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DIE PEOPHETEN

IN HIRER URSPRÜNGLICHEN FORM. DIE GRÜNDGESETZE DER URSEMIT1SCHEN POESIE

EKSCHLOSSEN UNI) NACHGEWIESEN

IN \\y J BEL, KE J LIN SCHRIFTEN UNI) KORAN

UNI) IN I1IKEN WIR KUN GEN ERKANNT

IN DEN ClKMiKN DER 01UE01IISCI1EN TRAGODIE

VON

DR DAV. HEINR. MÜLLER,

OKU. Ol\'\'l\'\'. l\'UOl\'HSSÜll AN DKH K K. 1! NI V10 US IT AT WIHN,

L BAND:

PROLEGOJIENA UNI) Kl\'lLECiOAI KNA.

WIEN, ISOG.

A L F R E I) HOLD E 1!,

K. UNI) K. HOT- USU UNlVEllSlTATS-BUCIlllANULlOll I., IIOTHKNTIIUKMSTUASSK !amp;.

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DIE PROPMETEN

IN 111 EED URSI\'EÜNGLICHEN FORM.

I. BAND:

I\' R OL EG OM EN A INI) EP ILEGOM EN A.

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DIE PROPHETEN

IN IHKER URSPKÜNGLICHEN FORM. DIE GRUNDGESETZE DER URSEMITISCHEN POESIE

EUSCHLOSSEN UNU NACHGEWIESEN

IN BIBEL, KE1 LIN SCHRIFTEN UND KORAN

UN1» IN 11 IKEN WIÜKUNGEX ERKANNT

IN DEN CHÖEEN DER GKIECTIlSCHEiN T1UGÖDIE

VON

DR DAV. HEINR. MÜLLER.

OIID. OFF. PROFESSOR AN DDR K K. UNIVKRSITAT WIKN.

1, BAND:

rKOLEÖOJI KNA UNI) ElMLKUOM EX A.

WIEN, 189(1.

ALFRED HOLDER,

K. UNI) K. IIOF- UNI) UNIVURS ITATS-BUCIUI ANDIvHR I., UOTHBNTHURMSTRASSK 15.

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Alle Rcclito. iiisbcsondcrc this dor Uobovsotzung in frcmdo Spruolien nnd des Xuelidruckos di v sti\'oplii.sch gcgliedorten Tcxto, rorbclialtcn.

Druck von Adolf Hol/hauson,

k. mill k. Hof- nnd UniversitUts-Buchilruokor in Wion

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KINLEI TUNG.

Das Ziel, welches ich mir in (lioscr Arheit gosteckt liabo, ist die Erscliiiessnng der poctischeu mul rlietoi\'isclien Fonnen, die allen semitiselien Völkern gemeinsam waren und demnaeh in die uvseinitischc Zeit zuii\'ickreiclien. Um den vcrselilun-genen Pfad zu diesem weitab liegenden Ziele zu tindon, bednrfte es einer eindringenden Prüfung nnd vertieften Untcrsnehung dor iiltesten Erzengnisse der drei grossen semitischen Literaturen, der biblischen, keilscliriftliehen und arabiselien. Die aramaiscben und aethiopiseben Spraebdenkmiiler sow ie die weitverzweigte lOpi-graphik konnten zum Tlieil wegen der geringen Ueberreste aus alter Zeit nnd des unpoetischen Charakters derselben, zum Tlieil aber audi wegen des freinden Eintlusses, unter dom sie sieb entwickelt baben, für den angestrebten Zweck niebt verwertbet werden.

Unter den drei grossen Literaturen niinnit die Uibel naturgemiiss den ersten Rang ein, für die vorliegende Arbeit babe ich mieli jedoeb ausseblicsslicb auf die prophetiseben Büeber beseliriinkt und die liistoriscbcn und sogenannten [io(\'fi-seben aus dem Kreise der Untersuchung ausgeseblossen. Desgleieben liabe ieb zuniiebst die altarabiseben Diebter, welebe durcli ihr streng cpiantitirendes ]\\[etrum (das sie meines Eraebtens durcli grieebiselien Einfluss ausgebildet baben) in den semitischen Literaturen vereinzelt dastellen, ausser Acht gelassen und vielmehr das Werk eines Mannes horangezogen, in dem sieh die Cbaraktercigenschaften seines Volkes wie in eincm Brcnnpunkte veroinigten, und der es ausdriieklich betonte, dass er kein Dichter sei, sondern ein Prophet, ich raeino den Koran. Endlieb sollen gewisse Stücke der keilscliriftliehen Litcratur geprüft werden, die ilirer jioetischen Form nach denselben Cbarakter aufweisen wie die lieden der Propbeten und die Offenbarungen Mohammeds.

Um es kurz auszudrileken: Die wesentliclisten Merkinale der nrsemitiseben Poesie sind Strophenbau und llesponsion. Was Stropbenbau ist, weiss .Ieder, trotzdem wrill ich schon bier ausdrücklicli bemerken, dass ich unter ^Strophe\' cine Gruppe von Zeilen oder Vorsen verstebe, die an und für sicli oder im Verliiilt-nisse zu den anderen Gruppen cine abgeschlosscne Einheit bildet; dagegen bedarf das zwcite Merkmal, die ^lesponsion\', einer Krliiuterung und vorliiufigen lOrkliirnng. ]\\ran kennt diesen tenniviis teclnnms aus dor klassisclicn Literatnr, wo die l{e-

Igt;. II. Miillor. lgt;io Proplioton. 1

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Einleitunq.

sponsion bosonclers in den Chörcn der Dramcn beobaclitet worden ist. Strophe und Antistrophe corrcspondiren mit cinnnder im Metrum, in der Gliederung nnd in den Einsehnitten dor Siitze, sie correspondiren aber aueh liilufig gedanklicli, und diese Uebercinstimmung wird ot\'t dureh gleiciie oder iliinlichklingende Worte niarkirt. Diesci Thatsache, welehe im griochisehen Schrifttlmme nur von geringem Umfung und geringer Bedeutung zu sein selieint, ist von der genau beobaeliten-den und tiefeindringenden klassiselien Philoiogie erkannt und benannt worden; im Semitisciien, wo die ,Responsion\', verblinden mit dem Strophcnbau, dessen Krystallisationselement sie eigentiieli biidot, als der Ausdruek des Geistes der Poesie und der Rede angesehen werden muss, ist sie weder erkannt noeii benannt worden. Die Ersclieinung, so lange unerkannt, musste erst gefuuden und fiir die ursemitische Saehe ein fremder Name geborgt werden. Man spraeh wold im He-briiisehen von dem jtarallalismus memhrorum im Verse, aber dieser Ausdruek, dor so oft gebrauelit und noeli öfter missbrauclit worden ist, bezeichnet wold den Keim per Kesponsion, man abnte aber nicht im Entferntesten das grosse und weit ent-i\'altete Gesetz dor Kesponsion, welches die alten Literaturerzeugnisse in ganz eigen-thümlicher Weise beherrscht.

Es ist meine Absicht nicht, schon jetzt eine genaue Charakteristik und Begriffsbestinimung der Kesponsion zu geben. leb bin ein Feind von abstracten Darlegungen und worde daher erst durch Beispiele aus den drei angeführten Lite-raturgebieten die Ersclieinung zur Anschauung bringen und analysiren. Erst dann, nachdcm sie verschiedenfach beobaclitet, von allen Seiten beleuchtet und in ihren Ursachen und Wirkungcn erkannt sein wird — erst dann wird es an der /eit sein, den Begriff der Kesponsion in seiner Eigcnartigkeit und Viclgestaltigkeit zu abstrahiren und zu bestimmen.

Bevor ich jedoch daran gelie, die alten Literaturen dem Loser vorzufüliren, halte ich es fiir angemessen und für das Verstandniss der ganzen Untersuchung sogar geboten, bier kurz zu schildern, wie ich zur Erkenntniss dieser Thatsache gelangt bin. Don Ausgangspunkt biideten die Propheten, und zwar der jilngsten einer — Ezechiel. Gelegentlich der Interpretation des Cap. xiv, 12—23 fiel mir (Mitte November vorigen Jahres) zum ersten Male Sti\'ophenbau in Verbindung mit Kesponsion in die Augen. Ich hlitete mich aber sehr und warnte aueh meine Zuhörer davor, diese Thatsache zu verallgemeinern, wcil es bei derartigen Funden dem Finder oft ergcht wie eincm Goldsucher, der den Fund eines Klumpen Goldes mit schwerer und vergeblicher Grabearbeit bezahlcn muss. Aber glcich die darauf-folgenden Capitol xv und xvn und ganz bcsonders xix und xxi brachten weitere Be-stiltigung dieser Ersclieinung und merkwürdige Illustrationen derselben. Nun niitzte kcin Striluben mehr, das Entdcckungsfieber, das ich so sehr geftirchtct, erfasste mich in unheimlicher Weise, und die Durcharbeitung des ganzen Buches Ezechiel über-zeugte mich, dass dieser Prophet vielfach in Strophen gesehrieben und die Kesponsion sehr stark in Anwendung gebracht hat.

In einer schlaflosen Nacht des Monats December kam mir der Gedanke, dass gewisse StUcke der keilschriftlichen Literatur eine ahnliche poetische Form zeigen: gleichmiissige Absiitze, dio mit einander durch AVort oder Gedanken-responsion verbunden sind. Eine Untersuchung der Schlussformel der grossen Cy-linder-Inschrift Teglathpileser\'s x bestiirkte mich in dieser Anschauung, und so ver-

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Einleitung.

scnktc icli niicli in die Kcilsclirif\'tliteratur wie frülicr in Ezechio! nnd liattc die Freude, meinc Untcrsuchung vielfach von Erfolg bcglcitct zu sclien. Aber dor Zweifel, ob ieh aueli die Zeilen, welclic in Grappen vereinigt eine Stroplic bilden, die jedocb weder in Ezecbiel noch in den Keil inschriften gegeben sind, nnd von niir naeli Sinn und rliytlimischem Gefiihle erschlossen werden mussten, auch riebtig, d. b. ini Sinne der Verfasser abgetlieilt worden sind, der Zweifel also, ob ieh nicht mcine Gedanken und Phantasiegebilde dem Propheten beziehungsweise den Ver-fassern der Inschriften unterstelle, wurde immer stilrker und milchtiger, bis ich das babylonische Schöpfungsepos behufs Untersuchung vornalun, und zwar zu-nilchst in der grïmdliehen und übcrsiclitüehen Bearbeitung IT. Zimmkrn\'s (in den Heilagen zu H. Gunkkl, Schöpfuny und Chaos, das gerade erschienen war) prüfte. Hier lagen mir nun keilschriftliche Textc in metriseher Form von annilhernd gleicli langen Zeilen vor, wie sie aus uralter Zeit überliefert waren, und dicse interessanten iStücke waren von einem tüchtigen Keilschriftforscher übersetzt, der mög-lichst sinn- und wortgetreu sie unscrem Verstilndnisse niihcr zu bringen suelitc. Ich musste mir also sagen: wenn die Strophcn- und Responsionshypotliese richtig ist, so muss sie von dem Schöpfungsepos bcstiitigt werden. In der That erkannte ich sofort Strophenbau und Responsion in diesem Epos. Die\'se Tliatsache war aber deshalb von ganz besonderer Wichtigkeit, wcil bier die Zeilen, wie schon erwilhnt, im Originale gegeben sind und meine Arbeit sich ausschliesslich auf die Abthci-lung der Strophen beschriinken konnte, wozu noch kam, dass ich auch den Sinn nicht nach meinen Voraussetzungen modeln durfte, da derselbe von Zimmkun nach den besten Vorarbeiten und eigener sorgfaltiger Forschung festgestellt worden war.

Der Umstand, dass diese Erschcinung bei Ezecbiel und in der Keilschrift-literatur auftauchte, legte mir zuerst den Gedanken nahe, dass dor Pi^ojihet Ezecbiel, der in Babyion -lebte und weissagte, in der Form die bei den babylonischen Schriftstellern übliche Art nachgeahmt und veredelt habe; aber diese Hypothese musste bald aufgegeben werden, nacbdem ich zuerst bei Jlicha und Jercmia, dann bei J esaia (dem iiltern und jllngern) und spiiter sogar beim illtesten Propheten, bei Amos, dieselbe Dichtungsform erkannt batte. Wiihrend der Monate December und Januar arbeitete ich alle Propheten und eine grosse Anzahl Keilsehrifttexte dureh und fand überall, besonders aber bei den Propheten, Strophik und Responsion mit einander kunstreich verblinden. Neben der Responsion zeigten sich noch allerlei andere poetische j\\terkinalc, die man bis jetzt in der hebriiischen Literatur kaum geahnt batte, so z. B. die Verkettung (coneatenatio) durch Gedanken und Wort-anklilnge, sowie durch Assonanz.

Trotz alldem verhehlte ich mir die Schwierigkeiten, die besonders in der Bibel der Herstellung der Strophen im Wege stehen, nicht. Es galt das, was ich sozu-sagen instinctiv gefunden batte, auch glanbhaft zu machen und meine subjectivlt;! Auffassung als Ausfluss des objectiven Thatbestandes darzustellen und zu beweiscn. Nicht immer sind die Verse gedanklich und rbythmisch so beschaffen, dass man au der Abtbeilung und Abgrenzung derselben nicht zweifeln konnte. Neben langen Zeilen mussten oft kurze angesetzt werden, neben parallelen Redeweisen standen hilufig abgeschlossene Redewendungen — eine Ungleichheit in der Rhytbmik und in der Gedankengruppirung, die ein Sicberheitsgefiihl l)ei der Abtbeilung der Zeilen und also auch bei der Bildung der Strophen nicht aufkommen lassen wollte.

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Ei.n\'lkitukg,

In dlesor schweren Zeit voller Zweifel nnd Unrulio kam mir ein eigonthlim-licher Zufall zullilfe. Durch eine Vorkettung von Umstilnden liatto ich mich nach melireren Jaliren wieder cntsclilosscn, an der Universitilt Koran zu lesen. Wtllirend ich also mit dieser Strophen- und Responsionsfrago in Uibel und Keilselirift intensiv besclnlftigt war, liattc ieh in inciner Vorlesung Sure 5G (al-Waki\'a) zu orkliiren. Wie icli 7M den Vorsen 59—72 kam (Strophenbau: 1 5 4 3 2 1), ücl es mir wie Sehuppen von don Augen. Hier lag Strophenbau (decrescendo) durch 11c-sponsion gesichert handgreiflich vor mir. Dies geschah Mittc Fcbruar, und die nilchstcn Wochen gehörten der Prüfung des Korans. iOine Untersuchung bcsonders der alten mekkanischen Suren forderte ganz ahnliche Erscheinungen zu Tage, wie ich sie auf dein Gehiete der Propheten und der Keilinschriften gefunden hatte. Die grosse Bedeutung dieser Erkenntniss bestand darin, dass die Versabtheilung ini Koran durch den Reim gesicbert ist und also von Muhammed selbst herrilhrt. Da standen nun die kurzen und langen Zeilen neben einandor und bildeten eincn umviderlegliehen Beweis für die von mir in Bczug auf dio Bibel aufgestellten Thesen. Dass das Vorhandensein von Strophen und Responsion im Koran an und filr slch cine bcdeutsamc Thatsache ist, die für das Verstilndniss des Korans, für die Ergiilndung der geistigen und schriftstcllerischen Qualitat des arabischen Propheten wie für die Korankritik neue Bahnen eröffnen wird, braucht wohl kauin gesagt zu werden. Für mieh war abcr diese Thatsache von umso grösserem Werthc, als dadurch meine Strophenbypothesc in den Propheten die sichcrste Stütze und cine unabweisbare Bcstiltigung erhalten bat.

An diesem Punkte angelangt, musste ich mir die Frage aufwerfen, auf welche Weise und in welcher Reihenfolge die von mir festgestellten Thatsachen dor Oelfcnt-lichkeit vorgclegt werden sollten. Ich konntc den Leser denselben Weg filhren, den ich selbst genommen, und ilm durch alle Krümmungen und Windungen geleiten, die ich selbst hatte bescbreiten nulssen; ich konntc abcr audi den umge-kehrten Weg cinscblagcn, d. li. von den sicheren Momenten in Keilsehrift nnd Koran ausgehen, um daim am Scblusse die Propheten im Lichte dieser neuen Erkenntniss vorzufübren. Für letztercn dem Leser gewiss bequemern Weg babe ich mich in dor That audi entschieden, und so zerfilllt diese Arbeit von selbst in drei grosse Absclmitte:

1. Strophenbau und Responsion in der Keilschriftlitcratur;

2. Strophenbau und Responsion im Koran;

3. Strophenbau und Responsion in den Propheten.

Erst nach Erledigung der in diesen Abschnitten behandeltcn Fragen durch ausfUbrliche Darlegungen aus den drei Literaturen und durch eindringende Analysen der vorgeführten Literaturerzeugnisse, werde ich versueben, das Wesen der Strophe und der Responsion in der semitisehen Dichtung zu bestimmen und die Mannig-faltigkeit dieser Erscheinungen in ilirer historischen Entwicklung zu belcuchtcn.

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I. Stroplieiibau und llespousion in der Keilsehriftliteratur.

Es liegt nicht in moincr Absicht, diesc Erscheinungon in den Keilinschriften orschiipfcnd zu behandeln, ich will micli vielmehr darait begniigen, das Vorhanden-sein derselben auf dem Gebiete dieses Selirifttlmms zn signalisiren und siehcr zu stollen. Die weitere AusfVdirung wie die Verwertlmng dieser Thatsaclie fiir die Gcscliielite und Kritik dieses Literaturzweigcs liegt zunttelist nicht im Plane dieser Arbeit. Audi bier werde ich die in dor Einleitung angcdcutete Methode cinhalton, voin Sicheren auszugehen und minder Sicheros folgcn zu lassen, trotzdom ich beim Erkennen den entgegengesetzten Weg gemacht babe.

Ich beginne mit dem babyloniscben Schopfungsepos, cincm dor intercssan-tosten und wichtigstcn Toxtc dor keilschriftlichen Litcratur, liber den, wie Jknskn (Die Kosmologie der Bahylonier, S. \'2li\'5) sicb ausdriickt ,Bibliotheken zusanunon-goschrieben\' worden sind. Man lindet die Literatur zusamraengostellt bci Zi.m.meun in H. Gunkel, ScMpfuny und Chaos, S. 402, Note 1. Fiir mcine Zwocko goniigt es, wonn ich ausser Zimmeun den Loser noch auf die Bearbeitung Jensen\'s a. a. (). 8. 2():!—304 vorwoiso. AVio ich schon obon angedcutet, gebe ich die Ueborsetzung oinigor Theile dieses Schöpfungscpos würtlich genau nach Zimmeun\'s vortreft\'licher lïearboitung,1 die don Vorthoil hat, dass ich fiir dio Auffassung des Textsinnos mich auf einen vollstilndig unbefangenen Sachverstandigon berufen kann. Was ich Nouos bieto, ist nur die strophische Gliedcrnng. Um nicht missverstanden zu werden, erinnere ich an die in dor Einleitung gogebeno Definition der Strophe.

Das babylonischo Schopfungsepos bestand, so weit die Fragmente noch ein Ur-theil gostatten, aus mindestons sieben Tafeln und ist, was bis jetzt trotz der ,zusam-mongeschriebenen Bibliothek\' nicht erkannt worden, in Stropben von je acht Zeilen, woflir gogen Kndo ofters Sechszeilor eintroten, gogliodert. Nur in wenigen erkonnbaron Stellen woicht die strophische Gliodorung hiervon ab, zoigt aber audi dort cine bestimmte und beabsichtigte Eogclmilssigkeit. Fiir die Abtheilung dcr Stropben ist in orster JJeibe dor Sinn massgebond, und ich kann keinon anderen Beweis bierfiir erbringen, als den Text oinigor gut orhaltener Stticke selbst, wobci Jeder leicht bcurthcilen wird, ob dio Abtheilung saeh- und sinngomass ist, und ob eine solche liegelmiissigkoit in dor Darstcllung Zufall sein kann odor einer bostimmten Absicht entspricht.

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Icli habe mir von don Verfassern und Vorlegorn des Buches Sch\'opfuncj und Chaos dio Er-laubniss crbeten und crhalten, cinigo grüsscro Stiicko aus Zimmeun\'s woi\'thvollon lioilagou wüi\'tlicli abdruckon zu diirfon.

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Das baiiyumsciiji ScuOri-uncisuros.

Das babylonische Schöpfungsepos.

Tafel I.

Einst, als (Iroben der Hirnmcl nicht bonannt wur,

ilrunten dio Erde kcinen Namen tnig,

als noch der Ocean, der uranfiinglicbc, beider Erzeuger,

mummu Tiamat, die beide gebiir,

5 ihre Wasser in eins zusainmen misehten,

als kein Feld noch gebildet, kein Rohr noch zu seheii,

einst, da von den Gottern kein einziger entstanden,

kein Name genannt, kein Loos [bestimmt war],

Da wurden geschafFen die Götter.........

Ich üborspringc den weiteren fragmentarisch en Tlicil dieser Tafel, welclie man bei Zimmkun naehschen moge, die ich alter eben wegen des fragmentarischcn Charaktcrs für Strophenbildung nicht verwerthen darf, und wende inich znr n. Tafel. 1 )ieso bietet nnter Vergleichung von Tafel m ein sicheres Stuck, welches in cpi-schcr Brcite dio Empörung der Tiamat schildert und sich lm Epos melirnials wiederholt. Es bestcht aus vier Strophen von je acht Zeilen und ciner Schluss-strophe von sochs Zeilen.

Tafel II.

,Tiamat, unsere Mutter, hat sich gegen uns emport,

cine liotte vcrsainmclnd, zornig tobend.

Ihr wandtcn sich zu die Götter insgesannnt,

die Aeonen, die gcschaft\'enen, traten ihr zur Seite.

5 Den Tag verflucbend, f\'olgtcn sie Tiamat,

ziirnend, Unheil planend, rastlos Tag und Nacht;

bereit zum Kampte, tobend, rasend

rottetcn sie sich zusammen, begannen den Strcit.

Die Mutter der Tiefe, die Schöpfcrin des Alls,

m fügte hinzu siegreiebe Wallen, riesige Schlangen schaftend,

mit spitzen Ziihncn, scbonungslos boim Angrift\';

init Gift wie mit Blut füllte sie an deren Leib.

Wüthonde Giftnattern bckleidete sie mit Grausen,

stattete sie iius mit Schrecken, hoeh liess sic sie ... .

i.i Ihr Ausschen moge.....................

Ihr i^eil) schwelle, auf dass unwiderstehlich ihre lirust!\'

Sie schuf eine Natter, cine wiithende Schlange, eine Laluiinu,

einen ,grossen Tag\', eincn tollen Hund, cinen Scorpioiienmeuschen, jkreisonde Tage\', einen Fischmenschon und einen Widder, »i schonungslose Waffen tragend, nicht fiirchtend die Schlacht,

trotzigen Sinnes, uniiberwindlich für den Feind.

Dazu aber, dass sie die Elf solcherinassen bildete,

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1 )AS HAIIYI.ONISCIIK ScUÖWUNUSEl\'OS.

imter dun Göttcrn, ihrcn Siilmun, soviol sic zu Hauf gebracht,

crhob sic den Kingu, machte ihn gross in ilirer Mitte:

25 ,Dein Hecrc voranzugehen, das sei dcine Sendung;

das Waffenerheben befiehl du, den Aufbruch zur Schlacht!\'

Erstcr im Kaïnpf, Oberster im Sieg zu sein,

legte sie in seine Hand nnd setzte ihn auf den Thron:

,Deine Formol sprach ich, orhöhte dich unter den Göttern,

so belehnte dich mit der Herrschaft iibcr die Götter insgesamint;

hocli erhaben solist du sein, du mein einziger Gatte,

Gross soli dein Name sein iibcr dein [Erdkreis]!\'

Drauf gab sie ilnn Lostafcln, legtc sic an seine Brust:

,Dcin Gebot sci gültig, feststehe deines Mundes Gcliciss!\'

.\'i.ï Als nun Kingu erhöht war, hitnmlische Gotthcit erlangt liattc,

da bcstimmte sie den Göttcrn, ihrcn Soluien, das Los:

,Eucr Mundaufthun soil das Feuer dampfen,

das Erhabcnc von Kidmuri soli die Glut auslöschcn!\'

Den unsicheren nnd zcrstörtcn Host des Averses sowic den grössten Theil dos Reverses lasso ioli liier weg nnd gebo nur die letzton gut erhaltencn zohn Zeilen.

Tafel II Revers.

[Es hortc] Ma[rduk] die Rede seines Vaters,

im Urange seines Herzens sprach er zu scincm Vater:

,ü Herr der Götter, Spross der grossen Götter,

2quot;i1 Wenn wirklich ich euer Racher sein soil,

Tiamat bezwingen, euch erretten,

so rüstct ein Mahl, macht reiehlich don Losschmaus.

In UbSugina insgesamint freudig tretet ein!

Mit mcinom Munde gleich euch will ich dann eutschciden.

üo* Nicht werde geündert, was immer ich schafte,

nicht sci rückgangig, nicht ungilltig das Wort mcincr Lippen.\'

(Schluss von Tafel n.)

Wir solien also, dass sowie dor gut orlialteno Anfang dor Tafel i, so aueli der Scliluss der Tafel n oino aehtzoiligo Strophe bildot, woboi nooli bosondors zu beachton ist, dass die dom Marduk in den Muud golegto Redo eine Strophe von aeht Zeilen bildot.

Die dritto \'J\'afel liat einen etwas abweiohondon Stroplionbau. Sie boginnt mit dor Anrode Ansars an don Boten (1 — 6), os folgt die Botschaft (7—14), die Empörung Tiamats vier Strophon von je acht, Schlussstrophe scchs Zeilen, wio Tafel ii (15—52), dann stehon droi ungloicho Strophon von vier, zohn nnd sochs Zeilen (Z. 53—72), nochmals die Enipörung Tiamat, vier Strophon von jc acht und Schlussstrophe sechs Zeilen (Z. 73—11°); fernor oino Wiedcrholung dor ab-weichendcn Strophon 10 und G Zeilen, und zwar sind sie auch eiue wörtlicho Wiedcrholung, so dass Z. 1 11—114 = 53 — 56 und 115—124 = 57—60. Don Ab-schluss bilden zwei ungleiche Sti\'ophon von vier und zohn Zeilen. Man vorgloichc dicso Tafel bei Zimmern a. a. O. 407—410.

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Das hauyj,onisciik iSciiöi\'fungsloi\'os.

Die vierte Tiif\'cl wird durcli zwei Zeilen eiugeleitet, dann f\'olgen neuu Strophen von je acht; Zeilen (Z. —74), dann drei Strophen 12 8 12 (Z. 75 bis 10(J), zwei Strophen von je acht (Z. 107—122) und am Schlusse vier Strophen von je seclis Zeilen. Diese Tafel thcile ich hier strophiseh gegliedert ganz mit. Die weiteren Tafeln v—vu und die Schlusstafel sind zerstort und können für die lgt;c-grïuuluiig des Strophenbaues nieht herangezogen werden.

Tafel IV.

i Daniuf setzten sic ilm auf den fürstlichoii Thronsitz,

tl augesichts soincr Viiter lioss or sich nicdur als lIoiTSchur.

a ,1)11 suist goelirt untor den grossen Göttcrn;

■i dein Los ist olinc Gleichen, dein Name ist Ann.

5 Marduk, du seist geolirt unter den grossen Göttern,

it dein Los ist ohne Gioichen, dein Name ist Ann.

7 Von lieute ab sei giiltig duin Golieiss,

s Krliöhen nnd Erniedrigen liege in deiner Hand!

Fest stehe dein Wort, unverbrüchlich sci dein Gebot,

10 Keiner der Göttei\' besehreite deinen Bezirk!

11 Aussehmückung, darnacli begebron die Tempel der Götter,

12 mögen sie daran darben, an deiner Stiitto sei sie reicii. 1:1 O Marduk, da du unser Uitcher sein willst,

n so verleiiicn wir dir das Königtbum über das ganze All.

i.rgt; liist du im Ratb, so stehe dein Wort obenan,

iigt; deine Waffe sci sicgrcicb, sic trett\'c den Feind.

i7 O Herr, wer auf dicb traut, dessen Leben schone;

is abcr der Gott, der Höses plant, gicss aus dessen Leben.\'

n» Darauf Icgten sie in ibre Mitte irgend cin Kleid,

-o zn Marduk, ihrem Erstgcbornen, spracbcn sie also:

-\'i ,l)cin Los, o Herr, übertreffe das der Götter:

■ju Vcrgcbcn und Werden — befiebl es und es geschebc,

23 Auf das Auftbun deines Mundes vergebe das Kleid,

21 befiebl ilnn wicderum, so sei das Kleid wieder da!\'

25 Da befalil er mit scinem Munde und das Kleid verging,

20 wiederuin befabl er ilnn, und das Kleid war wieder da.

27 Da solcbe Macht seines Wortes sab\'n die Götter, seine Viiter,

28 bogrüssten sie ibn freudig: ,Marduk sci König\',

29 schenk ten ilnn Scepter, Thron und King,

:io gaben ilnn cinc Waffc ohne Gleichen, den Feind zu schlagcn:

ai ,Wohhin, der Tiamat schncidc ab das Leben,

32 cs entführc der Wind ihr 151nt ins Verborgene!\'

33 So bestiinmtcn ]5cl (Marduk) das Los die Götter, seine Viiter, 31 eincn Heils- und Glitckspfad Hessen sic ilm cinschlagen.

35 Er machtc fertig eincn ISogen, bestimmte ibn zur Waffc,

3(i cin Sichclschwert rüstcte er, befestigte cs.....

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i )A1S llAI(VI,OXI.SCIIK ScllÖlM\'UNliSHl\'OS.

37 Er miliiii dio Gottcswaffo, lioss scino lieelitu sic lassen,

Bogou unci Köchcr liiingtc er an seine Soite.

sa Er iniiclito einen lüitz vor sicli lier,

■i» dessen Iiinores er fiillte mit loderndcr Plamme.

■li Er machte ein Nctz das ITngetluim Tiumut zu tangen, I ia die vier Winde steilte er bin, dass sic ja nielit entkame.

■w Südwind,1 Nordwind, Ostwind, Westwind

u liess er trcteu an das Netz, das Geschenk seines Vatcrs Ami,

is seliuf einen Orkan, einen Sturm, ein Wetter,

in die vier, die sieben Winde, einen Wirbel, eine Windsbraut.

■17 Drauf liess er los die Winde, die er gesebaHcn, alle sieben, ■is das Ungethüm Tiamat zu verwirren, ilini zu folgen.

? ut Ua nabm Hel den ,Sturm\', seine grosse Wallb,

® so den unvergleicblichen Wagen, den furchtbaron, bestieg er.

si Er trat darauf, ein Viergespann band er daran,

m [Jiosse] sehonungslose, mutbige, llugsebneile;

•W |mit spitzen] Zitbnen, voll von lt;Jift,

M ..........die niedemiwerfen verstellen,

sr. [zur Keehten . . .J sehreeklieh im Kampf,

Sd zur Linken......öft\'nend........

67 ...............mit Grausen bekleidet,

68 dessen Sclirecken nie[der\\virft].........

s

5« Gerade aus zog er, vollbraohte seinen |\\V|eg,

mi zuin Orte, wo Tiamat....., wandte er sein Antlitz,

81 mit der Lippe..........baltend,

ii2 ein Giftkraut.....mit seinen Fingern tassend.

Zu der Stunde ])ries man ibn, die Götter priesen ibn.

Die Götter, seine Viiter priesen ibn, die Götter priesen ibn. Es nabte liel, nach dern Kampfe mit Tiainat spahend,

nach Kingu\'s, ibres Gemahls, Besiegung ausscbauend.

!l

li» in (15 III)

ii7 Wie der ibn erbliekte, da ward verwirrt sein Vornebmen, os sein Verstand ward benommen, sein Thun verworren.

(gt;9 Als die Götter, seine Heifer, dio ibm zur Seite gingen, Tgt; ibren Führer [verzagen] sahoii, ward ihr Augo verstört.

71 Doch Tiamat hielt [stand], wandte den Nacken nicht ab,

7ü mit ibrer Lippe.....Widersetzliehkeit.....

7:1 ,Es nehm[en a]uf mit dir, o Bel, die Götter den Kampf, 71 [da w]o sie versammelt sind, ist jetzt deine Stelle!quot;

75 Da [nabm] Bel den ,Sturm\', seine grosse Waffe, 70 [der] Tiamat, was sie begangen, hielt er also vor:

77 ,[Drunten gewjaltig warst du, droben erhaben;

78 [doch dich trieb] dein []Ie]rz, Streit zu beginnen, 711 [dass die Aoonen von] ihren Vütcrn zu [dir ablielcn];

su [um dich schartest du] sie, empörtest dich go[gen uns].

1

ZiMMEiiu: ,liess Südwind etc. troten\', ahor hier bogiimt ein neuer Absatz, dor im Einzelnou das schildert, was iu dor lotzteu Zeile im Allgumoinon angodeutot worden ist.

ocr page 17

Das BAIÏYLONISCIIIS SciIÖPrUNGSKl\'OS.

«i [machtost ilcn Kin]gu zu de[inem] Gemalil,

82 [übergabst] ihm güttliclie Macht.

83 [..........auf Bö]ses sannest du,

81 [den Göttjcrn, nicinen Viitern, thatest du Boshoit au.

85 |So worde go]fesselt deine Schar, gebundeu dciuo Wallen; 8« stelle dich! ich und du wollen mit oinander kiimpfen!\'

87 Tiilmat, als sie solches vernahm,

88 gcrioth in Bestürzung, verlor den Verstand.

8i) Es schrie auf Tiamat, ungestüm sich aufbaumend,

no im Tiefsten durch und durch erbebte ihr Grebciu.

\'.u Sie sagt her eiue Beschwürung, spricht aus eine Formol, us die Göttor der Sehlacht lassen erklingen ihro Wallen.

!« Es begegneten sich Tiamat und Marduk, der Götterbcrather, 1)4 zum Kampf stürmton sic, nahten zur Sehlacht.

»5 Da spannte aus Bel sein Netz, schloss sio ein,

i)(i don Orkan, der hinten stand, liess er aul\' sie los.

i)7 Als mm aufriss ihren Rachen Tiamat........

!)8 lioss er den Orkan hinoin, dass sic das Maul sperren mussto.

Dl) Mit grimmigon Winden füllte er an ihren Leib,

100 dass die Besinnung ihr schwand, sic den Kachen weit aufriss.

101 Er aber fasste das Sichelschwert, sticss cs ihr in den Leib,

ii)2 zerschnitt ihr Eingoweide, zertheilte ihr Inncres; 103 er bcwiiltigte sie, machte ihr den Garaus,

lol ihren Leichnam warf er hin, steilte sich darauf. —

io.\'i So batte er Tiamat, die Fiihrerin, überwilltigt,

iou ihro Streitmacht zersprengt, ihre Schar zerstrout.

107 Die Göttcr, ihre Ilelfcr, die ihr zur Seite gingen, los crzitterten, fürcbteten sich, wandten sich rückwiirts,

loi) machten sich davon, ihr Leben zu sicbern,

no [doch Banjde umschlangen sie, die unentrinnbar:

in so nahm er sic gcfangen, zorbrach ihre Waffen,

na im Netzc lagen sie, sassen im Garn;

ns auch füllten sic an das Woltall mit Gehoul,

in trugen seine Strafe, cingeschlossen im Kerker.

li!) Auch die elf Geschöpfe, die sio grausig gcbildot,

nu eine Horde vou Unholdon, die ihr zur Seite gegangon,

in legte er in Pesseln, [band] ihre Iliinde,

lis und ihren Widerstand [trjat er unter sich.

nu Und Kingu, der [gewaltig war über] sie [alle,]

120 den bcwiiltigte er und that ihm, wie den [andoren] Göttorn.

121 Er entriss ihm die Lostafeln, die hiengen an seiner [Br]ust

122 siegolte sic mit seinom Siegel, hiiiigte sic sich an die Br[ust].

123 Nachdem er so seinen Gogner bcwiiltigt und bezwungeu, 121 don stolzen Widersacher zu [schanden] gemacht batte,

125 Anwar\'s Sieg über den Feind gitnzlich vollendet,

126 Nugimmud\'s Absicbt errcicht, der streitbare Marduk,

10

ocr page 18

Dik zweitk uabylonischu Rkcknsion dek Sciiöi\'funü.

1-\' dn maolitc cr fiber die bcwiiltigten Göttcir seinu Haft lust, ms und kchrtc zurück zu Tiilmat, die er bewiiltigt.

iüii Es trat nieder Hel den Leib der Tiamat,

im) init dor sehoiiungslosen Waftb spaltete er llircn Schiidel,

uil durclischnitt ihr die Adorn ilires Hlutos

134 und liess os vom Xordwind ins Verborgene bringen.

Isa Das saliun soinc Viiter, freuten sich, frolilockten,

134 Friedensgeschenke licssen sie bringen für ihn.

135 Da ward Bol bosünftigt, als er ihren Loichnam botraehtoto, 13« ..........Kunstroicbes zu schaffen.

137 Er zerselilug sic wio einen . . . in zwei Theile;

138 cine lliilftc nahm er, machte sic zuin Himineladacb, 13a zog cine Schranko davor, stolltc Wacbter bin,

mo Ibro Wasser nicht berauszulassen befahl er ibneii.

mi Den Ilimmel entsprechcnd dor unteren Welt befestigto cr, M2 steilte ihn dein Ocoiin gegeniiber, Nugimmuds Wohnung,

m3 dann mass aus Bol des Oceans Ban,

mi als einen Palast gloich diesem crrichtete er Esara,

115 den Palast Esara, den cr als Ilinnncl baute,

mo licss er Aim, Hol und Ea als ibro Stadt bcwohnon.

Ill (1 en eben angofülirton Stückon dos babylonisclien Schöpfungscpos tritt die stropliisclic Gliedcrung mit oiner solchen Dcutlichkeit in die Augon, dass cs cincr weitoren Erklilrung eigentlicli nicht bodarf. Nur darauf wil! ieli die Aufmcrksanikcit lonken, dass die Erkennung des Strophenbauos gieiehzoitig die Erkenmuig dor Gedankongiiederung involvirt, dass also die Auffindung der Strophen nicht uur f\'iir die Erkenntniss der Form, sondern audi f\'iir Sinn und Inliait von nicht weg-y.uicugncndein Wcrtlic sind. Niciit mit gieicher Doutliclikeit wie die Strophik er-scheint iiicr die Responsion ansgepriigt. Zuin Tlioil fclill sie ganz, zuni Tiioil tritt sic in oiner so discroten Weisc aut\', dass sie, wonn man das Wesen dieser Er-schcinung nicht an voll ausgebiideton Forinen zuerst orkannt und sicii eingepriigt hat, kaum erkennbar sein würdo. Als solclic Spuren möchte ich in Tatbl n don Beginn der beidon ersten Strophen bezoiclinen:

Strophe x: Tiamat, die Mutter dor Gutter, hat sicli gogen uns cmpört;

Strophe n: Die Mutter dor Tiofe, die Schopforin des Alls.

Die zweite babylonische Recension der Schöpfung.

Ein sohr lehrreiches und charaktcristischos Beispicl für Strophenbau in Vcr-bindung mit Responsion biotet die zweite babylonische Recension der Schöpt\'ung, welcho zuerst von T. G. Pinches1 verüftciitlicht und übersctzt und von Zimmeun in revidirter Uebcrsotzung mitgetheilt worden ist.2 Sic bestcht aus vierzig Zeilen und

1

Vg-l. Jouvn, of the Royal As. Society, Vol. xxm (1891), p. 393—408; Tranmctiom of the intern. Congress of Orient, Vol. n, p. 105—114 und Hommkl {Deutsche Rundschau xvn, 10, p. 105 —114).

2

Weseutlichcu II. Zimmeun entlehiit und weiclit uur in wenigen 01011011 ab, wo ich micli in der Wort-

ocr page 19

Dm ZWKITIO liABVLON\'ISCIIK ReCKNSION DKll Sl\'lllil\'l\'IINd

giicdcrt sicli in vier Stroplien zu je zclin Zeilen. Die itesponsion ist iiusserst seliart\' und lebcnclig, das Encle greift nacli dein Anfange mit Hewusstscin zurilck. Es soi nocli bemerkt, dass neben der iiesponsion aucli die Verkettung (conöfttcnatio) gewissermassen die Klammer der Strophen bildet.

Bêlu, el-lt\'in hèl ilcini ina aS-ri el-Um u/ e-pu-uS Ka-nu-u ul a-si i-si ul ha-ni IJ-bit-ti ul na-da-at na-al-ban-ti ul ha-na-al ItHu id e-pu-uS, alu ul ha-ni 5 Alu ul c-pu-uit, nam-mas-Su-u ul sa-as-su Ni-ip-pu-ru ul c-pu-uS, E-kura ul ha-ui U-ruk ul e-pu-vs, Ê-anna ul ha-ni Ap-su-u ul c-pu-luH], hri-di ul ha-ni Hf,hl el-lum, hêl tlani, üu-hat-su id ep-Se-et iigt; Nap-har ma-ta-a-lam tam-tum-ma.

I-mi-ia ki-rib tam-tim ra.-lu-um-ina Ina u-mi-su Eri-di c-pu-uü E-sagila ha-ni E-sagila Sa ina ki-rih ap-si-i ilu Luyal-du-azay-rja ir-mu-u Ka-dingir-ra(ki) c-pu-fus], Esag-ila Siuk-lul 15 Ilani A-nun-na-ki mü-ha-ris i-pu-uS

Alu cl-hnn su-hat lu-uh lih-hi-Su-nu si-riS im-hu-u Hu Marduk a-ma-am ina pa-an me-e ir-ku-us E-pi-ri ih-ni-ma U-li a-mi iS-pu-uh llani ina Hu-hal lu-uh lih-hi a-na Hu-Su-hi ao A-me-lu-li ib-la-ni.

Hu Aruru zi-ir a-mc-lu-ti it-ti-m ih-la-nu Jiu-ul sêri si-l •in na-pi-iü-ti ina si-c-ri ih-la-ni Idiglal ü Puralta ih-ni-ma ina aë-ri U-kun Sum-ii-na {a-hiït ini-hi 25 Us-Sa di-il-ta ap-pa-ri ka-na-a ü ki-sa ih-la-ni Ur-ki-it tte-rim ih-la-ni Ma-a-lurn ap-pa-ri a-hu-urn-ma

Lil-lu hu-iir ki mc.-ru la-ah-ru pu-hal-sa im-mu su-hu-ri Ki-ra-lu u ki-Sa-lu-ma .\'ui A-lu-du sap-pa-ri n-za-az-ru-su.

lle-lum ilu Marduk ina pa-at tam-tim ud-la-a u-ma-li

......a pa-na-ma la iü-ku-nu

............uü-lah-U

.........-ni i-sa ih-la-ni

:!5 ...........ina aë-ri ih-la-ni

.........[na-al-/ ban-lam ih-la-ni

.........uru mu-un-dim

.........a-dam(ki) mu-un-[ia]

..... ... i-kur-ra-gi ha-dim

\\2

\'io .........[c-an-] na-gi [ha-dim]

folgo noch engoi\' dom Originale auscliliesson zu sollon glaubto. Dio Schlusszoilon dos Kcilschrift-toxtos (37—40), dio in dor somitisulion Columne zorstört sind, ontUaltou dio sumorischo Vorsion.

ocr page 20

Dm zwerrio itAitvLONiKCiri\', Kioci-\'.nsion dkk Sciiupruxci

rcinc Jlnus, dus Hiius der Göttcr, auf licrrlichem Ortc war (noch) nicht gcniaclit, liohr niclit entsprossen, Baum nicht gcsoliaft\'en,

Ziegol nicht gclegt, Ziogclljiui nicht errichtct,

Hans nicht gemacht, Stadt nicht gebaut,

ri Stadt nicht errichtct, Wohnung nicht bcreitet,

Nippur nicht errichtct, K-kur nicht gebaut,

Krech nicht errichtct, E-anna nicht gebaut,

der Ocean nicht geschaffen, Eridu nicht gebaut,

das reine Ilaus, das Ifaus der Götter, seine Wohnstiitto niclit gemacht, 10 die Gesammthcit dcr Lilnder (war) Meer.

Da (entstand) mitten im Mcere einc Bewegung.

An jenem Tage ward Eridu errichtct, Esagil gebaut,

Esagil, wo mitten im Ocean Gott Lugal-dul-azaga wohnt.

Babel ward errichtct, Esagil vollendct,

1.1 die Götter, die Anunaki wurden zugleich geschaffcn,

die reine Stadt, wo sic gcrn wohntcn, hcrrlich benannten sic.

Marduk befestigte cin Röhricht auf dein Wasser,

bildete Staub und schiittctc ihn ncben dem Röhricht auf.

Um die Göttcr an dcr herzliebcn Wohnstatte wolnicn /.u lassen,

20 schuf er die Mensehen.

♦

])ie Gottin Aruru schuf Samen der Mensehen ungleich init ihm.

Thicre des Fcldes, Lebcwescn des Landes schuf cr,

den Tigris und den Euphrat schuf cr an ihren Orten,

ihren Namen verkiindetc (benannte) er gut.

an Ui-iu, Gras, Schilf, Rohr und Wald schuf er.

Das Grün des Peldcs schuf cr.

Das Land, das Schilf, das Rohr

die Wildkuh mit dem jungen Ochsen, das Muttcrschaf mit dem Lamm der lliirdc, Baumgiirten und Willdcr,

i ao den [gchörnten] Ziegenbock [brachte cr ihm (?)J.

Marduk, dcr Herr, fiillte (hierauf) zur Scitc des Mecres einc Terrasse

.....wie er zuvor nicht gemacht hattc.

............liess cr cntstchen.

.............BUuine schuf er,

M .........schuf er an ihrem Orte,

......, . . . Ziegclbautcn schuf er,

[Ifauser erriclitcte cr], Stiidto crbaute cr,

[Stiidtc erriclitcte cr|, Wohnungcn legte er an,

I [Nippur erriclitcte cr], E-kur baute er,

40 [Ercch erriclitcte er, E-ann]a baute cr.

Das Alter dieser liabylonisclien Schopl\'migsgcscliiclitcn rciclit meines l^racli-tens mindestens in die ]\\Iitto des zweiten .lahrtausends uuserer Zeitreelinung, und in diesen uralton Stlleken seniitischer Dielitiins\'\' ist die Kuiistforin bereits lt;11111/.

O

13

ausgebildct. Es ist also von vornelierein imwalirselieinlieli, dass in spilterer Zcit, aus der mis allerdings illuiliehc Literatureiv.eugnisse nielit erhalten sind, der Slroplienlinu und die liesjionsion ganz vergessen und vernaelililssigt worden waren.

É

ft

ocr page 21

Cylindeuinsciiript Tiglathpilbser\'s I.

14

In der That finden sicli Strophengliederung und Responsion in den poëtisch an-gehauchten Theilen der historisehen Inschriften. Die königlichen Schreiber, welcho dicse Inschriften zu concipircn liatten, bedienten sich der alten Kunstform, und obgleich die mythenreichc Pocsic keine jungen Triehe bildete und der Geist der-selben vollstilndig geschwundcn zu sein scheint, so hat sicli die altc Form bis zu eincin gewissen Grade noch crhalten. Tin Eingange und am Schluss der grossen historisehen Denkmiller zeigt sich eiu ebenmiissiger Bau, der durch gewisse Wen-dungen und Worte scharf getheilt und markirt wird. Die Erkennung des Bancs und der Nachweis der Strophik liegt hier nicht so auf der Hand wie in den angc-führten Stiicken, weil die Zeilen im Texte gar nicht abgethcilt, die Strophen nur tlieilweise durch Ahsiitzc angedeutet sind, aber trotzdem glaube ich, dass in vielen Filllcn eine genaue und sorgfilltige Text- und Sinnanalyse es möglich machen, die ursprlingliche Form noch deutlich zu erkennen. Ich will hier eine Reihc von Proben aus verschiedenen Zeiten entstammeiiden Texten geben und beginne mit cinem der iiltesten grossen Denkmaler, das uns in mehreren Exemplaren vortreff-lich crhalten ist, mit der Cylinderinschrift Tiglathpileser\'s i (1120—1100 v. Clir.). Ks sei noch bemerkt, dass die Schlussformel dieser Inschrift das erstc Stuck war, an dein ich die Strophik und Responsion in den Keilinschriften erkannt habe. Die Ziffern am Rande deutcn die Zeilen, die Striche zwischen den Strophen die Ab-siltze des Originales au.

Cylinderinschrift Tiglathpileser\'s I, Col. vin.

17 Ki-mci a-na-hn hila illita nd-ma-na si-i-ra

a-na mu-Sah A-nim u Itammdni ildni ral ju li h Ui-Ja ak-pu-du-ma la-u-par-hu-ma

20 a-na i-pi-ii a-hi la-a ad-du-u ha-an-HS u-Sik-U-lu-u-ma lih-hi ilü-li-Xu-nu raht-li u-li-hu

Ro wie ich

dus gliinzondc IIiiup,

dus iicliro Heiligtlium,

zuin Sitzc Aim\'s uml Ramnirni\'s,

(Ier grossen Gutter mciner Herren

unabiiissig geijlüiit,

beiin ]?iuic mcinc Seitc niclit nicderlcgte,

es ciloiids volicndote,

das llcrz der grossen Gottlieit erfi-ente,


A -nu u llammamp;nu ki-niü li-si/i-ru-ni-ma

argt; ni-iS ka-ti-ja li-ra-mu li-mi-ik ik-ri-hi-ja lis-mi-u fM-u-ni da-alt-du-li ■sa-na-at nu-uh-üi u har-ri-i a-na pali-ja US-ru-ku i-na Icabli u la-lta-\'d

:iü üal-mis lil-lar-ru-u-ni

So (mogen) Ann und Kannnan

sieli gctreulieh mir zuwenden,

die Erhcbung meincr Hand lielicn,

incin inbrünstiges Gebet erbören,

fruclitbringenden Regen,

Jahrc des Ueberfinsses und der Fettigkeit

mciner Eegierung schenken,

in Kampf nnd Schlacbt

wolilbebaltcn inicli Iciten.


Rup-hav malal nakrüli-ja maldl Sapsamp;li u mal-ki za-i-ri-Ja a-na üi-pi-ja lu u-iik-ni-Su

Alle Lündcr mciner Feinde,

rebellischc Liinder

und feindlicbe Fürstcn,

mir zu Füssen mögcn sic legen.


1 Vgl. IvAwrJNsoN, The Oiinfufoim inscriplions of IVentern Axia i, T.ifol 9—10; W. Lotz, Die In-srhriflcn Tiylalhpileser\'s /. S. flfl IV. nnd ScmiADKH, Keilinsclu-iflUche li\'Miolhek i, 44 11\'.

ocr page 22

Cylinderinsciiiuft Tiolathpileser\'s I.

15

a-na ja-a-Si u zir-ri-ti-ja

ki-rih-ta {ah-ta lik-ru-bu-ni-ma

rit-ti i-na ma-har A-üur u ilüti-m nu rahilt

a-na ah-rat i\'tnü

Ici-ma sadi-i Ici-niS lu-ktr-Si-du

lA-ta-at leur-(U-ja

ir-nin-tu tam-ha-ri-ja

Ssulc-nu-uS nakrtiti

za-t-rn-ut yl-.v»r

w( A-nu u llammanu

a-na ëi-rik-ti iü-ru-lcu-u-ni

i-na nari-ja u lim-mi-ni-ja al-tnr

I-na hit A-nim u Rammdnl

ilCtni rabüti hili-ja

a-na sa-at nmt ai-ku-un

ti nardni m Ham-Si-Itammunu a-hi-ja

Ham n i aj) - X u - u ü

nik A ak-ki

aS-ri-Su-nu u-lir

A-na ar-kat nmt a-na ü-um sa-a-ti a-na ma-li-ma ruha arku-u

i-nu-ma Ml A-nim u liammdni UAini rahii-ti hili-ja u si-gur-ra-a-tu Sa-ti-na u-Sal-ha-ru-ma i-na-Iiu an-liH-Nii lu-ud-dii nari-ja u tim-mi-ni-ja samni li-ip-Su-xis nikA Uk-lei

a-na aS-ri-in-nu lu-u-tir u Sum-Su it-ti-ja lil-tn-ur

Ki-ma ja-li-ma A-nim u liammAnu UAni rahftli i-na lu-nh lih-hi

ka-Had ir-nin-ti ta-hiS

lil-tar-ru-Su

»S\'« nari-ja u lim-mi-ni-ja

i-hap-pu-ii

i-sa-pa-nu

Mir und moiner Mucht init freundliolicm Niihcn sicli iialieu,

incin Priestcrthum vor A.sur und don grossen l)is an das Endc dor Tagc [Oottlioiton wie Borgo gctrc.ulicli fcststcllc.n.

Den Ruhm meincr Ilcldcnkraft,

don Sieg meincr Scldacht,

die Unterworfung der Feindo,

welche Ahiii\' liassen,

welelie tnir An\\i und Rannnan,

Klim Gcsehenkc inaclitcn, [icli.

in incine Gedenktafel nndUrkunden scliriel)

In dom Tempel des Ann und lïainmanu, dor grossen Gottor meiner Herren, für ewige Zeiten legtc icli sie nicdor, und die Urkundon Samsiramans meines mit Oei reinigte ieh, [Vorgiingers

Opfcr braelite ieli dar,

an iliren Platz steilte ieh zurüek.

Für ewige Zeiten,

für die Tagc der Zukunft,

für immerdar.

Kin spaterer llcrrscher,

wonn dor Tempel Ann\'s und Ramman\'s,

der grossen Göttor moiner HoiTen

und jono Tliürme

alt geworden und verfallen,

das Vorfallcne stelle er lier,

meine Tafelu und Urkundon

mit Ooi sal be er,

Opfor bringo er dar,

stelle sic an iliren Platz zurüek, [er.

und seinen Namen noJuon meiiion seliroibo

Wie mioh

Ann und Pamman,

die grossen Göttor,

(lurch Woldbcfinden dos llerzens

und Erlangung von Siog

iu gütiger Weise

sollen sie ilm geloiten.

Wei\' meine Tnfol und ITrkundo

zerbriebt,

wegwirft.


ocr page 23

1C) CvUNDKHIXSCIIlUFT TlOLA\'l\'HPII.HSKII

n.r) a-na ml i-na-du-u i.-n.a isuli i-kal-lu-u i-na Ipirt i-lca-la-mu

i-na lp.......

a-mr la-a-rnari pi-Ui-rilt i-na-ki-mu mu-Sal-ra i-pa-U-iu-ma 7o Sumu-Su i-Sa-la-ru

u lu mi-ma lim-na i-ha-sa-sa-ma a-na pa-an nart-ja u-Sap-ra-ku

\'s T. und Inschrift Nabu-abal-idin\'s.

ins Wasser senkt,

im Pcucr vci\'brennt,

mit Erde bedoekt,

im llausc.....,

cincm Ortc, \\vo man sic nicht sclicn kann,

wie Gcriiiupol (?) aufsjicielici\'t,

den N.\'imcnszug auslüselit,

seinen Namen (clafür) cinschreibt

oder, naclidem er ctwas Uüscs orsonncn,

es angesichts meiner Tafel

zur Ausführung bringt.


A-nu tt liammdnu ildni rahtiti bili-ja

i.i iz-\'d-U li-kil-mu-su-ma

ar-ra-ta ma-ru-ull-ta li-rnr-ru-Sii •sarru-ki lis-ki-pu iSid kussi .larrn-ti-üu li-su-hu pir u hlla-ti-isu lu-hal-lu-u

80 kakki-Su lu-sah-hi-ru

a-hi-ik-ti wn-ma-ni-iu lis-kxi-nu

i-na pa-un nakrt-xii

ka-mii lu-Si-si-hu-3ii

liammdnu

i-na hirki limut-li

md(l)-tgt;u li-ib-rik

sr. m-un-ka hu-hu-ta hu-Sali-ha rntli a-na mdl-li-Su lid-di iUi-in A-ma la-(a) tjald(/)-sn lik-hi Sumu-Su ziru-üu ina mdti lu-hal-li-ik.

Ann und Rammanu,

die grossen Göttcr, meine Herren,

zornig sollen sio ilm an blieken,

mit Krankcnfiucb ilm belegen,

sein Konigtbuin stürzon,

den Grund seines Thrones ausreissen,

den Spross seiner Herrschaft verniehten,

seine Waffen zcrbrechen,

Nicderlagen seiner Truppcn vollbringen,

im Angesicht seiner Feindc

ilm als Gefangenen sitzen lassen,

Rammfiu (moge)

mit Unheilsblitzen

auf sein Land nicderblitzen.

Mangel, Notli,

Hunger, Sterben (moge er)

über sein Land bringen,

einen Tag

Min nicht leben lassen,

seinen Namen und seinen Samen

im Lande vernichten.


Als weitere Heispiele fi\'ihre idi hier je zwei Stilcko uus Labyloniselien und assyriseiien lusehriftcn an, die für die Sicliemng des von mir aiifgesteiltcn Pi\'incipes volikoinnien auszureiclien selicinen.

Inschrift des Nabu abal-idin

82 Man-nu ar-ku-u

3:i Ha ina ikalli Sal-liS iz-za-az-zu-ma

.\'in ni-din-li Kahn-apJi-idin u-pak-ka-ru-ma

38 a-na sa-nim-ma i-Sar-ra-hu

(883—852 v. Clir.) Col. vi.1Jeglieher Spiltercr,

dor im Palaste siegreich sich nioderliisst, die Gabe des Nabuabal-idin für ungiiltig er-sie eineui Aiideru sohenkt, [kliirt.


1

Vg\'1. Uawi.inson, The Cuneiform imcriplionii of Wcxtcrn Asia, v, lil und E. Sciihadkh, Krilin-schrifUichK BihVwlhek, in, 1. S. 182.

ocr page 24

InSCIIIUI\'T AsSUUIiANU\'Aïi\'.S.

17

8ii /\'na libhi ulcali nu-Sur-ra-a iéalca-nu-riia

una pi/idli i-rnan-nu-u

■li la-u diirt ram-ni-Su vla-ru [u-hal-la-ku

w u ina mim-ma iSi-pir Umul-lim nam itualu

■13 A in Hu Su-a-tum

■ui ina (i-mat üatniïi Malik u JJuniiü

■is bili parussi ildni

.\'iü Sum-Su lih-lik

■ii lU-la-kil zir-Su

sa ina nn-si u buhnli napiS-lu* Uk-li

54 lim-kut sal-mal-su-ma

53 kibrul ai ir-.si.

von dor Spoisc cinou Ahzug ^V) imielil. dein Vci\'waltungsbezii\'ko zuthuilt,

odcr gar sich solbst anoignct [zorstört; uud durch irgeiul eino böso \'J\'luit diuse Tafel

.Jencr Monsch,

durch das Wort dus iSamaJS, AFalik uud Huuiui,

der Ilurrcu der Kutschuiduug, dor (iotter,

soiu Namo verguhe,

sein Geselile.clit verschwinde,

dureli liedriinguiss uud Netli liöro yeiu l.elieu

os sinke uieder soiu heioliiuini, [atif,

eincs Grabos worde or ulolit tiioilliaf\'tig.


Inschrift Assurbanipals (Installationsurkundo Sanias öiuu-ukin\'s).1

In Zukiiuft (V)

Marduk, dor grosse llorr,

ineiue guten Werko

freudig moge er ansohauou;

eiuo Kogioruug t\'oruer Tage,

Sattiguug mit Ijobouskraft,

Woldbeliudeu dos Leibos

uud Froudo dos Ilerzoua

als lueiu Schicksal bestimuie Cf.

Uud Sauimuges,

dor Küuig vou Tiu-tir,

dor Urudor, uieiu (iouosse,

soino Tago miigeii laug soiu,

sattiii-eu uiüac er sieli mit Uoitorkeit.

A-na sai-ti Manluie hllu rabu ai ip-ii-li-ia dam-ka-a-ti

ha-di-ii lippalis-ma aa pali Cnni nVfiïli ëi-bi-i lit-lu-lu lu-nb ilri -\'.\'i u [hu-udf] libbi

U-Sim si-ma-li 21 u Sainai-Sumu ukin

Har Tin-tir 23 ahu ta-lim-ia iimi-su li-ri-ku lis-bi bu- -a-ri.

ai; Ma-li-ma

[ina] alj-ral Ami rub tl ar-ku-u Sa ina iuni pali-su 27 Si-pir Su-a-li in-na[-/iuj an-hu-us-su lu-ud-diS.

2« Su-mi U-li Sumi-su lis-tur

mn-sar-u-a li-iiiur-ina 2ii Sarnnu Up-Su-uS

nikt likki 30 iua as-ri-Su lis-kun ik-ri-bi-Su Atarduk i-Sim-nn.

Waun imiucr,

iu Zukiiuft der Tago,

eiu zuküuftigor Kilrst,

iu dossen Kegiorungszoit dieses AVork vorfallt:

dessen ,Vort\'alleulieit\'

inöge er orueuoru.

Meiuon Niliuou nebeu seiuon Namen sol! er luoiuo Inschrift soli or leson, [schreibon, mit Ooi bestreiehon,

Opfor darbringon

uud os au seinen I\'latz setzon —

dauu wird soiu Gebot Marduk orhoron.


1

Vgl. Uawlinson, The Ounelfonn, iuscripUoiis of Western-Axia, m, Ui Nr. ft unci Scuuadkk, KrU-inschrij\'tliche liihliothek n, S. \'260.

1). U. Müllor. Die Propboton. 2

ocr page 25

PuUNKSCIIIilFT HaüüOn\'s.

IS

Sa Su-ml mtru i-pa-as-U-lu-iiia mu-sar-u-a i-ab-bti-lu sa a-Sa-ar-Su u-nalc-lca-ru

hilu rabü Marduk 83 cuj-gi-is U-lcil-mi-Su-ma su-ml-iu zir-tiu i-na nidtdti U-hal-lik.

Wor abei- meinen Namenszug ausliisclit,

mcinc Inschrift veruiclitot,

(lorcn Platz verandert —

tier grosse Ilerr Marduk

inöge griinmig ilm anblieken,

seinen Namen nnd seinen Samen

in den Landern vertilge er.


Durcli cbciiniiissigcn kimstmcheu ISau unci Responsion zciclmcn sicli die beiden folgenden Stilcke vou Sargon und Nabukadnasai- n aus, welebo aucli unter cinander ciuo gewisse Aclmlicbkeit aui\'woisen, die auf einen bestiimntcn Sty! an den llöfen von Babyion und Ninive seldiessen liisst.

Die grosse Prunkschrift Sargons.\'

Maliazu n ikallu Sa-a-lu Asur ahu ildni ina numur hu-nl-itu üluli Ici-niS lip-pa-lts-ma a-na a-mi ru-ku-li ud-du-sti-un Ul-laS-kar.

I-na jyi-i-ïtu Mi US-sa-kin-ma Si-du na-si-ru ilu mu-kd-U mu im-mu u rnu-Na ki-rib-su-un liiS-kqj-ru-ina ai ip-par-kii-u i-da-Su-un.

Jene Studt und jener Palast,

Asnr, der Vater der Götter,

im (Jlanze seines strahlenden Angesiehts

gnttdig l)lieke er (sie) an,

für feme Tago

ilire Krneuerung sprechu er aus.

Mit seinem strahlenden Munde bestimme ,der sehützende Oenius, [er:

der rettende (!ott,

Tag nnd Nacht drinnen mügen sie walten,

nicht hüre aul\' ilire Macht.\'


Ki-hi-luS

mal-ku ha-nu-üu-nu si-bxi-ta lil-lik lik-ëu-du lil-lu-lu a-na ü-mi da-ru-ti li-il-bur i-pi-su-un

I-na Sap-li-Su il-li-lim li-sa-a a-ëi-ib lib-bi-ëu-wi ina tu-ub ëtri nu-ug lib-bi-ëu na-mur ka-ba-ti ki-rib-ëu-un li-ia-li-la lië-ha bu-\'-a-ri.

Ihr llerrscher (aber),

iiir königlicher Uauherr,

(ireisenalter errciche er,

er erlange Macht,

bis in ewige Tage alt worde ihr Vcrfertiger.

Mit seiner strahlenden l/i|ipo spreche er ,Wer in ihnon wolmt [aus:

in loiblichoni Wohle,

fröhlichen 1 lerzens,

liellen Gomilthes,

drinnen erfreue er sich,

quot;•eniesse Lebensfrcude.\'


1 Vgl. If. Winckluk, Vie Keilschi-i/Ucxle Sargons, S. 134, t\'erner SoimAUKU, Keilinschrifliiche Bibliolhek n, 7S.

ocr page 26

Cylinder Nabukadnasau\'s.

19

Der Grotefend Cylinder Nabukadnasar\'s, Col. in.1

as Ntn-kar-ra-uk hi-il-ti si-ir-U

30 a-na J-liar-sufj-U-la Ml hi-ri-ti-ki

40 ha-di-iü i-na l-rl-hl.-kl [ki

■li da-am-ya-hi-a U-iè-sa-alc-na Sa-ap-hi-uk-

•13 u-ri-ki a-um-u-a

Su-mi-di m-na-tu-u-u 11 ha-la-tam [datnj-ku-ti a-na ka-li-l li-il-tu-ti-ia li-ii-Sa-kin in a pi-ki

16 hi-ul-U-im na-hi-iS-li

li-ih-hi Urt-ia ■it u-m-nr si-i-rl-ia ki-in-ni hi-tr-\'-[iaJ

Niu-karak, lieliro Hcrrin,

in I-hai\'Siigilrt, den \'reinpel dcinci- (iattinschut\'t

frouilig wcnn du uinti\'ittst

lluUt gcgen mii\'li vevkiindo duinc Ivippc.

Vurliingore moine \'Page,

bufcstige muiiio Jaliru,

cin giuulcnrciclics Li;1)oii mi gcuicssen, inuinc Lcbenskraft vcrkiiiulc ddin Mund.

Lass\' güdoihcn inuini.\' Scolc,

inaclic gcsund nicinon Körper,

schützu inciii Ijüben (ï),

bcl\'ostiac inoineu Sainon.


Niedcrwei-fung mciiicr Gcgncr mul Zorstciruug dcs Landcs inciiior Foindii im Angosicbto Marduk\'s,

dcs lleiTn dos 11 iinuu\'ls and dor Erdo, spricb aus bcstiludig.

In den letzten beiden Stlickcn ist die Tliatsaelio y.n beacliton, dass die je let/.te Strophe um eine /eilo inciir liat als die ilbrigen, so bei Sargon G (i il 7 und bei Nabukadnasar 4 44-4 5, cine Erseheinung, die auf eine alisicbtlicbe Stcigcrung liimveist. Wir werden selien, dass dieses IVincip der zu- nnd abneli-mendon Strophen in der Bibel und im Koran in ausgicbigcr Weisc zur Anwendung gebracht worden ist.

Zum Schlusso müclite icli noch betonen, dass das Öelnvergewiclit des Beweises fllr das Vorhandensein von Stropbenbau nnd Responsiou in den Keilinscliriften in den beiden erstcn Stileken, den baliyionisehen Seliopfungsgescliieiiten, mir y.n liegen scheint. Erst wenn auf Grund oiner genauen Prilfung dioscr Stlieke die These anerkannt wird, kommen die weiteren angeflilirten Beweisstilcke in Hetraeht. Die Ehenmilssigkeit des Banes dieser Stlieke springt naeh meiner Gruppierung in die Augen, und wenn aucb hie und da einzelne Unebenbeiten unterlaufen,2 so glaube ieb nicht, dass ein soleher Ban zufiillig, das heisst olme die bestinnnte Absiehl die Zeilen in gleicho Gruppen zu theiien, entstanden sein kann. Bei der Beurthei-hing der kleinen Unebenheiten hitte icli zu herücksiehtigcn, dass in der Metrik liberall Lieenzen vorkommen und dass insbesondere im t\'reien Metrum ein Wort in der Absicht des Dichters einen ganzen Satz aufwiegt.

Wer aber trotzdem zweifeit, der moge den Beweis aus den ersten Sttickcn der Sehopfungsgesehiehte und dann noch aus den letzten zwei Stücken erst genau prüfen und zu erschüttern suchen!

48 Su-um-yu-tu na-ki-ri-ia

do ii sa-pa-ntm in a t ai-hi-ia so iua ma-lia-ar Marduk mr sa-mi-l u ir-si-lim 51 ki-hl-i sa-at-ta-ak-lca.

1

Vgl. Rawmnson, The Cimeif. inscr., i, (35—G6 und E. Schradeh, Keilimchv, lilhl, m, 2, 8. 44.

2

So Soito 15 unten: ta-his lit-tav-ru-$a, lornor Seito 17, Zeilo *20: an-l%m-us-sn la-ml-dis, Zoilo 30: ik-ri-hi-Sa Marduk i-Sim-mi.

ocr page 27

11. Stroplicnbaii mid Kes)U)ii8ioii iiii

Ms klingt fast unglaublicli, dass clcr arabisclic Prophet, der cs stets als cinc 1 Icrabsctzung ansah, wcun man ilin als Dichter bezcielmete, bestimiute dieh-terisehc Kimstformeu and insbesondcre don Strophenbau, vielfacli mit Kesponsion verbanden, in seinen Offeubarungeu angewendet habe. Wie die Glanbenslehre Muhannneds im Lielito der Geseliielite entstanden ist, so ist audi die Sanimlung seiner Kuren nnd die lledaetion des Korans in aller Oeffentliehkeit geschelien, Unter den Augen seiner Zeitgenossen siud die Suren zusammengestellt nnd von bekannten Sehreibern lixirt worden, nnd man sollte mm meinen, dass etwaige Kunstfonnen bei der Niederscbrift biitten angedeutet oder erkannt werden niiissen. Die nilelisten Gencrationen naeh Maliainined widineten der Ueberliefernng des Buebes eine ungehoure Sorgfalt, die versehicdenen Lesarten warden von den Koran-lesern notirt, dii^ Snren in N\'erse eingetheilt, and zwar naeh den lieimen, die von Mnl.iannned selbst lierridiren, jede geringt\'Ugige Eigentbilndiebkeit wird trealieli genaa vennerkt; aber die Thatsaelie, dass gewisse Suren naeh einem bestimniten Strophensystem gebaat siud, wird nielit erwillmt.

Aneh europiiisehe Gelelirte haben dein Koran ausfiihrliche nnd tief eindrin-gende Untersuelningen gewidmet, unter denen die Arheiten von Mum,1 Spukngeu2nnd Nuldeke3 dureh ibre Originalitilt nnd umfassende Gelehrsamkeit besonders bervorragen. Die Suren warden von ihnen aufUrsprnng nnd Zeit untersueht nnd geprüft nnd der Diction nnd dem Styl des Propheten die gebiilirende Aufinerk-samkeit gcschcnkt. Abgeseben von den vcrscbiedenen nichr- oder niinderwerthigen Ueberset/auigen des Korans, liegt von RücKiarr, dein grossen Meister der Spraehe, cine Uebersetzung vor, in der er einen Theil des Korans bei aller wörtliehen Trene poëtisch iiaclizubilden sueht.\'1 Man diirfte nun erwarten, dass die wissen-schaftliehe Prüfung and die congeniale Naebdiclitung den 1 iau der Koransnren sebarf nnd genau gezeicbnet babcn and dass besonders etwsi vorhandene Strophik liingst erkannt and nachgewiesen worden sei.

Koran.

1

\\V. Mrm, The life of Mahomet and history of Islam, 3 vol. London 1856—1861.

2

A. Spukngku, Das Lehcn and die Lehre des Mohammad, .\'i Bill ulo, Berlin 1861 —1865.

Tn. ?Nr(gt;M)EKE, Ge.schichle des Qordns. Göttingon 1860.

3

1 Der Koran. I in Auszuge iibersotzt von Fiuhdiiicii Rückuut (1101711180;. von August Mülleh). Frankfurt a/M. 1888.

ocr page 28

SlIUAT AL-WAQl\'A 51).

Trotz all dicscr mcincr Strophenliypothesc ungUnstigeu Voruussetzung\'cn, will ich vcrsuchcn don Bovvois zu fülircn, class Muhainmecl cinc Kcilic von Huren init bcwusster Absiclit stropliiscli geglicclcrt hat.

Die Stroplien sind moistens steigend oder fallcnd, seiner unruliigen und sprunghaften Diction entspreeliend, aber aueh regelniilssige Stroplien lassen sicli nacliweisen, und in den steigenden oder fallendcn ist ein bestiinmtes Gesetz zu erkennen, welches jede Zufillligkeit aussehliesst. Zu diesem Zweeke habe ich cine Anzabl Suren in der Reihenfolge des Korans stropbisch gegliedert abgedruckt. Die Sannuhmg ist iu llc/ug auf\' di(t Strophik nicht von gleichcm Werthe. In nianchen Suren dieser Sannulung tritt Strophenbau verblinden mit Ilesponsion so scharf und kantig horvor wie die Form on wohlgobildotor Krystallo, in andoren liegen uur Strophontrümmor odor nicht ganz durch- und ausgobildoto Stropben-formon ver. l^ilr die Sichorung dos Princips glaube icii binroichondo liowoise licforn zu können und darf wohl erwai\'tcn, dass die oino odor die andore zweifblhafto Stelle nicht ausroiehon wird, nieino Bowoisfiilirung zu erscbiittorn.

Ich beginne meinon liewois mit der Vorfiihnmg jenor Sure, in dor ioh zuorsl die Strophik im Koran constatirt habe. Es ist Sure 5() al-Waqi\'u ,dio Fallondo\', die zu don Suron der erston Periode gezilhlt wird. Ich theile bier die Sure iu einor müglichst wortgetronen Uoborsotzung mit. Die Verse sind bekanntlich im Koran solbst abgotheilt und durch den Reim gosiehert, dor jodoch in dor Ver doutsohung nicht wiodorgogoben ist. l)i(^ strophisebe Gliodorung ist iiussorlich durch Absiitzo konntlich gemaciit. Dadurch kann sioh auoh dorjenigo, der don arabischen Korantoxt zu prüfon nicht im Stando ist, oin volles Urtbeil übor don Inhak und don Ban dor Sure vorschafFen.

Die 56. Sure.

i Wonn gofnllcn ist die FuIIcikIc,

— Nioinnnd leiignet ilircn Full (ilir KiiitrcHViO

■\' Die oniiodrigcndc, erhebeude;

■i Wimn die Erdc orbobt im l?obon,

rgt; Und zci\'scbincttort werden die IJorge in Splitter,

ij So dass sie zerstrenton Stüubdien gloiclion,

7 Dunn werdet ihr in drei Gi\'ujipeu getboilt;

8 Die Genossen dor rechten Ibind, was sind die Genossen der reebton HnndV

\'■gt; Und die Genossen der linken Mand, was sind die Genossen der linkon iliindV

10 Und die Vornngelienden sind die Vornngobendon.

11 Dieso sind dii^ (Gott) Na liestcbend n ia In den Giirten der Wonne.

is Min rianfon von den ersten (friiberen)

ii Und wenig von den letzten,

i\'i Auf gestickten 1\'olstersitzen

in Hingelchiit, cinaiider gegenüber.

17 Sic unikreisen ewig junge Knaben

is Mit Hccbern, Krlchcn und Niipf\'on lliissigen (Woinosquot;),

in Von dom sie niebt borausoht nocb benebelt werden,

20 Und Obst, von dom, das sie sieb walilen.

21

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Sükat AI.-WAQI\'A 5(1,

21 Und Fleisch vou Gollügel, ilaa sic uur wünsclicn.

22 Und (dort siucl) Jungfrauen, gross- und scliwnrziiugig, gloich woldvcrwalirten Pcrlon, 2S Zum Lolme für das, was sic gothan haben.1

2G Und die Genossen der Kcehten, was sind die Genossen der Rechten?

i7 Unter donienloscn Sidrabilumen

28 Und wolilgesehiclitetcn Talljiistrauclicrn

2fl Und bei langgestreckten Sebattcn

no Und liingogossencm Wasser

31 Und vielen Obstarten,

32 I^ic weder schwindcn, noch verwehrt werden,

33 Und hoeliaufgerichteten Lagcrn (mit Jungfrauen),

31 Ulo, ids wir sie hervorbraehtcn in (hcsonderein) llervorbringen,

35 Wir gemaeht haben zn Jungfrauen

3G Licblichen, gleichaltcrigen

37 Den Genossen der Reebtcn.

3s Ein Hanfcn von don Krsten

89 Und ein Haufon von den Letzten.

24 [Nicht boron sic dort Gcschwiitz, noch Heschuldigung,

25 Nur das Wort: Friedo, Fried el]

10 Und dio Genossen dor Linken, was sind die Genossen der LinkenV

41 (Sie sind) in Glutwind und siedendhoisscm (VVassor)

12 Und im Schatten von schwarzcm Kaueb,

43 Der weder kühl noch küstlich ist.

44 Siohe, sie waren vordem vorweicliliclit

45 Und waren ergoben dor Sünde, dor grossen.

li; Und pflogton zu spreehen:

17 Wie, wenn wir gestorben und Stanb und Knochen geworden, worden wir danu anfcrwockt\'?

4s Wie, gar auch nuscro Ahnou, die erston?

4\'.) Sprich: Ja wold die orsten und die letzton

50 Fürwahr werden vorsammelt sein zum Tenniu eines bestiinmten Tages.

51 Danu werdet ihr, o Irrendo und Lcugnende,

52 Walirlich ossen von dom Bauino Zakküin,

53 Und füllen werdet ilir damit euren Bauch

54 Und trinkon werdet ihr darauf von siedondbeissem (Wasser)

55 Und trinkon werdet ihr gloich durstenden Kamoclon.

50 Dieses ist ihro Hewirthung am Tagc des Gerichtos.

57 Wir haben euch goschaffon. Ihr solltot doch glaubon!

58 Was meint ihr von dein Samen, don ihr aussendet,

59 Seid ihr os, die ihn geschaffen, odor sind wir die Schaffenden?

oo Wir haben unter euch den Tod bostiinint — und mis kann man nicht ontgehen — ui Damit wir euch in eurcsgleioben verwandein und cuch bervorbringcn, in dom was ihr nicht wissot,

02 Und fürwahr ihr kennt dio erstc llervorbringung, ihr solltot doch naebdenken! Dio Verse 24 uml \'25 fulgoii nacli v. 39.

22

ocr page 30

Si Hi AT AL-WAQ|\'A 50.

08 Was moint ilu- von dcm, was ihr pfliigctY

in Soid ilir cs, die es ausgcsilct, odor siiul wir die Siiendcn?

c.1) Wcnn wir wollten, machten wir es mi verdorrtem Grase und ilir wiirdet eueli winulern, (i11 (Und sagen:) Wir sind botrogen, ja um den Ertrag gnnz gebracht.

(17 Was ineint ihr von dein Wasser, wclchcs ihr trinket?

cs Scid ilir es, die es niedergesendet aus der Woike, oder sind wir die Niedcr-sendenden?

no Wcnn wir wollten, machten wir es bittcrsalzig. Wiiret ihr doch dankbar! 7(1 Was meint ihr von dcm Feuer, das ihr anzündct?

ïi Seid ihr es, die das Holz hervorbrachten, oder sind wir die IlervorbringendenV 72 Wir haben es gcmacht zur Erinnorung und zuin Nutzen der Ilungerndcn.

7H So preise denn den Namen dcines Herren, des grossen.

74 Nein, icli schwöre bei dcm Untcrgangc der Sterne

7\') ■— Und dies ist, wenn ihr wiisstet, cin grosser Sehwur —

7i! Er ist fiirwahr ein cdlcr Koran

77 In eincm wohlverwahrten Huclic.

7« Berübren dürfen ihn nnr die Roinen,

79 Eine Offcnbarung vom Herrn der Welten.

so Wie, diese Kunde nehmet ilir so Icicht,

si Und macht es zu eurcm Gewerhe, (lass ihr sic leugnet?

tgt;2 Wiirdet ihr nicht, wenn die Seele don Schlund erreicht,

83 Und ihr dann (den Sterbenden) anhlickct

84 — Wir sind ihm aber niiher als ihr, ahcr ihr merket cs nicht —

sf) Wiirdet ihr nicht, wenn ihr uns nicht untenvorfen wiiret,

8(i Sic (die Seele) zuriickkehren inachen? (Gcstcht es doch cin) wcnn ihr wahr sprcchet.

87 Abcr wcnn er zu den Nahestehenden gchürt

88 So ist Italic, Wohlgeruch und Giirten der Wonne (sein Theil).

8!) 1st er aber von den Genossen der Rechten,

so So gebiihrt Frieden dir von den Genossen der Rechten.

91 Wenn er aber zu den Leugnern gehort,

92 Den Irrenden,

93 So ist seine ]3ewirthung sicdendheisses (Wasser).

91 Und Brennen in Hollcnglut.

95 Dieses ist sicherlich die gewisse Wahrhcit,

96 So preise denn den Namon dcines Herrn, des grossen.

In (liescr Sure liabe ich den Stroplionbau zucrst crkannt in den Vorsen 57

bis 72. Dieses StUek, wolcbes (sin abgesclilossenes Gauze biidot, bestebt aus vier Absiitzen von 5 4 3 2 Zeilen, welche alle donselben Gedankeii variiren und aneh in der Form ilbniieb gebildet sind. Die je erste Zeile beginnt: ,Was nicint

ihr von\' und die jo zweite: ,Seid ibr es . . . oder sind wir . . Die ganze Gruppe ist von zwei einzelnen Versen zu An fang und Ende oingescliloss(;ii, die miteinander

2;i

ocr page 31

Stjrat al-Waqi\'a 56.

coiTesponcliren. Vors 5(5 beginnt: ^Wir habcn euch gcschaffen\' unci Vors 72: ,Wir haben cs gemacht.\'

Naclidem diese Thatsachc erkannt worden war, sagte ich mir, dass dieses 16 zeilige Entrefilet walirscheinlicli im Bane der Sure eine Einheit l)ildct, d. h. dass die Sure in Strophen von 1(1 Zeilen zerlegbar ist. In der That überzeugte mich ein Bliek auf die Verszalil der Sure, die aus 90 Versen bestelit, dass dieselbe dureli 1(1 theilbar ist. Eine weitere Walu-neliniung war die, dass der Sehluss der Sure eine Gruppe von 24 Versen (10 1G 2) bildct, die wiederum durch einen gieicblautenden Vers zu Anfang und zu Ende als eine abgegrenzte Einlieit gekenn-zeiclinet worden ist. Das Stuck beginnt und endigt mit dein Verse:

,So preise denn den Namen doincs Iferrn, dos grossen.\'

Daraus ergab sieh, dass die 96 Verse in drci Gruppen zerlegt werden kunnen, die alle durch 16, bcziehungsweise durcii 8 theilbar sind: V. 1—56; V. 57—72 und V. 73 -96, d. h. (S\'/g X 16) (l X 16) (lV2 X 16) = 6 X 16.

Es galt nun die erste und die letztc Gruppe auf ilire Bestandtheile zu unter-suchen und zu prüfen, ob die Gedankenquotienten mit den algebraischen Quotiënten übereinstimmen. Oline grosse Sciiwierigkeit ergab sieh, dass die erste Gruppe dein Sinne naeh in eine kurze Einleitung und drei gleichmiissige Absiitzc zer-f\'iillt. In der kurzen Einleitung wird der Tag des Gerichtes, der sicher eintref-t\'ende, verkündet, an welclieinTage die Menschen in drei Classen cingetheilt werden. Das Schicksai dieser drei Classen wird in den drei Absiltzen gesehildert. Die Einleitung zilhlt 7 Verse K! 2—1 und die drei Absiltze zusammen 4!) Verse ïi X K! 1. Es zcigt sicli also wieder die Zahl 16 uur leicht variirt durch Zuil nd Abnahme um Eins. Die Einthcilung der drei grossen Absiitzc der ersten Gruppe in 16 16 17 Zeilen war jedoch nicht so einfach; deun es mussten, um dies zu bewerkstelligen, die Verse 24 und 25 nach Vers 39 versetzt werden. lt; Mme diese Umstellung hiitten wir 18 14 17 gehabt, wo jede Gesctzmilssigkcit felilen würdc. Ich kann aber mit aller Sicherheit den Bewcis erbringen, dass die Verse 24 und 25 in dem recipirten Korantcxt an unrechter Stelle stehen und um-gestellt werden miissen.

In dem ersten der drci grossen Absiltze werden die Vorangehenden, die Gott Nahestehenden gesehildert und iiincn als Belohnung die Garten der Wonne verkündet; im zwciten Absatz werden die Genossen der Recliten be-schrieben, im dritten endlich die Genossen der Linken, denen als Strafe die Be-wirthung mit siedendem Wasser angedroht wird. In dem recipirten Texte fehlt bei den Genossen der Recliten eine prilcise Zusammcnfassung ihrer Belohnung, wie er im ersten und zweiten Absatz vorkommt. Glüeklichcr Weise gibl uns die Sure selbst ein sicberes Mittel in die Hand, dicsen Fehler zu corrigiren. In don Schlussverson 8 7 ff. wird gosagt, dass die Seele des Sterbenden eincr der drei Classen zugetheilt worde, deren Zustand am jüngstcn Tage Mul.iamnied noch-nials mit dcutlicher Boziehung auf die drei grossen Absiitzc zu Anfang dor Sure beschrcibt. In diosom Kesuinó worden demnach Gilrten dor Wonne der ersten Classc, den Kahestchenden versproehen, den Leugnern (d. h. den Genossen der Linken) die Bewirthung mit siedendem Wasser angosagt Aber aueh die Genossen der Kechten erhaltcn ihren Lobn genau priicisirt (V. 90): ,So go-bührt Friode dir von dor Schar dor Rechten.\' Das Wort ,Friedo\' findot sieh

24

ocr page 32

Stir at Maryam 1 9.

abor im zwoiten Absatz nicht, dagogon lioisst os im ersten Absatz dcs rccipirtcn Textcs, Vers 24 iiiul 25;

Niclit horen sio dort Gesclnviitz nocli Bescliuldigung,

Nur das Wort: Fricdc, Friode!

wo dioso Stelle überfliissig ist. Dio Verso mUssen also an das Endo dcs zwoitcn Absatzes gcstollt worden, wodurch die drei Absiltzc 1(1 1 (gt; r 17 Zeilen crhalton.

Es bloibt nun nocli übrig die strophische Gliedcrung dos Soblussabsatzos (V. 73—9G) zu bosprcolien. Abgeselion von dom ideutisclien Anfang und Sclduss-vorso, dor gowissorinasson als die Einralimung dos Ganzen anziischon ist, zerfililt das Sttiek, sinngerattss oingotbeilt, in drei kleinere Absiitze von (5 7 8 Zeilen, also wieder steigonder Stroplionbau.1 In deni ersten Absatze wird die Wabrbaf-tigkoit und Zuverliissigkeit dor Koran-Offenbarung bosclnvoron, im zwoiten werden die Leugner angesproehen und ilinon ibr Unglauben vorgeworfen mit dem Ilinwoise darauf, dass sie, weun sio dom \'J\'odeskaiupfe des Sterbenden zusclioii, ibm docb wobl die Seele orbalten moebton, fiber es niclit vormogon. Dioser mif voller Absielit liorangozogene Umstand gibt dem Proplieten die ï\\löglicbkoit im dritten Absatz zu sagen, dass dor Sterbende am Tage des Geriehtes einor dor drei Classen zugetboilt wird und so kurz das Schicksal derselben zu wiederbolen und auf den Anfang dor Sure zurlickzugroifou.

Im vorletzten Verse wird die gauze Vorkiindigung als gewiss und wabr be-zeiebnet und so auf die Einloitung dor Sure iiingowiesen. ICine klarero Exposition von dem Oedankengange und dem Baue dioser Sure kann nicht gcgeben werden, als die, welche uns die Strophenglicdorung an die Hand gibt. Die Einboit und Ein-heitlichkeit dor Sure, die von den arabischen Golelirten viclfacli bestritten, abcr schon von Nöldekio2 mit Recht vertheidigt worden ist, wird dureb diese Analyse zur absolutcn Gewissheit erhobon, und dor kilnstliehe, oder besser gesagt gekün-stelt(; Strophenbau enthiillt uns aufs schiirfste und dcutiicbste di(ï Denkweise dus Proplieten und den genau bercchneten und wohldurchdacbtcn Banplan dioser Sure,

Die 19. Sure.

Eino durch ilio Boziehung auf das Christenthum und das Evangclium interessante Sur(! ist die Surat Maryam. Sic schildert in den ersten l.r) Versen die Geburt Johannes dcs Tilufers und in don Versen 10—34 dio Gehurt .le.su und sehlicsst sieh in beiden Scliildcrungen ziemlich ong an die Darstollung des Evan-

■?;quot;)

1

Nimmt man dazu das Einscldebsel V. 57—7*J (1 5 4 2 1), so ergibt sicli oin progressivor Stroplienbau von 1 bis ü

2

Vgl. Th. Nöldekio, Ge-schichte des Qordm, 8. 83: ,Suro 5G ist nach Al-I Insnn ;il Igt;;isri mediniscli; Andere boh.\'uipten dies nur von V. 74—81, Andere allein von V. 81, den sio unf die ireucliler zu al Medina beziehen. Einige sagen dasselbe von V. 04 11\'., Kinige endlich audi von V. 1 bis 3, walir-sclieinlich wegen einer verineintliehen Anspielnng auf die Schlaclit bei liadr in diesen Versen. Zu bemerken ist jedoch, dass diese Sure oin (J an zes bildet, obgleich mit V. 74 oin neuor Theil zu bo giunen sciieint, abcr die Ausgange beider Absciinitte sind sich gleicli, und \\. Hl II\'. geiion auf das, was im ersten Absdinitt gesagt ist.\' Wie nnkritiscli dio arabischen Koraukritiker waren, ersielil man aus dioser Sure. Aehniiche Dingo passircn iibrigens auch don Hibelkritikcrn.

ocr page 33

Sun at Maryam It).

gelium Lukas, Cap. 1, an. Dass Muhammcd dicse Scliilderungen nach münd-1 iclier Uebcrlicferung eincs Christen gegeben hat, stclit wold ausser Zweifel. Darauf folgt, nach oiner kurzen polemischen Einsehaltung gegen das Christentiiuiu (V. 35—41), cine Bcschrcibung dos Leljcns Abrahams un\' die Geburt Isnks, zehn Zeilen (V. \'12 — 51); drei kleine Alisiitze Ubor ]\\[oses, Isniaël und Idrls, zusammen sieben Zeilen (V. 52—58); cinc allgemeine Bemorkung liber die Zcit der Propheton und die naehfolgenden heidnisclien Gencrationen, die der Holle vcrfallen mit Aus-nahme dor Frommen, die in das Paradios oingehen, acht Zeilen (V. 59—6G). Zuin Schluss folgt cinc Polemik gcgon dicjeiugon, welchc die Auferstclunig lougncn, noun Zeilen (V. (gt;7—75). Angchilngt ist ciu Stilck mit anderein Reiin, wolclics besonders durch den Schlussvers und zwei andere Rcsponsionon auf das Vorangehende zurück-greift.

Von dicser Sure bilden die orsten 34 Verso, die ich ausfuhrlich besprochcn worde, den ursprünglichon Kern. Für das Weitere vorwcisc ich auf den Urtcxt, dor im arabischen Thoilo, strophisoh goglicdort, ganz initgotheilt ist, und auf die Ucborsotzung, wio audi auf die weitor unten folgondcn Bemerkungon.

i Erzaliluug von dor Gnadc duines Herrn gegi!quot; suinen Diener Ziiclmria.

ü Als er anrief seinen Herrn in heimliehein Kufen,

3 Sprach er: Mein Ilerr, scliwaoh ist mein Gcbein und es gliinzt das Ilaupt von Graulieit

-1 Und nicht war ieh im Anrufen an dich jc elend.

■gt; Nun fürclito ieli die Vorwandten nach mir, da mein VVeib unfruehtbar ist; so gil) mir von dir einen Nachfolgor,

« Der micli beerbe und beerbe dus Haus Israel, und maehe ihn, mein Ilerr, wohlgcfiillig.

7 O Zacharia, wir bringen frolic Kunde dir von einein Knabcn, dessen Name Jahja.

n Nicht machten wir friiher ein ihni Namensgleichen.1

ii Er sprach: Mein Ilerr, wie soil ein Knabe mir werden, da ja mein Weib unfruehtbar

ist und ich vom Gi\'cisenalter ein Ueberinass errcicht babe?

in Er sprach: Also sprach der Ilerr, dies ist mir leicht, babe ich dich ja zuvor gc-

schaffen, als du Nichts warst.

ii Er sprach: Mein Ilerr, maehe mir ein Zcichen! Er sprach: Dein Zeicben sci, dass du die Menscben nicht anredest drei Nitchte (Tagc) im gesunden Zustande.

Iquot; Da ging er heraus zu scincm Volkc aus dem Ileiligthum und winktc ihnen:

Preiset [Gott] morgens und abends.

13 O Jahja, fassc das IBuch mit Kraft; und wir brachten ibm Wcisheit bei, dem Kinde, M Und Mildherzigkeit von uns und lieinheit. Und er war gottesfiirchtig und licbevoll

gcgon seine Erzeuger und nicht war cr gewaltthatig, widcrspcnstig. is Und Fricde sei iiber ibm, am Tage da er geboren wurde, am Tagc da cr stirbt und am Tagc da cr auf er weckt wird zum Lcbcn.

20

1

Dicso im Widorspruche mit don Thatsachon hitigestollto licli.\'uiptiin^, dass friiher Niemand don Namen Johannos gofiihi\'t hat, orldiirt SpHENanii {Dan Leben und die Leltre dtn Mnljammad, u, 183, Anm. 2) folgendormassen: Wahrscheiidic.li sagto der Informant des Mohammad: ,Dieses war dor erste Johannos\', um ihn vom .Johannes den Apostel zu nnterscheidon, Muhammad aher legto zu viol Nachdruck auf ,erste\'. Vgl. jodoch Luk. 1,60: /.at ajtozpiOstaa r; aOcoïj ci7i::v. quot;OyJ, z/.Xx xX/jO/jdstai

\'\\\'ii aw 7,;. (01) xai slnov jepi/; «ut/jv, \'On oicias Èaxi h ii) njff Z\'i zi? nou, K; /.«Xsfrai rto övo|j.«ti tojtm.

ocr page 34

SuRAT MAUYAM 19.

10 ünd crzithl\' im Buclic von Maria, uls sic sich zurüokzog von iliror Familie nach

cincm Orto im Oston.

17 Und sic nahm cinon Sclilcior voi1.1 Da scliicktcn wir zu ihr unscrii (icist mul cr or-

soliiou in der Gestuit eincs wolilgebikleten Mannes.

is Sii! sprach; Tcli siichc Scliutz bcim A1 Ierbarmer vor dir, wenn dn gottesftirclitig bist. in Er sprach: Ein Gesandter nnr dcincs Herrn bin icb, inn dir zn geben cinen Knaben rein. au Sic spraeb: Wie soil ein Knabe mir werden, da micli kein Mann bcrührt und ieb kcine Sünderin bin.

ai Er sprach: Also sprach dein llerr, das ist mir leicht. Und dass wir ihn niachcn als ein Zeichcn den Menschen und cine Gnade von mis, dies ist cine Saehe, fest-besehlossen.

22 Und sic empfing ihn,2 und zog sich zurück mit ilnn nach einem Orto wcit-

cntlegen

23 Und es überkamen sic die Wehen an dem Stamme einer Palmc. Sic sprach: O witro.

ich doch gestorben vordem und dein Vergessen aulieimgegeben!

21 Da rief\'s von nnten her: Sci doch nicht betriibt, gemacht hat bcreits dein llerr untcr dir ein Bilchlein

2!) Und schüttle dir ain Stamme der Palme, sic hisst dir herunterfallcn frischc Datteln. 2i\' Und iss und trink und lass kühl sein dein Auge. Wenn du aber schen solltest von den Menschen cinen,

27 So sprich: Ich habc gclobt dem Allerbarmer (Rahman) ein Fasten und nicht werde ich anreden cinen Mensehen.

2s Da kam sic mit ilnn zit ihrem Volke, indem sie ihn trug. O Maria, du begingest cine wunderliehe That.

2!i O Schwester Ahrons, nicht war dein Vater ein Mann des Hösen und deine Mutter kcine Sünderin.

30 Da zeigten sie auf ihn. Sic sprachen, wie sollen wir anreden den, der in der Wiegc

ist als Kind?

■li Er sprach: Icb bin der Diener Allahs, cr brachte mir das liuch und machte niieb zuin Propheten

32 Und er machte mich gesegnct, wc ich immer bin, und trug mir auf Gebet und Al-

mosen, so lange ich Icbc,

33 Und licbevoll gegen meine Erzcugorin, und nicht machte cr mich gewalt-

thiitig, clend.

31 Und Friedc sci über mir am Tage da ich geboren wurde, am Tage da

ich sterbe und am Tage da icb auferweckt werde zum Lcben.

35 Dies ist \'Isa (Jesus) Solui Maria\'s nach dom Worte der Wahrheit, woran sie zweifcln. 30 Nicht ist es Sache Allftbs, sich einen Sohn zu wiililen. Lob ihm! Wenn er cine

Saehe boschliesst, so sagt er nnr ,werde\' und es wird.

37 Und Allah ist mcin llerr und ener llerr. So betet ihn au, dies ist der rechte Weg. 3» Und es streiten die Secten untercinander. Wche aber denjenigen, die niigliiubig siml,

vor dem Eintreffen des grossen Tages.

30 Wie werden sie hörcn und wie werden sie schen am Tage da sie zu uns kommen werden, aber die Missethiiter sind heute in otteukmidigeni Irrthum.

1 1). li. sie vcrsteckte sich vor ihrer Familie.

2 lm Arabisclien heisst dies /jmnalat. Durch dieselho Witrzel wird audi ,indoni sie ihn trug\' (Z. 28) ausgedrilekt.

27

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Sun at Maryam 19.

40 Warnc sio vor dem Tage (lev Beangstigaing, weun die Saclio bosclilossou scin wircl

und sio in Sorglosigkoit sind und nicht glaubcn.

■li Wil\' erben die Erdc und was auf ihr, und zu uns kehrcn sic zuriick.

Die Erzülilung von der Geburt des Johannes zerf\'iillt in drci Strophen von seclis, flinf und vier Zeilen. Die erste Strophe könnte man kurz ,das Gebet Za-ehavias\' bczeielinen, die zwei to cnthiilt die Erliörnng und die Strafe fiir den Zweifel, die darin bestand, dass er dureb drei Tage nicht sprecben konnte. Die dritte kUr-zeste Strophe inochte man mit den Worten ,Riickkehr zu seinem Volke und Er-i\'iillung\' eharakterisiren.

Bietet sehon die Sinnanalyse diese Dreitbeilung der Erzilhlung, so wird die-selbe dureb die naebfolgende parallele Erzahlung von der Geburt Jesu voilkommen bestiitigt. Dicseibe zcrfiillt niimlich ebenfalis in drei Strophen (0 0 7), von denen die erste ,Mariae Verkiindigung und Einpfilngniss\', die zweite ,die Geburt\' iibcrschrieben sein könntcn. l)ilt;5 letzte erziihlt ibre Rllckkehr zu ihreni Volke und die prophetisebe Begaljung .lesu. Die drei Absiitzc sind einerseits untereinander dnrch liesponsionen verblinden, wie ein Bliek auf den Text oder die Uebersetzung zeigt,1 andererseits aber audi mit der vorangehenden Erziiblung durch Wort- und Gedankenresponsion verknilpft. Dem Worte ,Erzilhlung\' oben, entsprieht hier ,so erzilhie\'. Die letzten Zeilen des je dritten Absatzes sind bis auf kleine in derVer-schiedenheit der Situation gelegene Aenderungen sacblich und wortlieh identisch. Audi der Anfang der jo dritten Strophe zeigt Aelmlichkeit. Wie dort Zaeharia zu seinem Volke (aus dem rieiligtliuine) zurliokkehrt, so hier Maria mit dem Kinde zu ilirer Familie. Ein sohr merkwlirdiger Fall von Kesponsion liegt aber in dem letzten Verse der je zweiton Strophe vor.

Wie Zaeharia die Menschen nicht a n reden kann drei Tage lang, so wird audi dor Maria verboten einen Menschen anzureden. Willi rend aber der Verlust der Spracbe bei Zaeharia scbon im Evangdium erwilbnt wird, ist bei Maria von einem derartigen Verbote weder im Evangdium, noch sonst in einer bekannten Quelle die liodc. IMau muss also vermuthen, dass dem Principe der Kesponsion zu Liebe und um die Erzilhlungcn mogliehst gleich zu machen, diescr Zusatz zur Ueberlieferung von Muhammed gemacht worden ist. Dies ist aber ein Beweis, welchc Macht der Kunstform innewobnte, dass sic selbst saeh-liche Aenderumren crzeucren konnte.

Wiihrend die ersten drei Strophen der zweiten Erzahlung genau den drei Absiltzen der ersten entsprcdien, stclit die vicrte Strophe ausser Kcilic und Glicd. Sic correspondirt weder mit den vorangehenden drei, noch hat sio etwas Paralldes in dcr Erzilhlung von Johannes. Man muss daher vom Standpunkt meiner Strophen-und Kesponsionshypothese zu dem Scliluss gelangen, dass die vierte Strophe spil-terer Zusatz ist. Diese Annalime stimmt aber mit dem scbon lilngst anerkanntcn Resuitate der Korankritik, welchc diese Zeilen aus vcrschiedenen Grlluden als spilteren Zusatz bezeichnet hat.

Die Grlinde, welchc zu diesem Resuitate gefiihrt haben, sind: 1. dcr ver-schiedone Reim, wiihrend Vers 42 fiquot;. wieder den frliheren Reim hat. 2. Der polemische Charakter des Stlickes, welches gogen die Christen gerichtet ist. 3. Das

28

1

Man vorgloicho die je erste Zeilo der drei Strnplien (Z. 1G, 22 und 28).

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Sur at Maryam li).

Vorkommon des Wortes Allah, wogegen Vors 18 und wcitcr tinten Vors 45, 4(1 und 59 ar-Rahman angcwomlct wird.1 Zu diescn Motiven konnnt nun jetzt der aus der Strophik sich orgebonde Grund für dio Annaliuic cinos spiltcron Zusatzes, so dass man aus saclilichen und formalon Motiven zn glciehem Resultate golangt.

Dass a Ij er dieser Zusatz von Mul.iammed selbst horrührt, wird allgomein an-genonmien. Nun ist es interessant zu heobaehten, dass er in spiltorcr Zeit das angcfügto Stlick strophiseii angegliedert bat. Der Zusatz bat nilmlieb, wie die letzto Htropbo, sieben Zeilen, nnd irre ieh niebt, so liegt aueb in der letzten Zeile eine Kesponsion mit der letzten Zeile der ersten Stropbo dor Jolianneserziihlung vor.

Wilbrend der vielfaeb vcrseblungeno und inoinandorgroifeudo liau dieses Stückes die Strophik und die Responsion absolut sieberstellen, kann ieh diets von den weiteren Tbeilen mit gleicbor Sicherheit nicht behaupten. Dass die Verse 4ü bis 75 mit dom Vorangeliendcn zusamincnhiingen, zeigt nicht nur dor Iteim, son-dern audi die gleiche Form und die zurllckgreifendcn Wondungen seheinen darauf\' hinzudeutcn. Zunachst konnnt die Erzèlhlung von Abraham in Betracht, wclchc anfilngt: ,Und erziihl\' im Huehe von Abraham\' — also in ganz ahnlicher Wciso wie Vers 1G. Ausserdom erinnern die drei letzten Verso dieses Absatzes schr stark an die drei letzten Verse der ersten Strophe der Johanneserzilblung, so dass man aut\' eine Naehbildung mit bewusster Absicht schliessen muss.

ia tlnil crziilil\' im Buclic von Abraham, denn er war cin Sitldiq, cin Prophet.

d3 AIh cr sprach zu scincni Vatcr: (.) Viiterchen, warum I)etcst du nu das, was niclit liört und niclit siclit und dir in kelner Woisc nützt?

ll Viiterchen, zu mir ist eine Kunde geUommen, die zu dir nicht gekommen ist; so folgo mir, icli will dich leiten den graden Weg.

■lo Viiterchen, bete den Satan nicht an, denn der Satan ist gogen Rahman (Allerbariner) rebcllisch.

■Ui Viiterchen, ich fürchtc, dass dich eine Strate vom Ralnnan erl\'asscu und du ein (ie-nosse des Satans werdest.

■17 Er sprach: 15ist du abtriinuig von incinen Güttern, o AbrahamV A Venn du niclit auf-hörst, so stcinlgo ieh dich, und nun verlass\' mich für lange Zeit.

■is ICr sprach: Friede sel dir! Ich will meinen llerrn bitten clir zu verzeihen, denn er ist gegen mich gütig.

■i\'j Und ieh werde mich von euch trenneu nnd von dein, was iiir anbetct ausser Allah und ich rufe an meinen llerrn, vielleieht werde ieh beim Anrufcu meines Hcrrn nicht el end sein.

50 Und nachdem er sich von ihnen getrennt liat nnd von dein, was sie anbetetcn ausser

Allah, gabon wir ihni Isak und Jakob nnd alle machten wir zu I\'ropheten,

51 Und wir gaben ihnen von nnserer Gnade und machten ihnen eine Zungo der Wahr-

heit, eine orhabene (d. h. verliehcn ihnen grossen liuhm).

2!»

Die Gedankonverbindung hictot dio Gewilhrung der prophotiscbon Nachkom-men, hier Isak\'s, wie dort Johannes\' und .Fesus\'. Aber gerade die so ganz verschie-deno Art, in welcher dio ahnlicbcn Wendungen in drei auf\'cinandor folgenden Zeilen hier und oben gebrauebt werden, zengt von dor hestimmten Absicht, an das Frühero anzukniiptcn und durch die Anklilnge die Einheitlichkeit der Rede

1

Dieser Beweis ist freilich nicht zureieheiul, da fiucli in Vers 49 und 50 Alhih steht.

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Sukat Makyam 19.

zu betonen. Aucli die Trennung von seinom Vator bilclct ein Scitenstlick zui\' Tren-nung der Maria vou ihrer Familie. Noch viel lockcrer gestaltot aicli die weitere Gliederung, die ieh jedocli ini Texte sorgfaltig zu prlifen bitte, bevor man sich entscliliesst sic als Zufall zu bezeichncn.

52 Und erziili 1\' im lïuchc von Mnsa (Moses); denn er war aufrichtig und war oin Gu-

sandter, ein Prophet.

53 Und wir rieten ilnn zu von der rechten Seite des Borges (Sinai) und chrten ilm dureli

unscr ZwiogeBpriich,

51 Und gabon ilnn in unserer Gnade seinen Urudor Ahron ids l\'ropheten (Sprecher).

55 Und erziili 1\' im Buche von Ismiiel; denn er hielt sein Verspreehcn trou und war ein Gesandtcr, ein Prophet.

50 Und er pflegte anzuhalten sein Volk zuni Gebet und Almosen und war scinem lierrn wohlgefallig.

57 Und crziibr im Buche vou Jdris; denn er war ein Siddiq, ein Prophet

5s Und wir baben ihn naeh einom hohen Orte erhoben.

Der Zusammenliang dieses Stückcs mit dem Vorangcliendcn ist iiussorst lose, iiidein jMul.iatnmcd von der Gcscliiclitc Abrahams, die mit der Johannes\' und Jesu in ciner gewisscn organischen und tbrmalcn Vcrbindung stcht, auf die dor anderen J\'rophcten hinübergreift, die er summarisch abthut. Viclloicht dart\' man noch in der Wendung ,und gabon ihm seinen Bruder Ahron als Propheten\' (Z. 54) die Gedankenspur erkennen, der IMuhammcd hier folgte, die sich aber in don wei-teren Zeilen ganz verliert.

Auf die Zcüt der Propheten folgt eine prophotenlose Zeit, wo die Menschen dem Unglauben vertallen und den Leidonschafton sich ergeben. Dies schildert Muhammed in der nachstehenden Strophe.

60 Diese sind diejenigen, denen Gott Wohltliaten crwicsen, Propheten voni Samen Adams und von denen, die wir trugen mit Noah (in der Arehe) und vom Samen Abrahams und Israels, und von denen, die wir geleitet und auserwiihlt. Wenn iiinen die Zcichcn des Rahman vorgelesen wurden, iielen sie nieder anbetend und weinend.

(10 Uann folgte aui\' sie eine Nachkommenscbaft, die abgcschafft das Gebet und den Ge-lüsten sich ergeben, und zuletzt werden sic die Schuld erkennen,

in Mit Ausnahme derer, die bcrcuen; glauben und Gutcs tbun; diesc werden lus Paradies cingehen und in keiner Weise ungerccbt behandelt werden.

iiü lm Garten der Wonno (werden sic eingeben), welche der Rahman seinen Dicnern im Vcrborgencn vcrsprochcn hat; denn seine Vcrheissung wird gehalten.

«3 Nicht hören sic darin Geschwiitz, nur ,Fricde!\' und ihnen ist darin (bestimmt) ihr Untorhalt morgens und abends.

(ii Dieses ist der Garten, welchen wir den Gottesfürchtigen unter unsern Diencrn zum Erbe geben.

(15 Und nicht steigen wir herunter, als auf den Befehl deines lierrn; ihm gehort was vor uns ist und was hinter uns und was dazwisehen liegt, und nicht war dein Hcrr vergesslich.

(ju Er ist der Hcrr des Ilimmels und der Erdo und dessen, was dazwisehen ist; so diene ihm also und sci ausdauernd in seinern £)icnstc. Kennst du vielleicht otwas Gleicbnamiges?

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Suhat Mar yam i!).

Die zwei Ictzton Zeilen worden von den TVaditionistcn ids ein eingefligtes Fragment augeselicn,1 indem liier der Engel Gabriel auf dio F rage des Proplicten antwortot, warum er ihn nicht besucht liat. Dicso Aufl\'assnng ist abcr eino selir ilnssorliclie und ganz irrige. Die zwei Verso geboren in der That liierher, sie be-antworton wohl audi oino Frage, abcr eine viol allgcnicinero, die sicli aus dor Sehilderung der prophetenlosen Zoit crgab. Es musste sich dom Gosandten Gottes nilmlich die Frage auidrangon, warum denn oigentiieh durch violo Genorationen die prophetisebo Offenbarung unterbliob, woranC ihm diese Antwort ertbeilt worden ist. Diese zwei Verse schliessen also passend die Strophe ah. Ich kann iibrigens noch einen zwingenden lieweis flir meine Amiahmo, dass dio Verso koin Fin-schiobsel sind, erbringen. Das Wort sum ij jan ,Gleichnamiges\' findet sicli nnr zwei j\\ral im Koran, und zwar nur in unserer Sure V. 8 und G6, es ist also von vornehoi\'oin wabrscheinlich, dass der Prophet das Wort bier wieder in einer andern Wcndung aufgenommen und dass ihm die obere Stelle (V. 8) ,Nicht machten wir einon ihm Glciehnamigen\' dabei vorgosehwebt hat. Wir sind aber nicht aid\' eine Vermuthung angewiesen, haben vichnehr dafur ganz hestimmte Indiciën. Dazu ist es aber noting, den folgondon Absatz des Korans, der liber Auforstchung und Vcrgoltung handelt, genauer zu prüfon. Dersolbe lautet:

B7 ITnd es sjiriclit der Mcnscli: Wie, wenn ich gostorben bin, wcrdo ich wieder licraus-geholt (aus der Erde) lebeudig?

(is Aber will dcr Monsch nicht bedenken, duss wir ihn zuvor geseiiaffen, ills or Niehts warV

oi) 15ei dcinciii Herrn, wir werden sic versanimeln und die Satune, dann werden wir sie herbeibringeu lassen kniend mn die lliille herinu.

7ü Dann werden wir aussondern aus jeder Sectc diejeuigen, die am widerspenstigsten waron gegeu den Rahman.

7i Dcun fiirwahr wir wissen besser, wolchc von ilmcn am incisten darin zu bratcu verdienen.

73 Aber sainnit und sonders müssct ihr in sic (die lliille) nicdersteigen; dies ist bei deinem Herrn bastlmmt und besclilossen.

7:i Daim werden wir retten die Gottesfiirchtigen und darin werden wir lassen die 1\'rcvlcr auf den Knien.

71 Und wenn ihnen vorgclesen werden unscre Zeichen deutlich, sagen die Unglilubigen zn flen Gliiubigen: Welche von beiden l\'arteien hat cine besserc Stellung und schonere Gesellschaft?

75 Und wie viele Geschleehter haben wir vor ihnen vernichtct, die besserc Einrichtung hatten und grösseres Ansehcn!

Kragen wir nacii dom gedanklichen Ilindemittcl, welches diese Strophe mit dor vorangohenden verbindet, so ist dasselbe nicht Icicht zu ciitdecken. Gerade die letzten zAvei Verse joner Stroplie scheinen jede Gedankenverbindung zu /.crreisscn und don Uebergung uniniiglich zu maelien. Wo abcr dcr sachliche Zusammenhang nicht berzustollen ist, muss man bei einem Schriftsteller wie j\\Iuhammed versnellen, den psycliologischen Vorgang zu ermitteln, wie er zu der nonen Wcndung gekom-men ist, und da gibt uns das Wort samijjan einen doutlicben h1ingorzeig. Durch die Amvendung dieses Wortes wurden im Geiste des Proplicten die Worte Zacha-

1

Vg\'1. SriuoNOKii, l)as Lehen und die Lelu-e des Mohammad, n, S. I\'JO, Amu. 1.

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SuiiAT Mauyam 19.

rias zurückgcrufen (V. 9): ,Wio soli cin Knabc mir werden, da ja mein Wcib unfruclitbar ist etc.\' und die Antwort Gottcs (V. 10): ,Dies ist mir ein Leicbtes, liabe icb dich ja zuvor g-eschaffcn als du Nichts warst.\' Dieso specicllo Einwondung lautet im IMuude der Unglilubigen verallgcmoinort: ,Wic, wenu icli gestorben bin, werde icb wieder berausgeholt lebendigV\' und die Antwort Allabs besagt: ,Wir haben ibn zuvor gcschaf\'fen, als cr nocb Niebts war\'. Wir seben also, dass niit dein Worte samijjan der ganze Gedankenkreis aus V. 8—10 von Mul.iammed herübergenonuucn worden ist. Vers (gt;(3 und der mit ilnn zusamraon-hilngendc Vers (55 steben also an riebtiger Stelle und sind kein eingesclialtotes Fragment. Zum Schlusse bemerke ieh noch, dass der in den Vorsen 9—10 und 1)7—GB variirto Gedanke sonst im Koran in dieser Form nieht wieder vorkoimnt, cine Tbatsaehe, welelic die Zusammengchörigkeit beider Stellen noeb sichorer erschei-nen liisst.

Vers 75 wcist aufVers 59 zurliek und besagt: Trotz alldem ist die gegen-wilrtige Generation das Gegcntheil der Frommen aus den alten prophetiscben Zciten, sic prahlt und rlihmt sieh ibrer Stellung und ihres Anschens, aber viele Geseblecbtcr der Unglttubigen sind verniebtet worden, die milelitiger und angesehener waren als sic.

Das folgcnde Stuck (V. 70—98) ist dureb den vcrschiedenen lioim als ein besonderes Glied gekennzeielmet. Dass es aber mit dem Vorangebendcu zusammen-liilngt, bcweist, wie sebon Nöldekb bemerkt liat, sowobl V. 77, der auf V. 74 ziirück-greift, als auch der Selilussvers, der an V. 75 anklingt. Das Stück lautet:

7o Spricli: Wcr im Irrtlium ist, dem mögc der Riihman cino Frist crstrccken,1

\'7 i?is sic gesehen haben was ihnen angedroht worden, sei es die Strafc (diosscits) odcr die Stunde, danu werden sic erkennen, wessen Stellung schlcchter und wesscn Heer schwachcr ist.

78 Und es vermehrt Allah die Leitung derjenigen, ilic sich leitcn liisscn,

7» Und die bleibenden, gnten Handlungen linden l)ei deincin llerrn bessern Lohn und bessere Vergcltung.

so Was meinst du von dein, der leugnet unsere Zeichen und sagt: Pürwahr, mir werden zn Theil werden Bcsitz und Kinder.

xi llat cr ctwa das Verborgene gesehaut, oder voin Rahman cinc /usage erliiiltenV

82 Nein, wir wollen aufsclircibcn, was cr spricht und ilnn einen Zusclmss gewahren in

der Strafe,2

83 Und werden von ilnn erben das, was er sagt, und cr wird zn uns kommen allcin.

81 Sic nelnncn sicli ausser AllAh andere Götter, dainit sic ihnen zum Sehntze dienen.

85 Nein, diesc werden ihre Anbetung vcrlengnen und ihnen Gegner sein.

8ii Siehst du denn nicht, dass wir die Satane gegen die Ungliiubigen ausgeselnekt haben, nni ilire Gier aufzureizen?

87 So sci nicht in Kilo gegen sic, wir zahlen ihnen nur cinc Zalil (von Tagen).

88 Am Tage, wo wir vcrsammeln werden die Gottesfürchtigen beim Rahman

zur Audi enz,

80 Und wir werden treiben die Frevlcr in die Holle zur Triinke.

\'jo Wird Niemand Fürsprache cinlegen kunnen ais derjenige, der von Rahman cinc Znsagc genonimen.

32

1

Arab, jamdud maddan.

2

Arab, nainuddu maddan.

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SüRAT MahYAM 19.

in ünd sic sagen, der Riilimaii liat sicli eineu Solm genommcii. Fünvulir ilir habt cine uncrliörte Suclio vorgcbraoht.

»2 Fast zerreisseu sicli die Himmel und spaltct sich die Erde nnd stürzen die licrge in Trüinmev zusammcn,

33 Diiss sie dem Ralnni\'in einen Solm zusprechen, und nicht jjezieint es sicli fiiv den Ralnmln, dass er sicli einen Solm wiiblt.

84 Sieh, alles im Himmel und auf Ei\'den kommt ziini Ralnnun nur als Diener; fïirwalir er kennt sic Allo und hat sie gen au geziililt,

argt; Und Alle kommen zu ihm am Tage der Auferstehung allein (d. h. nicht vom Sohne geleitet),

% Alier diejcnigen, dio glauben und Gutes thun, dcnen wird der Rahmun Liebe erweisen.

U7 AVir haben dir ilm (den Koran) leicht gemaeht in deiner Sprachc, damit du frohe Botschaft bringest dureh ilm den Gottesfürchtigen und warnest durch ilm über-müthiges Volk,

ns Und wie viele Geschlecliter haben wir vor ilmen verniehtet. Merkst du vielleicht eines von ilinen, ocler hörst du von ihnen einen LautV

Wie mail sielit, zcrfiillt das letzto Stuck clioscr Sure in drol Stropheu (8 7 8). In der erstcn riclitet dor Prophet sein straf\'en des Wort an diejcnigen, die anf ilirc Stellung, ihren Reichtlmin und ilire Kinder stolz waren. Der Scliluss der Strophe (Z. 82) variirt den Anfang in der eigenthümlichen Wcndung des Aus-(1 rucks madda maddan. Die letzte Z(ule eoiTcspondirt vielieiclit mit Zeile (1 und 41. In der zweiten Strophe wendot sich Muhammed gegen die Anlietung von (iöt-tern ausser Allah, worunter er moglicherweise Engel vorsteht, wiihrond die drittc Strophe augcnselieinlich eine Polcmik gogen das (Jhristonthuin ontliiilt. Die zweito und dritte Strophe sind vielfach durcli jiarnllelo und antitliotiseho Responsion und durch Concatenatio mit einander verbunden. Man beachte iiier insbesondore die Wendungen \'add,a addan ,wir zilhlcn ihnen nur oine Zahl (von Tagen), (V. 87) und in dor dritten Strophe, Vers 94: ,er liat sie (die Goschöpfe) genau geziihlt\'. In der je folgenden Zeile (Vers 88 und 95) correspondirt antithetisch das AVort icnfd ,feierliche Ankunft in grosser Bogloitung\' mit fard ,allein\', und in den Vorsen 89 und 96 stehen einander ,Strafe\' und ,Bolohnung\'gegeniibor. Ausserdem sind die Worte ,Allah\' (bezw. jRahman\') und ,nehmen\' in don Vorsen 84, 90 und 91 jedesmal in anderem Sinne gebraucht und bilden nobcn Responsion und Concatenatio, auch oine Art dor Kunstfonn Corona (■/.,j/.aoc).

Worfen wir einen Rückblick auf dieso eigenthiiinliehe Sure, so lilsst sic sicli in vier Abschnitte mit folgcndcr Strophengliedorung zerlegen:

I. Ahschnitt (Z. 1-—15); Geburt Johannes\' (gt; 5 -I- I

II. Ahschnitt (Z. 1G—34): Geburt Jesu (! 0 7

Zusatz (Z. 35—41): Polemik gegen das Christenthum 7

III. Ahschnitt (Z. 42—75): Abraham und die übrigen

Proplicten, dio prophotenlose Zeit und die Aui-

erstohung 10 7 8 9

IV. Ahschnitt (711—98): Polemik gegen die Heiden,

die Engelanbetcr und das Christenthum 8 7 8

Diese Sure bildot nicht wie die vorangohende al-Waqi\'a ein festg\'cfügtos Ganzes, sondern zeigt noch deutlich die Art ihrer Entstehung. Der Kern liisst sicli

D. II. MiUlor. Dio Proplicten 3

ocr page 41

SlIRAT AS-ftü\'AIiA 2().

gcnau von don Ansiitzon trcnnen unci man sicht noch die Fu^cn und die Klammer, wolchc die vci\'scinodcnai\'tigen Theile zusaimnenhalton. Niclil am w enigs ten interessant. sind die psychologisclien Vorgilnge im Geiste des Propheton zn beobachten, welelie uns durch Strophenbau und Responsion entlullit werden.

Die 26. Sure.

Diesor Koranabschnitt wird ,die Dichter\' benannt, weil in den letzten fiinf Zeilen der langen Sure von den Dichtern die Rede ist, wiihrend die ganzc Sure oigontlich mit den Propheten sich beschiiftigt und eine Reihe von Straf-gerichten erziihlt, welcbe über die Menschen infolge ilires Ungehorsams gegen die Propheten hereingebrochen sind. Nach einer alten Ueberiieferung soil Muhammed eine Anhöhe namens Sata liinter der Kaaba in Mekka bestiegen und dort diese Sure verkündet haben. Einzclne Versuche, alte Legenden als Beweis für scine Sondung zu erziihlen, bat er sehon, wie Sprengbr 1 gezeigt bat, frtiher gemacht. In dieser ^Jergpredigt\' hat er nicht weniger als sieben Propheten- und Straf legenden vcreinigt, in weiehen er von den vornehmsten Propheten handelt, und zwar in nachstehender Reihenfolge: 1. Moses und Pharao; 2. Abraham und sein Volk; I!. Noah und die Sintfluth; 4. der Stamm \'Ad mit seinem Propheten Hud; 5. der Stamm Thnmnd mit seinem Propheten Salih; (gt;. Loth und die Zerstorung Sodoms; 7. die Leute von Aika (Madjan) und ihr Prophet Scho\'aib. Eine genaue Prüfung des stropliisch geglicderten Textcs oder der Uebersetzung wird erkennen lassen, dass diese Rede von Muhammed sehr sorgfiiltig componirt und ausgearbeitct worden ist. Es scheint in der Tiiat, dass der Gesandte Gottes durch diese kunst-voll aufgebaute Predigt, die eine Geschichtc der früheren Propheten cnthillt, cinen starken Eindruck auf scine Stammesgenossen zu machen hoffte.

Ich lasse die strophisch gegliederte Sure hier in wortgetreuer Uebersetzung fblgen:

i Dies sind die Zuiclicn dos deutlichen liuchcs.

\'■! Viollciclit liürmst du dicli darübor, dass sic uiclit glaubcn;

^ Wonn wir wolltcn, sendeten wir auf sic licrab vom Ilimmcl cin Zcichcn, dein sicli ilir Nackcn würdc beugen.

i Doch kommt iliiien keinc neuc Ermalinung vom Allerbarmor, olinc dass sic sicli davon abwendeten.

fi Alles ei\'klürten sie fUr Lügc, doch wird zu ilmen die Kunde dessen kommen, das sic verspotte ten.

(i Itlickten sic nicht auf die Erde, wie viel wir auf ilir wachsen licsscn cdle Krauter aller ArtV

7 Hierin ist wahrlich cin Zcichcn, jedoch die Meistcu von ihnen sind un-

gliiubig.

8 Dein Herr aber, fürwabr er ist der Allinüchtigc, Allerbarincr.

9 Und als dein Herr den Moses rief: Geh\' hin znm frevelhaften Volke,

10 Zuin Volke des Pharao, ob sic (micli) wohl nicht fflrclitcn?

?A

1

Das Lchen und die Lchrc den Mo/iammad i, S. 470 ff.

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Suuat aS-Sii\'arA 2(1.

Er sprsich: Moin Hen-, icli fürelite, dnss sic mich für einen Liigncr orklüron,

Ancli ist eng meinc Urust mul meine Znngc niclit iingebunden, so sciulc den Ahrou! Siu haben audi von mir (zu fordern) cino Schuld; weshalb icli fürelite, dass sic mich tüdten.

Er spraeh: Mit nichten! geht nur bin init unseren Znichcn, wir sind mit cuch und bören; So gebet hin zu Pharao und saget: Wir sind die liotachaft des Ilerrn der Weiten, Entlass mit tins die Sölme Israels!

Er [Pharao] spraeh: Erzogen wir dich nicht bei uns als Kind, und weiltest du nicht

untcr uns viele Jahre deincs Lebens?

Und thatost jene That, die du getban bast, und warst der (undankbaren) Silnder einer. Er spraeh; Teh that sic dainals, da ich war der Vcrirrtcn einer.

So floh\' ich vor cucb, weil ich eucb fürchtete, und es gab mir incin Hcrr Wcishcit

und machte mich zum Gesandtcn.

Und dies ist die Woblthat, die du mir vorhiiltst: dass du gekneehtet bast ilie Sühne Israels.

Spraeh Pharao: Und wer ist denn der Herr der Weiten?

Er spraeh: Der Herr des llimmels und der Erdc und was zwischen beiden ist, wenn

ibr es nur wüsstet.

Spraeh [Pharao] zu denen um ihn: Hort ibr esY Er spraeh: Eucr Hcrr und der Herr eurcr Viiter, der uralten.

Er spraeh: Euer Gesandter, der zu eucb gesandt wurde, ist wabrlieb verruckt. Er spraeh: Der Herr dos Ostcns und Wostens und was zwischen beiden liegt, wenn ibr es verstandet.

Er spraeh: Wenn du einen andern als (jott nimmst ausscr mir, so maehc ich dich

zu einem Eingekerkerten.

Er spraeh: Auch wenn icli dir briichte cine überzcugonde SachcY Spraeh Pharao: So bring\' os, wenn du zu den Wabrrcdcnden gehörst.

Da warf er seinen Stab, und sieb\' er ward eine Schlange deutlich.

Und er zog seine Hand hcraus, und sieh\' sic war weiss den Schallenden.

Spraeh [Pharao] zu der Menge um ihn: 13ieser ist fürwahr ein kundiger Zaubcrer. Er will cuch vertreiben aus eurem Lande dureb seinen Zauber, was bcfehlet ibr also? Sic sprachcn: Halte ihn hier und seinen Hruder und scbicke Hascher in die Stiidte, Dass sic dir bringen jeden kundigen Zaubcrer.

Und es versammeltcn sich die Zaubcrer zttr festgcsctztcn Frist eincs bestiminten Tages,

Und gesagt wurde den Lcutcn: Scid ibr beisainmcnV

Viellcicht folgen wir den Zaubercrn, wenn sic die Siegenden sind.

Nachdem nun die Zaubcrer gekommen waren, sprachen sic zu Pharao: Wird uns wolil

ein Lohn, wenn wir die Sieger bleiben?

Er spraeh: Ja wohl, und ibr sollt dann sein (an meinem Throne) von den Nacbstcn. Es spraeh zu ihnen .Mosea: Werfet, was ibr werfen wollt.

Da warfen sic ibre Strickc und Stiibc und sprachen: Dureb die Macht Pharao\'s sind

wir fürwabr die Siegcr.

Da warf Moscs seinen Stab, und sielic dieser verscblingt, was sic verwandelt batten. Da warfen sich die Zaubcrer anbetend niedcr.

Sic sprachen: Wir glauben an den Herrn der Wcltcn,

Den Herrn Moscs\' und Ahrou\'s.

a*

3ö

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Sukat as-Su\'ara 2().

48 Sprach [Pharao]: Ilir glaubot ilnn, bevor icli cs cnch crlaubo; er ist cucr Meistor, dor

euch iiutorwiesen hat in der Zauberei, gewiss sollt ilir es erfaliron.

4a Abhauen will ich euro Ilaude und Filsse quorüber und euch krouzigen insgesauiint.

50 Sie sprachen: Kein Schaden! nu unsoreni llerru koliren wir zurilck;

fgt;t Wir bogehren, dass uns unsor Ilerr unsorc SUnden vorgibt, weil wir geworden die orsten Gliiubigon.

sa Wir aber offenbarten an Moses: Zicbe naclits aus mit nioinon Dienorn, ilir werdet vorfolgt.

53 Da scbickte Pbarao in den Stiidten ninher Sannnler:

54 Diese bier sind wahrlieh eino winzige \'I\'ruppe

55 Und sie sind gogen uns fürwahr zornentbrannt;

50 Abor wir alle sind wold auf dor Hut.

57 (So führten wir sie fort von Garten und Quellen

58 Und Sclüitzen und köstliehem Aufenthalt,

5» Also (thun wir) und gebon os zum Krbtbeil den Sübnen Israels).

tiu Sic aber vorfolgtcn sie bcim Morgenanbrucli.

ui Als cinander gegenüberstanden die beiden Ilcero, sprachen lt;lie Leute Mosos\': Wir

sind fürwahr eingeholt.

U-\' Er sprach: Mit nichten, mit mir ist mein Hcrr, er wird micli leiten.

«3 Da ott\'onbarten wir an Mosos: Scldage mit deincin Stabo das Moer. Da spaltete es

sicli und jeder Theil glich einem machtigen liergc.

oi Wir Hessen herannahen dorthin die Anderen (die Kgypter)

C5 Und rotteton Moses und die mit ilnn waren insgesammt,

bh Dann ortrankten wir die Anderen.

07 Hierin ist wahrlieh ein /oieben, jedoeb die Meisten von ihnen sind un-glaubig,

us Dein Herr aber, fürwahr er ist der Alhniichtige, A11 erbamier.

oi» Lies ihnen vor die Kunde von Abraham,

(O Als cr sprach zu seinem Vater und soinem Volke: Was botot ihr an?

quot;i Sie sprachen: Wir boten Götzenbilder an und verweilen stots bei ihnen.

72 Er sprach: llören sio oucb, wenn ihr rufet,

73 Oder nützen sio euch oder schaden sio?

7t Sie sprachen: Mit nichten, sondern wir fanden unsero Vitter dasselbo thun.

75 Er sprach: Was meinet ihr von dom, was ihr anbetot,

7« Ihr und eucre Vater, die altvordoron?

77 Denn sio (die Götzon) sind mir verhasst, uur der llerr dor Wolten nicht.

7s Der mich gcseliafi\'en bat und derjenige ist, dor mich loitet.

7!) Und derjenige ist, dor mich speist und mich triinkt

so Uud wenn ich krank bin, so ist er es, dor mich beilt,

8i Und wenn er mich sterben lilsst, so liisst er mich wieder leben.

si Und von dom ich begehre, dass cr inir moine Sünde verzeihe am Tago dos Oorichtes:1

83 Herr, gib mir Vollkoinrnenhoit und gosolle mich hoi den Krommen,

84 Und macho mir oinc Zungo der Wahrheit2 unter don Spateren,

1

Sinngeiniiss zu ergiiuzen ist: ,Indem ich zu \'dim bete\'.

2

D. li. eiuen guton Hat\'.

ocr page 44

SURAT AS-Su\'ARA \'26.

85 Und niiiclio mich zu cinem Mrben dos Gartens der Woimo,

so Und viü\'/iuilic meinoiu Vatcr, denn cr gcliört zu don Irronden,

s7 Und du solist micli nicht, beschiimcn ain Tagc der Auforwccknng.

sh An de ui Tagc, an welclicm nicht niitzt^t Vermogen, noch Söhnc,

su Nur wer da komint zu Allah nut unversehrtem Horzen;

no Und naho gebracht wird dor Garten den Gottesfürchtigon,

ui Und iu den Gcsiclitskreis goriickt wird die llölle don Prevlorn,

!ia Und gcsprochon wird zu ihnen; Wo sind diejenigon, die ibr angebetet

ik) Aussor Alhlb, rotten sic euch etwa, oder rotten sic sich solbst\'?

ui Und so werdoi sio gostiirzt in die Höllenglut, sie und dio Provlor

1)5 Und dio lleorscbaron dos Iblis (Toufels) insgosainnit.

1)« Sic sprochon, indom sio darin niit cinandor hadern;

d7 ]}oi Allah! Wir waren in offonkundigein In\'thuin,

iw Als wir euch gleichstcllton dom Horrn dor Welton.

na Uns loitoten nur irre die Schuldigen,

wo Und nicht habon wir Fürsprechor

nu Und nicht oinon engverwandton Freund.

loa Und wili\'do uns Wioderkehr, so würdcn wir Glitubige sein!

los Hierin ist wahrlich oiu Zeiehen, jedoch die Moisten von ihnen sind un-glaubig,

lol Dein Herr aber, fürwahr er ist dor Allmlichtige, Allerbanner.

io.rgt; laigeu strafte das Volk Noah\'s die Gesandten,1

wo Als zu ihnen sprach ihr Bruder Noah: Fiirchtot ibr euch deun niehtV

ui? leb bin euch cin zuverlassigor Bote,

los So fürchtet doch Allah und gehorchet mir.

ion Nicht verlango ich von euch dafür Lohu, inein Lohn ist beiiu Herrn der Weiten.

in Sio sprachon: Sollen wir dir glauben, wahrend die Verworfenston dir folgenV

iiü Er spraeh; Nicht balie ich Kenntniss von dom, was sie getban habon.

us Ihre Rechenscbaft obliegt nur meinein Herrn, woun ibr dies merktet.

no So fürchtet doch Allah und gehorchet mir.3

iu Nicht bin ich einer, der verjagt (verstosst) dio Glaubigen,

us Ich bin nur oiu offenkundigor Warner.

mi Sio sprachon: Woun du nicht aufhorst, o Nonli, so wirst du der Gcsteinigten einer.

ii7 Er sprach: Sieli\', moin Volk straft mioh Lügen.

us So ontscheide zwischen mir und ihnen eiiic Entsclicidung und rotte mich und die mit

mir siud von den Glaubigen.

nu Wir rettcteu Ihn und die mit ilini waren im vollgcfüllteu SchiHc,

u\'o Dann ertrankten wir darauf die Uobrigen.

121 Hierin ist wahrlich oiu Zeiehen, jodoch die Meisten von ihnen sind un-

glitubig,

122 Doiu Herr aber, fürwahr er ist der AUmüchtige, Allerbanner.

37

1

Die )0 orsten fiiuf Zeilen diesos und tier l\'nl^viiilen vier Absclniitte (/. 123, 141, 100 und 170) siud, abgesohen von den Nainon, gauz gleiclilauteiid,

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SUKAT AS-ÖU\'AKA 20.

123 Lügen striifto \'Ad die Gcsandton,

121 Als zu ihncn sprach ihr IJruder Hiid: Pürchtet ihr eucli (loim nichtV

I2r) Icli bin ouch ein zuvei\'liissiger Bote,

12« So fürchtct doch AllAli und gehorchet inir.

127 Nicht verlange ich von cuch dafür Lohn, inciii Lohn ist buini Ilcrrn der Weiton.

i2s Erbauet ihr auf jeder Anböhe ein Denkmal, inn oitel Spiel zu trciben,

129 Und errichtct Burgen, als ob ihr ewig lebcn würdet.

isu Und wenn ihr Gewalt übt, übt ihr sie wie Tyrannen,

131 So fürehtet doch Allah und gehorchet mir.

132 Und fürehtet den, der euch versehen bat mit Allem was ihr wisset;

133 Er versah euch mit Ilerden und Kindern ia-I Und mit Garten und mit Quellen.

135 leb fürebte für euch die Strafe eines grossen Tages.

130 Sie sprachcn: Gleich ist es uns, ob du erinahnest, oder nicht zu den Ermahnern gehörst; 137 Dies ist uur eine Sitte der Alton,

13« Und nicht werden wir (dafür) bestraft.

1311 So straften sie ilm Lüge, und wir vernichteten sie. Hierin ist wahrlich ein Zeielion,

jedoch die Meisten von ihncn sind ungliinbig,

nu Dein Herr aber, fiirwahr er ist dor Allinüchtigo, Allorbarmer.

m Lügen strafte Thamud die Gosandten,

M2 Als zn ihnen sprach ihr Brudcr Salih: Fürehtet ihr euch donn nichtV

ii3 Ich bin euch ein zuverliissigcr Bote,

in So fürehtet doch Allah und gehorchet mir.

i-i!) Nicht verlange ich von euch dafür Lohn, moin Lohn isl boim Herrn dor Wolten.

mg Werdet ihr belassen werden in dem, worin ihr euch bier beiindet in Sicherheit,

m7 In Giirten und in Quellen,

us Und in Saaten und Palmen, deren Frucht so zart ist,

no Und hauot ihr aus den Borgen cuch llituser in UebermuthY

150 So fürehtet doch Allah und gehorchet mir.

161 Und gehorchet nicht dem Befeble dor Uebeltbiiter,

152 Welcho Verderben stiften auf Erden und kein Heil.

153 Sie sprachcn: Du bist uur von den Zauberern einer,

151 Du bist nur ein Mensch unsergloichcn, so bring\' ein Zeiehen, wenn du ein Wahr-

spreebender bist.

155 Er sprach: Dies ist eine Kamoelin, ihr gehort dio Triinko und ouch (wechsolweiso)

an bestimmten Tagen.

150 Nicht füget ihr Büses zu, es fasst euch soust Straf\' eines grossen Tages.

157 Sie aber durchschnitton ihr die Sehnon und wurden daim Berouonde.

158 So orfasste sic die Strafe. Hierin ist wahrlich ein Zoiehon, jodoeh die Moi

sten von ihnen sind ungliiubig,

159 Dein Herr aber, fiirwahr or ist dor Allmücbtige, Allerbanncr.

ifio Lügen strafte das Volk Lot\'s dio Gosandten,

101 Als zu ihnen sprach ihr Brudcr Lot: Fürehtet ihr cuch demi nichty

102 leb bin euch oin zuverlassiger Bote,

103 So fürehtet doch Allah und gehorchet mir.

38

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SuRAT aS-Öu\'auA \'it).

hm Nicht vcrlange ich von ouch Lohn rtafiir, niciu Lohn ist bcim Ilurru der Wulten.

lus Kouimct ihr zu den Münulichou in der Welt

ion Und lnsset was eueh ener llerr goscliatlen, euere WeibcrV Gewiss ihr seid ein ver-

brecherisehes Geseldeeht.

luv 8ie sprachen; Wonn du nicht aufhörst, o Lot, so wirst du ein Verjagter.

nis Kr spraeh; leb gehore zu den Hassern curor Wcrke.

iü\'.i llerr, rette du uiieh und luoino Familie vou dem, was sie vorüben.

no Da rctteten wir ibn und seiuc Familie insgesamiiit.

Hi liis auf eine alte Frau, die zurückgeblieben war.

na Daim vertilgtcn wir die Anderen

n:) Und bessen Regen auf sie regnen, und böse war der Regen der Gewarnten.

171 Hierin ist wahrlich ein Zeiehen, jedoeh die Meisten von ihnen sind un-glitubig,

n\'i Aber dein llerr, fürwabr er ist der Allmaehtige, Allerbarmer.

wn Lügen straften die Leute von Ai ka (Madjan) die Gcsandten,

177 Als zu ihnen spraeh Scho\'aib: Fürebtet ihr eueh donn niebtV

i7s leb bin eueh ein zuverlassiger liote,

nu So fiirchtet Allah und gehorchet mir.

iHD Niebt verlange ieb von eueh i.ohn dafür, mein Lohn ist beiin llerrn dor Weiten.

isi Maehet voll das Mass und seid nicht von den Vcrkiirzenden

isa Und witget init rechter Wage.

i«3 Sebiidiget nicht die Menscben an ihrem Mesitze uml richtct keincn Frevel auf Erden an.

isi Und fürebtet den, der eueh gcschafl\'en bat und die fridieren Gesehleehtiu\'.

l«5 Sie sprachen: Du bist nur ein Verbexter,

isii Du lgt;ist ja nur ein Menseb gleich nns und wir halten dich tiirwahr tiir einen Liigne.r.

is7 So lass\' doch herabfallen auf nns ein Stiick des lliimnels, wenn du ein Wahrspre-chender bist.

isK Er spraeh: Mein llerr weiss am besten, was ihr tbut.

is1.» So straften sie ibn Lügen, und es erfasste sie die Strafe des Wolkentages, es war

Straf\' eines grossen \'Pages.

mi) Hierin ist wahrlich eiu Zeichen, jedocb die Meisten von ihnen sind un glitubig,

191 Dein llerr aber, fürwabr er ist der Allmiicbtigc, Allerbarmer.

ma Er (der Koran) ist fürwabr eine Olfenbarnng des llerrn dor Weiten.

1113 Es brachte ibn herunter der znverliissigc Geist uil In dein llerz, damit lt;bi wirst ein Ermahner

105 In arabischer Zunge, in klarer;

me Dies ist aucb (erwahnt) in den Schriften der Alten.

1117 Und ist es ihnen nielit ein Zeichen, dass es wissen die Weisen der Söhne Israels? nis Und batten wir es offenbart einem Freindrcdenden,

ui!) Und er hittte es ihnen vorgelesen, sie wiiren donnoch nicht glaubig geworden.

•jou Also legten wir es in die Ilerzen iler Schuldigen.

2iii Sie glauben nicht daran bis sie selicn die Strafe, die peinvollc.

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SuRAT AS-Su\'ARA 20.

\'202 So dass sie ihnen kommt unvcrsehens, oline duss sic es merken,

2ü3 Und sio daim sagen; VVird uns nicht eine Erstreckung gewahrt?

204 Wio, unsere Strafe wflnschen sie besehleunigt zu selienV

205 Was meinst du, wenu wir sie Jalire geniessen lassen

201; Und daim sie ttberkomint, was ihnen angedroht wordenV

207 Nicht würdc ihnen nützen, was sio liaben geniessen dürfen.

208 Und nicht vcrnichtetcn wir eine Stadt, ohne dass sin Ennahncr hatte 200 Znr Erinnerung, und nicht verübten wir Unrecht.

aio Und nicht haben ilm (den Koran) die Damonen heruntergcbracht;

211 Nicht geziomt os sich für sie, noch können sic es.

212 Sic sind vorn Horchen ja ferngchalton.

21a Nicht solist du neben Allfih einen anderen Gott anrufen, du erleidcst gonst Strafc.

2M Und crmahuc deine Stammesgenossen, die niichsten,

21.quot;) IJnd neige deinen Kittig denjenigen, die dir folgon von den Gtliiubigen.

2iii Wenn sie widerspenstig gogen dich sind, so spricli: Ich bin frei von dein, was ilir thut.

217 Und vertrau\' auf den Allmttchtigen, Allerbarmer,

2iH Der dich sieht, wenn du aufstehst

2io Und doin Wenden unter den Botenden.

220 Sioh\', er ist der Höror und der Wisser.

221 Soil ich ouch kundthun, zu wem die Diimonon lierabstoigcn?

222 Sio steigon horab zu jedcm schuldbowussten Verdreher.

22(1 Sio trollen das Gohör, ahor die Moisten von ihnen sind Lügner.

221 ITini die Dichter, ihnen folgon die Irrendeu.

225 Sahst du nicht, wio sio in jodem Thale schwürmen,

22(1 Und das sagen, was sie nicht thunV

227 Ausgoiiommon diejonigen, welcho glauben, Gutes thun, Allali\'s viel gedenkon

22.s Und sich vorthoidigton, wenn ihnen Unrecht zugcfiigt wird. Und wissen sollon die

Unrecht thun, nach welchor Kichtung sic gewendot worden.

Wio oiu Bliek auf die vorgefülirtc Sure zeigt, ist das Strophenraass die Zalil 8, die sicli fitters zu 1gt; und 10 steigert und maiielimal zu 7 abtallt. Nur eine Seliluss-•strophe tiillt zu 4 = 8/^ al). Die Oliederung gegen Eude der Sure ist nieht ganz siclicr. Es ist vielleicht nielit überflüssig, liier eiue kurze Analyse dieses Koran-abseliuiltes zu geben und in Verbindung damit die Stropliik zu bcsprccheu.

Die eiuleitep.de Strophe entliiilt eine Anrede an den Gesandteu (Jottes, worin gesagt wird, dass das Bueli (dor Koran) wabr soi und dass er sieh nielit gritinen sollo iiber don Unglauben seiner Stamniesgenossen, dio sehon dureh die Beobaebtung der Erde und ilirer Vegetation die Maolit Gottos erkennen sollten. Die Strophe soliliesst mit folgonden zwei Vorsen:

.Hierin ist wahrlich oin Zcicheii, jedoch die Moisten von ihnen sind unglaubig,

Dein llorr abcr, fiirwabr cr ist der Allniachtige, Allerbarmer.\'

Diese zwei Verse wiederholon sieh als Refrain naoh jeder der siebon Straflcgonden, welche folgon, und bilden so das Leitmotiv der ganzen Bergpredigt.

40

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slihat AS-Su\'auA 2(i.

An orstor Stelle stcht die Erzilhhing von Moses, die aucli den breitcsten Rainn einnimmt. Die Abtheilung der Strophen ergibt sieh liier von selbst. Der Weelisel in den Begebonheiton oder in don agirenden Personen begriindet den Weelisel (oTposr,) in der Rede. leb gebe hier den Inbalt der Strophen mul die Zahl dor Zeilen in übersichtlieher Form an:

Strophe 2 (V. 9—16): Mosos und Ahron worden nach Aegypten gosobickt 8 Strophe 3 ii. 4 (Doppolstroplio V. 17—32): Moses\'Zwiegesprilehinitl\'liarao 2 X 8 Strophe 5 (Vr. 33—30): Vorsehlago der Rathgeber Pliarao\'s 8—1

Strojilio 0 (V. 40 —47): Die Zanberor und Moses 8

Strophe 7 (V. 48—51): Pharao und die Zauberer 8 „

Di(^ halbo Strophe biidot don Absehluss der Action in Aegypten, wogegon die folgenden zwei Strophen die Fortsetzung dor liegebenheiten ausserbalb Aegyptons sohildern.

Strophe 8 (V. 52—60); Nilehtlioher Auszug aus Aegypten nnd Verfolgnng 8 1 Strophe 9 (V. 61 — 68): Die Israeliten nnd Aegypter im rothen Ulcere 8 Niclit so deutlieli ist dor Strophenbau in dor Erziildung von Abraham zu erkennen, aber eino sorgfilltigo Prüfung wird zoigen, dass oino andere gedanklioho Eintheilung dos Stückos uninöglioh ist. Die höclist originelle Art, wie die stropliischo (iliederung in diesor Logende cluroligoführt worden ist, bietet sogar ein besondores Interesse. Sie ist nicht iiusserlicli dureh den Weelisel dor Personen gegoben wie in der Moseslegondo, sondorn dureb eino eigenthiimliehe Gedankonoperation her-gestollt, und dor Umstand gerade, dass in oiner (\'ast fortlaufendon Rede doch Ge-dankenabsiltzo in obonniassigor Woise inarkirt worden, zoigt, wie tiof eingewurzelt das Strophonsystom war und wie viel Sorgfalt jMul.uunmod wenigstens in der ersten Zeit der mokkanischon Periode auf die Form seinor Offenbarungen vorwendet hat.

Eino Gedankenanalyse dieses Sttickos ergibt, dass es aus vier Absiltzon be-steht (9 10 9 8). Im ersten Absatz lilsst der Prophet Abraham ilber die Nieh-tigkeit der Götzen reden, und mit oiner feinen Wendung sehliessen, die ihm don Uebergang zu einom neuon Gogenstando ermöglicht:

,I)oiiii sic (die Götzen) ainil mir verliasst, nicht abcr der llorr der Welten.\' In dom zwoiten Absatze worden nun die letzten Wort(^ anf\'gegriffen thhI eino Schil dcrung dos Herrn dor Welten gegoben, an den er ein Gebot riditct, welches mil den Worten endigt:

,Und nicht solist du inich besclnïmcn am Tagc der Aufcrweckuug.\'

Wie Ring an Ring in oiner Kctte, so knlipft dor dritto Absatz an die aus-lautondon Worto an und boscbreibt den Tag der Auferstehuug, in welchem das Paradies den Frommen, die Holle don Frevlorn und ihren Vorl\'lihrorn, den Götzen, zu Thoil worden wird, die, wie die Strophe zum Schlusse besagt:

jSprcchen werden darin, indem sic mit cinander hadern\':

den Inhalt dos nnerquicklichen Streitos gibt der vierte Absatz.

Diese Eigenart in dor Strophenglioderung, in der jo folgenden Strophe oinen Gegenstand zu behandoln, der im letzten Verse der vorangehendon angodeutet worden, übt oinen ganz eigonthilmlichon Roiz aus. Sic ist eino besondore Form der Strophenvorkettung (concatenatio) und kann unmöglicb dureh oinen Zufall entstandon sein.

41

ocr page 49

SuKAT AL-A\'l-Af 7.

Die fünf Legenden, die jetzt f\'olgen, sind naeh cinein Schema gearbeitet. Die je ersten flinf Zeiion sind, abgeseheu von den weeliseindcn Namen, identisch; ebenso der Refrain am Sebluss einer jeden Legende, der sieli nnr durch leielite Zusiltze unterscheidet. Aueh im Steigen und Fallen der Strophen liegt ein gewisses Princip. Die beiden ersten Legenden (V. 105 122 nnd 123—140) zilhlen je 18 Zeilen (in zwei Strophen von neun Zeilen). Die mittlero (V. 141 —159) bat 1!) Zeilen (10 !)) und die zwei letzten (V. 160- 175 und 170—lül) je 10 Zeilen (je zAvei Strophen von acht Zeilen). Zu reebtfertigen liabe leb noch die Umstellung des V. 110, welcher in meinem Abdrucke nach V. 113 folgt. Dieser Vors niarkirt niimlich die erste Strophe. Den Bowcis fur die Kichtigkeit moiner Annahme liefern die Verse 131 und 150, die an richtigor Stelle, je ain Schluss der ersten Strophe stehen und ebenfalls die jo erste Strophe markiren.

Der Schluss der Sure ist in seiner stropbisehen Gliedorung nicht so durch-sichtig als der eigentliche Kern; ich halte aber die von mir markirte Gliederung fiir sehr wahrschoinlich, wobei ich nur bemerke, dass man je cinon Fïinf- und Droizeiler zu einer höheron Einhoit (Aclitzcilcr) vcreinigen kanu.

Die 7. und 11. Sure.

Als GegenstUcke zu dieser regohniissig gebanten Sure, welche die Straf-legonde behandelt, inöehte ich die betrcffenden Abscbnitte in den Snron 7 und 11, welche das gleiche Thema zuin Gegenstande haben, bezeichnen.

42

Die erstore bat sehr deutliche nnd sclmrfe Rtisponsion, die in der Wieder-liolung ganzer Zeilen besteht, von einem Strojdienbau kann aber keine Rede sein. AVie die Verse dieser spiUern mekkanischen Epoche si(di schon sehr der spiiteren Medinenser Prosa naberu, so sclieint audi die Strophik nach und nach zu schwinden. Kein AN\'undcr, bei so langen Vorsen kann auf natiirlichem Wege eine regelmilssigo strojiliiscbc Gliederung niclit platzgreif\'c.n. Als ein Beispicl von schart\' ausgepriigter Kesponsion ohno regedmiissigen Stroplicnban babo ich diese Sure in der Originalsprache mitgetlioilt. Sic mag zeigen, dass liesiioiisioii nicht unbedingt mit Strophik verblinden sein muss. Die beiden Suren beliandeln die Strat\'lcgenden in etwas anderer Ueihonfolge als die 26. Sure. In letzteror sind flie Prophoten nach ihrer Bedeutung, in den beidon ersteren nach ihrem historischen Auftreten griip])irt. Folgonde Zusainmonstcllung moge dies veransehaulichen:

*20. Sure

I 1.

Suro

7.

Suru

1.

Moses

9—

■68

Noah

27

—51

Noah

57—

62

2.

Abraham

69 —

■ 104

Mud

52-

—63

Hud

63—

70

Noah

105—

-122

Sa li b

64-

— 71

Sa lib

71 —

-77

4.

11 üd und \'Ad

123—

-140

Abrabam

72

— 78

5.

Salil.i und Tliamud

141 -

159

Lot

79

— 84

Tjot

78—

•82

1).

Lot

160—

175

Scho\'aib

85

— 98

Scho\'aib

83—

-91

7.

Scho\'aib nnd Aika

176—

-191

Moses

lt;19

— 102

Moses

101—

-153

Dieselbe Reihonfolge wie Sure 7 und 11 ersoheint audi in Sure It, 71 und 22, 43. Leichte Aenderungen aus versehiedenen Gründon zeigen die Suren 25, 37—-10; 21), 23—37; 38, 11—12 und 50, 12 —13. In allen dieson Suren kommen immer diesclben Letrenden vor, mit Ausnalnuo von 25, 40, wo die Genossen von

ocr page 50

SuuAT IIfin 11.

,ar-Ilass\' unci 50, 12—13, wo cbenfalls ar-Iiass und das ,Volk des Tobba\'\', das hoisst die Himjaren erwithnt worden. Die nui\' ncbonsilcblich genaunten Volker geboren nicht in die eigentlichen Straflegenden. Die Propiietenlegenden sind also im Ganzen sieben.

leb glaube nicht irrczugehen, wenn ich die Vermiithung ausspreche, dass diese sieben Legenden von Muhamnied als ,die sieben Matani\' bezeichnet werden. (Vgl. weitcr unten S. 41!, Note \'2.)

Man darf sicli nicht wundern, dass Muluimmed in der grossen ,Bergprecligt\' die Propheten nach ihrer Bedeutung, spitter aber nach ihrem historischen Auf-treten geordnet hat. Er mag vielleieht erst nach und nach die historische Reihen-folge erfahren haben. Audi in anderer Hinsicht zeigt sich der Unterschied zwischen dor iiltoren und jlingofen Form der Legenden, nttmlieh darin, dass er in dor iiltoren die minder bodeutonden Propheten schomatisoh behandelt, in dor spitteren dagegon mchr individualisirt. Dass dadurch die stropbische Gliederung ersehwert worden ist, vorstoht sich von solbst. Wenn aber trotzdom in dor 11. Sure oino gewisse strophisobe Gliederung noch orkonnbar ist, darf als oin Zeiehen t\'iir die grosse Macht der Kunstform angosehon worden, die sich trotz aller ungiinstigen Umstilndo nicht ganz verwischon iioss.

Eino kurze Analyse mogo dieses klar machen. Die Erzahlung von Noah zorfilllt bier in drei Strophen von 11 9 5 Zeilen, d. h. (10 l) (lO—1) 10 jj. Die ersto könnto die ,Sendung Noaii\'s\', die zweito ,die Vorkiindigung der Sintfluth\', die dritte ,das Gebot Noah\'s\' il!)0rschrieben worden. Sie respondiren nur durch die Schlussworte:

V. 37. ,Ioh bin frei von dom, was ihr frevelt/

V. 40. ,Entfornung (Vernichtuug) don Uebolthiltern.\'

V. 51. ,Lohn den Gottest\'iirchtigen.\'

Auch die drei Legenden von Hud, Abraham und Scho\'aib sind naoh oinom bostiminten strophischen Gesotz gearbeitot:

Die Legende von Hud (52—63): 12 Verso.

Die Logende von Lot (72—84): 13 Verse.

Die Logende von Scho\'aib (85—!)H): 14 Verse.

Alio drei ondigon auf gleiche odor ahniiche I\'hrason:

V. 03: ,Entt\'crnung (Verniehtung) dom \'Ad, dom Volke des ihul.\'

V. 84: ,Und nicht ist sie (die Strafe) von den Uebelthiiterii fern.\'

V. !»8: ,Wohlan Entfernung dom Madjan, wie fern (vornichtot) ist Thainüd.\'

Noch in einem andoren Punkto zeigen die drei Stiicke Aehnlichkeit und Gleichmassigkeit. .lodes dorselben zorfilllt in zwei Absiltze, ilio durch Hosponsion markirt sind, und /.war die Logende von Ilud in zwei Strophen von jo sechs, die von Abraham in zwei Strophen von 0 7 und die Legende von Scho\'aib in zwol Strophen von Jo sieben Zeilen. Es muss aber gesagt werden, dass dieses strophischc Gebilde durch die Legende von Salih (04—71) gosprengt wird, die nur acht Zeilen hat.

Wie dieses in die strophisobe Form (der Zoilenzahl nach) wenig hinein-passondo Stilck zu orklilron ist, weiss ieh nicht, mochto aber vermuthen, dass dem Propheten, wio auch sonst, etwas Menscbliohes passirt ist. Er hat einfach oinmal vorgossou, das oino Stilck in passender Weiso anzugliedcrn.

43

ocr page 51

SUHAT AI.-HlÓH 15.

Die 15. Sure.

Dicsc Sure hat keincn bestiinmten Bauplan, dor als die Vcrkürperung eincs Gledankenorganisiuus angesehen worden könutc; os liisst sicli audi in dersolben koin Godankonkern naoliwoÜén, inn don sicli dureli psycliologisolic odor historisclio Vorgiingo nono Godankongruppen wie llinginauern uni eine alto Burg eon- odor cxccntriscli angosotzt liabon; auoh sind naclnvoisbaro psychologische Jl omen to nicht zu ontdocken. wolche don Ueborgang zwischon don heterogenen Gedankongruppen verniittelt haben: sie biidot abor dennoch cine Einhoit, die jedocli nicht aus Einer Wurzel horvorgegangon, sondern violmoiir durch oinen ilusserliohen Knnstgriff her-gostellt worden ist. Wir haben liior nioht oinon einheitliohen Ban, sondern zwoi Bauobjecto, die iliror innern Bestimmnng nacli vorschicden sind. abor durch gloiche ]\\[assigkoit und ilhnliche Grup])irnng auf einandor hinwoison und durch oinon Ver-bindungstract zu oinor architoktonischon Einheit umgoschaffon worden sind. Die Sure sclbst soli dies zeigon.

i Dies sind die Zeichen des Uuelics und eines deutlichen Korans.

ü Oft worden die Unglüubigen wünschen, sie wiiren Muslime.

Lass sie essen und geniessen, lass die Hoffnung sic hinhalten, zuletzt werden sie es erkennen.

I Und nicht haben wir vertilgt eine Stadt, ohne dass ihr verbriefte Kunde geworden.

5 Nicht iiberschreitet ein Volk sein Ziel und nicht bleibt es zuriick.

ii Und sie (die Mekkaner) spraehen; O du, zu dem heruntergcschickt worden die

Ermalmung, du bist verrückt.

7 Würdest zu uns nicht mit Engeln konnnen, wenn du ein Wahrredender wiirest?

s Nicht lassen wir die Engel niederstcigen als nach Erfordernia, und daim lassen sie auf sich nicht warton.

li Wir haben die Ermahiiung heruntergcschickt und sind die Iliiter derselben.

10 Und wir fürwahr batten schon vor dir Boten gesandt zu früberen Sectcn,

11 Aber nie kaïn ein Bote zu ihnen, ohne dass sic ihn verlachten.

ia So legteu wir es in die Herzcn der Schuldigen.

i:) Sie glaubten nicht daran, trotzdein schon dahingegangen ist die Ueberliefcrung der Früberen.

M Und wenn wir ihnen ofïncten ein Thor dos Ilimmels und sie in denselbon sticgeiij

i.\'i So würden sie sagen: Unsere Augen sind trunken, ja wir selbst sind verzaubort.

10 Und wir inacbten fürwahr ain Himniel Burgen (Tbierkreise) und schinückten sic

aus den Schaucnden,

17 Und verwabrten sie vor jedem gestcinigten Satan;

is Wer aber veratohlen lauscht, dein folgt belle Lobe.

in Und die Erde streckton wir und warfen darauf festbcgründcte (Berge) und licsscn

wachsen darauf von allen Dingen woblgewogcn.

•-\'0 Und \'.nachten darauf Lcbensmittel für eucb und fiir dicjenigen, die ihr nicht eriiahrct. -\'i Und von allen Dingen sind die Vorrittho bei uns und wir senden davon herab nach bestimmtem Masse.

44

ocr page 52

Situ at ai.-I.Iuiu 15.

22 llml wir scliickon die Winde regengesclnviiiigcrt und senden liorab vom Mimmel Wasser und tn\'luken oucli damit, und nielit ilir gÉuuinelt Vorrilthc.

23

Und

wir

sind es fürwabr, die beleben und todten und wir sind die Erbenden.

24

Und

wir

fiirwabr kennen die cueb vorangegangen und wir kennen die Naclifolgendcn.

25

Dcin

1 Icr

r abcr, er versa in melt sie; er ist allweise, allwissend.

2(1

Und

wir

fiirwabr sebufen den Mcusclien aus Masse von wolilgcfornitem Tbon,

27

Und

die

Dsebinnen, die sebnfen wir vovber aus Feuerglut,

2.\'i

Und

als

dein lierr zu den Kngeln spraeb: ieb selialle den Menselien aus Masse

von woliigcfonntoin \'1\'lion,

so Sob.ald ich ilm gebildct und ilun eingehauclit nicincn Geist, fallet vor iluu niedcr in Anbetung:

so ])ii beteten an die Engel idle insgesainmt.

.\'tl Nui\' Iblis (Diabolos) nielit, er weigertc sich boizugesollen lt;ien Anbeteuden. •\'12 Spraeb Gott: O Iblis, was ist, dir, dass du dieli nicbt beigesi^llst den AnbetendenV Ev spraeb; Niclit bin ieti willens anzuboten den Menselien, den du gescbail\'en a us JIasse vim wolilgeforintem Tlion.

3! Er spraeb: So geb\' liinaus von bier, denu du bist ein Gesteinigter,

as Und auf dir ruht der Flueli bis zum Tage des Gerielites.

3il Er spraeb: Mein Uerr, so warte inir bis zum Tage der Auferweekuug, 37 Er spraeb: So bist du einer von jenen, welelien gewartet wird 3« ]5is zum Tage einer bestimmten Frist.

so Er spraeb: Dafiir, dass du inieb irregeleitct, will ieb ilmen vorspiegeln auf Erdeu und sic irreleiten insgesammt,

40 Ausgenoinmen nur deine aufriebtigen Diener unter ilmen.

41 Er spraeb: Dies ist der Weg fur inieb, der reelite;

42 Ueber meine Knoebte bast du keino Macht, nur iiber diejeuigcu, die lt;lir folgen vou

den Irrenden.

43 Und die Ilölle fürwabr ist Aufentlialt für sie alle,

44 Sic bat sieben Thore, eineni jedeu Thore ist vou ilmen cine Classe zugctbcilt.

4.r) Siebo, die Gottesfttrclitigen sind in Garten und an Quellen:

4ii ,Tretct ein darin in Frieden vcrtrauensvoU\',

17 Und wir entfernten, was in ibrem Iterzen war von Groll, als Brtlder sitzcui sie auf

Rubebetteu einandcr zugewendet,

is Nicbt beriilirt sic dort Kummcr und nielit werden sic vou dort ausgewicsen,

40 Verkiindc nicincn Dicncrn, dass ieb dcr Vcrzcihcr und Erbanner bin,

riquot; Und dass meine Strafe cinc sebmerzreietie Strafe ist.

ril Und verkiinde ibncu von den Gasten Abrahams,

52 Als sic eintraten bei ilnu und spracben ,Friede\', da sagte er: Wir fiireliten cueb.

53 Sic spracben: Eiirebtc dieb nielit, wir vcrkilnden dir eiuen klugeu Knaben.

5t Er spraeb: Vcrkiiudet ilir es mir, trotzdem mich beriilirt das Alter, und womit ver-kiindet ilir es\'?

45

ocr page 53

Sll rat al-ijlór 15.

55 Sio sprachen: Wir verkiinden dir cs in Wahrheit, sci niclit dor Zweifler cincr. 50 Er sprach: Es zwcifeln nn der Gnade ihres Hcrrn uur die Irrenden.

57 Er spracli: Und was ist euer Auftrag, ihr Boten?

58 Sie sprachen; Wir simt geschiekt worden zu einein freveliiaften Volko, 5» Attsgenommen ist lt;lie Familie Lot\'s, die wir insgesammt retten,

«o Nur sein Weib nicht, über sie beschlossen wir: sie gehort y.u don Zurückbleibenden.

in Nachdem abcr zur Familie Lot\'s gekommen waren die Abgesandten,

02 Sprach er: Ihr seid oin unliebsamor Hcsuch.

os Sic sprachen: lm Gcgentheil, wir kommen zn dir mit dein, woran jene zwcifeln,

04 Und bringen dir die Gewissheit mul wir sind Wahrsprechcnde,

05 So wandcre fort mit deinen Eenten zur Nachtzcit und folge hintcr ihncn her, und

nicht wende sich eiiier von ihnen, und gehet, wohin euch befohlen wird. oo Und wir theiltcn ilnn die besohlossene Saehc mit, dass der letzte von ihnen ver-nichtct sein wird bei Tagesanbruch.

07 Und es kamen die Leute der Stiidt um sich zu unterhalten.

08 Er sprach: Diese sind nieiue Giiste, so schandct mich nicht,

on Und fnrchtet Gott und beschimpfet mich nicht.

7quot; Er sprach: Habcn wir dir nicht verboten die [Bewirthung der] Lente?

71 Er sprach: Hier sind meine Töchter, wenn ihr cs thun müsset.

72 Bei deinem Leben, in ihrein Rauscbe sind sic vcrblcndet.

73 Da erfasste sie der Scbreckensruf beiin Sonnenaufgaiige.

74 Und wir machten ihr Obcres zn llnterem und regneten auf sie gebrannte Steine.

75 Hierin ist fürwahr ein Zeiehen für die Zcichendeuter.

70 Und sic (diese Stadt) liegt ain Wegc (nach Syrien),

77 Hierin ist wahrlich ein Zeichcn für die Glaubigen.1

so Und es straften Lügen die Leute von al-Higr die Gcsandten,

si Uml wir brachten ihnen unsere Zeichcn, sie aber wendeten sich davon ab,

sa Und hauten sich aus den Borgen 1 lUnser in Sicherheit.

s.) Da erfasste sic der Scbreckensruf bei Tagesanbruch,

si So dass ihnen koinen Nutzen gewiihrte, was sie erworben batten.

85 Und wir habcn Himmel und Erde und das, was zwischcn beiden ist, nur nach bc-stimmtem Plan gescbati\'en, uud die Stundc fürwahr trifft ein, so wende dich ab in besonncner Weise.

so Siehe deinen Hcrrn, cr ist der Schopfcr, der Allwisscnde.

«7 Und fürwahr wir brachten die sieben Legenden2 und den gcwaltigcn Koran.

4f)

1

lm Koran stellen hier noch folgendo zwei Vorse, die icli aus Grilnden, welclie weiter linten angeführt werden, ausscheiden zu iniissen glaube:

7s ,Uii(l lt;Iie Leute des Haines (Aika) waren fiirwahr Uebeltliater,

711 Da rachten wir es an ihnen, und beide (Sodom und Aika) liegen au otfener Strasse.\'

2

Das Wort, welches icli ,Legenden\' iibersetze, heisst im Arabisclien malhdm und findet sich nur noch Sure 39, Vers 24. Ueber den Sinn und die Etymologie des Wortes ist viel lierumgerathen worden. Geioeh in seiuein bekaunten Buche ,Was bat Mohammed aus dein .ludentlnime aufge-nommen\'? S. 58, stellt es mit bebr. niiya (nn\':rB) zusammeii und fasst os als oeuTÉpwtji; und Bezeich-

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Hl!HAT AI,-I,ll(\'iii 15.

88 Lass dcinc Augon iiiclit anstarren (las, was wir inanchon vou ilinon znm fïcmiss gc-wiilirtcn, und bctriibc dicli nicht übcr sic, scnkc abcr dcinc Fittigc den Olitubigcn. 811 Und sprich: Sich\' icli bin der offenkundige Warner.

no Wie wir offenbart habcu übcr die Sectircr,

in Wclelie den Koran in Stückc zerlegtcn,

»2 15ci deincm Herru, wir werden sic befragen samint und sonders

mi ITeber das, was sic getban habcn.

1)4 So verkündc often was dir befohlen wird tmd wende dicli ab von den Bcigescllenden.1 95 Wir sind dir Scbutz genug gegcii die Spotter,

no Wclelie ilcin AUdh cinen anderen Gott beigeben. Zulctzt werden sic es crfalircu.

i)7 Und fllrwabr wir wissen es, dass dcinc. Hrust eng wird über das, was sic sprechcn,

»8 So vcrkünde das Lob deincs Ilcrrn und sci von den Anbetendon,

na Und diene deincm Herrn, bis das Gewisse cintrift\'t.

So weit .Sinn und Form niassgobencl sind, glaubc ich, dass die Sure zunilchst in zwei Tiieile zcrlcgt werden muss, die aber dureb eino da/.wisciicii cingeschaltetc Stroplie lose mit einander verblinden worden sind. Der erste Theil rcicht von V. 1—44 und der zweite Theil von 51—!)!», dazwischen liegt die verbindende Strophe (V. 45—50).

Der erste Theil zerfilllt, sinngeiniiss eingetheilt, in drei alierdings nicht glcieh scharf geschicdene Gruppen, von denen jede aus drei Strophen besteht: 1. Grupj)o (5 - ■ 4 6 == 15), 2. Gruppo (li 4 5 ^ 15 ) und 3. Gruppe (5 5 4 = 14), Man sieht, dass dieser Theil der Sure nach einem bcstiimnten klasse gearboitct worde, innerhalb dessen aber verschiedene Coinbinationcn angebraeht worden sind. Ausserdem erseiieinen die einzelnen Strophen einer Gruppe, wie die Gruppen an sieh und untereinander dureb die verschiedenen Kunsttbrnien (Corona, Responsion und Concatenatio) markirt und verbunden, und zwar sind diese Kunsttbrnien geradezu gehiiuft. So verweise ich auf Strophe 2 . (gt; —!)), die dureb eine so-genannte corona als eine Einheit gekennzeichnet wird. Jn dor ersten Zeile wird der Prophet, dom angeblich die ,Ermahnung horuntergesehickt\' worden ist, von den Mekkanern als verrückt bezoielinet, und in der lotzton Zeile sagt Allah: ,Wir haben die Ermahnung horuntergoschiekt\'.

Die dritte Strophe (V. 10- 15) kiuipf\'t daran die Sondung von Gesandten an frühere Soetisn und schliesst: ,Und wonn wir ihnen oin Tiior des llimmols öfFnoton, so wl\'irden sie sagen; Unscre Augon sind trunken.\'

]\\lit einor bei Muhamnied ungewohnten und übcrraschondon Wondung niinmt die erste Zeile der zweiten Gruppo den Gedanken antithetisch wieder auf:

,Uiid wir maehtcn fürwnlir am Ilimmcl Hurgcn und sclmnickten sic aus den Scbaucndcn.\' Ihr braueht also nicht in den llhnmol zu steigen oder ouch die Engel herunter-kommen zu lassen. Wor Augon hat, dor kann es sehon.

nung\' des ganzen Korans. Aber sowohl das (lanehenstehemle ,der g-ewaltige Koran\', sowie der Zusatz ,siobenk speechen dagegen. Ich g\'Ianln\' nicht 1\'ehlzngehen, wonn ich nnter den matham die Strat-1 eg en den verstehe, die in der Thai si eb en an Zahl sind. Vgl. /n 8nre 26, oben Soito 43. Anch in dor Stelle 39, 24: ,Gott hat eine schöno Kimde olVenhart, oin .symmetrischos Hnch, liegenden, von denen die Hant erschanert\' passt dieso Bodeutnng sehr gnt.

1 1). h. die neben Allah andcro Glitter anbotcn.

47

ocr page 55

SuRAT Al.Ij ir.1! 15.

In der zweiten Zeile wircl der Satan eingefülirt, dor audi an der Pforte des Himmels lauschen niëchte, von den Engeln aber vertrieben mul gesteinigt wircl. Er tauebt in anderer Form als Ihlis (Diabolos) in der entsprechcnden Zeile der dritten Gruppe wieder auf.

Die erste Zeile dor dritten Strophe (V. 22) ist durch Responsion mit V. (i nnd 10, ferner V. l(i durch Concatenatio mil V. 21 verblinden. Die Schlusszeile bildet im gewissen Sinne oinc Antithese zur ersten nnd also eine Art corona.

Die Scheidung zwischen der zweitcn nnd dritten Gruppe ist nicht scharf genug. Man kann, wenn es l)esscr gefilllt, von einer Zwiliingsgruppc reden. Auch die Sti\'ophen sind hier nur leise markirt.

In dem zweitcn Tiieil dor Sure nimmt die Groscliichtc von Lot und Sodom don grössten Raum ein, dem sieh in einer Sclilussstrophe das Stuck Uber al - II i^ r, wonacli die Sure benannt ist, gut anschliesst. Die Gedankcnverbindung lilsst sich noch in den Vorsen 73 und 83 erkennen. Dagegen scheint mir der Zusatz Uber Aika (V. 78—70) ein Einschiebsel zu sein, obgleich Vers 71) den Vers 7G nach-zubiiden sucht. Die Stroplicngliederung ergibt nachstchende Reihenfoige; (i -(- 4 C (V. 51—66), 6 5 5 (V. 67—84), wobei der Zweizeilor über Aika als ein nieht hinein passendes Fragment eliminirt werden muss. Der allgemein gehaltene Sehluss l)csteht wieder aus drei Strophen 5 4 6 (V. 85—!ii)).

Die beiden heterogenen Halftcn dieser Sure sind durch eine cingeschobene Strophe von sechs Zeilen verblinden. Durch ihren Anfang ist sic mit dem Sehluss der ersten Iliilftc antithetisch verkettet, der Sehluss (V. 41)—50) icitet zur zweitcn l liilfte, zur Geschichte Sodoms, hinüber; ausserdem filllt die Responsion in die Augen. IJebersichtlich dargestellt sieht der Bau der Sure folgendcrinassen aus:

I. Hiiltte. Gruppe 1: (5 4 6) V. 1 -15 = 15 Gruppe 2: (6 4 5) V. 16—30 = 15 Gruppe 3: (5 5 r 4) V. 31—44 - 14 Verbindungsstrophe V. 45—50 = 6

II. Tliilfto. Gruppe 1: (6 4 6) V. 51—-66 = 16 Gruppe 2: (6 5 5) V. 67—-84 -= 1 6 Gruppe 3: (5 4 6) V. 85—91) = 15

Die 28. Sure.

Die Surat al-Qasas (die Geschichtserzahlung) gehort der letzten Mekkanischen Periode an und onthult eine ziemlich genaue Beschreibung des Lcbcns Closes\' in nahezu prosaischer Rede. Die Reihenfoige der Thatsachen ist dieselbe wie in der ]5iljel (Exodus Cap, 1 ff). Die Sure zorfallt in drei grössere Abschnitte. In dein ersten (V. 1—43) wird, wie schon erwUlmt, das Lcben JMoses\' von seiner Geburt bis zur Gesetzgebung am Jierge Sinai erzahit, wobei ganz besonders die Zeit vor seiner Sendung an Pharao ausführlich geschiklert wird, wogegen die Sendung sellist nnd der Auszug aus Aegypten, die von Muhammed schon wiederholt beschrieben waren, hier summarisch abgethan werden. Dieser Abschnitt zerfilllt, sinngemass abgctliciit, in sechs Absiltze: eine kiirzere Einleitung (fünf Verse) und ftinf Absiltze von 8 7 8 7 8 Zeilen. Da ich weder den Text im arabischen Theil, noch auch

48

ocr page 56

Sur at al-Qasas 28,

cino Uebersctzung gcbo, halte ich cs für ungcmosson, liicr (lurch cino kurzc Sinn-analyse ineinc Eintheilung zu bcgrünclen:

V. 1 — 5: Einleitung. Pharao bescliliesst, die milnnlichen Kinder der Israeliten zu tödten und die weibliehen leben zu lassen (Exod. 1, 8 — 22).

V. 0—13: Moses wird am Ufer des Nils ausgesetzt, von der Gattin Pharao\'s gerettet nnd seiner eigenen Mutter in Pflege übergeben. Er wilehst zu einem krilf-tigen Jünglinge heran (Exod. 2, 1—10).

V. 14—20: Moses erschUlgt einen Aegypter. Die That wird verrathen und er flieht aus Aegypten (Exod. 2, 11 —15).

V. 21—28: Moses kommt nach Midjan, niinmt sieh an der Triinke dor Töchter eines Midianiterhiluptlings an und heiratet cine derselben (Exod. 2, 1(gt; — 22).

V. 29—35: Moses crblickt ein Fcuer an der Seite des Herges (den brennenden Dornbusch) und wird zu Pharao geschickt. Es werden ilnu zur Beglaubigung Zeichen gegeben und Ahron als Heistand zugesellt (Exod. 3, 1—4, 17).

V. 30—43: Moses am Hofe Pharao\'s, Auszug aus Aegypten und die Offen-barung der Gesetze (Exod. 5 ff.).

Der Zweck dieser Sure ist offenbar, die Irliheren, hauptsilcidieh die Sendung Moses\' betreffenden Offcnbannigen zu ergilnzen. Die Quelle derselben ist die biblische Erzablung, die sagenhaft ausgesehmlickt war. Charakteristiseh für die-selbe ist das Vorkommen Ilaman\'s und Karün\'s (Korali); letzterer wird auch von der jüdischen Legende als Kathgeber Pharao\'s bezciehnet.

Der zwoite Absehnitt (V. 44—75) enthalt eine Anrede Allahs an den Ge-sandten Gottes und zerfallt scheinbar in vier Absatze (8 8 ü 7), Jodoeb sind die Einscliiiittc, besonders der drei letzten Strophen nicht scharf genug mar-kirt. Muhammed seheint nicht wenig stol/gt; gewesen zu sein auf die neue Erwei-terung seiner Kenntnisse der biblischcn Geschichtc und suehte diesen ümstand als eine neue Bestiltigung seiner Sendung hinzustellen, indem er sieh im ersten Ab-satz (V. 44—51) von Allah sagen liisst:

,Und niclit warst du an der Wcstseito (des liergos) zngogcn, als wir Moses den Hofelil crtheilten, und nicht gehörtest du zu don Zeugen .... und nicht warst du au dor Seite des Bergcs, als wil\' riefen, sonderu aus Onade (sagen wir dir dies), daiait iln ermaluiest ein Volk, das vor dir keinen Ermahner liatte.\'

Die folgenden 24 Verse lassen sieh, wie schon enviihnt ist, am besten sinngemiiss in drei Absatze von 0 8 7 Zeilen abtheilen, und zwar:

V. 52—58: llinweis auf die Gliinbigkeit des ,Volkos der Schrift\' (dor Israe litcn) im Gogensatze zur Ungliiubigkeit dor Mekkancr.

V. 59—67: Allah, der lierr, leitet die Geschicke der Volker, die Götzen vermogen niehts.

V. 08—75: Alh\'di ist der lierr der Sehöpfung und der Natur.

Nach dieser Einschaltung kehrt der Prophet im dritten Absehnitt znm Leben Moses\' zurück und schildert (V. 70—83?) das Schicksal eines der heftigsten Wider-sacher des israelitischen Gesetzgebers, des lyoral.i, den seines llochinutlies wegen die Erde versehlungen bat. Der Schluss (V. 84—88) enthiilt allgcmeine Wendungen über die Guten und die Posen und den Koran.

Die Thatsache, dass in einer so prosaisehen und niichternen Schilderung (b^s Leben JMoses\' ein ebenmilssiger Pan zu erkennen ist und dasselbe Strophenprincip

1). ii.Müllor. Dio I\'rophoton. \'

49

ocr page 57

SuHAT J. S. 3().

zur Anwcndunfi\' gelangt, welches wir bereits kennen gelernt halien, bcweist, wie sehr dieses I\'rincii) die Form dor koranisclien Offenbarungen beherrsebt iiat.

Die 36. Sure.

Kin Bcispiel von gleicluuilssigom Strophenbau in Verbindung init Responsion bietet die Sure 36 (J. S.), ans dor icb das strophiseb gegliederte Stiick lierans-greife. Die Strophik ist iiier in der Mitte gesichert durcli don gleichen Anfang der drei mittleren Strophen ,Und ein Zeiciion ist ilinon ete\'. Naeli eben unci nnten werden die beiden Strophen dnreli die Verse 28 und 49 abgegrenzt, welche durch den Sebreckensruf correspondiren. Eine eigentliUmliche Concatc-natio verkettet Strophe 3 und 1, indem erstere (V. 40) von der Sj) hilrc (arabisch falak) und letztere (V. 41) von clem Schiffe (arabisch fulk) spricht. Dieses Wort-spiel konnte in der Ucbersetzung nicht wieclergegeben werden, ist aber sicberlich bis zu einem gewissen Grade das Mittel der Idcenverbindung, welches von Sonne und Mond ziun Meere iiinüberleitet.

an Ks war mu\' ein Sclireckensruf, ita siml sic erloschcn.

2!) O Unglüek über die Kncclitc! Nicht koinrut zu ilmcu ciu Gesamttoi\', den sic nicht verlachten.

au Salicn sic deini nicht, wie viol Geschlechtov wir vor ilinen vernichtet liabcn,

31 So dass jeno (Gcscffiehtcr) nicht zu ilmcu zuriickkchrenY

Aber allc in ihrer Gcsamnithcit fürwahr werden uns vorgefiihrt.

;i3 Und ein Zeichon ist ilinen die sterbende Erde, die wir Ijelcbtcu und ans dor wir spi\'OBScn Hessen Ivorn, von dein sic sicli niihrcn,

34 Und ilarauf nmchtcn wir Garten von Palmen und Wcinreben, und iicssen ans ibr Quellcn hcrvorsprudeln,

3:quot;gt; Damit sic von ihren Friichtcn essen und von dein, was ihrc Hand gearbcitet. Sind sic nicht dankbar?

so Gqiriescn sci dcrjenige, der geschail\'en iiat die Arten alle, welche die Erd(! hcrvor-bringt, und sic selbst und das, was sic nicht wissen.

37 Und ein Zeichen ist ilinen die Nacht, der wir das Tageslicht entzichen, und siehe,

sic sind im Finstcrn!

38 Und die Sonne cilt zu ihrer Riistc; dies ist die Bestimmung des Allinacbtigen,

des Allwissenden.

311 Und dem Monde bestinnnten wir Stationen, bis er wird gleich trockcncm Palmenblatte.

■iquot; l^ie Sonne dart\' den Mond nicht einholen, und die Nacht dem Tag nicht voraneilen; ein jeder sebwimmt (bewegt sicli) in seiner 8|ihüre.

ii Und ciu Zeiclien ist es ihnon, dass wir trugen ihren Samcn auf gefiilltem Schiffe,

i- Und ilinen Glciches schufcn, auf dem sic reiten.

-13 Wenn wir wollten, ertranktcn wir sic, und niclit ist ilmcn Hiilfe, und nicht werden sic gerettet

■n Als durch unscre Uarmherzigkeit und GcnussgewUhrung bis zur (bcstiinmtcn) Frist.

■I:\') Und wenn ibnen gesagt wird: Filrchtet was vor euch ist und was hinter euch, vicllcicht findet iiir Erbarmen,

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Sukat ad-Duciian 4 4.

■IR So kommt (lenuocli kcin Zciclieii von don Zoiolicn ilircs Ilerrn, von dein sic sich nicht abwcndoten.

■17 Ilnd wenn iliiion gcsagt wird: Oobct iius was eucli Gott bcscliert, so aiigcn die ITn-glfiubigcn zu dun Gliiubigcn: Sollen wir den eniUhrcn, den AUAli, wenn er wollte, ernilbi\'cn würde; ilir sold nur in oHenbarem Irrtliuin.

•is Und sie sagen: Wiinn trillt (jin diese Verlieissnng, wenn ilir Walirspvecbende seidV

•i!i Sie nehmen nur einen Scbreckensrnf walir, der sie erfasst, wiilirend kic nut cinandcr streiten.

Die 44. Sure.

Den Strophcnban tlicser Sure ,dcr Ranch\', dor sich aus dor sinngomilsscn Glic-derung von selbst orgibt, wird jeder ans dom Texto odor der Ueborsotzung loiclit finden. Sie zerftlllt augenscheinlich in drei grössere Abschnitto von je zwei, bezie-hungsweise drei Strophon. Der ersto Abscimitt (8 7) enthalt die Einleitung, worin Muhammed die Waiirhaftigkeit und den Ernst des Korans betont, und in der zwoiton Strophe die Vorkiindigung des jüngston Tagcs.

Im zweiten Abschnitto wird die Straflegende von Pharao orziihlt, um gloicii-sam zu zoigon, dass lange vor dom jilngsten Tage AllAli die Frevler gowarnt, und, als sie nicht gehorebon wollten, aueh bestraft hat. Die beiden Strophon (.s .s) sind durch eine eigonartige Wendung vorkottot. V. Ü3 hoisst os: ,lJnd vorlass das weito Moer rubig\', und V. 24 gibt dom Worte eine andere Wendung: ^Vio viel verliessen sic von Garten und Quollcn.\' Die Strophe scldiesst mit dor Rcttung der Ismeliton und dem Untcrgange dor Aegypter.

Dor dritte Abscimitt nimmt in drei Absiltzen (10 8 9) die Frago dor Auferstehung, wolclie die Jlokkanor lilugnen, wieder aul\' und versichcrt in dor ersten Strophe, dass der Tag der Entscboidung eintrifft, daim wird in der zwoitcn Strophe die llüllenpein der Frevler nnd in der dritten die Belohnung der Frommon gescbildert. Dor Schluss (V. 51)): ,So warte also, denn auch sic warton!\' grcit\'t aut\'V. !), den eigentlichcn Boginn der Sure (nacb dor Einleitung) zurück und l»iidlt;\'t die Inelusio (•/.uy.Xs;) des ganzen Stückes.

i Hei dem deutlichcn Buche!

Wir sandten es berab in ciner gesegncten Naebt, wir waren (dadui\'cii) Erinaiiner. 8 In ibr (dieser Nacht) werden alle feststehenden Dinge bestimmt.

■i Nach eincm Befchlc von nns; wir waren die Sendendcn rgt; Ans Griiade von deinein Herrn. Er ist der Ilorcr und Wisser,

igt; Ilerr des Himmels und dor Erde und dessen, was zwischen ihnen beiden ist, wenn ihr os wüsstet.

7 Es gibt kcinen Gott ausser ihm, er belebt tind tödtet, ener Ilerr und Herr eurer

Viiter, der frülieren;

s Aber sie, in Zweifel (befangen), treiben Scherz.

li So warte docli einen Tag, an dem der Himmel aufgoht in sichtbarem llauch, iquot; Der umhüllt die Mensehen; dies ist eine peinvollc Strafe:

ii ,0 Ilerr, zieh\' weg von nns die Strafe, wir sind glilubig.\'

ia Wie kommt ihnen die Erinnerung (Keue), war ja zu ihnen gekommen ein lïote sichtbar, 13 Dann wandten sie sich von ihm ah und sprachen: Eiu Angelernter, ein Uesessener.

4*

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SuuAT ad-DiichAn 44.

Wir ziohen ciii wenig dio Strafo weg, ihr kehret daim wieder (zum ünglauben). Am Tage, wo wir den grossen Sturm stürmen, sind wir die Kiiclienden.

Und wir fürwahr prüften vor eucli das (Jesclilcclit Pliarao\'s und es kam zu ilinen ein edler 15otc:

jGoljet mir die Diener Allühs lioraus; ieh bin euch ein zuverlasslger Bote,

Und erliebet eucli niclit gogen Allah, ieli komme zu euch mit dcutlichem Befeld.

Und ieh suche Schutz bei meinom und curem Herrn, dass ihr mich nicht steiniget.

Wenn ihr mir aber nicht glaubet, so haltet euch fern von mir.\'

Darauf rief er zu seinem Ilerrn: Diese da sind ein schuldbeladenes Volk.

,So zieh\' mit meinen Dienern des Nachts fort, ihr werdet verfolgt,

Und verlass\' das weitc Meer ruhig, sie sind ein ortrinkendes Heer.\'

Wie viel verliessen sie von GUrten und Quellen Und Saaten und trefflichem Aufenthalt Und Wohlstand, dessen sie sicdi erfreuten.

So also (geschah es), und wir gaben sie zum Erbe eincm andern Volke,

Aber es wcinteu nicht iiber sie lliminel und Erde, und nicht wnrde ihnen gefristet.

Und wir fürwahr retteten die Söhne Israels von der schiinpflichen Strafe,

ATon Pharao, deun er war der hochmiithigstc unter den Frevlern.

Und wir fürwahr haben euch auserwahlt durch (unser) Wissen aus der Welt.

Und wir brachten ihnen Zeiehen, in denen eine offenkundige Prüfung war.

Diese (die Mekkaner) fürwahr spreehen:

,Es gibt keinen andern, als diesen ersten Tod, und nicht werden wir auferweekt, liringt nns unsere Vorfahren, wenn ihr Wnhrsprcchende seid.\'

Sind sie etwa besser, oder das Volk des Tobba\'

Und die vor ihnen lebtenV Wir haben sie vernichtct, weil sie Schuldige waren. Und nicht schufen wir Iliinmel und Erde und was zwischen ihnen ist zum Scherze. Wir seliufen sie nur nacb bestiimntem Plano, aber die Meisten erkennen es nicht. Der \'J\'ag der Absonderung (Entscheidung) ist die Frist für sie alle.

Tags, au welchem der Verwandte dein Verwandten nicht nützt, und kelner gercttet wird, Ausgenommen der, dessen Allah sich erbarmt. Er ist der Allmüchtige, AUcrbanner.

Sieh\', der Bauin al-Zaqquin

1st die Speise des Schuldbeladenen.

Wie Oelhefe kocht sie im Bauche,

Wie das Kochen von siedendem Wasser:

,Ergreifc.t ihn und zerret ihn in die Mitte dor Ilöllenglut,

Dann schüttet auf sein Ilaupt zur Strafe siedendes Wassei\',

Koste! Du bist ja der Machtige, der hoehgeehrfe.\'

Dies (diese Strafe) ist, woran ihr gezweifelt habt.

Die Gottesfürchtigen aber sind in sieherem Aufenthalt,

In GUrten und an Quellen.

Gekleidet in Seide und lirokat sitzen sie einander gegenüher.

So vermalton wir sie mit schwarz- und grossaugigen Schiincn.

Sie verlangen dort alle Art von Frilehten und fiihlen sich sielier (vor Sehmerz).

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SuKAT A1)1_)AK1 YA\'l\' 51 UNU 8UKAT AL-QaMAR 54.

:)() Sie kosten dort niclit don Tod, mit Ausniilune dos orstcn Sterbens, und er (Ciott)

schützt sic vor llöllenpcin r»7 Durch Giiiido von doincm Horni; dies ist die grosse Glückseligkeit.

.\'■s W Ir liuben ihn (den Koran) dir leielit genuiclit durch deine Spraclic, vielleietit bedenken sie dies.

So warte also, donn aueh sio warten!

Die 51. Sure.

Aus (licser alten, abcr dunkeln Sure greif\'e icli uur eiu sicheres Htiick heraus, welches den Besuch der Eng\'ol bei Abraham scbildort Die 11 Zeilen zerf\'allen in zwei gleielie Stroplien, indem in dor ersten die Geburt Isaks und in der zweiten die Zerstörung Sodonis verkiindet wird.

ül Kam dir die Kunde von den Gasten Abralianis, den hochgeehrtcn y

85 Als sie bei ibm eintraten und spracben: ,Priedc\', da spraeb er ,Friede\', freinde Leute!

aii Da selilicb er zu seiner Familie und bracbte ein l\'ottes Kalb

■J7 Und setzte es ibnen vor. Kr spraeb; Warum esset ibr niebtV

as Und er verbarg vor ibnen die Furebt. Sie abcr spracben: Fürebte dieb niebt, und

verkttndeton ibm einen woisen Sobn.

a:) Da trat beran sein Weib, indein sic scbrie und sicli in das Gesiclit scblug und spraeb:

(leb bin ja) ein altes unfruebtbares Weib.

.10 Sie spracben: Also sagt dein llerr, er ist der Weise, der Wissende.

si Kr spraeb: Und was ist cuer Auftrag, o ibr GcsandtcnV

na Sic spracben: Wir sind gescbickt worden zu cinem scbuldbeladenen Volke,

:!;! Dass wir auf sio nicdersendon Baeksteine aus \'l\'bon,

.\')l Die bezeicbnet sind bei doincm Herrn für die Ucbcrtrotcnden.

3j Da führtcn wir binaus diojenigen, die unter ibnen gliiubig waren,

3« Fanden abcr darin uur Ein llaus von Gottvcrtrauendon.

:n So liossen wir dort zurück ein Zeichen für lt;lio, wclcbe fürebten peinvollc Strafe.

Die 54. Sure.

In einigen gleiclnmlssig gebauten Stropiien werden nacli einer kurzen Imii-leitung die Strafiegenden in folgender Ueilie: Noali, \'Ad, Tlianuul, Lot und Pliarao erzilhlt. Düreli gleielie Anfange und gleielie oder illinliclic Kehrversc sind die ein-zelnen Absütze markirt. Die vier Stroplien beginnen alle: ,Ks liat geleugnet das Volk des Noab\' (bezw. \'Ad ete.) und seliliesst:

,Und filrwabr, wir babcn cucb leiebt gemaebt den Koran. 1st abcr Kiner, der naebdenktV\' Sogar in der vorletzten Strophe, die an die ^Ickkaner gericlitet ist, sueht der Prophet am Anfange und am Endo dureh iihnliehe Wendungen aut\' die l\'rü-heren Stroplien zuriiekzuweisen. So beginnt er; ,Sind eure Longner ete.\' {kuffdf flir kndaha) und seliliesst:

,Und filrwabr, wir babcn verniebtet euro Genossen. 1st abcr Kiner, der naebdenktV\' Nur ein Absatz (V.\'11 und 42) zeigt weder den Anfang, noeh den Refrain der übrigen Stroplien, eorrespondirt abcr dureh das letzte Wort (muktadir) mit

1 Das Ablobnon dor Uastfroundscliaft doutet auf foimlliehe Absiclitou.

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iSuiiAT AL-I.IaqQAU (ii).

Zcile 55. Ich habc dicsc Sure als Bcispicl fur die Responsion abgcdrut\'kt, donn (iin klarcr Stropheubau ist hier nicht nachwcisbar. Möglic^rweiso sind die Ab satz(! uud (gt; nur fragmentarisch Uberliefert.

Die 69. Sure.

Der Stropiienbau dieser Sure ist aus der Gliederung ersichtiicii, die ich der-sclben gegeben. Sie bietet im niittlern StUck cin inerkwürdigcs Beispiel von Responsion. Darin wird der jüngste Tag und in zwei paral leien Strophen das Schicksal der Genossen der Rechten (V. 19—24) und das der Genossen der Linken (V. 25—29) gcschildert. Die Strophen sind aber nicht nur dein Sinne und viclfach dem Wort-laute nach parallel, sondern auch der Keim eines jeden Vei\'scs der einen Strophe eorrespondirt mit dom des cntsprechenden Verses der andern Strophe und ist ent-weder identisch oder moglichst ilhnlich. Wilhrend also in den übrigcu Vorsen dieser Sure und in jcder der beiden Strophen an sich imrcine Reime vorkoinmen, wie waldda, icdki\'a, lodhiya etc., bieten dicsc beiden Strophen in den je cinanderent-sprechendcn Vorsen ganz reine Rcimc. Ich gebe hier die beiden Strophen in Transscription und Ucbersetzung:

a Fa amrna man \'ütiya IciMbahü hiyamhulii fayaktdu hCi umu-kra ü kilubiyah b *Innt zanantu \'anni mulakin h isAhiyah c Fahuc ft \'iiulin radiyah il Fi yannalin \'dliyah o KulOfuha daniyah

t\' Kidu waisrahCi huuian hima \'aslaflum Ji-l-ayydrn al-chdliyah

n\' Wa\'anima man iViya IcilabahCi hisimCdihi fayaktdu ya lailani lam \\\'da kildhiyah

U\' Walam \\idri ma hisAbiyah

lt;■\' Ya laylahA lcanali-l-kadiyah

lt;1\' MA \'ayna \'anni mdliyah

a\' 1 lala ka \'anni sultciniyah.

iü Der, dem gegcl)cii wird sein Hucli in seinc licclitc, dor wird sprochcn: Wdldaii,

lesct mciu Bucli.

au Ich gliiube, duss ieli erlialte mcino Rcclniung,

ai l\'nd so befindot er sieli in cinem bofricdigciiden LelienszustaiKl,

m In einciii liocliragcnden Garten,

Dessen Friielite leieht gepflüekt werden könncn.

-\'1 So esset und trinket, und wold bekomm\'s, für das wus ihr vorgestreckt in dahinge-gangenen Tagon.

aö Der aber, dem gegeben wird sein Jincb in seine Linke, der wird spreeben: lliitte

ieli doch nicht orhalton mciu Bueh,

au Und liiltte leb doch nicht gewusst, wie es lautet iiieinc Rccbiinngi -\'7 O ware er (der Tod) doch das (let/.te) Gericht!

28 Nicht niitzte mir niein Vermogen,

-\'li Entsehwunden ist ineine Al acht.

Man sieht, dass Muhanimed, der meistens unrcine Reime gchraucht, hier mit cincr uuverkcniibaren Absichtlichkeit in den jc cntsprechenden Versen ausgcsucht

54

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SuHAT AL-Q,1YAMA11 TT).

reine Rcimo anwondct, die jedem Diclitcr Ehrc raachcn würden. Dicscr Fall, dcr yo wcit nioino Untcrsucliung rciclit, alloinstchcnd iiu Koran ist,1 bcwcist, wclchc Sorgfalt dcr Prophet auf die scharfo uud sorgfaltigc Ausarbcituug lt;lcr liesponsion vcrwendct hat.

Wilhreud ieh die cigenthiimlich gegliedcrte 78. Sure (an-Naba\'n) uur in der Originaispracho mitthoile, gebe ieh die folgcndeu filnf Sur en aueh in dcr mcistor-haften Uebersctzung Uückhut\'s, wobci nur die strophiseiic Glicdcrung von mir licr-rührt. Meistens stiinmt dcr Weciisol des Keimes init dem Weehscl dcr Strophe.

Die 75. Sure.

I Scliwör\' ieh bcim Tagc zuin Erstandc?

a Bei rloi\' Stille, die bcstolit in Soliaudo?

:i Mcint wold dcr Monscli, wir solen sein Gobciu zu sanimeln inclit im StandeV

I ,Iii doch! zu fügcu seiner Finger l$ande.

5 Doeh geilt der Menseli dahin im Unverstande,

it Fragt, wann der Tag sei zum Erstaude.

7 Wauns vorm Aage flirrt,

8 Uud der Mond wegschwirrt,

\'.i ITnd Sonu\' unci Mond vereinlgt wird;

iquot; Alsdann wird sagen dcr Menseli: Wo ist dcr Zufluehtsort

li Uud es ist kein Port.

1.\' lici deinem Hcrrn ist alsdann der Feste I lort;

13 Und was der Menseli that und was lless, man sagts ilnn dort.

ii Ja sclber ist dcr Menseli sein Zcugc,

irgt; Ob or audi leugne —

ii! Hewcg nieht deine Zunge, (hiss da mit ihr eilest voran!

17 AVir trageu wolilgefasst dir vor den Koran.

is Und wic wir ihn vortragen, folg dem Koran!

I\'J Und die Erkliirung danu vertrauen wir deinem Obr an,

so Ihr aber liebt das Eilendc,

21 Vcrgesst das Ewigbleibende.

22 An jenem Tagc Gesiehtcr sind hellschcinendc,

2:1 Auf ihren Herren sebauende;

21 Gcsichtcr sind an jenem Tagc trauernde,

25 Die denken, üher sic ergeb\' das Schaucrndc.

26 ,)a wenn die Seele kommt zum Sehiunde,

27 Unil man fragt: Wo ist Heilkunde\':\'

28 Uud er nun merkt, es kommt die Stuude,

211 Und Schenkel sich streckt an Schenkel unten;

:i(i Zu deinem Ilerrn ist dann dor schwere (lung gefundou.

:ii Doch glaubt\' cr nieht, noeh that Gebet,

32 Leugnetc nur und hat sich gcdrcht,

1

Vgl. jodoch Kiiro it\'i, V. 0 — 7 und i)—10.

- Im Original hat die ganzo Stropho don gloichen Reim.

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SUUAT AL-QIYAMAU 75 UND SUKAT \'Aisasa 80.

33 Und ging iiiieh Hausc stolz geblülit;

31 Oh wch (Mr, well

35 Dir! wch (lir! well!

3ü Meint (lenn der Menach, dass er f\'rei oline Hiiter gehV

37 War er ein Tröpflein nielit gesüton Siuiiens ch¥

38 Diinu ward er ziihes lilut, bis Gott ilm forint\' und bildetc,

39 Und machte so Geschlecht nnd Eh\'.

■lo Sollt\' er nicht haben Macht, dass Todtes auferstehV

Icli habo \'/ai dicser würtlicliou Wicdergabu der Kückekt\'scIicu Ucbcrsetzung, deren strophischc Einthcilung allein von mir heiTülirt, niclits Iiinzuzufligen. Hier siiul nielit nur die Zeilen gegeben, sondern dureh don Weciisel des Reiincs bis \'/.u oinom gewissen Grade audi die Strophen inarkirt. Die sinngenülsse Gliedenmg der Sure bestiltigt das aus der Form gewonncne Resuitat.

Die 80. Sure.

\' Er ging vcrdriesslich wegen

Des blinden Manns, der ilnn kam ungelegen.

3 VVeisst du, ob er nicht rein en Sinn mag liegen V i üb ihm nicht Mahnung liiltte frommen inögenï

Doch einer von Vermogen,

l! Dein konnnst du gern entgegen,

lt; Und fragst nicht, ob er reincn Sinn mag hogunV s Wer aber zu dir kommt, dem es ist angelegen,

« Und geht auf Gottes Wegen,

10 Gar unbekümmert bist du seinetwegen.

11 Doch einu Mahnung ists fiirwahr I-\' Fiir Joden, der zu mahnen war,

13 Auf Hliittern wunderbar,

li Erhabnen, rein und klar,

iquot;\' Von don Handen einer hohen heiligen Schrei borschaar.

Ui Flueh dom Monschon! Wie ist er undankbar!

n Woraus hat er ilm orschafi\'enV

is Aus einom Tropfen

i\'J lüldet\' er ihn und schut\' ilm,

w Dann filhrt\' er jede Stuf\' ihn,

-i Liess dann ihn sterben und begrub Ihn,

-- Dann, wann er wollte, weckt\' er aus der Gruft ihn;

-3 Doch or thut nie, wozu cr ruft ihn!

-i So sehe doch der Mensch auf seine Nahrung!

25 Wir liosson truufeln Wassertrauf,

20 Und spalteton Erdspalten,

27 Und Hessen wachsen Korn herauf,

2» Und Kleo und Traub\',

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SuRAT \'AÜASA 80 UN1gt; SuRAT AL-INFI\'I\'AU 82.

üo Oliv\' und Palm\',

Uiul öttrton voller Laub,

:ii Und Frueht und Krant,

32 Kuch sclljst und eurcn Tiiiercn zur Bcwalining.

33 Wann aber kommt dor Schlag,

31 Am \'Jquot;ag, wo liioht cin Mann vor soincm lirndor,

35 Seincm Vator und seiner Matter,

3igt; Vor seinem Weib und seincm Sohn,

37 Wcil jcder nun hat fiir sich sellist genug zu thun;

3« Des \'Pages werden Angcsicht\' erstrahlcn,

ai» Mit Litchelu wird sic Freude malen;

■10 Des Tagcs worden Angcsicht\' crfahlen,

11 Erdfarbig sein vor Qualcn;

12 Das sind die Lcugner und die Liistorer allzumal.

Dicso Sure zcrfiilit augenscheinlich in zwei Tlicilo, die mit einandcr durcli-iius nicht zusamraenlulngen. Im ersten Theile macht sich der Prophet selhst Vor-wlirfc darüber, dass er einom armen Mamio, der sicli ihm anzuschlicsscu suclile, nicht woiihvollcnd cntgcgcngckommen war. Dor Strophenbau (4 (5 rgt;) ist klar und deutiich. Im zwcitcn Theile behandelt die Sure in drei Strophcn (8 9 10) die Erschaffung dos Menschcn, seine Nahrung im Dicsscits und die Vergeltung im Jenseits. Wie die beiden disparatcn Theile zu ciner Einheit geworden, woiss icli nicht. Weder Sinn noch Strophik geben einc Lösung dieses Rilthsels. Die woitoren droi kleinen Suren, die gewiss zu den altestcn geboren, mogen t\'iir sich sellist sprechen.

Die 82. Sure.

i Wann die Ilimmel zerkloben sind,

ü Und die Sterne zerstoben sind,

3 Wann die Mecre sind vorschaumt,

t Und die Gritbcr sind gerUumt;

•quot;gt; Wird eine Sccle wissen, was sic hat gethan und was versanmt.

O Menseh, wie bist du deinem Herrn, dein giitigen, entronnen!

7 Jgt;cr dich gebildet und geschlichtet und eingericlitet,

s In welche Form er wollte dich gediehtet.

9 Doch leugnct ihr den Tag, an dein er richtet.

ki Doch über euch sind IItiter bleibende,

11 Hochedlc schreibende,

12 Die wissen, was ihr habt verrichtet und begonnen.

ia Fiirwahr die Frommen sind in Wonnen,

ii Die Sündcr sind in Flammenbronnen,

13 Da brennen sie, wann das Gericht begonnen,

16 Und sind ihm nicht entronnen.

17 Weisst du, wann das Gericht begonncnY

i« Ja, weisst dn, wann das Gericht begonnen\'r1

19 Wann keine Seel\' hilft keiner Seel\' mul Gottes ist die Macht.

hl

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58 SuHAT al-Beled !io und Suuat al-Layl 02.

Die 90. Sure.

1 Soli ich schwörcn boi diescr StadtV

2 (Denn du wohnst in ilicsor Stiult.)

:) Boiin Silcmann mul soinui\' Saat!

i Wir crsclmfun dcu iMcnschen m luirtcr \'

rgt; Moint cr, ilnss Nicmiind (ii!\\viilt uuf ihn lint

ii Er S])riclit: () vieles Gut ich zertrat!

7 Mcint cr, dass Niemand geseh\'n ilin hatY

s Wcr hat ihm die Augen boreitetY \'J Und die Lippen ihm geweitctV io Und auf den Scheidewog ihn geleitetV

n Doeli er erklimmt nicht den hohen Rami.

i-\' Wcisst du, was 1st der hohe KandV

i;t Zu lüsen der Gcfangcnen Band;

M Zu speiscn, wann dcr Hunger im Land,

15 Den Waiscn, dcr dir anverwandt,

in Den Armen, der dir unbekannt,

n Dann ist cr von dencn, die glauben, sich crmahnen zum Erbarmen, zum Bestand,

is Diese sind die Genossen dcr rechten Hand.

io Docli die leugnen an unsere Zcichcn, das sind die («cnosscn der linken Hand;

20 Ueber sic dcr wolbende Brand.

Die 92. Sure.

i Bei der Nacht, wann sic dunkelt!

a Und bcim Tag, wann cr f\'unkelt!

Bei dem, was Er schuf Mann und Weib hicnieden!

■i Ja, eurc Wcgc sind vcrschieden.

:gt; Wcr fromm ist und gibt Spcndc,

« Und glaubt an die Urstandc,

7 Den maclien wir zum Hcil behendc.

8 Wcr gcizt und gchrt ohn\' Ende,

it Und leugnet die Urstandc,

io Den maelicn wir zum iiblen Hcil behende.

u Nichts hilft sciu (iut, wann er zum Abgrund rennte.

is Die Leitung ist fiir unsere Handc,

13 Unser der Anfang und das Ende.

m Teh abcr warn\' eucli vnr dcr Feucrblendc,

15 Darin nur brennt dcr Grundclendc,

io Dcr leugnet und sich wendct\' ab.

17 Was wir dem Frommen wenden ab,

is Dcr von seiner Habc Siihne gab,

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Sruoi\'iiik im Koran.

i!i Und Buclitc kcincn Lolm dafür liicnicdon,

20 Nur duss ilnn soi das Antlitz suiuus holiüii llcrni buschicden;

ai Einst winl er sein zufrieden.

Blieken wir auf den Weg zuriiek, den die Untersuchung des Korans dureh-messen hat, so solicn wir, dass in don vorgefülirten 18 Snren die versciiiedenartig-sten Stropliengebildo, violfaeh inVerbindnng mil Responsion und dureh allerlei andere Kunstfonnen zusannnongehalten, vorkonnnen. Uas llauptkennzeiehon der Strophe bleiht die gedanklicho Einheit, die nattirlieh, da sie relativer Natur ist, stark weehsolt. Die Strophe ist aueh nicht die lotzte und höehsto Einheit. Wie meh-rere Zeilen oder Siltze sich zu einer Strophe vereinigen, so bildet eine An-zahl von Strophen eine Gru[)])c, und eiuige Strophengruppen eine grosse, plan-miissig gebaute Rede. Dieselben (ïesetzcj, welche don Satz und denVers beherr-schen, walton aueh im Strophenbau und in der Gruppenbildung, Parallelismus und Antithese sind die hauptsilehliehsten Forinoleinente des Satzes und Versos; sie sind aueh die Krilfte, welche im Strophenbau und in der Gruppenbildung naeh Aus-druck ringen und zuni Durchbrucho gelangen.

In der Untersuchung bin ich von don grossen Gruppenbildungen ausge-gangen und meistens der Reibonfolge dos Korans nnchgehcnd, zu kleinen Strophon-gebilden gelangt. Der Prophet seheint don entgegengosetzten Weg gemaebt zu habcn; darauf weist die Beschatrenheit dor kleinen Suren bin, welche poëtisch sebwungvoller, origineller und illtor sind, wogegen die spilteren grossen mchr Reflexion und schablonenhafte Formen zeigen. Kür (li(; Untersuchung war aber der eingeschli \'gene Weg deshalb der gangbarste, weil bei grossen Gruppeu loichter die Einhoiten erkannt werden konnten. Ganz besonders waren die historischen Legenden hiefür geeignet, wo der Wechsel in der Logende einen scharfen, nicht zu verken nenden Einselinitt bilden musste. Erst naehdem au diesen historischen Erzilhlungen die Stropbik in ihren inannigfaehsten Arten erkannt und erwiesen worden war, konnte man an die Analyse kleiner Stüeke herantreten, wo der strophische Abschnitt nicht so augenfallig ist.

Die Erkenntniss der Thatsaehen wie. die Ertbrschung derselben wurden dureb den Umstand erschwort, dass die Strophik im Koran in der Hegel koine gleiehmassige, sondern eine steigende und fallende ist. Nur sehr wenige Beispide ganz gleich-milssiger Strophen konnten lu\'s jetzl nachgewiesen werden. Unzweifelhaft ist diese Art pro- und regressiver Strophonbildung dein ganzen Charakter der koranischen Diction sehr angemessen. Sie bewegt sich in scharten Gcgensiltzen und sprung-batten Gedankoniibergangen, uud zwingt die Form sich ihr anzujiassen und anzu-schmiegon. Hiefür eignet sich eine gleichmilssige Strophe, die einen objectiven Erzilhler voraussetzt, nicht. Jeder Wechsel im Gefiilile, jede Steigung und Sen-kung des Affeetes koniint in der Darstellung und in der strophischen Form zum Ausdruck. Die koranisehe Diction ist aber nicht immer der dichterisclicn Phantasie entsprungen, sie ist vielmehr meistentheils ein Erzengniss des berechnenden Ver-standes, und dieser calculirenden ,Dichtunglt; musste aueh eine genau ausgerechnete Strophik entsj)rechen. JFan dart\' sich daher nicht wundern, dass diese künstliche und verwickelte Stropbik nicht erkannt worden ist; sie ist so abwechslungsreich, so verschiedengestaltig, dass man die Gesetzmiissigkeit nicht wahrnehmen konnte.

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GO Djk MUHAMM, UEDERLIErERUNG U. DEK UuSl\'llUNG DEH StrOI\'IUK.

Nur bei cincr ganz besonderon l)isj)ositioii, wic ich sic tlui\'ch die analogcn For-schungen auf clcm Gebiotc dcr Prophctcn mul der Kellinschnften mir orworbcn luittc, konnte diese Krscheinung wahrgcnommen werden. Da war freilich ein ein-ziges blitzartigcs Aufloucliten geinig, um die duukleu Wege dieses Strophon-labyrinthes zu erlicllen.

Welelien Worth die Erkcnmmg der Stroplien fiir das Verstilndniss des Korans und für die Kritik dcsselbcn hat, konnte man aus den iiier gegebencn Proben leicht ersehen. Dieso Punkte iiier weiter auszufiihren ist noch nicht an der Zcit, da ich micli in diescr Arl)cit auf die Erwcisnng dcr Tiiatsaciien bcschriinkcn und die Frage nicht dnrch weitansgreitende kritisciie Untersucliungen und Folgcrungcn vcrwickcltcr gestalten möchte.

Der Umstand, dass die muhanimedanisciie Uebcrliefenmg iibcv cine so mcrk-wlirdige Erscheinung wie es die Koranstropliik ist, schweigt, bleibt nach all dem liochst auffallend und schwer zu crklilren. Kbenso dunkcl ist aber audi derUrsprung der Strophik und Responsion im Koran. Die arabisciieu Dichter der Hcidenzcit batten cine kunstreicho Metrik, die strcnggemessene Verse hcrvorbrachte, aber Strophcngebilde diescr Art, wie ich sie im Koran nacbgcwiescn, sind nns sonst in der arabischen Literatur nicht bckannt. AVober hat ]\\[uhammed diese Dichtungs-art sich angecignctV — Ich kann hierüber zunachst nur cine IIy])otliesc aussprechen, die, wenn sie richtig befundeu werden solitc, nicht nur den Ursprung dcr Strophik aufdecken, sondcrn audi die Thatsache crkliircn wird, warum die Uebcrlicferung von einem Strophenbau im Koran niclits zu erzilhlen weiss.

Wic Muliammcd von verscliiedcncn golehrtcn und wciscn Milnnern die Anre-gung crhalten hat, iibcr religiose Dingo überhaupt naebzudenken, und durch sic mit den Hauptlchrcn des Judentliums und Christenthums bekannt gomaclit worden ist, so muss cr audi von einem dersdben die Form dcr Dichtung traditioncll lihcrnommen liabcn, cincr Dichtung, die nicht wic die beidnische meistentheils dcr Lcbenslust und Lebensfrcudc gcwidnict war, sondcrn der religiösen Meditation und dcr alten frommen Legende. Diese Dichtungsform mag von den alten Wahrsagcrn (ledhin) gellbt und bewahrt worden sein, nachdem sie im Volke durch die noumodische Poesic verdrangt worden war. Von einem solchen Kahin, dor liber das Wesen dcr Religion nachgedacht, hat Muhannncd viclleicht das Gclieimniss diescr Dichtungsform iibcrkommcn. Wic aber dcr Prophet iibcr seine Lehrer und seine Qucllon nur schr kiirglidie Mitthcilungen gemacht hat, so sebwieg er audi iiber die über-kommcne Dichtungsform. Er schcint sogar die Sadie als strenges Gclieimniss gehiitet zu haben, und es mag audi vorgekommcn sein, dass er biswcilen bci regel-milssigem Strophenbau durch IlinzufUgiing oder Wcglassung cincr Zeilc den Sach-vcrhalt zu verhullen suchtc. Dcr ebcnmlissige Ban und dcr Rhythmus mancher Stllcke niusstcn einen mnso grosseren Eindruck machen, als die Mittol, wodurch sic crziclt worden waren, unbekannt blieben — es war musikalischc Klangwirkung hei unsichtbarcm Orchester. Gleicbvid ob diese Hypothese sich bewiihrt odor nicht, die Thatsache, dass im Koran Strophenbau und Responsion vorhanden sind, stebt mir unei\'schiUtcrlich fest.

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III. Stropli on ban uiul Respousion in den Propheten.

Durch Kcilsclirif\'t unci Koran habe ich den Lcsor g-cksitet unci ihm die Art und Wciisc altsemitischer Dichtung gczcigt. Die Amvendung der Strophik unci dor Respousion in den beiden Literaturgebioten wird wold kaum Jemand crnstiich bestreiten. Wir haben bosonders im Koran geselien, wic die Stropbik und die ]tesj)oiision sieh als Wegweiser durch das Labyi\'intli manebcr Suren bewillirt liabcn, wir konnten die Gedanken-Windungcn unci Sprilnge des arabiscben Pro-photon verfolgen und oft dort einen Bauplan entdecken, wo auf den erstcn Bliek nur noben einander geschichtetes Baumatcrial zu liegen schien. Es gilt nun jetzt audi die Werko der jt\'idischon Prophoton daraufhin zu priifen, ob nicht auch bier bestinnnte Kunstgesetzc zu erkennen sincl. Dass ein wundervollcr Rhytlunus in den prophetischen Rcden herrscht, hat man wohl geflihlt, aber die Gesetzo des-selben sind bis jetzt vergeblich gesucht worden. Auch blieb oft der Zusainmen-hang und cler Gedankengang raanelicr prophotischen Stitckc unklar, wcil dor Ban dcrselhen niclit erkannt worden ist. Man hat vielfach versucht, Verse nach eineni bestiminten, fingirtcn Metrum hcrzustellen, aber das fiUirte zu keinem Resultate und konnte zu keinem fiihren, weil in alter Zcit wenigstens gewiss ein freics Metrum, vom Gedankon getragen und uncingcschrilnkt vom Silbenzwang, geherrseht hat.

Dass aber die Propheten bei cler Niedorschrift ihre Reden in Zeilen oder Verse abgetheilt und ferner aus einer Reihe von Zeilen Geclankengruppen oder Strophen gebildct haben, glaube ich fest behaupten und in bestimmten Filllen auch beweiscn zu konnen. Im Koran sind die Zeilen durch den Reiin und die Strophen durch Rcsponsion und Refrain oder durch Weehsel des Reimes gesichert. In den Propheten, wie sic uns vorliegon, feldt das wiclitigste Ililfsmittel, die Ab-thoilung der Zeilen, die in cinzclnen StUcken cler Keilinschriften durch die Ueber-lieferung, im Koran durch Ueberlieferung und lieim gogeben war. Dagegen hat uns der massorotischo Text grössere und kleinere Absiltzo noch vielfach erhalten, die moistens auf alte Ueberlieferung zurlickgehen und uns fiir die Gliederung dor Rcden oft gute Dienste leisten.1 Diese Absiltze fallen grosstentheils mit dem Schlusse cler Strophen zusammcn. Es gilt nun hior die einzolnen Strophen und in cliesen die

1

Ini hobniisclion Textc und in der Uoborsetziinoquot; sind dieso Absiitzo, die soconannten PHuclwt

V ~ 7 O

und Srtfhnot, welclio grössere odor kloinero zusiimmenhiingondo Absclinitte dos Toxtos bozeiclmen, dnri\'li sonkroclito Striclie am Endo dor Zeilen kenntlicb ^einaclit worden.

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fi\'2 Das aitftiietkn hes Phophrtkn Amos,

ursprllngliche Abthcilung der Ztïilcn wieder zu iinden, oder vielmehr zit bcweisen, dass sic nrsjn\'ünglicli abgetheilt waren.

Um diesen Beweis zu erbringen, liabe ich eine Reiho von Texten aus den Propheten ausgewalilt und sie stropliiscli gegliedert. Hier will ieli diese Texte bespreehen und die stropbische Gliederung begrilnden. Es versteiit sieli von selbst, dass oft erst der Sinn erschlossen werden mussto, bevor die Form erkannt worden ist, und unigekebrt war es aucb möglieb dureli die Erkennung der Form, die oft\'en-bar zu Tage lag, den Sinn zu ermitteln und den Gedankengang klarzulegen. Ju den bebrilisclien Texten ist der besseren Uebersielit w(!gen die Reibenfoige des Ivanons nacb der Massora boibebalten worden. Hier bei der Analyse dieser Texte wird sieb die bistorisebe Reibenfoige besser einpfcblen, die ieli allerdings öfters der Eeweisführung zu Liebe durebbreeben inusste.

A tn o s.

Demnach beginne ich die Prüfung der jn-opbetiscben Schriften mit dem Buebe des Propheten Anios, der, abgesehen von dem kleinen Stileke Jesaia, Cap. 15—1(5, der altcste nns erbaltene sebriftstellerndo Prophet ist. Amos weissagte in den Tagen Uzia\'s von Jnda und Jerobeanis n. von Israel, also in der ersten Hillftc des achten Jaiirbunderts v. Chr. Die Zeit Jerobeams n. ist die der boebsten Blütbe des Nordreiehes. Schon unter seinem Vater .loas wurde das Reich Jnda gedenultbigt,\' und nun unternabm es der Sohn, das alte Davidisebe Reich in seiner ganzen Ausdehnung wieder herzustellen: er bezwingt im Norden die Syrer und im Süden die Moabiter, nmsste aber gerade (lurch diese Machtstellung die Eifersnebt des assyrischen Weltreiches erweeken, dem es darum zu thun war, in Syrien die Kieinstaatcn zu erbalten, um sie gegen einander ausspielen und betzen zu können. In Juda war um diese Zeit eiue politische und sociale Depression ein-getretcn, weil es, (lurch die Macht des Nordreiehes gedemiitbigt, eine Zeit lang gewiss als Vasallenstaat Jerobeanis angeseben und behandelt wurde. Daraus erklilrt sicb, dass ein Mann wie Amos, der in Juda seine Ileiniat batte, sieb zuniiehst von aller Politik und aller Oeffentlichkeit zurückzieht und der Schafzucht und Banm-l)flanzung widmet, und erst als er den herannahenden Sturm aus dem Norden wittert, nacb dem Nordreiche zicht, um dort seine propbetische Slimme zu erheben.

Wie in Amos, eincm Ausspruche Coünill\'s gemilss, ,alle Gedanken der schriftstellernden Propheten uns bereits in voller Klarheit und urquellcnder Frische entgegentreten\'. und bei ibm, nacb einer riclitigen Bemerkung Wklliiausens, aucb ,der propbetische Stil schon ganz ausgebildct erscbeint\', so ist aucb in seinen Reden, wie ich gleich vorgreifend hervorheben möcbte, die proplietisebe Kunst-form vollkommen ausgepragt. Alle Arten des Strophenbaues und der Responsion sind in ihnen vorhanden. Diese Tbatsaebo, dass Amos in Bezug auf Gedanken, Styl und Kunstfonn vollendet in die Oeffentiichkcit getreten ist, darf nicht über-sehen werden. Man bezeichnete ilin als einen ,scblichten Landmanu\', indem man sicb auf seine eigenen Worte berietj die er an den Priester Amasia riebtete, als dieser ihn aus dem königlichcn Tempel und dem Reichsheiligtbum in Betel aus-

1 Vgl. II Heg\'. 14, 12—14,

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Amos, Cap. 1—2.

wies: ,Icli bin koiii Prophet unci kein Propliotenjilngcr, sonclern cin Sehafhirt unci Sykonioreujiflunzer.\' Nach seinen Sclirifton zu urtheilen, muss clieser ,selilielite Landniann\' seine Studion auf einer hervorragenclcn Prophetenschule seiner engern Heimat absolvirt, sicli aber dann einer bauerliclien Beschilftigung zugewendet liaben. Erst als er sab, class das Nordreieli Wege einsclilug, welclie zmn Verderbcn des Volkes unci zum Untergangc des Kciches f\'Uhren musstcn, trat er ais Prophet auf. Der Ruf orging an ihn von Zion aus, an clem er mit Leib unci Seele hing, seine Woissagung aber riehtet sieii gegen das Reieh und die Dynastic Samarions, dessen Fall er verkllndet. Dcr Fall des Norclreiches inusste aber das letzte Boll-werk des engern Vaterlandes beseitigen und es zum Spielball der beiden grossen Weltmachte machen. Man begroift die schavf\'e Tonart, wonn man woiss, class neben derLiebc zum Volke aueh der I lass gegen den Rivalen und Unterdriieker .luda\'s sein Herz bewegt, und man wundert sich nieht, dass er niclit so weiche und sanfte Tone wie llosea gefunden hat.

Caput 1—2.

a Und er sprach:

Jaliwcli sclircit von Zion her

Unci suis Jerusalem liisst er seine Stiimne seliailcn Und es traucrn die Triften dor llirten Und es verdorrt dus Haupt des Kannels. j

63

:i Also sprielit Jiilnveh:

Wogen drei Verbrechen Daniaskus\' Und wegen vier nehme icli es niclit zurtick; Weil sie gedroschen mit eisenien Walzon — Das (JHead!

4 Und so sende ich Peuer in Ilazaels I Fans Und es verzelirt die Paliiste Ben-lladads.

rgt; Und ich breclie Daniaskus\' Riegel

Und tilge die Hewolmer ans Hik\'at Awen 1 ITnd den Seepterhalter nns liêt-Kden3 Und wandern wird Aram\'s Volk naeh ivtr, Sprieht Jaliweli. j

i\' Also sprieht Jahweh:

Wegen drei Verbrechen G baza\'s Und wegen vier nehme ich es nicht zuriick; Weil sie weggefilhrt einc. voile Kazia,3 Sic auszuliefern an Edom!

7 Und so sende ich Feuer in Ghnza\'s iMaucrn Und es verzehrt darin die Palitste.

s Und ich tilgc die Ucwolmer aus Aschdód Und deu Seepterhalter :ius Askalón Und wende meine Hand gegen Kkron, Und umkoiunien wird der Rest dcr Pliilister, Sprieht der llerr Jahweh. I


» Also sprieht Jahweh:

Wegen drei Verbrechen Tyrus\'

Und wegen vier nehme ich es nicht zuriick,

Weil sic ausgeliefert einc voile Razia

Und nicht gedacht haben des Hruderbundes.

io Und so sende ich Peuer in Tyrus\' Manern Und es verzehrt darin die Paliiste. |

I N. I. liik\'at Awen — Sdndenthal.

N. 1. Hot-Rden — AVonnehaus.

II 1). h. ,g\'anzo Dörfor\' (Ewahl).

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Amos, Cap. 1—2.

n Also spriclit Jahweh:

Wogen drei Verbreehcn Edom\'s

Und wogen vier nohme ich os nicht zurück,

Weil er verfolgt mit dein Scliwerto seinen liruder und seine Liebe nnterdi\'iiekt. Und sein Zorn immer zerreisst, und seinen Grimm ewig bewnlirt.1

12 Und ieli sendo Fouor nach TêmAn Und es verzehrt die Paliistc Bosra\'s. |

64

is Also spriclit Jahweh:

Wegeu drei Verbrechen der Söhne Anion\'s Und wegen vier nohme ich es nicht zurück; Weil sie aufgeschlitzt die Schwangern (Ji-Um ihr Gobiot zu erweitern! [lead\'s,

n Und ich ziinde Feuer an in Kabbah\'s Mauern Und os verzehrt darin die Paliistc.

Untor Liirm am Tage dor Schlacht, Im Sturme am Tago ties Unwottors. if) Und os wandort ihr Kiinig in Gofangschaft, Er mit seinen Filrsten zusaminen,

Spriclit Jahweh. |

1 Also spriclit Jahweh;

Wegen drei Verbrechen Mofib\'s Und wegen vier nehme ich es nicht zurück; Weil er verbrannt dos Edomitcr Königs Ge-— Zu Kalk! |bcine

2 Und so sonde ich Feuer in Moab Und es verzehrt die Paliistc Kerijót\'s.

Und es stirbt im Getümmel Moab,

Unter Lilrm, unter Posaunenschall.

3 Und ich tilge den lliehtor aus dcinselben Und all seine Fürsten tödto ieh mit ilmi, Sprieht Jahweh, j


4 Also sprieht Jahweh:

Wogen drei Verbrechen Juda\'s

Und wegen vier nehme ieh es nicht zurück;

Weil sic missachtet die Weisiing Jahweh\'s und seinen Satzungcn nicht gehorcht,

Und sie irroführten ihre Lügen(götzen), denen ihre Vitter nachgiiigen.

5 Und so sende ich Feuer in Juda

Und es verzehrt die Palitste Jerusalems. j

Amos prilludirt in diesem Stücke die grosse Strafpredigt, die cr dem Nord-reicho halten will. Der Untergang des Nordreiches wird nieht vereinzelt sein, die kleineren und grosseren Staatswesen Syriens werden vernichtet, ancli Juda von dem zu erwartenden Sehlage betroffen werden. Von Zion geht der Jiuf aus, wo nach dos Judiler\'s Ansehauung der Sitz Jahweh\'s ist. üieser lluf wird aber in weiter Ferne vernommen werden und Widerhall iiuden in allen Landen, in den Triften der Hirten nieht minder, wie auf der llöhe des Karmels. Damit beginnt der Prophet und lilsst seine Verkündigungen folgen.

Uie in eine wiederkehrende Formol gcfassten Verkündigungen zerfallen der Form und dem Inhalte nach in drei Gruppen und eine Sehlussstrophe. Die er.ste Gruppe besteht aus je zwei Strophen von fllnf Zeilen, welche durch eincn Doppel-viü-s als Refrain getrennt worden. Die Zusanimengehörigkeit der beiden Stücke

1

Odor wenn man mit Oi.shaushn quot;ü\' und isw liest: ,Uiicl seinen Zoru bowahrt mul seinen Grinnn naclitriigt ewiglieh.\'

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Amos, (quot;ai». 1—2.

übcr Damaskus mul Gliaza gcht besonders atis einer Vergleiclmng der Je zweiteu Strophe init einauder hervor, wo jeder Zeile der einen Strophe eine mehr oder minder genau entspreehende in der zwei ten naehgowiesen werden kann. Der Refrain ist nahezu identisch, ebonso die drei ersten Zeilen der je ersten Strophe. Der Paral-lelisnms beider Stileke fordert mm .das G i load\' als Zeile anznsetzen, und ieli glaube, dass weder saehliehe noch rliytiimische Griinde dagegen spreehen. l)er Propiiet wollte dies gnnz besonders hervoriieben, wei! Gilead von Alters her als Grenzgebiet zwischen llobrilern und Aramiiern galt.

Die zweite Gruppe betrifft Tyrus und Kdoiu. Das Felilen der je zweiten Strophe ist hier eharakteristiseh, und aueh dem Sinne nach gehüren die beiden Stileke insofern zu einauder, als die Phöuikier, trotz des Bruderbundes, gauze Districte entvolkerten und in die Selaverei den Kdomitern verkauftcn, und diese letzteren ihrerseits das Brudervolk init grimmigem Schwerte verfolgteu. Die Ver-letzuug des Bruderbundes wird in dem einen, der Bruderhass und Zwist in dem zweiten Falie als todwiirdiger Frevel bezeiehnet.

Die dritte Gruppe bezieht sieh auf\' die beiden BriUlervölker \'Aminon und Moab, weleiie dureh Abkunft und historische Entwieklung zu einauder gehören. Aueh hier zeigt die je zweite Strophe gleiehe saehliehe und stylistisehe Wen-dungen, die wieder diese zwei Stileke als in enger Verbindung stehend kenn-zeiehnen. Einige Sclnvierigkeit inaeht nur das Wort ,zu Kalk\', weiehes als beson-dere Zeile figurirt, aber gerade hierin, in diesem Zusatze, lieR\'t die ganz besondere Selulndung und das strafwürdige Verhreehen.

Die Sehlussstrophe des Priiludiums steht vereinsamt da, sie greift aber auf die einleitenden Worte, auf den Ausgangspunkt (Juda und Jerusalem) zurilek.

Duhm und Wblluausex (oder Wklliiaushn und Duum)1 wollen die letzte Strophe über Juda als spilteren Zusatz ansehcn, und Wki.i.iiauskn niöehte sogar V. 9—12 (also die zweite Gruppe) streichen. Ich gestehe, dass mir die Griinde filr die Streiehung nicht auszureichen scheinen. Geben wir dies aber zu, so ge-staltet sieh der Ueberrest (Gruppe i und n) noeh gleicbnülssiger. Man darf daim annehmen, dass der spiltere Interpolator mit Absicht die zweite Gruppe und die Sehluss-Strophe in ebenmilssiger Weise eingefügt liat. Man wilrde freilieh erwai\'lcn, dass der Interpolator die Vorlage genau naehgebildet hiitte, die Weglassung der zweiten Strophe in allen drei Zusiltzen ist wenigstens sehr auffallend.

Aueh der Weehsel in dem Refrain ist zu beachten. In jedem Paare wechselt in der zweiten Zeile der Ausdruck ,deren Paliiste\' mit ,den Palasten N. N.\'s/ Es wiire mm sehr merkwilrdig, dass der Interpolator in der zweiten Gruppe aueh in dieser Beziehung genau nacli dem Originale gearbeitet bat. Dies wilrde mindestens eine tiefe Einsieht in den ganzen Ban des Stückes, ich müchte sagen, die Kr kenntniss des Strophenbaues und der Gliederung voraussetzen. Das Stilck mit seiner kunstvollen stropluschen Gliederung rilhrt also entweder, wie die Tradition überliefert, ganz von Amos her, oder der spiltere Interpolator liat in Erkenntniss des Strophenbaues seine Zusiitze strophiseh angegliedert, was allerdings sehr un wahrseheinlich ist, aber die Thatsaelie einmal zugegeben, nur einen neuen Beweis filr die Riehtigkeit meiner Strophenhypothese bilden müsste.

(15

1

N\'gl. Skizzen mul Vorarheitdn, v, 71. Nolo.

Igt;. 11. Müllor. Dio Proplioton. ö

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Amos, Cap. 7—8.

Audi die Griinde flir die Aussonderung von \'2, 4 (d. h. der Scldussstvophe) Icuchten mir wenig ein. Sie soil in den letzten zwei Zeilen ,allgemeino Phrasen\' enthalton, .lede ,allgemcine Phrase\' ist einmal ein originellcr Ansspruch gewesen und hat einen eonereten Gcdanken zum Ausdrueke gebracht, sonst wiire sie wohl nie ,allgemcin\' geworden, und es komnit nur daranf an y,n constatiren, wer diese Phrase zuerst ausgesprochen. lm Munde Amos\', des orsten Propheten, von dem wir schrift-liche Aufzeiehnungen haben, klingen diese Worte durehaus nicht so allgemcin und veraltet.

Caput 7—8.

Wie in den besprochenen Stllcken (Cap. 1 2) die Abtheilung der Zeilen (lurch die Parallelen meistens gegeben ist und nur in cinzelnen Filllen erschlossen werden musste, so ist dies auch in dom folgenden Stiicke der Fall.

i Also Hess mich schaucn der Ilerr Jahweh:

Und sieh\', er war schaftend Heuschrecken zu Anfimg des Naehwuchses,

Und sieh\', es war Naehwuchs nach der Königsmahd.

a Und als sie fast gur gefressen das Gras des Landcs,

Da spraeh ich; Ilerr Jahweh verzcihe doch!

Wie soil Jakob bestehen, er ist doch gering.

Es rente Jahweh dessen,

Es soil nicht geschehon, spraeh Jahweh. |

■t Also liess inich schaucn der Ilerr Jahweh:

Und sieh\', er war rnfend das Peuer zur Strafe (der Ilerr Jaliweh)

Und es verzehrte die grosse (Wasscr^Tiefe Und frass fast den Grand.16 Da spraeh ich: Ilerr Jahweh lass doch ah!

Wie soli Jacob bestellen, er ist doch gering.

Es rente Jahweh dessen,

Audi dies soil nicht geschehen, spraeh der Ilerr Jahweh.

1 Also liess inich schauen [der Ilerr Jahweh]:

Und sieh\', er war steheud auf eincr Senkbleimauer,2 ein Senkblei in seiner Hand. h Und es spraeh Jahweh zu mir: Was sielist du AmosV Und ich spraeh: ein Senkblei.

Da spraeh der Ilerr: Sieh\' ich lege ein Senkblei an mitten in nieinem Volke Israel, Ich will ihm niclits iiiehr liingehen lassen.

!) Und Isak\'s Höhcn sollen verwüstet und Israel\'s Ueiligthüincr zerstort werden. Und ich erhebe inich gegen das Haus Jerobeam\'s mit dem Schwerte. |

1 Also liess inich schaucn der Ilerr Jahweh:

Und sieh\', [da war] ein Korb rei feu Obstes.

2 Und es spraeh Jahweh zu mir: Was siehst du AmosV Und ich spraeh: Einen Korb reifen Obstes.

3 Da spraeh Jahweh zu mir; Gekoinincn ist die Reife (das Ende) iiber inein Volk Israel,

GG

1

I)om Krfordornisse (his Sinnes gomiiss iiborsetzt.

2

I). h. einer Manor, die uach dem Sonkblei sonkrecht aufgefiihrt wird.

ocr page 74

Amos, Cap, 7—H iind Jeremia, Cap. 1.

Ich will ihm nichts mehr hingobcn lassen.

Uud in Klagelieder vorwanclcln sio dann Tcinjielgesangc, ist Jahwch\'s Sprucli.

Lcichcn in Menge alleiquot; Orten warf man Inn. Stille! j

Die Vision Amos ist nicht anf glciche Stufe zn stellen mit don Visionen Jesaia\'s unci Ezeeliiols, die gloichsam die Borufung nnd das Bcwusstwerdcn der Prophetic in sich schliessen, da dieso Vision keine Bcziehung anf die prophctische Sendung cnthillt, vielmehr cine Rcihc von Strafcn schildert, wclche Uber das Land hcrcingcbrochen warcn odor herein/,nhrcchen drohten. ,l)ie beiden ersten — sagt Wkllhausen richtig — ])Czioheii sicli anf Gefabren, die im Augenblickc der Rede schon vorllbergegangen waren; die beiden let/ten auf die ZukuntV.1 Audi in Bezug auf die Form zeigen die beiden ersten und die beiden letzten nilhere Verwandt-sehaft untcreinandcr. Alle vier Stroplien baben je acht Zeilen, beginnen mit ciner gleichen Wendung; aueh die je zweite Zeile zeigt in allen vieren den gleiehen Ansatz, wcicht aber in beiden Paaren schon ab. In der dritten Zeile trennen sieli die Paare und nur die Zwillingsstrophen bleiben in enger Vcrwandtschaft.2 Wir haben also bier cine ahnliche Erscheinung wie im ersten Capitcl, wo ebenfalls cine Anzahl ahnlich gebildeter Strophcn in kleine Gruppen, paarwsisc geordnet, abge-theilt worden sind.

Dicsc Art, nach cinem bestimmten Sebema zu arbeitcn, war bei den Pro-pheten beliebt. Dor Wecbsel des Bildcs im sclbcn Kahmenwerke übt einen nach-haltigern Eindi-uck, nnd die Wiedcrholung in dcr Form beim wcchselndcn Inbalt befestigt das Geschaute, das nur zu leicht zu verschwindcn droht. Daber werden bei Trilumen gern doppelte Visionen gewiililt, dit; aber in Inbalt und Form cine gewisse Achnliehkeit haben. Man crinnere sicb an IMiarao\'s Traum von den sicbcn ICillicn und sieben Aebren, wie an die iilmlichen Trilume des Mundschenks und Oberbiickcrs. Einc Nachbildnng d(ïs zweiten «Stropbenpaares Amos\' tindet sich bei Jeremia 1, 11—14:

ii Und es ward das Wort Jahweh\'s an inich also;

Was sielist da, Jeremia?

Und ieh sprach: Einen Mandolstab sehc ieh.

iü Und es sprach Jahweh zu mir: du hast wold gesehen;

Denn ieh wacho3 fiber mein Wort, es auszufiihren.

is Und es ward das Wort Jahweh\'s an inich noehmal also:

Was siehst duV

Und ich sprach: Einen siedenden Topf sehe ieh, dessen Vordersoite von Norden her.

14 Und es sprach Jahweh zu inir:

Von Norden her wird sich aiifthun das Unheil über alle Hewohncr des Landes.

Man beachte bier die Kilrzungen in der zweiten nnd vicrten Zeile der zweiten Strophe, die sich leicht aus dcr ersten crganzen lassen.

(37

1

Slcizzen mid Vorarheiten, v, H7.

2

Sehr beachtenswertli ist die liesponsiou in don Zeilen, die schoinbar verschioden sind. Vgl. bosoiulers die 7. und 8. Zeile in dcu /.wei letzten Stroplien. Den verwilsteton nolien Isak\'s, (Uitsprechen die ,iii Klagelieder umgowaiidoltcu Gosiiugo\' und dnr ,Kihebinig mit dem Sehwerte\' dor dritten Strophe, ,die Leicheu in Menge\' iu der viorten.

3

a Uie Worto fiir ,Mandei\' und ,VVaclien\' stammen im Hebrilischen vou derselben Wurzol (skd).

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Amos, Cap. 4.

Caput 4.

Willirend wir in den angefulirten /,\\vci Stiicken Beispiele von g-lcicluniissigen Strophcn kennen g\'elernt liaben, bictet uns das vorlicgende einen absteigenden Strophenbau rait Refrain. Uin dieses zu erzielen, musste nur ein Vers ningestellt werden (V. 0 naeb Vers 10). Die Zalil der Zeilen 5 4 3 2 1 Refrain ist 10. Eingeselilossen ist dieses eigentliiimliche Strophengebilde von y.wei Stropiien von je 8 Zeilen, die zusammen also auch die Zaid 1G ergoben. Der Ran erinnert sehr an das ganz illinliclie Stiiek im Koran (Sure 50, V. 5 7 72).1

i Höi\'ct dieses Wort, ihr Basan-Kühc auf dein licrgc Samaria\'s,

Die; bedrücken die Annon, niedcrstossen die DUrftigcn,

Die spreclien zu iliren Eheherren: Scliaffet lierbei, dnss \\\\ ir üeelien!

a Ks sclnvört Jahweh bei sciiier Heiligkeit:

Sichc, Tage kommen fiber euch.

Da wird mau eueh herausholen an Ilaken and euren Rest an Fiseliangeln.

s Und durch Breschen werdct ihr ausziehen, jede vor sich bin,

Und ihr werdet bingeworfen werden naeli Harmon, ist Jahweb\'s Sprucb.

4 Gebet naeb Bétel und sündigt, naeb Gilgal und siindigt niebr,

Und bringet jeden Morgen eure Opfer, jeden dritten Tag cure Zebnten, •quot;gt; Und bringet Dankopfer von Gesauertem und rufet cure Freigaben hint aus;

Denn so liebt ibr es, Kinder Israels, ist der Sprucb des Ilerrn Jahweh.

Aber aueb ieh gab eueh Ziibnercinbcitquot; iu all euren Stüdten und Brodmangel an all euren Or ten;

ITnd doeb seid ibr niebt zurilckgekebrt zu mir. ist Jahweb\'s Sprueh.

ï Abcr aueb ieb weigerte eueh den liegen drei Monate vor der Krnte,

Und rcgnete auf eino Stadt und auf cine andere regucte ieh niebt,

Kin Aeker ward boregnet, und iler niebt bercgnete verdorrte.

Und es wanderten zwei, drei Stiidte naeb einer Stadt inn Wasser zu trinken und wurden nicht satt;

Und doch seid ibr nicht zu nick ge keb r t zu mir, ist Jahweb\'s Sprueh.

iquot; Ieh sandte gegen eueh die Pest naeb Art der ügyptiscben,

leb ersohlug luit dem Sebwerte cure Jiinglinge bei Krbeutung eurer Rosse,

Und ieb liess aufsteigen den Gestank cures Lagers eueh in die Nase;

Und doch seid ibr nicht zurüekgekohrt zu mir, ist, Jahweb\'s Sprueh.

leb scblug eueh init li rand und Gilbe,

Die Mcnge eurer Giirten und Weinberge und cure Feigcii- und Olivenbiiume frass die lleuscbrccke;

Und doeh seid ibr nicht zurückgekebrt zu mir, ist Jahweb\'s Sprueh.

ii leb habe cueb inngcstilrzt wie der Gottes-IIiiisturz von Sodoin und Gomorrba, und ibr seid wie ein Schcit aus Feuer gerettet;

Und doch seid ihr nicht zurüekgekebrt zu mir, ist Jahweb\'s Sprueh.

\' Vgl. oboii IS. 2H IV.

2 I). li Hunger, well ihr uiclits zu beisson habnn werdet

68

ocr page 76

AMOS, CAI\'. I und 8.

li Dussluilb will ith also dir tliun, Ismul!

Wuil iuli «lies dir tluiii will,

So halte (licli borcit (lüinuiu Gottu entgcgcn, Israeli 1:1 Deun sicir, (Ier da bildet die Horgu imd scliall\'et den Wind,

Und der verkündet dein Mensehen, was er sinnt,

Der verwandelt Morgenröthe in Finsterniss,

Und der cinherschreitet auf den Ilölum der Erdc,

Jahweh, Gott der Ileerseharen, ist sein Name.

Die lotztc Stroplu; mit Ausnalnuc der erstcn Zoilc, bezieliungswciso der drci orsten Zeilen, wird vou Duii.m und Wklliiausen als spilterer /usatz betniehtet. in gleieher Woise werden die illmliehen Stüeko 4, l!} und i), 5—(!, die denseibon Clia-rakter zeigen und von derselben Hand herriiliren mlisson, als Interpolationen ange-sehen, weil sie angeblich den Zusammenbang stüren und Gedanken bringen, die Amos f\'renid sind. Dies ist leielit gesagt, aber seliwer bewiesen. Wenn noch andere Stellen, die iilmlieke Gedanken entliielten, vorkilmen, inïissten sie ja naeb diesem Principe ebenfalls gestrichon werden. Und was S(jllte eincn spiltern Schrit\'tstoller veranlasst baben an unpassenden Stellen diese scbönen Stiicke dein Amos ein/uver-leiben\'i Dass diese Stüeke nicht aus sehr spilter Zeit herriiliren konnen, beweison Jer. 31, 34 und 3i), die offenbar Nachbildungen sind.

Caput 8.

i Höret dies, die ihr selmappet naeh den Uürftigen und zu verniehten (traehtet) die Geringen ini Lande,

5 Spreeliend: VVann ist der Neumond voridjer, dass wir Getreide verkauf\'en, und dei\' Sabbat, dass wir Korn(speieher) aut\'thuu,

Zn verkleinern das Mass und /ai vergrössern den l\'reis und zu talsehen die Wage des Trnges,

« \'/ai kanton die Armen uin Silber und die Dürftigen um ein Paar Sehube. und den

Abfall des Kornes verkaufen wir.

7 Es seliwört Jahweh bei Jakobs Stolz: Nimmer verges»\' ieh all ihr Thun.

■s Soli darob das Land nicht erbeben, und trauern jeder liewohuer darinV

Aufsteigen wird es wie der Nil gauz, und aufgewühlt werden und sinken wie der Strem Aegyptens.

Und es wird geschehen an jenem Tage, ist der Sprueh des Herrn Jahweh\'s, Da lasse ieh die Sonne untergehen am Mittag und verlinstere die Knie am hell-liehten Tage,

ni Und ieh wandle eure Feste in Trailer und all eure (iesange in Klagelieder,

lTnd ieh bringe auf alle Iliiften Trauergewand und aut\' jedes llaupt eine Glat/.e, Und ieh maehe es wie die Trailer um den cinzigen Sohn, und sein Ende wie einen bitteren Tag.

ii Siehe, es kohimen Tage, ist der Sprueh des Herrn Jahweh, da senile ieh Hunger ins Land,

Nieht Hunger naeh Hroil uud nieht Durst naeh Wasser, sondern zu boren die AVorte Jahweh\'s,

ia Und sic werden schweifen von Meer zu Moer und von Norden naeh Osteu,

Herumstreifon werden sie, das Wort Jahweh\'s zu suehen, und werden es nicht linden.

(j!)

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Amos, Cap. 8 und 3.

13 An jcnum Tage wci\'duu verschmachteii die schönoii Jungfriiuen und die Jihiglinge vor Durst,

ii Die da scliwörcn bei dor Schuld Samaria\'s mid spvechen; ,15oiiii Leben deines Gottes Dan, und beini Leben (deines Gottes), am Wege nach Berscba\',

Und sie werden fallen und nielit inehr aufstehen.

Dieses StUck zerfilllt nach dor inassorctischen Uebcrlicferung in clrei Absiltze, die ich sinngemilss und fast immer in Ueboroinstimmung mit den Accenten in Zeilen abgothoilt habe. Das Ergebniss waren drei Strophen 7 5 1, oin Stropiien-bau, wie cr aus dem Koran hinreiciicnd bekannt ist.

Die Responsion zwischen der ersten und drittcn Strophe, Z. 1 und 2, fiillt in die Augen. Als Strafe daflir, dass die Keieben nach den Dïirftigcn sclinappcn und die Armen im Lande unterdrückcn, sendet Gott den Hunger in\'s Land. In der zweiten Zeile der ersten Strophe kunnen die Kornwueberer das Voiiibcrgeben der Feiortage und des Sabbats nicht raehr erwarten, urn Gctreide zu ver-kaufen und die Kornspeicber zu offnen. Die Tage, die von uralter Zeit her dazu bestimmt waren, dass man an ibnen das Gotteswort verkunde und bore,1 werden weggesehnt, um sich ganz dem unsaubcrn Geschaft zu widinen. Damit corrcspondirt; Und senden werde ich Hunger ins Land, nicht Hunger nach 15rod, noch Durst nach Wasser, sondern zu bören die Worte Jahweh\'s.

Wkllhausen streicht in der ersten Strophe verschiedone Verse (4, (gt;, 7) und in der driften die ersten vier, die er fur iuterpolirt hiilt. Die Bcweise f\'tir diese Annahmo sind nicht ausreicbend. Amos kann so gut wic irgend ein Spilterer das Bild vom Steigen und Fallen des Nils gcbraucht baben, wenn der Vergleich audi etwas hinkt. Wenn abcr Welliiausbn es fi\'ir unmöglich erklilrt, dass Amos aus dem tigurlicben Durst (V. ll) in den eigentlichen (V. 13) fiillt und deshalb die ersten vier Verse aussondert, so Ubersicht cr dabei, dass so wic Amos von dem wirk-licben Hunger (V. !quot;)) zum tigürlicben (V. 11) übergegangen ist, cr ebenso bier den umgekebrten ^\\\'\'eg eingcschlagcn baben kann.

Caput 3.

) IIöret dieses Wort, welches gesprochen hat Jahweh wider euch, Kinder Israels!

Wider das ganze Geseldeeht, das ich aus Acgypten heraufgefiihrt habe, also;

a Nur euch kenne icli unter alien (jeschlechtern der la\'dc.

Daruin ahnde ich an euch all eure Silnden.

a Gebcn wold zwei zusainmen, ohne cs vcrabredet zu habenV ■i Brüllt der Löwe im Wald, und holt keine lieutcV

Erhcbt der Leu seine Stimme in seiner Ilölilc, ohne dass er erhascht hatV

■i Fiillt ein Vogel in die Schlinge auf dein Boden, wenn keine Falle da istV Erhebt sich die Schlinge von der Erde, ohne dass sie gel\'angen hatV Wird in die Posaune gestossen in der Stadt, und das Volk ersehrickt nichtV Oder geschieht Unheil in der Stadt, und Jahweh luitte es nicht geiibt?

7 Denn nicht thut der Hcrr Jahweh irgend etwas.

70

1

Vgl. 2 Kön. 4, 23: ,Warum willst du liouto zu ilim (zum Projiiiotuu Elisa) ^olioii, os ist ja houto weder Noumond noch Sabbat\', und Josaia 1, 13.

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Amos, Cai1. 3 und !).

Es siii demi, (lass ui\' offcnbart dun Rathscliliiss suinuii Kiicchtuu, ilcn Projjlietuii. s Dor Löwü bi\'iillt, wcr fürchtet sicli nielitV

Jgt;ci\' lion- Jiiliwoh apriclit, wer sollto nicht prophezuicnV

li Vcrkümlet1 den PalUstcn in Aschdód mid dun Paliistun im Lando Aegyptun und sagut: Versaminult euch ümn Hurgc Samaria\'s und suliut grosse Verwirrung in seiner Mittu und Untordriickung im Innorn,

1» Niclit wissen siu Ruelites nu thnn, ist Jahweh\'s Spruch, sie, die luiufen Gewaltthat

und liaub in ihren Palasten.

u Darum sjiriulit also dor Herr Jiibwoti:

Peiude rings im Lande, sic reisson nicdur duiuu Maclit, pliindern deine Paliiste. la Also spriclit Jabwuli;

Wiu os rottot dor llirt aus dos Löwen Kaclion zwei Untorsclionkel und oinon Ohrzipfol, So werden gcrottcit werden die Kinder Israels, die sitzon in Samaria an dor Eeke dos Bottes und zu Damaskus (an dor Eeke) dos Lagers.2]

Das vorgcfülirtc Stuck niöchtc icii in Hczug auf die Siclicrhcit dor Glicdorung nicht auf gleiehc Stufe stellen wic die bislier angefUlirten. Es soil nur cin Vorsuch sein, der nicht ohne liedenken ist. Was mieh 1)ei der Eintheilung der Strophen geloitet hat, ist zunileiist das gleiehe Anf\'angswort (V. 1, 9 und 13), ferner der ,hrilllendc Lowe\' in der crsten und zweiten Strophe und der Löwenraehen in der dritten Strophe (jedesmal in der vorletzten Zeile). Kin derartiges Leitmotiv deutet immer auf bestimmte Absicht und 8trophenbau. Man dart\' dagegen nicht cinwendcn, dass die Kragen von V. 3 bis V. ü zusainnicngehöron. Nacli inoiner Auffassung scliliesst die erste Strophe mit ciner 1 iauptt\'rag\'c, deren Beantwortung die zweito entliillt, und /-war in der Art, ilass die Autwort nicht gloieh erfoigt, sondern durch cine Ueilic gleicher Kragen eingelcitet wird. Strophe 3 cnthiilt den Inlialt der angekiindigten Weissagung in drei kleinen Absiltzcn, die zusammeu wieder eine Einheit bilden.

Caput 9.

i Ich sah den Merrn stehend auf dom Altaro,

Und er spracli: Soiling\' den Knauf, dnss die Sehwcllen beben,

Und scblago sio alio auf\'s llaupt, und den Rest wordo ich mit dom Schworte tödton; Nicht wird oinor cntfliohen und nicht oinor als Flilchtling sich rotten.

a Wonn sie in die Hollo einbroehon, von dort wird sic moinc Hand holen.

Und wonn sie in den Hiininol stcigen, von dort lass ich sio horuntorkoinmon. 3 Und wonn sio sich auf dem Gipfol des Kannels verborgen, dort suche ich sic auf und hole sio.

Und wonn sic sich vor mcinon Augon auf dem Grund dos Mocros verstccken, befchle ich dort dor Sehhmgo sie zu beissen.

I Und wonn sic in die Gofangschaft wandern vor ihren Peindon, befchle ich dort dein Schworte, dass es sio tödto,

Und riehtcn will ich ineine Augon wider sio zum liöson und nicht zmn Gutcn.

5 Und dor Herr Jahweh dor Heerscharen,

Dor da boriilirt die Erde, dass sio zorlliusst, und all ihrc Bewohner trauern,

71

1

VViirtlich; ,Lasset hüron\'.

2

D. h. dlo Kninkon und Sieclion.

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Amos, Cap. i). Amos und Jjssaia.

Und sio sicli liubt ganz wie der Nil und sinkt wic dor Strom Aegyptens,

u Dcr im llimmol baut seine Soller and seine Gewölbe iiuf Erden griindet,

Der da ruft den Gewiissern des Meeres und sie ausgiesst auf die Pliielie der Knie, Jahweh ist sein Name. |

7 Seid ihr nieht wie die Kuschiteu mir, Kinder Israels? ist Jahwoh\'s Sprueh.

Unbe icli nieht Israel aus Aegypten herausgefiihrt

Und die Philister aus Kaphtor (Kretn) und die Aramiter aus KirY

8 Sieh\', die Augen des Herrn Jahweh sind (geriehtet) auf dieses siindige Reich. Und vertilgen werd\' ieh es von der OberHilche des Krdbodens,

Nur werde icli der Vertilgung nielit anlieimgcben das Iliuis Jakob, ist Jahweh\'s Sprueh;

!gt; Denn sieh\', ieli befehle und schiittle unter allen Vólkern das Hans Israel, Wie gcschUttelt wird (Getreide) im Siebe, und kein Korn fallt zur Krde.

iquot; Dureh das Schwert werden sterben alle Sünder meines Volkcss,

Die sagen: Nicht tritt heran und nicht geht los gegen mis das l!öse (Ungliick).

11 An jenoin Tage werde ich aufrichtcn die verfallene llütte Davids,

Und ich werde schliessen ihre liisse und ihren Verfall herstellen,

Und werde sie wieder aufbauen wie in den Tagen der Vorzeit.

12 D.unit sie in licsitz nehinen den Kest von Kdom

Und alle Völker, denen inein Name verkündet worden war.

[Dies istj dor Sprueh Jahweh\'s, der es vollführt. !

i.\'i Siehquot;, Tage kommen, ist Jahweh\'s Spruch,

Und es reiht Ptliiger sieh an Schnitter und Kelterer an Siieinann,

Und cs triefen die lierge von Most, und alle liiigcl zcrfliessen.

li Dn fiihre ich heim die Gefangschaft meines Volkcs Israel,

ITnd sie banen wieder verwüstete Stiidte und wohnen darin,

Und sie pflanzen Weingitrten und trinken den Wein davon,

Und sie legen Garten an und essen die Früchte davon.

15 Und ich pllanze sic wieder in ihren liodcn,

Und nicht melir sollen sie ausgerissen werden aus ihrein Boden, dun ich ihnen gegeben. Spricht Jahweh dein Gott.

lu Ainos hiibcn wir die verscliicdencn Arten der Stropliik und der Kosponsiou kennen gelernt, die prophctisciicn Gedanken sind bereits juisgebiidet, der 8tyl voilkoninien ausgepriigt, und es driingt sieh von selbst die Frage aut\': Wie ist naeii dieser vollkoninienen scliriftstellerischen Ausbildung noch ein Fortseliritt oder eine Kiitwicklung inöglich — und doeli eröffnet Amos die lieiho der scliriftstcliernden Proplieten. Eine genane Prüt\'ung seiner Heden und eine Vergieiehnng derselben ins-bcsonderc mil denen seines grossen Naeiit\'olgers, Jesaia, zeigt die Milngcl seiner dieli terisclien und proplietischen Seliiipfungen. In 13c/,ug aut\'Beherrseliung dcr Spraelie und dcr Form stcht er ganz aut\' dcr ITolie seiner Auf\'gabe: dcr inncre Zusainnien-iiang iu grossen Reden aber ist niciir dureli Nebcncinanderstclliing angedeutct, ais dureh bestimrate Bindeglieder zuin Ausdruck gcbraelit. Sein Denk- und Spraeh-instrunient f\'ungirt vortrefflich f\'iir kurze Distanzen und für wenig eomplicirte Denk veriialtnissc. Wenn es aber gilt weit auszugreifen und grosse rhetoriselic Gebilde zu schaffen, erlahmt die Kraft.

Der Zusammenhang einzelncr Thcile ciner grosseren Rede ist bei Anios ein nielu\' ilusscrliehcr. Dcr Gedankc sclnniegt sieh an die Form, ilndcrt sich nur

72

ocr page 80

A.MOS UNI) JESAIA.

loicht unci suclit mit geringcm iSi)i\'jicli- mul Formeniiuitcrial sein Auslang\'en zu liaben. Es siiul Wandclbiklcr einaiulor zum Vcnvechscln alinlich mul doch vcr-scliicdcn, nach cinom bostinuutcn Typus g\'carboitot, abcr loicht individualisirt. Dcm Godankongelialtc mul dein Inlialt entsprieht aucli die Kunstfonn (Caj). i n und vui). In anderen Fallen ist der liefrain das lïindeiiiittel der ganzen .Strophongriippen, die aber durcii Cadenz variirt mul belebt werden. Die Einralimung zu Anfang und zu Ende ist oben nur ein Ralnneu und liiingt mit dein Mittelstilck nicht organisch zusammen (Cap. iv). Oder ein Leitmotiv durehzieht die llede (der Lei we), die nach der Mitte zu wiiehst und gegen das Ende liin abnimmt (Cap. ui). Es herrseht bei Amos ini Strophonbau durchwegs der lJaralle]isnius, die Antithese ist ihm nahezu f\'reind, und wo sie auf\'tritt (Cap, vui? -1 und 13), ist sie gesucht und weit hergeholt, weil nicht aus dein sprudeinden Geistesqnell entsprungen.

Ini nennten (Japitel, in der wundervollen Schlussvision, die so gewaltig in der ersten Htrophe anfilngt, siiul die Uebergilnge, welche den Gedankenfortschritt markiren sollen, kaum erkennbar. Die zweite .Strophe ist mit der ersten nur durch ein schwaches Hand verblinden. Der lierr, der die Menschen in der lliille und im Himmel, aut\' dem Gipfel des Karmels und dom Doden des Meeres heimsucht u. s. w. — der vermag es aueh, deun er ist es, der die Erde berührt und sic bobt, der seine Söller im Himmel bant etc.

Die dritte Strophe, welche mit der ersten in den letzten zwei Zeilen cor-respondirt,1 greift aut\'die erste zuriiek und mildert die grause Vision odcr schriinkt sic vielmehr nuf die Sünder des Volkes eiu, die das irerannahcn des IJnhcils nicht glauhen wollen, llieran sehliesst sicli in Strophe *1 die Wiederherstelhmg des Davidischen Keiehes. Die kleine Strophe bildet cincn Annex zu Strophe 2 (Gott und König!) und die Schlussstrophc ist das Facit des (ianzen: Fehte Ueligiositilt und gesimde staatliclie Verhiiltnissc bringen Frieden und Wohlstand. Die An-knïipt\'ung durch die Weudung ,An jenom Tage\' (ix, II) und ,Sieh\' Tage kommen\' (ix, 13) crinnern an die iilinlichen Uehergiingc vin, und I 1.

Aut\' Amos, der die Reilie der scliriftstellernden l\'rophetcn in so gowaltiger W\'eisc eröfl\'net, fblgt ein grosserer und gcwaltigerer — ,1esa ia.

J e s a i a.

Kurz nach dem iViii\'trcten Amos\' im Nordreiche, nur ctwa drei Decennien spilter, erhob in Juda der grosse .lesaia seine l\'ropheteiistimme. In den wenigen Decennien hat sieh die politisehe Lage Syrieus grilndlich geiindert. Nach dcm Tode Jerobeains u. wurde das Land von assyrischen Eint\'iillen lu\'iingesuclit und im Innern von Aut\'riihren und Usurpationcn aufgewühit und zerrissen. Durch den rapideu Vcrf\'all des Nordrciches gelangte Juda wieder zu Macht, aber mit dicser haben aueh der gesteigerte Luxus und die Sittenverderbniss ihren Weg nach Ju-diia gcfunden. Es ist bcgreiflich, dass die ueueu Vcrhiiltnisse aueh eineu neuen Manu hervorbrachten, cincn jMaun, der nicht wie Amos in der Zurückgezogenheit gelebt als Schafhirt und SykomorenpHanzer, sondern der mitten in der grossen Ge-

1

,Töiltüii durch das Schwort\' in dor jc vorletztou und ,liüsos\' in der je letzten Zeile.

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.) ICSAIAS 111-IDKN IINI) Sl\'YI,

sellschiift stand unci deren Gebrechen von Orund aus kannte. Jcsaia\'s Besehroibung dos Luxus und der Modeartikel der Daracn zcigt sclion den erfahrenen Weltmann. Audi weiss er trotz seiner drohenden und Unlieil verkiindenden Spraelie mit den Grossen des Reiehes umzugehen und den riclitigen Ton zu treffen. Er wettert gegen die allgemeine Vcrderbtheit, vermeidet aber in der Regel persönliehe und dynastische Angriffe. Im Gegentheil, je triiber es iin Norden wird und je dro-bender die Get\'alir aucb das lleieh Juda umscliwebt, desto glanzvoller und herr-licher ersciioint ilnn die Zukunft dor Davidischen Dynastie und ilirer Resident. IMit seiner gewaltigen Phantasie ist er der Schopfer dor Zukunftsideale des jtldisclien Volkes geworden — der messianisehen Zeit. Er unterseiiied sieli also von Amos nielit nur clureb seine sociale Stellung und liohere dieliterisebe Regabung, sondern auch dadureb, dass willirend jener zur Zeit politiselier Erniodrigung des engern Vaterlandes mit einem (Jefiilile der Erbitterung im Herzen naeh dem Norden zog und dort in unerbittlieber Weise den Untergang von Reicli und Dynastie verki\'m-dete, dieser mit glübender Vaterlandsliebe im Herzen im eigenen Heimatsland straft und drobt, aber immer wieder besilnftigt und tröstet.

Aucb die Spraelie bat bei ilnn eine eigontbündicbe Elastieitilt und Scbwungkraft gewonnen. Wie sein Bliek weit in die Zukunft reicht, wie er durcli seine pbantasie-reicben Zukunftsbilder eine goldene Zeit liervorzaubert, so ist aucb der Spraeh-ausdruek bei ilnn belebt von der Kraft des Gedankens und der Phantasie. Seine Siitze fügen sicb aneinander niclit wie Quader an Quader, sondern wie organiselie Gebilde, die dureb den Haucb seines Geistes belebt werden. Seine reiche Ein-bildungskraft und übersti\'öinende Gedankenflille ringen naeh neuen Ausdrücken und neuen Verbindungsmitteln, sie bringen ein neues Element in die Rhe-torik — die Antitbese. Nielit dieGleicliartigkeit aliein verbindet fernliegende Dingo und Gedanken, sondern aucb die Gcgensiltzlielikeit. Der Gedankenreflex durclizuekt blitzartig die Reden Jesaia\'s und verleibt ilinen den eigenthümliclien Reiz der streng logisehen Entwieklung und der überrasebenden Nouheit, der seharfen Gliederung und der unerwartcten Abwecbslung. Dieser Reflex reiclit wie ein elektrischer Funke auf die weitesten Entfernungen und vereinigt die verscliiedenartigsten Bestandtbeiie zu einem organischen Ganzen. Der forinale Ausdruck der engen Gedanken-verbindung dureb parallele oder antitbetisebe Redcwendungen in der Stropbik ist die Concatenatio.

Neben der Responsion bat also Jesaia die Concatenatio als Kunstform angewendet. Die Responsion ist der Ausdruck der parallelen gedanklieben Cor-respondenz zweier Stropben, die freilicb bei Jesaia cbensowobl die gleiebartige als aucb die antitlietiscbe ( Jedankcnverbindung bezeiebnet, wogegen die Concatenatio den Uebergang von einer Gedankenspbilre in die andere markirt.

Die Verbindungsjumkte und Linien in der Rede Jesaia\'s kommen dureb Re sponsion und Verkettung zum siebtbaren Ausdruck und lassen uns die kübncn und edlen Formen erkennen, in denen sieli sein Denken und Dichten bewegt. Er sebafft aber nielit nur sorgfilltig gemessene und sehön gegliederte Kunstgebilde, sondern versuebt aucb dieselben arebitcetoniscb mit einander zu einem Kunstbau zu vereinigen und die ]\\[ittel dieser arehiteetoniscben Verbindung sind wieder Responsion und Concatenatio. Mit anderen Worten: Jesaia bat das System der zweieolumnigen Rede eingefübrt.

74

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Jusaia, Cap. I

Ich will (liosc Bchauptung (lurch cin BeispicJ demonstrircn und setzc das crstc Capitol dos Jesaia liicrhcr.

ü llörct ilir Hiininel, und horcli\' uuf, Erdo; dunn Juliweli redet:

Solmc Iniljii icli gi\'ossgczogcn uml omporgebracht, ubcr sio sind mir untreu worden. :) Es kennt dor Sticr seinun Bositzor und dor Esol diu Krippc seines Ilerrn,

Israel kennt\'s nielit, mein Volk sielit\'s nielit ein.

I Wohe! siindigo Nation, scliuldbelastetes Volk,

]?rut von Ucbcltliiitcrn, vordorbte Söiine!

Verlassen baben sie Jaiiweb, versebnuibt den Heiligen Israels, sind zurilckgewiulien.

5 Worauf sollt ibr nocb geseldagen werden, wenn ihr Abfall (zu iiben) fort.fabretV

Das ganze Haupt ist krank, das ganzc Herz siecli.

« Von dor Fusssobie bis zuin Kopfe ist nicbts beil —

Wunde, Beulo und triseber Strcicb,

Niebt ausgedriickt sind sic, niebt verblinden, nicht orweieht niit Oel.

ï Euer Land ist wilste, euro Stiidte feuerverbrannt,1 Ener Boden — vor euren Augen verzebren ibn Frenule Und eine Wüstenci ist\'.s wie ein Uinsturz von Erenulen.2 s Und flbrig goblieben ist die Toehter Zions, wie cine lliitte im Weinberge,

Wie eine Naebthiittc im Melonenfelde, wie eine belagerte Stadt.

\'j lliitte nicht Jahweh der Heerscharen uns eincn kleinen Eest gelassen.

Wie Sodom wilren wir, Goniorrha glichen wir!

1» Höret das Wort Jahweh\'s, Pürstcn von Sodoin,

Horchet anf die Weisung unscrcs Gottcs, Volk von Goniorrha.

it Wozu niir die Menge eurer Sehlachtopfer, spricht Jahweh,

Satt bin ieh der Ganzopfer von Widdorn und des Fettes der Mastkalber,

Und das Blut von Stieren, Lammern und Moeken begehr\' ieh nicht.

ia Wenn ihr koinmt vor mir zu erscheinen —

Wer verlangt dies von eiich, zu zertreten meinen VorhofV

is Fabret nicht fort darvibringen liignerische Gaben,

Uauchcrwerk ist cin Griiuel inir,

Neumoud, Sabbat, Fcstvorsainnilung — ieb vertrnge nicht Frevel und Fest.

m Eure Neuinoiide und Peste basset ineinc Sccle,

Sic sind mir zur Last, ich bin inüde sie zu tragen.

iiquot;gt; Und wenn ihr ausbrcitot cure lliinde, verhülle ich iiieine Augen vor cuch,

Aueh wenn ibr viel bctct, hor\' ich nicht.

Ki Eure lliinde sind voll Blut: Waschct each! Kcinigct cuch!

Schaffet (^ucr böses Tliun mir aus den Augen!

n Höret auf zu frcvcln: lernet Gutes thun,

Fraget nach liecht, stcuert dein Untcrdrückcr,

Schaffet Rceht dcrWnisc, nobinct cuch an der Klagen der Witwe!

\' I lobrilisch: narap (V. 7) und paras (V. 15).

2 Andere; ,Wio der Umsturz vou Sodoin.\' Vgl. Amos 4, 11.

7b

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JiosAiA, Cap. I

is Wohlau denn uml liissut tins rechtun, sprieht Juhweh:

Wenu euro Siindcu (roth) wiu Scluirlucli sind, sollen sic (wuiss) wie ischncL\' werden?

Woini sic roth simt wie Kiinnesin, sollen sie woiss wie Wolle werden?

i\'J Wenn ihr willig seid nnd höret, sollt ihr dus I5este des Lundes essen.

20 Wenn ihr aber euch weigert nnd widerspenstig seid, sollt ihr das Sehwert kosten;

Denn der Mund Jahweh\'s hat es gesprochen.

21 Wie ist zur Huhlerin geworden die trcue Stadt!

(Kinst) voll des Kechtes, die Statte der Gereehtigkeit, jetzt (hegt sie nur) Mörder. aa Dein Silber ist zn Sehlaeken geworden, dein \'l\'rank niit Wasser get\'alseht. 2.\') Deinc Vorgesetzten sind widersetzlieh nnd Diebesgesellen,

Sie Alle lichen lïesteeluing nnd jagen nach Bezahlnng,

Sie sehaÜ\'en der VVaise nicht Keeht und ilie Klage der Witwo koinint nicht vor sie.

21 Daruin ist der Sprueh des Ilerrn Jahweh der Heerscharen, des Starken Israels:

Wche, ich will mich letzen an meinen Widcrsachern und riichen an ineinen Pcinden, 25 Teh will incine Hand gegen dich kehren und lantern wie Lange deine Schlaeken

und wegsehatt\'cn dein Klei,

20 Und gebe dir Kichter wie zuvor und Kiithe wie zu Ant\'ang,

Nachher wirst du genannt werden Burg der Gerechtigkeit, treue Stadt,

27 Zion wird durch Recht erlöst werden und seine Reuigen durch G erechtigkei t.

Als oin Mustor kunstvoller Hodo, vvolche die ganzo Hchwungkraft des Jo-saianischen Gcistes zoigt, darf\' man dieses Capitol ansehon. Das Stück ist nach allgcmeinor Auffassung niclit otwa elm! bei bcstimmtor Gelogenhoit gohaltono Itedo, sondoru oino Art Vorwort zu einer .Sainmlung von Koden, ilas, wie es sonst beim Vorwort zu sein jiflegt, naelitraglieli liinzugefügt worden ist. Die kunstroieh aut-gobaute Rede bestelit aus zwei Thoilen (V. 2—17 und V. 18 — fil). Dor orsto Tlicil zerfillit in zwei Uil li\'ten von gleieliom Umfange (je aeht Verse), die von der Ueberlieferung dureb einen Absatz niarkirt worden sind. Die Zusammengebörigkoit dor beiden Hiilften ergibt sieli aus t\'olgendor Betraelitung.

Beide beginnen init dersolben Hedewci.se (.biiret . . . vernebmet\') und beide sind dureb eine Concatenatio ilusserlich mit einandor verblinden. Die erste Hiilfte schliesst mit Sodoni und Goinorrha, die zwcite nimmt diese Worte in über-rasebender Wendung wieder aut\'. l\'rül\'t man die erste Hiilfte, so gliedert sie sicli, wenn man saeli- und sinngemiiss abtheilt, in drei Absiitze oder Stroplien:

Strophe 1 (V. 2—4) enthillt den Klageact, tVir den llimmel und Erdo als Zeugen angerufen werden.

Strophe 2 (V. 5—G): ,die Rede i\'iber sie wird nun Rode an sie. Die jammervolle Lage des Gemeinwesens wird anscbaulieb gemaclit unter dem 15ild(! eines kranken, von noeh friselien Sebliigen und Wundeu bedoekten Körpers\' (Dji.lmank).

Strophe 3 (V. 7—9): Was tur Schaden gemeint sind, sagt er daim ohne Igt;ild. Das ganze Land ist in eine Wïistc verwandelt.

Nehmen wir diese sinngemiisse Eintbeilung an und gliedern die cinzelnen Absiitze in Zeilen, so ergeben sieh ohne joden Zwang drei Strophen oder Absiitze von 7 5 7 Zeilen.

Tbeilt man die zwcite Hiilfte in gleieher Weise ein, so trcten auch, abgo-sehen von inanehcn eigenthünilieben Sinnresponsionen (die darauf hinweisen, dass

7(5

ocr page 84

Das Kunstprogramm Jesaia\'s.

der orstc \'IMioil der Mede in zwei parallelen Columnen abgefasst mul nicdergc-schrieben worden war) Wortresponsionen zu Tage, und zwar gcrade bcim Begiiin des jeweiligen Absatzcs.\'

Durcli diese Kiinstlersignatur ist das Sti\'icU gegeti alle AngrifFe der Kritiker geschilty,t. Die Versuehc LiAoardk\'s, Stadk\'s und CohniliAs die Rede zu deeoui-ponircn, mllssen daran seheitern.

Der zweite Tiieil dor JJedc (V. IS—31) liiingt mit dein ersten durcli Sinn-und Wortresponsion zusannuon. So kniipft glcicli der Ant\'ang ,lasst uns rechten\' (nnsu) an den Schluss der ersten Iliüfte an. Ilir nehniet ouch des ,Keehtes\' der Waise nicht an etc., so lasst uns mit einander ,rechten\'. Hierin liegt also die Gedankenverbindung zwischen beiden Theilen der liede. lm ersten Absatz wird in der That die Rechtsklago Gottes den Angeklagten selbst gleichsam als Schieds-richtern vorgelegt. Wie dürfet ihr bei euren Simden verlangen, dass es cuch gut ergehe? Wcnn eure SUnden (roth) wie Purpur sind, sollen sic (weiss) wie Schnee werden etc.V

Die zweite Strophe sehlilgt wieder in eiiie Antithese um. Warum sollte donn nicht das Uniuögliche gescbohen konnen, wenn eine treue Stadt eiue lluhlerin, der Ort des Hechts eine Mördcrhöhle geworden u. s. \\v, Die Strophe klingt ans in die Klage: ,Das Recht der Waise vertreten sie nicht und der Witwc Streit kommt nicht vor sie\', und greift so auf\' den Ausgangspunkt am Schlusse dos ersten Theiles zurück.

Dabei bleibt es aber nicht. Jahweh wird eincn Liiuterungsprocess vornehmen und alle Sünden wegtilgen und dem Rechte zum Durchbrncho verholfen. Auch hier troten Antithesen fast Zeilo fiir Zoile auf. Durcli eine besonders gcsehicktc AVendung correspondirt der Schluss des zweiten Theiles mit dom Anfang desselbcn und dem Schluss des ersten.

Etwas matt und ohne rechte Vcrbindung hinkt die Schlussstrophe (V. 28-—1) nach. Man darf vielloicht annehnien, dass sic, allerdings von Jcsaia solbst, spiitor hinzugeftlgt worden ist.

77

Diese Rede ist nicht nur die Quintcssenz der Jesaianischcn i\'roiihctie, sie verkörpcrt auch Jesaia\'s Kunstprogramm und ofl\'enbart wie keine don (Joist des gewaltigcn Propheten. Durcli Grossartigkoit dor Phantasiegobihb^ und Tiefe der Gedank(!n übei-troffen sie violleiobt andere, in Rezug auf die Kunstforin steht sic keiner nach, übortrifTt sie vielmchr alle. Klare Disposition, scharfe, Gliedcrung, logische und dennoch iihorraschcndc Gedankenverbindung sind die innorn Vorzüge dieser Rede. Aeusserlich ist dor Ran strong und cbenmilssig durchgefiihrt und doch nicht monoton. Eine Dop|)elcolunnio von 7 5 7 Zeilen liildct den ersten Thcil, und als zweiter Thcil folgt eine dritte Columne von ursjiriinglich drei Strojihcn von je sochs Zeilen. Wie zwei Siuilen am Kingange oinos heiligen Tomijcls ragen die zwei Columnen an dor Spitze des Buches horvor. Sie sind durcli alle Jlitlcl der pootischen Arohitoktonik geziert und zusaiumeiigehalten, durcli gleiche Capitiilo, gleiche Einschnitto heini Zusaniinenfiigeii der grossen Quadern und gloicho Basen. Wahrend aber die je drei ungleichon Absiitze der zwei Cohiinnen eine gleich-

1 Vgl. TD\'oir inid (li(! Assonanz r)quot;U\' und unc.

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Jrsaia, Cap. lt;i. (Die Vision).

milssig fortlaufende Rede cnthalten, zeigon die drei gleichen Absiltzo dor dritten Columne cine gewisse Abweehslung dnrch die Polyeiiromie der Antithese.

Caput 6.

Als cine der altesten Prophezeiungen Jesaia\'s, in ihrer Conception vielleicht als die iiltcsto, darf die Vision angescben werden. Die Grossartigkcit dieses Ge-sichtes liegt, wie Dühm treffend bemerkt, mehr iin Verschweigen als im Ausmalen. Die wenigen Wortc ,nnd scinc Schleppe fi\'illte den Tempel\' sagen mehr als eine lange Schildcrung os zu sagen vermochte: ,Josaia blickt nach dom ersten nnwillkürlichcn Aufschaucn auf don Saum dos göttlichcn Gewandes.\' Die Text-überlieferung gibt nns das Stück als ein Ganzes ohne jeglichcn Einschnitt und Absatz. Bei einem Dichter und Propheten vom Range Jesaia\'s, der in der Bau-kunst seiner prophotischen Roden so horvorragt und so stylvolle Sehöpf\'ungen hervorgebraeht, sucht man in diosor Introduction einen bestinimten Bauplan zu erkennen, der in der That audi dom forschenden Auge sich enthüllt. ,Und icb sah den Horrn\' bogiunt dio Vision, und als Fortsetzung und Gogenstück klingen die Worto (V. 8): ,Und ich börte die Stimme des Ilerrn.\' So zcrfallt das Stück in zwei Theile, von denen der cine das, was dor Prophet gesehen, und dor andere was er gehort, schildert. Prüfen wir die beiden Thoilo gonauor, so fall! nns in beidon die Wendung ,da sprach ich\' auf\',1 in dem einen, nachdem er Alles gesehen, in dem andern, nachdem er Alles gohürt. So ergibt sich dio Glioderung dor grossartigen Vision in zwei Bilder, dio einander gonau entsprochon. Die Ab-theilung der Zeilen ist nach Sinn und Rhythmik durchgeführt. Nach diosen wenigen ]3emorkungen darf ich wohl dom Propheten das Wort überlassen, indem icb nur seine Rede nach meiner Auffassung und, wie ich glaube, nach seiner ur-sprünglichen Intention gliedero:

Und icli sali den Hemi,

Sitzcud auf liohem und erhabeneui Throne,

Und seinc Schleppe fiillend den Tempel.

2 Seraphen standen hoch vor ihm,

Seehs Flügel hatte jeder,

Mit zweien bedeckte er sein Angesicht,

Und mit zweien bedeckte er seine Füsse,

Und mit zweien schwebto er.

Und Eincr rief dem Andern zu und sprach:

Heilig, heilig, heilig ist der Ilorr dev Heerscharen,

Fiillend die ganze Erde ist seine llerrlichkeit.

i Und es wankten die Scliwellcnsimse vor der Stimme, des Uufciidcn,

Und das Haus füllte sich mit Ranch.

.rgt; Da sprach ich: Weh\' mir, denn ich bin verloren;

Denn ein Mensch unreiner Lippen bin ich Und inmitten eines Volkes unreiner Lippen wohne ich,

7K

Denn den König Jahweh der Heerscharen sahen meine Aiigen.

1

lm Anf\'iinge von Vors 5 iiuil Vors 11

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Jbsaia, Cap. fi und 5 (Das Lied vom Wkiniieiig).

ii Da lli)g nu inir liorau oincr dor Soraplum,

ünd in Boinc.i\' Hand (war) ciiu^ Kolilc,

Mit dor Zango liattc or sie vom Altaro goiioiiunon.

7 Und or borülirto (damit) mciuon Rlund und spracli:

Sicho boriilirt liat dios deino Lippen,

ünd os woicht dcine Sünde, und doino Scliuld wird gosiilint.

H Und ioli iiürto dio Stimnio dos llorrn sagen:

Wen sol! ieli sondon, und wor wird für uns gchenV Und ich sprach: Micli, sonde mioli!

ii Und er spraoli: (toIi\' und sago diosoni Volko:

Hürot immer zit, abor begroif\'et niolit,

Seliot immer zu, doch vorsteht os nieiit.

iquot; Wie fett ist das Horz diosos Volkos,

Und seine Ohren wio scliwor,

Und seino Augon wio vorklobt!

Es könnto simst sehen mit seinen Augon,

Und mit seinen Oliron hören,

Und sein Sinn (könnte os) merkon Und sio könnten unikoliron und golieilt wordon.

11 Da sprach ieh: Bis waun, o Ilorr!

Und er sprach: His wüsto siud dio Stadto ohno Howoiiner,

Und dio lliiusor ohne Menschon,

Und dor Boden vorwüstct ist zu oincr Einödo,

12 Und ontfornt hat Jaliwoh dio Monschen,

Und gross geworden ist dio Verlassonheit inmitten dos Landos.

13 Und ist noch darin eiu Zehntel,

So muss audi dies wieder dom Vorbrcniion (proisgegeben wordon),

Wio dio Eicho und Torebintlio, an denen beim Fiillen eiu Wiirzolstamni blieb.

Ein heiliger Same ist ihr Stamm.

Caput 5.

Ein eclitos Stück Jesaianisclier Redekunst wird uns in dem fiinften Capitel geboten. Mit einem nnsdiuldigen Liedchon über deii Weingarten des Frenndes beginnt der Prophet, gewinnt so Oiir und Her/ seiner Hörer, maciit sio neugierig auf das Schieksal des unglückscligen Weingartens, und als sie reciit emport sind über den Weinberg, der alle Mülie und Arbeit so mit Undank gelobut, reisst er die Maske von seinein Jiilde und zeigt ihneu ilir eigenes verblüfftes Gosiclit.

Und nun gelits mit den ,Welie\' los (V. 8—10). Wehe über die Landwuehcrcr, die Alles an sicb rcissen, Hans an Haus reihen, Feld an F eld rücken; sie sollen ilire Strafe haben. Der Weinberg wird wenig Woin, das Feld geringen Ertrag geben (d. b. es kommen Tage des Hungers und Durstes). So schliesst sich die letzte Zeile dor Strophe einerseits an das Lied an, andererseits greift sie nach dein An-f\'ang dor Strophe zurück und markirt durch eine Art Inelusio (•/.u/./vo;) die Ein-heitliehkeit derselbeii.

7!»

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.Tesaia, Cap. 5. (Das Lied vom Weinhrro).

Die zweite Strophe (V. 11 —13) nimmt den Wein wieder nuf, dem sie früh morgens und spiit in der Nacht naelijfigen, und scliliesst mit Verhungern und Verdursten, was mit der letzlcn Zeile der ersten Strophe eigenthiimlich cor-respondirt. Der lieginn der dritten Strophe (V. 14) beleuehtct blitzartig die Vor-giinge in der Plmntfisie des Propheten. Die llungersnoth, die er verki\'mdet, trilt ihm lebendig vor die Seele. Die hleiclien, fahlen Gesichtor, die offenen sehmaeh-tenden Lippen erweeken in ihm das Bild der 1 lölle, die iiire dier erweitert und ihren liaehen weit anfspei\'rt und Alles zu versclilingen droht. Die ilussere Veran-lassung und der reale llintergrund dieses liildes mag das Erdbeben /air ZeitUziyah\'s gewesen sein, das alle Ilcri\'liciikcit verschlungen und alle Fröhliehkeit verniehtet hat. Daran sehliesst sieh passend (V. 15): ,Und gebeugt wird der Mensch und erniedrigt der ï\\Iann ete/; denn wann der Boden unter den Fiissen wankt, wird der Mensch demüthig und seiner Niehtigkeit sieli bewusst. Auf den Stnrm folgt die Huhe in der Katur wie in dem Gemüthe des Sehers: ,Und es weiden Liün-mer wie auf\' ilirer Tri ft und die Steppen der Reiehen geniessen wandernde Hirten.\' Wiederum doppelte Antithese einerseits zur Höllengier, andererseits zur Feldergier der Reiehen. So greift die letzte Zeile naeli der ersten dieser Strophe und naeli dem Beginne des jWehe\' zurück.

Die weiteren ,Welie\' (V. is—21) sind mit dem vorangehenden Sttieke nur lose verhuilden. Dureh eine leielite Unistellung (V. 21 naeli 2:i), die aneh der logische Gedankengang f\'ordert, erhalten wir ein f\'allendes Strophengebilde (4 :5 2 1 = 10), wie wir Aelmliehes aus dem Koran und dem Propheten Anios kennen, dessen einzelne Absiitze im massoretisehen Texte markirt sind. Wie die beiden ersten ,Wehe\' (5 5 10) dureh eine Strophe, die mit ,Daruni\' beginnt, abgeschlossen wird, so folgt aucb hier eine ahnlich eingeleitete Strophe. Die Form deutet jedenfalls auf enge Verbindung dieser Strophengruppen. leh weiss, dass die Kritik hier allerlei Unistellungsversuche maelit und die letzte Strophe mit dem Refrain ,Bei all dem etc.\' mit anderen iihnliehen Strojihen in Verbindung bringt. Icb bin, often gestanden, nicht von der Nothwendigkeit der Unistellung überzeugt; eiu Dichter kann eincn beliebten Kchrvers aucb gelegentlich an anderer Stelle gebrauchen. Aber selbst wenn die Kritik recht hat, so bleibt meine Aufl\'assung des Zusamnienhanges für den letzten Redactor inassgebend.

i Singcn will ich incincin Froundc das Lied meines Frcundcs von scinoni Wcinbcrgc. Kiucn Weinberg liutte mein Freund auf oincm fettrciclicn (I5i!rg-)IIorn.

a ITiid er grub ihn urn uud entstuinte ilm und bopflanztc ilin mit Kdelroben,

Und er baute einen Tburin in seiner Mittc und aucli einen Keltcr haute er aus darin, Und (so) liofftc er, dass er Trauben bringe — er braclite aber Hoerlinge.

Und nun, Bewolinor Jerusalems und Miinner Juda\'s,

Kiclitet docb zwischen mir und ineinom Wcinbcrge.

4 Was war zu tlnin an meincm Weinbcrge, was ich an ihm nielit getlianY

80

Da leb lioffte, dass er Trauben bringe, warum braclit.e er Ilecrlinge?

Und nun will ieli (uieli wissen lassen, was ich mit ineinem Weinbergc thue: Entfenien (will ich) seine Hoeken, dass er sei zum Weiden, niedcrrcissen scine Maner, dass er sci zum Zert,reten.

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Jesaia, Cap. 5.

ti Und niiiclioii worde ich ilm zur Oedc, nicht soil er beschnittcn, nicht bclifickt werden und sicli bedoeken mit Dornen und Distcln,

Und don Wolkon werdo ich gebioton, nicht aiif ilm Regen niedorströinen zn lassen.

7 Donn der Weinberg Jahweh\'s der Heerscharen ist das Ilaus Israels, und die Manner Juda\'s soino Lustpflanze,

Und er hoffto auf Kechtsurtheil, und sioho dn Unheil, und auf Gorechtigkeit, und sioho da Schlcehtigkoit!

« We ho donen, die da reihen Ilaus an Ilaus, Fold an Feld rileken,

Jüs kcin Platz iibrig ist, und ihr alloin wohncn bleibt iin Lande.

o In meine Ohren (verkündeto) Jahweh der 1 loorscliaren:

Wahrlich die vielen Hauser sollen zur Einöde, die grossen und schünen ohne I5e-wohner sein.

io Deun zehn Joch Weinberg sollen ein Hat tragen und oin Chomor Aussaat ein Epha.\'

n Wehe denen, die frtih morgens Rauschtrank nachjagen, in die Nacht hinein aus-halten, vomWein erhitzt.

ia Da ist Leier und llarf\'e, Pauke und Flote und Wc in ihr Grclago,

Aber auf das Thun Jahweh\'s blieken sio nicht, das Werk seiner lliinde seheu sic nicht.

13 Darum wandert in die Verbannnng mein Volk unversenons,

Und sein Adel ist ausgehungert und seino Mengo vorschmachtot vor Durst.

M Darum erwcit(!rt die Unterwelt ihre Gier und spent auf ihr Maul ohne Mass,

Und hinab führt seine llerrlichkeit und sein Ilaufon und sein Toben und der Fröhliche darin.

ifi Und gebeugt wird der Monsch und erniodrigt der Mann und die Augen des Stolzen senken sich.

Ui Und hoch dastchen wird Jahweh im Gericht und der heilige Gott wird gehoiligt durch Goreelitigkeit.

17 Und es weiden (danu) Lünnner wie auf ihrcr Trift und die Stoppen der Reichen essen (geniossen) wanderndo Uirten. [

is Weho denen, welebo die Schuld herbeizichen an den Stricken des Truges (Leichtsiuns), Und wie ein Wagonseil wird daim die Süudo

in Die da sagen: Kr eile, beschleunige sein Werk, damit wir es sehon,

Und es nahe und komme dor Rathschluss des Heiligen Israels, dass wir (ilm) erfahren. j

20 Wehe denen, die das Büse gut nonnen und das Guto bose.

Die maehen Finsterniss zu Ijicht und Licht zu Finsterniss,

Die maehen Bit teres zu Süssem und Süsses zu Hitterem! |

22 Wehe denen, die Helden sind im Weintrinken und tapfcr beim Mischen des Gctrilnkes,

23 Die gerecht spreeben den Schuldigen um Hestechung und das Recht dos Gerechten

ibm entziehon! j

21 Weho denen, die weise sind in ihren Augen und vor sich selbst king! |

1 1). h. der Ertrag der Weiubefgfo uud dor Felder wird iiusserst gering sein. liat, Clwmer und lipha sind Masse.

i). II. M ü 11 or. Oio Proplioton.

81

ocr page 89

Jesaia, Cai\'. 2.

Darum, wie Stoppeln frisst dio Feuerzunge, und Hou, von Flammen (ergriffen), zusammensinkt,

So wird ihro Wurzel wie Moder werden, und ihre Hliitlic win Staub auffiiegen.

u. s. w. u. s. w.

Caput 2.

Nicht mit gleichcr Sichcrheit liisst sicli die strophische Gliederung und dio Abtlieilung der Zeilen in dom hier folgenden Stücko aus dom Buche Jesaia bewerkstelligen. Wonn ich auch dem Urtheile Duhm\'s, der dieses Stück (be-sonders V. 5—22) als ,das schleehtost erhaltenc dos ganzon Buches\' bozeiehnet, nicht zustimmen und seine Annahme, dass os aus zwei versobiodenen Fragmenten zusammongofliekt soi, nicht billigen kann, so liisst sieh donnoeh nicht leugnon, dass in dor Composition dieses Stilckes manche Schwachen hervortrotcn und dass ein folgorichtiger Gedankongang vermisst wird. Dor Uebergang von V. 8 zu V. 0 ist trotz Dillmann\'s Erkliirungsversuchos doch gar zu unvermittelt. Andororseits ont-hiilt die dritte Strophe (V. 12—16) oine dor pritchtigsten Schildcrungon Jesaianiscber Rbetorik. Hierin wird (wie Duim foinsinnig bemerkt) ,der Orkan in seinen ciu-zelnon Phason naturwahr goschildort. Zuerst hört man ihn in der Luf\'t rauseben, er braust dann über Willder und Berge dahiu, steigt dann zu den Stildten und endlicb zum Meoro horab.\' Audi die zweito Strophe (V. 6—ll) zeigt oine Fülle dos Ausdruckes und parallole Rodewendungon, wie man sic bei Jesaia sonst nicht httufig findet. Duhm batte oin riebtigos Gofühl, als er die Vermuthung aussprach, dass ,das ganzo jugondliche Ungcstüm oines grossen Mannes in dieser Schilderung zum hinreissondon Ausdruck kommt\', und cr fügt auch treffend hinzu: ,dass die elemontare Gewalt dor Empfindung den noch fchlondon Gedankonreichthum dor spatorn Zoit ersetzen muss/

Hierin liegt abor meines Erachtons dor Schliissel zum Vorstilndniss dos ganzon Stückos. Wie sich der Prophet von dor Gewalt dor Empfindung hat hinreisson lassen, so scheint er auch unter dem Zwange dor poetischon Form gestanden zu sein. Die verschiedenartigo Responsion in parallelen und antithetischen Wondungen steht hier noch zum Theile Avie bei Amos iinsserlicb neboneinandor. Der Prophet spiclt hier auch mit den Worton der Responsion und wendet sic verschiedenfach an, bald von den Monschen, bald von don Götzen. Dies scheint mir die beste Lösung der kritischen Sebwierigkeiten zu sein, wolche dieses Capitel bictot. Sie ist in consequenter Durchführung des Gedankenganges Duiim\'s unternommen, der aller-dings zu anderen Conclusionen gelangt ist.

Die Frage, wann die ei\'ste Strophe (V. 2—4) angosetzt worden sei und von wem sie herrühre, ist hier zu erörtern nicht dor Platz. Die Strophe ist abor, glcich-vicl ob von Jesaia sclbst odor von eincm spiltern Redactor, den anderen Stropben angcgliedcrt worden. Darauf weisen die Responsion in Z. 1 und 2, sowic die Zahl der Zeilen bin, die freilich von Duhm anders abgethcilt werden.

2 Und geschclien wird es in der Zukunft der Ta ge,

Fest gegründet wird sein der Berg von Jahweh\'s Haus an der Spitze der Berge und überragend die Hügel.

S2

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Jesaia, Oai\'. 2.

ITud struinen worden zu ilnn allo Volkov (3) und guhen vielc Nationen und sprechen:

liiissct mis cinporsteigen zu Jahweh\'s Borg, zuin liause dos (Jottos Israels,

Dass or uns weisc seino Woge und wir wandeln seino Pfade;

Deun aus \'/Aon gelit aus Weisung uud Jaliwoh\'s Wort aus Jerusalem.

Und richten wird er unter den Vólkern und reclitsproclion violen Nationen,

Und sio worden zorsohlagon (und uniselnnieden i iliro Schwortor zu Pflugscharen und

ihro Lanzon zu Winzermossorn,

Nieht wird orhebon Volk gogen Volk das Seliwert und uielit worden sie ferner Krieg lernen. j

Ilaus Jakobs, auf, lasst uns golion iin Liolite Jahweh\'s (ti), weiin du auch verlassen

hast dein Volk, das Ilaus Jakobs;

Deun sie sind angofiillt [mit Zauberoi] von Osten und niit Wahrsagorn wie dio I\'lii-

lister und au Krzeugnissen der Kromden habon sie Genügo.

Und angofiillt ist sein Land von Sillier und G-old, und kein Ende seinen Seliiitzen, Und angofiillt ist sein Land von Rossen, und kein Kndo seinen Wagen. Und angofiillt ist sein Land von Gotzon, dom Worke seiner Hilnde huldigt er, dein

was gemaoht seino Finger.

Und so ward gebougt dor Monseh, orniedrigt der Mann, und du kannst ihnen nicht verzoihen.

So dring\' in den Pelsen, vorbirg dich im Staube vor dom Sohrocken

Jahweh\'s und seiner hohon Majestiit.

Die Blicko monschlichon Hochmuths sind gosenkt, und gebougt der Stolz der Miinner,

Und erhaben wird Jahweh allein sein an jonom Tago. j Deun einen Tag hat Jahweh der Iloorosscharcn

Ueber alles Stolzo und Hohe und iibor alios Hagende, und es wird niedrig,

Und übor allo Cedern Libanons, die stolzon und ragendon, und über alle Kichen Hasans,

Und übor alle stolzon Berge und über allo ragendon Hügel,

Und über jeden hohon Thurm und über jede feste Maner,

Und über alle Schilïe Tarsolusch\'s und übor alle köstlichon Bildwerko.

Und gebougt wird werden der Hochmuth dos Monschen, und orniedrigt

dor Stolz der Miinner,

Und erhaben wird Jahweh allein sein an jonom Tage.

Und die Götzen — ganz verschwindon sie.

Und sie dringen ein in die Pelshöhlen und Erdklüfte,

Vor dem Schreckon Jahweh\'s und vor seiner hohren Majestiit, wonn er sich

erhobt zu orschüttorn die Erde.

An jonom Tago wird hinwerfen der Monsch soine silbernon und goldonon Götzen, Die man ihm angefertigt zur Anbetung, den Maulwürfen und Plodermausen. Um einzudringen in die Pelsspalton und Risso der Stoino,

Vor dom Schreckon Jahweh\'s und seiner hohren Majestiit, wonn er sich er-

hebt zu orschüttern die Erde.

Lasset ab vom Monschen, in dessen Nase ein Hauch ist; deun was bodeutet er\'?

83

ocr page 91

Jesaia, Cap. O und 10.

Cap. 9, 7—10, 4.

Von (lioseiu in dor Tcxtsammlung ubgodruckten und strophisch gegliederton Stuck gcbc ich liior keine Uebersetzung, bcgnUge micli vielmehr dassclbo kurz zu bosprcchcn. Dass liicr oine Strophenbildung vorliegt, ist liingst erkannt worden. So sagt z. J}. Dillmann: ,I)urcli seine genauo strophiscbe Glicderung stclit dieses Stuck einzig da in der Schrift des Jesaia.\' Nacli Dillmann u. A. bostclit jede Strophe aus je vier Verscn d(!S massoretischen Toxtcs, indem man Vers 14 als Glosse und V(;rs 1 als Ucberschrift ausgesondert hat. Duiim bildet daraus viev Strophen von je sioben Zeilen, die alio auf den Kehrvers ausgehen:

Bel nil (Icm wondct sicli sein Zorn nicht, und nocli ist sciiu! Hand geatreckt.

Mein von beiden Vorgiingern abwoichender Vcrsuch stiitzt sich auf die Ab-siitzc in dem Uberlicferten Tcxte, die nicht mil dem Refrain zusammeufallen, wes-halb ich im Cap. !i drei Strophen von je neun Zeilen zn erkennen glaube, die durch zwei Zweizeiler von einandcr getrennt werden, dagegen schcint mir die vierte Strophe (im 10. Cap.) damit nicht zusammenzuhiingen. Ausscr den Absiltzcn, denen ich immer bei der liestimmung der Strophen eine gewisse Bedeutung heilege, wenn sic auch bisweilen allein nicht ausschlaggebcnd sind, ist die Concatenatio zwischen V. 17 und 18 zu beachton, wo nicht weniger als je drci Worte mit einandcr zu correspondircn scheinon.1

Caput 10, 5—32.

5 Wehe Assur, dem Stabc moinos Zoi\'ncs, und in deren Hand cin Stock ist niein Gri mm.

fi Gogen einc ruchlose Nation ontsendc icli ilin und gegen das Volk moiner Wuth ent-bicte icli ihn,

]5eutc zu erbcuten und Raub zu raubcn und cs zu zertreten wie Koth der Gassen.

7 Er abcr denkt nicht so, und sein Herz sinnt nicht so,

Sondcni zu vcrnichten ist sein Sinn und zu vertilgen Völker, nicht wenig.

s Dcnn er spricht; Sind nicht meine Fürsten insgesamint Königo?

1st donn nicht wie Karkemisch Kalno? nicht wie Arpad Hamat, oder wie Damaskus Samaria?

10 Wie erroicht hat meine Hand die Konigrciche der Götzen, und iliro Bildsitulen waren

(mchr als die) von Jerusalem und Samaria —

11 Sieho, was ich gethan Samaria und ihren Götzen, das worde ich auch thun Jeru-

salom und seinen GötzcnbiIdcrn. |

is Und wenn vollendon wird der Ilcrr sein ganzos Thun an dom liergo Zion und an Jerusalem,

Wird er ahnden die Frucht des Hochmnthes dos Assyrerkönigs und die Frahlerei seines stolzen Bliekes.

is Deun er sagte; Durch die Kraft meiner Hand that ich es und durch meine Weisheit, dcnn ich bin king,

Und ich schafte weg dio Grenzen der Volkor, und ihrc Schiitze plündero ich, und stürze berab als Held die Thronenden,

84

1

So nips mit msv durch Sinniihnlichkeit unci Assonanz; ws mit ifs und rxm etc. mit BW:, dossen Sinnworth nnch dor Septuaginta durcli die Concatenatio hestatigt wird.

ocr page 92

Jesaia, Cai\'. 10.

m Uud es langt, wie nach eiuem Vogclneste, ineine llmul iiiioli dom Reielitlmuie der Völker,

Und wie man zusaimnenraft\'t verlassene Kier, rafl\'te icli die gauze Erde üiisammcn, Uud da war keiuer, der die Flügcl regte, den Muud aufsperrte uud zirptc. ift Külimt sieli wohl die Axt gogen don dainit Soldagenden, praldt die Siige gogeu ihron Sehwiuger?

Ais sohwiingc der Stal» seinen Aufheber, als hiibe aut\' der Stock oiu Nielit-llolz. |

Ki Darum entsendet der Herr der Heerscharen in sein Fott Schwindsuclit,

Und unter seiner Herrliciikeit entbronnt eiu Brand wie Fouorbrand.

17 Und es wild das Lielit Israels zu Feuer und sein Hoiligor zur Flannne,

Und sie verbrennt und verzehrt seine Uoruon uud Disteln au ciuom Tagc.

18 Uud die Praebt seinos Waldes und Baumgartons reibt er aut\' vou dor Socio bis zum

Flcische.

Und er wird sciu wie dahiusiecht oiu Siecher.

iu Uud der Kost des Holzes seiues Waldes wird ziildbar sein, und eiu Knabe scliriebe ihu auf. |

20 Und an jouem Tagc wird der Rest Israels uud das Ueborblcibsel vou Jakobs llaus

sich nicht mehr stützon auf seinen Zitchtiger (Sohlager),

Er wird sich stützeu auf Jahweh, den Heiligen Israels, iu ïrouo.

ai Ein Kost bekehrt sioh, eiu Rest Jakobs, zum heldonhafton Gotte.

22 Denu ist auch dein Volk Israel wie der Sand am Meere, oiu Host (uur) bekehrt sich, Vernichtung ist beschlossen, sie schweinmt heran Gerechtigkoit.

23 Deun beschlossene Vernichtung vollbringt Jahweh dor Hoerscliarcn inmittcn der

gauzen Erde.

21 Darum spricht also dor Horr Jahweh ilcr Heerscharen: Fürohte dich nicht meiu

Volk, Bowobner /ions, vor Assur,

Der mit dem Stabe dich schliigt und seinen Stock gogen dicli erhebt nach Art Aegyptens. j

25 Deun noch ein Weuiges, oiu Geriuges, und der Griinm ist geschwuuden und meiu

Zorn (goht) auf ihre Aufroibuug.

26 Und regen wird Jahweh dor Heerscharen die Geissol, gloioh dem Hiebe Midjau\'s am

Rabeufelsen,

Und gloich seinein Stabe am Meere, don er erhebt in dor Art wie gogeu Aegypton.

27 Und an jencm Tagc wird weichon seine Last vou deinor Schidter, uud sein Joch von

doiuem Halse [brecben] . . .

28 Er kommt übor Ajjat, passirt .Migrou, vertraut Michmasch seinen Tross.

2\'J Sie passirteu den 1\'ass,1 iu Geba scldugcu sic Xachtlagor auf, Kama bebt, Gibca Sauls flicht.

30 Lass geilen1 doine Stimme Bat-Gallini, lauscho Laïsch,1 antworte ihr Anatot.

si Es entweicht Madmena, die Bowohuor von Gebim ilüchtcn.

32 ,\\och heute ist in Nob Aufstelluug zu nehmeu\', er erhebt soino Hand gogeu lt;lon Borg der Tochter Zions, den Hügcl vou Jerusalem.

S5

Die Weissagung übor Assurs Hoclimuth mul Fall, welclio von Dim.mann als cine (schriftstellerischo Einhcit\' angeschon wird, wogogcii Duu.m darin Kinsclialtungcii aus griochischcr Zcit erkennen möclite, zoigt naclt dor niassorctisclion Ucbei\'-

1

So nach Duiim.

ocr page 93

86 Jesaia, Cap. 10.

lieferung oine strophische Glieclerung. Zunachst kommen wieder die Absiltzc im Texte in Betracht, die fast immer dort stclien, wo wir aucli dem Sinne naeh grosse Einschnitte maclien würden. Ausserdem sind die cinzelnen Strophen mit einander dnreli die versehiedensten Kunstfbrmen verbanden und verkettet. Icli will es dahingestellt sein lassen, ob die Verse 1—5 dazu gehören oder nicht, in allen Fiillen ist die Nebeneinanderstellung der beiden Stilcke durch den letzten Refrain verursacht, der lautet:

Bei iill (lom wondet sicli sein Zorn nicht, und noch ist seine Hand gestreckt. Daran knilpft der Beginn der Weissagung gegen Assur an;

Wohe Asur dom Stabe meines Zomos, und in deren Hand ein Stock ist rncin Grimm.

Am Ende des 15. Verses hat der massoretische Text wieder einen Absatz und der letzte Vers lautet:

Als schwiingo dor Stal) seinon Aufliober, als hiibe auf der Stock ein Nieht-Holz. Dieser Vers bildet mit dem Anfangsvers gewissermassen die Einrahmung des ganzen Stilckes, eine Art inclusio,1 welehe immer eine grössere oder geringere strophische Einheit bezeichnet.

Diese Einheit zerfilllt aber, dem Sinne nach abgetheilt, in nahezu zwei gleiehe Thcile. Der erste Theil schliesst:

Fürwahr, was ieh gethan Samaria und den Götzon darin, worde ich audi thun Jerusalem und seinen Bildwerkon.

und der zweite Theil beginnt:

Und wenn vollenden wird der Herr sein ganzes Thun an dem Berge Zion und .J er us al om.

Die Concatenatio ist hier eine dreifache: 1. ,thun\' und ,Thunquot;\' 2. ,Jerusalem\' 3. ,Bildwerk\' (\'aHah) und ,vollenden\' (ham\'), zwei Worte, die durch Sinnver-wandtschaft und Gleichklang auf einander hinweisen.

Die folgende Strophe (V. 16—19) schliesst sich insofern der vorangehenden an, als sie den Brand des Waldos verkündet, aus welchem jener Stab genommen worden ist, und die letzte Zeile derseiben lautet:

Und der Rost des Holzos seines Waldos wird zithlbar sein etc.

Walirend also das Wort ,IIolz\' die Verbindung mit der vorangehenden Strophe (V. 15) durch Responsion aufrecht erhiilt, wird das Wort ,Rest\' zum Ausgangs-punkt einer neuen Betrachtung.

Das Wort ,Kest\', welches in dieser Zeile von Assur gebraucht wird, wird in der ersten Zeile der folgenden Strophe (V. 20) auf Israel übertragen und wiederholt sich in der Strophe öfters:

Und an jenem Tage wird der Rest Israels und das Ueberblcibsol Jakobs sich nicht stiitzon auf seinen Schlager (Züchtiger).

Die Schlusszeile dieser Strophe zcigt versehiedenfache Responsion;

Mit dem Stabe schliigt er dich und seinen Stock erhebt er gegen dich nach Art Aegyptens.

1

Auch êr.x\'/oco; oder /.j/.Xo; (in weitorem Siimo) genaimt.

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JKSAIA, CAI\'. 10 UNO 11.

Walirond also Stab unci Stock an das Leitmotiv wieder anklingen, greift die Wcndung ,schlilgt er\' auf den Anfang der Strophe ,seinen Schlager\' zurüek und bildet cine Art inchosio.

In einer eigenthümliehen Coneatenatio niinmt die folgendo Strophe den Ge-danken wieder auf:

Deun noch ciu Wenigcs, Grcringcs, und gescliwundcn ist der Grimm und moiu Zorn (gulit) auf ilu\'c Aufreibung.

Die Vorkettung durch Stab und Stock einer- und Grimin und Zorn andererseits kann nur durch llinweis auf den Beginn des Stückes (V. 5) erklilrt und begründct werden, eljcnso wie der Schlussvers:

Nocli lioutc ist in Nob Aufstcllung nu nelimcn, scliwingen wird er seine Hand gogen don Zionsborg etc.

auf dcnselben Ausgangspunkt zurückleitet.

Die so durch die Angaben der Ucberlieferung und die Beobachtung der Kunstformen gewonnenen Absiltze lassen sich nach Sinn und riiythmischem Ge-fühle meist in Uoberoinstiininung mit den Accentatoren leicht in Zeilen abtheilen, und nur an wenigen Stellen kann die Richtigkoit der Abtheilung bczweifelt werden. Wir erhalten folgenden Strophenbau: 9 9 7 8 9. Ob man bei diescm iiusserst complicirten und dcnnoch durchsichtigen Bau fremde Einschal-tungen und Zusiitze aus griechischcr Zeit anuunelimen berechtigt ist, moge nun die Kritik prïifen.

Caput 10, 33—11, 16,

S3 Siolio, dor Hen\' Jaliwoh Sebuot ontiistet die Baumkrone durch Schrockensgewalt,

Und die an Wucbs liagondon werden gofiillt und die Stolzen oniiodrigt,

u Und niedergehauen wird das Diekiclit des Waldos durch Kisen,

Und der Libanon sinkt nieder durch oinon Gewaltigcn.

i Und es keimt cin Reis vom Stamme Isai\'s und ein Schossling bricht aus seiner Wurzel hervor,

a Und es ruht auf ihm Goist Jahweh\'s, Geist dor Weisheit und Kinsicht, Geist des Rathes und der Stiirke,

Oeist dor Krkenntniss und Gottosfurcht: Und sein Wahrnehnion ist durch Gottesfurcht. Und niclit nach dein Sehen seiner Augon riclitot er, und nicht nach dein Hören seiner Ohron entscheidot er.

i Und er richtet in Gerechtigkoit dio Armen und entscheidet nach Milligkeit don Kienden des Landos,

Und or schliigt don Gewaltthatigon durch die Geissol seines Mundes, und mit dem Hauche seiner Lippen tödtet er den Frevlor,

.quot;p Und Gorechtigkoit ist dor Giirtel seiner Londen und Verliisslichkoit der Gurt seiner Hitften.

i) Und wobnen wird Wolf beim Schaf, und Pardel boiin Höcklein lagorn,

Und Kalb und Jungleu und Mastrind (sind) bei einander, und cin kleiner Knabe loitet sie,

7 Und Kub und Biir weiden, bei einander lagorn ihre ,hingen,

87

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Jesaia und Jkke.mia.

Und Leu gloicli einein Rinrl frisst Stroh.

h Und os spirit (iiii Süugling an der Hülile der Nutter, und naeh dein Auge des 15asi-

lisken streckt ein Entwolmtcr seine Hand aus.

li Xiclit tlum sio Böses, noch stiften sie Schaden anf meineni ganzen heiligen Berge, Denn voll ist die Erdc von Gottescrkenntniss, wie Wasser das Meer bedeekt. |

10 Und an jonein Tagc wird der Wurzelstock Isai\'s,

Welchcr dasteht als Panier der Vülker —

An ihn werden Nationen sich wenden,

Und seino Ruhestiitte wird Herrlichkeit sein.

Das Ictztc Stück lülngt uur lose rait tiom Vorangclienden zusainmcn, ist abcr gewiss sehriftstellcriscli als Fortsctzung desselbon zu bctrachtcn. Am Ziele ange-langt, voll lloclimuth und ZerstOrungswutli, f\'üllt das stolze lieer durcli einen Gewaltigen. Die stropliisehe CHiederung (1-1-7 7 4) ergibt sicli wieder sowohl aus den Absiltzen des massoretisehen Toxtes, die selir scbarfe Sinuesabtlicilungen bilden, als aueli aus den erkennbaren Kunstfonnen.

Strophe 1 winl mit Stropbc \'2 durch eine antithetische Concatenatio verblinden. Im Gegensatze zum llochwald, der durch Schreckcnsraacht verbeert wird, kcimt ein ]{ois aus dem Stamme Isai\'s! Die vierte Strophe, /. 1, respondirt auf Z. 1 der zweiten, der ,Wurzelstock Isai\'s\' correspomlirt mit dem ,Stam ra e Isai\'s\'. Es bleibt also nur das raittlcrc Stuck, welches ich sinngomilss in zwei Strophen zerlegt habe. Einen scbilrfercn Gedankcneinsclmitt kann man sich kaum wiinschen als den hier gegelienen, und man muss sich fiber einen feinsinnigen Gelclirtcn voin Range Dumi\'s nur wundern, dass er V. 5 und (i zu Einer Strophe vereinigt.

Die Zcilenabtheilung im luittlern Stücko (Strophe \'2 und 3) ist nahezu in Uebereinstiniinung mit den Accentatoren abgegrcnzt und der Rhythmik und dem Gcdankenparallelismus genau entsjircehend. ünter den Paaren der dritten Strophe t\'iillt nur der alleiustchende Löwc auf; ich weiss abcr in dor That niehts Wirk-saniercs und Grossartigores als diese wie im Relief geschnittenon Sculpturen, die alle Gruppcn bilden, wilhrend der ,strohfressende Lüwe\' allein dasteht. Dies ist ein Beleg dafür, dass die grossen Propheten die AVorte und die Sylbcn nicht geziihlt, sondern nach ihrem Gedankengchalt gewogen habcn. Wie schwach und matt hat ein Spilt ere r (Jcs. (J5, 21) diese wundervolle Stelle nachzuahmen versucht!

J e r e m i a.

Eine eigonartige Beleuchtung des Strophcnbaues und der Responsion bietct die Untersuchung dor Reden Jeremia\'s. Als Dichter steht Jeremia weit hintcr Jcsaia. Die gewaltige l\'liantasie des Jerusaleraischen Propheten fehlt ihni ganz, und die Geistcsblitze, welche die Projihczeiungen des ersteren durclizucken und er-Icuchten, erbellcn die trüben Weissagungcn Jeremia\'s nicht. Jesaia hat init feinein Spürsinn mitten in scheinbarein Glücke die Gefahr gewittert und den aus dem Norden berannahendon Sturm an den Mauern .1 erusalcras sich breehen scben. Jeremia dagegen scbaut das UnglUck in nacbste.r Nahe, ei- sieht es herankominen,

88

ocr page 96

Dek Bau der Jekemianisciibn Reden.

vorkündet cs und warnt davor unaufliörlich — abor vergeblich. Das Volk, von oinor milclitigcn Partei irregoleitet, rennt trotz aller Warnungen ins Vci\'derbcn mul wird von dein babylonisclien Kolosso zertrilnnnort. Jeremia muss den bittern Kelch, dessen Herannahen er geweissagt, mit seinen Landsleuten bis auf den letzten Tropfen leeron. Die übriggebliebenen Trliinmor Jerusalems gehen an der eigenen Schuld des Volkes zu Grimde, und der geringe Ueberrest wandert naeh Aegypten, in das Land des treulosen Freundes, dessen falsehen Verspreclmngen das Reich zuin Opfer gefallen war. Jeremia warnt, wie früher vor der politischen Verbindung mit Pharao, so jetzt vor der Auswanderung nach Aegypten, aber wieder vergebens. In Aegypten ertüncn seine letzten, Unheil verklindenden Orakel. Der Grundzug seines Wesens wie seiner Reden ist tiefe Trauer und tiefer Schmerz, verblinden mit einer unauslöscliiichen Liebe zum Volke. Und wenn ihn audi die Krilnkune\'en

o

und Leiden übermannen, und er die Rache Gottes auf das Volk heraufbeschwört, so ei-halten Liebe und Uitleid im nachsten Augenblicke die Oberhand und ver-leihen ihm die Kraft, von Neuem zn warnen und zu ermahnen, zu leiden und zu dulden.

Seine Reden zeigen vielfach einen gleich- und eigonartigen Bau. Sie bestehen öfters aus drei parallel laufenden Theilcn, die in je zwei oder drei Strophen zerfallen. Eincrseits correspondircn die Strophen der einzelnen Theile unter einander, andererseits aber auch die entspreehenden Absiitze der Theile, so dass sieh, wenn man so sagen darf, eine verticale und horizontale Responsion ergibt. Es liegt also hierin eine Weiterbildung der doppel-columnigen Rede Jesaia\'s in die dreicolumnige vor. Dureh die doppelte l\\e-sponsion sind aber auch gewissermassen die festen Punkte gegeben, zwisehen denen das Strophennetz ausgespannt wird. Für die Eintheilung und Abgrenzung der Zeilen wird dadurch eine doppelte Controle gewonnen. Als erstes und massgebendes Bei-spiel fiihre ich eine Rede an, die aus der besten Zeit Jeremia\'s stammen muss und deren Echtheit von der Kritik bcdingungslos zugegeben wird.

Caput 9.

A.

i O liatto icli in dor Wiiste eiu Lager für Wanderer,

Ich wiirdc mcin Volk vcrliisscn und von ilinen weggelicn;

Deiin sic nllc sind Ehcbrcchcr, cinc Rotte von Fiüsclicrn.

a Und sie spannen ilire /iiingc als ihren 15ogcii mit Liigcn,1Und nicht nach Treuc schaltcn sic iin Lande,

Sondern von liosheit zu Hoshcit zicheu sic liin,

Und mich kennen sic nicht ist Jahweh\'s Spruch. |

\'i Ilütet eucli Jcdcr vor scinem Freunde, und kcinem Brudcr trauct;

Dcnn jeder lirudcr iibt Trug nnd jcdcr Freund verlcunidet.

i Jeder tiluscht seinen Nitchsten, und Wahvhcit reden sic nicht,

Sic gewöhncn ilirc Zunge, Liigcn zn reden, Verkchrtes zu üben inühen sic sieh.

89

5 Dein Wohncn ist mitten im Trug,

1

Gieseuueciit streicht \'ptt\' als ,abgerisseii\', es wird aber von dor Uesponsion gesehützt.

ocr page 97

Jeremia, Cai\'. 9.

Aus Trug wcigcrn sie sich inich zu erkennen,

1st der Sprucli Jahweh\'s.1 j

o Darum spriclit also Jahweh der Heerscharen:

Ich werde sie schmelzen mid prüfcn;

Dcnn wie soil ich (anders) handcln wegen der Tochter meines Volkcs?

7 Ein scharfer Pfcil ist ilire Zunge, die Trug spricht;

Mit dom Munde redet man Fricden zum Niichsten, iin Innern logt man Hinterhalt.

8 Soli ich dergleichen nicht almden an ihnen, ist der Sprucli Jahweh\'s,

Oder an einem solchen Volke sich nicht riiehen moine Soolo?

15.

» Uober die Berge erhebe ich Weinen und Jammorn,

Und über die Auen dor Trift Todtenklage;

Denn verödet sind sic oline einen Wanderer,

Und nicht höron sie das Hrüllen (die Stimme) der lieerde,

Sowohl die Vögol dos Ilinnnels, als das Wild flohen, gingen davon.

iu Und ich macho, Jerusalem zu (Trümmcr-)haufen, zum Wohnsitz von Sehakalen, Und die Stiidte Juda\'s machc ich zur Wiistenei ohne Hewohnor. i

ii Wor ist der weise Mann, dass er dies verstehe,

Und zu dom Jahweh\'s Mnnd goreclet, dass er es vorkünde;

Warum ist wild das Land, vorödot wie eine Wilste ohne Wanderer?

ia Und Jahweh spraeh: Weil sie verliosson moine Weisung, die ich ihnen vorgelogt, Und nicht horton auf moine Stimme und nicht nach jener (Weisung) gingen.a 13 Sondern (h in ter) der Starrheit ihres Herzons gingen sie nach,

Und hinter den fiijtzen, wolche ihre Vater sie gelehrt. |

m Darum spricht also der Jahweh der Hooresscharen, der Gott Israels, Ich lasso sie, dieses Volk, Wermuth essen,

Und ich lasso sie Giftwasser trinkon.

ij Und ich zerstreue sie unter die Völkor,

90

1

Nach der lxx rfAv.rpm (xai ou) Siö.ittov to3 Imatpiiai (.\'gt;) toV.o; OTt idxm xai SdXo; Jjci SdXio wiiren die letztou Zeilen zu leson:

■ipü\' rn Eiitt\'quot;\' Sie gewöhnen ilire Zimgo, Liigon zu roden,

:r nyn Handeln verkehrt, sind liissig sicli zu bekehron,

■quot;-*-2 aï-2 quot;\'.quot;2 -n i-ist in List, Trug in Trug,

T-\' :s; tin rj\'i Sie wollen mich uiclit erkennen, ist Jahweli\'s Sprucli.

Es liisst sicdL nicht leuguen, dass der inassoretische Text hier mancherloi Scliwierigkeiten liietet, die OiusumiKcnT kurz und gut zusannuengefasst hat: 1. Die unmotiviite Anrede au Jeremia.

Das unschüno quot;ïU\', it. Die ungewOlinliche Bodentung von quot;S1quot;;. Dazu kommt noch jetzt, dass die Lesart der i.xx das Gleiclnnass in don Zeilen und die genaue Uebereinstinnnung in der Responsion lierstellt. Es liegt tibrigons anch nahe, der Responsion zu Liebe in Strophe I, 0 nsisa für

zn lesen; aber es ist kein genllgender Grmul vorhanden, gegen Mnssora und lxx den Text zu itndeni.

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J lo rum ia. Cap. !•.

Die weder ski noch ihro Viitcr gekannt liabcn,

Und icli sénde liinter ilmen drein dus Schwert,

Bis ich sie aufgerieben habc. |

(J.

in Also spricht Jahweh der Heerscharen:

Merket auf and rufet die K lage wei her, dass sio kommen,

Und zu den kundigon Frauen sendet, dass sio kommen,

17 Dass sie eilig oin Jammern iiber tins erheben,

Dass unsere Augen vlt;iii Tbrancn rinnen und unsere Wimporn in Wasser fliessen; is Denu Jammorgoschroi wird vcrnommen aus Zion; Wi(! sind wir beraubt, heftig besehiimt, Denn verlassen habeu wir das Land, fortgeworfen liaben (uns) unsere Wohnsitze.

19 Denn boret, Weibor, Jahwtib\'s Wort, und euer Ohr vernebme das Wort seines Mundes,

Und lehrct cure Tocliter .Jammergesang, und eiu Weib das Andere Klagelied! so Denn es steigt der Tod durcb unsere Fenster, kommt in unsere Palilste,

/,u vcrnichten diis Kind von der Strasso, die Jiinglinge von den Marktplatzen. si Kede, also ist dor Spruch Jahweb\'s:1

Ks werden fallen die Ijeicben der Menseben wie Mist auf dem Feldc,

Und wie (Jarbcn hi liter dem Schnitter, die Niemand aufliest.

22 [Darum| sprielit also Jahweh [der ireerscliaren]:

Nicht riibme sich der VVeise seiner Weislicit,

Und nicht riibme sich dor Starke seiner Stiirke,

Nicht riibme sich der Ueiche seines Keichthums,

23 Nur (lessen riibme sich der Sichriihmendc: Midi begriffen und erkannt zu baben; Denn ich Jahweh tibc Liebe, Hecht und Gerechtigkeit auf Erden,

Weil icli daran flefallen linde, ist Jahweh\'s Bpruch.

Die Kede zerfiillt, wio man sidit, in drciTlieile von je drei Sti\'oplien. Dcr Prophet sehnt sich weit weg in die Wiiste, fern von seinera Volko, dessen Vcr-dcrbtheit und Vei\'logenheit ei* in herber Weise tadelt. Als Grnnd des Uebels und des Uniieils bezeiehnet er am Knde der i. und n. Strophe den Mangel an Gottes-erkenntniss und schliesst in der drittcn Strophe mit der Frage, ob denn nicht die göttliche Prüf\'ung und Hachc hereinbrechen mlissen. Charakteristisch sind die Wiederkehr der ,liigcnhaften Znnge\' in jeder vierten Zeile der drei Strophen, das Spiel mit Bogen und Pfeil (i; t und in, 4) und der llinweis auf den Mangel an Gotteserkenntniss am Endo der zwei ersten Strophen und als Gegenstück da/.n dor Hinweis auf die göttliche Strafe am Schluss der drittcn Strophe, welchc zur Erkenntniss der Macht Gottes filhrcn wird.

Im zweiten Theilc schaut der Prophet in die Zuknnft und sicht dic^ frucht-harcn Triften in cine wiiste, mcnschcnlecre Einode verwandelt. Die Wiiste, die cr gesucht — das heimisehc Land bietct sie ilim dar.3 So crhebt er denn die Klage fiber die Vcrödung des Landes und gibt als Ursachc den Ungchorsam des Volkes an, das anstatt Jahweh sich zuzuwenden, dem Baaldienst nachgeht (also

91

1

JJieso Zcilo fehlt zwar in lxx und wird audi von den noueren Commentatoren gestrichen, sie scheint aber die grausige Verkiindiguug\', die folgt, mit besonderer Feierlichkeit vorzubereiten.

ocr page 99

Jeiikmia, CAI\'. !».

Gegcnsatz der Gottcscrkcnntniss). Der ,wcise Mann\', den dor Projdiot sucht, der die wahre Ursaclie des Unglllcks erfassen und verkünden soil, biidet cin Gegon-stUck zu den vcrlogcncn Brüdern und Freuuden, die sicli gegenseitig botrüg\'en und die Wahrheit übor die unglüekliche Lage verhullen.1 Auf\' die Frage (Am), ol) cin solehes Vorgehen nicht Ahndung verdient, erfolgt hier in der letzten Strophe (B 111) die sehwere Verkündigung dor göttlichen Raehe und Strafe:2

,Uncl icli seudo hintor ihneu drein das Schwert,

Bis ich sie aufgerieben habe.\'

Sehr merkwürdig ist die Responsion, welche die heiden Strophen (B i und 1? n) mit cinander verhindet. Ungesucht und natürlieli klingt die Phrase ,verödet sind sie olme einen Wanderer\' der ersten Strophe iu den Worten der zweiten Strophe: ,vcrödet wie eine Wüste olme Wanderer\' wieder. Dabei muss man koine Absichtliehkeit voraussetzen, aber mit bewusster Absieht spielt der Prophet mit den Worten:

,Und niclit horen sie das Brüllen (die Stimme) der lieerde,

Sowold Vögel des Himmela, als Wild tiolien, gingen davon\',

welche in der folgenden Strophe orakelhaft wiedertönen:

,Weil sie auf meine Stimme niclit horten und naeh (meiner Weisung) nicht gingen.\'

Zu beachten ist noch, dass die je letzte Strophe der beiden ersten Theile (und wahrscheinlieh auch des dritten Theiles) durch dieselbcn Worte eingcleitet werden.

Der dritte Theil cnthiilt einen Ruf an die Klageweiber, welche die Todten-klage erheben sollen, deun der Tod steige zum Penster hinein, und die Leichen liegen da wie die Garben dos Sehnitters. Die erstc Strophe dieses Theiles ist durch Responsion einerseits mit dem zweiten Theile, andererseits mit Strophe ii (vgl. C i, 2, C u, 2 und B ii, 2), also horizontal und vertical, verblinden.

Die letzte Strophe klingt nicht in eine Strafandrohung aus, sondern verkündet das Postulat des göttlichen Willens, wodurch jede Siinde und also auch jede Strafe vermieden werden kann: ,die Gottcscrkcnntniss\'. Hiermit greift der Schluss der Rede naeh dem Anfange zurllck.

Diese dreicolumnige Prophezeiung erweist sich somit als eine logisch und rhc-torisch fcin durchdachte und kUnstlich gegliederte Rede, die auch ausserlich in ihrem Baue scharf markirt ist. Gedankenahnlichkeit und Gedankenverbindung werden durch glciche Wendungen und ilhnlich klingende Wortc bczeichnet und der Vorwurf der Wiederholung, der dem Style Jeremia\'s gemacht wird, erklilrt sich mcistentheils aus der von ihm in Anwendung gebrachten Kunstform.3

92

1

Horizontaio Sinnesresponsion üwisclien A u und IJ u.

2

Horizontale Sinnesresponsion zwisclien A in uml li m. Ausserdem corresponclirt \'Tns

3

weiber, das Todtenlied über das Volk anzustimmen. V. 22—25 bilden besondere Spritche, welche mit dem Vorigen niebt im Zusammenbanff stehen.\' (!!)

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Jerbmia, CAT\'. 44.

Caput 44.

Aeusserst charakteristisch fur die Art der Composition dor Jei\'omianischcn Reden ist die in Aegypten gehaltene. Hie entbchrt jedes grossen Schwunges, welelier seinen Reden in der Jugendzeit eigen war, sie ist fast ganz prosaisch, und ver-riltli den durch Leiden und Alter niedergebeugten Mann, aber die Zuverlilssigkoit seiner Ueberzcugung gelangt hier in den sehliehten Worten gerade so zmn Ausdruck, wie in den besten Reden, und die Art der Composition ist dieselbe geblieben. Im Gegentiieil, sie tritt bier gerade, wei! jeder poetiscbe Scbmuek und jede rbe-torisebe Kunst fcblen, umso sciiilrfer und deutiieber bervor, und diese Rede aus den ietzten Tagen des grossen Propbeten gewabrt uns wie kaum eine andere einen tiefen Einbliek in die Sciuifl\'ensart desseiben. Sie zerfallt augenscbeiniieb in drei Tbeile, die scbon im massoretiseben Text durcii die Absiltze angedeutet sind. Die drei Tbeile sind voni Propbeten ursprlinglieli in drei parailelen Columnen niedergescbrieben worden, demi nur so erkliirt sieb die EbenmRssigkeit im Hau der einzelnen Rcdeabsebnitte wie das stete llinilbergreifen der einzelnen Rede-wendungen. leb gebe hier eine mögliebst genaue wörtiicbe Uebersetzung:

A

a Also apricht Jiihwoli der Heerscharen, der Gott Israels:

Ihr habt gosehen uil das Hösc,

Das ieli gebracht über Jerusalem und alle Stiidte Juda\'s,

Und sie sind Triimmer bcutigen Tags und kein üewohner darin,

3 Wegen des Bösen, das sie gethan, inu mieb zu kranken,

Indem sie hingchen und raucbern und dioncn frcindcn Göttcrn,

Welebe sic nicht kennen, nocli ihr, noch cure Vater.

■i Und ich sundte zu euch alle meiiit! Diencr, die Propbeten, joden Morgen sendend also: Tbut doch niclit diese Graueltbatcn, die ich basse.

.1 Aber sie börten nicht und ncigten nicht ibr Olir, sich abzuwenden vom ]?öscn, Nicht mcbr Raucboropfer darzubringen fremden Göttern.

fi Da ergoss sicb mcin Grimm und Zorn und brannte in den Stüdten Juda\'s und den Strassen Jerusalems,

Und sic wurden zur Triimmcrstiitte, zur Wüstenei wie an beutigem Tage.

15.

7 Und nun spriebt also Jahweh der Heerscharen, der Gott Israels:

Warum thut ibr so grosses Uebel (15uses) euch solbst,

Um euch auszutilgen Mann und Weib, Kind und Saugling aus Juda,

Kuch nicht (einmal) einen Kest übrig zu lassen?

s Mich zu kr fin ken durch die Thaten eurer Handc, zu riiuchern fremden Göttern, lm Lande Aegypten, wohin ibr gekommen scid um euch dasclhst aufzuhaltcn, Um euch auszutilgen und dainit ibr vverdet zum Flucb und zum Hohn unter allen Vólkern der Erde.

93

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Jeremia, Cap. 44.

9 Ilalit ihr vevgcsscn die Boshoiton eurcr Viitor iind die der Könige von Juda, Und die Bosheiten ilirer Weiber, cure Jioslieiten und die Boslieiten eurcr Weiber, Welcbe sic begangen im Lande Juda und in den Strassen Jerusalenis?

10 Sic sind niciit zcrknirselit bis auf dicsen Tag,

Und sic fürchtcten sicii niciit und wandclten nicht nach mcincr Wcisung und in meinen Satzungen,

Die icb vorgclegt babe eucb und euren Viitern,

C.

n Darum spricbt also der Herr der Hcerscbarcn, der Gott Israels:

Icb ricbte mciii Angcsicbt wider eucb zum Bösen,

Um auszutilgcn ganz Juda,

is Und icb erfasse den Kest Juda\'s, die ibr Augesiclit gericbtet, binzugeben naeb Aegypten, sicb dasclbst aufzubalten,

Und sic werden alle vergeben, im Lande Aegypten werden sic fallen, durcb Seliwert

und Hunger werden sic vergeben.

Von klein bis gross durcb Scbwert und Hunger werden sic umkoramen,

Und sic werden sein zum Kntsetzcn, zum Fluob und zum Ilobnc.

is Und icb wcrde abnden an denen, die sicb niedcrlassen in Aegypten,

So wie icb gcabndct an Jerusalem durcb Scbwcrt, Hunger und I\'est.

14 Und cs wird niebt blciben cin Plücbtling, ein Entronncner vom Reste Judas,

Die gckommen sind, sicb dort aufzubalten im Lande Aegypten und zuriickzukebren ins Land Juda\'s,

Wobin sie erbeben ibr Verlangen zuriickzukcbrcn, dasclbst zu wobnen;

Deun sie werden niciit zuriickkebrcn, ausser (einzelnen) Fliicbtlingen.

Der Prophet hat schon ilusserlieh die Dreitheilung der llede und den fort-sehreitenden Gedankengang dureh die Ueherscliriften inarkirt: (V. 2) ,Alao spricht dor Herr etc/, (V. 7) ,Nun also etc/ und (V. 12) ,darum also etc/ Die Dreitheilung entsprieht in der That den drei Zeitcn, in welehe alles Sein und Ge-schehen zerfiillt, Vergangenlieit, Gegenwart und Zukunft. Der erste Theil ist der Spiegel der Vergangenlieit, der kur/.cntsehwundenen, miterlehten und mit-erduldeten Vergangenlieit, der zweite Theil ist das Bild der triiben, nieder-drilekenden Gegenwart, die nichts gelernt und niehts vergessen hat, und der dritte Theil verkündet die traurige Zukunft, die unaliwcislich heranhricht und den letztcn Hoffnungsfunken ausloseht. So eini\'acli die Rede ist, so gewiihrt sie uns dennoch einen tiefen Einblick in das Gcmlith des grossen Duiders, dor sein Leben lang Unglück geschaut, gewarnt, gelittcn und geliebt hat.

Dor .15au der einzolnen Theile der llcdo ist ebenfalls gleiehmassig, und jedor Theil zerfiillt in zwei gleiche Absiltze. Der erste Theil bringt dom Volke im ersten Absatz die Sïmden .lerusalems in Erinncrung, und im zweiten Absatz die Ermahnungen der rrophoten, den Ungehorsam des Volkes, die infolge dessen hereingobrocheno Strafo und die erfolgte Zerstürung Jerusalems.

Der zweite Theil entsprieht soinem Bauo nach genau dom ersten, indem im ersten Absatz die bösen Thaten der Gegenwart dom Volke vorgehalton worden in fast denselben Wortcu wie in A j. Der zweite Absatz zeigt zwar koine

94

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Jkremia, CAP. 44.

Wortresponsion, wolil aber Getlankcnresponsion, (li(ï ilm in die engste Beziehung zu A, Strophe n setzt. Oline class das Wort ,erimierii\' odor ,ernKilineu\' verwondet wird, enthillt Absatz n vou A die Erin aim ungeu dureh ilie Propheton und damn scliliessen sicli in horizontaler licsponsion anch die Wortc, welche den zweiten Absatz in li beginnen: ,Habt ilir vergessen die Ucbelthaten enrer Vilter ete.\', also Erinnerung an die Ermahnnng.

Der dritte Theil verklindet nun ,Boscs\' fur ,130808\', d. ii. Strafe fiir Sllndo. Der jUeberrest\', der noch geblieben war, soil vernichtet werden, und klingt im ersten Absatz in dieselben Worte aus wie B i; ,und sie werden sein zum Fluch und zum Hohne\'. Der zweite Absatz knüpft dureh ein vieldoutiges Wort, welches ,gedenken, ahnden und straten\'1 bedeutet, an das ,Vergessen\' von B n und das ,Ernialinen\' von A n an. Durch den llinweis clarauf, dass die Abndung in Aegypten in iihnlichcr Weisc vor sich gelien werde wie die in Jej\'usalem, groift der Prophet voni Ende nach dein Anfangc zurt\'ick, woduich die Einheit und Einheitlichkeit der Rede geschlossen und gesichert erseheint.

In diesen wenigen Beinerkungen babe ich den Ban der Rede und den Ge-dankengang dersolben zu schildern versucht. Die drei neben cinander stebenden Columnen des hcbraischen Textes verdeutliclicn dies mebr, als ich dies durch Worte y.w thun vermag. Die Abtbeilung der /cilen soil nicht so sehr die Verse andeuten (denn die Rede ist Prosa), als vielinehr zeigen, wie die Gedanken im Geiste des Propheten entstanden und wie er sie schriftstclleriseh zum Ausdrucke gebracht hat. Dabei ist neben der Gedankencntsprechung audi die A\\rortrc8ponsioii zu beachten. Nichts steht für sich allein, sondern alles in beziehuiigsreicher Weise zur Ncbenstrophe, zur Ncbcncolumne und zum Ganzen. Ks klingt wie ein Frage-und Antwortspiel, wenn man die horizontal und vielfach audi vertical correspon-direnden Zeilen neben einander stellt und mit cinander vergleieht:

A

i,

1.

Ilir habt goselion all das Büso.

B

i.

t.

Waruiii tlmt ilir so grosses Uobel (Bösos) eueh solbstV

C

i,

1.

Ich richte inein Angesicht wider cuch zum Boson.

A

i,

2.

Wclcbos ich gebracht übei\' Jerusalem nnd alle Stiidto Juda\'s,

B

i,

2.

Um eucb auszntilgon, Mann und Woib, Kind und Siiugling aus Juda.

C

i,

2.

Um auszutilgcn ganz Juda.

A

3.

Und sic sind Trümmer heutigen Tages, kein Bowohnor darin,

B

i,

3.

Eucb nicht (einmal) einon Rost übrig zu lassen,

C

i,

3.

Und ich erfasso den Rest Juda\'s etc.

B

H,

3.

Und os wird nicht blciben ein Fliichtling, cin Entronnonor vom Roste Juda

A 1,4/5. Wogen des Boson, das sio gotlian, um mich zu kriinkon,

Indeiu sio limgingon und rftuchertcn und diontcn fremdon Göttcni.

95

1

Das Wort ipc als synonym, quot;i ,ge(lonkon\' Jer. !i, 10 nnd 15, 15; ;ds Gogensatz von n:r ,voi\'-gesson\' Ps. 119, 93 und 141.

ocr page 103

Jekkmia, Cai\'. 5.

Au,4 5. Aber sic horton nicht, neigten nicht ihr Ohr, sicli ahznwcndon voin Uöscn,

Nicht mehr Riiucheropfer darzubringen fremdcn Göttcrn, 15 l, 4 Mich zu kriinken durch das Thun curcr Hiinde, zu rtiuchcrn frcmden Göttcrn.

Caput 5.

Eine ilhnlich gebaute Jlodc biotut Ca|). 5, V. 1 — 2!), die cbcnfalls ans drei Columnen bestelit. Die Rede ist tlieils aus langen prosaischen Siltzen, tbeils avis kurzen rhetoriseh wirksamon Vorsen abgefasst. Jede der drei Columnen zerfiillt in je vier unglciche Absclinitte, die aber uur theilweise und nicht seliarf genug mit einander eorrespondiren, Ich habo dieselbe unter den hebriiisehen Texten S. 20 mitgetheilt. I)ie Spuren der Rcsponsion sind insbesondere in den ersten Absiltzen noeb erkennbar:

96

T.

i Strcifet in den Strassen Jerusaleins und scliaut dort und erkundet und suchct auf ihren Platzen, ob ihr Jemand findet, ob eincr ist der Kecht ausii))t, Trcuc sucht, so will ich ihrvergeben. 2 Undwenn sie auch ,so wahr Jahweh lebt\' sprcchen, so sehwö-ren sie darum doch falsch. 3 Jlerr, sind deine Augen nicht gerichtet nach dor Treuc? etc.

IT.

m Bcateiget ihrc Mauern und verdorbet, aber verniehtet sic nicht ganz, cntfornct ihro Roben, denn nicht Jahwoh\'s sind sic. n Denn treulos wurden an inir das llaus Israel und das llaus Juda, ist .laliweh\'s Spruch. i-\' Sic ver-louguen J ah well und spre-clicn: ,or ist nicht\' und nicht wird über uns kotninen Unglück und Schwert und Hunger sehen wir nicht.

III.

ao Saget dies an im llause .Takobs und verkündot es in Juda also: 21 Ilüret doch dies, thöricbtos und unverstiindiges Volk, das Augen hat und nicht sieht. Olmen hat und nicht hort. 22 Mich wol It ihr nicht fürebten, ist Jabweh\'s Spruch, vor mir nicht erbcben, der ich ge-sotzt Sand zur Gronzc des Mcores etc.


Die je zweiten Absiitze sind in den dreiTbeilen verschieden gestaltet und bieten keinc Berührungspunkte unter einander. In Form und Iniialt eorrespondiren wieder die Absiitze 3. Im Absatze 1, wird die Bestrafung Israels bildlieli gesehildert. Die Tbiere des Wal des, Löwe, Stoppenwolf und Panier, werden ilirc Stiidte verheeren, weil ihrc Sünden gross und zahlreieb sind. Absatz it, 3 setzt für die Tbiere des Waldes den Feind ein, und 111, 3 erklilrt die Ursaebe dor Bestrafung.

I, 3.

6 Darum schliigt sic der Löwe des Waldes,

Dor Wolf\' der Steppe vorheert sie,

Der Parder lauert an ihren Stiidten.

Wer horausgcht wird zerrissen;

Denn zahlreieb sind ihro Sünden,

Gross sind ilire Uebertretungcn.

II, 3.

17 Er (der Feind) vorzehrt deino Ernte und dein lirod,

Sic verzebren deine Söhne und deine Töchtor,

Er verzehrt dein Kloinvieh und deine Kinder,

ocr page 104

Jeuesiia. Cai». 5 und no.

Er verzehrt deinon Weinstock und deinen Peigenbaum,

Er zei\'stört deine festen Stiidte,

Auf die du vertraut hast, mit dein Sehwerto.

in,

26 Denn in meinem Volke sind Frevler,

Die lauern wie der Vogelsteller, der sieli duckt.

Sie stellen Fallen, Menschen fangen sie.

27 Wie ein Kilfig voll Vogel,

So sind ilirc Hiiuser voll Trug.

Darum sind sic gross und reieh geworden.

Absiit/- 4 hietct endlich in jedem Schlussverse eino wörtlk\'lic Wicdcrholiing odcr eine gedankliche Coi-respondcnz, wodurch wieder die Hiidieit und lOinheillichkcit der Rode verbüi\'gt crschoint.

!)7

!i Soil ich dergleicben nicht ahnden, ist der Spruch JaJi well\'s, odor an oinem solclion Volke sicli nicht riielicn incine Seolo?

in . . . Wio ihr inieli verlassen und godiont liabot fromden Göttorn in eurein Lande, so sollt ilir Froiu-den dienen, in cineni Ean-do, das niclit cuer ist. !

an Soli ioli dorgloichcn nicht a linden, ist der Sprueh .1 ah well\'s, odor an eiiiem solclion Volke sicli niclit riiclicn mcino SeeleV


Caput 30.

Die drei Reden Jercmia\'s, die ieli liier bespi\'oclien und analysirt luibe, sind zweifellos eelit, d. li. sic rilliren gewiss von .loremia lior, darin stinnnen alio Kritikcr liberoin. Sie cigncn sioh also selir wolil I\'iir die l\'j\'scliliessiing des Tvpus der Jereniianischen Reden. So verscliicden sie ihrein inlialto und W\'osen naoli auch sind, aus so verscliiedenen Zeiten sic ancli stainmen, die Art dor Coniposition ist die gleiche. Mit dein so gewonnenon Typus dor .iereinianisclion Heden in Handen, will icli mm versuclicn andere Weissagnngen .lerentia\'s anf ilire Kebtheit und die Art ihrer Composition y,u priit\'en. Icli will dafiir zuniielist das vie! umstrittene Capitol 30 walden. Don Stand der Kritik lindet man bei Giesebukcht kurz und geschickt skizzirt. Danacli fiihrt Movers V. 1—7 aut\' einen cxilisehon ros|). nach-exilischen (deuterojesaianischen) Rearbeiter zurilck, m: Wette erUliirt V. 10—11 für deuterqjesaianisch, Hitzig streielit die Verse 4 -H. 10 f., la, l()b, 17\'\', \'2•-!—24, Cornill bezweifclt die Kclitlieit dor Verse I Of., 15, 22, da sie in i.xx fclden. Sicher hinzugesctzt sind die Verso 23 ff., welche liier in den /usammenlmng nielit passen (ef. 23, 19 ff.). Seine eigene Meinung drilekt cgt;if.sehrecu i also aus: ,Ueberblickt man die Streichungen dor Autoren, so muss sowold der Mangel an llebereinstimmung, als die Abgerissenheit dos Restes auffallon. Dagegen ist das (\'apitel im Ganzen niclit unzusammenhilngend.\' Giesburecht erklilrt daher das Capitol nacli dem Vor-gango Vatke\'s als Product dor spilteren Scliriftstellevei, obgleich er zugibt, dass ,Jcremianische Wcndungon und originelle Gedanken darin vorkommen\'.

Die Ueberselirift, welche das Capitol tragi, ist allerdings sohr oigentht\'unlicli, ich glanbe aber nicht, dass sic als entscheidend in dor Frage der Eclithoit angc-sehen werden darf. Die Thatsache, dass V. 10 —11 dcuterojesaianische Verwandt-

D. H. Mü I lor. Die Propheten. 7

ocr page 105

Jkiikmia; CAT. 30.

seliiift zeigen, künnte liöclistens beweisen, dass dieses StUck ein spiitorcr Zusatz sei, wie sciion dk Wktth angeuommen hat. Die ,ioekci\' au oinander gehiluften Jeremia-niseheu Wendungen\' in V. 12 17 spreeiien doch nicht gegon die Echtiieit, auch der jfViidbare Gedankensprung\' in V. 1G ist nicht von Bedeutung. Gerade hier wird sich ein echt Jeremiauischer Zug zeigen.

Frcilich niöchte ich die Frage, ob das Capitei oder bcsser gesagt die Rede V. 5—25, von Jeremia iicrrlihrt, oder von einem seiner Jl\'inger niedcrgeschrieben worden sei, hier nicht entsciieiden, aber die Prtifung der Goniposition der Rede wird vielleicht anch auf diese I^rage einige Streifiiciiter werfen. Die Rede zer-fiilit in droi Theile, die sciion im massoretischen Texte angedeutet sind. Die Drei-theilung ist anch dnreb die Ueberschriften: ,l)cnn also spriclit Jaiiweh\' gesiehert. Frilfen wir die einzelncn Theile, so ergibt cine sinngemilsse Analyse, dass

der erste Theil (A) ans drei vVbsiitzen: i (V. 5 — 7); n (V. S — il); in (V. 10—ll), der zwcite Theil (B) aus zwei Absiltzen: i (V. 12—15); n (V. 10—17), der dritte Theil (C) wieder ans drei Absiltze: i (V. 18—20); n (V. 21—22); in (V. 23—26) besteht.

Das Fchlen des dritten Absatzes iin zweiten \'i\'heilü ist gegen jeden Usus der Jercmianischen Composition. Die beiden letzten Absiltze von A und C, welche der Kritik ohnehin als spiitere Znslltze stark verdilclitig waren, erscbeinen jetzt (birch den Ausfali des dritten Absatzes in B als ganz in der Luft schwebend. In der That zcigt A in (V. 10—11) durch den Ausdruck ,mcin Knecht Jakob\' (sonst nie bei Jeremia!) nnd durch die Anrede ,iind dn\' (vgl. Jes. 41, 8. 10. 14; 43, l) deuterojesaiivnische Verwandtschaft. Dazu koramt noch, dass dor ganze Absatz auch Jer. 1(1, 27—28 wortiich wiederkchrt, und zwar an einer Stelle, wo er naclx Inbalt und Responsion bcsser passt.

Auch (J ui (V. 23—25) stimint dnrciiaus nicht in den Zusanuuenhang dieser Rede, wie schon vielfach bemerkt worden ist, nnd die ersten fünf Zeilen (mit geringer Abwcichung) finden sich bereits ,lcr. 23, 19 — 20 in entsprecbender Ver-bindnng. Dort erwachst der Absatz organisch aus dein Geiste der Rede, wilhrend er hier ganz ilnsserlich angesetzt ist. Interessant ist dabei die Wahrnebmung, dass derjenige, welcher den Absatz cingeftigt hat, sich bcmUht zu liaben scheint, ihn unserer Rede anznpassen. Es gelang ihm zwar nicht, dcnselbi\'n mit unserer Rede gcdanklich in Verbindung zn bringen, aber wohl durch die iiblichc poetischeTechnik, die Responsion.

Dort (Jer. 23, 20) schliesst der Absatz mit den Worten:

,Wcnn sic aber gestaiulen in moincm Rathe, so mogen sic vcrkünden (horen

lassen) meine Worte dem Volke Und sic zurilekbringen von ihrein bösen Wandel und ibren bösen Handlungen.\'

Diese Zeilen respondiren auf die Worte der vorangehenden Strophe (23, 18):

,Denn wer bat gestaiulen im Katbe Jabwcb\'s, dass er gewahre und höre sein Wort Y Wer bat vernommen sein Wort und cs gebört?\'

Bei der Umstellung des Absatzes hat der Bearbeiter den vorgefundenen Schluss-zeilcn von C n unserer Bede cine Responsion anznpassen nnd so wenigstens ilusserlich die Verbindung herziistelien gesneht. C n schliesst in unserer Rede (30, 22);

98

ocr page 106

■Ieukmia, CAI*. 30.

Und ihi\' werdct mir zuin Volke sein,

Uiul ioli werdc cuch zuin Gotte sein.

Dcmentspreclicncl Hess der Boarbeitor dio ilun als Responsion nicht passenden Schlussvcrso weg- und sctzte dafili\':

In jener Zoit, spriclit Jahweh, worde icli zum G otte sein allen Geschlechtem Israels, Und sie werden mir zum Volke sein.

üiese Thatsaclic ist audi ftlr die Geseliiclite der Responsion selir bcaelitens-werth, weil daraus ersielitlieh wird, dass der spiitere liearbeitcr es t\'iir nötliig hielt, das Gesetz der poetisehen Technik nicht zu verletzen.

Wilhrend also die letzten Strophen von A vind C aus verschicdenon Grimden als spiitere Zusiltze sich enveisen, zeigt die Jicde selbst (nach Weg\'lassung dieser Anhangsel) ganz den Rau der Jereinianisehen Reden. Es t\'eidt zwar Wortresponsion, dafür ist aber horizontale Gedankenresponsion nicht wegzuleugnon. Ich lasso iiier die Rede selbst folgen:

A.

.rgt; Deun also spricht Jiihweh;

Stimrne des Schreckens horen wil\' — Fureht und kein Friede.

igt; Fraget doch und schot zu, ob ein Mann gobiort?

Warum sehe ich joden Mann, die Hiinde auf den Hüfton, wie eine Gebiirerin, (Und warum) sind gewandelt alle Gcsichter in Bliisse?

7 Woho! demi gross ist jener Tag, keiner gloicht ihm,

Und eino Zeit der Drangsal ist, es fiir Jakob, doch or soil daraus gerettet werden!

s Und es wird geschehen un jenein Tage, ist der Spruch des Ilerrn der Ilcerscliaren, Da werde ich zerbrechen sein .loch von deinem Nacken,

Und deine Bande werde ich zerreissen,

Und nicht werden Fremde ihn (dich) mehr dienstbar machen,

11 Sondern sie werden dienen Jahweh, ihrem Gotte,

Und David, ihrem Könige,

Welehen ich iiinen aufstellen werde. i

15.

12 Denn also spriclit Jahweh;

Bösartig ist dein Bruch, sehmerzhaft dein Selling.

is Niemand halt deine Krankheit für heilbar, Heilmittel von l\'irfolg sind ftlr dich nicht da. M Alle deine Liebhaber haben dich vergessen, kiiinmern sich nicht uin dich,

Da ich dich wie ein Feind gescblagen mit grausamer Zücbtigung.115 Was schrcist du über deinen Bruch, tiber den bösartigen SchmerzV

Wegen der Menge deiner Sünden, weil gross sind deine Vcrgehcn that icli dir dies.

ui Darum sollen alle, die dich tressen, gefressen werden,

Und allo deine Feinde, sie allo sollen in die Gefangenscbaft wandern,

Und die dich berauben worden dom Raube anbcimfallen,

Und die dich plündcrn will ich der Pliinderung anbeimgebon.

7*

1

lm mnssoretischen Texto folgt hior: ,Wogen ilor Mongo deiner Silndon, weil gross sind deine Vorgelien,\' was abcr augenscheinlich oine Dittographio aus Z. 7 ist.

ocr page 107

Jerbmia, CAP. 30.

it Dcnn Ilcilung werde icli dir verschaffen,

Und von deinen Wunden dieh heilen, ist Jalnveh\'s Spruch,

Wcnn sic Vcrstossonc dieh audi nannten, Zion, nm die sicli Niemand kümmert. j

C.

18 [Denn] also spviclit Jahweh;

Ich bringe zuriiek die Gefangenscliaft der Zelte Jakobs und seiner Wohnungen er-barmc icli mieh.

Und erbiuit wild werden die Stadt auf ilirein Schutthaufen, und der Palast bewohnt werden nach seiner (alten) Weisc.

in Und ausgeben wird von ilmen Danklied und fröhlieher Laut,

Und icli melire sio, dass sic niclit abnehmen, und ich elire sic, (lass sic nicht ver-achtct seien.

2» Und es werden seine Hölien sein wie in der Vorzeit, und seine Gemeinde wird vor mir bestehen,

Und ahnden wcrdc ich allc seine Driinger.

21 Und es crstclit scin Maehthabcr aus iinn,

Und sein llcrrscher gcht licrvor aus seiner Mitte,

Und icli lasse ibn inir nahen, und er wird an tnich hcrantretcn;

Dcnn wer ist es, der soin Ilerz einsetzt.

An micli hcranzutreten? ist Jaliweh\'s Spruch.

22 Und ibr wei\'dct mir zum Volk sein,

Und ich will cuch zinn Gott scin.

Dor Inhalt mid der Gedankengang der Hcdo gcstaltet sicli folgendcrmassen;

A. Absatz I (V. 5—7): Scdireckcnstag, grosse Notli und Aussicht auf llilfe,

Absatz ii (V. 8—!)): Erliisung vom frenidcn Joclie und Aufricbtung dor natio-

nalen Dynastie.

B. Absatz i (V. 12—-15): Scliniorzlial\'te Krankbeit in Folge der grossen Simden,

Verzweifhuig an der Ilcilung, wodnrcb sieli cine gewisse Correspon-denz zu A i ergibt.

Absatz ii bietet zwar in Bezug aut\' i ,einen flliilbaren Gedankensprung\', wie Giesebiieciit mit Hecht bemerkt, bedenkt man aber die Bcziehung dicser Strophe zu A n, so ist der salto niortale erkliirt. Der Absatz, worin die Zliclitigung der Untenlrilcker verkiindet wird, liest sieli als Fortsctzung von A n, wo das Zerbrcclicn des fremden Joclics gewcis-sagt worden ist. Witlirend aber die ersten vier Zeilen der Strophe gedanklich A n fortsetzeu, greift die Strophe mit dem letzten Satze von der erfolgten Ilcilung und dem llinweis auf die Entfrem-dung der Kreunde nach 1? ii, 3—-4 zuriiek. Dadurcb ist die Echt-hcit des Stückes, ich möclite sagen, geometrisch gesichert.

C. Absatz i correspondirt wieder horizontal mit A i und Ji i, die Corrcspondenz

ist aber nicht cine paraHglc, sondern eine antithetische. Der Schrccken des plötzlich hereinbreehenden Ungliieks ist gcwichen, die schnierz-reichcn Wunden sind geheilt, der Wiederaufbau der Stadt und die Wiederaufriehtung des Staat® erfolgt.

Absatz ii ist vollkommen parallel mit A ii: Ein Herrscher aus dem Hause David und Jahweh als Gott.

100

ocr page 108

Jeuemia, Cap. 10.

Caput 10.

Wir wenden uns nun zu einer weitcren Rede Jeremia\'s, deren Eelitheit viel-facli bezweifelt worden ist und mit deren Text ausserdein nxx und Kritik nach Outdiliiken gewaltet haben, es ist Caj). 10, worin dor Prophet die Niclitigkeit dcr Götzon schildert, und die Grosse Jahweh\'s ihncn entgegenstellt. Die Gri\'mdo, weleho man gegen die Eelitheit ins Troffen führt, sind nicht überzeugend, der Gogensatz zwischen der Uode Cap. 7 — 10, ,wo dcr Abfall des Volkes zu den Götzen voraus-gosetzt\' und dicser lledo ,wo vor dem Abfall crst gewarnt wird\' sclioint mir nicht contradictorisch genug zu sein, um niclit vercinbart werden zu kunnen. Die Berührungen mit der deuterojesaianischen Darstcllungsweise, auf wclche besonders Graf verweist, sind noch kein Bowois fUr die Abiiilngigkeit vom Deutcrojesaia; das Gegeutlicil, dass Jeremia zuerst diesoii Ton angoschlagcn, ist schr wohl inoglich.

Die zweite F rage, die Bescliaffcnlieit des Textcs, ist meines Krachtens auch nicht von der richtigen Seite angefasst worden. In der i,xx lelden mehrcre Verse, andere Stüeke beHnden sich an unrechter Stelle. Die cigcntliiiiuliche Ucihenfolge der Siitze, die in einer Wiedcrholung dcrsclhen odor iihnlicher Gedankcn bestehen, maehen auf den einen (Joinmentator den Kindruck eincs ,znsanimenhaiig!osen (!e-rölls\' (Giesehuecht), wilhrend cin anderer hierin den Voiksredner zu erkennen meint, der sein Thema immer wieder in anderen Worten zu bringen suciit (Lazarus). Freilich, wenn die ganze llcde cin ,ziisammeidiangloses Geriill\' ist, daim dart\' man ohnc Wcitcres annchmen, dass sio vom Zufall in diese Form ge])racht worden ist. Dcr urspriingliche Bestand ware abor dann kanin wieder zu erkennen; deun die Schichten, wclche llmarbeitnng, Verscdireibung und Versionen angesetzt hahen, könnten von der Kritik nicht nichr auscinandcr gehalten werden.

Liegt aber hier wirklich cin zusanuuoniiangloses Geröil vor und nicht vici-mehr cin nacli bestimintem Plane aufgefiihrter liauV - Wenn wir aus einem sehein-baren Geröil drei Silulen reeonstrniren kiinnen, von denen jede gleich oder ahnlich gefertigte Basen, gleichmiissig gearbeitcte, durch Darstcllnngen mit cinan-der in Bezichung gebraebte Mittelsti\'icke und eiiiander ents)irechcnde Capitiile aufweisen, sind wir da niidit berechtigt anzunchinen, dass cinmal die drei Silulen von Einem Meister errichtet worden sind?

In der That braucht man nur diese Rede niederzusehreiben und, wie es dcr massoretische Text gethan, in drei (be/., vier) Tlicile abzutheilen, so ergeben sich drei Coluinnen, von denen jede sinngenulss wieder in drei Absiitze zerfallt, die cin ander horizontal entsprechen.

A.

i Ilörüt ilus Wort,

Das Jahwcli zu ouch spriclit,

lluus Israels!

ü Also spi\'lclit Jalnvcli:

An den Weg dor Völkcr gowöhut cuch nicht,

Und vor den Zeichon dos Hiimnels zaget nicht,

Wenn iliu Völkor auch vor densclben zagen.

101

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jkuemia, (Jap. 10.

3 Demi dio Satzungen dor Völker sind nichtig,

Demi als Holz aus dem Waldo hat man es gefiillt,

Kin Werk der Hiinde des Künstlers mit dein Werkzeug.

i Mit Silber und Gold ziert er es,

Mit Nageln und Hammer befestigt er es, dass es nicht wanke.

6 Kiner getriebenen Palinensiiulc gleieh reden sic nicht,

Gctragen werden sie, weil sic nicht schreiten können.

Piirchtet cuch nicht vor ilinen,

[Und vertraut nicht auf sic];

Demi sic können nicht schaden,

Aber auch wohlzuthuu steht nicht bei ihnen. |

15.

igt; Niemand ist wie du, Jahweh!

Gross bist du,

Und gross ist deine Name durch Macht.

\' Wer solltc dich nicht fürchten, König der VülkcrV Demi dir gebührt cs ja.

Deun untcr allen Wcisen der Völker Und in allen ihren Reichen ist Niemand wie du.

8 Durch eincs sind sic (die Völker) dumni und thöricht;

Kine Lehre der Nichtigkeiten, Holz ist es.

9 Gepliittetes Silber wird aus Tarschisch gebracht Und Gold aus Uphaz.

Kin Werk der Hiinde des Schnitzers und Goldschmicds,

Purpur und Scharlach ist ihr Gewand,

Kin Werk weiser (Künstler) sind sie alle.

10 Jahweh allein ist der wahre Gott,

Kr ist ein lebendiger Gott, ewiger König,

Vor seincm Zorn erhebt die Krde

Und nicht ertragen Völker seinen Grimm.1

C.

13 Kr schuf die Krde durch seine Kraft,

]5creitete die Welt durch seine Weishcit,

Und durch seine Kinsicht spanntc er die Himmel aus.

13 Auf seinen Uefchl sind Wassermengen am Himmel,

Und aufsteigen lüsst er die Wolken vom Ende der Krde,

Blitzc schuf er für den Kegen,

Und den (Sturm)wind entsendete er aus seinen Kaïnmern.

m jVerdummt ist jedcr Menscli fürs Krkennen.

Ks schitmt der Goldachmied sich seines Gebildcs;

Demi Kügc ist seiu Gaaswerk,

102

1

Uie zweite Columno feldt in der Septuaginta. Dass sie aber eiinnal vorhanden war, beweist ein kleines Fragment dor Columne 15 n, 3—6 von ,Gepliittetes\' bis ,Gewand\', welches jetzt in der i.xx zwlschen Zeile li und 7 von A u steht, wo es augenscheinlicli zwei eng zusammenhaiigeiKle iSiitze sprengt.

ocr page 110

ji;uu.mia, Cap. 10.

Und koin Gcist in ilinon (sic sind leblos).

is Niclitiges sind sic,

Ein Work der Vcrirriing,

Znr \'/A\'.it iliror Alindung gulicn siu zn Grimde.

in Nicht wie dicsc ist der Tiieil .Inkobs;

Demi der Hildncr lies Alls ist er,

Und Israel ist iler Stiunin seines Besitzos,

.laliweli der lleerseliaren ist sein Name. |

Ein Blick auf die Tcxtgrujipinmg, wic ich sie gegoben, zcigt, (lass die Kecle in 3 Theile zerfiilit. A (Vers 1 - rgt;); B (Vers 6— to); (J (V. 12—16). Vers 11 wirtl als fremclcs Element, das selion dureli die arainaiselie Spraelie als (ilosse erkennbar gemaeht ist, eliminirt. Der Gedankengaiig in den drei Tlieilen der Rode ist ein gleielimassiger. Das mittlere Stliek ist in alien drei Tlieilen dor Nielitigkeit der Götzen gewidniet und es klingen oinzelne Aiisdrueke und Wondungen aus dem einen Absatz in den andern liiniiber.

Das letzto Glied von A seliliesst mit der Malinung, die Götzen nielit zu fürehten, denn sie könnten weder niitzen noeli sehaden, im letzfen (iliede von B wird im Gegensatze dazu Jaiiweii als der walire, lebendige Gott und ewige Künig gesebildert, vor dessen Zorn die Erde erbebt und dessen Griiniu di(ï Völker niebt ertragen kcinncn. Daran seliliesst sieh im lotzten Gliede von C die Bescbreibung dos Verlialtnisses Jalnvcli\'s zu seinom Voiko Israel, womit auf die Amcde (A i) zurUckgegrifFeu wird.

Aueb die drei ersten Absiitzc sleben zu eiuander in eiiier gewissen Bezie-bung. Der Anrede Jaliweii\'s an sein Volk in A i, die W\'eise der Völker nicht nacbzuaiimen und vor deu Zoielicn des Ilimmels sieh niebt zu iingstigen, entspriebt in B i die Seliildorung dor Maebt Gottes in der Gosebielie und seine Bedeutung für die Bestimmung der Seliieksale der Völker,1 wogegeu in Ci die Allmaebt Gottes in dor Natur bervorgelioben wird, dor also die ilimmelszeichen belierrsebt.

\\Vio genau die horizontale Gedankenresponsiou bier durchgefiihrt ist, ersiebt man am besten, wenn man das Stliek horizontal zu lesen versueht, d. h. A i, B i, C i, dann A u, B u, C n und oudlieh A in, 15 in und (\' in.

Glaubt nun jeinaud ernstlieh, dass aus oincin zufilllig zusaninuuigcwlirfeltcn Conglomorat solelie drei regehuassige Coluinnen mil genau gemessenen und bo-reehneten Ein- und Absehnitten entstehen koniiteny Oder liiill man es für inöglich, dass das mittlere Stliek (V. G—10), welches in der Septuaginta fehlt, sieh abor als ein Abbild der zwei anderen MittelstUeke erweist, von dor Hand eines spiltern Bearbeitors eingefiigt worden sei, und dass diesor Bearbeiter V. 9 (don ja aueh lxx hat) in diese Coluinne hiiulbergononimen babe? — 1st abor die Rede von Einer Meisterhand gefertigt worden, so muss man mit dor Ueberlioferung don Propheton Joremias als diosen Meister bezoichiien; denn die Art dor Composition ist dieselbe, wie wir sie an anderen Heden Jeremia\'s kennen gelernt liaben.

Naehdom nun die Theile der Rede wie die einzelnen Absiitze dorselben go-siehert orscheinen, und dor Zusammonliang sowohl in vertiealcr als in horizontaler

1

Ueaclito den Epanodos in Strophe 1! i; .Niemand ist wie du\' am Anfang und ,ist Niemand wie du\' am Elide.

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Jeremia, CAP. 10.

Kichtung nachgowiescn worden ist, so bleibt noch die Frage zu erlcdigcn, ob die Eintheilung der einzelnon Absttt/e in Zeilen von dom Propbeten beabsichtigt und durchgefübrt worden sei. Dass in einor solelion gedankliclien Glicderung aueli cin rhythmischer Takt liorrschen muss, stclit ausser Zweifel. Das Princip der Eintheilung, wie icli sic durchgeführt habc, ist in den liberwiegenden Filllen cin gedank-licbes und nur scltcn wird dor Rhythmik zu Liebc davon abgewichen. Eine statistische Ucbcrsicht wird dies deutlicli inachen. Die Rede hat im Ganzen 3 X (7 7 4) = 54 Zeilen. Hieven bilden 44 einhcitliche, abgeschlossene Siltze. In drei Filllen (7 Zeilen) bilden je zwei, beziehungsweisc drei Zeilen einen abge-schlossenen Gedankcn, so z. Ij. gleich zu Anfang:

Ilörct das Wort,

Das Jaliweh zu euch spricht,

Haus Israel!

wo also der Relativsatz und der Vocativ aus gedankliclien und rhythinischcn Gritn-den f\'ür sich je cine Zcile in Anspruch nchuien. Fei\'ncr V. 7:

Demi unter allen Weisen der Völker [ist keiner wie du]

Und in allen ihren Reichen ist keiner wie du,

wobei im ersten Verse das Priidicat aus dein zweiten ergiinzt werden nmss. Des-gleichen V. 9:

Gepliittetes Silber wird aus l\'arsolnseh gebracht,

Und gediegenes Gold [aus Opliir gebracht],

wobei umgckehrt das Priidicat im zweiten Satze aus dem ersten zu ergiinzen ist.

Dagegen sind wieder drei Zeilen scheinbar zu lang und mehr als Einen Gedankcn enthaltend, in Wirklichkeit abcr ist der Ausdruck nur voller und die Wortc bergen immer nur einen Gedankcn. Die drei Zeilen folgen einander:

Mit Niigeln und Iliiminern liet\'estigt er es, dass es nicht wanke,

Kiner getriebenen Palme gleich reden sic nicht,

Getragen werden sic, weil sic nicht schreiten können.

In der That gibt der Psalmist den Sinn der letzten zwei Siltze in kurzen Worten wieder (Ps. 115, 5 — 7): ,sic babon einen Mund und sprechen nicht, sic habcn Füsse und gehen nicht\'.

Noch cin Punkt muss crörtert werden. Wilhrcud in allen Absiitzcn die Zcilen-zahl ungezwungen sich ergibl, musstc in A in ciuc Zcile ergiinzt werden; denn der Ubcrliefcrte Text liisst sich nur in drei Zeilen abthcilen. Die Ergiinzung be-dari\' abcr einer llegründung. Die kurze Strophe lautct:

Fürchtet euch nicht vor ihnen

[Und vertraut nicht auf sie];

Denn sie kunnen nicht schaden,

Abcr auch wohlzuthun steht nicht bei ihnen.

Lassen wir die von mir ergtinztc zweite Zcile weg, so bleibt eine Gedankcn-liickc, und die vierte Zcile steht daim ganz unmotivirt da. Wird dicsc Ergiinzung sehon sinngemass gefordert, so bin ich auch in der Lage aus cincm anderen Grimde mindestens wahrscheinlich zu maclien, dass dicsc Zcile in der That ein-mal dagestandcu hat und ausgcfallen ist.

104

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Jeukmia, Oai\'. 4(gt;.

Iti den Psalmen (115 und 135) Hrulcn sich Schildcrungen der Götzcn, die dem Ausdruekc und dom Sinne naeh von dicscr Rede sicli ablutngig erweisen. Dort ist nur das in dieser Rode in grossen, poetisehen Striehen Angedeutete um-stiindlich und prosaisch breitgetretcn worden. Wcr aber nocli zweifeit, ob dort eine Entlehnung vorliegt, den verweise ieh auf die Vergleielmng der letzten Zeilen von Ci mit Ps. 135, 7. Nun tiiulet sich dort 135, 18 (=115, 8) der Satz: ,Wie sic (die Götzen) sollen ihre Anfertiger sein. Alle, die auf sie vertrauen\'. Es ist doch mindestens wahrseheinlieh, dass diese Phrase der Vorlage, nllmlieh unserer Rede, entnommen worden ist. Nachdem also Strophik, Sinn und seeundilre Ueber-lieferung die Ergilnzung fordern, so glaubte ieii mieh bereehtigt, sie in den Text aufzunehmen.1

Caput 46, 1—12.

,Ueber Aegypten. lJel)er das lieer des Pharao Neko, Konigs von Aegypten, weiehes am Flusse Euphrat in Karkemiseh war (lagerte), weiehes Nebnkadnasar, Kcinig v(m Babel, sehlug, im vierten Jahre des Jehojakim, Solmes des .losia, Königs von Juda.\' (Gü5 v. Ch.)

•\'i Rüstct Schild und Turtschc und rücket horan zur Schlacht!

•1 Schirret nn die Rosse und steiget auf, ilir Reitcr, und stellet eucli auf in den Helmen,

Glattet die Lanzen, leget an die Panzer!

rgt; Warum sehe ieh sie verzagen, zurückweiclicn,

Und ihre Helden niedergeschmettert die Plucht ergreifen olme sieli umzuwenden? Schreekcn ringsum! 1st Jahweh\'s Sprueh.

o Nicht wird entrtichen der Lelchtfüsslge, nicht entkommen der Held,

Nordwiirts amUfer dtis Euphratstromes strauchelten und flelcn sic.

7 Wcr ist es, der einpor stelgt wie der Nllfluss, dessen Wasser brausend heranrücken? s Aegypten stelgt cm por wie der Pluss, wie Strönie brauscn hcran sclnc Gowiisscr.

Er spricht: Ich will Hufstelgen, hedecken das i.aud, vernichten Stadt und licwohncr. \'■gt; Kominet hcran Ihr Rosse, und raset Ihr Wagen, und auszlehen mögen die Holden,

Kusch (Aothloplen), Put, selnldgewappnct, und Lydler, welche Pogen halten (treten). io Und jener Tag 1st für den Hcrrn Jahweh der Heerscliaren cin Tag der Raehe, sich zu riichcn an seinen Pelnden,

105

1

Um Jedorni,\'11111 oin raschos Urtholl iiboi\' die abvvoiehciiden Ansichton dor Kiitik iiber dieses Capitel zu ennogliclion, seize, ich aus Giuseiiioicht Soito (\'ei, eiuo Stelle hierher, welclie die An-scliauung der inoderiion Coraentatoron ziisanimonfasst: ,Uoborbliekt man dieaon Gedankengang, so bat man boi der bostiiiidigou Wioderboluiig dosselbeu lidialts de» Eiudruck eines zusammenbang-loseu Geriills. Doch hebt sicli manche Schwiorigkeit durch i.xx, welclie zum Tbeil den besseren Text bieten. Ihr Text entspricht: V. 1—4, V. 9, V. 5, V. II -l(i. Demnach scbeinen sie V. 0—8 überhaupt nicht vorgefunden /.» liftten, und in der That unterbrochou diese Verso don Zusammen-liang. Sie sind eine psalmartige Erweitoning zu V. 12—1(\'gt;, V. 9 schoinou i.xx als Randglosse zu V. 4 ft\', vorgefunden und nothdilrftig in den Text gofügt zu haben. Sic bitden nur eine matte Wiedor-bolung dor Verse 4 ft\'. An dom mittleren Thoile liaben i,xx Kritik geilbt. V. 11 kann kein urspriing-lichor Uestandtlieil dos Toxtos sein, das zoigt 1. .soino aramilischo Sprache und \'2. dio Untorbrochung des Zusammenlianges, die er bewirkt. Es ist eino alto, sohon den i.xx und Cap. 51, 15 ft\', bekannte Glosse zu V. ü\'1; demi V. 12 verlangt V. 10 vor sicli. I\'m dieser Glossen willen liabeu nun lxx V. 10 gestrichen, der zvvisclien V. 6 und 11 schr storend war. Als ursprilngliclieu Text kann man doni-nach betrachten: V. 1—5, V. 10 und V. 12—16, ein dor Art Uouterqjesaias entsprechondes Stück, das roligiöser Begeisterung nicht ermangelt.\'

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Jeuemia, Cat. 4(i.

Uiid fressen wint das Schwort und sicli siittigon und siuh volltrinkcn von ihrcm Blutc; Dunn cin Sclihichten ist os für den llorrn Jahwoh der Hcerschiiren ini Nordland am Euplirathstromc.

ii Stoigo cinpor nacli Gilend und holci IBalsam,

.) ungfrau, Tocliter Acgyptons!

Vcrgeblich hilufat du Hcilmittel,

Heilcrfolg wird dir nielit werden.

ia Es hören die Völker deiuo Schmach,

Und dcines Gesclircics ist voll die Erde;

Denn Held iiber Held strauchelten sio,

Zusainmen fiolen beide. |

Wiilircnd ÖcnwAiiLY mul Smend die Capitel 4()—51, welchc Weissagungcn über die licidnischon Volkcr cnthalten, siimmtlich für unecht erklilrt und dom Jeremia abgesprochcn luvbcn, hat sclion Giesbbkbcht nicht init Unrecht gegen die Abiirtheiliing in Bausch und Bogen sieh ausgesproehen und manche EinschrUnkung dieses allgcineinen Urtheiis gefordert. Es ist hier nicht der Ort, diese Fragc des Weitcrn zu crortern; ich muss mich zunilchst nur auf (li(^ herange/.ogenen Capitel bcschriinken. Trotz aller Reserve in Bezug auf die lleidcnorakel erklilrt sich auch Gieseurecht für die Unecbtheit dieses Stückes. Ich bin nicht im Stando die Echthcit y.n bewcisen, aber die für die Unecbtheit angeführten GrQnde rcichen nicht eimual aus, die These wahrscheinlich zu machen. Schon die Thatsache, dass der Inhalt des Orakels in Joremia\'s Zcit sehr wold j)asst, sowie die wichtige Nachricht über den Schlachtplatz Karkeniisch, müsson (wie ja auci» Giesedrecut zugibt) für die Echtlieit spreehen. Dass cin Spaterer gcrade diese Schlacht zum Gegenstand ciner scliriftstellcrischen Bearbeitung gemacht hiltte, lialtc ich für fast ausge-schlosscn. »So cin Kricgslied ist immer actueller Natur und entstcht nur in der Zcit, in wclcher die Ereignisse die Ocffentliehkeit beschilftigen.

Die wichtigstcn Grllnde aber, welche für die Uncchthcit ins Feld gcführt werden, sind ilusscrst malt und wenig beweiskriiftig. Die ,Unbestinmithcil\' in der Schilderung der Schlacht von Karkeniisch, welchc es often liisst, ob das Orakel vor odcr nach der Schlacht gcschricbcu worden sci, sowie der unvcrmiltelte Uebei\'gang von der Schilderung der Vorbercitungen zur Schlacht auf die Be-schrcibung der Niederlage, ist echt proplietische Manier, die in ibrem Erschauen Vergangenheit und Zukunft nicht immer scharf scheidct. Dass die Verse 11quot; und 1111 nothwendig Entlehnung und Naeliahmung des echten Jerem. 8, \'22 und 4, 30 seien, leuchtet mir vollcnds nicht cin. Die Auffordcrung, Balsam aus Gilead zu holen, ist cine so gewohnliebe und im Volksmundc so haufigc gewesen, dass man dabei gewiss koine Anleihc machen musste. Der llinwcis auf 4, 30 (\'B\'nn hat

aber nicht cinnial cinen Schatten von Bcrcchtigung.

Dass das Orakel nicht in den Mund Jeremia\'s jiasst, halte ich auch nicht für erwiesen. Die schweren Enttiluschungen, welchc Juda von Aegypten erfabren hat, mogen das wcichc Herz des Propbeteu, der ja in der Aufwallung des Zor-nes auch seinen Landslcuten manchcn sebweren Fluch zusehlcudcrtc, erbittert haben. Nun bleiben noch der schriftstelleriscbe Charakter, die Wiedcrholungen und Gcdankcnsprünge, die aber, wie schon Gibsebreciit bemerkt, auch im echten Jc-

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.ikrkmia, Cap. 4().

remia nicht fohlen. Dass sich dicsc hier so uncmllich gostcigcrt liiittcn, kann icli nicht finden. Die vcrsciiiedcncn Wiederholungen abcr, die ein Bcweis flir die Un-echtiieit sein sollen, sind im Gcgentheil ein Bcweis fi\'ir die Echtheit; denn sic sind richtigc Responsion, die zu Anfang und m Ende der Stro])hcn als echte Klammcrn den ganzen Gedankengang und den ganzen Bau des Orakels zusam-menhalten.

Caput 46, 14—24.

14 Vcrkündet es in Augyptcn, lussct es vernchincu in Migdol, lasset es vcrnelunen in

Nopli und Taclipanehes,

Sprechct: Stelle dieli und halte dieh bereit, deun es frass das Schwert rings uin dich.

15 Warum floh Apia dein Held (Stier), und hielt nicht Stand? Weil Jahweh ihn in

die Pluelit sehlug.

ifi Vielc liess er straucheln, es fiel ciner über den anderen, und sie sprachen:

Auf, lasset uns zurückkehren zu unserem Volke und in unser Geburtsland vor dem Schwerte der Verniehtung.

n Dort aber (in Aegypten) rieten sie; O Pharao, König von Aegypten, das Kricgs-verderben hat verstreichen lassen die Zeit.

i« So wahr ich lebe, ist der Sprueh des Königs, dessen Name Jahweh der llceres-scharen ist:

Wie der Tabor unter den Borgen (f\'eststeht) und wie der Karmel am Meere, (so sieher) wird er kommen.1

19 Wandergeriithe macho dir, Bewohnerin, Tochter Acgyptens;

Denn Noph wird zur Wüste werden und verödon ohne lïowohnor.

au Ü du schone Kuh Aegypten, der Würger aus dein Nordon koinmt, er konunt.

21 Aucb die Söldliugo in seiner Mitte sind wie die Kiilber der Mast,

Ja auch sie wendeton sich, flohen mitcinander, hielten nicht Stand;

Denn dor \'J\'ag ihres Unglücks ist über sio gekommon, die /icit ihrer Ahndung.

22 Seine Stiinme (Aegyptens), wie die einor Schhinge ertünt sie;

Denn init Heeresmacht rücken sie heran und mit Aexten kommen sio zu ihr wie HolzfiUlcr.

23 Sie hauon um ihren Wald, ist Jahweh\'s Sprueh, obgloich or undurchdringlich seheint,

Denn mehr sind sie als Ileuschreckon und liaben keine Zahl.

21 Zu Schanden wird die Tochter Aegyptens, proisgogcbon der Hand des Volkos aus dem Norden. |

Wiihrcnd in der ersten Hiilfte des Capitols die Schlacht bei Karkemisch ge-schildert wird, cntwirf\'t uns derselbe Verfasser hier cin Bild von den Vorgilngen in Aegypten nacit der Schlacht. Dass die beiden Stiickc im engsten Zusammeu-hangc stehen, beweist der Iniialt und der Styl, bewcisen ancli dilt;! in beiden vor-kommenden ilhnlichcn Wendungcn.2 Der Gedankengang ist so durchsichtig und klar als müglich. Nach der Schlacht von Karkemisch liisst der Prophet die Kunde

107

1

J)io moisten CommentatüiGn üborsot/.on: ,Einor wio der Tabor uiiter don liorgeu und wie

2

\'\' Vgl. 103 i:cn (V. 5 und 21), und \'re- (V. (gt;, 12 und 16) und endlich [icx (V. 6, 10, 20 und 24).

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Jeremia, Cap. 46.

von der Niedcrlage nach Aegypten molden und fordert gleiclizeitig auf, sich bereit und gerüstet zu halten, dem lioranrllckonden ITcere Nebukadnasars entgegen zu treten. In V. 15 wirft or eincn Rlickblick auf die Schlaclit bei Karkemisch und sagt:

Waruin floh Apis, der Gowaltigo (Stier) und hielt nielit Stand? Weil Jahweh ilin in die Flucht schlug.

Jahweh war es auch, dor allo zum Falle brachte, und so flohen sie nach dor Heimat. Dort aber angekommen, rüsteton sic sich nicht zur Gcgenwehr, sondern wurden wieder Maiilheldcn und Hoflingo und riefen:

,0 Pharao, Kiinig von Aegypten, das Ivriegsverderben hat verstreiclien lassen die Zcit.\' d. h. der nordische Feind wird sich nach dem Siege bei Karkemisch nicht zu einem Zuge nach Aegypten ontschliessen. Darauf passt die Wcissagung vortrefflich:

So wahr ieli lebe, ist Jahweh\'s Spruch: Wie der Tabor unter den Bergen (feststeht) and der Kimiicl am Meere, (so sichcr) wird er komincn.

AVenn daher dicscrVors als absurd bezoichnet wurdo, so war os nur die Ueber-setzung, und dcr vcrmeintliche Cicist des Prophotcn ist der Horren eigener Geist.

Daran scbliosst sich ganz natiirlich die AufForderung, Wandergeriltlio vorzu-bcreiton; denn dio Babylonior worden sic in die Gefangonschaft schleppon. Dor Schlussvers greift auf den Anfang dcr Strophe zurilck; ,Denn Noph wird zur Wüstcnci worden.\' Somit ist dioso Strophe dem Sinnc und dor Form nach dcr poctische Ausdruck eincs wohlgeschlossenen, cinheitliehon und dabei gut geglic-dcrtcn Godankoncomplexes.

Bovor ich zur Erklilrung dcr zweiten Strophe schreito, möchtc ich einen Punkt bcsprechcn, dor damit aufs engste zusammenhilngt. Ich habc V. 15 fi\'ir nishaf des massoretischen Tcxtos, nach dem Vorgange dor modernen Commentatoren und im Anschluss an die Septuaginta (ssuysv ó \'Atu? 6 y-ocyic, 6 cou) nds haf,an floh dor Apis\' gclesen.1 So sehr ich sonst a us kritischen Griinden der Massora vor dcr Septuaginta don Vorzug gebe, so scheint mir hior dio Lesart dcr Alcxandriner so vortrefflich zu scin, dass man die abwcicheiidc Vocalisation der Massora, dio cine unpassendo und sonst nicht nachweisbare Form hcrvor-bringt, unhcdonklich fallen lassen darf und muss. In dcr That wird die Lesart dcr Siobzig durcb die Uesponsion (zwoite Strophe, Z. ii) aufs Glanzendste bostiltigt, wo ,sie flohen . . . hielten nicht Stand\' gonau init unsorer Stelle correspon-dirt. Dor Umstand aber, dass in dcr crsten Strophe vein Apissticr die Rede war, erkliirt nun das Kpitbeton, init dem dor Prophet zu Anfang dor zweiten Strophe Aegypten auredet: ,0 du hcrrlichc junge Kuh Aegypten!\' Dio Gedan-kenvorbindung zwisehen Stier und Kuh ist doch wohl kaum gesucht, wenn sie audi bis jetzt nicht gefundon worden ist. Im Weitoron wird nun dio Invasion cincs babylonischen Heeres geschildert. Die Aegyptcr erbeben auch da ihre Stiinmc, aber nicht mchr als Maiilheldcn, sondern wie cine zischende Schlange, die bei

108

1

Wio inicli niein Fruund Profossoi\' 1). Kaufmann aufmerksam macht, sagt boi\'cits L. Zunz in Benjamin of Tudela (ed. Ascher) n, 234, Nule a: ,Joi\'eni. 4(), 15 the Alux. vorsitm reads ■)quot; d; \'Apis Hew\' instead of inoj.\'— Uuvorgosslic.li bloibon mir dio Tago (21. bis 23. Januar 18(,)5), welciio ich im Ilause dieses meines Freundes zugebraclit babe. Sio waren dor üesproeluuig\' dor nonen Fnndo go-wldmot, donen or mit dor innigen Theilnahme einos Freundos, wio mit dem weitiiussclianondcn und scharfon lilicko eincs der grösston Kenner dor jildisolien Gescliichto und Literatur folgte.

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Jbremia, Cap. 51.

der Ausrodung eincs Waldcs davoneilt. Die Ictztc Zeile dor Strophe (V. 24) knüpft schart\' und deutlich an den Anfang an mul schlicsst den Kreis (x.i\'/.Xo;) ab.

Die weiteren zwei Strophcn (V. 25—28) konnen sehr wolil spftterer Zusatz sein, der wahrscheiniieh, zum Theil wenigstens (V. 27 — 28), niclit von Jeremia herrührt.

Caput 51, 1—14.

1 Also spricht Jahweh:

Sich\' icli errege gogen Babel und gogen die Bewohner von Chalcliia eincn ver-derbenden Geist.

2 Und ieh entsende gogen Babel Fremdo,1 und sie sollen es worfoln und entleoren

ihr Land;

Deun sie (die Chaldaer) waren ringshorum urn sie (Israel) am Tage dos Unglücks.

3 Nicht spanne der Bogenschützo seinen Bogen und nieht erhobo er sich im Panzer! Und schonot nicht soiue Jiinglingo, verniclitet soin gauzes Hoor!

lt;t Und fallen werden Erschlagone im Lande Chaldiïa und Durchböhrte in iiiron Gassen. 5 Deun nicht vorwitwot sind Israel und Juda von ihrem Gotte, von Jahweli der Hoorscharen;

Deun ihr Land ist angofüllt mit Schuld vor dom Heiligen Israels.

ii Fliehet aus Babel und rettet Jedor sein Lebon, kommet nicht um durch ihren Frevel;

Deun oiiK! Zoit der Hache ist es fur Jahweh, Vorgcltung zahit er ihm. ^ Ein goldonor Becher war Babel in Jahwoh\'s Hand, herauschond die ganzo Erde;

Von soinem VVoino tranken Völker, deshalb tanmoln Vülkor.

8 Plotzlich stürzto Babel und war zorbrochon, klagot darüber;

Holet Balsam für seinen Schmerz, vielleicht wird es goheilt.

\'J Wir curirten Babel, es wurde aber nicht goheilt, so vcrlassot es und lasset mis gehen Jeder in sein Land;

Deun es reicht bis zum llimmel sein Strafgericht und erhebt sich bis zum Firmament, ut Hervortroton liess Jahweh nnsere Gercchtigkoit, lasset uns erziihlcn in Zion die That Jahwch\'s unseros Gottes!

11 Schitrfet die Pfeile, fiillet (orgreifotV) die Schilde!

Errogt hat Jahweh den Geist der Könige von Medion; deun auf Babel ist sein

Sinnon es zu verderbon;

Denu die Raehe Jabweh\'s ist es, die Hache für seinen Tempel.

12 Wider die Mauern Babols erhobet das Panier, verstiirket die Wache!

Stellet Wachter auf, richtet her die Lauorposten,

Demi sowohl geplant hat Jahweh als aucli vollbracht, was er verkundet über die Bewohner Babols.

is Bowobnorin reicher Wiisscr, roich au Schiitzon, gokommon ist dein Kudo, das Mass

deines liaubes |ist voll|.

w Geschworen bat Jahweh der Iloorseharen bei scinom Lebon:

Wenn ich dich audi angofüllt mit Mouschen wie mit llouschreeken, so wird man rufen über dich Hurra!

109

Dieses Stück zerfailt augensciieinlich in drei gleiclunilssigc Absiltze von Je neun Zeilen. Im ersten Absatz (V. 1—5) wird in allgemeiner Weise das Verderben

1

Andere ,Wor(ler\'

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Micha.

Babels verkünclet, unci der Schluss der Stro))lic (V. 5) deutet an, dass dies von Jah-weli ausgeiit, der die Schuld Israels einfordert. lm zweiten Absatz (V. 6 —10) werden die fromden Vöiker in Babel angesproclien, denen gerathen wird, die Stiitte des Verderbens zu verlassen. Derselbe klingt ans in die Sentenz, dass Jahweh die Gereehtigkeit seines Volkes an\'s Licht gebracht hat, und das heimkeh-rende Volk wird dies in Zion verkilnden; die Schnld ist bczahlt. Die beiden erstcn Strophen sind also durch eine antithetische Gedankenregponsion verblinden.

Der dritte Absatz (V. 11 14) erkliirt nun in deutlicher Art, welches Volk das Strafgericht iiber Babel vollziehen wird. Diese Strophe ist aber mit der erstcn durch zwei Wort- und Gedankenresponsioncn verknllpft.

Strophe i, Z. 2. ,Icli crregc gogen Ba bel und die Bewohncr Chaldiia\'s einen verderbenden Geist/

Strophe in, Z. 2. .Krregt hat .lalnveh den Geist dor Konige von Medien, donn gegen Babel ist sein Sinn es zu vorder ben.\'

Aber nicht nur am Anfange, audi am Ende der Strophen tritt Responsion auf.

Strophe i, Z. 8—9 besagt: ,Israel ist nicht verlassen von Jahweh der Heerscharen, donn sein Land ist angcfüllt von Schuld/ und in

Strophe in, Z. 8—i) schwört Jahweh der Heerscharen, dass ïiber Babcl, das angofüllt ist mit Menschen wie mit Heuschrecken, der Jubelruf der Sieger crschallen wird.

Die letzte Responsion besteht in ciner cigenthümlichen Wendung dos Wortes angcfüllt. Eine derartige Responsion findet sich meines Wissens in echten Stückcn Jercinia\'s nicht, ist aber ganz gewöhnlich im Deuterojesaia. Somit erhalt die Ansicht der meiston Kritiker, dass dieses Stlick aus cxilischer, bcziehungsweise nach-exilischer Zeit stanime, durch meine Responsionshypothese eine neue Stützc.

Micha.

Zwischen dom Tode des Propheten Jesaia und dein Auftrcten Jeremia\'s liegen ctwa sieben Decennion, in denen verschiedene Propheten geweissagt. Auch hat das Nordreich einen Propheten hervorgebracht, der vor Jesaia gelebt und prophezcit hat, und der im Gegensatzo zu seinem judaischen Vorgilngor Amos ein mildes, zartlicsaitetes Geinüth besass, dein or die rührendston und schmerzlichstenTöno entlockte. Es wird sich nun dein Leser die Frage aufdriingen, warum in der Bo-weisführung eine so grosse Kluft gelassen worden ist. Die Gründe, die mich be-stimmt haben, die drei Propheten Amos, Jesaia und Jeremia aufeinander folgen zu lassen, sind verschiedener Art. Der wesentlichste derselben ontspringt der fol-genden Betrachtung. Wcr bostiininte Erschoinnngen in der Natur oder in der Geschichte aufdecken und beschrcibon will, der thut gut daran, hervorspringende und zu ciner bestimmten Aus]iriigung gelangte Arten oder Epochen zu wahlen, die nicht mitten in der Entwicklung und Unigestaltung liegen, sondern bis zu cinem gewissen Grade abgeschlossen sind. Erst dann, nachdem die ausgepriigten Arten und die abgcschlossenen Epochen ihrein Wesen nach und in ihrem Verhaltnisse zu einander erkannt sind, scharft sich das Auge auch flir die Erkenntniss der Uebergangsspecics, und es trcten auch die Ursachcn der Entwicklung zu Tage,

no

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Miciia, Cap. 3. (Die dueicolumniqe Kede.)

welclie von cincr Epoche zur .anderen hinüberleiten. Diese Reflexion, violleielit zunilclist unbewusst, bestinnnto micli, zucrst die drci licrvorspi\'iugendeii 1\'uiikte zu zciehncn. Nun aber gilt es, in den Rabmen des Rildes aueb die Uebergiinge einzutrngen, welche von ciner Hpitze zur anderen binllberfübren. Aueb jetzt will ieb naeb derselben Regel vorgelien und eincn Propbcten besprcebcn, der sich als dcutliebes und erkennbares Mittel- und Rindeglied erweist zwiseben Jesaia und Jercmia, ieb moine den Propbcten Micba, der cin jiingerer Zeitgenosse Jesaia\'s war und wie dieser aus .hula stannnte.

Wenn man abcr an Micba berantrcten will, stolpcrt man Scbritt und Trilt Ubcr cin Oestrlipp von kritiscben Hypothesen, welches urn das Ruch sich angesetzt hat und immer weiter wuchert. Um nun sicher zu gchen, greifc ich cin Stiick heraus, welches von der Kritik unangetastet blieb und als zweifellos von Micha hcrrtibrend anerkannt wird.

Caput 3.

I. Columnc.

i Du sprach ich:

Hiiret docli Iliiuptcr .Jako))s Unci Fiirsten von Israels Hans,

1st es nicht an ouch Zu kennen das Rcchtï

a Die hasson das Gute und lieben das l?öse,

Die den Lenten die Haut abreissen,

Und ihr Floisch von ihren Knochen.

3 Die (stcts) assen das Flcisoli meines Volkcs,

Und ihre Haut ilinen abzogen,

Und ihre Knochen zerhraehen,

Und es aushreiteten wie Floisch hn Topic,

Und wie Fleisch mitten im Kesscl.

■1 Dann schreien sie zu Jahweh,

Und er antwortet ihnen nicht,

Und er verbirgt suin Angesicht vor ihnen in jencr Zcit,

Dieweil sie arg machten ihr Thun.

II. Coinmno.

5 Also sprieht Jahweh

Ueber die Propheton, die irroloiton nioin Volk,

Die (wenn sie) mit don Zalinen boisscn, lloil ruten,

Und wenn man ihnen niebts in don Mund stookt,

So sagen sie einem Krieg an.

(j Darum (soi) Nacht ouch vor Schauon,

Und Finstorniss oncli vor Wabrsagon!

Und es untergeho die Sonne den Propbcten,

Und es vordiistere sich ibnen dcr Tag,

7 Und es sehamcn sich die Sebor,

Ill

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Micha, Cap. 3.

Und cs erblasson diu Wahrsager,

Und sic verhüllen den Lippcnbart alle;

Denn nicht ist cino Antwort Gottcs.

s Aber icli bin erfüllt mit Kraft,

Mit Gcist Jabweli\'s und Recht und Starkc,

Um zu verkünden Jakob seinen Prevel,

Und Israel seine Siinde. j

III. Columne.

i) Hörct doch dies

H Hupt er des Hauses Jakob,

Und Filrsten von Israels Ilaus,

Die verabscheuen das Recht,

Und alles Grade krümmen.

ui Sie banen Zion mit lilut,

Und Jerusalem mit Prevel.

ii Die Haupter richten um Bestechung,

Und die Priester Ichren um Lohn,

Und die Prophetcn wahrsagen um Silber,

Und (dabei) stützen sich auf Jahweh und sagen:

1st nicht Jahweh in nnserer Mitte?

Nicht wird Unglflck über uns kommen.

ia Darum euretwegen

Wird Zion als Feld gejitliigt,

Und Jerusalem zu Trüinmerhaufen werden,

Und der Tempelberg zu Waldeshohen. |

Sehen wir uns diese Rede an, so zeigt schon der massoretische Text eine doppelte Dreitheilung:

I. Abschnitt, V. 1—4 zerfiillt in drei Tlieile: V. 1 (\'2 u. 3) 4, II. „ V. 5—8 „ „ „ „ V. 5 (G u. 7) 8, III. „ V. 9—12 „ „ „ „ V. 9 (10 u. 11) 12.

I. Columne, erster Absatz: Ansprache an die Hilupter Jakobs und die Fürsten

Israels, den en es obliegt, das Keelit zu kennen, zweiter Absatz: In kurzen, sebarfen Siltzen -werden sie als das Gegentheil von dem geschiidert, was sie sein sollten, als Hasser des Guten, Freunde des Bösen, Leute-scbinder, die das Volk mit Haut und Knocben ver-zebren.

dritter Absatz: Dann aber, nacbdem sic alles Bose getban, rufen sie Jabweb au, der ilmen nicht antwortet und sein Antlitz von ilmen abwendet.

II. Columne, erster Absatz: Ansprache an die falsclien Propbeten, die das Volk

irreleiten und gegen Entlobnung gute Orakel verkünden, demjenigen aber, der nicht bezablt, Kricg

112

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Micha\'s Arciiitectonik, 113

zweiter Absatz: In kurzcn, scliarfcn Siitzen wird ilincn gosagt, dass die projjlietischcn Gcsiciite ausbleiben und die Waiirsagcr mul Sclier sieli schiüuen werden.

dritter Absatz; Der wabre Prophet (Mieha) aber wird vol! von Jalnveh\'s Geist sein, um die Stincleu Jakobs und Israels anzusagen.

111. Colmnne, erster Absatz: Anspraeiie an die Ililupter Jakobs nnd Fiirsten Israels in naliczu denseiben Worten wie i, 1, nur mit einer leieiiten antitbetiseiien Hesponsion.

zwei ter Absatz: In knrzen, scliarfen Siitzen werden die Eecbtsver-dreher gescbiidert, wie sie Jerusalem ditreli lilut und /ion dureh Fi\'evel banen, -w ie sie naeb Besteehung ricliten und dennoch auf Gottes ililfc boffen.

dritter Absatz: Darum tun euretwilien, seliliesst der Prophet, wird Zion zuni Ackerfeld gepfliigt und Jerusalem in Trümmer verwandelt werden.

i\\lit dem Ansdrucke um euretwilien greift der Pedner auf A, i an eueb ist es zurtiek und schliesst die Rede al).

Diese Rede zeigt eine eigenthinnliehe Arehitcctonik: drei gleich hohe Siiu-len von gleichen (\'apitiiien, gleiehen Jlittelstücken und gleiehen Ha sen. Die beiden Seitensilnlen sind den Ililnptern und Fiirsten, die mittlere den Propheten gewid-niet, — jWcltkind rechts, Weltkind links, Prophete in der Hitte.\' Die Wort- und Sinnrcsponsion ist eine horizontale, die Verbindung\' der einzelnen Quadern oline sichtbare Goneatenatio, man möchte fast sagen, eine kyklopisehe. Die Finheit und Finheitliehkeit wird dureh die Gorrespondenz zwischen Sehluss nnd Anfang gehorig betont nnd gesichert.

Dieses architectonische Kunstwerk durfte sieh neben don rhetorisehen Meister-stücken Jesaia\'s sehen lassen. Es mag vielleieht in Ilinbliek auf Jesaia\'s Kunst-reden entstanden sein. Aueli Mic.ha enipfand die geistige Uebericgenheit Jesaia\'s, audi ihm muss es klar geworden sein, dass er mit der gcwaltigen Phantasie des Jerusalemiters nicht wetteifern konnte, darum suchtc er ihn wenigstCns in der Kunst der Arehitcctonik zu tibertreffen.

Dass diese Technik aueli gebörig anerkannt und gewilrdigt worden ist, steht ausser Zweifel. Das Genie macht selten Seinde, aus dem eiufachen Grande, well sein Walten und Schaffen unnachahmlich ist und blcibt, wohl aber das Talent. In der That hatJesaia koine Nachahmer gefuuden, dagegen scheint diese kurze Rede Micha\'s das Prototyp zu vielen Reden gewesen zu sein, die nns verloren gegangen sind. Als Bewcis dessen mogen die oben angefiihrten dreieolumnigen Reden Jeremia\'s gelten, die augenscheinlieh naeh diesem Muster gearbeitet wurden.

Wir haben sogar einen historischcn Beleg dafllr, dass Jereinia diese Rede gekannt haben muss. In dem Proeesse, weleber dem Jereinia unter dem Könige Jojakim wegen seiner Verkündigung der Zerstorung des Tempels gcinacht worden ist, sagen die Vertheidiger Jeremia\'s (Jer. \'2G, 18):

Michu aus ^Eoresclict hatte gewcissagt in tien Tagen Hizkijali\'s, des Königs von Juda, and zaai ganzen Volkc Jada\'s gcsproolien; Also spriclit Jalnvch der IFeer-sdairen: Zion wird als Ackerfeld gepfliigt, and Jerusalem wird za Triini-1). U. Mülloi\'. Die Prophoteu. 8

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Mint a, Cap, 5.

morn unci der Tempelberg zu Waldhühcn werden. Haben ilin Ilizldja und ganz

Juda etwa (deswegen) getödtet?

Die Rede Micha\'s, ■welche den Zeitgenossen Jereinia\'s so bekannt war, dass sic von seinen Vertheidigern als Priicedens angeflllirt werden konnte, war aucli das Muster, naeli welclicm Jeremia seine dreicoluinnigen Reden gearbeitet hat.

Also Miclia, der jiingere Zeitgenosse Jcsaia\'s, bildet die Brilcke, welche zu dem Propheten Jeremia hinUberleitet. Jeremia. hat (lurch unscrc Feststcllung dicser Thatsache als rhetorischer Rautechuiker nicht gewonnen, denn es musstc ihm die Eiuführung der neucn drcicolumnigen Architectonik ab- und Micha zugesprochen werden — abcr die historische Erkenntniss ist dadurch urn ein ncues Factum be-reichert. So lehrreich nun abcr dicse Rede Micha\'s fur die Entwicklungsgeschichte der prophetischen Redekunst geworden ist, so schwer wird cs seine anderen Reden zu verwerthen. Auf Schritt und Tritt lauern kritische Fangeisen, die es gerathen erscheincn lassen, zunachst keine weitercn Schlilsse daran zu kntipfen.

Caput 5, 6—14.

Indessen will ich nicht untcrlasscn ein Stuck vorzufiihrcn, welches ebenfalls strophischcn Ban zu haben scheint, wobei ich ausdrlicklich betone, dass ich flir jetzt die Frage unberiihrt lasse, ob dieses Sti\'ick von Micha stamint, wie der Kanon übcrliefert, odcr ob es cinem spilteren Schriftsteller zuzuschrciben sci, wie die Kritik naeli dem Vorgange Stauk\'s mit Sicherhcit behauptet.

Und sein wird der Ucberrest Jakobs,

In der Mitte vleier Vülker,

W ie Thau von Jahweli,

quot;W\'ie Gussregcu auf das Gras,

Der nicht wartet auf Jlensehen,

Nicht barret auf Menschenkiudcr.

T Und sein wird dcr Uebcrrest Jakobs,

In der Mitte viclcr Volker,

Wie ein Löwe unter den Tbieren des Waldos,

Wio ein Jungleu unter den Schafherdeu,

Der, wenn er cinbricht, niedertritt,

Zerreisst, und Niemand rettet.

8 Iloch sci deine Hand (iber dcine Widersacher Und alle deine Feinde werden vcrtilgt.

o Und scin wird\'s an jenem Tagc,

1st der Spruch Jahweh\'s,

Und ich tilgo aus deine Rosse aus deiner Mitte,

Und vernichte deine Wagen.

10 Und icli tilgc aus die Stitdte deines Landes,

Und zerstöre alle deine Festungen.

11 Und ich tilgo aus Zaubereien aus deinen Handen, Und Walirdeutereien solist du nicht haben,

114

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Miciia, Cap, 5 und 7. IIosea.

12 Und ich tilgo iius deinc Bilder und Standsiiulen aus deiner Mitto,

Dass du (Heli nicht mehr bückcst vor dom Wcrko deiner lliinde.

is Und icli reiss\' aus doine Ascheras aus deiner Mitto,

Und vertilge doino Stiidtc.

M Und icli iibe in Zorn und G-rimni llaehe An den Volkom, die nicht gehorsam waren. 1

Ein Bliek auf die erste Columne zeigt einc ganz eigentluinilichc Kesponsiou der zwei Stroplien, die naeh eincm Schonia gebaut sind. Die je zwei ersten Zeilen sind wörtlieh identiseli, und die je drei folgenden Zeilen weisen durcli gleiehen Anlaut und gleiehe Construction dentlich auf einander. Um so sehilrfer muss aber ini gleiehen Ralunen das so ganz versehiedene Bild, hier Thau und Regen, dort Lowe und Jungleu, bervortreten. Die erste Columne schliesst dureb einen Zweizeiler ab;

Hoch soi doino Hand gogen doine Widorsachor,

Und allo doino Foinde worden vcrtilgt.

Wiibrend also die beiden scebszeiligen Stroplien die Wiederauflebung und Erstar-kung Israels seliildern, enthalten die Seblusszeiien eiue Apostro[)he an Jaliweli, die Feinde zu vernieliten.

Die zweite Columne ist ganz anders gebaut, sie ist aber sinngemilss und teebniscb mit der ersten verbunden. Der Aufl\'orderung wird Jabweb Folge leisten. Im ersten Seebszeiler, dessen Anfang an die Ant\'ilnge der beiden Stroplien der ersten Columne anklingt, wird die Ausrottung aller weltlichen Macht angekündigt, was gedanklich insofern mit der entsprechenden Strophe der ersten Columne cor-respondirt, als dort Israel nicht durch Macht, sondern dureh die belebende Kraft Jah-web\'s unter den Vólkern wirken soil, wogegeu im zweiten Seebszeiler die Verniehtung alles fremden Cultus (Zauberei, Götzendienst) angesagt wird. Der Zweizeiler am Ende Und ich übo in Zorn und Grimin Kacho An don Vólkern, die nicht gohorchton.

klingt in Sinn und Form an V. S an und besagt, dass Jahweh alle seine Feinde (weltliche Macht, Götzendienst und ungehorsame Vülker), der Apostrophe ent-sprechend, vernieliten wird.

Unter den hebrilischen Texten ist auch Ca))ut 7, in drei Columnen getheilt, abgedruckt worden. Es ist nur ein Versuch, der als Bewcisfactum nicht verwerthet werden dart\'. Weder die Einbeit noch die Einheitlichkeit der Rede ist hier geniigend erwiescn und die merkwlirdigen Ankliinge zwischen Columne n und m (Vr. 10 und 1G—17) reichen durebaus nicht hin, die Correspondcnz zu bcgründen. Bei der Beweisführung ist zunachst von diesem Sttlcke abzusehen.

H o s e a.

W ie ein Felsen mitten in der Wüste ragt IIosea aus dein Nordreich bervor. Alles um ihn herum bat der Wüstensturm davon gefegt, er steht unersebUtterlicb und fremdartig in seiner Umgebung da. Au diesem scharfkantigen und eigenartig geformten Felsen hat sieb audi die Kraft und Wueht der Kritik gebroehen. Was

8*

115

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riosEAj CAP. 10.

wir i\'ibcr sein Waclistlium wissen ist rein Aeusserliclies, die inneren Wurzeln seiner Entstelumg sind uns unbekannt. fn seinen Anfiingen reicht Kosea in die Zeit Amos\', in die Zeit der grössten Blütlie des Nordreiclies zurück. Er liat Anios ge-kannt und vielieieht durch das quot;wundersanie nnd mntliige Auftreten dieses Judilers den ersten Anstoss zur proplictisclien Wirksainkeit erhalten. Er hat aber aucli den Fall der Dynastie eriebt und naliezu bis /.nni Auftreten Jcsaia\'s propiiezeit.

Ho weit icii l)is jetzt Einblick in diese dunkeiste aller Proplietenseliriften er-halten liabe, finden sieli die Kunstformen der Judaischen Proplieton in ilir nicht, oder in uur sehr priniitiver Art. Sollte der Mann wirklich aus sieh selbst das geworden sein, was er geworden ist, ohne von grossen Lehrern eingeflihrt nnd eingeweiht worden zu sein? — Fast inoclite man es glauben, wenn man seinen Styl init dem Amos\' und die Schinucklosigkeit seiner Diction neben seinen originelleu Gedauken uüt der Kuustclichtung des Judilers vergleieht. Das JJucli bedarf noch einer eindringenden Prlifung, zu der mir jetzt die Zeit fehlt, und ich muss mich deshalb auf wenige provisorische Bemcrkungeu besehriinken.

Wcnn auch in seiner Diction die Kunstforin nicht ausgepriigt ist, so hat Hosea dennoch den Strophenban gekannt. Da aber eiu Strophengebilde bei natürlicher Entwicklung der Ausdruck eines Gedankenorganismus sein muss, so tritt auch aus der Strophik, wenn sic auch nicht kilnstlich markirt ist, die Gedankengliederung hervor. Als ein Beispicl dieser Art führe ich an

Caput 10, 1—8.

1 Ein wiiclicnnlor Weinstock war Israel, Pnichtc setztc cr ihm au.

Wie die Friiehte sich mchrtcn, so mehrten sic die Altiire,

Je besser os dem Lande ging, desto seliönere Bildsiiulen errichteteu sic.

2 (iotlicilt ist ihr Herz, min sollen sie es büssen.

Er zersehmettert ilire Altiire, zerstört ihre Bildsiiulen.

3 Nun werden sie spreehen: AVir liabcn koinen König;

Denn wir babeu Jahweh nicht gefürcbtet,

lTiul der König, was kanu der für uns tbun\'?

i Sie spreehen Worte, scbwören Meiucide, schliessen Hiindnissc

Und lieclit bliibt — wie Giftkraut auf den Pureben des Feldes.

rgt; Wegen dor Kiilber von Bèt-Awen iingstigeu sicb die Bowobner Samaria\'s.

Demi es trauert seinetwegen das Volk und die Priester, die zu frolilocken pflegten,

Ueber die Herrllebkeit, die von ibm fortgezogen.

o Auch dies wird uacli Assur gebracht, als Goscbeuk dem Könige Jarob,

Scbmacli wird Epliraim dabiunelnnon, und scbiimcn wird sicb Israel seiner liatbschliigc.

7 Veruiebtet wird Samaria, ihr König wie Schaum auf dom Wasser.

8 Und vertilgt worden dio Ilöbeu von A wen, die Simden Israels,

Uornou und Disteln worden auf ihren Altilrcn wachsen,

Und sie werden spreehen zu den Bergen: Bedocket uns,

Und zu den Hügeln; Pallet iibor uns.

Die gesperrt gedrnckten Worte sollen bier nicht wie soust die Responsion markiren, sie sollen vielmehr auf die llauptgcdanken der Strophcn aufmerksam

116

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Rosea, Cap. 10 uhd Cap. 5—6. Zbphanja.

machen. Die orsto Strophe ist ilcn fremden Culten, die in Samaria Uberliand genommen hatten, gewidmet. Es wimmelt in dieser Stropiic wie in Samaria selbst von Altiiren und Biidsiiuien. Die zweite Strophe drllckt die politische Retsignatiou aus. Der König hat jede llaclit und joden Einfluss verloren, politische Umtrieho, Bllndnisse mit auswiirtigen Vólkern slud an dor Tagesordnnng — sic schiesson wie Giftkraut hervor. Die dritte Strophe handelt wieder von dem liauptcult Samaria\'s, von dem goldencn Kalbe, das audi dem Feindc in die Hand getallen war. Die vicrte und letzte Strophe vercint König und Altar, beide fallen dem Unter-gange anheim.

Caput 5—6.

Dagegen ist der Vcrsuch die Capitcl 5 und 6 als cine dreicolumnige Redo aufzubaucn (vgl. die hebraisclien Tcxte) nicht genligend begriindet. Die Namen von Juda und Ephraim wiedcrliolen sich so oft, dass man ilir Auftrcten in gleichen Zeilen nicht als liesponsion anschen darf. Sicher crkennbar ist jedoch cine Art Concatenatio zwischen der zweiten und drittcn Columno (V. 5, 14 — 15 und (i, 1). Dies gestattet aber durchaus nicht, weitere Schlüssc daraus /.u ziehen. Filr die Beweisführung sind diese Stiicke nicht heranzuziehen.

Z e p h a n j a.

Das Buch des Propheten Zephanja babe ich in Text und Uebersctzung, strophisch geglicdcrt, ganz mitgctlieilt; es ist dies dcr cinzige Prophet, boi dem die strophische Eintheilung ganz durchgcfilhrt werden konntc. Ucbcr die Zeit des Auftretens Zcphanja\'s hcrrscht kein Zweifel, dcr Prophet weissagte, wic schon die Ueberschrift besagt, in dcr Zeit Josia\'s, und verkllndete die Zerstönmg Ninive\'s. Die eigentliche Veranlassung zurSchiiderung des ,TagJahwch\'s\' schcint ihiu, wic fast allgemein angenommen wird, dcr furchtbare Skythenstunn gegeben zu haben, dcr gegen Vorderasien bcranbrauste. Wtthrcnd aber das erste Capitcl allgcincin als von Zephanja stammend und gut llberliefert angesehen wird, wurden gegen gewisse Theilc des dritten Capitols und gegen cinzolne Wcndungcn des zweiten Bedenken erhoben, wclche je nach dem Standpunktc dcr Kritiker verschiedcnfach gcdeutet worden sind.

Die Grimde, wclche gegen die Einheitlichkeit dcr Sclirift angefllhrt werden, sind folgendc;

1. Cap. 3, 14—20 soli in Ausdrucksweisc und Gedanken vollig deuterojesaia-nisch sein,1 und audi in 2, 11 begegnet uns cin specifisch dcutcrojesaianischer Ausdruck ,dio Eilandc dcr Völkcr\'.

2. ,Die Ilofliiung, dass Jahweb\'s Zcrstreute ihm von den Stromen Acthiopicns (Kusch) her als Huldigungsgabe dargebracht werden sollen (Cap. 3, 10), nimmt sich im Munde eincs um G30 schreibenden Propheten höelist seltsaiu aus.\'

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1

Der iiUitzliche Umschlag in der Prophezeiung (Cnji. Ji, 8) wo ,nut\'bittere Anklageu pUitzlii\'li, ohne dass der Umschwung irgendwie inotivirt wird, Trost und Verlieissung t\'olj^t\' wird audi von Welliialsen (aber mit sehr grosser Keserve) geltend gemaeht.

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Zephanja, Cai\'. 1.

3. Hat bcsonders Sciiwally1 in einer sclir eingchcnden Arl)cit eine Rcilio von Verdachtsmomenten zusammengestcllt, welchc auf clnc naeliexilische Abfassungs-zcit des 2. und 3. Capitels flilircn sollen, so besonders das Vorkommen derWorte und m:j?, n\'iN\'tr und der Wendung cnrr zv.

Wtlhi\'cnd abor Counill im Ansebluss an Kuenen, dor auf die Zusammengehorig-koit von Cap. 3 mit 1 und \'2 liingewiescn liat, nur das lotzto Stuck (Cap. 3, 14 — 20) proisgibt, im Uebrigen abcr sieh niit der Annalimc begnügt, dass Cap. 2 nur un-bedeutend, Caj). 3 dagegen einsehneidend überarbeitet worden ist, konnnt Sciiwally zu dom Resultato, dass Cap. 2 und 3 des Buelies Zephanja fast ganz aus oxilischor odor nacliexilisclier Zeit staininen, nur fur 2, 13—15 ,ist kein Grund vorliandcn, sio nicht audi von der Person dieses Propheton iiorzuloiten\', wie or aucli zu-gostclit ,dass die Godankon dor Porikope, Cap. 3, 1—4, im Grossen und Ganzen Zcpluinianiscb sein könnten\'.

Indem ich nun auf das verweisc, was in dor Sacbo von Counill gogen Schwally beroits bemerkt worden ist, besclirünke icli mich liior darauf vom Stand-punkto inoiner Stropbenliypotlieso und der hioboi zum Vorscliein kommondon Kunstformon die iiesultato der Kritik zu priifen und beginne mit dom orsten Capitol, wolchos unbestritton edit ist.

Caput 1.

2 Ich raffe idles fort von der Erde, sagt Jahweh.

3 Ich rade fort Meuschen und Thiero,

Ich raffe fort die Vügel des Himinels und die fische des Meeres,

Und die Aergernisse mit den Frevlern,2

Und ich tilgc aus die Menschen von der Erde, sagt Jahweh.

•i (Tiid ich richtc meinc Hand gegen Juda und gogen alle Bewohner Jcrusalems, Und ich tilge aus von diesem Orte den Ueberrest des Baal,

Die Pfaffen und Priester bis auf den Namen,

5 Und diejenigen, welohe auf den Diicheri), die Iliinmelsheere anbeten,

Und diejenigen, wclche Jahweh anbeten,und bei Milkoin schwören,

u Und diejenigen, welche von Jahweh abgewichen sind,

Und die weder Jahweh suchen, noch nach iinn fragen.

7 Still vor dein Herrn Jahweh, denn nahe ist der Tag Jahwch\'s,

Dcnn bereitet hat Jahweh die Schlachtung, geladen die Giiste. j

8 Und gcscliehen wird es am Tage der Schlachtung Jahweh\'s,

Dass ich ahnde an don Fürsten und Königssöhnen,

Und an allen, die sich kleiden in fremde Gewander.

i) Und ich ahnde an jedem Schwellenhüpfer an jenem Tage,

Die das Haus ihrer Herren tullen mit Frevel und Trug. [

10 Und es ergeht au jenem Tage, ist Jahweh\'s Spruch,

Klagegeschrei vom Fischthore,

118

1

In Stadh\'s Zeilachrift für alUcst. Wissenschaft, 1G5—240.

2

\' Oder: ,Und ich bringe zum Falie die Frevler\' (wonn man mit Schwally \'rtrsi liost).

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Zephanja, Cap. 1

Und Gcjummor iius dor Untcrstadt,

Uud grosser Unglücksruf von don lliigoln.

ti lloulot Bowoliner von Maolitoscli,

Donn voniiolitot wird nllos Jvriimorvolk,

Ausgetllgt allo Silbcrwilgondon (odor Silborbeladenon). j

ia Und in joncr Zoit durchsucbo ich tlorusalem init Lichtcrn,

Und alindo au don Monsolion, dio lagoru auf iliror llofe,

Dio in iliroin Horzen sugen; .lalnvcli kann weder Gutos noch liösos thun.

i;i So wird ihr Bositz der Pliindornng verfailon und ilire lliiuser der Vorödung.

Und sio worden lliinsor bauou, abor sie nicht bewohnen,

Und Weinbergc plianzen, aber ihren Woin nicht trinken.1

H Nahe ist dor grosse Tag Jahweh\'s, nahe und sehr schncll.

Ilorch, am Tagc Jahwoh\'s, i)itter kroischt da der Held.

ifgt; Ein Tag des Zorncs ist jener Tag, oin Tag der Noth uud Bodrangniss,

Kin Tag von Zerstörcu und Zerstörung, ein Tag von Finsteruiss und Dunkelheit, i(i Kin Tag von Gewölk und Nebeln, ein Tag dor Posaune und Fanfare,

Gogen die fostcu Stiidte und gogen dio holieu Zinnen.

17 Und ich bedriingo die Menschon, dass sie wie Blinde wandoin, woil sie gegen Jahweh frcvelton.

Und verschiittot wird ihr Blut wie Staub und ihro Kingeweidu wie Koth.

is Audi ihr Silber und ihr Gold [niitzt ihnen nicht], ^

Kann sio nicht retton ain \'J\'ago der Wuth Jahwoh\'s,

Und durch das Feuer seiner Rachc wird das ganze Land verzehrt,

Donn Vernichtung, plötzlichcn Untorgang bereitet er allen Bowohnern des Landes.

Die Rede zcrt\'iillt aiigenscheinlicli in eiue knrze Einleitung (fiinf Zeilenquot;), worin das Heranbrechen ciner gewaltigen Katastroplie (der Skytheninvasion) über die ganze Erde angesagt wird, nnd in zwei im Texte markirte und aus ciner sinngemiissen Gliederung sicli ergebende paraliele Coluiuiien, welelie tlic cigcntiiclie Katastropiie seliildern. Uebersichtlicli dargestelit zeigt die Uede fV)]gendeu Ban: Einleitung: Verkündigung der grossen Katastropiie und der Vornicli-

tung von Menschen und Lebewesen (V. 2—3) 5

1. (Jolunine, Str. 1: Vernielitung von .Juda und Jerusalem, wie aller Gotzeu

und GÖtzenanbeter (V. 4—G) 7

Str. 2: Der Tag Jalnveh\'s, an welebem die Strafe lieranbreclien wird über das Königsiiaus, die IIöHinge und alle, die freind-iilndische Sitten einf\'üliren (V. 7—!)):| 7

119

1

Der Sinn ist: Ihro Ilansor worden wiiste, und banen sie lliinsor (d. li. banen sie dieselben wieder auf), so ete.

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ZuPHANJA, CAI\'. 1 UNIl 2.

Klago in der Nordstadt Jemsalcms, wo die Fcindc zuerst einbrechon und die Hilndler und Silborwilger (Gcldwechs-ler) plïmdern (V. 10—11) 7

Nacli der ersten Plünderurig wird dor Feind Jerusalem init Lichtern durchsuclien und alle erbgesessenen Einwolmer aufscheuehen, die, iinVertrauen auf den angestannuten lleich-timm, uin .Jahweh sieli nieiit weiter kïimmerten (V. 12—13) C 1st wieder dein Tag Jahweh\'s gewidmet, der in seiner ganzen Furehtbarkeit geschildert wird (V. 14—10) G

Verkündet die Noth der Jfensehen, die niedergemetzelt werden und um Silber und Ciold sieli nicht loskaufen kennen, und greift am Sehlusse auf die aligemeine Kata-stroplie zurllek (V. 17 —18) (i

Botraelitet man die strophisehe Gliederung dieser Rede, so zeigt sieh hier das Auftreten einos neuen architeetouiseheu JStrophongebildes. Die doppelcoiumnige liede, die dureh Responsion am Reginn der Absatze zusaminengehalten wird, ist uits aus Jesaia bereits bekannt. Hier tritt insofern oiue sehr oigentluimliche Variation dieser Erseheinung auf, als die beiden Columnen nicht gleich lang sind, sondern zu einander in einem gewissen Verhiütnisse stchen. Eine jede der beiden Columnen ist in drei gleiche Absiltze gegliedert, aber die Absatze der ersten Columne zillilen je sieben Zeilen, wahrcud die der zweiten nur je seehs Zeilen haben. Die beiden Columnen ragen wie zwei gleich geforinte Obelisken von ungleicher ITöhe empor. Niniint man dazu die kürzere Einleitung, so ergibt sitdi die Scala !gt; G 7.

Caput 2,

i Sainmelt oucli und seid gesammclt, o Volk, dus sioli nicht se,lint (nuch Jahwuli)!

a Elic gebiert der 13eschluss, wie Sprcu filhrt dor Tag dahin,1(Ehc über uucli koimnt der Zornbrand Jahweh\'s),

Ehc fiber euch kommt der Zorntag Jahweh\'s.

8 Sachet Jahweh, all ihr Uemüthigen des Landes, die sein Recht iibtea,

Sachet Gercchtigkeit, sachet Demath, vielleicht werdet ihr geborgen nm Zorntage Jahweh\'s,

■i ])enn Ghazza wird verhissen sein and Askalon zar Wüste werden,

Aschdod — am hellen Mittag werden sie (seine liewohner) vertreiben, and Ekron wird entwarzelt werden.

5 Wehe den Uewohnern des Mccrdistrietcs, dem Volke der Kreter!

Das Wort Jahweh\'s ist gegen euch, Kenaan, Land der l\'hilister:

,lch vernichte dich, dass kein Be wo lm er bleibt\'

Und der Meeresdistrict wird zu Steppen, Angern von Ilirten and Schafhürden.

ï Und er wird Erbtheil dein Ueberreste voin llaase Jadu, darauf weiden sie, In den llaasern Askalons werden sie am Abend lagerii,

Wenn Jahweh, ihr Gott, ihrer gedenkt und zurückfiihrt ihre G e fan ge use ha ft.

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Str. ii:

II. Columne, Sir. 1 ;

Str. 2: Str. 3:

1

Der \\\'ors ist verstiinimolt, and man (larf wold mit Septuaginta mul Wki.liiai shn vnn s\'1: enus fï: le.-ieii und übersetzeu: ,101io deun ihr wordet wio daliinfahrendo Spreu\'. Die Amialnno, dass sv iu 21\' cino Correetur fiir pin von quot;J\'1 ist, welcho zur Doutliclikoit in \'Jquot; in den Vors oingetragen orscheint, wird durch ilio Stropliik bcstiltigt, weil die folgende Strophe audi nur sieben Zeilen hat.

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Zkpitanja, Cap. 2.

s Icli habo gehort die Sclunüliung Moabs und die Liistcning dor Sülme Anions,

Welehc lUsterten incin Volk und übermüthig wuren gogen ihrc Gronze.

f Darum, so walir icli lebo, sprieht Jabweh dor Heorscliaren, der Gott Israels,

Moab wird wie Sodoin sein, und die Sühno Anions wie Goinorrba,

Besitztlium von Nesseln und Salzgruben und Wiiste in Ewigkoit.

Meines Volkes Ueberrost wird sie plUudern, und der Kost moiner Nation sic beerben;

10 Dies wird ilinon fiir ibron Hoeliniutb;

Denn sie stiosson SobmiUuing aus und waren üborinüthig gogen das Volk des Jahweh Sobaot.

11 Purohtbar ist Jahweh gogen sie, denn er liisst versohwindon allo Götter der Erde, Und es beugen sieb vor ihm, joder von seinem Orte aus, die Kilande dor Völker.

is Aucli ihr Kusehiton soid die Ersehlagenon seines Sohwertos.

lil Und er strookt seine Hand gogen Nordon und verniohtet Assur,

Und or macht Ninivo zur Wiiste, zur Dürre wie die Steppe.

li Und es lagern darin Heerden, alles Gothior in Gosohleohtorn,

Sowohl Pelikan, als Igol werden in ihren Siiulenkniiufen ii born aeh ten.

Die Eule singt ini Fenster, der Rabe auf der Sohwello kriiclizt ....:\'

ifl Dieses ist die frohlookonde Stadt, die so sieher stand.

Die in ihrem Sinne dachte: loh bin os und koine woitor!

Wie ward sio zur Wiiste, zuin Lager dos Wildes,

Wer vorüborzieht, ziseht, sohwonkt seino Hand.

Gogen die Annalime, class dicse li\'odc wcscntlicli uingcarbcitct worden sei und mancherlci Zusiitzc erlialten habo, noch mehr abor gegen die Aufstellung, dass dieselbe nur tlioilwoiso von Zephanja, zuni grösstcn Thoile jedocli von einein oxilischen odor nachoxilischen Verf\'assor herriihrc, sprechon vom Standpunktc der Strophik gowiclitige Grilnde. Der Strophoiibau zeigt liior bis zu einein gewissen Grade ein Seiten- und Gcgonstück y.u dom der ersten Rede: 7 7, daim 8 lt;s und als Schluss, wie dort als Einleitung, oine kürzcrc Strophe von vier Zeilen. Ich lasso zunilchst die Frago bei Soito, ob diose Rede von Zephanja herrührt odor nicht, und will nur die Thatsache betonen und boweisen, dass die Rede einen oinheitlichen Ban zeigt und von Einom Verfassor stammen muss.

Die Abtlieilung dor Strophon ist hier znm Thcil durch die Uebcrliofernng, so in dor ersten Strophe, die schon im massoretisehen Text durch cinen Absatz markirt ist, theils durch Sinnanalvso und Inclusio gegeben, indem die dritte Strophe mit der Lilstcrung Moab\'s beginnt und mit derselben endigt. Sind abor Strophe I und 3 gesichert, so sind eo ipso Strophe 2 nnd -i erschlossen, von donen lotztere damit endigt, dass Eule und Kabe ein traurigos Lied singen, wclchos in der kurzen Endstropho reproducirt wird. Thcilt man die gegebenen Absatze in Zeilen ein, die sicli sinngomilss und im Anschluss au die Accente mit fast zwingender Nothwondigkeit ergeben, so kommen ganz eigenartige Responsionen zn Tage, die kettenartig die Stroplien dnrchflechtcn. Strophe u vorletzte Zeile corrospondirt einorseits durch ,A ska Ion\' mit Strophe i, andererseits durch ,dcs Nachts lagern\' mit Strophe iv in gleicher Zcile, wobei gerade die gesuebte Re-sponsion, die Entsprechung vom ,Lagern der ^[enschen\' mit dem ,Uebcrnachten

1 ,Auf «Ier Spur von Ewald und Septuaginta\' (Wklijiausen).

121

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Zeviian.ia, Cap. \'2.

der Pelikane und zu bcachton ist. Ausscrclcm corresponcliren einorseits die

dritt-, viert- und fünftletzte Zeile der vierten Strophe mit den entspreehenden Zeilen der zweiten Strophe, und zwar bald (lurch Wort- bald dureh Sinnresponsion, andererseits die dritt-, viert-, lunf\'t- und seelistletzte Zeile von Strophe ni mit den entspreehenden Zeilen der zweiten Strophe, endlieh entsprechen einander in Strophe in und iv die Zeilen 4 und 6. Ira Folgenden gebe ieh die Uebersieht der Responsion, wobei die erste (rüniisehe) Ziffer die Strophe, die zweite die Zeile von nnten

bezeichnet:

G:

Das Wort Jahweh\'s ist gogen dicli Kenaan, Land dor Pliilistor.

hi,

6:

Uarum, so walir ich lebe, ist dor Spruch Jahweh\'s der Heorscharcn.

5:

Ich vernichto dich, dass koin ISowohnor bleibt.

in,

5:

Donn Moab wird (zcrstiirt) worden wio Sodom und die Sühno Anions wic Gomorrlia.

iv,

,r):

Und or streckt seino Hand gegen Nordcn und vernichtet Assur.

n,

4:

Und dor Meeresdistrlct wird zu Stopjion, Angern von Hirten und Schafhiirden.

in.

4:

Hositztlinm von Nesscln und Salzgruben und \\Viisto in Ewigkeit.

iv,

4:

Und er macht Ninivc zur Wiiste, zur Diirro wie oino Stoppc.

ii.

3:

Und es wird Erbthcil dem Ueborrosto vom Hause .Tuda\'s, darauf sio weiden.

in,

3:

Meines Volkos Ueberrest wird sio pliindern und dor Rest ineinor Nation sic beorbon.

iv,

3:

Und es lagern darin Hoerden, alles Gcthier in Gesehlechtern.

i,

2:

Donn Giiazza wird verlassen sein, und Askalon zur Wüsto werden.

ii,

2;

In don Hiiusern von Askalon werden sio des Nachts lagern.

iv,

2:

Sowohl Pelikan als Igol werden in ihren Saulonknaufon iibornachten.

Dureh diese kunstvolle Verflechtung der Zeilen, die umso bewunderungs-wiirdiger erseheint, als sie sieli deni Auge mit keuseber Zurllckhaltung versehliesst und nur dureh ein vertieftes Studimn zu Tage gefordert werden konnte, ist die Einheit und Einheitliebkeit dieserRede gegen Welliiausen1 und Sciiwally mit inathe-matiseher Beweiskraft siehergestellt. Es gilt nun jetzt mit llilfe der Strophik audi den Gedankengang der Rede zu ersehllesson.

Strophe i (V. 1 —4) enthiilt die Anrede an das Volk, sieh zu samnieln und bereit zu halten, bevor der Tag Jahweh\'s hereinbrieht. Der Prophet fordert sie auf, Gereehtigkeit und Fronimigkeit anzustreben, damit sie vielleieht geborgen werden vor dein Tage Jahweh\'s und sclillesst mit dem Minweise darauf, dass die Philisterstadte an der Kliste bereits der Verlieerung preisgegeben sind, d. h. ,denn nalio genug geht es uin euch her, wenn auch vielleieht noch so eben an euch vorbei\' (Welliiauhen),

Strophe ii kimpt\'t dureh eine Sinnverkettung an die letzten Zeilen der ersten Strophe an und verkündet, dass der ganze Meeresdistrlct und das Phillsterland verodet bleiben und von judaisehen Hirten aufgesueht und voiiibergehend in Besitz genommen wird.

122

1

Welijiausen streicht V. 8—10 und sagt: ,Es iiberrasclit, dass die Moabiter und Ammoniter sehon zur Zeit Josia\'s die Judiler von oben herab behandelt haben sollten; sonst wird das erst ans den letzten Jahren vor dem Exil nnd ans dem Exil selber berichtet/

ocr page 130

Zbphanja, Cap. 2 und 3.

Stroplio in. Demsclben Schicksal werden aueli Moab nnd Ammon verfallen. Dass dieso Vülkcr, die von uralter Zeit mit Juda im Kampfe waren, sieli nicht erst in der Zeit vor dem Exil, sondern sclion viel früiier im Ungiüoke gegonseitig verhölmt liaben, darf man ohne Weiteres annelimon, wenn es auch sonst nicht bo-zeugt ist. Auch ihr Gebiet wird von jiuUlischen Culonisten oder wandernden Hirteu bcsetzt werden.

Strophe iv. Nicht Juda allein soli von dieser Invasion hedroht, nicht nur die benaciibarten Volleer sollen von der Katastrophe heiragesucht werden, dor furclitbarc Sturm wird selbst die fernsten Lilndor durchbrausen bis naeh Aethio-picn (Kusch) sich erstreckcn, und der l lauptschlag auch Ninivo treffen. Auch dieses Reich wird veroden, in seinen Tempeln und l\'alasten werden aber nicht judilische Hirten iiire Lagerstiltte aufschlagen, sondern cine viel geinischtcre (.lesellschaft, alle Thiere des Fcldes sollen dort lagern, in seinen Saulenkniiuf\'cn 1\'clikanc und Igel nisten und in den Fenstern und an der Schwelle Eulc und Rabe krilehzen — cin tranrig Lied, welches

Strophe v in einem kurzen Vierzeiler so drastisch wiedergibt.

Hctrachten wir dieses grossartige in sich gcschlossene, durch Gedankcngang und Kunstform als strenge Einheit gekennzcichnete Orakel, bedenken wir, dass die erste Strophe mit ihrer Schilderung des Jalnvehtagcs echt im Style der ersten Rede gehalten ist und dass audi V. 13—14 auf die Zcit vor der Zorstörnng Ninive\'s hinweisen, so kann kein Zweifel obwalten, dass es eine echte Rede Ze-phanja\'s ist.

Caput 3.

i Wchc der widerspenstigcu und beschmutztcn, der gcwaltthütigen Stadt.

a Nicht hört sio auf oino Stiiniiu;, noch nimint sie Zucht an,

Auf Jahweh vertraut sie nicht, ihrem Gotte naliet sic nicht.

Ihre Fürsteu in ihrer Mitte sind briillende Luwen,

Jlire Richter sind Nachtwölfe, die die (Knochen) bis zuiu Morgen abungen.

■i Ihre Propheten sind leichtfertig, Manner des Truges,

Ihre Priester entweihen das Heilige, verge wal t i gen die Lehre (das Gesetz).

5 Jahweh (allein) ist gerecht in ihrer Mitte, thut kcin Unrecht.

An jedein Morgen bringt er diis Recht au\'s Licht,

Er liisst cs an sich nicht telden — der Bösewicht aber kennt keine Scliani.

(\'• Ich tilgte Völkcr aus, verwüstct sind ihre Zinnen,

Ich zerstürte ihre Strassen, dass Niemand vorüberzieht,

Vcrödct sind ihre Stildtc, ohne Menschcn,

[Und ihr Land ist einc Wüstcnei], ohne Einwolincr.

7 Ich daehte: Mich nun wirst du fürchten. Zucht wirst du annehmen,

Dass nicht vertilge Ihren Wohnsitz, all\' das, was ich gogen dioselbe entboten,

Allein eifrig betreiben sie ihr verderbtes Handeln.

8 Daruin harret mein, spricht Jahweh, bis zuin Tage, da ich mich erhebe in Zukunft; Dcnn mein Bcschluss ist es, zu sammeln die Völkcr, zn vereinigen die Reiche,

Um iibor sie auszugiessen meinen Grimm, die ganzo Gluth meines Zornes,

Dcnn durch das Feuer meines Eifers wird verzehrt die ganzc Erde.

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Zephanja. Cap. 3.

!i Denn darm vcnvandle icli den Vólkern (die unreine in) reine Lipijen,

Daas sic alle anrufen den Namen Jahweh\'s, ihm zu dienen mit cinem Naeken,1

io Von jenseits der Strömc Kusch\'s.....bringen sic mir Uaben.

An jonem Tagc wirst du dich nicht schiimen all\' der Thaten, die du treulos begangen, Denu dann werde ich fortsehaffen aus deiner Mitte deine stolz Frohloekenden, Und du wirst nielit inehr hoffiirtig sein auf tneinem heiligen Berge.

12 Und icli lasse übrig i]i dir amies und demüthiges Volk, die Sehutz suclien beim Namen Jahweh\'s.

i.i Der üeberrest Israels wird kein Unreeht tbun und keiiie Lüge sprechen, Und nicht wird gefumlcn werden in ihrem Mundc eine Trugeszunge;

Denn sic werden weiden und lagern, und Niemand schrcckt sic auf.

14 Jaucbzc, Toehtcr Zions, jublc Israel!

Frcuc dich und froblocke mit ganzem llerzen, Tochter Jerusalems!

i\'gt; Weggeschafft bat Jahweh deine Strafgerichte, weggerauint deinen Peind,

Der König Israels, Jahweh, ist in deiner Mitte, nicht wirst du liiisea fürderhin schauen.

ui An jencin Tagc wird zu Jerusalem gesagt werden: Fürchtc nicht! Ziun, lass deine Hiinde nicht sinken.

17 Jahweh dein Gott in deiner .Mittc ist cin sicghafter Held, er freut sicb dein in Wonne, (Bald) schwcigt er in seiner Liebc, (bald) frohlockt über dich in Jauchzen.

is [Freue dich!] der (bestimmten) Frist, ieh nebmc weg von dir heutc das Tragcn aller Schmach um ihretwillcn.

19 leb tbnc sic (die Schmach) an allen deinen Peinigern in dieser Zcit,\'2 Und ich helfe den Sinkenden und die Verstossencn sammle ich,

Und verwandie in Lob und Rubm ibre Sciiande.

20 Zu jener Zeit bringe ich euch cin, und zu jener Zcit sammle ich euch,

Indem ich euch zu Ehren und Rubm bringe unter allen Vólkern der Erde,

Wann ich zurückfiihrc cure Gefangschaft vor euren Augen, spricht Jahweh.

Nicht mit gleielier Evidenz kann die Autorschaft der dritten liede Zophanja zugeschrieben ■werden. Aucii bin ich nicht in der Lage die Kinhcit und Einhcit-lichkeit dieses Orakels zu bcwcisen. J^ie von mir vorgenommone strophische Glic-derung ergibt im ersten Absclinitt: 7 7 7 7 3 und im zweiten Abschnitt 7 7. Daraus scheint horvorzugelien, dass in der That die letzten Verse 14—20 cin spilterer Zusatz ist, der raöglicherweisc niciit von Zephanja iierrülirt. Beachtens-werth ist im ersten Absclinitt wieder die kurze Schlussstrophe, ganz wie im zweiten Orakel. BerUcksichtigt man die schon von Coknill hervorgcliobene Thatsache, dass die ersten zwei Strophen sichcr vorcxilisch sind, so liegt kein Grund vor, den ersten Absclinitt des dritten Capitcls Zephanja abzusprechen. Dor oben angeführte Ein-wand: ,dic lloffnung, dass Jahweh\'s Zerstrcute ihm von den Stromen Aethiopiens

1 D. li. einmütliig\', eiuliellig\'.

2 Diese schwierigen zwei Verse übersetze icli {ibweicheiul von ,\'illeii meinen \\ror^iingern. In dein anch von Stade nnd Wuluiauskn beanstandeten w: vennntlie icli ein Imper. feni. wie \'Ji nnd \'ibv (V. 14) odor \'V: (V. 17). FUr rsrï vn lose ich rxr am. Zu dor Phrase rtD-n gt;)os vergleiclio man Gen. 30, Si! und Jos. 4, 1. Im folgBiiden Verso vocalisire icli ,icli ftige sic (die Schmach) deinon Peinigern zu\'. Zur Construction vergleiche rs aiu ait\'r .Ter. 33, 9 ,jeinand Giite erweison\', rtgt; nsn ncy Gen. -.\'4, 12. 4(1, 14 .jeinand Gnade erwoisen\' und rx nsn: nvy Ex. 23, 25 ,aii Jemand den Zorn auslassen\'.

124

ocr page 132

Zepiianja, Cap. 3. Nahum. VJo

als Gabon dargobracht worden, nohmo sicli sehlocht im Munclc eines ura 030 sclireibondon Prophoten aus\' trift\'t nicbt zu; deun die Ucbersotzung dor dunklcn Worte \'sis ns nny dui-ch ,meine Anbeter, nicino Zerstreuto\' ist ganz unsichor, und das Auftauclicn von Kusch an dioser Stello kann im Gegentbcile als IJowois für dio Eclithoit des Stüekcs geiten, indem Kuscb genau auf Kuscliiten der dritten Strophe des zwei ton Orakels (in dor gleieben Zoile!) respondirt.

loh verweiso noeli auf die antitlietisebo Concatcnatio zwisehen Strophe i nnd ii (Vers 4 und 5), Alles ist vorderbt, Fllrston, Richter, Prophoten und Priester v erge wal t igen das Recht — Jahweh allein thut kein Unreebt. Audi die Er-gilnzung am Sebliisse der zweiten Strophe (V. (!) wird knum beanstandet werden, da die Hiiufnng dor Phrasen ,ohne Menschen, ohno Eimvohncr\' und das Nicht-enviibnen dos Land es höehst auffallend bleibon würde.

In Bezug auf\' den let/,ten Absehnitt babe ich moine Uebersetzung der dunklcn Stellen V. 18 und 19 bereits in dor Note begriindet. Hier will ich uur noch darauf aufmorksam maehen, dass in der Sehhisszeile die ,zurückgesehnte Cle-fangensehaft\' mit dor Schlusszoilo des zwciten Orakels oorrespondirt. Nimmt man an, dass der letzte Absehnitt nicht von Zephanja stannnt, sondern eiu Zusatz aus spilterer Zeit sei, so muss man mindestens zugeben, dass der spiitcre Boar-beiter den Absehnitt strophisch angegliedcrt hat, indem er die gleiche Zeilen-zahl der Stroplien wiihlte und das Sttlck durch Responsion mit dom zweiten Orakel in Verbindung gebracht bat.

Nahum.

Caput 3. 1—13.

i Wolie der Hlutstadt, dio ganz Lug ist,

Voll von Ucuto, nicht losliisst den Raub.

a Schall der Poitsche und Soliall des Kiiclergerasseis,

Und galoppirendes Itoss und tanzender A Va gen,

li Keitev, hoch (zu Ifoss), ScliwerterHammc und Lanzenblitz,

Viel Krsclilagene und Todtc in Menge,

Leichen cndlos, man strauehelt übei\' ilire Leichen.

i ()b der vielen Uuhlereien der anmntliigen Uulilerin, der zauberkundigen.

Die Völker verhandelt durch ilire Unhlei\'ci und Geschleeliteiquot; duich ilire Zauberkunst, n Ich will an dich, sagt Jahweh Sebaót, und ileeke auf deine Seldcppe auf dein Angesicht,

Und zeige Vólkern deine liliisse und Künigreielien deine Seliande,

quot; \' nd ieh werfe aul dich Grituel und schande dich und niache dich znm Schanstück.

7 Und jeder der dich erbliekt, weicht znrilck vor dir und spricht;

Verwüstet ist Ninive, wer wird sic beklagen, wo linde ieh ihr Truster?

8 Bist du besser als No-Amon, die an Flilssen lagert. Wasser ringsumher.

Deren Vormauer das Meer ist, und deren Uniwallnng aus dein Meere (bestand)?

9 Kusch ist ilire Stiirke und Aegypten weit und breit.

Put und Lybien waren zu deiner1 Ililfe.

1

Oder ,iliror\' (Whi.i.iiausen).

ocr page 133

Nahum, Cat. 3. Habakdk, Cap. \'2.

ifl Audi sic ging in die Verbannung, in die Gefnngsclinft, **

Aucli ihre Kinder wurden zerschinettcrt nn allen Strasseneeken,

Und über iliro Edlen warf man das Los, und all ihre Grossen wurden in Kotten ge-solilagen.

li Aueb du wirst berauscht werden, du wirst umnaehtet sein,

Auch du wirst Zuflucbt suclien vor dom Feindo.

ia Allo deino Festungen siud Feigonbilume mit frillireifen Feigon;

Won li sio gesehüttelt werden, fallen sie dom Essor in don Mund.

13 Siolio, doin Volk wird zu Woibern in deinor Mitte,

Deinem Feindo werden die Tiiore doines Landes geöfl\'iu\'t,

Fouor hat deino Riegol verzehrt.

Aus den Weissagungcn Nalium\'s tibcr Xinive, welclic um G04 v. Clir. nicrler-gesclirielicn sciu mögen, flihrc icli ein Slilck vor, ■\\velelies sicli auf die Zerstoruiig Kinivc\'s durch die, Chaldiler beziolit. Bol der strophisehen Eintlieilung, die ini massoretisehen Texte nicht markirt ist, liat micli lediglich die strenge gedank-liche Gliederung geleitet.

Strophe i (Y. 1—ö) schildert die gewaltige Metropole Assyriens, die durch Eisen und Blut aufgebaut ward, und durch Lug und Haul) ihr Leben fristot. Jm Geiste sieht der Prophet schon don Feind durch die Strassen stürmen, die mit Leichen bedoekt sind.

Strophe n (V. 4—7) zeiclinet is\'iiiivo als eine herzlose Bulilorin, die mit allen Mittein dor Zaubcrknnst die Völker borllekt hat, und min oinc ontsprechonde Strafe erloidot, wolcho hoi den Zuschauern nicht einmal Mitleid erweckt.1

Strophe in (V. 8—10) woist auf das gleiche Schicksal No-Amons in Aogypten liin, das vor wenigen Decennion durch die Assy re r zerstört worden war.

Strophe iv (V. II —14) greift wieder auf Kin ivo zurück und vorklindet ihm cin gleiches Schicksal.

Dio Eintlieilung der Zoilon ist meistens streng rhythmisch und in Ucboroinstim-mungmit don Accenten. Zu boachton ist dor Mangel jodor Kunstforin; weder Respon-sion noch Concatenatio odor Inclusio sind zu ontdocken. Wonn os richtig ist, dass Elkoscb, wie üborliofort wird, in Galilita lag und Nahum vou dort staminto, so hiltton wir die merkwürdigc Thatsacho zu vcrzcichnon, dass auch bei diosom liöchst originollon Dichter wie bei llosea, der ebonfalls aus dom Nord-roiche stanimt, dio Kiinstformon fchlen.

H a b a k u k.

Caput 2.

i! Fiirwalir sic worden alle auf ihn einon Spruch anhobon Und ein Spottlied in Anspiolungcn auf ihn und spreehon:

\' Warum Wet.i.iiausen in seiner Uoborsetzung die Einhoitliclikeit dieses lüliles zorstilekelt liat, ist nicht einzuselieu.

ocr page 134

Habakuk, Cap. 2.

Wclie dom, der aufhiluft, was nicht sein ist! Auf wie lange?

Und sicli bcschwert mit Sclmldenlast.

Sielio, plötülioli erlieben sieh deitie Dranger und es regen sieli deine Maimer, Und du wirst ihncn zur IJeute;

Deun du iiast gepiündort viele Vöiker,

Es worden dich nuu plündern der ganze Ueberrost der Völkcr,

Wegen Menschenblut und Kaub\' an Land, Stadt und Howohnern.

Webe dein, der unreebten Gcwinn erwirbt fiir sein Hans,

Um zu bauen sein Nest in der llijlic,

Um sicb zu retten ans der Hand des Verderbens!

Du bast Scbmacb geratbon deinem Hause,

Viele Völkcr zu vernichten und dich zu versiindigen;

Denn der Stein aus der Maner schreit,

Und der (^uerbalken aus dein Holzwerke antwortct ihm. j

We he dein, dor bant die Stadt mit Bint,

Und horstcllt die Burg mit Frovel!

Sioho, fiirwabr von Jahweh der Hocrsoharen ist os (bestimmt):

Dass sieh abarbeiton dio Völkor fiir das Keuor,

Und die Nationen fiir Niohts sieh ahmilhen.

Denn voll wird die Erde von der Erkonntniss der Herrlichkeit Jahweh\'s,

AV ie Wasser den Meerosgrund bedcckt.

Wehe dein, der zu trinken gibt den Anderen,

Aus dor Scbale8 deines Zornes bis zur Berausehung,

Um sicli zu weiden an ihrer Schande.

Du siittigst dich licber an Schmach als an Ehro,

So trink\' aueh du und tauinlo (oder: zeige deine Blösso),

Es kommt an ilieh dor Kelch in der Ueobten Jahweb\'s,

:|:Wcgon Me n se bon blut und Kaub an Land, Stadt und Bewohnorn!1

Denn der Kaub am Libanon wird dich bedoeken,

Und die Verwüstung unter don Thieron dich erschrocken,

\'■\'Und doppolto Sehmaoh (wirst du Iiaiion) fiir deine Ehre.:l

Was nützt das Bild, dass der Meister es schnitzt.

Was das Gussbild und Liigenorakol,

Dass der Bildner auf sein Gebilde vertraut,

Indem er stumme Gützen anfertigt\'?

Wehe dom, der da spricht zum IIolz; ,Erwache!\'

,Kegc dich!\' zum regungsloson Steine.

Er sollte [Orakel] verkündon?

Sieh\', er ist gofasst in Gold und Silbor,

Und kein Geist ist irgend darin.

Doch Jahweh in seinem heiligen Palasto —-

Still vor ihm die ganze Erde!

1

Die beiden Verse liabo ich mngestollt.

ocr page 135

Habakuk, Cap. \'2.

Wflhrcnd die Abfassungszeit des ersten Capitels von Habakuk (lurch den Inhalt, die Scliilderuug des ersten Auftretens der Clialdiler, gesichert ist, sind die Meinungeu Liber die Entstehung der Wehrufe im zweiten Capitel getheilt. Die meisten Kritikcr sind der Ansicht, dass die Ictzten drei Wehrufe (V. 0—20) ein spaterer Zusatz seien, wogegen der crste nocli von I.Iabakuk herriihre, nur Well-hausbn betrachtet die Wehrufe, die nach seiner Ansicht schon im V. 5 beginnen,1als ein cinheitliches Stiick ,worin im fieiste die Frcude der Vülker über den Fall des Tyranncn (der Chaldiier) voraus empfunden wird\'. Alle Ncuern sind aber darin einig, dass die A\\rehrufe (in ihrer Gesamintheit oder theihveise) einer spiiteren Zeit angehören. Jlir scheint Wellhausen hierin Hecht zu haben, dass die Wehrufe als cinheitliches Stück anzusehen sind, die Frage aber, oh man aus der ge-künstelten Art ihrer Zusammcnfügung auf spiltere reproducirende Schriftstellerci schliessen mnss, möclite ich nicht ohne Weiteros bejahen. Ich sehe zunachst von dem ersten ,Wehelt;, das Wellitausen ergilnzen möchte, ab und bcschranke mich auf die Betrachtung der gegebenen, indem ich insbesondere die Aufnierksamkeit auf die Uebergilnge lenkc.

Stv. i, 5; Wegen Mcnsclienblut mul Hanb an Land, Stailt und Bewolinern,

Str. ii, 1: Wehe dem, dor unrecliten Gcwinn crwirbt für sein Hans.

Str. li, (i/7: Dcnn der Stein aus der Maner sclircit,

Und der (Juerbalken aus dein Holzwerke antwortet Hun.

Str. in, 1/2: Welie dem, der bant eino Stadt mit Blut Und lierstellt die Burg mit Frevel.

Der Ucbcrgang von Stein und Holz zu banen liegt ofFen zu Tage.

Str. in, 7; Wie Wasser den Meeresgrund bedeckt.

Str. iv, 1: Wehe dein, der zu trinken gibt den Andern aus der Scliale des Zornos.

Die Umstellung der beiden mit Sternchon verschenen Zeilen wird aus stro-phischen Griinden gefordert. Derselbe Kehrvers, der die erste Strophe abschliesst, schlicsst passend und symmetrisch anch diese Strophe ab, und daraus ergibt sich auch die erwartete Uebergangsvcrkettung:

Str. iv, 7: Wegen Mensebenblnt und Kaub an Land, Stailt und Bewolmern.

Str. v, I: Dcnn der llaub am Libanon wird dlch bedeekeu.

Dagegen verstösst die von der Kritik versuchte Umstellung von Vr. 18 nach \\\'. 1!) gegen die Strophik und die Kunstform, die sich bei Beibehaltung der Reihen-folge zwanglos ergibt:

Str. v, 7: Indem er stumine (iötzen anfertigt.

Str. vi, 1: Welie dem, der da spriolit zuui Holz: Erwaelie!

lm Schlussvers der sechsten Strophe correspondirt die ,ganze Er de/ mit dem ,Wasser\', wclclic den Meeresgrund bedeckt, in der entsprecheuden Zeile der dritten Strojilic.

128

1

Sehr scharfsinnig* will Wklliiausen in p\'n schon das erste erkennen, wobei freilich, wie er selhst bemerkt, \'3 als nicht antg-ehender Jvost bleibt. Gegen Wklliiausen spricht aber die An-kiindignng der Wehrufe, V. G, welche ja erst da in den Mnnd der Vülker gelegt worden.

ocr page 136

Zacharia, Oaigt;. K». 129

Z a c h a r i a.

Caput 10.

1 Erbittet von Jahweh Kegen zur Zcit des Spatregens, Jahweli bewirkt Wettorstrahlen, Uml Regengüsao gewithrt er ilmeii, Jogliehem (gewiilirt cr) Waehstlium auf dein Felde.

2 Donn die Orakel reden niehtig und die Walirsager sehaueu Lügo,

Und die TrUumc verkiluden Eitles, windig ist ihr Trost.

Darum ziehen sic fort wie Schafe, werden gebeugt, weil kein Ilirto da ist. j

3 Anf die Mirten ist entbrannt mein Zorn und an den Boeken will icii es almdeii, Denn es sieht Jahweh der Heerscharen uach seiner lieerde, dein llause Juda,

Und macht sie gleich stolzen Rossen im Krieg.

•i Aus ilinen gehen Ecksteine horvor, aus ihnen Pfeiler,

Aus ihnen die Bogen des Krieges, aus ihnen alle Machthaber insgesannnt,

5 Und sic werden sein gleich Helden, zertrctcnd (denFeind) wie Gasscnkoth im Kriege.

Und sic streiteu, denn Jaliweh ist mit ihnen, und zu Schandcn werden Keiter zu Ross. o Und ich verleihe dem Hause Juda Stiirke und dem llause Joseph belf\'e ich.

Und ich führe sie heiin, weil mich ihrer erbarmt, und sie sullen sein, als ob ich sic

nie verstossen;

Denn ich bin Jahweh, ihr Gott, ich will sic erhöron.

7 Und es werden gleich Helden sein Ephraim, und ihr llerz erfreut wie vom Wein,

Und ihre Söhne sclien es und freueu sicli, es frohloekt ihr Herz über Jahweh, s Ich zischo ihnen und sammlc sie, deun icli habc sie losgekauft, und sic sollen üald-

rcich sein, wie sie waren.

n Und zerstrcute ich sic auch nnter die Vülker, so gedenken sic in der Ferne incin, Und sic leben wieder auf mit ihren Nachkommen und kehren heim.

lü Und ich lasse sie heiinkchrcn aus dem Lande Aegypten und aus Assur sannnle ich sic, Und nach dem Lande Gilead und dem Libanon bringe icli sie, und es reicht ihnen nicht aus,

Und es filhrt durch das Meer Notii, und es schliigt iin Meerc Wellen, dass austrockncn

die Ticfen des Nils,

Und es sinkt der Hochmuth Assurs und das Scepter Aegyptens wcicht,

Und ich machü sic zu Helden durch Jahweh und in seinem Namen wandcln sic, ist Jahwch\'s Sprueh.

llcbcr die Abfassuugszcit dieses Ötückes gelieu die j\\[eiiiiingen stark aus-einander. Seit Flügge\'s epoehaler Arbeit (1784) über Zacharia, seiirieb man diesc Orakel Zaeharia\'s, Cap. 1)—11, cineiu Zeitgenossen Jcsaia\'s mul Hosea\'s zu, imtem man dabei von der Annalime ausging, dass diese Stiickc imcb den Bestand des Nordreicbes voranssetzen und nur Assur und Aegypten als Bedriinger von Juda und Israel kennen. Noch Kuenkn will in diesen Stiicken vorexilische Fraginentc aus dein 8. Jahrhundert erkennen.

Im Gegensatze hiezu hat Hengstenbeug die nachexilische Abt\'assnng zu he-weisen gesucht und auch die letzten Capitel dem Zacharia zngeschrieben. Endlich

D. II. Muller. Dio Prophetou. i)

ocr page 137

Zaciiahia, Cav. 10. Ezeciiiel und Jkhhmia.

hat Stade die Behanptung aufgestcllt, class Zach. 9—14 das Werk cincs Schvift-stollcrs ist, der in der Zeit der Diadochcnkilmpfe ca. 280 schrieb.

Es ist hier nicht dor Platz die F rage naeh dem Alter dieses Stilckes, das urn fiinf Jahrhunderte schwankt, zu erörtern. Ich kann nur die scharf ausgeprilgten und geliauften Kunstformen hervorheben und dabei betonen, dass mir hierin viel Gemachtes nnd Gekünsteltcs zn liegen scheint, das sich nicht oline Weiteres aus dom Gedankengange ergibt.

Ein Bliek auf den Text odor die Uobersotzung zeigt die verschiedenfache Responsion und die cigentluunlicho Concatonatio. Ich stelle sie hier übcrsichtlich zusammen :

Str. i, 5: Schafe und Hirten.

Str. n, 1: Hirten und liöcke (Concatonatio).

Str. n, 5: Krieg und Machthaber.

Str. hi, 1: Helden und Krieg (Concatonatio).

Str. ui, 5: onthiilt ein Wortspiel mit i, 5 (\'and ,gebcugt sein\' und ,erhöron\').

Str. iv, 1: Gleich Holden (corrospondirt mit m, l).

Str. iv, 5: Die Naclikoinmen kehron hoim.

Str. v, 1: Ich lasso sie heimkehren (Concatonatio).

Str. v, 5: Und ich macho sio zu Holden (Inclusio mit in, 1 und iv, l).

E z e c h i e I.

Die zwei grossen Propheton, wolcho die Zerstörung Jerusalems er- und übor-lebt babon, Jeremia und Ezechiol, stammten b(^ide ans priosterlichem Geschlochte, sahon beide das schwore Gescliick in der Gestalt dos babylonischen Eroborers herannahen, kilmpftcn beide für diosolbo politische Ucbcrzeugung, für die Untor-worfung untor 1\'abel, von der sie die Rcttung des armlichon Hestes nationaler und staatliolior Selbstiindigkcit crliofften, und gogen das Biindniss mit dom treulosen Aogypten, das dem Volke stets neue Enttiluschungen und Domüthigungen brachte. Wiihrend aber der iiltere nach einem Lobcn sclnveron Loidos, von dom babylonischen Königo selbst mit Milde behandelt, in das verhasste Aogypten wandern muss te, wo er alt und gebeugt, aber nicht gebrochon, bis zum letzten Athem-zug au seiner Ueberzeugung festhiolt und mit blutondem Herzon den Untorgang auch des letzten Kestes verkündete, überkam Ezceliiel die Hand Jahwoh\'s iin babylonischen Exil. Am Kebarflusse erschaute er seine orhabenen Visionen und vernainn er die Stimme dos Hcrrn. Es liegt hierin der erste Bruch zwischen dem national-politischen und dom religiösen Leben des jüdischon Volkes. Jahweh weilt im Heiligthum, schützt sein Volk und seino Stadt; mit der Zerstörung des Heilig-thums und der Eroborung der Stadt ist aber soine Horrlichkcit niclit zu Ende. lm Exil scheint Ezechiol don Mittelpunkt seines Volkes gebildet zu haben. Die Lecture seines Buclios zeigt, dass er in die neue Heimath eine kleine Bibliothek mitgenommen habe. Er kennt die Uiteren Propheten und bat insbesondere seinen ill torn Zeitgenossen Jeremia genau studirt und benützt.

Man darf nun bei einem Manno von der Art Ezeohiel\'s, der neben seiner vielfachen prophetischen und legislatorischon Begabung und neben seiner reichen

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Ezechiki., (jai-. 14.

Phantasie auch Sinn fiir bauteehnische Messungen und Constructionen besass, voraus-setzen, class er seine dichtcrisehen und prophetisehen Sehöpfungen ebenfalls naeh strengem Masse gegliedert, und dass er die Arehiteetonik der illtoren Propheten genau gekannt und verwendet hat. Ein sehopferiseher Geist bleibt aber hei dcm Ueberkommenen nielit stehen, sondern variirt dasselbe und entwiekelt daraus neue Gebilde und Formationen. In der That bietet der Eormenroiehthura Ezechiel\'s eine gauze Seala von Variation en, von dcm sehliehtesten und einfaehsten bis zu dem kunstreieh gegliederten und verwiekeltsten Strophen- und Columnenbau. Die J3e-rührungen mit seinen Vorgitngern werden bei der Darstellung der einzelnen Stüeke schilrfer hervortreten, als ich dies jetzt anzudeuten vermag. Auch will ich an dem Principe festhalten, dass die Beweisfilhrung von Sicherem auszugehen und erst nach und nach auch das minder Sichere und minder Uebcrzeugende in das Bereich der Untcrsuchung zu ziehen hat. Und so beginne ich denn mit dem Stüeke, an wclchem ich zuerst die Strophik und Rcsponsion erkannt babe und welches den Ausgangspunkt dieser ganzen Arbeit bildet.

Caput 14, 12—20.

12 Und cs ward das Wort Jahweh\'s an inich also:

13 Mcnschenkind!

Wcnn ein Land gogen mich siimligt,

Indein cs Untreuc begclit,

So strcekc ich mcinc Hand gegon dasselbe aus.

I.

Zcrbreche ich ihm den Brodstab,

Und lasso Hunger gogen dasselbe los,

Und vertilge daraus Mcnsch und Vieb,

li Und es sind dicsc drol Milnner in seiner Mitto,

Noab, Daniel und Hiob;

Sic werden durch ibre Gcrccbtigkeit ibre Soole errotton,

1st dor Spriieb des llcrrn Jahweh.

IT.

15 Wonn ich wilde Thicro durch das Laud strcifen lasse, dass sic dasselbe cntvölkcru, Und cs ist zur Wüstcnei geworden ohnc Wanderer der (wilden) Thicrc wegen;

ai Dicse drei Manner in seiner Mitto,

So wahr ieli leb\', ist dor Sprueh des llcrrn .lahwoh.

Weder Söhue noch Tiiehtor worden sic rotten.

Sic allein werden gerettot werden.

Das Land aber wird zur Wüstcuci.

III.

17 Oder ich bringo Schwort (Krieg) wider jeues Land,

Und spreche: Schwort ziohe durch das Land,

1 Dio Worte: .Menschenkind\' (s-1!* i^) bilden bei E/.ochiel immer eino Zoilo, wenn sic auf die Wen dung ,Und es ward das Wort Jahweh\'s an mich also\' folgou.

9*

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Ezkchiul,, Cap. 14

Uiul icli vcrtilge daraus Mensch und Vicli,

Und diosc droi Manner (sind) in seiner Mitte;

So wahr ich lebe, ist dor Sprueli des Ilerrn Jahweh,

Nieht werden sie retten Söhne und Töchter,

Sondern sie allein werden gerettet werden.

IV.

id Oder Pest entsende ich in jenes Land,

Und schutte aus ineinen Grimni gegen dasselbe blutiglich,

Zii vertilgen daraus Mensch und Vieh,

-\'ü Und Noah, Daniel und Hiob (sind) in seiner Mitte;

So wahr ich lebe, ist der Spruch des Herrn Jahweh,

Weder Sohn, noch Tochter werden sie retten,

Sie werden durch iiire Gereehtigkeit ilire Seele retten. |

ai Denn also spricht der Herr Jahweh:

Obgleich ich meine vier bosen Strafen,

Schwert und Hunger und wilde Thiere und Pest,

Geschickt habe nach Jerusalem,

Zn vertilgen daraus Mensch und Vieh;

2\'J Siche, es bleibt darin ein Ueberrest (die Gerechten),

Die Fortgeschleppten1 (sind) Sohne und Töchter (dieser Gerechten).

23 Siehe, sic ziehen1 hin zu euch,

Und ihr werdet schen ihren Wandel und ilir Treiben,

Und ihr werdet euch trosten über das Unheil, das ich gebracht,

[Und ihr werdet erkennen, dass icli nicht unisonst gebracht] über Jerusalem,

All das, was ich gebracht habe über dasselbe.

21 Sic (selbst) werden euch trosten,

Wenn ihr sehen werdet ihren Wandel und ihr Treiben,

Und ihr werdet erkennen, dass ich nicht unisonst vcrübt habe,

W as ich vcrübt gegen dasselbe,

1st der Spruch des Herrn Jahweh.

m

In diescm Abschnitt exemplifieirt Ezcchicl seine Theorie von der individuellen Vcrantwortung, nnd sagt: Die allgemeinen Strafen, welclie ein Land heimsuchen, verschonen nur die Gerechten persönlich, aber nicht audi ilire Kinder. Die Ver-anlassnng dazu gab die Aitcrnativfrage, wclche die Exilirten an den Prophcten gerichtct habcn mögen. Trotz aller Katastrophen, wclche über das Heiuiatsland hercinbrachcn, blieb ein geringer Ueberrest noch im Lande, wclchen der Feind selbst nicht fortschleppen moclite. Es waren wohl altc und schwache Leute, wclche iin Lande nicht mehr gefilhrlich werden konntcn und den Strapazcn cincr Aus-wanderung und cincr Ansiedlung kaum gewachscn zu sein schicnen. Dagegen wurden die Kinder dieser Zurückbleibcnden nach Babyion mitgcschlcppt. Das Anlangcn eines solchcn Transportes stand wohl bcvor und besclülftigte die Exilirten in hohem Grade. Entweder sind ilire Landslcutc sündhaft und dein Untergang

1

Heide Worte siiul im Hebraisclien (lurch iliesclbo Wurzol (nï-) ausgedrückt.

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Ezkciiiei-s Theorie der individuklIjEN Veuantwortüng.

bestimmt, dann hilttcn alle vcrnichtet werden müssen, oder sie sind g\'ut und gerecht, warum sind sic der Verniehtung preisgegeben worden und warum werden selbst den Guten und Fromnien, welehe trotz aller Heimsuelmngen in der Heimat ge-blioben sind, ihre Söline und Töehter entrissen? — Aut\' diese Fragen antwortet der Prophet in seiner detaillirten Weise, schildert die versehiedenen Arten der Strafen und sagt; Selbst bei derartigen Heimsuehungen wird der Gerechte nielit mit dem Frevler dahingerafft, aber so wenig die Kinder ,stumpfe Zilhne haben sollen, weil die Vilter Heerlinge gegessen\', so wenig dürfen sic erwarten durch die Verdienste der Vilter gerettet zu werden.

Dass in der That ein solelier Nachschub aus Palastina zu erwarten stand und das gauze Stuck cine nctuelle Bedeutung hatte, sieht man aus den letzten zwei Strophen, wo dor Prophet die Fragenden darauf verweist, dass sic bald Gelcgenheit haben werden sich zu überzeugen, ob die bose lirut gcrcchter Vilter auch Rottung oder Sehonung verdienten.

In der kurzen cinleitenden Strophe wird gesagt: Ein Land, das slindigt und Verrath bcgcht, muss gezilchtigt werden, und in den vier gleichmilssig gebauten Absiltzen wird der Gedanke variirt, dass die wenigen Gerechten das liereinbrechende Verderben nicht abwenden können. Ezcehicl wiederholt denselben Gedanken vier Jlale, indem er bei jedcr der vier Heimsuehungen, denen ein Land ausgesetzt ist, betont, dass selbst die Frümmsten nur sich selbst rotten konnten. Das Beispiel ist allgcmein gewilhlt: ein Land, und die Gerechten sind die frömmsten Menschen, wie Noah, Daniel und Hiob, die aus versehiedenen Zeiten und Lilndern stammen.

133

Trotz der llonotonie in der Sache weiss der Prophet in Styl und Form Ab-wechslung zu schaffen. Die Versehiedenheit im Ausdruck ist kaïun bemerkbar und doch mit vollem Bewusstsein durchgefülirt. Ncben ganz identischen Wendungen finden sich leisc abgetönte Phrasen, so z. B.

Str.

i, 4/5:

Und es sind dicso drei Miinner in seiner Mitte, Noah, Daniel

Str.

li,

3:

Diese drei Miinner in seiner Mitte

Str.

lil,

4:

Und diese drei Miinner (sind) in seiner Mitte

Str.

IV,

4:

Und Noah, Daniel und Iliob (sind) in seiner Mitte

Str.

I,

(5:

Sie werden durch ihre Gerechtigkeit ihre Seele erretten.

Str.

6:

Sie allein werden gerettet werden.

Str.

iii,

7:

Sondorn nur sic allein werden gerettet werden.

Str.

IV,

7:

Sie werden durch ilirc Gerechtigkeit ihre Seele retten.

Str.

n,

5:

Weder Söhne noch Töehter werden sie retten.

Str.

in.

6:

Nicht werden sie retten Söhne und Töehter.

Str.

IV,

6:

Weder Sohn noch Töehter werden sie retten.

Vergleicht man diese vier Strophen derart mit einander, dass man die identischen und ithnlichen Wendungen als Zeile oder Vers ansicht, so ergibt sich daraus die Thatsache, dass jedcr Absatz aus sieben Gedankenzeilen besteht. Ganz be-sonders ist darauf zu achten, dass dort, wo eine respondirende Zeile weggelassen ist, dieselbe durch eine andere passende ersetzt wird. So fehlt in der ersten Strophe die Specialisirung der Söhne und Tocliter, dafür werden aber die drei Milnner mit Namen genannt. In gleicher Weise fehlt in der zweiten Strophe die Zeile;

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Ezkciuel. Cap. 14.

^Und ich vortilgte daraus Mcnscli und Vieh\',

welche aber ersetzt wircl durch dio Zeilo:

,Das Laud abcr wird zur Wüstenoi\'.

Man siclit also deutlich die Absicht des Proplieten sicbcnzcilige Strophen zu seliafl\'cii, die mit cinander melir oder wcniger genau correspondiren. Grosstcntheils trifft die Kesponsiou die gleielie Zeile, liic und da, und dies ist ein besonderos Kennzeichen Ezechiel\'s, ist die Correspondenz keinc streng parallele, sondern eine wechselndo. Wir werden spater die Ursaelie dieser Erseheinung zu untersuchen haben.

Der zweitc Theil der Rede zielit das Facit ans diesem aUgemeinen Exempel, wendet es auf den speciellen Fall von Juda und Jerusalem an und sagt:

Wenn ich auch diese vier Plagen, Schwert, Hunger, wilde Thiere und Pest gegen Jerusalem entsendet liabo, um zu verniehten daraus Mensch und Vieh, so bleibt darin eiu Ueberrest, das sind die Frommen, die trotz alien Unbeils gerettet werden — aber nur sie allein, nicht auch ihre Söhne und Töchter, welche nach Babylon fortgeschleppt werden.

Die Correspondenz dieser Strophe mit den vier vorangehenden ist weder von don Massoreten, die die lotzten zwei Zeilen dieser Strophe mit der folgenden zu Einem Verse vereinigt haben, noch auch von den alteren und modernen Commentatoren, welche die letzten zwei Zeilen grllndlich missverstanden liabon, erkannt worden. In dieser Strophe entspricht fast jede Zcilc je ciner Zcile der vier Mittcl-strophen, mit leichter Variirung der Reihenfolge:

Zoile 1 = i 7, ii 4, in 5, iv 5.

Zeile 2—3 = i 1—2, n 1—2, ui 1 —2, iv 1—2.

Zeile 5 = i ii, n 7, in 3, iv 3.

Zeile 7 = a 5, ui 6, iv (i (fchlt in i).

Dagegen liegt in Zeile 6 der Sinn zweier Zeilen von n 3 und (!, m 4 und 6 und iv 4 und 7; deun die Worte heisscn: 1. os sind fromme Milnner in Jerusalem ge-wesen, und 2. diese frommen Leute sind in der That gerettet worden. Um diesen Ausfall zu ersetzen, tritt Zeilo 4 ein, die in den vier mittleren Strophen keine be-sondcre Zeile bildct. Wahrscheinlich aber war der schriftstellerische Vorgang ein umgekehrter. Nachdem der Prophet die vier Strafgerichte aufzahlen inusste, die gewichtig genug sind um einc Zcilc zu bilden, war es nötliig, das Entsenden der-selben nach Jerusalem in ciner besondcren Zeile zum Ausdrucke zu bringen. Dies aber zwang ihn in Zcilc ö den Inhalt zweier Zeilen pragnant wicdcrzugebcn.

Durch cino leichte Concatenatio greift Ezeehiel auf das actuclle Ercigniss, die Ankunft des Exilirtentransportes, hintlber, und sagt in zwei parallclcn Fünf-zcilern: Sie kommen zu cuch, ihr werdet sic schen und ihr solit euch überzeugen, dass diese Prut cin besseres Schicksal nicht verdient bat. Die Kesponsion ist auch hier scharf ausgepriigt, aber wieder nicht parallel, sondern um eine Zeile verschobcn. Der parallelo Gedankengang und die Kesponsion crmöglichcn die ausgefallenen Worte mit mathematischcr Sicherheit zu crgilnzen. Die Wiederholung der Endstrophc bat übrigens, wie ich glaube, cin psychologisches Motiv. Der Prophet bat in dein ersten Fünfzciler nicht ohnc einen Anflug bitteren Sar-kasmus cine Phrase gebrauclit, dio in dor Regel eine ganz andere Bcdcutung

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Kzechiki.s Ahciiitecjtonik.

hatte. Man sagt vou Gott ^Er cmpfindot Reue über das Unglück\' (das er Israel zuzufügen gedaeht). Dieses Wort (nikam) bedeutet aber auch ,Trost cmpfinden\'. Nun sagt Ezccliiel: ,llir werdet Trost emptinden über das Unglüek, welches ich gebracht habe\' d. h. ihr werdet eiusehen, dass da kein Unrecht geschehcn ist. Diese Phrase musste durch die Anspielung aut\' den gewöhnliehen Gebrauch der-selben doppelt schnierzlich wirken, konnte aber auch leicht missverstanden werden. Dalier die Wiederholung ,Sie werden eueh trosten, wenn ihr sic; sehen werdet und ihren bösen Wandel\' — ein schwachcr und bitterer Trost, wenn man erkonnt, dass die Strafe cine gerechte und wohlverdiente ist. In so glatten Worten ist noch selten eine so tief aufregende und beschamende Antwort ertlicilt worden.

Diese kurze Rede ist wie wenige geeignct einen Einblick in die Schaffensart unseres Propheten zu gewilhren. Sic besteht aus zwei Theilen, einem allgc-meinen und einem spcciellen. Im ersten wird die Fragc akademisch aufgeworfen und behandelt, im zwciten die Nutzanwendung gegeben. Die erstc Iliilt\'te euthillt ein ethisches Riithsel, die zweite die praktische Lösung. In Bezug auf die Form ist zu beachten, dass eine kurze Einleitung einftihrt, die Strophik in der Mitte sieh gleichmiissig bewegt. Ein einziger Gedankt: wird variirt und in alter Manier durch leichte Vcrilnderungen immer neugestaltet. Gcringes Sprachinaterial, nur wenig, kaum bemerkbar abgeandert, macht das Vcrstilndniss noch leichter und prilgt dom Hörer den Gedanken cin. Nun ergibt sich die Lösung und Nutzanwendung nahezu von selbst. Der zweite Theil bleibt aber noch im Zusammenhange mit dem ersten durch die glcich grosse und gleicli gebaute Strophe. Gegcn Ende filllt er zu kilr-zeren Strophen ab, die in wenigen Worten den Inhalt des Orakels zusammenf\'assen.1

Nachdem ich die Analyse diescr Rede nach Form und Inhalt gegeben, ver-lohnt es sich einen Bliek aut\' die Verschiedenheit der AutFassung y.u werfen, wclchc einerseits durch die Arbeit der alten und modernen Exegeten ermittelt, andcrer-seits durch die strophische Gliederung ersehlossen worden ist. Ich will micb aber dabei aut\' die beiden vortreflfliehen Cominentare voii Smend und Coumli, bcschrünken, wo sieh die Grundsiltze der Textkritik conservativer und radikaler Richtung wiedcrspiegeln und die Arl)eit vicler Jalirhunderte niedergelegt ist.

Schon in der Uoberschrift dieses Stückes bei Smend: ,Eino Ausnahmc von der Regel\' zcigt sich die abweichende Auffassung, die ich mit Smend\'s Worten kurz wiedergebe: ,Ezechicl vertritt den Vcrgeltungsglauben in seiner sciiroffsten Gestalt, nach ihm stcht das Schicksal des einzelnen Individuums in genaucm Ver-

hilltniss zu seinem religiös-sittlichen Verhalten...... Bei Jerusalems Untergang

soil gleichwohl eine Ausnahmc gemacht werden: Es sollen allerlei Gotllosc Ubrig-bleiben und nach Babel zu den Exilirtcn kommen etc.\'

Smend selbst ftlhlt den Widcrspruch, der dadureh in der Theorie Ezecliiel\'s entstanden ist, und sueht ihn zu vcrkleistern, indem er sagt: ,Gegcn die starre Vcr-geltungstheorie Ezechiers war sie (die gottlose ncbe)2 ein thatsilchlicher Einwand, den er irgendwie entkriit\'ten musste. Ohne Zweifel hatte er das Gegentbeil er-

135

1

Die kurze einleitemle Strophe und die Eudstrophe eriunern ;ui den Stroplienbau Zeplinuja\'s, der ontweder mit einer kür/eren Strophe beginnt oder schliesst (vgl. oben S. 120), indessen kom int auch schon bei Jesaia ein ilhnliches Strophengebilde vor.

2

(D\'KXian), wogegen die Cominentare beides unterschiedlos vermengen.

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EzhchieIj, Caigt;. 14. Kkinb Aiirnaiimp, von der Rkoel.

wartet unci geweissagt (9, 4 ff. 7, 13)\'. Der Widerspruch ist aLer nach meiner Intcr-prctation gar niclit vorhamlen und ist erst durcli das Missverstilndniss der Commcn-tatoren hineingetragcn worden. Audi die von Smend angefiihrten Stellen sprechen nicht dagegon; denn in beiden Stellen werden die From men ausgenommen, indem in Cap. 9 ausdrücklieh der Befehl ergeht ilie Frommen zu zeiehnen, damit sie versehont werden, und in Cap. 7, 16 ausdrllcklich wie hier, von der Rettung Weniger gesproehen wird (on-D^B ieSbi).

Das Missverstilndniss ist durch die knappe Ausdmcksweise des Propheten zu Anfang dos Verses 22 entstanden, welcher von den Commentatoren übersetzt wird:

So blcibcn doch Gcrettcte darin übrig,

Die hinausgeführt werden, Söhue und Töohter,

wonach also die tibriggebliebenen Geretteten mit den hinausgeführten Söhnen und Töchtern identisch sind, was an und fur sicb ciu Widerspruch ist, wozu noch die ungcschickte Phrase ,Söhne und Töchter\' (wessen?) kommt, die gar keinen Sinn hat. Dagegen ist nach meiner Uebersetzung:

So bleibcu docli Gevettete darin übrig (die Gereebten), Die Fortgeführten aber sind (deren) Söbne und Tücbter,

weder ein Widerspruch vorhanden, noch der Gcbrauch der Wortc ,Söhne und Töchter\' auffallend ist. Die Sclilusszeilcn erwachscn organisch aus dem ganzen Zusammenhange.

Ich wende inich nun zu den Emendationcn Counill\'s, die sich meistens auf die Septuaginta stlitzcn. Es liisst sich von vornoherein kaum erwarten, dass in oincr Version, wenn sic noch so genau ist, all die kleinen und feinen stylistischen Nuancirungen zum Ausdruckc gebracht werden, wie sie der Prophet mit feinstem Mcissel in seinen Schilderungen hat hcrvortrcten lassen. Der Versuch also in der ersten Strophe, Zeile ü, das piel in nip hal zu ilndern, muss daher abgewiesen werden, wie schon Smend zugibt, dass das Piel zulassig ist. Auch Hitzig\'s Bemerkung ,D2\'B3 wurdc von ciner conformirondcn Hand aus V. 20 bcigoschriebcn\' trifft nicht zu, im Gegenthcile ,conformircnde llilndc\' wollen es mitünrccht streichen.

In gleicher Weise bat Cornill Unrecht am Anfange der zweiten Strophe das allgemoin llberlicferte liï durch das noch zweimal vorkommende au ,odcr\' zu ersctzen; M für mi kommt in Keilinschriften und in den Scndjirli-Inschriften genug oft vor und schcint auch im Hcbraischen in gewissen hypothetischen Fallen gern gebraucht worden zu sein.

Ebenso zerstört die Ansetzung der Copula ,uud\' im V. 1(5 (nirban für ra\'^ir) die feine Nuance, die der Prophet in syntaetischcr und stylistischer llinsicht bcab-sichtigt hat. ,Dicse drci Milnner in seiner Mitte\' beginnt effectvoll ein neucr Nomi-nalsatz und ist mit Absicht differenzirt.

Die dunkle Stelle am Anfange des V. 22 wurde schon von den Alten missverstanden, und die Septuaginta hat schon s^aYsuit, l\'cst illso Squot;Kquot;Siön für n\'KJtiisn, cine Lesart, die von Cornill als die ursprünglichc angesehen wird, in Wirklichkeit aber gar keinen Sinn gibt.

Endlich hebt Cornill mit Recht die matte, unertrèigliehe Tautologie in V. 22 hervor, und da er dieselbe nicht zu heilen vermag, so streicht er die Worte ,Uber Jerusalem all das was ich gebracht habe\', die allgemein ilberliefert sind. Das Ein-

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Ezeciiiiol, Cai\'. 15. (Dn; Rioiuontiulooik.)

dringen ciner ganzen Phrase in die iiltestcn Codices und in die Verlagen der Septuaginta ist von vorneherein unwahrsclieiniich. A us dom Sinn und der Stropliik ergibt sieh vielmelir, dass liier einige Worte ausgefallen sind.

Der ersehlossene StropiienLau dieses Stliekes iiat also nicht nar den Sinn des Orakels bis in die kleinsten Details offenbart, sondern auch gezeigt, dass der überlieferte raassoretische Text unvergleichlich besser ist als der der Septuaginta, weieher durcli Missverstiindnisse und absichtliche Nivellirungsversuche den Urtoxt stark entstellt hat.

Caput 15.

Die Rebe zwischon den zwei Feucni.

i Und es war das Wort Jaliwch\'s an inicli also:

ü Menschenkind!

Was wird aus dein Ilolze des Weinstockes unter allem Ilolze,

Der Ranke, die ist unter den ]5iiunien des Waldes?

3 Wird davon Holz genommen, ein Werk daraus zu verfertigen,

Oder nimmt man davon einen Pflock, daran allerlei Geriith zu liiingenV

4 Nun ist es dein Feuer zum Prasse preisgegeben worden,

Seine beiden Enden hat das Feuer gefressen,

Und sein Mittleres ist angebrannt,

Taugt cs (ctwa Jetzt) zu cinem WerkeV

fgt; Sielie, als cs unvcrselirt war,

Wurde es nicht verarbeitot zu eiucm Werko,

Nun da Feuer es gefressen und cs angebrannt ist,

Sollte cs verarbeitet werden zu cincin WcrkcV

« Darum sprielit also der llerr Jabwcli:

Wie die Wcinrebe unter den Bauincn des Waldes,

Die icb dem Feuer zum Frasse prcisgegebcn,

So gebe ieli jircis die Bewolincr Jerusalems.

i Uud icli gebe (riebte) mein Antlitz wider sic,

Aus dein Feuer kommen sic, und das Feuer soli sie fressen.

Und ibr werdet erkennen, dass icli Jahweh bin,

Wcnn ieli riehtc mein Antlitz wider sie.

s Und ich gebe (verwandie) das Land zur Wüstc;

Weil sie Vcrrath begingen, sprielit der llerr Jahweh. |

Die Ueberschrift, die ich an die Spitze dieses Orakels gesetsst habe ,die Rebe zwischen den zwei Feuern\' gibt in wenigen Wortcn den Sinn diescr Prophezeiung. Das kleine, schwache Volk Israel vergleicht der Prophet init ciner Edclrebc, die, so kostbar sic auch ist, unter den Biiuinen des Waldes doch cine klilgliche liolle spielt, wcnn cs gilt daraus cin dauerhaftes Werk anzufertigen. Nuu ist diesc Rebe

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Ekeoiiiel, Cav. 17. (Üib Reuk und die meiden Adlbr).

zwischen zwei Feuer gerathen, dio beiden Enden hat das Feuer gefrosson und die Mitte ist versengt, soli etwa jetzt daraus oin Werk verfertigt worden?

Mit dieser Frage scliliesst der Prophet don ersten, grosseren Theil der Rode, der wie oin Rüthsel sich au die Hörer wendet. Die Lösung folgt in dom zwoiton Theil dor Redo. Die Art dor Composition ist ganz dieselbe wie wir sie im Cap. 14 kennen golernt haben: Kurzo, einleitonde Strophe und kurzo Endstrophe, in der Mitto liingero gleicliinilssige Strophen. Die erste Hiilfto als der ,Aufgosang\' ist lilngor, die zwoite als der ,Abgesang\' kürzer.

Die erste Hiilfto entwiekelt sohrittweise den Gredanken, sie gibt im ersten Absatz die erste Prilmisso, im zwoiten die zweito Prilmisso, im dritten don Sehluss. Aussordem sind die beiden letzten Strophen der ersten Hillfte dureh die correspon-direnden Zeilen 3 und 4 verblinden. In dor zweiten Hillfte spiolt der Prophet mit dom Worto nat an, welches ,gebon\' bodoutot und je naeh dom Zusammenhang jgoben, richten, vorwandeln\' übersotzt worden muss. Zwischen Strophe 1 und 2 bildet das Wort cine Concatonatio, in Strophe 2 bildet es mit dom synonymen ,richten\' (mto) eine Inclusio (•/.jy./vs;), und dieses lotztere leitot wieder durch einc Verkottung zur Endstrophe hinüber, wo das Wort natan ebenfalls auf die vorige Strophe respondirt.

Caput 17.

Die llcbo und die beiden Adier.

A.

1 Und es ward das Wort Juliwcb\'s an inieli also:

2 Menschenkind!

Giob ein Rathsel,

Und sag\' ein Gleichniss —

Dem Hause Israel.

3 Und sag\': Also spricht dor Herr Jahweh:

Der grosse Adler, gross an Flügeln,

Lang an Schwingen, voll Gefiedcrs,

Der buntc Farbung hat,

Kam nach dem Libanon.

4 Da nahm er den Wipfel der Ceder,

Die Spitzo ihrer Schösslinge pfiiiektc er ab,

Und brachte sic in ein Krilmerland,

In eine HUndlerstadt sotzte er sic.

5 Da nahm er von dem Samen der Erde,

Und that os in ein Saatfeld,

That es an reichliehes Wasser,

Als Uferpfianze setzte er sie.

ii Dass sie sprosse und werde eine schlcichende Rebo,

Niedrig an Wuchs,

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Ezbchibl, Cai\'. 17. (Dik Ukhkntriloüik\').

Um zu wenden ihrc Zweigo naeh ihm liin,

Und dass ihre Wuvzoln unter ihm waren.

Und es ward eine Bebe,

Und sie setzte Zweigo an und trie)) Kanken.

15.

7 Und es war ein anderer grosser Adler,

Gross an Plügeln und geliederreich.

Und siehe, diese Kobe

Krümmte ilire Wurzeln zu ihm hin,

Und ihre Ranken streekte sie zu ihm,

Damit er sie tranke, von den Heeten ihrer Pflanzung:1

s ,Auf ein gates Fold,

Au reiehliches Wasser war sie gepflanzt,

Uass sie ansetzc Zweigc und Fruclit trcibe,

Dass sie worde eine herrliehe llebe.\'

9 Sprich: Also spricht der Ilerr Jahweh: Wird dies gelingen? Wird jener nicht ihre Wurzeln ausreissen,

Und ihre Prüchte abpflücken, dass sie verdorren,

Alle frisehsprosseuden Blatter verdorren?

Und nicht mit grosser Macht und vieleni Volk,

[Wird er (der zweite Adler) kommen, um sie zu retten] Vou der Aushebung von der Wurzel aus.

iü Siehe, sie ist ja gepflanzt — wird dies gelingcni1

Wird sie nicht bei der Borührung des Ostwindes verdorren, Auf dem Heete ihres Wachsthums verdorren? j

O.

ii Und es ward das Wort Jahweh\'s an mich also:

ia Sprich doch zu dem Ilause Widcrspenstigkeit:

Ihr wissct doch was dies (bedeutct)i\'

Sprich: Gekommen ist der König von Babel naeh Jerusalem, Und er natm dessen König und dessen Filrsten,

Und brachte sie zu sich naeh Babel.

13 Da nahm er von dem Samen des Königshauses, Und sehloss mit ihm einen Bund,

Und liess ihn einen Eid sehwöreu,

Und die Machtigen dos Landes nahm er mit.

u Uamit es sei ein niedriges (godcmüthigtes) Konigreieh,

Damit es sich nicht überhebo.

1

nyea nuiya ist mit nnbu1 zu verbinden!

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Ezhotiiel, Cap. 17. (Dik Rp.hhntrilooif.).

Damit cs seinen Bund halte,

Damit es darin (im Bundesverhilltniss) ausharrc.

lü Er aber (Sidkija) empörte sicli gogen ihn, indem er Hoten nach Aegypten seliickte, Dass es ihm Rosse gebe und viel Volk.

Wird dies gelingen? Wird, wer solches getlutn, davonkommen?

Er hat don Bund gobroehen, und soil davonkommen?

in Sowahr ieh lebe, ist des Herrn Jahweh\'s Spruch:

Fürwahr, an dein Orte (in der Rcsidenz) des Königs, der ihn eingesotzt,

Dessen Eid er missaehtet und dessen Bund er gobroehen hat,

Bei ihm, mitten in Babel, wird or sterbon.

n Und nicht mit grosser Macht und mit vielem Volko,

Wird Pliarao filr ihn eintretcn im Kampfe,

Wcnn man Damm aufsehüttot und Wartthunn erbaut,

üin zu vernioliten zahlreiche Seelon.

is Er hatto Eid missaehtet. Bund gobroehen, auf den or seine Hand gogeben. Wer desgleichen thut, kommt nicht davon. 1

1).

i!i Daruin spricht also der Herr Jahweh:

So wahr ieh lebe,

Sicherlioli, mcincn Eid, den er missaehtet,

ITnd meinen Bund, den cr gobroehen,

Den will ieh ihm auf den Kopf goben.

üquot; Und ieh worde inein Netz über ihn ausbreiton,

Und er wird gcfangen werden in moinem Garno,

Und ich worde ihn nach Babel bringen,

Und dort mit ihm rechten,

Ueber seinen Vcrrath, den cr gogen mioli begangen.

21 Und all seine Eriesencn in all seinen Schwadronen —

Durohs Schwort sollen sic fallen.

Und die Uobrigblcibenden sollen in allo Winde zerstreut werden.

Und ihr sollt erkennen, dass ieh Jahweh gesprochen habe.

E,

22 Also spricht der Herr Jahweh:

Und Ich worde nehmen von dem Wipfel der hohen Ceder,

Von dor Sjiitze ihrer Sehösslinge werde ich ein Zartes abpflücken. Pflanzen werde ieh es auf einen hohen, ragenden Berg,

2.i Anf Israels Bergoshohen worde ich es pflanzen.

Und treiben wird es Aestc und horvorbringen Frilchte,

Und werden wird es eine stolzo Ceder,

Wohnen worden unter ihm [alle Thiero des Feldes],

140

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EZKCIUUL, CAI\'. 17. (DIK Rebentrilogih).

Unlt;l allerlei Vogel vun allerlei Flügeln,

lm Schatten seiner Aeste werden sie wolinon.

21 Und erkennen werden alle Biiume des Feldes, dass ieh Jahweh bin. Urniedrigt habo ieh hohen liauin und erhühet niederen,

Verdorren liess ieh frisehen Uauin und blühen liess ieh verdorrten. Ieh Jahweh habe geredet und thuc es. |

,Dic Robe und die beiden Acllcr\' ist eines dei\' seliünstcn und liebliciisten Gedichte Ezcchiel\'s. Dor Inhalt ist so klar und durchsiehtig, dass er in wenigen Worton ausgcdrüekt werden kann. Es ist wieder die alte Gescliicbtc von der Rebe, die sich immer wieder erneuerte. Die Rebe zwischen zwei Feuern batte stark ge-litten und war an der Ungunst der Verhiiltnissc fast zu Grunde gegangen. Da kam der Adler aus dem Norden (Nebukadnasar), machte dor Grossmannssucht Juda\'s ein Endc und gründete ein Vasallenreich, das im Schutze Babuls wobl hiitte ge-deihen konncn. Aber kaum war der Adler nach dem Nor den zurückgekcbrt, da begann die am Boden schleicliende Rebe ihr neues Spiel mit dem Adler aus dom Süden (Sidkija bricht den beschworenen Bund und knüpft Unterhandlungen mit Pharao an). Das Ende der treulosen Rebe ist bekannt. Diesc Gcschichto, ibre Deutimg und Fortsetzung entrollt uns der Prophet in fiinl\' Bildern:

A (V. —-G): Der Adler aus dom Norden vernichtet die stolze Ceder, fiihrt den Wipfel nach Babel und pflanzt eine Ufer-pflanze, die sich zu einem niedern Weiustocke entfalten sollte. \'i -j- (1 X 4) 2 B (V. 7—10): Die Weinrebe streckt ihre Ranken zum Adler aus dem Süden, indem sic sich einbildet, dass sie ihrer Lage nach wohl geeignet sci sich zu einem machtigen Weiustocke zu entwickeln. Der Adler aus dem Norden vernichtet und entwurzelt sie. 2 (3 X 4) 2

C (V. 11 —18) gibt die Dcutung der Allegorie. 2 (5 X 4) 2

D (V. 19—21) specialisirt noch genaner das Schicksal des

meineidigen Königs und seines Hcercs. ö 5 4

E (V. 22 — 24) verkündet, dass in der Zukunft Jahweh einen Schüssling vom Wipfel der Ceder auf der Bcrgeshöhe Israels pflanzen wird, der sich zu einer gewaltigen Ceder entwickeln soli, und groift so gegensiltzlich zum Anfange der Rede zurlick. 5 5 4

lm Abschnitt A sind Strophe ui und iv durch doppelle Responsion zu Anfang und Ende der Strophen verbunden und der Zweizeiler am Ende durch die respondirenden Zeilen 13 n, 3—4 und E n, 1 — 2 gegen etwaige Bedenken in Betreft\' der Einthcilung sicher gestellt.

Im Abschnitte B sind Strophe ui und iv durch cine Inclusio ,Wird dies gclingcn\' zusammengehalten und durch die geradezu aufdringliche Correspondcnz von m, 3—4 mit dem Zweizeiler ,verdorren\' abgethcilt. Dass die Zeile iv, 2 aus-gefallen ist, wurde schon friiher vermuthet und inuss j\'etzt nach Vergleichung C v, 1 — 2 als absolut sicher gelten. Abschnitt C schlicsst sich in seiner Gcdankcn-responsion eng A und B an. Dass Ezechiel sich von der streng parallelon Res-

141

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Ezeciiiel, Caigt;. 17. (Die Rbbentriloöie).

ponsion befreit hat, ist ein Vorzug und darf ilnn als cine reformatorische That angercehnet werden.1 Ich lasse oine Ucbersicht der Rcsponsion folgcn:

C i correspondirt mit A i nnd n.

C ii ,, „ A ii nnd iv, (aucli Wortresponsion).

C in „ „ A v (audi Wortresponsion).

C iv und v „ B i unci in.

C vi „ „ B iv.

C Zwcizeilcr „ „ B Zweizeiler (am Endc).

Ausserdem correspondirt dieser Zweizeiler mit G iv, 3 — 4, beziehungsweise mit B in, 3—4.

lm Abschnitte D wird man vielleicht die Zeilonabtheilung in Strophe i, mit Ilinblick auf C v, beanstilnden, oiiR\', genane Priifung wird aber überzcugen, dass der Verfasscr mit ciner gewissen Absichtiichkcit die Zoile C v, 1 in D i dureh den Zusatz ,darum spricht also\' fiir das Wörtchcn ,Hpruch\' in zwei Zeilen verwandelt hat, ebenso musstc die lange Zeile C v, 3, die nebcn der vorangehenden sehr wohl i)asst und in der That uur Einen Gedanken ausdrückt, in D i nach der ganz kurzen in zwei Zeilen zerlegt werden. Aueh syntaktisch untcrscheiden sich beide scheinbar gleichc Siitze darin, dass an erster .Stelle die beiden Relativsfttze eine niihere Bestimmung eiues Subjectes sind, wogegen an zwciter Stelle jeder llelativsatz cin anderes Subject definirt.

Der Schlussabschnitt E bildet cinen Gcgensatz zu D, mit dem er in der letzten Zeile durch Rcsponsion verbunden ist, noch mchr aber zum ganzen Stück. Durch die allerdings anonnalc Rcsponsion von E i, 2—3 auf A in, 1—2 und Eu, 1 — 2 auf B ii, 3—4 greift der Schluss auf den Anfang antithetisch zurück und sichert so die Einheitlichkeit der Rede.

Sehr eigenartig muthet die poetische Figur v.jv.Xs: an, welche der Dichter in jeder der drei Strophen des letzten Abschnittes verwendet (vgl. i, 4 — 5, n, 3 — 5 und in, 2 und 3). Dass hierin Absicht liegt, beweist am besten der Umstand, dass auch im Schwertlied sich eine Figur drei Mal wiederholt.

In tcxtkritischer Beziehung ist Folgendes zu bemerken:

B ii, 1 ist nbi\'nn zu lesen, wie es die Inclusio (m, 4) fordert. Die Vcrsehrei-bung ist durch das n von n:nquot; leicht zu erkliiren (Hitzig). In der That habcn Septuaginta, Vulgata und einige Handschriften bei Kennicott nbirnn, welches Cornill mit Recht aufgenommen hat.

Dagegen hat Gornill Unrecht Ende V. 9 zu streichen, wenn er sich dabei auch auf die hesten Godiees der Septuaginta stützcn kann. Das Wort wird durch die Rcsponsion in dem letzten Zweizeiler des Abschnittes gehalten. Wie die ausgefallene Zeile iv, 2 gelautet und was für niKtt\'ö1? gestanden haben mag, weiss ich nicht. Cornill\'s Vorschlage befricdigcn nicht. In gleicher Weise wird in dem Zwcizeilcr (vorletzte Zeile) tl\'Squot; durch die Rcsponsion gesichert (gegen Gornill).

D ii, 3—5 und die ersten Wortc m, 1 (V. 20—21) fehlen in der Septuaginta und werden demnach von Gornill gestrichen, was aber die Strophik sprengt. Frcilich ist speciell dieser Abschnitt durch Kunstformen nicht gesichert.

142

1

Dio Gliedcrung der Strophe n deutet der Prophet durch die asynthetische AnoinandersotzTing der Satze, die er alle mit da mit (^) beginnt. Dadurch stellt er nivyb auf die gloiche Stufe wie die nhrigen Satze. Syntaktisch steht es für na -ayb, oder ist daraus verschriehen.

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Ezmchietj, (Jap. 19. (Die Rkbbntrilogib).

E i, 2 (V. 22) habe ich in Uebcreinstimmnng rait Septuaginta und Cornili, das storende quot;nnsi weggelassen. Die Abtheilttng der Stropben gegen die Versein-tbcilung ergibt sicli ans dem Sinn, nnd deren Kichtigkeit wird durch den y.jy.Ai; verbürgt, der sieb in diesem Absclinitte nicht weniger als vier Mal wiederbolt.1 Die Ergiinzung n, 3 ist ebenfalls in Uebereinstimmung mit Septuaginta, deren Lesart Coknill gut begrllndet.

Caput 19.

,Dic beiden Lüwen und die Weinrebe/ ist das Thema dieses Klageliedes. Der Prophet variirt nicht nur das Leitmotiv innerhalb eines Orakels, sondern sucbt auch dasselbe verschiedenfach zu combiniren. ,Dio Rcbe zwischen zwei Feuern\' bildet den Gegcnstand einer Rede, ,dio Rebe und die beiden Adlcr\' war der Stoff einer zweiten Rode, nun bilden ,die Rebo und die beiden Lüwen\' das Thema einer Trauerklago. Das Gesctz dor Idcenvcrbindung wirkt nicht nur ini eng begrenzten Raum einer Rede, es greift auch aus der cincn iicdo in die andere binüber. Die drei Stücke könnte man als ,rhetorische Ti\'ilogio\' bezcichnen.

Auch di(!se Rede besteht aus zwei Theilcn, deren erster durch cine Zeile eingeleitet und deren zweiter durch cine Zcile abgeschlosscn wird. Insofern hat also audi diese Rede die gleiche Form wie die bisher besprochenen. Sic unter-schoidet sich aber sowohl formell als sachlich von den vorangebenden darin, dass dort beide Theile ein einheitliches Ganzes bildetcn, wobei der zweite Tiicil den Abschluss, die Lösung des im orstcn Tiieile aufgeworfenen Problems enthiilt, wahrend hier eigentlich zwei verschiedene Reden mitcinander verbunden sind, von denen die eine ,die beiden Lowen\', die zweite ,dio Weinrebe\' Uberschrieben werden mtisste. Die Verbindung ist psychologisch durch die oben angedeutete Ideenassociation entstanden.

In der That konnut der Unterschied auch in der Form zum Ausdruck, indem die Strophik in beiden Thcilen cine verschiedene ist. Dass aber dor Prophet mit Absicht die heterogenen Theile zu einer Einheit verbinden wolltc, deutctc cr durch die Einrahmung an, die er den zwei wechselnden Bildern gegeben hat. Die Ein-rahmung besteht in der Inclusio, welche die Zeilen am Anfang und am Ende mit einander bilden:

Und du 0rlic))0 ein Klagelicd fiber die Fürsten Israels.

Ein Klagelied ist es, und es ward ein Klagelied.

Aber auch in der Sache muss diese Rede anders angesehen werden ais die vorangehenden. Dort waren in einem Theile\'das Riithsel, im amlern die Lösung gegeben worden, hier enthiilt jeder Theil das Problem und die Lösung, Daraus

1 Vgl. 4/5; ii, 3—5 und m, 2 und 3. /uv grössoron Doutliclikeit setzo icli den liobrilisclion Text hierher, weil dies im hobriiisclieii Dnicko nielit liBrvorgehoben worden ist.

Wn naa in H\' quot;ïü T^m bxif ons in:

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j-j\' \'rns::! na: yv i\'V Tmcm pr Tcain

143

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Ezechiel, CAI\'. 1!). (DIK BKIDEN LUWEN UNO Din REISK).

ergibt sich, dass dort in dom orsten bildlielicn Theile das Bild strenge cingehalton wcrdon konnte und mussto, wcil die Erklarung dos Bildes erst im zwcitcn Thoilc gogebcn werden sollto, wilhrend hier der Dichter öfters aus dom Bilde filllt, weil ju im Bilde sclbst sohon die dahinter verborgene Erklilrung durchscbimmern muss.

Die bolden Löwcn uud die Kobe.

A.

i Und du erheb\' oin Klagclicd über die Fürston Isriiols und sprich;

a Was war doinc Mutter, einc Lüwin, zwischcn Löwcn lagerte sie!

Untcr Leuen zog sic gross Hire Jungen.

:) Und sic brachtc auf cincs ihrer Jungen, oiu Leu ward cs,

Und er Icrnte Bcute erbeutcn, Menschcn frass cr.

■i Da vcrsanimclten sicb 1 gegeu ilm die Völker, in ihrcr Grube ward er gefangen, Und sic brachten ilm an Haken nacli Acgyptcn.

•\'gt; Und als sie sab, wie sicb dabinzog, schwand ihre Hoffnung,

Da nabm sic cinos ihrcr Jungen und machte es zum Leu.

ö Und cs wandeltc untcr Löwcn, cin Leu ward es,

Und cr Icrnte Bcute erbeutcn, Mcnschen frass cr.

7 Und er zcrstörtc ihrc Paldste, uud ihre Stildte verwiistcte er,

Und cs vcrödctc das Land und dessen Pülle oh der Stimine seines Uriillens.

» Da lagertcn urn ihn herum Völker aus den Landen,

Und breiteten urn ihn ihr Netz, in ihrcr Grubo ward er gefangen.

D Und sie thaten ihn im Kitfig au Haken, und brachten ihn zum König von üabel und brachten ihn in Burgen,

Damit nicht gchört werde seine Stiinmc inehr auf den Bergen Israels.

B.

m Deinc Mutter ist wie eine Kobe am Bcrgabhang, am Wasser gepflanzt, Pruchtbringend und rebenrcich von viclem Wasser.

11 Und sie batten prachtige Stiibe fur Seej)ter von Herrschern.

Und os überragte ihr Wuchs die Rankengcflechte,

Und sie war sichtbar wegen ihrer llöhc, durch die Pülle ihrcr Acstc.

12 Da wurdc sic ausgcrissen im Grimmc, zur Erde geschloudert,

Und der Ostwind verdorrte ihre Prucht,

Sic (die Prüchte) wurden zerstrcut und verdorrten,

Ihr prachtiger Stab — Peuer frass ihn.

i\'i Und nun ist sic gepflanzt in der Wüste, in diiiTcm, durstigem Boden.

m Und cs gcht Peuer hervor aus dein Stab ihrcr Acstc, ihre Frucht frass cs, Und nicht batte sic einen prachtigen Stab, Scepter zum herrscbcn.

Kin Klagclicd ist es, und ward cin Klagclicd.

Die Abtheilung der Stroplien ist im erston Thoilo durch die schart\' ausge-priigto an Refrain gemahnende Responsion dor orsten und dritton Strophe ge-

1 WOrtlich; hörtcn (das Aufgobot).

144

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Ezeciiiel, Cap. lil. (Die Rebbntrilogie).

sichert. Dadurch ergibt sicli dor trennende Zwcizeilor (Str. u) von scilbst. Die fiinfto Strophe corrospondirt in der erston Zeilo mit Strophe n:

ir, 1 Da versnmineltcn sicli gogen ilm die VOlker.

v, 1 Da lagerten um ilm licrum Völkcr aits den Landen.

and in der letzten Zcilc mit Strophe iv:

iv, 2 ITnd ward ödc das Land und dessen Fülle ob der Stiinnie seines Hriillens. v, 4 Damit nicht inolir gehort werde seine Htiinme anf den Bergen Israels.

Diese strophische Gliedernng entsprieht abcr audi vortred\'licli dor gedank-iichen Eintiieilung, In der ersten Stropiie wird der erste jnnge Leu beschrieben, den die Lowin grossgezogen, und in der kurzen zweiten sein rasehes tragisehes Seiiieksal und sein Transport naeh Aegypten.

Der zweite Leu ward milchtiger und selbststilndiger, und verbreiteto weit und breit Sehrecken und Verwllstung. Seincm Auftreten widinet der Diehter zwei Strophen; aber seiu Schieksai ist aueh tragischer geworden, der harte Kanipf, der auf seine BewSlltigung angewendet werden musste, hatte (^ine sehilrfere und strengere Züchtigung ini Gefbige.

Die strophisehe Gliederung des zweiten Tlieiles gibt uns der Verfiisser mit einer soleiien Deutlichkeit in die Hand, dass man geradezu staunen muss, wie man durch Jahrtausende diese Stellen gelesen, übersetzt und interprelirt und den Fingerzeig des Dichters nichl beachtet hat. Man braucht uur jede der drei Anfangs-zeilen mit den Schlusszeilen zu vergleichen, um die scharfe Antithese, die der Prophet vorfilhren wollte, mit Handen zu greifen.

I, 1: Deine Mutter ist wie eine Rebc an einer Bergleiine, am Wasser gepflanzt, m, 1; Und mm ist sie gepflanzt in der Wüste, in dürrem, durstigem Boden.

I, 2; Pruchtbringend und rebenreich war sie vom vielen Wasser,

in, 2: Und es ging Feuer liervor aus dom Stab, ihre Aeste, ihre Frueht frass es.

i, 3; Und sie hatte prachtige Stiibe für Scepter von Herrscliern,

lil, 8: Und nicht hatte sie eineu praebtigen Stab, cin Scepter zinn Jlerrschon.

Dadurch, dass Strophe i und ui vermoge der antitiietischen liesponsion sicii so scharf abheben, bildet das mittlere Stllck vun selbst eine die beiden Kndstro))hen trennende Strophe. Die gedankliche Eintbeilung stelle icb mir also vor:

Strophe i schildert die liebe, wie sie in den gliiekiichcn Tagen gewesen. Strophe ii erzahlt im ersten Theile vom Uobermuthe der stolzen Kebe und im zweiten Theile von der harten Heimsuchung, die sie betroffen.

Strophe in zeigt, was die harte Strafe aus der fruchtbaren liebe gcmacht, indem sie das Gegenbild des Glückcs zeichnet.

Die mittlere Strophe kann man in zwei kleine Absiltze (2 \'1) zerlegcn, so dass der Strophenbau folgende Gestalt hiitte: ï) (2 4) 4- :i.

Nachdem wir den llau und die Gliederung dieses Klageliedes erkannt haben, will ich versuchen, die sich für die Textkritik ergebenden \'l\'liatsachen hier zn-sammenzufassen. Dies aber geschicht am einfachsten und besten, wenn die Les-arten der Septuaginta, die von Counili, fast durchwcgs recipirl worden sind, so wie die versehiedencn Verbesserungen, welclie die Kritik vorgeschlagon bat, der

D. tt. Mflllor. Die PropTioton. 10

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Ezrciiiel, Cai\'. 19. (Dik heiden Löwkn und die Rehe).

llcihe nach geprilft werden. Sclbstverstllndlich werde ich nur diejenigen Conjecturen in Betracht ziehen, die ontweder mit Sielierheit oder einera gewisseu Grad von Walirsclieiniiclikeit angenommen oder abgelehnt werden müssen, wogegen icli diejenigen, wc ich keine neucn entscheidenden Momente beibringen kann, mit Stillschweigen übergeiien werde.

V. 1. Cornill streiclit nsai nacli squot;:1? und liest uacb dem Vorgange von Budde rrn: nrc-i in^rnj d\'tes t\'n:, um don sogenannten Kinnavers Buddb\'s wieder herzu-stelien. Die Unzulilssigkeit dieser Conjectur crgibt sicb aber aus der Sinnanalyse. Man begreift, dass die alte Lüwin unter Lowenweibchen lagert und ihre Jungen unter Lenen aufwachsen liisst. Dass aber die alte Kokette unter jungen Lenen sieh niederlasst, hat dor Prophet umso weniger zu sagen boabsiciitigt, als ihm bei dem Bilde ja immer die Deutung vorschwebte, und eine alte Künigin, die ibr Bett unter jungen Königsöhnen aufschlagt, ein Bild ist, das gewiss auch Budde und Cohnill missfallen würde.

V. 4 hat Hitzig ijrwi fiir lyarquot;! vorgeschlagen, und diese Lesart ist von Smbnd und Cornill aufgenommen worden. Gegen ijrwi liisst sieh nichts einwenden, aber wenn das Hiphil ,aufbieten\' bedeutet, so kann das Qal ,dem Aufgebote folgen, sieh versammeln\' heissen, und passt besser als das Hiphil, wo ja erst ein Subject oder ,mau£ zugedacht werden muss. Auch die Responsion mit Vers 8 spricht fiir die allgemcin überliefertc Lesart.

V. 7 liest Cornill s\'nnn cij?quot; rmjiya ysTi ,Und kauerte in seinem Wildlager, Wiilder vcrüdete er\'. Abgesehen von der Gewaltsamkeit, mit weieher hier Cornill den Text vielfach auch gegen die Septuaginta andert, und von den schweren spraehlichen und sachlichen Bedenken (die Bedcutung von jnn und die Zerstorung der Waider!), liegt gerade die strenge Durchfiihrung des angefangenen Bildes hier nicht in der Absicht des Propheten; im Gegentheil er lüftet gern von Zeit zu Zeit die bildliche Hülle und liisst das wirklich Gemeinte und Beabsichtigte durch-schimmern, nur so ist es moglich mit dem Bilde auszureiehen und keine Erklilrung hinzuzufiigen.

V. 8 liest Cornill im Anschluss an die Versionen, die aber nur gerathen zu haben sclieinen, rnrquot;! (fiir um) ,umstcllten ihn\'. Wenn schon eine Conjectur ge-maeht werden soil, so zielie ich i;n\'i (von einem meiner Hörer vorgeschlagen) bei Weitem vor. Es passt besser in den Zusammenhang, bietet keine syntaktische Schwierigkeit wie das von Cornill vorgeschlagene Wort und liisst sieh graphiseh leieht erkliiren.

V. 9. Auch die Umstellung des Verses und Eliminirung zweier Worte bei Cornill, der nach seiner Correctur übersetzt: ,Und führten ihn au Haken zum Künige von Babel, und der setzte ihn in einen Kilfig\' sind durchaus unbegründet. Entweder man erkliirt quot;i^ö inNi\'i fiir eine Glosse, oder es liegt wieder ein absiehtliches aus dem Bilde Fallen vor, wie es der Prophet in diesem Stücke öfters mit Glück versucht bat.

V. 10. Dieser ilusserst schwierige Vers, der seit jeher eine crux interprctum gebildet bat, erhiilt durch die Responsion eine neuc Beleuchtung. Vergleicht man mit der ersten Vershitlfte die entsprechende erste Zeile von Strophe .\'ï (V. 13) Wort für Wort, so ergibt sieh fiir die Bedeutung von -ans das Gegentheil von -anaa.

14G

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EzEoniEii, Cai*. 21. (Das Sciiwertijed).

Dio Robe war früher auf cincm quot;[OT unci ist jetzt in cincr ,Wüste\' gcpflanzt. Ich lesc demnach und üborsetze dui-ch jBerglehne\'.1

V. 11 licst Counill nacli Septuaginta ncö für iv mtsa. Den Plural kann icli nieht bowcisen, dass abcr rj urspriinglich gestanden hat, bcwoist die doppclto Responsion am Ende der zweiten und dritten Strophe.

V. 13 ist die Lesung mbnu? naeh Septuaginta eine alte Verschreibung für nbinr, welches von der Responsion gehalten wird. In der letzten Strophe soli aueh nicht mehr das Gcscbehende, sondern die fertige That geschiidert werden.

V. 14. Wie Cornill schon V. 12 init Unrecht .tie gestrichen hat, so thut er dies auch hier. Dort konnte ich den Beweis nicht erbringen, dass das Wort urspriinglich gestanden bat, hier dagegen ist rrns durch rvlB und nna durch nE:jj (Str. i, 2) sichergestellt.

Caput 21.

Das Schwcrtlicd.

A.

1 ünd cs war das Wort Jiihwoh\'s au micli also:

2 Monschenkind!

Richtc dein Angesicht don Weg gogen Siidcn,

ünd weissage ge gen Mittag,

Und prophezeio geg(!n den Waldborg im Süden,

3 ünd spricli zum Walde des Südens:

Höre das Wort Jahwcli\'s,

Also sprieht der Herr Jahweh:

Icli zünde in dir ein Feucr an,

ünd es verzehrt darin jeden grünen nnd trockenen Baum.

Nielit erlosehen wird die lodernde Loho,

ünd es versengen sicli an iiir alle Gesiehter,

Von Norden naeh Süden.

i ünd sehen wird alles Fleiscli,

Dass ich Jahweh os angezündct,

Nicht wirds erlöschen.

fgt; Da spraeh ich:

Ach Herr Jahweh!

Sic sagen von mir:

Kedot er nicht in GleichnissenV |

ii ünd es war das Wort Jahwch\'s au mieh also:

7 Mensehen kind!

liiehte dein Angesicht gogen Jerusalem,

ünd weissage gogen das Ileiligthuin,

147

1

Dassolbo Wort scheiut audi E/,. 32, (i in nnnn bs tjtj zu stocken. Zur Etymologic des Wortes vgi. mciuo Kzevhicl-Stndicn, S. 57 i\'. Wahrscheiulicli ist auch Ez. 27, .i« aus quot;quot;quot; (\'nn\'iiiii[)ivt: ,Wer ist wie Tyrus gloich cinem lïorgabliang (INdsc111\'i 11J uiitteu im Mooro?

ld*

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Ezechiel, Cap. 21. (Das Sciiwkktlied).

Uiul prophezeic gogen das Land Israels,

h Und sprich zum Lande Israels;

Also spricht Jahweh,

Sieh\', icli will an dich,

Und ich ziehc mein Schwert aus der Scheidc,

Und ich vertilge aus dir Gerechte und Frcvler.

!i Weil ich aus dir tilge Gereciite und Frevler,

Daruni fiihrt mein Schwert aus der Schcide wider alles Fleisch,

Von Norden nach Südcu.

Und erkennen wird alles Fleisch,

Dass ich Jahweh mein Schwert aus dor Schelde gezogen.

Nicht wird es wieder zurückkehren. ]

ii Und du, Menschenkind, soufzo, als briichon die Londen,

Und bitterlich soufze vor ihren Augon.

i- Und wonn sic dir sagen:

Worflber seufzeat du?

So sprich:

Ueber eine Kunde, dass sio kom int.

Da zerfliesst jodes Herz, und erschlaffon alle Hande,

Und stunipf wird jeder Geist, und alle Knioe fllessen Wasser,

Sieho, sic kommt, ist eingotroffen,

1st der Spruch des Horrn Jahweh, j

Einc der gewaltigstcn Poesien Ezeeliiel\'s ist das Schwcrtlied. Das Sclnvcrt aus dom Norden in der Hand Nebukadnasar\'s rüekt heran gegen Jerusalem und vcrniclitet den letztcn Lebensrest in ilem dahinsieehenden Reiehe. Ein so gewal-tiges Krcigniss verkündet der Prophet nicht unmittelbar und plotzlicb, er stimmt erst sein Instrument, spannt die Saiten, praludii\'t in langsamen gemessenen Tönen, bevor er an die eigentliche Scliilderung des Scliwertes sieli lieranwagt. Die Introduction zum Schwertliede ist eine Gleichnissrede, wie sic Ezecliiel liebt: Er scbaut in prophetischer Vision nach dein Süden und sielit (^in Fcuer herannahen, das den Hiidwald erfasst und f\'risehe und verdorrte Bilumo verzehrt. Die Flamme ver-nichtet und zerstört Alles.

Als ihm aber seine Landsleutc vorwerfen, dass er cin Rathseldichter soi, dcutet er ihnen dieses Rilthsel, indem er es fast in denselben Worten, Zeile für Zcile umschreibt und erkliirt: Der Südwald ist Jerusalem, das Feucr ist das Schwert, die frischen und verdorrten Biuune sind die Gerechten und Frevler ctc. Stellt man Kathsel und Deutung nebcn einander in zwei Columnen, so erlüllt man ein kiassisches Beispiel von strenger Responsion. Dass diese beide Columnen in der That von dem Prophetcn neben einander geschricben worden waren, wird man aus der Vergleichung dersclben mit Sichcrheit ersehen. Mehr nocli als die wörtliehe und gedankliche Uebcreinstimmung von don je entsprechendcn Zeilen bcweist dies die leichte Abweicbung, wo dor Dichter, um die Zeilenzahl einzuhalten und den Parallelisnms niclit zu storen, eine kleine stylistische Aendcrung vornimmt, wie in Strophe n, Zeile 1 und 2:

148

ocr page 156

EzkOHIKL, Oa1gt;. \'21. (Das ScilWKHTMKDl.

149

Höre das Wort Jaiiwoh\'s,

Also spi\'idit der llori\' Jahweh.

Also spricht flor Ilerr Jahweh: leh will an dich.


Dor Parallciisinus hort tnit dor Deutung iiicht auf, oi\' wird noch in der je viorton Stropho fortgosotzt und scldiosst dann mit einora oigeiiiirtigon Ornament. Die parallel laufendon Linion habon bekanntlieh dii^ Eig-enthüiulichkoit, dass nic in allo Ewigkeit fortlaufon und nio zusaniineiitroffon. In der llhctorik muss aber der Parallolismus einen Absehluss linden und da hat der Diehter oin Schluss-ornamont orfundon, welches auf dom Principe dor Responsion aufgebaut ist, aber anstatt der gleichmilssig horizontalen Responsion der parallolen Linion die verticale und vorkohrto wilhlt, d. h. in der sechszeiligen Strophe correspondirt die orste mit dor lotzten, die zweite mit dor vorlotzton und die dritte mit der viorton. Auf\' ,spricht\' in der orsten Zeile rospondirt ,Spruch\' in der sechsten. ?Die Kunde, die kommt\' in der zweiton wiederholt sieh in der funften Zeile in den Worton ,sie kommt, ist oin getroffen\'. Die beiden inittloron Verse sind durch den ganz ahnliehen Bau als zu einander geliörig gezeichnet: in dein einen ,llerz und Hando\', in dem zweiton ,Geist und Füsse\', in dom einen zerfliesst das Ilerz, in dom an-dern flics sen die Kniee etc.

15.

Ki Und os ward das Wort Jahwch\'s an mich also:

Mcnschonkind!

Prophczele und spriohl Also spricht dor Hcrr.

Sprich: Ein Schwert —

Eiu Schwert ward goschiirft und gefogt!

15 Um Schlachtung zu sohlachton ward es goschiirft,

ITin Blitze zu blinken1 ward os gefogt.

Oder soil ich mich frouon, dass die Uuthe meines Sohnos niissaclUot alles HolzV in Und man gab es zum Pogcn, damit man os mit dor Hand packe,

Ks ward goschiirft das Schwort, os ward gefogt.

Um os dem Wiirgor in die Hand zu geben.

17 Schroio und jammero, Monschenkind,

Donn solches kommt an mein Volk, solchos an alio Fiirston Israels, i\'roisgegeben dem Schwerto wurdon sie mit moinom Volko,

Darum sohlago auf die Hiifto!

is Donn erprobt ist\'s, selbst wonn os audi koine (llolz-) missaohtendo Uutho wiiro, 1st der Spruch des Ilerrn Jahweh.

ui Und du, Mcnschonkind, prophczcie und sohlago Hand all Hand,

Und droifach vordopple sioh das Schwort, das Wiirgoschwert,

Das grosse Wiirgoschwert, das sic unikroist.

2» Dainit das llorz zerfliesse und sicb mehron die Unfiille,

Wider alio Thore richtoto ich don Glanz des Schwortes,

Nur gomacht zum Blitzon, gefogt zum Sohlachton.

1

Fiir n-n liest Olshaisen n\'n\', Smend nvn nnd Counii.i. ^nri.

ocr page 157

Ezeciiiel, Cai\'. 21. (Das SoinvKUTLiJju).

at Siunmlc dich nacli vochtB,

llichtc dicli inieli links,

Wohin immer dcinc Schneidcii bestimmt sind.

sa Audi ich will Hand an Hand sclilagon,

ünd werde stillen mcinon Zorn,

fch Jaliwoh liabc geredet. |

Der zwcitc Abschnitt (B) bestcht aus f\'linl\' Strophcn von jc scclis Zeilen unci ist der eigentlielien Boschreibung des Schwertes gewidmet, jedocb so, dass in dor ersten Strophe dem wohlgestimmten .1 struinen te einige vereinzclte dis-harnionisehe Aeeorde entloekt werden, die auf das Selireekliehe, das da kommt, vorbereiten sollen, bis plötzlieli das Leitmotiv, weiehes das Selireekliehe verkündet, fortissimo auftritt:

Sprich: Ein Scliwert —

Ein Scliwert ward goschiirft und gofegt!

Die drei folgenden Stroplien beschreiben nun dieses Sehwort. Dor Zusammen-hang mit dem Uurzen Priüudium wird dureh cine starke Verkettung sichtbar ge-maeht und die Einheitliehkeit und der Absehluss der Besehreibung dureh eine Inclusio bezeielmet:

Str. li, 1 2: Um Sehlaclitung xn sclilachten ward es geschitrft,

Um Blitze zu blinken ward es gefegt.

Str. iv, 5/6: Wider alle \'i\'hore riclite ieh den Glanz des Seliwcrtcs, Nur gcmaelit zum ISlitzen, gefegt zum Sehlachtcn.

Sehr wirksam ist die Wiederholungstigur in der u. Strophe, Z. 3 und li (eine Art Epiphora), den Ausdruek selbst niinmt der Dichter im dritten Abschnitt wieder auf und wendet ihn ganz anders.

Die letzte Strophe entiiiilt nun don Befehl au das wohlgefegte und gcschiirfte Sehwert, seine Schuldigkeit zu thun. In kurzen Commandoworten:

Sammle dieh nacli reehts!

Kielite dich nacli links!

wird es apostrophirt, und das sehueidige Scliwert gehorclit. Die Schadenfreiido über die vorzügliehe Leistuug des Würgcschwertes kommt im vierten Verse zum Ausdruek:

Aucli icb will Hand an Hand sclilagon,

der eine antithetische Kesponsion zu m, f:

Darum schlago auf die Hüfte!

bildet — Sehadonfreude und Traucr.

Die Exegeten und Textkritiker haben au diesem Sclnvertlied lierumgefeilt und horuminterpretirt, bis sie ihm fast die gauze Schitrfc und Scliönlieit gc-nommen. Ich muss daher iin Folgenden die versehiedenen Verbcsserungs- nnd Erklaruugsversuehe in aller Kürze bespreehen.

Zeile 3 der Strophe u (V. 15), die ieh streng wortlieb übersetzte:

Oder soli icli micli freueii, dass die Kutlie meines Solmes missachtet alles Holzï bat eine kleine excgetisclie Literatur. Die wenigen Worte wurden gedeutet und

150

ocr page 158

Ezkcuikl, Cap. \'21. (Da.s Schwkiitlibd).

erklilrt, olmc class ein vcrnünftigcr 8ini) dabei horauskaiu. Nocli wenigor glücklicli als dio Doutungsvovsuclie waren die Textiliulerungen, die bis zur Entsteilung gingen. Es ist da hor nöthig, dass icli ineine Ucbersctzung kurz erlauterc.

Der Sinn diescr Zeilo ist; Naehdem Jahweh ein blankes, wohlgefcgtes und geseliarftes Schwert zur Züciitigung Israels auserkoren hat, lilsst iim der Prophet sao\'cn: Oder sollte ieh ctwa darauf stolz sein, dass mein Sohn (d. h. mcin Volk) nicht wie ein Skiave mit einem Steeken gezüchtigt wird, sondern mit blankem Stahl, dasjedes Holz veraehtet. Als Gegcnstück dazu dienen (li(; Worte (Str. m, 5):

Demi cvprobt ist\'s, und wie, wenn es aucli keine (Ilolz-)missacliten(le Ruthe warcV d. h. das Schwert hat seine Scbarfe und Brauchbarkeit bercits bekundet, und gleiehviei, ob es reinster Stahl ist oder nicht, os hat seinen Beruf erfüllt.

Ich gebe hier die Uebersetzungen (und Lesungen) der namhaftesten Exegeten, damit man sich darüber, ohne viele Bllcher nachscldagen zu müssen, cin Urthcil bilden kann.

EwALD : ,Koine sclnvache Rutlie meines Solmes, das wcichste JIolz.quot;

hitzia: ,Odei\' sollen wir (Jahweh) eine lenken, die den Steeken veraehtet luit (Hia), geringsehatzt jeden Stoek.\'

Wellhausbn: ,Nieht schwach ist die Ruthe, nicht das Vcraehtlichste von allem Ilolz.\'

Cornill: ,Pür Mcnsehen, die morden und plündern, die nicht achten jede Festigkcit.\' Die Uebersetzungen von Strophe in, 5 lauten:

IIitzkj: ,Dcnn mit Gnadc? Was soils, da du aueh den Stecken geringschiitztestV Sie (Gnade) soil nicht stattfinden.\'

Ewald: ,Erprobt ist\'s — und was? Ob\'s auch eine wciche Ruthe sei! Das wird nicht sein.\'

Cornill: ,Denn mit Giite — wus (wiirde ich ausrichtcn)y Iliiben sic sich denn nicht abgewendet von ihrcr Un veinigk eity Nicht soil sic statthaben.\'1 Zur Giite: All dies ist unhebrilisch und, wie der Ucbraer sagen wiirde, ohne jn!

C.

23 Und cs ward das Wort Jahweh\'s an inieh also:

21 Menschenkinil! 2

iMachc dir zwei Wegc,

Auf welchen kommen soil diis Schwert des Ivönigs von i?abtd. Von Einem Lande sollen sie beide ausgehen,

Und cinen Wcgweiser haue aus,

Am Scheidowcge zur Stadt haue (iim) aus.

1 Dio versehlodonou Losungou mflgou hior zusainmougostollt worden. Wor silt;\'li für lt;lio lie-grüudinig intcressirt, schliigo dio Commontaro uacli.

Massora: 1\'«quot;^ nCKÖ quot;Ja Ba» ft\'. IS

n:n: sh rcxa Ba»-nj cs nei pa -a

Wklmiauskn: rr1?? rc^ö ^a bsü ff gt;•

Sm kni): resa n-ia Ba» kt? quot;fc

Cohnill: iT.-Sa •CS\'ö Cl BH»

Iimm: n-n*. só PCK» Ba» nreK nai jns -a

Coiiniu,; rwr kb onkaaa ia» dj-ck nai [na -a

2 So ist zu loson für ,Uiid ilu Monscheukind\'.

151

ocr page 159

Ezkciuel, Cai\'. 21. ( Das Scjiw-KirrijKi)).

ari Als Weg, woliin das Si\'liwort koinmc, sotze Rabbu der Kinder Amnion\'s, Und .Iiula in Jerusalem, dem festen;

2(! Deun sehoii stelit der Köuif; von liabel inn Kreuzwege,

Au der Spitzo beider Wege, mn das Orakel zu bef\'ragen;

Er sebüttelt die Pfeile,

Befragt die Grötterbilder,

Besehaut die Leber.

27 In seiner Rechten erselieiut das Los ,Jerusalem* ;

A u t\'x u s t ell e ii 15 ö e k e,1Zu fittiicn den Mund mit Mordgesebrci,

Zu erhebeu ilit; Stimme iin Sehlaelitenruf,

Aufzustollen Böcko wider die Tbore,

Aufzusebütten Wiille,

Zu erbauen Waelittbiirme.

-\'s Und ibuen dünkte es gleieb fiiiein Orakel iles Truges:

,Sie wiiren ibnen ja dureb Scbwüre besebworen\' —

Aber dies erinnert die Sebuld, an der sie gepaekt werden.

Der drittc Absclmitt schildert in Icbcndiger, plastisclicr Woiso das llcrun-nahcu Nebukadnasar\'s. Dor Propliot zeiclinet (in der crston Strophe) die Wege aut, woliin das Sehwert des Königs von 1 Sabel konnnen kann, und am Ausgangs-punkto derselben set/.t or einen Wegwoisor. Der eine Weg fülirt nach itabbat-Aiiuuon, der zweite nach Jerusaioni. Am Scheidowego stelit Nebukaduasar mul befragt auf verscliiedene Art die ()rakel, woliin er seine Sehritte leuken soil. Da-mit scliliesst die zweite Strophe.

In seine Kechte kam this Los ,Jerusalem\'

heginnt die dritte Strophe und verkündet den Zweck des Zugcs in den seehs l\'olgenden, durch Anaphora gekeiinzoiclmeten Vorsen.

behr beachtenswerth ist die Wiederholungsfigur (\'E-zva\'Ar/iic) in der zweiten und dritten Strophe:

Und einen Wegweiser baue aus.

Am Scbeidewege zur Stadt baue ilin aus.

A ut\'/, us tellen S t u r in b ö e k e.

Aufzustellen Stunnböeke wider die Tbore,

Vergieiclit man damit die ahnliehe Figur Absclmitt 15, Strophe ii. I und (1

sowie in dem folgenden Absclmitte (D) Strophe i, Zeile li und G;

Weil ihr erinnert an euro Seliuld,

Weil ihr erinnert —

so erkemit man, dass der Prophet mit eiuer bestimmten Absieht in diesem Stilcke dicse 1\' igur vier Mal angewendet liat. Da jedoeh weder die alten 1 Jebersetzer noch die modernen Kxegeten diese Tliatsachc erkannten, so haben sie die doppelten Ausdrilcke als übertlüssig tlieils geilndert, theils gestrichen und den Charakter der Poesie ganz verwischt.

1

Vlelleiclit ist diese Zeile umzustcllen und vor Zcile ö zu set zon.

ocr page 160

Ezucfiljan, Cap. 21. (Dak Hciiwkbtmbd).

Aut dio drci iSiobcnzoilcr tolfgt;t cine kiiv/o Endstrophc, wclclic nuch mciner AufFassung\' und Uebcrsctzung bcsagcn will: Die Leute in Jorusalcni bctrachteten das Orakel, wclciies Nebukaclnasar erlialtcn hattc, als cin falsclics. Sic Iiicltcii cs f\'Ur unmög\'licli, class dor König von Babel, der ilineö und ihrcin Königc Sidkija die Vertritge besclnvorcn batte, diesc vcrlctzen und Jerusalem angreifen soilte. DieVcr-blendcten! Von Anderen verlangen sie Vertragstreue und Heiliglialtung des Eides, wiihrend sie selbst den Vertrag vcrletzt und den Eid gebrochen haben. ihr Hinweis aut den Eid, sagt der Prophet, gemalint die Schuld, an der sic gcpackt werden! Die Ucbcrsctzcr und Commcntaro habcn dicsc Stelle nicht verstanden und infolgc dessen theilweisc gestriciien.

D.

au Dcsluilb siiriclit also der Hcrr Jahweh:

Weil ihr erinnert cure Schuld,

Indom olibnbar werden eure Frevcl,

Dass zu sohen sind euro Siinden,

In all cureu Missethaten.

Woil ihr erinnert —

Mit (festeni) Gritf sollt ihi\' gepuckt werden.

:gt;» Und du schuldig fallender Filrst Israels,

Dessen Tag eintrifft zur Frist der Endsehuld.

:ii Also spricht iler Herr Jahweh;

Fort mit dein Kopfputz! Ah den Stirnreif!

])i(!s ist nicht dies!

Nlederes wird hocli, und Holies niedrig,

■ia \'rriiiniuer, Trümincr, Trünuner will ieh es inachen.

Auch dies ist nicht niehr!

15is derjenige konnnt, dem das Recht zusteht —

Dein will ieh es geben. j

Der Ictztc Abschnitt (7 7 o) variirt in der erston Strophe den lelztcn Vers des vorangehenden Abscbnittes, beginnt mit dem ,Gcmalincn\' und schlicsst mit dem ,(icpacktwerden\', die inittlercn fi\'inl Zeilen sehcincn (im Ilebrilischen) absichtlicli glcichcn Ausklang (Reim!) zu haben.1

Die kurzc Endstrophc will sagen: Aueh mit dem letzten Uest in Jerusalem ist es nun aus. Wenn abcr in der Zukunft derjenige kommt, der cin Rceht aut\' llcrr-schatt und Ihron hat, dein sollen beide verlichcn werden. Die vorlctztc und letztc Strophe entspreehen ihrom Sinne nach den beiden letzten Abseluiitten des Cap. xvn, V. 19—21 und 22—24.

Uebersiehtlich gcstaltct sich der Stropbenbau dieses Stückes f\'olgendcnnassen:

. ( V. 1 —5): 6 l (! 4 | ,

A (V. 6 — 12): G 4 6 i ƒ quot;r 11 ^ 3 3 (Schlussornamcnt)

15 (V. 13—22): () () (gt; ij O

Die jiingern Prophoten, 13zochiol und Doutorojesaia, sind, wie dio Cirieclicu, (lom Keiin nicht aus dom Wege gegangon, In Stollen, wie in dieser, sclieint cr sogar als Kunsttbrin beabsich-tigt zu sein. Deutlicho Spuron des Keimes zoigt Ez. 27 (vgl. die liebr. Texto, Stropbo n—vi = V. 4—27), und Jos, Cap. 11 (Str. m und iv = V. 8 — 13).

15:5

ocr page 161

Ezbciuel, Cai\'. \'if).

C (V. 23—28): 7 7 7 4-3 D (V. 29—32): 7 7 3.

Caput 25.

1 Und cs ward das Wort Jahweh\'s an niieh also:

2 Mcnschcnkind!

liiclitc dein Angesicht wider die Solme Anunon\'s,

Und propliozoie über sie.

3 Und sprieli zu den Söhnen Amnions:

Ilöret das Wort des Ilerrn Jahweh!

A.

Also sprieht der Herr Jahweh:

Weil du sagst ha! über inein Heiligthum, dass es entweiht ist, Und über das Land Israel, dass es verwiistet ist,1

i Darum gebe icii dieh den Söhnen des Ostens2 zuiii Hesitz,

Dass sie ihre Zeltringe in dir aufsehlagen,

Und ihre Wohnungen in dir erriehten.

Sie werden deine Fruclit essen,

Und sie werden deine Mileh trinken.

5 Und ieh verwandie Kabbah in eine Trift für Kameele,

Und die Sölme Ammons in einen Lagerplatz für Sehafe,

Und ihr sollt erkennen, dass ich Jahweh bin. j

B.

n Denn also sprieht der Herr Jahweh:

Weil du in die Hand klatschtest und niit dein Fusse stampftest, Und dieh freutest niit herzlieher Veraehtung über das Land Israels,

7 Darum streeke ii\'b meinc Hand aus gegen dieh,

Und gebe dieh zur Beute den Nationen Und tilge dieh aus von den Vólkern Und ieh vernichte dieh aus den Landen,

Ieh vertilge dieh.....

Und du solist erkennen, dass ieh Jahweh bin. j

C.

8 Also sprieht der Herr Jahweh.

Weil Moab und Seïr sagten:

Siehc, wie alle Nationen ist das Haus Juda,

154

1

lm Texte folgt bier noch ein Vors:

,Un(l über das Uaus Juda, dass sie in die Vorbannung wanderton.\'

Dieso Zoile sprengt abcr die Sti\'opblk und stort das Ebonmass. Darnaeb sind aueli dio hobrilischon Tcxto zu andorn.

2

D. b. den Beduineu.

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lOzECHiEL, CAP. 25.

ii Du rum öffnc icli die Hoi te (das Gronzgcbiet) Moub\'s,

Von don Stiidtou, von Boinon Stiidton. au soiuom Rando,

Dio Zioïdo dos Landcs, Hót-Josiinot, JIoou uud Kirjataiin.

10 Don Sölmon des Ostons, zu don Sölmon Amnions,

Und gob\' os ilmon zuin Uositzo,

Dainit nicht gedacht worde dor Söhno Aininons mitor don Nationen.

11 Und au Moab vollstrocko ieli Strafgerichte,

Und sio sollen orkonuen, dass ich Jahweh bin.

D.

ia Also spricht dor llorr Jahweh,

Woil gohandolt hat Edom in Kacho gogen das lliius Juda,

Und sio sich sohwor vorschuldot haben, iudoin sio sioh an iiinou riichton,

in Darum spricht also dor Horr Jahweh:

Ich strocke nieino Hand aus gegon Edom,

Und tilge aus darin Mensch und Vioh,

Und macho sie ödo von Töman,

Und bis nach Dodan sollen sio durch das Schwcrt fallen,

it Und vollstrocken werdo ich moinc Itaehe durch die Hand inoinos Volkos Israel, Und sio sollen verfahren gegon Edoin nach ineinoin Zorn und Griinm.

Und sio sollen orkennen moino Raehe, spricht dor Horr Jahweh, i

E.

is Also spricht der Horr Jahweh:

Woil gohandolt haben die Philistor in Rache,

Und sich schwer rachten init Soolonliohn, mit cwigcr Foindschaft Verdorbon,

i(i Darum spricht also dor Horr Jahweh,

Ich strocke moino Hand aus gogen die Philistor,

Und tilge aus die Kretor,

Und vornichte don Uoberrost der Mooroskiiste.

n Und ich vollziohe an ihnen grosse Radio,

Mit grimmigen Züclitigungen,

Und sic sollen erkennen, dass ich Jahweh bin,

Wcnn ich moino Rache über sio bringe. |

Dieses nacli einom bestimmtou Schema goarbeitote Stiiek bedarf nach der Glicdevuiig, die ich demselben gegeben, und in Bcrricksichtigung der vcrschicdcn-fachen Responsion kelner weitoren Erlilutcrung. Dass ini Abschnitt 15 einc Zeile verstïunmelt wurde und zwei weitere ausgefallcii sind, ergibt sicli mit zwingender Nothwendigkeit. Der Strophenbau zeigt fblgendos Schema: 5 X (3 8). Die Ictzten zwei Strophen sind durch stiirkerc Kesponsion mit einander verblinden. Zn bcachten ist auch die Kesponsion in Str. n, iv und v, Zeile 3 dos Achtzeilcrs ,Und icli tilge aus etc.\', die durch das Wortspiol (a\'mr rs quot;rnrm) unterstutzt wird.

Caput 27.

Die wundervolle und unvergleiclilichc Scliilderung von Tyrus, die in don hebrilischen Texton ganz mitgetheilt ist, ziilill nach moincr Einthcilung siebzig

155

ocr page 163

Kzkcihei., Cap. 27.

Zeilen unci gliedert sicli in siebon (bezieliungswoise acht) Sti\'ophen von je zelin Zeilen, von clencn cine in zwei Fünfzciler zerfiillt, welclie die Eiuleitung und im gewisscn Sinno den iSclduss bilden. Scharfc Einscbnitte bind in dieser Sdiildcrung nicht nacbzuwcisen, abcr die Kunstfornien zeigen uns bis zu eincm gewissen Grade, wie die lange Sclniderung nach der Absieht des Dichters gcgliedert worden muss. Die Einleitung (Str. i) besteht aus folgendem Fünfzciler:

i Und es ward das Wort Gottcs au micli also:

a Und du Mcnsclienkind1 erheb\' über Tyrus ein Klagelied,

:i Und spricli zu Tyrus, dor Hcwolmeriu dor Eiugiiuge des Moorcs,

Dor Ilaudlorin dor Vülkor uach violou Eilanden liln,

Also spriclit dor Horr Jaliwoh;

Tyrns, du sagtost; Icli bin dio Vollondung dor Schönliolt,

Deino Woisen, Tyrus, die in dir waren, sind doino Stcucrinaiinor.

Piir Mcnsclionsoclon und Iv upf\'or-fteriitho gabon sio doino Jlandolsgütor. [Do-]dan und Jjiwan von Uzal tauschton aus deino Waren,

Kunst-Eisen, Kassia und Robr waren untcr deinen\'J\'auschgütern.

Str. v, 10: Und du warst voll und warst gar scliwer iin Horzen der Mocre.

Str. vi, 1: In gcwaltiges Wasser (aufs lioho Moor) brachten dieli doino Kuderer.

Str. vi, 10: Soeleute, allo Stouerniiinner des Moeres troten aufs Land.

Uie Strophen, wclelio dureb Inclusio (Str. n), Kesponsion (Str. m und iv) und (birch Concatcnatio und Inclusio (Strophe v und vi) gekennzeichnet worden sind, schlicssen dann durch die kurze Endstrophe:

■iü Und sio lassen ertönen über dicli ilire Stinnno und sebreien bitterlieb,

Und tbun Staub auf ilire Iliiupter, wiilzon sieli in Ascho,

.\'ii Und scbeeron sicli deinotwogen eino Glatzo und giirten Saektileber urn,

Und woinen über dicli in Seolenbitterniss (und trauern) bittere Trauer,

Und liobcn an urn dicli in ibrein Jammer ein Klagelied und klagen:

Die letzte Strophe, das Klagelied, zilhlt zchn Zeilen, und beginnt:

Wor ist wie Tyrus glcieb ciiier Bergwand mitten im MeeroV

Durch ,Tyrus\' correspondirt die Strophe mit Str. u, I und durch ,Mcer\'mit Str. v, 10, vi, 1 mul 10. Die letzten zwei Zeilen der Endstrophe, welche das Klagelied der iUatrosen entbiilt, sind scheinbar etwas zu kurz ausgofallen, sit^ schcinen abcr eincm Gassenhauer entnommen zu sein, der von den syrischen Kaul\'lcuten auf den Fall von Tyrus gesungen worden ist:

Die Kaufleutc untcr den Vólkern pfeifon über dicli:

,Ein Sclireckbild bist du geworden,

Und bist dabin auf ewig.\'

156

Str.

u,

1 :

Str.

ll,

10:

Str.

iii,

9 10

Str.

IV,

9 10

Dicselbcn zwei Verse sind noch au anderer Stelle von Ezechicl don Vólkern in den Mund R\'elegt worden (28, tü):

1

Uier bildot ,JIeiischenkiiul\' keino bosoiidore Zoile, woil os nicht als Vocativ Hgurirt, sondorn durch das vorgesotztc ,Uiid du\' dom Satze einvorloibt wordon ist.

ocr page 164

Kzrciiirl, Cap. 13.

Allo, die iliuli kennen tinter den Vólkern, entsetzeu sich über dicli: ,Ein Schreckbild l)ist du geworden,

Und bist daliin nuf owig.\'

Caput 13.

Dieso Rede ist wider die falschen Propheten und Prophotinneu gcrichtot und zcrfiillt demuacli in zwei ungieielio Tiieile. Die Stropliik ist cine, ganz eigenavtige und unregelmilssigc, die Responsion ist woid deutlieh zu erkennen, abei\' cbenfalis nicht rcgelmilssig durchgeflihrt. I)(ïr ersti\' grüssero Tiieil der Rede gliedert sicii in drci Abschnitte:

Absclmitt 1 (V. 1—7): fi G 4 4

Abschnitt 2 (V. 8—12): 4 7 4 7

Absclmitt 3 (V. 13 — 10): 4 5 4 5.

Dor zweitc kleinere Theil der Rod(! gliedert sicb in zwei Abschnitte:

Abschnitt 1 (V. 17—19): 5 r. 5

Absclmitt 2 (V. 20—26): 4 4 4 -1- 4 4.

Dass der Gedankengang mutatis mutandis in beiden Reden cin almlicher sei, darf man bei der schematischen Dichtungsart Ezccbiel\'s von vornolierein erwarten. Sehr interessant ist aber die Wahrnehmung, dass dor Prophet zwischen beiden Roden cine Art Responsion der syntaktischen Forinen und Ucbergangsworte ein-gefübrt und dadurch gewissermassen in der kleinen Rode ein Miniaturbild der grossen geschaffon bat. Die je erste Strophe der Reden lautet:

i Mud es ward das Wort Jaliwch\'s au midi also?

a Monsclieiikind!

Propliezoie über die Propheten Israels, die propliezeieu,

Und sprieli zu deu Propheten ibros eigenen Ilerzens;

Höret das Wort Jiiliweh\'s,

•\'t Also sprieht der Herr Jahweh.

1? Und du, Mensehenkiud,

liichte dein Augesieht zu den \'l\'ücditeni deines NHIkes,

Die propliezeieu aus ihrem llerzcn,

Und propliezeieu über sie und sprieli,

is Also sprieht der Herr Jahweh.

Die je zweitc Strophe beginnt:

Wehe über die ruchlosen Propheten, Wehe don Naluu-innen, die etc.

Der zweitc Abschnitt beginnt in beiden mit ,darum\' und schliesst in seiner erston Iliilt\'te mit densclbcn Worten:

» Darum sprieht also der Herr Jahweh. au Darum sprieht also der Herr Jahweh, u. si Und ihr sollt wissen, duss ieh der Herr Jahweh bin.

Fortgcsctzt wird der Gedankengang in lieidcu Theilcn dor Rede dureh ,Woil;\' (V. 10 und 22) und abgoscblosscn dureb ,darum\' (V. 13 und 23).

1 Au ersler Stelle durcli [lquot;ai an /.welter Stelle dureh [Squot;.

157

ocr page 165

Ezkciiiel, Cap. 31.

Caput 31.

Wio wir aus dcr bishcrigcn Bctrachtung cler Retlcn Ezochicl\'s orselion konnten, lint or viclfach die altiibcrkomincncn Kunstformcn variirt. In Strophcn von glcichor Zoilonzabl brachtc or dadnrcli lebensvolle Abwcc.lislung, dass or theilwoise wenigstens die strong paraiiolo Rcsponsion in cinc kreuzweise veriln-derte. Eine woitorc Eigenthiiinlichkoit Ezechiel\'s ist die kurze einleitendo Strophe, die in der Regel die gleiche Zeilonzahl hat wio die Endstropho, mit dor sio hisweilon audi oorrospondirt und derart eine Inclusio bildet. Ezechiol hat audi doppelcolumnigo Redon aufzuweisen, dio mit einandor durch allerlei Kunstformcn verblinden und verkettet sind, abor audi hior sucht or dadurch die monotone Form zu vermeiden, dass die Colunmen zu einandor in cine bestimmte Proportion gebracht wurden. In seinen Roden ist in der Regel die erste Ilillfte lilnger, die zweite klirzer.

Man durfte nun von vorneherein erwarten, dass bei ihm audi dreicolum-nige Roden vorkommen, die von Mieha orfundon und von Jeremia weiter bis zur Manier fortentwickolt worden waren. Ezcehid musste aus den Schriften Jeremia\'s, die er gewiss goleson und bontltzt hat, diesen Typus genau kennen gelernt haben. Hat or abor durch Jeremia dio Anreguug erhalten die dreicolumnige naclizuahmen, so musste gerade die monotone Manier Jeremia\'s ilin horausfordern diesen Typus ktlnstlerisch umzugestalton. Dio Mittel, die or zur Umgostaltung anwandte, sind dioselben, die wir beroits kennen:

1. Zum Thoil kreuzweise Rcsponsion,

2. Kürzere Einloitungs- und Endstropho,

3. Ungleicho Colunmen.

Als ein voll ausgepragtes Muster ciner solchen Redo filhre ich die Rede gegen Pharao (Cap. 31) an. Sio besteht aus drci schon von dor Massora markirten ungleichen Columnen. Jcde dieser Colunmen lilsst sich sinn-und sacbgonniss in Strophcn von drei Zeilen zerlegen, die mit don entsprechenden Strophen dcr an-dcrn Columnen correspondiren. Die Rcsponsion ist, wic cs schon die verschiedene Grosse der Columnen mit sich bringt, koine strong paralldo, sondern eine ofters verschobene, und sclbst in parallelen Strophcn viclfach eine kreuzweise. Sehr interessant ist die Art, wie dcr Dichter die kürzere einleitendo und Endstropho bier gestaltcte. Er zerlegte den Dreizeiler in 1 2, beginnt in alien drci Columnen mit Einzeilcr, die audi sachlieh und dem Wortlautc nach mit einander correspondiren und schliesst jcde Columne mit eincm Zweizeilcr. Dor Strophenbau hat fol-gende Form:

Columne A (V. 1—9): 1 (7 X 3) -4- 2

Columne R (V. 10—14): 1 (5 X 3) 2

Columne C (V. If) -18): 1 (4 X 3) 2.

A.

Es ward das Wort Jahweh\'s an inicli also:

2 Mensclicnkind!

Sprich zu Pliarao, dem Königc von Acgyptcn, nnd scincin Gctiiminol,

Wem glcichst du in dcincr GrösscV

ocr page 166

Ezroiiiel, Cai\'. ;il.

\'i Sicbe, oiu Ccderbaum (stand) auf dem Libanon,

Seliün von Gciist und von schattigcm Dickii\'lit und liocli an Wuchs,

Und in dichtcm Grezweigc war sein WiiitVl.

■t Wasser hatte ilm gross gemacht, Fluth in die Ilölie gebracht,

Seine Ströme führte er rings licrum uni seine Pflanzung,

Und seine Caniile entsandte er an alle liüiune des Feldes.

\'5 Darum üborragte er an Wiiebs alle Biiume des Feldes.

Und viel wurden seine Zweige und lang wurden seine Aeste,

Von dein rcicltliehen Wasser, das er entsandte.

o In seinen Zweigen nistoten alle Vogel des Ilimmels,

Und unter seinen Aesten warfen (Junge) alle Tbiere des Feldes,

Und in seinom Schatten wolmten allo grossen Völker.

7 Und er war scbön in seiner Grüsse, durch die Liinge seiner Aeste,

Donn seine Wurzel war an reicblichoin Wasser.

s Codern kamen ilnn nicht gleicb iin Garten Gottes.

Cypressen gliclien ilnn nicht an Zwoigen,

Und Platanen batten nicht Aeste wie er,

Kein Baum im Garten Gottes glieli ilnn an Scbönbeit.

Schön batte ich ibu gemacht durch die Fiille seiner Aeste,

Und es beneidoten ibn alle Biiume Kdons im Garten Gottes. 1

15.

10 Darum spriebt also der Herr Jahweh:

Weil du boch warst an Wuchs,

Und er seinen Wipfel streckte in dichtcs Gezweige,

Und stoiz war sein Herz in soinem llochmutbe.1

11 So liofero ich ibn in die Hand eines Volkcrgcwaltigen,

Verfabren wird er mit ilnn naeh seinom Frevol,

| Wogen seines Frevels] verstiess ich ibn.

ia Und es fallton ibn Fremde, Volkcrgewaltigo, und verliossen ibn,

Auf die Berge und iu alle Thaler Helen soine Zweige,

Und seine Aeste lagen zerbrochen an allen Schluchten des Landes.

Und es wieben aus seinem Schatten alle Völker dor Erde und verliesson ibn. i» Auf seinom gofalltcn Stamm2 wobnen allo Vögol des lliinmcls,

Und auf seinen Aesten tummeln sich allo Tbiere des Feldes.

m Damit nicht boch ragen an Wuchs alle Biiuinc am Wasser,

Und nicht strocken ibron Wipfel in dichtcs Gezweige,

Und nicht dastellen ihre Gowaltigon im llocbmutho, allo Wasscrtrinker.

159

1

Hier filllt, der Prophet aus dom ISilde, iudem er au Pharao deukt.

2

Mappelol; das liobraisc.ho Wort bat auch die Hodentmig ,Lni(\'lio\' imhI diosor Doppelsinn ist vom Fropheten boabsichtipft.

ocr page 167

Ezrciiihl, Cap. 31.

üc.nu jillo sind sic tlciu \'J\'odc iiusgeliefurt, in die Unturwelt,

Mitten unter Mcnschenkinder, zu den in die Gruft Sinkenden. |

C.

irgt; Also spricht der Hcrr Jaliweli:

Tags, da er in die Ilülle sinkt, verhiinge ieli Trauer, bedoeke ihn init Fluth,

Und lialte zuriick die Ströme, nnd geliemmt wird reiclilichcs Wasser,

Und ich verfinstere den Libanon, und alle Biiume dos Peldes schmaeliteu um ihn.

ifi Dureli das Gedröhn seines Sturzes1 lasse ich Völker erbeben;

Wenn ieli ihn sinken lasse in die Hölle zn denen in die Gruft Sinkenden, Da trosten sieh in der Unterwelt alle Biiume Edens.

Die Vorzüglichsten und Besten des Libanon, alle Wassertrinker,

17 Aueh sie sinken mit ihm in die Hölle zu Schwerterschlagenen,

Und seine Maeht, die in seinern Sehatten sass, mitten unter den Vólkern.

is Wem gleicbst du also an Herrliehkeit und Grosse unter den Bitumen Edens? Dass du mit den Biiumen Edens in die Unterwelt vorsen kt wirst,

Unter Unbesehnittenen liegst, SehwerterschlagencnY

Dies ist Pharao und sein Getümmel,

1st der Sprueli des Herrn Jahweh. |

Dor Godankengang- dieser Rede und Hire Eintheilung ist klar und durcli-siclitig. Kurz und deutlich charakterisirt sic schon Smend: ,Dor orstcs (Abschnitt) scliildert die Grosse und Schönhcit dos unvergleichlichon Wunderbaumes, dor zweite seinen Sturz und Gottes Alisiclit dabei, der dritto den Erfolg.\'

Will man die Responsion genau beobachton und kennen lemon, so muss man die jotzt verschobonon, gedanklieli abor parailelen Strophen liervorsuehen unci nebon einandor stollou, und nicht nur verticale, sondern audi noch viol sclulrfore horizontale Responsion kornuit zum Vorschein. Am bosten verdeutlicht dieses dor hebrilische Text, wo die Colnmnon und Strophen neben einander gestelit und sinn-gomilss geordnet sind. llior in dor Uoborsotzung muss man sicli aus typographisclieu GrUndon mit folgendor Ucborsicht begnligen:

A ii: Siehe, ein Cederbaum stand auf dem Libanon,

Schön von Geiist und von seliattigem Diekicht und hoch an Wuclis,

Und in diehtem Gezweige war sein Wipfol.

B I: Weil du hoch warst an Wuchs,

Und seinen Wipfel streekte in dichtes Gezweig,

Und stolz war sein Ilerz im Iloehmuthe.

15 v: Damit nicht iioch ragen an Wuchs alle Biiume am Wasser,

Und nieht streeken ihren Wipfel in dichtes G czweigc,

1G0

Und nicht dastellen ihrc Gewaltigen im Hoch unit he, alio Wassertrinker.

1

Majipelel. Vgl. Ii. iv, \'2.

ocr page 168

Ezeciiikl, (Jap. 31.

A in: Wasser hiittc ilm gross gumiieht, Flutli in (li(^ Höhc gobraelit,

Seine Ströme fiihrte cv rings herum um seine Pflanzung Und seine Cantiie entsandtc er an alle Biiuine des Peldes.

C l: rl,ilgs da er in die Hülle sinkt, vorhiinge ieh Trailer, bedecke ilm die Flntli, Und ieh halte zurück die Ströme, und geheimnt wird reiehliehcs Wasser, Und ieh verfinstore ihm den Libanon, nnd alle lïauinc des Feldes solnnachten.

A v: In seinen Zweigen nisteten alle Vogel des Hiinmels,

Und nnter seinen Aesten warfen (Junge) alle Thiere des Feldes,

Und in seinem Schatten wohnten alle grossen Völkcr,

Hiv: Und es wichen aus seinem Schatten alle Völkcr der Erde und verliessen ilm, Auf seinem Leichnam1 wohnen alle Vögel des llinmicls,

Und auf seinen (gestürzten) Aesten tummeln sieh alle Thiere des Feldes.

C ii u. ui: Vom Gedröhne seines Sturzes lasse ich Völkcr erbcben,

Anch sic sinken mit ihin in die Holle zu Schwertersehlagcncn.

Und seinc Macht, lt;lic in seinem Schatten sass, mittcn untcr den Vólkern.

Damit ist lange noch nicht ilio kunstrcichc Vorflcchtung der licsponsion auf-gecleckt. Die Füden schlingen sieh herüber und hinüber und zeigen die Filigran-arbeit des babylonisehen Sehers und Dichters in kunstvoller Verkettuug. Ieh will hier noch eine Gruppo zusamraenstcllen, weil sic besonders lehrreich ist:

A i: Mcnschenkind!

Sprich zh Pharao, dem Könige von Aegypten, und seinem Grctümimd, Wem glcichst du in deiner Grössc?

A vu: Cypressen glichen ihm nicht an Zweigen,

Und Platanen hattcn nicht Aeste wie er,

Kcin Baum im Garten Gottes glich ihm an Schönheit.

C iv u. v: Wem glcichst du also an Hcrrlichkeit und Grosse untcr den Baumen Edcns, Dass du mit den Bauinen Edcns in die Uutcrwclt versenkt wirst,

Untcr ünbcsclmittenen licgst, SchwcrtcrschlagonenV Dies ist Pharao und sein Gotüminel!

Durch diese verticale und horizontale Responsion ist in Vers IS n\'tn ,glcichst du\', das allgemein überlicfert ist, gegen Cohnill gesichcrt, der nquot;ön; ,du bist dahin\', liest. Dass durch diese Analyse eine grosse Jlenge von Verbesserungen und Conjecturen, die sieh zuin Theil auf dit^ alexandrinische Uebersetzung stützen,quot; endgiltig beseitigt wird, verstcht sieh von selbst, und aueh in Bczug darauf gilt des Propheten Wort: ,Dios ist Pharao und sein Getiunmel.\'

1(31

1

Gestürzten Stamm.

ocr page 169

Ezechiel, Cap. 32 und 37.

Caput 32.

Dieses Capitel cnthillt zwei Reden tibor Aegypten, die ieh strophisch zu glie-dern versucht lia1)e. Die Gliederung bendit besouders in der ersten Rede (V. 1—16) auf einer streng saehliehen Analyse, dagegen halte ieh die Zeilenabtheilung, da Kunstfonnen fehlen, für nicht genügend evident. Audi musste hier an zwei Stellen je cine Zeile erganzt werden.

In der zweiten Rede (V. 17—32) sind die Zeilen grösstontheils niit Ililfe dcr Responsion abgetheilt, aber die Strophik zeigt starkc Unregelmassigkcitcn und an zwei Stellen mussten wieder Wortc umgestellt, beziehungswcise erganzt werden. Aus diesen Grimden inöchtc ich bei dcr Beweisführung von diesen Stilcken ab-sehen.

Caput 37.

Die Beiner-Vision.

1 Es kam über mich die Hand Jaliwcli\'s,

Und im Geiste führte Jahweh inicli hinans,

Und er setzte mich nieder mitten in der Ebene,

Und die war voll Gebeine.

2 Und er führte mich um dieselben rings hcrum,

Und cs waren ihrcr sehr vide auf der Fliiche der Ebene,

Und siehe, sie waren sehr trocken. |

3 Da sprach er zu inir: Menschenkiud,

Werden wieder aufleben dicse Gebeine?

Und ich sprach: ilerr Jahweh, du weisst es.

Da sprach er zu mir:

Weissage über dicse Gebeine,

Und sprich zu ihncu:

Ihr trockenen Gebeine, höret das Wort Jaliwch\'s, |

4 Also spricht der Herr Jahweh zu diesen Geheinen:

leli bringe in cuch Gcist, dass iiir auflcbet,

5 Und gebe auf cuch Sehnen,

Und überziehe cuch mit Pleisch,

Und umschliesse cuch mit Ha ut,

Und gebe Geist in euch, dass ihr auflcbet.

Und ihr sollt erkennen, dass ich Jahweh bin.

spricht der Prophet jo einmal Pliarao direct an; wenn Coimnx ferner Ni\'i für on liest, damit der Prophet nicht aus dom Bilde falie, so wissen wir, dass Ezechiel gorn die Doutung seiner Kiithsel (lurch ab-sichtliches Ausdembildofallen enthlillt. Die Losung |n53 vh\' für inwu witns ■h nw it\'r (B in) iiber-steigt die Gronze des Erlaubten. Da die Lesarten zwisehen lyirns und ima schwanken, so nehmo ich an, dass beide ursprilnglich gestandon haben, und dass cine aus Unvorstiindniss weggelassen wordou ist. Audi bier fallt dor Prophet aus dem Bildo und hat Pliarao im Auge. Uie Aondarung von in itsbti (iv, 1) zerstört die Kesponsion mit in, I. Die Lesung nas anquot;n quot;iins i^ss f\'iir iVxa

O\'U iins (C in, 3) ist unmOglich, well die massoretische Lesart durcb doppelto Kesponsion (A v, 3 und B iv, 1) gehalten wird.

1G2

ocr page 170

EzncniEL, Cap. \'!7. (Dm Brinek-Virion).

ii Und icli wcissiigtc, wie mir bcfohlcn wiirde,

Und os entstand cin Gcriiusch beim Weissagen, cin lieben,

Und os niiherten sich dio Gebeino, an lioiu,

Da bemorkte icli, dariiber waron Sebnon,

Und Pleisch zog sicli dariiber,

Und Haut umscbloss sio obcn,

Aber Goist war niclit in ibncn.

» Und or spracb mi mir: Woissago übor den Goist,

Weissage, Monscbonkind, und sprich zum Goist,

Also spricht der Horr Jahweh: Von vier Winden komm\' o Goist,1Und wohe in dieson Erschlagenon, dass sio auflobon,

10 Und ioh woissagte, wie mir befohlon wurdo,

Und es kam in sio Goist und sio lobten auf,

Und sio traton auf ihro Füsse, oin Hoor, sobr, sehr gross.

11 Und or spracli zu mir: Monschenkind,

Diose Gebeino sind das ganzo Haus Israel,

Sio sagen: Trocken sind unsere Knoclien, gesohwundon dio Iloffnung, wir sind verloren.

12 Darum woissage und sprich zu ilmon: Also sprieht der Horr Jahweh:

Sioho, ich öffno euero Gritbor,

Und führe ouch horaus aus euoron Griiborn, inoin Volk,

Und bringo euch in das Land Israels.

i» Und ihr sollt orkeunon, dass ich Jahweh bin,

Wonn ich öt\'fne euro Griibor,

Und wonn ich euch horausführo aus ouron Griiborn, moin Volk,

Und ich gobo inoinen Goist in euch, dass ihr auflobet,

Und vorsotzo ouch in ouer Land,

Und ihr sollt erkennen, dass ich Jahweh bin,

Ich habo gosprochon und ich thuo os, ist Jahweh\'s Spruch. |

Diesc wundervolle und grossartige Vision llioilt sicli in der Art dor Koelen Ezcchiel\'s in zwei Thoile, von dencn dor orsto und grössoro, das jirophotisclio Go-sicht onthaltondc, aus fünf iStrophon zu jo sioben Zeilen bostcht, der zweito kleinere, die Erkliirung dos Geschauton entliaitondo, zwei Strophen von jo sielien Zeilen ziihit. Einzelno Strophen sind in dom massorotisehen Texte niurkirt.

Dio Kesponsiou, bald regelmilssig, bald aber weclisolud, durcinvebt das ganzo so einfaeho und doeli so gewaltige Gedieht. Eine sorgfilltigo Priifung der Ueber-sotznng (nieht des liebriüselion Toxtes, wo mir noeli vielerlei entgangen war) wird zeigen, dass die Zeilen nach der Intention des Propheten abgctheilt worden sind.

1st es Zufall, dass das Stüek, welelies die Auforstelnuig sehildort, siebon Stroplion von je siebon Zeilen, also dio heilige Zaid im Quadrat aufwoist, und ist es f\'orner Zufall, dass bei der Beschworung des Geistos das Wort nVcJi (,Geist\' und ,Wind\') 4-1-3 Mal also sicl)on Mal vorkoinnitV — Ich fühlo mieh nieht berufen die Zahlonsymbolik zu deuten.

11*

1

lm Hebrftischen wird t\'Ur ,Wind\' und ,(jloist\' dassolbo Wort (nn) gobraucht.

ocr page 171

Ezkciiiel, (^ai\'. 1. (Die Vision vom Thuonwaobn).

Caput 1.

Dio Vision vorn Throinvagcn.

ITiul Icli sah, cin Sturmwiml kam aus dem Nordcu,

Ein grosses Gowülk mit \\vaberenlt;)cm Feucr und Glanz ringslicrnm,

ITnd aus der Mittc wie der Seliein von Glanzerz aus dom Feuer.

Und nütten drlnnen war ein Gebilde von vier Lebewesen,

Und dies ilir Aussehen: Menschengestalt war ibnen,

Und vier Gesiclitcr batte jedes,

Und vier Plügel batte jedes von ibnen.

Und ilire Ueino — gerades Hein,

Und ilire Fnsssoble wie dii^ Fusssoblc cines Kalbes (rund),

Und sie (waren) glanzend wie der Seliein von polirtem Era. Und Monscbenbiinde (batten sie) unter den Flügeln,

Auf allen vier Seiten,

Und die Gesiebter und Flügel der Vier —

Es rilbrten ibre Flügel, je einer an den andern.

Nirbt wandten sic sicb beim Geben,

Ein jedes naeb der Seite seines Angesiebts (stracks) gingen sie

Und die Gestalt ilires Angesiebts: Ein Menselionangesiebt (nacli vorne)

Und ein Eöwenangesiebt naeb der Recbten bei den Vieren,

Und ein Stierangesicbt an der Linken bei den Vieren,

Und ein Adlerangesiebt bei den Vieren (naeb innen),

Und ilire Flügel waren ausgespannt naeb oben.

Je zwei batten sie, einen mit dem andern verblinden,

Und zwei bedeekten ilire Leiber.

Und ein jeder naeb der Seite seines Angesiebts gingen sie hin Wobin der Geist strebte zu geben, gingen sie,

Niebt wandten sie sicb beim Geben.

Und zwiscben den Lebewesen einc Gestalt,

Wie brennende Feuerkoblen,

Wie Fackeln bin- und bergebend zwiseben den Lebewesen.

Und Glanz batte das Fouer,

Und vom Feuer ging Ulitz bervor.

Und die Lebewesen gingen aus und zurüek.

Wie das Ausseben des Blitzes.

Und icb sab die Lebewesen,

Und siebe, je ein Rad war auf dor Erde,

Neben den Lebewesen an den vier Seiten.

Das Ausseben und die Bescbaflenheit der Rader (war) w\'ie Topasscbein.

Und Kine Gestalt batten die Vier,

Und ilir Ausseben und ilire licseliaU\'enbcit war,

Al» nb ein Rnd mitten im Rade wiire.

ocr page 172

Ezechibl, Cap. 1. (Die N\'iüion voji Thkonwagkn).

it Nacli iillun vier Scitüii gingen sie bcim Gchen,

Nli lit wandten sie sicli beiin Gcheu.

in Unci Hire Fclgon — waren crhiiben und furelitbar (anzuschauen),

Uml Hire Felgen waren vuil Augen rings bei den Vieren.

i\'J Und wenn die Lebewesen gingen, gingen die Rader zugleieli mit ihnen,

Und wenn die Lebewesen sieb von der Hrde erhoben, erhoben sieli die Kiider.

20 Wohiu der Geist strebte zu gelicn, gingen sie,

Dortliin strebte der Geist zu gehen, mid die Kiider erhoben sicli neben ihnen.

Denn der Geist der Lebewesen war in den Riidern.

•Ji Wenn jene gingen, gingen sie und wenn jene standen, standen sie,

Und wenn jene von der Krde sioh erhoben, eriiobon sieh die Kiider neben ihnen; Denn der Geist der Lebewesen war in don Kitdern.

Wenn das Gcsctz dor Strophik und Rcsponsion, wie man nacli den Ijislu;-rigen Ausfiilivungen annchnien darf, die Sehöpfungcn des proplietiselien Geistes belierrscht hat, so muss man envarten, dass auch die einzigartige Vision vom Thronwagcn, die Ezecliiel mit Absicht an die Spitze seines JSuches gestellt hat, naeli dieseiu Gosetz gearbeitet worden ist. Von dieser Voraussetzung ausgobend, untersuchte ieli noebinals die Vision und erkannte in einer sieli in leichten Variationen wiederholenden Wendung eine Art IJelrain, dor die Strophen seheidet. Eine sorgfiiltige Priifung crgab, dass der ersto Tbeil der Vision (V. 4—21), wolclier den Thronwagcn mit den Lebewesen beschreibt, in zwei parallele Columnen zer-t\'iiilt, die aus jo drei Strophen bestehen. Naeh der je zweiten und jo dritten Strophe f\'olgen eorrespondirende Kehrvcrso.

Der zweite rriieil der Vision (V. l)-2—28) schildert nicht meiir den Thronwagcn sclbst, sondern die Flilchc obcrhalb der Lebewesen, auf dem dcr Tiiron stand, auf welcbem die Herrliciikcit .laiiwch\'s zu schen war.

Halten wir an der Hypothese test, dass die Vision, mit welchcr Ezceliit\'I seine Prophezeiungen crofliict, aus zweiTlieilen bestcbt, von denen der crste doppi\'lcoluimiig ist, aus jc drei Strophen gebildct, die von jc zwei Kehrverscn zusammengebalten sind, wilhrend der zweite Theil vier Strophen ziihlt, so muss dem aufincrksamen Leser sofort die Aehnliehkcit mit der Architeetur dcr erstcu Rede Jesaia\'s aul-fallcn. Auch jene bestclit aus zwei Theilen, von denen dcr crste doiipelcolumnig ist, aus jc drei Strophen gebildct, die durch Kcsponsion am JV\'giiui ciner jeden Strophe zusammcngchalten sind, wiihrend dcr zweite Theil vier Strophen ziihlt.

Nun wissen wir aber, dass die Thronvisiou Ezcchiels von dcr Vision Jesaia\'s (Cap. 6) stark beeintiusst worden ist.1 Sind die triiher ausgesproehenen Wu-mii-tbungen richtig, so wi\'irdc die Vision Mzechiels saclilieh von der Vision Jesaia\'s abbèlngcn, der Form nacli aber als cine Naehhildiing von Jcsaia Cap. 1 sirli cr-weisen, und daraus mllsstc man den weitercn Schluss ziehen, dass dem Propheten Ezechiel das Jbicli Jesaia\'s in dcr Eorm schon vorlag, \\vic cs nns vorliogt, d. h. mit Cap. 1 an dor Spitze des Buclies.

1

Vgl. iibor die Vision mcino Ezechicl-Studiën, S. 7 IV.

ocr page 173

IhoUTEUÜJESAlA\'.S PEUSÖNLICIIKKIT UMl) HTELLUNU.

Deuterojesaia.

Schon in dcm Namen spricht es sicli aus, dass wir hier niclit mit cincr plastisch schart\' ausgoprilgten Pcrsünlichkeit zu thun haben, die man sicli aus deren Thaten und Schriften verlebendigeu könnte. Der ,zwoite Jesaia\', cin Doppelgiingcr des grossen Propheten, der durch Jahrhunderte mit dem ersten vcrwcchselt worden ist. Langsani, ganz Langsam hat sieh der Schatten von dom Körper abgehohen und getrennt und ei\'iiieit ein oigonos Dasein. Es ist nicht die Namenlosigkeit aliein, welche es ersehwert, uns ein Bild von dem grossen Seher vorzustellen, mehr noch ist es die Wesenlosigkeit, das Unpersünliehe des Dichters, welche es unmöglich macht, die Zlige der grossen Gestalt zu erkennen. Olinc Namen, unpersünlich, ohnc Ort und Zeit ragt die miichtigc, schattenhafte Gestalt hinein ins jüdische Lebcn und weit darüber hinaus. Sass er au den Stromen Babylons und weinte, oder kehrte er fröhlieh mit den Exilirten heim, wer weiss es zu sagen?

So weit meine Untersuchung bis jetzt reicht, möchte icb der am meisten ver-breitcten Ansicht mich ansehliessen, dass der Deuterojesaia in Uabylon gelebt und geweissagt liabe. Nicht so sehr seine Kenntniss der Götzcnverfertigung spricht f\'ür Babcl als Heimat, als vielmehr seine Schilderung des Schieksais der Götzen (Cap. 44), wie seine Verspottung der Zaubercr, Ihumsprccher und Astrologen (Cap. 48), weisen auf Babel bin. Man darf ferner bei einciu Exilirten viel eher die Kenntniss der pcr-sischen lleligion voraussetzen, als bei oinoin Mann, der in Syrien leljte. leb möchte aber vorerst mit aller Reserve die Vermuthung ausspreclien, dass der stille Prophet — denn iifFontlich ist er wohl kanm aufgetreten, sondern bat vielmehr sehrift-stellerisch gewirkt — mit den Exilirten heiragekehrt war und die Entwicklung der Dinge auch im Ileimatlande mit weitcm Bliek und offencm Augc verfolgte, olinc jedoch sclbst mit Hand anzulegen. Seine Anschaimngen und seine Richtung seheinen mit denen der tonangebendon Fi\'ihrcr nicht libereingestimmt zu liaben. Die Opportunisten und Miinner der Tiiat bewunderten wohl den idealen Schwilrmcr, lilcheltcn aber im Stillen über don unbeholfcnen Idealisten.

Wcnn man aus der sehriftstclierischen Form und der ganzen Art der Dar-stellung einen Schluss zieben darf, möchte ich glauben, dass der Seher die Stelle eines liüheren richterliehen Funetionilrs bekleidet habe. Daraus würde sieh erklilren, waruni er die Form des Rechtsstreites für seine Prophezeiungen gewiihlt, darin die forensische Terminologie: ,lhr seid meinc Zeugen\' (ny chn) ihre Bcgründung finden.

Caput 41.

A.

1 Hörct schwcigend mir zu, Eilando, und Nationen niögcn Kraft scliöi)fcii,

Sic mögon heraukommen, duim sprcclicn, zusammon lasst uns an\'s Gericht hcrantrctcn!

2 Wcr luit crweckt von Osten denjonigen, dcm Sicg auf joden Tritt begognotV

Er gibt ilnn Völkcr preis und unterwirft ilnn Königo.

Es maclit (sic) wie Staub soin Schwert, wie verwclite Spreu sein Jjogcn.

Er verfolgt sic, zielif in Friodcu einen Weg, den er mit seinen Füssen (frülicr) nicht betreten.

Kit;

ocr page 174

.Ie.saia, Cap. 41 ( Dior Ukuhtsstkeit).

Wer lint\'s gothan unci geinuchtV Dcr von Anfang an die Grcsclilechter ruft. Ich Jahwoh bin dor Erstc, unci bci don letzton bin icli.

Hs gallon\'s Eilande unci filrchtoton sicli, dor Erclc Kndou crbcbon, nalien und kommcn. Eiuor liilft dom Andorn, und sagt zuin Genossen: Sei stark!

Es ermuntert dcr Grobschmied don Goldsclnniod, dor Hammergliittor don Ainbosschliigcr. Sagt von dor Löthung: Gut ist\'s, und bofostigt os mit Niigeln, class es nicht wanko. j

B.

Und du Israel, moin Knecht, Jakob, don ich ausenvahlt.

Same Abrahams meines Preundes, don ich erfasst.

Von don Enden der Ercle und von ihron Eckon liabo ich dicii gerufon.

Unci ich sprach zu dir: Mein Knecht bist du, don ich cnviihlt und nicht vorschniaht. Fürehtc clich nicht, denn mit dir bin ich, iingstigo dich nicht, deun ich bin dein Gott, Ich kraftigc clich, hclfo dir audi und stiituc dicli niit moincr sioghaften Ecchten.

Siche, cs werden beschamt und zu Sciianclen die gegen dich (Zorn)-Entbranntcii,

Es werden wie nichts und kommen um die Manner cleincs Haders.

Du wirst sic suchcn und uiclit linden — die Manner cloines Zankcs,

Es werden wio nichts und Null die Manner cloines Kampfes.

Denn ich bin Jahweh dein Gott, dor stiitzt cleinc llcclito.

Der zu dir spricht: Fürchtc dich niclit, ich hclfe dir. j

Fürchte clich niclit, Wurm Jakobs, llauflein Israels!

Ich hclfo dir, spricht Jahweh, und dein Krlösor (ist) der Heilige Israels.

Siche, ich macho clich zn cincin neuon Droschwagon, einein vielspitzigcn,

Droschcn wirst du Berge und zermahnen, und Iliigcl wie Spreu machcn. Du zerstreust sic, unci Wind triigt s\'k^ davon und Sturm zerstiobt sic.

Du aber wirst frohlockon in Jahweh, des Heiligen Israels dich rühmen. [

Die Elendon und Dürftigen suchcn Wasser und os ist nicht da, ihrc Zunge ver-

trocknet vor Durst,

Ich Jahweh erhöre sic, (ich) dor Gott Israels vorlasse sic nicht.

Ich üli\'no auf kahlon Höhcn Ströme und in Thalcrn Quellcn,

Ich macho Wüste zu Wassertcich und dürros Land zu (iucllorten.

Ich stelle in dio Wüste Ceder, Akazie unci Myrthe unci Oelbaum,

Ich setzo in die Steppe Cypresse, Fichte und Buchsbauin nllzuuial.

Damit sie sohen und erkennen und ihren Sinn richten und verstellen allzumal, Dass die Hand Jahweh\'s dies gomacht und der Heilige Israels es geschallen.

C.

Bringct herbei euren Kochtstroit, spricht Jahweh,

Schallct herbei euro Bowcisgründc, spricht Jakobs König.

Sie mogen herbeischalfen und verkiindcn, was sich ereigncu wird,

Das Friihere, was war esV Verkündct os,

Dnss wir unsoron Sinn clarauf richten und seinen Ausgang orkcniieu.

Oder das Künftige lasst uns horen.

Vcrkündot das Kommende für die spiitero /cit,

Damit wir wissen, class ihr Gottcr seid,

Auch Gutcs thun könnet unci Buses,

Und wir wollen stauncn und es schen zumal.

167

ocr page 175

Jesaia, Cap. 41. (Dek Rkchtstreit).

si Siclio, ihr scid niclits mul cucr AVcrk ist Null,

Kin Griiucl, wcr uucli crwiiblt.

sri Erweckt habc icli ihn vou Nordcn hor, uud cr kaïn, voni Auf\'gaug der Sonne her verkündet or meinon Namen,

Dass er zorstampf\'e1 Statthalter wie Lohm, wie ein Töpfcr zertritt den Thon. aii VVer verkiindete es von früher lier, dass wir os wüsston, und von vormals, dass wir sagten: Recht.

Weder hat es jemand vorkündet, noch es horen lassen.

Weder hut jemand eure Worte gohürt, [noch oure Rede vernommon].

■21 Als Krater (spracli ich) zu Zion; Sieho, sie sind da! und Jerusalem ge be ich einen Heilsbotcn.

28 Und ich soho hin, und Niemand ist da,

Und unter diesen, cla ist kein Rathgober,

Dass ich sie fragte und «ie Antwort geben,

ai) Siehe, Alle siiul sie niclits.

Null ihr Werk,

Wind und Oede ihre Gebilde.

Das Ca})itel 41, am besten /lcr Process\' überschrioljcn, entlüllt eine dramatisch lebeuclig-e Seliiklcrung des Rcclitsstreites zwisclien Jahweh und den (Jöt-tern der Völker. Der Prophet fordert die Völkcr auf vor das Gericht zu trctcn, um entscheiden zu lassen, wer den Helden aus dom Osten (Cyrus) berufon habe. Xach einer kurzen Kinloitung schweift er scheinbar vom ïhema ab und tröstet das aus dom Exil heimkehrende Volk, indem cr damit andeuteu will, dass die Macht, welche Jahweh dom persisclion Eroberer vorliehen, Israel zum Ileile ge-reiclien worde. Dann nimint cr den eigent lichen lleclitsfall wieder auf und brina\'t ihn dahin zur Entseheidung, dass Jahweh allcin es war, der das Auftreten Cyrus\' verkündet und bewirkt hat, und dass die Götter der Völker nichts vermogen.

AVie jetzt der Text vor uns liegt, zerfallt er in zclm Strophen vou je sechs Zeilen (nur cine Strophe hat acht Zeilen). Gliedert man die Rede sachgemilss, so besteht

A der erste Theil, kurzc Einleitung, (V. I—7) aus zwei Strophen G 6, 1} der zweite Theil (V. 8—20) aus vier Strophen G G G 8,

C der dritte Theil (V. 21—29) aus vier Strophen G G G G.

]5etrachten wir den dritten Theil zuerst, so zerfallt derselbe sclion im masso-retischen Texte in zwei Absiltze: i (V. 21—24), u (V. 25 29). Thcilt man die beiden Absiitze in Zeilen ab, so ergeben sich versehiedenfache Responsion und auch andere Kunstformen:

C i, 3—4: Sie mogen herbcischaffen und verkünden, was sich ercignen wird.

Das Frühero was war esV Verkündet es.

C ui, 3 — 4: Wer verkiindete es von früher, dass wir es wüsston, und von vormals, dass wir sagten: Rocht.

Weder hat es jemand verkündet, noch es hören lassen.

1

Lies mit den Comment, ovi.

ocr page 176

Jesaia, Cap. 41. (Dhr Hbchtstreit).

Eino cleulliehc Concatcnatio vcrbinclet lt;lio zwei ersten Strophen. C l, (i: Oder ilas Kttnftigc lasst uns huren.

Cu, 1 : Vork ün dot das Kommen de für spate Zeit.

In glcichcr Wciso crschcint cine ]{osi)oi)sion zwischcn Strophe u uud iv C jj, 5: llir seid nichts uud euer Werk ist uull.

C Jl, 4—5: Siche, sie alle siud niehtig, null ihr Werk,

wobei freilich, wenn liicr nicht etwas ausgefallcn ist, eino Zeile Itier in zwei zei-logt erseheint.

lm Absehnitt 15 luiben wir eino strophisoho Unrogolniilssigkcit zu vorzeiehnon, die darin bosteht, dass tlio letzto Strophe acht statt sochs Zeilen luit. Dioso Sehwiorigkeit kann auf doppelte Weise gelost werden. Das Nilohstliogende ist an-zunehnion, dass die Zeiion 5 — (gt; der lotzton Strophe (V. 19) eino spiitore Glosse soien. Dafilr sprioht der Umstand, dass dieser Vers eino starke nnd überfliissige Uoborbietung des vorangehenden onthalt nnd leicht verinisst worden könntc, ferner die Thatsaeho, dass Strophe m nnd iv in dem jo viorton nnd jo lotzton Verso mit oinandor eorrospondiron, man also annehmen dart\', dass die letzto Strophe die gloiche Anzahl von Zeilen onthalten habc wie die vorangehenden.

Indessen ist ancli eino andere Lösnng möglieh. Es sind bereits mit Recht in dor kurzen Einloitnng die lotzton Zeilen als («losse verdilchtigt worden. Die Verse 5—7 passen in der That hier wenig in den Zusaninienhang, nnd es gehort dazn inimerhin cin starker Gedankensprung nm den Uebergang zn überbrücken. Ich kann daher in dicsem Falie wolil bcgreit\'cn, dass Duhm diesc Verso ans-sondert und ihnen znm Tiieil einen recht gnten Platz anweist (nach Cap. 40, 1\'.)). 1st dies richtig, so hiitten wir als Einleitung einen Achtzeiler, dem am Ende des ersten Thoiles passend ein Achtzeiler entsprochen würdo.

Zu bemerken habc ich noch, dass ]} n, 5—(5 mit !gt; i, 5—0 durch Rcsponsion nnd mit B ui, 1—2 durch parallele Concatenatio verblinden und verkettet ist. Zu bcachten ist ferner die cigenthiimlicho Rcsponsion zwischcn ]gt; m, 4 uud 15 iv, 4:

Dreseben wirst du Berge uud zcrmalmen, uud lliigel wie Spreu inachcn,

Ich uuichc die Witste zu Wasscrteieh uud diirres Land zu Quellorteu.

IHc beiden Verse correspondircu nicht uur durch die gloiche Form und den analogen Sinn, sic weisen auch insofern aut\' einander iiin, als sic sich gegenseitig ergilnzeu. Die Berge nnd Hügel sind die llindernisse und Schwierigkcitcn, welche die heimkchrendeu Exilirten physisch und inoralisch zu Ubcrwinden habcn (vgl. 40, 3—4). Die Umwandlnng von dürrem Boden in Wasscrqncllen ist dazn ein Sciten-stück, dessen Volltiihrung nicht allein inenschlicho Energie, sondern auch gotllichc llilt\'e erfordert.

Eino deutliche Rcsponsion verbindet auch B iv, 5 (bczw. 7) mit C i, 5.

Betrachten wir die Architcctonik dieser Rede, so ist die Dreithcilnug wieder offenbar, aber die Theile, bezichungsweise die Columnen sind wie bei Ezechicl ungleich und corrcspondiren infolgc dessen auch nicht streng horizontal. Sie unter-scheidet sich abcr dadurch von don Reden Ezechicls, dass die Glicderung und die Vcrbindung der Theile koine organische sind. Das mittlcre Stück ist gedanklicli und forinell mit den beiden Enden verkettet, abcr recht ansscrlich. j\\[an hat das Gefühl, dass sich hier der Gcdanko nicht dic^ Form geschaffen, sondern dass der

160

ocr page 177

Jksaia, Cap. 12.

vorhandcnc mul übcrkommeno Rccletypus (Tom Redner die Einschicbung des mitt-lorcn Stlickes suggorirt luit. Die Rede ist eine boabsiciitigte rhotorische Einheit, uber koine streng organische Schüpfung.

Caput 42.

A.

i Siolic, iiiuiu Knecht, au ilcm ieh fusthalte, mcin Aiiserwiihlter, der mir gefallt, Ich legte ineinen Geist auf ihn, Koclit wird er den Vólkern hinaustragen.

a Er schreit nicht und erhebt nicht mul liisst nicht horen draussen seine Stimme. 3 Zerknicktes Rohr zerbricht er nicht und matten Docht löscht er nicht aus.

Der Wahrheit geraiiss triigt er Recht hinaus.

i Er ennattet nicht und knickt nicht zusammen, bis er auf Erdcn grflndet Rceht, Und auf seine Weisung harren Ei lande. |

5 Also spricht der Gott Jahweh,

Der die Hinnnel geschaffen und gespannt, hinbreitete die Erde und ihre Gewiiehse, Der Athem gibt dein [Menschen-Jgeschlechte auf ihr und Mauch den auf ibr Wandelnden: (i Ich Jahweh berief dich in Gerechtigkeit und halte fest deine Hand,

Und bewahre dicli und mache dich zum Volksbund, zuni Völkerlicht,

7 Zu offnen blinde Augen -—

Herauszuführen aus Verschluss Gefesselte, aus Gefangnisscn die iin Finstern Sitzende.

s Ich bin Jaliweh, dies ist mein Name,

Und ineine Herrlichkcit gebe ich keinein Andcrn,

Und ineinen Ruhm (gebe ich nicht) den Götzcnbiidern.

u Dus Erühere, siehe, ist cingetroffcn,

Und Xeues time icii kund,

Bevor es aufsprosst,

Easse ich es euch horen. |

15.

ui Singet Jahweh ein neues Lied, seinen Ruiiin vom Ende der Erde.

Die diis Meer befahren und seine Piilie, die Eihinde und ihre Bewohner,

[Erheben ihre Stimme, jauchzen ülier die Ilerrlichkeit Jaliweh\'s].1

ii Es erhebe2 die Steppe und ihre Stiidte, die Zeltdorfer, welchc Kedar bewohnen,

Es mögen jauchzen die Felsenbewohncr, von dein Gipfcl der Berge herab schreien. 12 Sie mögen Jahweh Ehre erwcisen, und seinen Ruhin in den Eilanden verkünden.

is Jahweh ziehet aus wie ein Held, wie ein Kricgsmann weckt er Eifer.

Er lilrmt, erhebt Kriegsgeschrei, bewilltigt seine Feinde: }

u Ich schwieg von lange her, war still, hielt an mieh;

Wie eine Gebarerin will ieh (nun) aufstohnen, schnaufen und schnappen zuglcich. 15 Ich verwttste llerge und llügel, und all ihr Kraut trockne ich aus.

Und mache Ströme zu Eilanden, und Lachen trockne ich aus.

170

1

Vgl. Jesaia Cap. 24, 14. Die Verba ,erlioben\' und ,jaucli/.on\' etc. sind alle optativa: d. h. sie mögen erheben etc.

2

\'An ergiinzen ist aus dem vorangehenden Verse; ,ilire .Stimnie\'.

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Jesaia, Caigt;. 12.

10 Unci icli geloite Blinde auf oincui Wogo, den sic nicht kannten,

Auf Stogcn, die sic nicht kannten, fiilire ich sic.

Ich macho Finstcrniss vor ihnun zuin Licht und Ilolpci\'igcs zur Kbcno.

Dicse Dingo machtc ich und vorlioss sic nicht.

17 Sic wichen zurllck, cs worden ticf boschamt sein, die auf das Bild vortraucn,

Dio da sprechen zu ilcn Gusshildorn; Ihr sciil unscr Gott.

C.

is llir Tauben, hüret, und ihr Blinden, hlickot auf zu sehon,

i» Wer ist blind, wenn nicht mcin Knecht, und wor taub wie moin ]5otc, den ich sonde? Wcr ist blind, wie mcin Bote,1 wer taub wie der Dicner Jahweh\'s?

2» Du bast viel gesehen und nicht bcuchtct, init offnem Obre und doch nicht gehort.

^\'i Jahweh will seiner Gereehtigkeit willen die Lchro gross und hcrrlich machcn.

-\'2 Und doch ist\'s oin beraubtes uud geplündertes Volk,

Gefessolt in Löchern sind alle,

Und in GefüngnisshUusern sind sie versteekt.

Sic sind zur Boute geworden, und Niemand rottct,

Zur Pliindcrung, und Niemand sagt: Gib zurück!

a.\'i Wer untor euch horcht dies, vernimmt es und hürt für spitte Zoit

21 Wcr gab Jakob der Pliindcrung preis und Israel den liauborn — doch Jahweh. Gogen den sündigtcn wir, wolltcn nicht in seinen Wegen gehen, u. seiner Weisung gehore hen.

25 Da ergoss er über ihn die Glut seines Zornes und die Wucht des Kampfos,

Dass er ihn rings uinlodcrte und cr orkeunt\'s nicht, und ihn verbrannte und er merkt\'s nicht.

Dili.mann charaktcrisirt das Capitcl mit folgeiuleu Wortcn: ,l)ic hohe Würdc uud wcltgeschicltlliclie Aufgabe Israels, zu dereu Lüsuug os jct/.t vorwilrts golit, und als Gegensatz dazu der Zustand dus Volkcs, wie er zur Zeit noeli ist, gar wenig seiner Wlirde und Aufgabe angomesscn in drei Absiitzen (V. 4—i); V. 10—17; V. 18—25).\' Diese Gliederung in drei Absclinitte bietot sehon der massoretisehc Text, dagegen seheint dor Einselinilt nacb Vers 13 an unpassender Stelle zu stollen.

Sinngomass zerfallt Absclinitt A in drei Stropben, von denen die erste auch im niassoretischen Text markirt ist. Die Zoilenzald dor Stroplien und die Abgrenzung dorselben sind in don Stropbon des orston Abselinittes dureliaus nicht gesiobert, da hier verticale Ilosponsion feiilt. Ich setze also hypotlietiscli drei Stroplien von je siobon Zeilen an, woboi ich in dor drittou Strophe Kurzzoilon anneiuue, wie sie bei Douterojosaia der Abweebslung balber beliobt sind.

171

Walirend Absclinitt A mit dom Knocbto Gottes und seiner Sonduns\' sieb betasst, werden im Absclinitt B die Vülkcr und dio fornliegondon Eilandc apo-stropbirt und aufgefordert Jahweh anzucrkenncn. Dieser Absclinitt liisst sicli, sinn-gemilss abgetbeilt, in drei Strophen von 5 -f- (5 (5 Zeilen zerlegen. Die gedankliehc Gliederung wird durcli Kesponsion zwiscben 131, 5—6 und B ii, 5 —(j (,Berge\' und ,Lilande\') einer-und zwisehen B m, I und C i, 1 (,Blinde\') andorerseits gestUtzt. Umso auffalligor bieibt aber das Fcblon cines Verses in Strophe B i, die nur aus fünf statt aus seelis Vorsen bestebt. Seiien wir aber die Strophe an und vergleichen

1

Ich lose filr c-ti\'ï.

ocr page 179

Jesaia, Cap. 42.

dazu die Commentarc, so wird man linden, dass die Verbindnng zwischen V. 10 und 11 cine, solir inangelliafte ist. Das Priidieat zu den Scelahrcru lelilt, uud in dcr That sind die vorsehicdenstcn Versucho gomacht worden, dieso Lllcko dureh Conjecturen auszuiullcn. Icli luibc also Zeile 3 ergilnzt:

Erlicbcn ihrc Stimme, jauchzen iiber die Ilcriiietikcit Jahwch\'s.

Der Ausfall der Zeile erkliirt sieh daraus, dass die fola\'cnde cbcnfalls mit dem-

7 ~

selben Worte (ixuv) beginnt. Ausserdem ist sowohl jcrhcbcn\' als ,jauelizcn\' gcsichert durch Z. 4 und 5, die solir passend und ganz in dcuterojcsaianischer Art die beiden Worte wieder aufgenonnnen haben. Dass icli aber richtig ergilnzt habe, beweist am besten der Umstand, dass dadurch cino selir eigenartige Kesponsion zwisclien B i, 3, B ii, 3 und A i, 3 ans Tagesliobt komint:

Er sulircit niclit und crhcbt niclit und liisst uiclit horcn drausscn seino Stiminc.

Ausserdem respondiren diese beiden Stropben in don Schlusszeilcn ^Eilande\'). Naehdem ich Abschnitt A hypotbetisch in drei Stropben von je sicbcn Zeilen zerlcgt babe und Absclinitt B sinu- und kunstfonngenutss in drei Stropben von je sedis Zeilen abgetlieilt werden konnte, so dart\' man annebmen, dass Absclinitt C aus drei Stropben von je filnf Zeilen bestelit.

In der That zerfilllt der letztc Abschnitt auf natürliche Weise in drei Stropben, die zuni Thcil durcli Kunstformen gesichert sind, so durch llcsponsion

C I, 1: Hu\' Tauben liörct, und ilir Hlindcn, l)licket auf nu sohen.

C in, 1: AVer unter euch borclit dies, vcrnimmt es und liört für spatoro Zoit. ferner durch Inclusio und theilweise Concatenatio (Str. C u und m).

Zu beacbten ist dabei abermals die mittlere Strophe des letzten Abschnittes, welche wieder aus Kurzzeilen besteht.

Dcr dritte Abschnitt greift auf don crston zurllck, wie iin Cap. 41, und die ganze liode zeigt somit ganz den Bail der Bede, welche den Process zwischen Jahweh und den Vólkern behandelt. Sie besteht wie jene aus drei Theilen mit dem Unterschicdc, dass die Tbcile dieser liede cine gewisse Symmetrie zeigen, die dort vermisst wird:

A 7 7 7; B (gt; (gt; ü; C 5 4quot; 5 5.

Wie dort das mittlere Stuck, uur lose eingcfngt, die beiden Thcile der Redo (die Vorladung vor das Gericht und den eigentlicheii Process) trennt, so werden auch iiicr die Bcruf\'ung des Kucchtes Gottes (Cohunnc A) und die Aufforderung, welche an ihn geriebtet wird, seine Aufgabe recht zu crlasscn (Columne C), durch cine An-redc an die Völkcr getrennt. Beide Beden bieten also cine Permutation dcrselben Begriffc und gestalten sicb zu folgenden Seiten- und Gegenstricken:

Völkcr -— Knecht Gottes — Völkcr Knecht Gottes — Völkcr — Knecht Gottes.

Dass bei den ganz nalien Bcziehungen, welche diese Reden aut\'wciscn, dies voiu Dichter beabsichtigt worden ist, stelit mir ausser Zweifel.

Aus dicscn dem Sinn, der Kunstform und der Architcctonik ciitnoinraenen Grimden milsscn die iinmerhin mit feinem iisthctischcm Sinn unternommenen Deeom-positionsversuehe Duilm\'s abgelchnt werden.

Ich möchte diese Auseinandersetzung nicht schliessen, ohne auf cine eigen-thlimliche Thatsaelie aiifmerksain zu maclien, die für die Composition des Evangclium

172

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Jesaia, Cap. 42—44.

Mattliili nicht ohnc Botleutung ist. Matthilus Cap. xn, V. 18—22 werden die Verse Jes. 42, 1—4 eitirt mul nuf\' Jcsus angewendet:

Er wird nicht zankon, noeh sclircien, uml man wird soin Gcscliroi nicht horen nuf der Gasso.

Und Vors 23 lautet:

Da ward cin Uesosscner zu ilini gebracht, der war hlind und taubstmnm (gt;W0ifó;); und er heilte ilm, also, dass der JJlinde und \'rauhstuminc beides redete und sail.

das so wundorbar anklingt an Jcs. 42, 18:

Ihr Tauben höret, und ihr Blinden hiicket auf zu schcn.

Caput 43.

Aus dem 4!!. Capitel, dessen strophische Gliederung ieh versuchsweisc in dein hebraisclien Texte gegeben habe, greife ich zwei Sechszeiler lieraus, deren Zeilenabtiieilung durch streng durchgefülirte Responsion mir absolut gesieliert er-seheint.1

!gt; Allo Vülker sind versammelt und os vereinigen sicli Nationen,

Wer untcr ihucn vcrkündet solehes und liisst uns Frühcres höreu?

Sie mögen ihre Zeugen hcibringen, sieh rechtfertigen, und man höre und sage: VVahr!

10 Ihr aber seid mciue Zeugen, spricht Jahweli, und incin Knecht, iUmi ieh erwiihlt, Diunit ihr erkennct und mir glauhet und eiusehet, dass ilt;\'h es bin,

Vor mir wurdc kein Gott geschaffen und nach mir wird keiner sein. |

11 Ich, ich bin JalfiVeh und ausser mir ist kein llclfer,

Jü Ich habc es vcrkündet und Ilülfe gebracht,

Ich habe es horen lassen und untcr euch ist nieiits Freindartiges.quot;

13 Und ihr seid meino Zeugen, spricht Jahweh, und ich bin Gott,

Auch vou licute ab bin ich cs, und keiner rettet aus ineiner Hand,

Ich mache es, und wer wird es wenden? j

Caput 44, 24 — 45, 13.

A.

■M Also spricht Jahweh, dein Krlöser und dein Hildner vom Matterleibc an:

Ich bin Jahweh, der Sehöpfer des Alls,

Spanne den llimmel allcin, breite aus die Erde, wer mit mir?

173

1

Kin oigonthilmliclies Strophongebilde bietct C\'ai)itel 44, I —i.\'i (vgl. hebr. Texte, S. 1!!—15): 1 (Uoborscbrift) ^ -j- 7 (r) -j- G -)- 5 -f- (1 -4- ö -f- (i) 7. Statt dor lotzten ft habo ich im hebrai-schen Text 3, aber die Stropho ist wahrsehoinlich in Ilalbüoilon zn nerlogon.

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Jesaia, Cap. 44 iind 45. (Die Appellation).

25 Der vcreitclt die Zeichen der Lügenpropheten mid Wahrsager bethört,

Wcndet die Weisen iiacli rückwüi\'ts und ihr Wissen narrt.

an Der crfiillt das Wort seines Knechtes und den Plan seiner Gesandten vollbringt,

Dor spricht zu Jerusalem: Sie werde bewohnt und zu den Stadten Juda\'s: Sie werden erbaut.1

27 Der spricht zur Wassertiefe: Versiege, und dcine Stroma trockne ich aus,

28 Dor spricht zu Cyrus: Moin Hirt, und all mein Anliegen vollbringt er,

Dass or sage zu Jerusalem: Sic werd\' erbaut, und zmn Tempel: Er worde gegriindet: |

1 Also spricht Jahweh zu seinem Gesalbtcn, zu Cyrus, dessen Rechte ich lialte, Um Völkcr vor ihm niederzutroten, und die Londen der Könige zu ontgiirten,2Zu öffnen vor ihm Thüren, und dass Thore nicht geschlossen werden.

2 Ich gohe vor dir Iior, und llolperiges cbne ich;

Eherne Thüren zerbreche ich und Kiegel von Eisen zerhaue ich.

3 Und ich gebe dir die Schützo der Finstorniss und die Vorrathe der Verborgonheit, Damit du erkennest, dass ich Jahweh dich boiin Namen gorufen, der Gntt Israels,

■1 AVegen meines Knechtes Jakob, und wegen Israels, meiner AuserwUhlten.

Ich riof dich beim Namen, bcnannte dich, du aber kanntest micli nicht.

5 Ich bin Jahweh, kelner woiter, und ausser mir ist kein Gott.3

B.

c Ich gürtete dich und du kanntest micli niciit, damit man erkenne von Sonnen-auf- und Untergang,

Dass Nichts ist ausser mir, ich bin Jahweh, sonst keiner,

7 Dor Licht bildet und Dunkol schafft. Heil stiftet und Unheil schafft,

Ich Jahweh vollbringe all dieses. |

h Traufelt llimmel von obon, und Wolken mogen Gerechtigkeit rioseln,

Es öfFnet sicli Erde und es blüht Heil, und Roclit liisst sic keimen zugleich; Ich Jahweh habe es geschaffen.4 |

» Wehe dom, der hadert mit seinem liildner, cine Scberbe unter irdenen Schorben, Spricht denn Thon zu seinem Bildnor: Was machst du? und sein Work: Du hast ja koine II an de.5 j

i» Wehe dom, dor zum Vater spricht: Was zougst du? und zum Weibc: Was kreissost du?

174

1

Das Foigende: ,Seine Trilmmor richto ich wieder auf schoint. mir spiitoror Zusatz zu sein.

2

Würtlich: Of feu maclien.

3

In der strophischeu Glioderung dioscs Stllckos treffo ich (bei nicht unwesontlichen I )iiV(\'-renzen in Einzolheiten) hier mit Dunsi iiberoin. Ich bctone aber deshalb meinc Unabhiingigkeit, woil dadurcl\', lt;Uo Richtigkcit der Auffassung mehr verbürgt ersciieint. Im Weitereu weiche icli von Duiim stark ab.

4

Dio kurze Strophe entliiilt nicht eine Verkiiudigung, sondern der Imperativ stoht filr don

5

Conditionalis mul das Ganze ist ein Wedingmigssatz: ,Wonu dor llimmel und die Wolken Recht traufoln und dio Erde Heil erblühen liisst, so ist Jahweh der Urhebor all dessen\'.

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Jesaia, Cap. 44 und 45. (Die Appellation).

C.

11 Also spricht Jahweh, der Heilige Israels und sein Hildner;

Was kommen wird über meine Sohno fraget ihr mieh, und fiber das Werk meiner Hiinde bestellet ihr mieh,

I eh habe Erde gemaeht und Mensehen darauf gesehaffen,

Meine IIUndo spannten die Himmel, und all ihr Heer bestelltc ieh.

12 Ieh babe ihn erweekt in Gereehtigkcit, und Jill seine Wege werde ieh ebnen,

Er wird meine Stadt bauen und meine Verbannten hcimsenden.

Nicht um Kaufpreis und nicht tini Geschenk,

Spricht Jahweh der Heerscharen.

Dioso Prophezeiung liber das Auftrcten Cyrus\' ist voll politischer Pointen und sehr geschickt und fcin gegliedert. Jahweh wird gleich anfangs in doppelter Eigenschaft eingoführt, als Erlöser Israels und als Sehöpfer des Alls, der alle in den Himmel gespannt und ohne Genossen die Erde ausgebreitet. Dass hierin schon eine Anspielung auf unci eine Verwahrung gegen don persisehen Dualismus lirgt, die spilter (45, 7) noch scharfer betont wird, scheint mir siclicr zu sein. Darauf deuten aucli die ,Schatzc der Finsterniss\' bin. ,labweb sendet also seinen Gesalbten Cyrus, obgleich ihn dieser nicht erkannt bat. Nachdem dies in vier Strophen von je fiinf Zeilen (44, 24—45, 5) auseinander gesetzt worden ist, nimmt der Prophet das Thema in dein zweiten Abschnitt (45, (! —10) auf, indem er aus dem ersten Tbeil der Rede in einer Art revocatio verhi die Worte herausgreift:

Ich umgürtete dich und du kanntest mich nicht und diese auflallcnde Thatsache erklilrt:

Damit man von Sonnenauf\'gang und Untergang erkenne (dass nichts ist ausser mir).

In einem absteigenden Strophengcbilde (44-3 2 1) wird nun der Ge-danke variirt, dass Jahweh der Sehöpfer mul Bildner des Ails ist, und dass er keiner Rathschlage bedürfc, wie und dureb wen er seinen Willen vollstreeken soil. Die vier Strophen sind in der Massora markirt und dureb Gedanken- und Wortresponsion gekenuzeiehnet. Dieses fa 11 en de Strophengebilde ist ein kleines rhetoriscbes Meisterwerk. Der Gedanke wird immer kürzer und knapper ausge-drüekt und steigt immer mehr von der abstracten Hübe zur eoncreten Wirklich-keit herab.

lm dritten Abschnitt greift der Prophet in zwei kurzen Absiltzen (4 4) auf den Anfang zurlick, sebliesst in dem einen mit dem, was er begonnen, dass Jahweh allein die Himmel gespannt, und in dem zweiten mit der Sendung Cyrus\'.

Vergleicht man diese llede mit Capitcl 41, so wird man leielit linden, dass sic sachlich an Jcne anknüpft. lm ersten Abschnitt wird gewissermassen das Ur-theil, welches in dem berühmten Gottesprocess gefilllt worden ist, promulgirt.

Wie dort im zweiten Abschnitt Israel getröstet und beruhigt wird llber die Folgcn der dureb Cyrus bervorgebraebten Umwandlungen, so wird audi bier in we-nigen knappen Siltzen die Ajjpellation gegen das Urtheil scharf und kurz abge-wiesen, lm Volke muss man gesagt haben: Wenn Cyrus Sieger ist, so bat es nicht Jahweh getban, sondern Auramazda, und dem Propbeten werden auch die Fragcn zu Ohren gekommen sein: Warum bat Jahweh nicht ein anderes Medium gewilblt,

175

ocr page 183

Jesaia, Caput 40.

durch das er wirkte, waruiu luit er einen Bckenner des Dualismus zuin Instrument seines Willens gemacht? Und dieser Perser, wird er das jiiclisehe Reich aueh wieder herstellen? Und wenn er es herstellt, wird or es nicht etwa aus persi-scher Staatsraison thun? Darauf folgt die Antwort in vier kurzen Strophcn, die sich gogen Endo in Form und Sinn immer mehr zuspitzon.

Im dritten Abschnitt wurdo im Capitol 41 die Verliandlung duroligcführt und das Urtheil gof\'iillt, lüer wird nach Abweisung der Appellation das Urthoil in zwei kurzen Strophen zusammengefasst:

Ihr wollt mir vorsehroibon, was und wie ich thun soil. Ich habe Himmol und Erde geschaffen, ich habe Cyrus geschickt, der meine Stadt in un-eigennütziger Weise aufbauen wird. Damit ist der Process in letzter Instanz geschlossen.

Caput 46.

i Niedergesmikou ist Bul, os krümmt sicli Nebo,

Verfallcn sind ilive Götzenbilder dom Wild und den Lastthimm.

Dio ihr zu tragen ptlogt, sind beladen,

Mit ciner Tracht bis zur Erschöpfung.

a G-ekrümmt, niedergesunken sind sie zumal,

Und sie konnten sic nicht retten von der Tracht,

Da sic selbst in die Gcfangschaft wandertcn. j

.1 Höret auf mich Haus Jakobs,

Und aller Ucberrest des Hauses Israel,

Die aufgeladen1 sind vom Muttcricibc an,

Grctragen vom Rluttcrschosse an.

I Und bis in\'s Alter (bin ich cs) und bis in\'s Greiscnaltcr hebe ich,

Ich hab\' es gemacht und ich trage os,

Und ich hebe und rcttc. |

n Wem wollt ihr mich glcich und ahnlich machon und vergleichen, dass ich ühnlich wiire? (gt; Die, welehe schüttcn Gold aus dom Beutcl nml Silber mit dor Wage wilgen.

Dingen einen Goldschmied, dass er ihn zuin Gotte macho, beugen und bückon sich. 7 Sio tragen ihn auf der Schultor, heben ihn und setzen ihn an soiue Stelle,

Und er steht da, von soinem Platze weicht er nicht.

Auch schreit man zu ihm, und or antwortet nicht,

Aus seiner Noth hilft er einem nicht.\'\'

h Bedonket dies und ermannot ouch, führet cs, ihr Abtrünnigcn, zu Ilcrzen. » Gedenkot an das Prilhere aus dor Urzeit,

Denn ich bin Gott und kelner inohr, Gott, und Nichts wie Ich.

i» Der vcrkündet vom Anfang den Ausgang und lm Voraus das, was noch ungeschehen ist.

Der spricht: Mein Rathschluss stoht fest, und all moln Bcgehren vollfiihre Ich. ii Der ruft vom Aufgang einen Stossvogel, aus fernem Land don Mann seines Planes, Wie ich\'s geredet, so brlnge ich\'s, wie ich\'s geplant, so vollfiihre ich es.

1

Oder ,beladoii\' d. h. von uralter Zcit an bestlmint zu leidou und zu tragon.

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Jbsaia, Cai\'. 4().

12 Höret auf midi ilir Hiirtbcrzigun (Stiirrsimiigcn), ilic fern siiul voin Heil,

13 Nnlie gebracht habc ieli meiii Heil, es ist niebt fern, mul meine Ilillfe siiimit nicht,

Und ieh gebe in Zion Hilfe flir Israel, meine Zierde.

Dio strophisclic Gliederung dioscs Stlickes ist burcits iin raassoretischen Tcxtc gegebon, wo dasselbe in filnf Absiltzc gctheilt ist. Icli batte also nur die Zeilen abzuthcilen, wobei icli insbesondere in den ersten zwei Stroplien von oiner geradezn sicli anfdrilngenden Responsion unterstiitzt worden bin. Der Prophet scbildert in der ersten Strophe das Schieksal der Gotzenbilder, woicbe nicht, wie man allgeinein dicse Stelle erkUlrt, auf Lastthiere aufgeladen und fortgeschleppt, sondern ,dein Zertreten des Wildes und dem Dariiberschrciten der Lastthiere\' i)reisgegeben worden sind. Um diese Stelle richtig zu verstellen, dart\' man nicht vergessen, dass Deuterojesaia in Babylon gelebt und geweissagt bat, und dass er sehr wohl wusste, was ,lilndlich, sittlich\' ist. Der Branch, die öötterbilder des besiegten Feindes an eine Stelle zu werfen, wo das Wild darüber springen und sie verun-reinigen kann, und in eine Fahrstrasse zu versenken, damit alle Lastthiere und Lastwagen darüber schreiten und ziehen, ist sehr alt und kann aus der Keilschrift-literatur belegt werden. So heisst es auf dem Monolith Assurnasirpal\'s:

»S\'(t . . . sal-ma Su-a-tu . . (sü) ina i-pi-ri i-ka-bi-ru-m \'ma mali (quot;O) iSarap-Su i-na mi i-na-du-iu a-na (lil) lci-hi-is u-ma-mi u mi-ti-ik (02) hu-u-li i-sa-ak-kan-su . . .

Wer . . . jenes Kild .... (so) in die Krde vergrabt, in Peuer (co) verbrennt, In\'s Wasser versenkt, ((gt;11 dem Treten der Tbiere und Darübcrschreiten (ca) des Wildes (ViebesV) aussetzt . . .

Eine Nachbildung dieser Stelle habc ich in den Inschriften von Van naclig\'cwiesen, wo dicse Phrase: ina sari dzdi ,den Thieren preisgibf lautet.

In gleicher VVeise findet sich auf der Hadad-Stele, Vers \'27, aus Scnd jirli (circa 800 v. Chr.) folgende Stelle:

ik n-n a iotn -iiPia ix n-n -i -in ib\'KS nn»

[Oder durch seine Macht] wird er befehlen (das Denkmal) üii zerstoren an dem Orte der llöhle eines wilden Tbieres odor an einem Orte, wo man wilde Tbiere zalnnt odcr an einem Orte ....

Den gleichen Gedanken bringt nun auch Jcsaia hier zum Ausdruck. Er spi(ïl( mit dem Worte o-Dlisy, welches sowohl geladen\' als ^aufgeladen\' heissen kann. Vergleicbt man Zeile 3—4 in beiden Strophen und beaebtet, wie fernliegend und gesucht die Parallele zu Strophe 1 ist, so wird man umso sicherer erkennen, dass hier ein dichterischcr Zwang vorliegt.

Strophe 111, Zeile 4 correspondirt mit 1, 4 und 11, 4 durch das Wort tragen. Im Gcgensatze zu dieser deutlichen und grobkernigeu Responsion spinnt sich zwischen 111, B—7 und iv, 5—-7 ein feiner Paden hiuliber und herüber, der uur dem geschilrften Auge sichtbar ist:

ill, 6: [Der Götze] stebt da, von seinem Platze weicht cr nicht,

iv, 5: Jahweh spriebt: Mein Plan steht fest und all mcin Uegehren erfillle ich.

Jonen ruft man an und er antwortet nicht (weil er nicht hort), Jahweh ruft den Mann seines Rathschlusses aus fernem Lande und findet Gehor. Joner kann in

D. II. Müllor. Dio Prophoton. 12

177

ocr page 185

Jesaia, Cap. 47.

der Notli nicht retten, Jahweh verkündet Hilfe und bringt sie. Was liier an Gre-dankenscharfe fehlt, ersetzt die Assonanz.

Die kurze Endstropho correspondirt durcii ,hüret\' mit Strophe n und durcli ,IIiife\' in der letzten Zeile mit m, 7 und iv, 7.

Wenn daher Duhm aus diesem streng stropbisch gegliederten und durch die eigenartigste Responsion zusammengelialtenen Stilcke die Verse 6—8 mit kritischer Zange als einc ,fremdartige Einschaltung\' iierausreissen müclite, so iiat cr die Rechnung oline den Dichter gemacht, der durch die Kunstformen sein literarisches Eigenthum gegeu den klüger sein wollenden Kritiker geschlitzt hat.

Caput 47.

1 Steig\' herab und setzc dicli in den Staub, Jungfrau, Tochter Kabels!

Setze dich zur Erde, oline Thron, Tochter der Chaldüer!

Denn nicht wird man fürderhin dieli nonnen: Zarte und Verwcicldichte.

2 Nimm die Mülile und malde Meld,

]gt;eck\' auf deinen Schleier, heb\' anf die Sehleppe,

Deck\' auf das Bein, durchschreite Ströme.

3 Aufgedeckt werden soil deine lilüsse, aueh gesehen worden deinc Sehmaoh,

Rache will icli nohmon und keinen Fürbittor verlassen. !

•t Unser Erlösor, Jahweh dor Heorseharon genannt, ist der Heilige Israels.

5 Sotze dich schwoigend hin und goh\' ins Finstero, Tochter dor Chalditer,

Denn nicht wird man fiirdorhin dich nonnen: Pflrstin der lleiche.

o Ich zürntc auf niein Volk, entwoihte meinen Besitz und gab sic in deine Hand; Du schenktcst ihm kein Mitleid, auf den Greis legtest du schwcr dein Joch.

7 Und du dachtost: Auf owig worde ich Fürstin sein,

So dass du dieses nicht dir zu Herzen nahmost.

Nicht bedacht bast dessen Endc. |

8 Und nun höro dies, Wonnigo, sicher Thrononde,

])ie in ihrem Herzen spricht: Ich und koine mohr.

Nicht worde ich sitzen als Witwe, nicht kennen Kinderlosigkeit.

ii Nun überkomincn dich diose zwei plötzlich an Eincm Tage,

Kinderlosigkeit und Witthuin in vollem Masse überkoinmon dich,

Trotz dor Monge deiner Zaubcreion, trotz dor Fiille deiner Bannsprüche,

10 Und du fühltcst dich sicher in deiner Bosheit, dachtost: Niemand sicht inieh.\'

Deine Weishoit und dein Wissen haben dich verführt,

Und du dachtcst in deinem Horzen: Ich und koine inchr.

11 Nun überkommt dich Unheil, das du nicht verstehst wogzuzaubern,

Und fiillt auf dich Verderbon, das du nicht vermagst zu sühnen,

Und überkommt dich plötzlich Vcrwüstung, die du nicht kennst.

12 Tritt doch hin mit deinen Bannsprüchon und der Monge deiner /aubereicn, Womit du dich abgeinüht von deiner Jugond auf,

Vielleicht kannst du holfen, vielloicht schroekst du.

1 Ich miichte lieber quot;W3 für quot;nri: lescn und übersetzen: ,Und du t\'lihltcst dich sicher durch doin Wissen, dachtost: Niemand durchschaut micli\', was mit dor ersten Zeile der folgemlen Strophe eine solir hübsche Concatenatid ergibt.

178

ocr page 186

Jesaia, Cap. 47 und 41).

is ]gt;u bist crmüdot (lurch deine vielen Ratlischlügo, es mogen lierantrcten und div helfcn Dio Hinimclzcrleger, die uaeli den Sternen selmuen,

Die alle Neumonde vcrkiinden, was dich übcrkommt.

M Sielie, sie sind wie Stoppeln, die Feuer verbrannt liat,

Sie retten ihr (eigenes) Lebon nieht aus der Gowalt der Flainme;

Keine Kohle sieb zu wiinnen, kein Feuer davor zu sitzcn.

irgt; Also sind dir die, mit dencn du dieb abmülitost, deinc Handler von Jngcnd auf, Jeder naeh seiner Seite hin irrto ab, kelner will dir helfon.

Ein Triumphlicd auf den Fall Biibcls. Die Gutter sind gestlirzt, nun briclit auch das Rcieh zusammen. Der Strophenbau hat folgende Form: 8 « 7 8 ,s, von dencn die beiden ersten Stropben in dem inassoretisehen Text markirt sind.

Die moisten Commentatoren, darunter so vorsiebtige und besonnene wie Cheyne und Dillmann, streichen Vers 4 (cl. i. Strophe n, l) als spiltern Einschub, und zerstören dadurch die deutliebe Responsion zwisehen j, 2—3 und n, 2—3.

In Bezug auf die Abtheilung der letzten drei Stropben leiteten mieb, abge-seben von den gedankliclien Ivücksichten, die seliarf ausgeprilgten Kunstformen. Stropbe ui ist als Einheit dureli cine Art Inelusio, welclie das Wort jSicber\' in Z. 1 und 7 bildet, gekennzeiebuet. In gleieber Weise wird Strophe v dureh ,dir helfen\' am Anfang und Ende als Einheit markirt. Die mittlere von beiden Seitou abgegrenzte Strophe jv wird nach oben dureh ,Wissen\' (naeh ineiner Lesart) ver-kettet. Dass die Eintheilung eine riehtige ist, beweisen die nun auftauchendeu Responsionen, die kettenartig die letzten drei Stropben durehseblingen: ui, 2: Die in iliroin llcrzen sprielit; leh und keine inehr,

iv, 2: Und du spricdist in deinem Horzen: leb und keine mchr.

Mit in, 4—5 eorrespondiren in Sinn und Wort iv, 3—5, dann

ui, 6; Trotz der Mengo deiner Zaubereicn, trotz der Fülle deiner liannsprüelio, iv, G: Tritt doch bin init deinen Bannspriieben und der Menge deinor Zaubcreicn, 7: Womit du dieb abmübtost von deiner Jugend auf\'.

V, 7: Also sind dir diejenigen, mit dencn du dieb abmübtost, dio dieb betbört

von deinor Jugend auf.

Die Capitel 40 und 47, die sieh beide mit dem Fall Babel\'s beschilftigten, zeigen, dass der Diehter die babylonisehen Verlülltnissc genau kannte. Wie er sieh im ersten Capitel über die Götzen lustig macht, so verspottet er im zweiten die Zaubereien und Bannsprüebe, weleho das gauze Lebeu in Babyion beherrschteu.1Aueh die Himmelszerleger und Kalendermacher, die monatlieh die Constellationen und die glückliehen und ungllicklichen Tage verzeiehneten, waren dem I\'ropheten bekannt.

Caput 49.

Dieses Capitel ist strophisch gegliedert in den hebriiischen Texten initgetheilt und zeigt ein eigenthüinliehes Gebilde, das ieh hier übersiehtlieh darstelle: A i (V. 1—4) 7; A a (V. 5-—ü) (i; A in (V. 7) 5 = 7 6 5 B i (V. 8—9) G; B u (V. 10) (5; B in (V. 12—13) 7 = G G • ■ 7

17il

12*

1

Sebr belobrondu Uoispiule liudet man in dem troflliclion Werke Kni t L. Tai.i.vi ist\'s, Die Asnyrische Jieschivürnnf/sseric Afu 7 lit.

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Jbsaia, Cap. 50.

C i (V. 14—18) G; C ii (V. 18—20) G; C m (V. 2l)7=6 G 7 1) i (V. 22 — 23) G; I) n (V. 24—2G) 7 —0 7

Da jedocli Kunstfbrmen fehlon, so lialte icli clic Gliederiing fllr nicht genü-gencl gesichert.

Caput 50.

■i Dor Hcrr Jahweh gab mir die Ziingo der Goübten,1Dass ich wciss zn liclfon dem Müden durcli das Wort.

Er wcickt allmorgentlich —

Weckt mir das Ohr y.w höreu wie die Geübten.

r. Der Herr Jahweh öffnete mir das Ohr,

ünd ich widerstrebte nicht, wich nicht zuriick.

(! Meinen Rücken gab ich preis den Schlagenden, meine Hacken den Ranfenden,

Mein Gesicht entzog icli nicht der Schande und dem Speichel.

7 Und der Herr Jahweh hilft mir, darum worde icli nicht zn Schanden,

Darum machte ich mein Gesicht wie Kiesel nnd wciss, dass ich nicht beschamt werde. k Nalie ist mein Rcchtsanwalt, wer liadert mit mir? lasst uns einander gegciiUberstehen! Wcr ist mein Rechtsgegner, er trcte her zn mir.

!gt; Siehe, der Herr Jahweh hilft mir,

Wer will mich schuldig sprechen?

Siehe, sie alle werden wie ein Gewand zerfallon,

Die Motte wird sic verzchren. j

10 Wer unter euch fürchtet Jahweh, hort auf die Stimmo sciues Kneehtes,

Der Pinsterniss durchwaudelt und keinen Lichtstrahl hat.

Dor vertraue auf den Namen Jahweh\'s und stütze sich auf seinen Gott!

11 Siehe, ihr Alle seid Feueranzünder, bewehrt mit Fackelu,

So wandelt im Lichte eueres Feuers und init den Fackcln, die ihr angezündct.

Von mir ward euch dies, auf Schmerzenslagcr sollt ihr liegen. |

Das kleine Capitel 50 entliiilt drei Fragmente, die inhaltlich kaum mit einander zusammeniiiingen. Icli habe dieselben, strophisch gegliedert, in den hebrilischen Texten ganz mitgetlieilt, sie Ijieten folgenden Strophenhau:

1. Fragment (V. 1—3) hat zwei Strophen 5 5

2. Fragment (V. 4—9) bat vier Strophen 4 4 4 4

3. Fragment (V. 10—11) bat zwei Strophen 3 3

Die absteigende Scala (5 4 3) mag der ilussere Grund gewesen sein, warum die drei Fragmente zusammengestellt warden. Indessen ist die strophisclie Gliederiing des ersten Fragments, da allo Kunstformen feblen, nieht genügend gesichert. Dagegen bietet das zweite Stiick ein kunstvoll gegliedertes Lied, das ich ,der Herr Jahweh\' überschrciben möchte.

180

Alle vier Strophen beginnen ,der Herr Jahweh\', die zwei letzten stimmen noch genauer überein, indem in beiden die erste Zeile ,der Herr Jahweh hilft

1

D, h. eiiie geiibte Zuiigo

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Jesaia, Cap. 50 und 51.

mir\' lautet. Neben fliosoj\' Responsion finclct sicli cinc eigcntluimliche Concatenatio, wclchc in ciner Art Klimax lt;lio Strophcn mit cinandcr verkcttct. Zwisclicn der drittoii und viortcn Strophe ist in gleiciier Weise eiue Gcdankcnvcrkettung vor-handen. Ausserdem ist eine Abart der Inelusio in der ersten Strophe zu beachten.\'

In dem kleinen, echt diehterisehen Schiussfragment respondiron die beiden Strophen mit grösserer odcr geringerer Deutliehkcit Zcile für Zeile auf einander: Der Gottesfureht und dem Gehorsam gogen die Proplieten entsprielit antithetisch das sicli selbst Feueranzünden1 und die Bewehrung mit den Fackeln. Der Finstcrniss und dem Mangel des Lichtes dor zweiten Zeile entsprielit das Licht des selbst angezündeten Feuers und der Fackeln. In der je letzten Zeile ist die Responsion leise, aber doch immer für ein gescliilrftes Augc erkennbar angedeutet.

Caput 51, 1—11.

1 Höret auf inicli, die ilir dor Gerochtigkcit nachjagct, Jahwoli suclict,

Blickct zum Pels, wo ihr gcliaucn, mul zur Grubonliölilung, wo ihr gebolirt wurdet.

2 Blickct auf curcu Vater Abraliam und auf Sarah, die eucli geboren;

Dcnu als Eincn beriof ich ihn und segneto und inehrte ibn.

:i Dcnu os tröstote Jahweh Zion, tröstcto all seine Triiminer,

Und verwandelte seine Wils to zu Eden und seine Steppe in den Garten Jahweh\'s, Wonne und Froude findet sich darin, Lob und Liedcsklang. |

i Market auf mieh mein Volk, und meine Nation horchet auf mich,

Deun Weisung gelit von mir aus, und inoin Recht als Völkerlicht stelle ich bin. Nahe ist mein Sieg, meine llülfe kornuit bervor, und meine Arnio richten Vülker, Auf mich boffen Eilaudo und auf meine Arme (Macht) harren sie.

(i 1\'lrbebet euro Augen zum Himmel und blickct auf die Erde unton;

Dcnu die Himmel zorstieben wie Rauch, die Erdo zerfiilit wie Gewand und

ihre Bewohner sterbon wie Miickon,

Meine Hilfo aber dauort ewig und meine Gorocbtigkoit hört nioht auf. j

7 Hörot auf mich, die ihr Gerochtigkeit kennot.

Volk, in dessen Hcrzen meine Weisung ist,

181

1

dor gemeinscbaftlicben Feuorstiitte. Wor sich selbst Feuer anzilndet, weist dio Gemoinscbaft mul dio fremdo Hilfo ah und vortrant auf sich selbst.

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Jksaia, Cap. 51.

Pürclitct cucli nicht vor den Schmithungcn der Menschcn,

Und vor ihren Liisterungen znget nicht.

8 Denu wie Gewand frisst sic die Motte,

Und wie Wollc frisst sie die Schubc,

Meine Gerechtigkeit abcr dauert ewig und meine Hülfe für und für. |

li Rege dich, rege dich, wappne dicli mit Kraft, Ann Jahweh\'s,

liege dich, wie in den Tagen der Urzeit, der Geschlechter der Urzeit.

15ist du es nicht, der Rahab niederhaut, das Sceungeheuer durchbohrtV J5ist du ea nicht, der austrocknet das Meer, das Wasser der grossen TiefeV Der Mcercstiefen macht zuin Weg, dainit durclizieben Erlöste,

Und Jahweh\'s Losgekaufte kehren zurück und kommen nach Zion in Jubel, ewige

Preude über ihrem Ilaupt,

Wonne und Preude crrcichcn sie, es scliwinden Kuminer und Seufzer. j

,Ein sclnvungvolles unci iiboraus herrliches Gedicht von der nalien ewigen Rettung Jahweh\'s und dor Aushrcitung seiner Iferrschaft über die Welt\'1 in vier Strophon zu je siebcn Langverscn, nur Strophe in hesteht, ahgeschen vom Refrain, aus Halbversen, ein AVeehsel, wie er bei Deuterojesaia üfters vorkommt. Die stro-phiseho Gliederung ist im massoretischen Text markirt und dureh Kehrverse go-siehert, und zwar correspondiren die Keiirverse i, 7 mit iv, 7 und n, 7 mit m, 7. Ausserdem bietct die je erste Zeile der zwei ersten Strophen eine sehr doutliche Responsion, nicht minder correspondirt die dritte Strophe in der ersten Zeile mit i; 1 und ii, 1 und in der zweiten mit n, 2, wodurch aucli die mit Absicht ge-wablten Halbzeilen gesichert erscheinen.

Ferner ist die eigcntluunlichstc Responsion in der je seehsten Zcilu zu beachten.

I, li: Verwandelte seine Wüste zu Kden und seine Steppe in den Garten Jahweh\'s. li, (gt;; Denn die llimmcl zerstieben wie Rauch und die Erde zcrfallt wie Gewand, ui, 5/6: Denn wie Gewand frisst sie die Motto, und wie Wolle frisst sie die Schabe.

AVie sehon die iihnlichen Kehrverse andeutcn, correspondiren Strophe i und iv mit einander. Die Correspondenz zeigt sicli auch auf eine selir merkwürdigc Wcise in dem Gebrauch von zwei Wörtern in beiden Strophen, die gleich klingen, aber zum Theil wenigstens von versehiedener Wurzel sind und ganz andere Bedeu-tungen haben. Den Wörtern hasah und Lolal in i, 2—3 entsprcchcn dieselben Wörter in iv, 3, wilhrend abcr hamh an erstcr Stelle ,aushaucn\' (aus dem Felsen) bedeutet, ist das Wort an zweiter Stelle in der Bedeutung ,niedcrhauen\', ,niedcr-sclilagen\' im Iliphil nur an dieser Stelle nachwcisbar, so dass die Commentarc es zu corrigiren versuchten. Das Wort ist jetzt durch die Responsion gesichert, wir wissen aber den Grund, warum es der Dichter gewahlt. Das Gleiche ist der Fall mit holal, welches an erster Stelle ,gebaren\' (Wurzel S\'n) und an zweiter Stelle ,durchbohren\' (Wurzel hbn) bodcutet.2

182

1

Worto Duiim\'s, denen ich beistimmen kann. Alios Uebrige, was dersolbo über die Form und den Zusammenliang dieser Verse sagt, muss icli ablehnen.

2

Vio\'deicht ist auch noch harab ,Trilinmer\' (i. 5) und havah ,austrocknen\' (iv, 4) iu dieselbe Kategorie zu stellen.

ocr page 190

Jksaia, Cap. 51 iind 52.

Caput 51, 17-52, 12.

A.

17 Erwachc, crwaclic, steli\' auf Jerusalem,

Die du trankost aus der Hand Jahwch\'s den Hcchcr seines Grimincs, Den Kelch des Taumelbechers trankost du, seliliirftest du.

is Kciner fiihrt sie von iillen Kindern, die sic geboren,

Und keiner sttitzt ihren Ann von alien Kindern, die sic grossgezogen.

in Heides hat dieh getroffen — wer klagt um dicli?

Verlieerung und Zerstörung und Hunger und Schwcrt —- wer tröstet dicli? 20 Deine Kinder liegen ohnmilclitig an allen Strasïêneckon, wie der Wildochs im Netz,

Sie sind vol! vom Griinmc Jahwch\'s, vom Drohen dcines Gottcs.

\'-\'i Darum höre doch dies. Anno und Trunkene, doch nicht vom Wcin. |

■J2 Also spricht dein Herr Jahweh, denn dcin Gott nimmt sich seines Volkes an:

Sielie, genommcn habc ieh aus dciner Hand den Taumclbecher,

Den Kelch des Bechers meines Grimmcs wirst du nicht mehr trinken. 23 Und geben werde icli ihn in die Hand dciner Quiilcr, die zu dir sprachcn: Ducko dich, dass wir dariiber gehen,

Und mache wie den Boden deinen Rücken und wie die Strassc fiir den Wanderer, j

i Wache auf, wachc auf, lege an deinc Pracht, Zion!

Kleide dich in die Gewander dciner Hcrrlichkeit, heilige Stadt Jerusalem!

Denn nicht mehr wird in dich kommen Unbeschnittencs und Unrcines. a Entschüttle dich des Staubes, erhebe dich, sctze dich Jerusalem!

Entlcdige dich der Fesseln deines liaises, Gcfangene, Tochtcr Zions!

B.

:) Denn also spricht der Herr Jahweh; Unisonst scid ihr verkauft, und ohnc Geld wcrdet ihr losgekauft werden, j

i Denn also spricht der Herr Jahweh: Nach Aegyptcn zog mcin Volk zuerst hinab,

um dort zu wcilen,

Und Assur hat es um Nichts (olmo jeglichen Grund) vergcwaltigt. I

s Und nun, was babe ieh bier, spricht Jahweh, da fortgenommen ist mcin Volk uin-sonstV

Seine llerrscbcr klagen, spricht Jahweh, und bestiindig, allzeit ist mcin Name vcrlastert. « Darum soil mcin Volk erkennen meinen Namen, darum an jenem Tage (erkennen), dass ich cs bin, der spricht. j

C.

7 Wie licblich sind auf den Bergen die Tritte des Vcrkiinders, des Friedonsboten, Des Glückvcrkündcrs, des Heilsboten, der spricht zu /ion: Ks regiert dein Gott. s Horch, deine Wiichter erheben die Stiinme, jauehzen allsammt,

Denn Aug\' an Aug\' sehen sic, wie Jahweh zuriickkchrt nach Zion.

ii Brechct in Frcude aus, jubelt allzuinal, \'rriimmer Jerusalems!

Dcuu getröstet hat Jahweh sein Volk, erlüst Jerusalem.

io Entblösst hat Jahweh seinen heiligen Ann vor den Augen aller Völker,

Und cs sahen alle Enden der Erde die Hülfc unseres Gottes. i

183

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184 .JilSAlAj Cai». »2 UNI) 53.

11 Wuiclict, weichet, ziehot tuis von dort, Unreincs bcrührt nicht!

Ziohet mts aus seiner Mittu, reinigot cuch, ihr Tritger der Gcrittlio Jahwcli\'s!

12 Donn nicht in Eile sollt ihr auszichun nnd in Plucht niclit davongchon,

Denn vor cuch gcht Jahweh, nnd euren Zug bcschlicsst der Gott Israels. |

Die Glicclerung des orston Abschnittes ist meistens clurch die Massora ge-goben unci viclfach clureh Kunstformen inarkirt. A i und n bildet genau genommon einc Zwillingsstroplie, da die gedanklicho Scheidung niclit scharf gemtg ist. Dies crklitrt atteh, warttm die llassora liier keinen Absatz niaebt. Dio Doppelstrophe ist aber dureli eine eigcntluiniliclie Inelitsio eingefasst.

i, 1 2; Erwache, erwaehe, stehc auf Jerusalem, die du t rank est ctc.

II, 5; Drum hörc dies. Arme und Trunkene, doch nicht vom Wein.

Die Ivesponsion zwisclien i, 2—3 nnd iv, 2—3 ist so in die Augen fallend, dass weiter darauf niclit liingewiesen zu werden braneht. Ebenso dcutlich ist die Responsion zwisclien i, 1 nnd iv, 1. Dagegou bemerkt imr ein geseliiirftcs Augc die Entsprechnng in in, 3—4 nnd iv, 3—4 (,nicht melir\' in beiden und ,ducke dich\' und ,crbcbc dieli\').

Der zweite Absclniitt ist ein steigendes Strophongobilde 1-1-2 3 nnd ist schon in der Massora durch At)s:itze gekennzeiclniet.

Der dritte Absclniitt bat drei Vierzeiler. Dor Strophcnbau des ganzen bc-sprocbenen Stückcs gcstaltet sicli deinnach folgendermassen:

A (V. 17—a) 5 5 5 5 ]} (V. 3—6) 1 2 3 C (V. 7—12) 4 4 4 Das Ganzo ergibt also dio Scala: 1 2 3 4 5.

Caput 52, 13 — 53, 12,

ia Seht, nicin Knecht wird einsichtig sein,

I\'\'.r wird erliaben, hoch und ragend sein.

n Wie Vide sieli vor ihm entsctzten,

(So cntstellt, nicht mehr nienschlich war sein Anssehcu, Und seine Gestalt menschenunahnlich),

is So wird er vielc Völker aufspringen niachcn.

Könige werden vor ihm ihren Rlund schlicssen,

Denn sic werden sehen, was ihnen nicht erziihlt worden, Und Unerhörtcs werden sic vernehmen.

i Wcr glaubte unsercr Kunde,

Und der Arm Jahweh\'s — wem wurde er offcnhiirV - Er sproaste auf\' vor ihm wie ein Reis,

AVic cine Wnrzel aus trockenem Boden.

Er liattc weder Gestalt noch Schönheit,

Kein Ausselien das wir anblicken, das uns gefallcn niochte. Er war verachtet, genlieden von den Leuten, Ein Selimerzensmann, mit der Krankheit vertraut,

Wie eincr, vor dein man den Bliek abwendet.

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y .\' -

Jbsaia, (JAI1. 52 UND 53.

Vei-iiclitet war er vou uns, geringgoacliittzt,

IJml doch win- es unscrc Kranklicit, die er trug,

Und unserc Schinerzen, die er nuf sieli lud.

Und wir wiilmtcn, er sei gestraft,

Vou Gott geschlageu und gedemiitliigt.

Er war aber durelibolirt wegen unserer Sünden,

Zennalmt wegen unserer Misaetliateu,

I\'.r ertrug die Züclitigung zu nnserem Ileile,

Und clurcli seine Striemen war uns Gencsung.

Wir alle irrten uinlier wie Seliafc,

Jeder ging seinen eigenen Weg,

Und ihn liuss Jaliweli trett\'en,

Unser Aller Seliuld.

Missiiandelt und unterdriickt.

Er öH\'uote don Muud nicht,

Gloich dein Lamme, das zur Schlachtbank gelïihrt wird,

185

Glcich dein Muttcrschafo, das stehon bieibt vor seinen Seherei Oeffnete er don Muud nicht:.

Infolge von Zur ü c k

und Gericht wurde er weggorall\'t.

Wer uuter seinen Zoitgenossen dachte wohl,

1 )ass er aus dein Eandc der Lebenden entrissen sci,

Für unsero Schuld ihn der Schlag getrort\'cn liabeV

Soiu Grab gab man ihm bei den Gottloscn,

Und bei Uebelthilteru den l\'odteu,quot;

Obgleich er keinon Frevel bogangen,

Und kein Trug in seinem Munde war,

Nur Jahweh bat os gefallen ihn zu schhigon init Rrankheit.

Wenn eiusctzen wiirdo ein Schuldoffer seine Socle,

So wird er Samen solieu, lange lebon,

Und Jahweh\'s Work wird in seiner Hand golingen.

Die Friichte seiner Miihsal wird or sclion sich daran siitdgen,

Durch soino Erkenntniss wird moin Knecht Vielen lieclit verschalïcn,

Uud ihre Schuld wird er anf sich nelnncn.

i-\' Darum gebe ich ihm Theil uuter den Grossen,

Mit den Jlachtigen wird er Heuto thoilen,

Dafiir, dass er soiu Lobou iu den Tod gegeben,

Und den Siludern beigozablt wurde,

Da er doch nur die Vorgeheu der Violen büsste,

Und für die Schuldigen eiutrat.

Ohne micli wcitcr auf den Verfassov und den lulialt des Stllckes einzulassen, versnelite ieli liier mil geringen vVenderung\'on in der überlieferton Verseintheilung das beridnnte Stüek strophiseh zu gliedern. licsponsion felilt ganz, dagegen linden sieli Spuren dor Coneatenatio und sind die Verse wie in den spateren Seliriften

1

D. h. Schweigsamkeit (quot;ïv ini Sinne vou -sy).

ocr page 193

Jksaia, Cap. 55.

glcichmttssig gcbaut. Zu bcachton ist die scliarfc gcdanklichc Einheit von Strophe m, wo der Dichtcr mit uns imd unser oin oigentlüimliches antithctisches Spiel treibt, und von Strophe iv, wo das Glcichniss von den Sehafen die ganze Strophe ausfilllt.

Caput 55.

i Ha, alle Durstigcn, gclit zum Wasser, [und alle Ifungrigou zmn Essen],

Und wei\' koin Gelil hat, gehot, kaufet und osset,

Geliet, kaufet Kom olme Geld und oline Kaufpveis Wcin und Miloli!

•J Warum witget ihr Silbei\' fiir kein li rod und (goht liin) eure Mülic fur Niclitsüttigcndes V Ilüret uur auf mich und esset Outcs, und os vergnüge sich an Fett eure Seele.

3 Nolget euer Olir und kommet zu niir, liöret und es lobe auf eure Seele, Und ieh sehliesse mit euch owigen Bund, die dauernden Gnaden Davids.

l Zum Zeugen von Nationen machte ioh ilin, zum Fürsten und Gobieter der Nationen.

r. Kin Volk, das du nicht kennst, rufst du —■ aber ein Volk, das dich kennt, oilt zu dir, Jalnveh\'s wogen, doines Gottos, und des Heiligen Israels wogen, der dioh verherrlicht. |

igt; Suchet Jahweh, da er sich linden liisst, rufot ihn, da er nahe ist!

7 Ks verlasse der Frovler seinen Weg und der Mann des Trugos seine Pliino,

Und bokohre sich zu Jahweh, dass er sich seiner orharme und zu unserem Gotto, deun er vergibt viel;

8 Denn meine Pliine sind nicht euro Plane und euro Wege sind niclit moine Wege,

spricht Jahweh.

\'.i Donn wie sicb erliebt dor Himmel über der Erde, so erheben sich moine Wege iiber ouron Wegen und meine Gedankcn über euron Godanken.

10 Donu wie niedorsteigt Regen und Schnee vom Himmel und dahin nicht zurückkebrt. Er habo denn getriinkt die Erde und sie gobiiron und sprossen lassen,

Und gogoben Samen dom Siieinann und Hrod dom Essenden,

11 So ist mein Wort, das ausgeht aus meinein Mundo, nicht kehrt es loer zu mir zurück. Es habc donn gothan, was ich wollte, und vollbracht, wozu icb es sandte.

il\' Denn in Froudcn ziebt ihr aus, und in Fricdeu wordet ihr geloitet,

Dio Berge und die Hiigol brochon aus vor euch in Jauchzon,

Und alle Biinine des Foldos klatschen in die Hando.

i.\'i Statt Dorncngcstrüpp wiichst Cyjirosse, statt Ncsselu wiichst Myrthe,

Und es wird worden Jahweh zum Namen, zum owigen Zeicben, das nicht getilgt wird.

Dlese Rede zerfallt in zwei Abschnitte, die in dein massoretiselien Texte markirt sind. Der erste Abselmitt hat zwei gleiche Strophen, die mit einander durch Coneatenatio verkettet sind. Sülrker als die künstliehe Verkettung verbindet dieselben eine zarte Rcs})onsion, eine Kesjionsion, wie sie zwiselien Gleichniss und Deutung besteht. In der ersten Strophe werden die Durstigen und llungrigen auf-gefordert ibren ünrst zu stillen und sieli zu silttigen, nieht nnr an der friscben Wasserquelle und den Baumfriiehten, die Alle oline Untersehied einladen, sondern sich zn laben an AVein und Honig und ihren Hunger zu stillen durch silttigendes

ocr page 194

jesaia, Cap. 55 unu 5(5.

Korn, unci dies ohne Silbcr und olinc Kanfprcis. So das Hild in der ersten Strophe, die Deutung entliiilt die zwcitc: Ilöret anf Jaliwch und seldicssot cueli dem Hausc Davids an und jaget nielit fremdon Güttern und Herrschern nach. Deranacli cor-respondiren die zwei Zeilen mit einander:

l, -l: Warum witget ihr Sillier für kein Brod und (gebt liin) euro Müho für Nichtsiittigendes. li, 5: Siohc, manches Volk, das du nicht kennst, i\'ufst du —■ abcr manches Volk, das dich nicht kennt, cilt zu dir.

Der zweite Absehnitt theilt sieli sinngemilss in drei Strophen, von denen die beiden ersten durch parallele und antithetisclie Coneatenatio verblinden sind. Eigen-artig sind die gestreekten Langverse der ersten zwei Strophen, die eine strenge Gedankenrhythmik zeigen. Der Sehlussvers der dritten Strophe respondirt auf den Sclilussvers der zweiten Strophe des nachtblgcnden Capitels.

Caput 56.

1 Also spricht Jahweh: Wahrct Recht und übet Gcrechtigkeit,

Demi uahe ist mcin Heil zu kommen und moiiu\'. Gcrechtigkeit sich zu otlcnbarcn.

2 1 Ï(ïiI dein ifenselicn, der das thut, und dem Menschcnkind, das daran festhiilt, Wahrend den Rubctag, ihn nicht zu entwcihen und wahrend seine Hand, nichts

Böses xn tluni.

3 Und nicht sprechc dor Fremdling, dor sich Jahweh auschliesst, also;

Ausscheiden wird niich gewiss Jahweh aus seincin Voike,

Und nicht sago der Verschnitteno: Siehe, ich bin eiu diirror liauni.

i Donn also spricht Jahweh zu den Vcrschnitteneu,

Welche meino Rulictage wahren,

Und wiihlcn was ich will, und festhalten an meinem Bunde:

■ï Geben will ich ihneu in nicincin llauso und in meinen Mauern,

Denkmal und Xamon, besser ills Söhno und Töchter,

Kwigeu Namen will ich ihnen geb(!n, dor nicht ausgetilgt wird. |

Und die Frcmdlinge, die sioh Jahweh auschliessen, ihm zu dienen,

Und seinen Namen zu licben, ihm Knechte zu sein.

Alle die wahren den Ruhetag, ihn nicht zu entweiheu, und festhalten au meinem Bunde:

7 Kringen will ich sie zu meinem heiligen Berge und crf\'rcuen sic. in meinem Bethause, Thrc ganzen Schlacbtopfer sind zum Wohlgefallcn auf meinem Altare,

Deun mcin Haus wird cin Bethaus hcissen für alle Vulker.

8 Der Spruch des Iferru Jiihweh, welchcr die Versprcngten Israels sammelt, ist:

Noch worde ich vorsamineln zu ilun, mdien seinen Versammelten.

\'■gt; [Koinmot zu ossen| alle Thiere des Feldcs,

Koinmet zu essen idle Thiere des Waldes!

ui Seine Wachter, blind sind sie alle, kennen nicht (Waohsainkeit),

Allo sind sie stunune lluude, köuucn nicht bellen.

I raumend liegen sie da, licben zu schlunnnern.

187

ocr page 195

Jesaia, Cap. 5(5.

li Und die Ilunde .sind voll inUchtiger Oier, kenncu nicht Siittigung.

Und sie, die Uirten, kennen nicht aut\'mcrkon,

Sie alle wandten sich ihrein Wcge, jeder seineni Vortheile zu.

i-\' Komniet, wir wollen Wein holen und Kauschtrank zechen,

Es soil wie dieser, der inorgige Tag sein, hoch überaus schr. |

Von Capitcl 56 ab liisst Duhm anstatt des Donterojesaia einen Tritqjcsaia auf-trctcn. Es ist hier nicht der Ort, die Frago nach dom Verfasser dieses Sfückes zu crürtern, dies fordert eine Untersuehiuig\', welche weit über den Rahmen dieser Arbeit liinausgTeifen wllrde. Ich kann aber die Bemerkung nicht unterdrucken, dass nach meinem Stylgefuhl die beiden Stlieke (Cap. 55 und 56, 1—8) von dem-solben Verfasser herzurüliren selioinen, worauf audi die Rcsponsion zwischon der letzton Zcile von Capitel 55 und Strophe ii, 6 des folgenden Capitels deutlich binweist. Die Zerlcgung dor ersten Hillfte von Capitel 50 in drci Strophcn ent-springt dor sinngemiissen Abtheilung und wird durch die IMarkirung der Massora sowio durch die liesponsion in der je drittcn Zoilo bostntigt. Im Gegensatze zu den spiltern strengen iMassrcgcln unter Nehemia, wclchc den Zweck batten, alle fremden Elemente aus dom Judentbum auszusondern und von demselben fernzu-halten, s])riclit sich diosor im Geiste des grossen Josaia weissagende Prophet für die wohiwolionde Aufnaiimc der fi\'emdiandischcn Elomonte aus. Es ist cbarakteristisch, dass er neben dom ,Fronidliiig\' auch die ,Voi\'Scbnittcnen\' erwi\'iiint, deren eine grosse Anzabl in Hal jol sicli den .Inden angeschlossen haben mag. Weit und breit öffnet er die Pforten dos Tempels und 1\'otliauses und ladct sic zum Eintrcten cin. Der Strophonbau ist ein unregclniilssiger, aber auf das Princip dor Steigung und Senkung zurUckgchender: 7 0 8. Ausdrücklich betont nocli am Endc der drittcn Strophe der Prophet fcierlicii, dass er noben den Verstossencn Israels audi andere Elemente dazu sammoln und vereinigen worde.1

Mit cincm Schlage ilndcrt sich in dom folgenden Stückc die breite, pro-saischc Sprache in eine poetische, fast epigrammatische Ausdrucksweise und au Stelle der deutlichon Redowondungen tritt eine allegorische Darstcllung. Die Commentaro haben diese Acndernng sehr wolil wahrgenommen und sich beeilt das kleine Stück dom Verfasser des ersten Thoiles abzusprocben. Nach Einigen soil er es aus vorexilischor Zcit ontichnt haben, nach Anderen ist es cin fremdcr Kinscbub (Guatz, Stade). Duhm liiilt es für cin ganz für sich stehendes Stück, das gar keinen Zusainmenbang mit dom Vorangehonden bat, und erkennt hierin ,sklavisohe Naclibildung\' von Joremia 12, 9b. Alle Commentare lassen aber die wildon Thiere über Israel herfallen. Auf die Gcfabr bin, dass Alle dann über mich herfallen, muss ich aussprechen, dass seltcn eine poetiscbe und rbetorischo Wcndung so missverstanden worden ist, wie diese Stelle. Zuniichst hebe ich bervor, dass cs von Alters her in den seinitischon Literaturen Uobung ist, rhetorisebe Prosa durch Gedichte zu unterbrochcn, und dass dor Styl der Rhetorik und der Poesic oft so vcrscbieden ist, so dass man donselbon Verfasser niclit mehr erkennt, erkennen kann,

188

1

Der Einscliuitt am Emle des neunten Versos sclieint nicht au richtiger Stelle zu seiu. Er würde am Ende des achten Verses hesser passen. Die Ergiinzung [Kominet zu essen] wird von Siuu und Strophik gefordort und ist durch die Responsion gesichert.

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Jksaia, Cap. 50.

wenn or von dor rhotorischcn zur poctisclion Form iiborgeht. Alio Schiiisso, clio liior ;uis dor Vorscliiodenlioit dos Sty Is gozogon wordon sind, orwoison sich domnaoh uls hinfilllig, l)io ,sklavisclio Nachalunung\' von Joromia kann ioh niolit findon. 1st donn dies so originoll, wonu man sagt ,kommot zu ossen, ihr Thioro dos Foldos\'? Dioso Auffordorung mag im LoLon und in dor Diohtung oft gonug wiodorliolt worden soin, dass sio nicht orst ontlolmt wordon mussto.

Don Sinn dos StUekes nnd don Zusammonliang mit dom Vorangeliondon dcnko icli mir folgendcrmasson: Naclidem der Prophet allo Fremdlingo nnd Heiden eingeladcn hatte, sioh Israel in dor Anbetung Jaliwoli\'s und dor Jioobaohlimg seiner vornohmliclion Religions- und Sittongesotzo anzuschliesson, variirt or das-selbo Thema in poetischer Weisc und sagt:

[Kommet zu essen] allo \'riiiere des Foldcs,

Kominet zu essen alle Tliicre des Waldes!

d. h. eino grosse Krippo ist in Jorusalom aul\'goschlagon, niolit nur filr das Hobo zahme Vieli, sondern audi fur die Thiere dos Foldes, ja sogar f\'iir die reissenden Thiore dos Waldos, allo sollen sio dahin kommen, um ihren Hunger zu stillen, nicht nur die unterdrlickton Völker, sondern auch die Untordriieker und Froboi\'cr.

Von der Hobo dioses Ausbliekos, aid\' dor sioli der Schei\' botindot, und die zu erklimmon auch in spiltorn Zeiton nur Wenige vermochten und vormögen, bliekt er auf die traurigen Zustilnde dor Gemoindo, und indem er den Gedankon im Inncrn walzt, dass oino solche Horde, in dor die roissondon Thioro nebon don zahmen friodlich weiden, auoh ganz bosondors goarteto, grosshorzigo und weit-ausschauendo Wachter fordero, bricht er in die Klago aus:

Seine Waehter, blind siml sie alle, kennen nicht (Waelisainkeit) etc.

Nachdom er in don beiden mittleron Dreizoilorn, dio duroh Wort- und Sinn-rosponsion mit ehiandcr kunstreich vorHochton sind, dio Wiiclitor und iltre Hundo geschildort bat, liisst er sie im Zwoizoilor am Knde das Gogenthcil von dom sagen und thun, was sie sagon und thun sollton. Anstatt zu rufon:

Konunet zu essen alle Thiere des Feldes,

sagen sic:

Kommet, wir wollen Wein holen uml liausehtrank zcolion!

189

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4. Stroplienbaii mid Bespoiision nacli Ursprung mid liisto-

rischer Eiitwicklung.

Responsion.

Was in den einlcitenden Wortcn zu diesem Werkc angekündigt worden ist, dass neben der Stropluk nnd gewissermassen als der Geist derselben die Responsion die Schöpfungen der semitiselien Literaturen belierrsclit hat, glaube ieb nun auf den Gcbieten dreier umfangreielier Literaturen bewiesen zu haben. Der lange eingesehlossene und unerkannte Geist der semitiselien Poesie tritt uns nun in dieser Erscheinung vielgestaltig entgegen und geleitet uns dureli das Dunkel der alten Werke dor Diehtkunst und Proplietie. Die heiligen Poesien, welche immer einen eigenartigen Reiz übten, den man so wenig wie den Duft der Rose zu erkliiren und zu analysiren vermoehte, gewinnen nun Form und Gestalt und erschliessen uns ihre innersten gelieimsten Krilfte. Dureli die strophisehen Glieder, welebe sieb nacli Jahrtausende langer Verrenkung f\'rei reckon und von dom Geist der Responsion wie die zerstreuten Knoelien der jPeinervision\' neu belebt werden, fliesst nun ein Haueb pulsirenden Lebens. Die Kraft und die Schonheit der prophetischen Spracbe wie ilir eigentluimlieher Reiz kommt min dureli Erkennung des Strophen-baues und der Responsion zum Bewusstsein des Lesers. Wir gewinnen einen tiof\'en Einblick in die Sebaffensart jener iMilnner, aus denen das Gotteswort ge-sprocben. Wir können den Gedankengang ilircr Reden und die innersten Regungen ihres Herzcns, welebe in ibren Werken zuin Ausdrucke gelangen, genau verfolgen und in bestiuimte poetische und Kunstibrmen kleiden. Audi die Eigenart der ein-zelnen Propbeten und Dichter, ilire menschliche Individualitiit, lilsst sicli durch bestimmtc, man mochte sagen algebraische Formoln, foststellen.

Es gilt mm jetzt aus diesen zahlreichen und verschiedenartigen drei alten Literaturen entnommenen Beispielen das Wesen der Responsion zu abstrabiren, und cin Bild dieser Erscheinung zu entwerfen, die so mannigfaeli, versehieden-gestaltig und proteusartig die ganze prophetische Literatur durchwebt und belebt. Man hat die Structur der boehsten Organismen zerlegt und gefunden, dass sie aus der einfachen Zelle aufgebaut ist. Die Zelle bat freilich alle Vorbedingungen in sieh, welche sie befaliigcn Organismen zu bilden, aber erst durch einen langen Process entwickelt sieh dor Keim zum organisehen Wesen. Es gilt nun den Keim zu finden, aus dem sieh die Responsion entwickelt bat. Der Keim dieser Erschei-

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Kbim der Kksponsion iini) ihrk Entstehungsart.

nung ist der parallelismus membrorum, welchcr im Somitischcn und ganz besonders im Hebrttischou das belebendc Element im Satzc und Verse bildet. Zwei Dingo sind aber nicht nur durch Aelmlichkeit mit einander parallel, sondern aucli durch Gegensatzlielikeit. Der Parallelismus membrorum stollt zwei odor mobrero Godankon noben einander, die ilhnlicb aber niobt identiscli sind, und gorado dureh die loiehte Verschiodonbeit geeignot sind, ein Bild zu gobon von dom, was dor Dichter darstellen will.

Man schlage oine boliebige Prophetenrede auf, und man wird leicht dorartige Siltze finden, so z. B. Jesaia, (Jap. 1, V. 3:

Es kenut der Stier seinen Besitzer unci dor Esol die Krippe seines Ilerrn,

Israel kennt\'s nicht, inein Volk sielit\'s nicht cin.

odor Amos, Cap. 9, V. 3;

Wenii sic in die IIöllc eiubrechen, von dort wird sic meine Hand holen, Und wenn sic in den Himmel steigen, von dort lasse ieli sic herunterkommen.

Der Gedanke wird durch die verschiedene, /.idliche Einkleidung vielfach wieder-holt, ohnc monoton oder liistig zu worden. In den gegebenen Beispiclen ist Aolin-lichkoit und Gegonsatzlichkeit mit einander aut\' verscliiedene AVeise verflochten, die sich aber beide gcgenscitig erklilren und vordeutlichen. Es tritt der Hangel an Erkenntniss und Erkenntlichkeit schilrfer horvor, wenn man die Erkenntniss und Erkenntlichkeit des Stieres und Esels damit vorgloicht, wie in Amos der Gegensatz von Hölle und Himmel dio Aiimacht zur Anschauung bringt.

Was also der Parallelismus membrorum im Verse ist, das ist die Rosponsion in der Strophe und in der Rode. Die Strophe besteht aus oinem Complex von Vorsen, die sich zu einor grosseren Einheit verbinden, sic; cntliiilt ein Bundel Ge-danken, die Einen Gedanken rcprilsentiren, wie cin Strahlenbündel sich zu einer Leuchte vereinigt. Dio Neben- oder Gegenstrophe rciprilsentirt einen almlichen odor gegensiitzlichen Gedanken, dor wie joner die Slimme oder das Product cines andern, aber dem f\'ri\'iheren auch in einzclnen oder allen Bestandthcilen entspre-chendcn Godankonbündols ist. Der fbrmale Ausdruck dieser Beziehungcii von zwei oder mehreren Stroplien zu einander ist die Rosponsion.

Bei streng durchgoführter Rosponsion correspondirt jede Zeilo der einen Strophe mit der entsprechenden Zeilo dor zweiten Strophe entwedor wörtlicli genau oder gedanklich, parallel oder antitlictisch. Durch die Aelmlichkeit der moisten einander entsprechenden Zeilen tritt der Untcrschied an einzclnen Stellen umso schiirfer horvor und wirkt umso krilftiger und eindringlieher. Beispiele für diese strenge Rosponsion bieten Amos Cap. I 2 und 7 -8, Jeremia Cap. 1 und Ezechiel Cap. 14, 12—23 und Cap. 21, 1 —12.

Die Entstehungsart dieser Rosponsion ist eino verschiedene. In Amos scheint sie den Ton des Volksliedes nachzuahmen, das mit geringen spraclilichen Mitteln durch leichte Variationen immer cin neucs lïilil scliafFt und sich dadureh dem Gediichtnisso umso stilrkor einpriigt. Sie isl der einfachon sich stets wiederholenden Melodie eines Liedos vergleichbar, dessen verschiedene Tlioilo und Absiitzo sich loieht der aus wenigen Aeeordcn bestehonden Weise anpassen. In derselben Art dürten die Beispiele aus Jeremia, die dem Amos nachgebildet worden sind, und bei Ezechiel 14, 12—20 orklilrt werden. Anders ist der Ursprung dei\' fast wört

191

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Responsion in den Keilinschuipten.

lichen Responsion hei Ezeeliiel 21. Dort enthiilt die eine Colurane das Rilthsei, die zweite die Deutung, die sieli möglichst genau, fast Wort für Wort dem Rilthsei ansehliesst, und in nur wenigen entscheidenden Stellen die Sachc für das ]5ild setzt.

Es ist selhstverstilndlich, dass derartige seliarf ausgeprilgte Responsionsgehilde in einer Literatnr niclit überiiand nelnnen diirfen, ohne die freie Entwicklung zn hemmen und cinen Versteinerungsproeess herbeizuführen. Die Godanken, welche in der Sprache zum Ausdnicke gelangen, sind i\'rei, und lassen sich für die Daucr in hestimmten Fonnen nicht festhalten, ohne dieselben zu sprengen. Naeh zweierlei Riehtungen hin suclite der Gedanke die Form umzugestalten, einerseits indem die Responsion nur theilweise, aher immer an gleicher Stelle, d. h. an entsprechendcr Zeile ausgeprilgt erscheint, andererseits indem sie sich nicht in paralleler Weise und in gleichen Worten zeigt, sondern durch Antitiiese und durch anklingende oder iihniiche Worte, die bald mehr bald weniger den gleichen oder ahnlichcn Gedanken wicdertönen. Um dies zu veranschaulichen, gebe ich im Folgenden eine Ueboi--sicht der eigcnthümlichston und wichtigsten Responsionen, und zwar in histo-rischer Reihenfolge, die nur liie und da durch die Köthigung gleichmilssige Er-scheinungen an einer 8t(;llc zu behandeln unterbrochen wird.

An erster Stelle muss natiirlieh die zweite babylonische Recension der Schöpfungsgeschichte erwiihnt werden, wobei ich, um mich nicht wiederholen zu miissen, aueh die Concatenatio und Inclusio vorgreifend cxemplifieiren werde.

I,

1 :

Dus reine Hans, das llaus der Gi

ütter, auf berrlicheni Orte, war nicht gcmaclit.

I,

9:

Das reine llaus, das llaus der G

ötter, seine Wohnstiltte nicht gemacht.

10;

Die Gesamintheit der Liiuder war

Meer.

II,

1 :

Da entstand mitten im Meere eine Bewegung.

II,

9:

Um die Götter au der herzlieben

Wohnstiltte wohnen zu lassen,

II,

10:

Scluif er die Mcnschen.

III,

1:

Die Göttin Aruru schutquot; Samen

der Mcnschen zngleieh mit ihm.

III,

9:

Baunigiirten und Willder,

III,

10:

Den [Gehörnten] Ziegenbock . . . .

IV,

Marduk, der Herr, fülitc zur Sei

te des Meeres eine Terrasse.

Diese Nebenoinanderstollung zeigt übersichtlich das Geilder der Strophik. Die Zusammenhange der Strophen werden durch die Verkettung der je letzten Zeile einer Strophe mit der je ersten der folgenden kenntlich gemacht. Demnach darf man vieüeieht Strophe in, 10 ,brachte Marduk\' ergilnzen.

Die erste Zeile von Strophe i wird als Inclusio in i, 9 aufgenommen, darauf respondirt deutlich n, 9 und wie es scheint aueh m, 9 ,Baumgarten und Willder\', weil ja audi sie Wohnstiltte sind, wenn aueh nicht der Götter, so doch der Thierc, die in der Strophe geschildert werden.

Ausserdem sind die antithetischen Wiederholungen zwisehen Str. i und u und i und iv zu beachten, z. B.

l, 6: Nippur nicht erriclitct, E-kur nicht gebaut,

7: Erech nicht orrichtet, E-anna nicht gebaut,

8; Der Ocean nicht geschaffen, Eridu nicht gebaut.

192

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Kesponsion in den Keilinschriften.

li, 2: An jonem Tago ward Eridu errichtot, Esagil gebaut,

8: Esagil, wo inittcn im Ocoan Gott Lngal-dul-azaga wolmt,

4: Babel ward orriclitct, Esagil vollcudet.

Diose Wicdcrholungen stclien abcr weder in gloicher Zeilo noch in gloichcr Reihenfolge unci dtlrfen, streng genommen, nicht als Kesponsion angcsehen odor müsscn mindestens als cino ahnornie Abart dersclben bezeiclmct werden.

Eine leiehte aber begreifliche Verschiebung in dor Kesponsion zeigt die Cylindcrinschrift Tiglathpileser\'s i. Daselbst lieisst es (vgl. oben S. 15):

I, 7: In meinc Tafelu und ürkundon schricb icb.

11: Und dio Urkundcn Samsiraman\'s meines Vorgiingors,

12: Mit Oei reinigte icli,

13: Opfor braclitc ieli dar,

14: An ihren Platz steilte ieh zurüek.

il,10: Meinc Tafeln und Urkundcn

11: Mit Oei salbe er,

12: Opfcr bringe er dar.

13: Stelle sic an ihren Platz zurüek,

14: Und seinen Namen neben meincn sehreibe er.

Der Schluss dor grossen Prunkinschrift Sargons (oben S. 18), dessen cben-inttssiger Ban in die Augen fallt, eorrespondirt in den einzelnen Tlieilen noch scharfcr, als icb dies frülier erkannt und durch Sperrnng hervorgehoben habe, wie man sich durch folgonde Nebenehuindcrstcllung überzcugcn wird:

193

.lene Stadt und jener Palast,

Asur, dor Vater der Götter,

lm Glanze seines strahlenden Angesiehts,

Gnüdig blieke er (sie) an,

Pilr feme Ta ge.

Hire Erneuerung spreeh\' er aus.

MitseincmstrahlendenMunde bestiinm\' er:

Der schiitzende Genius,

Der rettende Gott,

Tag und Nacht,

Drinnen mögcn sie wal ten,

Nielit höre auf ihrc Macht.

Ihr Herrschcr (aber)

Ihr küniglicher Bauherr,

Grcisenalter errcichc cr,

Er erlangc Macht,

Für ewigc Tage,

Alt worde ihr Verfertiger.

Mit seiner strahlenden Lippe spreeh\' cr:

Wer in ihnen wohnt,

In leiblichem Wohle,

Pröhlichen Herzens,

Hellen Gemüthcs,

Drinnen erfrewe er sich,

Geniesse Lebensfrcudo.


Icb branche wohl kaum darauf aufmerksam zu niachcn, wie genau die Ile-mistichen einander entsprechen. Neben den wenigen naiiezu idcntischen Wcndungen ist die Correspondenz der parallelen Zeilen zu beach ten, die sinngomiiss an einander erinnern. Der Stadt und dein Palast cntspricht ihr Herrschcr, dem Vater der Götter der ,königliehe Bauherr\'. Besonders lehrreich ist der sehr seharfsinnigc, von mir zuerst nicht erkanntc, aber vom Vcrfasser gewiss bcabsich-tigtc Gegensatz:

lln-e Erneuerung spreeh\' er aus. Alt werde ihr Verfertiger.

D. II. Müllor. Dio Proplioteu. 13

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Eesponsion in den Kkiunsciirii\'tkn und in Amos.

Die llcsponsion im Ncbukaclnasar-Cylincler (ohcn S. 10) in dcii je letzten Zeilen der Strophcn i, n unci iv ist augenfilllig unci bedarf kcincr weiteron Erlau-terung:

I, 4: Huld gegen micli vcrkiinde tlcinc Lippo.

ll, 4; Meinc Lcbenskraft vorkiinclo clcin Mund.

iv, 5: Sprich aus bestiindig.

Niclit so in die Augcn fallend, aber umso interessanter ist die durch analoge Construction und iilmliclie Verbindung von Prjiposition mit Infinitiv erzielte lie-sponsion in der ersten unci ssweiten gt;Stro})lie:

I, 3: Froudig in (ina) deincin Eintrctcn (d. li. wenn du frcudig ointrittst).

ii, 3: Kin giiaclcnreichcs Leben im (una) Gcnicsscn (d. h. zii geniessen).

In diesen Boispielen ist das Wesentlicho entbalten, was die Keilinscliriften, so weit ieli sic in dicscm Buche angeflilirt liabo, von llesponsion und theihveise aueh von Concatenatio entiialten.1 Einige Beispiele von andersartiger Verkettung werden noch hu Abschnitt über Concatenatio angeflilirt werden.

Uebcr die Rcsponsion in don Prophcten, soweit sic Zeilc f\'iir Zeiic in strengem Parallelisnms durcligefiihrt ist, babe ich oben bereits gcsproclicn und auf die wich-tigsten Beispiele verwiesen, llicr will ich dabcr nur die instructivsten Filllc von Rcsponsion bcsprcchcn, die in bestiniinten Zeilen, meistens zu Anfang und Ende der Strophcn auftretcn.

Die iiltesten Beispiele bietet scbon Amos in seiner wundervollen Schluss-prophezeiung, Cap. 0 (oben S. 71):

I, 9: ... bofeldc icb dort dem Schwcrte, dnss os sic tödtc.

10: Und richten will ich incinc Augcn wider sic zum 15ösen und nicht zuin Gnten. in, 11: Durch das Schwert werden sterbeu alle Silnder meines Volkes,

Die siigcn: Nicht tritt und nicht geht los gegen uns das Böse (Ungliick).

Auf dicsc Entsprechung ist schon oben in Text und Ucbersetzung hingedeutet worden, ich crkennc aber jetzt cine weitere eigenartige Rcsponsion, die mir frülier durch cine Vcrschiebung der Zeilen entgangen war:

I, 2: Unci cr sprach: Schlage ilcn Knauf (Kaphtor), class die Schwellen beben.

Unci schlage sic alle auf\'sllaupt, und den Rest werde ich mit dem Schwcrte todten; Xicht wircl eincr entfliehen und nicht ciner als Flüchtling sich retten.

in, 3: Und die Philister aus Kaphtor und die Aramiier aus Kir?

Sieh\', die Augcn des Hcrrn Jahweh sincl gerichtct auf dieses siindigc Reich, Und vertilgcn werd\' icb es von der Oberdachc des Erdbodens.

Die je zwei Ict/.tcn Zeilen corrcspondircn gcdanklich. ,l )ic Augcn des Herrn sind gerichtct auf das sündigc lieich\', dcshalb ,werden sic alle aufs llaupt geschlagen und mit dem Schwcrte getödtct/ Und wenn ,cin Reich vcrtilgt wircl von der

194

1

Ein Boispiol von Iiiclusio im weiteron Sinnc ties Wortes bietet, was icli erst nachtraglicli wahrnelnne, das babylonische Scliöpfungsepos Tafel iv, Strophe 8, welcho mit folgenden Versen be-giimt und schliesst;

19 Darauf legten sio in ilire Mitte irgend ein Kleid 2(5 Wiederum befahl er ilnn und das Kloid war wieder da.

Die Einheitlichkeit dieser Strophe tritt besondcrs scharf hervor, weil sie ganz der Procedur mit dem Kleide gewidmet ist.

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Ke,sponsion in Amos und Jksaia.

Obcrflilcho dcs Erclboclons/ so ,kanii koinor ontfliehon, kein Fltlchtling sicli rotten/ Diose Correspondent konnte aber iinmorhin als Zufall erklilrt werden, umsomelir, als die Versebicbung einer Zoile vorliegt — aber die böchst raerkwUrdigc Uebercin-stinnnung von Kaphtor (jKnauf) mit dom nomen loei Kapbtor (Kreta) zcigt die bostimmto Al)sic\']it des Dichters die beiden Stollen durcli liesponsion zu verbinden.

Eigentluimlieli widerliallt das ,LüwengelirUil\' in don beiden letüten Zeilen der zwei Stroplien, Amos Cap. 3 (oben S. 70 und 71):

i, 0: 15rüIIt der Löwc im Waklc uuil holt koinc Meute\'?

7: Erlicbt iler Leu seine Stiimue in seiner Ilöhlc oline class er erliascht liatV

il,7: Der Lüwe briillt, wer f\'iirchtet sicli nicht?

S: Der llcrr Jahweh spricht, wer sollto nicht weissagen?

Aber ganz wundorlieli ist die Rosponsion der zwei lotzten Zeiion dor dritton Strophe. Nicht mohr vom briillonden Löwon ist die Rede, soudern von don go-ringen Ueberresten, die man vor ihin rotten konnte:

ui, 7; Wie ca rcttet der llirt aus des Löwea Uaclien zwei Untersehenkel und einen Ohrziptcl, 8: Sc werden gerettet die Kinder Israels, die sitzen in Samaria an der Kcke des liettes etc.

Kine eigenartigo Rosponsion zu Anfang der Stroplien bietot Amos Cap. 8: i, 1: Hörct dies, die ihr schnappet nach den Diirftigen .... im Lande.

2: Sprcchend: Wann ist Neiunoud vorüber, dass wir Getreidc verkaufen und Sabbat, dass wir Kom aufthunï in, 1: Siehc, es kommen \'J\'nge, spricht Jahweh, da sonde ich Hunger in\'» Land.

2: Nicht Hunger nach Brod, noch Durst nach Wasser, soudern zu hören das Wort Jahweh\'s.

Die l\'eine Antithese, die darin liegt, ist bereits in dem angefiUirton Capitel (oben S. 70) erklilrt worden, dagogon war mir dort nocli entgangen, dass auch in der je lotzten Zoile dieser zwei Stroplien cine doppolt antithetische Rosponsion steekt:

i, 7: Aufsteigen wird\'s wie der Nil ganz, und aufgewühlt werden und sinkon wie der Strem Aegyptens.

in, 7: Und sic werden fallen und nicht mehr aufstehen.

Eine andore Art Responsion liegt in Amos Capitel 4 (oben S. G8) vor. In einem fallcnden Strophcngebildc (5 4 3 2 l) wird der Godanko variirt: Jcde Art von Strate liabe ich eueb zugefügt, und doch seid ihr nicht zurück-gekohrt zu mir. Enthalten die Variationen der Strafe Responsion von Gcdankon, die sich immer schiirfer zuspitzen, so vordichtet sich der Nachsatz all dieser Siitze zu einem Refrain, dor die Gedanken abschlicsst, und auch ilusserlieh die Stroplien schoidet.

In J csaia zeigt die Responsion vielfach antithotischen Charakter und dicsc Gesrensiltzlichkcit verlciht seiner Rode das blitzartiü-o. Aufleuehten und eloktrischo

o quot;

Einschlagen. Einige wenigc Reispiolc mogen genügcn. Jesaia, Cap. 1 (S. 7t!): C ii, 3: Dein Silber ist zu Schlaeken geworden, dein Trank init Wasser gefitlscht.

4: Deine Vorgosetzten sind widersetzlich und Diebesgesellcn.

C ui, 3: Ich will .... liiutern wie Lange deine Schlaeke und wegschaften dein Jilei.

4: Und gebe dir Kiehter wie zuvor und Kitthe wie zu Anfang.

1 Wcim dalior Wklliiaoskn i, 7 (V. 8) filr eiue Interpolation erkliirt, so liefert jetzt die Wc-sponsiou den lie we is iür die Echtheit des Verses.

195

13*

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Responsion in Jesaia, Micha und Jeremia.

Jcsaia, Cap. 5 (das Lied voiu Weinberg):

i 1. Z. Und (so) liofftu or, dass er Trauben bringc — er braehte aber Hecrlinge, li 1. Z. Da ieli lioffte, dass er Trauben bringe, warum braclite er Heerlingc? # in 1. Z. Und er boffte auf Recbtsurtheil und siebe da Unbeil.

Weitere Beispiele aus Jesaia folgen unten im Abschnitt übor Coneatenatio und luelusio.

In deni sielicr von Micha herrlihrenden Stüeke (Cap. S. 112) ist nur in einer Strophe dentliche Wortresponsion:

Ai: Da spracb icb: Cl: Ilöret docli dies,

Ilöret docb Iliiupter Jakobs, IIiiiii)ter des Hauses Jakobs,

Und Pürsten von Israels Haus, Und Fürsten von Israels Haus,

1st es nicbt an eucli, l^ie verabsebeuen das Eecbt,

Zu kennen das Recht? Und alles Gerade krüinmen.

wogegcn im Uebrigcn scharfe Gedankenrespousion und gleiehmassige Construction vorliegen, wobei aber die strenge zeilenmassige Entsprechung ganz aufgehoben ist.

In ahnlicher Weise zeigt sich in Sliclia, Cap. 5 (S. 119) neben einer würtliehen Responsion im Anfange zweier Strophen, im Uebrigcn Gedankenresponsion, die allcrdings durch gleiche Constructionsclemento zum Thcil markirt werden.

Eine neuo Combination braehte Zephanja in die Responsion dadurch, dass er zwei ungleichzeilige Strophen mit einandcr durch dicsc Kunstform verkettete und deshalb cine Verscliiebung in don Zeilen eintrcten lassen musste, wobei er auffallender Weise die Zeilen nicht von oben nach unten, sondern von unten nach obon gezithlt hat. Audi in andcrer Beziehung braehte er rciclie Abwechslung in die Responsion, indem er Wort- und Sinnresponsion mit einandcr geschickt zu verbinden wusste und mit derselben verschicdene Strophen kunstreich durchflocht und verkettete. Audi in der Abtönung der Ausdrlieke hat er cigenthümliche Farben verwendet, die durch Uebereinstimmung und Gegensatz glcich getallen und reizen. Die Beispiele findet man oben, 8. 120-—123.

Jeremia, der die drcicolumnige Rede, nachdem sic Micha erfunden, weiter ausgebildct und entwickclt bat, ahmte in seiner Rede (Cap. 10) audi hierin sein Vorbild nach, dass er wenig Wort- daftir aber strenge Gedankenrespousion und ahnliche Construction bictet. Das Gleiche ist in der drcicolumnigen Rede, Cap. 30. der Fall. Dagegen bictet die wundcrvollc lledc Cap. 0 (S.89—91) eine hübsche Combination von Gedanken- und Wortresponsion, die bald horizontal bald vertical netz-artig die Rede durchwirkt. Neben der sehr einfachen und augenfiilligcn Responsion:

A i, 4: Und sie spannen ilire Zunge als ihren üogeu mit Lilgen,

n, 4: Sie gewölmen ibrc Zunge, Lügeu zu reden,

in, 4: Kin sebarfer Pfeil ist ilire Zunge, die Trug spriebt,

kommen auch Entsprceliungen vor, die schcinbar fernliegende Dinge zusammen-bringen:

Bi, 3/5: Denn verödet sind sie obne einen Wanderer,

Und nicht hören sie das Brullen (die Stimine) der lieerde,

Sowobl Vogel des Minnnels als das Wild flohen, gingen davon.

15 ii, 3/5: Warum ist wild das Land, verödet wio eine Witste ohne Wanderer?

Und Jahweh spraeh: Weil sic verliessen mcine Wcisung, die icb ihncn vorgelegt, Und nicht horten auf meine Stiuime und nicht nach jener (Wcisung) gingen.

19G

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UESPONSION IN JKIIEMIA UNO 1(]ZE(!ITIEL.

Jeremia war os aucli, der horizontale unci verticale Responsion in nalie/u prosaischer Rede verwcnclete. Als ein Muster dieser Art darf seine letzte Rede in Aegypten (Cap. 44) angefülirt werden, die uur cino schwaclio Spur seiner einst-maligen Kraft und CJlut zeigt und lediglich (lurch die rührende Einfachlieit wirkt. Deutliche Ueberrestc von Responsion zeigt auch cine thcils in Prosa, theils in kurzen Vorsen ahgefasste Rede (Cap. .r)).

Von dor bisherigen Art ahwcichonde Responsion zeigten dio Reden über Aegypten, die, wenn sic von Jeremia hemihren, iim uns ais Kriogslyrikcr von grosser Kraft zeigen. Das Eigenthiiinliche dieser Entsprechungcn licigt darin, dass nur die je ersten und letzten Zeilen der Strophen mit cinandcr corrcspondiren, so Capitcl 4(i, 1—12 (S. 10.r)) :

l, 1; Riistct Schild und Tartscho und rückct heran zur Sclilnclit!

2: Schirret an die Rosso und stci^ct auf ihr Roiter ctc. [rückcnY

li, t: Wor ist os, der emporsteigt wie der Nilfluss, dessen Wasser brausend lievan-

2: Aegypten steigt einpor wie der Finss, wie Ströinc brausen lieran seine Gewilsser.

in, 1: Steig\' empor nach Gilead und hole Balsam,

i, 7/8: Nicht wird entfliehen der Leichtfüssige, nicht entkommen der Held,

NordwUrts am Ufer des Euphratstromes strauchelten und fielcn sie. II, 7/8: Denn ein Sehlachten ist es für Jahweh im Nordland am Euphratstrome. lil, 8: Denn Held über Held strauchelten sic,

Zusaminen f iel en beide.

Das Gleiche ist in dein Orakel über Babcl der Fall, Capitcl 51, welches nicht von Jeremia stammt. Dagegen zeigt die zweite Hillfto von Capitcl 4(i nicht nur zii Anfang und am Endc, sondern auch in der IVlitlc vcrschicdcnc Responsion eigcnthiimlicher Art.

Dicso Abweiehungcn in der Responsion konntcn von denjenigen, wclchc cliesc Orakel dein Jeremia absprechen, nicht ohnc Schcin von Recht, als wcitcrer Reweis für ilirc Bchauptung angefülirt werden. Nachdem ich jedoch obcn die Haupt-bewcisc der Kritik für cliesc These crschilttcrt zu Imbcn glaube, so sclicint mir die abweicbcnde Art der Responsion vorderhand nicht anszurcichen, um auf Gr und derselben ein sicheres Urthcil zu fallen.

Der grosse Prophet des Exils, Ezechiel, zcigt auch in Bezng auf die Responsion cine Mannigfaltigkeit und cinen Foriuenreiclithum, wie in seinein ganzen poe-tischen und prophetischen Schaffen. Neben der strengen fast wörtlichcn Entsprechung der Zeilen in der Introduction des Schwertlicdes (Cap. 21), zcigt Capitcl 14 wört-lichc Entsprechung der Zeilen, aber viclfach in wechsclndcr Rcihenfolgc. In der Verwcndung dieser Kunstform zeigt Ezechiel geradezu eine bewunderiingswürdigc Virtuositat. Die Responsion, die er aus den prophetischen Schillen überkommen bat, ist in seiner Hand ein Uittel des künstlcrischen Aufbaues geworden, das nicht nur cinfache Strophen zusammcnhalt, sondern das wie ein Leitmotiv dio ganze Rede durchziebt und dort, wo man cs ara wenigsten crwartct, plotzlich wieder auftaucht. Da er in seiner Rede den glciclimllssigcn Strophenbau aufgegehen und Columnen von vcrschiedencr Höhc eingeführt hat, so konntc die Responsion nicht an gleicher Stelle erscheinen. Audi scine Qewohnbeit, Rilthsel und Deutung oder Problom nnd Lösung zu geben, erlcichtcrtc ihm don Gebrauch dor Responsion,

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Responsion in Ezbchiel iind Deuteuojesaia.

vcrlieh ihr abor eine eigenthllmliche Farbung, sic wurdo ilnn das Mittol auf das Frllherc zurückzuweisen und nacli dem Kommenden hinzudenten. Hesondcrs lehr-reich ist in dieser Hinsicht ,dio Kobe und die beiden Adler\' (Ca]). 17), die aus fünf Absiltzen besteiit, welcho von einer Rcilie von Responsionsmotiven belebt sind. Die Responsion ist bei Ezeehiol stets doutlieh und greifbar, die zart liin-gehauebten Beziehungon, wie sie bui Jesaia odor Zeplianja vorkonmien, fchlon iiior ganz. Sie verdielitet sieli zur Wiederholung derselben Worte, wie z. 15. Capitel 19 A i und nr, iet^tc Zeile (S. 144):

Und cr Icnitc Beute erbeuteu, Menschen frass or,

oder sic bildet fast Wort fiir Wort cinc Antithese wie dasclbst 15 i und B m.

Charakteristisch für Ezeehiol ist die Responsion durch analoge Construction, die er durch bestimmtc grammatische Formwörter markirt. Ein schr Ichrreiches Beispiel bictet Ca])itcl 26 (S. l!)4), wo die Orakel gegen die Völker in Stropiion von je ii 8 Zeilen schematisch abgefasst sind. Der Dreizeilcr bcginnt:

Also spricht dor Herr Jahweh,

Wcil Moab und Scir sprach,

und die grössere Sfrophe wird durchwegs mit ,Da rum\' eingclcitct. Ein geradezu klassisches Beispiel dieser Art licfern die beiden Reden gegen die falschcn 1\'ro-pheten und Prophetinncn (Cap. 13, S. 157).

Responsion verbunden mit Epiphora verstürkt den Eindruck, wcil nicht nur das gleiche Wort und der gleichc Gedanke, sondern aueh die giciche dichterische Figur wiederholt wird, so Cap. 17, ü und 10 (S. 138):

15 iv: Und scino Prilclito abpfliickon, dass sic. verdorren.

Alle friscbsprosscnden Blittter verdorren.

1gt; vi: Wird aie bei der Beriihrung des Ostwindes nicht verdorren,

Auf dem Beetc seines Wachsthums verdorren?

Responsion durch eino Wicdcrholungsfigur bictet Capitel 17 E, wo in jcder Strophe eine gleichc dichterische Figur (y.\'jy./.s;) vorkommt.

Wilhrend Ezechiel mit echt künstlcrischem Gcfïihlc die Responsion mit dem Organismus der Rede zu verweben und hesondcrs dort, wo die Zeilen einander nicht genau entsprechen, durch scharfe Betonung des Gedankens zu wirkeu suchte, greift Deuterojesaia nacli alten Mustern zurilck. Ezechiel verwendet die Responsion dazu, um die aufgoworfenen Prohleme durch sie zu losen und die vorgelegten Rathsel durch sic zu dcutcn, cr gebraucht sie um einen Gcdanken zu variiren und in andere Formen zu kleiden, wogegen Deuterojesaia sie meistens rhetorisch verwendet, wie ein Rechtsanwalt, der die Grlinde des Gegners wiederholt, um sic Punkt für Punkt zu wlderlegen. Die Landsleute des Prophetcn Ezcchiel haben ihn ganz richtig charakterisirt, wenn sic von ihm sagten (Ez. 21, 5): ,lst cr nicht ein Rilthseldichtcr\'. Sic habcn mindestens die Form seiner Prophetien genau defi-nirt. Aucii das dichterische Element seiner Reden, die Form des Liedcs haben sie richtig erfasst, und der Prophet klagt darüber (33, 2): ,Du bist iluien wie ein Silnger von Liebeslicdern von schoner Stimme und herrlichem Gesange.\' DasWesen der Reden Ezcchiel\'s kann nicht treffender gekeiinzciehnct werden als durch beide Aussprilche der Exilirtcn, natürlich so weit die Form derselben in Betracht kommt. lm Gegensatze zu Ezechiel vermcidet Deuterojesaia jcdes Glcichniss und

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Resfonsion in Dbutkhojesaia.

jedcs RtUliscl, er redct immer von don Dingen sclljst, sic von allen Sciten be-louelitend, imd stellt Thesen anf, die cr beweist und vertheidigt. Seine Responsionen entbcbren dahor in violen Fillion dos Reizos der Uborruscbouden Neuboit, sio sind oft oinfacho Wiederholungon des fridior Gosagten nnd iindorn sicb nur in dor Form, indom sio bald als Frage, bald als Beliauptiuig auftrctcn. Einige Beispielo mögon dies vordeutlicbon, so Capitol 41 (S. 16G):

B li, 5/6; Piirchte dich nicht, deun mit dir bin icli, augstigo dicli niclit, deun ich bin dein Uott,

Icli krftftige dich, hclfc dir auch u. stiitzc dich mit ineincr sicghuftcn Rechten. Bin, fi/G: Denn ich bin Jiihweb dein Gott, der stützt deine Kcehte,

l^er da spricht: Fürchte dicli nicht, ich lielt\'c dir.

C i, 3/4: Sic mogen hcrboischaffen und verkiindeu, was sich creignen wird.

Das Prüherc, was war es? Verktiiulet es!

C in, 3/4: Wer vc.rkündct es von friihcr hor, dass wir os wüsstcnV Weder Init os Jemand verkündet, noch es horen lassen.

Kin Beispiel einor dorartigen vollkommonen Responsion, wolebe zwei Strophon fast Zoilo für Zeilo mit oinandor vorbindet, ist im Cap. 43 (S. 173) gogoben. j\\laii boachte dio Gogonsiltze:

i, 1: Die Nationen; u, 1: Jahweh allcin;

i, 2 — 3: Wer bat verkündet, wer boren lasscuY n, 2—3: leb Jahweh babe es ver

kündet und boren bissen.

Die weiteron Verso gobo ich ganz:

l, 4: Ihr aber seid uieine Zeugen, spricht Jahweh, und nicin Knecht, den ich crwitblt,

ii,4: Und ihr seid meine Zeugen, spricht Jahweh, und ich bin Gott.

i, 5: Damit ihr erkennet und mir glaubet und einsebet, dass icb es bin,

li, 5: Auch von heute ab bin icb es, und keiner rettet aus meiner Hand.

i, (!: Vor mir wurde kciu (Sott geschaffen, und nach mir wird keiner sein,

ii. (!: Ich macho es und wer wird es wenden?

Aelmlicho Responsionen findon sich auch im Capitcl 47, wo diesclbon Won-dnngon mit loichton Variationen wiodorholt worden. Eigenthümlich sind die Responsionen im Capitcl 4(5, wo bald ganz fernliegcndo Godanken nnd Bogriffe mit gloich-klingenden Worton verblinden worden, bald wieder gedanklich Vcrwandtos dnrch synonyme Worte ansgodiilckt wird.

Interessant ist die Responsion im Capitcl 51 (in dor je sechsten Zcile der Strophon i—in), wo das tortinm comparationis die Vorwandiung ist, hier Wiiste zn Eden, dort Himmol zn Ranch ctc. (S. 181).

Eine cigonthiiinliclio Responsion bictct Capitol 42 (S. 171) im Abscbnitt B, wo nur die Worto ,Berge\' und ,Eilande\' die Unterlage bilden, aber in ganz vorscbicdonem Zusaramcnhango stcben:

l, 5: Es mögon jauchzen die Felsenbcwohner, von dom Gipfel der 15crge berabscliauen.

(i: Sio mögcn Jahweh Ebre erwciseu, und seinen Kuhm in den Eilanden verkünden! n, 5: leb verwüste Berge und Hügel, und all\' ihr Kraut trockne icb aus, (1: Und macho Strümc zn Eilanden und Lachen trockne icb aus.

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Responsion im Koran.

Dieselben Gesntze der Responsion walton aucli im Koran, dom Werko des arabischen Propheten. Als Muster ansgoprilgter paralloler Responsion, die durch eine Rciho von Zeilen geht, dürfen die Straflegenden besonders in dor 26. Sure angefülirt worden. Abgeselion von dor Responsion werden dioso Stiicko jo am Endo und violfaeh aucli iix der Mitto durch Kehrverse zusammengehalton. Responsion jo am Anfangc oiner Strophe, wo diosolben Worto in verschiedoner Redeu-tung angowendot werden, /eigt v.. B. Sure 19, Strophe iv—vi (S. 27):

iv, 1 (ifi): Und erzühl\' im Uuchc von Maria ills sic sicli zuvückzog von ihrcr Familie

nach einem Orto im Osten,

v, 1 (22): Sie empfing ilin und zog sicli znrück mit ihm nach einein Orto weitentlcgen. vi, 1 (as); Da kam siu mit ilim zn ihrem Volko, indem sio ihn trug.

Wiihrond also hierin eine ki\'mstliche verticale Responsion vorlicgt, welcho die Strophon der Marialegende mit einandor vorbindot, zeigt eine Vergleichung dieses Stüekes mit der vorangehenden Johannislegonde, dass auch die horizontale Responsion von Mohammed angowendot worden ist;

11, 5 (n): Dein Zeichen sci, dass dn die Menschen nielit anredest drei Niiehte.

v, 5 (27); Und nielit werde ich anreden einen Menschen.

in, 4 (15) = vi, 7 (si): Und Friede sci über ihm (mir) am Tage da er (ieh) geboren wurde,

am Tage da er stirbt (ich sterbe) und am Tage da er (ich) auf-erweckt wird (werde) zum Lehen.

Antithetische Responsion, wo die je cntsprechondon Verso mit einandor durch reine Roime aucli itusserlich auf einandor hinwoisen, kommt in Sure 09, V. 19—29 (S. 54) vor.

Concatenatio und Inclusio.

1st die Responsion dor Ausdruck dos gcdankliohon und formalon Ebenmassos, wolchos zwei strophischen Organismen eigenthümlich ist, dio eben durch dio gloiche BoschafFenheit nnd das gleiche Goilder, wenn auch aus dor Entfernung auf ein-ander hinwoisen und einandor mehr oder woniger, überoinstimraend oder antithetisch ontsprochen, so ist die orsto der beiden Kunstformon, die an der Spitzo dieses Abschnittes stohon, dio Concatenatio, insofern die Ergilnzung und das Gegenstück dor Responsion, als sie die beiden strophischen Organismen mit einandor durch ein godankliches oder formalcs Band voroinigt. Die beiden Organismen worden dadurch zu einer höhorn Einhoit verblinden. Die Verkettung wirkt daher nicht parallel wie dio Responsion, sondern vorbindot das Ende der einon Strophe mit dom Anfang der zweiten und fiihrt von der einon Gedankensphiire in die andere hinübor. Den Gegcnsatz dor Concatonatio bildet in gowissom Sinno die Inclusio. Vermittolt die Concatenatio die Vorbindung zweier Strophen, so bildet die Inclusio dio Grenzo, die Absperrung gogen den danebenstohondon Organismus. Die Concatenatio hebt den individiiollon Cl ia raktor zweier strophischen Organismen auf, die Inclusio schliesst und grenzt das Wesen einer Strophe ab und betont den individuellen Charakter dorselben.

1 Vgl. obeu S. 27, Note 2.

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CONCATENATIO UND INCLUSIO IN DEN KEILINSCHRIPTBN.

Man solltc nun meinen, class diese drei Kunstformon von so verschieclencr Art aucli getrennt auftreten unci jode ihr abgestecktes Gebiet habc, dies ist abcr durcliaus nicht der Fall. Nach eclitcr Künstlerart wechseln sic rasch die Rollen und die Costume. Die sprüde Inelusio verwandelt sich plötelieh in lt;lie liingebende Concatenatio und die kokette Responsion scliliesst sieb bald ab, um bald desto auffillliger sich ihren Genossen anzuscliliessen.

Dadureh ist es schwer diese Erseheinungen getrennt zu beobaehtcn und zu beschreiben, weil die Gegensiitzc, wie so oft in der Natur und im Leben, gern Hand in Hand gelien und in ihrer Wechselbeziebung besser verstanden und be-leuchtet werden können. Selbstverstandlich ist oft die Responsion im Bande die dritte, und die folgende Darstollung wird auch eine Reihe von Beispielen aus dem Gebiete der Responsion enthaltcn, die ieli im Absehnitt über Responsion wegen ihrer Verbindung mit Concatenatio und Inelusio ausscheiden musste. Ich beginne nnn mit der Schilderung der Concatenatio, die Exempel aber werden schon in das Gebiet der Inelusio hinüber- und vorgreifen.

Die Concatenatio in den Keilinschriften ist bereits im Absehnitt über Responsion berührt worden. Ich halte es aber für nothig hier in Kürze darauf zurüek-zukommen und einige weitere Beobachtungen damit in Verbindung zu bringen. Sehr deutlich ist die Verkettung der Strophen in der zweiten babylonischen Recension der Schöpfung (S. 13):

Str. i, 10: Die Gesammtlieit der Liindev war Meer.

Str. ii, 1: Da entstand mitten im Mecre eine Bewegung.

Str. li, 10: Scliuf er die Menschon,

Str. in, 1: Die Göttiu Aruru sclinf Samen der Menschon zugleich mit ihm.

Diese Art Concatenatio ist für Strophcnbildung und Abgrenzung von grosser Bedcutung, indem nilmlieb hierdurch am Schlusse der Strophe gleichsam das Thema der nilehstfolgenden angegeben wird.1 Nicht immer tritt dies so seharf und deutlich hervor, wie .an dieser und au cinigen anderen weiter unten anzuführenden Stellen aus Bibel und Koran, aber gerade deshalb sind solche lieispiele für die Erkennung des Princips besonders lehrreich.

Eine deutliche Concatenatio findet sich denn aueh im Babylonischen Schöpfungs-epos in der Beschreibung der Kriegsvorbereitung Bels (S. 8):

Str. v, 7/8 (41): Er machte cin Notz, das Ungethüm Tiamat zu fangen,

Die vier Winde steilte er hin, dass sie ja nicht entkame.

Str. vi, 1/2 (m); Südwind, Nordwind, Ostwind, Westwind,

Liess er treten an das Netz, das Geschenk seines Vaters Ann.

Dieses Beispiel ist umso interessanter, als hier die Verkettung eine doppelte, durch zwei Zeilen nach obcn und unten reichende ist.

Minder deutlich, abcr immer noch erkennbar, ist diese Art Concatenatio in den folgenden Versen:

Str. vi, 8 (60): Den unvergleichlichen Wagen, den furchtbaren, besticg er.

Str. vu, 1 (51): Er trat darauf, ein Viergespanu band er daran.

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Dass bei Amos die Concatenatio bisher nicht nachgewiesen worden ist, und dass bei Ho sea, wo sonst Kunstformen zu fehlen scheinen, eine sebr hübsche

1

Eine iilmliclio Art Strophen zu bilden liabe ich audi im Koran nachgewiesen. Vgl. obon S. 41.

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CONCATBNATIO UND TNCIitlSK) IN JeSAIA.

Concatenatio zwischcn Cap. 5, 14 — 15 in id Cap. G, 1 vorkomiut, habo ich bcreits envillint. Dagegen spiolt sic in don Proplietien Jesaia\'s einc grosse liollc und ist so recht der Ausdruck seiner diehterisehen Individualitilt. Die folgcnden Zusammen-stellungcn illustriren nielit nur die Concatenatio bei Jesaia, sondorn audi die In-clusio und beider Verbindung mit der Rcsponsion, so Caj). 1:

A i, 1 : llürot, ihr Himmel, und horch auf, Erde, donn Jahweli rcdet. A in, 7: Wiu Sodom wiiren wir, Gomorrha glichen wir.

15 i, l/2: llürot das Wort Jahwch\'s, Plirsten von Sodom,

Horchet auf die Weisung unseres Gottos, Volk von Gomorrha.

Wie man siebt, respondirt der Beginn der zweiten Columne auf den Anfang der ersten und verkcttet sicli mit dem Sclilnss der letzten. Die zweite Columne klingt aus:

]gt; m, V: Schaffct Kecht dor Waiso, nehmct eueli an des Eechtsstreits dor Witwe. C i, 1: Woblan, lasset uns rechten, spricht Jahweh,

C ii, 6: Sie schaffen der Waise nicht Kecht und dor Ecchtsstreit der Witwe kommt nicht vor sie.

Cm, 6: Zion wird durch Kecht erlöst und seine Keuigen durch Gcrechtigkcit.

]i in, 7 respondirt antithetisch auf Am, 7 und gibt das Thema an fur die dritte Columne, welches in C i, 1 in einer gegensiltzlicben Verkettung aufgenommen wird. C ii, G und C m, G sind Rcsponsion und Inclusio zugleich.

Jesaia Caj). \'2 (S. 83) sind die drei Kunstformen wieder eigenartig verflochten:

ii, 9: Und erliaben wird Jahweh allein sein an jencm Tago.

in, 1: Denn einen Tag hat Jahweh der Heerscharen.

in, 8: Und erliaben wird Jahweh allein scin an jenem Tage.

iv, 1: Und die Gotzen ganz verschwinden sio.

iv, 8: Lasset ab vom Mcnschcn, in dessen Nase eiu Haueh ist.

Die ganze Schwuugkraft des Jesaianischen Coistcs und die (Jcwait seiner Phantasie offenbart das Lied vom Weinbcrgc, Jesaia Cap. 5 (S. 80), und die alge-braische Formel dafilr bietet die Zusammenstcllung der Kunstformen:

A i, 1: Singen will ich das Lied meines Freundes von seinem Weinberge.

A i, 5: Und er hofftc, dass er Trauben bringe — er brachte aber Heerlinge.

A ii, 4: Da ich hofftc, dass er Trauben bringe, waruin brachte or Heerlinge?

A in, 1 ; Und nun will ich cuch wissen lassen, was ich mit meinem Weinberge time.

A in, G: Und or hoffte .... auf Gerechtigkeit und siehe da Schlechtigkeit.

li i, 1: Wehe denen, die da reihen Haus an Haus, Feld an Fold riicken.

11 i, 5; Denn zehn Joch Weinberg sollen oin Mass tragen und ein Joch Aussaat ein Mass.

15 ii, 1 : Wehe denen, die früh Morgens Kauscbtrank nachjagen .... vom Wein erhitzt.

1! ii, 5: Und sein Add ist ausgchungert und seine Menge verschinachtet vor Durst.

Ii m, 1: Daruin erweitert die Ilölle ihre Gier und sperrt auf ihr Maul oline Mass.

15 in, 5; Und es weiden Liimmer .... und die Steppen der Keichen essen Beduinen.

Die Kunst artet in Virtuosenthum aus im zehnten Capitel (S. 84), wo dcr alternde Jesaia den Untcrgang Sanl.ierib\'s schildert. Es ist ein wahrer Reigentanz dcr drei Grazien (Rcsponsion, Concatenatio und Inclusio), aufgcflibrt nach einer berauschen-

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CONCATENATIO IIN» InCLUSIO FKIII,EN IN MlCItA.

dcn iMolodic, in wclchcr das Thema immer wieder in anderen Variationen auf-taueht. Josaia 10, 4 schliesst:

13ci all dom wcndct sieh sein Zoni nicht uiid noch ist soinc Hand gestrookt.

I,

1 :

Wclie Assur dom Stabc moinos Zomos und in doron Hand ein Stock ist moin

Grimm. (Cone.)

I,

9:

Slolie, was ieli gethan Samaria und ihron Götzen, tlmo ioh auch Jorusalom und

seinen Bi Idem.

11,

1 :

Und wenn vollendet dor Herr sein ganzes Tiiun am Berge Zion und an Jeru

salem. (Cone.)

II,

9:

Als scliwUngo der Stal) seinen Auflieber, als liiilto auf dor Stook ein Nicht-HoIz.

(Conc. und Inol.)

III.

7:

Und der Kost seines Waldholzes wird ziililbar sein etc. (Resp.)

IV,

1:

Und an jonein Tago wird der Kost Israels . . . sieh nicht mehr stützen auf seine

Schliiger. (Cone.)

IV,

8:

Dor mit Stab dieh sehliigt und seinen Stock gogen dieh orhebt auf iigyi)-

tisoh. (Incl.)

V,

1 :

Donn noch cin Wonigos . . . und Grimm ist gesehwundon und moin Zorn geht

auf iliro Aufroibung. (Cone.)

V,

9:

.... er erhobt soino Hand gogen den Berg der Toehtcr Zion etc. (Conc. und Incl.)

]iei dein jüngern Zeitgenossen Jesaia\'s, bei Mieha, sind Coneatenatio und Inclusio nicht nachweisbar. Üiose beiden Kunstformen, die von Jesaia mit Genia-litilt und Virtuositiit ausgebildet und vorwendet worden sind, konnten von Miciia nicht nachgeahmt werden, ohne dass er Klinsteiei statt eciiter Kunst hcrvorgebraclit hiltte. Wie er daher in dor Sachc gewissermassen ein Antigono Jesaia\'s war, dein Jerusalem und das Hciligthum ilber Alles stand und dessen Unverlctzlichkeit cr mit Hammonden Worton verklindeto, so eröffnetc er audi in der Form cine Reaction gegen Jesaia\'s geniale Art. Es ist geradezu charakteristiseh, dass dasselbc Stück, in welchem die Grossen und Hilupter rücksichtslos angegriffen und die Zorstörung Jerusalems und dos Temp cl herges in grausiger W\'eisc gcseliildcrt wird, anch in fbrmaler Beziehung das abwcichcnde Kunstprogranim Micha\'s enthalt. Kcino geistreichc ]gt;iitze, koine funkclndc \\\\rortspi(ile, kcine phantasicreiche Zukunftsbilder — in harten klaren Worton, sjjitjc und scharf wird die Gcgenwart geschildert und die Zukunft enthüllt. Dio altc cyclopische Art des Aufhaucs wird wieder hervorgeholt, abcr architectonisch crwcitert. Die Wortrcsponsion wird vermicden und statt ihrer Sach- und Gcdankenrosponsion geset/.t.

Es klingt wie einc Ironie, dass auf diosc grausige Rede in JMicha das schönste Zuknnftsbild des Tempelberges in Jesaianischen Wortcn gescliildert wird (Alicha Caj). 4). Die Erkliirer wussten damit nichts anzufangen und schwankten in Bczug auf\' die Autorsehaft dieses Stllckes zwischen Jesaia, Micha und eincm Anonymus. Die Entwicklungsgesehichte dor Prophetic macht cs nnmogiich dieses Stück Micha zuznsehreiben. Nur Jesaia kann der Vcrfasser desselben sein. Der grosse ( Jegen-satz zwischen Jesaia und Micha, der vicllcicht nirgends schiirfer zum Ausdruck komint als in diesen beiden Stückcn, mag in uraiter Zeit einon ticfblickenden Loser bewogen haben am Rande seiner Handschrift der trostloscn Weissagung Micha\'s die zukunfterhellcndc Propliezeiung Jesaia\'s gcgenüberzustcllen, uin jenc zu miidern und cinzuschriinken — und so enthillt Micha neben seinem Proteste auch die Verkündigung Jesaia\'s.

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CONCATENATIO UNO INCLUSIO IN ZEPIIANJA, HABAKUK UND EZECHIEL.

Es ist eigenthümlich, class Jeremia in den dreicolumnigen Reden, die n.acli dem Typus j\\[iclia\'s gemacht worden sind, ebenfalis weder Coneatenatio nocii In-elusio aufweist, wenn man nicht das Zurüekgreifen des Scldusses der Rede auf den Anfang ais Inclusio bezeichnen will. In diesem Sinne iiaben beide Inelusiü, Mielia in seiner Musterrede und Jeremia in seinen Nachahmungen. Diese Inclusio, wenn man sie so nennen darf, ist aber streng saciilich und unterseheidet sieb stark von der Kunstform, wie sie bei Jesaia ausgeprilgt ist und wie sie spilter bei Anderen vielfacli auftauebt. Dagegen darf man in dem Orakel über Aegypten (Cap. 40, 14—24) in der zweiten Strophe oinon Fail deutiieher Inclusio erkennen.

n,l: O du schone Kuh Aogyptons, dor Würger aus dom Norden kommt, er kommt. ir, 9: Zu Scliandon wird die Tochtcr Aogyptens, proisgegebon dem Volke aus dem Nordon.

In Zephanja sind vereiiizelte Beispieie von beiden Kunstformen verhanden. Dass sie nicht hiiufiger vorkommen, darf bei dem geringen Umfange des Buehes kein Wunder nehmen und dem Propheten als ein Zeiclien weiser Beschrilnkung angerechnet werden. Ein Beispiel doppelzeiliger hielnsio findet sieli im Capitel 2: ui, l/2: leh liabo gehort die Schmèihung Moabs und die Lastorung der Sölinc Amons,

Welclie liïstcrtou mein Volk und übormüthig waren gogen ihro Gronze. ui, 7/8: Dies wird ihnen für ihron Hochmuth;

Deun sie stiossen Schinahung aus und waren übormüthig gogen das Volk oto.

Ein Beispiel von Coneatenatio bietet Capitel 3 (S. 123):

l, 7: Ilu\'o Priester entweihen das ileiligo, vorgewaltigon die Lohre (das Recht), ii, 1: Jahweh alloin ist gerecht in Hirer Mitto, tliut kein Unrecht.

Auf dem Principe der Coneatenatio aufgebaut und uur durch leiehte Respon-sion zusammengehalten, sind die Wehrufe bei IJabakuk Cap. 2 (S. 128), die man oben vergleichen möge. Sic sind dort in genügender Weise besprochen worden.

Die Beispieie von Coneatenatio sind in Ezechiel nicht zahlreicb und nicht selir augenftlllig. Icli fübre liier folgende an (Cap. 14, S. 132):

B I, 7: Die Fortziehondon sind Söhno und Toohter,

B li, 1: Siclio, sic ziehen fort zu ouch.

Verblinden init Responsion und Inclusio (Cap. 15, S. 137):

B i, 4: So gobo icli prois die Bowohner Jorusalems.

B li, 1: Und ich gobo (richto) mein Antlitz wider sic.

B li, 4: Wenn ich richto mein Antlitz wider sic.

B m, 1 : Und ich gobo (verwandlo) das Land zur Wüsto.

Ein weiteres Beispiel dicser Art bietet das Schwertlied (Cap. 21, S. 140):

Bi, G: Ein Sehwort ward gesoharft und gofogt.

B ii, 1/2: Um Sohlachtung zu seblachten ward os gOBchiirft,

Uin Blitze zu blinken ward os gofogt.

B iv, G: Nur gemacht zum 151itzcn, gofogt zum Schlachton.

Das Klagelied über den Fall von Tyrus (Cap. 27, S. 156) konnte nur durch die Erkennung soldier Kunstformen strophiscb gegliedert werden:

li, 1 : Tyrus du sagtost: Ich bin die Vollcndung der Schouhoit.

II, 10: Doine Wcisen, Tyrus, die in dir waron, sind deino Stouermanner.

v, 10: Und du warst voll und warst gar schwor im Horzen des Meores.

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CONCATENATIO UNI) INCLUSIO IN EZECHIEL, DEUTEKOJESAIA UND IM KORAN.

vi, 1: In gcwaltigc Wflsser (auf\'s liolio Meer) brachten dicli doinc Rudercr. vi, 10: Seelcuto, allu Stcuermiinncr des Meeros, treten auf\'s Land.

vu, 1: Wer glciclit Tyrus, dein Bergabhange (Felsenriff) mitten iin MeereV

Eine doppelzeilige Inclusio ist in Capitol 17 (S. 13\'J) ciitiialtcn:

15 iv, 1/2: Also spricht der Herr Jahweh: Wird dies gelingenV

Wird jener nicht ihrc Wurzel ausreissen?

1? v, .\'i/4: (Zu retten) von der Aushebung von der Wurzel aus.

Siehe, sie ist ja gepflanzt, wird dies gelingen?

Beispiclc von strophischer Inclusio, die sich viclfach bei Ezechicl linden, werden in der Strophik angeführt worden. Hier sei nur der cine Fall erwillint, wo stropliiselio Inclusio init Sinn-Inclusio zusannncnfilllt, und zwar im 19. Capitol, das aus zwei Roden bostelit, wolche durcli den Anfang und Schlussvers einge-ralnnt und als Einhoit gekennzoichnet sind. Strophisch gegliedert ergibt die Zwil-lingsredo folgondo Formol:

1 (4 2 4 -I- 2 4) (3 2 4 3) 1.

Dor vereinzolte Vers zu Anfang und zu Endo bringt schon ilusserlich und formell die Inclusio zum Ausdruck, aber aucli saohlicb bilden die beiden Verse eine rich-tige und passende Einralimung:

Und du erheb\' ein Klagelied über die Fürsten Israels und sprieh! Ein Klagelied ist es und ward ein Klagelied.

Das Zurückgroifen des Schlusses dor Kode auf den Anfang in Cap. 31 und 32 ist, wie schon obeu bemerkt worden ist, ebonfalls eine Art Inclusio.

Im Deutoroj osaia kommen vorhiiltnissmassig wenig Fiille von Concatenatio und Inclusio vor, und aucli dieso wonigen Fiille zoigen keiue scharf ausgoprilgton Formon. Die Boispielo fiir Concatenatio findot man auf Seite 178, 180, 18G und 187 und für Inclusio auf Seite 170, 178 und 179.

Die vorschiodenston Formon von Concatenatio und Inclusio zeigt audi dei-Koran. Die cinfacho Concatenatio bestoht darin, dass ein Wort oder Godanko zu Endo dor Strophe durch Ideenvorbindung den Uebergang zur nilchston Stroj)lie vermittolt, so z. B.

15, 49/50: Vcrkünde meinen Dienern, dass ich der Vcrzeiher und Erhariner bin.

Und dass meine Strafe eine sclnnerzliche Strafe ist.

51, 51: Und verkiinde ihnen von den Gasten Abrahams,

die bekanntlich eine schmerzliehe Strafo angosagt habon.

44, 23: Und verlass das weite Meer ruhig, sie siml ein ertrinkendes Heer. 41, 24: Wie viel verliessen sie von Giirten und Quellen!

92, 16: Der leugnet und sich wendet ab.

92, 17: Was wir dom Frommen wenden ab.

Ein hübschos Boispiel von Concatenatio durch Sinnilhnlichkoit und Assonanz

bietot

36, 40: Die Sonne darf den Mond nicht einholen, und die Nacht dem Tag nicht

vorancileii, ein jeder sehwimmt in seiner Sphiire {fatal\').

36, 41: Und ein Zeiehen ist ihncn, dass wir trugen den Samen auf gefülltem Sc hi ff (fuik).

205

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CoNCiATENATIO und InCLUSIO im KoKAN.

Antithetische Concatenatio iiiulct sich

15, 30: Üii botcten au ilio Kngol alle insgesammt.

15, 31: Nui\' Iblis nicht, er verwoigerte sich beizugesclleu ilen Anbctcnden.

Eine geistreichc Antithese, wie man sie hei Mohammed selten finclct, ver-kottet andere zwei Strophen derselhen Sure:

15, 14/15; Uiul wonu wir ilmcn öffneten ein Thor de\'s II i mm els uml sie in tlen-selben stiegen, so wilrdcn sic sagen: Unscre Augcn sincl trunken, ju wir selbst sind verzaubert.

15, KJ: Unci wir filrwahr machten am liimincl Burgen und sehmücktcn sie aus den Scliauenden.

Eine hesondcre Form dor Strophenverkettnng, die darin hesteht, in der je iblgcnden Strophe einen Gegcnstand zu behandeln, der im letzten Verse der voran-gehenden angedeutet worden ist, wurdo bdrcits oben, Seite 41, hesprochen.1

Ich steile im Folgenden noch einige Beispiele von Inclusio znsammen:

56, 57: Wir haben euch geschaffen. Ihr solltot doch glauben!

56, 72: Wir haben es gemacht zur Krinnerung und zum Nutzen der Hungernden.

Diese heiden Verse scldiessen ein fallendes strophisches Gehilde cin 1 (5 4 3 2) 1, von denen die miltleren vier Strophen dureii Wort- nud Sinn-responsion mit einander verhuilden sind.

56, 73: So preise denn den Namen deines Herrn, des grossen,

56, 96: So preise denn den Namen deines Herrn, des grossen.

Ancli dieso heiden Verse schliessen eine zusammenhilngende Strophengruppe (!iii und inarkiren sic als grössere stroiiliisclie Einheit.

11), 84: Sie nehmen sich ausscr Allah andere Götter, damit sie ilmcn zum Sehutze dienen.

19, 90: Es wird Niemand Filrspraebe einlegcn künnen als derjonige, der von Kahman eine Znsage genomincn.

19, 91: Und sie sagen der Uahman bat sich eincn Sohn genommen.

Die heiden ersten Verse beginnen und schliessen eine siebenzeilige Strophe. Sie correspondiren mit einander antitlictisch, indein der Meinung derjenigen, welehe sich andere Götter ausser Allah nehmen, um durch sie Schutz (bei Allah) zu erlangen, im letzten Verse widersprochen und gesagt wird, dass um Schutz zu gewahren und Fürsprachc einzulegen, immer eine Erlaubniss Allah\'s noting sei. Die Antithese, welehe die Strophe abschliesst, wird aber durch ein sinnlichos Moment ver-sehilrft, indem diesclben Worte gehrauebt werden, aber in anderer Bedeutung. lOs wird ein neucr Gedanke untor Anwcndung derselben Worte ausgesprochcn.

lm folgenden Vers, welcher die ncue Strophe einleitet, werden dieselben A\\rortc wieder anders gewendet, und wiihrcnd dieselben mit den ersten Verson der vorangehenden Strophen eine Rcsponsion bilden, verketten sie durch den Gleichklang der Worte die beiden Strophen mit einander.

Ein Beispiel von Verschlingung der drei Kunstformen moge das Ganzc ab-schliessen:

200

1

Diosolbo Art dor Strophenvorkottung findot sich aucli in dor kellscliriftliohen Scliypfungs-geschiclite. Vgl. obon S. 201.

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URSPRUNQ UNI) ClIARAKTEKISTIK DEU STROPHK.

15, (i: Unci sie sprachen: O du, zu dein licruntcrgeschickt worden die Ermfihnung, du bist veri\'tlckt.

15, 1): Wir habon die Ermahnung bcnintcrgcschickt und sind die liiiter dcrsolbcn. 15, 10: Und wir turwalir hattcn sclion lioteu vor die Boten gesandt zu friiheron Secton. 15, 21: Und von allen Dingen sind die Vorriithc bei uns und wir souden sie herab.

15, 22: Und wir scbieken die Winde.....und sendcu hcrab . . . und nicht ilir

sammclt Vorriitbe.

15, 25: Dein Hcrr aber, cr samraelt sie.1

Strophik und Architectonik.

Hit Aljsiflit liabo icli in dicscm dcr Stropliik uml Rcsponsion gcwitlmclen Absclmitt die Bctrachtung dor Rcsponsion und Hirer Dcpcndenzen voraugeschickt. Naclidem wir aber die wirkenden Krilfte der seniitischen Poesio ihrem Wesen und ihrer liistorisclien Kntwicklung nach kennen gelornt habon, miissen nun aueh die Formationen betraciitet und gcprlift werden, welelic mit Hilfc jener Ivrafte aus dem Denk- und Diclitstoff geschaffen worden sind. .fede grosse lite-rarische Scliopfung, sei sie nun episeher, lyriseber odor rlietorisclicr Art, muss in grössere odor kleinere Alischnitte getlieilt werden, und diose Absciinittc werden wieder in kleine Absittze gegliedert. Diese Absiltze sind in der Regel entwedcr einandor gleieb oder steben zu einander in einem gewissen Verlialtnisse. Die Ein-tiieilung in gloiebe oder proportionirtc Absiitze oder Strophen entspringt dem ]?o-streben ein gewisses Ebenmass im Aufbau der Erziiblung, des Gedichtes oder der liede zu crzielen. Damit niebt ein Gegcnstand übor Gobüiir lang und weit-lilulig beschricben, ein anderer in wenigon Worten abgetban wird, niisst der Diehter die zu durehsehreitendc Strecke und steekt sicb selbst die Grenzen ab. Seibstverstilndlieli muss die Stropbe eincn Gedanken zum Ausdruek bringen, oder ein Gescbcliniss scliildern und im gewissen Sinne eine Einheit bilden. Dass die Einheit eine relative und veranderliehe sein kann, ist nati\'irlieh, ahcr die ncben-einander stehenden Einheiten wirken bestimmend auf einander, wie in der Bau-kunst und Musik, so aueh in dcr Poesic. Naeh Mogliciikcit werden die Einheiten niebt nur an Umfang gleieb gemacht, sondern aueli der Form und innern lgt;o-schaiFenheit naeh gleieh oder ilhnlieh gcstaltct. Der formale Ausdruek hierfur ist die Responsion, welehe die obenmassigen Strophen in verwandtc synnnetrisebe Organismen mnwandeit. Aber nicht iinmer miissen die cbenmassigcn Strophen mit einander correspondiren. Ein solchcr Zwang wlirde die epische Erzilhlung mid die prophetisebe Rede, welehe eine Entwicklung der llandlung oder der Gedanken voraussetzen, ganz unmoglieh machen. In der That zeigt das babylonisebe Sehöpf\'ungsepos fast gar koine Spuron von Responsion, dagogen aber Inelusio und bosonders Coneatenatio, weil dieso lotztere Kunstform die Fortentwieklung des Ge-dankens odor die Fortsetzung dor Erzilhlung am besten vorinittolt.

Ein Bliek auf die oben (Seite 8 ff.) abgedruekte Tafel iv, zeigt die stropbiscbe Eintheilung, die ieh hier in folgendor Formel wiedergebe:

2 (9 X 8) 4quot; (12 quot;h 8 12) (2 X 8) (4 X (i).

1 Weitere Bcispielo von Inclnsio fimlen sivli in Sure 16, 73 nnil 83; 36, 28 und 4i); 44, 9 uml 59; 75, 1 uml 6.

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Kennzeiciten deu Strophe.

Eine sorgfaltige Analyse dos Stückcs wird lehrcn, dass eine andere gedanklichc Eintheilung unmöglich ist, und dass also der Gedankengang und die Entwicklung der Handlang allein für die strophiseho Gliedorung massgebend waren. Man sieht aber aus der Formel, dass es in der Hand des Dichters lag aus dom monoton glcichmüssigen Strophenbau die Darstellung zu hoheren Einheitcn zu erheben und naeb Bedürfniss aucli in kleinere Einheitcn ausklingen zu lassen. Dass aber trotz der wcchselnden Strophen die bestimmte Absiclit gewaltct liabe, in gleichen und ebenmftssigen Strophen zu dichten, wird kaum Jemand leugnen.

Immerhin bleiben Gedankeneinschnitte allein keine ausreicbcndc Gewahr für strophischc Gliederung, und es ist dalier von besonderem Werthe, dass die zweitc Recension der Schöpfung nicht nur einen regelmilssigen Bau (10 10 10 10) zeigt, sondern dicsen Bau aucli dureb sichtbarc Kunstformen (liesponsion und Concatcnatio) sichert. Wcchselnden Strophenbau weisen zum Theil die Königs-inschriften meistens in den Schlussformeln aid\', so die Inschrift Tiglathpilcser i, die anfangs drei Neunzeiler, und dann lanter Siebenzeiler (oft Zwillinge) bietet. Die königlichen Schrciber bestrebten sicb die poëtische Manier nachzuahmen und eine gewisse Symmetrie in ihren Kanzleistyl zu bringen. Dass manche Unebenheit unterlituft, liegt in der Natur der Sache und in der Individualitiit des mehr oder weniger geübten Stylisten.

Sehr charakteristisch sind die Inschriften Sargons (6 6 (5 7) und Ne-bukadnasar\'s (4 4 4 5), weil sic nicht nur einen gewissen poctischen Schwung und eine geschickte Anwendung der Kunstformen verrathen, sondern auch des-halb, weil hierin das Princip der um eins steigenden Strophe auftaucht, worüber weiter unten noch gesprochen werden wird.

Bei der Ersehlicssung der Strophen in den Pr oplieten, wo die Abtheilung der Zeilen nicht gegeben ist, leitcten mich dicselbcn Principien, die für die Be-stimmung der Strophe überhaupt massgebend sind. Als erste Charakteristik der Strophe ist demnach strenge gedanklichc Einhcit anzusehen. Daneben zeigen aber die Strophen eine solche Ebcnmassigkcit im Banc, dass man eine strophischc Einhcit durch die danebenstehende andere controliren kann. Durch die Kunstformen können die Beziehungen der Strophe zu einander so wie ihre Abgrenznng von einander genau bestimmt werden. Zu dicsen beiden aus Sinn und Kunstformen entnommenen Kennzeichen der Strophe kommt noch im Hebraischen ein drittes dazu, welches der Ueberliefcrung cntlehnt ist. Der massoretische Text bietet nilmlich eine grosse Anzahl von Absiltzen und Einschnitten. Diese Einschnitte, welchc gewiss aus ur-altcr Zeit stammen, bezcichnen nicht nur grössere Simiabschnitte, sondern mar-kiren auch Strophengruppen oder einzelne Strophen. Am deutlichsten kommt dies bei steigenden und fallenden Strophengebilden zum Ausdruck, wo der Einzeiler geradeso markirt ist wie der Fünfzeiler. Bei der von mir versuchtcn Strophen-eintheilung treffen meistens alle drei so versehiedenartige Indiciën zusammen und bieten auf diese Weisc eine Gewahr für die Richtigkeit. Eine weitere Controle der strophischen Gliederung liegt in dor Architectonik der prophetischen Roden. Es kommen zwei- und dreieolumnige Reden vor, wo also die strophischc Eintheilung und Abgrenznng je einer Columnc durch die parallelen Einschnitte der an-dern orwicscn wird.

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Stuoimhk in Amos, .1 f.saia und Mlciia.

Die Abthcilung der Zeilen ist sehon durcli die Abgrcnzun^ dcr Strophcn selir erleieiitert. lOs gibt Fitllo, wo die Zeilenabtheilung durcli Gedankcn und Rhythuiik nahezu gesiehcrt ist und ein iinderer Modus dor Abtiieilung fast ausgeschlossen erscheint. Dicse Abgrenzung wird nocli dazu oft durcli die Ueberlieferung der Accentatoren unterstützt. Man kann daher hilufig die strophiselie Gliederung durcli die sicli ergebende gleiche Zalil der Zeilen bestiltigt sehen.

Oft liabe ich in der That ein Stuck in Zeilen zerlegt, die ich nach meineni Spracligefiihl als solche erkannte; die eine oder die andere Strophe war ini Text durcli einen Absatz markirt. So wurde das Stlick in Strophcn eingetheilt, und als Bestiltigung der Riehtigkeit des ganzen Vorganges tauchten Responsioneu auf, die mir friiher gar nicht aufgefallen, es steilten sich Concatenatio und Inclusio ein, die nicht gesucht worden waren.

Umgekehrt konnte man durcli Erkennung der Responsion die Zeilen ab-theilen, und die Abthcilung erwies sich als cine sinngemiisse und rhythinische.

Wenn man aber glaubt auf diese Weisc audi das Wesen der Zeile genauer bestimmen zu können, so erweist sich dies als cine Tiiuschung. Sic ist weder durcli cine Anzahl von Sylben oder Hebungcn gebildet, noch wird die Zeile (lurch dicZahl derWorte bestimmt, sic ist vielmchr das Product des Gedankcn- und Gefilhls-rhythmus im Verse und der Symmetric und Symphonic innerhalb der Strophe. Alle Versuchc, die gemacht worden sind ein bestimmtes Mass fi\'ir die Zeile festzusetzen, erweisen sich, so weit dies die Propheten bctrifft, als verfehlt. Sclbst dcr so viclfach anerkannte Elegievers Buddb\'s hat in den Propheten keine Berechtigung und keinen sichcrn Bestand.

Was nun die Form der Strophe bctrifft und die verscbiedene Art ihrer Ent-wicklung, so bictct gleich Amos, der iilteste uns erbaltenc schriftstellernde Prophet, schr abweclislungsreiche Strophik:

Cap. 7: Glcichmassigc Strophcn (8 8 8 0)

Cap. 9: Wecbsclnde Strophcn (10 6 10 (J 10)

Cap. 3: Nach den Enden zu abfallende Strophcn (7 8 8 7) Cap. 8: Nach den Enden zu steigende Strophcn (7 5 7). Ein cigentluiniliehes Strophengebildc zeigtCap. 4: 8 (5 4 ö a l) 8, wobci die mittleren abfallenden Strophcn jedcsmal durcli einen Kehrvers getrennt sind. Uebcr den Strophcneomplex Cap. 1—2 wird weiter untcn noch die Kcdc sein.

Aus Jesaia greife ich cinige sichcre Strophencombinationen heraus: .)es. 1: (7 5 7) (7 1) -I- 7) Doppelcoluiiine 6 6 O G „ v: (5 4 6) (5 5) 5 (4 :i 2 1)

„ vi: (3 10 10) (3 10 10) Doppelcoluiiine „ x - xi: (4 7 7 4).

Aus Micha fiihre ich nur zwei Stroplicngebilde an, von denen das crste, typisch geworden ist:

Micha in: (5 8 4) (5 8 4) (5 8 4) dreicolumnig

,, v: ((gt; 6 2) (6 6 2).

In solchen doppel- und dreicolumnigen strophischen Complexen isl sehon iiusserlich die strophisebe Itcsponsion ausgepriigt.

1). II.MiUIor. Die Prophoton.

•M)

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StUOI\'HIK IN Juli lOMIA, Zul\'lIANJA, EzEClIllOL UNI) DeUTEROJESAI A.

Jeremia hat die dreicolumnige liede Micha\'s nachgeahmt und weiter aus-gebildet. Als charakteristische Forinen derselben mogen folgende geiten:

Jeremia x: (7 7 4) (7 7 4) (7 7 4)

„ ix: (7 7 7) (7 7 7) (7 7 7),

wobei er eben durch die gieichzeiligen Strophen doppeltc Responsion w irk en lassen konnte. Daneben noch:

Jeremia xlvi: (8 84 8)

„ li: (9 9 -f 9), das letzte Stiick wird Jeremia abgesprochen.

Zephanja zeigt insoferne ein nenes Bauprincip, als er die doppeleohimnige Rede, die wir bereits aus Jesaia und Anderen kennen, dahin modificirte, dass die beiden Columnen nicht gleicb lang sind, sondern zu einander in eincm gewisscn Verbilltnisse stchen. Ausserdem liebte er es als Introduction oder als Schluss cine klirzere Strophe anzusetzen, Dazu kommt noch cine neue Erscheinung, die darin besteht, dass er die Strophen nicht paarweisc an gleichcr Stelle respondircn lilsst, sondern sic mit dcr Responsion kunstvoll durchflicht. Als Beispicle seien bier angefiihrt:

Zephanja Cap. i: 5 (7 7 7) (ü G C)

„ „ n: (7 7) (8 8) 4,

wobei besonders iin crsten Capitel audi cine Permutation dor steigenden Scala f) 0 7 in 5 7 0 vorkommt.

Ezechiel combinirte und variirte die von seinen Vorgilngern überkommene Strophik und Architectonik. Er kennt die doppclcolumnige Rede, aber die beiden Columnen sind bei ihm in der Regel nicht gleich gross, sondern die erste ist meistens grosser als die zweitc. Er liebt es ferner, die Rede durch cine klirzere Strophe cinzuleiten, und durch cine cntsprcchende klirzere Strophe zu schliessen, so dass dadurch bei ihm cine strophische Inclusio entsteht. Beispielc dcrartiger Inclusio sind:

Cap. 15: 2 (4 4 4) (4 4) 2

Cap. 17: A 2 (5 X 4) 2; B 2 (4 X 4) 2; C 2 ((gt; X 4) 2

Cap. 19: A 1 (4 2 4 2 4) B (3 C 3) 1.

Sehr interessant ist die Strophik des Schwertliedes, besonders dcr Introduction, die aus zwei parallelen Columnen besteht und mit eincm eigenthlimlichen Schlussornament endet.

Audi die Micha-Jercmianische dreicolumnige Rede bildcte er nacb, aber mit dcr von Zepiianja entlehnten Modification; ein classisches Beispiel hicrftlr ist Cap. 31: A 1 (7 X 3) 2; B 1 (5 X 3) 2; C 1 (4 X 3) 2.

Dass die Vision vom Thronwagen, was die Form betrifft, wahrscheinlieb nur cine Nachbildung von Jesaia Cap. 1 sei, babe ich bereits oben, S. 1G5, ausgefiihrt.

Deuterojesaia bietet gleich zu Anfang einige dreicolumnige Reden, in denen aber die Columnen ungleich sind. Im 42. Capitel ist wenigstens noch cine gewisse Proportion in den Columnen nachweisbar:

A (7 7 7); B (6 (gt; (5); C (5 5 5).

In den beiden Reden Cap. 4 1 und Cap. 44—45 kann cine solche Proportion nicht nachgewiescn werden. Der wcchselnde Gedanke mid Affect schafft sicb

210

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Stkoi\'iiik in Duutkiio.iksaia und im Koran.

jedosnifil cino andere l,1orm und so gestaltct sicli deun die letztcre Rede folg\'ender-massen;

A (5 5 5 5); 13 (4 3 2 1); C (4 4).

Ein alinliclies Bild zeig-t Cap. 51—.r)2, wo in dor Mitte anstatt eines fallenden Strophengebildes ein steigendes vorkommt;

A (5 5 5 5); B (l 2 3); C (4 4 4),

das Ganze ergibt die Scala: 1 2 3 4 5.

Interessant ist in dieser Bezieliung Capitel 50, welches aus drei Fragmenten zu bestellen schcint. die cine absteigendc Scala bilden:

A (5 5); B (4 4 4 ); C (3 3).

Eine eigenthUmliche Strophik zcigt Capitel 50, das aus zwei heterogenen Theilen besteht. Der erstc Theil ist rhctorisclu\' Prosa abcr stropliisch gegliedcrt, der zwcite Theil ist poëtisch:

A (7 fi 8); B (2 3 3 2).

Die übrigen recht zahl- und abwechslungsrcichen Strophenvariantcn wird man sich leicbt aus dom Textc odcr der Uebersctzung zusammenstellen können.

Im Koran zeigen sich dieselben strophischen Gesetze, sic siml nur oft viel verwickelter und rechnungsmilssiger, wie Muhammed überhaupt scinc Phantasie stark in den Dienst des Verstandes gestcllt bat. Die koranischcn Strophencomplcxc sind oben in genügcnder Weise analysirt und begrlindet worden, so dass ich micb hier auf cine kurze Uebcrsicht der Strophengebilde beschranken kann:

56. Sure: 7 (Itl Hl 17) (1 5 4 3 2 1) (l (5 7 8 2) 19. Sure: (6 5 4) (6 6 7) 7 (lO 7 8 9) (8 7 8) 2(5. Sure: 8 (8 2 X 8 7 8 4) (9 8) (9 10 it 8)

(5 3 5 3 5 3 5 3 5)

1 5. Sure: (5 4 G) (6 44-5) (5 5 4)

(J

(6 4 G) (G 5 5) (5 4 -f 6)

28. Sure: 5 (8 7 8 7 8) (10 8 7)

3G. Sure: 1 (4 4 4 4 4) 1 44. Sure: (8 7) (8 9) (9 8 9)

51. Sure: (7 7)

69. Sure: (3 5 4) 4 (G 6 5 3) (5 5 5 5)

7 5. Sure: (6 7) ((! 6) (5 5 5)

78. Sure: (5 6 5) (4 6 4 6) 5

80. Sure: (4 G 5) -|- (8 9 10)

82. Sure: (5 7 7)

90. Sure: (7 3 7 3)

92. Sure: (4 3 4) (5 5).

Betrachten wir nun aufmerksam die bier entwickelten Gcsctze der Strophik und der Responsion, die sich in drei grossen scmi|isdien Literaturen in gleicb-milssiger Weise nachweisen lassen, so sind zur Erklilrung dicser Tbatsache nur folgende Möglichkciten vorhanden: entweder baben wir es mit einer Erschci

14*

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Dlill GUMMIN,SEMITISCHE ÜUSPRUNft DER RksPONSION UND StKOI\'IUK.

nuiig\' zu thuii, ilic aui\' verschiedenen Gebietcn sicli selbststiiiulij;\' entwickoll liiit, odcr die Kunstfonacn sine! von Eiuem Volke erfundon und von den anderen ent-lelmt und nacligebildot worden, oder endlich sie gelien alle drei auf einen gemein-seliaftlielien urseiiiitisclien Ursprung zurüek. üie drei Vülker, in deren Literaturen sich diese Gruntlgesetzc feststellen liessen, entstannnen zwar alle drei der grossen Vülkerfarailie, welclie man Semiten nennt, al)er die Trennung dcrselben von ein-ander f\'allt in eine Zeit, ans der uns kein historisches Denkmal erlialten ist. Un-zweifelhaft reicht die Trennung der Siid- und Nordsemiten in eine Uitere Zeit zurüek ais die der Nord- und Nordostsemiten. Die Assyrobabylonier, die ieh fllr einen altaramilischen Volksstamm halte,1 blieben noch mit den Hebraopliönikcrn in Berllhruug, als sich die Araber langst von ibnen abgesondert batten, aber aucb die Seheidung der nordseinitiscben von der nordostsemitisehen Gruppe liegt in vorbistoriscber Zeit. Wenn nun die Grundgesetze der Poesie bei diesen drei Vólkern in gleicber Weise ausgebildet ersebeinen, so kann von einer gegenseitigen Kntlelinung niebt die Kedc sein. Zur Z(!it Amos\' sind Strophik und Responsion l)ei den Propheten vollkonnnen ausgebildet und weisen in ibren Ursprllngen in eine weit Uitere Zeit zurüek, wo an assyriscb-babyloniselien Einfluss in dieser inten-siven eise niebt gedacht werden kann. Dass Muhammed diese prophetische Manier von einem Juden übernommen hiltte, der das Geheimniss der prophetisehen Kunst noch kannte, sclieint mir ausgeschlossen zu sein. Wenn man in jlidischen Kreiscn davon uin diese Zeit noch bewusste Kenntniss gehabt hiltte, so würde dies aucb sonst in der Ueberlieferung zum Ausdrucke kommen müssen. Audi ist es fast unglaublieb, dass der Gesandte Gottes naeh einfachen Andeutungen und Rcgeln den prophetisehen Styl so vollkommen (wenigstens was die Form betrifft) nacb-geahmt liiitte. Ohne Muster in arabischer Spraehe ist dies ganz undenkbar. Man muss vielmeiir annehmen, dass Muhammed hierin an eine alte Ueberlieferung seines eigenen Volkes angeknüpft und die Manier der alten arabisehen Wahrsager naeh-geabmt bat. Eine Untersucliung der alten überlieferten Fragmente dürfte in dieser Heziehung vielleicht sichere Resultate an den Tag bringen.

Audi die Annahme, dass diese so eigenartigen Gesetze vollkommen selbst-stilndig in den drei verschiedenen Literaturen entstanden wilren, sclieint mir un-zuliissig zu sein. So originelle und coniplicirte Ersebeinungen können unmoglich selbststilndig ohne gemeinsehaftliclien Ursprung auf verschiedenen Gebicten auf-tauehen. 1st aber die Annahme gerechtfertigt, dass diese Grundgesetze weder un-abbangig von einander entstanden, noch aucb gegenseitig entlehnt sein können, so bleibt nur die Moglichkeit übrig anzunehmen, dass sie alle auf einen gemeinsehaftliclien ursemitiseben Ursprung zurückgehcn und dass diese Grundgesetze schon in ursemitiseher Zeit die religiose Poesie beberrsebt baben. Von den alten Wahrsagern und Priestern jencr entlegenen vorhistorischen Zeiten sind diese Grundgesetze vererbt worden, und sie baben sich erlialten in liibel, Keilinscbriften und Koran.

W ir werden in den folgenden zwei Abschnitten selien, dass uns Triebe dieser ursemitiseben Dichtungsart noch anderwilrts erlialten sind.

212

1

JJio Gründe i\'ür diese Aufstclhmg liabo icli in einom Vortr.ige auf dem Orientaliston-Congress in Geul\' ansoinandergesetzt.

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BiIjKA.m, dkii Skiiku von Mhsopotamibn. 21)?

Der Seher von Mesopotamien.

Ausscr den jiidisclion Prophctcn, dcren Thaten mid Roden uns die heilige Sell rift aufbewahrt hat, kennt die l)il)lisehc Er/ilhlnng aueii einen heidnischen Pro-photon aus dor Stadt Petor am Euphrat, dor von dem Moabitorkönig Balak iicrbei-gornfen worden war, um die heranziehonden Israoliten zu verwiinschen und zu vorflueiien. Don Feind dureli einen Propheten odor Zaubennann verfluehon zu lassen, schoint ein altsemitischer Branch gowesen zu sein. Professor Got.d/.iiiur hat in den arabisehon Spottgodichten (=ls^) noeh die Ueborroste solehor Verwiiu-schungen erkannt, welcho dor ,kundige Mann\' (yUcJ\\) gegon den Feind auszu-spreohon pflegto. Einen solelieii Zaubermann liess nun, wio in Nuineri Cap. 22 bis \'24 orzilhlt wird, Balak kommen, um gegen die hcranrllckenden Isracliten Zauber-und Bannspriiehe zu sehleudern. Biloam, dies ist dor Name dos Zauboriuannos, leiatet naeh anfiingiioher Woigerung dor Fiuladung Folge, iiisst sioben Altiiro orrichten und Opfer darbringen, lugt auf das Volk Israel aus, aber anstatt zu iluohen segnet or zum grossten Verdrusse Balaks die Isracliten. Dreimal wird von verschicdonen Stellungon aus dor Zaubor versucht, aber immor init gegenthciligem Erfolge, bis ihn der Moabitcrkönig ungcehrt und unbelolmt hcimschickt. Die Orakel Biloams bilden drei Absiltze, denen sich dann ein vicrter anschliesst, in wclchen er das Sehieksal Moabs in spater Zukunft verkilndct, und einigc kleinere Absiltze folgen, die Orakel ilbor andore Völker enthaltcn. Mine Untersuchung dieser Stllcke hat mich tlberzcugt, dass die Kunstgesetze der Prophetenlitcratur auch hierin noch erkenn-bar sind. leb gehe hior die Orakel Biloams strophisch gegliedort in Uehorsetzung und schiobo aus dor Erziihlung nur diejenigen Stollen ein, die zum Verstiindniss dor Orakel nöthig sind.

Numeri, Caput 23 24.

I.

7 Und or (Hilomn) begann seine Kcdc und spracli:

Aus Aram lioltc inicli Balak, dor Konig Moab\'s aus den Bergen des Ostens; Wohlan, fluclio mir Jakob, und wohlan vorwiinsche Isrucl!

s Wio soil ich fluehen, da Gott nicht lluclito, und wic verwUnsclicn, da Jaliwoli niclit verwiinschtoV

u Dcnn von dor FolscnhOhc soli\' ieli ilin und von den llügeln orblick\' ich ilm, Siclie, ein Volk abgesondert wolmt es und unter den Vólkern züldt\'s nicht.

lo Wer ziildto den Staub Jakobs, wcr berochnete die Mcnge IsraelsV —

Ks storbe mcine Scole don Tod der Gorccliton und es sei niein Ausgang wie dor seine.

ii Da sprach Balak zu Biloam: Was thust du mirV Moincm Foiud /u fluehen babe ich dich horbeigcholt und du sognost ihn ... is Komm mit mir naeh oincm anderen Orte, von wo aus du es (das Volk) nur thoilwoiso, nicht ganz schon wirst, und vorwlinsehe mir os von dort aus.

II.

is Und er begann seine Rede und sprach;

Auf, Balak, und liöro, borcli\' auf inicli, Sippor\'s soin Sobn!

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Hu.ioaji, deu Skinou von Mesopotamien.

i» Nicht cin Mcnach ist Gott, iluss er Hige, mul nicht ein Monschcnkintl, (hiss- ei\' bcruuc;

Sollt er tip roe hou und nicht thun, mul reden mul os nicht vollfülirenV ao Siehe, Segnen erhielt ich und er segnete und ich widerrufe es nicht.

al Nicht schaut man Prevel in Jakob und nicht sielit man Unheil in Israel.

Jahweh, sein Gott, ist mit ilnn und der Künigsjubel ist in ihm.

aa Gott führt sio hinans aus Aegypten, Hürner wie der Wildochs hat er. ai üenn nicht ist Zauber in Jakob, und nicht Wahrsagerei in Israel;

Jetzt wird Jakob und Israel verkündet, was Gott vollbracht hat;

al Sich\', cin Volk wie oine Löwin steht es da, wie cin Leu erhebt es sich, Es lagert nicht bis es l?cutc verzehrt und der Ersehlagonen 15Iut getrunken.

as Da sprach Balak zu Bileam: Du solist ihm nicht f\'luchen, abcr sognc os doch wenigstens nicht.

ü Und er begann seine Kede und sprach;

Spruch li ilea nis, Beor\'s seines Solmes, u. Spruch des Mannes offenen Auges. i Spruch dessen, dor liört Gottes Worte fund konnt des llöchstcn Absicht], Der dos A llmUehtigen Gesieht schaut, der niedersinkt unverhüllten Auges; Wie lieblicb sind deine Zolte, Jakob, deino Wohnsitzo, Israel!

(■ Wio (an) Biichon sind sie hingestreckt, wie Giirton Stroin entlang.

Wie Palmen (?), die Jahweh gepflanzt, wie Cedern am Wasser.

ï Es flicsst Wasser aus seinen Schöpfeimern, und seine Saat ist in reichlichem Wasser.

(Und es iiborragt don Agag sein König, und os erhebt sieh sein Reich.)

8 Gott führt ihn heraus aus Aegypten, Hörner wie der Wildochs hat er, Er verzehrt die Vülker, seine Peinde, und ihre Knochon zormalint er und die Hüfton zerschlügt er.1li Er knieet nieder, lagert wie ein Leu und wie eino Löwin, wer bringt ihn zum Au I\'s te hen V Die dich segnen sind gescgnet, und die dii fluchcn sind verflucht.

m (Bileam spricht): Nun kehro ich zui\'ück zu mcincm Volkc, wolilan ich will dich bolchren, was dieses Volk cleinem Volke thun wird in zukünftigen Tagen:

IV.

in Und er begann seine Hede und sprach:

Spruch Hiloams, Boor\'s seines Solmes, u. Spruch des Mannes offenen Auges. in Spruch dessen, dor hort Gottes Worte und konnt dos Höchston Absicht, Dos Allmachtigen Gesieht schaut er, n i odors in kon d unverhüllten Auges. 17 leb sob\' ihn, abcr nicht jetzt, erblick\' ihn, aber nicht nidie,

Es schroitet ein Stern von Jakob und erhebt sich ein Stab von Israel,

Und er verwundot die Soiten Moabs und das llaupt dor Hocbmüthigen.

is (Und Edoin wird Erbtheil, und Seïr Erbthcil seiner Peinde, Israel aber orwirbt ]?ositz.) ui Und Herrschaft wird ausgohon von Jakob und vernichten wird er don Rost von Or.

1

Ich lose D\'l\'m iiiul ilborsetzo Jlüften, Lcnclcn\', imlem ich annohmo, dass es entwedor filr

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Bu,HAM; DEK SuilKK Vd.N MksOI\'OTAMIHN.

Vcrgloicht man die vier Orakel, so zeig\'cn sich dcutlieho Zeiehen der Ue-sponsion, und zvvar meistens aueh in gleiehen Zeilen, so i, I und ji, 1 (jBalak\'); ii, 1 und in, 1 und iv, 1 in der eigcnthümlichen areliaistischen Form .Sippor\'s sein Solm\' beziehungsweise ,Boor\'s sein Sohn\'. Ausserdem eorrespondiren in und iv in den drci ersten Zeilen fast vollstilndig und u, 3 klingt wenigstens au i, an. Einc roclit charakteristische Responsion bieten i und iv in der je vierten Zcilc (die Ueberschrift nicht initgercclmet):

Denn von Pelscnliöhen sch\' icli ilin und von Iliigoln crblick\' ich ilm;

Ich suh\' ilm, aher niclit jotzt, crblick\' ilm, aber nicht nulic.

Strophe n und m eorrespondiren ferner in den letzten Zeilen dureh selir deutliche zuni Theil ganz identisehe, zum Thcil sehr almliehe Verso, wobei freilich nicht die gleiche Zcilenzahl eingehaltcn ist. Aueh sonst licsse sich rait Verschiebung Einer Zeilo Responsion naclnveisen. Ich halte dies aber fur übcrflüssig, da die deutliche und regelmilssigc Responsion unzweifolhat\'t ausreicht, die Thatsache, dass Responsion hier in Anwcndung gebracht worden ist, gegen jeden Zweifel sicherzustellen.

Was nun den Strophenbau betrifft, so bieten die vier Absiitzc folgendes Strophenbild: 7 4- 11 12 8, Nun wilre es ein Leichtes mit kritischer Methode zwei Verso zu eliminiren, und zwar in Strophe ui. Vers 8, wcil cr durch Agag auf die Zeitcu Samuels und Sauls allzu deutlich anspielt, und wei! die Erwalmung Amaleks hier überhaupt niclit passt. In gleichcr Weise konnte man aus Strophe iv den siebenten Vers ausscheiden, weil er plötzlich von Edom und Seïr redet, wahrend doch die Strophe gemilss Vers 14 lediglich von Moab handcln soil. Gibt man diesem kritischen Bedenken Rauin und eliminirt die bezeichnetcn zwei Verse, so erhalten wir ein ganz regelmiissiges Strophenbild 7 11 11 7 odcr wenn man die Ueberschrift mitzilhlt 8 12 12 8, Ich wage indessen nicht diesen altehnvllrdigen Text zu iindern, und gebe die Moglichkcit zu er-wagen, dass aueh ohne Aendcrung cine gewisse progressive Proportion in der Zcilenzahl der Stropheu vorhanden ist.

Der bessern Uebersichtlichkeit und Controle wegen theile ich aueh den lie-braischen Text strophisch gegliedert als Appendix im zwciten Bande mit und bcmerke, dass die letzten drci Orakel über Amalek, Kcni und Scham\'al ein stcigendes Strophengebilde 2 i! 4 odcr, wenn man die Ueberschrift nicht mitzahlt, 1 2 3 darzustellen scheinen. Die Stropheu lauten:

ao Und cr sali Amalek und bcgann scinc Ecdc und spracli;

Erstling dor Völkcr ist Amalek und sein Endc ist zum Untcrgang.

21 Und cr sab Kcni und bcgann scinc Rede und spracli;

Fcst mag dein Wohnsitz acin, und steil\' auf Felsen dein Nest,

22 So wild Verniclitung preisgegeben Ken, bis Assur dich fortfülirt,

2;) [Und cr sali Scliam\'nl] und bcgann scinc Rede und spracli;

Wehe, wer wird leben von Scliam al?

21 Und Sebiffe von der Kilste Cyperns (werden kommen) und peinigen wird ilm Assur

Und peinigen wird ilm Eber -— und cr selbst ist zum Untergang,

215

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Evanoklium MatthAi, CaI\'. 5.

Zui\' ErklHmng\' dieses Stüekes muss ich einige crlilutcrndc Bcmerkungcn liinzutügen. Zu beaehtcn ist die Responsion in der je letzten Zeile der drei Strophcn (Untcrgang — Vernichtung — Untergang), die Uebereinstimmung ferner in dein Sinn, indem jede Strophe eincm anderen Volke gewidmet ist. InVers 22 wird na-iy durch liborsetzt, weil ich das angehilngte na für eine Verstilrkung des ny halte, wie im Arabischen und im llebrUischen iaa etc. Aus der Cor-

respondenz der drei Strophcn ergibt sicli, dass in der dritten die erste Zeile iihn-lich wie die beiden anderen ,Und er sah . . .\' begonnen habcn muss. Die Zeile müsste also orgiinzt werden:

[ITiid er sah Assni\'l und begann suine Rede und sprach.

Indossen ist cs nicht wahrscheinlich, dass diese Prophezeiung sich auf\' Assur bc-zieht, da es kaum denkbar ist, dass Schiffe aus Cypern irgendwie Assur bedrangen und vernichten könnten, ferner ist der Ausdruck ■?!lt; lara ganz unverstiindlich. Ich wage dahcr die Vermuthung auszusprechen, dass hier der Volks- odcr Landesname tiumal vorlicgt, und dass daruntcr das Reich der Königc von Sam\'al im nordwest-liebcn Syrien (auf der Bauinschrift von Sendschirli bxar geschricben) gemeint sei. Dcmnach muss natürlich ui\'i für gelesen werden. Dass Assyrer und von jen-scits des Euphrats kommende Völker das Sam\'al-Reich bcdriingt und vcrnichtct haben, ist eine historische Thatsache. Nicht minder ist cs wahrscheinlich, dass cine Flotte von Cypern bei Alexandrette landete und eincn Plllndcrungszug nach Sam\'al unternahm. Das Reich von Scham\'al muss übrigens, als unweit vom Heimatsorte Bi-leam\'s gelegen, dicsem bekannt gewesen sein. Bis .Iemand cinc wahrscheinlicherc Erklilrung diescr Verse liefert, glaube ich diese Hypothese aufrecht erhalten zu dürfen.

Spuren von Strophenbau und Responsion in den Evangelien.

Die Lllcke zwischen den Prophctcn Israels und dem Auftreten Muhammeds wird in der Entwicklungsgeschichte der Menschheit durch die Entstehung des Christentbuins ausgefüllt, und es wilre ein Wunder, wenn in den Evangelien sich keine Spuren dieser, die ganze Literatur der Seniitcn bcherrschenden Gesetzc fiinden. Freilich liegen uns die Reden Jesu nicht in dor authentischen Form vor, wie die der alten jüdischen Propheten oder die Offenbarungen Muhammeds, und selbst dort, wo man noch am meisten geneigt wilre eine gute Ueberlieferung vorauszusetzen, wie in der Bergpredigt, hat auch diese durch die Uebersetzung sehr gelitten, deun der Geist der griechischen Spracbe musste auf die alte Form der Rede einen starken Einiluss ausüben und die ursprilngliehe Gcstalt derselbcn sehr vertlndern. Trotz all dieser ungiinstigen Uinstandc lassen sich noch deutliehe und erkennbare Spuren auch in der Bergpredigt nachweisen, welche darthun, dass die Gcsetze noch lebendig in der Ueberlieferung gewesen sein müssen, als diese Reden gesproehen oder abgefasst worden sind.

Beispiele von Responsion ohne naehweisbare strophische Gliederung bietet Matthaus Cap. 5, 21 ff:

ai \'11-/.sucatj oti ippéOr, toüc apyatoic, ():j (fsv-ice1,?.....

•ju is ai•{M u|j,ïv oti r.xc c :fY^é|/£vs; ....

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Evangblium Matthai, Cap. (i und 7.

•m

a \'lly.ï\'jsaTi Sn èppsOr, xolc ap/a!occ, ()ü [J.s\'./Eusst;, ü» \'My(quot;,) 5i Ajvto u|/.tv st( Ka; 5 [iXéirwv......

HaXtv ^y.süsaTï oxt jppsOy; toï? apyaioic, Ou/. s-isp/.yjie;; .

34 \'Kyw Se éyw \'j^.Tv p.rj èjxóoat öXw;.

38 \'lly.ï\'jcaTï OTt ÈppsO-*), \'O^Oa^j/ov avx! s«p0«7^.5u ....

sa \'Eyw oè A é y w ip.ïv p/r; dvTisxyjvai tm icovYjpo) ....

■13 \'lly.ouoaTi oxt èppëO-»;, \'AYazrjCcl? xsv ■rcXYjofov cou ....

\'Eyw Si X£y^ \'AYataxï xou; èy^Opobg Ci^óiv.

Diesc Rcsponsion markirt den Anfang doi* Strophe. Die folgcudc Kcsponsion markirt don Schluss zweier Strophen (Mattli. Cap. 6):

■» ïxo); ^ co\'j ï; sX£ï;|A05uv() èv xw xpuxxcT).

•/,«! ó \'zav/jp god ó pXsxuv èv xlt;T) y.puTtx*;),

auxb? «Koêióasi cot èv tw ©«vspij).

in aXXa xiT) zarpi oo\'j xio èv xlt;o ■/.puzx(Ti •

y.at ó Kaxïjp coy ó pXézuv èv x(T) y.puxxio,

arsoücsi coi èv xto ipavspo).

Zwei sichere Bcispiclc von seharfer und strenger Rcsponsion folgen; ich gebe sie im griechischen Text und in der LuTHEK\'sehen Uebersetzung, nur in einzelncn Fallon liabe ieli die Uebersetzung noch enger dem Originale nachgebiidet, um die Rcsponsion deutlich hcrvortrctcn zu lassen (Matth. Cap. 7).

13 EtdéXOixs C\'.x x^s cxevïj; siXr,?. is Gcliet cin durch die enge Pforte.

sxt uXaxjiia yj wuXvj, Denn die Pforte ist weit,

y.ai eüp\'j^wpo^ Yj ósbUnd der Weg ist breit,

■/; azayouGix s!? x^v airwXeiav, Der zur Verdlt;animniss führet,

y.a: ixoXXsi\' sinv eïssp/óixevoi 3t\' alixr,;. Und ihrer sind viele, die darauf wandeln.

m oxi cxïvï^ -i) -jX-^ it Denn die Pforte ist enge,

•/.«: xeOXtixpivv) ij ó3b; Und der Weg ist sclimal,

v; axocYOuca £!q x\'^v Cwcf), Der zum Leben führet,

xsti oXi\'yoi eiolv o\'i ^jpwy.ovxs; aüxr(v. Und wenige sind ilirer, die ilm finden.

24 Ta; oiv ooxi; i•/.jj£\', |j.o\'j xob; Xsyou; xojtsuc, y.ai -st£; Tj-.ïji, cp.suójo) aüxbv avSpi (ppsv(|j.(i),

bext; (iy.oSó^as xy;v o!y.(av auxoO è-i xr;v Tcsxpav •

23 y.ai y,3cx£(3r; r, |3po/-);,

y.ai rjXOav st xoxa^oi,

y.ai è\'xveucav ol av£|7.ot,

y.ai xpo;£T:£(jov xy; oiy.t\'a èy.£\'!vr;,

y.ai oüy. \'éitsat\'

x£0£|;,£X,\'wxs y^P £~i X7;v KÉxpav.

au y.ai wa? ó ay.S\'jiov [aou xsli^ Xsyo\'J; xs\'jxs\'jc, y.ai ;j.Yj ixotwv auxobj, óiJ-oiwO^CTgxat avSpi [/.topw,

33

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218 Evanoui.ium MattïiAi, Cap. 7.

\'imt; (pxaSó^ae Tr(v oi\'/.iav «ótou stci tï)v a.\\t.\\).o-) •

■/.ai y.atép^ rj [ipcyjo,

•/.al f;/.0ov ot xot«|aoi,

y.a; eicvsuuav c\'t avqxot,

•/.«! xpG^éy.o\'loiv tfj o\'.\'/.ia è\'/.ï\'Vfj,

•/al szecs \'

y.ai rft r, XTwat? «uty); (j-sva)^.

al Jeder ulso, der diesc incino Roden höret und thut sie,

Den voi-gleiclie ich mit einem klugcn Mannc,

Der sein Hans auf einen Felsen buute.

25 Und es fiel ein Platzregen,

Und es kamen Gewiisser,

Und es weheten die Winde,

Und sie stiessen an jenes lliius,

Und es fiel nicht.

Denn cs war auf einen Felsen gegründet.

ïfi Unlt;l jeder, der dicse ineine Reden liörct und thut sie nicht,

Der ist oinein tliörichten Manne glcieh.

Der sein Haus auf den Sand baute.

27 Und cs fiel cin Platzregen,

Und es kamen Oewüsscr,

Und es weheten die Winde,

Und sic stiessen an jcncs liuus,

Und es fiel,

Und that einen grossen Fall.

Das folgende Stllck (Matth., Cap. 7) zcigt dio. strophcnbildcndc Kraft der Concatcnatio und Inclusio:

in \'Atts t(ov y.apswv otjtwv èxtfvwsêoOe aütoO;-cjXaeyj\'jsiv axs ay.avOwv ata^uAYjv,

•ij d7:b TpijSóXtov oijy.a;

17 c\'jtii) Ttav SévSpov avaObv xapTtou; y.aAouq Trs\'.ïi-to Sï caeTipsv SévSpov y.apzobc uov^poli? icotst.

is ju s\'jvaxa\'. SivBpov avaObv y.apTroli? icovï)pou; xoisiv,

orj5è SévSpsv caivpbv y.apxou; y.aXohq xoieTv,

zav SevSpov :;.r( ^sisiiv y.ocpirbv y.aXbv èy.y.ÓTCTSTat,

y.al si; wp paAAstat,

apav£ axb twv y.apitwv aÜTwv èxiYVwssaOö a\'Jtoi;.

i(i An ihren Friiehten sollt ihr sic erkennen.

Kann man aueh Trauben lesen von den Dornen,

Oder Feigen von den Disteln?

17 Also ein jeglicher guter Baum bringt gute Früchte;

Aber ein faulcr Baum bringt arge Früehtc.

is Ein guter Baum kann nicht arge Früchte bringen,

Und cin faulcr Baum kann nicht gute Früchte bringen.

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Evanoemum Iji;cas, Cav. (i iind Mattuai, Cap. (gt;.

in Min joglichcr, flor uiclit gutc Frttchto bringt, wird abgchaucn.

Uiul ins Fouor gcworfon.

Darum an iliren Früchten sollt ihr sic erkennen.

Als Beispicl der llesponsion gebe ich nocli cin Stuck ans Lukas (Cap. ii), wo cino correspondirende Zoilc fehlt, oder man muss annelimcn, dass liicr cin Fall von fallender Strophik vorliegt.

ao Maxotptoi si itTW/st, \'óxi iixsTspa lotlv r, [ÜaaiXsta tsj WijO.

21 iMay.xp\'.oi cl zetvwvTs; vuv, stt xopixaOr^tcOi.

May.dpioi ol /.Xafovre? vuv, cv.

2ü Mor/.apio! ècTJ, êtxv [xic^cwjtv ot avOpwzo1., •/.«! ctav a^optswffiv ■/.«! iv£(-

oïcwjt, -/.ai Èv.(3aXw(7! to svjij.a j^iov (ó; rsv^pbv, svsy.a tij uloü tsü avOpwitou. sïï Xaïpete sv èxsïvï) ty) \'^.épa quot;/.a: extpr^oatê • issb yap, i |At30b; ip.wv icoaIi? iv tio oüpavM. K7-a T^Dxa yap exotsuv Tst; xpoifijtai? o\'. Katipi; auTtöv.

üi II/gt;y;v ïüa; up.tv toÏ; ttXuoio!?, oti a-s/itï tyjv i:apa/,AYj5tv \'jjAwv.

25 Oual Civ.tvj ol èpxiTrA^aiAévo!, ct1. wstvacsTe.

Oüal ójXïv, o\'. vsawvtc- vuv, oti r=v0^a£t£ /ai *A«,j(j£t£.

2« Oüal \'j|mv, ot«v ■/.oc\'/Mt; \'jp.a; £l\'t:ti)ct ot avOpwzit,

KaTa taita y^P stoicuv toT; (J/euSoirpofvjTan; ol xaT£p£; «ütwv,

2» Selig seid ihr Armen; denn das Reieli Gottes ist ener.

21 Selig sold ihr, die ihr hier hungert; denn ihr sollt satt werden.

Selig seid ihr, die ihr hier weinet; denn ihr werdet lachen.

22 Selig seid ihr, so ench die Menschen liassen, nnd euch absondern und eueli schelten,

und verwerfen euren Namen uls cinen boshaften um des Mensehensohnes willen, 2ii [Freuet ench alsdann, nnd hüjjfct; denn siche, ener Lolin ist gross im llimmcl]. Desgleichen thatcn ihre Viitcr den l\'ropheten auch.

2i Aber dagegen, wehe eueli lleiclien! Denn ihr habt euren \'1\'rost dahin.

25 Wehe euch, die ihr voll seid! Denn ouch wird Hunger.

Wehe euch, die ilir hier lachet; denn iiir werdet weinen und heulen.

2(gt; Wehe euch, wenn euch jedcrmann wohl redet!

Desgleichen thatcn ihre Viitcr den falschcn Prophctcn auch.

Mit cinem Beispiele aus Mattlülus (Caj). 6), wo ara Scliluss des Stiickcs aul\' den Anfang zurückgcgriffen und also cino Art Inclusio gcbildct wird, beendige ich diescn Excurs in das Grcbict dor Evangeliën:

19 My) OrjoauptsSTS uijav Oyjaaupoin; £-1 vf,- -(Tiii 21 Oü S\'jvacfte 0£(T) SouXsüeiv y.a\'; p. a [j. [;. co v z.

ii) Ihr sollt euch nicht Schiitze sainmeln auf Erdeu.

21 Ihr könuct nicht Gott dienen und dein Mannnon.

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V. Die Wechselgesiinge in den Cliören rter griechischen Tra-gödie und die iilteste Form der Prophetic.

Die Feststellung dor Thatsachc, dass in drci semitischen Literaturen Strophen-bau in Verbindung mit llesponsion vorhanden ist, musstc incin Augenmerk auf die iilmliclie Erscheinung in den Chöron der griechischen Tragödie lenken, die wohl von der classischen Piiilologie beobaehtet und erkannt, aber nicht genügend gewürdigt ■/ai sein scheint. Man hat zu viel Gewicht auf die metrische Gleicblieit der Strophen und \'/ai wenig auf die gedankliche Correspondenz, bosonders aber auf die Verflecli-tung derselben mit Laut- und Wortresponsion gelegt. Anfilnglich trat aueh mir die Correspondenz der Strophen nicht sehr deutlich entgegen, je mehr icli rnich aber mit der Gliederung der Strophen in der semitischen Poesie und der Aufündung derliespon-sion in derselben bcsclulftigt habe, desto gesehiirfter wurde mcin Bliek für diese Erscheinung, und bei wiederholter Prüfung der griechischen Chore fand ich, dass sie Kesponsion von gleicher BeschafFenheit wie die dor Prophetenstrophen zeigen. Freilich scheint die eigentliche Gedanken- und Wortresponsion durch die metrische einge-schrilnkt und verdrilngt worden zu sein, es finden sich aber so deutliche und eigonthüm-liche Kesponsionen, dass die Gleichartigkeit der beiden in so verschiedenen Literatur-gebieten auftauchendcn Kunstformen nicht bezweifelt werden kann. Nicht nur pa-rallele Kesponsion, sondern auch antithetische kommt vor; os wechselt hilufig wie im Hebraischen Sinn- und Wortresponsion. Oft werden dieselben Worte in ver-schiedenem Zusammenhang angewendet, wie andererseits dicselben Gedanken durch andere Wendungen ausgcdrilckt werden. Es gehort dazu cin gewisser Spür-sinn, die fein versteckten und zugespitzten Anspielungen und Gcgensiltzc zu erkennen, aber einmal erkannt, darf daran nicht gezweifelt worden, dass die griechischen Tragikcr in don Chöron mit densolbon Kunstmitteln arbeiteten, wie die Prophetcn. Strophe und Antistrophe wurdon nach gleichem Muster gearboitct, nicht nur rhythmiseh und syntactisch, sondern aucli godanklich. Bisweilen lilsst sich die Entsprechung Zeile für Zcilo erkennen und nachweisen, meistens jedoch nur an einzelnen, aber fast immer an gleicher Stelle stehenden Zeilen, welche joden-falls darthun, dass hier nicht Zufall gcwaltet, sondern eiuo bestimmte kUnstlerische Absicht eine gewisse Symmetrie zwischen den beiden Strophen herzustellen be-mliht war.

Ich glaube dies nicht besser und sicherer bcweisen zu konnen als durch Vorführung einer grossen Anzahl dcrartig respondirender Strophen. Diese Auswahl

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Aeschylos, dik Eumknidmn.

ist den drci grossen gTicchischen Tragikcrn, Aescliylos, Sophoklcs und Euripides entnomraen und zeigt denselben Oharakter und dieselben Arten der Re-sponsion. Ich gebe die StUcke aus Aesehylos in der vorzügliehen Uebersetzung von J. G. Droysen, und die aus Sophokles und Euripides in der vortrefflichen Verdeutschung von J. C. Donner. Selbstverstitndiieh sind die respondirenden Wendungen und Worte niit dem griechischen Texte verglichen worden, der oft eine noch viel schilrfere und feiuere Entsprechung crgab als die Uebersetzung.1

Aesehylos.

Die Eumeniden.

Stroplie 1.

sin Mutter du, die mich gebar, Urnacht,

Mich der lobond\'gen, inich der stammen Welt Strafmacht,

Sieh\', es seliuf Leto\'s Solin Spott und Hohu, Scliimpf und Schmaeli uns,

Raubet mis unseren Fang,

Muttermordschuldig Wild,2 rechtes Sühneblut für lilut.

3i.r) Drum urn den Mordtricfendon dort schlingt den Gesang,

Verstünuig, WiiTsinn, Wahnsinn, —•

Schlingt Erinnyenfestgcsang

I larf\'eulos, den Sinn zu fahn, welk zu dürrcn Mensclienkral\'t.

Gegenstrophe 1.

Zugesponnen hat ja uns Moira\'s 320 Zwingende Macht das Amt für immerdar: \'Frevlern,

Deren Haupt selbst sich gottloscn lilutgreuol auflud,

Nachzuspahen, nachzuziehen,

His sie birgt Grabes Nacht; todt3 auch sind sie nicht erlöst!

Drum um den Mordtriefenden dort schlingt den Gesang,

32.1 Vcrstörung, Wirrsinn, Wahnsinn, -—-Schlingt Erinnyenfestgcsang

Harfenlos, den Sinn zu fahn, welk zu dorren Menscheukraft.

Zu beaebten ist bier die, Gedankenresponsion zwiscbcn den zwei Flinfzcilern in den je ersten zmrei Zeilen der Stropben. In den je letzten drci Zeilen leidt eigcntlicbe Gedankenresponsion, dafür tritt in der letzten Zeile das Sinn -Wortspiel Mord und todt auf. Der folgende Vierzeiler ist in beiden Stropben identiscb.

221

1

Auf iiieino Uitte hat Prof. Dr. Wn.u. Jkhusalem die ihm von mir vorgolegten Stücko nochmals uiit dein Origiuale vorglichen und mich dabei auf mancho fcinoro Nuance dor Kosponsion auf-merksam geinacht, was liior ausdrilcklich dankend hervorgehoben wird. Eino grosse Auzahl von Stücken konuteu aber von Prof. .Jkuusai.um nicht mehr rovidirt werden, so von Aesehylos: Prometheus und die Perser, von Sophokles: Philoktet, Elektra und die Trach inerinnen, und von Euripides: Hekabe (zweites Stilck), llelene, Medeia, Alkestis, Audromiiche und die Phü-nikerinuen. Für etwaige Verselieu trifi\'t also inich allein die Verantwortung.

2

^óvou. quot; Oavruv.

ocr page 229

Amsciiyj.os, dik Eumbnidkn unii dik Pkkskk.

Strophe ;i.

Mannoa Hoffarth, prunke sic droben aucli prcisliehst,

Niedcr zur Erdc liin sinkt sie, verküimnert sic mlimlos 350 ünserer schattcngewandigcn1 Beutcgier,

Unserer Solilc noideswildein Tanz.

Gegcnstrophc 3.

Sflfl Uingcstürzt — niclit siciit er\'s in scinei\' Bcthörung;

Also, cin irrcndcs Dunkci, umnaclitct die Seliuld ihn;

Und von dein Schatten, der finster2 durcli sein Geschleclit Hinzieht, redet tausendfaeher Mund.

Strophe 4.

3iw Denn also bleibt\'s, listenreieh des Zieles gewiss,

Riicherinnen aller Schuld, furchtbar,

Allunerbittlich jedem Plehn,3 Handhabcn wir sehimpflich unglimpfliches Amt.

Den Gröttcrn abgewaudt, in sonncnlosen Lichts Diimincrnng, 365 Pfadnncrforschlich dem schenden Auge Und dem blöden Bliek4 zugleich.

Gegcnstrophc 4.

Wo ist cin Mensch, wclchcr nicht erbangt, erhebt,

Wenn er anhört meines Amtes Satzung,

Von Moira gottbeschieden mir,5 370 Dass ich cs völlig erfülle, verhangt.

Das ist mcin altes Ehrenamt, und keinc Sclnnach trifft mich,

Hansen wir aucli in den \'J\'iefen der Erde,

Und in sonnenleercr Nacht.®

Die Perser.

Strophe 1.

Denn hincin drang ja das burgstürmendc Kricgsvolk des Gebieters,

In das Festland, in das nachbarlichc drüben,

\'o Aut\' dem taubaudigen Floss über den Pontos,

Der geflüchteten Hella;

üm den Nackcn der Sec warf Wie cin Joch den dichtbalkigen Heerweg.

Gegcnstrophc 1.

Denn der viclvolkigcn Flur Asia kampffreudiger Kricgsherr,

\'5 Ueberall, beides, vom Festland von der Sec her.

Wie cin Sturm trieb er die Hecrwolkc der Seinen,

Sicli vertrauend den kühnsten.

Den gewaltigen Fcldlicrrn,

Er des goldenen Gcsehlechts Sjirossc, der Gott-Mensch.

222

1

ij.:X«vs(|j.oatv. 2 ovo^cpiv tiv1 iyXh-i. 3 zat ouiroip^fopoi ppotor;. 4 ï\'ji5 töv u.oipo-

2

/.pavtov 1/. Oewv. quot; oua^Xiov

ocr page 230

Aksciiylos, dik Pkuseu. 22;i

crrpocp^ oi

spaxsv |j.èv ó sepasToXt; rfo ^aciAeio;

cTpaTÖ? eïc avTi\'itopov fsixova /(ópczv.

avxiaTp59r; a raXuavSpo\'j 5\' \'Acta; Oo\'jptsc; ap/tov lid 7;«cav /0 s v « 7:sqj.av3p!0v Oetsv iXauvst.

Strophe 4.

Oa!

loo Dass von solchem Perserruf,

Jainmerruf, die mannvercinsamtc Stadt Susa bald erachallen wird.

Gcgcnstrophe 4.

ids Oa!

Dieser Weliruf wcinend wird Wieder schrein der Weiber Schwann wird entzwei Reissen Schleier und Gewand.

Strophe 3.

O Bal, alter Hort,1O Bal, nahe dieh, nah\'!

Steige zu deines Grabes Steinmal!

035 Ja, empor steig\' in dem Safrnn der Sandale,

Mit der Königstiara Urn die Stirn gezieret!

Nahe dieh, Vater, du milder, Dareianas!

Gegenstrophe ;5.

Damit selbst du neu Unsagbares Leid,

König dor Könige, hörst, erscheine!

Es erhebt sich schon der Styx Nobel, umhüllt mieh! Uebermannt, Herr, vernichtet 1st die Jugend Persias!

c\'irgt; Nahe dieh, Vater, du milder. Dareianas!

Chor.

«ei; Es verbeut inir, anzuschaueu dieh, a£(3o[J.ai [J-ïv xpoaioéiOa\'.,

Mir verbeut den Mund zu öffnen, 3\'avT\'ia Xé^at

Wo du nah\', die alte Ehrfureht. clOsv óipyxio) TCïp! Tapjes:.

Zweiter Ilalbehor.

«72 leh erbeb\', Herr, dir zu hehlen, otsfj.ai [jiv •/«pwacOai,

leb erbeb\' dir zu erziihlen, Siojj.ai S\'«vtl\'a ^asOai

ca,

llópcc/.oi OTpatiójji.aTo;

Tojos, [j.ï; mhq -iOr(Tat xsv«v-

avSpov iJ.é-f\' öicvj Souotöos.

ox

tout\' è\'to; vjvaiy.jT:Ar,-OÏ); o|j.tXo; dirüwv •

pyccfvii; 3\' £v tré^ao;- -icr,

Was dem Freund zu sagen sehinerzlieh. quot;/,£;a; oysXs\'Axa (ftXoioiv.

1

paX/jv cip^aro; paXriv. llebor dio Rodentiin^ unil don llrsprung dos Wortos [BaX/jV vergleieho weiter iiiitp.n S. \'24fi.

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AkSOHYI-OS, DIK SoilUTZFLKilENUKN UNIJ pHOMETUEUS.

Sehr zu boaclitcn ist hier ncljcn der Sinn- unci Wortresponsion aucli die glciclie Construction der je beiden ersten Zeilen, die noch durcli die Wiederholung desselben Verbums (Anaphora) mehr in die Augen fiillt.

Die Schutzflehenden.

ach, der God anke dos Zuus,

Strophe 4.

Walt\' es Gott! — Oh es so sicli erfüllt?

Schwer ist der zu erfassen,

Atlseits glühet er wohl,

Auch wo\'s Nacht, in kummerfinsterer Qual Der verzagtcn Menschen.

Gegcastrophe 4.

Vorstürzt siegend und nicht in den Staub, ist es im Ilanpte des Ze us,

Reif, das erfüllte Geschehcn.

Docli stumm ziehn sicli daher,

Schattenticf die Pfade seines Plans,

Zu verstehn unmöglich.

224

0Tpslt;fï) e.

:i Osir, Atb; sj wavaXyjOw;. Ab ^ \'i\'j.spi: ohy.

TXVTa TOl fXt\'féOsi

y.xv O-zstw, nsXaiva cliv T\'j/a tj.spó-;cc! XaoT?.

TmcTscar, s.

o ocafaAez suo ew vditio ■/.opuifa Atb; ïi ■/.pavOrj -pavixa TÉXetov.

oauAot vas 7;pair(Swv

ZXZ\'/.lOl T£ TilVSU-


Prometheus.

Strophe 1.

Ich klag\'1 urn dein traurig Geschick,

Prometheus! ach, Thriinen entlockt\'s, Thranen des Mitleids dem I51ick; Mit reichein Quell nctzt sich die Flur 400 Der Wange mir! grausig ja ist\'s!

Also in willkürliehetn Recht3 Nun herrschet Zeus. Uebergewaltig zwinget sein Scepter der Urzeit hehre Götter.\'1

Gegonstrophe 1.

Schon hallt von Wehklage die Welt;4 ■10quot;) Der ries\'geu Urzeiten gedenk weint sie um dciu, deincs Gcschleehts Aeonen lang herrliches Reich.

So vicle rings Asia\'s Flur,

Um ihres Hcerdes Flamme gesellt,5 Bewohnen, dein jammergesattigt grauses Loos ■no Leiden sie jannnernd mit, die Menschen.\'1

1

d-svd). vójioi;. quot; Dioi;. 4 itovo\'sv, r\' vi|j.ovTai quot; Ov/jtoi.

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SoPIIüKLKSj KöXIO ÜKDll\'US.

Schr interessant ist ilic cigenartige Responsion (liescM- heiden Strophen, die mchr oder minder dentlieii die incisten /eilon dureliflielit, ))ald dnreh ti\'Ioiclie

\' O

Worto (ttsvw uud ctsvssv), bald dureh gleiehen Hinn (Tiirilnen und weint), bald durch Antithese (Götter und Menseben), endlieh aber aueh dureh ein etymolo-gisehes Wortspiel (vó|A5; und vsj/svTai). Dazu konnnt der gedankliehe Gegensatz in den letzten Zeilen: dort herrscht Zeus und bezwingt gewaltig die Giitter, hier leiden jamraernd die Mensehen.

Sophokles.

Konig Oedipus.

Strophe 1.

Ach, will\'\' cs Loos meines Lcbens,

Rein zu waliren fromme Schcu1 bei jedcin Wort und jcdcin Wcrkc,

Treil den Urgcsetzen,

Die, in den Höh\'n wandelnd, in Aethers 85ü Uimmlischem Gcbiet flumnien mis dein Schoosse Des Vaters Olyinpos, nicht Ans sterblicher Manner Kraft

Geboren. Niemuls wiegt sie in Schhif stninme Vergesscnheit;quot;

Ks belcbt sio machtig ein Gott,\'1 der nie altert.

Gegenstrophe 1.

855 Der Frevelinuth 4 zengt Gewaltherrn.

Wenn der Prevelmuth\'1 sich thöricht übernalun und Thaten übte,

Heiilos ohno Frommen;

Dann zu der llöh\'n ausserstem Gipfel,

Hebt er sicli empor, stiirzt liinub in Elend,

«co AVo nimmer beglückt sein Fuss

Hinwallt. Was zum Heil der Studt

Begonnen ward, das wende der Gott milchtig zum Sieg, fleh\' iuh!5 Von dein Scluitzgo111\' will ich niicii nimnierdar scheiden.

Strophe \'J.

Aber wer in Wort und Werken frevle Lcbcnspfado wallt.

805 Wem nicht vor der Dike grant, nicht Göttcrtcmpel heilig sind,

Fluchvollcs Verderhen treftquot; ibn, selinöden Uobcrinuthes Lohn,

Wofcrn er nicht auf rechter Bahn Gewinn sucht,

Und nicht der Siinde Grand lileht,

Und au das IleiTge mit verweg\'ner Hand rührt!

870 Wie mag ein Mann, also frovelnd, seine Brust Sclnitzen vor des Zorncs PfeilenY Wenn ein soldier Wandel Preis und Ehre schafft:

Was opfr\' ich den Gottern?\'

1

svIosktov ayveiav Xdytov. 2 lArjuots XaOa üataxoifittarj. 3 Oso;. 4 uppi;. 5 |j.T)7tors

2

X\'jaai. u Oeóv. 7 t! Bsf [/.: y^opEuciv; (worin dor Begritf Oeo?; sdion verborgen liegt).

3

D. 11. Mlillcr. Die Propliotcu. 15

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•22() SopuoKLEs, Köniü Oedipus und Antioonk.

Strophe 2.

Xielit uur lieil\'gen Erdonmitte wall\' ieh rauhr in froininom Siim.

875 Auc\'li nicht zu (lom To,inpel Abü\'s noch ziun Ilims Ulyinpia\'s,

Wcnn nicht vor den Augen Aller, was ich sago, sidi crfüllt.

Doch dir, o Starker, wenn wir recht dich nenncn,

Allhcrrschcr /;cus, und deiner stcts Endlosen Allinacht bleib\' es nicht verborgen!

aso Der Göttor uraltes Wort an Laïos gilt Als vcrhallt, als citler Tand nun;

Nirgeuds strahlt Apollons Rubin im alten Glanz;

Das Göttliche schwindet. 1

Dicsos Strophengebildo ist tleswegen beficlitensworth, weil hier nicht nur Strophe und Antistrophe correspondiren, sondern nuch die Strophenpaare untereinandcr, mit andoren Worten: es erscheint neben dor verticalen auch horizontaio liespon-sion, die bald durch das gleiche Wort, bald durch Antitiiese zum Ausdruck ge-langt. Die zwoite Strophe wird freilich von Anderen in zwölf Zeilen abgetheilt, was an der Sache wenig andert, indessen spriclit vielleicht die Steigung um eins für die von Donnbu recipirto Zeilenabtheilung.

Antigone.

Strophe 1.

Viclcs Gewalt\'go lebt, und Nichts 1st gewaltiger als der Mensch.

Deun sclbst über die duukle 835 Meerflut zieht er, vom Stid umstürnit,■\'

Hinwandelnd zwisclien den Wogen,

Die rings umtoste Bahn.

Er müdet ab der Güttc.r Höcliste,

Giia, die owige, uie zu ennattende,

am Wahrcnd die Pflilgc sicli wenden von Jabr zu Jahr,

Widdt sie durch der Rosse Kraft um.

Gegenstrophe 1.

Flüchtger Vogel leiebte Schar Und wildscinvUrmendes Volk im Wald,

Auch die wimmelnde Brut der Sec\'2■U5 Fiingt er listig umstellend eiu Mit netzgefloehtenen Garnen,

Der vielbegabte Mensch.

Er zwingt mit schlauer Kunst des Landes Borgdurchwandeludes Wild, und den inaluiigcn 350 Nacken umschirrt er dem lioss mit dein Jochc rings.

Wie dem f\'reien Stier der liorghöh\'n.

Ta 0:ïa.

(Hoidemal jiovtou in dor vierton Zoilo).


2 l\'ppjt o; cïvaXiav lt;puaiv.

1

:l noVTOU )f£l|J.£pUi) VOTfO. 4 ItOV\'O\'J t\'

2

voióv rospoudirt auf Saiiiovcov iïr, (8G5).

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Soi\'iioKLus, Antigonk

Strophe 2.

Ihul diiH Wort und clou luftigcu Flug\'

I-)(!s Geduiikcns crfiind er, orsanu StaiitordnciKle Satzungcn, wciss dein ungastlichcu :iS5 Frosto des Reifos und

Zeus\' Regenpfcilen zit entHiclion;

Ucberall wciss er Ratli;

Rathlos triff\'t ilm nielits1/nkünftiges; vor dem Tode nnr ano Spiilit er kein Entrinnen aus;

Doch für der Seuchen schwci\'Btc Notli Fand cr Ueiluiig.

Gegenstroplie 2.

In Erfindungen listiger Kunst,

Weit fiber Verb often gewandt,

305 Neigt bald er zu Bösem, zu Gutem bald, aclitet boeh Der Heimat Gesctz,

Der Götter seliwurbeilig Recht,

Scgen der Stadt! Aber zuin Fluch Lebt ibr, wcr, gesellt\'2.•)7(i Dein Laster, frechein Trotze fröbut.

Nimmermehr an meiuen Hord Gelange, noch in nieiuen Rath,

Soleh ein Frevlor!

Strophe I .

775 O Eros,\'1 Allsieger im Kampf!

Du, dei\' besturmt, wenn er bczwungen.

Der Nachts auf schlmnmernder Juiigfrau\'n Zartblühenden Wangen webet:

Ilin über\'s Meer sehweifst du, besuehst 780 Hirtliche Wohnstittten;

Und kein owiger Gott kann dir entrinuen,

Kein sterbliehcr Mensch, des Tages Solui;

Und ergriffon rast er.3

Gegenstroplie 1.

Du lockst aueh imschuldigeii Sinn TKi In böse Schuld, ihn zu verderben;

Du bast aueh eben die Zwietraeht Des Vatcrs und Solmes enizündct.

1

jcavTOTCO po;quot; aitopoc h\'1 oiSh ep/i-ai.

2

Mir ist kein Zweifel, duss avö|j.dsv c o v rl a a ,dor fliichtige Gedanko\' aut\' zo\'jyovotov opviOtuv ,der loicht witterndo und flüchtige Vogel\' ri!s|ioii(iirt.

3

oOO\' ap.spitov y\' «\'\'Opióroov * ó o1

ló*

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iSoi\'IIOKLKS, AnTICIOM\'

lm lgt;lick ilcr liollt;lscliguii Bruut Louclitct der Solmsucht Macht 7üü Siogreidi, throucnd im Ratli liohor Gcsutzo:

Dcnn nimmer bezwingbar übt ihr Sjiiol Aphrodite\'s Gottheit.1

Dicse beiden Strophon vcrbindot nicht uur eino sturkc Jiesponsion in den zwei letzten Zeilen (in dein mir vorliegenden Grundtexte l)il(len sic nur je eino Zeile), sondern sic sind audi von einer Inclusio cingerahmt, dcnn die Sti\'ophe hc-ginnt mit Eros und die Gegcnstrophe scliliesst mit Apiirodite.

Strophe 2.

O selit mich, selit, liürgcr der Vaterheimat,2Wie irh den letzten Weg sou DahinwancUe, den letzten Strahl Sehen soli von Helios\' Glanz,

Und nie wieder! Lebend entführt Hades, AU\' anfnehmend in Huh\',

Mich zu dem Ufer SOB Acheron\'s; Hymenacn

ICmpfing ich nicht, koin briiutliches Lied Feierte mich mit Fest-

klüngen; Acheron fiihrt als liraut mich heiin.3

Gegcnstrophe 2.

815 Ich börte, wie Tantalos\' Tochter, jenc\'1 Phrygerin, grauenvoll Einst an Sipylos\' Höhen starb:

Gleich des Epheus schlingendem Griln.

Rankt\' nm si(^ der sprossende Fels;

820 Kastlos zehrt der liegen an ihr,

Lautet die Sage,

Der Schnee lasset sic niemals,

Und badet untcr den thranenden Urau\'n,

Ewig den Busen ihr;

825 Also bettct der Tod zur Kuh\' audi mich.4

Strophe 3.

sao Web. weh! Dn lachst meiner! O Gutter meiner Viltcr,

AVie kannst du mich lebend höhnen.

Eh\' ich in\'s Grab sank?

Stadt, und o meiner Stadt Manner, reich an Hositzung!

228

1

0s3|j.o)v ■ ajj-a^o; yip Ocb;

2

ópar\' su.1, fi) vi; Koczpixi TZO\\XXM.

3

uaviasv, aXX\' \'A^lpovti vu|j.Oc6aa).

4

a rj.s SaijjiMv óao\'/j-atav z«TcUv».\'f ci.

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SopiroKi.ns, Antjqonio und i

22!»

111 liOKTKT.

«35 Und du,

Dirkn\'s Hruniiqucir, Lustliaiu du lgt;cr wogenmnranscliten Tlicba!

Eucli alle bosclnvör\' ich, acid Zeugen,

Wie unbeweint von Freunden, kraft welches Spnielis,

«•lo Ins enge Grabgewölb\' hinab der ncuen Gruft ich steigen inuss, I cli Un soli go, well!1

Hin fern von Mensolien, fern von Todteu,

1 m Leben nielit lieiinisch nocli im Tode!2

Gegenstrophe ii.

Du regst den herzkriinkenden Gram mir auf im Husen. Das Jainmergescliick des Vaters,

850 (Tnseres ganzen

Stammes berufenes Los,

Edler LabdakossOlme;

Wch, weh!

Pluehvoll, seliuldvoll Khbett, wo «55 Dcm leiblichen Solm die Mutter,

Ach! unserem Vater beiwohnte,

Vou welchen ieli entspross, die Unselige,

In deren Ilaus icli unvermalilt, von Flucli belastet, wandern inuss!

0 well! Unheil sehuf1 «fio Der Bund, den du, meiii Bruder, kuiipftest!

Ein Todter schon, inordest du mein Leben!3

Dieser scharfsinnige Gegensatz dor Sclilusszeilcn cliarakterisirl besondors dcutlich die Art der Responsion. Aus denselbcn Megi-iU\'cn, /uiii Tlieil .selbst uns denselbcn Worten schafft der Diehter einen anderen, iieuen Gedanken, wie ilm nur der tiei\' bobrendo Sehmerz ersinnen kann, dor im Ausmalcn des Ungliiekos erfinderiseb ist.

P h i 1 o k t e t.

Strophe \'J.

Innig jammert des Mannes inich, Den kein menscliliehes Auge, das Seiner liiitet und wacht, erquickt.

nu Wie er, ewig allein, ach!

Am wildwiililenden Schmerze kraukt. Und Noth leidet er an Allein, was lleischt des Lebens Bedarf. Wie nur.

cly.TilpM viv sy10quot;;\'quot;)

jj.r, to\'j y.rfioiJ.é\'KJ ppotwv |;.-rjS£ ^uvTpocpov cij.ij.\' s/(pjv, oisTavoi;, |J.:v:; as;,

vossï |jiv vóaov avpiav,

a/,jït o\' izl T.TIV. TOI xps(«; \'.cïocij.£■/([). r.Ct)- xcts,


o wie triigt es der Anne inirV

avTJ/ï\'.;

1

!w iuaravo; und dein entsiirecliend ïw 3uajT0T|j.(i)v

2

[j.iro\'.xo;, ou ^toaiv, oO Oavodcriv.

3

Oavöiv kV outkv y-xxr\'^KxrA i ij.:.

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.SOPIIOICLKS, PlIir,()KTKT UNI) ElJ\'iKTKA.

Gegenstrophe \'2.

Kr, der sicliorlkh keinom Solui Altberiilnnter Geschleohter weiclit,

Er liegt, alles Bedarfs cntblüsst,

Einsam, oline Gciiosson,

Wo nur buntes uud zottiges Wild liaust, liegt, sich verzehvenil in Seliiiiei\'z und Hunger, von unlieilbaren Grams Sorgen gequillt.

avcii-pocfY; p

C\'JZOC ■zpowfi\'/ow ysfhg olV.tov oüBsvb? ijcxsps?,

wavTwv a[A|v,opo? sv puo y.v.-T. |j.iuvo; d■!:, aXXwv, axr/.Twv Xajiuv ij.ïtoc Orjpiöv, ev t\' coóvai? óij.sü Xtjj.io t\' cixxps? arfaidz

i;.ïpi|;.v^lj.ai\' è\'yjov gapéa.


Ausser der sicheru wörtlichcn Responsion (Z. 4) und der mehr gedanklichen (Z. 3) scheint mir der Dichter mit den Worten a\'{p t a\'j und 0r(p(7)v, die er in ver-schiedener Hedeutung gebrauelit, zu spielen.

Elektra.

Strophe 2.

louo Wold kein Edler, o Kind,

Wiildt sieli Unglüek, dass liinfort rulimlos in Nacht Schwinde des Namens Glanz:

So wiihlst aueh du. Kind, ein gramvolles, niedres Leben,

Du rufest die Schmach zum Kampfe, nimmst den Doppelpreis in Eineni Worte: 10(15 ])as weise Kind seist du, wie das frönnnstc.

Oegenstrnjihe 2.

Sicgreich iiber den Feind

Ijeb\' in Macht fortan und Reiclithum, wie du jetzt Seiner Gewalt dieh beugst.

Obwold ein unselig Loos iiber dir gewaltet,

1(170 Docli f.ind ich, wie du dir den l\'rcis errangst, den höchstcn l\'dichten t.reu, Indem du Zeus fro mme Sclieu bewiescst.

cTpccpr, [i

güSc\';; xöW avaOuv av

\'Cö)v v.t/.Ü): £Ü7,Asiav aio^uvai OiXo:

voivjjj.;:, (o -aï zaï •

(•gt;; y.al g:j ■rca\'i\'y.Xauxov aiwva xoivsv et/vcu,

xb ;rr, /.«agv /.aOoixAiaaca • 560 zipei 3\'èv ivl Xóylt;|), 2zz- y. x; ■/.-yvAvjcOz1..

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^ór, ? [;.st y.aOj-spOsv

^sipi •/.«( ixA0\'jx(|) xï(öv iyOpwv, oaov

vjv \'jTO/vetp vai£i;\'

ir.i! c\' £j£jpr,7.0( \\j.oipy. |j.£v oüy. ÈcOXiè\'

pspioaav, ü os j\'pXaGxs xwvoï lt;pspo|J,svav

i\'pisxa xd //^/1; suispsw.

ocr page 238

SoiMioKi.ns. dm Traohineuinnkn uni) Imiuiimdus, lilpi\'oi.ytos.

Die Trachinerinnen.

Strophe.

llii\'i- uni die Sterbliclio freiend,

Woldic Howei\'ber erscluoueu zum Streit? ITinliuUt Voiu Schlachtgctös\', umwölkt von Stiiul),

.100 Treten sie vor zum Kaïnpfc.

Gegcusti\'oplie.

«in . . . Beid\', uni die Jungfrau

Gliilicnd, betraten den Plan, und iles brilutliclicn Genusscs (Jiittin sass lm Kreis,

Waltend allein des Kamp fes.

yjjC Tavo\' if a-AOtxiv ■uvs? txiJ-fiyuo\'. ■/.axéfiotv Ttfb ^\'7. |J.wv, -ivsc zy.iJ.zAr^/.ry. x\' èi-

■TjX0ov aïOA\' a^wviov;

.... si TÓT\' as/./.ïï;

quot;cxv s; |;.éccv isp.-vs! X i / é (ov • ij.óva ï\' c\'j\'/.s/Tpo; èv [jiiio poep55V5|/.£i ^uveÜGo:.


Euripides.

Hippolytos.

fiao Gott Eros, der du den Augen siiss1Eintriiufelst Verlangen, bolde Wonne Dein, den du bestürinst, in\'s llerz liinabstriinist,

O nalie inir nie zum Leid, o konun nie Des Masses vergessend!

fi2.r) Nicbt des Feuors und nicht

Der Sterne Pfcil aus Ilimmelshöhn Sengt gleieh dein Geschoss A])hrodita\'s,

Das Eros aus der Hand,

Der Knabc des Zeus, schnellt.quot;

Dicsc Strophe, die in ihrem Anfang stark an Sophokles, Antigone 77rgt; er innert, führe ieh nur als Beispiel der Inclusio an, die iin Originale noch viel seliiirlei aiisgepriigt ist als in der Uebersetzung, wo ,Eros\' in die vorletzte und ,sclinelll in die letzte Zeile gerathen ist.

Strophe 2.

5io Jene Oechalicrin,

Die in kindlicber ITnsebuld Dahcim weilte, sonder Gemahl, die Jungfriiu,

Gab Kypris, dass sie, Baccliantin der IfiiH\',

Ihn ondlos mit \'i\'od umstrieke,

1

quot;lipm; quot;lUptD;. o zaT1 ö^.|j.aTiigt;v quot;Mpfo;, ó Aio; naï;.

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EuiUPlDlSS, III Pl\'OiA\'T.

545 Zn stcrl)cii in ]{liit, in Qualm,

7j\\\\ der tödtlichen Hoclizeit.1Weg voni Vaterliause dein Solme Alkmena\'s.

Ach, uiiscliger Ehbund!

Gegcnstroplie 2.

,l,lici)a\'s heilige Stailt,

550 Uiul du. Quelle der Dirka,

Ihr zeugt, welche Bahnen Kythere wandelt!

Sie hat, mit flammendein Donner bewehrt,

Des güttlichen Baechos Mutter Aus briiutlieher Lust cntrüekt,

555 In des Todes Uinarmung.2

Alles trift\'t ihr müchtigcr Hauch: im Fluge Schwiiriut sic umhcr, wie die Uiene.

Die Responsion in don Zeilen (5 und 7 der beiden Strophen zeielinet sieh dadurch aus, dass aus theils laut- tlieils sinngleichen Worten zwei tlhnliche und doch versclnodengeforinto Siitze gebild et werden, die, auf verscliiedene Personen sidi beziebend, dennoch in gleielier Weise die Gewalt der Aplirodite sciiildorn.

Strophe 1.

Wahrlich, das Wiilten der Gutter, betracht\' ich es sinnend, entfernt mir ioüü Die düstre Serge:3

Doch tituscht des ICrfolgcs Ucrechnung,

Den ich gchoft\'t, wenn ich Leiden und \'I hun der Oeborcnen schaue.

Alles ja wandelt sich Und kreisct stets,

1095 Und es weehsclt das mensehlichc Leben,4Das ewige irrsalsvolle.

Gcgenstrophc 1.

Müge mir Flehendcni dies das Geschiek von den Göttern gewiihren; Kin Loos nut Segen,5Und ein Herz, uuersehüttert von Kummer;

noo Nicht ein erhabener Ruhm, noch cin niedriger, werde zu \'i\'heil mir! Mög\' ich, beschcidencs Verlangen stets

Mit dem morgenden Tag vertanseliendr\'

Des Grliiekes inich freuen mit andern.

1

auv a.aati, auv xa^vo)

«povtoi? 0\' up-svaioi?.

2

vu[x^£uaa{j.£vav Tcomfo cp o v ((o y.aiiXuasv.

3

a Xur.a; napaipet.

4

aXXa yap aXXoOsv a[j.c([j2Tai jastoc o1 iatarai o\'avopaaiv ai(av.

r, Tzxcxiyoi Tjyav oX[Jou.

5

0 aXXo(i.lva ypovov ats(.

ocr page 240

EuRUUDES, I lilKAWE. \'21VÓ

Die folgende Strophe hat neun Zeilen unci minder suharfe Responsion, weil cinc Zoilenverscliiebung oingetveten ist.

H e k a b e.

Strophe 2.

4oo Oder word\' ich in dcino Stadt,

Scliönthronende Pallas, auf Safranfarbncm Gewande, dir Schirren die lioss\' an den Wagen,

Kunstreiehe Gewebe niit ■Ira Uunten Faden durchwirkend? Werd\' ieh Dir bilden Uranos Stannn,

])eii mit flamineudem Ulitz Zeus in ewigem Schlafe begriibt?

Gegcnstrophe 2.

Wehe, web\' um die Kinder inir!

i7o Well, Vater und Vaterstadt,

Die, verbeert von der Flainnien Raueh.

Sank in den Staub, von der Lanzc Der Acbiier get\'iillt! Und ieh Ileisse Sklavin im fremden Lande,

Muss fliebeu aus Asia, dem Jetut Europa gebeut,

Tauseb\' um briiutliebe Wonne den \'i\'od!quot;

Strophe 1.

Du, heiinischc Troja, wirst Fortan uiebt melnquot;\' heissen die Unzcrstorte:

Solche Wolk\' helleniscber Lanzen umbiillt dieb 8s,i In verheereudein Sturine!

Von dem Scheitel dir sank dor Thiirme Krauz; griisslieh entstellt der Russ,

Ungliiekselige, dir das Autlitz :

Nieht niebr wandl\' ieh in deinen Gassen.4

Gegcnstrophe 1.

Mieli traf das Verdorben um Mitternacht, als lieblicber Schlaf das Auge Nach dem Mabl sehloss, als vom Gesnng1 und der Freudc Dankopforn entsohluminert Der Gemahl im Gemaelie rithtc,

1

7.o|a(^£i cpXoY|J.w Kpovioa;;

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EuuipidkSj 1 Ikkahe uni) Helena.

Unci iim Pflocke die Liinzo liing;

Nicht 111 chr sail er dio Schiffei\'horde,

Die zur ilischen Burg emporklomm.1

Dlcsc beiden Strophen bilden cine scharfo gedankliche Antithese durcli die durin gezeiehneten verscliicdencn Situationsstimmungen: Hier ruht der Gcmabl lm Gemach cntscliluminert, von Gesang und Friede eingewiegt, und die Lanze hangt am Pflocke, dort bedeckt der Lanzenwald der Stürmendcn die Stadt. Dazu kommen nun als lautlieher Gegensatz die beiden, in gewissem Sinne die Strophe einscbliessenden ,Nicht mehr\' und die durch gleiche Worte ausgedrückte Sinn-antithese in den je letzten Zeilen. Mit dein Heginn der Strophe:

c\'j [j.év, o) 7:«Tpi? \'IXiic,

tiöv (ZTïOpO\'^TWv cltv.éxi *

verglciche man eine ganz iihnliche Stelle im Deuterojesaia 47, 1 und 5:

Demi nicht wird man fürderhin dich nennen: Zartc und Verweichliehtc.

Denn nicht wird man fiirderhin dieh nennen: Pürstin der Reiehe.

Helena.

Strophe 1.

Ihr beschwingten Erdentöchter, holde Jungfrau\'n, lichlicho Sirenen! Das» ihr, meines Grams Genossen, kiimt mit Libya\'s Rohrflüte, mit Schalmei\'n,2 und Thrilnen zolltet.

Die zu meincm Leide stimmen. Lied um Lied und Klag\' um Klage! i7o Dass du Gesangeschöre, Sehattengöttin,

Antwortend meiner Trauer,

Sendetest! Icli silnge Todtenlieder,

Deine Wonnen, untcr Thranen Div hinab in\'s blut\'ge Haus der Nacht.

Gegcnstrophe ] .

n.\'i An der blauen Welle sass ieh, auf des Rasens krausem Moos,

Buntfarb\'ne Kleider sonnend rings im gold\'nen Strahl des Helios,

Und ringsumher am grünen Schilfgestade.3

Klaglich rief es da, des Jammers Schrei vernahm ieh, herbe Klagen, Gleich Tönen einer Xymphe, die, verlassen,

180 Anfstöhnt in bangen Lauten,

Wann der Liebling in die Berg\' enttlohcn,

Und im Schatten tiefer Grotten,

Hires Pans Untreuc laut beweint.

Abgesehen von der trotz dos nicht gut erhaltenen Textcs deutlichen Sinn-responsion, wclchc beide Strophen verbindet, ist besonders auf das eigenthlunliche

234

1

ouüsO1 ópfiiv ojAiXov Tpoiav \'IXtao\' lp.(3£P(T)ta.

2

Xditbv ?, aó piyy«

3

Jv Sclvaxo; spvc^iv.

ocr page 242

EUKIVIDES, 11 JOLEN A. ^•gt;);gt;

Spiel mit den lautenverschieclcnen fiber sinnverwanclten, und doch nielit gleich-licdeutonden Worten: jSchilfgestade\' und ,Rolirtlütc\' zn achten.

Strophe 1.

Als tier frcnulc Freior kam, (lor im Piirygcrschiff iquot;70 Durcli dor Wogen Brand1 dem Stamin Troja\'s, Huloncn Von Sparta, die Ungliicksbraut,

Zufillirtc, dor Unliold, Priamos\' Solin,

Goloitot von Kytliera.

Gegonstroplie 1.

Koinon Scliutz bot Maloa\'s Vorgebirg dom Hoor,

loss Als, durcli Windes ITauoli2 vorstilrint fern vom Vaterland,

Ein Schift\' hoiinfiihrte das Graucn,3Das den Streit ihm erweekto, die Wolkongestalt Dor Hera gottlioh Luftbild.

Strophe 2.

Was fJott, was nicht Gott sei, was Mittolnatur,410!)» Welch Sterblichcr gründet es aus,

Dor die fornstcn Lnden durchspilht, wenn or siolit auf dor Gutter Thnn, Das slob horiiber, hiniiber, nnd dann auf foindliohor Balm Durch ungeahnte Loose scblingtV Du warst des Zeus Tochtor, o Helena, du:

1095 Kin Schwan in Lodas Schoosso ja,

Zeugte dor Vator dich oinst;

Und doch nennt dor Rnt\' in Hollas\' Volko dich Unheilig, gottlus, Frevlcrin, Vorratberin.

Unsieber diinkt mir Mcnachonwitz;

non Dor Göttor Wort nnr fand\' ich walirhal\'t.quot;

Strophe 2.

O schwobtcn wir hocb (lurch die Liifte, beschwingt, wie dor sebwiirmondo /ugquot; Libyschcr Vogel Gescblocht,

l)i(^, kaltstiirmendem Herbst ontflohn, weithin zioh\'n und dos alteston Lockpfoife folgon, des Fiihrors, dor zu dom dürstonden Land,

1

jioOia.

2

yz\\[iAvt)\'i v.ioy..

3

11 Im Originate Itiium zu merkondo schwache Rosponsiou yipa; oO yipst; aXX i\'ptv.

4

quot;O Ti Osb; rj |j,/j O^o; to [jiiov,

ocr page 243

Kuhii\'idios, 1 Ikliona im) Mkdkia.

1403 Zuin fruclitschwcrcn Get\'ildc mit lauthiillendcm Jubcl hcranschwcbt.

Auf, ilir Vogel mit schlankein Hals, cllender Wolk(! Laufe gcscllt,

Fliogt am Siebcngestirn vorbei, schwebt mn Orions nachtlicho Babu;

Am Strom Eurotas den Flug hemmend, meldet die Kunde dort:

Atreus Sohn, dor Dardanos\' Burg stiirzte, kehrt in die Heimat!1

Gegenstrophe 2.

I4lfl Eilt ilir audi mit Rossen und Wagen im Flug dureh die Liifto daher,2Söhnc des Tyndaros, kommt.

Die ilir unter der funkeluden Sterne Kreisen im Himmel wohnt!

Ü kommt als Helena\'s Retter übcr die brandende See,

Ueber diist\'rer Meeresflut wildaufrauseliende Wogen,3ilir. Und bcllwehender Windesliaucli von Zeus sendet den Schiffern zu:

Witlzt die Selnnach von dor Schwester ab, dass sie dem fremden Manne sicti gcsellt! So bitter biisst sie den Sprueli, den am Ida fallte der Hirt;

Und docb nabte sic Troja nie, nie den Thürmen Apollons!1

Die Gogensatzc, wclche beide Strophcn durchweben, sind verschiodener Art: Dort Ziehen die Vogel durcli die Iji\'iftci, bier die Söline des Tyndaros; jone ge-langcn zu trockenem Lande und fmehtbeladenen Gefilden, diese kommen fiber die brausenden Wogen und die Finten des Meeres; jene melden, dass Menelaos lieimkehrt, und diese sollen vorkünden, dass Helena niemals nach Troja gc-kommen war, und dass ilir bitter Unrecbt geschali, wenn man ibre Gattentrcue verdiiehtigt iiatle.

Medeia.

Strophe 2.

can Heimisches Land, viiterliehes Hiius,

Ni(^ mog\' ieh von euch verbannt sein,

Um Hiilf\'o beraubt und rathlos Dureh die Welt zu irrcn,

Schmachtend in klagliohei1 Xoth!

«35 In den Tod, in den Tod zu geh\'n, wünscht\' ieh . .

Gegenstrophe 2.

Sahn wir es doch, horten es nicht.

040 Aus Anderer Mund crzahlen:

Kein Land ja, dor Freunde kelner,

Fühlt\' um dich Erbarmen,

Die das Unsagliche litt.

Tod treft\'e den Frevler, der die Freunde |iiitdil verehrt]/

1

MsviXstu; oit Aapoavou ttoXiv éXojv ö d [j. o v

2

|xdXoiT£ tcoO\' iftTCiov apjia oi\' atOspo; U|j,£voi

3

yXauxbv in\'\' 0*0[J., aXiov xuavd/poa xz xuixattov

izoXix OaXaaaa;, . . .

ocr page 244

Euuumues, Ai.kks\'I\'is tixn Iimikiknia in Ai;lis.

In der Strophe wircl allgemein der Wunscli ausgcsprochen, dass man ja nicht in die Fremdo vertrieben werden möge, wo man weder Scliutz noch llilt\'c iindet; dagegen wird in der Gegenstrophc der specielle Fall ins Auge gefasat und besprochcn. Wiihrend aber die Stroj)lio mit dein Wunscho schliesst, lieber in den Tod als in die Fremde zu gehen, endigt die Gegenstrophc mit dem Fluch gogen denjonigen, der dem Freunde nicht Schntz gcwilhrt.

Alkestis.

Strophe 2.

Du liattost dcu Mutli, dun thcuren Gomiihl init duincm Lrhcn Von dein Tode zu löscu: o inögc dor Staub •iso Loiclit diu Gobcinc dir doeken, Frau I

Wenn er oin ncues Gemald sicli crwiihleto;

Wahrlicli, ich miisst\' ilm Imsscn,1Verliasst wiird\' or dolnen Kiudcrn.

Gegonstrophe 2.

Du opfortost dich fiiv dcinon Geinahl in bliiirndor Jugciul.

■iiiii O wiird\' audi mir oin so zitrtliclios Wolb,

Die sich in Liebe zu mir gcscllt!

(Soltones Gliick im Lcbon des Sterbliclicn!)

*57

Wahrlicli, das Lobon sollt\' ilir2Mit mir ohno Harm verfliessen.

Iphigenia in Aulis.

Strophe.

Ziohu denn wird zu dos Simoïs Silberglanzeiidon Strudeln,

Hollas, deino versammolto Macht AufMecrscli i ffeu, mit Waffen und Wohr, 7d:i Ilion zu, naeb Troja,

Des Phöbos boiligem Grund;

Wo, wie wir vernommen, Kassandra Liisst flattern goldenes Haar,

Prangend in grünendem Lorbeerkranz, ï.\'iO Wenu maclitvoll des propliotiselion

Gottos begeisternder Hauch sic fortstiirint.

r^i\'. Ïï) üi^ócvta \'/.y).

S\'ivx; xpYupos\'.Ssi;

ü\'Y\'Jpi; \'KXXavwv gtp3:tia:

avz xï vaualv v.ai obv o^/.s\'.c quot;Ia\'.sv sic to Tpot\'a;

Gegonstroplic.

Und stcliii worden auf holier Burg Troja\'s und um die Mauorn Troër, wann mit dom ehornen Schild 755 Ares in scliongeselinabeltem Sehill\' Ueber die Sec mit Rudern Der Flut dos Simoïs nabt, Aus Priamos\' Lande die Schwester Der Aetliersölnie des Zous,

Tüu Helena, lieiiiizugcleiten naeb Helhis\' Gauen mit streitbaren Lanzen und Sehildern der Solui\' Acluia\'s.

stdaovca! s\' ^pvxi/iov Tp c! y.c a[s.j! tï isiyr,

Tpwsc, 3t«v ■/zquot;/,v.y.sr.\'.z quot;Apr,; ^óvtio? süirpiópcis! TrXitat?

slpsofj! zï\'Aauï)


1

ti [iaX\' Sv iij-oiy\' eïi;.

2

\'2 yap Sv ïiioty\' aXuno;.

ocr page 245

EuRII\'IDKS, ll\'UlüBNJA IN AuLIS UND DU) BaCOIIANTINNKN.

•J3S

•(•OlpV-OV ooé^soov,

xav KaoavSpav ïv\' t/.z\'m piTcxstv czvOsb; 7:\'h0v.cgt;.tj,vjc

•/.5o;j.r(0£Kav, ot«v Oïsu [j.avTSiuvst TCveucrwc\' aviyv-ai.

itj/ouvtt\'oi? O/STO?;,

Tav T(ov iv aiOspt Swcwv Aiocxoupwv \'EXévav £■/. Ilpap-oj v.i\'j.ha\'. OéXwv si? vav \'E XXaSa oopiróvot; zczic. v.al \'A/auiiv.


In (lor erston lliilft(5 dor Strophen liegen doutlichc und scharfe Wort- nnd Sinnresponslonen tlicils piirulleler thoils antithotischcr Art vor. Die zweitc llillf\'to liietet einen Gegensatz zwisehen Kassandra und Helena.

Die Bacchantinnen.

Strophe.

Werd\' icli in niiclitlichom Rcigentiinz cinst hubou den wcisson Fuss, aufjubclud und fVei den Hals noch in tlmuigi! Lüfte werfend, 77!) Dem Kch gloich, das in den Aucn grüncr liiist sich spiclcnd ergcht,

Wann os schüchtcrn cntfloh, gcschreckt,

Uober scliongefloehtone Notü\', ausscrhftlb dos Gcheges.

Gcgenstrophc.

Spilt kommt Göttergcwalt hcran, doch sichcr crschcint sic Zulctzt, züchtigt der Menschen Stolz, wonn sic thörichtem Walmc fröhnen, Und niclit die Gutter vorehren, voll wahnsinnigen Ucbcrmuths.

7iMi Kiüglich lauern ilio Göttliclien

Lange Zeit im Verborg\'nen, und hasehen endlieh den Prevler.

ap\' sv zxrij/io\'.z /cpol; Ovfcw tc-t: Xiuy.bv

zés\' avapax/eOouGa, Sepav si? c.lOépx Spocspsv

pi-TO\'jï\', (\'i)c v ï (5pb;, -/Xcepaquot;; sp.naüjouaa Xsïixay.o? YjSovai;,

ocv oojïspcv (pÜY\'fl Oi^pap.\' scw ipuXay.a?

£\'j-Xr/.T(ov \'jTjèp apy.uwv ....

avTiSTp:®-^

cp[j.axat |j.óXic, aXX\' ttiot\'ov ts Oetov aOsvo; \' aTtsuOivït os Ppotwv xok t\' ayvwiJ.ocuvav Tip.wvTa; y.ai xa Oswv a\'j^ovxa; cbv p.r.vojj.sva oi^aquot;

y.puzxsóouci os -or/.\'Xwc oapbv •/póvou Txóoa y.a!

Ür,p(öa(v xbv aoszxov ....

In dor Strophe das Bilcl voni sehueliternen, scheuen Roh, das aus dem Go-licge entflieht und glücklieh ist dom verfolgonden Jager zu entrinnen, in dor Gegenstrophe der überniiitiiige Mcnscli, der die Satzungen der Natur und der 8itte übcrselu\'eitet. Dort flüehtet es soheu, hier lauorn die Got ter verschlagen (txowIXu;); das Heli entkommt dom menschliclien Jiigor, der Menseh ontrinnt niclit den Göttern. Dio Antithese in /c^ilc 4—5 ist geradezu paekend. Die letzten fünf Zeilen dor heiden Strophen sind gloiehlautend.

ocr page 246

KuUII\'IUE.S, AnüKÜMACJIIK uni) Kl.KK\'i\'üA.

Andromache.

Strophe 1.

Nimmer fürwiihr lob\' ich\'s, class ein Miinn der Fraueu zwei Und zweier Mütter Söhne nithrt,

Der Ilauser Zwist und feindlieh herbe 1\'lage.

Eine Liebe sei dem Mann genug,

tos Mit andern Fraucn plleg\' er nicht Grcinoinsehaft.

Gegonstrophe 1.

Triigt sieh ja doch auch iin Staate zweier Ilerrscher Jocli Nicht leichter, als des Einen lieiTii;

Da liauft sich Last aut\' Last und Hürgeraufruhr.

Zwischen zwei Gesangsmcistern liebt no Die Muse Zwist und Eifersueht zu spinnen.

ctpoffj avxtcTps^r;

0\'!5\'j|Aa cquot;j5s yap èv quot;ÓAïit

\'Ké/.xp\' èzatvsito Ppotaiv Sï^tu/oi xupavviSsc

oüS\' aj;.!pt[j,dTopa? /.ipiuï, [j. iS.; ajAsivive; ®sp£tv,

;p15alt;; olV.wv Sua^evsT? tï Auicac. ü/Oo; èx\' a/Oci -/.«l utaot? xoXitat?.

|;.!s:v iao! ttipvs-o) xóci? vaij.:;; xsy.tóvow O\' üpotv spyataiv Suotv

ay.oivuvr(Tov avSpb? èuvav. ïptv Moüaat iiAoOai \'/.paivstv.

Elektra.

Strophe.

O beflügle den Sehritt: denu die Zeit drilngt! Iliuein, hiiiciu jetzt, mit lanter Klage! () weh, web mir!

115 Mich crzeugtc des Atreus\' Sohn,

Klytiimnestra gcbar inich, die Grause Toehtcr des Tyndaros,

Und Elektra, die arme, nennt Mieh der Burger von Argos.

ia» Weh, weh, trauriges Leben, weh.

Grasslichcr Leiden Qual!

Und du ruhest iin Grab\' nun,

Vater, entseelt von Aegisthos und Dcinem Weib, Agamemnon !

las Auf! wecke den alten Trauergesang Wieder wecke der Thrancn Lust!

Gegenstrophe.

O beflügle den Sehritt: demi die Zeit drilngt! Hinein, liinein jetzt, mit lanter Klage!

O weh, weh mir!

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EuniriDEs, Elioktra und dku raskndk 11f.uaki,ios.

Artncr Bruclcr, in welclior Stnrlt 1:10 Weilst du flüchtig, in welcliein llaus,

Soit du dort iu den Hallen dos Vaters im bittersten Ungemach Trauornd, liossest die SchwesterV Kiimost du doch, oiu Errottor mir iss Annen, in diesor Notli,

(O Zoua!) rflclitest des Vatermords Grituel, wenn dein irronder Fuss Dicli heimtrüge nach Avgos!

Xiinm das Gefiiss mir vom Haupte licrab, um in naolitlicher Klage 110 Das Scliicksal des Vaters zu bojamniorn.

Dio jo ersten drci Zeilen tier beiden Strophen sind gleichkutcncl, die f\'ol-genden Absiitzc (aus sieben Zeilen bestellend) respondiren insofern mit oinander, als in dom einen Elektra, im andern ihr Bruder Orestes beklagt wird. Die Schlussabsiitzo (je fünf Zeilcnl bilden wieder Antithesen; in dem einen wird der Mord Agamemnons kurz gesebildert und die Trauerklago geweekt, und im andern die Rache für den Vatcrmord angcrufen und die Todtenklage angestimmt. In dieser strengen Gedankenresponsion in der Manier des Propheten Micha ist kaum eine Wortresponsion zu notiren.

Dor rasondo Herakles.

Strophe 2.

Nio lass\' ich ab, Chariton, ouch Boizugcsollen don Muscn 1ooo Zum holdesten, schönsten Verein.

Mög\' ich nieinals olme Geeang Lcben, ewig umblüht ven Kranzen!

Auch oin grauer Sanger proist noch2Der Gesangosgöttinnen Mutter; vom siegfrohen lloraklos 065 Tonen uns\'rc Licdor

Noch, wo Bromios Gabc strömt,

Wo dio Saiten der Lyra hell Schallen und Libycrflöten.

Nio will ich dio Musen flieb\'n,

070 Dio don Reigon mich lohrton.

Gegenstropho 2.

Don Lobgesang, delische Frauon,

Stimmt ihr an, um die 1\'forton

240

1

oj najaojiai z\'xi Xapita?

Moiicoiis

\'2 k\'xi TOi yépwv cioiSo;.

2

n o\'jroo z«T«^«6ao|j.Ev Moiaa;, ai\' [J.1

ocr page 248

Euiiii\'iDKK, Dek uasende Hehakles und die IIerakliden.

Zu lieblichou Tiinzou gesollt,

Feicrnd Lcto\'s hcrrlichsten Solui;

075 Auch icli stimme vor deinem Hause,

Wie der Schwan, cin greiser Süngoi\'1 Mit dein weiaslockigen Bart, den Gesang an, o Herakles:

Du bist unserer Lieder Scliüner Stofl\'; den Ruhm dor Geburt «so Ueberstrahleud, gabst du nach Müb\'n Dies jetzt sturmlose Leben Den Sterblichen, bündigtest Alle Sehreckcn der Thierwelt.

Die beidon ersten Zeilen und die beiden letzten Zeilen der Strophen cor-respondiren mit einander und bilden eine Inclusio.

Strophe 1.

Gesang, Gesang, Tanz und Gelage feiert Die heilige Stadt der Thobor.

Der Thranen Gram schwindet iu Lust,

74S Das Missgesehick enclet im Glüek,

Und gebiert Gesange.

Der neue König ging dahin, der alte herrscht.

Von dtistern Seen Acherons zurüekgekehrt:

Die Frcude kam wider unser Hoffen.

Gegenstrophe 1.

7so Ein Gott, ein Gott hort des Gerechten Bitten,

Und merkt auf das Wort des Bösen.

Das Gold, das Glüek lenkt das Gemüth Der Menschen irr, dass es zu Stolz,

Zu Gewalt sieh wendet,

755 Gleiehmiithig mag ja kelner schuueu in das Künftige,

Der Hohn dein Recht geboten und der Sündc frohnt: Ihm bricht des Glückes scliwarzumwülkter Wagen.

(JTpolt;pr( a avxtsTpo^r, a

■/opot xopot -/.al OaXi\'ai Osot Ojo; tiüv «St\'xuv

[j.éAouai Idrfixq Upbv iatu [jiÉXouai v.od t(7)v ;auov szaïiv

241

IJ,STaXXaY«i yap Say.puwv, ó /pujo; ót x\' zinv/J.a . . . .

Die Herakliden.

Strophe.

Prahltest du stolz, achten dich doch 350 Andere drum nicht hüher,

Fremdling, kommend vou Argos!

Gegenstrophe.

Mann, in die Stadt kamst du, die nie Scbwacher crschien als Argos, 300 Willst, ein Fremdling, gewaltsain


\' y.jy.\'/a; to; yspojv aotoo; 1). H. Müllor. Dio l\'rophotou.

16

ocr page 249

Euripidks, Die Hekaklidkn.

242

Mit vennessenem Wort wirst du t\'i Micli nimmer sohrecken.

Diiss sei ferne dein grossen Lande, 355 Der reizenden Flur Athena\'s ! Du rasest und Sthenelos\'

Solin, der waltet in Argos!

si au a\'j/ï?;, £T£poi

(jou itXéov oh [jiéXovcat \'Ap-fóOiv sttsaOWV.

. . . ob o\' aopwv o t\' quot;Apysi -OEVSXOU TÜpavvo; •

lir Schutzflehende, die, flüchtig, Atlions Hut sieli vertraut, vom Altar ReisBen, beugst dich dein Herrseher nielit, Und kciu anderes Recht crkennst du!

sip.i Wo ziemt sich das, beherrseht Walm si nn nicht die GemtitherV

3? tïóXiv sAÖtbv éxépav cuoèv eXaffaov\' quot;Ap^s\'jc,

Oewv b.vfrfaq «ActTa;

zoj tswto: y.aXóiï j!v elV,

Tzapói yquot; su ypovouatv;


Strophe 1.

Chortanze sind mir Wonne, wenn die Flöte Lautjubelnd tont am Malde,

ssö Und mir Huid Aphrodite lachelt:

Doch silss auch ist es, die Freunde Grlücklich zu sehn, die frühcr Deekte die Nacht des Unglücks.

Vieles ja gebiert sho Möra, die alles vollendet,

Und Aeon, des Kronos\' Sohn.1

Gegenstrophe 1.

Du wallst, o meine Stadt, auf rechtem Pfade, (Der Ruhm entsehwinde dir niemals!) Ehrst die Götter. Dein Walmsinn nahe si« Stürmt hin, wer dieses bestritte.

Alles ja, was wir sahen,

Zeugte dafür: mit lautem Rufe warnt ein (iott,

Welch er den Stolz der Verr lichten\'1 uoo Dcmüthigt zu jeder Zeit.

Strophe 2.

Unter den Göttern droben wandelt lm Himmel dein Sohn, o Greisin: Er tlieht das Gcrücht, als sei er Aus furchtbarer P1euersglut 905 Zum Hades hinab gesticgen,

Und thcilt in der goldenen Halle

Das reizende Lager Heba\'s.

Wohl, Hymcnaos, bast du

Zwei Kinder des Zeus verlierrlicht.2

Gegenstrophe 2.

oio Vielcr Geschick berübrt sich vielfach: Dein Vater der Kinder, sagt man.

Stand Pallas in Noth zur Seite, Und Retterin dieser war Die Stadt und das Volk Athene\'s.

915 Sie wehrte dein Trotze, der

Gewalt übte, das Recht vcrhöhnte. Mir sei cwig des Stolzes Unersattliches Streben feme!3


Die beiden Strophenpaare geben cin Bilcl von horizontaler Wort- und Ge-dankenresponsion. denn hier entsprieht niclit die Strophe der Gegenstrophe, sondern die Strophe 1 der Strophe 2 und Gegenstrophe 1 der Gegenstrophe 2.4

1

Moipa tcXsCTaiSditeif «!tóv xs ypdvou Jiaf;.

2

(o \'Ï^Évas, Siaaou; 7t a 10«; Aio; r^itoaa;.

3

8 toiv «o(/.(dv jxapaipwv asi.

4

Elne sohr intoressanto Kesponsion bieten das Strophenpaar uud der Kpodos in don 1 \'iiuni-korinnen 722ff. in der je siebenten Zoilc: gesanglos (avauXdrato;), Lieder (ouvw5«r?) und um eine Zeile verschobeu Laute und Zither (Xupa?). Hilclist eigeuthüinlicli ist die Kesponsion der je ersten fünf Verse des Strophenpaares V. 1007 ff., wo [«5ojiap0:vo; und ^.axpi -fxp yapu« das Sphiuxratlisel zu lösen geeignet sind.

ocr page 250

1 )i;u Semitische Uksi\'kunu deu Weciiseegesanue

Niicli einer sorgfaltigen Prüfung dieser Rcsponsionsformen in ihrcr wunder-vollcn Mannigfaltigkeit wird man, lioffe icli, zustimmen, dass die Aelinliclikeit der-selben mit den in der semitisclien Poesie, bosonders aber in den Prophoten er-sclilosscnen, eino überwSlltigonde ist. Es können freilicli die merkwlirdigsten Krystallisationsformcn in vcrscliiedencn geologisehcn Gcbietcn ersciieinen, wenn die-selben Voraussetzungcn verhanden sind und die gleichcn Krilfte wirkon. Dlirfen wir aber annehmen, dass sieli diese Art der Diebtimg bei den griechiselien Tragikern selbststiindig und unabliilngig vom semitiselien ICinfluss entwickelt liabeV — leh gesteiie, dass es auf mieii vom ersten Augenbliek an den Eindruck machte, als ob hier vcrwandte und von einander abliiingige Gebilde vorliogen. In solchcn Fragen dlirfen aber Eindmcke und üefühle alloin nicht cntscheiden, es gilt vicl-mehr durch cindringende Untersiicluing die Entwicklungsgcschichte blosszulegen.

Zuniiclist möchte ich die Thatsaehe hervorbcbcn, dass, waiirend Stropiien und Responsion nicht nur bei den Propheten, sondern anch ini Koran und in den Keilinschriften nachgewiesen worden sind, diese vVrt Wechsclgesilnge nur im griechiselien Drama vorkomnit. Dort iiandelt es sicli also um eine urseinitische Eigenart, die von verschiedeneu Literaturkreisen lierübergenomnien worden ist, wogegen es hier als eine Eigenthüuiiiciikeit lediglich des griechischen Chores auf-tritt. Hat sich diese Erscheinung nicht cinmal das ganze Gebiot der griechischen Literatur erobert, so wird sic in den verwandton grossen arischen Literaturen vollends vergeblich gesuciit. Weder im Sanskrit noch im Eranischen tinden wir Spuren dieser Erscheiiiung, und das Frage- und Antwortspiel ilcs Avesta darf gewiss damit nicht verglichen werden. I^iegt schon in dem .Mangel analoger Gebilde auf arischen Literaturgebicten ein llinweis darauf, dass diese VVechsclgesiinge eine freindc Pflanzung sind, so muss besonders betont werden, dass der Keim der Responsion, der l\'avallelismnis viemlroynm, in den arischen Sprachen fehlt, oder nur in kilrglichen Spuren vorhanden ist, denen jede Entwickluiigsfiihigkeit ab-gesprochen werden muss.

Ausserdem muss man bedenken, dass diese ganze Art Klcinmalcrci mit ihren buntfarbigen mosaikartig aneinandergereilitcn IVildcni und Kunstibrmen dom hclle-nischen Geiste von llaus aus fremd ist. Das We.sen seiner Kunst bilden die ein-faehen, edlen Formen und der grosstc Liebrciz liegt in der heiTlichen Dichtung ohnc respondirende Antithese, ohnc Verkettung und Finschliessung, wie sie uns im Homer überliefcrt sind. Die Wechselgcsange der griecinschen \'IVagiidie sind also aus fremdem Erdreich nach Hellas verpflanzt worden, oder sagen wir es prii-eiser, sie wurden durch Aufpfropfung eines fremden edlen Reises veredelt.

Tu der That muss es auffallen, dass die lyrisehen Stiicke der Chore nicht ein gleiches fortlaufendes Metrum zeigen, sondern ein stark wechselndes, welches für den Ausdruck der wechselnden und wogendeu Gcfühle sich hesser eignet als die streng gemessenen Metren der Epen und Dramen. Hier ist das Gesetz nicht in der Gleichmassigkeit, sondern in der Abwechshmg, die aber dadureb gebunden ist, dass Strophe und Antistrophc mit einander metrisch übereinstimmen mi\'tssen. Die Ursache dieser Eigenart liegt, wie wir jetzt behaupten können, in dem semitisclien Muster. Die semitische l\'oesie batte ursprünglieh kein strenges Metrum, Gedanken und Gcfühle webten und wogten in ibr und sehufen sich die Formen. Das Wort hielt nicht immer gleiehen Schritt mit dem Gedanken, und die Sylben-

1G\'

ocr page 251

Wandbkung dku Ciiöbk. Eükipidks\' PiiOnikerinnbn.

zahl nicht mit den Gefühlen. So kam es, dass dort cine andere Art Rhythmik geschafFen worden — die Rhythmik dos Gedankens und der Empfindung. Dahcr oft die kurze Zeile noben der langen, das einsylbige aber schwerwiegende Wort neben der sylbenreichen, aber icielit dahinrauschenden Rede. Dcr griechischc Genius erkannte die Gewalt dieser Pocsic, er liess ihr gern den crhabenen Fiug, licss aber daneben audi den ihm eigenthtimlichen cdlen Formensinn walten, und fuhrte neben Gedanken- und Wortresponsion die metrische Symmetrie cin. Eine glUckliche Verbindung semitischen Geistes und griechischcn Formen-sinnes hat die Wechselgesange gezeugt.

Dass die Form öfters don Gcist Uberwttltigt oder ihn eingezwilngt iiat, liisst sich nicht in Abrcde stellen und war audi kaum zu vermeiden. Wie schon auf prophetischem Gebiete Sinn- und Wortresponsion wechseln, so audi bier, nur tritt das rein Metrische dazu. In diesem reizenden Kampf der verschieden wirkenden Kriifte licgt die berauschende Gewalt dieser eigenartigen Gesilngc. Bald ist es die ^Iciclie oder gegensfttzliche Situation die wirkt, bald das gleiehklingcnde, aber sinn-verschiedene Wort, bald aber ist es nur die Melodie der Rhythmik, die vorhcrrscht, und Gedankenahnlichkeit oder Gegensatzlichkeit schwebcn darüber wie der blilu-liclie Hauch liber einer sonnigen Landschaft.

Die Metrik iiat nodi in anderer Beziehung umgestaltend auf die Uberkom-mene Dichtungsart gewirkt. Die Zeile reprasentirt in der prophetischen Strophe eine Einheit, oft cine streng abgeschlossene, bisweilen audi cine relative. Durch das Metrum ist meistens die Einheit des Gedankens und oft audi des Wortes in dcr Zeile gebrochen. Da aber das Wesen der Responsion in dcr Entsprechung der gleichen Zeilen liegt, so darf daraus gefolgert werden, dass die griechischc Strophe und Antistrophe nur seeundare Bildungen sind, die reineren Typen ihren Ursprung verdanken.

Fragen wir, woher die Hellenen sich die Muster entlehnt haben und wie die Tragiker dazu gckommen sind, die fremde Dichtungsart einzuftihren, so muss darauf hingewiesen werden, dass die Tragödie aus den Dionysien hervorgegangen ist, also auf rcligioscn Cultus zurlickweist. J\\Iit den religiöscn Culten, die aus dem Osten durch die Phöniker nach Hellas gckommen sind, scheinen audi die Chore und die Wediselgesange herUbergekommen zu scin. Es ist aber nicht noting sich auf Verinuthungen zu beschriinken, wir können noch aus der Ueberlieferung den Weg erkennen, auf dem die Wediselgesange ihren Einzug in Griechenland ge-lialten iiaben. Es existirt bekanntlich von Euripides eine Tragödie, welche den Namen ,die Phönikerinnen\' (\'l\'ofviacai) führt. Das Stuck hat diesen Titel von dem Chor phönikischer Jungfrauen, dcr in Theben erschcint. Ueber ihre Herkunft befragt, erzahlen die Phonikerinnen ihr Schicksal in folgcnden Versen:

Der Chor.

Uns bat Phönikcs\' Land crzeugt und grossgeniihrt;

ano Agenor\'s Enkel sandten una als Erstlingc Aus Hirer Kriegsbeutc her, fiir Delphi\'s Gott.

Geleitcn wollt\' uns Oedipus\' glorreicher Sohn,

Zu Phöbos\' hehrem Tempel und Orakclort.

244

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WanDKKUNö i) 10li ClIÖRH,

Dor Clior ruft Jokastc an, dass sio, die Mutter, dem Sulmc dio Thore oltneu möge; er sagt zu Polyneikcs untcr Andorem:

Lnss micli, zu Füsson flir, dich iinboten, Pürst,

T)io Wcise meines Landcs chrcnd!

Und Jokastc, als sie den (Jhor hört, spriclit:

3(io icav -/.Ausuc\', w vsavtïsc,

ÏÏSI! Tpo\'j.tpT/ s/ouo 7::obc

Ihr Mildchen, drinnen im Palast venialnn mein Ohr Phönikerlautc, Und lioraus, zitternd vor Alter, wankt mein matter Scliritt.

An einer andoren Stelle; koinmt folgondor Wechselgesang vor, dossen soehs ersto Vorso ich hier mittlieile:

\'24b

Strophe 1.

Tyros\' Meere verlassend kam Ich, dem pythisehen Gott bestimmt,1 Aus phönikisehem Eiland, ] n Apollon\'s heiligcm Dienst, 205 Unter seines Parnassos schnee-reichen Gipfeln zu wohnen:

Gegenstrophe I.

Auserkoren von ineiner Stadt, Kam ich, Loxias Dienst gewcild,quot; / u in Kadmeiergebicte,

ais Zn Agenor\'s hehrem Geschlecht, Hor zu Laïos\' Mauern, den Mir verwaudten, gesendet.


Wenn wir jotzt mit offonon Augon diese Verse leson, so erzillilen sie uns, dass auserkoreno phönikischc Jungfrauon aus Tyros gosoliiekt worden sind, um den Gottes-dionst im Apollotompol in Delphi zu leiten. Was dio Jungfrauon für Dienste im Tempel zu leiston liatton, können wir loiclit aus ilirem Auftroton vermuthou. Sie treten als Chor auf und hatten wolil aueh die Aufgabe im Tompol dos Apollo die Chorgesiingc vorzutragen. Dass man sieh fiir don Dienst des eelit grieeliiselion Gottes, Apollo, somitisclio Jungfrauon gewalilt, liat ein eigenes Bowandtniss. Dor Gott solbst, der ,Pfeilselileuderor\' (pn rj\'in), wie er auf phönikischon Inschriften hcisst, scheint doch auch einigo Bezichungon zu Semiton gohabt zu habon, und man darf sich iiber seine Vorliebo für somitisclio Choristinnen nicht bcsonders wun-dern. Mit dom Gotte und seincm Cultus sind also dio semitischcn Wochsclgcsiinge zuerst in die Tempel und dann in dio Litoratur oiugozogen. Oder ist dies auffill-ligcr als die Thatsachc, dass die Psalmen in allen Gotteshiluscrn und Kirchen go-sungen worden, und dass die Bibel auf die vorschicdonston Literaturen cinon nachhaltigen und vielleieht noch immer nicht gonUgond gcwürdigton Eintluss aus-geübt hat?

,Dio Phönikcrinncn\' sind nicht erst von Euripides auf die Bühne gebracht worden. Nacli ciner Ucberlioferung dos Glaukos hat schon Plirynichos, der Vor-giingor des Aeschylos, cine Tragödio dieses Namens godichtot, von der uns ein Fragment

,Wir entwandert Sidonischer Festo\'

noch don Ucborrest einos Frauonchoros von Phonikcrinnon orhalton hat. Aber wir

1 a/.poOivia Ao^ia.

2 ■/.aXXiaT£,j(a.aTa Aotjia,

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Dik Phönikkklauti: in Ausciivi.o.s und I\'iikv.niciios.

könncu mis aueh cinc Vorstcllung von clem Inhalt rtiosos Stückcs machen; denn der schon angeführte Glaukos sagt, class die ,Perser\' des Aesehylos aus den Phoinissen des Phrynichos umgebildet seien. Nun wissen wir aus einer Mittliei-lung Aristoteles\', dass Aesehylos die Chore in den Uramen selir eingesclirilnkt hat. Gerade aber in den ,Persern\' niinmt der Chor einen selir grossen Raum ein. Man darf nun vermuthen, dass Aesehylos aus seiner Vorlage vielfaeh aueh die Chöre niit herübergenommen bat, und in der That sind wenige Wechselgesange so sehr niit Godanken- und Wortresponsion durelnvebt, wie die der Perser, aus denen oben Proben gegeben wurden. Dass aber Aesehylos manche Stelle seiner Weehselgesiing-e wortlieh aus den Phoinissen des Phrynichos entlehnt babe, bezeugt nns ein dunkles, und wie schon verniuthet worden ist, fremdes Wort, ich meine das Wort paX-ijv. Dieses Wort verriith aber seinen pbonikiseben Ur-sjirung, denn ist gleich halcn(u) ,unser llerr\'. Wir bekomnieu also

dadurch einen Begriff von jonen l^raucnchörcn, die nach llellus kamen. Mit dom foinen lt; •lire der Silngerinnen werden sic bald das Griechische perfect erlernt und die Phonikerlauto abgelegt haben — aber der Gcist der semitiscben Poesie hielt so Einzug iu den Tempel Apollos, des Gottprophoton und Prophetengottes und vorbreitote sieh von hier aus durch Hellas. In den Wechselgesilngen der Chore liegen uns die lierrliehon Ueberroste somitiseher Poesie durch grieehisehen Formensinn geklilrt vor.

Die Annahme aber, dass der grioehiseho Wechsolgesang mit seiner Strophe und Antistrophe eine semitisehe Entlehnuiig sei, bleibt nicht ohue Folgen f\'Ur die Aufhellung der altesten Gescbichte der semitiscben Poesie. Wenn die Grieehen die Wechselgesilnge entlehnt haben, so nuissen sic in den religiösen Culten der l\'höniker in Uebung geweseu sein. Halten wir damit die respondirenden Strophen bei den Propheten zusanimen, welehe genau dieselbe Art der Diehtung und der Kunstforin zeigen wie die grieehisehen Chöre, so drilngt sieh die Hypothese auf: dass die iilteste Form der Prophetic als Chore mit Strophe und Antistrophe zu denken sei.

Die prophetische Strophik im Lichte tier Chorhypothese.

Die Thatsaehe, dass die Propheten in Strophen gedichtet, die mit einander durch verschiedene Kunstformen verbunden und verkettet waren, ergab sieh mit einer Jeden Zweifel verscheuehenden Gewissheit aus der Analyse der propbetischeu Reden. Aus den Strophen schufen sie durch kunstvolle Aneinandersehichtung und leste Verbindung Columnen, die sieh symmetrisch gliederten. Solche Columnen wui\'den paarweise zu einem Strophenbau vereinigt. Künstlerisehe Arehiteetoniker erfanden den dreicolumnigen Ban, der von andern verscbiedenfach variirt und ausgebildet worden ist. AH diese Erkenntnisse standen mir liingst f\'est und der Uinstand, dass der Gedankengang maneher Rede nnr dann recht erfasst werden konnte, wenn man die horizontale Wort- und Gedankenresponsion im Ange be-hielt, berechtigte mieh zu dein Sehlusse, dass die. Propheten ihre lieden in neben-einander stellenden Columnen niedergeschricben haben. 1 )ie Beobachtung und strenge Analyse nmssten diesen Thatbestand eonstatiren. Die Ursachc dieser riithsel-

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Dik proriietisdhk Stroi\'hik im Lichtk der Chorhypothese,

haften Erscheinung blicb mir jedoch verborgen, öraphiseh konnte ich horizontale mul verticale Kesponsion nachweisen unci das ganze Netz einer Rede nach geometrischer Methode reconstruircn, aber auf die Frage, welche psyehologischen Vorgange die eigenartigen Gedanlconverbindungeu hcrvorbrachten vind dureh welehe Uittel sic auf die Hor er übertragen werden konutcn, wusstc ich keiue Ant-wort. Ich niusste mich damit bcgnügen zu sagen, dass die Beobachtungen und Wahrnehinungen feststehen und an Sichcrheit nicht verliercn, weil die Ursacben derselben nicht bekannt oder erkannt sind.

Je mehr ich aber die vollstiindige Achnlichkeit der prophetischcn Strophe mit den Wcchselgesttngen der grieehischen Chore erkannte, und jc tiefcr ich in das Wesen beider analogen Erscheinungcn eindrang, desto heller begann in mir die Erkenntniss zu dilmniern, dass den gleichen Wirkungen auch gleiche Ursacben zu Grimde liegen mllssen, init anderen Worten, dass die prophetiselie Strophe aus dem Chore hervorgegangen sei. Musste schon die Annahme, dass die Wechsel-gesünge der grieehischen Tragedie von den Phönikern herllbergenomnion worden sei, zu der Voraussetzung fllhren, dass derartige Chöre in den phönikischen Göttcrterapeln aufgeführt wurden, so konnte man aucb aus dem Umstande, dass in der That der Tempel in Jerusalem seine Sangerchöre besass, welehe die Psalmen vortrugen, den Hcliinss ziehen, dass iihnliche Chöre auch in frühcrer Zeit bei g\'e-wissen Gelegenheitcn heilige Lieder vortrugen. Und wer anders konnte berufen sein, solche Lieder zu dichten als die Propheten, welche die Leitung der religiöscn Angelegenheiten in Handen hattenV

Freilich durfte man auch erwarten, dass uns die biblischc Ueberlicferung irgend eine Andeutung über die Thiltigkeit der Propheten in dieser Bcziehung aemaclit hiltte. Dies aber ist nicht dor Fall und der Schluss ex silentio scheint gegen meine Vermuthung zu sprechen. Indessen findet sich eine Stelle, die, wenn man sic genau ansicht, blitzartig das Uunkel der alten Zeit beleuchtet. Im ersten Buch Samuel, Cap. 10 wird erzahlt, dass Samuel den Saul zum Könige gesalbt und bei seiner Entlassung ihm verschicdene Zeichcn verkündcte, die bald cintreffen würden, darunter folgendes (V. 5);

Und wenn du dorthin in die Stiidt kommen wirst, wirst du cinein llaufen Propheten begegnon, die von iler Anhöhc (wo geopfert worden war) niedersteigen, und vor ihnen sind Harfcn, Piinken, Ploten nnd Zithern, witlirond sic propliezeion. (n) Und kommen wird über dich dor Geist Jahweh\'s, und du wirst mit ihnen propbczeicn.

Dieses Zeichen traf ein und die Leute sagten daim: ,Gehort auch Saul zu den Propheten?\', was dann sprichwörtlich geworden ist.

In ctwas verschiedener Art wird die Entstehung dieses Sprichwortes i Saiuuel 10, 20 ff. erklilrt, wo ebonfalls erzUhlt wird, dass ,em Haufe Propheten prophezcite, wilhrend Samuel mitten unter ihnen stand\'. Fragt man sicli nach der Bedeutung des Wortes ,pro})hezeien\'(n\'xnjrö) an diesen beiden Stellen, so kann es unmöglich heissen, dass jcder dieser Propheten oder Prophetenjüuger irgend ctwas prophe-zeite, sondern es muss lieissen, dass sic irgend eine Prophezeiung (in diesem Falie von Samuel) im Chore mit allen Zeichen prophetischer Begeisterung vortrugen. Die musikalische Begleitung weist auf dasselbe bin. Nehmen wir also an, dass in alter Zeit die Proplietenjünger die Prophezeiungen ihres Meisters in Chören decla-

•JA1

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WkchseIjüesAngk in den Prophbten.

mirten, so begreift man die Art, wie eine solehe Prophezeiung verbreitet unci welehe Wirksamkeit sic haben musste. — Diese Annahme erklilrt aber mit oinem Selilago die Form der propbetisclien Strophik. Die illtesten Prophctien waren gewiss fur Wechselgesang eingericiitet und hatten die Form von Strophe und Antistrophe.

Man wird freilich dieser Behauptung widersprechen, was umso ieiehter zu sein scheint, als ja derartige Prophetien, wie man voraussetzt, kaum erhalten sein dürftcn; dies aber ist eine Tausehung, denn glücklicher Weise sind uns noch solclie Prophetien erlialtcn, Prllfen wir mit offenem Blick das Bach Amos\', des illtesten tins erlialtenen, schriftstcllernden Prophetcn und sehen wir gleich Cap. 1—2 an, so erkennen wir ohnc Schwierigkeit einen alten Chor. Der Prophet aus Juda ist nicht allein in dem königlichen Tempel Betels aufgetreten, sondcrn mit einer Jlingerschar, wclche den Chor bildete. Er als Chorführer begann:

Und or sprach:

Jahweh schreit von /ion her,

Und aus Jerusalem lasst or seine Stimme crschallen,

Und es trauern die Triften der Hirten,

Und cs verdorrt das Haupt dea Karmels.

Darauf folgte nun der Wechselgesang des Chores:

1. Strophe und Antistrophe fiber Damascus und Ghazza 2 X (5 2 5);

2. Strophe und Antistrophe ilber Tyrus und Edom 2 X (5 2);

3. Strophe und Antistrophe über Amnion und Moab 2 X (5 2 5).

Zum Scliiuss nimmt nun der Chorführer wieder das Wort, greift auf Juda und Jerusalem zuriick und hillt nun cine Strafrede gegen das übcrmüthige Nordrcich,

In glcichcr Weise sind die vier streng respondirenden Strophen Cap. 7—8 als Chor zu denken. Die erste Strophe und Antistrophe, die sieh auf Gefahren, wclche bercits vorübergegangen waren, heziehen, liess man unbeanstandet passiren. Als aber die zweite Strophe auf den Vers ausklang:

Und ich erhebo mich gegen das Hans Jorobcuin\'s mit dem Schwei\'te,

da trat der Hohepriester dazwischen und verbannte don treinden Seher aus dem Tempel zu Betel und dem Nordreiche überhaupt, er konntc aber nicht verhindern, dass der Chor in der Antistrophe mit der grausigen Verkündigung schloss:

LTjichen in Menge idler Arten warf man hin. Stille!

Ein eigenthümliches Chorlicd ist in Cap. 4 erhalten. Dor Chor bcginnt und schliesst mit je einem Achtzciler. Dazwischen tritt ein Halbchor auf, der die fünt abfallenden Strophen singt. Den Kehrvers, am Ende jeder Strophe, singt der ganze Chor.

Als Chor betrachtet, erklilrt sieh audi die Form von Cap. 8 schr gut. Der erste und der dritte Absatz bilden Strophe und Antistrophe, sic habcn gleich viel Zeilen (je sicben), eorrespondiren zu Anfang und zu Ende in etvvas gesuchten und scharfsinnigen Antithesen. Dagegen ist das mittlere Stuck, welches nur fünf Zeilen zillilt und mit den anderen zwei Absiitzcn nicht eorrespondirt, als die Kcde des (\'horführers (Mesodos), hier also des Prophetcn, zu denken.

24«

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WeCIISKLGESANGK IN DKN PliOPHETKN.

Die wundervollo Dichtung Cap. !», die als Rode wegen der Zusammenhang-losigkcit so angetbcliten worden ist, hat, als Chor gedacht, die volle Bercehtlgung. Das Stuck zeigt, strophisch gegliedert, folgendc Form:

10 « 10 6 10

Die erste und dritte Strophe sind durch eigenartige Wort- und theilweise auch durch Gedankenresponsion verblinden, die zwcite und vierte Strophe dagegen cor-respondiren insofern mit einander, als in der cinen von der Grosse Jahwch\'s, in der zweiten von dor Wiederherstellung des davidischen Rciches die Rede ist (Gott und König!). Die lotzte Strophe schildert die goldene Zeit einer glücklieheren Zu-kunft, olmc auf die Zehnzoilcr zu rcsj)oiidiren.

Vom Standpunkte der Chor-Hypothese denke ich mir Strophe 1 und 3 vom ersten Halbchor und Strophe 2 und 4 vom zweiten Tlalbchor gesprochen, die funt\'te Strophe sohe ich nis Schlussgesang (Epodos) an, dor vom Chorführer oder von dem ganzen Chore vorgetragon worden ist.

J[an begreift jetzt wohl den Mangel jedor Concatenatio bei Amos; donn diesc ist ein Erfordcrniss der Rhetorik, nicht abcr des Chores. Habenwir ja obcn schon gesehen, dass auch im griechischen Chore Responsion und Inclusio wohl vorkommen, dagegen aber die Concatenatio fchlt.

Die Propheten, aus dem Ilciligthume von den Priestern vcrdrilngt, seheinen nach und nach ibre Chordichtungen in politische und religiose Reden umgewan-delt zu haben, und in Jesaia haben wir schon den ersten gewaltigen, prophotischcn Redncr, abcr es ist interessant zu bcobachten, wie bei ilim beide Dichtungsarten mit einander kiünpfen, und man kann noch deutlieh die Spuron des Umwandlungs-processes schcn. Das erste Capitel ist cine wundervolle Rede, wo die beiden ersten Columncn durch Concatenatio mit einander verkettet sind, abcr die gleich-miissig strophische Gliederung diescr beiden Columncn, die noch besonders an den Einschnittcn durch Resj)onsion markirt sind, zeigt die Abstammung aus der Chordichtung. Dio beiden Columncn als Stroj)he und Antistrophe gedacht, gewinnen erst ihre rechte Bedeutung. Die parallelcn Gedanken und Ausdriickc, wie nicht minder die Antithesen und Assonanzen erkliiren sich von selbst. Und nun die dritte Columne, die wohl mit der vorangehenden verkettet ist, abcr weder Responsion noch glciehe Strophik zeigt! Liegt hier nicht deutlieh der Epodos zu Tage, der metrisch stets von der Strophe und Antistrophe unabhiingig und in Bezug der Zeilenzahl meistens von jener abweiebtV — Wir können daraus die Dreithcilung der Rede erkliiren, sic ist eine Umgestaltung des alten Wechselgesangcs, der in seiner Vollkommenheit aus Strophe, Antistrophe und Epodos bestand. Jene sind langst verschwunden, abcr die Ucberlebsel haben den alten Typus in veriindertcr Gestalt erhalten.

Ausser diescr Kunstrede, wrelclio aus Chorelementen aufgebaut wurde, ist uns von Jesaia noch cin anderes Stiick erhalten, welches man nicht als Rede ansehen kann, das vielmehr noch alle Kennzeichen des Chores an sich triigt; ich mcine die unvergleichliche Vision (Ca}). C). ]3c\'idc Columncn sind gleichmiissig gegliedert und gebaat und durch Responsion zusammengchaltcn: (3 10 10) (3 10 10).

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U.MWANDLTJXU DES CllOHKS IN DIK HkDE.

Der eine Chor begiiml:

,Uik1 ich sail den Herrn\'

und der andere rospondirt:

,Uml ich hörto die Stimine des Herrn.\'

In der zwoiten Strophe schildert der eine Halhehor, wie die Seraphim die Herrlich-keit (iottes anerkennen und seinen Namen heiligen, wilhrond dor zweite Ifalbehor besehreibt, wie dio Mcnsohon sioh vor dor Gottoserkenntniss vorscliliessen, um ja niciit die Macht Gottos anerkennen zu mussen.

Die je drittc Stroj)ho beginnt: ,Da sprach ich/ und die eine sehliosst:

jUncl es weiclit dcine Sünde, und deine Schuld wird gcsülnit,\'

worauf die andore endigt:

,Ein heiliger Same ist ihr Stamm.\'

Die Chordichtung scheint immer raehr goschwunden zu sein und dor Rede Platz gomacht zu habon, aber ilire Form blieb bestimmend für die Form der Hode. Anstatt der Strophe und Antistropbe tritt die zweitheilige, und statt dos Strophenpaares und des Epodos die dreitheilige Rede auf. Wahrend aber noch bei Jesaia in der verschiodenartigen Form dos dritten Theiles der Epodos erkennbar ist, wird in der dreicolumnigen Rode Mieha\'s dor Ursprung der Chordichtung voll-stilndig vorwischt. Alle drei Theilc dor Redo werden gloich behandelt, sie sind gleichmilssig gegliodert und correspondiren gedanklich in horizontaler Richtung. Micha bat somit die Droithoihing herübergenommen, auch dio Responsion, wonig-stens gedanklich, bostcben lassen, da jodoch die Rede immer mehr von dom Chor-typus abwich, so war cs nur consequent, den dritten Theil in gleicher Weise wie die zwei andern zu behandeln, woraus sicli die Reform Mieha\'s auf die einfaehste Weise erkliirt.

In Jeremia tindot diose Arehitectonik die vollkommenste Ausbildung, er wondet aber daneben, wie wir gesehen, auch die verticale Responsion an. Die Kunstgosetzo, welche in dor Chordichtung ihren Ursprung und Berechtigung batten, wurdon nun in der Rhetorik angewendet, wo sie bald mehr, bald weniger zum Ausdruck und zur Wirkung kommen und immer der Rede einen eigenthUmlichen Roiz verleihen.

Ezecbiel mag dio schriftstellorische IManier, die Reden in nebeneinandor sto-henden Columnon abzufassen, übornominon habon, da jodoch dio gleiche Liinge der Strophe und Columne niciit mehr durch den Chor gefordort wurde, so begreift man seine stylistische und architoctonischo Umgestaltung sehr gut. Die gleiche Zeilo inusste in dor Strophe und Antistropbe mit einander correspondiren, in dor Rode war dies nicht nothwondig, dahor die kreuzweiso, verschobono Responsion, daher dio kurze und lange Columne in der zwei- und droitheiligon Redo.

Dio dreitheilige Rede bat auch Deuterojesaia in Anwendung gebracht, aber die Dreithoilung orwilclist bei ihm nicht streng organisch aus dom Godanken, son-dorn im Gegontbeilo, der Qedanke wird in die alto vorhandone Form gegossen.

Aus der vorangeschickten Betrachtung geht hervor, dass die Chorhypothese nicht nur den Ursprung der Strophik und Responsion in der semitischen Poesie

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LjTERAKIgt\'llKH KlM I.USS DKS ClIOHKS KEI SeMITION IJNI) GkIECHEN. 2f) I

crklttrt, sic bietct iuicli den Schlüssel zu den vcrschicdcncn architcctonischen Gc-bilden, indom sio dio Ursache gewisser Gesctze cnthlillt und ihrc Wirkungen zu verfolgen gestattet, selhst als dio Ursachcn Ulngst in Wogfall gekommen waren. Wer die Chorhypothesc nicht acccptiren will, muss darauf verzichten, eino Reihe von auf\'fallcndcii, aber fcststehenden Thatsachen zu crklilren und sic untcr cin gemein-schaftliches Princip zu hringcn, er muss den Vcrsucli fallen lassen, die complicirtcn Krilfte auf eine cinfaehe, ursprlingliche Kraft zurückzufi\'iliren. Mit dor Vorwerfung der Chorhypothesc fallen aber die zu ei\'klarenden Wahrnehraungen durchaus nicht, denn dieso sind streng experimentell gesichert worden. Wenu also die Chorhypo-these nicht sehon durch die Annahme der Entlchnung der grieehischen Chore, wie (lurch die Ueberlicferung sicli aufdriingen würde, müssto sic durch die beobachtcten Thatsachen und ihrc Entwicklungsgeschichte postulirt werden.

Andorerseits müsson die noch deutlichén Ueberreste der Chore, welehe ich bei den Prophcten nachgewieson habe, und deren vollkommono Achnlichkcit mit den grieehischen Chören, die nocli deutlich erkennbar ist, dio Annahme stützen, dass beide auf einen gemeinsamen Ursprung zurückgehen.

Die Darstellung der Analogie zwischen den prophetischen Strophcn und den grieehischen Chören würde lilckenhaft bleiben, wenn ich nicht mindestens in aller Kürze noch einen Punkt beiilhrcn würde. Die pröphetische J^edc hat sich, wie wir gesehen, ans dom Chore herausgearbeitet und trilgt noch alle Spuren seiner reizenden Schonlieiten an sich; sic fand aber in dem übcrlioferton Typus oinc gewisse Schranke, aus der sic nicht heraustreton konnto. Zur Scheidung von blictor ik und Dichtung ist os bei den Semiten niemals gckoinmen, und in der That schwankt die pröphetische Rode zwischen beiden und neigt je nach der Art des Schriftstellers und je nach dem Stoff, den er behandelt, bald der einen, bald der andern zu.

T

Anders aber stellt sicli die Sache bei den Hellenen, wo die Kunstgrenzen streng eingehalten worden sind; dort konnto der Chor auf die Khetorik keinen Einfluss ausüben. Wenn man aber glaubt, dass er überhaupt ohne Einfluss in der Literatur geblieben ist, so ist dies eino Tiluschung; eine solchc Erscheinung kann nicht ohne Eindruek bleiben, sic priigt ihren Charakter auch verwandten litcra-rischeu Producten auf oder filrbt mehr oder minder doutlich ab. In der That ist der Dialog im Drama stark davon afficirt. Man bat bereits auf ]3eispiolo dieser Art hinge wiesen, so auf den lebhaften Wortwechsel zwischen Kreon und Ililmon in Kophokles\' Antigone. Ganz besondors ist aber die sogenannte Stichomythie, der Zweikampf in Vorsen, dem EinHusse dos Chores zuzusehrcibcn, ich möchte ilm als cine Atomisirung der Strophenpaaro bezoiehncn. Hit anderen Worten: In den semitischen Literaturen ballten sich die Stroplicuconglomorato zu Roden zu-sainincn, im Grieehischen wurden sic in Tlicilo zerlogt und in den geistreichen und scharfcn Dialog umgcstaltot.

É

Am Ende dieser Bcweisführung angelangt und einen Kückblick auf die Art derselben werfend, möchte ich in wenigen Worten den Gang der Untersuchung in Erinnerung rufen. Eine gewisse symmetrische Eorm wurde zuerst an einem weit vom Ursprunge abliegenden Auslilufer dieses grossen literarischcn Gebildes erkannt.

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UüCKIlI.ICK UNI) SCHLUSS.

Durcli genaue Beobaclitung der verwandten Vcrzweigungcn konnto die Eigen-thümlichkeit als cine gesetzmttssige Entwickiung erwiesen und immer mohr ver-ailgcmeinert werden. Die Verbreitung dieser Erseheinung wurde durch drei grosse Literaturen bis in die ursemitisehe Zeit zurückverfolgt. Hire Wirkungen warden dann auch auf arischcm Gebiete, in den Chören der grieelnsehen Tragedie, erkannt und naehgewiesen. Naeh Feststellung all dieser Thatsaehen durch streng philo-logische Methode, konnto auch der Ursprung derselben aufgedeckt und die ein-fache Kraft, aus der alle complicirten Kraftiiusserungen hervorgegangen sind, ge-funden werden.

Wenn nun die verschicdenartigen Hypothesen, die sieh mit einer gewissen Naturnothwendigkeit aus der Erkenntniss des Strophenbaues und der Responsion ergeben haben, in einander wie die Kiider cines Uhrwerkes greifen und den ver-wickelten Mechanismus dor grossen semitischen Literaturen, wie der griechisehcn Tragedie, zu crklilren geeignct sind, so dart\' ich wohl dieses Buch mit dein be-ruhigenden Bewusstsein aus den Hiinden legen, dass die darin aufgestellten Ge-setze aus dein Wesen der Dingc Hicssen und neue, durch Jahrtausende verborgen geblicbcne Wahrheiten enthiilicn.

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INHALT8ÜBERSICHT.

Seito

Einleitung..............................................1—4

I. Strophenbau und Responsion in dor Koilsehriftliteratur .... 5 19

Das babylonische Schüiifuiigsepos............................5—11

Die zweite babylonische Recension der Schopfung........ 11 —14

Cylinderinsehrift Tiglatpilesor\'s i.............. 14—1G

Inschrift des Nabu-abal-idin................ 10 —17

Inschrift Assurbanipal\'s....................................17—18

Die grosse Prunkinschrift Sargon\'s..........................18

Der Grotefend-Cylinder Nabukadnasar\'s........................lil

II. Strophenbau und Eesponsion im Koran......................20—60

Die 5G. Sure (Surat al-Wilqi\'a)............... \'21 — 25

Die 19. Sure (Surat Maryam)..............................\'2rgt;—34

Die 2ti. Sure (Surat ai-Su\'arft)............... 34—42

Die 7. und 11. Sure.................. 42—43

Die 15. Sure (Surat al-Higr)................ 44—48

Die 28. Sure (Surat al-Qasas)............... 48—50

Die 3G. Sure (Surat J. S.)................................50—51

Die 44. Sure (Surat ad-Duchan)............................51—53

Die 51. Sure (Surat ad-Dariyftt)............................53

Die 54. Sure (Surat al-Qamar)..............................53—54

Die 69. Sure (Surat al-Haqqah)............................54—55

Die 75. Sure (Surat al-Qiyamah)............................55—50

Die 80. Sure (Surat \'Abasa)................................5G—57

Die 82. Sure (Surat al-Infitar)..............................57

Die 90. Sure (Surat al-l?elcd)..............................58

Die 92. Sure (Surat al-Layl)..............................58 — 59

Strophik iin Koran......................................59

Die muhainmedaniache Ueberlieferung und der Ursprung der Strophik GO

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iNHAI/r.SÜIiKRSICHT,

8eito

III. Strophonbau und Rosponsion in don Prophoton..............61—189

Amos................................................G\'2—73

Caput 1—2........................................03 —(i(!

Caput 7—8........................................60—C7

Caput 4............................................08—09

Caput 8............................................09—70

Caput 3............................................70—71

Caput 9............................................71—73

Jesaia..............................................73—88

Caput 1..............................................75 — 78

Caput 0 (Die Vision)..................................7y_7y

Caput 5 (Das Lied vom Wciubcrge)......................79—82

Caput 2............................................82—83

Caput 9, 7 —10, 4....................................84

Caput 10..........................................84—88

Jeromia..............................................88—110

Caput 9............................................89 — 92

Caput 44.............................93—96

Caput 5............................................96—97

Caput 30..........................................97—iqo

Caput 10.....................101—105

Caput 46 ..........................................105—109

Caput 51.....................109—110

Mich a.......................110—115

Caput 3......................UI —114

Caput 5......................1 14—115

Husea.......................115—117

Caput 10.....................11 6—117

Caput 5—6........................................117

Zephauja......................117—125

Caput 1......................118—120

Caput 2......................120—123

Caput 3......................123—125

Nahum, Caput 3...................125 —126

Habakuk, Caput 2..................120—128

Zacharia, Caput 10..................129 -130

Ezcchiel......................130—165

Caput 14.....................131 — 137

Die Kobeutrilogie (Cap. 15, 17, 19)............137—147

Caput 15 (Die Kebe zwischen zwei Feueni)........137—138

Caput 17 (Die Kebe uud die beiden Adler)........138—-143

Caput 19 (Die beiden Löwen und die Kebe)........143 147

Caput 21 (l)as Schwertlied)...............147—154

ocr page 262

I n n a I, rs Cniiousicur. 205

Soito

Caput 13..........................................157

Caput 31.....................158 —1(51

Caput 32...........................1(52

Caput 37 (Diu Beiucr-Viaiou)..............1(52—163

Caput 1 (Die Vision vom Thl\'ouwageu)..........1(54—1(55

Deuterojesaia....................1(5(5—189

Caput 41 (Dor Rechtsstreit)...............1(5(5—170

Caput 42 ..........................................170 —173

Caput 43..........................................173

Caput 44—-45 (Die Appellation).............173—176

Caput 46.....................17(5—178

Caput 47 ..........................................178—179

Caput 49 ..........................................179—180

Caput 50 ..........................................180—181

Caput 51.....................181—182

Caput 51 — 62 ......................................183—184

Caput 52—53 ......................................184 186

Caput 55 ..........................................186-—187

Caput 56 ..........................................187—189

IV. Strophenbau und Rosponsion naeh Ursprung und historischor Ent-

wicklung........................190—210

Kesponsion..........................................190 200

In den Keilinsclu\'iften.................192—194

In Amos......................194 195

In Jesaia.....................195 196

In Micha und Zoplianja..................................196

In Jcremia.....................19(5 —197

In Ezecliicl.....................197 — 198

Jn Deuterojesaia...................198 199

Im Koran..........................................200

Coneatenatio und Inclusio............................200—207

In den Keilinschriften..................................201

In Hosea..........................................201

In Jesaia.....................202—203

In Micha..........................................203

In Jeromia, Zephanja und Habakuk......................204

In Ezechiel..........................................204—205

In Deuterojesaia......................................20!)

Im Koran..........................................205—207

Stropliik iind Architectonik............................207 212

In don Keilinsclu\'iften..................................207 208

In Amos, Jesaia und Micha............................209

In Jeromia, Zoplianja und Ezechiel........................210

In Deuterojesaia...................210 211

ocr page 263

Inhaltsübmrsiciit.

Soito

lm Koran..........................................211

Der gemcinseitiitischo Ursprung der Kesponsion und Strophik . . 212

Der Seher von Mesopotamien.............213—21t)

Numeri Caput 23..................213—214

Numeri Caput 24..................214—215

Spuren von Stropheubau und Kesponsion in den Evangelien 216—219

Evangelium Matthiti..................21G—219

Evangelium Lucas....................................219

V. Die Weohsolgesüngo in den Chören der grieehischen Tragedie und

die alteste Form der Prophetie............................220—252

Aesoliylos............................................221—225

Die Eumeniden......................................221—222

Die Perser..........................................222—224

Die Scliutzflehenden....................................224

Prometheus.....................224—225

Sophokles............................................225-—231

Konig Oedipus......................................225—220

Antigone..........................................226-—229

Philoktet..........................................229—230

Elektra............................................230

Die Trachincrinnen....................................231

Euripides............................................231 — 24(5

Hippolytos..........................................231 — 233

ilekabe............................................233—234

Helena............................................234 - 23(5

Medeia..........................................236 — 237

Alkesti-s............................................237

Iphigenia in Aulis....................................237—238

Die Baeehantinuen....................................238

Andromache........................................239

Elektra............................................239—240

Der rasende Heraklcs..................................240—241

Die Herakliden...................241—242

Der semitische Ursprung der Weehselgesiinge................243

Wanderung der Chore und die Phönikerinnen................243—244

Die Phönikerlaute bei Aeschylos und Phrynichos..............246

Die prophetischc Strophik im Lichte der Chorhypothese . 246 — 252

Weehselgesiinge in den Propheten........................248 — 250

Umwandlung des Chores in die Kede......................250

Literarischer EinHuss des Chores bei Semiten und Griechen ... 251

Rückblick und Schluss . .............................251—252

AusgogobeD am 15. October 1895.

256

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