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KRIST. HAJIXSON IN COJ'I'NMIAMA . T)B. F. BOAS IN NKW-YOBK, MOF. Gt'IDO (iiUA IN TIBIN, DR. G. J. DOZY IN NOOBDWIJK BI-:I LEIDEN , DR. E. T. HAMY PABJS. PEOI'. DR. E. PETRI IN ST.-PETEBSBURG, J. D. E. SCHMELTZ IN LKIPKN, DR. L. SERRURIER IN LKIDF.N. DR. HJALMAR STOLPE in STOCKHOEJI, PROF. E. B. TYLOR IN OXIOUD.
REDACTION:
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Conservator am EthnographiHohen lleich-sniusoum in Lolden.
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Supplement zu Band I.
ETHNO EOGIE
DER
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r. OTTO STOLL,
DOCKNT Kl'II UB0URAPH1E r.NM) ETBNOlOGIE AM KIDUEX. POI, VTKCIIN'IK rM I Nil A.N DEK UNI.VBRSIÃAT
zxs zdircit.
Mit 2 Tafeln uud drei Illustrationen im Text.
VERLAG VON P. \V. M. TRAP, LEIDEN.
5RNESÃ J.HROUX, PARIS, TUfBN'ER amp; Co., LONDON.
0. P. WINTER» Ii!â¢: VKRLACSIIAXDI.I Xi;, LETPZIO. E. HTi;i(ilvB amp; Co. NEW-YOBK.
1889.
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DIE
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DER
INDIAHERSTAMME VON GUATEMALA.
DIE
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DER
VON
1)«. OTTO STOLL,
DOCENT FÃH OEOORAPHIE UND BTHNOLOGIE AM EIDOEN. POLYTECIINIKUM UND AN DEU UNIVERSITAT
ZU ZÃRICH.
MIT 2 TAFELN UND DREI ILLUSTRAÃIONEN IM TEXT.
Supplement y.u Band I von âInternationales Archiv fOr Etlinographiequot;.
VERLAG VON P. W. M. TRAP, LEIDEN.
ERNEST LEROUX, PARTS. ÃRÃBNER amp; Co., LONDON.
C. P. WINTER'SCHE VERLAGSHANDLUNG, LEIPZIG. E. STEIGER amp; Co. NEW-YORK.
1889.
V O li W O li T.
Indem ich den vorliegenden monographischen Versuch einer âEthnologie der Indianer-Stilmme von Guatemalaquot; den Fachgenossen übergebe, sehe ich mich zu einigen erklarenden quot;Worten über denselben veranlasst.
Als ich im vergangenen Frühjahr von der verehrlichen Eedaction des âInternationalen Archiv's für Ethnographiequot; die Einladung erhielt, die wenigen Sammlungsgegenstande, die ich aus Guatemala zurückgebracht iiabe, im Festheft des âArchivsquot; für den vorjahiigen Amerikanisten-Congress in Berlin zu bearbeiten, war damit zimilchst uur eine Beschreibung der Objekte zur Erliluterung der Abbildungen gemeint. Wahrend ich mich hierzu anschickte, konnte ich jedoch der Versuchung nicht widerstehen, dasjenige geordnet zusammenzustellen, was ich über die Ethnologie von Guatemala wusste und die abgebildeten Gegenstande, welche ursprünghch die Hauptsache hatten bilden sollen, lediglich als Belegstücke einiger Partien des ïextes zu verwenden. Da die Frist, welche für die Ausarbeitung des Manu-scriptes zur Verfügung stand, eine relativ kurze war, so war ein rasches Arbeiten und möglichste Beschrankung auf den eigentlichen Gegenstand der Abhandlung, auf Guatemala geboten.
Nach Ablieferung des Manuscriptes reiste ich nach Spanlen und hatte mit Herrn Redacteur Schmeltz die Abrede getroffen, dassmir die Revisionshogen jeweilen nachgeschickt werden sollten. Dies enyies sich in der Folge bei der Unzuverlassigkeit der spanischen Regierungspost unthunlich; der einzige Bogen der mir nachgeschickt worden war, ging unterwegs verloren. Mittlerweile war dann audi (lurch eine Reihe von Zufillligkeiten die Fertigstellung des Druckes bis zum Amerikanisten-Congress unmöglich geworden und konnte erst nach meiner Rückkehr aus Spanien erfolgen.
Dies Alles ware nun an sich gleichgültig gewesen, wenn nicht die Nothwendigkeit, den Text auf einen bestimmten Termin zu vollenden, schon die Anlage der Arbeit wesentlich beeinflusst hatte.
Ich suchte das Material, soweit es nicht auf eigener Beobachtung beruhen konnte, stets aus den ersten und ursprünglichsten Quellen zusammenzubringen, soweit meine Privatbibliothek, auf die ich hiebei ausschliesslich angewiesen war, dies überhaupt ermög-lichte. Dagegen musste ich schlechterdings darauf verzichten, mich mit einigen allgemeinern ethnologischen Werken der Neuzelt des Genauern auseinanderzusetzen, wie ich dies bei weniger beschrilnkter Zeit wohl gerne gethan hatte.
Ferner musste ich es mir versagen, andere, als die zunachst an guatemaltekischer Kultur und Sprache betheiligten Knlturgebiete Alt-Amerika's, speciell Mittelamerika's zum Vergleich heranzuziehen. So wünscheuswerth eine solche breitere Grundlage auch zweifellos in mancher Hinsicht gewesen ware, so schien mir doch eine genaue Sichtung der auf Guatemala speziell bezüglichen Nachrichten das erstc und nachste Erforderniss zu sein, um einer vergleichenden Betrachtung mit andern Kulturherden Mittelamerika's als sichere Basis zu
vin
dionen. Bis jetzt ist ja oft genug der umgekehrte Weg eingeschlagen worden, indem man den allgemeinen Rahman schuf, bevor die zu seiner Ausfüllung bestimmte Detailmosaik hlnlanglich sorgfaltig vorbereitet war. Wahrend die monographischen Bearbeitungen ein-zelner Völker oder Völkergruppen noch vergleichsweise spürlich vorhanden sind, besitzen wir einen Vorrath A^on Werken über Völkerknnde, in denen ohne Prüfung manche Angabe über die Einzelgebiete weiter geführt wird, die auf Irrthum oder falscher Auftassung beruht. Wer aus eigener Erfahrung weiss, wie schwer und zeitraubend es ist, sich in die Denk-weise eines fremden Volkes hineinzuleben, die uns ja nur dnrch etwelche Kenntniss seiner Sprache ganz zugangiich ist, wird auch die Schwierigkeiten einer ethnologischen Mono-graphie nicht verkennen und daher die Mangel einer Arbeit, wie die vorliegende, railder beurtheilen. Er wird ferner ein gewisses Misstrauen gegen gar mandiën Punkt der currenten âVölkerknndequot; nicht unterdrücken können und eine Neuprüfung desselben dringend wün-Hchen müssen.
Die Stilmme des Peten, über welche wir beinahe ausschliesslich durch Villagutieebe y Soto-Mayoe unterrichtet sind, habe ich absichtlich nicht eingehend berücksichtigt. Das Peten gehort, obwohl politisch zu Guatemala, doch geographisch und ethnologisch so entschieden zu Yucatan, dass die Ethnologie seiner Bewohner durchaus mit denen der Maya's von Yucatan behandelt werden muss.
Ich habe mir erlaubt, die âEthnologie der Indianerstamme von Guatemalaquot; Herrn Prof'. Dr. A. Bastian in Berlin zu widmen, in welchem wir alle den Begründer und uner-müdlichen Eörderer der modernen Ethnologie verehren. Ihm vor allem ist es zu danken, dass die Völkerknnde aus oinem Tummelplatz dilettantenhafter Spekulation sich zum Rang einer akademischen Wissenschaft emporgeschwungen bat. Guatemala aber, als dessen Sprecher ich mich hier aussern möchte, bat noch ganz speziellen Grund, sich Herrn Prof. Bastian's dankbar zu erinnern, indem es seiner Umsicht und Energie allein zuzuschreilten ist, dass die wichtigsten der immer noch rathselhaften Steindenkmaler von Santa Lucia Cotzumalguapa vom Untergang gerettet und sicher lm Museum für Völkerknnde in Berlin untergebracht sind.
Es erübrigt mir noch, Herrn Conservator J. D. E. Schmeltz in Leiden für die ausdauernde Sorgfalt, mit der er sich der mühseligen Arbeit der Correctur unterzog, meinen verbind-lichen Dank auszusprechen.
Besondere Anerkennung scbulde ich auch dem Herrn Verleger, der in der liberalsten Weise allen meinen Wünschen in Bezug auf die Ausstattung der Arbeit Rechnung getra-gen hat, trotzdem dieselbe den anfanglich in Aussicht genommenen Umfang erheblich überschritt.
Dr. OTTO STOLL.
Zühich, 20 Januar 1889.
INHAi;i\S\'EI! Z EICHNI SS.
Seite
vohwobt..................vii
Aussphache der indianischen wokte............x
Litebatüb ..................xi
Einleitung..................1
A. Sociale Organisation.............4
I. Das Chinamit..............4
II. Die Ehe...............7
III. Die Venvandtsehafts-Bozeichimngen..........10
IV. Die Eegierung..............13
V. Das Volk...............19
VI. Die Sclavon...............27
B. Die Religion...............28
I. Cosmogonie...............28
II. (rötterlehre...............31
III. Priesterschaft und Götterdienst..........37
IV. Die quot;Wahrsager und Aerzte...........48
V. Suggestion und Hypnotismus...........50
VI. Der Nagualismus..............57
VII. Schnfttlium und Kalendenvesen..........58
A. Astronomisclier Kalender...........59
B. Chronologischer Kalender...........64
VIII. Namengebung und Kindererziehung..........66
IX. Das Begrilbniss..............70
C. Das Kriegswesen..............73
D. Technologie...............77
I. Baukunst und Bildhauerei...........77
II. Töpferei...............89
III. Bekleidung...............96
IV. Spinnen und Weben.............101
V. Metallarbelten..............101
VI. Korb- und Mattenflechterei...........102
VII. Malerei................102
IX. Musik................104
E. Handel ... I............105
F. Schipfahrt...............107
Ebklarung dek Tafeln...............108
Register..................109
zusatze und bericiitigungen..............112
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AI SSPRACHE DER IKDIAN1SCHEN WOKTE.
In Betreft' der Aussprache der im Texte gegebenen indianischen Worte sei bemerkt , class derselben überall das spanische Alphabet zu Grande liegt. Wo alte Texte citiert sind, ist deren Orthographie unverandert belassen; quot;Worte, die meinen eigenen Aufnahmen entstammen, sind nach dem Alphabet orthographiert, welches ich bei linguistischen Arbeiten eingehalten habe1). Es stellen sich daher folgende Difterenzen gegen das deutsche Alphabet herans:
cli lautet wie deutsches tsch.
g der indianischen Worte ist als tiefes Gaumen-Zc (/c'), nicht wie deutsches k za sprechen; c lautet wie rein deutsches k, k dagegen wie rauhes alemannisches k.
h und j lauten wie alemannisches ch.
Bomerkung: Bloss Huipil ist zu sprechen wie deutsches Wipü.
qu ist vor e und i wie deutsches k zu sprechen.
te, welches dem spanischen Alphabet fehlt, lautet wie das deutsche tz.
x lautet in den indianischen Worten stets wie deutsches sc/j, dagegen im Eigennamen Ximenez wie deutsches ch.
z, f und s sind vollkonnnen identisch und lauten wie deutsches scharfes s.
y wie deutsches j.
Eie mit einem Apostroph versehenen Consonanten c', ch', k' und tz' sind sogenannte âletras heridasquot;, eine Art verscharfter, durch eine kleine Pause vom vor- oder nachste-henden Vokale getrennter Explosivlaute, die nur im indianischen Alphabet vorkommen und den gewöhnlichen Lauten c, ch, k und tz so ahnlich klingen, dass sie für gewöhn-lichen Gebrauch nicht unterschieden zu werden brauchen.
') Vgl. Stoll , Ixil und Pokonchi'.
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DIE ETHNOLÃGIE
der
INDIANEK-STAMME VON GUATEMALA
von
De. OTTO STOLL.
Mit zwei Tafeln.
E I N L E I T U N G.
Vorhistorische Zeit. â Wahrend grosse Strecken der neuen Welt sich in etlmologischer Hinsicht jedem Bliek in ihre Vergangenheit verschliessen, sind wir bezüglieh der voreuro-paischen Geschichte von Guatemala etwas besser gestellt. Nicht blows hat hier eine ganze Anzahl von eingeborenen Sprachen sich bis heute lebendig forterhalten, nicht bloss zeugen zahlreiche Ruinenplatze vom einstigen Umfang der eingeborenen Cultur, die noch für lange Zeit eine ergiebige Fundgrube archaeologischer Forschung bilden werden, sondern auch das psychische Leben der vorspanischen Indianer ist uns noch nahe gerückt, indem mehrere der alten indianischen Schriften erhalten sind, welche die Sagen und Geschichten einzelner Stamme uns überliefern. Diese Schriften sind der âPopol Vuhquot;, der âTitulo de los Se nor es de ïotonic apam, beide dem Quiché-Stamme entsprossen, ferner die âAnnalen der Cakchiquelesquot;. Dass die Zahl dieser Documente nicht grosser ist, haben wir lediglich der Nachlassigkeit der fremden Eroberer zuzuschreiben, denn der Geschicht-schreiber Füentes, der Urenkel von Bernal Diaz, erwahnt als seine Quellen noch ein paar indianische Schriften, die uns jetzt verloren sind, wie ein Quiché-Manuscript von D. Francisco Garcia Calel Tzumpan , ein MS. von Xecul von D. Inan Macario
Wenn wir ohne Voreingenommenheit den Inhalt der uns noch erhaltenen indianischen Schriften erwagen, so scheint sich aus dem Dunkel des My thus, welcher den ersten Theil dieser Sagen bildet, als erste, etwas deutlichere Stufe ein halbnomadisches Wanderleben der Hochland-Stamme Guatemala's abzuheben, wahrend dessen sie sich an verschiedenen Punkten des Landes langere Zeit aufhielten, um sie dann spater wieder ganz autzugeben oder wenigstens nur einen Theil des Volkes daselbst zurückzulassen. Ob die wandernden Quiché-Stamme dabei auf eine bereits vorher ansassige Bevölkerung stiessen, bleibt durchaus dunkel. Einige wenige Stellen der Bücher scheinen dies anzudeuten, wahrend nach andern das Land als früher unbewohnt gedacht wurde. Woher die wandernden Stamme kamen, bleibt ebenfalls dunkel. âVon jenseits des Meeresquot;,2) sagen cl;e Schriften. Dass aus dieser
') Vgl. Iuaebos, II, trat. IV, Gap. 3. 2) Popol Vuh, p. 4.
I. A. f. E. I. Suppl.I. I
- 2 -
Angabe irgendwelche Schlüsse auf concrete Geschehnisse nicht zu ziehen sind, dürfte wohl klar sein, da nach indianischer Vorstellung alles Hervorragende, Wunderbare, Grosse ebenfalls von âjenseits des Meeresquot; kommt. âÃber das Meerquot; ziehen z. B. die Abgesandten der Stannne an den Hof des Fürsten Nacxit, wo sio die Elemente höherer Cultur erlangen. An einigen Stellen wird die Angabe von âjenseits des Meeresquot; durch diejenige von âhn Ostenquot; vervollstilndigt. Der âOstenquot;, wörtlich âda wo die Sonne aufgehtquot;, ist aber für den Indianer diejenige Gegend, welche als Ursprungsstatte des göttlichen Tagesgestirns, vor allen andern ihra als Quell des Heiligen und Segensreichen erscheint und nach welcher er daher stets in erster Linie den Bliek wendet. Eine concrete, historisch-topographische Angabe darf aber in diesem Ausdruck nicht gefunden werden. â
Die sprachliche Verwandtschaft der Hochlandstannne Guatemala's, welche sammtlich zur Maya-Familie geboren, weist vielmehr auf einen engen Zusammenhang mit Chiapas, Tabasco und Yucatan hin, was eine Richtung der Wanderung aus oder nach Norden und Nordwesten bedingen würde.
Unter den Abenteuern der wandernden Stannne tritt besonders die eben erwahnte lieise an den Hof des Fürsten Nacxit deutlicher hervor, der nach âSonnenaufgangquot; verlegt wird. Von hier beziehen die Quiché-Stamme Alles, was für eine höhere Cultur characteris-tisch ist; die sociale Gliederung, die Abzeichen der Rangstufen, die Malerei und andere Künste.
Es drftngt sich die Frage auf, ob dieser Sage vom Hofe des Fürsten Nacxit eine Anlehnung der guatemaltekischen Cultur an diejenige der Mayas von Yucatan oder an die aztekische zu Grunde liege. Der Umstand, dass die Halbinsel Yucatan bis an die Nordgrenze des heutigen Guatemala von einem hochstehenden Culturvolke eingenommen war, welchem die guatemaltekischen Hochlandstannne noch dazu sprachverwandt waren, liesse an die erstere Möglichkeit denken. Einer solchen Annahme steht jedoch der Character dieser von aussen erworbenen guatemaltekischen Cultur entgegen, welcher weit eher auf einen Nahuatl-ürsprung zurückweist. Wir batten uns das Verhaltniss wohl am natürlichsten so zu denken, dass die Gebirgsstamme von den umwohnenden Tieflandvölkern, zu denen wir langs des Stillen Meeres die Nahuas (Pipiles), am atlantischen Abhang die Mayas zu rechnen haben, die Elemente der Cultur erhielten. Wenn auch eine directe Berührung mit den cultivierten Mayas nicht ausgeschlossen ist, so ist sie doch weit weniger sicher nachzuweisen, als eine solche mit den Nahua-Colonien der Südseeküste und durch diese mit der mexikanischen Cultur. Die Grüude, welche eine vorgeschichtliche directe Berührung der Quiché-Stamme mit den Nahuas wahrscheinlich machen, sind vor Allem folgende:
1) lm ganzen, von den Quiches und ihren Verwandten (Cakchiqueles, Mam- und Pokom-Stamme) eingenommenen Gebiete treffen wir keinen einzigen Ortsnamen, welcher der reinen Maya von Yucatan angehört. Maya-Namen beginnen erst in denjenigen Gegenden, welche in historischer Zeit von den Mayas besiedelt sind.
Dagegen finden sich aztekische Ortsnamen in grosser Zahl über das Gebiet von Guatemala verbreltet. Wenn auch eine Anzahl derselben nachweisbar erst der Conquista ihren Ursprung verdanken, wie Ahnolonga im Thai von Antigua, die Vorstadte Jocotenango des alten und neuen Guatemala, so ist doch die überwiegende Zahl schon vor der Conquista im Gebrauch gewesen. Manche Orte besassen zwei Namen, von denen der eine den Maya-sprachen des Landes entstammte, wahrend der andere bloss die aztekische Ãbersetzung des ersten war. So ist Totonicapam die aztekische Ãbertragung des Quiché-Namens Xeme'-
kemja (âam warmen Wasserquot;), Zapolitlan diejenige von Palulul, das aztekische Chichi-castenango entspricht dem Quiche-Worte Chuvila (âOrt der Brennnesselbaumequot;) und Clnmal-tenango (âOrt der Schildequot;) ist die Ãbersetzung des Cakchiquel-Wortes Pokó.
2) Unter den Eigennamen der indianischen Schriften flnden sich einige von aztekischem Ursprung, wie Tcpepul (von tepell Berg und dem Suffix pul), iztayul (von iztac weiss und yoioII Herz). Der Göttername Gucumalz ist die wörtliche Ãbertragung des aztekischen Quetzalcohuatl. Auch der Name Nacxit scheint auf einen in der Reihe der aztekischen Fürsten vorkommenden Namen, Acxitl, zurückzuweisen.
3) Lehnt sich die sta^tliche Organisation in entschiedener Weise an die aztekische an.
Zum Verstandniss derselben sind wir aber gezwungen, von den noch zur Zeit der
Conquista bestehenden Verhaltnissen, wie sie uns die zeitgenössischen (und spatern) spani-schen Schriftsteller überliefert haben, auszugehen, um darans die indianischen Schriften verstellen zu lernen.
Historische Zeit. â Zur Zeit der Conquista zerfiel die Bevölkerung Guatemala's in eine grosse Anzahl kleiner Stamme. Wir haben für die Eintheilung derselben kein besseres Princip mehr als die indianischen Sprachen, welche wir zumlchst in zwei, numerisch sehr ungleiche Gruppen zerfilllen können
Die erste und zwar die bei weitem umfangreichere Gruppe umfasst lanter Idiome, welche der Maya-Familie zugehören. Sie nimmt, mit Ausnahme eines Theilg der westlichen Südseeküste und einer Sprachinsel etwas südlich vom Centrum des Landes, dessen gesammtes Areal ein. Ihr gehort ausser der Maya des Peten die Mame-Sprache, das Ixil, die Jacalteca, das Chuj, ferner die Sprachen der Yerapaz (K'e'kchi, Pokonchf, Uspanteca), die Idiome, die man als âLenguas Metropolitanasquot; bezeichnete (Quiche, Cakchiquel und Tz'utujil) und endlich als versprengte Glieder der Pokomgruppe das Po kom am und Chorti an.
Die zweite, kleinere Gruppe umfasst der Maya fremde Idiome, wie das Pipil, einen Abkömmling des Nahuatl, wozu nach Brinton's neuer Untersuchung auch das Alagüilac2) im Motaguathale gehorte, ferner die Xinca3) und Pupuluca-Sprache. Die Stellung der beiden letztern Sprachen erscheint noch nicht genügend gesichert.
Indessen ware die Annahme, dass der Umfang der Stamme sich stets mit demjenigen der Sprache gedeckt hatte, eine durchaus irrige. Vielmehr zerflelen die grössern Sprach-gebiete wieder in eine ganze Anzahl von Stammen. Wenn wir deren einzelne Namen, wie sie uns, wenigstens für die Quiches und Cakchiqueles noch überliefert sind, mit den heutigen Ortsnamen von Guatemala vergleichen, so sehen wir, dass viele Stammnamen den Namen heutiger Municipien entsprechen. So entspricht dem alten Stammnamen: Ilocab das heutige Dorf: San Antonio Ilocab; Rabinaleb entspr. Rabinal; Xoyabaj entspr. Joyabaj; Cabrakan entspr. Cabrikan; Migina (Me'kenya) entspr. Totonicapam.
Wir dürf'en daraus schliessen, dass die heutigen grossen und compacten Ortschaften gewissermassen die Concretion der früher in einzelne zerstreute Hausergruppen aufgelösten Bevölkerung darstellen.
') Ygl. Stoll, Zur Ethnographie otc. !) Brinton, Alagüilac. 3) Bbinton, Xinca.
A. SOCIALE ORGANISATION.
Wenn man den Eroberungszug (Irs Alvarado durch das Hochland der Quiches, Cakchiqueles und Tz'utijiles, dann iiber Escuintla nach Salvador, sowie die Excursionen seiner Nachfblger in die verschiedenen Landestheile verfolgt, so gewinnt man den Eindruck, als ob das ganze Land anf einer ziemlich gleichmassigen Stufe der Cultur gestanden habe, wenn diese auch locale Verschiedenheiten aufwies. Ueberall handelt es sich um fast ansassige, ackerbautreibende Bevölkerungen, die theils in kleinen Ansiedlungen weit über das Land zerstrent wohnten, theils in grossen, von der Natur und durch Kunst befestigten Stadte-anlagen, in denen die obersten Hiluptlinge ihren Sitz hatten, beisammen lebten.
Die Nach rich ten, welche über die sociale Organisation der Stamme Guatemalas auf uns kamen, sind schlechterdings lückenhaft, vielfach unklar und zudem sehr ungleich über das Gebiet vertheilt. Wahrend wir iiber die Reiche der nördlichen Hochgebirge, vor Allem über die Quiches und Cakchiqueles, ziemlich genau informiert sind, fliessen über die Stamme der Verapaz und der Mames die Nachrichten schon weit sparlicher und über diej enigen des Ostens, Südens und Südwestens fehlen sie, wenigstens in zuverlassiger Gestalt, fast ganzlich. Nur Pal agio hat uns über den Süd westen Bericht hinterlassen; im übrigen sind wir für die letztgenannten Gegenden auf Analogie-Schlüsse aus demjenigen Material ange-wiesen, welches wir für die übrigen Stamme besitzen.
i. das chinamit.
Das Volk schied sich in Vornehme verschiedener Rangstufen, in freie Gemeine und Sclav en. Die Einheit, aus welcher sich das Staatswesen aufbaute, bildete das chinamit, welches wir als die erweiterte Familie, wenigstens in theoretischem Sinne aaffassen müssen. Chinamit ist aztekischen Ursprungs und bezeichnet zunachst die Einfriedigung mit einer lebenden oder einer Rohrhecke, und zum chinamit gehörten wohl ursprünglich die innerhalb dieser Einfriedigung Wohnenden. In den rein indianischen Dörfern Guatemala's flnden wir ein analoges Verhaltniss heute noch. Wenn einem Ehe-paare, welches ein mit lebender Hecke abgegrenztes Landstück (Sitio) besitzt, allmahlich die Kinder sich mehren, so werden neben dem elterlichen Hause kleinere Hütten innerhalb der Einfriedigung für die nachwachsenden Kinder erstellt. Indessen ist es sicher, dass der alte Begriff des chinamit mehr umfasste, als bloss die directen Verwandten in auf- und absteigender Linie.
Da die Grundlage des Staates in Guatemala der Ackerbau bildete, so haben wir das erste Augenmerk auf die Landvertheilung zu richten, um über den Umfang des chinamit zn grösserer Klarheit zu gelangen. Wir begegnen im Popol Vuh der Vorstellung, dass in uralter Zeit, d. h. bevor nach indianischer Vorstellung das Tagesgestirn zum ersten Mai am Himmel erschien, die wandernden Familien der Vorfahren von den verschiedenen Theilen des jetzt von den Quiches occupierten Landes Besitz genommen und dasselbe unter sich vertheilt haben. Die Ãeborlieferung ^ sagt, dass diese Landvertheilung unter dem vierten Quiché-Könige vor sich gegangen sei und zwar seien damals die 24 Familien constituiert worden, unter welche alles Land vertheilt wurde.
') XlMENEZ, p. 165.
Die über Guatemala vorhandenen Berichte lassen über diese VeiMltnisse eine Lücke, die wir nur duich die Analogie mit den mexikanischen Einrichtungen ausfüllen können. Danach kann es, obwohl dies nirgends deutlich gesagt ist, nicht zweifelhaft sein, dass das bebaubare Land in grössere und kleinere Parcellen zerftel, ven denen jede den Angehörigen eines c h i n a m i t gemeinsam gehorte. Das c h i n a m i t aber entspricht dem c a 1 p u 11 i oder chinancalli der Mexikaner und wird wie dieses von einer grosseren oder kleineren Anzahl von Leuten gebildet, die sich als Angehörige einer und derselben Familie im weitern Sinne betrachteten. Es beruht dieses Gefühl der Zusammengehörigheit und das Bedürfniss des Abschlusses nacli aussen theils auf wirklicher Blutsverwandtschaft, theils auf theoretischer, von gemeinsamer Abstammung von einem mythischen Vorfahr hergeleiteter Ver-wandtschaft. Jedenfalls aber ist der Begrift' der Yerwandtschaft wesentlich für den Character des chin ami t.
Die Angehörigen eines solchen lebten j edoch nicht in geschlossenen Hausergruppen bei-sammen, sondern jede Einzelfamilie wohnte gewöhnlich getrennt von den übrigen auf dem ihr vom chinamit zugewiesenen Landstück.
Wenn also auch das der Einzelfamilie zugewiesene Landstück Eigenthum des ganzen chinamit Avar, und daher beim Aussterben einer Familie an dieses zurückfiel, so war es doch unter gewöhnlichen quot;Verhaltnissen innerhalb der Familie in der Weise erblich, dass ein Vater bei seinem Tode das Familiengrundstück unter seine Söhne vertheilen konnte. War das Landstück zur Ernahrung aller zu klein, so konnten die Bedürftigen sich vom Aeltesten des chinamit ein weiteres Grundstück anweisen lassen. Es wurde also nicht bloss die bewegiiche Habe, Kleider, Werkzeuge, Geschirr, Waffen, sondern auch das Grundeigenthum vererbt
Indessen scheinen nur die Söhne erbberechtigt gewesen zu sein. Wenigstens erzahlt Gage, dass beim Tode eines Indianers die Söhne die ganze Verlassenschaft, sowohl Fahrendes als Liegendes, unter sich getheilt haben, und dass die Töchter nichts bekommen haben. Wenn diese auch vielleicht etwas von dem zur Frauenarbeit dienlichen Hausgerath erbten oder der Gutmüthigkeit ihrer Brüder verdankten, so waren sie jedenfalls vom Erben des Grundbesitzes schon desshalb ausgeschlossen, weil nach den exogamischen Heirathsbestim-mungen ein Madchen durch seine Heirath in ein fremdes chinamit, also in einen ganz andern Grundeigenthums-Complex hineingerieth.
Ob dagegen die Angehörigen eines chinamit Land an ein anderes chinamit zu verpachten berechtigt, wie in Mexico, ist nicht bekannt.
Die einzelnen Familien waren auf diese Weise durch grössere oder kleinere Strecken beurbarten oder noch wilden Landes getrennt, wie es eben die Beschaffenheit des Bodens mit sich brachte. Das kultivierbare Land fand sich nicht bloss auf den flachen Hochthalern und in den Küstenniedenmgen, sondern auch oft, wie übrigens heute noch, in geschützter Lage an den Flanken und im Grunde von Schluchten (Barrancas), wesshalb der Popol Vuh den Ausdruck ei van, der eigentlich âWaldschluchtquot; bedeutet, als Collectivum in der Bedeutung âBewohner der Schluchtenquot; den Bewohnern der Stadte (tinamit) gegenüber stellt und sagt: u civan u tinamit âdie Leute der Schluchten und Stadtequot;, d. h. die Land- und Stadtbevölkerung.2)
Die Ausdrücke der Quiché-Sprachen, welche dem aztekischen chinamit offenbar am
') Zubita, p. 56. quot;-) Popol Vuh, p. 334.
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nilchsten entsprechen, sind nim ja unci ch'ob1). Nim ja bedeutet âgrosse Familiequot;, von nim gross und ja (jay lm Cakchiquel), womit gewöhnlich die Einzelfamilie, die wirk-lich in einer und derselben Ansiedlung zusammenlebenden Verwandten, bezeichnet wird.
Dass aber der Umfang des jay nicht streng bloss auf diese beschrankt war, mach'en die Ortsnamen der alten Schriften wahrscheinlich, in denen das Suffix jay und j a mit Namen von ïhieren und andern Objecten verbanden erscbeinen, welche gewissermassen als Totem der betreffenden Familien auftreten, wie in Cakixajay âHaus der Arasquot; (lang-scbwanziger Papagei), Sinajija, âHaus der Scorpionequot;, Aj cb'umilajay âHaus der Sternleutequot;, Ajtz'iquinajay âHaus der Vogel-Leutequot;, u. s. f.
Ueber die Totem-Zeichen der Guatemala-Völker sind wir nicht genau unterrichtet. Spuren davon flnden sich jedoch au einigen Stellen der Schriften, z. B. im âTituloquot;, wo nach der Aufzclhlung der Staatswürden, welche die Quichés vom Hofe Nagxit's einführen, gesagt wird, dass alle diese Würden Bilder von Jaguaren, Pumas und Geiern als Devisen besassen.
Einen Rest des Totemismus flnden wir auch heute noch in der Sitte der Indianer, sich je nach den Dorfschaften verschieden zu kleiden, so dass es bei einiger Uebung leicht ist, die Leute von Tecpam, von Santa Maria de Jesus, von Acatenango, von San Juan Sacatepequez â alles Cakchiqueldörfer â am Schnitt und an der Farbung ihrer Kleider zn unterscheiden.
Ch'ob ist ein allgemeinerer Ausdruck, den die Spanier mit âparcialidadquot; übersetzen, und der einfach âAbtheilung, Haufenquot; bedeutet und demgemass bald in ahnlichem, bald in grösserem Umfange als c hi nam it gebraucht wird2).
Ob mit ch'ob eine bestimmtere Idee im Sinne einer Phratrie verbanden wurde, ist nicht deutlich zu ersehen.
Wenn wir von dem etwas unbestimmt gehaltenen ch'ob absehen, so finden wir als nüchsthöhern Begriff bei den Quichés und Cakchiqueles das ama'k, welches die heutigen Indianer als âpueblo grandequot; (grosses Dorf) übersetzen und dem die Bedeutung von âStammquot; (tribus) zukommt. In diesem Sinne flnden wir in den Annalen der Cakchiqueles die Rabi-naleb, Tz'utujiles und Cakchiqueles als ama'k bezeichnet und das ama'k der Cakchiqueles zerfalIt wieder in die chinamit der K'ekaquch, Bac'aho 1 a und Cibakihay. Ama'k3) ist eine Collectivform, die als Plural behandelt wird und nicht etwa die Ver-einigung vieler Hiluser zu einem Dorfe bezeichnet â denn dies ist das tin ami t â sondern die Samme der zusammengehörigen Bewolmer, vor Allem der vornehmen, mit der Regierung betrauten Bewolmer, welche nach der Auffassung der indianischen Geschichtschreiber allein die Geschichte ma chen und daher allein namentliche Erwahnung verdienen.
Trotzdem sich nun vor Allem die weitere Familie, das chinamit, als Grundeinheit der Stammorganisation deutlich abhebt, gegen welche sogar die Einzelfamilie ganz zurück-tritt und fast bedeutungslos wird.r so ist doch das chinamit nicht als gesammte Gens, sondern bloss als Subgens zu fassen, da mehrere chinamit sich von einem und demselben
') Vgl. z. B. die Steigerung; ru hay, ru chinamit, ru k'arama'k, ri hutalc ch'ob âseine Familie, seine Sippe, sein Stamm, jede Abtheilungquot; (Cakch. Ann. p. 72) Die heutigen Cakchiqueles verwenden jay gelegentlich auch concret für âHausquot;.
quot;) Vgl. x. B. xa ox chob chi chinamit xqohe chiri ciii Izmachi ânur drei Haufen von Sippen waren dort in Izmachiquot; (Popol Vuh p. 3041; oxlahu ch'ob vukamag âdie 13 Abtheilungen der âsieben Dörfcrquot; quot; (Cakch. Ann. p. 70).
3; Die etymologische Erkliirung von Ximenez (p. 163), wonach ama'k âSpinnenfussquot; bodeuten sell, ist aus phonetischen und syntaktischen Gründen als unrichtig zu verwerfen.
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mythischen Stammvater ableiteten und also zusammen die Gens gebildet batten. Für diese finden wir allerdings eine besondere Bezeicbnung nicht, indem, wie oben erwabnt, der nacbsthöhere Begrift' das ama'k scbon die Vereinigung mehrerer Gentes zur Tribus bildet. Es zerflelen z. B. nacb dem Popol Vub die Quichés, deren Gesammtbeit wir als ama'k bezeicbnen müssten, in die Gruppen der Cavikib, der Nibaibab, der Aban-Quicheeb. Diese batten wir als Gentes aufzüfassen, die sicb von einem gemeinsamen mytbiscben Stammvater ableiteten und wiederum in mebrere nim-ba (= eb in am it) zerflelen, welche die Subgentes bildeten. So bestand die Gens der Cavikib, welche den mythischen Balam-Quitzé als Stammvater ansah, aus neun Subgentes, ebenso die Gons der Nibaibab, die sicb von Bal am-A gab ableitete. Die Gens der Ahau-Quiché, deren hypotbetiscber Stammvater Ma hu cut ah war, zerflel in vier Subgentes. Mit Hinsicht auf die politische Bedeutung aber trat die Gens ganzlich gegen die Subgens in den Hintergrund, indem nur die Zugehörigkeit zu dieser für die Befugnisse und Pflichten der Einzelnen, wie für die Haftpflicht und die Ehescbliessung von Bedeutung war.
II. DIE EHE.
Die Angebörigen eines chin am it betrachte ten sicb als Verwandte und nannten sicb âBrüderquot;1). Die Heirat innerbalb des cbinamit war daher unstattbaft; vielmehr war die Heirat eine exogamiscbe, von einem chinamit in ein anderes. Ob die Exogamie sicb auch auf die übrigen c b i n a m i t derselben Gens bezog, ist nacb den vorliegenden Berichten nicht zu entscbeiden. Die Frau trat durch die Heirat in das chinamit ihres Mannes ein, und wurde demselben so vollstandig einverleibt, dass ibre Kinder weder ihre mütterlicben Grosseltern noch die übrigen Verwandten ibrer Mutter als Verwandte betrachteten. Dies batte wieder zur Folge, dass die Eingehung rechtsgültiger Eben mit den Verwandten der Mutter als dem Princip der Exogamie nicht zuwiderlaufend gestattet war. So konnte der Sobn einer Fraü mit seiner Halbschwester aus einer früheren Ebe seiner Mutter eine rechts-gültige Ehe eingeben, da der Begriff der Verwandtschaft sicb nur auf die manuliche Linie erstreckte. Ja es kam vor, dass ein Mann sicb nicht nur mit einer Schwagerin, sondern sogar mit seiner Stiefmutter verbeiratete.
Unter gewöbnlichen Verbaltnissen scheint die monogamische Ehe die Regel gewesen zu sein. Scbon die mythische Genealogie der Quiché-Familien weist ibren Urvatern bloss eine Frau zu.
Es bestand ferner die an das jüdische Levirat erinnernde Einrichtung, dass ein Mann bei seinem ïode seine Frau seinem Bruder oder einem sonstigen nahen Verwandten bestimmen konnte, auch wenn dieser bereits verbeiratet war1). Welches aber die Stellung einer solcben Witwe in ihrer zweiten Ehe und welches die Rechtsfolgen für ihre allfalligen Kinder gewesen seien, ist aus den Berichten nicht ersicbtlieh.
Das Concubinat mit Sclavinnen war, wenigstens den Vornehmen, gestattet.
Wurde einem Manne ein Madeben angetraut, welches noch nicht reif war, so gaben dessen Eltern für die Zeit bis zu ibrer Reife ihrem Schwiegersohne eine Sclavin, als Stell-vertreterin, deren Kinder aber nie den Rang ihres Vaters theilten, auch wenn nicht gesagt ist, dass sie Sclaven blieben.
') Fuentes I p. 32.
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Ueber die Heiratsgebrauche sincl wir speciell filr die Verapaz genauer unterrichtet Wollte ein junger Mann heiraten, so war es Sache seines Vaters, filr ihn eine Fran zu suchen. War die Wahl getroffen, so sandte der Vater Boten mit Geschenken in's Haus der Gewahiten. AVenn diese angenommen wurden, so gait dies für ein giinstiges Zeichen nnd nach einigen Tagen erfolgte eine zweite Gesandtschaft mit noch reichlichern Geschenken und Erneuernng der Werbung. Nach einer dritten Gesandtschaft wurde die Sache definitiv abgeschiossen und von dieser Zeit an betrachteten sich die beiden Familien als verwandt. Sie trafen Anstalten zur Hochzeit und bestimmten den Tag, an dera die Braut in's Haus ihres Mannes gebracht werden sollte. Und zwar wurde bei den Heiraten Vornehmer die Braut, seibst auf grosse Distanzen Inn, in das Haus ihres Mannes auf den Schultern von Verwandten getragen. In der Nahe des Dorfes des Briiutigams angekommen, wurde sie von den Abgesandten ihres Schwiegervaters in Empfang genommen, unter Opferung von Weihrauch und Rebhühnern zum Dank für die glückiiche Ankunft. Der Vermahlungstag seibst wurde rait Gelagen und Tanzen festlich begangen. Ein Vorgesetzter des chin am it filgte die Hande der Verlobten in einander, band die Zipfel ihrer Mantel zusammen und ermahnte sie, gute Eheleute zu sein und den Göttern für ihre Heirat zu danken. Des Nachts brachten zwei Frauen das junge Paar zu Bett und unterrichteten dasselbe über die Pflichten der Ehe.
Die Aussteuer wurde von den Untergebenen und Verwandten des Brautigams, also von seinem chin a ra it aufgebracht.
Bei gemeinen Lenten warben die Eltern, ein Oheim oder ein anderer Verwandter, bei Waisen der Yormund. Die Unterhandlung wurde aber hier schon bei der ersten Sendung entschieden und die Brautwerber nahraen die Brautgabe gieich mit sich auf den Weg. An dera ïage, an welchem die Braut in's Haus ihres Schwiegervaters zog, wurde sie unter-wegs von ihrer Schwiegermutter abgeholt und ein Angehöriger des chin ami t des Brautigams vollzog die Ehe.
Aus dem Gesagten geht hervor, dass der Werbung noch die Kaufldee zu Grande lag, auch wenn der zu entrichtende Preis bereits zu einem blossen Kaufsymbol herabgesunken war. Dieses erfüllte den doppelten Zweck eines Kaufschillings und eines Zeugnisses für die Wohlhabenheit des Werbenden. Fray Geeónimo Roman 2) sagt geradezu: âInsgemein kauften diese Leute die Frau und jene Geschenke, welche sie überbrachten, waren der Preis.quot;
Dem entsprechend ist deun auch die Grundbedeutung des Stammes lo'koj, welchen die spanischen Priester in ihren Grammatiken der Quiché-Sprachen als Aequivalent für âliebenquot; brauchten, diejenige von âkaufenquot;. Die einfache Wurzel lo'k 3) bedeutet im heutigen Cakchiquel âetwas, das gut aufgehoben ist, etwas Kostbaresquot; und lo'koj ware demnach âetwas begehren, was gut aufgehoben ist.quot; Um dies zu erreichen, muss natürlich ein Gegenwerth geboten werden, es muss der kostbare Gegenstand âgekauftquot; werden und
') Ximenez, p. 204 sqq. !) Ximenez, p. 207.
'â ') Der Begrift' dos âAufhebens eines anvertrauten Gutesquot;, der dem Eadikal l'ok innewohnt, hat denn auch dazu geführt, dass das Passivum 1 o' k o x heutzutage für das Anvertrauen von Geheimnissen an die Geistlichen, also für âbeichtenquot;, eigentlich âaufgehoben werdenquot;, gebraucht wird. Wenn Bbinïon eine Stelle aus den Cakchiquei-Annalen anführt (S. seine Abhandlung: The Conception of Love in some American Languages p. 12) wo lok'ox âgeliebt werdenquot; bedeuten soil, so kann ich ihm hierin nicht beipflichten, denn jone Stelle lautet vollstftndig: Tok xe apon chic'a e ka mama chiri chuvi tinamit Och'ai, xelok'ox c'a chiri ruma Alcahal vinak âals unsere Vorfahren dort auf dem festen Piatz Och'ai ankamen, wurden sie von den Akahal-Leuten gut aufgenommenquot; (oder âuntergebrachtquot;). Die Ãborsetzung âwurden sie von den Akahal-Leuten geliebtquot; giebt koinen zulanglichen Sinn.
1 o' k oj ist, dahev in allen Sprachen der Quichè-, Pokom- unci Mam-Gruppe der allgemeine Ausdruck für âkaufenquot;. Ebenso liegt dem Radikal aj, welches im Cakchiquel von Sacate-pequez für âliebenquot;, gern haben, âbegehrenquot; gebraucht wird, der Begriff von âWorth, Preisquot; zu Grunde.
Die Kaufidee, welche der Brautwerbung innewohnt, flndet ferner ihren Ausdruck in der Bestimmung, dass das einmal eingegangene Eheversprechen seitens des Vaters eines jungen Mannes oder Madchens als durchaus verbindlich galt und nicht rückgangig gemacht werden konnte. Ein Bruch desselben wurde als Betrug betrachtet und, ausserdem dass alle empfangenen Geschenke zurück gegeben werden mussten, noch strenge bestraft.
Den geschilderten ahnliche Werbegebrauche flnden sich noch heute in den Dörfern des Quiché-Gebietes und in der Verapaz. Da ich dieselben anderwarts beschrieben habe, ist es nicht nöthig, hier naher darauf einzugehen
Wenn sich eine freie Frau mit einem Sclaven verheiratete, so wurden die Kinder Sclaven.
Wenn eine Frau das Hans ihres Gatten böswillig verliess, um zu ihren Eltern zurück-zukehren, oder wenn sie mit .einem Verführer davonging, wurde sie erst gütlich zur Rückkehr gemahnt, und manche Manner warteten dergestalt gelegentlich ein Jahr lang auf ihre Frauen. Kehrte sie aber dann nicht wieder, so batte der Mann das Recht, sich mit einer andern zu verheiraten, wodurch vermutlich die erste Ehe aufgehoben wurde.
Mit der Auffassung des ehelichen Verhaltnisses als eines Kaufvertrages stand auch die strafrechtliche Verfolgung des Ehebruchs in Einklang. Zum Nachweise des Ehebruchs musste der betroffene Ehemann die Delinquenten in flagranti ertappen und falls ihm liiebei unbe-theiligte Zeugen mangelten, genügte zur Ueberführung vor Gericht ein dem Ehebrecher weggenommenes Pfand, eine Sitte, welche sich noch zu Fuentes' Zeiten forterhalten hattes). Ehebruch der Frau wurde zunachst durch mündliche Ermahnungen, im Wiederholungsfalle durch Verstossung bestraft. Vornehme, deren Frauen sich des Ehebruchs schuldig gemacht, konnten sich sofort wieder verheiraten. Das gemeine Volk welches, wohl der mit der Wieder-verheiratung verblinden en Auslagen wegen, langer Geduld hatte, liess uur ganz unver-besserliche Ehebrecherinnen bestrafen, indem sie durch die Aeltesten des chin am it zu Sclaven erkliirt wurden. Dasselbe Loos widerfuhr den Frauen, welche die Ausübung der ehelichen Pflichten verweigerten 8). Frauen und Concubinen der obersten Hauptlinge traf, wenn sie des Ehebruchs überwiesen waren, die Todesstrafe1).
Ueber die chinamit-Verfassung der Pipiles erfahren wir nichts Genaues; diese hatten sich aber die Verwandtschaftsgrade, innerhalb welcher die Heirat verboten war, in Gestalt von zwei gemalten Baumen figürlich dargestellt. Der eine dieser Bamne, welcher die direkte Yerwandtschaft in auf- und absteigender Linie darstellte, besass sieben Aeste als Symbole von Verwandtschaftsgraden, innerhalb welcher .Iemand nnr dann heiraten durfte, wenn er sich durch grosse quot;Waffenthaten ausgezeichnet hatte, und zwar auch in diesem Falie nicht innerhalb des dritten Grades der Yerwandtschaft. Der zweite Baum steilte in querer Richtung durch vier Aeste die vier Verwandtschaftsgrade dar, innerhalb deren die Heirat verboten war. Die Einzelnheiten dieser Anordnung sind aus dem, keineswegs klaren. Bericht des Palacio2) nicht zu ersehen. Nur das ist bemerkt, dass geschlechtlicher Umgang zwischen Verwandten innerhalb dieser Grade für beide die Todesstrafe zur Folge hatte.
1
') Argl. Stoll, Gruatomala p. 350 und 378. -') FuentesI,p. 31. ') Roman, 111. fol. 176. 4) PuentesI, p. 30.
2
I. A. f. E. I. Suppl. I. 2
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Die Heiratsgebrauche der Pipiles kennen wir durch Palacio1). Die Verwandten der Brant holten den Brautigam, nnd dessen Verwandte die Brant ab nnd badeten sie im Flnsse. Dann hüllte man jeden der Beiden in ein neues, weisses Tnch nnd brachte sie nach dem Hause der Braut, wo sie nackt mit ihren Tüchern zusammengebnnden wurden. Die Verwandten des Brautigams beschenkten die Braut mit Zeng, Banmwolle, Geflügel nnd Cacao; ebenso wurde der Brautigam von den Verwandten der Braut beschenkt. Darauf wurde ein Festmahl abgehalten, an welchem der oberste Hauptling und der Oberpriester theilnehmen mussten.
Es ist also audi hier der Einfluss des chin am it auf die Eheschliessung unverkennbar. In der Sitte, die Verlobten in's Hans der Braut zu bringen, liegt ein matriarchalischer Zug, der auch noch in der standigen Redensart âmeina Mutter und mein Vaterquot; (nu-te, nu-tata), also in der Voranstellung der Mutter als des wichtigern Theiles, sich wieder-findet, und an eine Zeit zu erinnern scheint, wo die Einhaltung der Mannerlinie noch nicht üblich war. Dass diese Anklange an ein Matriarchat auch heutzutage nicht ganz fehlen, beweisen die Falle, wo die Mutter um einen Brautigam für ihre Tochter wirbt und wo das junge Paar in ihr Haus zieht.
III. DIE VERWANDTSCHAFTS-BEZEICHKUNGEN.
A. Einfache Form.
Ueber die Nomenclatur sind wir, Dank den alten Grammatikern, am ausführlichsten für die Cakchiqueles unterrichtet. Wir bemerken hier Folgendes:
Die altesten Vorfahren werden in den Cakchiquel-Annalen als ri ober tat a mama âVater und Grossvater der Vorzeitquot; oder als ober vinak âLeute der Vorzeitquot; bezeichnet. Zeitlich nahorliegende Vorfahren werden als ka tee, ka tata âunsere Mütter und Vaterquot; aufgeführt; die Nachkommen als c'ahol, meal, âSöhne und ïöchterquot;.
Die eigentliche Nomenclatur beginnt erst bei den Grosseltern und endet bei den Enkeln. Besondere, einfache AVortstamme finden sich für folgende Verwandtschaftsgrade:
|
Dei' Mann nennt: den Grossvater mama die Grossmutter a tit den Vater tata die Mutter te den Oheim i k a n den altern Bruder nimal den jüngern Bruder cha'k die Schwester ana den Sohn c'ahol die Tochter meal den Keffen ica'k den Schwiegersohn h i die Schwiegertochter ali Enkelkinder beider Geschlechter mam den Schwager baluc die Schwagerin (ixnam) |
Die Frau nennt: (m a m a) (a t i t) (tata) (t e) (tata oder yah tata) x i b al (ch'uti xibal) (n i m a 1) a 1 al (al oder c'ahol) (a 1 i) (ali) iy e c h a m a c h a 1 c a n |
') Palacio, Carta p. 79.
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Hiezu ist zu bemerken, class die (lurch Heirat erworbenen Verwandtschafts-Beziehungen eines Mannes, also die Bezeichnungen âSchwiegersohn, Schwiegertochter, Schwager und Schwagerinquot;, sich nicht bloss auf die engere Familie in unserem Sinne bezogen, sondern jeder dem chin am it der Frau zugehörige Mann wurde als baluc vom Gatten, als hi vom Vater des Gatten bezeichnet.
Aus den Obigen werden die ührigen Benennungen durch Synthese gewonnen. So nennt der Mann: die Frau:
den Schwiegervater hi-nam all-nam
die Schwiegermutter hi-te ali-te
den Vetter nahti-nimal ') nahti-xibal
die Base nahti-ana nahti-nimal
den Stiefvater yah-tata oder tata-bal (yah-tata oder tata-bal)
die Stiefmutter yah-te oder te-bal (yah-te oder te-bal)
den Stiefsohn yah-c'ahol yah-al
die Stieftochter yah-meal yah-ixok-al
Der Umstand, dass die Frauen für mehrere Verwandtschaftsgrade Benennungen haben, welche von denen der Manner abweichen, ist theils auf die Verschiedenheit der Stellung beider im chin am it infolge der Exogamie, theils auf diejenige infolge der socialen Stellung der Frau überhaupt, drittens endlich auf den Unterschied in der physiologischen Holle des Mannes und der Frau gegenüber der N ach kom men sch aft zurückzufilhren. So bezeichnen Mann und Frau die Schwester ihres Vaters als yah-te, (Stiefmutter), da dieselbe bei allfalliger Heirat in ein fremdes chinamit aufgenommen und dadurch ihren leiblichen Verwandten ferne gerückt wird. So bezeichnet die Frau ihre al tere Schwester als nimal, wie ein Mann seinen altern Bruder; ihren altera Bruder dagegen nennt sie xi-bal (vom Stamme xi âverehren, gehorchenquot; und dem Suffix bal, (das sich auch in tata-bal und te-bal wiederfindet), da sie ihm untergeordnet und daher Achtung schuldig ist, denn er wird beim Tode des Vaters das Haupt der Familie. Ihre Kinder nennt die Frau al, ein Stamm, der gleichzeitig âschwer, Gewichtquot; bezeichnet und es dahef nahe legt, dass das Tragen der ungebornen Frucht im Mutteiieibe Anlass zu diesem Terminus gegeben habe.
Ausser den oben gegebenen flnden sich im Cakchiquel noch einige andere Ausdrücke far gewisse Verwandtschafts-Beziehungen, wie ch'uti ana (kleine Schwester) für âjüngere Schwesterquot; des Mannes, ch'uti xibal für den jüngeren Bruder der Frau, nabey c'ahol für den erstgebornen, ch'ip für den jüngsten Sohn.
Es wird also vor Allem die direkte Verwandtschaft in auf- und absteigender Linie, und zwar unter Einhaltung der Mannerlinie, ferner die direkte Verschwagerung und das Stiefverhaltniss durch besondere Bezeichnungen ausgedrückt, die indirecte Verwandtschaft aber verliert sich schon vom Vetter an in den allgemeinen Ausdrücken der Zugehörigkeit zum gleichen chinamit, dessen Glieder sich alle als verwandt betrachten.
Es flnden sich ferner besondere Ausdrücke für âverwittwetquot; (malcan) und verwaist (meba), für Gattin (ixhayil) und Gatte (achijil).
B. Die Reverential for men der Nomenclatur.
Die obige Zusammensteliung zeigt die Verwandtschafts-Ausdrücke in ihrer einfachsten
') Das Priifix naht bedoutet âentforntquot;, also nahti-nimal âmein entfernter Bruderquot; etc.
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Form. Indessen sind dieselben sammtlich gewisser Erweiterungen durch Suffixe fahig, deren es lm Cakchiquel zwei gibt, namlich atz und xel. Einige Worte, wie aii Schwiegertochter, hi Schwiegersohn, tata Vater, c'ahol Sohn, können sowohl daseine, wie das andere Suffix annelnnen, z. B.:
einfache Form; ali Schwiegertochter Snfflxform: alib-atz und a lib-axel
â hi Schwiegersohn â hi-atz und hi-axel
â tata Vater â tata-tz und tata-ixel
â c'ahol Sohn â c'ahol-atz und c'ahol-axel.
Beide Formen sind als Reverential-Ausdrücke aufzufassen, welche gebraucht werden, wenn eine besondere Ehrfurcht, Höflichkeit oder Zartlichkeit ausgedrückt werden soil. Sie haben daher in der Kirchensprache ausgiebig Verwendung gefunden *). Am hauflgsten sind hu Cakchiquel die Formen auf xel, von denen folgende in Erganzung obiger Zusammen-stellung erwilhnt werden mogen:
alinam-uxel Schwiegervater der Frau ikan-ixel Oheim
a 1 i t e - e x e 1 Schwiegermutter der Frau i x h a i 1 - a x e 1 Gattin
anab-ixel Schwester des Mannes ixnam-uxel Schwagerin des Mannes
baluqu-ixel Schwager mam-axel Enkelkind
cha'k-ixel jüngerer Bruder meal-axel Tochter des Mannes
e c h a m - u x el Schwager der Frau nahti-cha'k-axel jüngerer Vetter des Mannes
hinam-uxel Schwiegervater des Mannes nahti-anab-ixel Base des Mannes
hi te-ex el Schwiegermutter des Mannes nahti-nima-xel alterer Vetter des Mannes
ica'k-ixel Neffe te-exel Mutter.
Vergleichen wir nun mit diesem Verhalten der Quiché-Idiome die Sprachen der grossen Culturvölker der Nachbarlander, so finden wir, dass der Maya von Yucatan für die obge-nannten reverentialen Verwandtschafts-Bezeichnungen Analoga fehlen. An Stelle der reve-rentialen Formen ahau-ixel und tata-atz des Quiché und Cakchiquel fan den die spani-schen Priester uur das Abstractum yunül (vom einfachen yum Vater) um in den Kirchengebeten âGott Vaterquot; auszudrücken.
In excessiver AVeise entwickelt treten uns dagegen die Re veren tialformen in der Sprache der Mexikaner entgegen, welche den Maya-Sprachen durchaus stammfremd ist. Nicht nur kann sich ini Nahuatl das Reverentialsuffix tzin mit Nomina, Pronomina, selbst mit blossen Partikeln verbinden, sondern auch die Vei^balfiexion ist in der höhern Rede der-art mit Reverential-Elementen durchdrungen, dass ohne genaue Kenntniss derselben die Analyse complicierterer Wortformen unmöglich ist2).
In den Maya-Sprachen Guatemalas fehlen nun die Reverentialformen in der Verbal-flexion ganzlich und sie halten mit Hinsicht auf diese gewissermassen die Mitte zwischen der Maya von Yucatan und dem Aztekischen von Mexico. Man dürfte nach dem Gesagten
') Vgl. Biïasseuü , Grammaire p. VII und VIII.
'â ) Beispielo: Einfache Form: no-ta raein Vater. Revorentialform: no-ta-tzin
â nehuatl ich â nehua-tzin
â amo nicht â amo-tzin
â ni-tla-qua ich esse (otwas) â no-c-on-tla-qua
â ni-te-tlagotla ich liotae â ni-no-tlagot-ilia
â ni-qu-itoa ich sage (etwas) â ni-qu-in-it-al-huia
ni-no-tlaloa ich renne ,, ni-no-tlalo-tzin-oa.
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berechtigt sein, in den Reverentialformen der G-uatemala-Sprachen einen neuen Hinweis auf die kulturelle Anlehnnng dieser Stamme an Mexico zu erblicken. Es ist sogar vielleicht nicht ganz ohne Bedentung, dass diejenige Form des Aztekischen, welche den Maya-Stammen Guatemala's am ehesten nnd am intensivsten znr Kenntniss gelangte, das Pipil, das Reve-rentialsuffix tzin nur noch verstümmelt als tz enthalt (z. B. mu-ta-tz âVaterquot;, mu-nan-tz âMutterquot; in Salama statt no-ta-tzin und no-nan-tzin), wodurch mögiicher-weise der Uebergang zum tata-atz des Cakchiquel gegeben ist.
IV. DIE REGIERUNG.
Das Vorhandensein von Reverentialformen lasst auf das Bedürfniss schliessen, sociale Rangunterschiede, ein Höher nnd Tiefer auf der Stufenleiter der Gesellschaft zu unter-scheiden, wie ein solches der fortgeschrittenern Cultur eines ansassigen Volkes entspricht. Bot schon die engere Familie Anlass zum Gebrauche von Reverentialformen der Rede, als Ausdruck der Verehrung der Kinder für ihre Eltern, der Zartlichkeit der Eltern für ihre Kinder, der Achtung der Schwestern für ihre Brüder als prasumptive Nachfolger in der vaterlichen Autoritat, so war doch erst die weitere Familie, das chin am it oder cal pul, der Entwicklung solcher Ausdrücke recht günstig. Sie ersetzten innerhalb des chin am it den Mangel an speciellen Bezeichnungen für entferntere Verwandtschaftsgrade und sie gestatteten alle Rücksichten der Höflichkeit gogen die Angehorigen eines andern chinamit, mit dem man durch Heirat in verwandtschaftliche Beziehungen getreten war. Indessen blieb ihr Gebrauch nicht bloss auf diese Falie beschrankt, sondern erstreckte sich auch auf die Mitglieder derjenigen Familien, welche von Alters her durch ihre Abstammung und ihre sociale Stellung auf eine besonders ehrfurchtsvolle Behandlung Anspruch hatten, da ihnen durch alten Branch die Leitung des gesaramten Volkes übertragen war.
Der allgemeine Ausdruck, mit welchem alle über dom gemeinen VolkeStellenden, also die âVornehmenquot;, bezeichnet wurden, ist ajau, ein Titel, welcher also nicht bloss ein er speciellen Stellung zukam, sondern zur nahern Bezeichnung dieser noch weiterer Ausdrücke bedurfte. Das Wort ajau wird von Brasseue und Brinton1) auf die Autoritat des Ximknez bin als âTrager des Halsbandesquot; erklart, eine Deutung, welche ich keineswegs für hin-langlich belegt ansehen kann. Vielmehr möchte ich diese darin suchen, dass das Radikal au in verschiedenen Synthesen der Quiche-, Pokom- und Mam-Sprachen vorkommt, stets mit der Bedeutung âFeld, saen, das Feld bestellenquot;2), aj-au ist also zunachst âderjenige, der das urbare Land unter sich hatquot;, demnach vermutlich derjenige, der dessen Vertheilung an die Mitglieder des chinamit besorgt. In dieser Fassung entspricht der ajau genau dem calpullec oder chin an call ec des mexikanischen cal pul li und ist gewisser-massen die wörtliche Ãbersetzung von calpullec. Spater, auf einer entwickeltern Stufe, ist daim wohl der Begrift' âHerr des Landesquot; als grundlegende Bezeichnung für die obersten Hauptlinge dazu gekommen.
Die niederste Stufe der ajau bildeten die Aeltesten der einzelnen (weitern) Familien, indem an der Spitze jedes chinamit ein Oberhaupt stand, welches als Sprecher die Interessen des chinamit bei der Obrigkeit vertrat und andererseits für die Ausführung ihrer Befehle, sowie für die Aufrechterhaltung der Ordnung im chinamit und vor Allem
!) Stoll, Ixil-Gr. p. 155.
') Bbinton, Cakchiquel Annals p. 36.
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f'iir die zweckmassige Vertheilung des vom chin ami t gemeinsara geeigneten Landes an die einzelnen Mitglieder Sorge trug. Dieses Oberhaupt des chin am it trug im Cakchiquel den specielleren Titel ajtz'alam1), was die heutigen Indianer mit âprincipalquot; oder âcalpulquot; übersetzen. Die Aeltesten der chinamit bildeten demnach nicht eine legislative, sondern die niederste Executivbehörde. Ihr Amt war nicht erblich, sondern wurde nur alten Man-nern von anerkannter Intelligent und erprobter Tüchtigkeit nach freier Wahl von den Angehörigen des china m i t übertragen, obwohl man, wie bei den höhern Aemtern behn Tode eines ajtz'alam, seinen direkten oder nahern Verwandten bei gleicher Tüchtigkeit vor Fernstehenden den Vorzug gab.
In einigen Maya-Sprachen ist dann der Name a j a u, welche zunachst nur den Aeltesten des chinamit, gleichsam den Tater der wei tern Familie bezeichnete, auch auf den Vater der engern Familie übergegangen, und wird ferner als Achtungstitel gegen altere Bürger des Dorf'es angewandt, wie im Pokonchi (aj-au und j-au). Die Kirchensprache des Quiche braucht a jan auch für den himmlischen Vater.
Trotzdem die Wahl zum Aeltesten des chinamit eine Volkswahl war und wesentlich durch die Tüchtigkeit zum Amte bestimmt wurde, so war doch auch die Abstammung von einer als alt bekannten, schon seit unvordenklicher Zeit im Lande ansassigen Familie ein nothwendiges Requisit2). Nicht weniger war dies der Fall für die höhern und höchsten Staatswürden. Den höchsten Rang nahmen die Abkömmlinge gewisser Familien ein, welche ihren Stammbaum bis in die mythische Vorzeit hinauf auf einen der âersten Menschenquot; (nabey vinak) zurückführen konnten. So berichtet der Indianer D. Francisco Garcia Calei, Tzumpan Xanila3), der im J. 1544, also kurz nach der Eroberung schrieb, wo die alten Ueberlieferungen noch genau bekannt waren, dass die wandernden Stamme von drei-zehn âvornehmen Familienquot; (principales familias) angeführt gewesen seien. Von diesen besassen fünf besonders hohen Rang, so dass von einer derselben (Copichoch) die obersten fürstlichen Personen der Quiches abstammten, die zum Unterschied von den gewöhnlichen ajau als âcaciquesquot; bezeichnet wurden. Da jedoch cacique kein Quiché-Wort, sondern von den Antillen herübergenommen ist, so dürfte das entsprechende Quiché-Wort wohl ajau-ajpop gewesen sein, und die ajpop der Quiché-Völker entsprachen ihrer Stellung nach den mexikanischen tlatoques; sie sind es, die in den spanischen Berichten als âreyesquot; und âsoberanosquot; erscheinen.
Dieser höchste Rang blieb offenbar auf die relativ wenigen engern Familien beschrankt, welche sich in directer Mannerlinie von den Urvatern herleiten konnten. Je weiter sich die collaterale Verwandtschaft von der directen Linie entfernte, desto tiefer sank auch der Rang des Einzelnen.
Wahrend die Haupter der chinamit, also die ajau ajtz'alam den niedersten Rang als Staatsbeamte einnahmen, so besassen die ajau ajpop den höchsten. Wahrend aber die Haupter der chinamit direct durch das Volk gewahlt wurden, geschah die Wahl zum wirklich regierenden Fürsten durch die ajau, das heisst, die Angehörigen der vor-
') tz'alam ist alles, was die Povra oinos Brettes bcsitzt, oder ausBrettern gomacht ist,und ajtz'alam wird daher heutzutage für âTischlerquot; gebraucht. Die Beziehung des Wortes tz'alam zum Amte der Altesteu des chinamit ist daher dunkel, welin nicht otwa der Schlüssol dazn darin liegt, dass wio Ximenez (p. 167) berichtot, die öffentlichen G-ebaude als tz'alam-coxtum bezeichnet wurden, so dass also ajtz'alam der âAufsoher der öffentlichen Gebiiudequot; ware. Damit würde der Umstand übereinstimmen, dass im heutigen Pokoncln' das identische tz'ilom noch Gefangniss bedeutet.
!) juarhos, II p. 10. zurita p. 50. :i) juakbos, II p. 10.
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nehmen, aber dem Range nach unter der königlichen Familie stehenden Geschlechter.
Um für die höchste Staatsstelle Personen von reifer Erfahrung zu erhalten, existierte ein eigenthümliches Promotionssystem, wonach der Thronberechtigte, um an die Spitze des Staates zu gelangen, bereits untergeordnete Grade im Staatshaushalt bekleidet haben musste. Beispielsweise wird von den Quiches berichtet, dass ibre oberste Bebörde aus drei Mannern bestand, von denen nur einer den höchsten Rang bekleidete. Sein Raugabzeichen war ein dreifacber Thronhimmei aus kostbaren Federn. Ihm folgte im Rang ein anderer Hauptling, dessen Sitz einen doppelten Baldachin besass, der dritte Beamte hatte nur Anspruch auf einen einfachen Thronhimmei. Sie theilten sicli in die obersten Staatsgeschafte. Beim Tode des obersten Beamten rückte der zweite an dessen Stelle, und der dritte über-nahm die Geschafte des zweiten. An die vakant gewordene Stelle des dritten wurde aus den Brüdern oder Söhnen des Verstorbenen ein neuer Beamter gewahlt. Es waren also die obersten Hauptlingswürden innerhalb gewisser subgentes erblich, und zwar nicht bloss vom Vater auf den Sohn, unter Einhaltung des oberwahnten Turnus, sondern auch vom altern Bruder auf den jüngern. So erzahlt Zürita1), dass er in Tecpam Guatemala, der alten Hauptstadt der Cakchiqueles, einen Hauptling gekannt habe, der seinem Bruder im Amte gefolgt sei, und zwar mit absichtlicher Uebergehung des Solmes desselben, da dieser blind war.
Der Zweck dieser Bestimmungen war, zu verhüten, dass ein Kind oder ein unfahiger Mann an die Spitze der Regierung gestellt wurde, indem durch die Einführung des Beför-derungsturnus ein Thronkandidat erst in reiferu Lebensjahren zur Regierung gelangte und indem durch die Freiheit der Uebertragung des höchsten Amtes auf Brüder oder Söhne des verstorbenen Oberhauptlings Opportunitats-Rücksichten zu Gunsten des Staates viel aus-giebiger walten konnten, als bei einer strengen Majorats-Succession.
Dass das Princip successive!* Beförderung von einfachern zu verantwortlichern Aemtern nicht bloss auf die höchsten Stellen beschrankt war, beweist der Umstand, dass dasselbe heute noch bei der Besetzung der indianischen Gemeindeamter üblich ist, wie deun auch Fuentes1) aus seiner Zeit erzahlt: âSo wird es auch heute noch unweigerlich für die Aemter âder Alcalden gehalten, zu welchen sie erst gelangen, wenn sie die nntergeordneten Stellen âvon alguaciles, Schreibern, und alguaciles mayores passiert haben.quot;
Trotzdem die Würde des obersten Hauptlings und seiner Rathe durch kostbare Kleidung, prachtige Wohnung, Thronsessel, durch die Befreiung von aller niedern Arbeit, sowie durch besondere Reverentialformen in der Anrede (ajau-al, ajau-ixel, lal) gekennzeichnet, und trotzdem sie durch uralte Sitte an besondere Familien geknüpft war, die als weit über dem gemeinen Volke stellend betrachtet wurden, war die Rolle der obersten Haupt-linge doch keineswegs diejenige von völlig willensfreien Despoten, sondern viehnehr von verantwortlichen Staatsbeamten.
Ihr Thun und Lassen war daher der Kritik der übrigen Vornehmen (ajau) unterstellt und da die niedersten derselben, die Aeltesten der chin ami t, bloss Delegierte des Volkes waren, so übte auch dieses durch die Aeltesten gewissermassen die Controle über seine obersten Beamten aus.
Wie wenig die ganze Organisation eine in unserm Sinne monarchische oder gar despotische war, geht aus den strafrechtlichen Bestimmungen deutlich hervor. Falls die Ober-
') Zubita, p. 18.
1
) Fuentes, I p. 25.
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hauptlinge ein tyrannisches und grausames Regiment führten, so beriethen die Angehörigen der vornehmen Familien, also die ajau, mit den Aeltesten der chinamit, also mit den Delegierten des Volkes, die zur Abhülfe zu treffenden Massregeln. Diese konnten in Absetzung des Oberhauptlings und sogar in der Todesstrafe bestellen. Seine Familie ging dabei der mit der Oberhauptlingswürde verbundenen Güternutzniessimg verlustig und die Frauen und Kinder des Abgesetzten wurden zu Sclaven erklart. Sein Nachfolger wurde durch gesetzmassige Wahl ein naher Verwandter, an den die Nutzniessung der königlichen Gater überging1). Indessen berichtet Ximenez8), dass kein Fall der Ausführung dieses Gesetzes bekannt sei, so dass dieses wohl uur als Zaum für die Könige (de freno a losreyes) gedient habe.
Der oberste Hauptling, der von den Spaniern als âreyquot; bezeichnet wird, und seine Beisitzer bildeten demgemass den obersten Rath der Tribus. Die Zahl der Beisitzer wird nach den Stammen verschieden angegeben. Für die Quichés werden zwei derselben genannt, wahrend dem Oberhauptling der Tz'utujiles ein Rath von vier Mannern zur Seite stand, welche als Executivbehörde, als Schatzmeister und Steuereinnehmer fungierton 3).
Dieser oberste Rath der Tribus bildete die eigentliche Landesregierung, er beschloss Krieg oder Frieden mit den Nachbarstammen, ging mit diesen Confoderationen ein, wahlto die Beamten der unterjochten Provinzen, entsandte Abgeordnete an die Regierung fremder Stamme, übte durch besondere Delegierte die oberste Gerichtsbarkeit und führte den Krieg.
Die Kosten der Verwaltung bestritt die Regierung aus den Tributen und Frohnen, welche die einzelnen Ortschaften zu leisten verpflichtet waren. Die Tribute bestanden vor Allem in don Bedürfnissen für den taglichen Unterhalt, wie Mals, Cacao, Bohnen, Geflügel und Honig, ferner in Material zur Verfertigung von Luxusgegenstanden, also in Gold und Edelsteinen, in kostbaren Federn, ferner in Sclaven beiderlei Geschlechtes 4). Endlich besassen die Hauptlinge besondere Jagdbefugnisse und die chinamit des Stammes waren verpflichtet, den Oberhauptlingen Wohnungen zu bauen. Die Art und Weise, wie die Indianer von Atitlan (1. c.) diese Tribute erwahnen, lasst darauf schliessen, dass dieselben von der Regierung den einzelnen Ortschaften in toto auferlegt wurden, und dass die Vertheilung auf die einzelnen Sonderfamilien Sache der Aeltesten des chinamit war, wie in Mexico. Dadurch blieb Recht und Billigkeit und eine den localen Verhaltnissen angepasste Vertheilung der Einzelbeitrage zu dem einer Ortschaft auferlegten Gesammttribut oh no Zweifel besser gewahrt, als bei directer Einmischung der Regierungsbeamten in die Verhaltnisse des Einzelnen. Die Gemeinden unterhielten zum Zweck der Steueraufbringung an Feld-fVüchten besondere Grundstücke, die sie wohl abtheilungsweise von den Bewohnern, resp. deren Sclaven, bearbeiten hessen und deren Rest wir in der heutigen Einrichtung der âMilpa comunalquot; erblicken dürfen. Die âMilpa comunalquot; (Gemeinde-Maisfeld) der indianischen Dörfer des heutigen Guatemala, zu deren Bearbeitung sammtliche Dorfbowohner abtheilungsweise verpflichtet sind, dient dazu, die Gemeindekasse zu unterhalten. Die einzelnen Abtheilungen der Bewohner arbeiten je eine Woche in diesen öftentlichen Grundstücken und werden von Sonntag zu Sonntag abgelöst1). Diese moderne Einrichtung mag uns eine Vorstel] mg von den vorspanischen Verhalfnissen geben, denen sie ohne Zweifel entsprungen ist.
Im obersten Rath der Tribus und in den Aeltesten der chinamit sind die höchsten
1
) Stoel, Guatemala p. 354.
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unci die niedrigsten Staatsbeamten gegeben. Zwischen beide Amtsstellen, die nicht direct miteinander verkehrten, schoben sich aber noch zahlreiche andere Beamte ein, die ebenfiills auf die allgemeine Bezeichnung ajau Anspruch hatten, also Abkömmlinge der alten Familien waren, nnd daher den tectecuhtzin und pipiltin Mexico's zn vergleichen sind. Sie standen auf verschiedenen Stufen des Ranges, je nach dem Umfange ihrer Machtbefugniss, was unter anderm daraus hervorgeht, dass die Indianer von Atitlan in ihrem Schreiben an Philipp II, sie mit Herzogen, Markgrafen, Grafen, Rittern, Adeligen vergleichen. Ver-schiedene Stellen der Berichte sprechen dafür, dass Angehörige dieser Adelsklasse nach Gutdünken und zwar von den obersten Machthabern und nicht vom Volke mit Verwal-tungsstellen belehnt wurden. So sagt der âTitulo de los Sehores de Totonicapamquot; ^: âDie alten Hauptlinge wahlten und investierten andere Vornehme, damit diese in den verschiedenen Gegenden, welche sie zu besetzen gingen, bereits eine feste Stellung hatten und die Stelle von Unterhauptlingen versehen könnten. Sie wahlten sie, wahrend alle in einein Hause in vollstandiger Versammlung beisammen waren. Sie wahlten also neun mit von dem Titel ajtz'alam, neun mit dem Titel rajpop-ajtz'alam und neun mit dem utzam-chinamitalquot; s).
Ausser den ebengenannten sind zahlreiche andere Benennungen und Titel der verschiedenen, zwischen den obersten und niedersten Hauptlingen stellenden Functionüre über-liefert, und seit Brasseur fehlt es nicht an Versuchen, dieselben etymologisch zu erklaren. Indessen sind diese Versuche nachweisbar in ihrer Mehrzahl so unbefriedigend, dass es nicht gelingt, die Function und Stellung jedes einzelnen Beamten sicher nachzuweisen. Es ist daher gerathener, sich einer genauen Schematisierung dieser Beamtenhierarchie zu enthalten und sich nur allgemein dahin auszusprechen, dass aus der Klasse der ajau alle diejenigen Beamten gewahlt wurden, welche die verschiedenen Zweige der Provincial-verwaltung in Krieg und Frieden auf geistlichem und weltlichem Gebiet notwendig machten. Dahin gehörten zunachst die Personen der nachsten Umgebung des jeweiligen obersten Bathes, welche nach der AufFassung der Spanier dessen âHofstaatquot; bildeten, die wir aber wol richtiger als âerweiterten Staatsrathquot; bezeichnen können. Dahin gehörten ferner die Beamten für das Eintreiben der Tribute, diejenigen welche an Stelle und als Vertreter der Oberhauptlinge in den Provinzen Recht sprachen, dio Provinzialverwalter, die untern Truppenführer und, wie wir spater sehen werden, die Priester. Da aber anzunehmen ist, dass nicht die ganze Descendenz der Angehörigen der vornehmen Familien im activen Dienst Verwendung land, so gab es ohne Zweifel audi in Guatemala, wie in Mexico, Leute ohne Amt, welche bloss ânobles de razaquot;, entsprechend den mexikanischen pipiltin, waren. Aus ihnen wurden wol durch die Oberhauptlinge auch die Beamten für die neu unter-jochten Provinzen gewahlt, deren Amt ebenfalls auf ihre Brüder oder Söhne übergieng, vorausgesetzt, dass diese hiezu tauglich waren. Hinterliessen solche Gouverneure weder Söhne noch Brüder, so wahlte man den geeignetsten ihrer Verwandten, stets aus der Klasse der ajau. Zu ihrem Unterhalt diente der Ertrag eines besondel'en Grundstückes1).
Die Gesammtheit der höhern Beamten des Landes bildete gewissermassen einen Natio-nalrath, ohne dessen Gutheissung keine wichtige Massregel getroffen werden durfte. Als
1
) Zueita, p. 407.
I. A. f, E. I. Suppl. I. 3
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z. B. Alvarado im J. 1521 die ersten Schlachten auf dem Hochland von Quezaltenango gegen das Heer der Quichés siegreich geschlagen hatte, versammelten die Oberhauptlinge des Quiclié-Reiches, Oxib-Queh und Beleheb-Tzy, diesen National rath, bestehend aus den Angehörigen der königlichen Familie und den ersten Beamten des Staates, um über die weitern Massnahmen zu berathen1) Wenn der Beschluss gefasst war, mochte er nun den Krieg oder etwas Anderes betreffen, so theilten die ajau denselben den Aeltesten der chin ami t mit. Diesen lag es ob, den Angehörigen ihres chin ami t davon Mittheilung zu machen und diese führten dann die Beschlüsse des Nationalrathes aus.
Eine Hauptaufgabe der Staatsbeamten war die Rechtspflege, deren Gerechtigkeit und Zweckmassigkeit, aber auch Hilrte von den Schriftstellern ausdrücklich hervorgehoben wird.
Wichtige Falie entschied der Oberhauptling unter Zuziehung seines Rathes, eventuell durch Entsendung von Abgeordneten, die Mitglieder der königlichen Familie waren, in entferntere Landestheiles). In den einzelnen Ortschaften übten die Haupter der chinarait die niedere Gerichtsbarkeit.
Die gesetzlichen Strafen bestanden in der Todesstrafe, in der Confiscation des Sender-eigentums, in Bussen, und in Degradierung in den Stand der Sklaven. Gefangnissstrafen waren nicht üblich.
Mit der Todesstrafe wurden belegt: Aufreizung zum Aufruhr wider die Obrigkeit, Verrath gegen die Regierung und das Land, Flüchtigwerden der Vasallen, Mord, Ehebruch mit einer verheirateten Frau aus einem der vornehmsten Geschlechter, widernatürliche Unzucht, vollendete Nothzucht, Jagd- und Fischfang auf fremdem Gebiet, Brandstiftung, Tempelraub grösseren Umfanges, schadliche Zauberei, schwerer Diebstahl und Jagdfrevel.
Die Todesstrafe bestand:
lm Herabstürzen von hohen Orten (despenar): für Tempelraub und Ehebruch Gemeiner mit vornehmen Frauen,
In der gewöhnlichen Hinrichtung durch Oeffnen der Brust und Ausschneiden des Herzens; für Ehebruch Vornehmer mit vornehmen Frauen, Landesverrath, Flucht der Vasallen, Uebergang zum Feinde.
In Verbrennung: für Zauberei.
Im Erhangen: für rückfallige, unverbesserliche Diebe.
In Opferung: für Kriegsgefangene und ertappte Wildfrevler.
Die Angehörigen eines Brandstifters, der als schwerer, gemeinem Wohle gefilhrlicher Verbrecher hingerichtet wurde, wurden verbannt.
Die Bussen wurden zunilchst zum Zweck des Schadenersatzes an den Geschadigten, dann aber auch darüber hinaus, als Strafe, verhangt für Diebstahl, für Hurerei mit fremden Sklavinnen, für widernatürliche Unzucht. Schadenersatz musste ferner geleistet werden bei fahrlilssigem Verlust anvertrauten Gutes3).
Auch aus der Art der Handhabung der Strafbestimmungen geht neuerdings deutlich hervor, dass als die grundlegende Einheit des Staates nicht die Sonderfamilie, sondern das chinamit, die subgens, zu betrachten ist. Wenn sich z. B. Jemand durch Flucht seinen Obliegenheiten als Unterthan entzog, so musste sein chinamit eine besthmnte Strafe
') Milla, p. 73. quot;-) Requêïe, p. 417.
3) Ueber die strafrechtliohen Bestimmungen vgl. Foenïes, I p. 30 sqq., Roman, III fol. 159., Requetb, p. 417 sqq., Juakbos II p. 29 sqq., ïobqüemada, t. II lib. 12 cap. 8., p. 387 sqq.
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zahlen. Bei leichtern Fallen von Tempelraub verfiel der ïhater unci seine Kinder, also die engere Familie, der Sklaverei, im Wiederholungsfall wurde er getödtet nnd die Sklaverei erstreckte sich auf die Agehörigen des ganzen chinamit. Ferner erziihlt Fuentes, dass ein Dieb, wenn er einer reichen Familie angehörte, durch sein chinamit losgekauft werden konnte, indem dieses Schadenersatz und Strafe zahlte. Im Wiederholungsfalle war allerdings auch der calpul nicht mehr im Stande, den Verbrecher von der Todesstrafe zu retten.
Zu den Berichten der altern Zeit, die hinsichth'ch dieser Haftpflicht und des Haft-rechtes des chinamit der wünschbaren Vollstandigkeit entbehren, liefert uns Thomas Gage1) werthvolle Erganzungen. Zu seiner Zeit, also circa 100 Jahre nach der Eroberung, wurde ein angeklagter Indianer erst dann von den indianischen Richtern verurtheilt, nach-dem dem chinamit des Beklagten und vor allem dem Aeltesten desselben von der Klage und ihrera Strafmass Mittheilung gomacht war. Erst wenn das chinamit sich mit der Strafe einverstanden erklarte, konnte diese vollzogen werden. Danach ist es sehr wahrschein-lich, dass auch beim Strafverfahren der vorspanischen Zeit die Zustimmung des chinamit zum Strafvollzug nothwendig war, und es ist anzunehmen, dass sich die Spuren dieser Anschaunngen auch heute noch in denjenigen Ortschaften finden, wo die Indianer noch eine eigene niedere Gerichtsbarkeit besitzen, wie in Quezaltenango, Totonicapam, Tecpam etc.
Die Güter Hingerichteter wurden confisciert und dienten zur Unterhaltung der obersten Gerichtspersonen 2).
Ein besonderer Richter leitete ferner, nach mexikanischem Muster, die Tauscbgeschafte auf dem Markte, indem er die Preise der Waaren festsetzte, über allfallige Streitfragen entschied und dafür sorgte, dass Niemand zu Schaden kam3).
Bei den Pipiles4) stand die Todesstrafe auf folgenden Verbrechen: Blasphemie, Ehebruch mit der Frau eines Andern, geschlechtlicher Umgang innerhalb der verbotenen Verwandt-schaftsgrade, schwerer Raub, Nothzucht.
Unzüchtige Reden und Geberden gegen verheirathete Frauon batten Verbannung und Confiscation der Güter zur Folge.
Zu Sklaven wurden erklart die Verführcr fremder Sklavinnen, falls sie sich nicht durch Kriegsthaten derart hervorgethan hatten, dass der Oberpriester sie freisprach. Lügner wurden gepeitscht, und, falls ihre Lügen Kriegsangelegenheiten betrafen, zu Sklaven gomacht.
v. DAS VOLK.
Fragen wir nun, nachdem ausführlich von den höhern Schichten der Gesellschaft, den ajau, die Rede war, nach denjenigen Elementen, welche das eigentliche Volkbildeten, so finden wir dessen nirgends besonders erwahnt, da nach der Auffassung der indianischen Geschichtschreiber offenbar nur den aj a u eine erwahnenswerthe Bedeutung im Staate zukam. Die ajau aber waren die Abkömmlinge von âbekanntenquot; Familien, deren Genealogie bis auf die Urzeit zurückzuführen war. Diesen âbekanntenquot; Familien standen offenbar eine grosse Anzahl âunbekannterquot; Familien gegenüber, deren Ursprung unbekannt oder niedrig war. Sie bildeten das eigentliche âVolkquot;, welchem in erster Linie die Bebauung des Landes, die Aufbringung der Steuern des chinamit, dann gewisse Frohndienste, wie das Erbauen
') Gage p. 313. 2) Requête p. 417. 3) Roman, t. III fol. 160. 4) Palacio, p. 80.
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der steinernen Tempel und Fürstenhauser, die Ausübung der verschiedenen Gewerbe, an denen theils die Manner, theils die Frauen theilnahmen; dann das Tragen von Lasten, namentlich ancli die Beförderung der Lebensmittel im Kriege, sowie endlich der active Waffendienst zukam. Eine allgeineine Bezeichnung für âVolkquot; oder âGemeinerquot; im Gegen-satz zu den ajan, etwa wie das mexikanische macehnalli ist nicht bekannt. Das ganzliche Stillschweigen, welches die indianischen Geschichtschreiber über alles das âVolkquot; betreffende Detail beobachten, lasst darauf schliessen, dass die Kluft, welche das Volk von den ajan trennte, nicht weniger gross war, als in Mexico, wo die macehualli stets von der Kegierung ausgeschlossen blieben ').
Von der Existenz eines besondern Handelsstan des, wie in Mexico, lesen wir nichts. Die Hauptlinge der Verapaz trugen zwar Sorge dafür, dass grosse und reiche Markte abge-halten wurden, wo die Producte der verschiedenen Landesgegenden von ihren Produzenten zusammengebracht und gegen andere umgetauscht wurden: Mais für Frijol und Frijol für Cacao, Baumwolltuch für Gold und kleine Kupfer- oder Goldilxte, für Schmuckfedern und Edelsteine, Fleisch für andere Nahrungsmittel2).
Volkserndhruntj. â Der Landbau unifasste je nach der Landesgegend eine Anzahl ver-schiedener Nutzpflanzen. Die wichtigsten davon waren der Mais, von welchem eine Reihe von Varietaten cultiviert wurde, die alle besondere einheimische Namen trugen, ferner die schwarze Bohne (Phaseolus vulgaris varr.), von der ebenfalls mehrere Spielarten bekannt waren , wie die Untersuchung der Sprachen zeigt. Diese beiden Pflanzen bildeten die Grundlage der ganzen Volksernahrung, und namentlich die auf die Maiskultur und auf die Maisgerichte bezüglichen Ausdrücke würden, zusammengestellt, ein recht stattliches Verzeichniss ergeben.
Es bietet zur Beleuchtung der Frage, wie viel Guatemala der aztekischen und wie viel der Maya-Kultur zu verdanken habe, ein gewisses Interesse, einige dieser Ausdrücke ;n den in Frage kommenden Sprachen zu untersuchen, weshalb nachstehendes Verzeichniss derselben hier Platz finden moge.
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Mame-Gruppe. com avual ixim jal balaj ma'tzil ixim le, vua xu buj uc'a, tzatzla chix o'ch, matzinjal ca |
Pokom-G-buppe. ivuan ivuan ixim jal tulub bajlak buch vuic chac'o'c k'or matz, picab rap, boch ojcli, rex jal ca Quiché- (tBUPPE. avuan, abix avuan ixim jal joc pi'k tzo vuay otz'o'tz pusul k'or bo'k o'ch ca |
Tzental-Geuppe.
kal
ixim nal jojoch bakal
patas vuaj
saksit maatz
ul
(tamalé)
ajan
cha
;) Roman , t. 1II. fol. 160.
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Wenn es überhaupt gestattet ist, aus einer derartigen Zusammenstellung Schlüsse zn Ziehen, so ergibt sich aus Obigem etwa folgendes:
Sammtliche Maya-Stiunnio sind in ihrer Bezeichnung des Mais und der daraus ange-fertigten Gerichte von Mexico durchaus unabhimgig. Mit Ausnahme des Cakchiquel-Wortes pusul, welches offenbar modernen, mexikanischen Ursprungs (posolli) ist, flndet sich kein einziges Lehnwort aus dem Aztekischen.
Die grundlegenden, sammtlichen Maya-Sprachen, mit Ausschluss des Huastekischen, eigentümiichen Begriffe sind derjenige der Maiskörner, ixim (mit dem Huastekischen isis) und des Fruchtkolbens, nal (durch Lautverschiebung jal in den Guatemala-Sprachen). Ihnen folgt die leere, von den Körnern befreite Axe des Maiskolbens.
Es ist also vor Allem der frucht tragen de Kol ben, dessen Terminologie sich in bestimmten, fast überall identischen Ausdrücken vorfindet, was mit seiner Wichtigkeit als allgemeinstes Nahrungsmittel übereinstimmt.
Für die einzelnen, aus dem Mais hergestellten Gerichte begegnen wir fast überall besondern Ausdrücken, die aber in den v.erschiedenen Sprachengruppen verschieden sind. Am übereinstinnnendsten treten uns hier die Ausdrücke für das wichtigste der Maisgerichte entgegen, für den Maiskuchen (tortilla), für die wir nur im Ixil (Mame-Gruppe) einem von den übrigen abweichenden Stamme (le) begegnen.
Nehmen wir hinzu, dass auch der Ausdruck für Maismahlstein, ca (mit den Laut-verschiebungen tza und cha) in sammtlichen Maya-Sprachen identisch ist und sich ebenfalls durchaus vom entsprechenden mexikanischen unterscheidet, so dürfen wir sicher die Ausdrücke für Maiskolben, Maiskörner, Maiskuchen und Maismahlstein als die altesten ansehen, herrührend aus einer Zeit, wo die Maya-Stamme sich noch nicht in ihre einzelnen Gruppen aufgelöst hatten. Diesen altesten Begriffen reihten sich dann im Laufe der Zeit successive die Bezeichnungen der übrigen in diesen Landern üblichen Maisgerichte an, Bezeichnungen, welche meistens von Gruppe zu Gruppe wechseln, was wohl darauf schliessen lilsst, dass diese Bezeichnungen jüngern Ursprungs sind, und dass sie ihren Namen kleinen localen Verschiedenheiten in der Art und Bereitungsweise der einzelnen Gerichte verdanken. Wahrond zum Beispiel die Maya und die Tzental-Sprachen für die aus Maisgrütze hergestellten Gerichte nur das mexikanische Lehnwort tam al besitzen, welches ohne Zweifel erst durch die Conquista bei ihnen Eingang fand, haben wir in Mexico sowohl, als in einzelnen Gegenden Guatemala's, vor Allem im Pokonchi, eine ganze Reihe verschiedener Arten solcher Gerichte zu verzeichnen, deren Namen übri-gens in obiger Liste nicht aufgeführt sind.
Wir müssen ferner aus der radikalen Verschiedenheit, welche wir zwischen der mexikanischen und der Maya-Terminologie mit Hinsicht auf die Maiskultur finden, schliessen, dass diese Völker dieselbe entweder unabMngig von einander aus verschiedenen Quellen bezogen; oder, wenn die Quelle dafür eine gemeinsame war, so musste sie zeitlich sehr weit zurückliegen und in eine Epoche hinaufreichen, wo die beiden Culturvölker auch raumlich noch lange Zeit getrennt waren, denn nicht einmal die Huasteca, der am frühesten von den übrigen Mayas abgetrennte und in Berührung mit den Nahuas stehende Zweig, lehnt sich an das Aztekische an.
Am eingehendsten ist die aztekische Maisnomenclatur ausgebildet, aber wenn sie auch eine Anzahl von Ausdrücken enthalt, welche den Maya-Sprachen fehlen, so geben diese ihr wenig nach, und die Kultur und wichtigste Behandlungsweise dürfte wohl in
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Mexico, Yucatan unci Guatemala so ziemlich dieselbe gewesen sein. Nachdera ein Stück Land durch Fallen allfiüliger Baume mittelst der Axt (icaj), Niederbrennen des Gestrüpps und Ausjaten des Unkrauts urbar gemacht war, wurde dasselbe wohl in derselben Weise, wie audi heute noch, besiiet, indem der Saemann, der die Saatkörner in einer Umhang-tascbe bei sich trug, auf dem Felde auf und ab schritt und mit einem langen und dicken Stock, obne sich zu bücken, in regelmassigen Zwischenraumen Löcher in die Erde stiess, in welche er einige Maiskörner warf und dieselben mittelst seines Stockes wieder mit Erde deckte. Nachdem die jungen Maisstauden sich aus dem Boden erhoben batten, wurde die Erde um ihre Wurzeln aufgebauft, damit der Regen dieselben nicht blosslege, das Unkraut wiederholt ausgerodet und die Saat auf jede Weise, namentlich auch durch besondere Wachter vor den körnerfressenden Vögeln und verschiedenen Saugetbieren geschützt. Sobald die jungen Maiskolben festere, aber noch weiche, süssliche Körner angesetzt hatten (elotl), konnte der Mais als Nahrung nutzbar gemacht werden, indem diese jungen Kolben theils rob, theils gekocht, zu Speisen und Getranken verarbeitet, verzehrt wurden. Die Haupt-ernte begann aber erst nach dem Ausreifen der Kolben, die in besondern Vorratbsbausern aufbewahrt wurden.
War alsdann Bestellung des Feldes und das Einbringen der Ernte vorzugsweise, wenn auch nicht ausschliesslich, Sache der Manner, so begann mit der Einbringung der Ernte die wichtlgste, mühseligste und zeitraubendste Arbeit der indianischen Frau. Ihr kam es zu, taglich die für die Familie nothwendige Menge von Mais zur Bereitung der Tortillas zu-zubereiten. Zu diesem Zwecke wurden die vom Kolben mit der Hand oder durch Schlagen losgebrochenen Körner in Wasser gesotten, das mit Kalk oder Asche versetzt war. Dadurch wurde das Korn aufgeweicht und konnte nun gewaschen werden, wobei die Haut des Maiskorns sich ablöste und durch das Waschen entfernt wurde. Das Produkt dieser Pro-cedur war der nistamal der Mexikaner oder kuum der Mayas, tzo der Cakchiqueles. Der Nistamal wurde nun auf dem Mahlstein gemahlen.
War alsdann der Mais zu einem feinen Teig zerrieben, so lieferte er das Material für verschiedene Gerichte. In diesem Zustand bildete er das text li der Mexikaner, das keyem der Mayas, das buch der Pokonclh. Wurde er wahrend des Mablens mit Salz versetzt, so lieferte er den Teig für die gewöhnliche Tortilla, welche mit der Hand geformt und auf der flachen thönernen Tortillaschüssel (com al li der Mexikaner) geröstet ward. Wurde er olme Salz gemahlen, so bildete er das sakan (zacan) der Mayas, woraus durch Kochen mit Wasser ein dünnflüssiges Getrank, das atolli der Azteken, sa (za) der Mayas, k'or der Cakchiqueles gewonnen ward. Wurde der Mais nur grob unter Zusatz von Salz und Fett gemahlen, so lieferte er die Teigmasse, welche die Mayas kol nannten, und aus welcher durch Zusatz von Fleisch, Gewürzen die verschiedenen Arten des t a m a 11 i gefertigt wurden, die heute noch in Gebrauch sind.
Diese wenigen Andeutungen über die indianische Küche mögen genügen, um zu zeigen, wie entwickelt der Gebrauch des Mais bei all' den hier in Frage kommenden Vólkern war. Es ist daher nicht zu verwundern, wenn ihre anthropogenetischen Sagen enge mit dieser Kukurpflanze verknüpft sind. Im Popol Yuh mahlt die alte Zauberin Xmucane aus den von Thieren herbeigebrachten Kolben des weissen und gelben Mais den Speisebrei, aus dem das Fleisch und Blut der Menschen bestehen und womit ihre Glieder gefüllt werden b. Auch
') Popol Vuh, p. 196.
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die Annalen der Cakchiqueles *) erwahnen eine Mischung von Maisteig und Thierblut als den Grundstoff, aus welchem das Fleisch der ersten Menschen gefonnt wird. Und da die Erschaffung durch göttliche Kraft bewirkt wird, ist es auch begreiflich, dass die Verehrung, die man dieser zollt, sich auch auf das Eohmaterial übertragt, welches alljahrlich aus kleinen Maiskörnern auf wunderbare Weise zu gewaltigen, hundertfaltigen Ertrag liefernden Kolben heranwachst, und dass die mit der Aussaat des Mais verbundenen Verrichtungen sich zu religiösen Ceremonien gestalteten.
Es ist zur Beleuchtung der gesammten Maisfrage von entschiedenem Interesse, dass die einzige, dem Mais botanisch einigermassen verwandte Pflanze, Euchlaena luxurians, in Guatemala wild wiichst. Sie ist daselbst unter dem Namen teosinte bekannt, was âGottesmaisquot; bedeutet (von teotl Gott und sintli Maiskolben). Die Körner des teosinte werden gesammelt und, z. B. in Chiquimula, auf dem Markte zu circa 6 Centavos das Pfund verkauffc.
Zu den beiden wichtigsten Kulturpflanzen, dem Mais und den Bohnen, gesellen sich noch eine Reihe anderer wie der Chile (Capsicum annuum), die Yuca (Manihot utilissi-ma), der Camote (Batatas edulis), die Tomato (Lycopersicum esculentum var.), der Cacao (Theobroma cacao), der Pa tax te (Theobroma bicolor), der Chayote (Sechium edule), der Achiote (Bixa orellana), die Cactusfrüchte (Opuntia ficus-indica), die Ananas (Ananassa sativa) und andere. Nicht weniger zahlreich als diese mehr kraut-und buschartigen Gewachse waren die einheimischen Obstbaume, der Aguacate (Persea gratissima), der Chicosapote (Sapota achras), die Papaya (Papaya sativa), verschie-dene Anon a-Arten, der J o c o t e (Spondias dulcis), und andere Baume mehr. Als Ge-spinnstpflanzen der Tierra caliente linden wir die Baumwolle (Gossypium sp.), wahrend in der Tierra fria der Maguey (Agave americana varr.) das Fasermaterial zu einer Menge von Flechtarbeiten lieferte.
Der Maguey steht auch unter den Genussmittel liefernden Pflanzen oben an, indem ihm der Wein dieser Völker entnommen wurde, der in Mexico den Namen octli, in Guatemala denjenigen von sakqu'iy trug. Ob dagegen die jetzt so allgemein von den Indianern getrunkene chicha, die durch Zuckergahrung mit Zusatz von Jocote-Früchten bereitet wird, ebenfalls ein autochthones und nicht ein von aussen (Perü?) importiertes Genussmittel der guatemaltekischen Indianer gewesen sei, mag dahingestellt bleiben. Thomas Gage, der die Herstellung der chicha beschreibt2), sagt darilber folgendes: âSiethuu erstlich âein wenig Wasser in den Krug, dann füllen sie ihn mit Saft von Zuckerrohr oder ein âwenig Honig, damit der Trank süss werde und um ihn stark zu machen, thun sie âTabakwurzeln und Blatter und andere Wurzeln, welche dazulande wachsen und von âdenen sie wissen, dass sie dergleichen Wirkung haben, dazu. Ich habe selbst an ver-âschiedenen Orten gesehen, dass sie eine lebendige Kröte dazu hineingeworfen haben. Hierauf âwird das Gefass zugemacht, und sie lassen dieses alles 15 Tage oder einen Monat lang âmiteinander gahren, bis alles wohl durchgearbeitet, die Kröte ganz verwest ist und der âTrank die verlangte Starke bekommen hat. Alsdann machen sie das Gefass wieder auf, âund laden ibre Freunde zum Schmause, der gewöhnlich bei der Nacht angestellt wird, âdamit sie vom Priester des Dorfes nicht darilber ertappet werden und horen nicht eher âauf zu trinken, bis sie sammtlich toll und voll sind.quot; â Heute ist die Chichafabrikation
:) Gage p. 307.
') Bbinton i Annals, p. 08.
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an Patente gebunden unci Avird nur im Grossen betrieben, weshalb von Zusatz lebender Kröten keine Eede mebr ist. Dennoch möchte ich die Angabe von Gage nicht bezweifeln, denn der Kröte werden heute noch heilsame Krafte zugeschrieben. So werden im nord-westlichen Tiefland z. B. chronische Ekzeme von der Volksmedizin mitunter behandelt, indem man eine lebende Kröte mit dem Bauch über der Hautstelle hin- und herreibt, bis derselbe lebhaft roth wird.
Als weiteres Genussmittel ist der Tabak zu nennen, obwol über seinen vorspanischen Gebrauch nichts bekannt ist. Die heutigen Indianer ziehen, im Gegensatz zu den Misch-lingen, die Cigarre der Cigarette weit vor, und dasselbe Wort, si'c, bezeichnet die Tabak-pflanze und die Cigarre. Die Pfeife wird heutzutage als si'cbal beyoma, âdas Rauch-instrument der Reichenquot; (d. h. der Fremden) bezeichnet und wird von den Indianern nicht benutzt. Es ist mir nicht bekannt, dass irgendwo in Guatemala aus praehistorischer Zeit Tabakpfeifenköpfe gefunden worden waren, weshalb ich die Cigarre für die prsehistorische Form des ïabakgebrauchs in Guatemala halten muss.
Füentes1) berichtet, dass die Indianer von Alotenango (Cakchiqueles) eine gewisse Art von Cigarren zubereiteten, die sie âpuquietesquot; nannten. Sie bestanden aus heilkrafti-gen und aromatischen Krautern verschiedener Art. Das Deckblatt wurde vom Guayabo-Baume genommen, und darüber noch ein fester und glanzender Firniss aus verschiedenen Farben und aromatischen Harzen aufgetragen. Der Gebrauch solcher Cigarren galt, ihrer Kostspieligkeit wegen, als ein Zeichen von Ueppigkeit und Wohlstand.
Als Gewürze dien te das Salz, gewisse Erdarten, der Chile und Honig. Das Salz wurde jedenfalls, wie in der historischen Zeit2) durch Kochen des durch Verdunstung concentrierten Wassers der Strandlagunen an der Südseeküste gewonnen, und zwar von den hier ansftssigen Pipiles. Dies wird dadurch dargethan, dass kein einziger nicht-spanischer Ortsname der Eagunenzone einer andern als der mexikanischen (Pipil)-Sprache angehört, wie denn auch die grossen, in die Südsee mündenden Flüsse in ihrem Unterlaufe sammtlich mexikanische Namen tragen.
Eine weitere Quelle der Salzgewinnung bildeten ferner die Salzsprudel, welche sich in der Zone der alten Kalkformationen im innern Lande finden, wie z. B. die âSalinasquot; der Alta Verapaz auf dem rechten Ufer des Rio Chixoy, diejemgen von San Mateo Ixtatan (âSaizstellequot;), von Sacapulas und in der Sierra von Nebaj. Auch hier wird das Salz aus der Lange gewonnen, indem diese in Thonkesseln dem Feuer ausgesetzt wird. Bezüglich der Quellen von Ixtatan, welche die wichtigsten dieser Gegend sind, erzahlt Juarros3), dass die Indianer dieselben unter Verschluss halten, dessen Schlüssel beim Gericht deponiert sind. Jeden Donnerstag zu bestimmter Stunde wird das Thor geöffnet, und jedem Ein-wohner ein grosser Krug (cantaro) von dem Wasser gegeben. Die Gerichts- und Kirchen-beamten erhalten deren zwei. Mit dem Ueberschuss des Salzes über den eigenen Gebrauch treiben diese Indianer einen eintraglichen Handel. Soweit Juarros.
Wahrend das Salz im Popol Vuh merkwürdigerweise nicht genannt ist, spielt darin dagegen das heute noch übliche Bestreuen der Speisen mit gewissen Erdarten bereits eine Rolle, indem das Magierpaar Hunahpu und Xbalanque den Erderschütterer Cabrakan dadurch tödtet, dass es den zu seiner Speise bestimmten Vogel mit âweisser Erdequot; (z ah cab) einreibt. Die essbare Erde tragt heute noch den Namen sak cab, was
:) Palacio, Carta p. 22, Sïoll, Guatemala, p. 173.
3) Juarros p. 333.
') Fuentes, II, p. 144.
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wörtlich âweisse Süssigkeitquot;, âweisses Gewürzequot; becleutet. Es werden dazu gewisse weiss-liche, oder gelbliche Erdarten, die mir Verwitterungsproducte vulkanischer Asche zu sein schienen und einen eigentümlichen Geruch besitzen, benutzt, indem eine Prise davon auf die jeweilige Speise gestreut wird1).
Der Honig, welcher unzweifelhaft schon vor der Eroberung ein Genussraittel war, entstannnte aber ebenso unzweifelhaft nicht einer regularen Apicultur, welche erst dnrch die Europaer eingeführt wurde, sondern dein Einsammeln der Nester wildlebender Bienen-arten, die theils frei in den Baumasten, theils im Innern hohler Baumstamme nisten und dem Genus Melipona angehören!).
Das Würzen der Speisen, mit dem beissenden Saft des Chile ist in ausgedehntester Weise auch in den Gebrauch der Mischlingsbevölkerung übergegangen.
Die heute noch geübte Sitte, aus den zerquetschten und in Wasser froschlaichartig aufgequollenen Samen des chian3) (aa'c der Cakchiqueles, chia der Azteken) unter Zusatz von Zucker ein erfrisehendes Getrank zu bereiten, dürfte ebenfalls auf die prahistorische Zeit zurückzuführen sein.
Weit weniger ausgiebig, als clie Pflanzenwelt, war das Thierreich als Nahrungsquelle in Mitleidenschaft gezogen. Unter den jagdbaren Thieren, deren Fleisch die indianische Küche versorgte, haben wir vor Allem die beiden Reharten des Landes (Cariacus virginianus und C. rufinus), ferner die beiden Wildschweine (Dicotyles tajacu und D. labiatus), den Tapir (Tapirus Dowi), die Taltusa (Geomys hispidus), die Cotusa (Dasyprocta punctata), den Tepescuinte (Coelogenys paca), den Ha sen (Lepus palustris), das Gürtelthier (Tatusia novemcincta), das Eichhörnchen (mehrere Sciurus-Arten) zu nennen. Daneben zahlreiche Vogelspecies, unter denen die Baumhühner, Tauben und Wacht ein, wie heute noch, die wichtigsten gewesen sein dürften. Fische lieferten die Seen, die Flusslaufe des Tieflandes und das Meer mit den Strandlagunen. Unter den Reptilien sind vor Allem die Iguanas zu nennen, welche besonders zahlreich in der Nilhe des Südseestrandes vorkommen und daselbst von den indianischen Jagern mit langen Stangen erlegt werden. Man naht ihnen alsdann die Maulrander zusammen und verknüpft jederseits die langen Finger der Vorder- und Hinterfüsse mit einander, so dass die noch lebenden, auf diese grausame Weise verstümmelten Thiere vollkommen wehrlos werden. Man trifft an der Kuste haufig Indianer, welche ein ganzes Bundel soldier lebender Iguanas, mit den Schwanzen zusammengebunden nach dom Innern schaffen und uns ein Bild aus alter Zeit vor Augen rücken. Nicht weniger wichtig waren für den Strandbewohner die Schildkröten, vor Allem die grossen Seeschildkröten, welche beim Eierlegen abgefangen wurden. Die Eier bilden heute noch eine beliebte Speise, wie das Fleisch; die Schale diente zur Herstellung einer Art Trommel. Auch das Fleisch der Alligator en und der Riesenschlange (Boa Imperator) wird heute gegessen, ob dies aber auch in der Vorzeit geschah, ist zweifel-haft, da, wie aus den Bildwerken zu schliessen ist, beide Thiere als göttlicher Natur betrachtet wurden.
Eine eigenthümliche Art der Indianer, das wilde Geflügel vorzubereiten, schildert Gage4): Eine auf der Jagd erlegte Gans lasst man eine Woche im Walde liegen, bis das Fleisch faul und voll Würmer wird. Alsdann wird sie nach Hause geholt, in Stücke gehauen
') Stoll, Guatemala p. 133. ;) Stoll, Bienenzucht, p. 546. 3) â Bbüiil, (p. 278) giebt für den chian den botan. Namen Salvia chian, den ich aber nirgends erwahnt flndo. 4) Gage, p. 305. 1. A. f. E. I. Suppl. I. 4
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und rait einera Farrenkraut gekocht, wodurch das Fleisch den Gestank verliert und mürbe wird. Die halb abgekochten Stücke hangt man in den Rauch und iast davon nach Bedürfhiss, indera raan das Fleisch nochmals kocht und rait Chile anrichtet. Yon einer derartigen Zube-reitung habe ich nichts mehr gesehen.
ünter den niedern Thieron treffen wir ebenfalls viele, welche als gelegentliche Nahrung beigezogen wurden. So die Krabben der Barrancas ira Innern und der Strandregion, die Kr eb se der Flüsse und der Strandlagunen, die grossen Molluskenarten, wie die Helix Ghiesbreghti der Verapaz und vor Allem die raassenhaft in den kleinern Flüssen lebenden Melanien, die boute als Fastenspeise unter dom Namen âjutesquot; auf den Markten verkauft werden. Aus dom Reich der Insekten sind uim' uur die fettreichon Weibchen der Blatt-schn ei der a ra ei so (Atta fervens) als Nahrungsmittel bekannt. Sie schwarmen bei Beginn der Regenzoit morgens raassenhaft aus ihren Erdlöchern hervor, und da sio vora Haus-geflügol mit ausserstor Gier gefressen werden, lag für die Indianer die Versuchung nahe, sie auch als raenschliche Nahrung zu verwenden. Sie werden in flachen Schüsseln ara Feuer geröstet und dann gegessen.
Aus den strafrechtlichen Bestimmungon geht hervor, dass mit dein uragrenzten Terri-torialbesitz der einzolnen Stilmrae (odor chinamit?) aucli das Jagd- und Fischereirecht auf diesen beschrilnkt war, indera Jagen und Fischen auf fremden Gebiet bestraft wurde. Der See von Atitlan bildete der Sage nach vor der Eroberung ein Objekt des Kampfes zwischen den Cakchiqueles und ïzütujiles'). Von letzterm Starame wird erwahnt, dass die Hauptlinge besondere Jagdrechte besassen2), deren Natur aber nicht weiter erklart ist. Einen, namentlich für die vogelreiche Alta Verapaz wichtigen Theil der Jagd bildete diejenige auf gewisse farbenprachtige Vogel, deren Federn zur Herstellung von bunten Verziorungen auf den Kleidern der Vornehmen dienten.
Die erste Stelle unter diesen Jagdobjecten gebührt dom Quetzal (Pharoraacrusraocinna), dom heutigen Wappenvogel von Guatemala, dessen prachtige Schwanzfedern die reichcn Kopfbüscho der Hauptlinge und Priester bildoten, welchen wir auf den Mayasculpturen und den raexikanischen Geinalden so hauflg begegnen. Der Consum an Quetzalfedorn rauss aussorordentlich gross gewesen sein, so gross, dass es bei dom beschrankten Verbreitungs-gebiot der Quetzales kauni raöglich war, derasolbon olrae völlige Ausrottung des Thieres zu genügen, wenn die Vogel durch Schuss gotödtot wurden. Viel wahrsoheinlichor ist es, dass dieselben mit Schlingen eingefangen und, nachdera ihnen (d. h. den Mannchen) die Schwanz-federn ausgerissen waren, wieder in Freiheit gesetzt wurden. In dor That gibt Toequemada 3) an, dass das Tödten der Quetzales bei Todesstrafo verboten war, und dass auch das Erbeuten derselben auf fromdera Jagdgrund ais Wiklfrove] goahndet wurde, da die Quetzalfedorn beim Handel an Geldes Statt, wie Cacao und Baurawolltücher als Tauschraittel dienten. Forner finden wir die Quetzalfedorn als Werthoinhoit bei dor Festsotzung von Bussen verwendet, indera z. B. Vevlotzungen im Raufhandel, Ehebruch mit verheirateten Frauen, Hurerei mit Witwen und Sclavinnen, sowie Verführung einer Jungfrau durch einen verheirateten Mann rait einer Strafe von 60 â 100 Quetzalfedorn belegt wurde.
Eine Anzahl von Thieren wurde in doraesticiertora Zustando gehalten, so der Hund, über dessen Abstaramung wir nichts Naheres wissen. Gegenwartig sind unter den india-nischen Hunden Guateraalas raehrere Varietaten vertreten, unter denen einzelne stark an
:l) Toequemada, t. II lib. 12 c. 12.
') luABROS, II, p. 15. ;) Requête, p. 417.
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den wilden Hund des Landes (coyote, Canis latmus) erinnern. Ebenso wenig wissen wir über die alten Schwein er assen des Landes; es ist nicht auszumachen, ob dieselben mit den wilden Schweinearten Guatemalas in genealogischem Zusammenhang standen, oder eine fremde Acquisition bildeten. Ersteres ware möglich, da, wie ich wiederholt gesehen habe, das guatemaltekische Wildschwein (coche de monte) sich znm Hausthier zalimen Llsst und da die jetzt von den Indianern gezüchteten, kleinen, schwarzen Schweine in manchem Zug an das Wildschwein erinnern. Zahme Kat zen dagegen waren imbekannt, das von den Indianern heute dafür gebrauchte Wort mistun oder mes entstammt dein aztekischen miztli und dessen Diminutiv miztontli, woinit die Azteken den Puma (Felis concolor) bezel chneten.
Was uns die spanischen Schriftsteller über das Hausgeflügel berichten, bezieht sich stets auf einheimische, auch in wildem Zustand vorkommende Vogelarten, wie den Truthahn (Meleagris mexicana und [lm Peten] M. ocellata), verschiedene T au ben und Enten, sowie auf die leicht zahmbaren Hokkohühner (Crax globicera), die sich indessen in der Gefangenschaft nicht fortpflanzen sollen.
Trotzdem ohne Zweifel die Liste der oberwahnten pflanzlichen und thierischen Nahrungs-mittel nicht ganz vollstandig ist, so ist doch stets das festzuhalten, dass für die eigent-liche Volksernahrung die Pflanzenkost die thierische an Wichtigkeit überwog und dass deren G-rundlage stets der Mais und der Frijol bildete, weshalb auch der Ackerbau die Grundlage des gesammten Staatshaushaltes ausmachte.
VI. DIE SCLAVEN.
Die Sclaverei war in Guatemala ein altes, schon lm Popol Vnli vorkommendes Institut. Als Sclaven warden erklart: die Kriegsgefangenen, falls sie nicht vornehmer Abkunft waren (denn in diesem Falie wurden sie getödtet); ferner die Angehörigen, Frauen, Kinder, und Verwandte derer, welche die Todesstrafe erlitten oder znm Feinde übergegangen oder aus ihrem Gemeindeverband desertiert waren. Die Angehörigen von Landesverrathern konnten sich durch Loskauf ^ befreien. Tempelraub geringern Umfanges, Notzuchtsversuch, Ehe-bruch der Weiber wurde ebenfalls mit Versetzung in den Sclavenstand bestraft. Sclaven bildeten einen Theil des Tributes, der von den Gemeinden an die Hiluptlinge zu zahlen war2). Die Sclaven konnten für Federn, Cacao oder Tuch auf dcm Markte verkauft werden 3). Von Sclaven geborene Kinder scheinen ebenfalls der Sclaverei verfallen gewesen zu sein, denn wenn sich eine freie Frau mit einem Sclaven verheiratete, so wurden die Kinder ebenfalls Sclaven, folgten also dem Stande des Vaters *).
Ãber die Stellung und Behandlung dieser Sclaven wissen wir nichts Genaues, Der alte Ausdruck der Quiché-Sprachen für Sclave ist mun, was heute für âgefrilssig, heiss-hungrigquot; gebraucht wird. Dies scheint dafür zu sprechen, dass die Stellung und Behandlung der Sclaven eine weniger gute war, als z. B. in Mexico, wo die Sclaven allerdings auch geopfert, aber lm Allgemeinen gut behandelt wurden. Nach einem Briefe der Oidores Salmeron, Maldonado, Ceynos und Quiroga vom Jahr 15315) kam es sogar vor, dass mexi-kanische Hiluptlinge einen Lieblingssclaven znm Nachfolger einsetzten.
') Puentes I, p. 30. :) Requête, p. 416. 3) Puentes I, p. 30. â¢') Roman, t. Ill f. 176. s) Tebnaux-Compans , Pièoes, vol. 16 p. 177.
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In Guatemala wurde derjenige, der einen seiner Sclaven tödtete, nicht bestraft, da man die Sclaven als persönliches Eigentum betrachtete. Der Mord eines fremden Sclaven dagegen wurde durch Schadenersatz gesühnt, den die Verwandten (also wohl das Chinamit) aufbrachten.
Eine eigentümliche Art von Betrug bestand ferner in der Verapaz darin, dass ein Freier einen andern als Sclaven verkaufte wenn es ihm gelang, diesen zu übertölpeln und Jeraanden zu flnden, der ihn ihm abkaufte. Da dieses Verfahren als eine Ungeheuerlichkeit betrachtet wurde, so bestand ein Gesetz, wonach es untersagt war, einen derartigen Handel zu hindern. Wurde er aber ruchbar, so wurde ein solcher Handler mit freien Leuten ohne Yerzug durch Erschlagen getödtet und seine Frau und Kinder in Sclaverei verkauft. Vom Erlös erhielt der Hiiuptling einen gewissen Antheil; der Rest wurde zur Veranstaltung eines offentlichen Festgelages verwendet1).
B. DIE RELIGION.
Nachdem wir im Bisherigen die Angehörigen der vornehmen Familien, in ihrer Eigenschaft als regierende Kaste, ferner die freien Leute des gemeinen Volks und die Sclaven kennen gelernt haben, bleiben uns noch diejenigen Persönlichkeiten zu besprechen übrig, deren Functionen mit den religiösen Vorstellungen, im weitesten Sinne des Wortes, ver-knüpft waren, nilmlich die Priester, Wahrsager und Aerzte, die je nach ihrer Function verschieden benannt wurden.
I. COSMOGONIE.
Als grundlegenden Gedanken der Religion treffen wir in Guatemala die Vorstel-lung, dass alles Geschaffene und Geschehende der Wirksamkeit über- und unterirdischer Machte sein Dasein verdanke, deren Gunst man daher durch Huldigungen verschiedener Art zu gewinnen suchte. Alle Handlungen des staatlichen sowohl, als des privaten Lebens waren von den Vorstellungen der Einmischung solcher Krafte durchdrungen, und es zerflelen daher die Huldigungen in zwei Kategorien: in gemeinsame, offentliche und in solche, welche Jeder mit seiner engern Familie darbrachte.
Die cosmogonischen Ueberlieferungen der Quiches, die uns allein genauer bekannt sind, beruhen auf der Ansicht, dass es, bevor die heutigen Gestirne ihren Lauf begannen und sich die Nacht vom Tage sonderte, eine Zeit gegeben habe, wo continuierliche Finsterniss herrschte. Diese Vorstellung ist als eine durchaus concrete zu fassen, sie dient dem india-nischen Gedankengang heute noch als Ausgangspunct und alle Versuche, aus ihr eine symbolische Darstelhmg des Erwachens ursprünglich barbarischer Völker zu höherer Cultur machen zu wollen, entsprechen sicherlich nicht der Auffassungsweise des Indianers, wenig-stens soweit sich dieselbe heute noch beurtheilen lasst. Für das indianische Gemüth sind der Wandel der Sonne, des Mondes und der Sternbilder und der davon abhangige tagliche Wechsel von Licht und Finsterniss Erscheinungen von so hervorragender Bedeutung für das gesammte Katur- und Menschenleben, dass sie den denkenden Geist schon in grauer Vorzeit zur Speculation auffordern mussten.
') Tohquemada, t. II 1. 12 c. 10.
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Das erste Resultat clieser Speculation bildet die Vorstellung von einer Zeit, welche der jetzigen voranging und welche sich von dieser dadurch unterschied, dass damals noch allgemeine Finsterniss herrschte, da die Sonne noch nicht über den Horizont emporgestiegen war. Deshalb lautet der Ausdruck âvor Altersquot; heute noch im Cakchiquel petibal k'ij âAnkunft der Sonnequot; oder petibal sak âAnbrnch des Lichtsquot;. Und deshalb ist auch ein anderer Ausdruck für âvor Altersquot;, namlich ojer, wie die sprachliche Analyse zeigt, nichts anderes als ein verstümmeltes k'ij er, was wörtlich âes wird Sonnequot; bedeuten1) würde.
In diese Zeit der Finsterniss nun verlegt der Sagenkreis der Quichés zunachst die Erschaffung der Erde, der Walder und Savannen und der hohen Berge, sowie die Thei-lung der Wasserlaufe. Und zwar geschieht dieselbe durch einen Götterrath, der vom obersten Schöpfer bestellt wird, dessen Wesen nicht naher erlautert ist. Es folgt die Erschaffung der verschiedenen Thiere, welche in die Barrancas und Walder verwiesen werden, da sie dem Götterbefehle, zu reden und die Namen der Götter zu preisen, nicht Folge leisten, sondern bloss Thierstimmen producieren. Ihr Fleisch wird zur Speise bestimmt. Als eine weitere Schöpfung dieser lichtlosen Vorzeit tritt der Mensch auf, er wird zuerst von den Göttern aus Erde geformt. Da aber diese Menschen aus Erde weich und kraftlos sind, werden sie wieder zerstört. Auf den Rath des halbgöttlichen, mythischen Zaubererpaares, des Xpiyacoc und der Xmucane werden bei einem zwei ten Versuch Menschen aus Holz gemacht, welche zwar sprachbegabt, aber mager, ohne Verstand und ohne Blut sind. Sie zeugen jedoch Kinder und vermehren sich stark. In einem Aufruhr der Thiere, Haus-gerathe mul Elemente werden aber auch diese Holzmenschen wieder zerstört; ihre Ueber-bloibsel sind die Affen.
In zwei ziemlich lose mit dem Gang der Erzahlung verknüpfton Episoden wird die Erschaffung der Sterne aus vierhundert Jünglingen, die von dem mythischen Zipacna getödtet worden waren und zum Himmel aufstiegen, ferner die Entstehung von Sonne und Mond aus einem Bruderpaar mythischer Magiër, Hunahpu und Xbalanque, geschildert. Diese waren erst zur Unterwelt, Xibalba, hinabgestiegen und batten sie erobert, um den Tod ihrer Vater Hun hunahpu und Vukub hunahpu zu rachen, welche von den Fürsten der Unterwelt getödtet worden waren.
Auch diese Partie des Popol Vuh, welche eine der völkerpsychologisch interessan-testen ist, muss durchaus concret gefasst werden, und alle Versuche, in dem Eeiche der Unterwelt Xibalba etwas anderes zu sehen, als die wirklich unter der Erdoberflache gelegene Region, haben zu keinem greifbaren und unanfechtbaren Resultate geführt. Mit xibalba und xibalbay wird heute in der Kirchensprache der Quiché-Völker direkt die christliche Holle bezeiclinet.
Die Sage von der Unterwerfung der Unterwelt durch die beiden Zauberer ist mit einem Thiermarcben durchweben, in welchem Thiere handelnd auftreten und zwar in einer Weise, welche es erkUlrt, weshalb die Rehe und Hasen so auffallend kurze Schwanze haben, warum der Schwanz der Maus nackt ist, weshalb die Schlangenfalken Schlangen fressen, weshalb die Kröte ein breites Maul hat und verachtet ist.
Das sichtliche Bestreben, einen Gausalnexus in die verschiedenen Erscheinungen der umgebenden Natur zu bringen, diese auf eine befriedigende Weise zu erklaren, tritt uns
') Sïoll, Pokonchi' p. 56.
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in den ersten Partien des Popol Vuh überall entgegen. Unzweifelhaft hat das Bedtlrfniss des denkenden Menschen, sich die Weit, in der er lebt, genetisch zurechtzulegen, audi den Sagen des Popol Vuh ais erklarenden Hypothesen die Entstehung gegeben. Nichts spricht dafür, dass in den ersten Theilen des Popol Vuh wirkliche historische Ereignisse, Avie etwa eine Einwanderung aus âOstenquot; oder âübers Meerquot;, mythisch und symbolisch entstellt, aus grauer Vorzeit zu uns herüberragen. Den Krystallisationspunkt, um welchen sich sowol die Sage als die wirkliche Geschichte der Quichés und ihrer engern Nachbar-völker gruppiert, hildet dasjenige Naturereigniss, welches dem indianischen Gemüth als grundlegend für das gesamrate Leben vor Allem grossartig und staunenswerth erscheinen musste, namlich der Aufgang der Sonne. Wie imposant dieses Schauspiel audi heute noch dem Indianer von Guatemala erscheint, ersah ich bei meiner Besteigung des Fuego-Vulkans aus der stummen Bewunderung, mit der die sieben mich begleitenden Cakchiqueles von unserm Nachtlager unter dem Gipfel des Berges aus unverwandt dem allmahligen Empor-kommen des Gestirnes folgten. Audi heute noch ist die Sonne bei den Cakchiqueles der Mittelpunkt mehrerer Sagen, unter denen sich audi der Zug nach dem geheimnissvollen Osten wiederflndet1).
Dor letzte Theil des Popol Vuh ist der Schilderung der Erschaffung der jetzigen Menschheit gewidmet, die ebenfalls noch in jene lichtlose Zeit fallt, wo weder .die Sonne, noch Mond und Sterne leuchteten. Die obersten Götter beschliessen die Erschaffung des Menschen, da der Anbruch des Tages, das erste Aufgehen der Sonne nahe ist. Thiere bringen aus den mythischen Gegenden Paxil und Cayala, welche nach den an dieser Stelle des Textes gonannten Pflanzennamen, in der Tierra caliente liegen, Kolben von weissem und gelbem Mais. Aus diesem mahlt die alte Zauberin Xinucane einen Speisebrei, womit die Glieder der ersten Menschen gefïïllt werden. Der ersten Menschen waren vier: Bal am q uitzo, Bal am a gab, Mahncntah und Iquibalam. Sie waren nicht voin Weibe geboren, sondern reine Schöpfungen der Götter, anfangiich ganz vollkommen; allwissend und allsehond, spiiter aber brachte sie der Neid der Götter auf das allgemein menschliche Niveau herab. Wahrend sie schliefen, wurden ihnen Weiber beibegegeben, und von dreien dieser Paare â denn Iquibalam blieb kinderlos â stammen die Quichés ab. Balamquitze und seine Frau Cahapaluna zeugen die neun chin am it der Cavikib. Ba lam a gab und seine Frau Chomiha zeugen die neun grossen Familien der Nihayibab. Von M ah u cut ah und seinem Weibe Tzununiha stammen die vier chin am it der Ah au quiche. Damals redeten die zum Quiché-Stamme gehörigen c h i n a m i t bless Eine Sprache, sie besassen noch keine Götterbilder, sondern beteten nur die âSeele des Himmelsquot; und âder Erdequot; an, sowie die halbgöttlichen Wesen Xpiyacoc und Xmucane. Lange warteten sie betend auf den Aufgang der Sonne, die Zeit wurde ihnen aber lang, sie zogen weg nach Tul an Zuiva, wo sie Götterbilder holten. .Teder der vier Hiiuptlinge adoptierte sein eigenes. In Tulan Zuiva wurden die Sprachen verandert, so dass sie sich nicht mehr verstanden, als sie von Tulan zurückkamen. Sie trennten sich daher.
Es wird ferner die Erschaffung des Feuers durch den Gott Tohil, die Einführung von Opfern an Tabak und Menschenherzen, und endlich der Aufgang der Sonne beschrieben, den die versamraelten Quiché-Völker auf dem Gebirge Hacavitz unter Opfern und Fest-
') Stoll, Guatemala p. 212 und 275.
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lichkeiten erwarteten. Die Sonne war wie ein Mensch, nachher aber blieb nur sein Spiegel-bild zurück. Die vier Hauptlinge, welche als die ersten Menschen und als die Stammvater der Quichés angesehen wurden, versclrwinden, lassen aber ihre Stimmen oft von fernher als wilde Thierstimmen vernehmen und fangen an, Menschen zn rauben, nm sie den Gottern zu opfern. Das Volk beschliesst, sie zu tödten, wird aber ven den Hauptlingen nnterjocht, welche sich auf dem Berge Hacavitz verschanzt haben. Spater verschwinden die vier Hauptlinge wieder und zwar für immer, nachdem sie ihren Kindern ein Gedenk-zeichen âdie verhüllte Majestat und Gróssequot; hinterlassen, das stets verhüllt blieb, aber in grossen Ehren gehalten wurde. Die Söhne der Hauptlinge unternehmen eine Reise über das Meer nach dem Osten und lassen ihre Familien auf dem Berge Hacavitz zurück. Im Osten gelangen sie an den Hof des Fürsten Na exit, der ihnen eine Menge von Dingen, unter andern auch die Schrift, mit nach der Heiraat gibt.
Der weitere Inhalt des Popol Vuh schildert die fernern Wanderungen der Quichés und bietet für ihre religiösen Vorstellungen kein Interesse mehr.
ïrotz mancher schwerverstandlicher und keineswegs klarer Einzelnheiten geht auch in diesem Theile des Buches das offenbare Bestreben des Schreibers deutlich hervor, auf eine logische und plausible Weise die Entstehung und die Herkunft nicht nur der chin ami t-Organisation, sondern auch mancher Sitten zu erklaren.
II. GÃTTERLEHRE.
Fragen wir nun nach der Zusammensetzung des vorspanischen Pantheon der guatemal-tekischen Indianer, so müssen wir gestehen, dass es ausserordentlich schwierig halt, .sich hiertiber eine klare Vorstellung zu bilden. Wahrscheinlich besassen die Gottesgelehrten der Indianer eine solche ebenfalls nicht und subjective Anschauungen einzelner Priester spielten möglicherweise in dieser Hinsicht eine ebenso grosse Bolle, wie ein traditionell befestigtes Lehrgebïiude. Gehen ja doch auch die Theologen unserer Zeit in ihren Schilderungen der überirdischen Welt keineswegs einig. Aus dem Popol Vuh, der uns noch ara ehesten einige Anhaltspunkte gewahrt, gewinnen wir etwa folgendes:
Als höchstes göttliches Wesen erscheint das seelische Princip der umgebenden Natur, wie es sich in den Ausdrücken u - c' u x c h' o (Seele der Seen), u - c' u x p a 1 o (Seele des Meeres), u-c'ux cah (Seele des Himmels), u-c'ux uleuh (Seele der Erde) darstellt. Die âSeele des Himmelsquot; wird auch Hurakan genannt, ein Name, der wörtlich âmit einem Fussquot; bedeutet und daher in seinem Wesen als Gottheit unverstandlich bleibt. Hurakan erscheint als die Trinitat des Blitzes, bestehend aus Cakulha-Hurakan, Ghipi-Hurakan und Raxa-Hurakan ').
Als Parallelwesen von Hurakan tritt die Doppelgestalt von Tepeu und Gucu-matz auf, deren Abgrenzung in zwei Persönlichkeiten sehr unklar ist; sie erscheinen sprachlich meist als Pluralform (c-u'c ri Tepeu, Gucumatz âmit dem Tepeu und dem Gucumatzquot;), aber auch als Singular (r-u'c ri Tepeu Gucumatz âmit dem Tepeu Gucumatzquot;). Tepeu bedeutet âder Erhabene, Majestatischequot; und bildet die Derivate tepeual die âMajestatquot;, âGrossequot;, und tepeuar âgross oder erhaben werden, sich erhebenquot;. Ob das tepeu nicht eine Entlehnung aus dem Mexikanischen und als
') Popol Vuh, p. 8.
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solche mit tepetl âBergquot;, tepeuhtitlalia âaufhaufenquot;, tepeuhtimani âein Men-schenhaufequot; wurzelidentisch sei, ist nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Urn so bestimmter weist dagegen Gucumatz auf eine Entlehnung aus Mexico hin, indem es die wörtliche Uehertragung von Quetzalcohuatl bildet. Beide bedeuten âSchlange mit den Quetzal-federnquot; (Aztekisch: quetzalli âgrüne Federquot; und cohuatl âSchlangequot;; Quiché: gug [besser k'u'k] âdie Quetzalfedernquot; und cumatz âSchlangequot;). Den Quetzalcohuatl aber verehrten nicht bloss die Mexikaner, sondern aucli die Pipiles der Südsee-küste ^, weshalb es für die Quiché's leicht war, mit dieser Gottheit bekannt zu werden und die-selbe ihren eigenen Vorstellungen anzupassen.
Das Verhaltniss von Hurakan zu Gucumatz ist nicht klar, es ist aber möglich, dass mit letzterm Namen speciell das seelische Brincip der Erde und des irdischen Wassers (u-c'ux uleuh, n-c'ux palo, u-c'ux ch'o) bezeichnet wurde, im Gegensatz zu Hurakan, der âSeele des Hinunelsquot;. Für diese Annahme spricht erstlich die Aufzahlung der Attribute im Beginn des Popol Vuli8), wo hinter Tepeu und Gucumatz, gleichsam als erlauternde Bestimmungen, die Namen âSeele der Seen, Seele des Meeresquot;, genannt werden, sowie die Stellen, wo, wie p. 20 des Popol Vuh, die Triniteit Hurakan mit Tepeu und Gucumatz in Unterhaltung aufgeführt wird.
Gleichsam im Dienste dieser obersten Naturgottheiten stehend finden wir mm eine Reihe halbgöttlicher Wesen, die uns in Gestalt alter, mit Zauberkriiften ausgestatteter Leute entgegentreten, Dahin gehort der Zauberer Xpiyacoc und seine Frau Xmucane, welch' letztere bei verschiedenen Gelegenheiten eine so wichtige Rolle spielt, dass ihr ver allem das Attribut r-atit k'ih, r-atit sak âUraltermutter der Sonne und des Lichtesquot; zukommt. Sie ist es auch, welche auf Geheiss der Götter den Maisbrei bereitet, aus wel-chem das Fleisch der ersten Menschen gebildet wird. An einer andern Stelle treten zwei andere ebenfalls mit Zauberkrafton versehene alte Leute, ein Mann Namens Zaki-Nim-Ak und eine Frau Namens Zaki-Nima-Tzyiz auf.
Die alten Zauberer Xpiyacoc und Xmucane theilen mit den Collectiv-Gottheiten Hurakan und Gucumatz eine Reihe von Epitheta ornantia und Attributen, die alle sich auf ihre Eigenschaft als Schöpfer und Erzeuger, so wie als Ernahrer des Menschen-gescblechtes beziehen. Als âSchöpferquot; oder âVerfertigerquot; heissen sie tzakol und bitol, auch ah t zak und ah bit, als âErzeuger von Kindernquot; alom und c'aholom, auch iyom und mamom, als âErnührerquot; matzanel und chukenel.
Ausser, und hauflg im Verein mit diesen Personen treten im Popol Vuh zwei junge Zauberer auf, das Brüderpaar Hunahpu und Xbalanque, welches eine Reihe von Wunderthaten, vor Allem die Unterwerfung der Unterwelt, vollbringt, um dann zum Himmel aufzusteigen und dort als Sonne und Mond zu verbleiben. Welcher von beiden zur Sonne geworden sei, ist nicht gesagt, indess machen es einige Umstandewahrscheinlich, dass dies Xbalanque war. Denn obwol im Popol Vuh Hunahpu stets vor Xbalanque genannt wird, so war doch letzterer spater nach dem Zeugniss verschiedener Schriftsteller die wichtigste Gottheit der Guatemala-Stilmme, vor Allem in der Verapaz und in Uspantan. Dann scheint mir der Umstand von Bedeutung, dass im Pokonchi jenajpo (nach alter Orthographie henahpo geschrieben) welches eine auffallende Aehnlichkeit mit Hunahpu besitzt und wörtlich âein Mondmannquot; bedeuten würde, heute noch für âein
') Palacio, p. 72.
:) Popol Vuh, p. 1.
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Monatquot; gebraucht wird unci daher die Annahme nahelegt, das Hunahpu zum Mond geworden sei.
Es ist also vor Allem ein hohes Alter und der Besite von Zauberkraften, welche uns an den halbgöttlichen Wesen entgegentreten. Dass das Alter wegen der damit verbundenen reifen Lebenserfahrung den Indianern besonders verehrungswürdig war, haben wir schon aus der socialen Organisation gesehen, wo als Hanpter der chin ami t jeweilen alte, erfahrene Manner auftreten. Von der Rolle der Zauberkrafte wird imten noch die Rode sein.
Bemerkenswerth ist, dass die Gestirne, Sonne, Mond und Sterne sammtlich von jongen Leuten (c'aholab) abgeleitet werden.
Als Anfenthaltsort der magischen Halbgötter dachte man sich den Himmel, wie eine Stelle des Popol Vuh zeigt, welche lautet: tzatz chi ahnaoh chicah xpe vi âviele Weise kamen vom Himmel herquot; ').
Wahrend die im Himmel wolmenden göttlichen Wesen ihren Handlungen nach als gute Götter erscheinen, bildet dagegen das finstere Reich der Unterwelt Xibalba den Sitz der bösen Krafte, des Todes und der Krankheiten. In Xihalba, welches ganz analog der socialen Gliederung der menschlichen Reiche der Oberwelt organisiert gedacht wird, treten uns als oberste Hauptlinge und Richter (gatoltzih) die beiden Todesfürsten Hun-Came und Vuknb-Came entgegon s). Sie sind umgeben von tiefer im Range stehenden Hauptlingen. Zwei von diesen haben das Amt, des Menschen Blut krank zu machen, zwei andere machen die Wassersucht und die dadurch bedingte Lividitat des Gesichts. Zwei besorgen die Abmagerung der Kranken bis zum Skelette. Zwei andere veranlassen die plötzlichen Todesfalle, bei denen man die Menschen todt auf dem Rücken liegend findet, zwei andere endlich verwalteten das Amt, die Reisenden (die man sich als schwere Lasten tragend zu denken hat), unterwegs durch Blutstürze zu tödten.
Die Hauptlinge der Unterwelt zwangen die in ihre Gewalt Gelangten, mehrere Prüfungen zu bestehen, indem sie nach einander in das âHmis der Finsternissquot; (gekuma-ha), in das âWindhausquot; (xuxulim), in das âHaus der Jaguarequot; (balami-ha), in das âIhuis der Fledermausequot; (zotzi-ha) und in dasjenige der âObsidianmesserquot; (chayim-ha) eingeschlossen warden. Wahrend der Vater und der Oheim von Hunahpu und Xbalanque, Hun-hunahpu und sein Bruder Vukub Hunahpu, diesen Prüfungen erlegen waren, gingen die beiden Jünglinge Hunahpu und Xbalanque durch List siegreich daraus hervor und unterwarfen die Unterwelt.
Ausser den genannten treten noch andere mythische Persönlichkeiten im Popol Vuh auf, ohne dass es jedoch gelange, dieselben fest in den Rahmen der indianischen Götterwelt einzufügen. Dahin gehören zum Beispiel Hunhunahpu und Vukubhunahpu, Vukub Cakix und seine Fran Chimalmat, Xquiq, die Tochtor eines Fürsten der Unterwelt, welche auf wunderbare Weise Mutter der Zauberer Hunahpu und Xbalanque wird3). Bestimmter treten die Gestalten des Zipacna, des Erschaffers der Berge, und des Cabra-kan, des Erschütterers der Berge auf, dessen Name heute noch in dem Ortsnamen C abri kan (im Departement Quezaltenango) und in der Bezeichnung für âErdbebenquot; (cab ra kan) in den Quiché-Sprachen fortlebt. Tn Hun bat z und Hunchouen, den Söhnen der alten Zauberin Xmucane, welche den ganzen Tag mit Gesang- und Flöten-spiel zubrachten und geschickteiMaler und Bildhauer waren, scheinen eine Art Götter der
') Popol Vuh p. 166. !) Popol Vuh p. 73 sqq. 3) Popol Vuh p. 91 sqq. I. A. f. E. I. Suppl. I.
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schonen Künste zu stecken, als welche sie auch Brühl ^ aufgefasst hat. Auf die Existenz soldier weisen auch, die Epitheta ornantia deutlich hin, welche den Göttern beigelegt werden, wie âVerfertiger der schönen Calebassenquot; (ah-raxa-tzel), âVerfertiger des schonen Geschirrsquot; (ah-raxa-lak) âMeister des Meisselsquot; (ah oh ut), âHolzkünstlerquot; (ah tz'al am), âKünstlerquot; (ahtoltecat) und andere. Die Hauptrolle aller dieser mythischen Personen ist jedoch die, als Relief für die Thaten der Hauptpersonen Xmucane, Hunahpu und Xbalanque zu dienen und die Uebergilnge der einzelnen Sagen zu vermitteln.
Wahrend uns die genannten mythischen Figuren der Quiché-Sage in mehr oder weniger deutlicher anthropomorpher Gestalt entgegentreten, bildet gleichzeitig ein ausgesprochener Zootheismus und, um einen kurzen Ausdruck zu gebrauchen, Botanotheismus einen her-vorstechenden und charakteristischen Zug der indianischen Götterlehre. Vor allem ist es die Thierwelt, welche in den mannigfachsten Rollen im Popol Vuh auftritt. Wir finden Eulen als Boten der Hauptlinge von Xibalba, wahrend Hurakan sich des Vogels Voc2) (richtiger vo'k oder bu'k) als Boten bedient. Die Mans verhilft den Brüdern Hunahpu und Xbalanque zu dem Ballspiel ihrer Vorfahren3). Die Laus, die Kröte, die Schlange, der Schlangenbussard thun Botendienste an die Brüder, Blattschneiderameisen helfen ihnen die Prüfung des Chayim-ha in der Unterwelt überwinden, wo wir die Ziegenmelker, also Nachtvogel, wie die Eulen, als Wachter der Garten der ïodesfilrsten treffen. .Die vier ersten Hauptlinge der Quichés verwandein sich in Jaguare, und das âHaus der Jaguarequot; und das âHaus der Fledermausequot; bilden zwei der Prüfungen von Xibalba.
Geht schon aus diesen Beispielen die wichtige Rolle der Thierwelt für die religiose Vorstellungswelt der Quichés deutlich hervor, so ist dies fast noch mehr der Fall bei der Untersuchung der Beinamen der Göttlichen Wesen und der Eigennamen des Popol Vuh. Gucumatz (grüngefiederte Schlange), Zaki-Nim-Ak (grosser weisser Eber), Zaki-Nima Tzyiz (grosser weisser Rüsselbar), Vukub-Cakix (sieben Aras), Xbalanque (von bal am. Jaguar und queh, Reh?), Hunbatz (ein Brüllaffe), Balam-Quitze (Jaguar des Waldes), Bal am A gab (Jaguar der Nacht), I qui-Bal am (Jaguar des Mondes?) sind alle dem Thierreich entnommen, ebenso wie Tzununi-ha (Haus der Colibris) und Cakix-iha (Haus der Aras), die Namen der Frauen von Mahucutah und I qui bal am. Ja selhst der gewöhnliche Ausdruck der Quiché-Sprachen für âSchlangequot;, cumatz, liisst auf die Bedeutung dieser Thiergattung für den Volksglauben schliessen, indem er eine Reveren-tialform des einfachen can der Maya und chan der Tzentalsprachen darstellt und daher für can-atz steht.
Aber auch Vertretern der Pflanzenwelt begegnen wir als beseelt gedachten Wesen. Die erste Rolle spielen hier der Mais und der Tzité-Baum, well sie das Material zum Wahr-sagen liefern. Deswegen apostrophiert sie auch der alte Zauberer Xpiyacoc wie die übrigen Götter: âdu Maisquot;, âdu Tzitéquot;4). Und die Junge Xquiq wendet sich ebenfalls mit persön-licher Anrede an den Cacaobaum6), von ihm und den Gottheiten der Fruchtbarkeit (Xtoh und Xganil) Hülfe erflehend. Die Frucht des Calebassenbaumes (Crescentia cujete) erscheint ebenfalls redend, da sie das Haupt des in der Unterwelt getödteten Hunhunahpu ist
') BntTHL, Culturvölker, p 446.
';) Der Vo'k, den die Ladinos âcihua-montequot; (vom mexikan. cihuamontli) nennon, ist ein Erd-kukuk. (Dromoceccyx phasianellus?) Auch heute noch spieit er eine Rolle im Volksglauben der Indianer, indem die Entstehung eiternder Geschwüre ihm zugeschrieben wlrd: rabaj bu'k del cho chavua âDie Excremente des bu'k fliessen aus deinem Beinquot; sagt man z. B. für âdu hast ein Bubonengeschwür.quot;
3) Popol Vuh, p. 124 sqq. *) Popol Vuh p. 22. 5) Popul Vuh p. 104.
und daher noch zur Zeit, da der Popol Vuh abgefasst wurde, als âHaupt des Hun-h u n a h p uquot; benannt wurde
So gelingt es also, nicht ohne Mtihe, aus dem uns im Popol Vuh erhaltenen Sagen-vorrath der Quiches allmalig diejenigen Elemente herauszuschalen, welche uns in den religiösen Anschauungen der Quiches eine Naturreligion erkennen lassen, die als eine Ver-schmelzung der von Powell als Hecastotheismus, Zootheismus und Physitheismus bezeich-neten Sonderformen erscheint2). Die grossen Regionen des All, Himmel und Erde, die Krafte der Natur, sowie Pflanzen und Thiere und die G-estirne des Himmels erweisen sich als der Sitz seelischer Krafte, die das menschliche Maass überschreiten. Gleichzeitig ist aber auch der Himmel sowohl als die Untenvelt der Sitz anthropomorphisch gedachter Gottheiten und wir treffen selbst Spuren von Gottheiten âder schonen Künstequot; und der âFruchtbarkeitquot;, welche bereits zu der höheren Stufe des Psychotheismus hinüberführen.
Die Wiederkehr gewisser Zahlen und die Yerwendung gewisser Farbenbezeichnungen deuten ferner darauf hin, dass ihnen ebenfalls eine besondere, hieratische Bedeutung zukam.
Dahin gehören vor allem die Zahlen 1 (hun), und 7 (vukub), die wir mehrfach in Eigennamen treffen; wie folgende kleine Tabelle aus dom Popol Vuh und den Cakchiquel-Annalen zeigt:
1 7
H u n - a h p u Vukub-Hun-ahpu
Hun-came Vukub-came
H u - r - a k a n â
â Vukub-Cakix H u n - b a t z â Vuku-batz Hun -chou en â
H u n -1 o h
V u k - a m a' k Vukub pek
â Vukub civan
Aber auch 2, 4 und 13 kehren mit Vorliebe wieder.
So finden wir in Cabrakan âmit zwei Füssenquot; das Analogon zu Hurakan âmit einem Fussequot;. Charakteristisch ist ferner das paarweise Auftreten der göttlichen Wesen, auch wenn dieselben nicht, wie Xpiyacoc und Xmucane, zweigeschlechtig gedacht sind, Tepeu und Gucumatz, Hunahpu und Xbalanque, Hunbatz und Hun-chouen, Zipacna und Cabrakan, Hun came und Vukubcame, sowie die Damonen der Krankheiten werden paarweise genannt.
Der Zahl 4 begegnen wir ebenfalls mehrfach. Vier mythische Raubthiere vernichten die zuerst gemachten Menschen wieder. Vier Eulen werden als Boten von den Fürsten der Untenvelt ausgesandt. Vier Wege führen nach Xibalba. Vier ist die Zahl der zuletzt erschaffenen Menschen, von denen die drei Stannne der Quiches sich ableiten.
Versteckter ist die hieratische Bedeutung der Zahl 13 (oxlahub). Wir finden sie in Verbindungen, wie oxlahub tecpan und oxlahu ch'ob, âdie 13 Stammabtheilungenquot;. Weit wichtiger dagegen ist ihre Bedeutung für die chronologische Zeitrechnung, von welcher spater die Rede sein wird.
') Popol Vuh p. 88. !) Powell, address p. 14.
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Von den filnf einfachen Farbenbezeichnungen der Quiché-Völker (weiss, grün und blau, roth, gelb und schwarz) sind besonders die drei ersten, weiss (sak), grün und blau (rax) und roth (cak) von so hervorragender Bedeutung, dass eiaige speciellere Bemerkungen hierüber gestattet sein mogen.
Mit sak wird nicht uur âweissquot; als Farbe, sondern auch alles âHelle, Durchsichtigequot; bezeichnet, ferner der âOlanzquot;, so dass das Derivat sakil geradezu als Allgemeinausdruck für âFarbequot; dient. Da nun die Quichés und die nachstverwandten Stamme, wie oben ausgeführt wurde, in dem ersten Aufgehen der Sonne, im ersten Hellwerden auf Erden, das Grundereigniss der ganzen Weltgeschichte erblickten, so ist es leichtverstandlich, dass die helle, weisse Farbe für sie eine besondere Bedeutung erlangen musste. quot;Wir treffen daher das Wort sak als Bestandteil göttlicher Eigennamen, wie Zaki-nima-tzyiz, Zaki -nim- Ak, Zaki-tz'unun, âweisser, grosser Rüsselbiir, weisser grosser Ebei, weisser Colibriquot;, die von Thieren entnommen sind, deren Farbe keineswegs weiss ist. Unter den vier Wegen von Xibalba ist auch der Zaki-be (weisser Weg) genannt. Dagegen fehlt das Weiss merkwürdigerweise unter den vier Farben der Priestergewander der Pipiles1).
Bax ist für die Indianer sowol das Blau als das Grün in allen ihren Nuancen, obwohl sie diese selbstverstandlich ebensogut zu unterscheiden vermogen, wie wir, wie sich aus den spater zu besprechenden Farbenzusammenstellungen ihrer Gerathschaften ergiebt. Als Farbe des Himmels, des Meeres und der Seeen, sowie der nahrungspendenden Pflanzen-welt begegnet uns daher auch rax in Synthesen, welche nicht bloss eine Farbe, sondern das âGlanzende, Prachtige, Neuequot; andeuten sollen, wie in Ah-Baxa-Lak, (âVerfertiger des prachtigen Geschirrsquot;), Ah-Raxa-Tzel, (âVerfertiger schoner Calebassenquot;). Wir finden rax auch als Farbe eines Weges nach Xibalba (raxa-be), sowie unter den Farben der Priestergewander der Pipiles.
Da mit rax âgrünquot; aber auch das âUnreifequot;, ânoch nicht Gezeitigtequot; bezeichnet wird (z. B. rax hal âunreifer Maiskolbenquot;), so erlangt das Wort auch die übertragene Bedeutung von âvorzeitigquot;, ânoch frischquot;, (z. B. rax ch'ac frisches Fleisch) und endlich von âuner-wartet, plötzlichquot; (z. B. rax camic plötzlicher Tod). In dieser Bedeutung treffen wir es wohl in Baxa-Cakulha, dem âschnellen Blitzquot;.
Mit cak wird ârothquot; aller Nüancen bezeichnet. Wir treffen diese Farbe unter den Wegen nach Xibalba (caka-be) und bei den Priestergewandern der Pipiles. Ausserdem aber kommt cak heute noch in Synthesen vor, welche mit der Farbe ârothquot; nichts zu thun haben, wie cak jay (wortlich: ârothe Hauserquot;) die praehistorischen Tumuli. Die heutigen Indianer halten sie für die, in einer Sintflut zu Grunde gegangenen und mit Erde gefüllten Hauser der ersten Menschen. In cak i'k womit das Cakchiquel den âWindquot; und als haufigsten Wind den âNordwindquot; bezeichnet, steekt das Badikal cak gleichfalls, ebenso in dem gleichbedeutenden cak sutut âder Sturmwindquot; im Pokonchi. Doch kann hieraus nicht ohne weiteres ein Symbolismus der Art abgeleitet werden, dass etwa die vier Himmelsgegenden mit besondern Farben bezeichnet worden waren8). Es ist in dieser Hinsicht zu betonen, dass vermöge seiner kosmogonischen Ansichten für den Maya-Indianer Guatemalas nur zwei Himmelsgegenden wichtig waren, namlich der Ort des Sonnen-aufgangs und des Sonnenuntergangs, Osten und Westen. Für erstern batten wir âweissquot;, für letztern âschwarzquot; als symbolische Farben zu erwarten, aber auch hiefür fehlen alle
') Palacio p. 64. J) Bbinton, Names of the Gods p. 36.
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sichern Anhaltspuncte, wahrend wir dagegen bei den Mayas von Yucatan als symbolische Farben der Himmelsgegenden das Gelb (k a n) für den Süden, Roth (c h a c) für den Osten, Weiss (zac) für den Norden, und Schwarz (ek) für den Westen flnden1).
Von der Verwendung einzelner Farben zur Bemalung für die Feste wird spater die Rede sein.
III. PEIESTERSCHAFT UND GÃTTERDIENST.
Die zahlreichen überirdischen Wesen, von denen sich der guatemaltekische Indianer die ihn umgebende Welt bevölkert dachte, suchte er durch Nachbildungen in anthropo-morpher und zoomorpher Gestalt sich nahe zu bringen, indem er sich aus Holz, Thon und Stein von ihnen Bildnisse verfertigte und diese durch Gebet und Opfer verehrte. Da auf diese AVeise Götterbilder des Wassers, des Windes, für den Mais und andere Früchte, für die Zeugung und für Krankheiten in den Hilusern, auf den Feldern, in Höhlen, im Walde und in den Tempeln aufgestellt wurden, so ist es erklarlich, dass man heute noch bei der Bearbeitung des Bodens zahlreiche Gebilde aus Thon und hartem Fels findet, welche mann-liche und weibliche Figuren, Schlangen, Jaguare, Affen, Vögel und andere Thiere bald in getreuer Nachbiklung, bald in Groteskgestalt darstellen. Der allgemeine Ausdruck der Quiché-Sprachen für solche Götterbilder ist c'abauil, ein Wort, welches sich bis jetzt einer sichern Analyse entzieht.
Ueber die Entstehung der Sitte, die Getter in greifbarer Gestalt darzustellen, existieren zwei Sagen: Nach dem Popol Vuh holen die ersten Menschen, die Stammvater der Quichés, welche zuvor keine Götterbilder besessen batten, dieselben in den âsieben Höhlen und Schluchtenquot; von Tulan Zuiva. Fuentes dagegen erzahlt2), dass nach indianischer schrift-licher Ueberlieferung folgendes der Ursprung der Götterbilder sei: Der Sohn eines Haupt-lings erkrankt und stirbt zum grossen Schmerze seines Vaters, dessen Unterthanen alles versuchen, um ihn aufzurichten. Sie wenden sich endlich um Hülfe an eine Gottheit (der bigotte Fuentes nennt sie natürlich âdemonioquot;), welche sie ein hölzernes Bildniss des Ver-storbenen darstellen heisst. In diesem incorporiert sich der Gott selbst, um ihm Leben zu ver leihen. Als man dem alten Hauptling gemeldet, dass sein Sohn wieder am Leben sei und als er die Statue sich bewegen sah, verhel er dieser Illusion so vollkommen, dass er noch lange lebte und zur Zufriedenheit seines Volkes regierte, dem er die Statue, seinen vermeintlichen Sohn, als Erbin der Herrschaft hinterliess. Da das Volk sah, dass die Statue redete und mit ihm verkehrte, als ob sie lebte, hielt es dieselbe als himmlischen Ursprungs. und erwies ihr göttliche Verehrung. Von dieser Zeit an datiert auch die Sitte, Figuren der Götter darzustellen und zu verehren, da die Indianer glaubten, dass diese zu ihnen sprachen.
Im Popol Vuh werden vier Götterbilder genannt, von denen Jedes einem der mythischen Vater der Quichés entspricht. Da aber einer von diesen (Iqui-Balam) ohne Nachkom-menschaft stirbt, verschwindet auch sein Götterbild (Nicahtacah) wieder aus der Geschichte und nur die drei übrigen, Tohil, Avilix und Hacavitz, kommen auf die Nach welt.
Da ferner gesagt wird, dass T o h i 1 der Gott der drei Phratrien (parcialidades) der
') Landa, Kelacion p. 208. c) Fuentes I, p. 36.
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Quiches (der eigentlichen Quichés, derer von Tamub unci von Ilocab) war, scheinen diese Gottheiten zunachst Stammgottheiten gewesen zu sein. Daneben aber besassen wohl auch die subgentes oder chin am it ihre besondern Götter, eine Einrichtung, die sich auch in der christlichen Zeit forterhalten hat. Jedes einzelne Quartier (barrio) einer indianischen Ortschaft nftmlich, welches aus dem alten chin am it oder calpul hervorgegangen ist, besitzt heutzutage seinen besondern Heiligen und die Angehörigen des Quartiers betrachten sich als âBrüderquot; dieses Heiligen1).
Zum Dienst der Gottheiten bestand ein besonderes Priesterthum, welchem die Anord-nung der Feste oblag.
Ueber die Priesterwahlen fehlen uns für die Maya-Stammo des Landes fast alle sicheren Anhaltspuncte. Die Benennungen Ahau-Ah-Tohil, Ahau-Ah-Avilix, Ahau-Ah-Gucumatz deuten jedoch darauf hin, dass die eigentlichen Priester auch hier aus den Gentes der Vornehmen gewahlt wurden, wie eo ipso an denjenigen Orten, wo die oberste Priesterwürde gleichzeitig das Attribut des obersten Hauptlings war. Dass ferner bloss die Söhne der Vornehmen mit der Wartung der Götterbilder betraut wurden, spricht ebenfalls für die Beschrilnkung der Priesterwürde auf vornehme Gentes.
Roman sagt2), dass in der Verapaz der oberste Priester, der an Rang unmittelbar auf den König folgte, durch Volkswahl aus den Angehörigen eines bestimmten chinamit gewahlt wurde.
Genauer sind wir über den Wahlmodus der Pipil-Priester unterrichtet3). Wenn hier der oberste Priester starb, so begrub man ihn sitzend auf einem bemalten Stuhl, in seinem eigenen Hause und das Volk hub eine 15-tagige Trauer an, mit Wehklagen und Pasten. Nacb dieser Zeit wilhlten der Oberhauptling mit Hülfe des Wabrsagers durch das Loos einen neuen Oberpriester aus den vier Unterpriestern. Die Wahl wurde mit Festen gefeiert, wobei der Gewahlte aus Zunge und Genitalien sich Blut entzog und den Göttern opferte. Der neue Oberpriester wilhlte ferner aus den Söhnen seines verstorbenen Vorgiingers, oder, wenn diese fehlten, aus den Söhnen der Unterpriester den Nachfolger in seinem frühern Amte als Unterpriester und besetzte auch nöthigenfalls die übrigen Aemter für den Dienst der teupas oder Tempel.
Bei den Stammen der Verapaz trat jeweilen die Laienverwaltung der Provinz mit den Aeltesten der chinamit zusammen und berathschlagte unter Zuziehung der Priester-schaft über die nothwendigen Feste und Opfer4), die demnach nicht an bestimmte Epochen gebunden gewesen zu sein scheinen, wie anderwarts. Die Zeit und die Art des abzuhal-⢠tenden Festes wurde jedoch nicht von den Hauptlingen und den eigentlichen Priestern, sondern von besondern Persönlichkeiten, den Wahrsagern, bestimmt, indem mitMaiskörnern und Tzité-Bohnen das Loos geworfen wurde. Der Tzité-Baum, der nach früher Gesagtem ebenfalls zu den heiligen Pflanzen Guatemalas gehort, ist eine Erythrina-Art, welche im Spanischen als âPalo pitoquot; bezeichnet wird und der Flora der Altos angehört. Er ist z. B. haufig an der Strasse von Patzicia nach Tecpam. Die Bohnen werden auch heute noch zum Werfen des Looses verwendet, indem die Wahrsager sie mit Maiskörnern mengen und da mit würfeln.
War die Zeit des Festes bestimmt, so begannen die Vorbereitungen dazu mit allerlei Kasteiungen. Geschlechtlicher Umgang war, selbst für Verheiratete, verboten. Die Manner
') Stoll, Guatemala p. 250. :) Roman, III 1. 1 fol. 160. 3) Palacio, Carta p.64. 4) Eoman,III 1.1 fol. 146.
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verbrachten die Zeit betend in den Tempeln und kehrten nur zum Essen auf kurze Zeit zu ihren Frauen zurück, von denen sie ohne Gruss und Rede bedient warden. Es fanden vorschriftsgemass Blutenziehnngen aus verschiedenen Körperstellen, ans Armen, Schenkeln, aus Fase, Znnge und Ohren mittelst Obsidianlancetten (chay) statt. Nachts warden Weihrauchopfer gebracht und Waschungen der Priester vorgenommen. Man schlief nicht zu Hause, sondern in besondern Hallen oder Hausern beim Tempel. Nachts holten die Manner ihre Frauen und grössern Kinder ab und gingen mit ihnen in den Wald hinaus oder an die Kreuzwege, wo sie ebenfalls mit Obsidianlancetten sich und ihren Angehörigen Blut entzogen, Vogel, Weihrauch und Blumen opferten und zu den Göttern flehten, dass sie ihnen Gesundheit, Kindersegen und gute Ernten verleihen mochten, Nachdem sie auf diese Weise an verschiedenen Orten gebetet, schickten die Manner ihre Weiber und Kinder nach Hause und kehrten selbst in den Tempel zurück.
Die Sitte des Opferns an den Kreuzwegen erinnert an die vier Wege nach Xibalba hn Popol Vuh.
Wie tief die genannten Selbstpeinigungen selbst noch zur christlichen Zeit der indi-anischen Vorstellung und dem Bedürfniss eines Opfers inhserierten, geht aus dem Bericht von Gage1) hervor, der uns erzahlt, dass die Indianer, sowohl Weiber als Manner, sich in der h. Marterwoche aufs allerscharfste geisselten, so dass einige davon ohnmachtig wurden und andere sogar an den Folgen der Geisselung starben.
Dass bei diesen Vorbereitungen die Priester dem gemeinen Volke voranzugehen hatten, ist wohl selbstverstandlich. In einigen Gegenden (in welchen, wird nicht gesagt) war der oberste Hauptling zugleich Oberpriester und kasteite sich in der Vorbereitungszeit an Stelle des ganzen Volkes, indem er allein und zurückgezogen in einer kleinen Laubhütte, dem âgranen Hausquot;, nahe dem Aufbewahrungsort der Götter, wohnte, wo er fastete, da seine Nahrung nur aus trocken geröstetem Mais und einigen Früchten bestehen durfte und am Feuer gekochte Speisen ihm untersagt waren. Er brachte Opfer von allerlei, ihm in seiner Einsamkeit erreichbaren Dingen und entzog sich taglich Blut aus den Ohren und den übrigen Körpertheilen.
Wir sehen endlich auch die Be ma lung des Körpers als Theil der gottesdienstlichen Ceremonien auftreten. Sobald die Vorbereitungszeit Ijegonnen batte, farbten sich die Priester und Verheirateten schwarz, die ledigen Manner dagegen um sich von den Verheirateten zu unterscheiden mit rother Erde. Man pflegte namlich, wie spater erwahnt werden soil. Ledige und Verheiratete aus padagogischen Rücksichten möglichst getrennt zu halten. Ob aber irgend ein Symbolismus diesen beiden Farbungen zu Grunde lag, ist nicht zu ent-scheiden.
Die Götterbilder selbst wurden zum Feste mit Gold und Edelsteinen geschmückt, in bordierte Gewander gehiült und auf Sanften unter Musikbegleitung in Procession herum-getragen. Ihre gewöhnlichen Aufbewahrungsorte waren an einigen Orten die Tempel, an andern aber Höhlen und versteckte Orte, da man glaubte, dass der haulige Anblick der Götterbilder die Achtung ver denselben vermindere. Sie wurden in ihrem Versteek von den ledigen Söhnen und Verwandten der Hauptlinge bedient, welche allein ihren Verbleib kannten. Bei den Festen wurden die Götterbilder von diesen jungen Leuten hervorgeholt und in Procession in die Dörfer getragen. Unterwegs hielt man haufig still, wobei die
') Gage, p. 329.
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Warter der Götterbilder ihnen die Gaben opferten, welche das Volk zu diesem Zwecke spendete. Nach einem Rundgang durch das Dorf wurden die Götter auf dem Ballspielplatz niedergesetzt, und die Hftuptlinge spielten vor ihnen Ball. Es erscheint also das Ballspiel1), welches schon im Popol Yuh eine hervorragende Rolle spielt, als integrierender Bestandteil der religiösen Ceremonien und keineswegs als blosse Unterhaltung, wie es denn anschei-nend ein ausschliessliches Verrecht der Hauptlinge bildete. Dem entsprechend gehort auch der Kautschukbaum (Castilloa elastica) zu den heiligen Pflanzen des Landes, deren Produkt mit dem Copal zum Rauchopfer verwendet wird.
Einen nicht weniger wichtigen Theil der religiösen Handlungen bildeten pantomimische Chortanze, deren Reste wir in den heutigen âBailesquot; oder Chortanzen der Indianer bei den christlichen Kirchenfesten noch erhalten flnden. Ihr Ursprung reicht bis in die prae-historische Zeit zurück, und die im Popul Vuh genannten dieser Tanze, der Hunahpu-Qoy- (wörtl. Affenschütze), der Puhuy- (Ziegenmelker), Cux- (Harder), Iboy- (Gürtel-thier), Xtzul- (Tausendfuss) und Chitic-Tanz, werden auf die beiden Halbgötter Hunahpu und Xbalanque zurückgeführt2), sind also göttlichen Ursprungs, was die Bedeutung dieser Tanze beim Gottesdienst erkUlrt. Dieselben waren theils bloss pantomimisch er Natur, theils aber bildeten sie dramatische Darstellungen, von denen uns eine durch Bbasseur3) in der Quiché-Sprache erhalten ist.
Die Zahl der jahrlichen Feste wird zu fünf, in einigen Gegenden zu sechs angegeben *). Da aber gleichzeitig behauptet wird, dass die Vorbereitungszeit 68 Tage und zuweilen selbst 100 Tage betragen habe6), so waren mehr Tage im Jahr mit Vorbereitungen verbracht worden, als verhanden sind, was auf eine Unrichtigkeit der einen oder andern Angabe schliessen Ulsst. Für die Pipiles gibt Palacio 0) bloss zwei grosse Feste im Jahre an, von denen eines beim Eintritt der Regenzeit, das andere bei Anbruch der Trockenzeit abgehalten wurde.
Die grossen Feste wurden mit Men schen opfern began gen, zu denen Sclaven oder Kriegsgefangene dienten. Bei den Pipiles wurden illegitime Knaben von sechs bis zwölf Jahren aus dem Stamme selbst geopfert. In der Verapaz unternahm man zwei Wochen vor dem Pest einen grossen Kriegszug auf feindliches Gebiet, um Gefangene zu machen die als Material für die Opfer dienten7). In den letzten Tagen vor der Opferung versah man die dazu bestimmten Sclaven mit einem Halsring aus Gold, Silber oder Kupfer, durch welchen, wohl als Handhabe, ein Holzstück gesteckt war. Vier Wachter begleiteten die Opfer, welche mm frei in jedes Hans, selbst in die vornehmsten gehen und dort essen konnten. Sie wurden von Jedermann gut behandelt, durften aber das Dorf nicht verlassen und sich des Halsrings und der Wache nicht entledigen. Wahrend der sieben letzten Tage vor dem Feste wurden die Opfersclaven in einem Hause nahe dem Tempel eingesperrt und bis zur Trunkenheit mit Speise und Trank versehen. Wahrend der letzten drei Tage reinigte man die Wege, bestreute sie mit Ficbtennadeln und schmückte die Mauser mit Blumen, gerade wie dies heute noch bei den Kirchenfesten in Guatemala üblich ist. Am Vorabend des Opfertages bereitete sich Alles festlich vor, die Altiire der Götter wurden gesclimückt, und nachdem man sich durch Waschen von der oberwahnten Malerei befreit hatte, kleidete man sich in neue und schone Gewander.
Wahrend der Nacht vor dem Feste brachten die als Wachter der Götter bestellten
n Vel. über das mexikanische Ballspiel Torquemada t. II 1. 14 c. 12. !) Popol Vuh, p. 113 und 177. s) Bbasseur, Rabinal Achi. ^ Roman, t. Ill 1. 1 fol. 145. 5) Roman, t. Ill 1. 1 fol. 145. «) Palacio, Carta p. 66. 7) Roman, t. Ill 1. 2 fol. 160.
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Söhne der vornehmen Familien die Göttevbilder herbei und spendeten ihnen schon unterwegs von Zeit zu Zeit Vogel und andere Thiere, Blumen, Früchte und Weihrauch, Wonn daim durch Boten die Ankuuft der Götter den Hiiuptlingen und Friestern gemeldet war, gingen ihnen die letztern mit ihren Gehülfen entgegen und geleiteten sie stillschweigend in's Dorf, Avo sie dann im Tempel auf ihre Altiire gesetzt wurden, Sobald dies geschehen, wurden die Instrumente gespielt und die Festtiinze aufgeführt bis zu Tagesanbruch, wo dann .Ieder nach Hause ging, sich reinigte und Vogel und Weihrauch herbeischaffte, um sie durch die Priester opfern zu lassen. Wenn die Stunde des grossen Opfers herannahte, so beklei-dete sich der oberste Priester mit seinem Ornate, bestehond aus einem Mantel, einer gol-denen oder silbernen, mit edlen Steinen geschmückten Krone und andern Dingen. Das Göt-terbild wurde hierauf in eine reich mit Gold und Edelsteinen geschmückten Sanfte gesetzt und unter Musik und Tanz in Procession im Tempelhof herumgetragen, um dann auf einem Altar neben dem Opferstein anfgestellt zu werden. Nachdem hier wahrend einiger Zeit eine lange Recitation der alten Sagen erfolgt war, wie dies haute noch z. B. in Tecpam Guatemala bei den Kirchenfesten geschieht, holten die Hauptlinge die Opfersclaven, indem Jeder den seinigen au den Haaren ergriff und vor das Götterbild schleppte. Dann beteten sie vor allem Volke für sich und das Volk zu dem Gotte um Gesundheit, Kinder und Wohlergehen, und übergaben der Roihe nach ihre Sclaven den Opferpriestern, welche ihnen das llcrz aus-schnitten und dem Gotte darboten. Der erste Opferpriester nahm mit drei Fingern ein Wenig von dem Blute des Opfers, besprengte damit das Idol und warf da von der Sonne entgegen. Auf diese Weise ging er von Idol zu Idol und besprengte sie alle mit Blut. Die Köpfe der Geopferten wurden an einem, besonders zu diesem Zwecke dienenden Altar auf Stangen gesteckt, wo sie einige Zeit verblieben. Dann wurden sie beerdigt.
Für das Aufstecken der Köpfe der Geopferten auf Stangen hatten die Indianer mehrere Grimde. Erstlich sollten sich die Götter angesichts der ihnen geweihten Opfer leichter der an sie gerichteten Bitten erinnern, und geneigter sein sie zu erfiillen. Das Volk aber sollte dessen gedenken, dass diese Opfer um seiner Sünden willen dargebracht waren, und der Ober-Hauptling sollte dadurch bewogen werden, den Kultus zu heben, um die aus-wilrtigen Feinde zu erschrecken, wenn sie sahen, welches Schicksal ihrer als Kriegsge-fangene warte. ^
Der übrige Körper wurde gekocht und als geweihte Speise gegessen. Die Hiinde und Füsse blieben, als die delikatesten Stücke, den obersten Friestern und Hauptlingen reser-viert, den Rest theilte das gottesdienstliche Personal unter sich. Das Volk selbst hatte au dieser Mahlzeit keinen Antheil. Der Kannibalismus hatte also hier einen exclusiv religiösen Charakter und bildete ein Verrecht der bevorzugten Klassen. Ueber die psychologische Grundlage desselben lassen uns die Schriften über Guatemala im Unklaren. Da indessen die Indianer heute noch der Ansicht sind, dass in alten Zeiten die Sonne vor Antritt ihres taglichen Laufes einige Menschen als Nahrung zu verzehren pflegte2), und da diese Ansicht durch die beiden Skulpturen der Sonnengeier von Santa Lucia Cotzumalhuapa3) in eigen-thümlicher Weise illustriert wird, so dürfen wir vielleicht im Kannibalismus der guatemal-tekischen Priester eine symbolische Darstellung dieses Göttermahles vermuthen.
Die Tage der grossen Opfer waren zu grossen Gelagen bestimmt, bei welchen wiederum
') Roman, III lib. I f. 147. -) Stoll, Guatemala, p. 212. 3) Habel, Sculptures Taf. VI Nquot;. 17. Taf. VII N0. 18.
I. A. f. E. I. Suppl. I.
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Tanze vor den Gottern aufgeführt wurden. Fuentes1) erzahlt, dass sich bei diesen Gelegen-heiten die Famiiien in ihren Hausern durch brutale Umnassigkeit in Speise und Trank für die lange Fastenzeit entschadigt haben. Die allgemeine Trunkenheit dokumentierte sich bei den Einen durch Weinen, bei Andern durch Gesang und Lann, bei Dritten endlich durch Wuthanfalle bei denen sie Andere verwundeten und todteten, ein Schauspiel, das auch heute noch bei den grossen Kirchenfesten ausgiebig zu sehen ist. Die Schranken dei-Zucht hörten auf, die Betrunkenen ergaben sich ohne Unterschied der sexuellen Aus-schweifung mit ihren Töchtern, Schwestern, Müttern und Kehsweibern und verschonten selbst Kinder von sechs und sieben Jahren nicht. Diese Aufführung steht in seltsamen Widerspruch mit den strengen, p. 18 und 19 erwahnten Sittengesetzen.
Indessen lag derselben nach Geronimo Roman (1. c.) nicht sowohl ein lasterhafter Hang zur Ausschweifung, als vielmehr die Ansicht zu Grande, dass dieses Gebahren den Göttern wohlgefallig sei. Deswegen ergaben sich auch die obersten Hauptlinge ain meisten der Trunkenheit, und wiihrend sie dergestalt trunken und handlungsunfahig waren, waren ihneu Stellvertreter gesetzt, welche nüchtern zu bleiben und die laufenden Geschafte zu erledigen batten.
Die Feste dauerten, je nach Gutdünken der Wahrsager, drei, fünf und sieben Tage lang. Wahrend dieser Zeit wurden jeden Nachmittag die Götterbilder in grosser Prozession mit Musik durch die Strassen getragen. An hervorragenden Punkten und auf den öffent-lichen Pliltzen hielt man an, Altare wurden errichtet und Ball gespielt. Am letzten Tage schless das Fest und Jeder ging nach seinem Hause, mit Ausnahme der mit der Wartung der Götterbilder betrauten Personen, welche diese an ihre Aufbewahrungsorte zurückbrachten.
Zu Fuentes 2) Zeiten, und wohl schon vor der Eroberung, waren die öffentlichen Feste das Mittel, die freundschaftlichen Beziehungen zu -den Nachbarorten zum Ausdruck zu bringen, indem das eine Dorf ein anderes zum Besuch einlud und mit Speise, Süssigkeiten und Getrank bewirtete und beschenkte. Die Eingeladenen waren gehalten, bei einer andern Gelegenheit ebenso reichlich Gegenrecht zu halten. Eine Nachlilssigkeit bei der Bewirtung der Gaste konnte Anlass zu dauernder Verstimmung zwischen den Gemeinden werden.
1 leutzutage besteht diese Sitte noch zwischen den verschiedenen Famiiien, welche sich bei Familienfesten gegenseitig einladen und bewirten, oder wenigstens Geschenke an Esswaaren machen, die bei anderer Gelegenheit erwidert werden müssen. Die Cakchiqueles nonnen solche Ess-Geschenke lok'obal, was etwa âFreundschaftszeichenquot; bedeutet.
Die indianischen Götterfeste allgemeiner Natur haben sich bis in unsere Zeit erhalten und sind selbst unter der Maske der christlichen Feste noch leicht erkennbar. Fuentes erazhlt3) aus seiner Zeit, dass das Verlangen der Indianer, den Tanz Oxtun (âder drei grossen Trommelnquot;) tanzen zu können, so gross sei, dass die Indianer des Dorfes Alote-nango der Obrigkeit einst 1000 Pesos für die Erlaubniss dazu offerierten. Sie wurde ihnen aber nicht nur nicht gewahrt, sondern man legte ihnen noch eine harte Strafe auf, da dieser Tanz den Spaniern als höchst anstössig galt. Die Mitspieler namlich, welche sich wahrend einiger Tage vor dem Feste durch Fasten, allerlei Ceremonien, Schweigsamkeit und Zurückgezogenheit, sowie durch Abstinenz von ihren Weibern darauf vorbereiten mussten, entschadigten sich am Feste selbst dadurch, dass ihnen alsdann jede beliebige Frau zu Willen sein musste.
') Fuentes, I. p. 40. â ) Fuentes, I. p. 236. 8) Fuentes, I. p, 41.
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Zu Gage's Zeiten waren die Tanze gestattet, da man ihnen eiiie christliche Unterlage gegeben hatte und Gage beschreibt einige davon ausführlich Seine Schilderung der Jagd-tanze gilt auch für heute noch. Welchen Ernst die Indianer mit diesen Festtanzen anch in ihrer hybriden, christlichen Gestalt noch verbanden, geht sowohl aus den wochenlangon, zeitraubenden und kostspieligen Vorbereitungen, als besonders aus dem Umstand hervor, dass diejenigen Tanzer, welche schlechte Charaktere, wie den Herodes, die Herodias und die Söldner darzustellen hatten, nach dem Feste ihre flngierte Missethat beichteten und dafür Absolution verlangten.
Wie im öffentlichen, so spielten die religiösen Verrichtungen aber auch im privaten Leben eine grosse Eolle. Alle wichtigen Geschafte wurden mit gottesdienstlichen Hand-lungen eingeleitet und von ihnen begleitet, denn da sozusagen alle belebten und unbelebten Gegenstande als der Sitz übernatürlicher göttlicher Wesen betrachtet wurden, so batte der Indianer auf Schritt und Tritt Gelegenheit sich mit ihnen zu beschaftigen. AVenn ein Haus erbaut wurde, so weihte man die Halfte dem âGott der Hauserquot;, Chahalhuc,8) hier wurde sein Altar aufgestellt und ihm Weihrauch und besonders Vügel geopfert. Das geopferte Blut wurde an die Wand gespritzt und rings um die Flecken Quetzalfedern geklebt. Dasselhe geschah an der Thür, damit nichts Böses hineinkame. Wo zum Hauserbau das Holz gefallt wurde, betete man zum âHüter der Hauserquot; auf dass der Ban zum Segen gereichen möge. Es bestanden besondere Betplatze, meist unter buschigen, laubreichen Baumen oder Baumgruppen, wo die Indianer in aller Lebensnoth hingingen und unter Blut-enziehungen zu den Göttern flehten. Da für sie eines der grössten Uebel die Kinderloisgkeit war, so opferten sie in gleicher Weise au den Quellen als dem Sitz lebenspendender göttlicher Wesen. Orte wo am Fuss eines 'dichtbelaubten Baumes sich eine Quelle ergoss, galten als besonders heilig, da sich hier zwei Gottheiten, die des Baumes und der Quelle, vereinigten. Sie opferten ferner in Höhlen und an dunkeln, verborgenen Orten, auf den Gipfeln der Berge, an den Kreuzungen der Wege, und, je nach der Art ihres Anliegens an die Götter, wahlten sie den jeweilen geeignetsten unter diesen Orten. An den Wegen fanden sich von Strecke zu Strecke Rastplatze, wo in kleinen Bcthausern Altare und Göt-terbilder aufgestellt waren und wo die Reisenden ihre Gebete und Opfer verrichteten. Zu diesem Zwecke nahmen sie einige Ruthen, schlugen sich damit auf die Beine, bespuckten die Ruthen und legten sie alsdann auf den Altar, indem sie dieselben mit einem Stein beschwerten. Nach diesen Ceremonien, die den Zweck hatten, die Müdigkeit zu vertreiben und den Körper wieder zu starken, fühlten sie sich wieder kraftiger. An solchen Stellen opferte man Baumwolle, Cacao, Salz, Pfeffer oder was man sonst mithatte und diese Dinge blieben liegen, bis sie faulten, denn Niemand wagte, die an den Gebetplatzen geopferten Spenden wegzunehmen. Solche Platze hiessen Mumuz.3)
Die beiden Worte Chahalhuc und Mumuz, die beide der Quiché-Sprache ent-stammen, sind deshalb von Interesse, weil sie einerseits einen relativen Anhaltspunkt fttr die ZuverMssigkeit der Nachrichten des Gekómjno Roman gewahren, der nicht nach eigener Erfahrung, sondern olfenbar nach handschriftlichen Berichten der Dominikaner, vor allem des Las Casas erzahlt. Anderseits beweisen diese Worte, dass der damalige Begriff der Verapaz nicht bloss die heute so genannten Departemente von Guatemala, sondern auch
') Gage, p. 332. ;) im Quiché: âHüter dor Wohn- oder Schlafstilttoquot;
'l Roman, III lib. I fot. 148.
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einen grossen Theil des austossenden Quiché-Gebietes miifasste, wie denn Roman auch gerade zu sagt (III 1. I f. 129): âDie Vera Paz welche damals Utatlan hiessquot;.
Wenn die Indianer auf die Jagd nach buntgefiederten Vögeln gingen, von denen vor Ailem die Quetzaies ihrer Federn wegen wichtig waren, so beraucherten sie die Leimruthen, damit sie mehr Kraft erhielten. Bei Beginn der Aussaat opferte man Geflügel, mit dessen Blut der Umkreis des Saatfeides besprengt wurde. Einige Tage vor der Aussaat enthielten sie sicli ihrer Frauen, indem sie es für verderblich für das Gedeihen der Feldfrüchte hielten, zur Saatzeit den Beischlaf zu üben l). In ihren Obstgiirten hutten sie Götterbilder aufge-stellt, denen geopfert wurde, damit sie das Obst schützen sollten. quot;Wenn sie die Maisfelder jateten, verbrannten sie Weihrauch an den vier Ecken und in der Mitte des Fel des, die Gutter bittend, sie mochten ihnen das Getreide bis zur Ernte schützen. Bei der Ernte gabon sie die Erstlingskolben den Priestern oder sie mahlten sie und brachten das Mehl roh oder gebacken dem Götterbild, das auf dom Maisfeld aufgestellt war, dar oder endlich sie speisten damit Arme und Kranke. Nach der Ernte wurden die Beitriige zu den Opfern
jewellen in Mals bezahlt.
Von besondern, dem Monde gewidmeten gottesdienstlichen Handlungen lesen wir für Guatemala nichts. Dass aber dennoch auch diesem Gestirn eine eingreifende Bedeutung für die Geschicke der Welt zugeschrieben wurde, beweist die Erzahlung des Popol Vuh von der Verwandlung des güttlichen Zaubererpaares Hunahpu und Xbalanque in Sonne und Mond und der heute noch bestellende Glaube der Indianer, dass eine Verflnsterung des Mondes, in einem Kampfe mit der Sonne bestehe, der den Untergang der Welt zur Folge hatte, wenn es dem Abendstern nicht gelingt, die beiden kiimpfenden Gestirne zu trennen2). Zu Fuextks3) Zeiten pflegten daher die Pokomam-Indianer von Mixco bei Mondfinsternissen dem, nach ihrer Ansicht mit dem Untergang bedrohten Nachtgestirn durch gewaltigen Lann mit Trommein, Metallwerkzeugen und lautem Geschrei zu Hülfe zu kommen.
In der religiösen Vorstellungswelt der Maya-Stamme Guatemala's finden sich manche mexikanische Anklange, wie aus den, im Popol Vuh vorkommenden aztekischen Namen, wie z. B. ah-toltecat, tamazul, ch imam al mat, nanauac, und dem Versuche seines Verfassers hervorgeht, den Quiché-Gott Tohil mit dem mexikanischen Quetzal-cohuatl zu identificieren, dessen Name sich auch im Guciiniatz der Quiches und Kukulcan der Mayas in Uebersetzung wieder flndet. Indessen sind doch diese Mexica-nismen beinahe unzweifelhaft spatere Zuthat, welche einer ursprünglichern und altern Religionsform einverleibt und angepasst wurde. Wahrend sich für den Aufbau der staat-üchen Organisation die Parallele zwischen Mexico und Guatemala trotz mancher Unvoll-standigkeiten der Berichte für letzteres Land, leidlich durchführen lasst, so ist dies für die Religionswelt nicht mehr möglich und trotz mancher nahen Berührungspunkte, die eben im Wesen der Naturreligion überhaupt und in der Aehnlichkeit der umgebenden physischen Natur Mexicos und Guatemalas begründet sind, sehen wir uns doch zu der Annahme gedrangt, dass das Auseinandergehen der religiösen Systeme der verschiedenen Kulturvölker des eigentlichen Mexico, mit Einschluss der Mayas und der Guatemala-Stamme, zeitlich sehr weit zurück verlegt werden muss, sell^st wenn der Ursprung ein gemeinsamei gewesen sein sollte, Gegenüber der entwickelten Götterlehre der Azteken und Mayas linden wir diejenige der Qaichés einfacher, armer, primitiver, gewissennassen der embryonalen
') üeber die Sitte der Pipiles vgl. p. 46. :) Stoll, Guatemala, p. 275. 3) Füentes, II p. 41.
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Stufe einer hekastotheistischen Religion noch naher stehend. Dem entsprechend ist auch der gottesdienstliche und priesterliche Apparat der guatemaltekischen Volker bescheidener und einfacher.
Dieses Festhalten an den alten, naturursprünglichern religiösen Anschauungen bei Völkern, welche in ihren staatlichen Verhaltnissen deutlich die Spuren fremder Cultur erkennen lassen, stimmt am Ende nur mit dem Erfahrungssatz der Weltgeschichte überein, dass es leichter und weniger zeitraubend ist, die Regierungsform eines Volkes umzugestalten, als seine grundlegenden religiösen Ansichten zu andern. Die Regierungsform ist das Resultat ausserer und daher der Gewalt zuganglicher psychischer Bethatigung, wahrend die religiose Ansicht im innern Reich der Gedanken fusst und der aussern Gewalt nur scheinbar weicht. Dass aucli das Christenthum bloss die Oberflache, nicht aber die innere Grundlage der indianischen Religion geandert hat, wird Jedem klar werden, der sich die Mühe nimmt, durch Augenschein dessen Wirkung auf die Stamme Guatemalas zu studieren.
Wenn auch in den Grundanschauungen nahe verwandt, so scheint doch das Detail der religiösen Uebungen der Maya-Stamme des Landes in mancher Hinsicht verschieden von demjenigen der fremdsprachigen Völker in der Südwestecke des Landes gewesen zu sein. Wir flnden hier nach Palacio's1) Beschreibung, die Hieropolis Micla, drei Leguas vom Uxaca-(heute Güija-)See, wo die Pipil- und Ghontal-Indianer der Umgegend sich zur Opferung zusammen fanden. Micla2) aber ist aus Mie tl an verstümmelt, womit die aztekische Sprache âdie Statte des Todesquot;, in der christlichen Zeit die Hölle, bezeichnet. Es entspricht also das Micla der Pipiles dem X i b a 1 b a der Maya-Stamme, mit dem Unter-schiede, dass ersteres (das heutige Mita) eine reelle, das letztere eine bloss mythische Existenz besitzt.
Wie für die Maya-Stamme, so war auch für die Pipiles der Aufgang der Sonne das wichtigste Phaenomen, welches daher besonders verehrt wurde. Ausserdem wurden aber die Idole eines zweigeschlechtigen Götterpaares verehrt, des mannlichen Quetzalcohuatl und des Aveiblichen Itzcueye, deren Wesen nicht naher bezeichnet wird, obwohl gesagt ist, dass die Manner dem Quetzalcohuatl, die Weiber der Itzcueye opferten. Es ist daher gerathen, trotz der Uebereinstimmung der Namen, den Quetzalcohuatl der Pipiles nicht schlechtweg mit dem Quetzalcohuatl der Mexikaner zu identifieieren, denn der Gott der Pipiles kann ebenso gut, wie der Gucumatz und Kukulcan der Maya-Stamme, lediglich die Aufpfropfung eines modernen und fremden Namens auf eine alte, einheimische Gottheit gewesen sein.
Als oberste Priesterschaft flnden wir bei den Pipiles einen Oberpriester, teoti3), ferner einen Wahrsager oder Kalendererklarer (teoamatlini, von teoti Gott und amatl Buch) 4) dem es oblag, die Pestzeiten durch das Loos zu bestimmen, und vier Unterpriester (teopixqui). Ausser diesen erwahnt Palacio noch einen Hüter des Tempelschatzes, der auch bei den Menschenopfern das ïïerz auszuschneiden hatte und noch andere Dienste verrichtete. Ferner gab es Tempelbedienstete, deren Aufgabe es war, mit Musik-instrumenten das Volk zu den Opfeni herbeizurufen.
1
') Palacio, Carta p. 62 sqq.
2
:) Uio des Aztekischen weniger kundigon spanischen Schriftsteller ersetzen hiiufig don ihnen fremd-artigen Lautcomplex tl durch das ahnlich klingende cl und schreiben z. B. tecucli statt tecutli.
3
) In Squiee's Ausgabe, wohl unrichtig, teoti geschrieben.
4
*) Bei Squier te hu a matlini gesohrieben.
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Der Oberpriester, welcher eine vom Oberhauptling verschiedene Person war, trug eine besondere Kleidung, bestellend aus einem langen blauen, hemdartigen Rock (ropa) und einem buntfarbigen Diadem oder einer Mitra, an deren Spitze ein Büschel Quetzalfedern angebracht war. Ausserdem trug er gewöhnlich einen Stab in der Hand. Die vier Priester waren ebenfalls mit langen Hemden bekleidet, die von verschiedener Farbe, schwarz, grün, roth und gelb, waren und bis auf die Füsse herabreichten.
Die Pipiles batten zwei regelmassige öffentlicbe Jahresfeste, die mit Menschenopfern gefeiert warden. Das eine davon flel auf den Beginn der Regenzeit, also wohl in die erste Halfte des Mai, das zweite auf den Beginn der ïrockenzeit, also wohl in die zweite Halfte des October. Das Detail dieser grossen Opfer weicht in mancher Hinsicht von den Gebriluchen der nördlichen Stam me etwas ab, schon darin, dass als Opfer nicht Sclaven und Kriegs-gefangene, sondern blos's uneheliche Knaben von sechs bis zwölf Jahren aus dem Stannne selbst verwendet warden.
Nachdem einen ïag nnd eine Nacht vor dem Feste das Volk durch den Klang der Musikinstrnmente zusammengerufen worden, gingen die vier Unterpriester mit Feuerpfannen, auf denen Kautschuk und Kopal gerauchert wurde, vom Tempel (cu) herab gegen Sonnen-aufgang hin, und verrichteten knieend und Weihrauch spendend ein Gebet. Dann vertheilten sie sich nach den vier Himmelsgegenden, beteten, und eilten in die vier Hauser, welche in den vier Richtungen zu diesem Zwecke verhanden waren und ruhten eine Weile. Von hier begaben sie sich zum Hause des Oberpriesters, welches nahe beim Tempel stand, zurück, ergriffen den znm Opfer bestimmten Knaben nnd gingen mit ihm tanzend und singend vier mal im Tempelhof herum. Alsdann begab sich der Oberpriester mit dem Wahrsager und dem Schatzmeister von seinem Hause nach dem Tempel, begleitet von dem Oberhauptling und den Vornehmen, welche an der Thür zurückblieben. Die vier teopixqui ergriffen den Knaben, jeder an einem Arm oder Bein, hessen ihm durch den Schatzmeister das Herz ausschneiden nnd übergaben es dem Oberpriester, welcher es in eine kunstvoll gearbeitete Tasche einschloss. Mit dem Blute des Opfers füllten die vier Priester vier Calebassen, gingen einer nach dem andern in den Tempelhof hinab und sprengten das Blut mit der rechten Hand nach den vier Himmelsgegenden aus. Wenn etwas von dem Blute übrig blieb, so brachten sie es dem Oberpriester zurück, der es mitsammt dem Beutel der das Herz onthielt , durch die Brustwunde in den Körper des Geopferten zurückbrachte. Die Leiche wurde alsdann beerdigt.
Wir finden also hier die Bedeutung der vier Himmelsgegenden, für welche bei den Maya-Stammen Guatemalas der Nachweis fehlt, deutlich hervor gehoben. Pernor ist bei den Pipiles das Menscheuopfer nicht mit Anthropophagie verbunden.
Ausser diesen grossen flxen Festen der beiden Jahreszeiten finden wir aber bei den Pipiles noch eine Reihe von Gelegenheitsfesten wie für den Krieg, für die Jagd- und Fischzüge.
Der Oberpriester und die vier teopixqui beriethen sich mit dem Wahrsager, um zu erfahren, ob es am Platze sei, einen Kriegszug zu unternehmen, oder ob ein Feind von aussen drohe. Wenn das Loos bejahend entschied, beriefen sie den Oberhauptling und die Kriegsführer, und gaben ihnen die nöthigen Weisungen über die Art und Richtung des Kriegszuges. Wurde dieser glücklich beendigt, so erstattete der Hauptling durch Eilboten dem Oberpriester Bericht, und dieser berieth sich mit dem Wahrsager über die Art des abzuhaltenden Opferfestes. Fiel das Loos auf Quetzalcohuatl, so dauerte das Fest fünfzehn
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Tage, flel es auf Itzcueye, so dauerte es fünf Tage. An jedem Tage aber wurde ein Mensch geopfert.
Bei diesen Kriegsdankopfern kamen alle Krieger in geordneter Reihe tanzend und singend lierbei und die Kriegsführer führten in ihrer Mitte die mit Federn, Arm- und Beinspangen aus Edelsteinen und Cacaoschnüren um den Hals geschmückten, zum Opfer bestimmton Gefangenen. Das Priestercollegium ging ihnen mit dem gesammten Volke entgegen, unter Tanz und Musik, und nachdem die Hauptlinge den Priestern die Opfer übergeben batten, kehrten sie alle in den Tempelhof zurück, wo Tag und Nacht Tilnze veranstaltet wurden. Mitten in den Hof legten sie eine Steinbank, auf welcher das Opfer rücklings an Handen und Füssen ven den vier Priestern festgehalten wurde. Der Schatzmeister, reich mit Federn und Schellen geschmückt, öffnete ihm mit einem Steinmesser die Brust, schnitt das Herz heraus und warf es nach den vier Hhnmelsgegenden in die Luft. Das fünfte Mal warf er es senkrecht, so weit er konnte, in die Höhe, indem er es der Gottheit als Dankopfer für den Sieg anbot.
Für die Saatopfer trngen die Pipiles alle die Samereien, die sie stlen wollten, in kleinen Calebassen vor den Altar der Gottheit, und legten sie der Reihe nach in ein Loch im Boden, welches sie mit Erde anfüllten. Auf diese steilten sie eine grosse Fenerpfanne, auf welcher Kopal und Kautschuk verbrannt wurde. Die vier teopixqui opferten Blut aus Nase und Ohren, und nachdem sie durch die Wunden Rohrstücke gesteckt, verbrannten sie diese vor den Götterbildern. Zuweilen ontzogen sie sich Blut aus der Zunge und dem Penis, wobei sie zu den Göttern um das Gedeihen ihrer Saaten flohten. Der Oberpriester entzog sich Blut aus Zunge, Ohren und Penis, salbte damit die Füsse und Hande der Götterbilder und betete zu denselben. Dürch die vier teopixqui liess er dom Volke die Antwort der Götter mittheilen und immer schloss die Rede mit der Ermahnung, sich mit ihren Weibern zu vermischen und dann die Aussaat zu unternehmen.
Wahrend wir also bei den nördlichen Stammen die Enthaltung vom geschlecht-lichen Umgang als notwendige Vorbedingung für das Gedeihen der Feldfrüchte antreffen, begegnet uns bei den Pipiles die gegentheilige Vorsohrift, ein neuer Bewois dafür, wie nahe beisammen sich verschiedene Anschauungen forterhalten können.
Bei den Opfern für Jagd und Fischfang wurde bei den Pipiles ein lebendes Reh im Hof eines Tempels ausserhalb des Dorfes durch Ersticken getödtet, dann das Blut in einer Schüssel aufgefangen und die Eingeweide, mit Ausnahme des Herzens, klein geschnitten. Herz, Kopf und Füsse legto man bei Seite und kochte sie für sich allein, wahrend auch das Blut mit den Eingeweiden allein gekocht wurde. Wahrend des Kochens wurden Tiinze abgehalten. Der Oberpriester ergriff dann den Kopf des Rehes bei den Ohren, die teopixqui die vier Füsse, und der Schatzmeister trug in einer Feuerpfaune das Herz, welches mit Kautschuk und Kopal, unter Raucherung des Götterbildes der Jagd und des Fischfangs, verbrannt wurde. Nach Beendigung des Festtanzes brachten .sie auch den Kopf und die Füsse dem Gotte dar, indem sic dieselben ansengten. Hernach trug man sic ins Hans des Oberpriesters, der sie ass, wahrend man das Blut und die übrigen Theile des Rehes vor dem Götterbüd verzehrte. Ebenso wurde es auch mit den übrigen Thieren gehalten. Von den Fischen wurden die Eingeweide vor den Göttern verbrannt.
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IV. DIE WAHESAGER UND AERZTE.
In Verbindung mit den gottesdienstlichen Venichtungen erscheint eine Kategorie von Persönlichkeiten, welche nicht schlechtweg zu den âPriesternquot; zn rechnen sind, namlich die Wahrsager oder Looswerfer, welche bei den Maya-Stannnen als ajk'ij, bei den Pipiles als teoamatlini bezeichnet wurden. Ihr Amt war, durch das Werfen des Looses nhttelst Mais und Tzité-Bohnen die fur die Opfer gilnstigen Tage zu bestinnnen, und bei andern staatlich wichtigen Angelegenheiten als Rathgeber zn dienen. Sowohl bei Roman1), als bei Pal agio8) werden sie als besondere, von den eigentlichen Priestern verschiedene Personen genannt, obwohl die spamp;tere Zeit in dieser Hinsicht die Sache verwirrte, indem der Ansdruck ajk'ij unterschiedslos auf alle, mit dem heidnischen Gottesdienst beschaftigten Beamten angewendet wurde. Ajk'ij bedeutet nur denjenigen, der die Festtage bestimmt (el que senala los dias), wird dann aber allgemein als âPriesterquot; gebraucht.3) Noch hente werden die christlichen Priester nicht ajk'ij, sondern ajtij (Lehrer) genannt, wilhrend ajk'ij den Wahrsager (zahori) bezeichnet.1)
Oh das Amt der Wahrsager ein erbliches, ob es an die Kaste der Vornehmen gebnnden war, ist nach den vorliegenden Berichten nicht mit Sicherheit zu entscheiden. Indessen spricht doch die hohe Achtnng und der nnbedingte Gehorsam, welchen die Indianer ihren Wahrsagern erwiesen, dafür, dass dieselben eine hervorragende Stellung einnahmen, auch wenn die Befördenmg zum Wahrsager vielleicht weniger durch vornehme Abkunft, als durch Neignng und hervorragende Kenntnisse der übernatüiiichen Dinge, sowie durch den Besitz von Zauberkraften bedingt wurde.
Denn mit der Festsetzung der, für die Feste geeigneten Tage und der Art der darzn-bringenden Opfer waren die Funktionen der ajk'ij noch nicht erschöpft.
Vor allem waren sie auch aeezte. Es geht aber aus den Berichten nicht klar hervor, ob die Aerzte eine besondern Stand bildeten. Viehnehr finden wir mit der ïïeilung von Kranken gewöhnlich Priester, Wahrsager und eigentliche Heilpersonen gleichzeitig be-schaftigt, ohne dass die Rollen der letztern sich genau gegen einander abgrenzen Hessen. Es scheint ferner die Benennung, welche dem Wahrsager jeweilen zukam, sich nach der speciellen Art seiner Thatigkeit lm einzelnen Fall gerichtet zu haben. Als Festbestiminer hiess er z. B. im Cakchiquel ajk'ij, als Arzt ajcun oder ak'omanel, als Kalender-maler ajtz'ib, als Zauberer ajitz.
Wenn ein Kranker vornehmer Abkunft war, so batte er stets seinen Arzt bei sich.6) Halfen die gewöhnlichen Arzeneien nicht, so liess man durch den Wahrsager das Loos werfen, um zu wissen, welche Opfer zur Heilung erforderlich waren. Solche Opfer bestanden in leichten Krankheitsfallen in Vögeln gewisser Farben oder in andern Thieren. In schweren Fallen aber griff man zu Menschenopfern, die nach dem Geheiss des Wahrsagers bald in Mannern, bald Frauen oder Jungfrauen, selbst aus den vornehmsten, bestanden. Zuweilen liess der Kranke seine eigenen Kinder opfern, meist diejenigen der Concubinen, gelegentlich aber auch die legitimen. Zum Menschenopfer aber griff man nur, wenn die übngen Mittel versagten. Wenn aber ein Mann aus dem Volke erkrankte, so trug seine
') Roman , III lib. Ill fol. 182. !) Palacio , Carta p. 64. 3) Fuentes , I p. 38, 11 p. 47. â â¢) Stoll, Guatemala, p. 229. 5) Roman, III lib. I fol. 148.
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Prau ein Stück Tuch oder einen andern quot;Werthgegenstanrl zum Arzt und ersnchte ihn, den Kranken zu besuchen. quot;War die Krankhoit loicht, so applicierte der Arzt dem Kranken einige Kriuiter und andere Heilmittel, war sie aber schwer und gefahrlich, so sagte er zum Kranken: âDu hast eine Sünde begangenquot; und setzte ibm solange zu, bis er alle Simden beichtete, die er, vielleicht viele Jahre früher, begangen batte. Dies galt als die baupt-sacblichste Arznei. Unter âSündenquot; aber wurden gemeinbin Hurerei mit freien Frauen und Ebebruch, sowie der ebelicbe Beiscblaf wabrend der religiösen Fasten (vgl. S. 38) verstanden. Der Arzt warf dann, gestützt auf die Beicbte, das Loos über die zur Heilung zu liringenden Opfer, und was er befabl, wurde ausgefübrt. Viele Sehwerkranke gelobten nacb ibrer Heilung einen Sclaven zu opfern und zuweilen eines ibrer eigenen Kinder. Dieselben Gelöbnisse thaten sie aucb, wenn sie in Gefangenscbaft oder in anderweitige Bedrangniss gerietben. Die Nichterfüllung soldier G-elübde galt für eine schwere Sünde.
Da, wie früher erwabnt, die Kinderlosigkeit als eines der grössten Uebel galt, so batten die Aerzte auf deren Beseitigung ein Hauptaugenmerk zu richten. Kinderlose Ebe-leute pflegten daber allerlei Opfer zu veranstalten, sie entzogen sicb Blut aus den ver-schiedenen Körpertbeileu, opferten Vogel und thaten Gelübde. Sie zogen aucb die Aerzte zu Eath, welcbe ihnen sagten, dass um ibrer Sünden willen die Gutter ihnen Kinder versagten und sie zur Busse verurtheilten. Die gewöhnliche Verordnung war die Trenuung vom Bett für vierzig oder fünfzig Tage, unter Einbaltung gewisser diatetiscber Vorschrif-ten, wie Vermeidung des Salzgenusses und Beschrankung der Nabrung auf trockene Tortillas oder blossen Mais, oder sie mussten eine Zeit lang in der Wildniss in Höhlen leben.
Fuentes1) erwabnt den Gebrauch des Nectinatole, einer Miscbung von Honig mit dünnem Maisbrei (necutli Honig und atolli, Maisbrei), als eines Aphrodisiacums.
Die Spuren der Kur für Kinderlosigkeit finden sicb boute noch. Unter den Cakchiqueles von Sacatepequez wird jetzt zuweilen ein Gemenge von Honig, Cayenne-Pfeffer und Gewürznelken als Arznei für kinderlose Frauen gebraucbt, in der ïierra caliente von Eetalhuleu gelten hart geröstete Reholiren, die pulverisiert und der Nabrung beigemischt werden in dieser Hinsicbt für wirksam. Ich kannte an letzterem Orte einen Ladino, der im Besitz eines besondern Mittels gegen Sterilitat zu sein vorgab und dessen Hülfe deshalb von weitber, selbst aus der Hauptstadt, in Anspruch genommen wurde. Worin dieses Mittel bestand, erfubr icb nicht, dagegen weiss ich, dass als Vorkur eine vierwöcbentlicbe Trennung der Ebegatten vorgenommen wurde, wie bei den alten indianiscben Aerzten.
Von den Pipiles erfabren wir ferner2), dass Verbeiratete es vermieden, ihren Scbwieger-eltern zu begegnen, und nöthigenfalls einen Umweg machten, um dies zu vermeiden. Diesem Branch lag die Ansicht zu Gruude, dass sie keine Kinder bekamen, wenn sie mit ihren Schwiegereltern zusammenstiessen.
Von den Maya-Stammen des Landes ist eine derartige Sitte nicht bekannt.
Wenn bei den Pipiles eine Frau eine schwere Geburt batte, so musste sie der als Hebamme fungierenden Frau ibre Sünden beiebten, half dies nicht, so musste der Gatto ebenfalls beichten und wenn aucb dies nicht half und die Frau gestand, dass sie mit einem Andern Umgang gepflogen, so holten sie aus dessen Hause seine Kleidungsstücke und gürteten damit die Kreisende. War aucb dies nicht ausreicbend, so entzog sicb der Gatte Blut aus den Ohren und der Zunge3).
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A. f. E. I. Suppl. T. 7
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Die Zahl der vegetal)] lischen Heil mittel, über welche die alten Aerzte verfügten, muss eine sehr grosse gewesen sein, wenn es gestattet ist aus den gegenwilrtig noch nnter den Indianern üblichen einen Rückschlnss auf die Vergangenheit zn than. Am reichsten wind die Alta Verapaz mit ihren imraergrünen Waldern and das heisse und feuchte Tiefland von Suchitepequez auf der paciflschen Seite des Landes an heilkraftigen Pflanzen. Von diesen mogen einige wenige hier genannt sein.
Die Samen des A c h i o t e (Bixa orellana) werden von den Indianern zur Herstellung erfrischender G-etranke und als Arznei gegen entzündliche Affectionen gebraucht.
Die pfefferartig riechenden und schmeckenden Samen des G u a c o c a - Strauches benützt man als Infus gegen Magenschmerzen und als Getrimk bei Ruhr.
Die Fruchtkerne des Pi n on - Strauches werden je nach der Constitution des Kranken zu 9, 11 oder 13 Stuck gemahlen und mit Wasser zu einer Emulsion verarbeitet, die als augenblicklich wirkendes Brechmittel hauptsaclüich bei chronischen Verdauungsstörungen angewandt wird.
Der Guaco (Mikania Guaco) dient als alkoholisches Infus gegen Magenschmerzen und hauptsachlich ais Gegenmittel bei Schlangenbiss.
Calaguala, eine Farrenwurzel, dient innerlich als schweisstreibendes Mittel, ansser-lich zur Wascliung bei Quetschungen.
Die Contra-yerva wird zusammen mit der Lava-plato-Wurzel als Stimulans hauptsachlich zur Hebung der Zeugungskraft verwendet.
Mit dam Saft des Pié de polio heilen die Indianer ihre Wunden.
Dem Quiebra-muelas-(Zahnbrech-)Baunie schreiben die Indianer giftige Eigenschaften zu und fürchten ihn daher sehr. Trotzdem bereiten sie daraus durch Abkochen Mundwasser, welche cariöse Zilhne znm raschen Verfalle bringen sollen.
Das Infus des âHasenohrsquot; (oreja de conejo) dient als Wundwasser, seine Blatter befördern die Vernarbung.
Die Rinde des Copalchl-Baumes dient als Fietaermittel.
Mit dem Higbolay stillen die Indianer von Cahabon die Haemorrhagien.
Wir finden also für die hauptsachlich sten Krankheitsformen bereits die Heilmittel in der indianischen Pharmakopoe vorgesehen. Fuentes1) widmet den heilkraftigen Pflanzen Guatemalas ein besonderes Kapitel.
V. SUGGESTION UND HYPNOTISMUS.
Die Thatigkeit der alten indianischen Heilpersonen beschrankte sich aber nicht auf das Heilen mittelst Opfern, Beichte und vegetabilischen Arzneien, sondern sie erstreckte sich nachweisbar auch auf jenes bis vor Kurzem dunkle Gebiet psychischer Einwirkung, dessen Bedeutung in der Völkerpsychologie immer noch nicht hinlanglich gewürdigt ist, die Suggestion und den Hypnotism us. Da icli indessen binnen Kurzem in einer besondern Arbeit über âdie Rolle der Suggestion und des Hypnotismus in der Völkerpsychologiequot; den Einfiuss dieser psychischen Faktoren auf einer breitern Basis, als es hier thunlich ist, bei einer Reihe von Vólkern aller Erdtheile und der verschiedensten Culturstufen nach-zuweisen gedenke, seien hier nur die grundlegenden, empirischen Fakta kurz berührt.
') Fuentes, I p. 334.
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Bekanntlich datiert die erste bedeutendere Phase in der Geschichte des abendlandischen Hypnotismus von Feanz Anton Mesmeb ï) , der im Besitz eines vom Erdmagnetismus herrührenden Fluidums zu sein vorgab, durch welches er im Stande sei, auf die Lebensfunktionen anderer Menschen heiland einznwirken. Es gelang ihm, die Kranken in hypnotischen Schlaf, sowie in kataleptische oder convulsivische Zustande zu bringen, wozu ihm âmagnetische Stabequot; und die directe Berührnng mit der Hand dienten. Der stark subjective Zug, welcher den von Mesmee und Puysegue producierten Phaenomenen innewohnt, entging aber lange Zeit der Beobachtung, und erst im J. 1841 trat die Frage in eine neue Phase, indem der englische Arzt James Beaid2) nachwies, dass es sich bei den hypnotischen Erscheinungen nicht um ein magnetisches Fluidum handle, welches vom Magnetiseur auf die hypnotisierte Person übergehe, sondern dass der hypnotische Zustand und alle mit ihm zusammenhangenden Erscheinungen ihre alloinige Quelle im Nerveusystem des Magne-tisierten haben, dass also diese Quelle eine subjective sei. Braid legte das Hauptge-wicht auf die Concentration der Aufmerksamkeit seitens der zu Hypnotisierenden auf eine bestimmte Idee. Diese Concentration kann auf verschiedene Weise erreicht Averden, entweder durch die blosse quot;Willensanstrengung des Hypnotisierten, oder durch langes Anstarren eines leuchtenden Objectes, â oder endlich, und dies ist der wichtigste Punct, dadurch, dass ein Zweiter, der als Magnetiseur fungiert, die Idee des Schlafes in dem zu Hypnotisierenden wachruft, sei es durch das gesprochene Wort oder durch zweckentsprechende Gesten, ohne irgendwelche directe Berührung. Es wird also dem Patienten die Idee des Schlafes künstlich eingegeben oder untergeschoben, suggeriert und daher heisst diese Methode von ihrem Erfinder der Braidismus oder die Ein ge bungs- oder Suggestions- Methode.
Mit der Entdeckung des Einflusses von untergeschobenen Ideen oder Suggestionen ware der wichtigste Schlüssel zu einem bessern Verstandniss der hypnotischen Erscheinungen gegeben gewesen. Indessen blieben Braid's sachbezügliche Schriften lange Zeit fast unbe-achtet und erst die Neuzeit ist ihnen gerecht geworden.2) Daher erfuhr die BKAin'sche Suggestions-Methode eine wesentliche Erweiterung erst durch den praktischen Arzt Dr. Liébeault in Nancy, dessen langjahrige Erfahrungen von Prof. Bernheim in Nancy geprüft und neuerdings constatiert wurden. Berniieim's Buch3) über diosen Gegenstand muss als das Beste bezeichnet werden, was die mittlerweile unglaublich angeschwollene Litteratur über die Suggestion und den Hypnotismus aufzuweisen hat.4)
Wenn wir, ohne auf die theoretischen Erklarungsversuche einzugehen, die hypnotischen und suggestiven Erscheinungen kurz durchmu stern, so gewahren wir etwa Folgendes:
Es gelingt bei einer relativ grossen Anzahl psychisch normaler Menschen, durch ein-tache, nöthigenfalls wiederholte Auftbrdorung zum Schlafen, ohne Zuhülfenahme ausserer
J) Vgl. Literatur unter âMesmebquot;, âPuységurquot; und âBbaidquot;,
â ) Liébeault, Sommeil. :i) Beknheim, Suggestion.
â ') Bemerkung. Die hohe innere Wahrscheinlichkeit, welohe der BEENHEra'schenDarstellung der hypnotischen Erscheinungen, im Gegensatz zu der Pariser Hypnotisten-Sohule unter Chaecot, innewohnt, ver-anlasste mich, zusammen mit meinem Freunde Prof. A. Forel, Director der Irrenanstalt in Zurich, im Marz 1887 die Klinik von Nancy zu besuchen, um dort die fraglichen Phaenomene im Zusammenhang zu studieren. .Teder von uns hatte schon zuvor Einiges gesehen. Manches war uns zweifelhaft geblieben, und um so mehr waren wir Prof. Bernheim für die liebenswürdige Bereitwilligkeit dankbar, mit welcher er an seinem klinischen Material uns die hypnotischen und suggestiven Erscheinungen demonstrierte, von doren volkommener Thatsiichlichkeit wir uns nicht nur in Nancy, sondern seither audi hier in Zürich überzeugten.
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Hülfsmittel, sie in Schlaf zu versenken. Dieser durch blosse Suggestion der Schlafldee bewirkte Schlaf zeichnet sich vor dem natürlichen Schlaf aus durch den fortdauernden Rapport, den der Hypnotisierte mit der Aussenwelt, vor allem mit seinem Hypnotiseur unterhalt. Der Hypnotisierte hört die Befehle und Angaben des Letzteren, und die Ver-sicherung desselben, dass z. B. ein Arm oder ein Bein des Hypnoti sier ten steif sei und nicht mehr gebeugt werden könne, bewirkt auch wirkliche Starre desselben: eine suggestive Katalepsie, Ebenso löst die Versicherung, dass die in rotierende Bewegung gesetzten Arme nicht mehr angehalten werden können, automatische Weiterbewegung derselben aus.
Einen höheren Grad der suggestiven Hypnose stellt der S om n a m b u 1 i s m u s durch Eingebung dar. Zu den Erscheinungen der suggestiven Katalepsie und des Automatismus gesellen sich hiebei noch wichtigere. Der Hypnotisierte ist hier eine vollkommene Maschine. Automatisch und willenlos führt er die vom Hypnotiseur befohlenen oder prophezeiten Handlungen aus, er erhebt sich auf dessen Geheiss, er wandelt, er hleibt sofort festgebannt stehen, wenn ihm der Hypnotiseur zuruft, dass er nicht weiter gehen könne. In diesem Stadium ist es ferner möglich, durch einfache Suggestion sammtliche speciflsche Sinnes-energien, den Geschmack, das Sehen, das Horen, die Tastempflndung beliebig abzuilndern oder aufzuheben. man macht den Hypnotisierten stumm, taub, blind, ganz beliebig. Alle Sinnestauschungen können bei dem Somnambulen hervorgerufen werden und dieses Stadium ist daher das dankbarste für die professionellen Magnetiseure a la Hansen, Dokati etc. Man kann durch das blosse Wort den Hypnotisierten belebte oder unbelebte Gegenstande, Menschen und Thiere, einzeln oder hl Menge sehen lassen, die nicht verhanden sind; man kann Personen und Gegenstande, die wirklich in der Nahe des Hypnotisierten sich befin-den, für ihn vollstündig verschwinden machen. Man kann durch einfache Suggestion in ir.schem Wochsel alle erdenklichen Seelenstimmungen in der hypnotisierten Person hervor-rufen, die Freude, unbandige Heiterkeit und wieder die tiefste Trauer, den heftigsten Zorn oder den maasslosesten Schreck.
Alle Handlungen, welche der Hypnotiseur seinem Medium beflehlt, werden je nach dessen Individualitat bald rasch, bald zögernd ausgeführt. Man kann ferner durch blosse Suggestion die Persönlichkeit des Somnambulen subjectiv beliebig verandern, einen Mann in eine Frau, eine Frau in einen Mann, einen Menschen in ein Thier verwandein, und sofort schmiegt sich die Handlungs- und Ausdrucksweise des Hypnotisierten der neuen Rolle an, die er gemilss seiner individuellen Auffassung derselben durchführt.
Weckt man den Hypnotisierten durch eine zweckentsprechende Suggestion auf, so ist er höchst erstaunt, geschlafen zu haben und erinnert sich absolut nicht mehr all' der Vorgiinge wahrend des hypnotischen Schlafes, wenn ihm die Erinnerung derselben nicht etwa suggestiv befohlen ward.
Es gelingt aber auch, ebenfalls durch einfache Suggestion wahrend seines Schlafes, bei einem Hypnotisierten Sinnestauschungen zu bewirken, die erst in's Leben treten, nachdom er sich wieder im vollkommen wachen Zustand heflndet. Dies sind die pos thy p-notisehen 1 llusionen und Hai 1 ucinationen. So kann man z. B. einen Hypnotisierten die Gegenstande und Menschen seiner Umgebung nach seinem Erwachen in anderer Earhe und Gestalt erblicken lassen, man kann ihn nicht vorhandene Gegenstande und Menschen sehen, vorhandene für ihn verschwinden machen. Diese posthypno-tischen Sinnestauschungen haben da, wo ihre Hervorrufung überhaupt gelingt, in den Augen des hypnotisiert gewesenen Menschen eine absolute Realitat; er ist nicht im
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Stande, die bloss suggeiierten, also völlig imaginilren Gegenstande und ihre Eigenschaften von wirklichen zu unterscheiden und halt daher die snggerierten Objecte durchans f'iir wirkliche.
So können auch Handlungen, die wahrend des hypnotischen Schlafs suggeriert worden sind, erst nach dem Erwachen in's Leben gerufen werden, und man kann dem Hypnoti-sierten die vollkommene Ueberzeugung beibringen, Handlungen irgendwelcher Art begangen zu haben, die er nie begangen hat und trotzdem nach dem Erwachen mit allem Detail erzahlt.
Eine Eeihe von merkwürdigen Vorkommnissen beweist ferner, dass die Wirkung der hypnotischen Suggestion sich auch auf körperliche Functionen erstreckt, die f'ür gewöhnlich dem Willen ganz entzogen sind. So kann die blosse Versicherung, dass der, einem Hypnoti-sierten gereichte Schluck Wasser ein Brechmittel oder ein Laxans sei, nach Belieben schon wahrend des Schlafs oder posthypnotisch Erbrechen oder starken Durchfall bewirken.
Auf all, diesen merkwürdigen Eigenschaften des hypnotischen Schlafs beruht nun auch die Heilwirkung der modernen Suggestions-Methode, die uns hier nicht zu beschaftigen hat.
Die Wirkung der Suggestion erstreckt sich aber keineswegs bloss auf den hypnotischen Schlaf. Nicht minder wichtig ist vielmehr die wohl konstatierte Thatsache, dass viele Individuen auch im vollkommen wachen Zustand der Suggestion in ausserordentlichem Maasse zugangiich sind âSuggestion pendant la veillequot;. Diese kann sogar über die Erfahrung und den alltagiichen gesunden Menschenverstand derart den Sieg davontragen, dass sich an diesen Individuen so ziemlich dieselben Erscheinungen hervorrufen lassen, die wir vom hypnotischen Schlafe her kennen: Suggestive Starre, Lahmungen, Contracturen, automatische Bewegungen, Aenderungen der Sinnesempfindungen, Sinnestauschungen der verschiedensten Art, Auch diese merkwürdige Eigenschaft der menschlichen Psyche wird thatsachlich, wenn auch oft unbewusst, zu Heilzwecken verwendet; sie ist nicht nur in der Schulmedizin thatig, sondern ein grosser Theil der Wirkung der Volksheilmittel, bei denen man ja vor Allem den âGlaubenquot; haben muss, der sympathetischen Kuren und vor allem der Homöopathie ist auf diese rein psychischen Einflilsse zurückzuführen.
Man hat lange geglaubt und giaubt zum Theil jetzt noch, dass die besprochenen Zu-stande ausnahmsweise seien, die sich uur bei aussergewöhnlich veranlagten, psychisch abnormen Menschen, vorzugsweise bei hysterischen Frauen linden. Es muss daher als ein unbestreitbares Verdienst der Schule von Nancy erklart werden, den Nachweis an Hand eines reichen statistischen Materiales geliefert zu haben, dass die suggestiven Erscheinungen des wachen und hypnotischen Zustandes sich keineswegs auf wenige, geistig abnorme, nervöse Individuen beschranken. Vielmehr kann es als ausgemacht gelten, das bei weitem der überwiegende Theil der gewöhnlichen Menschen beider Geschlechter suggestiven Ein-flilssen zugangiich ist, welche allerdings alle Uebergange von der kaum merklichen Wil-ienslahmung des Avachen Menschen bis zu den tollsten Phantasien des vollendeten Som-nambulismus zeigen. Immerhin ist als Erfahrungsthatsache festzuhalten, dass die einfachen Leute des Volkes, welche ohne vorgefasste Meinung, ohne Furcht und Misstrauen, sowie ohne contrare Willensanstrengung sich den Einflüssen der Suggestion anheimgeben, am leichtesten hypnotisiert und suggestioniert werden.
Es muss also die Zuganglichkeit fiir suggestive Einüüsse geradezu als eine normale und weitverbeitete Eigenschaft der menschlichen Seele betrachtet werden. Darauf beruht aber ein weiterer, fiir die Völkerpsychologie enorm wichtiger Umstand, niimlich die Mög-lichkeit, grössern Menschenmengen gleichzeitig dieselbe Suggestion beizubringen, die Sug-
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gestionierung der Mass en Oder die âSuggestion collectivequot;. Mit der Thatsache der Möglichkeit, auch im vollkommen wachen Zustande suggestive Sinnestimschungen zn erwecken, bildet die âSuggestion collectivequot;, die enorme Ansteckungsfahigkeit der Sugges-tionswirkungen, den völkerpsychologisch wichtigsten Faktor der snggestiven Vorgange. Diese beiden Faktoren sind es, welchen wir unter allen Zonen und zu allen Zeiten der menschlichen Geschichte wiederhegegnen, nnd welche die G-rundlage für das cumulative Anschwellen gewisser Suggestionen bilden, die, ursprünglich von Einzelnen in die Masse geworfen, sich zu förmlichem Epidemien steigern können. Die snggestiven Epidemien spielen sich der Natur der Sache nach vornemlich auf denjenigen Gebieten der Anschau-ungen ab, welche dem Menschen vor Allem theuer und wichtig sind, namlich den reli-giösen und politischen. Aui' solche gesteigerte Snggestionswirkungen sind die gewaltigen Ausbrüche des religiösen und politischen Fanatismus zurückzuführen, welche uns in der Weltgeschichte entgegentreten.
Kehren wir nach diesem Excurse, dessen Lange die Wichtigkeit des Gegenstandes and seine relative Neuheit in aussermedizinischen Kreisen entschuldigen möge, zu den Indianern von Guatemala zurück. Wir treffen hier eine Eeihe von Erscheinungen, welche sich mit den gewöhnlichen Schlagwörtern âBetrÃgerei, Taschenspielereiquot; und dergleichen nicht abweisen lassen, sondern eine andere Erklanmg verlangen.
Im Popol Vuh wird z. B. die Episode der Eroberung der Unterwelt Xibalba durch das Magierpaar Hunahpu und Xbalanque folgendermaassen geschildert^: Die beiden Brüder treten, als Bettler verkleidet, in Xibalba auf und tanzen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, den Puhuy-, Cux- und Iboy-ïanz, wobei sie zahlreiche Wunder vollbringen, deren Ruf audi an den Hof von Xibalba gelangt und die Neugier der Haupt-linge erregt. Sie laden daher die beiden Bettler ein, sich vor ihnen zu producieren. Diese beginnen zunachst damit, dass sie einen lebenden Hund in Stücke reissen und die einzelnen Stücke wegschleudern. Dann rufen sie den Hund plötzlich wieder ins Leben zurück und schweifwedelnd vor Freude kommt das Thier wieder berbeigelaufen. Daraut stecken die Zauberer ringsum den Palast in Brand, ohne dass den Insassen ein Leides geschieht. Urplötzlich erlöschen die Flammen und das Haus steht unversehrt wieder da.
Die Fürsten von Xibalba, hoch erfreut über diese Wunder, fordern nun die Zauberer auf, einen Menschen zu tödten und wieder lebendig zu machen. Diese ergreifen einen Mann, tödten ihn, indem sie ihm das Herz ausschneiden und das blutende Organ den Fürsten vorweisen. Ursplötzlicb erscheint der Mann wieder lebend und unversehrt vor ihnen.
Die Fürsten verlangen nun auch zu sehen, wie einer der Brüder den andern tödte und wieder lebendig mache. Unverweilt tödtet Xbalanque seinen Bruder Hunahpu, indem er ihn ganz in Stücke zerschneidet, die Arme, Beine und don Kopf vom Rumpfe trennt und nach allen Seiten bin zerstreut Er reisst ihm das Herz aus und wirft es weg in's Gras. Nachdem dies Alles geschehen, ruft Xbalanque seinem getödteten Bruder plötzlich zu; âVorwarts, stehe aufquot; und sofort steht Hunahpu lebend und unversehrt wieder da.
Der Popol Vuh erzahlt, dass die Fürsten, trunken vor Freude ob dieser Wunderthaten gewesen seien und stürmisch verlangten, dass auch an ihnen das Wunder des Tödtens und Wiederaufweckens vollzogen werde. Darauf batten die Brüder gewartet, sie tödteten
') Popol Vuh p. 176. sqq.
eiu paar der Fürsten, weckten sie aber nicht wieder auf. Die übrigen flohen entsetzt und so wurde die Unterwelt den beiden Zauberern unterthan.
Die von Xbalanque und Hunahpu vollbrachten Wunder stimmen nun genau mit den Sinnestauschungen überein, welche sich in Form von Illusionen oder Hallucinationen an geeigneten Individuen theils im Avachen, theils im hypnotischen Zustand hervorrufen lassen.
Es kann daher für Jeden, der mit den Suggestionswirkungen vertraut ist, keinem Zweifel unterliegen, dass die Erweckung von Sinnestauchungen den indianischen Zauberern der praehistorischen Zeit bereits bekannt gewesen und von ihnen systematisch geübt worden ist, denn die von Hunahpu und Xbalanque producierteu Wunder lassèn sich heute noch leicht wiederholen.
Die Kenntniss derartiger Wirkungen hat sich nicht uur in die historische Zeit forterhalten , sondern sie besteht jetzt noch als Special!tat einzelner Individuen, welche dieselbe theils zu Heilzwecken, theils zum Zwecke der Ausbeutung der sehr leichtglaubigen und leicht suggestiblen Indianer benutzen. Man nennt sie heute mit dein spanischen Wort âbrujo.quot; In den Quiché-Sprachen wird für diese Zauberer das Wort âajitzquot; âHerr des bösen Zaubersquot; gebraucht, das Pokonchi aber nennt sie âajvuarquot;, was âHerr des Schlafesquot; bedeutet und beweist, dass ihnen auch die Hervorrufung der suggestiven Hypnose bekannt 1st, oder wenigstens bekannt war. Solcher Zauberer gibt es heutzutage in jedem grössern Dorfe einen oder mehrere, welche in grossem Respekt stehen, da sie nach der Ansicht der Indianer im Stande sind, alles mögliche Unheil, selbst Krankheit und Tod, anzurichten. Für die suggestive Natur ihrer Wirksamkeit spricht unter anderm auch die Behauptung der Indianer, dass man es dem Zauberer am Bliek ansehe, wenn er Jemanden zu bezaubern wünsche, es findet sich also auch hier der so weit verbreitete âbóse Bliekquot;. Daneben aber benutzen die Zauberer die verbale Suggestion, die sie mit zweckentsprechen-den Gesten. begleiten, um z. B. einem Indianer eine Schlange in den Leib zu zaubern, die er dann auch richtig spürt.
Oben wurde erwahnt, dass es theils im hypnotischen, theils im wachen Zustand leicht gelingt, für den der Suggestion Unterworfenen sich selbst oder andere beliebig die Oestalt wechseln, sie verschwinden oder sich in Thiere verwandein zu lassen. Und wiederum sehen wir als die hervorragendste und allgemeinste Eigenschaft der indianischen Zauberer die Fahigkeit, sich beliebig in Thiere zu verwandein, im Volksglauben der alten, wie der neuen Zeit auftreten.
Verwandlungen in Thiere spielen schon im Po pol Vuh eine grosse Rolle. So verwandein die Zauberer Hunahpu und Xbalanque den Hunbatz und Hunchouen in Affen. Sich selbst verwandein sie in Fischmenschen (vinak-car). Die mythischen Ahnen der Quichés verwandein sich bei ihrem ersten Verschwinden in reissende Thiere, deren Stimmen fernher gehort werden. Von dem Hauptling Guoumatz1) wird erzahlt, dass er je am siebenten Tage in den Himmel und dann am nachstfolgenden siebenten Tage in die Unterwelt gestiegen sei. Jeden siebenten Tag nahm er die Glcstalt einer Schlange, eines Geiers, oder eines Jaguars an, er konnte sich selbst in Blut (oder Kautschuk?) verwandeln. Bei Xime-nez8) lesen wir, dass die Hauptlinge der Quichés unter dem Könige Vaxaquicaam Quicab einen Zauberer der Gakchiqueles gefangen nahmen und opferten. Sie führten dabei einen Tanz auf, bei welchem sie sich in Geler, Jaguare und Puma's verwandelten. Auch Gage3)
') Popol Vuh p. 314.
:) Ximenez, p. 173.
3) Gage , p. 3fi3.
berichtet ausführlich über die Zauberer und ihre Fahigkeit, sich in Jaguare und Puma's zn verwandein, die zn seiner Zeit allgemein und audi von ihm selbst, geglaubt wurde. Ebenso Füentes. 1)
Wenn wir alle zuganglichen Berichte und die heutige Ansicht der Indianer zusammen-halten, so ergiebt sich, dass es vor Allem reissende und gefahrliche Thiere, Jaguare, Puma's und Schlangen sind, deren öestalt die Zauberer annehmen, Es wird uns dadurch die aberglaubische Furcht der Indianer vor diesen Thieren begreiflich.
Füentes erzahlt (l.-c.), dass die Indianer, wenn sie eine Schlange antrafen, sie sie zu tödten such ten. Wenn ihnen dies gelang, so empfanden sie die grösste Freude, weil sie glaubten, dass ihnen alles gelingen und sie über ihre Feinde trhnnphieren würden. Wenn ihnen die Schlange aber entwischte, so verflelen sie in Trauer und Schwermuth, da sie fürchteten, es würde ihnen nun ein schweres Unglück zustossen.
Eine intensive Abneigung hatten sie gegen Eulen und Kauze, da sie glaubten, dass in dem Hause, hei welchen die Eule ihren Ruf ertönen liesse, Jemand sterben müsse. Desswegen verfolgten und tödteten sie diese Thiere wo sie konnten. Diese, von Füentes üherlieferte Ansicht steht in direktem Zusammenhang mit der aus dem Popol Vuh bekannten Auschauung, dass die Eulen die Sendboten der Todesfürsteu der Unterwelt seien.
Mit dem Namen bal am (Jaguar) wurden sogar die Zanherer selbst bezeichnet.2) Wenn ein Indianer auf der Reise einem Jaguar hegegnete, so begann er seine Simden zu beichten und zu sagen: âSo viele Simden habe ich hegangen, tödte mich nicht!quot; Reisten mehrere zusammen und stiess ihnen ein Jaguar auf, so setzten sie sich am Wege nieder und warteten thatenlos das Weitere ab im Glauhen, dass die Sünden eines unter ihnen in dem Raubthier incorporiert seien und dass es diesen tödten würde.
Nach dem, was wir gegenwartig über die Wirkungsweise der Suggestion auf den Ein-zelnen und auf die Masse wissen, werden wir die Möglichkeit, ja sogar die an Gewissheit grenzende Wahrscheinlichkeit nicht von der Hand weisen können, dass dem althergebrachten 'jrlauhen der Indianer von der Fahigkeit der Zauberer, sich in Thiere zu verwandein nicht bless eine gedankenlos von Generation zu Generation fortgepflanzte Ueberlieferung, sondern die stets neue, lebendige Erfahrung auf dem Wege der suggestiven Beeinflussung zu Grimde lag. Diese Beeinflussung welche direkt von den Zauberern ansging, wurde indirekt durch die allgemeine Ueberlieferung erleichtert, welche das Gemüth des Einzelnen derart günstig vorbereitete, dass er geneigt sein musste, in jedem ihm begegnenden Jaguar, Cuguar oder Königsgeier einen verwandelten Zauberer zu erblicken, da er wirkliche und bloss durch suggestive Sinnestanschung producierte Thiere gar nicht von einander zu unterscheiden vermochte.
Füentes3) erwahnt, dass die Wahrsager der alten Indianer sich des Tabaks bedient hatten, um sich durch dessen Ranch in Ekstase zu versetzen und in diesem Zustand die künftigen Dinge für sicii und Andere vorauszusehen. Desshalb flgurierte auch der Tabak unter den heiligen Pflanzen der Indianer, denen sie besondere Verehrung bewiesen. Unzwci-felhaft spielte hiebei die Autosuggestion die Hauptrolle. Nach der iJarstellung des Monardes4), die sich allerdings zunachst auf Mexico zu beziehen scheint, da er für den âTabakquot; das aztekische Wort picielt (unrichtig für picietl) angiebt, war das hiebei beobachtete Ver-
') Füentes II, p. 46. !) Roman, III lib. 2 fol. 159. 3) Füentes, II p. 47.
4) Monardes, historia medicinal p. 37.
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fahren das folgende: Der wahrsagende Priester nahm in Gegemvart der Rath Suchenden einige Tabakblatter, warf sie in's Feuer und sog ihren Rauch mit Mund und Nase durch ein Rohr ein. Dabei flel er dann wie todt zu Boden und blieb je nach der Quantitat des eingesogenen Ranches kürzere oder langere Zeit in diesem Zustand. Nachdem das Krant seine Wirkung gethan, kam der Betaubte wieder zu sich und ertheilte nun die Antworten gemass den Phantasmen und Illusionen, die ihm wahrend jenes Zustandes erschienen waren.
Eine derartige, traditionell gewordene suggestive Beeinflussung kann natürlich die Grundlagen der ganzen Naturanschauung nicht unberührt lassen. Wenn einerseits die zootheistische Religion des Naturvolkes eine suggestive Beeinflussung in dieser Richtung wesentlich begünstigen musste, so wirktedieseandererseitswiederumaufjenezootheistischen Grundlagen zurück, indem sie stets aufs Nene den anscheinend thatsftchlichon Beweis ihrer Richtigkeit erbrachte und den Menschen stets im regsten Wechselverkehr mit der ihn umgebenden Thierwelt erhielt. Die Konsequenzen dieser Anschauungen dokumentieren sich bei den Guatemala-Stilmmen in verschiedener Richtung, einmal im Mythus, dann im soge-nannten Nagualismus und in der theilweise davon abhangigen Namengebung und endlich im Kalenderwesen.
Die Fahigkeit, beliebig die Gestuit zu wechseln, sich in Thiere zu verwandein und in dieser Gestalt Nutzen oder Schaden zu stiften, oder ganz zu verschwinden, erscheint als ein Attribut besonders hervorragender, dem gewöhnlichen Menschengeschlecht über-legener und mit übernatürlichen Kraften ausgestatteter Menschen. Dadurch erklart es sich leicht, weshalb im Mythus der Quichés nicht, wie anderwarts Kriegshelden, sondern Zau-berer, wie Xpiyacoc und Xmucane und ver A Hem Hunahpu und Xbalanque die ersto Rolle spielen, und dass die Fürsten der Vorzeit, von denen die Sage berichtet, mit solchen übernatürlichen Kraften ausgestattet erscheinen, wie Gucumatz-Cotuha, der fünfte König der Quichés und Quicab Cavizimah, der siebente König. In der That zeichnen sich die anthropomorphen Gestalten des Quiché-Pantheon vor Allera als gewaltige Zauberer aus.
VI. DER NAGUALISMUS1).
Der Ausdruck Nagualismus stammt vom Quiche-Wort naual, das wiederum ein Derivat vom Stamme nao âwissen, verstellenquot; darstellt. Naual ist daher âder Wissendequot; und wird hauflg als Synonym der Ausdrücke für âZaubererquot; gebraucht. Naual ist dann aber ferner derjenige belebte oder unbelebte Gegenstand, gewöhnlich ein Thier, welcher in einem Parallelverhaltniss zu einem bestimmten Menschen steht, so dass Wohl und Wehe des Letzteren von den beziehungsweisen Schicksalen seines naual (nach spanischer Schreibart nagual) abhangt. Man kann den naual daher aucli als eine Art Spiritus familiaris bezeichnen.
Ueber das von den Chontal-Indianern des an Guatemala angrenzenden Theiles von Honduras, die den Pipiles kulturell sehr nahe standen, beobachtete Verfahren zur Erlangung einer Schutzgottheit lesen wir bei Herrera8) folgendes:
Um seinen Nagual zu gewinnen, ging der junge Indianer in den Wald, an eine ein-same Stelle am Flusse oder auf einen Berg, und bat unter Thranen die Götter, ihm das zu gewahren, was seine Vorfahren besessen hatten. Nachdem er einen Hund oder einen
-) Herreha, Dec. IV 1. VIII f. 155.
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A. f. B. I. Suppl. I.
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Vogel geopfert, legte er aich zura Schlafen zurecht. Nun erschien ihm im Traume oder nach dem Erwachen eine der uns bereits bekannten Gestalten, ein Jaguar, Puma, Coyote, Kalman, Schlange oder Vogel. Nachdem der Indianer der Traumgestalt, Blut aus Zunge, Ohren und andern Körpertheilen geopfert und sie um reichen Ertrag an Salz und Cacao gebeten hatte, sprach sie zu ihm: âAn dem und dem Tage wirst du auf die Jagd gehen und das erste Tlner, welches dir begegnet, werde ich selber sein der ich für alle Zeit dein Gefalirte und Nagual sein werdequot;. quot;Wer keinen Nagual besass, konnte nie reich werden.
Die Indianer glaubten, dass der Tod ihres Nagual auch iliren eigenen zur Folge habon würde. So erzahlt die Sage1), dass in den ersten Kampfen der Spanier auf dem Hochland A'on Quetzaltenango die Naguales der indianischen Hauptlinge in Gestalt von Schlangen sich am Kampfe betheiligt haben. Besonders aber war der Nagual des obersten Hauptlings kenntlich, da er die Gestalt eines grossen, mit praclitigen grünen Federn geschmückten Vogels besass. Der spanische Heerführer Pedeo de Alvabado stach den Vogel mit der Lanze todt und bemerkte, dass er noch niemals einen so grossen Quetzal gesehen hatte. Im selben Augenblick sank der oberste Kriegsführer der Quiches, Tecum, der schon Alva-bado's Pferd getödtet hatte, todt nieder. Diese Legende illustriert das Wechselverhaltniss, das sich die Indianer zwischen sich und ihren Naguales bestehend dachten.
Nach der Ansicht des Fuentes 2) war der Nagual geradezu die Schutzgottheit des Indianers, indem er sich zur Vertheidigung in das belebte oder unbelebte Wesen, das seinen Nagual bildete, verwandein konnte, so z. B. in eine Schlange, um beissen zu können, in einen Stein oder Baum, um sich unsichtbar zu machen.
Mit den nagualistischen Vorstellungen enge verknüpft ist endlich das Kalenderweseii und die Namengebung, welche daher ebenfalls den als â Wahrsagerquot; bezeichneten Person-lichkeiten übertragen waren.
VII. SCHRTFTTHUM UND KALENDER WESEN.
Ueber die âSchriftquot; der guatemaltekischen Indianer ist uns nichts Genaues bekannt geworden. Da aber Zurita von seinem Besuch in Utlatlan, der Hauptstadt des Quiché-Eeiches, berichtet, er habe sich aus den Malereien der Eingebornen überzeugt, dass ihre alte Geschichte achthundert Jahre hinaufreiche, so scheint die Annahme gerechtfertigt, dass in Guatemala ebenfalls eine Bilderschrift existiert habe. Diese Annahme wird unterstützt durch die Pipil-Namen der Wahrsager âteoamatliniquot;, was etwa âKundige der gottesdienst-lichen Bücherquot; bedeutet. Wenn Zurita, wie er erzahlt, die alten Malereien der Quichés mit Hülfe eines sprachkundigen Dominikaners verstellen konnte, so waren die Schriftzeichen wohl einfach ideographische, nach Analogie der mexikanischen.
Ob dem uns als Popol Vuh bekannten und mit europaischen Lettern in Quiche geschrie-benen indianischen Schriftwerk ein alteres, in Zeichen abgefasstes Werk zu Grimde lag, wie sein Verfasser andeutet, ist heute nicht mehr zu entscheiden. Sehr wahrscheinlich aber bezog sich das oben erwahnte Schriftthum vor Allem auf die Feste, und die Zeitrechnung überhaupt, also auf den Kalender.
') Fuentes , I p. 50. Milla, Historia p. 71. !) Püentes, II p. 45.
A. Astronomischer Kalender.
Die Basis des Zahlensystems der Maya-Stiimme Guatemala's bilden die 10 Finger und 10 Zehen des Menschen, also ist sie eine vigesimale, wie diejenige der Maya von Yucatan. Indessen unterscheiden sich die Guatemala-Sprachen von letzterer dadurch, dass sie nicht, wie die Maya, von 1 â 11 mit Wurzelworten zahlt, sondern nur von 1 â 10. Die Zahlen 11-19 werden durch Addition aus der Einerreihe gebildet. Für 20, 40, 80, 400 und ihre Multipla treten dann neue Wurzelworte in die Reihe ein. Es ist also zu clironologischen Zwecken das Material zu einem System fast beliebiger Höhe gegeben, und in der That führt der Cakchiquel-Grammatiker Floees die Zahlreihe bis zn 104,000 durch. Das Zahl-system des Pipil war, wie seine heutigen Reste zeigen, mit dem aztekischen identisch.
Ximenez1) sagt, dass die Indianer die Anzahl der Tage im Jahr richtig auf 365 fest-gesetzt hatten, dass ihnen aber die Stundendifferenz entging, welcho die periodische Ein-schiebung von Schalttagen nothwendig machte. Da die Schriftsteller indessen dennoch den Beginn des guatemaltekischen Jahres auf bestimmte Tage verlegen, obwohl sic diese ver-schieden angeben, so ist es wahrscheinlich, dass, wie in Mexico und Yucatan, die Anbringung von Schalttagen auch in Guatemala üblich war.
Das Jahr zerliel in 18 Monato von 20 ïagen, welche zusammen 360 Tage ausmachten. Diesen schlossen sich noch fünf, nicht in die Rechnung der Monate aufgenommene Tage an, welche im Cakchiquel tzapi k'ij1) genannt wurden. Beinton leitet diese Bezeichnung von tzap âUnglück, Verbrechenquot; ab, wahrend ich die Uebersetzung von âSchlusstagenquot; fur richtiger halte, von tz'ap âschliessen, einschliessen, zudeckenquot;.
Die Monate. Die Bezeichnungen der Monate waren folgende:
Cakchiquel
Monat
nach Brasseue3)
nach Bbiston ''J
Q u i c h é nach Brasseub3)
|
na be tzij u cab tzij r o x tzij ch e tecoxepual t z i b e pop zak chab h u n o b i x g i h nabe mam u cab m a m nabe ligin ka u cab ligin ka nabe p a c h u c a I) p ach t z i q u i n g i li tzizi lagan c a k a m 3. 4. 6. 7. 8. 9. 10. 11. 12. 13. 14. 15. 16. 17. 18. |
i b o t a q a t i c p a r i c h e tacaxepual nabey tumuzuz r u c a b t u m u z u z q i b i x i c u c h u m nabey m am r u c a b m a m ligin ka nabey t o g i c r u c a b t o g i c nabey pach r u c a b p a c h tziquin gih |
c a k a m tacaxepual nabey tumuzuz mean tumuzuz q i b i x u ch u m nabey m a m rucab mam 1 i k' i n k' a nabey to'k rucab to' k nabey pach rucab pach tziquin k'ih c a k a n i b o t a k a t i c itzcal k'iii pariche |
1
) Brasseue, Histoiro III p. 466- 4) Beinton, Annals p. 29.
- 60 -
Wie man sieht, bilden die vier letzten Monate des Cakchiquel-Kalenders in den Quellen, aus denen Brinton schöpfte, die vier ersten Monate in Brasseur's Zusammenstellung. Aucli entsprechen einander die gleichlautenden Benennungen in den drei Zusammenstellungen keineswegs.
Sammtliche Namen sind übersetzt worden, aber jedenfalls nur zum Theil richtig und in den wenigsten Fallen können wir auw der wörtlichen Uebersetzung eine Beziehung zu den Jahreszeiten gewinnen.1) Einige Monate (1 und 2, 10 und 11, 12 und 13, 14 und 15 im Quiché und 6 und 7, 10 und 11, 13 und 14, 15 und 16 in Brasseur's Cakchiquel-Tabelle) erscheinen paarweise zusannnengeordnet, ohne dass sich hiefür ein Grund auf-finden liesse.
Die quot;Worte itzcal und tacaxepual sind, wie schon Brinton hervorhebt, offenbar mexikanischen Ursprungs.
Der Beginn des guatemaltekischen Jahres wird von den Autoren verschicden angesetzt.
Nach Basseta begann das Quiché-Jahr........am 24 December
â Hernandez â â â ........ â19 November
â Ximenez â â â ........â21 Februar
Das Cakchiquel-Jahr begann nach einer Franziskaner-Chronik â 31 Januar
Nach einer von Brasseur citierten Angabe flel jedoch im J. 1707 der erste Pariclie auf den 21. Januar, was für den 1. Ibota, also für den ersten Jahrestag, den 21. November des Vorjahres ergabe.
Bei diesen Differenzen zwischen den Autoren wilre es von Werth, wenigstens einen relativen Anhaltspunkt in der Natur selbst zu tinden, namlich für die Bestimmung des Cakchiquel-Monats nabey tumuzuz. Dieser Ausdruck bedeutet wörtlich âdie ersten Ter-mitenquot; und bezieht sich offenbar auf das massenweise Ausschwarmen der Geschlechtsthiere der Haustermiten, welches alljahrlich in den Frühlingsmonaten stattflndet.
Ich habe mir nun, um ungefilhr die Zeit des nabey tumuzuz zu bestimmen, im Jahre 1881 in Antigua und 1882 in der Hauptstadt die Schwarmzeiten der Termiten, die ich damals auch zu entomologischen Zwecken sammelte, notiert und in Antigua als ersten Tag des Ausschwilrmens den 22. Marz, in Guatemala den 24. Mal notiert. In Antigua schwarmten die Thiere bloss am 22. und 23. Marz, daim sah ich in jenem Jahre koine mehr bis in den Juni, wo eine zweite, grosse Art zu schwarmen beginnt. In der Hauptstadt dagegen schwarmten die Thiere vom 24. Mai bis 1. Juni jeden Abend massenweise, so dass ich dies für die Hauptschwarmzeit der gemeinsten Haustermitenart (Calotermes castaneus Burm.) halte.
Mit Zugrundelegung der beiden ersten Flugtage (22. Marz â I, und 24. Mal â11) erhalten wir folgende Coïncidenzen für das Cakchiquel-Jahr.
') Es ist z. B. nicht einzusehen, weshalb ira Quiché-Kalender dio 3 ersten Monate als âerstes, zweites, drittes Wortquot;, der vierte als âBaumquot;, der sechste als âMattenmalerquot;, der siebente als âweissquot;, der achte als âBogenquot; oder âPfeilquot;, der zehnte und elfte als âersterquot; und âzweiter Enkelquot;, der vierzehnte und fünfzehnte als âerste und zweite Brutquot;, der sechszehnte als âVogel-Tagequot; bezeichnet werden.
Dass Uebersetzungen wie ibota âMattenrollenquot;, ligin k'a âsanfte Handquot; hoehst fragwjrdig sind, ist kaum zu bezweifeln.
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|
I II | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bei Einhaltung des erstern Datums fallen die namenlosen Tage auf den 7. 8. 9. 10. und 11. December, bei Zugrundelegung des 24. Mai jedoch auf den 8. 9. 10. 11. und 12. Februar.
Trotzdem ich geneigt bin, das Erscheinen der Termiten im Mai fur das auffillligere und gewöhnlichere Phaenomen zu halten, als den Marzausflug, der leicht übersehen wird, so geht doch aus obiger Zusammenstellung hervor, dass die Plugzeiten der Termiten erheb-lichen jahrlichen und lokalen Schwankungen unterworfen sind und nicht als eine absolut sichere Basis zur Berechnung des Cakchiquel-Jahres dienen können, da sich in obiger Tabelle an zwei einander nahegelegenen und ungefahr in gleicher Höhe befindlichen Stadten wie Antigua und Guatemala fur eine und dieselbe Terraitenspecies Differenzen von acht Wochen ergeben.
Daftir, dass die zweite Hillfte des Mai die wahrscheinlichere Grundlage fur den nabey tumuzuz ist, spricht indessen audi das Auftreten der zweiten auffalligen ïermitenart, welche ich 1882 zuerst am 18. Juni beobachtete, ein Datum, das befriedigend mit dem in der Tabelle II gegebenen Beginn des 1. rucab tumuzuz oder âzweiten Termitenquot;-Monates übQreinstimmt.
Die Tage des Mo nats. Wie oben bemerkt, zerfiel der einzelne Monat in 20 Tage, deren Bezeichnungen für das Quiche und Cakchiquel ziemlich übereinstinnnend angegeben werden, wie folgt:
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|
D i e T age der |
M o n a t e. | ||||
|
Quiche |
Cakchiquel | ||||
|
Nach Ximenez ') |
Naoh Beassbub2) |
Nach Spina 3) |
Nacli Bhinton4) | ||
|
1. |
i m o x |
i m o x |
i m u x |
( 3) |
i m o x |
|
2. |
ic |
ig |
ig |
( 4) |
i'k |
|
3. |
a c b a 1 |
akbal |
bacbal |
( 5) |
a' k b a 1 |
|
4. |
cat |
qat |
cat |
( 6) |
kat |
|
5. |
can |
can |
can |
( 7) |
can |
|
6. |
c a m e y |
c a m e y |
came |
( 8) |
c a m e y |
|
7. |
r| u e h |
q u i eh |
quieg |
( 9) |
q u e h |
|
8. |
c a n c 1 |
g a n e 1 |
c a u i 1 |
(10) |
k a n e 1 |
|
9. |
to h |
t ft h |
toj |
(11) |
toh |
|
10. |
tzi |
tzy |
zii (tzii) |
(12) |
tzii |
|
11. |
b a t z |
batz |
bat (batz) (13) |
batz | |
|
12. |
ci (ey?) |
ci, (ey?) bal am |
ee |
(14) |
ee |
|
13. |
ah |
ah |
cl j |
(15) |
ah |
|
14. |
bal am |
yiz, itz |
i x |
(16) |
yiz |
|
15. |
t z i q u i n |
t z i q u i n |
ziquin |
(17) |
tziquin |
|
16. |
a h m a c |
ah mak |
aj mac |
(18) |
a h m a c |
|
17. |
noh |
noh |
noj |
(19) |
noh |
|
18. |
11 h a x |
tihax |
tijax |
(20) |
tihax |
|
19. |
caoc |
caok |
cagnoc |
( 1) |
c a o k |
|
20. |
b uu ah puh |
h u n a h p u |
a h p u |
( 2) |
h u n a h p u |
|
Audi diese Namen sind theilweise übersetzt worden, aber |
in don wenigsten Fallen | ||||
liaben wir für die Richtigkeit dieser Uebersetzungen sichere Anhaltspunkte und wodiesesich zu finden scheinen, zeigt es sich zuweilen, dass die Uebersetzung nicht diejenige des guate-maltekischen Wortes, sondern des entsprechenden Tages des mexikanischen Monats ist. So bedeutet z. B. qat nicht, wie Bbasseue (1. c.) angibt, âEidechsequot;, wohl aber das ent-sprechende mexikanische cuetzpalin. ga nel bedeutet nicht âHasequot;, wohl aber das mexi-kanische tocht li.
Die übereinstimmenden Namen beider Kalender, des mexikanischen und des guatemal-tekischen, sind folgende:
|
Quiche und Cakchiquel Nahuatl | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
4) Bkinton, Annals p. 30. |
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Die übrigen Tagesbezeichnungen haben mit clem mexikanischen Kalender sichtlich nichts zu schaffen. Wenn audi obige Liste eine intensive Einwirkung des mexikanischen auf den guatemaltekischen Kalender zeigt, so dürfte das Verhaltniss doch das gewesen sein, dass Guatemala das ganze Schema der Zeiteintheilung in 18 Monate zu 20 Tagen von Mexico bezog und sich nach Möglichkeit an die mexikanischen Benennungen hielt, dass aber dennoch eine altere Nomenclatur der Tage noch wesentlich bei der Neugestaltung des Monats mit-wirkte. So linden wir im Tage Camé den Namen der Fürsten der Unterwelt (Huncamé und Vu kul) came) wieder, in toj und ga nel begegnen uns die Gottheiten der Frucht-barkeit, welche als xtoh und xganil im Popol Vuh vou Xquiq, der Mutter Hunahpu's und Xbalanques angerufen werden. gt;) lm Namen des 20. Tages treffen wir den grossen Zauberer-held der Vorzeit, Hunahpu, selbst wieder. Die übrigen Namen sind nicht sicher zu er klaren.
Ueber die Bedeutung, welche den einzelnen Tagesnamen innewohnte, erfahren wir durch Hebnandez Spina2) naheres. Danach zerfallen die Tage in gute, bose und indifferente.
Indifferent waren die beiden Tage Ca gnoe und Ahpu, mit welchen nach Spina der Quiché-Monat begann. Schlecht dagegen waren die sechs folgenden Tage (3. 4. 5. 6. 7. 8.) ferner der 11. und der 12. Tag. Die übrigen waren gute Tage.
Am Tage Imux, der dem Windgott geweiht i.st, beten die Sonnenpriester oder Ajk'ij zu den Göttern, dass sie ihron Gegnern Böses zufügen mogen. Ebenso an den folgenden Tagen bis und mit Game.
Am Tage Quieg, der ein guter Tag ist, beginnt man die Heiratsverhandlungen.
Am Tage Ca nil bittet man um alles, was zur Erhaltung des Menschen dient, demi Canil (richtiger K'anil) ist der Gott der Fruchtbarkeit, wörtlich des âGelbseinsquot;, der âReifequot;.
Am Tage Toj haben nur böse Geister Gewalt und wehe dem, der an diesem Tage geboren wird.
Am Tage Zii (verschrieben für tzii) beten die Priester, dass Krankheit, Elend und allerlei Uebel diejenigen befallen moge, welche ihnen nicht gonehm sind.
Am Tage Bat (verschrieben statt batz) beten die Priester ebenfalls, dass Krankheit ihre Feinde befallen möge, und zwar speciell die Gicht, um sie zu lahmen.
Am Tage Ee werden alle Vertrage abgeschlossen und die Priester beten zu den Göttern um alles Gute.
Am Tage Aj, der ein guter Tag ist, betet man um Mehrung der Hausthiere.
Der Tag lx war den Göttern der Walder geweiht. Man betet zu ihnen, dass sie die reissenden Thiere verhindern mogen, Schaden au don Hausthieren zn thun.
Erst am Tage Tziquin vereinigen sich die Gatten, obgleich die Heirat schon am Tag Ee geschlossen wurde, im gleichen Hause, begleitet von Gebet und Glückwünschen.
Der Tag Ajmac ist dem Gott der Gesundheit geweiht, dem man viele Opfer bringt.
Der Tag Noj ist dem Gott der Vernunft geweiht. Man bittet um gesunden Verstand für sich und seine Kinder. Dieser Tag, wie der folgende Tijax ist der menschlichen Seele geweiht.
Fubntes3) reproduciert einen, bereits der christlichen Zeitrechnung angepassten Kalender, der dazu diento, die Naguales oder Schutzgottheiten der einzelnen Tage ausfindig zumachen. Er wurde einem Quiche-Wahrsager von Totonicapam weggenommen und lautet wie folgt:
') Popol Tuh, p. 104,
-') Milla , 1. c. p. LXIII. 3) Füentes , II. p, 44.
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ENERO (Januar). | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
B. Chronologischer Kalender.
Mit der Verwendung des Kalenders zur Bestiramung der guten und bösen Tage ist seine Bedeutung indessen noch nicht erschöpft, demi er diente auch ch ronologi schen Zwecken.
Ueber die Art der Chronologie, welche die einheimische Litteratur einhielt, geben uns nur die Cakchiquel-Annalen, welche jetzt durch Brinton's Verdienst zuganglich gemacht sbd, einige Anhaltspunkte. Da Prof. Beinton1) eine Specialarbeit über die verschiedenen, in Centralamerika üblichen, chronologischen Systeme in Aussicht stellt, mogen hier nur einige wenige Bemerkungen Platz finden.
Den chronologischen Daten der Cakchiquel-Annalen dient ein bestimmtes Ereigniss, namlich die Vernichtung der Tukuchee durch die Cakchiqueles als Basis, das auf den 11. Ah verlegt wird. Stellen wir nun die chronologischen Angaben der Cakchiquel-Annalen zusammen, so sehen wir, dass sie uns stets einen der 20 Tagesnamen in Verbindung mit einer Zalü von 1 â 13 zeigen. Wir müssen daher annehmen, dass neben der Eintheilung des Jahres in 18 Monate zu 20 Tagen und einem Supplement von 5 namenlosen Tagen, welche der astronomischen Zeitrechnung und der Festsetzung der Fest- und Opfertage diente, noch eine andere Eintheilung existiert habe, in welcher je 13 Tage zu einer Periode oder Woche zusanunengeordnet erscheinen. Diese 13-tagige Periode trug jeweilen einen der 20 Tagesnamen8), so dass der ganze Kreislauf 13 mal 20 = 260 lage umfasst hatte. Es müsste somit nach Ablauf der 260 Tage ein beliebiges Datum wieder auf
') Biunton, Cakchiquel-Annals p. 28.
=) Den Tagesnamen Y i z flnde icli in der Chronologie nicht belegt.
â 65 â
denselben Tag fallen, es müsste beispielsweise der Jahrestag des üntergangs der Tukuchee wieder der 11. Ah sein.
Nun zeigt sich aber, wenn wir alle im indianischen Texte der Cakchiquel-Annalen angegebenen Jahrestage der Vernichtung der Tukuchee zusammenstellen, folgende Reiho:
|
11. |
Ah. |
Vernichtung |
der Tukuchee; Auf- |
12. |
Ah. |
17 |
Jahi |
e nach |
dem Aufstand. | |||||
|
stand der Cakchiqueles. |
9. |
77 |
18 |
i) |
77 |
77 |
77 | |||||||
|
8. |
?? |
1 |
Jahr |
nach dem Aufstand. |
6. |
l) 77 |
19 |
77 |
77 |
77 | ||||
|
5. |
7? |
2 |
Jahre |
77 |
77 |
77 |
3. |
77 |
Erster Cyklus nach |
dem Aufstand. | ||||
|
2. |
JJ |
3 |
77 |
77 |
77 |
77 | ||||||||
|
12. |
77 |
4 |
77 |
77 |
77 |
77 |
13. |
77 |
1 |
Jahr |
nach dem ersten Cyclus. | |||
|
9. |
JJ |
5 |
77 |
77 |
77 |
77 |
10. |
77 |
0 u |
Jahre â |
77 |
77 |
JJ | |
|
6. |
77 |
6 |
77 |
77 |
77 |
77 |
7. |
77 |
3 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
|
3. |
77 |
7 |
77 |
77 |
77 |
77 |
4. |
77 |
4 |
77 |
77 |
77 |
77 |
77 |
|
1. |
77 |
5 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ | |||||||
|
13. |
77 |
8 |
77 |
77 |
77 |
77 |
11. |
6 | ||||||
|
77 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ | |||||||||
|
10. |
77 |
9 |
77 |
77 |
77 |
77 |
8. |
JJ |
7 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
|
7. |
77 |
10 |
5. |
8 | ||||||||||
|
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ | |||||
|
4. |
11 |
Q |
9 | |||||||||||
|
77 |
77 |
77 |
77 |
77 |
⢠|
JJ |
7? |
77 |
77 |
77 |
JJ | |||
|
1. |
77 |
12 |
12. |
10 | ||||||||||
|
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
11 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ | ||||
|
11. |
77 |
13 |
77 |
77 |
77 |
77 |
9. |
JJ |
77 |
77 |
77 |
77 |
77 | |
|
8. |
77 |
14 |
77 |
77 |
77 |
77 |
6. |
JJ |
12 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
|
5. |
77 |
15 |
77 |
77 |
77 |
77 |
3. |
77 |
13 |
77 |
77 |
77 |
77 |
7? |
|
2. |
77 |
16 |
77 |
77 |
77 |
77 |
13. |
JJ |
14 |
77 |
77 |
77 |
77 |
JJ |
|
Diese |
Reihenfolg |
e wiederliolt |
sich auch in |
dem, |
nur |
in e |
nglischer Uebertragung vor- | |||||||
handenen Theile der Annalen.
Es milt somit der Jahrestag des grundlegenden Ereignisses, welches am 11. Ah statt-hatte, allerdings stets wieder auf die Woche Ah, aber nicht auf denselben Tag, sondern 3 Tage früher. Indessen ist dies nicht so aufzufassen, als el) der indianische Schreiber sich in seiner Berechnnng getauscht habe, denn dagegen spricht schon die consequente, bewusste Durchführung der chronologischen Daten. Ebensowenig aber ist dies so zu deuten, als ob der Gesammtcyklus aus irgend einem Grimde einfach um 3 Tage verkürzt worden ware, denn dann könnte sich der Jahrestag des Aufstandes nicht stets in der Woche A li bewegen, sondern müsste successive auch auf die übrigen Wochen fallen.
Es muss daher die sprungweise Bewegung des Jahrestages innerhalb der Woche Ah einen andern Grund hahen. Betrachten wir die Tabelle genauer, so gewahren wir, dass sich die einzelnen Jahrestage folgendermassen zu Perioden zusammenordnen:
â¢13. 10. 7. 4. I. 11. 8. 5. 2. 12. 9. 6. 3.
Die Reihe umfasst also sammtliche Zahlen von 1 bis 13, die aber so geordnet erscheinen, dass sie sich je um 3 unterscheiden. Mittelst dieser Anordnung wird erreicht, dass nach einem Cyklus von 13 Jahren ein beliebiges Datum wieder auf denselben Tag fallt. Dass aber â13quot; zu den heiligen Zahlen gehort, wurde schon oben erwahnt, und es ist jedenfalls
') lm Texte steht irrig âvahxakiquot; statt âvakaki.quot;
F. A. f. E. I. Suppl. I. 9
- G6 -
der ausschliessliche Zweck der ganzen Eechnungsweise, diese heilige Ziffer in derselben wirken zu lassen.
Die obige Zahlenreihe und ihre Wirkung kann nun aber bloss dadnrch gewonnen werden, dass dem einzelnen Cyklus von 260 Tagen 3 Tage subtrahiert werden, dass also eine der Wochen bloss 10 Tage zahlt. Würde jedoch mit dieser Zahlweise in infinitum fortgefahren, so müsste schon bald der Jahrestag ans dem Monat Ah herausfallen, und zwar ware dies in obiger Serie 3 mal der Fall, namlich nach den Zahlen 1, 2 und 3. Die Zifter 1 steht von 13 um 5 Jahre, die Zifter 2 von 1 um 4 Jahre und die Zifter 3 von 2 ebenfalls um 4 Jahre ab. Die Summe dieser Abstande 5 4 4 ergibt aber wieder die heilige Zahl 13. Es muss demnach, um den Jahrestag eines beliebigen Datums innerhalb derselben Woche zu halten, in Perioden von 5, 4 und 4 Jahren jeweilen eine quot;Woche von 13 Tagen eingeschoben werden. Dadurch wird der Verlust von 39 Tagen, wieder ausge-glichen, welcher wahrend des ganzen Turnus von 1 â 13 Jahren entstehen würde wenn vom Gresammtcyklus von 2(50 Tagen einfach 3 Tage subtrahiert worden waren.
Es würde z. B. der 5. Jahrestag nach dem 13. Ah auf den 11. Ee, der 9. auf den 12. Batz, der 13. auf den 13. Tzii fallen müssen, wenn es nicht durch Zuschlag von Je 13 Tagen an diesen Daten möglich gemacht worden ware, die Jahrestage des 13. Ah stets fort in der Woche Ah zu erhalten, indem man, statt vom 1. Ah auf den 11. Ee überzu-springen, wieder auf den 11. Ah vorsprang.
Durch diese, allerdings willkürliche und lediglich im Interesse esoterischer Zahlen-beziehungen stehende Manipulation wurde es möglich, auch den Gesammtturnus von 260 Tagen für das historische Jahr (huna) einzuhalten.
Zur Erleichterung des blossen Zahlens, ohne symbolische Nebenzwecke, erscheinen die Jahre in den Cakchiquel-Annalen in Cyklen von je 20 zusammengeordnet, die als may bezeichnet werden.
Es zeigt sich aus obiger Untersuchung, dass die Chronologie der Cakchiqueles von dei-bei den Nahuas und Mayas üblichen nicht unerheblich abweicht und manches Originale enthalt, wenn auch die Zeitrechnung aller dieser Völker auf eine gemeinsame Quelle hin-weist. Von den grossen cyklischen Berechnungen der Mexikaner und Mayas fehlen uns in Guatemala die Spuren fast vollstandig. Bloss Fuentes 1) sagt, dass die Quichés radförmige gt;8101116 (ruedas de piedra) besessen haben, auf welchen durch Bilder der Cyklus von 52 Jahren dargestellt war. Da 52 die durch Multiplikation erlangte Combination der beiden heiligen Zahlen 4 und 13 bildet, so ist die Angabe des Fuentes wahrscheinlich rich tig. Wir finden also bei den Maya-Stammen Guatemala's eine cyklische Rechnung mit den Ziffern 13 und 52, die an die 13-jahrige Periode (indiccion) und die 52-jahrige Periode (katun) der Mayas von Yucatan erinnert, obwol die Dauer des chronologischen Jahres bei beiden Vólkern ver-schieden war, indem das guatemaltekische mit dem inexikanischen, nicht aber mit dem Maya-Jahr übereinstimmte.
VIII. NAMENGEBUNG UND KINDERERZIEHUNG.
Wenn wir die, uns aus alter Zeit überlieferten Eigennamen der Indianer untersuchen, so linden wir neben einer Anzahl soldier, die sich, wahrscheinlich in Folge mangelhafter
') Fuentes, II. p. 111.
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Schreibweise, der Analyse entziehen unci einer Reihe von offenbaren Entlehnungen aus dem Moxikanlschen, zwei Kategorien von Namen vertreten.
Die eine davon enthalt Thiernamen, wie Bal am-A gab, Balam-Quitze, Tucum-balam, Gucumatz, welche alle auf die oben geschilderte zauberbafte Bedeutung des Jaguars und der Schlange Bezug zu haben scheinen.
Die zweite Kategorie enthalt ebenfalls haufig Thiernamen, aber stets in Verbindung mit Zahlen, was darauf hinweist, dass diese Namen dem soeben besprochenen chronolo-gischen Kalender entnommen sind und nichts anderes als Tage dieses Kalenders darstellen. Dahin gehören z. B. die Namen: Vahxaki Caam (8. Can), Vuknb Noh (7. Noh), Oxib Quieh (3. Quieh), Beleheb Tzi (9. Tzi), Cablahuh Tihax (12. Tihax), Cay Hunahpu (2. Hunahpu), Voo Kaok (5. Caok), Vakaki Ah mak (6. Ahmak), Belehe Qat (9. Qat), Hun I'k (1. I'k), Calü Imox (4. Imox) und andere.
Diese Namen beziehen sich auf die Geburtstage. Das erste Kind wurde nach dem Gotte genannt, dem sein Geburtstag geweiht war, und der als Nagual des Kindes betrachtet wurde. Dagegen vermied man es, den Kindern die Namen ihrer Eltern zu geben1).
Bei den Quiches von Totonicapam brachte Fuentes2) folgende Sitte der Namengebung in Erfahrung: Bei der Geburt eines Kindes wurde der Wahrsager von dem Ereigniss benach-richtigt; er notierte den Geburtstag und ging zu gelegener Zeit in's Hans der Eltern, wo ihm die Mutter das Kind auf den Armen entgegen brachte. Beide gingen dann mit dem Kinde binter das Hans, wo der Wahrsager den Gott des betreffenden Tages anrief. Wales z. B. am 2. Januar geboren, dessen Zeichen die Schlange ist, ao erschien die Gottheit in Gestalt einer Schlange. Der Priester empfahl ihr das Kind zu Schutz und Pflege. Als Zeichen des geschlossenen Bundes legte der Wahrsager die Hand des Kindes auf den Kopf der Schlange, dann kehrte er nach Hause zurück. Den Eltern des Kindes aber lag es oh, das Kind taglich zur selben Stunde auf den freien Platz hinter dem Hause zu tragen, wo ihnen der Nagual dann erschien. So wurde das Kind allmühlich mit seiuem Schutzgott ver-traut, der es sein Leben lang begleitete.
Es ist nun natürlich nicht zu entscheiden, ob das Gebahren des Wahrsagers auf blosser Taschenspielerei mit einer reellen Schlange beruhte. Indessen ist es mir viel wahrschein-licher, dass es sich lediglich um Hervorrufung einer vrillig imaginaren Schlange mittelst suggestiver Hallucination handelte. Die Versicherung des Priesters, dass die Schlange joden Tag um die bestimmte Zeit erscheinen werde, genügte vollkommen, um bei den leicht zu beeinfiussenden Indianern die betreffende Hallucination auszulösen.
Aus den Unterschriften der Verfasser des â Tit ulo de Totonicapamquot; geht hervor, dass zu einem vollstandigen Namen eines Mannes auch noch derjenige seiner Subgens (chiuamit) gehorte, z. B. José Cocoa Qicab, Diego Garcia Chituy, Jorge Nihayib, Diego Perez Ahcucumatz etc., obwohl im gewöhnlichen Leben die Bezeichnung des jeweiligen chinamit, als allgemein bekannt, wegbleiben konnte.
Bei der Geburt eines Kindes wurde dem Priester ein Huhn zum Dankopfer für die Götter übergeben, und das Ereigniss mit den Verwandten festlich begangen. Wenn das Kind zum ersten Mal gewaschen wurde, was in einer Quelle oder, mangels dieser, im Flusse geschah, so opferte man Weihrauch und Papageien. Man warf bei dieser Gelegenheit alles Geschirr, welches der Mutter wührend der Geburtszeit gedient hatte, in den Finss als
;) Fuentes, II. p. 45.
') Koman, HI. lib. I. f. 148.
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Opfer für dessen Gottheit. Man liess vom Wahrsager das Loos werfen, um den Tag zu erfahren, an welchem es gerathen ware, die Nabelschnur zu entfernen, nnd wenn der Tag bestimmt war, iegte man dieselbe anf einen bnntkörnigen Maiskolben und schnitt sie unter Segenssprüchen mit einem Steinmesser durch. Letzteres wnrde als heiliger Gegenstand in eine Quelle geworfen.
Den blutigen Maiskolben aber entkörnte man und saete die Körner zur geeigneten Jahreszeit im Namen des Kindes an. Aus dem Ertrage bereitete man dem Kinde den ersten Brei. Den Rest saete man wieder und ein Theil der Körner wurde aufbewahrt, damit das Kind ihn saen sollte, wenn es erwachsen ware, den Ueberschuss erhielt der Priester. Auf diese Weise genoss das Kind in reiferm Alter nacb indianischer Ansicht nicht nur den Schweiss seines Angesichts, sondern aucli sein eigenes Blut.
War das Kind zur Entwöhnung von der Mutterbrust herangewachsen, so wurde ebenfalls ein Familienfest mit Opfern veranstaltet, ebenso brachte man Opfer, wenn das Kind aut allen Vieren zu kriechen und wenn es zu reden begann. Wenn man ihm zum ersten Male die Haare schnitt, wurde ein Fest gefeiert, die Haare verbrannte man mit dem Weihrauch.
Der Gebnrtstag eines Kindes wurde für Lebenszeit in hohen Ehren gehalten und festlich gefeiert.
Die Erstlingsarbeiten der Kinder, Gewebe bei den Madchen, Bogen bei den Knaben, wurden den Göttern geweiht und von den Kindern selbst den Priestern gebracht.1)
Die Ernahrung des Sauglings geschah, wie lieute noch, ausschliesslich mit der Milch der Mutter, welche nur im Falie schwerer Krankheit oder des ïodes durch eine Fremde ersetzt wurde. Erst nach vollendetem dritten Lebensjahr wurde das Kind entwöhnt, eine Sitte, die audi lieute noch gobrauchlich ist. Die Mütter zeigten ihre Kinder nicht gern Fremden2). Konnte dies nicht vermieden werden, so bedoekten sie ihnen die Augen, um sie ver Bezauberung durch den bösen Bliek zu schützen. Heutzutage ist es üblich, den Kindern, die auf dem Rücken der Mutter getragen werden, unterwegs die Augen durch Herabziehen des Kopftuches zu doeken, doch wohl eher, um sie ver Sonnenlicht und Staub zu schützen, als aus Furcht vor Bezauberung.
Die Kinder, selbst der Vornehmen, wurden sehr einfach gehalten und an die Unbill der Witterung und den Mangel an Bequemlichkeit frühzeitig gewöhnt. Sobald sie gehen konnten, belud man sie mit leichten Sachen, indem z. B. die Mutter mit ihnen Besuche bei Grosseltern oder Verwandten machte, wobei die Kinder ein kleines Geschenk in ihrem Tragnetz mitbrachten.
Nach der Entwöhnung bilde te, auch für die Kinder der obersten Hauptlinge, der Mals noch langere Zeit die ausschliessliche Nahrung der Kinder, ebenso für die Mutter wahrend der Stillungszeit.
Ueber die Erziehung in den reifern Jugendjahren ist es schwer, für Guatemala zu elner sichern Ansicht zu gelangen. Nach Roman3) kamen die Kinder im achten Lebensjahre zur Erziehung in die Tempel. Die Madchen lebten in grosser Zurückgezogenheit bis zur Zeit ihrer Verheiratung. Fuentes4) nimmt die Beschreibung, welche Toequemada von der mexi-kanischen Kindererziehung entwirft, auch für Guatemala in Anspruch. Danach hatten auch hier besondere Erziehungsan stal ten (seminaries) für beide Geschlechter bestanden, wo die
') Boman , III lib. I f, 148. 149. Fuentes, I. p. 298.
â ) Fuentes , I, p. 297.
3) Roman, III lib. I f. 149.
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Knaben mid MMchen, ausserhalb ihrer Familie, in den für ihren Stand passenden praktischen und moralischen Dingen unterrichtet wurden.
Ob diese Nachricht des Fuen'L'es Ober die öffentliche Ei'ziehnng in Guatemala richtig ist, scheint mir höchst zweifelhaft. Wahrscheinlich beruht sie nur auf einer irrtlmmlichen Uebertragung mexikanischer Verhaltnisse und galt sie jedenfalls nur fOr die weulgen Stadte des Landes, nicht aber für das ganze Volk. In Guatemala dürfte die Erziehung weit wahr-scheinlicher einfacher und innerhalb der Familie geschehen sein, wie in der Zeit nach der Eroberung, über welche wir genauer unterrichtet sind1). Danach lernten die Knaben vun ihren Vatern die Jagd, den Fischfang, die Feldarbeit, den Gebrauch der Waffen, die Tanze und andere Dingo. Die Mütter lehrton die Madchen das Maismahlen auf besondern kleinen Mahlsteinen, ferner das Spinnen von Baumwolle und Magueyfasern und die quot;Weberei ver-schiedener Stnffe. Vom achten Jahre au standen die Madchen unter besonders strenger Aufsicht, um nicht auf sittliche Abwego zu gerathen, vor Allem die Töchter dor Vornehmen.
Als Beschaftigungen der Kinder werden das Ansaen eines kleinen Maisfeldes, das Ballspiel, und für die Madchen Weberei gonannt. Besondere Arten von Spiolzeng wurden aus Thon hergestellt.
Die Eltern Hessen ihre Kinder nicht gern von der Seite, damit sie nicht von fremden Kindern Unarten annehmen mochten, welche den Eltern daim Ungolegenheiten mit den Nachbarn verursachen konnten.
Mit Hinsicht auf die Bekleidung ist zu bemerken, dass die Kinder, auch die der Vornehmen, wahrend der ersten Lebensjahre nackt gingen, erst wenn sie in's Feld hinaus-gehen konnten, wurde ihnen ein kurzes Hemd angelegt, und etwa vom fünften Jahre an wurden sie, aus Schicklichkeits-Rücksichten, besser bekleidet, indem sie in den Hochlandern Beinkleider zu tragen begannen. in den heissen Tieflandern, wo auch die erwachsenen Manner bis auf den Lendengurt nackt gingen, trugen auch die Knaben bloss diesen.
Diese Principien der Erziehung und Bekleidung sind heute noch gültig, wie zu Fuentes' Zeiten. Die Mütter lieben ihre Kinder zwar sehr, behandeln sie aber doch streng und das Schelten derselben mit Thiernamen ist nicht ganz selten, z. B. a utiu, o du Coyote! a umul, o du Hase! a masat, o du Reh! Von ZOchtigungen ist das Schlagen mit der Hand oder einer dünnen Gerte beliebt.
Bis zu ihrer Verheirathung arbeiteten die Kinder zum Besten ihrer elterlichen Familie.
Die Eltern hOteten sich, in Anwesenheit ihrer Kinder unzüchtigo Reden zu führen. Infolge dieser löblichen Sitte gehort demi auch die Zote in den heutigen Indianer-Sprachen Guatemala's zu den seltensten Vorkommnisseu derselben, Für die ganze Reihe der auf sexuelle Dinge bezOglichen Vulgarausdrücke unserér Sprachen fehlen dein indianischen Idiome Analoga. Tz'iquin (Vogel) wird der Penis genannt, und c'as li bal, d. h. âder Ort, wo das Leben ontspringtquot;, ist der Ausdruck des Cakchiquel für âweibliche Schamquot;, chayuk mat uk âschlage mir deine Beine auseinanderquot;, sagen etwa die jungen Cakchiqueles von San Juan scherzweise zu den Pokomam-Madchen von Mixco, wenn sie deren Derf passieren. Die Armuth der Indianersprachen an unzüchtigen Ausdrücken und Scherzen ist um so auffallender, als die spanischredenden Mischlinge hierin beinahe Unglaubliches leisten.
Die Pipiles2) legton bei der Geburt eines Knaben diesem Bogen und Pfeil in die Hand; war das Kind ein Madchen, so gab man ihm etwas Baumwolle und eine Spindel.
:) Palacio , p. 76.
') Fuentes, I, p. 298.
Am rechten Fuss brachte die Hebamme dem Kinde einen schwarzen Strich an, welcher verhüten sollte, dass es sich im Walde verlaufe. Zwölf Tage nach der Geburt trug man das Kind zum Priester, and der es trag schritt auf lanter grünen Zwelgen, die auf den quot;Weg gestreut waren. Der Priester legte dem Kind den Namen, der bier von seinen Voreltorn entnommen wnrde, bel and bezog dafür Spenden von Gefliigel and Cacao. Wenn das Kind nach Hause gebracht war, so badete die Hebamme die Wöchnerin im Flusse, wobel Copal nnd Cacao dem Wasser geopfert wurde, damlt es der Fran nicht schade.
Bel den Hocblandstilmmen dagegen war es Branch, dass die Wöchnerin einige Tage nach der Geburt ein Dampfbad nahm, wesshalb sle A h t n h (Fran des Dampfbads) genannt wurde.
Wahrend bei den Mayas von Yucatan die künstllche Deformation des Schiidels üblich war, 1st a us Guatemala nichts derartiges bekannt. Ebensowenig lesen wir, dass, wie in Yucatan, das Gebiss operativen Eingriften unterzogen wurde.
Es beschrauken sich also in Guatemala die in historischer Zeit am menschllchen Körper vorgenommenen Operatlonen auf Aderlass an Zunge, Extremitaten und (bei den Pipiles) an den mannllchen Genitalien, mit gelegentllcher Durchlöcherung des Penis in nicht naher bezelchneter Weise; ferner auf die Durchbohrung der Ohrlappchen nnd der Nasenscheidewand zur Anbringung von Schmuckobjekten bei den Vornehmen. Das von Iuaeeos angegebene Tragen eines Lippenpflocks in der Unterlippe 1st weder durch die Literatur noch durch die Reste der Biklhauerei und Töpferel bestatigt.
IX. PAS BEGEABNISS.
Wenn in der Verapaz ein Vornehmer starb, so legte man ihm zunaclist einen kostbaren Stein in den Mund. Es soli1) dies sogar schon vor dem letzten Athemzug geschehen sein, damlt der Stein die Seele des Verstorbenen aufnehme. Dies Amt wurde in hohen Ebreu gehalten, im Volke besorgte es der Vornehmste, belm Tod eines Königs der ihm Nachststehende. Der Stein wurde von dieser Person selbst aufbewahrt und ihm mit Opfern göttliche Verehrung erwiesen.
Wenn der oberste Hiluptling starb, so sandte man Boten an alle Ortschaften seines Relchs und ebenso an tile ihm befreundeten Hauptllnge, die man zum Begrabniss einlud. Bis zu dieser Zeit wurde die Leiche sitzend aufgebahrt und mit relchen Gewandern versehen, die der Verstorbene selbst belm Herannahen seines Alters nach und nach angeschafft hatte, damlt er sle besasse, wenn er zu sterben kame.
Die zum Begrabniss geladenen Hiiuptlinge brachten Edelsteine und andere Geschenke, so wie Sclaven zu Opferzwecken mit. Die Edelsteine legte man auf die Leiche, die alsdann rait vielen ïüchern bedeckt und eingewickelt wurde. Alsdann setzte man sle in hockender Stellung in oine Stein- oder Holzkiste, die in einer tiefen und grossen Erdhöhle belgesetzt wurde, aber nicht, wie in den andern Provinzen bel den Tempeln, sondern auf den Bergen.
Die Sclaven des Verstorbenen wurden getödtet, damlt sle ihm in's ktlnftige Leben vorausgehen sollten, nm den Aufenthalt ihres Plerrn vorzuberelten, deun nach der Ansicht tier Indianer brauchte man nach dem Tode in einer andern Welt dieselben Dinge wieder, deren man auf dieser bedurft hatte. Auf die Leichen der geopferten Sclaven legte man die
') Roman, III lib. ill f. 182.
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Werkzeuge, mit denen sie ihrem Herrn gedient hatten: dem Feldsclaven Spaten, und anderes Feldgerath, den übrigen andere Uinge, Die Leichen der Sclaven wurden im Grabe des Herrn beigesetzt; blieb noch etwas Raum übrig, so wurde er mit Erde ausgef'üllt. Dann Avurde auf dem Grabe ein gemauerter Altar errichtet, auf welchem man Copal und andere üinge opferte.
Das gemeine Volk, welches nicht die Mittel zur Beschaffung von Ste'insargen besass, beerdigte seine Leichen ebenfalls, aber einfacher, indem eine grosse Grube gegraben wurde, in deren einer Seitenwand man noch eine Höhle anbrachte. In diese Höhle legte man die Leiche in hockender Stellung, ohne sie jedoch mit Erde zu bedecken, und füllte dann die Grube wieder aus. Die Kosten der mit der Beerdigung verbundenen Opfer bestritten ira Volke die Verwandten des Ver sterbenen ^also sein chinamit, was aufs Neue die Wich-tigkeit dieser Einheit beweist.
Im Quiché-Gebiet wurden dio Leichen nach Ximenkz2) in ihren Maisfeldern beerdigt, und ihnen Geschirre, Mahlsteine und andere Hausgerathe nebst Schmucksachen mit in's Grab gegeben. Ueber den Grilbern errichtete man Erdhügel, deren Grosse von dem Rang und der Bedeutung des Verstorbenen abhing. In andern Gegenden. wie in Rabinal, führte man Steinhaufen auf, und da dies in den Maisfeldern selbst geschah, hatten wie Ximenez sagt, die Nachkommen der alten Indianer genug zu thun, diese Steine wieder aus den Feldern herauszuschaffen.
Ueber die Bestattungsgebrauche der Cakchiqueles und Pokomames theilt uns Fuentes3) einiges mit. Wenn hier ein Ãberhauptling schwer erkrankte, benachrichtigte sein Sohn, als Nachfolger im Regierungsamte, die Verwandten und übrigen Vornehmen des Bezirkes davon. Diese beeilten sicli, mit grossem Gefolge nach dom Regiemngssitz zu reisen, wobei sie ihre erstgebornen Söhne mitnahmen, um dem neuen Hauptling nach gesetzlicher Vorschrift zu huldigen. Unterlassung dieser Huldigung zog bleibenden Verlust aller Amtsstellen nach sich. Als letzte Gabe brachten sie dem sterbenden Hauptling Geschenke an Gold und Silber, kostbaren Tüchern und Federn dar.
Sobald die Aerzte den Kranken von seinem nahen Ende benachrichtigt hatten, übertrug er die Herrschaft auf seinen erstgebornen Sohn, dem er die Fürsorge und gute Behandlung des Volkes und die Werthschatzung der Rathe und übrigen ajau an's Herz legte. Dann liess er Niemanden, selbst nicht von den nachsten Verwandten, mehr zu sich, ausser der Dienerschaft, die ihn pflegte.
Nach eingetretenem Tode wurde die Leiche von don Vornehmen gebadet und mit wohl-riechenden Wilssern gewaschen, dann prachtig angezogen und mit den Insignien der Regie-rung versehen. Die Leiche wurde wahrend zwei Tagen aufgebahrt, üm den Frauen des Verstorbenen, die allein Zutritt hatten, Zeit zur Todtenklage zu geben.
Bei Anbruch der zweiten Nacht wurde die Leiche beerdigt, indem sie in langem Zuge der Vornehmen, Priester und des Volkes an den Bestattungsort getragen wurde. Voran gingen die Söhne der Vornehmen mit den ïodtengaben, welche der Verstorbene im künf-tigen Leben gebrauchen sollte: Gold, Silber, Edelsteine, Tücher, Matten, prachtige Federn, Lebensmittel aus Mals und Fleisch und eine grosse Quantitat von Holzkohlen zum Feuer-anmachen im Jenseits. Am Begrabnisplatz sprachen die Priester das Abschiedsgebet und empfahlen den Todten der Fürsorge Exbalanque's. Die Leiche wurde nun in einen
') Roman, III. lib. Ill f. 183.
â ) Ximenez, p. 213.
:l) Fuentes, I p. 364.
grossen, starken Thonkessel gelegt und dieser in eine geranmigc Erdgrube versenkt. In dem Thonkessel wurde die Leiche mit Edelsteinen und Federn versehen, der Rest del Gaben um den Kessel herum gelegt und dieser mit einem flachen Stein verschlossen. Alsdann füllte man das Grab mit Erde aus und führte darüber einen künstlichen Hügel auf, der je nach dem Range des ïodten mehr oder weniger hoch war. Nachdem dies geschehen, wurde eine Statue des Verstorbenen auf dem Gipfel des Hügels aufgepflanzt und ihr künftighin mit Opfern an Blumen, Copal und Thieren göttliche Verehrnng erwiesen, da die Indianer glaubten, dass derjenige, der im Leben über sie geherrscht, nach dem Tode für sie Sorge tragen würde. Wenn das Begrabnis nicht das des obersten Hauptlings, sondern eines ajan oder Aeltesten des Calpul gewesen war so galt das Grab künftighin als Asyl für Yerbrecher, da sie hofften der Verstorbene werde auch jetzt noch ihr Anwalt beim obersten Hauptling sein, wie er es im Leben gewesen war.
Nach dem Begrabniss kehrte der Zug in den Palast des neuen Hauptlings zurück, um diesem Beileid und Huldigung zu bezeigen.
Die Huldigung bestand, nach Torquemada^, darin, dass die Vornehmen den neuer-wahlten Hauptling auf eine bunt bemalte Matte setzten. A^on dieser Matte (pop), stammt auch der Titel ajpop (âHerr der Mattequot;) der den obersten Hauptlingen zukam. Dem demütig Dasitzenden hielt dann einer der Aeltesten und Vornehmsten als erwiihlter Sprecher eine kurze Ansprache, worin er dem neuerwahlten überhaupt eine glückliche und für sein Volk gedeihliche Regierung wünschte, die seinen Ruhm durch alle Lander trüge. Alsdann sprach noch jeder einzelne der anwesenden Vornehmen für sich, zum Zeichen, dass er sich mit der Wahl des neuen Oberhauptes einverstanden erklare und ihm Gehorsam gelobe.
Nach beendigtem Huldigungsakt wurde ein achttagiges Todtenfbst mit Gelagen und Opfern gefeiert. Die einzelnon Rangstufen hielten sich auch hier getrennt, inclem die Vornehmsten in concentrischen Kreisen beisammen sassen. Diesen folgte der Kreis der Diener von vornehmer Abkunft und endlich zuletzt die Kreisgruppe der Diener. Ob aber die Dienerkreise concentrisch um diejenigen der Vornehmen oder neben diesen lagerten, ist aus dem Bericht nicht ersichtlich, letzteres indessen, nach heutigem Usus zu schliessen, wahrscheinlicher.
Es war fern er Sitte, sich zum Zeichen der Trauer um Verstorbene mit gelber Erde zu bemalen. Wenn aber Ximenez behauptet, dass daher der Name mal-cam âWittwerquot; rührte, der âgelb bemaltquot; bedeute, so ist dies eine jener puerilen Etymologien seiner Zeit, denn âgelbquot; heisst nicht can, sondern k'an und malcan wird nicht malk'an aus-gesprochen.
Auch bei den Pi pi les2) war es Sitte, die Todten in sitzender Stellung zu beerdigen, jedoch nicht im freien Felde, sondern in ihren Hausern. Wenn der oberste Hauptling oder ein anderer Mann hohen Ranges oder seine Fran oder sein Solm starb, so wehklagte sein ganzes Volk vier Tage und vier Nachte. Bei Tagesanbruch nach der vierten Nacht trat der Oberpriester öffentlich auf, und forderte das Volk auf, die Trauer einzustellen, da die Seele dos Verstorbenen jetzt bei den Göttern sei. Die Todtenklage selbst wurde nach Art der Festtanze abgehalten und bestand vornehmlich in einer Lobpreisung der Thaten und der vornehmen Abstammung des Verstorbenen.
!) Palacio, p. 76.
') ÃOHQUEMADA, II. 11b. XI p. 342.
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Gehorte der Verstorbene dem Volke an, so beweinten ihn nur seine Verwandten und seine Kinder. AVenn einer Fran ihr Saugling starb, so hielt sie die Miich vier Tage lang in der Brnst zurück und gab keinem andern Saugling zu trinken, weil sie glaubte, dass sonst das todte Kind dem Lebenden irgend einen Schaden oder eine Krankheit zufügen würde. Diese Art des Todtenopfers hiess navitia, was etwa âdie vier Tage (von nahui vier) einhaltenquot; bedeutet.
C. DAS KRIEG-SWESEN.
Ausserordentlich wenig erfahren wir über die Art der Kriegführung und die Organisation des Heerwesens in Guatemala. Wenn man aber die Ziffern kriegsfahiger Mannschaft liest, welche die Quiché-Könige dem Erobererheere des Pedbo Alvabado entgegenstellten, so ergiebt sich von selbst, dass die Wehrpflicht eine allgemeine war, der alle waffenfahigen Milnner unterlagen. Neben den eigentlichen Kriegern bildeten auf langern Kriegszügen aueh die Lasttrager, nach Art der mexikanischen t lame mes, einen wesentlichen Bestandtheil des Heeres1). Die Abhangigkeit der Indianer von der Maisbereitung bringt es ferner mit sich, dass sie heutzutage, wenn sie in einer grössern Truppe für langere Zeit reisen, hauflg ein oder ein paar Madchen oder Frauen zum Malden des unterwegs nöthigen Maismehles und zur Bereitung der Tortillas mitnehmen. Es dürften danach auch Frauen zum selben Zwecke in geringer Anzahl die Kriegszüge der alten Zeit begleitet haben.
Von einer Sonderstellung der Krieger im Staate ist bei den Maya-Stammen Guatemala's nichts zu bemerken: Die Anführer wurden der Klasse der ajan entnommen, die Masse des Heeres bildete das Volk, also dieselben Leute, welche in Friedenszeiten das Land hebauten. .Teder, der momentan im Kriege beschaftigt war, hiess aj-labal âKriegsmannquot;, aber ein besonderer, dauernder Stand war damit nicht hezeichnet.
Die Herstellung der Waffen war Sache besonderer Handwerker. Nach einer Stelle der Kequête2) war es Sache der Oberhauptlinge, die Waffen au die einzelnen Kriegsfïihrer zu vertheilen. Ob aber nur deren eigene Kriegsausrüstung oder ob die gesammte Volksbewaff-nung von den Hauptlingen, also indirekt vom Staate, geliefert wurde, ist daraus nicht zu ersehen. Ebensowenig wissen wir sicher, ob die Waffen in Friedenszeiten in den grössern Platzen magaziniert wurden, wie in Mexico, oder ob der Einzelne sie stets in seinem Hause behielt. Da jedoch einzelne der Kriegswaffen, wie Bogen und Pfeil, auch zur Jagd dienten, so ist das letztere möglich.
Von Offensivwaffen finden wir ver allem Bogen und Pfeil (ch'ab) erwahnt, in deren Handhabung die Indianer sehr geschickt waren. Die Pfeilspitzen waren aus Obsidian gefertigt und ihre Bruchstücke bilden heute das hauflgste Fundobject in der Nahe der Ruinenplatze aus der Gonquista-Zeit. Ueber den Gebrauch, die Pfeilspitzen zu vergiften, ist nichts Sicheres bekannt, obwol er erwahnt wird3). So pflegten im Kriege gegen die Marnes die Spanier die empfangenen Pfeilwunden mit dem Glüheisen zu brennen, well sie befürchteten, die Pfeile mochten vergiftet sein. Aus Obsidian wurden ferner Lanzen- oder Wurfspeerspitzen und langere, schwertahnliche Messer gefertigt4). Ob dagegen das Besetzen der beiden Kanten
1
A. f. E. I. Suppl. I.
von Holzschwertern mit Obsidianstücken, wie es die Mexikaner übten, auch in Guatemala gebrauchlich war, ist unsicher, obwolil es angegeben wird1). Ausserdem finden wir Holz-keulen, Steinschleudern und Aexte erwahnt, welch' letztere wohl theils Steinaxte, theils Kupferaxte waren. Audi aus freier Hand geschleuderte Steine bildeten in Gegenden, wo sie reichlich zu haben waren, eine gute Angriffswaffe, wie in Mexico.
Von Defensivwaffen finden wir Schilde aus Holz erwahnt, desgleichen dicke, mit Baum-wolle gefütterte Lederwiunser, um die Pfeile aufzufangen. Speciell waren diese Wamser bei den Pipiles im Gebrauch. Da Alvarado selbst2) erzahlt, von seinem Eroberungszug nach Salvador, dass diese dreifingerdicken Baumwollrüstungen, die bis auf die Füsse reichten, den mit Pfeilen und langen Lanzen kampfenden Indianern so hinderlich waren, dass die Gestürzten sich nicht mehr erheben konnten. Bekanntlich wurden diese Baumwollpanzer auch von den Spaniern zum Schutz gegen die Indianischen Pfeile adoptiert, so z. B. im Kampfe gegen die Mames (1526 â1526)3).
Die oberste Heerführung bei den Quiches hatte einer der drei Oberhauptlinge, und zweifellos war das Heer in kleinere Abtheilungen gegliedert, deren jede von Unterhaupt-lingen verschiedener Hangstufen angeführt wurden. Weiteres wissen wir nicht. Die Führung war eine persönliche. Die Hauptlinge kampften an der Spitze ihrer Truppen, ein Prinzip, welches sich gleich in den ersten Schlachten mit den Europaern als sehr verhangniss-voll erwies, indem die höchsten Führer im Kampfe fielen und damit die einheitliche Leitung fehlte.
In der Yerapaz4) bestand das Institut lebenslanglicher Kriegsführer, die aus der Zahl derer gewahlt wurden, welche sich in ihrer Jugend durch Kriegsthaten ausgezeichnet batten. Union waren andere Ofliciere untergeordnet. Da gesagt wird, dass besondere Bannertrager existierten, so ist es denkbar, dass die Eintheilung nach chin am it geschah, deren Totem jeweilen als Bannerzeichen diente.
Ueber die Art der Kriegführung wissen wir nur aus deni Peldzug gegen die Mames, dass die Pfeilschiitzen das Vordertreffen bildeten, welches von einem zweiten Truppenkörper gestützt wurde, der mit Lanzen bewaffnet war. Der Kampf wurde indianischerseits mit Geschrei und dcm Klange kriegerischer Musik von Floten oder Rohrpfeifen, Muschelhörnern und Trommeln eröffnet.
Etwas mehr erfahren wir über das Heerwegen der Pipiles6). Die Krieger schliefen hier nicht zu Hause bei ihren Frauen, sondern in Gemeindehausern (Calpules), die hiefiir erbaut waren. Bei Tagesanbruch kehrten sie zum Essen zu ihrer Familie zurück und nachher gingen sie der Bestellung ihrer Felder nach. Eine Abtheilung jedoch, die ohne Zweifel abgelöst wurde, war stets zur Bewachung des Dorfes unter den Waffen. Besonders tapfere Leute pflegten sich das mannliche Glied mit Lochern zu durchbohren und wer deren am meisten besass, galt als der tapferste. Manner, die sich im Kriege auszeichneten, erfuhren eine besondere Berücksichtigung, indem sie bei allfalligen Verbrechen gelinder bestraft wurden, als andere. Auch hier führte der Oberhauptling in Person den Oberbefehl, ihm waren die übrigen Kriegsführer unterstellt6).
Der Unterhalt derer, die mit dem Kriegsdienst beschaftigt waren, wurde von denjenigen bestritten, welche zu Hause blieben, indem sie vom Ertrag ihrer Landereien zu diesem
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') Milla , Historia p. LXI. â O Roman, III. lib. II f. 160. |
5) Alvakado, Otra relacion, p. 462. ') Milla, Historia p. 160. 5) Palaoio, Carta p. 72. quot;) Palacio, Carta p. 70. |
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Zwecke beisteuerten, wie denn das Volk auch die zum Unterhalt des Oberhüuptlings und des Priestercollegiums bestimmten Landereien bearbeiten musste').
Dass die Indianer der vorspanischen Zeit sehr tapfere Krieger waren, beweisen die Berichte der Spanier selbst hinlanglich. Alvaeado erzahlt, dass es unter den Quiches in der Schlacht von Qnezaltenango Krieger gab, die allein zwei Reitern Stand bieiten 2). Die lange Belagerung von Sakuleu, der Festung der Marnes, von Mixco, der Hauptstadt der Pokomaraes, die nnr durch Verrath flel, von Uspantan und die vergeblichen Versuche der Spanier, mit Waffengewalt in die Verapaz einzudringen, thun die Kriegstüchtigkeit dei-alten Indianer nnzweifelhafb dar. Wenn sie unterlagen, so war die mangelhafte Bewaffnung im Vergleich zu den Spaniern, die mit Pferden, Schiesswaffen und metallenen Hiebwaffen versehen waren, und das fehlerhafte Princip der persönlichen, directen Theilnahme der obersten Führer am Kampfe daran schuld. An persönlicher Tapferkeit und Todesverachtung waren sie den Spaniern ebenbürtig, die oft genug nur durch Verrath, Hinterlist und Lüge zum Ziele kamen.
Die gewöhnlichste Kriegsursache zwischen den eingebornen Stammen Guatemala's voider Conquista bildete in erster Linie das Bestreben, die Menge der tributpflichtigen Ort-schaften zu vermehren. Wie es mit den unterworfenen Landschaften gehalten wurde, ist nicht genau festzustellen. quot;Wahrscheinlich wahlte der Sieger deren Verwaltungsorgane a us den vornehmen Familien der unterworfenen Gegend selbst, ohne ihre Regierungsform anzu-tasten, da in der Requête3) gesagt ist, dass die Tz'utuhil-hauptlinge vier Könige in der Provinz Guatemala ernannt hatten. Jedenfalls kamen in den tributpflichtigen Gegenden zu den Leistungen au deren eigene Hauptlinge und Priester noch diejenigen für die neuen Oberherren hinzu, welche zur Eintreibung der Tribute besondere, wahrscheinlich dem Erobererstamme entnommene Beamte, nach dem Muster der mexikanischen calpixque, entsandten. Im Cakchiquel hiessen diese c'ulpatan, âSucher des Tributesquot;. Der Tribut selbst hiess patan, womit heutzutage das lederne Stirnband bezeichnet wird, au welchem die Last am Kopfe getragen wird. Da der Tribut selbst eben grösstentheils aus solchen Lasten bestand, welche von den eiuzelnen Tributpflichtigen zusammengeschleppt werden mussten, erklart sich die Identitat des Ausdrucks für âTragbandquot; und âTributquot; leicht.
Von der Verapaz4) wird erzahlt, dass die Tribute auf einen Haufen zusammengebracht wurden, von welchem dann der Oberhauptling und die übrigen Beamten je nach ihrem Range ihren Antheil empfingen. Diese Art der Vertheilung lasst auf relativ recht bescheidene V erha Itnisse sch li essen.
Als weitere Kriegsursache finden wir den Wunsch, Kriegsgefangene für die Opfer zu erbeuten, angegeben6). Aus der vorspanischen Zeit wird berichtet, dass die Entführung einer Hauptlingstochter aus der Hauptstadt der Quichés durch den Hauptling der Tz'utu-hiles die Veranlassung zu einem langen und blutigen Kriege zwischen den beiden Stammen wurdee).
Wir finden in den Berichten Spuren, dass beim Beginn des Feklzuges Thier- und Menschenopfer dargebracht wurden. Alvaeado land bei seinem Zuge nach dem Hochland der Quichés am Wege die Leichen einer geopferten Frau und einer Hündin i), was ihm die
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') Palacio, Carta p. 82. lt;) Roman, III. lib. II. f. 160. ') Alvahado, Relaciou p. 457. |
!) Alvakado, Relacion p. 468. 5) Roman, III. 1. II. f. 160. |
3) Requête , p. 410. ») Juabbos, II. p. 16. |
Dolmetscher als Zeichen beginnender Feindseligkeiten erklarten. Ebenso begegnete er im Lande der Pipiles Leuten, welche im Begrifï'e waren, eine Hündin zu opfern, als Zeichen der Eröffnung des Krieges. Ob eine förmliche Kriegserklarung stattfand, ist unbekannt, 'vvenn nicht etwa die Pfeile, welche Alvarado bei selnem Zuge durch das Land der Pipiles da und dort stecken fand, als eine seiche zu deuten sind
Eine grosse Holle in der indianischen Kriegführung bildeten Barrikaden und Befesti-gungswerke, welche an Orten angebracht warden, die schon von Natur geschützt waren, zumeist auf den halbinselartigen flachen Vorsprüngen der Hochlander, welche fast auf allen Seiten von tiefen Erosionsschluchten umgeben und nur mit schmalen Zugüngen, die gesperrt werden konnten, versehen waren. Sie werden als âmesetasquot; bezeichnet. Mit Mauerwerk und Brustwehren wurden sie noch künstlich befestigt und entsprechen dergestalt völlig ihrem indianischen Namen tinamit, der wörtlich eine Steimnauer bezeichnet (vom mexik. ten ami tl).
Solche befestigte tinamit waren beispielsweise die Stadte Utatlan, die Hauptstadt der Quichés, Iximché, diejenige der Cakchiqueles, Mix co, die Stadt der Pokomames, Sak uien, der feste Platz der Marnes und andere. Atitlan, die Stadt der Tz'utuhiles wurde durch eine Inselfeste geschützt , zu der man nur zu Schift' gelangen konnte.
Heutzutage befindet sich noch ein Mound zwischen dem See und dem Dorfe Atitlan, welcher den Namen âGoldbergquot; (Cerro de oro) führt, da die Tz'utuhil-Indianer jener Gegend glauben, dass in ihm die Schatze ihrer Vorfahren begraben seien.
Die grossern dieser festen Platze bildeten, wie Utatlan, Iximche und Uspantan, gleich-zeitig die Hauptstiidte ihrer Reiche, wo die Oberhauptlinge mit ihrem Hofstaat, sowie die oberste Priesterschaft ihren Sitz hatte, und wo also auch die vornehmsten Gehaude, Palaste und Tempel sich beisaramen fanden. In andern Fallen war die eigentliche Hauptstadt weniger ausgiebig befestigt, wie z. B. Huehuetenango, die Haupstadt dpr Marnes, und Atitlan. Diese besassen daher besondere befestigte Zufluchtsorte, welche mit Lebensmitteln und Waffen versehen wurden, um eine Belagerung aushalten zu können, wie die Festung Sakuleu im Kriege gegen die Mames1).
Viele Ortschaften, wie Chalchitan2) lagen aber im effenen Felde und besassen nur in ihrem Centrum von Tempeltumuli und Steinhausern einen solidern Kern, der aber eine rasche Eroberung nicht zu hindern vermochte.
An geeigneten Stellen der Strassen, die man sich, namentlich im Urwald und im Gebirge, als schmale Pusspfade zu denken hat, da Guatemala keine Lastthiere besass, wurden nöthigenfalls Barrikaden aus Baumen und Erdwerk errichtet.
Zu grössern kriegerischen Unternehmungen wurden zwischen den einzelnen Stammen Conföderationen geschlossen. So verbündeten sich, wie die Ueberlieferung berichtet, die Tz'utuhiles mit den sprachfremden Pipiles zum Kampfe gegen die Quichés4), die ihrerseits mit den Cakchiqueles verbündet waren. Bei einer andern Gelegenheit schlossen die Cakchi-queles mit den Pipiles ein ewiges Bündniss.
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!) Milla, Historia, p. 159. â¢quot;j Juarros, li. p. 17. |
1
') Alvaeado, Otra relacion, p. 461.
2
) Stoll, Guatemala, p. 400.
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D. TECHNOLOGIE.
I. BAUKUNSÃ UND BILDHAUEREI.
Ueber das ganze Gebiet der Republik zerstreut linden wir zahlreiche Reste der frühern Besiedelung. Die hauflgsten derselben sind künstlich aufgeworfene Erdhügel. Icli babe solche in den âAltosquot; der Cakchiqueles, Quichés, Marnes und Pokomanes ebenso-wohl angetroffen, als auf den Terrassen des westlicben Cordillerenabhanges (Hacienda Chocola bei Mazatenango) und im nordwestlichen Tieflande (Juan Noj bei Retalhuleu, Santa Rita bei Ayutla in Soconusco). Brasseur ^ erwahnt sie aus der Umgegend vom Escuintla, und vom linken Ufer des Motagua. Zahlreich sind sie in der Verapaz.
In ihrem jetzigen Zustand gehören diese Tumuli zu den indifterentesten der baulichen Reste des Landes: es sind Erdhügel von verschiedener Höhe und vorwiegend runder, seltener ovaler oder viereckiger Basis, meist obne Steinbekleidung. Nur in einsamern Gegenden flnden sich noch Mounds mit einer Verkleidung von rohen, llachen Steinen, welche als aussere Verschalung den massiven Erdkern verhüllen. Die Hügel stehen oft gruppenweise beisammen, theils in der unmittelbaren Nühe der heutigen menschlichen Ansiedelungen, theils aber ganz einsam stundenweit von den Dörfern entfernt. Im Tieflande sind sie selbst von hohem Walde bedekt und nur bei Anlage der Pflanzungen werden sie zufilllig bloss-gelegt. Die ausgedehnteste Gruppe soldier Mounds flndet sich im Llano der heutigen Hauptstadt gegen das Derf Mixco bin. Wenn dem Fuentes zu glauben ist, so bilden sie die Grabhügel der alten Pokomames2). Einige derselben sind von Herrn Geo. Williamson, früherm Minister der Vereinigten Staaten, untersucht und beschrieben worden3).
Vierkantige Erdbauten mit Sparen von Terrassen fand ich bei den Ruinen von Chalchitan im Hocbland der Manies.
Die grössern Baureste, bei welchen Mounds ebenfalls eine Rolle spielen, können wir trennen in solche der praehistorischen und solche der historischen Zeit.
Seltsamerweise sind beim heutigen Stande der Dinge die praehistorischen Ruinenplatze viel besser bekannt, als die historischen, obwohl sie weit weniger leicht zugangiich sind. Das Geheimniss, welches diese im tiefen AValde begrabenen Monolithe und Tempehnounds, die Zeugen einer hohen architektonischen Kultur unbekannten Ursprungs, umgibt, war wohl dazu die erste Yeranlassung. Wenn wir von den, im heutigen Maya-Gebiete im Norden von Guatemala gelegenen, Ruinenplatzen von Ti kal, Lorillard City, Dolores absehen, so sind es hauptsachlich zwei Stellen, welche sich als ergiebige Fundorte für diese alte Kultur erwiesen haben, nilmlich Quirigua auf der atlantischen und Santa Lucia Cotzumalguapa auf der paciflschen Seite des Landes. Hart an der guatemaltekischen Grenze, aber bereits auf dem politisch von Honduras beanspruchten Gebiet, liegt Co pan.
Ueber Copan und Quirigua besitzen wir gegenwartig, hauptsachlich Dank den rastlosen Bemühungen Alfred P. Maudslay's, eingehendere Aufschlüsse, welche die früher, wenigstens über Copan von Stephens gegebenen in höchst bedeutungsvoller Weise ergilnzen und
') Bbasseub, Lettres p. 309. 2) Puenïes, I. p. 306.
3) Williamson, Annual Report, 1877 p. 418 sqq.
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quot;berichtigen'), vornehmlich durch den Nachweis von einstöckigen, mit Steindach versehenen und einkammerigen Hausern. Diese sind allerdings jetzt eingestürzt und mit Schutt gefüllt, Avesshalb sie den frühern Besuchern als Mounds imponierten, welche die grössern Pyra-midenanlagen begleiten. Dadurch wird die ganze Anlage demjenigen, was wir über die historischen Indianerstildte des Landes wissen, etwas naher gerückt, auch wenn die Kluft, welche Quirigua und Copan von den letztern trennt, immer noch gross genug bleibt.
Eine Discussion über den muthmasslichen Ursprung und das Alter von Copan Quirigua und Santa Lucia wird sich erst dann mit einiger Aussicht auf Erfolg führen lassen, wenn die historischen Platze einmal ebenso so gründlich dnrchsucht und ebenso gut bekannt sein werden wie die praehistorischen. So lange dies nicht der Fall ist, darf man sich durch das Fehlen historischer Berichte über die Zerstörung von Copan und Quirigua einerseits, und durch das Fehlen ahnlicher monolithischer Denkmaler in den historischen Ruinen andererseits, nicht ohne Weiteros verleiten lassen, fttr die erstere eine der historischen Zeit ganzlich fremde and unendlich weit hinter dieser zurückliegende Culturepoche anzu-nehmen. Auch Palacio8), der einzige Schriftsteller aus alterer Zeit, der aus Autopsie über die Ruinen von Copan berichtet, knüpft an die Verhaltnisse der historischen Zeit an und sucht die aus dieser bekannten Opfersteine, vor den Monolithen und die Tanzplatze dei-Tempel in Copan wieder zuflnden, obwohl schon zu seiner Zeit nur noch eine Sage vor-handen war, wonach ein Mayahauptling in alter Zeit, von Yucatan aus, dieses Gebiet unterjocht hatte, um dann nach wenigen Jahren es wieder zu verlassen.
Wenn man die Beschreibung des PaijAcio liest, so fallt es einem sofort auf, wie leicht er sich über die gegenseitige Lage der Monumente orientiert und sogar das Detail der Skulpturen sieht. Offenbar waren damals die Ruinen noch nicht derart im Walde ver-graben, wie spütere Besucher dieselben gefunden ha ben, wo ohne Lichtung des Waldes und eine förmliche Terrainaufnahme es nicht möglich war, eine Uebersicht übei' die topogra-phischen Verhaltnisse zu gewinnen. Da nun kein Grand zu der Annahme vorliegt, dass Palacio mit dem zeitraubenden Wegschlagen des Waldes, dem Reinigen der Monumente von Schmarotzerpflanzen und topographischen Aufnahmen sich worde beschaftigt haben, sondern da er bloss nach einem kurzen und flüchtigen Besuch uns seine Eindrücke schildert, so spricht die Praecisiou seiner Beschreibung entschieden dafür, dass die Zerstörung von Copan nicht schon Jahrhunderte hinter Palacio zurückreiche, sondern seiner Zeit noch so nahe gelegen haben muss, dass ein dichter Urwald sich noch nicht hatte erheben können.
Was Quirigua betrifl't, so hat man die Ansicht geaussert, dass Cortes auf seinem Zug nach Honduras von dieser Stadt hatte hören müssen, wenn sie zu seiner Zeit noch existiert hatte, da er jedenfalls nicht sehr weit von Quirigua dnrchkam. Nun babe ich bereits bei einer frühern Gelegonheit3) auf den Umstand hingewiesen, dass schon Jahre vor Cortes' Zug Sclavenjagden der Spanier von den Antillen aus an die Atlantische Kilste Guatemala's insceniert warden, welche eine starke Entvölkerung derselben zur Folge batten4). Zum Ueberflusse sagt auch Cortes 6) selbst, dass die Indianer sich beklagt batten, weil an dieser ganzen Küste bis zur Bai von Asuncion hinab die Spanier Ihnen viel Schaden gethan und den Handel ruiniert batten, indem sie viele Ortschaften verbrannt, und deren Bewohner getödtet oder zur Flucht in die Walder gezwungen batten. Dadurch stehen viele Ortschaften verlassen.
') Siehe Literatur unter Maudslay, Meye und Schmidt, und Stephens. ;) Palacio, Carta, p.88sqq. s) Stoll, Guatemala, p. 447 sqq. â¢') Garcia Pelaez, Memorias, I, cap. 2. 5) Cobtes,Cartaquintap. 118.
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Die in den westlichen Hochlündern in gesundem Klima, inmitten dichtbevölkerter Landschaften gelegenen Platze wnrden von den Spaniern selbst besiedelt, indem diese die Indianer zwangen, sich in geringer Entfernung, aber in offener Lage, von den alten Festnngsstadten niederzulassen. Das Material zu den nenen Stadten, wie dem heutigen Santa Cruz Quiche und Tecpam Guatemala warden den alten Indianerstadten entnommen und so erklart es sich leicht, wesshalb hier über der Erdoberflache nicht mehr viel übrig blieb, als Stein-haufen und Erdtumuli. Kur (lurch systematische Ausgrabungen ist daher an diesen Platzon Licht über ilire architektonische Kultur, sowie über ilir Verhaltniss zu den praehistorischen Ruinenstadten zu erwarten und dringend ware daher zu wünschen, dass solche Ausgrabungen in Biilde in Angriff genommen würden.
Der auffallendste Zug, der die drei südlichen praehistorischen Ruinenplatze von Guatemala, Santa Lucia, Copan und Quirigua, trennt, ist die Differenz im Stil der sculpturierten Monolithe. Diejenigen von Copan und Quirigua unterscheiden sich von einander schon ganz wesentlich durch die verschiedene Tiefe der Reliefarbeit, beide aber lehnen sich im Grossen und Ganzen in unverkennbarer Weise an die, aus dem Norden von Guatemala bekannten Maya-Bildwerke an,
Dagegen tragen die Skulpturen von Santa Lucia Cotzumalguapa einen wesentlich ver-schiedenen Typus, der sie weit eher mit dem aztekischen Mexico in Beziehung setzt, obwohl sie auch diesem gegenüber eine grosse Originalitat behaupten. Sie sind bekanntlich zum ersten Mal durch Dr. Habel ^ bekannt geworden. Einige der werthvollsten Stücke sind, dank dem rastlosen Eifer Prof. Bastian's der glücklicherweise durch persönlichen Besuch der Ruinenstatte sich für dieselben interessierte, nach Europa gebracht und im Berliner Museum für Völkerkunde aufgestellt worden. Prof. Bastian hat sic auch in einer besondern Arbeit beschrieben. Andere Stücke aber liegen noch draussen in den Pflanzungen und im Walde und es ware wünschenswerth, dass auch für deren Erhaltung etwas geschahe.
Der verstorbene Dr. Beeendt , der in Prof. Bastian's Auftrag die Ausgrabungen leitete, bat neben den jetzt publizierten Steintafeln noch einige andere Monolithe gefunden, von denen ich Skizzen von Beeendt gezeichnet im Besitze von Herrn Edwin Rockstboh, gesehen habe und theilweise durch Pausen copierte. Sie sind auf Taf. II abgebildet.
Die Steinplatte in Fig. la tragt in der BERENDT'schen Zeichnung die Aufschrift: âMedallon en el cerrito cerca de las casas del cafetal de Virchlio Paiz. 18/3 77quot;. Sie stellt zwei menschliche Köpfe dar, die den Verzierungen nach zu schliessen, Vornehmen ange-hörten. Sie sind im Profil aufgenommen und blieken gegeneinander. Unter jedem ist ein Todtenkopf, links im Profll, rechts in Vorderansicht, angebracht. Dies lasst vermuthen, dass diese Steinplatte möglicherweise als Grabdeckel gedient habe, um so mehr, als sie in einem âcerritoquot;, also wol in einem Mound gefunden wurde.
Fig. lb tragt in der BERENDT'schen Zeichnung die Aufschrift: âTabion de la muerte, cafetal de Dn. Virg. Paiz (antes de Dn. M. Olid) en el plan del Guayaboquot;. Die Dicke der Steinplatte ist zu 10quot; notiert, und die Höhe des Gesichts zu 12' (ob richtig?) angegeben. Die Platte stack schnig in der Erde, wie Fig. 1c andeutet, und war mit dem Gesicht nach Südosten gerichtet. Die Ausführung erinnert durchaus an die schon aus Habel's Arbeit bekannten Monolithe, z. B. PI. VIII, Fig. 18 und 23.
Fig. 2a tragt die Aufschrift von Beeendt's Hand: âOpferstein in Xata, gefunden
') Siehe Literatur unter Habel und Basïian.
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beim Ziehen eines Grabens. Unvollkommen gerundet, 20quot; tief (von vorn nach hinten), 21quot; breit, ganze Höhe 24quot;quot;. Fig. 2b gibt clie Ansicht desselben Steins von oben. Fig. 2c von der Seite.
Bebendt bemerkte dazu: âIch will diese Steine mit Bezug anf ihre wahrscheinliche Benutzung Opfersteine nennenquot;. Zn diesen âOpfersteinenquot; rechnet Berenbt namlich auch zwei kreisrnnde, central durchbohrte Steine, welche der Zeichnung nach zu schliessen, in ihrer Form am besten rait einem riesigen Spinnwirtel zu vergieichen sind. Sie wurden ebenfalls in Xata gefnnden. Da jedoch die Zeichnung bloss skizzenhaft und ohne genaue Massangabe ist, reproduciere ich sie nicht.
Ausser diesen befanden sich ira Nachlass von Beeendt noch die Skizzen von zwei grossen Steinplatten, die jede mehrere Vollfiguren enthielt, und die zum Vollkommensten gehören, was Santa Lucia his jetzt geliefert hat. Da ich dieselben aber uur ganz flüchtig zu Gesicht bekara, konnte ich sie nicht copieren
Ueber das Material, aus dem diese berendt'schon Steine gearbeitet sind ist nichts bemerkt. Ohne Zweifel besteht es aber ebenfalls, wie die übrigen Sachen von Santa Lucia aus Trachytporphyr, also aus einem weit dauerhaftern Material, als die Monolithe von Quirigua.
Weitere Skulpturen von der Hacienda Pantaleon in der Nahe von Santa Lucia sind von Vreeland und Bransford2) in Smithsonian Report von 1884 beschrieben worden. Aber auch damit ist die Liste der aus dieser Gegend gekannten Bildwerke noch nicht erscböpft wie ich von Pflanzern weiss, auf deren Besitzungen in der Nahe von Santa Lucia noch eine Reihe von Fundstücken liegon.
Dass aber auch andere Punkte der westlichen Küstènniederung noch archaeologische Ausbeute in Aussicht stellen würden, ist ganz sicher. So sah ich lebensgrosse Menschenköpfe aus dunklem Trachytporphyr, leider kaum noch kenntlich, in der Nahe von Mazatenango, und eine kleine Ortschaft unweit dieses Stftdtchens tragt heute noch den Namen âSan José el idoloquot;. Als âidolosquot; aber kennen die Einheimischen die alt-indianischen Monolithe.
Ferner werden nach Angabe einheimischer Pflanzer an verschiedenen Punkten der âCostaquot; von Escuintla Reste alter Niederlassungen gefnnden, von denen diejenigen von Guaimango, wo die Trümmer einer âMauerquot; (muralla) noch sichtbar sind, die bedeu-tendsten sein sollen.
Zu den bescheidenern Erzengnissen der praehistorischen Steinbearbeitung gehören die in Taf. 11 Fig. 4, 20, 21, 22, 28, 27, 28, 20 und 30 abgebildeten Gegenstilnde, ebenso die Figur in N0. 6.
Fig. 4 zeigt die in dunklem, unpoliertem Trachytporphyr gearbeitete Barockstatue eines Vogels, die ich in Guatemala im Besitz eines Europaers sah und in natürlicher Grosse zeichnete. Lange 29 Cm., Durchraesser des Kopfes vom Hinterkopf bis zur Schnabelspitze 15 Cm. Kopf unverhaltnissmassig gross, hoch, stark gewölbt, seitlich zusammengedrückt.
') Soeben geht mir eine Arbeit meines Freundes, Dr. G-dstav Eisen in Califomien, zu, betitelt: âOn some ancient sculptures from the Pacific slope of Guatemalaquot; in: Memoirs of the California Academy of Sciences. Vol. II Nquot;. 2. San Francisco, Cal. July 1888.
In dieser fur die Erweitorung unserer Kenntnisse über Santa Lucia und dessen Umgebung höchst werthvollen Arbeit sind nicht nur einige der bereits von Vreeland und Bbansfoed abgebildeten Fund-objecte nach Originalzeiclinungen wiedergegeben, sondern auch eine Reihe von Stticken, welche noch nie veröftentlicht wurden, beschrieben und dargesteilt, unter anderm audi die im Texte erwahnton Skizzen aus Berendt's Nachlass.
J) Siehe Literatur unter Veeeland.
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Ueber den seitlich gestellten, grossen, 2,5 Cm. im Durchmesser haltenden und durch eine Kreisfnrche markierten Augen linden sicli zwei tiefe, quer fiber die VorderfUlche des Kopfes lanfende Furchen, die einen Querwnlst zwischen sicli fassen. Stirn unterhalb dei' Augen senkrecht abfallend, glatt, Maul oder Schnabel schief nach anten laufend; eine abgegrenzte, fiache Platte liegt als Andeutung eines Kamraes der Schnabelflrste anf. Schnabel dick, kegelförmig, Unterkiefer dicker, als der Oberkiefer. Hals abgesetzt, dick, seitlich abgeflacht, fast winklig gegen Kopf und Fltlgel abgesetzt, Rückenflache des liaises flacli. Rumpfseiten von den kurzen, vorn abgerundeten, nach unten abgostutzten FlOgeln, die erhaben gemeis-selt sind und drei vertiefte, dem Vorderrand fast paral Iele Furchen zeigen, eingenommen. Zwischen den FlOgeln nach vorn springt der kurze Bauch stark kugeiig gewölbt vor. ROcken llach. Piedestal massiv, FOsse kurz, schrag nach vorn laufend, dick, an der abgestutzten Vorderseite dor FOsse zwei Langseindriicke, wodurch drei Zehen markiert werden. Eine tiefe Langsfurche anf der Vorderseite trennt die Beine beider Seiten. Schwanz kurz, kürzer als das Piedestal, auf der Rückseite werden durch drei Li'tngsfurchen fOnf Schwanzfedern markiert. Genauer Fundort unbekannt, jedenfalls das Cakchiquel-Grebiet in der Uingebung von Antigua Guatemala.
Andere Vogelstatuetten, namentlich von Eulen, deren Bedeutung wir aus dem Popol Vuh kennen, babe ich in Guatemala in Sammlungen gesehen.
Fig. 20 â 23 stellen menschliche Figuren, roh aus hellgrauem Glimmerschiefer, also einem weichen Material, geschnitzt, dar. Sie stammen sammtlich aus den Ruinen von Santa Cruz Quiche, also dem alten Utatlan.
Fig. 20 stellt einen Mann dar. Lange 9,15 Cm., grösste Breite in der Wangengegend 3,1 Cm., grösste Dicke 1,4 Cm. Die Figur bildet einen zungenförmigen, langlichen Keil, dessen Spitze den FOssen entspricht, wahrend der Kopf die Basis bildet. Nur die Vorderseite ist bearbeitet. Kopf durch eine Querfurche abgesetzt. Jederseits markieren zwei nach aussen divergierende Kinnen das Auge. Die Nase bildet ein Dreieck zwischen zwei sclirag an die Halsrinne laufenden Furchen. Eine Querfurche setzt die Nase ab odor markiert den Mund. Kopf durch zwel von den Seiten kommende, in der Mitte vorn zusammenstossende Schragfurchen vom Brusttheil abgesetzt, der durch eine zweite Furche von den Beinen getrennt wird. Anne durch schrag von unten aussen, nach oben innen, lanfende Furchen angedeutet. Beine durch eine mittlere Langsfurche, die nach oben bin jederseits in eine schrage der Lendenbeuge entsprechende Seitenfurche divergiert, getrennt.
Fig. 21. Figur einer Fran. lilnge 9 Cm., Breite am BruststOck 2,2 Cm., Dicke 1,5 Cm. Eine Augenfurche rechts, zwei links, sowie die Mundfurche und jederseits zwei convergierende Wangenfurchen erhalten. Hals durch zwei tiefe, von aussen etwas breiter beginnende, nach innen schmaler werdende Furchen abgesetzt. Auf dem viereckigen Mittel-körper Andeutungen der en-relief gearbeiteten, schief nach oben gegen die Mitte gerichteten Anne sichtbar. Unterkörper durch eine Querfurche abgesetzt, Vorderseite glatt, unten lauft der Körper in zwei Fussstummel aus. Rückenflache glatt, unbearbeitet.
Fig. 22 BruchstOck: die Kopf- und Brusthillfte einer menschlichen Figur umfassend. Lange des Kopfs 5,3 Cm., Breite des Kopfs 5,7. Breite des BruststOcks 3,2 Cm. Dicke 2,5 Cm. Wahrscheinlicbe Lange des unversebrten StOckes 15 Cm. Augen durch zwei Querfurchen jederseits markiert. Nase durch zwei schrag nach unten und aussen divergierende Furchen abgegrenzt. Untere Nasengrenze durch eine quere Bogenfurche angegeben, der Mund durch eine nach oben convexe und eine gerade Querfurche. Ohrgegend durch eine senkrechte,
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seitliche Lilngsfurche abgehoben. Zwei bogenförmige Halsrinnen bilden ein Halsband. Arme en-relief gehalten, im Ellbogen winklig gebogen; Finger auf der Mitte der Brust dureb zwei seiebte Furchen in der Langsrichtung der Anne angegeben. Die Stirn titlgt drei vertikale Langsfurchen, die Rücl^nflache zeigt rechts Spuren von ahnlichcn Langsfnrchen, wie sie die Thonflgur Taf. II Fig. 18 aufweist. Die Ohren auch auf der Rückenflache abgogrenzt, ebenso die Arme durch convergierende, ein erhabenes Dreieck nmfassende Rinnen. Lendenrinne auch am Rücken markiert.
Fig. 23. Rohgesclmittenes Figürchen von 5,5 Cm. Lange und 1,65 Cm. Breite. Augen, Hals, Arme, Beiue und Lenden durch Furchen markiert.
Fig. 27 und 28 stellen zwei Nuclei aus Obsidian dar, wie man sie als letzteu Rest der einst zum Absprengen von Lamellen verwendeten Obsidianstücke gelegentlich fludet. Der Kern von Fig. 27 besitzt eine Lange von 7,6 Cm. und eine Dicke von 2,2 Cm. Basis unregelmassig und undeutlich heptagonal, am Rand körnig usuriert von den Manipu-lationen der Lamellengewinnung. Spitze abgerundet. Fig. 28 stellt einen lancettförmig com-primierten Kern von 7,4 Cm. Lange und 2,6 Cm. grösster Breite vor.
Beide Stücke stammen aus der Gegend von Retalhulou. So grosse und schöne Obsidian-kerne, wie aus Mexiko, habe ich in Guatemala nie gesehen.
Fig. 29 ist eine dreieckige Pfeilspitze ans Obsidian von 7,4 Cm. Lange und 2,5 Cm. grösster Breite. Basis des unversehrten Stücks etwa 2,7 Cm. lang. Die Flüche init kleinmuscheligen Bruchflachen, gewölbt, gegen die Kanten abfallend, Kanten unregelmassig geknrnt. Fundort: Hacienda Helvetia im Xolhuitz bei Retalhuleu.
Fig. 30 gibt die Flachen- und Seitenansicht einer Obsidian lame lie mit deutlich bearbeiteton Random, circa 7 Cm. lang. Spitze abgebrochen. Sie stammt ebenfalls von der Hacienda Helvetia.
Fig. 25 und 26 stellen zum Vergieich mit den praehistorischen Pfeilspitzen solche der Jetztzeit dar, wie sie die Indianer von San Juan Sacatepequez bei der Jagd mit dein Bogen gebrauchen. Sie sind aus Eisen gefertigt und mit einer Fussspitze zum Ein-setzen in den Rohrschaft versehen. Lange des Stückes N0. 25 12 Cm., ohne Fussspitze 6,5 Cm. Ganze Lange von N0. 26 17 Cm., ohne die Fussspitze 13 Cm.
Die Lange der gegenwartig gebrauchten Pfeilschafte, die aus Rohr gefertigt sind und koine Fieder besitzen, betnlgt circa 80 Cm. Sie tragen an der Basis eine Korbe, um das Einsetzen der Bogenschnur zu erleichtern, und zwar dicht unterhalb eines Internodiums, um das Splittern des Rohres zu hindern. Die ziemlich flach gekrümmten Bogen sind ent-weder roh aus geeignetem Holz geschnitzt, oder sie werden zur Verschönerung mit Schlan-genhaut überzogen. Ein in meinem Besitz belindlicher Bogen misst eine Höhe von 140 Cm. Bogen werden uur noch von Leuten gebraucht, die keine Flinte zu kaufen vermogen.
In Taf. II Fig. 6 ist der aus dem weichen âTexcalquot;, einer Art vulkanischen ïuffs, geschnitzte Kopt' einer weiblichen Figur dargestellt, welche durch den Kopfputz sich als dem vornehmen Stande zugehörig dokumentiert. Der Künstler hat nicht vergessen, auch die unter dem Turban sichtbaren Kopf haare, in der Mitte gescheitelt, darzustellen. Dass diese alte Art des weiblichen Kopfschmucks, das Durchflechten mit Bandera und Schnüren mit auf die Schulter fallenden Quasten, sich bis auf heute kaum verandert erhalten hat, zeigt das in Fig. 15 nach einer Photographie dargestellte Bild einer mdianischen Fr au in ihrem Feststaate.
Wie oben bemerkt, wissen wir über die Ruinenplatze der historischen Zeit zu wenig.
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ura die Parallele zwischen des von ihnen repraesentierten Kultur und den alten Platzen Ziehen zn können. Die Gegend des alten Utatlan, der Hauptstadt von Quiche, und von I xi niche, der Hauptstadt der Cakchiqueles, wurden von den Spaniorn besiedelt, ia dom diese die indianischen Bewohner zwangen, sich in einiger Entfernung von den alten Stadten in der Ebene niederzulassen. Als Baumaterial für die nouen Niederlassungen wurden aber die behauenen Steine der alten Tempel und Palilste benutzt, so dass von diesen an Ort und Stelle nichts mehr vorhanden ist, als Trümmerhaufen und Erdtumuli. Wenn man jecloch die Schilderungen der alten Schriftsteller über diose Stadte liest, so gewinnt man den Eindruck, dass sie an Ausdehnung und Pracht den praehistorischon Platzen Guatemala's nachstanden und class es jedenfalls dringend gerathen ist, zu warten, bis sic (lurch Nach-grabungen besser bekannt sind, als jetzt schon eine völlig verschiedene Kulturepoche für sie in Anspruch zu nehmen
Aus den alten Berichten geht hervor, dass, wie anderwarts in Mittolamerika, der Kern dieser Stadte aus den ïempeln, aus den Wohnungen der Oberhauptlinge und Priester und aus verschiedenen andern Bauten zu öffentlichén Zwecken gebildet Avnrdo. Dicse waren aus behauenen Steinen aufgeführt. Durch die Reqüête2) wissen wir, dass die Unterthanen ver-pflichtet waren alle diese Steinbauton aufzuführen, und dass die Obcrhiiuptlinge zu diesom Zwecke, soweit er kunstlerisches und technisches Geschick erforderte, eine Menge von Arbeitern, Zimmerleute, Maurer und Maler in Dienst batten. Die gewöhnlichen Arbeiten waren aber allem Volke bekannt1). Ueber die Art und Weise, wie solche Bauten her-gestellt wurden, unterrichtet uns Zukita 2). Die Tempel, die Mauser der Hauptlinge und die öffentlichen Gobaude wurden von elner grossen Anzahl von Indianern gemeinsam aufgeführt. Bei Tagesanbruch verliessen sie ihre Wohnungen nach leichtem Morgenimbiss, arbeiteten dann, wie sie wollten, unter grosser Heitorkeit, ohne dass .Iemand sie drtxngte odor misshandelte. Wenn es regnete, unterbrachen sie die Arbeit und kehrten nach Manse zu ihren Familien zurück, wo ihre Frauen sie mit einem warmonden Feuer und dem gewohnten Mittagsmahle empflngen. So wurden auch zur christlichen Zeit noch Kirchen und Klöster leicht und zu allgemeiner Zufriedenheit der unbezahlten Arbeitsieute errichtet. Dass die Indianer von Guatemala eine natürliche Liebhaberei am Banen und ein grosses Geschick dafür haben, merkten auch die Geistlichen bald. Gage3) z. B. spricht sich über die Leistnngen seiner indianischen Bauleute sehr befriedigt aus, und wenn man die Kirchen-ruinen von Antigua betrachtet, kann man sich seiuem Lobe uur anschliessen.
Die einzige der altindianischen Stadie Guatemala's, über weiche eine eingehende Beschrei-bung vorliegt, ist Tecpam Guatemala oder Iximche, die Hauptstadt der Cakchiqueles. Diese Beschreibung warde von Fuextes y Guzman, aus den zu seiner Zeit noch vorhandenen Ruinen reconstruiert6) und im Manuscript seines Werkes mit einem Plane begleitet, den die Madrider Ausgabe des Fuentes nicht enthalt und den ich daher hier zur Illustration der Besclu'eibung des Fuentes reproduciere4).
1
Original selbst '/.n vorgloiehen. Ich beuutze gerno diesen Anlass, um Herrn Zauagoza für die wirksame Hülfe, die er mir bei meinem Aufenthalt in Madrid für die Benutzung der dortigen reichen Sammlungen geleistot hat, meinen verbindlichen Dank abzustatten.
2
') Für Iximche vgl.; Fuentes, II. p. 183 sqq.; für Utatlan; Juabbos, I. p. 72, Zueita, p. 407; für
3
s) (!age, p. 314. 0) Fuentes, II. p. 133 sqq.
4
) Durch die freundliche Zuvorkommonheit meines verehvten Freundes, D. Jusïo Zahagoza in Madrid, dessen rastlosem Eifer wir audi die Voi'öfTeutlicluing des Mannscriptes des Fuentes verdanken, wutde es mir möglich, nicht nur eine Pauskopie dor im Besitz des Herrn Zabaooza beflndlichon Kopie des Stadtplanes des Fuentes anzufertigen, sondern sio auch mit dom, in der königllchen Bibliothek m Madrid beflndlichen
Diese lautet, wie folgt:
âïecpangoathemala war eine Fiederlassung der alten Indianer, volkreich, bewunderns-âwerth und uneinnehmbar durch die Art ihrer Lage. Sie stand nainlich wie jetzt in dieser âïhalschaft, in kaitem Hochland und ven der neuen Niederiassung entfernt, welche, nach âder idugen Anordnung der Eroberer in l1/. Leguas Entfernnng an einem für die Siche-ârung der Unterwerfung gunstiger gelegenen Orte angelegt wurde und deren umgebende âLandschaft sich durch laubreichen Bauimvuchs und Grasreichtum auszeichnet. Sie liegt â8 Leguas von Neu-Guatemala ^ entfernt und beide Stadte liegen in einer geraden Linie. âDiese alte und bis auf die letzten Ruinen geschleifte Stadt wird von einer tiefen Schlncht ânmgeben, welche ihr als Stadtgraben diente, denn sie fallt im ganzen Umfang senkrecht âin eine Tiefe von raehr als hundert Mannshöhen ah. Diese Schlucht odor Grabon hat von âder einen Mauerbrüstung zur andern eine Breite von 1200 Fuss (tres cuadras) und das âMeiste oder ein Theil davon wurde der Sage nach von Menschenhand zur Sicherheit und âVertheidignng jener Stadt angelegt. Der Zugang hat uur einen sehr sclnnalon Dammweg, âwelcher die Schlncht kreuzt, um den Zugang von Westen her, mit etwas Abweicliung nach âNorden bin, zu ermöglichen. Der ganze Platz, welchen jene hinfalligen Trümmer ein-ânehmen, mag von Nord nach Slid drei, und von Ost nach West zwei Meilen (inillas) âbetragen und der ganze Umfang neun Meilen; in seinem Herzen war, weithin sichtbar, âjene grosse Stadt Tecpangoathemala erbaut, welche nach meiner Ansicht die Hauptfestung âdes Reiches der Cakchiqueles unter dem Herrscher Sinacam war. Er residierte an âdiesem Orte2), welcher die alte Stadt Goathemala war und heute das Derf Tzacualpa âist, wo sein Hof war.
âDer ganze Grund dieser alten Stadt von Tecpangoathemala scheint aufgerissen zu âsein, denn er war nrsprünglich von Menschenhand mit einem Cement- oder Kalkbewurf âvon dreiviertel Ellen Dicke cementiert: hart am Rande der Schlncht sieht man einige âprachtige Ruinen eines grossartigen und stolzen Gebaudes, dessen Lange 500 Fuss8) betragt âund dessen Breite das gleiche Mass hat. Auf diese Weise bildet es ein vollkommenes âQuadrat, ganz aus sorgfaltig mit dem Winkehnass zubehauenen Quadersteinen gemauert. âVor diesem Gehande beflndet sich ein grosser viereckiger Platz von imposanter Schönheit âund an den Seiten, welche von Nord nach Slid blieken, lasst sich ein Palast erkennen, âwelcher sich sogar in seinen Trümmern in seiner ganzen Pracht zeigt. Dieses königliche âGehande hat an seiner Vorderseite einige ebenso grosse und ebenso prachtige Platze, wie âder obei'wahnte. Um diesen bewundernswerthen Ban herum gewahrt man eine grosse Menge âvon Grundmauern, welche nach der Ueberlieferung und nach dem, was sich aus ihrer âPracht leicht erkennen lasst, Hauser und Wohnungen von Vornehmen und der Mehrzahl âder Ahaguaes waren, ausser jenen, welche bestandig um die Person des Königs waren. âAuf dieser Seite des Quartiers der Vornehmen lassen sich einige weite und bequeme âStrassen erkennen welche, wie ihre Eundamente zeigen, von Ost nach West liefen.
âMilten durch diesen Stadttheil lauft von Nord nach Slid ein Graben, anderthalb âMannshöhen tief, und seine Schutzmauern aus behauenen Steinen erheben sich mehr als âeine halbe Mannshöhe hoch. Dieser Graben theilte die grosse Stadt, indem das Quartier âder Vornehmen östlich und dasjenige der Gemeinen oder Maceguales (wie sie sagen) âwestlich davon gelegen war. Ausserdem lanfen von der Hauptstrasse aus, welche vom
') dem heutigen Antigua (d, V.) â ) D. h. am Orte dos Schreibers.
s) âcien pasos geométricosquot;. Dor âpaso goOmétricoquot; ist ein Mass von 5 Fuss.
Poniente (West)
Plan der alten StadtTecpan Guatemala Copie nacKFuentes y Guzman.
/x der Ornfïnnlgró'sse.
I
A
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âStadtthor /nra Hanptplatz des Tempels neten derii Palaste führt, nocli andere Strassen âvon Ost nach West, nnd von Nord nach Süd, wobei alle wie Zweige von der Hanptstrasse âausstrahlen nnd mit regelmflssigen unci langen Tlauserreihen eingefasst sind. Dadurch wnrde âdie hohe Knnst, die Kultur nnd die grosse Macht sichtbar, womit die Toltekenfürsten, âAvelche in jenen alten Zeiten als nnabliAngige Herrscher dieses Land der Cakchiqueles âteherrschten, die Stadt erbaut batten.
-Von dein envalmten Graben a us gebt cine sohr weite nnd geraumige Strasse nelien âder Hanptstrasse, welcbe vom Stadttbor zum Tempel fübrt. Diese führt nach Westen und âihre Lange ist licinabe eine Viertel-Legua. Sie endet an einem kleinen Httgel, der die âStadt beheifgcht und aut' seinem flat-hen Gipfel ein rnndes Mauenverk nach Art eines âBrnnnengelanders besitzt, welches eine Manneshöbe hocb rund berum angebracht ist. Man âbewundert an ihm ei non Cementboden derselben Art, wie derjenige der Stadt: in der âMitte erbebt sich fin Sock|{ oder Piëdestal, glanzend wie Glas, von dom man trotz aller ,,1'eraühung absolnt nicht herausbringen kaun, aus welchom Stoffes bestebe. Dieses Gemauer âwar tlas Tribunal oder der Gerichtshof dieser Cacbiquel-Indianer, wo nicht allein öffentlich âGericht gehalten wnrde, sondern auch die Urtheilsspfüche der Biclitor vollzogen wurden, âwelcbe, auf dem runden Mauersamu sitzeud, civile und criminelle Rechtspflege tibten. ,.Wenn aber dei' Urtheilsspruch dort, gleiciisain in erster Instanz, gefallt war, so bedurfte âes zu seiner Bestatigung oder Widerrufting noch einer andern Massregel. Diese bestand âdarin, dass von dort drei Boten, gleichsam als Deputierte jener Richter, sich auf den Weg ânach einer tieten Schlucbt machten, welcbe nördlich vom Palaste lag und wo an einem âsclncklichen und geschm^ckten Ort in einer Art Einsiedelei oder Gebethaus ein Orakel des âTenfels sich bet'and, welches aus einem schwarzen und wie Glas durchsichtigen Stein âbestand, aber aus besserm nnd köstlicherm Stoft', als Obsidian. In diosem durchsichtigen âStein zeigte dei- Tenfel den Gesandten den Beschluss, der gefasst werden musste, und âwenn dei-selbe den Urtheilsspruch bestatigte, so wnrde dieser sofort dort an der Gerichts-âstatte auf jenem Socket vollzogen, wo auch der Beklagte der Tortur unterworfen worden âwar. Wenn sich im Gegentheil im durchsichtigen Steine nichts zeigte, so wurde der âBeklagte freigesprochen.
âDieses Orakel wurde auch bei allen yorkoramenden kriegerischen Unternehmungen âbofragt, indem der Krieg angehohen wurde oder unterblieb, je nach dem Aussehen oder âBilde ties Orakelsteines. Davou erzühlen heute noch sehr al te Spanier und Indianer. Als âaber in Jenen eisten Zeiten unserer Niederlassung diese Dinge seiner Hochwürden, dem âBischof D. Fkancisco Mabhoquin, bekannt wurden, liess er den Stein sorgfaltig recht-âwinklig herausschneiden und weihte ihn zu dei' Altarplatte, welcbe heute im Hochaltar âdes Klosters San Francisco von Tecpangoathemala im Gebrauch, und ein werthvolles âKleinod von seltsamer Schönheit ist. Dieser Stein ist eine volle halbe Vara lang1).
âDas Hauptthor dieser Festuugsstadt, welches den Eingang von dem Darnmweg her âffldete, wnrde wie versicbert wird, mit zwei Thoren geschlossen, die gleichsam in der âMauerdicke angebracht waren, eines ausserhalb, welches nach aussen führte und ein âanderes nach innen, welches im Mauorwerk eingelassen war. Diese Thore sollen aus âObsidian gefertigt nnd eines hinter das andere nach Art unserer Gefangnisstbore gestellt. âgewesen sein Sie sollen starke Wachen gehabt haten, eine ausserhalb gegen die Land-
') Vg'l. über den Orakelstem von ïecpam Guatemala: Stephens, t. II. p. 150.
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âschaft und eine nach innen hin. Diese Wachen wurden alle Wochen abgelöst. Ausserdem âwaren im effenen Lande jenseits der Schlucht in Distanzen von ein Viertel-Legua Hügel âangebracht, wo bestandige Wachtposten ausgestellt waren, um weit in's Land hinaus âWache zu halten und die EinftUle der Quiches und Sotojilos zu melden.
âDie Stadt wurde, in erhebliche Entfernung, an ihren heutigen Platz verlegt, Aveil âman fürchtete, die Indianer würden sich wieder erheben, da uur wenige Spanier als âBesatzung verhanden und diese au!' Eroberungszügen abwesend warenquot;. Soweit Fuentks.
Schon die altern Schriftsteller, wie Fuentes, haben die Frage aufgeworfen, mit welchen Instrumenten es wol die alten Indianer fertig brachten, das harte Gestein so kunstvoll zu bearbeiten. Fuentes1) ist der Ansicht, dass dies mit den Aexten aus âGlockenmetallquot; geschah, deren es zu seiner Zeit noch in Ãecpan-Atitlan, Totonicapam, Quezaltenango und Guchumatlan gab. In den übrigen Gegenden waren diese Aexte ihres Goldgelialtes wegen von den Spaniern begierig gesammelt und eingeschinolzen worden. Fuentes nennt dieses indianische Glockenmetall das beste Material zur Ilerstellung der Glockon und Geschütze und sagt, dass davon zwei Sorten hergestollt würden, die eine weich und klangreich, die andere aber gehartet und dauerhaft. âMan konnte viel von diesem Metal! aus der Mine gewinnen, welche die Indianer von Guchumatlan al to heute noch bearbeiten und woher ich, als ich Corregidor war, Metallplatten in grosser Zahl gesehon habequot;. Dieses âGlockenmetallquot; war aber jedenfalls eine natürliche, niclit eine absichtliche, künstliche Legierung des Kupfers. Solche Aexte dienten auch als ïauschmittels).
Wahrend Steinaxte und Kupferiixte woh! zur vorliluflgon Zurichtung des Rohmateriales dienten, bildete zur feinern Ausarbeitung der Skulpturen jedenfalls der Meisse! das Haupt-instrument, womit die zuvor auf dem Stein vorgezeichneten Muster und Hieroglyphen ausgearbeitet wurden. Der allgemeine Ausdruck für Meisse! ist ch'ut, womit alle meissel-oder stichelahnüchen Dinge, wie die harten Nadeln der Magueyblatter, die Stacheln dei-Insecten, bezeichnet werden. Ahch'ut âMeister des Meisselsquot; ist dahcr auch eines der Epitheta ornantia der Götter im Popel Vuh. Solche Meisse! werden wohl theils aus zalien und harten Mineralien, theils aus dem oberwahnten, geharteten âGlockenmetallquot; des Fuentes bestanden haben. In Quirigua sah ich zwei Steinhammer, die Herr Maüdslay daselbst gefunden batte. Es waren langliche polierte Steine, die am einen Ende in die Hand genommen werden konnten, wahrend das andere als Schlagllache diente. Auf der Flache waren, offenbar von den Meisselkopfen, kreisrunde Löcber entstanden3).
Viel einfacher waren die Wohnungen des gemeinen Volkes, die jedenfalls schon zu der Conquista-Zeit die Form batten, wie heutzutage: vierkantige, mit steilem Firstdach aus Stroh oder Palmblatt versehene einstöckige Hutten mit Wanden aus Rolir oder Holzstaben, rait einer ïhür, aber ohne Penster. Die einzelnen Bestandtheile des Hauses tragen besondere Namen, so vor allem die Stützpfeiler, welche die Kanten bilden, und in deren Gabeln oben Querbalken so gelegt werden, dass dieselben für das Dach-gerüste als Basis dienen. Dieses besteht aus schrag gegeneinander geneigten Staben, welche die First bilden und die durch parallel und wagerecht laufende Stabe verbunden sind. Auf diesen werden die Strohbüsche! oder Pahublatter, die als Dachverkleidung dienen, festgebunden. Als Material zur Verknüpfung der einzelnen Theile dienen ausschüesslich zahe Euthen. Sowohl in der Auswahl der Holzarten für die Stützpfosten und Querriegel, als des Bindemateriales entwickeln die Indianer grosse Sorgfalt und Sachkenntniss.
:i) Stoll, Guatemala p. 452.
!) Roman , III. I. II f. 160.
') Fuentes, II. p. 108.
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Auch beim Hauserbau machte sich das Princip der Association, wie es die chinamit-Verfassung bedingt, geltend. Gage erzilhlt noch aus seiner Zeit: âWenn Jemand nnter âilmen ist, der kein Hans bat, oder seines von neuem decken will, so werden die Hilnpter âder Gescblechter dessen bericbtet, welche es sammtlichen Einwobnern des Dorfes m âwissen thnn, dass sie bei soldier Arbeit belfen sollen; da demi ein jegiicher schuldig ist, âein Gebund Stroh oder andere Materialien mit sich zn bringen: so dass in einem Tage âeiner ein ganzes Hans dnrcb Hülfe so vieler Personen anfbauet. Unterdessen kostet âilm ein solcher Ban nichts als Chocolatequot;. Ob diese Sittc jetzt noch existiert, weiss icb nicht, icb babe beim Ban der indianischen Mfltten stets nnr relativ wenige Personen uml keineswogs das game Dorf bescbaftigt gesehen.
Die indianische Hütte enthalt nnr eine oder zwei Kannnern. In letzterm Falie dient die eine als Wohnstnbe nnd Küche, die andere als Schlafkammer. Die Betten bestehen aus Bretter- oder Rohrgestellen, über welche etwa noch ein Stuck Binsenmatte gebreitet wird nnd als Kopfkissen dienen Kleiderbündel, als Decke je nach dein Klima ein Stück Woll- oder Baumwollzeug.
Das übrige Hausgerathe ist von der grössten Einfachhoit; in der Mitte des Küchen-raumes beflndet sich der Feuerherd (xan). Er besteht aus drol Steinen, welche den Koch-geschirren als Stütze dienen. Zwischen die Steine werden die Scheite oder die Kohlen gelegt nnd der Ranch durchzieht dergestalt die gauze Hütte. Zum Kochen dienen ver-schiedene Töpfereiwaaren, die nachstebend erwahnt werden sollen. Einige Calebassen aus Crescentia- und Kürbisfrüchten vervollstandigen das Küchengeschirr.
Das Hanptinventarstück aber bildet der Maismahlstein (met la tl der mexikanischen und ca der Quiché-Sprache). Diese Mahlsteine sind dreibeinig: zwei Beine vorn, ein etwas höberes hinten. Die Reibflache ist dergestalt etwas flach geneigt, nnd etwas concav. Aut ihr gleitet die ebenfalls steinerne Mahlwalze bin und her, deren Enden von der Maismüllerin erfasst werden. Die modernen Mahlsteine, welche in jeder einheimischen nnd sogar euro-paischen Haushaltung Guatemala's nothwendig sind, sind schmncklos aus einem grobkör-nigen, aber nicht sehr harten Gestein vulkanischen Ursprnngs gearbeitet. Die praehistorischen Reibsteine dagegen, welche an verschiedenen Stellen Mittelamerika's gefnnden wurden, sind oft von schoner Arbeit und so reich verziert, dass sie wahrscheinlich dem Haushalt der Vornehmen entstammen 1).
Die indianischen Frauen, denen das Geschaft des Maismahlens obliegt, pflegen dasselbe hauflg mit einem eigenthümlichen Pfeifen, zwischen den Zalmen hindnrch, zn begleiten, wahrscheinlich, um besser lm Takte zn bleiben. Nicht selten tragen sie dabei ibre Sang-linge auf dem Rücken, denen der schankelnde Körper der Mutter als Wiege dient.
Li vielen Gegenden von Guatemala bildet das Dampfbad (temazcalli der Mexi-kaner, tuj der Quiché-Sprachen) einen wichtigen Theil des Hauses. Es ist dies ein gewöhnlich balbkugeliger, backofenfórmiger Ban aus Lehmziegeln hinter der Wohnhütte, und mit einer so niedrigen Eingangsöffnung, dass ein Mensch eben noch durchkriechen kann. Ueber seine Anwendung babe icb an anderer Stelle bericbtet2).
Eine Hangematte, die übrigens oft fehlt, ein mit Stufenkerben versehener Baumstamm (pa lib al), der als Leiter dient, eine hölzerne Truhe zur Aufbewahrung der bessern Klei-dungsstücke und etwa ein Hausaltar vervollstandigen den Hausrath einer bessern Indianer-wohnung. Kleine Hangematten dienen als Wiegen für die Saugiinge.
') Vgl. Squieb, Nicaragua 1. p, 272. ') Stoll, Guatemala p. 162.
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Die relative Vollkommenheit der Architektur und Bildhauerei unter den Vólkern Guatemala's setzt voraus, dass dieselben ein ziemlich entwickeltes Maasssystem besessen haben1). In der That flnclet man die Spuren desselben heute noch in den Sprachen der Quiché- und Pokomgruppe. Als Basis der Langenmaasse warden die Dimensionen von Hand und Fuss genommen, und das Wort fiir âFussquot;, akan im Cakchiquel und ok im Pokonchi werden heute als allgemeiner Ausdruck für âLangequot; gebraucht, wie die Ausdrücke fur âlangquot; und âkurzquot; beweisen s), namlich nim-r-akan âgross seine Langequot; und ch'utin-ok r-akan âklein seine Langequot;. An der Hand werden die Spanne zwischen Daumen und kleinem Finger (c'utn im K'e'kchi), die Lange des vordersten Daumgliedes (c'ojoc im K'e'kchi), die Breite von Daumen und Zeigeflnger (jun min im K'e'kchi) und diejenige von vier und fünf Fingern (ca min und ho min im K'e'kchi) unterschieden. Fern er werden die Klafter, (mokoj im K'e'kchi) und der Schritt (xa'k im Cakchiquel, yoc im K'e'kchi) besonders bezeichnet, als Schnurmaass flnden sich die Ausdrücke c'al und c'am.
II. TÃPFEREI.
Wie fast überall, bildete audi in Guatemala die Töpferei einen der wichtigsten tech-nischen Zweige, indem sie nicht nur eine Menge von Gegenstanden des taglichen Gebrauchs, sondern auch für die religiösen Ceremonien lieferte.
Der Natur der Sache nach war die Ausübung der Töpferkunst an diejenigen Oertlich-keiten gebunden, welche das Rohmaterial in hinlanglicher Menge und Qualitat zu liefern im Stande waren. Solcher Stellen gibt es heute im Gebiet der Eepublik eine ganze Eeihe. Wir nennen davon: Palencia, Mixco, Chinautla, San Juan Sacatepequez und San Raimundo im Depart. Guatemala, San Miguel Petapa im Depart. Amatitlan, Santa Apolonia im Depart. Chimaltenango, San Cristobal im Depart. Totonicapam, Tectitlan in Huhuetango, Rabinal in der Baja Verapaz und Lanquin in der Alta Verapaz, Sansaria und Jilotepeque im Depart. Jalapa.
Es sind also vor allem die Gebiete der Poke mam- und Cakchiquel-Indianer, welche sich durch zahlreiche Fundorte von Thon auszeichnen. Die meisten derselben dürften schon in der vorspanischen Zeit bekannt gewesen sein und die Fabrik-Zentren gebildet haben, von denen aus dann die verschiedenen Thonwaaren durch Handler auf grosse Strecken hin geschafft und gegen andere Dinge vertauscht wurden, wie dies heute noch geschieht1).
Wir würden danach in grosser raumlicher Ausdehnung identische Geschirrformen erwarten müssen, Wenn dies, wenigstens für die praehistorischen Geschirre, nur bedingt der Fall ist, so ist daran grösstentheils die Eigenart der Fabrikation selbst Schuld.
Ob die Töpferei in Guatemala sich, wie anderwarts, z. B. bei den Zuhis in Nord-amerika2) ursprünglich aus der Korbflechterei entwickelte oder ob sie als eine bereits fertige Kunst von aussen übernommen wurde, dürfte kaum zu entscheiden sein, da uns die Geschirrformen selbst hiefür keinen Anhaltspunkt mehr gewahren.
Die Töpferei war und ist in Guatemala ein Handwerk der Frauen. Da aus freier Hand, ohne Hiilfe der Töpferscheibe gearbeitet wird, erhalt sozusagen jedes einzelne Stück sein
1
') Bbinton, Lineal Measures. â ) Stoll , Ixil-Orammatik p. 26. 3) Stoll, Guatemala p. 453.
2
) Siehe Literatur unter âGushingquot;.
I. A. f. E. I. Suppl. I. 12
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individuelles Geprtige in Form oder Grosse, trotzdem es die indianischen Frauen in der Herstellung ihrer Arbeiten zn einer so hervorragenden Fertigkeit gebracht haben, dass sie auf Wunsch aucli mehrere, nahezu identische Stücke liefern können. Da ich über die Art ihres Arbeitens bereits anderwtirts1) bericbtet babe, kann ich mich hier darauf beschranken, einige ihrer Produkte nüher zu skizzieren.
Gleiches Bedürfniss bedingt auch gleiche Grundform des zur Abhülfe bestimmten Gerathes. quot;Wir werden danach in Mittelamerika gewisse Formen des Geschirrs in weiter Yerbreitung erwarten dürfen, vor ailem diejenigen, welche der Bereitung des wichtigsten Nahrungsmittels, des Mais, zur Unterlage dienen. Als die verbreitetsten Geschirrformen treffen wir daher 1) den Wasserkrng (tinaja) 2) den Röstteller fur die Tortillas (Comal), 3) die Kochscbüssel (Gila), 4) die Bratschüssel (Sarten).
Stellen wir für diese Gerathe die indianischen Namen zusammen, so finden wir folgendes:
|
Mexikanisch. |
Maya. |
Tzuntal- |
Mame- |
Quiohe- |
Pokom- |
|
gruppe. |
gruppe. |
gruppe. |
gruppe. | ||
|
quot;Wasserkrug a-comitl; huey comitl |
cat, ppul |
q u' i b |
chon, xoc |
cura, cucu |
cuc |
|
Eöstteller com all i |
xamach |
samet |
tzemich |
xot |
q ii ' i 1 |
|
Kochschüssel : comitl; xoctli |
c u m |
PPin |
cuil; quil |
boj, bojoy |
xun |
|
Bratschüssel [caxitl; caxpechtli |
1 ac |
chojeu, sotz |
lak |
lak |
culc |
quot;Wir ersehen daraus zunachst, dass das Nahuatl mit seiner Terminologie ganz für sich steht, und dass daim aber anch die Maya-Sprachen nnr für den Röstteller der Tortillas in weiter Yerbreitung einen gemeinsamen Ausdruck besitzen (xamach, samet, tzemich), wahrend für die übrigen Geschirre jede Sprachgruppe ihre besondern Stamme geschaffen hat. Dies lüsst darauf schliessen, dass jede Stammgruppe unabhangig von den übrigen und schon sehr lange die einfachsten Geschirrformen besitzt.
Der AVassorkrug (tinaja) bildet in Guatemala ein grosses bauchiges Gefilss mit zwei Henkeln und engem Hals mit trichterförmigen Oeffnungsrand Da auch die Unter-flache bauchig ist, muss sie auf einen Strohring oder in eine Erdvertiefung gestellt werden. Sie halt circa 5â10 Liter Flüssigkeit.
Kleinere und langiichere Krüge werden zur Aufbewahrung des Schweinefetts und zu andern Zwecken hergestellt. Eine kleine, als Kinderspielzeug verfertigte Tinaja ist in Taf. II Fig. 33 dargestellt.
Fig. 8 auf Taf. I reproduziert eine Tinaja, welche von einer Pokomam-Indianerin von Chinautla verfertigt wurde. Sie besitzt eine Höhe von 23 Cm. und ist aus gelbgrauem Th on verfertigt. Form und Relief-Verzierungen sind nach europaischem Muster, so dass «las gauze Geschirr eines jener hybriden Kunstprodukte darstellt, in denen sich indianische Technik mit auslandischen Verlagen combiniert und welche immer mehr die altindianische Kunst überwuchern.
Taf. II Fig. 17 gibt das Modell einer andern, im heutigen Haushalt von Guatemala gebrauchlichen Form des Wasserkruges wieder, namlich des Buren (schlechte Aussprache statt Porron), der jedoch ebenfalls modernen und exotischen Ursprungs ist.
') Stoll , Guatemala p. 332.
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Der Maisröstteller, in Guatemala mit seinem mexikanischen Namen Comal benannt, ist ein grosses, leicht concaves, flaches unci rundes Geschirr von circa 50 Cm. Durchmesser. Er dient vor Allem zum Rosten der Tortillas, dann aber aucli des Kaffee imd Cacao.
Die Kochschüssel, in Guatemala Olla genannt, weist eine grosse Mannigfaltigkeit der Grösse, weit weniger der Form auf. Diese wiederholt die Form der Tinaja, nur ist die Olla niedriger und der Hals so weit, dass man bequem compacte Gegenstande, wie Fleisch, hineinlegen kann. In der Olla wird alles gekocht, was mit Wasser zubereitet wird, also Mais, Frijol, Fleisch etc.
Das letzte der Töpferei entnommene, wichtige Inventarstück der indianischen Küche bildet die Bratschüssel, in Guatemala mit dem spanischen Worte Sarton, in andern Gegenden mit dem mexikanischen Ca je te (von caxitl) benannt. Der Sarten dient zum Abkochen und Braten der Speisen, die mit Fett zubereitet werden.
Aus obiger Zusammenstellung der Bezclphnungen geht hervor, dass die gleichen Maya-Sprachgruppen, welche für den Comal identische Wurzeln haben, solche auch für den Sarten besitzen, so dass diese offenbar die am weitesten verbreiteten (und altesten?) Geschirrformen der Mayastamme sind.
Als Muster eines antiken Sarten mag die in Taf. II Fig. 32 abgebildete und nachstehend beschriebene k reis runde Sch üssel dienen, die aus den Ruinen von Utatlan stammt. Sie zerfallt in eine flachere Unterhalffce und eine steilwandige Oberhalfte, deren Grenze auf der Aussenseite durch einen schriig nach unten laufenden Randsaum angedeutet ist.
Maasse: Kreismnd. Durchmesser 27 Cm. Dicke der Seiten- und Bodenwand 8 Mm. Höhe der Seitenwand 4,1 Cm., Höhe der ganzen Schtissel 17,5 Cm., Höhe des Schragrandes 11 Mm., Durchmesser des Fussringes 11,2 Cm.
F ar be und Zeichnung: Grund inwendig und auswendig heil mennigroth. Aussenseite der Bodenflache heller. Fussring rauh, braungrau, ungeamp;rbt. Randsaum braunroth.
Parallel dem Randsaume laul't innen und aussen ein schmaler schwarzer Streif, dem ein zweiter an der Basis des Aussenrandes entspricht. Zwischen beiden ist der freie Raum so verwendet, dass in weiten Distanzen vier Zeichnungen auftreten, welche in der Art paarweise angeordnet sind, dass die Glieder je eines Paares sich diametral gegenüber stehen, dass also die Zeichnungen alternieren.
Das einfachere und einen schmaleren Raum einnehmende dieser Paare besteht aus, durch einen schmalen Zwischenraum der Grundfarbe getrennten, circa 16 Mm. breiten Schragfeldem von braunrother Farbe, die schwarz umsauint ist. Das eine Glied tics Paares enthalt zwei, das andere drei soldier Schragfelder. Der Aussenrand der beiden Felder des ersten Gliedes und des ersten und dritten Feldes des zweiten Gliedes sind schrag eingebuchtet.
Das andere Paar von Zeichnungen, welches den breitern Raum der aussern Randflache einnimmt, ist weit complicierter. Sie bestohen theils aus geraden, dem Rande parallelen, theils aber aus gebogenen, nach beiden Seiten hin stumpfhakig endenden, schwarzen Linien, welche von breiteren braunrothen Innensaumen begloitet sind. Nach links hin bildet die Zeichnung einen, sich zweimal wiederholenden, stmnpfen Haken, nach rechts hin lauft sie in eine einfache, schmalere, schlangenkopfahnlich zweimal gewundene Spitze aus. Im obern Theil des Mittelfeldes ist durch ein schrftges, schwarzes Linienpaar ein Raum abgegrenzt, in welchem sich das Schema des erstbeschriebenen Randfelderpaares in schwarzer Farbe
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wiederholt. Die linke Ecke des untern Mittelfeldes ist durch eine schwarze Eckfiache mit nach links blickender Abschragung gezelchnet, welcher parallel, in einiger Entfernung eine schwarze Linie verlauft.
Parallel der schwarzen Linie, welche die Basis des Schüsselrandes bezeichnet, lauft eine zweite schwarze Linie, welche den Anfang des Schragrandes, der dem obern Theil der Schüssel nach unten aufgesetzt ist, mar kiert. Von dieser aus gehen, durch wei te Distanzen der Grundfarbe von einander getrennt, sechs, seitlich vertikal begrenzte Felder gegen den den aussern, untern Kand hin, von denen drei braunroth, drei schwarz sind. Sie sind abwechselnd angeordnet und jedes Feld ist jederseits von einer Parallellinie derselben Farbe begleitet.
Aus den Beschadigungen der Schüssel ersieht man, dass das Material ein grauer, etwas feinkörnig sandiger Then ist. Darüber flndet sich eine ausserst dünne Schicht, welche offenbar in Form einer feinen Paste dem Thon aufgestrichen wurde und die ebenfalls erdiger Natur ist. Auf dieser Schicht sind die feuer- und wasserbestandigen Farben aufgetragen.
Solche bunte Sartenes werden gegenwartig nicht mohr verfertigt, obwohl der Typus einer flachen Schüssel mit steilwandiger Oberhillfte sich auch heute noch erhalten hat, mit Ausnahme des aussern Randsaumes, der jetzt weniger stark aufgelegt wird.
Der an tike Sar ten kann auch als dreifüssiges Geschirr auffcreten, wie z. B. ein von Stephens aus Huehuetenango bekannt gemachtes Exemplar darthut').
Ein en besonder n Typus des antiken Sarton stellen die Stachelgefasse von Ama-titlan dar, von denen sich im Museum für Völkerkunde in Berlin ein Exemplar beflndet. Dasselbe misst 23 Cm. Durchmesser bei einer Hohe von 6 Cm. und einem Durchmesser der Innenoffnung von 17 Cm. Der 3 Cm. breite Oberrand ist breit und ziemlich flach nach aussen umgelegt. Gegen den flachen Boden bin baucht sich das Geftlss etwas nach aussen aus. Das Auffallendste daran sind aber zwei Reihen von je 15 Stacheln, welche an der Aussenwand angebracht sind und zwar so, dass die Stacheln der obern und untern Reihe alternieren.
Wird das Stachelgefass hochwandiger und mit seitlichen Honkeln versehen, so geht es in den Typus der Olla über, der es in seiner Verwendung jedenfalls entsprach. Das Berliner Museum besitzt ein solches von 14 Cm. Hohe, und 21 Cm. Durchmesser. Unter dem ebenfalls ziemlich flach ausladenden Oberrande sind in entsprechender Entfernung von einander drei Henkei oder Ohren angebracht, die sowohl zum Anfassen, als zum Auf hangen dienen konnten, und das ganze Gelass steht auf drei, 4 Cm. langen Füssen. Die Aussenwand besitzt auch hier zwei Reihen von je 15 übereinanderstehenden Stacheln.
Zu den bis jetzt genannten fünf Geschirrtypen der Tinaja, des Comal, der Olla des Sar ten und des Stachelgefasses gesellt sich als ein sechster Typus der vor-spanischen Geschirrtöpferei das Schubgefass, von dem Stephens2) ebenfalls ein Exemplar abbildet. Es sind dies unsymmetrische Gefasse, welche eine ziemlich weite Eingussöffnung besitzen, unter deren Rand sich der Griffhenkel beflndet. Auf der dem Henkei entgegen-gesetzten Seite baucht sich das Gefass in verschiedener Lange schuhförmig aus. Die Orna-mentik dieser eigenthümlichen Gefasse besteht in Reliefverzierungen, in Form von einge-kerbten oder ganzen Wülsten, in vertieften Linien und Lochern. Nicht selten stellen dieselben menschliche oder - thierische Figuren dar. So besitzt das Berliner Museum ein Schuhgefass
:) Stephens, II p. 231 N0. 4.
') Stephens, II. p. 231. N0. 1.
aus Coban, welches undeutlich die Barockflgur eines Thieres wiedergiebt, ein anderes, auf-fallend langes (38 Cm. lang bei 15 Cm. Höhe), imitiert den Kopf eines Krokodils.
Aucli aus Mexico (Jalapa) und Nicaragua sind Schuhgefasse bekannt.
Als Beispiel einer modernen Nachahmung des alten Schuhgefasses kann vielleicht Fig. 19 auf' Taf. 11 dienen, nur sind hier drei Füsse angebracht und der Henkei beflndet sich auf der Seite der Yerlangerung des Gefasses. Die aufgetragenen Farben sind nicht wasserbestandig, sondern, wie viele der modernen Stücke, eine oberflachliche und flüchtige Malerei.
Als siebenten Typus können wir unter den antiken Geschirren den Thonbecher aufstellen, der bald senkrechtwandig, meist aber bauchig mit oder ohne Fuss auftritt. Die Ornamente sind Ringwülste und vertiefte Kinnen, die in mehreren parallelen Ringen den Hals oder die Basis umkreisen. Auf dem Mittelfelde finden sich Bogenrinnen.
Der Zweck der alten Thonbecher dürfte der gewesen sein, dass sie zum Anrühren der Chokolade dienten. Sie entsprachen demnach dem heutigen âBatidorquot;, der aus gebrannten Thon, und der Jfcara, die aus Fruchtschalen besteht.
Taf. II Fig. 31b gibt das Modell des modernen Batidor, oder Chokoladebechers wieder, dessen zugehöriger Quirl in Fig. 31a dargestellt ist.
Als achter Typus mag die Urne gelten. Fig. 24 auf Taf. II stellt ein Exemplar einer solchen aus röthlichgrauem Lehm dar, der aussen und innen einfarbig schwilrzlichgrtin bemalt ist. Höhe 7,5 Cm., Durchmesser über den Aussenrand 10,4 Cm., Durchmesser des Lumens 8 Cm., Bodenflache 7,9 Cm., Wanddicke 8 Mm. Das Geschirr verjüngt sich nach unten etwas. Es enthalt auf seiner Aussenflache allein vertiefte Linien-Ornamente. Parallel dem Rande lauft eine Eingrinne, ebenso parallel der Basis. Das Mittelfeld weist drei Winkel-ornamente auf, die je eine nach links ansteigende, zweistufige Treppe bilden. Es war sichtlich der rechte Winkel intendiert, obwohl schlecht ausgeführt. Zwischen je zwei Trep-penzeichnungen lauft eine schrage Linie von links unten steil nach rechts oben in der Weise, dass sie nahe der Basis der einen Treppenzeichnung beginnt, um an der Spitzo der andern oben zu endigen. Diese Urne entstammt einem Grabe von âLa Magdalenaquot; in der Nahe von Nebaj in der Sierra der Ixil-Indianer.
Eine charakteristische Varietat der Urne bilden die Gesichtsurnen der Lacandones. Es sind dies tiefe, mit einem niedrigen Fussrand versehene, nach unten sich etwas ver-jüngende Schalen, welche einen durchbrochenen Henkei in Ferm eines menschlichen Barockkopfes besitzen. An diesem fallt besonders die grosse, stark verspringende Nase auf. Das Berliner Museum besitzt eine solche Urne von 9 Cm. Höhe, 12 Cm. Durchmesser (über die Aussenrander gamessen) und einer Wanddicke von 0,5 Cm. Die Höhe des Henkel-gesichts betragt 7,5 Cm., die Breite 10 Cm.
Solche Urnen, deren ich mehrere in Guatemala sah, werden in den Ruinen von Lorillard City gefunden, wo sie, wie mir mein Freund Rockstroh mittheilte, als Opfer-urnen der heutigen Lacandones dienen. Sie sind also ein Maya-Fabrikat.
Im Anschluss au die bis jetzt erwahnten Geschirrformen Guatemala's linden sich nun aber noch eine Reihe von Exemplaren, welche sich kelner der obgenannten Typen genau unterordnen, obwohl sie doch von der einen oder andern etwas an sich tragen.
So gibt es beispielsweise Formen, welche zwischen der âTinajaquot; und der âOllaquot; stehen, indem sie die enge Gussöffnung der erstern mit der niedern und bauchigen Gestalt der letztern vereinigen. Sie sind mit einer oder mehreren Parallelrinnen am Halse verziert.
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das Charakteristische quot;besteht jedoch darin, dass sie als hauptsachlichstes Ornament die Körpertheile eines Thieres en relief zeigen, dessen Leibesraum durch don Bauch des Kruges gebildet wird. Ich möchte sie daher Thierkrüge nonnen. Einige, namentlich solche der ausgesprochenen âTinajaquot;-Form stellen Vogel dar, deren Kopf, Flügel und Schwanz die vorragenden Theile bilden, andere, mehr der âOllaquot; sich nahernd, reprasentieren Frösche oder zeigen ein menschliches Gesicht anf einer Seite oder endlich bloss eine undeflnierbare Barockflgur.
Als eine ganz isolierte, mir in keinem abnlichen Exemplar bekannte Geschirrform ist das anf Taf. II in Fig. 18 abgebildete Geschirr zu bezeichnen, welches sich noch am ehesten der âOllaquot; anschliesst und eine Schüssel in Form eines Barockkopfes darstellt. Es stammt ebenfalls aus den Ruinen von Utatlan.
Besch rei bung. Grosste Lilnge (ohne Stirnkamm) 22,6 Cm, Grösste Breite (olme Ohrenhenkel) 17 Cm. Grösste Lange der Gussöffnung 13,9 Cm. Grösste Breite der Guss-öffnung 12,6 Cm. â Die Dicke variiert; Seitenwand 6 Mm., Wangengegend 1 Cm., Boden 12 Mm. dick. Grösste Höhe bis zum Oberlippenrand 15,3 Cm. Grösste Höhe der Seiten-rander 8,4 Cm. Höhe der Unterlippe 16 Mm. â Die Gnmdflache bildet eine Ellipse von 14 Cm. Lange und 11,4 Cm. Querdurchmesser. Farbe hellmennigroth, einfarbig, bloss die Augen und die S-Linie der Ohren schwarz.
Der untere Theil der Schale hat die Gestalt einer einfachen, ovalen Schüssel, mit etwas stellen, schragen, flach ausgebauchten Eandern. Die Regelmassigkeit ihrer Form wird dadurch gestört, dass der obere Theil des Gefasses in Gestalt eines menschlichen Gesichtes ausgearbeitet ist, dessen natürliche Proportionen dem Zwecke des Gefasses geopfert werden. Der übertrieben grosse Mund ist namlich als Giessöffnung verwendet, indem man die Unterlippe zu diesem Zwecke buchtig ausschweifte und mit einem vertikalen Rand versa h.
Die Ohren sind als langlich rechteckige, horizontale Platten angebracht, die als Hand-haben dienen. Ihr ursprünglicher Charakter als Körpertheil ist nur noch durch vertiefte Pinnen ausgedrückt, deren eine, die oberste, eine mit der Spitze nach aussen gerichtete, kleine Lanzette bildet. Unter ihr folgt ein Kreis, der vom grossen Bogen einer S-Linie concentrisch umfasst sind. Sümmtlicho Pinnen waren ursprünglich grünschwarz.
Die Augen sind als quergestellte, in weiter Vertiefung liegende, rundliche Buckel wiedergegeben, deren Kuppe, als Andeutung ihrer Holle als Körpertheil, schwarz bemalt ist.
Stirn, Nase und Oberlippe sind zu dem Zwecke umgearbeitet, als bequeme Handhabe zu dienen. Zu diesem Behufe erhebt sich Aron der Stirn ein vertikaler Kamm, der sich auf die Nase, bis nahe an ihre Spitze fortsetzt, zwischen den Augen jedoch eine tiefe Einsenkung besitzt, in welche der Daumenballen bequem zu liegen kommt, wahrend die übrigen Finger die Oberlippe erfassen. Auf der Nase endigte der Mittelkamm ursprünglich als schnabel-ahnliehe, jetzt beschadigte Spitze. Von der Unterflache der Nase hangen zwei flachrundliche, 17 Mm. lange Körper gegen die Oberlippe herab, wodurch die Nasenverzienmg der Vor-nehmen wiedergegeben wird. Die Oberlippe ist in einer Breite von 7 Cm. flach ausgeschweift, um als Ansatzpunkt für drei Finger beim Ausgiessen zu dienen.
Das Gefass besitzt auf diese Weise zwei Handhaben: Zum völligen Heben mit beiden Handen oder zum Ausgiessen heisser Flüsslgkeiten dienen die beiden Ohren, wahrend zum Giessen kalter Flüsslgkeiten mit einer Hand der Stirnnasenkamm und die Oberlippe einge-richtet sind.
Unter den Ohren beginnt ein flacher, horizontal die Wangen- und Unterlippengegend umfassender Saum.
Beim Kochen wurde, schon in der praehistorischen Zeit, ausgiebig Holzkohle benutzt, wesshalb die Kohlenbrennerei schon ein altes, indianisches Gewerbe ist, dessen Vertreter in den Maya-Sprachen mit besonderm Namen belegt werden. Kohlen warden auch den Verstorbenen in's Grab mitgegeben, um ira Jenseits die mitgenommenen Speisen kochen zu können Daher bilden Holzkulilen auch einon Theil der Funde, die in einzelnen Tumuli Guatemala's gemacht worden sind2).
Ueber die Art der Feuergewinnung im alten Guatemala ist nichts Sicheres bekannt. l)och liegt es nahe, auch bei ihr die von den Mayas von Yucatan übliche Methode vor-auszusetzen, welche in der Drehung eines vertikal gehaltenen Stockes in der Höhlung eines am Boden liegenden Blockes bestand1).
Wir wissen ferner aus Villagutiorre2), dass die C h o 1-Indianer der nördlichen Verapaz ihrem âGott der Bergequot; Escurruchan, auf einem Berggipfel ein ewiges Feuer unterhielten.
Die heutigen Indianer Guatemala's haben die Gewohnheit, das Herdfeuer des Hauses oder das Lagerfeuer auf der Reise des Nachts nicht ausgehen zu lassen. Sie bedecken die letzten, glühenden Kohlen sorgfaltig mit einer dünnen Aschenschicht, so dass sie, langsam weiter glimmend, bis zum Morgen vorhalten, wo sie dann aufs Neue angefacht werden. Auf diese Weise geht im indianischen Haushalt das Herdfeuer buchstablich, ausser durch Unachtsamkeit, Jahr aus Jahr ein nicht aus. Diese Sitte hat sich auch in den Familien der Mischlinge erhalten, indem die Ladina-Köchinnen auch hier, sei es im Horde selbst, sei es in einer besondern Kohlenpfanne die glühenden Kohlen über Nacht in langsamem Brand erhalten, um der Mühe des Peueranmachens überhoben zn sein.
Dies lasst darauf schliessen, dass auch in der alten Zeit das mühselige Geschaft der Feuergewinnung durch Reiben zweier, verschieden barter lïölzer möglichst oingeschrilnkt wurde.
Zum Anfachen des Kohlenfeuers diente jedenfalls der heute noch gebrauchliche Feuer-facher (sop la dor) aus Palmblattern geflochten, der in Taf. I Fig. 3 abgebildet ist.
Unter den ührigen Thonwaaren der praehistorischen Zeit haben wir zu erwahnen: Gesichtsmasken 3), Pfeifen, Rass ein, und Göt ter bil der in Menschen- und Thiergestalt.
In Taf. H Fig. 5 ist eine antike Thonpfeife abgebildet, welche ein en menschlichen Kopf darstellt, dessen Nase den Fürstenschmuck in Gestalt zweier flacher, offenbar übertrieben grosser Scheiben aufweist. Der Ohrsclnnuck ist durch vertiefte, flache Scheiben angedeutet. Quer über den Kopf lauft ein holier Kamm, der jedenfalls den Kopfschmuck aus Quetzal-federn nachahmen soil. Der zapfenförmige Fortsatz der Pfeife nach unten und die ihn urngebenden Bruchrander beweisen, dass die Pfeife von einem grössern Stück abgebrochen ist. Grösste Lange 7 Cm., grösste Breite 5,7 Cm. Die Pfeife stammt von der Hacienda San Francisco Miramar in der Costa Cuca (Quiché-Gebiet), wo sie drei Fuss tief unter der Erdoberflache gefunden wurde.
1
') Füextes, I p. 364 (Siehe oben p. 71). -) Bastian, Culturlandei', II p. 386. 3) Bbasseue,
2
Manuscrit Troano, pi. VI und XIX. *) Villagutieebe, p. 152.
3
) Von diesen seltenon StQcken besitze icli keines, dagegen beflndet sioh eine schone ïhiennaske aus Thon (16 Cm. lang, IB Cm. breit) von Zakoli in der Verapaz im Museum zu Berlin. Drei Löcherpaare am Oberrande dienten zum Festbinden.
Der Schall ist so laut, class die Pfeife recht wohl als Signal- oder Jagdpfeife gedient liaben könnte, wenn sie nicht etwa bloss ein Spielzeug war, Avie die
Moderne Pfeife. Taf. II, Fig. 11. Sie ist mit leicht verwischbarer Farbe bemalt und im Vergleich zur antiken Pfeife so schlecht gearbeitet, dass sie beim Anblasen nicht tönt.
Taf. II, Fig. 16 stellt eine moderne Kinderrassel in Froschgestalt dar, die sich ebenfalls nicht mit den antiken Thonrasseln messen kann, welche man zuweilen flndet und woven das Berliner Museum für Yölkerkunde Exemplare enthalt.
Zalhreiche Kinder spiel waar en werden heutzutage in Thon hergestellt. Meist sind es Nachahmungen der gewöhnlichen Hausgerathe (Taf. II, Fig. 17, 31, 33), oder Kassein (Fig. 16), Pfeifen (Fig. 11) oder endlich Thiergestalten, namentlich Vogel (Fig. 3 und 8). Bald sind sie bemalt, bald unbemalt.
Die schonen antiken wasserbestandigen Farben, wie sie in Fig. 32 erhalten sind, werden jetzt nicht raehr gebraucht, sondern sind durch die Glasur ersetzt worden.
Als Grötterbilder sind wohl die hohlen Thonflguren zu deuten, ven denen Taf. II, Fig. 13 ein Exemplar darstellt, eine menschliche Barockflgur, welche im untern Xolhuitz bei Retalhuleu gefunden wurde. Höhe 14,7 Cm., Gesicht beschadigt, aber kenntlich. Am auft'al lend sten sind die, infolge der Ohrgehange winklig nach unten vorstehenden Ohren. Stirn stark flieliend. Hinterflache des Kopfes durch eine Querfurche ven der Stirn abge-grenzt, hinten mit elf bis zum Hals reichenden, parallelen Langsrinnen. Arme und Beine winklig, en relief. In der Schultergegend jederseits ein Loch, das mit dem hohlen Innen-raum communiciert. Die Löcher beider Seiten entsprechen sich so genan, dass man durch-sehen kann, und sind offenbar in einem Male durchgestochen.
Nach einer Ansicht der Landesbewohner diente der von unten zugangliche Hohlraum dazu, um Copal darin zu verbrennen, wobei dann die im obern Körpertheile, in den Schultern oder noch haufiger den Augen, befindlichen Löcher als Ventilationsöffnungen gedient hatten.
Dass solche Figuren auch in weit grösserer Gestalt, fast in halber Menschengrösse aus Thon dargestellt wurden, beweisen die Bruchstücke von Handen und Füssen, welche gelegentlich gefunden worden sind.
Viele der jetzt noch im Boden gefundenen Thonflguren sind uur Bruchstücke von Thierkrügen, wie die concave, allseitig von Bruchrandern umgebene Rückflache zeigt. Sie sind oft hohl, oft massiv und stellen meist die Köpfe lebender AVesen, von Menschen oder Tliieren dar. Dahin gehort, auf Taf. H, Fig. 7, der (massive) Kopfeines Menschen, Fig. 9, der (hohle) Kopf ei nes Raubthiers, Fig. 12, der (massive) Kopf ein es Affen, und Fig. 14, der (massive) Kopf ei nes Raubthiers, die sammtlich in ver-kleinertem Maassstab dargestellt sind. Fig. 10 stellt ein zapfenfórmiges, inwendig hohles und durch zwei Löcher nach aussen offenes Bruchstück eines Geschirrornamentes dar.
III. BEKLEIDUNG.
Zur Hcrstellung der Gewander dienten in der vorspanischen Zeit vor allem zwei Landesproducte, die Baumwolle und die Magueyfaser.
Das Tragen baumwollener Gewander war in alter Zeit ein Verrecht der Vornehmen
') Juabeos, II. p. 31.
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Hire Kleidung bestand aus einem weissen Hemde und ebensolchen Beinkleidern, beides mit Fransen versehen. Darüber kam ein anderes Beinkleid, welches bis zu den Knieen reichte. Die Unterschenkel blieben nackt und das Schuhwerk bestand aus geflochtenen Sandalen aus Pflanzenfasern, welche über dem Rist und über die Ferse mit Schniiren befestigt warden.
Die moderne Nachbildung der altindianischen Bastsandale zeigt Taf. II, Fig. 15. Sie ist aus Leder roh nach clem Fusse geschnitten und besitzt in ihrem vordern Theile ein Loch, durch welches der Riemen geführt wird, der zwischen grosser und zweiter Zehe schriig über den Fussrücken liluft und sich dort mit einem Querriemen verkniipft, welcher quer den Fuss tiberspannt. Die Sandalen werden in der Regel uur von Mannern getragen, vornehmlich auf langeren Marschen. Die Frauen gehen barfuss und uur auf schlechten Wegen legen sie ebenfalls Sandalen an.
Die Aermel des altindianischen Hemdes wurden bis zum Ellbogen zurückgeschlagen und mit elnem rothen oder blauen Band befestigt.
Das Haar trug man lang und hinten zusammengenommen und mit einem Band der erwahnten Farben durchflochten, welches in eine Quaste endigte, die ebenfalls ein Rangabzeichen der obersten Hauptlinge war. TJm den Leib trugen diese eiuen Gürtel von farbigem Zeug und auf den Schultern einen Ueberwurf von weissem Baumwollzeug, worauf Vogel und Jaguare derselben Farbe gestickt waren und welches mit Schnüren und Fransen geschmückt war.
Juaeros giebt weiter an, dass sich die Hauptlinge durch goldene und silberne Ohrringe und Pflöcke in der Unterlippe vor dem gemeinen Volk ausgezeichuet hatten. Dem gegenüber ist aber hervorzuheben, dass sich in den alten Töpfereien (vgl. Taf. I, Fig. 5 und 18) keine Lippenpflöcke der Unterlippe dargestellt finden, sondern zwei rundliche Scheiben auf der Oberlippe, welche die durchbohrte Nasenscheidewand zum Befestigungs-punkt hatten.
Damit stimmt auch die Angabe des Romak1) überein, dass der Oberhauptling von Utatlan sich von den übrigen Vornehmen uur durch das Tragen von Schmuck in den Ohren und in der Nase unterschieden habe und dass dies das Rangzeichen der Grossen gewesen sol.
Viel einfacher waren die Manner des gemeinen Volks gekleidet. Der Gebrauch bauni-wollener Ueberwürfe war ihnen untersagt, sie trugen daher bloss cine Art von langem Hemd aus Maguey-Fasern, dessen Vorderseite sie nach hinten und dessen Rtlckseite sic nach voru zwischen den Beinen durchzogen, und mit einem Gürteltuch festbanden. Ausserdem schützten sie den Kopf durch ein Tuch.
Die Frauen bedeckten sich den Unterkörper mit einem Stuck Tuch, das sie um, die Lenden festgürteten. Ueber den Oberkörper warfen sie den Huipil, einen hemdartigen Ueberwurf, der bis zu den Knieen reichte und ganz mit farbigem Garn bordiert war. Das Haar pflegten sie mit Bandern von verschiedener Farbe zu durchflechten und nach Juarhos trugen sie ebenfalls Ohr- und Unterlippenpflöcke von welch' letztern das, schon oben Erwahnte ebenfalls gilt.
Vergleichen wir mit dieser Schilderung der Tracht die alten Relieffiguren von Copan, Quirigua und Santa Lucia, so linden wir nicht unerhebliche Differenzen.
Die Bildwerke der erstgenannteu Flatze, welche, wie früher erwahnt, der Maya-Kultur von Yucatan sich anschliesseh, zeichnen sich vor allem durch den überladenen
13
1
A. f. E. 1. Suppl. I.
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Reichthum dev Trachten, sowohl der Manner als der Frauen aus. Offenbar werden uns diese im höchsten Festornate vorgeführt und keineswegs in der gewöhnlichen Tracht, selbst der Vornehmsten. So weit sich das Gewirre des Reliefs entrathseln lasst, finden wir zunachst einen reichen Kopfschmuck aus einem hohen Aufsatz bestehend, der nicht selten eine Thier-maske tragt und mit einer Menge von Qnetzalfedern geschmückt ist. Wir flnden ferner grosse Ohrringe, Ohrpflöcke und, nicht liauflg, einen Nasenschmuck, der dem in der alten Töpferei verwendeten ahnlich gewesen zu sein scheint Ausserdem Halsketten, Arm- und Kniebander aus grossen, aufgereihten Kugeln, Arm- und Fussspangen und schuhahnliche Sandalen.
Weit einfacher gestaltet sich die Tracht der Reliefflguren von Santa Lucia, bei denen der grösste Theil des Körpers nackt erscheint. Wir finden hier theils einen langen nach hinten hangenden Haarschmuck, oder einen helmartigen Aufsatz, zum Theil mit einer Barock-maske, Ohrringe und Ohrpflöcke, (dagegen Lippenpflöcke nur bei einer Göttergestalt und einer Maske), Halsbander, Arm- und Kniebander, Fussspangen und Sandalen. Ueber dem gross-schleifigon Lendengurt ist ein eigenthümlicher starrer G ürtel mit einem Thierkopf angebracht.
Vergleichen wir damit die Trachten der Jetztzeit, so finden wir eine grosse Mannig-faltigkeit derselben, die dorfweise wechselt.
Manner: An der Küste und in heissen Thalern gehen die Manner nackt mit Ausnahme eines schmalen, rothen Lendengurtes, dessen Enden zwischen don Beinen durchgesteckt werden, um die Genitalien zu bedecken. Den Kopf deckt ein bandloser, ungefilrbter Strohhut. Bei festlichen Anlassen kleiden sie sich in eine weisse, weite Baumwollhose, über welche ein, bis unter die Lenden reichendes, weisses Baumwollhemd getragen wird.
In den killtern Gegenden kommen über einem Baumwollhemd noch wollene Kleider, als Rock oder Jacke, Hose und Mantel zur Verwendung, deren Farbe, Schnitt und Ver-zierung je nach den Ortschaften wechselt, so dass eine eingehende Schilderung nicht möglich ist. In Sacatepequez ist z. B. dunkelblau die gewöhnliche Farbe der Beinkleider, in einigen Gegenden der Altos dagegen braun.
Besonders reichgeschmückte Beinkleider aus Sammt mit Goldbordierungen sind bei den Festen in den Altos der Quichés gebrauchlich.
Die Haare werden geschoren. Um den Kopf wird haufig ein Tuch gewickelt, über dem man noch den Strohhut tragt, dessen Form und Farbe ebenfalls nach den Dorfschaften verschieden ist, speciell für die Alcaldes und bei den Festanzügen.
W e i b e r: An der Küste und in heissen Thalern wird der Oberkörper nackt gelassen und nur beim Eintritt in die Dörfer mit einem, von den Geistlichen eingeführten Hemdchen bedeckt. Der Unterleib wird in den Rock, ein langes viereckiges Stück Tuch gewickelt, das bis auf die Knöchel reicht und um die Lenden festgebunden wird. Die au der Küste am meisten beliebten Stoffe sind rothcarrierte Baumwollzeuge, europaischen Fabrikates (vgl. Taf. 11 Fig. 156).
Im Hochland wiegen dunkelblaue, dichtere Baumwollstoffe vor, oder blau und weiss zu gleichen Theilen gestreifte, die silmmtlich im Lande verfertigt werden. Taf. I Fig. 4 zeigt das Muster eines Stoffes, wie er im Dorfe Mixco gebrauchlich ist. Der Rock, der je nach den Dörfern, bald langer, bald kürzer ist, wird durch einen wollenen Leibgurt zusam-mengehalten, von dem Taf. I Fig. 5 eine Vorstellung geben mag.
') Vgl. Meye und Schmidt, Steinbildwerke, Taf. VII, Fig. 8a.
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Den Oberkörper stecken die Weiber in einen ponchoartigen mit Kopf und Armlöcheni versehenen Ueberwurf, an welchem eine Schnur, die hinten urn den Hals und vorn durch die Armlöcher geht, durch Faltenbildung eine Art Aennel herstellt. Dieser Ueberwurf heisst Huipil (vom mexikan. huip 11 li) und wircl unter der Brust vom Rocke bedeckt, wesshalb nur der obere Theil bordiert ist. Die Hulpiles sind gewöhnlich bordiert, eutweder, bei Aermern, mit einfachen, rothen oder blauen Strelfen, oder, bei Wohlhabendern, mit complicierteren Zelchnungen, bei denen Baumwollgarn und Seide verschiedener Farben zur Verwendung kommen. Die Farben werden hauflg in schmalen Zlckzackstreifen zn breiten
Bandern zusammengeordnet, wie in Taf. I, Fig. 13, bald bilden sie bloss farbige Flecken oder elnfarbige Strelfen, oder es werden Thiere farbig auf den weissen Untergrund bordiert.
Bei festlichen Anlassen wird in vielen Dörfern über dem Huipil noch ein weiterer, lang herabhangender und ebenfalls bor-dierter Ueberwurf getragen, wie in Taf. II Fig. 15a dargestellt. Einen solchen tragen bei kühlem Wetter die Frauen der Altos über dem Kopf, so dass nur das Gesicht zu der Oeffnung her-ausschaut. In andern Dörfern, wie in Mixco, ist er gewöhnlich durch einen einfachen, weissen Baumwollshawl ersetzt.
Im Hochlande wird Alles, Rock, Gilrtel und Huipil aus selbstgewebtem und gefarbtem Zeug hergestellt, fremd ist nur die Seide und gewisse Sorten des farbigen Games, welche die Indianer nicht selbst farben können, wie z. B. Türklschroth.
Aus den Farbenzusammenstellungen der Figg. 2 und 13 auf Taf. 1 und Fig. 15a auf Taf. 11 geht zur Geinige die Vorliebe der Indianer für lebhafte Contraste hervor. Die erste Holle in den Geweben spielt das Roth, Ihm folgt das Blan, daim und Schwarz. Eine besonders geschatzte und kostbare Farbe für Stickereien ist Violett, welches von den Indianeru der Südseeküste aus einer Meersclmocke (Purpura sp.) gewonnen wird. Für die übrigen, im Lande selbst hergestellten Farben der Game und ïücher bestehon besondere Farbereien, die in kleinem Maassstabe von Indianeru und Mischlingen betrleben werden. Die Hauptfarbemlttel sind gegenwartig die Anilinfarben, denen sich aber von einheiraischen Farben noch der Indigo und die Cochenille zngesellen. Diese alle, Anilinfarben, Indigo und Cochenille , bilden bloss den modernen Ersatz für die meist dem Pflanzenreich entnommenen Farblösungen der vorspanischen Zeit, von denen sich einige noch bis heute erhalten haben.
Die Yorliebe der Indianerinnen für grelle Farben hat sich auch auf die Mischlingsfranen fortgepflanzt, deren Kleldung sich im Uebrigen der europaischen nahert. Die âEnaguasquot; der indianischen Frau werden bei der Ladina durch einen wirklichen Rock von bedrucktem Kattun oder weissem Baumwollzeug ersetzt, den indianischen Huipil vertritt ein weisses Hemdchen, mit Spitzen besetzt, und der Poncho-Ueberwurf der Indianerinnen flndet sein Aequivalent in den âRebozosquot; der Ladina, die bel festlichen Anlassen in sehr feiner Qualitat getragen werden. Sie sind ebenfalls grell, aber einfarbig gefarbt, und auch hier wiegen roth
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und blau vor. Um den Leib wird ein farbiger, feingewobener Gürtel geschlungen, von welchem Fig. 1 auf Taf. I einc Icloe geben mag.
Als eine Specialitat von Salami, einer alten Nabuatl-Colonie, ist die Fabrikation aus-serst bunter Schürzentücher aus Baumwollgarn zu nennen, von denen Taf. I Fig. 19 einen Streifen darstellt.
Aus den Farbmustern der Tafeln ergibt sich von selbst, dass die Indianer Guatemala's ebensowohl wie wir blau und grün auseinander zu halten wissen, trotzdem sie für beide Farben bloss das einzige Wort rax besitzen. Die Erfabrungsthatsache des haufigen Wechsels der Farbung von Blau zu Grün, die metallgrttnen, in's blau schillernden Federn des Quetzal-
Vogels und ahnlicbe mögen für diese Eigenthümlichkeit der Maya-Sprachen die erste psychologische Grundlage gegeben haben. Dass physiologische Farb empflndung und sprachliche Farbbezeichnung zwei nicht stets parallels Dinge sind, ist bekanntlich langst nachgewiesen.
In Bezug auf die Haartracht der indianischen Frauen herrscht eine erhebliche, regionale Verschiedenheit. Meist wird das Haar einfach in zwei Zöpfe geflochten und lang getragen oder um den Hinterkopf gewickelt. Bei festlichen An lassen werden die Haarstrahnen mit rothen Sclmttren durchflochten, und au manchen Orten wird aus dem natürlichen Haar und den schmückenden Bandera ein hoher, turban-ahnlicher Bau auf dem Kopfe errichtet, der in Taf. 11 Fig. 15 dargestellt ist, und der sich, wie früher erwahnt, direkt aus der Tracht der vorspanischen Zeit ableitet. Die Indianerinnen von Coban flechten das Haar nur in einen Zopf, der von der Basis bis zur Spitze mit einer rothen Schuur umwickelt wird, welche man tupuy neimt.
Auch die Ladina-Madchen tragen das Haar gewöhnlich in zwei Zöpfe geflochten, die sie zuweilen mit farbigen Bandern schmücken, lang herunterhangend.
Zur Bewaltigung des Haares dient ein zweizeiliger Holz-kamm einheimischen Fabrikates, der aber möglicherweise eine Imitation europaischer Muster darstellt. Ein solcher Kamm ist, stark verkleinert, in Taf. 1, Fig. 16 abgebildet.
Als Halsschmuck der Indianerinnen sind Halsketten von grossen Glaskorallen, goldglanzend, roth oder blau, oder von Münzen zu nennen. Die Ladinas schmücken sich ebenfalls gerne mit Schnüren aus Glasperlen.
Eine besondere Art bunte Zeugstücke herzustellen, bestand in der vorspanischen Zeit sowohl, als im ersten Jahrhundert nach der Eroberung in der Besetzung derselben mit den Federn banter Vogel, an denen Guatemala so reich ist. Auch diese Kunst lag in den Handen besonderer Arbeiter Vogelfedern flgurieren daher auch unter den Tributen, welche gewisse Ortschaften, vor Allem jedenfalls die Alta Verapaz, ihren Hauptlingen zu entrichten batten 2).
') Roman, III 1. II f. 160. 2) Reqüête, p. 417.
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Muster einer Serviette, (Mischlingsarbeit).
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Die Sitte, die bunten Figuren der Huipiles mittelst Federmosaik herzustellen, bestand noch 7.\i Gage's Zeiten'), heutzutage aber ist sie ganz durch die Stickerei mit buntem Gam verdrangt und ersetzt worden.
Eine Reminiscenz an die antiken Mosaiken ans Vogelfedern flndet sich noch heutzutage in der Verapaz, wo die Frauen auf die Festzeiten bin bunte Mosaiken ans Blumenblattern dadurch verfertigen, dass sie dieselben auf Lehmunteriagen festkleben.
IV. SPINNEN UND WEBEN.
Aucb Spinnen und Weben war in der alten Zeit Sacbe dor Frauen2). Zum Spinnen wurde die Baumwolle mit der Hand entkörnt und dann mittelst einer Spindel zu Gam verarbeitet, welcbe in einer Untortasse Kluft. Steinerne Spinnwirtel sind mir aus Guatemala nicht bekannt, dagegen sab ich in der etbnologischen Sammlung des Trocadéro in Paris einige mit Reliefornamenten versehene Spinnwirtel aus Thou, wie solcbe aucb in Mexico gefunden werden. Da aber aucb thönerne Wirtel im alten Guatemala jedenfalls zu den Seltenheiten geboren, so dürften daneben noch Spinnwirtel aus mehrere Zoll breiten Scheiben aus schwerem Holz in Gebrauch gewesen sein, wie sie die Wollspinner der âAltosquot; heute noch benutzen, und wie sie aucb Squier für Nicaragua abbildet3). Eine bemalte Kinderspindel ist in Taf. I, Fig. 18 abgebildet.
Ausser der Baumwolle wurde auch die Faser des Maguey gesponnen, die durch Mace-rieren der Blatter in Wasser und nachherigem Brechen und Klopfen mit Stöcken gewonnen wurde.
Heutzutage, wo auch Thierwolle verarbeitet wird, beschaftigen sich auch die Manner mit Spinnen, indem z. B. die indianischen Schafhirten der Altos draussen im Felde an der freihangenden Spindel das Wollgarn spinnen, aus welchem dann die als âJergaquot; gekannten Wollstoffe gearbeitet werden.
Zum AVeben diepte ein niedriger, horizontaler Webstuhl einfacher Construction, der sich da und dort auch heute noch in Gebrauch flndet und schon in der Raccolta di Mendoza abgebildet ist.
Zu der Herstellung von Geweben zu Bekleidungszwecken gesellten sich noch weitere Beschaftigungen. So wurden, wie heute noch, seit alter Zeit aus den Fasern des Maguey und anderer Gespinnstpflanzen N e t z e zum Tragen und Aufbewahren von Gegenstanden, Han gematte n, Seile hergestellt.
Wahrend die Baumwollspinnerei und -Weberei vorzugsweise eine Beschaftigung der Bewobher der Tierra caliente bildet (Depart. Suchitepequez, Retalhuleu, Escuintla, Baja Verapaz), besitzt die Verarbeitung des Maguey (und heutzutage auch der Schafwolle) ihr Centrum in den Hochlandern von Quezaltenango, Sacatepequez, Chimaltenango, Totoni-capam, Huebuetenango, Quiche und Alta Verapaz.
V. METALLAEBEITEN.
Nach den alten Berichten4) gab es auch in Guatemala besondere Künstler für die Bear-beitung der Edelmetalle und die Verfertigung von Schmucksachen. Ueber die technischen
') Gage, p. 301. !) Roman, lit 1. 11 f. 1G0. 3) Vgl. Squieb, Nicaragua I. p. 285 und 286.
â ') Roman, III 1. II f. 160.
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Verfahren dabei, sowie über die Bezugsquellen des Rohmateriales sind wir indessen nicht unterrichtet. Schon oben wurde der Kupfer-Minen in den Altos der Cuchutanes erwahnt, woher wohl grossentheils das Material für die Aexte stammte. Für das G-old dagegen ist in erster Linie an die Seitenschluchten des nntern Rio Motagua zu denken, wo heute wieder Gold gewaschen wird und wo sich auch Spnren alter Besiedelung und sogar altin-dianische Goldarbeiten gefunden haben. Die Edelsteine, vornehmlich Opal, stammten höchst wahrscheinlich aus Honduras. Woher das Silber kommen mochte, ist dagegen nicht zu entscheiden, wenn nicht etwa die ziemlich silberhaltigen Bleierze der Sierra Madre im Gebiete der Mames und Pokomes zur Silbergewinnung verwendet werden konnten.-Möglicherweise gelangte aher auch das Silber durch den Handel aus Mexico nach Guatemala und jedenfalls spielte es hier eine weniger bedeutende Rolle, als das Gold.
VI. KORB- UND MATTENFLECHTEREI.
Eine wichtige und ebenfalls alte Industrie ist das Plechten ven Körben und Matten. Heutzutage gesellt sich dazu noch das Flechten von Strohhüten.
Das Material zu den Körben liefern wildwachsende, als âCafla bravaquot; bezeichnete Eohrarten und gewisse Schlinggewachse.
Zu Hüten werden Palmblatter und Binsen verwendet.
Die Matten werden im spanischen als petates (vom mexik. petlatl) bezeichnet; der Quiché-Name ist pop. Sie dienen theils zum Belegen der Zimmerböden, theils zum wasserdichten Einhüllen grösserer Gegenstande und werden vornehmlich aus einer Binsenart gewonnen, die in gewissen Gegenden, z. B. im Sec von Santiago Zamora am Fuss des Fuego-Vulkans, wild wachst und als âtulquot; (vom mexik. tollin, Binse) bezeichnet wird. Solche Matten werden für die Wohnungen der Europaer in ausserordentlich grossen Stticken angefertigt. Das Sitzen auf Matten (pop) scheint in der alten Zeit ein Verrecht der Vor-nehmsten gewesen zu sein, welche daher den Namen ajpop führten.
Um auf den Matten gewisse Zeichnungcn, meist rothe oder schwarze Quadrate, hervor-zubringen, wird das Material gefarbt. Ebense zuweilen die zur Hutfabrikation dienenden Binsen und Palmfasern. Als Farbemittel dienen die Extrakte einheimischer Pflanzen.
Zur Mattenflechterei ist ferner die Fabrikation des indianischen Regenmantels oder Soyacal (wörtl: âPalmhausquot;, vom mexik, zoyatl Palmequot; und cal li âHansquot;) zu rechnen, welchen die Indianer auf ihren Reisen wahrend der Regenzeit stets aufgerollt, vertikal an ihren Traggestellen befestigt tragen, um ihn beim Eintritt der Regengüsse auseinander zu breiten und horizontal über den Kopf und die an demselben getragene Last zu decken. Der Soyacal, tut der Quiché-Sprachen, wird aus Palmblattern hauptsachlich in der Alta Verapaz verfertigt.
Auch die Fabrikation von Kehrbesen geht, wie die dafür vorhandenen Ausdrücke der indianischen Sprachen zeigen, in die praehistorische Zeit zurück. Das beste Material liefern die Blatter der âManaquequot;-Palme.
VII. MALEREI.
Der Ausdruck der Quiché-Sprachen für âschreibenquot;, tz'ib, bedeutet gleichzeitig âmalenquot;. In der vorspanischen Zeit erstreckte sich die Malerei auf Stein, Thou, Calebassen und,
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aller Wahrscheinlichkeit nach, auf ein dein mexikanischen oder yukatekischen ahnliches Papier für die Herstellung der Kalender, da solches Papier wenigstens bei den Maya's des nördlichen Guatemala, ini Peten, in Oebrauch war, wo es aus dem Bast gewisser, nicht naher bezeichneter Baume zu Streifen verarbeitet wurde, welche die Dicke eines Keal-stückes batten. Die einzelno Seite oder Tafel war eine Viertel-Vara (= 21 Cm.) lang. Diese nach Art eines Bettschirmes (biorabo) gefalteten Bücher warden in Yucatan anahte, im Peten analteh genannt, falls letztores Wort bei Villagntierre nicht etwa bless irrthümlich für anahte steht1).
Für die Malerei auf Stein sind die Anhaltspunkte gering, indem nnr Juareos2) erwahnt, dass der Palast der Quiché-Könige in Utatlan aus behauenem Stein âvon ver-schiedenen Farbenquot; erbaut war.
Dass dagegen ausgiebig auf Thon gemalt wurde, wird durch die antiken Funde bewiesen, von denen Taf. II, Figg. 18, 24 und 32 Beispiele geben. Die damals schon beliebte Ver-bindung eines breitern rothen Streifens mit einer schwarzen Saumlinie bat sich auch, unter ganzlich veranderten Verhaltnissen, heute noch forterhalten. So stellt Fig. 32a auf Taf. I ein Stück eines derartigen Streifenornamentes von einer modernen, aus Fichtenholz gefer-tigten Schachtel dar; also ein antikes, einheimisches Ornament auf einem modernen, exo-tischen Objekt.
Manche der kleinern ThongegensUlnde, wie Kinderspielwaaren, mogen ebenfiills, nach Art der modernen, mit nicht-bestilndigen Farben bemalt gewesen sein, und dieselben dnrch Auslaugung in der Erde jetzt verloren haben.
Dass ferner das Malen auf Calobassen schon eine uralte Kunst gewesen ist, beweist der Popol Vuh, wo unter den Hpltheta der Götter auch âVerfertiger der schönen Galebassenquot; (Ah-Raxa-ïzel) flguriert. Auch heutzutage noch wird die kunstvolle Bear-beitung der Galebassen durch Malen und Schnitzen ausgiebig geübt, besonders in der Alta Verapaz.
Die auf diese Weise behandelten Gefasse stellen Luxusgegenstande dar, da die für den taglichen Gebrauch bestimmten Lölfel, Schalen und Becher aus Kürbis- und Galebasson-früchten rob gelassen werden und nicht bemalt sind.
Die guatemaltekischen Galebassen-Gefasse entstammen vor Allem zwei Pflanzen, der Lagenaria vulgaris und der Grescentia Gujete.
Die senkreclit vom Stiel zur Spitzo durchschnittene Frucht der Lagenaria liefert ausser den eigentlichen Kürbisflaschen (tecoraate) auch die weiten Schalen, welche in Guatemala als Guacales (mexikan. Huacalli) bekannt sind, wahrend die Frucht der Grescentia die langgezogenen, becherförmigen Gefasse liefert, die man als Jfcaras (mexikan. Xicalli) bezeichnet.
Die Ornamentik derselben ist stets die, dass das Gefass mit einem schwarzen oder schwarzgrünen Firniss überzogen wird, aus welchem daim durch Schnitzen die beabsich-tigten Verzierungen herausgearbeitet werden, die man entweder in Naturfarbe weiss lasst oder bunt bemalt.
Als haufigste Ornamente flndeu sich Ri ngfurchen, von denen meist mehrere nahe beisammen die Oeffnung oder den O rund des Gefasses umkreisen (Taf. I, Figg. 9, 11, 12, 14, 17). Diese Ringfurchen werden liaufig einseitig begleitet von continuierlichen (Figg.
0) JUAUHOS, I. p. 73.
') Villagutieuue , p. 353 und 894.
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produkten aller Art war, und welche auch die Quetzalfedern ausschliesslich lieferte. Andere Wege werden den goldarmen quot;Westen mit dem goldreichern Thai des untern Motagna ver-bunden haben.
Dass aber auch mit dem Auslande, in erster Linie mit Mexico, Verbindungen unterhalten wurden, gehtaus den Berichten mit Gewissheit hervor. Diese Verbindungen bestanden wohl ziemlich ausschliesslich darin, dass mexikauische Handelskaravanen von Zeit zu Zeit nach Guatemala herabkamen, um Rohproducte und Sclaven gegen die Erzeugnisse aztekischer Industrie auszutauschen. Es ist anzunehmen, dass die Bewohner Guatemala's durch solche mexikauische Handier zuerst mit den Elementen höherer staatlicher Organisation und verfeinerter Kultur bekannt geworden sind und dass auf ihren Einfluss das auffallende Uebergewicht des sprachfremden Mexico über das sprachverwaudte Yucatan wesentlich zurückzuführen ist, welches uns in der guatemaltekischen Kultur entgegentritt. Wahrend einige Schriftsteller, wie Ixtlilxochitl und Clavigero1) die Nahuatl-Kolonien südlich von Mexico auf einen Rest der versprengten âToltekenquot; zurückführen wollen, redet Torquemada 2) von einer Invasion mexikanischer Stamme in Guatemala, infolge deren die Pipil-Kolonie der Südseeküste mit den Stadten Egalco (das heutige Izalco in Salvador), sowie Yzcuitlan und Mictlan (heute Escuintla und Mita) gegründet worden seien. Auch die Verapaz wurde erobert und musste nachher Tribute au Gold, Quetzalfedern und Edelsteinen au Mexico zahlen3). Fuentes 4) dagegen bestreitet, dass Guatemala jemals an Mexico Tribute gezahlt habe und führt die Pipiles lediglich auf eine Niedeiiassung mexikanischer Kaufleute zurück.
Jedenfalls setzt schon der enorme Konsum an Quetzalfedern in Mexico und Yucatan Handelsbeziehungen zu Guatemala voraus, da diese Federn uur in den Bergen der Verapaz zu erlangen waren. Cortes6) erwahnt ferner in seinem fünften Briefe, dass âan den Küsten auf der andern Seite von Yucatan bis zu der Bai de la Asuncionquot; vor Ankunft der Spanier ein lebhafter Handel bestanden habe. Die Indianer, welche ihm hierüber berichteten, waren im Stande, ihm âüber fast alle Dörfer der Kilste bis dahin, wo Pedrarias de Avila sich befandquot;, also bis nach Nicaragua hinab Auskunft zu geben und ihm auf einem Sttick Tuch (oder Papier? Cortes sagt uur: âen un pafloquot;) eine Karte dieser Gegenden zu entwerfen. In dieser Karte war also auch der Osten von Guatemala begriffen.
Viel schwieriger ist der Antheil nachzuweisen, den die Maya's von Yucatan, ein sonst sehr handelseifriges und unternehmendes Volk, am Handel nach Guatemala gehabt haben können. Dass sie aber nicht uur gelcgentlich, sei es zu Schiff odor zu Land, die östlichen Landschaften Guatemala's beslichten, sondern daselbst auch dauernde Mederlassungen gründeten scheinen die alten Huinenplatze in Ost-Guatemala und dem angrenzenden Honduras, Quirigua und Copan, zu beweisen, welche sich deutlich an Yucatan anlehnen. Palacio 8) erzahlt aus dem .1. 1576, dass nach der Ueberlieferung der Indianer die Gehande von Copan durch einen aus Yucatan eingewanderten llauptling aufgeführt worden seien und dass in alter Zeit yukatekische Stamme die Provinzen von Ayajal7), Lacandon, Verapaz, Chiquimula, und Copan unterworfen haben. Er orwühnt weiter, dass die Apay-Sprache von Copan auch in Yucatan und den genannten Provinzen gebrauchlich und verstandlich sei, also doch wohl der Maya von Yucatan sehr nahe, selbst naher als die Guatemala-Sprachen, gestan-
') TxtulxochitIj , hist, des Ohichimèques p. 33. â Clavigero , Storia di Messico p. 181. 5) Torquemada, 1,1. Ill c. XL p. 332 und 333. 3) Torquemada I, 1. II c. LXXXI p. 219. 4) Fuentes I, c. II. p. 71. 6) Cortes, Carta quinta p. 118. 6) Palaoio, Carta p. 92. 7) Wohl identisch mit dem TayasaI des Yillagutierre (p. 82) im Peten.
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den hat. Auch Palacio sagt, dass wohl die in Yucatan und Tabasco entdeckten Stadte und die Ruinen von Copan von einem und demselben Volke herrühren.
Es scheint mir somit bis auf Weiteres immer noch gerathener, Copan, Quirigua und andere praehistorische Platze Guatemala's an die Völker der historischen Zeit anzuknüpfen, auch wenn thatsachlich manche dieser Stadte schon vor und unabhangig von der Ankunft der Spanier wieder verlassen waren, als Unbekanntes mit noch Unbekannterem er klaren zu wollen und eine abgestorbene, praehistorische Kulturepoche für Guatemala anzuneh-men, die höher war, als diejenige der historischen Zeit.
F. SCHIPFAHRT.
Er ist nicht bekannt, dass die guatemaltekischen Indianer der vorspanischen Zeit das Meer befahren hatten. Ebensowenig lesen wir etwas über den Gebrauch des Segels. Dagegen besassen sie auf den grösseren Seen des Innern, wie z. B. dem von Atitlan, sowie anf den Strandlagunen der Küste Ruderkahne. Von der Beschaffenheit dieser können uns die heutigen Fahrzeuge der Indianer von Amatitlan einen Begrift' geben: es sind ziemlich schmale und unbequeme Einbaume, die auf einer Seite von einem stehenden Mann gerudert werden. Ein allfalliger Passagier hoekt dabei auf ein Paar, im Grunde des Bootes beflnd-lichen Steinen zwischen die Schift'swit nde gekeilt.
Brigham ') bildet eine eigentümliche Form von Booten vom See von Atitlan ab. Sie laufen vorn spitz zu und sind hinten abgestutzt. Die abgestutzte Hinterflilche ist mit zwei handhaben-ahnlichen Zapfen versehen, wohl um die Boote vom Strand abzustossen. Ich selbst erinnere mich nicht, bei meinem kurzen Besuche am See von Atitlan solche Boote gesehen zu haben.
Eines der Bildwerke von Santa Lucia zeigt uns einen Vornehmen auf einem Throne sitzend, mit einem Ruder in der rechten Hand 2).
Die âCayucosquot; oder zweispitzigen Boote, welche die Sambos von Livingstone, die soge-nannten âKaraïbenquot; benutzen, sind westindischen ürsprungs.
'â ') Habel, Sculptures, pi. IV n0. 9.
') Brigham, Guatemala p. 153 und 174.
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E1IKLARUNG DEE TAFELN.
TAFEL I.
Pig. 1. Leibgurt der Misohlingsfrauen, Mischlingsartaeit.
â 2. Gestickte Serviette, indianische Arbeit.
â 3. Indianisoher Peuerfaoher nus Palmblatt.
â 4. Baumwoilzeug für indianische Prauenkieider (Mixco).
â 5. Woliener Leibgurt einos Indianer-Mildchens.
â 6 und 7. Guacal von Cahabon.
â 8. Moderne Tinaja, indianische Arbeit.
â 9. Jfcara aus Crescentiafruclit, Mischiingsarbeit.
â 10. .Ticara aus Palmkernschalo, Mischiingsarbeit.
â 11. Dose aus Crescentia (?) -Prucht, indianische Arbeit.
â 12. Kleiner Guacal aus Kürbissehale, indianische Arbeit.
â 13. Indianisches Madchenhemd (Huipil), indianische Arbeit.
â 14. Stück einos Guacal aus Kürbissehale, indianische Arbeit.
â 15. Indianische Ledersandale, indianische Arbeit.
â 16. Holzkamm, indianische Arbeit.
â 17. ,Ticara aus Crescontia-Prucht, indianische Arbeit.
â 18. Kinderspindel, indianische Arbeit.
â 19. Streifen einer Schürze von Salama, Mischiingsarbeit.
TAFEL 11.
Pig. la und lö. Antike Steinplatten aus Santa Lucia.
â 1c. Die Platte 1b in ihrer Lage am Pundort.
â 2a. Antikes Steinbecken aus Santa Lucia.
â 2h. Dasselbe von obon.
â 2c. Dasselbe von der Seite.
â 3. Modernes Spielzeug in Vogelgestalt aus Thon.
â 4. Antike Barockstatuette aus Trachytporphyr.
â 5. Antike Thonpfeife aus Thon von San Francisco Miramar.
â 6. Antiker Prauenkopf aus weichem Stein (texcal) von Retalhuleu.
â 7. Antiker Kopt' aus Thon von Retalhuleu.
â 8. Modernes Spielzeug aus Thon in Vogelgestalt.
â 9. Antiker Thierkopf aus Thon von Retalhuleu.
â 10. Antiker, hohler Thonzapfen von Retalhuleu.
â 11. Moderne Thonpfeife.
â 12. Antiker Aifenkopf aus Thon von Retalhuleu.
â 13. Antike hohle Thonstatuette von Retalhuleu.
â 14. Antiker Thierkopf aus Thon von Retalhuleu.
â 15. Prau in indianisoher Pesttracht.
â 16. Moderne Rassel in Proschgestalt aus Thon.
â 17. Modell eines modernen Wassergeschirres (Buron) aus Thon.
â 18. Antike Schüssel aus don Ruinen von Santa Cruz Quiche.
â 19. Moderne Imitation des antiken Schuhgefasses.
â 20, 21, 22, 23. Antike Pigürchen in Menschengestalt aus Glimmerschiefer von Santa Cruz Quiché.
â 24. Antike Graburne aus der Sierra Madre (Saline âla Magdalenaquot;).
â 25 und 26. Moderne Pfeilspitzen aus Eisen.
â 27 und 28. Antike Obsidiankerne von Retalhuleu.
â 29. Antike Obsidianpfeilspitze vom Xolhuitz.
â 30. Antike, bearbeitote Obsidianlamellc.
â 31a. Modell eines Chocoladequirl (molinilla).
â 31?). Modernes Chocolade-Geschirr (batidor).
â 32. Antike Schüssel (sarten) aus den Ruinen von Santa Cruz Quiché.
33. Modell einer modernen Tinaja.
li E G 1 S T K li.
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Seite. Acxitl.....3 Aclüote.....23 Aerate.....48 Aguaoate.....23 Aj......O Ajau.....13 Almu Ah Avilix ... 38 Ahau Ah G-uoumatz . . 38 Ahau Ahpop .... 14 Ahau All ïohil ... 38 Ahau Quiche .... 30 Ahau Quicheeb ... 7 Ah ch'umilajay ... 6 Ah chut.....34 Ah k'ij.....48 All labal.....73 Ah Raxa Lak. ... 34 Ah Raxa Tzel ... 34 Ah tz'alam . . . 14. 17. 34 Ah tz'iquinajay ... 6 Alagüilao .... 3 Almolonga .... 2 Ama'k.....6 Ananas.....23 Anona.....23 Au......13 Aussteuer .... 8 Avilix.....37 Bac'ahola.....6 Balles.....40 Balam Agab . . . . 7. 30 Balamiha.....33 Balam Quitee. . . . 7. 30 Batidor......03 |
Seite. Baukunst .... 77 Baumwolle .... 23 Baumwollpanzer ... 74 Befestlgungswerke . . 76 Beichte. ... 48. 49 Bekléidung .... 96 Bemalung (des Körpers) . 39 Bildhauorei .... 77 Bliek, böser .... 55 Blutontziehungen. . . 39 Bohne, schwarze. . . 20 Bratschüssel.... 90 Bussen.....18 Caban 11... . . .37 Cabrakan .... 3 Cabrlkan .... 33 Cacique.....14 Cactus.....23 Cahapaluna .... 30 Cajete.....91 Cak.....36 Cakclilquel .... 3 Cakixajay .... 6 Cakulha Hurakan. . . 31 Calpul.....5. 14 Calpullec .... 13 Cavikib.....7. 30 Cayala.....30 Cayucos.....107 Clbakijay .... 6 Clhuamonte .... 34 Clvan.....5 Comal.....90 Confoederatien ... 76 |
Seite. Cosmogonio .... 28 Grescentia cujete . . . 103 Cux-Tanz.....40 Chahalhuc .... 43 Chay.....39 Chayim-ha . . . .33 Chayote.....23 Ghian.....95 Chicosapote .... 23 Chicha.....23 Chichicastenango ... 3 Chile.....24 Chimalmat .... 33 Chimaltenango ... 3 Chinamit.....4. 5. Chinancallec .... 13 Chinanoalli .... 6 Chipi-Hurakan ... 31 Chitic-Tanz .... 40 Ch'ob.....6 Chomiha.....30 Chortl.....3 Chuj.....3 Chuvila.....3 Dampfbad .... 88 Dolores.....77 Dreifuss-Geschirre ... 92 Eho......7 Bhebruch .... 9 Eingebung .... 50 Einleitung . . . . 1 Enthaltsamkeit ... 44 |
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110 Seite. Erdeessen . . . '24. 25 Erdhügel, künstliche . . 77 Eiythrina .... 38 Euchlaena luxurians . . 23 Farben, lioiligo ... 35 Fedennosaik .... 100 Peste . . . ⢠-to. 40 Feuorfacher .... 95 Feuergewinnung ... 95 Feuerherd .... 88 Figuren aus CJlimmerschiefer. 81 Oatoltzih. .... 33 G-esiolitsmasken ... 95 Gesichtsurnen. . . .93 Gekuma-ha .... 33 öewürze.....24 Grlockenmetall ... 87 Götterbilder . . .37.39.96 Götterdienst .... 37 Götterlehre .... 31 Giiacal.....103 Gucumatz . 3. 31. 34. 44. 55 Haartracht .... 100 HacaVitz. . . 30. 37 nangomatte . . . 88 101. Hauserbau ... 83. 88 Hallucinationen ... 52 Handel.....105 Handelsstand.... 20 Haus dor Finstemiss . . 33 Haus dor Fledormiiuse . . 33 Haus der Jaguare ... 33 Haus der Obsidianmesser . 33 Haus des Windes ... 33 Hausgeflügel .... 26 Heilmittel .... 50 Historisoho Zoit ... 3 Holzkohlo .... 95 Honig.....24 Huipil.....99 Hunahpu. ... 32. 54 Hunahpu Qoy-Tanz . . 40 Hunbatz.....33 Huncame .... 33 Hunchouen .... 33 Hund.....26 Huntoh.....35 Hurakan.....31 Hypnotismus.... 50 |
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Tulan Zuiva . Tumuli . Tupuy . Tut . Tz'alam coxtum Tzapik'ij. Tz'ilom . Tzito-baum Tzummiha Tz'utujil . Urne Uspanteca Utzam Chinamital Verapaz . V envaltungskosten Verwandlung in Thiere. Vonvandtschaftsbozoichnun- gen Voc. Vogelstatuotto Yolk Yolksernahrung Yorliistorische Zeil Yukubcame . 29. 33. 45. 54 3 29. 32 29. 32 3 33 40 33 32. 34 32. 34 Waffen . Wahrsagor Wassorkrug . Woben . Wohnungon . Xbalanque Xcmekenya . Xibalba . Xi nca Xmucane Xpiyacoc. Xoyabaj . Xquiq Xtzul-Tanz Xuxulim. Yolotl . Zaki-Nini-Ak . Zaki-Nima-Tzyiz Zipacna . Ill Seite. 30 77 100 102 14 59 14 38 30 3 93 3 17 3. 8, 9 16 10 34 80 19 20 1 33 73 48 90 101 87 32. 54 | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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ZUSATZE I Xl) BEKICHTIGUNGEN.
Seite 1. Zeile 17 v. o. statt; Totonic apam lies: Totonlcapam.
22 v. o. â Inan Macario â Juan Macario â 5 â 13 v. u. â âberechtigtquot; lies: âberechtlgt waren.quot;
â 8 â 9 v. u. â ârok lies: âlo'k.quot;
â 9 â 1 v. o. â âlo'koj ist, daherquot; lies: âlo'koj ist daherquot;
â 9 ist zwischen Zoilo 31 und 32 v. o. folgonder Passus einzuschieben:
Die Frau participierte an der Rangstellung ihres elterlichen Chinamit, beziehungsweise desjenigen ihres Mannes. Obwohl ihr der Natur der Sache nach die mühevollen Arbeiten des Maismahlens nnd Kochens, sowie die Kinderpflege zukamen, und obwohl der Mann sichtlich als Haupt der Familie galt, ist doch von einer iiussorn Bezeichnung einer niedri-gern Stellnng der Frau gegenüber dem Manne wenig zu bemerken. Bloss vor Gericht documentlerte sich eine solche insofern, als eine Frau in den Tagen ihrer Gesundheit Zeugen oder Pfander für die Wahrheit ihrer Anklagen, die sich meist auf Sittenattentate bezogen aufweisen musste. War eine Frau aber schwer krank, so wurde ihr die in der Beichte gemachte Anklage auf's Wort geglaubt, weil man annahm, dass sie angesichts des Todos ihren Hang zu böswilliger und rachsüchtiger Uebertreibung aufgeben und leiden-schaftslos die Wahrheit reden würde. (Torquemada, Mon. Indian. II. p. 396.)
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4 v. |
u. |
statt: âEnkelkinderquot; lies: âEnkelquot; |
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0. |
schiobe hinter âdreiquot; oin: â(nach Einigen vier)quot; |
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)) |
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0. |
statt: âmacehualliquot; lies: âmacehualtinquot; |
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11 |
10 v. |
11. |
â âdientequot; lies: âdientquot; |
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U |
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2 v. |
0. |
â âweisen auch, diequot; lies: âweisen audi die.quot; |
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u. |
â âerazliltquot; lies: âerzahlt.quot; |
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n |
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21 v. |
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â âKinderloisgkeitquot; lies: âKinderlosigkeit.quot; |
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6 v. |
u. |
â âG-eróminoquot; lies: âGerónimo.quot; | ||
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0. |
ist vor âSuggestion pendant la veillequot; ein â:quot; zu setzen. |
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u. |
statt: âbösequot; lies: âbösequot; |
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â âdie Pipil-Namenquot; lies: âden Pipil-Namenquot;. |
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0. |
â âzahltquot; lies: âzahlenquot; |
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» |
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0. |
,, â21 Novemberquot; lies: â22 Novemberquot; |
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Fussnote ist hinter âvalixakiquot;: â(8)quot; und hinter âvak akiquot;; â(6) einzuschieben. | |||
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6 v. |
0. |
statt: âaus dem Monat Ahquot; lies: âaus der Woche Ahquot; |
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0. |
â âbunt bemaltequot; lies: âbunt goflochtene.quot; |
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â âDoloresquot; lies: âund von Doloresquot;. | |
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0. 0. |
ist hinter âOpfersteinnequot; das Komma zu strelchen. statt: âwieder zufindenquot; lies: âwiederzuflnden.quot; | |
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0. |
â âund ahnlichequot; lies: âund ahnliche Erscheinungen.quot; |
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0. |
â âCuchutanesquot; lies: âCuchumatanes.quot; |
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