Schlussbetrachtungen über die Insein", behandelt werden; ebenso
die quartaren Kalke und alle anderen, die drei Insein in gleicher Weise berühren-
den Verhiiltnisse.
Bon air e.
Orographische Q-liederung1.
Ein Theil der Irisel Bonaire erstreckt sich gleich Curacao und Aruba in der
Richtung von Nordwest nach Südost; er ist gebirgig, ahnlich den beiden anderen
Insein. Ein anderer Theil dagegen hat eine Richtung von Nord nach Süd und
ist der Hauptsache nach Hach, eine kaum über den Meeresspiegel sich erhebende
Ebene bildend, deren Umrisse erst in nachster Nahe des Strandes vor dem An-
kömmlinge aus dem Wasser hervortauchen. Der gebirgige Theil moge im Fol-
genden als West-, dor flacho als Ost-Bonairc bezcichnet werden.
Der höchste Gipfel von Wost-Bonairo ist der Brandaris, welcher aus der
Ferne gesehen in seiner Form einem Vulkane mit wicderholter Kegelbildung un-
gemein ahnolt. Sein unterer, abgestutzter Kegel mit etwa 45° Neigung besitzt im
Westen 177 m Meereshöhe, seine Spitze, welche sich in Gestalt eines kleineren
Kegels über dieser Basis erhebt, 254 m; der Fuss des Beiges ist nur wcnig
höher als das Niveau des Oceans gelegen. 2)
1)  Nühere Angaben sind in dem citirten, englischen Berichte zu vergleichen.
2)  Vgl. die Abbildung in Band I, Tab. 10.
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(i.s
Vom Brandaris aus zieht sich nach Rincon zu, in südiïstlieher Richtung, eiu
langgestreckter Bergrücken, und ein zweiter mit gleicheni Streichen geht vom
Karakao aus. Beide sind durch einc Anzahl von seichten Einschnitten in ITöhcn
zerlegt, welche sich als runde Kuppen und kleine Spitzen über der geinein-
schaftlichen Basis erheben, oline aber in Forin von Bergen aus dern Rückcn sich
herauszulösen. Der Juwa und der Makaku besitzen untor ihnen den grössten Grad
von Selbstandigkeit und sind gleiehzeitig die bedeutendsten Gipfel, deren Mceres-
liühe etwa 200 in sein dürfte.
Die Kuste von West-Bonaire wird von einern Gcbirge eingefasst, welches
durchauö den gleichcn Charakter triigt wie das Küstengebirge von Curacao;
aber seine siimmtlichen Hühen sind flach und Böschungswinkel von 10—20\\
wie sic an der Südküste von Ost-Curacao vorkomnien, findet man auf Bonaire
in diesem Gebirge nirgends. Ueberall ist sein Absturz seewarts mit sehr steilen
Terrassen versehen und an der Nordküste zeigt es den gleichen Charakter wie
an der Kuste von llato auf Curacao. Wie auf dieser Inscl, so istauch auf\'Bonaire
im schmalsten Theile eine Brücke vorhanden, welche die Gebirge der Nord-und
Südküste verbindet; aber diese Brücke ist hier bedeutend breiter und nimmt die
Gestalt eines Plateau\'s an, welches üstlich von Rincon sich zwischen dein sogc-
nannten Lange Berg und Fontein ausdelmt und dessen mittlere Jlöhe ich auf etwa
40 m schiitze.
Gleich Curacao besitzt auch Bonaire liings des Küstensaumes eine grössere
Anzahl von kleinen, abgeschlosscnen Meeresbecken, unter welchen diejenigen von
Goto und Slachtbai die bedeutendsten sind. Ihr Charakter ist auf\' beiden Insein
derselbe; doch kommen auf\' Bonaire keine Boeken vor. welche noch durch einen
schmalen Canal die Verbindung mit dein Meere unterhielten; alle sind durch
Uferwalle völlig isolirt.
An der Nord- und West-Küste des wcstliclien Bonaire ist das betreffende Gebirge
vielf\'ach unterbrochen und durch brcito, kurze Thaleiuschnitte in eine grössere Anzahl
von unbedcutenden Höhen zerlegt, welche sich uur an wenigen Funkten mehr
als 25 in über den Meeresspiegel erheben dürften, in der Regel aber noch weit
hinter dieses Maass zurückbleiben; an der Südküste dagegen besitzt es mehr
Zusammenhang und östlich von Goto dehnt sich der Lange Berg in Form einer
ununterbrochencn Mauer, mit Hacheni Gipfel und vielleicht 40 m Meereshöhe,
von Xordwesten nach Südostcn aus. Dabei weicht dieser Berg im Osten mehr
und mehr vom ITf\'er zuriick, indein eiu tlacher Küstenstrich sich zwisclicn ihn
und das Meer einschiebt.
Der lctzte Auslauf\'er des Lange Berg bildet die bedeutendste Höhe des
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lül
östlichen Bonaire, und in der Verlangerung seines Streichens liegen noch einigc
andere, niedrigere Hügol in der Mitte der Insel; sic tragen die Namen Serro
Grandi, Wamari und Baradicarta. Fast der ganze übrigc Theil von Ost-Bonairc
ist kaam über den Meeresspiegel erhoben; er seheint in der Riehtung von Siiden
nach der Nordküste liin, deren Hobo ich auf 30 m schiitze, alltnühlig anzustcigen
und die OberHiiche des Landes ist bis aufwenige, unbedeutende "Wellen vollkom-
men eben.
Das bedeutendste Thai auf Bonaire ist dasjenigo von Rincon. Es ist ein
Kesselthal, wclches im Norden, Osten und Süden von den steilon Gehangen der
Küstengebirge und des Beide verbindeuden Platoau\'s eingesehlossen wird, im Westen
von den Auslaufern dor von Brandaris und Karakao ausgehenden Höhenrücken,
im Nordwosten von einigen niedrigen Hügclu. Nur im Südwesten ist das Thai
nach Goto hin geüffnet, wahrend ein schmaler Einschnitt dasselbe östlicli vom
Serro Largo mit dor Nordküste verbindet.
Ausser diesem Thai e und dom Liingsthale, weiehes die öfter erwiibnten
Höhenzüge im Innern von West-Bonairo trennt, verdient noch ein drittes hier
genannt zu werden. Es scheidet den Karakao vom Mangel und erstreckt sich
vom Fusse des Brandaris aus in nordöstlicher Riehtung bis in die Niihe der Nord-
küste. Dort findet es seino Endigung in einer langgestreckten Ebene, welche sich
zwischen dem vom Karakao ausgehenden Ilöhenzuge und dem Meere ausdehnt
und an Letztorem nur in sehr unvollstiindiger Weisc vom Küstengebirge einge-
schlossen wird, da dieses hier wenig Zusammenhang besitzt.
Die topographische Grundlage meiner geologischen Karte von Bonaire gründet
sich thcilweise auf diejenige von Conradi und Jarman; die Darstcllung des west-
lichen, jedenfalls belangreichsten Insolthciles aber, mit Ausnahme der Küstenlinie,
im Wesentlichen auf eine Kartenskizze , welche von dem Ingenieur F. A. A. Himous
angcfertigt und mir zur Benutzung übergeben wurde, neben anderen , interessanten
Angaben, die ich unten zu crwiilincn habon worde. Die Binncngewasser konnten
auf dicso AVeise bcdeutend besscr zur Darstcllung gelangen als auf der friiher
publicirtcn Karte; auch die Angabo der Lage der Borggipfel in West-Bonaire ist
vorvollstiindigt und verbessert. Mcino eigenen Beobachtungon waren hauptsachlich
auf dio Einzeichnung der Formationsgrenzen gorichtct, da an den wichtigsten
Funkten die Foststollung von Compassdiroktionen in Folge des zum Sturm ange-
schwollenen Fassates nur mit anniihernder Richtigkeit erfolgon konntc. Von der
Einzeichnung einor Gradeintheilung habe ich aus gleiehen Grunden wie bei dor
Karte von Aruba absehen mussen.
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Geognostische T3eobaehtungen.
Ffir die geognostisehe Fntersuchung von Bonaire konntc ich nur vier ïage
verwonden und von diosen musste ich nocli ohendrcin cinen Tag ziemlich nutzlos
unter Zurücklegung eines schori Ein Mal passirten Weges vergeuden. Das Terrain
ist zudem in den höher gelegenen Theilen der Insel sehr coupirt und Auf\'schlüsse
fehlen daselbst tast giinzlieh, so dass eine eingehendere Darstellung des geogno-
stisehen Baus der Jnsel nur bei k\'ingerem Verweilen möglich sein wird. Ich hatte
dazu keine Gelegenheit, denn die cinzige Station, die meinen Zwecken dicnlich
gewesen ware, stand unserer Keisegesellschaft nur kurzc Zeit otfen und auf den
Verbleib ini Freien war ich nicht vorbereitet.\') 80 habe ich denn im Fluge den
gebirgigen Theil von Bonaire durcheilt, und wenn ich dabei auch ohne Zweifel die
hauptsiicliliclisten Formationen kennen lcrnte, die an seinem Aufbau Theil nehinen,
80 ist doch meine Kenntniss der Insel weit lückenhafter als diejenige von Curaeao
und Aruba. Erleichtcrt wurde mir freilich das Studium auf Bonaire duren Manches
Gemeinsame, welches diese Insel mit den beiden anderen Eilanden besitzt; ersehwert
wiedernm durch die ausserst schlechte topographische Karte. Um keinen Missver-
stand iiber die Tragweite nieiner Beobachtungen auf kom men zu lassen, scheint es
mir angezeigt, über diesclbcn zum Theil an der Hand des zurüekgclegten Wcges
zu berichten.
11. Von Kralend ijk bis Fontein.
Folgt man dem in die Karte eingetragenen AVege nach Fontein, so durch-
schneidet man zunachst cinen niedrigen Küstenstrich, welcher aus Korallenkalken
gebildet wird, die erst in allerjüngster Zeit dem Meere entstiegen. Nach dem Lange
Berg zu wird das Terrain flachwellig, abcr die Formation bleibt diesclbe; sie er-
innert an die hügeligen Korallenkalke an der Südküste von Aruba, besonders an
die üegend der gpanischen Lagune und an diejenige von 1\'onton. Es sind Flach-
bauten, welche «ich dem Untergrunde angeschmiegt haben, ohne zur Ausebnung
zu gelangen; zahlreichc Fragmente von Kieselschiefcr und Sandstein bedecken ilire
Oberflache und nchmen an Haufigkeit zu, je mehr man sich dem Lange Berg nahert.
Die Fahrstrasse bleibt östlich von diesem Berge und durchschneidet hier die
bcreits von Curaeao bekaunten Sedimente dei\' Kreideperiode, die nach der Kilste
1) Ich liatte nach mir vernachten Mitthcilungen erwartet, dass ich Bonaire in gleicher Woiso
wie Aruba würde durchreisen kunnen, aber es tindet sich daselbst ausser Kralendijk und Hincon
kaum ein Ilaus /.um Verbleib. Wir waren nicht einmal im Stande, uns 1\'roviant zu besorgon; zu-
dem sind die liewnlmer zu keinen Dienstleistungen zu gebrauchen. Wer Bonaire untersuchen will,
muss sich wie für eine Kxpedition in unbewohnte Liinder ausrüsten.
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zu vermuthlich auch das Liegende der aoeben erwiihntcn Eorallenkalke bilden und
sich dureh den Schetter schon vorher angekündigt liatten. Oestlich vom Lange Berg
befindet sich einc niedrige Klippe, welche von eiuem hellgelben, dünnplattigen,
sehr feinkörnigen Sandstein gebildct wird; seine Schichten streichen W 323 X und
fallen 45° NO. In der Verliingerung der Streichungslinie sind auch der S. Grandi,
der Wamari und Baradicarta gelegen, und die Mittlieiluug des micli begleitenden
Herren Oravenhorst\'), nach der diose Höhen ebenfalls aus Sand.stein und Kiesel-
schiefer aufgebaut sind, steht somit in gutem Einklangc mit dieser Beobachtung.
Hierauf griindet sich die schematische Einzeichnung der Kreideformation hieselbst.
Noch mehrfach treten hierauf in den Böschungen des Weges Kieselschiefer
und Sandsteine in kaum mehr als handbreiten Aufschlüssen zu Tage; es liisst
sicli nur erkennen, dass die Stellung dei\' Schichten überall, wie auf Curacao,
einc sehr steile ist.
Nachdem der Weg über einige kleine, aus cretaeeïschen Ablagerungen
aufgebaute Hügel geführt hat, passirt man eine niedrige Anhöhe, die im Wesent-
lichen aus einem schneeweissen Kalkmchlc gebildet ist. Nur einzelne, faust- bis
kindskopfgrosse Kalkknollen liegen darin, und dicse enthüllen in Dünnschliffen
bei mikroskopischer Betrachtung ungemein zahlreiche, winzige und eckige Bruch-
stüeke der sowohl in Kreide- wie in Quartiir-Ablagerungen der Eilandc weit ver-
breiteten Lithothamnien. Ausser den Kalkalgen sind auch Foraminiferen, und zwar
meistens als Fragmente, vertreten; das Ganzc ist durch eine feinkrystallinische
Kalkmasse unvollkommon zu einem poröscn, abfarbenden Kalksteine verblinden.
Makroskopisch sind keinerlei organische Beste wahrzunehmen. Der t\'eine, kreide-
ahnliche Staub, welcher von dieser Ablagerung abkünftig ist, bedeckt ringsumher
alle Pflanzen, so dass sie wie getünclit aussehen.
Ich betrachte die Bildung als einen auf der alten Uferterrasse, über die von
jetzt ab der Weg führt2), zusammengewehten, feinen Kalksand, der einer Zer-
trümmerung sehr jugendlicher Ablagerungen seine Entstehung zu danken hat. Er
crinnert in seiner Zusammensetzung an den unten zu behandelnden Kalk des
St. Bieronimo auf Curacao, nur ist er, mit Ausnahme der in ihni cnthaltenen
Knollen, nicht verfestigt worden.
Die erwahnte Terrasse tragt alle Kennzeichen der gehobcnen, auf den Insein
so weit verbreiteten I\'lattformeu. Bruchstücke der cretaeeïschen Sediinente, welche
1)  Hurr J. H. Waturg Oravenhorst, Amtsvorstand der Insel, der mieh durcli Uoiiaire überall
begleitete, hat den geognostischen Verhaltnissen daselbst viellach seine Aufnieiksamkeit /.uge-
wandt, und ich verdanke Demselben manche Angaben, besonders betrotfs des von mir nicht betre-
tenen, niedrigen, südlichen Bonaire.
2)  Vgl. die Karte.
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unter dein Schottor anstehen mussen, bodeeken in grosser Zahl don Boden , und
von ihnen dürfte auch dor ausserst feino, alles durchdringende Staub abkünftig
sein, welchcr hier auf der ebenen FlSehe von lom kriiftigon Passate fortgetrieben
wird. Dancbon begegnet man daselbst zahlreichen Broeken quartaren Korallenkalkes
als [Jeberresten zerstörtor Biinke, "welche die Fortsetzung der Schichten dos
Lange Borg gebildet baben. Dieser sammt dom höheren Plateau, welches ilin
mit den gehobenen Riffen des Nordstrandes verbindet, üborragt mauerartig be-
grenzt die Ebene, durch die der Weg lcitet, dio alte Strandlinio im Westen
andeutend. Nach Oston hin soll die Brandungsterrasse sich allmahlig in die
recenten Korallenkalke der Insol vcrlioren, welche Letztere an dom Aufbau dos
Machoren Theiles von Ost-Bonaire sich in erster Linie betheiligen. Somit herrschen
hier überall an dor Oberflache moderne Bildungen vor, und es war nicht möglich
die Fliichen im Inncrn dos Eilands, zwischen dom Lange Borg und Fontein, abgedeckt
anzulegen, da vom anstehenden Fels nirgends cinc Spur zu bemerken ist.\')
Niihert man sich dem Xordstrande, so nimmt dio Zahl dor Bruchstücke von
quartarem Kalkc bedoutend zu, und alsbald findet man an der Grenze der Bran-
dungsterrasse des Innern dasselbe Gestein anstehend. Die gehobenen Iliffkalke fallen
in mchreren, schaifgeschnittenen Stufen zum Xordstrande ab, wahrend sic land-
einwarts ganz allmahlig in die zorstückolten Schichten derselben Fonnation übor-
gehen. Die Grenze ist deswegen höclist unbestimmt.
An dem Bankte, \\vo der Wog zum Xordstrande hinabführt, sieht man als
Liegendes der quartaren Kalkc graue, röthliche und grünliche Morgei anstehen,
mit einzclnon Kalkgeröllen, ganz entsprechend don .Morgein, welche oben aus dem
mittleren Curacao beschriebcn wurden -\') und hier aus den Sedimenten der Kroidc-
formation ontstanden sind. Weiter abwiirts ragt aus der unterston Uferterrasse ein
kleinkörniger Diabas hervor; das Gestein, nach Kloos ein l\'roterobas, ist in lose,
ellipsoidische Blücke von \'/a m und mehr Durchmcsscr aufgelnst. Etwas weiter
westlich ist im glciohcn Niveau abcrmals das Ausgehonde der Diabasformation in
stark von der Vorwitterung angegrittbnen Partieon entblösst, wahrend dio Haupt-
masse dos Eruptivgesteins vom quartaren BirTkalkc vcrhüllt wird, um orst bei
1\'oiitcin selbst auf weitere Strocken hin aufgeschlossen zu werden. Aber auch hier
wird dor Diabas noch von vielen, gewaltigcn Kalkblöcken bedeckt, so dass das
Keliof\' der Landschaft durch ilin in keinem Punkte beeinHusst wird und es schon
aufmerksamor Boobachtung bedarf, um seinc Ausdehnung zwischen den zorstückelten
1)  In dem Profile, welches den „idealen" Durchschnitt giebt, ist das Alluvium im Innern fortge-
lassen, da es jedenfalls nur von selir geringer Miichtigkeit ist.
2)   Vgl. pag. :)(>.
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Kalken zu verfolgen. Ich sah indessen das Eruptivgcstein bei Fontein als Lie-
gendes der genannten jungen Bildungen bis zu betrachtlichcr Höhe binansteigen,
und hierauf griindet sich seine Einzeicbnung in die Projektionsebene durch den
mittleren Theil von Bonaire, welche das Profil auf\' der Karte darstellt.
Ueberblicken wir die im Obigen dargelegten Vcrbiiltnisse, so erkennen wir in
Allem, was uns zwischen Kralendijk und Fontein begegnete, die grósstmógliche
Uebereinstimnning mit Curacao: Die Diabasc, die Sandsteine und Kieselsobiefer,
die Mergel, welche auf die Anwesenbeit der schiefrigen Mergel im Liegenden der alten
Terrasso seliliessen lassen - das Alles ist auf beiden Insein durchaus glcicb entwickelt,
der Febereinstimmung der quartüren Kalke beider Eilande nicht zu gedenken.
b. Von Fontein bis Goto.
Ton Fontein nach Rincon reitend durchschneidet man zuniicbst wieder den
gehobenen Riff kalk \') und gelangt durcb eine alte Einsebartung, welche in dor
Bucht von Onima endigt, in die Ebene von Rincon. Ihr südöstlicher Theil ist fast
völlig flach; nur hie und da nimmt man eine kaum merkliche Rodenschwellc wahr.
Grössere Aufschlüsse fohlen ganz; wo aber ein kleiner Einschnitt am "Wege sich
zeigt, da sieht man wieder die Schichtenköpfe der Schieferformation berausragen,
deren Bruchstücke auch die Oberfhiche in grosser Zahl bedecken. Unter ihnen
befinden sich Broeken, die reich an eingeschalteten, aber nicht scharf geschiedenen
Lagen eines hellgrauen, krystallinischen Kalkes sind und von Kloos deswegen
als „Kalkkieselschiefer" bezeicbnet wurden.
Sie sind besonders ihrer Fossilführung wegen interessant, deun das Gestein
enthiilt zahlreiche, runde und elliptische Durchschnittc von Organismen, welche
sich nur als Radiolarien deuten lassen, wie Kloos bereits vermuthet bat. Mir
scheinen die Fossilien, unter denen zwei durch verschicden weite Kammern aus-
gezeichneteFormeu sich befinden, der Gruppe der Disciden anzugehörcn. Man bemerkt
in Dünnscbliffen concentrische, von radialen Balken durehschnittene Ringe, und
die Gcsammtform des Skelets dürfte eine linsenförmige gewcsen sein. In einem oin-
zelnen Falie bcobachtete ich auch das deutlich crhaltone Gehüuso einer Foraminifere,
vermuthlicb aus der Gruppe der Rotalinen, in dem gleichen Kieselschiefer.
Im Westen von Rincon vvird die Gegend etwas hügeliger, ohne aber den
Charakter einer Ebene einzubüssen. Kieselschiefer herrschen auch hier nocli vor,
aber innerbalb des von ihnen eingenommenen Gebietes steht unmittelbar an der
westlichen Grenze des Dorfes ein aus Porphyrbruchstücken gebildetes, durch Kalk
1) Vgl. Hand I, pag. 145 u. 14G.
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Tl
eemontirtos Conglomerat an, dessen Bestandtheile Haselnussgrüsse erreichen. Es
fortnt einen kaum 2 m hohen Hügel, der wiederum in der flaclien Umgebung
and beim Mangel jeglichen Aufschlusses sein Lagerungsverhiiltniss nicht erkennen
liisst; dass er aber als ein Glicd der eretaeeïschen Schichtenreihe anzusehen ist,
scheint mir trotzdem nicht zweifelhaft, da die ganze Umgegend niclits Anderes
als die Sedimente dor Krcideperiode erkennen liisst. Bas Conglomerat dürfte den
von Curacao beschriobencn, eretaeeïschen Trümmergestcinen aequivalent sein, wobei
solbstredcnd die abweiehende Beschaffcnheit der allothigenen Bestandtheile dem
Yerglciche keinen Abbruch thut.
Weiter nach Goto zu stellen sich unter dem die Oberniicho bedeckenden
Schotter der Kreideablagernngen wieder mehr und mehr Broeken von quartiirem
Kalke ein; es mussen hier machtige B\'inke dieser Formation zerstört sein, welche
anstohend im Süden und Oston das Thai von Rincon maucrartig, mit stoilem Absturze
überragt. Dio Yerhiiltnisse erinnern durchaus an diejenigen der Brandungsterrasse
zwischen Fontein und Kralendijk. Dann steigt der Weg, welcher sich am In-
nenrande des erwahnten Kalkgebirges hinzieht, ein wenig an; er führtüber einen
niedrigen, aus kleinkörnigem Diabas gebihleten Hügel, dessen Gestein in grosse,
sphaeroidische Blöckc zorfallen ist. Dieso Verwitterungstbrm tindet sich überhaupt
auf Bonaire weit hiiufiger als auf den beiden anderen Eilanden, denn sie ist nur
dem körnigen Diabase eigen, der auf Bonaire f\'ast ausschliesslich vorkommt,
wahrend auf Curacao und Aruba dichte Varietaten vorherrschen. Im l\'ebrigen
bot aber die Geologie der durchreisten Strocko von Kralendijk aus in Bezug auf
die Formationcn kaum et was Bemerk enswerthes, für Bonaire Figenthümlichcs ; auch
die mikroskopische Prüfung der Gesteine konnte die I\'ebereiiistimniung mit den
betreffenden Formationcn der beiden, benachbarten Insein nur bestatigen.
Kurz bevor man den nordöstlichcn Band von Goto errcicht bat, iindert sich
indessen mit Einem Schlage die ganze Landschaft; IJeliefund Formation erscheinen
im Yergleiche zu dem von Curacao und Aruba Bekannten durchaus freindartig.
c. Das nordwestliche Bonaire.
Das Gebirge, wclchcs sich im Norden und Nordwesten von Goto erhebt und
durch scine steilen Gohange und ansehnlicheren Höhen in so grossem Gegensatze
zu den übrigen Theilcn der Insel steht, ist ausschliesslich aus porphviiscbcn Ge-
steinen aufgebaut. Diese Gesteine, vorherrschend Gliinmorporphvrite, in deren
rothbrauner bis gelber, feinporöser Grundmasse kleine, weisse Feldspathe liegen,
bilden fast siimmtliche, vom Küstengebirge umschlossenen Berge des nordwest-
liehen Bonaire. Es sind die zahlreichen, kleinen Kuppen und Spitzen, welche
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bereits dem Ankümmlingc von der Rhede aus dureh ihre oharakteristische, an das
Siebengebirge erinnernde Form auffallcn und unter denen der 254 m hohe
Brandariis sich am höchsten erhebt.
Ich bestieg den Gipt\'cl von N\\V aus, wo die Basis des Bergos wenig geneigt
und niit prismatischen, lose daliegenden Saulenbruchstücken des Eruptivgesteins
bedeckt ist, welche 4 m Lange und Mannsdicke erreichen. Der Boden steigt erst lang-
sam, dann rascher an, und ein kleiner Thaleinschnitt führt an dein jetzt steilen
Gehiinge bis zu dem wcstlichcn Absatze des Berges, welcher von Slachtbai gesehen
sich wie ein alterer Kingwall gegenüber der höher ansteigenden Spitze ausnimmt.J)
Beim Ersteigen des Brandaris schwindet aber jeder Eindruck einer wiederholten
Kraterbildung. Der erwiihnte Absatz ist völlig flach, und auch die Spitze entbehrt
einer Einsenkung; sic wird aus anuühernd vertikal stellenden, unregelmassig po-
lygonalen Saulen gebildet, welclie hiiufige Gliederuug und hie und da auch kuge-
lige Absonderüng (diese indessen in geringer Vollkommenheit) erkennen lassen.
Die Gliederuug der Saulen crleichtert einigermaassen den schwierigen Austieg,
doch fehlt sie nicht selten giinzlich.
Da der Gipf\'el kahl ist und das kleine Eiland völlig beherrscht, so hat man
von ihm aus einen sehr instruktiven Kundbliek, umsomehr, als auch die benach-
barten Hühen jedes dichten Prlanzemvuchses entbchren. Der Passat verhindert das
Wachsthuni und der Gegensatz zu dem stark coupirten, windgcschützten Terrain
des Thalcs ist deswegen ein sehr grosser. Dureh diese Verhiiltnisse wird es aber
möglieh, die Ausdehnung des Porphyrits auf weite Strecken zu übersehen. So weit
das bewatt\'nete Auge reicht, erkenut man dieselbe Absonderuugsform des die Höhen
aufbauenden Eruptivgesteins; alle zwischen Brandaris und Juwa, zwischen Kaïakao
und Makaku sich ausdehnenden Kuppen tragen den gleichen Charakter. In l\'eber-
einstimmung hiemit erwiess sich das zuerst bei Goto ansteheud gefundene, siiulen-
f\'örmig abgesonderte Gestein als identisch mit dem Gesteine des Brandaris, und
als ich, von Letzterem aus in nordöstlicher Richtung zum Serro Grandi reitend, die
Gebirgslandschaft durchschnitt, traf\' ich daselbst abermals fast ausseblicsslich die-
selbeu Gliminerporphyrite an.
Xur an Einem Punkte stand ein als Mandelstein ausgebildeterl\'orphyritan, dessen
kleine Mandeln mit Quarz und Chalcedon get\'üllt sind. Vielleicht sind aus einem
solchen auch die zahlreichen Chalcedonbrockcn und Achate abkünftig, die ich mit
der Angabe „aus der weiteren Umgegend von Ilincon" erhalten habe und welche
hier auf sekundarcr Lagerstiitte gefunden sind 2). Welche Stellung dem Gesteine
1) Vgl. Band I, Tab. XVI.
•2) Stitf\'t erwiihnte ebenfalls, dass „im üstlichen Theile der lnsol der l\'orphyr zu einem schonen
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zukommt, vermag ich nicht anzugobon; ich traf es nur im Waldwege, \\vo übcr
sein Lagerungsverhiiltniss niclits zu erkennen war, anstehend an. Indcssen möchte
ich es für wahrscheinlich halten, dass dies porphyrische Gestein (nach Kloos ein
Diabasporphyrit seiner mincralischen Zusammensotzung nacli) geologisch zu den
Glimmerporphyriten gehort. Auch für einen braunvioletten Porphyr mit Cumuliten
und Longulitcn (nach Kloos ein Orthoklasporphyr), welcher am Innenrande von
Goto ansteht, dürfte dieselbe Annahme gerechtfertigt sein. Beide Gesteine besitzen
jedenfalls nur eine sehr besehriinkte Verbreitung.
Kurz bevor der vom Brandaris zurn S. Grandi führende Weg in die Ebene
hinaustritt,. welche sich südlich von letztgenannter Hölie und langs des Nordstrandes
ausdehnt, verflacht sich die das Innero von Westbonaire bildendc Gebirgslandschaft.
Gleichzeitig treten einzelno Broeken der cretaeeïsehen Kieselschiefer mit steiler
Schichtcnstelluug im Wege auf, urn mehrfach von einem sehmutziggrünen Tuffgc-
steine verdrangt zu werden. \') Die Ebene selbst ist wieder mit zalilreichen Fragmen-
ten von Kieselschiefer bedeckt; auch sie ist, gleich den oben beschriebenen Ebenen,
alter Meeresboden , übcr den der S. Grandi isolirt mit terrassirtem Bau sich erhebt.
An seinem Fusse lass ich als Geröllo einen Glimmerporphyrit auf, der durch
grossen Keichthum an mehrere cm im Durchmesser erreichendon Calcitmandeln
ausgezeichnet ist, und die ausgewaschenen Höhlungen der alten Strandlinien da-
selbst sind reich an Diabasgeröllen.
Nach Südosten zu setzt sich die Brandungsterrassc mit gleiclibleibendem Cha-
rakter eine botraehtlieho Strccke weit liings des Strandes fort, landeiuwiirts be-
grenzt von dem steil ansteigendon , vom Karakao zurn Makaku sich ausdehnenden
Ilöhenrücken , der an seinem Fusse dcutlich die frühere Einwirkung des Meeres in
dom stark zersetzten Gesteine erkennen lasst. Soweit dasselbo eine I\'riifung zuliess2)
vermochte ich auch hier keinerlei Fnterschiede von den in Westbonaire herrschen-
den Glimmerporphyriten zu entdecken. Ich folgte der Ebene bis zur Rooi Grandi
und gelangte durch sic auf dem Wege nach Rincon in einen Haehwelligen, nach
dein Dorfe zu allmahlig ansteigenden Landstrich, dessen Hügel durchaus den
gleichen Charakter tragen, wie manche Gegendcn in West-Curacao. Sie werden
Mandelstcine wird," dessen Ulasenriiame in der Kegel mit Chalcedon, seltener mit Amethyst,
Quarz, Jaspis und Opai gefüllt seien. Es kommen iudessen auch Diabase mit Mandeln von Quarz
und Chalcedon auf Bonaire, obensowolil wie auf Aruba, vor.
1)  Die braunen Streifen der Tutf\'e in dem der Karte beigegebenen Prolile sollen keineswegs eine
Scliichtung andeuten.
2)  Das Mitnehmen grösserer Mengen von Gesteinsprobon war leider dadurch unniöglich gewordon,
dass uns unsere stimmtliche Dienersehaft oline Umstiinde verlassen hatte. DeHwegen vermochte ich
die lieobuchtungeii spiiter auch nicht zu controliren.
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von cretaceïschon Schichten gebildot, untor denen auf dem Gipfcl mehrfach ein in
runde Blöcke zerfallender, körniger Diabas hervorstüsst, die Bodenschwellen gleieh
einem Mauerwerke kronend.
Diabase habe ich auch auf dem Wegc von Goto nach Slachtbai angctroffcn; hier
bildet das Eruptivgestein ein niedriges,dem Jnnern des östlichen Curacao vergleichbares
Terrain, dessen Oberflachc eine sehr tief hinabreichende Zersetzung erfahren liat.
Halbwegs zwisehen den beiden Binnenineeren gelang C9 mir erst in einer Tiefe
von 6 m in einem zur Gewinnung von Wasser angelegten Loche ein einigermaassen
frisches Gestein zu erhalten. In dieser Gegend ist überhaupt die Grenze der For-
mationen sehr schvver anzugeben, da am Innenrande der Binnenmeere Alles in
hohem Grade zersetzt ist; sicher nehmon aber keine anderen als eruptive Bil-
dungen dort an ihrer 1\'mgrenzung ïheil. \')
l\'nter diesen verdienen noch einige Yorkominnisse besonderer Erwiihnung. In
erster Linie ein Tuft\'gestein, weiehes ain Innenrande von Goto ansteht, am Kusse
eines ansehnlichen Hügels, in der Fortsetzung der Glimmerporphyrite, welche
nordöstlich von Goto am Wege angetrotten worden. Dieses Tuftgestein lagert hier
mit dem oben erwahuten, violetten Porphyr, den ich an keinem anderen Ürtc der
Insel gefunden liabe. Bei Slachtbai bildet ein palagonitartiges Tuffgestein das
Liegende des die Kuste umsiiumenden, quartiiren Kalkes.
Die siimmtlichen, von Bonaire bekannten Tutte liegen nach Obigem am Kande
der Glimmerporphyrite; sic doeken den Fuss dos von den Porphyriten gebildeten
Gebirgslandes, und da keine andereu Bildungen von der Insel bekannt Bind, mit
denen die Tutte in Verband gebracht werden küunten, so hat ihre Zugehörigkeit
zu jouen Gesteinen von vornherein viel Wahrscheiuliehkeit. Mir scheint sie in
keincr Hinsicht zweifelhaft zu sein.
Nun kennen aber die Tutte nach der Fntersuchuug von Kloos nur von
jüngcren Eruptivgesteinen abkünftig sein und deuton sie zum Theil auf eine in
niichster Niihc bctindlicbe Eruptionsstelle hin. Demnach waren die Glimmer-
porphyrite ebenfalls junge Eruptivgestcine, und die mikroskopische Untersuchung,
wonaeh sie einen „besonderen Typus" darstellen und weder mit jungpalaeozoischen
noch mit tertiiiren, niassigen Gesteinen völlig übereinstiminen, steht dieser An-
nahme nicht entgegen. Kloos halt es ebenfalls für möglich, dass die Porphyrite
jünger seien als die Sedimente der Kreideformation auf Bonaire.2)
Vielleicht haben wir in den Glimmerporphyriten der Insel die durch Denu-
dation blossgelegten Kerne junger Eruptionskegel zu sehen, deren Tutte im Fmkreise
1)  Vgl. Band I, pag. 147.
2)  1. c. pag. 10B.
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an günstigen Stellen erhalten blieben, indem sic wahrend der Meeresbedeckung in
quartarer Zeit überall dort, wo siejetzt anstehen, dureh aufgelagerten Korallenkalk
geschiitzt wurden, wie solehes noch hente an der Kuste von Slachtbai der Fall ist.
Leider gab koin Profil über das Lagorungsverhitltniss der Eruptivgesteine zu
den cretaeeïsehen Sedimenten Aufsehluss. und da die obcn gegebene Erkliirung
durch iilinliche Vorkommnisse von anderen Orten nicht gestützt wird, so bedarf
der Gogenstand erneuter und eingehender Untersuchung. Freilich liegen die Ver-
haltnisse auf Bonaire so ungünstig, dass es mir fraglich erscheint, ob man jemals
das relative Alter der in Jtede stellenden Bildungen daselbst mit Sicherhoit wird
feststollen können.
lm Gebicte der Porphyrite habe icli cretaeeïsche Sedimente nicht angetroffen,
und das ware, wenn die Kreideschichten jünger als das Eruptivgcstein sein sollten ,
nur sehwierig zu erklaren. Man sollte vielmehr in diesem Falie ein ahnliehes La-
gerungsverhaltniss zu finden orwarten, wie es im westlichen Curagao und auch
auf\' Bonaire selbst zwischen Diabasen und cretaeeïsehen Sedimenten besteht:
isolirte Kuppcn des Eruptivgesteins, welche unter den Sedimenten hervorstossen.
Statt dessen bilden aber die Porphyrite ein zusammenhiingendes Gebirgsland,
welches in seinem Relief an dasjenige jungeruptiver Oebiete erinnert.
Stifft deutete das Lagerungsverhaltniss der Porphyrite zu den Schiefern ganz
so wie dasjenige von Diabas zu den cretaeeïsehen Ablagerungen auf Cura(;ao,
indem er einerseits die „Porphyre" als das Grundgebirge ansah, andererseits aber
annahm, dass Lager von Kieselscliiefer ihiien eingeschaltct seien. Der „Porphyr"
soll in „Thonstein" und „Kieselscliiefer" übergehen; offenbar ist unter dem ïhon-
steino das Tutt\'gestcin verstanden, und die oben geschilderteii, auf dem Waldsvege
vora Brandaris zum S. Graudi beobachteten Yerhiiltnisso erklaren deswegen, was
die Tuffe betrifft, die Autfassung von Stifft vollkommen, ohne dass Letztere mit
mcinen Beobachtungen in Widerspruch stitnde.
Von Bonaire konnte auch das Material von Tuffgesteinen abkünftig sein,
welche auf Curacao vorkommen und petrographisch mit den Tutten jenes Eilands
iibereiustimmen. Ich fand sie in einem Wasserrisse bei St. Jan und in einem
Brunnenloclie unweit Brievengat anstehend, ohne dass es mir möglich gewesen
ware, über ihre, jedcnfalls sehr beschrankte, Ausdchnung daselbst weitere Bcobach-
tungen anzustellen.
Ueber andere Bonaire betreffende Bildungen und Vorhaltnisso ist der folgende
Abschnitt zu vergleichen.
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Den Insein gemeinsame Bildiui gen
und Verhaltnisse.
Altere quartare Korallenkalke. \')
Petrographischer Charakter. Der petrographische Charakter der Korallen-
kalke ist grossom Wechsel unferworfen. Feinkörnigo, scheinbar dichte und ordige
Gesteiue wechsein ohne erkennbare Regelmiissigkcit mit einander ab; fast alle sind
porös, andere zellig; ilire Farbe ist weiss oder liclitgolb, grnu in allen Nuancen,
röthlich oder rosenroth, seltener rothbraun und zuweilen steinroth. Auch geflammte
Varietaten kommen vor. Die Verwitterungsrinde ist indessen fast stets eintünig
lichtgrau geförbt, so dass die geschilderte Mannigfaltigkeit nicht besonders in die
Augcn fiillt.
Kleine Höhlungen, an denen das Gestein reich ist, sind vielfach mit Kalk-
spathdruson und zierlichen Stalaktiten ausgekleidet; auch Grotten kommen im Kalk-
steine vor, die als Lücken in den Korallenbauten, zum Thcil spater durch ab-
fliessendos Wasser erwcitert, aufzuf\'assen sind, soweit sic nicht zur Kategorie der
durch Mooreserosion entstandenen Höhlungen gehören. Als eine solchc Lttcke in dem
Ritt\'kalke betrachte ich auch die Grotte von Hato auf Curaeao, welche durch ihre
Grosse ausgezeichnet ist und sich in "NVestindion besondercr Bekanntheit erfreut. -\')
Die Oberfla\'che der Kalke ist zackig und zerrissen, mit vielgestaltigen Zinken
und Spitzen versehen, welche durch sehr unregelmassige Hohlriiumo geschieden
werden, beim Betreten einen klingenden Ton gelten und das Bcgchen der For-
mation ungemein erschweren. Diese an Karrenfeldererinnernden Bildungen, deren
Höhlungen bis zu Meter Tiefe erreichen, haben der Einwirkung des Meereswassers
ihre Entstehung zu danken, sind aber spater durch die Wirkungder Atmosphaeri-
lien in den gehobenen Kalken erwcitert worden. Man kann ilire Bildung auch
lieute noch am Nordstrande der rnsel wahrnehmen, besonders schön bei Fontein
auf Aruba, wo an der Basis einer durch das Hochwasser gcformten Hohlkehle zur
Ebbezeit zahlreiche, schüsselförmigo Vertiefungeu sichtbar werden, die der Gischt
jedcr auflaufenden Welle von Xcuem bonetzt und welche stets mit Mecreswasser
gefiillt bleiben. Durch* Zusammentliessen der beckenförmigen Yerticfungen bilden
1)  Mit Inbogritl\' der wesentlieh aus Conchylion und anderen Organismen aufgebauten Kaike, dio
sicli bekaiintlieh in jedem Ui He befinden und geognostiseh gleichwerthig sind. — Die uiteren quar-
tiiren Korallenkalke sind auf den Karten als „Quart&i formation" bezeiebnet; im Uegensatze zu
den „Jüngsten KiH\'kalken etc." Statt „Quart ür formati on" hiltte hier „Aeltere Quai--
tarformation" stehen sollen.
2)  Vgl. Band I, pag. 116.
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sich unregelmiissig zaekige Höhlungen, deren Form durch die mehr oder minder
grosse Widerstandsfahigkeit oinzelner Kalkpartieen, bcsonders auch durch die Ver-
theilung der Fossilien, wesentlich heeinmisst wird. \')
Bisweilen sieht man in den Korallenkalken rostbraune Partiecn, welche scharf
gogen das iibrige Gestein abgegrenzt sind und in ihrer Form die erwiilinten, un-
regelmiissigen Hühlungen nachahtnen. Sie sind durch einen geringen Gehalt an
Posphorsaure ausgezeichnet und scheinen mir als spütere Ausfüllungen aufgefasst
werden zu mussen, da ein soldier Process sich im Hinblick auf die Bildung der un-
ten zu bchandelnden, durch Metamorphose aus den Kalken entstandenon Phosphate 2)
leicht erklart, wahrend die scharfe, zaekige Begrenzung sonst nicht verstandlich ist.
Gesonderte Schichten werden oft selbst in machtigen Ablagerungen der Kalke
viïllig vermisst; Letztere stellen dann ein durch ununterbrochenes Wachsthutn der
Korallenthiere entstandenes Gebilde dar; an anderen Orten dagegen sieht man
Biinke von 1 m und mehr Miichtigkeit, welche vielfach senkrecht zur Sehichtungs-
tliichc zerklüftet sind.
Palaeontologischer Charakter. Die Kalke sind ungemein reich an Petre-
fakten, die sich indessen trotz dieses Reichthums nicht leicht in genügender Zahl
sammeln lassen, denn selton sind sie in gut erhaltenem Zustande aus dem Gesteine
herauszuschlagen; beim Sammeln ausgewitterter Exemplare bedarf\' es aber ganz
besonderer Vorsicht, wenn man sicher gehen will, keine jüngeren, organischen
Reste zu erhalten, als die Kalke selbst sind.3) Deswegen sind in der weiter unten
folgenden Uebersichtstabelle über die Fossilien der alteren quartaren und aller-
jüngsten Bildungcn auch nur verhiiltnissmassig wenige Species aus den erstge-
nannten angeführt. Diese Arten sind aber, soweit eine Bestimmung überhaupt
möglich war, sammtlich noch lebend und bewohnen das Meer, welches die Kusten
der Eilande bespuit; die hiiufigsten unter ihnen gehören zudem auch in der Jetzt-
zeit zu den gemeinsten Ropraesentanten der westindischen Meeresfauna, so dass
die palaeontologische Verknüpfung der uiteren quartaren Kalke und der jüngsten
Riffbildungen eine ungemein enge ist4).
1)  Karrenfcldartige Hildungcn, welche nach J. Walther unter dem Kinflusse des Seewassers an
den Kalkl\'elsen von Sorrent und Capri entstehen (J. Walther: Die gestcinsbildenden Kalkalgen des
(Jolffs von Keapel etc. — Zeitschr. d. deutsch. geolog. Oesellsch. XXXVII. 2. 1885, pag. 346.), werden
von P. Schirlitz als das Resultat der Einwirkung der Chloride des Heerwassers auf die üosteine
angesehen (J. Waltlier und P. Schirlitz : Studiën zur Geologie des Uolfes von Neapel.— 1 c. XXXVIII,
2, 1886, pag. 338 ff.).
2)  Vgl. unten Xiiheres über diesen Gegenstand.
3)   Vgl. hierüber unten in dem die jüngsten Riffkalke behandelnden Theile.
4)  Ueber dies Alles ausführlicher unten, 1. c.
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lm Gcgcnsatze hiozu schicn oino (\'areharodon-Art zu stohen, die kaam von
C. megalodon Ag. zu untersoheidon ist1) und mieh veranlasste dio in Rede stehen-
den Ablagerungen früher für Tertiar zu halten2). Ich habe nun zwar trotz wieder-
holter Prüfungen zu keinor sicheren Benennung die.ser Roste gelangen können, abor
die betreffenden Petrefakte verursachen doch kaum noch Schwierigkeiten fürdie Beur-
theilung der Kalkbanke. Die mikroskopische Untersuchung von Korallenkalken von
Bonaire lehrte midi namlich unter anderen die Anwesenheit von zahlreichen, zer-
brochenen, offenbar auf sekundarer Lagerstatte befindlichen Gohausen von Forami-
niferen kennen, die der Gattung Orbitoides anzugehören scheinen. Orbitoides ist in
den cretaeeïschen Schichten West-Indiens bekannt, und die jungen Kalke, in denen
ich die Bruchstücke in grosser Zahl zu erkennen meine*), bilden ander Nordküste
von Bonaire das Hangende von Morgein, die aus dorZerstörung von Kreideschichten
hervorgegangen sind4). Es kann deswegen in keiner Hinaicht befremden, dass diequar-
tiiron Kalke dort, wo sic diese Mergel überlagern, an ihrer Basis Fragmënte von
Orbitoiden einschliessen, und die Vermuthung liegt nahe, dass auch die Carcharo-
don-Art
aus cretaeeïschen Schichten ahkünt\'tig soi und sich in den Korallenkalken
auf sekundarer Lagerstatte befinde. Dicso Annahmc wird noch dadurch gostützt,
dass der Ort, an dein die Wirbolthicrresto auf Bonaire gofunden sind, nur wcnig
nordwestlich von dem Orbitoiden-föhrenden Kalksteine und fast in gleichem Niveau
mit Letzterom gelegen ist, sowie ferner durch das Vorkommen eines Ammoniten
in den Kalken vom S. Colorado auf Aruba, für welches die gloiohe Erkliirung
gefordort wird. Jedenfalls ist nach Obigem der Fund des Carcharodon nicht im
Stande das quartare Alter der Korallenkalke in Frage zu stellen, da dassolbe
durch dio bekanntcn Mol lusken völlig sicher bostimmt werden konnte.
Wachsthum. Dio Versteinerungen sind in don Kalken sehr verschieden ver-
thoilt, und dies nicht nur bezüglich der einzelnen Thiergruppen, sondern auch
dor Species. Xirgends fand ich z. B. Trochus pica in solchen Mengen wie an dor
Kuste von Savonet, nirgends so vielc Exeniplare von Strombus gigas wie bei
Westpunt; im Allgemeinen schien es mir auch, als ob an dor Wetterseite die
Korallen mehr durch Astraeaceen vertreten seien als an dor im Wind- und Stroni-
schatten gelegenen Kuste, woselbst neben anderen Korallen bcsonders auch Con-
chylien zahlreichor gofunden werden. Indessen sind ineine Beobaclitungon solchcr
Verhiiltnisse, die nur bei liingerem Arerwoilen mit Frucht studirt werden können,
1)   Unten: „Wirbelthierrcste aus marinen Phosphaten."
2)   Vorliiufiger Hericht, pag. 73.
3)  Der Erhaltungszustand ist ungünstig, denn die Keste sind tlieilweise metamorphosirt.
4)  Vgl. oben, pag. 72.
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zu lückenhaft, als dass ich darauf allgemeino Schlussfolgerungen bauen möchte.
Nur Eine Thatsaehe ist mit grosser Klarheit zu erkennen, dass niimlich die
Kalke nirgends von lebenden Korallen aufgebaut worden sind, wo Schlamm, Sand
und Trümmer das Wasser verunreinigten. Hier wurdc zunitehst durch andere
Thiere der Boden für ilire Banton vorbercitet, durch Mollusken, und vor allem
durch Kalkalgen, mit denen sieh Bruchstüeke von Korallen mengten, die durch
ihre abgerollte Forni in den Conglomeraten deutlich als solche sieh kennzeichncn.
Die oben beschricbenen Profile von Curacao\') lassen das Wesentlichstc dieser
Verliiiltnisse bereits bei makroskopischer Betraehtung erkennen. Das Mikroskop
enthüllte ausserdom in Praeparaten, welche von den quartiiren Conglomeraten
angcfertigt wurden, nebcn Diabasbrocken mit allen Eigentlüimlichkeiten des anste-
henden Eruptivgesteins, besonders einen ungehcuren Keichthum an Kalkalgen
und zwar an Lithothamnium. Die Pflanze ist fast nur in Bruchstücken von winzi-
gen Dimensionen verbanden, herrscht aber vor allen anderen, organischen Resten
vor, auch vor den Foraminiferen, die niichst don Kalkalgen und vereinzelten
Korallenbruchstücken den wiehtigsten Antheil an der Bildung der Diabasconglo-
merate nehmen. Das Ganzc ist durch einen sehr feinkörnigen Kalk cementirt.
Diese Beschatfenheit zeigen die Conglomerate von Plantersrust, ferner aus
dein Profil westlich vom Hafen, bei der Stadt, sowie vom spanischen Hafen und
von Savonet. Wesentlich das gleiche mikroskopische Bild zeigen auch Diabascon-
glomerate von der Boca van Welvaart, nur mit dem l\'ntersehiede , dass statt der
Foraminiferen reichliche Korallcnbruchstücke sieh einstellcn. Die Kalke unweit
Fontein auf\' Bonaire, welche als Ilangendes der bunten Morgei auftroten , sind fast ganz
aus Bruchstücken von Foraminiferen aufgebaut, die sieh hier zur Bildung einer
feinen Breccie vereinigt haben und wiederum von einzelnen Broeken der genannten
Kalkalge begleitet werden.
Die betreffenden Profile lehren uns gleichzeitig, dass die Schichten, die in
ilinen aufgeschlosscn sind, nur wiihrend einer positiven Strandverschicbung ge-
bildet sein köunen, denn bei umgekehrtor Bewegung des Mceresspiegels würden
die Trümniergesleine im Untergrunde der Korallen und ihr allmahligcs Yerlaufen
nach dem irangenden hin gar nicht zu crkliiren sein. Dabei ist freilich nicht aus-
geschlossen, dass die Koiallcnkalke auch wiihrend der negativen Strandverschie-
buug noch wciter fortwucherten; es ist dies im Hinblick darauf, dass noch heute
die Riff bildung in ununterbroehenem Fortgange bcgritfen ist und dass eine scharfe
Trennung von altquartiiren und recenteu Bildungen unmöglich erscheint, -\') keinem
Zweifel unterworfen.
1) Pag. 10 u. 17.            2) Vgl. hierüber unten.
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Die complicirten Wachsthumsvorhaltnisse lassen sich bei dem Mangel petro-
graphiecher and palaeontologischer Unterschiede zwischen den wahrend positiver
nnd negativcr Strandverschiebung gobildeten Korallenkalken iin Einzelnen
nicht weiter verfolgen. Nur soviel darf als feststehend angenoininen werden, dass
die Korallen bei positiver Bewegung des Meeresspiegels zu bauen begannen, indem
sie sich auf Uferbildungen in geringer Tiet\'e ansiedelten und init dem Fort-
schreiten der Strandverschiebung allmühlig alle dein Meere benachbarten Höhen
überwucherten, so dass die Zahl der vom Grundgebirge abkünt\'tigcn Gerülle,
welche in die Bautcn gelangten, bcstiindig abnahm; dass aber ferner bei nega-
tiver Strandverschiebung, welche bis in die Jetztzeit fortdauert, nach aussen
zu neue Kurallenbauten ringförmig über und um den alten Kitten sich bildeten, in
ahnlicher Weise wie dies von Guppy \') auf den Salomon-lnseln beobachtet wurde.
Bei uppiger Entwicklung und Emporwachsen der Polypen bis zuni Meeres-
spiogel musste sich nun wahrend der positiven Strandverschiebung ein den uiteren
Formationen aufgelagcrter Kalkkeil bilden, dessen grüsste Machtigkeit an der
Aussenseite gelegen ist, und in der That liisst sich das Auskeilen der quartaren
Kalke nach der Landseite hin an mehreren Punkten beobachten, so unter anderen
vortrettlich in der Rooi Cachunti auf Aruba. 2)
Wo die Wachsthumsverhaltnisse indessen ungünstigc waren, da formten die
Korallen minder miielitigc Ablagerungen, die sich dem Untergrunde anschmiegten
und dessen Belief auch nach stattgehabter Verhüllung noch deutlich durchtreten
Hessen; die Ausebuung, eine Folge des Emporwucherns bis zum Meeresspiegel,
oder auch des rasdieren Wachsens an der Aussenseite, trat nicht ein. Es bildeten
sich mantelförmige Pmlagerungon von Korallenkalken, die besonders schön am
Innenrande des Schottegat zu sehen sind, sowie ursprünglich geneigte Schichten,
die ilire Neigung lediglich den innen als Untcrlage dienenden Gehangen der
alteren Formationen zu danken haben.
Solche geneigte, aber keincswegs aufgerichtete Schichten, in denen die
Korallenstöcke alle noch die ihrem Wachsthumo entsprechende, vertikale Stellung
oinnchmen, sind vor allem in der Umgebuug von Willemstadt entwickelt und
machen hier bei oberrlachlicher Betrachtung den Eindruck, als ob das Küstenge-
birge gewaltige Störungen in der quartaren Periode erfahren hiitte. Die Forma-
tion erscheint nicht nur aufgerichtet, sondcrn auch vcrworfen, da von aussen nach
1)  Guppy. Observ. on the recent Calcuroous formations of the Salomon Group (Nature 1885.
Bd. XXXIII, pag. 202, Abstract of a paper read before the Roy. Soc. Edinburgh on June 15"\'
1885, buing. comm. by J. Murrfty.)
2)  Vgl. oben, pag. 55.
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■M
innen zu mehrere derartig geneigte Schichten im Kalkgürtel des Eilandseinander
f\'olgcn, und sogar Gabb hat sieh durch diese Verhiiltnissc tiuisehen lassen, indem
er die Nord- und Siidküste begleitendcn Korallcnkalke als Fliigel einer Antikli-
nale, deren Aehsc der Liingsriehtuug der Insel parallel verlaufe, aufgei\'asst hat.
Aucli Stifft glauhte, dass das betreffende Kiistengebirge eine Aufrichtung
erfahren babe, indem es nach Südosten einstürzte, \') und sah in den gewaltigen
Blockbildungen, wie sie die Forinatiou unter auderoni besonders auffallig in dor
Caracas Bai zcigt, die Fulge stattgehabter Erdbebon. M ir ist indesscn kcin cinziger
I\'iinkt bekannt, welcher einc wesentliehe Stüruug der ursprünglichen Lagerungsfbrm
erkennen liesse, abgesehen die unbedeutenden Verwerfungen, welche in Folge der
Erosionswirkungen des Moeros liie und da im Kalkgebirge zu beobachten sind,
sowie u. a. am Xordstrande vou Curacao, in der >\'iihe von Ostpunt. Die tiai-hcn
Wölbungen, welche die Kalkbanke an der Caracas Bai zeigen, haben ebensowenig
niit einer Sattelbildung zu schaffen wie die mantelförmigen Ueberlagerungen von
Korallenkalk am Jnnern des Schottegat; sie sind gleich ungestört wie die in
scliwebcuder Lage sieh betindenden Banke von anderen Orten der Insein.
Dass solche Verhiiltnissc, die selbst erfahrene Geologen tiiusehen konnten,
lehrreich und wichtig f\'iir die Würdigung des Schichteubaus iiltcrer Sedimente
sein kunnen, braucht kaum hervorgehoben zu werden.
MSchtigkeit. Die geschilderten Wachsthumsverhaltnisse und die daraus sich
ergebende Lagerung der Kiffkalke haben auch zu Irrthüinern bei der Beurtheiluiig
der Miichtigkeit der (jiiartiirformation geführt, deun Dieselbc erscheint nach der
Kiiste zu fast überall vüllig geschlossen, ohnc dass die uiteren Formationen zu
\'Page treten, und wer die Korallcnkalke f\'iir aufgerichtet ansah, der nmsste in Ucbcr-
einstimmung init dein ersten Eindruckc, den die Schichten machen, auch annehmen,
dass ihre Mi\'ichtigkeit eine sehr bedeutende sci. Deswegen giebt auch (iabb an, dio
Riffkalke Beien die einzige Formation auf\' Curacao.
Ich schiitze die Mi\'ichtigkeit der Korallcnkalke im Durchschnitte auf nicht
niehr als 20 in; Belten dfirfte sie 30 m erreichen, wahrend sie oftmals auf\' 15 in,
10 in und noch minder herabsiukt; sie bilden denigemiiss im Verhiiltnissc zu den
bis 200 in ansteigenden Kiistengebirgen nur eine düune, den uiteren Formationen
aiif\'gelagerte Schicht und ihre geringe MSchtigkeit ist auch die Ursache der so sehr
verschiedenen Hölicn des Küstengcbirges. Hutten die Korallen sieh üppiger ent-
wickelt, so würde der Einfluss, den das Belief des l\'ntergruiides auf die Höhe
des Biffes ausübte, bald geschwunden sein; jetzt aber wird die Höhe des Küsten-
1) Dumontier 1. c. pug. 304.
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gebirges nach wie vor duivh diejenige des Grundgebirgcs langs des Meeresstrandos
bedingt.
Durcb spütei\' erfolgte Erosion, namentlich dureb die Herausbildung der Ufer-
terrassen, ist die Kalkdeeke an manchen Ortcn nocli bedeutend unter das angegebeno
Maass ihrer Miielitigkeit herabgesunken und das Grundgebirge bisweilen wieder bloss
gelegt worden, wahrend es in anderen Feilen nurnoch von einer selir dunnen Ivalk-
schicht bedeckt ist, so z. B. am Nordstrande von Bonaire, unweit Fontein. Vielfach liisst
sieb indessen nicht inebr beurtlieilen, ob die Miielitigkeit stets eine geringe war,
oder ob Letzteres als Folge spaterer, zerstörender Einflüsse anfzufassen ist, so
z.B. an der Nordwest- und Südosteeke von Aruba, wo überall die Eruptivgesteino
unter der Kalkdeeke in geringer Tiefe anstchen und sieb die Existenz einer Bran-
dungsterrasse nicht naehweisen liisst.
Ueber die Miielitigkeit der quartaren Kalke von Bonaire verdanke ich interes-
sante Angaben Herrn Ingenieur Simons, weielier ilire Ausdehnung genau studirte,
da er sieb mehrere Monate itn Interesse der Phosphatgewinnung auf der Insel
aufhielt. | Hun schulde ich aueli die Angabc der Forniationsgrenzen der Riffkalko
ini nordwestliclien Bonaire.] Der S. Grandi ist nach Simons an seinem iiusse-
ren, dein Meere zugekelirtcn Steilabsturze von 15 m Höhe ausschliesslich aus Ko-
rallenkalk gebildet, landeinwarts ist aber die Ritt\'bilduug uur noch C in machtig;
in den 24 m liohen, zu Seiteu der Playa Franz gelegenen Hügeln betragt sie nur
4,5 in und im 45 ni bohen Wazal sinkt sie an manchen Stellen auf 1,5 in lierab.
Diese Kalksehiehten werden in Uebereinstininuing mit den von Curacao geschilder-
ten Yerhiiltnissen durcb Conglomerate vuin Grundgebirge geschieden, welche an
der Inneuseite des S. Grandi mebr als 1 m, ini Wazal fast 2 in Miielitigkeit be-
sitzen.
Vebbbeituno. Die alteren quartaren Kalke bildeten zur Zeit Ihres Waclisthunis
dort, wo jetzt Ost-Cuua^ao gelegen ist, ein ovales Atoll. Dasselbe war an der Strom
und Wind ausgesetzten Nordküste am vollkoininensten geschlossen, deun hier ist
der Kalkgürtel nicht nur am breitcsten, sondern es betinden sich in ihm aueh nur
wenige, unbedeutende Einschartuiigen, von denen nur Eine noch bis zuni heutigen
Meeresspiegel hinabreieht. An der Eeeseitc dagegeuwar, entsprechend den kurzen,
das Kiisteugebirge rechtwinklig schneidenden Thiilern, eine grosse Zahl tief\'er
Kinnen vorhanden, durcb welche das zur Fluthzeit ius Innere des Atolls gelangte
Wasser wieder abströmeu konute.
Mit Ausiiahine der Ronde Klip, welche sich hoch üb(>r die niichste Umgebiing
erhebt, berinden sieb augenblicklich iunerhalb des eiiistinaligen Atolls keiuerlei
Kalkablagcrungen mebr; aber sowie sich jetzt im Schottegat noch unbedeutende
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Flachbaut.cn bilden, so diirften dicselben auch im quartiiron Atoll von Ost-Curacao
nicht ganzlich gefehlt haben. Sie sowohl wie etwaige Ablagerungen von Korallen-
sand mussten indessen bei Trockenlegung der Insel leicht wieder zerstört werden.
\\Veht-Ci\'RA£ao verhiclt sich in seinem südüstliehcn Theilc genau so wie Ost-
Curacao, in seinem nordwestlichen Theilc dagegen ragten die Gipfe! der (\'hristottel-
gruppc hoch über die Kitte hervor, so dass diose die Form von Damm- und Saum-
riffen annahmen. Ein betrachtlicher Thcil dcrselben ist durch die Erosion wieder
zerstört worden, wie namcntlich am Ufer von Savonet zu beobachten ist. Einschar-
tungen tretcn daselbst, in Verband mit der veriinderton Form der Kitte, schr zurück.
lm Innern bcfindet sich aber noch aufdom Oipfel des St. Hieronimo eine Schicht quar-
tiiien Kalkes, und ein anderer Fetzen dieser Formation soll in ctwa gleiehcr Höhe
auf den östlichcn Gehangen des (Jhristoffels gelegen sein. Die lichtgefiirbte Schicht,
welche von Savonet aus deutlich zu erkennen ist, war mir unzugiinglich, doch
habe ich keinen Grund an der Mittheilung zu zweifeln1), wonach sie in petro-
graphischer Hinsicht mit dein Kalke des Hieronimo übereinstimmt.
Interessant ist die Thatsache, dass die letzterwühnte Ablagerung weder eine
Koralle noch irgend cincn anderen Thierrest makroskopisch wahrnebmen liisst;
ottenbiir deswegen, weil die Nahrungszufuhr für die Polypen an diesem Ortc eine
ungenügende war und mit ihnen auch die sie begloitende Thierwclt dem Inncrn
der Insel f\'cni blicb. Der petrographische Charakter gestattet indessen ohnehin
die Bestimmung der Kalke als Bildungen, welche den altquurtiïrcn aequivalent
sind. In Dünnschliffen sieht man zahlreiche Bruchstücke von Foraminifercn und
Kalkalgen (Lithothamnium), alle von winzigen Dimensionen, eckig und durch fein-
körniges Kalkccment verblinden. Selten bemerkt man eine unversehrte Foramini-
fere, und ich halte deswegen die ganzo Ablagerung für einen durch den Wind
im Innern des quartaren Atolls zusammengebi\'achten und nachtriiglich verkit-
teten Korallcnsand.
Der schmalste Thcil der Insel verband die Korallenbauten von West-und Ost-
Curacao; er wird noch heutc im Groote und Kleine Berg von den jungen Kalken
vollstandig überbrttckt.
Auf Aruba war die Verbreitung der altquartaren Korallenkalke zur Zcit ihros
Wachsthums ohne Zweifel eine weit bcdeutenderc als wie sie unsjetzt entgegentritt.
Wie an der Kuste des nordwestlichen Curagao nach dem Emportauchen Vielcs
1) Die Neger, welche midi auf meinen ï\'.xcurKionen begleiteten, zeigten für Gesteinsunterschiede,
auf die ihre Aulmerkeamkeit durch den Abbau der Phosphate gelenkt worden war, ein ganz
überraschond gutes Auge. Ich hatte oft üelegenlieit mich davon zu überzcugen. Ihnen danke ich
auch obige .Mittheilung.
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zerstört wurde, so auch an der Nordküste von Aruba, in beiden Fallen als Folge
der nahe ans Meer hinautretenden Gehiinge des Grundgebirges, wie die Betrach-
tung der Uferterrassen leliren wird.
Einzclno Sparen der Kalkbedockung «ind auch in weitem Abstande von dom
Nordstrando noch crlialtcn geblieben, denn icli fand einen Broeken Kalk mit dem
Reste von Strombusgigasam Fusse des Fan Blanco, und in der Rooi Cachunti wird, wie
bereits mitgetheilt, der Grünsehicfer von eincr durch jungen Kalk verkitteten Broccie
überlngert. Das Cement dieses Trümmergesteins entbchrt jedes organischen Restes
und ist ungemein fcinkörnig, auch bei mikroskopischer Betrachtung fast dicht. Sein
Ursprung dürf\'te derselbe sein wie derjenige des Kalkes vom Hieronimo auf Curacao,
und die gleiclie Entstehung aus Korallensand halte ich auch betreffs des Kalkes
für walirscheinlich, welcher den Gipfcl des S. Flat auf Aruba bildet. Derselbe un-
terscheidot sich vom Kalke des Hieronimo mikroskopisch durch Beimongung eines
feinen Sandes, welcher zahlreich Quarzbrocken mit Flüssigkeits-Einschlüssen, oinzeln
Hornblende und Magneteisen onthult und offonbar vom Grundgebirge der Insel
abkiinftig ist. Die allgemein verbreiteten Broeken der genannten Kalkalgen finden
sich aber auch hier wieder, nur etwas sparlicher, und Foraminiferen vermochte
ich überhaupt nicht mit Sicherheit zu erkennen. Dagegen kommen einzelne Con-
chylien vor.
Liings der Nordküste bildeten die Banton ein langgestrecktes Sauniritf, liings
der früheren, jetzt landeinwarts gerückten Südküste ein vielfach unterbrochenes
Barrièreriff, dom unter andem auch der Hooiberg sich anreihte und welches im
Nordwesten und Südosten sich mit dem Kiffe der Nordküste verband. Das Riff
der Südküste umschloss eino weito Lagune, deren Boden von dem Plateau im
Innern der Insel gebildet wurde und welche sich bis zu der alten, in der Karte
bezeichneten Meeresbucht ausdehnto.
Ein Hacher, von Quarzdiorit gebildeter Boden ragte in dor altoren quartaren
Zeit vermuthlich zungenförmig südöstlich vom Jamanota ins Meer hinein und
bot den Korallen rielcgcnhcit zur Entwicklung brciter Bauten, von denen das
Kalkplateau dieses Inselthciles bis heute erhalten blieb.
Auch West-Bonaire war von Damm- und Saumriffcn umgürtet, iihnlich
West-Curacao; doch herrschte, nach der grossen Zahl von Binnonmeeren zu
schlicssen, welche heute die Kuste besetzen, die Dammriffbildung auf Bonaire vor.
Ansehnliche Mengen von altquartiiren Kalken sind auch hier zerstört worden, so dass
diese Formation augenblicklich an der Südküste weit geschlossener auftritt als an
der Nordküste; der Serro Grandi und S. Largo sowie die Kalke von Fontein sind
nur noch Ruinen der einst so machtig entwickelten Riffe. Der Zerstörung der Ko-
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SN
rallenkalke in der Elicno von Rincon und auf der alten Brandungsterrasso, östlieh
vom Langeberg, sowio dessen Verbindung mit don Kuiken am NTordstrande wurdc
bereits oben gedacht1). Zur Erlauterung der Kartc ist nur noch hinzuzufiigen, dass
die altere -) Quartarformation im Norden der Brandungsterrasse ein niedrigores
Niveau einnimt als die durch die alte Meeresbucht begrenzte Partie, welene Letz-
terc im "Westen abschliosst.
I°hosphorite.
Der Inselkranz, welcher das Caribische Meer im Norden und Üsten einschliesst
und sich im Siiden dem Festlandc vorlagert, ist durch eincn grossen Reichtlium
au I\'hosnhorit-Ablagcrungen ausgezeichnet. Am bekanntesten ist unter ihnen der
Sombrero-Phosphat, dessen lieschreibung wir Sandberger:i) verdanken; doch kommt
das (.Jestein auch auf\' Mona vor und auf St. Martin 4), und zahlreich sind besonders
die Phosphatlager auf den kleinen Insein, welchc langs der Kuste von Venezuela
gelegen sind.
Hier ist zunaehst das unbedeutende Eiland Toas zu erwahnen , welches dem
See von Maracavbo vorgelagert ist; dann folgt im Meere als westliehster Punkt
der Insein unter dem Winde die kleine Insel Los Monges, auf der die Phosphat-
ablagerungen zuerst, bereits vor reichlich 30 Jahren, entdeckt wurden ; dann Aruba,
Curagao mit Klein-Curacao und Bonaire; weiter östlich die Vogel-Inseln, Los
Roques und endlich Orchilla. °) Alle diese Insein enthaltcn melir oder minder
ausgedehnte Ablagerungen von Phosphat. 6)
Unter don Phosphoriten dor Niederhïndischen Insein kommen vor allen Dingen
zwei Lager in Betracht, welche durch einen ungoheuren Reichtlium des Minerals
ausgezeichnet sind. Das wichtigste liegt im Tafolberge au der Fuik-Bai auf Cu-
1)   Pag. 72 umi pag. 74.
2)  Stelle Anmerkung 1 auf pag. 79, oben.
.\'{) F. Sandberger. Das Sombrero-Phosphat, ein metaniorphosirtes Geste-in der neuesten Zeit. (WOn-
burger Naturw. Zeitschr. IV Hd. 1863, pag. 152; abgedruckt im Neven Jahrbuche f. Min. 1864, pag.
631) — Vgl. ferner Cleve 1. c. pag. 21.
4i I>r. J. Dornseiffen. Het eiland St. Martin, met eeno kaart. (Tijdschrift v. h. Aardrjjkskdg.
Genootschap te Amsterdam. Peel VII, N°. 3, pag. 120—142, Ï883).— Vgl.anchmeineAnmerkung
unten.
5)  West-India Pilot. Vol. I, pag. 159.
6)   ITcber alle diese Vorkommnisse sind mir zahlreicho, mündlicho Mittheilungtn gemaclit und
von last allen habe ich 1\'roben gesehen oder aueh erhalten.
Vgl Ober die Phosphate aueh Ernst in ,La exposicion nacional de Venezuela en 1883. Tomo I,
Caracas 1880\'\', speciell pag. 123 ft\'. (Die Arbeit ist mir erst wiihrend dos Druckes cugegangen.)
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racao und gehort zu St. Barbara; es wurdo 1874 entdeckt. Das zweitc liegt an
der iiussersten Ostocke vou Aruba und bildet einen Theil des Serro Colorado und
des S. Culcbra; es wurde fast gleichzeitig mit dom erstgenannten Lager aufgefunden.
Dasjenige von Klein-Curacao, weiehes bereits 1871 bekannt war, ist giinzlich
abgebaut und bestand nach Meyn aus cinem fast ganz stiekstoffreien, pulverigen
Guano. Derselbo sagt: „Dieser graue, staubige Guano, unterteuft von Kalkstoin
und nur im Jnnern einzelno, verhiirtete Knollen cnrhaltend. bedeckte in etwa 5
bis 8 Fuss Miichtigkeit einen Theil der kleinen, niedrigen Insol Klein-Curacao.....
Das Lager hat ungefahr 100000 Tons im Ganzen gcliefert."\') Der Guano dieses
kleinen Eilands orgab durchschnittlich etwa 69°/o dreibasisches Phosphat.
Aussor diesen Phosphaten finden sich kleinere Mengen in sogenannfcen Pockets
über die Tnscln Curacao und Bonaire in grosser Zahl zerstreut. Es wird sich
nachher ergeben, dass denselben eine wesentlich andere Bildungsweise zukommt
als den ausgedehnten Ablagerungen des Tafelberges, sowie des Serro Colorado
und des S. Culebra von Aruba. -\')
Die Phosphorite vun Aruba stellen ein lichtgraues oder gelbliches bis
rost- und leberbraunes Gestein dar, welches allerorts zahlreicho Ueberreste von
Organismen einschliesst, sowohl in der Form von Stcinkornen als in derjenigen
von Umwandlungspseudomorphosen. Vor allem sind es Korallen, welche darin
angetroffen werden, aber am 8. Colorado kommen auch Mollusken in ungemein
grosser Zahl als Steinkerne vor; hin und wieder sind ferner Reste von Manatus
gefunden. 3)
Die Steinkerne von Mollusken Hessen eine sichere Bestimmung dor Species
nur in den seltensten Fiillon zu; aber diejenigen Namen, welclie hicrunten als
„vormuthlich" richtig angegeben worden sind, dürfen doch fast ohne Bedenken
angenommen werden. Nach M. M. Schepman sind folgende Genera und Arten
untcr den Mollusken des Serro Colorado vertreten:
Spondylus (e).
Pecten (e).
Lithodomus (m.)
Arca (e).
Lucina, vermuthlich L. jamaicensis
Lam. (li).
Cardium, darunter C. muricatum L. ? (e).
Venus (m).
Cythcrea (Caryatis)? (e).
Tellina, vermutlilic]iT.faustaDonov.(hh.)
Tellina, vermuthlich ï. interrupta
Wood. (e).
1) Das Pliosphorit J.agor von Curacao. (Zeitschr. d. doutsch. geolog. Gasellsch. XXXI. 1879) pag. 698.
2)  Auf die I\'hospliorito wird in West-Indien allgomein die Benennung „Guano" angewandt.
Auch Dana bedient sich der Bezeichnung von „hartem Guano."
3)  Ueber die Vertebraten vgl. unten.
12
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!»()
Pholadomya, vcrmuthlich P. candida Cypraea (hli).
Sow. (c).
                                                      Turbinella (c).
Trochus (Livona) pica L. (hh).                     Pyrula melongena L. (e).
Hipponyx (e).                                                  Oliva (o).
Strombus, darunter St. gigas L. (h).           Conus (hh).
Die grosse Anzahl von Petrefiakten, wclchc obigcr Liste zu Grunde liegt,
gestattet auch ein Urtheil über die relative Hiiufigkeit. Dieselbo ist durch die
beigefügten Buchstabcu ausgedrückt, und zwar bedeutet hh : sehr hiiufig, h : hiiufig, m:
mehrfach vorkommend, e: nur in einzelnen Exemplaren vertreten. Man erkennt
die grosse Einförmigkeit der hauptsachlicb durch Tellinn, Trochus, Cypraea und
Conus charakterisirten Fauna. Die bestimmbaren Arten leben noch siimmtlich in
den benachbarten Meeren, entsprechend dem Charakter der quartiiren Kalkbiinke,
dencn auch die Phosphoritc angeliören.
Die Steinkernc verleihen dem Phosphorito eine feinporöse bis cavernöse
Struktur; aber daneben i\'ehlt es nicht an dichten Yarietiiten, welche als Concre-
tionsmassen die Hohlraume im Korallenriffe angefüllt haben, ganz in dersclben
Wcise wie Kalksinter die Zwisehcnriïume zwischen den Stöcken jiingst gehobener Ko-
rallenbauten allmiihlig ausklciden. Auf den muschligen BruehHaehen dicscs dichten,
porcellanartigen Phosporits, welcher Fcttglanz besitzt, nimmt man zierliche,
gestreiTte und -wellent\'órmige Farbenzeichnungen wahr. Auch kommen breccicnar-
tige Phosphate vor, welche zahlreichc kleinere Organismen, vor allom auch Ko-
rallenbruchstücke, entlialten, die völlig in Phospliorit umgewandelt und durch
dasselbe Mineral verkittet worden sind.
Xach einer von Pi. Fresenius ausgetïihrten Analyse enthielten 100 Gewichts-
theile des Aruba-Phosphats im luftirockenen Zustande:
Wasser, bei 100° C weggehend . . . 3.54
Hei 100° C getrocknete Substanz . . . 90.46
100.00
In bei 100° C getrocknetem Zustande enthielt der Phospliorit:
Phosphorsiiure..........35.77
Schwefelsaurc..........          1.74
Kohlensaure...........          1.89
Fluor............          2.86
Kalk............47.62
89.88
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91
89.88
Magnesia...... ....          0.30
Thonordo...........           1.64
Eisenoxyd...........          2.00
In Siiuren unlöslicher Silicatrückstand ....           1.33
Chemisch gebundenes Wasser......          5.27
Alkaliën, organische Bestandtheile und Verlust . .          0.78
101.20
ab Sauerstoff für Fluor. . .
           1.20
100.00
Mit diescr Angabe stiinint eine von G. Hughes publicirte Analyse \') im We-
8entlichen übcrein, und eine grosse Zahl von Proben des Phosphats, welche nach
Europa ausgeführten Ladungen entnominen sind, zeigte sich ziemlicb gleichfbrmig
in der Composition, wie aus den nachfolgenden Analysen von G. H. Ogston zu
ersehen ist. Dieselben sind aus einer Keihc von Untersuchungen 2) so ausgcviihlt,
dass unter ihnen möglichst abweichende Varietiiten sich befinden:
I.             II.            III.            IV.
Phosphorsiiure.........      37.28        36.52        36.13        35.18
Kohlunsiiure..........        2.00          2.20          2.40          2.50
Kalk............      49.20        50.40        47.48        46.36
Eisenoxyd u. Thonerde......        3.72          3.05          3.35          4.80
In Siiuren unlöslicher Silicatrückstand.        2.50          1.15          2.20          3.15
l\'nbostimmt..........        3.24          3.38          4.79          5.01
Chemisch gebundenes Wasser . . .        2.06          3.30          3.65          3.00
Wasser bei 100° C.......        0.00          0.00          0.00          0.00.
100.00 100.00 100.00 100.00.
Entsprechend dreibas. phosphors. Kalke. 81.40 79.73 78.89 76.80
Kalkcarbonat......... 4.51
           5.00          5.45          5.68.
1)  On Bome West Indian Phosphates - Quart. Joum. Oeolog. Soc. London. Vol. XLI, Part. 1,N°.
161. Febr. 1885. pag. 80.
2)  üopies of Analyses of Cargoes of Aruba Phosphato, from end of 1S81 to beginning of 18*5
imported trougb. Messrs. Isaac u. Samuel. London.
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Hienaeh könntc man zu dor Annahme gclangen, dass die Aruba-Phosphato zicm-
lich constant in der Zusannnensetzung .scicn; abor diese Glciehfürmigkeit erstreckt
sieh uur auf dio ausgcf\'ührton klassen und ontspricht kcinoswegs dein geognostischon
Yorkonimen. Schon die reicheren Varietiiten des S. Culebra bcsitzen nnr noch
74—75 °/(i dreibasisch phosphorsauren Kalkes und bleiben oft hinter diesen Gehalt
zurück; andere Gesteine Bind s<> reich an Kalk , dass sic nicht mehr den Namen
von Pliosphoriten verdienen, und es liisst sich dann überhaupt keine scharfeGronzo
zwischen Pliosphoriten und Kalkstcincn mehr ziehen. Ebenso wechselnd ist der
Eisengehalt \'), der am Culebra grüsser ist als am westlichen Colorado; eine von
dort stammende Probc onthielt bei G9J59 % Calciumphosphat nicht minder als 0.74%
Eisenoxyd und Thonerdc, und am Ostabhange des Colorado nimmt der Eisengc-
halt so sehr zu, dass die zerrissene Oberniiche der dunkelbraun gefiirbten, phos-
phathaltigen Kalke den Eindruck macht, als ware sic mit vulkanisehen Schlacken
dicht bedeckt. Dieser Fiirbung hat auch der Serro Colorado (rother Berg) seinen
Namen zu danken.
Brauneisenstein wird daselbst viel angetroffen und stellenweise ist dio Ablage-
rung durch Manganerz schwarz gefiirbt. Auch Grüneiscnerz ist nicht selten, und
cin griines, erdiges Eisenphosphat ist als Anflug und in kleineren Partieen in
den Pliosphoriten weit verbreitet, so dass die Oberniiche des Colorado stellenweise
eine buntscheckige Fiirbung durch diese verschiedenen Mineralien erhiilt. Stifft
tand auch Sphaerosiderit daselbst.
Wegen des sehr wechselnden Verhiiltnisses von Calciumphosphat zu Calcium-
carbonat, welches an allen Orten der Insein, an denen Phosphorite vorkommen,
zu beobachten ist, wird es schwierig zu entscheiden, wie weit man den Namen
Phosphorit ausdohnen soll. Mir scheint es geboten, die Gosteine mit überwiegendem
Gehalte an kohlcnsaurcm Kalk bei den Kalkstcincn zu belassen, und schon früher
habe icli bei einer Mittheilung über Phosphorite von Bonaire -) für solchc Gesteine
die Bezeichnung „phosphoritische Kalke" benutzt, deren ich mich auch im Fol-
genden bedienen werde. Deun sowic Dolomito und Kalksteine durch dolomitische
Kalkstcinc verknüpft werden, so sind hier die Phosphorite und Kalksteine durch
die phosphoritischen Kalke mit einander aufs engste verbonden. Die Analogie ist
1)  Eisenfreie l\'hosphate kommen nuf Aruba überhaupt nicht vor. Diejenigon Varietiiten, welene
zu viel Kisenoxyd und Thonerde enthalten, kunnen augenblieklich nicht auf den Markt gebracht
werden, da die 1\'reise den aufzuwendenden Kosten nicht entsprechen.
2)  K. Martin. Phosphoritische Kalke von dor westindischen Insel Bonaire. (Zeitschr. d. deutsch.
geologischen Oesellschaft. Ud. XXXI, 18711, pag. 473.) — Ich habe hier die bezeichnung in noch
weiterem Sinne angewandt, als wie ich dieselbo jetzt beibehalten möchto.
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um so grösser, als die Phosphorite West-Indiens gleich den meisten Dolomiten
oiner Motamorphoso ihren Ursprung zu danken haben und diese Metamorphose in
beiden Fiillen das Verhalten sowohl der Phosphorite als der Dolomite ziun Kalk-
stoine bedingt.
Dass die phosphathaltigen Gesteine von Aruba thoilweise metamorphosirte
Ritfkalkc darstellen, bcdarf nach Obigem keiner weiteren Erörterung; die erwiihn-
ten Organismen beweiaen dies zur öenüge. Auch hat bercits Sandberger 1. e. dar-
gelegt, dass das von Phipson •) als Sombrerit bezeichnete, von der westindischen
Insel Sombrero abkünftige Ciestein, welches in allen wesentlichon Punkten mit den
metainorphosirten Korallenkalken der nicderlandisehen Insein übereiiizustiiiiiiieii
schcint5), dureh Lösungen von Guanosalzen umgewandelt ist. (\'leve ninnnt 1. e. das-
selbc an. Eine Metamorphose von Korallen in mchr oder minder reinen Phosphorit
und untcr der Einwirkung von Guano wurde auch durch Dana beobachtets). Stelz-
ner giebt dieselbe Erklarung für Phosphate von Curacao und Aruba4), Meyn 1. e.
f\'ür diejenigon der erstgenannten Insel.
Auf Sombrero bildet Guano noch heute das Hangende des Phosphorits, und Sand-
berger nimmt an, dass die Lösungen der Guanosalze, phosphorsaures Ammoniak,
Kali und Natron, sehr allmahlig in die Tief\'e gedruugen seien und so die Meta-
morphosc bewirkt haben. Der gleiche Process darf aueh bei der Pildung der Aruba-
Phosphate angonommeu werden, wenngleich hier von den Guano-Ablagerungcn
nichts mehr crhalten geblieben ist5), denu die Fortführung der Letzteren kann 11111
1)  .Tourn. of the cliem. soc. of London. XV. 1862, pag. 277.
2)  Das Gestein von Sombrero enthalt durchschnittlich 75 % phosphorsauren Kalk. Es befinden
sich darin Zwiscbenlagen, welche Palagonit führen. Diosolbcii dürften nach Sandberger von dem
angeschwemniten Matcriale vulkanisoher Ausbrflebe abkünftig sein. In Aruba fehlen diese palago-
nitfQhrenden Schichten aus leicht ersichtlicben Oründon, aber statt ihrer finden sich einzelne Roll-
stüeko des Grundgebirges , vor allem (juarssit, dem Phosphorite beigemengt.
3)  Auf Howland\'s Island: „Coral fragment* of various species «ere found that had long been
covered up under the deposit (guano), and in some of wielt the corbonic acid had been almost
entircly replaced by phosphorie acid. In such I have found seventy per cent of phosphatc ol\'lime"
(Uana, (\'orals and Coral Islands. London 1H72, pag. 293).
4)  A. Stelzner. Ueber Kalksteine und Kalkphosphate von Curacao. (Neues Jahrb. f. Mineralogie
etc. 1877. pag. 415.)
5)  Dass Guanobildungen in dieser Gegeild überhaupt stattgefunden haben, bewcist unter anderen
das Vorkoramen von Klein-Curacao. An seiner Zusammensetzung haben sich aucli die verfaulenden
Ueberreste von Seevögeln, Siiugern und Fischen betheiligt, denn ich erhielt durch den ehemaligen
Gouverneur von Nied. W. Indien, Herrn Wagner, sowohl von Klein-Curacao als auch von St. Martin
eine grosse Zahl freier Skelettheile soldier Thiere, welche noch der Bearbeitung harren.
Ks ist möglich, dass dio Fischwauderungen, von donen Ernst berichtet auch zur Bildung von
Guano Veranlassung gugeben haben, da bei solchen Waudcruugun ungeheure .Mengen von Fischen
auf den Strand der Küsto von Venezuela geworfon werden, so dass „thcir remains form a truo
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so minder bcfremdcn, als sic durch don Vorgang der Metamorphose selbst crliiu-
tcrt wird.
Danobon liat indessen auch ein direktor Absatz des Pliospborits aus Lösung \')
stattgcfunden, wie nebenstehendes Profil vom 8. Culebra beweist. Ueber den Quarz-
diorit und sein Verwitterungsprodukt, den Kaolin, folgt dort cine
Schicht von 3—5 m machtigen, oben an Manganerz reichen Phos-
phoriten; darauf eine Breccie, in der Fragmente von Kalk durch
Phosphorit cementirt sind; das Hangende der Breccie endlich
stellt cine dunne Kalkschicht dar, mit welcheroberflachlich Roll-
stücke von Phosphorit verwachsen sind. Es ist offenbar, dass die
Breccie, welche im Hangcnden des metamorphosirten Korallen-
riffes vorkommt, nicht auch einer Metamorphose ihre Entstehung
zu danken habcn kann, da dor Phosphorit in ihr nur das Binde-
<>fc^i r^\'r\\ mittel f\'ür die unreinou Kalkbrocken bildet. Er zeigt demgomitss
<N -*■ /- J J ** \\
auch keine an Organismen erinnernde Struktur. Die Lösung, aus
Fi<:. 19. Phohi. (jei. ^as \\imera] sj,.n absetztc, mag von Guano abkünftig ffewesen
l. Quarzdiorit. — sein; aber es ist auch denkbar, dass bereits metamorphosirte
Jliiorit. — 4. Durch Korallenkalke spater das Material für die Neubildung liefertcn,
tirto lKiilkiir<\'iTie!t— gleichwie die Broeken von Phosphorit auf der oberflachlichen
Kalkschicht den Beweis für die mechanische Zerstörung von
Phosphatlagen in jiingst verflossener Zeit abgeben.
Au<h für manche der oben erwahnten Concretionsmassen, welche in dem
metamorphosirten Korallenriffe als Ausfüllungen von Hohlraumen vorkommen, halte
ich wegen ihrer Armuth an Calciumcarbonat und ihrer gleichmiissigen, dichten
Struktur den direkten Absatz aus Lösung für wahrscheinlich, wiihrend andere
metamorphosirte Sinterbildungen darstellen mogen, die bereits im Riffe vorhanden
waren, bevor noch dessen Umwandlung einen Anfang nahm.
Ueber die Machtigkeit des Phosphatlagers von Aruba lasst sich ohno zahlrcichc
Bohrungen kcin gcnügendes Urtheil gewinnen, denn der Diorit hatte bereits ein
complicirtes Relief, bevor die Korallenkalke sich bildeten. Das ist an manchen
cordon littorul, several feet in width and hight, wich soon fills the air with a most offensivo smell."
(Nature Vol. XXXIII. 1886. pag. 321).
Auf Aruba kommen die erwiihnten Sirenenreste in einer Muschclbrcccie vor, wie solche innerhalb
des Kaumes von Korullenriffun nicht selten sind. Jedenfalls sind sie liier nicht aus üuano abküuftig,
und ihro Zalil ist gegenüber dem ausgedehnten Phosphatlager des Colorado zu unbedeutend, als
dass sie einen wesontlichen Antlieil an der Hildung der Phosphorite könnten genommen haben.—
Aueli auf .Sombrero scheinen Iteste von Siïugethieren in den I\'hosphaten vorzukommon (1\'hipson 1. c.)
1) Vgl. hierüber besonders auch Stelzner 1. c.
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!).-,
Punktcn dor Inscl sichor zu beobaohten, und im Einklangc daniit stcht die That-
sache, dass man im Colorado bisweilen kaum 1 m unter der Oberniichc schon
wieder den Kaolin anstehend findet, wahrend an anderen Punkten das Liegende
der Phosphate in dor Tiefe von vielen Metern noch nicht erreicht wurde. Die
Angabe von Hughes 1. e., dass das Lager aut 000,000 tons gcschiitzt worde, ist
cbenso unsichcr, wie die Ilöhonangabe des Serro Colorado unrichtig ist, da diese
nicht 300 englischc Fuss, sondern 38 m betr.ïgt.
Das Phosphoritlaoer von St. Barrara im Tafclborgo von Curacao kennc
ich nicht aus eigener Anschauung;\') aber nach Gesteinsproben, welche von dom
Chemiker, Herrn R. Ludwig dasclbst gesammelt und analysirt worden sind,
darf\' ich mit grosser Wahrscheinlichkcit sohliesson, dass es gleich dein Lager von
Aruba durch Metamorphosc von Korallenkalken gebildet ist. Sicherlich ist dies
der Fall bei einem grauen, poröson, im Aeussern an gewisse Dolomite erinnornden
Gesteine, welches 10 m Miichtigkeit besitzen soll und 83 n/o Calciumphosphat
cnthalt. Es zeigt undeutliche Iteste meeresbewohnender Thiere, darunter auch
den Abdruck eines Echinidenstaehels. Auch metamorphosirte Korallen, welche
vom Tafelbergo abkünftig waren, sind mir wiederholt gezeigt worden.
Ausscrdem kommen am gleichen Ortc priichtige, nierenförraige Concretionen
von Phosphorit vor, welche bis zu 84,6 °/o Calciumphosphat enthalten;-) sie sind
lichtgrau oder hellbraun, bisweilen auch schneeweiss gefiirbt und zeigon auf
Bruchniichen ungemein zierliche, wellige Farbenlinien. Diese Var ie ta ten sind dicht
gleich den entsprechenden von Aruba. :i) Daneben kommen ganz ahnliche Bildun-
gen vor, in dencn nur 79,2 "/() dreibasischen phosphorsauren Kalkes enthalten ist.
In einem hellgelben, dichten Gesteine, welches keine Concretionen wabrnehmen
liisst und einem Kalksteine ausserlich gleicht, sinkt der Gehalt an Calciumphos-
phat bis aut 45 % herab. \')
1)  Der Kigentliiimcr Hodden untersagt don Zutritt.
2)  Nach Meyn zeigten einzelno Variotüten 87 bis 90 %■ Das öcstoin dicses Lagers ist von dom-
selben Forscher sohr ausführüch beschrieben.
3)   Es felilt ihnen aber, gleich allen 1\'hosphoriten vom Tafelbergo, der hohe Kisengehalt, welcher
die Phosphate von Aruba auszeichnct. Auf Aruba kommen weisse und sehr lichte Varietaten von
Phosphorit überhaupt nicht vor.
4)  Es ist ein Irrthum, wenn Meyn annimmt, dass der l\'hosphorit im Allgemeinen sehr gleichmiissigin
seiner Zusammcnsotzung sei; dies ist, wie auf Aruba, nur bei den ausgeführten Massen der Fall. Auch
ist die Vorstellung sicherlich unriclitig, nach der das Ausgehende tirmer an dreibasischem I\'hos-
phate sein soll als das Innere des Lagers; alle Mittheilungcn, die ich habe einziehen kunnen,
weisen auf die gleiche Art des Vorkommens hin wie auf Aruba, was ohnehin von vornherein zu
erwarten war. Meyn ist auch falsch berichtet betreft\'s der Lagerung des Oesteins, deun der Phos-
phorit bildet keineswegs einen „ungeheuren Wall" am Fusso des aus Korallenkalk bestehenden
Berges ; er liegt vielmehr im Korallenkalke selbst und wurde bei meiner Anwesenlieit auf einer
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Gypskrystalle, von dencn bcknnnt ist, dass sic aufCuraeao nicht scltcn .in der
Oberflache der quartaren Kalke angetroft\'en werden, sind am Tafelborgc cbcnfalls
in cin Phosphai umgcwandclt worden, welches von Kloos mit dein Namen Marti-
nit \') belegt wurde. Dies Afinera], welches in nur mikroskopisch erkennbaren
Rhomboëdern als Pseudommorphose nach Gyps auftritt, bat die Constitntion
Ca 10
H4 (P 04)8 H, O, die al.2Cfc, jPOg | Hj0 aufgefft88t wcrdeu
kann. Es ist nnter dor Ouanodecko entstanden; nicht aber durch vollstiindigen Aus-
tausch von Schwefels&ure gogen l\'hosphorsauro, wie Kloos hervorhebt, „sondern das
Calciumsulphat ist erst vollstandig ausgelaugt nnd darauf z. Th. durcli Phosphat
ersetzt worden." Deswegen sind die Pseudomorphosen im Innern holil, wahrend ilire
iiussere Form derjenigen von Gypslinsen durchaus entspricht. Umhüllungspseudo-
morphosen von Phosphorit nach Gyps kommen auf Klein-Curacao vor.B)
Die Höhlexi\'HOSi\'hate stellen cine zweite Gruppc von Phosphoriten nnd
phosphoritischen Kalken dar, welclie von den metamorphosirten Korallenkalken
sehr wesentlich verschieden sind. Ihr Vorkommen liisst sich am zweekmiissigsten
an der Hand der folgenden Profile erlautern.
Das Erste derselben zeigt den Doden cincr alten , im Korallenkalke betiudlichen
ilühle mit dein Druchstücke eines Stalagmiten, welchcr in cine 2 m machtige
Knochenbreccie von eigenthümlich ziegelrother Farbe hineinragt. Das Gestein ist
tast (licht, nur hie und da mit feinen Hühlungen versehen,
an ileren Jnnenseito man Concretionsmassen wahrnimmt; es
• ■
"\'"\'--•\'■ ^- I zum grössten Theilc von den eiii<*osclilossenen Knochenrcsten
i—r
herrührt, wahrend das Gestein selhst weit armer an Posphor-
Fic. 20. An der Telfei.s-
kmi\'I\'k bei Flik. siiurc ist. Die Knochen gehören sammtlich kleinen Siiuge-
1. Korallenkalk. — 2. thicren an, und da die Döhlen der Insein noch heutigen
Knochenbreccie.
\'Pages von zahlreichcn Fledermiiusen und Ratten sowie (auf
Curagao) von Kaninchen bewohnt werden, so liegt die Annahme nahe, dass
auch die Knochenreste von solchen Thioren abkünftig sind. Zahlrcich findet
man zudem die Schneideziihnc, in einzcluen Fallon auch die Ilalfte des l\'nter-
tler oberen Stiandtcrrassen in bedeutender Höhc über dem Mecresspiegel gebrochen. Dies konnte
ieh conatatiren, als ich von der Seeseitc den Berg betrachtete, wenngleich icli ibn nicht betrat.
1)   Kloos. Uesteinc und Mineralien aus AVest-Indicn. .Sammlg. d. Geolog. Keichs-Museums in
Leiden. Ser. II, Bd. I, pag. 1.
2)  A\'om Rath. Sitzungsber. d. niederrh. Oes. in Bonn am 3 Aug. 1878. — Vgl. Ferner Meyn 1. c.
pag. 701.
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kicfers eines Jïagers in unvollkominenem Zustande überliefcrt. Leider eignet sieh
das Gestein durchaus nicht zur Praeparation, doch inöchto ich nacli der Grosse
der Nagezahne annehmen, dass dieselben eher einem kleinen Kaninchen als einer
Ratte angehürt haben. Ausser den Saugethierresten koniint verein/.clt auch Cy-
clostoma megachile Pot. et MUh.
in der Breccie vor.
Das zweite Profil zeigt uuter einer Decko von Korallcnkalk. an der kleine
Stal.aktiten hangen, eine Anzalil von dunkelgrauen bis braunen und grünlichen
Phosphoritlagen von wenigen Centimetern Miiehfigkcit und mit einem durchschnitt-
lichcn Gehalte von etwa 80 °/0 Calciumphosphat. Dunne Lagen von sehr dunklcr
Fiirbung entlialten das Mineral in f\'ast rcinem Zustande.
i________i                 i
Scharf begrenzte Schichtungsflachen fehlen; es sind
vielmehr alle Lagen innig mit einandcr verwachsen
und nur ihre vorschiedeno physikalische und chemische
Besehatfenheit verleiht innen cinen gewissen Grad von
ZZZ^Sör^
Selbstiindigkcit. Alle werden durch ein schmales Kalk-
Fig. 21. Ax HF.it Tkcfki.s-
KLIPPE REI FlIK.
1. Phosphorit. — 2. Phos-
phoritischer Knik. — 3. Ko-
rallenkalk.
band von einem lichtgrauen Gesteine geschieden, welches
40—60 "o Phosphat enthalt, keinerlei Schichtung wahr-
nehmen liisst und ohne scharfe Begrenzung sowohl oben
in den Korallcnkalk als seitlich in einen zicgelrothen,
phosphoritischen Kalkstein mit 25—30 °/0 Calciumphosphat übergeht. Dieser Letz-
tere ist ebenfalls ungeschichtet und enthalt sehr zahlreiche Gehiiuse von Pupa
iira L.
und Cyclostoma megachile Pot. et. Mich. Stellenweise kommen in diesem
Gesteine auch traubige L\'oncretionen vor, deren sphaeroidische Massen durcli
Kalkspath getrennt sind und auf Bruchflachen bisweilen durchaus den Eindruck
oolithischer Bildungcn machen.
Das dritte l\'rohl zeigt eine Höhle, deren Decke zcrstört ist, wührond der untere
ïhcil mit Phosphorit gefiillt wurde, in dem J5ruch-
stiicke von Korallcnkalk in grosser Zahl vorkom-
men. Die Fragmente erreichen etwa Va ni Durch-
messer; nach oben zu werden sic kleiner, um
hier ein durch Phosphorit verkittetcs Conglomerat
22. An df.R Tei KELSKLIPPI
BEI Fl IK.
zu bilden.
Neben dicson drei Profilen, wolche ich an der
„Duivelsklip" bei Fuik beobachtcte, kommen an gleichem Orte noch verschiedenc
andere vor, worunter auch solche, in denen Durchschnittc durch Tropfsteine, all-
seitig von Phosphorit umgeben, auftreten. An sie schlicsst sich das vierte der hier
13
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98
abgebildeten Profilc an, welches bei Hcrmanus aufgenom-
men ist. Es stellt den mit Phosphorit und phosphoritischcn
Kalken angefüllten Raum einer alten Höhlo dar, welche
allseitig von unvciiïnderten Sinterbildungen umgeben wird.
Solche Sinterbildungen hat man vielfach beim Sprengen
der Phosphorite an ge troffen, und die Thatsache, dass die
rok\'hstcn Pockets pliïtzlich von reincm Kalksteine ver-
Fio. 23. Bei Hkrmanus.                                                 r
l. Phosphorit. — 2. Sinter- driingt werden, ist Einc der Ursachon, welche bis jetzt
bildungen.
                            verhindert hat, diese Lager in Abbau zu nehmen. Sie
ist sclbstredend, wcil die Phosphate innerhalb bercits bestehendcr Tropfsteinbil-
dimgen sich ablagcrten, und darin liegt auch der Grund, weswegen sich über ihre
Ausdehnung an solchen ürten kaum etwas voraussagen liisst. So unregelmassig
wie die Form der Hohlraume, so unregclmiissig muss auch die Masse der abge-
lagerten Phosphate sein.
Sowie für die Umwandlung der Korallenkalke Seevögel und meeresbewohnende
Thicre das Material geliefert haben, so ist dies für die Bildung der Hohlen-
pliosphate durch die kleinen Saugethicrc geschchen, welche die Grotten in grossor
Zahl noch heute bewolinen. Schwarme von Fledenniiusenbevölkern jeden Hohlraum
des Kalkgebirges, so dass man ihre Gegenwart schon an dem intensiven Geruche,
der ihnen eigen ist, wahrnimmt, falla es nicht glückt, die Thiere selbst aus ihren
Schlupfwinkeln aufzuscheuchcu, um sie wie eine Wolke emporHattern zu sehen.
Auch Ratten sind biiufig, wahrend die Kaninchen durch den Mensehen fast ganz
ausgerottet worden sind. Nur Ein Mal sah ich ein solches Thier auf Savonet; doch
dürften dieselben früher viel zahlreicher gewesen sein , und ich halte die oolithischen
Phosphorite für Koprolithe von Kaninchen.
Der Boden der Ilohlriiumo ist bisweiton von einem an Phosphorsiiure reichen,
erdigen Guano bedeckt, in den man bic und da bis an die Knöchel einsinkt. Er ist
hauptsa.cb.lich durch die Anhaufung der Excremente genannter Siiugethiere gcbildet,
doch nehmen an seiner Zusaniinensctzung stellenweise auch die Skelettc von grossen
Schabeu einen bedeutenden Antheil. So sah ich in der Höhle von Hato ungcziihlte
Mengen dieser Insekten den Boden beleben, und dein entsprechend fanden sich
Massen von Chitinskeletten daselbst den Excrementen beigemengt. Dass auch die
Skelettc der Siiuger in den Guano gelangcn, bedarf keincs weiteren Jlinweises.
Es moge nun angenommen werden, dass eine solche Guanodecke auf einer
Kalksinterbildung am Boden der Höhle gelegen ist, so mussen die in ihr enthal-
tenen Salze bei den zu Zeiten fallenden, gewaltigeu Regeugüssen, welche das
Wasser auch ins Innerc der Hohlraume führen, ausgelaugt werden. Die Guano-
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salzc dringen in die Sinterbildungen ein und wandein dieselbon in Phosphorit um,
aber gleichzeitig wird eine Umwandlung der ursprfinglichen Guanoschicht in Phos-
phorit augenommen werden mussen, da dassclbe Wasser, wclches die Guanosalze
aurlöste, auch doppelt-kohlensauren Kalk onthult; wahrend einerscits der Guano phos-
phorsaure Salzc in die Tiefe abgiebt, wird ihm selber Kalk in Eösnng zugeführt. End-
licli ist ein direkter Absatz von Phosphorit aus dein Kalk und phosphorsaure Salzc
enthaltenden Wasser von vornberein wahrscheinlich ;
dass er wirklich statrgefunden, beweist der ncbenstc-
hend abgebildeto, sphaeroidische Hohlraum, welcher
dureh weingolben Kalksparh und rothen Phosphorit
Fir. 24. Geodi: im Phosphorit nur zum Theile ausgefüllt isf. Er liegt in einem
\\on ermanus.
                Phosptiate mit doutlieh aresehiedenen Lagen und
1. Hohlraum. —2. Phosphorit. —               r                                            b                                  b
3. Kalkspath. — 4. Phosphorit. gleielit in jedcr Hinsieht einer Mandel.
Die Concretionen, welche so zahlreich in den Phosphaten vorkommen, halte
ich auch, ebenso wie die in dem mctaniorpliosirten Korallenritte von Aruba auftre-
tenden, zum Theil für Bildungen, welehc durch direktcu Absatz entstanden sind;
f\'erner ist das in Fig. 22 vorkommende Conglomerat mit der Breccie vom Culebra,
deren Fragmente durch Phosphorit verkittet sind (Fig. 19), zu vcrgleieheu. Da-
gegen halte ich die dunklen , dunnen Schichten des in Fig. 21 dargestellten Profils,
welche die Apatitsubstanz fast ganz rein zeigen, für inotamorphosirten (iuano, die
dazwisehen eingeschaltctcn, miichtigcren und lichter gefarbten Lagen aber für
umgcwandelte Kalksinter. Selbstrcdend lasst sich die Entstchungsweisc der phos-
phatlialtigen Gesteine nicht in jedem einzelnen Falie erörtern.
Die behandelten Profile erkliiren sich nach Obigem sell>st; nur das zweite
bedarf noch einiger Erliiuterung. Hier ist es klar, dass die etwa 80 % (\'alciumphos-
phat enthaltenden Lagen in eincm Hohlrauine gcbildct wurden; dassclbe gilt für
diejenige Partie, welche nur 25—30% Phosphat besitzt, da sie zahlreiche Land-
schnecken aufweist, welche die Existenz einer Hohlung wahrend der Pildungdes
phosjdioritischen Kalkcs voraussetzen. | Dabei kann gleichwohl die Metaniorphose
erst spiiter eingetretcn sein.] Die mittlere Partie mit etwa 40—60 °/0 Calciumphos-
phat muss dagogen ein Tropfstein sein. Er mag vielleicht gleichzeitig umge-
wandclt sein mit der Bildung der reichen Phosphorite in seiner unmittelbaren Nahe;
jetzt wird er von ihnen durch ein dunnes Kalkband geschieden, wclches ich für
die Ausfüllung einer Ablösungskluft anschc; au der anderen Scite ist seine Grenzc
durch den EinHuss der Metaniorphose ganzlich verwischt worden.
Dicjenigen Höhlen, welche ganzlich mit Phosphorit und phosphoritischen Kal-
ken gefüllt sind, mussen die oberen Aiisfiillungsmassen von ihren höher gclegcnen
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Fortsetzungcn im Korallcnriffe erhalten haben, da in ihnen selbst cinc nennens-
wcrthe Guanobildung nach betrachtlicher Reduktion des don Thieren zum Aufent-
lialtc dienenden Raumea nicht mehr angenommen werden kann.
Eino grosse Iieiho von Ilöhlenphosphaten, die ich gesehen, war oline Aus-
nahnic durch das Vorkoinmcn von Landschnecken ausgezeichnet, der oben genann-
ten Pupa uva und Ctjclostoma megachile, welche beide in ungeheuren Mengen noch
lieutc die Oberflache des Kalkgebirges bewohncn. Dasselbe ist in buchstablichom
Sinne mit diesen Thieren besiit, vor allem mit der Pupa, die auch in den Höhlen-
bildungen am haufigsten ist. Die kranige Wirkung der Regengüsse wird leicht eine
grössere Menge solcher Schalen durch irgend eine Spalte der Korallenkalke in die
Ilöhlungen liinabführen, und so gelangen Letztere in die Sinter .und Phosphorite.
Sie sind die ausgezeiehnetsten Leitfossilien derselben, wahrend Knoehenreste bis
jetzt nur aus den Höhlen von Fuik und vom S. Grandi bekannt sind.
Die Landschnecken oinerseits, die Gehause von Meeresconcliylien und namentlich
von Korallen andererseits lassen uuu zwardic ilöhlenphosphate leicht von den umge-
wandelten, uiteren quartaren Korallenkalken unterscheiden; aber es ist auch der Fall
denkbar,dass eine von Ilöhlungen ausgehende Phosphoritbildung einen Theildesumge-
benden Korallenkalkes ergriffen bat, so dass metamorphosirte Korallen unter der Ein-
wirkung des Guanos der Grotten ontstellen. Fine grössere Ausdehnung von so ontstan-
denen Phosphoriten mit Resten von Meeresorganismen ist aber nicht sehr wahrschein-
lich, und deswegen muss man in jedem einzelnen Falie die Ursache der Umwand-
lung besonders feststellen, bevor man über die Abbauwürdigkeit irgend einer Ab-
lagerung ein Urtheil fallen kann.
Die Verbreitung der Phosphate auf den Insein Curacao, Aruba und Bonaire
ist eine sehr bedeutende. Ilöhlenphosphate kenne ich aus eigener Anschauung von
Fuik und von Hermanus auf Curacao in grosser Zahl; auch zweirle ich nach mir
gemachten Mitthcilungen nicht daran, dass reiche Phosphorite (75 °/0), welche aut
St. Jan und Ascention in AVest-Curacao vorkommen, derselben Gruppe von Ge-
steinen zuzurechnen sind. Auf Bonaire sind mir unzweifelhafte Ilöhlenphosphate
nur im Scrro Grandi bekannt1), bei Phosphoritnestern mit undeutlicher Begrcn-
zung gogen den Korallenkalk, welche bei Fontein dasclbst vorkommen, vermag ich
1) Ilerr Simons, welcher die Lager genau untersuclit liat, theiltu mir darüber Kolgondcs mit:
,1 made excavations in all the open caves (11) and generalij\' found a laj\'er of red limestone con-
taining 15 % to 20 % phosphate, tuil of landshells and in some places bone fragment*. In one
cave this red deposit was 6 feet deep. Bolow, a few inches of dark brown phosphate (60 % t°
70 %) usuallv followcd, and uuder that, another thin layer of white phosphate (82 % to 86 %)
when the hard compact coral limestone was met with. No two caves were exactlj\' alike." — Hier
echeint demuach die Metamorphose ziemlich gleichmüssig von oben nach unten fortgeschritten zu
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dagogen nicht zu entscheiden, <>b ihre Bildung von Höhlen aus ihren Anfang ge-
Dommen \'). Da man in ihnon zahlreieh die Reste von Haifischen, Bowie von Sirenen
und Roeheu antrifft, so ist es möglich, dass die vergangeiicn Leiber dieser Thiere
die einzige Ursache der Phosphoritbildung dasclbst aind. Auf Aruba sind in Grotten
gcbildete Phosphate bis jetzt nicbt bekannt, doch dürften sie auch dort schwerlich
fohlen.
Die ausgedehnten Lager metamorphosirter Korallenkalke von der Ostküste
Aruba\'s und vom Tafelberge auf Curacao wurdcn oben bereits behandelt; daneben
kommen kleinere Lager und phosphoritische Kalkc dieser Art noch an vielen an-
doren Punkten vor, au denen vielleicht die Ablagerung der die Metamorphose be-
dingcndcn Excremente eine geringere Ausdehnung hatte (wie z. B. am Carachito auf
Aruba) oder auch Verhaltnisse obwalteten, welche mit den von Fontein auf Bonaire
angel\'ührteu übcreinstimmen. Endlich sind Kalkstcine mitgeringem Phosphorsüure-
gehalt weit iiber die Insein verbreitet; oft siukt der Gtehalt au Calciumphosphat
bis auf G °/0 herab.
Wirbelthierreste aus marinen IPhosphaten.
1. Reste vom Sirenen. (Tab. I, Fig. 1 u. 2.)
In den Phosphaten des Serro Colorado auf Aruba findet man nicht seltcn Reste
grosser AVirbelthierc, vor allen Dingen Rippen und Wirbel, welche indessen mei-
stens in dem für eine Praeparation sehr ungünstigou Gestcine so eingebottct sind,
dass sie nur in Durchschnitten studirt und deswegen nicht niihcr bestimmt worden
kunnen. Unter den wenigen freien Bruchstücken, die ich erhielt, war nur Eins
eiuer eingehenderen Betracluung werth.
sein. Die tiefsten Schichten waren ihr am liingsten ausgesetzt und zeigen demnach den grössten
Gelialt an Calciumpliosphat, die oberflachliohen den geringston. Fs steht dies in völligem Finklange
mit der oben gegebenen Erkl&rung für die Entstehung der Phosphorite. Die von Simons erwahnten
Landschnecken sind die oben genannten Arten. Sie kommen unter dem von mir gesammelten Ma-
teriale vom S. Orandi tlieils mit noch erhaltener Sehale, tlieils als Steinkerne vor.
1) Für diese Phosphate habe ich zuorst, vor meiuem Aufentlialte in West-Indien, die Möglichkeit
liingestellt, dass sie aus Korallenkalkcn durch einen von Fledermiiusen abküuftigen Uuano in Folge
von iJmwandlung entstanden sein könnten (1. c. pag. 47GÏ. Hughes, welcher meine Arbeit so
wenig wie diejenige von Sandberger kennt, spriclit 1. e. ebenfalls die Ansicht aus, dass Flederniiiuse
den Anlass zur Bildung von Phosphoriten gegeben haben. Wenngleich sichsomit meine frflher auf-
gestellte Hypothese bestiitigt hat, so findet dieselbe doch vorliiufig keine Anwendung für die Erklii-
rung derjenigen 1\'hosphorite, für die ich sie zuerst annahm.
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Es ist cine ziemlich vollstJindige, sehr phimpe Rippe, wclcho doppclt, abwiirts
und glcichzoitig nach hinten, gebogen ist. An dem zerbroehenen Distalende zeigon
die glanzenden Bruchflachen eine massige Struktur; das Proximalende ist fast un-
versclirt, ani Capitulum Eine Gelenkflache erhalten; das Tubercuhim, ziemlich
lioeh und spitz, hat seine Form unbeschiidigt bewahrt. Capitulum und Tubercuhim
werden durch einen wohl entwickelten , hohen , vorne und hinten abgeflachten Hals
geschieden; namcntlich an der Yorderseite ist diese Abflachung bedeutend, und im
Verbande mit ihr ist der Inncnrand am Vertebralende der Rippe sehr scharfkantig.
Im Ucbrigen ist dieser Rand, und mehr noch der Aussenrand, zugcrundet; an
Lctzterem fallt die gleichmassige Biegung vom Tuberculum bis zum Distalende auf,
da dieselbe kaum durch den schwach entwickelten Angulus costae unterbrochen
wird. Eine stumpfe, vom Tuberculum ausgehende, zugerundete Kante zieht sich
der Lange nach zum Distalende über die Mitte der Vorderfliiche der Rippe hin,
deren Quorschnitt anfangs elliptisch ist, nach unten zu aber mehr und mehr einen
zugerundet-rhomboidischen Umriss annimmt (vgl. fig. lau. lb). Die hintere Rippen-
rliiche zeigt einen seichtcn Gefiisscanal, welcher nahe dem Innenrande unter dem
Tuberculum beginnt und sich unter schwach GOfürmiger Biegung zum Aussen-
rande hinzieht.
Die plumpe Form, der eigenthümliche Querschnitt und die massige Struktur der
Rippe Hessen sie als Rest einer Sirene erkennen, und die in demselbon Gesteine befind-
lichen Wirbclbruchstücke zcigen Durchschnitte , welche ebenfalls mit dieser Deutung
im völligen Einklange stehen. Keine andere Wirbelthiergruppe besitzt iihnlich
gebaute Rippon, und speciell bei den anderen, meeresbewohnenden Stiugethieren
sind dieselben sehr abweichend gefonnt. Der bedeutende Abstand von Capitulum
und Tuberculum sowio die dem Letzteren sehr geniiherte Lage des Angulus costae
wcist ferner auf eine der ersten Rippen des Körpers hin, und es ist somit der in
Figur 1 dargestellte Ueberrest als linke Vorderrippe einer Sirene zu bezeichnen.
Es musste sich nun zuniichst die F rage aufdriingen, ob das Fossil vielleicht
mit Einer der noch lebenden Sirenen identisch sei, und ich konnte zu diesem Zwecke
folgende Skelctte vergleichen: Manatus australis von Surinam, 2.20 mlang; Ma-
nat\'lis senegalensis
von Liberia, 2.53 m lang, Halicore dugong von Amboina, 1.86 m
lang. Grössere Skelette standen mir nicht zu Gebote.
Beim Manatus australis stimmt die zweite, linke Rippe in ihrer allgemeinen
Form ziemlich gut mit dem Fossilc überein; alle anderen zeigon mehr oder minder
bedeutende Abweichungen. Siimmtliche Rippen, mit Einschluss der zwciten, besitzen
aber einen rlachelliptischcn Querschnitt und dem entsprochend ziemlich scharfkan-
tige Innen- und Aussen- (resp. Vorder- und Hinter-) Riiuder; auch ist der Hals
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bei weitcm nicht so sehr abgeflacht wie bei dein Fossile, so dass einc Zuzichung
des Letzteren zu der gcnanntcn, recenten Art ausgeschlossen ist.
Bcim Manatus senegalensis bositzen auch alle Kippen eincn elliptischen Durch-
sehnitt, und vor allem sind auch die beiden ersten, mit denen der Ueberrest der
starken Krümmung wegen wohl nur verglichen werden darf, ini Querschnitte flach-
elliptisch. Dazu kommt, dass bei diesen Kippen der Angulus costae sehr stark
ausgepnïgt ist.
Tiei Halicore dugong ist der Querschnitt der vorderen Kippen wieder flach-
elliptisch und der Winkel so sehr cntwickelt, dass jeder nahere Vergifich weg-
fallen darf. Die Kippen von Rhythui endlich sollen denen von Halicore gleichen \')
und sind auch schon dadurch von dem Fossile zu unterscheiden, dass sie einfach
nach abwarts gekrümmt sind.
Ebensowenig wie die lebenden zeigen auch die fossilen Sirenen Europa\'s I5e-
ziehungen zu dein Fossile von Aruba; diejenigen von Halitkerium*) und Felsino-
therium
3) weisen ganz bedeutende Abweichungen auf\', wahrend mit Metaxytherium
ein naherer Yergleich bis jetzt nicht möglich ist. Aus Amerika, und zwar von der
Westküste von Maryland, crwahnt Harlan die Kippo eines fossilen Manatits, bildet
sie aber nicht ab. *) Leidy beschrieb ferner ein Fossil als M. antiquus auf Orund
von Itippenfraginenten und eines Molaren, von denen die Erstercn aus niiooaencn
Schichten von New Jersey in Virginien und aus den postpliocacnen Schichten des
Ashley-Flusses in Süd-Carolina abkünftig waren, gab aber von den Kippen auch
keine Abbildung.5) Von der fossilen Sirenenguttung Prorastomus endlich, welche
Owcn aus Schichten von Jamaica beschrieb,1\') sind die Kippen völlig unbekannt;
ebenso von dein Munatu* inoniutus Leidy aus den postpliocaenen Phosphaten des
1)  Q. R. Lepsius. Halitherium Schinzi, die fossile Sirene des Hainzer Heckens pag. 140. (Ab-
handlg. des mittelrheinischen geologische» Vereins, 1 Iiand. 1X8:2.)
2)   1. c. pag. 13ü ff., tab. VII, Hg. 78.
3)   Ach. de Zigno. Sopra un nuovo Sirenio fossile scoperto nelle collino di Brè in Piemonte pag.
947, tab. 0 (Atti della K. Accademia Dei Lincei 1877, 78, Ser. III, Mem. d. Class. di se. tis., matb. e
natur. vol. II, lioma).
4)  Richard Harlan. Xotice of tbc Plesiosaurus and other fossil reliquiae from tbe State of New
Jersey, pag. 23t> (Journ. of the Acad. of Nat. Sciences of Philadolphia. Vol. IVr). — Nach J. Leidy
(1\'be Ancient Fauna of Nebraska, 1862, pag. 10.) stamnit das von Harlan erw&hnte Fossil aus plio-
caencn Schichten.
6) J. Leidy. Xotice of somo remains of extinct Vertebrated Animals, pag. lHf>. (Proceedings of
the Acad. of Nat. Sc. I\'hiladelpli. Vol. III, 18">(i). Der Molar ist von Holmes abgebildet (Postplio-
cene fossil» ol South Carolina. Charleston 18»!0, pag. 117, tab. 24, tig. 5—7.)
6i Quart. Journ. of the Geological Society. London. Vol. XI. 1855. pag. 541. — Daselbst Vol.
XXXI, 1875, pag. 559. — Es ist noch nicht festgestellt, welchem Zeitalter die betreffenden Schich-
ten angehüren.
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Ashlcy-Flusses, einer Art, welche nur anf das Bruchstück eines Molaren ge-
gründet ist.\')
Nach Allem zeigt das Fossil von Aruba, so weit mir der Vergleicb Tiiit ando-
ren Sirenen möglich war, die niichsten Beziehungen au den Kippen des Manatus
australis;
freilich ist dor Jiest zur Feststellung irgend welcher verwandtschaftlicher
Beziehungen ungenügend. Vergleicht man aber die Dimensionen desselbcn mit den
entsprechenden Kippen der Sirene, welche an den Kusten des caribischen Meeres
lebt, so erkennt man, dass der fossile Kest cinem Thiere von ganz bedeutender
Grosse angehürt haben muss. Die grösste Breite desselben betriigt 3S mm, diejenigc
der zweiten Kippe von M. australis, mit der das Fossil am ehcsten vergliehcn
werden darf, bei dein mir vorlicgendon SJvdettc dagegen nur 25 mm. Noch viel
grössere Dimensionen zeigt das zweito der dargestellten Kippenfragmento (Fig. 2)
an, welches von dcrselben Lokalitiit abkünftig ist und der Form seines Quersehnittes
nach ebenfalls mit grosser Wahrseheinlichkeit derselben Species zugerechnet werden
darf\'. Seine Grosse ist eine so betriichtliche, dass sie weit diejenige aller bekannten
Kippen von lebenden Sirenen übersteigt.
Zu derselben Art, welche in den Phosphaten von Aruba vorkommt, dürfen viel-
loicht auch noch einigc Kippenfragmento gerechnet werden, die von Fontein aufBo-
naire abkünftig sind; dagegen kommen im Serro Colorado ausserdem Bruchstücke von
Kippen vor, welche durch einen sehr flachelliptischen Querschnitt ausgezeichnot
sind und nicht wohl mit dom obon beschriobenen Fossile vereinigt werden kunnen.
Jhre Bruchflüchen sind gleich glanzend und die Struktur ist gleich dicht wie bei
den Kippen der Sirenen.
2. Cakchahodon Smith. (Tab. I, Fig. 8—7.)
Yon Bonaire liegt mir eino Keihe von Bruchstücken eines Carcharodon vor,
welche durch nichts von C. megalodon Ag. zu unterscheiden sind und deswogen
auch frülior mit diesem karnen von mir belegt wurdon. Andere Zahnspitzen
unterscheiden sich von jenen nur durch eine sehr grobe Zahnelung, sind aber
offonbar von dem gleichen Thiere abkünftig, wie dcnn auch beroits durch
Agassiz erkannt wurde, dass derartige Abweichungen in der Zahnelung der
Riinder kcincn Art-Unterschied abgcbcn. Agassiz beobachtete dies untcr anderen
auch bei dom C. megalodon: „j\'ai reconnu plutard que cc caractère n\'avait
pas assez de fixité pour justifier une distinction spócifiquc." 2) Noch andere
Ziihno von Bonaire sind kleiner als dasjonige Fossil, welches man gewóhnlich als
1)  Contiibutions to the extinct Vertebrate Fauna of the Western Territories by J. Leidy. — Un.
St. Geolog. Surv. Ilayden Vol. I, pag. 330, tab. 37, fig. 16, 17.
2)  Recherches sur les poissons ibssiles, ï. III, pag. 249.
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C. megaiodon zu bczeichnen pflegt, olinc indessen im Uebrigen Abweichungen von
ihm erkennen zu lassen ; selbstredend kunnen aber Grössenunterschiede keine Arteha-
raktere abgeben. Auch durch Quenstedt ist bereits darauf hingewiesen worden, dass
mit C. megalodon zusammen in der Molas.se von Schwaben kleinere Ziiline vor-
kommen [C. Escheri Ag.), die vielleicht mit jencr Art zu vereinigen wiiren.\')
Nur zwei Zahnspitzen von Bonaire , die von dem gleichen Fundorte wie die
oben erwiilintcn abkünftig sind, besitzen eine Form, welche mit derjenigen von
C. mpf/iiloifon nicht iibereinstimmt, und da es einen hollen (irad von Wahrschcin-
lichkeit liat, dass diese gleichschenkligen, geraden und spitzen Ziiline (Fig. 7.)
derselben Art angebören wie die cingangs erwiilinteii Bruchstiicke, so ziehe ich
auch f\'iir Lotztere die Bencnnung C. megalodon wieder ein.
Von der cinzigen Carcharodon-kxt, welche in den heutigen Meeren noch lebt,
C. Rondelet ii Miïll. Heide,3) sind die Fossilien sieher verschieden, da unter ihnen
die ersterwiihnten Formcn sicb durch die betrachtliche Biegung der Zahnrander
weit von den Zahnen der recenten Art entfernen.
Der Fundort sümmtlicher Zahnbruehstücke ist Fontein auf Bonaire.
3.  Oxyrhina Ag. (Tab. I, Fig. 8.)
Eine Ileihe von Zahnbrnclistücken, welche in allen Merk malen mit Zahnen der
lebenden Art O. gomphodon Milll. Henle3) übereinstiinnien, ebonsowonig aber von
O. glauca Miill. Henle*) zu unterscheiden sind. Die Kiefer der beiden recenten Arten
können überhaupt nicht von einander getrennt werden, wenn sie allein znr Unter-
Buchung vorliegen, und deswegen glaube ich auch von der Benennung derbetref-
fenden Fossilien absehen zn mussen.
Es ist indessen nicht unmöglich, dass auch die in Figur 9 u. 10 dargestellten,
glattrandigen, doppelt gekrümmten Ziiline mit breiter, nnvollstandig erhaltener
Basis, welche von dem gleichen Fundorte stammen, derselben Art angehören, und
in diesem Falie würde sich Lotztere sieher von den genannten Species der heuti-
gen Fauna unterscheiden lassen.
Der Fundort aller Bruchstücke ist Fontein auf Bonaire.
4.   Zahnbruchstiicke eines Rochen aus der Familie der Myuobatiden (Tab. I,
Fig. 11.) Abkünftig von Fontein auf Bonaire.
5.   Zahnbruehstück eines Fisches aus der Grupjie der Gymnodonten (Tab. I,
Fig. 12), bestellend aus 7 unvollstiindig erhalrenen Zalmplatten und vielleicht der
Gattung Diodon angehörig. Ebenfalls von Fontein auf Bonaire stammend.
1)  Handbuch der Petrefaktonkunde. 3te Auflage. 1885. png. 207.
2)  Muller und Henle. Systematische Beschreibung der I\'lagiostomen, pag. 70.
8) Muller u. Henle. 1. c. pag. «8.
               4) 1. c. pag. 6\'.».
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Erosion durch das IVTeer
Auf allon drci Insein kommen gehobene Ufebtebbassen vor, welche in grosser
Vollkommcnheit besonders an den Nordküsten sicli ausbildeten, da dieselben offen
und der hen-schenden Wind- nnd Stromrichtung \') ohne Schutz ausgesetzt sind.
Ihrer Form nach lassen die Terrassen sich in drei Hauptgruppen zcrlegen.
Eine derselben (A) zeigt eine glcichmassig dein Meere zugeneigte Abdachung,
welche die alte Brandungsterrasse untcrhalb des Niveau\'s der halben Fluthöhe
darstellt, landeinwarts begrenzt von einer stcilen, annahernd oder auch völlig loth-
recht abstfirzenden Wand. Diese Stirnwand ist meist 5 bis 10, selten 15 m hoch
nnd in ihren Fnss ist die llohlkchle eingeschnitten, welche sich nicht selten tief
einwiirts als Grotte im Kalkgebirge verfolgen liisst. Die Xeigung der Plattformen
betragt auf Curacao, wo sic in diesei\' Ausbildung am vollkommensten auftreten,
nur 2— 3\', so weit ich im Stande war, unterstützt durch Photographiccn und aas
weitem Abstande, Messungen anzustellen; denn letztere sind auf den Uferterrassen
selbst wegen der sic bedeckenden Vegetation kauin auszuführen. Die Ilöhe der Höhlen
betragt vielfach nur 2 m, an anderen Orten etwa das Doppelte, aber nach den mir
vorlicgcnden Beobachtungen nicht mehr; ihre Wande zeigen an regelmassige Ge-
wülbc crinnernde Bogenlinien, und untcr dein den Boden bedeckenden Kalksinter
liegen bisweileu zahlreiche Rolisteine des Grundgebirges, welche die Wellen bei
der Erosion durch ihre ausschleifende Thatigkcit unterstützt haben.
Derartige Höhlen lassen bei aufmerksamer Be-
trachtung keinen Zweifel über die Art ihrer Entste-
hung zu und sind leicht von den ursprünglichen
Hohlraumen des Kiffes, die ihren Grund in Wachs-
thumsvcrhaltnissen der Korallenbautcn haben, zu un-
terscheiden. Die Oberrliiche der Plattformen ist niit
zahlreichen Blöcken bedeckt, deren Grosse in der Rich-
tung vom Meere nach der Stirnwand hin zunimmt und
welche Haushöhe erreichen, wahrend ihre Oberrliiche
zerfressen ist und überall die Einwirkung des Mee-
reswassers erkennen liisst. Bisweilen begegnet man
FlG. \'25. LoSK BlAJI KR VON
QUARTÏREM K.M.KK.
auf den Plattformen auch den Fusstückcn von Stalag-
miten, so z. B. besonders schön bei llermanus, wo
1) Die Ueschwindigkeit dos OXO-1\'assates wird auf etwa 7 m im Mittel angegeben. Dor Wind
ist ziemlich gloichmüssig das ganze Jahr liindurch, und es dürfton kaum 30 ruhige Tage in diesem
Zeitraume eintreten, welche sich auf die Jlonate November, October und September vertheilen.
Im Allgenieinen ist der October der windiirmste Monat.
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sich dor Umriss einer alten Grotte auf der gcliobcnen Brandungsterrasse recon-
struircn lasst. Dass jene vor der Herausbildung der Plattform bereits im quartaren
Ui ff e bestanden haben muss, bedarf kaum des Hinwcises.
Die zwcite Fonn der Terrassen (C) ist einc Modifikation der soeben beschriebe-
nen. Die überhangende Deeke des von vielen, senkrechten Kluftflüchen durehsetzten
Korallenkalkes ist eingestürzt und die Brandung hat sich ilircr Bruchthcile bemiieh-
tigt, urn am Fussc der Htirnwand einen l\'ferwall init S — 1(P Xeigung zu formen,
welcber mclir oder minder rasch und gleiclimiissig in den weniger geneigten, see-
Fio. 26. Versciiiedene Ausbiluunu der Braniiungsterrassen.
ii— b. Hochwasserlinie; c—d. Niedrigwasserlinie.
watts gekelirten Absclmitt der Brandungsterrasse übergelit. Eine nach innen ein-
fallende DachHiiche ist als Best der am Fussc durch Schotter vcrhüllten Hohlkehle
bestehen geblieben, entsprechend demjenigen Abschnitte der Höhlung, welcher iïber
der Hochwasserlinie gelegen war. Statt der concaven Flache ist also cin stumnf-
winkliger Einschnitt entstanden, der eine Zeit lang erhalten bleiben musste,weil
die am (Jferwalle auHaufende Welle einen grossen Theil ihrer Kraft einbüsstc und
kaum noch über die Hochwasserlinie hinaus wirken konnte. Der Einschnitt knnn
indessen aucli ganzlich fehleii, so dass sich der Schuttwall an eine einf\'ach loth-
rocht oder etwas geneigt abstürzendo Wand anlebnt. Dies erkliirt sich durch die
Möglicbkeit eines sehr verschicdenen Abbrechens der Deckentheile von selbst, und
beide Arten von Uferwallen kommen deswegen uumittelbar neben einauder vor,
wie es Figur 30 zeigt.
Die dritte Fonn der Terrassen (B) weist wesentlich ab weichende Oberflachenver-
liiiltnisso nut\', deun unterhalb der Hohlkehle folgt entweder unmittelbar (neben-
stehende Figur) oder in geringem Abstande seewarts ein
treppenförmiger Absatz, und dies kann sich mehrfach wie-
derholen, so dass die Plattform einen stufenartigen Bau
zeigt, statt einc cinfach geneigte Ebene zu bilden. Wahrend
die beiden ersterwiihnten Formen dort vorkommen, wo
die Kalkschichten nach der Seeseite init starkcr Neigung
Fi(i. 27. Grotte hei Fontein,
mit siiiti!i-i)ilihinffen ansge-   cinfallon1), tritt dicse lctzterc bei schwebender Lage der
kleidet. Kalkhiinke in schwe-
bender Lage bilden ihr Lie-    Biinke auf, ist aber im Einzelnen, wie es scheint, sehr
gendes umi sind seewürts                                     ....
steil abgebrocheii.                 grossen l iiregclmiissigkciten unterworfen.
1) Strenger ausgedrückt: eine niantelfürniige Lagerungsform aufweisen. (Vgl. oben ]>ag. 83.)
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Man bcobaelitet dorartigo Terrassen in dor Umgebung von Fontein, umi aueh in
don Höhlen dos Serro Grandi auf\' Bonaire sind dieselben entwickelt. Simons, wel-
cher dio in dor mittleren Strandlinie des S. Grandi gelegene Grotte bis etwa 90
m ins Innere des Berges hinein vcrfolgt hat, tlieilte niir mit: „The Hoor was not
Ie vel, but in terraces, some very abrupt and with as mach as 4 feet rise." Die
Brandungsterrasse hat hier im Innern des Berges also noch eine ansehnlichc Breito
und dasselbc ist bei Fontein der Fall, \\vo die mittlore Neigung aus diescni Grunde
eine geringe bleibt. An anderen Ortcn dagegen sieht man die Stufen der Plattforra
in rasdier Folge von innen nach aussen auftreten, so dass die Brandungsterrasse
sehmal wird, wahrend ihr Neigungswinkel eine dem entsprechende, bedcutende
Zunahme aufweist. Dies ist untcr anderen auch an der Boca van Welvaart der
Fall. \')
Eine Gesetzmüssigkeit vermochte ich betreffs der Ausbildung der Stufen nicht
aufzufinden, und es scheint mir, als ob dieselbe auch nicht bestehe,dass vielmehr
zufülligcr Wechsel in der Widerstandsfahigkeit der Gesteinsschichten und das
Auftreten oder Fehlen von Kluftflachen hier die mannigfaltigsten Modifikationen
herauszubilden im Stande seicn. So sieht man denn auch verschiodeno Ausbildungen in
den gehobenen Terrassen unmittelbar neben einander auftreten und an der Kuste
von Fontein augenblicklich entstehen.
Dort wird vor dem Hause am Nordstrande bcim Sinken der Flut eine Hohl-
kehle entblösst, welche dein Doch wasser ihre Bildung verdankt und nach unten
hin an Einer Stelle durch eine senkrecht abstürzende Wand begrenzt wird, wahrend
in unmittelbarer Nahe die Letztere fehlt und die Wellen weit unter die gehobene
Uferterrassc fortrollen. Es will mir hienach und auf Gruud anderer, iihnlieher
Beobaclituugeu schuinen, als ob bei schwebender Lage der Biinke die Form der
Brandungsterrasse allerdings vielf\'ach eine treppenartige werden kunne, dass indessen
diese Ausbildung nicht immer eintrate. So vermochte ich auch an der Kuste von
Antikurie, wo die Erosionstlüitigkoit am besten zu bcobachten ist, nur eine gleich-
fonnige Abdachung der Plattform walirzunehmen.
Fki. 28. Erosionsersciieinüngen bei Antikurie. — 1. Diabas. — 2. Korallen-
kalk. — 3. Meer.
Die gehobene Tcrrasse ist hier an einigen Punkten der ganzen Breitc nach
1) Vgl. obon pag. 52.
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109
unlerwaschen, so dass die Brandungswogen des Hochwassers an ihrer landeinwiirts
gekehrten Grenze wieder ana Licht treten, urn an den Gehangen des Diabasgebirges,
weiehes liier das Liegende der quartaren Kalke darstellt, emporzulecken. Die
ganze, niedrige IMattform von Antikurie ist somit ein einziges, ausgedehntes Ge-
wölbc, weiehes nur noch auf einzelnen l\'fcilern des Gruudgebirges ruht und des
Einsturzes harrt. Vielfach hat aber dieser schon stattgefunden, und eine Beilie von
pittoresken Brücken ist entstanden, welche deni Ufer vorgclagert sind, gekrünt
von den Eotzen der Kalkbank, mit der sic sicli früher zur Bildung eiuer zusam-
menhangenden Terrasse vereinigten. Auch landeinwiirts sind hie und da schon be-
trachtliche Einstürze erfolgt, und hier sieht man an den Seitenwanden der früheren
Höhlungen geschwungene Bogcnliuien von autt\'allend regehnassiger, an Nisehen
erinnernder Form, welche den gewülbeiihnliehen Bildungen in den gehobenen
Strandlinien glcichkonimen, aber dieselben an Ilegelmassigkeit übertrett\'en, da sie
noch nicht mit Kalksiuter bekleidet sind. An ihrem Boden liegt die mit Sand und
Geröllen bedeckte Terrasse, über welche die Brandung des Hochwassera hinweg-
Fio. 2i». Ukerterrassen hei Hato.
lm
Ilintergrumle das Nivoau des Meere». Gesehen von dem Hause bei Hato, naih NO zu.
sticht. Broeken einer alteren Uferterrasse befinden sich noch weiter aufwiirts an
den Gehiingen des Diabasgebirges, welches der zerstörenden Wirkung einen weit
bedcutonderen Widerstand entgegensetzen konnte und so das Vordringen der Strand-
linic weiter landeinwiirts verhinderte. Mit desto grösserer Kraft konnten aber die
Wogen das Zerstörungswerk an den quartaren Kalken vollführon, welche hier an
der Nordküste von Aruba auf diese Weise fast völlig vernichtet wurden.
Am vollstiindigsten sind die Strandliniex auf CuRAgAO entwiekelt, woselbst
aie, von geringen Untcrbrechungen abgesohon, das ganze Eiland ringförniigunigeben.
An der Nordküste vor allem, wo der Kalkgürtel sehr breit ist und die vordringende
Brandungswelle keino Aenderung des Gesteins antraf, konnten sie sich am regel-
miissigsten ausbilden.
Bei Hato liegen über der niedrigen Uferterrasse, welche den heutigen Strand
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110
begronzt und mit einer Hrtlie von 3—5 m fust ununtorbrochon alle drci Insein
umsaumt, landeinwtirta noch zwei andere Plattforuien, welche, nirgends eine nen-
nenswerthe Lücke aufweisend, sich von Hato aus einerseits bis naeh Ascention,
andcrerseits bis nach Briovengat verfolgen lassen und überall nahezu den gleichen
Abstand von der Kuste inuehalten. lm schmalsten Theile reicht die höchste der
Terrassen ohne Unterbreehung von den quartiiren Kalken in die Kreideformation
hinüber, da die cretaeeïschen Schichten hier aus leicht zerstörbaren Mergein bo-
standen, und westlich voin Kleine Berg liat diese Plattform eine ko bedcutende Aus-
dehnung erlangt, dass ihrc Stirnwand der Südküste melir genüliert ist als der Nord-
kiiste. Hier hangt die Strandlinie mit den inneren Steilabstürzen des Küstenge-
birges von Nord- und Südstrand, welche das Thai im Osten von Hermanus ein-
schliessen, zusammen.
I--------------------------------------—-------——-—-------------Auch an der Südküste von
Fki. :jo. Fortsetzinu im n in Fic 2!) luRfiESTiai.TKN Straxh- gebung der Stadt, woselbst die
i.inikn nach Westen zi .                                    °
n. . ... ,, , ,..., , £,.. ,                . , Höhen mit geringer Neigung
Die Ansulil ist von der Hohe der Stirnwand gen.....men, in der                             b         b             e e
auch die Grotte von Hato liegt (in der Zeichnnng vorne links). see\\varts einfallen und die
lm Vordergrunde <lm newachsene Brandongsterrasse; rechts die
Kuste von Halo, stark verkürzt und dalier als liucht erscheinend. AusprSgung der Strandlinien
dcmzufolge undeutlicher ist. An dor Südostecke nimmt die Zahl der l\'ferterrassen
vom Tafelberge nach Ostpunt zu allmahlig ab: der Tafelberg besitzt drei, der nach
Osten folgende, niedrigc Berg, weieher „Duivclsklip" genannt wird, uur noch zwei
gehobene Strandlinien, von welchen die obere nur unvollstiindig nach innen bo-
grenzt ist, da die Erosion die zur IMattform gehörige Stirnwand bereits theilweise
zerstört hat. Weiter nach Osten fehlt die Stirnwand ganz und sinkt die Zahl der
Strandlinien auf Eine herab; ebenso an eincm Theile der gegenüberlicgenden Nord-
küste, nahe bei Ostpunt.
Wie hier die frühero Anwesenheit einer grosseren Auzalil von gehobenen
IJrandungsterrassen durch den Vergleich mit den Verhiiltnissen am Tafelberge wahr-
scheinlich wird, so sind auch an einigen anderen Orten der Insel die höheren
Terrassen vernichtet worden. Deutlich ist dies durch die noch theilweise crhaltenen
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UI
Resto solcher Bildungen an der Kuste von Savonet zu erkennen. Mir ist es ferner
wahrseheinlieh, dass auch die KalkbrQcken des Groote- und Kleine Berg als ge-
hobene Plattforraen aufzufassen sind, die aber einer inneren Begrenzung durch eino
Stirnwand entbehren, wcil die von Norden und Süden vordringenden Brandungs-
wellcn sich nacli völliger Zerstörung einer solchen im Innern des Eilands die Hand
reiehten. Die Kalkbriieken ontsprilchen dann einer vier ten Brandungsterrasse; in-
dessen bedarf es genaucrer Messungen und Vergleiche, uni die Verhiiltnisso deutlich
übersehen zu können.
Dem gegenüber fehlt in der Caracasbai, welche sehr gcschützt liegt und auch
in jüngst verflossener, quartarer Zcifc der Brandung wenig ausgesetzt geweson ist\'),
cine Strandlinie ganz. Hier hat einc ruhige Erosion durch das Meer stattgefunden,
wie sie aneh jetzt noch langsam bei den fast unmerklich auflaufenden "Wellen ihren
Fortgang nimmt.
Der durch seine eigenthüniliche Form als „Grcnadiersmütze" bekanntc Fels
daselbst besitzt einen verschmalerten Fuss, welcher durch eino ebene, dem
hüchsten Wasserstande entsprechende Pluche von der broitcron Hauptmasse ge-
schieden ist. Eine derartige, ebene, wie abgeschnitten sich darstellende, liorizon-
tale Erosionsnachc zeigt auch der Fuss der Klippo, auf welcher die Beekenburg
Fio. 31. Dik Grekadirrshutzë in der Caracasdai.                      dung durch lang-
same Lösung des Gesteins ein Gebilde erzeugte, welches iin die Nadelformen
grosser Flüsse mit stark einschncidender Thiitigkeit crinnert.
1) Vgl. oben pag. 17.
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112
Vielleicht hat die Caracasbai cbonfalls einer solchen ruhigen Erosion dos Mee-
res, welche sich im Wesentlichen auf eine lüsende Thiitigkeit beschn\'inkte, /urn Thcil
ihre Existonz zu danken; denn die zahlreichen isolirten Kalkblöcke, welche an ilirem
Ufer auf dein Diabase lagern, zeigen auch sammtlich noch eine ungestörte, gesetz-
massige Anordnung. Wahrend sic auf den ersten Bliek den Eindruck eines wirren
Durcheinander hervorrufen, reihen sie sich, vora Thurme der Beekenburg betrachtet,
zu regelmassigen Schichten an einander und orschoinen sie nur durch erweiter-
te Kluftflachen und senkrecht zu dicsen gerichtete Spalton geschieden. An die
abgestiïrzten Blöcke der Brandungsterrassen erinnert hier niclits Anderes als die
zerfressene OberHiiehe des Gesteins.
Niichst Curacao besitzt West-Bonaire den vollstandigston Gürtel von Strand-
linien; sic sind an der Siid- und Südwestküsto dieses Insoltheilos besser erhalten
als an den meisten Punkten der Nordküste, woselbst die Zerstörungder Korallen-
kalke vielerorts so weit vorgesehritten ist, dass selbst ihr Liegendes, die cretaeeïsehe
Sehieferformation, durch die Brandung abgeliobelt wurde. Bereita oben ist der grossen
Ausdehnung der Brandungsterrassen gedacht;1) die ursprüngliehe Verbreitung der
Riffkalke liisst sich unter solchen Verliültnissen nicht mehr reconstruiren. Hei
Fontein sind sie am besten erhalten, und hier sieht man wiederum drei scharf
ausgepriigte Terrassen Eine über der Anderen sich erheben.
Ob sie ihrer Lage nach den Terrassen von Curacao entspreehen, vermag ich nicht
anzugeben2), da sich dies, oline genaue Messungen in grösserer Zahlauszuführen, nicht
beurtheilen liisst. Aus der gleichen Anzahl von gehobenen Strandlinien auf beiden In-
aeln liisst sich hiefür nichts ableiten, da jedejüngere Terrasse, welche weiter als die
altere ins Land eindringt, die Spuren der Letzteren völlig verwischen muss, sobald die
Decke nachgestürzt ist. Etwas Aehnliches hat auch am S. Grandi stattgefunden, in
dessen steilen, dein Meere zugekehrten Absturz zwei Hohlkehlen über einander
eingeschnitten sind, wahrend anseinem Fussenur Eine der zugeliörigcn Brandungs-
terrassen überlief\'ert ist. Der Boden jedcr Holilkelilc ist freilich als eine innerhalb
des Bcrges sich fortsetzende Brandungsterrasse zu bezeichnen, aber im Relief
der Landschaft kommt die altere Flattform nicht zuin Ausdrucke. Solche Verhiilt-
nissc erschweren aber den Ueberblick sehr und lassen die Beurtheilung der Zu-
sammengehörigkeit verschiedener Terrassen an einander entfernten Orten bei rliich-
tigcr Durchreise gar nicht zu.
1)   Vgl. obon pag. 71 u. 76.
2)  Nach mt\'inun Schiitzungcn ist dies nicht der Fall.
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Auf\' Aruba, \\vo die quartaren Kalkc oine noch weitere Reduktion erfahren
habon als auf\' Bonaire, sicht man fast überall nur eine einzige geliobcne IMattforin,
wahrend Spurcn einer al teren noch nürdlich von Fontein auf\' den Gehangen des
Grundgebirges liegen. Die alte Strandlinie der Südwestküste ist jetzt weit land-
einwiirts gerückt; zu ihr geboren die Grotten des Caraehito, welche den gleichcn
Cbarakter tragen wie die Höhlen in der gehobenen l\'ferlinie derNordostküstedea
Eilands. \')
C3-rundwasser und Quellen.
Auf den Insein sind atmospharische Niederschlage selten. Selbst sehr feuehtc,
über die Eilande hinziehende Luftstróme bringen nur ausnahmsweise Regen, da
die erfbrderlicho Abkühlung nicht nur fehlt, sondern sogar eine bedeutende Ilitzc
von den kahlen Felsen ausstrahlt, welcbe die rclative Feuchtigkeit der Luft vcr-
ringert und den bereit.s zu Wolken verdiehteten Wasserdanipf\'ani Niederfallen ver-
hindert. Der Mangel einer dichten Yegetationsdecke als Folge der Regenarmuth
ist gleichzeitig Eine der L\'rsachen der Letzteren.
Man sieht die Wolken herantreiben, uni in der Regel scheinbar emporzusteigen,
sobald sie die felsige, stark erhitzte Kuste erreichen; aber auf Curacao erfolgt
dann im Westen nicht selten noch ein Jsiederschlag, nachdem der östliche Theil
der Insel voni feuchten Luftstróme passirt ist, ohne dass hier der Regen eingetreten
ware. Ich schreibe dies dom Unistande zu, dass West-C\'uraeao nicht nur dichter
bewachsen, sondern aucli höher ist als Ost-Curacao, so dass die Temperaturabnahme
f\'ür den Gipfel des Christott\'els fast 2- C betragt. 2)
Zu Zeiten fallen indessen auf den Insein ganz ungeheure Regennicngen. Es
kommt vor, dass dieselben lm an Einem Tage betragen, so dass sogar wiederhol t
1)  Andero Erosionswirkungen dos Meeres wurden bcreits obon bei Jieschreibung der verschiodc-
non Formationen Aruba\'s behandelt. Vgl. pag. 48 und pag 52.
2)  Es ist bii\'bci, wio gewöhnlich, \'A°C für je lOOm in Rechnung gebracht. Dem entspricht auch
meine licobachtung, donn ani 2D<"> Januar fand ich urn 6\'/j l\'lir Morgens auf Savonct, 20m über
dem Meere, dio Temperatur der Luft 24,6 C\'; auf dem Qipfel dos (\'liristoll\'ols, 37(: m iibor dom
Meere, um T/i Ubr .Morgens, nur 22,8° C. Dio beobachtete Abküblung für 366 m betrSgt domnacb
1,8°C, wahrend sie naoh dor gewöhnlioh angowandtcn Rechnung 1,78\' 0 sein sollte. Dio lTebei-
einstimmung ist demnacb eine sehr befriedigende; dio Beobachtungen in den frfihen Morgenstun-
den dürften aber fast den Werth gleicbzeitiger Ablesungen, zu donen ich keine Gelegenheit batte,
beanspruehen.
15
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114
Leute vor den abstrómonden WasserHuten sieh auf Büume rettetcn und unter
anderen einstmals ein Jungc sammt Esel bei Zuikertuin ins Schottegat gesehwemmt
wurde.
Von dicsem Regenwasser muss eine bedeutende Menge im Boden versinken,
da nicht nur das Kalkgebirge, sondern auch die cretaceïschen Sedimente und die
Eruptivgesteine, besonders die Diabasformation, in bohem Grade zerklüftet sind.
In die aufgelockerten Diabasmassen eindringend erreicht das Wasser bereits
in einigen Metern Tiefe unzersctztes Gestein, welches durch seine geringere Per-
incabilitiit den weiteren Durchgang zur Tiefe verhindert und auf\' geneigter Begren-
zungsflache den aufgesogenen Regen allseitig von den Kuppcn thahvarts abtliessen
lasst. Stellt das Thai eine kesselfórraig gesehlossone Muldedar,wie sie so hiiutig im
Diabasgebiete vorkommcn, so sammelt sicli in ihr ein Grundwassertümpel an. Diescr
wird aber nieht nur von dein unter der Oberflache der Gelüinge absickernden \\Vras-
ser gespeist, sondern selbstredend auch von dein Regen, welcher unmittelbar auf den
das Kesselthal im Grande ausfüllenden Aufschüttungsbodcn fïillt und ausserdem
oberflachlich von den Gehangen dorthin abströmt.
Die Pflanzer Btauen nun das Regen wasser durcli Anlage breiter, niedriger
Steinmauern, welche weit ausgedelint und bisweilen zu mehreren hintcr einander
gelegen sind, auf und verhindern dadurch nieht nur das direkte, oberflaehliehe Ab-
Hiessen des J{egens und die Fortführung des lockeren Erdreichs, sondern verschaf-
fen vor allen Dingen dem Wasser Zeit zum Einsickern in den Roden. Der Roich-
thum an Grundwasser wird auf diese Weise erheblich vermehrt, und bei gunstiger
Lage kann es jetzt unter dein Aufschüttungsbodcn durch das Relief des unzersetzten
Gestcins am weiteren AbHiessen gchindert werden, auch dort wo an der Oberflache
eine natürliche Stauung nicht vorhanden ist.
Brunnen, welche in derartige Grundwassertümpel hinabreichen, werden naturge-
iniiss am besten und am langsten gespeist wer-
den; das Wasser, welches aus den oberflachlich
abströmenden Regenmengen in den künstlichen
Behaltern von gewaltigen Dimensionen gesain-
melt werden kann, wird sicli in ihnen nicht nur
1. Diabas. — 2. Zersetzter Diabas.— 3 Auf- am langsten halten, sondern auch durch ncue
gchüttungsboden.                                                ,                                  in.,.                    .
Autulir ersetzt werden. Es ist terner deuthch,
dass bei gleichen Regenmengen der Reichthum an Grundwasser von der Grosse des
Einsickciungsgcbietes und von dem Grade der Verdunstung abhiingig ist, dein auch
das in den Boden eingedrungene Wasser noch ausgesetzt bleibt. Des wegen sol 1 te
man darauf bedacht sein, bei Anlage von Brunnen weite Kessclthiiler mit sanft
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ansteigenden Gohiingcn zu wahlen, in deren Grunde sich ein machtiger Aufschüt-
tungsboden befindet und deren Oberflache von Pflanzenwachs bodeckt ist. Deun
sowie das überlagernde Erdreich den bereits gebilde ten Grundwassertümpel schützt,
so wird das Siekerwasser, wclehes diesen noch nicht erreicht hat, nahe der
Oberflache durch die Vegetation vor rasdier Yerdunstung bewahrt bleiben. Die
vielfach geiiusserten Klagen über Zunahme der Dürre bei der gedankenlosen Ver-
nichtung der Vegetation sind sicherlich nicht grundlos.
Wie von der Diabasformation, so mussen aucli von den tief zerklüftoten cre-
taeeïschen Sedimenten erhebliche Regenmengen auf\'gesogen werden, und \\vo die
betreffenden Ablagerungen so machtig sind wie im (Jebiete des Christoffels, da
hiilt sich in ihnen auch bis in die trockensten Zciten hinein fast stets noch ein
geringer Vorrath an Wasser. An den mcisten Orten dürfte es aber bald bis auf
das unterlagernde Diabasgestein wegsinken; so dass sich daselbst das Grundwasser
in einer der eben beschriebenen anatogen Weise ansammelt, überlagert von den
Sedimenten der Kreideformation.
Diesc Verhaltnisse lassen aber die Anlage von Hrunnen im Sandstein- und
Schiefergebiete nicht; rtithlich erscheinen, da das Wasser erst in grösserer Tiefe
als im Diabasgebiete erreicht werden kann. Welche Rol Ie den Mergein als wasser-
dichte Schicht zukomnien mag, ist bis jetzt gar nicht zu beurtheilen , da das Aus-
streichen an der Oberflache dos zerfallenen Gesteins nur ungenügeiid festgestellt
werden kann. \')
Zur Anlage von artesischen Brunnen, welche auf den Insein so sehr gewünscht
wird, liefert die Kreideformation — die einzige, welche überhaupt in Betracht
kommen könnte—jedenfalls keine Handhabe; ihre zusanimengestauchten und ver-
worfenen Schichten, welche mit complicirter Lagerung tiefe Zcrklüftung verbinden,
mussen jeden Gedanken daran sofort zurückdriingen.
Die bedeutendsten Regenmengen werden unstreitig von den quartaren Kalken
eir.gesogen, da sic nicht nur am reichsten an grosseren Spalten und Höhlungen
sind, sondern ihre zerrissene Oberflache auch das direkte Abfliessen des Wassers
1) Die Botrachtungon über das Grundwasscr bcziohen sich fast aussehliesslich auf Curaeao, du
Dl ir für die beiden anderen Insein nur ein unzureiehendes Beobachtungsmaterial vorliegt. Westlieli von
Ooto auf Bonaire selieinen indesseri im Oiabasgebioto die gleichcn Verhiiltnisse wie auf Ourucao
obzuwalten, wiihrend das gleiclie Eruptivgestein auf Aruba ungiinstig für die Ansammlung von Cirund-
wasser sein dürfte, da seine Oberflftohe wenig gelockert ist, der Aufschüttungsboden fast ganz fehlt
und das Kelief ein rasebes Abstriimen befördern muss. Die (irundwasscrtümpel, welche liings der Süd-
küste von Aruba im Korallenkalke gelegen sind, verdanken otfenbar den Verwitterungsprodukten
des im Liegenden auftretenden Quarzdiorits ihrfl Kxistenz.
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verhindert. Von diesem Sickerwasser kommt den Insein indessen nur sehr wenig
zu Gute, indem es von den Kalken bis zur Grenze der alteren Formationen durch-
gelassen wird und nun an den Begrenzungsflachen des unterlagernden Gebirges
abströmt. Denn nur in den wenigen Fiillen, \\vo die Kalke mantelformige Umla-
gerungen bilden, kann ein Tlieil des von ihncn aiifgenominenen Wassers land-
cinwarts seinen Weg nehnien, und es spielt dann die Kalkschicht eine ahnliche
Rolle wie die vergruste Oberflache der Diabase. Wenn aber, wie fast stets, riie
quartüren Kalke seewarts einfallcn, so strömt untcr ilinen das Sickerwasser zum
Meere ab — es soi denn, dass die wassertührende Schicht angezapft wird und das
Wasser als Quelle zu Tage austritt.
Dies Anzapfen ist in einigen Fiillen durch die Herausbildung der gebobeneu
Brandungsterrassen geschehen, indem deren Stirnwand bis zur wasserführenden
Schicht an der Grenze der alteren Formationen
vordrang, eine höchst interessanto Art der Quellen-
bildung, welche sieh auf allen drei Insein in je
Einera Falie beobachten lüsst. Die Quelle von
Hato, von Fontein auf Aruba und von dein gleich-
namigen Orte auf Bonaire sind alle drei auf diese
Fio. :«. Q1EU.KNMLUUH0.
          Art entstanden.
1. Diabas.— 2.Zerklttfteter Kulkstein.                       . .. .            . ..                                   . .
— * Uwpruiigstelle der Quelle.                    Am dcutliclisten ist die (juellenbildung bei
Fontein auf Bonaire. Hier trat das Wasser früher aus einer einige Fuss weiten, zum
Theil mit Erde gefüllten Spalte im Riffstein hervor, \')jetzt ontspringt sie im Grunde
eines künstlicli angelegten Stellens, andessen Eingange von unten nach oben Thon,
lockerc Conglomerate undSinterbildungenauf cinandcr folgen, wahrend wenige Schritte
aufwarts die Diabase in sehr zersetztom Zustande als Liegendes der quartüren
Kalke anstehen. Der Thon ist zweifellos das Verwitterungsprodukt des Eruptiv-
gesteins, sowie auch die Rollsteine in den sein Hangendes bildenden Conglomeraten
von derselben Formation abkünftig sind. Letztore entsprechen den allgemein an
der Basis der Riflfkalke auftretenden Trümmergesteinen, und die wasserfülirende
Schicht liegt ebenfalla an der Basis der Kalke, im Hangenden der thonreichen
Conglomerate, woselbst die Sinterbildungen durch die abströmende Quelle geformt
warden. Die Kalkbedeckung oberhalb Fontein, welche als das Wurzclgebiet der
(Quelle anzusehen ist, bat eine bcdeutende Ausdehnung; trotzdem war aber der
Wasservorratb zur Zeit meiner Anweseuheit, nacli einer lang anhaltenden Dürre,
1) Kapport von StilFt. Die Aniage des Stollens wird von StilFt dasclbst angcrathen und liat of-
fenbar in Kolge dessen spiiter stattgef\'unden.
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so weit zusammengesehmolzen, dass nur ein kaum fingerdicker, trage strömender
Strahl ausrioss.
Auf Curacao und Aruba sind dio Ursprungsstellcn der Quellen vermauort, so
dass sich nichts weiter als der Austritt aus der Kalkformation erkennen liisst;
aber die Analogie mit Fontein auf Bonaire ist bezüglich der Lage dieser Ursprungs-
stellen zu den übrigen Forrnationen eine sehr grosse und augenfallige. Sowohl bei
Fontein auf Aruba als bei Hato trcten die Quellen im Innern der Brandungster-
rassen zu Tage, wahrend aufwiirts die altere Quartarformation eine machtige Ent-
wicklung zeigt.
Als Liegendes dieser Formation crkennt man auf Aruba den Diabas, auf
dessen seewarts geneigtem Geliiinge der in der Rooi Cachuiitio aufgeschlossene
Kalkkeil lagert. \') Das Eruptivgestein setzt also auch hier dein Durchdringen des
Siekerwassers in grössere Tiefen ein Ziel, wahrend es ihm glcichzeitig Gelegenheit
giebt, in der Richtung zum Meere nach Fontein abzufliessen, wo dann die
wasserführende Schicht am Fusse der alten Stirnwand, gerade in der gehobonen
Strand linie, angezapft ist. Auf Curacao ist mir das Liegende der quartaren Kalke
bei Hato unbekannt; es kann wioderum Diabas, vielleicht aber auch ein Mergel-
schiefer der Kreideformation sein.
Die Quellen auf Aruba und Curacao sind ebenfalls wasserarm und würden in
oinem minder dürren Lande, als die Insein es sind, kaum grosser Beachtung werth
sein. Auf Aruba bildete die Quello wahrend meiner Anwesenheit einen kleinen
Bach von kaum Va ni Breite und wenigen cm Tiefe; bedeutendcr dagegen ist der
Wasservorrath von Hato, so dass man daran sogar die, allerdings nicht erfiillte,
Hoffnung knüpfen konnte, Willemstadt mit seiner Hilfe mit Trinkwasser zu ver-
sorgen.
Indessen bin ich überzeugt, dass an der Nordküste von Curacao keincswegs
der Vorrath der an der Grenze des Kalkes und der alteren Forrnationen gelegenen
wasserführenden Schicht vollkomnien oder auch nur annahernd vollstandig gosam-
melt wird. Seitwiirts von der Ursprungsstelle der Quelle werden ansehnliche Men-
gen von Wasser unter der Bedeckung von Riff kalk zum Meere abHiessen, und es
ware vielleicht wohl möglich, dieselben im Boden künstlich zu stauen oder auch
durch Nebenrinnen, welche bis zur wasserführenden Schicht auf der gehobonen
Plattform uiedergehen, den Vorrath der Hauptquelle zu steigern. Schutz des I\'Han-
zenwuchses auf der Brandungsterrasse ist dabei sichcrlich ebenfalls anzuempfehlen.
Prüft man die Bedingungen, welche für die Bildung von Quellen der in Redo
1) Vgl. oben, pag. 55.
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lis
stellenden Art auf don Eilanden erfüllt werden mussen, so sind dies: De»s die An-
wesenheit einer für dio Vorhiiltnisse der Tnseln ausgedehnten und machtigen Schicht
von Korallenkalk, welcher in seinen Kissen und Kluften das Wasser wie in eincm
Schwiimme zurückhalten und langsam an die Quellen abgeben kann, 2,fins das Vor-
kommen der Diabasformation \') oder der cretaeeïsehen Mergel als Liegendes der
Kalke, und zwar mit seewiirts geneigton Begrenzungsrliiehcn, 3\'(\'|1S die Anwesenheit
tief landeinwiirts vordringender Brandungstcrrassen, welche die wasserführende
Schicht anzapfen und das Abströmen zum Meere unter der ObcrHiicho ganz oder
theilweise verhindern.
Der Gedanke liegt nahe, dort wo die beiden ersten Bcdingungen erfüllt sind,
die dritte abcr nicht, die wasserführende Schicht küustlich anzustechen: vielleicht
bedürfte os auf den Brandungsterrassen der Nordküsten, an denen alle drei Quel-
len sich befinden, nur geringer Nachhilfc bei der bcreits durcli dio Mecreserosion
verrichtcten Arbeit, urn zur wasserfülirenden Schicht zu gelangen. Es wird aber
mit grossen Schwierigkoiten verblinden sein, die geeigneten Punkte für derartige
Versuche anzugeben, da boim Mangel an I\'rofilen das Liegende der quartiiren
Kalke im Einzelnen kaum zu beurtheilen ist. Am ehesten könnte dies noch in Ost-
Curacao gescheben, dcnn hier Hogen meines Erachtons die Vorhiiltnisse am gün-
stigsten, da sich das Ausstreiehen der cretaceïschen Scdimentc vielleicht am Innen-
rande dos Küstengebirges verfolgen lasst.
Versuche auf Aruba und Bonaire zur Auffindiing wcitercr Quellen halte ich
dagogen für ziemlich nutzlos; dcnn hier können sie kaum an anderen Orten vor-
kommen als dort, wo sie bereits austretcnd bekannt sind. Die Orte „Eontein" auf
bei<lcn Eilanden sind die einzigen Punkte der betreffenden Nordküsten, welche
durch bcdeutende Entwicklung der Kalke ein Wurzelgobiet von grósserer Ausdeh-
nung voraussetzen lassen und gleichzeitig durch die vermuthliche Beschaffenhoit dos
Untergrundes ein Abfliosscn in gedachtcni Sinne möglich machon. Das ist in Bozug
auf Bonaire bei einem Bliek auf dio Karte bereits deutlich; für Aruba moge noch
hervorgehoben werden, dass das östlichc Kalkplatcau für dio AVassorfrage bcdeu-
tungslos ist, da die Schichten sich hier in schwobendcr Lage als Hangendes der
Eelscnmecre von Diorit und nur in geringer Höhc iibor dem Mceresspiegel befinden.
1) An und für sicli könnten zwar auch die andoren EruptivgeBteine der Kilande die gleicho Kolle
spiclen, den geognustiachen Verliiiltnissen nacli ist dies indessen nicht wahrscheinlich.
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Strandverschiebung", IBildung- der 8een und Ausrau-
mung des Innern.
Strandverschiebung. Es ïsfc oben dargelegt worden, dass in quartarer Zoit
die Eilande zum grössten Tlicilo vom Meere bedeckt waren, dass sie Atolle und
isolirte, von Damm- und Saumriffen utngebene Inselclien forinten, deren Ausdeh-
nung weit hinter derjenigen der jetzigen Insein zurïïckstand. Sie tauchten allmahlig
in Folge einer positiven Strandverschiebung unter den Ocean , und ieh vermuthe,
dass wiihrend dieses Vorgangcs durcli den Tafelberg St. Ilioronimo eine Abrasions-
rlitche gelegt wurde, welche jetzt in 207 m Meercshühe die Basis der dort ent-
wickeltcn, quartaren Kalke formt. Auch die 177 m hohe Plattform des Brandaris,
welche sieli unter dem Gipfel des Berges naeli der Seeseite ausdehnt, halte ieh
für eine Abrasionstliiche, deren weitere Ausbildung durcli spater erf\'olgte ^\'iveau-
veranderungen verhindert wurde, so dass der Gipt\'el nicht völlig abgetragen werden
konntc. \')
Der positiven folgte eine negativo Strandverschiebung, welche mindestens
218 in betragen ha ben niuss, da bis zu dieser Ilöhe die quartaren Kalke im llie-
ronimo anstehen. Auch dieso Strandverschiebung hat allmahlig stattgefunden, wie
das Auftreten mehrerer über einander gelegener Uferterrassen beweist; sie muss
zudem lediglich in dem Zurückzuge des Meeres, nicht aber in einer Niveau-
schwankung des Landea ihren Grund gehabt haben. Denn die Straudlinien
verlaufen nicht nur unter sich und dem jetzigen Mceresspiegel parallel , wie sieli
dies namentlich an der Kuste von Curacao auf woite Strecken hin verfolgen lasst,
sondern es betinden sich auch die Korallenkalke, wie oben dargelegt, noch durchaua in
derjenigen Lage, welche dem Wachsthume der Polypen entspricht. Ein solches
Yerbleiben in situ, ohne irgend welche Störung des Gebirgsbaus, liesse sich aber
bei einer Niveauschwankung des Landea sehwcrlich verstellen.
Seex. Wiilirend der negativen Strandverschiebung zog sich das Meer allmiihlig
aus dem Innern der Eilande zurüek; lange Zeit noch bedeckte es das niedrige
Binnenland von Ost-Curacao und einen Tlieil von West-Curacao, wiihrend os sich
auf Aruba bis zu der in der Karte verzeichneten, alten Meeresbucht ausdehnte,
die Ebene von Kincon auf Bonaire ein fast abgcsehlossenes, durcli die Buchtvon
Unima mit dem Meere verbundenes Boeken forrote und weite Kiistenstriche auf
dieser Insel und auf Aruba ebcnfalls noch von Wasser bedeckt waren.
1) Daas eine Abrasionsflüche am St. Christoffel Milt, ist nicht aufTiillig, da derselbo aus selir
wideratamlsfiihigen, machtigen Banken von Kieselschiefer besteht.
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120
Die abgeschnittenen Meeresreste, welche bei der
fortsehrcitenden Troekonlogmig dor Insein nnfïinglich
in den Depressionen noch erhalten blieben, mussten
bei dom Mangel an Wasserzufuhr der Austrocknung
durcb Vcrdampfung bald unterliegen. \') Anders ge-
staltcten sich aber die Verhiiltnisse dort, wo solclio
Roste auch fcrnerbin ruit dom Meere in Verbindung
bleiben konnten. Die zahlrcichen Einscbartnngon der
quartaren Riffo boten hic/.u Gclegenheit; denn in
ihnen wurde die Ansicdlung von Korallenbautcn nacb
wie vor durch die periodiseh zugeführten Regen- und
Scblanimassen verhindert, und so blieben sic als Ver-
bindungscanale zwiselien dom Meere und denjenigen
Meeresrosten bestehen, die nahe dem Strande inner-
halb des Küsteugebirges die Depressionen der Insein
fiillten: es entstanden die sogenannten Binnenwasser
(„binnenwater").
In seiner typischen Ausbildung besitzt cin solches
„Binnenwasser" eine sehr charakteristische Form,
die ich blattartig nonnen möclite, da sich der Ver-
bindungscanal zwiselien dem abgegliedcrten Boeken
und dein Meere einem kurzen Stiele gleieh an die
\\Vas8errlache mit unregelmassig gelapptem Umrisse
im Innern des Eilands anschliesst. Curacao zeigt
dieso Ausbildungsweise am botsten in seinem östlichen
Theile. Bei anderen Boeken dieser Insel und bei
denen von Bonaire ist dio Form insofern modificirt,
als sich am Strande aus grobcn Korallcnbruchstücken
und aus Sand gobildcte Uferwalle aufbauten , so dass
dio Lostrennung voni Oceanc eine vollstandige wurde.
Aruba besitzt kein Binnenwasser, da ein das
Binnenland überragendes, mit Einschartungen ver-
schenes quartitres Ritt\' nicht vorhanden ist und dio
e s
3.2
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II H
~&
1) Die üypskrystalle, wclcho auf Curaeao nicht selten an der
Oberfliiehe gefunden werden Hollen, dürl\'ten als Ausseheidun-
gen bei diesem 1\'rocesse entstanden sein.
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121
Reliefverhiiltnisse überhaupt für die Erhaltung abgetrennter Mecresreste nicht
gunstig sind. Nur ein ausgetrocknotcs Beckcn befindct sich an dor Nordwesteckc
der Insel zwischon Adikurarie und Tikibanaï, wolches vermuthlich dureh die jüngstc
Verseliiebung der Strandlinio trockongelegt ist. Das Meereswasser strümt hier
nicht melir durch den alten Verbindungscanal ein, wahrend etwaige Regen-
mengen durch diosen sofort wieder abfliesson mussen.
Audi bei Savonot auf Curacao befindet sich ein ausgetrocknetes Secbecken,
welches friihcr durch die Boca an der Nordküste mit dem Meere communicirte; es
wird in soinem ausgedehnten, inneren Theilo nie mehr von Salzwasser überströmt,
wohl aber bisweilen in seinem iiusseren Abschnitte, welcher nur durch einen nie-
drigcn Uferwall gegen die Wellen geschützt ist. Auf dem trockengclegten Boden
findet man daselbst Korallen und Meeresconehylien, und zwischen ihnen zahl-
reiche Landschnecken, die mit den hergeführten Schlammassen zur Regenzeit ein-
geschwemmt wurden.
Allen diesen Seen, die als abgetrennte Mceresreste auf den Insein sich er-
halten haben (binnenwater), kann nur ein ephemeres Bestehen beschiedon sein, da
die langsame Erhöhung ihres Bodens durch Ilinzuführung von Alluvioncn, ferner die
Bildung von Uferwallon und bcsonders die noch fortschreitcnde Hebung der Eilande
ihre Verbindung mit dem Meere auf hebt und so bei dem Mangel genügender Zufuhr
von Süsswasser ihre Existenz unmöglich macht.
Lagunkn. Zu einer ganz anderen Art von Beckcn gehören dicjenigen, welche
ausserhalb der alteren quartiiren Kalke in den jüngsten Riffbildungen gelegen sind
und lediglich durch die Entstehung von an die Kuste sich anlehnenden Wallriffen
vom Meere abgetronnt wurden. Sie verrathen ihren Ursprung und ihre Terschie-
denheit von den „Binnenwiissern," abgesehen von der verschiedenen Lage, bereits
durch ihre Form, die einfach oval odcr liinglich ist, wahrend ihre Liingsachse der
Kuste parallel verbluft. Diese Becken sind Küstenlngunon.
Die Küstenlaguncn befinden sich vor allem in grösserer Anzahl an der Süd-
küste von Ost-Curacao; denn zu ihnen gehort die Fuikbai, die sog. Lagune,
Ava blanco und das Water van Oostpunt. Auch das Rifwater und Waaigat bei
Willcmstadt tragen den gleichon Charakter. Auf Bonaire sind ferner mchrcre
Küstenlaguncn an dem Woststrande des östliehcn Inscltheiles vorhanden , auf Aruba
dagegen fchlen sie ganzlieh und treten ausgedehnte Wallriffe an ihre Stelle, die
bis jetzt keinen Anschluss an die Kuste erreicht haben. Die sog. spanische Lagune
auf dieser Insel ist die Fortsotzung der in sie einmündenden Rooi und wird offenbar
mit Hilfe der periodisch durch sie abströmenden Regen- und Schlammassen
offen gehalten. Deswegen trifft ihre Liingsachse auch senkrecht auf die Kuste,
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122
statt wie bei den eigentlichen Randlagunen dersclben parallel zu verlaufen.
Unter den völlig abgeglicderten Boeken, Binnenmeeren sowie Küstenlagunen,
befinden sich solche, welche nocb fortwahrend mit Meereswasser gespeist werden,
indem dasselbe entweder durch die Uferwalle hindurchsickert oder auch in grösse-
ren Zwischenraumen bei Hoehfluten über sie hinweg in die Seen eintritt. Sie
ersetzen also den durch Verdunstung an ihrer Oberniiche crlittenon Wasserverlust
und crfüllen somit auf den tropischen, an Niederschliigen armen, einer starken
Luftstrümung ausgesetzten Insein alle diojenigen Vorbedingungcn, welche nach
Ochsenius \') bei Seichtheit der abgetrennten Meerestheile zur Bildung von schwachen
Salzflötzen, bei grösserer Tiefe zu derjenigen von miichtigen Salzlagern führen
mussen. Einige Seen befinden sich im Zustande einer Mutterlaugo, so das bekannte
Pekolmeer auf Bonaire, und seit undenklichen Zeiten sind die natürlichen, nie aus-
trocknenden Salzpfannen, welche namentlich letztgenanntes Eiland im Süden
besitzt, bekannt. 2)
lm Einzelnen muss die Salzbildung je nach der Höhe der Uferwalle und ihrer
Durchliissigkeit mancherlei Modifikationen unterliegen. So wird z. B. im westlichen
Bonaire der durch Verdampfung erlittene Wasserverlust nicht genügend wieder
ersetzt; ich fand die Becken daselbst sehr zusammengeschmolzon und den früher
vom Wasser bedeckten Boden im Umkreise des derzeitigen Ufers mit Salzkrystallen
bekleidet, die in parallelen Wellenlinien abgesetzt den allmahligcn Fortgang der
Eindampfung erkennen Hessen.3) Auch die Menge des periodisch zufliessenden Re-
gens und mit ihm des Schlammes muss in den einzelnen Becken je nach dem
Relief der Umgebung sehr verschieden, bcdeutender im Allgcmeinen in gebirgiger
Gegend, sehr gering in flachon Küstenstrichen sein, ebenso aber weuhselnd in den
aufeinander folgenden Jahren, und dies Alles wird den Xiederschlagsprocess in den
einzelnen Becken sowohl wie in den verschiedenen Zeiten modificiren.4)
1)  C. Ochsenius. Die Bildung dor Steinsalzlager. Halle 1877. — Ferner : Boitrüge zur Erklarung
der Bildung von Steinsalzlagern u. ihrer Mutterlaugensalze (Nova Acta d. Kal. Leop-Carol.-Deutsch.
Akad. d. Naturf. Bd. XL, N°. 4.
2)  Bosch. 1. c. II, pag. 300.
3)  Vgl. auch Tab. XVI im lten Theile dieses "Werkes.
4)  Bosch sagt 1. c, dass in sehr trockonen Jahren das abgeschiedene Salz in den natürlichen
Plannen etwas bitter ist. Es limiet hier oti\'enbar eine Abscheidung von Magnesiumsulfat statt, welche
in regenreicheren Jahren niclit bemerkbar wird, durchaus entsprechend den theorotischen Entwick-
lungen von Ochsenius. (Nova Acta 1. e. pag. 140).
Bisweilen ist die Ilegenmenge auf den Insein so bedeutond, dass die Ernte in den kiinstlich
angelegten Salzpfannen, an denen die Biunenmecre reich sind, misslingt. Indessen geboren solche
Jahre zu den grössten Seltenheiten. Nach v. Lennep Goster fand dies 1838, nach von Dissel 1855,
nach Zeitungsberichten 1886 statt. (G. van Lennep Coster, Aanteekeningen gehouden in West-
Indië 1837—1840; Amsterdam 1842, pag. 57. — S. van DisBel. Curacao; Leyden 1857, pag. 102).
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123
Es ware mit Rücksicht auf die Erkliirung der Bildung von Steinsalzlagern
von höchstem Interesse, die in den Binnenmeeren und Lagunen der Eilande sich ab-
spiclenden Processe niihor zu prüfen, wozu sich mir bei der Kürzc meiner Iteisen
keine Gelegenheit bot, und von nicht geringerem Interesse ware es, die Becken
auf ihre Fauna und Flora zu untersuchen, soweit sie eino solche überhaupt noch
besitzen. Der Keichthum an Binnenmeeren, welche bald ganz abgeschlossen sind,
bald mehr oder minder vollkommen mit dem Oceane communiciren, liisst vermuthen,
dass hier manche bemorkenswerthe Uebergiinge von Faunen sich tinden werden.
Mehrcro der Seen beherbergon wegen ihres Salzreiclithums keine Organismen mehr.
Das ist z.B. bekannt für die erwahnten Binnenwiisser des südlichen Bonaire\'); aber
auch am Rande des Wassers und auf dem trockengelegten Boden der Seen des west-
liclien Inseltheiles habe ich vergebens nach einer Spur von meeresbewohnenden
Thieren mich umgesehen.
ALTSRiiuMUN» des Inxern. In engem Zusammenhange mit der erwiilinten
Trockenlegung der Binncnseen steht die Ausriiumung des Innern der Eilande durch
den abnicssenden Regen. WasserHuton, welche im Stande sind, Steinditmme von
mehr als Meter Breite zu zerreissen, mussen gewaltige Mengen des aufgelockerten
Erdreichs mit sich fortführen, uud bedeutend muss die Menge der mitgerissenen
Schutt- und Erdmasscn vor allem dort sein, wo der Boden eine tiefgehende Zer-
setzung erfahren hat.
Dies Letztere ist, wie obeu bcreits horvorgehoben, ganz besonders in Ost-
Cura^ao der Fall, dessen Inneres durch die lang aiulauernde Meeresbcdeckung bis in
betriichtliche Tiefen aufgelockert wurde, uud so bildete sich hier in den Kum-
men des Diabasgebirges und hinter den künstlichen Schutzwiillen der Pflanzer ein
machtiger Aufschüttungsboden, wahrend die Hügel jeder llunmsdecke beraubt
wurden. Das abströmende Wasser Hiesst indessen durch seine natürlichen Abzugs-
cauiilc, die Einschartungeii im (|iiartiiren Uitte, schliesslich ins Meer und setzt auf
diesem Wege auch einen Theil seiner feinon Sedimente in den Seebecken ab, deren
Trockenlegung befördernd.
Die Folge der Regengüssc ist demnach nicht nur eine fortschreitende Nivellirung
des Innern, sondern vor allem auch eine Ausriiumung desselben, da die feinsten,
erdigen Theile jedesmal mehr und mehr dom Küstengebirge zugeschwemmt werden,
um schliesslich ins Moer zu gelangen. So erkliirt sich auch die Bildung des Kes-
selthales, wie man das Innere von Ost-Cura^ao , als Ganzes betrachtet, bezeichnen
muss, uud die anfiinglich höchst autfallend erscheinende Thatsache, dass die Diabase
1) Bosch l.c. II, pa}?. 300.
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124
dort am hóehsten sind, wo sie als Liegenden der Kalke auftretcn, also langs des
Strandcs.
Die quartiiren Kalke schützen das unterlagerndc Gebirgo vor den Wirkungen
der Erosion und mussen dies bereits in einer frühercu Periode gethan haben, als
Meeresströniungen im Atoll eine iihnliehe Abtragung bewirkten, wie sie hcute noch
durch das llegenwasser ausgeübt wird. Dies konntc bosonders in einem Zeitab-
sehnitte geschehen, in dem die Trockenlegung des Küstcngobirgcs sehon so weit vor-
geschritten war, dass der Korallensand im Inncrn keine ncue Zufuhr mehr erhielt
und auch die Polypen daselbst abgestorben waren.
Es liegt nicht der mindeste Grund vor, urn für die geringe Erhebnng des
Inncrn der Insel über den Meeresspiegel mit Gabb anzunehmen: „that it can only
bo accounted for by the existence of a fault" (1. c.)
Auf\'gloichc Weisc erklart sich auch die Existonzdesllandgcbirgos von Diorit, wcl-
ches das aus derselben Formation gebildete Plateau im Inncrn von Aruba so weit über-
ragt. Auch diese Hühen wurden durch Korallenkalke, welchejetzt bereits theihveise
den Einwirkungen der Atmosphaerilien erlegen sind, gcschützt, wiihrend im Innern
der Insel die Brandung stand und bei weitcrer Trockeulegung die lockeren Mate-
rialen mehr und mehr durch den abHicssenden Regen der Südwestküste zugeführt
wurden. Die Ausn\'iumung ist hier, wie auf Curacao, noch stets in gleiehem Sinne im
Fortgangc begriffen.
Bei der Erhaltung des Hooibergs in seiner jetzigen, alle anderen Partieen
des Dioritmassivs überragenden Hühe hat neben dem Sehutze von Korallcnkalk
(nach der Abtragung des Lctzteren) wohl auch die Zusammensetzung seines Uestei-
nes, in dem Ilornblende und Augit so sehr vorherrschen, eine bedcutendc Bolle
gespielt, wiihrend die Erosion dom Berge seine eigenthümliche, an einen Vulkan
erinnernde Eonn verlieh. Sie ist leicht verstiindlich, wenn man erwagt, dass sich
seitlich von dem Gipfel Einschartungcn im Korallenriffe befunden haben mogen,
wiihrend sowohl an der Seescite als im Innern des Eilands die Brandung ilin
bestürmte.
Ausriiumungen werden selbstrcdend auf allen drei Eilanden durch Abtragung
des Inneren und Transport des Materiales in die See stattfinden, aber uur in Üst-
Curacao, einem ïheile von Wcst-Cura(;ao und auf Aruba kaun der Effekt in Folge
der starken Auflockcrung der Kormationen und ilircr weit vorgeschrittencn Zer-
setzung ein so grossartiger sein, dass das Binnenland kesselartig ausgetieft wird.
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I 25
«Tungquartüre Bildungen.
Durcli die Fortdauer der ncgativon Strandverschiebung sind in einer kaum
vorflossencn Zcit Muschelbanke und junge Riffkalke trockengelegt worden, wolche
von den oben behandelten, alteren quartüren Bildungen getrennt werden mussen.
DlE MüSCHELB&NKE bilden lockere, erdige und sandige Ablagerungen, welcbe
durch einen grossen Ileichthum au (\',\'onohylien und Resten von anderen Mecrcs-
organismen ausgezeichnet sind, unter die sich stellonweise eingoschweminte Land-
schnceken geniengt liaben, vor allem l\'itpa uva. Am Fusse dos Forts Nassau, wo
am Wege zum Gipf\'el eine derartige Muschelbank als Hangendes der alteren Riff-
kalke wenige Meter über dein Niveau des Meeres ansteht, finden sich die Gehause
der genannten Landsclinecke besonders zahlreich vertreten.
Eine zweite Muschelbank lagert bei Beckenburg, etwa 2 m über dem Meeres-
spiegel, theils vor tlieils unter den überhangenden Kalkfelsen der Quartarformation,
und da sic den Raum zwischen Letzteren und dem das Liegende bildenden Diabase
ausfüllt, so erweckt dies anfangs die irrthümliche Vorstellung, als ware die Muschel-
bank bei Reekenburg iilter als der Korallenkalk, dessen Blöcke auf sie herabgestürzt
scheiucn. Es ist eine alte Strandbildung, welcbe ausser zahlreicben Schalenbruch-
stüekcn von Muscheln und Steingeröllen einen grossen Reichtlium gut erhalteiier
Conchylien birgt, vor allem Ostrea frons und Chama macrophylla.
Eine dritte Muschelbank befindct sich bei Veeris, östlich von der Piscaderos-
bai, auf Curacao, \') und aequivalente Schichten stehen auch am Innenrande der
spanischen Lagune auf Aruba an, an beiden Orten wiederum in einem nur wenige
Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Niveau.
In allen diesen Ablagerungen kommen, wie von vornhorein zu erwarten war
uud aus der bier folgenden Tabelle ersichtlich ist, nur Reste von Organismen vor,
wclche noch lieute das westindische Meer bewohnen.
Petreiakte aus quartaren Ablagerungen, bestimmt von
M. M. Schepman.
Bemerkung: In der folgenden Tabelle bedeuten die Buchstaben die verschiodenen
Fundorte. Es befinden sich darunter von Curacao: B = Beekenburg, B\' = Brievengat,
F = Fuik, H = Hato, J — Klein St. Joris, S\' = Spanischer Hafen, S" = Savonet,
N = Fort Nassau, P — Priesterberg, V = Veeris, W = Willemstadt, W\' = Wcst-
1) Diesen Ort habo ich nicht selbst besueht. Ich ompling die daraut\' bezüglichen Jlittheilungen
und die unten angeführten, organischen Reste von meinem Keisebegleiter Herrn Molengraaf!\'.
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I-Jti
punt; von Aruba: S = Npanische Lagune, I" = Serro Plat, B" = Pan Blanco,
1) = Daimarie; von Bonaire: G = Serro Grandi, F\' — Fontein.
In filteren qnartiï-
ren Schichten.
In den jiingsten
KalkbSnken.
In gehobenen
Miisehelblinken,
Ostrea frons Lin....... B.
Ostrea fulium Lin.......B.
Spondylus Americanua Lam......V.
Spondylu8 «pee. (?)..........
Lima tenera Chemn. (P)......V.
Lima scabra Born.......B. . . .
Pecten nodosus Lin. (?)........
Pecten spee.............
Modiola spec......... ....
Arca Deshayesii Hanloy . . . . B. N. V.
Area (Barbatia) candida Cliemn. (?). B. N\\ V.
Arca umbonata Lam......B. N. V. S.
Chama macrophylla Chemn. ... B. N. V. 8.
Lucina Antillarum ltvo.....B. . V. S.
Lucina chrysostoma Phil......N. V. .
Lucina ligerina Lin.......N. . .
Lucina pensylvanica Lin.........
Lucina serrata d\'Orb. (?)........
Cardium serratum Lin........S.
Cardium muricatum Lin.......V.
Cardium medium Lin..........
Cardium spec............
Venus cancellata Lam.....B. N. V. .
Venus Listeri Gray (i*)......N. . .
Cytherea (Caryatis) albida Gmel. . . N. . .
Tellina fausta Donov........V.
ïellina interrupta Wood........
Tellina spec...........V. .
Amphidesma reticnlata 8ow.....V.
Mactra spec. (?).........V.
Corbula spec...........V. .
Fissurella larva Rve. (?)......V.
Trochus (Livona) pica Lin. ... B. . . .
Natica (Pollinices) caribaea Phil. (?).....
Modulus modulus Lin......B.
w.
IV.
F.
(i. II.
s (?).
.1.
.i.
W.
1).
8\'.
s.
B\'.
B\'.
F.
F.
F.
S.S\'.
s».
F.
w.
s.
s.
s.
1).
13\',
8 (?)
P\'. S».
1).
S\'.
S\'.
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127
Cyclosroma (Tudora) megachile Pot.
et Mich. >)........
Cerithium spec........
Strombus gigas Lin......
Strombus pugilis Lin......
Triton Antillarum d\'Orb.....
Latirus spec.........
Pyrula melongena L. ").....
Pyrula spec.........
Murex calcitrapa Lam.....
Murcx aff. bellus live.....
Voluta musica Lin.......
Oliva reticularis Lam......
Bulla media I\'hil.......
Pupa uva Lin........
Echinometra subangularis Leske3) .
. . V.
. . V.
B. N. .
IJ\'. . S.
IK H. W.W.F\'.
B.
F(P).
8\'(P).
S.
S\'(P).
P.
B.
F.
F. S.
I!.
S\'.
8".
X.
Jüngste RiFFKAiiKE. Gleichzeitig mit den erwiihnten Muscholbanken wurden
Riffkalke trockengelegt, welche noch lieutc fortwachsenden Korallenbauten an
der Südwestküste der drei Insein unmittelbar die Hand reichen und schon hiedurch
genügend als Bildungen einer kaum verflossenen Zeit charakterisirt sind. Die auf-
gefundenen, organischen Rcste — sieh die 2to Spalte der obigen Tabclle — stehen mit
dieser Annahme ebenfalls in vollem Einklange.
Auf Curacao stehen solche Riffkalke im Untergrunde der Stadt an, in der
Fortsetzung des die Kuste begleitenden Wallriffs, ferner am Innenrande des
Schottegats, woselbst auch die kleinen Insein haupteachlich aus diesen Bildungen
bestehen. Am spauischen Wasser stellen die jüngst geliobenen Riffc eine niedrige,
das Uier umsiiumende Bank dar, welche den auf geneigtem Untergrunde angesie-
deltcn, uiteren quartiiren Kalken und Conglomeraten vorgegelagert ist. dlciche
1)  Beide in der Liste angeführten Landschnecken finden sieh auch in einer bis 6 m machtigen,
recenten Süsswasserablagerung, welche bei St. Jan auf Curacao im Hangenden von Diabas auf-
tritt. Deber ihr Yorkommen in anderen, jungen Bildungen der Insein vgl. o ben pag. 17, 21, u. 100,
Eine drittc, auf Curacao lebende Landsohnecke, Bulimulus elongatus Holten, habe ich fossil nicht
angetroff\'en. Sio ist in der heutigen Zeit weit seltonor als die beiden anderen Arten, und dürfte
sieh daraus auch ihr Fehlen unter den 1\'etrefakten erklaren.
2)  Diese Art ist auch in don uiteren quartiiren Kalken überall hüufig, fehlt aber in der letzten
Spalte der Tabelle, weil sie in meiner Sammlung aus diesen Ablagerungon nicht verlieten ist.
3)  Dies Fossil ist nach der liestimmung von Dr. J. Lorié hier angeführt, w&hrend seine übrigen
Bestimmungen von quartiiren 1\'etrefakten der Eilande (Sammlgn. des Geolog. K. 3Ius. in Leiden,
Ser. II, Bd. 1) durch diejenigen von Schepman ersetzt wurden.
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128
Schichten schliossen sich auch seewaits an
den Fus8 des Tafelberg» an und dohnen sich
von hier langs des Strandcs bis zum Water
van Ostpunt aus; denn alle ausscrhalb der
alteren Quartarformation gelegenen Ilildungen
Fig. 35. Am spanischen Wasser.
dieses Küstcntheiles sind jugendliehe Riffkalke.
1. Quartare Conglomerate. — 2. Aeltere Innerhall) der genannten Formation fehlen
quartare Kalke.—3. JUngste Kiffkalke.
sie, nnd an ihre Stelle tritt südlich vom Ost-
Seinpost ein ans den Verwitterungsprodukten des Diabases gobildetes Alhivium,
ein alter, gleiehzeitig mit den in Rede stellenden Korallenbauten trockengelegter
Meeresboden.
Auf Aruba und Bonaire ist der Verband dor jüngst gehobenen Riffkalke mit
den noch lebenden Korallen ein gleich enger, ihro Ausdehnung eine bedeutendero
als auf Curacao, und dies wiederum in Ueberoinstimmung mit der grossen Ver-
breitung von Flachbauten im heutigen Meere langs den Südwestküsten diescr
Eilande. Klein Bonaire und die langen Wallritfo bei Aruba legen Zeugniss hiefür
ab, und an der Kuste der letzterwahnten Insel liisst sich cino scharfe Grenze
zwischen den kaum vom Wasser bedeckten, fortwachsenden Banton und dem
Ufer überhaupt nicht ziehen.
Fiïr das allmühlige Anwachsen des Landes liefert der Strand östlich von der
spanischen Lagune auf Aruba ein hübsches Beispiel, denn hier bilden diejungen
Riffkalke an einer Stelle einen dem Ufer
\'l parallclen und durch suinpfiges Terrain von an-
~3 deren Kalken goschiedenen, niodrigen Wall,
"\'^fvi)^^ "y"y^- ^~^ZvljjZ^ijE7 wiihrend an der Kuste Mangrove und weiter aus-
Fio. 36. Am Stkande von Aruba, wiirts, durch einen schmalen Wasserstreifen
1. Wallriff. — \'2 Meer. — 3. Jüngste Riff- getrennt, das Wallriff folgen. Die Vegetation
kalke. — 4. Kumpfiger Boden. — 5. Aeltere
quartare Kalke.                                        leistet der Vorsumpfung Vorscliub\'), so dass bei
weiterer Trockenlegung der Insel vermuthlich abornials ein Streifen von sumpfigcm
Boden und von Riffkalk sich dein jetzigen Strande anfügcn würdc.
Moist sind die Riffkalke horizontal gelagert, hie und da bilden sie aber auch
kleine Bodensch wellen, so vor allem auf Aruba bei der spanischen Lagune und
bei Ponton, ferner auf Bonaire in der Umgegond von Kralendijk. Diesc Lagerungs-
form ist, wie die entsprechende der altquartaren Kalke, als eine ursprünglicho zu
betrachten und die Hügelbildung als eine Folge der Abformung desjenigen Reliëfs
1) Durcli Kalk incrustirto Wurzeln und Bliitter der Mangrove geben bisweilen auch zur
Bildung schoner lvalktufl\'o Veranlassung, wie ich solcho von Cura<;ao erhalten habe.
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129
welchcs dem unterlagernden Gebirge vor Ansicdlung der Korallen eigen war, zu
crklüron.
Die Scheidung der jüngsten Riffkalke von den als uitere Quartürformation zusam-
mcngefassten Bildungon ist mit grosser Schwierigkeit verbunden und lüsst sich genau
genommen überhaupt nicht scharf durchführen, denn so eng wie die Verkniipfüng
der bei positiver und bei negativer Strandverschiebung entstandenen alteren Koral-
lenbauten ist1), so eng sind wiederum die jüngsten Kalke mit den bercits weiter
landeinwürts gerückten und langer trockengelegten Riffen verbunden, die ich zum
alteren Quartür gezogen habe, weil sie mit ihm ein organisches, durch keinerlei
Unterbrechung im Wachsthum gestörtes Ganzes formen.
Trotz dieser engon Verknüpfung siimmtlicher Korallenbauten der Insein scheint
es aber doch von vornherein unzweckmüssig, sie alle in Eine Gruppe zusammen-
zufassen, da man in diesem Falie zu keiner Scheidung der noch fortbauenden
Riffe von den uiteren Kalken gelangen würde und sonach die Quartürbildungen,
welche landeinwürts in mehr als 200 m Höhe über dem Meeresspiegel lagern, mit den
lebenden Polypen vereinigen müsste. Wir haben es mit zwei relativ sehr verschie-
denen Extremen zu thun, welche durch allmühligo Uebergünge verbunden sind, so
dass eine Scheidung erforderlich wird, die indessen der Natur der Sache nach
eine einigermaassen künstliche sein muss.
Mir schien es am zweckmüssigsten, bei der vorzunehmenden Trennung von den
noch bestehenden recenten Riffen und den kaum gehobenen Fortsetzungen derselben
langs der Kusten auszugehen und, von diesen Bildungen aus landeinwürts fort-
schreitend, mit ihnen allo Kalke zu vereinigen, welche annühernd in dem gleichcn
Niveau gelegen sind und noch keine bedeutende Metamorphose aufweisen. Ich ge-
langte auf diese Weise zur Abtrennung niedriger Uferstreifen von dem alteren
Quartür, und die angenommene Formationsgrenze erhielt an manchen Orten auch
durch das Lagerungsverhaltniss der als jüngsto Riffkalke bezeichneten Bildungen
eine gewisse Deutlichkeit. So sind diese auf Curacao nicht selten in ühnlicher
Weise von dem die Hügol bedeckenden alteren Quartür geschieden, wie dies be-
reits für das Spanische Wasser beschrieben wurdo, wührend sie auf Aruba vielor-
orts landeinwürts unter die Verwitterungsprodukte des Quarzdiorits, auf Bonaire
unter diejenigen der Kreideformation wegsinken und sehon dadurch von don die
Höhen bedeckenden uiteren Kalken geschieden sind.
An manchen Orten ist aber die Trennung überhaupt nicht ohno Willkürlich-
keit vorzunehmen, da der Ueborgang von Riffkalken mit deutlicher Korallenstruktur
1) Vgl. pag. 83.
17
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in Kalkstein so allmiihlig erfolgt, dass beim Fehlen anderer Handhaben jede
Sichcrhcit schwindet. Palaeontologische Mcrkmale sind nicht zu verwerthen, da
ausgestorbene Forincn weder der Einen noch der Anderen Ablagerung zukommen
und die etwaige Verschiedcnheit der aufgefundenen, lebenden Arten beider Kalk-
bildungen — sieh die Tabelle — bedeutungslos ist. Denn schon die gleichzeitigen
Riffkalke zeigen grosse Faeicsunterschiede in Bezug auf die Fauna, diosieanvon
einander entfernten Orten beherbergen und deren Grund in Lebcnsverhiiltnissen
der Tliiergruppen und Arten gelegen ist, die zu denton cinem Hiichtigon Keisonden
schwerlich möglich sein wird. Auch sind diejonigen Petrefakte der altquartiiren Kalke,
welche allgemein in ihncn angetroffen werden, gleichzeitig in den jüngeren Iliff-
kalken und in den gehobenen Muschelbanken zahlreich vertretcn: Chama macro-
phylla, Lucina tigerina, Veuus cancellata, Tellina interrupta, Trochuspica, Strotn-
bus (jiyax, Pyrula melongena.
Dazu kommt noch, dass auf gehobenen Ikandungsterrassen die alteren Kalke nicht
selten durch cementirten Korallensand der jüngsten Zeit verhüllt sind, wiihrend
frische, von den Wellen hergeführte Gehiiuse von Molluskcn und anderen Thieren
in grosser Zahl uinherlicgen und die Richtigkeit des Frtheils erschweren, endlich
die nicht zu unterschatzende Thatsache, dass zahlreiche Conchylien durcli die
friiheren Bewohner der Insein verschleppt sind und in ungemein grosser Menge
noch stets durch Seevögcl und vor allein durch Einsiedlcrkrebse vom Strande auf
die Höhe hinauf transportirt werden. So fand ich z. B. sogar auf der Höhe des
Hieronimo auf Cura^ao, also im Innern und mehr als 200 m über dem Meeres-
spiegel, einen lebenden JJ<tgun<s, weieher eine Nerita mit sich herunitrug. Ober-
niichlich aufgelesene Conchylien mussen aus allen diesen Gründen mit grosser
Vorsicht beurtheilt werden.
Die angenommene Formationsgrenze zwischen iilterem Quartiir und don jüngsten
Bildungen beansprucht somit keineswegs einen hohen Grad von Genauigkeit; sie ist
vielmehr wesentlich aus dem Bedürfnisse entstanden, die noch fortwachsenden
Kitte von den alteren Kalken zu scheiden. Fin solches Fortwaehsen dürfte rings
um den Insein noch heuto stattfinden , aber dort, wo ich die altere Quartarformation
bis an den Strand hinanreichend darstcllte, scheinen die jüngeren Bildungen bei
der Entwicklung der Brandungstcrrassen völlig zerstört zu sein, so dass die relativ
alteren Kalke wieder zu Tage traten und dadurch ein vollstandiger Hing von
gleichwerthigen, jüngsten Bauten langs den Kusten der Eilande fehlt. Jndcssen
sind bezüglich dieses I\'unktes weitere Uutersuchungen, zu deren Anstellung es
mir an Zeit gebrach, sehr erwünscht.
Dünkx. Diequarzreichen Gesteine von Aruba haben an der Nordküstedieserlnsel
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dein auf sic gerichteten Passatc Material zur Bildung von Dünen geliefert. Nament-
lich au der Ostecke des Eilands liaben diese Letzteren eine bedeutende Entwick-
lung erlangt; sie lelinen sich hier an das lothrcelit zur Kuste abfallende Kalk-
plateau, welches 15—20 m Hiïhe besitzt, indem sie fast bis zu dessen Oipfel em-
porreichen, wahrend ticfer Sand auf der jüngst gehobenen Uferterrasse lagert,
durch eine sparliche Vegetation von Coccoloba uvi/era zurückgehalten.
Auch am Ausgange der Sehluchton, welche voin Diabasgebirge zum Nord-
strande hinabreiehen, treten Dünen auf, zu denen vermuthlich zerstörte und durch
den Regen seowiirts geführte Gangmassen das Material geliefert habcn. Sie
8chliessen mehrfach das Innere der kleinen Buchten dasclbst ab und erreichen bei
Fontein Haushölie; ferner kommen sie an der Boea bei Daimarie,\') bei derBoca
dos Playos und an anderen ürten vor, in unbedeutender Höhe auch am nördlichen
Ufer der Suseersten Nflrdwestecke von Aruba.
Am Strande von Bonaire scheinen «ich ebenfalls Dünen von geringer Höbe
zu befinden, vielleicht entstanden aus den Zerstörungsprodukten der cretaceïschen
Sandsteine; icb sah sie indessen nur an der Nordküste aus der Ferne. AufCuracao
dagegen ist mir von diesen Bildungen nichts bekannt.
Schlussbetrachtnngen Uber die Insein.
Der östliche, von den Anden sieh abzweigende Gebirgszug. welchersieh über
Bogota, Pamplona und Merida nach Valencia liinzieht, nimmt bekanntlieh von
hieraus einen west-östlichen Yerlauf und bildet die Küstencordillere von A\'enczuela.
Sie erstreckt sich an der Südgrenze des caribischen Meeres bis zur nordóstliehen
Ecke von Trinidad, nur unterbrochcn bei Barcelona und durch die Strassen, welche
den Golf von Paria mit genanntem Meere verbinden, die sogenannten Bocas.2)
Diese Küstencordillere ist vorherrscliend uus archaeischen und cretaceïschen Sedi-
inentcn aufgebant, welcbe beide complicirte Lagerungsverbiiltnisse und ein herrsehen-
des Streichen von W nach ü zeigen.3)
Suess hat ausserdem vor kurzem in seiner classischen Arbeit „das Antlitz der
Erde" dargelegt, dass überhaupt in Mittel-Anierika das Streichen des Grundgebirges
nicht dein Verlaufe der langgestreckten Yerbindung des nördlichen und des südlichen
1)  Vgl. Theil I dieses Werkes, pag. 139.
2)  VgL Theil I, pag. 104, Tab. VII, Fig. 2.
3)  llumboldt. Keiso in die Aequinoctial-(icgcndcn. V, pag. 567 ff.— G.P. Wall. On the Oeology
of a part of Venezuela and of Trinidad (Quart. Journ. üeolog. Soc. Vol. XVI, London 1860,
pag. 400 ff.) — Karaten 11. cc.
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Continentes folgt, sondern quor auf dicselbe verliiuft \') Er zeigto fernor, diissdie
Cordiliere der grossen Antillen nach demselben Typus gebaat sei wie die Küsten-
cordillere von Venezuela; die iiltesten versteinerungsführenden Schichten gehören
aucli in ihr der Kreideperiode an.
Die Insein, deren (Jntersuchung uns im Obigen beselnittigt hat, weisen abcr-
mals in ihrem geologi sehen Hau eine sehr augenfallige Analogie zu der Cordiliere
des Festlandes auf\'. Sie sind Glioder einer Kotte von Eilanden, die sich von West
nach Ost erstrockt und doren iiltestes, auf Aruba aufgeschlossenes Grundgebirge
das gleieho Streichen zeigt. Diese iilteste Formation wird von Grünschicfern und
schiefrigen Amphiboliten gebildet, wahrend auf Orchilla Gneissablagerungen be-
kannt sind, und es dürfto deswegen kaum einem Zweifel unterworfen sein, dass
wir in jenen Gcsteinen ebenfalls Gliedcr einer arehaeischen Schiehtenrcihe zu sehen
habcn, urn so mehr als Hornblcndesehiefer in der arehaeischen Formation des süd-
amerikanisehen Continentes eine weite Verbreitung besitzen 2) und solehe Gesteine
auch in der Küstencordillere von Venezuela mit Gneiss und Glimmerschiefer lagern3).
(>b auch die Grünschiefer daselbst vorkommen, lasst sich an der Hand derbeste-
lienden Literatur nicht beurtheilen; doch ist es sehr wohl möglich, dass sie unter
den als Tlionschiefer beschriobenen Gcsteinen von Venezuela stecken,4) da auch
die Schiefer von Aruba solchen iiusserlich bisweilen zum Verwechseln ahnlich sehen.
Die Schiefer wurden von Diabasen durchbrochen, welche sich deckenförmig
über die Schichtenköpfe der Sedimente ausbreiteten, so dass die Letzteren nur
dort der Beobachtung zugiinglich sind, wo tiefe Thaleinschnitte bis ins Liegende
des Eruptivgesteins hinabreichen. Da solche Einschnitte in den Diabasen von Bo-
naire und Curaeao fast ganz vermisst werden, soerkliirt sich aus diesem Umstandeauch
das Fehlen der Grünschiefer und Aniphibolite unter den zu Tage ausgelienden Forma-
tioncn auf den genannten beiden Insein. Schichten, denen die Diabase eingelagcrt
waren, sind unbekannt und cbenso — von dein besehranktcn Vorkommen eines Diabas-
conglomeratcs auf Aruba abgesehen— Diabastuffe, die vielleicht ursprünglich im
Hangenden der Doeken entwickelt waren, aber bei der bedeutenden Abtragung,
welche die Eilande spiiter erfahren haben, leicht wieder zerstört werden konntcn.
Auch im westlichen Absehnitte der Küstencordillere, im Süden des Sees von
Valencia und der Villa de Cura treten Grünsteine, und unter ihuen Diabase, in
1)  E. Suess. Das Antlitz der Krde. I, pag. 698 ff.
2)  A. Stelzner. Beitriige zur Geologie u. 1\'alaeontologio d. Argentinischen Kepublik. I, Oeolog.
Tlieil, pag. 21.
3)   Humboldt 1. c. pag. 570.              4) Ilumboldt 1. e. pag. 573.
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machtiger Entwicklung auf, nach Humboldt\') sowohl wie nach Wall2) den Sedi-
menten eingelagert. Es ist aber über diese Gesteine bis jetzt nur iiusserst wenig
bekannt, und Wall, welcher die grosse Schwierigkeit der Beurthoilung des Lage-
rungsverhiiltnisses hervorhebt, vermochte nicht einmal mit Sicherheit zu erkennen,
\\vo in diesem Gebietc die Grenze zwischen der archaeischen und der Kreideformation
gelegen sei. Ein Theil der Grünsteine, und zwar gerade „varieties of the diabasic
type" ist indessen nach der Darstellung von Wall cretaeeïsehen Sedimenten einge-
lagort und kann somit, wie ich auch für die Insein annahm, die archaeischen
Ablagcrungen durchbrochen haben.
Vielleicht lagerte auf den Eilanden das Eruptivgestcin anfiinglieh in iihnlicher
Weise wie in Britisch Guiana, wo nach Brown und Sawkins s) Lager von Grün-
stein („chicrly diorite and diabase") vorkommen, welche Sandsteinen in sehwebender
Lage eingeschaltet eind, sich über mehrere Langen- und Breitengrade ausdchnen
und eine sehr ansehnliche Miiehtigkeit besitzen. In wie weit die Diabase der Insein
von der Störung, welche die Kreideschichren daselbst spiiter erlitten haben, mit
betroffen sein mogen, liisst sich nicht beurtheilen.
Uie Diabase der drei Insein zeichnen sich durch gleiche petrographische
Eigenschaften aus, umfassen aber im Uebrigen verschiedene Varietaten, von denen
die körnige auf Bonaire, die dichte auf Aruba und Curacao vorherrscht. Es liegen
in den Lagerungsverhiiltnissen einzelne Andeutungen vor, welche auf verschiedene
Diabaseruptionen schliessen lassen. Die nur auf Aruba vorkommenden Diabascon-
glomerate sind hier auf die Nachbarschaft der archaeischen Sedimente boschriinkt;
sie enthalten unter ihren Eragmenten Variolite, welche eine endogene Contakter-
sclieinung des Eruptivgesteins andeuten.
Die Diabase vermochten bei dem spiiter erfolgten Untertauchen der Eilande
der Zerstörung einen grosseren Widerstand entgegenzusetzen als die Schiefer, und die
Trennung von Curacao in eine östliche und eine westliche Hiilfte, welche bereits
vor der Ablagcrung der Kreideformation stattgefunden haben muss, hat augen-
scheinlich ihren Grund in dein Fehlen des Eruptivgesteins im mittleren Inseltheile.
Nach den Diabasen erumpirten die Quarzdiorite Aruba\'s, ohne dass bei dem
Mangel alles palaeontologischen Beweismateriales genau das Zeitalter anzugeben
ware, in das die Entstehung beider Eruptivgesteine fallt; nur die deckenförmige
1)  Humboldt, brieniche Mittheilg. an Ewald (Zeitschr. d. deutsch. geolog. Gesellsch. V. 1853,
pag. 18).
2)  1. c. pag. 465.
3)  Ch. B. Urown and J. O. Sawkins. Report» on tho pbys. descript. and econom. geology of
l\'.riti-.li Guiana. London 187ö.
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Ueberlagerung der Diabase durch die Diorite Hess sich feststellen. Da indesscn
die Letzteren auch im Hangenden der Amphibolite auftreten and ihnen gegenüber
eine iihnliche, scliützende Holle gespielt baben, wie die Diabase gegenüber den
Grünschiefern, walirend Kreideablagerungen zwischen beiden Formationen giinzlich
fehlen, so möchte ich daraus schliesseu, dass auch die Quarzdiorite in einer vor-
eretaeeïschen Zeit erumpirten, was bekanntlicb obnehin am meisten Wahrschein-
lichkeit für sich liat.
Die Quarzdiorite cntbalten als lokale Ausscheidungen Mineralcombinationen,
wclehe petrographiscb als Augitdiorit und (ïabbro zu bezeichnen sind, eine geo-
gnostische Sclbstiindigkeit aber nicht besitzen. Vielleicht sind die Diorite die
Ursache einer Uralitisirung der Diabase nnd Diabasconglomerate, welcbe nur auf
Aruba und auch hier wiederum bisher nur in der Nahe des Contaktes beider Erup-
tivgesteine bcobachtet wurde.
Diabase sowohl wie Diorite sind auf Aruba von einem dichten Gangspalten-
netze durchzogen, welches von goldführenden Quarziten angefïïllt wurde, und da
das Hauptstreichen der Gange W—O ist, sonach mit demjenigen der Grün-
Bchiefer zusainmentïillt, so liegt die Annahme nahe, dass das Aufreissen haupt-
sachlich in der Richtung der Schichtungsrliichen des Grundgebirge» erfolgte. ^Nun
sind aber liings den Schichtungsrliichen der Grünsehief\'er auch Dioritporphyre em-
porgedrungen, und es gewinnt deswegen einen gewissen Grad von "Wahrscheinlieh-
keit, dass die letztgenannten Eruptivgesteine die Ursache der Entstehung des
Gangnet/.es waren, dass die Auf\'bruchspalten zum Theil durch den injicirten Dio-
ritporphyr, zum Theil spater durch Quarz gefïillt wurden. Mit dieser Annahme steht
im Einklange, dass Quarzgange und Dioritporphyre eine deutliche Abhiingigkeit
von einander zeigen, indem beide auf\' das Diabas- und Dioritgebiet von Aruba in
gleicheni Sinne vertheilt sind, auf Curacao eine höchst untergeordnete Rolle spielen
und auf Bonaire fehien.
Zur Kreidezeit waren die Eilande weit untergetaucht, wahrscheinlich ganz
vorn Meere bedeckt. Es bildeten sich cretaeeïsche Ablagerungeu, welche vorherr-
Bchend aus Kiesclscliiefer und Handstein, untergeordnet aus Morgein, Conglomeraten
und Kalksteinen, darunter Rudistenkalk, bestehen. Diesc Kreideschichten sind den
oberen cretaeeïschen Ablagerungen des J\'estlandes von Südamerika und denen der
grossen Antillen acquivalent; sie sind gleich Letzteren sehrgestort, scharf gefaltet und
verworfen, und bedecken einen grossen Theil von Curacao und Bonaire, wiihrend
sic auf Aruba nicht mit veiliger Sicherheit nachgewiesen werden konnten. Ver-
muthlich liaben sic aber auch hier früher eine bedeuteiide Entwicklung gehabt
und sind sic im quartaren Zeitalter zum grössten Theile vom-Meere abgetragen
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worden. Auf den beiden anderen Insein sind ebcnfalls bedcutcnde Partieen der
Kreidcschichton zerstört und wurde in Folgo dessen das Liegende, die Diabas-
furmation, vielororts wieder aufgcsehlosson.
lm westlichen Bonaire bauen Gliramerporphyrite den höchsten Tlieil des Eilands
auf, wiihrend sein Fuss von Tuffen gedeckt ist. Letztere sind niit gleichen petro-
grapliischen Eigenschaften auch auf Curacao in scbr beschriinktor Entvvicklung
bekannt; es fehlen aber Porphyrite auf dicscr Insel, ebenso wie auf Aruba, giinz-
lich. Ihre Stellung ist eine sehr unsichere.
Tertiiire Sedimente fehlen durchaus. In quartiirer Zeit erfolgte eine oscil-
latorische und zwar zuniichst eine positive Strandverschiebung, welche mchr
als 200 m, darauf wiederum eine negativo, welche mindestens 218 m betragen
haben muss. Wiihrend dieser Niveauvcritnderungen siedelten sicli Korallen auf den
von Geröllen der altereu Formationen gebildeten Trümmergesteinen an und über-
wucherten die Küstengebirge ganz und gar. Sic erwecken dadurch den Eindruck,
als ob ihre Miichtigkeit gleich derjenigen der Gesammthühe des genannten Ge-
birgcs wiire und tiiuschten in diesem Sinne sogar crfahrene Geologen, wiihrend in
Wirklichkeit ihre Dicke eine relativ sehr geringe ist. Diese Korallenbauten
liefern somit ein lehrreiches Beispiel für die Schwierigkeit, welche die Bcurtheilung
der Miichtigkeit von Riffen überhaupt bietet, denn wenn dieselbe schon bei trocken-
gelegten Bauten zu Tiiuschungen Anlass gicbt, um wie viel mchr muss dies
bei noch stattfindender Meeresbedeckung der Fall sein! So lange ein Atoll im
Innern noch mit Korallensand gefüllt ist, liisst sich die Miichtigkeit eines Riffes
überhaupt nicht bcurtheilen.\')
Die Korallenkalke sind zum Theil unter dom Einflusse von Guanosalzen, für
die namentlich Vogelexcremente das Material geliefert haben dürften, in Phos-
phorite umgewandelt worden. Ausserdem finden sich Phosphorite in Höhlen der
quartaren Kalke als metamorphosirte Sinterbildungcn, hier durch cinen von
Landsilugcthieren (Fledermiiusen, Ratten und Kaninchen) producirten Guano ent-
standen. In beiden Fiillen sind die Phosphate durch phosphoritische Kalke eng
mit den reinen Kalksteinen verknüpft.
1) Ich theile in dioser Beziehung durchaus die Ansichten von Supan (Petermann\'s Mittheilungen,
32 Band. 18SG. IV, pag. 39), wonach Tiefbohrungen allein Aufschluas über die Miiclitigkeit der
jetzigen Riffe geben kunnen; aus dem Vertikalabatande, innerhalb dessen Grenzen an irgend
einem Orte Korallenbauten vorkommen, litsst Bieb bezüglich ihrer Miichtigkeit gar keine Polgerung
ableiten. lm Uebrigen habe ich von einer Vergleichung der auf den Insein beobachteten Verhiiltnisse
mit den Theorien, welche sich an die Miichtigkeit der Korallenbauten u. s. w. ankniipfen,abgesehen,
da iih es aus naho liegenden üründen nicht für angezeigt hielt, meine Beo\'oachtungen auf die
oceanischen Insein zu fibertragen.
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Bei Trockenlegung der quartiiron Riffe zog sich das Meer allmiihlig aus dem
Innern der Insein zurück; doch ist der Rückzug nicht vollstiindig crfolgt, denn
die sogenannten Binnonwiisser stellen abgeschnittene Meorosrestc dar, wclche sich
bis in die Jetztzcit im Innern der quartiiren Ritte erhaltcn liaben. Strandlinien von
grosser Schürfe und Regelmiissigkoit der Ausbildung deuten die allmahlige Trocken-
legung der Insein an.
Noch hente ist dieselbe im Fortgange begriffen, wie die in jüngster Zeit trocken-
gelegten Ritte und Miischelbanko beweisen, welche ausserhalb der alteren Quartar-
formation sich befinden. In ihncn bildetc sich eine Anzahl von Küstenlagunen,
die durch Lage nnd Form leicht von den ersterwiihnten Becken unterschieden
werden können.
Die Erosion des Meeres bat ausser den gehobenen Uferlinien und Brandungs-
terrassen, welche Letztere zum Theil eine ganz bedeutende Ausdehnung erreichten,
an der Nordküste von Aruba zahlreiche Kreisbuchten niit kleinem Radius und
innerhalb des Gebietes der Quarzdiorite abenteuerliehe Felsformen gcbildet. Die
Meeresbedeckung lockerte zugloicli die Gesteine bis in grosse Tiefen auf und ormög-
lichte dadurch, dass nach der Trockenlegung der Insein eine bedeutende Abtragung
statt hatte, die sich auf Aruba und namentlich im östlichen Curacao zu einer
Ausriiumung des Innern dieser Insein gestaltete. Dieser Process dauert noch heute
bestiindig fort. Auch an der Bildung des Goldseifengebirges auf Aruba nahm in
einer kaum verflossenen Zeit das Meer einen bedeuteuden Antheil.
Der jüngsten Zeit gchören endlich auch die Dünen von Aruba und Bonaire an.
-e=-^S^<é&x2S^3-^eï^^<gS>\'^\'-=£>
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137
Liste von Gestemen,
welche von Herrn Prof. Dr. J. II. Kt,oos in Braunschweig untersucht und in den
„Sammlungen den Geolog. Reichs-Museums in Leiden, Ser. II, Hnml
1"
beschrieben worden xi»<l.
Icli habe im Folgenden allo von Kloos untersuchten (iesteine meiner Sammlung zusammen-
gegtellt, unter genauer Angabo des Fundorts. Die beigefQgten Nummern beziehen sicb auf die in
Leiden bewahrten Objekte, wahrund die Seitenzahl auf die betreffende Beschreibung 1. c. hinwoist.
I. CURAQAO.
Diabase.
Dichter Diabas. Am Wege zwischen Savonet und Westpunt anstehend, Liegendes der
Kieselschiefert\'ormation (04\'\'. pag. 72). — Am westlichcn Fusse des 8t. Antoniobergs anstehend. am
Wege, nordwestlich von Harber, südöstlich von St. Ilieronimo (58). — Dio Wande eines tiefen
Brunnenlochs beim Wohnhause von St. Jan bildend (86. pag. 74). — In einem anderen Brunnen,
etwa \'A Wegstunde landeinw&rts, nach NO zu, anstehend (55. pag. 74).—Bei Fontein, am Innen-
ra nde des Kalkgürtels der Nordküste anstehend (150). — Bei Plantersrust, westlich von der Stadt,
am Wege nach Hato, anstehend. Liegondes der quartilren Sande undConglomerate (18,19,24. pag.
70). Hiezu geboren auch loso Bruchstflcke von der Oberflache aus den Pflanzungen dagelbst (22 pag.
70). — In der Kooi Kibrahaclia, am Fusse von Oost-Seinpost anstehend (165. pag. 72).
Kleinkórnige und dichte Diabase. Gerölle aus einem Wasserrisse in unmittelbaror Niilie des
erwahnten, landeinw&rts gelegenen Brunneng von St. Jan. (64>, 54\'1. pag. 74).
Kleinkörniger Diabas. Aus einem Brunnenlocne bei Australin, am inneren Fugse des Priester-
berge, in 10 Meter Tiefe entnommen (23. pag. 73).
Kömiger Dinbas. Südöstlich von Klein Mal Payg, am Wege zur Stadt anstehend (43. pag. 75).
— Niedrige Kuppe, nur wenig weiter westlich als das letztgonannte Qestein, südlich vom Wege.
An dem Fusse der Kuppe steht Sandstein an (44\'\'. pag. 75).
Quarzdiabas, körnig. Am Wege von Savonet nach Westpunt anstehend; nahe bei dein Ilauso
deg Outcs. Lagert mit Rudistenkalken (66. pag. 75). — Südöstlich vom Christoffel uuweit Pa-
radera anstehend. Gestein der alten, zur Qewinnung von Kupfererzen nngclegten Oruben (70, 71.
pag. 7(5).
Diabasporphyrit. Niedrige Klippe, nSrdlich vom Hause von Savonet, zwischen Letzterem und
der Kuste. Lagert mit Rudistenkalken (81. pag. 76).
Porphyrartiger Diorit.
Steht ein wenig nordüstlich von Westpunt, an dor Xordwestecku der Insel, an (65. pag. 77).
18
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Kiesei\'schiefer.
Vom liöchsten Oipfel des St. Christuffels (74*. pag. 84). — Vom oberen, südöstlichen Abhange
dos St. Christoffcls (7.!**. pag. 84) — Am Fusse des St. Christoffels anstehend (73. pag. 84). —Bei
Savonet, unweit des dargestellten l\'rofils (pag. 28 oben) anstebend (75, 75*. pag. 84). — Am
Wege zwischeu Savonet und Westpunt anstebend. Hangcndes von Diabas (64". pag. 84). — Bei
Brievengat, in unmittelbarer Xiihe des Ilausos anstebend (166\'. pag. 84).
Sandsteine.
Sandstein mit tboiiigem Bindumittül. Dünnplattiges Oestein vom oberen Abhange des St. Chri-
stoffels (73\'. pag. 83). — Anstebend am östlichen Ufer der Salzpfanne vora Hermanus (47. pag. 83) —
In unmittelbarer Niihe des Hauses von Brievengat anstebend. (156". pag;. 83). — — Sandstein mit
kalkigem Bindemittel. Am südiistlichen Abhange des Groote Berg, in der Mitte der Insel, anste-
hend. (44*, 44**. pag. 81). — Am Fusse der Kuppe von kórnigom Diabas, unweit Klein Mal
Pays (vgl. oben) anstebend. (44". pag. 81). — Am Innenrande des Küstengebirges von Hato anste-
heml (31 . pag. 81).
Men/cl.
Schiefriger Mergel. Etwas üstlich vom Hause von Hermanus, am Innenrande des Gebirges der
Sülküste anstehend (49. pag. 84).
Tutonmcrgel. Lagern mit den oben erwiilintcn Sandsteinen von Hato (30* u. 32. pag. 83).
CoHcjIonierdte.
Conglomerat, bestebend aus Brucbstücken von Kieselscbiefer, Milcbquarz und Diabas. An-
stehend bei Engelenberg (52. pag. 83).
Dichter Diabas aus cinem Conglomerate, anstebend am Innenrande des Gebirges der Nord-
küste, halbwegs Fontein—Sebastian (5G. pag. 71).
Kalksteine.
Kalkstein mit abgerundoten Kieselschiefer-Bruchstücken. Gehort zu den Kudistenkalken von
Savonet. Lose an der Oberfliicho dasclbst. (72. pag. 83).
Sandigcr Kalkstein. Oestlicli von St. Jan, nahe bei Engelenberg (52*. pag. 83).
Thoniger Kalkstein. Am Innenrande des Kalkgebirges von Hato anstebend. (31". pag. 83). —
Anstehend bei Brievengat. Westlich vom Wege zum Strande (158. pag. 83).
Tuffe.
In dem oben erwiilintcn Wasserrisso (vgl. Diabase) bei St. Jan anstehend. (53, 57. pag. 87).—
Aus einem Brunnen, südlich vom Hausc von Brievengat, etwa 12 m tief ontnommen (155. pag. 87).
Aitgitandesit? und Hypersihenandesit.
(Diese beiden Gesteine sind nicht von mir selbst gestimmelt).
Augitandesitf Angeblich von Klein St. Joris, welchcs am Innenrande der St. Joris Bai im
nordöstlichen Curacao gelegen ist (pag 78).
Hypersthenandesit. Angeblich als Kollstein im Hafen von Curacao gefundo.n (pag. 80).
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II. AKUBA.
Gent e Ine ans dem Dioritmassiv.
Quarzdiorit, mittel- bis grobkörnig. An.stoliend au der iiussersten Xordwestecke der Inscl (142)
und südlich davon, etwas nördlich von Westpunt (141); ferner im Krystallberge (132), sowie süd-
westlich von Daimarie, auf dem AVege nach Oranjestadt zu, östlich von Ayo (124 u. 124*); ferner
vom Abhango des Hooibergs (122*) und von losen Haufwerken bei St. Cruz (92), daselbstaberauch
anstehend; anstehend ausserdem westlich vom Ariekok (121) und westlich vom S. Colorado (97),
sowie an der \\ordküste zwischen Colorado und Fontein (106). Als Gesihiebe in der Schlucht hinter
der Spanischen Lagune (96). — (pag. 16, 17 u. 28).
Quarzdiorit, kleinkörnig. Ansteliend im Ilügel Wyg, nördlich von Westpunt (144. pag. 16) und
im Serro Colorado (104. pag. 23).
Quarzdiorit, porphyrartig. Oeschiebe am Fusso des Matevidirie, am Nordstrande (130. pag. 39).
Quarzaugitdiorit. Am Wege nacb St. Cruz, am Fusse des Hooibergs anstehend (147), temer
vom Oipf\'cl des genanntun l$erges (122) und von seinem südöstlichen Abhango (122*) — (pag-
26 u. 27).
Quarzaugitdiorit, kleinköinig bis dicht. Südlieli von Araschie (140) und ein wenig weiter nörd-
lich von diespin Punkte, ebenfalls noch südlich von genanntor Lokalitilt, naho dem Strande
(141) - (pag 27).
Oabbro Klippe östlich von Huschiribana (130*), ferner bei dem Wohnhause von Buschiribana
anstehend (13.)*) und in geringem Abstande nordwestlich davon, am Strande (135 u. 135*); endlich
im Krystallberge (133). — (pag. 30 ff.)
Dioritporphyre.
Anstehend im Gebietc des Dioritmassivs, östlich von Alta Vista, nahe der Nordküste (146.
pag. 40) und südöstlich vom Kalabass (136. pag. 41).
Gang im kleinkörnigen Quarzdiorite (104) dos Serro Colorado (105. pag. 42).
Anstehend im Dinbasgebiete, bei Parabustó (115*) und an der\'Boca van Welvaart (119) —
(pag. 62 u. 63).
Losen Blöcken an der Oberflache des Diabasgebietes entnommen, bei Fontein (1171) und bei
Chetta (120\') — (pag. 64 u. 63).
Mikroklingranit.
Losen Platten an der Oberflache des Dioritmassivs entnommen , halbwogs zwischen St. Cruz
und Belaschie (93*. pag. 43).
Diabase.
Diabas, anstehend südöstlich von Fontein, nahe dem Hause, am Strande (116 u. 107. pag.
48); ferner nordwestlich von diesem Orte, nördlich von der Schlucht, ebenfalls naho dem Strande
(117\'\'. pag. 52).
Uralitdiabas, den Oipfel des Jamanota bildend (110), anstehend ferner bei Miralamar (113)
sowie bei Chetta (120\'> u. 120); als Ooröllo in einem Wasserrissc bei Miralamar (111) — (pag. 55).
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Grünschiefer.
Anstehend in der Kooi Cachuntie (108) und am Fusse des Parabusté (115), ferner als Schotter
in der Hooi, welcho in die Spanische Lagune mündet. (96) — (pag- 45—47).
Sch iefrige A mph ibolgesteine.
Anstehend südüstlich von Sr. Laoie (125), als Liegendes des Quarzdiorita, und an der Nordküste,
halbwegs zwischen Culorado und Fontein, ebenfalls als Liegendes des genannten Eruptivgesteins
(106*). — (pag. 67 u. 68).
Mergelschiefer.
An der Boca dos Playos anstehend (118. pag. 48).
III. BONAIRE.
Diabase.
Feiukörniger Diabas, anstehend auf der l\'ferterraaae bei Fontein (176. pag. ()0). — Kleinkürniger
Diabas (Proterobas), anstehend daseibst, etwas weiter östlich (177. pag. 91). — Kleinkürniger Dia-
bas, anstehend südwestlich von Kincon (180. pag. 93). — Diabas (Mandelstein), anstehend westlich
von Ooto (183. pag. 93).— Körniger Diabas, anstehend nordwestlich von Kincon (196. pag. 94).
Porphyrische Geste in e.
Diabasporphyrit (?). Zwisclien Brandaria und Serro Grandi anstehend (195;». pag. 98).
Glimmerporphyrit, südwestlich von Rincon anstehend (181. pag. 94), ferner voni Gipfel des
Brandaria (185. pag. 94) und anstehend am \'Wege zwischen Brandaria und S. Grandi (195\'\'. pag. 96);
als Gcrölle am Fusse des S. Grandi (191. pag. 96).
Orthoklasporphyr, südwestlich von Rincon in der Niihe von Goto anstehend (182\', pag. 97).
Tuffe.
Obaidianluff, anstehend südwestlich von Kincon, in der Xiihe von Goto (182\'. pag. 103 u. 107).
Tuffgestein, palagonitartig. Liegendes der quart&ren Kalke bei Slachtbai (197. pag. 102).
Tuffgestein. Zwischen Brandaria und 8. Grandi anstehend (194. pag. 101.)
Kieselschiefer, Conglomerate, Saint- mul Kalksteine.
Thoniger Sandatein, dünnplattig, anstehend nördlich von Kralendijk (168. pag. 100).
Kieselschiefer aus der Kbene von Kincon und anstehend am AVege zwischen Brandaria und
S. Grandi (179 u. 193. pag. 104).
Zerreiblicher Kalkstein. Zwisclien Kralendijk und Fontein anstehend. (186. pag. 101).
C\'ongloineiat aus Porphyrbruohstücken, anstehend bei Kincon (178. pag 100).
Conglomerat aus Diabusgerüllen, aua einer Ilöhle des S. Grandi (18i). pag. 100).
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Frtilier erschienen:
MARTIN, K., Geologische Theorien der Jetztzeit mit einleitenden Bemerkungen
aus der Vorgeschichte der Geologie, 1877........../ 0.40
Niederliindische und Nordwestdeutsche Sedimentargesehiebe, ihre Ueber-
einstimmuug, gemeinschaftliche Herkunft und 1\'etref\'aeten. 1878. (Mit 3 Taf.)
. \' .                                                   / 2.10
Die TertiiLrschichten au f Java. Nach den Entdeekungen von Fr. Jungiiuhn.
Paleontol. Theil, Allgemeiner Theil und Anhang. Mit Taf. Univalven, Bivalven ,
Crustaeeën, Koralen, Foraminileren. 1879—80. (Mit 2G lithogr. m. 2 photogr.
Taf. nebst geolog. kart.)................/ 25.70
Wissenschaf\'tliche Aufgabon, welehe der geologischen tërl\'orsehiing des
Ind. Archipels gestellt sind. 1883.....-........ƒ 0.50
West-Indische Ski/zen. Reise-Erinnerungen 1887. (Mit 22 Taf. und 1
Karte)......................./ <).—
Bericht ober eine Reise nach Niederl. West-Indien und darauf gegründete
Studiën. Band T. (Land und Leute) 1887. (Mit 22 Taf.) pro 2 Bande / 20.—
SAMMLUNGEN des geologischen Reichsmuseums in Leiden 1 : K. Martin und
A. Wichmann, Beitrage zur Geologie Ost-Asiens und Australiens. N°. 1—15.
a ƒ3.-
TT: K. Martin, Beitrage zur Geologie von Nied. West-Indien und an-
gren/ender Gebiete. Bearb. von J. IL Kloos, J. Loriió nnd M. M. Schapman.
N°. 1 nud 2.....................a ƒ3.—
Inst