ocr page 1

lt;/

///ƒ, a# quot; ^

jr , ^

UEBER DES ELNFI.USS DEK W ITTKRUMi AUE DIE CR0UPSTERBHCIIKE1T IN DEN xNlEDERLAJiDES.

inaugural-disser t a t i o n

VON

N. MÜNK.

k

5?

l i: i ]) K \ . P. W. M. TRAP I 8 8 5.

ocr page 2
ocr page 3

UEBER DEN EINFLUSS DER WITTERUNÖ AUf DIE CR0UPSTERBLICHKE1T IN DEN NIEDERLANDEN.

ocr page 4
ocr page 5

ÜEBER DEN EINFLÜSS DER WITTERUNG AUF DIE CROUPSTERBLIOHKEIT IN DEN NIEDERLANDEN.

MEOICINISCHEN FACULTAT ZU HEIDELBERG.

voroelegt von

NI COLAAS MUNK

AK/.t,

Gkb. zu Boskoop.

Decan : Referent:

Geh. Hofrat Dr. Otto Becker. - Hofrat Freiherr Dr. von Dusch.

Gedruckt mit Genehmigunj; der medicinischen Kacultat zu Heidelberg.

L K N' D K N ,

P. W. M. T R A l'.

1 885.

ocr page 6
ocr page 7

E I N L E I T U N G.

Die Ursachen der Krankheiten und die zu ihnen praedis-ponirenden Momente kennen zu lernen, verlangt wohl jeder der nicht nur Krankheiten zu hellen , sondern vor Allem ihnen vorzubeugen wiinscht.

Nur an der Hand der Aetiologie kann die Prophylaxis Fort-schritte machen.

Solche wichtige Leistung kann aber nur erwartet werden von èiner wissenschaftlichen Aetiologie, einer Kenntniss der Krankheitsursachen , gegründet auf Beobachtungen und Experimenten ; auf Beobachtungen der Erscheinungen welche das Vorkommen von Krankheiten überhaupt oder speciellen Krank-heitsformen begleiten, auf den Nachweis der eventuëllen Bestündigkeit solcher Begleitung, und den womöglichen Be-weis der Nothwendigkeit der bestandigen Coïncidenz.

Es wiire zu dreist behaupten zu wollen, dass man auf diese Weise für jede Krankheit ihre ürsache aufzufinden im Stande sein würde. Damit wilre ja doch vorausgesetzt jede Krankheit hiitte eine distincte ürsache, und dies ist durchaus nicht der Fall.

1

ocr page 8

9

Am einfachsten thun dies nocli einige infectiöse Krank-heiten dar. Hier künnte man bei oberflachlicher Betrachtung nur das Virus fiir die einzige ürsache halten, aber wolier kommt es dann, dass einige Mensclien immun sind? Ibre Immunitat beweist die Nothwendigkeit des Zusammenwirkens eines sfewissen unbekannten Etwas mit dem Virus, damit dies' einen Organismus inficiren könne.

Aber wenn man auch nur einen Theil ihrer Ursaelien kennt, wird man bisweilen die Erkrankung verhinderen können. Durch Hinwegname einiger der Componenta wird man die zur Erkrankung nothwendige Zusammenwirkung verhinderen oder abschwachen können. Es sollen also alle Umstilnde in Betracht gezogen werden, welche die Gesundheit beëinflussen, und mit einem dieser allen, welcher, obgleich sehr wichtig, doch fast ganz 1) vom Menschen uuabhilngig ist, wollen wir uns, erst im Allgemeinen, dann für einen speciellen Fall etwas nüher beschiiftigen: mit dem Klima.

Allbekannt ist die Auffassung der Verschiedenheit der geistigen und körperlichen Entwickelung der Bewohner der verschiedenen Zonen unseres Erdreichs, als Resultat der Verschiedenheit der daselbst obwaltenden klimatischen Einflüsse 2). Wo die Natur zuviel gab, blieb der zur Arbeit nicht gezwun-gene Mensch auf den ersten Stufen der Greistesentwickelung

1

„Fast ganz'', denn der Mensch kann entsehieden das Klima gewisser Gegenden abanderen, ziitnal durcli Veranderung der Bodenverhaltnisse: Aus-trocknen Ton Mooren, darstellen guter Bewiissermig in allzu trocknen Gogen-den (Wasserleitungeu der Mauren in Spaniën); Vernichtung grosser Walder, durch rücksiclitloses TJrahacken der Büume („Karstenquot; an der Nordküste des Adriatischen Meeres), u. s. w.

2

■) Schon HippOCKates nimmt bei der Besprechung der Eigenthümlicli-keiten der Scythen und Asiatiker die klimatischen zumal Bodenverhaltnisse der betreflenden Gegenden in Betracht (Sehe S. 38).

ocr page 9

3

stehen; wo die Natur zu wenig gab, z. B. in den arktischen Liindern, konnte er nur mit Aiistrengung aller Krafte die einfachsten Lebensbedürfnisse erfüllen.

Den Bewohnern der gemilssigten Zone ward es vorbehalten den goldnen Mittelweg zu halten. Für sie war der Reiz zur Arbeit vorhanden, ein Theil der aufgewachten Kriifte konnte aber nocli auf einem anderen Geblete als dem des materiellen Lebens benutzt werden, was eben der Grand fiir ihre fort-schreitende Guitar war.

Aber niclit nur auf die körperliche und geistige Entwicke-lung der Menschheit im Allgemeinen fibt das Klima seine Wir-kung, sondern aucb in Einzelbeiten tritt sein Einfluss auf das Individuum klar zu Tags, zuraal in betreff seiner Ge-sundheit, und in Bezug auf das Wesen der diese bedrohenden Krankheiten.

Freilich hat der grosse Verkehr zwischen den Bewohnern so sehr verschiedener Klimate einige der schiirfsten Unter-scbiede einigermassen ausgeglichen. Denn aus dem Morgen-lande brachten z. B. die Kreuzfahrer vorlier unbekannte Krankheiten in das Abendland uber, und der Einfluss des modernen Verkebrs ist nicht weniger unverkennbar ^). Jedoch, die wesentlichen Unterschiede sind geblieben, die Klimate anderten sich nicht, und noch immer bekommt der Tropen-bewohner im Norden leicht eine Lungenkrankheit, der Euro-piler zwischen den Wendekreisen perniciöse Malaria-Fieber,

') Nur Schiffe bringen dann imd wann das gelbe Fieber ans einem West-Indischen Hafeu in einjen Europaïachen, und ein solclies brachte im Sommer des vergangenen Jahres die Cholera nach Europa (Frankreieh). Fast allge-mein liofft man dann aucb gegenwartig durcb den Verkei.r hemmende Massregeln (Quarantaine) der Verbreitung epidemischer Krankheiten Schranken zu setzeu.

ocr page 10

i

wo hingegen der Neger-race eine gewisse Immunitüt zuge-schrieben wurde 1).

') Obwolil diese Immunitüt gegenwiirtig von einigen verneint wird, möchte folgender Fall, erlmlten Ton einer Vorlesung über Hygiëne vom Herrn Prof. Mac G11.lavrt in Leiden, liier Erwahmmg finden: Ein holliindisclier OlTizier in Ost-Indien wurde in einer Garnison auf der Insel Borneo Tersetzt; bald ward er wie seine Manuschaft von Malaria befallen, nur sein Diener ein Neger, blieb frei von jeder Erkrankung. Viele unterlagen dera mörderischen Klima nnd nur baldiger Umzug nacb einer gesunderen Gegend Java's (wo Gebirgs-kurorte für Militiire sieh befinden) ersparte ihm gleicbes Loos. Dei-Neger aber bebauptete niebts böses von dem Klima erfabren zu baben; er war dort so gesund wie je geweseu.

ocr page 11

T H E 1 L I.

DIE ALLGEMEINE HYGTENISCHE BEDEUTUNG DER E1NZELNEN KL1MAT1SCHEN FACTOREN.

Wenn wir nun in rascher Aufeinanderfolge die Bedeutung

O O

der verschiedenen klimatischen Elemente einzeln erwalinen, so kommt in erster Linie die Temperatur in Betracht. Sie ist das entsclaeidende klimatisebe Element bei der geographi-schen Vertheilung der Krankheiten.

Den Temperaturverhaltnissen gemiiss ist auch die erste Vertheilung der beiden Hemispbilren in eine heisse, eine gemiissigte, und eine kalte Zone. Sie entscheiden auch in der Frage, welche der für alle Zonen geitenden ünterab-theilungen, See- und Landklima, obwaltet, charakterisirt das erstere durch Milderung der Temperaturexcesse, die zweite durch Beforderung derselben; für die heisse Zone sind dies die Tagesschwankungen, für die gemiissigte und kalte die jiihrlichen Differenzen. Auch bei der weiteren Bestimmung des Charakters der Klimate spielt die Temperatur die wich-tigste Rolle. — Tiefer einzudringeu in das Gebiet der phy-sischen Geographie würde überfiüssig sein. Bevor aber die

ocr page 12

6

Bedeutung der Temperatur als klimatischer Einfluss auf Er-krankvmg Lervorzuheben, möchte wohl die physiologische Wir-kung reiner Temperaturveriinderungen betrachtet werden. Dass icli dies jedoch unterlasse hat darin seinen Grund, dass es in der Natur keine Temperatur-Schwankungen gibt, ohne Verandertmgen in den übrigen Qualitaten der At-mosphare.

Hieraus gelit auch sogleich hervor, dass sie auch als klimatischer Einfluss auf Erkrankung beschwerlich isolirt zu betrachten ist. Sonnenstich und Erfrieren sind wohl die reinsten Folgen directer Temperaturwirkung: die Neigung zu Scorbut in den Polarliimlern schon viel weniger, da bei dieser die Nahrung eine so wichtige Rolle spielt.

Als Beispiele aber indirecter Wirkung der Wiirme-ver-hilltnisse mögen hier einige ïhatsachen erwühnt werden, den klimatologischen Werken von ton Mühry entnommen. So beginnt das Gelbe Fieber in der Stadt Vera-Cruz nur zu herrschen, wenn die mittlere Temperatur der Monate 19° li. (24° C.) erreicht hat; sehr selten geschieht es, dass die Epidemie des Gelben Fiebers nicht volstandig erlüscht im December, Januar und Februar (16°, 17° und 18° R. mittl. Temp., 20°, 21° und 22,5° G.); die hühere Wiirme beginnt im Mai und mit ihr die Epidemie (Alex, von Humboldt et Bonpland. Voyage dans les regions équinoctiales etc.). In Europa sind Marseille und Livorno als die nordlichsten Hafen anzusehen wo das Gelbfieber einmal wirklich geherrscht hat; beide haben in Juli und August iiber 19° R. mittl. Temp.

Bei der Grenz-Bestimmung der Pest weist der genannte Autor nach, dass diese Seuche nicht verbreitet wird in Ge-genden, welche stetig eine hühere Temp. als 20° R. (25° C.) haben. Geht die Temp. nur jahreszeitlich darüber, so erlöscht

ocr page 13

7

in dieser wiirmeren Zeit eine eventuell herrschende Epidemie.

In Europa, wo das Vorkommen der schrecklichen Seuche glücklichenveise der Gesckichte angehört, ging sie wilhrend eines gelinden Winters langsam und schleichend einher, herrschte am stilrksten von Marz bis October, und ist im folgenden Winter erloschen. (So in 1635 in Nijmegen, in 1755 in Siebenbürgen, und 1771 in Moskau).

üeber das Verhalten von Typhus (T. exanth.) giebt M. folgendes am Schluss einer critischen Bebandelung einer grossen Menge Berichte der verschiedeusten Autoren: der Typhus ist eine Krankheit nur der gemiissigten und kalten Zone der nordlichen Hemisphiire; er hat seine siidliche Greir/.e ungefahr mit der Isotherme von 18° R., er kommt in der Tropen-Zone nur auf einigen, bis zu der ihm zusagenden Temperatur sich erhebenden Elevationen vor.

Zum Schluss möge noch das interessante Verhalten der Malaria gegenüber der Temperatur im Kurzen beschrieben werden. Auf einem sehr grossen Theile der Erdoberfliiche vorkommend ist sie in erster Linie gebunden an gewissen Qualitiiten des Bodens: ohne feuchten, reichlich organische Stoffe enthaltenden, oder vegetationsreichen Boden scheint das Malariagift nicht lange bestehen zu können. Da es aber solch geëio-nete Gesenden überall in den verschiedenen Zonen

O o o

sich finden, so ist der Einfluss der Temperatur sehr gut daran zu beobachten, und daraus ergibt sich Folgendes: in der heissen Zone kommt die Malaria fast auf allen Meridianen vor, und dort auch am intensivsten, nilmlich als continuirende Fieber. Gegen die Polen hin wird die Wirkung des Giftes allmühlig abgeschwilcht zu remittirenden, dann intermittiren-den Fiebern, bis es seine Grenze im Norden auf der Isotherme

ocr page 14

8

von 3° R., auf der siidlichen Hemisphare mit der Isotlierme von 16° R.!) schon findet.

Nebst der Temperatur in ihren bestandigen und regelmiis-sigen Verhiiltnissen, sind auch die ziemlich regellosen Winde in ilirer Beeinflussung der Erkrankungen nicht zu unter-schiitzen. Die Art und Weise ihrer Wirkung in dieser Hin-sicht kann nur in einer gewissen Reihe von Filllen nachge-wiesen werden, wie z. B. in einer Beobachtung von Geselle , wo ein einem Torfmoore nahe gelegenes Dorf von Malaria befallen wurde, weil dasselbe stilndig dem über dem Moore streichenden Winden ausgesetzt war, wiihrend die Arbeiter auf dem Moore selbst, und die andere, selbst nahere Um-gebung verschoot blieben1).

Die Winde aber tragen auch die Schuld fast aller „Erkiil-tungenquot;, und worin in diese nun wesentlich bestehen, warum sie so ausserordentlich verschiedene Folgen haben ist ein noch ungelöstes Rilthsel. Dass persönliche Dispositionen ruitwirken ist sehr wahrscheinlich. Bei der Unklarheit der Bedeutung dieser letzteren, und der chameleontischen Natur der Erkill-tungsfolgen bei einer und derselben Person, kann man nicht bloss damit sich begnügen, doch steht die Vermuthung be-sonderer bisher unbekannter Eigenschaften oder Wirkungen der verschiedenen Winde nahe.

Beschiiftigen wir uns etwas niiher mit denjenigen Fallen

1

) Citirt in Eichhohst's Handbuch der spec. Path, und Therap. 1884 II Theil S. 1052.

ocr page 15

wo die Art ihrer Wirkung einigermassen verfolgt werden kann, dann kommen in erster Linie jene Fiille in Betracht wo Beimengungen oder Verunreinigungen der Lnft nachge-wiesen werden kunnen. Dass Staub nnd Ranch der Gesund-heit schiidlich sind, ist wenigstens zum Theil sichergestellt. So z. B. wird auf das fortdauernd Aufwehen von Kalkstaub in die Atmosphiire, nnd dessen schiidliche Wirkung in den Lnngen die grosse Morbilitat und Mortalitiit an Phtisis be-zogen in Stadten wie Paris, Marseille und besonders Wien, welche auf stark kalkhaltigem Boden gebaut sind 1).

Im Allgemeinen jedocb verhalten sich die genannten grö-beren Verunreinigungen noch ziemlich neutral gegenüber dem menschlichen Organismus. Viel wichtiger sind feinere krank-heiterzeugende Beimengungen, welche sich den Sinnen nicht bemerklich machen, und selbst nicht durch chemische Analysen nachweisbar sind. Es sind dies die sogen. Miasmen 2).

Früher hielt man sie fur giftige Gase. In der neueren Zeit ist es aber wahrscheinlich geworden, dass man es hier mit organischen Keimen, mit sogen. parasitiiren Krankheits-erregern zu thun hat.

In dieser Hinsicht sind die Unterschiede in dem Einfluss,

^ Es möchte hier noch die Siderosis erwahnt werden, welche zumal bei Stemkohlenarbeitern vorkommt; wo durch stetiges Einathmen mit Kohleii-staub erfüllter Lnft die Limgenepithelien met feinsten Kohlenpartichelchen impragnirt werden, welche auch in die Lymphewege gerathen und dort die polygenen schwarzen Figuren auf der Anssenflache der Lungen hervor-rufen.

quot;) Der Fall wo Boussingault angeblich organisclie Substanzen in dem über eine Niederung schwebenden Nebel nachwies steht, wie ich meine, bo ziemlich allein, und überdies wurde dadurch noch kein Miasma nachgewiesen.

Experimente wie sie von Pasteur, Koch, Corn, Tyndall u. a. über die in der Luft schwebenden Keime ausgeführt worden sind, könnten auch über da? W esen der Miasmeu nahere Aufeclilüsae geben.

ocr page 16

10

welchen Land- und Seewinde auf die Bewoliner tropischer Kustengegenden ausüben, ausserordentlich belelirend.

Die heilsame Wirkung des Seewindes ist nicht bloss Fols:e

o o

seiner erfrischeuden Kühle, sondern er ist vor Allem wobl-tbiitig dadurcb, dass er die reine Seeluft über das Land bringt und die Miasmen zerstrent. In mancben Gegenden wird er sogar der „Doktorquot; genannt1). Hingegen ist die Landwind oft geradezn scbiidlicb und kann, wenn er aus-nabmsweise langer webt, formlicbe Epidemiën zur Folge baben

Der klimatiscbe Einfiuss der Winde ist jedocb schwer ge-trennt von demjenigen der Peucbtigkeit zu verfolgen. Seben

0 Hann. Klimatologie S. 391.

') So berichtet, z. B. Dr. Borius , dass an der Elfenbeinküste der Landwind , wenn er langere Zeit anhalt Fieberepidemieen bringt.

Dasselbe ist nach PechukL-Löscue der Fall an der Loangoküste. Folgen-möge seiner Besehreibung entnommen werden

„Mit den schweren Gewitterregengüssen treten gewöhnlich sehr unange-nehme, mehr oder weniger belastigende Gerüche auf, die sich mit dera Regendainpf, mit dem Dunst und der beangstigende Schwüle bis zum Unertraglichen steigern konnen. Die namentlich gegen üble Naturgerüche keineswegs unempfindlicben Bafiote nennen jene „Gestank der Savannequot;, und treilen damit ziemlich das Richtige, denn am Schlimmsten macht sich die mit Faulnissproducten geschwangerte Luft geltend, welche durch das schnell einsickerende Regenwasser aus der Frde verdrangt wird, und jene, welche den in Gras und Waldbestanden modernden Stoffen entstammt.

Zu diesen gesellen sich noch die Miasmen. welche den vom Regen auf-gerührten Lagunen, den grasigen Sümpfen und den Schlammbetten der Ri-zophorendickungen entsteigen Von diesen hatte Chinchoxo bei S. E. Wettern vielfach zu leiden, r/ie Krankenliste war in dieser Beziehung sehr lahrreich. Besonders im Marz und April 1875, wo viele S. O. Gewitter (also von der Landseite) auftraten, nahmen die Zustande geradezu etwas unheimliches an. Im April namentlich, als auch noch die heilsame Seebrise vielfach ausblieb oder sehr unregelmiissig und schwach einsetzte, kam es wie das Verderben über die Station und ihre Umgebung, und Erkrankungen wie Todesfiille mehr-ten sich erschreckencLquot;

ocr page 17

11

wir uns znerst an, wie im allgemeinen Feuclitigkeit als kli-matischer Factor wirkt, und stellen wir uns naclilier die Frasre in wie weit dieser klimatische Factor von den Winden beeinflusst wird.

Nach Peïtexkofkr und Vorr gibt ein Mensch tiiglich 900 g. Wasser durch Verdunstung ah. Da nun die relative Feuclitigkeit ein Mass ist fur die Fiiliigkeit der Luft Wasserdampf auf zu nehmen, so folgt daraus, dass Schwaukungen in der relat. Feuchtigkeit Einfluss auf die Wasser-Oeconomie des menschlichen Organismus haben mfissen.

In der That, wird die Verdunstung durch Haut und Lun-gen rerringert so erhöht sich der Blutdruck, darauf wird die Urinsecretion gesteigert und in vielen Fiillen auch jene des Darmes. Dagegen wird bei geringer relativer Feuchtigkeit das Blut wasserarmer, es wirkt als ein intensiveres Stimulans auf das Nervensystem und hat Schlaflosigkeit, Aufregung, Pulsbeschleunigung zur Folge, wahrend bei feuchter Luft die Functionen des Nervensystems herabgestimmt werden ').

') Auf die grosse Trockenheit in den Vereinigten Staaten von Nord-Amerika werden von E. Desor, in seinem Vortrag über das Klima der Verein. Staaten, die Verilnderungen bezogen, welche in zwei Jahrlmnderten den TJebergaug der Anglo-Sachsisehen Einsiedler zu der Type des Yankee be-wirkt haben.

Die physiologische Eigenthümlichkeiten der Amerikaner schildert er fol-genderweise: „L'un des traits physiologiques de rAmérieain, c'est l'absence de 1'embonpoint. Parcourez les rues de New-York, de Boston, de Philadel-phie; sur cent individus qui vous coudoient, vous un rencontrerez h, peine un qui ait de rembonpoint; encore se trouvera-t-il le plus souvent que eet individu est un étranger ou d'origine étrangère. Ce qui frappe surtout chez les Américains, c'est la longueur du cou; non qu'ils aient le cou absolu-ment plus long que nous, mais parcequ' étaut plus grèle, il parait d'autant plus allonge. A leur tour les Américains reconnaissent facilement l Européen aux caractères contraires.'' — „La difiirence signalée entre les Américains et les Européens, n'est pas seulement le résultat d'un moindre développe-ment du systeme musculaire; elle depend aussi d'un amoindrissement du

ocr page 18

12

Verminderter Luftdruck hat gleichen Einfluss wie trockne

4

Luft, weil Luftverdiiunung die Verdiinstung erleichtert. Zum Beispiel macht die Luft in Davos, obschon von betriichtlicher relativer Feuchtigkeit, den Eindruck der Trockenheit, und hat anch das dortige Klima manche Eigenschaften eines trocknen, weil der geringe Druck von 630 mm. die Luft zu grösserer Wasserdampfaufnahme filhig macht.

Um ilber die Feuchtigkeits-capacitiit der Luft in einer Gegend urtheilen zu konnen, muss man also nicht allein die mittlere relative Feuchtigkeit, sondern auch den mittl. Luft-drück kennen, und zumal fur höhere Gebirgs(kur)orte würde dies von grosser Wichtiirkeit sein.

o o

Noch aber ist es nicht genug die relat. Feuchtigkeit und

O O O

den Luftdruck zu kennen, um über die Fahigkeit der Luft Wasser aufzunemen urtheilen zu kunnen; dazu muss auch die Temperatur angegeben sein. Bei gleichem Luftdrucke wird die selbe relative Feuchtigkeit einen enorm verschiedenen Effekt auf den Organismus ausüben bei hoher und niederer Temperatur. Hierbei soli nun die Thatsache in Betracht gezogen werden, dass die Inspirationsluft, sie sei kalt oder warm, in den Lungen zu 37° C. erwilrint wird. Eine mit Wasserdampf gesilttigte Luft von 0° C. z. B. wird nun in den

système glandulaire, et sous ce rapport, elle mérite une sérieuse attention de la part du physiologiste, comme compromettant directement l'avenir de la race américaiue.quot; — Auch die liastige, rastlose Thatigkeit der Araerika-ner wird dem Einflusse der Trockenheit zugeschrieben.

Die Einwandrer aus Europa nehmen bald die selben Eigenschafte an, und umgekehrt verliert der Amerikaner in Europa einigermassen seine Eigeuthumiiclikeiten. ..Aiusi, sagt D»ukquot; , ,,il est peu d'Européens qui engrais-sent aux Etats-ünis, taudis que les Americaius, qui séjourneut quelque temps en Europe, y prennent ordinairement un air de santé et de prospérité remar-quables.quot; (BOUDIN, Traité de Géographie et de Statistique médicales et des maladies endémiquea. Tome ii. i^aris löoi.)

ocr page 19

13

Lungen ausserordentlich trocken werden, und in diesem Organs eine betrachtliche Verdunstung von Wasser erlauben. 1st eine solche Luft aber von 30° C. Temperatur so wird diese in den Lungen nur um 7° C. erhoht und die Dampf-capacitiit, die bei der Inspiration gleich 0 war, wird in den Lungen nur sehr wenig erliöht werden.

Der Wasserverlust des Kürpers im einen oder dem anderen Fall wird also sehr verscbieden ausfallen, obgleich die relative Feuchtigkeit in beiden gleich (100 °/0) war. üass nun analoge Verscheidenheiten bei anderen Feuchtigkeits-graden als 100% bestehen, braucht nicht besonders betont zu werden. Für den Wasserverlust durch die Haut sind die Verhiiltnisse etwas complicirter, auf der einen Seite durch die Kleider, auf der anderen durch die Luftbewegung, welche letztere auf die Verdunstung durch die Lungen nur Einfluss hat wenn sie die relat. Feuchtigkeit iindert.

Zurual in den kiiltern Klimaten wird die Hautausdünstung abhiingig sein, erstens von der Fahigkeit der Kleider das Hautwasser in sich aufzunehmen und der Luft zu über-geben, zweitens aber von der Weise in der die Kleidung ihre Funktion, Luftbewegung von der Haut abzuhalten, erfüllt. Diese Funktion ist der Kleidung in den heissen Klimaten , wenn überhaupt Kleider getragen werden, nicht auf-gelegt. Hier schützt sie gegen Insolation, und durch ihre Geraumigkeit befördert sie im Gegentheil die Ventilation, also auch die Verdunstung des Hautwassers.

Hier wirken also folgende Factoren zusammen um den Wasserverlust zu ciner sehr betrilchtlichen Höhe zu steigern: die hohe Temperatur der ümgebung steigert die Schweiss-secretion;

die sehr warme Luft hat (selbst bei hoher relativer Feuch-

ocr page 20

14

tigkeit) die Fiihigheit eine grosse Quantitiit Wasser aufzu-nelimen (bevor sie gesilttigt wird);

die Verdunstung des sich auf der Haut befindenden Wassers wird sehr befördert durch fortdauernde Erneuerung der die Haut berülirendeu Luftscliichten: erstens, selbst bei stiller Luit (Windstille), durch jede Bewegung des fast unbedeckten Korpers; zweitens durch jede eigene Bewegung der Lu ft.

Der grosse Wasserverlust durch die Haut im heissen Klima ist Ursache des grössern VVasserbedürfnisses (Durst), gegen-über den geringen in den kalten Klimaten.

Wenn der alleinige Einfluss der relativen Feuchtigkeit auf den Wasserverlust in beiden Klimaten beachtet werden konnte (also bei gleicher Schweisssecretion, und gleicher Kleidung) dann würde sich ein geringeres Wasserbedürfniss (durch den geringern Wasserverlust durch die Lungen) in den Tropen als in der Kiilte ergeben, bei gleicher relativen Feuchtigkeit1).

■) Aus alledem geht nun hervor, dass f'iir die Haut die relative, fur die Lungen aber die absolute Feuchtigkeit in erster Linie in Betracht kommen muss, weil die Temperatur der Luft in den Lungen überall dieselbe ist. Zum Beispiel ist in den Niederlanden die jahrliche mittlere relat. Feuchtigkeit 80°/;,, in Batavia sehwankt sie von 790/0 (in September) zu 88c/0 in Januar (Müury gibt als Jahresmittel auf Java 84o/0) und geht in den feuchten Gegenden des tropischeu Afrika's nicht viel darüber. Der TJnterschied in der relativen Feuchtigkeit ist also gering, der in der absoluten gross denn auf Java enthiilt ein Kubikmeter Luft nngefahr 9 Gramm Wasser als Bampf, in den Niederlanden nur 5.5.

In den Lungen wird also hier viel mehr Wasserdampf von der Luft auf genommen werden als dort.

Sehr stark werden also die Lungen der Tropenbewohner in Anspruch genommen, wenn sie in die gemassigte Zone sich begeben, und hiermit geht ihre Disposition zu Lungenerkrankungen parallel.

Für den geringen Einfluss der XJnterschiede in der relativen Feuchtigkeit in der Zone wo der Wasserverlust duch die Lungen die grösste Eolle spielt, in der kalten also, geben die Verhiiltnisse in Sibiriën und auf Spitz-bergen weitere Belege: In S. herrsclit grosse Trockenheit, zugleich wird die Salubritat seines ülima's sehr gelobt. Dagegen wird das Klima von Spitz-

ocr page 21

15

Zu diesem Einflusse der Feuchtigkeit gesellt sich nocli in den kalten Klimaten der betrilchtliche Wilrmeverlust in den Lungen, erstens durch Erwarmung der kalten Luft auf 37° C., zweitens durch die rasche Verdunstung des auf der grossen Oberflaclie der Atlnuungsorgane sich befindenden Wassers.

Mit Rücksicht auf die oben geschilderten Verhilltuisse kann's kein Wunder nehmen, dass plötzliche Feuchtigkeits- und Tem-peratur-Veriitiderungen der Atinosphflre Lilsionen des zarten Lungen- und Schleimhilute-Epithels zur Folge haben, welche mehr oder weniirer ernste Krankheiten der Athmungsorgane

o o o

einleiten, von welchen die kalteren Klimate (zumal die mit nnbestiindigem Wetter) so ausserordentlich viel hanfiger heim-gesucht werden als die warmeren und bestilndigeren.

Diesem direkten Einflusse der Feuchtigkeitsverhaltnisse auf den Organismus steht derjenige auf das Vorkommen der Infectionskrankheiten nicht nach, insofern diese letztere von niederen pflanzlichen Organismen verursacht werden.

Grüssere Feuchtigkeit erleichtert ihre Festhaftung auf einen Niihrboden und ihre Fortpflanzung geht dann (bei erfüllten Temperaturbedingungen) in rascher VVeise vor sich. Folgt nun eine Periode geringerer Feuchtigkeit resp. grosser ïrock-enkeit, so gelangen sie bei der geringsten Luftströmung als Staub in die Atmosphiire, in die Athmungsluft, in Speisen,

bergen unangenehm durch seine Feuchtigkeit genannt (mittl. rel at. Feucht-igk. 90ü/o. Dampfdruck im Winter 1.4 m.m. Nordenskjöld. 1872. Ueberwin-terung zu Mosselbaai.) Die Spitzbergsche Luft enthalt ungefahr 1.5 Granim Wasser pro Kubikmeter, und enthielt nun die Luft in Sibirien gar kein Wasser so würde doch der Unterschied mit Spitzb. uur gering sein. Damit stimmt nun auch die Angabe der Schwedischen Fxpeditionen nach iSpitz-bergen, welche das Klima als sehr heilsam rühmen, also gleich wie das relativ so enorm viel trocknere Sibirien.

ocr page 22

16

Getranken, auf Wunden etc., kurz überall wo sie nur schaden können.

Sehen wir jetzt zu, welchen Einfiuss die Winde auf der Feuchtigkeit der Luft üben, so kommen wir sofort zur Erkent-niss der Nothwendigkeit das Generalisiren völlig zu unterlassen.

Nur dies' kann im Ailgemeinen gesagt werden: Luftbe-wesuus bei welcliem Grade der Feuchtigkeit auch , beschleunigt

O O 0

die Verdunstung und es wird also ein Klima mit hiiufiger und stiirkerer Luftbewegung, ceteris paribus, trockner sein als ein solches mit stiller Luft; m. a. W. die Winde erhöhen die „Evaporationskraft'' eines Klima's. Dies wurde nur dann von allgemeiner Geltung sein, wenn die Winde immer Luft von derselben oder geringeren relativen Feuchtigkeit, und derselben Temperatur brachten wie die, welche schon über der betreffenden Gegend schwebt. Nur die Würdigung der ünterschiede in den Qualitiiten der anwesenden und der von den Winden angeführten Luft wird auf die Art der VVirkung der letztere zu schliessen erlaubeu. Eben in dieser Beziehung ist aber von Wichtigkeit woher der Luftstrom kommt, und zumal in dieser Hinsicht ist das von Zimmerman in seinem Werke über „die Erfahrung in der Heilkundequot; (1763) gesagte zutreffend: „Man kan nicht bestimmen was dieser oder jener Wind, im Ailgemeinen auswirkt, weil derselbe Wind, an ver-schiedenen Orten und Zeiten, sehr verschieden ist.

Einer der grössten Manner unseres Jalirhunderts lachte über die komische Verwirrung der Aertzte, welche in ihren Schriften systematisch unterscheiden was dieser oder jener Wind auswirkt, wcil jeder Wind immer nur dasjenige in ein Land bringt was in der ganzen Gegend liegt, langs welcher er blast.quot;

ocr page 23

17

Mit dem Wechsel der Jahreszeiten wechseln auf der West-küste Europa's die Effekte der Seewinde.

Im Winter erhöhen sie die Temperatur, weil sie höher temperirte Seeluft bringen, die Seeluft selbst aber erfiihrt dabei Temperaturerniedrigung über dem kalteren Lande, dadurch wird sie relativ viel feuchter, und dichte Nebel sind davon die Folge. Wenn das Land jedoch im Sommer duroh die Sonne stark erwarmt wird, kann der Seewind wohl külilere Luft bringen , aber keine Nebel, denn sie wird über dem wiirmeren Lande erwarmt und wird dadurch relativ we-niger feucht1). So auch bringt in den Tropen, z. B. auf die Nordkuste Java's, der tiigliche Seewind nie Niederschlage.

Im Polargebiete sind die Verhiiltnisse wieder umgekehrt. Dort ist das flüssig gebliebene Meereswasser von viel höherer Temperatur als die Luft, und Payer berichtet von Pranz-Josef-Land, dass die Lnftfeuchtigkeit durch die den offenen Meeresstellen entstromenden Wasserdampfe (Frostrauch ge-nannt) immer neuen Zuschuss erhalt.

„Diese Diimpfe gefrieren zu Eiskrystallen, welche die Luft erfüllen und die Klarheit des Tages bis zu einer graugelben Dammerung dampfen, dabei ein unausgesetztes flüsterndes Gerausch ausübend.quot;

') Gilmss gibt in seiner Sehilderung von den Jahreszeiten auf der Hoch-ebene von Santiago de Chile Folgendes über den Winter:

„Solange der Wind von Süd welit bringt er keinen Kiederscblag der Feucb-tigbeit. Kommt er aber von Hord oder Nordwest so steigt die Temperatur, eine diobte Schicht von Dampfen wülzt sich über die Küstenkette ins Thai hinein und es fiillt Eegon. Oft lösen sich die Diimpfe auf sowie sie sicli mit der warmen Luft des Thalbeckens mischen; kommt Urnen aber dann ein kalter Luftstrom von den Anden cntgegen, so erfolgt die Condensation plötzlich , und der liegen strömt in Güssen lierab.'' etc.

Vom Sommer daselbst berichtet er aber:

„lm Sommer nimmt die lufttrockenheit (welche im Fruhjahr anfangt) zu. Regen fiillt selten.quot;

ocr page 24

18

Die oben angeführten Siitze aus dem Werke Zimmer-mann's werden weiterhiu schön illustrirt durch die Witterungs-verhaltnisse auf der Ostkuste Sibiriens, am Ochotskischen Meer. Dort herrschen im Winter die westlicben Landwinde, welche aus dem Innern des grossen Continents stammend, Kiilte und Trockenheit bringen. Im Sommer aber sind die östlichen Meereswinde ebenso constant, und bringen stets trfibes Wetter, viel Regen und dichten Nebel. Wenn aber dann ein einziges Mai ein Westwind sich bis auf Ochotsk erstreckt, so wird das Wetter sofort heiter, trocken und heiss, und bringt dieser Landwind zugleich aucb selbst die Miicken-schwilrme mit, welche in den grasreicben Gegenden Sibiriens zu den wahrhaft bedenklichen Plagen gebören.

Der reine Einfluss von Luftbewegung auf Evaporation zeigt sich am besten im Innern grosser, trockner Conti-nente, wo Boden und Atmosphare auf grossen Strecken dieselben Eigenschaften besitzen. Alle Reisenden im Innern Sibiriëns erklaren, dass die unbedeckten Ibeile der Haut nichts von der grossen Trockenheit und Kul te zu leiden haben, wenn nur vollkommne Stille herrscht. Sobald aber selbst nur eine sehr leichte Brise weht, empfindet man Schmerz im Ge-sicht, und ein peinlicbes Stechen vorne an der Stirne, das sich rasch ins Unertragliche steigert.

Sehr eingreifend durch ihre Trockenheit (zugleich auch durcb ihre Hitze) sind einige specifische Lokalwinde, wie der Föhn, Scirocco, Samum etc. 1). Ebenso trocken aber kalt,

') .,Der „ïotin ist ein warmer, trockner, voni Alpenkamm aus S.O. oder S. seltener aus S.W., mit grosser Heftiglieit herabstürzender Wind. — „Men-sehen uud Thiere leiden unter dem Eiuflusse dieses lieissen Wiudes. Er wirkt abspannend auf die Kerven und drückendauf das Gemüth.quot; (Haun 1. c.).

Die Abweieliung der Temperatur von der normalen betrug bei einem

ocr page 25

19

eisig kalt sogar, sind „Mistralquot; und „Horaquot; in Europa, der „Northerquot; in Nord-Amerika1). Es sind kalte Nordstürme,

Föhn vom 31 Januar zum 1 Februar 1869 15.7° und die Abweichung der relativen Feuchtigkeit — 580/o*

Der Italienische Scirocco ist ebenso lieiss wie der Föhn nur ist er feuch-ter. Jedoch liaben Siciliën und ein Theil von Süd-Italiën noch einen andem heissen, trocknen Scirocco; Menschen und Thiere leiden unter Mattigkeit, Beklenimung, und Uniust zu jederThatigkeit. Hiiufig scliliigt sich oin feiner, meist rötliliclier Staub nieder, der in vielen Fallen aus der Sahara stammen dürfte (FiscnER.) Auch auf der Süd-Ostküste von Spaniën, und einige Meilen landeinwarts, weht ein trockner, heisser, meist S.O. Wind, „Levechequot; geuannt. ,.Sofort erschlalfen Menschen und Thiere bei Berührung mit diesem Glut-hauch, es stellen sich heftige Kopfschmerzen ein, und selbst dem gesundesten Eingeborencn „liegt es wie Blei in den Gliedern.quot; (Hellmann) Auch in Madeira wird ein ahnlicher Wind beobachtet, den man dort „Lestequot; nennt. Er weht aus S. O. bis N. O, und führt auch rothen Staub mit sich.

Alle diese Staub und Sand mit sich führenden Winde sind Fortzetzungen des Sam urn, des eigentlichen Wüstensturmes; schwere Staub- und Sand-wolken hebt er auf, die Temperatur steigt bis 50°, und darüber. Den Karavanen wurde er haufig zum Verderben. Man hat dem Samum früher giftige Eigenschafte zugeschrieben, es ist aber wohl uur der hohe Grad der Hitze und Trockenheit durch welchen dieser Wüstenwind lebensgefiilirlich werden kann.

Dr. ScnaFLl meint dass die durch den Samum bei Karavanen und Trup-penabtheihmgen bewirkten haufigen Todesfalle durch ..Austrocknungquot; er-folgen.

^ Der Mistral ist ein selir kalter Nordwind, welcher die Südküste Frank-reichs, zumal die Stadt Marseille geisselt. Gleich trocken und kalt, und plötzlich sich erhebend, ist er gewiss eine Ürsache der in Marseille so haufig vorkommenden Lungenerkrankungen. Der Bora ist ein analoger kalter Nordwind, welcher auf der Istrischen und Dalmatischen Kliste weht.

Ebenso ist der „Northerquot; ein ausserordentlich kalter und trockner Wind wovon Tn. KmcnnoF im „Ausland''(1867) sagt: „Wenn der Norther beginut stellt sich bei Menschen und Thiereu heftiger Durst ein und die schnell trocknende Haut brennt und kitzelt. Der Fall der Temperatur ist gross und ausserordentlich plötzlich, oft von *24° auf 4° oder — lc innerhalb weniger Minuten. — Fur diejenigen, die sich nicht durch warme Kleidung gegen die Northers schützen, ist eine Lungenentzündung die Strafe, die auch jahrlich zahlreiche Opfor fordert

Auch der spater genannte Sondo beëinflusst direct die Gesundheit, jedoch durch seine schwüle Hitze (er ist feucht.) Er verursacht neuralgische Schmer-zen, Migraue, besonders bei Frauen, und macht zu jeder Arbeit untahig.

ocr page 26

20

wahrend von den obengenannten der Föhn und der Seiroeco südliche sind, der Samurn ein östlicher Wind ist.

Auf der südlichen Hemisphare sind dagegen die Nordwinde heiss; entweder feucht, wie der Sondo auf den Ebenen der Argentina (Süd-Amerika), oder trocken, wie die heissen Nordwinde Australiens (Neu-Holland); wiihrend die Siidwinde in Süd-Amerika (Argentina) kalt und trocken sind („Pamperosquot; weil sie aus den Pampas im Süden herkommen), in Australien als Seewinde kiihl und feucht.

Nachdem wir nun die Bedeutung der relativen Feuchtigkeit der Luft fiir den menschlichen Organismus, und die Bedeu-trmcr der übrigen klimatischen Elements für sie erörtert haben,

O o

moge hier zum Schluss noch eine eigenthümliche Wirkung der Feuchtigkeit Erwiihnung finden namlich; ihr Einfluss auf das Kaitegefiihl.

Vielfach wird die Trockenheit der Luft als ürsache der Toleranz für sehr niedrige Temperaturen genannt. So sagt Middendorf von Ost-Sibiriën: „Es wiire wohl dem Menschen unmöglich, die ungeheuren Frostgrade Sibiriëns in nomadi-scher Lebensweise durchzumachen, wenn ihm nicht die Trockenheit der Luft zu Hilfe kiime quot;

Feud. Müller hebt auch die Trockenheit des Klima's von Sibiriën in folgender Weise hervor, nachdem er zuerst die Stille der Luft gelobt hat: „Ein zweiter Vorzug ist die Trockenheit des Klima's, die so gross ist, dass Holzsachen, welche in feuchtern Lilndern angefertigt worden sind, gar oft nach kurzem Gebrauch untaugüch werden. Der Gesund-heit sagt diese Stabilitat und JLrockenheit des Klima s vor-zuglich zu, Lungenkrankheiten sind in Sibiriën unbe-kannt (?)

ocr page 27

21

Bei — 25° C. wird's dem Spazierganger — selbstverstand-lich im Pelze — fast zu warm.quot;

Eiuian in seinem Reisewerke über Sibiriën, rübmt auch sebr die reine Blüue des Himmels (durcb Wasserdampfarinut bedingt) und erklilrt, obwolil er im Winter durcb ganz Sibiriën, vom Ural bis Ochotsk reiste, das Gefiibl des Frierens im Freien kaum erlebt zu haben.

Vom Polarklima sagt Hann (in der „Allgemeine Cbarak-teristikquot;): „die grosse Trockenbeit der Winterluft trilgt un-zweifelbaft daza bei, dass die Kalte weniger empfindlicb ist; bei feuchterer Luft im Früliling und Sommer ist das Kalte-gefühl stiirkerquot;.

Auch von Spitzbergen, welcher Insel von W. Scoeesby 1) „das unangenebmste Klima aller entdeckten Lilnderquot;, zuge-scbrieben wird, bericbtet Martins dass die Nebel, welcbe dort so hiLufig auftreten, durchdringend kalt sind.

In seinen Berichten über Franz-Josef-Land kebrt Payer die Verbaltnisse zwiscben Kiilte und Feucbtigkeit geradezu nm, meint aber doch wobl dasselbe, wenn er von einem durchdringenden Fenchtigkeitsgefühl spricht, welches bei grösserer Kiilte um so lebhafter wird, indem in Ost-Grönland, wo geringere relative Luftfeuchtigkeit herrschte, auch das Feuchtigkeitsgefühl weniger belastigend war.

o o o d

Aus allen diesen Berichten lilsst sich also schliessen, dass höhere relative Feucbtigkeit das Kaltegefühl steigert.

Eine genügende Erklarung für diese Erscheinung zu finden ist um so schwieriger, weil auch höhere Feucbtigkeit emp-findlicher macht gegen höhere Temperaturen. Feuchte Hitze wirkt viel drückender alstrockne, und die feuchte „Treibhaus-

') W. Scoeesbt. An account of the arctic Eegions. Edinburg 1820.

ocr page 28

22

luftquot; der Tropen ist eben (lurch ill re Feuchtigkeit so schwer ertriiglich. Auch macbt hohe mittlere Warme, verbunden mifc grosser Feucbtigkeit, sclion geringe Temperatur-erniedrigungen sebr emptindlich

In dem Unterschiede, der zwischen den Bewobaern der Wüste und den Einwohuern des feucbten Sudan bestebt baben uns die Sabara-reisenden ein auffallends Beispiel des Einflusses der Feucbtigbeit der Luft gegeben (Hann 1. c. S. 37).

Hier konuten zur Erkliirung, (sowie bei dem Einflusse der Winde auf das Kaltegefübl in kalten Klimaten) die Ver-scbiedenbeiten in der Evaporation zu Hilfe gezogen werden, welcbe die Warmeregulirung beëinflussen. üurcb erböhte relative Feucbtigbeit muss jedocb aucb in den Polarregionen der Wasserverlust und der dadurch bewirkte Wilrmeverlust verringert werden, also könnte dadurcb das Kaltegefübl aucb nur geringer werden. Weil aber die wirklicben Verbaltnisse eben das Entgegengesetzte ergeben, muss das Kaltegefübl bei grosser Feucbtigkeit (wozu die Reisenden aucb Regen und feucbten Nebel recbnen) auf Recbnung der Anfeucbtung der Kleider durcb das atmospberiscbe und zugleicb durcb das

') Humboldt zieht aus seinen eigenen Erfahrnngen zwischen den Wende-kreisen den Sclilnss, dass „man dort auf Ebenen, wo die Lufttemperatur bei Taf fast bestandig übev 27° ist, bei Nacht das Bedürfniss fühlt sich zuzu-deckcn, sobald bei feuchter Luft der Tliermometer nm 4—5''20 fiilltquot;, und dass „es nicht mehr als 7—8° brancht (von 30°,5 auf '23°,8) um die entge-gengesetzten Empfindungen von Hitze und Frost zu erzeugen.quot;

In Gombé und weitor südlicli fand Eoiilfs in den Hutten der Pullo-Neger eigenthümliche Nachtlager, Biinke aus Tlion, die innen holil sind und nachts durch Kohlen und Feuer gewilrmt werden. Der fröstelnde Keger breitet seine Matten darüber und schützt sich so in den Wintermonaten gegen Kiilte. Gombé liegt nur 50 m. höher, dafür aber 'i0 BÜdlicher als Kuba, wo der Kaltete Monat noch eine Mittelteraperatur von 22° hat, d. i. 2° warmer als der normale Juli in Wien , wo man um diese Zeit nachts vor Hitze kauni Schlafen kann. (Hasn 1. c. Seite 380.)

ocr page 29

23

Hautwasser gestellt werden, was das unangenehme Gefiihl der Durclmiissung hervorruft.

Und jetzt kommt noch in letzter Linie der Luftdruck als klimatischer Factor. „In letzter Liniedenn so wichtig die Luftdruckschwankungen als meteorologisches Element sind, so wenig bedeutend sind sie in der Klimatologie.

„Wenn es sich darum handelt, das Klima einzelner Oert-lichkeiten zu beschreiben, kann man Luftdruckmessungen völlig entbehren. Denn soweit der Luftdruck auf die organi-schen Wesen Einfluss nimmt, ist derselbe hinliinglich genau aus der Seehöhe eines Ortes bekannt; ja man kann denselben genauer berechnen, als ihn gewühnliche, nicht sorgfilltig kontrollierte Beobachtungen abzuleiten gestatten. Wenn man berücksichtigt, dass z. B. im vierten Stockwerk eines Hauses schon ein um circa 2 mm. niedriegerer Luftdruck herrscht als im Erdgeschosse, und dass viele Orte, auf unebenem Terrain erbaut, noch viel grüssere Hühenunterscbiede auf-weisen, ohne das deshalb klimatische Unterschiede sich fühl-bar machen, so wird man daraus schliessen, dass es sich für rein klimatottrafische üarstellunu'en bloss darum handeln

o O

kann den Luftdruck bis auf das Centimeter genau zu kennen.

Die Schwankungen des Luftdruckes an demselben Orte kommen gleichfalls klimatologisch kaum in Betracht, zum mindesten wird ihr Einfluss gern weit überschatzt. Die Luftdruckschwankungen sind an den allermeisten Orten der Erd-oberfliiche viel zu geringfügig, um von Einfluss auf die Organismen zu sein; Aenderungen des Luftdrucks von 20 mm. im Verlaufe eines Tages kommen scbon sehr selten and nur in gewissen Gegenden vor. Ihren Effekt auf den menschlichen Organismus kann man sich vorstellen, wenn man überlegt,

ocr page 30

24

dass derselbe auch dadurch hervorgebracht werden könnte, dass man im Laufe eines Tages ganz gleichmiissig auf den Gipfel eines bloss 200 M. hcrhen Hügels gehoben würde.

Es ist kaum zu erwarten, dass dies eine merkliclie physi-ologische Wirkung liaben dürfte 1).

Der an einem Orte herrscliende Lnftdruck kommt klimatologisch nicht allein als solcher in Betracht, sondern auch als Maass der Luftverdünnung und vornehmlich noch durch den Einliuss auf die Verdunstung; die Abnahme des Luft-drucks steigert bekanntlich die Verdunstung, gleiche Temperaturen , gleiche Luftbewegung und relative Feuchtigkeit vorausgesetzt. Détaillierte Angaben über die Luftdruckverhiilt-nisse eines einzelnen Ortes sagen über das Klima desselben nichts aus, und sie kunnen erst dann Werth erhalten, wenn sie mit denen anderer Orte in gleicher Seehühe verglichen werden können. Auch dann sagen sie direkt nichts über das Klima selbst aus, sondern bilden nur die Basis zur Erklilrung der Vertheilung der anderen klimatischen Faktoren.quot; Also nur für den theoretischen Klimatologen sind sie von Bedeu-tung, nicht für den medicinischen.

Vor etwa drei Jahren hat sie jedoch Dr. Knoevenagel als Einfluss auf Erkrankungen zu verwerthen gesucht2). Er glaubt dem Luftdruck einen Einfluss beimessen zu dürfen auf die Vertheilung von Miasmen, niederen pflilnzlichen Organismen oder dergleichen Krankheitserregern in der Luft, und stützt sich dabei auf die ïhatsache, dass auch sie dem Gesetz der Schwere folgen müssen, woraus er schliesst dass

') Hans 1. c.

Schmidt's Jahrbiieher. 1882.

Dr. KnobvesaGtEL , Theoretiseli-meteorologische Combinationeu.

ocr page 31

25

sie bei schwererer Lu ft (hölierem Luftdruck) leichter gehoben werden als bei niedrigerem Luftdruck. Icli glaube aber ihm in seinen theoretischen Combinationen nicht beistimmen zu konnen. Nicht alsob ansehnliche Druckunterschiede nicht einen Einfluss darauf haben künnten (im Luftleeren Raam fallen Feder und Stein gleich schnell), die barometrische Schwanknngen um einen örtlichen mittleren Druck sind aber dazu allzu gering, und werden sogar verschwindend klein in Vergleich mit dem energischen Einfluss, welche selbst die scliwiichste Luftbewegung auf die Aufwirbelung solchen leichten Staubes nelimen.

Selbst das Eigenthümliche des Gebirgsklimas ist viel-mehr abhiingig von dem Einflusse der Luftverdünnung auf die anderen klimatischen Factoren als von der Luftverdünnung selbst. Auch theilt Mühry die Gebirge (am Aequator, um die höchsten und niedrigsten Temperaturen gleich einzn-fassen) nicht nach der Höhe, sondern nach der Temperatur in drei Regionen, und giebt dann z. 15. Folgendes über die Morbilitiits-Verhiiltnisse der oberen oder kalten Region. Sie hat 0°—4° R. mittl. Temp., liegt in einer Seehöhe von 12000' und darüber, entsprechend einem Luftdruck von 17quot; (Pariser Li-nien) also ungefiihr 460 niM.

Hiiufige Krankheiten sind : Influenza, Erysipelas , Metritis puerperalis, Rheuma, Pneumonie, Croup, Trismus neonatorum (diese beide letzteren nur muthmasslich hiiuflg.)

Fehlende Krankheite sind: Malaria-Fieber (wenigstens ist es weit seltner und schwiicher), Gelbes Fieber, Cholera, Dy-senteria u. e. a. — lm Allgemeinen also eine weitgehende Uebereinstiminung mit den Morbilitatsverhaltnissen bei der-selben Temperatur auf einer Seehöhe gleich 0, obwohl ein

ocr page 32

26

Luftdruck-Uuterschied von 300 mm. besteht.1) Die Erysipe-las-Coccen scliweben also auch wohl in dieser verdünnten Luft umher.

Die zwei anderen Regionen verhalten sicli analog; weitere Anfivhrung ware daher überflüssig.

Es giebt jedoch ein Reihe von Krankheiten deren Vorkommen von dein Luftdruck beeinflusst wird, in dem Sinne, dass sie unabhangig von der Temperatur, in einer Seehühe von etwa 3000 Fuss schon selten werden und auf grosseren Höhen ganzlich verscbwinden. Es sind dies die cbronischen Lungenkrankbeiten.

Diese Tbatsacbe ist uun nicht erkliirlich durch die geringere Tragfahigkeit der rareficirten Luft (für Tuberkelbacillen in Bezug auf Lungentuberculose z. B.), kann aber eine Erkliirung finden in dein Einflusse der Luftverdünnung auf die Entwicklung der Athemorgane, ungeachtet ihres Ein-flusses auf Temperatur, Feuchtigkeit etc. Für diesen Einfluss auf die Athmungsorgane finden wir folgende Belege in Mühry's „Klimatologische Untersuchungenquot;.

Beim Aufsteigen in die rareficirte Luft erfahren ünge-■wohnte früher oder spüter eine Athemnoth, ein Gefühl als könnten sie nicht genng Luft holen; dazu kommen Schwindel und Kopfschmerz, Uebelkeit und ganz besonders grosse Er-mattung bei leichten Anstrengungen; dies sind die Haupt-symptome des Berg-Asthma's. Der Zustand dauert einige Stunden oder Tage, oder auch wohl einige Wochen; allmiihlig tritt Gewöhnung ein2).

Es ist dies die volle Erscheinung der allmiihlig zunemend

') Vergleich B. für die Malariagrenze Seite 6.

3) Die Athembewegungen sind dabei wohl energischer geworden.

ocr page 33

27

wirkenden Luftverdiinnung, welche bekanntlich schon bei 16000' um die Hillfte eingetreten ist. Die in dieser ver-diinnteii Luft lebenden Eingeborenen zeichnen sich aus durch einen entsprechenden Typus des Kürperbaaes, durch stiirkere Entwicklung der Respirationsorgane; der Brustkorb ist brei-ter, die Gestalt gedrungener, die Extremitaten sind kürzer, als bei den Bewohnern der Tief ebenen. So findet man es auf den Anden und auf' den Hocbebenen Tibets, wenigstens über 10000' Höhe (dazu koiumt noch ein Mangel an über-flüssiger Fettbildung).

Dies alles stimmt ruit den Berichten von A. d'Orbigny, [Voyage dans l'Aniérique méridionale (Tome IV, L'homme américain) Paris 1839], der beinahe buchstilblich dasselbe von den Bewohnern der Hocbebenen in Oestlich-Bolivia sagt. Auch vom Hochlande in Peru wird Gleiches berichtet, und vom Himalaya erwilhnt es J. Hooker (Himalayan Journal etc. 1854).

Dies alles kann nur aufgefasst werden als Resultat der excursiveren Athembewegungen in verdünnter Luft; dies bringt eine Vervolkomtnnung der Function auch der wenigst beweg-lichen Theile der Lungen mit sich, und also wird eine der milchtigsten Gelegenheitsursachen für Phtisis, die mangel-hafte Lungenventilation, abgehalten.

Dass die Tuberkelbacillen auch auf grosseren Höhen nicht fehlen erweist sich aus der Thatsache, dass Scrofeln noch in grosser Höhe zu finden sind, wie Mühry (1. c.) angibt, zwei-tens aber auch aus die Angabe Mor. Wagner's1), dass Phtisis im Hochlande Armenien (von 8—5000') sich nur bei solchen

') Reise naeh dem Ararat, 1846.

ocr page 34

28

Individuen zeigt, welche aus heissen Liindern dorthm versetz sind, namentlich bei Negern; also bei Indrnduen, welcbe durch ibre Gewöhnung an eine sehr hohe mittlere Tempe-ratur für niedrigere Temperaturen sehr empfindlich und da-durcli überhaupt zu Lungenkrankheiten dispomrt smd.

ocr page 35

T H E I L II.

DER EINFLUSS DEP. WITTERUNG AUF DIE MORT A LIT AT AN CROUP IN DEN NI ED E RL A N DEN.

Im vorigen Theüe haben wir die Einflüsse der klimatischen Elemente auf Erkrankung im Allgemeinen erörtert, in den niichstfolgenden werden wir uns bestreben ihre Einflüsse auf das Vorkommen einer speciellen Krankheifc zu verfolgen nl. des Croup.

Wir müssen hier jedoch untersclieiden zwisehen Klim a und W itterung. Das K 1 i tn a giebt den mittleren Zustand der Atmosphare an einem Ort, die Witterung wird be-stimmt (kirch die Abweichungen von demselben.

Der Einfluss der Klimate auf das Vorkommen von Croup ist also zu verfolgen durch Vergleichung verschiedener Ge-genden in Bezug auf diese Krank heit, durch die Kenntniss der geographischen, also der rilumlichen Verbreitung des Croup.

Der Einflüss der VVitterung jedoch lüsst sich an einem und demselben Ort studiren, durch Vergleichung der verschiedenen

ocr page 36

30

Zei ten in Bezng auf das Vorkommen der Kranklieit, also durch ihre zeitliche Verbreitung.

Letzteres gescliieht naturlicherweise am leiclitesten dort, wo erhebliche Abweicbungen von dem mittleren Zustand manchf'altig vorkommen, d. b. wo das Wetter unbestilndig und audi nacb den Jabreszeiten sebr verscbieden ist, und wo aueb zugleicb Croup keine seltene Krankheit ist. Weil nun in den Niederlanden alle diese Bedingungen ziemlicb vollkommen ert'üllt sind, küunte man scbon von vornberein erwarten, dass dergleicbe Untersucbungen bier angestellt, nicbt ganz resultatlos bleibeu wiirden.

Hier mügen nun einige kiirzen Daten über das Klima un-seres Landes Platz finden.

Bei einer jilbrlicben mittleren Temperatur von wenig minder als 10° C. bat uuser wiirmste Monat, der Juli, eine mittl. Temp, von 18°.67 C., welcbem der nacbstfolgende, August, mit 18°.40 C., nur sebr wenig nacbstebt. Der kiilteste Monat, Januar, hat eine mittlere Temp, von 10.18 C.

Obwobl also keiner unserer Monate eine mittlere Temp, unter dem Gefrierpunkte bat können docb sebr niedrige Temperaturen vorkommen. Obne Frost gebt wobl kein Winter vorüber. ungeacbtet der niicbtlicben Froste, welcbe im Friib-jabre die junge Vegetation so sebr beschadigen.

Immerbin sind Temperaturen von 0° bis — 6° C. keine Seltenbeit; die niedrigste Temperatur im Laute von vielen Jabren wabrgenommeu ist aber — 22°.8 C.; lange dauern die niedrigen Temperaturen bier nur selten, und vielfacb wird miissiger Frost von feucbtwarmem Tbauwetter unter-brocben.

Scbwankungen um die Norm ergeben weiter alle Monate; am wenigsten sind nocb Extreme bober Temperatur wabrge-

ocr page 37

31

nommen. Der höchste Stand derselben war von 34=.4 C. was jedenfalls selbst auf den Insein des Indischen Archipels ein seltene Temperatur ist.

Die Temperatur in unseretu Lande kann also zwischen deu um ungefiihr 60° entfernten Extremen — 22° und -f- 34° C. schwanken 1).

Sehr unbestiindig wehen die Winde mit abwechselnder Kraft aus allen möglichen Kichtungen.

Immer herrschen die westlichen Winde vor, fast stets bringen sie Regen, am angenehmsten ist der Südwind, der Wiirme mit reiner Luft bringt. Die Nordwinde sind kalt, und haben einen sclilechten Ruf, sowohl im Somnier wie im Winter; die östlichen Winde, die Continentalwinde, bringen im Winter trockne, sogen. scharfe Kidte, im Sommer trockne Wiirme.

Die jilhrliche mittlere relative Feuchtigkeit betragt 80% und seliwankt wlihrend der verschiedenen Monaten von über 90% bis etwa 70%. Die normalen niedrigsten Feachtig-keitsgrade kommen in den würmsten Monaten vor. Als Ab-weichungen kommen in allen Monaten Siittigungen mit Was-serdampf vor, am meisten im Winter, worin aber auch eine Verminderang bis 26% sich einstellen kanu. Die ausehnlich-sten Abweichungen sind im Frühjalir wahrgenomen, wo die relative Feuchtigkeit bis 15 und 18% herabstieg 2).

Dies ist also mehr als 60% unter dem Mittel, wahrend bei einem sehr intensiven Föhn in Bludenz vom 31 Januar zum l Februar 1869 vorgekommen, die Abweichung der Feuchtigkeit von der normalen — 58% betrugs).

') Dr. F. W. C. Krecke. Het klimaat van Nederland.

;) Keecke. 1. c.

3) Hash. 1. c. S. 211.

ocr page 38

32

Was nun den Luftdruck betrifft, so sind die normalen Schwankuugen sebr gering. Uie normalen Maxima und Minima, deren je zwei im Sommer und im Winter vorkom-men, sind nur um 2.5 mm. von einander verschieden. Die ansebnlichste Abweichung im Laute von 14 Jahren wahrge-iio min BH betrug 34 mm. unter dem Mittel« die ansebniicbste Abweicbung darüber war um 23 mm.

In welcbem Grade die zweite Bedingung, die Haufigkeit des Vorkommens von Croup in den Niederlanden, erfiillt wird moceu folffende statistische Daten darthun.

O lt;-J

In deu Jahren 1869, 1870, 1871, 1872, 1873, 1874 und 1875-'80.

war die Cresammt-

sterblichkeit.... 82553 91066 106977 94594 96645 92674 492622

die Sterblichkeit

an Croup...... 1220 1336 1133 754 869 930 4133

d, i. also 0/M des

Ges.-sterblichkeit. 15 14,5 10,6 8 9,7 10 8,4

Dies giebt als Mittel für die elf Jahren 10,9% der Ge-sammtmortalitat, und weil diese 27%, der Einwohner betrug starben auf 100000 Einwohner 29 an Croup. Zur Vergleich-ung mit der Croupsterblichkeit in andern Lilndern entnehme ich dem Handbuche der medicinischen Statistik Oesteelen's, folgende Zablen;

In England starben 1850—59t. 100000 Einw. 26 an Croup: v. 1000 Todesf. 11,3 Croup. „Londen „ 1849—53,, ,, „ 15 „ „ ,. „ „ 6') „ Im Cant. Gent „ 1838—55,, „ „ 29,, „ ,, „ „ 1-4,6 „ In Holland „ 1869-80,, „ „ 29 „ „ „ „ „ 10,9 ,,

'jDer grosse IJnterschied zwischen London und dem übrigen England wird von Oesteelen auf Fehler der Registrierung bezogeu.

ocr page 39

33

Für Irland giebt Hiesch (Handbach der Historisch-Geo-graphiscben Pathologie) folgende Zahlen:

es starb an Croup 1 auf 27,8 Todesfillle überhaupt und in der Stadt Ulster 1 „ 47,1 ,, ; indem die Berechnung für die Niederlande 1 auf 90 ergiebt. Dies ist in der That viel weniger als in Irland; Hiesch sagt aber: „Croup spielt in Irland eine hervorragende Rolle,quot; und so schlimm steht's in den Niederlanden damit nicht1).

Es geht aber aus dem Bevorstehenden, wie mir scheint, hervor, das sich die Niederlanden für die erwiihnte Unter-suchunar een ült;rend eiu'nen.

o o o o

Dass ich nun eben Croup für eine dergleichen Erörterung gewilhlt habe, hat erstens darin seinen Grund, dass die geo-graphische Verbreitung dieser Krankheit auf ihre grosse Ab-hiingigkeit von klimatischen Binflüssen hinweist, wührend natürlich eben eine solche Krankheit am besten geëignet ist uns nühere Aufschlüsse zu geben über die Wirkuna von

c O

Klima und Wetter; zweitens war das eigenthümliche Verhalten des Croup gegenüber dein Alter massgebend, woraus dieser sich als eine i ich te Kinderkrankheit erweist, welche

3

1

) Hiesch giebt aueh die Croupsterbliehkeit unter Kindern bis zum IQ'™ Jahre in Vorgleirli mit deren Gesammtmortalitiit. Nacli ilini betrug für England und Waies die Croupsterbliehkeit 2,1 J/ou der Gesammtmortalitiit, für Wales allein war es 3,60/JO unter Kindern von 0—l'l Jaliren.

Kun ergiebt unsere Berechnung für die ^Niederlanden 23°/30 der Gesammt-mortalitat unter Kindern van 0—10 Jahren. Diesquot; würde also auf eine uu-geheuere Hiiufigkeit des Croup in den Niederlanden weiseu. in Vergleieh mit der in England. Weil aber dieser Unterschied nieht aus den Zahlen OesteBlek's hervorgeht, welche den öffentliehen Statistiken Englands eut-nommen sind, und wir unsere Berechnung mehrfacli kontrolliert haben, glauben wir an einen in Hinscn' Zahlen eingesohlichenen Eehler denken zu müssen. Weil der Autor nicht angiebt welche Quellen er zu seiner Berechnang benutzt hat, so konute ich dieselbe nicht kontrollieren.

ocr page 40

34

nach dem 10te11 Jahre sclion viel weniger, nach dem 14tel1 Jahre aber gar selten vorkommt, wie dies durch folgende Zableu illustrirt wird. lu der Periode 1875—1880 kamen vor: Todesfiille an Croup ini Alter von

unter 1 Jalir 1—5 J. 5—14 J. über 14 J.

400 2779 895 57.

ünd wenn sicb der Einfluss der Witterung auf Croup weiter bestatigen würde, dann könnte dieses Verlialten wenigstens tlieilweise seine Erklilrung finden in der Intoleranz des zarten Kinderkörpers gegen ausseren Wirkungen überhaupt, und Witterungseinflüssen im Besondern.

Wir haben im Vorhergelienden die Abbilngigkeit des Croup von klimatischen Einflüssen schon berübrt; es moge diese Abbilngigkeit vom Klima nun eingeliender betrachtet werden insofern sie aus der geographisclien Verbreitung dieser Krankheid hervorgeht.

Der Croup ist über die ganze Erdoberflilche verbreitet, jedoch in der ausgesproehensten Weise von den höheren Breiten gegen die Tropen bin mit abnehmender Hüufigkeit, so dass als die eigentliche Heimath der Krankheit d. h. als diejenige Gegend, wo dieselbe am hilufigsten und verbreitesten ist, die kaltgemiissigte und kalte Zone bezeichnet werden muss1).

Vorherrschend ist die Krankheit in Island, wo sie nach Schleisner 2) eine der epidemischen Krankheiten einheimischen Ursprunges ist; ebenso in dem nordlichen und mittleren Theile Schwedens, wo sie in den an den Ufern des Wener-see's

1

HiEScn. Historisch-Geograplusche Pathologie.

2

^ P. A. Sculeisnee, Island uudersdgt fra et laegevidenskabeligt Synspunkt. Kjöbenhavn 1849.

ocr page 41

35

gelegenen Landschaften DaUsland und Wermland, namentlich aber in den am Ausflüsse des By-elf in den genannten See gelegenen Distrikten von Nilshiirad und Amill als endemisches Leiden beobachtet wird 1). Auch Boudix nennt Group ausser-ordentlich hiiufig am Wener-see 2), MiIhry 3) entlehnt folgen-des dem Werke von Magnus Hnss über Schwedens endemische Krankheiten: „Croup ist eigenthümlich hiiufig im Westen am Wener-See. Die Aerzte halten ihn für ansteckend, von den Kindern des Distrikts sind 45 proc. befallen worden; er herrscht im November bis Mai, meist bei nördlichen und östlichen Winden mit Schnee, und in Localitüten, wo kein Schntz gegen diese Winde ist.quot;

Auch in Finnland herrscht die Krankheit vor, wie auch im nördlichen Theile Kusslands, besonders in den Ostsee-provinzen, in Diinemark, im nördlichen Theile Deutschlands, aber auch im südlichen (Oberrheingegend, Nassau)4), in München6), in Nieder-Oesterreich (speciell in Wien).

Ueber das hiiufige Vorkommen in der Schweiz berichtete schon Jurine 6), und die neueren Berichte bestiitigen die seinigen.

') Hiesch. 1. c. 117.

'-) J. Ch. M. Boud in. Traité de Geographic et de Statistiqne médicales et des Maladies endémiques. Paris. Baillière. 1857. Tome Second. Seite *2i28.

3) MüniiY. Die geograpl lischen Verhaltnisse der Krankheiten, oder Grund-züge der Isoso-Geographie. Zweiter Theil: Thesaurus Noso-Geographicus, Seite 176.

4) Hirsch. 1. c.

5) Mührt. Thesaurus. Seite 172.

6) Ludwig- Jurine. Abhandlung über den Croup, aus dem Franz. über-setzt von Dr. Pu. Heine ken.

Das ursprüngliche ist eiue durch eine Preisaufgabe Napoleons des Ersten (nach dem Sterben seines Neffen in 1807 ausgeschrieben) veranlasste Schrift, welche mit einer ahnlichen von Dr. J. A. Albers in Bremen den Preis theilte.

Nach Jurine ist Croup sehr hiiiifig zu St. Gallen, Constanz, Zurich, Bern, Neufchatel, Yverdun, Lausanue, Genf, Annecy, ohne aber dort endemisch zu sein.

ocr page 42

3(5

Wir finden Croup ebenso vorlierrscliend in den Küsten-landern der Nordsee; in England (audi in Irland), den Niederlanden, in Nord-Frankreich (Bretagne, Normandien, Picardie), und in den Küsfceninseln Jersey und Belle-isle.

Gegen Süden bin vermindert die Hiiufigkeit stark, jedoch nicht ohne Ausnahmen für einzelne siidlichen Gegenden, wo die Krankheit noch haufig vorkommt. In den südlichen Gegenden Frankreichs kommt sie schon weit seltener vor als in dem übrigen ïheile; nach Hiksch (1. c.) stimmen fast alle Berichterstatter darin überein, dass Croup in Italiën sehr selten beobachtet wird.

Berard had die Krankheit in Kom in 14 Jahren n ie mals gesehen 1).

Aus Spanien finde ich in Mühry's Werk nur ein einziger Bericht über das Vorkommen von Croup 2).

In der ïürkey wird sie nicht ganz selten beobachtet, und für Constantinopel finde ich folgendes Bericht in Mühry's „Thesaurusquot;;

„Croup erscheint fast jiihrlich im December epidemisch bei dem kalten N-0, vom Schwarzen Meere herquot;.

In Orenburg (Süd-Russland) ist Croup selten. So auch in Griechenland.

') BiiEAitD. Topographic mcoidalt? de Rome. (JouriiRl des coniiaissances médico-chirurgiques 1846 Nov. pag- -00) beuutzt vou Mühiït 1. c. Seite 152.

3) vlncente Ma kt inez y Montes. Topogr. nied. de la Ciudad Malaga. 1852. II ie ran entlehnt M. folgendes: „lm Militair-Hospitale kaaien Tor im Jahre 1851 Phtisis, Blattern, Keuchhusten, Croup etc.quot; was in Betreff auf diese letztere Krankheit Ton einem Mil. Hosp. wolil einigerraassen bcfrem-dend klmgt. Es wird aber hinzugefiigt „besonders beim kalten feuchten Ost-windequot;. Es lobnte sich vielleicht zu erforsehen, ob in warmeren Gegenden relativ mehr Erwachsene von Croup befallen werden, weil sie, sowie die Einder in kiilteren Gegenden, nicht gegen niedrige Temperaturen abgehar-tet aind.

ocr page 43

37

Aus Klein-Asiën fehlen Berichte, nur von Jerusalem giebt Tobler an, dass Croup hiiufig vorkommt.

Dagegen komint die Krankheit auf Madeira ilasserst selten vor. In Vorder-Indiën kommt Croup audi vor; dort aber vielmebr auf hoeh gelegenen Punkten als in den Ebenen. In den siidlichen Küstengegenden von China ist Croap kaum bekannt.

„In sehr bedeutender Verbreitung und wahrhaft enor-men Frequenz wird Croup in den östlichen Küstengegenden, wie in den mittleren Breiten des Binnenlandes von Nord-Amerika angetroffen.quot; — „Auf der West-küste des Landes finden wir Croup vorherrschend in Neu-Archangel; audi in Californiën soli die Krankheit hiiufig seinquot; (Hiesch 1. c.).

In den tropischen Gegenden Amerika's scheint Croup noch seltener als in denen auf der östlichen Hemisphiire zu sein.

Auf den Antillen sind nur vereinzelte Fillle beobachtet, in Nicaragua ist Croup nie gesehen, in Guyana und Brasi-liën scheint dasselbe der Fall zu sein, wenigstens die Be-richterstatter schweigen über die Krankheit. In Peru kommt sie in den Thalern und auf den Kusten fast gar nicht, schon mehr in grüsserer Seehöhe (Cerro-Pasco) vor; und in Chili und den Rio la Plata-Staaten wird sie in demselben ümfange, wie in den entsprechenden nördlichen Breiten angetroffen. Desgleichen verhalt sich der westliche Theil der siidlichen Hemisphiire, Australiën, wo auf Neu-Seeland, den Sandwich-Inseln, und auf der Siid-Kiiste Neu-Hollands die Krankheit nicht selten ist.

Aus der oben geschilderten geographischen Verbreitung von Croup liisst sich schliessen:

1°. dass diese Krankheit heimisch ist an einzelnen Orten

ocr page 44

38

wo niedrige relative Feuchtigkeit, niedrige Temperatur, und starke und hiiufige Schwankungen dieser beiden meteorisclien Faktoren obwalten, indem die betreffenden Gegenden kalten Winden ausgesetzt sind.

2°. dass Croup auf den niedreren Breitegraden dort bilufig vorkommt wo die klimatischen und VVitterungsverbillt-nisse den oben gescbilderten am iilinliebsten sind.

3°. dass Croup in der Tropen fast nur in einer gewissen Seehohe vorkommt, also da wo das Klima wieder dem auf liüliern Breitegraden gelegener Lander angenilbert wird.

Wenn wir uns die Frage vorlegen in wie weit man früher die Gesundheit und die Erkrankungen in Zusammenbang mit Klima und Witterung betrachtet hat, so ergiebt sicb, dass solange Medizin überhaupt geübt wird ein solcher Verband behauptet ist.

Der erste, welcher seine Erfahrungen und Ansichten auf diesem Punkte genauer formulirt und den Nachkommen iiber-liefert hat ist Hippocrates. Er hat dies in mehreren seiner Schriften, zumal aber in seiner Abhandlung iiber die Liifte, die Gewiisser und die Ortschaften, über Epidemiën, und in seinen Aphorismen gethan.

Von den letzteren wird vielfach die 9te der dritten Abthei-lung citirt:

„In autumno morbi acutissimi et perniciosissimi omnino; ver autem saluberrimum et minime exitialequot;. (In gleicher Weise spricht sicb Celsus aus)1).

1

) J. L. Casper, iu ,.Denkwiirdigkeiten zur Medicinischen Statistikquot; sagt hieriiber (Seite 5) „wir werden horen mit welchem Rechte, und ob solehen individuellen Erfahrungen, zumal aus einer Zeit, die noch garkeine Instrumente zur nahem Erforachung des Zustandes der Atmosphiire kannte,

ocr page 45

39

In dem Buche der Epidemiën, worin es nicht über Epide-miën im Sinne der Gegenwart handelt, sondern über die atmospherische Constitution einer Reihe von 4 Jahren, und über die Krankbeiten, welcbe unter den Einflüss derselbe TOrherrschten1), sucht er ihren Zusammenbang mit den in den verscbiedenen Jabreszeiten berrscbenden Winden, der Temperatur, den Niederscbliigen (Regen, Scbnee) und selbst der Bewölkung.

Im Liber de Aeribus, Aquis et Locis lenkt er seine Auf-merksambeit anf die vier folgenden Hauptpnnkte:

1°. Erforscbt er von welcbeui Einfliisse die Exposition der Stiidte in Bezug anf die Sonne und die Winde, auf die ünterbaltung der Gesundbeit und die Erzeugung von Krankbeiten ist.

2°. IJntersucbt er die Eigenschaften des Wassers, oh es gut oder scblecht ist.

3°. Versucht er die Krankbeiten anzugeben, welcbe nacb den Jabreszeiten vorberrscben, und nacb den Abweicb-ungen, welcben jeder von ibnen unterliegt.

4°. Vergleicbt er Europa und Asiën mit einander, und fübrt die pbysiscben und sittlicben Verscbiedenbeiten ibrer Bewobner zurück auf die ünterscbiede, welcbe Boden und Klima darbieten 2).

Wie scbon gesagt, baben solcbe nur auf die Interpretation

1

) Littri:. Oeuvres completes d'Hippocrate. Tome IT. Paris Baillièrre 1840 Seite 530.

2

-) Littbé. 1. c. T. II. Traité des Airs, des Eaux et des Lieux.

ocr page 46

40

der persönlicben Erfalirung begründeten Aussagen sich mit Hilfe der Statistik als Irrthiimer erwiesen.

Wohl suchten, zumal in Betriff epidemisclier Kranklieiten, die grössten Aertzte aller Zeiten genauere liesultate zu erlangen, durch Aufzeiclmung der tilgliclien Verilnderungen der Atmosphilre, und Vergleicliung dieser Ergebnisse mit den vorkommenden Kranklieiten.

Jedocli förderte dies die Lösnng der Frage nach dem Ein-fluss der Witterung auf die Gesundheit uur sehr wenig, weil hier, wie Casper (1. c.) sagt „uur Massenerfahrungen, von den verschiedensteu Liinderu uud Orten hergenommeu, genau aufgefasst und controlirt weseutliclie Ergebnisse liefern können.quot;

Erst in der neueren Zeit ist die Gelegenheit für genauere Untersucliungen auf diesem Gebiete gegeben. In den Nieder-landen z. B., wie in den meisten Europaiscben Liinderu, muss vom Artzte die Todesursacbe jedes Verstorbenen in den Todes-zettel eingescbrieben werden. Diese an der Civilbehörde ein-gelieferte Zettel werden zur Anfertigung ausfülirlicber sta-tistischer Tabellen benutzt, welcbe seit 1868 vom Ministe-rium des Innern verüffentlicbt worden sind; von 1868 bis 1874 für jedes Jabr einzeln, und weiter in funfjübrigen Perioden, deren bisjetzt uur eine erschienen ist 1875—80 ('75-'76-'77-'78-'79).

Unsere Untersuchungen können also die Ergebnisse von elf Jabren umfassen, weil die Angaben über das erste Jabr 1868, durch die Neubeit der Massregel nicht zuverlassig sind , wie in dem Vorwort zur Statistik des daranfolgenden Jahres 1869 auseinandergesetzt wird.

Auch konnte ich leider nur von den 6 ersten Jabren '69—'74 die gleicbnamigen Monate mit einander vergleichen, weil für die übrigen fünf Jahre, die gleicbnamigen Monate

ocr page 47

41

zusammen genommen sind und weil ich Ergebnisse für eine gesomlerte Behandlung niet anderswo liaben finden können 1).

Für die meteorologisclien Daten habe ich die Jahrbüaher des konigliclien meteorologisclien Instituts in Utrecht (Director Hr. Prof. Buys-Ballot) benutzt.

Der Begriinder der Lehre vom Croup, Home, hat zugleich die Abhangigkeit der Ivrankheit von den Jahreszeiten bemerkt. Er spricht sich dahin aus, das Croup vornehmlich im Winter vorkommen soli, weil alle Fillle welche er be-schreibt, von October bis Milrz wahrgenommen sind.

Spütere Schriftsteller über ('roup sprechen sich auch in dieser Richtung aus, einige halten die Nordwinde, andern die Nordost- und Ostwinde für gelilhrl'ch; einige schreiben Küs-tengegenden günstiü'e Eigenschaften zur Eutstehuug der Krank-

o o o o o o

heit zu.

Im Allgemeinen stimmen sie dariu überein, dass die Krank-heit vorherrschend in den Uebergangsperioden, im Frühling und Herbste, demmichst im Anfange und gegen Ende des Winters, seltener wiihrend eigentlicher Winterkillte, am sel-tensten im Sommer beobachtet wird.

Genauere, grössere Zahlen umfassende und mit meteorolo-gischen Ergebnissen verglichene statistische Daten fehlen aber bisher.

Ich will nur eine Arbeit von Korteweg s) erwiihnen, in der die Seltenheit von Croup in der warmen, die Hliufigkeit in der kalten Jahreszeit nachgewiesen wird, jedoch in Ver-gleichung mit den Todestallen an anderen Respirationskrank-

V) Die ursprünglichen Zahlen, nach welchen die erwabnte fiiu^ahrliche Statistik bereclmet warde, waren zu meiuem Bedauern schon vernichtet.

2) Koktewe(;. Croup in ^Nederland. Feestbundel van het ISederlandscli Tijdschrift voor Geneeskunde. 1882.

ocr page 48

42

lieiten, welche der An tor als ein Maassstab für die Witte-rungseinflüsse betrachten will.

Dass weder dieErgebnisse persönlicher Erfahrung, nocb solehe indirekter Vergleichung, wie die eben angeführte, uns in der Frage über den Einfluss der Witterung viel weiter führen konnen, brauebt nicht ausführlicb betont zu werden.

Darum haben wir uns zur Aufgabe gestellt:

Erstens, direkte Vergleichung der Croupsterblichkeit mit den gleichzeitigen meteorischen Erscheinungen;

zweitens, die Vergleichung der ünterschiede der erste-ren in gleichnamigen Perioden, mit den Unterschieden welche die letzteren in denselben Zeiten darbieten.

Zur möglichst exacten Lösung dieser Aufgabe ist es aber nothwendig die Witterung in ihren Factoren, Temperatur, Feuchtigkeit, Winde u. s. w. zu zerlegen, damit der Antheil, welchen jeder für sich an der Witterung hat, mit Ziffern anaregeben werden könne, was ilberdies den grossen Vortheil

O O 1 o •

bietet, dass bestimmt werden kann, welche der genannten Factoren mehr, welche weniger wirksam, resp. völlig un-wirksam sind in Beziehung auf das Vorkommen von Croup.

Die diesbezüglichen Daten haben wir in Tabellen zusam-mengestellt.

Jede dieser enthiilt für eins der Jahren 1869-70-71-72-73-74;

1°. die Croupsterblichkeit in jedem Monate;

2°. den normalen Thermometerstand, d. i. das Monatsmit-tel, vom meteorologischen Institut in Utrecht nach Beobachtungen durch eine lange Reihe von Jahren berechnet;

3°. die wirkliche Thermometerhöhe , d. i. das Monatsmittel des betreffendes Jahres, wodurch die mittlere monatliche Abweichung von dein normalen Stand ersichtlich wird;

ocr page 49

43

4°. die mittlere relative Feuchtigkeit für jeden Monat des betreü'endes Jalires (Monatsmittel, für eine lilngere [veihe von Jalires bereclinet, fehlen, die Abweichungen sind jedoch zn vergleiclien mit Zuhilfenahme des Jahres-mittels, welches 80% betriigt;

5°. die Zablen, welclie, in einer acbtgetheilten Spalte, an-deuten wie oft es aus jeder der acht Hauptwindrich-tungen geweht hat; die Wahrnehmungen (4 pro Tag) sind an 4 weitauseinauderliegenden Observationspunkten genommen;

6°. den Mittelwerth der Windstarke, für das Centrum des Landes (Utrecht) berechnet;

7°. die normalen Barometermittel.

8°. die Monatsmittel der wahrgenommenen Barometerhohen.

Von der fünfjilhrlichen Periode '75—'80 geben wir nur die Croupsterblichkeit in monatlicher Aufeinanderfolge, ohne meteorologischen Daten, weil dort, wie oben gesagt, die Vergleichung der Abweichungen nicht stattfinden kann.

Wenn wir in erster Linie nnsere Aufmerksamkeit auf den Gang der Croupsterblichkeit für sich richten (Siehe die Tabellen A—F), so fallt uns sofort das regelmilsige An- nnd Absteigen der diese bezeichnenden Zahlen ins Auge. Dieses An- und Absteigen geschieht dergestalt, dass das Maximum der tödlichen Croupfillle im Winter, das Minimum im Som-mer fallt.

Im Jahre 1869 fiel das Maximum im Januar, in 70 ,, jj jf J, M.irz,

jj 71 jj ,, ,3 ,, Mcirz,

igt; 72 j, jj ,, j, Miirz,

'73 „ „ „ „ Miirz,

ocr page 50

44

lm Jahre 1874 fiel das Maximum im December,

in den JaLren'75—'80 „ „ „ „ Miirz.

Die Sterbliclikeit im Januar 18G9 ffing nur wenig über

O O O

diejenige vom Milrz; dagegen kam die Croupsterblichkeit vom Miirz '71 um noch weniger über die vom Januar des-selben Jahres.

Dass in dieser Reihe der Februar glinzlich felbt, wird dadurch verursacht, dass die kürzere Dauer dieses Monats hier ausser Acht gelassen ist.

Berechnen vvir das Maximum pro Tag dann kommt es

für 1869 auf Januar — Februar,

,, '70 ,, Februar ~ Miirz,

,, '71 „ Januar = Februar = Milrz, „ '72 „ Februar — Miirz,

„ '73 „ Miirz,

„ '74 „ December, und für die Periode '75-'80 „ Miirz;

jeder Monat auf 30 Tage berechnet kommt das Maximum lür 1869 auf Januar = Februar, „ '70 „ Februar,

„ '71 „ Februar,

'72 „ Miirz,

„ '73 „ Mürz,

„ '74 „ December,

„'75-'80 „ Mürz.

Es geht hieraus noch nicht deutlich hervor ob im Februar oder Miirz im Aligemeinen das Max. an Crouptodesfallen sich einstellt.

Es kommt dies jedoch zu voller Klarheit, wenn wir für jeden Monat siimmtliche, in elf Jahren stattgefundene Todes-fiille zusammenziehen. Wir finden dann für

ocr page 51

45

Januar 1167 tödliche Croupfalle,

Februar 1189 „

Miirz 1351 „

April 1067 „

Mai 951

Juni 588 „

Juli 466 „

August 447 „

September 518 „

Oktober 580 „

November 894 „

December 1064 „ „ . Also bekommt

Mi irz Mer entschieden das Maximum, das aber schon wieder ein wenig an Bedeutung verliert, wenn aueh für Februar 31 Tagfe berechnet werden : dieser Monat erhalt dan 1308 Fillle.

O '

Das Minimum der Croupsterblichkeit fiel für 1869 im August,

'70 „ Juli,

'71 „ August,

'72 „ August,

'73 „ August,

'74 „ Juli,

„ '75-'80 „ August,

Man kann also oh tie Bedenken dem August die geringste Croupsterblichkeit zuschreiben, weil ja auch die Zahlen für die elf Jahre zusammen dies' angeben.

Der Unterschied zwischen Maximum und Minimum ist sehr gross. Für die funf Jahre '75-'80 verhalt sich das Maximum (in Miirz) zum Minimum (in August) wie 3.65 : 1, für die elf Jahre zusammen ist dieses Verhiiltniss 3:1.

ocr page 52

46

Die Vertheilung der Croupfalle nach den Jahreszeiten gestaltet sich folgendermaszen:

Winter, Jan.—Marz: 3707,

Friibling, April—Juni: 2607,

Sommer, Juli—Sept.: 1431,

Herbst, Okt.—Dec.: 2538.

Diese kalendrische Vertheilung des Jalires nimmt jedoch wenig Riicksicht auf die eigentlichen uieteorologischen Er-scheinungen. Theilen wir das Jahr in 4 Gruppen von 3 Mo-naten deren Temperatur aui meisten iibereinstimmt so kommen auf: Dec., Jan., Febr.: 3420,

Nov., Milrz, April: 3313,

Sept., Oct., Mai: 2049,

Juni, Juli, Aug.: 1501 tödl. Croupfalle. Man sieht, die Aufeinanderfolge der Zablen gestaltet sicb schon regel-milssiger. Die Vertheilung ist jedoch noch eine ziemlich willkiirliche weil nur die Temperatur dabei massgebend war. In den folgenden Seiten aber werden wir nacheinander alle meteorologischen Elemente in Betracht ziehen.

Ein Ausgangspunkt l'ür die Vergleichung der Croupsterb-lichkeit mit den meteorologischen Erscheinungen llisst sich am besten finden, wenn wir untersuchen, welche derselben einem ebenso regelmiissigen Gauge unterworfen sind wie jene. Sofort kommt dann der jilhrliche Lauf der Temperatur in Betracht, sowohl jener der uormalen, wie derjenige der für das einzelne Jahr geitenden Mittel. Das An- nnd Absteigen der Temperatur ist gerade dem der Croupsterblichkeitszahlen entgegen gesetzt.

Gleich regel miissig ist der Gang der monatlichen relativen Feuchtigkeitsmittel; diese verilnderen sich aber in dem selben Sinne als die Croupsterblichkeit.

ocr page 53

47

Keinerlei Gesetzmassigkeit ist zu entdecken in den Zahlen, welclie die Hiiufigkeit der verschiedeuen Winde angeben; ebenso wenig in denen der Summen der grössten Wind-stiirken.

Ziemlicli unregelmassig gestaltet sicli der Verlauf der Ba-rometermittel, insofern als sie keine regelmiissige An- und Absteicunff zeiden. Es liisst sich daher auch keiu direkter Ver-

O O O

band mit Croupsterblicbkeit nachweisen, wie sich sofort aus folgender üebersicht ergiebt.

Ein Maximum kommt vor in Januar,

„ Minimum „ „ „ Februar, „ Maximum „ „ ,, Milrz,

„ Minimum „ „ „ April,

„ Maximum „ „ „ Juni,

„ Minimum „ „ „ Juli,

„ Maximum „ „ „ September, „ Minimum „ „ „ Norember.

Vorliiufig nur bemerken wir jedocli, dass Eins der 4 Maxima im selben Monate wie das Croupmaximum filllt.

Es würe voreilig aus den geschilderten Verhilltnissen schon sofort auf einen Eintluss von Temperatur auf Croup schliessen zu wollen, in dem Sinne dass Erhöhuug der Temperatur die Croupsterblichkeit mindere. Die einfache Coïncidenz doch zweier Thatsachen beweist ja noch nicht ihren Causalverband. Jedoch macht die grosse Regelmassigkeit, mit welcher die Verlialt-nisse in jedera Jahre zurückkehren, zusammen mit der von der Erfahrung behauptete VVahrscheinliclikeit des Teinperatur-einfiusses, zumal auf Krankheiten der Respirationsorganen, und mit den Ergebnissen der Untersuchungen über die geogra-phische Vertheilung des Croup, die VV ahrscheinliclikeit, dass ein Temperatureinliuss auf Croup besteht, sehr gross.

ocr page 54

48

Man könnte das Bedenken trageu, dass das Croupmaximum nicht mit dem Temperaturmmimam, und das Croupminimum uiclit mit dem ïemperaturmaximum zusammenfallt. Dies kann uns aber kein Wunder nehmen, wenn wir erstens die Dauer der Kraukheit in Betracht ziehen, zweitens ein Art cunmlativer Wirkung, welche durch die Aufeinanderfolge gleich-gesinnter Veriinderungen der Temperatur bedingt scheint.

Die hohe Temperaturen vom Juui, Juli, und August verleihen diesem letzteren Monate das Croupminimum; das Absteigen der Temperatur gegen December und Januar geht nun in Spriingen von 4° und 5° pro Monat vor sich; die Croupsterb-lichkeit hiilt damit keinen gleichen Schritt, weil der günstige Einüuss der wiirmeren Monaten sich noch fühlen lilsst; Oktober mit 10°,42 hat weniger Group als Mai mit 13°,40 und selbst als Juni mit 17°,28 mittl. T.

Allmilhlig aber ist diese günstige Wirkung erloschen, einige Monate mit niedrigeren Temperaturen folgen auf einander (Dec. 2°,10, Jan. 10,18, Febr. 2°,38, Marz 40,5G) und die Croup-sterblichkeit steigert sich damit so, dass das Maximum aut Miirz flillt. Das Ansteigen der Temperatur beginnt jetzt seine Wirkung zu entfalten, die Croupzahlen erniedrigen sich aber nur langsam, und bleiben in Vergleich mit ihren Herbst-analogis hoch, weil statt eines günstigen Einfiusses der vor-angehenden Monate, ein ungünstiger sich noch fühlen lasst.

Denselben Grund haben vielleicht jene Erscheinungen der Gesammtsterblichkeit, welche Moser veranlasste seine „Retar-dationsgesetzequot; auf zustellen, deren erstes sich auf das Verhalten der Sterblichkeitsmaxima und -minima bezieht, und also lautet:

„Beide Extreme der Temperatur, Kiilte wie Wilrme ent-wickeln ihren Einfluss auf's Leben und Ster ben nur allmahlig.quot;

ocr page 55

49

Das zweite „Gesetzquot; behauptet das gleiche für die Mittel-wertbe.

Wie wir spater seben werden beeintracbtigt die Wirksam-keit der anderen Meteore auf die Croupsterblichkeit, den Wertb dieses Gesetzes in Bezug auf diese.

Ein anderes Bedenken könnte die Thatsache hervorrufen, dass die Herbstmonate so viel weniger Croupfiille zeigen als einige der Frühliugsmonate, obscbon jene eine niedrigere Tem-peratur baben. Zum Beispiel bat Oktober mit 10°,42, weniger Group als Mai mit 13°,40 und selbst als Juni mit 17°,28; der November mit 5°,04 raittl. T. stebt in der Croupsterb-licbkeit nocb unter Mai, der 13°,40 mitll. ï. bat.

Diese Differenzen beweisen nur, dass die Temperatur nicbt der einzige bestimmende Factor für die Croupsterblichkeit ist.

Welcbe Factoren ausser der Temperatur mitwirken, kann eben durcb das Studium dieser Unterscbiede erforscbt werden, besonders in jenen Fiillen wo z. B. zwei Monate mit gleicber Temperatur, Verscbiedenbeit der Croupsterblicbkeit darbieten. Man bat dann gleicbsam von der Natur selbst angestellte Ex-perimente, wobei der Einfluss eines der Factoren gleicbgestellt ist, so dass man um so besser iiber die Bedeutung der übri-

' O

gen Factoren sicb orientiren kann.

Jedocb, bevor wir zur Nacbforsclmng des Einflusses der anderen meteorologiscben Elemente scbreiten, muss der Einfluss der Temperatur bewiesen werden. Ris jetzt wurde dieser nur wabrscbeinlicb gemacbt.

Gewissbeit kann bier nur die Vergleicbung der Ab-weicbunaren geben.

o o

Für die Vergleicbung der meteoriscben Differenzen welcbe

6 gleicbnamige Monate untereinander bieten, mit denen der

4

ocr page 56

50

Croupsterbl ichkeit in denselben Monaten, habe icb Tabellen1) zusammengestellt, welche der Hauptsache nach den vorigen Tabellen entnommene Zablen enthalten. Zur besseren Benr-theiluna' der Temperatur-Abweicliungen habe ich nicht nur die mittlere (monatliche) Abweichung angegeben, sondern auch die Summen der positiven und die der negativen Ab-weichungen von der Norm.

Diese zwei Summen zusammengenommen geben ein Bild der überhaupt stattgehabten Veranderungen der Temperatur, indem die daneben gestellte algebraïsche Summe angiebt zu welchem Resultate die Veriinderungen geführt haben, ob positiver oder negativer Ueberschuss bestand, und wie gross dieser war.

Auch habe ich nicht die absoluten Zahlen der relat. Feucht. darin eingeführt, sondern die Abweichungen vom Mittel, in meistens abgerundeten Zahlen. Dadurch werden die Feuchtig-keitsschwankungen in demselben Monat verschiedener Jahre sehr iibersichtlich.

Ganz wie bei der Temperatur. habe icb auch die Summen der positiven und der negativen Barometer-Abweichungen eingeführt.

Von den Winden habe ich die N., NO. und O. Winde zusammengenommen, weil sie es sind, welche als am meisten schadlich betrachtet werden, sodass wir jetzt verfolgen kunnen in wie weit die diesbetreffenden Angaben in der Statistik Belege finden.

O

Wir erhalten also zwölf Gruppen von sechs Monaten

') S. die Tabellen G—S.

ocr page 57

51

In jeder Gruppe fehlt die Zahl der Windstiirke für das Jahr 1874, weil sie aucli nicht im meteorologisclien Jahrbucli angegeben wird. Dasselbe ist der Fall mit den NO., 0. und N. Winden des December 1874.

Zur vorlaufisren Orientieruns stellen wir mit Hülfe der in

O O

diesen Tabellen vorkommenden Zahlen eine kleinere zusam-men, welche scbon einigermasser, zeigen wird in welcher Richtung die Kesultate der genauercu, detaillirten Bespreclmng der Gruppen mutlimasslich liegen werden.

Hierzu vertlieilen wir jede Gruppe in zwei kleinere, deren die eine die wiirmeren, die andre die drei kill teren Monate umfasst, und vergleiehen die ihnen zukommenden Croup-zahlen; dasselbe gescliieht mit den Zalilen der drei feucb-teren und der drei trockneren Monate; der drei Monate mit mebr, der drei mit weniger N. NO. und O. Winden; der drei mit boherem, und der drei mit niedrigerem Luftdruck.

Zur Vergleicbung baben wir daneben noch die drei bochsten und die drei niedrigsten Croupzahlen jeder Griippe zusammen-genommen.

uJ

ocr page 58

52

=H lgt;

t2j o d

1^

ö

O

q a

!z! O lt;1

gt;

d

co W i-d

gt;

d 9

r «

M 0M

w td o tti

D ^ » w

2 ö

£ ö

FH ffo og o

2td o S ooü o

Cl

a a a

a:

aQ_ S. Cï tequot; 3

3 'S. £:

to .w to gt;,

CJT -1 dik

at

ar) ffiq; wr1 co-i mY' Ot5 oi'f

o -i O'r

O

w

, H

to

O -—t O

§2

0

0

0

►73

pV

».■?

p;'

ra-

cT

fD*

to

S

co T

co

05 p1

ro

CO

•

cn

to r oi rj Ül f

ïgt; gt;

o tc —

5- ^ ? 2

S- 0

® x-

^ k»gt; T* T1

to _ Q .-_

h-1 Y5

M 9

t—'

7

1—'

05 X*

05

00

0 9

CO t

o\

0

CD

to

co T C5 7

2 — ^ ®

3 3

to \ coT ^r3 zc9

lt;17.' oir} o ~ co

•«■3 I CO i CO •

—I -I -1 —1 -1 —I —1

O O o — o — oc

^3 O Ö

CO

--I

to

^.1

to

0

1

4-72

0

CO I

cc: ^ i

üi rj

to ■

to '

cd : 00 -£■ azl -£J ri co r oi i os i

D W

a ©

^ s

o

O £quot;

a S.

c- ^

c

•73

N

co g w co rj Mr CD . 05 Y*

Oi -1 ^ -1 •

en T co r co quot;

to

amp; -f

co I O 2

^ 5 .3

CO

0

CO

7*

to

n

CO

CO

CO

1

05

CO

-1

CO

—i

0

0

CO

w

—1

to

r;.1

T

CO

T*

CO

CO

•

ro

05

CO

to

CO

•

CO

_'1

Ü1

O

ic

CO -1

co ^

co ^ 01

m i. oi S or r

H-1 ^

*7*

1—1

co -'

Ü1 -1

05

co r

co 9

CO

to .

CO 9

—i to —

CO

cop.'

C5 ^

co I,

CO 'r

GO r

h-' tr

-1

ro

CO

^ \

CO

CO

CO

Iw

.

—

—

0quot;

•-S

y

CO

c

0

a

U.

p

CH

tzj

p

75* w

a


r1 co^i t— co r co 9 ^ r

O -

£- ^

Ch -.

» s

rrquot; Oj

CO 05 r. co V

to '

05:

CO I

co

05 j

co w

co

lt;i 9

CO

cr.; to

-4

-^1

to

*7*

to

T

CO

—i

)—1

05

0

O

9

tc

2? -1 4^

to Z to gt; , m •

iTj, h-1 Ül

co r to 9 co , iw

co Z

—

r

CO

-j

1

co •

p

ro

lt;1 quot;X1

•

co r

-i

ft)

0

4^

r /•.•! tquot; i*,^ • T1

co

s?

to t--

—1

—1

—i

0

r-

CO

9

O

9

lt;1

ÜT

ro

ro

7quot;

lt;1

r

GO

■T

1

cn

J

ic

CO

h-

CO?

to .3

05 .

to X

05 5

êi CO

JQ Ö

O 50

to 2

® Sw

X CJI I

£- 2 S £

? crq

to ■

CO t-

toco 1

-1

cs

—1

H-1

0

M

9

t—11quot;

05

Jquot;.

05

-1

CD ^

CO

9

-J

-p

co 9

—I —1

tquot; M quot;f _ 1 (•,•! _ 1

to ^ f

-3

cc

co^

to

-1

CO

-1 4^

to

ro

to

—i to

co

CO

—1

O

CO

—1

to

00

—i O

Or 01

—i

CO

cc

4^

os

«a

—1 4^

ocr page 59

53

Wir sehen also in zelin Pallen von den zwölf ruit der bellieren Temperatur geringere Croupzahlen, und mit der nie-drigeren grüssere Croupzahlen coïncidiren.

Nur in eineui Falie geschielit das ümgekelirte, niimlich im Mai; dort. haben die drei mit böberer Temperatur mebr Croup als die drei mit niedrigerer. In einem anderen Falie sind die Summen der Croupfallen in den wilrmeren und den külteren Monaten gleicb (September).

Für diese Abweichungen werden wir aber bald eine Erklil-rung finden, in dem Verhalten der übrigen meteor. Factoren.

Vergleichen wir die obengenannten Summen, welehe dem Temperaturverhiiltniss entsprechen, mit den absolut höcli-sten und niedrigsten Croupzahlen für je drei Jahren, so stellt sich heraus, dass in vier der zehn Fiillen die höchsten Croup-summen in den niedrigst temperirten Jahren vorkommen (für Januar, August, Oktober und December), wahrend in einem Falie diese Summen nur um 2 von einander verschie-den sind (Juli).

So günstig gestalten sich die Zahlen in Betreff der Feuch-tigkeit nicht.

Allerdings kommen in 7 der 10 der üntersuchung fahigen Fiillen die hoheren Croupsummen auf die trokneren Monate; in drei andern Fiillen aber findet das ümgekehrte statt, •willirend die zwei übrigen Gruppen nicht vertlieilt werden konnten, weil in beiden die relat. Feuchtigkeit in 4 der 6 Monaten gleich war. Am besten gestalten sich die Verhalt-nisse des Monats September, weil hier auf die drei trockneren Jahren eben die drei höchsten Croupzahlen kommen. Damit gesellt sich eine geringere VVirkung der übrigen Factoren, (wie aus den Zahlen hervorgeht), was auch einen reineren Einfluss der Feuchtigkeit gestattete.

ocr page 60

54

Bezüglich des Einflusses der N., NO. and O. Winden waren 10 Gruppen zu untersuclien; in 6 dieser kommt die grössere Croupzahl auf die hüchste Summe der Winden, in 4 Fallen f'and das Umgekelirte statt. —

In 9 Gruppen entspriclit dera liöheren Luftdruck eine grössere Zahl von Croupfallen.

In 2 der drei übrigen Gruppen war der Unfcerschied selir gering (Oktober und Juli) und das Verlialten erklarlich durcli den dort überwiegenden Einfluss der ïemperatur. In der dritten (Februar) ist der Unterschied grosser, jedocli ein Grund dafür vorliiufig nicht aufzufmden.

Zur detaillirten LTntersuckung der Gruppen verfaliren wir folgenderumassen: eine der Croupzahlen, und zwar das Minimum jeder Gruppe, walilen wir als Basis zur Vergleicbung mit den übrigen, welche wir andeuten mit den Jahren in denen sie vorkommen, und notiren für jedes Jahr ob die Temperatur, die Feuclitigkeit, die Windstilrke, der Luftdruck höher oder niedriger, die Zahl der Gesammtabweichung der Temperatur, und die der N., NO. und O. Winden grosser oder geringer war als dieselben Factoren im Jahre des Croupminimum. Die Jahre stehen in der Reihenfolge der Croupzahlen. — Für Januar kommt das Croupminimum 1872 vor. Es folgen dann, 1873-'74-'70-'71 und '(39.

Die Tempekatub

WAE.

in 1873 höher als in '72

„ '74 höher „ „ ,,

„ '70 niedriger „ „ „

„ '71 niedriger „ „ „

„ '69 niedriger „ „ „

Gesammt-abweicii.

grösser als in '72

grosser „ „ „

grösser ,, „ „ grösser „ „ „ grösser „ „ „

Fedchtigkeit.

uiedriger

als

in '72

höher

ii ii

niedriger

ii ii

höher

v

ii ii

niedriger

n

ii M

ocr page 61

55

Zaul der N., NO. tj. O.w'inden

in 1873 grosser als in '72

„ '74 geringer,, „ „

„ '70 grösser „ „ „

„ '71 grösser „ „ „

„ '69 grosser „ „ „

wlndstübke.

grosser als in '72

geringer „ „ „ geringer „ „ „ geringer „ „ „

Luktdeuck.

höher als in '72

höher höher höher höher

«


Für die folgenden Monate sclireiben wir für „höher,quot; „grösserquot; das Zeicheu , für „niedrigerquot;, „geringerquot; das — Zeichen.

Februar.

Croup-Minimum in 1873.

Temp. Ges. Abw. Feucht. N., NO. u. O.W. W.stürke. Lüftdr. 1872 0 — —

74 -f- 4- — fehlt

69 — -

71 -f- ■ — -h

70 _ -i- — —

Marz.

Croup-Minimum in '74.

Temp. Ges. Abw. Feücht. N., NO. u. O.W. W.STaRKE. Lüftdr. 1872 — ^

73 4- - 2 -

69 — - — S

71 _l_ _ 4- - —

70 - - 0 -t- ^ —

April.

Croup-Minimum in '72.

Temp. Ges. Abw. Feücht. N., NO. ü. O.W. W.stürke. Lüftdr.

1874

I-

—

0

fchlt

—

71

—

—

—

4-

—

73

—

- -

—

—

69

- -

—

4-

—

4-

70

—

—

—

—

4-

ocr page 62

56

Mai.

Croup-Minimum in 1872.

Temp. Ges. Abw. Fedcht. N,, NO. u. O.W. W.stükke. Luftdr.

1874 — Ü - - fehlt

73--f- 0 - _|_

71 — -f- — —t- —

69 — 0 -f-

70 -f- — —

Juni.

Croup-Minimum 1872.

Temp. Ges. Abw. Feucht. N., NO. u. O.W. W.stöuke. Luftdk.

1873 4- 4.4-

— 4- 4- -f-

69 — 4- 4- -f-

70 — 4- 4- - 4- 4_ 74 — 4- 0 4- fohlt 4-

Juli.

Croup-Minimum 1874.

Temp. Ges. Abw. Feucht. N., NO. u. O.W. W.siaRKE. Luftdk.

1873 4- — 4- — —

70 - - 4- 4- 2 —

72 4- 4- 4- - I

71 - - 4- - ü — 69 — — 4- — ^ —

August.

Croup-Minimum in 1873.

Temp. Ges. Abw. Feucht. N., NO. u. O.W. W.sTanKE. Luftdk.

1872 —

4-

—

4-

—

4-

74 —

4-

—

4-

fehlt

4-

71 4-

4-

—

4-

—

4-

69 —

4-

0

4-

4-

4-

70 —

4-

4-

4-

4-

—

ocr page 63

57

September.

Croup-Minimum in 1873.

Temp. Ges. Abw. Peucht. N., NO. u. O.W. W.stürke. Lcftdr.

1872 0 74 U — fehlt

71 —

69 - - -h —

70 — — . -

Oktober.

Croup-Minimum in 1873.

Temp. Ges. Abw. Fedcht. N., NO. u. O.W. W.stürke. Luftdr.

1874 — — — fehlt

72 — — Ü - -71-4-4- 4- —

69 — — 0 - 4-4-

70 — — 0 0 4-

November.

Croup-Minimum in 1872.

Temp. Ges. Abw. Feücht. N., NO. v. O.W. W.siaRKE. Luftdr.

1873 — — — — 4-

71 — - — — 74 — — 4- - - fehlt 4-

69 — — Ü — 4-4-

70 — — 4- — — 4-

December.

Croup-Minimum in 1872.

Temp. Ges. Abw. Feucht. N., NO. u. O.W. W.stürke. Luftdr.

1873 —

—

69 —

70 —

4-

71 —

4-

74 —

—

4- g 4-

Ü

4- 04-

— ü 4quot;

fehlt. t® -4-


ocr page 64

58

Hieraus ergiebt sich, dass die grössere Croupsterbliclikeit in 38 Fallen mit niedrigerer, in 22 „ „ hohere ïemperatur zasammenging; in 41 Fallen mit grosserer Ges. abweichnng in 29 „ „ geringerer.

In 27 „ „ geringerer,

in 20 „ „ grösserer Feuchtigkeit, wabrend in 13 Fallen die Feuchtigkeit der des Minimum-Jahres gleich kam. In 33 Fallen batten mehr N., NO. u. O. Winde geweht; in 24 „ weniger.

In 2 „ kamen gleich viel dieser Winden vor wie im Minimum-Jahre.

Von den 36 Fiillen, welcbe auf die Wmdstarke (Factor der Evaporation) untersucbt werden konnten, batten 21 grössere

15 geringere Windstarke.

Und znletzt war der Luftdruck in 35 Fallen böber in 25 Fallen niedriger.

Diesen Zablen kann, znmal im Verband mit der Weise worin sie erbalten sind, eine wichtige Bedeutung nicht ab-gesprochen werden.

Den grössten Einfluss übt biernacb die Temperatur. Niedrere Temperaturen, zumal in Zusammenwirkung mit grosseren Schwankungen (grösserer Ges. abw.) sind dem Entstehen von Croup gunstig.

Die grosse Mebrzahl (17) der Fallen mit höheren Croup-zahlen, obwohl mit geringerer Ges.-Abw., gehört zu den Fallen mit niedreren Temperaturen, namlich:

Mürz 1869 und 1870,

April 1871,

ocr page 65

59

Juli 1870, '71 und '69,

Oktober 1872, '70 und '69,

November 1873, '71, 74, '69 und '70,

December 1873 und '74,

Drei Falie bleiben übrig welcbe wir sofort wieder begeg-nen werden ^).

Wir mussen noch den Ursachen der höberen Croupsterb-lichkeit in den 22 Fallen nachforschen, welcbe bobere Tem-peratur baben als das Croupminimum-Jabr.

Im Januar kommen deren 2 vor, und zwar in 1873 und '74. Beide baben eine grössere Ges.-Abw. und geringere Feucbt-igkeit. Ueberdies bat Jan. '73 mebr N., NO. und O. winde, wabrend Jan. '74 weniger dieser Winde, dafür aber den böcbsten Luftdruck bat der ganzen Gruppe. Vier der 6 Fe-bruar-Monate fallen in die Categorie der böberen Temperaturen. Alle baben jedocb grössere Ges.-Abw.; die anderen Factoren scbeinen einander mebr weiniger zu compensiren, weil böhere und niedrigere Feucbtigkeit mit höberen und niedrigeren Luftdruck abwechseln.

Milrz '72, '73 und '71 bat mebr Croup als Milrz '74 (Minimum) obwobl ibre mittlere Temperatur hoher ist. Die grösseren Temperaturschwankungen (Ges.-Abw.), die viel grosseren Zahlen der N., NO. und O. winde, und die in allen drei herrschende Trockenheit, erklaren die höberen Croupzahlen.

Dieselben Ursachen baben die höberen Croupzahlen der wiirmeren Monaten April '74 und '69, nur bleibt April '74 unter '69, weil der Einfluss der grösseren Ges.-Abw. nicht

') S. Seite 61.

ocr page 66

60

wie bei jenem durcli mehr N. NO. u O. winden und höhe-

ren Luttdruck gestützt wird.

Die Gruppe Mai hat uur eine Abweiehung aufzuweisen, welche sich erklllren lüsst, durcli höhere Ges.-Abw., Trocken-heit und höheren Luftdruck; dazu kommt aucli noch grössere Windstiirke.

Auch Juni hat eine Abweiehung. Juni 73 hat hohere Tem-peratur als Juni 72, und doch mehr Croupfalle. Die grössere Ges.-Abw., die grössere Zahl der N., NO. und O. Winde, die grössere Windstiirke und der höhere Luftdruck lassen die grössere Croupzahl leicht erklarlich erscheinen.

Die zwei Abweichungen des Juli, 1873 und 1872, lassen sich schwer erklaren. Nur Juli 72 hat eine grössere Ges.-Abw. Auch die Gruppe August hat eine Abweiehung. August 71 hat eine grössere Croupsterblichkeit als Aug. 73; die Ges.-Abw. ist grösser, der Monat in 72 ist trockner, hut mehr N., NO. und O. Winde , auch einen höheren Barometerstand zur Erkliirung der grösseren Croupzahl gegenüber der höheren

mittleren Temperatur.

September 73 hat weniger Croup, zugleich aber auch nie-

drigere Temperatur als in den fünf anderen Jahren vorkam. Bei der Vergleichung der anderen Factoren stellt sich jedoch heraus dass 72, 74, 71 und '69 grössere Ges.-Abw. habeu als 73; nur in 70 war die Ges.-Abw. geringer. 72 und 74 haben gleiche Feuchtigkeit als 73; die iibrigen Jahren sind trockner. In 72, 74 und '69 wehten weniger N., NO. und O.winde, in 71 und 70 mehr als in 73. Die Windstiirke war in allen Jahren grösser (von 74 ist die Windstiirke nicht gegeben).

In drei der Jahren nl. 72, 71 und '69, herrschte niedri-

gerer, in den iibrigen zwei, höherer Luftdruck.

ocr page 67

61

In allen Jaliren sind also zwei oder melir Factoren zur Erklürung der liöheren Croupsterbliclikeit aufzufinden.

In 1870 wirken Trockenheit, höherer Luftdrack, grössere Zahl N., N.0. und O. Winde, und grössere VVindstilrke zu-sammen, und verleilien dem Sept. dieses Jabres das Croup-maximum dieser Gruppe.

Die mittlere Temperatur des Oktober '74 ist höher als die des Oktober '73, das Minimum dieser Gruppe. Aucb liisst uns die Ges. abw. im Stich, welcbe in Okt. '74 geringer als in Okt. '73 war. Vielleicbt muss die böbere Croupsterblich-keit hier erklart werden durcb die abnorm grosse Trockenheit (Okt. '74 bat das Feuchtigkeitsminimum dieser Gruppe).

Vor, den 22 Fallen mit höherer Temperatur haben also 19 erhebliche Schwankungen (grössere Ges.-Abw.). Drei Filllen giebt's, in welchen h Ti here Temperatur und geringere Schwankungen , und dennoch grössere Croupzahlen vorkommen. Es sind dies die 3 Fillle, von welchen auch S. 59 die Rede ist. Nur einer liisst sich durch keinen der anderen Factoren er-klüren, nl. Juli '73. Die anderen zwei. September '70 und Oktober '74, haben soeben schon ihre Erklürung gefunden.

Von den 20 Filllen mit grösserer Feuchtigkeit (s. Ö. 58) fielen 14 auf Monaten mit niedriger Temperatur nl.

Januar '71 April '71

Juni '71, '69, '70 Juli '70, '71, '69 Aug. '70 Oktober '71 November '74 und '70 December '71 und '74,

5 auf Monate mit grösserer Ges.-Abweichung:

ocr page 68

(52

Januar '74 Februar '74 und '71 Juui '73 Juli '72

Nur Ein Fall kam auf einen Monat mit kleinerer Ges.-Abw. und höherer Temperatur, nl. Juli '73.

In allen diesen Filllen ist also die ihnen zukommende grös-sere Croupsterblichkeit erklarlich, uur die vom Juli '73 nicht.

Die gunstige Wirkung, welche in den 24 Fiillen (s. S, 58) mit geringeren Zahlen für N. NO., und 0. Winden dieser Umstand hiitte üben können, wurde überboten durch niedrigere Temperatur in:

April '71 Juli '71 und '09 Oktober '69 November '69 und '70 December '73;

durch grösserer Temperatur-Schvvankungen in:

Januar '74

Februar '72, '74, '69 und '71 Mai '70 Juli '72

September '72, '74 und '69;

durch beide zugleich in:

Februar '70 April '70 Mai '73 Juni '70 December '71.

Zwei Falie bleiben übrig, in welchen weder die Temperatur noch die Ges. abw. Aufschluss giebt, nl. Juli '72 und

ocr page 69

63

Oktober '74. In den vorigen Seiten haben wir schon gesehen wie Juli '73 der unerklarliche Monat war, wiihrend die grössere Croupsterblichkeit des Oktober '74 ihre Erklilrung fand in der grossen Trockenheit dieses Monats.

Es erübrigt noch zu erinitteln, wie die 25 Fitlle mit nie-drigerem Luitdruck sich gegenüber den anderen Factoren verhalten.

Es zeigen eine

Grössere Ges. abw. Niedr. Temp. Niedr. Feucht.

Febr. '72, '69, '70 Febr. '70 Febr. '69 und '70

Marz '72, '73, '7i Marz '70, '69 Marz'72,'73,'69'71

April '74 April '74 April '71

Mai '69 Mai '69

Juni '71 Juni '71

Juli '72 '71 Juli'70,'71 u'69

August '70 Aug. '70. Sept. '71 u. '69

Sept.'72,'74,'71 u 69 Okt.'72 u'70 Okt. '74.

In einem Falie, niimlich im Juli 1873, geselite sich dem Luftdruck geringe Ges.-Abw. und hühere mittl. Tempera-tur bei.

In 24 Fallen ist also in dem Verhalten der mittl. Tempe-ratur, der Temperatur-Schwankungen und der Feuchtigkeit genügend Grund vorhanden für die Erklilrung der dem nie-drigeren Luftdruck widersprechenden höheren Croupzahlen.

Zum Schluss kann ich nicht unterlassen, 2 Monate zu vergleichen in Bezug auf ihre normalen meteorischen Ver-hilltnissen, und ihre mittlere Croupsterblichkeit nach den elf Jahren '69—'80 berechnet. Es sind dies die Monate

ocr page 70

64

normal, mittl. Temp. „ „ Feucht.

„ „ Barora.

N., NO. u. O. VV. im Mittel. ') Croupsterblichkeit

December uiul Pebruar

2°.10 2°.38

91°.6% 87.3% 759.96 mm. 760.39 mm. 176 197

97 108


Dass selbst der gunstige Einfluss einer höheren Temperatur durch die ungünstigere (iestaltung einiger der anderen Meteoren vernichtet und überherrsclit werden kann, zeigt das Verhalten der Monate

Oktober und Mai

mittl. Temp. 10°.42 13°.40

„ Feucht. 87.70/o 71.60/0

Barom. 759.90 mm. 760.12mm.

N., NO. u. O. Winden 164 299

Croupsterblichkeit 53 86.5

Wenn wir die Ergebnisse unserer üntersuchungen kurz zusammenfassen, so glauben wir berechtigt zu sein tolgende Siitze aufzustellen:

Die Witterung hat (wenigsten in den Niederlanden) ent-schieden grossen Einfluss auf das Vorkommen von Croup. In diesem Sinne ist Unbestündigkeit des Wetter sehr nachtheilig. Warme vermindert die Croupfillle, Kalte vermehrt sie. Lufttrockenheit ist dem Entstehen von Croup güastig. Hiiufiger Wehen von Nord-, Nordost- und Ostwinden, so wie grössere Heftigkeit der Winde (grössere Windstilrke)

') Kach einer Tabelle auf S. 75 von „Het Klimaat van Nederland.quot;

ocr page 71

65

veranlasst grössere Croupsterblichkeit (vielleicht jedoch nur ans dem Grunde, dass die genannten Erscheiningen Temperatur-und Feuchtigkeits-Erniedrigung zur Folge haben, einen spe-cifischen Einfluss möchte ich ihneu mit Sicherheit nicht zu-schreiben.)

Hoher Luftdruck vermehrt die Croupsterblichkeit. Dieser Einfluss scheint mir noch am wenigsten leiclit erkliirlich. Die einzige rationelle Erklilrang wiire m. e. zn finden in der Thatsache, dass hoher Luftdruck im Ailgemeinen mit nie-driger relativer Feuchtigkeit zusammengeht, ')

') Vergl. hierüber z. B. Mohn, Grmidzüge der Meteorologie. 1883. S. 105 und S. 133.

ocr page 72

66

CH

a

=H d z

02 W *d H3 W

B

O

w

O d:

fed

z o

w

5

w

6

e

M

o

ts g

a sa

gt;►

a d

Pgt; amp;

TJ

►;

EC

tSJ

c: tti d tgt;

O ►

H

O

o o? 2 ö

p: O

3 CC

B g « S

as w

s ^

SL o

GO 00 £*■ Oi O -3

tc ü* U ö o *-

3 o lt;1 5 o £,

GO GO

3 s;

Relative Feuchtiokeit.

mi-^ (tkC^OSH^-^lGOtS

g^^oowSoc^-i-ooCtó

b

—

^COCCtCOC^^yOU^OOS

«J-L.kto „„

Ü-jO-^-^OtOt^CS-^OO

te f-k tw quot;£»• Cl GO 00

i-» H-» ■—' ti —

OïCOOl^OCDCitOt^

UI b


•z

O■f»■00-^lC0^5'•^Cgt;5•-^G0J,

Uï

Si

WlKDSTaRKE

; z

O O

O ao

to •—

CC Ö O -l

H O

h s; w w

H3 * rt Sd

11 ^ Bis. ® 3 ^

ocr page 73

07

teltgogd -^'

co td g ^

ö H ? S W

W W g

O W ►

3 o

H-*

^.k

gt;-*

Jw

ü*

O

GO

co

~4

00

p

tc

J-4

y c

b

rf^

co

4-

C5

to

i-

cc

b*

cc

'—

O

tgt;©

co

O

-gt;-1

GO

O

-a

as

GO

GO

OB

1

H*

1

s era

H-k

p*

CO

CO

Ci

Co

O

cc

p

H*

lt;i C3

03

bt

^-4

CC

io

b'

V)

4-

g O

O

oo

O

O

as

O

cc

C^

C£ ^

Relative Feucutigkeit.

if~ C

x

X

(2!

WlKDSTiiBKE.

ClCiOSC^OiCS^ § ö

p p p co p p «L o

cccoö^occcs ®7

CO tC 4-^ CC —1 .

■

a. O óo

ocr page 74

68

1-1 d h

=h

ci f1

cc h

►0

g

5

h tö

o

w

t-3 o to

a

o

te) e»

td t=l

ö

o

td ?ö

O

g g

GO CO ^3 rf». as ro

tc p* o ^

c tc ö 'gt;f^

« 00 w o« »a o

o ►— oi

UI es oo te

o

óo

tgt;

ö gt;

éö

cn oo oo

CO -1

w o

o

tgt; h

g

—• 02 i li 1

o

w h=

o c:

a a

3 ^

^*3 gt;-t p: O r* ~

1? j a ?

r/3 '

2 § ^ g o

[» 3 ïï

h3 g g

3 3

2 -

m tgt; r h d

relative

feuchtiökeit.

a

■p

p

a

s.o.

?=

tzj

00

ö

UI

w

55

a

3

WlKDSTiiEKE.

1 « £- o

as 1

o c 5^ p o £. ® o ^

babometes mittel.

cc -j

ocr page 75

69

ö

w

O

w b*

3

w

O

w

H O tö W

cc W ►rJ

Ch

d

gt;

d Q

o lt;! W

5

W

hj

a

fH

td

?c

N

tö

t=j ïö

to

cc

cc

to

to

to

to

CC

CC

er.

c^

4^

00

—1

'quot;quot;*

to

CO

CC

cc

to

to

to

, ■

to

.

CC

to

4-

4*

CC

cc

U*

O*

-3

00

cc

CS

-3

4-

4^

4^

Cs

—3

OD

CO

-gt;3

CO

--3

CO

■ ■

. .

l .

to

u*

O

**

00

00

—3

cc

p

4-

to

•-gt;

1—'

ö

4^

CO

O

to

cc

CC

to

CO

0

«3

GO

O

—3

00

00

to

_

pt

—3

p

p*

-4

to

O

«■3

p*

cc

cc

1—'

GO

CO

4-

b

to

cc

—J

O*

--1

cc

-gt;3

O

c

oc

quot;quot;

O

00

00

00

—3

-3

Cs

-■3

--3

--3

00

—1

o«

to

y*

to

GO

C7*

GO

C5

to

4^

OS

CS

to

—-3

O

CC

J-

cc

00

to

Cn

Cs

4^

to

cc

4^

to

GO

to

CO

to

0

to

--3

c

-a

to

4*

CC

Ci

4^

to

y

-3

to

00

CO

to

cc

V*

-3

CO

CO

to

to

to

4^

to

CC

—3

4^

to

-.1

co

O

to

O

O

00

O

O*

Ü1

O*

O*

to

to

Oi

cc

to

_

trs

0

to

4-

4*

0

0

CO

to

4*-

^3

, .

to

ai

OC

cc

«-3

00

—1

to

Ci

CC

O

O

4-

CO

Cs

0

4-

C5

h-*

CO

GO

—3

CJ»

—3

O

c*

--3

—3

C5

Oi

-^1

CO

GO

—-3

00

O

cc

O

4-

H-»

cc

to

ft

C3'

-J

co

CS

4^

to

tc

00

ül

to

CC

00

to

V*

00

4^

o*

--3

cc

CJ»

00

cc

35

-J

•4

~3

00

-vl

C3*

to

to

to

t-*

to

to

cc

to

to

-3

00

O

CC

cn

4^-

-3

*»■

to

GO

co

—1

cc

O

4*.

to

O*

a*

Ü*

OS

Ol

C5

CS

CS

O*

CS

—■3

co

CD

CD

J-1

p

O

p

O

O

O

O

h-'

CO

o

'a

CC

GO

ö

l—l

CC

CS

O?

cc

O

—1

—3

00

to

4^

4-

—3

Ü*

O*

O*

C5

Ü*

cn

c^

c?*

V*

—1 O*

to

p

O

p

p

00

00

--3

4-

ö

CC

4^

CO

CC

CO

--3

CS

00

CC

cc

to

CC

U*

GO

as

--3

—3

CS

-J

cc

00

O § g

ë- c -

Relative Feuchtigkeit.

b

p

cc -^3 IM)

a C

ui rx.

WlNDSTÜRKE.

3 « m

£- C C3

H S w w

ö -r-

lil

i

ocr page 76

70

os

to y*

-

3

cc co

oï cd

00

s2

96

68

65

o

o

ti

cc ^

45

cc

'27

-

z

cd cd ►— o

h '=s w w

3 t3 ^ ^ rtgt; ^ ® ö z'

0 O ^

2 3?

o cd

ocr page 77

felilt für 1874 WnTDSTaRKE.

c •-s | ►

~ • ?r »

p p p p p p £. p ba bo 1-^ U ö cc es

3 ^ D O

p P J-4 C»5 O GD CO ï-4 05 O Ci

— Tödl. Crotjpfülle

^5 er. as to ^3 4- 5: qo ris: quot;7 ^_'ön

GOGOOC^CO^tO^Ü*quot;^ 11 ''' ov'-

1

ocr page 78

72

t=j

tb

#

a

tgt;

td

i—•

00

-a

^3

lt;1

-1

05

CO

to

h-'

O

Xgt;

1

1

1

p

to

O

to

b*

-

00

to ~l

O

s

. .

to

cc

CJ^

—1

Cc

to

35

4-

00

cs

_*

to

O

V*

«c

0

OS

tc

CC

X

to

to

to

to

cc

cc

c^

O

CO

—1

GO

■^

0

to

cc

1

1

1

t-A

to

to

cc

c^

as

to

0

V*

0D

1

00

b*

as

as

cc

cc

CT*

o

o

o

o

-1

Ci

cc

ÏO

rc

to

4^

O

u-

4-

rt-

O

£-

ZD

a*

O»

l .

| .

cc

CC

-j

as

OS

00

cc

O

o

oo

OS

00

as

**

00

0D

rfi.

00

-3

quot;

cc

CJ*

CJ*

lt;1

O

as

00

gt;-

c

-4

7

a.

O

O

—1

5o

to

-j

O

«c

«C

y*

CC

—J

cc

—J

—1

to

Ch

gt;-

V

Ch ►

ca

-a

00

lt;1 05

o co

to

tgt; h3

O-1 ®

? 3

CO d

-c

O

. O

co

cc

to cc

—1 05 —1 00

3- co

f ^

3 crq

Ö CD

c P-

O

o

O

14-

M) CC «— tO «-i

«rgt; rf*.

4^ O*

CO O*

ëquot; o ^

O O

Windstarke.

cc p

cc

p'

-

s

3

y ft

tgt; c

i-3

O: O

O w

cc B

CD' to to ^-1-*

—- cc ^ cc cc

^r- O tO Ui SD


ocr page 79

78

gt;

fcgt;: CS

£

o «

k

H

d Ch

74

73

72

71

70

1869

1

1

t-^

O

O

CO

b*

00

CC O*

ö GO

O OS

b —1

IV

-j

Oi

159

132

to

167

246

33

191

35

h-*

-3

CO

cc

209

350

o-

CC O*

238

to có

1

1

rfs-os

Cc CO

C£

87

96

co co cc

1

O

1

1

1

1

1

74

73

72

71

■f

l—

co

lO

CC

-J

cc

co

ox

O OS

O ^ O

1 I

I-*

cc agt;

O amp;

O5 Oquot; 3

P O

P

o O

5quot; 5

o 5 cfo'

/-gt; 3 ®

P ® F*

® HJ CT'

I


I P g

O P Windstarke.

— -1 O

p ^ o g

•3 i B

O* rv ^ •

9

O d

ocr page 80

74

g

B

00 OS CD

^3

lt;1 O

^3

CO

-3

to

I I I

O

öo

I I i

I I I

to

O

a

tzj

HH

H-1

00

^3

^3

^3

■»3

05

CO

tsS

M

O

CD

1

1

1

1

O

p

p

to

t-*

CO

00

blt;

H-k

co

b

b

C5

►-*

to

a*

h-k

O

tlt;9

CD

as

00

CO

O

O

O

00

4^

o

to

CO

C5

00

00

-3

-a

O

-a

co

00

co

o*

to

t£

CO

to

CO

cn

00

a*

CO

-a

tc

-gt;3

-a

CO

1

i

i

1

to

to

•a

*-

O

--J

-J

as

1

1

1

i

1

1

O

00

O

00

•■a

b»

«r»

00

-a

-J

CO

gt;-*

o*

as

a*

as

o5

to

to

agt;

cn

to

-j

to

c^

CO

O

00

CC

as

O

00

00

M

a*

as

00

CO

CO

00

00

00

to

co

—a

CO

co

to

to

to

agt;

O

o

as

00

•J

co

ts

to

co

CO

CO

*»■

00

*-

CO

C7lt;

Oi

a»

as

as

as

cC

4^

-«3

o

«3

to

O

a ►

H

d

CH ►

I Temp. Abw.

0Q

D ; g

0 e P ! w 1 *

5'

O

O

5 ©

^ OD

5'

o p

Algeb. Summe.

®

Abw. rel.

O

cf-

P'

5

®

■0P

Windstarke.

-f

immen d. •cm. Abw. | in m.m.

_ |

O: Ö tr1

w.

H W

O te

GO

ej hi ►D

fift t-quot; e w

1 .®

ocr page 81

75

ocr page 82

76

c

O l-= c td

t=j *ö

W g

O gt;

d

C_i

t»-

P3

P*;

ha

5

3

in

;

Ul d

c

1

2

w

gt;

Q

®

;/

p

5'

GC

O p

3

onT

c

r.

gt;

cr

r

r'

lt;;

lz!

®

O

O

Windstarke

GO 0i CD

lt;1

O

ö

CO

f

— Cl to OS to CO

co 05 Oi ^

— tc — tc — ^ CO O 55 W ^ ^ J5 CÏ X co V tc

-3 ^ g

^ 05 W M O CO

-q O Ci CO

CO CC OS O o

^ y* w tC CJ* W O cc c^ cc O

^ ^ ^ C-cc —j ^ ^

I I 1

tc C O

I I 1

c to to to

4- 1

O O O

h- to to

-n to

p ^

o g 5 3

O W CA5 CO CO -3 ^ O ^

p

3 gt;► ö

O Ci cc to co

05 iD O cc co ^

to to cc

o C5 CJ^

ts tc h- w p} fi 4». o o-

cc g

2

Üt ü* -J p cc

W t«3 Cï W 'j- O1

ocr page 83

i (

w

O

2

O

cz:

lt;1 S3

tö ÏC

?0

co

Q ©

CC 05 X)

^3

to

^1 O

o:

O

w

I I I 1

^3

DO

1

1

p •—

tC

te o

p

GO i-

i—'

Cï

b*

u. a

4-

c

o

. O

te

4-

te

te

4-»

te **-

te

te

o -j

-1

-•1

5'

0 O

u*

Q

c

/

i

-r*

II-

gt;:

te te

Cl

te

CS

4-

4^

o

O

1

tC w-

OC O

t to

CC OC

tc GO ►—

r P-

2 n ^

a P

\V iudstarke.

t© Ctó OS IC CS ^ C5 00 ^ C-.

C' tlt;£

:r GC £--r go ^

-!- O —1 GO Cl GC

H- te

ïT

4- «-- -1

5' 2 3

3 3

K

O

TT. B

ocr page 84
ocr page 85
ocr page 86
ocr page 87
ocr page 88

GEDRUKT ItIJ r. W. M. TRAI', LEIDEN.