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REISEN IN DEN MOLÜKKEN,

IN AMBON, DI!N IM.IASSURN, SÏIUN (CE1UM) UNTI I1UIU

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DUUCK VON E. .1. HKIIjL IN LEIDEN.

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REISEN IN DEN MO LUKKEN,

IN AMBON, DEN ULIASSERN, SERAN (CERAM) ÜND BÜRÜ.

EINE SCIIILIIERÜNG VHS UNII OUD Llil'TliN,

K. MARTIN,

Professor fur Urolvyie an der I nioerxiidt n Lriden.

M1T 50 TAFKI.N , I I NI'.II KARTE ÜND 18 TKXTHILDKRN.

HhUAUSOKOEHKN MIT 1' Nquot;l KHSTUT/UNG IIKR NlKDEBLANDISCIIKN ItHfilEKUNQ.

I, E 1 I) E N.

E. J. BRILL. 1 8 9 4.

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SKIN KM 1U)(!H(iKSCl 1ATZTJiN KRKUMDK ,

II F. KUN

G. W. ¥. C. BARON YAN HOEVRLL,

llosidouton von A.nibou,

ALS

FÖRUERKR UNSERKR KKNNTN1SS VON DUN iMUKUKKKN

UNI)

I )A NKÜA R Kl{ ERINNHRUNG AN (1KMKINSCUA KTKICll V KR I, KHTK STUN DEN

ÜBVVIDM ET

VOM

VERFASSER.

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VORWORT.

Im lioginiie dos Jalircs 1889 entwarf ich in Gemeinschaft mit meinem Kol-legen G. A. Willeen den Plan für cine ethnologische und geognostisclie Untersu-chung einer Anzahl vou Insein im Umkroise der Bandasee. Dersolbe vvurde dom Direktorium des Koninklijk Instituut voor de Tml- Land- en Volkenhinde van Nederlandsdi-lndië vorgelegt, welches ihn annahm und beschloss, die Niedorliin-dische Rogiorung urn die zur Ausführung erforderlichon Goldmittel zu ersuclien. Letztere zeigtc sicli gerne zur Untorstützung boreit, und so schicnon alle Vorbedin-gungon für oin gates Oelingen gegeben; docli verzügorto sicli die Ausführung der Ueiso durch unvorhergesehene Umstiinde. Die Howilligung der Geldmittol konnte erst im .luui '91 erfolgen, und sie war uns kaum bekannt geworden, als niein Preund Wilken heftig erkrankte; ein jaher Tod raffte ihu am 28stcn August dessclben Jahres dahiu, ticf' bctrauert yoii allen, die ihm nahe standen, und nicht minder von allen Vertrotorn der etlmologischen Wissenschaft, weleho in ihm einen ihrcr besten Führer verlor.

So musste ich mich deun leider allein auf den Weg machen. Am September '91 schiffte ich mich iu Genua an Bord des Dampfers Koningin Emma der Gc-sellschaft Nederland ein, und am 24^»« October langte ich nach günstiger Pahrt in Batavia an. Dort empfing mich Herr Dr. M. Treub, der Direktor dos bota-nischen Gartens von Buitenzorg, um mich sogleich in liebenswürdigster Weise als Gast; nach seinem schon gelegenen Ileim zu entführen und mir fernorhin mit Rath und That zur Seite zu stchen. Der damaligo General-Gouverneur von Niederliindisch-Indion, S. Exc. Mr. C. Pijnacker Hordijk, braclito meinen Reise-1'hïnen ein warmes Interesse entgegen und liess ihncn eine wirksamc Untorstützung zu Theil werden. Nach einwöchentlichem Aufenthalte begab ich mich dann nach Batavia zurüek, woselbst ich noch einige Tage im gastfroien Hausc dos Ilorrn Dr. J. I'. Kloox verweilte, um am 3'«« November mit dein Dampfer

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VORWdKT.

Generaal Pel der Koninklijke l'aketvaart Maatschappij die Reisc nach Ambon fortzusetzen.

Indosson war ich genöthigt, einen weiten Umweg znr Erreichung dieses Zieles zn maohen; denn eine direkte Verbindung war derzeit nicht filllig und ein liin-gerer Aufsclmb der Weiterfahrt nuisste mit RückBicht aut' meinon nur ein-jiihrigen ürlanb vermieden werden. Die Reisc ging zuniichst die Nordldisto von Java entlang, so dass ich noch eine flüchtigc Bekanntschaft mit Samarang, Surabaya und Banjuwangi machte, von dort über Bali (Buleleny) nach Makasser, fernerhin uni die Südsj)itze von Oelcbes nacii G orontalo und daim nach Mm ado, Von hier aus machte ich eincn Abstecher zurn Sec von Ton da no, fuhr weiter nordwarts nacli den Insein Siau (Ulu) und Sangir (Taruna), berührte Lirung auf den 7'«tolt;lt;-Inselii, gelangte die Nordwestküsto von Italmahera entlang nach Trrnate, danu nach Batjan (Lahnha) sowie dcm naho gelegenen Mangioli und traf cndlich am 27st0l) November in Ambon ein.

Wiederholt bot sich mir aut' dieser Rei se von Java nach Ambon Gelegen-heit zu geognostischen Beobachtungen, und namentlich gestaltete sich der Ausflug in der Minahassa zum Sec von Tondano in dieser Ilinsicht sehr lohueud; im übrigen war aber mein Verbleib an allen den genannten Stationen zu flüchtig, als dass ich es uuternehmen diirfto, hier ein Bild der beslichten Gegenden zu entwerfen. Diisselbe könnte höchstens einen belletristischen Charakter tragen, und möge deswegen eine solehe Schilderung berufeneren Personen überlassen bleiben. Für dicjenigen Insein aber, welche mein eigentliches Untersuchungsfeld wurden, glaubte ich mich nicht lediglich auf die Mittheilung der geognostischen Resultate beschrankeii zu dürf'en; denn ich besuchte manche Gegenden, welche niemals ausführlicher be-schrieben sind, andere, die meines Wissens noch von keinem Europaeer betreten wurden und welche selbst der Eingeborene zum Theil in heiliger Scheu zu vermeiden pHcgt. So unternahm ich es denn, au der Hand der Reisebeschreibung eine allgemeine Schilderung von Land und Leuten zu entwerfen, ermuthigt durch die gunstige Aufnahme, der sich früher eine ahnliche Darstellung in meinen „west-indischen Skizzenquot; zu erfreuen batte. Dies nebensachliche Resultat der geognostischen Forschungsreise liegt im Polgenden vor, die Geologie dagegen soil spater gesondert herausgegeben werden; über die Principicn, von denen ich mich bei der Zusammenstellung des hier Gebotenen leiten liess, möge indessen noch eiuiges vorangeschickt werden.

Es kam mir in erster Linie darauf an, authentische Berichte zu geben, und

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VOR WORT.

deswegen ist die Roiseboschreibung zunachst ohue liücksiclit au I' die bereits bosteheyde Literatur entworten; sie ontliiilt nnr Selbstgesehenes and an Ort und Stelle Erfiihrones; jegliche Kompilation ist ilir fremd. Jede Ein/elheit gviindet sicb zudem auf Notizcn, welclie unterwegs aufgezeicluiot warden, und bei der Verarbeitung der let/,teren unterstützten inieli iumdorto von wohlgolungonon Photograph ieeu und zahlreiche Zeichnungen. So ist denn nichts lediglioh aus der Brinnerung geschopft, und audi dort, wo es sicli um Landsehaftsbilder handelt, sind dieselben in alien wesentlichcn Ziigen, bis /.um Kolorit, bereits unterwegs festgelegt; denn ohne dies ist eine getreue Darstellung meines Krachtens gar nidit möglich. Was etwaige Mittheilungen aus dom Munde der Eingeborenen betrilf't, so sind dieselben möglichst genau kontrolirt, und da mir vorziigliche Dolmetseher zur Seite standen, welclie Hirer Aufgabe vollig gewaclisen und sich ihrer Verant-wortliebkeit wohl bewusst waren, so diirften sicli audi in diesen Fiillen gröbere Missverstandnisse kaum eingesehliohen haben. Ich hofFo auf solche Weise ein walircs 15ild der bereisten Gegenden und ihrer Pewohner entworten zu liaben, welclie letztere ihre Urwiichsigkeit an mandiën Orteu mit rasdien Sdiritten zu verlieren scheinen; denn man braucht nicht einmal bis auf Valeiitjjn's Zeitiui zuriickzugeheu, um vielfach eine Aenderung in Sitten und Gowohnheiten konsta-tiren zu konnen; die iiussere Erscheinung der Alfuren von Burn ist z. B. schon seit quot;VVilken's Bericht (1875) eine andere geworden.

In Bezug auf die Sdireibweise der einheimiseheu Wilrter folgte ich so weit wie möglich van Iloëvell's Vokabularium, uiit dein Llntcrscdiiede freilich, dass ich die holliindisciie Schreibart in die deutsehe iibertrug. Die wesentliehsten Aenderun-geu, welclie hiedurch gebotcn wurden, sind bekanntlieh der Austausch von oe gegen n, Verdoppelung des Konsouanten zur Audeutung einer Kiirze und Weglassung des doppelten Vokales, den die holliindisciie Sprache als Kennzeichen der Lange ge-braueht. Auf Seran und Buru babe ich die quot;Worter der Landesspraehe selbst aufgezeichnet, aber da das europaeische Ohr sich nicht leidit an die fremden Klünge gewöhnt, so ist dies stets mit Hilfe meiner, fiir solche Arbeit sebr gut berechneten Dolmetseher gesehehen.

Es ist selbstverstandlieh, dass ich nicht siimmtlicho , t'iir geographische Zwecke gemachten Hohenbestimmungen in diesen Bericht auhiehmou konnte, und noch we-niger alle Kompassablesungen. Dennoeh glaubte ich eine grossere Reilie von Pei-lungen angeben zu miisseu, als fiir das Verstiindniss dor betrettendou Gegendeu durchaus erforderlicli war; denn es sollte hiedurch spateren Reisenden auf den

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VORWOHT.

von mir beslichten Eilanden die Arbeit erieichtert werden. lm übrigen dürftc das Verzeiehnen der Kompassdirektiouen andere nicht zu selir storen. Alle Pei-lungen sind magnetische; als Deklination nahrn man zur Zeit meiner Reisen an; 2° 15' N O.

Boi Ambon und don Üliassern ist der Scbwerpunkt aut' die bis jetzt sehr vernachliissigto Beschreibung der Landschaft golegt; denn in Bezug hierauf gilt noch immer der Ausspruch, den Bleokor im .Tahre '56 tliat: „Es ist uocb weit

davon entfernt, dans unaere Konntniss, selbst von Arnboina,.....einigermaassen be-

friedigend zu nennen wiirequot; (Reis, II, pag. 4). Die Bevölkerung der genanuten Eilande ist dagegen genugsam von anderen Personen, welche dazu ehcr berufen waren als ich, beschrieben, und so wurde sie denn in meinem Berichte nnr so weit herange/.ogen, als zur Erzielung des (Jesammtbildes und im Hinblicke aut' das benachbarte Seran durchaus nothwendig ersehien. Namentlicb dom nicht-holliïndischcn Leser diirfte hiedurch ein Dienst erwiesen sein, da die einschlfigige, in don Anmorkungen hinzugefügte Literatur aussorbalb Niederlands keine weite Verbrei tung gefunden hat, wogegen nun einem jeden leicht Grelegeuheit geboten ist, sich oingehender über don Gegenstand zu orientiren. Hoi Seran und Burn babe ich, im Oegcnsatzo zu Ambon und den Üliassern, so ausfuhrlich wie möglich gescbildert.

Erst nachdem auf solche Weise der eigentliehe Reisebericbt fertig gestellt war, wandte ich inicii dom Studium der einschlagigen Literatur zu, und überall da, wo es mir zur Erganzung der eigenen Mittheilungen wüiischenswerth er-sciiien, sind Aimzii^e aus den Schriften als Anmerkungen unter dom Text hin-zugefügt. Letzterer selbst hat aber nach Anlass der Literaturstudien weder Be-reicherungen noch Aenderungen erfahren, und aueh gegentheilige, von anderen gemachte Angaben sind einfach als solche in den Noten registrirt, weil ich den Charakter eines Quollenwerkes für den Reisebericbt nicht aufgeben wollte. Dass os sicli überhaupt lohnte, ein solches zu schreiben und zuniichst ohne Riicksicht auf die bereits erschienenen Schriften zusammenzustellen, wird keiner bezweifeln, welcher mit der geringen Bekanntheit der bereisten Gegenden vertraut ist.

Die stattliche Literaturliste scheint dem allerdings zu widersprecben, und dies um so mehr, als es unter den angeführten Schriften nicht au höchst verdienstvollen Arbeiten leidt, aber dennoch bestehen in der Kenntniss der Molukken ungeheure Lückon, die nicht nur in Europa, sondern aueh in vielen Kreisen Indiens un-geahnt zu sein scheinen. Ohne dies im Einzelnen ausführen zn wollen, da die

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VOinVOKT.

Richtigkoit lt;1oh Gosagteii ciiiein joden bcini Studium des folgouden Boriehtes eiuleuch-tcn wird, soil an diesem Orte lediglich der Mangel einer uur einigerniaassou befriedi-genden geographischon Kenntniss der bcreisten Gegenden hervoi'gehoben werden. Ho ist z. B. von der Insel Arabon nur die Bal und ein Theil von Leitimor gut kartirt im übrigon pflegt man sieli au Ort und Stelle mit baudscbriftliclien Karten zu be-hclfcn, welche nicht einmal dom Bedürfnisse eines halbwcgs entwickelton Schülor» genügen küuncn, und bereits das Gebirgsland von Ilitu ist, abgeselion von dem die Nord- und Südküste verbindonden Landwege, terra incogvita. Fürdio IHiasser macht die durch van Iloëvell gelief'erte Karte eine gunstige Ausnalime (obwohl auch hier eine eingehendere Kenntuiss des Innern noch feldt), aber um so scblimmer sieht es wiederum mit Scran und Burn aus. Denn fttr Seran ist nicht einmal tier Vcrlaul' der Küstenlinie gut festgclegt; die neueste Seekarte enthiilt vielmehr in Bezug hierauf viele and zum Theil sehr erhebliche Folder, und ausser der kartogra-phischen Darstellung, welche von Rosenberg von eineiu Thcile des mittleren Seran gegeben hut, ist die Gebirgszeiclmung in dem von mir bereisteu Gebiete dieses Ellauds lediglich Phantasie, wiihrend man vou den Elüssen nur die Müu-dnugen und Namen kennt. Die Küstenlinie von Burn ist bosser anfgenommen und die Lage einiger hervorragender Gipfel dieser Insel durch Peilungon vom Meere aus bestimmt, aber im übrigen gilt hier das Gleiche wie für Seran.

Es kanu dies auch kaum anders sein, da es nur sehr wenigen Lonten ver-gönnt war, ins Innere der beiden letztgenanuten, grüsseren Eilande vorzudringon, und diese wenigen brachten, mit Ausnalime wiederum v. Rosenberg's, nur unbe-deutende Bausteine für die Erweiterung unserer Kenntnisse heim. Einigen von ihnen fehlte es vielleicht an der nothigen Vorkenntniss für das Anstellen geogra-phischer and naturwissenschaftlicher Beobachtimgen, bei anderen dagegen dürften die ungeheuren Strapazen, mit denen die Erforsehung des unwirthlichen Landes gepaart gcht, die Fahigkeit zu geistiger Arbeit herabgedrückt haben — sind doch von den wenigen, welche das Innere von Burn betraten, sogar noch oin-zelne infolgo der körperlichon Anstrengungen zu Grande gegangen. Rechnet man endlich hinzu, dass das Reisen im Innern von West-Seran schon mit Rück-sicht auf die Bevölkerung gefahrlich ist, so darf uns nach alledem die mangelhafte Kenntniss dor in Rode stellenden Insein nicht befremden, und wird man das von mir eingeschlagene, oben erörterte Verfahren auch wobl schwerlich missbilligon.

Für das ZuBtandekonuucn des Reiseberichtos in seiner jetzigen Form bin ich übrigens noch einer Reihe von Bekannten zu Dank verpöichtet. Die llohen-

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VORWOBT.

bereolumugen, welclio aiil' eine grosse Zalil voa Anoroidablesungen basirt sind, wurden v«n Herrn Dr. L. tl. Siertsema ansgeführt. Derselbe wird spater eingc-)ieiul iiber seiue üiitersuolmngen, die betreffs dor Braucbbarkeit dos Instruments angesttdlt wurden, sowie iiber die Metiiode seiner Kechnung bericiiton, und zwar an der Hand von Profilen, welche von mir auf den Reisen dureb die verschiedenen Eilande entworfen sind. Es wird daraus erbellen, dass die gefundenen Wertbe in der That ein grosses Vertrauen verdienen. Nur in don wenigon Fiillon , in denen dies ausdriieklicli erwabnt ist, stützen sich die Höhenangaben nicht auf eigene Beobacbtungen, und falls es si(di nur um Schiitzungen handelt, wird der Bericht hi er iiber keinen Zweifel aufkomiueu lassen. Herr Dr. ,ƒ. G. Boerlage batte die Güte, meine botaiiischen Aufzeiehnungen und Objekte durchzuseben und unter Beifüguug von Notizon, worüber der Text Niibores entbalt, zu bestimmen; Herrn Büttikofer bin ich für eine Reihe von Vogelnamen verpfiichtet. Von den zaldreicbon, von mir gesammelten Insekten sind in diesem Reiseberichte uur sehr wenige, besonders charakteristische Artcii erwabnt; im übrigen verweise ich auf die spater orscheineude Bearbeitung dieser Thiergruppe durcli Herrn J. U. II. Neenmrt van de I'oll, dom ich aueh die im Polgenden angefiibrten Artnamen vou Kiifern und Schmetterlingen vordanke. Die Analyse einiger Wasserprobcn ist von Herrn 1'rof. Dr. J. M. van lienmelen ausgoführt, doch wird doren FOr-gebniss erst im geologischen Theile meines Berichtes ausführlicher mitgetheilt werden. Eine Anzahl von Notizon für die Besehreibung dor ethnograpbiscbon Gregonstiinde erhielt ich von Herrn .7. /). iï. Schmeltz. Nicht zum mindosteu bin ich endlich Herrn Dr. ,/. L. C. Schroeder can der Kolk verbnnden, weieher mir das vorliinfige Ergebniss einer mikroskopisdieu Prüfung von Gesteinsprobon mit-theilte und demnachst eine ausführlicbe Arbeit iiber die gesammelten Felsarton verofientlicbon wird. Da der vorliogende Reisebericht die geologischen Verhalt-nisse nur in aligemoinen Zügen und in Verband nut den Landscbaftsbildern borührt, wiihrend ihre niihere Darstellung einem anderen Theile dor Arbeit vor-behalten ist, so konnten die Resultate der mikroskopiscben Prüfung selbst im Polgenden allerdings keinen Platz finden, doch habon sie dazu godient, um die erwünschte Kontrole der im Pelde gewounonen Auffassungen für Ambon und die üliassor zu ermöglicben.

Allen genannten Herren spreebe ich für die mir erwioseno Hilfe hiemit mei-nen verbindlichsteu Dank aus, desgleicbon dom derzeitigen Q-eneral-Gouverneur, Sr. Exe. Mr. O. Pijmcker Hordijk, sowie dom „Directeur van Onderwijs, Eoro-

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yoEwoirr.

xui

dienst cn Nijverheidquot;, llorru I'. If. ran tier Kctirp, ferner don Herren Dr. .1/. Trciih in Buitenzorg unci Dr. J. /'. Kloos in Batavia. Sodann ist es niir eine ixngonehnic Pflicht, dor unermvullielien Bereitwilligkeit zu godenken, mit der alle, Beumto in dom betreffenden Gebiete dor Mol uk ken inir nicht nnr zur Erre'udiung des vorgestockten Zieles behilfUch waren, sondern aneli alles und jedes Hiaten, was porsönliche Freundschaft in diesen entlegenen Gegciidon zu tlmn im stande ist. Welchor Art die Unterstützungon waren, die inir von jedem einzeluen zu Theil fielen, wird aus dom Reisoberiehte ersiclitlich sein, und so dart' ieh inieb deun an dieser Stelle mit der Anführung der Namen der hetreft'endeu l'ersöiilichkeiten, (lonen ieh hiemit meinen tiel'st gcfühlten Dank aussproche, begiiügon: dein llesi-denteu von Ambon, llerru G, H'. U'. ('. Baron ran llocrdl, dom derzoitigen Kontroleur von Saparua, llerru K. II. F. Hoog, mul dom Lieutenant M. II'. van lUocinen W'aandcrs, daniuls Postkoniinaudant und Bet'ehlshabor von Wuiuiï. Aucli den Posthaltern A. D. Ch. I'idcrs von llatusua, L. A. ran Gmt von Amahei, H. J. Hojjinan von Kajeli und J. G. Iloyendorp von Titu bin ieh für die inir erwiesene llilfo und Gastfreundschaft sehr verblinden. Manche andere, Missionare, Prediger, Aerzte, Oflioiore, Kapitiino und Privatporsouen, woloho mir ihre Freundschaft, Rath odor llilfo zu Theil worden liosson, blei-ben ungeuannt, weil ea mi oh zu weit führon würdo, wollte ioh einos Joden ein-zolnon in diesem Verbande gedenken. Manoheni von ihnon wird niau nooh im Reisoberiehte bogegnen, und allen bewahre ioh eine dankbare Erinnerung.

Dooh bringe ieh meinen Dank vor allen Dingen auch dom Direktorium dos Koninklijk fmtituut voor de Taal- Land- en Volkenknndi ran Nt'derlandn.'h-lnlt;lilt;quot; dar, durch dessen Bomühen die Reis*! nicht nur ermöglieht wurde, soudern ihr Ergobniss auch in dor vorliogoiulon Form horaosgegoben worden konnto. Anfang und Ende dor Untornehmuiig lagen in seiner Hand, und deswegen gilt auch ihm dies letzte Wort.

Leiden 22 Miirz '!)4.

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mÊsmmÊ

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IN HAL T.

AMBON UNI) DIE ULIASSER.

Scito

1. AMBON............................ 1.

Einfahrt in die Bai, 1. — Erste Eindrücke in der Stadt, '2. — Art des Reisens, 5.—

Granitgebiet von Leitimor, 8. — Charakter der Dörfor, 9. — Volt;ietation, 10. — Landschaftliche Schönheiten, 11, — Südküsto von Leitimor, 13. — Zuriick zur Stadt, 15. — Weg durch Hitu, 16. — An der Nordküste von Hitu, 17. — Be-steigung des Wawani, '20. — Nach Rumatiga und Passo, 23.

2. DIE ULIASSER.........................24.

Nach Saparua, 24. — Allgeineiner Charakter dieser Insel, 2r). — Gegend zwischen

dem Hauptorte und Porto, 28. — Thiere, 29. — Nacii Nusalaut, 31. — Geo-gnostischer Charakter von Nusalaut, 33. —Nach Haruku, 35. —An der SUdküsto dieser Insel, 35. — Geognostischer Charakter von Haruku, 36. — Von Oma nach dem Hauptorte, 36. — Megapodius, 37. — VVestküste von Haruku, 40. — Von Kailolo bis Pelau, 41. — Allgemeines tiber die Uliasser, 42.

3. Din; BEVÖLKERUNG.......................43.

Europaeer, Mestizen etc,, 43. — Aoussere Erscheinung der Kingeborenen, 44. — Regenten, Kirchen, Schulen und Ver wand tes, 47. —Aberglaube und Veibotszeichen, 51.

— Einkünfte, Ernahrung und Fertigkeiten, 54. — Tilnze,57. — Musik, Gl. — Sitt-lichkeit, 62. — Empfangsfeierlichkeiten, 64.

SERAN.

1. ALLGEMEINES.........................

Name, 66.— Eintheilung der Beviilkerung, 66.— Saniri's, 68. — Posthalter 69._

Art der Darstelliing, 70.

2. HATUSUA UND BENACHBARTE DÖRFER..............

Ankunft in Hatusua, 70. — Empfangsfeierlichkeiten, 71. — Wohnungen, 74. —

Baileo, 75, — Strandbewohner, Miinner, 79. — Tatuirung, 81. — Parang, 81, — Frauen, 82. — Begrabniss, 82. — Croton, 83. — Produkte, 83.

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XVI IN HALT.

Soite

3. DIE PIRUBAl UNO HUAMUAL...................84.

I'iissate und Uegen/.oiten, 84. — Die Orembai, 86. — Landschaftlicher Oharakter der

I'irubai, 89. — Von Hatusua bis Kailmbo, 94. — Untersuchungen mittelst einer Prau, 96. — Mein Dolmetsch, 97. — Küste von Kaibobo bis Piru, 97. — Quartiere an der Küstu Serans, 98. — Von Piru bis Lokki, 99. — Geistliche, 101. — VonLokki bis Lnliu, 101. — Tanz in Luhu, 104. — Von Lubu zum Kap Lauraa, 105. — Von Luhu nacb Kambelio, 100. — Manipa und Kelang, 108. — Von Kambello zum Kap Sial, 110. — Uni Kap Sial bin nacb Luhu, 113. — Von Luhu nacb Hatusua, 114.

4. RE1SE NACH HONITETU.....................115.

Allgetneines Ubor Honitetu, 115. — Vorbereitungen zur Roi.so, 116. — Besuch dor

Hiluptlinge, 417. — Fahrt bis Kairatu, 118. — Aoussere Erscbeinung dor Bergbo-wohner, Manner, 119. — Tjidako, 121. — Zierratho, 122. — Tatuirung, 124. — Waflon und Gerathe, 125. — Frauen, 126.— Von Kairatu zum WaöKrikua, 127.

— Zweitor Tagemarsch ins Innore, 132. — Lotzto Wegstrecke bis Honitetu, 135.— Charakter dor Dorfer Honitetu und Rumatita, 139. — Aufoutlialt in Ruraatita, 142.

— Rlickreise nach Hatusua, 148.

5. VERSGHIEÜENES UEBER DIE ALFUREN...............149.

Sicherhoit im Lande, 149. — Morden und Köpfen, 151. — Qeburt, geschlochtlichor

Umgang, 153. — Kakeanbund, 154, — Bograben, 155.

6. NACH BUANO UND ZUR NORDKÜSTE SERANS.............156.

Durch den schmalsten Theil dor Insol, 150. — Ueborfahrt nach Buano, 158. — Der

Ort Buano, 159.— Landweg durch Buano, 160.— Ajer Lapuan und Rhizophoren, 161. — Bai von Tundona und ihre weitere Umgebung, 162, — Station auf Buano, 163.

— Von Buano zur Nordwestkiiste Serans, 165. — Charakter dei' Nordküsto, 166.

— Murinatin, 168. — AH'uriscber Tanz, 168, — Von Murinatin nach Nuniali und Wakollo, 170. — Wakollo und seine liewohner, 172. — Nuniali, 177, — Riick-reise nach Hatusua, 179.

7. NACH AM A HEI UND RUMASOSAL...............• . . 181.

Von Hatusua nach Rumakai, 181. — Nach Latn und Paulohi, 183.— Von Paulohi nacli Araahei, 185. — Luftspiegelungen, 186. — Arnahei, 187. — Fischiang, 189.

— Postweg, 190. — Nach Makariki, 190. — Schilde der Serauosen, 191.— Nach Rumasosal, 192. — Meine Reisegesellselmft lur den Weg durch Serau, 194. — Hogen und Pfeile der Seranosen, 195.

8. QUER DURCH DIE INSEL.....................199.

Von Rumasosal bis zum Tana, 199.— Station am Tana, 200.— Im Tana aufwiirts,

202. — Vom Tana zum Lotone Batai, 204. —Ueber den Wakate Hue zum Atau, 206. — Saguwiische am Atau, 207. — Yerbleib am Atau, 210. — Weiter aufwiirts im Atau, 211. — Anstieg zur Wasserscheide, 212. — Station auf dem Gu-nung Lumute, 213. — Zum Koroluhuii, 214. — Abstieg zum Wac Losa, 215. — Im (.Juollongebiete des Waë Uta, 216. — Lings des Wae Uta zur Nordküsto, 217.

9. IN DER A BTHEILUNG WAHAÏ..................219.

Die I'ai von Sawai, 219. — Bevolkorung dieser Gegend, 220. — Veriindei'te Reise-jiliine, 222.— Verbleib in Pasania und Slemann, 223. — Fahrt von Slemann nach Wahai, 225. — Allgomeiues iiber Waliaï,226. — Missglückte Unterhandlungen (iber Reisen durch ilie Insel, 229. — Reise zum Toluarang, 232. — Ajer Besar, 233. — Vou Ajer Hesar nach Wairama, 235. — Von Wairama zum Toluarang, 238. —

Fahrt auf dem Toluarang, 240. — Vom Toluarang nach Pasahari, 241. — Zuriick nach Wahai, 244. — Aufbruch nach Bum, 244.

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I NIT ALT.

XVII

10. ANHANG; ET11N O G RAP MICA

Seito

245.

251

Beschveibung othnographischor Gegenstiinde, sowoit diesolben nicht bereits im [teiso-bericlite ibren Plate landen, 245.

HÜRU.

1. KAJEFiI UNI) UMGEBUNG

Ulick auf Burn von dor Rbodo aus, 251. — Dor Ort Kajeli, 252. — Seine Rewob-nor, 254. — Die Landschaften von Burn und deren Regenten, 250. — Falirt ziim Batu Mustika, 258. — Bereitung von Kajuputi-Oei, 259. — Waii Kajeli und Wae Lnmai'ti, 200.

2. KLEINERE REISEN VON KAJELI AUS................ 204.

Aufbrucb zum Kakusan, 264. — Messor dor Bewohner von Kajeli, 200. Station

am Papaïpu, 208. — Weiter zum Kakusan Besar, 269. — Opfcrn, 270.— Znriick nach Kajeli, 271. — Goognostiscbes Resultat, 271. 1'ahrt nacb Loliali, 27'2. —

Ijpliali und die Bai vnn Djikomarasa, 273. — Kotta Frang. 274. — Wege durcb Bum, 275.— Abreise nach Waepote, 276.— Lilngs der Nordküste von Burn, 278.

3. AUFENTHALT IN WAEPOTE.................. 279.

Lage von Waëpote und Empfang daselbst, 279. — lliinser von Waepote. 280.

Gebetbiluser, 283. — Parangs, Schilde und Lanzon, 284. — Wabrsager, 280. — Parang pamali, 287. — Tilan, 287. — Aeussere Erscheinung dor Alfuren, 288.

Heirath, 289. — Bedeutung der Fenna, 290.— Conferenzen, 291. — Gesang, 29;!. — Til'a, 294. — Fischen, 294. — Kap Batu Noha, '295. — Insekten, 295.

4. VON WAËPOTE NACH WAKOLLO.................296.

Aufbrucb zum Waë Lalmata, '296. — Trilger und Gepilck, 297. — Raise landein-

wiirts, 297. — Vom W. Lalmata his zum Hadifut, 299. — Ueber den G. Lalmata auf den Pitigavva, 300. — Wild und Sassi fur dasselhe, 302. — Station auf dom Pitigawa, 303. — Ueber den G. Waë-Nihe zum Waë Neho, 305. — Die Art des Reisens, 306. — Vom VVaö Neho zum Waë Nihe, 310.— Station am Waë. Danga, 312.— Von dort aus abermals zum Waë Nibe, 312. — Das Ueherschreiten des Waë Nibo, 315. — Vom Hauptstrome zum Waëlnipa, 310. — Station am Waolnipa, 317. — Von dort nacb Wakollo, 318. — Goognostiscbes, 320.

5. AUFENTHALT IM WAKOLLO................... 320.

Empfang in Wakollo, 320. — Das Dorf Wakollo, 322. Iliiuser, 323. — Bewohner, 324. — Waffen , Hausrath etc., 324. — Nitu-nitu, 320. — Allgetneinos über

die Bevölkerung des Innern, 328. — Weg zum See von Wakollo, 320. — I'rauen, 329. •— Opfer für die Nitu-nitu, 330. - Dor See, 331. Unerquicklicher Vorbleib in Wakollo, 332.— Bescbiiftigiing daselbst, 334.— Anstalten zur Woiterreiso, 335.

6. VON WAKOLLO /UR SÜDKÜSTE.................. 336.

Von Wakollo nach Nalbesi, 336. — Ueber die Wasserscboide zwischen Nord- und Siid-

kiiste, 337. — Zum Waë Mala, 339. — Das Kalksteingebirge von Burn, 340. — Station am Waë Unit, 342.— Alfurengrab, 342. — Waë Unit und Waë Tihi, 343.

Vom VV. Tibi nacb Polpitu, 344.— Woitormarsch von Polpifu, 345.— Hoihges Stoinbild und Altar, 340.— Waë Mala, 347. — Vom Waë Mala nach Kawiri, 348.

7. AN DER SÜDKÜSTE....................... 349.

Von Kawiri nach Tifu, 349. — Tifu und seine Bewohner, 351. Aberglaube und

Verwandtes, 352. — Tanz, Spiel und Musikinstrumente, 354. — Von Tifu nacb Mefa, 354. — Missionare, 355.

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XVIII INHALT.

Seito

8. VON T1FU UEBER SEE NACH WAËPOTE............... 350.

Kahrt langi der Südwostküsto von Buru, 356. — Unsor Boot, 358. — Weiterfahrt bis Foggi, 358. — Eruption des G. Awu auf Gross-Sangir, 359.— Foggi und seine weitere Umgebung, 300. — Von Foggi nach Pidu Tengu, 302. — Kapaia Madang und benachbartes Gebiot, 304. — Um die Nordwestocke von Buru bis ins Innere ilcr liuclit von Bara, 306. — Ankunft in Bara, 308. — Sifu , 309. — Von Bara nach Waëpote und zurück nach Kajeli, 369.

0. ZUM WAË APU UND BATUBUA.................. 370.

Zum Ajer Makasser, 370. — Wac Apu, 371. — Gassit, 372. — Vom Gassit nach Wabloï. 373.— Das Durf Wabloï, 374. — Sassi, Matakau und Begriibnissort, 375. — Kubalahin, 376. — Von Wabloï nach Bamang, 370. — Vorrichtung zum Opfern und Huma-koïn's, 377. — Von liamang zurück nach Kajeli, 378. — Von Kajeli auf den G. Dammer, 378. — Von dort auf don Batubua, 380. — Station auf dera Batubua, 382. — Von hier zur Spitze dos Berges, 383.— Vegetation aid dem Gipfel, 384. — Aberglaube, 385. — Rückweg nach Kajeli, 386. — Regentnengen, 387. — Neujahrsfest der Mohammedaner, 387. — Rückkehr nach Ambon und Europa, 388.

LITERATUR........................... 390.

INDEX............................. 393.

VERZEICHNISS DER FIGUREN UND HILDER IM TEXTE.

Strasse in Arabon....................................................3.

Schema eines Tragstuhlos..............................................0.

Missigit in Hila...........................19.

Sassi von Haruku.............. ...........53.

Giebel des Baileo in Batusua.................. . . . . 78.

Casuarinen am Strande von Waümangi..................93.

Manipa und Kelang.........................108.

Mangrove am Lapuan........................101.

Orbitolites complanata Lam. von Buano..................105.

Der Massohi, vom Meere aus......................107.

Bliek auf die Nordküste Serans.....................107.

Luftspiegelungen..........................180.

Strasse in Kajeli....................................................253.

Im Bette des Lumaïti........................201.

Im Botte des Kajoli.......« ■ • ............................203.

Grundriss des llauses vom Matlea Ikan....................................282.

Alfuren von Wakollo.................•............330.

Madchen aus Tifu....................................................352.

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AMBON UND DIE ULIASSER1).

1. AMBON.

Manche grüne Insel des Niederlandiscli-üstindisclien Archipels war bereits au meinen bewundernden Blieken vorübergezogen, als ich am Nachmittage des 273ten November '91 auf dem „Generaal Pelquot; der K. Paketvaart-Maatschappij in die Bai von Ambon einfubr; doch batten die vielen bis dahin gesehenen Naturschönheiten nicht vermocht, den hohen Roiz des Bildes abzuschvvaehen, welches sich hier den Augen darbot.

Die Bai von Ambon ist von lanff-trichterformiffem Umrisse mul schneidet tiefvon

o o

SW nach NO in die lusel ein, in gleicher Ricbtung, in der aucli die Achse der beiden durch sie geschiedenen Abschnitte des Eilands verliiuft; sie kehrt ihre grösste Breite dem Oceane zu, wiihrend die Spitze des Trichters weit im Innern liegt, woselbst die schmale, alluviale und kaum über den Meeresspiegel erhobene Land-enge von I'asbo die beiden erwahnten Theile von Ambon verbindet. Von ihnen ist der nördlichere, namens Hitü, bei weitem grosser als der südlich gelegene, welcber Leitimob heisst und jenera gegenüber den Charakter einer Halbinsel triigt. Im Nordosten von Hitu ragt die liöcbste Spitze Ambons hervor, der vou mir auf 1300 m. gescbiitzte Salhüto 2), welcber in Gemeinschaft mit einer Reihe kleinerer, besonders benannter Gipfel den Eindruck eiues durch die Erosion zemagten, vul-kanischen Kegels macht; vou den übrigen Bergen des genannten luseltheiles sind der Latua und Wawani die bedeutendsten und nahezu von gleicher Robe, welcbe für den letztgenannten auf 903 m. brechnet wurde; sie hiillen sich auch am luiu-figsten mit dem Salhutu in eine Wolkenkappe, wahrend alle übrigen Gipfel noch

1

1

Gregory sprach die Vermuthung aus, dass Ambon von umbun, welches Thau bedoutet, herge-leitet worden müsse, da die Lnft über dein Eilando last immer nebelig sei. (Zeemans Gids pag. 175). Uober eine sich an den Namen der Uliasser kniipfende Sage berichtot Ribbe (I.e. pag. 175)), femer Van Mkris (Kakian-verbond pag. 291) und Van der Crab (Moinkscho eilanden pag. 212).

2

Forsten berechnete die Höhe des Salhutu auf 3890 rheinl. Fuss, also 1220 m. (CJrogory, Zeemans Gids pag. 174). — Nach Riedel ist die Höhe des lierges laut Messung 1225 m. (Sluik- en kroesharige rassen pag. 80); doch giebt der Alitor seine (Quelle nicht an. — Andere Ilöhenangaben sieli bei De Hollander , pag. 328.

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klar bleiben. Der Latua, welcher bei der Einfahrt zunachst znr Linken liegt /.eiehnet sicb durch seine scharfgezahnte Spitze aus ; danu folgt der doppelgipf'elige Wawani mul in seiner unraittelbaren Naclibarscbaft der flachgipfelige Malaman von etwa 700 m. Höhe; noch weiter einwarts, der Stadt genabert, befindet sich der kegelförmig' umrissene Kaubau. Dies Bergland von Hitu ist fast ganz und gar dicht bewaldet; nur in geringerer Höbe über dem Meeresspiegel schalten sicb Q-rasflachen zwisclien das Qrün des üppigen Baumwucbses ein.

Weit unbedeutender als dasjenige yon Hitu ist das Gebirge von Leitimor. Sein böchster Gipfel namens Hom liegt im Südosten der Stadt, der Südküste ge-nahert, und ist ungefahr 550 m. hocb; westlich von ibm ragt der Seiumaü empor, für den ich 462 m. Meeresböbe ('and; doch wird letzterer erst in nachster Nahe der Stadt sichtbar, und aucli hier nur für den Eiugeweihten, weil er kaum über die niedrigeren, unfera der Küste aufsteigenden Höhen hervorguckt. Der grosse Gesicbtswinkel, unter dem man diese wahrnimmt, ist die Ursache, weswegen vom Hori und von einigen anderen Bergen, die dem Serimaü nahe kommen, bei der Einfahrt nichts zu sehen ist. Entsprechend seiner geringeren Erbebung ist der an die Bai grenzende Küstenstrich armer an Waldung als Hitu, irad namentlich an der niedrigen, siidwestlichen Spitze von Leitimor nehmen die Grasfelder überhand. Vielfach telden auch diese und zeigt sicb eiu kahler Boden von rothbrauner Ftir-bung, welche auf tiefgehende Verwitterung schliessen lasst und dem Geologen für seine üntersuchungen venig einladend erscbeinen muss.

Die Schönheit der Landschaft am Eingange der Bai braucht nach Obigem kaum noch bervorgehoben zu werden, lm Vordergrunde beiderseits die von den quot;Wellen beleckten Klippen der siidwestlichen Kaps von Ambon, die sich durch Kolorit und spürliche Vegetation von den dicht bewachsenen, höheren Bergen des Laudes abbeben; dazwischen die Bai, deren Küstenlinie man fast ganz übersieht, weil sie nach innen bin convergirt, und die eine wunderbare Perspektive auf den über ihrem innersten Winkel hervorragenden Salhutu eröffnet; zur Rechten des letzteren und noch weiter ira Hintergrunde die blauen Gipfel des boben serane-sischen Gebirgslandes. Es ist, als batte Kimstlerhand das Ganze mit Sorgfalt componirt, und dies I3ild stellt nicht nur den Glanzpunkt der Bai dar, sondern ist überhaupt das Schönste, was Ambon zu bieten vermag.

Die Stadt liegt weit im Innern der Bai an der Nordwestküste von Leitimor auf einem alluvialen Boden, welcher ganz allmablig landeinwarts bis zu 7 m. ansteigt, um an der schroff abgebrocheuen Basis des Gebirgslandes zu endigen, so dass sich die aussersten, wenngleich nicht mehr im engeren Sinne zur Stadt gebö-rigen Wege hart am Eande des letzteren hinziehen. Der Ort ist mehrfacli be-schrieben und oftmals gepriesen; doch war es mir nicht möglich, ihm besondere

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Schönheiten abzugewinnen, uud es scheint mir, als ob die reiche Mitgift, welche dieser Tochter Niederlands besclieert war, ihre bescheidene Anmuth in den Augen der Menschen zu bestrickenden Reizen erböht bat. War doch die hollandische Niederlas-sung in den Molukken, die bereits 1605 , vor der Gründung von Batavia, statt batte, „der Ostindiscben Compagnie köstlichste Gebarmutterquot;, wie es in alten Rericbten beiast.

Freilicb feblt es dem Innern der Insel keineswegs an Landscbaftsbildern, die auch das verwöbnteste Auge durcli ihre Lieblicbkeit zu fesseln vermogen; aber diejenigen, welcbe Ambon preisen, baben solche Punkte in den seltensten Fallen gesehen, weil die Reisen anf dem Eilande zu schwierig und nmstandlich sind; sie müssen somil ihr Urtheil im Wesentlichen auf die Stadt und deren nachste lrmge-bung gründen. Hier nun giebt es manchen hübscben Weg von üppigem Ptlanzen-wucbse eingefasst (vgl. Taf. 1, Fig. 1), und überallhin wird der Bliek dureb das Qebirgsland abgeschlossen; aber letzteres zeigt, von den Strassen der Stadt aus eine eintönige Profillinie und macht den Eindruck, als ob es den Ort einer Maner gleiob einscblösse, und so findet man nirgends ein hervorragendes Gesammtbild von einiger Ausdehnung, trotz vieler Sobönheit im Einzelnen.

Die wenigen Europaeer wohnen in netten, geraumigen, aber im Vergleiche zu Java sebr einfacbeu Wohnungen im weiteren Umkreise ties an der Bai gelegenen

Forts; Miscblinge aller Abstufungen uud Farbungen scbliessen sicb daran an; ferner begegnet man Cbinesen, einheimischen Mohammedanern und einzelnen Arabern — aber neben allen diesen Typen, welche man auch in anderen Stüdten des Archipels zu sehen gewohnt ist, vor allem eingeborenen Christen, meist niedrigeren Standes,

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die den Strassenbildern Ambons ibreu eigenartigen Stempel aufdrücken. Denn diese Leute (die Manner init kurz geschorenem Haar und unbedecktem Haupte) lebnen sicb nicht nur in ibrer Tracbt an die Europaeer an, sondern fallen nocb besonders dadurcb auf, dass sie fiir ibre Feiertagskleidung die sohwarze Farbe wablen. Es ist das die von den Predigern eingefiibrte Kircbentracbt, welcbe aut jeden unparteiiscben Beurtbeiler einen abstossenden Eindruck macben muss und wie eine Parodie auf den lebenslustigen Ambonesen erscbeint, 1st es erforderliob, dass der Christ den Gottesdienst in dunkler Kleidung verricbtet, die, obwobl in Europa Sitte, doch nichts mit dem Wesen der Lebre zu schaffen hat und dem Ambonesen ein geradezu abscbreckendes Aeussere verleilit? Icli eifere bier selbstre-dend nicht gegen die Einführung des Christenthums, dessen woblthatigen und erziehenden Einfiuss icb auf meinen Kei,sen in den Molukken so vielfach zu wiir-digen Gelegenbeit fand, wohl aber gegen seine Aeusserlichkeiten und Auswiicbse, und zu letzteren scbeint mir audi die eigentl)ümliclie Auffassung zu geboren, welcbe manche Ambonesen von der brüderlichen Gleichlieit erbalten baben oder doch mindestens an den Tag legen. Wo giebt es einen unverscbamteren Meu-scben als den ambonesischen Kuli, der nicht nur erstaunlicben Lohn fiir die ge-ringfiigigste Arbeit verlangt, sondern nocb obendrein frecb und zudringlicb ist, sowie ich es sonst nirgends auf der Welt gesehen! Ein europaeischer Arbeiter ist wohl nie von soldi lümmelhaftem Betragen, und der Gegensatz zu Java ist so ausser ordentlich gross, dass der Ankömmling einer guten Weile zur Ueber-legung bedarf, bis er sicb in solche Verhaltnisse gefiigt hat ').

In einer Art Pension — denn ein Gasthaus giebt es auf Ambon nicht — fand icb ein leidliches Unterkommen; doch war dasselbe wenig geeignet fiir ruhige Arbeit und fiir die Vorbereitung des Gepacks zum Zwecke der Excursionen, welche ich von der Stadt aus zu unternebmen gedachte. Feinere Instrumente auszupacken durfte ich schou deswegen nicht wagen, weil es trotz tagelanger Bemiibungen nicht gelang, die Wirtliin zu bewegen, dass sie auch nur den notlidiirftigsteii Verscbluss an meiner stets offenstehenden und selbst der Kriicke entbebrenden Thür anbringen liess. Ich war deswegen sehr frob, als der Resident van Jlocvell, welcber bis dabin auf einer Dienstreise begritien gewesen, zuriickkebrte und mich alsbald zu sicb ins Haus lud, zum schön gelegenen Batu Gadjah , welches sicb, mit einem grossen Parke versehen und in völlig isolirter Lage ausserhalb der Stadt, eng in eine winkelige Ausbuchtung des Gebirgsrandes bineinschmiegt. Dort im Logirhause, inmitten der hübscben Anlagen und mit dem Ausblick auf den

1) Uober solche „Christenquot; beklagt sich auch Ribbo (I.e. pag. 180), und sogar Van dcr Crab, dor gewiss möglichst gunstig übor den Ambonesen urtheilt, kann das oben Gesagie nicht lougnon (Moluksche eilanden pag. 158),

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Wawani, fand ich Raum in Ueberfluss und Gelegenheit zu ungestörter Arbeit, beim Residenten selljst aber und seiner Qemahlin nicbt nur die liebenswürdigste Auf-nabme, sondern aucb in jeder Hinsicht eine kraftige Unterstützung durch Eatii und That, und no wurde denn dieser Ort der Ausgangspunkt aller folgenden Hei-se n , zu dem ich noch mehrfach zurückkehrte, um mir daselbst von Neuem kih'-perliche und geistige Frisclie zu weiteren Unternehmungen zu erwerben.

Es ist nun keineswegs meine Absicht im Folgenden eine Beschreibung aller Einzelheiten meiner Reisen auf Ambon und den Uliassern zu geben, so wenig ich auch bemüht war, die Stadt und deren Bewohner ausführlich zu schildern; denn ich möchte weder einen Badeker für die betreflenden, bereits kultivirten Gregenden schreiben noch oftmals Gesagtes wiederholen. Es soil viol mei ir — auch im Gegensatze zu dem Verfahren, welches ich für die weit minder bekannten und ohnebin viel interes-santeren Eilande Seran und Buru einzuschlagen gedenke — mein Bestreben sein , das Gesehene in einer Reihe von Gesammtbildern zu vereinigen. Dabei wird die eigentliche Reisebeschreibung sehr in den Hintergrund treten und kaum noch mehr als eine Verbindungakette für die einzelnen Schilderungen bedeuten, die anch dein auf Ambon oder auf den Uliassern bekannten Europaeer noch genug des Neuen biet en dürften.

In dem von mir bereisten Gebiete, auf Ambon und den Uliassern sowohlals, in beschranktem Maasse, auf Burn und dem westlicben Seran, |)flegeii Beamte und Prediger (fast die einzigen Europaeer, welche auf Reisen gehen) sicli eines Trag-stuhls als Transportmittel zu bedienen. Denn ein sehr complicirtes Terrain und vielerorts, so namentlich auch in Burn und Seran, eine dichte Bewahlung schlies-sen beim Mangel au ordentlichen Wegen die Benutzung von Pferden meistens aus, und auf kürzeren Strecken in Hitu, Nusalaut und Haruku, woselbst man geeignete Pfade antrifft, lohnt sicb das Hallen der Tbiere nicht, weil der Inlander ihrer nicht bodarf und Weisse diese Gegenden sehr selten betreten. Aus solchen Grimden findet man deun aucb nur in der Stadt Ambon und auf Saparua, im Hauptorte der gleichnamigen Insel, einzelne Pferde; soust babe icb sie wiihrend aller meiner Reisen nirgends angetroffen, und so war icb denn ebenfalls auf die Benutzung des Tragstuhls angewiesen. Icb machte davon Gebraucli, soweit die Wegverbiiltnisse es zuliessen, und kann daher nicht umhin, die Vorrichtung und ibre Verwendung in kurzen Worten zu beschreiben.

In einem Kasten mit niedrigen Seitenwanden (K) •) ist an dem eine» Ende ein Stubl (s) angebracht, wiihrend der andere Theil (b) Raum für die Beine lüsst und den Füssen einen Stützpunkt gewabrt; an den vier Ecken befindeu sicb durch Punkte angedeutete, vertikale Stiibe, auf denen oben ein langlicbea Dach

1) Sioh umstohondos Schema.

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von Palmblattern als Schvitz gegen Sonne nnd Regen angebracht ist, wahrend an letzterem je nach Umstanden nocli Gardineu befesligl werden können. Mit den Langsseiten des Kasteus sind lange Bambusstabe fest verbanden (B), ebenso zwei kürzere mit den Querseiten (B'); eudlicb befindet sieh noch hinten und vorne je ein kürzeres Stück Bambns (B*), welches mittelst Tauea (t) an den Enden der laugsten Stöeke festgemacht — ist, und von je zwei Tragern (1—2 und 3-—4) auf die Schulter gelegt wird. Die Lange des Taues (t) ist so ge-wiiblt, dass die übrigen Trager (5—12) die Last nicht auf Hire Schultern zu nehmen brauchen, sondern sie mit gekrümmtem Unterarme halten können. Wahrend 1—4 auf leidlichen Wegen die schwerste Arbeit zu verrichten haben, dienen 5—-12 hier besonders, um das Kippen und Schwan-ken des Stuhles zu verbindern; aber bei starker Neiguug des Pfades fallt letzteren ebenfalls eino saure Aufgabe zu, und müssen sie dann schwer tragen und beim Aufwarts-gehen heben und ziehen. Die Lente pflegen denn auch von Zeit zu Zeit ihre Platze zu wecbseln, um das mühselige Werk auf diese Weise gleichmassig unter einander zu vertheilen. Auf sebr bequemen Wegen kann man die mit 5, G, 11 und 12 bezeichneten Trager entbehren ').

Es ist erstaunlich zu seben, wie die Bewohner von Leitimor, und vor allem diejenigen von Ema, mit solcbem Tragstuhle iiber die Berge klettern , vorbei an Abgriinden, auf und ab an steilen Gehangen, welche haufig 4U—45° und bis-weilen bis 50° Neigung haben, so dass der Fuss stellenweise nur mittelst einge-hauener Htufen geniigenden Halt findet, und das nicht etwa langsam, sondern meistens im Eilschritte, unter Scherzen und Lachen, lm dichten Walde, wo ihnen Zweige auf die entblössten Körper schlagen und Dornen die Haut ritzen, gebt es ebenso munter vorwarts wie in offener (legend; ein Baumstumpf oder irgend ein anderes Hinderniss im Wege wird von einem vorangehenden Manne, dem Weicb-meister 2) (kapala soa), welclier in der Regel den Zug beaufsichtigt, zeitig genug angegeben, um den Tragem noch eine Verstandigung zu ermöglichen; rasch und ohne irgend welcbe Verzögerung zu veranlassen greift dann der eine hier, der andere dort ein, und niemals stösst man auch nur unangenehm an. Mit diesen

1) Eino Abbildung dos Trapstuhls findot sich aucli auf Taf. 11.

2) Es ist dies keine oigentlicho Ueborsetzung der inliindischon Be/.eichnung, deren Bedeutung im wo:.teren Verlaufe dos Reiseberichtos klar werden wird, sondern nur ein Wort, wolehes dor Funktiou des Beti effenden entspricht.

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Leuteu liessen sieli die ungebahutesten Liiader bereisen; docli dürfte es scliwerlicli gelingen, sio von ilirer Heimatli zu solchem Zwecke fortzubringen, zumal sie olmehin sehr ungern tragen und sicb dazu nur aus Höfiichkeit gegen die Regieruug mul deren Vertreter zu bequemen scheinen.

Ausserbalb Leitimors lasst dagegen dio Fertigkeit der Trager manchmal zu wünschen übrig, und hier moge man sicb gut vorseben, bevor man eine scbwie-rige lieise im Stuble unternimmt, vor allen Dingen aber letzteren gründlicb auf seine Haltbarkeit untersucben; denn mir selber ist es zwei Mal passirt, dass man micb auf nicht gerade sanfte Weise zu Boden fallen liess, und zwar auf einem ganz vort refflicbeu Wege.

Im Uebrigen ist die Benutzung dieses Trausportmittels eine grosse Annehm-licbkeit. Freilich werden bei manchen Eeisen, und namentlich in Leitimor, auch an den Insassen gewisse Anforderungen gestellt, da man sicb liei schwierigen Strecken fest an dem Stuhl zu halten und sicb mit Rücken und Füssen gegen die Lehne und den Kasten zu stemmen hat, wahrend man bald nahezu auf dem Kopte zu stehen glaubt, bald wieder mit dem ganzen Körpergewicbte avit den Füssen rubt; aber was bedeutet das gegen die unendliche Soliwierigkeii, mit der Fuss-reisen für den Weissen auf Ambon verblinden sind. Sogar mein Dolmetscb Frirser, ein geborener Ambonese und krafliger junger Mann, war auf der kurzen Eeise von der Stadt zur Bai von Hukurila so sehr ermüdet, dass er spater zum Trag-stuble seine Zutluobt nehmen musste, und ein Europaeer würde in diesem Gebiete nur ausserst langsam vorwarts kommen. Bei bequemeren Wegen gewöhut man sicb auch alsbald so gut an die Bewegung des Stubles, dass es sogar gelingt, unterwegs kurze Aufzeichnungen zu machen, und wenn man die lastigen Gardinen entfernt, bebalt man auch einen genügenden Ueberblick über die Umgebung; Gesteine, Hammer u. dgl. m. lassen sicb zudem sehr zweckmassig in dem Kasten zu Füssen des lusassen aufheben.

Wer nicht im Stuble reisen will, kann sic'n das Gehen auf schwierigen Berg-pfaden auch dadurch erleichtern, dass er iu jede Hand einen langen Bambusstock nimmt, welcher gleichzeitig von zwei Bergbewohnern angefasst wird, und zwar so, dass einer von ihnen vor, der andere binter dem Betreffenden seinen Platz findet, alle drei also in einer Reibe zwiseben den beiden horizontal getragenen Stöckeu hergeben. Auf diese Weise wird die mittlere Person geschoben, gezogen und gehalten, so dass ihr das Auf- und Absteigen wesentlich erleichtert ist. Ub es sicb aber nicht lohnen würde, einmal einen Versuch mit der Einführung von Maulthieren zu machen? Mich dünkt, dass sicb dieselben wohl verwenden liessen, wenn bie und da den Wegen ein wenig nachgebolfen würde, und alsdann dürfte jeder das Reiten dem Getragenwerden vorziehen; vor allen Dingen aber würden

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in diesem Falie die Beamteu nicht mehr von der Fremidlichkeit der Bergbewoliner, welclie durcliaus niclit verpliiditet tiitid, sie zu tragen und, wie mir erziihlt wurde, sogar einmal einen Residenten am Wege stehen liassen, abhiingig sein.

Meine erste grössere Reise auf Ambon trat ich am 5ton December an; sie fübrte mich über die Dor Ier Soja, Hatalai und Ema zuniichst an die Bai von Huioirila, also in südöstlicher itichuing quer durch Leitimor.

Der Charakter dieser Qegend wird ganz und gar durch die hier entwickelte Granitformation beherrscht, der gegenüber alle anderen Bildungen in den Hinter-grund treten, und welche der Landschaft einen so eigenartigen Stempel aufdrückt, dass icb sie mit keiner anderen zu vergleiohen weiss. Schon gleich nach dem Ueberschreiten der ersten, aus dunkelrothen Verwitterungsprodukten (Laterit) ge-hildeten Vorbügel, welche sieb lm ümkreise von Batu Gadjah hefinden und auoh dem Batu Mbiiah („rotber Felsquot;) seinen Namen verlieben haben, liegen verein-zelte Granitblöcke an dem nach Soja fübrenden Wege; weiter uach dem genannten Dorfe bin wird dann ihre Zahl grosser, kronen sie die Gipfel kleiner, steiler Anhöhen, über die der Pfad hingeht, und treten sie ebenfalls in den Niederungen auf; in Soja selbst endliob bildet das Eruptivgestein und sein Verwitterungsprodukt den ganzen üntergrund des Dorfes, welches 357 m. über dem Meeresspiegel liegt, und ohne jegliohe ünterhrecbung lasst sich nun diese Formation bis zur Südküste bin verfolgen. Das betreffende Gebiet ist durch die Erosion tief zerschnitten; aber man er-warte nicht flacbe Kuppen und an Maulwurfsbügel erinnernde Reliefformen, wie etwa im Odenwalde, zu finden; vielmebr sind es kleine Höhen mit ungemein steil ab-fallenden Gehangen und von geringer Erstreckung, über die uns der Weg in hestandigem auf-und-ab hinführt, und wenn scbon der Anstieg bis Soja, vom Klima ganz abgeselien, an Mübseligkeit einer Brockentour gewiss nicht nachsteht, so ist inmitten des Granitgebietes das Fortkommen mit nocb weit grosseren Schwie-rigkeiten verblinden.

Wie überall in den Tropen ist das Gestein bis tief unter der Oberflache zer-setzt, und die Leute haben auf Leitimor seinem unter dem Einllusse der Atmo-sphaerilien entstandenen Verwitterungsprodukte den Namen suhur gegeben; bis-weilejn ist dasselbe fast so weiss wie Dünensand ') und wirbelt es dann in gewaltigen Staubmassen unter den Füssen der Trager auf. Als Reste der Verwit-terung blieben concentrisch-scbalige, bis 3 m. und mehr im Durchmesser baltende Granitblöcke zurück, welche hie und da zur Bildung kleiner Felsenmeere zu-

1) 'Wahi'scheinlioh liegt hiovin theüweise der Grund der wunderlichon Vorstellung, welche sich Bleeker von dem geognostischen Aufbaii Auibons gemacht hat. (Reis, ii pag. 57 u. pag. 106), — s. Müller war hierüber hereits hesser unterrichtet (Reizen en onderzoekingen ii pag. 25 ff.).

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samineiitreten, und von denen sich bisweilen grosse, schüsselföraiige Scherbeii ablösen. Letztere linden in mehrfacher Weise Verwendung.

So sah ich im Dorfe Haïalai, dessen lliiuaer zum Theil zwisohen gewaltigen, abgerundeten Qranitblöcken zerstreut liegen, inmitten der letzteren eine alte Opferstatte, tongku tu/a (Heerd mit 3 Füasen) genannt, welche dadurch lier-ges tellt war, dass man eine natiirliche Granitschale auf einer Unterlage von drei anderen, rolien öesteinsbrocken wie anf einem Dreifuss aufgestellt hatte (Taf. 8, Fig. 8). Der Platz, an dem sich diese Vorricht uiig belindet, heisst eriwakan (Versammlungsort), und wenn auch die Leute behaupteten, gar nicht einmal zu wissen, wozu man diesen halu pamali ') Irüher benutzt habe, so würden sie doch gewiss nicht gerne seiner Verniclitung beiwolmen. Eine andere kummenförmige Scherbe von Granit, etwa 1 m, im Durchmeaser, diente den Einwohnern von Hatalai nach gefallenem Regen als Wasehbecken (Taf. 8, Fig. 7); eine dritte, flachere fand ich in Soja als Eeibstein iur Betel verwendet (Taf. 7, Fig. 7).

Suhur, an dem man bald mehr bald minder deutlich noch die Art seiner Herkunft erkennt, und Granitblöcke, hier gehauft, dort vereinzelt, treten nun in buntem Wechsel an der Obertiache zu Tage, und den Bachen verleiht das in abgerundete Massen zerfallende Gestein inmitten der schonen Vegetation einen hohen lieiz, so unter andern bei dem kleinen Wasserfalle Eguinang zwischen Hatalai und Erna (Taf. 3). In einem derselben, dein in die Bucbt von Hukurila mündenden Waë Rdpa, unfern des letztgenannten Dorfes, fand ich die Geschiebe mit zahlreichen kleinen, napfförmige Schalen tragenden Schnecken {Septaria suborbicularis Sow,) besetzt.

Die Dörfer des Granitgebietes sind wahre Felsennester, deren Hauser zerstreut stehen, weil es an genügendem Raum zur bequemen Ausbreitung feblt , und in denen nach eingetretener Dnnkelheit selbst die Einwohner ihren Weg mittelst Fackeln von gespaltenem Cocos beleuchton. Namentlich Ema, welches auf einer steilen Kupj)e liegt, zeigt ein pittoreskea Bild der eigenthümlichsten Art (Taf. 4). Ua geht es treppauf, treppab über Stufen im anstebenden Fels, die theils eingebauen , theils von der Natur durch Abbröckeln des Gosteins nach bestimmten Kluftrichtungen gebildet sind. Denn mehrfacli begegnet man dort baushohen, abgerundeten Granit-massen, welche gigantischen Zwiebeln gleich concentrisch abblattern, wahrend die einzelnen, so gebildeten Schalen noch wieder durch quer da/.u gerichtéte Spalten in Blöcke zerfallen. Letztere liefern dann die Stufen, über die der schmale Pfad langs der Felsmasse hinfiibrt. üm die Wohnungen auf solcher Unterlage banen zu können, bohrt man runde Löcher zur Aufnahme der Stützpfilhle ins anstehende Gestein, und in Soja sah ich Sitzbanke, welche aus dem Suhur herausgesohnitten waren.

1) pamali = verboten, gleichbedeutend mit dem tabu dor Polynesiër.

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Die Hausei' der Durtiinge (Taf. 9, Fig. 2) siiul überall von sehr eiufaolier Bauart; ilire Wiinde werden von Blattstielen der Sagupalme, dein sogenannten gahba-gabha her-gestelli, oder audi von alapp aus den Blattern desselben Baumes, die man ausserdem allgemein zum Decken des mittelst Bambus gestützten, vierflachigen Daches benutzt. An den Querseiten des letzteren bleibt unterhalb der Firs te eine Oeffnung für die Ventilation, wabrend die Langsseiten bier nasenartig bervorstehen, nm das Einregnen zu verbindern. An gut eingericbteten Wobnungen ragt ausserdem das Dach vorne weit über did Wand bervor, so dass sein Hand durch Stabe oder Holzpfeiler gestützt werden muss und eine ofFene Gallerie entstebt, die dann nocb weiterhin nnten mit einer Brüstung von Atapp oder Qabba-gabba verseben wird, und gelegentlicb siebt man eine solcbe auch an den anderen Seiten der liauser angebracbt. Die kleinen Fensteröffnungen werden durch ein weites Gitter von ver-tikalen Holzstaben geschützt, und davor bangt man nocb Schutzladen von Gabba-gabba. Dass ihre innere Einricbtung mancbem Wecbsel unterworfen ist, verstebt sirli in einem kultivirten Lande und bei der Nabe der Hauptstadt von selbst, ebenso, dass die Wobnungen der Regenten sicb an diejenigen der besser situirten Bürger des genannten Ortes anscbliessen. üeber solcbe Hauser, Kircben und Scbulen gedeuke icb weiter unten im Zusammenbange mit der Bevölkerung zu bericbten, die in gewissem Sinne eine Mittelstufe zwiscben dem Küstenbewobner des südli-chen Seran und dem Stadter Ambons darstellt; bier, wo es sicb nur um die all-gemeine Oharakterisirung der Gegend mit Einscbluss der Staffage bandelt, dürfen sie füglicb vernacblassigt werden.

Die bedeutenderen Höben des Granitgebietes sind an den meisten Orten von dicbter Vegetation bedeckt, und wenn auch bin und wieder verbaltnissmassig off'ene Gegenden vorkommen, so tragen doch die Gipt'el der Berge einen üppigen Wald. Dort wacbst der Dammarabaum (Bammara alba Humph.), dessen kopal-ahnliches Harz von den Leuten gesammelt wird, um es an die Handier der Stadt zu verkaufen; zierlicbe Baumi'arne, von deren Jungen Blattstielen man eine Zuspeise zum ileis bereitet, strecken in grosser /iabl ibre pracbtigen Wedelkronen empor; Ananas, bekanntlicb aus Westindien eingefübrt und nun verwildert, wacbst überall am Wege, und vielerlei Nutzgewacbse sind angepflanzt: der Gewürznelkenbaum {Caryophyllus aromaticus L. — kruidnagel im Hollandischen) und der Muskatnussbaum {Myristica fragann Houti.), um derentwillen die Molukken bekanntlicb berübmt sind; Cocospalmen (Cocos nucifera h.), deren Kerne von den Dorfbewohnern ge-trocknet und als kopra zur Herstellung von Palmöl in den Handel gebracht werden; ferner die Zucker- oder Saguweerpalme (Arenga saccharifera Lab.) und an sumpfigen Orten die Sagupalme (Meiroxylon liumphii Marl.), welche in ihrem M ark das wichtigste Nabrungsmittel der einbeimiscben Bevölkerung liefert. Auch

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Kaffee unci Cacao wird gepflanzt; in der Nülie der Wolmungen waclist selb.st,redend vieierorts der Pisang {Musa paradisiaca L. und andere Arten), iler Brod-baum {Arlocarpm incua h.) und die Pinangpalme (dreca Catechu A.) ; dann begegnet man dem hochstammigen, breitverzweigten Oauariebaume (Canarium commune L.), dessen Kerne einen an Nüsse erinnernden Geschmack liaben und nach Art der Mandein zuin Naclitisch gegessen werden, dem Mangistan (G'arcinia mangoslana L.), dem Kapokbaume {Eriodendron anfractuomm DC.) und manchen anderen guten Bekannten. Mangga (Many if er a indiea L,), dessen berrlicbe F rucht einer alten indischen Sage nach durch den heiligen Affen Hanamaan {Samnopilhecus e.ntdlm) aus dein Garten eines machtigen, auf Ceylon hausenden Eiesen gestohlen und sü den Indern ver-schafft vvurde, wird anf Ambon verhültnissmassig wenig angepflanzt.

Vielfacb sieht man in den Kronen der Areng- und Cocospalmen Köcher von Bambus hangen, welclie von den Leuten an den abgeschnittenen Stümpfen von noch unvollstandig entwickelten Blüthenstanden hefestigt sind, um den auströ-pfelnden Saft aufzufangen und als Palmwein (saymoeer) zu verwerthen. Dieser ist an und für sich siiss, erfrischend und unschadlich; mit sogenanntem Bitterholz ') versetzt, gahrt er und wird er zu einem etwas bitter schmeckenden, geistigen Getranke. ïïin und wieder trifft man im Walde auch wobl eine kleine Hütte, in der Saguweer zur Bereitung des stark berauschenden kolwatcr destillirt wird. Die Binrichtung des hiefür verwendeten Apparates (Tab. 7, Fig. 6) ist ohneeingehendereEr-lautemng verstandlich; seine Verbindungsröhre besteht aus Bambus; die Gefasse sind von Thon verfertigt und stammen von Ow auf Saparua, einem Orte, der wegen seiner Töpférarbeiten rühmlichst bekannt ist2); am Destillirgefasse kann ein kleiner Deckel {a) zum Einfüllen des Saguweers abgehoben werden ■').

Das üppige Grün, nicht minder verschieden an Glanz und Schattirung als an Formen, die primitiven Blatterhüüen auf grauem, steinigem Boden und umgehen von abenteuerlich gestalteten Felsmassen — alles das ruft eine Fttlle malerischer Bilder hervor, bei denen wir indessen auch die Stafl'age nicht vergessen dürfen, welche die Bergbewohner, und namentlich die Frauen, liefern. Wie fröhlich ibre bunten Gewander dort aus dem Walde hervorleuchten, gleich lustig anzusehen wie die Leute selbst, die immer munter und scherzend die steilen Wege wandern und dabei nicht die mindeste Ermüdung kennen. Sie haben sich die Elasticitat und Ausdauer der seranesischen Stammesgenossen bewahrt. Legen doch die Leute von Erna den Weg zur Stadt in Stunden zurück, und von Hatalai aus gehen die Madchea in l'/j Stunden dorthin zu Markt {pasar), um nacli erledigtem

1) Es ist von Garcinia picrorhiea Miqu. abkiinftig, und zwar nach Teijsmann (verslag pag. 311) die Wurzel iliescs Hauracs.

3) tlobor dio Fabrikation der Topferarbeiten vgl. Roinwardt (Reis, pag. 444).

3) üebor Bereitung von Saguweer vgl. auch do Stuers (De Gemoetoe-boom, 1. c.).

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Geschafte ebenso zurückzukehren! Das hindert sie aher nicht, zu Hanse gleich wieder ihrer gewohnten Thatigkeit nachzugehen und abends zu tanzen.

Zu den schonen, abgeschlossenen, aber engbegrenzten Bildern, welche die Dörfer und viele andere Punkte des Granitgebietes liefern, gesellt sich noch manch prachtiger Fernblick, und in Ema findet sich das alles vereinigt. Da sieht man einerseits über die Wip fel des Waldes hinweg aufs Meer, dessen Nahe schon durch die zahlreich im Dorfe umherliegenden Fischkörbe verralhen wird, andererseits auf die flache Kuppe des im Nordosten aufragenden Hori. Alle Orte anzuführen, von denen aus man bald den offenen Ocean bald die Bai von Ambon oder auch beides zugleich erblickt,, kann nicht meine Aufgabe sein ; man braucht nur den Batu Merah oder die ersten Höhen im Südosteu der Stadt zu ersteigen, bis der gewundene Lauf des Baches von Batu Gadjali im tiefen Thaleinschnitte zur Rechten unter einem liegt, um das herrlichste Panorama der Bai und ihrer wei teren Uingebuiig zu geniessen; doch muss ich der Aussicht vom Gipfel des SerimaO noch besonders gedenken. Denn dieser Ort, welcher sich von Soja aus in 25 Minuten erreicben liisst, gestattet einen weiten und für das Verstandniss des Reliefs sehr lehrreicben Ueberblick über das Gebirge von Hitu. Vom Latua im Westen bis zum Salbutu, dessen höchster Punkt von hier aus iV 11° O liegt, Ijreitet sich die Landschaft vor dem Beschauer aus, mit weit complicirteren Formen, als man von der Stadt aus vermuthen konnte, und zwischen den Einschnitten des ambonschen Berglandes erscheinen hohe Gipfel von Seran. Unter uns, über die Wipfel der Baumfarnen (Taf. 5, Fig. 2) bin, die Bai und auch die Stadt, jenseits ein weiter Ausblick auf das südliche Leitimor, bis zur Küste.

Das alles würde aber schwerlich zu sehen sein, wenn der Gipfel des Serimaü nicht durch Menschenhiinde frei gemacht ware; denn es fand sich dort ein kleiner, offener Platz, rundlich im Umrisse und von Palmen eingefasst, in der Mitte ein Aufbau von Steinen, einem kleinen, niedrigen Tische gleich. Derartiges hier zu finden, war sehr auffallend; denn Europaeer kommen nicht hieher, und in der Stadt konnte ich nach meiner Rückkunft auch nichts über eine etwaige Benutzung des Ortes erfahren; die inlündische Bevölkerung aber halt auf der Spitze des Serimaü selbstredend keine landlichen Picknicks. Nach dem, was ich auf spateren Reisen kennen gelernt, bin ich geneigt, in der Statte einen alten Opferplatz zu seheu, an welchem der Steinbau den Batu pamali darstellt, und es würde mich nicht befremden, wenn heidnische Reminiscenzen noch manchen Christen hieherfiihrten , um in der Stille ein Opfer zu bringen ').

1) Nach Buddingh (N. O. Indië II, ])ag. 374) bofaud sich auf dein Serimaü soit alter Zeit ein hei-liges, irdones Wassergefass. Ich habe dassolbe nicht mehr gesehen, ftndo aber in dieser Mittheilnng eine Bestatigung der oben ansgesprochenen Vermuthung.

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An der Südküste von Leilimor setzte ich meinen Weg von der Bai von Huku-miia liiiig-s des Straudes nach Lka Hahi fort, fuhr dann über See zum Tandjong Hutu Mum, dem Kap au der Südosteeke der llalbiusel, uud hernach zum gleicli-namigen Dorfe, uiu von dort am Meeresufer eine Strecke weit naeh Südwesten zurückzugelien, zu dem eiu weuig uördlich von Lea Hari gelegenen Rutung. So lemte ich die ganze Küste zwischeu der Bucht von Hukurila uud dem Kap Hutu Muri kennen. Von der genannten Bucht bis zum Tandjung Hihak, welches halb-wegs zwischeu jener uud Lea Hari lus Meer vorspringt, tritt das Gebirge uumit-telbar an den Strand herau, und überall sieht man die Spureu einer gewaltigeu Zerstörung, der es unter dem Andrange der Wogen ausgesetzt geweseu: Archaei-sche Klippen von dunkier Farbung und mit zackigeu Profillinieu, oft von sehr ansehnlichen Dimeusionen, wrelche als Erosionsreste am Strande oder im Meere stehen geblieben sind; zuugenartig ias Wasser hiuausreichende, zernagte Felsmassen und unendliche Mengen von Schotter, welcher streckenweise aus dicht aufeinauder gepackten, polyëdrischen Blöcken besteht; dann wieder unterwascheue Klippen, unter welche die Brandung hinspült, um hie uud da an der Landseite noch wieder zu Tage zu treten, kleine Brückeu und Felsenthore bildend. Wie rasch aber diese Vernichtung vorwilrts schreitet, lehren uus einzelue Büume, unter denen das Ge-stein zum Theil fortgeführt ist, oline dass sie noch zu Fall gekommen wilren; sie strecken ihre entblössten, nach aussen und abwarts gekrümmten Wurzeln wie riesige Spinnenbeine deui Oceane entgegen. Hier geht es laugsam unter überhan-genden Baamstammen von stattlichen Dimeusionen fort, von Block zu Block, so dass man kaum öelegenheit hat, den Bliek einmal seewiirts zu wenden, woselbst Hahuku , Sapaiiüa und Nusalaut in der Ferne als schön umrissene Silhouetten sicht-bar sind. Vielfach führt indessen der Weg in einigem Abstande vom Meeresufer au dem in scharfe Rückeu zerschnittenen Qehiinge des archaeischen Gebirges bin; er ist hier kaffeebraun gefarbt, mit Gruss von kantigen Steinen bedeckt, und die lichte Waldung gestattet liüufig einen Ausblick aufs Meer. Da sieht man denn bisweilen von obeu her ins blaugrüne Wasser zu Füssen des Hanges hinunter, welches vüu so durchsichtiger Klarheit ist, dass man sogar aus ansehnlicher Höhe noch die Korallenbauten auf seinem Grunde zu erkennen vermaa'.

Nördlioh vom Kap Hihar wird der Abfall des Gebirges minder steil; dann verdacht es sich noch mehr in der Gegend von Lea Hari, uud von hier aus zieht sich eiu niedriger, schmaler Küstensaum nach NO bis zum Gununü I'atau , welcher letztere im Kap Hutu Muri ans Meer stösst. Auf diesem üferstreifeu fanden die Dörfer Lba Hahi, Kuti ng und Hutu Mum Raum zur bequemeu Ansiedelung, an einer weiten Kreisbucht, auf deren Boden üppige Korallenfelder in marchen-hafier Pracht ausgebreitet siud. Schon lange bauten die kleinen Thiere an diesem

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One, liinger als Menschengedenken, l)ereit8 zur Zeit, als noch oin Theil des heii-tigen Ambon unter dem Spiegel des Oceans begraben lag; denn die Höhe am Kap Rik i , unmittelbar siidlich von Lea Hari, so wie der G. Patau am Kap Hutu MrRi sind von Kalkfelsen bedeckt, welcbe Korallen der beutigen Fauna ibre Entstehung verdanken, und noch an verscbiedenen anderen Punkten treten in dieser (jegeiul unfern des Strandes dieselben Bildungen auf. Lente von der kleinen Insol Buton, im Siiden von Celebes, pflanzen darauf Taback, urn ibn den Amlio-nesen zu verkaufen.

Was aber von der Thierwelt des Meeres gescliaffen, das suchen die Wellen wieder in seinem Schoosse zu begraben: denn an den beiden Kaps, Eiki und Hutu Muri, welcbe die genannte Bucht Seewehrungen gleich in SII' und iV'0 begrenzen, hat die Brandung bis 5 m. hohe Hohlkehlen ins graue Gestein hineinge-fressen, verspringende Nasen und Felsenthore bildeud. Mancher Block von miich-figen Dimensionen ist auch bereits abgestürzt, nachdem sein Fuss unterwaschen, und das Dnrcbeinander dieser Trümmer erinnerte mich lebhaft an die gehobenen Korallenkalke von Curasao. Aber wabrend dort auf der regenarmen Insel das Gestein nnr eine spiirliche Vegetation von Cacteen und dornbesetzten, kriippeligen Strauchern tragt, entfaltete sich bier ein üppiger Pflanzenwuchs; Schlinggewachse unci Wurzeln niingen in grosser /^ahl iiber die vorspringenden Klippen am Meere herab, um sie in gefiilliger Weise zu drapiren.

Gegentiber dom Abbruche an den Kaps steht ein Anwachsen des Landes an der Flachküste, welcbe sich zwischen jenen im Innern der Bucht ausbreitet, und woselbst verschiedene kleine Biiche Mengen von Gescbieben dem Strande zufiihren. Hier begegnete ich auch zum ersten Male Grappen der Sonneralia alba Smith 1), (Tab, 5, Fig. 1) jenen merkwiirdigen Baumen, welcbe von ihren Wurzeln zablreiche, als Athmungsorgane dienende Ausliiufer an die Oberflacbe senden, so dass sie in weitem Umkreise von diesen gleich grossen Spargeln aus dem Boden aufragenden Gehilden umgeben sind. Meistens stehen die letzteren aus reinem Korallenboden der vom Hoch-wasser überströmten Brandungsterrasse hervor. Im Habitus erinnern die Biiume an unsere Eichen: auf kurzem, knorrigem Stamme eine breite Blatterkrone; sie wacbsen niemals gedrangt, reichen aber bisweilen weit ins Wasser hinaus, und wenn ibr Fuss von den Wellen umspült wird, bietet soldi ein durchsiohtiger Wald im Meere eins der eigenthümlichsten Landschaftshilder, zumal es zwischen den lebenden Baumen nicht an todten Stammen zu fehlen pflegt, welcbe zernagt und ge-fallen in pbantastischen Formen umherliegen. Diese Biiume, von den Ambonesen

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Herr Dr. G. Karsten, wolchor sich ausfiihrlich mit diesen Pflanzon boschiittigto („1 ebor dio Mangrove-Vegotation im Malayischon Archipelquot;; Bibliotheca botanica, Ilefl 22) und auch aut Ambon roiste, hatte die Giito, mir die Uichtigkoit dor Bestimmung zu bestiitigen.

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manyimanyi padomara genannt, (lenen ich noch vlelfach beg-egnete, so unter anderen am Nordstrande von Hitu, westlich von Hitulauia, auf Nusalaut und an verscliie-denen l'iinklen der Südküste Serans, wachseu am Strande auch in Gesellschaft der Mangrove (tonhi nacli einheunisclaer Bezeichnung).

Dass es dort zwischen dem Wurzelgewirr nicht an thierischem Lehen fehlt, an Einsiedlerkrebsen, Korallen, Muscheln, Schulpen von Sepien und manchem anderen Auswurf des Meeres, versteht sich yon selbst; hier miige in erster Linie eines kleinen Fisches gedacht werden, welches jedem Besucher solcber Küsten-striche sofort auffallen muss und von den Ambonesen ikan kiss genannt wird. Es ist eine Varietat des Periop/Uhalmus koeireuteri l'all. von 7—8 cm. Lange, grau-lich, mit dunkleren, schragen Flecken auf der oberen Körperhalfte. Der Kopt' ist 'noch, vorne steil abtallend, mit gemiherten, vorspringenden Q-lotzaugeu verseben, welche der Gattung den Namen verliehen haben, die Mundspalte last wagerecht. Mittelst der muskulösen, frei aus dem Rumpfe hervorragenden Wurzeln der Brust-ilossen springt das Tbier zur Ebbezeit auf dem trocken gelegten Strande umher und klettert es aus den Wassorpfützen auf kleinere Steine sowie andere, wenig über den Boden hervorragende Gegenstande, um Jagd auf Insekten und Schnecken zn machen; im Wasser dagegen schiesst es pfeilschnell umlier, fast einem Sticblinge gleich; sitzt es still mit zusammengelegten Flossen auf dem ïrockenen, so glaubt man beim ersten Hinsehen eher einen Lurch als einen Fisch zu erblicken. Abends bemerkt man im üfersande nicht selten wie Diamanten leuchtende Pünktcheu, welche von kleinen Insektenlarven herrübren.

Von Butung aus kehrte ich ara 10tei1 December auf dem kürzesten Landwege, welcher Leitimor in der Richtung von W-—O durchscbneidet, zur Stadt zurück. Derselbe führt nördlich vom Hom bin, woselbst er einen Bach namens Wak Juwa kreuzt, sodann weiter im Westen über den Wak Hu,a und schliesslich unfern dor Bai von Ambon über den Gipfel des G. Kabang Pandjano. Man berübrt in dieser Gegend kein Dorf, und landschaftlich bietet der betreffende Pfad nichts Hervorragende», so dass ich von seiner Schilderung, welche an diesem Orte kaum von Interesse sein dürfte, absehe. Die Beschreibung des Beliefs und der bei dieser Gelegenbeit beobachteten geognostiscben Verhiiltnisse wird spiiter erfolgen.

lm Ganzen hatte der erste, langere AusÜug aul' Ambon sechs Tage in Anspruch genommen, weil es nicht uur galt, mich in völlig neuen Verbaltnissen zu orieu-tiren, den ersten Ueberblick über das Relief und die Zusammensetzung des Ge-birgslandes, die Bevölkerang und deren Gewohnbeiten zu erbalten, sondern vor allem auch deswegen, weil die Regenten sich verpflichtet bielten, mich mit grossen Ebren zu empfangen, und mir diese liebenswürdigen Gesinnungen manche kostbare

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Arbeitszeit raubten. Am Utquot;quot; und 12ten December faud icli in Batu Gadjab Zeit zum Ordnen meiaer bis dahiu gemachten Sammlungen und ferner zu Vorbereitungen für eine Rei se durcb Hitu, welche in der Frühe des IS'011 Decembers angetreten wurde.

Hito besitzt im Gegensatze zu Leitimor in seinem Innern keiuerlei Dörfer; alle Ortscbaften befinden sicb dort am Strande. Demzufolge feblt es audi an einem ausgebreileten Wegnetze und ist der grösste Theil des dicht bewaldeten Gebirgs-landes sebr scbwer zuganglich; nur von dem, gegenüber der Stadt, an der Dal gelegenen Eümaïiga fübrt ein Pfad quer durcb die Insel zum Dorfe Hitü an der Kordküste, welches letztere als der Hauptort dem betreflenden Abscbnitte Ambons seinen Namen verliebeu bat. Diese Verbindung vermittelt nun nicht nur den Ver-kebr zwiscben der Bevölkerung des Nord- uud Südstrandes von Hitu, sowie wei-terbin mit der Stadt, sondern vor allen Dingen auch zwiscben der letzteren und der Südküste Serans, und zwar hier in erster Linie mit den Dörfern an der Ost-küste der Halbinsel Huamual. Sie hat um so grössere Bedeutung, als der Weg für einen Gebirgspfad ungemein bequem zu begeben ist; demi er stellt einen nie-drigen Pass dar, welcher die Berggruppe des Salhutu von dem Gebirgslande des westlichen Hitu scheidet. Wenu man die Kluft eines kleinen, an der Südgrenze des Qunung Masi'ait verlaufenden und bienacb genannten Baches weit oberbalb des Niveaus der Wasserader (171 m. Höhe) überbrücken wollte, so liesse sich der ganze Weg obue jede Schwierigkeit mit einem Maulthiere zurücklegen; mit einem Tragstuble braucht man biefür jetzt ungefahr Ss Stunden.

Von Rumatiga aus gebt es zunachst nordwarts über eiue wenig ansteigende, alluviale Ebene, bis nacb etwa 20 Minuten der Rand des Gebirges erreicht ist. Hier fübrt der Weg anfangs sebr sleil, hernach über eine Reibe von Stufen auf-warts, welche durcb junge Korallenkalke gebildet sind, und über gleiche Ab-satze ') steigt man spater auch wieder zum Nordstrande binab, wahrend dazwischen, weiter im Innern des Landes, ein schwachwelliges Terrain eingescbaltet ist. Letzterem geboren in der Richtung von Süd nacb Nord der Maspait, der Ka-mai.aok und der Hei,at an, von deuen der ersle, am meisten genannte, sich nur 191 m. über den Meeresspiegel erbebt, wahrend der zweite mit etwa 330 m. den höcbsten Punkt des Weges darstellt. Da der junge Korallenkalk sicb noch eine Strecke nördlich vom Maspait fiudet, an einem Punkte, welcher letzteren sogar an Höhe noch etwas überragt, so folgt bieraus, dass der grösste Theil des jetzigen

]) Naho bei Hitu beland sich l'rüher eine Wegstreeke, genannt das „spollewo^kskllsson,,, welche wegen der nadelscharfen Korallenkalke kaum jtassirt weiden konnto. Sie ist zu Valentijns Zeit durcb Sprengen der Felsen verbessert worden. (Vaientijn II , pag. 1U5).

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Passes yor geologisch kurzer Zeit vom Oceaue bedeckt war. Vielleicht befand sicb bier fruhei' sogar eine Meeresstrasse und steilte die Salbutugruppe eine besondere lusel dar.

Der Weg fübrt meistens dureb niedrigeu und licbten Wald, welcber auf der llöbe vielfacb mit Dambua durcbsetzt ist; der Maspait , eine sebr llacbe Kuppe, die sicli kaum als besonderer Berg aus ibrer Umgebung herausbebt. ist dagegen mit Gras bedeckt und ebenso eine Auzabl flacber Bodenwellen nördlicb von ibm. Hier erblickt man den kegelförmigen Kaebau S 50° W, den ebenfalls zu Hitu gebörigen Ama N 45° O; spater leitet der Weg westlich von der letztgenannten Höbe bin, und eine Htrecke vor Hitu siebt man sie bereits A'70° U liegen. Von einem Punkte unmittelbar im Norden des Maspait nimmt man ausserdem das Granitgebiet der Seuimaü wabr und vom Kamalaoë aus ein Stück Skrans inJS JF, der Gegend von Lühu auf Huamual angebörig. Niilier bei ïïilu tritt daim Serau abermals bervor, und lange erblickt man auf dem steil abwarts führenden Wege seine blauen Berge, wabrend zu Füssen die Pirubai ausgebreitel liegt. Landscbaft-licb ist dies das einzig Lobnende, welcbes der Weg durcb Hitu bietet.

Das mobammedanische Dorf Hitü, woselbst icb am 13lequot; December Station machte, zeriallt in zwei Theile, in Hiïülama und das weiter ostlicb gelegene, aber nur durcb einen unbedeutenden Bach von jenem gescbiedene Hitumesing ; beide haben ein gemeinschaftliches Betbaus {m 'miyit). Sie liegen unmittelbar am Meere auf einem schmalen üfersaume, der sicb indessen nacb AO bedeutend ver-breitert, um am Tandjong Tetulain als ein flacher, kaum über den Seespiegel hervorragender und dicht mit Cocospalmen besetzter Landstrich zu endigen; sein Innenrand wird von dem stellen Hange eines bohen Gebirges begrenzt, dessen Puss etwas nördlicb von dem genannten Kap eine schroff abgebrochene Felsen-küste bildet. Dort erhebfc sicb auch der Teufelsberg (G. Sbtan), eine pyramiden-artige, steile, bis etwa 400 m. aufragende Spitze, welcbe vom Strande bei Hitu A'3500, über das Tj. Tetulain (N10°O) hin, sicbtbar ist und wohl den augenfal-ligsten Gipfel der Salbutugruppe darstellt. Mir ist er auf spateren Fabrten in der Pirubai und auf Eeisen im südlicben Seran stets ein vortrefllicbes Merkzeichen gewesen. Von dem gleicben Punkte aus liegt der Gipfel des W a wam der Berg fallt landeinwarts mit einer Neigung von 32°, seewarts im Mittel unter 16° ab. Der Weg, welcber langs des Strandes an der Nordküste von Hitu hinführt, endigt ein wenig jenseits vom Tj. Tetulain, woselbst die Dörfer Ma mala und Morela liegen, well die Steilküste seine fernere Fortsetzung nacb AU unmoglich macht; nach Westen dagegen ziebt er sicb weiter um die Insel berum, zunücbst über das nabebei Hitulama gelegene AVakal nacb Hila bin, welcbes letztere von mir als Ausgangspunkt für die Besteigung des Wawani gewiiblt war,

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Die ganze Strecke zwischen Hitulama und Hila lasst sicli in drei Stunden mrücklegen uud ist mit grösster Bequemlichkeit zu begehen; denn nur am ÏJ. Hatelaüwe, im Westen von Wakal, und dem unmittelbar in der Richtung naeh Hila zu sicli auschliessenden Tj. Mamua stossen unbedeutende Auslilufer des aus Juugeruptiven Gesteinen aufgebauten Gebirges ans Meer; sonst ist überall ein üacher IJfersaum Torhanden. Weite Grasflachen wechseln dort mit lichten Waldungen ab, in denen mancbe Stellen für die Anlage von Mais- und anderen Pflanzungen nie-dergebrannt sind; die TJmgebung zalilreiclier, mit Geröllen beladener Biicbe, welche dies Gebiet durchschneiden, um am Nordstrande auszumünden, bietet fernereinen günstigen Boden für Sagupalmen, und dort siebt man die Eingeborenen mit der Zubereitung des Sagus bescbaftigt, welcber /.war vorwiegend zum eigenen Gebrauche Tervvendet, aber audi in kleinen Mengen nacb der Stadt bin verkauft wird. Die ebenfalls in dieser Gegend am Strande wachsenden Cocospalmen dienen zur Produktion von wenig Kopra, und auch der Ertrag an Muskatnüssen ist unbe-deutend, wahrend der bier gebaute Tabaek nicht einmal den eigenen Bedarf der Dörflinge deckt. Geraucherte Fische bilden wiederum eine Erwerbsquelle. Hin und wieder sieht man Haufen von Korallenstöcken am Boden liegen, welche aus dem Meere gefischt werden, um zum Kalkbrennen Verwendung zu finden; an Ort und Stelle gewachsene Korallenkalke treten aber nicht nur in der vom Hochwasser überströmten Brandungsterrasse auf, sondern, entsprecbend den f'riiher beobachteten Verhaltnissen, auch mehrfach im Walde, in einigem Abstande vom Meere, als Zeugen der stattgefundenen Strandverschiebung in quartarer Zeit.

Hila war früher ein Ort von grösserer Bedeutuug, da es ein Fort batte und zu gleicher Zeit der Wohnsitz eines Assistent-Residenten war, eines Beam ten, welcher nun nicht mehr auf Hitu auwesend ist. Das Hans des letzteren steht leer; die Feste, welche ihm gegeniiber, unmittelbar am Strande und am westlichen Ende des Dorfes, liegt, ist vor reichlich zwanzig Jahren verlassen und dem Ver-falle anheimgegeben; die Landungsbrücke am Meere und der Zugang zu der etwa 3 m. iiber die Hochwasserlinie aufragenden Terrasse, auf dem sich jene sammt der alten Amtswohnung hefindet, sind den Unbilden der Witterung und dem Andrange der Fluth orlegen. Nur die herrlichen Waringius auf dem freien Platze zwischen beiden Gebauden griinen noch wie au einstigen, besseren Tagen, in denen sie als Zeicben herrschaftlichen Wohnsitzes gepflauzt wurden. Eine freundliche Kirche grenzt daran; denn es wohnen hier auch einige Christen (Bürger), obwohl die bei weitem überwiegende Mehrzahl der Bevölkerung wiederum aus Mohammedanern besteht. Bisweilen halt auch eine handvoll Schützen quasi militairische Uebungen im Schatten der schonen Baume ab, ein groteskes Schauspiel, ebenso lacherlich wie

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Nacli N und JS W hat man von der erwahnten Terrasse einen schonen Ausblick auf das nahe Seran, hesonders anf die Halhinsel Huamual, deren Südspitze, Kap Sul, i\'86' H liegt,, und aus deren griiner Pflanzendecke grosse Klippen eines hollen Qesteins herYorleuchten. Nalie dem Qipfel iles die Halhinsel durchziehen-den Bergrückens erkennt man darunter deullieh horizontale Banke, welche mir, mit dem Fernglase hetrachtet, den Bindruck von gehobenen Korallenhanken machten, eine spater durch die Untersuchung an Ort und Stelle hestatigte Deutung. Bei klarem Wetter tritt ausserdem links vom Kap Sial die Insel Biini hervor, dessen böchste, rundliche Kuppe (N88°JV) ohue Zweifel den Bati iu a darstellt. Dort auf der Höhe sollte nachher allen meinen Reisen in Folge schwerer Erkrankung ein Ende gemacht werden.

Unmittelbar westlich von Hila liegt das Dorf Kaitktu, am rechten Ufer des Waë Loï, welcher zwischen dem Gününö Mal am an und dem höchsten Gipfel des Wawani, dem Tüxaiiühu , entspringt, wie sich nachher bei der Bestelgung des letzteren herausstellte. Es ist dies der ansehnlichste Fluss, dem ich auf Ambon be-gegnete, mit einem Bette, welches beim höchsten Wasserstande nahe der Mün-dung 154 Schril,t Breite besitzt, derzeit freilich nur von einer schmalen Ader durchströmt wurde. Der Wawani , welcher bereits auf dem Wege von Hitulama nach Hila, kurz vor letztgenanntem Orte, in isolirter Stellung liervorgetreten war, lasst vom Waë Loi aus deutlich seine beiden Qipfel erkennen, den weiter östlich gelegenen Tunahuhu und die niedrigere Spitze, welche von der Bevölkerung der

nutzlos, welches nur den VVunscli aufkommen lasst, man moge juit ihnen iu gleicher Wei.se verfahren wie mit dem überflüssig gewordenen Fort.

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Nordküste als Wawaui im engeren Sinne bezeichnet wird. Hienach sollte man den ganzen lierg eigentlich Tunahuhu nennen; doch ist letzterer Name in Leitimor wobl kaum gekannt; stets hörte icli vom Wawani sprecheu, und würde also die ricli-tige Namengebung voraussichtlich nur zu Verwirrungen leiten. Es braucht kaum hervorgelioben zu werden, dass kein Weg aut' den Gipfel des Berges hinauffübrl., ebensowenig, daas man die dicht bewaldete ïïölie nur zu Fuss erreichen kann, und ich durfte zufrieden sein, als der alte Radja von Hila, mit dem ich lange Unter-handlungen über die Bescbaffung von Leuten für die Besteigung des Wawani führen musste, sich endlich entschloss, eine Anzahl Manner vorauszusenden, welche den besten Pfad suchen und etwaige Hindernisse fortraumen sollten. Zum ersten Male lernte ich liier kennen, wie wenig bereitwillig die Mohammedaner sind, irgend welche Dienste zu leisten, selbst bei den warmsten Empfehlungen seitens der Eegierung und gegen gute Bezahlung. Meinem Wunsche, droben eine Hütte zum Nachtverbleib zu bauen, um auf diese Weise gründlichere Untersuchungen an-stellen zu können, wollte man durchaus nicht nachkommen, und zwar unter dem falschen Verwande, dass aich da hinauf kein Atapp transportiren lasse und oben-drein die nöthige Bodenflache für die Brrichtung eines Schutzdaches fehle. Es blieb mir nichts auderes übrig, als auf diesen Theil meines Planes zu verzichten; doch erlüelt ich das Versprechen, dass man midi auf beide Berggipfel führen wolle.

Inzwischen war die alte, leere Beamtenwohnung, in die ich eingezogen, all-mablich mit den uothwendigsten Möbelstüeken ausgestattet worden; in langen Zwischenraumen batte man einen Tisch , einen Stuhl u. dgl. m. herbeigebracht; dann traf auch die Frau des Radja, die njora, ein, nm für mich kocben zu lassen, und ich hatte nach Erledigung der geschaftlicben Yerabredungen über nichts mehr zu klagen. Dass ich stets noch mit Schaudern an eine mohamme-daniscbe Bewirthung zurückdenke, wo immer sie mir auch gebot en wurde, kann man ja den freundlichen Gastwirthen, welche es wobl mit einem meinten, nicht zur Last legen.

Der ganze Nachmittag des 14ten Decembers war mit Conferenzen verflossen, an denen ausser dem Radja von Hila auch der Regent von Kaitetu und verschie-dene Kapalasoas') theilgenommen; dann wurde am 15tcn der Weg vorbereitet und am folgenden Tage um 4.J Ulir nachts die Reise angetreten, um die Besteigung des Berges in den kühlen Morgenstunden vornehmen zu können; deun es war bis zum Fusse des Wawani noch zuniichst eine grössere Strecke am ötrande zurück-zulegen. Es ging über den VVaë Lüï nach Westen, durch Wald und Gras und Btiche, olme Fackeln; denn der Mond stand klar am Himmel und zauberte einen

1) Vgl. oben pag. 6.

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prachtigen Silberspiegel auf die Meeresfliiche, welche hin und wieder siclitbar ward, uad aus der Seran sich deutlich einer dunklen Mauer gleich heraushob. Gegen das Nachtgestirn liin sah man dunkle, pliantastische, rein flachenhaft erscheinende liilder der Baume, von ilim weg in den Wald hineinblickend überall glitzernde Strablen auf den blanken, raschelnden Palmfiedern und fast mannsbohen Griisern. Der Waë Oiungkaja, W. Lemann, W. Lolla und W. Olang wurden nacb eiu-ander passirt, sammtlich unbedeutende Biicbe, und unmittelbar nacb dem Ueber-schreiten des letzteren befanden wir uns an dem Punkte, wo gleicb vom Sir an de aus der Anstieg zum Wawani begann. Den Abstand von Hila bis bieher batten wir in 50 Minuten zurückgelegt.

Es galt zunachst einige niedrige, aber sebr steile, sparlicb bewaebsene Kup-pen zu überwinden, welcbe scbon in sebr geringer Meereshöbe einen scbönen Aus-blick nacb O bin eröffnen; deun es erscbeint über der flaclien Landzunge von Uila der bobe, gebirgige Tbeil des nordöstlichen Hitu, worin sieb A 85°O der K.aJ'A-iiaha als der bedeutendste der wabrnebmbaren Gipfel erbebt, vielleicbt doppelt so bocli wie der G. Sktan. Letzterer stellt sicb von bier aus wiederum als eine scbarfe, pyramidenartige Spitze dar, welcbe aus dem vom Kapahaba ziemlicb gleicb-massig nacb A' abfallenden Gebirge zabnartig bervorragt; in weiter F erne die östlicbe Greuze der Pirubai, eingefasst von den Höhen Serans.

Gleicb darauf traten wir in den Wald ein, woselbst die Steigung anfangs nicbt sebr bedeutend ist, wabrend recbts vom Wege iu der Tiefe der W. Kat,a Uli tliesst, welcber beim gleicbnamigen Kap an der Nordküste ausmündet, und 55 Minuten nacb dem Aufbrucbe vom Strande befanden wir uns am W. Lira,a , einem Nebenbacbe des oben genannten ülanö, in 294 m. Meeresböbe. Nun ward der Lilla überscbritten, der Weg fiibrte an seinem rechten Ufer aufwarts, und nacb kurzem gingen wir auf einem scbmalen Grat mit beiderseits steil abfallenden Hangen, bestanden mit bolien Baumen, unter denen !Kun mar a alba Humph, be-sonders baiifig ist. Auf diesem Rücken gebt es fast bis zum böebsten Gipfel des Berges, dem Tunahuhu, aufwarts, oft lange Strecken am Abgrunde bin, welcber zur linken mit fast senkrecbten Wanden in die Tiefe stürzl, und über den binaus man noch einmal einen Bliek auf den Nordstrand geniesst. Vielfach betragt die Breite des Grats nur 15—20 Schritte und gegen die Spitze wird es sogar zu eiuer dacbartigen Firste von kaum 5 Scbritt Ausdebnung, über welcbe der W eg stellen, weise mit 30° Neigung hingebt. Gefallene Biiume mehren sich auf dem steilen Pfade; der Stock tindet in dem Wurzelgellechte keinen Boden mehr, und bei un-vorsichtigem Auftreten siukt man selbst leiebt einmal bis an die Kniee dahinein.

Je weiter wir aufwarts kamen, desto schwieriger ward das Gehen; demi oben hangen die Wurzeln der Baume bisweilen geradezu in der Luft, vermuthlich weil

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das Erdreich darunter weggespült wurde, und wie Springfedern geben sie dem bodensuclienden Fusse nach. Dabei war alles l'eucht und schlüpfrig; deun wir gingen im dichten Nebel, und nnaufhörlich tröpfelte es von den Baumeu des jetzt ziem-lich lichten Waides, welcber aiü' dem Gipfel einen höchst eigeuthiimlichen Charak-ter angenommen hat, so wie ich es aul' spateren Eeisen niemals wieder gesehen. Hier begegnet man kaum eiuem nachten Zweige oder Stamm; sondern tast alles ist mit dickem, licht-gelblich-grünem Moos bokleidet, so dass wenige Finger starke Baume in dieser Vermummung sclion ansehnliche Dimensionen zn besitzen schei-nen und der Unterschied im Durchmesser von Aesten und Stammen niclit sonder-lich hervortritt. Bald stehen dieselben gieich Saulen aufreoht neben- bald lehnen sie an-einander, bald wieder sieht man in einem Dnrchblicke thorartig umrahmte Zusammenstellungen vou Biiumen und Zweigen, alle von dem weichen Polster um-geben und mit herabhangenden Barten und Zöpl'en von Moos drapirt. üa/.u gesellen sich viele, schlanke Freyciuetien, die an jedem ihrer spitzen Blatter einen glitzernden Thautropfen tragen, ferner Nepenthes (vermnthlich iV. Hoschiana Korlh.) in ungezühlten Mengen. Ueberall hangen die Blattstielranken der letzteren, welche sich bekanntlich an ihrer Spitze zu einem urnenartigen, auf'rechien Schlauch erweitern und daher auf Ambon lampajan setan (Teufelskrug) genanut werden, von Baumen und Strauchern hernieder; Lycopodiuni cernunm BI. wachst vielfach am Boden, namentlich auch auf der höchsten Spitze des Tunahuhu (903 m.).

Wir waren bis hieher vom Fusse des Berges fast obne jede Unterbrechung 3 Stunden und 20 Minuten gestiegen; nur einige Aneroidablesungen batten einen geringen Aufenthalt verursacht, weil das Sammeln von Gesteinen auf dem Rück-wege geschehen sollte. Allmahlig lüftete nun der Gipfel hie und da seine Nebel-kappe, die ihn in früher Morgenstunde noch bedeckte; bald wurde im Süden bald wieder im Norden ein Stück der Aussicht frei. TJeber den G. Malaman weg , welcber in unmittelbarer Niihe S 25° O liegt, blickte man auf die Bai vou Ambon und Leilimor, jenseits sogleicb über die niicbsten Baumkronen auf den Strand, da der Tunahuhu nach A steil abfallt. Aber eine weite Rundsicht, auf die icli gehofft, war leider nicht vorhanden, weil die Leute von Hila nur einen kleinen Theil der niedrigen Biiume des Gipfels umgebackt batten und der Platz wahrend meiuer Anwesenheit aucli nicht mehr frei gemaclit werden konnte. So Hess sich denn nur eine geringe Zabl von Peilungen anstellen, obwobl der Tunahuhu bei besserer Vorbereitung unstreitig eins der lebrreichsten Uebersichtsbilder geliefert haben würde. Auch batte man auf dem Gipfel sehr gut eine kleine Hütte für den Nacht-verbleib errichten können, wenn auch der Raum daselbst beschriinkt ist, und mit Verdruss bemerkte ich, dass der Radja von Hila mir falsche Mittheilungen ge-macht habe. Damit noch nicht genug, erklarten mir jetzt auch meine Begleiter,

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dass sie einen Weg auf die zweite Spitze des Berges, den Wawaui im engereu Siime, gar niclit. kennten. Mag sein, dass sie die Wabrheit sagten; demi ich ver-nahm spiiter tou einem Ambonesen, welclier diesen Gipfel wiederholt bestiegen batte, dass man am besten von dem westlicb von Hila gelegenen Orte Seit hin-aufgelange. Indessen war für micb die Enttauscliung gross, und ich batte nachber um so mebr Grund, das lialbe Misslingen der Bergbesteigung zn beklagen, als derselbe Mann mir mittbeilte, dass sick auf dem Wawaui ein grosses, rundes M eer beilnde. Main Gewabrsmann zeigte sicb imch über den Tunabuhu so gut uuterricbtet, dass wobl kein Grund besteld , seine Aussage in Zweifel zu zieben, und halte ich es für wahrscheinlich, dass jenes Meer einen alten Krater des Berges darstellt; denn letzterer ist eine Yulkanruine.

Am 17ton December kehrte ich von Ilila aus geraden Wegs über Hitulama nacb Rumatiga, an der Südküste von Ilitu, zurück, um am darauf folgenden Tage noch einen Ausflug nacb der Landenge von Passo zu unternehmen. Die Ergebnisse der Excursion können freilich au diesem Orte kaum von Interesse sein; indessen möge noch kurz der Verbindung gedacht werden, welche über die niedrige, nur etwa 1200 m. breite Enge bin zwischeu der Bai von Ambon im Westen und der-jenigen von bafttiala im Osten besteht, und welche namentlich für den Verkehr mit den üliassern von Bedeutung ist. Zur Vermeidung des langen und oftmals gefahrlicben Weges um Leitimor bin hat man hier einen Kanal angelegt, der aber östlicb von Passo, an der Bucht von Baguala, wieder versandet ist. Dort pflegt man nun die Prauen etwa 200 Scbritte weit über Land zu zieben, bis sie in den noch offenen Theil des Grabens gelangen, welcher allein zur Flutlizeit mit Wasser gefüllt ist. Der ganze Weg über die Landenge lasst sicb in einer guten Viertelstunde zu Fuss zurücklegen.

Die Reise von Rumatiga nacb Passo und zurück nacb erstgenanntem Orte war meine letzte auf der Insel Ambon; denn ich wollte vorlaufig von einer sicb gerade bietenden Gelegenheit, Saparua zu besuchen, Gebrauch macben; Zweck-raassigkeitsrücksichten führten micb daim nacb Nusalaut und Haruku, darauf zunachst nacb Seran, weiterhin nacb Buru, und als ich spiiter von dort aus nacb Ambon zurückkebrte, war ich so schwer erkrankt, dass jede fernere Untersuchung des Bilands unterbleibeu musste.

Doch kann ich von ihm nicht Abscbied nehmen, olme noch einen Augen-blick seiner wunderbaren Nachte zu gedenken, und in dieser Hinsicht stehen mir einige Stunden in Rumatiga, am Ufer der Bai, als eine der schönsten Erinnerun-gen vor Augen: Deutlich ist das gegenüberliegende Leitimor beim hellen Licht der Sterne zu erkennen; blauduftig heben sioh die Berge aus dem Schoosse des

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Meeres hervor, und sogar den Serimaü nimmt man ohne Schwierigkeit walir; darüber wetterleuchtet's, und ein Süberspiegel liegt auf dem stillen Wasser der Bucht; langsam laufen kleine, leuchtende Wellen auf den Strand; jeder Tritt in seinem Sande liisst ungezahlte Funken aufblitzen. Zablreiche Lichter gleiten hell-lodernd in der (legend der Binneubai über die Wasserfltiche bin, als ob dort ein Feuerwerk veranstaltet würde. Sie rühren von Fiscbern her, welche mittelst Fackeln — in der Regel aus Dammer (Harz von Bammara) bestebend, welches in Sagu-bliitter eingewickelt ist — die Fische berbeilocken, um sie alsdann mit einem Netze /u schöpfen '). Von der gegenüberliegenden Küste schimmern die Lichter der Wohnungen berüber; an einem nahen, blüthenbedeckten Baume gaukeln viele Lampyriden auf und nieder, ohne indessen ihren Platz sebr oft zu wechseln, so dass es bisweilen fast aussieht, als stande da ein Weihnachtsbaum, und riesigen Federbiischeln gleicb zeichnen sich die Palmenkronen am Nachthimmel ah. Ihr zartes Eascbeln, das Locken und Zirpen der Insektemvelt, ein leises Rauscben der Wellen und vielleicht aus der Ferne der Ton einer tifa (Trommel; Taf. 7, Fig. 1) oder eines (jong — das ist alles, was das Ohr vernimmt.

2. DIE ü LI ASSER.

Am 22ten December fubr ich mit dem Regierungsdampfer Arend nach Sai'Akua, der bedeutsainaten unter den drei Uliassern (Harukü, Sapaiiua und Nüsalaut). Sie ist zugleicli der Sitz eines Controleurs, d. h. eines Beamten, welcher in diesen Gegenden in Wirklichkeit nichts weniger als ein controleur in des Wortes eigentlicher Bedeutung ist, sondern die höcbste, gleicb unter dem Residenten stebende und mit den mannigfacbsten Geschaften betraute Civilperson.

Scbon sofort nach dem Verlassen der Bal von Ambon kamen die Uliasser nebst Seran zu Gesicbt, und vor allem der G. Boï auf Saparua trat alsbald als einer der meist charakteristischen Gipfel hervor. Es ist dies ein Berg von nur etwa 280 m. Höbe, der aber doch zu den ansehnlichsten des Bilands gehort und die tiefe, von S nach TV einschneidende Bucht von Saparua in S1F einem Pfeiler gleicb abschliesst. Die runde Ruppe des Boï und seine steil zum Meere abfallende, massive Südwand verleihen ihm eine so eigenartige Profillinie, dass man den Berg sogar von den Höben, welche auf Seran das Innere der Pirubai begrenzen, mit Leichtigkeit wiedererkennt. Südwestlich von ihm liegt eine kleine, hügelige.

1) Bei Piru, im Innern der gloichnamigen liai an der Südküste Serans, sah ich spiitor dasselbe Schauspicl.

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aber vielleicht noch über 100 ni, ansteigende Insel namens Mflano, ferner östlich vom Kap 13oï, ganz nahe dem Lande, Pdlu Pombo, eine unbedeutende Klippe, die von 10 m. hohen und steil aus dem Wasser aufragenden Korallen-kalken gebildet ist, aber von einem üppigen Pflanzenwucbse gekrönt wird, wel-cber sicb gleicb einem riesigen, dem Ankömmlinge hingeworfenen Strausse prae-sentirt. Hier entlang fahren wir in die erwabnte, tiefe Bucbt ein, welnbe sicli nach N bin mehr und melir verengt, um scbliesslicb in ilirem innersten Winkel nocb wieder eine fast kreisformige Binnenbai zu bilden, die Bai von Sapaüua genannt. Dort liegt der Hauptort, gleicben Namens mit dem Eilande, und nicht lange, so lasst der Dampfer nach 7-stündiger Fahrt westlich vom Fort DüüiiSïKüE im sicberen Haten seinen Anker fallen; der Controleur K.H.F.Roos empfangt raich und bietet mir in liebenswiirdigster Weise seine Wobuung zuni Aufenthalte an, und so kann die Untersucbung von Saparua unter den günstigsten TJmstanden in Angriff genommeu werden.

Die Insel bat nahezu die Form eines scbiefen Krauzes, da von Norden lier eine abnlich dreiseitige Bucbt wie von Süden aus ins Land einschneidet, und ibre Berge sind nicht bedeutend, ragen wobl nirgends mehr als 280 m. über den Spiegel des Meeres hervor und dürften im Mittel etwa 200 m. Höbe besitzen, wahrend sie vielerorts weit hinter diesem Maasse zurückbleiben. Sie sind baufig oben horizontal abgeachnitten und dann dicht bewaldet, wie zum Beispiel der Gr. Rila (224 m.) im N des Hauptortes, oder sie bilden flache Wellen, deren Pflanzenkleid bisweilen fast ausscbliesslich aus niedrigem Gras besteht, wahrend sich anderenorts kajuputi hiemit miscbt. Das ist namentlich der Fall in der Mitte der Insel, woselbst unter anderen eine kahle, niedrige und tluch gewölbte Anböhe, die schon gleicb bei der Ankunft auffallt, den bezeicbnenden Namen Frikadel (129 m.) erbalten hat, Ansehnlichere Kuppen wie der Boï, ferner der Massa und Lataiu'iiu, im Westen des Eilands und nördlich von Porto, sind wiederum gleieh den Bergrücken mit ahgeplatteten GHpfeln von dichtem Grün bedeckt '). Da es aber an Flüssen von einiger Bedeutung und an ausgedeiinten Sumpfgebieten felilt, so gelangt der Pllanzenwucbs auf Saparua nicht zu der grossartigen Entwickelung, welche den Europaeer in tropiscben Gegenden so manchmal zu staunender Bewunderung hinreisst, und trotz vieler Schöuheit, welche manche kleinere Vegetationsbilder bieten, ist das Ganze doch ziemlich anspruchslos.

Stimmungen sind der Natur als soldier bekanntlich fremd und baben mit ihrer Scbönheit nur indirekt zu schaffen; sie mussen von der Person in die Aussen-

1) Für weitere Einzolheiten, die Geographic dor Uliasser betreflFend, vorweise ich aul'die Karte, welche durch G. W'. W. C. van Hoëvell entworfen wurde und die meines Wissens das Beste ist, was hier-über existirt. (in: „Ambon en moer bepaaldelijk do Oeliassersquot;).

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welt liineingetragen werden und besitzeii somit stets eine sehr subjektive Farbung. Ich machte aber auf Saparua au mir selber mm ersten Male die Erfahrung, dass die tropische Vegetation, falls sie nicht durch grossartige Fülle und Urwüch-sigkeit impouirt, kaura den Eindruck machen kann, den eine europaeische Waldung hervorzurufen im stande ist. Der melancholisch rauschende ïannenwald, der krilftige, wetterstrotzende Eichwald, der Buchenwald, dessen junges Unterholz durch die ersten Frühlingsstrahlen aus dem Schlafe geweckt wird — sie sind für mich weit schoner als ein Tropenbild bei magerem Boden; denn diesem fehlt die Stimmung! Oder sollte auch hier nur die Macht der Erinnerung und. der Gewohn-heit gegenüber dem Ungewohnten und Halbbegriffenen einen unverdienten Sieg davontragen ?

Wenn aber auch Saparua weder durch Schönheit ausgezeichnete Eeliefformen noch imposante Waldungen beaitzt, so ist das Eiland mit seiner frohen und au-spruchslosen Bevölkerung doch eine liebliche, liindliche Idylle, und mit eintachen ümrissen der Berge und freundlichem Griin vereint sich das Meer zur Bildung von Landschaften, die, ohne Grossartigkeit zu beanspruchen, auf die Dauer mehr und mehr behagen. Sein Qlanzpunkt aber ist die Binnenbai, an der auch das Haus meines Gastherrn lag, und auf die ich manche Stunden geblickt habe, durch diinn gepdanzte Oocospalmen und Brodbiiume hin, welche hier das Ufer einfassen. Zur rechten liegt Tandjung 1'apeiiü (S 40.1° O), welches die Binnenbai von Saparua im Süden abschliesst, in grösserer Ferne (S5900) springt die süd-östliche Ecke der Insel, das ïj, Ow, von links vor, und zwischen beide schiebt sich coulissenartig die kleinste der Uliasser, Nüsalaut, ein. Der grösste Theil des letzteren ist sichtbar, darunter der etwa 250 m. hohe Rusisina, dessen Fuss die Südwestecke des Eilands (lt;S,46A00) darstellt; zwischen ihm und das Kap von Paperu bleibt ein freier Durchblick auf den offenen Ocean.

Bald windbewegt, von tausend kleinen, aufblitzenden Wellen bedeckt, bald still wie ein Binnensee, bald blaugrün gefiirbt, bald übergossen von den Strahlen der uutergelienden Sonne, ist das Wasser der Bai in stetem Wechsel begriffen — am schönsten aber erschien es mir an ruhigen Abenden: Es schlaft das Meer; langsam und regelmüssig heben sich die flachen Wellen auf und ab, langen, ruhigen Atliemzügen gleich, und wie Traumbilder blitzen darin die phosphores-cirenden Thiere auf. Bald ist's, als ob plötzlich ein Stück Phosphor, handgrosses, helles Licht verbreitend, im Wasser entzündet würde, bald als ob feurige Schlan-gen hindurchfüliren, und so oft ich auch das Meerleuchten mit all seiner Pracht in den Tropen bewunderte, niemals sah ich Aelinliches, wie bisweilen hier in der Bai. Plötzlich blitzten die Thiere auf, um hernach an Lichtatarke allmiihlich wieder abzunehmen und bald darauf entweder mit neuer Lebensenergie zu erglanzen

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oder anderen Weseu von gleieher Leuclitkraft den Platz zu raumen. Dem Fischer, welcher dort sein Netz aus dem Wasser holt, ist aber all dies Leben nicht viel nutze; denn obwohl die kleineren, feurigen Thierchen ungezahlten Edelsteinen gleich mit an Bord gezogen werden, so fehlt doch die Beuto. Das Netz selbst ruft im Wasser das Phosphoresciren hervor, nnd der Fisch, so dumm er ist, fürchtet sicb vor dem goldigen Qlanze — er geht nicht hinein, und langsam lenkt der Fischersmann sein Boot zum Ufer zurück. Aus dem weisslichen Wasser, welches seine Ruder aufwerfen, triefen und spritzen nach eingetretener Dunkel-heit die Funken, einem zerstaubenden Raketenfeuer ahnlich.

Wie ruhig schmiegt sich das Aleer iu jede Bucht hinein, als ob es dem Lande niemals etwas zu Leide tliiite; aber Meer und Land liegen in bestandigem Streite, zankenden Kindern gleich, die doch nicht von einander lassen könneu: Vor geologisch kurzer Zeit noch strömten hier glühende Massen aus dem Schoosse der Erde; denn die ganze Insel ist eine einzige Vulkanruine; sie erstarrten, und Korallenbauten, prachtige Blumenfelder des Meeres, siedelten sich auf ihnen an. Aber noch immer kam die Erde, welche die Eruptivgesteine geboren, nicht zur Ruhe; sie erzitterte wieder und wieder, und allmablig hoben sich die Rili'e so hoch über den Spiegel des Oceans, dass sie jetzt riesigen Leichensteinen gleich auf den Gipfeln der Berge lagern, das erkaltete Leben deckend, freundlich ver-hüllt und umraukt von dem Pflanzenwuchse, welcher sich auf ihnen ansiedelte. Sie sind es, welche den abgeplatteten ïïöhen ihre charakteristische Profillinie ver-leihen. Nun dringen die Pflanzen hinein ins Gesteiu, um es mit ihren Wurzeln zu zersprengen; nun tropft der Regen darauf hernieder; nun beginnt langsam alles zu zerbröckeln und zu verwittern, um unter Mitwirkung des abtliessenden Wassers allmablig wieder dem Meere zugeführt zu werden. Aber auch die Wellen arbeiten am Strande an der Zerstörung des Landes; am Tandjung Papbru sind unter anderem die gehobenen Korallenkalke gewölbeartig bis zu einer Höhe von etwa 10 m. erodirt, und am aussersten Ende desselben ist die oben abgeflachte Gesteinsbank hoch über dem Wasser in Folge solcber Zerstörung lippenartig vor-gezogen; daher der selir charakteristische Name „hangende Lippequot;. Ueberall aber sind am Meere die Felsen tief zerfressen, willkommene Schlupfwinkel für die zahlreichen Krabben bietend, die hier in grosser Zahl umberkriechen und sicb beim Niiliern des Bootes schleunigsl in die ïïöhlungen zurückziehen.

So lieferi; uns die Insel ein lehrreiches Beispiel des Entstehens und Vergehens, und wenn ich mir erlaubte, dies in ein allgemein gehaltenes Bild zu kleiden, wie es dem strengen Naturforscher kaum geziemt, so wird man vielleicht eine Entschuldigung darin finden, dass dem Ganzen zahlreiche Einzelbeobachtungen zu Grunde liegen, welche der Richtigkeit der Schildernng die nöthige Stütze verleihen.

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Die Bid von Saparua halte icli für den Hauptkrater des alten Vulkanes, wel-clier die Insel gebildet hat, und in der Zeit, als die Korallenkalke sich auf den Eruptivgesteinen ansiedelten, ist dieser Krater vermuthlich durch die Meeresero-sion von Südeu her geöffnet worden.

Einige Einzelheiten mogen dem Obigen noch hinzugefügt werden, und unter ihnen in erster Linie das Vorkommen warmer Quellen {ajar punas) auf Saparua, Zeichen der jetzt schlummernden vulkanischen Thiitigkeit. Folgt man dem beque-men Wege, welcher vom Hauptorte aus quer (lurch die Insel zu dem am West-strande gelegenen Porto fiihrt, so gelangt man zunachst in ein nahezu ehenes Gebiet, in dem zahlreiche Djatihaume (Tedona grandu Lf.) wachsen. Diese Pflan-zungen sind hier früher au f Veranlassung der llegierung angelegt, werden aber jetzt sohlecht gepflegt, und das Holz, welches sie liefern, ist nicht so gut wie das Djatiholz von Java '); es wird auf Saparua hauptsachlich zur Herstellung von Böten benutzt. Der Boden des lichten Waldes ist mit zahlreichen, losen Blöcken von Korallenkalk bestreut, die, ohae besondere Grosse zu erreichen, durch ihre poröse, schwamm- oder wabenartig erscheinende Oberflache und ihre graue bis schwarze Verwitterungsrinde auffallen. Auf den ersten Anblick könnte man sie für üeberreste von früher zusammenhangenden Banken ansehen; doch lehrt der Ver-gleich mit recenten llifi'en, dase dort ahnliche Blöcke ohne Verband mit den aus-gedelmteren Kalkmassen auf den Brandungsterrassen liegen, und eine solche dürfte auch in dieser Gegend ehemals existirl haben.

Nach einem Marsche von 20 Minuten verlasst man den Hauptweg und geht nun in einem ziemlich weiten Bogen noch ebensolange südwarts, nach einem Punkte also, welcher westlich von der Binneubai der Insel gelegen ist. Dort findet man, umgeben von sehr unbedeutenden Bodenwellen, einen Morast, welcher zur Regenzeit ganz von Wasser hedeckt wird, wogegen zur Trockenzeit nur ein etwa 30 m. langer Pfuhl von ovalem Umrisse übrig bleibl , zu dem man ohne sonder-liche Mühe mittelst einiger in den Weg geworfener Baumstamme gelangen kann. Der Boden des seichten Wassers ist mit gelbbraunem Schlamme bedeckt; doch treten darin drei Quellen zu Tage, von deuen zwei zur Bildung kraterartiger Oeflhungen Anlass gegeben haben. Eine der letzteren war rundlich, batte einen Durchmesser von etwa 5m., eine Tiefe von 2,8 m., und ihr dampfendes Wasser eine Temperatur von 57° 0.1) Die andere war etwas grosser und ein wenig in die Lilnge gezogen; ihre Tiefe und Temperatur vermochte ich aber nicht zu mes-

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Jn l.'oberoinstiminung hicuuil gab beroits lleinwardt 134° F. an. (Reis, pag. 4-16).

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sen, da sie mir unzugiinglioh war; demi auch zu der ersterwahnlen Quelle, konnte man nur mit Hili'e einer eigens zu diesem Zwecke gebauten Brücke gelangen, und es lohnte sich schwerlich der Mühe, dieselbe umstandliche Arbeit nochmals verrieh-ten zu lassen. Das Wasser hat nach der üntersuchung von Herm Professor van Bemmelen die Zusammensetzung eines verdüunteii Seewassers; es verliert aich nach iV hin in den Wald, und hier soil sieh in geringem Ahstande noch eine andere warme Quelle befinden, die ich aber in dem schwer passirbaren Terrain nicht besuchie.

Im Westen, woselbst der erwahnte Hauptweg kurz vor Porto über einen niedrigen Ausliiuf'er des Latahuhu hinfiihrt, iat das Land flachhiigelig, und in seinen Nie-derungen befinden sich in der weiteren ümgebung des genannten Ortes zahlreiche Sagupalmen. Deun hier wird mehr Sagumehl bereitet als in allen anderen Dör-l'ern der Insel, so dass dasselbe nicht nur zur Befriedigung des eigenen Bedarfes von Porto, sondern auch noch zum Verkaufe dienen kann; übrigens reicht aber der Ertrag au Sagu, den das Eiland Saparua als Gauzes lietert, keineswegs tïïr seine Bevölkerung aus. Den Auslall decken die Leute vielfach mit Hilfe der Küstenbewohner des benachbarten Seran, denen sie gegen Lief'erung von Sagu wiederum mit anderen, je nach Umstanden verschiedenen Dingen ausheli'en; deun die betreffenden Dörfer schliessen zu solchem Zwecke einen Bund {pcla).

Liinger als mir lieb war, wurde ich infolge eines ünfalls in Saparua festge-halten; doch erfuhren meine zoologischen Sammlungen in dieser Zeit manche werthvolle Bereicherung.

Durch Vermittelung meines liebenswürdigen Gastherrn, welcher mich brüder-lich verpflegte, gelangte ich unter anderen in den Besitz eines lebenden Nautilus pompilim L., ein Glück, welches bislang bekanntlich uur selten eineiu Natur-forscher zu Theil wurde, obwohl es doch gar nicht schwer ist, sich in diesen Ge-geuden das Thier zu verschaffen. Freilich ist es nicht allzuhautig, und die Ein-wohner von Saparua erklaren dies durch den Umstand, dass Delphine dem Koptfüsser eifrigst nachstellen; doch wird es öfter auf den Strand geworfen, besonders nach stürmischem Wetter, und das erwahnte, noch lebende Exemplar war sogar in einem Fischkorbe bei der kleinen Insel Melano gelangen. Ein zweites erhielt ich spater von Nusalaut, und gewiss werden die Leute, falls sie auf gute Bezablung rechnen dürfen, einem jeden, der Zeit zu langerem Verbleibe bat, den Nautilus in grösserer Zahl besorgen, so dass hier also dem Zoologcn öelegenheit zur niiheren Üntersuchung des wichtigen Thieres geboten sein würde.

Das Exemplar, welches mir noch lebend gebracht wurde, war leider schon sehr ermattet, so dass es im Wasser keine Bewegungen mehr ausfiihrte, sondern ins Gehause zurückgezogen blieb (Taf. 8, Fig. 5). Hiebei wurde die Mündung

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Die Bai von Saparua halte ich für deu Hauptkrater des alten Vulkanes, wel-cher die lusel gebiklet hat, und in der Zeit, als die Korallenkalke sich auf den Eruptivgesteinen ansiedelten, ist dieser Krater vermuthlich durch die Meeresero-sion von Süden her geöffnet worden.

Einige Einzelheiten mogen dem Obigen noch hinzugefiigt werden, und unter ihnen in erster Linie das Vorkommen wanner Quellen (ajar panas) auf Saparua, Zeichen der jetzt schlummernden vulkaiiischen Thatigkeit. Folgt man dem beque-inen ^rege, welcher vom Hauptorte aus quer durch die Insel zu dem am West-strande gelegenen Porto führt, so gelangt man zunachst in ein nahezu ehenes Gehiet, in dem zahlreiche Djatibaume (Teclona grandu L.f.) wachsen. Diese Pflan-zungen sind hier früher auf Veranlassung der Regierung angelegt, werden aber jetzt schlecht gepflegt, und das Holz, welches sie liefern, ist nicht so gut wie das Djatiholz von Java '); es wird auf Saparua hauptsachlich zur Herstellung von Boten benutzt. Der Boden des lichten VValdes ist mit zablreichen, losen Blöcken von Korallenkalk bestreut, die, ohne besondere Grosse zu erreichen, durch ihre poröse, schwamm- oder wabenartig erscheinende überflache und ihre graue bis schwarze Verwitterungsrinde auffallen. Auf den ersten Anblick könnte man sie für Deberreste ven früher zusammenhangenden Banken ansehen; doch lehrt der Ver-gleicli mit recenten Eifl'en, daas dort ahnliche Blöcke ohne Verband mit den aus-gedehnteren Kalkmassen auf den Brandungsterrassen liegen, und eine solche dürfte auch in dieser Qegend ehemals existirt haben.

Nach einem Marsche von 20 Minuten verliisst man den Hauptweg und geht nun in einem ziemlich weiten Bogen noch ebensolange südwarts, nach einem Punkte also, welcher westlich von der Binnenbai der Insel gelegen ist. Dort findet man, umgeben von sehr unbedeutenden Bodenwellen, einen Morast, welcher zur Regenzeit ganz von Wasser bedeckt wird, wogegen zur Trockenzeit nur ein etwa 30 m. langer Pfuhl von ovalem Umrisse übrig bleibt, zu dem man ohne sonder-liche Mühe mittelst einiger in den Weg geworfeuer Baumstamme gelangen kann. Der Boden des seichten Wassers ist mit gelbbraunem Schlamme bedeckt; doch treten darin drei Quellen zu Tage, von denen zwei zur Bildung kraterartiger Oetfnungen Anlass gegeben haben. Eine der letzteren war rundlich, hatte einen Durchmesser von etwa 5m., eine Tiefe von 2,8 m., und ihr dampfendes Wasser eine Temperatur von 57quot; C. 1) Die andere war etwas grosser und ein wenig in die Liinge gezogen; ihre Tiefe und Temperatur vermochte ich aber nicht zu mes-

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In Uüboreinstiminung hiomit gab bereits Reinwardt 134° F. an. (Keis, pag. 446).

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sen, da sie mir unzugilnglich war; denn audi zu der ersterwahnten Quelle konnte man uur mit Hilfe einer eigens zu diesem Zwecke gebauten Brücke gelangen, und es lolinte sicli schwerlich der Mühe, dieselbe umstiindliche Arbeit uochmals verrichten zu lassen. Das Wasser hat nach der- üntersuchung von Herrn Professor van Bemmelen die Zusammensetzung eines verdiinnten See wassers; es verliert sich nach iV lün in den Wald, und bier soil sich in geringem Abstande noch eine andere warme Quelle betinden, die ich aber in dem schwer passirbaren Terrain nicht besuchte.

Ira Westen, woselbst der erwahnte Hauptweg kurz vor Porto über einen niedrigen Auslaul'er des Latahubu hinfuhrl,, ist das Laud llachluigelig, und in seinen Nie-derungen befinden sich in der weiteren Umgebung des genannten Ortes zahlreiche Sagupalmen. Denn liier wird mehr Sagumehl bereitet als in allen anderen Dor-fern der Insel, so dass dasselbe nicht uur zur Befriedigung des eigenen Bedarfes von Porto, sondern audi nocli zum Verkaufe dienen kaim; iibrigens reicht aber der Ertrag an Sagu, den das Eiland Saparua als Gauzes liefert, keineswegs fiir seine Bevölkerung aus. Den Ausfall decken die Leute vielfach mit Hilfe der Küstenbewohner des benachbarten Seran, denen sie gegen Lieferung von Sagu wiederum mit anderen, je nach Umstanden versclüedenen Dingen aushelfeu; denn die betreflenden Dörfer scbliessen zu solchem Zwecke einen Bund (pcla).

Langer als mir lieb war, wurde ich infolge eines Onfalls in Saparua festge-halten; doch erfubren meine zoologischen Sammlungen in dieser Zeit manche werthvolle Bereicherung.

Durch Vermittelung meines liebenswürdigen Gastherrn, welcher mich briider-lich verpflegte, gelangte ich unter anderen in den Besitz eines lebenden Nauülm pompilim L., ein Gliick, welches bislang bekanntlich nur selten einem Natur-forscher zu Theil wurde, obwohl es doch gar niclit schwer ist, sich in diesen Qe-genden das Thier zu verschaflen. Freilich ist es nicht allzuhaufig, und die Ein-wohner von Saparua erkliiren dies durch den Umstand, dass Delphine dem Koptfiisser eifrigst uachstellen; doch wird es öfter auf den Strand geworfen, besonders nach stürmischem Wetter, und das erwahnte, noch lebende Exemplar war sogar in einem Fischkorbe bei der kleinen insel Melano gefangen. Ein zweites ei'hielt ich spater von Nusalaut, und gewiss werden die Leute, falls sie auf gate Bezablung rechnen dürfen, einem jeden, der Zeit zu liingerem Verbleibe hat, den Nautilus in grösserer Zahl besorgen, so dass hier also dem Zoologen Gelegenheit zur niiheren Üntersuchung des wichtigen Thieres geboten sein würde.

Das Exemplar, welches mir noch lebend gebracht warde, war leider schon sehr ermattet, so dass es im Wasser keine Bewegungen mebr ausführte, sondern ins Gehause zurückgezogen blieb (Taf. 8, Fig. 5). Iliebei wurde die Mündung

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nicht yollstandig von der Kopfkappe geschlossen, sondern zeigten sich an der JBauchseite noch der Trichter und jederseits eine Anzahl von Tentakelscheiden, über welclie der Schalenrand etwas hervorragte. Die Kopfkappe war schön kaffeebraun gefiirbt, hatte aber zahlreiche, farblose Warzen und jederseits von dem dachfórmig hervorstehenden Mittelstücke an der Rückseite der Mündung einen lichten Streifen; desgleichen blieben die hier befindlichen Enden ihrer Seitenlappen farblos und ehenso die Riinder der Tentakelscheiden, wiihrend die Mitte der letzteren aussen wiederum durch ein licbtes Braun ausgezeichnet war. Die im zurückgezogenen Zustande nicht sichtbaren Theile des Thieres entbehrten jeglicher Farbung.

Leere und zerbrochene Qehause trifft man bekanntlich oft genug unter dem Auswurf des Meeres an; aber weder unter ihnen noch unter den Muscheln, welche dieser oder jener bewahrte, fand ich jemals eine genabelte Schale; alle gehörten der gewöhnlichsten Art, dem Nautilus pompilim, an.

Weit haufiger als diesen erhült man aber den sogenannten Papiernautilus, Argonauta argo L., welcher bekanntlich nicht nur in den tropischen Seen weit verbreitet ist, sondern audi im Mittelmeere vorkommt. Er ist in den Molukken sehr gemein und wird überall gerne gesammelt, um als Zierrath im Hause zu dienen. Mehrfach sah ich Individuen von sehr ansehnlichen Dimensionen, wenig kleiner als die Schale, welche früher als liesondere Art aufgefasst und als J. maxima de Blainv, beschrieben wurde. Ausserdem kommt noch A. /dans Sol. vor, eine kleinere Species, welche sich durch ihre breite Aussenseite leicht von der vori-gen, schmal gekielten unterscheidet und anscheinend minder hiiufig ist als jene. Schalen, in denen sich noch die Thiers befanden, waren ganz und gar kaflee-braun und mit rauchschwarzen Knoten am Aussenrande versehen.

Die kalkbedeckten llöhen der Insel Saparua erwiesen sich als ein guter Fund-ort Cür Landschnecken, und dor G. Eila lieferte mir in einer Kluft des Koral-lenkalkes unfern seines Gipiels eine Anzahl interessanter, kleiner Arten: Macrochla-mys Martini Schepm., Trochomorpha planorbis Less., Kaliella milium Mart., Lepto-poma vitrcum Less. , Cydolus amhoinensis Ffr., Cydolus plicosm Marl., Cydolus liralulus Marl., Omphalolropis ceramensis l'fr., Helicina oxytropin dray, Helicina suturalis Marl., Helicina, Idae Ifr. ').

Die zahlreichen Insekten anzuführen, welche auf Saparua gesammelt wurden, kann nicht meine Aufgabe sein, und muss ich biefür aul' die Publikation meines Freundes Neervoort van de Poll, welcher sie bearbeitete, verweisen; nur einiger Einzelheiten möge hier noch gedacht werden. Zunachst der prachtigen Schmetterlinge, die bekanntlich in keinem Theile der Welt so schcin sind wie in den Molukken

1) Sioh Nahoros bei Schopmun : On n collection of shells from the Moluccas (Notes from the Leyden Museum, Vol. XV, pag. 147). Leiden 18(.)tt.

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mid welclie in ao mannigfaltigen, grossen Arten und in so vielen Individuen vor-kouimeu, dass sie geradezu einen integrirenden Bestaudtheil der Landschaft bilden. Viele gleichen im Fluge auffallend kleinen Vögeln, und manchmal sali ich sie bei obertltlchlichem Hinblicken als solche an. Unter anderen erinnert die grosse Orni-tloplc.ra Helena L., mit seh warzon Ober- und gelben Unterllügeln , wenn sie sicb auf die Bliitlien niederlasst, an eine schwebende Taube. Ganz anders die weisse, mit schwarzen Adern und Flecken versehene Hestia idea Clerck, deren zarte Flügelu niemals flach liegen, sondern sicb in dor Lut't einem Stückchen Seidenpapier gleicli krauseln und lalteln, so dass man manchmal den Eindruck erhiilt, als liesse das ïbier sicb fallen. Der glanzende I'apilio Ulysses L., mit grüulicli schillernden, lichtblauen und scbwarz umsaumten Flügelu, welclier weit seltener als die beiden erstgenannten Arten ist, lliegt wiederum ungemein rasch und im zickzack bin und her, so dass man ibn kaum zu tangen vermag').

Uiiter den Kiiiern ist der grosse und plumpe, dunkelbraun gefarbte Euchïrus lowjimanus L., von der Bevölkerung maï-maï-sageru genannt, dessen Mannchen durch ungewohnlich lange Vorderbeine ausgezeichnet ist, eine der interessantesten Arten. Das Thier mit seiner tragen Bewegung, gleichsam ein Faulthier aus der Ordnung der Coleopteren, wird sebr viel in den mit Saguweer gefiillten Bambns-köchern gefangen, da es gerne you der Flüssigkeit nascht. Die Leute bringen den Kaler alsdann mit dem Palmsat'te auf den Markt; weil sie glaubeu, dassjener den Trank vor schlechteu Einflüssen bewahre, und so bat man stets Gelegen heit, ibn bequem zu erwerben. Seine Larve lebt oben im Stamme der Sagupaline; die-jenige des ungemein haufig vorkommenden Xylotmpes Simson Voet. {klappertor im Hollandischen), weieher sicb auch ottmals in den erwahnten Köcheru langt, hiilt sicb in verfaulendem ilolz der Cocospalme auf, die Larve des Eurijtrachclus saiga Oliv. (coneolor anct.) im Dadapp-Baume (Ergtlrina spec.), der bekanntlich als Schat-tenspender für den Kall'eestraucb angepflanzt wird.

In der Frühe des ;3ülen Januar fuhr ich in Gesellsohal't des Controleurs Roos mit einem kleinen, offenen Segelboote nach Nusalaut, der uubedeutendsten der drei Uliasser, im Südosten von Saparna, welche sicb vom Dorfe Ow aus in zwei Stunden erreichen lasst. Das kleine Eiland von ovalem tlmrisse, dessen Langs-achse annahernd in der Eichtung von 6' W—A O verliiuft, hat eine wenig ge-gliederte Küste; uur im Nordwesten schneiden zwei Buchten et was tiefer ins Land

1) Völlig unvorstilndlich isl mir der Ausspruch von Jiibbe: „Bio farbenprachtigon Falter liebcn den dunklen, tiefen Wald; dassolbo liissl sich von den dimkelgolarbten sagen. Die mehr eintünig und lichter golilrbten Schmolterlinge lliegen hauptsilehlich in dor Sonnequot; (1. e. pag. I tSj. Wie roich ist aber gorade die Bonnondurchtluthoto LandBcbaft an prachtigen, bunten I'aitern I

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hinein, diejenige vou Nalahia und die südwestlich vou ihr gelegene Bai von Sila , beide dadurch ausgezeichnet, dass sie im Innern von einer halbkreisfórmigen Uferlinie begrenzt werden. Im wesentlichen iat Nusalaut von einer einzigen, na-hezu scliildförmigen Gelnrgsmasse gebildet, die sich in der Mitte im Lawakano um höchsten erhebt; doch nimmt dieser Gipfel, den ich auf300 m. schatze, keine dominirende Stellung gegenüber den anderen Höhen ein, und lasst sich deswegen die Insel auch nicht wohl als ein einzelner Berg bezeichneu. Vor allem der Eu-bibina an ihrer Südwestecke mit etwa 250 m. Meereshöhe behauptet neben dein Lawakano seine Selbstandigkeit, nachstdem auch der Helenno im Osten der Bai von Nalahia.

Fast überall tritt das Gehirge hart :uis Meer hinan, so dass an einem Punkte, am Tanujüng Pellano-huwai im Südosten des Eilands, der langs der Kiiste hin-führende Weg bei Hochwasser sogar von den Wellen erreicht wird, und die kleinen, annahernd halbmondförmigen Ebenen, welche sich zwischen die zungeuartig vor-springenden, felsigen Kaps einschalten, tragen alle mehr oder minder deutlich den Gharakter alter Brandungsterrassen. Die grösste derselben befindet sich im Süden der Bai von Sila; denn der Gebirgsrand, welcher dieselbe im Osten begrenzt , zieht sich von hier aus nach S W, um erst südlich vom Kap Elbmbnanjo das Meer wieder zu erreichen. Uier fand sich denn auch die giinstigste Gelegen-heit zum Bauen eines jetzt verfallenen Forts, auf der Landzunge, welche die ge-nannte Bucht im Westen begrenzt, und woselbst noch die freundlichen Dörfer Sila und Lenitu liegen. Mrgends sab ich so zahlreiche Spielarten von Croton wie in den lelztgenannten ürten, woselbst sie nicht nur als Einfriedigung in Heckenibrm, sondern aucli als Reihen niedriger Baume am Wege wachsen; zwischen den priich-tigen, höheren Baumen hindurch, welche vor dem Regentenhause von Lenitu un-mittelbar am Meere stehen, bat man ferner einen seltsam schonen und lehrreichen Fernblick: Saparua erscheint in greifbarer Nalie, über seine niedrige Südostecke hinweg in A //' ein Stiick von Seran, zwischen Kap Boï und Melano durch, im Hintergrmide, ein Theil von Ilaruku; endlich sind von Ambon die Halbinsel Leitimor und einige zu Hitu gehorige Höhen sichtbar (Taf. 0).

Ganz anderer Art, aber kaum geringer an Reiz ist die Bai von Nalahia, welche ringsum vom Gehirge eingescblossen wird, und woselbst der Ankömmling in unmittelbarer Nahe des Strandes den Anker fallen liisst; denn das Wasser ist hier noch 20—25 Faden tief, so dass auch Dampier landen können, und seine tief-blaugriine, fast oceanische Farbung bildet einen wunderbaren Contrast zu dem iippigen Pflanzenwuchse des Ufers. Einzelne Klippen, auf denen vielleicht ein Mann mit Wurfnetz nach Fischen aussptiht, und zwischen den Baumen, un-mittelbar über uns, ein paar bunte Gewünder von Leuten, die aus Nalahia herunter-

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kommen, vollenden die Schönlieit des Gesammtbildes. Deun dergeuannte Ortliegt 42 m. liooh am westlichen Ufer der Bai, weil es im Thale an einem geeigneten Punkte zur Ansiedlung fehlte, und nur auf sehr steilem Wege ist er zu erreiclien, wahrend es auch drinuen noch wieder in Stufen aufwarte gelit. Die eiufachen Wohnungen, gleich denen von Leitimor gebaut, aber im ganzen iirmlicher als diese, rnlien auf einem niedrigen Unterbau von losen Steinen und stehen ferner auf' Laterit, weieher stellenweise in unbedeutenden, blutroth getïirbten Anschuitlen eutblösst ist. Zum Schutze gegen den Wind sieht man versetzbare Scliirme von Atapp verwendet.

Auch Titavvai, an der Südwestseite des Eilands und an dem nur 10 Schritte breiteu liaclie Waë Pandila gelegen, liatte wenig Eaum zur bequemeu Anamp;-breitung, so dass seine Wege zum Theil am Fusse des Uusisina aufwiirts führen; Akön , in der Mitte der Ostküste, befindet sich wiederum auf einem flachen Aus-liiufer des Gebirgslandes; Abubü , welches südlich, und Amett , welches nördlich von letztgenanntem Orte liegt, wurden dagegen gleich Sila und Lenitu auf einer kaum über den Meeresspiegel liervorragenden, alten Terrasse gebaut. Andere Dörfer als die bereits angeführten, sind auf Nusalaut nicht verhanden, und sie alle werden durch einen bequemen Weg verbundeu, welcher rund um die lnsel, bald am Strande bald in unbedeutender Höhe über dem Meeresspiegel, am Hange des (lebirgea hingeht, stellenweise durch kleine Schluohten oder schonen Wald. Ich legte ihn in drei Tagen zuriick, indem ich den erslen Tag von Nalahia über Sila nach Lenitu, den zweiten über Titawai nach Abubu, den dritten über Akon und Amett wieder zuriick nach Nalahia reiste.

An sehr vielen Stellen des Weges, und namentlich dort, wo er sicli ganz nahe dem Meere hinzieht, hat man Gelegenheit anstehenden Fels in brauchharen Aufschlüssen zu untersuchen, wahrend weiter laiuiemwiirts die (iefgehende Ver-witterung des Bodeus in der Kegel nicht viel von seiner Gesteinsart erkennen hisst. Es steilte sich min eine sehr grosse Uebereinstimmung mil. Saparua insofern heraus, als aucli hier wiederum ein jüngeres Eruptivgestein au ft rit t, welches den Kern der lnsel bildet und au der Seeseite von gehobenen, quartilrea Korallenkalken überlagert wird. Dieselben bilden zwar keine weit ausgedehnten, zusammenhan-genden Rücksn, lassen sich aber rund um das Eiland verfolgen und sind stellenweise von ansehnlicher Machtigkeit. Dort wo im Süden von Leiiiiu das Gebirge wieder ans Meer tritt, sah ich unter andoren eine derartige Gesteinsmasse, welche in eiuor senkrecht zur Küste stehenden Wand vertikal abgebrochen und sicherlich 30 m. hoch ist. Wie so oft bei lü ff kalken, fehlte auch dieser gewaltigen Fels-partie jode Spur einer Schichtung oder bankförmigen Absonderung.

Noch stets schreitet die Koralleubildung am Strande fort, und augenblicklich

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zieht sick eiiie zur Ebbezeit trocken laufende Brandungsterrasse von grosser Breite mid auffallender Qleichmassigkeit rings um die lasel bin. Sie erfabrt nur in der Bai von Sila und vor allem in derjenigon vu a Nalabia kurze Unterbrechungen; sonst bildei das Kifl' einen geschlossenen Kranz, init sanft, naeh aussen geneigter, fast ebener Oberflache, als ware es eine riesige Schüssel, auf der die i usel ruhte. Für die Bevölkerung ist diese Terrasse aber von ganz ausserordeullicber Wicbtig-keit; deun .aul' ihr liegen ergiebige Fiscbgründe, und zur Ebbezeit sucben sicb dort nic.bt. nur die Menschen, sondern auch ïïiihner und Schweine mancherlei niedere Tbiere zur Nahrung; sogar abends siebt man noch viele Leute, im seicbten Wasser watend, ruit Fackeln auf den Fang ausgehen.

Die bereits erwabnte üebereinstimmung mit Saparua wird noch weiter dureb das Auftreten warmer Quellen auf Nusalaut erhöht. Es befinden si(;h hier, soweit mir be-kannt, deren drei, namlich zwei unfern der Bai von Nalabia, welche icb wiederum als einen alten Krater betrachte, und Eine in der Niihe von Sila. Die bedeutendste der warmen Quellen von Nalabia (ajer punas besar) entspringt 10 Minuten Gehens landeiuwarts N'om südlichen Ufer der Bucht, in einem kleinen, nach der letzteren hin geöfl'neten Thalkessel. Dort fliessen an verschiedenen Punkten diinne Strahlen aus den Felsen hervor, um zunilchst ein Bassin von etwa 3 Schritt li rei te und 50 Schritt Lilnge zu füllen, dessen Wasser am Ufer eine Tempera! ur von GO0 C. besass, und sich gleich darauf mit einem Bache von kiutem Wasser zu vereinigen. Dieser strömt durch Sagupflanzungen hindurch und ergiesst sich am südlichen Strande der Bai von Nalahia ins Meer; er wird ebenfalls ajer panas genannt. Die kleinere Quelle (ajer panas ketjil) befindet sich gleich westlich vom Tandjüng NAMAüiiO, welches die genannte Bai in N W begrenzt; sie entspringt unmittelbar am Fusse der Höhe, welche das Kap bildet, hart am Strande, und wird vom Hoch-wasser überströmt; ihre Temperatur betrug 50° 0. Ganz ahnlich ist auch die Lage des ajer fianas Sila, welches am nordöstlichen Ufer der Bucht von Sila an der Grenze der Hochwasserlinie zu Tage tritt und ebenfalls zur Fluthzeit vom Meere bedeckt wird. Man tritft sie am Wege von Nalabia nach Sila, sogleich nach dem Ueberschreiteu des am Kap Tolo endigeuden Rückens; als ihre Temite-ratur land ich nur 44° C. 1).

Am Morgen des 3ton Februar fuhren wir in der Frühe nach dem Dorfe Ow auf Saparua, von wo ich hernach über Land zum Hauptorte der Insel zurück-kehrte; der folgende Tag wurde dann für die Untersuchung ihrer Küste, vom Tandjung Paperu au bis zum Kap Boï, verwendet, und am 5ten Februar machte

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IJobcr die warinon Quellen von Nusalaut vgl. auch Reinwardt (Reis, pag. 449).

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ich micli wiederum mit meinem Qastlierrn auf den Weg uaeh Porto, um von hier aus nach der Insel Haruku liiuüberzufaliren.

Von der VVeslküste von Saparua aus hal man einen sehr schonen Ueberblick über Haküku, welches sich hier in seiner ganzen Ausdehnung von Süd nach Nord praesenlirt. In der Nahe zieht sicli langs der Ostküste des Eilands eiu nicht mehr als 100—150 m. ansteigender Landstrlch hin, an dessen nördlichem Ende man zwei deullich stufenartige Absiiize wahmimmt; dahinter erhebt sich ein an-sehnlicheres Gehirge, aus dem in der Mitte eine tlache, 400—500 m, liohe uiul alle übrigen Gipfel überragende Kuppe hervortritt. Es ist der Hukuwano , der Nabel der Insel, auch wohl IIuiiüwanira dra = hira == gross) oder Huwaniua ge-nannt. Durch eine seichte Depression geschieden, bemerkt man weiter siidwarts einen zweiten Berg mit flach gewölbtem Gipfel, den etwa 400 in. hohen G. Wajira in N W von Aboro, an den sich noch weiter nach S hin zwei niedrige, aber sehr steile Kuppen anschliessen, welche auf der Landzunge im Westen der Bai von Aboro gelegen sind und deren bedeutendste vielleicht 150 m. Höhe erreicht. Etwas gleichmassiger fiillt das Gebirge nördlich vom Hum wane ab, doch trilt auch liier in der Profülinie eine Keihe kleiner Spitzen bervor.

Wir wandten uns der Südküste von Haruku zu, laudeten zunüchst bei Aboro, daim bei Wasu und machten scliliesslich in dem noch weiter westlich gelegenen Oma Station, von wo aus der zur Westküste der Insel führeude Landweg seinen Anfang nimmt. Denn zwischen Aboro und Oma giebt es eine solche Verbindung nicht, da das Gebirge in dieser Gegend iiberall nahe ans Meer hinantritt, um daselbst stellenweise in sehr steilen Wanden zu endigeu. Solche schroffe Abstürze bemerkt man vor allem am östlichen Ufer der Bai von Aboro, ferner in der Kreis-bucht vvestlich von Wasu, welciie von den Kaps Tutuki, und Wasoï Kktjii, be-grenzt wird , und scliliesslich bei Oma selbst, wo unmittelbar hinter den llausern des aut sclimalem üfersaume gelegenen Dories eine vielleicht 100 m. liohe Wand ansteigt.

Die Fahrt langs der Südküste, mit dem Bliek auf die schon bewaldeten, nahen Kuppen der Insel, hatte für mich einen hohen Eeiz, und ich bedauerte iast,dass sie zu Ende ging, als wir beim Tandjunü Akaü im Osten von Oma anlangten, woselbst ein Mann auf dem Ausguek stand , welcher den Dörflingen unsere An-kunft frühzeitig melden sollte. Er entledigte sich zu diesem Zwecke seines einzigen Kleidungsstückes, der Hose, um hieruit den Bewohnern von Oma zuzuwinken -— die eigenthümliclifite Art der Anmeldung, welche mir in meinem Leben zu Theü geworden ist. Nach Abzug der auf die Untersuchung' der Kilste verwendelen Zeit hatte die fieise von Porto bis Oma reichlich 4,', Standen in Anspruch genommen.

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Der bemerkenswertheste 1 'mikt an der Südküste vou Haruku ist oline Zweifel die 1!ai von Aboro, eine lief einschneidende Kreisbucht vou auffallend regelmüs-sigem ümrisse, welclie rings von steilen Bergen eingeschlossen ist. Die Höhen auf'der Landzunge im Westen von ilir wurden schon erwahnt, ebenso der G. Wajitia im Nordwesten; ein gleich ansehnlicher Gipfel, für den ich leider keinen Namen in Erfahrung bringen konnte, erhebfc sich ferner in geringem Abstande nordlich von Aboro, und das östliche Ufer der Ducht ist wiederum von ungefahr 150 m. bohen Bergen eingefasst. Dier slnd dem Fusse der steil abgebrochenen Fels wande isolirte und abenteuerlicli auBgevvascbene Klippen vorgelagert, im Gegensatze zu dem schmalen, sandigen Uferstreifen, welcher die Bai im Norden und Westen umgiebt, und auf dem audi die Leute von Aboro Raum zur Ansiedlung fanden. Dort ist das Wasser in der Niilie des Landes sebr seicbt, so dass man in ihm deutli(di die schonen Korallenfelder wahrnimmt; doch konnen in der Mitte der Bai grosse Schiffe ankern, und der Resident van Hoëvell theilte mir mit; dass er daselbst gelegentlich einer spater vorgenommenen Lot hung bei 100 Faden Tiefe noch keinen Grund erreicht habe.

Wie Nusalaut zeigie auch Haruku im geognostischen Charakter eine grosse Aehnlichkeit mit Saparua, und schon gleich bei Untersuchung des langen Auf-schlusses am östlichen Ufer der Bai von Aboro ergab sich, dass hier dieselbe Felsart anstehe wie bei Porto; alles weist darauf bin, dass die betreffende Buebt als ein alter Krater aufzufassen sei. Auch im ferneren Verlanfe der Reise liings der Südküste, uud weiterhin auf der Insel selbst, steilte sich beraus, das Jung-eruptive Bildungen dort. den Hauptantheil am Aufbau des Gebirgslandes nebmen , wahrend ibnen in weiter Ausdehnung und bis zu ansehnlicher Höhe übcr dem Meeres-spiegel quartare Kalke aufgelagert sind. Endlich kommen aut' Haruku ebenfalls warme Quellen vor. Eine derselben, wiederum ajerpanos besar genannt, soil im Nord-osten von Oma, in etwa 1 „Pfahlquot; Abstand von dem genannten Doric, entspringen 'j, um zum Meere abzutliessen, nachdem sie sich, wie bei Nalahia, mit einem kalles Wasser führenden Bache vereinigt bat; die andere, ajer panos hetjil, tritt gleich ostlich vom erstgenannten Orte im Innern der Bucht an verschiedenen Stellen zwischen Sand und Geröllen zu Tage, wird aber, gleich den am Strande von Nusalaut vorkommenden, warmen Quellen, bei Hochwasser überstromt. Ibre Tem-peratur beslimmte ich auf 54° C.

Der Landweg, welcher von Oma nach Haruku, dem Hauptorte der gleich-namigen Insel i'ührt, schneidet iliro Südwestecke ab, indem er sich durch Wald

1) Reinwavdt, wolcher dio Quollo bosucbto, land als ibre Tompcratur 178—180° F. Das Wasser war klar und zoigto goringon Scbwefolgoruch; es schien ferner viel Kalk zu enthalten (Reis pag. 441).

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und Qrasflachen im ziokzack nach i\T W über das Gebirge hinzieht. Er ist 3 Plahle (paal), also reichlich 4.] Kilometer, lang, nicht sonderlich scbwer /,ii begehen und erreicht seinen höchsten Punkt in emem Berge namens Amahuratu, der sich 230 m. über den Meeresspiegel erhebt. Man bat von dort eine schone Aussicht, nach Osten auf die hoben und dicht bewaldeten Kuppen des Eilands Haruku selbst, nach Westen auf' das benacbbarte Ambon, und mit dem Bliek aui'die letztge-nanute Insel gebt es den steilen Gipfel abwarts. Alsbald vertiaebt sicb aber der Berg, und scliliesslicli tïihrt der Pfad über wenig geneigte Flilchen, welche durch einzelne, steile Absiltze unterbrochen werden uud den Charakter von Plateaus tragen, zvim Wak Ika hinunter, an dessen rechtem Uier der Hauptort der lusel gelegen ist. Jener Strom, welcher nicht mit dem gleichnamigen, weiter nördlich an der Westküste ausmündeuden öewasser verwechselt werden darl', nimmt, kurz bevor er sich ins Meer ergiesst, von rechts den Wak Mbmi auf, und sein Bett ist unterhalb des Zusammenflusses beider, woselbst der Weg nach Haruku hindurchführt, etwa 100 Schritte breit. Gleich Jenseits befindet man sich im letztgenannten Orte, und von da aus hat man einen prachtigeu Ueberblick über den Salhutu, dessen höchster Gipfel iV 09 W liegt. Namentlich in den Morgen-stunden war der Berg herrlich beleuchtet; miichtige Cumuluswolken sebwebten darüber, deren Schatten das Relief der Scbluchten schart' bervorhoben und den von dichter Vegetation bedeckten Höbon ein graulichgrünes Kolorit verliehen, wührend sich zwischen Ambon und Haruku das Meer still wie ein Binnensee ausbreitete.

Im Dorfe Haruku lernte ich zum ersten Male den eigenthümlichen, zu den Lauflüihueni gehörigen Megapodius kennen, welcher seine ungewöhnlicb grossen Eier durch die von vermodernden Pflanzentheilen erzeugte Warme oder auch durch den erhitzten Sand am üfer des Meeres ausbrüten lasst, ohne sich weiter um seine Jungen zu kümmern, die gleicb nach dem Ausschlüpfen flügge sind. Der Vogel, welcber den Insein Saparua und Nusalaut fehlt, wird hier maloo genannt, oifenbar wegen seiner nahen Verwandtschaft mit dem Meyacephalon malco Temm. vom nördlicben Celebes.

Es steilte sicb die bis jetzt noch nicht bekannte Thatsache heraus, dass auf Haruku 2 Arten von Meyapodim leben, deren Eine Compostnester im Walde an-legt, wahrend die andere ihre Eier im Sande an der Kilste verscharrt, und da diese Species mir als ein Vrogel mil braunen und blaugrauen Binden auf dom Rücken und mit weissem Anus bescbrieben wurde, so kann es allein M. Wallacei 'iray sein, welcher nicht uur von Halmahera und Ternate, soudern auch von Ambon, Seran und Buru hekannt ist1). Auf den drei letztgenannten Insein lebt aber eben-

1) Sich: Schlogel, Muséum d'Histoiro naturelle dos Pays-Bas. Tome VIII, pag. 52 \\. — Inneuerer borichteie auch noch Ribbe über Megapudien (l.c. pag. 170).

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falls M. Forstenii Temm., und so wird es mehr als wahrscheiulich, dass die zweite Art von ïïaruku mit diesem Vogel identiscli sei, wemigleich ich kein Exemplar hievon gesehen und nur ihre Oompostuester kennen lernte.

Sclilegel erwiihnt ausdriicklich, dass 31. Wallacei selten sei; doch trifft das-selbe auf Haruku keineswegs zu; er ist an der Westküste dieser Insel sogar sehr liaufig, so dass die Landzunge von Kailolo nach ihm als Tandjung Maleo l)e-zeiohnet wird und man das Recht des Eiersammelns dasellist jahrlich an den Meist-bietenden zum Besten der Gemeindekasse verpachtet. Auch auf der kleinen Insel Kaba in der Pirubai kommt diese Species vor und werden ihre Eier gelegentllch gesucbt.

Bekanntlich begiebt sicb der Vogel nur nachts zum Legen an die Kiiste, und da ich gerne selbst einmal ein Ei ausnehmen wollte, so wurde ein Mann angewiesen , welcher in der Nabe des Ortes aufpassen sollte, ob vielleicht eine Henne daselbst ibr Geschaft besorgte. Der erste Tag verlief resultatlos; doch war nacb weiteren 24 Stunden der Zweck erreicht, und bot sich mir nun Gelegen heil die Stelle, an der ein Ei verscharrt war, zu untersucben, Sie befand sich gleicb südlich vom Dorfe auf einer sandigen, ungefahr 2 m. über der Hochwasserlinie und unmittelbar am Meere gelegenen, alten Brandungsterrasse, welche mit einigen Krautern und niedrigem Gestriipp bedeckt war. Eas Thier hatte daselbst ein Loch von 36 cm. Tiefe gemacht , welches der Art der Sache nach, infolge des Ausschar-rens, schrag abwiirts gerichtet sein musste, und dessen Lage sich nicht nur nacb derjenigen des hiebei ausgeworfenen Sandes, sondern vor allem audi auf Grund der kleinen Bodenvertiefungen beurtbeilen liess, welche sich, fiinf an Zabl, in seinem Umkreise befanden. Denn aus ihnen war der Sand abkünftig, welcher zum Bedecken des Legelocbes gedient hatte, und da der Vogel bei dieser Arbeit selbstredend in etwa gleicher Entfernung vom Ei mit dem Kopfe nach auswarts gestanden, so musste sich die Legestelle in dor Mitte zwiscben den erwahnten fiinl huflormigen Kratzlöchern befinden. Sio war mit einem ganz flachen Sandhaufen bedeckt, aber keitieswegs ausgeebnet, wie ich dies nach der Beschreibung der Leute zu linden erwartete; auch hatte das Thier deutliche Spuren hinterlassen, welche von der betreffenden Stelle wegführten, und nichts wies darauf bin, dass es sich sonderliche Mühe zum Verbergen des Ortes gegeben babe, an dem es ein Ei de-ponirte ')• Ebensowenig land ich die Behauptung bestiitigt, dass der Vogel den Boden in etwa Armlange Abstand hievon aufscharre, um die Aufmerksamkeit abzulenken. Oft soil der Sand, welcher zum Verdecken des Eis dient, nur aus

1) Wallace sagt auch, dass die Eingeboroncn ihm erziihlt hiitten, wio der Vogel bosondere Vor-sichtsmaassregoln anwende (1. c. 11, jmg. 1()0); er selbst schoint aber keine Legestelle dieser Art gesehen zu haben; denn auch die Mittheilung, dass sich mehrere Eier in oinom solchon Loche bsfunden hiitten, muss auf einem Jrrthume beruhen.

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einein einzigeu Loche gelcratzt sein; die Bewohner sagen, dass dies gescliehe, falls die Henne ersl gogen Morgen zum Legen aus dein Walde komme, und ihr somil. nur wenig Zeit zur Arbeit iibrig bleibe. Die Tiefe, in der das Ei liegt, kann uacb den mir gemachten Mittheilungen bis zu Armlange erreichen, und so ist es demi auch verstandlich, dass der in der Höhlung sitzende Vogel l)isweileu überrascbt und lebend gefangen wird.

Das frische Ei, welubes icb bei Harnku ausnabm, batte eine matte, jeden Qlanz entbehrende Oberflacbe und war dunkel-fleiscbfarben, so dass es last an einen lichten Thon erinnerte. Spater sab icb angebrütete Eier von demselben Tbiere, welche hell-steinrolb gefarbt waren, und icb lernte dann auch die Eigen-thümlichkeit kennen, dass sich die Farbe abkratzen lasst, und zwar ura so leichter, je weiter die Entwickelung des Embryos vorgeschritten ist, letzteres offenbar deswegen, weil die Farbe selbst unter dem Einflusse der Umgebung des Eis sich iindert. Die Bewobner der Eilande benutzen dies zur Beurtheilung seiner Frische, und ich selbst land in allen Fallen, in denen die Farbe besonders rascb entfernl werden konnte, ein grosses Junges im Innern. Auch die Form der Eier ist einigem Wechsel unterworfen; sie sind 8—8,', cm. lang und 5 — 5.] cm. dick, k(innen zudem bei gleicher Liingo einen verschiedenen Breitendurchmesser hesitzen. Bekanntlich entwickeln sie sich ungemein leicht, und deswegen pflegen die Leute die Eier, um sie zum Essen bewahren zu können, zunachst tuchtig zu schütteln. Ich bal)e sie mehrfach, in Salz gelegt, genossen, vermochte dem Gerichte aber keinen son-derlichen Wohlgeschmack abzugewinnen; der Dotter ist sehr mehlig. Die Leute von Haruku sagen, dass es ibnen unmöglich sei, die Eier der beiden Arten von Mcyapodim, welche diese Insel bewohnen, von einander zu unterscheiden.

Compostnester der zweiten Species habe ich auf meinen Eeisen vielt'ach gesehen und dabei in ihrer Form eine grosse Verschiedenheit wahrgenommen. Meist sind es zwar Haut'en von { m. Höhe und 3—4 m. Durchmesser; doch kommt es vor, dass das Nest zwischen die Stützplanken grosser Biiume eingekeilt ist, so dass es in mehrere, isolirte Theile zerfallt, statt eine einzige, zusammenhangende Masse zu bilden. Eine derartige Brutstatie, welche hauptsiicblich aus vermodern-den Holzstückeu, Baumrinde und Sand aufgebaut war, wührend Bliitter in ihr nur eine untergeordnete Eolle spiellen, fand sich unter anderen in dem Hügel-lande am rechten Ufer des Maraké, unfern Pelaü, an der Nordküste von Haruku. Es waren zahlreiche Scbarrlöcher darin, deun bekanntlich dient ein solcher Bau zur Aufhahme vieler Eier von mehreren Weibchen, im Gegensatze zu den Sand-löchern, die deren stets nur Eins enthalten.

In anderen Fallen beobachtete ich Compostnester, die zwischen verschiedenen kleineren Bilumen auigebiluft waren, so dass man sie im Walde bei ihrer geringen

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Ilühe fast übersah; daan wieder bilden sie völlig freistehende Haufen, die mit-unter ansehnlicbe Dimensionen erreichen. Das grösste von allen, die mir begegneten, befand sich im lunern von Bum, auf dein Gunung Wae-Nibe; es hatte die Form elnes Kegels mit abgestumpfter Spitze, war 1,12 m. boeb und hatte 5, LG m. Durchmesser; sein Material bestand hauptsachlich aus dürren Blattern mit wenig Zweigen und Erde. Ein zweites Nest von abnlicber Grosse fand ich uur wenig unterhalb des Gipfels des Batubua von Buru, in reichlicb 1200 m. Meeresböbe. Daneben kommen solclie Brutstatten au Orten vor, die uu(' alluvialen Ablagerungen der Flüsse, kaum über dem Spiegel des Oceans, gelegen siud, so zum Beispiel am ii ut eren Toluarang, in dor Abtheilung Wabaï auf Seran und am Mala aut Buru, unfern der Südküste, woselbst icb ein Nest fast gauz aus Erde, der uur wenig Bambusstüeke beigemengt waren, aufgeworfen fand. Diese Beispiele mogen genügeu, um die Verscbiedeubeit in Form, Material und Höbenlage zu erlüutern. Die genaue üutersuchuug der Compostnester bringt eine besoudere Schwierigkeit mit sich, da sie von iiusserst kleinen, als die „Liluse des Maleoquot; bekannteu Thieren (ver-mutbiich Milben) bewobnt werden, welche sich in der Haut des Meuschen festsetzen.

Die Westküste von Haruku, welche ich sowobl auf dem vom Hauptorte nach Eohomoni führendeu Landwege als von See aus kennen lernte, ist bis in dieNahe des Tanbjung Maleo bei Kailolo von niedrigen Höhen eingefasst, die an der Südwestecke sehr steil zum Meere abfalleu, wilhrend sicb ihnen nördlich von Haruku fast iiberall ein flacber, sandiger Uferstreifen vorlagert. Jene Ecke wird von einem etwa 100 m. über den Spiegel des Oceans hervorrageuden Plateau gebildet; nördlich von der kleinen Ebeue, auf der das Dorf Haruku liegt, erreicht dann das Küstengebirge im Mittel 200 m. Höhe; noch weiter nördlich, jenseits des bei Eohomoni ins Meer fliessenden Wak Dia , telgen aber wieder abgeflaebte , uur bis etwa 100 m. ansteigende Berge, und au ihrem Fusse springt beira Kap Maleo eine sandige Laudzunge ziemlich weit nach Westen vor. Gleicbsam in ihrer Ver-liingerung liegt die kleine Insel Pombo, welche kaum mehr als eine mit Cocos bestandene Sandbank darstellt.

Eine Jieihe unbedeutender, nach //' führender Biiche und Wasserrisse hat die Höhen stelleuweise tief zerschnitten, wodurch sie gleich nördlich vom Hauptorte schwer zu begehen siud. ünter den Qewiissern verdient aber der soeben erwilhnte Waë Ira, welcher unfern der Münduug 30 Schritte bi'eit ist und ein starkes Qe-falle besitzt, noch besonders hervorgehobeu zu werden, deun er kommt vom höchsteu Berge der lusel, dem Huruwano, und bat eine gemeinschaftliche (Quelle mit dem au der Nordküste bei Palaü mündenden Maraké, wie mir von den verscbiedeusten Seiten als ganz sicher mitgetheilt wurde. Der auf dem genannten

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Gipfel entspringende Fluss soil sich an einer stellen Klippe gabeln, wonach ein Theil seines Wassers nach U] ein anderer Theil nach iV abfllesst, und Leute, welehe sich aut' der Jagd verlrren, wissen, dass sie, dem Laul'e eines grosseren Gevvüssers in der betreffen den Gegend folgend, entweder bei Jiohomoni oder bei Palaü die Küste erreichen. So stellt denn die Nordwestecke von Haruku gleicbsam ein grosses Delta dar, ina Süden vom Waë Ira (bei Robomoni) und lm Üsten voni Maraké begrenzt, und dieser ganze Abscbnitt des Eilands fiillt ungemein gleiobmiissig vom Innern aus zur tlacben Nordküste ab, um daselbst als ein kaurn über den Meeresspiegel hervorragender Ufersanm zu endigen. Seine J'rofil-linie praesentirt sich fa^t als eine wenig geneigte, schiefe Ebene, die itiren höeh-sten Punkt im G. Maraké (200—250 in.) erreicht, einem Gipfel mit sehr schroffem Ostabüxlle, von dem der gleichnamige Finss herkommt, und vermnthlich au dessen linkem Ufer gelegen. Das erkennt man nicht nur von der Nordküste der Insel selbat, sondern \ror allem auch vom südlichen Seran aus.

XJeber die flachen Auslaufer des Gebirgslandes bin, welehe den nordwestlichen Theil von Haruku bilden, legte icli am H1011 Februar den 5 „Pfahlequot; langen Weg von Kailolo nach Pklaü zuriick. Unmittelbar hinter dem erstgenannten Orte steigt derselbe zunachst in stufenartigen Absatzen bis zu 47 m. aufwiirts, um sich alsdann in der Eichtung des Zieles wieder allmiiblig nach A O zu senken, bald über ganz ebene, bald über etwas geneigte Fliicben oder unbedeutende Stufen bin. Ausgedehnte Grasflachen, welehe fast an Kornfelder erinnern und eine unertriigliche ïïitze ausstrablen, wechseln hier mit sehr lichtem Walde und un-bedeutenden Cocospflanzungen ab ; bisweilen stehen machtige Felsen von Korallen-kalk aus dem Boden hervor, dann wieder zeigt derselbe eine lichtbraune Erd-knime, über die nur hin und wieder lose Broeken desselben Gesteins ausgestreut sind; aber von anderen Felsarten ist nirgends eine Spur wahrzunehmen.

Die Eeise ist sebr eintönig, bis genan in der Eichtung des Wages Tandjung I'apet.a , im Westen von Pelaü, sichtbar wird und zugleich darüber binaus das bobe Bergland von Seran erscbeint. Die Laudzunge von Papela sowohl wie das weiier westlich gelegene Tj. Hatu Müui sind ganz flach und mit Mangrove be-sefzt; zwischen ihnen befindet sich eine kleine Binnenbai, in der nach einer mir gemachten Mittheilnng Perlmuscheln leben sollten, was schon auf Grund der Lage des Ortes nicht sehr glaubwiirdig erscheinen musste. Als mir spiiter die betreflenden Zweischaler gebracht wurden, steilte sich denn auch heraus, dass sie der JJ/acma sella Gmel. angehörten, welehe hier im Boden steekt und von den Leuten mit ïïilfe von Stöcken gesucht wird, um als Nahrung zu dienen ').

1) Poriën wonlon auch auf Ambon nicht gelischi.

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Kurz vor Pelaü befand ich micli in eiuer weitea Ebeue, vou der aus es wieder über Korallenkalk anf einer sebr steilen Treppe zuin genannteu Orte ab-warts geht; aber es loluite sich, liieselbst noch erst den Bliek rückwarts zu wenden, da die Gegend ganz offen ist und man infolgedessen eine pracbtige Aussicbt auf die Salhutugruppb von Ambon bat. Letztere liegt von dem erwiibn-teu Punkte aus ganz vor einem ausgebreitet, wahrend kein anderer Berg des benachbarten Eilandes heryortritt; selbstredead ist aber aucb die Strasse zwiscben Ambon und ïïarukn dem Auge entzogen, und so erhiilt man den Eindruck, als ob das erwahnte Bergland der letztgenannten Insel angeböre und unvermittelt aus ibrer Ebene am Nordstrande emporsteige. Einzelne Baumgruppen, welcbe den Hintergrund der letzteren abscbliessen und sich nun anscbeinend am Fusse des Salhutu hinziehen, vollenden die Tauschung. Zur linken des Weges, also im Siiden, bemerkt man bei dieser Stellung in niicbster Niibe einen sebr unbedeu-tenden Eücken von Haruku, zur rechten das Meer und einen Theil des boben seranesischen Qebirges, welcbes einer flachen Pyramide gleich zum Tandjunk Waë-Aka und Tj. Tiiiulaxb abfallt.

Kleinere Ausflüge, die ich von Pelaü aus zum Maraké und ins Hügelland zu seiner rechten sowie mit eiuer Prau, langs der Kliste nach O bin, unter-nahm, mogen bier übergangen werden, da sie kein allgemeineres Interesse bieten. Am Mittage des 9ten Februar kebrte ich mit Herrn Roos im Segelboote nach Porto zuriick, welches \vir gerade in 4 Stunden erreicbten, und alsbald befanden wir uns wieder im Hauptorte von Saparua. Von dort konnte ich am 1 llcu Februar mit dem Arend nach Ambon fahren, um alsdann nach kurzen Vorbereitungen die Ileise nach öeran anzutreten, wohin es mich scbou lange mit Ungeduld zog, da ich hier und in Bum meine Hauptaufgaben zu losen batte.

Die drei TJliasser baben wir als ebensoviele Vulkanruinen kennen gelernt, welcbe die östliche Fortsetzung der jungeruptiven ilohen von Hitu darstellen, und es ist sebr wabrscheinlich, dass die Bildung der Bai von Ambon (welcbe Hitu von dem geognostisch so völlig abweichend gebauten Leitimor trennt) in ursacblichem Zusammenbange mit denselben Vorgangen steht, durch welcbe der Ausbruch der jungeruptiven Gesteine des nordlicben Ambon und der Uliasser er-folgte. Zueammengenoinmen Vulden diese letzteren die Fortsetzung der Keibe vulkanischer Insein, welcbe sich von Banda aus über Mauuk und Sarua bis nach Roma hinzieht, und deren nördlicbe Grenze bis beute unbekannt war1).

1

quot;Wichmann erwiihnto noch ausdrücklich, dass Ambon, Haruku und Saparua dor genannton lleihe nicht mohr zugozahlt worden dürften (Sammlgn. d. Geolog. Reichs-Musoums in Leiden 1 , lid. II, pag. 197).

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3. DIE BEVÖLKERUNG.

Die Bevölkening von Ambon mid den Uliassern beteht bekanntlich zmn ge-geringsten Theile ans Europaeern, welcbe ausserbalb der Stadt Ambon nnr noch im Hauptorte von Saparua in kleiner Zabl ansiissig sind. Der Controleur, Post-kommandant, Arzt, Prediger, einige Lehrer, vielleicht nodi ein einzelner Unter-officier — damit ist für die Uliasser nabezu alles erwabnt, was wirklicb anf den Namen eines Europaeers Anspruch machen kaun. Nacb der in den Molukken iib-lichen Bezeicbnung gesellen sieb freilieb nocb andere Leute binzu, welche der Fremde rar grössten Ueberraschung mit derselben Kategorie von Einwobnern vereiuigt fmdet, obwobl man sie mancbmal so wenig von den gewiihnlicben Dörflingen zu unterscbeiden vermag, als sie selbst im stande sind, audi nur ein Wort einer europaeiscben Spracbe zu verstellen. Der Grund dieser wunderlicben Gruppirung liegt darin, dass jeder Christ, eiuerlei ob Europaeer oder Inlander, das Recht hat, seine Kinder und etwaige als Ciiristeu zu erziebende PHegekinder in das Civil-register eint ragen zu lassen, wo raus dann spater die Europaeerscbaft der einge-scbriebenen Personen, die meistens keinen Tropfen weissen Blutes in den Adern baben, bergeleitet wird. In anderen Fiillen ist es ein bollsindischer Familienname, welcber den Betreflénden in den Augen seiner Mitbürger als Europaeer cbarak-terisirt , wenngleicb jener laut mir gegebener Versicberung in vielen Fallen daber riibrt, dass die Voreltern seines TrUgers freigelassene Sklaven waren, welcbe von ihren Herren bollandiscbe Namen erbielten. Jedeufalls ist auf solcbe Weise ein ungesunder Zustand gescbaffen, welcber den ohnebin unbescbeidenen und vor-lauten Eingeborenen der berrschenden Klasse zu nabe bringt und unmiindigen Menschen zu grosse Eecbte zuerkennt ').

An die wirklicben Europaeer scbliesst sich eine erbeblicbe Zabl von Mestizen, und in der Stadt Ambon bewohnen Cliinesen ein grösseres Quartier, wjibrend sich diese Leute in Saparua nur nacb einer besonders hiezu ertheilten Erlaubniss nie-derlassen dürf'en. Manche von ibnen kommen allerdings zeit weise auf Grund eines Passes bieher, um Handel zu treiben; dagegen babe ich auf Haruku und Nusa-laut nirgends Cbinesen angetroflen, gleichwie den beiden letztgenannten Insein mit den Europaeern auch die Mestizen fehlen. Damit soli nicht gesagt sein, dass da-selbst nicht vielleicht dolt;ih einzelne Leute wobnen, welcbe etwas weisses Blut in den Adern baben und nun als Europaeer zu Buch stehen mogen; doch begegnete ich

Uobrigons ist der Ausfall dcs genannten Autors gegen Kiiimmel (Anmerkung 1. ('.) ungovochtfertigt, wie ich im geologischcn Thoilo spater orörtorn werdo.

1) Sioh auch: Van Hoevoll, Ambon pag. 48.

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auf Haruku unci Nusalaut keinem Menschen, der nacli seiner iiusseren Ersclieinung den Namen eines Miscblings verdient hiitte.

Mit den Europaeern kann sich dieser Bericht selbstredend nicht befassen; eben-sowenig ist es von Interesse, die im Archipel weit verbreiteten Ohinesen zu schil-dern, und audi die Mestizen sind genugsam bekannt, da sie jedem Ankommlinge in der Stadt Ambon sof'ort in die Augen fallen. Dagegen darf die Bevolkerung der Dörfer an dieser Stelle nicht iibergangen werden, vmd die folgende Darstellung gilt also in erster Linie dem sogenannten Negoreibewohner; sie passt aber, abgeseben von der Kleidung, auch auf den „Burgerquot; Ambons. Demi unter dieser Bezeichnung versteht man Nacbkommen von Eingeborenen, welche in früheren Zeiten von Herrendiensten freigestellt, aber statt zur Sklavenarbeit zum Schützendienste verpfiichtet waren, wie dies noch beiile der Fall ist. Der Typus beider Menschenklassen ist aus leicht erklarlichen Gründen der gleiche; ihrem TJrsprunge nach sind sie wobl vorwiegend Seranesen, mit denen sich Leute von Halmahera und Ternate sowie Malayen und auch einzelne Europaeer vermengt haben.

Das Aussere dieser Ijeute, welche so vielfach mit fremden Elementen durch-setzt sind, zu schildern, ist nicht leicht; doch will ich versuchen, aus den zahl-reichen Einzelheiten, die ich bieriiber aufgezeichnet habe, das Qemeinsame abzu-leiten, den herrschenden Typus und die Abweichungen von ihm zu heschreiben. Haruku, Nusalaut und demnachst Saparua, welches letztere nur erst wenige Mestizen beherbergt, dienen mir dabei als Ausgangspunkte:

Die Leute (vgl. Taf. II) sind mittelgross, schlank, wohlgeformt an Qliedern, gewandt und kraftig, unermüdlich bei körperlichen Anstrengungen, aber nur seKen sind sie durch hübsche Gesichtsziige ausgezeichnet; denn die Backenknochen stehen hervor, der grosse Mund ist meist wulstig, namentlich bei krausharigen Leuten, und haufig wird der Typus prognath; die Nase ist klein, in der Regel coneav im Profil und oftmals geradezu eingedriickt. In vielen Fallen treten die Nackenwirbel in auffallender Weise hervor. Die Körperfarbe ist bei manchen hellbraun, fast der-jenigen des Indianers gleich, aber meistens dunkler, bei einigen sogar schwarzlich, so dass solche Individuen an Dunkelheit der Haut einem hellen Neger gewiss nicht nach stehen. Das glanzende Haar ist weit öfter krans als glatt, bei den Frauen von massiger Lange; bei den Mannern zeigt sich in der Regel nur auf der Oberlippe cin dunner Bart, wahrend die Wangen glatt bleiben und ein Backenbart zu den allergrössten Seltenheiten gehort; doch ist immerhin der Bartwuchs im allge-meinen noch weit kraftiger als bei den Malayen.

Nehen dem hier geschilderten , herrschenden Typus giebt es auch einzelne Leute mit langen, schmalen Nasen, welche einen nahezu europaeischen Eindruck machen. Das kann man sogar auf Haruku noch sehen, aus leicht erkltirlicben Gründen

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noch mebr auf Ambon, woselbstdie Verscbiedenheit im Ausseru innerbalb weiter Grenzen variirt, ho dass man bald an einen Alfuren, bald an einen Malayen, bisweilen ganz entschieden an einen Semiten eriunert wird. Aufiallend war mir, dass ich auf Haruku innerbalb dreier Tage nicht minder als 4 Manner mit Hasenscharten autraf.

Die Christinnen haben die Gewohnheit, ihre Brüste dnrch ein Leibcben nach initen und platt zu drücken '), weil sie dies für anstandiger halten, und so be-sitzen sie, im Gegensatze zu den mohammedanischen Frauen und Madchen, eine hiissliclie Büste. Das Haar wird von den Weibern straft' nach hinten gezogen, unter Beimtzung von viel Cocosül in einen steifen Strang zusammengedreht und am Hinterkopie bei'estigt; vielleicbt ist es eine Folge dieser Bebandlung, dass es leicht ausfallt. Spater werden daim die eigenen, ausgei'allenen, sowie from.de Haare mit in den Strang quot;verllochten. Die mannlichen Christen ptlegen ihr Kopfhaar, wie nach heutiger, europaeiscber Sitte, sehr kurz zu scheren, und nur von einigen alteren Lenten wird dieses lang gehalten, hintenüber gekammt und im Nacken verschnitten, wobei es dann durch einen grossen Kamm, wie an der Siidküste Serans1), zusammengebalten wird. Das sali ich sowohl aut' Ambon (Leitimor) als auf den drei üliassern und spater auch auf Buano, aber stets nur in ganz verein-zelten Fallen als (Jeberrest einer veralteten Mode. Das Gebiss der Leute ist sehr schun. Die Strandbewohner (und fast alle wohnen am Meere) ptlegen es jeden Morgen mit See wasser zu reinigen und pul,zen es ausserdem mit dem kalkigen Sande des üfers; sodann reihen die Frauen ihre Ziihne noch mit Zweigstücken von Croton ab, von denen die Einde entfernt ist. Bei festlicben Gelegenbeiten endllch pudern sicb die Weiber gerne, und hiefür fand ich in Haruku zerstampften Kalkspath verwendet, gleichwie ich es spiiter auch in Lokki und Tifu sah.

Wie scbon angedeutet, zerfallt die Bevrdkerung in Mohammedaner uud Christen {prang surani). Letztere wohnen besonders auf Leitimor und auf den üliassern, wahrend erstere auf Hitu (Nordküste) das herrscbende Element bilden, ausserdem an der Nordwestecke von Haruku und in einzelnen zerstreuten Döriern auf Saparua angesiedelt sind, Nusalaut aber ganzlich feblen. Bisweilen trill't man die Anhanger beider Leb ren in Einem Dorfe, aber in zwei getrenuten Gruppen, neben einander, und da fallt denn (soweit meine Erfahrungen reichen) ein iiusserlicher Vergleich zwischen Christen und Mohammedanern stets zu gunsten jener aus, welcbe weit reiulicher, ordentlicber und zuverlassiger sind als diese.

Die Kleidung der Mohammedaner kann an diesem Orte füglich übergangen

1

Vgl. hier Niiheres über die Tracht.

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werden1); dagegen verdient diejeuige der christlichen Dörfünge eine nahere Betracht nng, da sie der Bevölkerung des betreffenden Gebietes einen eigenartigeu Stempel autdrückt. Selbstredend zeigen sich auch hierin wiederum im einzelnen mancherlei ünterschiede, je nachdem die Leute in niiherer Beziehung zur Stadt Ambon steben oder sieh weiter von diesern Centrum der molukkischen Kultur entfernen; doch ist im ganzen der Charakter der Tracht ein sehr gleichartiger, besonders auf den üliassern.

Iti entlegenen Dörfern, wie auf Haruku, sah icb die Kinder bis zum 10on oder gar I2,'!n Jahre i'asl alle ganz nackt gehen. Brwachsene, insinnliche Negorei-bewobner tragen bei der Arbeit nicht» anderes als ein sackartiges Kleidungsstück, welches die Mitte des Körpers von den Hiiften bis kurz iiber die Kniee bedeckt vind unten nur ein paar Oeffnungen zum Durchstecken der Beine besitzt (Taf. II). Ziehen sie sich besser an, so benutzen sie eine belle Hose, welche bis zu den Waden reicbt, und in der die Beine noch kanm angedeutet sind; dazn gehort dann eine kurze, weite Jacke, welche nach Art europaeischer Unterkleidung über den Kopt' gezogen wird, vorne geschlossen ist und sehr geraumige, dem Trager oft über die Hiinde fallende Aermel zeigt. Dies hadju, welches im Vereine mit dem wunderbaren Beinkleide den Mannern ein ungemein lotteriges Aussere verleiht, ist für gewöhnlich von beliebiger bunter Farbung, bei festlichen (lelegenheiten aber von gliinzend schwarzem Kattun, und womöglicb legt der Negoreimann als Staatskleidung auch lange Hosen von demselben Stoffe an. Die Biirger dagegen benutzen stets europaeische Beinkleider, welche an Feiertagen wiederum von schwarzem Kattun sind, und dazu gehort alsdann eine eben solche Jacke, welche vorne offen hiingt, so dass eine andere, weisse Jacke unter der schwarzen Oberkleidung sichtbar wird. Das ist auf Ambon und Saparua die Kirchenkleidung; doch wird dieselbe auch beim Tanzen angelegt, oder die Manner wahlen bei solcher Gele-genheit für die letzterwahnte Tracht die blaue statt der schwarzen Farbe. In der Regel gehen die Leute, Biirger so gut wie Negoreihewohner, baarbaupt, doch bedienen sie sich als Schutz gegen Sonne und Regen auch wobl eines spitzen, flachkegeligen Hutes itudung)', sonst leistet irgend ein Tuch oder ein Kleidungsstück, zur JNoth auch ein Pisangblatt, dieselben Dienste.

Die Frauen der Dörflinge kleiden sich zu ïïause und bei der Arbeit in einen groben Rock und eine kurze Jacke von beliebiger, grauer oder bunter, Farbe; beim Ausgange tragen sie dagegen zwei Röcke, von denen der obere vierlfacb zum Schutze des Überkörpers gegen Hitze und Kalte über die Schulteni beraufgezogen

1

Für deren Beschreibung verweise ich auf Van Hoëvell, desgleichen für die nahere Schilderung der Tracht vou Biirgorn und Mestizon. (Ambon, pag. 78). t

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wird; sonst lassen die Weiber auch genie einen der beiden, verschiedenfarbig ge-wablten Sarongs unter dem anderen hervorsteben. Die Kircbentracht ist, wie er-wabnt, aucb fiir das weiblicbe Gescblecht von gliinzendem Scbwarz, und biezu gehort nacb der Confirmation noch eiu Gürtel {kain pi kol), welcher über die linke Schnlter gebangt und unter den rechten Arm bin schrag über die Brust gezogen wird ; oftmals ist derselbe reich mit schwarzen Glasperlen verziert. Im Gegensatze zu den Mannern legen aber die Frauen ibre dunkle Kleidung nur bei feierlicben Gelegenheiten und , mindestens aul' den Uliassern, nicht beim Tanze an; denn hiefür ist auf den genannten Insein allgomein der rothe Rock uml eine weisse oder bellgeblümte Oberkleidung (kabaja) mit langen Aermeln Sitte, welche bis über die Kniee berabhangt und wie ein Naclitbemd aussieht. Ins Haar tlecbteu sich die Madchen bei solchen Festlicbkeiten einen Kranz, welcher aus Melatti Blumen (Jaminum Samhac L.) oder aus weissen, spindelartigen Stückcben von Pflanzenmark ') {papaljeda) mit rotber und grüner Wolle hergestellt ist. Dass sich in der Niihe der Stadt gelegentlich noch mancb anderer Zierrath binzugesellt, versteht sich von selbst, bietet aber kein weiteres Interesse. Blau wird von den Frauen als Halbtrauer angelegt, wie etwa in Europa die graue Farbe; selbstredend gehen alle, gleich den mannlicben Negoreibewobnern, stets baarfuss.

Lasten tragt man auf dem Haupte, und die marktgebenden Frauen bedienen sich dabei gerne einer runden Holzplatte (dulang), aut' welcbe sie bei Regenwetter zum Schutze ihrer Waaren einen Deckel setzen, der von Bambns geflochten ist und dem Hute der Manner gleicht (tudunrj). Um die auf Saparua selbst gefertigten, grossen Wasserkrüge transportiren zu können, pHegen die Weiber einen weicben Ring von Zeug oder dergleichen als Untersatz auf den Kopf zu legen, und da sie jene sebr elegant zu balanciren versteben, so bieten sie, vom Brunneu kommend, mancb malerisches Bild. Wenn sie es eilig haben, wird auch wohl der Haar-strang vom Ilinterkopl'e abgenommen und nacb oben verlegt, um die Stelle jener künstlicben Unterlage zu vertreten, und dann erinnerte mich die Tracht an die-ienige, welche ich noch auf den Sangir- und Talaut-Inseln sah, obwobl die Mis-sionare bereits bemübt sind, sie abzuschaffen. Freilich ist der Typus der Leute auf den letztgenannten Eilanden ein wesentlich anderer; sie geboren bekanntlich zu den Tabukan-Stammen.

An der Spitze des Dorfes steht ein Regent, welcher ein erbliches, aber von der Regierung zu bestatigendes Amt bekleidet und als Abzeicben seiner Würde einen Handstock mit Wappenknauf tragt. Je nacb Verdienst des Oberhauptes ist

K 1) Nach Roinwardt von Scaevola Lobdia abkünftig (Kois, pag. 449).

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dieser yon Silber oder von Gold. Selten gebietet ein Regent ül)er mebrere Dörfer, wie es derzeit beim Radja von Erna der Fall war, dom ausser dem ge-nannten Orte auch noch Lea ïïari untergeben war, und so sind demi diese Beam-ten den Bügermeistern kleiner Gemeinden zu vergleichen, deren Mitgliederzahl im allgemeinen von wenigen huaderten bis über tansend schwankt. Wabrend meiner Reisen zeichnete leb mit Hilfe der Regenten selbst Folgendes über die Binwohnerzahl der ibnen unterstellten Dörfer auf. Sie betrug in Soja 239, in Hatalai 001), in Erna 610, in Lea Hari 110, in IIulu Muri 950, in Rutung 300, in Hitu 1400 (Hitulama und Hitumesing zusammengenommen), in Hila 700, in Rumatiga 300, in Porto 1100, in Nolot 1317, in Nalahia 700'). Die Macht-spbare der einheiiniscben Gebleter, von denen einige stolze, portugiesiscbe Namen tragen, ist somit eine unbedeutende, und ebenso ist es durchweg mit ibrem Be-sitzthume bescbafl'en; demi die meisten erfreuen sicb nur eines, nacb europaeiscben Begriffen, bescbeidenen Woblstandes, und ein/eltie sind nabezu arm. In den Hausern, welcbe siob den stiidtiscben Wohnungen Ambons anscbliessen (vgl. Taf. 8, Fig. 6), ist alles ordentlich und sauber (einmal sah ich sogar Rosen in einem Vorgarten angeptlanzt); aber ibre Einrichtung übertrifl't niemals dasjenige, was man in sebr kleinbürgerlicben Verbitltnisaen Europas zu seben gewobnt ist, bleibt vielmebr in den meisten Fallen noch weit dahinter zurück. Originelles ist gar nicht vorban-den; das Ganze stellt vielmebr den Wiederschein der stiidtiscben Bevölkerung von Ambon dar. Die Leute selbst zeichnen sich sammt ibren Frauen dureb tadellose Manieren aus, und wenn einen der christliche Regent im schwarzen Rock oder gar im Frack empfangt, so vergisst man fast, dass mini einem Eingeborenen gegenübersteht; ein/.elne von ihnen diirfen aucb ibrem Wissen nach wobl Ansprucb auf die Bezeicbnuug gebildeter Miinner erbeben.

Durcb eme vor dem Hause hangende Trommel (Jifa), deren Signals weitbin vernebmbar sind, ruft der Regent seine Leute zusammen, und zwar in erster Linie die hipala soa's, Vorsteber einer soa oder eines grosseren Familienverbandes, welcbe die Anordnuugen des Oberbauptes den Dörflingen zu überbringen und für ibre Austührung zu sorgen haben. Auch das Amt dieser Würdentrager ist auf bestimmte Gescblechter beschrankt'). In den cbristlicbeu Gemeinden zeichnen sicb die Kapalasoa's dadureb aus, dass sie zu der sonntaglicben Kleidung ein Kopftucb oder ein anderes buntes 8tück Zeug über eine Schulter oder hinten um den .Nat'ken

1) 1 ebor die Bovölkerung dor TJliaasor im Jahro 1874 sich Van Hoëvell, 1. c. pag. 8; fernor iibcr diojenige von Ambon und don Uliassern in den Jahren 1859 u. 1860 Van der Crab, Molnksche eilanden, pag. 150, 11)(J u. 231. Weitere Einzelhoiton dasolbat in der angohiingten Tabelle.

2) Sie werden aus dor hang sa hatsil gowiihlt (v. Hoevoll, Ambon pag. 4i7).

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gelegt trageu; es ist dies aber keiu officielles Abzeicheu, soudem lediglich eiiie Vülkseiunchtung.

Die Wege in den Dörferu werden hiiufig durch lebeude Hacken von Crolon eingefasst; doch sieht man an ibrer Stelle auch wobl niedrige, mauerartige Ein-friedigungeu, welche nachj Art des Unterbaus der Wobnungen von lose auf eiu-ander gelegten Rollsteinen bergestellt siud. Die Hauser der Kegoreileute wurden oben bereits beschrieben; icb will indessen nicht unterlassen, noch hinzuzufügen, dass sie in entlegenen, mohammedanischen Orten abseits vom Hauptwege oftmals auaserordentlicb armlich nud verfallen sind, so dass sie nicht selten Stiillen illm-licher seben als menschlicben Wohnstatten. Selbstredend liebeu sich die Gottes-hauser in den Dorfern durch ihr xVusseres besonders hervor, vmd in den christlicben Qemeinden liegt die Kirche in der Regel, gleich der Schule, dein Hause des Regenten gegenüber. Beide stellen meist luftige Holzgebaude dar, welche nach Art der gewohnlichen Wohnungen aufgeführt sind, aber uur Einen Raum umschliessen und au» erkliirlichen Grimden der Gallerieen enthehren.

Die Kircben sind theilweise über 200 Jahre alt, wie sich unter anderen in Soja noch an der Hand zAveier darin befindlicher Graber von Predigera nachweisen liess 1); in Hutu Muri sah ich ein solclies Gebüude von Stein aufgeführt und so gut eingerichtet, dass manche europaeische Dorfkirche dagegeu zurücksteht; nur Eingesessene batten daran gearbeitet — freilich schon seit dem Jahre 1832. Auch die Einrichtung der Schulen 9) kann mit derjenigen unserer niederen Volksschulen wetteifern; es feblt weder an genügenden Lehrmittelu, noch sind die Unterrichts-erfolge gering; besonders überrasehten mich die schone Schrift, die Zeichnungeu und der herrliche Gesang der Kinder. Urn ein Beispiel anzuführen, miige erwahnt werden, dass die Zahl der Schüler im Dorfe Erna derzeit 134 betrug; sie waren in 4 Klassen vertheilt und wurden von eiuem Hauptlehrer, 3 Hilfslehrern sowie von einem Lehrerzöglinge unterrichtet.

Diese Leute, nachst dem Regenten die Respektspersonen des Dorfes, tragen sich durchaus europaeisch und zeichnen sich durch taktvolles Auftreten aus. Freilich geht die Bildung bei ihnen nicht sonderlich tief; die meisten von ibnen lesen nichts anderes als ibre alten Schulbücher und haben geringes Interesse für Dinge, die sie nicht direkt angehen, so dass man stets von neuem getiluscht wird, wenn

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1

Die iiltoste Kircho boiindot sich in Ein a, woselbst auch dio cisten Christen von Ambon wohnton die in der geschiitzten Lage des Dorfes Zutlucht vor den heidnischbn Alfuron suchtcn. Das Dorl' soil reichlich 500 Jahre alt sein (nach Buddingh, N. O. Indie II, pag. 270).

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man unter der mit gewisser Eleganz ge tragenen, europaeischen Klei dungquot; einen dem entsprechenden Menschen sucht. Sie sind eben indifferent, wie die Bewohner der Tropen überhaupt, und in dieser Beziehung ist es bemerkenswertb, dass selbst der Schulunterriclit nicht iin stande ist, die eingeborene Gleichgiltigkeit zu be-seitigen.

Wie weuige. Lente kannten die Namen der Berge anf ihrer eigenen, kleinen Insel, selbst derjenigen, welche sie tiiglich vor Augen hatten! Keinen Menschen babe ich auch angetroflen, welcber gewusst bulte, dass sich ein Scbmetterling ans der Puppe entwickle; sogar ein eingeborener Arzt, vvelcber nach Beendigung seiner medicinischen Studiën in seinem Grebnrtsorte Hitu als doder dj aio a ansassig war, brachte inir einmal eine leere Puppenhülle, die er seit Jahren als grosse Merkwürdigkeit in Watte bewabrte, mit der Frage, was das wobl sein müchte, nnd icb tand in der vveiteren Umgebung mit meiner Erklarung des Gage 11 stand es wenig Glauben. Anf Harnku bebanptete lerner ein Mann, dass er 7 Yater babe; er rechnete mimlich seine Oheime anch dazu, und vielleicbt ist hierin noch eine lleminiseenz an die auf Seran übliche Art der Eheschliessung gelegen, bei welcher der Mann zu seiner Fran ins Haus zieht, so dass er dem Kinde als eine den Brüdern der letzteren etwa gleichstehende Persönlichkeit erscbeinen mag.

Die Unterrichtsaprache ist ambonsches Malayisch, welches infolge dessen audi überall ven den Christen dieser Insein, nicht aber von den Mohammedanern, verslanden wird, und für den Verkebr um so grössere 15edeutung bat, als die Landessprache (bahmsa) sehr reich an Dialekten ist, die wiederum sehr grosse lokale Verscbiedenheiten zeigeu '). Gleichwohl bedienen sicb auf den tiliassern, ausserhalb des Hauptortes Saparua und Tiow, auch noch die Christen im eigenen Dorfe unter einander des Bahassa. Auch Seran und Burn besitzen wiederum ihre eigene Bprache, so dass man bei langeren Eeisen in allen diesen Gegenden nicht nur eines Dolmetsch für ambonsches Malayisch bedarf, sondern daneben noch anderer llilfe für die überall wechselnden Dialekte der verschiedenen Dörfer.

Ausser Kirchen und Schulen verdienen noch die für Versammlungen errichteten Hauser, welche haileo genannt werden, besonderer Erwahnung. Was icb hievon auf den üliassern sab, schliesst sich indessen so ganz und gar an die für gleiohe Zwecke bestimmten Gebaude der Südküste Serans an, dass ich behufs naherer Schilderung auf sie verweisen darf. Nur dort, wo das alte Rathhaus verfallen war und die liissige Bevölkerung sich noch nicht über den Bau eines ordentlichen neuen Baileo einigen konnte, batte man in jüngster Zeit letzteren auf ebener

1) Vgl. hicrüber die intorossanten Mittheilungen van Hoëvell's (1. c. pag. 89, ff.), sowio über ambonsches Malayisch das „Vocabulariumquot; dcsselbcn Verlassers.

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Erde errichtet, stalt, wie es der Brauch erfordert, eiueu auf eiuem Unterbau von Pfahleu rullenden Schuppen hemistellen.

ünmittelbar ausserhalb der cbristlicben Dorfer befindet sicli der Kirchhof, dessen Graber zum Theil uacb europaeiscbem Vorbilde mit steinernen Denkmalern geziert siud; die Ruhestatten der Aermeren, welche uns bier mebr interessireu müssen, weisen dagegen nur einen langlicb-ovalen Ring von losen Felsbrocken auf, in den man zu Kopf- und Fuss-Ende des Todten noch je einen einzelnen, grosseren Stein gesetzt bat. Uelier das Ganze ist dann liilufig ein niedriges Dacb von Atapp gebaut (Taf. 7, Fig. S). Bisweilen findet sicli aucb eine Anzabl von Griibern durcb einen gemeinscbaftlicben Steinring umgeben und von einem ein-zigen Dacbe überdeckt, wobei dann die grosseren Steine zu Köpfen und Füssen der Leicben feblen; aucb vermisst man mitunter bei Einzelgrabern den Stein am Fussende. Mobammedaniscbe Grabstatten, olme Scbutzdiicber, aber mit den glei-cben, ovalen Steinringen, trifft man vielfacb in den PHanzungen zerstreut an.

Die eingeborenen Cbristen sind auf ibren, oftinals rein ausserlicben, Glauben sehr stol/,, und da sie die Kircbe regelmassiger besucben als die Europaeer, so sollen sicli manche von ilmen über diese erbaben füblen, was mir in Anbe-tracbt des alfuriscben Sinns nicht unmöglicb zu sein scheint. Dass trotzdem der Aberglaube ') noch üppige Blüthen unter der cbristlicben Gesellscbaft dieser Gegenden treibt, kann keinen befremden; aber aullallig war es mir doch, zu er-fahren, dass aucb vielfacb rein heidniscber Sitte gemiiss geopfert wird J). Es ge-scbiebt das auf den Bergen im Walde, an Pliitzen vvo friiber die Dorfer ireleiren

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waren, und in der Insel Saparua besonders auf dem Amaïuel, bei dein ürte Noi.or, auf dam sich die Negorei Iiia befand, bever Arnold de l'laming van Oudshoorn sie zerstorte und ibre Bewohner zwang, sicb am Strande anzusiedeln. Die Opfer-statten sollen Steine sein, urn welche man eine vierseitige Einfassung von Croion angelegt bat. Eine sehr zuverlassige, mir vertraute Persönlicbkeit beobachtete aucb einmal, dass ein angesebener Bewohner von Saparua einer kleinen, metallenen, scheinbar aus Gold gefertigten Schlange opferte 1). Der Stein beim liaileo 2) gilt den Eingeborenen ebenfalls für heilig. Alte Schüsseln, Teller, Geldstiicke und andere Werthgegenstande, welche langer in der Familie vererbt worden sind, erfreuen sich ferner einer aberglaubischen Verebrung, und die Leute fürchten, dass

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Vgl. hieriiber auch Riedel (1. e. pag. 58).

2

Vgl. Naheres bei Soran.

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ihnen ein Ungliick zustösst, falls sie jene fortschenken oder verkaufen. In die Kategorie des Aberglaubens g-ehört ausserdem das sogenannte maialcau, ein Droh-mittel, dem wir im weiteren Verlaufe der Reise noch hautiger begegnen werden, und welches ich zuerst auf Saparua durch Vermittelung des Herrn Eoos kennen lernte:

Dem Regenten yon Tubalia im Norden des Eilands war Geld gestoblen, und er grill' z\im Matakau, um wieder in den Besitz seines Gutes zu kommen. Zn diesem Zwecke verfertigte er aus Gabbagabba die Taf. 8, Fig. 9 u. ] 0 abgebildeten Gegen-stande, von denen der eine (Fig. 10) ein Krokodil, der andere (Fig. 9) eine Schildkröte darstellen soil. Der 40 cm. lange Sauriër ist freilich sehr unglücklich ausgefallen, obwohl sein Vorbild bisweilen auf Saparua selbst angetroffen wird, unter anderen im Waë Ila, in den das Thier bin und wieder von Seran aus gelangt. Um die Mitte seines Körpers ist ein rother, wollener Lappen gelegt; sein Hinterkopf ist mit einem Stück Flittergold verziert; die Augen sind von der bekannten, kleinen, halb schwarz, halb roth ') gefarbten 1 ioluie (Aims precatonm L.—myd) berge-stellt. Auch die 11,5 cm. lange Schildkröte ist in der Mitte mit einem rotben Zeugstreifen von Wolle geschmückt, und ihre Augen sind aus demselben Stoffe gemacht; der l'anzer ist mit gelben Flecken verseben. Beide Thierbilder wurden auf einen niedrigen, von vier Stöcken getragenen Tisch gesetzt, und dann ein Schutzdach darüber angebracht, so tlass der ganze, m. bohe Bau etwa einem kleinen Hause mit ofl'enen Seitenwanden glich; darauf sprach der Bestoblene eine Zaubertbrmel, durch welcbe dem Dieb ein Ungliick angedrobt wurde. Die Bedeutung des Krokodils bedari keiner woiteren Erlauterung; durch die Schildkröte soli aber eine Gescblechtskrankbeit für den Schuldigen beraufbeschworen werden, Ijei welcher sich der Penis zurückzieht, gleichwie der Kopf des ïhieres sich zwiscben seinen Schildern zu verbergen vermag 1).

Ein solcbes Matakau ist sebr gefiirchtet; kein Inlander wagt, es zu berübren oder gar fortzunehmen; der Bedrobte aber kommt entweder, um sich zu entschuldigen , oder er bringt das Gestohlene beimlicb zurück. Freilich geschieht dies nicht immer sogleich; wenn aber dem Betretienden selbst oder seiner Familie irgend eine Krankheit oder ein Unheil zustösst, so schreibt er dies seinem Verbre-chen zu und sucht dann dasselbe wieder zu sühnen. Die Drohzeichen, mannig-fach an Art, werden indessen nicht nar gesetzt, um Gestoblenes zurückzube-kommen, soiidern auch, um Diebstahl zu verhüten.

Stets sind die Qegenstünde, welcbe als Matakau dienen, sehr rob oder auch

1

Van Sehmid giebl hiofür eine andere Erklürung (Aanteokoningen, pag. 50Ü), die aber schwerlich richtig sein kann.

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gar nicht bearbeitet; wenn man /. li. eine Schlange darstellen will, so begniigt man sich mil einer gekrümmten Wiirzel oder einem anderen, beliebigen Gegen-siande aus dem Pllanzenreiche, welcber einem solcben Thiere oberfliichlicb ahnelt. Derselbe Avird einfach aut' zwei Gabelstooke gelegt, and damit ist die Schlange fertig. Die schonen Thierbilder, welclie Riedel auf Tafel 8 abbildet, dürften denn auch zum Theil der Phaniasie des Zeichners entsprossen sein.

Mit dem Matakau darf das mssi nicbt venvecbselt werden, welches nur ein Verbotszeicben ist and keinerlei Bedrohung enthtilt. Man setzt es z. B. in der Niihe der Küste ins Meer, um Fremden an den betreffenden Orten das Fischen zn Terbieten, nnd zu solchem Zwecke fand ich einmal ein Sassi augebracht, welches aus einem einfaohen, in den Boden gepflanzten Stocke mit daran gebundenen, jungen Blattiiedern der Oocospalrae bestand. In einem anderen Falie war das Zeichen im Meere complicirter nnd steilte es einen Mast nebst rob angedenteter Takelage dar. in Haraku sab ich ferner einen ganz iihnli-(ihen, grossen Ban (1),

dem auch der Schiffs-rumpf nicht fehlte1).

Dieser war dadurch her-gestellt, dass man die Cocosfiedern an ein ova-les, ins Erdreich einge-triebenes Cleriist von Bambusstöcken gehangen nnd hernach an ibren unteren Enden zerspalten Sassi von Haruku.

batte, damit sie bis zum Boden herahreicbten. Auch am Bugspriet hingen wieder die glei-chen jungen Fiedern, und darüber waren einige Bambusbliitter angebunden; sodann batte man auf ein paar der vertikal stehenden Stabe des Schiffsrumpfes Stücke von Cocosnusschalen gesteckt; denn das Ganze steilte eine Vorrichtung gegen das Pfliicken von Cocosnüssen dar. Zu gleicbem Zwecke befanden sich in derselben Gegend noch kleinere Sassi's (2), einzelstehende, aufrecht in den Boden gepflanzte Bamlius-stocke von hallier Mannsböbe, mit daran gebundenen, jungen Cocosfiedern und an der Spitze wiederum mit einem Stücke der Fruchtscbale des verbotenen Baumes versehen. Alle diese Zeichen waren auf Haruku von Buschwachtern angebracht, welche hiedurch das unzeitige Ernten der Früchte verbieten, dem Eigentbümer so

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In dor nebonstohondon, schematischen Figur sind dio Stücke nur dor Doutlichkeit wogen gcringelt.

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gut wie jedem anderen, wahrend dein Zuwiderhandelnden eine Strafe auferlegt wird '). Aehnliche Sassi's werden aber nicht nur für die Cocospalme, sondern auch zum Schutze anderer Feldfrüchte von den Buschwachtern emchtet, und die Zahl dieser Leute, welche als Abzeichen ihrer Würde einen rohen Rottanstock zu tragen pflegen, ist infolge dessen sehr gross.

Die Ertrage seiner Nutzbüume, welehe letztere bereits bei der Beschreibung der ambonschen Landschaft erwahnt wurdeu, und zwar in erster Linie des Gewürz-nelkenbaums, verschaffen in heutiger Zeit dem als Landeigenthinner geborenen Dörflinge (Negoreibewohner) ein sorgenfreies Dasein, um so mehr, als er nur bis zu einem Maximum von 5 Gulden an Steuern zxi entrichten hat und sonst jeder Verpflichtung gegenüber der Eegierung entboljen ist. Denn die ïïerrendienste sind im Jahre 1864 völlig abgeschafl't, meiner Ansicht nach mit Unrecht, da es doch nicht mehr als billig ware, wenn der Staat für seine auf die Verwaltung des Landes und die Erziehung der Bevölkerung verwendete, grosse Mühe auch ein entspre-chendes Aequivalent erhielte, wiihrend die Eingeborenen viel zu liissig sind, um ohne einen gewissen Zwang durch ihrer lliinde Arbeit die Produktionsfahigkeit des Landes zu steigern. Sie sind eben noch unmündig, gleichwie sie unreif für europaeische Eechtsverhaltnisse zu sein scheinen, welche man rücksichtslos einzu-führen hestrebt ist — ein Umstand, der l)oi der Verwaltung der Insein zu man-cherlei Misstanden Anlass giebt1).

üass die Bevölkerung nicht arbeitsam ist, steht im engsten Verbande mit ihrer Bedürfnisslosigkeit; denn sie ernahrt sich ebenso einfach wie billig. Etwas Sagu, frisch oder in der Form von Broden, dazu taglich eine Cocosnuss und ein Fischchen von der Grosse eines IJürings; das ist alles, dessen eine erwachsene Person zu ihrem ünterhalte bedarf. Die Fische langt sich selbstredend ein jeder selbst, und auch die Pflanzen, welche man gelegentlich zur Bereitung von Ge-

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stellung scheint man l)is jetzt auch nicht genügend gewürdigt zu haben (vgl. Ambon, I.e. pag. 05 tl'.).

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müsen sucht und zu denen uiiter anderen als Leckerbissen das Mark von juugeu Stammlheilen der Eottanpalme gehort, branch en nicht bezahlt zu werden. Besitzt man selbst keine Sagnbanme, so kann man sie bequem nm ein geringes kanfen; bei Lokki anf Hnamnal (Klein-Seran), wohin sich viele Leute vou Saparua mui audi von Ambon zum Saguklopfen begeben, kostet z. B. eine ganze, zur Verar-beitung reife Palme je nach der Grosse uur 21—4 Gulden '). Ein einzelner, gnter Banm genügt aber, nm einen Maun ein ganzes Jahr hindurch zu ernahren, und so lange halten sich auch die gebackenen Sagubröde, wahrend das Mehl lm friscben Znstande 3 Monate lang bewahrt werden kann. Im Nothfalle braucht also für je eine Person uur Ein Mal im Jahre ein einzelner Baum verarbeitet zu werden, und auch die Oocosnüsse sind leicht zu erschwingen; sie kosten an genanntem Orte 2 Cents das Stück, bisweilen aber nur die Halfte. Die Dörflinge auf Ambon und den üliassern brauchen also nur einen sehr geringen Gewinn (jahrlich 10—12 Gulden für die Person) aus ihren Nelken- und anderen Nutzbaumen zu ziehen, um hievon ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

Als eine Besonderheit moge Obigem noch hinzugefügt werden, dass auf Saparua in den Dörfern Papebu und Tuhaha Hundefleisch gegessen wird , und dass man in Abubu auf Nusalaut einen graulichweissen Th on s) verspeist. Letzteres ge-schieht namentlich von Frauen in Zeiten der Schwangerachaft1).

Im Gegensatze zu den Negoreileuten führen die in den Hauptorten von Ambon und Saparua ansassigen Mbstizbn und büraer eine wunderliche Existenz. Der miinnliche Tbeil der ersigenannten Kategorie von Menschen findet sein Ideal darin, Hollandisch zu erlernen, europaeische Kleidung zu tragen und entweder nichts zu thun oder höchstens als Schreiber an irgend einem Bureau thatig zu sein. — alles Dinge, durch welche sich die Leute den hollandischen Beamten, und somit den Weissen überhaupt, nahe gerückt fühlen. Das Handwerk spielt aber weder bei Bürgern noch Mestizen eine nennenswerthe Eolle, und der Handel befindet .sich fast ganz in den Handen von Fremden; Grnndbesitz endlich haben jene Menschen nicht. Wovon ernahren sie sich demi? Fragt man darnach, so heisst es gewöhnlich: „leb suche, Herrquot; (mentjari, tuwan), und in der Stadt Ambon mag ein solches Suchen ohne leste Beschaftigung noch erkltlrlich erscheinen, nicht aber in Saparua.

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8) Nach Ludeking: „um weisse Kinder zur Welt zu bringenquot; (schets, pag. 81).

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Freilich liefert auoli den Mestizen und Biirgern dieses Eilands die Vegetation, der Fischfang und die reiche Fauna der Strandriffe, welche zur Ebbezeit abgesucht werden, sowie die Jagd einige Nabrung. Den Tanben und Kalongs, bier marseyo genannt, wird eifrigst nacbgestellt, sodann dem cmcus und den zablreicb vorkom-menden Wildscbweinen. Aucb sollen bisweilen Hirscbe von Seran aus herüberscbwim-men '); keinenfalls dürfen aber diese Tbiere, welche auf Haruku vielfach angetroffen werden, für Saparua als Wild in Recbnung kommen. Das nnregelmassig bestriebene Jagen kann aucb unmöglicb als eine bestimmte Erwerbsquelle angeseben werden, und somit bleibt von Obigem der Fischfang und das Suoben von Krautern alsWesent-lichstes für die BescbafFung von Nabrungsmitieln übrig. Dann werden noch Hübner gehalten, bei denen mir auffiel, dass ibre Federn biuifig aufgericbtet und umge-wendet steben, statt dem Körper anzuliegen, eine Erscbeinung, die icb scbon in Surinam beobacbtet batte, und welche man aucb künstlich hervorbringen zu können bebauptet, indem man das Ei erst in heisses, sodann gleich in kaltes Wasser legt, also gleichsam abschreckt, und darauf bebrüten lasst 1).

Bei alledem bleibt es ratbselbaft, wie die betreffenden Leute ihren Lebens-unterhalt beschaffen, wenngleich ihre Ansprüche in dieser Beziehung nicht böber sind als diejenigen der Dörflinge; noch minder erkliirlich ist es aber, dass sie obendrein stets ordentlich oder gar sehr gut gekleidet gehen und oftmals aucb bessere Wobnungen besitzen als die letzteren. Die Iliiuser der Mestizen macben bisweilen, wenn sie bübscb weiss getüncbt und mit Fenstervorsatzen von rothem Zeug versoben sind, sogar einen recht freundlichen Eindruck; für die Herstel-lung der Wünde benutzt man neben Gabbagabba aucb liolz, und ausserdem macht man von den Blattstielen der Sagupalme Decken in den Wohnraumen. Womit wird das alles bestritten?

Allerdings feblt das Handwerk aucb auf Saparua nicht ganz; aber vielleicht wird nur die Kleidermacherei regelmassig betriehen, da die Leute so sehr viel auf ihre iiussere Erscbeinung geben und sich für die Erzeugnisse der Scbneider-kunst selbstredend immer Abnehmer finden. Viele Frauen backen aucb Kuchen, xim sich dnrch deren Verkauf eine Erwerbsquelle zu eröffnen — das alles wird aber

1

Es ist denkbar, dass in den Tropen einzelne Eier von Hühnern auch ohne Zuthun des Menschen einer ahnliohen Einwirkung untorworfon sind, und deswegen l'ühro ieh obigo Mittheilung, die ich einem sehr entwickelten .Mestizen von Saparua vordanke, aucb bier an. Selbstredend muss ihre Braucbbarkeit noch durch das Exporimont bostiitigt werden, und vielleicht findet sich ein sorgfiiltigor Hühnorzüchter oinmal zu Versuchon iiber den Gegenstand bereit.

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die Boebon ges tell Ie Frage nicht beantworten können, mul ioh muss die Ausknnt't über diesen Punkt schuldig bleiben.

Es vYÜrde übrigens sehr unrichlig' sein, wenn man aus Obigem ableiten wollte, dass die Bevölkernng der in Rede stekenden Gegend überhaupt keine Fer-tigkeiten besasse; sie ist im Gegentheile sehr geschickt und würde nnter anderen Verhaltnissen gewiss ein sehr nützlicbes Glied der menschlichen Gesellschaft ab-geben. Die schone, von Dörtlingen hergestellte Kirche in Hutu Muri wurde schon er walmt; sodann sah ich Schulbanke, welche mit den besten europaeischen Modellen, nach denen die Eingeborenen sie gefertigt, wetteifern könnten, und manche andere, gute Holzarbeiten; in Soja fand ich sogar eine selbslgemachte Violine, welche einen selir leidlichen Ton gab, und Saiten, die zu kauten den Leuten zu theuer ist, wissen sie aus Bindfaden u. dgl. mittelst Beschmieren, Drehen u. s, w. herzu-stellen. Alles und jedes können die Bewohner dieser Insein nachabmen, freilich uur weniges selbst erdenken, und Originelles findet man bei ihnen fast gar nicht. Betrachtet man die ungemein niedrige Entwicklungsstufe, aui' der die stammver-wandten Seranesen stehen, so kann das allerdings kaum auffallen; denn jene besitzen so ausserordentlich wenige, noch dazn für die allernothwendigsten Bedürf-nisse des Lebens eingerichtete Gerathe und Wallen der primitivsten Art, dass man begreift, wie die Kultur jede Reminiscenz hieran auf Ambon und den Uliassern verwischen musste.

Frohsinn ist eine der schönsten Gaben, der die Bevölkernng Iheilhaflig geworden, Musik und Tanz ibro höchste Lust, Hier verdient in erster Linie der tjakaldc herrorgehoben zu werden, der Kriegs- und eigentliche Nationaltanz dieser Gegend, welcher aufgeflihrt wird, wenn ein höherer, europaeiscber Beamter, und zwar vor allem der Resident, ein Dorf zum erslen Male besucht. Die Bewohner von Leitimor glaubten nun, auch rnich mit besonderen Ebreu empfaugen zu müs-sen, und so batte ich Gelegenheit, den Tjakalele aus eigener Anscbauung kennen zu lernen 1).

In Rutung wurde der Tanz vou sieben Personen (Taf. 1, Fig. 2) aufgeführt, welche lange, rothe Hosen, ein weisses Hemd, eine bunte Leibbinde, kreuzweise von den Schultern über Brust und Rücken gelegte, bunte Zeugstreifen und einen Hut mit hohem Federbusche trugen. Die Kopfbedecknng deutete in ihrer Form auf alte portugiesische Sturmhauben, deren es noch einige in den Dörfern giebt; ihr Schmuck war aus Halmen- und Casuarfedern gefertigt; sodann batten die Leute

1

Sowie Valentijn (ten tjakahdr schildert (TI, pag. 171), wird er heutzutage moinos Wissens nicht melir gotanzt.

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unter deu Hut ein Tuch gelegi, au das seitlich nooL wieder ein Halstuch befestigt war, offeufcar um auf solche Weise Schuppenketten anzudeuten. In der Linken trugen sie einen kleinen Schild you schwarzer Farbe und mit weissen Papierfiguren be-klebt, im Umrisse an eiue Sanduhr erinnernd, in der Rechten einen europaeischen Sabel, der so weit verkürzfc war, dass er dem in dieser Gegend gebraucblichen, langen Messer etwa an Grösse gleichkain. Die jungen Bnrsche bildeten eine aus drei Paaren bestehende Doppelreihe, wahrend der siebente von ihnen als Vortanzer auftrat; unter drehender und windender Bewegung tanzten sie in der Kniebeuge abwechselnd auf dem linken und rechten Beine, wsihreiid sie sich langsam vor mir ins Dorf zurackzogen. Der Vortanzer sucht dem Ankommlinge biebei schein-bar mit der Waffe den Eintritt zu wehren, und es gilt als besondere Ehre, bei solcben Gelegenheiten lange aufgehalten zu werden.

Die kleinen Schilde (Taf. 8, Fig. 2) sind, wie sicb spiiter herausstellte, eine Nachbildung der aucb auf Burn gebraucblichen Wehr1), und tiie aufgeklebten Papierfiguren sollen offenbar die Muschelstücke ersetzen, mit denen letztere einge-legt ist; es herrscbt aber in der Anordnung dieser Verzierung, welche auch von Buntpapier sein kann, grosser Wechsel, und wahrend man hierin bisweilen noch deutlich den Charakter des Vorbildes erkennt, ist er in anderen Fallen fast ganz verloren gegangen. Vielfach findet man solche Schilde in den Hausern der Dorf-linge als Zierrathe bewahrt.

Auch die Bekleidung der Hiite ist mannigfachen Abanderungen unterworfen, und in Saparua machen sie einem anderen Kopfputze Platz, welcher bereits einiger-maassen an einen solcben von Seran erinnert (Taf. 8, Fig. 1). Dort benutzt man niimlich anstatt des Hutes einen einfachen Eing, an den vorne ein Schild ange-bracht wird, und an der Eückseite des letzteren befestigt man alsdann den Hanpt-federschmuck, bestehend aus Hahnenfedern, welche rosettenartig an Stöcke ge-bunden und vorherrscbend von weisser Farbe sind. Auf diese Weise wird eine hohe, breite und flache Verzierung Qber der Stim des Tragers hergestellt; oder es fehlt auch das vordere Schild, und die mit Federn versebenen Stöcke werden nun kronenartig zurückgebogen. Hinten am Kopfringe sind ausserdem noch kleinere Büschel angebracht, die wiederum aus Habnen- oder auch aus Casuarfedern be-stehen könuen (Taf. 8, Fig, ltt). Sodann benutzt man auf Saparua statt der europaeischen Waffe ein hölzernes Messer (Taf. 8, Fig. 3), welches genau dem auf Seran üblichen Parang nachgebildet, oben aber mit einem Büschel von Hahnenfedern geschmiickt ist. Darin befindet sich ein Glöckchen; derjenige Theil des Ge-riltbes, welcher die Klinge darstellt, ist zur Halfte schwarz, zur anderen Hiilfte mit weissem Papier beklebt.

1) Vgl. Ntihoros bei Burn,

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Der menarie wird bei den Christen ') hauptsachlich von Madclien zum Em-pfange höherer Personen getanzt. Sie rühren sich hiebei kaum vom Flecke, aber beben uad senken die Arme unter zierlioben Handbewegungen abwechselnd links und rechts, wahrend sie sich dazu in den Hüften wiegen. Bisweilen sinken sie in die Kniee, ohne aber in soldier Stellnng die erwabnten Bewegungen zu un-terbrechen, und wenn sie langsam diese Beuge machen, um sich bernach in gleicher Weise wieder aufzuriobten, so glaubt man eher einer gymnastisch en Uebung als einem Tanze beizuwolmen. Die Madchen singen dazu Lieder, denen ein improvi-sirter Text unterlegt wird, indem bald diese bald jene als Vorsangerin auftritt, und als Begleitung dienen die einbeimischen Trommeln (tifa) nebst dem von Java eingef'ührten f/ontj und talabum. Letzterer besteht aus zwölt Metallbeoken, welche in ebensovielen Abtheilungen eines langlichen Bambuskastens aut'Kreuzbandern ruhen und mit einem Stocke angeschlagen werden; es ist dasselbe Instrument, welches man auf Java bonang nennt.

Zu den einbeimischen Tanzen gehort f'erner das oremhai tikang ikan'1), das heisst „in der Orembai (einem Boote) Fische stechenquot;. Hiefür wird eine Art Fahrzeug construirt, indem man den Bootrand durch einen langlich-ovalen Ring von Bambus darstellt, von dem junge Cocosfiedern berabhiingen. Diese sollen die Seitenwande andeuten, Aviihrend von dem gleichen Materiale ein niedriges Schutz-dach gemacht ist, welches die Kajüte des Bootes nachabmt, und an den beiden Enden desselben Fahnen angebracht sind. Die ganze Vorrichtung wird am oberen Rande getragen, von Leuten, die zum Theil als Insassen des Bootes fungiren und unter Gesang die Bewegung des Fahrens getreu nachahmen. Ein Einzelner stebt vorne, um das Kommando zu führen und bernach einen der am Boden sich bin- und berbewegenden Fische zu harpuniren. Dieselben werden von Personen dar-gestellt, welche auf dem Rücken eine schildartige, von Cocosblattern geflochtene ilii 11e tragen, und an ibr sind die Flossen durch hervorstehende Enden der Fiedern sehr gut markirt, so dass die Nachahmung der Thiere überhaupt ungemein ge-lungen erscheint. Wenn schliesslicb ein Fisch erlegt ist, so wird er herangetragen und gegen ein Trinkgeld verkauit; daim zieht die Gesellschaft weiter, um bei hellem Mondscheine an anderen Orten das Qleicbe zn wiederholen.

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Bei don Mohammedanoni ist dor Monarie allgomoin bcliebt; doch sah ich dioson Tanz auf Ain1gt;«)n und den 1 liussern nieht von ihnen auflFühron. Wohl lorntü ieh don mohammcdaniachon Menavio in Xuniali , an dor Nordküste Sevans, sowio hoi den Alt'uron im Innorn von Burn kennen, wosolhst dieser Tanz auc.h noeh in allen wesenlliehou Punkton mit der Schilderung iibereinstimmt, welche van Hoëvell für Ambon und die Uliasser gegeben hat (I.e. |)ag. 167).

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Knaben sowobl wie erwaehsene Manner fübren dies Tanzspiel iini, welcbes icb in Saparua bei Gelegenheit der Neujahrsfeier kennen lernte, in einer Zeit, in der die Tanzlust ihren Höbepunkt zu erreicben scheint. Demi im Beginne des Jabres borte man zwei Wocben lang Tag und Nacbt die Trommel, und bevor der Controleur dem Umvesen entgegentrat, leierten die Leute sogar einen ganzen Monat lang Pest. Derzeit sab icb audi zum ersten Male den tjakaiba, eine er-götzliche Nacbabmung und bewusste Karrikirung der europaeiscben Fran^aise, bei webiber die steife Grazie unserer kultivirten Gesellschaft, gegenüber den gescbmeidigen Bewegungen der Eingeborenen, die Zielscbeibe des Spottes bildete. Den Tanzern unbewusst, wvirde aber das Komische der Situation nocb durcb die französiscben Kommandos erböbt, welcbe in wunderbarster Ausspracbe und Verstümmelung von den Lippen der Saparuanesen flossen. Inzwiscben war die gescbickte Nacbabmung europaeiscber Gala-Uniformen von böberen Beamten und Seeoflicieren zu bewundern, und aucb die von maskirten Mannern dargestellten Damen, welche lange, weisse Ballkleider sowie eine Art Kappe mit Scbleier trugen, spielten ihre Bolle in vollendeler Weise.

Den Tjakaiba tanzten die Leule sowobl auf Saparua als bei der Feier des cbinesiscben Neujabrsfestes in Ambon, um damit Geld zu verdienen, und zu glei-cbem Zwecke sab icb aucb einen Tanz auffiibren, den man in Ambon horlofipp, in Saparua orlepó nennt. Dabei stellen sicb 4 bis 6 Junge Manner in zwei Reiben einander gegenüber auf, und nun macht die eine Partei der anderen , auf welcbe sie zu-tanzt, die wuuderbarsten Kunststücke mit den Füssen vor, wahrend die Hande in die Seiten gestemmt hleiben. Oftmals bewegen sicb die Tanzenden gleichzeitig in der Kniebeuge vorwarts, und die bei solchen Gelegenbeiten von den Bergbe-wobnern entfaltete Kraft und Geschmeidigkeit bat l)ei mir wiederboll staunende Bewnnderung erregt. Was nun die eine Beihe vormacht, muss die andere wieder-holen, und die Zuschauer entscheiden, welcher von beiden bei diesem Weltbewerbe der Sieg zukommt. Unzweifelhaft ist dieser Tanz der weit verbreitete, engliache hornpipe, welcher in Amsterdam horlepijp genannt wird und bienacb die ambonscbe Bezeichnung horlofp erbalten haben dürfte.

Aucb einen seranesiscben Kriegstanz sab icb nackte Kinder in den Strassen Ambons mit Geschick reproduciren, als Erinnerung an eine Festlichkeit, welcbe vor einigen Jahren zu Ebreu des früberen Residenten stattgefunden und an der sicb unter anderen Strandbewobner von Seran betheiligt batten — kurzum in allem und jedem tritt einem aucb bier wieder die grosse Gabe der Nacbabmung, welche der Bevölkerung von Ambon und den Uliassern eigen ist, entgegen. So viel der Tanze aber auch sein mogen, sie werden doch durcb die gewöbnlicben europaeiscben VVeisen verdrangt; icb babe mindestens bei den zablreichen Festlicb-

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keiteu, deiien ich auf meineu lleisen beiwohnte, fast nur unsere eiiibeiinischen Tanze gesehen, die selbst in den entlegensten Dörfern bekannt waren. Allerdings erhalteu dieselben bisweilen dadurch einen eigenartigen Cbarakter, daas die Leute Ueuiiniscenzen aus dem Menarie Lineinliechten, namentlich bei der Fran^aise.

Musikaliscber Sinn ist bei der Bevölkerung hocb eutwickelt, so dass der Gesang micli aul' Ambon oftmals an die deutsche Dorfschule erinnerte und ich bisweilen nicht umhin kounte, mitzusingen. Denn zahlrelche Lieder sind deutscheu Ursprungs und werden auch von den Eingeborenen noch als fremde bezeichuet; andere dagegen halten die Bewohner der Eilande für ihr personliches Eigenthum. Dennoch stellen auch die letzterwahnten Melodieen nichts weiter als umgemodelte, europaeische Musik dar '), in der man oftmals noch unschwer die anfangliche Form wiedererkennt, und es ist ganz ergötzlich zu beobachten, wie sich die Leute irgend eine sentimentale VVeise, die ihnen aJs solche nicht behagt, mundgerecht zu machen wissen. Wiederholt sang ich ihneu das ursprüngliche Lied vor; doch wurde mir alsdann bedeutet, dass dies falsch sei, weil die Erinnerung hieran verloren gegangen war. Selbstredend besitzt aber solche Musik keiu ethnographisches Interesse, und machte ich daher von dem vielfach seitens der Lehrer gemachten Anerbieten, die Lieder tür mich aufschreiben zu wollen, keinen Gebrauch.

Nur eine einzige Melodie vernahm. ich, welche sich ilurch ihren iremdartigen Cbarakter von allen übrigen unterschied. Hie liess sich hiedurch denn auch solort wiederkennen, aber wegen der Abweichung von alle dem, was ein europaeisches Ohr zu horen gewohnt ist, war ich nicht hu stande, sie meinem Gedachtnisse dauernd einzupragen. Es ist eine Weise, die ich zuerst bei einer Bootfahrt auf dem Meere von Tondano in der Minahassa hürte, woselbst sie mir schon als alte Musik bezeichnet wurde; der Steuermann trug die Strophen vor, und die Kuderer sangen bei ihrer Arbeit den Heirain dazu. üasselbe Lied fand icli daim spater sowohl auf Sapama als auf Hitu wieder, und hier erklarten die Leute im Ein-klange mit Ubigem, dass es eigentlich zum lludern gesungen werde und dass es von den früheren Beherrschern des Laudes, den Ternatanen, abkünftig sei.

Mit den europaeischen Liedern haben auch unsere Musikinstrumente Eingang gefunden, vor allem die Violine, nachstdem die Harmonika und hie und da auch

l) Riedel hal das boreits sehr richtig bemerkt (Sluik* en kroesharige rassen, pag. 83); er sagi, dass sic eine l iuarbeitung spanischer und deutscher Melodieen seien, und Joost ist gewiss im Irrthume, wenn er dies bezweifelt. (Malayische Lieder und Tanze, Anmerkung zu pag. 8;. Auch Land sagt: „Die Melodieen sind durchaus europacischquot; (Vierteljahrschrift f. Musikwissenschat't IX, 1893, pag. 241, Anmerkg 2). So liegt dem von Joost unter N0. 12 pag. 33 publicirten „Victoria, ja nonaquot; das bekannte, hollilndischo Lied „Daar (jlny een patertje langs de kantquot; zu Grunde. Vgl. über Letzteres: Land, het Luitboek van Thysius N0. 15, lerner Böhme, Altdeutsches Liederbueh N0. 128.

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eine Soldatentrommel. Doch vermochte diese die einheimische lifa uud die rahana (Taf. 7, Fig. 2) nicht zu verdrangen; gony und latabuan, welche danebeu in Ge-brauch sind, warden obeii bereits erwahnt. Hüchst eigenthümlich ist ferner ein Instrument, aus Bambus (Taf. 7, Fig. 3), welches auf Saparua und Nusalaut gespielt wird und dessen Erfindung, laut mir gegebener Versicherung, erst in der allerjüngsten Zeit daselbst gemacht ist. Es besteht aus einem weiten, unten geschlossenen Jlolirstücke (a), in das ein zweites, viel dünneres und etwas langeres Bambuarohr (b) frei hineingesteckt wird. Letzteres ist 72—73 cm. lang, an beiden Enden offen und unten mit einem seitlichen Ausscbnitte verseben. In dies dünne Eobr blasst der Musiker, welcher die verschiedenen Tune nicht nur durch die Art des Anblasens, sondern auch dadurch erzeugt, dass er jenes mit der rechten Hand langsam in dem weiteren Köcher auf und ab bewegt. Eins oder mehrere solcber Instruments dienen zur Begleitung einer Reibe von Floten, welche ebenfalls aus dunnen, an beiden Enden ofienen llohrstiickeu von Bambus in einfachster Weise dadurch hergestellt werden, dass man eineu Pfropfen hineinbringt und diesen so lange bin- und herschiebt, bis die Flöte den gewünschten Ton bat. lob hörte Psalmen von einem solchen Oi'chester blasen, und war erstaunt, wie getreu die Instrumente die Klangfarbe der Orgel nachahmten.

Ini Anschluss an Musik und Tanz sei es mir erlaubt, noch mit ein paar VVorten des sittlichen Charakters der Bevölkerung zu gedenken. Dabei glaube ich zunachst hervorheben zu müssen, dass ich bei den Dörflingen Ambons und der (Jliasser wiihrend des Tanzens nicht ein einziges Mal irgendwie Anstössiges gesehen babe; die Leute betrugen sicb untek einander vielmehr so sittsam dass jede gebildete Dame iliren Vergnügungen hiltte beiwohnen dürfen, uud Manner, welche kein Interesse daran batten, irgend etwas zu besehönigen, versicherten mich, dass dies stets so sei. Damit soil nicht in Abrede gestellt werden, dass Festlichkeiten in der Stadt Ambon und in Qesellschaft von Eueopaebrn ') zu maucherlei Unsitt-lichkeit Anlass geben mogen; al)er diese Stadt ist eben ein Hafenplatz wie viele andere und kann aus solchen Gründen niclit als Maasstab dienen. Es ist mir denn auch unverstilndllch, weshalb man den Tanzvergnügungen der Dörtiinge so sehr entgegenarbeitet; denn sie haben nichts mit dem zu schaffen, was den Predigern mit Recht verhasst ist, dem freien und zügeUosen gescblechtlichen Umgange unter jungen Leuten.

Bekannt ist, dass die Eingeborenen den Uterus als ein lebendes Wesen be-

l) Deswegea will ich auch dio Erfahrungen von .Tocsl nicht in Zweifel ziehon; doch sind mir selbst solche Dingo, wie Joost sic unter andoren auf pag. 0 schildert, nicht oin einziges Mal begegnet.

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tracliteii, welches ab mid zu mit Sperma gefüttert werden müsse, um seina Wirtlaii vor Krankheit zu bewahren. So sielit luau demi auch iiiclits Austössiges im gesclilechtliclien Verkehr von Unverlieiratlieteu, uud gewiss sind die Folgen dieser Auffassung der Art, dass sie einem Europaeer als grösste Uusittlielikeit ersoheiueii mochten. Icli selbst will sie keineswegs verlheidigen oder gar ])reisen; uur glaube ich, dass man ünrecht thut, die Bevölkerung soldier Zustiiiide halber einfach liederlich zu nennen; demi wir sind nicht berechtigt, unsere, durch die Macht der Verhaltnisse geborenen und durch lange Kultur anerzogonen Begriffe vom Wohlanstandigen uuverandert auf Menschen anzuwenden, die, obwohl dem Namen nach Christen, noch test im Heidenthurne wurzeln. Dazu kommt, dass auch dem armsten Madchen die Liebe nicht feil ist, und es sicli nur aus Zuneigung dem Manne hingiebt; man versicherle mich ferner, dass in jetziger Zeit Mann und Frau, tails ein Kind die Frucht ihres Umganges ist, sich zu heirathen ptle-gen oder doch mindestens Ton da ab das Leben gemeinschaftlich fortfiihren; die Ernahrung und Erziehung der Kinder braucht endlich in diesem gesegneten Liuule den Leuten keinerlei Sorgen zu bereiten. Somit fehlen denn auch einige der wesent-lichsteu Dinge, welche den freien gesclilechtliclien Verkehr verwertlich erscheinen lassen, und ich glaube, dass manche Angehörige unserer europaeischen Landhe-vülkeruug sich nicht besser betragen würden als die Bewohner von Ambon und den Uliassern — wenn ilmen die Sünde so leiclit ertraglich gemacht würde.

Eiuen nicht zu unterschatzenden Vortheil hat sich die Bevölkerung dieser Eilande infolge ihrer heidnischen Sitten noch bewahrt, den namlich, dass venerische Krankheiten ausserhalb der Stadt Ambon kaum vorkommen. Auf Saparua gehören sie sogar schon im Hauptorte zu den Seltenheiten; sonst fehlt diese Geissel der Kultur dort, wie aut den Uliassern überhaupt. Es möge hier gleicli hinzu-gefügt werden, dass, abgesehen von den mit militairischen Besatzungen belegt on Dorfern, auch Seran und Burn bis jetzt von diesem schrecklichen Uebel verscliout blieben. Wie lange wird das noch wahren?

Diebstahl kommt auf den in Rede stellenden Eilanden so selten vor, dass icli stets ruhig mit offenen Thüren und Fenstern schlafen konnte; Koliheiten sieht man kaum einmal; die Leute ptlegen sich im Gegentheil durch sittsames Auf-treten auszuzeichnen — kurzum, der Gesammteindruck, den die Bevölkerung auf den Fremden macht, ist ein durchaus günstiger, und so abstossend der KuLi der Stadt Ambon erscheiut, so liebenswürdig fand icli seine Landsleute draussen in den Dörfern.

Das Reisen auf Ambon und den Uliassern könnte sich nacli übigem nur an-genehm gestalten, wenn es nicht durch einen einzelnen Umstand beeintrachtigt

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würde. Es bedarf tiiimlich der Empfehlung seitens der Regieruug, damit man des Dieustes der Bevölkerung versicbert sei, und eiue solcbe veranlasst nun die letztere zu umstaudiicbeu Empfangsfeierlicbkeiten uad Eesten, welcbe den mit ernsten Arbeitea beschaftig'teu Fremden um Rube und Erbolung bringen. Bei den vorber-gebenden Scbilderungen sind derartige Einzelbeiten der Eeise, soweit sie nicbt in den Eabmen anderer Erörteruugen bineinpassten, übergangen; zuin Scblusse darf aber wobl nocb in aller Kürze die Art eines ieierlicben Empfanges skizzirt werden:

Vor dem Dorfe, vielleicbt in eiuem Palmenbaine, erwarten einen die Tjakalele-Tiluzer; au seinem Eingange oder aucli vor der Wohnung des Eegenten stebt dieser selbst in europaeiscber Festkleidung und mit dem wappengezierten Handstocke als Zeicben seiner Würde in der Hand, daneben etwaige Lebrer und selbstredend die ganze Scbaar der Dörflinge, Manner und Frauen, Erwacbsene und Kinder. Die Gassen sind mit Fiedern von jungen Cocospalmen verziert, welcbe an Bambus-gerüsten aufgebangen werden; die bollandiscbe Fahne ist gebisst und bisweilen sind aucb die Pfeiler an der Vordergallerie des Eegentenbauses mit Flaggentucb umwickelt, wozwiscben sicb daim Uuirlanden von Qriin binziebeu. Die Frau des Oberbauptes empfangt den Ankömmling am Eingange der Wohnung. Drinnen ist ein einfacbes Zimmer bergericbtet, in dem sicb ein sauberes Bett betindet; seine Gardinen sind mit Kunstblumen verziert; das Laken bat man gleicb dem Wascb-wasser mit den duftenden, weissen Blütben von melalli (Jaminum Sambac L.) bestreut.

Die Mablzeit, welcbe dem Besucbe angeboten wird, bestebt fast immer aus lleis, iler Festspeise dieser Gegend, nebst Fiscb und Hubn, und wird bei den Christen ausserordentlich sauber bergericbtet. Dabei ist man bestrebt, möglicbst viele Scbüsseln auf den Tisch zu bringen, und deswegen wird ein einzelnes Hubn über zahlreicbe Teller vertbeilt; jedes Bein, jeder Flügel u. s. w. sind einzeln ser-virt, und aucb jeder Fiscb wird gesondert aufgestellt. Der Eegent, bisweilen aucb seine Frau, und die Lebrer sitzen mit zu Tische, unterbalten sicb aus Eespekt sebr diskret und geniessen so wenig, dass man bei der folgenden Mablzeit in der Eegel genau das gleiche Bild der Tafel wiederfmdet.

Mitunter erscheinen scbon wilbrend der Abendmahlzeit tanzlustige, geputzte Mildchen, und auf Nusalaut erlebte ich einmal, dass dieselben in eintönig reci-tirendem Gesange alles beschriebeu, was bei Tische verging. Die Speisen, welcbe wir genossen, das Wecbseln der Teller u. s. w. wurde von diesen, gleich Bildern in langer Eeihe an der Wand stebenden Schonen besuugen. Wenn es irgendwie angeht, wird daim am Abende getanzt, ein Vergnügen, welches man bis zum Morgengrauen fortsetzt, und falls nun die Musik aus Ti fa, Violine und Flöte bestebt, so ist es aucb für deujenigen, welcher sicb voa der Festlichkeit fernhalt,

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um die Naclitruhe gescheheu. Man kann aber die Leute nicht gut fortschicken, da sie das beleidigt, und so wird deun ihre gute Gesiunung, welclie sie dem Frem-den gegenüber an den Tag legen, in Wirklichkeit zu einer scbrecklichen Strapaze.

Doch mögen sie fortt'abren zu singen und zu tanzen diese fröhlicben Men-schen, welche gegenüber unseren niederen Volksklassen ein wabrbaft paradiesiscbes Leben fübren und gerade genug von der Kultur empfangen baben, um sicb dessen ungestört freuen zu können !

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SE II AN.

I. ALLQEMEINES.

Die grosse Insel, welche sich im Norden uml Nordosten von Ambon ausdelint; nennt man am besten Her an, wie bereits durch van Jloëvell betont worden ist '), die Riedel'sche, audi auf der Karte des Hydrograpliisohen Bureau's imd aui anderen Bliittern vorkommende Schreibart Serany ist dagegen unrichtig, da sie nur der ambonschen Muudart entspricht1), wiibrend die nocli iiltere Ceram gar keine Berechtigung besitzt.

Bekanntlich zerfiillt die Bevölkerung Serans in zwei grosse Grappen, die-jenige der puta-siwa im Westen und der pata-Uma im Osten (gleichbedeutend mit „neunquot; und „fünf Tlieilequot; oder „Stammequot;), von denen jene in früheren Zeiten unter Ternate, diese dagegen unter Tidore stand; aber geograpliisch lassen sich dieselben nicht mehr scharf trennen. Man pflegt. zwar ziemlich allgemein als Grenze zwischen den Pata-siwa und den Pata-lima eine Linie anzugeben, welche von Warasiwa, an der Nordküste des westlichen Wahaï, znr Mündung des Mala, in der Nordwestecke der Elpaputibai, verliiuft2); doch ist dieselbe in genanntein iSinne überhaupt werthlos, weil sie den pata-siwa-puli, die sich viel weiter nach Osten verbreiiet baben, keine Rechnung triigt.

Es scheiden sich namlich die Pata-siwa noch wieder in zwei Gruppen, Aiep.-s.-lilam und p.-s.-puti, welche letztere sich vermuthlich von ihren Stammesgenossen los-gelöst haben, um dem machtigen Drucke seitens der Priester zu entfliehen. Denn nur die ersteren sind Mitglieder des gefiirchteten Geheimbundes, des Icakéan, und tragen ihre Bezeichnung „schwarzquot; deswegen, weil sie als Angehörige der genannten Genossenschaft dunkel tatuirt sind, Fiirchtet man die Pata-siwa schon im allgemeinen als die gefahrlichsten Kopfjager Serans, so sind unter ihnen die

1

Vgl. hieciiber das „Vocabulariumquot; van Hoëvell's pag. 1.

2

\\) Ludeking zieht die Grenze sugar vorn Mala bis nach Nuniali an der Nordküste (Schots, pag. G8).

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P.-s.-hitam wiederum die am meisteu beriichtigten. Die Hauptmasse dieser Kake-anisteu wohnt nun allerdings im Westen der eben genaunten Linie '); dagegen haben sich einige von ilinen viel weiter östlicb angesiedelt, und namentlicli sind die P.-s.-puti gan/, und gar unter den Angehörigen der Pata-Hma zerstreut, wiili-rend sie gleich letzteren dem engeren Gebiete der Kakeanisten durehans fern bleiben 1).

So wird z. B. das unmittelbar an Waba'i sich anschliessende Hatuk von Lenten der P.-s.-puti bewohnt, ebenso Wailulu 2); Ltm.asokat und Paa dagegen , welche gleich dem letztgenannten Orte im Unikrei.se der Bncht von Saw ai liegen und mit Hatuë einer einzigen Völkerschaft angehören, sind P.-s.-bitam. Hatii.ixg bei Wabaï ist wiederum P.-s.-puti, und dasselbe gilt von den ihm untergebenen Dörfern A,ter Besar, Wairama, Solok, Nisawble , Pasaiiari, Isal, Sariputi, Samal, Kobi, Boti und Ternatb. Das oben genannte Warasiwa, welches noch unter dem Radja von Sawa'i stebt und sich in der Niihe der Abtbeilung Kairatn belindet, gehort allerdings zu den Pata-lima, so gut wie Mabsismiiji.an an der Binneubai von Sawa'i; aber man sieht, dass sich die 1'ala-siwa an der Nordkiiste bis zur Grenze der Abtheilung Warn ausgebreitet haben, und vielleicht werden sie noch weiter ostwürts angetroffen. öanz iihnlich liegen auch die Verhiiltnisse an der Südküste; deun bier geboren z. B. Amahei und Makariki am östlicben üfer der Elpaputibai zu den P.-s.-puti, und Leute dieser Qruppe wohnen sogar noch ander Telutibai in dem Dorfe Haja.

Qeographisch lassen sich somit allein die Pala-lima und Pala-siwa-put i einerseits von den Pata-siwa-liitam oder Kakeanisten andererseits scheiden; doch ist auch dies, wie angegeben, uur in allgemeinen Zügen möglicb. Die westliche Grenze der P.-s.-hitam dürfte etwa mit Piru, im innersten Winkel der gleichnamigen liai, zusammenfallen; denn die schmale, N—S verlaufende Halbinsel, welche die lief einschneidende Bucbt von Piru im Westen abschliesst, wird nicht, mohr von Kakeanisten bewohnt. Dieser als Klein-Seran oder Huamüal bei den Küstenbewobnern bekannte Tbeil des Eilands steht vielmehr in nachster Beziehung zu der Bevölkerung von Ambon; dem bergbewohnenden Alfuren bietet er keine liinreicbend abgelegenen und schwer zuganglichen Orte, wie er soldier zur Wahl seines Wohnsitzes benöthigt.

1

Wenn .loest sagt, dass der Kakean-Verband „auch viele Pata-lima nmfasstquot; (Verhandlgn. d. Borl. Ges. pag. 64), so beruht dies auf oinem völligen Verkennen der soranesischen Zustiinde.

2

Nach Boot ist Wailnlu von Lenten der Pata-siwa-hitam bewohnt (I. c. pag. 885 und 887). Meine gogontheilige Angabe stiitzt sich auf die Mittheilung des Radja von Sawai.

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Die Pata-siwa-hitam zerfallen abermals in drei verschiedene Gruppen, welche nach den bedeutendsten Flussgebieten ihrer Lander benannt werden, nach dem Eïn, dem Sapalbwa und dem Talla. Erstgeuannter Strom mündet nördlich von Kaibobo im nordöstliclien Winkel der Pirubai, der zweite au der Nordküste der Insel, lm Nord westen der Abtheilung Kalratu, der dritte lm südwestliclien Tbeile der Elpaputibal. An der Spltze einer jeden Grruppe steht eln kapala saniri, das „Haupt der Landesversammlungenquot;, dem aucb alle Regenten des betreffenden Ge-bietes untergeben sind, und welcher in der Ausübung seiner Funktionen durcb 3 Leute niederen Ranges unterstützt wlrd. Alle vier werden aucb wobl abgekürzt elnfach saniri's genannt. Durch Vermittelung jener machtigen Kapala-saniri's pflegt nun die niederlandiaclie Regierung mit den Alfuren der Pata-siwa zu un-terhandeln, und es werden zu diesem Zwecke von Zeit zu Zeit uuter dem Vor-sitze eines Regierungs-Oommissars und der genannten Oberbaupter an der Küste grosse, berathende Versammlungen {saniri's) abgelialten, um Streltigkeiten beizu-legen, namentlich nach Anlass von Mordthaten').

Demgemass ist dem Kapala-saniri sammt seinen drei Helfern auch eine Amts-kleidung verliehen, welche in eigenthümlicher Weise dem Geschmacke der Be-volkerung Rechnung tragt; denn sie besteht aus einem langen, bunten Beinkleide, einer Art Militairjacke, mit langen, frackartigen Schössen und dreiziptliger, aufdie drei genannten Gewasser deutender Mütze(Taf. 11, Fig. 1),undzwarsollenursprünglich alle diese Kleidungsstücke bei lt;len Etti-Alfuren roth, bei denjenigen voin Bapalewa gelb und bei den Saniri-Mitgliedern vom Talla blau gewesen sein. In neuerer Zeit bat man, vermuthlich aus ünkenntniss der Ueberlieferung, auch Grün ein-geführt und obendrein die Farben durcheinander geworfen1); denn ich sah spater den Kapala-saniri vom Sapalewa in Roth mit grünen Aufschliigen gekleidet; Gelb babe ich dagegen niemals mehr angetroffen, Jeder der Leute trügt ferner, falls die Uniform vollstündig ist, vor der Mütze eine Silberplatte, auf der in gothi-schen Lettern die Funktion des Betreffenden verzeichnet steht; das überhaupt endlich besitzt ausserdem als Zeichen seiner Würde einen 1,75 m. langen Stab, mit drei-zinkiger Eisenspitze, an der oben eine ovale Silberplatte mit dem hollandischen Wappen befestigt ist. Dieser Stab war beim Haupte der Talla-Alfuren von Palm-rinde hergestellt , unten zugespitzt und an beiden Enden mit rohen, ringartigen Einschnitten versehen, zwischen denen zum Theil einfache Zickzacklinien verliefen, eine primitive, auch im Innern von Buru gehrauchliche Verzierung (Taf, 22, Fig. 2).

1

Schon van der Crab giol)t für dio Kleidung des Kapala-saniri vom Talla Koth an (Moluksche eilanden, pag. 175).

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Die ganze ïracliI, deren Zeug an gewöhnlichen Tagen von Tuch, bei festlichen Qelegenlieiteu aber von Seide ist, macht in Verband mil der Baarfiissigkeit auf den Europaeer einen urkomisohen Fastnachts-Eindruck.

Der Einflusa der Saniri's kann selbstverstandlich nur unter der Voraussetzung von Kraft bleiben, dass die Mitglieder dieser Kiitlie lioch angesebene Alfuren siud, dass ferner keinerlei Bescbliisse unter dem Andrange des bei den Beratbungen als Praesident gegenwürtigen Eegierungs-Commissars genommen werden, weidie dem adat der Alfuren widerstreiten, und dass scbliesslich die einmal getroffenen Eut-scheidungen aucb mit genügendem Nachdrucke aufrecbt erbalten werden. Gegeu dies alles scbeint aber gesündigt zu sein, und man versicberte micb, dass sicb ein Postbalter sogar in die Ernennung der Eaths-Mitglieder gemischt babe, was selbstverstandlich von vornhereiu zu verurtheilen ist und dem ganzen Einflusse der Eegierung den Boden entziehen muss. Bei solchen Maassnahmen kann es denn auch nicht befremden, dass die Alfuren sich, wie vinten naber dargelegt werden soli, dem Ausspruche der Saniri-Versammlungen bisweilen widersetzen, und dass sie mir einmal in Honitetu, als ich den Eath erwahnte, mit Uohngelachter ant-worteten.

Uie niederlandischen Civilbeamten, welche auf Seran, gleichwie an manchen anderen Orten der Molukken, angestellt sind, tragen den Titel von Postbaltern {posthouder), eine hiiufig missverstandene Bezeichnung; denn diese leitet sich nicht etwa daher, dass die betreffende Person unter anderen aucb die Funktionen eines Postbeamten in den abgelegensten Qebieten des ostindischen Kolonialbesitzes wahr-zunehmen bat. Der Postbalter ist vielmehr der Inhaber eines vorgeschobenen Posten», in Gogenden, welche nur in lockerer Beziehung zur niederlandischen Eegierung stehen, eines „Postensquot;, den er zu „haltenquot; bat, mit anderen Worten der Flag-genbewahrer. Er ist Gerichtsperson, Vorstand der Lehrer und Geistlichen, bat für Kirchen und Schulen, für Anlage von Wegen, die Eintreibung von Steuern zu sorgen. Der vaccinateur ist ibm untergeordnet, desgleichen der einheimische Arzt (doctei djawa), wenn ein soldier im Orte anwesend ist, w ah rend die Arze-neikunst im andern Falie vom Postlialter selbst, der nun auch wiederum Apotheker ist, ausgeübt wird. Kurzum — der genannte Beamte bat eine sehr viel-seilige Aufgabe zu erfüllen, abnlicb dem Controleur, dessen amllicho Bezeichnung in den Gegenden ausserhalb Java's auch wenig dem Charakter der ibm obliegenden Geschafte entspricht. Wenn nun auch in den Lündern, welche Postbaltern unter-stellt sind, die Civilisation bis jelzt kaum eingedrmigen ist, und somit die zu ertülleuden Arbeiten mehr dureb die Zahl ihrer verschiedenen Qualitiiten als durdi Quantitat sich auszeiciineu, so erfordert das Arnt doch einen praktiscben und um-sichtigen Mann, der vor allem auch willens und befahigt ist, sich ein gesundes

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Urtlieil fiber die Sitten mid Gebrüuolie der einlieimisclieu Bevolkeruug zu bilden. Ken ut er die Bewolmer des llinterlavides nicht, so wird er audi die Interessen der ikm unmittelbar unterstellteu Strandbewolmer nicht gemigeud wahrnehmen imd voi' allen Dingen die Regierung nicht in befriedigender Weise über die ihm zugewiesene Abtheilung unterrichten koiinen, so dass Verwioklungen aller Art hievon die Folge sind.

Bevor icb nach dieseu allgeiueinen Vorbeinerkungen zur Schilderung der Reise zuriickkehre, moge uoch Folgeudes über die von niir gewiililte Darstellungsform erwahnt werden:

Gerne hiitte ich meine Beobachtungen über Land und Leute zu einem einzigen Gesaauutbilde vereinigt; aher die Zeit hiefür ist noch nicht gekommen, und es ist voilüufig nicht wolil rnöglich, das Allgemeine aus den bekannten Einzelheiten abzuleiten, urn so weniger, als audi die bestellende Literatur kauin hiefür Brauch-bares bietet. Augenblicklich erscbeint dem Beobachter in den verschiedenen Sitten und Gewohnbeiten der Bevölkerung noch ein buntes Mosaïk, und wer alles hieraul' Beziigliche zusammenfassen wollte, würde die einzelnen Bausteine aus ihrem Verbande riicken und nothwendig zur Darstelluug eines unriclitigen Gesammt-bildes gelangen. Man kann nicht die Bevölkerung als Ganzes beschreiben, nicht einmal die Bergbewohner einerseits, die Strandbewolmer andererseits als gleich-werlbige Gruppen behandeln; deun bereits unter ihnen giebt es zahlreiche, lokale Verschiedenheiten. Die bergbevvohnenden Alturen des nördlichen und siidlichen Seran zeigen sogar innerbalb des Gebietes der Kakeanisten schon mancherlei Unterschiede in ihren Gewohnbeiten, und bei der Strandbevolkerung beider Kusten finden wir dasselbe in noch weit höberem Maasse — gar nicht zu reden von den östlicher gelegenen Theilen der Insel.

Aus solchen Gründen babe icii es für angezeigt gehalten, meine Beobacbtungen an der Hand des Reisebericbtes dort zu geben, wo icli sie gemacht, wobei ich selbst verstiindlicli zur Vermeidung ermüdender W'iederholungen das Gleichwerthige in enger abgegrenzten Gebieten zusamnientasste oder Aehnliches aus entfernteren Gegenden zum Vergleiche heranzog. So boffe ich jede Mittheilung gut lokalisirt und dabei innerbalb kleinerer Kreise bis zu einem gevvissen Grade abgerundet zu haben. Auch bei Bum werde ich mich derselben Darstellungsweise bedienen.

2. HATUSUA UND BE IS ACH BARTE DÖRFER.

Am 16ten Februar iiacluuittags langte ich in Begleitung des Residenten vor Ha-tübua, dem jetzigen Wohnorte des l'osthalters der Abtheilung Kaikaïu an, welche

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letztere itiren Namen nacli dem ein wenig südöstlich von Hatusua gelegenen Stranddorfe triigt; denn hier war jener Beamte früher statiouirt, bis die Bevöl-kerung des Ürtes im .lalii'e '87 in Folge einer Pockenepidemie grösstentlieils zu Grande ging. Die Fahrt hatte von Ambon aus, welches wir in der Frühe desselben Tages mit dem Regierungsdampfer verlassen, 7 St. 40 M. in Ansprucb genominen. Das Sehiff musste in ziemlich grosser Entfernung vom Lande den Anker auswerl'en , weil die Kuste nicht uur hier, sondern auch im Innern der 1'irubai uiul rings um Huamual tast überall vou weit ausgedelmten, flachen Korallenbauten unigeben ist, so dass grössere Fahrzeuge sich ihr nicht niihern dürfen und an vielen (Men nicht eimnal die kleinsten l'rauen bei niedrigem Wasserstande bis aut' liiichsenschuss-weite herankommen können. Das unbedeutende Dort', welches derzeit 480 Einwolmer ziihlte, liegt auf einem weit ausgedelmten, flachen Küstensaume im Q-rünen; im Hintergrunde ragt eine liohe Waldung und weit landeinwürts ein öebirge von 500—800 m. Höhe empor.

Instruktiv ist der Bliek von hier auf Ambon; denn bei klarem Wetter übersieht man ganz Hitu vom Tandjong Honiwoa im NO bis zum T.i. Assn.ii/U, gegen-über den Pulü Tiga, im S }F jener Insel, Der Salhoto, dessen höchste Hpitze vom Dorle aus S12°iF gelegen ist, zeigt dann zahlreiche, vom Gipf'el zum Meere herabführende, tiefe Schluchten, welche durch dunkle Schlagschatten inarkirt sind und eine Ueihe von Nebenspitzen aus der flacbkegeligen Qebirgsmasse lierausrno dellirt haben. Zu ihnen gehort auch der bereits triiher erwiihiite G. Öeïan. Weiier in S JF wird deutlicli der zweigipflige Wawani sichtbar, dann Tj. Sial, die Hüd-spitze der Halbinsel Hoamual, welche letztere man ebenlalls zum grössten Theile überblickt; davor hebt Pülo Kasa sich kaam über den Meeresspiegel heraus, wahrend nördlich von dieser Insel die Südspitze von Polo Babi und gleicli dahinter das niedrige Gebirge von Kaibobo folgt, dessen dreiseitig zerschnittene Hohen leicht die unrichtige Vorstellung einer vulkanischen Landschaft hervorrufen.

Die Landung war bald bewerkstelligt, und da der Resident sich erst seit kurzem in Ambon befand, so wurden ihm in Hatusua diejenigen Emptangsfeierlichkeiten zu Theil, welche beim ersten Besuche eines Beamten dieses Ranges gebraachlich sind. Ein buntes Bild wartete unser. Vor der üblichen Ehrenpforte am Strande liel zunachst eine Reilie von Mitgliedern der saniri in ibrer bereits beschriebenen Kleidung auf, sodann eine Anzahl von Regenten verschiedener Stranddörfer, nach Art ihrer ambon-schen Amtsgenossen in die Tracht der dortigen Christen oder Mohammedaner ge-kleidet und zum Theil mit grellfarbigen Schirmen (pajony) verseben, welche diesen Leuten für im Amte erworbene Verdienste ertheilt werden und bei ihnen etwa den Werth unserer Ritterorden haben. Es giebt deren drei verschiedene Klassen, von denen die D0 gelb , die 2l0 weiss und die 3to blau ist; ferner gehort zu diesen

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Abzeiclien nocli das Recht, einen Wimpel zu fiiliren, dem ein entsprecliend ge-farbtes Stück Zeug hinten angeniilit ist, dort wo jener an der Stange befestigt werden nuisa. Mehr als durcb diese Würdentniger wird aber der Bliek durcli eine Gruppe von Alfureu gefesselt (Taf. 11, Fig. 2), welche vinter Eegleitung vou Tifa und Gong ihren Tjakalele am Uier aufführen.

Es sind sclilanke, elastische Gestalten, welehe ausser dem sc.hmalen ijenden-scburze nur noch ein bnntes Kopftuch als Kleidung tragen, wahrend sie in der Linken einen langen, schmalen Schild oder ein Gewehr, in der Rechten ein sohwert-artiges Messer nach dem Takte der Tanzweise schwingen. In Ringe am linken Oberarme haben sie liüschel von Croton gesteckt (hier kadihu genannt), welche bis zur Mitte des Oberschenkels oder gar his znm Knie herabhiingen, und einzelne haben eine Imnte Perlenschnur über die rechte Schulter und von dort unter den linken Arm durch gelegt, so dass sie sich schrag iiher die Brust hinzieht; selbst-redend besitzen wie alle die Tatuirtmg des Kakean-Bundes. Die weiteren Einzel-heiten hetreffs der erwahnten Waden und Kleidungsstiicke der Alfuren, welche aus Taniwel , einem Stranddorfe der Nordküste, abkünftig waren, mogen an dieser Stelle übergangen werden, da sie spater im Zusammenhange mit den bei den Bergbewohnern gemachten Beobachtungen geschildert werden sollen.

lm Dorfe selbst gesellen sicli andere Tjakalele-Tanzer hinzu, halbwüchsige Knalien iler christlichen Einwolmerschaft, welche den von ihren Stammesgenossen und Vorfahren abkünftigen Heigen nacli ambonscher Weise in bunter Kleidung aufführen. Bei der Wahl ihrer kurzen Hosen und Jacken scheinen sie die rothe und gelbe Farbe besonders zu lieben; bunte Kreuzbander ziehen sich über die Schultern, und auf den Kopftüchern haben sie einen hoch aufragenden, schlanken Federschmuek befestigt. Dies und die ansehnliche Liinge ihrer bunten Schilde bringt uns, im Vergleiche mit der auf Ambon und den Uliassern gebriiuchlichen Tracht, sogleich in Erinnerung, dass wir uns an einer der ürsprungsstatten des auf genannten Eilanden noch weiter umgemodelten und entarteten Tjakalele beiinden.

Eudlich sehen wir uns vor der Wohnung des Posthalters noch durch eine Anzahl von Mildchen aufgehalten (Taf. 10), welche in einer doppelten Reihe auf-gestellt sind und beim Klange der genannten Instrumente langsam vor den Ankömmlingen rückwiirts weichen, wahrend sie mit Armen und Handen die bekannten, auch beim Menarie gebriiuchlichen Bewegungen ausführen. An der Spitze dieser djudjaro's stehen zwei besonders ausgezeichnete Madohen, die soge-nannten kapala djudjaro's, welche nicht nur jetzt je eine Reihe von Tanzerin-nen anführen und sich von allen anderen durch ihre besondere Tracht unter-scheiden, sondern überhaupt bei sammtlichen Festlichkeiten den übrigen Miid-chen vorstehen. Die Kleidung der Djudjaro's, welche althergebracht, aber augeu-

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blicklich bereits im Aussterben begriffen ist, verdient wohl eine naliere Beachtting.

Die Hauptschaar der Madchen triigt einen braunen, mit blauen uud weisseu Querstreifen Tersehenen Sarong und eiue kurze, blaue Jacke, feruer einen hand-breiten, rothen Gürtel, welcber scliriig vou der linken Bcbulter unter den reehten Arm hindurchgelegt und mit zalilreichen, aus weissem Papier gesclmilzten Figuren bedeckt ist (Taf. 22, Fig. 4). Diese, offenbar eiu Ersatz für Spitzen uud andere Verzierungen, zeigen keinen einheülichen Cbarakter, scbeinen vielmehr ganz will-kürlieh gewiihlt zu sein, Das Haar ist straff zurückgekiunmt und hinten in einen Knoten (konde) geschluugen, um den berum ein Kranz V(jn buutem Kattun und Wolle gelegt ist oder auch einzelne Silbernadeln eingesteckt sind. Nar Junge Madchen dürfen den Kranz geschlossen und die Nadeln sternförmig augeordnet tragen, wahrend bei verbeirat beten Frauen alle Verzierungen au der rechten Seite angebracht sind. Ein Taschentuch und vielleieht gar ein Facher iu der lieclilen vervollstandigen den Anzug, zu dem sich dann noch je uaoh Umstanden eiue mehr oder minder grosse Zalil von Arinriugeu (Taf. 22, Fig. 6—10) gesellt, welche reihenweise übereiuander am Handgelenke getragen werden und last immer von Silber sind. Die meisten dieser Ringe lassen durch wellige Biegung oder schuppenartige Verzierung eine Nachahmuug der Schlangeuform erkennen, uud eiue goldene Schlange als Armband muss audi stets im Brautschatze vertreten sein. Die Zahne der Madchen sind, alfurischem Branche gemass, au den Spitzen gerade abgefeilt, eine Operation, welche durch Schaben mit Steinen in 3—4 Standen ausgeführt wird, sobald das Madchen heirathsfahig geworden ist, wobei dann die Alfuren grosses Fest zu feiern ptlegen. Auch bei den Dorfbewohnern von Ambon und den üliassern liat sich diese Behandlung der Zaline noch erbalten ').

Die Kapala-djudjaro's zeicbnen sicdi vor den übrigen Miidchen zunacbst da-durch aus, dass sie einen gewöhnlichen, bunten Sarong und eine weisse Jacke tragen, wahrend unter letzterer noch eine breite, weisse, mit Spitzen und schellen-artigem Blech besetzte Scharpe au einer Seite bervorhangt; ausserdem baben sie sich statt des Gürtels einen rothen Brustlatz (Taf. 22, Fig. 5) umgelegt, welcber mit seinen zwei langen Enden jederseits über die Schultern geschlagen ist und über den Rücken herabfallt. Dieser salendang ist mit weisseu Litzen, blauen Per-leu and zierlich gearbeiteten Silberpliittcben beuiiht, 50 cm. lang und vorne 12 cm. breit; er wird, gleich der ganzen, bier beschriebenen Kleidung, auch auf Saparua bei Hochzeitsfeierlichkeiten getragen, ist aber nicht immer roth; icli sah ihn vielmehr aaf genannter lusel auch in gelber und blauer Farbe. Mehr modern

1) Vgl. Riedol pag. 7b. — Nach Riedel wird dio Operation auf Seran kurz vor dem Einlritte der menses vorgonommen (p. 137); doch wird das Miidchen alsdann schon als heirathsfahig betrachtet (p. 138). — Sieh ferner van Uoëvell, 1. c. pag. 33.

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ist eine silberne, 10 cm. Lang-e Zitterblume {jmnga yojang. Tat'. 22, Fig. 3), welche eine der Kapala-djudjaro's als Haarsclunuck besass, bestellend aus einer Nadel, an der 2 rundliclie Platten liorizontal befestigt sind, um an kleinen Ketteu dreiseitige Blechstückelien zu tragen; die alte Form ist statt dessen nur Pflanzen-mark (papatjecla), welches ant' Kupferdraht angebraclit wird.

Znr Bmpfangsieierliclikeit trngen ansserdem die beiden Fübrerinnen der Miidohen in ihrer rechten Hand, gleichzeitig mit dem nnvermeidlichen Spitzentascbentucbe, noch einen ganz besonderen, aus Federn hergestellten Schmuck (Taf. 23, Fig. 5). Derselbe ist im ganzen etwa 50 cm. lang, wenn man in der Stellung, in welcher er getragen wird, den Abstand zwisclien seinen beiden ausserten Enden misst, und bestelit aus einem Stocke, an den bunte Federn in gesclunackvoller Farbenzusam-menstellung festgebnnden sind. Darunter befinden sich kleine, weisse, rotlie und grime Federn von Papageien und vom Kakadu, sowie einzelne grössere, orange-tarbene aus dem Schopte des letztgenannten Vogels; ausserdem hangt an der Basis ein dichter Biischel von Oasuarfedern herab, und oben endigt der 8tab mit zwei langen Ealinenfedern; endlich sind an die Spitzen dieser sowohl als an diejenigen der Gasuarledern einzelne kleinere Federn angebunden, welche wiederum von Papa-quot;•eien und vom Kakadu oder audi allein von ersteren ffenominen werden. Diesu

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Zusammenstellung ist keine willkürliche; audi der Kopt'zierrath der cliristlicJien Tjakalele-Tanzer ahnelte ihr, und dass derselben eine alte Ueberlieferung zu Grunde liegen muss, lelirt schon der Vergleicli mit dem aus Federn hergestellten Kopi-schmucke der Alfuren, welcher uns spater beschaftigen wird.

Die Ilauser von llatuaua und benachbarten Dörfern sind denjenigen der Uliasser gleich gebaut und in der Regel sehr arinliche Wohnungen mit drei Abtheilungen, welche als Küche, Wolin- und Schlafraum dienen, mit Wiinden von Gabba-gabba und Atappdach, fast stets ohne Fenster (angeblich aus Furcht vor den Alfuren) und ohne Veranda — wenngleich aus leicht ersichtlichen Grimden diejenigen von Regenten und etwaigen Lehrern hievon eine Ausnahme machen, in-dem sie sich den besseren Dorfswolmungen Ambons nahern. Friiher wurden sio allgemein von den Wegen durdi niedrige, aber ganz geschlossene Ziiune aus Gabba-gabba abgeschlossen, welche wiederum mit einem sohmalen Atappdache versehen waren; aber unter dem Einflusse der Beamten sind diese Einfriedigungen mehr oder minder vollstandig durch lebende Hecken ersetzt, wodurch die ganzen Ansiedelimgen ein weit freundlicheres Aussere erhalten haben. Von Pirn, im Innern der gleichnamigen Bai, bis Paulohi am westlichen üfer der Bncht von Elpaputi ist übrigens der allgemeine Oharakter der Dörfer und ihrer Bewohner ein so gleich-artiger, dass sie hier wohl gemeinsam betrachtet werden dürfen. Kur machen die

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Mohaiiimedaner, welclio in Latn utid benachbarten Orten, also im S W der letzt-genannten 15ai und gegenüber der iV O-Ecke von Saparua, wolinen, in ihrer Klei-dung selbstredend eine Ausnahine.

Das wichtigste Gebaude eines jeden Ortes ist dasjenige, in vvelchem die Versammlungen der Gemeinde abgebalten werden, der BOgeiiiinnte ha'deo '), und dieser war besonders in Piru nut einem gewisseu Aufwande erricbtet, weswegen er von dort beschrieben werden moge. Das Ralhbans des gBiiannten Dorfes (Taf. 24, Fig. 1) ist ein grosser, bereits 1834 gebauter Sdiuppen, mit holiem, spitzem Atappdacbe und über dein Erdboden gelegener Plur, zu der man auf einer IJ m. bohen Treppe («■) binansteigt. Seitenwiinde feblen; nur ist stal t deren eine niedrige Brüstung vou Atapp (h) rings )ieruin angebracbt. Das Dacb wird von dicken, vierseitig bebauenen und von der Erde beraufreiebenden Balken (c) getragen, deren an jeder Querseite drci stelien, wozwiscdien noch je zwei an den Langsseiten. Ueber der aus gespaltenen l'inangstammen hergestellten Flur liegt in der Mitte, der Liinge nacb, nocli ein vierseiliger Balken (lt;/); es isl dies der Hitzplatz für die Priester und ilie hu Kriege anfübrenden kupitam. An einer der Langsseiten l)efiii-det sicb ferner eine breite, ebenfalls mit Pinang belegte Pritscbe für den gemeinen Mann(e), und an ibr sind einzelne, ruudlicb ausgeböblte Halter für Dammer-Fackeln angebracbt. Diese werden durcb Feuer entzündet, welches in einem vier-seitigen , mit Sand gefüllten Holzkasten inmitten der Versammlung uiiterbalten wird. IJeber den vertikalen llauptstützen des Gebaudes liegen dort, wo man nacb unserer Bauart eine Deoke erwarteu würde, nur einige Querbalken (ƒ); welcbe aber wie-derum vier aufrecbt steheuden, dünneren 1 'feilei'ii {y) zur Stütze dienen. Letztere sind ebenfalls vierseitig, aber auf jeder der vier Seitenflachen kunstvoll mit scbönen Arabesken, welcbe nacb oben in eine Hpitze aualaufen, verziert; sie tragen nabe unter der Firsts des Hauses einen kleinen ISoden (k), und darüber siebt man, an Stntzen des Dacbes aufgebangen, drei menschlicbe Scbadel(i), wogegen ein vicriei' an der östlicben öeitenwand des Dacbes seinen Platz gefunden bat. Gegenüber, im Westen, ist nocb ein zweiter Zugang zum Gebaude vorbanden, wabrend die Haupttreppe nacb Süden und dor Seeseito zugekebrt liegt. Einzelne grosse Exemplare von Muecbeln (Cam* cormta Linn. und Triton) liegen am Boden umber, zu Trompeten eingericbtet, van die Leute zur Versaimnlung berbeizurufen. Ausser den bereits erwabnten Pfeilern ist noch das Aussenende des über die Flur gelegten Mittelbalkens geschidtzt (Fig. P') und vor allem das obere Ende der Treppe (Fig. 1quot;). Weder diese Schnitzarbeiten noch den als Sitzplatz dienenden Balken trifft man aber sonst in den Baileo's an, und vielleicht ist die Ursacbe

1) Es cntspricht dios olt'tmbar dom bale von Sumatra, Welches aucli ganz alinlich gobaut ist.

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liiefiir in dein höheren Alter dieses soliden Bauwerks von Piru gelegen. Dass dio Flur mit einer Keihe vou Banibuspfahlen unterlegt ist, welche wiederum durcli zalilreiclie, verlikale Stiitzen (Jc) getragen und mit den Hauptpfeilern des Gebau-dos verkoppelt sind, dass ferner audi der Dachrand an den iSeiten aoch dureh einige diinnere, von der Flur aufragende Pfalile gestützt wird , ist tLeils selbstverstilnd-licli theils unwesentlicb. Vereititacht, und oftmals kleiner, findet man ein solclies Gebiiude in allen Stranddörfern und bekanntlieh audi aut' den Uliassern wieder.

Dazu gehort indessen noch ein sogenanuter èatu pamali (l), ein stets fladier Opferstein, welcher etwa 1 m. Durchmesser besitzt, nbrigens von unregelmiissiger Form ist und auf einem etwa •' m. hohen Unterbau von beliebigen anderen Steinen horizontal, ausserhalb des Baileo aufgestellt wird. In Saparua wird allgemein ') behauptet, dass man an der Lage des heiligen Steins, den zu verletzen die Leute eine grosse Scben haben, erkennen könne, ob die zugehörigen Dörfer dieser Insel ursprünglich zu den Pata-siwa oder zu den Pata lima gehörten, je uadidem sich namlich jener an der See- oder an der Landseite des Rathhauses befinde. Audi sagte man mir, dass die Farbe der Bootsegel bei beiden Stammen versohieden sei, bei den einen duukelbraun, bei den anderen dagegen weiss; dodi fand idi die betreflenden Angaben auf Seran nicht bestatigt.

AVas die Lage des Steins betrifft, so ist diese in den verschiedenen Dörfern der Pata-siwa von Seran sehr verscliieden. Er befindet sicli an der Seeseite in Piru, Etti und Waisamu, nürdlich vou Hatusua, dagegen an der Landseite in Uumakaï; endlicli trifft in Hatusua und Paulobi weder das eine noch das andere zu , da bier der Batu pamali seillidi vom Baileo aufgestellt ist. Nach langem , vergeblichen Fragen erfulir ich schliesslich in Paulohi, dass der Stein stets dem Aufgange der Sonne zugewendet sei. Leider konnte ich den Werth dieser Angabe spaterhin nicht mebr überall controliren, aber in Hatusua liegt der Batu pamali in der That nach Osten gekehrt, in Paulohi nach NO und in Piru, wenn icli nicht irre, nach SO; es scheint somit in der That nach obiger Angabe bei der Aufstellung des Steins gehandelt zu sein, wobei es nicht zu verwundern ist, wenn die Leute die erforder-lidie Ilimmelsrichtung nicht immer genau innehielten. Paulohi selbst weicht in diesem Sinne bereits ab, und lokale Umstaude, Pflanzenwuchs etc., mögen die Ursache sein, weswegen man sich geringe Abanderungen erlaubte, um den Gegen-

]) Das ist auch vielfjirh in der Literatur angogeben. Sieh: Van Schmid, aanteekoningon, pag. 616. Van Ekris, Zending op Ceram, pag. 319 u. Kakian-Verbond, pag. 291; Ludeking, schets pag. 58; Van Hoevell, Ambon, pag. 150. — Riedel (I.e. pag. 90) behauptet, dass auf Seran der Opferstein bei den Pata-siwa an der Seeseite liege, als Zeiehen dafür, dass dieselben von auswiirts gekommen seien. —Joest erwühnt die betreffende Lage des Steins auch speciell für Seran, diirfte sich liiebei aber kaum auf eigene Beobach. tungen stiitzen (Verh. Berl. Ges., pag. 67).

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stand der Verehrung dem Lichte zuzuwenden. Sollte darin vielleicht der Ueberrest eines jetzt Tergesseueu Sounencultus gelegen sein ? ')

Uebrigens scheint die Gewolmheit, den Hutu pamali beim üaileo zu erricliten, nrsprünglich im Westen Serans gar niebt zu Hause zn sein; deun bei den Berg-bewohueru vou Kairatu liegt der Opfersteiu, so weit meiue Erüihrungen reidien, uiemals in der Nahe des Katidiauses, sondern au verborgener Stelle im Walde, leb lialte es nun nicht lur unmoglich , dass die Angehörigen der Pata-siwa auf Ambou mul den Uliassern vou solchem Herkommen abwichen, weil auf' den kleinen Insein überhaupt keine hinreichend versteckte Platze zu finden waren, und dass danu spiiter die ambonsche Öitte auf die Küstendörfer des siidwestlichen Serau über-ging. Bei dem regen Verkehre, welcher zwischen diesen und den Bewohneru von Ambou und den Uliassern herrscht, könnte das kauin befremdeu, sowie es andererseits erklürlich ist, dass der Branch sicb nicht auf' die Nordwestkiiste Serans ausdehnte 2). Die Unterscheidung der Pata-siwa und Pata-lima nacli der Lage des IJatu pamali könnte aber, falls die Hypothese richtig ist, auf den geuanuteu , kleineren Eilanden spaterhin eingeführt oder erfundeu sein.

Schiidel sind in den meisten Bailee's der Strandbewohner dieser Gegend nicht mehr anwesend; 3) sie werden Yielmehr, aus uitere r Zeit abkünftig, im Walde in einem heiligen Hause bewahrt (dein ruma pamali). Früher musste stets ein friscb abgeschlageuer Kopf vorhauden sein, wenn ein Rathhaus gebaut oder gedeckt wurde, und um ihn herum pflegte man danu einen Tanz aufzuiïïhren, den die Leute vmko oder auch karori nennen. Letztere Bezeichnung findet sich bei den meisteu Pata-siwa und vor allem an der Nordküste West-Serans, woselbst ich spater Gelegeuheit hatte, dieseu Tanz selbst mitzumachen, freilich nicht um einen erbeuteten Kopf; deun derselbe Reigen wird auch nach Anlass anderer Festlicli-keiten ausgeführt. Statt des Schüdels ])flegt man aber jetzt eine Scliüssel zu nebmen, welcbe dann ebenfalls, sowie es früher mit jeuem geschah, nach dem Feste im Baileo aufgehangen wird

Ofl'enbar ist dies ein Opfer für die im Versammluugshause weilenden Geister der Verstorbenen, wie auch aus folgenden Eiuzelbeiten bervorgelit, welcbe ich in Makariki erfuhr. Uort werden bei grossen Festlichkeiten, zu denen auch wiedernm das Decken des Baileo oder eine Reparatur seines Daclies geboren, zwei Leute zu Vorstehern erwahlt, welcbe malesd 4) heissen. Diese geben einen Hund zum Geschenke, welcher unter einem Waringin (Ficm henjaviina L.) todtgeschlageu wird.

1) Dies wird inir um so wahrschoinlicher, als van Doren von den Alfuren berichtet: „sie beton •Sonne, Mond und Sterno zu bestimmten Zeiten anquot; (Fragmenten 1, pag. 170).

2) In Wabaï ist allerdings wieder ein Batu pamali beim Baileo verhanden (Boot, 1. c. pag. 1202).

3) In van Doren's Zeit waren diese Bailee's noeb reich an Scbtideln (Fragmenten I, pag. 334)

4) TJeber malessi vgl. auch Wilier , Boeroe, pag. 12.

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Alsdann koclil man das Ilerz des Thieres in einein Bambusrohre, zerschneidet es, legt es aul' Blatter, die als Teller Dienst thun, und steekt sdiliesslicli das Ganze als Opfer für die Geister der Voreltern zwischen den Atapp des Baileo-Daclis. Ebenso wird auch in Amahei gehaudelt (beide Orte geboren, wie erwalmt, zn den Pata-siwa-pnti) und in f'rülieren Zeiten dienten die erbeuteten Köpfe demsolben Zwecke 1),

Ausser dem Bailee für die Q-emeinde giebt es an manchen Orten der Pata-siwa-bitam (ob überall, ist mir unbekamit) noch ein zweites, ahtüiches und audi gleich benanntes Gebaude, welches aussdiliesslich für die Kakeanisten bestimnit ist und diesen nicht nur als Versammlungsort, sondern audi als Schlafstatte dient, wenn sie nacb gefeierten Festen2) nocb langer im Orte verbleiben, um an der Küste iSagu zu klopfen oder anderen Bescbaftigungen nacbzugelien. Solcbe Hiinser be-finden sich unter anderen in Piru und in Hatusua. Einen heiligen Stein •vermisst man bei ilinen; dagegen besitzt der betreffende Baileo in Hatusua eine andere Eigentbüm-lichkeit in einein dreiseitigen, bemalten Brette, welches an einer seiner Querseiten im Giebel, nnmittelbar unter der üachfirste, angebracht ist. Das Brett ist schwarz und mit weissen Figuren bemalt, welche in horizontalen Reihen angeordnet sind, der Art, dass letztere durch je einen zierlichen, weissen Streifen geschieden sind,

wie ein soldier auch den Eand des ganzen Schildes umgiebt. Unter den Figuren der einzelnen Felder kommen zalilreicbe rolio, mensclili(jlie Gestalten vov, ausser-dem Vogel, Sterne und andere Gebilde, welche ansdieiuend Blumen darstellen3). Neben diesem Baileo stelit das Eaus eines Hoiienpriestera der Kakeanisten, eines

1

Au der Nordküate ist dies noch heute dor Fall (vgl. unten).

2

V|z:l. hierüber unten.

3

Solcho Verzierungen werden auch an der Aussenseite dor eigentlichen Kakeanhauser, in donon die Aufnahme der neuen Mitglieder stattfindet, angebracht. (Vgl. vim Schmid, Hel Kak. Verbond, l.c. pag. 30).

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maoïn hesar, welches ganz ahulicli verziert ist; nur fehleu dein au ihm angebracli-ten Schilde die nieuschliclien Figuren. Als icli den Priester, einen zitterudeu, alten 6reis, über die Bedeutung der Darstellungen befragte, erklarte er die Vogel für Moven, bebauptete aber ferner niclits von dein öègenstande zu wissen. Es ist indessen gauz offenbar, daas die genannteu Bilder in mancber Bezielmng mit den Tatuirungen iibereinstimmen, welcbe nian bei den Mitgliedern des Geiieiinbnndes antrifit, und wenn der Maoïn nichts zu wissen vorgab, so ist dies wobl nur eine Folge des Uinstandes, dass alles aui'die Kakean-Oeineinsclialï Bezügliflie Fremden gegeniiber in tiet'stes Duukel gehüllt bleibt. Das Wenige, welches icb selber über diese berücli_ tigte Verbindung geiegentlicb ineiner Keisen erfulir, werde icli spater kurz zusain-menfassen.

Sebliesslich finden sieli ausser den beiden oben beseliriebenen Baileo's noch andere in grösserer Zabl in den Dorfern, je finer für eine soa, und in Ilatusua gab es deren fünt'. Hie sind nichts anderes als kleine, an den Seiten offene Schup-pen, mit einem über dein Boden erbabenen Sitzplatze, welche den Mitgliedern der betreflenden Soa als Versaminlungsort dienen. Das Bauen steinerner Hiiuser dart' bei den Pata-siwa nur gegen Entrichtung einer Abgabe an den Kapala-sanid gescheben; allein Kircbe, Scliule nnd Regentswobnung machen hievon seit 1886 eine Ausnahme, da sie auf einer in jenera Jabre abgehaltenen, ginossen Versamm-lung der Alfüren (sauiri) von der Steuer ireigestellt wurden. Aucb durfte l'rüher kein Kalk auf der Insel gebrannt werden.

Die Strandbewobner zwischen Piru im Westen und l'aulobiim Osten sind niittel-gross, scblank und kriiftig gebaut, von dunkelbrauner Ilautfarbe, ausnabmsweise so dunkel, dass sie fast an einen Neger erinnern, beinabe alle krausbaarig, und zwar ist das krause Haar entweder negerartig, wollig und widerspanstig, mit einem Stich ins Braune, oder scbwarz und glanzend, wie bei den Malayen und dann stark gewellt und binten lockig. Sie baben bervorstehende Backenknocben, zeigen starken Prognathismus und eine breite, im Profil concave iS'ase, deren grosse Oeffnungen von vorne sichtbar sind; die wulstigen Lippen werden bei den Mannern von einem sparlichen Barte bedeckt, und nur seiten nimnit man einen kurzen Backenbart wahr; das Kinn ist, von vorne geseben, spitz. Ausnahnisweise ist das Q-esiebt minder breit, und schien es mir, als ob die langliche Form besonders bei glattbaarigen Individuen angetroft'en werde; doch berrscben papuanische Oe-sicbtszüge ganz entscbieden vor

1) Ribbo's Ausspruch , dass die Mulayon „die Stammoltern der jetzt am Strande dor Molukken wie aucli auf Seram lebenden Bovölkorungquot; seien (1. c. pa^. 130), ist in dieser allgemeinen Fassung sicherlich lalsch. — \ irchow untersuchto Schiulel aus einem Stranddorfe dor Siidwestküste und kam zu dom Hosul-

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Die Marnier tragen ihr langes Haar bisweileu in einem einfachen Knoten, den sie uacb Art unserer Frauen am Hinterkopfe feststecken; in der Regel aber wird dasselbe binteii etwas verschnitten, so dass es nur bis zum Nacken berab-reiclit, und nun einf'acli zuriickgestricben. Damit diese Tracbt aber uiobt binderlich bei ib ren Bewegungen sei, halten die Leute das Haar auf verschiedene Weise zusammen. Mancbe bedienen sicb dazu eines Kammes von Scliildpatt, den die Strandbe-wobner selbst verfertigen, und welcber im allgemeinen den Haarkammen unserer kleinen Madclien abnelt (Taf. 22, Fig. 1). Er misst von vorne bis binten 19 cm. und wird horizontal getragen, der Art, dass die beiden ausseren, zinkenfreien und ruudlich ausgeschnittenen Enden (Iü) vorne über die Ohren hervorsteben. Mittelst eines Blech-streifens werden die beiden Halften, aus denen ein soleber Kamm verfertigt ist, hinten in der Miite verbanden (la), und ahnliche Blechstücke bringt man ausserdem jederseits nahe den vorderen Enden (lc) als Zierratb an. Der Werth des Gegenstandes betriigt 2 bis 2,lï Gulden, für den armen Strandbewohner also immerhin ziemlich viel, und liierin ist auch einer der Gründe gelegen, weswegen die Tracht melir und mebr abkommt, besonders da es jetzt auch den gewöhnlichen Dörtlern erlaubt ist, die Haare kurz zu schoeiden, wahrend dies früher nur den Mitgliedern der Regenten-familien gestattet war. Vermuthlich hiingt diese Wendung mit der grosseren Aus-breitung des Ohristenthums zusammen. Falls aber «lie Leute, und es sind dies meist die iilteren unter ihnen, das Haar nicht kurz balten wollen, so nehmen sie beim Mangel eines Kammes als Ersatz vegetabilische Streifen. Meist besteht ein soldier aus Bambus; bisweilen wird er audi von einem Blatte verfertigt und dann hin und wieder mit kreuzweis durchgenahten, rothen Faden verziert, oder er ist aus sobmalen, gelb und schwarz gefarbten Blattstreifen zusammengeflochten. Einen solchen Kranz nennt man laslara; feblt auch dieser, so begnügt man sich mit einem umgehundenen Tuche oder gar mit einem Riemen, welcher ursprünglich zum Leibgurt bestimmt war. Uebrigens wird ein Lastara bisweilen auch von Leuten getragen, welche ihr Haar in einen Knoten gebunden haben, so dass er alsdann lediglich als Zierratb dient.

Knaben gehen bis zum Alter vou etwa 14 Jahren luiufig ganz nackt, und die gewöhnliche Bekleidung der Manner besteht ausschliesslich in der bereits von den Uliassern beschriebenen Sackhose, welche über den Hüften zusammengebunden wird und vielfach schon oberbalb der Kniee endigt (Taf. 13). Ausserbalb Hatusua ist es eine grosse Ausnahme, wenn der Mann an gewöhnlichen Tageu neben dieser

tute: „dass die C!eramesen in ihrcr Hauptmasso keine Papnas sind, dass sio sich aber auch von den eigent-lichen Malayen unterscheidenquot; (Alfuren-Schiidel, pag. 85). Ich glaube betonen zu mussen, dass es sich hier um die Schildel von Strandbewohnorn handelte, welche ohne Zweifel gomiseht sind, und dass das Kesultat der Untersuchung Virchow's nicht ohne weiteres auf die Bergalfuren übertragon werden darf.

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Sackhose noch eine kurze Jacke beuutzt, obwolil man dies in genanntem Orte bis-weileu sielit. Als ein/.igen mul obendrein nocb seltenen Zierratb tand icli bei der mannlicben Bevölkerung kleine, ziunerne ülirriuge, von der Grosse, wie sie von nnseren Sebiffern getragen werden.

Fast jedermann ist tatuirt, und zwar, wie beliauptet, wird, aucli unter den Christen, wenngleich diese die Zeiclieu gerne unter einer Jacke verbergen, so dass dies Klei-dungsstück besonders aus genanntem Grande in Hatusna in Ehren stehen soil. Die Tatuirung, welehe von blauer Farbe ist, wird am haufigsten links auf der Brnst angebracht, demuachst zwischen Schlüsselbein und Achsel, seltener an Armen und Oberschenkel, nur ausnalrmsweise auch auf dein Rücken. Zabl und An-ordnung der Figuren ist eiuem sehr grossen Wechsel unterworien, ebenso ibre Zeiclinung; doch herrscht die Kreuzform vor allen anderen vor. Dieselbe ist ent-weder durch Linien oder durcli Punktreihen dargestellt, oder audi durch Combination von beiden; oft ist ein einzelnes Kreuz die ganze Tatuirung, und solten ist dieselbe so ausfïïhrlich wie an den beiden von mir gezeichneten Individuen (Taf. 26 , Fig. 9 u. 10). Wie letztere zeigen, gesellen sich zu dem Kreuze nocb 8terne, rauten-fórmige Figuren und Arabesken; nur ein einziges Mal lieobachtete ich dagegen ein vieriüssiges Thier (Taf. 26, Fig. J2), über dessen Natur icli keine nahere Aufklarung erhalten konnte. Die Leute antworten, falls sie nach solchen Dingen gefragt werden, dass sie nichts wissen und dass die Zeichen ilinen vom Teufel gemacht seien'). Niemals sah ich bei den Frauen der Straiuibpvolkerung eine Tatuirung, obwohl diese im Innern dem weiblichen Gesel ileclite nicht immer fehlt. Auf andere lokale Verschiedenheiten werde ich spater zurückzukommen Gelegenbeit haben.

8obald sicli die Manner von Hause entfernen, führen sie ein grosses, schwert-artiges Messer mit sich, den sogenannten parang, in der Landessprache als lotoï be-kaunt (Taf. 26, Fig. 4—7). Dieser ist 70—73 cm. lang, wovon etwa 20 cm. auf den Griff kommen; seine Klinge verbreitert sich nach vorne und ist hier iu eine dreiseitige Spitze ansgezogen, welche dadurch gebildet wird, dass der übrigens gerade liücken vorne stumpfwinklig abfallt. An die leise convex gebogene Schneide schliesst sich hinten in der Nühe des Griffs ein kurzes, concaves uud ungescharftes Stück der Klinge au, eine sehr wesentliche Einrichtung; denn sie gestattet, das Messer auf den gekrümmten Unterarm oder über die Schulter zu legen, wülirend die Hand den Griff umspannt hiilt, und erleichtert so die Mitführung der Wafl'e; audi können die Leute diese ohne Hchadeu zwischen Schulter und Ivinn festklemmen,

1) Die 'ratuivung ist bei der Aulnatune in den Kakoanbund gemacht. (vgl. spiitor). Die Gehoiinnisse des Bundes zu verrathen, gilt abel' als schwerstes Verbrechon bei don Kakeanisten und wird mit dom 'l'ode bestraft; die Nennung des Toufols in obigem Falie geschiobt forner auf ISel'ebl der Priester (vgl. Ludoking, schets [mg 73).

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falls sie beide Anne bei ilireu Handthierungen gebrauclien müssen. Die Klingen werden von Ambon bezogeu, weil die Bewohner der Abtheilung Kairatu nicht zn Bcbinieden verstehen; die in ilirer Form selir wechselndeu Griffe der Parangs fertigen sie aber selbst an.

Die gewölmliche Klei dung derFrauenvon Hatusua bestebt wie auf den Uliassern in einem bunten Rocke (sarong), meist von rotber oder blaner Farbe, nebst kurzer, audi oftmals blau gefarbter Jacke, wozu sicb dann bei besonderen Gelegenbeiten nocb ein zweiter Koek gesellt. Die Haartracbt mul Festkleidung ist bereits oben besdirieben; icli vermag indessen über das Aussere aller Frauen ausserbalb Ilatusua weuig m urtbeilen, da das weiblicbe Gesdileobt sicb bei Ankunft von Fremden ungemein zurückhalt und sidi vor ilinen wobl kaum in seiuem gewölinlidien Werktags-auzuge zeigt. In Kaibobo, weidies wegen seiner eifersüdiügen Miinnerwelt und zabl-reidier, der Frauen balber begangener Morde berüditigt ist, sah icb zum Beispiel kein einziges erwadisenes Madeben und uur sebr wenige Kinder dieses Gescblecbts, wilbrend es von unnützen Bnben in raeiner Nabe wimmelte. Es ist mir desbalb audi fraglich, ob die Traebt der Frauen von Hatusua ebenfalls auf die übrigen Stranddörfer der betreffenden Gegend übertragen werden dart'; denn genaimtes Dort ist gleidisam die „ Itesidenz'' der Abtbeiluug Kairatu und abint so viel möglieb die Sitten und Gewolmbeiten von Ambon mid den I 'liassern nadi; ist doi^li sogar sdion die ganz sdiwarze Traebt für kirebgeheude Milnner und Frauen, weidie die 1 'rediger auf den erwabnten Eilanden in bedauernswerthein Uebereifer eingeführt baben, biebergedrungen !

Aus iibnlicben Grimden beobaebtete icb wilbrend meines wiederholten Verbleibs iu Hatusua uur wenige Gebraudie, weidie der Erwahnung wertb waren; dazu gehort das Begrabniss eines diristlichen Kindes. Gleioh nach seinem Ableben begann ilie Mutter in eintöniger, recitirender Weise ein Klagelied anzuheben, in welchem die guten Eigenschaften des Kindes geprieseu wurden, und setzte dies 24 Stunden lang bis zur Begrabnisstunde ununterbrochen fort, indem sie am Morgen nach dem Tode durch verschiedene andere Frauen darin unterstützt wurde. Die ganze Kadit hindurch batte icb die Klage aus dem meiner Wohnung gegenüberliegenden Hause vernommen , so dass idi hiedureb sdiliesslich in einen unertrüglicb nervösen Zustand gerathen war. Kurz vor dem Begrabnisse wurden dann die Leute, welcbe das Grab gegraben, am Strande bei dem Sterbehause bewirthet; es waren dort auf Pinang-blattern Portionen von Reis, Sagubröde, Fisch und Bananen für sie ausgebreilet. Im Hause und am Grabe sprach der einheimische Prediger, der guru, in würdiger Weise, und das Kind wurde einem feststehenden Gebrauche t.einass so in die Erde gesenkt, dass sein Kopf nach Osten, die Füsse nach Westen gekebrt waren. Nadi-dem endlich der Sarg init Erde gedeckt und ein niedriger Grabhngel aufgeworfen.

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pflanzte man da hinein Croton und 1'lumeria acutifolia Poir. Letztg'enannter, ans Amerika stammender Straucli, mit grossen, lanzettförnügen Blattern und weissen Blüthen, welclier den eiulieiiuisclien Namen kcmbodja triigt, findet eine allgemeine Verwendung anf' KircHiöfen, und el)enso der Oroton, welclier bei keinerlei Freudes-oder Trauerfesten zu fehlen sclieint. Seiner Benutzung beim Tjakalele wurde oben bereits gedacht; audi sah icli einmal in Hatusua, dass alte, betnmkene Weiber Biischel der 1'flanze in den Handen trugen, als sie tanzend, unter Begleitung von Gong und ülirbetaubendem Kreischen, eiu Familienf'est ieierten. Es war der Tag, an dein. ein etwa 4 Monate altes Kind, der Sitte geinaaa, zum ersten Male ins Freie ge-tragen wurde. Bisweilen pflanzt man ferner in der Abtheilung Kairatu Croton um den Batu pamali, und auf Saparua versicherte man midi, wie schon erwiilint, dass dort dasselbe bei Steinen gescliahe, anl' denen an verborgenen Stellen geopferfc wird; Croton ist ferner auf Saparua und benaclibarten Insein der beliebteste Fest-Bohmuck der Wolmungen ').

Naclulem die 1'tlanzen eingesteckt sind, je Eine zu beiden Enden des Hügels, wird dieser vorlaufig mit Atapp zngedeckt ; spater erriclitet man um das Grab einen niedrigen, etwa fussholien Wall von Steinen, ganz wie auf Ambon gebraucb-lich ist, wahrend die Atappbedeckung niclit wieder erneuert wird und man auch das Wachstlmm der Pflanzen der Fürsorge der Natur überlüsst. Ein mit unregel-massigen, liinglich-ovalen Steinringen bedeckter Platz, auf dein vielfacb Croton und 1'lumeria uinberstelien, beliebig gewacdiseu mul beliebig über die ziemlicli weite Fliiche vertlieilt — das ist das ude, von Verwabrlosung zengende Bild, welclies der Kirclihol' von Hatusua darbielet. Vereinzell verirrt sicb zwisidien die idiristlicben aucli ein lieidnisches Grab; eine irdene Sebiissel, in der Scberben von Glasern und Tellern sowie der Griff eines grossen Messers liegen, kennzeiclmen genügend die Iluliestatte des Heiden. Wolier er kam, weiss Keiner zu sagen.

Die Hauptnabrung der Strandbewoliner bestelit bekanntlicli aus Sagu und Fiscb. Freilich wird in Hatusua aucli Reis auf trockenem Boden gebaut, ferner etwas Pisang, Bataten, l'bi [Manihot utilissima l'okl.), Kladie (Coloca.sia antiquorum Schoft.) und verbiiltnissmüssig viel Taback; die Ertrüge der Ptlanzungen sind aber so gering, dass man in der Abtheilung Kairatu kaum Steuern erbebl a).

1) Ueber die Bonutzung von Croton odcr kadihn durch die Priester ist van Schmid zu vergloichon (Aanteokoningon, pag. 495). Hier ist gadihoew geschrieben.

2) i)ie (Jcgend int hier gewiss selir goeignet fiir Flanzungen; aber es werden daliir kaum Arheits-krafte zu bekommen sein. Wenn Moorrccs die liewohner der Slranddorfer fleissig {vijver) neunt, so ist das jedenlalls eine sehr optimistische Vorstellung, sowie auch seine Angaben über abbauwiirdige Mineralien auf Seran der nothigen Sicherheit entbehren (1. c. pag. 604 und G68). Fiir grössere Landbau-l nternehmungen sind meiner Ueberzeugung nach in dieser Gegend uur dann einheimische Arbeitskrafte zu bekommen, wenn durch den Posthalter ein Druck auf die lievülkorung ausgeübt wird, was aber aehwerlieh die Zustimmung

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Ausser den hiehergehörigen Insein Manipa und Buano, werden nur noch die Handler rait Abgaben belastet, welche von anderen Qegenden des Archipels nacli Seran kommen, um Iripany (Holothurien), Scliildpatt und Damraerharz zn erwerben.

3. DIE PIRUBAI UND 1IUAMUAL.

Von llatusua aus, welches ich zunachst als Standquartier erwahlt batte, sollten in erster Linie die Ufer der Pirubai untersucht werden; denn da letztere tief von Nord nacb Süd ins Land einsclineidet, wabrend aus mancberlei ürunden ein west-östlicbes Streichen der Qebirgsfbrmationen vorausgesetzt werden dnrfte, so lioffte icb auf diese Weise am ebesten einen vorlaufigen Binblick in den geologisclien Aufbau Serans zu erhalten. Die zu genanntem Zwecke erforderiicben Seefabrten waren aber selbstredend vor allem von Wind und Wetter abbangig, und dürfte es dalier wolil angezeigt sein , einen kurzen Bliek auf die Witterungsverbaltnisse dieser (legend zu werfen.

Bekanntlicb berrsebt in den Molukken von Mai bis September meistens der regulilre 8 O-I'assat , im australisclien Sommer dagegen ein N W-MüSon , well in dieser Jabreszeit die grosse Erwarmung im nördlbdien Neu-Holland eine Aufloeke-rung der Luft zur Folge liat, und somit daselbst ein Anziehungspunkt für die Luftmassen des nördlicb vom Festlande befindlicben Mee re» gebilde! wird. Dieser JSr W-Muson dauert nun in den Molukken von November bis Miirz; die Monate April und October sind die Zeiten des Passatweclisels {kentering). Es weben aber an der Südküste Serans wabrend des N W-Musons bisweilen aucb VV- und S \V-Winde, welebe letztere stürmiscb zu sein pflegen; ebenso kommen zur Zeit dea S O-Musons nicht selten O-Winde vor; der Kürze halber werden beide Passate im gewobnlichen ijeben einfacb als West- und Ost-Müson bezeicbnet. Dieser webt ummterbrocben, Tag und Nacht hindureb, und au der Südküste Serans stebt in der betreffenden Jabreszeit in der Regel eine so gewaltige Brandung, dass Fahrten in Segel- odor Ruderböten kaum auszuführen sind '); der West-Muson dagegen webt bier meistens nur üher Tag, wabrend es nachts, morgens i'rüb und gegen Abend ruhig zu sein pflegt. Deswegen lassen sich aucb wabrend seiner Uerr-schaf't Küstenfahrten in beliebiger Richtung unter ZuhiU'enalime der Nachtstunden

«lor llogicrung erwerben dürfte. Es ist ein derartiges Verfahren ohnehin dringend abzurathen, da die Bewohner des Innern sich bei solchon Maassnuhmen aus Furclit noch mebr von Holland zurückziehen winden, als sie es jetzt bereits thun; deun sie sind über die Vorgiinge am Strande stets gut untcrrichtef.

1) Vgl. aucb Ribbe, 1. c. pag. 158.

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ausfüliren, unci sind die Munale November bis Miirz als die beste Zeil lur Reiseu in der betrefi'enden Gegend zu bezeicbnen.

Da beide Passate fibers Meer streieben und sicb ibnen nun auf Seran ein holies Gebirgsland in den Weg stellt, so bringen sie auch beide Regen an; aber selbstredend scbeidet das Qebirge, welches von West nach Ost durcb Seran /debt, die Niederschlage; wahrend die Windseite ilire Regenzeii hat, ist die Gegend, welche an der Leeseite, im Windschatten der Höben, liegt, trocken. Deswegen hat die Nordküste des Eilands Hire Regen zei t wahrend der Dauer des N W-Passats, die Siidküste wahrend derjenigen des SO-Passats — allerdings mit einer Ausnahme, welche auf den ersten Blick sehr befremdlich orsclieint; denn wahrend sich lialusua und der ganze östlich von dort gelegene Kiistenstrich in der Regenzeit befindet, ist die Gegend von Kaibobo, das Innere tier Pirubai und Huamual, bis zum Tandjung Sial, trocken. Das Reispflanzen, welches bekanntlieb in der Regenzeit geschehen muss, wird aber in diesen Gegenden im December und Januar vorge-notninen, also in derselben Zeit, in der auch die Nordküste Herans ihre Regenzeit hat; in Hatusua, welches nur ein weuig siidostlich von Kaibobo liegt, pflanzt man dagegen schon den Reis im Juni und Juli. Somil schliesst sich Huamual und die Kiistenlinie im lunern der Pirubai bis Kaibobo betreffs der Vertheilung von Reuen- und Trockenzeit nicht an die südlicbe, sondern an die nördliche lliilfte

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Serans an. Die Erkltirung hiefiir glaube ich (lurch Zuhilfenahme der Qestaltung des Bodenreliefs von West-Seran und der südlich von ilim gelegenen insein geben zu können;

Die Penciltigkeit, welche der 8 O-Passat anbringt, wird im Westen durcb das liobe Gebirgsland von Ambon aufgefangen, und Huamual liegt alsdann im W indschatten dieser insel, verhiilt sich also zu Ambon ebenso wie die Nordküste Serans zu seiner Siidküste. Gegenüber Hatusua und dem östlich sich anschliessenden Kii-stensaume können aber die Uliasser nicht die gleiche Rolle spielen, da sie weit niedriger sind als Ambon und noch überdies durcb breite Meeresstrassen von ein-ander geschieden werden. Die Feuchtigkeit des S O-Musons wird also iiier im Osten ersl an der Kiiste Serans abgesetzt; dort aber stellt sich dem Passate im \ und A W von Hatusua ein Ilöhenrücken in den Weg, welcher die Ebene von Hatusua begrenzt und bei Kaibobo einen Auslaufer bis unmittelbar ans Meer sendet. Dies ist der regeuscheidende Gebirgszug, und da Kaibobo wahrend des 8 O-Musons an dei' Leeseite gelegen ist, so hat es auch dann seine Trockenzeit.

Die umgekehrte Rolle spielt derselbe Gebirgszug wahrend der Dauer des N \\ Musons; denn die schmale Briicke, welche Huamual mit der Hauptmasse Serans verbindet, tragt sehr niedrige Berge, an denen der Niederschlag nur zum geringen Theile stattfinden wird, wahrend die Feuchtigkeit sich weiterhin an dem zwi-

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schen Pirn und Kaibobo gelegenen Gebirge absetzt, so dass also Hatusua trocken blelbt. Dass sicb im übrigen Huamual und aucli Buano im West-Muson gleich der Nordküste Serans in der Regenzeit befinden , bedarf keiner weiteren Erlauterung. Es lassen sicli demnach die obigen ijetrachlungen dahin zusammen('assen, dass Ambon und die IJliasser sowie die Südküste Serans, ven Kaibobo an ostwarts, ilire Eegen-zeil im Ost-Muson baben, die Nordküste Serans dagegen und Buano, gleicb einem Tbeile der Südküste, von Tandjung Sial ab ])is nacli Kaibobo, im West-Muson. Dass ferner Nord- und Süd-Buru sitdi im wesentlichen ebenso zn einander verlialten mussen, wie die Nord- und Südküste von Seran, ist vou vornhereiu einleucbtend ').

Da es nocb Februar war, so konnte eine Untersucbung der Pirubai nacli Vorstebendem recbt wolil stattfinden; doch mussten wir uns gleicbzeitigauCmanches Regenscliauer gefasst machen, als wir uns in der Frühe des dieses Monats

an Bord einer sogeuannten Orembai (Taf. 12) begaben, um mit ihr zunachst nach Kaibobo zu fahren.

Der Name orembai ist eine Verstümmelung von orang haik, so wie derselbe laut mir gegebener Versicherung auch in allen alten Vorschriften und Akten geschrie-ben steht, und wird aus der Zeit der berücbtigten llongizüge hergeleitet, welche früher aus Handelsinteressen zur Yernichtung von Spezereibüumen unternommeu wurden. Er bedeutet also so viel wie „gut Freundquot;1). Das Boot ist mii euro-paeiscber Takelage, nacb Art eines Schuners, versehen und besitzt in der Mitte zwischen beiden Masten eine kleine Kajüte mit flachem Dache. Vor und hinter ihr sitzen die Ruderer oder musnaits, zehn bis zwölf braune, tatuirte Gestalten der Strandbewohner, mit ibrer Sackbose und einem Kopftucli bekleidet, manchmal reich an Narben, oft mit Geschwüren oder mit Ichthyosis behaftet und stets sehr schmutzig. Nur bei schwerem Eegen und in der Mittagshitze finden die Ruderer es nöthig, ihren Kopf mit dein bekannten, flachkegeligen Hute, dem luduwj, zu bedecken; sie stehen unter dem Kommando eines Steuermanns, eines angesehe-neren Bewohners von Hatusua, der aber von Segelstellung sebr wenig Begriti' liat, und rudern sehr ungeschickt, kauui jemals genau im Takte. Dies kann bei den Seranesen überhaupt nur daim anniihernd erreicht werden, wenn Musik-

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v. Rosenberg ist denn auch im Irrthume, wenn er Bikmoore daliir tadolt, dass or oranybaai schreibe und dies mit „gutor Korlquot; übersetzo (Mal. Archipel pag. 290). — Auch van Doren schroibt noeh oranybaai (Fragmenten J , pag. 334, 301 etc.).

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begloitung' vorhaudeu ist, und deswegen, diirleu einige Trommel Ui/u)- I111{1 üüiig-scliliiger, welclie aulquot; dein flachen Dache der Kajüte l'latz linden, niemals f'elilen. Sie bearbeiten ihre Instramente mit einem belieblgen Stocke, und der Trommelschlager weiss gleicbzeitig mit der nocb (rei bleibenden Hand den Klang der Trommel zn modificiren, indem er die Finger über den Raad bin abweeliselnd aul' das Feil driickt und wieder davon abbebt, wobei daim diesel be Hand das Instrument in der erforderlieben Stellung festbült. Unermüdlicb musiciren diese Leute, und wenn sie vor Brscblaffung fast einscblafen und die Lider berabsinken, so arbeiten doch ihre iliuide noch mechanisch fort. Auch der Musnait rudert manchmal unver-drossen den ganzen Tag bindurch, wenn er sich nur bisweilen durch etwas Pinang erfrischen kann, aber er arbeitet unregelmassig; bald hört dieser bald jener ein wenig auf, weil bestiindig etwas am Ruder oder seiner Befestigung, am Sitz-platze u. s. w. zu (hun ist. Qlaubt er indessen günstigen Wind erwarten zu dürfen , so greift der Seranese nur sebr ungern zum Ruder, auch wenn jener ausbleibt und die Segel schlaff herniederhiingen; er versucht daim lieber eine zeitlang durch 1'feilen und Floten die günstige Luftströmung herbeizurufen und ist sebr schwer ven der Erfolglosigkeit seiner Anstrengmigen zu überzeugen. Falls aber wirklicli gnter Segelwind eintritt, was icli leider auf' meinen vielen Fabrten nur ausserst selten erlebte, so geuiesst der Musnait diese Zeit in vollen Zügen; der Steuer-mann (djurumudi) singt ein Lied vor, und dor Chor der Ruderer wiederholt die Strophen, selbstredend wieder nnter Begleitung von Tila mul (iong.

Die Leute bedienen sich für die Orembai eines Ruders, welches eigentlich nicht auf Seran zu Hause ist, sondern Aron den üliassern stammt (Taf. 24, Fig. Ü). An eiiien belieblgen, langen Stock, oline Handhabe, ist ein lang-rautenf(irmiges, oben und unten abgestutztes Brett mittelst Rottan befestigt. Es ist dies dadurch ge-schehen, dass das Brett mit einer Doppelreibe von Löchent versehen wurde, wolcbe der Lage nach den Aussenrandern des Stockes entsprechen, und durch die man nun den Rottan kreuzweise bindurch- und um letzteren herumsehlingt. Der grosseren Haltbarkeit wegen wird zwischen die Doppelreibe von Löchern noch der Stiel eines l'almblattes eingescbniirt, welcber somil. dom an der Riickseite belindlicben Stocke auiliegt. An einer Schlinge, deren miteres Ende durch eine Oeffnung ini Bootrande(r) gezogen und innen befestigt ist, wird ferner das Ruder lose aufge-hangen, oder, besser gesagt, es ist durch diese Schlinge hingesteckt, und die ganze, primitive Vorrichtung ist durchaus ungenügend, um beim Anzieben des Ruders einen festen Stützpunkt zu gewahren, so dass viel unmitze Kraftvergeudung dabei statt lindet.

Leute von Kaibobo sah ich spater für die Orembai Under benutzen, deren Schaufeln rund statt rautenlormig waren, welcbe im übrigen aber mit dem oben

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bescliriebenen ganz übereinstimmten; die gewöhnliche Form der Ruder dieser Gegend isL indessen eine giinzlich hievon abweichende (Taf. 24, Fig. 3). Sie sind in Kaibobo 146 cm. lang, besteben aus einer lanzettförmigen Schaufel mit rundlicbem Stiele, welcher sammt jener aus Einem Stiicke geschnitzt ist, so wie aus einer kurzen Krücke, die aufgesetzt und gleicb dem oberen Abscbnitte des Stieles mehrkantig abgescbabt wird. W ulirend des Ruderns balt die eine Hand das untere Ende des Stockes und umspannt die andere oben die Krücke, so dass also das Ruder völlig frei gebalten wird.

Die Fabrten in einer Orembai sind in der Regel büchst unerquicklicb. Bei Tag bietet die Kajüte mit iliren kleinen Fenstern keinen angenebmen Aufentbalt, so dass icb sie zu dieser Zeit audi fast nur bei eintretendem Regen aufzusucben pflegte und mir in der Regel, so gut es eben geben wollte, einen l'latz am Bug des Sobiffes, inmitten der Ruderer, verscbaffte; bei Nacbt dagegen fiudet man auf den harten llolzbanken nur unvollkommene Rube, wenn es aucli glücken mag, mit den übrigen Bewobnern dea engen Raumes (in diesem Falie dem l'ostiialter und meinem Dolmetscb) unangenebme Berübrungen zu vermeiden. Deun bestandig larmt einem über dem Kopfe die unertraglicbe Musik, deren Eintönigkeit mich bisweilen in eine rasende Unrube versetzte, und bei jedem Anzieben der Ruder wird man nocb obendrein bin- und bergesobüttelt. Dennocb musste icb mandie Nacbtstunden in dem Fabrzeuge zubringen, da es ohne ibre Benutzung oftmals unmöglicb gewesen wiire, die Reise weiter fortzusetzen.

Dass icb über Tag die Orembai möglicbst mied, ist leicbt yerstandlicli; icb konnte das langsam binkriecbende Fabrzeug obnebin nicbt für die niibere Unter-sucbung der üfer benutzen, da mit ibm eine baufige Landung des flacben Küsten-saumes wegen unmöglich auszufüliren war. So bediente icb mich denn zu diesem Zwecke einer gewöbnliclien, kleinen, inlandiscben Prau, wabrend gleicbzeitig ein grösseres Fabrzeug dieser Art meine Bagage mitfübrte; die Orembai spielte im wesentlicben nur die Rolle einer schwimmenden Station, von welcher aus die erfor-derlicben Excursionen unternommen werden konnten, und so wurde denn aucb meine Geduld nicht allzusebr auf die Probe gestellt, wenn icb sab, wie sie bübsch langsam, und aus Furcbt vor dem Strome ') in unmittelbarer Niilie des Landes, einer alten (Irossmutter gleicb. vorwürts schlicb, jeder der vielen Kreisbuchten des Ufers getreulich folgend, und immer unverdrossen mit demselben langweiligen Trommelscblag ihren gewichtigen Gang begleitend. Mit solchem Fabrzeuge zu

1) Es giebt in diescn Gowiissern sehr kriiftige Strüuiungftn. Tn dor Strasso von Kelang, zwischen dor gleiclmairiificon Insel und Manipa, sah i(;li am 27ton April von Hord dos „Arondquot; aus sogar starko Strudol, in donon Holzstücko im Kroise liorumgodreht wurdon.

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reiseu erfordert Stumpfsinii oder Engelsgeduld; wer weder lt;las eine noch das andere besitzt, der bleibe ilim möglichst terne!

Landschaftlioll ist die Pirubai von hoher Scliönheit. Da sie fast ringslierum, von Seran einerseits, von Ambon und den Uliassern andererseits, eingesclilossen wird und sicb sogar voiu Strande Huamuals aus nocb die Berge von Saparua erkennen lassen, so erlialt man manclimal den Eindruck, als bet'ünde man sicli ani' einem riesigen Binnenmeere. Die Klippen, welche an manchen Stellen die Uter der Bucbt umgeben, da tast allerorts die Berge nahe berantreten, sind nirgends von solcber Ansdehnung, dass sie niobt bereits in kurzem Abstande von der Kuste bedeu-tungslos erschienen, nnd nahezu unuiiterbrochen zielit sich vom Fusse bis zum üipt'el des Gebirgslandes eine didite Vegetationsdecke aufwiirts. In der Niihe zeigt dieselbe das sat'tigste Grün, aber mit allinübliger Abstufung siebt man diese Farbe in grösserem Abstande sic li in Blan verlieren, bis die fernsten Gipfel in zartestem Himmelblau mit der Luft zusammenlliessen; dazwischeu alle möglieben Scbattirungen bis zur Farbe «les Indigo, hervorgerufen durcli tief'e Sclilagscbatten dor über die Tluiler binziebenden Wolken. Wenn es am Lande regnet, wilbrend draussen über dem Wasser klarer Sonnenscliein ausgegossen ist, lagern sicb in die Tbaleinscbnitte des blanen Gebirgslandes binein grauweisse und weisse Wolkenmas-sen, iniichtigen Wnttentuti'en iibnlich, und nicht selten erblickt man alsdann eineu Regenbogen, welclier mit dem Fusse im Meere steht und sicb in vollster Farben-praclit voiu dunklen, satten Hintergrunde abbebt. Dann wieder sind die böcbsten Gipt'el (vor allem diejenigen von Ambon und das Küstengebirge, welcbes sicb au( Seran den Uliassern gegenüber befindet) durcb eine dichte Wolkenkappe ver-scbleiert, und bei stiller Luft lagern sicb bisweilen ausgedeiinte Massen von Cumulus so an das Qebirge von Ambon, namenllicb an den Sallmtu und Wawani, sowie an die ganze Küste von Huamual bin, class sie mitgenau horizontalerFlücbe nach unten zu abschneiden, wilbrend darüber binaus nocb wieder blaue Spitzen bervorragen. Diese Erscheinung, welcbe durch die verscbiedene Temperatur der Luftscbichten leiclit erkliirlich ist, war nicht selten so schart'ausgepragt, dass icb die untere, dem Meeresspiegel ])arallele Grenze der Wolkenschicht zur rohen Ver-gleichung der Höhen verschiedener Gipfel verwenden konnte.

Das Meer erscbeint in der Ferne stablgrau bis blau, die seichten Stellen um den Insein sind silbern mit grünlichem Schimmer; befindet man sicli in der Nahe von Pülü Kaöa, so siebt man eineu licbtgrünen Wasserstreifen von dort aus weit ins blaue Meer hineinziehen; die Insel selbst mit blendend weissem Sande am Ufer und mit licbtgrünen Casuarinen bewachsen; ganz im Hintergrunde wieder ein duftiges Bergland. Dunkelblau ist das Wasser, wenn man zu Seiten des ScMffs

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sclien Piru und Kaibobo gelegenen öebirge absetzt, so daas also Hatusua trocken bleibt. Dass sich im übrigen ïïuamual und aucli Buano im West-Muson gleich der Nordküste Seraus in der Regenzeit befinden, bedarf keiner weiteren Erlautemng. Es lassen sich demnacli die obigen Betrachlnngen daliin znsammenlassen, dass Ambon und die Uliasser sowie die Südküste Seraus, von Kaibobo an ostwarts, ihre Regen-zeit im Ost-Muson baben, die Nordküste Seraus dagegen und Buano, gleich eiuem Theile der Südküste, von Tandjnng Sial ab bis naoh Kaibobo, im West-Muson. Dass ferner Nord- und Süd-Buru siidi im wesentlichen ebenso zu einander verhalten mussen, wie die Nord- und Südküste von Seran , ist von vornhereiu einleuchtend ').

Da es noch Februar war, so konnte eine Untersuchung der Pirubai nach Vorstehendem recht wohl stattfinden; docli mussten wir uns gleichzeitig auf'manches Regenschauer gefasst machen, als wir uns in der Frühe des 19tea dieses Mouats an Bord einer sogenannten Oeembai (Taf. 12) begabeti, um mit ihr zunachst nach Kaibobo zu fahren.

Der Name orembai ist eine Verstümmelung von or an// baik, so wie derselbe laut mir gegebener Versicherung auch in allen alten Vorschriften und Akten geschrie-ben stebt, und wird aus der Zeit der berüchtigten Hongizüge hergeleitet, welcbe früher aus Handelsinteressen zu r Vernichtung von Spezereibüumen unternommen wurden. Er bedeutet also so viel wie „gut Freundquot; 1). Das Boot ist mit euro-paeischer Takelage, nach Art eines Schuners, versehen und besitzt in der Mitte zwischen beiden Masten eine kleine Kajüte mit llachem Dache. Vor urnl hinter ihr sitzen die Ruderer oder mmnaits, zehn bis zwolf braune, tatuirte Gestalten der Strandbewohner, mit ilirer Sackhose und einem Kopftuch beldeidet, manchmal reich an Narben, oft mit Gfeschwüren oder mit Ichthyosis behaftet und si-ets sebr schmutzig. Nur bei scliwerem Regen und in der Mittagshitze finden die Ruderer es nöthig, ibren Kopf mit dem bekannten, ilachkegeligen Jlute, dem Ludung, zu bedecken; sie steben unter dem Kommando eines Steuermanns, eines angesehe-neren Bewohners von Hatusua, der aber von Segelstellung sebr wenig Begriff liat, und rudern sebr ungeschickt, kaum jemals genau im Takte. Dies kann bei den Seranesen überhaupt nur daim aunahernd erreicht werden, wenn Musik-

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v. Rosenberg ist denn auch im Irrlhume, wenn er Bikmoore dal'iir tadelt, dass er orangbaai schreibe und dies mit „guter Kerlquot; übersetzo (Mal. Archipel pag. 290). — Auch van Doren schreibt noch oranyhaai (Fragmenten I, pag. 334, 361 etc.).

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begloitung vorhanden ist, und deswegen dürfen eiaige Trommel (lifa)- und Gong-scliliiger, welche auf dem flachen Dache der Kajüte L'latz finden, niemals fehlen. Sie bearbeiten ilire Instruinente mit einem beliebigen Stocke, und der Trommelschlager weiss gleiohzeitig mit der nocli frei bleibenden Hand den Klang der Trommel zu modificiren, indem er die Finger über den Rand bin abwechselnd auf das Feil drückt und wieder davon abbebt, wobei dann dieselbe Hand das lustrument in der erforderlichen Stellung festhalt. ünermüdlich musioiren diese Leute, und wenn sie vor Erschlaffung fast einschlafen und die Lider herabsinken, so arbeiten doch ibre lïande noch mechanisch fort. Auch der Musnait rudert manchmal unver-drossen den ganzen Tag liindurch, wenn er sich nur bisweilen durch etwas Pinang erfrischen kann, aber er arbeitet unregelmftssig; bald hort dieser bald jener ein wenig auf, weil bestiindig etwas am Ruder oder seiner Befestigung, am Sitz-platze u. s. w, zu thun ist. Qlaulit er indesseu günstigen Wind erwarten zu dürfen, so greift der Seranese nur sehr ungern zum Ruder, auch wenn jener ausbleibt und die Segel schlafl' herniederhiitigen; er versucht dann lieber eine zeitlang durch Pfeifen und Floten die gunstige Luftströmung herbeizurufen und ist sehr schwer von der Erfolglosigkeit seiner Anstrengungen zu überzeugen. Falls aber wirklich guter Segel wind eintritt, was ich leider auf meinen vielen Fahrten nur iiusserst selten erlebte, so geniesst der Musnait diese Zeit in vollen Zügen; der Steuer-mann (djurunmdï) singt ein Lied vor, und der Clior der Ruderer wiederholt die Strophen, selbstredend wieder unter Begleitung von Tifa und Gong.

Die Leute bedienen sich für die Orembai eines Euders, welches eigen tlich nicht auf Seran zu Hause ist, sondern von den üliassern stammt (Taf. 24, Fig. 2). An einen beliebigen, langen Stock, olme Handhabe, ist ein lang-rautenformiges, oben und unten ahgestutztes Brett mittelst Rottan befestigt. Es ist dies dadurch ge-schehen, dass das Brett mit einer Doppelreihe von Löchern versehen wnrde, welche der Lage nach den Aussenrandern des Stockes entsprecheu, und durch die man nun den Rottan kreuzweise hindurch- und um letzteren herumschlingt. Der grosseren Haltbarkeit wegen wird zwischen die Doppelreihe von Löchern noch der Stiel eines Palmblattes eingeschniirt, welcher somit dem an der Rüokseite befindlichen Stocke aufliegt. An einer Schlinge, deren unteres Pnde durch eine Oeffnung im Bootrande(r) gezogen und innen befestigt ist, wird ferner das Ruder lose aufge-hangen, oder, besser gesagt, es ist durch diese Schlinge hingesteckt, und die ganze, primitive Vorrichtung ist durchaus ungenügend, um beim Anziehen des Ruders einen lesten Stützpunkt zu gewahren, so dass viel unnütze Kraftvergeudung dabei statt findet.

Leute von Kaibobo sah ich spiiter für die Orembai Ruder benutzen, deren Schaufeln rund statt rautenförmig waren, welche im übrigen aber mit dem oben

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beschriebenen ganz übereinstimmten; die gewöhnliche Form der Euder dieser Gegend iat indeseen eine gtuizlich hievon abweichende (Taf. 24, Fig. 3). 8ie sind in Kaibobo 14ö cm. lang, beatelieu aus einer lanzettförmigen Schaufel mit rundlichem Stiele, welclier sammt jener aus Einem Stücke geschnitzt ist, sowie aus einer kurzen Krücke, die aufgesetzt und gleicb dem oberen Abschnitte des Stieles melirkantig abgescliabt svird. VViihrend des Ruderns halt die eine Hand das untere Ende des Stockes und umspannt die andere oben die Krücke, so dass also das Ruder völlig frei gehalten wird.

Die Fall rt en in einer Orembai sind in der Regel höchst unerquicklich. Bei Tag bietet die Kajüte mit iliren kleinen Fenstern keinen angenehmen Aufenthalt, so dass ich sie zu dieser Zeit auch fast nur bei eintretendein Regen aufzusuclien pflegte und mir in der Regel, so gut es eben geben wollte, einen Platz am Bug des Scbiffes, inmitten der Ruderer, verscliaflle; bei Nacht dagegen findet man auf den harten Holzbiinken nur nnvollkommene Ruhe, wenn es auch glücken mag, mit den übrigen Bewohnern des engen Raumes (in diesem Falie dem Posthalter und meinem Dolmetsch) unaugeuehme Berührungen zu vermeiden. Denn bestandig larmt einem über dem Kopfe die unertragliche Musik, deren Eintönigkeit micb bisweilen in eine rasende (Jnruhe versetzte, und bei Jedem Anziehen der Ruder wird man noch obendrein bin- und hergeschüttelt. Dennoch musste ich manche Nachtstunden in dem Fahrzeuge zubringen, da es ohne ihre Benutzung oftmals unmöglich gewesen ware, die Reise weiter fortzusetzen.

Dass icli über Tag die Orembai möglichst mied, ist leicht versliindlich; ich konnte das langsam hinkriechende Fahrzeug ohnehin nicht für die nabere Unter-suchung der Ufer benutzen, da mit ihm eine haufige Landung des flachen Küsten-saumes wegen unmöglich auszuführen war. So bediente ich mich denn zu diesem Zwecke einer gewöhnlichen, kleinen, inliindischen Prau, wahrend gleichzeitig ein grösseres Fahrzeug dieser Art meine Bagage mitführte; die Orembai spielle im wesentlichen nur die Rolle einer schwimmenden Station, von weloher aus die erfor-derlichen Excursionen unternommen werden konnten, und so wurde denn aucli meine Geduld nicht allzusehr auf die Probe gestellt, wenn ich sah, wie sie hübsch langsam, und aus Furcht vor dem Strome ') in unmittelbarer Nahe des Landes, einer alten Qrossmutter gleich vorwürts schlich, jeder der vielen Kreisbuchten des Ufers getreulich folgend, und immer unverdrossen mit demselben langweiligen Trommelschlag ihren gewichtigen Gang begleitend. Mit solchem Falirzeuge zu

1) Es giebt in dieson Gewiissern sehr krtiftigo Strömungon. Fn der Strasao von Kelang, zwischen dor gleichnamigon rnscl und Manipa, sail ich am 27ten April von Hord des „Arendquot; aus sogar starke Strudol, in denen Holzsliicke im K reise herumgedrehi warden.

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reisen erfordert Stuiupfsinn oder Eugelsgeduld; wer weder das eine noch das andere besitzt, der bleibe ihui niögliclist feme!

Laudaohaftlich ist die Pirubai von hober Schönbeit. Da sie last ringsberum, von Seran einerseits, von Ambon und den Uliassern andererseits, eingescblossen wird und sich sogar vom Strande Huamuals aus nocb die Bej-ge von Saparua erkennen lassen, so erbiilt man manebmal den Eindruek, als bet'iindo man sicb aut'einem riesigen Binnenmeere. Die Klippen, welclie an mancben Stellen die Ufer der Buclii umgeben, da fast allerorts die Berge nabe berantreten, sind nirgends von solcher Ausdebnung, dass sie nicbt bereita in kurzem Abstande von der Küste bedeu-tungslos erschienen, nnd nabezu ununterbroeben ziebt siidi vom Fusse bis zum Gipfel des öebirgslandes eine dichte Vegetationsdecke aufvviirts. In der Nabe zeigt dieselbe das saftigste Grün, aber mit allmabliger Abstufung siebt man diese Farbe in grösserem Abstande sicb in Blau verlieren, bis die fernsten Gipfel in zartestem Llimmelblau mit der Lull zusammenlliessen; dazwiscben alle möglichen Schattirungen bis zur Farbe des Indigo, bervorgerufen durcb tiefe Scblagschatten der über die Tbsiler binziebenden Wolken. Wenn es am Lande regnet, wiibrend draussen über dem Wasser klarer Sonnenscbein ausgegossen ist, lagern sicb in die Tbaleinschnitte des blauen Gebirgslandes binein grauweisse nnd weisse Wolkenmas-sen, miicbtigen Wattentufi'en abnlicb, und nicht selten erblickt man alsdann einen Regenbogen, welcher mit dem Fusse im Meere steht und sicb in vollster Farben-pracbt vom dunklen, satten Hintergrunde abliebt. Daim wieder sind die böcbsten Gipfel (vor allem diejenigen vou Ambon und das Küstengebirge, welches sicb auf Seran den Uliassern gegenüber befindet) durch eine dichte Wolkenkappe ver-scbleiert, und bei stiller Luft lagern sich bisweilen ausgedelmte Massen von Cumulus so au das Gebirge von Ambon, namentlicb an den Salhutu und Wavvani, so wie an die gauze Küste von Huamual bin, dass sie mit genau horizontaler F lach e naoh unten zu abschneiden, wahrend dariiber binaus noch wieder blaue Spitzen hervorragen. Diese Erscheinung, welclie durch die verschiedene Temperatur der Luftschichten leicbt erklarlich ist, war nicht selten so schart' ausgepragt, dass ich die untere, dem Meeresspiegel parallele Greuze der Wolkenscbicht zur rohen Ver-gleichung der Höhen verschiedener Gipfel verwenden konnte.

Das Meer erscheint in der Ferne stahlgrau bis blau, die seicbten Stellen um den Insein sind silbern mit grünlichem Schimmer; befindet man sich in der Niibe von I'ulü Kasa, so sielit man einen lichtgrünen Wasserstreifen von dort aus weit ins blaue Meer bineinziehen; die Insel selbst mit blendend weissem Sande am Ufer und mit lichtgrünen Oasuarinen bewachsen; ganz im Hintergrunde wieder ein duftiges Bergland. Dunkelblau ist das Wasser, wenn man zu Seiten des Schilfs

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an tieferen Stellen von oben hineinblickt, und da entdeckt man bei ruhigem Wetter unten zablreicbe, mit blauliohem oder lichtgriinem Glauze leuchtende Pünktchen, welcbe von kleinen, freiscbwimmeuden Tbieren ansgoben, und deren Licht man allmablicb erblassen sielit, wenn sie der Oberflacbe des Wassers zu nabe kommen. Hie und da scbwimmt eiu weisses iSegel am Horizonte, nabe der Küste, von kleinen, inlandiscben Falirzeugen beriiberblickend, den einzigen Zeugen menscblicber Existenz in diesen Gewassern.

Unmittelbar am Strande wachsen fast überall Korallenthiere, deren Bauten wegen ihrer hoben Schönbeit besonders von Ambon lier so lange bekannt sind; aber gewiss sind diese Seegarten (zeeluinen), wie man sie zu nennen ptiegt, ander Küste von Huamual nicht minder prachtig als an derjenigen von Ambon; mir will es fast scheinen, als übertrafen sie die Rifle von letztgenannter Insel sogar bei weitem, und so zablreicbe Korallenfelder icb audi in den Molukken gesehen (sie alle aufzuzablen würde zu ermüdend sein), so liaben doch keine einen so tiefen Eindruck auf micb gemacht wie diejenigen, welcbe Huamual nmgeben.

Wenn man am frülien Morgen, bevor noch ein Windbauch die Wasserflacbe kriluselt, in kleiner Fran langsam am üfer bingleitet, liegen diese Korallen-bauten in wunderbarer Schönbeit vor dem Auge ausgebreitet. lilickt man vom Bug aus vorwarts ins grünlicbe, krystallklare Wasser binein, so macbt es in Eolge der Lichtbrecbung selbstredeud den Eindruck, als ob der bunte, lormen-reicbe Boden nabe der Oberflacbe gelegen sei, und so scboint er denn beim Weiter-fabren einer Marcbcnwelt gleicb vor einem in die Tief'e zu sinken. Aber er versinkt nicht ganz; viele Meter weit siebt man deutlicb hinab, und da nimmt man alle die guten Bekannten unserer Sammlungen wabr, so dass olme jeglicbe Scbwierig-keit die Gattung, bei einzelnen, cbarakteristiscben Arten sogar die Species bestimmt werden kann; und machtige Stöcke, bisweilen bis 1 Meter im Durcbmesser, findet man darunter, so wie sie wobl selten nacli Europa gebracht werden dürften und mir bis jetzt noch nicht begegnet waren. Die Farbung des Wassers wird durch diejenige der Tbierwelt in maunigfaltiger Weise modificirt, sowie durch die Ver-tbeilung von Licht und Schatten zwischen den weissen, lichtgelben, granen, braunen, violetten und rothen Korallen und Alcyonarien. Man weiss nicht, was mebr be-wundern, die Farbenpracht oder den Reichtbum an Formen. Da wuchern die ge-waltigen, balbkugeligen Stöcke der Mamndrinen, die vielf'ach verzweigten, zu den grössten Arten gebörigen Maclreporcn, die blumenabnlicben TrachyphyUien, die blatt- und becberartigen Montiporen, die scblanken, elegant gebogenen Büscbel von Alcyonarien und so zablreicbe andere Formen. Und dazwischen glitzernde, bunte, vielfaltig gestreif'te, gefleckte oder audi einfarbige Fische, unter denen eine kleine meergrüne und vor allem eine andere, winzige Art auffallt, welcbe ganz und gar

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Mmmelblau gefarbt ist uud überall in Scharen vorkommt. Naliruug sucliend gleiten sie durcli die Tiuorbauteu bin oder sie fiücbten beim Anuiiliern des Bootes eiligst in deren Schutz.

Zerstreut zwiaclien d(iu Ivoralleutliiereii liegen viele Seesterne am Boden , wor-unter solebe von ansehnlicben Dimensionen nud mit lasurblauem Rücken; ebenso zablreicbe Musclieln, welcbe alle Eiuzelbeiten so dentlich erkennen lassen, dass man die bekannteren, grosseren Formen obne Mübe vom Boote ans bestimmt. Hier in der Pirubai, angeblicb bei Lokki, kommt aucli der geschatzte Conus f/loria-rnarift Chemn. voi', jene seltene Kegelschnecke, welcbe von den Sammlern mit bnnderten von Gulden bezablt wird, obwolil sie nur durcb zierliclie Zeicbnung, aber keineswegs durcb besondere Farbenpracht hervorragt; lediglicb die Sel-lenlieit macht ihren hohen Wertb, und in den Augen des Liebhabers aucli wobl zum Theil ihre grosse Schönheit, aus. Die Scbnecke scheint in der That nur sehr vereinzelt vorzukommen und lebt vlelleicht in grösserer Tiefe, wemigleich ilire Gattungsgenossen tïïr die Litoralzone charakteristisch siud und die Art sellist ge-legeutlich auf Rillen bei Niedrigwasser gefuuden ist (Pbilippinen); ich habe stunden-lang an manchen Tagen nach ihr ausgespaht und sie niemals entdeckt, so wenig wie ich sie anch unter den Muscheln antraf, welcbe überall gelegentlich von der einheimischen Bevölkerung gesammelt werden. Austern, die zum Theil bis an den kaum klaffenden Scbalenrand in den lvalllt; der Korallenbauten eingewachsen sind, entfalten bisweilen ein indigo- bis lasurblaues und bunt getüpfeltes Blatt (Mantel), welches sich den Falten der Schalen entsprechend krtiusell nnd einer lüuglicben, bunten Rosette gleicht; dann wieder liegen dunkelbraune, plumpe, walzenförmige llolothurien (Seegurken) in grosser Zahl am Boden — kurzum es zeigt sich dort ein ewiger, bunter Wechsel an Farben und Formen, und manchmal musste ich midi, eingedenk anderweitiger Aul'gaben, mit Gewalt von dem ('esselnden Bilde losreissen, welches hier, einer schonen Nixe gleich, vom Meeresgrunde aus ver-tïïhrerisch emporschaut, als mahute es einen, da hinabzusteigen.

Aber aucli au der Oberflacbe des Meeres regt sich thierisches Leben. üa scheint in einigem Ahstande das Wasser plötzlich durcb zablreicbe, kleine Wellen ge-krauselt, als oh allein an dieser Stelle ein Windhauch darüber hinfübre; beim Naherkommen gewahrt man, dass es Scharen kleiner, blinkender odermeergrüner Fische sind, die schwiinmend und springend unmittelbar au der Grenze des Wasser-spiegels ihren Weg verfolgen. Das kundige Auge des Fischers entdeckt die Tbiere, welcbe sich bisweilen in ungeheuren Mengen zusammenfinden, bereits aus grosser Feme, und in Wahaï sab ich, wie man sie boi solchen Gelegenheiten aus dem Meere auflangt. Eine Anzahl von Boten stellt sich zu diesem Zwecke in einer fortlaufenden Reihe nahe nebeneinander aui', dem Schwarme von Fisehen, dessen

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Bewegungsrichtung man deutlioh wahrnimnit, in den Weg, und erwartet nun die Thiere mit untergetauohten, weiten Schöpfnetzen, Avelcke beim Herankommen des Zuges emporgeholt werden. Bisweilen sind es auch Scharen grosser Fisohe, welclie Delphinen gleicli auf- und niedertauchen oder iiber dem Wasser Pur/.elbiiume sclila-geu und dieses aufwerfen, als ob es iin Meere brandete. Audi die Delphine zieken mitunter an una vorüber oder eilen dem Boote voraus, aut'und ab sicli tuminelnd; wenn sie in langer Ileihe hinter einander scliwimmen und bald hier bald dort ein krummer Rüoken au ft auch t, so erinnern sie an eine gewaltige Scblange, und ot't riefen sie mir die Fabel von der grossen Seeschlange ins Gedachtniss zurück. Nnr selten sonnt ein Krokodil unt'ern des Strandes seinen schildbedeckten Rücken im Meere; lautlos, und ohne die Rnhe des Wasserspiegels zu storen, tauchi es unter, sobald es die Nilhe von Menschen willert,

Unmittelbar am Ufer der Pirubai lünfahrend, gewahrt man zu alledem noch vielerorts pittoreske Felsmassen, die, ohne besonders hoch zu sein, doch einen eigenthümlichen Reiz besitzen. Vor allem gilt das von gehobenen Korallenkalken, welche fast stets dort angetroffeu werden, wo auch heute noch die Rifle am Strande fortwuchern, und die nun durch den Wellenschlag unterwaschen und mit abenteuerlichen Profillinien verseheu sind. Vielfacb stehen sie über die Wasserflache hervor und gestaltet sicli alsdann die erodirte und gehobene Hohlkehle zu einem hohen, gewölbeartigen Dache, wahrend das helle, an manchen Orteu fast kreide-weisse Gestein sich prachtig vom Meere und der üppigen Vegetation abbebt.

Von den Baumen, welche das Ufer einfassen, moge an dieser Stelle uur eiue einzelue Species erwillmt werden, der sogenannte Casuaribaum {Casuarina equinelifolia Forst,), welcher vielfach an sandigen Küsten von Seran und Burn angetroflen wird und hieselbst zu den am meisten charakteristischen l'flanzenarten gehort; in der Pirubai ist derselbe zwar im allgemeinen nicht haufig, aber auf l'ulu Kasa wiichst er in so grosser Menge, dass er aus diesem Grunde bei der Schilderung der weiten Meeres-bucht nicht fehlen darf. Der lichtgrüne, zierlich verzweigte Baum, welcher dort, wo er auftritt, auch in der Regel die herrschende Pflanzenform des Ufersaumes ist, gleicht wahrend seiner Jugend im Habitus einer Liirche; spater biegen sich die Aeste wie bei einer Trauerweide in eleganter Krümmung abwarts, und oftmals macht es den Eindruck, als waren sie ganz mid gar mit Moosbarten behangen; hin und wieder sieht man einzelue lange, dünne Zweige grosser Biiume schweifartig, einer au einem Ende losgelösten Guirlande gleicli, aus der ïïöhe herniederreichen. Am schönsten fand ich den Casuari bei Waëmaugi, au der Nordküste von Buru; am Waë Sitü, welcher bei Bara mündet, wiicbst er noch in grossen Mengen weit landeinwarts am Fusse des Gebirges.

Zahlreich bemerkt man in der Vegetation des Uferlandes Vogel, welche man

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Linie zwei Taubenarten zu erwahnen, Myrktieivora bicolor Sr.op. und Carpophaya negleda Schleg., die bisweilen sogar vom üoote aus erlegt werden konnten, und von denen erstere nucli auf Buru vorkommt, wiihrend IVir letztere aul' dieser Insel Cwrpopharja p'erspinUala Temm,, eino nur wenig verschiedene Art, an die Stelle tritt. Mjjristicivora hicolor, in den Samralungen der Musecn wohl immer verblichen, ist im Leben zart g-eblicbweisa, fast, lieht-eigelb, mit grauschwarzen Schwingen und ebenso gefdrbter Schwanzspitze, wilbrand sicb aucli noch ein schieferfarbener Streifen jederseits vom Schenkel bis zum Schwanze hinziebt; sie besitzt die Grosse unserer Flaustaube. Carpophaga negleda dagegen, minder haufig als die andere, ist etwa gleicb gross wie die Holztaube, bat, einen glanzenden, bliiulich-grünen Mantel und ist im ilbrigen grau gef'iirbt. Haufig ist ferner der scbieferblaue Zwergreiber, Demiegretla sacra (lm., welcher bier mit gelben Beinen vorkommt und sicb gerne an felsigen Uferstellcn auf'balt, sodaun, neben verschie-denen anderen Papageien, der weisse Kakadu mit oraugefarbigem Schopfe, ('acatna moluccensu Gm. Das possirliche Thier, mit seinem narrisch klingenden kaka 1),

sonst im tropischen Walde liekanntlicli uur sehr selten zn Gesicht bekommt, und manche von ihnen lieferten uns eine willkoinmene Jagdbeute. Da siad in erster

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Morkwiirdigcnvoiso hohaiiplot: l?il)l)c: „Die Vögol gobon nicht.... cinen Kakadu iihnlich klingenden Schrei von sichquot; (1. e. pag. I()5). Ich habo das aber so ol't gehort, dass iili dieser Angabe llibbe's ganz bostimmt wideraprechen dart'.

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fliegt schreiend davon, wenn es aufgestört wird, und kreischt gerade so, als ob es sich liierüber beklagen wolle; es liebt besonders die Kajuputi-Waldungen nahe der Küste, steigt aber bis'weilen hoch ins Gebirge hinauf, nnd selbst auf dem Gijifel des Batubua von Burn habe ich diesen Vogel noch wahrgenommen.

Buccros plicatus Feun., der grosse Pfeffervogel mit schwarzem Gefieder und weissem Schwanze, welcher ein abgeflachtes, mit Querfalten versehenes Horn auf dem Schnabel besitzt, kommt. in kleinen Trupps, vielleiclii bis zu 20 Stück, im Walde vor. Er wird auch hier „Jahrvogelquot; genannt, da man glaubt, dass er mit jedem Jahre eine neue Furche auf' dem Schnabel bekomme, bis zu sieben hin. Sein hartes Gefieder und die starken Schwungfedern verleiheu ibm einen schwer rauschenden Flug, woran man den Vogel im Walde auch dann zu erkennen vermag, wenn man ihn nicht sieht. Vereinzelt sitzt auch eine Wasserschnepfe am Uier des Meeres, darunter Tutanus und Numenim phaeoj)m halham., unser kleiner, europaeischer Brachvogel, welcher gleich jenem aus der palaearktischen Region einerseits nach Afrika andererseits nach den Sunda-Inseln und über Ja])aii nach den Molnkken zieht, endlich auch noch in Timor und Australien angetroffen wird. Obwohl der Vogel in den Tropen noch niemals briitend gefunden ist, bleibt er daselbst auffallender Weise doch manchmal das ganze ,lahr hindurch.

Die Fahrt ging am 19tun Februar zuuachst die wei te Ebene von Hatusua entlang; dann stiegen wir am östlichen Ufer der gebirgigen Landzunge von Kai-bobo, im innersten Winkel der dort befindlichen Bucht, an den Strand. Der Ort beisst Saduruë , und Leute von Kaibobo haben bier ihre Pflanzungen; doch liegt daselbst kein Dort'. Indessen war mir gesagt worden, dass unfern des Strandes Kolden anstiinden, und ein kurzer Gang auf einen der benachbarten Hügel bracbte midi alsbald an den Punkt, wo solche Schatze zu finden sein sollten. Leider waren aber die vermeintlichen Kolden nichts anderes als verschiedene dunkle, krystallinische Felsarten des archaeischen Gebirges, und ich lernte auf diese Weise zum ersten Male die ausserordentliche Unzuverlassigkeit von Angaben iibei' das Vorkommen nutzbarer Mineralien in solcben abgelegenen Gegenden kennen Diese Tbatsache, welcbe ich spiiterhin noch mehrfach bestatigt fand, kann an und für sicli ja kaum bedauerlich erscheinen, sie wird es aber durch den ümstand, dass leicbtgliiubige und spekulative Köpfe aui' Grand soldier vager Mittheilungen Con-cessionen für bergmiinnische Unternehmungen von der llegierung erbitten, und ich kenne einen Fall, in dem die erforderliche Erlaubniss auch ertheilt wurde, obwold in der betreffenden Gegend nicht mehr Garantie für die Anwesenheit abbauwürdi-ger Schichten bestand als an dem hier erwühnten Orte.

Kaum hatten wir am Nachmittage die Endigung der Landzunge von Kai-

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bobo, und soiuit des obeu erwahnteu, regensclieidenden Gebirgszuges, erreicht, als es auch bereits in Stromen vom Himmel heruiedergoss; nicht eiumal in der Kaiüte welclie man leider vergessen liatte, nocli mit Atapj) zvi doeken, landen wir ein trockenes Flecktdien, weil der schwere Regen durcli alle Ritzen des Daclies hindurchtröpfelte, und völlig durclinilsst laagten wir gegen 5 ülir naclimittags in Kaibobo an. Auf der Fahrt vou Hatusna nacb hier, welche nach Abzug des Aufentbaltes bei Saduruö 8| Stunden in Ansprueh nabm, lernte icdi soiuit sehon gleieh die Richtigkeit dessen kennen, was oben über die Vertheilung von Troeken-und llegenzeit an der Südküste von Kairatu mitgetheilt worden ist.

Kaiboüo liegt gegenüber Pülu Babi, auf'einem schmalen Ufersaume; demi bereits umnittelbar hinter dem Dorfe steigt das Gebirge steil bis über 200m. an, und aus dem Grase, welches mit Ausschluss jeglicher anderer Vegetation seine liöchsten Höhen bedeckt, sieht man schon vom Strande aus miiclitige Granitblöcke hervorstehen. Ain Landungsplatze ragt ausserdem nördlicli eine gewaltige, unge-scbicbtete, feinkörnige Kalksteinmasse empor, welche etwa 30 m. hocli ist und senkrec.lil nacti der Wassereeite ablalK ; die gegeniiberliegende, kleine Insel dagegen wird von einem 50—80 m. hohen, flachwelligen Hügellande gebildet und kenn-zeichnet sich genügend als ein nur obertlachlich von dem benachbarten Gebirgszuge Serans losgelöstes Bruchstiick. Denn die Strasse zwischen Kaibobo und J'ulu Babi macht tast den Eindruck eines unbedeutenden Flusses und ist so seicbt, dass ibr san-diger Boden zur Ebbezeit grösstentheils trockengelegt wird; nur eine sehr sohniale, etwa G m. tiefe Durchfahrt bleibt bei Niedrigwasser bestehen. Vom Strande des Ortes aus erblickt man das westliohe Ambon und einen Tlieil von Huamual.

Ein Austiug, welcher am 2Glon Februar auf die benachbarten, das Dorf über-ragenden Höhen unternommen wurde, envies sitdi als sehr lohnend, ila man von dort einen sehr weiten XJeberblick geniesst; sogar das Gebirgsland von Leitimor, Haruku und die Südwestspitze von Saparua sind sichtbar. Von einer Ebibepa ge-nannten Spitze aus, welche diesem Küstengebirge angebört und vom Strande ber in 1 Stunden zur erreichen ist (217 m. hocli), liegt audi eine ganze Relhe von Höhen des bei Kaibobo ana Meer stossenden Berglandes vor dem Auge ausgebrei-tet, und zwischen ihnen erscheinen die Buchten Serans, im Westen und Osten der Landzunge von Kaibobo, von diesem Punkte aus wie Binnenseen, weil man ibren Zusammenhang init dem otienen Meere niclit wahrniinmt. Stellenweise sind über die grasbedeckten Hange vereinzelte Kajuputibiinme zerstreut, eine Pflanze, der wir noch manchmal in Seran und Buru auf unfruchtbarem Boden begegnen werden, und in den schart' eingeschnittenen Wasserrissen, welche am halbmond-förmig begrenzten Gebirgswalle seewarts nach Kaibobo berablaufen, wüchat di Arengpalme. In Pflanzungen, die sicb in einem wreiten Thaleinschnitte nordwestlic

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vom Dorfe befinden, bemerkte ich ausser Pinang- und Sagupalmen noch Pisang, Brodbaume, Mangga und sogar Zuckerrobr.

Noob vor kurzem durf'ten die Bewohner von Kaibobo es nicbt wagen, alleiu und unbewaflhet, selljst, in uniuiltelbarer Niilie des Dories, in iliren Pilanzungen zu arbeiten, da sie besliindigen Antallen von seiten der Bergbewobner ausgesetzt waren; docb scbien zur Zeit meiner Anwesenbeit die Unsicberheit nicbt mebr so gross zu sein.

In der Frühe des 21lon Februar wurde um 7 Uhr die Raise langs der Küste, nach Piru bin, fortgesetzt, und da von jetzt ab Mufig anstebender Fels direkt ans Meer binantritt, so begann die Untersucbung mittelst der kleinen, inlandiscben Prau; dock steilte sicb alsbald beraus, dass biemit nocb weit grössere Scbwierigkeiten gepaart gingen, als icb anfangs geglaubt batte. Selbst mit einem so kleinen Fabrzeuge, in dein ausser zwei liuderern und mir selber nur noch zur Noth ein Diener und der Dolmetsch Platz landen, ist niimlicb das Landen au klippigen Uferstellen vielerorts unausfülirbar, weil die Brandling das Boot au den überall urubeiiiegen-den, losgelösten Blöcken zu zerschellen drobt, wabrend in anderen Fallen kaum unter dem Wasserspiegel verborgene, grobe Gerölle oder Korallenbauten die An-naherung au die Küste unmöglich machen. Da bleibt denn nichts anderes übrig, als aus der Prau zu steigen, um balb entkloidet und watend die letzte, of't nocb recbt lange Strecke bis zum Straude zurückzulegen, für einen Europaeer eine scbwere Aufgabe. Bald gleitet der Fuss von einem rundlichen Steine, auf dem man glaubte genügenden Halt zu finden, binunter in Tiefen, die lür den nocb bekleideten Oberkörper bedenklicb werden, bald ziebt man ihn von einem zackigen Steine oder Korallenstocke so eilig zurück, dass das Gleicbgewicbt des Körpers verloren geht; ist aber die Sache gut abgelaufen, und gelingt es, mit leidlicb trockenen Kleidern wieder ins Boot zu kommen, so scblagt vielleicbl bernach unversehens eine Welle über Bord, oder es erhebt sicb plötzlicb ein Windstoss, und im Handumdrehen setzt der liegen ein. Zur Orembai, die irgendwo in der Ferne herumtreibt, zurück-zukebren, ist nicbt immer möglich, und gescbiebt es, um die Kleidung zu wecb-seln, so wiederbolt sicb bisweilen nach kurzem dasselbe Sjiiel — bald verfügt man nicht mebr über trockenes Zeug und ergiebt man sicb dann, so gut es geben will, in das Unabanderliche der Lage.

Ueberrascht einen der Regen am Lande, so ist es allerdings im Heb ut ze der Vegetation und unter Zubilfenabme eines papiereuen Schirmes {pajong) wobl möglicb, sicb einigermaassen vor dem Durchnasstwerden zu bewahren, und oflmals suchte ich in solcben Augenblicken einen Zuflucbtsort unter der fast überall vorkom-mendeu Mangrove, deren Wurzeln nocb ubendrein einen bequemen Sitzplatz ge-wahrten, wabrend Einsiedlerkrebse, Muscheln und anderer Auswurf des Meeres

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für die Verkürzung der Zeit sorgten. Aufllillend war mir, dass die genannten Krelise haufig genau die Fürbuug der ilineu als Wolmung dienenden Seliale nacli-ahmten, wobei ihr Ausseres zwischen Roth, Olivengrün und Violett wechselte; doch iiifft die Uebereinstimmung keineswegs immer zu, wie ich beim Sammelii einer grosseren Anzalil von Objekten bald erfulir.

Main Dolmetseli war in der Brandung, welche das Bötchen nicht selten ei mui i Spielballe gleich bin- und herwarf, leider fast stets seekrank und dann so that-und energielos, wie man es eben nur, und auch gar nicht anders, von einem Ambonesen erwarteu kann, obwohl derselbe Mann mir sonst die grössten Dienste erwiesen bat. Er war von rein seranesischem Blute, geboren in Amahei, bedeckt mit Narben der Pockenkrankheit, welche bekanntlioh hier und auf den benach-barten Insein bisweilen in erschreckender Weise zu wüthen pllegt, und auf einem Auge erblindet. Christ und Schreiber an der Landeskasse von Ambon, war dieser I'. Kuhuwael genannte Mann von grösster Ordnung und Zuverlassigkeit, und obwohl icb denselben anfanglich nur als Dolmetsch angenommen hatte, überliess ich ihm spaterhin doch die ganze Anfsicbt iiber die Bagage sanunt den Instrumenten, und dies um so mehr, als icb selbst allmahlig lernte, mich mit den Dienern zu veratandigen. So ist er mir denn eine wesentliciie Stütze auf den Reisen in Seran gewesen, indem er mich überall bin begloitete, auch in Qegenden, in deneu es dem Posthalter nicht geheuer scheinen mochte, bis Kuhuwael schliesslicb nach der Durchquernng des Eilands durch schwere Krankbeit genötbigt wurde, nach Ambon zurückzukehren. Bootfabrten waren und blieben abor seine schwache Seite, und das musste icb auf der Rei se von Kaibobo nach Piru zunachst zu meiner nicht geringen Enttauschung erfabren.

Die Küste, welche sich im Inuern der Pirubai nördlich von Kaibobo an-nahernd in der Richtung A—S ausdehnt, wird von einem in der Eegel steil abfallenden Gebirg'e gel)ildet, dessen Höbe zwischen 50 und 200 m. scbwankt, in der Nühe des Uiers aber meistens 100 bis 150 m. betragen dürfte. Ein wenig süd-lich vom Flusse Etti ziebt sicb dieser Rücken landeinwürts, um sich westlicb von Piru wiederum mit demjenigen zu vereinigen, welcher als eine scbmale Brücke Huamual mit dem grosseren Theile von Seran verbindet; dazvvischeu dehnt sich am Meere eine Ebene aus, in welcher die Dörfer Puur, Sole und Etti gelegen sind und ausser dem Flusse Etti noch der Kolekole ausmündet.

Siidlich von der genannten, alluvialen Flache, welche reich an Morasten und Krokodilen ist, hat die Erosion tiefe Kreisbuchten in das Küstengebirge einge-scbnitten, die wiederum in ibrem Innern durch kleinere Buchten zertheilt sind, und in letzteren ist der Strand in der Regel sandig, reich an Mangrove und Pandanus. An den vorspringenden Zungen dagegen, deren Klippen vielfacb mit

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Polypodien bewachsen sind (Parne derjenigen Grruppe, zu welclier auch V. lAunaei Jiory gehort; an der Basis mit Mantelblattern, die verwelkten Eichblattern gleichen) tritt eine arcliaeische Formation in zahlreicben Aufschlüssen ans Meer heran, na-mentliclj an den beden tenderen Kaps, welche in der Richtung von Süd nach Nord die folgenden Namen tragen: Mart: a , Ta pan , Sisi und Tetunaten , das letztere unfern der Mündung des Etti gelegen.

Mit vieler Mühe landeten wir gegen 4 Uhr bei Pirü ; denn das Wasser ist daselbst am flachen Strande nngemein seiclit. Die Orembai hatte von 1 Uhr morgens an ihre Falirt bis liieher olme ünterbrecbung fortgesetzt. Wie gewölmlich fanden wir ein Unterkommen in der Wohivung des dortigen Dorfshauptes oder Regenten, nnd ich will hier gleich hinzufügen, dass man als Europaeer am Strande von Seran um eiu Nachtquartier nicht besorgt zu sein braucht, wenn es überhaupt nur gelingt, ein Dorf'zu erreichen. An der Südkiiste dieser Insel und avif Huamnal nahmen nns die Regenten stets sehr gastfreundlich auf, und an der Nordküste giebt es an vielen Orteu ein Logirhaus. Freilich ist manchmal nicht mehr als ein sehr primitives Gebilude vorhanden, in dem selbstredend das unbedeckte Erdreich die Flur bildet, und für die Bewirthung sorgt man am l)esten selbst, da die Leute kaum etwas besitzen und nur im allergünstigsten Falie etwas Reis mit Huhn oder Fisch anbieten können; aber man ist doch gut untergebracht und limiet einen geeigneten Schlafplatz. Immerhin dürfte lei/.terer olme weitere Herrichtung dem Europaeer nur in den seltensten Fallen ganz genügen, und thut man gut, selbst eine Matratze mitzubringeu oder, wie es mir am besten behagte, eine Hangematte zu benutzen.

Die ersten Stundeu nacli der Ankunft an einem solc-hen Orte gulten slets der Zubereitung der Mahlzeit, welcl)e trotz ihrer Einfachheit öfters die ungeheuerlichsten Umstiinde verursachte, weil der Gastherr docli auch gerne selbst etwas dazu bei-steuern wollle, und wir hiedurch in der Regel verhindert wurden , sogleich den Appetit an unseren eigenen Speisen zu stillen. Reis, den ich von Ainhou mitge-bracht hatte, da man ihn in Seran nicht kaufen kann, bildete dabei nebst einigen Conserven stets die Hauptschüssel, und dies Mahl wurde nicht selten mit grosser Ungeduld erwartet, da über Tag wahrend der Reisen und üntersuchungen au ein geregeltes und nur einigermaassen genügendes Essen kaum jemals gedacht werden konnte. Die kurzen Zeiten, welche ich bei den Posthaltern und anderen Beamten verbrachte, abgerechnet, erinnere ich mich nur sollen mit Ruhe und Genuss eine Speise zu mir genommen zu haben, bevor das Tagewerk vollbracht war; bis dahin mussten ein paar Zwiebacke, einige Pisangs oder dergleichen den Magen znfrie-den stellen, und das bedeutet eine nicht zu unterschatzende Schwierigkeit. Manchmal litt ich wegen ungenügender Nahrungsaufnahme an heftigen Kopfschmerzen;

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doch war es ulme Veruachlassigmig der gesteckten Arbeitsziele nicht möglich, hierin die erwünschte Aenderung zu bringen.

Von Piuu aus erblickt man im Südosten einen Theil des Gehirgea, welches die Ebene vcm Etti im Innern umgiebt, darunter den Manuala nnd .S' 1 '1° O den Küpanüü, welclier in flachen , langgestreckten Wellen allmahlig zum Tandjung Tbti -naten abiallt, ausserdem dies Kap selbst nnd Tj. Sisi. Letzteres steigt landein-wiirts ebenfalls zn einem niedrigen Gipfel an, welcher gleicli zwei anderen, bei Kaibobo gelegenen über die Landzunge von Tetunaten hin sichtbar wird; alle tragen deuselben Charakter, sind nahezn gleich hoch und repraesentireu sicli aus der Ferne wie kleine Kuppen. Jenseits vom Tj. Sisi schauen einzelne, niedrige Spitzen von Ambon herüber, und im Westen von Piru liegt der schmalste Theil von Huamual, ein 100—150 m. hohes Hügelland, welches flachwellig ist und mit sanft geneigten Gehangen an der Bai endigt, bedeckt mit Gras und dünner Kajuputiwaldung. Dann folgt etwas weiter südlich eine schrofl' abstürzende Höhe, die steilste an der ganzen Ostküste Klein-Serans, welche G. Naga heisst, weil das Volk ihr Profil mit demjenigen eines liegenden Drachen vergleicht. Der auf 250 m. geschatzte Gipfel soil mit einem anderen, unfern Etti befindlichen und iihnlich geformten, in ebelicher Verbinduug leben; bisweilen nahern sich die beiden Berge, welche Mann und Frau sind, und schrumpft dann die Brei te des zwischen-gelegenen Wassers ein.

Nach einer nasskalten, unter feuchter Decke zugebrachten Nacht schilften wir nns am 22,equot; Februar um 8 TJhr morgens wieder ein, um zunachst einen Ausflug auf die Höhen des schmalsten Theiles von Klein-Seran zu nnternehmen; demi es führt dort ein bequemer Fussweg quer über Land, welcher vielfach für die Verbindung mit Buano und der Nordküste Kairatu's benutzt wird, zur Vermeidnng der langen nnd nicht selteu gefahrvollen Reise um das Kap Sial hiu. Der Punkt, an dem dieser Pfad an der Piru bai beginnt, heisst Rüïn, derjenige, an dem er gegenüber Buano endigt, triigt den Namen Katania; doch befindet sich weder hier noch dort ein Dorf oder auch uur ein einzelstehendes Hans. Von Piru aus dauerte die Fahrt bis Euïn fast H Stunden; dann wurde der höohste Punkt des Weges (143 m.) in dem aus archaeischen Gesteinen aufgebauten Hügellande erstiegen und der Marsch noch bis dahin fortgesetzt, wo man einen instruktiven üeberblick über Buano geniesst. Indessen legte ich diese ganze Strecke spater nochmals zurück, als ich über Katania nach letztgenanntem Eilande reiste, und mogen deswegen die weiteren Einzelbeobachtungen in der betrefTenden Gegend an dieser Stelle über-gangen werden.

Eine gute Stunde Ruderns, entlang der Kuste von Huamual nach S zu, brack te

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una von Ruin aus zn einem Paukte, an dein sich immilielliai' nördlicli vom O. Nac;a_ und nur 50 Scliritt landeinwiirts eine kleine, beim Volke ala telaya bekannte Wasseransammlung befindet. Die Erwartungen, welche ich liieran auf Gruiul mir gemachter Mittheilnngen gekniipft, gingen leider nicht in Erfulluug; demi dieser „Seequot; ist nur ein unbedeutendes Binnengewasser, welches dnrch einen schmalen Kauai mit dem Meere in Verbindung steht; seine Ut'er sind gleieh deiu Strande an der Bai samlig und mit Mangrove bestanden ; als grösste Tiefe ergab sich 27 in.; die Lange schatzte ich auf 180 m., die Breite auf 120 m.

Bald wurde die Fahrt nach Lokki bin fortgeaetzt, und nachdem der G. Naga passirt war, lag vor uns zur Rechten die schildformige Masse des Grebirges, welches den mittleren und breitesten Theil von Klein-Serau bildet, um sicli ini Wauwangi bis zu etwa 500 m. zu erheben. Der genaunte Berg, kegelfürmig und mit abgeflachtem Gipfel, fallt allseitig mit sehr geringer Neigung ab, und an seinen Fuss lagert sich liings der Bai ein breiter, alluvialer Ufersaum, welcher sich bis nach Lokki hinzieht und mit ausgedehnten Saguwaldern bestanden ist. Die Regierung hat diese Anpflanzungen für reichlich 3000 Gulden einem Araher verpachtet, der nun die einzelnen Biiume wieder an Fremde verkauft. Ambonesen und vor allem audi Saparuanesen kommen hieher, um ibren Sagu zu bereiten, und schon in Piru liatte ich fremde Mohammedaner angetroften, welche sich dort zu gleichem Zwecke aufhielten.

Hin und wieder blickte ein Haus aus dem Ufergriine des niedrigen Latides zu uns heriiber oder verriethen aufsteigende Rauchsaulen die Anwesenheit der fremden Gaste. Inzwischen war es Abend geworden und segelten wir langsam die Kiiste eutlang siidwiirts, wiihrend Ambon einer blauen Mauer gleicb den Hintergrund abschloss und die Sonne mit prachtigem Abendroth von uns Abschied nahm; erst um 9 IJhr lagen wir, nach 5j-stündiger Fahrt vom Telaga aus, vor Lokki , woselbst mil Hilfe langer Bambusfackeln die Landung bewerkstelligt wurde.

Beim Prediger liirk/ioff, dem eiuzigen Beamten dieser Kategorie, welcher in Kairatu angestellt ist, fand ich freundliche Aufnahme und einen angenehmen Verbleib; denn das Dorf bildet einen erfreulichen Gegensatz zu den unansehnlichen Wohnstatten, die ich soust in dieser Abtheiluiig gesehen, und kann den Yergleicli mit ambonschen Negoreien in jeder Hinsicht aushalten. Schone, gerade und breite Wege, eingefasst von lebenden Hecken von Croton, ordentlicli gebaute Woh-nungen und eine ansehnliche, allerdings noch im Bau begriffene Kirche, dazu mancher Nutzbaum bei den Hausern, welche in freundlichem Grün gelegen sind — alles das lasst einen fast vergessen, dass man auf Serau ist. Von den 272 Ein-wohnern, welche Lokki zur Zeit meiner Anwesenheit ziihlte, waren audi mebr als zwei Urittel „Biirgerquot; im ambonschen Siiine.

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Feberall wo ich Geistliche aul' ineiuen Reisen autraf, l'rappirte micli auch die Ordnung', welche in den Dürfern herrschte, und ich bin geneigt, diese Leute liir die besten Förderer des materiellen Woldbefmdens der Bevölkernng' zu halten, olme über die geistliche Ausbildung ihrer Schiiler und Gemeindeinitglieder ein ürtheil fallen zu wollen. Leider giebt es bestiindig Zank und Lleibereien mit den Posthaltern, die den Predigern übergeordnet sind, olme aber, aus leicht ersicht-lichen Gründen, den gleichen Einfiuss aut'die Bevölkernng auszuiiben wie jene; das aber kraiikt die Eigenliebe der Posthalter in höchstem Maasse und giebt nun Anlass zu Eü'ersücliteleien der kleinlichsten Art, wie ich solche aus dein Munde der Erstgenanuten selbst mehrfach erfahren babe. Dass hiërarchische Bestrebungen ebenfalls manchen ünl'rieden erzeugen mogen , soil lüebei keineswegs in Abrede gestellt werden; staatliche und kirchliche Grewalt liegen hier eben schon in den ersten Stufen des Kulturlebens, bei ihren beiderseits übertriebenen Ansprüchen aut' Herrschaf't, mit einander in Streii.

Der nachste Tag (23 Febr.) wurde zu Peilungen verwendet, für die Lokki ausserordentlich giinstig gelegen ist, sowie zu kleineren Excursionen, liiugs des Btrandes nach A' zu und, durch verwahrloste Cacao-Pflanzungen Mn, eine Strecke weit landeinwiirts. Ueberall zeigte zicli dabei Q-rand, und in den Wasserrissen grober Scbotter, von Qneissen und krystallinischen Schiefern, welcher auch den Meeresboden weithin ptiastert, wahrend anstehender Fels erst in etwa 1| Wegstunden Abstand vom lifer vorkommen soil. Da ich indessen aus den Gerollen entnehmen durile, dass ein Hesuch des Gebirges kaum ein weiteres Interesse bieten könne, so wurde von einer Jieise dorthin abgesehen, und war ich vor allem bestrebt, die Namen einer Reihe von Gipfeln für die Anfertigung einer Uebersichtskarte niiher festzustellen. Das ist nicht so leicht, wie es einem Europaeer aul' den ersten Bliek erscheinen mag; denn die Leute kennen bisweilen jacht einmal für die in allernachster Nahe ihres Dorfes gelegenen Berge einen Namen, und man muss sich buten, dass sie einem nicht etwa aus Gefalligkeit und aus Furcht unhöfiich zu erscheinen falsche Be-zeichnungen angeben. So kostete es unter anderen eine gewaltige Mühe, den Namen des Wauwangi zu erfahren, obvvohl dieser ansehnliche Gipfel sich doch unmittelbar nördlich von Lokki erhebt und jedem Einwohner des Dorfes bekannt sein muss.

Die Kaferjagd war mit Hilfe der Schulkiuder an diesem Orte sehr ergiebig, und zu meiner grossen Freude erhielt ich liier auch einen schonen, schwarzen, mit orangefarbigen Querbandern versehenen Bockkiifer {Nemophan (Jrayii Fase.).

Zwischen Lokki und Lunu, wohin wir una am 24tcn Februar auf den Weg machten, tritl anatehendor Fels nur an Einem Punkte unmittelbar ans Meer binan, das ist in der Gegend des Tamuung Hat ij Kapal, so genannt, weil dort in einer

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geliobenen Bank yon Korallenkalk eine tiefe Hohlkehle ausgowasclien ist, welühe, in Verband mit der senkrecht fiber ibr ansteigenden und oben abgeflacbten Fols-masse, ein an einen Scbiffsbvig erinnerndes Profil bervorrull. In der ISucht, welche die Landzunge des genannten Kaps im Norden begrenzt, stehen Conglomerate an, und die steil abgebrocbenen Wiinde dieser Formation zeigen, soweit der Wellenscblag des Meeros reiclit, eine tief-rostbravine Verwitterungsrinde, welche die Leute mit Kupfer verglicben haben, und wonacb der betreffende Berg als Batu Tambaga (Kupferberg) bekannt ist. Selbstredend knüpften sicb bieran wieder grosse Erwar-tungen für bergmanniscben Abbau, und ich habe den Batu Tambaga von einem gebildeten Europaeer in Java allen Ernstes, auf Qrund so loser Geruchte bin, als den „grossen Erzbergquot; Serans bezeichnen horen.

Landschaftlich ist dieser Punkt sehr schön, denn die granen Felswiinde sind am Meere mit Farnen und weiter aufwarts mit dnrchsichtigem Kajupntigehölz bewachsen, welches von einigen in der Nahe angesiedelten Leuten zur Oelfabrika-tion ausgebeutet wurde, und dnrch losgelöste Blöcke bin, die zerstreut unfern des Uiers liegen, erblickt man den Wawani, weiterhin das östliche Ambon mit dem Salhntu. An vielen Stellen der Bai steigen in dem krystallklaren Wasser Blasen aufwarts, welche man trotz der nicht unbedeutenden Tiefe bis zur ürsprungs-stelle am Boden verfolgen kann, und deren vertikale, perlende Reihen den gleichen Eindrnck macben wie im Eise eingefrorene Blasen von Sumpfgas. Vermuthlich verdanken sie einer warmen Quelle ihre Entstehnng; doch liess sich dies nicht mit Sicherheit feststellen. Die Korallenkalke sieht man auch noch etwas landein-wiirts an dem Gehange des znm Batu Kai'al abfallenden Hügels liegen; südlich von hier traf ich sie spiiter in ausgedehnten Banken und bis zu betrachtlicher Höbe über den Meeresspiegel an, so namentlich in der weiteren Umgebung von Luim. Die Lage dieser jungen Bildungen, in Verband mit dentlich ausg'epragten Uferterrassen, beweist, dass Huamual gleich Ambon und den Uliassern noch vor geologisch kurzer Zeit eine ansehnliche Hebung über das Niveau der Pirubai er-fahren bat.

Selbstredend ist aber dies Ereigniss nicht in die allerjüngste Vergnngenheit unseres Geschlechts zu versetzen, zumal von ihm keinerlei historische IJeberliel'e-rnng besteht, und ich erwiibue dies deswegen, weil man eine Strandverschiebnng von vielleicht 25 ra. ans anderen, wie ich meine, nicht stichhaltigen Gründen angenommen hat. Anlass hiezu gab der Umstand, dass unfern der Spitze des Kaps Lauma, im Süden von Luhn, hoch im Dache einer gewölbeartigen, riesigen Hohlkehle Pfeile stecken, wonach der betreffende Fels jetzt Batu Pana genannt wird. Unter der Annahme, dass diese Pfeile bei einem kriegerischen Vorgange abge-schossen seien und nun unmöglich so weit ihr unmittelbar über dem Meeresspiegel

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befindliclies Ziel gefehlt liabeu köimten, dass sie in dun lockeren Korallenkalk au der Decke des Gewölbes gelangten, ist geschlossen worden, sie seien durch eine llebung des Landes in die jetzige, verhaltnissmassig hoho Ijage gerückt. Nnn bedarf es aber nur eines Jagdobjekts, uiu die Anwesenbeit der 1'finle an der betreflenden Stelle auch olme Zubilfenahme der besagten Hypothese zu erklaren, und ieh habe au ahulicheu Stellen des Ufers vou Buru eine iiverra geselien, ein Thier, welches mit Hilfe der Vegetation gelegentlicb wohl auch an das aus lockeren Korallenasten gebildete üach des Batu Pana hiuklettern könnte. Damit würde daim das liüthsel der etwa 25 m. hoch über dem Wasser steekenden l'feile aufgelöst sein.

Luhü ist von Lokki aus mit einer Prau in etwa 4 Stuuden zu erreichen; die ürembai gebrauchte datïïr indessen, nach Abzug eines jeden Aufenthaltes, nicht minder als 7.[ Stunden. Zwischen beiden Dörfern liegt noch manches Haus am üf'er des Meeres; aber es sind das keine festen Wohnsitze, sondern nur zeitweilige Niederlassungen von Leuten, welche sich monatelang von ihren Dörfern entiernen, um in den Pflanzungen zu arbeiten. Ueberhaupt befindet sich ausser Lokki und Luhu, sowie den mit letzterem unmittelbar zusammenhangenden Negoreien I i.a und IviiLOU, augenblicklich kein einziges Dort' mehr aui' Huamual, eine traurige Thatsache im Hinblick auf die dichte Bevölkerung des vor der Zeit der Ost-indischen Compagnie so blühenden Landes.

Luhu ist ein schmutziges, mohammedanisches Dorf, dessen Hiiuser au den Wegen durch Zaune von Gabba-gabba mit darüber angebrachtem, kleinem Atapp-dache eingef'asst sind, so wie man dies auch an der Nordküste von Hitu sehen kann. Es befindet sich daselbst ein verlassenes Fort, und in den Ortschaften Ha und Kulor , welche etwas freundlicher aussehen, sind die Wohnungen zum Tlieil aus Karang aufgemauert, der mit Kalk geglattet wird, wahrend Trittsteine von der auch in dieser (legend noch anstehenden, archaeischen Formation vor den Thüren liegen. Schon diese steinernen Mauern könnten uns darüber belehren, dass die Bevölkerung nicht mehr zu den Pata-siwa gehort. Aber auch die Be-wohner tragen ganz unverkennbar das Geprage der Dörtlinge von Hitu, und diese üebereinstimmung besteht nicht etwa lediglich in der Kleidung, sondern überhaupt im gesammten Typus der Bevölkerung und nicht minder ia ibrem Betragen. Da ist ijichts mehr von Zurückhaltung wabrzunehmen. Alles drangt sich bestandig in unsere Nahe, um stundenlang unter stumpfsinnigem, bestialischem Glotzen zu beobaohten, was wir treiben. Gleichgiltig gegen Freundlichkeit sowobl wie gegen Zorn sind diese Menschen höchstens durch Prügel zu vertreiben, und oflmals wenden die Kapalasoa's allzu unverschamten Burschen gegonüber dies Mittel an. Die schmutzige und zerrissene Gesellschaft ist auch in jeder Hinsicht unzuver-lassig, und die Kinder sind selbst gegen hohe Belohnung nicht zum Fangen vou

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Kafem zu bewegen — kumim , es ist eiue unertraglidie Bande, wolil geeignet aucli die grösste Geduld auf eine liarte Probe zu stellen, und das Einzige, was au diesem Orte meiu Interesse fesseln konnte, war ein mohammedanischer Tanz, den die Leute am Abende mir zu Ehren auffülirten.

Es war eiu lleihentanz, lüer menarie parisi genannt, an dem sich nur junge Manner und keine Madchen betheiligen. Die Tanzer trugen weisse Bein-kleider, darüber rothe und gelbe Sarongs, ferner weisse Jacken und silber-verzierte, meist kreuzweise über die jirust gelegte Scharpen, dazu in der Regel einon bunten Oürtel. Hire mit Flittern behangene Kopfbedeckung war turban-slhnlich oder aucli facberartig zusammengelegt; in jeder Hand trugen sie ein scbönes, meist durchbroclien gearbeitetes Taschentucb, ausserdem fülirten sie aber nocli eine Reihe anderer Dinge mit sich. Die meisten batten kleine, runde, bunt beklebte und an den Eandarn mit Federn verzierte Schilde, wie ich solche gele-gentlicb aucli aut' Saparua gesehen, und dazu ein gleichfalls au den Enden mit Federn geschmiicktes Siöckcben, womitjene angescblagen wurden. Andere trugen baumartig verzweigte, mit Buntpapier umw uudene Stiibe oder dolcliartige, elienso bekleidete Instrumente, wieder andere den beim Tjakalele auf den üliassern verwendeten, kleinen Schild, der aber eine bedeutende Wandelung erfabren und nur noch seine Grundform bewahrt batte.

Dieser Schild ist niimlicb mit weissem Papier beklebt, welches man mit roh gemalten , blauen und rothen Arabesken verziert bat, oder aucb einfacb mit Buntpapier bedeckt; sodann ist er an den Querseiten Yon Wurzelfasern eingefasst, die wie-derum mit weissen Sternchen beklebt wurden, und von denen einzelne an beiden Enden lang berunter hangen; oder es treten an Stelle der letzteren Oasuar-federn, an welche dann noch kleine Hühnerfedern angebunden sind. Alle Einzelheiten der Verzierungen zu beschreiben, kann aber weder bei den Schilden noch den übri-geo Instrumenten und der Kleidung von Interesse sein; denn es scheint damit zu geben wie mit dem deutschen Weihnachtshaume; jeder macht die Sacbe nach eigenem Geschmacke, und nur der Grundgedanke bleibt derselbe. Das zeigen auch schon die zwei Vortiinzer, welche bei den beiden Gruppen des doppelt zur Aut-führung gelangenden Reigens sehr verschieden, nur weit schoner als die übrigen Burschen gekleidet sind; sie tragen im Gegensatze zu der sonst baarfüssigen Gesellschaft, Sandalen und einen langen, mit einem Kranze von herabhangenden Casuarfedern verzierten, hölzernen Speer ').

Die Manner stellen sicli nun in zwei geraden Reihen so auf, dass je zwei gegenüberstehende Personen die gleichen Instrumente oder Zierrathe tragen und

1) Lanzen von Neu-Guinoa sind obenso verziert (vgl. Do (■lercq u. Schmeltz; Noderlandsch Nieuw Guinea p. 143, lal), 27, tig. 6).

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also eia Paar bilden. In der Gasse zwischen beiden Reilien btswegl siidi der Voi'tanzer mit seinem Speere; die iibrigen Leute bleiben am l'latze steben and fübren durcb Weudungen des Kürpers, Heben und Senken der Arme uud dergleicben mebr unbedeutende Figuren nacli dem Takte der Al us ik aus, wiibrend gleicb/.eitig die runden Schilde mit dem erwiihuten Stookoliën bienaob gesoblagen werden. Znr Begleitung dienen Rabana und Mote.

Die schon melirfacb erwabnte Eabana (Taf. 7, Fig. 2) ist eine thicbe, an den Seiten abgerundete Trommel von scliiisselahnlicher Gestalt uud in der Regel mit Ziegenfell bekleidet, welolie mit der Hand gesoblagen wird. Unten im Holzkasten befindet sioh ein weiter, kreisförmiger Ausscbnitt, und durcb diesen bringt man audi den Rottanstreifen binein, mit dessen Hilfe die Trommel gespannt wird, indem man ilin im Inuern zwischen Fell und Holzkasten am liande einklemmt.

Es war bescblossen worden, von Luhu aus (juer durcb Huamual zur West-küste zu gehen, um dann von dort aus die Reise mit der Orembai um das Kap Sial bin weiter fortzusetzen. Das Boot wurde deswegen nach Kamüello, dem Endziele unseres Weges au der jenseitigen Kiiste von Klein-Scran, vorausgesandl und der unbedeutende, schlecbt begebliare l'fad für meine Zwecke weiter barge-richtet, wobei ein Theil des Waldes auf der Höhe des Gebirges niedergebrannt werden musste. Inzwlsoben ge wan n ich noch Zeit, um am 25tün Februar die Unter-sucbung der Küste von Lubu aus weiter nacb S bin auszudelinen.

Das erste bedeutendere Kap im Süden von Luhu lieisst Ti. Saluku; dann folgt Tr. Lauma mit dem Baïu Pana, das Ziel meiner Küstenfabrt an dem genannten Tage. Es ergab sich, dass bis dortbin gehobene Korallenkalke eine weite Ver-breitung besitzen, indem sie vielerorts die ill teren Gesteine bis zu ansebnliober Höhe laudeinwarts bedeckeu. Diese Kalke tragen aucb viel zur Erhöliung des landsehaftliclien Reizes bei, und zur Mittagszeit, als sicli einmal ausuahmsweise Gelegenbeit zum Abkocben fand, verweilten wir an einem Punkte von ungewöhn-liclier Scbönbeit.

Es war ganz in der Niibe eines kleinen VVasserfalls, Waë 1'üti genannt, welcher ein wenig nördlioh vom Tj. Lauma, etwa 8m. hoob iiber Karang her-uieder, direkt ins Meer fiillt, und bei dem vorüberfabrende l'rauen genie in langen Bambusköobern ibren VVasservorratb einnehmen. Unmittelbar au dem wenige Scliritte breiten, sandigen Ufersaume steigen fast senkreebt kreideweisse Kalkwiinde hoch empor, mebrfach mit Höhlungen versehen, welebe dem Meere zugekebrt und mit Tropfsteinbildungen behangen sind, wiibrend ihr Inneres durcb dunkle Schlagscbatten einen schar ten Kontrast zu den liell leuchtenden Felsmassen bildet. Darüber liin kriechen l'flanzen, welche zum Theil als lockere Draperieen berab-

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liiuigeri and am Straude neigen sich anseliiiliolie Biiume iiber die platsohernden Wellen des ruhigeu Meeres; umgefallene Stamme und losgelüste Blöcke liegen darin, und dureh ila.s alles liindurch erblickl man das gegenüberliegende UferSerans. Sehnur-gerade steigt der llauch nnseres Feuers aut'wiirts, una dann langsam an densteilen Hangen emporzukriecbeii. Aber freilich — aul' der Eiickfahrt hiitten wir gerne diese i'riedlicbe Stille durch einen ert'risclienden Windhauch gestort geselien; denn die Hitze, der wir in den Nachmittagsstunden im offenen Nachen ausgesetzt waren, machte sich an diesem Tage noch unangenehmer als sonst bemerkbar. Nach drei-stündigem, ununterbrochenem Rudorn war indessen Luhu vom Tj. Lauma ans wieder erreicht.

26'quot;' Februar. Die Hahne, an denen jedes Dorf liier üherreich ist, begriissen das graue Dammerlicht des Morgens mit unendlichem Geschrei — eine gute Gresell-schaft zum Wecken, und da um 6 Uhr die Keise quer durch Huamual angetreten werden soli, so werfe ich micli rasch in die Kleider; eiligst Ohokolate und trockene Zwiebacke genommen und nach den Leuten gerufen — die natürlich wieder nicht da sind! Der Postbalter beginnt bereits zu scbimpfen und zu fiuchen wie ein Türke; indessen bringt der unfreiwillige Aufenthalt doch noch etwas Gutes, Briefe von Hause, welche mir von Ambon aus nachgeschickt waren; denn die Post wird durch einen Boten iiber den schmalsten Tbeil von Hitu nach Huamual gesandt, und geht von da aus mittelst Prau von llegenten zu Regenten l)is zum Post-halter von Hatusua, hernach um die 14 Tage auf demselben Wege zuriick, wobei die Regelmassigkeit ihres Eintreffens in erster Linie von der mehr oder minder grossen Eührigkeit ihrer Empfiinger aul' den einzelnen Stationen abhiingt. Amahei steht mit Saparua und von dort aus mit Ambon in Postverbindung.

Inzwischen sind audi die Triiger angelangt, eine larmende, zankende, schmut-zige und zerrissene Bande, deren unmittelbare Nahe alle meine Sinno auf das Empfindlichste beleidigt, und dies um so mebr, als sich zu all den iibrigen, zwei-felhaften Ausdünstungen der Personen noch der entsetzliche Geruch des Dnrian {Durio zibethims L.), gesellt, an dem siidi manche noch vor kurzem zu gute gethan haben.

Einem kleinen Thaleiusclmitte tblgend, welclier bei Luhu von Westen her aus dem Gebirge herabführt, seben wir schon nach wenigen Minuten Gehens zu beiden Seiten ein unbedeutendes Hügelland auftreten, und Stunde nach dem Verlassen des Ortes befindun wir uns am Fusse einer niedrigen, aber steilen Höhe, welche mir von den Leuten als Tome-tome Wem bezeichnet wird, da auf ihr tomc-tome genannte Biiume (Flacourtia inennis Roxb,, dessen Früchte gegessen werden) wachsen. Zur Linken lliesst das Ajek Makurü , welches wir bereits in der Ebene

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passirten und m «leiu wir jenseits des genannteu Qipfels noch mak b iuabsteigen, urn in seinem, mit groben Scliol.termassen bedeckten, 30 Sehritte breiten Bette eine Strecke weit aufwarts zn gehen. Alsbald fïïbrt daim der Weg wieder über zabl-reicbe, unbedeutende Bodenwellen bin, zuniicbst dnrcb Wald, unterlangsamerStei-gung, bernacb aber sebr steil auf' einen mit Kusukusn (Imperata amndinacra CytUl) bedeckten Gipfel der arcbaeiseben Formation binaui', welcber G, Menapelh beisst. Dies bedeutet „querquot;, und der Name findet seine Erklarnng darin, dass der Berg quer in dem beide Kiisten ven Huamual verbindenden Pfade gelegen ist. Gerade 4 Standen uach dem Aufbrucbe vou Lubu befanden wir uns aal' der 443 m. über den Meeresspiegel hervorragenden Höbe, von wo aus das Gebirge beiderseits, nacli W und O bin, abfdllt.

J)er Menapelb liegt in der Acbse des Klein-Seran aufbauenden Rückens, und die benachbarteu Gipfel in S und i\ zeigen im wesentlicben den gleichen Cbarakter, sind aucb nabezu von derselben Höbe; uur der Muralatetu, südlicb von Lubu, dürfte unaeren Staudpunkt noch um etwa 50 m. überragen. Da die Spitzen mit Gras bestanden sind und der dichte Wald erst et was weiter abwarts beginnt, so geniesst man von oben einen schonen Ausblick; beiderseits schaut das Meer berüber, darin im Westen Kelang und Mauipa, im Osten Ambon und die üliasser. Aber der Genuss der Landschaft ward uns dureb die fürchterlicbe Hitze in dem Kusukusu des Gipfels sebr wesentlich geschmalert; war es doch nicht mögli(di gewesen, beim Anstiege auf die Spitze das Aneroid, trotz sorgfaltigster Verpak-kung, auf weniger als 34,7° 0. zu balten, und es kostete viel Ueberwindung, dort aul der kablen Höhe um die Mittagszeit die erforderlicben Peilungen rubig und gewissenhaft zu verrichten.

Wir sind froh, als um 11 U. 35 M. der Abstieg beginnen kann. Es gebt über ein scbarfes Grat bin, welches senkreebt zur Gebirgsachse gerichtet ist, wabrend beiderseits, in A'und S, gleich sclimale Rücken zur Küste hinablaufen, die oflen-bar alle der Einwirkung der Erosion ilire Entstehung zu danken haben. Slellen-weise ist das Grat, auf dem wir binuntersteigen, nur 2—3 Scbritte breit, und weite Strecken fübrt der Pfad über raucbende und glimmende Baumstamme weg, weil die Vegetation bier zum Tbeil niedergebrannt worden ist. Dadurcli wird es möglicb, audi an den sonst dicht bewaldeten Stellen des Weges die Formationen zu überblicken, wahrend anderenorts die steilen Hange kaum bewacbsen und mit unend-liclien Mengen von Schotter bedeckt sind. Etwas weiter als lialbwegs zwisclien dem Gipfel des Menapele und der Küste ist eine besonders schwierige, aber nur kurze Strecke zu überwinden; denn es stellen sicli bier einige steile, rundlicbe Kuppen in den Weg, deren Eine auf einem kaum 2 Fuss breiten Pfade am Abbang passirt werden muss. Sie tragen den Namen Garuda Kbtjil {(jarnda Adler), Von

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dort gelit es dann selir steil zum Waü Tamua lununter, eiuem uufeni Kambello

ausmündenden Baclie, an dem wir um 2j Ulir aulangen, und wahrend wir ^ zuuaclist seiiiem Bette, darauf, über alluviale Ablagerungen bin, einem be-quemen Waldpfade l'olgen, befinden wir uns uacli einer weiteren balben Stunde

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ei

ë am Strande, etwas südlicb von dem nun

g bald erreichten Eeiseziele. Meine Beglei-

S ter versicberten micb, daas sie den gan-

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£ zen Weg von Luhu l)is nacb Kambello gt;Dquot; in drei Stunden zurücklegen könnten; icb balie aber dafür in Folge deiS viel-

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facben Anientbaltes nicht minder als ^ neun Stunden gebrauebt, und ziemlich ■js zerseblagen vun der ununterbroebenen ~ Arbeit lilngs des Weges kam icli in der

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-a Niederlassung an.

An Eube ist indessen noch nicht

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•| zu denken; denn Manipa und Ivi'.i.ang ')

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a lieifen vom Strande aus so scbarf um-

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J rissen und unbewölkt mir vor Augen,

^ dass es unverzeiblich gewesen sein würde,

§ die Gelegenbeit zur Aufnabme der Pro-c

„• fillinien ibrer Höben unbenutzt vorbeige-

aquot; hen zu lassen (sieh nebenstehende Zeich-

'Ja

nungen). Und interessant genug sind e- diese letzteren, nainentlich diejenige des Walain, welcher mit dem Lalola die -| böchsten Gipf'el a'on Kelang bildet, viel-3 leicht 800 m. bocb ist und so eigen-^ thümlich zerrissen, dass ich ihn derzeit nur mit Dolomitbergen vergleicben konnte; spater sab ich f'reilicli ahnliche Relie fibrin en nocb vielfacb in der Kalksteinlbrmation von Seran und Buru vor-

1) Kolangs Hevölkerung ist (lurch van Oudshoorn im Juhro 1650 nach .Manipa in den Beroich dor Fostung Wantrouw gebracht, so dass die Insnl augenblicklich nur noch liie und da von Fremden hesucht wird, aber keine dauemden Jiewolmor inehr besitzt.

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kommen. Weiter östlich erblickt man eine kleine, niedrige, aber ebenfalls ge-birg-ige Insel, welclie Pulu Babi heisst (gleicli dem kleinen Eilande bei Ivaibobo) und zwischen Kelaug nnd Hnamual gelegen ist, dann ein weit vorspringendes Kap des letzteren, genannt Tj. Ulatü, endlicli in allernaclistei' Niibe von Kambello, am nördlicben Ufer der dort befindliclien, weiten Kreisbuclit und vielleiclit in 10 Minuten erreiebbar, den Garuda Besar. Letzterer ist ein gewaltig scbarfgratiger, auf 250 m, geschützter Berg, welcber unmittelbar ans M eer stösst und in seinem Profile an den Garuda Kbtjil eriunert, weswegen aucli beide llölien den Namen eiues Adlerberges tragen.

An dem woblbekannten Orte') Kambello befindet sich augenblicklich kein Dorf, sondern nur eine zeitlicbe Niederlassung von Sulanesen, Ternatauen und Ti-doresen, welche hier Pflanzungen angelegt und, zerstreut in der Waldung des Ufers oder am Strande selbst, unansebnlicbe Wobnungen erricbtet baben. lm Schatten des überstebenden Dacbes eiues der grössten, auf Pfablen rubenden Hauser ist rascb eine robe Hok bank zusammengescblagen, und nicbl lange, so kocbt über dem Feuer der Reis, welcber nebst einigen untenvegs gescbossenen Papageien unsere Hauptmablzeit ausmacbt. Man erwarte indessen liier keine Scbil-derung culiiiarischer Genüsse; deun wodureb sich Papageienfleiscb von demjenigen des Pfeffervogels, einer Scbnepfe oder Taube unterscbeidet, babe ioli bei der man-gelbaften Art der Zubereitung niomals erfabren kunnen. Die Vogel warden niimlicb stets nur ein wenig gekocht und alsdann über dem Feuer geröstet, wobei sie ein ziemlich trockenea Fleisoh lieferten, dem jeder Woblgescbmack abging; aber den-noch zog ich solchen primitiven Braten den Conserven, welche einem sebr bald zuwider werden, vor, und so lange dazu noch Pisang erbaltlich ist, darf man über zu grosse Einfachheit des Mali les nicht klagen.

Nun bricht die Dunkelbeit herein; aber die Orembai, welche langst erwartet wurde, ist noch. immer nicht angelangt, und es feblt an Licht, da ich noch schreiben muss. Zwar erleuchten lange Fackeln den Wald hinreichend ringsumher; doch lilsst sich dabei nicht arbeiten, und so versuchen wir denn mil gutem Er-folge, uns selbst eine Lampe zu construiren; et was Wasser und Oocosol in ein Glas gethan, ein wenig Bauwolle in ein zum Schwimmer bergerichtetes Zweigstück gesteckt, und das Ding ist fertig.

Endlich erreicht ans weiter Ferne der Ton von Trommel und Gong unser Ohr; rascb eilen meine Leute ans Ufer, um dort ein grosses Feuer von dürren Palmblattern anzuzünden; denn sonst kann die Bemannung der Orembai uns nicht finden. Nun wird das Schiftquot; langsam sicbtbar, gespenstiach hebt es sicli vom dunklen

1) Friihor beland sich hier das in der ambonschcn Goacbirhto so wohl bckannto dorl' Kambello, welches luut dor lieborlioferung dor bodoutondsto Ort von Klein-Soran goweson sein soil.

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Nachtliiimiiel ab; nocli eine Weile, und die Ruderer kommen ans Ut'er. Sie waren durch Gegenwind und Strömung untemegs langer aufgehalteu, als sie erwartet hatten, und langten daher erst so spill an; denn oftmals miissen die Leute bei ungiinstigem Stroma umkelireu, und nicht selten treiben sie ab, selbst wenn sie sicli in unmittelbarer Niihe des Ufers halten.

Bald darauf bin icli sammt Posthalter und Dolmetscb wieder an Bord, und richten wir uns daselbst, so gut es gelit, zur Nachtruhe ein; das Boot wiegt uns in Schlaf; nur die anrauschenden Wellen unterbreclien die Stille. — Und wieder wird es Morgen; der kühle Wind und die starke Brandung haben uns geweckt; wir kehren mit Tagesgrauen nocli eben an den Strand zurück, um dort bequemer Wiiscbe lialten und friihstücken zu kunnen, kochen im Voraus für den Mittag ab und setzeu dann die Reise weiter fort.

Es ging sell on gegen ^ Uhr, als wir am Morgen des 27lcn Februar zum Tani),ting Sial aufbrachen, ich selbst wieder in einer kleinen Flügelprau, welche ich von den Sulanesen in Kambello erhielt. Letztere leisteten audi die Euderdienste, batten sich aber gleichzeitig für die Fischjagd mit einem Wurfspeere ausgeriistet, da sie keine Lebensmittel besassen, als sie die Fahrt antraten — eine gewölinliche Erscheinung bei den Bingeborenen, welche immer oline Vorsorge nur von der Hand in den Mund leben. Dor erwalinte Speer, den ich noch mebrfach an der Küste Serans angetroffen babe, besitzt drei in einer Ebene gelegene, kurze Zinken, welche je einen einzelnen Widerhaken tragen, und von denen die beiden aussersten etwas ein-wilrts gebogen sind, wobei sicli dann die Haken gleichzeitig nacb innen kehren; die ruittlere Zinke ist gerade und fa]It, in die Verliingerung des Schaftes').

Es ist erstannlicli zu seben, wie diese Leute scbon aus grosser Feme die Fiscbe im Wasser bemerken; doch wollte der Wurf niemals gelingen, was icb dem Umstande zuscbreibe, dass sicli die Sulanesen nur sebr beilaufig mit der Jagd bescbilftigen durften, nm nicht zu weit vom Kurs abzuweichen und das Ruder niclit zu oft aus der Hand zu lassen. Das Ausspiihen nacb Beute nalim mir sclion obnebin zu viel Zeit in Anspruch, und so balfen wir denn den um ibren Mund-vorratb sebr besorgten Lenten lieber mit unsern eigenen Mitteln aus.

Das Gebirge tritt in dieser Gegend überall unmittelbar ans Ufer binan, und ausgedelmte Bilnke von Rollsteinen lagern sich an seinen Fuss, um sich bis weit ins Meer fortzusetzen und Zeugniss von der gewaltigen Zerstörung abzulegen, der die Westküste unter dem Andrange der Wellen ausgesetzt ist. Diese Gerülle, welclie zur Zeit der Ebbe anf grosse Strecken bin blossgelegt werden, haben na-

1) Aohnlich, nur ohne Widerhaken an der mittleren Zinke, von Kon (Neu-Gninea) beschrieben. Vgl. De Clercq u. Schmeltz 1. e. pag. 105, lab. 27, lig. 1.

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mentlioh an einem Tj. Tawano genannten Vorsprunge, etwas südlich von Kaïn-bello, eiiie ausserordentliche Ausdelmung erlangt. Dennocli ist aber das Uter nicht reieli an kalden Felswanden, da nach erfolgtem Abbruche von Gesteinsmassen die Vegetation zu rasch wieder Fuss fasst, nnd um so uielir lallt aus dieseui (Irunde eine nocli weiter südlich gelegene Klippe auf, welche als Batu Lobang oder „Löcherfelsquot; bekannt ist.

Es ist dies eine etwa 15 na. liohe, mauerartig ins Meer vorspringende Fels-masse, welche haukartige Absonderung zeigt und nach Westen treppenformig zum Oceaue abfallt. Unmittelbar über dem Meere grabt sich das Wasser an der Nordseite eine Hohlkehle ins Qestein, und aufwarts befinden sich, einige Meter lioch über dem Zeespiegel, drei grosse Oeffnungen, welclie der Klippe den Namen gegeben baben. Wie die niibere Untersuclmng lebrte, verdanken aucli diese Löcber ilire Entstehimg der Erosion des Meeres, welches die Mauer zum Theil durch-gewaschen bat; denn sie geboren einer alten, gehobenen Strandlinie an. Von der Südseite her kann man zu den Oeffnungen des Felsens emporsteigen, mul blickt man alsdann wie über die Brüstvmg eines alten Burgfensters nach A bin auf eine prachtige Landschaft. Die vielen, einspringenden Buchten Serans, begrenzt durch ein unmittelbar vom Meere aus ansteigendes, grünes Gebirgsland, runden sich in dem felsigen Rahmen zu einem vortrefflich geschlossenen Bilde ab, welches in leichter zugünglichen Landern gewiss als Sebenswürdigkeit ersten Ranges eiuen Strom von Menschen herbeilocken würde.

Nach weiteren i| Stunden Iluderns gelangen wir vom Batu Lobang aus zu einer kleinen, alluvialen Flache, der ersten, welche seit Kambello am Uier zu sehen war. Diese Gggend heisst Ei.li; es liegt aber auch hier kein Dorf. Gleich südlich von ihr erhebt sich der Makanopa, der mit 45° Neigung zum Meere ab-fiillt, und an dessen Fuss eine bobe Gesteinswand in steilen Abstürzen ent-blösst ist, das Tandjüng Makanopa. Letzteres stösst mit breiter Front ans Wasser, welches hier reich an Klippen ist, und da die See sehr hoch ging, wieder-holt Wellen ins kleine Fahrzeuü' schluffen uud mich bald bis auf die Haut

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durchnassten, au Landung vorlilufig auch nicht zu denken war, ebensowenig wie an das Verrichten irgendwelcher Arbeit vom Boete aus, so kehrte icb für kurze Zeil in die Orembai zurück. Denn ausnahmsweise befand sich diese, durch günstigen Strom und Wind getrieben, in allernachster Nahe, und konnte der Uebergang von dem einen schwankenden Fabrzeuge ins andere nach einigen vergeblichen Versuchen schliesslich doch bewerkstelligt werden. Noch eine Zeit lang halten steile, bis zu 40 m. bobe Abstürze am Ufer an, und 1| Stunde liuderns von Elli ent-fernt befinden wir uns am Tandjüng Mum (— Mund), dem Ende einer Kreis-bucht, au deren Südspitze früber ein Dorf gelegen haben soli. Man sagte mir, dass

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daselbst au I' einem vorspringenden Felsen, welclier noch den Namen Missigit Lama (allo Mosc-liee) trilgt, ein moUammedanisches Gotteshaus stand, welches diirch die See verniohtet wurde.

Nun verllaclit slcli die Küste, und ausgedelinte Ablagerungen vou gehobenem Korallenlcalke beglelten das Ufer, vielfacli unterwaschen und xnit Höhlungen ver-sehen. In einer derselben , au einer Stelle, wo eine Lücke im felsigen Ufersaume zu landen gestattete, traf ich die primitivste Wolmstatte, welclie ich jemals gesehen; denn sie bestand lediglich in dem überliangenden Dache des gelbgrauen, abenteuerlich ausgewascheneu Kalksteins. Im Innern der wenige Schritte tiefen Höhle befmdet sich au der Brde eine mit zerklopftem Bambus bedeckte Lagerstatte; nahe dem Eingange ist über der Feuerstatte ein rohes Genist mit Qitterwerk aus Zweigen /aim Trocknen aiifgebaut; unler der rauchgeschwiirzten Decke hangen an Stöcken einige gelbliche Maiskolben. Ausserdem findet sich noch ein Blatterkorb mit etwas Sagu, ein wenig getrockneter Fisch und ein Bambusrobr mit Wasser; über das Meer hinaus hangen ferner an Strauchern Sebildkrötenpanzer zum Trocknen; denn der Bewobner dieser ïïühle heschaftigt sich mit dem Sammeln von Schildkrot, Es ist ein hagerer Alter, mit greisem Schnurr- und Kinnbart, selbst-redend nur mit Kopf- und Lendentuch bekleidet, wehdier dort rubig auf den Hacken vor seiner Beliausung hoekt und durch niohts seine Verwunderung darüber zu erkennen giebt, dass hier plötzlich ein Weisser zu ihm ans Land steigt. Er hleibt so unheweglich sitzen, dass ich nicht nöthig liabe, ihn beim Pbotographiren zur Uuhe zu ermabnen, und gleicbgiiltig, wie er uns kommen sah, beobaebtet er auch wieder unseren Fortgang.

Noch mehrfach zeigeu flöblungen im Karang des Strandes Spuren früherer Benutzung, und der Oharakter der Küste hleibt anfangs unverandert, bis wir in der unmittelbaren Nahe des Tandjung Sial einen langen, schmalen und sandigen Ufersaum treilen, vind da es bereits vorbei 5 Uhr abends ist, so wird beschlossen, hier den Anker ausmwerfen. Gerade im Osten liegt landeinwarts ein etwa 200 m. hober, flacher und mit steilen Wanden nach S und IF abfallender Gipfel, ganz unverkennbar eine gehobene Uferterrasse; an ihn scbliesst sicli ein Hiigelland, welches zum Kap bin ganz allmahlig an ïïöhe abnimmt und am Tj, Sial selbst nur noch 20 m. über den Meeresspiegel bervorragt. Dahinter befindet sich das südwestlicbe Ende von Ambon, dessen ilusserster Punkt in 5 3° O siclit-bar ist, und endlich folgen noch etwas weiter westlich die drei kleinen Eilande Pulu Tica.

Auf der ganzen Eeise von Kambello bis hieher batten wir kein einziges Haus gesehen, nur bemerkten wir in der Nahe des Batu Lobang Qerüste von kleinen, verlassenen Hutten, welclie, wie man mir sagte, zeitweilig .von Alfuren der Nord-

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küste bewolint gewesen; doiui diese Leute kommen des Fischfangs wegen auch an die Westküste von Huamual.

Wie am vorigen Tage, so diente uus heute wiederum das Ufer znm kurzen Verbloibe, die Orembai zur Schlafstatte, und als icli am Abende vom Bug aus noch einen Bliek aufs Wasser warf, überrasohte micli das Glitzern über dem Korallenriffe so sebr, dass icli anfangs glaubte, es sei der Keflex von Sternen im Meere. Aber oben am Hitnmel verbüllten die Wolken jedes Licht, wiilireud mir zu Füssen ein anderer, von der T hi er welt herrührender Sternenteppich ausgebreitet lag, in dem die leuchtenden, wie Diamanten blitzenden und funkelnden Punkte in bestandiger Bevvegung beg riffen waren.

Der 28(e Februar brachte uns in der Frühe einen starken Westwind; die Luft war dick, die Ferne ganz verschleiert, und wenn wir das Tandjung Sial (= Un-glückskap) noch passiren wollten, so war Eile von nöthen; demi die Fahrt um diese Südspitze Serans ist bei schlechtem Wetter sebr gefalirlich. Uuter Regen bracken wir kurz nacli 7 Ubr auf; aber kaum waren wir einige Minuten gerudert, als das Sclüff in unmittelbarer Nühe des Kaps trotz grösster Anstrengung der Musnaits keinen Fussbreit mebr weiter wollte. Wir befanden uns ganz nahe dem Ufer; die Felsen stürzen hier wieder steil ab, sind blauscbwarz und macben durebaus den Eindruck von vulkaniscben Scblacken und Schuttanluiufungen; in der Hocbwasserlinie ziebt sich an ibnen eiu grauer, von angewachsenen Thieren berrübrender Streifen bin, und darunter wird die Fiirbung des Gesteins kupferrotb. Das Fabrwasser ist hier im Westen der Südspitze noch tief; erst au ihrem ausser-sten Ende liegen viele Klippen im Meere.

Fast übermenscblich sind die Anstrengungen der Ru der er, welcbe sich gegen-seitig durch Zurufe anfeuern oder einander Lassigkeit vorwerfen: aber fast .j, Stunde lang kommen wir keine Handbreit vorwÉirts, und wir beschliessen schon tast, wieder umzukehren; da kommt endlich ein gunstiger Augenblick, und dieser kurze Moment, in dem die Leute Fortgang bemerken, giebt ibnen selbst nochmals Muth und dop-pelte Kraft — mit wildem Jauchzen und Kreischen wird kurz vor 8 Ubr die Spitze des Kaps umfahren, und mit einem Male befinden wir uns an der Ost-küste in ganz rubigem Wasser; demi Tandjung Sial spitzt sich so scharf nach S zu, dass der Uebergang von seiner West- zur Ostküste in wenigen Minuten verlauft, und ich batte fast das Gefübl, als oh mir traumte, als plötzlich die wilde Brandling hinter uns lag und das Meer sich an der Seite der Pirubai sofort glattete, so dass hier audi die Untersuchung der Küste mittelst kleiner Prau wieder aufgenommen werden konnte.

Alsbald treten am Ufer wieder gehobene Korallenkalke auf; doch wechselt

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das jungeniptive, die Spilze des Raps büdende Gestein mehrfach mit ilmen ab, bis die Karaugformation in der liefen Bucht, südlich von dem mis bereits bekann-teu Tj. Lav ma eine bedeuteudere Eutwic.kluug erlangt und landeinwarts verschie-dene, über einander gelegene Terrassen zeigt. Die Südgrenze der erwabnteu Bai wird vorn Tandjüng Hatamata gebildet, in dessen Niihe icb wiederum von Men-scben bewobnle Grotten sali. Dem Tj, Lauma mit dem Batv Pana sowie dem Waü Pvïi wurde noehmals ein kurzer Besuch gebracht; es bot sicb aucli noch mancherlei Gelegenheit zur Aufüllung der früher in dieser Gegend gemachten Notizen, ausserdem hielt die Jagd uns bisweilen auf, und so langten wir denn erst gegen Dunkelheit wieder in Lvuv an, woselbst man sich unseretwegen schon Sorgen gemacltt batte.

Am 29fun Pebruar kehrten wir von dort aus direkt nach Hatnsua zurück, nacb-dem wir noch erst einen kurzen Besucli an Bord eines makassarischen padeivakan gebracht. Die Makassaren, diese Juden des Indiscben Archipels, versorgen nam-lich audi die Molukken mit allen erdenklicben Erzeugnissen der Kultur; sie brin-gen an die entlegensten Kusten Zeugstofle, Sandalen, gestickte Pantoffeln, Zier-rathe, Körbe, Kupferdraht zum Fischen u. dgl. m., sogar einzebie Spielsachen, und es thut sicb zu solchem Zwecke immer eine grosse Zahl von Handlern zu-sammen, welclie zwar alle auf demselhen Schiti'e fabren, aber jeder für sicb ihre Geschafte machen und nur für den Verbleib an Bord eine Miethe entrichten.

Kurz nach 7 übr wurde aufgebrocben, indem wir zunachst nach A' zum Batu Kapal ruderten und von dort direkt auf Puin Kasa anbielten. Zu arbeiteu gab es für micb wahrenddessen selbstredend nicht viel; aber gerne benutzte icb solche Gelegenheit, um nocli dies und jenes von den Ruderern und. anderen Begleitern zu erfahren. Das Fragen musste indessen bald wieder eingestellt werden; denn, wie icb es schon so oft bei meineu Praufahrten erlebt, so audi hier: richtet man sicb an Eine Person, so halten alle anderen gleicli dieser mit ibrer Arbeit inne, und das Boot kormut nicht aus der Stelle. Das Rudern aber war unerlasslich, deun der mit Bestimmtbeit erwartete West wind blieb wieder einmal aus, und spiegelglatt lag die See da. Wie oft waren wir schon in solcher Weise getauscht worden!

Endlicb, um 11 11. 35 M., waren wir am Ufer von Pvla Kasa, woselbst gelandet wurde, um abzukocben und zu baden; denn an seinem flachen, sandigen Strande brauchte man weder Haifische noch Krokodile zu fürchten, und nachdem icb au anderen Tagen so oft unter der Obbut der Eingehorenen ein Bad genom-men, gewahrte es doppelten Genuss, sich an dieser Stelle frei im Wasser tum-meln zu köunen. Freilich wurde die ersehnte Erfrischung durch die fürcbterlicbe ilitze, welclie der blendendweisse Strand ausstrahlte, sebr wesentlicb beeintriichtigt.

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Ich fand daselbst Mengen von Bimstein, welche toii der grossen Eruption des Krakatau im Jalire 1883 herrührten, nnd wenngleich ich dasselbe Gestein nocli an selir zalilreichen anderen Orten der von mir bereisten Küsten antraf (zu zablreich, um hier einzeln aufgezahlt zu werden), so habe ich es doch nirgends in solcher Masse beobachtet wie auf Pulu Kasa. An dem Strande von Porto auf Saparua sollen diese Auswürllinge etwa 16 Tage nach dem Ausbruche des Beiges eingetroffen sein. Die kleine Insel ist unbewohnt, da ihr das Trinkwasser fehlt; nur bin und wieder kommen auf kurze Zeit Leute bieher, um zu fischen oder Eier des Megapodïus Wallacei zu suchen.

Als wir nach einer Stunde Aufenthalt wieder von dem Eilande aufbrachen, erhob sich glüoklicherweise etwas gunstiger Wind. Der Steuermann warnte nun davor, die Ruder so hinzulegen, dass ihr unteres Ende der Eichtnng, aus welcher die Luftströmung kam, zugekehrt sei, da daim Gegenwind eintrilte, und glück-lich langte unser Fahrzeug nach Verlauf von vier Stunden wieder bei Hatusua an, welches wir vor 10 Tagen verlassen.

4. EEISE NACH HONITETU.

II onitetu liegt im Innern der Abtheilung Kaihatü, nördlich von dem mil ihr gleicbnamigen Dorfe an der Südküste, und wird von Alfuren bewohnt, welche zu den gefürohtetsten Kopfjiigern Serans geboren. Ausser einer militairischen Expedition, welche 1805 hindurchzog, nachdem das Dort'im Jabre 1860 erobert worden1), batte meines Wissens noch niemals ein Europaeer das betreffende Gebiet betreten, und noch im Jalire '88 liess der Ilauptling von Honitetu eineu Saniri-Boten des Residenten am Strande, in unmittelbarer Nühe von Hatusua, ohne weiteres erschiessen. Zwei Jabre spüter unterwarf sich derselbe zwar formell der niederlündischen Regierung und erhielt er gleich dem ihm untergebenen Hiiuptlinge von Rumatita den Stock mit silbernem Knopte als Abzeicben seiner Würde sowie eine bunte Phan-tasiekleidung nebst Fahne; der Autforderung, sich mit seinen Leuten am Strande anzusiedeln oder mindestens eine Anzabl von Hiiusern daselbst zu errichten, weigerte sich der Hauptling von Honitetu aber energisch zu entsprechen, wührend derjenige von Rumatita ihr durch das Bauen einiger AVobnungen in der NegoreiKairatu nachkam. Die übrigen zum Lande Honitetu gehürigen Dörfer blieben gleich ihrem angesehen-

1

Die Bowohner von Honitetu stecktcn selbst ihr I)orf in Brand, als sie die starlto, feindlicho Macht kommen sahen; dann fliichtoten sie. AVer die Heschreibuti^ solcher militaiiischer K.xpoditionen liest, kann sich wohl kaum dos Eindrucks crwehren, dass die durch sic crreichten Kesultate den aufgcwandtca Miihen schwerlich entsprechen (vgl. van Hees, de Pionuiers pag. 13li).

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sten Oberhaupte im Gebirge, und man sagt, dass die Abneigung gegen die Küste ihren Grund in der Furcbt vor den Ternatanen habe; denn in den Jabren '58, '60 und '65 bat die niederlaudisebe Eegierung Alfuren von Halmabera gegen die Seranesen zu Ililfe gerufen1), und diese mussen auf der Insel in scbreckliclier Weise gebaust baben. Scliwerlicb dürfte aber bierin die einzige Ursaclie gelegen sein, wesvvegen die Bergbewobner nicbt ans iMeer zieben ^Yollen2); ist es docb sebr verstiindlicb, dass sie die AVaider des Innern lieben, well sie iu ibnen aul'wacbsen, dort ibre l'llan/.ungen liaben, der Jagd bequemer nacbgeben und vielleicbt aucb vor stammverwandten Feinden sicb besser scbützen können. Zudem gebeu sie sicb am Strande völlig in die Uande der Eegierung, wie diese es wünscbt, den Alfuren des Innern aber keineswegs behagen kann; denn tbat-sacblicb vermag ibnen im Gebirge niemand erbeblichen Scbaden zuzufügen, wenn mau nicbt eben wiederum die Ternatanen auf sie loslassen will. Es wird aucb scliwerlicli in absebbarer Zeit dabin kommen, dass irgend eiue europaeisclie Macbt einen anderen als rein formellen Einfluss auf die Eergbewohner des westlicben Serans erlangt, und man darf frob sein, wenn es gelingt, die Kopfjagden in den Strand-dörfern zu unterdrücken oder aucb uur einzuscbranken.

Es war nun sclion seit geraumer Zeit das Vorhaben des Postbalters Pieters von Hatusua gewesen, niiliere Beziebungen zu den Leuten von Honitetu zu sucben, was er am besten durcb Ueberbringen von Geschenken erreichen zu können glaubte; aber es fehhe ibm, wie er mir spater eingestand, docli au Mutb, dies allein zu thun. Meine Anwesenbeit scbien ilun inzwiscben die beste Gelegenbeit zur Erreicbung seines Zweckes zu sein, da Pieters mit Eecbt annabm, dass man es nicht leicbt wagen würde, mir als einem reinen W eissen und böberen Beamten etwas zu Leide zu tliun, und dass somit mein Geleite aucb ibu selbst scbützen werde. Der Eesi-dent, welcher selbstredend sein Urtbeil über die Ausführbarkeit des Planes auf die Mittheilungen stützen musste, welche der Poathalter über den augenblicklicben Zustand der ilim unterstellten Abtbeilung machte, verlieb seine Einwilligungunter der Bedingung, dass wir zunachst noch alle möglichen Erkundigungen einzögen und uns nicht muthwillig in Gefahr begeben würden. Ich brauche kaum hinzu-zufügen, dass dies aucb keineswegs unsere Absicht war.

Pieters batte aus solchen Gründen, wahrend wir die Eeise in der Pirubai und urn Huamual ausführten, dem Eegenten vou Sehüawax aufgetragen, mit den Bergbewohnern wegen des beabsichtigteu Besuclies ihres Landes in Ueberlegung

1

Ucber die seranesischen Uniubcn von quot;57—60 berichlotc van der Crab ausführlichor (Moluksche eilanden pag. 22!i tf.). Vgl. ferner van Rees (1. e. pag. 107 ff.).

2

Die Vorstellung, welche Wallace von der Kntvölkerung des Innern Serans hat (1. c. II, pag. 89), ist durchaus unrichtig, wie sieh aus den folgenden Schilderungen meiner Keise genugsam ergoben wird.

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zii treten; denn das Dorf Seruawan, welclies am Strande Seraus (au dem gegen-über der Nordwestecko von llaniku und südöstlicli von Kairatu befindlicheii Ivap) liegt, steht einerseits mil Honitetu in freundschaftlicliem Bmide (pcla) und anderer-seits xmter dem unmittelbaren Einflusse des Postlialters und somit der Regienmg. Der genannte Eegent batte also unseren Wunscb überbracht, zugleich mit der MitlhBilling , dass es unsere Absiclit sei, Qesclienke im Auftrage der „Compagniequot; (d. i. der niederlandischen Eegierung) anziibieten, wogegen wir indesBen verlangten, dass der Weg nacli Honitetu einigermaassen i'ür einen Europaeer bergericblet werde und die Haupter von Honitetu und Eumatita als Beweis des gillen Einvernelimens zumicbst bei uns in Hatusua ilire Aufwartung macbten. Es war nacli Anlass dessen ein Eatli in Honitetu gehalten und unser Yorscblag daselbst gut geheissen worden.

So kamen denn am Stquot;» Mürz wirklicb, der Verabredung gemiiss, die Hüupt-linge von Honitetu und Eumatita. nacli Hatusua, uur von drei jangen Lea (en von etwa 14—18 Jaliren begleitet und alle ohne Waffen. Da kein Dampfer auf der Eliede lag, vor dessen Gegenwart die Alfuren stets eine grosse Scbeu zeigen, und die Leute gewiss genau mit dem Zustande im üorte bekannt waren, so durften sie den Besuob ohne Eurcht ablegen; denn ausser ein paar Jagdgewehren und Eevolvern war in ganz Hatusua keine Schusswaffe vorhanden, und ohne Zweifel verfügten die Alfuren selbst in niichster Niilie des Ortes über eine genügende An-zabl streitbarer und gut ausgerüsteter Leute.

Waren das nun die gefürchteten Hauptlinge des Innern? Diese Erage stiess mir unwillkürlich beim Anblicke der schmiichtigen Gestalten auf, welche da in ihrer bunten, vom l'ostbalter gelieferten Kleidung auf uns zutraten; denn ein rothes Bein-kleid und ein ebenso gefarbter, langer Eock mit laucbgriinen Anfechliigen verhüllten die Gestalten der Leute so vollstandig, dass nicbts ilire Kraft und Gescbmeidigkeit, welche icb spaterhin reichlich zu bewundern Gelegenbeit batte, verrieth. Kleine, schmale Gesichter blickten daraus hervor, beim Eadja von Honitetu mit iiusserst spilrlicben, schon ergrauenden Bartstoppeln auf Oberlippe und Wangen versehen, bei demjenigen von Eumatita nur mit etwas Elaum bedeckl; dazu die Haare hinten im Knoten, gleich einem Chignon, anfgesteckt, so dass diese Alfuren einen geradezu weibischen Eindruck machten. Das galt namentlich vom Hauptlinge von Eumatita, welcher obendrein ein schmales, wohlgeformtes und freundliches Antlitz zeigte, so dass man Mühe batte, seinen Kopt' als denjenigen eines Mannes zu nehmen; er machte in jeder Hinsicht einen Vertrauen erweckenden Eindruck und bewies auch spiiter, dass er dies Vertrauen wobl verdiene; er ging mit in mein Zimmer, bewun-derte die Einrichtung und manche meiner Sachen, kurzum zeigte durch nicbts Argwohn oder Farcht. Anders der Hiiuptling von Honitetu, welcher finster und wortkarg drausseu sitzen blieb.

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Die Kleidung wurde bei dem einen noch durcli eineu ecliabigen Strohhut, bei dem anderen durcb einen ebensolclien Fez vervollstandigt; den Stock mit sil-bernem Knopfe fübrten beide mit sich; als einzigen Zierrath trug endlich Kumatita eine lange Perlenscbnur, Honitetu ein stablernea Medaillon von einer alten Ubr-kette. Icli backte daher eine überzalilige und entbelirliclie Nickelkette mit Kroky-dolithen in zwei Stücke und machte die beiden Ixohen Herren sehr gliicklich damit. Hire Begleiter besassen keine andere Kleidung oder Zierrathe, als sonst bei den Alfuren des Innern üblich sind, und verweise ich deawegen hiefiir auf die weiter unten l'olgende Scliilderung der Begbewohner. Selbstredend suchte ich aber in meinem Skiz-zenbucbe schon jetzl , wiibrend der kurzen Dauer des Besuches, so viel wie möglich von den Lenten festzubalten, wobei ich die Erfalirung machte, dass den Alfuren dies nicht angenehm sei; die jungen Lente lurch te ten, dass ich ihnen die zum Abzeiclmen erbetenen Gregenstiinde nicht wiedergiibe, und die Aelteren sahen ungern, dass ich die Kakeanzeichen zn Papier brachte.

Alsbald war die Verabredung getroffen, dass ich am folgenden Tage mit dem Posthalter nach dem Dorfe Kairaïu kommen und von dort aus im Geleite der Alfuren die Raise nach Honitetu antreten sollte, und ich will hier gleich hinzufiigen, dass beide Hiiuptlinge meiner festen Ueberzeugung nach keine anderen als sehr freund-schaftliche Gesinnungen gegen una hegten. Wohl war Honitetu, wie sich spiiter lierausstellte, voll Argwohn und batte er aus solchem Grunde allerdings audi gewisse Vorsichtsmaasaregeln für noting befunden; aber oline jeden Zweifel war es die Absicht der Lente, una freundlich zu empfangen, und wenn achliesslich die Reise nicht ganz nach Wunscb verlief, so ist dies hesonderen Umatandeu zuzu-schreiben, auf deren Erörterung ich unten zurückkommen vverde.

Wir machten tins also am 3ton Miirz in einer Sarua') auf den Weg nach Kairatu, von einer kleinen Bagageprau begleitet. lb re Tifa batten die Leute für diesmal zu Hause gelasaen, aber da sie aich der einheimischen, oben von Kaibobo beschriebenen Ruder bedienten, so wnrde dem Mangel gewohnbeitsgemasa dadurch abgebolfen, dass die Muanaita mit der Schaufel im Takte gegen die Seitenwiinde des Fahrzeuga achlugen, sowie man dies auch schon in der Bai von Ambon sehen kann. Sie wissen die Trommel noch weiter dadurch zu ersetzen, dass der Mann, welcher den Takt angiebt, bei jedem Ruderschlage sich nicht nur der Schaufel, sondern darauf auch der oberen Handhabe seines Instruments zum Anschlagen bedient, indem er letztere mit dem Bootrande in Berührung bringt. Kehren die Fischer nach gutem Fange heimwarts, so bringen sie die frohe Botachaft auch beim Mangel einer Tifa auf solche Weise bereits aus grosser Ferne den Dorfsbewohnern zur Kenntniss.

1) Eine bcsondore Art von Boot, wolcho nach feststohondom Modello vielfach auf Sarua gebant wird.

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Nacli 1) Stunde uniinterbroehenen Rmierns lano-ten wir am Strande des 'l ~

heidnischen Dorfes Kat rat u au, woselbst uns die beiden Ilauptlinge von ïïonitetu \ind Eümatita wiederum in ibrer gesti'igen Kleidung' empfingen, unigeben von einer grossen Scliaar nackter Alluren, die einen überaue wiisten i'liiidruck machten, aber unbewaffnet waren. Aucb der Eegent von Seruawan, unsere Mittelsperson, und derjenige von Kairatu erwarteten uns; beide sollten una ins [unere geleiten, da der Letztgenannte ebenfalls rnit den Leuten von Ïïonitetu eng befreundet ist. Diese Strandbewobner sind namlich den Alluren unentbeiirliob, weil sie die llan-delsbeziebungen mit den Fremden vermitteln, welche von den Uliassern lierüberkommen, um die Bediirfnisse der Bergbewobner an einigen Kleidiiiigsstücken, Zierratben sowie vor allem an Wafien, Pulver und Blei zu befriedigeu und dalïïr Dammerbarz einzutausclien. Aucli zur Zeit meiner Anwesenbeit belanden gicli in Kairatu einige lliindler von Haruku; sie können liier lm Dorl'e, welches von den Bergbewohnern anscheinend uur uiibewafl'net betreten wird , rubig und sicher ihren Aufentbalt nehmen, gehen aber niemals ins Luiere.

Zunachst nahmen wir nun unseren \\reg nacl) dem unfern des Uiers gelegenen Hause des Regenten von Kairatu, welches trotz seiner Aermlielikeit durch den Jiesitz eines gallerieartigen Vorraumes ausgezeichnet war, und wiihrend die Bagage auf die vei'scbiedenen Trager verllieilt und Itir den Transport hergerichtet wnrde, fand icli reichlicb Musse, die una dicht umdriingenden Alturen niiher zu mustern. AVas ich biebei und im ferneren Verlaufe der Eeise über ihre iiussere Erscheinung wahrgenommen, moge an dieser Stelle kurz zusammengefasst werden.

Der allgemeine Typus der Bbrobewohnbu stimmt mit demjenigeu der Strand-bevölkerung, welcher oben bereits gescbildert wurde, überein ; uur sieht man noch mehr ausgepragte Papua-Physiognomieen. Die Manner sind bis zu IJ m. gross, in der Regel ein wenig kleiner, oft knabenhaft in ibrem Aussern, scblank und elastisch gebaut, selten von etwas gelïïllter Körperform; sie besitzen dunkelbrauue, nur ganz ausnabmsweise lichtgelbe Hautlarbe und last stets krause Haare. Ihr Bartwuchs ist sehr düim und meistens nur über den Mundwinkeln etwas mehr entwickelt, zudem nicht beliebt, so dass junge Leute die zerstreut stebenden Haare des Qesichts gerne ausziehen und ein wirklicher Bart zu den grössten Sel-tenheiten gehort. Ich sali nur einen einzelnen Mann mit langem, dunnen Kinn-barte, aber olme jeden andereu Jlaarwuchs auf Wangen oder Lippen, weiober inmitten der übrigen Gesellscbaft einen höchst eigenthiimliclieu Eindruck machte.

Das Haupthaar, bei kleinen Kindern kastanienbraun und spater dunkelschwarz, wird von Erwachsenen stets lang und unversch uitten getragen, und wahrend Knaben es manchmal nach Art der Strandbewobner mittelst eines Bambusstreifens

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zusammenhalten, schlingen die Manner es in der Eegel in einen Knoten, den sie am haufigsten am Hinterkopfe befestigen. Doch wird der Ilaarknotcii auch selir oft in der Mitt.e oder links über der Stirn angebraclil, wobei er dann bald mebr bald minder weit voa dieser zurücktntt, bisweilen aber auf sie berunter-luingt. Stellenweise sab icb ferner ein rotbes Tucb kranzartig um den scbief auf dem Kopie befestigten Haarknoten gescblungen, so dass dieser Scbmuck sioli fast wie das Oerevis eines deutscben Studenten ausnabm; zur Befestigung dient aucb mit-unter eine Nadel, welebe vom Knocben des Casnars bergestellt wird. Icb zeicbnete eine solcbe von 12 cm. Liinge, flacb, oben verbreitert und in ihrer Gresammt-fonn von dreiseitigem Umrisse, dabei etwas gebogen (Taf. 25, Fig. 7). Mitunter, und nicbt gerade sell en, wird dagegen das Haar einfacb straff nacb binten gezogen und nun unmittelbar am Hinterkopfe fest zusammengebunden, so dass die Enden in Gestalt eines buschigen Scbweifes lose berabbiingen und also jeder .Knoten feblt. Vereinzelt sielit man endlicb das Haar gescbeitelt und nun ganz frei getragen; docb macben die Leute sicb bisweilen aucb dann einen Scheitel, wenn sie einen Knoten am Hinterkopfe besitzen ').

Gelegentlicb wird ein kammartiges Instrument, welches aber nur zum Kratzen dient, in das an Ungeziefer überreiebe Haar gesteckt (Taf. 23, Fig. 9 u. Taf. 25, Fig. 1). Es ist aus liambus verfertigt, 24—29 cm. lang und mit fünf schmalen, spitzen Zinken verseben, welebe bis zu | der Gesammtliinge des Kammes betragen können. Au der Basis der letzteren ist das Instrument vor dem Zerspalteu durch einen vegetabilischen Streifen geschützt, welcher entweder einfacb darum gewunden oder als Flecbtwerk angebracht ist. Die Handhabe bat linealiscbe Gestalt, ist nabe dem Aussenende beiderseits scbwach eingekerbt und unten mit einem hervorstebenden Eande verselien, welcber sicb an den Seiten zu mebr oder minder ausgebildeten Spitzen verlangert und das Abgleiten der Umwindung an der Basis der Zinken verhindern soli1).

Kopftücher scheinen nur bei besonderen Anliissen benutzt zu werden; denn die meislen Leute gingen zur Zeit meiner Anwesenbeit baarbaupt. Diejenigen, welebe sicb eines Kopftuchs bedienten, trugen es entweder hoch einporstebend, wobei es fest um Stirn und Haarknoten gewunden war (so aucb bei den alfuriscben Tja-

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Ein ahnliehes Instrument, wenngleich in Einzelheiten abweichond, kommt auch auf Neu-Guinea vor (De Clercq u. Sclimeltz 1. c. pag. 18).

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kalele-Tanzern in Hatusua), oder sie knüpfteu es einfacli vorne über der Stirn zusammen und liassen die Enden hinten offen fiber den Knoten herabfallen. Eb wird wolil lediglich von der Art der Haartraclit des einzelnen Individuums ab-hiingon, ob man der einen oder der anderen Befestigungsweise des Tuclies den Vorzng giebt, Dasselbe zeigt in der Regel ein Muster von rntblicber Farbe oder ist aucb einfach dunkelroth, geiten ganz sebwarz.

Das einzige, nie feblende Kleidnngsstück der Manner bestebt in dem soge-nannten tjiclako (Taf. 23, Fig. I u, 2; Taf. 24, Fig. 4—6i, einem langen, scbmalen Lendensclmrze, welcber aus Baumbast') bergestellt ist. Derselbe wird mittelst gekerbter Steine zusammengeklopft, und diese Art der Behandlung liisst siob an dem Zeugstücke aucb noch stets deutlicb in den Rieten und Furcben seiner Oberflache erkennen. Scböne Tjidako's, welclie bei festlicben Gelegenbeiten benut/.t werden, besitzen eine steile, vegetabilisciie Einlage Cvielleicbt von der Blatt-sclieide einer Sagupalme verfertigt ?), welclie langlicb-rautenförmig gestaltet ist und einen den Leib ziemlicb vollstandig umscbliessenden Gürtel darstellt. Darüber bin wird der Zeugstreifen gelegt, nacb innen umgesciilagen und bisweilen aucb rob festgenalit, walirend seine beiden Enden jederseits lang berabbangen. Bei einem mir vorliegenden, derartigen Kleidungsstücke ist das eine Ende, vom Mit-telpunkte des Gürtels an gentessen, reicblicb 2 m. lang, das andere, welches beim angelegten Tjidako vorne berabliangt, 1,50 m., so dass also die ganze Binde 3,50 m. Liinge besitzt. Diesel be wird nun so nmgetban, dass die Mitte ihres rautenförmigen Tbeiles, also ibre grösste Breite, binten im Kreuz zu liegen kommt (Taf. 24, Fig. 4), und die beiden Enden werden darauf nach vorne und wieder rückvviirts urn den Leib gescblungen, wodureb ein vollstandiger öurt ent-steht. Alsdann zieht der Alfure das eine, an der iSpitze breitere Ende (1) von hinten und rechts lier zwiscben die Beine und darauf vorne zwiscben Leib und Gürtel dureb, liisst es über letzteren berabhiingen und breitet es über den Scbarn-theilen schurzartig aus; das scbmaler zulaufende vind liingere Ende (2), welches noch einmal rnebr urn die Mitte gelegt werden kann, wird dann zunacbst binten um das andere Ende (1.) gescblungen und min schriig aufwarts, zwiscben Leib und Binde bin durch gezogen (21), so dass es an der linken Seite endigt. Um dasselbe besser anzieben zu können, ist daran bautig ein Ring befestigt (Taf. 24, Fig. 5); bei schonen Tjidako's aber wird es sehr lang angefertigt, damit es links weit berabliangt. 1st der Gürtel gut imigebunden, so ist die zweite Umwindung des Leibes unter der ersteren, mit einer Einlage versehenen, verborgen; aucb der

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arten benutzt werden mogen (verslag, pag. 3^1). — Joest s-agt: „Der Stoll' liiorzu wird von den l'rauen aus dom aufgeweichlon Bast des Gunda-Banmes mit Slcinon geklop ftquot; (V'erh. 13erl. Ges. pag. 65).

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als 2» bezeichuete Theil des einen End es wird unter den mit 2 verselienen Ab-sclinitt weggesteckt, nnd es ist niclit leicht, die Art der Befestigung zu erkennen, wenn der Mann das Kleidungsstück bereits angelegt hat. In den Zeichnnngen auf Taf. 24 sind nur der Deutliclikeit wegen 2 und 211 auseinandergehalten, und geben die punktirten Linien den weiteren Verlauf der Einde an.

Der Tjidako, wel dier tiiglicb von dem Bergbewohner benutzt wird, entbehrt der beschriebenen Einlnge, da sie dem Trager bei seinen Bewegungen wahrsobein-licli etwas hinderiicli ist, nnd icb selbst sab anf meiner Eeise nacb Honitetu keinen einzigen Giirtel mit rhombiscbem Rückenscbilde in Gebranch. Vermutblich ist der gewöbnliche Gurt ursprünglicb stets weiss, mit liohtgelben Flecken und Streifen verseben; docli ist dies Gelb in vielen Fallen an dem von Unreinheit starrenden Kleidungsstücke, welches oft wie ein scbmutziggraues Scbüsseltuch vorne herabhangt, nicht mehr wahrzunebmen. Bunter verzierte Tjidako's (Taf. 23, Fig. 1 u. 2), bei denen namentlicb das Rückenschild und die iiussersten Enden der Biude mancberlei Figuren zeigen, dürfen nur von Leuten getragen werden, welche bereits einen Kopf erbeutet haben, nnd die Zabl der abgescblagenen Kopte soil daran durch die Anzahl von schwarzen Ringen angegeben sein '). Doch sab ich auch derartig verzierte Giirtel nie im tiiglichen Gebrauche.

Unter den Zierrathen verdienen in erster Linie scbmale Schildkrotringe Er-wahnung, deren man eine lleibe zur Herstellung eines breiten Bandes mittelst Bambus zusammentiicht. Das so erbaltene Band wird an beiden Oberarmen getragen; falls der Alfure aber nur eins besitzt, legt er dasselbe links an, da es zum Einstecken von Croton dient und dieser Schmuck stets an der linken Seite befestigt wird. An der Art und Weise, in der dies geschieht, kann man, gleicbwie an der Farbung des Tjidako, erkennen, ob der betreffende Alfure sich bereits als Kopf-jiiger ausgezeicbnet bat oder nicht; ist niimlich der Crotonbüschel so eingesteckt, dass seine abgescbnittenen, unteren Enden aufwarts gekehrt sind und die Blatter einfach nacb unten aus dem Ringe heraushangen (Taf. 11, Fig. 2), so hat der Mann schon einen Kopf erbeutet; im anderen Falie ist der Büschel umgekehrt eingesteckt, und hangen daim also die Blatter über die Aussenseite des Ringes hin.

1) Rosenberg (Mal. Archipel p. 310) und Ribbe (1. c. png. 204) berichten das fileiche für alle vingartigen Zeichen, sowohl von brauner als von sehwarzer Farbe. — Ludoking stimmt mit der von uiir niedergcschriebenen Angabo iiberein (Schets, pag. 63), ebenso Buddingh, welcher in Awahia eintraf, als gorade die Kopfjiiger boschiiltigt waren, nach einera wohl gelungenen TJeberfalle die schwarzen Ringe auf den Tjidako zu zeichnon. Kadi ihm darl' auch jeder Theilnehmor eines solchen Mordzuges sich einen neuen, schwarzen Ring auf den Gürlol malen, falls die Kopfjagd Erfolg hatte, und nicht nur derjenige, welcher den Kopf abgeschlagen hat (N. O. Indie If, ])ag. 229). — Auch van Doren spricht nur von schwarzen Ringen (Fragmenten I, pag. 140). — Von besonderem Interesse ist noch dasjenige, was Boot über die Figuren auf dem Tjidako mittheilt; denn hienach kann man, mindestens in quot;Wahaï, erkennen, ob der betreffende Alfure einon Mann oder eine Frau köpfte (1. c. pag. 1170). — Wenn Jocst von „weissen Kreisenquot; spricht, so ist dies ein Irrlhum (Verh. Berl. Ges. pag. 60).

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Es braucht kaum envahnt zu werden, dass der Pflanzenschmuck nur bei festlicben Gelegenlieiten angelegt wird.

An Stelle des Scbildkrotbandes kann auch ein Cocosring treten, der wiederum an beiden Oberarmen getragen wird, und gelegentlich siebt man an dem einen Arme diesen, an dem anderen jenen. Diese liinge von Cocos (Taf. 27, Fig. 6) sind gescbwarzt, etwa 4 cm. boch und besitzen einen Durcbmesser von 8—9 cm.; in der Mitte ist eine breite Einne eingescbnitten, und zu beiden Seiten derselben sind zablreiclie, scbmale, sicb kreuzende, kreisformige und quer dazu verlaufende Furchen eingeritzt. Ausserdem kommen am Oberarme Ringe zur Verwendung, welche aus einem feinem Bambus-Flecbtwerke bergestellt sind (Taf. 30,Fig. 2 u. 3), 2.J cm. boch, braun mit gelber und gelegentlicb aucli rotiier Verzierung '). Am Handgelenke sielit man ferner vielfach Einge, die aus dem oberen Tbeile der Schlusswindung einer weissen Kegelschnecke mit sebwarzen Flecken {Conus mille-punclatus Lam.) verfertigt werden, und an welebe der Allure gelegentlicb nocli eine cliinesisclie Müuze als Zierrath befestigt (Taf. 25, Fig. 6; Taf. 26, Fig. 3). Diese Muschelriuge werden eutweder unpolirt getragen, so dass die ursprüngliche Fiir-bung des Gehauses noch kenntlich bleibt (Taf. 27, Fig. 3), oder abgesohlitfen, an den Kanten zugerundet und mit Querriefen verseben. An der Nordküste Serans, woselbst icb sie zuerst in Mvirinatin wiedersab, sagte man mir, dass die Einge von Buano abkünftig seien, aber rob eingefübrt und dann von den Alfuren abge-arbeitet würden; in Wabaï babe icli ferner bemerkt, dass sie daselbst fertig von Makassaren ieil geboten werden. Die Alfuren scheinen diesen Zierrath aus sebr erklür-licbem Grunde nur aiu linken Handgelenke anzulegen, da er rechts bei der Benutzung des Parangs hinderlich sein würde, und meistens siebt man ibn bei Kindern. Zu alledem gesellen sicb schliesslicli noch einfaclie, von gel)ogenem Messingdraht bergestellte Einge, welche sowobl am Handgelenke als am Ober-arme getragen werden.

Ausserdem fallt bei mandiën Leuten zuniichst eine von Perlen angefertigte Halskette ins Auge, welche so umgelegt wird, dass ihr Bnde in der Mitte der Brust gerade herahhangt, und an welche die Manner verschiedene Gegenstande befesti-gen (Taf. 25, Fig. 5). Ich beobachtete darunter eine G cm. lange Pincette von Messing zum Ausrupfen Aron Barthaaren, scheibenförmig abgescbliffene Gewinde von Conm, kleine Messingringe, seltener einen Silbérring oder den Kopf eines grossen Kafers, des bekannten Xylotrupes Simson,

Zur Festkleidung der Alfuren geboren ferner hübsche Ohrzierrathe, die aber an gewöhnlichen Tagen nicht getragen, sondern durch minder schonen Schmuck,

1) Ueber das Farben von Bambus vgl. van Doren (Fragmenten I , jiag. 335).

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blsweilen auch durch beliebige andere Dinge, ersetzt werden, wiihrend oftmals das Loch im Ohrlappchen ganz leer bleibt. Als Ersatz bemerkte icb imter anderen ein rundliches Holzpflöckc.ben von 5 cm. Lange, sodann das zusammengebogene Stück eines Blattstieles, die Schwungfedern einer Taube {Myridicivora bicolor), den Fiibler eines Krebses u. dgl. m. Ferner trngen die Leute nntemegs verelnzelt einen kleinen Knpferring im Obre oder einen gebogenen Messingdraht mit rotbor Perle, nóch öfter einen Lederstreifen, dessen eines Ende durch einen Scblitz des anderen hin-dnrchgezogen war, so dass eine Scblinge mit mehr oder minder lang berabbangendem Ende gebildet wurde. Dies alles wird indessen willkürlich angelegt, indem bald beide Ohren, bald uur eins derselben verziert ist, und in ersterem Falie ist der Schmuck meistens noch wieder beiderseits verscbieden.

Die scbonsten Obrgebiinge, welcbe ich sab, waren von Seemuscbeln gefertigt (Taf. 25, Fig. 8) und bestanden aus dem 7 cm. langen Segmente eines scliwach gekrümmten Hinges von vierseitigem Querschnitte. Die Obertlache desselben trug eine einfacbe, eingeritzte und gescbwarzte Verzierung, welcbe stets in derselben Weise vorzukommen scbeint (vgl. Abbildung), und an dem einen Ende war das Muscbelstück zur Herstellung eines Knopfs umwickelt. Dieser wird durcb das Ohrlappchen gesteckt und dient zur Befestigung des Zierraths; öfters hangt man an ihn noch Dander mit einzelnen Perlen, Sodann verdient ein 3 cm. langer Holz-pflook (Taf. 25, Fig. 9) Rrwahnung, welcher ebenfalls zu den beliebten, besseren Ohrverzierungen gehort. Er besteht aus einem rundlichen Stabe, welcher au dem einen Ende eine blaue Glasperle triigt und an dem anderen mit einem breiten, kegelförmigeu Theile in Verbindung steht, Letzterem ist an der flachen Ausseu-seite eine runde, rosettenartig ausgerandete Perlmutterschelbe aufgelegt, welcbe in der Mitte eine sternförmig eingeritzte Figur zeigt.

Die Tatuirung der Manner gleicht in ihrem allgemeinen Oharakter der oben von den Strandbewohneru beschriebenen; es berrsohen auch hier wieder kreuzför-mige, auf der Brust angebrachte Zeichen vor. Daneben sah ich aber ebenfalls Figuren auf der Mitte der Stirn, die ich sonst nirgends am Südstrande heobach-tete (Taf. 26, Fig. 14—16). Dieselben befinden sicb uumittelbar über der Nasen-wurzel, sind meistens V-förtnig, mit umgebogenen oberen Enden der beiden Schenkel, und sollen iu derselben Weise bei den Kakeanisten von Paulohi am westlichen Ufer der Elpaputibai vorkommen. In der Regel sind mit dem V noch einige Punkte verblinden; ausserdem wird auf der Stirn auch wolil ein U-förmiges Zeichen, abermals mit Punkten combinirt, angebracht. Diese Figuren schliessen aber nicht die Tatuirung anderer Körpertbeile aus; überhaupt ist es mir nicht möglich gewe-sen, bei den Zeichen irgend welche bestimmte Zusammenstellungen herauszufiaden, und merkwiirdigerweise scheinen sie bisweileu ganz zu fehleu. So vermochte ich z. B.

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keinerlei Tatuirung bei dem Hiluptlinge von Honitetu zu entdecken, und dersalbe behauptete aucli, keine zu besitzen. Bisweilen sind dagegen acbon Kinder von 6 bis 8 Jaliren mit den Zeiclien des Gelieimbimdes verselien.

Unter den Waffen verdient zunachst wieder das grosse, scliwertartige Messer, der parang Erwiihnung, da er allgemein benutzt und stets initgelührt wird. Er unterscheidet sicli duroh nichts vou demjenigen, welclien die Strandbewolmer be-nutzen, und dari' souiit auf die oben gegebene Besohreibung desselben verwiesen werden. Keiner trug unterwegs einen Imogen, obwohl icli in tlonitetu einen solchen geseben, welcbor init demjenigen der Strandalfuren übereinstimmte (vgl. uuten); dagegen batten die meisten Ervvaebsenen Gewelire, trolz des Vrerbo(es ibrer Eiu-fuhr, und wenn auch Pulver und Blei aus gleiciiein Grunde sebr kostbare Artikel für den Bergbewobner sind, so konnte icb midi docb da vou überzeugen, dass sie hievon einen ziemlicdi guten Vorrath besitzen. Die Gewebre sind meistens mit Feuersteinsclilössern verselien, da die Alfuren andere wegen der rascben Abnutzung des Pistons nicht lieben; das Pulver bewahren sie in kleinen Bambusköcbern, vou denen jeder einen Scbuss euthalt; die Kugeln werden bisweilen iu deuselben Stofl', aus welchem man auoh den Tjidako macht, gewickelt und rosenkranzartig einge-schuürt. Ili re Gewehrpfropfeu fertigen die Leute von Easern der Oocospalme oder von Kapok; sie bewahren beides in eiuem ovalen, durchbrochenen und aus liottan geflochtenen Körbchen vou 7—8 cni. Lange (Taf. 23, Eig. 10).

Eine rechteckige, vielleicht 25 cm. lange Tasche, welche unterwegs stets mit-gefiihrt wird, weil sie zuin Aufbewahren von Siri und Pinang dient, wird gleichzeitig als Patronentasebe benutzt. Sie scheint auf den ersten Bliek von ge-schwiirztem Leder zu sein, ist aber aus Segeltuch angefertigt, welches mittelst eines Saftes, der aus der Einde eines Baumes gepresst ist, gesteift und wasserdicht geluncht wird1); innen ist sie durch eine Liingswand zertbeilt, und in dem vorderen, kleineren, der so entstandenen Pacher stehen die kleinen Bambusköcher für Pulver bübsch reihenartig nebeneinander; eiue grosse Klappe verhindert das Eindringen von Eegen. An den Eiemen der Tasche werden auch verschiedene Dinge, wie das Körbchen für Gewehrpfropfeu und gelegentlich die eingewickelten Kugeln, gehangen, feruer der Köcher für Kalk zum Sirikauen und andere Kleinigkeiten, welche der Allure Je nach Umstandeu noch etwa mitführt.

Der Kalkköcher ist meistens vou Bambus hergestellt und mit eingeritzten Figuren versebeu; er gleicht im allgemeineu denen, welche ich in Kaibobo und Wahaï kennen lernte (Taf. 30, Fig. 4; Taf. 24, Fig. 7), ist aber iu der Eegel sehr viel kürzer und wird inanchmal zu einer niedrigen, runden Scbachtel. Seltener

1) Auch auf Bum goschieht dies, und Forbes vermuthet, dass dor Suft einor Avtocarpee hieboi vor-wendet wird (A naturalist's wamioriugs, pag. 113).

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sioht man anstatt, Bambus das horn art ig gekriimmte Ende einer Kalabasse zur Auf-bewalirung von Kalk verwendet (Taf. 26 , Fig. 2). Manche Köcher sind mit Perlen behangen, welclie gelegentlich audi uuten an dor Tasche angebracht werden.

Die Frauen 1) kleiden sich im Innern anscheinend noch weniger als die Manner, obwolil sie an der Küste und in Gegenwart von Fremden einen kurzen Hock zu tragen pflegen. Derselbe wird aber unter dem Nabel umgehunden und reicbt nur bis zum Knie, ist dabei an einer Seite oti'en und schliesst so unvollstandig, dasa die Bezeicbnung eines Sarongs fiir ihn etwas euphemistisch erscheint; seine Farbe ist in der Hegel dnnkelblau, seltener roth oder grau. Da das Kleidungsstück wegen seines ungenügenden Schlusses die Körpermitte nicht bei allen Bewegungen vollstandig ver-hüllt und es kleineren Madchen, vermuthlich in Folge der Ungewohnheit der Tracht, auch bisweilen abfiel, so bemerkte ich, dass die Frauen darunter ein einfaches, rothbraun gefarbtes Kottanband giirtelartig umgebunden batten, an dem vorne ein handbreiter, langer, blauer oder rother Zeugstieifen herabhing. Bei einigenFrauen, die wir unversehens im Walde und in einern Dorfe aui' dem Wege nach Honitetu überraschten, f'ehlte auch der Eock, uud bestand die Kleidung lediglich in dem erwahnten Zeugstreifen, dem sogenannten Frauen-Tjidako, welcher zwischen den Beinen durchgezogen war, so dass von vorne nur ein kleines, dreiseitiges Lappchen sichtbar blieb. Ich glaube deswegen uicht fehlzugehen, wenn ich annehme, dass letzteres die alleinige im Dorfe übliche Tracht ist, zumal dieselbe mit den bei den Alfuren der Nordküste gebrauchlichen, weiblichen Schamgiirteln in Ueberein-stimmung steht, Es wiirde auch keinen Sinn haben, wenn die Frauen, falls sie den Sarong allgemeiner gewohut wiiren, hierunter noch wieder den erwahnten Zeugstreifen anlegen sollten.

Das Haar wird von ihnen hinten im Knoten getragen und bleibt stets unbe-deckt; auch nalim ich darin keinerlei Zierrathe wahr. Die stark entwickelten Briiste sind bisweilen mit Binschnitten versehen, welche sternförmig von den grossen Warzen ausstrahlen, aber ungefarbt bleiben, so dass sie sich als helle Linien von der braunen Körperfarbe abheben; daneben kommen aber auch blaue Tatuirungen vor. Ich sab dies freilicli nur bei drei Weibern, welche alle in gleicher Weise im Gesichte verziert waren, iudein sich jederseits eine gerade Keihe von vertikal stehenden Strichen vom Augenwinkel aus nach der Schlafe hinzog, wahrend eine dritte, durch horizontale Linien gebildete Eeihe von der Nasenwurzel an auf-

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Joost nonnt die Frauen der Borgalluren „oft aufTallend hiibschquot; (pag. 05). Nun ist es bekanntlich schwcr, übcr Frauonschünheit zu stroiten; dennoch glaube ich aber hiegegen protestiren zu diirfen. Ich ver-mutho, dasa Joost überhaupt von Bcrgalfuren wenig gesehen hat; denn obwohl pag. 04 gesagt ist, dass dor Autor sich mit den BergaUuren beschUftigen werdo, so beziehen sich doch seine Schildorungon wosontlich auf Dingo, dio an der Kiiste beohachtet sind. Wie wilre es sonst auch möglich, dass Joost den kleinen Schild, welehon man an dor Küste zum Tjakaielo bonutzt, als eiuo Wohr dor Borgalluren anfiihrte (pag. 68)1

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warts zur Mitte der Stirn reichte (Taf. 26, Fig. 17); bei Einer dieser Personen bemerkte, ich ausserdetn eine Figur am Oberarme. Da die Fraueii dem Kukeaubuude fern bleiben, so kaim audi dieso Tatuirung niclits mit ilun zu schaffen haben; sie ist zudem abweiehend von alien Zeichen, welclie ich am Korper der Manner sah.

An Zierrathen sind die Frauen im allgemeinen weit iirmer als die Maimer, und manche von ihnen traf ich überhaupt ohne jeden Schmuck an. Am meisten bemerkt man audi bei ihnen eine I'erlenkette am Liaise, und daran werden wiederum verschiedene Dinge befestigt, so audi liinge und der Kopf des oben erwahnten Kiifers. Es kommen aber ausserdom Qegenstiinde an den Halsketten der Frauen vor, welche ich bei den Mannern nicht sah; vor allen Dingen begegnet man danmter nicht selten dem Fusse des ('uveas, vereinzeit audi einem Vogelfusse oder einem Haar-biischel; dann fand ich mehrfach die Luftröhre einer Schlange als Halsband ver-wendet, und vielleicht kommt derselben, gleich dem Fusse des (mom, nicht lediglich die Bedeutung eines Zierrathes zu. Minder interessant als originell war der Schmuck, welchen sicli ein junges Madchen dadurch verfertigt batte, dass es kleine, porzellanene Hemdknöpfe einzeln und in grossen Abstanden von einander auf einen dünnen, schwarzen Zwirnfaden reihte. Sonst werden als Zierrathe noch die ebenfalls von Mannern getragenen Messingringe benutzt, welche die Frauen gelegentlidi auch über dem Elbogen odor iiber den Enkeln anlegen. Ganz vereinzelt laud ich endlich einen silbernen, wellig gebogenen Armring der Art, wie ich ihn oben bei der Festkleidung der Madchen von Hatusna beschrieb, und da diese Qegenstiinde in Saparua verfertigt werden, so kann ihr Vorkommen bei den Bergalfuren im Hinblick auf die bestehenden Handelsbeziehungen nicht befremden.

Wenn sie sich von Hause entfernen, pflegen die Weiber ein kurzes, breites Messer hinten im Kreuz zwischen den Rock zu stecken, ohne dafür eine Schelde zu benutzen. Da sie das Instrument fertig und als europaeisches Fabrikat von den Kaufleuten an dor Kiiste eintauschen, so beansprucht es kein weiteres Interesse, und ebensowenig ist dies bei etwaigen Jackon der Fall, welche sich dies oder jenes Frauenzimmer erworben, weil es a us leicht erklarlichen öründen der Kleidertracht ihrer Schwestern am Strande als einem hohen, aber leiiler noch nicht ganz erreichbaren Ideale nachstrebt.

Die Bande, welche uns in Kaiuatu umdrangte, machte einen so wilden Ein-druck, dass meine javanischen Diener angstlich in unsere Ntihe krochen. Anfangs zeigten sich nur Manner; aber alsbald bemerkten wir, dass auch zahlreiche Frauen und Kinder im Orte anwesend seien, miter denen sogar die Sanglinge nicht fehlten. Sie kamen allmahlig aus den Wohnungen der Dörflinge zum Vorscheine, und spater steilte sich heraus, dass die Bevölkerung von Honitetu und Uumatila mit Mann

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uiid Maus an den Strand gezogen war; demi wir sahen oben keine neuen Qesichter.

Endlicli war die Bagage unter der Aufsicbt des Posthalters Pieters und mit Hilfe meines Dolmetsch auf unsere etwa 40 Mann zahlende Begleitung von Strandbewohneru vertheilt. Inzwischen halten sicli aucli die llauptlinge ihres maskeradenhaften Au-zuges eatledigt und min erschienen sie gleich den übrigen Alliiren im Tjidako, Rumatita schlank wie eine Tanne, unter den Knieen mit einem ganz scbmalen, braunen Bande, vermutblieb von Hirschleder, versehen, aber sonst obne Zierratb. Aucb Honitetu entbebrte jeden Schmucks; er trug den scbmutzigsten Leibgurt und unterscbied sich durch. nichls von dem sebabigsten Trager; mit zusammen-gekniffeneu Lippen und berabhangenden Mundwinkeln, von oinigen ergrauenden Bartstoppeln umgeben, den Haarknolen bocb über der Stirn und von eckiger Gestalt machte er einen überaus abstossenden Eindruck.

Es war etwas nach 9i Ubr, als wir von Kairatu aufbrachen, voran der Hauptling von Honitetu, den Parang auf dem gekrümmten Unterarme wiegend, daim der Regent von Kairatu, welcber in seinem aus Beinkleid und kurzer Jacke bestehen-den Anzuge dem gegenüber wirklich gentlemanlike aussah, darauf ich selbst, endlich meine Bepleiter und Tratfer — alles natürlich im Qansemarsche auf dem

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scbmalen Waldpfade. Die grosse Masse der Alfuren blieb vorlaufig zurück.

Der Weg führte zuntichst noch durch niedrigen Wald, in dem die Bewobner von Kairatu ihre Pflanzungen angelegt haben, bisweilen unter majestatiscben Arengpalmen bin. Die Fasern, welche ibren Stamm umspinnen und an Men-schenhaar erinuern, das sogenannte idjnk, pflegen die Alfuren als Botschaft an diejenigeii zu senden, welche zur Kopfjagd aufgefordert werden. Die machtigen Blatter der Palme neigen sich vielfach zur Bildung grüner Spitzbögen zusammen, ebenso die riesigen Halme von Bambusrohr, welches mit ihnen abwechselt, und wenn irgendwo, so passt auf solchen Wald der Vergleich mit einem Dome, in dem sich Bogen au Bogen reibt und die hoben Stamme der Palmen den Saulen ent-sprechen; doch zeigt sich anfangs noch bie und da eine Lichtung, bis die An-pflanzungen ganz geschwunden sind und wir uns, kaum i Stunde Geliens von der Küste entfernt, im ürwalde befinden. Da haben scblingende Rottanpalmen, welche durch ibr Gewicht die Baumkronen erdrückten und dann niedergestürzt sind, undurchdringlicbe Dickichte geformt; da versperren Baumstiimme üljerall den Weg; da wird die Einsamkeit uur noch durch das zankende Geschrei des Kakadu, durch das Gurren zahlreicher Tauben oder durch den l'lug eines durch die Baum-wipfel rauscbenden Pfefl'ervogels unterbrochen. Viele Epiphyten wuchern an den Baumen; zablreiche Lianen hangen umher, manche schraubenartig gewunden; unter den Palmen fallt eine eigenthümliche Art mit dreiseitigen Blattfledern [ Jiri/-mophloeus spec.) besonders auf, und am Boden wachst haufig eine Pflanze, welche

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an eineni fast 1 m. hoheu mid vor völliger Eutwicldung tier Bluinen zweig'loseu Stiele eiaeii blutrothen Bliltlienkolben vou der Grosse uud allgemoinen Gestalt eiuer Ananasfrucht treibt. Es ist Tapcinociilus piuigens Miqu., wotiir ich von meinen Begleiteni keine andere Bezeichming als liunya kasluri erialireu konnte. Vereinzelt begegnet man audi bier bereits einein Baumfarne.

Alsbald waren audi die All uren wieder bei uns, Jelzt sammtlicb mifc ibrem Parang ausgeriistet uud sebr viele von iluien mil: Geweliren bewaffnet; sie passirten uns stets in kleinen ïrupps,' bile ben daim wieder zurück, passirten uns noebmals — und so ging es fort. Dass wir uns vollstiindig in ibrer Macbt befauden, brauclie ich kaum liervorzubeben, und wenn die Leute Arges im Scliilde gefübrt bÈltten, so würde niemand im stande gewesen sein, dem einen nennenswertben Widerstand entgegeuzusetzen; demi wir batten, um jeden Argwobn zu vermeiden, unsere Begleiter nicbt bewaffnet und fübrten nur drei Jagdgewehre mit, welebe den Alfuren keiuen Anstoss gaben. Der Regent von Kairatu entledigte sicli sogar, nacbdem die Pflanzungen des Küstenstricbs passirt waren, seines Parangs, um ibnauf dem Ilück-wege an demselben Orte, an dem er ibn verborgen, wieder aufzunebmen, und da umgekebrt die Bergbewobner in Kairatu obne Waffen waren, so scbeint es mir, als ob die Leute gegenseitig nur unbewaffnet das Gebiet des Verbündeten betreten. Wobl verfügten Pieters und ich selber jeder über einen Revolver, den wir verborgen trugen; aber das batte ja am Ende nicht viel zu bedeuten; zudem fand ich im Laufe der Reise genugsam Gelegenheit zu beobachten, dass die meisten unserer Trager, Strandalfuren aus der benacbbarten Gegend, den Leuten von Honitetu mehr zugethan seien als dem Posthalter und den Mannern, welche wir von Hatusua mit bieher gebracht1). Letztere waren vielleicht die Eiuzigen, auf die wir uns batten verlassen konnen; dass ibre Gegenwart ein Stein des Anstosses werden sollte , vermutbeten wir lieilicb im Augenblicke noch gar nicht, wir glaubten vielmebr alles gut eingerichtet zu haben und zogen vertrauensvoll uuseres Weges.

Bald war ich in der Lage, die Gescbicklidikeit und Kraft der Alfuren auf dem Waldpfade bewundern zu lernen; demi obwobl ich schon unter gleichen Ver-haltnissen mit Negern und Indianern gegangen war, so batte ich doch bis dahin Aehnlicbes noch nicht gesehen. Dass die Eingeborenen umgefallene Biiume nicbt als ein Hinde miss im Wege betrachten, ist ja selbstredend; aber erstaunt war icli doch zu bemerken, wie sie obne weiteres in deren Aeste hineinkletterten, wenn sie zu mehreren ein Gesprach führen wollteu und ibnen der enge Pfad keinen genü-genden Raum zum Beieinanderstehen bot. Das ging so bequem von statten, als

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Die Kakeanistcn müssen ohnchin durch don Zwang, wolch.cn dor Gchoimbund ihncn auforlcgt) zusammenhalten nnd diirfen vor allen Dingen nicmals die Seitc dor „Compagniequot; wiihlen, falls os zum Stroitc kumml (vgl. Ludoking, schots, pag. 74).

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stiflgen sie eine Treppe hinan, und da sassen demi die Leute gleich Affen in den Zweigeu, vim sich mit den am Boden Stekenden zn unterhalten. Auselmliclie Aeste, welche ihnen lm Wege waren, schlugen sie so miilielos mit Einem Sclilage Hires Parangs liernnter, class ieh seitlier auch an die Behauptnng glanbe, es ver-möge der Alfure einen Meuschen ohne Umsliinde durcli einen einzigen Hieb voll-stiiudig zu köpfen.

Der Weg führte zunachst über ebenen Boden bin, und wurde nur von einzelnen, sobmalen Bacbbetten durcbscbuitten, worunter der Wak Sari; dann gelangten wir, 2 Stunden nacb dein Aufbrucbe von Kairatu, an eine etwas bedeutendere Wasserader, den Wak Tam, welcber mit Einschluss seines Trockenbettes etwa 20 Scliritte breit und mit Schotter archaeischer Q-esteine erfüllt ist. Wir folgten seinem Laufe eine Viertelstunde lang aufwarts und befanden uns alsdann am Fusse des Gebirges, woselbst auf einer kleinen Anböbe, unmittelbar am genannten Fluss-bette, aber vom Thale aus nicht sichtbar, das Dort' üratj liegt. Da es gegen 12 Ubr ging, so besclilossen wir, bier kurze East zu halten, um abzukochen, und nacb einigen Vorbereitungen wurde uns zu diesem Zwecke auch ein Hans in dem genannten Ürte eingeraiunt. Es war ein auf Bambuspfahlen ruhendes Dach, unter dessen Rand bin man mir in gebückter Stellung eintreten konnte, olme Seiten-wilnde; dariu befand sich als Sitz- und Schlafstatte eine mit gespaltenem Bambus bedeckte Pritsche, welche die Hiilfte des ganzen Raumes einnahm, und ihr gegenüber eine Peuerstatte mit rohem Trockengestell, lm Giebel eine Borte mit geschicbteten Holzscheiten — sonst nichts. Kleine Hauser mit verhaltnissmüssig hohem und spitzem Dache, welche in der Niihe zerslreut standen (Taf. 25, Fig. 10), liessen auch keine Wande erkennen, und ich verliess den Ort mit der falschen Vorstellung, dass die meisten von ihnen an den Seiten offenseiéu. Erst in Honitetu bemerkte ich den Irrthum, welcher dadurch hervorgerufen war, dass der aut Pfahlen ruhende, geschlossene Wohnraum von dem weit herabreichenden Dache verhüllt wird.

Von ürau brachen wir um 12 U. 40 M. wieder auf und gingen nun am Fusse eines zur Rechten ansteigenden Gebirgslandes bin, zu dessen Auslaufern auch die Höhe gehort, auf welcher das genannte Dorf gelegen ist. Der Weg blieb, wie auf der Strecke von der Kuste bis nach ürau, im wesentlichen NO gerichtet und führte hart am Gehange in fast ebenem Terrain fort, abwechselnd durch VVal-dung und durch hohes Gras; kaura 20 Minuten Geliens von der Negorei entfernt, erblickten wir die Ebene von EatüSüa und den unfern Kaibobo gelegenen Huuukla ; auch Ambon wird in dieser Gegend sichtbar, und namentlich Kap Setan tritt deutlich hervor; aber sellen nur nimmt man in blauer Ferne ein Stück vom Berg-lande Serans wahr, da die Vegetation, wie gewöhnlich, den Ueberblick verhindert.

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So gelangten wir an den Wak Kiuk.ua, einen 10 Schritte breiten liacli, wel-cher gleich den beiden obengenannten, Wak Sari und W. Taw, zum westlich von Kairatu miindenden Eiupa tliesst, und an seinem jenseitigon, steil ansl eigenden Ufer wurde bereits nm 2[ TJhr nacbmittags der beutige Tagemarscb beschlossen. Dieser Punkt, wolcher sicb von Urau aus, bei Vermeidung liingeren Aufenthaltes untervvegs, in einer guten Sfcunde erreichen lasst, ist oine von den AKureu luiutig besuchte Station; denn sie sammeln hier in der Nahe viel Dammerharz {'joni koopal) oder benutzen den Ort audi als Nacbtverbleib, wenn sie ibre Lasten von Honitetu nacb dor Küste bringen, wogegeu sie unbeladen den ganzen Weg in einem Tage zuriicklegen.

Anf einer kleinen Licbtung im Walde war meine Hütte bereits erricbtet; bald stand audi der Kocbtopf aut' dein Feuer, waren die nothwendigsteii Dinge ausgepackt und wurde die Hiingematte unter allgemeiner Verwande rung' der Alfuren gespannt, so dass die naclisteu Stunden bis Sonnenuntergang lediglich der Erboh-lung dienen konnten, und icb genoss sie in vollen Zügen. Denn meine Begleiter batten unten am Flusse oder weiter oberhalb am Gebauge ein Unterkommen unter kleinen, rascli liergericbteten Bliitterdacbern gefunden, naehdem die Strand alfuren sicb noch erst gegenseitig Massen von Ungeziefer aus dem wüsten Haare gesucbt, nur bin und wieder tönte noch ihr Lachen berüber, sonst störte nichts die behre Waldeinsamkeit; Die Sonne scheint durch die kleine Lücke der ringsiim lioeb auf-ragenden Vegetation; Vogel locken und gurren; Insekten zirpen, und die Cicaden lassen eineu scharfen, lang anhaltenden Ton horen; dann setzen sie alle gleich-zeitig ein, einem Streichorchester gleich, dem ich stets mit Genuss zuhörte, crescendo-diminuendo in merkwürdiger Eegelmassigkeit. Aucb an Selirnetterlliigen feblt es nicht, obwolil die grossen Falter nicht melir so haufig gesehen werden, wie in Öegenwart der Strandalfuron; denn die blutrothen Kopftücher, welche letztere sebr lieben, bildeten stets einen machtigen Anziehungspunkt lur die bunt-tlügelige Gesellscliaft, und vielfacb sab ioli auf meinen lieisen in Seran, wie Schmetterlinge sich aut' jene farbige, otlenbar als Blüthe angesehene Bedeckung der Trager niederlassen wollten und von diesen gleich liistigen Fliegen veracheucht werden mussten.

Audi die Nacht, seit Jahren die erste, in der ich wieder mitten im Urwalde scblief, machte ibren Zauber aufs neue geit end, und schwer uur konnte ich dem Genusse entsagen, ibren Stimmen fort und fort zu lauschen: Bin und wieder ein Eulenruf oder das Quacken eines grossen Frosches; dann /.ablreiche Insektentöne, verschieden von denjenigen, welche man am Tage vernimmt; eiuige zirpen wie die Heimchen, andere, grosse Heuscbrecken, bringen scharfe und laute Tone her-vor, welche Lockrufen von Vögelu nicht uniihnlich sind und bisweilen wie Schnat-

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tern erklingeii; einförmig rauscht dazu der nahe Bach. Um 5 LIhr morgens liört man zuerst die drosselartige Stimme des Tagvogels (bunmfj mang), gegen 5.gt; Uhr beginnen dann die Tanben zu gurren, und nun gesellt sicli dazu alsbald eine ganze Reilie von hellen Tonen der Vogelwelt, den erwaclienden Morgen zu begrüssen.

Anf den Kuf des Tagvogels pllegen die Alfuren genau zu acliten; denn bis-weilen stösst er einen kreischenden Ton aus, und alsdann liiui'i ibrer Meinung nach das üuternelimen des betreffenden Tages schlecht ab. Spater lernte icb auf Burn einen anderen, ebenfalls an einen Vogelruf sicb knüpfenden Aberglauben kennen; denn dort giebt es einen hurnng kapal, welcher am vorbergebenden Abende seine Stimme erschallen lasst, falls ein Scbiff kornuit; ruft er dagegen übet' Tag, so hat dies nichts zu bedeuten ').

Der Burung-siang war tins giinstig gestimmt, so dass wir am 4ton Miirz kurz nach 7 Uhr mit guten Aussicbten den Marscb fortsetzen konnten. Der Weg ward nun Sohwieriger; denn obwobl er im Mittel wenig anstieg, so fiihrte er doch bestandig auf und ab, unter fortwahrender Aenderung seiner Eiehtung, welche zwischen A' W und NO schwankte, eine kurze Strecke weit sogar W war, am luiufigsten jedoeb A—NO blieb. Der erste Bach, zu dem wir 1 St. 20 M. nach dem Verlassen der Station gelangten, war wiederum ein Zufluss des Bin pa, genannt Wak Kuassa; er war hier 15 Sebritte breit und zur Zeit trocken. Nach vielfacbem Aufenthalte befanden wir uns eine Stunde spater in 128 m. Meeresböhe und klet-terten darauf an einem sehr steilen Gebiinge zu einer Ebene hinab, in welcher ein anderer Nebenbach des Eiupa, der \\rAii Tuba, fliesst. Das Qebirge stieg zur Rechten empor, wahrend links bisweilen ein Durcbblick auf niedrige Höhenzüge in der Feme sich darbot, und so oft die Vegetation im Verlaufe des Tages ein wenig fiber die Beliefverhaltnisse des Landes erkennen liess, batten wir die den Weg überragenden Gipfel zur rechten Hand. Ich schliesse daraus, dass wir am Bande der liohen und breiten Gebirgsmasse bingingen, welche gegenüber den Uliasseni aus Meer stösst, um die Piru- und Elpaputibai von einander zu scheiden.

Wir förderteu ungemein langsam, zumal unsere Trager bei den schwierigeren Wegvei'lialtnissen wenig Lust und Ausdauer zeigten, und es war bereits 11 Uhr, als wir nacb dem Passiren einer kleinen, sebr sumpfigen, mit hober Bambuswal-dung bedeckten Ebene im Bette des Waë Tuba eintrafen. Zu unserer Freude stiessen dort die Frauen der Bergalfuren zu uns, welche sich bis dahin fern gehalten und deren Gegemvart nun als bester Beweis fur das zunebmende Vertrauen der Einge-borenen geiten konnte; audi war Ilumatita mit seinen Leuten uns in jeder Ilinsicht

1) Uebor abcrglaubische Doutung von Vogelstimmcn ist besunders van Scbniid zu vergleichon (Ann-teekcnin^en p. 518 11'.).

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belliIHicli, die Liebenswünligkeit in Person. Houitelu dagegeu haite sieli sclion seit gestern Abend niclit melu' sehen lassen; er war ruit einem Tlieil seiner Leute vor-ausgegangen, um, wie man sagte, zugespitzte Bambuspüöoke {randju's) aus dam Boden zu zielien, welclie nocli von alteu Zeit her nacb kriegerischen Anliissen im Pfade sleeken sollten. Warviin gescbah das erst jetzt, wabreud doch uur Ein Weg (lurch den Wald nach Honitetu fiihrt und die Eandju's den Bergallureu, welche ibn taglich begehen, mindestens ebenso hinderlich sein musslen als uns selber? Mich konnte das freilich wenig kümmern; deun die Sache sprach ja nur tur die freund-liche Gesinnung des Hiiuptliugs, und an der Thatsache selbst, dass er sicli zuui Anszieben der Bambuspflöcke entl'ernt babe, brauchie ich nicht zu zweileln.

Den stark gescblangelten Waë Tuba gingen wir eine Slunde lang aufwiirts, indem wir bald liingera Strecken in seinem Belle watelen, bald ihn durchscbrilten, um unsern Weg über die alluvialeu Ablagerungen seiner weitereu I 'mgebung fort-zusetzen. Stellenweise traten etwa 15 m. hohe Wiinde anstebenden Gesteins unmit-lelbar an das Ufer des Baches hinan, aber sie waren so stark verwitlert, dass die Hoffnung aui das Vorkommen brauchbarer Profile sich bald als eitel envies. Audi im Walde blieb die geoguostische Ausbeute wahrend des ganzen Marscbes nacb Honitetu sebr gering; auf weitan Strecken war bisweilen nicht einmal ein ein-zelner, loser Slain zu finden, wiibraud ein roth- bis licbt-kaffeebrauner Verwilte-runtrsboden die Oberfltiche bildete. Immerhiu arwiesen sich aber die vereiuzellen Funda von Geröllen, und namenllich die Gescbiebe der Bachbetten, als binrei-chend, um zu erkennen, dass der Weg ein Gebiet kreuzte, welches die Fortset-zung der aus dem Innern der Pirubai bereils bekannten, archaeischen Gebirgs-formalion darstellt.

Bei der erslen Durchquerung des Waë Tuba landen wir sein Belt 15 Schritta breit und trocken, zwanzig Minuten Gehens aufwiirts von diesein Punkte dagegeu nur noch 10 Schrille breit und mit einer nicht unerheblichen Wassermengo ver-sehen, die dann weiler oben nocli mehr zunalim. Dieso auf den erslen Blick be-fremdliche Thatsache findet ibre Erkliirung in einfacher Weise durch die slattliu-dende, starke Verdunslung; deun das verhallnissmassig breite Belt, welches sich ein Wasserlauf in der Regenzeit schafft, wird zur trockenen Jahreszeit zunacbst nur noch zum geriugen Theile von Wasser erfüllt, das sich oftmals uuch wieder in kleineren Adern zwischan den Geröllmassen vertheilt. Die Verdunslung wird nun inmitten des stark erbitzten Schotiers selir befördart, iiikI dies um so mehr, als die Breite des Bachbetles und somit der Mangel des durch die Vegetation gebolenen Schulzes abwarts zunimml. Die ueu zugefübrlen Wassermengeu sind aber nicht im Slaude den erlittenen Verlust auszugleichen, und so trocknet der Fluss im ünterlaufe aus, wahrend er aufwiirts im schmaleren Belle und im Scliatlen der

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liolien Waldïing sein Leben weiter fristet. Dies erklart zngleic.li, weswegen selbst die grössten Ströme zur Trockenzeit nahe dem Meere mir unbedeutende Wassermengen führen, obwohl ihr Quellengebiet aucli danu noch gut durchwas-sert ist.

Um 12 TJ. 15 M, hielten wir Mittagsrast am Waë Tuba und braclien daim eine Stonde spater wieder auf, indem wir den Bach verliessen und nun einem Gebirgspfade folgten, welcher rasdier als bisher aufwiirtB führte. Bald zog ein üngewitter herauf; dann goss unaufhaltsam der Eegen herab, und das Fort-kommen wurde dadurch wesentlich beeintrachtigt, weil unter solchen ümstanden jede Aui'zeiclinung und Beobachtung bei der bestandigen Sorge für Instrumente und Notizbuch auBserordentlich erschwert wird. Auf einer kleinen, steilen Kuppe, die li ach den umherliegenden Qesteinshrocken zu urtheilen, lediglicb aus einem sehr l'einkörnigen Carbonatgesteine besteht, erreichten wir um 3 U. 35 M. 277 m. Meeresliöhe. Itechts zeigte sich bier wieder ein Ausblick ani' das Gebirgsland, welches aber leider durch den Regen grösstentheils verhüllt blieb; dagegen war icb aul' dem Rückwege so glücklich, von demselben Punkte aus einen hohen, -S' 48° O gelegenen Gipfel mit knppenartig abgerundeter Spitze peilen zu können. Derselbe heisst Oija und gleicht in seiner Form einem Berge dieser Gegend, welcher unter anderen von Lokki aus sichtbar ist und den Namen Solohua triigt; doch sind beide nicht identisch, und man sagte mir, dass letzterer von dem betreffenden Standpnnkte aus noch hinter dem Oija gelegen sei. Nur wenig ab-warts schlugen wir, genöthigt durch die ungünstige Witterung, unsere Hütte für den Nachtverbleib auf.

leb fand an diesem Tage zum ersten Male Gelegenheit, auf Seran die Be-kanntschaft mit einem der matakau genannten Verhotszeichen zu machen, welches man im Walde zum Schutze von dort wachsender Ananas errichtet batte. Ein Baumstnmpf war oben mehrmals zerspalten, und die so erhaltenen Splitter wurden vermittelst eines Stockes auseinander gebogen. Da hinein hatte man ein lebendes Farnkraut geklemmt, in dessen Blattern sich unten ein Stein und oben ein Stückchen Ananas befand. Dies Matakau bedeutet, dass derjenige, welcher von der Frncht stiehlt, im Magen einen Stein bekommen und daran elend zu Grimde gehen soli, und zwar stellt das Stückchen Ananas den Bissen dar, welchen der Dieb geniesst; derselbe gelangt nun in die Eingeweide, welche durch die Bliitter repraesentirt sind, und verwandelt sich in ihnen zu Stein; der schmerzliche Zustand, welcher hievon die Folge ist, wird durch den zwischen-geklemmten Stock angedeutet. An demselben Orte sab ich audi ein mm gegen das Jagen von Ouscus, lediglicb aus einer Reihe von Stöcken bestellend, welche in geringem gegenseitigen Abstande vertikal in den Boden gesteckt waren und so

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geliinderartig, aber iiuverbuiideu, eiue Strecke weit neben dein Wege lierliefen. Beide Dinge sind ihrem Wesen nacli bereits vou den üliassern her bekannt, wenn-gleicli diese Art der Anwendung noch nicht beschrieben wnrde; aber auf Seran hatte icb sie bis jetzt nicht gesehen, und das Malakau wollte man weder in der Umgebung von Hatusua noch in Lokki kennen. Es wnrde dort behauptet, dass das Anbringen eines solchen Verbotszeiclieiis bei den Bevvohnern der Abtheilung Kairatu überhaupt unbekannt sei und höchstens durch Leute geschiihe, welclie von den Üliassern herüberkiimen, urn sich zeitweilig in Seran auf/uhalten. Nun ist es ja recht wolil möglich, dass die Strandbevölkerung der betreffenden Gegeud den Brauch nicht mehr übt, aber das Vorkommen des Matakau's im Innern des Landes, woselbsl es durch Alfuren errichtet war, beweist, dass dassellie auch in Kairatu urspriinglich zu Hause ist.

Der Verblei 1) an der Station gestaltete sich an diesem Tage sehr unerquicklicb, denn schon die Errichtung der Hütte verursachte in dein sfcrömenden liegen viel Sclnvierigkeit, und schliesslich war sie so klein ausgefallen, dass icb darin kaum einen geschützten Platz für die Instrumente finden konnte. Das Trocknen der nassen Kleider wollte noch weniger gelingen, und, um das Maass vollzumachen, wnrden durch eine Unvorsichtigkeit der Bedienten auch noch die Schlafdecken feucht. Obwohl die Temperatur der Luft um 5.J ühr morgens noch 21,2° 0. betrug, batten wir unter dem primitiven Blatterdache doch die Empfindnng einer gewal-tigen Kiilte, weil die Luft zu sehr mit Wasserdampf geschwiingert war, und in der Frühe liess sich denn auch kein trockner Faden mehr an unseren Kleidern finden. Meine Javanisohen Diener, welche die ganze Nacht hindurch nicht sclilie-t'en, bemühten sich zudem bereits seit 4 Uhr morgens vergebens, ihren Körper am glimmenden Feuer zu erwiirmen; sie trieben uus dabei noch zum Ueberflusse einen beizenden Raucli in die Augen, so dass icb manchmal meinte, ersticken zu mussen und mir in der Hiingematte vorkam, als sollte icb gerauchert werden — und doch war die Feuchtigkeit so empfindlich, dass ich nicht wusste, oh der warme Rauch nicht dennoch als Woblthat zu schatzen sei, weswegen ich die Sache gehen liess, wie sie eben gehen wollte.

Der 5t0 Mürz brachte glücklicberweise trockenes Wetter, und wenn es autdi noch lange von den Baumen tröpfelte, und das nasse Gestrüpp, durch welches wir im Walde hingingen, den unteren Körpertheil bald bis auf die Haut durch-niisste, so brach doch schliesslich die Sonne durch — die I 'Hanzen trockneten ab, und wir selber mit ihnen. Wir stiegen noch weiter das Qebirge hinan, selbstredend auf und al) über zahlreiche Bodenwellen, deren Bedeutung zunahm, je mehr wir uns Honitetu naberten. Leider isl aber das Relief im dichten Walde durchaus

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nicht zu übersehen; nur lasst sich erkennen, daas wir nicht mehr am Bande des Qebirgslaudes hingehen, demi die unhedentenden Durchhlicke, welche die Vegetation hin vind wieder gestattet, zeigen mis ïïöhen zu heiden Seiten.

Die Baumfame, welche hereits am vorigen Tage zahlreich erschienen, nehmen in dieser Kegion nocli melir zu; riesige liamhuB, das unenthehrliche Baumaterial f'ür die Hauser der Alfuren, tallen nebat ihnen hesonders in die Augen, und nicht minder eine galola utang genannte Pfianze, welche stellenweise fast ausschliesslich das Unterholz des Waldes hildet. Es ist Alpinia gujantca BI., dieselbe, welche bei Bumphius als (Uobha sylvestris major beschrieben wurde. Hire 5—6 m. holien Triebe, welche direkt aus dem Boden hervorspriessen, ohne einen gemeinschaftlichen Stamm zu zeigen, sind init kurz gestielten, wechselstiindigen, lanzettlichen Bliltternhesetzt und verleihen der Pfianze das Aussere eines riesigen Farns; doch tragen sie an ihrer Spitze je eine, im Mittel (55—70 cm. lange Inflorescenz in Gestalt einer braunrothen, lockeren Aehre, welche ebenso gefarbte Stützblatter besitzt und blut-rothe, eirunde Früchte von der Grosse einer Wallnusa zeitigt. Da diese Aehren vielfach an den Enden der elegant gebogenen Aeste herniederhangen, so bilden sie eine hohe Zierde im Waldesgrün. Sehr liaufig wiichat an den Baumen ein zier-liches Moos, Bryopteris fniticosa hivdb. et Gotische, Büschel und Barte bildend, und unter der Thierwelt Hel mir eine kleine Schnecke mit meist weiasem, bisweilen auch braun gebandertem Gehause, Leplopoma vikeum Lmon '), durch ihr zahlreiches Vorkommen aut'. Einmal lag ein riesiger Pythion, von den Alfuren ular patola. genannt, unmittelbar vor mir aufgerollt im Wege; fast trat ich auf die Schlange, und die Strandbewohner waren darüber so erschrocken, dass sie das Thier leider durch ihren Larm verjagten. Waren die Alfuren des Innerii zur Stelle gewesen, so würde das Beptil gewiss ohne sonderliche Mühe erlegt worden sein, da jene quot;viele Schlangen tödten, um sie zu essen.

Eine gute Stunde nach dem um 64 ühr erfolgten Aufbruche von der Station hefanden wir mis au einem langsam und gleichmassig ansteigenden Gehiinge, wo-selbst von den Bergbewohnern ein hreiter Weg angelegt war, nach Arl der Schneusen, welche in unseren Forsten zur Vermeidung grösserer Waldbrande üblich sind. Es fehlte dort nicht nur jeder Baum, sondern auch jegliches Gestrüpp, und die Trager wurden vor liamhusspitzen gewarnt, die vielleicht noch einzeln im kurzen Grase des Boden» stecken könnten; oben war diese Wegstrecke durch eine Barrikade ab-geschlossen. Das alles sollte noch aus alter Zeit herrühren, ohwohl doch nicht gut einzusehen war, weshalb die Vegetation in soldier Breite erst jetzt rasirt werden musate. Naher dem Dorfe Honitetu passirten wir daim noch zweimal langere

1) Diesel!)!' Art saniuiolte ich spator in sehr zahkeichen Exemplaren in Wahaï und bei Kajeli auf Bum.

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Strecken, auf denen nicht das kleinste Pflanzchen melir wuchs und die Erde frisoh umgearbeitet war, so dass dieselben in merkwiirdigem Gegensatze zu der Wildniss standen, welclie wir bis dahin angetroffen. Icdi glaubte demi auch anfangs, dass wir uns am Eingange des Dories befanden, und wunderte mich über die grosse, l)ei den Bergalfuren gewiss sehr unerwartete ürdmmgsliebe, war aber nicht wonig iiberrasobt, als uns beide Male knrz darauf wiederum der dichte Wald umfing, in dein wir wie früher über umgefallene Baumstamme und durch Gestriipp bin unseren Pfad verfolgten.

Dass die betreffenden Wege nicht etwa für uns angelegt waren, verstand sich ja von selbst; deun wozu hiitte man dort jeden Grashalm ausrupfen sollen, wiihrend im übrigen von der Küste her nichts für unsere Bequemlichkeii geschehen war. Die verhaltnissmassig sehr kurzen, isolirten Strecken inmitten des Urwaldes würden ohnehin keinen Zweck gehabt liaben; die Alfureu aber gebrauchen solche Strassen nicht. Wozu mussten sie denn dienen? Es bleibt gar keine andere Deu-tung übrig, als dass wir in ihnen eine kriegerische Maassnahme zu sehen haben, und dies um so mehr, als die erwahnten Wegstrecken die ganze Breite von rechts und links ziemlicli steil abfallenden Graten einnabmen. Wollte man einem F einde den Zugang wehren, so hutten die Punkte nicht besser gewahlt werden können.

Die Erklarung ist ja auch einfach zu flnden; Die Bewohner von Ilonitetu, welche ein schlechtes Gewissen batten und den Zweck der Reise unmöglich begreifen konnten, betrachteten mein Kommen mit Argwohn und mochten ge-fürchtet haben, dass eine militairische Expedition beabsichtigt werde. üuserer Aul-forderung, den Weg gangbar zu machen, die ihnen vielleicht schon von vorn-herein verdachtig schien, waren sie denn auch, im ganzen genommen, so gut «ie gar nicht nachgekommen; dagegen batten sie für alle Falie Vertheidigungs-maassregeln getroffen und zu diesem Zwecke auch im Walde an einzelnen Stellen Randju's in den Boden gesteckt. Diese Punkte waren so gewahlt, dass ein Ent-weichen nach den Seiten bin mit grossen und für Europaeer kaum überwindlichen Schwierigkeiten gepaart ging. Vielleicht batte man sie oberflachlich von Gestrüpp gesiiubert und nun die Bambusspitzen eingetrieben; als aber die Bergbewohner sahen, dass ihnen keine Gefahr drohte, zog Honitetu, wie oben bereits mitgetheilt ist, voraus, um die Randju's wieder zu entfernen; damit dies gründlich geschehen könne, giitete man aber den Weg so sauber wie möglich. Eine andere Erkliirung vermag ich nicht zu finden; denn obwohl es nicht ausgeschlossen ist, dass an den gleichen Orten bereits bei ülteren Felulen im Lande dieselben Vorsichtsmaass-regeln angewandt sein konnten, so ist es doch unmöglich, dass die betreffenden Wegstrecken im Walde auch nur kurze Zeit lang ihrer Vegetationsdecke vüllig beraubt geblieben waren. Die ganz frisch gegatete Erde bewies schon an und für

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sich, dass der Boden noch in einem der allerletzten Tage bearbeitet worden war.

Die übrige Handlungsweise der Bergbewoliner steht auch mil der bier ge-maehten Annabme im Einklange; denn allein das Besteben eines starken Verdaclites vermag zu erklaren, weswegen so zahlreicbe, nicht mir mit dem Parang, sondern auch mit Gewehren bewafi'nete Leute nns in Kairatu emplingen, und es erklart ferner, warum die Hauptmasse der Alfuren nacb unserem Aufbrucbe von dort zmiacbst nocli am Sfrande zurückblieb sowie endlicli die Anwesenbeit von Frauen und Kindern. Denn letztere würden in Honitetu, i'alls eine militairische Expedition dorthin ge-langte, nicht sicber gewesen sein; sie liiitten in die Waider tlüchten müssen und würden daselbst, auf sich allein angewiesen, keine Nabrung getVindeii habeu. Am Strande dagegen konnten sicli Frauen und Kinder leicht in die benaclibarten Pllan-zungen und hefreundeten Dörfer zerstreuen, sobald das Nahen eines grosseren Schiflés voui üfer aus bemerkt worden ware. Niemand würde diese Leute von den Angehörigen der Strandalluren haben unterscbeiden konnen, und so batten sie im Kriegsfalle Scliutz und Nabrung auch ohne ihre Manner gefunden.

Dass die Bewohner von Honitetu uns nocli stets mit grösstem Argwolme be-trachteten, solllen wir im ferneren Verlaufe der Reise genugsam erfahren; aber sie brauchten uns selbstredend nicht mehr zu fürchten und thaten ibr Möglicbstes, mindestens ausserlich eine freundschaftliche Gesinnung an den Tag zu legen Noch eine weite Strecke vor dein Dorfe empfing uns der Hauptling, welcher sich zu diesem Zwecke eine kurze, blaue und sehr schabige Tuchjacke angezogen batte, so wie sie unsere Landleute tragen. und da die dunnen Heine unbekleidet damnter lier-vorsahen, bo machte seine Gestalt in diesem Aufzuge eineu unbescbreiblich liicher-lichen Eindruck. Er selbst war oline Walle; aber an der Erde lag ein Parang, tiesseu Griff unten und oben bellroth gefarbt war, so dass nur in der Mitte der Handhabe ein schmaler, ungefarbter Ring übrig blieb. Die Bedeutung dieser Ver-aierung, welche ich sonst nirgends gesehen, ist mir unbekannt.

Der Hauptling ging nun mit einer Reihe von Begleitern voran. Bei mancher der Biegungen, an denen der Pfad reich war, sassen Trupps von BewafFneten, welche so urplötzlich vor uns auftauchten, dass ich nicht umhin konnte, zu bemerken, wie ausserordentlich geschickt die Lage des Dorfets mit Rücksicht aut' etwaige feindlicbe Angriffe gewühlt sei. übwohl nümlicli die Richtung des Weges auch im Beginne des Tages wieder vielfacb geschwankt und trotz der noch immer herrschenden N O-Richtung gelegentlich sogar Abweicbungen nacli S O und A' W gezeigt liatte, so nahmen seine Krümmungen in der Naiie der Negorei docli au Kallend zu, und scbliesslich naherten wir uns dem Orte in einem weiten Bogen. Dies, in Verband mit den zablreicben Bodenwellen, über welche wir hingingen, erforderte viele Peilungen und Schatzungen; auch das Aneroid musste haufiger abgelesen

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werden, lt;la es rnir darauf ankam, die Hölienlage von Ilonitetu möglichst genau festzustellen, untl so gab es mandiën Aufenthalt und vielerlei aufzuzelchnen.

Die Bergbewoliner betracliteten dies mit sicbtlichein Unwillen , denn sie scliienen zu begreifen, daas ich den Weg aufnahm; docli meiute icb, die Arbeit trotzdem vvohl forlsetzen zu dürfeu, und dies um so mebr, ais plotzlicb in einem kleinen Durchliau links vom Wege das Dorf sichtbar wurde und aus ihm die schonen Farben der niederlandiscben Flagge herüberleucliteten, um in wunderbar rasdier Folge heimatbliche Bilder am geistigen Auge vorüberznfüliren. Belten wolil machte eine Fabne eiiien so tiefen Èindruck wie bier inmitten der Wildniss nnter dem robesten Volkn: „Das Weiss des Friedens, umgeben von lioth und Blau, der Liebe und der Treuequot; — so scbien sie mir in diesem Augenblicke, und ich fragte micb seller, ob diese öegend wobl jemals einen Zustand würde kennen lemen , in dem solc.he Deutung nicht mebr als greller Qegensatz zur VVirklicbkeil er-schiene.

Um 11 Ubr 10 M. kamen wir in Honitetu an, wurden aber sogleicli durch diese Neg'orei hin nach dem sicli unmittelbar anschliessenden Ruraatita gefübrt, wo-selbst man uns eine Hiitte anwies.

Die Dörter Honitetu nnd Rumatita liegen 4t)3 m. Iioch in bügeligem Terrain, auf ausgerodelem Waldboden, ringsherum von Hochwald umgeben. lm Norden erblickt man von dort einen entlernten, ansehnlichen Höhenzug, mit welligem Pj'ofil und obne besonders hervorragende Gipfel, dessen Belief' in den Morgen-stunden des folgenden Tages durch die in den Thillern lagernden, schleierartigen Wolkenmassen wunderbar hervorgehoben wurde, in allen möglichen, blauen Fiir-bungen abgetönt. Der niedrige Blieken, auf dem die meisten llüuser stehen, fiillt nacli Westen hin zu einem Thale ab, welches ilin von einem zweiten, etvvas höheren Eüoken trennt, demselben, über den uns der Weg noch vor kurzem bingeführt batte. Auf letzterem liegt im Nordwesten von Honitetu, dem Auge bequem er-reichbar, das Dorf ühsana , von wo die Uliasser, Pulu Kasa, l'ulu Babi u. s. w. sichtbar sein sollen, und welches wir am michsten Tage zu besuchen gedachten. Man sagte mir ferner, dass in der erwabnten Niederung das Kakeanhaus stiinde, und dem entsprechend befanden sieii auob aul' dem gegenüber Honitetu liegenden Rücken, dort wo dieser zum Tbale abfallt, zu Seiten des Weges Zeichen, welche den Durcligang verboten. Sie bestanden uur in einigen Btöcken, die mebr oder minder horizontal im Gebüsche befestigt waren und streckenweise den Pfad lie-grenzten, freilich so unvollkommen und unauffallig, dass sie dem Auge eines Buro-|iaeers leicht ganz entgehen und bedeutungslos erscheinen könnten.

Die Anzalil der Hauser liess sich schwer überblickeu, da sie regellos über

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eine weite Fliiclio zeretreut slelien, zwischen umgehauenen, miiclitigen Bamu-stammeu, die man fortzuscliaffen fiir überflüssig halt, und ihren von Feuer versengten Stümpfen; ausserdem wechseln Pisang und andere fruchttragende PHanzen beliebig mit den Wohnungen ab, je nacbdem der Waldboden melir oder minder vollstiindig ausgerodet worden ist. Wir liassen sie deswegen durcli Seruawan zilhlen, welcber siub dabei ans Vorsicbt den Anschein gab, als wolle er jagen geben, und im ganzen in beiden Dörfern nur 49 Eauser aniraf, 24 in Honitetu und 25 in Rumatita. Da nun diese Alfuren stets nur eine einzige Frau haben und der Kinder-segen nicht gross ist, so dürfen schwerlich mehr als 5—G Personen für je ein Haus gerechnet werden, was eine Bevölkernng von 250—300 Köpfen ergeben würde, und das stimmt aucb mit der Schatzung der Anzalil von Leuten, welche mir zu Qesichte kamen, ungefabr überein. Im ganzen liegen in dieser Gegend achtDörfer, von denen Honitetu das Haupt ist, und welche nacb der Scbatzung der Strand-alfuren etwa 300 wehrbare Manner beherbergen.

Die Hiiuser (Tal'. 14 u. Taf. 24, Fig, 8) besitzen nur einen einzigen, meist gescblossenen Wohnraum, dessen Liingsseiten nacb unten bin, dcm Rumple einos Schiffes gleich, etwas convergiren, wahrend die Querseiten vertikal steben. Ihre Wande sind aus borizontal liegendem Gabba-gabba bergestellt:, und an einer der Liingsseiten befindet sicb am Ende eine Thüröfi'nung, die, soweit ich gesehen, immer unverschlossen bleibt; dazu gesellt sicb gelegentlich ein fensterartig ausge-schnittenes, kleines Luftloch. Ein liobes, spitzes Dach von Atapp, im Innern duroh Bambusstabe gestützt, reicht an allen vier Seilen so weit über den Wobn-raum bin, dass man diesen von aussen überhaupt nicht wahrnimmt; auch hierin finden sicli bin und wieder kleine Oeffnungen. Das Qanze endlicli ruht auf einem TJnterbau von starken Bambuspfahlen, unci an diesen sohliesst sicb eine lange, ebenfalls durch Bambus getragene und mit zerklopften Halmen derselben Pflanze belegte Pritsche (oder Bank) an, welcbe eine der Liingsseiten ganz einnimmt und von oben her noch vollstiindig durch das gemeinsame Dach der Wolmung gescbützt wird.

Sitzt man auf der Pritsche, so ist der Kopf hinter dem weit berabreichenden Dache ganz verborgen, und nur in gebückter Stellung kann man unter dessen Rand hindurchgehen. Um in den Wohnraum zu gelangen, steigt man von der Bank aus ziemlich hoch, aber doch ohne Benutzung einer Leiter, in die Thüröffming; drinnen hrennt am Boden ein immerwahrendes Feuer1), auf Erde, welche eine Unterlage von Atapp besitzt. Um dasselbe nicht stets anschüren zu mussen, bat man daneben zwei Stocke vertikal in die Flur gepflanzt und sie dann oljen durch

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Nucli vitu Doren dient das Feuer /ur Ahwohrung von Tnsekten (Fragmenton I, jiag. 169).

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eiueii horizontalen Querstab verbanden, anf den man die Holzsclieite in sclirager Stellung liinlegt, so dass sie durcli ihre eigene Schwere nachsinken, wenn ihr unteres Ende verzehrt wird. Auf einer Borte über der Feuerstatte liegt lérner das Brennholz aufgescliichtet; ein paar andere, an den Ltlngfwünden hinlaufende Borten vervollstandigen die Einrichtung des Wolmraumes, welcher bisweilen nicht mehr als eine Mannslünge hoch ist und sogar beim Hause des Htiuptlings von Rumatita (Taf. 24, Fig. 8) nnr etwa 2,5 m. Höhe besass. Freilich standen in Honitetu etwas grössere Wohnungen, die ich aus unten angeführten Griinden nicht babe betreten können; doch diirfte ihre Einrichtung schwerlich eine neunenswerthe Versclüedenlicit aufweisen, und ini Ausseren gleichen sicli alle lliiiiser von Honitetu und Rumatita durchaus. Schnitzwerk ist nirgends vorhanden.

üm einen Einblick in den Besitzstand der Leute zu erbalten, habe ich alles autgezeichnet, was in der Wohnung des flauptlings von letztgenanntem Dorte zu finden war. Es sind das folgende Dinge: Zunachst zwei blau verzierte, por-zellauene Spülkummen und etwa fünf derartige Teller, Gegenstande, welche von den Bergbewohnern, gleicliwie von der Bevölkerung der Uliasser, ausserordentlich hoch geschatzt werden und die in soldier ümgebung merkwürdig auffallen; sodann eine grosse, dunkelbrauue, irdene Schüssel, abkünftig von Saparua und zur Be-reitung von papeda (Sagubrei) bestimmt; temer eine von geil) und schwarz ge-farbten Bambusstreifen geflochtene, vierseitige Dose, welche der Fraudes Hauptlings gehorte und zugleicli die Rolle eines Behiilters für Siri und eines Toilettenkastens erfüllte. Darin lag eine Anzahl von Perlen, ein Kamm von Bambus nnd eine Art Schnupftabacksdose, anscheinend von Nickel. Die Patronentasche des Mannes, mit daran befestigten Kugeln und Siriköcher, hing unter dem Dache, desgleichen einige, zu einem Bundel zusammengeschnürte, schabige Kleidungsstücke. Auf den Borten lagen nocli ein 8ieb sowie einige Blattscheiden des Sagubaums, welche znm Tragen von Lasten auf dem Kopfe dienen und worin ich unter anderen auch Frauen das Dammerharz zur Kliste bringen sab. An Nahrungsmitteln waren end-[icli noch einige Pisangfrüchte und ein abgezogener, mumienhaft getrockneter Cuscus vorhanden. Man siebt, dass diese Bergalfuren ungemein wenig besitzen1), und selbst die Papua's dürfen ihnen gegenüber noch als reich und gebildet gelten, znmal der Seranese sicb nur in den seltensten Fallen die Mübe giebt, seine einfachen Waffen und Gerathe anders als durch einige angebangene Perlen zu verzieren.

Den Baileo habe ich in Honitetu nicht gesehen, doch erfuhr ich aus zuver-lassiger Quelle, dass er ebenso gebaut sei wie in den Dörfern an der Südküste;

1) Es suil ilabel nicht in Abrodc gestellt worden, dass der Hiiuptling werthvollere Gegenstande aus-serhalb seines Hauses in tier Erde verborgen habcn künnte. Es ist das sogar sehr wahrscheinlich (vgl, Valenlijn 11, pag. 80 u. Riedel, pag. 1^1).

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nur felilt ihm tier batu pamali, und das Gleiche gilt abevmals für die am Talla-Flusse wolmenden Alfuren, wie man mich spater in Latu versicherte. Freilich sollen dieselben wohl einen lieiligen Stein besitzen; indessen liegt letzterer nicht beim Baileo.

In der Hütte, welche der Hauptling von Enmatita für mieb und meine engere Begleitung hergerichtet hatte, drangten sicb die Alfuren so dicht mn nns lier, dass daselbst vorliiufig von der Erledigung irgend welcber Arbeit so wenig wie von lUihe die Rede sein konnte, und da die Gelegenbeit gunstig scbien, so kebrte icb fast ununttelbar nacli der Ankunft ganz allein wieder nacii Honitetu zuriick, um dort zu pliotographiren; als icb daim abermals in Rumatita eintraf, war der Zustand noch derselbe, und so ging icb wiedernm zuni benacbbarten Dort'e, dies-mal mit meinem Skizzenbuche ausgerüstet. Pieters erklarte, micb begleiten zu wollen, und aucli der Orangkaja von Seruawan, unser Vermittler und Dolmetsch für Bahassa, scbloss sicb an; dass eine Reibe bewafl'neter Alfuren folgte, scliien mir anfangs nicbt befremdlicb. Doch fiel mir alsbald auf, dass sicb unter letzteren ein junger Menscli befand, welcber mich keinen Augenblick aus den Augen liess: ging icb, so ging audi dieser Mann unmittelbar neben mir; setzte icb mich' so nahm er enl weder mir gegenüber Platz oder steilte sicb an meine Seite; dabei lacbelte er micb bestandig an, war aber zu ungeliobelt, um unter dem Lacbeln seinen lauernden Bliek verbergen zu können. Aucb im Aussern war dieser Allure, ein Familien-Mitglied des Honitetu, vor allen anderen aufl'allend, denn er trug über seinem Tjidako nocb einen schonen, bunten, sogenannt türkischen Sbawl, welcber an beiden Seiten mit langen Enden von den ïïüften herabliing und von dem Eigentbümer bisweilen woblgefallig betraebtet wurde; keiner der iibrigen Leute besass etwas Aehnliches. Üm den Kopf und den schriig über der Stirn be-festigten Haarknoten batte der Mann ferner ein dunkelscbwarzes Tuch gebunden, welches ausserdem nur noch von einem zweiten, aucb vielfacb in meiner Niibe befindlichen Alfuren getragen wurde; in seinen Obren steckten Scbwungfedern der oben erwahnten Taube {Myrislicivora), und ein tanzelnder Gang liess ihnin Verband mit den genannten Verzierungen als Stutzer unter Seinesgleichen erscheinen.

Alsbald sass icb wieder in Honitetu zu zeicbnen; aber nicht lange, so erscbien der Hauptling und erklarte mit wüthendem Gesicbie, dass uns nicht erlaubt sei, liieher zn kommen; wir sollten bleiben, wohin man uns gebracht. Pieters, welcber sicb nicbt darin finden kanii, dass er bier gehorchen soil, statt zu befeblen, kebrt sicb ab, weil er fürchtet sicb zu vergessen, tbeilt mir aber den bibalt des Ge-spriicbes nicht mil und gebt fort. Icb selbst bleil)e also und lasse dnreb meinen Dolmetsch einige Leute, welcbe mir im Wege sind, höflichst ersucben, auf die Seite zu geiien; erst rücken sie missmutbig zusammen, dann weigern sie sicb mürriscb, so

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class der Regent vonSeruawan mioli scliliesslich dringend l)ittet, aufzustelisn, und ich die Skizze (Taf. 14) so rasch wie möglich vollende, um nacli Rumatita zurückzukehren 1).

In der Hütte drangt sicli daselbst noch immer eine Bande von Ali'uren umher, nnd von Pieters erfalire ich mm, dass man alien Lenten von Hatusua das Dorf Honitetu und ganz besonders den dortigen Baileo verboten babe, well die Bergbewolmer mit ibnen uocli einen alten Streit (perkara) batten. Alfuren von Honitetu batten namlicb vor nicht langer Zeit einen Einwobner von Hatusua geköpft und ibn seines Öewebres beraubt; Friede war nicht gescblossen, und so verkehrten also die beiden Dörfer nacb seranesiscben Begriffen im Kriegszustaude. Der Argwobn der Bergbewohner hatte demnach einen guten Grund; er musste sich uothwen-digerweise auf Pieters, welcber seinen Sitz in Hatusua hatte, und somit auch auf meiue Person, übertragen, und dies um so mehr, als die Leute ja unmöglich den Zweck unserer Reise begreifeu konnten und durch das Arbeiten mit ibnen völlig unverstiindlichen Instrumenten beunrubigt wurden. Sogar mein böfliches Ersuchen, ibn allein in seine Wohuung begleiten zu diirfen, selling der Hauptliug von Honitetu kurz darauf ab.

Das war eine hose Sache; denn obwoiil ich iiberzeugt blieb, dass die Bergbewohner uns gewiss nicht anfallen würden, so lange die Rube nicht durch irgend einen besonderen Umstand gestort werde, so durften wir uns doch nacb dem Vorgefallenen, in Verband mit dem bekannten, heimtückisclien Cbarakter der Leute, nicht mehr sicher fühlen. Der geringste Streit mit unseren Begleitem konnte in Tbatlichkeiten ausarten, deren Folgen sicb nicht überseben Hessen; sind docli die Alfuren so aufgeregt, dass, wie man sagt, beim Tjakalele sich bisweilen die besten Freunde oder gar Verwandte verwunden, und Trunkenheit, welche in Folge reichlichen Genusses von Palmwein nicht selten zu sein scheint, war vor allem zu fürcbten.

„Wie denken Sie über morgen?quot; fragte ich Pieters nach meiner Rückkehr in die Hütte. „ „Fortgehenquot; — „Icli gleichfallsquot;. Wir überlegten, oh es auch besser sei, sogdeicli wieder aufzubrechen, aber Seruawan rietb dringend davon ab, und so hlieben wir, indem wir uns den Anscbein möglichster Harmlosigkeit gaben.

Es wurde zu Mittag gegessen und dann die Bezahlung der Leute vorgenom-inen, welche am Wege und bei der Errichtung der Hütten bebiMich gewesen waren; doch ging das nicht so einfaeh von statten, wie icb geglaubt hatte; denn die unverschamten Meuscben wollten alles liahen, was ibnen gefiel, und vielfach Dinge, welche wir keineswegs gesinnt waren, (brtzugeben. Alles drangte sicb uns umnittelbar auf den Leib, so dass ich zur Verbütung von Diebstabl genöthigt

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Wio miastrauisch auch tlio Bowohner von Oai-Soran gegeniibor Zoiclmungcn siml, geht; aus den Mitthoilungon von Ribbe horvor (1. c. pag. 185).

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war, die ganze Bagage hinter una auf die J'ritsche bringen mid ineine engere Begleitung nebst javanischen Dienern davor Plat/, nelimen zu lassen.

Die Anzalil von Personen, vvelche fiir eine Belobnung in Betracht kommen, wird bereclmet, indem man ibre Namen neimt und dabei für jeden ein Bambus-stöckohen hinlegt, oder audi so viele Knicke in einen Bambusstreifen macbt, als Leute da sind. Der Priester imaoïn hatü) von ürsana bringt aber eine ganze Hand voll Stöckchen, und llonitefu, weieher fürchtet zu kurz zu kommen, wird wiithend darüber, indem er sagt, dass die Bewohner von Ursana überhaupt nicht geholfen batten. Es werden von allen Seiten unverschamte Forderungen gestellt und viel wird gestritten.

Als Zahlungsmittel ist Geld unbrauchbar; es dienen hiefür Spiegel, Messer, Zeug, ivinge von Messing und vor allem Salz . welches ganz besonders hoch gesehatzt ist, da es uacli der Bestimmung der Saniri's bei den Pata-siwa nicht bereitet werden darf. Thatsachlich geschieht dies demi auch nicht einmal in den Strand-dörfern '), da sich liier niemand auf die Fabrikation von Salz versteht. Dasselbe wird namentlich von Saparua aus eingeführt, woselbst man es in den grossen Schalen der Tridacna bereitet und nun in geachwarzten Stücken, welche den inueren Ab-druck der Muschel noch genau erkennen lassen, in den Handel bringt. Dass Salz unter solchen ümstiinden ein theurer Artikel ist, versleht sich von selbst, und seinem ungenügenden Genusse ist bisweilen das Vorkommen zahlreicher Haut-krankheiten bei den Alfuren zugeschrieben worden, wie icli glaube, mit Unrecht. Denn die Ichthyosis, welche bei den Bewohnern Serans und Buru's so hiiufig ist, traf icli nicht weniger oft bei den Mohammedanern von Buano, Ambon und den Uliassern, woselbst es doch an Salz nicht fehlt, und die Wunden und Narben, welche bisweilen den Körper der Alfuren bedecken, wird man achwerlich einer im ganzen mangelhaften Ernahrung des betreffenden Individuums zuschreibeu dürfen; denn dafür sind diese Leute zu kraftig, mid es findet sich zudem un-schwer eine andere Erklarung. Angriffe von sehr kleinen Milben oder Holzböcken, denen man in den Waldern fortwahrend auageaetzt ist, sind schon allein genü-gend, die unreinen Wunden hervorzurufen, deren Heilung durch den ausseror-

1) Eiedol sagt: „Sulz wird nur in Lisabatta und in cinigen andoren Stranddorfern bereitot. J)uh Boreiten von Salz ist dom Bowohner des Inncrn verboten, eine Polizei-Maassregol (sic!) der Strandbevölke-rung, welche von l'romder Herkunft ist, um jene unter ihrera Kinllusse zu liaitenquot; (1. c. pag. 125). Das ist newiss unrichtig; denn einerseits würden sich die geluichteten Bergbewohner an cin solehos Verbot nicht kehren, andererseits sollto man unter obiger Voraussetzung die Salzl'abrikation bei der Strnndbevölkerung allgemein zu linden erwarten. Das trifft aber bei den Pata-siwa nicht zu, und die Duller, welche Riedel im Sinne hat, dürften zu den Pata-lima gehören, bei denen das Verbot gar nicht herrscht, wiihrend das genannte Lisabatta nach van Hocvell (Ambon etc. }). 147) und Boot (Korte Schots, p. 056) von Mohammedanern bewolmt wird. — lm Oston Serans schoint allerdings das Vorhiiltniss zwischen Berg- nnd Strand-bewohnern oin wosontlich anderos zu sein (Bosscher, Bijdrage, pag. 34).

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dentliolien Schmutz dor Airuren selbstredend nicht befördert wird, Audi mein eigener Körper war nach liingeren Eeisen im Innern der Insein stets mit Wunden, die von derartigen Thieren lierrülirten , bedeckt; es bildeten sich oft dicke Geschwüre, welclie nach dem Ablallen rothe Flecken in soloher Zahl zurückliessen, dass meine Beine durch diese gewaliige Plage geradezu getigert sohienen, und noch in diesem Augenblicke, nach Ablauf eines Jahres, sind manche der so erhaltenen Narben sichtbar. Der Allure mag nun den Angriffen der betreffenden Tliiere minder aus-gesetzt sein, er wird ihnen docli nicht ganz entgehen, so wenig wie meine java-nischen Diener, welche melir als mir lieb war in Folge soloher Einfliisse gesalbt,, verhuilden und öi'ters tagelang geschont werden mussten ').

Die Auszahlung der Leute war kaum beendet, als der Hüuptling von Honi-tetu mit eigenthümlicher Geberde und gesenktem Bliek öeruawan an die Hand fasste und nach dem Zwecke unserer Reise fragte. Dieser versicherte, dass es sich nur um einen Freundschaftsbeweis seitens der Regierung (Compagnie) handele, da wir ja zum TJeberbringen von Geschenken gekommen seien, und liess es bei seinen Mittheilungen nicht daran iëhlen, unsere gute Gesinuung durch die oftmalige Wiederholung der Geste der ümarmung auszudrücken; aber man glaubte ihm nicht, und schliesslich bedeuteten una die Alfuren, welche bei allen diesen Verhandlungeu stets Strassenjungen gleicli durclieiuander schrieen, dass ich ihnen freie Einfuhr von Waffen, Pulver und Blei zugestehen solle, wenn ich es überliaupt gut mit ihnen meinte. Das wollte icli aber nicht versprechen, weil ich dazu durchaus unbefugt war, wahrend eine leichtfertige Zusage, welche doch nicht erfüllt worden ware, nur zur Erschütterung des Vertrauens auf die Regierung batte beitragen können. Icli liess den Leuten also, so gut es ging, auseinandersetzen, dass ich nicht die Macht batte, welche sie mir zuschrieben, und ging, ohne noch viel zu reden, mit Pieters zur Austbeilung der Gesclienke iiber.

Die Prauen würden die Natur ilires Geschlechts vollstandig verleugnet haben, wenn sie sicli nicht bei solcher Gelegenheit alles angezogen batten, was sie au Toilettengegenstanden überhaupt besassen, und so erschienen demi auch einzelne von ihnen in einer kurzen Jaoke (badju) von rother oder blauer Farbe. Eine trug ein solcbes Kleidungsstück sogar von roth und weissem Flaggentuch, so dass ich mioh tast in die Strassen Leidens, dessen stadtische Farben es sind, zurückver-setzt. fühlte. Weit seltener batte dagegen die Ivultur den Oberkörper der Manner beleckt, denn ausser Honitetu besass nur noch dessen Bruder eine Jaoke; ein einzelner trug eine alte, grauleinene Weste, ein anderer einen beliebigen, granen

1) Man solio nur, wio Wallace in Folge seines Aufenthaltes nnf Sevan von ilon Au griffen dor go-nannttm Thiore zu leiden halte (I.e. I, pag. 519 u. 11, juig. 95).

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l'etzen mantelartig um die Schultern gelegt; nur llumatita veiiugle iiber ein Bein-kleid, entbehrte aber -wiederum die Bedeckung des Oberkorpers, mid alle iibrigen Manner zeigten sich so, wie icb sie oben vom Marsche her geschildert.

Die Geschenke bestanden in mancberlei und fiir die Alfuren gewiss sehr werth-vollen Dingen. Es waren da ganze Kleidungen fur die Franen der beiden Ilanpt-linge, Sarongs für deren Toch I er, zahlreiche silberne Pingerringe fiir dieMiidcben, Schnüre von Glasperlen für alle Weiber, gross und klein, Messingringe, Nahnadeln und besonders audi wieder Salz. Mil. den Dorfschünen, deren manche sehr fnrcht-sam sich naherte, scherzten wir, so gut es obne Kenntniss der iSprache und mit Uilfe unserer Dolmetsobe möglioh war, überzeugt, dass Frohsinn das beste Mittel zur Erlangung des Vertrauens sei, und Frauen wie Madchen strahlten vor l1 rende fiber die schonen Dinge, welche sie erhielten. Die Frauen der Hauptlinge brachten dann beide einige Pisangfrüclite als Gegengabe; das war aber audi alles, was wir an Dank erfuhreu, und als wir nachher von Honitetn noch zwei Hühner, jedes gegen ein Messer, eintauscbten, beklagte sich derselbe iiber den geringen Kaufpreis. Auch einige Armringe und andere, unbedeutende Gegenstande konnte ich nur gegen werth vollere Tauschobjekte erhalten, und dabei horten wir aus dem Munde der Manner von alien Sei ten Klagen darüber, dass sie nicht genng Geschenke bekom men liiitlen; vor allem der maoin halu von Ursana schimpfte obne Unterlass, weil er das Gleiche verlaugte, wie die beiden Hauptlinge erhielten.

Zusammen mit dem Bruder von Honitetu, einem bekannten Schurken, welch er auch den letzten Mord in Hatusua verübt batte, sass dieser Priester, welcher sich iibrigens ausserlich durch nichts von den anderen Leuten unterschied, wie festge-nagelt in unserer Hiitte auf einer kleinen Bank, mir gegenüber. Er fiihrte bestandig das Wort, bin und wieder von seinem Nachbarn unlerstiitzt, und dies in so frecber und herrischer Weise auch gegenüber dem Hauptlinge von Honitetu, dass es schien, als sei der Priester der Machtigere von beiden '). Freilicli ist es schwer, den Einfluss irgend einer Persönlichkeit richtig zu beurtheilen, denn die Bande ist so undisciplinirt, dass ich raanchmal Gelegenheit batte, zu bemerken, wie sidi auch die gewohnlichen Leute nicht au die Anordnungen ihres Hüuptlings kebrten.

Kaum waren die Geschenke vertbeilt, so kam wiederum , und in heftigerer Weise als vorher, der Zweck unserer Roise zur Sprache. Die Alfuren wollten nun ein-mal an freundschaftliche Gesinnungen nicht glaubeu, und ich halte es fiir einen s:l ücklichen Umstand, dass ich bereits auf den U liassern und an anderen Orten

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Serans gereist batte, so dass mein Kommen immerhinminder befremdlich erscheinen musste. Einer der Strandalfuren , die, wie erwiihnt, mit den Bergbewohnern sehr

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Es atoht dies midi hn lOinklange mit der Darstollung lauloking's (schels etc. pag. 69).

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befreundet sind, war mir auch bereits in Haruku bogegnet; ferner konnte ich llonitelu Skizzen vou Dingen zeigen, welcbe ihm bekamit waren, und iclx that es in der Hoflnung, seinen Argwobn gegenüber meinen Aufzeichnungen zu bescbwich-tigen. Freilich kamen beiin Umblatiern audi die Tatuirungen der Kakeanisten zum Vorscheine, an die icb nicbt gedacht, und welcbe der Hauptling sofort mit einem „ah kakéan!quot; wiedererkannte. Indessen gelang es, ihn noobmals zu beruhigen; dann aber brachte man von neuem die Walien- und l'ulverlVage aufs Tapet.

1'ieters ist stil] geworden und bat sicli auf die Pritscbe zurückgelegt, weil er jeden Augenblick aufzubrausen droht, wie er mir spater mittbeilte; er weiss mit den Menschen nichts mehr zu beginnen und bittet mich, die Sache zu erledigen. Icb gebe mir also den Anschein, als batte ich Lander zu verschenken, und lasse den Alfuren sagen, dass icb ihre Wünsche aufschreiben und der Kegierung (d. b. dein Eesideuten) überbringen werde. Sofort ist alles still; Honitetu bedeutet mir nur noch: „Wenn Du mich einmal betriigst, wirst Du es nicht zum zweiten Male thunquot;; er sitzt bei den Verhandlungen links nebeti mir auf der Schlafbank, rechts mein Dolmetsch Kubuwael, gegenüber Seruawan, welcber das Malayische wieder ins Bahassa der Alfuren übersetzt. Der Bruder des Hfiuptlings und lt;iei' Maoui-batu führen selbstredend auch jetzt wieder das grösste Wort; sonst ist jeder Eaum in der Hütte nocb vou Alfuren besetzt, und die anderen drangen sich dicht an die halbgeschlosseneu Wiinde heran, Rumatita hiilt sich indessen, wie stets, freund-schaftlichst zurück.

Die Lexite verlangteu, dass die fremden KleiuhÉindler nach dem Dorfe Kairatu kommen dürften, um den Bewohnern vou Honitetu und Rumatita daselbst Gewebre mit Feuersteinscbloss, Kugeln und Pulver zu verkaufen. Nacbdem dies mil grosser Umstandlicbkeit aufgezeichnet worden, fragte ich: „AVas gelobt Ihr dagegenquot;? Meh rere Stimmen riefeu; „Wir können nichts mehr sagenquot;. Ich machte dann den Alfuren begreitiich, dass ihrerseits doch auch et was geschehen müsse, und fragte, ob sie versprechen wollten, mit der „Compagniequot; iu Freundschaft zu leben. Das gab viel Gerede hin und her, wobei Honitetu unter anderen bemerkte, sie seien freie Leute, bis schliesslich gesagt wurde, man wolle nicht mehr au der Küste kiipfeu, sondern etwaige Streitigkeiten durch das Auferlegen einer iiusse erledigen. Als ich daim der Saniri's gedachte, erscholl von verschiedenen Seiten Hohnge-lachter; dennoch stimmten die Leute nacbher dariu zu, dass die Angelegenbeiten den Kapala-saniri's vorgetragen werden sollten, falls die Strafzahlung ausbleibe. Dann verlangteu die Alfuren noch in kurzer Zeit Antwort von seiten der Kegierung, fanden sich aber schliesslich darin, dass icb doch erst wieder in Ambon zurück sein müsse, bevor die Compagnie die Sache überlegen könne.

Zum ersten Male entfernten sich nun die Leute und legten sie ihre Waffen

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ab. Wir sassen darauf noch eine kurze Weile ungestört draussen. Einzelne Manner liolten freilich wahrenddem nocli wieder Streitigkeiten hervor, welcbe breits an die vierzig Jahre alt, aber nach Ansicht der Alfuren nicht erledigt waren; indessen be-rührteu nas diese Dinge nicht persönlich, undsolegten wir uns bald nach Eintritt der Dunkelheit unbesorgt nieder. Doch erschien am Abende nochmals der Iliiuptling von Honitetu; stark betrunken und larmend drang er in unsere Hütte, und nur mit Mühe wurde er durch Seruawan wieder entfernt, wilbrand wir anderen uns schlafend steilten. Er ging mit der Bemerkung, dass er am folgenden Morgen weiter mit uns reden werde, aber bald darauf, etwa.um 9 Uhr abends, fiel in der Feme ein Schuss, und da die Alfuren sehr sparsam mit ihrem Pulver umgehen, so konnte dies in so spiiter Stunde nur ein Alarmsignal sein. Seruawan machte sich denn auch sofort auf den Weg, um in unserem Namen zu fragen, was das Schiessen zu bedeuten habe, und man gab ihm die unmögliche Erldarung, dass jemand trotz der Finsterniss ein Huhn habe erlegen wollen. Hpater steilte sich heraus, dass in der That durch den Schuss ein Alarmzeichen gegeben war. Der Bruder von Honitetu batte namlich einige Leute von Hatusua aufgefordert, mit in sein Hans zu kommen, diese aber weigerten sich, denn sie fürcbteten Gefahr, weil man ihnen ja den Zugang zum Baileo untersagt und damlt deutlich zu ver-stehen gegeben batte, dass man sie nicht als Freunde behandelte; dann gab jener den Schuss ab.

Seruawan und Kairatu, die guten Freunde Yon Honitetu, welcbe auch früber schon wiederholt in diesem Orle gewesen und jedenfalls genau mit den Bitten und Gewohnheiten der Bergalfuren bekannt waren, zeigten sich nun besorgt. Die ver-trauteren Leute sammelten wir bei einem Feuer vor der Hütte, wir selbst legten uns mit den genannten Regenten der Stranddörfer, dem Pati von Hatusua und den javanischan Dienern auf die Schlafpritsche, wiihrend auch Rumatita bei uns blieb. Wir waren auf der Hut; denn da die Alfuren niemals offenangreifen, sondern ungemein feige sind, so konnte Wachsamkeit bei etwaiger Gefahr trotz der Uebermacht der Bergbewohner von nutzen sein, So verbrachten wir eine unruhige Nacht, die schussbereile Waffe neben uns; von Ursana, woselbst man Fest leierte, drang bis zum Morgen Gesang herüber, in der Nabe aber blieb alles ruhig,

Bereits um 5 Uhr wurde aufgestanden, und um 6| Uhr konnten wir aufbrecben. Honitetu nahm verdriesslichen Abschied, weigerte sich, uns zu geleiten und sagte, er werde schon morgen nachkommen; kaum eiu Mensch war im Dorfe zu sehen. Eu-matita dagegen geselite sich zu uns, selbst ohue Waffen, nicht einmal mit dem Parang ausgerüstet, wiihrend er seine drei Brüder etwas spater im Geheimen und in einigem Abstande bewaffnet folgen liess, um für die Sicherheit des Weges zu sorgen. Wir dachten nicht daran, die Kuste noch an demselben Tage erreichen zu können

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und batten die Absicht, wieder am W'aë Krikua zu übernachteu; da ioli aber unter-wegs kaam noc.b zu than batte, so förderten wir angemein rascb, Scbon um 9 U. 50 M. befanden wir uns auf jener kleinen Höbe, von der aus, (unmittelbar jenseits der Station vom 4ten Marz) der (1. Oija gepeilt wurde '), and um 11,] Uhr trafen wir am Waë Tuba ein, dort wo am Mittage desselben Tages Station gemacbt war8). Jetzt wurde bescblosseu, zu versuchen, ob wir die Küste noch vor Dunkel-beit erreicben könnten. Wir versprachen den Tragern, von welchen ein Theil anfangs murrte, doppelten Lohn, dann braoben wir um 12 U. 15 M. wieder aal', befanden uns scbon um 2 U. 50 M. am Waë Krikua und um 5 übr in Kairatu.

Nur noch einmal batte ich mich, nacb dem Verlassen der Station am Waë Tuba, unterwegs einen Augenblick aufgehalten, aber seitber vermochte ich l'ieters nicht melir einzubolen; erschöpft fand ich ihn erst in Kairatu wieder, woselbst er scbon Stunde vor mir eingetrofl'en war, geleitet von llumatita und Seruawan, welcher letztere sich auf dem ganzen Wege unmittelbar an die Fersen des Post-ball,ers gehalten, aus Furcht vor einem binterlistigen, auf diesen gemünzten Anfall. Rum a tit a, der Pieters gegenüber bereits sein Bedauern über die Hand-lungsweise von ïïouiteta aasgesprochen hatte, kam mit einem berzlichen Hande-drucke und einem sobatli (Freund) auf mich zu, und wabrend uusere Böte für die Rückfabrt nacb Hatusua bereit gemachl warden, langten auch seine Brüder an. Von einem derselben tauschte ich noch einen Armring ein sowie einen Trinkbecher (Taf. 27, Fig. 2) von geschwarzter Cocosnuss für Saguweer, am oberen Rande etwas zugescbarft, ringsherum in der Mitte mit einem geschnitzten Ringe versehen und hier znm Theil mit Perlmutter eingelegt. Der Alfure, welcher den Qegen-stand wiederum am Riemen der oben erwiilmten Tasche (rug, führte denselbeu noch erst zum Abschiede an die Lippen, bevor er sich von ibm trennte.

IJ in 5 U. 40 M. stiessen wir vom Ufer, und nacb einer stürmischen Fahrt, bei der die Wellen mehrfach über Bord schlugen, langten wir 7 U. 10 M. wieder in llatusa an — wie Pieters nachher sich ausdrückte: „Mit Qotles Gnadequot;.

5. VERSCH1EDENES ÜBER DIE ALFUREN.

Befanden wir uns in Houitetu und wiihrend der Rückreise von dort wirklich in Gefahr? Das zu beurtbeilen, steht nur demjenigeu zu, welcher die Bewohner

1) Vgl. oben, pag. 184.

2) Vgl. obon, pag. 134.

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des westlichen Seran gründlich kennt, und ieh lege in dieser Be/iehung auf die Meinung eiues Posthalters nicht viel Werth, wohl aber auf cliejenige der Küsten-bewohner und vor allem der Strandalt'uren. Nun drückte aber nicht nur der Pati von ïïatusua unverbohlen seine Freude über die glückliche Rückkehr aus, indem er sagte, dass er um keinen Preis noch am Waë Krikua hiltte übernaehten mogen, sondern auch die Hilupter von Seruawan und Kairatu legten durch ihr gan/.es Benehmen deutliche Besorgniss an den Tag, vor allen Dingen aber hielt selbst Rumatita es nicht für überflüssig, unseren Rückzug durch seine Brüder decken zu lassen — und dies allein würde mir genügen, an die Gefahr zu glauben. üb dieselbe nur für die Leute von Hatusua bestand oder auch für den Posthalter und scbliesslich für meine Person, will ich nicht eutscheiden, glaube aber kaum, dass in dieser Hinsicht ein grosser ünterschied walten konnte.

Freilich ist mir bekannt, dass man ziemlich allgemein der Meinung ist, als könnte ein Weisser uubehelligt von den Alfuren überall auf Seran reisen, und öfters babe ich das in Indien sowohl als in Holland aussprechen horen '); aber vvorauf stützt sich diese Ansicht? Für West-Seran'J) fehlt es bietür an jeglichem Beweise, da man noch gar nicht in der Lage gewesen ist, über diesen Punkt Material zu sammeln, und ich selbst bin auf Grund der geschilderten und spiiterer Brfahrungen zur gegentheiligen Annabme geneigt. Als ich nach einiger Zeit von Nuniali aus nach dein im Qebirge der Nordküste gelegenen Wakollo reiste, wurde zum Beispiel jeder meiner Schritte von den mich begleitenden Strandalt'uren aufs sorgfaltigste bewacht, weil diese fürchteten, dass mir et was zustossen könnte.

Ueberhaupt ist dasjenige, was wir von den Alfuren des westlichen Seran wissen, ausserst unvollkommen und unzusammenbangend, der Hauptsache nach eine sehr oberflachliche, aber keineswegs durchgeistigte Kenntniss, und man wird meiner Meinung nach hierin nur dann wesentliche Fortschritte machen können, wenn jahrelang alle für das Studium des Landes und des Volkes ver-werthbaren Daten gewissenhaft gesammelt und verarbeitet werden. Denn, ohne

1) So vortritt auch Moorrees gegenüber dem Residonton van Iloëvcll die Ansicht, dass es in der Abtlirilun^ Kuirutn vollkommon siclier sei; „Icli bloibe bei meiner Hehauptung, dass man selbst im Tie-biete von Kairatu bei taktvollem Auftreton völlig sicher ist. Vorliinfig ist von der Bevölkerung des Innern keine Rode*'* (indrukken pag. 664»). Aber von letzterer ist ekst recht die Hede; denn sie allein sind es, welcbe die Strandgegenden 1'iir jeden nnsicher machen. Wenn M. sagt: „Von der Strand- und dicht am Strande wohnendon Bevölkerung erfuhren wir nichts Anderes als Wohlwollenquot; (I.e. pag. 022), so ist dies gewiss riehtig; das aber ist nicht der Kern der Sache, und ich halte es für sehr gewagt, die Annahmen eines so gewiegten Kenners dieser Gegenden, wie van Hoëvell es thatsachlich ist, in Zweifel zu ziehen. Noch in demselben Jahre, in dem ich Honitetu besuchte, haben die Angehörigen dieses Dories wieder begonnen, am Strande zu morden; sie Hessen sich dann nicht inehr in l'riedfertiger Absicht dort sehen und machten nach iMittheilung des Posthalters rioters die Gegend ziemlich nnsicher.

2) lm östlichen Seran liegen die Verhiiltnisse bekanntlich ganz anders, wie auch an vcrschiedenen anderen Orten dieses lleiseberichtes nilher erörtert worden ist.

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den höheren, niederlandischen Beamten, welche ihren scliwierigen I'osten mil so viel Umsicht auszufüllen wissen, und deren Kenntniss icb ottmals zu würdigen Qe-legenheit hatte, zu nahe treten zu wollen, so liegt es doch aul' der Hand, dass dieselben in der verbaltnissmassig kurzen Zeit, welche sie in diesen Gegenden zubringen, siets nur einen unvollslaiidigen Einblick in die dortigen Verbiiltnisse gewinnen können; die Summe ibrer Eifabrungen gebl aber lïïr den jedesmaligen Nacbfolger meistens verloren, und dieser mag dann von neuem beginnen, siob bineinzuarbeiten. Weit besser dürfte sich dagegen die Sacbe gestalten, wenn die llegierung für langere Zeiten einen beiahigten Beamten anstelite, dessen einzige Aufgabe es ware, ein Eepertorium zu schaffen, in dem alle zuverliissigen Angaben eingetragen und systematisch geordnet wiiren; denn ein umsichtiger Ethnologe vvürde in den Molukken nicht nur eiu reiches, wissenscbat'tliches Arbeitsteld tinden, sondern sicherlich im Lauie der Zeit auch zu einer gründlicheren und für die Verwaltung nützlichen Kenntniss ibrer Bevölkerung gelangen.

Unter welchen Umstanden mordet und köpft der Seranese? Geschiebt es nur dort, wo zwischen verschiedenen Dörfern Feindschaft herrscht, oder aus religiösen Interessen, wie icb oftmals behaupten hörte? Ein paar wohlverbürgte Falie mogen die Frage beantworten:

Zwischen Hatusua und Honiletu bestand keinerlei Streit, als der obenerwiibnte Mord verübt und zugleich das Gewehr des Getödteten geraubt wuvde; die gauze Sache tragt also bier lediglich den Oharakter eines llaubmordes. In einem anderen Falie betrat ein Mann das Haus von Alfuren, zu denen er in Handelsbeziehungen stand; drinnen befanden sich fünl' Leute, und walirend der Handler eiue Cigarede anzünden wollte, schlug ihm einer derselben von binten den Kopf ah. Auch bier lag ein besonderer An lass nicht vor und ist nichts anderes als eiu heimtiickisi-her Mord begangen, für den es keinerlei Beschimigung giebt.

Dort, wo das Köpfen auf Grund alter Fehden zwischen verschiedenen Dörfern geschieht, tragt die Art und Weise, in welcber die Feindseligkeiten verübt werden, ebenfalls einen ungemein abstossenden Oharakter. Folgendes müge hiefür als Bei-spiel dienen: Gegeuüber der Nordwestecke von Saparua liegt au der Südküste Serans ein Dort' namens Tiiiulaijs , welches einen alten Streit mit den Bergalfuren von Watüï, an den Quellen des Tali,a , hatte. Letztere forderten von Tibulale eine liobe Zablung zur Bühne, und dieselbe war schon fast ganz erledigt, als die Leute von Watüi von neuem zu köpfen begannen. Tibulale brachte deswegen die Angelegenbeit im Jahre '86 vor den saniri, und dieser verurtheilte Watüi zur Zablung einer Vergütung an erstgenanntes Dorf, offenbar in der nach unseren lie-griffen richtigen Erkenntniss, dass die Bergbewohner von neuem zu Feindselig-

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keiten übergiagen, ohne dass die Straudbevölkerung liiezu Anlass gegeben hiiite. Nach alfurischem Rechte aber war dieser Aussprucb unbillig, denn der Streit zwischen beiden Dörfern konnte nicht als beigelogt gelten, bevor der Friede for-mell geschlossen und durch gemeinsames Essen von Siri und Pinang bekraftigt worden war. Watui wollte sieh also dem Ausspruche des Saniri nicht unter-werfen'), obwohl sein eigenes überhaupt diesem Rathe angehört, und statt zu zahlen, begannen seine Bewohner von neuein zu morden. Zwischen 1886 und 1890 tödteten sie 11 Leute von Tihulale, von denen drei auch geköpft wurdeu, so dass schliesslich die Küstenbewohner aus Furcht erklarten, lieber selbst zahlen zu wollen, als von den Bergalfuren die durch den Saniri auferlegte Strafzahlung zu fordern. Watuï verlangte nun den sechsmaligen Betrag der letzteren von Tihulale, und wiederum eutrichtete dies Dorf fast alles, bis auf eine Kleinigkeit, welche abgetragen werden sollte, sobald die Bergalfuren an den Strand kommen und den Versöhnungseid schwören würden. Aber Watuï kam nicht und forderte zu allem bisher Erhaltenen noch wieder etwa zwei Mal so viel, als die Busse betrug, welche es selbst laut Aussprucb des Saniri an Tihulale hatte entrichten sollen, und abermals musste die Straudbevölkerung einwilligen, weil die Leute von Watuï andernfalls wieder mit dem Morden beginnen wollten. Zur Zeit meiner Anwesenheit war die Brandschatzung bis auf eineu unbedeutenden Rest endlich abgetragen, aber man sagte mir, dass es sehr fraglich sei, ob jetzt die Angele-genheit wohl endlich zum Schlusse kommen und der Friede mit Watuï erreicht werden würde.

Es ist doch klar, dass es sich im oben mitgetheilten Falie lediglich um Er-pressungen unter Androhung von Mord handelt, und wenn Derartiges vom Stand-punkte der Alfuren axis als Recht bezeichnet wird, so ist es eben nach allgemein menscblichen Begriffen schwerstes Unrecht. Die Bevölkerung der Südküste bleibt, soweit sie nicht mil den Bergalfuren im Biindnisse steht, der Willkür der letzteren völlig preisgegeben, falls ihr nicht von seiten der Regierung in nachdrücklicher Weise Schutz verlieben wird, und die Bestialitiit der Bewohner des Innern ist so unerhört, dass man sie ohne Gewissensbisse für vogelfrei erklaren dürfte. Ein nicht gelieferter Sack Reis bietet, wie ich in Honitetu vernahm, z. B. schon genügenden Grund zum Köpfen. Aber auch manche Strandalfuren, namentlich der Nordküste, stehen diesen Leuten an Grausamkeit um nichts nach, denn ich babe mehrfach an Ort und Stelle Anklagen vernommen, welche deutlich erkennen lassen, dass man in solchen Gegenden Serans über Morden und Köpfen nicht anders denkt als in Europa über

1) Bleeker's Mittheilung von der unbegrenzton Macht dor Saniri's gegeniiber den Alfuren und von ihrem unwidorruflichen Riohtorspruche (I.e. II, pat;. 217) ist, heuUutago mindostens, nicht mohr richtig.

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eine Traclii Prügel. Widerllrh ist dabei vor allem auch das heimtücklsche Vorgeheu des Mörders, welcber sein Opfer—einerlei ob Maun, Weib oder Kind — entweder unversehens von binten her tödtet oder es auch von eiuem versteekt,en Orte aus zuniicbst unscbadliob macht und bernach des Kopfes beraubt '). Das gescbieht f'erner stets ausserbalb des Dorfes, namentlich in den Anpflanzungen, uiemals a])er lm unmittelbaren Bereicbe der Wobnungen, weil der Allure viel zu t'eige ist, um sicb einer etwaigen Verfolgung auszusetzen.

Kinder zerbacken gerne die entbaupteten Leicben nut ibrein 1'arang, was zur Erziehnng der Kleinen im Mürderbandwerke dienen soli1). Man nennt dies „den Parang rötbenquot;.

Die Geburt des Kindes wird bei den Alfuren ausserbalb des Dorfes abgewartet, in einer Hütte, welche auch den Frauen wahrend der Menstruation zum Verbleibe dient; demi die Weiber dürfen in dieser Zeit die Negorei nicht betreten nnd sind, falls sie dein Verbote zuwider bandeln, zu einer Strafzablung' verpfiiebtet. Nacb Ablaut' von sieben Tagen wird dann das Kind unter Festlicbkeiten ins Dorf gebracht ^2).

Knaben wie Madchen logt man den erwten Tjidakoan, wenn aie el vva sieben bis acht Jahre alt sind; doch kennen die Leute ibr eigenes Alter gar nicht, und ist also der Zeitpunkt, welcber aus gleichem Qtunde mancherlei Scbwankungen unter-worfen sein dürfte, nicht genauer festzustellen. Auch bei dieser Gelegenbeit giebt es ein Fest.

Sobald beirn Madchen zum ersten Malo die memes au ft ret en, banen Frauen für sie ausserbalb des Dorfes eine besondere Hütte, um welche rund herum Groton in die Brde gesteckt wird, so dass eine heckenartige Binfriedigung entstebt; die Miinner geben alsdann auf die Jagd, um für das bevorstehende Fest, welches bei der Rückkehr des Madchens gefeiert wird, die nötbigen Speisen zusammenzubringen, und bleiben dabei wohl zwei bis drei Wochen fort, wahrend die Hauptperson das für sie gebaute Hans in dieser ganzen Zeit nicht verlasst. Erst wenn die Manner wieder heimgekommen sind, wird das Madchen ins Dort zurückgebolt, um mit zu feiern, und nun darf es unter Zuatirnmung der Eltern heirathen.

Lasst ein Madchen sich vor dieser Zeit mit einem Manne ein, so wirft man es im Entdeckungsfalle in einen Finss, um es mit spitzen Bambusstöcken zu tödten; doch ist es erlaubt, die Sünderin loszukaufen, was auch in der Regel geschieht, und das Mildchen wird biedureb meistens die Sklavin, bisweilen aber auch die Frau

1

Das erzilhlt auch dor unhekannte Autor E (1. c. pag. 81).

2

Dor erbeutete Koptquot; wird nach van Doren in oincm ledernen Sacke tortgetragon, so dass keintj Blut-spuren zu finden sind (Fragmenten I, pag. 138). — Sieh über die Kopfjagd auch Boot (1. c. pag. 1175).

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iles Mannes, welcher die lestgestellte Siihue gezablt hat,. Tnter erwaclisenen jungen Leuten koramt indessen I'reie Liebe vielfach vor, ohne dass man hieran Anstoss nimmt, doch wird Ehebruch zwischen einer verheiratheten und ledigen Person schwer gestraft, und zwar stets in der Weise, dass der unverheirathete Theil dem betrogenen Ebegatten eine Busse m\ entrichten hat. Vergelit sich also ein junger Mann mit einer verheiratheten Fran, so hat er dein Gatten der letzteren eine Vergiitung zu zahlen, und ebenso ist ein junges Madchen, welches sich mit einem verheiratheten Manne einlasst, zur Zahlung au dessen Frau verpflichtet; iin Wieder-bolungsialle wird ausserdem die Strafe erhöht, und tiüher wares Hitte, dass ein Madchen, welches sich zum lt;1 ritten Male mit einem verheiratheten Manne vergangen batte, in ein llaus gebracht wurde, wosclbst es der betrogenen Frau erlaubt war, der Ehebrecheriii nach Bellebeu iSchnittwunden beizubringen; doch soil dies jet zt nicht mehr vorkommen ').

Die Heirath bestclit eint'ach darin, dass der Mann zu den Eltern der Frau ins llaus zieht, er wird denn audi stets Einwohner desjenigen Dories, dem diese ange-hören; das erste Kind wird temer Eigenthum seiner Schwiegereltern und bekommt ebentalls ihrenNamen. Audi liei den Christen, welche an der Küste von Kairatu wohnen, zieht der Mann nodi zunachst zu seinem Weibe ins Haus, welches letztere nebst den Kindern Eigenthum der Schwiegereltern bleibt, doch kann der zugezogene Mann, welcher vorlautig den Eltern seiner Frau Dienste leistet, diese spaterhin gegen Zahlung eines Brautschatzes aus dem Dorfe wegfiihren.

Die Knaben werden im Alter vou 6—8 Jabren, und oftmals noch jünger, in den Kakeanbund aufgenommen 1); bisweilen geschieht dies sogar so früh, dass die Kinder ins Kakeanhaus getragen werden müssen. liei dieser Gelegenheit sdineidet man ilinen die Haare ganz kurz ab, und das geschorene Haar dart'vor Ablauf der Festlichkeiten des Bundes, welche im ganzen zwei bis drei Monate lang dauern von keinem berührt werden. Zuwiderhandelnde müssen Strafe zaiilen, und ich war einmal selbst Zeuge, wie ein I'ostlialter, welcher einem gescliorenen Knaben ohne Arg übers Haar streichen wollte, hievor gewarnt wurde2).

1

I eber dieson Gohoimbund sich: Van Schmid (Hot kakihansch verbond, I.e.), fernor van Ekris (Kakian-vorbond I.e.) und bosonders Ludoking (Schots etc. pag. 67), dossen Mitthcilungen das grosstc Vor-trauon verdienen, denn sio entstammon dcrselben Quelle wie diejenigen von van Kees in „de Pioniers dor beschaving in Nedorl. Indiequot; (p. 92 IF.). Audi Riedel ist zu vergleichen (i.e. pag. 109 u. 11Ü). Manches von dom, was mir selbst auf Scran über dio Kakeanisten mitgetheilt wurde, babe ich im Obigen fortge-lasson, woil os zu wenig Zusammonhang erkennen lioss; doch war os genügond, urn bei mir das Vortrauen in Ludoking zu vorstarken.

2

Das bier Milgetheilto woicht von Ludoking's Darstollung (I.e. j)a^. 76) ab; aber ich muss es den-noch fur durchaus verbürgt halten. Es scheint mir nach dem Studium der einschlagigen Literatur, als ob

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Dio Fest.liclikeit en dor Kakeauisten beginnen rait einer Feier von 7—8 Tagen im Hause des Bundes; liernach bringen die Leute ihre Zeil mit öagukloplen, Jagen u. s. w. /,u , wobei sie allabeudlich zuni Kakeanliause zurückkeliren, um daselbst zu schlafen. Die Neulinge, welclie durcli ilire Aufnalmie al.s wiedergeboren gelten (und in dieser Hinsicht ist aucli das vorhergegangene Abschneiden der Haare vüu besonderem Interesse '), müssen walirenddessen alle Dinge von nenein erlernen und geben sicdi, aucli falls sie bereits erwuebseu sein sollleu, den Anschein, als verstanden sie weder Sagu zu klopten noch Handel zu treiben; man sagte mir, dass sie im Doi'l'e sogar tliaten, als seien ilire eigenen Verwandte ilinen unbekannt. Bever sie aber wieder endgiiltig nach ibrein alten Wohnorte übersiedeln, müssen die neu aufgenommenen Mitglieder des Bundes noch im Plusse baden, womit zugleich lias Ende der Festliclikeiten erreiclit ist. Von jetzt ab lassen die Alturen ilir Haar lang vvachsen, nicht aber die Kakeauisten, welche zum Christenthume übergegan-gen sind.

Der Kakeanbund verpflichtet seine Mitglieder, weun es im Interesse der Ge-nossenschaft liegt, aul'keinerlei Bande Uücksichi zu nehmen; der iSohn dart' vorquot; kommenden Falls nicht einmal seinem Valer, iiber den er das Todesurtheil bat aussprechen hören, eine Wanning zukommen lassen, und kelner wagt dem zu wider zu handeln.

Die Leichen werden, am Grabe angelangl, ganz enthlüsst, und zwar durch Angehörige ilires eigenen Qeschlechts; daim legt man sie völlig nackt in die Erde 2). Mil dem Tode schliessl t'ür den Alfuren alles ab, und Eumatita versicheiie unter anderen aul' wiederholtes Befragen, dass er an ein Forlleben nicht glaube 3). Es steht dies aber in merkwiirdigem Gegensalze zu der Auffassung, welche ich bei den Altaren der Non I kus te kennen lernte (und die bei allen Anhangern der Pata-siwa herrschen dürfle), wonach die Todten sich als Geister im Kakeanliause auf-halten, und vielleicht ist es uur Unklarheil der Vorstellung, welche den Hauplling zu der erwahnten Ausserung fübrle. Für ihn wird das Geislerleben vielleicht kein Leben bedeuten, und ich nieine diese Annahme um so eher machen zu dürt'en.

J

im Ein/olpcn boi tien Gebrüuchen manchcrlei Vorschiodenhciten voikommon, dio sowohl nach Zuilen als Orton wochsoln dürfton. Dus kunn auch koineswegs beiVeiudcn,

1) Man vergloiche dio intoressantcn Ausführungen Wilken's, wonach Haaropfor als oino Ablösungs-form des Mensehonopfers bolraehtet worden diirfen. (Uober das Haaropler und oinige andere Trauorgobraueho bei den Vólkern Indonesion's — Hovno Colonialo Internationale, Amsterdam 1887).

2) Wosontlieh anders ist die Uoschreibung, wolehe Brumund, gelegentlieh einer 1843 unleinommtmcn Hoise, von dor Behandlung der Leiehen bei don Alfuren giebl (Aanteekeningen, pag. 68), Doeh envühnlo bereits van Doren, dass dio Gebriiucho boi Sterbetallen sehr versehioden sind (Fragmenten 1, j)ag. 105). Die Schilderungen des letzteven sind hier obent'alls zu vorgleiehen (I.e.), sodann vor allem Boot (1. o. pag. 1107).

3) Das stimmt auch mit Olivier's Mittheilung überein (Keizon 1, pag. 04).

1

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als ich l)el tien Alfureu von Runi dieselbe Verschwoiumenheit der Meinungen über eine Fortdauer nacli dem Tode zurückfand ').

Alle obigen Mittheilungen beziehen si(ib lediglich auf die Alfui-en von Honitetu \iiul benachbarten Dürfern, bei den Bewohnern der Nordküste und des daran stossenden Gebirgslandes werden wir dagegen mancherlei Abweichungen kennen lemen. Es moge an dieser Stelle nur noch hervorgehoben werden, dass man unter den Strandalluren von Kairatu augeublicklich noch ohne sonderliche Mühe und Gefahr viel Wissenswerthes über Sitten und Gebrauche der Bergbewohner sammeln könnte, und es ware sehr wünschenswerth, dass die grossen Lücken, welche mein Reiseberioht als derjenige eines Geologen naturgemass enthiilt, alsbald durch einen gewiegten Elhnographen und Ethnologen angefüllt würden. Die Strandalfuren des Dorfes Kairatu tragen niimlich nicht nur durchaus den Typus der Bergallüren, wie siiid audi mit deren Sitten genau bekannt, soweit sie dieselben nicht selber unverfalscht beibehalten liaben, und mir ist es in den meisten Fallen gar nicht muglicb gewesen, iiusserlicli in Habitus, Ausdruck und Kleidung irgend einen Unterschied zwischen beiden Grappen von Leuten herauszufinden. Aucb die Woh-bnungen von Honitetu kann man am Strande von Kairatu so gut wie im Innern studiren, da Rumatita hier verschiedene Hauser in der im Gebirge üblichen Bauart bat errichten lassen.

G. NAOH BUANO UND ZL'U NORDKÜSTE SERANS.

Da icli Kairatu nicht verlassen well te, oline noch einen Bliek ins Gebirge der Nordküste dieser Abtheilung Serans geworfen zu liaben, so machte ich gerne von der Gelegenheit Gebrauch, welche sich mir in einer Dienstreise des Posthalters Pieters bot, um mit ihm zunachst nach Buano und von dort nacli Nuniali zu t'ahren. Wir begaben uns also am 9,un Miirz um 8| Uhr abends in ïïatusua wieder an Bord der Orembai, fuhren die Nacht hindurch nach A W, indem das Boot sich wie stets in unmittelbarer Niibe der Küste hielt, und befanden nns am anderen Morgen um 7j- Uhr gegenüber Etti, endlich um 82 Uhr an dem Ruïn genannten Anlegeplatze, von wo der Fuss weg durch den schmalsten Theil der Insel nach

1) Ueber das Fortleben nach dem Tode ist auch Kibbe zu vorgleichen (1. c. pag. 182). Doch muss ausdriicklieh hervorgehoben worden, dass Ribbe sich in li,LU, an der Südküsto von Ost-Soran, aul'gehallen hat, wührend die dort gemachten Beobachtungen nicht ohne Weiteres auf Seran im allgemeinen ühertragen werden diirfen. Verschiedene Abweichungen in unseron beiderseitigen Berichten, die ich nicht alle hervorzu-heben branche, sind auf solche lokale Unterschiede zuriickzuführen.

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Katania führt. Bchoii eiiimal hatte ieli eine grössere Strecke desselbon kennen ge-lernt '), und auf der Rückreise von der Nordkiiste beging icli denselben Pfad noch wieder, dies lelzte Mal ohne jaden Aufenthalt und im Sehritte eines rüstigen Fussgiingers, wobei der ganze Abstand von der Nordwestküste Serans bis zur Pirubai in 1 St. 20 M. zurückgelegt wtirde.

Bei Ruin folgt auf' einea ganz sc-li malen, mil. Mangrove besetzten üfersaum landeinwarts zunaclist ein sehr niedriges Plateau, welches am Meere in einem 5 in. boben, von gebobeneiu Korallenkalk gebildeten, steilen Absturze endigt und allem Anscbeine nacb eine alte Branduugsterrasse darstellt:; aber scbon nach eiuer kni'zen Strecke steigl der I'fad ein flachwelliges Hügelland hinan, in dem man alsbald den höchsten, 143 m. über dem Meere gelegenen Punkt der Landenge erreicbt. Es feblt bieselbst niclit au steilen Hangen, und an ihnen tritt stellen-weise eine stark verwitterte, arcbaeiscbe Formation zu ïage, wabrend sonst braunrotlies bis rothes Erdreicii den Boden bildet, welcber mit zablreicbeu, kleinen Broeken von weissem und grauem Quarzit bestreut ist.

Etwa 10 Minuten Qebens jenseits des höchsten Punktes geniesst man von der tlübe des Hügellandes aus einen sehr schonen Bliek auf Buano sowie die kleinen Eilande, welche sich zwisehen dasselbe und Seran einschieben. Buano zeigt im S W ein hohes Gebirgsland, wiihrend sein nordöstliclier, etwa ein Drittel der ganzen [nsel betragender Abscbnitt sebr niedrig und fladi ist, und in der Pro-fillinie des erstereu bemerkt man einen tiefen, thorartigen Einschnitt, beiderseits von schroff abfallenden Wanden begrenzt. Derselbe liegt von unserem Staudpunkte aus N67° W und entspricht vermuthlich der Meeresstrasse, welche sich zwisehen der Nordwestecke von Buano und einer kleinen, boben, ibr uumittelbar gegen-überliegenden Insel, genannt Pulu Püa, befindet. Die unbedeutenden Eilande im Vordergrunde sind niedrige Korallonbauten, ausgenoinmen Pülü Bontal, welcbes sich als eine etwa 50 m. bolie Klippe praesentirt.

Der Weg senkt sich nun rasch, und nach sebr kurzer Zeit ist eine Aveite, alluviale Ebene erreicbt, welche den Buano gegeniiber liegenden Küstensaum der Landenge bildet, hie und da sumpfig ist und von einzelnen, unbedeutenden Biiclien durchschnitten wird, um scbliesslich am Meere in einem Mangrovesumpf zu endi-gen. Zur Beurtheilung des Verhiiltnisses zwisehen der Ausdehnung von Ebene und llügelland in diesom schmalsteu Theile Serans mogen lolgende, anl' dem Rückwege notirte Zahlen dienen: von Katania bis zum Fusse des Rückens 34 Minuten, von dort bis zum höchsten Punkte des Pfades 23 Minuten, alsdann bis nach Ruin wiederum 23 Minuten. Das fast unmittelbar an die Pirubai stos-

1) Vgl. obon pag. Ü'J.

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seiule, (lagegen im Nordwesten durch die vorgelagerte Bbene weit vom Meere zurücktretende llügellaad fallt beiderseits iji glei(-liem Sinue ab.

Der Weg über die Landenge macht keinerlei Schwierigkeit, weil die Pflanzeawelt nirgends ein Hinderniss bietet, demi der Boden ist nur mit Gras (Kusukusu) und dünner Kajuputiwaldung bedeckt, die idi liier zuni ersten Male in grösserer Aus-delinung kennen lernte. Es ist das eine Vegetation, welche unter anderen die niedrigen Höben qnarzreiober Schiefer dieser Insein besondera auszeicbnet, und der wir namentlicb auf liuru noch vielfach in unfruchtbaren Gegenden begegnen werden. Der Kajnputibaum (Melaleuca lcucodendron fj.) tragi, seinen Namen bekaunt-lich nacli der bellen Hinde, welche in Verband mit der durchsichtigen Krone und den feinen Blattern einigermaassen an unsere Birken erinnert. Diese Einde ist so weich, dass man sie bequem mil dein Finger eindrücken kaan, und lasst sicdi obne Schwierigkeit bis zn 1 (tin. Dicke abschalen; sie liefert daim ein vorzügliches Material zum Bedecken des Gepacks gegen Itegen, wozu icb sie auf' meinenferne-ren tóeisen vielfach verwandte.

Zablreiclie Papageien und Kakadu's beleben die Gegend; da erhebt sich auch ein einzelner Kaubvogel; aus dein Grase springt ein llirsch empor, und bin und wieder verirrt sicli liielier ein jagender Alfure, welcber, selbst einem gebetzten Wilde gleidi, dureb den lichten Wald davoneilt, sobald meine Begleiter mit gros-sem Geschrei auf ilm binweisen.

Den MangroYesumpf bei Katania würde ein Europaeer kanm passiren kunnen, wenn nicht die Bewolmer von Buano hieselbst eine lange, primitive Brücke unterbielten, und zwar im Interesse des Postbalters und des Predigers von Lokki, welche beide bisweilen dieses Weges kommen; mit ibrer llilfe gelangten wir deun auch in eine 1'rau, die von Buano bieliergesandt war, um uns abzubolen, mid von den Leuten mit dem stolzen Namen einer Greinliai belegt wurde. Das elende Fahrzeug war so klein, dass sein llumpf' nocli oben an den Randern mill,eist Atapp, zum Schutz gegen etwa übersclilagende Wellen, liatte erhöht werden mns-sen, und in der Mitte befand sich an Stelle der Kajüte ein so niedriges Blatter-dach, dass man darunter nur liegend Platz linden konnte. Die Bemannung batte es nilmlich als selbstredend angeseben, dass icli die Keise in dieser Weise, sei es demi schlalënd oder seekrank, machen würde, und wollte ich micli nicht aufsolcbe Art transportiren lassen, so blieb niebts anderea übrig, als wahrend der ganzen Dauer der Ueberfahrt am Mast zu stelien, da aucb auf den Euderbanken kein Platzcben l'rei war. Das geschah demi auch, und die 4 Stunden und 47 Minuien, welche die Iteise von Katania bis Buano in der beisseston Tageszeit dauerte, geboren nicht zu den angenebmsten Episoden meiner Eahrten; sie wurden noch

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minder ertrüglieli ilurcli den Umstand, dass die Ruderer in dem engen Boote ausser einein Gong, zwei Trommeln und eine Flöte zur liegleitung gebrauchten und dazu womoglicli noch me]!!' schrieen, als ioh es bei den Seranesen bereits ge-wohnt war.

üebrigens glioliea sie letzteren dnrcbaus , obwobl dies keineswegs bei allen Buanesen der Fall ist, demi diese bilden ein iibiilicbes Mischvolk wie die Leute von Hitu. Das Einzige, was micb sonst an der Bemannung iuteressirte, war ilire Wasserflascbe, welche der lusel Buano eigenthümlidi sein soli (Taf. 28, Fig. 1). Sie bestand aus einer etwa 20 cm. Dnrcbraesser besitzenden Kalabasse, die init eingeritzten Arabesken verzierl. und von einein weit durclibrocbenen, aus Rottan gefloclitenen Korbe umgeben war; an dieseiu war wiederuin ein langes, ebenfalls aus Rottan gefertigtes Tragband befestigt, so dass das Gauze iiber die Sclmlter gebiingt werden konute.

Wir nalimen unseren Weg aüdlicli von der bereits erwalinten, kleinen Insel liONTAli, welche der Küste Serans sebr nahe liegt und lediglicb aus gebobenein Korallenkalk zu besteben soheint, der am Siidende eineu niedrigen Hiigel bildet nnd sich nach Norden zu verflacht. Die unbedeuteudeu Eilande, welche sicli nord-licb von Bontal befinden (auf Riedel's Karte sind sie ausnahmslos falsch einge-tragen), liegen sarninl letzterem in einem selir seichten Meere, wie schon aus der auf weite Strecken liclitgrünen Farbung des Wassers hervorgeht; man kann audi zwischen Bontal und der ihm nordcistlicli gegenüber liegenden Landzunge Serans bei Ebbe nicht einmal mit einem Ruderbote liindurcbtaliren. Das flache Meer ist in dieser Gegend reicli an Tripang (Holothurien) und Schildkriiten, welche hier beide vielfach gefangen werden; es wird nach SW sowohl als nach NO von einem ausgedehnten, niedrigen Ufersaume eingefasst, welcber die Fortsetzung der vor kurzem passirten Ebene in tier Landenge Serans darstellt.

Kurz nach 5 Uhr landeten wir auf Buano, bei dem einzigen, gleichnamigen Dorfe der Insel, welclies am Oststrande, an der Grenze des oben erwalinten Ge-birgslandes und des flacheren Landstricbes, gelegen ist. Es wobnen bier sowohl Mohammedaner als Christen, so dass die Niederlassung in zwei als Buano Islam und Buano Sarani unterschiedene Theile zerfüllt; ersteres zahlte der Zeit etwa 90(3 Einwohner, letzteres nur uugefiihr halb so viel. Die Hauser des iirmhchen Dorfes siud wie in Hatusua gebant, nur ein einzelnes, welches der christlichen Qemeinde angehört, ist im ambonschen Stiele aufgefubrt, gross, von unten sogar auige-mauert, abequot; schlecht erhalten und macht im Innern den Eindruck einer Spelunke, in welcber die gelegentlich anwesenden Mohammedaner gewohnheitsgemiiss auch ihre kleineren Bedürfnisse verrichten. Ein paar Betten sind bereits für uns ber-beigescbafft, und allmahlig kommt auch ein Tisch nebst einigen wackligen Stüblen;

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alles malmt au Unordnung, Veri'all und Armuth, was um so trüber stimmt, als auf den geho benen Korallenkalken, die wieder in grossen Partieen am Landungs-p lat ze aufgeschlossen sind, ein Gedenkstein der Ostindischen Compagnie errichlet ist und luis die verdorbliclien Zeiten ihrer HeiTseliaft ins Gediiohtniss zurückmft.

Mit der Bevölkerung ist niclit viel anzufangen, demi man behauptet, keinen ins öebirge fïïhrenden Weg zu kennen, was bei der ungeheuren Indolenz dieser Menschen sehr gut wahr sein kaun, und das eiuzig Erreichbare ist eino Eeise durcli den flacheren Theil des Eilands nacli iV If bin. Audi biefür siud 'aber die erforderliclien Leute erst nacb vielen Uinstanden und mancherlm Verdruss zu er-balteu, und es ging bereits gegen 8 Ulir, bevor ieb midi am Morgen des lltcn Marz auf den Weg machen konnte, wiibrend der Posthalter zur Abwicklung seiner Geschafte lm Ürte zurückblieb.

Ausserhalb dos Dorfes passirten wir zunachst einen weiten Sumpf (demi Buano batte noch, gleich dem nördlichen Seran, seine Eegenzeit); daim ging es ziemhcli steil einen aus quartarem Korallenkalk gebildeten Hang hinan und nun in ver-schiedenen Stufen, in denen kein Gestein mehr zu Tage tritt, bis zu einer IIolie von 68 m. aufwürts. Damit war auch bereits der liöchste Punkt des die Insel durchquereuden Wages erreicht, eine gute halbe Stunde nach dem Verlassen des Dorfes, und dieser kurze Anstieg ist wegen des schonen Ausblicks, den man vom Gehange des Hügellandes aus auf Seran bat, sehr lohnend. Ueber fiache Bodenwellen und einige sehr unbedeuteude Bache führt alsdann der Pfad allmablig wieder abwarts, zur gegenüberliegenden Küste der Insel bin, wobei seine Ricli-tung vielfach zwischen N und N IF wecbselt, doch herrscheu uördlicb gerichtete Strecken vor.

Rechts vom Wege ist nicht die unbedeutendste Bodenerhebung wabrzuneli-men, links dagegen begleitet ibu in einigem Abstande das Gebirge, welches den siidwestlicheii Theil der Insel autbaut. Die Grenze desselben bildet einen nach N O geöffneten Bogen, wiibrend die 250—300 m. hohen Gipfel mauchmal Ge-liiinge mit 45° Neigung zeigen; oft sind sie noch steiler, und kalde, graue, schroff abstürzende Felswilnde blieken vielfacb herüber. Die Vegetation ist in dem flachen Hügellande wiederum sehr armlich: nirgends ein Wald, uur bobes Gras mit vereinzelt stellenden Baumen, besonders Kajuputi, mid bin und wieder ein ISambusgebüscli. Mancbmal ist auch der Boden sehr sumptig, und die geologische Ausbeute liisst leider viel zu wünschen übrig; oine einzelne Wohmmg und, eltenso einsam und verlassen, ein einzelnes Grab am Wege, welches nach ambonscher Weise hergerichtet ist — sonst nirgends eine Staffage in der Landschaft.

Drei Stunden nach dem Aufbruche vom ürte belanden wir uns am Ajeu

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Lai'I'an, woselbst einlge kleine Flügelprauen bereit lagen, rait deren llilfe wir den FIusb lüuunter zum Meere ialiren konnten. Das genanule Gewüssei', welches sicli in zahlreiclien, scharfen Krümmungen nacli -A' O wendet, war an diesem Orte nur etwa C Schritte breit, erweiferte siub aber abwiirts bis zu 20 nnd unmittelbar am Meere bis zu 40 Scbritte. Mebrfacb treten wieder 5—15m. bolie Partieen von Karang an seinen TJfern auf, eine Formation, die sicli aucb bereits auf dem letzten Drittel des vorhin zurückgelegten Landweges gezeigt batte, mul der Lauf des Flusses wird ganz augenscbeinlich von diesen Felsmassen beeinfhisst; im übrigen ist seine ümgebung scblammig, am Meere mit Mangrove bestanden, mit der sicli weiter aufwarts die Nipapalme (Nipa fruticans IVunnb.) miscbt. Diese Pflanze mit unmittelbar aus dem Wasser bervorstebeuden Wedeln, deren Blatter beim Mangel an Sagupalmen aucb vielt'acli zur Herstellung von Atapp verwendet werden, mocbte dort, wo wir den Fluss zuerst erreicbten, etwa den gleicben Antbeil an der Bil-dung des Waldes nebmen wie die Mangrove, Es war das reicblicb * Stunden Ruderns von der Kiiste entfernt.

Der Habitus der Riiizophouen ist bekanntlich mancberlei Wecbsel unterworfen; bier bilden sie, im Gegensatze zu den niedrigen Mangrovegebüscben am offenen Meere, 10 m. und mebr Höbe erreicbende Baume, von denen die granen Luftwur-zeln langen Tanen gleicb berabhiingen, um sicb erst kurz über der Wasserflacbe zu zertheilen und dann zur Bildung neuer, stelzenarti-ger Stützen ins Erdreicb zu senken. Alsbald entste-ben ans ihnen bauinartige Gebilde, welcbe sicli in der Landscbaft nicbt mebr als Wurzeln erkennen lassen,

der ursprünglicbe Stamin stirbt ab, und so wandert die Pflanze weiter. Ueberall

hangen aus den Blatter-

kronen aucb die Keime berab, welcbe bereits am Baume zu langen, zapfenartigen Gobilden auswachsen, um sicb beim Niederfallen entweder direkt in den Scblamm zu bohren oder, vom Wasser fortgetrieben, eine neue Wohnstatte zu suchen, an welcher sie, begunstigt durcb die keulenförmige Verdiokung ilires unteren Endes, sicb ebenl'alls obne fremde Mithilfe in senkrechter Stelliing einzupflanzen vermogen.

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Es ist still in diesem Walde, mil seinen von dunldem Sclilamm bedeekten, abenteuerlichen Wurzelgemsten, an denen unlern des Ufers zahlreiche Krebse umher kriechen. Sonst zeigt sick nur noch eine einzige, riesige Eideclise, denn von den Krokodilen, welclie die triibe I'luth bewolineii sollen, nimmt man, wie gewölnilicli, niclits wahr. Ant' der dunklen, unbeweglicli scheineuden Wasserfliiche treibt hie und da ein Baumstamm, nocli oberflachlich mit seinem frülieren Standorte am Uier Terbunden, und vereinzelt stelien auch verdorrte Aeste und Zweige iiber den Spiegel des Flusses hervor, welcher nur bei einigen starken Kri'uiimungen voin hellen Son-nenlichtu beschienen wird, wahrend sonst durch die hoheu Baume den Strahleu der Zugang zur schmaleu Wasserstrasse gewehrt wird. Eintönigkoit, Grabesruhe und der Hauch der Vorwesung ringsum — sie stimmen an solchem Orte zu tiefer Melancholie.

Welcher Gegensatz beim Verlassen des Lapuan, als das Boot piötzlich in sonnendurchflutheter Landschaft auf einem weiten, stillen Gewiisser fuhr, das eine um so grössere üeberraschung bot, als es beim ersten Anblicke in jeder Hinsicht einem Binnensee glicli! Es ist die Bai von Tundona (Labuan Tundona), welche tief in das nordwestliche Buano einschneidet, seewarts und im Westen aber durch I'ulü Pu a fast ganz geschlossen wird, und da die schmalen Strassen, welche letzt-genaimte Insel im Norden und Süden von Buano treunen, nicht wahrzunehmen sind, bevor man sich unmittelbar vor ihren Eingangen befindet, I'ulu Puazudem ein gleii'h Lohes Bergland tragt wie jeuea grössere Eiland, so ist die Tauschung, als ob man sich auf einem Landsee belande, eine vollkommene. Keine Welle kranselt die (Jberflache des Wassers, weil die Brandung ihren Einfluss nicht bis liieiier geltend machen kann, und erst die schonen Korallenbauten am Ufer von Pulu Pua belehren uns darüber, dass wir uns in einer last ganz abgeschnittenen Meeresbuc-ht betinden.

Das Gebirgsland von Buano, dessen höchste llölien ich aui' 400 m. schatzte, stösst im Süden der Bucht von Tundona mit dem etwa ^50 m. ansteigenden GüNUNG Teha ans Meer, und die allseitig steil zum Wasser abfallenden 15erge von Pua erscheinen als seine unmittelbare, nördliche Fortsetzung. Oestlich vom Teha und am linken Ufer des Lapuan ragt ierner aus llacliem Lande ein steiler Gipfel hervor, welcher Taïna heisst. In portugiesischer Zeit befand sich auf ihm eine Festung der einheimischen Bevölkerung, die nicht eingenommen werden konnte und sich dem Feinde erst übergab, als dieser das zugehörige Dorf zu verbrennen drohte — so erzahlt der Radja von Buano, welcher mich begleitet. Weiter im Nordosten und am rechten Ufer des genannten Flusses erhebt sich, eben-falls in isolirter Stellung, der Sehesetëü , dessen llölie gleich derjenigen des Taïna etwa 200 m. betragen mag; sonst wird die Bucht im Osten und Nordosten von einem

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ganz flaclien Lande eingeschlossen, uud erst au ilirer nordwestlichen Grenze, nörd-licli vou Pua uud der beide Eilande trennenden 8trasse, ragt wieder ein ungefilbr 300 m. holier Berg, der Hatuana, empor. Ueberall sieht man licbtgraue Kalk-steinfelsen, die oft liolie, steil abgebrocheue uud durcli die Erosion vertikal geriefte Wande von durcbaus einlieitlichein Cliarakter zeigen.

Das ist namentlicb aucli der Fall zu beiden Seiten der Strasse, welcbe Pua im Norden von Buano scbeidet, denn bier sind au erstgenannter Insel die Felswiinde stellenweise senkrecht abgebrocben, uud an einein Orle, an dera sle genau vertikal zum Meere abstürzen, bemerkt man in ibnen zwei deutlicb eiiigescbuittene IJobl-keblen, welcbe alte Strandlinien markiren. Eine derselben verlani't nur wenig über dem jetzigen Niveau des Aleeres, die andere dagegeu liegt etwa 2;quot;) m. bocb, und von der sie iiberragenden Decke bangen plumpe Tropfsteinbildungen bernie-der. Die genannten Linien zeugen gleicb den bereits olieu erwilbnten, gebobenen Korallenkalken dafür, dass aucb diese Insein nocb vur geologise li kurzer Zoit eine ansebnliclie Hebung erfabren baben.

An ihrem schmalsten Punkte ist die betreffende Strasse niobt mebr als etwa 1000 Scliritte breit, aber im Westen öffnet sie sicb triebterlormig nacli dem Meere zu; doch befinden sicb vor ibrem Ausgange noch wieder zwei kleine, zwischen l'ini und Buano eingeschaltete Insein. Sie sind nur etwa 15 m. bocb und tragen die Namen P. Kabuaei und P. Kalapa, und zwar liegt letztere, zugleich die grössere von beiden, unmittelbar westlich vom Hatuana. Wir fubren nun durch die Strasse, welcbe Kalapa vom genannten Berge scbeidet, und gingen eine sehr kurze Strecke weiter uördlioh auf Buano an Land. Die Reise von der Miindung des Lapuan bis hieber batte noch etwa l.J Stunden in Anspruch genommen.

Der Ort, an dem wir uns befinden, ist eine sandige Ebene, welcbe sicb einer nach N IK gekehrten Ausbucbtung des Hatuana vorlagert. Der Strand der Insel verlauft hier Ar 60° O, und an ihn schliesst sicb seewürts, illinlich wie bei Nusa-laut, eine weite Brandungsterrasse, welcbe nur bei liocbwasser von den Wellen überstromt wird, wilbrend sie zur Ebbezeit von seichtem, spiegelglattem Wasser bedeckt ist. Die Brandungsköpfe markiren indessen audi wÉihrend der Hochflutb schart den Aussenrand der Terrasse mul bilden, so weit das Auge reicht, eiuen zusam-menhiingenden Streifen, welcher eine betriichtliche Strecke ausserhalb dei' Küsten-linien von Pua und Buano sowie der kleinen Eilande Kasuari und Kalapa verlauft.

Es leben hier einige Fischer von Binongko , der kleinen Insel im Südosten von Celebes, welcbe ihre geraucberte Waare nach Ambon bin verkaufen. Die primi-tiven Atappbiluser dieser Leute steheu meist unmittelbar aut' der Erde, und darin liegen auf Borten gescbichtet die zum Versand bereiten Fische; nur eine einzelne

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Wolmung hat einen Uuterbau von Pfiililen, und in dem durchriiucberteu Raume, welcher uns zimi Aufeutlialte dient, belindet sich eine grosse Fexierstiitte. Die Grilber der Ansiedelung liegen zwischen den ïïausern .zerstreut; eins derselben ist i m. bocb aufgevvorfea und mit einer Mauer von Korallenkalk eingefasst, wiihrend am Kopi- uud Fussende eiu aufreclit stebeudes Tropfsteinstiick angebracht wurde; in der Mitte steben eine Oocosscbale mit etwas Asclie und ein alter, blauer I'or-zellanteller darauf. In ersterer wird Dammerbarz, in letzterem mittelst eiues Docbtes Cocosol als Opfer verbrannt; der Boden ist ringsberum rein gehalten und vor kurzem mit einigen Oocospalmen bepflanzt. Am Strande sind die Leute gerade beschaf'tigt, Planken für die Anfertigung eines Bootes krumm zu biegen. Man klemmt sie zu diesem Zwecke mit; dem einen End« ein wenig über dein Boden in einen Baum fest, legt sie über ein an zwei aufrecht stebenden Pfahlen befestigtes Querholz und beschwert daim das andere Bnde mit Steinen, wahrend unter dem Brette ein schwaches Feuer unterbalten wird.

Die Leute, welche wir vom Dorfe Buano aus mit Lebensmitteln, Gerathen, Decken u. dgl. m. über See hiehergesandt batten, suchten wir vergebens, obwobl sie langst zur Stelle sein konnten; sie trafen erst urn 8 Uhr abends ein, als wir sie gar nicht mehr erwarteten, uud behaupteten, nahezu ertrunken zu sein. Spiiter steilte sich heraus, dass sie am Kap Pamali, an der Ostküste von Buano, aus Furcht umgekehrt und dann vom Posthalter nochmals auf die Reise geschickt waren. So mussten wir denn \on I5 Uhr mittags an nicht nur unseren Magen be-schwichtigen, sondern audi jede anderweitige Fahrt zu den benachbarten Klippen am Meere aufgeben, weil für eine solche die kleine Prau, mit der wir hiehergelangt, durchaus unbrauchbar war. Gegen Abend wurde aber der Zustand durch den völligen Mangel an Licht noch uuerquieklicher; denn die Binongkoresen besassen nicbt ein-mal Dammerbarz, und dazu war die hochgelegene Flur unserer Wobnung so dureb-löfihert, dass man sich bei der Dunkelheit kaum darin bewegen durl'te, wahrend die umherhangendeu Netze unsere Freiheit in noch höberem Maasse beeintrachtigten — doppelt unangenehm, weil es durch die schlecbte üachbedeckung überall dureh-regnete. Kurzum, ea war ein wenig beneidenswerther Aufenthalt, und dies lediglich in Folge der absoluten Unzuverlassigkeit der Bewohner von Buano, welche mich noch obendrein nothigte, am folgendeu Tage auf demselben Wege, auf dem ich liieher-gereist, nach dem Dorfe zurückzukehren; denn niemand wollte in eiuem der schlechten Bote, die man mitgebracht, nochmals über See fahren. So fiel denn dieser Ausflug trotz sorgfïiltigster Vorbereitungen und genauester Verabredungen zur Halfte ins Wasser; aber das hinderte die Buauesen doch nicht, spiiter für 45 Mann Bezahlung zu verlangen.

Das einzige, was mir den unfreiwilligen Aufenthalt an der Nordküste des Eilands

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noch einigermaasseii vergütete, war der Auswurf des Meeres , deuu daniuter taud sich zunachst in grossen Mengen ein sogenanntes Postliörnchen, die imierliche Scliale der zn den Cephalopoden geliörigen Spirula 1'eronii Lam., welche mit vielleicht noch zwei anderen Arten derselbeu Gattung die einzigen, lebenden l'hragmophoren als Nachkominen der Belemniteu repraesentirt. Besoudcrs aher wurde mein Interesse durch Gehause von Foraminiferen des Genus Orbitolitas gel'esselt, vvelclic in ungeheurei' Zulil zwischen kleineren Muscheln am Strande lagen. Die weissen, zier-lichen Scheibchen, welche ich hier sammelte, erreichen bis zn 14 min. üurclnnesser nnd geboren zn Orbitoliles complanata Lam.\ die kleineren nnter ibnen sind ganz flach, von der Form einer Münze, die grosseren nieist an den lliindern gekrauselt, nnd bisweilen entsteht durch gröbere Fültelnng des Aussentheiles der Schale sowie gelegentliche Spaltung desselben die seltenere Spielart, welche Brady als O. laciniala

beschriehen bat '). Auch durch Verwachsung verschiedener Scheiben entstandene Monstrositaten begegneten mir, so dass sich hier noch ganz unerwartet ein schönes Studieuobjekt vorfand.

Am 13ten Miirz um 7 IJ. 15 M. morgens verliessen wir Buano wieder, um zur Nordküste Serans zu reisen. Wir fubren nach N O, im Norden der kleinen, zwischen Buano und Seran gelegenen Inselgruppe bin, nnd belanden uns nacli genau 4 Stunden in dein heidnischen Dorfe Kawa, unfern der Nordwesteeke des Eilands. Dieser Ort liegt auf' einem breiten, sandigen Uferstreifen; demi der flache Küsten-saum, den wir bei Katania, im schmalsten ïbeile Seraus, kennen gelernt, zieht

1) Voyage of M. M. S. Chullonger. Zoology Vol. IX, pag. 320.

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sicli noch Lis hielier und endigt erst ein wenig nördlicli von Kawa, am Tanb-jung Wana, dem gegenüber eine kleine, etwa 15 in. liohe Klippe von Karang namens Siei gelegen ist. Tj. Tauawajl im S W von Kawa bleibt, einen unbe-deutenden Hiigel ansgenommen, nocb ganz niedrig; nur weiter landeinwarts dehnt sicb zwischen ibm und Tj. Wana ein 50—80 m. bober, fast gerade abgesebnit-tener Rücken aus, welcber an gebobene Korallenkalke erinnert. Pieters versie,lierte niich aucb, daas in dein Wege, welcber l'iru mit Kawa verbindet, viellacb solcbe Bildungen auflreten, welclie von kaum troeken gelegten Eiffen an der Küste nicht /,u initerscbeiden seien, und ich babe keinen Gruml, an der lliditigkeit dieser Mittbeilung zu zweifeln. Es gewinnt soinit allen Anscliein, als ob lt;lie llalbinsel Huamual nocli vor kurzem ein selbstandiges Eiland gebildet lial)e.

Um 1 übr wurde die Fabrt in einer kleinen Prau liiugs der Küste nach N bin fortgesetzt. Zwischen Tj. Wana und dem die Nordwestecke Serans bildenden Tj. Tanduruë scluebt sicb nocb ein drittes Kap, das Tj. Sensüuji, ein. Die Berge treten auf dieser ganzen Strecke zwar unmittelbar ans Ufer lieran, aber der Strand selbst bleibt sandig; nur bei den beiden erstgenannten Kaps sind Korallenkalke entblüsst, aucb sind alle Gipfel nabezu gleicli liocb und abge-flaclit, so wie südlich von Kawa, wabrend ilire Höhe unbedeutend bleibt. leb scliützte sie auf 80 m,

An der Nordküste, unmittelbar östlich vom Tj. TandtiruË , befindet sicli zuniichst ein Kap, wel dies an seiner Westseite bis zuin Gipfel aufwiirts steil ab-gebrochene Felswande dem Meere zukebrt, aber aucb kaam mebr als 100 m. boch sein dürfte; es lieisst Tj. Tanduriië Otó; dann folgt in kurzem Abstande, weiter nach Osten, ein kleiner Fluss namens Lamasi, welcber an der Mündung etwa 10 m. breit und der Hauptsache nach durch einen vom Hochwasser iiber-strömten Uferwall gescblossen ist. Jenseits des Lamasi nimmt aber die Nordküste sogleich einen wesentlicli anderen Cbarakter an: Das Tandjitng ilatuëna, Welches wir zuniichst passiren, steigt landeinwarts bis etwa 300 m. empor und fiillt in einigen uudeatlichen Stafen mit einer mittleren Neigung von 45° zam Meere ah. Das Ufer ist nun felsig, und die Klippen halten an bis zum gleicli liolien Tj. Kalawaï (= Speer), welches seinen Namen vermuthlicli den zackigen Erosionsformen des dort anstehenden, dünn geschichteten und sebr widerstands-fabigen Kalksteins verdankt. Gleich östlich vom letztgenannten Kap befindet sicb die Mündung des A.jrr Pana (Pfeilwasser), dessen Quelle unfern derjenigen des Sapalewa entspringen soil; aber bevor wir den Fluss noch erreicht baben, zeigt sicb ein Landschaftsbild von überrascbender Scbönheit. Am rechten Ufer des Pana, in SO und nur wenig landeinwarts, erhebt sicb namlich auf fiachwelliger Basis eine schroffe, senkrecht zerklüftete, heil leuchtende Felsmasse, welche oben abge-

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flacht isi und den Eindruck eiues riesift-eu, zerfalleuen Kastells macht Waldung, welclie die Spitzen der Fels-zinkeu krönt und in ihre Schluchten lieniiedersleigt, er-innert au moosbo-krochene Ruinen und verliert sicli a]lnlalllig• in das Üppige Qrün , welches die Basis dieses 600-700 m. hohen,

Massohi genannten

Gipfels bekleidet. Davor sieht man in nachster Nahe einen mit ansehnlichen Baumen besetzten TJfersaum, und zur Linken, also weiter nacl) O hin, blickt hinter dem Massohi noch ein zweiter Qipfel lierüber, welcher ganz ahnlich ge-formt und auch von gleicher Höhe zu sein scheint (sieh Abbildung).

Oestlich voin Pana wird der Strand wieder sandig, und die Berge, welclie noch unmittelbar ans Meer herantreten, verflachen sicli in der Rich lung dos Tj. Sapalewa bis zu etwa 100 in., aber dahinter erhebt sicli unfein der Kiiste ein imposantes Gebirgsland, welches wiederum dnrch die Schroffheit seiner Qipiel ausgezeichnet ist und in seinem Oharakter dem Massohi ahnelt. Man erblickt darin unter anderen den Gunung H.uli:ng(4) zur Rechten und den Batü Lakaëla (6) zur Linken des von Osten kommendeii Sapalewa, ferner im llintergrunde des ilent-licb gekennzeichneten Thaleinschnittes dieses Flusses ein noch hölieres Geliirg-e (5)

und nordwarts von ihm eiue ausgedehnte Ebene, an deren Örenze der Sapalewa beim gleichnamigen Tandjung (2) mündet. Das ebenfalls flaclie Tj. Lamana (1)

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springt etwas ostwiirts nodi weiter ins Meer vor, uud in grosser Ferae uimmt man den IUïu Batolla (3) walir, welcher 7011 W aus gesehen den Bindruck macht, als bilde er den nördliohsten Vdrposteu des hohen Küstengebirges, mit dem er ia der projicirten Profilliaie zusauinieazuliiiagea scheiat. Man versicherte mioh aber, dass dieser steile, mit pyramideaförmiger Spitze versehene Gipfel isolirt stehe.

Das Ziel unserer Eeise, Nuniali, liegt ganz in der IS'ühe des Tj. Sapalewa, wir koaaten es aber am l.']tlt;!n Marz nicht, mehr erreichen, da wir trotz unuater-brochener Falirt erst urn OU. 58 M. abends, also 6 Stuaden nach dem Aufbruche von Kawa, in Müuinatin , dem westlichstea Dorfe der Nordküste, eintrafea. Seine auf 400 Köpfe geschiitzte Bevölkernng hat sicb seit '65 hier niedergelassen und besteht gleich derjenigea von Kawa lediglich aus Alfurea, aber die anssere Er-scheinung der Leute und das Aasehea ihrer Wohaungea ist ia dea beidea Orten durchaus verschieden. Deaa wahrend ia Kawa noch alles an Piru und die Dorfer der Südküste eriaaert, ist in Muriaatin die Sackhose geschwundea und alimen die Manner, wie überall in den von mir besuchtea, heidnischen Negoreiea der Nordküste, die Kleiduag der Mohammedaaer aacb, soweit die Mittel ilinen dies erlaubea. Bei den Angeseheaeren sieht man Beiakleid, Rock uad die bekaimte gt; kleine, hiiufig mil Guldstickerei verseheae Aliitze, bei dea iirmerea Münnera oil nur einen kurzen Sarong als einziges Kleiduagsstück, wall read das Haar gleichwie an der Südküste durch einen kranzartigea Bambusstreifea zusammengehalten wird; andere tragen dazu eiae karze Jacke und oftmals ein Kopftuch, die Frauen-kleidung dagegen ist dieselbe wie in Hatusua uad auf' dea Uliassera. Einzelae Madchea trugea audi die von erstgenanntem Orte beschriebenen Silberringe, und daneben sah ich vielfach die bei den Alfnren beliebten Eiage, welche aus dem Gehause einer Kegelschaecke verfertigt siad, sowie einea einzelaen derartigen Zier-rath von Kaochea, voa Siagapore herrührend. Eias der Madchea besass feraer mitten auf der Stirn eine Tatuiruag, nicht grosser als 1 cm. und aus einjem V mit zwei darüber aagebrachten Panktea bestellend (Taf. 26, Fig. 13). Die Figur eriaaerte an diejeaige, welche Miianer voa ïïonitetu über der Naseawnrzel aage-bracht batten1). Die Hauser, obwohl in Reihen geordnet, zeigen vielfach, nach Art der Wobnungen des Innern, freisteheade Bambuspritscliea, welche uur voa oben her durch das weit vorspringeade Dach geschützt siad.

Spater am Ahead lerate ich in Muriaatin dea alfurischea Taaz, welcher karori genanat wird, kennen, zunachst nur als Zuschaner, dann auch als Mittaazer.

1

Vgl. oben, pug. 121.

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Manner uud unvevheirathete Fnuion biMeteu hiebei eiuen Kreis, imlem sio sicli unmittelbar neben einander steilten und gich nun ent weder au den Handen fassten, wobei der (Jnterarm gekriimmt war, oder audi gegeuseitig die Anne um Nacken und Sclmltern legten; es wurde aber niclit bunte Reilie gemaclit, sondern die Madchen hielten sicli zusammen, wenngleicli sie in eiuem und detnselben Kreise raittanzten. Uiiter Begleitung \rlt;)n Tifa und Gong sang man dazu, ahnlich wie beim Menarie auf deu Uliassern, wabrend bald dieser lgt;ald jener, Mann oder Fran, eine Strophe vortrug, die dann von den Uebrigen wiederbolt wurde, und nacli dem Klange der Musik bewegte sich nun die gauze Gesellschaft langsam von links nacli rechts, indem jedesmal ein einzelner Schritt scliriig gegen die JSlitte des Krelses bin vorwarts und dann wieder rückwarts gemaclit wurde. Diese Schritte waren von schwacbem Aufhiipfen oder audi von Stampten begleitel, und bisweilen traten die Tiinzer in der Kniebeuge und unter wildem Jauchzen und Kreischen weit nacli innen vor. Wenn der Karori von den Alfuren um einen getrockneten, menschlichen K op I' ausgefiihrt wird, so stossen sie ibn in soloben Augenblicken mit den Fiissen ').

Als der Eeigen begann, war der Ring noch nicht geschlossen, und befanden sich die Tifaschlager in seiner Mitte; dann traten sie selbst in die Reihe der Tanzenden ein, und schliesslich gesellten sich noch mehrere verheirathete Frauen hinzu, welche Trommeln an einem bunten Zeugstreilen iiber die rechte Schulter gehangen batten. Mittlerweile war von den Miinnern und Madchen ein stattlicher Kreis geformt, dessen Tanzerzahl bis ant' etwa 30 angewachsen sein moidde, und nun marscbirten alle Trommelschliiger, mannliche wie weibliche, um die geschlossene Kette herum, wilhrend verschiedene der Frauen ihrejungen Sprösslinge am Rocke nachschleppen liassen; andere Mütter standen mit den Kindern auf den Armen singend dabei. In Se pa , einem Orte, welcher an der Südküste Serans, östlich von Amahei, liegt, sollen die tanzenden Weiber den Takt zum Karori (dort maleo genannt) auch mit Kupt'erringen schlagen, welche sie über den Enkeln zu tragen pflegen -i).

So einfach die Sache schien, so ward es mir trotz vielfacher anderwei tiger Uebung in solchen Dingen doch recht schwer, die Schrille ini Takte mitzumachen, da der Rbythmus der Musik für europaeische Ohren durchaus fremdartig ist, und wenn es mir auch schliesslich gelang, taktfest zu werden, so wollte die Weise doch nicht in meiner Erinnerung haften bleiben. Desto lebhafter steht mir noch

1) Dus berichtet auch Ludeking (Schots, pag. 01). — Brumund nennt den betrcft'ondon Tanz hakkaw (Aanteekcningen, j)ng. 67).

2) Sioh hierübcr auch Boot (1. c. pag. 1178), nach dessen Angabe dor gloicho Tanz in Wahai als kahuxoa bokannt ist.

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heuto das phantastisclie Bild vor Augeu, welches die wüste mui bunte Gesellschaft dort am einsamen Straude bot, bunt durch die vielfachen Abstufungen zwischen den ordentlich gekleideten Frauen und Madclien einerseits und den niannigfach variirten Anzügen der Manner andererseits, bis zu dem Solme der Wildniss kin, dem nur noch ein kurzer Zeugstreifen — euphemistisch als Sarong bezeichnet — zur liedeckung seiner Blösse dient. Im günstigsten Falie bat der letztere nocli ein zweites derartiges Kleidungsstück mitgebracht, welches er nun als Zierrath über die nackte Schulter schlagt, so wie sich auch die weiblichen Mitglieder der Ge-sellschaft gerne noch mit einem zweiten, schrag über die linke Schulter gehangenen Sarong schmücken ').

Und doch erinnerte micii das Fest an dieser kulturentrückten Küste lebliaft an den schimmernden Tanzsaai der Heimath, als ich sah, wie die Mutter das einfacbe Kleid ihrer Tochter wahrend des Tanzens sorgsam zu ordnen bestrebt war und wie sie daim diese still aus dem Kreise fortführte, als sie meinte, dass es nun der Freude genug gewesen sei. Ueberall dieselben raenschlichen Regungen und Empllndungen — eiiie ansclieinend sehr einfacbe Thatsache, die mich aher doch bei unkultivirten Vólkern oft mals aut's unerwartetste überrasclit hat. Uebrigens will ich nicht unterlassen, hinzuzufügen, dass der Verkelir zwischen beiden Geschlechtern bei allen soloben Tiinzen der Alfuren auch der sittenstrengsten Dame Europa's niemals den geringsten Anstoss geben könnte.

Kindlich naiv war ebenf'alls ein Spiel, welches ich an dem gleiclien Orte noch tiei in der Nacht und hei derselben Musik aufführen sab. Es bestand einfach darin, dass die Lente eine doppelte lleibe bildeten, in welcher die einander Gegenüberste-henden sich anfassten, urn über ihre Arme ein Madeben aut' Handen und Füssen hinkriechen zu lassen. Letztere steilte hiebei eine Zibethkatze (Viverra) dar, das einzige, auf Seran vorkommende Raubthier.

In unserer einfacben Hütte von Gabba-gabba brannte nur etwas Dammerharz auf einem vierseitigen, aus demselben Materiale angefertigten, kleinen Gestelle; es warf sein Licht nicht ins Freie, wo der helle Mondschein die einzige Er-leuchtung der tanzenden und singenden Menschengruppe bildete. Weithin glanzte auch das Meer in silbernem Schimmer, wahrend seine Wogen rauschend gegen den nahen, steil auflaufenden Strand schlugen, und ala dunkle Silhouette zeichneten sich einzelne hohe Biinme des Ufers am Himmel ah.

14ter Miirz. Manche Leute lagen nach der durchtanzten Nacht noch schlafend auf ihren Pritschen vor den Hausern, als wir um 7 Ubr morgens von Mtim-

1) Aul' Ambon und don Ulmssorn ist dies nach van Hoëvell das Abzoichen der verheiratheten Frauen (p. S-t). Es ist mir unbekannt, oh dasselbe in dieser Gegend dor Full ist,

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nattn zum benachbarten Nüniali aufbrachen. Es befiudet sich au der Nordküste zwischen dem erstgenannten Dorf'e und dein Tj, Sapalewa noch eine Hei lie kart nebeneinander liegender Ortschaften, von denen man indessen vom Meere aus kaum etwas walirnimmt, weil der ganze Strand hier gleich den augrenzeuden Höhen dieht bewachsen ist; nur einzelne Reisfelder, sogenannte trockene Sawa's, nuterbrecben hie und da den uppigen Wald der Gehange und bieten so einen für die Küste Serans sehr ungewohnten Anblick. Kin wenig östlieh von Murinatin passirten wir die Mündung des Halua, eines unbedeutenden Flusses, und nach einer Fahrtvon I Sld. 10 M, langlen wir in Nuniali an.

Es war meine Absicht, von bier aus ins Gebirge zu gehen, und zwar nach einem Dorfe namens \\'akoli,o , welches von Nuniali in wenigen Stunden zu erreichen ist, und da schon wiilirend des Aufenthaltes in Murinatin alles für einen solcben Ausflug Erlbrderliche geregelt war, auch die nöthigen Trager bei nnserer Ankunft f'ertig standen, so konnte ich bereits 40 Minuten spater die Eeise land-einwarts ibrtsetzen; denn wenngleicb ilie Bevölkerung dieser (Jagend sehr beriich-tigt ist, so schien mir nach den eingezoganen Erkundigungen doch kein Grund vorzuliegen, um bievon abzusehen, wie es der Postbalter anianglich wünschte. Freilich war noch vor etwa 14 Tagen ein Mord in dem weiter östlieh gelegenen Stranddorfe Nukuhai veriibt, angeblich dnrch Zauberei, und in Nuniali selbst gab es allerlei schwore Anklagen, aber zwischen diesem Dorfe und Wakollo bestand das beste Einvernebmen, und daranf kam es doch scbliesslich allein an. So machte ich micli denn mil meinem Dolmetsch und vielen Triigern gegen 9 ühr auf den Weg ins Gebirge, wiilirend der Posthalter zur Erledigung von Geschiiften am Strande zurückblieb.

Durch eine mit hohem Ciras bestandeno und irn Augenblicke sehr sumpfige Ebene zur Linken des Sapalewa führte der Pfad nach SO, zum Wak Metan, einem unbedeutenden, mit Einschluss des Trockenbettes nur 20 Schritte breiten Bache, welcher beim Dorfe Sisiulu, zwisclien Nuniali und Tj. Sapalewa, aus-müudat. Seinem wenig geschlangelten Laufe folgten wir eine Weile aufwiirts, wahrend das Bett beiderseits von etwa 100 m. hohen Bergen begleitet wurde, und gelangten nun alsbald an den Fuss einer steil ansteigenden llohe, bis wohin der Weg von Nuniali nach Abzug einiger liingerer Unterbrechungen I J Stunde in Anspruch genommen katte.

Es ging alsdann durch dichten Wald eine Strecke weit sehr steil bergan, bis wir 163 m. Höhe erreickt katten, und jenseits wieder an einem ahnlichen Gehange zum Ajer Binang kinab, einem Nebenflusse des A.iiiu Sama, welches gleich dem Waë Metan bei Sisiulu ins Meer fliesst. Wir überschritten sein fel-siges, an diesem Orte 15 Sch ritte breites Bett, um darauf am linken Ufer dieses

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Wasserlaufes abermals au einem ausserordenilicli steilen Gohiiuge hinauf /u klet-tern, und da es bereits seit unserm Eintritte ins Gebirge in Stromen vom Tliinmel goss, der steile Weg vom Ajer Binang bis nach Wakollo aber stets über einen tbonigen, derzeit ganz durchweichten Boden hinführte, so wurde die lleise selir besc-bwerlicli. An Beobachten und Aufzeichnungen war gar nicht mehr zu denken, denn alle Sorge concentrirte sich auf' die gute Erlialtung der Instrnmente, und wenn icb auf dein Eückwege nicht glücklicher gewesen ware, so würde ich von dieser Gegend kaum eine andere Erinnerung heimgebracht haben als die an triefende und dera Köi'per anklebende Kleider, an nasses Gestrüpp, tröpfelnde Baume und dicht verschleierte Luft.

Zwei Stunden nach dem Beginne des ersten Anstiegs befanden vvir uns in dem 342 m. hoch gelegenen Wakollo, so dass also die gauze Eeise von Nuniali aus 3J Stunde gedauert batte; den Heimweg legte icb, wiederum nach Abzug des l'ür Untersucbungen verwendeten Aufenthaltes, in 2J Stuuden zurück.

Wakollo liegt am Hange eines aus archaeischen Gesteinen aufgebauten Berges, welcber landeinwiirts noch bedeutend ansteigt. Vom höchsten Punkte des Dories aus peilte ich Muhinatin A 65° //'; der Massohi war leider durch liegen ver-hüllt, dagegen war Tj. Lamana und die ausgedehnte Ebene an der Mündung des Sapalewa sichtbar, und ein weuig unterhalb des Ortes eröffnete sich ein weiter Ausblick, welcber nicbt uur das genannte Kap, sondern auch die uns bereits bekannten llöhen G. Hu r,u\G und B. Lakaëla umi'asste, sowie einen gleicli ansebnlicben Giplel namens Toësiwa. Alle drei Berge liegen östlich von Wakollo und geboren, sammt demjenigen, auf welchem das Dorf liegt, noch dem Küsten-gebirge au. Der Boden der Ansiedelung wird von einem gelbrothen Laterile gebildet und ist vielfach mit Bambus bestanden. Ein schwierig gangbarer Weg soli von Wakollo aus nach Piru führen, über ein Gebirgsland, welches ich auf Grund seines voa W aus wabrgenommenen Profils l'ür 7U0—800 m. hoch balie, wiibrend sein Relief au dasjenige des erwahnten Küstengebirges erinnert.

Die Einwohner theilen sich in zwei Gruppen, welche, genau genommen, auch zwei Dörfer lulden, und dies um so mehr, als jede von beiden ein besonderes überhaupt und einen eigenen Baileo bat. Dei- eine Theil der Bevölkerung stelit namlich in enger Beziehung zu Nuniali; er besitzt einen Regenten, welcber von der niederlandisclien Regierung angestellt ist und der in seiner mohammedanischen Kleidung, sammt dem Ilandstocke mit silbernem Knopfe, einen höchst civilisirten Eindruck macht. Die Zahl der ibm zugeliörigen Hauser von Wakollo, welche am weitesten abwarts auf ziemlich ebenem Boden liegen, dürfte indessen kaum mehr als ein Dutzend betragen, und der betreflende Regent hielt sich infolge seines Amtes

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fur verpllichtet, mich mil einer Reihe von ihm untergebenen Leuten iiberall bin zu geleiten. Icli bekam dun Eindruck, als sei er lur meine Siclierbeit selir besorgt, denn der Mann liess micli keinen Augenbliok allein geben, nnd selbst l)ei Ge-scbiiften, welcbe man gerne olme Zeugen yerricbtet, war er nicht zu bewegen, mich zu verlassen.

Der andere Theil der Bevölkerung von Wakollo steht allein unter dem radja tam, dem eigentlichen Gebieter dieser Gegend, dem auch der erstgenannte Regent noch untergeben ist. Von einer Gleichberechtigung beider ist keine Rede, denn letzterer durfte nicht einmal ohne besondere Brlaubniss den Baileo des Radja-tana betreten, und es schien mir, als sei er sammt den wenigen, ihm angehörigen Alfuren Wakollo's an diesem Orte nur noch geduldet. Die Hiluser, welebe sicb um den Baileo des Radja-tana scharen, liegen noch etwas weiter aufwarts, an einem so steilen Gehange, dass der lehmige Boden in der Regenzeit für den be-schuhten Europaeer nur sehr schwierig zu begehen ist, und die höchsten von ihnen betinden sicb vielleicht 30 m. oberhalb der ersten Wohnungen des Dorfes. Uebrigens zeigen alle den gleichen Charakter und dürfen sie deswegen bier ge-meinsam behandelt werden.

Die Wohnungen (Taf. 15; Taf. 16; Taf. 28, Fig. 2j sind regellos zerstreut, aber nicht weit von einander entfernt und zeigen mancherlei Verschiedenheiten von denjenigen, welcbe ich in Honitetu kennen gelernt batte. Sie besitzen einen ün-terbau von Bambus, welcher in der Regel so boch ist, dass ein Mann unter dem eigentlichen Wohnraume bequem aufrecht steben kann, bisweilen ist aber jener noch höber. Die Seitenwande sind alle vertikal und aus horizontal über einander gelegtem Gabba-gabba angefertigt; sie umschliessen nur einen einzigen Rauin, in welcheu aber stets zwei Eingange fiibren, und zwar ist einer derselben für den Mann, der andere für die Frau bestimmt. Eine Leiter dient zum Einsteigen in die Tbüröffnungen, welche entweder in der Seitenwand oder audi am Rande in der Flur angebracht sind. Das Atappdach reicbt nicht so weit herab wie bei den Wohnungen von Honitetu, so dass die Seitenwande von aussen zum Theil sichtbar bleiben und die angebauten Bambuspritschen von oben her unvollstandiger ge-schützt sind. Bald ist nur eine einzige, bald sind zwei solcher Pritscben vorbau-den, und bisweilen feblen sie ganz, denn es richtet sicb dies einzig und allein nach der Anzabl von Leuten, welcbe das betreffende Haus bewobnen. Tm Innern brennt, wie in Honitetu, stets Feuer auf einer Unterlage von Atapp und Erde; docli werden die Scheite hier einfach auf die Heerdstiitte gelegt und nicht so hingestellt, wie es oben von erstgenanntem Dorfe bescbrieben ist. Sonst sah ich in der inneren Einricbtung der Hütten keinen wesentlichen Unterscbied von der-jenigen, welche ich in Honitetu kennen lernte; indessen muss hinzugefügt werden.

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ilass idi nur einen flüclitigen Bliek in eine einzige Woknung werfen konnte, denn der micli begleitende, furcktsame Eegent •vvolJte durchaua niekt gestatteu, dass ick das Innere der weiter oben gelegenen Hauser betrat.

Der Jjiiileo, Aveleher letzterem angekört, ist ein grosser, holier Sckuppen auf niedrigen Pfablen uud mil; Seiten, welcke, eine kleine Atapp-Brüstung ausgenom-men, zuin grössten Tkeile ofl'en bleiben, so dass der Giebel kier nur auf einer Reike von Stützen rukt; dock ist das Qebaude eng mit der Woknung des koken Priesters verbunden, mit der es audi unter einem gemeinsckaftlicken Dacke stekt. Die eine seiner Querseiten wird im Inneru von einer grossen Feuerslütte einge-nommen, über welcker sicb eine zum Trockuen sebr geeignete, lange Borte kin-ziekt, und diese ist vorne der Lange nack durek einen kübsck gescknitzten Balken abgescklossen; auck sind die Stützen des Dackes mit einigem rokem Schnitzwerk verseken. Den Kapitanen ist in diesem Ratkkause kein besonderer Platz angewie-sen; sie pflegen zerstreut auf niedrigen, fussbankartigen Holzsckemeln zu sitzen. Ein hatu pamali ist kier, und an der Nordküste von Kairatu überhaupt, beim Baileo völlig unbekannt, gleickwie ein soleher auch in Honitetu fehlte.

Schadel sind in dem genannten Versammlungsorte nielit verhanden, wobl aber befindet sich dort eine game Hei be von heiligen Dingen, deren vornehmstes (pamali hesar) vor unserer Ankunft eingewickelt wurde, weil man fürcktete, wir meukten es berübren, doch blieb der Gegenstand trotzdem au seinem Orte unter dem Dache hangen, üebrigens ist derselbe auch unter gewöhnlichen Umstanden so verhüllt, dass der Kern des heiligen Objektes niemandem sichtbar wird, und ausser dem Priester ist überhaupt keiner der Alfuren, nickt einmal der Regent, mit seinem Inhalte bekannt. Eine Anzahl kleinerer Pamali's (Taf. 28, Fig. lü) besteht aus Dingen, welche ich grossen Kunstblumen vergleichen möchte: Von Oocosfasern hat man trichterartige Köcber (Je) verfertigt und um diese bin lange, ausgeschnit-tene llühnerfedern (ƒ) von weisser und schwarzer Farbe gebunden, sowie Streifen von Oocosfasern, welche in der Art zusammengeknotet sind, dass beiderseits von einem stielartigen Mittelstücke Reiben kurzer Spitzen abstehen (y). Diese Gegen-stande wurden beim Bau des Bailee's hiehergehangt. Auch ein Stück Dammer-harz, welches von einem Opfer übrig geblieben ist, bat man in Gras und zusam-mengeknotete Oocosfasern gewickelt und darauf unter dem Dacke befestigt, um als kleines Pamali zu dienen; ferner steekt daselbst zu gleichein Zwecke nock ein ganzes Bündel gescbnitzter, gefarbter und mit ausgeschnittenen Federn verzierter Stiibe von der Liinge unserer Handstöcke '). Der schönste derselben (Taf. 28, Fig. 13)

1) Riedel si:• „Vor dem Verlassen des Kakeanhauses erhalten die Neulinge vom Triester einen Slock, an beiden Enden mit Halmen- oder Casuarledern vorziert, welelior, wie man glaubt, ihnen von den Geistern der Voroltern {nitu) gegeben ibt, zum Zuiclien dalur, dass sie im Geistorlande warenquot; (I.e. pag.

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ist an seinem liiugsten Tlieile schwarz goHeckl, sein oberes Eiule ist aber etwas gebogen, ungemein zierlich gesclinitzt und irüt kleineren Federn behangen, wiihreiid es uacb vmtea mit einer kunstvoll aus Holz gefertigten llosette abscbliesst; dann folgt abwiirts ein buntes, vegetabilisches Flecbtwerk, welclies zur Befesligung einea Krauzes von ausgeschnittenen, langen Federn dient. Leider konnte irh nur eine kleine, robe Skizze von diesem Objekte entwerfeu, da icb dasselbe weder in die Hand nebmen nocb offenkundig zeicbnen durfte '), und übrigens wiivde sicb das ausserordentlicb feine Schnitzwerk in dem gewalilten Maasstabe überhaupt nicht haben wiedergeben lassen.

Der liaileo des Radja-tana, zu dem wir uns am Naohmittage begaben, ist niohts anderes als eine sebr grosse, an das Haus des lliiuptlings gebaute, iiber-deckte Pritscbe. Eine seiner Querseiten wird wiederum durch die Peuerstatte einge-nommen, und aut' dem vor ihr binlaufenden Balken ist der Platz fiir die Kapi-tiine, gegenüber nnd an einer der Langsseiten derjenige der übrigen Leute. Drinueu belanden sicli nicht «eniger als 44 erbeutete Schadel, die meisten wie Bündel ven Zwiebeln an Bambusstöckeu niedrig unter dem Dacbe aufgebangen, einige am Mit-telpfable und ein einzelner unter dem Aussenrande des Dacbes, so dass alle leicht mit den Handen zu erreicben waren8); doch durften wir sie nicht berübren, urn so weniger als der Radja-tana, welcber sicli im Baileo belaud, es nicht ein mal der Mühe wertb bielt, uuseren Qruss aucli nur mit einem eiuzigen Worte oder der geringsten Geberde zu erwiedern.

Ueberhaupt waren die Alfuren von Wakollo ungemein scheu und zurücklial-tend, denn die meisten begaben sicli bei meiner Annaberung sogleich ins Innere ilirer Wolmuugeii und Hessen sicli daim nicht weiter blieken. Diejenigen Leute aber, welche icb naber betrachten konnte, glicben in Kleidung und ausserer Er-scheinung den Bewobnern von Honitetu; nur sab icb baufiger als an genanntem Orte von den Maimern Kopftücher tragen, auch vielf'acb lange, lose herabhiingeude Haare, walireud daneben der bekannle Knoten nicht ieblte, und einem Manne hegegnete icb, welcber diesen dureb eine tlacbe, von Hirschknocben bergestellte Nadel zusammenhielt. Die Frauen trugen ihre kleinen Kinder in einem Sarong auf dem Rücken. Au Gerilthen bemerkte icb nur einen Reismörser (Taf. 28, Fig. 3)

110). Violleicht sind dies die gloichon Gogonstando wie die ohen boschriebenen. Audi Lvidoking erwiihnt die Stoeke: „Dicse Stöcko, sagen sie, schonkio ihnen der Teufel, nis er sie wieder lobendig Iuaehte,, (Schots, jin^. 75). Meines Wissen* hntte aber bisber noch keiner die betretVenden Stöeke gosehen.

1) Wie gefilhrlich zu grosse Wissbegierde werden kann, geht auch aus Boot's Darstellung hervor (l.c. jmg 1200).

2) Von einer derarligeu Anordnung der Sehiidel, wio sie Hoot aus Wabaï besehreibt (I.e. pag. 1197), ial mir in Kairatu nichts bekannt geworden. Der liaileo ist überhaupt in Wahaï nach Boot's Darstellung gan/ anders eingerichtet (ibidem). Fiir die Befestigung der Schadel im Baileo an der Nordkiiste von Kairatu vgl. meine Photographic (Tal'. 17).

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von .J m. Lange, sammt den daran befestigten Handliaben aus einem einzigen Holzblocke hergestellt, iiusscu abgerundet und innen vierseitig ausgehölilt, so wie icli ihn spiiter audi noch in Pasania antraf.

Was icli über Sitten und Gebrauclie erfuhr, verdanke icli dem mieh beglei-tenden Regenten, welclier sanunt einigen andei'en Leuten bereitwilligsi Auskuni't gab, als wir abends im Baileo bei uuserer priinitiven Leuclite sassen, bestebend aus der Kol le, eines Sagublatts, woiin Dainmerharz gewickelt und die auf einem kleinen Breite nach Art einer Kerze befestigt war. Icb lernte liiebei mancherlei Abweichungen von den Gewobnbeiten der Alfuren Honitetu's kennen, gleiohwie sich ancli bereits aus dem Hiiuserbau auf eine Stammes-Verscbiedenbeit liatte sebliessen lassen, und diese dürfte audi die Ursacbe sein, wesvvegeu die Wakol-lonesen, weltdie als gelahrliclie Kopfjiigei1 bekannt sind, iiire Morde meistens an der Südküste verüben.

Ausserlialb des Dorfes befindet sich ein Haus, in dem die Frauen wabrend der menses verweilen; sie dürfen in dieser Zeit wohl ihren eigentlichen Wohnort besuchen, aber daselbst keine Hütte betreten. In dem erwahnten Hause warten sie auch die Qeburt dei' Kinder a1), um sie hernach, im Alter von 2—3 Tagen, mit oder ohne Festlichkeit, ins Dorf zu bringen.

Unter juugen Leuten verschiedenen Gescblechts bestelit kein freier Verkehr, lassen sie sich aber mit einander ein, obne verheirathet zu sein, so zieht im Entdeckungsfalle der Mann zu seiner Geliebten ins Haus, und man nirnmt die Sacbe niclit besonders übel auf; dagegen wird eine Entführung des Madchens einfacb als Diebstalil betraditet, was bei dem Bestehen des Frauenkaufs ja sehr verstandlich ist. Im übrigen heirathet der Mann so viel Frauen, wie ihm beliebt und wie er bezahlen kann, und nimmt sie alle zu sich ins Haus. Er giebt dafür Gongs u. dgl., wer aber die Tochter des Radja-tana heimführen will, muss sie durch Gold erkaufen. Die einzige, feststehende Formalitat bei der Iloch-zeit besteht darin, dass im Farailienkreise aufgezahlt wird, was dem Manne und der Frau verboten ist an Friichten, Fleiscli und Fisch zu geniessen, demi jeder-mann besitzt in dieser Hinsicht verscbiedene Pamali's'). Leute, welche os bezahlen könncn, geben bei der Hocbzeit auch wohl ein Fest.

Begeht die Frau Ehebruch, und will der Mann sie aus diesem Grunde nicht mehr behalten, so schickt er sie einfach den Eltern zurück. Diese müssen daim den Brautscbatz wiedererstatten, aber auch der Mann muss alles berausgeben, was er etwa von seiner verstossenen Frau erb alten bat. Alle Kinder geboren dem Valer, falls nicht im Voraus bestimnit worden ist, dass die Schwiegereltern das

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Oflenbar idontisch mit dom yosso auf Ambon und den I liassoru (vgl. v. Hoëvcll, Ambon, pag. 152).

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erste derselben habeii sollen, wogegen daan der Kaufpreis des Madchens iu ent. sprecliender VVeise herabgesetzt wird.

Die Todten legt man in Tücher gewickelt in die Erde ntid giebt ihnen Kleidung, Armringe, Teller u. dgl. mit, well man glaubt, dass sie im Kakean-liause und an Orten, welclie pamali sind, weiter fortleben. Das Grab wird an beliebiger Stelle gegraben, und keinerlei Zeicben wird darauf gesetzt.

Naclidem wir die Nacht im Baileo zugebracht batten, kebrten wir am 15ton Marz nacb Nüniali zurück, woselbst wir bereits um 12 Ulir mittags wieder eintrafen, so dass ich nocb reichlicb Musse fand, um vor der anf den folgenden Tag festgesetzten Rückreise dies Dorf etwas naher kennen /,u lernen. Es macht einen ziemlich freundlichen Eindruck, denn es wird von hübschen, geraden Wegen durchschnitten, welche auf Veranlassung des Posthalters angelegt und mit lebenden Hecken eingefasst wurden. Die Wohnungen sind zum Tbeil denen von Liatusua abnlieb , andere dagegen gleichen noch dnrchaus den HiLusern von Wakollo, besit-zen auch wie diese für Mann und Erau besondere Eingange; nur ist manchmal ibr Unterbau so niedrig, dass es keiner Leiter mehr bedarf, um in den Wohnraum zu gelangen, und ausserdem benutzt man statt Bambus Holz zu seiner Herstellung.

Vor allem der Baileo des Ortes (Taf. 17), bier Lapuara genannt, gleiclit noch dnrchaus dem entsprechenden Gebaude von Wakollo, und in allen Dörlern der Nordküste von Kairatu, iu denen ein solches Eathhaus vorhanden ist, soil es auf dieselbe Weise eingerichtet sein. Es stellt eine grosse, überdeckte, auf niedrigen Pfahlen ruhende Gallerie dar, welche sich an das bobe, spitzgiebelige Dach des Priesters (maoïn besar) ebenso anlehnt wie die gewöhnlichen Bambuspritschen an die anderen Wohnungen der Alfuren; von seiner Flur gelangt man denn auch mittelst einer Leiter in das auf höberen Pfahlen stehende llaua des Maoïn. Es ist dieser Baileo der Versammlungsort für alle Dörfer, welche am Strande auf der Strecke von Murinatin bis Nukuhai liegen, die genannten Orte mit eingerechnet '). Am Aussen-rande seines Daches hingen 48 Schadel, und ausserdem fanden sich daselbst wiederum die schon von Wakollo beschriebenen Pamali's, welche ich mit Kunstblumen verglich; sodann galt ein altes Schwert mit Holzgriff, welches in einem Bambusköcber unter dem Atapp steek te, als heiliger Gegenstand. Das pamali besar bestand auch hier aus einem durch eine vogetabilische Hiille verdeckten Dinge, welches mittelst eines Querstockes an zwei Bambusstützen des Daches festgebunden war, und von dem ein eiförmiger Gegenstand an einer Schnur herabhing (Taf. 28, Fig. 11), 15ei diesem Heiligtbume, vermuthlich identisch mit demjenigen, welches man in

1) Nuniali ist auch dor 8itz eines kapala saniri.

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Wakollo durcli ein Tucli vor mis yerhiillt hatte, legt der Alfure seine Geliibde ab so unter anderen aucli vor dein Aufbruclie zur Kopfjagd.

Die Einwohner von Nuniali sind noch zum grössten Theile Heiden, uur wenige sind zum Islam überget,reten, und wenn nicht ihre Kleidung ware, so würde man sie von den Alfuren des Innern gewiss nicht unterscheiden können; doch wollen sie mit diesen nicht verwechselt sein, weil sie sich als weit höher stehend betrachten. Mit den Leuten der Südküste und von Honitetu schienen mir ferner alle Bewohner dieser Gegend die grösstmögliche Aehnlichkeit zu besitzen; nur trifft man hiiufiger hagere Züge und etwas mehr Riirte.

Am Strande sah ich ein Grab, auf dem viele entzwei geschlagene, hlaue Teller und Schalen lagen, denn es war dies die Euhestatte eines angesehenen Alfuren, welchem man ausserdem noch kostbare Sarongs und Gold in die Erde mitgegeben hatte. Auch Gongs werden, falls man sie aufs Grab legt, zerschlagen, doch wusste mir keiner zu sagen, warum in dieser Hinsicht von den in Wakollo üblichen Brauehen abgewichen wird '), wahrend sonst das Begrabniss beiderorts in gleicher Weise stattfindet.

Sodann (ral'ich im Dorfe noch ein Matakau: Unter einem Atappdache, welches auf vier Stöcken ruhte und sammt letzteren | m. hoch war, standen zwei schwarze, mit weissen Eingen bemalte und ebenfalls von Staben getragene Tafeln, wahrend vor ihnen ein Bündel von Zweigen aufgehangen war. Diese Vorrichtung hatte man gegen einen Dieb hiehergestellt: bringt letzterer das Gestohlene nicht zurück, so bekommt er Geschwüre.

Abends wurde selbstredend wieder getanzt; aber man merkte, dass Nuniali ein angesehenerer Ort sei als Murinatin, denn nicht weniger als zwei an Bambus-gestellen aufgehangene Gongs, drei Tifa's, drei Rabana's und eine Flöte dienten zur Begleitung des mohammedanischen Eeigens {menarie), so wie derselbe auch auf Ambon und bei den Alfuren von Burn üblich ist. Eings herum im Kreise sassen auf Matten bei Dammerharz-Leuchten die Manner und Frauen, nacli den Geschlecb-tern geschieden und unaufhörlich eine monotone, kurze Strophe (panlons) leiernd, welche bald von dieser bald von jener Person vorgesungen ward und mehr einem Eecitativ als einem Liede glich. Nachdem dies vom Beginne des Abends bis 4| LThr nachts unaufhaltsam so fortgegangen war und die Manner langst zu tanzen auf-gehört hatten, wahrend die Miidchen noch gar nicht an Aufbruch zu denken schienen , sah ich mich schliesslich genöthigt, die Leute um Schluss des hannlosen, mir völlig unverstandlichen Vergnügens zu bitten; denn das Feat, welches zu meiner Ebre stattfand, raubte mir wieder einmal den Schlaf.

1) Vgl. hioriibcr Riedel, pag. 142.

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Kurz vor 8 Ulir braclieu wir am Morgen des 16,U11 Marz ron Nüniali auf, urn langs der Küste nach Katama uiul von dort nacli Hatüsüa zurückzu-kehren. Da noch immer der N W-Passat wekte, welclier uns audi wahrend der letzten Tage am Nordstrande die reiohliclien Niederscliliige gebracht hatte, und das Wetter sich heute nicht gerade günstig anliess, so hielt der Posthalter es für gerathen, in Murinatin eine grössere, bei unserer Ankunft schon bereit liegende Orembai zu besteigen; denn wir batten die Fahrt Ton Buano bis Nuniali in dem-selben gebrechliclieu, kleinen Boote zurückgelegt, welches uns früher von Katania nach erstgenannter Insel brachte und das bei hohem Seegange durchans unzuver-lilssig war. Indessen zog ich es vor, zunachst noch selbst in diesem kleineren Fahrzeuge zu bleibeu, weil ich nur auf diese Weise eiuige weitere Untersucbun-gen an den Klippen der Nordküste ausfiihren konnte; die Oreinbai sollte sich in der Nahe halten und mich bei Eintritt von achlecbtem Wetter aufnehmen.

Trotzdem erwies sich die Arbeit als ungemein schwierig, deun am Tandjuns Kalawaï und Tj. IlATUËNa konnte icli beispielsweise nur dadurch in den Besitz von Handstücken gelangen, dass sicli einer von den Ruderern scbwimmend durch die gewaltige Brandung an die Küste begab, weil die Prau bel grösserer Annahe-ruug an das TJfer jeden Augenbliek auf den Klippen zu zerschellen drohte; an manchen Orten war aber auch dies nicht einmal möglich. Sc gelangten wir zur Mündung des Lamasi, von wo nacb einstündiger Rast urn 3 Ulir wieder aufge-brochen wurde; aber die Fahrt ging selir langsam, da wir starken Gegenstrom hatten, und erst gegen 5 Uhr befanden wir uns au der Nordwestecke der Insel, am Kap Tanduruk. Mein Dolmetsch lag bei dem hoheu Seegange mehr einer Leiche als einem Lebenden ahnlich unter dem Atappdaclie; ich selbst suchte, am Mast steliend, so gut wie möglich das Relief der Küste in ineinem Notlzbucbe festzuhalten und kümmerte mich nicht um die Anreden des Steuermanns, well die Eingeborenen dleser Gegend überhaupt nicht zurückhaltend sind und ich seinen, mir unverstiindlichen Worten daher keine besondere Bedeutung belmaass. Da klatschte die erste Welle über den aus Atapp angefertigten, schwachen Bootrand, und angst-llch verlless der am Bug sitzende, durclinasste Tifaschlager seinen Platz, um das Instrument fortzulegen; zu spat bemerkte ich, dass der Buanese rnicb zur Rück-kehr in die Orembai hatte auffordern wollen, denn eine dunkle Wolke stand ain Hlmmel, und urplötzllch hatte sich der Sturm erhoben.

Die Insassen der Orembai, welche In unmittelbarer Nahe vorbeifuhren, ohne dass sie uns bei so sehr erregter See hatten helfen können, glaubten, wir würden im nachsten Augenblicke ertrinken, und der den Posthalter begleltende Kapalasoa von Kawa schrieb, wie ich spater erfuhr, das ünwetter ledlgllch dem Umstande zu, dass ich am Kap Kalawaï Steine abscblagen liess, worüber das Meer erzürnt

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sei. Misslioh geinig war freilicli die Lage, demi zur Linken, in kaum 100 Scliritte Abstand, ragten die Klippen des Tj. Tandurdë steil aus dem Wasser empor, und Yom offenen Meere lier rollten machtige Wellen unaufhaltsam gegen das Boot und die Kiiste. Aber meine Buanesen liielten sich tapfer, wenngleicli wir lange Zoit durchaus nicht förderten: den Kopf in die Wellen; die Ender eingezogen, sobald ein Wasserberg herankam, um ilin unter die Prau durcblanfen zn lassen; dann wieder mit Maclit eingesetzt — und so kamen wir schliesslich docb wobl-belialten um die Nordwestecke Herans berum. Daim konnte in rubigerem Wasser der Uebergang in die Orembai ausgefübrt und so die Ileise bequem und sieher fortgesetzt werden.

Dennocb war es uninöglicb, bei Kawa ans Ufer zu gelangen, und so mussten wir uns um 8 Ubr abends eine reiclilicbe balbe Stunde Gebens nördlicb vom genannten Dorfe au Land begeben. Binige Leute warden zuniicbst ausgesandt, um Triiger und Fackeln zu holen; daim ging es durcb den schaumenden Gischt nach Kawa, unmittelbar am Eande des Waldos und oft unter Biiumen bin, deren Zweige weit iiber das brausende Meer hinaushingen, deun der Wasserstand war ungemein boch. Es war eine eigentbümliche lieise in stockfinstrer Nacht: Pbantastisch umrissene Baumt'ormen, weisse Scbaumflocken, welcbe die Füsse netzen und den Körper bespritzen, eine Reibe larmender, nackter Gestalten, deren lange Fackeln das alles nur in nacbster Nabe mit kurz anbaltenden Schlaglichtern beleuchten, sonst Dun-kelbeit am Ufer und über der tobenden Meeresfliiche. Budlich um 9.' Ubr abends befanden wir uns in Kawa, dem Ziele unserer beutigen Keise.

Plötzlieb auftretende Stürme sind in diesen Gewassern nicht selten. Scbon am Vormittage des 18ten Decbr. batte icb dies auf der Binnenbai von Ambon erfab-ren, woselbst icb mit der Prau vor einem Unwetter ans Land flücbten musste '), und spiiter, am 14ton Jnni, brach um 10| Ubr abends an der Nordküste von Buru unversehens ein Oststurm mit so elementarer Ge walt los, dass wir Gefabr für unsere Böte fürohteten, welcbe geankert vor Wamlana lagen; aber schon nach Verlauf einer reicblicben Viertelstunde war damals das Notbwetter vorüber-gezogen.

Am 17ten Miirz kebrten wir über den schmalsten Tbeil Serans nach Hatüsua zurück. Die Bootfahrt von Kawa bis Katania dauerte noch 4 St. 25 M., weil wir infolge niedrigen Wasserstaudes westlicb um die kleine lusel Bontal herum-

1) Die Eingoborenen sclbst sind nicht sehr iingstlich, da sie meistens vortrefflich schwimmen. So glaubte ich z. B. einiual in grosscm Abstande vom Lande einen Mann rotten zu mussen, aber es steilte sich heraus, dass er seinem losgerissenen Boote nachschwamm, welches weit draussen im Oceaae trieb. Solche Fertigkeit hat deun auch zur Folge, dass die Leute vor dem Antritte dor Fahrt ihre Prauen nicht immer gründlich nachsehen, und man thut deswegen gut, sich erst selbst von der Haltbarkeit der Ausleger zu überzeugen, bevor man sich einem inlandischen Boote anvertraut.

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steuern mussten; dagegeu legtou wir den Abstand von Ruïn bis Kaidobo in 3 Hl, zurück. Von dort brachen wir um 8 Ulir abends wieder auf, und um 1 U. 40 M. naclits langten wir wieder in Hatusiia an.

7. NACH AMAHEI UND RUMASOSAL.

Meine Untersuohungen in der Abtbeilung Kairatu waren insot'ern zu einem gewissen Abschlusse gelangt, als ich nicht erwarten durfte, daselbst in den mir erreichbaren Gegenden auf geologiscbem Gebiete noch wesenlliel) Neues zu finden. Ich beschloss deswegen, nacb Amahei zu reisen, und da der Postlialter Pieters obnehin mit seinem Amtsgenossen aus letztgenannter Abtheilung conferiren musste, so konnten wir die Reise bis zu deren Grenze wiederum gemeinscliaftlich unterneli-men. Vor dem Aufbruclie gab es aber für mich noch vielerlei zu verpacken und auszuarbeiten, wahrend Pieters seine Orembai so hübsch wie mögliob herausputzen liess und vor allen Dingen für eine grössere Anzabl Flaggen Sorge trug, um im nachbarlichen Gebiete standesgemass auftreten zu können. Wir vermochten inzwi-schen um so ungestörter unseren Ai'beiten nachzugebeu, als uns das schlechte Wetter seit dem Autenthalte au der Nordküste nicht verlassen zu wollen seinen und schon aus diesem Grunde obnehin au Abreise nicht zu deuken war. Es regnete unaufhörlich; das Dorf war wie ausgestorben; nur bin und wieder sah man einzelne Frauen unter dem Schutze eines grossen, tlachen, aus Bambus ge-flochtenen Gemüsekorbes (njiru genannt) vorbeihuschen. Doch konnten wir nach drei Tagen, am 21,c'1 Marz, die Fabrt nacb Osten bei schönstem Wetter antreten, und nach Verlauf von 2 Stunden lag die Ebene von Kairatu hereits hinter uns.

Die den Eilanden Haruku und Saparua gegenüber liegende Kuste Serans wird von einem ansehnlichen Gebirgslande begrenzt, welches sich nicht nur nacli W und O, sondern auch nach S hin allmahlig abdaebt und so vom Meere aus den Eindruck einer gewaltigen, die l'iru- und Elpaputihai von einander trennenden Pyratnide macht. Profilliuien, die ich hereits früber aus grosser Bntfernung auf-genommen, liessen erkennen, dass das betreffende Gebirge im Innern noch höher ansteigt als die Spitze des Salhutu auf Ambon; doch schatzte ich die bedeutendsten Gipfel, welche ich bei der Fabrt liings der Küste wahrnehmen konnte, uur auf 800 m., und zu ihnen gehort der Tottaniwel , weloher kegelartig umrissen eine Strecke landeinwarts zwischen dem Tj. Waë Iha und Rümakaï liegt. Niedrige Aus-Itiufer des Gebirges stossen am Tj. Tene , etwas östlich vom letztgenannten Dorfe, so wie am T,t. Latu, welches sich gegenüber der Nordostecke von Saparua befindet.

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ans Meer; doch lagert sicti überall eiu flacher, sandiger Ufersaum deu Höhen Yor, welcher namentlich gegenüber der Nordwestecke von Karuku, am Tj. Waë Ira, eine bedeutendere Ausdelinung erreicht. Nur etwas weiter nordwestlich Yom ge-nannten Kap, und durch eine tiele Bucht von ihm geschieden, stehen, dem Dorfe Kairatu genaliert, dunkle Gneiss- und Glimmerschiefer-Klippen an, wonach der betreffende Punkt Tj. Hatü Meten (scliwarzer Fels) genannt wird.

Für die Lage der OrtBchaften an der Küste, welcbe sich zwischen Tj. Waë Ira iin Westen und Tj. Latu im Osten ausdebnt, sowie für die an ibr ausmündenden Flüsse kann auf die Karten von v. Eosenberg '), Eiedel und van Hoëvells) verwiesen werden. Nur möge noch einer unbedeutenden Landzunge, des Tj. Tala Semang (d. h. „Flügel anhakenquot;), gedacht werden, welche sich westlich von Tihulale und vom Waë Hira 1) befindet, denn sie tragt ihren Namen daher, dasa hier laut der Ueberlieferung in früheren Zeiten vorüberfahrende Bote von deu Alfuren an-gefallen wurden. Letztere sollen sich, mit langen Haken bewaffnet, in überhan-genden Baumeu des Ufers verborgen, mit jenen Instrumenten die Ausleger der Prauen gefasst und diese dadurch zum Kentern gebracht haben, um die Insasaen hernach zu köpfen.

Die Fahrt nach Rumakaï ging selir gut. voji statten, denn zum ersten Male wiihrend der ganzen Dauer meiner bisherigen Eeiseii um die lusel batten wir guten Segelwind, und rasch glitt die Küste an unseren Augen vorüber. Die Meeresstrasse ist zwischen Seran und den Uliassern so schmal, dass man fast den Eindruck erhalt, als führe man auf einem Flusse, und die Ufergeliinde sind von hoher Schönheit, vor allem bei Tihulale, welches eine in diesen Gegenden höchst seltene Staffage der Landschaft bildet. In hübsch bewachsener Ebene, welche mit gelbem, sandigem Saume am Meere endigt, liegt das Dorf ausge-breitet; dahinter erhebt sich der Tottaniwel mit dreiseitiger Profillinie, dicht bewaldet und durch lauchgrüne Fiirbung von dem helleren, leuchtenden Grün der nalien Küste abgehoben. Der blaue, mit weissem Cumulus bedeckte Himmel spiegelt sich in einem satt-indigoblauen Meere, auf dessen Grunde wieder Korallen-bauten erscheinen; Haruku und Saparua liegen in greifbarer Niihe, und rückwarts schweift der Bliek nach Ambon und Klein-Seran, welches, in allen denkbaren, blaugrauen Farben abgetönt, bis zum Tj. Sial bin sichtbar ist.

Eereits um 2 ühr nachmittags waren wir in Rumakaï, denn die Fahrt, welche nur am Tj. Hatu Meten eine kurze Unterbrechung erlitt, hatte von Hatusua aus nicht langer als 6 St. 20 M. gedauert. Der Charakter des Dorfes gleicht demje-

1

Nicht mil dem W. Ira zu verwechseln.

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nigen des letztgenannten Ortes, niclit minder das Aussere seiner christlicheu Bewohner, deren Zahl derzeit 550 betrug, und unter denen ich in unserem Gastherrn sogar einen liollandisch redenden Lehrer namens Malaihollo antraf. Vorn Strande aus hat man einen sehr instruktiyen Ueberblick iiber Hamku und Saparua; der Huuuwano , welcher sehr deutlich hervortritt, liegt 5 15° W, der Amaïhbl bei Nolot 5 74° O.

Als wir am folgenden Morgen nacb Latu, einem mohammedanischen üorfe am südwestlichen Ufer des gleicbnamigen Tandjungs, aufbrachen, batte uns das gunstige Wetter leider schon wieder verlassen, und die Orembai kroch alter Ge-wobnbeit gemass so langsam vorwarts, dass die Reise dortliin von Rumakaï aus noch 4 St. 25 M. in Anspruch nahm. Latu ist der am weitesten westlich gelegene Ort der Abtheilung Amahei; ibre Grenze wird gegen Kairatu bin vom Waë Leï gebilde!., welcher, von A W berkommend, zwischen den niedrigen, beim Tj. Tene und Tj, Latu ans Meer stossenden Höhenrücken herabfliesst.

Ich sah in Latu wieder ein Matakau (Taf. 28, Fig. 9), bestellend aus der roben Figur eines Krokodils, welches von einem Bambus dadurch hergestellt war, dass man an ihm Racben und Zahne aus. ekerbt, das entgegengesetzte Ende zur Andeutung eines Schwanzes abgescbragt und schliesslieh an den Seiten Stücke ab-gespalten batte, wodurch die Extremitaten. angedeutet werden sollten. Dazu batte man noch ein Sagublatt mit zerschlitzten Fiedern gehangen und das Ganze auf zwei Stöcken von 1.| m. Hobe befestigt. Dies Matakau war zuin Schutze von Mangga-friiohten bestimmt und bedrobte einen etwaigen Dieb mit dein Tode durcb ein Krokodil.

Am nachslen Morgen, nacbdem der Regent die Leute durcb ein grosses Triton-YLovxx herbeigerufen, nahm ich von Herrn Pieters Abschied, um die Reise mit dem Posthalter von Amahei, Herrn L. A. van Gent, den icb in Latu ange-troffen, weiter fortzusetzen. Wir fuhren indessen nicht aui' dem kürzesten Wege nach dem ïïauptorte der genannten Abtheilung, deun da nacb Mittbeilung meines verstorbenen Freundes v. Rosenberg an einem Pohon Batu genannten Punkte des westlichen Ufers der Elpaputibai Grauwacke, Thonschiefer und Muscbelkalk vorkommen sollte '), so beschloss ich diesem Orte noch erst einen Besuch abzustatten.

Das Kap Latü, welches wir zunacbst passirten, ist ganz flacb, der Auslaufer eines niedrigen, grasbestandenen Plateau's, welches eine Streeke weit das Ufer der Bucbt begrenzt und hier in sehr unbedeutenden Aufscblüssen gehobene Korallen-kalke zeigt. Dahinter erhebt sich ein Hügelland, das bis zur Mündung des Talla anhalt und nahe dein Meere nirgends mehr als 100 m. Höhe erreichen dürfte; auf

1) v. Rosenberg, Boschrijving etc., pag. 100, und MalayUchor Archipel, pag. 284.

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dein ilim vorgelagerten Ufersaume befiuden sich in der Richtung von S nach iV die Dörfer Tomilehu, Hfaloï, Siriolo und Eümareat, deren letzteres fast genau westlicli von Amaliei gelegen ist.

Bei Uumareat mündet ein Nebenarm des Tali,a , ei nes der bedeutendsten Flüsse West-Serans, welcher sieli unter Bildung eines weiten Delta's ins Meer ergiesst; seine Hauptmündung befindet sicb indessen weiter nordwiirts, ein wenig südlich von dein Orte 8 ana nu, und ist etwa 150 Schritte breit, aber aucli sie wird wiederum mm Theil durcli einen vorgelagerten üfenvall geschlossen. Trotz eifrigsten Sucbens fand ieli unter den Flussgescbiebon keine anderen als archaeisclie Gesteine, welcbe noch immer eine grosse Uebereinstimmung mit den an der Pirubai anstellenden Felsarten zeigen, und es dart' also angenommen 'werden, dass mindestens der ün-terlauf des Talla ganz in die genannte Formation eingesobnitten ist. Hinter seinem IJferwalle breitete sich im Augenblieke eine glatte, spiegelnde Wasserflacbe seeartig aus, hie und da durch Treibliolz unterbrochen, welches aucli in grossen Mengen lang-s des Strandes der Bal nach N hin verllösst worden war; übrigens ist die Waldung, welclie den Fluss in der Niilie der Mündung umsaumt, unbedeutend.

Eine weite Ebene dehnt sich nordwiirts vom Talla aus, bis zu einem etwa 250 m. liolien Riicken, welcher von //' herkommt und in dem auf 200 m. geschatzten 1'oiion Batti ans Meer stösst. Der Strand ist bis dahin sandig oder grandig und nimmt aucli jenseits der genannten Höhe wieder den gleiclien Cbarakter an, so dass sich also der Pohon Batu mauerartig auf dem flachen Ufersaume vorscbiebt. Sein Protil ist von S her dasjenige einer abgernndeten Kuppe, aber von iY aus erkennt man deutlicb einen terrassirten Aufbau, und als ich am Nachmittage den Gipfel hinanstieg, fand ich ibn wiederum mit gehobenen Korallenkalken bedeckt, wekdie vielfach stufenartige Absatze bildeten. Bis zu 120 m. Höhe aufwarts konnte ich diese Formation verfolgen; dann nöthigte mich ein fürcbterliches Regeuwetter ziir ümkehr, doch ergiebt sicli aus dem Mitgetheilten zur Genüge, dass wir liier ganz analoge Verhaltnisse wie auf Klein-Seran zurückfinden, und dass aucli diese O eg-enil in jüng-st verflossener, geologisclier Zeit an einer bedeutenden Erbebung des Landes Theil genommen bat.

Da der Pohon Batu mit einer etwa 30 m. hohen, steilen und quaderartig zer-klüfteten Wand von Korallenkalk, in dem auch Muscheln eingeschlossen sind, ans Meer stösst, so ist auf diese organischen Ueberreste des Gesteins verinutblicb die irrige Angabe v. Rosenberg's znrückzuführen Biren Namen verdankt die Fels-masse dem ümstande, dass die Oberfliiche der Kalksteine schön bewachsen ist, und weit über die steile Wand herniederhangende Wurzeln verleihen dem Orte in der That einen eigenthümlicben Reiz. Etwas südlich von ihm liegt das Dorf Wasia, mid an seiner Nordgrenze fliesst ein unbedeutender Fluss namens Epe; dann folgt

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in knrzeni Abstande weiter nördlicli der Orl, Paulohi, das Ziel unserer Eeise am 23ton Marz, bis wolvin, nacli Abzug des fur Untersucbungen Yerwertheten Aufent-baltes, die Fahrt von Latu nur etwa 4 St. 15 M. dauerte, weil wir una einer leicli-ten Sarua bedienen konnten, die bei irgendwie giinstiger Witterung einer Orembai bei weitem vorzuziehen ist.

Am Strande yon Paulohi bat man einen praclitigen Ausbliek auf das bobe Bergland, welches sieh jenseits der Bai landeinwarts in i\' und A 0 zu ansebn-licben, scbarf gezabnten Gipfeln erbebt; as erinnert an manche Dolomitregionen der Alpen, und die weissen Wolkenscbleier, welche in den Thalern des dxiftig blauen Q-ebirges lagern, ruien einem Eis- und Scbneefelder ins Gedacblniss zuriick. Audi Nusalaut ist vollstiindig sichtbar, und Saparua überblickt man von Nolo! aus bis zu seiner siidostlichen Grenze.

Um guten Segelvvind fur die Ueberfabrt nach Amabel zu bekom men, ruderten wir am 24t011 Marz noch eine Strecke am Westufer der Bai nordwarts. Das Gebirge tritt bier wreit vom Strande zurück, und das ganze Innere der Elpaputibai wird, wie sich spater ergab, gleich ibrem östlichen Ufer von einer ausgedehnten, allu-vialen Ablagernng gebildet, aus der nirgends anstehender Fels bervorsteht. Nördlicli von Paulohi passirten wir zunacbst einen kleinen Fluss namens Uwe, dann das Dorf Mani und kurz darauf ein anderes, welches Sahulau heisst und erst seit einigen Decennien bier besteht. Seine Bewohner stammen vom Oberlaufe des Mala, welcher gleich nördlich von der Negorei in die Bucht ausmiindet, und nocb beute giebt es im Gebirge einen gleichnamigen Ort, welcher als Sahulau Gunting von der Niederlassung am Strande unterscbieden wird. Der Eegent der letzteren triigt den Titel eines Radja; er batte von den Englandern') ein Krone erbalten, die von Leder angefertigt, innen roth gefarbt und aussen vergoldet war. Die Stirn-flache des Schmuckes, welcher sich spater in Ambon zurückfand und in die Samm-lung van Hoëvell's einverleibt worden ist, wird von ein paar Flügeln, das Uebrige von Arabesken eingenommen, aber das alles ist einfach aus durchbrochener Leder-arbeit hergestellt. Auf diese Krone war der Radja, früher ein miichtiger Herr, sebr stolz, und wenn er einmal nach Ambon kam, so verlangte ei' zur Audienz beim Residenten durch einen Schiitzen-Oilicier abgeholt zu werden —jetzt kürnmert man sich nicht mehr um ihn 1).

1

Die ergotzliche Sago, welche vim dor Crab (Moluksehe eilanden, p. ^l-t) und nach ihm Kibbo (I.e. pag. 215) über Sahulau berichtet, beschal'tigt sieh audi mil der Krone. Der Künig von Holland soli sie mit an Bord genommen haben, nachdem or die Tochter dos seranosischen Kadja goheirathot hatte. — Uebor Sahulau vgl. audi Ludeking (Schets etc. pag. 08), ferner van Kkris, pag. 292 11quot;. - Die Macht des Keidies Sahulau ist in dom Kriege von '58 gebrochcn (van der Crab, I.e. pag. 225); Buddingh sah den

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Die Leute von Sahulau sind Heiden, diejenigen der meisten übrigen Strand-negoreien der Elpaputibai dem Namen nacli Christen, welclie aber in ihrer Lebens-weise fast ganz und gar Alfuren geblieben sind. Sie tragen sich in ihren W olm-orten audi noch im Tjidako, und nicht nnr ihr eigenes Aussere, sondern mancbmal auch dasjenige der Dörfer weicht weaentlich von dem ab, was man in den cbrist-lichen Ortschaften von Kairatu zu seben gewohnt ist.

Yon der Mündung des Mala aus segelten wir geradenwegs nacb Amabei, bis

wobin die Reise von Panlobi aus 3 St. 25 M. dauerte. Wahrend der m Ueberfahrt sab icb schone Luftspie-

gblungen, und wenngleicb ich solche in diesen Gewassern bei gutem Wetter sehr hiiufig beobachten konnte, so war ich doch diesmal von ihrer Schiirfe ganz besonders überrascht.

Es handelt sich um eine Erscheinung, auf welche ich von dem leider zu früh ver-storbenen Prof. Dr. 11. Sireiniz aus Graz aufmerksam gemacht wurde, als derselbe am Strande von Katwijk hei Leiden bierüher Studiën anstellte, und die nacb seinem Vorsclilage zur Unterscheidung von der Fata Morgana als Kimmspiegelungen oder Bodenluftspiegelungen bezeichnet werden könnten, im gegebenen Falle aber eher Wasserluftspiegelungen zu nennen wiiren:

An einer soheinbar ühor dem Meere liegenden Spiegelflache («) warde das Bild der drei Uliasser scharf refiektirt, und zwar der Art, dass fiir ihre niedrigsten Tbeile das Spiegelbild dem gespiegelten Objekte vollstandig entsprach, wabrend die höheren Berge der Eilande nur von ibrem unteren Abschnitte ein Spiegelbild lieferten, wogegen ihre umgekehrten Gipfel unter die Meeresfliicbe (m) wegsanken. Da nun das gespiegelte Objekt und das reflektirte Bild diesel be Lichtstarke zeigen, die Spiegelflache selbst aber nicht wahrgenommen wird, so erscheinen die Berge der Insein höber, als sie in Wirklicbkeit sind, und ihre niedrigeren Theile machen dem gegenüber den Eindruck, als ob sie in der Luft schwebten.

So ist z. B. der Amaihel auf Saparua (a) von dem in S O sich anscbliessenden Gebirgslande der Insel durch eine tiefe Depression geschieden, und er selbst scheint nun gleich den übrigen Gipfeln in Folge der Luftspiegelung ansehnlicher als unter gewöhnlichen Umstanden, wogegen der zwiscbenliegende, niedrige Landstricb wie

Radja noch in vollem Glanze, mit rothem, englischem Frack sammt vergoldetcn Knöpfen, weissem Boin-kleide, Schuhen und dor Krone auf dem Haupte. Letztere war nach Buddingb schwer vergoldet und wog ungefahr 10 Pfund (N. O. Tudic II, pag. 183), es kann das aber nicht dieselbe Krone gewesen sein, welche ich gesehen habe.

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eiu schmaler, brückenartiger Streifeu {b) in der Luft hangt. Dasselbe ist aber audi vor allem bei den wenig hervorragenden, ans Meer stossenden Küstenstrichen der Uliasser der Fall. Die südöstlicbe Ecke von Saparua liefert z. B. ein scharfes Spie-gelbild zweier, über einander liegender Terrassen, deren obere sargartig der unteren aufgesetzt ist, und welcbe vermuthlicb geliobenen Korallenkalken entsprechen (1); ihre Verbindung mit dein übrigen Tbeile der Insel zeigl sich ivie losgelöst, weil der dazwiscben liegende, flache Landatrich unter den scbeinbaren Spiegel (s) unterge-taucht ist. Gleicli scharf sab icb die Ost- und Westküsten von Nusalaut gespiegelt (2 n. 3) sowie die anderen, niedrigen Küstenlander von Saparua und Haruku, welcbe bei der Ueberfahrt walirgenommen wurden, und trotz der grossen Ent-fernung konnte icb die nebenstehenden Bilder oline Scliwierigkeit mit blossera Auge erkennen und zeichnen. Es war sonniges Wetter, das Meer durch einen scbwachen Luftzug uur leicbt gekriiuselt.

Spilter sab icb dieselbe Erscheinung bei bedeckter Luft, nacli anbaltendem Regen wahrend der Nacht, von einem nabe Makariki gelegenen Punkte der Elpa-pntibai aus, diesmal an Haruku, Saparua, Tandjung Latu und der Landzunge von Amahei, wobei das Spiegelbild der letzteren so deutlich war, dass man in ihm mit unbewaffnetem Auge jeden einzelnen Baum erkennen konnte.

Die Prüfung der Vorbedingungen für das Auftreten der betreffenden Luft-spiegelungen habe ich selbstredend nicht niiher untersuchen können, doch ist es wohl kaum zweifelhaft, dass eine üher der Meeresflache lagernde, mit Wasserdampf geschwiingerte, erwiirmte Luftschicht bei verhaltnissmassig ruhigem Wetter die Entstehung des scheinbaren Spiegels zur Folge hat. Windstille ist freilich nicht erforderlich, denn ich sah haufig schone Luftspiegelungen bei einer frischen Brise und bedecktem Himmel.

Amahei liegt im Innern einer unbedeutenden, schmalen Meeresbucht, die nach Westen durch eine niedrige Landzunge hegrenzt wird; darüber hinaus er-blickt man das schone Gebirgsland Serans, welches den Hintergrund coulissen-artig abschliesst. Seine Höhen sind vom Anlegeplatze des Ortes aus bis A' 18° O hin sichtbar und erscheinen im Profile wie schildförmige, einem gemeinsamen Sockel aufgesetzte Masseu, mit zahlreichen Zinken, die sich aber nicht als selb-standige GKpfel herausheben. Dies Qebirge dürfte, sofern es dein weiteren Umkreise der Elpaputibai angehört, nirgends mehr als 800 m. Höhe erreichen, aber darüber und durch seine Depressionen bin nimmt man weiter im Innern viel ansehn-lichere Berge walir, die in A 20° W, A'37° W' und A'48° W am höclisten anstei-gen; eine tiefe Einsenkung bemerkt man ausserdem von Amahei aus in der Richtung A' 86° W; sie entspricht offenbar dem Laufe des Talla.

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Die gescliiUzte Lage des Ortes macht, dass man daselbst von der Brandling des Meeres in der Regel nielits mehr spürt, denn nur bei Nordwind scldagen un-bedeutende Wellen ans Ufer, und so gewinnt man den Eindruck, als sei die Bai ein Binnensee. An einer wohl unterhaltenen Landungsbrücke liegen einige hübsche, nach europaeischem Muster gebaute Böte des Posthalters, mit weissen Kieseln bestrente Wege und Anlagen von Wergewacbsen empfangen den Ankömmlung beim Betreten des Dorfes, und aus der naben Scbule tonen Lieder berüber, denen man deutscbe Melodieen untergelegt bat, oder, ricbtiger gesagt, es sind zu letzteren malayisclie Worte gedicbtet. Da man aber den Text aus der Feme nicht erkennt, so hörte icb nur immer wieder: „Alle Vogel sind scbon da . . .und „Drunten im Unterland .. . so dass icb mich in der That einen Augenblick nacb Europa zurückversetzt fühlte, und dies um so mehr, als die Ausführung des Gesanges jeder deutscben Volksschule zur Ehre gereicht haben würde.

Aucb bei naherer Bekanntschat't verliert Amabei nichts von dem günstigen Eindrucke, den es scbon gleicb bei der Ankunft macht; es ist überhaupt der freundlichste Ort, welchen icb auf Seran kennen lernte, und da aich mit dem netten Aussern des Dorfes eine vortreffliche Lage vereinigt, so wüsste ich aucb auf den üliassern nichts, was einen Vergleioh mit ihm aushalten könnte.

Verschiedene Momente haben zur Erreicbung eines solchen Resultates zusam-mengewirkt, zunachst der ümstand, dass Amabei seit langerer Zeit der Sitz eines Civilbeamten 1) ist, von dessen Anwesenheit scbon der heilige Waringin2) vor der Amtswohnung Zeugniss ablegt. Früber war die Eegierung hier sogar durch einen Controleur vertreten, wahrend augenblicklich, wie bereits erwahnt, ein Post-halter im Orte ansassig ist; sodann wobnt daselbst der Prediger der Abtheilung, und schliesslich ist noch eine militairische Besatzung unter dem Befehle eines europaeiscben Postkommandanten anwesend.

Der Geistliche, Herr •/. Keiling, war leider wahrend meines Aufenthaltes in Amabei auf Reisen, und ich bedauerte dies nm so mehr, als ich bereits früber mit ihm in Correspondenz gestanden und in demselben einen liebenswürdigen und wohl unterrichteten Mann kennen gelernt batte. Anfanglich war es mimlich mein Plan gewesen, den Prediger auf seiner Dienstreise um die Insel zu begleiten, doch musste diese Absicht bei naherer Ueberlegung mit dem Residenten wieder aufgegeben werden, weil sie sicli als unpraktiscb erwies, und nachher batte ich allen Grund, die Aenderung der getroffenen Dispositionen als eine sebr glücklicbe zu betrachten. Denn man berichtete mir, dass Keiling an der Ostküste Serans

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Dor Posten isl durch v. Rosenborg oingerichtet, wolchor auch eine Zeit lang als Civilbearatcr in Amahoi ansassig war, wiihrond sein Amtsvorgilngor in Paulohi wohnte. (Mal. Archipel, p. 282).

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Unter diosom Namen werden Ficus benjamina L. und verwandte Arten zusammongefasst.

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mit seiner Oretnbai gestnuulet sei und dabei sein gauzes Grepiick verloren habe, ein Scliicksal, das leb selbsl: als Reisegenosse vermuthlich mit ilim getheilt haben würde und welches dann olmo Zweifel mil dem Verluste von Notizen und Instrumenten ein tlieihveises Misslingen ineiner Forschungsreisen nacb sick gezogen batte. Der Postkommandant war derzeit Herr F. X. Sauter, Adjudant-Unterofficier der Infanterie, welcher das kleine Fort musterbaft in Ordnung hielt und, gleicli dem Prediger, in der weiteren Umgebung desselben sowie seiner Wolmung', durch Uerrichtung hübscher Anlagen mit Ziergewachsen und Blumen wesentlich zur Verschönerung des Ortes beigetragen liatte.

Dass die Anwesenbeit der genannten drei Persönlicbkeiten auch im übrigen auf das Aussere des Dorfes den günstigsten Einfluss ausiiben musste, versteht sich von selbst, und ohne sie würde Amahei zweifellos gleicli so manchen anderen Stranddörfern Serans unordentlich und unfreundlich dreinscbauen. Ilat man doch sogar in der Minahassa die Ert'abrung gemacbt, dass obne bestiindige Aufsicht seitens der Regierungsbeamten die Eingeborenen Hans und Hof verwahrlosen, und bei dem Seranesen darf in dieser Hinsiclit gewiss noch weniger auf Sinn für Ordnung oder gar Schönheit gerechnet werden als bei der Bevölkerung jener Gregend, deun der Einwohner von Amahei sorgt nicht einmal für seinen eigenen Lebensunterhalt weiter, als dringend nothwendig ist. Er ist z. B. zu trage, um Sawa's anzulegeu, sondern sat den Reis ohne sonderliclie Umstande draussen in der Wildniss, bedeckt darauf die Saat mit dem umgehackten Gestrüpp, nm sie gegen Vogel und Schweine zu schützen, und überlasst nun die weitere Sorge hiefür der Mutter Natur. Spater wird dann dasjenige, was aufkommt. Halm für Halm geschnitten.

Nur dem Fischfange gehen die Leute, wie in allen Stranddörfern, gernenacli, und oftmals halte ich Gelegenheit, dem von der Landungsbrücke des Ortes aus zuzusehen; vor allem den Qebrauch des in den Molukken weit verbreiteten, grossen, runden und an der Peripherie besehwerten Wurfnetzes lernte ich hier kennen. Der Fischer legt es sorgfaltig zusarnmen, so dass der grösste Theil des Netzes entweder auf einem Unterarme ruht oder mit einer Hand zusammengehalten wird und dabei über die betreffende Schulter hinhangt, den frei bleibenden Theil halt er indessen mit der anderen Hand und spatit nun nacb Schwarmen kleiner Fische aus, wie sie in diesen Gewassern jeden Augenblick wahrgenommen werden können. Er weiss dann selir geschickt das Netz so zu werfen, dass es sich horizontal, einer grossen, runden Scheibe gleicli, auf der Wasserflache ausbreitet, und da der beschwerte Aussenrand beim Abwartssinken von allen Seiten nacb der Mille hin-falll, so schliesst sich das Netz unter dein Wasser zu einem langen Sacke, aus dem kleinere Thiere nicht mehr llüchten können.

Einen mit langen Zalmen bewaffneten, saku genannten Fisch fangt man mittelst

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einer Schlinge von Kupferdraht, welche durcli den Rüeken eines kleinen, lebenden Fisches hindurcligezogen wird. Jade Bewegung des letzteren, welches fast frei zu scliwimmen scbeint, ist in dem durchsichtigen Wasser genau zu verfolgen, uud sobald der Saku nacli dem Aas schnappt, zielit der Angler die Schlinge zu, welche nun hinter den Zahnen des Raubers iiiingeii bleibt und ihn so festhalt. Fliegende Fische werden namentlicli in den Monaten August und September bei Fackellicht in grosser Zalil gefangen, so dass bisweilen eine einzelne Prau 100—200 Stiick als Beute einer Nacht heimbringt. Man erlegt sie mittelst vielspitziger Wurflanzen.

Dass die Bevölkerung von Amahei sich in Sitten und Gewohnheiten eng an diejenige der Uliasser anschliesst, kann nach dem voi'her Mitgetheilten um so minder befremden, als die Verbindung mit Saparua, namentlicli über Latu bin, sehr bequem ist. Audi die Post gelangt von Ambon und der letztgenannten Insel aus regelmassig um die 14 Tage hieher, um dann durch Aliüren über Land nach Wahaï weiter befördert zu werden. Der Weg, den diese Leute hiefür augenblicklich eiuschlagen, führt vom Stranddorfe Sepa aus, welches östlich vou Amahei liegt, direkt nach Sawaï, an die Nordküste der genannten Abtheilung, und soil ganz ungemein schwierig zu begehen sein; früher begab sich der Postliiufer von Amabei aus über Makaiuki, an der Elpaputihai, nach Paöania, welches sich westlich von Sawaï an der gleichnamigen Bucht des Nordstrandes betiudet. Dieser sogenannte alte Postweg ist bequemer, aber dennoch für einen Europaeer ausserordentlich anstrengend'), denn zunachst ist er überhaupt kein Weg, sondern nur eine in allgemeinen Zügen von dem jedesmaligen, seltenen Fussganger eingehaltene liicb-tung, in der man durch die Insel gelangen kann, Selbst die Bezeichuung eines Buschpfades ist zu eupbemistisch für diesen „Wegquot;, und vor allem darf letzterer nicht einer breiten Landstrasse gleich in die Karte Serans eingetragen werden, wie dies durch Riedel geschehen ist. Seine Einzelheiten werden wir spater kennen lemen, weil ich selbst in der Richtung des alten Postweges Seran durchquert habe.

Da die Reise durchs Innere hereits seit langerer Zeit mit dem Posthalter van Gent verabredet worden war, so hatte dieser schon vor meiner Ankunft in Amahei die nöthigen Anordnungen hiefür getroffen, und konnten wiram27ten Miirz nachmitlags zunachst nacli Makariki, am nordöstlichen Ufer der Elpaputibai, aufbrechen. ünter heftigem Gewitter gelangten wir nach 2 Stunden Ruderns in der Sarua dorthin, wahrend eine Reihe von Leuten, die uns auf dem Wego durch die Insel begleiteu sollten, liings des ilachen Strandes ihrem Ziele zustrebte.

1) Vgl. hierübor auch v. lioBenberg, Beschrijving etc., pag. 157, und Mal. Archipel, pag. 802, l'erner Scherius „Korto uantcekoningenquot;.

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Makaiuki wire! von Christen bewohut, welche denjenigen von Amabel gleich-gestellt werden dürfen, und der Regent des Ortes, der in erster Linie bei den Vorbereitungen für unsere Landreise bebilflicb gewesen war, machte ganz den Eindruck seiner Amtsgenossen von Arabon und den Uliassern; auch sein grosses, steinernes Haus, in dem wir die Nacht verbrachten, hielt den Vergleicb mit mancher der entsprechenden Wolmungen von den genannten Insein wohl aus. Desto mehr befremdete es mich, zu vernehmen, dass die Leute von Makariki sowohl wie von Aaiahei bei Festlichkeitea lm Baileo ibren alten, alfuriscben Kriegstanz, den Tjakalele, noch stets im Tjidako auflubren, ganz und gar in der bei den Bewohnern des Innern üblichen Tracht. Nur beim Empfange des Residenten zieiien sie sich für dlesen Tanz nach Art der Einwobner von Hatusua an, sonst p liegt aber auch der zierlich gekleidete Regent, dessen Erscbeinung mich lebhaft au die Figur eines ouropaeiscben Marktschreiers erinnerte, sich für den Kriegstanz aller Attribute höherer Kultur zu entledigen. Das erzablte mir der Mann selbst mit einem gewissen Stolze, und ich erhielt den Eindruck, als sei der Tjakalele für diese Strandbevölkerung etwa von der Bedeutung eines alten Ritterspieles, dessen Tradition sich über Kairatu nach Ambon bin allmiihlig abgeschwacht bat, um bier durch Zufügnng von allerlei Firlefanz einen wesentlichen Theil seines ursprüng-lichen Oharakters einzubüssen.

Man findet deun auch in den Dörferu der Elpaputibai laut mir gegebener Versicherung noch allgemein die langen, seranesiscben Schilde, welche bei dem Kriegstanze der Alfuren verwendet werden, wiihrend sie in den christlichen Nieder-lassungen von Kairatu nur noch einzelu als eine Art Reliquie aus alter Zeit auf-bewahrt bleiben; aber auch die Einwobner von Makariki fertigen die Schilde schon nicht mehr selbst an, sondern erhalten sie von der Nordküste, von Pasania und benachbarten Dörfern. Welchen Gebrauch die Alfuren, insonderheit die Bergbe-wohner, im Augenblicke noch von ilinen machen, ist mir unbekanut; denn ich sah niemals eine solche Webr trageu, und es dürfte dieselbe ausser beim Tanze wohl nur noch bei inlandischen Feilden, als Schutz gegen den Paranghieb, eine durch die Feuerwaffen beschrankte Verwendung fmden 'j. Die Schilde, welche ich antraf und zum Tlieil erwarb, mogen bei dieser Qelegenheit niiher beschrieben werden (vgl. Taf. 27, Fig. 7—11).

Hire Lange schwankt zwiscben 126 und 130 cm., ilire Breite in der Mitte zwischen 9 und 12 cm, an den Enden zwiscben 10,5 mul 19 cm., und zwar der Art, dass das gegenseitige Verhaltniss der betreffenden Dimensionen bei den ein-zelnen Schilden wechselt. Diese gestalten sicli demnach bald plumper bald schlanker,

1) Nach Boot gehören in Wahaï dio Schilde noch heuto zur gowöhnlichon Ausrüstung der Kricgor bei inlandischen Fohden (Korte schets, pag. 1171).

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allo sind al)ei- auf gleiehe Art, sowohl in der Langsriclituug als aueli iu der Quere, gekrüinint. Hire Vorderflaclie (Fig. 8 u. 11) besitzt drei Langsrieleu, welche ent-vveder in Form /iemlich scliarfer, sclimaler und niedriger Kiele liervorsielien oder eine mebr oder minder abgeruudete Firsle zeigen; an der Rüokseite (Fig. 7 u. 9) veriauil der ganzen Lange jiacli eine hervorstehende, mil: dem Haupttheile des Hchildes aus einem Slücke gearbeitete Mittelleiste, welche an den Enden niedrig und mit einigen robeu Einkerbungen verziert ist, in der Mitte aber zu einem Griffe mit vierseitigem Ausschnitte iür die Hand wird. Um den Aussenrand des Scliildes ist ferner eine Rottanleiste mittelst kleiner Pflöckcben befestigt, doch wird dieselbe ausserdem noch jederseits von der Handhabe durch drei sclunale, zusam-mengeflochtene Rottanbander gehalten, welche über die Vorderflache zur llückseite hinlaufeu, und deren Enden wieder von hinten her, durch kleine, zu Seiten des Langskieles befindliche Oeffnungen, uach vorne durchgezogen und hier verflochten sind. Die Aussenseite der Wehr ist entweder einfach mahagonibraun oder daneben mit einer Muschelverzierung versehen '), oder sie zeigt auch verschiedene, schwarz und braun gefiirbte Figuren, vvomit dann wiederum weiase, eingelegte Muschel-stiicke verblinden sind. Sowohl die Anordnung der letzteren als die Zeichnung ist indessen mancherlei Wechsel unterworfen, und namentlich aul'der Mitte der Schilde beobachtet man in Bezug liierauf grosse Verschiedenheiten; nahe den beiden Enden sind aber wohl immer 3 bis 4 Querreihen von grossen, runden Muscbelstücken verhanden. Auch die Rückseite wird bemalt, bisweilen nur mit einigen unbedeutenden, Bchwarzen Welleulinien, doch zeigle eiu Schild von Lisahatta in Wahaï, der vorne überhaupt nicht verziert war, hinten sehr gut gelungene Arabesken von gelber und schwarzer Farbe (Taf. 27, Fig. 7). Uebrigens scheinen eingelegte Schilde an der Kilste weit htiufiger benutzt zu werden als die einfachen; ich erwarb einen solchen, welcher von Hurale im N W von Pasania abkünftig ist, in Makariki, sodann sah ic!i der Art verzierte Schilde bei Alfuren von Taniwel, einem Dorfe an der INord-küste von Kairatu, östlich von der Mündung des Sapalewa (Taf. 11, Fig. 2), und endlich traf ich einen einzelnen, eingelegten Schild axich noch in Kaibobo an.

Am 28,en Miirz brachen wir nach Rdmasosal auf, welches sich nur § Stuude Ruderns von Makariki entfernt im iunersten Theile der Elpaputibai befindet und als Ausgangspunkt für die Reise über Land gewahlt worden war, um das üeherschreiten des RüAi'A zu vermeiden. Dieser grosse, von U kommende Strom ergiesst öich namlich unmittelbar nördlich vun Makariki ins Meer, und als wir kurz nach dem

1) Mit Muscholn eingelegte Schilde diirfen nach van Doren nur von Leuten geführt werden, welche sich durch die Erbeutung vieler Köpfe ausgezeiclmet haben, wilhrend andere Alfuren den einfachen Schild tragen (Fragmenten I, pag. IbG).

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Verlassen des letztgenannten Ortes seine Mündung passirten, zeigte sich uns sin Bild von holier, malerisclier Schönlieit: die weite, grüne Ebene, durcb welche sicb der Fluss hinzieht, im Hintergrunde von einer pracbtigen Berggruppe abgeschlossen.

Ausser Eumasosal liegt in dieser Gegend, nach }F\xin, am flaclien Uter der Buoht, noch eine ganze 11 ei he von Dörfern, deren Bewohner dnrcli die bier befnul-licbe, 'weite, alluviale nnd für die Anluge von Pflanzungen sebr geeignete ') Ebene angelockt sein mogen; sie sind aber den AngrifFen von seiten der Bergalfuren nicht minder ausgesetzt als die Strandbevölkerung von Kairatu, und nur wenige Tage nach meiner Anwesenheit in Eumasosal, am 6tei1 April, fielen Alfuren von Sumeit, am oberen Talla, das Dorf Tananahü an, welches sich etwas westlich vom erstgenannten Orte an der Bai befindet. Sie raubten Teller, Gewelire und Parangs, schlugen noch überdies Fruchtbüume ab, mordeten aber ausnahmsweise nicht, obwohl die Bevölkerung, und unter ihr 20 wehrbare Manner, wahrend des Ueher-falls im Dorfe war1). Auch hier lag wieder ein alter Streit vor, denn die Strand-bewohner waren den Leuten von Sumeit seit 1874 einen Gong als Eest einer ihnen auferlegten Brandschatzung schuldig geblieben; nach dem Eaubzuge ver-langten die feindlichen Alfuren noch 10 Gongs und 10 Schüssein.

Obwohl nicht in Abrede gestellt werden soil, dass auch den Stranddorfern ein Theil der Schuld an solchen Streitigkeiten zugemessen werden muss, so er-hielt ich doch nach allem, was ich wahrend meiner Reisen erfahren habe, den Eindruck, als würden dieselben von den Alfuren des Innern nach Art milchgebender Kühe behandelt. Sobald der Küstenbewohner zu irgend welchem Besitze gelangt, findet sich für den Sohn der Berge leicbt ein Grund, ihn zu herauben, und ich habe die feste Ueberzeugung, dass dies seitens der Strandbevölkerung gar nicht vermieden werden kann. Darin liegt wohl auch ein Umstand, welcher ihrer weiteren Entwicklung in Wohlfahrt und Kultur im Wege steht, denn mehrfach habe ich es aussprechen horen, dass die Bewohner der Küste nicht wagten, vieles zu er-werben, aus Furcht, hiedurch die Habgier der Bergalfuren wach zu rufen, und so hat denn auch eine etwaige europaeische Unternehmung, welche die einheimische Bevölkerung als Arbeitskriifte benutzen will, mit den grössten Schwierigkeiten zu kampfen.

Die Iliiuser von Eumasosal sind denjenigen von Honitetu sehr ahnlich, doch reicht ihr Dach nicht so weit abwiirts wie bei letzteren, so dass sein Hand erst in etwa Schulterhöhe über dem Boden beginnt. Ausserdem stehen alle aus Gahba-

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Nach van Doron gehen derartige Handlungon auch als offono Kricgserkliirung den eigentlichen Kopfjagdon vorab (Fragmenten 1 , pag. 142).

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gabba angefertigtea Seitenwande vertikal, und fiir den Unterbau sind statt Bambus clicke Holzpfiihle verwendet; nur die Flur des Wohnraumes ist aus Bambusrolir bergestellt, und die Pritschen sind damit, wie allgemein üblich, belegt. Tinier dem hoben Dacbe befindet sicb im Inaern noch ein Boden.

Die Eimvohner des Ortes sind Cliristen, gleich eiuer Reihe von anderen Leu-ten, welebe sicb bier eingefunden batten, ummich mit jeneaaufderlleiseinsInuere zu begleiten, ans deu Dörfern Djahalatani , am Oststrande der Elpaputibai, und Wakaka, im Westen von Rumasosal. Sodann waren noch Alfuren you Noulu und Niwbtbtu zu gleicbem Zwecke biebergekommen; aber alle diese Manner, Heiden wie Christen, Hessen sicb in ilirer ausseren Erscheinung nicbt von einander nnter-scheiden, da audi die letzteren nur fiir den Kirchgang eine andere Tracht anzule-gen pilegen.

Es war eine abenteuerlich aussehende, bunte Gesellscbaft, welche uns dort in Rumasosal erwartete, meine Rkisegesellschaft fiir die folgenden Tage; denn die Manner dieser Gegend (Taf. 18) lieben fiir die geringe Bekleidnng ibres Körpers das leuclitende, einfarbige Both, welches einen selir hübscben Kontrast zu ibrer brau-nen Hautfarbe bildet. Fast alle tragen über ilirem Tjidako ein so gefdrbtes Tucb, welclies der vVrt umgebunden wird, dass einer seiner Zipfel vorne zwiscben den Beinen berabhiingt; aber es ist so kurz, dass der Schamgiirtel bisweilen darunter liervorsiebt und gleicht fast einem grossen Sacktuche, selten zeigt es ein Muster, welches aber stets einfach roth bleibt und nie buntfarbig ist, und noch seltener tritt, bei den Kapalasoa's, ein sebr kurzes, einer Badehose ahnliches Kleidungsstück an seine Stelle. Ein gleicbes ïuch binden die Leute fest um ihren Kopf und um das /.usammengescblungene Haar, in der Weise, dass der umwundene Knoten einer riesigen, tlacben Kokarde gleich zur Linken frei abstebt; nur wenige. Christen, haben das Haar kurz geschoren, und sehr selten fehlt das Kopftuch ganz, w ah rend bei einzelnen ein zierlicb, mit Muscheln bestickter Streifen darum hingelegt ist. Man hat biefür kleine, weisse Gelmuse einer Nassa verwendet, welche dergestalt abgeschnitten sind, dass im wesentlichen nur die Mundöffnung mit der verdickten Aussen- und der weit ausgebreiteten, wulstigen Innenlippe bewahrt blieb. Die Scha-lenstücke sind alsdann perforirt und so festgenaht, dass ihre natürliche Aussenseite auswarts gekehrt bleibt, und gleichzeitig sind sie so gewahlt, dass ihre Grosse nicht viel von einander abweicht. Diesen zierlicben Schmuck sah ich vor allem an der mützenartigen Kopfbedeckung der Kapalasoa's verwendet, welche letztere zudem mit einer kurzen, einfarbigen oder bunten Jacke und bisweilen noch mit einer dariiber gebundenen Schiirpe geschmiickt sind; sonst ist der Oberkörper der Manner nur ausserst selten mit einer bis zum Kreun reicbeiiden Jacke bedeckt, in welcber die Aermel in der Regel sehr kurz sind oder auch ganz fehlen. Andere

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tragen ein kleines Tueh mit sicli, welclies sie unter den linken Arm liingezogen und aiif' der rechten Schulter festgeknotet habeu.

Unter den Sclimuckgegenstanden scheinen l'erlen am meisten beliebt, und/,war in erster Linie grosse, blaue Glasperlen, die bisweilen in so zablreichen Sclinüren um den Hals gelegt sind, dass dadurcb ein fórmlicher Kragen gebildet wird. Ann-ringe sali ich weniger tragen als bei den Alfuren von Honitetu, doch fehlen sie keineswegs und stimmen sie im wesentlichen mit den oben bei den Bergbewoh-nern beschriebenen Zierral hen überein. Daneben fand ich aber bei diesen Leuten von Amahei Binge am Oberarme, welche statt aus zusaminengeflochtenen Schild-krotreifen von den Fliigelschaften des Casuars hergestellt und gleieh jenen mit-telst Bambus verbanden sind. Sodann sieht man schwarze, einfach zu einem Ringe zusammengebogene Zweigstücke von Alcyonarien als Schmuck am Handgelenke tragen, und alle diese Qegenstiinde werden wiederum, falls sie nicht doppelt vor-handen sind, links angelegt. \Venige Leute haften unter den Kuieenschmale Binge, welche unter anderen aus einem Streifen von Hirschfell mit daran liaftenden Haaren bestanden.

Die kleine Tasche, welche manche Manner mit sich führen, ist aucli dieselbe wie oben von den Bergalfuren bescbrieben, ebenso der Parang, aber meine Be-gleiter besitzen nur wenige Gewebre; uur einzelne Kapalasoa's können sich einen derartigen Luxus erlauben, und zur Feier des Tages haben sie in die Mündung des Laufes Casuarfedern oder Blumen gesteckt. So tragen denn, beirn Mangel an Feuerwaffen, einzelne der gewöhnlichen Dörtlinge Bundel von Pfeilen nebst Bogen mit sich, alles vorlaufig zusammengebunden, um gelegentlich für die Jagd Ver-weudung zu finden.

Was ich an derartigen Gegeustanden bei der Bevölkerung Serans in den ver-schiedensten Orten gesehen habe, stimmt so sehr überein, dass ich die Beschrei-bung aller in meinem Besitze befindlicher Bogen und Pfeile hier einflechten darf, ohne fürchten zu mussen, damit eine Ungenauigkeit zu begehen.

Die meisteu Bögkn (Taf. 29, Fig. 1 -—4) sind von einem Bambusstreifen an-gefertigt, dessen Innenseite beim Gebrauche stets nach aussen gekehrt ist. Sie sind symmetrisch, nach beiden Enden allmahlig und gleichmassig sich verjüngend und in eine einfache Spitze oder einen langlichen, rob vierseitig zugeschnittenen Knopf auslaufend. Die aus gespaltenem und zusammengedrehtem Bottan verfertigte Sehne ist nicht dauernd befestigt, und der Bogen wird auch in der Begel abgehangen vom Trager mitgeführt. Die Oese, mit der die Sehne jederseits endigt, wird beim Spannen einfach in eine Einkerbung gelegt, die sich nahe den Enden, womöglich unterhalb eines Knotens im Bambusrohr, befindet; besondere Wulste, welche ibr ein besseres Widerlager schaffen würden, fehlen, und ebenso vermisst man fast

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immer jede andere Bearbeitung oder Ver/ierung des einfachen Geratlaes. Der grösste Bogen, den icli erlüelt, ist 177 cm. lang und in der Miite 4 cm. breit; niemals sah icli ihn in abgehangenein Zustande langer als den Körper seines Tragers, dagegen sind manche Bogen weit kürzer, und der kleinste, den icli besitze, misst nur 127 cm., wahrend die ineisten fur die Jagd venvendeten ungefalir 140—143 cm. lang und 2.1, cm. breit. sind.

Als Abweichung you diesem allgemeinen Typus ist noch hervorzubeben, dass in einzelnen Fallen (Etti-Alfuren von Sole; Fig. 2) statt der zusaminengedrehten Sehne ein einfacher, dickerer Eottanstreifen Verwendung findet. Eine gut abgear-beitete, zusammengefloehtene Oese ist ferner bei den kleineren Bogen in der Regel nur einseitig vorhanden, wahrend eine solche an dem anderen Ende durcli einfache, in die Sehne gelcgte Knoten ersetzt ist, so dass der Bogen denn auch verschieden stark angespannt werden kann, und bisweileu sind sogar beide Enden der Sehne ausschliesslich durch Knoten befestigt. Selten lindet man die beidersei-tigen Spitzen des Qerathes mittelst einiger roher Einkerbungen verziert (Fig. 3), und wenn sich eine solche Bearbeitung auf das eine Ende beschrankt, so entsteht dadurch eine unbedeutende Asymmetrie, die aber in dem gegebenen Falie ohne weitere Bedeutung ist.

Ausser bei meinen Begleitern in Rumasosal sah ich solche Bambusbögen auch bei den Alfuren von ïïonitetu, im Dorfe selbst, sodann erliielt icli sie von Nuniali and von Lisabatta an der Nordküste sowie von Sole an der Pirubai. Von Nuniali bekam ich ausserdem einen Bogen, welcher aus Palmholz (von Ar eng a) gefertigt ist1), im übrigen sich aber in keinem Punkte von den Bambusbögen unterschei-det und auch so abgearbeitet ist, dass er gleich flach wie diese wurde.

Die gewöhnlichsten Pfeile (Taf. 29, Fig. 5), deren sich die Leute bedienen, bestehen aus drei ïheilen, dem Schafte, der Spitze und einem diese verbindenden Zwischenstücke. Der Schaft ist ein Ilohr (vermuthlich Arundo), die Spitze von Bambus, verliingert-lanzettförmig und au der verschmalerten Basis gespalten, so dass diese einem llohrenknochen gleich auf das Zwischenstück aufgesetzt werden kann. Letzteres ist von Holz (meistens Palmholz, und zwar von Arenga), abge-rundet und an beiden Enden spindelformig zugespitzt; sein unteres Ende wird in die Höhlung des Schaftes eingelassen, und nun werden sowohl das Rohr als die Bambusspitze durch eine Umwickelung von Rottan mit dem Zwischenstücke fast verblinden. Dasselbe dient also keineswegs zur Verlangerung des Pfeiles, sondern nur zur Erzielung einer grosseren Festigkeit, weil ohne seiue Verwendung das

1

Joost erwiihnt auch Bogen von Eisonholz, Welches nach demselben Autor ebenfalls für die An-fertigung von Pfeilspitzcn benutzt wild (Verb. Berl. Cos. pag. 08).

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Eolir zur Aufnahme der flachen Bambusspitze zusammengepresst werden muss mul dabei leicht zu sebr zerspaltet. Ein bestimmtes Laugeuverhaltniss zwischen Schaft, Zwischenstück und Spitzo besteht nicbt; deun die Liiuge des ganzen Pfeiles schwankt zwischen 146 u. 112 cm., diejenige der Spitze, mit Einschluss ihrer zerspaltenen Basis, zwischen 24, u. 11'/2 cm., diejenige des Zwischenstückes endlich zwischen 27 u. 6 cm., wobei seine eingelasseneu Enden nicht eingerechuet sind. Niemals sah ich an den Pfeilen eine andere Verzieruug, als eiuige sebr rob mit einem scbar-fen Gegenstaude au deu Enden des Schaftes eingerissene, sicb spitzwinklig schuei-deude Linien, die mau anfanglich kaum als Schmuok ansehen möchte, und die überdies uur vereinzelt angetroffen werden. Ich besitze solcbe Pfeile von Lisabatta in Wahaï und von Nuniali in Kairatu.

Die nacbste Abanderung der bier beschriebenen Form entstebt durcb das Fort-fallen des Zwiscbenstücks (Taf. 29, Fig. 6), wobei daim die Spitze in der Eeg'el stark verlangert und an der Basis immer so weit zugescharft wird, dass sie in die Höblung des Schafte» eingelassen werden kann. Bei einem Pfeile von 128 cm. Lange kommen nicht weniger als 33 cm. auf den frei bervorstebenden Theil seiner Spitze, in anderen Fallen ist sie aber wiederum bedeutend kürzer und biswei-len nicht langer als bei der erstbescbriebenen Form. Pfeile der letzten Art erbielt ich von Lisabatta.

Eine dritte Form (Taf. 29, Fig. 7) besitzt als Schaft ein rob abgerundetes Bam-busstück, auf welcbem die Spitze nun in gleicher Weise befestigt ist wie auf dem Zwischenstücke der erstgenannten, gewöbnlichsten Form. Selbstredend sind dio mit Bambusschaft versehenen Pfeile schwerer als die anderen, sonst geben sie aber zu keinerlei Bemerkung Anlass. Ich erbielt sie von Nuniali. In Wahaï erfubr icb fer-ner, dass die dortigen Alfuren ausser Bambus aucli Knochen vom Casuar zur An-fertigung von Pfeilspitzea benutzen, doch babe icb hiervon kein Beispiel gesehen ').

Andere Pfeile (Taf. 29, Fig. 8) besitzen überhaupt keine abgeflacbte Spitze, sondern derselbe Holztheil (von Arenya), welcher sonst als Zwischenstück verwer-thet wird, ist bei ibnen einfach am Ende scharf zugespitzt und ersetzt so den fehlenden, dritten Theil des eingangs beschriebenen Objektes (von Lisabatta). Eine weitere Abanderung entstebt dadurch, dass diese lange Holzspitze noch jederseits zwei alternirende Widerhaken erhiilt (von Nuniali; Taf. 29, Fig. 9); dann macht der Pfeil eineu wesentlichen Sprung zur Erreichung einer Form, bei welcher die Holzspitze mehr oder minder deutlich eine Spitze von Eisen nachzuabmen sucht (Taf. 29, Fig. 10). Ihr unteres Ende ist dann einfach abgerundet und in das Kohr hineingesteckt, ohne noch weiter durcb eine Umwickelung befestigt zu werden;

1) Boot orwühnt aus Wahaï so gar Pfeile mit Eisenspitze (I.e. pug. 1175 u. 1182).

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es bildet eine Art Hals, welclier sicli rechtwinklig gegen die eigentliche Spitze absetzt, uud let/.tero kann hiebei llach, oblong im Querschnitte uud nahezu drei-seitig ira Umrisse sein; oder zwei Liingskanten siud zur Erzielung einer doppelten Sehneide zugescliarft, so dass dementsprechend ein stumpfer Mittelkiel der Liinge nacli auf den beiden grössten Flachen der Spitze verlauft uud der Querschnitt der letzteren mehr oder minder elliptisch wird (Taf. 29, Fig. 11). Freilich bleibeu die Schneiden sehr stumpf, uud das Gauze ist, wie gewöhnlicli, ungemeiu roh abgearbeitet (von Sole). An alle diese Pfeile scliliesst sich endlioh nocli die denkbar einiachste Form au, welche lediglich aus einem Rohre (vermutblich Anmdo) be-stebt, au dem das eine Ende durch Abschragung zugescharft ist; doch dürfte diese Art von Pteilen nur selteu zur Verwendung kommen, leb erbielt hiervon aucli uur ein einzelnes Exemplar aus dem Dorfe Sole, uufern Etti (Taf. 29, Fig. 12).

Wesentlicli versclneden von allen bisber bescbriebenen sind die mebrspitzigen Pfeile, welche zur Fischjagd verweudet werden. Bei einer der hierhergehörigen Formen sind drei lange Zinken von Bambus vorhanden, welche so geschnitten wurden, dass ihre uuteren Halfteu zur Bildung einer langen, dreiseitigen Pyra-mide zusammenstossen, deren Spitze in das den Schaft bildende Rohr eingesenkt ist, wahrend ihre Basis sich nach oben kebrt. Die oberen Halfteu dieser Zinken sind diinuer, innen winkelig gegen die uuteren abgesetzt, rundlich uud mit Wider-hakeu verseben, welche nach aussen gekehrt, aber verschieden an Zahl und Stel-lung sind; ihre uuteren Halfteu werden mittelst Ilottan zusammengehalten, und durch euie gleicbe Umwickelung ist wiederum das öanze in dem Schafte befestigt (von Nuniali; Taf. 29, Fig. 13)).

Eine geringe Abanderung wird dadurch hervorgebracht, dass die mittleren Tlieile der Zinken nicht so weit verdickt sind, um die drei Spitzen oben ausein-ander halten zu können, sie sind vielmehr ganz uud gar abgeflacht, und ein zwi-schengeklemmtes Stück Gabba-gabba macht, dass letztere oben divergiren. Die Spitzen sind an dem mir vorliegenden Exemplare mit alternirenden Widerhaken verseben (auch von Nuuiali; Taf. 29, Fig. 14). Die Gesammtlange aller dieser Pfeile betragt 111—121 cm., diejenige der dreizinkingeu Spitze 21 —24 cm. Eine zweite Abweichung kommt bei einem grosseren Pfeile vor, dessen ganze Liinge 149 cm. und dessen Spitze 30 cm. misst (Taf. 29, Fig. 15); bei ihm sind die Zinken allerdings auch, wie bei der ersterwahuten Form, in der Mitte verdickt, aber nicht scharf von ihrer oberen Hill ft e geschieden; ausserdem sind ihre Aussen-enden mehr oder minder dreiseitig im Querschnitte und an den drei Kanten mit einer Reihe kleiner Einkerbungen verseben (von Sole).

Schliesslich liegt mir noch ein Pfeil von Sole vor, dessen Schaft gleich lang ist wie derjenige des zuletzt bescbriebenen Objekts, und in dessen oberes Ende sie-

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ben dünne, spitze, nadelartige und nicht gekerbte Bambusziiiken von 1G cm. Liinge eingelassen sind. Leider ist dieser Pfeil beschadigt, aber vennutlilicli warden seine Zinken ebenfalls durch ein Zwischenstück von Gabba-gabba auseinander gehalten. Er dürfte bei der Jagd auf fliegeude Fische Verwendung flnden (vgl. oben pag. 190).

8. QUER DURCH DIE 1NSEL.

Ausser dem Posthalter van Gent uud meinem Dolmetsch Kvhuwael befanden sich wiihreud der Eeise durch die Insel in meinem Geleite 94 Mann, welche zmn Tragen, Gangbarmachen des Weges, Banen von Hütten und .lagen Dienste leisten sollten. Diese grosse Zahl von Leuten war mit Rücksicht auf die Nabrungsmittel erforderlich, weil die eigentlichen Trager und die iür Arbeiten am Wege verwen-deten Leute ihren Mundvorrath nicht selber transportiren konnten, und somit fiir sie abermals neue Trager mitgenommen werden mussten. So wiichst denn bei einigermaassen umfangreichem Gepack die Zahl der Begleiter rascli in geradezu beunruhigender Weise an, eine Ert'ahrung, die wohl jeder gemacht haben wird, welcber unter abnlichen Verhiiltnissen in den Tropen reiste, obne sich der QeCahr des Misslingens seiner Unternehmung aussetzen zu wollen. Aber auch das Mitneh-men von Nalirungsmitteln hat bei langeren Reisen seine Grenzen, und da der Weg im Innern anf weite Strecken in Flüssen Mnführt, welche oftmals so stark anscbwellen, dass sie jedes Fortkommen tagelang unmöglich macben, so batten wir uns auf alle Fiille vorgesehen und für die nöthigen Jiiger zur Erlegung von Hirscheu und Schweinen, an denen Seran überreich ist, gesorgt.

Die Seranesen dieser Gegend tragen das Gepack an Stöcken, welche sie an beiden Enden belasten und dann über die Sclmlter legen. Meine Kisten, welche 45 cm. lang, 26 cm. hoch und 25 cm. breit waren, selbstredend alle mit Schloss versehen, machten bei der Vertheilung der Bagage keinerlei Schwierigkeiten, nnd ich möchte jedem zukünftigen Reisenden in den Molnkken anrathen, sich anniihernd innerhalb der Grenzen der oben angegebenen Maasse zu halten; denn die Leute schleppen keine grossen Lasten, und in den wenigen Fiillen, in denen es schwerere Gegenstande zu transportiren gab, verursachte dies stets mancherlei Unbequemlich-keit und gab es vielfach zu ünwillen und Widerspruch' seitens der Begleitung Anlass. Ein bestimmtes Gewicht für die Tragkraft eines Mannes anzugeben, bin ich freilich nicht im stande, da ausser jenem auch das Format des Gepacks eine sehr grosse Rolle spielt. Für jede der Kisten war noch ein eigenes, aus Nipabliittem

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besteheudes Schutzdacli gegen Regen angef'ertigt, welchei? beiderseits schrag abfiel und uuterwegs über den Tragstock hin gelegt wurde.

Da die Bagage bereits von Amabei aus vorausgesandt war, so konnten wir am 28ten Marz scbon um 9 Ubr morgens von Rumasosal aufbrechen. Der alluviale Boden, über den der Weg zunachst mit yorberrscbender iA Ü-Eicbtung binfübrt, ist stellenweise sump lig, und dem Scblaiume, in dem viell'ach Sagubaume ange-pflanzt sind, entsteigen mancbmal reclit unangenebme Ausdünstungen; sonst ist alles dicht bewacbsen, aber obne besondere Schönbeit. So gelangten wir nacli 2| Stunden Geliens znin Bette des Tana, welcber sich in kurzem Abstande und nord-westlicli von der Mündung des Eitata in die Elpaputibai ergiesst. Einen kleinen, 5 Scbritte breiten Nebenarm des Tana namens Makariki, welcber bei llumasosal ins Meer fliesst, batten wir bereits 20 Minuten nacb dem Aufbrucbe von der luiste passirt1).

Am Tana über Hel uns ein gewaltiger Regen, und da es nach langerem Warten seinen, als ob wir keine Aussicbt auf besseres Wetter batten, so wurde scbon um 1 Ubr , in 52 m. Meereshöhe, eine kurze Strecke weiter aufwarts im Flussbette die Station aulgescblagen. Der Tana ist daselbst ungefahr 200 Scbritte breit, war aber derzeit nur zum geringsten Tlieile mit Wasser gefüllt, welches in verschie-denen, breiten, rasch strömenden Bachen das Trockenbett durchschnitt, hie und da in dem lockeren, einer bestilndigen Umlagerung ausgesetzten Boden eine Insel bildend, welche gleich den breiten IJfersaumen mit schwarzgrauem, grobem Schotter von Glimmerschieter und Gneiss bedeckt und mit hohem Qrase bestanden war. Dies überragt uns mindestens um die balbe Korperlange und ist reicli an kampflustigen Wespen, welche aucli bei harmlosester Annalierung jeden anfallen, mis hilufig zum Durchwaten der Waaserrinnen nöthigen und die freie Bewegung im weiteren Umkreise der Station in hohem Maasse beeintrachtigen. Grosse Baum-stamme liegen überall umher, und hohe Waldung, die mich aber doch im Ver-gleiche zu derjenigen Surinams hier sowolil wie auf allen weiteren Reisen in den Molukken sehr enttauschte , schliesst das Ufer ein; tlussaufwarts zeigen sich bereits in ziemlicher Nahe die ersten Höben des Gebirgslandes.

1

Nach von Rosenberg's Karto verbindet ein Flussarm namons Makariki den lluata mit dem Tana (Beschrijving etc. I.e.). Man sagte mir, im Einklango hiomit, dass man vom Tana in den lluata gelangen könne, ohne das Flussbott zu verlassen; aber das Gowiisser, welches von llosenberg Makariki nenni, kann nicht mit dom von mir unler gleichem Namen angoführten übereinstimmen, da wir westlich vom Tana ins Tnnere gingen. Es liegen hier ofFenbar complicirto und noch wenig bekannte Deltabildungen vor.

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Da der Verbleib unter den lioheu Btiumen wegen der haufig niederstürzenden, dürren Aeste niclit anzuempfehlen ist und vor allem bei eintretendem Regen sorg-fallig verniieden werden muss, so wurde meine Hütte elwas entfernt yom Wal-desrande errichtet, wahrend die Seranesen sicli weiterhin im Flussbette zerstreuten, um dort ein Unterkommen zu sueben.

Wie stets auf' der Eeise durcb die Insel bestand die Hütte (vgl. Taf. 19) im wesentlichen nur aus einem Dacha von Nipaliliittern, welches icb fertig mitlïïlirte und über drei Langsreihen von Pfahlen legen liess, wabrend die Seiten otlen blie-ben. Ein paar Langs- und Querstöcke wurden nnter dem Dachrande zur Verbindung der aufreclit stehenden Stützen angebracht, und der Abstand der letzteren war so gewablt, dass man zwiscben zwei Pfahlen, in der Mitte unter der Dachfirste, die Hangematte anbringen konnte, an deren Benutzung icb von Quiana her gewohnt war. Am andereu Ende blieb dann noch genug Raum für die Anfertiguug einer etwas über dem Boden erbabenen Pritsche von Zweigen, auf weieher der Posthal-ter und der Dolmetsch Platz fanden; endlich srbloss sicb hierau, unmittelbar in der Verlangerung des Schlafraumes, ein je nach Umstiinden mil Blattern, Zweigen oder Baumrinde gedecktes Dacli, unter dem gekocht wurde. Zum Schutze gegen Mos-quitos benutzte ich ferner ein grosses, vierseitiges Stück Gardinenzeug (Gaze), welches allseitig über die Hangematte herabfiel, und einfach über einen llottan-streifen gehangen war, den ich der Lange nach in einigem Abstande über jener ausspannen liess. So batte ich niemals die geringste Last von Insekten, doch ist die Vorrichtung nur für Personen zu gebrauchen, welche gut und ganz ruhig in solchem Bette liegen können. Ich blieb stets in den Kleidern und bedeckte mich nur mit einem Plaid. So habe icb es spiiter audi auf Burn gehalten und mich wohl dabei befunden, wenngleich dort eine andere Einrichtung der Hütte, wehdie nachher beschrieben werden soli, zweckmassiger erschien.

Unter einer grosseren Anzahl primitiver Blatterdacher, meist sebr niedrig und nur nothdürftig durch ein paar Stücke gestützt, lagerten im weiten I rnkreise meine Begleiter, von denen auch mancher ein halbkreisformig zusammengebogenes 1'almblatt als einzigen Schutz gegen den Regen gewiihlt batte, Alsbald stieg dann an vielen Stellen in der schweren, regnerischen Luft eine Eauchwolke empor, und trotz der so sebr verschiedenen üragebung wurde ich hiedurch lebhaft an die regnerischen Tage im deutschen Lager vor Metz (1870) erinnert. Als sicb darauf das Wetter spiiter am Nachmittage noch aufklarte, zogen einige Leute auf die Jagd, und nicht lange, so verkündete uns ein lauter Juchzer, dass eine Beu te erlegt sei. So stösst auch der Kopfjager einen Schrei aus, vvenn ilim der Anfall gelungen.

üm 7 ü. 32 M. abends nahmen wir einige kurz aufeinander folgende Stösse eines S—JV verlaufenden Erdbebens wabr, welches unsere Stühle erzittern liess und

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die Lampe in Schwankungen versetzte. Es dauerte nur etwa 3 Sekunden uud war aron eiuem donnerartigen Grolleu begleitet.

Am folgenden 'Page, dem 29'°quot; Miirz, brachen wir um 6 Ü. 35 M. wieder auf, inn im Bette des Tana, welcher in vielfaclien Kriimmungen von NO kommt, ailfwarts zu gehen. Eine kurze Strecke blieb der Oharakter des Flusses nocli un-veriindert; dann traten mehrfach Schotterwande an seinein Ufer auf, bisweilen bis 8 m. hoch, von lateritahnliclier, rother Farbe, und alsbald lagen niedrige Anhöhen, welche den Tana imi etwa 100 m. iiberragen, vor uns. Eine Stunde nach dem Anfbrucbe gelangteu wir zu einem Punkte, an dem das Gebirge unmittelbar ans Ufer hinantritt; der Lauf des Flusses wird nun eingeengt und bleibt im Mittel nur nocli etvva 30 Schritte breit, das Ufer wird felsig, zahlreiche Stromsclinellen, welche das Fortkommen sehr erschweren , stellen sicb ein, und miiclitige, oft manns-hobe Blöcke liegen im Bette. Dann folgt eine klippige Strecke, in der sicb an einem Orte die ganze Wassermenge des Tana durcb eine nur 4 Schritte breite, scharf ins Gestein eiugeschnittene Einne driingt. Dort befanden wir uns 2 Stunden nach dem Aufbruche von der Station, wobei aber in Eecbnung zn ziehen ist, dass der letzte Theil dos Weges, seiner grossen Hindernisse und der vorzunehmenden Untersuchungen wegen, sehr langsam zurückgelegt wurde.

Der Fluss ist nun zum schaumenden Wildlinggeworden, welcher in zahlreichen kleinen Fallen und Strndeln seinen Weg in dem mit Blöcken und Geröllen über-siiten, eingeengten Bette suclit. Denn das Gebirge tritt überall nahe an den Wasser-lauf heran, aber leider lasst es sich bei der hoben Uferwaldung und dem grossen Gesichtswinkel vom schmaleu Bache ans nicht iibersehen, und nur die allernachsten Ilöhen sind dem Auge erreichbar. Hire Erhebung uber das Niveau des Tana weohselt zwischen 50 und 100 m., doch ist hieraus überhaupt kein Schluss auf das Relief des Landes zu ziehen, und in solchem Mangel an genügendem Ueberblick liegt eine der grössteu Schwierigkeiten, welche sich uns beim Eeisen durch tropische Walder in den Weg stellen ').

Uebrigens ist die Scenerie prachtig; Der Sand im Bach bette ist dunkel ge-farbt, die Geschiebe sind blaugrau, die grossen Blöcke schwarz bis braunlich und manchmal mit zahlreichen, weissen Quarzlinsen oder ungemein zierlichen, wellig und zickzackförmig gefaltelten Quarzbandern versehen, denn es sind sammtlich Ge-steine einer stark zusammengestauchten, archaeischen Glimmerschiefer-Formation, welche bier im Flusse liegen und in zahlreichen Klippen am Ufer anstehen. Zwi-

1) Doswogon knnn audi die Karte v. Rosenborg's nichts andcres als ein Schema soin, welches iibri gens nicht der Antrassung entspricht, die ic-h selbst vom Relief Serana erhielt. Namentlich gilt letzteres vom Centralgebirge, wio ich spiiter an dcr Hand dos aufgcnommenen Prollls nilher orlautern werdo.

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schen diesen bunten Qerölleit der schaumeude Wasserstreifen, dürres Treibholz und grosse, gefallene Baume, welche, der Einde beraubt oder in allen Stadiën der Verwit te rung' , grau bis braun gefilrbt, mit ihren machtigen Leibern dem Bache ver-geblich sicb in den Weg legen. Daneben bal manche zierliche Ptlanze auf dem Schotter Fuss gefasst, um durch ihr leuchtendes Grün einen prachtigen Kontrast zu der vorherrschend dunklen Farbung des Bodens zu bilden, Dann der üppige Wald (Taf. 20), aus dem Lianen und Luftwurzeln über die Felsen herniederbangen, Baumfarne ihre zierliehen, liohtgrünen W edelki'onen hervorstreeken, und in dem namentlich die glanzenden, schlanken Blatter von kletternden Palmen eiue hohe Zierde bilden. Sie sind die wabren Streber im i'llanzenreiche, diese Rottanpalmen: suchend strecken sie ihre dornbesetzten Blattenden allseitig in die Luft, um Halt an den kraftigeren Genossen der Waldgesellschal't zu finden, da sie auf eigenen Füssen nicht stehen können, haben sie aher die Höhe erreiebt, so erdrücken sie diejenigen, welche ihr Emporkommen forderten, und stolz erheben sie über ihnen ihr schlankes Haupt.

Die zahlreichen Leute, welche auf weiter Strecke im Flussbette zerstreut sind, hier watend, dort über Felsblöcke und Baumstainme kletternd, tragend oder mit dem Abhaeken von hinderlichen Zweigen und Aesten beschiiftigt, sie bieten zu der formenreicben Landschaft eine Staffage von eigenartigster Schönlieit, um so mehr, als ihre braunen Gestalten mit buntem Schmuck die Farbenpracbt des Bildes noch erhöhen. Freilich haben sich fast alle ihres Kopftuches als eines iiber-flüssigen und oft lastigen Zierrathes ontledigt, und das Haar hangt ihnen bald als wüste Mtihne über den Nacken, bald ist es in einem beliebigen K noten festge-steckt. Den Tjidako haben sie, wie ich es auch sonst bei den Alfuren sab, fest um den Leib zusammengezogen, so dass die Magengegend bisweilen click darüber hervorquillt, denn die Leute behaupten, dass sie auf solche Weise besser marebiren können, und vielleicht bat mancher Leser sich schon zu gleichem Zwecke und in tihnlicher U'eise als Knabe eines Riemens bedient.

Gegen Ende des Tagemarsches befanden wir uns an der Mündung des Kalaüri , eines rechten Nebeuflusses des Tana. Das Bachbett weitet sicb in dieser Gegend wieder, die Höhen sind in seiner nacbsten Umgebung selir verflacht, und nicht selten breiten sicli an den concaven Seiten der Krümmungen des Wasserlaufs aus-gedehnte Ufersaume aus, welche von ziemlich niedrigem Walde bedeckt sind. Es war somit daselbst ein sehr geeigneter Ort für den Nachtverbleib , und so began-nen wir um 2[ Uhr mit der Errichtung unserer Station — sehr zu geeigneter Zeit; denn kaum waren die Hütten fertig, als es auch schon wieder heftig zu regnen anfing.

Um kein Missverstandniss über die Entfernungen aufkommen zu lassen, glaube

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icli liervorheben zu müsseu, dass die Eiuzeiclmung des Plussbettes, das Beslim-men von Streichen und Fallen der Schichten uebst Photographireu viel Aufentlialt verursachte, so dass der gesammte, heutige Weg im Bette des Tana ohne diese Arbeiten vermuthlich in | der Zeit, welche icli selber dafiir gebrauchte, hiitte zurückgelegt werden kennen, vielleiclit sogar noch rascher.

Trotzdem die Station nur 198 m. hocli lag und es •wahrend der Nacht nicht regnete, batten wir doch unter eiaer durchdringenden Feuchtigkeit so sehr zu leiden, dass am kommenden Morgen (30tcl' Marz) ein jeder vor Killte zitterte. Die Klippen am Ufer sind denn audi in dieser Gegend vielfach mit einem prachtigen Moosteppiche bekleidet, und dazwischen, sowie auf kleinen Eilanden im Bach-bette, wucheru in grosser Zahl Fame, welche stellenweise riesige Dimensionen er-reichen; im übrigen blieb aber der Charakter des Wasserlaufs, nach dem um 6 Ü. 40 M. erfolgten Aufbruche, weiter aufwarts im wesentlichen der gleiche wie am vorigen Tage. Mehrfach war allerdings die Anhaufung von Blöcken oder Baumstiimmen im Tana so gross, dass wir genöthigt warden, lilngere Strecken zu umgehen, und das Gleiche geschah bei einigen sehr starken Krümmungen des Baches. Dabei zeigten sicb daim im Walde an der concaven Seite der letzteren re-gelmiissig alluviale Plateau's von etwa 5 m. Höhe, die wohl nur als Anzeichen eines alten, in einem boberen Niveau gelegenen luundationsbettes gedeutet werden können.

Nachdem wir so noch IJ Stunden lang dem Tana aut'wiirts gefolgt waren, verliessen wir ihn, um am linken Flussufer bei einem kleinen, von links kom-rnenden Bache, für den ich keinen Namen in Erfahrung bringen konnte, in den Wald zu gehen. Hier begann der Anstikg ins Gehiiuie , über dessen ansehnliche Höhe ich vorliiutig noch ganz im Unklaren war, da ich bisher weder einen ge-nügenden Ausblick auf dasselbe gehabt noch audi von der stumpfsinnigen, sera-nesischen Begleitung irgend etwas Naheres über das Relief des Landes erfahren konnte.

Zunachst ging es ausserordentlich steil, dann langsamer, aber statig auf-wiirts, selbstredend über manche kleine Bodenwelle bin und in tausend Krümmungen ; doch blieb die Wegrichtung im Mittel JV 0. Nur ein einziges Mal, eine Stunde nach dem Aufbruche vom Flussbette, hatte ich einen Bliek nach rückwiirts auf die Elpaputibai, von der ein bescheidenes, der Gegend von Amahei angehöri-ges Stück siehtbar wurde. Von dem betreflenden Punkte aus lag Tandjung Koakü, die Spitze der Landzunge im Westen von Amahei, S 38° W, ferner Tj. Ahuralü, bei dem gleiclmaniigen Dorfe im Norden von Amahei, S 37° IV\ sonst ist jede Aus-sicht durch die Vegetation versperrt, und das Aufzeichnen wird ungemein lastig.

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da sich die zalilreichen Kompassablesuugen, zu denen die bestiiudige Hicbtungs-anderung des Weges nöthigt, kaum nocli in die zu entwerfende Reiseroufe ein-tragen lassen. Audi das Aneroid muss liautiger abgelesen werden, als mir lieb isfc, denn keiner der Seraneseu kann mir sagen, ob wir, auf dem Gipfel irgend einer Bodenwelle angelangt, die liöcliste Hühe des Berges bereits erreic.lit baben, ob wir von dort aus dauernd oder vielleicht uur wenige Scbritie weit abwiirts gehen werden — und doch sind manche von ihnen ötlers dieses Wegs gekommen.

Der Waid selbst ist ungemein langweilig, weuig mehr als eine Reibe grauer, gerader Stamme, welche selten ansehnliche Dimensionen erreichen und zwisclien denen das Ilnterholz nur in unbedeutender Entwicklung auttritt, daruuter wenige Farne und Palmen. Wc auch diese lelden, könnte ein Laie in der Botanik sich elier in einem Walde Europa's als der Tropen walmen, und dies urn so mehr, als auch Lianen hieselbst nur eine geringe Holle spielen. Eine grosse Armuth an In-sekten geht mit alledem gepaart, dagegen ist es verstiindlich, dass in einem derartig lichten quot;Walde ein so grosser Vogel wie der Casuar (Casuarins f/aleatus Vieill.) leben kann. Meinen Begleiterti war noch gestern ein solches Thier begegnet, doch habe ich es selber leider niemals im wilden Zustande gesehen. Der braune Verwitterungsboden zeigte selten ein Gestein, aber alles, was sich land, gehort noch der uns bereits bekannten archaeischen Formation an.

Gegen 2 Uhr war icli geistig so sehr erschöpft, dass jedes weitere Arbeiten unmöglich wurde, und so schlugen wir am stellen Gehange des Lotone Bataï genannten Gipfels ') unsere Station auf, trotzdem der Boden hier so ahschüssig war, dass man kaum einen geeigneten Puukt lür die Hütte und zuin bequemen Sitzen finden konnte; auch war au Waschwasser nicht zu denken und der Vorrath au Trinkwasser sehr ungenügend. Dass eine sehr kurze Strecke weiter sich eine kleine Quelle am Gehange betinde, steilte sich erst am folgenden Tage heraus, denn die Leute hatten sich wieder einmal geirrt und geglaubt, die betreffende Stelle sei noch in viel grösserem Abstande von der Station gelegen. W ie oft habe ich den vielgerühmten Ortssinn der jNaturmenschen als hohle Phrase kennen gelernt!

Wir befanden uns 670 m. über dem Meere, aber zur Linken des Weges, im Westen, stieg der Lotone Bataï noch höher an, soweit es sich übersehen liess, mindestens um 100 m., vermuthlich aber betrachtlich mehr. In der Nacht sah ich

1) v. Rosenborg nonnt den Gobirgsriickon, den or zwischen Tanu und Atau iiberschritt, Holohelea. Vermuthlich worden die Berge von den verschiodenen alt'urischen Stümmen auch verschiedon be/eichnet, was mit llücksicht auf ihre Abgeschlossenheit nicht befremden kann. Es ist aber auch moglich, duss v. l^oscn-berg's quot;Weg von dom meinigon etwas abwich, doch lasst sich das aus dor kuizen Beschreibung dieser Strecke nicht sichor entnehinen (Beschrijving etc., pag. 163, u. Mal. Arch., pag. 300). Das Gleiche gilt auch fiir die Beschroibung von Scherius, welcher das Gebirge zwischen Tana und Atau Noonehatani nennt (Korte aan-tookeaingon, pag. 100).

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den Waldboden in wunderbarer Weise pliosphoresciren; es scliien, als ware er mit silbernen Plattellen bestreut, nncl die leuchtenden Gegenstande, welcbe icb aufnabm , um sie ara folgenden Morgen genauer prüfen zu kunnen, waren zum grossen Tbeile getrocknete, aber übrigens gut erbaltene Bliitter. Legte ich sie zwischen meine beiden, fast geschlossenen Handfliicben, so kounte icb bei dem Scbeine deren öeiider deutlieb erkennen, und faulende Holzstücke fielen beira Zerbrecben weissglübendem Eisen gleieb zu Boden. Da wir uns auf' einer kleinen Liehtung des Waldes belanden, welcbe bei Tage reicblicb von der Sonne bestrablt werden kounte, so ist ja biedureb die Erklarung fiir das Pbospboresciren gegeben, aber die lutensitat des anf solcbe Art bervorgebraebten Leucbtens scbien mir so wun-derbar, dass ich seiner Beobacbtung gerne einen Tljeil meiner Naebtrube aufopferte. Dieselbe Erscbeinung nabm ich spater (am l1011 April) in der 663 in. hocb gelegenen Station auf dem G. Lumute wabr.

Wir setzten am 31ten Miirz um 6 U. 30 M. morgens unseren Weg am Ge-bange des Lotone Bata'i fort, an dem zablreicbe, nicht sonderlich tiefe, aber scharf eingescbnittene Wasserrisse nacb O liin thalwarts fiibren, vermutblich zum Quellengebiete des Noa, eines Nebenflusses des Huati, gehorig. Das Gehen wurde infolgedessen zwar etwas inübsam, da aber in dem nnbedeutenden Walde die Zabl der gefallenen, grosseren Biiume verhaltnissmassig gering ist, so blieb der Weg immerhin noch leidlich im Vergleicbe zu Strecken, welcbe ich spater unter abn-licben Eeliefverbültnissen in Buru zurücklegte.

Nacb dem Verlassen dieses Hanges befanden wir uns auf dem Wakatb Huis, welcher unmittelbar mit dem Lotone Bataï zusammenhangt, so dass es mir nicht möglich war, eine bestimmte Grenze zwischen beiden Bergen herauszufinden. Die Vegetation bot hier wiederum grössere Schwierigkeiten, demi oft bildeten Palmen ein dichtes Unterbolz, und das Wegscbneiden von Eottan, dessen dornige Bliitter einen gar zu leiebt fassen und empfmdlich ritzen, erforderte manebmal viel Zeit. Sonst ging es rasch und steil zum Atau abwarts, wobei einen Augenblick vor uns ein ansehnlicbes Bergland sichtbar wurde, vermutblich nicht minder hocli als der Lotone Bataï, auf dem wir die letzte Nacht verbrachten, und oiine Zweifel am jenseitigen Ufer des genannten Flusses gelegen, an dessen Bett wir gerade nin 11 Ubr eintrafen '). Die Eichtung des Weges war bis hieher seit dem Verlassen der Station im Mittel etwa iV 20° O gewesen.

1) Weiter ist Wallace im Jahre 1859 nicht gekommen, wie tuis seiner Boschreibung (1. c. 11, pag. 91 ff.) dentlich hervorgeht, oljgleich darin koine Namen von Bergen und Fliissen, mit alleiniger Ausnahmo des Ruata, vorkommon. Wal 1 ace selbst sclieint aber der Ansicht gewesen zu sein, dass er bereits die Was. serscheide zwischen Siid- und Nordkiiste überschritten habe, donn die Eoutenkarte zu pag. 39 seiner Origi-nalausgabe liisst keine andere Deutung zu.

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Der At ai' gehort ebenfalls zum Stromgebiete des Euata, und laut mir ge-gebener Versicherung ergiesst er aich in den Noa. Dort wo wir den Fluss betraten, glich sein landschaftlicher Oharakter zuniichst nooli demjenigeu dos oberen Tuna, aber beim Aufwartsgehen scliwanden alsbald die Jvlippen in dein etwa 40 Soliritte breiten und zu einem Drittel mit Wasser gefüllten Bacbbette; die Höben traten zurück und der Boden wurde grandig, bis wir zu einer kleinen Ebene gelaugten, in der sicb eine vorlassene Sagupflanzung betand. Jetzt wurde mir auch klar, wes-wegen sicb meine Begleiter in der letzten Zeit mebr als nötbig unterwegs auf-gebalten batten, denn sie wollten hier am Alan, wenn irgend möglicli, Sagu klopten und batten es denn aucb so einzurichten gewusst, dass wir erst um 2J Ubr naclirnittags an diesem ürte eintrafen.

Wiihrend die Station erricbtet wurde, macbte sicb sofort eine Anzahl von Mannern an das Fallen der Sagopalmen , und so tand ich Öelegenheit, zu beobacb-ten, wie ungemein rascli sicb aus ibnen das gescbatzte Nabrungsmittel gewinnen lilsst; deun obwobl ieli bis dabin scbon mebrfacb eine Saguwiiscbe geseben , so wurde icb dennocli durcb die Leicbtigkeit, mit welcber der gauze erforderliche Apparat (Taf. 7, Fig. 4) im ümseben hergericbtet werden kann, sebr überraschl 1).

Die getallten Baume wurden der Lange nacb in zwei Hiilften zerspalten; daim setzte sicb eine Reibe von Leuten rittlings darauf, um das Mark berauszuarbeiten. Dazu batten sicb einige ein Instrument von Kottan angeiertigt, welcbes, abge-seben von dem Materiale, dem auch auf Ambon üblicben Saguklopfer (Taf. 22, Fig. 11) gleich war, andere dagegen benutzten einfach ein Holzstück mit spitz-wiuklig daraus hervorgesprossenem Zweige, welcber letztere bei der Arbeit als Handhabe diente.

Die Blattscheide der Palme selbst liefert den Trog (i), welcber in etwa Tiscb-höhe auf ein niedriges Gestel! von Stöcken ge legt wird, um das losgeklopfte Mark aufzunehmen, und mittelst eines kegelförmigen Eimers, welcber wiederum aus dem Blattstiele desselben Nutzbaumes angeiertigt ist (c), wird Wasser lierzugetragen, um letzteres anzufeuchten. Nabe der breiten Basis der als Trog dienenden Scheide ist ferner in der halbkreisförmigen Höhlung ein Sieb festgeniiht is), welches aus aneinander gereihten Streifen der faserigeu, unteren Blattstieltheile der Oocos-palme bergestellt ist und den Behalter an dom einen, etwas abwarts geneigten

1

Do Stuers sagt, dass die ganzc Operation dos Saguwascliene keinc oigeno.. Eifindung, sondorn dio Eingeborenon durcli Rumphius golchrt sci, walirond don Leuten in iilteren /eiten das unvorarbeitelo Mark des Baumos zur Nnhrung diente (Do sago-boom, pag. 370). Wenn man indessen Rumphius selbst Moriiber nachliost (Het amboinsehe kruidboek, Doel I, pag. 79 ff.), so übevzeugt man sich loicht, dass die Angabe von de Stuers auf einem Irrthurae boruben muss. Auch llouttuijn (Natuurlijko Historie, Deel 11, 1(' stuk, p. 28211'.) enthalt nichts, was zur J3estiitigung der Mittheilung von de Stuers dienen könnte.

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Ende abachliesst. Der obere, frei Ueibende Theil diesea Siebes wird zusammenge-bunden und mittelst eines Ta nes an einem elastiscben Stocke befestigt («'), welcber neben dem Waschapparate in den Boden gepflanzt ist und jenes somit straff spaunt. Ein neben dein Troge stehender Mann drückt nun in kurzen Zwiscben-pausen das Sieb auf das durchfeuclitete Mark, und in Folge dieses Knetens fliesst das sagulialtige Wasser durch die Oocosfasern ab. Man liess es zunachst in eine zweite Blattscheide laufen, deren schmiileres Ende abwarts gerichtet war, darauf in den Trog, in welchem der Sagn zu Boden sinken sollte. Aucb dieser letztere Behalter war wiederum aus zwei Blattscheiden der Palme einfacb daduroh berge-stellt, dass man ibre breiteren, unteren Enden etwas in einander gesclioben und nun mit Hilfe einiger Stocke und Bottanbander die Wande so weit zusammenge-fügt batte, dass kaum nocli etwas Wasser zwischen sie hindurcbfliessen konnte. Bis auf das Sieb, welches die Leute yoii der Küste aus mitgenommen, war der-gestalt das Gan/.e an Ort und Stelle obne Mülie in kürzester Zeit liergerichtet.

Sonderliche Reinlicbkeit wurde bei der Arbeit nicht beobachtet, deun die Leute setzten sich obne Umstünde mit ihrem schmutzigen, nach dem Marsche noch nicht einmal gereinigten Körper in das Mark des Baumes oder traten mit den Füs-sen hinein, und nur wenige hielten es der Mühe werth, sich beim Klopten einer kurzen Planke als Sitzplatz zu bedienen. Niemand nahm auch Anstoas daran, dass der Mann, welcber am Troge mit der Wasche beschafligt war, an Ichthyosis litt, und obwohl der Finss keine 10 Schritte weit entfernt war, so schöpfte man doch das erforderliche Wasser aus dem ekelen, schmutzigen Sumpfe, in dem die Sagu-palmen wuchsen. Mittlerweile labten sich die eifrigen Arbeiter walirend des Klo-pfens durch Auskauen des frischen Markes.

Es versteht sich von selbst, dass dort, wo die Leute mit Ruhe arbeiten kön-nen, etwas mehr Sorgfalt auf die Anfertigung des Wascbapparates und der Instru-mente rerwendet wird, und es möge an diesem Orte noch einiges auf die Sagu-gewinnung Bezügliche, was ich in den früher bereisten Gegeiulen erfahren habe, hinzugefügt werden.

Die Biiume, welclie verarbeitet werden, sind in der Kegel 15 oder mehr Jabre alt; man ptlogt ibre Stamme zuniicbst in Stücke von 2—3 m. Lilnge zu zerhaeken und darauf zu zerspalten. Dies geschieht durch Keile von lialber Armlange , die mittelst doppelt so langer Hammer eingetrieben werden , oder, besser gesagt, mittelst rundlicher Knüppel, welche aus schwerem Holze, z. B. aus Eisen-holz, angefertigt und an dem einen, als Handhabe dienenden Ende etwas verschma-lert sind (Taf. 22, Fig. 12). Der Saguklopfer (Taf. 22, Fig. 11) ist nicht nur auf Ambon und den Uliassern (hier nani genannt), sondern auch an der Südküste von Seran aus Bambus gemacht: Ein Kohrstück , welches als ürifT benutzt wird,

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isi olien perforirt, zur Aulnahme eines zweiten Stiickes, welches an seiuem ol)e-ren Ende zugespitzt und sohief'winkelig mil dem ersleren verbanden wird Audi unten ist an diesem zweilen, zum Aufklopfen dienenden Roll re ein Lilngsstreifen abgespalten, so dass es hiedurch scharfor uml fiir die Zerfaserung des Markes ge-eigneter wird; beide Theile sind alsdann nocb durch einen Rottanstreifeu zusam-mengespannt, und ilas Ganze ist melir als 60 cm. lang, das zugescluirfte Bam-busrobr etwa 9cm. breit, die Handhabe etwas sclimaler.

Das Instrument ist also wusentlich verschieden von dem auf Neu-Guinea ge-brauclilicheu Saguklopler, von welchem ich unter anderen ein aus der Humboldt-bai abkiinftiges Exemplar durch den Kapitan SeherpUer der Pakclvaart-Maatschappij gescheukt erliielt (Taf. 29, Fig. 19). Dasselbe ist von ilol/. angefertigt, sein einer, als Handliabe dienender Schenkel 61 cm. lang und rundlicii im Querschnitte, ab-gesehen von dem oberen, zugespitzten Ende, welches zur Aufnahme des zweiten Schenkels durchbohrt und vierseitig abgearbeitet ist. Letzterer besitzt 40 cm. Liinge, ist ebenfalls rundlich und mit einigen ringförmigen Einkerbungen versehen, wo-durch dem beide Schenkel verbindenden Rottanstreifen ein besserer Halt gegeben wird. In das untere Ende dieses zweiten Theiles ist femer ein sorgfaltig polirter, cylindrisclier, 8 cm. langer und 4 cm. breiter Stein eingelassen, den man an dei-Basis ausgeliöhlt hat, so dass dadurch eine Art kreisförmiger Schneide gebildet ist.

An der Nordküste Seraus habe ich leider lt;lie Saguklopfer nicht selber gesehen, man versicherte mich aber, dass sie in Wahaï ebenfalls von Holz angefertigt würden und im wesentlichen mit dem Instrumente von Neu-Guinea überein-stimmten; nur pflegt man in das zum Aufschlagen benutzte Ende stalt des liübscli abgearbeiteten, hervorslehenden Steincylinders ein robes Stück Feuerstein einzu-lassen, oder man umgiebt es mit einem Eisenringe. Klopfer, welcbe mil dem von Wallace1) abgebildeten übereinstimmen, sollen in Wahai ebenfalls benutzt werden. Es zeigt sich somit auch hier wiederuin der, gegenüber den Seranesen, höhere Kunstsinn der Papua's in der weit besseren Bearbeituug des bei beiden Vólkern taglich benutzten Instruments. Was ferner die Verbreilung des Sagu-klopfers von Bambus anbelangt, so scheint es mir, als ob dieselbe mil dem Mangel einer als Schneide verwerthbaren Sleinart zusammenfiele, denn weder in Ambon noch in Süd-Seran kommt, soweit mir bekannt, hiefür brauchbares Material vor.

Der eigentliche Wascbapparat war überall, wo ich ibn sah, gleicli konslruirl; man lasst aber bei sorgfiiltlgerer Arbeit das saguhaltige Wasser nacb dem Pas-siren des Siebes noch erst durch ein Flechtwerk von Sagubliittern filtriren, auf welches Fasern der Arengpalme gelegl sind (a). Dem Troge, in welchem das Mehl

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gesammelt wird, kann man selbstredend mancherlei Formen geben, und Ijisweilen fand icli zu solchem Zwecke ein altes Boot vei-wendet (h). Reim Mangel an süssein Wasser wird der Sagu auch wohl mit Hilfë von Salzwasser zubereitet, er ist dann aber weuiger gut und verdirbt rasch ').

Noch vor Eintritt der Dunkelheit war das Mehl gewonnen und gingen die Leute mit Eifer an die Bereitung ihres papeda genannten Lieblingsgerichtes. Hie-für wird der Sagu zunachst zu einem dünnen, wasserigen Brei kalt angerührt und nun mit kochendem Wasser begossen, worauf er sogleich in eine dicke, kleis-terartige Masse übergeht. Alan rübrt diese alsdann noch ein wenig und geniesst sie hernach mit Wasser und Salz, vielleicht auch mit Fischwasser oder irgend einer anderen, von den Ambonesen enpbemistisch als „Suppequot; bezeichneten Flüssigkeit, je nach ümstanden als kalte oder warme Speise. Der Papeda ist so kleberig, daas er einen guten Leim abgiebt, und man begreift kaum, wie die Leute ihn essen können; doch ist er das Hauptnahrungsmittel der Alfuren, und manche von ihnen werden krank, wenn sie ihn entbehren mussen, obwohl die sesshafteren Strand-bewohner Serans, gleich der Bevölkerung von Ambon und den Uliassern, sicb mit den bekannten, trockenen Sagubröden behelfen können. Dam Alfuren vermag aber auch der Reis seinen Papeda nicht zu ersetzen, wenngleich er jenen als Festspeise schiitzt, und so batten demi manche meiner Begleiter kalten Sagubrei, der sich aber nicht lange halt, mitgenommen.

Dass sich die Leute unter solchen ümstanden des billig gewonnenen Sagu's doppelt freuten, ist sehr verstündlich, und die Stimmung im Lager wurde noch mehr gehoben, als bald daraut' die Jager zwei Wildschweine als Beute heimbrach-ten. Im Handumdrehen sind die ganzen Thiere auf den Geschieben des Flusses mittelst des Parangs in faustgrosse Stiicke zerhackt, welche nothdürftig abgespült und reihenweise auf zugespitzten, etwa meteiiangen Zweigen befestigt werden. Man legt alsdann ein Feuer an und pflanzt die besteckten Zweige ringsherum pyramiden-artig in den Boden, so dass also das Fleisch einfach über der Flamme gedörrt wird und hernach ein lederartiges, bedenklich nach Rauch schmeckendes Gericht liefert. Ebenso wurden auch die Hirsche {Cervus moluccensis) behandelt, und wenn ich die Beute nicht vorher gesehen oder nach ihr gefragt hatte, so wusste ich nie-mals, von welchem Thiere das Fleisch, welches ich ass, abkünftig sei. Dennoch zog ich aber einen derart zubereiteten Braten mit trockenem Reis jeder Nahrung von Conserven, die mir jetzt bereits ungemein widerlich wurde, vor, und fast taglich nahm ich auf der lleise durchs Innere eine solche Mahlzeit.

1) Die crsto Boarboitung dos Sagubaums wird von Ribbe in etwas abweichendor Woiso goscbildort (1. c. pag. 208). Nach ihm soli das Mark „in zollklcino Stückclien gothoiltquot; werden.

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Es verstelit sicli von selbst, dass von den Schweinen genug für meiiie Be-gleitung iibrig' blieb, und für sie war es also lieule ein wabrer Festtag bei frischem Papeda und Fleiscli. Ueberall ertönte Lachen und Gesang von den lustig flackernden Feuern her, welche am Uier des Atau und im Walde zerstreut waren, und aucli inir gewahrte der Verbleib au diesem Orte hohen Genuss: Ueber uns ein klarer Sternenliimmel, gegen den sich die 1'flanzenformen des nahen, jenseitigen Uiers phantastisch abbeben. Leuchtende Insekten ersciieinen auf diesem dunklen Hintergrunde, und bisweilen erhellt ein Feuerschein die rie-sigen, bis 10 m, hohen, pyramidenartigen Wurzelstühle von Pandanus oder die sohlanken, schimmeruden Blatter der Rottanpalmen, welche hier beide in grosser Zahl aut' dem sumpfigen Boden wachsen. Der Schein der am üfer brennenden Holzstosse spiegelt sich im Wasser des Flusses, Funken und Rauch steigen senkrecht einpor, in der Feme zeigt sich Wetterleuchten, Kalongs tlattern ge-rausclilos über dem Flusse; das rauschende Wasser uns zu Füssen, quackende Frösche und ungeziihlte, zirpende Insekten unterbrechen die Stille des schlal'en-den Waides.

Wir batten in der Nacht au der 291 m. hoch gelegenen Station weder unter Feuchtigkcit noch Kiilte zu leiden und braohen von dort am ltcn April gleich nach 6 Uhr wieder auf, um unseren VVTeg in dein von A k,ommenden Flusse weiter fort-zusetzen. Sein Bett blieb vorherrschend grandig und arm an grosseren Geschieben; einmal wurde nahe dem rechten üfer ein etwa 100 m. hoch ansteigender Gipfel sichtbar; sonst traten anfangs nur nocli hie und da sehr niedrige ïïügel an den Atau heran, dann schwanden aucb diese und breiteten sich zu beiden Seiten aus-gedehnte, alluviale Ablagerungen aus, welche kaum über die Schot termassen des Wasserlaufes liervorragten und vielleicht öfteren üeberströmungen ausgesetzt sind. Von einem alten Inundationsbette war indessen nichts wahrzunelimen, und dieser ganze obere Abschnitt des Flusses, in dem wir noch 2.J Stunden fortgingen, machte mit seinen zahlreichen, scharfen Krümmungen den Eindruck, als ob er einer fortwahrenden Aenderung unterworfen sei. Iliemit hiingt es auch wohl zu-sammen, dass die Zahl der durch gefallene Biiume hervorgerufenen Flusssparren gewaltig zunimmt; oft liegen sie so nahe bei einander und so dicht zusammenge-packt, als wiire durch eine einzige Fluth ein ansehnliches Stuck Waides nieder-gerissen, und sehr biiutig mussen wir den Atau verlassen, weil in seinem Bette selbst jedes Fortkommen unmoglich wird. Die Einzeichnung des Flusslaufes ist in-folgedessen mit grossen Schwierigkeiten verhuilden, nicht minder dass Passiren des vielerorts sumpfigen Waldes an seinen Ufern.

In den gefallenen Baumen suchten meine Begleiter eifrigst nach Eaupen und

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Larven von Katern, welclre sie genie essen, sowie auch Sclilangen bei ihnen als Leckerbissen geiten; demi letztere ziehen sie sogar dem Hirschfleische vor. ünter den Kan pen befanden sich Exemplare einer sebr grossen Art, die ieh nacbher ebenfalls auf Buru bekam und dort als zn Cossuft strix A. gehorig kennen lernte; man brachte mir ferner einen priichfigen Bockkiifer, der spater nocb im Quellengebiete des Waë Uta gefangen wurde, Xi.mthrm lunicollis Lamb., licbtbraun gefarbt, mit zar-ten, braunen Liingsrippen und einem au den Seiten sageformig gezabnteu HalsscLilde; ein plumper, scbwarzer Kilfer mit langsgerieften Flügeldecken, Vaüejus moluccanm Gun-., den icb bereits am vorigen Tage zablreich erliielt, lebt audi in den getal-lenen Baumen dieser Gegend.

Zur Beute meiner Trager gehorte ausserdem ein Cuscus {Fhalawjida, vermuth-lich orientalis), den die Leute aus einem Baume scbüttelten, wobei das gross-iiugige Nachtthier, welches sich von Bliittern und Früchten nabrt, nicht den minde.-;ten Fluchtversucb machte und sicb vergeblich mit seinem Greifschwanze festzuhalten suchte. Man band es alsdann mit dem kahlen Ende des letzteren an einen Zweig, um es lebend mitzutragen und bei Gelegenbeit zu verspeisen; in-zwischen verbreitete das Beutelthier einen penetranten, weithin bemerkbaren Gestank, so dass sein Eigenthümer zum Nachtrab unseres Zuges verwiesen werden musste.

Dieser blieb oftmals weiter zurück, als uns lieb war, weil die Alfuren überhaupt nicht umhin können, irgend einer Beute nachzuspüren; sie ptlegen sicb auch , falls sie auf langere Zeit von Hause gehen, fast gar nicht mit Proviant zu ver-sehen, sondern die erforderliche Nahrung, hier Sagu bereitend, dort jagend, un-terwegs zu beschaffeu, So liatten sie demi auch wahrend meiner Reise ibrer Ausiclit nach stets zu allein Zeit, und oftmals mussten die Nachziigler herbeigerufen werden. Das geschah, indem man gegen einen Baumstamm schlug, und die auf solche Weise gegebenen Signale klangen weithin durch den Wald, gleich gut vernehm-bar wie die auf Ambon und benachbarten Insein in den Dörfern üblicben Trom-melruté.

Den Atau, welcber am Beginne des beutigen Tagemarscbes stellenweise noch fiü Scbritte breit war, aber alsbald auf 30 und schliesslich bis auf 20 Scbritte zusammenschrumpfte, verliessen wir um 8 U. 40 M. an einem 317 m. boch gelegenen Punkte, von dem aus in einiger Entfernung, A20° O, ein nach W steil abfallender und unseren Standpunkt um etwa 300 m. überragender Gipfel siohtbar war. Wahrend wir am rechten Flussufer in den Wald gingen, führte der Weg zuniichst nocii iiber eine kaum ansteigende Ebene nach A fV, eine Stunde spiiter befanden wir uns aber am Fusse des Höbenzuges, welcher die Wasserscheide zwi-schen Nord- und Südküste bildet, und bier traf icb zum ersten Male Klippen zer-

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fressener, grauer Kalksteine ansteheud, die mich freilicli durch den Mangel jeglicher Versteinerung ') selir enttausohten.

Ueber Yerschiedene, kleine Stufen und eiu sclimales Grat liin wendeL sicli der Pfad alsdann wieder nach N O, und bald hort man znr Linken den UiSUA, rau-sclien1), einen Zutluss des Pu, welcher letztere sich westlich voni Tana, zwischen Warakaja und Rumasosal, in die Bipaputibai ergiesst, und zu dessen Quelle wir nun emporsteigen, olme freilicli aul' dem weiteren AVege dahin die Wasserader selbst zu Gesiclite zu bekommen. Zuniichst folgen nocli ein paar bedeutendere Bodenwellen mit ziemlicb steilen Hangen, und von dort aus zeigt sicb beim Anstiege zur Rechten, etwa eine lialbe Wegstunde eiitfernl, ein Berg, welcher am Atau liegen dürfte; dann tritt die Kalksteinformation wieder in machtigen, quaderartig zerklüfteten Felsmassen auf, hie und da in ungefahr 20 m. hoben Abstürzen den Pfad iiberragend, und von jetzt ab führt derselhe statig und nicht gerade steil den Berg hinan. Dennoch ist das Qehen mühsam, demi fortwahrnd steigt man iiber nicht sonderlich hohe, aber schroffe, stufenartige Absatze, welche von dem genannten Gesteino gebildet werden, und dazwischen ist dor Boden viel-faoh sehr schlammig.

Um 1 U. 45 M. befinden wir una an eiuem Punkte, an dem die Kalksteine abermals in machtigen Blöcken und mauerartiger, etwa 20 in. holier Wand am Woge anstehen, wiihrend ein wenig unterhalb des letzteren aus den Kluften dieser Formation der Usua entspringt, in dessen S W gericbtete Schlucht man hinabblickt. Die betreffende Bildung begleitet dann noch eine grosse Strecke den weiter aufwarts führenden Pfad, bis wir sie überschreiten, um hart an der Grenze dieser ausge-dehnten Kalksteinpartie, am Ufer eiues namenlosen Baches, um 2{ Ulir unter hef-tigem Eegengusse die Station zu errichten.

Der Rücken, auf dem wir uns in 663 m. Meereshölie befinden, triigt den Namen GüNüNG Lumute , weil hier alles mit Moos hewachseu ist; doch bildet dieses nicht solche zusammenhangende, dicke Polster, wie sie früher vom Wawaui beschrieben wurden; ITomalia Jlabellata Brid. und die fein verzweigte Bryopteris filicina Aces schienen mlr zu den am haufigsten vorkommenden Pflanzen zu geboren. Der Verbleib an diesem Orte war indessen wenig- ercjuicklich und gehort zu

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Mikroskopiscli sind diosc Geateino allerdings noch nicht untorsucht, und ihre Altersbestimmung lasst sich vorliiufig nicht ausführcn. Auch soil nicht bchauptct worden, dass dio Kalksteine, welcho sich bis zur Xordküste der Insol verlolgen lassen, alle gleichwerthig seien

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den unangenelimsten Erinnerungen meiner Reise; denn bald nach unserer Ankunft sassen wir in einer dicken Wolke, bis es um 5.1 ühr wieder zu regneu begann, wtihrend die untergebende Sonne mit scbwelelgelbcm Sclieine durch das Laub des Waides bin von uns Abscbied nalim. Alles ist feuclit, so dass trotz unseres Scbutzdaches kein Fadeu am Körper trocken bleibt; die nasse Kalte ist kaum zu ertragen, und die armen Alfuren zit tem am ganzen Leibe, als ob sie yoin heftig-sten Fieberfroste gescbütteli würden; niemand spricht ein Wort, dagegen hörtman in der Nacht überall busten. Welch ein Gegensatz zum gestrigen Tage!

Am 2tequot; April stiegen wir um 6 U. 25 M. morgens den Gr, Lumute weiter liinan, unter abnlieben Verbaltnissen wie am verflossenen Tage, und um 7 U. 50M. batten wir seinen Uipfel erreicbt. Dort wandte sicb der Weg nach A W, um eine Strecke weit in nahezu gleicbem Niveau fortzuführen, aui'einem gelben, oftmals morastigen Verwit-terungsboden, unter moosbehangenen Baumen und hart am Rande einer tieten Scblucht bin, über die hinaus zur Eechten ein kohes Gehirgsland sichtbar wurde. Wirbefanden uns aui'der Wasserscbeide, und der erwahnte Abgrund gehort wohl obne Zweifel zum Quellengebiete des westlich von Pasania mi'mdendea Wak Uta ; nach weiteren 25 Minuten Gebens erblickten wir dann das Meer der Nordküste, von einem Gipfel des G. Lumute aus, welcher den Namen Kouoluhuë tragt und 833 m. hoch ist.

Mit gespannter Erwartung hatte ich diesem Augenblicke entgegengesehen, demi von verscbiedenen Seiten war mir gesagt worden, dass man von hier eine freie Aussicht nach N und S habe; aber leider fand ich dieselbe zum grossen Theile durch die Vegetation verbüllt. Hiitte ich das ahnen können, so ware es wohl möglich gewesen, dem Uebelstande im voraus durch das Fallen einiger grosser Baume abzuhelfen, und sicherlich lisitte auf diese Weise das Verstandniss der Relieflbrmen des Landes wesentlich gefordert werden können; jetzt blieb aber lïïr solche Arbeit koine Zeit. Ein imposanter, dicht bewaldeter ïïöhenzug im Vorder-grunde, ein welliges Hügelland, welches hie und da durch den Wald zu unseren Füssen sichtbar wird, unbedeutende Ausschnitte aus der fernen Meeresflache, aus der eine Reilie kleiner Insein hervortaucht — das alles lasst die Grossartigkeit des Panorama's, welches der Koroluhuë unstreitig zu bieten vermag, uur ahnen.

Der Gebirgsrücken vor uns tragt den Namen Maote. Einer seiner Gipfel , welcher iV 50° O sichtbar wird, fallt sehr steil in verscbiedenen Stufen nach N W ab und dürfte unseren Standpunkt um etwa 200 m. iiberragen; eiu gleich hoher, kuppenartiger Berg befindet sicb ferner S 75° O, und mehrere, wenigerisolirtaufra-gende, etwas niedrigere Spitzen zeigen sicb noch in dem beide genannten Höben verbindenden Rücken. Es giebt aber für keinen dieser Punkte einen besonderen Namen , und schlage ich deswegen vor, den erstgenannten Gipfel RoSENBERGBKOPF ,

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den zweiten Hoëvellsderg zu nennen, nacli den beiden um die Erforscliung der Molukken bo sehr verdienten Münnern, dem bekannten Eeisenden mul dem der-zeitig'en Residenten von Ambon. Von der Küste, welche die Bucbt von Sawai umgiebt, erblickte man nur die Gegend von Pasania , mit einigen der dort vor-springenden Landzungen, und daliinter, fast genau iV, die kleine Insel Tjampeda.

Hier auf der Ilohe, angesichts des Meeres, wurde sechs jungen Leuten von etwa 16 Jahren der Tjidako angelegt, wodurch man sie zu Mannern erklarte. Es gescbali dies durch Miiglieder ihrer Familie, und der Regent von PuLirA, weieher sicb unter meiner Begleitung befand, riei' den iqm lanil (Herrn des Himmels) hierbei au, was ich aufangs dem Umstande zuscbrieb, dass die Leute Christen geworden seien; doch ist der upu lanit einer der alfurischen Geister, welcher mit unserem Güttesbegriffe gar nichts zu schaffen hat , und die betreffeuden Seranesen sind nur ausserlich Christen. Aber ihren Tjidako wollen und können sie nicht entbehren, was jeder begreillich finden wird, welcher die Leute im Walde beim Saguklopfen und anderen Arbeiten beobachtet hat, wiihrend nach mir gegebener Versicberuug die Prediger dem Tragen dieses Kleidungsstückes entgegenarbeiten und das Anlegen desselben im Dorfe verhindern. Mir ist es indessen unverstiind-lich, weswegen bei den zum Christenthume übergehenden Seranesen jeder alte, heidnische Brauch ausgerottet werden sol!, aucb wenn er mit der Lehre selbst nichts zu schaffen bat; denn wie würde es wohl mit unseren eigenen Sitten stehen, wenu die Apostel Europa's ebenso gehandelt batten! Wozu den seranesischen Christen zwingen wollen, dass er mit allen üeberlieferungen seines Volkes bricht? Kurzum, es war nach Anlass solcher Maassnahmen seitens der Prediger, weswegen die Festlichkeit hier auf dem Gipfel des Gebirges stattfand. Mit einigen Freudenschüssen wurde die Ceremonie beschlossen.

Mittlerweile war es 9 ü. 20 M. geworden, und nun begannen wir den Abstieg. Es steilte sich dabei alsbald heraus, dass das Gehiinge des Koroluhuë ein ahnlich stufenartiges Profil habe wie der Rosenbergskopf, welcher auf dem Wege abwarts noch wiederholt zu Gesichte kam, mit leuchtend weissen, schroffen Felswanden unterhalb seines Gipfels, die mich lebhaft an den Massohi im nördlichen Kairatu erinnerten. Gleich steil ist auch der Abhang, an dem wir hinunterkletterten, denn ich schatzte seine Neigung, soweit sich diese auf solchem Wege überhaupt beurthei-len liess, im Mittel auf 35°; doch betragt sie an manchen Stellen sicherlich mehr. Waren nicht die zahlreichen Stufen, und verdoekte nicht quot;der Wald den Ausblick in die Tiefe, so würde man wohl kaum grnvagt haben, da binabzustei-gen, zumal derzeit alles feucht war und der Fuss jedeu Augenblick auf dem Geftste des Waldbodens ausglitt. Selbst einige Alfuren lielen auf die Nase, und nicht selten natte ich die Empfindung, als ginge es au den Wurzeln wie auf einer Leiter

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hinunter. Bei trockenem Weiter lasst sicli das alles gewiss leichter überwinden, unter den hemclienden Umslanden aber forderten wir uagemein langsam, uud kurz nacli 11 ühr belanden wir vms erst an einem Paukte, au dein die Neigung des Bodens abnahm. Zalilreicbe abgefallene Früchte von hier waclisenden Oanarie-biiumen luden uns einige Augenblicke zur East ein; dann langteu wir nm 12 U. 15 M. am Wak Losa au, einem Nebentlnsse des W. Uïa, dessen Laul entlang wir weiterhin zur Nordküste gehen mussten.

lm Bette des etwa 10 Scbritte breiten, nach 3 fliessenden Wildbachs fand ii'li unter anderen grosse Blöcke eines schonen, weiss und gran gefleckten Marmors, aber gleichzeilig empfing uns ein fiirchteidicher Regenguss, und die Aufnalime der sehr instruktiven, geognostischen Profile, welche daselbst zu beobachten sind, Hess sich nur mit grossen Mühen und ümstanden verriehten. Endlich gegen 2 ühr war die üntersuchung, für deren Eesultate icb anf den /,weiten Theil dieses Werkes verweisen muss, abgelaufen, und konnte die Reise jenseits des Losa bei etwas besserem Wetter fortgesetzt werden. Wenn wir aber geglaubt hatten, die Schwie-rigkeiten des Abstieges seien bereits überwunden, so tanden wir uns in dieser Er-wart ung arg getauscht; demi mm folgen wieder Kalksteinpartieen in almlichem Wechsel, wie wir sie am jenseitigen Abhange des Lumute angetroffen, und der Waldboden ist dazwischen vielfach mit gelbem und braunem Scblamm bedeckt, welcher das sichere Auftreten sehr beeintrachtigt. Zunachst durchwateten wir noch einen zwei!en Wildbacli, der ebenfalls Waë Losa genannt wird, aber ein Zufluss (oder Arm?) des erst passirten Wasserlaufes ist, von dem er in dieser Gegend nur durch einen sehr kurzen Zwischenraum geschieden wird; daim ging es steil zum W. Uta hinab, woselbst wir um 21]. 40 M. eintrafen.

Der Fluss ist an diesem ürte, in 232 m. Meereshohe, noch ein schaumender Wildling, und in zahlreichen, kleinen Fallen zwangt er sicli durch die schroffen Ralksteinfelsen, in die er sein Bett eingeschnitten hat. Nach dem Ueberschreiten desselben nimmt dann die Neigung des Bodens ab und werden die Italkstein-partieen seltener, aber hier bat sich doch auch eine Reihe kleiner Biiclie einge-graben, so dass es noch wiederholt an steilen Hangen aut' und ab geht. Diese unbedeutenden, namenlosen Wasseradern fliessen alle ostwarts und geboren wolil ohne Zweifel zum Quellengebiete des üta; wir kreuzen deren sechs, um an der leizten um 4^ ühr die Station zu erricbten.

Seit dem Waë Losa waren wir ungemein rasch gefördert, abwechselnd im Regen oder im dicken Nebel, so dass schon gegen 4 ühr unter dem Laubdache eine starke Dammerung herrschte und nicht mehr viel zu sehen übrig blieb; wir hatten deun auch genie früher Halt gemacht, in dem morastigen Walde liess sich indessen nirgends ein zum Uebernachten geeigneter Platz finden. Jetzt war aber

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das Gebirge übenvunden, demi wir lagerlen in nur 106 m. Meeresliöbe, in unmi -telbarer Niihe des #80° O gelegenen Kosenbergskopfes, welclier von der Station aus Aviederum das stufenartige Profil zeigte und nacli ,\ mil, einer mittleren Nei-gung von 35° abfiillt.

Die Arbeit war übrigens noch nicht vollbracht, denn idle an diesem Tage gesammelten Gesteine mussten von neuem verpacht werden, weil ilire 11tillen durcb die Nasso und den rasohen, übereilten Transport sehr gelitten batten. Zum Ueber-tlusse ging das zum Einwickeln erforderliclie Papier aus, und dies Material, welches man in kulturentriickten Gegenden bald als ein kostbares Gut scbiit/.en lernt, liess sich an Ort und Stelle nicht wieder ersetzen. Pi.sangblatter, welche nacb vorhergegangener Brhitzung über Feuer ihre Zerbrerhlichkeit verlieren und dann ebenfalls zum Verpacken dienen können, waren hier im Walde selbslredend audi nicht zu bekommen, und infolgedessen verursachte ein so einfaches Gesdiiift, wie es die gute Verwahrung gesammelter Gesteinsproben ist, ganz ausserordentliche Schwierigkeiten. Ich betrachte es noch beate als einen glücklichen Zvifall, dass keine der an die Handstücke gehefteten Numinern verloren ging. liei iibnlirben Eeisen ist es daher anzuempfehlen, Pergamentpapier als Packmaterial initzuneh-men; zwar leistete ein in Indien fahricirtes, testes Papier, welches ich vor allem benutzte, audi gute Dienste, doch war es keineswegs allen Uiibilden der Witte-rung gewachsen, wiihrend die Verwendung von gewolinlichen Zeitungen nicht genug abgeratben werden kann.

Nachdem wir am 3tün April um 6 U. 3IJ M. wieder aufgebrochen, lührte der Weg zunachst über eiu kurzwelliges Terrain im Walde abwarts, zur Linken des Wak [Jta bin, den man wiederholt rauschen börte; dann gelangten wir an ein ausgedehntes, alles Inundationsbett des Flusses und um 7 U. 20 M. standen wir an sernem üfer. Hier überraschte midi ein Landschaftsbild von holier Schünheit: lm schotterreichen, etwa 10Ü Schritte breiten Bette eine eilende Wasserader, ilie letzteres etwa zur Halfte erfüllt und au mandiën Orten durch grosse, gefallene Btiume aufgehalten wird, ein iippiger Wald an deu üfern des Stromes und darüber hinaus ein jiraclu iges Bergland zu seiner Kechten. Dort erblickt man die kiibnen Formen des llosenbergskopfes, dem sich ein allmahlig nacb i\ abfalleudes, viel-gipfeliges Gebirge vorlagert, und weiter flussaufwiirts, den Hintergrund abscblies-send, erhebt sich «S 25° O ein schroffer Gipfel, dessen Spitzo ein Profil mit 50° Neigung nacb i\ W kehrt, wahrend seine Basis hier einen Bosdiungswinkel von nur 20° zeigt und sich scharf von jenem abhebt. Vormuthlich ist dies der Kono-LiinuË, an dem wir am vorigen Tage heruntergeklettert waren.

Leider konnten wir dem Laufe des Uta nicht folgen; wir verliessen ibn wieder

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um 8 Ulir und gingen nun bis zum Nordstrande der Insel steis über alluviale Ablagerungen hin, welche sich zur Linken dea Flussbettes ausbreiten und hier, wie ea scbeint, eine weite Ebene bilden. Deun nirgends war an dieser Seite des Stromes die geringste Erhebung des Bodens wabrzunehmen, und die einzige Höbe, welclie auf dem ganzen \\ ege siehtbar wurde, lag etwa ' Wegstunde vom Meere entfernt, hart am rechten Ut'er des Uta, au dem sie in einem steilen, ungefahr 100 m. hoben Absturze endigt. Indessen berührte der Pfad, wenn ich von einem solcbeu reden darf, den Fluss nur sellen; desto hiiufiger passirten wir kleine Bilcbe, welche dein letzteren zufliessen, und der Boden war überall sebr sumpfig. Darauf wucberte ein üppiger Wald, den echt tropischen Obarakter in verschweuderischer Fülle und gril-ligem Durcheinander enti'altend, und nirgends sonst sah icli Pandanus und Eottan-palmeu in solcher Zalil und solcher Entwicklung wie in dieser Gegend; daneben tiel mir wieder die schon früher erwahnte Palme mit eigenartig dreiseitigen, facher-artigen Fiedern {Drymophloeus spec.) durch ibre Haufigkeit auf. Aber bei der Schön-heit der Tropen maclite sich auch eine ihrer Plagen in unerquicklichster Weise bemerkbar, derm die unangenehm drückende Luft war erfüllt von Mosquitos, welclie uns fast keinen Augenblick still zu stehen gestatteten und eine genaue Aufzeichnung der Wegrichtung durchaus unmöglich machten, trotz vieltacher Versuche, die liisti-gen Insekten durch Schlagen mit Zweigen zu vertreiben. Dadurch ward mir jeder Katurgemiss verkümmert, und nirgends ist audi meine Wegroute so unvollstiindig festgestellt, wie auf dieser letzten Strecke zum Nordstrande bin.

Uebrigens würden wir die Ileise in dieser Jahreszeit kaum bis zur Küste haben fortsetzen können, wenn wir nicht Tragstühle mitgeführt hiitten, die uns hier ganz vorzügliche Dienste leisteten; demi solclie Moraste, in welche die Leute fast bis zum Knie einsanken, und in denen das scblammige Wasser den Tragern oftmals bis zum Leib reichte, lassen sich nur barfuss passireu, wahrend einem Schuhe, wie ich spater erfahren babe, alsbald in Fetzen auseinander falleiï. Wer aber nicht gewohnt ist, auf blossen Füssen zu gehen, dem bieten sich tausenderlei Ilindernisse in verdeckten Zweigen, scharfen Wurzelenden und dornigen 1'flau/onthei len , welche im Schlamme verborgen liegen und auch den Eingeborenen hauiig nöthigen seinen bodensuchenden Fuss zurückzuzieheu. So ging es demi Schritt für Schritt, aber fast ohne Aufenthalt vorwarts, bis um 1 ü. 25 M. das Meer, ganz nabe der Mündung des Waë Uta und an seiuem linken Ufer, glücklich erreicht war. In der Trockenzeit bestehen indessen die Sümpfe dieser Gegend gar nicht, und alsdann lasst sich der Weg durch die Ebene am Nordstrande ohne Mübe zu-rücklegen.

Welche Freude beim Aublick der Wasserflache! Jeder eilt, seinen beschmutz-ten Körper in den Wellen zu reinigen; einige Leute springen sofort ins Meer,

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ohne audi nur erst ilir Öewelir fortzulegen, mit dein sie lustig in der Brandung den Tjakalele tanzen. Alle Borgen und Müheu der letzten Tage sind vergessen!

Wir liatten für den Weg von Rumasosal nacli der Nordküste 7 Tage gebrauclit, Tom 281(!11 Marz bis zum 8t011 April, aber es ist dabei in Recbnung zn zieben, dass meine Eeise durcb die unterwegs anzustellenden Untersucbungen vielfach verzögert wurde und iob also im ganzen nur sebr langsam förderte. Der Europaeer wird indessen, wenn er sicb nicht überanstrengen will, auob obne solcbe Arbeiten uiiii-destens 3 Tage auf' die Durchquerung der lusel in dieser Ricbtung verwenden müs-sen, denn der alfurische Postlaufer, den wolil keiner überbieten will, gebraucbte früber aucb, i'alls er nicht durcb besonders ungünstige Umstande aufgehalten wurde, 2—3 Tage.

9. IN DER ABTIIBILUNG WAUAI.

Die Bai von Sawaï, in welche der Waë Uta ausmündet, schneidet lief in die Nordküste Serans eiu, im A JF vom Tandjung Paa, im A O vom Tj. Pamau begrenzl; genannl ist sie nach deiu Orte, welcher ganz in ihrem Innern an einer kleineren Buclit gelegen ist. Letztere, welche als die Binnenbai von Sawaï be-zeichnet werden mag, wird im A' O durch eine breite, hügelige und weit vor-springende Landzunge abgescblossen, wahreud westlich von ilir ein Ausliinfer des hoben Gebirgslandes der Insel ans Meer stösat, um mit eenkrecbt abstürzenden Klippen am Kap Hatü Supün ') zu endigen. Dadurch wird jene Binnenbai von der Buclit von Slbmann geschieden, so genannt nach dem an ihrem westlichen Ufer gelegenen Dorfe; etwas weiter nach Westen folgt daim zunachst Pasania und darauf, eine halbe Stunde Ruderns von ibm entfernt, die etwa 200 Schritte breite Mündung des W. Uta. Hart am rechten Ufer dieses Flusses beginnt das Gebirge, welches die ganze Küste von hier aus bis nach Sawaï unmittelbar begrenzt und unfern des südlichen Ufers der Bucht von Slemann im gleichnamigen Berge bis zii etwa 800 m. ansteigt. Oestlich von Sawaï zieht es sich als boher Gebirgs-rückeu ins Innere der Insel, scharf geschieden von dem niedrigen Hügellande, welches ibm nördlich von der erwahnten Binnenbai vorgelagert ist.

Der Gesammtcbarakter der Landschaft rief mir lebhaft die Nordküste von Kairatu, unfern der Mündung des Sapalewa-), ins Gedachtniss zurück, wenn audi die Contouren des Gebirges mehrfach au vulkanische Kuppen und Kegel erinnern.

1) Man vergloiche die Abbildung v. Rosenberg's, welchor don betreffenden Berg Subun nonnt (Malay. Arcbip. pag, 301).

2) vgl. oben, pag. 167.

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Seine Gipfel, nicht selten mit Wolkenschleiern behangen, sind von einena üppi-g'eii, dunklen Walde bedeckt, welcher sich in den Wasserrissen thalwarts zieht, um am Meere als lichtgrüner Ufersauin zu endigen. Dazwischen erscheinen überall spiir-lich bewachsene Klippen und kalilo, graue, hie und da weiss betupfte, steil abfal-londe Felswande, wiihrend gewaltige, flaclikegelige Schutthalden an den Gehangen herablaufen, mit breitem Fusse den Strand bervihrend.

Fiir die Ansiedelungen der Menschen blieb in dieser Gegend nicht viel Raum, so dass die Hauser von Sawaï sogar zum Theil anf Pfahlen in einem seichten, zur Ebl^ezeit (roekenen Abschnitte der Binnenbai errichtet werden mussten. Auch die Prauen können daselbst nicht alle aiis Land gezogen werden, und so hat man denn manche von ibnen auf Gestelle im Meere gelegt, welche iiber die Hochwasser-linie hervorragen. Die geschiitzte Luge der durch hiibsche Korallenfelder ausgezeich-nelen liucht ermoglichte derartige Maassnahmen, welche bei einer mehr exponirten Kiiste selbstredend nicht zulassig sein würden. Zwischen Pasauia und Slemann wird f'erner nur zur Ebbezeit ein schmaler Ufersaum blossgelegt, wiihrend bei Hoch-wasser die Verbindung beider Orte liings des Strandes abgeschlossen ist; Slemann selbst verfiigt dagegen iiber eiuen Küstenstreifea von etwas grösserer Ansdehnung, wie denn überhaupt das ganze Innere der dortigen Bucht von einem sandigen Strande umgeben ist, auf welchem mir die dunkelrothen Stöcke der Orgelkoralle (Twbipora mmica Lin.) durch ilire grosse Huufigkeit besonders auffielen.

Dieser Punkt ist, vom malerisehen Standpunkte a us betrachtet, wohl das Bedeutsamste der ganzen Gegend; denn zu dem imposanten Gebirgslande, dessen allgemeiner Charakter schon skizzirt wurde, gesellt sich hier der leuchtend weisse, von einzelnen Klippen unterbrochene Ufersaum, eingeschlossen von einer üppigen Waldung, deren Baume sich nicht selten iiber die Wasserflache hinneigen, und in der die zierlichen Casuarinen wiederum eine eigenartige Zierde bilden. Auch eine kleine, bewachsene Insel liegt ganz nahe dem Orte im tiefgriinen Meere, welches dort, wo es unfern des lifers ein seichtes Korallenriff überströmt, einen prachtigen, blauen Ton annimmt; Farben- und Formenreichthum vereinigen sich bier zu einem Bilde von grosser Schönheit (Taf. 21). 1)

Alle drei genannten Orte, Sawaï , Slemann und Pasania , werden von Mobam-medanern bewohnt, doch giebt es an dor Bucht von Sawaï auch noch eine Anzahl alfurischer Dörfer, und unmittelbar nach unserer Ankunft am Nordstrande, die auf mir unhegreifliche Weise schon sogleich weithin bekannt geworden war, machten einige aus heidnischen Orten, am westlichen Ufer der Bucht von Sawaï, heriiber-

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Die Photographic vermag diose Schönheit allcrdings nicht auszndrückon, da dem Bilde das Kolorit fehlt und cs zudem nur cinon unbedcutendcn Ausschnitt aus der Landschaft liefert.

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gekommene Regenten ilire Aufwartung. Obwolil sie kein Wort Malayisch verstanden, waren sie doch nacli Art der Mohammedaner gekleidet, und von den Bewohneru der Nordküste Kairatu's unterscliieden sie sich nur dadurch, dass ihr wenig verscimitteues, krauses und buschiges Haar einer gewaltigen Miihne gleicli um den Kopf abstand, wobei die kleine, goldgestickte Mütze auf ihm gleicli dem Oerevis eines deutschen Studenten thronte. Sonst waren sie den Alfuren der iSüd-kiiste durehaus iihnlicb, was sich um so besser konstatiren Hess, als sie mil meinen Begleitern zusammensasseu, so dass icb beide Gruppen von Leuten genau vergleichen konute. Es steht das somit im Elnklange mit tier gchon l'rüber in Nuniali über die Bevölkerung der Nordküste gemachten Beobachtung.

Sodann betinden sicb noch alfurische Niederlassungen an der Binnenbai tou Sawaï, Massisiuulan am steilen Hange des lanter letztgenanntem Orte aufstei-genden Gebirges sowie Rdmaolat , welches nordöstlich von Sawaï, aber in seiner unmittelbaren Niilie, in der Ebene am Strande, gelegen ist. Diese Dörfer sind dem Herrscher von Sawaï untergeben, obwohl aucli der Hauptling von Massisihulan gleicli letzterem den erblichen Titel eines Radja's f'ührt. Hire Regenten tragen eine kurze, schwarze Jacke mit bunter Stickerei, wie ich sie spaterhin auch bei den Alfuren von Buru sah, ausserdem ein buntes Beinkleid (als slaapbroek in Indien bekannt) und um den Kopf ein Tuch, welches jederseits in einer Spitze absteht. Sie machten in dieser kleidsamen Tracht einen guten Eindruck, und namentlich der elastischen Gestalt des Radja's von Massisihulan standen Jacke und Kopftuch vortrefflich zu dem hageren, schmalen Gesichte, aus dem ein Paar Augen mit seltsam durchdringendem Blicke hervorsahen. Die Kapalasoa's waren gekleidet, wie es sonst in mohammedanischen Orten iiblich ist, und die gewöhn-lichen Leute beguügten sich mit einem Sarong und dem Kopftuche, wahrend ihr Oberkörper ganz unbedeckt blieb.

Die Niederlassungen der Alfuren am Nordstrande dieser Gegend habe ich leider nicht besuchen können; ich sah nur wahrend eines Aufenthaltes in Sawaï einige ibrer Bewohner, und so bin ich nicht in der Lage, über ilire Dörfer Naheres mittheilen zu können '). Die Hauser der mohammedanischen lt; )rtc Sawaï, Slemann (Taf. 9, Fig. 1) und Pasania bieten aber kein besonderes Interesse, denn es sind meist elende Atappwohnungen von ühnlicher Bauart wie in den Stranddörfern derSüd-küste, bie und da mit einem vorspringenden, dnrch einige robe Pfahle gestützten Dache als Schutz gegen Regen und Sonne versehen. Nur diejenigen der Dorfshaupter machen selbstredend eine Ausnahme und nahern sich den Hausern, welche man bei solclieu Würdentriigern auf Ambon zu sehen pflegt, aber sie bleiben doch immerhin

1) Zu van Donm's Zoit vvohnton die Alfuren von Massisihulan in Höhlon (I'liigiucntcn I , pag. 148).

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so primitiv, dass man z. 15. in der Eegentenwolmung von Pasania jedes Penster vermisst, wahrend der Hausrath fast giinzlich fehlt und scliwnrze oder braune Zie-gen, wie überall in dieser Gegend, ungestört durcli sammtliche Jiaume trotten. Ich erhielt bei dissen, mit so stolzem Titel versehenen Leuten stets dea Eindruck, als seien sie bis auf die allerletzten, unentbehrlicbsten Gegenstaade gepfandet worden, und von allen den armseligen Regenten, welche ich aut' meinen J(eisen sah, und die sich oftmals so durchaus liicberlicli im Scheine der ihnen verliehenen Würde ausnebmen, siud diejenigen der Nordküste Se raus wobl die armseligsten — zugleicb die unverscbamtesten.

Die obigen, allgemeineren Betrachtungen babe icb vorausgesandt, um dem Leser den Ueberblick zu erleicbtern; sie sind das Resultat vou Beobacbtungen und Erfabrungen, welcbe icb nicht nur wahrend meines ersten Aufentbaltes an der Bucht von Sawai machte, sondern ausserdem bei Qelegeuheit einer zweiten, dorthin von Wahaï aus untern ommenen Eeise. Der Faden der Brzahluug möge nach dieser Abschweif'ung wieder aufgenommen werden:

Bei der Ankunft au der Nordküste der Insel war unsere Lage keineswegs be-neidenswerth, weil wir uns dort vorlaufig ohne jede Hilfe befanden. Ein Brief, den wir bereits vor Tagen aus dem lunern an den Regenten von Pasania gesandt batten, damit er ihn an den Kommandanten von Wahaï besorge, war von jenem nicht befördert worden — angehlich, weil man die Botschaft nicht begriffen babe, that-siichlich wobl nur deswegen, weil der genannte Würdentrager, wie wir spater erfuhren, in seinem eigenen Dorfe kaum etwas zu sagen bat, und er derzeit viel-leicht um so minder einen bereitwilligen Boten fiir Wahaï finden konnte , als die Mohammedauer Fasten (jmasa) batten. Ueberbaupt zeigten sich diese Leute, beim Mangel einer otliciell \ on Wahaï aus an sie ergangenen Aufforderung, wenig geneigt, unsereu Wünschen nachzukommen, und es war das um so schlimmer, als wir den anfanglicben Reiseplan batten andern müssen. Wahrend es namlich früber in meiner Absicht lag, nach kurzem Aufenthalte an der Bucht vou Sawaï auf demselben Wege, auf dem ich die Insel durcbquert hatle, nach Amahei zurück-zukebren, so erkliirle mir der Postbalter schon bei der Ankunft im Bette des Waë Losa, dass es ihm völlig unmöglich sei, nochmala die Strapazen dieser Landreise auszusteben; er wolle nach Wahaï gehen, um von dort auf einem anderen Wege Amahei wieder zu erreichen — wenn es ihm auch sein Amt kosten solle. Augenscheiulich lag hierin keine Uebertreibung, und auch mein Dolmetsch füblte sich nicht im stande, über deu Lumute zurückzukehren, denn er war schwer erkrankt, so dass ich ihn spiiter iu Wahaï endgültig entlassen und nach Ambon heimsenden musste. Aus solchen Gründen war demi bereits am 2ton April, nach

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dem Abstiege vom Koroluliuë, die Rückreise naoh Amaliei langs des alten Post-weges aufgegeben worden, und die Alfuren hatten dissen Beschluss mit grossem Freudengeschrei begrüsst, weil er auch sie der Mühe entbob, nochmals scbwer beladen das öebirge zu passiren. Wir beabsichtigten also nun zunachst nacli Wahaï zu reisen, um dort mit llilfe des Kommandanteu der Abtbeilung andere Pliine zur Ausfübrung zu bringen, aber — wie bingelangen, da wir weder Geld noch Waaren besassen und ganz auf die unwilligen, fastenden und indolenten Mobammedaner angewiesen waren?

Nacb einigen Umstanden gliickte esvorlaufig in Pasania ein Unterkommen zu finden; docb erkannten wir bald, dass mit dem dortigeu Regenten durchaus nicbts zu erreicben sei. Der Ori, web-her ungefahr 100 Einwohner zühlen soil, war überhaupt fiir meine Zwecke so ungünstig wie möglich gelegen, weil die ('reie Bewegung im Westen durch den nahen Waö Uta, im Osten durch das Qebirgs-land behindert wurde und ein Besuch des benachbarten Slemann nur bei Niedrig-wasser zu Fuss unternommen werden konnte, wabrenc' zu anderen Zeiten die Beschafiung einer Prau nebst Bemannung jedesmal mit grossen Schwierigkeiten gepaart ging. Wir waren aber auf die Bevölkerung von Slemann angewiesen, da nur sie uns ein lïïr die Fahrt nach Wahaï brauchbares Boot liefern konnte, und der Regent dieses Ortes liess sioh deun auch gegenüber dem Posthalter bereit finden, uns am folgenden Tage weiter zu befördern.

Aber vergebens warteten wir am Morgen des 4t0quot; April, welcber reguerisch und so dunkel wie ein europaeischer Wintertag war, auf das Fahrzeug, init dem uns der ürangkaja von Slemann aus Pasania abbolen lassen sollte, so dass icb mich endlich um 10 Uhr entschloss, allein mit dem Dolmetsch nach erstgenann-tem Dorfe aufzubrechen, um den Regenten zur Rede zu stellen. Die ganze Bevölkerung von Slemann lief selbstredeud bei unserer Ankunft zusammen; der Orang-kaja empfing uns höflicb in der Vordergallerie seines Hauses, aber ieh weigerte micli, bei ihm Platz zu nebmen, bevor die Angelegenheit, um derentwillen icb gekommen, geordnet sei. Auf die Frage, weswegen er sein Versprecben nicht gehalten, bekam ieh nun allerlei ausweichende Aniworten: es babe geregnet, man babe keinen officiellen Bericht über meine Persönlicbkeit erhalten, jeder Ruderer verlange einen Tagelolm von Gulden u. s. w. — Kurzum, es war ganz offen-bar, dass der Regent uns nicht helfen wollte, und das verguügte, wohlgefallige Lacheln, mit dem er jede seiner Ausflücbte begleitete, versetzte miob in eine sehr gereizte Stimmung, wahrend mir zugleich klar wurde, dass hier mit Güte gar nichts zu erreicben sei. Ich beschloss deswegen alles auf Eine Karte zu setzen, und obwohl ich hier nichts zu befehlen batte, so verlangte ich doch ein-fach in barschem Tone und mit einer nicht misszu vers tellenden Geberde, dass man

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sogleich eiu Boot zu Wasser lassen sollie. Die Wirkuug war eine wuuderbare; denu mm beeilte sich der Eegent, seinen Leuten die strengsten Befelile zu ertlieilen vmd deren sofortige Ausführimg persönlicli mit mir am Strande zu überwachen, so dass nach Ablauf einer Viertelstunde in der That die grösste der vorluuidenen Prauen im Meere lag

Die weitere Folge war, dass der bohe llerr gute Freundschaft mit mir schloss, uud da das Boot noch auf'getakelt und die Bagage eingeladen werden musste, so willigte ich eiu, bis zu Abfahrt nach Wahaï als Gast bei ihm zu bleiben. Ich liess also das gauze Gepack wahrend der mittlerweile eingetretenen Ebbe durch unsere von der Südküste mitgekommene Begleitung nach Slemann bringen; daim wurden die Leute von der Elpaputibai, deren Anwesenheit vielleicht auch dazu beige tragen batte, den Orangkaja einzuschüchtern und meinen Worten in den Augen des furchtsamen Mannes den nöthigen JNaclidruck zu verleiben, entlassen. Sie batten sich mit ihrem besten Schmucke angethan und beabsichtigten nun noch einigen alfurischen Dörfern der Nordküste Besuche abzustatten, um sich dort Scbüsseln auszubitten, und zwar ganz bestimmten Ortschaften (vermuthlicli sol-chen, mit denen sie in pda stehen), deren Bewohner das Gleiche in den entspre-chenden Dörfern der Südküste thun, falls sie dorlhin kommen. Es gilt das als eiu Ersatz für die Kopfjagd, deun in früheren Zeiten kehrten die Alfuren von einer derartigen, grosseren Reise iiiemals ohne einen erbeuteten Kopf helm, und aucli jetzt noch fand der Posthalter es nöthig, die Leute zu ermahnen, dass sie friedsam nach Hause zurückgehen sollten.

Um günstigeren Wind zu bekommen, beschlossen wir die Eeise nach Wahaï bis zur Frühe des 5ten April aufzuschieben, und infolgedessen lernte ich Slemann noch etwas naher kennen. Ich sah dort wieder verschiedene Matakau's, nnter anderen eiu vierseitiges, gitterartiges Holzgestell, welches in betrachtlicber Höhe um den Stamm einer Oocospalme angebracht war und einem etwaigen Diebe Leibschmerzen besorgen sollte, sodaun zwei kleine Bogen mit darin festgebundenen Pfeilen, einem Kiuderspielzeuge ahnlich und vor einer Wohnung in einen zerspaltenen Stock ge-klemmt. Auch dies galt als Bedrohung für einen gelegentlichen Eindringling, welcher hiedurch solche Sclimerzen bekommen sollte, als ob er mit einem Pfeile verwundet worden sei; mehr noch als das musste aber eiu anderer Aberglaube mein Interesse fesseln. Er knüpft sich an Schaaren von Fledermiiusen, welche in einer Höhle des im Süden von Slemann steil ansteigenden, etwa 300 m, bohen Berges hausen und abends in raschem Fluge wolkenartig über das Dort hinziehen. Der Sage nach sind diese Thiere vor der Erbauung des Ortes vom Kadja-tana in jene Höhle gebracht worden; sie gelten deswegen für heilig und es ist pamali auf sie zu schiesseu. Wenu der Sohn des genanntem Hauptes sterben muss, so

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fallt eiiie Fledermaus im Dorfe todt zur Erde; mau bewalirt sie alsdann sorgfal-tig, aber nach einigen Tagen verschwiiulet sie auf unerklüi'liche Weise. Zur Zeit meiner Anweaenheit llogon die Thiere selir lioch, und der Regent versicherte mieh mit ernsthafter Miene, dass dies eine Folge des Fiebers sei, weiehes derzoii in Slemaun, gleichwie in anderen Dörfern der Nordküste, lierrsclite.

Die Einwohner dieses Ortes zeichnen sicli durch grosse Geschieklichkcit in der Anfertigung von Fleclitarbeiten aus; sie machen allerlei Körbe von Bambus und grosse Matten von Pandangblattern (Pandanus), die für 1 Gulden das Stück ver-kauft werden. Die verscbiedenfarbigen Muster dieser Qegenstande zeugen von einem gewissen Kunstsinne, welcber sieli audi in anderen Dingen auspragt. So waren z.B. die 12—10 cm. langen Griffe ibrer kleinen, für allerlei biiusliche Ge-scbiifte dienenden Messer zum Tlieil bübscli gescbnitzt und steilten sie bisAveilen stilisirte Tbierköpfe dar (Taf. 28, Fig. 6 u. 7); aucb an Bambuskücberu, welebe als Bebalter für Trinkwasser dienen, sail icb einige Scbnitzarbeit (Taf. 28, Fig. 5) — für Seran eine bemerkenswerthe Erscheinung.

Am 5ten April brachen wir um Ubr morgens mit einer elenden Prau, die aber wegen ibrer Grosse und des Besitzes eines Segels als Orembai bezeiebnet wurde, nacb Wahai auf. Der Orangkaja von Slemann, welcber sehr delimütbig geworden war, liess es sicb nicht nebmen, die Reise mitzumachen, die 22 lluderer brachen ibre Fasten, um arbeitsfübig zu sein, und alsbald ging es unter Beglei-tnng von Gong, Eabana und Flöte in raschem Takte vorwarts;

llua lua,pala-si wa, hia lda,pata-lima;hiahoë,Iiia ho ë, huahiua,pata-siwa so erscholl last ohne (Jnterlass der Gesang der Leute, und immer rascher wurde das Tempo der Musik, immer kraftiger trafen die Ruder das Wasser, bis zuletzt die gauze, aufgeregte Gesellschaft in Schweiss gebadet nach Athem rang; daim gingen die Instrumente allmablig für eine Weile in ein rubigeres Tempo fiber, um alsbald abermals zur Anspannung aller Krafie anzuspornen, stets dieselbe monotone und vielleicht gerade biedurch so aufregende Weise spielend. Der Gesang, mit dem sie begleitet wurde, ist für diese Gegend sebr charakteristisch, denn die Worte bedeuten ein lloch sowobl auf die Pata-siwa als auf die Pata-lima, welche hieselbst unter einander wohnen, sowie bereits eingangs dargelegt

wurde 1

Dank der gewaltigen Anstrengung der Ruderer, welche die frübere Unböf-

15

1

vgl. pag. 67.

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lichkeit ihres Regenten wieder gut machen wollten, ging es flott vorwarts, und als daim noch eine Zeit lang gunstiger Segelwind eintrat, glitt das llaclie, nar mit einigen kleinen Klippen von Korallenkalk beselzte üf'er rasoh au uns vorüber, Bereits um 2 (Jlir langten wir au unserem Ziele an, und daiuit waren wir auch aller Sorgen entlioben, deun lieim lton Lieutenant M. IF. E.van Bloemen Waanders, Postkommandanteu und Befelilshaber (civiel gezaghebber) der Abtheilung Wabai, fanden wir eine selir freundliche Aufnahme.

Waiiaï liegt an einer unbedeutenden Ausbucbtung der Nordküste, welcbe in W und O durcb wenig verspringende Kaps begrenzt wird. Oestlicb vom Landungsplatze miindet ein kleiner, ain Meere etwa 15 Sohritte breiter Fluss, genaiint Ajbii Waiiaï, und an dessen reebtem üf'er erhebt sicb der Gunung Pamali Ketjil, welcher vielleicbt 15 m. bocb ist und die flacbe Kreisbucbt in NO ab-scbliesst, In der Ferne liegt, iV5500 vom ürte, das Tantj.iung Öacoi,i,a, die nördliche Grenze einer tieten Bai, welcbe, von Wahaï aus unsiebtbar, zwischea jenem Kap und dem G. Pamali Ketjil weit ins Land einscbneidet, und in deren Innerem das Ajeu Besab ausmündet.

Die llbede ist somit nacb O bin durcb den bis zum Tj. Sacolla sicb hiuzie-henden Landstricb wohl gescbützt, nacb JS' und W dagegen so gut wie ganz offen. Dabei ist der Boden der Bucbt von Wahaï reich an Korallenbauten, so dass man bei Niedrigwasser von NO her selbst mit einer kleinen Prau nur bei genauer Ortskenntniss ans Land gelangen kann, und weun aueh grosse Dampier im stande sind, von N IV aus bis zur Landungsbrücke heranzukommen, so ist die Einfabrt doch nicht leicht zu finden. Das Dorf selbst liegt auf jüngst gehobenem Ko rallen fels, und dasselbe Gestein baut den etwa 60 m. bohen, abgeflachten Höhenrücken auf, welcher südlich, unmittelbar hinter den Hilusern des Ortes terrassenartig ansteigt, um sicb mit gleichbleibender Höhe nacb O bis zum Ajer Besar bin auszudehnen und in deutlichen Stufen au dem Kap abzufallen, welches gleich im Westen von Wahaï ans Meer stösst1).

Ausser dem unbedeutenden, am Landungsplatze erhauten und mit einer kleinen Besatzung indischer Soldaten belegten Fort besteht das eigentliche Wahaï nur noch aus wenigen Hüusern, die nacb Art ambonscher Wohnungen eingeriohtet sind. Sie liegen im Süden und Osten des treien Platzes, welcher sicb an die henteng an-schliesst und der von einigen Baumreihen durchschnitteu und tlieilweise eingefasst wird, um sammt don Waringins vor dem Eingange zur Feste die Zierde des iirm-

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In der Abbildung, wolche van Doren von Wahaï gegeben hat (Beknopte beschrijving, 1. c.) vermag ich den Charakter der (regend gar nicht wieder zu erkennen, auch nicht mit Hilfo der von mir ge-machten , photographischen Aufnahme.

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lichen Ortes zu bilden. Nach Westen zu, liings des Slrandes und liar! am Fusse des erwiilmten Hugelriickens, fulgen in unmittelbarer Nillie die mohammedanisclien Dorfer Hatuë und Hatiling , welche dem Uneingeweiliten als zu Waliai gehorig erscheinen, und der langges treek te eg, an dein sie liegen, erinuert last an einen aasseren Stadttheil von Ambon. Weiter im Westen beginnt jenseits der Hauser-reihe sogleich der Wald, wahrend der Pfad hier früher liings der Kuste nacli Sawaï fortgefiihrt haben soli. Man sagte mir, dass derselbe wegen zu grosser Unsieherheit aufgegeben worden sei, deun trotz des Forts blüht aueh in dieser Gegend die Kopfjagd nach wie vor.

Vor nicht gar langer Zeit war sogar ein Soldat ermordet, welcher in unmittelbarer Nahe des Ortes in einem kleinen, hei der Benteng mündenden Bache badete, und man sah es deswegen nicht gerne, dass ich ohne Begleitung den benachbarten Hügelrücken bestieg. Es sind ferner im Laut'e des auf meinen dortigen Verbleib folgenden Jahres noch drei Personen aus Wahai von Bergalfuren getödtet, und laut mir gegebener Versicherung wird im Westen der Abtheilung ehensoviel ge-köpft wie in Kairatu '); aber Diirtlinge und Regenten halten das in der Eegel geheim, und die heidnischen Strandbewohner, welche sich ebenfalls der Kopfjagerei schuldig maehen, bewahren die erbeuteten Hchildel nicht mehr im Baileo, sondern an abgelegenen Punkten des Waides, in Hölilen a. s. w. Die Angehörigen der l'ata-lima dieser Gegend sollen aber denjenigen der Pata-siwa im Mörderhandwerke gar nicht nachstehen, im Gegensatze zum Osten der Abtheilung, woselbst man nicht einmal einen Peind direkt zu tödten pflegt, sondern zur Herbeiführung seines Verderbens vielfach eine eigenthümliche Handlung vornimmt. Man befestigt namlich zu diesem Zwecke einen vergifteten Pt'eil so im Bogen, dass derselbe nicht tbrt-schnellen kann, und schiesst alsdatm uur scheinbar aus einem Hinterhalte auf die gehasste Person. Erblickt der Schütze bei diesem Verfahren Licht, so wird er sein Ziel erreichen, wird ihm aber der Bliek verschleiert, so war das Experiment nutzlos,

Die mohammedanischen Regenten von Lisabatta, Pabania, Sawaï , Hatimxg und Hatuë sind die alten Haupter des als „Abtheilung VVahaïquot; zusammengel'assten Landes; ihnen sind die übrigen Dörfer untergeben, wie schon eingangs an melireren Beispielen erliiutert ist3). Man wird aber aus letzteren gleichzeitig erselien, dass die verschiedenen Völkerschaften keineswegs geographisch scliarf getrennte Gebiete bewohnen, sondern eine von dem Sitze ihrer Hauptlinge unabhangige Gruppirung der Wegoreien aufweisen. Das macht die Uebersicht über die Bewohner des Landes sehr schwierig, zumal es nicht an Streitigkeiten l'elilt, wie demi beispielsweise der Regent von I'asaeaiu behauptete, sein Land sei widerrechtlich von Hatiling in

1) Das stiramt auch mit Boot's Angabe überein (l. c, pag. 1175).

2) Vgl. pag. G7.

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Besitz genommeu —völlig gruudlos, nacli meiner üeberzeuguug. Was icli als sicher verbiirgt betrefts der Zugehörigkeit der einzelnen Dörfer zu den genannten Hiliipt-lingen annehmen durfte, habe icb scltou mitgetheilt; mein kurzer Verbleib in der Abtlieilung Wahaï machte es mir aber unmöglioh, die verschiedenen Völkerschaften nocli weiter gegen einander abzugrenzen, und es muss dies den an Ort und Stelle wobnendeu Beamten überlassen bleiben. Iimviscbea dünkt es micli aber ausseror-dentlicli wünschenswerth, dass man die ursprünglicbe Eintheilung des Landes ge-nauer als bisber kennen lerne; denn im Gegensatze zu den sonstigen Gewobnheiten der niederlandischen Regierang, und verinutblicb aus Unkenntniss der Verbalt-nisse, bat man das Besteheu der erwabnten Völkerscbaften negirt und den Regenten irgend eines beliebigen Dorfes, welcher vielleicbt kaum im stande ist, sicli eine anstandige Kleidung der einfachsten Art zu erwerben und, falls er europaeiscbe Tracht benutzt, fast den Eindruck eines verlaufenen Handwerksburschen macht, den alten Hauptern des Landes gleich gestellt; ja bisweilen sind die eigentlichen Machthaber sogar noch weniger ausgezeichnet als ihre Untergebenen. 80 giebt es also im Augenblicke thatsacblich zwei verschiedene Regierungsformen im Lande, deren eine nur gegenüber Holland ins Leben tritt, wühi'end die andere nach altherge-braohter Sitte waltet; denn noch immer besitzen die meisten der genannten Haupt-linge eineu grossen Einlluss, wenngleich derselbe liie und da bereits im Schwinden begriHbn ist. Der Regent von Ruinaolat, welehem seitens der niederlandischen Verwaltung das gleiclie Recht zuerkannt wurde wie seinem Herrn, dem Radja von Sawaï, benutzte z. B. diesen TJmstand, um sich dem Einflusse des letzteren zu entziehen. Solche Zustande sind aber nicht nur die (Quelle von Streitigkeiten, sondern erschweren auch selbstredend die Beherrschung des Landes, da man eher mit Hilfe der wenigen, einflussreichen Persönlichkeiten als der zahlreichen, bedeu-tungslosen Herren der kleinen Dörfer regieren kann.

Fand ich in Wahaï einen angenehmen Aufenthalt im gastfreien Hause des Kommandanten, so war doch im übrigen der Verbleib an diesem Orte reich an Enttiiuschungen, weil es durchaus nicht gelingeu wollte, die erforderlichen Mann-schaften für fernere Reisen in Seran zusammenzubringen.

Als wir am 4t(gt;n April in Slemann die von der Elpaputibai mitgekommene Begleitung entliessen, batten wir den Plan gefasst, uns von Wahaï aus zunachst nach der Negorei Ternatb, an der östlichen Grenze der Abtheilung, zubegeben, um von hier aus die Insel zu durchqueren. Wir gedachten die Südküste langs des Bobot wieder zu erreichen und hatten bereits die erforderlichen Maassregeln genommen, damit Leuto von Amahei uns an diesem Flusse entgegenkümen. Alsdann wollte ich über See nach Tobo fahren und von dort aus, eiuer lilugst getroffenen Verabredung

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gemiiss, nochmals in nordöstlicher Eichtung durch das Eiland gehen, zum Haupt-orte der Abtheilung Wabu, au der gleiohnamigen Bai. Alles war gut überlegtund vorbereitet; die beiden Wege über Land kann man nacli eingezogenen, zuverlas-sigen Erkundiguugen sehr leicht begehen, vind die Sicherheit lasst in den betref-fenden, östlicheren Cregenden Serans überhaupt nichts zu wünschen übrig; dass wir schliesslich die nötbigeu Mannschafteu für die Eeise von Ternate zum Bobot bekomraen würden, scbien uns ganz selbstverstandlich, zumal die Eiedel'sche Karte sine gauze Eeihe von Ortschaften an der Küste des üstlicben Wahaï ver-zeichnet. Aber wie arg tanden wir uns hierin getauscht!

Gleich am Tage unserer Ankunft batte ich eine Konferenz mit dem Eadja von Hatüë und dem Orangkaja von Hatiling sowie dem zufallig in Wahaï an-Avesenden Kapalasoa von Ternate, wobei sich die Eeise vom letztgenannten Orte zum liobot als unausführbar erwies. Deun die Mohammedaner konnten wir für eine derartige Unteruelimung nicht gebrauchen, selbst wenn sie uns in dor Zeit der 1'uasa batten helfen wollen; Alfuren aus dem Umkreise der Bai von Sawaï Hessen sich in dem weit entlegeneu, östlichsten Qebiete der Abtheilung aucb nicht verwenden, wir waren somit auf die Dörfer angewiesen, welche sich im Osten von Wahaï am Strande befinden. Deren Bevölkerungszahl ist indessen ganz ausserordent-licb gering, denn an mannlichen Einwobnern über 17 Jahre, welclie für unsere Zwecke allein in Betracht kommen konnten, zablte Labuan, östlich vom Tandjung Sacolla, derzeit uur 2 (Die Leute des früber hier befindlichen Dorfes sind nach Hotti gezogen), Pasahari 33, Isal 7, Kom 34, Boti 11, Ajhr Ternate 33; alles zusammengeuommen wohnten somit nur 120 erwachsene Manner in jener Gegend und selbst diese batten keineswegs ihren dauernden Wobnsitz in den Negoreien am Meere. Yiele, wenn nicht die meisten von ihnen, pflegen sicli viehnebr dort nur aufzuhalten, wenn sie den Besuch irgend eines Beamten erwarten könneu; sie kommen alsdann aus dem Gebirge herab, um der niederlandischen Eegierung, welche die Ansiedelung am Strande wünscht, keinen Anstoss zu geben, sonst aber bleiben sie im Innern, woselbst die Leute von Sakiputi und Samal sogar ihren dauernden Verbleib genommen haben. Eechnete man noch hinzu, dass die Alfuren des östlichen Wahaï eine grosse Scheu vor den Weissen haben und einer Begegnung mit ihnen genie ausweichen, so erschien es nach alledem völlig aus-sichtslos, hier den Versuch zur Beschaffung der nöthigen Mannschaften zumachen, und die Eeise von der Nordküste zinn Bobot musste also aufgegeben werden.

Ich beschloss nun, womöglich von Sawaï aus nach Sepa zu gehen, unter Beuutzung des Weges, auf dem augenblicklich die Post von den Alfuren zur Süd-küste befórdert wird, und da ich ohnehin die ümgebung der Bucht von Sawaï geognostisch noch niiher untersuclien musste, so begab ich mich dorthin im Geleite

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des Herrn van Bloemen quot;Waanders, welcher sein Möglichstes zur Verwirklicluiug meiner Plane that. Nachdem wir um 2 Ulir nachts Wahaï verlassen, trafen wir am 8t(:n April naehmittags um 1 ü. 30 M. vor Sawaï ein, woselhst uus der al te, wür-dige Radja freundlichst empfing und sich genie znr Hilfe hereit erklarte, soweit dies in seiner Macht stands.

Der Radja von Massisihulan, welcher don Alfuren der Pata-lima angehört und, wie erwiihnt, dem Regenten von Sawaï untergeben ist, war auch hald zur Stelle, um an der Berathung theilzunehmen. Er weigerte sich zwar nicht, seine Dienste zu verleihen, machte aher allerlei Einwendungen wegen des schwierigen Weges und der zu fiirchtenden Fluthen in den Wildhachen, welche mir gefahrlich werden könnten, und icli orhielt den Eindruck, als wage der Mann es nicht, die Verantwortlichkeit für meine Person zu übernehmen. In der That soli der Weg in der Richtung von Sawaï nach Sepa ansserordentlich schwer zu hegehen sein , und das hohe Gelrirge des Innern, dessen vielzackigen Rücken ich hereits von See aus weit über das ansehnliche Küstengehirge hatte hervorragen sehen, ist dort nach Aussage des Radja's von Sawaï wohl drei Mal so hoch wie der Koroluhuë. Es konnto indessen der Regent von Massisihulan nur 14 Leute stellen, und mit einer so garingen Anzalil war überhaupt an eine Verwirklichung des gedachten Planes nicht zu denken; der Orangkaja von Rumaolat, welcher weiter aushelfen sollte, war aher durchaus nicht willens, seine Dörllinge für die Reise herziigeben. Er liess sich lange nöthigen, bis er auch nur der Auflbrderung, zu uus nach Sawaï zu kommen, entsprach, und als er dann endlich erschien, erklarte er auf die Erage des Kommandanten einfach: „tra mahu' („ich will nichtquot;), ohne auch nur eine Ausrede oder eine Entschuldigung zu suchen.

Nicht einmal der Weg, auf dem ich hereits einmal durch die Insel ging, konnte mit Hilfe der Alfuren von Sawaï nochmals unternommen werden, und als icli nothgedrungen wieder zu diesem alten Plane grifF, wurde ich behufs seiner Ausführung an den Regenten von Pasania gewiesen. Dem wollte ich mich aber auf Grand meiner frühoren Erfahrungen nicht anvertrauen, und vielleicht ist es ein glücklicher Zufall gewesen, dass ich auf solche Weise verhindert wurde, aui dem Pfade über den Koroluhuë nach Amahei zurückzugehen. Icli batte namlich die Durchqueruug Serans unternommen, ohne mit dem Residenten, welcher sich derzeit auf einer Expedition naoh den Kei-Insein befand, hierüber noch erst naher in Ueherlegung treten zu können, hauptsachlich im Vertrauen auf den Umstand, dass hereits früher Europaeer oline eine bewaffnete Bedeckung auf demselben Wege durch die lusel zogen. Nun waren aber damals, was ich nicht wusste, die Alfuren von Mauaiionü in der Nachbarscbaft des alten Postweges erst vor kurzem gezüchtigt worden, und lagen in Folge dessen die Umstande gunstiger als zur

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Zeit meiner Reisen. Freilich war ich unbelastigt an die Nordküsta g-elangt, weil die Bewohner des Innern überhaupt niclits von meiner Anwesenheit erfalire» batten; aber es wiire die Frage gewesen, ob ich ebenso ungestört biitte zurückgehen können, denn der Resident theilte mir spater mit, dass er den Bewohnern von Marahunu nicht ganz vertraue '). Wie dem aber aucli sein moge, so bedauerte ich beim Sclieitern aller Unterhandlnngen lebhaft, die Leute von der Elpaputibai scbon heimwiirts gesandt zu haben, und als wir am 10ton April Sawaï verliessen, batte ich jede Hoffnung, die Südküste wieder über Land zuerreichen, aufgegeben.

Vielleicht wird aber ein zukünftiger Reisender, wenn er Zeit zu langwierigen Unterhandlungen und Vorbereitungen liat, dennoch im stande sein, die Alfuren aus der weiteren ümgebung von Sawaï zur Begleitimg nach der Südküste zu bewegen ; indessen dürfte es in solchem Falie angezeigt sein, sich der Zuverliissigkeit dieser Leute mittelst eines Eides, auf den sie sehr hohen Werth legen, zu ver-sichern. Man tb ut bei dieser Ceremonie in eiue Tasse etwas Arak, Pulver und eine Kugel, balt dann das obere Ende eines Gewehrlaufes sowie die Spitze eines Parangs hinein und redet die zu vereidigende Person in feieiiichor Weise an. Man sagt, was der Betreffende zu thun oder zu unterlassen habe, und darauf legt jeuer sein Gelübde ah, wobei er den Arak sainmt dem Pulver auftrinkt1).

Es würde mich zu weit führen, wollte ich aller Plackereien und Enttauschun-gen gedenken, welche dem Kommandanten von Wahaï und mir selber zu Theil wurden, als es galt, auch nur eine Handvoll Menschen für kleinere Reisen in der weiteren ümgebung des Ortes zusammenzubringen. Mit Geld und mit Güte liess sich bei der indolenten Gesellschaft von Wahaï absolut niehts erreichen, und keinem stand dos Recht zu, von ihr etwas zu verlangen, denn die Regierung hat sich durch AbschafFung der Herrendienste fast jeder Macht über die Bevölkernng entiinssert. Ohne Wiedereinführnng derselben scheint es mir auch ganz unmöglich, jemals eine Kultur des Landes anzubahnen, denn die tragen und unzuverlassigen Strandbewohner würden jede Unternehmung vereiteln; ein straffes und gerechtes Regiment müsste dagegen nicht nur den Eintluss Hollands vermehren, sondern meiner Ueberzeugung nach die Seranesen auch zu glücklicheren Menschen erzieheu, da bis jetzt fast jede Leitung dieser undisciplinirten Bande fehlt.

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1 eber die Eidos-Ablogung in Wahaï ist besonders Boot (1. c. pa;;;. 1191 11'.) niilier zu vergleichen.— Eine Eideslormel der soranesischen Alfuren ist fernor von Niouwenhuijzen publicirt (Tijdschr. v. Ind. Taai-Land- en Volkenkunde XXIII, pag. 510), Vgl. forncr van der Crab (Molukscho eilanden, pag. 219). — Ganz ahnlich wird der Eid auch auf Buru abgelegt (quot;VVilken, Bijdrag. tot de kennis der Alfoeren v. h. eiland Boeroo pag. 11). Es ist besonders auch die Anmorkung AVilken's hiebei zu berücksichtigon.

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Ostern, der 17te April, kam heran; die Soldaten hielten offene Tafel unter den Waringins vor der Beuteng und ergötzten sieh am Wajangspiel unter Begleitung des Gamelan, midi aber begann bei der Thatlosigkeit, zu der ich verdammt war, das ïïeimweli zu beschleichen, und die Osterglockeu wollten mir nicht aus dem Siun. Da endlich ert'ulir ich, dass ein lange besprochenes Eeiseprojekt zum obei'en Toluarang wirklich zur Ausführung kommen sollte, denn es war den unausge-setzten Beraühungen des Kommandanten schliesslioh gelungeu, die erforderlichen Trager unter den Fremden zu finden, welche sich, aus anderen Theilen des Archipels abkünftig {vreemde oosterlingé), in verschiedenen Orten an der Kliste aufhielten. Am 18tequot; April wurde zur endgültigen Verabredung mit letzteren noch zunaohst eine Fahrt nacli dem arn gleichnamigen Fluase gelegenen Ajer Besar unternom-inen, von wo aus der Landweg angetreten werden sollte, und arn folgenden Tage konnten wir endlich zum Toluarang aufbrechen.

Der ToujAiiANft ist ein ansehnlicher Fluss, welcher sich südöstlich von dem oben erwahnten Tj. Sacolla ins Meer ergiesst, etwas östlich vom Mabsxmato, au dessen rechtem XJfer augenblicklich Pabahahi liegt. Der Abstand von letztgenanntem Orte bis Wahaï ist über See nicht bedeutend, er wurde spiiter von uns in einem Ruderboote in 3 St. 10 M. zuriickgelegt; wir hiitten somit sehr bequem dorthin l'ahren und daim landeinwarts gelien können, aber nach Aussage sogenannter Orts-kundiger war das nicht anzuempfehlen, und man rieth uns, einen Pfad einzuschla-gen, welcher von Ajer Besar aus in südöstlicher Richtung ins Innere fübrt, um so den Toluarang erst in grösserem Abstande von der Küste zu treffen. Wie sich spiiter herausstellte, war dies ein ganz imsinniges Unternebmen.

Naclidem wir am Morgen des 19ten April zunaclist noch jeden einzelnen der be-stellten, aber natürlich nicht anwesenden Ruderer batten herbeüiolen lassen, gelang es schliesslich, um etwa G|, statt um 5 ühr mit einer Prau von Wahaï aus zum Ajer Besar aufzubrechen.

Gleicli allen Boten, welche an der Nordküste dei' Insel gebaut werden, unter-schied sich audi das unsrige durch die Einrichtung seiner Flügel sehr wesentlich von den ambonschen und an der Südküste Serans gebrauchlichen Fahrzeugen. Denn bei letzteren sind Quer- und Langsstabe der Ausleger einfach durch rundgebogene Stöcke verhuilden (Taf. 28, Fig. 15), deren Schenkel nach oben gekehrt und au den erstgenannten Theilen der Flügel befestigt werden, wahrend die gekrümmten, mitt-leren Abschnitte der Zwischenstücke die Langsstöcke tragen, bei den Boten des nördliclien Seran dagegen ist die Konstruktion eine ganz abweichende (Taf. 28, Fig. 16). Sie wird aus den betreffenden Skizzen, in denen die Liingstheile der Ausleger mit 1, die quer gerichteten dagegen mit 2 bezeichnet sind, auch ohne nahere Erlauterung zu

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ersehen sein; der hauptfiachlichste ünterscliied liegt in der Form der Zwischeu-stücke (2a). Die letzterwahnte Einriclitung der Prauflügel ist aber ohne Zweifel die siclierste und aus solcliem Grande wohl aueli die weiter verbreitete, denn icli sah sie ebenfalls auf Buru, ferner bei Snlanesen, Tidoresen und Makassaren in wesentlich gleicber Art verwendet. Die Ruder liaben an der Nordküste Serans eine dreiseitige Schaufel, welche die balbe Lange des ganzen, einem Manne bis an die Scliulter reiclienden Qerathes einnimmt; ihr Griff ist ahnlich demjenigen der IVülier von Kaibobo besciiriebenen Ruder, abei' lüiufig mit zierlicher Scbnitzarbeit verselien.

Kacli etwa einstündiger Fahrt befanden wir uns an der von Mangrove inu-süumten Mündung des Ajer Besar, vvelebes reicli an Krokodilen und anfangs M'olil 200 Schritte breit ist; aber schon gleicli landeinwarts sclirumpft dasselbe auf 40—50 Schritte zusaminen, um ein wenig weiter oljerbalb zu einer noch viel schmaleren Wasserstrasse zu werden, so dass einem die Bezeichmmg „grosser Flussquot; ziemlich unverstandlich erscheint. Wahrend wir in dem unter vielfachen Krümmungen von S O kommenden Baclie aufwarts ruderten, erschienen zu seinen Seiten alsbald alluviale Ablagerungen, die bis zu lm. über das Wasser hervor-ragten und zum Theil nur mit hohem Gras, vielerorts aber mit ausgedehnten Anpfianzungen bedeckt waren; denn hier befindet sich das am besten bebaute Gebiet der Abtheilung Wahaï, welches namentlich reicli an Cocos und Pisang ist und in dem sogar Zuckerrohr in kleineren Partieeu angetroffen wird. Eine balbe Stunde Ruderns von der Mündung entfernt liegt der nacb dem Gewasser genannte Ort Ajeii Besar, noch im Gebiste des unter dem Einflusse von Ebbe und Fluth stehenden Flussabschnittes.

Es wohnt daselbst eine kleine Gemeinde von Tabelloresen '). Ihre Hauser stehen auf Pfahlen, welche bald maimshoch sind, bald nur bis zum Nabel reichen, und haben von senkrecht gestelltem Gabba-gabba gemochte Seitenwande. Sie besitzen eine grössere Anzahl von Bitumen und namentlich auch eine besondere Küche, was bei den Alfuren meines Wissens niemals vorkommt; gelegentlich sind seit-liobe Anbauten verhanden, und die Sliihe, welche das Dach offener Gallerieen tragen, sind theilweise mit Schnitzwerk verziert. Deutete sich schon hiedurch eine höhere Entwicklungsstufe gegenüber allen seranesischeu Alfuren, mit welchen ich bis dahin in Berührung gekommen war, an, so zeigte sich dieselbe auch besonders in dem Umstande, dass die Tabelloresen von Ajer Besar selbst zu sclimie-den verstanden.

Die Blasvorrichtung, deren sich die Leute hiebei bedienen, besitzt eine eigenar-

1) Tabello ist oincr dor zehn Distrikto (djiko's), in wolcho die nürdliche, unter Ternate stohendo Halbinsel von llalmahora zerlallt, und liogt an dor Ustscito der lotzteren (vgl. Wilier, het eiland Boeroo, pag. 35).

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tige Konstruktion (Taf. 28, Fig1.17). Auf einer gemeinschaftlichen Unterlage sind neben einander zwei senkreclit stellende Röliren (r) angebracht, welche von aussen noch mit einigen Lüngsriefen verziert warden; darin befindet sicb je ein Stock, andemunten ein Büschel von Ilülinerfedem befestigt ist. Letztere dienen als Kolben, die Stöcke als Kol benstangen des Geblases. Zwei kleinere Bambusröhren (/), welohe horizontal dergestalt in die Unterlage bineingesteckt werden, dass ihre Anssenenden zusammen-stossen, leiten die komprimirte Luft unter einen Stein (.9) bin znr Feuerstatte, und durch abwecb sein des Auf- und Abziehen der beiden Stiibe wird der zum Schmieden erforderlicbe, kontinnirliche Luftstrom erhalten. Ein grosses, viereckiges, als Amboss dienendes Eisenstück, eine mit Wasser gelüllte TridacnaSchale und eine robe Kiste mit sehr wenigen und primitiven Gerathen vervollstündigten die unter einem kleinen Atappscbuppen befindlicbe Schmiede-Einrichtung.

Ich sab bei meinen Triigern von Ajer Besar nachher einen Parang, welcher an diesem Orte angefertigt worden war; andere der mieh begleitenden Tabello-resen batten dagegen ihre Waffe von der Heimatb mitgebracht, und darunter ein kleines Messer, welches am Griffe eine beweglicbe, mit einem langen Haarbüschel verzierte Holzkugel trug. Das Haar war laut Aussage des Eigentbümers von ibm selber abkünftig '). Derartige Parangs findet man in dem von mir bereisten Gebiete sehr selten; icb traf nur nocb ein einzelnes Exemplar in Kawiri an der Südküste von Burn und ein zweites in Lokki, in beiden Fallen zum Tjakalele verwendet; ein drittes, welches in einem Gebethause an der Nordküste Burn's bewabrt wurde, war freilicb aucb mit Haaren am Griffe verziert, aber im iibrigen von abweicbendem Modell *), Die Waffe von Lokki, welche Taf. 31, Fig. 3 abgebildet ist, besitzt ohne den lose angebundenen Knauf mit Haaren 61 cm. Lange; sie wurde beim Tanze zusammen mit einem nur 65 cm. langen, mit Muscbeln ein-gelegten Scbilde benutzt, wie ich ihn aucb bereits aus Sammlungen kannte, offenbar dem Vorbilde des mit Papier beklebten Gegenstandes, dessen man sicb auf Ambon und den üliassern beiin Tjakalele bedient (vgl. pag. 58).

Bisber batte icb jene winzigen Scbilde lediglicb als Spielzeug angeseben, als verkleinerte Nachbildnngen der grosseren, seranesischen Webr, und ich war daher

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M'onn das Haar in diosem Fallo auch lediglicb als Zierrath zu betrachten ist, so diirfte es bei den Schwertern der ültoren Zeitcn doch wobl nur von Ersehlagenen hergerührt und die Rolle eincs Scliutz-fetisch gespielt haben (sieh folgende Anmerkung).

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nicht wenig' überrascht, als ich in Ajer Besar, woselbst ioh sie sowolil in einfaclier Form als auch mit Muscheln eingelegt wied er fan d, das Gegenlheil erfuhr. Ein alter Mann, dem ich einen solehen Schild ahkaufen wollle, weigerte sich namlich bestimmt, liierauf einzugehen, Mreil es sein einziger Schutz sei, und ich hörte min, dass diese Dinge in dor That für den Krieg henutzt würden. Es gilt zudem als Beweis von Tapferkeit, einen möglichst kleinen Schild zu hesitzen. Ganz die gleichen Gegenstüude sind auch auf Buru hekannt, von wo sie spater auaführlicher he-schrieben werden sollen,

Von Ajeh Bbsaii aus setzten wir unseren Weg am rechten Ufer des gleich-namigen Flusses landeinwarts fort, über eine ausgedelinte, sumpfige, mit Kusu-kusu bedeckte Ebene hin. Jenseits der jetzt etwa 20 Schritte breiten Wasserader und im Süden zeigte sich wahrenddessen ein niedriger Rücken von ahnlichem Charakter wie die bei Wahaï ansteigende Höhe, und aus einem Einschnitte des-selben, welcher vor inis in nahezu südlicher Richtung lag, trat das Ajer Besar in die genannte Ebene ein. Vora eigentlichen Gebirgslande der Insel ist alier in dieser Gegend nichts zu sehen, und die blauen, auf 800 m. geschatzten Gipfel, welche wir nabe der Mündung des Flusses in grosser Feme S 20° O wahrgenom-men batten, traten auf dem ganzen Wege nicht ein einziges Mal wieder bervor. Das Hügelland war bald erreicbt; von da ab ging es in dichtem, aher nicht sebr bohem Walde weiter, in dem sumpfiger Boden und Mosquitos eine unangenehme Zugabe bildeten; bie und da eine unbedeutende Anhöbe zu Seiten des Ajer Besar, dessen Lauf wir bald in grösserem Abstande bald in niicbster ISabe auf- und süd-warts folgten, aher nirgends eiu Aushlick und ausser einigeu Geschieben im Fluss-bette (unter denen sich recente Korallenkalke befanden) keinerlei geognostisches Untersuchungsobjekt.

Es war bereits 1.' Uhr nachmittags, als wir bei einer kleinen Hausergruppe anlangten, welche zu Wairama gehort und nach dem Flusse, an dem sie sich befindet, als Wairama Ajeh Besar bezeichnet wird'). Das alle Wairama, welches weit landeinwarts am oberen Toluarang liegt, heisst zura Unterschiede bier von Waiiiama ïepoa. An erstgenanntem Orte standen, zerstreut in einem tlacbhüge-ligen Terrain, nur 6 Hauser, und in einem derselhen fand sich genügender Raum zum Ubernachten, demi die Wohnung war, im Gegensatze zu allem, was ich bis jetzt bei den Alfuren gesehen, sebr gross. Ueberhaupt war ihre ganze Ein-richtung der Art, dass ich anfangs glaubte, mich in einer von Fremden gebauten Bebansung zu betinden, bis ich eines Besseren belehrt wurde.

1) Nacli der Hiedol'schon Karte sollte etwa in dieser (legend ein Ort Ensiii liegen, doch existirt ein solchor überhaupt nicht. Wuhl gicbt es ein altes Uuson namens Enso im Siidoslcn von Wahaï.

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Die Wohnung gehorte einem wohlhabenden Alfuren, welcher grosse Sagu-pflanzungen besass; sie lag einige Meter iiber dem Fhisse, und stand auf mehr als mannshoben Pfablen. Mittelst eines Baumstammes, in den Stufen eingehauen waren, gelangte man znniicbst in eine Gallerie, welcbe von oben ber völligquot; dnrch das Daob des llauses gescbützt, an den Seiten aber, bis anf eine niedrige Briistung von Gabba-gabba, offen war. Sie batte fast die Grosse eines Baileo an der Nord-küste von Kairatu, so dass unsere ganze Gesellscbaft nebst der Familie des Gast-herrn darin Platz fand, ohne aucb nur im mindestea beengt zu werden. Ibre Flur war in it gespaltenem Bambus belegt, welcher bequem auseinander gebogen werden konnte, nm kleineren Abfall da bindurch auf die Erde zu werfen, sowie es sich auch die sirikauenden Leute angelegen sein liessen, durcb den Bambus bin auf den Boden zu spucken, und der Verbleib unter der Flur der Wohnung, woselbst ich gerne meine Hangematte ausgespannt hiitte, wurde auf diese Weise leider unmöglich gemacht. In der Gallerie stand noch eine versetzbare Feuerstatte (Taf. 28, Fig. 14), ein viereckiger, etwa I Meter im Durchmesser haltender Kasten mit Erde. Als Licht wurde auch hier wieder Dammerbarz benutzt, welches in ein Blatt eingerollt war, wahrend ein viereckiges Gestell von Gabba-gabba als Leuchter fiir die Fackel diente.

Von dem grossen Vorraume aus gelangte man durch eine Thiir in den von Wanden umschlossenen 'I'beil des llauses, und diese Thiir besass regelrechte, hölzerne Pfosten, die noch überdies jederseits oben in eine lange, rob verzierte Spitze ausliefen (Taf. 28, Fig. 8). Drinnen befand sich eine Reihe von Katnmern, welcbe freilich unter dem Dache mit einander kommunicirten, aber im iibrigen durch Gabba-gabba geschieden waren. Das gleiche Material batte man zur Anfer-tigung der Aussenwande, bald in horizontaler bald in vertikaler Stellung, benutzt. Ich bemerkte in der Wohnung Tragkörbe, irdene Schiisseln und mancherlei Ge-rathe, und unter letzteren fiel mir besonders eine Anzahl eigenthiimlicher Pape-dalofl'el auf, die in einer Eeibe an der Wand hingen, und welcbe ich sonst nir-gends gesehen (Taf. 29, Fig. 17). Sie besteben aus zwei tlacben, dreiseitigen, 17—18 cm. langen und am unteren Ende 15 mm. hreiten Stiicken von Ilirscb-knochen, welcbe oben durcb einen Ring von vegetahilischem Flecbtwerk derart verhunden sind, dass die beiden Schenkel des Gerathes frei gegen einander beweglich bleiben und so cine in verschiedenem Grade divergirende Stellung einnebmen können. Geweihe und Unterkiefer von Hirschen, welche letztere in einer langen Reihe unter dem bohen Dache aufgehangen waren, pflegt man nicht nur als Trophiien zu bewahren, sondern aucb, um sich bierdurch f'tir die Zukunft eine gliickliche Jagd zu sichern.

Die Gegend ist ungemein reich an Hirschen, so dass das getrocknete Fleisch

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dieser Thiere auch als dendeng von Wahaï ausgefiibrt vvird1), und die Altaren von Wairama Ajer Besar besassen gute Jagdgewehre zur Erlegung des Wildes. Sonst wird es sowohl von den Seranesen der Nordküste als von den hier wohneu-den Ternatanen niit Lanzen erstochen, nachdem Huude das Thier yerwuudet haben. In der .Regel bedient man sich zu diesem Zwocke eiuer gegen 60 cm. langen Bambusspitze (Taf. 29, Fig. 16), welche aut' einen roli abgescbiilten Stock von ungefabr 2 m. Lange gesteckt wird; doch benutzt man statt deren auch wohl den zugescharften Beinknochen eiues Casuars''); ferner wissen die Leute den Hirscb in Schlingen zu fangen. Dass es nicht au Jagergeschichten über ein so viell'ach gejagtes, allum begehrtes Wild fehlt, ist leicht quot;verstandlich.

So erzahlt man sich vou einem weissen Hirsche, welcher an einem Bandab genannten ürte, am Flusse Büüi , jenseits Hoïti und eine halbe alfurische Tagereise von der Küste entfernt, leben soli. Dies Thier, miinnliehen Gescblechts und nicht grosser als ein ansehnlicher Hund, ist der König der Hirsche, und man behauptet, es mehrfach grasend gesehen zu haben, von gewöhnlichen Angehörigen seiner Art umgeben. Sodann soli am Strande ein Hirscb vorkommen, welcher gleich den übrigen gefarbt, aber durch seine aufia]lende Grosse ausgezeichnet ist; deun beim aufrecht stehenden ïbiere ragen die Spitzen des Geweibs höher über den Boden empor, als ein Alfure mit dem Parang aufwarts reichen kann. Eine Kugel vermag nicht in seinen Korper einzudringen, sondern tallt flachgedrückt von ihm ab.

Machte die Wolmung, in der wir Verbleib hielten, einen guten Eindruck, so war das nicht minder mit ihren Insassen der Fall, unter denen die Manner in kurzer Jacke, Kopftuch und einem bis zum Knie reichenden Sarong gekleidet waren, die Frauen in Rock und Jacke, so wie man es in den Stranddörfern sieht. Sie zeichneten sich alle durch ein gewinnendes Benehmen aus, und abends bemerkte ich, wie der Hausherr mit leiser, aber wohltönender Stimme seiner Frau ein Lied vortrug, welches er mit einer sehr kleinen, offenbar nur für den Ge-brauch im Hause bestimmten Tifa diskret begleitete. So schien deun auch hier im Gefolge eiues sorgenfreien Lebens und gesicberten Besitzes der Sinn für Edleres eingezogen zu sein.

In je einem Hause von Wairama Ajer Besar wolmie nur eine einzige Familie; die Manner haben daselbst 1—2 Frauen, aber nicht mehr; die Thüren sind, im Gegensatze zu Wakollo und Nuniali, beiden Geschlechtern gemeinsam. Von einem gebildeten Farbigen namens Moschenhccher, welcher sich in meiner

Gesellschaft befand und im Jabre 1875 die ebenso nutzlose wie kostbare militairische

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1) Ueber sonstigo Ausfuhr-Artikel von Wahaï vgl. Boot (Korto schets , pftg. Nach ihm botragt «lor gesammto Worth aller ausgefiihrton Waaren nur reichlich 12000 Gulden.

2) lioot orwahnt auch Lanzen mit Ëisonspitzo (I.e. pag. 1182).

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Expedition ins Innere von Walia'i mitgeraacht hatte. erfuhr ich, dass Jort die Bauart im wesentlichen die gleiche sei. ebenso die Zahl der Frauen; doch wohnt in den grossen Hiiusern des öebirgslandes stets eine ganze Rei ho von Kamillen, deren jede eine besondere Kammer mit ihrem eigenen Heerde besitzt, so dass sich daselbst ganze Soa's unter einem einzigen Daclie vereinigen 1).

Als wir am 20tcn April kurz nach (3 Uhr morgens den Weg fortsetzten, bemerkten wir noch Spuren der Wasserfluth, welche am verflossenen Abends nach starkem Regen an nnserem Aufenthaltsorte vorüber durch das Ajer Besar getost war; der Schlamm hing jetzt bis zu 5 m. hoch über dam Spiegel des Baches an der Ui'ervegelation, and in abenteuerlichen Stellungen waren gefallene Baum-stamme im Bette über einander bin- und zusammengeschoben worden.

Am jenseitigen Uier des Ajer Besar gingen wir zunachsfc einige niedrige und flachgipfelige Höben hinan, welche auf mich den Eindruck von stut'enartig ansteigenden Plateau's machten, und erreichten so etwa eine Stunde nach dem Aufbruche von der Station den höchsten Punkt des ganzen Weges, welcher nur 40 m. über dem Meere liegt. Wie sich sptiter herausstellte, ist dies ïïügelland die Wasserscbeide zwischen Ajeii Besaii und Mabsimato. Dann ging es alsbald wieder langsam ab-wilrts, und nun gelangten wir in ein ausgedehntes, stellenweise mit Sagupflan-zungen bedecktes Sumpfgebiet, in dem das Fortkommen ungemein schwierig ward, denn die Moraste waren von kleinen Bachen durchschnitten, deren Laut sich unter dem Spiegel der Wasseransammlungen nicht mehr wahrnehmen liess und nun mit Mühe aufgesucht werden musste. Zwar geleiteten uns die Alfuren von Wairama, ohne deren Hilfe Avir wohl kaum sehr weit gekommen wilren; aber es liess sich doch nicht vermeiden, dass ineine Leute haufig bis zum Nabel und noch weiter ins Wasser sanken, ebenso mein Reisegenosse, Herr van Bloemen Waan-ders, welcher es verschmahte, sich gleich mir hindurchtragen zu lassen; die Schuhe waren ihin liingst zerfetzt, und so hatte er die Füsse nur noch mit einem Stuck Hirschfell gegen schneidende Gegenstande geschützt. Zur Ausfiihrung eines solchen Marsches bedarf es freilich einer abgehiirteten Sohle, wie sie nur durch vielfaches Barfussgehen hei liingerem Verbleibe in den Tropen erworben wird, und selbst dann liisst sich eine derartige Strapaze wohl kaum auf die Dauer durchführen, ohne die Gesundheit aufs Spiel zu setzen und die Körperkrilfte aufzureiben.

Nach dem Passiren des Sumpfgehietes führte der Pfad durch eine Ebene, in der wir gegen 9 Uhr den Massimato erreichten, um seinem Laut'e eine Strecke

1) Nach Schulzo, welcher die Expedition von 1875 leitete, sind viele Hiiuser im Innern fiir 60, ja selbst fiir 100 Personen berochnet (1. c. pag. 118).

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weit entlang zu gehen und ihn hernacli m überschreiten. Der Fluss ist hier uur etwa 15 Schritte breit. Zwei Stunden spilter bethnden wir tins alsdann am Toluarano, obne daas es möglich geweseu wiire, auf dem Wege dortbin die Wasserscbeide der beiden genannten Flüsse /ai entdeckeu, demi wir gingen durcb ein tast völlig tlacbes Terrain. Indessen batte sicb der Toluarang scbon lange , bevor wir au seinem Uier anlangten, im Wafdo angekündigt, weil der Boden in Folge gewaltiger Uebersebwemmungen weitbin mit eiuein dicken, lichtgraueu Scblamme bedeckt und stellenweise mit Q-eröllen und Steingruss bestreut war. Mancber Waldriese war auch unter dem Andrauge der Wasserfiutben dort zu Boden gestreokt, und flacb ausgebreitete Wurzeln, tbeilweise scbon wieder von Farnen und anderen Pfianzen überwucbert, ragten vielerorts mauerartig in die Lull. Vor allem wurbs unfern des Stromes liiiufig ein boher Baum mit gaiiz glatter, laucbgrüner Hinde, deren Oberbaut sicb der Lange nach in braunen Streifeu absondert, so dass sein Stamm wie getigert erscbeint. Die Leute nenuen dissen, lur die Nabe grös-serer Flüsse Seraus cbarakteristiscbeu Baum offenbar aus solcbem Grimde palola Scblauge), in Babassa aia.

Der gauze Weg von Wairama bis zum Toluarang batte durcb Wald gefübrt, vorberrscbend in südöstlicber Eicbtung, und von anstebendem Öesteiu war so wenig wie am gestrigeu Tage eine Spur zu entdeckeu; icb war deswegen frob, in dem Sammeln einiger Concbylien miadestens einen tbeilvveiseu Ersatz für die in geognostiscber Hinsicbt verfeblte Reise zu finden. Bei Wairama las icb im Ajer Besar verscbiedene Süsswasserscbuecken aut'; die grosse, scblauke Mdania funiculus Quo/) cl Galm,, feruer M. clavus Lam. und Al, crenulala BcsA,; in der Qegend des Massimato traf icb lleliw ungulina L., welcbe daselbst durcbaus nicbt selten ist, ausserdem H, zonar ia L., worunler var. fulminala o. Mart. und var. Martini Sehepm., sodann Nanina citrina L. und Cyclotus amboinenais Pfr,

Da waren wir nun an unserem nacbsten Reiseziele aiiffelaufft. aber die Eut-

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tauschungen, welcbe mir in Wabaï bereitet wurden, batten ibr Ende uocb nicbt erreicbt; deun ein Bliek auf die rascb tliessende, etwa 100 Schritte breite Wassermasse des Toluaeang belebrte uns, dass es uumöglicb sei, dem Plane gemass in seinem Bette bis ins Gebirge aufwarts zu gélien. IJie Mittbeiluug, nacb welcber wir an diesem Punkte eineu ziemlicb seiebten Wasserlauf finden sollteu, so dass wir die Heise bis nacb Wairama Tevoa obne Scbwierigkeit würdeu ausfübren köunen, er-wies sicb als l'alscli; der genanute Ort war aber noch eine alt'uriscbe Tagreise weiter landeinwiirts gelegen, und dortbiu zu Seiten des Flusses im Walde den Weg zu sucben, durtten wir nicht unternebmen, am wenig sten mit der Handvoll fremder Leute, die uns nicht nur ungerne begleiteten, sondern aucb landesunkundig waren, feo blieb also nichts anderes übrig, als zur Kuste zurückzukebreu, uud os wurde

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beschlossen, den Weg flussabwürts nacli Pasahari zu nehmea; demi dazu riethen auch die Alfuren von Wairama Ajer Jiesar, und sicherlich konnte diese Raise niclit beschwerlicher werden als diejenige, welche wir gestern mid am Morgen des lieu-tigea Tages ausgeführt. batten. Wie weit wir von Pasahari entfernt seien, liess sich freilich nicht genau feststellen, da die Leute einem die Abstiiiide nur mit Hilfe der Sonne einigermaassen deutlich machen können: „Wenn ich mit Tages-anbnich fortgehe, bo wird die Sonne bei meiner Ankunft so hoch stehenquot; — aber wir glaubten auf 5 Stunden für einen Alfuren rechnen zu müssen und daher selber den Weg wohl im Lauf'e eines einzigen Tages zurücklegen zu können, was sich nachher auch als richtig erwies.

Da wir schon um 11 Uhr 15 M. morgens am Toluarang eingetroffen waren, so blieb noch Zeit genug übrig, um im Lauf'e des Nacbmittags Flösse für die auf den folgenden Tag festgesetzte Fahrt öussabwarts herzuriehten, eins für Herrn van Bloemen Waanders und mich selber, ein anderes für unsere Bagage. Die Leute holten zu diesem Zwecke Gabba-gabba herbei, da in der Nilhe viele Sagupalmen wuchsen, und befestigten dies leichte Material mittelst Bast an Baumstammen; kurz nach 4 Uhr war die Arbeit fertig. Inzwischen batten wir uns in einer Hütte ain Ufer eingerichtet und fand ich selbst noch ein lohnendes Untersucbungsma-terial iu den reichlicben Flussgescbieben, wabrend die Alfuren mit gutem Erfolge auf die Hirschjagd zogen. Das Fleisch der Beute wurde danu, wie gewobnlich , an Stöcke gesteckt und ohne weiteres geröstet; hernacb setzten sich die Trager in Eeiben auf Baumstamme, welche unfern des üfers in seichtem Wasser lagen, um so behaglich und trockenen Fusses ibre Sagubrode einweichen und dazu die Knocben abklauben zu können; sie hielten eine Festmablzeit und waren sicherlich im Augenblicke um ibre Zufriedenheit zu beneiden. Uebrigens war der Verbleib am Toluarang, die vereitelten Pliine abgerechnet, auch für mich nicht ohne Eeiz, zumal das Wetter leidlich blieb und auf einen kleinen Regenguss gegen Sonnen-untergang ein schöner Abend und eine sternenklare Nacht folgte, welche einzelne Leute schwatzend verbrachten.

Am 21t011 April wurde in der Frühe die Bagage eingeladen und kurz nach 7 Uhr die Fahrt begonnen. Wir liessen uns vom Strome abwarts treiben, wabrend je zwei Leute vorangingen, um die Flösse mittelst langer Uottantaue, die jeder-seits an ibren vorderen Beken befestigt waren, zu leiten. Es geschab dies nicht nur mit Rücksicht auf die zablreicben Krümmungen und die ausgedebnten Geröll-banke des Flusses, sondern vor allem auch der Baumstamme wegen, welche unter seinem Spiegel verborgen lagen und über die unsere Fahrzeuge manchmal mil grosser Yorsicht hingezogen werden mussten. Die tieferen Stellen des Stromes

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■warden tou den Leuten aus Furcht vor Krokodilen so viel wie möglicli vennieden. Freilich steilte sich heraus, dass die ïragkraft der primiliven Transportmittel niclii ganz genügend sei, und ein Theil der Bagage wurde durchnasst, doch ging im iibrigen alles vortrefflich von statten; wir förderteu so rasch wie im guten Marschscliritte, und die Fahrt gewahrte mir trotz des unbequemen Sitzes aul' dem wasseriiber-strömten Flosse einen hohen Genuss.

Unter starken Krümmungen fliesst der Toluarang nach jV 0; hie und da treten niedrige Hügel an ihn heran, um am Wasser in stellen Abstiirzen zu endi-gen, welche bis zu 30 m. hocli und von gelb verwittertem Erdreich gebilde) sind, sonst bleiben aber die Ufer in dieser Gegend liach und sind sie von einem massig hohen Walde bedeckt, welcher sicli wieder durch Reichthum an Kletterpalmen und Pandanus auszeichnet. Letzterer, aus dessen Blattern die Leute Matten und Prau-segel zu verfertigen wissen, ist vielfach mit Schlinggewachsen behangen, welche nun als zierliche Draperieen von seiner Krone herniederfliessen. In dem mannig-fach abgetönten Grüne der formenreichen Vegetation tiefe Schlagschatten, wiihrend das rasch dahineilende, strudelnde Wasser des Stromes im Sonnenscheine glitzert und scbiiumend über entwurzelte Baume und Greschiebe sich hinwiilzt; hohe Graser am Ufer, auf den grauen Geröllbanken und im Flussbette unsere Begleitung, watend, tragend, ziebend oder mit lebhaften Geberden den besten Wegerörternd — wie bedauerte ich, das alles nicht in einem farbigen Bilde festhalten zu kunnen!

Nachdem wir reichlich 2 Stunden lang auf dein Toluarang abwarts gefahren, musste der Fluss leider verlassen werden, weil jetzt sein Bett fiir die watenden Leute zu tief und die Zalil der von Baumstammen gebildeten Flussperren zu gross schien; wir gingen daher au seinem linken Ufer in den Wald biuein, woselbst uns wieder ein sumpfiger Boden und eine ganz entsetzliche Mosquitos-Plage empiing. Rechts von dem noch immer N O führenden Wege lag ein ziemlich ausgedehnter, von Sumpfpflanzen überwucherter, seichter See, und nacb einigen Stunden passir-ten wir eine zweite Wasseransammlung, welche bedeutend kleiner, aber von so eigen-artigem Reiz war, dass es mir leid that, als ibr Spiegel von den hindurchzie-henden Menschen getrübt wurde. Deun nicht die kleinste* Welle krauselte ilire blinkende Oberflache, und in dem Wasser standen nur grössere Büume mit brei ten Wurzelenden und machtigen Stützplanken, gerade weit geinig- von einander ent-fernt, um die Sonne noch hindurchtreten zu lassen, so dass sie sicli sammt ein-zelnen, gleich machtigen Guirlanden von Zweig zu Zweig reic,benden Lianen mit vollster Scharfe in der rubigen Wasserflache des Waldbodens spiegelten. Farnen-gestriipp scbloss rings umber den lichtvollen Durchblick ab.

Um 12' Uhr langten wir in Pflanzungen au, welche zu Pasahari geboren und sicb in der Niihe des Faun, ei nes Kebenflusses des Massimato, befinden. Es

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standen dort nur zwei [fiuiser vou gleielier Art wie in Wairama Ajer Besar, doch waren dieselben rait noch melir Sorgfalt gehaut, der Atapp Ine und da hübsch kreuzweise getlocbten und die Gallerie mifc einer grossen Zahl von Jagdtrophiieu ge-schmiickt, welche wiederum gleichzeitig hestimiat waren, dem Bewohner sein Glück zvi erbuiten. I nterkiefer und (jeweilie von Hirscbén hingen auch hier in Mengen umber, und unter diesen batte man die jungen, noch nicht gefegten Hörner sorg-faltig eingewickelt, um sie spater an Cbinesen verkauten zu können, welche die geiïissreicheii Tlieile als Mediciu, und zwar als ein krafterzeugendes Mittel, scbatzen. Fischscbwanze waren au die Tbürpfosten geklebt; unter dem Atapp steckten ge-trocknete Köpfe und Brustbeine vora Casuar, Scbildel des Cuscus, Wirbelsaulen von Piscben und Brustscbilde grosser Krebse; daneben fanden sich aus Palmblattern gefertigte Ilüllen, in denen die Bewohner des Hauses früber irgend etwas ge-schickt bekommen batten und die sie nun, auffallend genug, als Brinnerung be-wabrten, ierner einzelne Schalen grosser Cyrenen, welche aus der Mangrove-Vegetation der Küste mitgebracbt waren und zur Kerstellung von Lampen benutzt wurden, endlich ein Ruder und noch manche andere Kleinigkeiten. Die ganze Gallerie, in der wir einige Zeit .Rast hielten, machte auf'solche Art den Eindruck einer wohnlicben Hauslichkeit.

ünter den Geratheu bemerkte ich einen Eeismörser (Taf. 28, Fig. 4), welcher weit kunstvoller und praktischer gearbeitet war als der oben ') von Wakollo und l'asania beschriebene, mit flachem Fusse, langen seitlichen Handhaben und rund-licher Höblung, im ganzen 1,70 m. lang und aus einem einzigen Holzstücke ge-schnitten. Sodann tand sich eiue Vorrichtung zum Tragen vor (Taf. 28, Fig. 13), bestehend aus einem ovalen Eahmen von Rottan, welcher 95 cm. lang und 30 cm. breit war, im Zickzack mit dunnen Streifen desselben Materiales überspannt und bestimmt, um gleich einem Tornister auf den Rücken gelegt zu werden, nachdem die Last darauf festgehunden; doch wird die letztere durch ein um die Stirn gelegtes Band gehalten.

Um 2 Ubr nahmen wir von unseren Wirtben, welche im Ausseren den Leuten von Wuirarnu durch airs glichen, Abschied, um den Weg zum Nordstrande fort-zusetzen, und gelangten nun alsbald in eine sumpfige Gegend, in der dicht an-einander gereihle Erdhügel von J—^ m. Höhe das Geheu ausserordentlich erschwerten. •Man sagte mir, dass sie von Krebsen herrübrten, und es ist wobl kaum zu be-zweifeln, dass dies dieselben Tbiere sind, welche ich spater in der Ehene von Kajeli als T/ialassina anomala Herhst kennen lernte 1). Glücklicberweise dauerte die betreflende VVegstrecke nicht gar lange; dann schifften wir uns in einem tieten

1) vgl. pag. 175.

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sioh Naheres boi Bum.

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Moras te mit einiger Miilie in eine Eeihe von Prauen ein, welch e ims den Faun abwarts nach Pasahari bringen soil!en. Das genannte Qewii-sser verlaul't ganz in Mangrove, die in einigem Abstande von der Kiiste wiederum mit iSipapalmen vermischt ist; es liatte im Beginn nur 6 Schritte Breite, erweiterle sich danu abwarts bis auf 40 Schritte, um hernach abermals zusammennuscbruinpfen und sich nun unfern Pasahari mit dem Massimato zu einem 50 Schritte breiteu I'lusse zu vereinigen. Um 3 Uhr nachmittags batten wir unser Ziel erreicht.

Pasahari liegt auf einer ausgedebnten, weuig iiber den Meeresspiegel bervor-ragenden Sandbank, welche die Mündung des Massimato zur Rechten grossenlheils abschliesst, wahrend sie nordwarts vom Oceane nnd siidwarts von einer Ausweitung des genannten Flusses begrenzt wird. Hier leben in dem von Mangrove einge-scblossenen Brakwasser in grosser Zahl (,'yrenen, Cp-cua coaxan* Martens und C. papua Less., deren Schalen überall umherliegen, weil die Leute sie essen, des-gleichen Telescopium fuscnm Chemn. und l'otaniides paluslris Brmj. Jenseits des Flusses, an seinem linken Ufer und im Westen des Dorfes, wird der Bliek durth eine Gruppe von Casuarinen abgeschlossen, welche bier, einer Ltirchenwaldung iibn-lich, den Meeresstrand begleiten. Der Ort selbst machte einen sehr unbedeutenden und armlichen Bindruck, denn es belanden sich daselbst, zu beiden Seiten oines unregelmÉissig mit Cocospalmen eingefassten AVeges, nur 15 schlecht in Stand gc-haltene Hiiuser. Doch darf man hieraus keinen Schluss auf die Lebensverbaltnisse seiner Einwohner ziehen, denn auch die wohlhabenden Leute, bei denen wir am verflossenen Mittage Rast gehalten, haben in Pasahari nur ein paar elende Hiitten, die aber meistens leer steheu, weil ihre Eigenthiimer sich aus leicht erkliirlicben Griinden im Innern bei den Pflanzungen aufbalten, und so mages auch mit anderen Familien dieses Ortes bestellt sein, znmal in der Mangrove ringsumher keine Giilegenheit zum Anbau irgend welcber Nutzpflanzen geboten ist.

Die kleinen, auf Pfiihlen von balber Mannsböhe errichteten Wohnungen, deren Seitenwande von Atapp aus Nipabliittern bergestellt sind, erinnern dnrchaus an die-jenigen von Sawaï, und wie dort, so haben die Leute auch in Pasahari am Ufer des Binnengewassers ihre Bote auf Gestelle gelegt, was man übrigens ebenfalls an der Nordküste von Saparua bei Nolot sehen kann. Nur das Haus des Regenten, bei welrbem uns zu Ebreu eine traurig zerfetzte, niederliindische Flagge vergeblicbe Flatter-versuche anstellte, sowie dasjenige des Guru (eines christlicben Lebrers) sind im ambonschen Stile, im iibrigen aber aus dem gleichen Materiale wie die anderen Hiitten erricbtet. Die Bewohner, obwohl zum Cbristenthume bekehrt, kleiden sich, mit Ausnahme der beiden genannten Würdentrager, nacli Art der Mohammedaner.

Vom Strande aus liegt die Spitze des Tandjunö Sacolla A fKP //', und davor

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scliiebt sich etvvas weiter siidöstlich das Tj. Labuan ; Ar 65°O beöndet sicli in nachster Nühe die Mündung des Toluakang. Wir schifften una liier am 22ti'n April nm 8 U. 5 M. morgens in ein kleines Boot ein, mit dem wir nm das Kap Sacolla hin nacli Waliaï zurückkelirten, nnd da die Falirt keinerlei Unterbrechung mehr erlitt, so war dieser Ort bereits um 11 IJ. 15 M. vormittags erreiclit.

Der Aufenthalt in Waliaï hatte bei allen den gescbilderten Enttauscbungen, welcbe mir durcb die dortige Bevölkerung bereitet wurden, doch audi seine nicht zu unterschatzendeu Vortheile, deim die verhaltnissmassig ruhige Zeit und der angenehme Verhleib im Hause meines Gastherrn kraftigten den Körper aufs neue für die Strapazen der folgenden Eeisen, denen ich ohne eine solche Erholung vielleicht nicht gewachsen gewesen ware. Sodann verdanke ich der geschickten llilfe des dort anwesenden 2tl-n Lieutenants K. L. F. A. Thöri// die Reparatur eines meiner photographischen Apparate, wodurch mit dauerndem Erfolge einem biisen Uebelstande abgeholfen wurde.

Doch wird es jeder begreiflicli finden, dass es mir wie eine Erlösung aus langer Gefangenschaft erschien, als gegen Mittag des 24ten April der Arend ge-meldet wurde, welcher den Residenten nach Wahaï brachte. Freilich inusste ich von letzterem alsbald erfahren, dass in Ost-Seran die Pocken ausgebrochen seien, wodurch mir vorlaufig jede Qelegenlieit zu Untersuchungen in der Abtlieilung Warn genommen war; denn wenn ich audi selbst die Krankheit nicht gefürchtet hiitte, so pflegen doch hei ihrem Erscheinen allo Leute in die Wiilder zu fliichten, indem sie die Siechen in den Stranddörfern ilirem Schiksale überlassen, und die Beschaffung von Mannschaften wird dadurcli zur Unmöglichkeit. Auch die Helse zum Bobot erschien nicht mehr rathlich, weil man nicht wusste, oh die Pocken nicht etwa schon bis dahin vorgerückt seien; sollte dies aber spaterwahrendmeines eventuellen Aufenthaltes in jener Qegend gescliehen sein, so ware ich daselbst lange festgehalten worden und hiitte ich nicht sogleich nach Ambon zurückkehren dürfen. Zudem war die beste Zeit für Untersuchungen im südlichen Seran verstri-chen, denn der Regen hatte sich hier bereits eingestellt, und Ueberströmungen in den Flussbetten, welcbe jeden Erfolg in Frage steilten, waren zu fürchten; endlich sind Fahrten mit dor Oremhai an der Südküste wahrend des Ost-Musons mit Qefahr verblinden. So wurde denn nach langer Berathung beschlossen, dass ich den Residenten über Hatusua und Amaliei nacli Buru begleiten sollte, um meine Forschungen auf dieser Insel fortzusetzen.

Am 26ten April um Uhr nachmittags dampfte der Arend von Waliaï ab, und reichlich 24 Standen spater befanden wir uns in Hatusua, woselbst ichmeinen alten Reisegenossen Vleiers nochmals wiedersah; am 28tei1 April wurde dann die

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Fahrt in der Friilie fortgesetzt, und nach fast 6 Stvmdeu lag der Dampfer auf der Ehede von Amahei. Hier traf ich audi den Posthalter van Gent zurück, welclier mich sammt dom erkrankten Dolnietsrli Kuhuwad schon am 15tequot; April in Wall ax verlassen liatte, indem er von dort mit dem Camphuijs von der Neu-Guinea Linie der I'aketvaart-Maatsclappij zunachst nach Ambon uiul weiterhin nach seinem Wohnorte heimgekehrt war. Am Mittage des 29tun April endlich liclitete der Arend seinen Anker, mn nach Kajeli zu fahreu, nördlich von Ambon und den Uliassern und im Süden des Kap Sial hin — für micli, der ich mit den Ilelieffbrmen der umgehenden Insein vertraut geworden war, eine sehr instruktive Eeise, hei welclier viele der mit Miihe gewonnanen Eiuzelheiten nocbmals im iibersicht-lichen Gesammtbilde und gleichsam aus der Vogelperspektive an meinem geistigen Auge voriiberzogen. Dann ging ich t'rolien Mulhes dem neueu Arbeitsfelde entgegen.

10. ANHANG: ETENOGRAPHIOA.

Wahrend die meisten ethnographisclien Gegenstande bereits im Reiseberichte ihren Platz fanden, bleibt mir deren noch eine kleine Zahl zu beschreiben übrig, welche sicli an die obigen Schilderungen nicht wohl anreiheu liessen. Es sind das folgende:

1. Mannlicher Schuiiz , ijidako, (Taf. 2J5, Fig. I jgleich dem oben von lloni-tetu beschriebenen. Das Bastzeug ist auf lichtbrauneiu Grunde mit zahlreichen Verzierungen von blauer, brauner und gelber Farbe versehen, und die einzelnen Figuren sind von achwarzen Raudern eingefasst. Namentlich der eigent liche Gürtel und die beiden Enden sind sehr reich bemalt, und auf der Mitte des ersteren, hinten, fallt vor allem ein System concentrischer Ringe in die Augen, an die sich jederseits eine horizontale Reilie kleinerer und mit einander verbundener Kreise anschliesst. Im übrigen ist das Kleidungsstück in regelmiissigen Abstilnden mit bunten Querbinden versehen. Es ist im ganzen 3,66 m. lang, der miteiner Einlage versehene Gürtel in der Mitte 12 cm. liocli; das eine Ende, welches über die Scliamtheile herabfallt, misst unten in der Brei te 27 cm., das andere llcm. Der Gegenstand stammt von der Nordküste der Abtbeilung Kairatu.

2. MANNLicnBH Schurz mit unverziertem Rückenschiliie. Das Zeug- ist weiss, an den beiden Aussenenden mit einigen gelben, weit von einander entfernt stellenden Querbinden versehen; aufwarts folgen dann zahlreiche, unregelmassige, dicht ge-dningte Straten und Flecken von gleicher Farbe, die Mitte des Gürtels entbehrt aber audi diese Yerzierung ganz und gar, lm übrigen gleicht der Gegenstand dem vorlier beschriebenen; er ist im ganzen 3,54 m. lang, der Gürtel in der

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Mitte 10,5 cm. hoch, und die beiden Enden siud 28 uud 9 cm. breit. Ebenfalla Ton der Nordküste Kairatu's abkünftig.

3. Mannlicheii Sciiüez (Taf. 23, Fig. 2), dessen Eückenschild in der Mitte ein System concentrisclier Ringe von abwechselnd schwarzer, gelber und brauuer Farbung zeigt. Die Zabl der Ringe betragt 9, und die beiden aussersten sind an vier, kreuzförmig einander gegenüberstehenden Punkten winkelig ausgezogen, so dass eine sternartige Figur entstelit. Dieselbe Verzierung, aber nur aus 7 Ringen gebildet, befindet sicli auf dein breiteren, beim umgelegten Tjidako vorne berab-liangenden Ende, dessen Aussenrand gezackt ist (2,') und in der Mitte eine unvoll-sliindige Querbinde von gleicher Farbe mit den Ringsystemen zeigt. Sonst ist an dem ganzen Gürtel nirgends ein anderer Sehmuck vorhanden.

Auffallender Weise ist diese Leibbinde im ganzen nur 2,40 m. lang und kann sie des wegen aucb nicht ganz in der oben bescbriebenen Weise angelegt werden, Offenbar hing das vordere Ende einfach als Schurz lierab, obne noch erst uui den Körper geschlungen zu sein, und wurde das langere, scbmalere, zwisclien die Beine hindurchgezogen. Der Gürtel ist in der Mitte 9^ cm. boch, sein vorderes Ende 16 cm. breit, wahrend das andere ganz spitz zuliiuft. Der Gegenstand stammt von Massisibulan, an der Rai von Sawaï.

4. Wbiblicher Sciiamgürïel (Taf. 23, Fig. 3), vermuthlich für ein junges Madciien (vgl. unter K0 6). Ein Zeugstreifen von geklopftem Bast, gleich dem-jenigen der niannlichen Tjidako's, von 1,33 m. Liinge und 3—3} cm. Breite. An dem einen Ende befindet sicb eine steife, vegetabiliscbe Einlage von langlich-rbombischer Form, welche 20 cm. lang und in der Mitte 3^ cm, breit ist. Dieser Theil ist ferner in der Mitte geknickt, so dass ein doppeltes, langlich-dreiseitiges Scbild entsteht, welches vor die Schamtlieile gebracht wird und zwischen dessen beide Halften der nicht gesteifte Theil des Zengstreifens hindurchgezogen werden kann, nachdem er zwischen die Beine Mn und um den Leib gelegt ist, Jede Farbung fehlt. Der Gegenstand stammt von Massisibulan bei Sawaï,

5. Weiblicmbb SciiAMflüJiTEL (Taf, 25, Fig, 4), für ein junges Madchen be-stimmt. An einem runden, tauartigen, ungefarbten Pflanzengeflechte von grauer Farbe und 80 cm. Lange, welches um den Leib gebunden wird, ist ein liinglichquot; dreiseitiges Schild befestigt, durch welches die Schamtlieile bedeckt werden, Das-selbe ist 8| cm. lang und oben reichlich 3 cm. breit; es besteht aus unbearbeite-tem Pflanzenbast und ist sammt einem langen, schmalen Streifen, welcher unterhalb des Schildchens zusammengedreht und zwischen die Beine hindurchgezogen wird, aus Einem Stücke angefertigt. Das Ende des Streifens wird einfach hinten um den Gurt geschlungen. Alfuren von Lisabatta, in VYabaï.

0, Wbiblicheu Sciiamgühtel (Taf, 25, Fig, 3j, für eine verheirathete Frau.

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Unterscheidet sich von (iem vorigen dadurcli, dass der Gürtel aus einem flaclien, roth gotarbten Rotiangelleclite besteht. Er misst 48 cm.; das Schildcben ist 10 cm. lang und oben 'H cm. breit. Dieser Tjidako darf mir a'oii der recbtmassigen Gattin getragen werden, d. b. nacli Zablung des ganzen Brautscbatzes; bis dabin wird der Madcbeugürtel audi von der bereits geebelicbteu Fran beibebalten '). Aliuren von Lisabatta, in Wabaï.

Einen rotli gefarbten Frauengurt der eben bescbriebenen Art erbielt icli audi aus Massisibulan, von wober ebenfalls der unter N0 4 angefubrte Gegeustand stammt. Es ist somit, nacb Analogie der von Lisabatta abkünftigen Objekte, kaum zii bezweifeln, dass letzterer einem jungen Madchen angeborte.

7. Kopfputz (Taf. 27, Fig. 5). An das ovale, 8 cm. im I )urcbmesser ballende Brucbstück einer grossen, flacben Muscbel ist innen eine Eeibe von Federn iest-gebunden, nacbdem die meisten von ilmen zunacbst in Stücke von dicken Gras-stielen gesteckt sind (5a). Es beflnden sicli darunter zwei nacb oben divergirende Büsebel von Hiibnerfedern, welcbe mit einigen Federn aus dem Habnenscbwanze endigen, und von diesen ist eine einzelne an der Spitze, langs des Scbaftes, zer-spalten. In gleicber Weise, aber der ganzen Liinge nacb, ist ein Büsebel von licbtgelben Scbwungfedern des rotbbaubigen Kakadu's zertlieilt, deren Fabnen sicb biedureb zierlicb krümmen; sie liiingen beiderseits unten berab. Kleinere, roiblicbe Federn aus der Brust desselben Vogels stecken dabinter, und endlicli sind nocb einige Federkiele in dem Scbmucke angebracht, an denen nur oben ein sebr kleiner Tbeil einer weissen Fabne erbalten blieb. Das Ganze ist 30 cm. bocb und wird vor die Stirn gebunden 1).

Icb sab ausserdem einen Kopfscbmuck (Taf. 26, Fig. 1) bestellend aus einem Haarbande von Eottan, an welcbem über der Stirn zwei lange, flacbe, weit bogen-artig nacb binten überbangende und mit Federn besetzte Streifen angebracbt waren. Hierfiir batten ausscbliesslicb Hiibnerfedern Verwendung gefunden.

Beide Gegenstande werden von den 1'ata-lima in Massisibulan bei Festlicli-keiten getragen, unter anderem beim Tanzen des l-ahua (= mako oder Jcarori), so-wie von dem Alfuren, welcber sicb auf die Kopfjagd begiebt. Audi bei den Pata-siwa sind, laut mir gegebener Versicberung, die gleicben Zierratbe bei solclien Gelegenbeiten in Gebraucb.

8. Kamm (Taf. 25, Fig. 2), im wesentlicben gleicli dem oben von Honitetu bescbriebenen, aber mit verzierter Handbabe, Die Verzierung besteht in Einker-

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Nach van Doren hcissl dieser Schmuck walahaic und darf er nur von Leuton getragen worden, welelie bereits viele Kopte erbeutot baben (Fragmenten I, pag. 166),

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bungen sowie in eingeritzten und geschwarzten Figuren, welclie auf der Aussen-Hache des Bambusstückes angebraclit sind. Die gegenüber liegende Fliiche der Handhabe zeigt ferner in der Mitte einen Langskiel und zu seinen Seiten je eine l'erlenreihe, wabrend unten noch eine aus drei Schnüren gebildete Quaste befestigi ist. Diese Scbnüre besteben aus kleinen, blauen und weissen Glasperlen; sie tragen an ibren Enden einen flachen, aussen gekerbten, von einem Sclineckengewinde bergestellten King nebst einem Paar rother Frücbte und einer einzelnen grosseren Perle. Der Gegenstand stammt aus der Abtbeilung Wabaï.

9. Tasche (Taf. 27, Fig. 4) aus Flechtwerk (von Rottan?) im Zickzackmuster, mit liegendem Andreaskreuz und Grappen von vier, einander mit den Spitzen beriibrenden Dreiecken, aus sebwarzeu und ungefarbten Streifen bergestellt. Oben wird der Rand von einem rotb geÜeokten Rottanbande eingefasst; zwei scbmalere derartige Streifen sind in der Mitte der Lange nacb durch das Flechtwerk binge-zogen und jederseits mit einer blaueu Glasperle verziert. Ein Deckel oder eine Klappe ist nicht vorhanden. Die ïasclie ist in der Mitte 22 cm. lang, dabei lüj cm. boch und oben 7 cm. breit; sie stammt von der Nordküste der Abtbeilung Kairatu.

Ganz die gleichen Taschen sah icb wiedenim in der Abtbeilung Wabaï, wo-selbst sie mit den flaidien, von Schneckengewinden bergestellten Muschelringen versehen waren, die ich oben als Zierrath eities Kammes erwahnte, und welche in dieser Gegend, gleichwie in Honitetu, auch als Halsschmuck Verwendung finden. Sie dienen offenbar demselben Zwecke wie die früher ') beschriebenen Taschen von Segeltuch.

10. Kalkköchkii füu Sua (Taf. 23, Fig. 4) aus einer Kalabasse, hakenför-mig gebogen; am Stiele mit einer Quaste von weissen Perlenschnüren verseben, an deiien Frücbte einer Sapotacee hangen, sowie mit einem Paar Messingscbellen, am anderen Ende mit einer Schlinge von grossen, bunten, sehr regelmassig angeordneten Glasperlen. Unten ist der abgestutzte Tbeil der Frucht durch ein Holzstück geschlossen, welches mittelst ïïarz befestigt wurde, und in dem uur am Rande eine kleine Oeffnung zum Auaschütten des Kalkes angebraclit ist. Mit Uil Ce der Schlinge von Perlen wurde der Köcher vermuthlich an einer Tasche aufgellangen, so wie dies oben bei den Alfuren von Honitetu beschrieben ist. Dieser Gegenstand, dessen Gesammtlange, vom Perlenschmucke abgeseben, 15 cm. betrilgt, stammt von der Nordküste der Abtbeilung Kairatu.

11. KalkköCher füu Siiu (Taf. 30, Fig. 4) aus Bambusrohr, an der Ober-

1) png. 125. — v. Rosenberg bildet einen Alfuren ab, weieher eine solclie Tasche aus Flechtwerk umgehangen hut (Mal. Archipel, pag. 313).

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flaclie mit zierliohen, eingeritzten und gescliwiirzten Figuren verselien, nahe tlem uuteren, gesclilossenen Ende mit einer breiten, ringförmigen Einkerbung. An dein anderen Ende wurde nach Einfiillung des Kalkes wiederum ein rundliclies Holz-stück eingelassen, diesmal mit 2 Oeffnungen arn Eando, ans denen der Kalk wie aus einer Pfefferbüchse ausgestreut werden konnte; der Verschluss war aber nicht weiter befestigt. Oleser Köcber, welchen ich in Kaibobo erlüelt, ist reiclilich 16 cm. lang und von den Etti-Alfuren des Innern abkünftig.

12. Kalkkochbu fCb Sim (Taf. 24, Fig. 7), ahnlich dein vorigen, doch ist sein Verschluss durch elnen Ring von Bambus hergestellt, welcher einen Kern von Gabba-gabba besitzt und so einen vollstandigen Deckel bildet, Dieser ist durch einen Faden mit dem Köclier verbanden. Die eingeritzten, schwarzen Figuren bestehen am Deckel sowie an den beiden Enden de» Köchers aus Querbandern, und eins derselben, welches 31 mm. breit ist, besitzt Zeichnungen, die, wie ich meine, Fische darstellen sollen (V1'). Auf dem fast 11 cm. langen Mittelfelde befin-den sich dagegen drei getrennte Bilder, unter welchen vor allem eine Eidechse (7C) sehr bemerkenswerth ist '), wiibrend die zweite Figur (7°) als Naclibildung der Sonne aufzufassen sein dürfte und ich für die dritte (7(1) keine Deutung zu geben vermag. Der Deckel ist noch mit einem Büschel von weissen Hühner- und orangefarbigen Kakadufedern geschmückt, und unten an dem Köclier betindet sich eine Quaste von bunten Glasperlen, an deren Enden eingekerbte, halbmondförmige l'erlmutterstücke hangen. Ohne Federn und Quaste ist der Gegenstand 22^ cm. lang; er stammt von Alfuren aus der Gegend von Lisabatta, in Wabaï.

13. Kbttbn (Taf. 23, Fig. 6—8), theilvveise sicher als Halsschmuck verwen-det (6), wiibrend andere vermuthlich schriig über der Brust getragen wurden2), vorherrschend aus Perlen verfertigt, welche nach Art der carolinischen aus Kussen geschliflen sind (6), ferner aus granen Früohten von linellia, welche an den be-treffenden Ketten mit einzelnen der erstgenannten Perlen regelmassig abwechseln (8), sodann aus Stückchen von schwarzen und gelb gefiirbteu Pflanzenstengeln (7) und einzelnen rothen, blauen, weissen oder sonst gefarbten Glasperlen. Hei einer zusam-mengesetzten Halsschnur (6) ist eine Doppelreihe von Nussperlen liie und da durch ein Paar rother Glasperlen verhuilden, so dass dieselbe gegliedert wird und die

1

Vgl. G. A. Wil ken, Bo Hagedis in hot volksgeloof dor Malajo-Polynosiërs (Bijdragen tot de taal-, land- en volkenkimde van Ned. Indiê; 5o volgreeks, Ce dool, 18i)l, pag. 4fl3 gt;iiid, was die Zusammen-stcllung der l.ideehso mit dor Sonne betritt't, besonders 1. c. pag. 476). Ich entnehme der botroft'enden Ab-handlnng noch, dass bei don l'apua's, Melanesiom und 1'olynosiorn Eidecbson vieli'aob in der Ornamentik vorkommen. Die Kideohso dürfte im gegebenen Falie mohr als eine Verzierung sein, niimlicb die Abbildung oines Ibieres, wolebes als totem verebrt wird; denn dor Glaube an die Abstammung von Thieren ist niobt uur in dem von mir bereiston Gebieto weit verbreitet (vgl. aucb Burn, unten), sondorn auf Burufindetsich obendrein dor ölaubo, dass dio Geister dor Abgostorbenon sicb in Eidecbson incarniren. (Riedel, I.e.pag. 8).

2

Vgl. obon, pag. 72.

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Glasperlen liierbei als Zwischenglieder dienen. Die Katten stammen alle von der Nordküste der Abtheilung Kairatn.

14. Bauchband (?) (Taf. 27, Fig. 1). Ein schwarzer Zeugstreifen von 63 cm. Lange mul 5^ cm. Breite, an den Randern der Liinge nacli mit je einer Doppel-reihe jener kleinen, abgeschnittenen Gehause von Nassa benaht. welclie die Leute an der Blpaputibai auf ihren Kopftüchern anbringen '). Dazwischen befindet sicb eine geschlangelte Doppelreilie von kleinen, weissen Glasperlen, mul die übrig bleibenden Felder sind abwecbselnd mit einer rohen, eckigen Glasscberbe und einem blumenabnlicb-viertbeiligen Perlmutterstückcben verziert. Man bat micb versicbert, dass der Qegenstand urn den Leib get ragen werde, docb ist mir unbekannt, wie derselbe [angelegt wird. Er ist von den Alfuren von Massisibulan bei Sawaï abkünftig.

1) Vgl. obcn, pag. 104.

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BURU.

1. KAJELI UJN'D UMÖEliUKG.

In der Frülie des 30s,en Aprils lang-ten wir vor Kajeli, dein Hauptorte der Insel Bum, au. Das Uorl liegt am südlichen Uier der tiefeu, kreisföraiigeii Bai gleiohen Namens, welche sich im Nordosten der Insel befindet, auf einer weuig iiber den Meeresspiegel sicli erhebenden, weit ausgedeliuteii Uferterrasse. Langge-streokt dehnt es sicli vor dem Auge des Aukömmliugs aus, und eine Reilie von Missigits, mohammedanischen Bethausern, mit stufenartig aufgebauten Spitzen, verleiht ilim von der Rbede aus ein stattliolies Ansehen. Doch mehr als hierdurcli wird das Interesse durcli die schone Landschaft gefesselt, welche rings-umher den Gesichtskreis abschliesst: Hinter dem Orte steigt im Süden die breite Masse des 1410 m.1) hohen Batubua empor, welche von der Bai aus den Ein-druck eines riesigen, flachen Schildes macht; sie ist last stets von Wolken ge-krönt und triigt auch bei klarem Wetter meist eine Nebelkappe, welche das Relief des Qipfels völlig getreu nachahmt, ohue es dadurch dem Auge zu entziehen; die scharfea, dunklen Linien, welche sich von der dichtbewaldeten Höhe aus thal-und seewarts erstrecken, sind nur dem Eingeweihten als tief einschneidende Wasser-risse bekannt und verrathen keinem auf den ersten Bliek die grosse Anstrengung, welche das Erklimmen des bis dahiu nocli unbetretenen Gipfels erfordern könnte. Ein welliges Hügelland, welches allmahlig nach Nordosten zu abfallt und hier an der Bai im Kap Fusan endigt, schliesst sich an den Fuss des die Gegend beherr-schenden Batubua au, und ihin ist im Südosten des Ortea eine pittoresk gestal-tete, klippige, graue und über 500 m. hoch ansteigende Gebirgsmasse autgesetzt, welclie von den Seeleuteu „Mutter und Toch terquot; {moeder en dochter), von den Strand-bewohuern Kakusan und von den Alfuren Ploï genannt wird. Diese vom Zalm der Zeit zerfressene llölie, die ich spiiter als ein lief zerklüftetes Kalksteiugebilde kennen lernte, gilt den Bewohnern, gleich dem Batubua, für heilig. Das Itügel-

1

Dieso Angabo beruht. auf meiner oigonon Mcssung, deren Kesultat morkwürdig gut mit dor durch Gregory ungegebenen Sclüitzung iibereinstimmt; denn letztere betrug 4500 rheinl. l'uss, also 1413 m. (Gregory, Zeemans Gids, [mg. 194).

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land, welches hier im Oaten der Bai nahe ana Meer herantritt, um daselbst vie-lerorts in klippigen Abstürzen zu endigen, ist mit Gras und Kajuputi (eiu sicheres Zeicheii von Unfruchtbarkeit) bestanden, und da der genannte Baum lichte Wal-duugen bildet, so sieht man des feinen Lanbes wegen aus grösserem Ahstande im wesentlichen nur die hellen Stamme und Zweige, welcbe besenartig hervorragen, und aus nooii weiterer Feme nimmt jenes Hügelland meistens ein brtlunliches Kolorit an. Ein gleichee Belief und gleichen Bflanzenwucba bemerkt man unweit des nördlichen Ufers der Bai; einzelne flachkegelige Spitzen beben sicli daselbat hervor. Nur in den Erosionafurchen dea Hügellandes, im Korden und Osten der Bai, entwickelt aicli eiu üppigeres Grün, welches die Eintönigkeit des Kolorits wohlthuend unter-bricht, und zwischen den genannten Hohen breitet aich ala westliche Fortsetzung der Uferterraase von Kajeli eine weite, von den Anachwemmungaprodukten des Wab Apu gebildete Ebene aus, welche mit üppig wuchernder, hellgrüner Mangrove am Meeresufer endigt.

Die Landung ist bald bewerkstelligt, und wir befinden uns nahe dem Forte JJefende in einer grashewachsenen Ebene, aus der nur einzelne Biimne, vor allem Binangpalmen und Brodbiiume, aufragen. Ihr Boden ist mit zahlreichen, mebrals fusahohen Erdbiigeln bedeckt, in denen man mehrere Centimeter weite, rundhche Schlupflöcher bemerkt. Sie werden von einem langscbwiinzigen Krebse anfgeworfen, T/alassina anomalu llcrhst') genannt, einem Thiere, welches icli spiiter nur mit grosser Miihe uach zahlreichen, vergeblichen Grabverauchen erldelt, und über dessen Lebensweise bis dahin wenig bekannt war. Der weit verbreitete, unter anderem audi auf Ambon und Sumatra gefundene Kreba ist im Lehen achön gefarbt, licht schieferfarben, mit backsteinrotbem Riickenstreifen und achwarzen Boraten an den Gliedmassen. Im aumpfigen Graslande watet hie und da ein Vogel, vor allem biiufig ein kleiner Silberreiher; abends ertönt aus ilim daa Concert zahlreicher Fröache.

Nach wenigen Minuten Gehens ist der Ort aelbst erreicht, und die Illusion, welcbe man sicli von der Ehede aus vielleicht noch fiber seine Bedeutung gemacht hat, nimmt aogleich ein kliiglicliea Ende. Freilich giebt es da gut gepflegte, gerade W'cgo, die zum Theil dundi Ziiune und lebende Hecken eingefasst sind, und schlanke Pinangpalmen {Areca Catechu L.)') mit dunkelgrünem, scliarf gegen den lichtgefarbten Stamm sich abgrenzendem , grob gefiedertem Bliitterschopfe bilden im Verein mit mancheu anderen Fruchthiiumen, so namentlich mit Pisang, eine hübsclie Staffage der Landschaft; docli sind die Wolmungen von ausserordentlicher Aerm-lichkeit, gleichwie in den Stranddörfern Serans.

1) Seilher hat Horst, nuch Anlass dos von mir mitgebrachton Thioros, eino kurzo Notiz iibur dieso Species publicirt (Notes from the Leyden Museum Vol. XV, p. 314) 1893.

2) Sioh ncbenstehende Abbildung.

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Die Wande der niedrigen Hauser (vgl. audi Taf. 33, Fig. 1) sind meist von den Blattern der Nipapalme (Nipa fndicum iVunnh,), biswcilen von denjeuigen des Sagubaumes und selten von den Elattstieleii des letzteren (Gabba-gabba) hergestellt. Das Blatterdach stelit weit über die niedrige Thür hervor, nm Scbutz gegen Sonne und Regen zu bieten, und wird vorne in der Regel uur durch einige robe Stöcke gestützt; selten ist zwischen dieseu eine niedrige Brüstung yorhanden, so dass

nacb ambonscber Art ein abgesclilossener Raum, eine sogenanute Vordergallerie, gebildet wird, und noch seltener bemerkt man Fenster oder aucli nur fensterartige Üeffnungen. Im Innern betinden sicli mebrere dunkle Wobn- und Scblafraume, ausserdem stets eine besondere Kücbe, die entweder an das Wobnbaus angebaut oder auch ganz von ilim geschieden ist. Nur die Hauser der angesebeneren Leute weichen in Bauplan und Einrichtung liievou ab und schliessen sicb wiederum ganz an diejenigen von Ambon an.

Ein Baileo ist nicht vorhanden und diese Bezeichnung für einen öfleiitlichen Versammlungsort anf Buru überhaupt nicht bekanut. Statt dessen dient ein ein-lacher Schuppen {sahua) für Zusammenkünfte, ein durch vierseitige Holzpfahle getragenes Dach von Atapp, welches von einer halb mannshohen Brüstung aus Qabba-gabba umgeben ist, so dass die Wande oben offen bleiben. Au den Langs-seiten befinden sich darin zwei einander gegenüber liegende, nicht verschliessbare l'jingange, und das einzige, wodurch sich dies Qebiiude auszeichnet, ist die jeder-seits vorragende Verlangerung der Dachfirste, ïamko genannt, sowie eine am unteren Langsraude des Daches angebrachte Verzierung. Diese besteht aus kurzen

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dreiseitigen Spitzen, welche am Bande aus dem sonst gerade abgeschnittenen Atapp hervorstehen; die nasenartig an den beiden Enden vorragende Firste ist unten S-formig ansgezackt und soil urspriinglich uur am Sabua und dem Uause des Eegeiiten gestattet gewesen sein '), der Imam und die Amber erlauben sicli aber gegen den alten Gebraucb zu sündigen, indem sie den laniko auch an ibren Wohnungen anbringen. Ob die andere Verzierung des Dacbes irgend welcbe Bedeu-tung bat, vermochte ich nicht zu erfahren. Ein heiliger Stein (batu pamalï) feblt.

Die Bewobner von Kajeli sind zuni grössten Tbeile Mohammedaner, deren Kopfzabl zur Zeit meiner Anwesenheit 938 betrug, nnd zu denen sicb noch 18 Amber gesellten; die Christen dagegen waren uur durch 135 Personen vertre-ten, und endlit h hielten sicb noch 35 Chinesen in dem Orte auf. Die inlandische Bevölkeruug triigt noch durchaus den Typus der Alfuren, und wenn eine Vermi-scbung mit fremden Elementen stattgefunden hat, so war dieselhe doch jedenfalls nicht emflussreich genng, nm eine ümpragung von Körper- und Gesichtsformen zu erreiclien; ich vermochte mindestens aucb nacb meinen lüngeren Eeisen im Innern des Landes, wobei ich fast ausschliesslicb mit Alturen in Berübrung kam, obne die Anzeichen der Kleidung keine Grenze zwischen letzteren und den Be-woliiiern Kajeli's zu entdecken. Freilich wollen die Mohammedaner und Christen von einer solcben Uebereinstimmung nichts nielir wissen, und Jeder von ihnen hiilt sicb für das Mitglied einer auserlesenen Gesellschaft, welclie weit über dem heidniscben Alfuren stehe. So ist demi die Bezeicbmmg „Allurequot; auf Buru ebenso wie auf Seran als gleichbedeutend mit dem heidniscben Bewobner des Landes und nicht als Stammesmerkmal aufzufassen.

Die Miinner unter den Mohammedanerii sind von einer ganz erstaunlicben Tragheit und ünzuverlassigkeit, vielleicht zum Theil infolge des Opiumgenusses, dem viele sicb hingeben sollen. Meist lungern sie obne irgend welcbe Beschafti gung im Hause umber, und ibre Haupttbatigkeit besteht darin, dass sie, uur mit dem Sarong und einem Kopftuche angethan, die Kinder tragen und ihnen vorsingen. Wabrenddessen muss die Frau nicht nur die gewöbnUchen Hausarbeiten verrichten, in langen Bambusköchern Wasser herbeiscbleppen, die Wiiscbe am Flusse besorgen, die Pflanzungen bestellen, nachdem Alfuren die Baume ausgerodet haben, sondern sie gebt noch obendreiu in den Wald, um Holz zu holen und zu benachbarten ürten, um Handel zu treiben oder Lebensmittel berbeizuscbaffen. Selbst das Eudern mag sie bierbei allein besorgen, und wenn sie von der Ausfabrt zurückkehrt, so wird ibr der Mann nicbt einmal bebilflich sein, um bei ungün

1) Auf Soran, Ambon und den Uliassorn hat die nasennrtigo Verliingorung der Dachfirste niclils Besondercjs zu bcdeuton (vgl. Ambou).

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stigem Wasaerstaude die beladene Prau in die halbversaudete Flussinüudung' hineiuzuschieben. Nur dam. Fisohfange gelien die Manner hin nnd wieder nach, wobei sie sich unter audereu auch des bekannten WurfnetzeB bedienen, welohes in Seran und auf den benachbarten Insein in Gebraueh ist.

Beim Ausgehen Bieht man die Manner in Beinkleid und kurzer Jacke, so dass Hire Tracht sich alsdann an die europaeisclie anlehnt und im wesentlichen nur dnrch das Kopftuch yon ihr abweicht, Einzelne angesehenere Leute, und in erster Linie die Regenten, bedienen sich indessen des Fes als Kopfbedeckung; doch fehlt demselben die Troddel, und steht statt derer eine stielartige Verliinge-rung, welche aus dein rothen Stofle der Mütze angefertigt ist, oben in der Mitte bervor — als ob die Leute sich eine ausgehöhlte Frucht aufgestülpt liatten. Hire Frauen tragen sich gleich denen von Ambon, ebenso diejenigen der Christen (Biirger), bei welchen die Manner wiederum durch ganz kurz geschorenes Haar und den Hut vor den Mohammedanern ausgezeichnet sind. Ob sie sich sonst noch in irgeud einer Weise vortheilhaft unterscheiden ? leb habe es nicht erfabren, bin aber geneigt, jeden Alfuren für einen weit brauchbareren und ordentlicheren Men-scheu zu lialten als die liissige Einwohuerschaft von Kajeli ').

Den fremden Arabern sagt man nach, dass sie die Bevölkerung gegen die Anordnungen der niederlandisclieu Verwaltung aufhetzen; Thatsache ist, dass sie selbst sich nicht an das Verbot lialten, welches ihnen untersagt, ausserhalb Kajeli's iliren Wohnort aufzuschlagen, und dass sie bei den einheimischen Mo-hammedanern, welche glücklich sind, falls sie einem Araber nur die Hand drücken dürien, grossen Einfluss besitzeu. Die oft gesclioltenen, aber anscheinend für Indien doch ganz unentbehrlichen, fleissigen Cbinesen geboren zu den Angesebensten der Einwohuerschaft; sie dürfen, gleich den Arabern, uur in Kajeli wohnen; dort liaben sie sicli Taubenschliige eingerichtet und bringen sie auf solche Weise eine angenehme Abwechselung in die Eintönigkeit des Dories.

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Hin und wieder tauchen Alfuren auf, mit kurzem, weit oberhalb der Knies endigendem Beinkleid und wüst unter dem Kopltuche hervorluingendem, krausem Haar (Taf. 37, Fig. 2). Sie kommen meist, um die Ertrüge ihrer Pflanzungen zu bringen, welche die Mohammedaner, und vor allem die Regenten, erpressen, oder Ar-

1) Wilier hat allerdings eino sohr guto Meinung von den Christen Kajeli's (I.e. pag. 117) und sucht Heino Ansicht statistisch zu bewcisen. Ich muss indessen bekennen, dass die Aufziihlung dor Berufsthiitig-keilen dieser Leute (durch quot;NVillor) auf mich keinon überzeugenden Eindruck macht; donn wenn dio Christen gelogentlich fischon, jagen, Sagu klopten u. s. w., so darf man das nicht als Handwerk oder eine dem gleich stellende Thiitigkeit anführon. Mir scheint der Willor'sche Bericht in mancher Hinsicht sehr optimi-ï-tigt;ch gefürbt. Bleeker, dessen Werk dor Hauptsacho nach eine Koinpilation ist, welche von ihm nach Anlass einer sehr flüchtigen Ueise mit Geschick zusammengestellt wurde, hat dieso Angaben Willens eben-falls aufgonommen und so noch weitor verbreitot (1. c. 11, p. 81).

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beitea zu verrichten, welclie von jenen gefordert werden; deun diese Lente werden in nnerlvörter Weise geschnnden und ansgesogen, Freilicli ist es den l iegen t en ge-setzlich verboten, von den Alfuren nocli die sogenannten kwartos und tanate vm fordern, aber es gescliieht dies dennoch in altgewolinter Weise, und die Bedriickten werden jedem, der sie darnaoh fragt, erzalilen, dass sie freiwillig die Dienstleistuu-gen verricliten und ihre Ertrage bringen. Wie dtirften sie gegenüber den Regenten anders aussagen!

Europaeer giebt es in Kajeli nicbt, wenn aucli, wie iiberall in den Moluk-ken, die den Europaeern bürgerlich gleicb gestellten Elemente mit diesem Namen belegt werden, und ausser dem Posthalter bat kaum nocli Einer eine Gesicbts-farbe, welche mir überhaupt die Bezeichnung als „Weisserquot; rechtfertigen würde.

Der Resident batte micb zum Posthalter S. J. Hoffman geführt und mich daselbst nach Erledigung seiner Amtsgeacbiifte den verschiedenen, in Kajeli woh-nenden Regenten von Burn bekannt geinacbt, wobei letzteren aufgetragen wurde, so weit irgend möglicb ilire Unterstützung zur Brreichung des Zweckes meiner Reise zu verleihen. Der Nachdruck, mit dem dies seitens des Residenten gescliah, erwies sicli spater als sebr wirksam; dass er nicht überflüssig war, batten die traurigen Erfahrungen gelehrt, welche vor mir Forbes bei seinen Forschungen aut' der Insel machte.

Zur Erlauterung des Umstandes, dass in Kajeli eine ganze Reibe von Regenten ihren Wobnsitz aufgeschlagen hat, sowie mancber hiemit zusammenbangender Verhaltnisse ist es nothwendig Folgendes zu erwahnen:

Die Insel zerfallt in eine Anzabl von Landschaften, deren bedeutsamste Kajeli mit dem gleichnamigem Hauptorte ist. Umfiihrt man das Eiland von dort aus nach Westen, so trifft man der Reihe nach am Nordstrande die Landschaften Leluli, Tagalisa, Lisbla unit Hukumina; dann folgen an der Westküste Palu-mata und Tomahu, im Südwesten Foggi, im Süden Masbarette , Okki und Waësama, endlich im Südosten Lumaëti , welches wiederum an Kajeli stösst. Die Grenzen dieser 12 Gebiete sind nur in sebr roben Umrissen bekannt und tinter anderen in die Riedel'scbe Karte ziemlich willkürlich eingezeicbnet; deun es bat zum IMspiel Tagalisa überhaupt kein Hinterland. Die Grenze zwischen Lisela und Hukumina, gleichzeitig diejenige der beiden Abtheilungen, welche dem Posthalter von Kajeli einerseits und dem von Massarette (Tifu) andererseits unterstellt sind, babe ich spüter am Nordstrande bestimmen können, ebenso die Grenze zwischen Lisela und der Landschaft Massarette im Innern der Insel. Die beiden letztge-nannten Gebiete haben für Burn, nilchst Kajeli, die hauptsachlichste Bedeutung.

Die Regenten aller Landschaften waren nun im Jabre 1657 unter dem Forte von

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Kajeli vereinigt worden nnd batten eine Anzabl von Bewolmern ihres Landes mit sicli gezogen, welche gleicli jenen bereits unter der ternatam.-scbeu llerrschall zumIslam übergingen. Sie blieben aber trotz des Auszuges aus ibrer Landschaft dort nach wie ver die Gebieter, und so zerfiel die Bevölkerung tbatsachlicb in 2 Grappen, deren eine aus Mobammedanern bestand nnd in Kajeli ibren tosten Aufentbalt nahm, wabrend die andere in ibrer engeren Heimatb und im beidniscben Zustande verblieb. Heutzutage wolmt aber der Regent von Leliali, seit etwa 10 Jabren, sammt mobammedaniscben Untertbanen wieder in seinem eigenen Lande, im Orte Djikomarasa, ebenso der Regent von Foggi seit kurzem im gleicbnamigen Dorf'e an der Westküste, ferner derjenige von Waësama iji Wamsisi und endlicb der Gebieter von Okki im gleiolinamigen Orte an der Südküste. Massarette bat in Tifu einen zum Obristentbume ubergegangenen Alturen als Haupt erbalten, aber audi in Kajeli giebt es noch einen Regenten von Massarette, weiober daselbst nur über wenige, ibm untergebene Mobammedaner gebietet, und so spriebt man denn ancb von einem Massarette-Kajeli und Massarette-Tifu. Dass die Scbei-dung bier so vollstandig erfolgen konnte, ist wobl nur dem Umstande zuzuscbrei-ben, dass in der Landschaft Massarette das Obristenthum von grossem Einflusso geworden und bierdurch das Festbalten am Altbergebracbten erscbüttert worden ist; die alfurische Bevölkerung der übrigen Gebiete kann sich dagegen nicht ent-scbliessen, andere als die alten, rechtmassigen Regenten für ihre Landschaften anzunebmen. Mir scbeint das ein grosses Glück für die Eingeborenen zu sein, da bei weiterer Zersplitternng die Anzabl der Landesberren und soldier Personen, welche sich mit diesen für gleichberechtigt balten, erbeblich vermebrt werden würde. Das aber bedentet gleichzeitig einen Zuwacbs von Unterdrückern für die obneliin schon sebwer belasteie Bevölkerung des Hinterlandes, weil die Haupter von ibren in Kajeli ansiissigen Untertbanen nur noch Kwartodienste ') zu verlangen haben und sonst keinerlei rechtmilssige Einkünfte besitzen, also thatsacblicb auf das Schinden der Alfuren angewlesen sind — ein völlig unhaltbarer Zustand!

Die in Kajeli noch heute ansiissigen Regenten sind, ausser demjenigen von Kajeli selbst, die Haupter von Lisela, Tagalisa, Palumataiind Massarette-Kajeli; die dort wohnende, mobammedanische Bevölkerung von Lumaëti, Hukumina, Tomahu und Foggi ist ibrer unhedeutenden Kopfzahl wegen ebenfalls dem Regenten von Palumata zugewiesen, und die Orte Hukumina und Palumata in den gleicbnamigen Landschaften sind überhaupt ganz verlassen; dort halten sich nur noch einzelne, umberstreifende Horden von Alfuren auf. Es ware wünscbenswerth, dass die Zabl

1) Kwarto's sind Loute, welche gogen freie Kost persönliche Dienste aller Art zu leisten haben. Die Dörflinge lösen sich für solche Kwartodienste bei den Regenten der lleihe nach ab. Ebenso geschieht dies auf Ambon u. s. w. (vgl. van Hoevell, Ambon 1. c. pag. 20).

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der vorhandenen, kleinen Herren noch weiterlün so viel wie möglich beschrankt würde, wozu der Regierong vielleiclit die öfter vorkommende Kinderlosigkeit als bestes Hilfsmittel dienen könnte.

Nocli am Tage onserer Ankonft begannen die Beratliungen mil den Regenten über die Herstellong von Wegen znm Zwecke meiner Untersucbungen, wobei mir zoniichst der Resident mul nach dessen bald erfolgter Abreise der Posthalter kraftige Unterstützung verlieh, ond als icb abends im gastfreien Haose des letzteren das Lager aofsochte, batten die l'Iiine bereits bestjmmte Gestalt angenommen. In erster Linie worde bescblossen, die Insel von Nord nacli Süd zo dorchqoeren ond dabei den See von Wakollo, im Innern des Landes, zo berübren, womöglicb von der Südküste nochmals liierlier zorückzukebren, om alsdann vom See aos nacli üsten, langs des Waö Apo, wieder zom Strande hinabzosteigen. Endlich wollte icb den Batobua ond den Kakosan erklettern, aber für alle diese Reisen mossten erst Wege gesocbt oud ofi'enge.hackt werden, was einen grossen Aofwand von Zeit ond Müben verursachte, ond deswegen beacliloss icb, die erstkommenden Tage zo kleineren Excnrsionen in der weiteren Umgebong des Ortes zo verwerthen.

Zoniichst wandte icli micli der Untersucbnng des Uferlandea an der Rai von Kajeli zo, woför icb ein mir vom Postbalter verscbafFtes Boot (eine sarua) ge-braocbte, welches mit sechs Leoten bemannt war ond dorch ein flaches, von vier Holzstangen getragenes Dacb einigen Sebotz gegen Sonne ond Regen gewabrte. Es konnte sowohl zom Rodern als zom Segeln benotzt werden ond diente mir aoch spaterbin mehri'acb zu kleineren Fahrten, da es sich stets im Gelei te der Orembai be-fand, mit welcher die Koste bereist worde; dennoch zog icb in der Regel eine gevvöbn liche, inlandische, mit Aoslegern versebene Prao für die Aofnahme der Uferforma tionen vor, wei) man mit ilir rasdier fordert ond beqoemer landen kann. Freilich darf man niemals mit einem solchen Fahrzeoge allein reisen, da es weder gross genog für die Aofnahme yon selbst hescheidenem Gepack ist noch bei ongünstigem Wetter die wünschenswertbe Sicberheit bietet, ond so wird man, falls nicht beides zo erhalten oder zo bemannen ist, der Sarua stets den Vorzog geben müssen.

Die Fabrt erstreckte sicli von Kajeli aus nach Osten bis zom BatuMüSïika '), einer Klippe, in welcher die bereits von Seran her bekannte Qlimmerscliiefer-Formation der Insel etwas westlich vom Kap Fosan endigt. Es sind Gesteine, welcbe infolge der deotlicben Scbicbtong ond einer senkrecht dazo gerichteten Zerklüftong an altes Maoervverk erinnern und in doppelter Mannsbölie, böbsch mit Pflanzen ge-krönt, am Strande endigen. Im Südwesten von diesem Ponkte ist das IJfer noch

1) Uober die Jiedoutung des Namens ist Bamang am WaR Apu, weiter unten, z\i vorgleichen.

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oine Strecke weit. felsig, und solclie bewaclispne Klippen bilden im innersten, süd-üstliclien Winkel der Bai aucli zwei kleine Eilande, von denen das eine et was nm-fangreicher als das andere ist, und welche dalier von den Bewolinern als I'ulu Bksaii und Pülü Ketjil unterscliieden werden; dahinter ist aber der Strand von Burn Uacli und streckenweise mit iippiger Mangrove-Vegetation bedeckt. Zwisclien iliren pliantastischen, zuui Boden herabgestiegenen Lut'lwurzeln haben sioh Leute angesiedelt, welche von den kleinen Sula-Inseln '), im Norden von Burn, berüber-gekommen sind und bier der Bereitung von Kajuputi-Oel obliegen (Taf. 33, Fig. 2). Ihre Hauser stellen aui' liohen Pfahlen, so dass man mit llilfe einer Leiter in den aus Gabba-gabba bergesteliten, mit Atapp gedeckten Wolmraum golangt, und daneben bemerkt man scbon im Turbeifahren die kleinen Bethauser, welcbe uns spiiter bei den Alturen noch ausführlicher beschüftigen werden und bier huma koïn genannt werden. Die sulanesische Bezeicbnung ist papada mm.

Neben Dammerharz, welches vielfach von den Alturen im Innern gesammelt und an der Kuste gegen Kleidung und dergleichen Dinge vertauscht wird, ist als Ausfuhrartikel von Buru namentlich Kajuputi-Oel von Bedeutung. Taback wird zwar anch gebaut und nach Ambon bin verkauft, um daim weiter nach Seran und anderen benaclibarten Insein verhandelt zn werden, doch ist derselbe für den Welt-markt ohne jede Bedeutung, und seine Qualitat scheint auch für dieZukunft nichts zu verspreclion. Auf Buru verkauft man ihn im Kleinhandel in dreiseitigen Blatt-düten, für die je 1 Cent bezahlt wird. Die reichen Waldungen, in denen unter anderen das schönste Ebenholz wachst, werden leider fast gar nicht ausgenutzt, wahrend sich doch mit der willigen und sebr lenksamen Bevölkerung des Hinter-landes die erforderlichen Arbeiten selir wolil verrichten liessen.

Die Bereitung des Oels geschieht wie auf Seran in ausserst primitiver Weise (Taf. 32, Fig. 1): Ueber einer rob zusammengemauerten Feuerstiitte stebt ein Fass von etwa ein Meter Höbe («), welches als Destillirgefass dient; dahinein werden die Blatter der Melaleuca gepresst, und der Behalter wird zur lliilfte mit Wasser gefüllt. Bim ist ein metallener Helm (h) aufgesetzt, welchen die Leute von Ambon oder Java erbalten, und dessen Schnabel in einem zweiten, etwas grosseren und als Kiihlapparat dienenden Fasse (c) endigt. Letzterem wird durch ein Bambusrohr(d) von oben her, mittelst irgend eines kleinen Rinnsals am Gebange eines ïïügels, Wasser zugefübrt. Das atherische Oei der Pllanze geht demnach mit den \\ asserdiimpfen über und scheidet sich nach dem Erkalten wieder ah. Wasser und Gel gelangen alsdann durch ein kleines Ausflussrohr am unteren

1) Ueber die Herkunft dieser Sulanesen vgl. Willeen, Alfoeren v. li. eiland Boeroe j)iig. 13, und be-Bonders die hierzu gehorige Anmerkung auf pag. 49.

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Tlioile des Kii lil lassos in eine aus Oocosnuss liergestellte Schale, die wiederum mittelst 'einer kurzeu Rölire in den Hals eiaer i'lasche miindet. Meist sielit man eine der viereokigeu Branntweinflasclien, wie sie tiberall in Indien anzutreffen sind, zn diesem Zwecke verwendet. Eine sololie ist nun am Boden mit einer kleinen Ooffnnng versehen und stelit in einem mit Wasser gefüllten, kleinen Trog (é), so dass sie anfangs ebenfalls von Wasser erfüllt ist. Das Destillationsprodukt ver-drangt aber allmahlicli letzteres aus der Flasclie, und das mit dem Gele überge-gangene Wasser vermag ebenfalls aus der am Boden befindlicben Oeffnung in den Trog zu fliessen, bis schliesslich die ganze Flasclie mit dem Oele angefüllt ist und ausgeboben werden kann, indem man das Loch an ilirem Boden einfacli mit dem Finger unter Wasser abscbliesst. Der Gewiau au Oei betragt bei einer solchen Vorriclitung (ilglicli etwa 1.| Liter. Bekanntlicb ist die liclit-blaugrüne Flüssigkeit als flücbtiges Reizmittel in Europa selir gescbützt, auf Burn selbst benutzt man sie als Hausmittel bei allen nur denkbaren Krankheiten,

Minder bequem als eine Fahrt in der Bai, aber desto lohnender an Natur-scbonbeiten sind Ausflüge von Kajeli aus in die beiden, im Dorfe ausmündenden Flussbetten, dasjenige des Wak Kajhlt im Westen und des Wak Lumaïti im Os-ten. Beide Gewasser ergiessen sieh in geringem Abstande von einander ins Meer, und ibre Umgebung bietet bereits im Orte selbst anziehende Bilder, die woblihuend gegen das traurige Einerlei dei- anderen Tbeile der Negorei absteclien (Taf. 33, Fig. 1). Da liegen Prauen auf den Strand gezogen, bin und wieder sielit man ein Boot kommen oder geben, Enten scliwimmen auf dem Wasser, und die Ziege, das Hausthier der Moliammedaner, welches in Kajeli in grosser Zalil gehalten wird, grast am Uier; ein primitiver Steg verbindet die einander gegenüber liegenden Strassen; die armlichen, sich allmahlig in das Grün der Anpflanzungen verlierenden Hiiuser bilden dazu eine gule Staffage, desgleicben Frauen, die im Flusse ihre Wasclie besorgen, Kinder, welche sich im Wasser tummeln, oder badende Leute beiderlei Gescblechts. Nur wenige Schritte aufwarts im Bette, so sieht man vielleicht aus der dichten Vegetation einen Alfuren hervortreten, welcher hier für kurze Zeit sein nothdürftiges Lager aufgeschlagen hat und neugierig den weissen Mann betrachtet.

Aber da andert sich auch schon der Gharakter des Flusses (Taf. 34), demi gleich hinter den Hausern treibt er ungehindert sein Spiel mit allem, was an den Ufern wachst: Baume und Straucher, vom strömenden Wasser unterwasohen und gefallt, liegen in grosser Zahl in seinem Bette, hier ein machtiger Waldriese, dessen Wurzel einem ungeheuren Kissen gleich diesseits in die Luft ragt, wahrend die Krone des Baumes am jenseitigen, wohl zwanzig bis dreissig Schritte entfernten Ufer in den Wald hernieder gefallen ist, so dass der Stamm zur verbindenden

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Brücke geworden; dort lange, gekrümmte Wurzeltlieile, deren zngehöriger Stamm tief im Sande begraben liegt, wie die Arme eines rettuugslos Ertrinkenden in die Luft hineinragend; an einem andern Orte wirr durclieinander geworfene und tausendtaltig verschlungene Zweige von lüiumen, Straucliern und Lianen. Das alles entweder dicht an einander gereiht oder aucli über erweiterte Absclinitte des Flussbettes in isolirteu Partieen unregelmassig zerstreut, Mn und wieder nocli mit einigen grünenden Schlinggewiichsen bedeckt, die im Falie mitgezogen wurden, oder mit wenigen, grünen Bliittern, in welche die nocli nicht völlig verdorrte Einde ihre letzte Lebenskraft in vergeblichem liingen ergiesst. Einzelne Stamme stehen sclirag autgeriobtet, mit stromabwarts gekehrter Spitze, im Sande,

als ob sie durch Menscbenhand dahinein getrieben wiiren; ibr scbwerer Wurzel-oder Kronentbeil, welcher bei der Bewegung flussabwarts am Boden nachscbleppte, ist mit Sand überschiittet worden, so dass hierdurcb der Stamm in seiner eigen-thümlicben Lage lestgebalten wurde. Bisweilen sieht man auch einige Bruchstücke ansehnlicher Baume in nahezu schwebender Lage auf anderen Stammen und Aesten ruhen; sie wurden bei bobem Wasserstande hierher getragen, tingen sich und ver-barrten, als der Fluss allmiihlig wieder zusammenschrumpfte, in der einmal ange-nommenen Lage.

Alle diese Gegenstande bieten aber ebensoviele Hindernisse für das fliessende Wasser und die mitgeführten Sand- und Gerölhnassen, welche sicli nun in ihrer Umgebung anhaul'en und dem Flusse den Weg mehr und mehr verlegen. Er zieht

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sicli in scharfem Bogen um die Pflanzenleiber lün, tri ill mit Macht aut' das gegen-über liegende Ufer oder docli auf die Greuze der Einne des Trockenbettes, um hier das Zerstöruugswerk von neuem zu beginnen, wahrend gleichzeitig an der con-caven Seite des Bogens die Ablagernng der Schuttmassen sclmell fortschreitet. So verlegt der Strom sein Bett, bis die Krümmung zu stark geworden ist und entweder ein Durchbrueh den Lauf wieder corrigirt und verkürzt oder neu gebildete Hindernisge ibn in irgend einer anderen Weise modificiren. Es wandert der Fluss durch die Ebene, welche er allmiihlig mit den Zerstörnngsprodukten des von ihm durchströmten Gebirgslandes anfüllt, und es kann einem aufmerksamen Beobachter nicht lange verborgen bleiben, dass in gleioher Weise die ganze Ebene von Kajeli der An-schwemmung durch die Flüsse ihren Ursprung zu danken bat.

Es ist leicht verstandlich, dass die Breite der Gewiisser unter solchen Ver-haltnissen erheblichem Wechsel unterliegen muss, und so sieht man ileun auch diejenige des Fluthbettes sowohl am unteren Kajeli als am Lumaiti regellos zwischen zwanzig und hundert Schritten schwanken. 1st der Strom zur Trockenzeit wasser-arm, so bildet sein Bett nicht selten kleine Saiidebenen, in denen die zehn bis zwanzig Schritte breiteu Rinnsale kaum noch hervortreten, wahrend nur hie und da eine unbedeutende, grünbewachsene Insel liegt. Selbstredend ist dann das Wasser au manchen Stellen vielfach und regellos in eine Anzahl noch klei-nerer Arme zertheilt, und nur nach heftigen Regengiissen lluthet im Bette eine breite, stark bevvegte Wassermasse, mit Stromschnellen und seeartigen Erweite-rungen.

Der Wald am Ufer des Unterlautes bat seinen ursprünglicben Oharakter ein-gebüsst, weil in ihm überall die 1'tlanzungen der Leute von Kajeli zerstreut liegen, aber er bat dadurch uur gewonnen, da seine einfache Profillinie gebrochen und die kompakte Masse von Grün gegliedert wurde. Es fehlt nicht an gewaltigen Baumen, die, unbeengt von gleich kraftigen Nachbarn, ihre breite Krone voll und prachtig entfalten konnten, und oben aus ihren Aesten fluthet die Draperie grüner Schlinggewachse zum Boden hernieder; aber daneben wiegen Pisangs ibre breiten Blatter, ragt der schlanke Stamm der Cocospalme und der machtige, dunkelblan-grüne Wedel der Saguweerpalme (Arcur/a) über niedrigem Ufergebüsch hervor, im Vereine mit zahlreichen Sagupalmen, deren Siiimme man einzelne Leute bier am Flusso bearbeiten sieht. Dazvi gesellen sicb am Lumaïti viele Djatibaume, welche durch ihren grossen, gelblichen Bliithenstand den sonstigen Mangel an Blumen ersetzen und durch ilir grossbhittriges Ijaub dein Grüne einen willkommenen Wechsel verleihen; (jalola wachst in Mengen am Flusse, uud manche Fame decken mit ihren zierlichen Blattern den Waldboden. (Die galoba ist ein Amomum LAnn., avozu auch der gewöhnliche Cardamom gehort, auf Java pining genannt und nicht

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luit der qaloha utang ') zu verwechseln. Hire am Boden wachsemlen Früchte bergen in lünglicheu Kapseln eiiien nack Himbeeren sclimeckenden, grauliclien Samen, der mir auf meinen Eeisen in Buru vielfacli als Erfrisehung am AVege diente). Das Laudscliaftsbild erlialt ferner noch einen ganz besonderen Roiz dadurch, dass bei vielen Krümmungen des Flusslaufes der Batubua (Taf. 35) oder der Kakusan -) zu Gesiebt kommen, welcbe nun, eingeseblossen im Ilabmen üppigsten Grüns, die pittoreske Scenerie des an Pflanzenruinen so reicben Bettes im Hintergrunde abscliliessen.

Nacb einem Marscbe von etwa J Stunden aufwarts im Flusse, wobei die verschiedenen Wasserarme ungezablte Male durcbwatet und manche Baumstamme iiberklettert werden müssen, gelangt man zu seinem Mittellaufe, an den Fuss eines

niedrigen Hügellandes. Es ist wieder mit Gras und vieltach mit durchsichtiger Kajuputiwaldung bestanden und ragt 150—200 m. über das Bett der Ströme, welcbe nun stundenweit landeinwarta den gleichen Gbarakter beibebalten, bervor. Zahlreieb siiul am Ufer der flacbgewölbtcn Höben Scbicliten der Fi'-Scliieferforma-tion angescbnitten, bie und da in blutrotbe Verwitterungsprodukte uingewandelt, aber dichte Waldung feblt; nur selten bemerkt man in den Flussweitungen einen ansehnlichon Baum, und dem entsprechend vermindert die Anzabl und Bedeutung der durcli das Pflanzenreicb hervorgerufenen Sperren. Desto reichlicber aber werden die Schuttablagerimgen, hier in der Niibo des anstehenden Gesteins von weit grö-

1) Sich: Seran, oben pag. 13G.

2) \gl. dio Abbildung aut' Seitc 201.

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herein Materiale; darauf wiichst melir als doppelte Mannshöhe erreichendes Gras {Arundo) mit grossen, weiasen llispeu, uad zierliche Bambusbüsche neigen ilire schlanken Ilalme über den platsohernden Strom. Hin und wieder bemerkt man einen Baumfarn. Alle Pflanzen stelien meist unbewegt in der stillen, sonnendurcli-glühten Lui't, so dass uur das eilende Wasser, dem Pulsschlage der scblalenden Natur gleich, das Leben und den Wechsel der Dinge zum Ausdrucke briugt. In der Eegel ist das Flussbett bier im Mittellaufe schmiiler als weiter abwarts, da seiner Abiinderung und Breitenzunahme dnrcli den anstebenden Fels ein gewisses Ziel gesetzt wird.

Von thierischem Leben bemerkte ich weder am Lumaïti noch am Kajeli, die ich beide mebrere Wegstunden weit landeinwarts untersuclite, sonderlich viel. Spiiter beobachtete ieli allerdings in den Flüssen der Nordküste einen grossen Silberreilier (Herodiaa alba BlytK) sowie Enten und Wassersclinepien in erbeblicher Zalil, bier dagegen sab icb kaum etwas anderes als zalilreiche Papageien in den Djatibiiu-men, dann landquot; sich oben zwiscben Geröll der Unterkiefer des merkwürdigen, auf Bum, öelebos und die Sula-Inseln besobrankten Soliweines, welcbes die Leute labirnsa, also Scbweinbirsch, nennen {Sus Babirussd), Es ist bekanntlicli von den Eingeborenen so bezeicbnet, weil es in beiden Kiefern grosse, stark gekrümmte Jlauer besitzt, von denen die oberen zu dem Vergleicbe mit dem Geweib eines Hirscbos') gefiihrt baben. Lcbend sail icb das Tbier leider niemals aui'dem Eilande.

2. KLEINERE EELSEN VON KAJELI AUÖ.

Die Untersueliung der i !ai und die Ausflüge in die genannten Flussbetten nebst Kompasspeilungen in der Umgegend des Ortes, PbotograpMren, Aufzeicbnungen manclierlei Art und das Besorgen von Einkaufen fur grössere Eeisen auf der Insel, das alles batte nieine Zeit bis zum 5ten Mai in Ansprucb genommen; inzwischen war mit IlilJ'e der Alfuren ein Weg zum Kakusan aufgefunden und an scbwierigen Stellen unter Aufsicht des Regenten von Kajeli gangbar gemaclit worden. Die Leute kamen mit abenteuerlichen Erziiblungen von ibrem Ausliuge zurück, als ob Kinder ausgegangen waren, das Gruseln zu erlernen; vor allem wussten sie viel von einer grossen Scblange zu erzablen, deren Spur sie am Kakusan gefunden baben wollten.

Am 6lea Mai machte icb mich also dorthin auf den Weg, mit einer ansehn-licben Begleitung, weil der Eückweg nicbt mehr an dem gleichen Tage angetreten

1) Beroits 1082 ist (lurch Niouhof oino orgötzlicho Abbildung unci Bcschroibung dieses Thioros go-gobcn (1. c. Thoil, pag, 25).

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werden konnte und somit mauclierlei Dinge für den Verbleib im Freien mitge-nommen werden mussten. Das gerade macht selbst solche kleine Excursionen so umstündlicii; denn nur in jeiien Fallen, \vo Hin- und Rückweg am selbigeu Tage ausfülirbar sind, wie bei den gescbilderten Reisen im Flussbette, kanii man mit eiuem lialben Dutzend Leute zum Tragen von Instrumenten und Lebensmittelu auskommeu. Selbstredend erfordert aber jeder Ausflug, entsprecbend den jedesmal wechselnden Aniorderungen, ein langwieriges Aussucben der erforderlicUen Utensi-lieu und eiue zeitraubende Verpaekung.

Wir gingen zuniichst in siidöstlicber Eicbtung durcli den Ort und die bart daran grenzenden Pflanzungen zum Lumaïti, überschritten denselben und gelangten nun in eine ausgedebnte Grasebene1), mit weitem Ueberblick über den Batubua und Kakusan. Da im Grase nur einzelne DJatibaume als Ueberreste verwabrloster Anlagen 2) zerstreut steben und aucli das Hügelland nirgends bervorstecbende 1'Hanzen tb rmen oder aucli nur dichte Waldungen wahrnehmen lasst, so machte die Landschaft in der kühlen Morgenstunde auf mich den Eindruck eines europaeischen Mittelgebirges, und noch oftmals wurde ich an diesem Tage auf den niedrigen Höhen mit ihrer durchsichtigen Vegetation und dom freien Bliek in die Ferne hieran erinnert.

Um sicli gegen das schneidende Gras, kusukusu genannt (Imperala arundl-nucea Cyrill), zu schützen, versahen sich meine Leute zum Theil mit primitiven Sandalen oder rob zusammengescbnürten, schuhartigen Hullen, Fussbekleidungen, welche beide aus unhearbeiteten Stücken von Hirscbleder hergestellt werden, und die ich auch in Wahaï bisweilen tragen sah.

Schon nach einer reichlichen lialben Stunde ist das tlachwellige, uns bereits von der Küste sowie den Flussbetten her bekannte und aus archaeiscben Gesteinen gebildete Terrain erreicht, in dessen Niederungen Sagupfianzungen liegen; damt gelit es über die niedrigen Bodenwellen wieder ununterbrocheii durch Gras mit dünn ver-theiltem Kajuputigehölz, dessen Biiume hier nur eine unbedeutende Höbe erreiehen und in grosser Zabl umgestürzt sind. Sie zeigen dabei an den flach ausgebreiteteu Wurzeln Theile des latentalmlicb gefarbten Erdreichs, der Verwitterungskrume der auch hier anstehenden Glimmerschiefer. Der augenehme, nur ehen bemerkbare Duft des aetheriscben üeles des Kajuputi, der Bliek abwilrts auf die Baumkronen der Me-

1

An dio Bobauung dor Ebene von Kajoli und andoror Fliichen von Buru hat man friihcr selu' übertriobone Erwartungen geknüpf't, und aicherlich war De Vrieso im Rechte, wenn er solchen t'alscheu Votstellungen entgogentiat (Natuurkdg. Tijdschr. voor Nederl. indie. Doel XXIII, ))ag. 77). Vgl. ferner liiorüber leijsmann (verslag, 1, e. pag. Hl5 11'.). Trotzdom giebt es noeh manche Leute, welcho an den un-ausführbat'en Lnttschlössern im Geiste fortbauen.

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Die Djatibiiume sollen uuter engliseher Herrschaft hier angepflanzt sein (Van dor Crab, iMoluk-scho eilanden, pag. 237).

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derungen, hinüber einerseits zum Grebirge und andererseits zur Bai von Kajeli, das alles vereinigt sioh, um mir, dein die dunklen, eintönigen Walder Serans noch friscli in der Brinnerung liegen, den Weg zn Yerschönern. Freilich giebi es manchen l'unkt und manc.he Strecke, au denen die ganze Aufinerksamkeit dein Pfade zugewandt werden muss, da er oftmals an stellen, scbotterbedeckten Gehangen bin- und über scbarf eingesclmittene Wasserrisse wegfübrt.

So gelaugen wir, 2,] Stunde nacli dem Aufbruche von Kajeli, in ein kleines liacbbett, welcbes Sanlapa lieisst und zum Waë Lea fiibrt, der östlicli vom Kap Fdsan itis Meer fliesst, und jetzt iindert sich mit einem Male die Scenerie, denn die Wasserader hat ein üppiges Pflanzenleben wachgerufen; wir befinden nns in-mitten eiues jener dunklen Streifen, die wir bereits bei der Ankunft, von der Rhede her, als Unterbrechungen der eintönigen, mageren Vegetationsdecke des Hügel-landes kennen gelernt liabeu. Das Bachbett selbst ist uur fünf Schritte breit, aber es windót sich in vielfacbeu Krümmungen abwiirts, uud wahrend wir seiner Eich-tung folgen, sind wir doch oftmals genöthigt, es zu verlassen oder zu überschreiten. Dickichte von Rottanpalmen versperren nns jeden Augenblick den Weg, und die Leute miissen trotz aller Vorarbeiten noch vielfach von ihrem Parang zum Offen-hacken des Pfades Gebraucli machen.

Das Messer, dessen sich die Bewohner von Kajeli bedienen, ist mit Ein-schluss des Griffes meist nur 40—44 cm. lang, seltener 50—52 om.; in ihrer Form gleicht die Klinge entweder derjenigen der Bergbewobner Serans, und dies ist namentlich bei den langeren Waffen der Fall, oder ihre Schneide ist vorne abgerundet uud der Eücken ganz gerade, so dass die lange Spitzo fehlt und eine kurze, breite Klinge entsteht. Der 12 —14 cm. lange Griff gleicht Aviedemm manch-mal demjenigen des alfurischen Parangs von Seran und ist an Prunkwaffen bis-weilen von Horn geschnitzt, um welcbes unten ein Silberring gelegt ist (Taf. 31, Eig. 6), weit haufiger dagegen ahnelt er solchen Messergriflen, wie ich sie bei den Mohammedanern der Nordküste Serans sah 1). Mir scheint es, als ob ein Thierkopf mit geötfnetem oder geschlossenem Maule seiner einfachen Bearbeitung zu Grande liege (Taf. 31, Fig. 1 u. 5). Niemals wird aber das Messer offen ge-tragen, sondern stets in einer primitiven Holzscheide, welche mittelst einer Schuur so befestigt wird, dass sie eng an der linken Seite oder am Rücken des Mannes an-liegt (Taf. 37, Fig. 2). Im ganzen ahnelt jenes, bis auf die Form des Griffes, am meisten einem Messer, welches ich auf Buano sah , und das hier in gleicher Weise an-gelegt wird (Taf. 31, Fig. 2), von der stets entblössten, langen Wafle der Alfuren Serans ist es dagegen durch den Besitz der Scheide und seine Kürze unterschieden.

1

Vgl. oben, pag. 225.

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Je weiter wir dem Sanlapa abwarts folgen, desto tiefer werden die Einschnitte, welche er ins Hügelland gemacht, desto holier die Klippen au seinem Uier. Anfangs sind sie zehn bis dreissig Meier hoch; dann folgt eine tiet'o, duukle Schlucht, durcli welclie sicli der Bach iiber so zalilreiche Hindernisse hiuwiudet, dass wir am rechten, steilen Gehange hinaut- und hier mil, Mühe entlangklettern mussen, wahrend links eine etwa 80 m, hohe Felswand emporsteigt. Bald darauf geht es wieder von der bonnigen Höhe hinab ins geheimuissvolle Dunkel des liettes, üher ungezahlte, machtige, ahgestürzte und wild durcheinander geworfene Blöcke, zwischen denen das Wasser in kleinen Fallen seinen Weg sucht, über Baumstamme, die beim Fallen üher die enge Schlucht hin derart zerbrochen sind, dass ihr unteres Ende noch au dein Gehange emporreicht, in dem sie früher wurzelten — es ist eine kleine Vorprohe der Strapazen, welche das Bereisen des Innereu Bum's mit sich bringt, aber sie dauert nicht lange, deun schou nach Ablaut' einer reichlichen Stuude, die wir im Thaleinsch uitte des Sanlapa zubrachten, befindeu wir uns am Waë Lka, Wahrend einer kurzen East im Trockenbette desselbeu wurdt; mir das einfache Mahl von trockenem Zwieback und Wasser durch den abscheulichen Geruch des stinkenden Durian, welchen die Leute in Mengen verzehrten, wieder einmal verdorben.

Der Fluss bat hier ein etwa vierzig Schritte breites Inundationsbett, war aber derzeit uur zu einem Viertel von Wasser erfüllt; er ist reich an Schotter und tliesst in starken Krümmungen durch eine unbedeuteude Landschaft; niedrige Höhen und ein eintöniger, unansehnlicher Wald umsaumen seine Ufer. Nur eine Viertelstunde lang wandern wir in seinem Bette, dom wir olme Schwierigkeit aufwarts folgen; dann befindeu wir uns au der Münduug eiues rechten Neben-llusses, Papaïpu genannt, welcher anfangs gleiche Breite mit dem Waë Lea besitzt und ebenfaUs reich au Schotter ist, aber wenig Wasser führt und sich aufwürts alsbald bis zu 10—15 Schritte verengt. Dort sind die Ufer klippig wie am Sanlapa, und da die Formation sich nicht andert, so bleibt der Oharakter beider Nebentlüsse, abgesehen von ihrer verscbiedeneu lireite, nahezu der gleiche. Audi hier sind wir wieder genöthigt, eine tiefe Schlucht am linken Gehange zu umgehen, wobei wir auf stark erhitzten Schieferbrockeu, die man ungern mit der Hand berübrt, an einer Böschung von 4:1°—50° Neigung hinklettern. Oline Aus-rutschen geht das nicht ah, und die Vorsorge, mit der von den Leuten Eottan zum Festhalten gespaunt worden ist, erweist sich als sehr nützlich. Bald darauf langen wir wieder im Botte des Papaïpu an.

Waren wir hisher, von Kajeli aus, ununterbrocheu in einem von Gesteinen der Ur-Scliieferformation aufgobauten Hügellande gegangen, so andert sich uun alsbald die Umgebung. Dicht an einander gereibt liegen iu dem Wasserlaufe Blöcke

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von jnehrereu Metern im Durclimesser, abgerundete Sandsteiue und pliantastisch zerfresseue Kalksteine, dereu liclitgraue Farbe prachtig gegen das Grün des an Eottan i'eichen Waides und gegen das dunkle, weisa aufscliaumende Gewiisser ab-sticlit. Ein wenig weiter aufwilrts, gegenüber der Einmündung eines kleinen, von links kommenden Nebenbacbes, woselbst sicli an der concaven Seite einer Krüm-mung des Papaïpu alluviale Ablagerungen von einiger Ausdebnung befinden, wurde Halt gemaclit, und obwobl es erst 1.{ Ulir mittags war, so zeigte sich meine Begleitung doch nicht gewillt, den Weg weiter fortzusetzen.

Die erzwungeue, l'rühzeitige Rast erwies sich übrigens bald als sehr wün-schenswerth, denn die Leute batten in ihrer Eigenschaft als Mohammedaner so ungeniigende Yorbereitungen fiir den Verbleib an dieser Stelle gemaclit, dass ich genöthigt war, mir noch erst nach eigener Anordnung ein Bliitterdacli aufbauen zu lassen, Sie batten ihren mehrtagigen Aufenthalt hieselbst, vor dem Antritte meiner Reise, unzureicbend gefunden, um mehr als einige schriig stebende Scbirm-dacher berzustellen, unter denen sie selbst nahe am Boden auf hölzernen Pritschen Bchlafen konnten. Mit einigen Alfuren liess sich die erforderliche Arbeit aber be-reits in einer reicblichen Stunde ausrichten.

Wabrend so die Yorbereitungen fiir die Nacht gemaclit wurden, war ein anderer Theil meiner Begleitung auf die Jagd ausgezogen, und alsbald scbleppte man eine trachtige Hirschkuh als Beute lierbei; nicht lange, so flackerte bereits ein lustiges Feuer empor, und die Leute tliaten sich giitlich am Mahle desihnenin Kajeli so selten gebotenen Fleisches, wobei audi das ungeborene Junge als Lek-kerbissen verspeist wurde. Ich selbst land nahe der Station noch Gelegenbeit zu einigen geognostischen Untersuchungen, denn os stelien bier die bereits erwiibnten Sandsteine an, und den Abend brachte ich zu, indem icli mit Hilfe meines Dol-metschers, eines aus Kajeli abkiinftigeu Sinjo, Erkundigungen iiber Sitten und Ge-briiuche, über vielleicht ausführbare Bergbesteigungen und dergleichen mebr ein-zog. Ergützlicli war es, zu bemerken, wie verwundert die Leute über manche meiner Fragen waren, da sie aus ibnen richtig schlossen, dass mir vieles von Bum bekannt sein miisse — und doeli sei ich ja niemals dort gewesen! Obwobl niclit Neuling in der Qosellschaf't uncivilisirter Menschen, batte ich doch kaum in einem Orte wie Kajeli, welcher durch eine Dampferlinie allmonatlich mit der Welt in niihere Yerbindung kommt und noch obendrein mancherlei Beziehungen zu Ambon hat, solche Beschriinktheit erwartet. Yom Batubua wurden mir aben-teuerliche Dinge berichtet, und mein Plan, dort binaufzusteigen, wollte den Menschen durchaus nicht behagen. Es sei ein gefahrlicher Weg, voll tiefer Schluchten; grosse Alfuren, schwarz und mit langen Obren, sollten auf seinem Gipfel wohnen; der Berg weiche audi fortwiihrend vor einem zurück, wean man

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illii besteigen wolle, er mache Regen, Donner nnd Blitz. Letzterea (Veilicli ist nicht zu be/, wei tel u, demi der Batubua ist der eigentlicbe Wolkensaiumler im Gebiete von Kajeli.

Am anderen Morgen wurde die Beise zura Kakusan gegeu sieben Uhr fort-gesetzt. Wir konnten zwar den Gipfel von nnserer nnr 97 m. hoeli gelegenen Station nicbt erblicken, docb waren wir zur Linken des l'apaïpn kaum eine Vier-telstunde an steilen Hangen emporgeklettert, als derselbe siob in nacdister Aiiiie zeigte. Es ist die Kakusan Besar genannte Hauptspitze, welclie sicli von bier aus in der Eichtung 5 35° JK als ein abgestumpfter Kegel rait einera Boschungswinbel von 45° darstellt, vulkanabiilicb nnd mit licbtgrauen, nnr sparlich bewachseneu Felsmassen; eine niedrigere, luitartige Klippe, die eine noch steilere 1'roilllinie besitzt, liegt nnmittelbar daneben. Beide erbeben sieb iiber tlaclnvelligem, dem öfter beschriebenen Hügellande des Kiistenstricbs iibnlicben Terrain , welches bier audi die gleiobe Vegetation tragt, aber doch von anderen Gesteinen (Sandsteinen) gebildet ist; zwischen ihnen nnd unserem Staudpunkte befmdet sich der Thalein-sclmitt des kleinen Baches, welcber bei der verlassenen Station in den Papaïpu mündet nnd an dessen rechtem üfer wir nach dem Anfbruche von dort emporge-stiegen waren — es ist ein Anblick von seltener Scbönbeit (Taf. 36).

Wilbrend wir den Bach in einein weiten Bogen umgeben, filbrt uns der Weg noch eine Strecke aufwarts; die ausgedehnten Grasfelder sind daselbst niederge-brannt, so dass die Untersuchung des Bodens möglicb Avird; rückwiirts blickt man von bier anf die Bai von Kajeli. Dann folgen alsbald zablreiclie, zerfressene Felsen und kleine Klippen von Kalkstein, die zum Theil als lose Verwitterungsreste auf den flachen Bodenwellen liegen, und nun erscheint audi wieder der Kakusan Bkbar, welcher nach Norden mit 68° Neigung, nach Südeu unter etwa 20® aL'allt nnd sich bier an den Kakusan Ketjil anschliesst, dessen lichtgraue bis weissliche Felswiinde weiter vor uns zur Linken sichtbar werden. Die kleine, oben erwahnte, hutartige Nebenspitze lassen wir zar Rechten und mit ibr unermesslidie, phan-tastiscbe Anhaufungen von Blöcken, die wie zerstörte Mauerwerke aus dem boben Grase hervorstehen.

So gelangen wir zu einer Schlucht in der den Hauptgipfel zusammensetzendeu Felsmasse, v,'el die eine machtige, ungeschichtete und polyëdrisch zerklüftete Kalk-steinbildung darstellt; scharfkantige Blöcke von ansehnlicher Grosse haben sich von der einen, weit überhangenden Wand losgelöst, und knollige Tropfsteinbil-dungeh hangen daran. Der Ort ist wild; man begreift, dass die Buruesen ibn ver-ehren. Ihrer Meinung nach sollte ich die Schlucht audi nurmit nnbedecktem Haupte betreten dürfen, und sie selbst bliebeu am Eingange stehen, da es ihnen nicht

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geheuer ward, als mein Hammersclilag die Stille der Einsamkeit unterbrach.

Nur ein einzelner Alfure begleitete mich ausser dem Dolmetscli noch weiter aufwarts, deun dieser fühlte sich infolge eines hier gebrachteu Opfers vou Harz siclier. Eiu einfiiclier Stock, rob abgescbiilt und einem Manne vom Boden ah bis zur Brust reicbeud, war in die Erde gesteckt, darauf eiu Stein und dann eiu Stück Dammerbarz gelegt; danebeu stand nocb eiu manushoher, zu eiuer rohen Spitze zugescliarfter Stock eiugepflauzt, und alles war vorbereitet, um gleicb nach dem Antritte des Rückweges hier nochmals opfern zu könuen. Ich habe der eiu-facbeu Handlung au diesem Orte nicht beigewohnt, doch war ich spater oftmals Zeuge derselben. Die Leute zündeu alsdanu das Harz an, stellen sich in beliebiger Zahl (meistens nur zwei bis drei Personen) um den Opferpfahl und rufen in ge-messeuer Weise laut die nilv-nitu, ihre Voreltern, au. Sie sprechen dabei stets nur weuige Worte hinter einander, daun nach kurzer Pause ein paar neue Worte, die bald vou Einer Person, bald vou mehrereu gleichzeitig oder durcheinander so aus-gerufeu werden, dass die verschiedeneu Absatze des Gebetes sich beliebig unter die Belenden vertheilen. Die Ceremonie verhindert sie übrigens nicht, hin und wieder dazwischeu einem Gesprache zuzuhöreu oder sich gar daran zu betheiligen, und das Ganze macht den Eindruck, als redeten die Alfuren laut mit Ihresglei-chen, womit ja auch die Vorstelluug vou den Göttern als ihren Voreltern lm Ein-klange steht.

Solche Dammeropfer werden übrigens bei manchen Gelegenheiten gebracht, nicht nur zur Abwehr irgend eiuer droheuden Gefahr-, soudern vor allem auch, um sich eine gute Jagd zu sichern — uur nicht ohne besonderen Grund; deun das charakterisirt ja den Opferdieust des Ileiden, dass er uiemals ohne ausseren Aulass, soudern stets zur direkten Erreichung irgend eines Zvreckes stattfindet. Der spitze Pfahl, welcher über die Opferstange hervorragt, bedeutet eine Lanze und wird zum Schutze des Ilarzes angebracht; bisweilen pflauzt man mehrere solche Spitzen danebeu, und am Waë Apu, unfern Wabloï, sowie auf meiner Eeise zum Batubua sah ich deren vier, öfters zwei. Der Pfahl, auf welchem das ïïarz liegt, wird stets abgescbiilt und unter seinem oberen Eude meistens noch durcli eine oder zwei ringartige Einkerbuugen verziert, so dass dadurch eine Art Knopf gebildet wird. Die Leute opferu nicht, oder jedenfalls nicht gerne, auf demselbeu Pfahle zu wiederholten Malen; ich sah sie bisweilen neue Vorrichtungen au Stelle der bereits gebrauchten setzen, und man sagte mir, dass eine mehrfache Benutzung unerlaubt sei.

Deu höchsteu, noch etwa 150 m. weiter ansteigenden Gipfel des Ivakusan zu erreichen, war unmöglich, weil die Felsmassen nicht zu erklimmen sind; wir befanden uns 362 m. über dem Meere und batten vou der Station am Papaïpu

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aus bis hielier in unablassigem SI eigen noch I J St anden gebrauclit. AnfdemRück-marscbe hielt icli mioh einiger Untersuchungen wegen lange auf, so dass wir erst nach 11 Ulir wieder am genannten Flusse anlangten; aber nun batten die Leute Eile, und ich begriff alsbald, weswegen sie gestern die Station nicht weiter aufwarts batten verlegen wollen. Sie fürchteten nach dem unbefugten Betreten des heiligen Ortes, Tvelcher noch obendrein durch das Abschlagen von Steinen entweiht war, ein Unglück, Donner und Blitz und vor allem Ueberströmung im Flussbette. Kaum sechs Standen nach dem Verlassen des Rastpunktes befanden wir uus iniblge dessen schon wieder in Kajeli, da ich ohnehin das Weseutlichste bereits auf der llinreise zum Kakusan gesehen batte und mich somit den Wünschen der Leute, die auch behaupteten, keinen bakal (Mundvorrath) mehr zu besitzen, fiigen konnte. In weniger als sieben Stunden liisst sich aber der ganze Abstaud von Kajeli bis zum Kakusan auch bei wohl vorbereitetem Wege und tüchtigem Ausschreiten schwer-lich ablegen.

Der Ausflug zum Kakusan batte mich gelehrt, dass dieser Theil von Buru im geognostischen Aufbau eine grosse Aehnlichkeit mit Seran besitzt: Von Kajeli bis zur genannten Spitze durchschreitet man zunachst archaeische Schiefer, daun Sandsteine und zuletzt Kalksteine, wobei man vom Liegenden ins Hangende hin-aufsteigt, und alle diese Felsarten lassen sich — soweit makroskopische Prüfung ein Urtheil gestattet — nicht von solcbeu unterscheiden, welche auch bei der Durchqnerung Serans angetroff'en wurden.

Der 8tl) Mai dieute mir zum Ausarbeiten meiner Notizen. In den frischen Morgenstunden, an denen Kajeli reich ist, liisst sich prachtig draussen schaffen, und oftmals batte ich die Empfindung, als belande ich mich in einer europaeiscben Sommerfrische. Das Schwalbenpaar, welcbes über mir nistet, vermehrt noch diese Illusion, denn es ist llirundo javanica Sparrm., welche in vieler Beziehnng an unsere Eauchschwalbe, H, ruslica L., erinnert. Wie diese baut sie ihr Nest aus Koth nnter dem Gebalk und in der Farbung gleicht sie der europaeiscben Art sehr; nur ist das Weiss mehr oder minder graulich, die Farbung von Kehle und Stirn schmutzig orangefarben; der Schwanz bat unten weisse Querbinden und die verliingerten Federn fehlen ibm. Wenn ich nicht irre, sab ich dieselbe Art ebenfalls auf Batu Gadjah in Ambon und am Meere von Tondano in Celebes nisten. Auch die Abendstunden sind in Kajeli kühl, werden einem aber oft durch Mosquitos vergilllt; trotz der manchmal drückend heissen Mittagsstunden hörte icli wenig von Fieber auf diesem sumpfigen Boden und schien mir das Klima im allgemeinen 1)

1) Von den Epideraioon, wolcho zu Zoiton nuftroten und unter donen vor allem die Pocken verhoerend gewirkt hiiben , ist hiorbei selbstredend abgesohen.

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recht gesimd zu sein. Es ist das um so aufTallender, als Kajeli so niedrig liegt, dass beim Anscliwellen der Flüsse das Wasser nicht selten in den Ilausern steht ').

Meine Absicbt, aui folgenden Tage einen Ausilug zuin Waë Apu zu unter-uehmen, musste ich vorlaufig aufgeben, weil die Leute die eribrderliclien Lebens-mittel für diese, nur anf einen einzigen Tag berecbnete Fabrt nicbt einmal in vier-undzwanzig Stunden zusammenbringen konnten. So wandte icb micb deun zunacbst wiederum dein Studium der Flussanscbwemmungen in der ümgegend von Kajeli zu, um erst am 10ten Mai die beabsicbtigte Excursion zu einer warmen Quelle am Ufer des genatmten Stromes auszufübren. Da ich indessen die gleicbe Reise spiiter nochmals unternahm und bei dieser Gelegenheit den Waë Apu noch weiter aufwarts kennen lernte, so ziehe ich es vor, meine diesbezüglichen Beobachtungen an einem anderen Orte des Berichtes zusammenzuzieben und sie hier vorlaufig zu übergehen.

Am 12,CI1 Mai machte ich mich mit der Sarua auf den Weg nach Leliali , früh um 4 Ulir, da um diese Zeit der Wind für die Fabrt am günstigsten sein sollte. Wir segelten denn auch mit friscber Brise auf das Kap Karbau, im Nordwesten der Bai vou Kajeli, zu, wahrend die Mondscheibe klar am Himmel stand und die Berglandschaft mit Einschluss des Batubua und Kakusan deutlich hervortreten liess; es war so hell, und das Meer so wenig bewegt, dass ich ohne sonderliche Mühe einige Aufzeichnungen machen konnte. Bald vergoldete das Tagesgestirn den Horizont, tauchte Manipa, Kelang und Buano in rosige und purpurne Gluth, und als der Souneuball sich aus dem Meere hervorhob, belanden wir uns gerade am genannten Kap. Mehrere Meter boch schnellt ein langer, schmaler Raubfisch aus dem Wasser bervor, um sich bogenformig in der Luft zu überschlagen und wieder ins Meer zurückzntaucben ; es ist der lamri (auf Ambon tanggin genannt), welcber von unten her in eine Schaar kleiner Fiscbe gefabren ist, die nun erschreckt über die Wasserflache dahinstiebt; auch ein gewaltiger Roche springt empor — welches Leben und welcher Streit spielt sich wohl unter dem Spiegel des Meeres ab, wahrend hier oben die ganze Natur weihevollen Frieden zu athmen scheintl

Das Kap ist niedrig, nur einzelne, kleine Korallenblöcke sieht man dort; daim folgt bis Leliali ein sandiger Strand, auf dem wieder hie und da dergleichen kleine Blocke, meist unter der Hochwasserlinie, liegen, die Erzeugnisse von Korallen-bauten, welche noch beute an gleicher Stelle weiterwachsen. Das uns bereits be-kannte Hügelland tritt etwas zurück, nur einmal, bei einer Ubokö genannten Hausergruppe, erreicben etwa 150 m. hobe Gipfel das Meer; aber alles ist kahl.

2) quot;Wilier hat freilich gorade das Gogenihoil orl'aliron und sagt, dass viel über Fiebor goklagt werdo, dossen Ursacho cr in den I'oborstiömungen der Flüsse uad in den Moriistcn sucht (1. c. pag. 137).

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noch sparlicher mit der Kajuputi-Vegetation bestanden, als wie wir dieselbe auf dem Wege zum Kakusan kennen lernten, und mir scblanke Oasuarinen unterbre-cben vielfacb unmittelbar am Strande die grosse Eiutönigkeit der Küste. Obwobl der Wind nicht gut durchweht und die Leute wiederbolt vergeblich versuchen, ihn herbeizuflöten, sind wir doch schon um 9.] ühr in Leliali, an der Bai von üjikomaiusa , woselbst mich der Regent auf dem Wasser mit Tifa und Gong empfangt.

Es ist ein kleiner, unansehnlicher (Jrt, mit Wohnungen, welcbe den ilrm-licberen Kajeli's gleicli sind; einzelne Chinesen, die Erlaubniss erhalten baben, sich zeitweilig hier niedermlassen, bringen die allerersten Erzeugnisse der Knltur und sind gerade beschaftigt, einen scheuen Sulanesen au der Hand berumzufüliren, sicherlich in der Absicht, um vortheilhafte Tauschgeschiifte mit ihm zu scbliesseu. Heller, blendender Korallensand bildet den Boden des Dories, und weiter landein-warts folgen dabinter sogleich versengend heisse Orasfelder. Eiu vierzig Schritte treiter Kanal verbindet das offene Meer mit der Bai von Djikomarasa; aber da diese weiter südlicb im Hügellande gelegen ist, so bemerkt man sie von der Küste aus nicht und ebensowenig von dem am westlicben Uier des Kanales er-bauten Orte. Eine üppige l'andanus-Vegetation schliesst den Bliek gogen den Ein-gang zur Bai ab; im Dorfe steben wiederum viele Oasuarinen — aber so einfacli und unbedeutend dies alles manchem vielleicbt erscheint, so ist doch die Landschaft durch ihr Kolorit von überraschender Schönheit: Das Wasser aul'dem flacben Korallensandboden ist von so intensiv 1)1 au bis smaragdgrüner Fiirbung, dass ich unter anderem in einem gedankenverlorenen Augenblicke dureb eine Lichtung im Walde bin eine grell angestricbene, landliche Wohnung zu sehen glanbte. Das mag nun zwar an und für sich nicht schön sein, doch tont sich diese Farbe im Meere und gegen die Küste so allmahlig, unter allen denkbaren Uebergangen zwischen Blau und Grün, ab, dass nichts Hartes zurückbleibt und man den Ge-gensatz zum weissen Strande und dem entfernteren, blaugrauen Meereswasser uur angenehm empfindet. Einzelne weisse Wellenkümme schlagen leise gegen das Ufer, und in dem bunten Meere wiegen sich ausser unserer Sarua noch mehrere, kleine Prauen.

Die Bai selbst bat uur eine unbedeutende Ausdehnung (sie ist vielleieht so gross wie die Binnenbai von Tifu) und s(dimiegt sich mit unregelmassig gelapptem Umrisse in die Depressionen des sie umgebenden Hügellandes hinein; ihre Ufer sind von Mangrove umsaumt, so dass nirgends anstehender Fels zu sehen ist , und das Meereswasser tiiesst mit Ebbe und Fluth ab und zu, aber das Binnengewiisser liiuft nicht trocken, so dass Seeflsche in ihm leben können. Die meisten Gipt'el und Rücken, welcbe den wassergefüllten Thalkessel umgeben, sind mebr oder minder abgerundet; nur der Günung Tjap an seinem südlichen Ufer ist spitzgipfelig und

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der Kotta Frans im Norden der Bai, westlich von Leliali, abgeliacht. Die beiden letztgenannten Berge sind zugleich die höclisten im Umkreise der Bai, und den Kotta Frang (210 m.) batte icb bereits am Morgen, gleicli nacb meiner Ankunft, bestiegen.

Man gelangt dortbin, wenn man die Ebene durcbscbreitet, welcbe sicb west-licb vom Dorfe am Meere lun/.iolit und durcb Korallen-gruss und -blöcke als eine gebobene Uferterrasse gekennzeicbnet ist, wülirend sicb aus ibr der Fuss des Kotta Frang init steiler, seewiirts gekehrter Böscbung bervorbebt, so dass der Anstieg nicbt bequem ist. Ungebeure Mengen von Quarzbrocken liegen bier am Gehünge bis zuiu öipfel des lierges aufwarts zerstreut, und dieser g-rosse Eeicbtbum an Kieselgestein ist aucb wobl die Ursacbe, weswegen selbst der Kajuputi mit seinen bescbeidenen Lebensanspriicben kaum aufkommen kann. Das Ganze gehort wieder um der Ur-Sebieferformation an, und alles, was man vom Gipfel aus in weitem Umkreise erblickt, tragt den gleichen, dürren Cbarakter, abgeseben nur von den Niederungen und Thaleinschnitten; aber dennoch ist die Aussieht sebr lobnend. Da befindet sicb zu unseren Füssen der See, welcher in der Verkürzung, undzumTheil vom Hügellande verbüllt, den Eindruck eines breiten, sicb zertheilenden Fluss-l)ette3 macht. An ilim wuchert aucb üppiges Grün; einzelne Hauser liegen unfern seines Uf'ers im Tliale, und Fusswege, ein fast unbekannter Anblick auf den sonst so dicht bewacbsenen Insein, sieht man ringsherum von ïïiigel zu Hügel sicb schlangelu. Man fülilt sicb im friscbeu Winde hier auf der Höhe einen Augenblick den Tropen entrückt, denn durcb nichts wird man an sie erinnert. Der Batubua und der weiter westlich gelegene Honboni sind sichtbar sowie ein grosser Theil des Strandgebietes von Buru; darüber liinaus schweift der Bliek nacb Kelang, Mauipa, Buano und Pulu Pua; sell)st Tandjung Sial an der Südwestecke Serans und der Wawani von Ambon sind dem Auge deutlich erreichbar, so dass dieser Ort nicht nur durcb den schonen Fernblick, sondern aucb durcb die Golegenheit zum Verrichten von Kompasspeilungeu einer sebr lohnenden Verbleib bot.

Auf einen unertraglich heissen Nachmittag iblgte ein kühler, angenehmer Abend, und als der zabme Kakadu kreischend nacb Hause gekehrt und die Mond-scheibe wieder aufgegangen war, legte icb mich ein j)aar Stunden zur Ruhe. Tifa und Gong, weluho mich auf der ganzen Wanderung zum Kotta Frang durcb ibren Lilrm schon genügend gequalt batten, sebwiegen aul' meinen dringenden AVunscb heute Abend, mid der Regent, wobl der gebildetste, aber leider dem Opium verfallene, Mann auf Buru, batte für ein gutes, nach ambonscber Art sogar mit Kunstblumen verziertes Bett Sorge getragen. So konnte icb denn um

Uhr morgens, durcb erquickenden Scblaf gestarkt, mit der Sarua wieder den Riickweg antreten; docli war der Wind uns nicht günstig, und mussten wir

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vom Kap Karbau aus zunachst nach Kap Fusan fahren, wobei wir den Kakusan Besar wie eine scharf zugespitzte Pyramide, den Kakusan Ketjil mit abgeflachtem Gipfel vor uns liegen salien. Brat ura 11 Ulir vormittags langten wir am 13ton Mal wieder in Kajeli an.

Inzwisohen waren die Vorbereitungon für die Eeise nach Wakollo, lm Iimern der Insel, mid von dort zur Südküste so weit gedielien, dass icli zur Ausfülirung meines Planes sclireiten konnte, Von Wakollo aus langs des War Apu wieder zur Ostküste hinabzusteigeu, batte sicli freilich nacb eingezogenen Erkundigungen als sebr scbwierig erwiesen, weil die Qegend im Augenblicke zu sumpfig war und das Abtrocknen des Landes nocb nicht in Aussicht stand; deun die Trockenzeit liess noch immer auf sich warten. So war deun beschlossen worden, zunachst nur einen Weg von der Nordküste aus quer durch die Insel nach Süden anzulegen, wobei das Stromgebiet des Waë Nibe (von Kiedel falschlich Waeila geuannt) , wel-cher aus dem See im Innern seinen Ursprung nimmt, geschnitten werden sollte. Ich hoffte auf diese Weise nicht nur in den Thaleinschnitten des dichtbewaldeten Landes Gelegenheit zu geognostischen Beobachtuugen zu finden, sondern gleich-zeitig einen Beitrag zur Geograpbie der Insel zu erhalten, indem ich nördlich vom See eine Gegend durchquerte, die meines Wissens bis jetzt kein Europaeer beschrieben hat, und deren kartographische Darstellung also lediglich auf der Phantasie des Zeichners beruhte. Wie der Erfolg lehrte, fand ich mich in diesen Erwartungen nicht getüuscht.

üm kein Missverstandniss aufkommen zu lassen , muss ich an diesem Orte noch kurz auf die Darstellung der Riedel'schen Karte hinweisen, welche leicht die Auffassung wachrufen könnte, als würde Buru in der That von breiten, wohlgebahnten Wegen durchschnitten. Es trifft dies aber liier ebenso wenig /,u Avie im westlichen Seran, lm günstigsten Falie, z. B. auf der Strecke von Wakollo nach Tifu, führt namlich ein soldier Weg durch Grasfelder, einem Indianerpfade Guiana's vergleichbar, viel-fach sclxneidet er aber Bache und Ströme, welche man durchschreiten muss, oder deren von Stromschnellen erfülltem Laufe man stundenlang im Wasser folgt, und meist führt er durch Urwalder, in denen umgefallene Bilume und tausenderlei andere Dinge gar niclit als Hindernisse in Betracht kommen, so wenig wie aus-gedehnte Sümpfe, durch die man halbe Tage lang watot. Wenn jemand im ïïoeb-gebirge über Firnhange, Bergschründe und Eis schreitet, so kann hier mit dem gleichen Eechte ein Weg verzeichnet werden, wie in derartigen Gegenden Bum's, für welche die betreffende Karte breite Pfade angiebt. Letztere bedeuten also im wesentlichen nur die Eichtung, in der man, mit Ausschluss anderer, gleicli be-quemer Wege, laut gemachten Erfahrungen am besten durch die Insel gelangen

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kann, und es durfte souiit tur mioh uiolit maassgebend sein, dass ein Pfad von Lisela nack Wakollo angegeben war ').

Die Raise ins Innere sollte von einem kleinen Bacbbette ans, welches ein wenig östlich vom Waë INibe ins Meer ausmündet, unternommen werden, und als Versammlungsplatz für die meine Begleitnng bildenden Alfuren war zunachst Wakpotu an der Nordküste bestimmt worden, bis wohin der Weg in der Orembai des Postbalters von Kajeli zurückgelegt werden konnte. Die Abfahrt war anianglich auf den 16tl!I1 Mai um 4 Ulir morgens festgestellt; doch sprach der Posthalter stets von „heule Abendquot;, wail er den Abend bis zum Sonnenaufgange de? folgenden Tages roclmata, was zu allerlei Missverstandnissen beim Einladen Anlass gab, und scbliesslioli gingen wir doch nocb am 15tcn Mai kurz vor Dunkelbeit fort — in-dassen darf ich das nicht so flüulif ig berühren, demi beim Antritie einer Dieustreise entfaltat sicb der ganza Glanz, welcbar den Pos thai ter als „Civilbeamtenquot; in diasen kulturantriickteu Gegenden umgiebt:

Die Angeseliensten des Ortes geben ibm das Geleite bis an den Strand. Da ist zunachst der einhaitnische Arzt, der doder djawa, ein Eingaborener mit aus-sarordantlicb dummem Gesichte, aber stutzerbafter, europaeischer Klaidung; er bat beraits vor dreissig Jahren „studirtquot; und frischt seit jener Zeit sein Gediichtniss durch ein vergilbtes, sauberlicb malayisch gescbriebenes Uoft auf, in dem auf atwa funfzig Seiten einige Medikamenie nebst Gebrauchsanweisuvig verzeichnet steben. Aussardem basitzt der Mann noch ein Notizbuela mit einer Eeilie von Ee-cepten, nach den Kraukbeiten geordnot, und ein zvveitas, nur zum garingstan Theile gefülltes, in das vor kurzem einige nauara Eecepta eingatragen wurdan. Das geschah gelegentlich einer bedeutsamen Eeise nach Surabaya, und Antipyrin spielt untar seinen neueren Heilmitteln aine auffallend grosse Eolle. A^on einer holliindiscli geschriebenen heelkunde hat der betreffende Arzt die Abbildungen nur so wait begriffen, dass er sagt, as handle sicb um das Schneiden von Menschen {potong oranr/), denn lesen kann er das Bucli nicht, da er kain Holliindiscli versteht. Dieser Tausendkünstler rietb mir spater, als ich an Dysenterie litt, ich solle inei-nen Körper gut mit laueiu Wasser abwaschen, well ich mir die Krankheit im Regen zugezogen liiitte und also die Spuren der Ragentropfan antfernt werden müssten. AVo solcba Leute auf die Menschbait losgelassen warden und dennocb die Sterblichkait gering ist, muss das Klima schon leidlicb gesund sain! a)

Neben dem Vartreter der Intelligenz, walchar audi die laufenden Geschafte das Postbalters in dessen Abwesenheit zu erladigen hat, erscheiut da nocb dar

1) Uober den Mangel an Wegoa vgl. uuch Wilier, I.e. pug. 394.

2) Uebrigens will ich nicht unterlnssen, hinzuzufiigen, dass diose Charakterisirung keineswegs fur aj.le Loute gelten soli, welche den Titol cines docter djawa fiihren.

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Lieutenant der Schützen. Er triigt die kleidsame Uniform lotterig, die Scharpe lose, die Mütze gohief, alles zu weit; der Sabel sclilenkert ilim wie eiuem Kinde um die Beine, und so wenig ieli sonst betreffs der Eingeborenen einen solchen Vergleich liebe, so macht doch dieser Mann den Eindruck eines verkleideten Affen. Er würde die trefflicbste Karrikatur lür die „fliegenden Blatterquot; liefern, und es ist gut, dass er niclils anderes zu thun bat, als dein Postbalter seiue Aufwartung zu machen sowie nebenbei mit seiner Handvoll Leute im alten Fort das Geiang-niss zu bewachen.

Nel)en diesen böchsten Autoritaten sielit man noch den Privatschreiber des 1'ostbalters, den einzigen, tleissigen Mann, welchen icb in Kajeli kennen lernte. Er arbeitete um geringen Lolm viele Stunden am Tage, langsam, aber statig und sorgfaltig in der Vordergallerie seines Herren, und zeichnete unter anderem auch regelmiissig morgens für das „magnetische und meteorologische Observatoriumquot; in Batavia die gefallene Eegenmenge auf. Ferner kommt der Impfarzt, hier all-gemein als vaccinateur bekaunt, wie alle anderen ein Eingeborener, welcher neben seiner höheren Kunst auch noch diejenige des Lötbens gelernt liat und mir damit spiiter zum Einschliessen meiner photographischen Platten sebr von Dienst war. Manche andere Leute von geringerer Würde schliessen sich noch dem Abschieds-geleite an.

Mittelst eines Tragstuliles geht es ins Boot und von dort in die Orembai, ein stattliclies Fahrzeug, mit etwa 20 mohammedanischen Iluderern bemannt und mit europaeischem Segelzeug, obwolil es der Postbalter in Kajeli selbst von seinen Leuten bat bauen lassen. Eine gerÉiumige Kajüte gewahrt einigen Personen sebr Ijequeme Schlafplatze, so gut wie am Lande, und auf ibrem Dache lasst sich bei günstigem Wetter ohne Schwierigkeit speisen und in den besten Faullenzer-Stühlen ausruhen. An Gelassen zur Bergdng dessen, was das Eiland erzeugt und etwa auf der Heimreise mitgenommen werden kann, fehlt es nicht. Alles, was dem Eigenthümer an guten Glasern, Flaschen und dergleicben Dingen zur Verfügung steht, ist an Bord gebracht und, wie auf grosseren Schillen, seefest aufgestellt; sogar hübsche Waffen sind zum Prunk an die Wand gehangen; gilt es doch als Beherr-scher der Abtheilung eine gute Figur zu machen, deun der Postbalter identificirt seine Person stets mit der Kegierung: „Icb, die Verwal tang (het Bestuur)quot;, ist ein Ausdruck, den Beamte seines Gleicben vielfach im Munde fübren. Jetzt sind die Segel gehisst, and an lustig ilattemden Fahnen fehlt es nicht; es fallt aus einer kleinen Kanone, kaum melir als ein Spielzeug, ein Schuss, der Tatabuan wird gespielt, eiu zweiter Schuss mittelst Hammerschlag auf das Zündhiitchen gelost — und dab in fahrt der nach eigenem Dünken fast unumschrankte Herr-scher des Landes!

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In ineiiier Gesellschaft befanden sich nocli die Regenten von Taoalisa und Lisela, deren Qebiet wir betreten sollten und welcbe mich zur besseren Eegelung aller erlbrderlicheu Anstalten auf der ganzen Reise begleiteten, ferner der Lehrer von Kajeli, ein gebildeter Ambonese namens J. B. leimena, welcher mir als Dol-metsch diente und auch sonst manclierlei Hilfe bei der Hemchtung des Qepacks u. s. w. verlieh. Gewobnt an das Examiniren von Kindern, wusste dieser Mann die Alfuren vortrefflicli auszufragen, und nicht minder envies er sicb duroh genaues Aufzeiclinen aller uns vorkommenden Namen und Worte von grossem Dienste. Die Frauen dor Regenten folgten in der uns bereits bekannten Sarua, und die Orembai batte ausserdem noch ein kleines Boot mit Auslegern, eine sogenannte Fliigelprau {vlerlcprauw), im Schlepptau.

Bereits in der Frühe des 16ten Mai batten wir die Bai von Djikomarasa pas-sirt, dann ruderten wir nach Anbruch des Tages wieder unter dem ohrbetaubendem Liirme von Tifa's, Gong und Flöte liings des Ufers der Landschaft Leliali. Obgleich wir Ostwind haben sollten, so wehte es doch wieder einmal von Westen; es warder Landwind, welcher uns am Fortkommen hiuderte, denn aus Furcht vor Abtreiben durch den Seestrom hielten wir uns in unmittelbarer Nabe der Küste. Mit der fort-sohreitenden Erwilrmung des Landes kam aber allmahlich der Seewind durch; die Euderer batten auch tleissig getlötet und „brrrquot; gerufen, so dass sie diesem Um-stande die Wendung zum Guten zuschrieben. So kamen wir um 11} Uhr nach Samalagi, einer kleinen Niederlassung am östlichen Strande von Tagalisa, gingen dort fiir kurze Zeit an Land und gelangten dann nach weiterer, zweistiindiger Fahrt nach WaIpote , woselbst wir um 3 Uhr auf der Rhede lagen.

Die Küste hatte nicht viel Bemerkenswerthes gezeigt; sie triigt im wesent-lichen den gleichen Oharakter, wie er bereits oben, gelegentlich der Reise nach Leliali, geschildert wurde, nur ist sie im Westen etwas dichter bewaldet. Nach dem Puawan genannten Berge, welchen Riedel westlich von Leliali verzeichnet, blickte ich vergeliens aus (er liegt nach Aussage meiner Begleitung in der Niihe des Waë Apu); dagegen fiel mir unfern der Grenze von Tagalisa eine Höhe auf, unter deren tlaidiem Gipfel sich, etwa 150 m. über dem Meere, ein horizontaler Streifen von weissen Felsmassen hinzieht, was durcbaus den Eindruck einer alten Uferterrasse von Kalksteinen maclit, und die Behauptung der Leute, wonach sich daselbst eine verlassene Festung befinden sollte, ist damit sehr wohl zu vereinen. Der Gipfel heist Kulbhleo und liegt etwa dort, wo Riedel das ganzlich unbekannte Ma-iialat verzeichnete, wenig landeinwarts; etwas weiter westlich, noch an der Küste von Leliali, befinden sich im Meere einzelue grosse, isolirte Blöcke, die ihrer Form wegen mit einein Wasserkruge verglichen und daher Batu Tampajan genannt wurden.

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3. AUFENTIIALT IN WAËPOTE.

Wabpotb liegt im Innern einer wei ton Bai, westlich begrenzt yon dem gleicli-uamigen Kap, an dem der Waë I'ote sich ins Meer ergiesst, östlicli vom Tand-JüNG Batu Noha. Es besteht aus drei getrennten Hausergruppen (Jimnalolins), die zugleich drei fenna's repraesentiren, und deren jedo ein besonderes Oberliaupt besitzt. Obwohl zur Landschaft Tagalisa geliörig, wolinen docli im mittleren llu-malolin Leute von Lisela. Die Ebene, in welcber Waëpote sicli befindet, ist ziem-lich weit und von den Anschwemmungsprodukten dreier kleiner Flüsse gebildet; der westlicbste derselben, Wak Potb, wurde sohon erwalint; dann folgt der Wak Una und noch weiter östlicb, unfern des Tj. Batu Noiia ein drittes kleines Qe-wasser. Ungebeure Mengen von Scbotter sind dui'di diese uubedeutenden Biiche angeführt, und das Meer bat sicb ihrer bemachtigt, um sie ia der Hochwasser-linie zu Uferwallen aufzuhaufen: weit lauft die Welle an der Flachküste hinauf, tragt den gerundeten Steiu auf den schrag abfallendeu Strand, zieht sicb daan zurück und hebt das Wasser unfern des Landes so selir empor, dass es zu einera breiten Berge anschwillt, sich überstürzt und wieder zur Bildung einer neuen Welle Anlass giebt.

Auf der auf- und abwogendea Wasserflüche tanzt eme kleine, mit juugen Fiedern der Oocospalme geschmückte Flügelprau, in welcber sich der Kapalasoa befindet, um uns bereits auf dem Meere mit Ivabana, Gong und Flöte zu begrüs-sen. Das war in Samalagi in derselben Weise gescbehen, und auch spater empfing ich an der Nordküste von Burn noch öfters ein gleicbes Willkommen. Inzwisehen bleibt uns noch Zeit, den Bliek über die Ebene von Waëpote und das hübsclie, 200—250 m. hoch ansteigende Hiigelland schweifen zu lassen, welches sich, ab-wecbselnd mit Gras und Waldung bedeckt, im Süden des Dorfes erhebt. Vergeblich schaut man übrigens nach Oocospalmeu aus, die man doch sonst als erste An-zeichen von Dörfern überall zu finden gewohnt ist; denn diese Baume werden hier nur wenig angepflanzt, wohl fallen dagegen einige Partieen von Sagupalmen ins Auge.

Dass es indessen au Oocospalmen nicht ganzlich fehlt, beweisen, ausser dem mit Hliittern soldier Biiume verzierten Boote, noch die Ehrenbögen und Pfortea, welche am Strande von allen drei Landungsplatzen der verscbiedenen Humalolin's aus zu den Hausern führen, die uns, hart am Meere gelegen, zum Verbleib aa-geboten wurden; denn auch sie sind mit Cocosfiedern behangen. Es ist das hier, wie überall in den Molukken, der Festscbmuck, und so lange derselbe frisch ist, nimmt er sich durch seine lichte Farbung in der meist sattgrünen Umgebung

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nicht iibel aus, denn es werden zum Verzieren nur die noch unentfalteten, gelb-lichgrüneu Blatter genommen. Dabei zertheilt man zunachst den Blattstiel vollstan-dig der Lange nach und lost nun an den so erhaltenen Halften die Nerven der noch zusammengefalteten Fiedern heraus, so dass letztere ebenfalls halbirt werden, worauf Bieb dann die halbirten Fiedern nocbmals zerscblitzen lassen. Die auf sololie Weise behaudelton Blatter werden halbkreisförmig gebogen und zu einer Einfassung an beiden Seiten des Weges zusammengestellt oder auch zum Schmucke von mehr oder minder kunstvollen Pforten verwendet, für deren Errichtung man sich eines Geriistes von Bambus bedient. In Uijj anf der Insel Siad , nördlich von Celebes, sah ich auch das Bambusrohr selbst in Verbindung mit Fiedern der Oocospalme als Zierratb benutzt, indem letztere in lialber Ilöbe vom Erdboden um einen auf-recht stellenden Halm gebunden waren, welchen man bis auf die Spitze entblat-tert batte. Das babe ich aber in den Molukken nirgends beobachtet.

Wir steigen bei dem mittleren der drei Humalolin's, östlich vom '\Vraë Una, ans Land uud werden hier, wie überall bei den Alfuren Burn's, unter Trommel-schlag und Gresang empfangen. Vier bis fünf Manner hoeken am Strande, die Tifa zwischen Oberschenkel und Leib geklemmt, meist an der linken Seite, so dass sie mit der rechten Hand auf die Trommel schlagen und mit der Linken den Klang modificiren können. Dabei geriith dann der ganze Körper in eine rbyth-mische, tanzende Bewegung. Singende Frauen hoeken daneben (Taf. 38); alles ist anders als bei ahnlichen Anlassen auf Seran; schon der abweichende Tifaschlag könnte uns anzeigen, dass wir uns bei einem anderen Volke befinden, und fremd-artig genug siebt es bier in der That aus.

Das Logirhaus am Strande {persinggahan — pesanggrahan), welches lediglich vom Posthalter und den Eegenten bin und wieder benutzt, zu diesem Zwecke aber in allen Stranddörfern (und an der Nordküste im wesentlichen nach demsel-ben Bauplane) errichtet wird (vgl. auch Taf. 48), besitzt Wande von Baumrinde, die unmittelbar auf dem Boden stehen. Von dem gleiclien Materiale bat man darin ein Zimmer abgeschieden, dessen Thüröffnung durch Zeug verhangen ist, wahrend unter dem Atappdache durch weisse Laken eine Art Decke hergestellt ist und auch sonst die Wande im Innern so viel wie möglich mit Zeug von allerlei Farben behangen sind. Vor dem Hanse befindet sich ein langlicher Raum, welc,her von einer halbmannsbohen, aus geklopftem Bambus hergestellten Brüstung umgeben uud mit einem auf Pfahlen ruhenden Dache verseben ist, wahrend er jederseits an der Langswaud eine Bambuspritsche besitzt. Seine Langsachse steht senkrecht zu derjenigen des eigentlichen Wohnhauses, dem wieder jedes Fenster fehlt; hinter dem letzteren befindet sich eine auf Pfahlen rubende Kiiche mit Seitenwanden von Gabba-gabba. Das ist im wesentlichen auch der Bauplan und die

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Einrichlung der besseren Wohnungen, wie sie bei den Kapalasoa's von Waöpote und anderen benaclibarten Dörfern der Nordküste angetroffen werden, und alle Blemente der einfacheren Hiiuser sind liierin enthalten.

Nur etwa hundert Schritte landeinwürts, anscheinend auf einer Brandungs-terrasse, welche vor geologisch kurzer Ze.it dem Meere entstiegen ist, liegen die Wohnungen des Dorfes (Taf. 38 u. 39). Als Seitenwande der Hiiuser findet sich daselbst wieder in erster Linie Baumrinde verwerthet, aueh wohl Gabba-gabba oder zerklopftes Bambusrohr, seltener Atapp von Sagubliittern. Kaum jemals steht ein Wohnbaus auf Pfahlen, wohl aber ist solches bei den Kuchen der Fall, bei denen man diese Bauart zum Schutze gegen das Eindringen von llunden liebt. Als Daohbedeckung dient wiederum Atapp von Sagubliittern, und von obenher wird die Firste sehr oft gegen Eegen durch ein Bambusrohr geschützt, an dessen überstehenden Enden gelegen! lich Yerzierungen durch das Anbringen wellenförmi-ger Ausschnitte liergestellt sind. Das alinelt alsdann der nasenartig verliingerten Dachfirste, welche als laniko von Kajeli beschrieben wurde, doch bat es lediglich als Verschönerungsmittel des Dacbes Bedeutung. Die ganze Bauart gleicht im wesentlichen derjenigen der Hauser von Kajeli, abgesehen von dem fremdar-tigen Eindrucke, welchen die Verwendung von Baumrinde als Material für die Wande macht, sowie von den mit gespaltenem Bambus belegten Pritschen, die sich, bald klein und bankartig, bald von ansehnlicher Grosse, vor den Hiiu-sern befinden. Solclie Pritschen, degodego genannt, sieht man auch in den Wohnungen als Schlafplatze benutzt, und zugleich sind im Inneren mehrere Kiiume durch dasselbe Material, welches zur Herstellung der Aussenwande benutzt wurde, abgeschieden. Die Trennung ist aber sehr unvollstandig, denn die Wande errei-chen weder das Dach noch laufen sie liiiufig zu ebener Erde so weit durch, dass durch sie zimmerartige Abtheilungen gebildet würden; ist dies dagegen wohl der Fall, und gesellt sich zum Hause noch eine Vordergallerie, so entsteht eine Wolmung, welche derjenigen von Ambon sehr ahnlich wird. Dass sie aber nicht ursprünglich in dieser Form hierhergehört, gelit scbon aus der Benennung der Raume hervor, denn für die Qallerie giebt es im Bahassa keine Bezeichnung. Es moge hier kurz der Bauplan des Hauses vom Matlea ') Ikan, des Oberhauptes der westlichsten Hüusergruppe von Waöpote, mitgetheilt werden; deun diese Wohnung ist die grösste und am besten eingerichtete, welche ich in Buru sah, und ihr Eigenthümer, wo nicht der reichste, so doch gewiss einer der reichsten Alfuren des Nordstrandes.

1) Matlea ist die Hczeichnung cines untor dom Regenten stehenden Hliuptlings, von hüherem Kange als dor kapala .soa. Er ist der Vorstand einer fmna (Wilier I.e. pag. 100),

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Das eigentliche Wohnliatis ist 11 Schritte lang und 8 Schritte breit; an seiner dem Strande zugekehrten Front befindet sicli zunachst die gandré (2; liol-landisch: gaanderij), ein langer, sclimaler Raum, uingeben von einer Brüstung, die gleich einem Gelander aus isolirten Stiiben liergestellt ist, und an jedem Ende mil einer kleinen Bambuspritsclie ') ausgestattet. Von dort gelangt man in den humtina genannten Hauptraum (3), welchom Aron der fiandre aus durcb zwei nut Holzgittern versebene Fensteröffnungen Licht zugeführt wird, und in dem zur Zeit meiner Amvesenbeit zwei sebr ordentlicbe Betten standen. Die Tbüröffnung, welche die Verbindung mit der Gandre herstellt, ist durcb einen Vorbang gescblossen, und da sonst jedes Penster feblt, so ist drinnen die Luft wegen Mangels an friscber Zufubr dumpf und schwül, wie icb spiiter beim Uebernacbten bieselbst erfabren sollte. An der gegenüberliegenden Seite bemerkt man in dem Humtina nocb drei andere, gloicbfalls verbangene Thüröffhungen, über Grundriaa des Hauses denen bunt gestickte, oblonge Tüclier als Zierrath angebracbt a ui an. un(j gleicbzeitig ist durcb weisse Leinentücher eine Art

Plafond 'nergestellt. Von den letzterwabnten Tbüren fübrt die mittlere in einen kurzen, hinten im Hause ausmündenden Gang, slelaü genannt, die beiden anderen jede in ein kleines, vollstündig vom Gauge und dem Humtina geschiedenes Schlaf-zimmer, welches für je eine Frau des Matlea bestimmt ist (4). Diese Zimmer heis-sen dikvt und besitzen als einziges Hausgeralh eine Bambuspritsclie. Alle genannten Eaume sind von sauber bearbeiteter Baumrinde aufgeführt und stehen mit der Vordergallerie unter einem gemeinsameu Dacbe.

Dabinter folgt in kurzem Abstande von dem eigent! icb en Wobnbause noch ein Hinterhaus, huma pamori genannt (5), welches für die beiden jüngsten Frauen des Matlea angebaut wurde. Es enthalt zwei, mittelst Tbüren von Gabba-gabba ver-schliessbare Verschliige und daneben, in einem grosseren Eaume, abermals eine Pritsche. En dl icb bemerkt man noch weiter binten die isolirt und auf Piahlen stellende, gleich dem Huma-pamori aus zerklopftem Bambusrohr hergestellte Küche, aptaïn (6).

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Nicht eigentlich zur Wohnung gehorig, aber von ihr gleich dem Huma-pamori nur durcb einen Gang von einem Schritt Breite getrennt, ist der 9 Scbritte lange ülaniX), ein Name, unter dem eigentlich ein Logirbaus ipcuawjyrahan) zu verstellen ist. Dieser Raum dient indessen ebenfalls für Versammlungen, gleich dem Baileo auf Seran und dem Schuppen in Kajeli, wird auch wie letzterer in der

1) Dio Pritschcn sind in dom Grnndrisso allo horizontal gestricholt.

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Eegel kurzweg Sabua genanut; er ist von einer aus geklopftem Bambus hergestell-teu Brüstung umgebou (au anderen Orten der Nordkiiste fehlte dieselbe), im übrigen aber offen, und besitzt wiederum an jeder Langsseite eine grosse Bam-buspritsclie. Uns zu Ehren ist der Tilan au der Docke und an den Seiten mit weis-son Laken behangen, deun Zeug bildet vor allera den Eeicbtbum eines Alfureu und spielt aucb beim Frauenkaufe die bedeutendste Rolle 1).

Die Baumrinde-Hauser liaben übrigens langs der Küste uur eine geringe Ver-breitung, und hier sah ich sie ausserhalb der Landschaft Lisela nirgends. In Waë-mangi landen sie sicb genau so wie iu Waëpote, doch standen daselbst auch manche Atappwohnungen, welche mit denen der Südküste übereinstimmten, und ebenso war es in Wamlana. Westlicb von Waëmangi fehltea dagegen, so weit meine Beobachtung reicht, die Hauser von Baumrinde bereits au der Bucht yon Bara. Vermuthlich hangt aber die Verwend ung des Baumateriales ganz von der Vegetation und in letzter Linie von der geologischen Bildung des Bodens ab, da das Kalksteingebirge vielleicht nicht die erforderlichen Baumarten lielert. Oftmals steken die Wohnungen der einzelnen Dorfer ungemein zerstreut.

Der ungewöhnliche Anblick des Dorlbs Waëpote wird indessen noch weit weni-ger durch die Verwendung von Baumrinde hervorgerufen als durch die zablreichen, kleinen Qebethauser, die huma Icoïns {kom — heilig), deren Vorkommen auch bei den Sulanesen bereits eingangs gedacht wurde. Beim Matlea Ikan standen in ge-ringem Abstande seitwarts von der Kücbe zwei soldier Hauser (7), alter Qewobn-heit geimiss, die man beibehalten miisse, wie der Besitzer meinte; in der Eegel gehort aber zu jeder Wohnung nur eiu einzelnes derartiges Huma-koïn.

In woitaus den meisten Fallen besteht das Gebetbaus aus einem durch vier Pfahle getragenen Atappdache mit einer am Ende gesclmitzten Firste von Bambus-rohr, so wie dieselbe ebenfalls an den Wohnhausern vorkommt (Taf. 32, Fig. 4). Seine Hölie betriigt ungefahr 3 m., und innen unter dem Dache befindet sicb ein kleiner Boden zum Aufbewahren der gleich uaber zu bezeichnenden Gegenstande. Seiten führt dort hinauf eine kurze Leiter (Taf. 32, Fig. 2, a), und ebenso wird zwischen den Stützpfahlen des Daches an der Erde nur ausnahmsweise eine nie-drige Brüstung von geklopftem Bambus angebracht, so dass unvollstandige, oben geöffnete Seitenwünde gebildet werden und ein kleiner, balb geschlossener Eaum entstebt, den man durch eine Thür betritt (Taf. 32, Fig. 2, b). Bisweilen ist auch ein niedriges Biiuschen gemacht, welches von Blüttern bergestellte Seiten hat, mit letzteren aber nicht den Boden berübrt, sondern von zwei in der Mitte der Querwande angebrachten Pfahlen getragen wird (Taf. 32, Fig. 5). Ein der-

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Sioh fcrnor Wilkcn, Alfooron v. h. eiland Booroo, png. J8.

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nrdges Huma-koïn von kaum 2 m. Höhe gilt indessen nur als Ersatz fïïr ein grösseres, zu dessen Anlage der Eigenthiimer aus irgend welchen Gründen noch nicht gekommen ist. Uebrigens sah ich ein Gebethaus voti durcliaus gleicher Koustruktion spater aucli bei den Galelaresen in Bara, am Nordstrande von Buru, wahrend einzelne Leute dieses Stammes überhaupt kein besonderes Hausclien bauen, sondern ihre Opfei'statte im Innern der Wohnungen besitzen.

Dass in den verschiedenen Gegenden der Insel betreffs des Gebrauclis der Huma-koïn's mancherlei Abweichungen. von Obigem bestehen, wird sich im wei teren Verlaufe der Reiseschilderungen ergeben; liier möge nur noch darauf hinge-wiesen werden, dass nicht einmal alle Strandbewohner von Lisela denselben Ge-wohnheiten l)eim Opfern huldigen. So haben z. B. die Alfuren von Wamlana, welches etwas weiter westlich an der Nordküste liegt, weder im Dorfe noch in ihren Pllanzungen Gebethauser, weungleicb sie dieselben in früheren Zeiten wohl besassen; sie opfern jetzt an heilgen Statten im Preien, an Fiüssen, auf Steinen u. s. w. Noch weiter westlich, bei den Alfuren von Waëmangi und audi von Bara, an der gleichnamigen Bucht, befinden sich die Huma-koïn's nicnt im Dorfe, sondern entfernt von ilim in den An pllanzungen, obwohl die Sulanesen und, wie er-wiihnt, auch die Galelaresen diese Hiiuscheu an den gleichen Orten noch neben ihren Wohnungen zu bauen pliegen.

In dem Huma-koïn wird zu den Voreltern, den Nitu-nitu, gebetot, wahrend man in einem au der Erde stellenden oder an eiuem Stocke befestigten Blatt-köclier (Fig. 4 u. 5, cl) bei Gong- und Tifascblag Dammerharz brennt. Das ge-schieht vor dem Antritte einer Heise, um Schutz vor Gefahren zu erbitten, beim Anlegen von Pflanzungen, um gutes Gedeihen, beim Aufbruche zur Jagd, um reichliolie Beute zu erflehen, und bei soldier Gelegenheit behangt man demi auch die Hausclien mit gespaltenen Fiedern der Oocospalrae (Fig. 4), genau so, wie solche zur Herstellung der festlicben Vorrichtungen beim Bmpfange von Fremden benutzt zu werden pflegen. Als Ersatz für das Grün können aber unter beiderlei Umstiuiden auch weisse Tücher dienen, welche gleicb den Blattfiedern so aufge-hangen werden, dass sie ringsherum vom Dachrande niederfallen (Fig. 2).

Auf dem Boden des Hüuschens bewahrt man allerlei Gegenstande als Opfer für die Nitu-uitu: Kleine Koffer mit. Reis, Pinang und Siri, ferner Essgeschirr, Geld, Sarongs, Gong und Tifa, endlich Schilde, Lanzen und Parangs — kurzum alles, was einen Alfuren erfreuen kann. Diese Gegenstande sind zum Theil von hohem Alter und deswegen von um so grösserem Interesse. Unter den Parangs sah ich einen, welcher am Griffe ein Büschel von Menschenhaa? als Verzierung trug, gleichwie ich dies auch von Lokki in West-Seran kennen lernte1); sonst

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vgl. oben, pag. 234.

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glich sein Modell demjeaigen der Bergalfuren Serans, dooli wird das Messer aucli hier, ebenso wie in Kajeli, stets in der Scheide getragen vmd ist es wiederum kiirzer als auf Seran. Eine andere derartige Waffe tou 57 cm. Liinge zeiohnete sich durch einen sehr sorgfaltig geschnitzten Holzgriff aus (Taf. 31, Fig. 4), und aucli Korn-grifl'e kommen vor.

Die Schilde (Taf. 30, Fig. 5 u. 5a), in Kajeli salawako, bei den Alfuren fira genannt, stimmen mit denjenigen der Tabelloresen üherein und erinnern an die Wehr dor Seranesen, sind aher im Qegensatze m letzterer stets klein, meistens nicht langer als 46—50 cm., und stark gebogen, sowobl in der Eichtung lt;ler Langsachse als senkrecbt dazu. In der Mitte verlauft ein scharfer und zu dessen heiden Seiten noch je ein schwacherer Liingskiel, wie er audi an dem grossen, seranesischen Schilde vorkommt, so dass das ganze Vorderfeld des Gegenstandes in vier annilbernd gleiche Theile zerlegt wird. Die Nebenkiele sind nur als Zierrath von Bedeutung, wahrend der scbarfe Mittelkiel und die starke Krümmung des Schil-des eine wirksame Wehr gegen den Parangbieb bilden, da derselbe bei geschickter Handthierung (Taf. 37, Fig. 1) leicht ahgleitet. Viele Schilde sind ausserordentlich zierlicli mit Muscheln eingelegt, anderen fehlt aher dieser Schmuck durchaus.

Die Lanzen (Taf. 38 u. 39) sind im Mittel 2 m. lang und baben eine flache, lanzettförmige, lange Eisenspitze, welche die Leute selhst anfertigen können, in-dem sie sich zum Schmieden des hereits aus Wahaï hekannten Gehltises der Tabelloresen, mit Saugern von Hübnerfedern, bedienen. Die Strandbewohner be-liaupteten, dass sie das Schmieden von den Bergalfuren gelernt batten, und in der That faud ich spater in Wakollo dieselbe Vorricbtung wieder. Ueberhaupt sah ich auf Buru nur ein einziges Mal eine Lanze mit Bambusspitze, und zwar bei einer umherschwarmenden Horde von Alfuren in der Nahe von Foggi; diese war 24 cm. lang, lanzettförmig und den eisernen Spitzen sehr almlich, wenn auch letztere meistens langer sind.

Vom Kampong Waëhiri, welcher am oberen Waö Apu, noch 2 Tagereisen von Wagapa entfernt, liegt, erhielt icb spater eine Lanze, wie ich sie sonst auf meinen Ileisen nicht angetrofl'en (Taf. 30, Fig. 7). Sie besitzt 1,97 m. Liinge, wovon 53 cm. auf die Eisenspitze kommen. Letztere ist unten vierseitig und dünn, oben breiter, verflacht und mit Zinken versehen, deren beide aussersten einander gegen-überstehen, wahrend nach unten zu noch fünf andere in alternirender Stellung folgen. Die Spitze ist in den Stock eingelassen und alsdann durch geflochtene Rot-tanbander befestigt; an ihrer Basis hangen ferner drei kurze, schmale Zeugstrei-fen herab, welcbe dunkelblau, roth und weiss geiarbt sind. Unten am Schafte

1) vgl. pag. 234.

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der Lanze Bind noch unbedeutende, ringarfcige Verzierungen angebracht (7fl). Dana sah ich nach meiner Rückkehr von Buru auf Ainhon in der Sammlung yati Hoiivell's eine Lanze, welclie oben am Schafte mit rothem ïuch umAvickelt und daselbst mit Gras verziert war, ganz entsprechend dem weiter Tinten besclmebenen, heiligen Parang (Taf. 30, Fig. 6). Sie rührte ebenfalla von Buru (vermuthlicb aus der Landschaft Kajeli) her und wurde daselbst audi wiederum, gleicli dem entsprechenden parang pamali, iu einem Huma-ko'in bewahrt.

Die Lanze dient den Alfuren zur Hirschjagd und wird auf allen Wanderungen mitgenommen, deun Pfeil und Bogen sind auf Buru nicht in Gebrauch. Vergebens wird man sich aucli hier an der Nordküste nach Schadeln umblickeu, deun nicht nur ist dem Buruesen die Kopfjagd fremd, sondern in diesem Inseltbeile überhaupt jegliche Schadelverehrnng unbekannt. Damit soli aber keineswegs beliauptet werden, dass der Sohüdeldienst auch in anderen Theilen des Eilands gar nicht vor-komme; im Gegentheile versicherten micli Leute vou Kajeli, dass dort die Schü-del der Vorfahren ausgegraben und auf eiuer Schiissel im Huma-koïn bewahrt wür-den. Letzteres stimmt auch mit der Aussage meines zuverlassigen Dolmetsch überein, der in einem Hausclien unfern Kajeli den Schïidel einer Frau gesehen, welcher puf ihren eigenen AVunsch hiehergestellt war.

üeberhaupt werden genie gerade solche Qegenstiinde in dem Huma-koïn bewahrt, welche von den Nitu-nitu selbst herstammen. So hing unter anderen in demjenigen des Matlea Ikan von Waëpote die Kleidung seiner Urgrossmutter, ein bunt getlecktes und daher kaïn palola {patola — Schlange) genanntes Zeug, welches auch bei der Zahlung des Brautschatzes (harta) eine grosse Kolle spielt und ganz besonders geschsitzt ist.

Die Waffen des Huma-koïn's werden von dessen Eigenthümer zwar nicht zmn Schlagen benutzt, und noch weniger macht derselbe von den Schilden Gebrauch, da für sie ausser zum Tanzspiel augenblicklich jede gewöhnliche Verwen dung aus-gescblossen ist; wohl aber giebt man beides dem Wahrsager, falls ein soldier gerufen wird. Diese Person heisst bei den Alfuren hchal de Iceha oder im Malayi-schen einfach der pamali (die Sulanesen, welche sie ebenfalls besitzen, nennen sie Sóso)\ sie wird befragt, nachdem sie sich selber durch allerlei Verrichtungen, die mir aus eigener Anschauung leider nicht bekannt sind1), in einen hysterisdien Zustand versetzt hat.

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Wilkcn schildert dies (1. c. pag. 20). Die Beschwörung heisst nach ihin tmkehaZ und der Be-BchwOrer èsioohi\ bei den Galelaresen und Tabelloresen heisst ferner nach Wilken die Beschwörung und nicht der Beschwörer soo-soo) Wilier dagegen, nach dem eine ahnlicho Goisterbeachworung auf Seran vor-kommt, nennt wiedorum die Person und nicht die Handlung daselbst sou-sou (holl.: so-oc — so-oe; eiland Booroe, pag. 18). Ich vermag nicht zu entscheiden, auf welcher Seile hier ein Missverstivndniss vorliegt.

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Spater erhielt ich von den. Bewolmern von Waëlata einen sogenannten parang pamali (Taf. 30, Fig. 6), den ich bei den Alfaren der Nordküste nicht gesehen. Seine Form und Schelde stimmen mit denjenigen der Schwerter von Waëpote über-ein, der schwarz gefilrbte Griff besitzt aber au seinem aussersten Ende jederseits drei Löcher, in welche schmale, rothe Tuchstreifen eingeknotet sind, und ausser-dem ist die ebenfalls schwarze Sclieide noch mit rothem Tuch umwickelt, wahrend dazwischen oben am Griff ein Büschel von Gras eingesteckt iat. Ein soldier Parang dient niemals zum taglichen Gebrauche, sondern wird lm Huma-koïn bewahrt und unter anderem von dem kchal de leeha benut zt, dies j edoch nicht ausschliess-lich, denn auch der Eigenthümer hangt ihn beim Aurufen der Nltu-nltu über die Schulter. Man benutzt die heilige Waffe ausserdein zu Zaubereien, indem man sle rosten liisst, den Rost hernach abkratzt und nun in verschiedener Weise einem Feinde damlt Schaden zuzufügen sucht. Wird z. B. der Rost des Parangs unter Nennung des Namens einer Persönlichkeit, welcher man nacbstellt , in den Fluss geworfen, so muss der Betreffende sterben, falls er voir dem so verhexten Wasser trinkt. Selbstredend sorgt man dafür, dass das Zaubermittel oberhalb des Wohnortes des Feindes in den Fluss gelangt, Vermengt man ferner den Rost mit Wasser und sprengt ilm so über die Anpflanzungen einer verfolgten Person aus, so sterben die Gewachse ab. In beiden Fallen wird bei Ausübung der Zauberei der Parang über die Schulter gehangen. Au Stelle eines rothen Tuches kaun auch das bunte, sogenannte patola als Verzierung der heiligen Waffe benutzt werden, wahrend in friiheren Zeiten statt dessen eine Bekleidung von geklopftem Baumbast angewandt wurde; als letztere durch das inzwiachen auf Buru bekannt gewordene Zeug ersetzt wurde, geschah dies, wie die Leute behaupten, auf Anrathen der Beschwörer. Man versicherte mich ferner, dass nicht nur bei allen zu Wabloï gehörigen, sondern überhaupt bei allen Alfuren der Landschaft Kajeli die Waffe in der genannten Weise Verwendung finde.

Wo in den Humalolin's von Waëpote und benachharten Ortschaften ein beson-derer Versammlungsort (tilari) hesteht, da ist derselbe nichts anderes als ein holies, von Pfalilen getragenes Blatterdach, ohne Seitenwande und mit grossen Bambus-pritschen au den Liingsseiten. Ein Bambusköcher für das Brennen von Dammer-harz ist in seiner Mitte in den Boden eingepflanzt. Die Dachfirste des Gebaudes gleicht derjenigen der Huma-koïn's sowie mancher gewöhnlicher Htiuser, und einen von Atapp geschnittenen laniko sah ich an ilir niemals, wohl aber wiederum an derjenigen des Pesanggrahan vou Samalagi. Ein heiliger Stein kommt bei den Tilan's der Nordküste auch nirgends vor.

Nacli und nach versammelten sich nun in Waëpote die Alfuren vou Lisela

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und Tagalisa, welolie mich auf der Keise ins Iniiore begleiten sollten. Es Bind mitielgrosse Gestalten von gleiclier Körperfarbe wie die Seranesen, meist scliiniicli-tig, Insweileu aber auch vou gedrungenem Eau, mit deutlicb papuanisohen Ge-sicbtszügeii, breitem, flacben Gesicbte und breiter Nase, in deren Nüstern man vou vorne biueinblickt, mit grossem, vorstehendem Munde und wulstigen Lippen. In der Regel ist der Gesicbtsausdruck einfliliig, und namentlich die Frauen kunnen auffallend dumm in die Welt bineinglotzen. Beiden Gescblecbiern feblt durcbaua jede Tatuirung. Der Bartwuchs ist sparlieb, das Haar meist sebr kraus; aber die Leute finden das nicht scbon '), und die Frauen kiimmen deswegen ibr Haar möglicbst straff nacli binten, wobei sie es am Hinterkopfe in einem einfacben Knoten befestigen. Die Manner tragen es bald mebr bald minder lang, aber doch au den Enden gestutzt; sie bedecken es durcb ein Kopftuch, welches von den ge-wöbnlicben Leuten so gebundeu Avird, dass das Haar nur binten und an den Scblafen oder auch über der Stirn darunter hervorstebt, in ziemlicb unordent-licber Weise; die Kapalasoa's dagegen legen das Tuch kranzartig um den Kopf und ziehen alsdann das eine Ende von hinten nach vorne so über die Mitte des-selben bin, dass das krause Haar oben auf dem Kopfe zu beiden Seiteu unbe-deckt bleibt.

Als Bekleidung (Taf. 38 u. 39) dient dem gewölinlichen Manne eine kurze Hose, welcbe nur die Halfte des Oberschenkels bedeckt und in der Regel weiss ist; sie wird niemals abgelegt oder durcb eine andere Bedeckung ersetzt, auch nicht im Walde, denn der Tjidako der Seranesen ist hier ganzlich unbekannt, ebenso wie jeglicbe andere aus Baumbast verfertigte Kleidung 1). Dazu gesellt sich eine kurze Jacke, die aber bei Jagd- und anderen Ausilügen haulig ausgezogen wird, und welcbe wiederum meistens weiss oder audi graulich ist. Die Kapalasoa's tragen ein langes Beinkleid von beliebiger Farbe und über der Jacke noch eine bunte Leibbinde, dazu bei festliclien Gelegenheiten ausserdem ein langes, schlafrock-abnliches, vorne offen hangendes Oberkleid von möglicbst bunter Farbung, violett, blau, grün, roth oder gelb, bisweilen mit einem Stofl'e gefuttert, welcher schroff

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Es ist auffallend, wie sehr sich dies alles bereits geandert hat, soit quot;Wilkcn seinen Bericht über die Alfuren von Buru schrieb (1875).

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gegen die Aussenseite absticlit und stets sichtbar bleibt, weil das Kleid vorue nicht geschlossen werden kann. Wenn eiue Anzahl soldier Würdentriiger im Kreise um inicb he rum hoekte, so ergötzte ieh mich oftmals au dem bunten und doch recht malerischen Bilde der Gruppe.

Die F ran en kleiden sich in Rock (Sarong) und Jacke, und in weitaus den meisten Fallen ist jener roth, diese dunkelblau und kurz; selten sieht man eine langere, lichtfarbige oder weisse Kabaja nebst einem bunten Sarong tragen. Eine Unterkleidung scheinen sie nicht zu kennen, und Zierrathe giebt es bei ilinen kaum, ausgenommen einfache, von Muscbeln angefertigte Einge am Handgelenke, gleichwie solche auf Seran getragen werden. Diese Muschelringe benutzen auch manche Manner, welche sie dann wiederum links aulegen. Als grosse Seltenheit lindet man ferner bei den wohlhabenderen Frauen eine einzelue Silbernadel im Ilaar-knoten stecken, demi Leute von Kulor auf Saparua kommen von Zeit zu Zeit auch in diese Gegend, um solche Kostbarkeiteu tür die Alfuren anzufertigen. Andere Zierrathe liabe icli aber weder bei Miinnern noch Frauen jemals bemerkt.

Einige Alfhren haten ihre Frauen mitgebracht, deren Zahl keiner Beschran-kung unterworfen ist, und welche, wie bekannt, du rob Kauf erworben werden. Eine Folge davon ist, dass uur die wohlhabenderen Manner sicli den Luxus der Heirath erlauben können und somit meistens erst die alteren, welche es durch Er-sparen alluiahlig zu einem gewissen Wohlstande gebracht habeu. Jiingere Leute dagegen können in vielen Fallen keine Frau bekommen, und die geringe Kopfzahl der Eingeborenen ist ohne Zweifel theilweise diesem ümstande zuzuschreiben, wilbrend gleichzeitig die Erfahrung lebrt, dass der Kinderreichthum der alteren Manner aus erkliirlichen Gründen in der Regel gering ist.

Schon ver der Geburt der Kinder werden die Eben vielf'ach zur Zeit der Schwangerschaft von den Eltern verabredet, soweit das Geschlecht der zil erwar-tenden Weltbürgev dies eben zulassen wird, und letztere haben sich einer solchen Verabredung ohne Widerspruch zu fügen. Aucli erfragen sich altere Manner haufig junge Frauen von der noch schwangeren Mutter, wobei dann der Brautschatz uach der Geburt den Eltern allmahlig abgetragen wird; stirbt aber das Madchen, bevor es geehelicht werden konnte, so muss der Betrag zurückgegeben oder von Seiten der Eltern für eine andere Frau gesorgt werden.

Stets wird das Madchen aus einer anderen Fenna (Stamm) gewahlt, welche den Kaufpreis gemeinschal'tlich in Empfang nimmt und auch die Verantwortlichkeit für die gute Aufführung der Frau zu tragen hat; umgekehrt geschieht auch die Zahlung der Harta nicht allein von dem ehelustigen Manne, sondern rnit Unter-stützung der Fenna, welcher er selber angehört. Begebt die Frau Ehebruch, so kelirt sie entweder zu ihrer Fenna zurück oder sie heirathet ihren Mitschuldigen,

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wobei daim der letztere oder der betrefleude Stamm den Betrag des Brautschatzes zurückzalden muss. Siud Kinder da, so braucht bei einfacber Scheidung und oline nachweislichen Ebebruch dieser Betrag nur zur Hülfte wiedergegeben zu werden , weil die Naclikommenscbaft unter allen Umstandeu bei dem Vater bleibt und die geschadigte Fenna also bereits Nutzen aus der einfacb als Kaufgut angesebenen Frau gezogen liat; ist dagegen Ehebrnch festgestellt, so tritt eine Verminderung der zurückzuerstattenden Harta nicht ein, und kann die Fenna des treulosen Weibes letztere nicht zahlen, so ist sie zur Lieferung einer anderen Frau verpfliclitet. Dass die Madchen unter solchen Umstünden als höchstes Besitzthum gescbiitzt und sorgfaltig bewacht werden, bedart' wohl kaum des Hinweises; Treulosigkeit bei Frauen ist aus gleichen Gründen eine Seltenheit.

Von den verscMedenen Frauen eines Mannes ist die alteste die Hauptfrau; sie führt das Ilegiment, bemuttert und beauf'sichtigt die jüngeren Weiber und sorgt in erster Linie für das Wohlbefinden des Mannes. Bei den Frauen des Matlea Ikan, die langere Zeit in unserer Gesellscbaft waren, sah ich nieiuals irgend welcbe -Uneinigkeit, trotzdem ihrer 5 waren, die höchste Anzahl, welche mir bekannt geworden ist '). Es war geradezu bewundernswertb, wie hier die Aelteste ihreu Mann stets mil liebender Sorgfalt umgab, für seine Kleidung, Nahrung und Un-terbaltung sorgle, sicli zu ilim setzte und ihm überallliin die Siridose nachtrng. Dabei sali man übrigens ilir selber audi sogleich die ihr zukommende, höhere Stellung an der wohlbabenden Kleidung an. Ich lasse es dahingestellt, ob lediglich Zuneigung der Qrund soldier echt weiblicher und hüuslicher Tugenden war; denn der Mann hat das Eecht, die Hauptfrau, falls sie ihre Stellung nicht gut ausfüllt, zur letzten zu inachen, wobei freilich nicht ausgeschlossen ist, dass sie nach einge-tretener Besserung ihren alten Kang wieder bekommt.

In Bezag auf die fenna, deren obeu Erwahuung geschab , verdient nooli bervor-gehobeu zu werden, dass diese Bezeichnung in den au den Nordstrand grenzenden Landschaften als gleiclibedeutend mit soa gebraucht wird 1); sowobl in Leliali als hier in Waëpote fand ich reichlich Gelegenheit dies zu untersuchen. Dem entspre-chend hat Lisela, welches 17 Kapalasoa's besitzt, auch 17 Fenna's, von denen

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Die Mitthcilung Wilken's (Alfoeren v. h. eiland Hoeroe, p. l), dass sich die Soa aus der Fenna entwickelt babe, will ich hiemit keineswegs bestreiten. Ich selbst lernte bei den Alturen von Wabloi am Wae Apu Verhiiltnisse kennen, welche dor Darstellung Wilken's entsprechen und aul' dio ich weiter unten zuquot; rückkommen werde. Obige Schilderung giebt lediglich die jetzt an der Nordküste dor Insel iiblichen J3e-zoichnungon zurück, obne Konstruktionj Wilken wies 1. c. auch schon darauf hin , dass Fenna und Soa oft mit oinandor verwechselt worden.

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sicli 7 am Stvande und 10 iin Gebirge befluden und welolie in Waöpote zur Zeit meiner Anwesenheit durch 8 Kapalasoa's vertreteu waren. Jede Fenna kanu nun in eine Anzahl hwnalolin's (Hausergmppen, huma = Haus, lolin = Gruppe), welclie je eine Familie repraesentiren, zerfallen, docli kann cine solche Fenna auch durcli ein einzelnes ïïuraalolin allein vertreten sein. Einen Kollektivnamen für alle i'enna's einer Landschaft giebt es nicht; nirgends auf Buru, wo immer ich mich hiernach erkundigte, konnte ich eine Bezeiclmung ini liahassa, welche die Landschaft als Ganzes umfasste, erfahren; wohl spricht man von einem tana Lisela u. s. w. Als fuhmolïn 1) {fuka — Insel oder Land, molin — hinten) oder Hinterland bezeichnet man entweder die ganze Insel mit Ausnahme des Ortes Ivajeli, im Gegensatze zn letzterem, oder auch wohl im allgemeinen das Innere des Landes, im Gegensatze zu dein Strande. Die Eegenten der Landschaften heissen bei den Alfuren opo djo 2) (ppo — Uiman), übereinstimmend mit dem upu djo auf Ambon.

Am Persinggahan stehen, wie fast an allen Landungspliitzen der Insel hohe, schattenspendende Baume, damit die Leute den Tag über aufs Meer hinausblicken tonnen, olme von der Sonne beliistigt zu werden. Dort wurden von uns noch mancherlei Konferenzen mit den Kapalasoa's und den übrigen Alfuren abgehalten, Yerabredungen für die Einrichtung der Marsche, die Art der Bezahlung u. s. w. getroffen und vor allen Dingen Vorsorgsmaassregeln gegen etwaiges Fortlaufen der Trager genommen, letzterea unter Androhung von Strafen seitens der Kapalasoa's. Bei solchen Gelegenheiten pflegten die Dorfshaupter ilire Frauen (njora's) mitzubrin-gen, welche alsdann mit ihrer metallenen, viereckigen Dose erschienen, in der sie Pinang, Siri und Kalk bewahren, deun die seranesischen Köcher für Kalk sind auf Buru unbekannt. Mir wurden diese Leckereien, die ich schwerlich zurück-weisen konnte, stets wieder und wieder angeboten, und die bittere Kost, welche einen Nachgeschmack wie von grünen Pflaumen zurücklasst, besorgte mir manchen unangenehmen Augenblick. Die Frauen kauen übrigens, ebenso wie die Manner und ihre Geschlechtsgenossinuen von Ambon, auch gerne Taback.

Die Yerabredungen wurden, wie gewöhnlich, durch einen Schluck Arak be-krilftigt, ein Getriink, auf das die Alfuren sehr erpicht sind und welches ich in kleinen Portionen stets abends den angesehenereu Leuten austheilen liess; deun olme ein solches Mittel schlagt der Eingeborene die Freundscbaft des Europaeers nicht

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AViller (1, c. pag. 101) sclireibt fogmonn und Wilkcn fug molin (liollündisch: foegmolin, 1. c. pag. 4), 33eido goben lomer an, dass dies der Kollektivnamon für alle Fenna's einer Landschaft sei, gleichbedeutond Tnit einer Bundesgenossenachaft. Wenn man aber von einem fuk molin M assarette oder ƒquot;. Lisela spricht, so bedeutet dies niehts anderes als denjenigen Theil dos Hinterlandos, welcher zu Massarette respektivo zu Lisela gehort. Dies kann indessen leicht zu dom erwahnten Missverstiindnisse leiten.

2

AVilken sehreibt djahor. (holliindiseho Schroibart; 1. c. pag. 4), Wilier johoc (boll. Schroibart; I.e. pag. 101).

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*KW

fV t/lt;w

liocli an, und man darf es bei keiner Reise vergosHen. Aucli Frauen liebeu den Trank, so gut wie die Manner, aber das Trinken hatte bisweilen seine Schwie-rigkeiten. So darf die Frau uuter anderen nicht in Gegenwart ihres Schwagers trinken, denn das ist geba Ito in {geha = Mensch); aber es wird dadurch Ablülfe ge-sucht, dass der Scliwager sein Gesicht dem Strande zukehrt, so dass er die Schwii-gerin nicht sehen kann, oder die Frau trinkt hinter dem Schutze eines vorgehal-tenen Sarongs, wie ich es aucli apüter wieder auf dem Wege zur Südküste in Polpitu sab.

Dort am Strande wurde auch an manchen Stunden des Tages, und vor allen Dingen abends, unter Gesangbegleitung die Tifa geschlagen, und zur Erhöhung der Festlichkeit pflegte man nalt;;h Anbruch der Dunkelheit in einigen Bambusköchern, welcbe in einer doppelteu, vom Strande bis zu unserer Wohnung reichenden Reihe eingepflanzt waren. Dammer zu brennen, wahrend die Musik bisweilen bis tief in die Nacht oder gar bis zu Tagesanbruch dauerte. Sie hat mich lüer und au vielen anderen Orten der Insel, ebenso wie aut' Seran und den Uliassern, wiederbolt um die wohlverdiente Nachtruhe gebracht, und das Schreien der Natursanger kann sich für empfindliche Obren bis zur Unertraglichkeit steigern, besonders wenn die Leute unverdrossen dasselbe Lied endlos wiederholen.

Der Gesaug, inafuha genannt {^ina — Mutter) und der Tifaschlag sind übri-gens durchaus nicht einförmig au Melodie und Inhalt, es giebt vielmehr eine grosse Zahl verschiedener Lieder, welche in ebenso mannigfaltiger Art durch die Trommel begleitet werden, und einzelne Weisen besitzen auch für das europaeische Ohr einen sanften Charakter. Doch hörte ich keine getragene Musik mit vielfach verschlungenen Stimmen, so wie ich sie spater in Bara, an der gleichnamigen Bucht der Nordküste, bei den Galelareseu vernommen babe.

Abwechselnd singt bald dieser bald jener Tifaschliiger eine Strophe vor (nie-mals ein Müdchen, wie auf Ambon und den Uliassern), welche dann von den Frauen wiederbolt wird, meistens in nüselnder Weise, mit kaum geöfFnetem Munde und in so laiigem Athem, dass einem dabei für die stumpfsinnig vor sich hinblik-kende Siingerin bange wird. Wer die Frauen so dahocken sieht, baufig das Kina mit der Hand und den Ellenbogen auf das Knie gestützt, der sollte kaum er-warten, dass der Inhalt der Lieder Interesse einflössen könne, und doch singen diese Leute leidenschaftlich gerne und ist der Sinn des Gesanges keineswegs worthies. Folgende Strophen babe ich mit Hilfe meines Dolmetsch und des Regenten von Lisela aufgezeichnet;

violo leon dena lale,

dena jomo moho, leli \

leli ulo dab a, mali.

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293

Darin bedeutet: molo ~ vorbei, lean = Bai, JeMa == Kiuarbamu, lale — viel, jomo == iilatl, mo ho — fallou, = (sich) wieder zurückw enden, ato — Liebesgesclieuk, daha— begegnen, mali = lachen. Die freie Uebersetzung wiirde also lauten:

Vorbeifahrend an einer Bai, an der viel Kinarbaume stehen,

Sieht man ein Kinarblatt fallen, aber sich umweuden;

Das Liebesgeschenk zurückzugeben, begegnen sie sich, aber sie lachen.

Es soil bedeuten, dass zwei Liebende einander ziimten und aich die Geschenke, die Hie einander gemacht, gegenseitig zurückgeben wollten, als sie sich aber be-gegneten, begannen sie zu lachen und versöhnten sie sich. Der Kinarbaum (Kletn-hovia hospita L.) spielt bei den Alfuren Bum's eine grosse Kolle, Ein auderes Lied heisst:

„ina ! wate hoti lalin,

hoti jana, kaïsili,

bara ilco, lili peui ,

sohi jatiny karawjulu,

jating harangulu,quot;

„ „mcla, mela; lamva maradika.quot; quot;

Hierin ist ina — Mutter, wale. — Tante, hoti — halten, lalin — das Innerste, hoti lalin — liebhaben, jana — Kind, kaïsili = Geschwister, bara — nicht, iko — fortgehen, lili — zuriick, peni — nochmals, sohi = warten, jating — Matten, karawjulu — Kissen {kara — Baumwolle), mcla == nein, lailwa — widersprechen (hier als Verneinung des folgenden Wortes), mar a = Blutsverwandter von Muttersseite, aus derselben Soa, dika — jemand. Die freie Uebersetzung ist liiernach:

„Mutter! Die Tante hat lieb,

Hat lieb das Kind (mich) und die Geschwister.

Sie soli nicht fortgehen, sie soil nochmals zurückkommen,

Sie soil warten mit ihren Matten und Kissen,

Mit Matten und Kissen.quot; —

„„Nein, Nein; sie ist kein Familienglied.quot;quot;

Der erste Theil des Liedes ist von einem Kinde gesprochen gedacht, die letzte Zeile dagegen ist die Antwort der Mutter und soli bedeuten, dass sie die Tante nicht zu-rückhalten kann, da sie einer anderen Soa angehöre, also im Sinne der Alfuren einer anderen Familie. Das mara ist in obigom Verbande nicht völlig klar, aber ich konnte keine andere als die gegebene Erklarung erf'ahren, trotzdem ich das Lied bis zum 5ten Juli mit mir herumgetragen und noch naher zu deuten versucht babe 1).

1

Eine Wortcrliste fiir Buhassu von Bum hat van dor Crab gogeben (Anhang zu : Do Molukschc eilanden).

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Die Tifa, clerea sicli die Alfuren zur Begleitung des Gesanges bedienen (Taf. 31, Fig. 13), ist kleiner als die Trommel, welohe man in der Regel in West-Seran autriflft, und einzelne dieser Inslrumente sind nicht langer als 39 cm. Allerdings sah ich ein noch weit Ideineres, von gleioher Foi'iii wie auf Bum, in Walia'i am oberen Ajer Besar; doch diente es daselbst nur far den Gebrauch im Hause. Der uniere Theil der gewöhnlichen buruesischen Tifa ist oberhalb des Fusses verschmil-lert, so dass der Trommelschlager sie bequem unter dem Arme halten kann; hier und am Fusse sind eingeritzte Figuren angebracht, manchmal in recht zier-licher Weise.

Daneben existirt aber audi die grosse, seranesische Tifa, welche ich in Waë-pote nehst Rabana und Gong beim Tjakalele verwenden sah (Taf. 37, Fig. 1). Der Charakter des letzteren ist fast der gleiche Avie auf Seran, und die Buruesen be-nutzen dabei den kleinen Schild nehst Parang, indem sie sich scheinbar zum Streite auffordern und schliesslich zuschlagen. Sie gerathen hierbei aber nicht selten so sehr in Aufregung, dass sie Gelahr laufen, einander wirklich zu verwunden, und da sie dies selbst wissen und fiirchten, so nehmen sie anstatt des Messers meistens einen Stock. Wlr beobachteten denn audi die nöthige Vorsicht, als ich den Tjakalele mit der Wafle aufiuhren liess, wobei ich Qelegenheit hatte, den kleinen Schild als eine sehr wirksame Wehr kennen zu lernen. Bei den Empfangsfeierlich-keiten sah ich an der Nordkilste Burn's den Tjakalele nirgends, wohl aber wiederum an der Südküste der lusel, in Kawiri und Tifu, woselbst er ziemlich ungeschickt getanzt wurde.

Das Treiben in Waëpote war wegen der Vorbereitungen zur Reise ein sehr leh-haftes. Es muste fiir die nöthigen Körbe, für Bambusstöcke zum Tragen und vor allem audi für Mundvorrath gesorgt werden; denn der Weg von der Nordküste bis zum See von Wakollo ward von einem alteren Kapalasoa, welcher ihn mehr-fach zurückgelegt liatte, auf 4,| Tage geschatzt, wenn er selber von morgens früh um 6 Uhr bis nachmittags 4 Uhr marschire, wahrend ich mit Riicksiclit auf die vorzunehmenden Untersuchungen fiir mich auf die doppelte Zeit rechnen musste, und da auf der ganzen Strecke kein Dorf berührt werden konnte, so war eine grosse Menge von Lebensmitteln erforderlich. Die Alfuren gingen aus diesem Qrunde audi fleissig auf den Fischfang aus und benutzten liierzu unter anderen wieder das melirfacli erwalinte und auch bei den Galelaresen gebrauchliche Wurfnetz. Daneben ist zum Fangen von hohara, homo und tjakalanu {Thynms pelamys C. V.) ein Eisen-haken in Gebrauch, welcher an Kupferdrath befestigt wird und Hühnerfedern als Lockmittel triigt. Die Zahl der letzteren muss ungerade sein (dann beisst der Fisch besser an) und ihre Farbe roth zum Fangen rother Fische. Dieselbe Art zu fischen

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2,.)5

ist audi auf Ambon ') und den üliassern bekannt, woselbst man statt rotiier Federn auch wolil gleich gefdrbte Kattunfetzen benutzt. Die Fischschwanze werden von den Alfuren Lisela's bisweilen, wie in Wabaï, an den Wohnungen befestigt, um sich dadurch für die Zukunft einen guten Fang zu sichern.

Mir selbst blieb noch Zeit zu einem kleinen, geologiscben Auslluge nacb dein benachbarten Kap Batu Noba, welcbes mit einem etwa 40 m. boben, steilen Ab-sturze am Meere endigt. Die Ur-Schieferformation ist daselbst auf weite Strecken bin aufgescblossen, und ibre dnnkelgefarbten, von weissen Adem durchzogenen Blocke, durch polyëdrische Zerklüftung des Gesteins entstanden, scbaffen hier ein pittoreskes Bild; wahrend an ihrem Fusse die Brandung tost, werden sie oben von schoner Waldnng überragt. In ihr sah ich mehrfach den kupferbraunen Raubvogel mit weissem Kopfe und ebenso gefarbter Brast, von der Grosse eines Bussards, Ifaliastur girrenera Viet 11., welcher sich so hiintig am Strande Bum's am Waldes-rande aufhiilt, da er sich von Fischen und allerlei niederen Seethieren niilirt. Nacb Aussage der Leute sollie sich am genannten Kap noch ein Stein mit einer alten Inschrift befinden, doch steilte sich heraus, dass lediglich die mannigfach zerfres-sene Oberflache des Felsens zu dieser irrthümlichen Anffassung goleitet batte.

Ausserdem liess ich in Waëpote die Alfuren eifrigst nacb den grossen Bock-kafern suchen, welche mir von Seran her bekannt waren, erhielt indessen nur ein einziges, 7 cm. langes, aber noch nicht ganz entwickeltes Exemplar eines Xixul/rrm (vermuthlich lunicollis v. Lansb.), welches aus einem Baumstamme genommen war. Dagegen bekam ich in grosser Zahl zunachst die Raupen und endlich, als die Leute anfingen meine Wiinsche zu begreifen, aucli die Puppen eines prachtigen Schmetterlings, des Cosms stria:. Linn.. Die Raupen, welche über 14 cm. lang werden, sind von lichtbraungelber Farbe, mit braunem Kopfe und ebenso gefarbten Brustbeinen und Luftlöchern sowie zahlreichen, über den ganzen Korper zerstreu-ten, kleinen, brauneu, borstentragenden Tüpfelchen. Ausserdem besitzen sie oben auf jedem Ringel ein ovales, durch eine zarte, gelbbraune Linie eingefasstes Feld. Die Puppen, welche mehr als 7.' cm. Lange erreichen, stecken in einem schmut-zigbraunen, vierseitigen Gespinste, welcbes durch seine Form einigermaassen an eine Pisangfrucht erinnert. Ich liess dafür nacb Art eines Vogelbauers einen grossen Kiilig aus Gabba-gabba und Bambusstreifen berrichten und hing denselben in unserem ïïause auf, in der HofTnung, die Puppen spater mitnehmen zu können, was bei der Reise quer durch die Insel selbstredend nicht möglich war. Als ich aber um Mitte Juni an die Nordküste zurückgekehrt war, batten sicli bereits alle Schmetterlinge entwickelt und lagen sie todt, abgeflogen und zerietzt in dem Be-

1) Sieh auch Bleeker, Ucis, deel II, pap. 101,

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liiilter. Icli steilte dann sogleich eineu zweiten Versuoh an und war alsbald so glücklich, einen schöuen Schmetterling zu erhalten, welcher oben eine in allen denkbaren Nuancen, vom lichten Perlgrau bis Schwarz, abgestufte Farbung be-sitzt und unten schwach stablblau sclüllert. Leider halt sich diese Schönheit nicht, denn das Qrau wird spilter unscheinbar und auch der bliiuliche Glanz der Unter-seite vergelit; vorlaufig aber freute ich mich in fast kindlichem Entzücken, wie es woLl uur jomand nachempfiiiden kann, der audi in seiner Jugend Naturalien sammelte, des schonen Thieres. Ein zweites Exemplar kam Mitie Juli in Ambon aus, aber mit den übrigen Puppen, deren letzte aut' der Eeise von dort nach Batavia zu Grimde ging, war ich wieder nicht glücklich. Sie sprengten wolil den Cocon, konnten sich aber nicht aus der Hülle befreien, was ich der inzwischen eingetretenen, für 15uru sehr abnormalen Eegenzeit zuschreibe.

4. YON WAËPOTE NACH WAKOLLO.

Mittlerweile war der 19to Mai herangekommen, an dem wir zur Mündung des Waë Lalmata (d. h. trockener Fluss), eiues kleinen Gewassers östlich vom .Tandjung Waë-Nibe, aufbrachen, um von dort die Reise ins Innere anzutreten. Meine Begleitung bestand aus nicht weniger als 133 Mann; darunter befanden sich der llegent und 7 Kajjalasoa's von Lisela sowie der Regent von Tagalisa mit 4 Ka-palasoa's, ferner 89 Alfuren und 15 Sulanesen aus den beiden genannten Landschaften, aus der Negorei Lisela in Kajeli 6 Leute, endlich noch einige andere Bewohner von Kajeli und meine javanischen Diener. Hierbei sind aber nicht die Alfuren eingerechnet, welche bereits im voraus den Weg aushackten und die sicli derzeit vermuthlich schon in Wakollo befanden. Da die Leute nichts ohne viel Geschrei verrichten können, so gab es ein gewaltigea Larmea und ein bun-tes Treiben beim Einladen des Gepacks, welches zunachst in zahlreichen Prauen nach dem Lalmata gebracht werden sollte. Ein Boot nach dem anderen fuhr beladen davon, und endlich folgte ich selber mit dem Posthalter und dem Dolmet-scher, wahrend die Leute, soweit sie nicht am Eudern theilnahmen, in langer, oft unterbrochener Eeilie rüstigen Schrittes dem Meeresufer entlang ihrem Ziele zustrebten. ünsere von Kajeli mitgebrachten Fahrzeuge, sammt den Njora's und den meisten Euderern, blieben in Waëpote zurück; für sie brauchte nicht weiter gesorgt zu werden, da sie reichlich Zeit zum Fischen batten und ausserdem als Mo-hammedaner über alle Ertrage der Alfuren verfügten, auch über etwaige Schweine und die zahlreichen Ziegen, welche hier und auf den benachbarten Insein übrigens lediglich als Schlachtvieh Verwendung finden.

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Nach kaum einstündigem Rudern laugten wir am Lalmata au, und dort be-gaunea wir sogleicli die Triigerkoloane zu ordneu (vgl. Taf. 40), An Bambus-stöcken vou Schulterliölie, welclie der Lange nach zerspalteu und an den beiden Enden eingekerbt sind, wird jederseits das Gepück fiir einen Manu befealigt, der ea alsdann auf eine Schulter nimmt. Da kommen zuniiehst meine Kisten an die Reilie, von denen eine einzelne Person zwei zu trageu vermag, wenn sie mit loicliten Gegenstanden gefüllt sind; dann Bleclibeliiilter, in denen Petroleum ver-sandt wird und welche in Indien zu allen möglichen Dingen Verwendung tindon, wahrend sie mir zur Aufnalime von Lebensmitteln dienen; ferner aufgerollte Matten zum Scbutze gegen Regen und als Lager fiir einige Leute, weitmaschig geÜocli-tene Körbe mit kleinen Blechdosen und Glasern zum Trockenen und Bewahren von Insekten, Bambuskoclier für Wasser, Koclitöpfe, viereckige Körbchen mit Deckel, in denen die Alfuren Kleidung und dergleiclien Dinge bewahren — das alles und manehes andere wird au den Tragstöcken befestigt. Die Kiste mit meinem grosseren photographischen Apparate und auch die kleineren Kisten mit schwe-rerem Inlialte (namentlich, falls sie im Laufe der Eeise Steine aufnehmen mussten), endlich auch mit Eeis gefüllte Petroleum-Blechbelialter erforderten zwei Trager. lu solchen Fallen wurde das betreffende Gepück einfach in der Mitte eines Bambusstockes befestigt, wahrend die Leute beim Tragen lanter einander her liefen. Gewehre für die Jagd fehlten selbstredend uicht und ebensowenig die Fahne, welche stets vorangetragen wurde.

Die Manner waren in der una bereits bekannten Kleidung, trugen dabei ihren Parang, so wie deraelbe oben von Kajeli geschildert ist, und zum Theil auch vier-seitige Taschen von der Lange einer Handspanne und fast ebenao hoch, in der sie Siri mit Zubehor und einige andere Kleinigkeiten bewahrten '). Die beiden Regenten von Lisela und Tagalisa hatten iiber ihren Fes noch den bekannten, spitzen Hut (tudung) gesetzt, und da ersterer diese Kopfbedeckung von rother Farbe mit weissen Figuren verziert trug, ao gewabrte das eiuen merkwürdig ko-miachen Anblick; auch einige Bediente des Posthalters trugen gefarbte Hüte, und genie bemalen die Ruderer von Kajeli sie grün mit weissen Figuren, worunter besonders der Anker beliebt ist.

Endlich war alles zum Aufbruche bereit; meine Instrumente waren zum letzten Male am Meeresstrande abgeleaen, und um 10 Uhr konnte der Weg landeinwarts angetreten werden. Ea ist ein eigenthümliches Gefühl, das einen beschleicht, wenn man so ins Unbekannte hineinzieht, und noch heute kann ich es lebhaft nach-

1) Sio sind aus Zong angofertigt, welches durch Pflanzonsaft wasserdicht gemacht wurde (v^l. obon Seran, pag. 12b).

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empfinden, wie mir tausenderlei Fragen wieder und wieder durcli den Sinn zogen. Als ich ins Innere Surinams ging, als ich die Reise nach Honitetu unternalun, dann wieder beim Beginne der Durchquerung Serans — stets hatte icli die Empfin-dung, als thate ich einen gewaltigen Sprung ins Dunkle und üngewisse. Es ist niclit Furcht vor Gefahren, denn ich glaube, dass icli die niemals kannte, und selbst dem Soldaten, welcher dem Feinde entgegengelit, ist sie wolü in den meisten Fallen fremd. Fast jeder tragt, dem unbewussten Triebe der Selbsterlialtung gleicb, mit sich ein gewisses Vertrauen auf seinen guten Stern, den Funken, obne dessen liesitz jedes Wagniss unmöglicli sein würde, ist er auch selbst so trügerisch wie ein Irrliclit. Aber wird der Sprung gelingen? Wird der Erfolg die Mühe lohnen? Wird der Körper seinen Dienst nicht versagen? Wohin wird der Weg führen? Das drangt sicli einem in erster Linie auf', rasdier als es sicli niedersclireiben liisst, und da ist's, als weigere der Fuss seinen Dienst in demselben Augenblicke, in dem er zum Abstosseu und zum Sprunge ausholen soil — doch aucli nur einen untheilbaren Augenblick wiibrt dies; dann ist's Torbei, und das Ziel, dem man naobstrebt, ziebt einen nocb krüftiger als vordem zu sicli Mn.

Es wurde scbon eingangs erwabnt, dass der Weg,quot; dem ich folgen sollte, eigens für meine Zwecke angelegt worden war. Der Eegent von Lisela batte dies in Ueberlegung mit mir (lurch die Alfuren seines Gebietes verrichten lassen, indem zumichst liings zielloser Jagdpfade und einiger Flüsse die beste Eichtung gesucht, und darauf in dem Unvalde, welcher die Insel vom Nordstrande aus bis zum See von Wakollo fast ununterbrochen bedeckt, eine 1| bis 2 m. breite Sclmeuse ausgebackt worden war. üiese Arbeiten batten aber die Strand- und Bergbewohner gemeinschaftlich, jeder auf seinem Gebiete, verrichtet, so dass die ersteren, welche fast ausnahmslos meine Begleitung ausmachten, allein für den nördlicheren Ab-scbnitt des Weges orientirt waren, und nur ein einzelner Alfure des Innern, ein alter Kapalasoa von Waïli, befand sich bei mir, welcher die ganze Gegend kannte. So war es denn in der That unmöglicli, sich auch nur einigermaassen ein Bild von der vor uns liegenden Aufgabe zu schaffen, ganz abgesehen von dem Um-stande, dass das Befragen der Eingeborenen nach der Art ibres Landes selbst dann ziemlich erfolglos gewesen sein würde, wenn meine sammtlicben Reisegenossen dasselbe gekannt batten. Die Beobachtungsgabe dieser uncivilisirten Leute ist nÉim-lich ungemein gering, sobald die Beobachtung nicht in irgend welcher Weise nutzbringend zu werden verspricht: Thiere, welche sie nicht jagen, Pflanzen, welche sie nicht benutzen, Berge, welche sie nicht besteigen, haben in der Eegel keine Namen. Dabei wissen die Alfuren selbst auf ibnen bekannten Wegstrecken die Entfernungen meistens nur recht scblecht zu scbiitzen, denn sie geben in der Eegel langsam, jagend und sucheud, halten sich an beliebigen Stellen auf, da

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sie ja überall leicht ilir Nacht lager aufschlagen kömien, und kümmern sich nicht um die Zeit, für deren Eintheilung sie gar keinen Begrifl' haben. Manchmal wagen sie auch aus Furcht vor Irrthum nicht ihre Meinung zu auSseru. Unter solelien (Jmstanden war die Erklaruug, welche mein Freund Wilken mir nocli auf seinem Sterhebette gemacht halte, für mich die wichtigs te Kichtschnur: „Du wirst durch Buru reisen können, aher es ist sehr schwierigquot;.

Wir folgten dem Bette des Lalmata , welcher von Süden kommt und vom Küstengebirge aus in kurzem Laufe dem Meere zuströmt, aufwiirts. An der Müu-dung uur 10 Scliritte l)reit und trocken, erweitert sicli sein Bett laudeiuwiirts als-bald bis zu 40 und 60 Schritte, eine auf der Insel allgemein wiederkehrende Eigen-thümlichkeit der Flüsse, auf deren Bedeutung ich an einem anderen Orte zurück-kommen werde. Wiederholt sind Wande von altem Flussschotter in Aufschlüssen bis zu 10 m. Höhe angeschnitten; die zalilreichen Geschiehe, der Bambus im Fluss-bette und die dünn bewaldeten Höhen an seinen beiden Seiten erinnern an die Umgegend von Kajeli. Schon nach einer halben Stunde Qehens verliessen wir den Lalmata und stiegen an seinem rechten Gehünge den gleichnamigen Berg, an-fangs mit 20° Neigung, hinan. Nach einer weiteren Stunde ist dann die steilste Steigung überwunden und marschiren wir auf ziemlich bequemem, wenngleich über viele kleinere Wellen hinführendeni I 'fade durch die bekannte Kajuputiwaldung, die auch hier wiederum die Höhen am Meere bedeckt, in den Wasserrissen durch Galoba {Amomum spec.) unterbrochen. Sie gestattet uns einen Ilückblick zur Kilste, zur Mündung des Lalmata und derjenigen des Massi, eines kleinen, östlich vom erstgenannten Hiessenden Gewassers, f'erner auf die Ebene von Waëpote , zu der, ebenso wie zu den genannten Flüssen, allseitig scharf geschnittene Grate der kry-stallinischen Schieferformation herablaufen; auch das Kap Batu Noiia wird sichtbar und vor uns, genau im Süden, der steile pirigawa, den wir am folgenden Tage besteigen sollten. Man überblickt die Landschaft auf weite Strecken, und der aus-gehackte Weg ist bis zum Gipfel des letztgenannten Berges sichtbar, so dass die Orientiruug leicht wird und es möglich ist, die vielfach abandernden, kleinen Wegkrümmungen bei der Arbeit zu vernachlassigen. Was dies zu bedeuten bat, vermag aber wohl nur derjenige zu schfitzen, welcher tagelang in waldbedeckten Gegenden gereist hat, ohne den Kompass auch nur für kurze Augenblioke ruhen lassen zu dürfen. Mittags gingen wir auf der Firste eines stellen Grats, auf wel-chem wir 321 in. Meereshöhe erreichten, den höchsten Punkt des G. Lalmata; dann stiegen wir an seinem westlichen, mit 35° Neigung abfallenden Gehünge in das Thai eines kleinen, zum Waë Nihe tliessenden Baches, IIadifüï genannt, hin-unter, an dem wir schon kurz nach 1 Uhr Rast machten, weil wir sonst nach

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Anssage der Alfuren an diesem Tage kein Wasser mehr antreffen konnten.

Hier an dem kleinen, uur 4 Schritte breiten Bauhe standen zerstreut sieben Wobnungen von Levi ten, welche Kajuputi-Oel bereiteten und ihre in der Niihe gelegenen Pflanzungen bestellten. Alle gehörten nach europaeischen Begriffen einer einzigen Familie an, denn es 'waren Söhne und Tochter desselben Vaters mit ihren Frauen und Mannern; doch wobnten dieselben bier nur zeitweilig zur Erledigung ibrer Feldarbeiten, wabrend sie ibren festen Verbleib in zwei verscliiedenen Penna's batten, entsprecbend dem oben über die Heirath Mitgetheilten.

Die Bauart der Hiiuser stimmt im wesentliclien mit derjenigen von Waëpote überein; einige sind indessen so eingerichtet, dass vinter einem liingliohen Atapp-dacbe binten nur ein einzelner, kleiner Raum durcb Baumrinde abgescblossen ist, wabrend die Wande im übrigen ofl'en bleiben, so dass das Gauze kaum mebr als einen Schappen darstellt, in dem sich der Quere nach oder langs den Seiten an-gebrachte, mit Baumrinde belegte Pritschen befinden (Taf. 43, Fig. 1). Die Pfahle, welche das Dach tragen, sind entweder direkt in die Erde gepflanzt oder am Boden in einem vierseitigen, den Grundriss der Wohnung bildenden Rahmen befes-tigt. Auch die Humakoïn's feblen nicht; ptlegen die Leute doch gerade gerne bei ibren Pflanzungen die Bethauser anzulegen, um sich eine gute Ernte zu sichern, aber sie respektiren diese Statten nicht besonders, denn gelegentlich bewabren sie auch dies oder jenes darin auf, was mit der Bestimmung der Hüuschen nichts zu schaffen bat. Ich fand darin unter anderen den Helm eines Destillirapparats liegen , und meine Leute benutzten die Humakoïn's zum Tbeil, um sich und ihr Gepack vor Regen zu schützen. Von Gerathen bemerkte ich hier am Hadifut, nichts anderes als einen ausgehöhlten Block zum Stampfen von Reis, genau so geformt, wie er audi auf Seran (in Wakollo und Pasania) in Qebrauch ist').

Sonst gab es an diesem unfreiwïllig gewahlten Aufenthaltsorte nichts, was Interesse erregen konnte; der archaeische Schotter im Bachbette bot auch kein weiteres, geologisches Untersuchungsobjekt, und so richtete ich mich denn in einem der offenen Hiiuser alsbald mit der lliingematte ein und liess gegen Abend, nach eingetretenem Regen, geduldig den Gesang des Inafuka, wofür die Tifa's mitge-bracht waren, über mich ergehen; einige Frauen vom Matlea Ikan, welche die Reise mitmachter., sangen dazu.

Am folgenden Tage, dem 209ton Mai, setzten wir in der Frühe um 6 Uhr unseren AN'eg fort, stiegen zunachst das Grat dots G. Lalmata, welches wir gestern verlassen hatten, wieder hinan und befanden uns kurz darauf am Fusse des G.

1) Sioh oben, pag. 175.

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P1TI6AWA. (Der Name iat im Bahassa vun Bum die Bezeichnung für ilas sog'enannte Kikerblatfc, welches man in Ambon an Stelle des Papiers uur Herstellung von Oi-garetten verwendet). Der Anstieg ward hier mühevoll, demi anfangs führte der Weg unter 25°, bald darauf unter 30° Neigung aui'wiirts, raehrfach in kurzen Stufen oder auch durch niedrige Einsenkungen unterbrochen, und dort wo die Neigung am steilsten ist, fallt der Gipfel links vom Wege unter 55° nach Osten ab. Aber das Gehange giebt reichlich Aidasa zu Beobachtungen über das Streichen der Sehieferformation und vergütet dadurch die körperlichen Strapazen; voii ihm blickt man auch noclunals auf das Kap Batu Noha, die Mündung des Massi und des Lalmata sowie auf den Gipfel des gleichnaiuigen, gesteni überschrittenen Ber-ges zurück; auch die Mündung des Waö Nihe ist au einem Punkte deutlich zu sehen, und unter uns ziehen sich überall messerscharfe Grate von den Höhen des Gebirges bis zur Kilste hin, eine durch die Erosion tief zerschnittene Landschaft bildend. Wir sollten sie für lange Zeit nicht wiedersehen; denn nun wird der Ausblick alsbald giinzlich durch die Vegetation verschlossen. Das Klettern im dichten Walde gestaltet sich trotz des ausgehackten Weges ungemein mühsam, denn oftmals liegen, wahrend wir au einem steileu Gehange hingeheu, au dem der Fuss auf scblüpfrigem Laubboden kaum einen Ualt zu linden vermag, im Wege Massen von grossen Baumen, die stets überstiegen werden müssen, viel-fach mit Hilfe primitiver Leitern, welche vou den Alfuren schon vorher zu diesem Zwecke hergerichtet sind.

Obwohl wir bereits gegen 8.2 Uhr den ersten Gipfel des Pitigawa, welcher 507 m. hoch ist, erreicht hatteu, so waren wir doch nachher wiederum genöthigt gewesen, verschiedene steile Hange auf- und abzugehen, bis wir una nach Verlauf einer Stunde abermals auf einem Gipfel desselben Berges in fast gleicher Meereshöhe wie vorher befanden. Dann war die Sohwierigkeit, welche das Eelief der Landschaft geboten, im wesentlichen überwunden, und weun der Weg auch noch stets in kurzen Wellen auf und ab führte, so stieg er doch allmilhlig und gleich-iniissig bis zu 727 m. Höhe au und behielt dieselbe im allgemeinen bis zum End-ziele unseres heutigen Marsches bei. Dennoch sollte uns aus diesem Umstande nicht viel Erleichterung erwachsen, demi hier oben auf dem llochplatean hiluft sich die Menge der umgestürzten Bilume in erstaunlicher Weise; auf langen Strecken liegt fast alle 10 Schritte ein solches Hinderniss im Wege, und wir brauchen uns nicht lange nach der ürsache dieser uuerfreulichen Zugabe umzu-sehen. Die Halfte der grossen Baume zeigt verdorrte, blattlose Kronen und ist nahe dem Boden von aussen durch Feuer verkohlt, so dass der Bliek aufwarts fast an eine herbstliche Landschaft Europa's erinnert, wahrend unten in den durch Brande entstandenen Lichtungen stellenweise unendliclie Mengen von Farnen wu-

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ohern, die im allgemeinen Aussehen unserem Adler-Saumfarne {Pter Li aquilina L.) ahnela; daaeben kommen Baumfarne vor, wahrend zalilreiche, niedrige Palmen und Galoba an der Bildung des Unterholzes theilaelimen. Die Waldbriiude sollen in der trockenen Jabreszeit bisweilen von selbst dnrch gegenseitige Keibung der Aeste entstehen, wie mir spater auch wieder in Tifu erzablt wurde, aber meistens triigt wobl der umhersobweifende Jager, welcher durcli Unvorsiobtigkeit rlas Gras in Brand steekt, die Schuld1).

Das Wild, dem der Alfure bier nachgebt, ist zunüchst wiederum der Ous-cus, sodann das Schwein und ausserdem der Hirsch. Die beiden erstgenannten Tbiere fressen gerne die Frücbte eines kajuhapa genannten Baumes (Schorea Sela-nica BI.), dessen Einde aucli zum ïïauserbau benutzt wird, und welcher auf diesen Höhen zahlreich wüchst2). Da steht auch ein Sassi am Wege, welches jedem fremden Alfuren das Betreten dieser Gegend verbietet; es stellt ein you der Einde des genannten Baumes konstruirtes und von rob zusammengestellten Zweigen ge-stütztes Dach dar. An dem so entstandenen, kleinen Ilause ist die Firste dadurch gebildet, dass die Einde über einen Stock gehangen wurde, welcher horizontal an zwei anderen, vertikalen und an den beiden Enden des Bans in den Boden getrie-benen Staben befeatigt ist. Die beiden aufrecht stellenden Stöcke überragen aber das Dach und tragen in ziemlich weitem Abstande von ihm noch einen zweiten, der Firste parallel verlaufenden Stab; au einem derselben ist ausserdem noch ein belaubter Zweig festgebunden, und das Gauze besitzt etwa 1 m. Höhe.

Spiiter sab ich am Waë Danga nocli ein sehr grosses, mehr als mannshohes Sassi für den Kusu (Cuscus). Es war ein aus gekreuzten, dicken Zweigen her-gestellter Bau, der Art, dass je vier Zweige wie ein grosses, lateinisches W zu-sanimengestellt und in einer, der aufrechten Stellung des Buchstabens entsprochen-den Weise in den Boden gesteckt waren. Diese Konstruktion wiederholte sicli sechs Mal, und alle sechs /^-artigen, reihenförmig hintereinander angeordneten Theile waren dadurch verbnnden, dass man über die drei Kreuzungspunkte der Stöcke der Lilnge nach andere Zweige gelegt batte. Ausserdem trugjeder Schenkel der verschie-denen W'a an der Spitze noch ein kurzes, senkrecht zur Langsrichtung des Stockes angebundenes Querstück, welches die Aehnlichkeit mit dem genannten Buchstaben noch erhöhte. An einer der Querseiten des Gerüstes waren in der Mitte wieder Zweigbüschel in die Erde gesteckt, welche den ganzen Bau etwas überragten. Diese Büscliel sind jedenfalls etwas Wesentliches, und ich vermuthe, dass sie eine Drohung für den Zuwiderb au deinden bedeuten, vielleicht, dass er gleich den Bliit-

1

]}ammaru-Buume schcinen sehr leicht Fouor zu langen (vgl. Wilier I.e. pag. 893).

2

Dor Stamm ist zur Horstellung von Masten, Planken und Balken geoignet (Wilier, Booroe |mg. 1G2 u. 226).

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tern der Zweigo verdorren und vergehen soil; demi ühnliche Beschwörungen bringt man anch sonst anf Burn in Anwendung 'j. Unfern des Sees von Wakollo, an dem Waë Sali, traf ich dann noch ein Sassi für Knsu, welclies der Art ans dicken Zweigen znsammengestellt war, dass ein m. holies Gerust nacli Art eines Dacli-stuhls gebildet wurde.

Der Knsu wird nnter anderen mittelst einor Schliage in sinnreich konstruir-ten, durch einen Stein beschwerten Fallen, welche man in einem Baume anfliiingt, gefangeu, und ebenso stellt der Alfure für Hirsche selbstschiessende Pfeile auf'; um aber den Mitmenschen nicht in Gef'alir zn bringen, pflanzt man dort, wo letz-tere hergerichtet wurden, ein besonderes Warnungszeichen in den Boden (Taf. 31, Fig. 9). Es besteht aus einem einzelnen, vertikal aufragenden Stabe, an dessen oberem Ende in Schulterhöhe zwei divergirende, zugespitzte, kurze Stöcke in der Weise befestigt sind, dass sie ihre Spitzen nach oben und aussen kehren. Schon gestern batten solche Zeichen nnsere Leute verhindert, in der Nahe der Station zu jagen, und auch hente standen sie wieder einzeln am Wege — eine sebr nnerfreuliche Erseheinung, da wir bei uuseren Maassnahmen für die lieisc bestimmt auf den Ertrag der Jagd gerecbnet batten und dieser jetzt ganzlich fortfiel.

Kaum durften wir auf der au verdorrten Biiumeu so reichen Höhe einen Augonblick stillstehen, denn die Leute trieben nur stets vorwiirts, weil sie das fallende Holz fürchteten; als wir aber um 11 Uhr in 727 m. Höhe eine kurze Rast bielten, gestattete die lichte Waldung einen Ausblick nach Westen, woselbst sich das weite und liefe Thai des Waë Nibe und jenseits desselben der gleich-namige Höhenrücken ausdehnte. Von einem Ueberblicke über jenes Thai war frei-lich nicht die Bede, doch liess sich wohl erkennen, dass der Gunuxg Waë-Nibis ein ahnlich abgeflachter Gipfel und annahernd vou gleiclier Höhe sein müsse Avie der Pitigawa, auf dem wir uns noch immer belanden. Dann ging es alsbald wieder lort, stets noch über zahlreiche Baumstamme, wahrend dichtes, dürres Laub den Boden bedeckte, so dass kaum ein einzelner Gesteinsbrocken /,u finden war; schliess-lich, gegen 2 Uhr, verkündeten uns laute Juchzer, welcho die Alfuren hier gerade so wie auf Seran bei freudigen Anlassen ausstossen, dass wir die Niihe der Station erreicht haben müssten, die vorausgesaudte Leute bereits für mich hergerichtet batten. Es war der vielen, dürren Baume wegen nur mit Mühe ein dafür geeig-neter l'latz zu finden geweseu, und kaum waren wir angelangt, so horte man aus der Ferne den liegen heranrauschen. Übwohl an unserem Standpunkte noch alles stil! war, vernalnn man doch bereitö das Brausen des Windes nnd das Fallen

1) iSioh unton; Siidküato»

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des Regens wie eine aus der Feme herankommende Fluth; nun wurden audi die Kronen zu unseren Hauptern gerüttelt, und kracliend stürzte einer der Waldriesen zu Boden.

Da die Alfuren niclits anderes als eine überdeokte, mit Bautnrinde belegte Pritsclie gemacht batten, so musste die Haupteinrichtung für die Nacht leider noch nacb meiner Ankunft im Regen gescbeben. Icb liess mir ein Haus aufbauen, wie icb es seitber mit wenig Mübe überall auf Buru konstruirte, und da seine Einricbtung zukünftigen Reisenden yon Nutzen sein kann, so will icb sie kurz bescbreiben: Acbt Pfable werden so in die Erde getrieben, dass sicb drei an jeder Seite der Hütte befinden ; sie bilden also die vier Ecken derselben und lialbiren ibre Wande. Die Pfable an den Lilngsseiten baben alle Sclmlterböbe; diejenigen, welcbe in der Mitte der Querseiten steben, reicben dagegen weiter aufwarts, weil sie die Firste des Dacbes tragen müssen; alle werden oben durcb Stöoke mit ein-ander verbunden, so dass biedurcb zngleicb eine Stütze für das nun berzuricbtende Dacb gescbaffen ist. Auf den so erhaltenen Rabmen werden alsdann Stöcke gelegt, welcbe vun der Firste bis zu den Seitenwanden berabreicben und bestimmt sind, den Atapp zu tragen, weloben icb stets mit mir fübrte oder voraustragen liess, da Blatter für eine tauglicbe Dachbedeckung an vielen Orten gar nicht zu finden sind. Der Raum im Innern wird ferner der Liinge nacb in zwei ïïalften getbeilt, deren eine für eine niedrige, aus roben Stammen bergestellte Pritsclie bestimmt ist; letztere lasst sicb mit Baumrinde belegen und als Scblafplatz für diesen oder jenen Reisegenossen benutzen, ausserdem zum Aufbewabren vou Instrumenten und zum Sitzen oder aucb als Tiscb zum Essen. Der andere, leere Raum wird dort, wo der Boden feucbt ist, ebenfalls mit Baumrinde belegt; die Kisten finden unter der Pritsclie Platz, nachdem für sie eine robe Unterlage von Stöcken gescbaffen ist, und pbotographiscbe Instrumente, Aneroide u. s. w. werden am besten in ibnen zwiscben Zeug verpackt. Von den Seiten kann man, je nacb dem Wetter und den zu erwartenden Winden, eine oder mebrere durcb berabbangende Zweige scblies-sen, so dass mehr oder minder vollstandige Scbutzwande entsteben. Die langen, die Firste des Dacbes tragendeu Pfiihle erbalten ausserdem noch je eine schrage, ins Innere der Hütte reichende und in den Boden eingetriebene Stütze, weil sie bestimmt sind, die Hangematte zu tragen. Letztere wird an einem eigenen, unter der Firste hinlaufenden Langsstocke, der wiederum an jenen Pfahlen befestigt ist, aufgehangen, und zwar möglichst hoch. Man kann von der Pritsche aus hinein-steigen und ist alsdann nalie dem Dache am besten gegen die TJnbilden der Wit-terung gescliiitzt; dass aber die Benutzung der Hangematte dem Schlafeii auf der Pritsche vorzuziehen sei, ist mir nicht im miudesten zweifelhaft, denn selbst meine unverwöhnten Begleiter vermochten trotz ihrer mitgefubrten Matratzen nur

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sclilecht aut' der ünterlage von unbearbeiten Pfdlilen zu rulien. Einige zusammen-legbare Stühle, ein Licht und einige Kisten, welehe als Tisch Dienst than, ver-vollstandigen die Einrichtung.

So sah es also in unserer Waldstation aus. Wasser war nicht anders als aus einem Pfuhle, der weit abwarts westlich am Gehange lag, zu bekommen, und den Luxus des Waschens konnten wir uns an diesem Orte aus solchem Grunde nicht erlauben; dabei war es feuchtkalt, so dass ich mich erst in meiner ouro-paeischen Winterkleidung, selbstredend ohne Überzieher, behaglich fühlte. Aber die Nacht wurde trotzdem unerqnicklich dnrch Regen und Wind; der Posthalter, welcher sich schon bei eintretender Dunkelheit so lange die Beine batte kneten lassen, bis er schnarchend einschlief, wurde zudem schou um vier Uhr morgens wach und störte nun selbstredend alle Leute, die im Bereiche seiner Slimme waren, auf. Deun diese Herren können nvin einmal nicht athmen, ohne zu koin-mandiren und rufen bestandig nach ihrer Bedienung wie die Kinder uacb der Amme; es ist geradezu erstaunlich zu sehen, wie sie den ganzen Tag eine Auzald von Dienern um nichts zu beschaftigen wissen.

Jeder ist froh, als wir uns am 21ston Mai um 6 Uhr morgeus wieder in Be-wegung setzen. Eine kurze Zeit geht es noch in etwa gleicher Hühe und nut er ühnlichen Verhaltnissen wie gestern fort; daim schwinden die verdorrten Biiume, bin und wieder wiichst Dammara am Wege; ein einzelnes, mit Rinde gedecktes Haus im Walde, welches übrigens nicht mehr als Wolmung benutzt wird und vielleicht nie dauernd solchen Dienst verrichtct hat, ist die erste Spur menscli-licher Existenz, der wir seit dem Verlassen des Hadit'ut begegnen. Alsbald senkt sich nun der Weg ein wenig, und um 8 Uhr befinden wir uns in G07 m. Holie im Quellengebiete des Samleko, eines rechten Nebentlusses des Wak Nibe. Daiait sind wir an der Grenze des Pitigawa angelangt und betreten wir den Günung Waë-Nibb, welcher übrigens mit der gleichnamigen, am gestrigen Tage erwiilinten Hühe nichts zu schaffen bat; deun eine gauze Reihe flachgipfeliger Rücken dieser Gegend, beiderseits vom Hauptstrome gelegen, wird von den Leuten nach letzte-rem benannt, wahrend besondere Namen für sie, ebenso wie für die kleineren Biiche, fehlen.

Da die Wasserlaufe ihr Bett tief und steil eingeschnitten haben und in grosser Zahl thalwiirts führen, so steigt der Pfad vielfach auf und ab, am schroil' nach // abfallenden Gehange des G. Waë-Nibe bin, und wir sind genöthigt, zahlreiche, hervorstehende Grate uuter bestandiger Richtungsanderung zu umgehen. So bleibt es bis gegen 11 Uhr, wahrend man eine kurze Zeit lang jenseits des Thales gelegene Hühen erblickt, die mir abermals als G. Wae-Nibe bezeichnet werden und

2U

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vou ahnlicliein Relief zu sein sclieinen, wie der Gipl'el, au dessen Hang wir noch immer hinklettern. Dann gekt es etwas rasdier thalwarts, nur noch selten an einem stellen Abhange hin, bis gegen 1 Uiir ein breites Gral erreicht ist, über welches der Weg zum Bobbo hinableitet, einem in den Wak Niïbo, Nebenfluss des Waë Nibe, mündenden Bache. Nachdem der Bobbo durchwatet ist, trennt uns nichts weiter als eine einzige, niedrige Anliöhe vom Waë Nebo, welcher um 2 Uhr erreicht wird, und jetzt brauchen wir nur noch eine kurze Strecke in seinem mit Klippen besetzteu Bette aul'warts zu gehen, um nahe der Einmündung eines Ne-benbaches zu unserer heutigen Station zu gelangen, welche sich in 364 m. Mee-reshöhe befindet.

Es ist daselhst eine alfurische Bflanzung mit einigen effenen, zur Zeit unbe-nutzten Wohnungen , die auf eiuer kleinen Erhöhung des Bodens im Winkel des Zusammenflusses der beiden genannten Gewasser liegt, und alsbald zerstreuen sich die Leute, um Ileuschrecken gleich über die Ertriige des Feldes herzufallen. Mir selbst gewahrte der Aufentlialt einen grossen Genuss, da icb midi glücklicli fühlte, wieder einmal ein Stück offenen Landes und einen ïbeil des Himmels über mir zu sehen. Die Nacht veriioss ruhiger und angenehmer als die gestrige, weil die Kiille uns nicht belastigte; nur wurde ich um 11 TJ. 22 M. von einem heftigen Erdbebenstosse geweckt, dem ein sohwacherer um 11 U. 3C M. folgte. Scbeinbar war die Eichtung der Welle JV O—S W,

War der Weg bis hierher keineswegs bequem gewesen, so warteten meiner dennoch in den folgenden Tagen Strapazen, gegen die alle bisherigen wie Kinder-spiel erschienen; das Relief wurde ungemein komplicirt, und olme Zuhilfenahme eines Profils oder eiuer genauen Karte sind die Einzelheiten der folgenden Miirsche nicht verstiindlich. Es kann aber dem Leser olmehin schwerlich erwünscht sein, an diesem Orte eine eingehende Beschreibung des Weges zu erhalten, und wenn-gleicb mir in meiuem Tagebuche ein sehr yollstandiges, in grossem Maasstabe an-gelegtes Profil zu Gebote steht, in welchem auch die unbedeutendste Bodenwelle und der bescheidenste Wasserriss verzeichnet ist, so sehe ich doch von seiner Wiedergabe hieselbst ab und verweise ich zur Vermeidung ermtidender Einzelheiten auf den anderen Theil dieses Werkes, in welchem die geographiscben und geolo-gischen Resultate zusammengefasst werden sollen. An dieser Stelle möge nur ein allgemeines Bild von der Art des Reisens gegeben und darauf jeder Tag in einigen Hauptzügen skizzirt werden:

Qeraume Zeit vor 6 ühr, spiltestens um 5,} ühr morgens, wird aufgestanden. Viele Leute sind bereits wach und sitzen an den Feuern, eine Cigarette oder irgend ein Pflanzenblatt rauchend (unter anderen werden hiefür auch junge Nipablatter

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verwendet); einige hoeken dort sclion seit Stunden, demi alle schlafen sehr un-regelmassig, und diesen oder jeuen liört man die ganze Naclil liindurch spreelieu. Eineu kleinen Imbiss, bestebend angt; Hagn, Frticliten, Fiscb oder etwaigeni Fleisch des Cuscus, baben die meisten scbon zu sieli genommen; jelzt werden sie durcli einen Scblag an den Gong, welcber an meiner Hütte hangt, aus ibrer Ru he auf-gestört, und die angewiesenen Tj'üger eilen berbei, ihr Gepilde in Emptang zu nebmen; denn die Vertbeilung desselhen bat bereits vorber stattgefunden und hleibt Tvomöglich wahreud der ganzen Dauer des Tagemarsches dieselbe für die gleichen Leute. Wahrend die Hiingematte und andere in der Nacht verwendete Qegenstande verpackt werden, üherwacht der Dolmetscdi die geregelte Ahnabme des Qepiicks und balt mein Diener Cbokolate nebst troekenem Zwiehack für mieh bereit. Dann werden genau um 6 übr nochmals die Instrumente ahgelesen und sotbrt wird aufgebrocben.

Allen voraus gebt die Hauptfrau des Matlea Ikan, welche die holliindische Fahne und dazu manebmal noch ein Qewebr trügt; sie ist für micb eine wichtige Persönlicbkeit, da icli die Flagge nicht uur aus nationalem Interesse den Zng eröffnen lasse, sondern sie gleichzeitig als Zielpunkt bei Kompasspeilungen verwende. Manche kleinere Wegkrümninngen können vernacblassigt werden, wenn der Abstand zwischen der Spitze und mir gross genug und noch obendrein durch eine Schlangenlinie von Triigern ausgefüllt ist; denn stets gebt mir eine Eeiho von Lenten voran, damit die unentbehrlicbsten Diuge nicht gerade dann vermisst werden, wenn ich sie am meisten benöthige. Der grösste Tross von Triigern folgt aber hinterdrein und ist manebmal gewiss Wegstunde zurück; in meiner unmit-telbaren Nabe betinden sicli der Dolmetsch, einige Leute mit Instrumenten, welche oft zur Hand sein müssen, und die Alfuren, deren hesonderer Obhut ich anvertraut bin, ver allem der Matlea Ikan und ein Ortskundiger. Fast alle baben sich mil Bergstöcken verseben, welche wegen der schwierigen Reliefverlialtnisse des Landes allgemein von den Bewohnern des Innern gebraucht werden. Meist wahlen sie da-für einen beliebigen, rohen, bis zur Schulter reicbenden Stock und bisweilen einen solchen von uur 115—120 cm. Lange (Taf. 41); doch sab icb diese Stöcke in den Dörfern aucb mit zierlich gescbnitztem, oberen Ende (Taf. 80, B1ig. II), und hier werden sie imter anderen ebenfalls von gebreclilicben, allen Leuten benutzt.

Ich selbst bediente micb eines gewöhnlicben, kraftigen Ilandstocks, bedauerte aber manebmal sehr, keinen langen Alpstock bei mir zu baben; am besten liesse sich in diesen Gegenden wabrscheinlich ein langer Stock mit kurzer Spitze, welche an einer breiteren Platte befestigt ist, verwenden, etwa in almlicher Weise an-zufertigen wie der polsstok, der in Holland und Norddeutscbland in Gebrauch und in letztgenanuter Gegend als Fatstoclc bekannt ist. Denn eine lange, scharfe

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Spitze ist au 1 dich t em Laubboden und bei dürren, zorfallenden Büumen nicht anzuempfehlen, weil es einer Voi'richtung' bedarf, welcbe ein zu tiefes Eindringen in das Widerlager verhindert. Ausser dem Stocke trug icb selbst nur noch einen Hammer, Kompass, Ulir, Notizbuch und Bleifeder, war aber manchmal genöthigt, auch noch Hammer und Handstock fortzugeben, da sich der Marsch stellenweise zu andauernden gymnastischen Uebungen gestaltete.

Der Weg tuhrte meistens durch dichten Wahl, in dem die gefallenen liaum-stamme niemals fehlen und oft in rasdier Folge lanter einander den Pfad versperren; dabei ist er liiiufig ungemein steil, so dass Goliange von 32° keine Selteu-beit sind, und an verschiedenen Htingen, welche scharf eingeschnittene Wasserlaufe begrenzen, maass ich mit dem Klinometer 353, öfter 40° und mehr, in einem Falie sogar 57°. Dort hinaut- und hinabzuklettern war nur mit Hilfe von kurzen Stöcken möglich, welche von den Alturen in den Boden eingetrieben waren und so für Hand und Fuss eine treppenartige Stütze bildeten; oftmals mussten noch quer gelegte Hölzer zur Herstellung von Tritten und Eottantaue zum Aufziehen und Festhalten angebracht werden. Weite Strecken gingen wir audi an Gehangen ent-lang, welche 32°—55°, ja bisweilen sogar 58° mittlere Keigung batten (selbstre-dend nicht auf dem Flecke, wo der Fuss auftreten mussle), und das alles ware ohne die Hilfe der Eingeborenen kaum ohne Unfall abgegangen, weil der Boden obendrein manchmal schlüpfrig war und mithin dem beschuhten, europaeischen Fusse keinen geniigenden Halt hot, wahrend Schlinggewachse und Wurzeln das sichere Auftreten nocli mehr beeintrachtigten. Aber die Alfuren sorgten für micb, wie für ibren Augapfel; sie erkliirten lieber sterben zu wollen, als dass die Compagnie (d. i. Holland) ein Unglück überkomme, und so waren sie allzeit vor mir, hin-ter, unter oder über mir zur Hand, um micb sofort zu fangen, wenn der Fuss zu straucheln begann. Und oftmals geschab das; denn ich batte ja nicht, nur die Schwierigkeiten des Weges zu überwinden, sondern musste dabei vor allen Dingen noch das Profil der Gegend entwerfen, so dass ich dem Pfade nicht immer die erforderliche Aufmerksamkeit zuwandte. An den steden Hangen sollten fort-wiibrend Distanzen geschützt und Wegrichtungen gepeilt werden; das Aneroid, welches mein Diener sorgfaltigst über alle Hindernisse in der Hand hinwegtrug, erforderte sebr haufige Ablesungen, zumal das Eelief nicht zu überblicken war und es sich somit niemals bestimmt voraussagen liess, oh wir bereits auf dem Gipfel irgend einer Höhe oder im tiefsten Punkte eines Thales angelangt seien. Qesteine, welche in den reichlicben Einschnitten und an den schrotfen Hangen glücklicherweise nicht selten anstebend getroffen wurden, sollten gesammelt und eingetragen werden; Namen, Breite, Flussrichtung, Geschiebefübrung der Wasserlaufe waren zu erfragen und nebst dem ganzen Profile der Gegend zu zeichnen.

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SOD

Fübrte der Weg nicht durcli den Wald, so waren es Flüsse oder Biiclie, in deren Lauf wir aufwarts gingen. Manchmal warden audi sie durcli viele Baum-stilmme versperrt, oder in engen, of't nur wenige Schritte breiten W'aaserrisseu lagen zahlreiclie Blocks und Gerölle, welclie das Fortkonimen erschwerten; aber in der Regel war der Marsch durcli die Flussbetten 1'ür midi eine Erliolung, weil icli hier bequem im Tragstulile sitzen und ausruhen konute, wahreiul dieser aut' den steilen Waldpfaden nur mit Mühe olme Insaesen zu iransportiren war. Trotzdem möclite icli keinem rathen, einen Tragstuhl zurückzulassen, denu dieser macht sicli schon reichlich dadurch bezahlt, dass man nicht in durchniissten Kleidern zu mar-schiren braucht, und in Sümpfen ist er einem jeden, welcher nicht im Stande ist, bari'uss zu gehen, unentbehrlich.

Leider dauerten die Wegstrecken, welche im Flussbette zuriickgelegt werden konnten, und auf denen nicht nur die Rulie, sondern vor allem tiucli die sonnige Landschaft und der freie Bliek eine köstliche Erliolung gewahrten, niemals lange. Sie wurden stets nur gar zu bald wieder gegen steile Waldpfade vertauscht, und zu den Strapazeu, welche hier unaufhörlich ertragen werden mussten, gesellte sich noch die bestiindige Sorge, doch vor allen Dingen nichts zu übersehen, und endlich eine bereits stark angegriffene Gesundheit. So war deun diese Reise unendlich ermüdeud, trotz hunderter von primitiven Leitern und Stegen, mit deren llilfe grosse Stamme, 15ache nud Schluchten überschritten wurden, und manchmal war es mir kaum möglich, die unterwegs gemachten Notizen nochmals im Zusammenhange am Abende nach eingetretener Ruhe nachzulesen. Dennoch ist dies regelmiissig geschehen, und vor Sonnenuntergang war jedesmal die Tagesroute geuau revidirt und das betreffende Profil sauber konstruirt.

Qerastet wurde nur eia einziges Mal, gegen Mittag und meistens nicht langer als i Stunde, um an irgend einem Bache eine Tasse Chokolate ') zu bereiten und dazu einige trockene Zwiebacke zu essen, fast stets die einzige Nahrung, welche ich auch vor dem Antritte des Marscbes zu mir zu nelunen ptlegte; nur brachte mir hin und wieder die Frau des Matlea Ikan irgend eine Frucht, meist eine Batate, welche sie gegen eineu Zwieback eintauschte, für mich eine sehr angenehme Zugabe; dann wurde an der Station die Hauptmahlzeit eingenommen, die aber bei der durchaus unergiebigen Jagd im wesentlichen nur aus trockenem Reis bestand. Freilicli fehlte es mir nicht an Conserven; docli batte ich mich derselben bereits so lange Monate hindurch bedient, dass ich einen kaum zu über-windenden Abscbeu vor dieser Nahrung empfand und hiervon nur unbedoutende

1) Niemals habo ieh auf allen meincn Roisen einen Tropfen Weina oder einos sonstigen , goistigen Getriinkes zu mir genommen. Icli glaube, dass dies bei starkeu Strapazen in den Tropen durchaus ver-inieden werden muss.

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Quantitaten zur Stillung des argsten Hungers geniessen konnte, eine Erfahrung, die bekanutlich auch andere Eeisende mehrfacli an sich gemaclit haben und \vo-gegen man mit Vernunftsgründen vergeblich ankiimpft.

Abends brannten daim die Lageri'euer rings iin Kreise; Erkundigungen fiir den niicb.stea Tag wurden so viel wie möglicb eingezogen und 7orbereitungen für dio Fortsetzung der Eeise gemacht; oft goss auch der liegen in Stromen ber-nieder, und die Feucbtigkeit erforderte zalilreiche Vorsiclilsmaassregeln lïir die gute Verpackung der gesammelten Objekte und der Instrumente. — Endlich ist alles besorgt, bis aul' den Trunk Arak, den Regenten und Kapalasoa's allabendlich bei mir einnehmen; dann strecke icb micli beim trüben Scheine meines Windlichtes in der Hiingematte aus, unfahig noch einen Gedanken zu fassen, um alsbald in tiel'em Scblafe dem folgenden, gleicb müheyollen Tage enigegenzugehen

Am 22ston Mai passirten wir znnachst einen Zufluss des Waë Nebo, genannt Ifenwaïn , und stiegen dann steil zum Waë ïïangan hinab, welcher sich direkt ia don W. Nibe ergiesst. Seinem vielf'ach geschlüngelten Laufe folgten wir ij Stun-den lang aufwiirts, und lebliaft erinnerten micb die klippigen üfer an den Papaïpu, welcben icb auf der Reise zum Kakusan kennen gelernt batte; nur fielen hier zalilreiche Fame, unter denen sich besonders auch stattliche Büume belanden, als Schmuck dos Waldes auf, und weiter aufwarts gesellten sich dazu yiele Palmen, deren lieichtbum, in Gesellscbaft voii Pandanus, ich schon im Inundationsbette

1) AVio ungemoin schwiorig die llcison im Innorn von Bum sind, mügo noch durch Folgondos illu-strirl werden: lm Jahro 1825 vorsuchto Engelhard den See von AVakollo vou der Nordkiiste aus zu orroi-chea, inusslo abcr zurückkchren, dii er das Gobirgo „beiuahe unzugiinglichquot; fand; sein Begleitor Lans war infolge der Anstrengung schwcr erkrankt und konnto sein Amt auf Buru spiitor nicht wieder antreten. Darauf ging Knyrlhard von der Südküste aus an don Sec, den er auch glücklich mit seinem Begleiter Bormeister erreichie; aber letzterer starb 1 Tage nach der Rückkehr in Jvajeli, und auch Engelhard^ Gesundheit war in-lolgo diescr llcise, welehe im Vergleiche mit dem AVege von Kordon her sogar ungemein bequem ist, orschüttert (Wilier, pag. 383 u. 387). Im Jahro 181)7 gingen dann Clccrcns und lioskolt an den Soe von Wukollo, Sie nuhmen den Weg vom alten Lisela aus, woselbst jetzt Waëmangi liegt, und folgten dem Bette des Wae lli, woleher üstlich von dor Bai von Bara mündet, aufwarts. Sic erreicliten AVakoilo in sechs Tagen; aber beroits am 4ten Tage heisst es im Schreiben von Roskolf„Dor Zustand dor Karavane war sorgenerre-gend; jeder war zu Tode erschöpft, und ein Kranker winde verloren gowesen sein; denn wenn man auch 100 Kuli's zur Verfügung gehabt hütte, so würde doch an einen Transport mittelst Tragstühlen nicht zu denken gowesen seinquot;. Weiter wird vom Bten Tage bcrichtet: „Die Kuli's fielen alsbald kraftlos nieder vor hlrmüdung und Hunger''' (Wilier I.e. pag. 389 u. 300). Gloich mir hatte nilmlich auch Clear ens auf den Krtrag der Jagd gorechnot, fand sich darin aber ebenso getiiuscht wie ich gelbei', so dass in beiden Fallen die üblon Folgen nicht ausbleiben konnten (vgl. weitor unten). Teijsmann schreibt den Tod von Cleerens dioser llcise zu (verslag, pag. 322). Für die niihere Kenntniss der durchreisten Gegonden haben die Berichte von Engelhard und Iloskoil nur ein sehr diirftiges Material geliofert, was obenl'alls auf Uechnung der grossen Ter-rainscliwiorigkeilen geschoben worden muss. — Auch Forhes besuchto don Soe, indem er von Oston hor, liings des Waë Apu, ins Jnnere reisto. Auch diose O ogend ist nach seiner Schildorung schwer zu bogehon, aber ohno Zwoifel mehr olVen (vgl. pag. 106); sie iilinolt viclloicht streckenweise demjenigen O eb iet o , welches sich zwischen AVakoilo und dor Südküste ausdehnt. — 1 ober iiltero Roison ist Valentijn IJ, pag. 18 u. (T. zu vergleichen. Auch die Berichte übor diose sind abschrockond.

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de» Ifenwaïn bewuudert hatte, sowie namentlicli audi Barabus. Überhangende oder umgestürzte Biische des letzteren bildeten im Yereiue mit zahlreichen gefallenen Baumen rnanehe malerisclie Sperre im platschernden Wasser. Nacbdem wir den W. Hangan um 8 Uhr verlassen, befanden wir uus eine Stunde spaier im Quellen-gebiete eines anderen Nebenflusses des W. Nibe, geuannt W. Kibo. Dort erliielt icli zuerst Exemplare des Uoploceramiyx nii'ulm Thoms, eines grossen, gliinzend-braunscliwarzen Bockkafers mit runzeligem Thorax, den icli spilter aucb noch wieder in Wakollo antraf, und dessen Lange zwiscben 35 mul 65 mm. scbwankt; der Eeichthum an Palmen ist in dieser Gegend stellemveise so gross, dass die Landschaft der irrtbümlichen Vorstellung entspricht, welche mancher europaeische Laic sich von jedem tropisclien Walde maclit; demi es ist, als ob man im Treibhanse wandelte, wenngleich die Palmen niclit hocb und daher keineswegs vou imponi-render Scbonheit sind. Unsere Mittagsrast lüelten wir im Bette des W. Kmo, wo-selbst im TJfersande grosse Mengen eines kleinen, zu den Gyriniden gehörigen AVasserkafers umherkrochen [Macrogyrus spec.); darauf gelangten wir in einen anderen Nebenfluss des W. Nibe, genannt Waëltane, welclier tief in dio noch immer lierrsobende Ur-Schieferformation eingeschnitten ist, uud erblickten bald darauf den Hauptstrom selbst.

Etwa 1 ^ Stunde lang gingen wir in der Niibe des W. Nibe durch Hochwald mit zahlreicben Bambusbüschen und Palmen, bald in einigen tausend Sohritten Abstand von Flusse, bald unmittelbar am Wasser bin und im Beginne über nabezu ebenen Boden, durehsclinitten von kleinen Wasserlaufen, welche dein naben Flusse zueilen; dann tritt das Gebirge unmittelbar ans Ufer lieran, uud au einem Punkte fiillt es so steil ab, dass dem Fusse nirgends mebr ein Halt geboten wird. Hier liahen die Alfuren scbwankende Bambusbrücken, worunter eine von zwanzig bis dreissig Metern Lange, konstruirt, die am rechten Ufer des Stromes aufgehangeu sind, und auf welchen wir zugleicb die Kluft des Likusama , eines kleinen, von rechts kommenden Nebenflusses, am Punkte seiner Einmündung in den Nibe passiren. Die Scenerie von unserem künstlich hergerichteten Standpunkte aus ist prachtig, demi der funfzig Schritte breite Fluss wird beiderseits von dunklen, steilen Fels-massen eingefasst, und pfeilschnell drangt sicli das Wasser hindurcli; weiter ab-warts liegen mit bohem Gras bestandene Geröllbanke darin, am Ufer wiegen sich die Bambushalme, bewegt durch Wind uud Wasser, und dahinter folgt der Hoch-wald, aus dem zablreiche Eottanpalme ihr neugieriges Haupt hervorstrecken. Selbst meine alfurischen Begloiter sind von der Schonheit des Anblicks in hohein Grade ergriffen, und nur den javanischen Dienern ist, wie gewöhnlich, alles gleichgiltig. Der Gegensatz zwiscben soldier Indolenz und der Lebhaftigkeit der Alfuren ist mir noch oftmals aufgefallen.

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Es dart' leider von langem Verweilen an diesem schonen Punkte keine Rede sein, und ebensowenig kommt die Frage in Betracht, oh man im Bette des Hanpt-tiusses aufwarts gehen könne, wie ich nach meinen Erfalirungen auf Seran geliofft liatte; wir sind vielmehr genöthigt, den W. Nibe sogleich wieder zu verlassen, und gehen dann eine kleine Strecke den W. Danga aufwarts, welcher ein wenig oberhalb des Likusama von rechts her in den Hauptstrorn miindet. Dort schlagen ■wir gegen 3 Uhr in 349 in. Meereshöhe unsere Station auf, unmittelbar am Wasser, welches durch dunkle, vou einer gewaltigen Bamb us vegetation überragte Schiefer eingeschlossen ist. Es geschieht auf die Grefahr bin, nachts durcb eine Ueherströmung aus unserer Ruhe aufgestört zu werden; denn die alluviale Fliiche, auf welcher die Hütten an der concaven Seite einer Flusskrümmung gebaut werden, ist schraal und liegt nur wenig fiber dem jetzigen, niedrigen Niveau des Danga, wahrend obendrein Eegen in Aussicht ist. Doch verlief die Nacht trotz wirklich eingetretener, reichlicher Niederschlage ohne jede Störung.

Der Morgen des 23s'on Mai brach trübe an, denn der Eegen wollte nicht auf-hören, und erst um Uhr war es so weit heil geworden, dass ich mein Aneroid ablesen konnte. Doppelt unangenehm wurde aber die Verzögerung des Aufbruchs und die Ungewissheit der nachsten Stunden durch den Mangel an genügenden Lebensmitteln, welcher sich jetzt bereits fühlbar machte. Die Eingeborenen denken nun einmal nie Tage lang voraus und leben wie die Kinder verschwenderisch mit ihrem Mundvorrathe, man mag sie so viel warnen, wie man will; ich würde zukünftigen Reisenden denn auch anempfehlen, die Eationen selbst unter Verschluss zu halten, um sie tiiglich auszutheilen, eine Maassnahme, auf die ich leider nicht bedacht gewesen war. Nur dann wird man seine Anfgabe mit Euhe erledigen können, ohne bestandig durch die Bedürfnisse der Leute vorausgehetzt zu werden. Glück-licherweise konnten wir den Weg gegen 8 Uhr fortsetzen Wir folgten dem Laufe des Waë Danga /,wei Stunden lang aufwarts; sein Bett, anfangs 30 Schritte breit, verengert sich alsbald bis auf die Halfte dieses Maasses; es ist wieder in dunkle, vielfach gebogene Urschiefer eingeschnitten und erinnert fast in jeder Beziehung au den Waë Hangan, nur ist es reich an Stromscbnellen, und ein wenig unterhalb eines von rechts kommenden Zutlusses, genannt Waëlkoffan, haufen sich dieselhen so sehr, dass es langsam, Schritt für Schritt, im Wasser vorwarts geht. Viele Quarzitblöcke liegen dort im klippenreichen Bette, dann wird das Ufer aber alsbald ganz llach, und an die Stelle der Felsen treten hier zu seinen Seiten bis ra. holie Schotterahlagerungen auf.

Fast eine Stunde nach dem Verlassen des Waë Danga befanden wir uns wieder au einem anderen Nebenflusse des Waë Nibe, dem Waë Fanabo. Die Gegend ist

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dort naliezu eben, und nur eine unbedeutende Bodemvelle bildet die Waseerscboide zwischen den beiden letztgenannten Nebenflüssen; dem ist es aucb wobl zuzuschrei-ben, dass hier in grosser Zabl Mosquitos vorkommen, um mir zum ersten Male aut' der Rei se im Innern von Buru die Arbeit zu vergallen. Es ist kaum möglicb, noch mit Rube ein Instrument abzulesen oder irgend welcbe Aufzeiclimingen zu machen, demi die ewige Störung durch die zudriuglichen Insekten bringt midi in eine verzweifelte Aufregung, und da es zum Ueberflusse noch zu regnen beginnt, so vvird die Lage höchst unangenebm. Glücklicherweise dauert das aber nicbt lange, denu wir folgen dem Laufe des Fanabo, welcber 15—20 öchritte breit und wiederum reich au Stromscbnellen ist, nur eine kurze Streoke aufwarts und beflnden uns alsbald an der Einmündung eines kleinen, von links kommenden Zuflusses, des Kaminwaël, woselbst wir kurz uach 11 Ubr Mittagsrast halten. Icb musste sie langer ausdebnen, als gewöhnlich der Fall war, da ich mich beute zu Tode er-scböpft fühlte, vielleiebt mebr infblge ungenügender Nalirung als des Weges, der gerade an diesem Tage bis hierher nicht sonderlich mülisam gewesen war.

Nachdem wir ein wenig vor 12 Ubr wieder aufgebrochen und ein paar Minuten im Kaminwaël fortgegangen waren, um ibn alsdaun zu verlassen, wurde das Relief sogleicb wieder komplicirt, und da es auf den Waldwegen ziemlich schliipl'rig ist, so dass die Gefabr des Ausgleitens an den Hangen sich vermebrt, so rufen die Alfuren haufig iiire Nitu-nitu an, damit diese sie, und vor allen Dingen mich selber, vor ünglück bewabren. Sie schlagen dazu wahrend des Marsebes auf Tifa uud Gong (im Bahassa iuku genannt) und sprechen in gleieher Weise wie bei ibren Opfern, langsam und gemessen. Namentlich ein alter Kapalasoa, weieher inir stets voranzugehen pflegte, wurde nicht miide, zu beten, es moge doch kein Regen mebr kommen, und wirklich war der ïïimmel ibm gniidig, Die Moosvegetation, welcbe sich schon im Beginne dieser Tagereise mebr als bisber bemerkbar gemaebt batte, nimmt in dieser Gegend noch etwas zu, doch ist sie an Ueppigkeit nicbt im entferntesten mit derjenigen des Centralgebirges von Seran oder gardesWawani auf Ambon zu vergleicben. Polster, welebe dort die ganzen Baume bekleideten, fehlen '); nur bangen die Moose bartartig von den Zweigen hernieder und tragen sie dadureh an manchen Orten wesentlich zur Verscbönerung des Waldbildes bei. Es ist feucbtkalt und windstill überall, aucb an den Flussbetten; kein Blattcben ragt sich; die Natur scheint trotz aller Ueppigkeit der Vegetation regungslos und todt, sobald man den Bliek vom fliessenden Wasser abwendet, so aucb am Wak Nafk, einem Nebenilusse des Waë Wibe, welcber dort, wo wir ibn um 1 U. 45 M. passiren, nur 3 Schritte breit ist.

1) lm Gobirgo am Waë lla schoint allordings dio Moossvogetation gleich üj)])ig entwiokolt zu sein wie auf dem quot;Wawani (vgl, Valentijn 11, pag. lü).

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Daim führt uns der Weg wieder über und durch tief eingesclmittene Bach-betten und an steilen Gehangen hin, zuletzt über ein sclimales örat, über das wir in stufenartigen Absatzen zu einem anderen, nnr 2 Schritte breiten Nebenbache des Waë Nibe, dein Wak Hahan, binabsteigen. Dort langen wir um 2 U. 40 M. an und beflnden uns nun wieder in unmittelbarer Niibe des Hauptstromes, woselbst das Land sich verflaoht und wir ein nahezu ebenes Terrain passiren, nur lüe und da von stufenartigen Absiitzen unterbrochen, welcbe die Grenzen von Inundations-betten zu sein scbeinen. Aber dahinein baben einige brausende und scbaumende Wildbacbe ibr Bett tief eingeschnitten, und dunkle Scliiefer mit weissen Calcita-deni bilden au ibren Ufern pittoreske Felsmassen, so namentlich am Walxjïmaha , den wir zuniichst überscbreiten. Dann folgt alsbald der Waë Euro; er wird un-uiittelbar vor seiner Einmündung in den Waë Nibe passirt, und um 4 U. 20 M. scblagen wir an letzterem unsere Station auf.

Meine Hütte wird daselbst in 415 m. Meeresböbe, hart am rechten Ufer, gebaut; eine primitive Leiter führt zu dem li m. niedriger gelegenen Niveau des Flusses und von dort gelangt man auf einer gleioh kunstlosen, kurzen Brücke über einen Nebenarm des Nibe hin zu einer sehr ausgedehnten, von groben Gei'öllen gebil-deten Insel. Jenseits derselben ist das Belt 30—35 Schritte breit. Der Finss macht gerade bei der Station eine scharfe Biegung, ist wasserreich und hat ein starkes Gefillle; die wenig gewölbten Anhöhen, welcbe ihn in nachster Nalie begrenzen, überragen das Thai nur um 80—150 m., doch sieht man flussaufwarts in der Rich-tung .S'70o IC einen abgeflachten Gipfel, welcher vielleicht 600 m. höher ist als unser Standpunkt. Das Gras (Aruudo), welches auch hier das Eiland im W. Nibe bedeckt, erreicht bis zu 4 m. Höhe, und sein unteres, etwas niederliegendes und geschwarztes Ende zengt von vielfachen Ueberströmungen. Um den Finss, in dem die Leute schou jetzt bis unter die Arme ins Wasser sinken, zu allen Zeiten passiren zu könuen, ist an diesem Orte eine fliegende Brücke angebracht. Zwischen zwei Baumen der einander gegenüberliegenden Ufer baben namlich die Alfuren eine Anzabl von Rottantauen möglicbst straff und in betrachtlicher Höhe über dem ^\'as-serspiegel ausgespannt und daran einen Korb gehangen, in welchem eine Person gerade zur Noth sitzen kann. Dieser Korb besteht im wesentlichen aus zwei runden, tonnenband-abnlichen Reilen, welche über den Rottau hingeschoben und un-ten mittelst Stöcken der Art mit einander verhuilden sind, dass ein etwa ein Drittel der Kreise eiunebmender Sitzplatz geschaffen wird, wiihrend ringsherum, an Quer-und Langsseiten, noch je ein als gelanderartige Stülze dienender Stock befestigt ist. Die Person, welche über den Fluss gehen will, setzt sich in hockender Slel-lung in den Korb, fasst mit beiden Handen die Rottanverbindung, an welcher jener hiingt, und bewegt nun den Korb selbst ruckweise vorwarts, indem sie ibren

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Körper den vorausgestreckten Armen nachschiebt. Langer Eottan, welcher von dem Sitzplatze an beiden Enden herabhangt und an den TJfern um einen Baum gescblnngen ist, maelit es anderen möglich, die Vorrichtung wieder zu ilireiu Ausgangspnnkte zurückzuziehen, so dass sie niclit nur für Ankommlinge an jeder der beiden Seiten des Stromes erreichbar wird, sondern audi von einer beliebigen Anzalil von Lenten nacheinander benutzt werden kann.

So lange es noch Tag war, diente uns die erwalinte Insel zum Aufentlialtsorte. Da wurde anf der Geröllbank das Ge[)ack geordnet, gewaschen und gekocht, und überall sail man audi zwischen dem liolien Grase kleine Grappen von Leuien beisammen sitzen, die sicli gleicli uns im Genusse einer ebenen Flilche von einiger Ausdebnung, wie wir sie lange nicht zu unserer Verfügung hatten, hehaglich luhlten. Bald war das Lager hergerichtet; einzelne Rauchsaulen, durch keinen Windhauch gestort, stiegeu senkrecht zum Himmel empor, und lange noch wan-derten nach eingetretener Dunkelheit, Irrlichtern gleich, einige Laternen im Fluss-befte auf und ab; aber der Humor will nicht aufkommen, deun es sieht mit den Lebensmitteln schlecht aus, und die meisten Leute haben nur noch wenige Erd-früchte zn essen. Meine javanischen Bedieuten sind auch sehr unzufrieden, weil ich ihnen kein Fleisch mehr liefern kann und sie nicht, gleich mir, Beis ohne Zuspeise geniessen wollen; da essen auch diese Menschen lieber irgend welche Früchte, mit denen sie in sinnloser Weise ihren Magen lullen.

Am 24sten Mai war es unsere erste Aufgabe, den Fluss zu überschreiten, demi von jetzt ab führte der Weg am linken Ufer des Waö Nibe weiter. Da das Wasser reissend strömte, so dass die Leuie sich des langen, an der fliegenden Brücke her-ablüingenden Bottans bedienen mussten, um nicht mitgeführt zu werden, so gab es manche Schvvierigkeiten zu überwinden, damit Gepack und Inst runiente (rocken lier-überkamen. Ich selbst hütte mich genie des Korbes bedient, aber die Alturen mein-ten, ich sei dai'ür zu schwer und der Eottan bereits zu alt, so dass ich herah-stürzen könnte. Das wiire nun freilich nicht besonders geiahrlich gewesen, da ich ja höchstens ins Wasser fallen konnte, aber der Bosthalier schwebte in so unglaub-licher Angst für meine ihm anvertraute Berson, dass ich auf sein instiindiges Bitten von meinem Vornehmen ahsehen musste, und so wurde icli denn unter unbe-schreihlichem Geschrei und Hallo von etwa zwanzig Leuten hinübergetragen, indem sie den Stuhl hoch über ihre K(ipfe hielton. Daim stiegen wir am linken Ufer steil hinan, liielten uns aber in unmittelbarer Niilie des Kibe, so dass seine \Vasserflache ofters zu Gesichte kam, und gingen schliesslich nochmals zu ihm her-nieder; eine Stunde nach dem Aufbruche hefanden wir uns wieder am Hauptstrome. Bis dahin batten wir uns in einem dichten Nebel befunden: mm aber bilden sich

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allmahlich Lücken iu dem graulichen Wolkenschleier, welcher auf den Hühen lagert, uud durcli sie scliaul, eia lachend biauer Himmel mit weissen Wölkchen hiudurch; weiter und weiter werden die Oeffnungen, bis der Dunst zerstiebt und aucli uns der Sonnenschein zu Tbeil wird, welclier irn Thale wobl schon lange geherrscbt baben mag. Den Fluss, welclier bier eiue starke Biegung macht, übersiebt man von einem Punkte des Gebanges aus auf weite Strecken.

Wir verlassen ihn sogleich wieder, um abermals au seinem linken Ufer am Hange emporzuklettern uud darauf in einem mannigfaltig gegliederten Terrain ver-scbiedene Bache zu passiren. Der erste vou einiger Bedeutung heisst gleich dem Hauptstrome des Eilands Wak Apu, tragt aber bei den Alfuren auch den Namen W. Kauo, den er wiederum mit dem in die Bai vou Kajeli tliessenden Gewasser theilt, so dass die beiden mit dem Zusatze „grossquot; oder „kleinquot; von einauder unterschieden zu werden pflegen. Darauf gingen wir im scbmalen Bette des W. Ngenöa aufwarts und um 9J Uhr befanden wir uns am W. Lesnela, einem kleinen Zutiusse des Waëlkadar, welcher letztere sicb in den W. Nibe ergiesst. Der Lesnela lliesst in einer Bbene, die eine ziemlich betrachtliche Ausdehnung zu besitzen scheint, denu nirgends bemerkte ich an seinem Laufe irgend eineAnhöbe; stellenweise ist sie sumplig, und grosse Mengen von Schotter liegen darin, durch welche der Bach in vielfacben Krümmungen nach SW wandert, so dass er sehr oft gekreuzt werden muss, bis wir gerade um 10 Uhr am quot;Waëlkadau anlangen, einem hier uur C Schritte breiten Gewasser mit starkem Gefiille und vielen Strom-schnellen. Dort hielten wir East.

Der Wald bat einen anderen Charakter angenommen, denu fast jeder der gerade aufstrebenden Stiimme ist mit einer Draperie vou Pflanzen geschmückt, an deren Bildung Farne aller Art (worunter auch das grosse, weit verbreitete und roset-tenartig den Baum umfassende Asplenium nidus L.) sowie Moose unci mancherlei Epipbyten Tbeil nehmen. Vogelschlag vernimmt man nicht selten: einer erinnert an unsereu Pirol, ein anderer au den Buchfinken; ein dritter singt drei aufeinander folgende, gleich bobe Noten, daim drei andere, um einen Ton böhere, und so fort, bis die ganze Strophe mit drei sehr hohen Noten endigt; das klingt gerade wie eine Singübung.

Ich begrifl'nicht gut, weswegen wührend unseres Aufenthaltes am Waëlkadar noch wieder zu den Nitu-nitu gerufen wurde, aber gleich nach dem Aufbruche von dort sollte ich erfahren , dass uns eine der schlimmsten Wegstrecken hevorstand, so wie ich sie weiter oben zu schildern versuchte, weiin auch die Wirklichkeit jeder Beschrei-bung spottet. Alsbald kletterteu wir an einem Gehange vou 05° Neigung entlang, an dem ungezahlte Mengen abgestürzter Baume den Weg versperrten; links unter uns brauste der Nibe, den wir aber durch den Wald bin nicht sehen kounten, aber

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lün und wieder erblickten wir jenseits flache Gipfel, welche unseren Standpunkt noch inn etwa 200 m. überragten. Eine Ueilie unbedeutender Hilcbe, die oatwarts dem Hauptstrome zufliessen, ward gekreuzt, bis wir uns um 12 U. 50 M. au einer zwei Schritte breiten, Uakniku genannten Wasserader belanden, welche hieselbst den Fuss des Q-ünung Ba.ta.re begrenzt. Ueber dieseu Gipfel t'übrt der Weg hin, und um 2 Uhr erreichten wir seinen höchsten, 756 m. über dem Meere gelegenen Punkt. Der ïïauptstrom, den wir audi schon f'riiher auf dem Eatare gehort batten, befindet sich dort in nachater Niilie, mid alsbald stiegen wir an einem Gebange von 57° in die Sohlucht des Waëlsehu hinab, jenseits wieder hinauf und abermals auf schroffen Pfade thalwarts zum Waklxipa , welcher sich gleich jenem in den Nibe ergiesst. Hier langten wir um 3 U. 20 M. an und ward alsbald der Beginn mit der Errichtung der Station gcmacht; denn trotz des Gongs und trotz vieler Gebete batten uns bereits auf dem Gipfel des Batare üngewitter und Eegen überrascht, so dass die Pfade an den Abhangen ungemein schwierig passirbar geworden waren, und es stand leider noch melir schlechtes Wetter in Aussicht.

Die Station befand sich nahe der Einmiindung des Waëlnipa in den Nibe. Jener ist hier 15 Schritte breit, uud sein klippiges Bett, erfüllt mit grossen, zugerundeten Blöcken archaeischer Gesteine, ist reich au kleinen Pallen, sein Lauf stark gekrümmt. Alluviale Ablagerungen begrenzen ilin und sind gleich einem Theile der benach-barten Hülien zur Anlage einer alfurischen PHanzung verwendel , so dass der Bliek den engen Bergkessel, in dem der Waëlnipa sich hinwindet, ganz umfassen kann; rings herum ragen die nüchsten Gipfel mindestens 200 m. über das Plussbett empor. Es standen hier einige Areng- und ganz vereinzelte Sagupalmen, besonders aber waren Erdfrüchte angebaut, so Ar acids hypogaea L., die bekannte, südameri-kaniscbe Erdeichel, hier lediglicb kat,jan;/ (sonst /lt;■. tand) genannt, ferner Bataten, {Ipomoca balatas Lam.) 80wie Colocasia antiquorum Schott, liier als kladie, auf Java als talas bekannt, und endlicb Cassave {Manihot utilissima Pohl), welche die Al-furen kasbie nennen. Eine Wohnung war nicht vorhanden.

Die erste BeschÉiftigung fast eines jeden von uns bestand im Ausnehmen von Erdfrüchten, und ich selbst blieb dabei nicht zurück, da mir die Erdeicheln eine willkommene Abwechselung in der eintönigen Nahrung boten, mit der ich mich schon so lange batte behelfen mussen. Ein vorausgesandter Alfure batte zudem noch vom nahe gelegenen Wakollo ein Hulm fiir mich lierbeigeschafi't, und niemals habe ich dissen Vogel, an dessen zahem Fleische der Europaeer in Indien nothge-drungen und wider Willen jahrelang kaut, mit so viel Freude begrüsst wie an diesem Orte.

Inzwischen batte sich eine Anzahl von Leuten in den Pflanzungen am Gebange zerstreut, um von den dort umlierliegenden, gefallten Baumeu die Hinde für unsere

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Hütte abzuschaleu. Sie sclilag-en zu diesem Zwecke zunüclist den Stamm, soweit er der Einde beraubt werden soli, mit dein Parang und klopfen dadurch jene in ahnliclier Weise los, wie es Kinder zum Herstellen von Weidenflöten thun; ist daim die Einde abgeschalt, so braunen sicli ibre gesolilagenen Stellen starker als die übrigen Tlieile, und so sieht man iufolge dessen an den Wolmungen meistens zwei einander kreuzende Systeme von langliclien Flecken, welche den Eind ruck machen, als ware die Wand mit rolien Figuren verziert. Die beiden verscliiedenen Eichtungen der Flecken rühren dalier, dass der liegende Baumstamm von beiden Seiten aus beklopft worden ist.

Wir waren noch nicht unter Dach, als es maclitig zu regnen begann; dal)ei klagte. jedermann über den Weg, und der Eegent von Lisela meinte, er könne un-moglich zurückgehen, wahrend der Posthalter fürchtete, dass er auf dem Heim-wege zu Qrunde gehen worde. Mir selbst ging es gut, doch hatte ich keine Ver-anlassung, die erlittenen Strapazen nochmals herbeizuwünschen, zumal neue Eesul-tate auf dem Eückwege nicht erwartet werden konnten, und so wurde demi schon bier bescblossen, dass der Posthalter und beide Eegenten mit mir nach Tifu gelien soliten, was anlanglich keineswegs ihr Plan gewesen, um von dort gemeinscbaftlich langs der luiste nach der Abtheiiung Kajeli zurückzukehren.

Am 25ston Mai verlassen wir unsere 601 m. hoch gelegene Station, um zunüclist dem Waëlnipa eine kurze Strecke weit abwarts zu folgen und dann an sei-nem rechten üfer steil hinaufzuklettern. Alsbald haben wir den Hauptstrom zur Linken, und das Gehange, an dem wir in 679 m. Hobe hingehen, fallt mit 58° zu seinem Bette ab; jenseits ragt ein Kai'O Date genannter Gipfel empor, welcher unseren Standpunkt um etwa 100 m. an Höbe übertrifft. Es ist gut, dass wir den scbwierigen Weg in der Frühe und mit ungeschwachten Kriiften macben, denn die grösste Gefabr des Ausgleitens ist stets in den Wurzeln und Lianen gelegen, denen man mit stark ermüdetem Körper kaum auszuweichen vermag. Es geht einem dann wie den Zugvögeln, welche nach langer Eeise in die Netze fallen, weil übermassige Muskeltbatigkeit dem Gebirne zu viel Blut entzieht und ibm das rasche Ueberblicken der Lage unmöglich macht; es scheint mir, als würde unter solcheu Umstanden die pbysiologische Zeit bedeutend langer und als wirke der ganze Organismus weit trager als in normalem Zustande.

Die schwierige Strecke dauert nicht sehr lange; dann folgt ein Gehange mit 32° Neigung, an dem wir uns schon wieder bequeraer füblen, und darauf geht es in die steil eingeschnittene Schlucht des Waëlpanga , eines Nebenflusses des Nibe, hinah. Es ist dies ein 6—10 Schritte breiter, tosender Wildbach (Taf. 41 u. 42), welcher sich unter Bildung kleiner Wasserfalle durch Felsmassen zwangt, die

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stellenweise an beiden Ufern einer niedrigen, senkrechten Wand gleioli emporslei-gen, wahrend das Gehiiiige weiter aufwarts bald mit einem Neigungswinkel von 40°—45° zurückweicht. Viele Farne uud Palmen neigen ihre grossen, zierlichen Blatter über die gossenartige Scblucht, und zalilreiclie Eaumt'arne, auf deren liclit-griine Wedel wir scbon beim Abstiege herniedergeblickt, stehen aucli im Walde am Uf'er, wahrend an der rechten Seite des Bottes machtige Felsmassen hoch em-porragen. Da sie glatt sind, so ist es ein Kunststück darüber hinwegzukommen.

Bald nach dem um 9 U. 30 M. erfolgten Aufbruche vom Waëlpanga haben wir zur Linken wieder den Nibe, dom wir nun eine weite Strecke lang stets am Qehange bin folgen, wahrend sein Rauschen deutlirh vernehmbar ist, bis wir um 12 U. 15 M. wiederum an einem seiner Nebenflüsse, dem Wak Lata, ankommen. Inzwischen haben wir durch den hm:an tana und einen Kapalasoa von Wakollo die Nachricht erhalten, dass die Leute von Tifu, welobe micb vom 8ee aus nach der Südküste geleiten sollen, scbon in Wakollo angekommen seien. Beide Alfureu be-gleiten micb fernerhin aut' der Wegslrecke, die uns noch von ihrem Wohnsitze trennt.

Nach dem Verlassen des uur 3 Schritte breiten Lata bleiben wir bis kurz vor dem Eintritte in die Ebene von Wakollo in der Nahe des Waë Nibe; selbstredend gebt es noch immer auf und ab, uud noch eine ganze Reihe von Bachen muss gekreuzt werden, zuerst der Wauoua, darauf der Kateffa ; alsbald ist daim der Nibe in kurzer Entfernung etwa 40 m. unter uns sichtbar, und wieder folgt eine Anzahl namenloser Biiche, von denen mir einzelne als san.gwaru, d. i. „Verzweigungquot;, bezeicbnet werden. Die Klippen im Walde nebmen an Zabl zu, die Bachbetten sind steil und das Wasser stürzt iu ihnen zum Theil als Strahl hernieder — wir sind in der Region der Wasserfalle angelaugt. Im Eilschritte gebt es nun vorwarts, weil alle sich nach den Fleischtöpfen Wakollo's sehnen, und die nackten Leute zudem viel von 1—2 cm. langen Blutegein geplagt werden, die von den Pflanzen am Wege auf sie herabfallen. Um 2 Ulir erblicken wir aus geuau 800 m. ilülie, nur wenig unter uns, aber noch in weiter Ferne, einen Theil des See's von Wakollo, in der Ricbtuug 5 20:'0.

Meine Begleiter batten ihre Stammes-Eigenthümlicbkeit völlig verlaugnen müs-scn, wenn sie in jenem Augenl)licke nicht in lautes Freudengeschrei ausgebrochen waren, und auch der Tifaschlag durfte bei dieser Grelegenheit nicht feblen. Icli habe die Madchen der Uliasser einmal in trefflicber Weise als die Pariserinnen des Ostens bezeichnen horen, ebenso lassen sich aber alle Alfuren, die ich auf Reran und Buru kennen lernte, rücksichtlich ihres lebhaften Temperaments mit den Fran-zosen vergleichen.

Nur noch einige Bache und Wasserrisse, dann befinden wir uns, ij Stunden

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spater, in der Ebene von Wakollo, am 8 Schritte breiteu Waë Gkaiie, welcher von Westen her in den Nibe mündet und von den Einwolmern als die Quelle des let/teren betrachtet wird, wenngleich ein anderer Zufluss aus dem See kommt. Hier wird zunaohst gehalten und von meinen Begleitern, namentlich aucli von den Frauen, gründlich Toilette gemacht, um in würdiger Weise am Ziele anzu-langen; sie bandeln darin nicht anders als wie es auch die Europaeer im eigenen Lande thun würden. Indem wir darauf' dem vielt'ach gesolilangelten Laufe des Waë Gratie aufwarts folgen, bald im Wasser, bald an seinem Ufer, welches von •' m. hohen, allnvialen Wanden gebildet wird, gelangen wir nach einer lialben Weg-stunde endlich nach Wakollo.

Der Ort, in den wir kurz vor 4 Uhr mit Üiegender Fahne, unter Gong- und Tifascblag, einzogen, liegt 787 m. hoch, unmittelbar am letztgenannten Bache. Der ganze Weg von der Nordküste bis liierher batte ohne Unterbrechung durch ein Gebiet geführt, welches von Gesteinen der krystallinischen Schieforformation aufgebaut ist, und diesem Umstande sind auch die schwierigen lleliefverhaltnisse zuzusclireiben.

5. AUFENTHALT IN WAKOLLO.

Von einer grossen Schaar von Leuten wurde ich in Wakollo empfangen, von den Bewohnern des Landes am See und von solchen, welche unter der Führung des Posthalters J. G. Ilogenclorp von Tifu hierhergekommen waren, Christen, Mohammedaner und Alfuren aus der jenem Beamten unterstellten Abtheilung Mas-sarette. Die Christen sind mit ihrer geschmacklosen, schwarzen Kleidung angethan, genau so wie dies auf Ambon und den Uliassern gebrauchlich ist, und zeigen nebst dem lauten Hurrahgeschrei an, dass die Civilisation die Südküste der Insel min-destens ausserlich bereits erreicht bat, um für einen Augenhlick ihren Arm bis ins Innere von Buru auszustrecken, Mohammedaner mul Alfuren sind nicht weniger festlich angethan als die Christen, und einzelne von ihnen wieder mit der husa-renartig bunt besetzten Jacke geschmückt, welche ich zuerst an der Nordküste Serans und dann audi bei Kajeli von den Alfuren tragen sali. .Ieder sinkt, dem Landesgebrauch gemass, zur Begrüssung in die Kniee. Die Ceremonie ist bald beendet, und im Tilan des Ortes finde ich sammt Posthalter, Dolmetscber und Die-nern ein gutes Unterkommen, sehr ermüdet von dem gewaltigen Klettern und nicht minder hungerig, da wir den ganzen Tag über nur ein paar Zwiebacke als einzige, feste Nahrung batten zu uns nehmen können.

Ich liess, um das Vertrauen der Leute zu gewinnen, den Tuwan-tana und

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die Kapalasoa's von Wakollo herbeirufen und gab ilinen alien Gesclienke, die sie aber nur mit grossem Wider,streben annalimon. Man sagte mir danu, die Alfuren seieu gewolmt, alles unter eiuander zu vertlieilen, uud ich Uiilte gut, niclit dem eiuzelnen, sondern stets nur dem ïana als Qanzem die Gaben auszuhandigeu; doch fand ich am folgenden Tage, als ich demgemiiss handelte, dieselbe Schwierig-keit, und einige Kapalasoa's machten sogar Miene fortzulaufen. Darauf erfuhr ich, dass die Alfuren von Wakollo die Strandbewohner gebeten batten, letzlere mochten doch die Geschenke für sie bewahren, dass diese sich aber dazu nicht bequemten, weil sie glaubten eine solche Handlungsweise gegeuüber der „Compagniequot; nicht verantworten zu können. Alles kam schliesslich darauf hinaus, dass die Eingebo-renen, soweit ihre Erinnerung reichte, noch niemals Geschenke empfaogen batten ') und nun sagten, sie seien das nicht gewohnt, eine Antwort, welche ich auch bei anderen Gelegenheiten noch mehrfach erhielt; die Leute hangen eben so sehr am alten Ilerkommen, dass jede nnbekannte Erscheinung sie argwöbnisch macht oder ihnen als Neuerung verboten scheint. Spater haben sie sich indessen der ausge-theilten Gaben aus vollem llerzen gefreut und mir zum Dank dafür, dass ich so gut gegeu sie sei, manchen Korb voll Apfelsinen gebracht.

Kurz nachdem die Austheilung der Geschenke bei der Ankunft erledigt war, fand die Begrüssnngsceremonie der Alfuren statt. öainmtliche Kapalasoa's derNord-küste haben sich zu dem Ende in ihre Festkleidung geworfen, welche ich bereits oben bei Waëpote bescbrieb, Tifa's und Gong werden herbeigebracht, und nun nimmt der menarie seinen Anfang. Jeder einzelne sinkt, bovor er beginnt, erst vor mir in die Kniee; dann tanzt er in kurzen, hüpfenden Schritten, wie sie im Matrosen-walzer gemacht werden, aber ohne sich dabei zu drehen und ohne viel vom Fleck zu kommen. Nur bin und wieder bewegt sich einer der Manner fünf bis sechs Schritte weit in beliebiger Eichtung durch die Eeihen tier Mittanzer bin; dabei werden die Arme mit nach vorne gekehrter Handtlacbe abwechselnd gehoben und wieder gesenkt und rückwürts gestreckt. Mancbmal tanzen die Leute audi in der Kniebeuge, bewegen dabei die Arme in gleichem Sinne nach dem Takte der Musik fort und wiegen sich gleichzeitig in den Haften. Eine bestimmte Anordnung der Tünzer fehlt, und keine Fran nimmt an diesem Menarie Tbeil; erst machen die Kapalasoa's von der Nordküste den Anfang, dann kommen die Würdentrager von der Südküste und schliesslich diejenigen von Wakollo; der zuletzt Angekommene macht also zunachst seine Revereuz und diese wird von den Gastherren erwiedert. Das ist Volksbrauch, und noch wiederholt babe ich diesen Tanz auf Buru in glei-

1) Cleerens und Eoskott hatten die Leute freilich im Jalire 1847 beschenkt (Wilier, 1. c., pag. 391); doch scheint dies seithor nicht mehr vorgekoinmen zu sein.

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cher Weise ausführen selieu, aucli molmnals selbst daran Tlieil genommeu, wo-durch die Alfuren sich selir geehrt fühlten.

Dass hierbei von Unsittliclikeit keine Rede sein kanu, versteht sich von selbst (sogar zahnlose Greise sah icb bisweilen ganz allein uud mit Leidenschaft den Menarie auffüliren), uud ebensowenig ist dies dann der Fall, wenn Madclien mit-tauzen, welche still, meist zu zweien, zvvisclien die Manner treten, um auf einem und demselben Flecke stehend uud mit zu Boden geschlagenen Augen die Be-weguugen mit Handen und Hüfteu auszufübren, wie sie oben besclirieben wurden. Die Manner tanzen alsdann um die Miidclien, welche sich vielfaoli ablösen, herum, wahrend alle dabei anstandig gekleidet sind und keiner den anderen auch nur be-rührt. Das hnbe ich ungezahlte Male bis tief in die Nacht hinein gesehen, und so oft ich auch, völlig unerwartet, zwischen die Tanzenden trat, wenn mir die Trommeln den Schlaf raubten, nie bemerkte ich etwas, dem nicht das uuschnl-digste, europaeische Madchen batte zuschauen dürfen, und ich erwahne dies be-sonders deswegen, weil die Missiouare den Menarie irrthümlicherweise für ein sittenverderbliches Element halten und ihm mit Macht entgegenarbeiten; das aber ist sehr bedauerlich, denn den Alfuren wird damit das Beste genommen, was sie besitzen, unschuldiger Tan/, und froher Sang, welches ilmen beides vorliiufig noch nicht durch ein uubegriffenes Christenthum ersetzt werden kann.

Der Ort Wakollo befindet sich unmittelbar am Gehange des Gehirges, aus dem der Waë Gralie seinen ürsprung niiumt, und welches einen Theil des den See in einigem Abstaude umschliessenden Höhengürtels ausmacht. Der See liegt aber noch l Wegstunden von liier entfernt, in südöstlicher Richtung, und nur an einem einzigen Punkte kann man von Wakollo aus einen kleinen Theil seiner Wasser-lliiclie sehen; sonst ist der Bliek durch die Vegetation und das Gebirge schon in nüchster Nahe abgeschlossen. Ausser Wakollo liegen rund um den See herum noch fünf andere Humalolin's, genannt WaëDüpa , Waëpanga , Migodo, Marmauü und Nalbbsi ; diese Humalolin's sind gleichzeitig G Fenna's, wehïhe je eine Familie bilden und einen Kapalasoa als Haupt besitzen; zusammen machen sie das Tana Wakollo aus, welchem der Tuwan-tana als Oberhaupt vorsteht, wahrend zwei andere Kapalasoa's angewiesen sind, den letzteren nothigenfalls zu vertreten. Die Orte Peru uud VValhanhat , welche die Riedel'sche Karte angiebt, sind im Innern gtinzlich unbekannt.

In Wakollo fallt, im Gegensatze zu den Dörfern der Kiiste, sogleich das Fehlen der Huma-koïn's auf; denn diese befinden sich bei den PHanzungen, au entfernten Punkten im Walde, welche auch den Alfuren der Nordkiiste nicht gezeigt werden, weil es koïn ist, Fremde dorthin zu führen. Dagegen wollen die Eingebwrenen mir

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wolil sagen, dass sie gerade so eingerichtet seien uud dieselbeu Dinge enthalteu wie die entsprechenden Hiiuser von Waëpote, und icli halie keiuen Gruml, dies zu bezweifeln; deun sonst erinnert hier alles so sehr au jene Gegeild des Nord-strandes, dass man sich fast dortliin versetzt fülilt.

Die Hiiuser (Taf. 43, Fig. 2 u. 3; Taf. 44) gleichen den einfaehsten Woli-nungen von Waëpote (olme übersteliendes Dacli und darunter befindlicliei' Pritsche oder gar Gallerie) und sind aucli im wesentlichen aua dein gleicliem Materiale aufgebaut wie jene. Ueber einem vierseitigen Bambus- oder Holzrabmen an der Erde folgt meistens die aus Baumrinde bestellende Wand, deren Thüröffnung durcli ein yierseitiges Rindenstück geschlossen werden kann, indem letzteres einfacli da-vor-gestellt (Taf. 44) oder auch an einem Rottantaue - geliangen wird (Taf. 43, Fig. 2); gelegentlicli dient ein sehr kleiner, vierseitiger Ausschnitt in der Wand als Fenster. Ist die Rinde für die Herstellnng der ganzen Wand zu kurz, so wird diese von unten her durch horizontal gelegte Bambusstabe erganzt. In anderen Fallen benutzt man letztere, um daraus eine | bis l m. bolie Wand herzustellen, welehe dann welter nach oben durch Atapp von Sagu vervollstandigt wird, wie solcher auch bei den Baumrinde-IIausern Verwendung findet, um die übrig bleibenden Lücken oben, und namentlich an den Querseiten unter dein Giebel, anzu-füllen; einzelne WTande bleiben aber halb offen und sind dann unten lediglich aus horizontalen Bambusstabeu gebildet. Das Dacli ist wiederum mit Atapp von Sagu gedeckt; Gabba-gabba oder zerklopftes Bambusrohr habe ich liier nirgends als Baumaterial verwendet gefunden. Innen befinden sich bald melir bald minder voll-standig geschiedene Verschlage und einige Pritschen von Bambus; stets brennt ein Feuer an der Erde; alles ist unordentlich und schniutzig, so dass das Ganze in der Regel elier den Eindruck eines Viehstalls als einer menschlichen Wohnung erweckt.

Eine günstige Ausnahme macht dagegen der Tilan, in dein wir Verbleib hielten. Es ist ein holier Schuppen, welcher sogleich durch seine Grosse und durch den allen übrigen Hiiusern fehlenden ianiko in die Angen fallt (Taf. 44). Letzterer (Taf. 31, Fig. 11) ilhnelt hier nocli mehr als an anderen Orten einem Fisch-schwanze dadurch, dass in das Bambusrohr (h), welches die Firste des Atappdaches (a) bildet, ein schriig nach oben und aussen gekehrtes, flaches und schmales IIolz-stück (iï) gesteckt ist. Die Wande des Tilan bestehen bis zu Schulterhöhe aus Baumrinde, und darüber befinden sich noch ausserdem bewegliche Klappen von Atapp, wodurch an den Langsseiten die ganzen Wande bis zu dem in Mannshöhe begin-nenden Dache geschlossen werden können; an den Querseiten reiclien sie aber auch nicht weiter aufwiirts, so dass hier das Hans unter dem hohen Giebel zumgrössten Theile offen bleibt. Im Innern befindet sich an jeder Liingsseite eine mit zerklopf-

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tem Bambus bedeckte Pritscke, gleichwie im Tilan der Kilste, und ausserdem ein Pfabl fih' Dammerharz, welclier au eüiem der genannten Sitzplatze in der Mitte bet'esligt ist. Dieser l'lalil (Taf. iil, Fig. 10) ist in almliclier Weise gesclinitzt, wie die sebon erwiilinteu, bei Dammeropfern verweudeten Stöckc; nur ist die Arbeit kunstvoller ausgeführt, so dass uuter einem oberen, kummeuarügeu Theile, weieher am Kande gekerbt ist, und in welclien das in Blatter eingewickelte Harz gesteckt wird, nocli zwei gut ausgescbnittene Kin ge folgen. Andere Scbnitzereien fehlen; Tbüren sind nicht vorhanden, aber zwei ungeschlossene Oeffnungen an den beiden Querseiten des Hauses ermöglichen den Zutritt.

Die Bewohner -i'on Wakollo 1) mach en im wesentlichen den gleichen Eindruek wie diejenigen der Nordküsle von Buru, mit denen sie auch verschwagert sind; allein ihre Ilautfarbe ist durcbgiingig heller, oftmals blassgelb. Die meisten Leute sind auch hier wenig biirtig, doch giebt es in beiden Gegenden Ausnahmen, und der Tuwan-tana tragt sogar einen ganzen Einghart, wahrend er sieh um den Mund mittelst eines Messers und unter Benutzung von Wasser rasirt! Ihr langes, krauses Haar tragen die Manner entweder ganz unter deru Kopftuche verborgen oder so, class es hinten danmter hervorhangt, und sowohl die Kapalasoa's als der Tuwan-tana befestigeu ihr Kopftuch wiederum genau so wie die Wiirdentrager unter den Kiistenbewohnern. Ueberhaupt ist zwisehen der Tracht der Alfuren des Innern und derjenigen der Nordküste in keinem Punkte ein Unterschied wahrzunehmen; nur fallt aus leicht ersichllichen Grimden hei den Wakollonesen die Bedeckung des Oberkörpers im gewöhnlichen Leben noch öfter fort als bei den Strandalfuren. Die Manner tragen alsdann lediglich das an eine Badehose erinnernde Kleidungsstück, und die Frauen begnügen sich mit einem üher der Brust zusammengebundenen Sarong. Kleidung aus Baumrinde, und mit ihr der Tjidako, ist in jetziger Zeit auch hier im Innern unhekannt.

An Waffen besitzen die Leute nur Parang und Lanze. Jener entspricht genau dem an der Küste gebrauchlichen Messer, und sein Griff bat liaufig die abgerun-dete Form, welche oben bei den Parangs der Bewohner Kajeli's beschrieben und mit einem Thierkopfe verglichen worden ist. Die Lanze stimmt ferner genau mit derjenigen überein, welche die Alfuren von Waëpote benutzen; dass die Wakollonesen die Waflen selbst anfertigen, ist schon erwahnt, sie finden aber das erforder-liche Erz nicht im eigenen Lande, sondern verwenden zum Schmieden altes Eisen, welches sie durcli Vermittelung der Strandhewohner erhalten 2). Schilde sind ganz-lich unhekannt, und als ich nach der Ursache dieses Umstandes fragte, erhielt ich

1

In der Zeichnung von Forbes (1. c. pag. 111) vermag ich den Typus der Leute weder nach der Erinnerung noch nach meiner PLotographie wiederzueikennen.

2

lm Jahre 1008 war die Kunst des Schmiedens in Wakollo noch unhekannt (Valontijn II, pag. 20).

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die treffende Antwort, wir befanden uns in einem Frauenlande, in dem kein Krieg geführt werde. Aller Streit wird niimlicli durch Auferlegen von Bussen erledigt, und wiiuscht man den Verkehr mit seinen Naclibarn abzubrechen, so steckl: man nur zugespitzte Bambusstöcke, sogenannte ravdjus, in die Erde, welclie also avoIiI ein Zeichen von Streitigkeit, nicht aber von Krieg sind').

Vergebens sucbte icb in manchen Wobnungfin naeh irgend welchem Hausratbe, denn ausser der Kleidimg, Lan/.e und Parang bewabrt der gewübnlicbe Bewolmer des Innern zu Ilanse kaum etwas, liöchstens noch die erwahnte, primitive Blas-Torrichtung zum Schmieden 1) oder einen Bergstock mid eine Tasche. Sachen von grösserem Werthe diirften sicb dagegen in den Huma-koïn's befinden, denn da Gong, Qewehre und Teller mir nnter den Gegenstanden genannt wurden, welclie bei Zahlung der Harta für eine Fran vorkommen, so können solcbe auch selbst-redend unter den Besitztbümern der Wakollonesen nicht feblen; doch sah ich selber nichts derartiges im Innern.

Um so erstaunter war icb, in einem Hause von Wakollo eine Geige (Taf. 30, Fig. 10) anzutreffen, deren Konstruktion nacli Aussage der Alfuren von ihren Vor-fahren herzuleiten und keineswegs erst kiirzlich von den Strandbewohnern erlernt ist. Das Instrument befand sicb leider in unbrauchbarem Zustande, hatte aber drei vom Cuscus genommene Dannsaiten gehabt, zu denen audi ein Streichstock gehorte, In seiner allgemeinen Form erinnert es sebr an unsere Geige; Eesonanz-kasten, Ilals und Kopf sind, mit alleiniger Ausnahme der Oberdecke des ersteren, aus einem einzigen Stiicke geschnitzt. Die roll aufgenngelte Decke besitzt Innlquot;kleine, rundliche Schallöclier, von denen eins die Mitte, die vier anderen die Ecken von oberflachlich eingeritzten Figuren bilden, welclie letztere die Form der Scliallöcher vmserer Geige anzudeuten scheinen. Der nicht mebr erlialtene Steg befand sicb un-mittelbar unter dem mittleren der fünf genannten Löcher; am unteren Ende des llesonanzkastens ist ferner ein durchbobrter Kiel vorhanden, welcber die Stelle des Knopfes vertritt und zum Befestigen des Saitenbalters dient. Das ganze Instrument hat 62,5 cm. Liinge. Leider war es nicht möglich, dasselbe durch Tausch zu er-werben, weil die Besitzer zu hohen Werth darauf legten.

Spater erhielt icb in Tifu ein anderes Exemplar einer Gcsige (Taf. 30, Fig. 9), welches indessen in einigen Punkten von demjenigen von Wakollo abweicbt. Bci ibm endigt der Kopf rait einer einfachen, hakenartigen Krttmmung und ist dor Hals stark gebogen, so dass nur ein kleiner Theil desselben als Griffbrett Dienst

1

OlTenbar diosolbe Vonichlung, wulchc Cleerens und Uoskoll sclion im .lalnv ISl? hiesolbsl au-trafen. (^Viller, Hooroo, pag. 31)1).

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thun komite; der Kasten ist ausserdem vierseilig und sein Boden, statt flach zu sein, wie an der Geige von Wakollo, mit einem mittleren Langskiele versehen. Die Zahl der Schallöcher betriigt hier vier; diese eind iru Viereck angeordnet, wakrend ihnen die Yerzieruug fehlt; der reckteckige Saitenhalter ist vorkanden, und das lustrument war wiederum mit drei Saiteu bezogen. Seine Liinge betragt 78 cm.

Weder in Wakollo nock in Tifu konute ich für die Geige einen anderen Namen erfragen als vihola, und die Leute behaupteten, dass dies Wort dem Bakassa an-gehöre, hiernack muss aber jene portugiesiscken Ursprungs sein. Ein gut erkaltenes Exemplar sak ick nirgends und konnte ich deswegen auck nicht erfakren, in weieher Weise auf dem lustrumente gespielt wird.

Gleich den Bewohnern der Küste vcrehren die Leute am See ihre Vorfakren, die nitu-nitu, unter denen es keine besonderen, etwa gute oder böse, Geister giebt; aber diese Nitu-nitu können erzürnt werden, wenn man vergisst, iknen zu opfern. Hierfür dienen das Hukn und das Schwein, und zwar werden beim Opfern von Hüknern nur deren Fliigel in die llunia-koin's gebracht, beim Scklachteu eines Schweines muss aber eine bevorzugte I'erson, welcke jedesmal durch Wakl kierzu bestimmt wird, das Blut des Tkieres trinken, um darauf mit den Vorfakren zu sprecken, das Fleisck dagegen wird vertkeilt und gegessen. Friiker wurden auch die Schadel der Nitu-nitu verehrt, dock ist dies heutigen Tages nicht mehr der Fall.

Die Leute glauben nun zwar, dass sie selbst nach dem Tode auch zu den Nitu-nitu übergehen werden, aber über das me und wo scheinen sie gar keine bestimmten Vorstellungen zu besi tzen, Auf Befragen erklarten sie lackend, dass sie nicht sagen köunten, wo sie sick nach dem Tode aufhielten, und ob sie dann nocli lebten, denn dergleichen Dinge seien nur den klugen Leuten vom Strande bekannt. Der Todte wird bekleidet, darauf in Zeug eiugewickelt und so in die Erde gelegt; Watfen giebt man ihm nickt mit, wokl aber bisweilen Teller. Auf das Grab setzt man am Kopf- und Fussende einen Stein, aber man briugt keine ringförmige Einfassung aus Felsstücken an. Wo die Graber sick befanden, wollte man nicht sagen; vermutklick liegen sie an verlassenen Often, denn ich selbst sah keius und erfukr das Mitgetbeilte nur durch Fragen,

Dagegen war ich durch einen besonderen Umstand einmal Zeuge eines Gebetes zu den Nitu-nitu, welches auf mich in seiner frommen Einfalt einen tiefen Ein-druck machte: Gleick am Abend unserer Ankunft sassen der Tuwan-tana und die Kapalasoa's von Wakollo nebst einigen Leuten aus meiner Begleitung mit uns im Tilau, um, wie es auck spilter nock öfters gesckali, bewirthet und zugleich mit Hilfe der Dolmetscber nach Sitten und Gebriiucken befragt zu werden. Der Post-halter Hoffman hielt es nun für seine Pflicht, die Wakollonesen dazu zu bringen,

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daas sie nach Kajeli kamen, um ilim dort ilire Aufwartung zu machen; er ver-spracb, ihnen alsdann Kleidung sclienken zu wollen, und wiinschte selbst auf diese Welse einen engeren Anschluss mit dem Binnenlande zu erhalten. Die Leute wei-gerten sich aber bestimmt auf den Vorschlag einzugehen, und erkliirten, dass es für alle am See wohnenden Alfuren verboten (koïn) sei, Kajeli zu betreten; man licirte anfangs auf alle Vorstellungen des Beamten uur immer „moquot;, d. h. „ich will nichtquot; (tra mau), aber endlich verspracben die Eingeborenen an die Kiiste von Lisela zu kommen, und zwar nach quot;Wamlana, wobei sie dann ja im eigenen Lande blieben. Es moge gleich hier envahnt werden, dass einer der Kapalasoa's von Wa-kollo in der That demgemass handelte und uus am 15tcn Juni an der Nordküste im genannten Orte seine Aufwartung machte ').

Jetzt meinte der genannte 1'osthalter, diese Verabrodung zunachst durch einen Schluck Arak bekraftigen zu müssen; aber der am Boden hoekende Tuwan-tana wollte nicht niiher kommen, um anzustosseu, er wehrte tast wie eiu Liir mit seinem tiefen mo von sich ab. Dann liess der Beamte ein Gewehr bringen und schoss rasch hinter einander eine ganze Eeibe blinder Scbüsse im Tilan ab — alles eitler Effekthascherei wegen, wie sie eben halbgebildeten Leuten eigen ist. Aber kaum war das Schiessen begonnen, so floh der Qebieter des Landes mit allen Zeichen des Entsetzens davon, und die übrigen Haupter von Wakollo folgten ihm. Ich verlangte nun, dass die Leute zuriickgeholt würden, damit wir sie berubigten, und nach langem Warten gelang das endlich mit ïïilfe der Strandaltüren; der Tuwan-tana erklarte uns dann, er sei uur ein Durnmer und halte nicht von allen den unverstandlichen Dingen, welche der Posthalter ihm zugemuthet habe; darauf liess ich ihm sagen, dass ich nichts von ihm verlangen würde, was koïn sei, und ein vielfaches, beifiilliges bole zeigte uns, dass sein Argwohn wieder gewichen sei.

Nun trat der Mann vor den Tilan ins Freie, streckte seine Rechte zum dunklen Nachthimmel empor, legte die Linke halbwegs auf die Brust und sprach mit tiefer, lauter Stimme gemessen sein Gebet: Die Nitu-nitu mochten über das Schiessen nicht erschrecken, demi es sei keine Gefahr dabei und nur ein Zeichen, dass hohe Herren sich im Orte befanden, und nun mochten sie gul es Wetter senden, damit deren Anwesenheit froblich gefeiert werden könne. Es war, als ob ein Kind bete, so fromm-naïv der Inhalt, und doch so ernst und würdig von dem in seinem langen, talarartigen Rocke gekleideten Manne ausgesprochen.

Selbst die beiden Posthalter kommen unter dem Eindrucke des Qebets zu der

1) Dio Bewohnor von Wakollo Imbon llandolsboziohungon zur Siidkiisto, nicht aber zur Nordkiisto, woil die Gogond zwischon dem Scc und doui Nordstrando zu miihsam zu begohen ist (Wilier, JJooroo, pug. 196, 891 u. 894).

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Ueberzeugmig: „Es scheint wirklich, als ob solche Leute eher durch Gott erhört ■würden als mrquot;, unci eiuer derselben erimiert sich nun des guten Erfolges, den ilas Anrufen der Nitu-nitu auf dem Wege nacli Wakollo geliabt babe. Bald beginnen sie aber wieder, ibre duramen Witze iiber die Vorfabren der Alfuren zu inacben, bis icb inir solcbe Dingo ernstlicb verhitte, da ich keine Ursache fand, die bereitwilligen Wakollonesen zu kranken und unnöthigerweise iliren Argwobn wacbzurufen. Nacli allem, was icb von den Alfuren des Innern erfahren babe, sind diese gutberzige, ehrliche, aber gegenüber jedem fremden Einflusse sellr misstrau-iscbe Menscben.

Das Bestreben, diese Leute in naliere Beziebung zu Kajeli zu bringen, balte icb übrigens nicht nur für völlig überflüssig, sondern sogar für verwerflicb. Ueher-flüssig ist es deswegen, weil die Alfuren von Wakollo ihrem rechtmassigen Herren, dem Regenten von Lisela, unbedingt gehorchen und durch dessen Vermittelung wiedermn der niederliindischen Regierung eine tiefe Ergebenheit entgegenbringen, verwerflicb, weil jene Leute in Kajeli dem mobammedanischen Einflusse nicht entgehen können und daselbst noch obendrein der Gef'ahr, betrogen und bestohlen zu werden, ausgesetzt sind. Der Gedanke, die Bewobner des Innern überhaupt ganz an die Kiiste zu ziehen, damit sie dort ihren wirklichen, dauernden Wohnort nabmen, so wie dies für Seran gewünscht wird, ist betreffs Buru meines Wissens niemals aufgekommen und würde auch von vornherein zurückzuweisen sein; denn es sind am Strande keine genügenden und zur Bodenkultur geeigneten Landereien volbanden. Eine solcbe Maassnahme liesse sich ohnehin nicht erzwingen und müsste, falls die Wakollonesen sich ihr gutwillig fügten, zu einer Entvölkerung des Landes führen, wahrend das Innere dem Europaeer infolge dessen noch schwieriger zu-gauglich werden würde, als es heute bereits der Fall ist.

Die Bevölkerungszahl des Landes von Wakollo anzugeben, ist unmöglich; denn die Leute wobnen so zerstreut und an so unzuganglichen Orten, dass man auch bei langeren Reisen in dieser Gegend kaum etwas von ihren Bewohnern erfahrt, und dies um so weniger, als sie ungemein scbeu sind und dem Fremden so viel wie möglicb ausweichen. Mehrfach babe ich es z. B. erlebt, dass ein Alfure sich aus Furcht vor uns aus dem Staube machte, nachdem wir selbst bereits sein Vertrauen erworben zu baben glaubten. Indessen kann die Zabl der Einwoliner nicht gering sein, wie schon die vielen und sehr ausgedebnten An-pflanzungeu in der Nabe des Sees beweisen und fernerbin der ümstand, dass der Tuwan-tana von Wakollo zur Zeit meiner Anwesenheit drei- bis vierhundert be-wafFnete Leute zusammengebracht batte. Die Ursache dieser Maassnahme war dariu gelegen, dass die Ankunft des Posthalters von Tifu mit seinen zablreicben Beglei-tern den Wakollonesen unverstandlich seinen; sie fürcbteten, diese Leute von

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32!»

Massarette seien mil feindlichen Absichten gegen diej enigen von Kajeli ausgezo-gen, uud deswegen batten sie die bewaflnete Macht zum So.hutze (ür uns bei even-tuellen Streitigkeiten in unmittelbarer Niilie aufgestellt. Freilicb bat wahrend der Dauer meines Aufenthaltes kein Fremder von ihrer Anwesenbeit etwas erfabren, obwolil sicb in Wakollo gegen 300 Küstenbewolmer befanden, welcbe ihre Streife-reien überalllün in die Urn gegen d ausdebnten, und erst nacb unserem Fortgange wurde der Regent von Lisela von der getroffenen Maassnabme in Kenntniss gesetzt — wobl ein Beweis, dass kriegerisclie Operationen iu solcliem Lande eine ausserst sclivvierige Unternebmung sein würden,

Der Besucb des Sees von Wakollo, dessen Spiegel 749 m. über dem Meere liegt, bildete eine der angenebmsten Episoden bei meinon Eeisen auf Burn. Wir gingen, nm dortbin zu gelangen, zunaclist eine kurze Strecke den Waë Grabe abwarts und wandten rms dann an seinem recbten üler nacb S O, wobei wir eine alluviale, von kleinen Bacben durcbscbnittene Formation passirten. Die unbedeu-tenden Wasseradern rinnen bier bereits dem See zu, obne dass in dem betreffenden Gebiete irgendwo eine bestimmte Scheidelinie zwischen ibnen und dem Flnssgebiete des Nibe wahrzunebmen ware. Die jugendlichen Ablagerungen sind mit niedrigem Walde oder mit riesigen Schilf- und Bambuspflanzen dicht bestanden, und bohe Farne, worunter manche zierliche Biüinie, bilden im Vereine mit Pandanus und Galoba das Unterholz jenes Waides, dessen Bauiue wiedernm mit zablreichen kleineren Farnen behangen sind, dagegen ist die Moosvegetation nicht besonders üppig entwickelt; wobl soli dies an der östlichen Seite des Sees der Fall sein, und hier scbeint sie auf den Bergen, in deneu der Waë Apu seinen Ursprung nimmt, nach der mir gemachten Beschreibung einen ahnlicbeii Charakter zu tragen wie auf dem Gipfel des Wawani,

Bald sahen wir durch eine kleine Lücke der üppigen TJfervegetation den See in unmittelbarer Nahe vor uns liegen, und nach wenigen Schritten befanden wir uns dann au seinem Ufer (Taf. 45), woselbst einige Praueu von sebr ungewöbn-lichem Bau bereit lagen.

Zur Herstellung ibrer Ausleger waren an Stelle der gebraucblichen, beiden Qnerstöcke deren drei iiber das Boot gelegt, und diese waren mit den Langsstöcken einfach zusammengebunden, obne dass Zwischenstücke zur Verwendung gekommen waren1). Der ganze Eahmen würde somit, falls die Stiibe gerade gewesen wiiren, in einer einzigen Ebene liegen, und mit dem Eintauchen der Langsstabe der Flügel, auf denen das Fahrzeug bekanntlich ruhen muss, würde auch dor Boot-

1

Vgl. ohen, pag. 232.

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Alfuukn von Wakollo.

In der Milte sitzt ilcr Tuwan-tana, mit einor Cigarette in der Hand.

rand untertauclien, weil die Querverbindungen über letzteren Mnweggelien. Diesem durcli das FeUen der Zwischenstücke entstehenden üebelstande quot;war nun freilich durcli eine leichte Krümmung der Querstabe abgeholfen, aber docb nur in unvoll-standiger Weise, so dass die Fahrzeuge bestaudig schwankten und mit grosser Umsicht beladen werden mussten. Obendrein waren die Langsstabe so kurz, dass sie weder hinten nocb vorne über den mittelst der Querhölzer liergestellten Eahmen liinausreiohten und sie also auch bierdurcli eine geringere Stütze als bei anderen Prauen gegen das etwaige Umschlagen des Bootes gewahrten. Die zugebörigen Ruder (Taf, 31, Fig. 12) sind L25 cm. lang und besitzen eine runde Scliaufel; ilir Stiel ist an beiden Enden kantig und mit rob eiugeritzten Figuren verselien.

Dass die sclilecbten Scliiffsbauer eine grosse Scheu vor dem Befabren des Sees baben, könnte sclion nacb obigem erklürlich sclieineu, docb glaube ich, dass das Ungewöhiiliche einer solchen Wasseransammlung im Innern der Insel die vor-nebmste Ursacbe ilirer Furolit ist; erklarte doch spater sogar der Postbalter von Tifu, eiu geborener Saparuanese, nacbdem er sicb endlicb zum Besuche des Sees aufgerafft, dass ihin daselbst gruselig geworden sei, weil er Aehnliclies noch nie-mals geselien.

Wir waren kaum am Ufer angelangt, als die Eingeborenen bereits begannen die Mtu-nitu anzurufen, damit kein Unglück goschalie, und mittlerweile forderte der Tuwan-tana einen Cent von jedem, der auf dem Wasser fahren wollte und

dies nicht bereits früher getlian batte. Das traf demnach auch alle Strand-alfuren, welche michhier-iier begleiteten, und die Gabe war, wie icli nach-her erfahren sollte, für ein Opfer an die Geister der Verstorbenen bestimmt. Man warnte uns daim noch davor, den Seemit einer Meeresbucht zu ver-gleichen, weil dies ho'in sei. Ob das Verbot viel-leicht damit zusammen-hiingt, dass die Wakollonesen, gleich den Alfuren Serans, kein Salz bereiten dürfen? Deun auch das ist ihuen hoïn, Leider war es ehenfalls verboten, die Tiefe des Sees

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zu messen1), freilich nicht, seinen Umfang zu beslimraen, es Hessen sicli indessen hierfür in der kurzen verfügbaren Zeit an dem sumpfigen, dicht bewachsenen Ufer nicht die nöthigen Vorbereitungen treffen. Auffallender Weise batten die Wakollo-nesen aber auch nichts dagegen einzuwenden, dass ich von meinem photographischen Apparate am See Gebrauch machte, obwohl sie selbst sich nicht authehmen lassen wollten, weil sie es nicht gewohnt seien (ohne natürlich einen Begriff von der Handlang selbst zu haben). Glücklicherweise gelang es mir dennoch, den Tuwan-tana irre zu führen und ihn uebst einigen Begleitern mit dem Momentverschlusse zu tangen; argwöhnisch genug blickt er freilich in diesem Augenblicke drein.

Der See liegt völlig glatt da, kein Lüftchen krauselt seine weite Wasserflache, in der sich alle Bilder so scharf spiegein, dass auf den dort genommenen Pboto-graphieen die Grenze zwischen Luft und Wasser erst bei genauer Betrachtung aufzufindeu ist. Die Sonne, welche vvir so selten in Wakollo sahen, beginnt gerade den Wolkenschleier zu durchbrechen; rothe Libellen spielen um kleine, schilfbe-wachsene Insein in nachster Niihe des Ufers, welches vviederum von hohem, schlankem Schilf und Aveit überhüngendem Bambus, durchsetzt mit Pandanus, umsiiumt wird. Dahinter folgt der Wald mit mandiën, durch Draperieen von Pflanzen verzierten Bitumen, Rottan- und Sagupalmen, dann allseitig ein tlachgipfeliges Gebirge, dessen durch seichte Depressionen geschiedeiie, von einzelnen Wolken gekrönte Höhen2) den Seespiegel um 150—300 m. und mehr überragen. Aus dem Scbilfe erhebt sich dort, wo der Nibe rauschend den See verliisst, eine Schaar wilder Enten3), aber diese Thiere sind wenig scheu, und einzelne von ihnen schwimmen in allernachster Niihe unserer drei Bote. Ein weihevoller Friede liegt über dem dunklen Wasser, der Friede tiefster Einsamkeit.

Der Tuwan-tana ruft bestandig in kurzen Zwischenpausen die Nitu-nitu an, wobei er dann von Zeit zu Zeit einen Cent ins Wasser wirft, wührend ihn einer der Kapalasoa's der Nordküste beim Gehete unterstützt. Beide flehen für das Wohl eines jeden einzelnen von uns, für mich in erster Linie, ferner für den Posthalter und die Regenten und endlich für alle noch übrigen Personen gemeinschaftlich. So wird die eine Halfte des Geldes geopfert, wahrend die andere spater ins Huma-koïn gebracht werden soil.

Leider können wir den Punkt, an welchem der etwa 10 Schritte breite Aus-

1

Forbes schcint es dennoch gethan zu haben (?), donn nach ihm betiilgt die Tief'e des Sees 40 bis 50 laden (1. c. pag. 114). Diese Angabe ist mir indessen nicht ganz verstiindlich, da es weiterhin heisst: „Die AVakolo-Leute, welche mich rudorten, .... weigerten sich bestimmt, mich nach der Mitte, oder auch nur von der Kuste weg, zu rudernquot; (p. 115).

2

Der Charakter diesor Höhen ist nach meinen Zeichnungen und Photographieen ein wosontlich anderer , als wie das Bild von Forbes (I.e. pag. 114) ihn angiebt.

3

Nach For bos ist dies Dendrocygne guttata (I.e. pag. 115).

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fluss des Kibe im Sclrilfe sichlbar wird, nicht beauchea, demi die Eingeborenen fürchten du rel i den starken Strom mitgerissen zu werden und ]ialten sicli deswegen in respektvoller Entfernnng. Unsere Fahrzeuge sind aucb gar zu klein, zudem so sckwankend, dass man sicli nicht einmal auf seinem Sitze umdrehen kann und dadurch Yiel vom Ueberblicke über die Wasserflache und ihre Umgebung verliert; dennoch war aber die Fahrt ungemein lohnend; sie wurde mir nur gar zu rasch abgebrochen, als sich auf einer der benachbarten Höhen eine dunkle Wolke zeigte und der Tuwan-tana infolge dessen eiligst zum Ufer zurücksteuerte. Es ware zwar eine geringe Mühe gewesen, hier ein grosses Floss anfertigen zu lassen, um mit seiner Hilfe den See in allen Eichtungeu gründlich zu untersuchen, aber auch das war wiederum hoïn '), und sclnverlich hatte ich auch nur einen einzigen Mann gefunden, welcber auf solchem Fahrzeuge mit mir vom Ufer gestossen ware.

Von thierischem Leben bemerkte ich im Wasser keine Spur, und man ver-sicherte mich, dass überhaupt nur ein einzelner Fisch darin wohne (der Posthalter von Kajeli, welcber denselben früher einmal selbst gegessen batte, nannte ihn einen Aal1)); trotz tagelanger Bemühungen seitens der Eingeborenen, wollte es leider nicht gelingen, das Tbier wührend meiner Anwesenbeit in Wakollo zu fangen. öesteine kommen am Ufer nicht vor2), dagegen sieht man iiberall die Sumpf-vegetation Auslaufer in den See Benden, was den Eindruck bervorruft, als würde sein Umfang allmiiblig zusammenschrumpfen.

An der Kliste erzahlt man von einem Wunderbaume, lagmcli, der von Zeit zu Zeit aus dem See wachse und denjenigen, welcber von ibm esse, wieder jung macbe. Eine Frau, die für einen alten Chinesen eine Speise von dem Baume be-reitete, soli dies zuerst an jenem sowie auch an sich selber erfahren haben, doch ist diese Fabel den Wakollonesen selbst völlig unhekannt, wie ich durch vielfaches und gründliches Nachfragen mit absoluter Sicherbeit feststellen konnte 3).

Ausser dem Besuche des Sees bot der Aufenthalt in Wakollo nicht viel An-

1

Bleeker vermuthet, dass es Avguilla Elphinsionei Si/k. sei, ein Aal, welcher eine sehr grosse Ver-breitung habe und auch in Kajeli vorkomme (I.e. IT, p. .37)

2

Die Erklarung für die Bildung des Sees werde ich spater geben. Hier soil nur hervorgehoben worden, dass derselbe nichts mit einem Vulkano zu schaffen hal, wie wiederholt als Vermuthung von andercr Seite ausgesprochen worden ist. (Wilier, Boeroe pag. 392; Bleeker, Beis, II, pag. 39; Forbes, Wanderings pag. 115).

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lm Gegensatze hierzu sagt Forbes, dass die Sage bei den am See wohnenden Alfuren herrsche (1. c. pag. 114), und glaubt derselbe Forscher, dass sie im Verbande mit dem vulkanischen Charakter des letzteren stehe (j). 115). Leider ist aber Forbes in Bezug auf die Bevölkcrung von Buru sehr unzuverlilssig; verwech-aelt er doch sogar die Gebethauser {huma koïri) mit dem maiakau, unter wolchem Namen er auch ein der-

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zieheiules. Tag und Nacht gab es lang anbaltende, schwere Eegenschaner, bisweilen auch unbedeutende Niederschlilge bei schonstem Sonnenscbeine, und nacliis blickten in Zeiten der Trockenbeit die Sterne trüb (lurch den über uns lagernden Nebel. Kam die Sonne einen Augenblick durcb, so entwickelte sicb aus dem kotbigen Boden des Dorfes ein uiiertriiglicher Gestank, und dabei strömte das Wasser bestiin-dig in uusere Wobnung, die, wei! nur balb gescblossen, aucb keinen genügeuden Scbutz gegen die Nachtkalte bot; deun das Thermometer sinkt bis unter 18° C., so dass mir infolge dessen und im Vereine mit der Feucbtigkeit die Nachtrube in der Hangematte fast geraubt wurde. Ueberall borte man Husten und viele Leute hatten Fieber.

Die Unordnung auf dem engen Raume, woselbst um den Tilan noch ein halbes Dutzend Hauser zusammengedrangt steht, wachst bei der grossen Zabl von Leuten fortwahrend an; denu die Alfuren werfen allen Ablall beliebig aufdieErde und manchmal erbalte icb den Eindruck, als ob icb anf einem Düngerhaufen wohnte. Einzelne Schweine, welche nachts in hohen, schmaleu Verschlagen von lïaumstammen, Schilderhüusern in der Form abnlicb, gehalten werden, über Tag aber neben uns im Kothe wiihlen, trageu nicht dazu bei, jene Empfiudung zu ver-wischen, und allein auf' die Vegetation im llintergrunde vermag das Auge mit Genuss zu ruben (Taf. 40 u. 44). Da siebt man nicht nur schlanke Wedel der Sagu-palme und Baumfarne, denen kein Fiedercben geknickt ist; auch der Arlocarpus, welchen man in der liegel nur im ganz jungen Wachstbumsstadium hübsch, spater aber so hautig krüppelig iiudet, entwickelt sicb in dieser windstillen Gegend zu einem stattlichen, schonen Baume, mit runder, gefüllter, nur lue und da zierlich durchbrochener Krone, und in seiner Form erinnert nicbts mehr au die kahlen, grauen, nur an den Enden mit einem Blatterscbopfe versebenen Zweige seiner armseligen Brüder der Strandgegenden, die auf mich stets den Eindruck machten, als ob sie gerupft waren. Dazu gesellen sicb viele Apfelsinen, deren Habitus dem-jenigen grosser Myrtenstöcke nicht unabnlich ist, und welche hiej' aussergewöbnlich schmackhafte Frücbte liefern. Zum Scbutze derselben sab icli auch an diesem Orte wieder eine robe Zusammenstellung von Zweigen als sassi steben.

Trotz des unerquickliohen Verbleibs konnten wir Wakollo doch nicht so bald wieder verlassen. Zunachst hedurfte jeder der Rube und besserer, reicb lie here r Nahrung, als wir sie in don letzten Tagen allesammt hatten bekommen können;

artiges Haus abbildot (p. 103). Dieses und oine Roihe anderor Missversliindnisso muss wohl auf Kechnung der unorquickliclion Verhaltnisse geschobon werden, unter denen Forbes ruiste, und in Verband hiermit auf den Mangel guter Dolmotscho. Auch die Sebroibweise der einheimischcn AVortc ist manehmal recht unglück-lich gcwuhlt. — Die Fabel vom lagondi hitam wird in etwas abweichender Weise bereits vom alten Valentiju borichtet (I.e. II, pag. 4).

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sodann musste eiae grosse Reiuigung vorgenommen werden, da wir seit dem Verlassen der Nordküste die Kleider nicht eiumal zur Nachtzeit gewechselt hatten. Sogar die Alfuren empfandeu dies Bedürfniss, schiittelten ihr langes, losgelöstes, von Sohmutz starrendes und grau gefarbtes Haar, ordueten es, so gut wie dies eben olme Kamm anging, in schmalere Strahne und such ten sich nun gegen-seitig mit viel Ausdauer und Geduld das Ungeziefer Tom Kopfe. Meine Leute waren eifrigst mit der Wüsche beschaftigt, welche aber bei der ungünstigen Witterung kaum trocknen wollte, und der Insektenfanger musste Feuer zu Hilfe nehmen, um die Saramlungen der letzten Zeit ordentlich conserviren und verpacken zu können. Zugleich wurde mit llille der Eingeborenen noch eiu reiches, neues Material an Kiifern zusammengebracht, und sobald die Sonne durchkam, beschal'tigte sich bald dieser bald jener von uns am Orte selbst mit der Schmetterlingsjagd. Selbstredend gab es aucb noch vieles zu notiren, zu zeicbnen und zu photographiren; ausser-deiu warden die auf dem Wege von der Nordküste bis Wak oil o gesammelten Q e-steinsproben und einige andere Gegenstande Strandalfuren von Lisela übergeben, damit sie dieselben nach Wamlana brachten; die schweren Kisten brauchten dann nicht noch aut' der Weiterreise mitgeschleppt zu werden, und ich konnte sie, wie auch der Eriblg gelehrt bat, den betreffenden Leuten mit völliger Euhe anvertrauen.

Eine meiner wichtigsten Beschaftigungen bildete aber das Befragen der Wakol-lonesen nach ibren Sitten und Gewohnheiten, nach geograpbischen Einzelheiten u. s. w., eine Arbeit, welche nur dadurch möglich war, dass der Eegent von Lisela, welcher so gut Bahassa wie Malayisch verstand, mir sammt dem als standiger Dolmetsch dienenden Lehrer jeden Augenblick zur Seite stand. Deun bei den abendlichen Zusammenkünften, welche ich gewobnheitsgemass auch an diesem Orte mit den alfurischen Würdentragern batte, wurde zwar das Wesentlichste er-fragt, aber manches blieb dabei doch noch unklar, und dann war es Sache des Regenten, dies im Laufe des ïages durch Hin- und Herroden naher zu untersuchen. Zugleich sorgt.e der Lehrer mit grosser Gewissenhaftigkeit dafür, dass keine Miss-verstiindnisse aufkamen, und so glaube ich denn auch fur das oben Mitgetheilte olme Anstand die Bürgschaft der Richt igkeit iibernehmen zu können.

Wohl noch nie hatte Wakollo eine solcbe Mensehenmasse gesehen, wie zur Zeit meiner Anwesenheit, denn ausser den 133 Mann, mit denen ich vom Strande aus hergereist war, befanden sich hier noch 150 Leute aus der Abtheilung Mas-sarette, welche gekommen waren, mich nach Tifu zu gelei ten, und dazu gesellten sich ausserdem die im Orte vereinigten Einwohner des Landes Wakollo. Trotzdem war die Beschaffung von Lebensmitteln wegen der grossen Ausdehnung der An-pflanzungen am See mit keinerlei Schwierigkeiten verbunden; denn den Alfuren getuigen die Erdfrüchte für lange Zeit vollkomraen, und lür mich selbst nebst

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meiner engeren Begleitung gab es auch manches Huhn, welches von den Wakol-lonesen eingetauscht wurde. Hierfür hatte ich mehrere Kisten voll Waaren, Sarongs Kopftücher, Ringe und dergleiclien, inilgenommen, so dass ich auch ini Slande war, die Zehrung für die init Tauschobjekten völlig unverschenen Leute der Ab-theilung Massarette einigermaassen zu vergüten. Doch will ich ausdrücklich her-vorheben, dass die Eingeborenen dies gar nicht forderten und bereits ungenöthigt den Fremden von der Südküste nicht nnr reichliche Gaben an Früchten , sondern sogar einige Schweiue gebracht batten.

Inzwischen lagen mir die auf der Ileise nach Wakollo ausgestandenen Nahrungs-sorgen noch zu frisch im Gedachtnisse, um nicht einer Wiederholung dieses Zu-standes gelegentlich des Marsches nach der Südküste so weit wie möglich vorbeugen' zu wollen, und da die Wegverhaltnisse im Süden des Sees im Vergleiche zu der bereits zurückgelegten Route ausserordentlich gunstig erscliienen, so veranlasste ich den Posthalter von Tifu, 70 Leute im voraus heimzusenden; derjenige von Kajeli eatschloss sich auf mein An dringen auch, von seinen 6 Bedienten die Ilalfte zu-rückkehren zu lassen; mehr behauptete er allerdings nicht entbehren zu können, und dass ich selber mit einem einzigen sogenannten Leibjungen auskam, machte auf ihn gar keinen Eindruck. Selbstredend begleiteten micli die Alfureu der Ab-theilung Kajeli auch nicht nach Tifu, und so wurde demi die Weiterreise im ganzen mit nur etwa 90 Mann unternommen.

Freilich ging das nicht so ohne Umstande von statten, deun schon am Tage nach meiner Ankunft in Wakollo theilte man mir mit, dass die Leute von Massarette Schwierigkeiten machten; sie wollten ihre Dienste erst von der im Süden des Sees gelegenen Landesgrenze aus leisten, wahrend bis dabin die Alfuren von Lisela mitgehen sollten. Dagegen ware nun zwar nichts einzuwenden gewesen, weim die Bevvohner von Massarette in ibrem eigenen Lande geblieben waren, statt sich tagelang am See bei denen von Lisela zu Gaste zu bitten, unter den obvval-tenden Umstanden aber hielt ich ihr Verlangen tïïr unbillig. Ich liess deswegen den Regenten (Orangkaja) von Okki, den einzigen, welcher hier aus Massarette anwesend war, nebst den 17 Kapalasoa's aus der genannten Abtheilung berbei-rufen, um sie zu fragen, oh die genannten Schwierigkeiten wirklich aufgeworfen seien. Das gestauden sie ein, worauf ich ibnen zuniichst die Gründe auseinander-setzte, welche mich veranlassteu, ihre (selbstredend bezahlten) Dienste schon von Wakollo aus in Anspruch zu nehmen. Daim legte ich ibnen die einfache Frage vor, oh sie sich hiemit einverstanden erklarten oder nicht, indem ich mir jegliche andere Autwort als „ich willquot; oder „ich will nichtquot; dringend verbat. Wohl mag dies etwas streng gescheben sein, aber eigentlich gedroht habe ich den Leuten nicht, und doch zitterte der Regent von Okki, nach eigener Meinung der Nachkomme

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eines weissen Krokodil», wie Bspenlaub, als er schleunigst seine Bereitwilligkeit erklarte. Darauf folgten auch die übrigen Würdeiitrager seinem Beispiele, und iu weniger als 15 Aliniiten war die Gesellscliaft bereils wieder euliassen mid die gauze Sache erledigt. Die Leute liaben auf der Eeise nacli Tifu gethau, was in ihren Krüften stand, und als ich sie sjiiiter an der Südküste abgelohnt batte und heruacli no el i dem Orangkaja sowie den Kapalasoa's jedem eine Kleinigkeit scbenkte, ledig-licb zum Beweise meiner Zufriedenlieit und zum Andenken, da waren alle sehr glücklich; schmunzelnd strioli sicb der Sprössling der rauberisclien Panzereclise über sein durcb so viel Freuudlichkeit gerübrtes Herz.

6. VON WAKOLLO ZUR SÜDKÜSTE.

Am Morgen des 29stcn Mai brachen wir wieder von Wakollo auf, und alsbald ging es in siidwestlicher Eichtung in der weiten Ebene des Seegebietes dureb die alfurischen Pflanzungen, bei hellem Sonnenscbein und Vogelscblag. Abwechselnd mit jenen folgten dann Laubwald, Bambus oder ausgedebnte, bauptsacblicb mit bobem Gras und Farnen bestaudene Flachen. Die Baumfarne, welcbe in dieser ganzen Gegend zahlreich. vorkommen und namentlicb aucb an den Waldesraiidern eine bobe Zierde der Landschaft bilden, nebmen sicb besonders gut in der grasbedeckten Ebene aus, da ilire machtigen Wedelkronen oft erst in doppelter Mannshühe über dem Boden beginnen und so in freier Entfaltung über das Gras und niedrige Gestrüpp bervorragen. Blunien fehlen zwar audi bier wiederum, aber die Scbattirungen des Grüns werden in angenebmer Weise durcb zahlreiche, weisslicbe, kautn entfaltete Blatter unterbrocben, welcbe von manchen niedrigen Bilumen herniederbiingen; demi ibre Knospenhüllen Hessen beim Springen sogleich einen ganzen, belaubten Zweig zu Tage treten, der sicb nun in abnlicher Weise wie die frischen Triebe unserer Tannen iin Frühjahre von dem alteren Laube des Baumes abhebt.

Viele, dem See zuströmende Biiche wurdon passirt, doren Betten zum Tbeil mit gewaltigen Mengen von Schotter bedeckt oder von mebrere Meter boben, alluvialen Wanden eingescblossen sind. Von den kleineren dieser Gewasser waren die Namen nicht zu erfabren; das erste von einiger Bedeutung beisst Wak IIaggi, dann folgt der vielfacli verzweigte W. Temu und endlicb der W. Fkha, der an-sebnlicbste von allen, mit ziemlicli starkem Gefalle und dort, wo wir ibn durch-wateten, 8 Schritt Breite. Eine Stunde spiiter befanden wir uns in den Pflanzungen von Nalbesi, woselbst scbon um 121). 40 M. Halt gemacbt werden musste; denn um Mittag batte es zu regnen begonnen, und der Weg war zudem so scblecht

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vorbereilet, dass wir gleich laugsaui förderten wie soiiiji au deu steilsteu Hiiugen, wall rend der Boden docli so gmt wie ganz eben war.

Das Qebirge batten wir auf dein Wege hierher stets in kurzem Abstande zur Hechten gehabt und nun bofanden wir una unmittelbar an seinem Fusse, in einem Thalkessel, weleher fast ringsberum vou niedrigen Ilölien eingesoblosseu ist. Au-scheinend besitzt derselbe nur im Südwesten eine bedeutendere Oeffnung; doch war der Ueberbliek von unserem niedrigen Standpuukte aus selir unvollstandig, zumal Kegen und Nebel die Gegend verschleierten.

VVabrend die ineisten Leute vorausgesandt sind, um den ^^'eg t'ür den fol-genden Tag frei zu macben, rich te ich micb mil meiner engeren Begleitung in einigen Hausern der l'flanzung ein. Sie sind fast genau so gebaut wie diejenigen am Hadifut, welche uus am ersten Tage der Durchquerung Euru's zum Verbleibe dienten, nur fehlen die Wiinde von Baumrinde und sind statt dessen Palmblatter henutzt, welche mit ibrem vmteren Bnde am Dachrande betestigt wurden, so dass sie senkrecht und lose herniederhangen; Humakoïn's sind aher hier so wenig vor-handen wie ia Wakollo. Nichts an dieser Stelle ist der weiteren Aufmerksamkeit werth, und leider erfuhr ich erst am folgenden Morgen, dass wir uus in unmittel-barer Niihe einer grosseren Hausergruppe von Nalbesi befanden, au weleher uus der Weg gleich nach dem Aufbrucbe von hier vorbeifübrte. Der lange Nachmittag und der Abend wollen gar koin Blnde nelunen, zumal unausgesetzter Regen uud ein völlig durchweichter Boden uus jeden Verbleib im Freien verleiden; dann f'olgt eine kalte, feuchte Nacht, und um 0 Uhr morgens ist das Thermometer auf 15,3° C. gesunken.

Am 30sten Mai führt der Weg anfangs noch unter abnlichen Verbaltjiissen wie am gestrigen Tage fort, aber alsbald hefinden wir uns im dichten Walde, mil schlüpfrigem, sehr durchweichtem Boden und kurz darauf in einem ausgedehnten Sumpfe, woselbst zwiscben der üppigen Waldvegetation bohes, breitblattriges Schilf wiichst, welches die Fame verdrangt, und stellenweise die Sagupalme augepflanzt ist. Eine Anzahl kleiner Biiche, die in alluvialen, geröllfreieu Boden eingescbnitten sind, entspringt hier. Zunücbst kommen wir an die Quelle des Waë Moau, den wir nachber noch einige Male kreuzen; dies Ge wasser fliesst in den \\. Aiisale und von dort in den See; dann wird der W. Sai'INFAïtan und kurz darauf der W. Sabbepattan , endlich der W. Sali überschritten, welche alle ihr Wasser direkt dem See von Wakollo zulubren, und deren Bedeutung in der geuannten Folge all-mahlig zunimmt. Der Sali ist dort, wo wir ibn kurz nach 8 Uhr kreuzen, 7 Scbritte breit uud wasserreich; bald bernach werden die Wasseransammlungen im Walde geringer und bis zum WT. Haljsbe , den wir | Stunden spiiter erreicben, fübrt der

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aas

Weg nur noch hie und da über sumpfigen Boden. Audi dieser Bach, 10 Schritte breit, fliesst noch in den See; wir folgen seinem stark geschlangelten Laufe auf-warts, meistens am Uier, bisweilen daneben lm Walde, überschreiten ihn mehrfach , sehen sein Bett bald klippig werden, sein Gefalle zunehmen und das Wasser mit Gerölleu von Saudsteinen erfiillt, welche letztere auch am Ufer anstehen, erblicken daim zur Linken eine Anhöhe und betinden uns um 10 U. 48 M. am Fusse des-selben Rückeus, dem auch jene bereits angehürte, und welcher Gunung tagalagao heisst. Kach ihm wird der 11 ale he auch W. Tagalaggo genannt; er ist an dem betreffenden Punkte, in 803 m. Meereshöhe, nur noch 3 Schritte breit. Von ar-chaeischen Gesteinen ist in dieser Gegend nirgends mehr eine Spur zu finden.

Da der Weg in den Sümpfen sehr ermüdend gewesen war und jetzt wiederum ein ziemlich steiler Austieg bevorstand, so wurde bis 11 U. SOM. gerastet; doch dauerte hernach das Klettern nicht lange, da schon um 12 U, 40 M. der 1065 m. hobe Gipfel des Tagalaggo erreicht war. Dieser bildet die Wasserscheide zwischen Süd und Nord, und von hier aus geht es abwarts zum Stromgebiete des Wak Mala, welcher unfern Kawiri, im Westen der Bai von Tifu ins Meer mündet. Seinem Laufe entlang sollte uns die noch zurückzulegende Wegstrecke, so weit wie möglich, führen.

Anfangs ist das Gehange, an dem wir hinabstiegen, sehr steil, doch alsbald wird die Neigung des Bodens geringer, und fallt der G. Tagalaggo ziemlich gleich-miissig, ohne Einschaltung von bedeutenderen Wellen, nach Süden ah. Auch die Vegetation bietet in dieser Gegend keine sonderlichen Hindernisse, obwohl mir die heutige Tagereise als die schwierigste aui' dem Wege von Wakollo nach Kawiri be-zeichnet worden war, und so fürderten wir ziemlich rasch. lm Vergleiche zu der Hinreise nach dem See erschieu der gauze Marsch durch dies Waldgebiet eine leichle Aufgabe, aber trotzdem war es nicht möglich, noch an demselben Tage, wie wir gehofft batten, den Waö Mala za erreichen, und gegen 4 Uhr wurde au einem unbedeuteuden Baclie mitten im Walde Halt gemacht, da ich völlig erschöpft und zum Arbeiten unfahig geworden war.

Den ganzen Tag batte ich noch nichts als ein paar Zwiebacke und etwas Pisang zu mir nehmen können, und uur mit Mühe erledigte ich noch vor dem Einbruche der volligen Dunkelheit meiue Notizen, wahreud alles durch den plan-widrig gestocklen Marsch in grösster Unordnung uinherlag, vorausgeeilte Leute zurückgeholt werden mussten und spater beim Scheme von Laternen die Hütte für den Nachtverbleib errichtet wurde. Vron dem Posthalter von Tifu, welcher in dieser Gegend die Leitung der Trager in die Hand genommen, batte ich mir den Verbleib au dem betreflenden Orte fast mit Gewalt erzwingen müsseu, weil der Mann durchaus nicht begreifen konnte, daas ich wahreud der Reise zu arbeiten

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hatte, mul der Ansioht war, der Weg könne audi iu der Duukelheit vvobl fortge-setzt werden.

Einmal, gegeu 2 Ulir naclimittags, batten wir durcli eine kleine Liolitung im Walde einen schonen Ferublick über ein ausgedehntes, ilachwelliges Gebirge hn Südosten gebabt, wabrend sicb geuan östlich unci in kurzem Abstande you uns der Tbaleinscbnitt des W. Napa, eines Nebendusses dea Mala, beiand; doch konn-ten wir das Gewasser weder sehen noch horen. Hernach yernahmen wir das Eauschen des Napa unfern des Ortes, an dem in 568 m. Höhe die Station errichtet worden war.

Am 31ston Mai batten wir den Weg kaum weiter fortgesetzt, als jener Fluss aurdi sclion unmittelbar zur Linken, etwa 30 m. unterhalb unseres Standpunktes, sichtbar wurde, und vvenige Augenblicke spaier befauden wir uns am Wak Gum a , einem ansehnlichen Zuflusse des Napa, welcher von hier aus in einer ausgedehnten Ebene weiterfliesst, um sich alsbald mit letzterem zu vereinigen. Zunachst geht es nun am linken üfer des Guma bin, dann wird dieser mebrmals gekreuzt, und endlich befinden wir mis zur Eechten eines Flusses, welcher aus der Vereinigung yon Napa und Guma entstanden ist, aber laut mir gemachten Augaben keinen besouderen Namen trügt. Bei der geringeu Eutfernmig vom Zusammenflusse der beiden Nebengewasser bis zum Mala ist dies nicht auffallend, mir scheint aber der Napa der anselmlichere liacli zu sein, und behalte ich deswegen seinen Namen für den betreffenden Absclinitt des Laufes bei. Der Wald in der Ebene bat sich all-mahlig gelichtet, und wir sind in die Anpflanzuugen der Alfuren yon Waëeno gelangt, welche noch der Landschaft Lisela angehören. Hier wird der stark ge-krümmte Lauf des Napa, welcher noch immer Sandstein-Gerölle führt, wieder ein paar Male geschnitten; dann steigt unmittelbar links yom Wege eine Höhe an, welche die ïbalsohle um etwa 100 m. ttberragt und an deren Fusse im Walde grosse, stark zerfressene Kalksteinhlöcke umherliegeu; diese erinnern sogleicb an die Bil-dung des Kakusan unfern Kajeli.

Nicht lange hernach steigen wir über einen niedrigen, stufenartigen Absatz zu einem weiten Sumpfe hinab, welcher sich in unmittelbarer Nühe des Mala ausdehnt und offenbar ein Inundationsbett des letzteren darstellt. Hier befinden sich wiederum alfurische Anpflanzuugen, die aber im Augenblicke nur mit Hilf'e yon Brücken aus Baumstammen passirbar sind; gleich nördlicb yom Mala, in etwa 100 Schritten Abstand yon seinem Bette, gelangen wir an dies Grenze zwiscJieu Lisela und Massarette. Sie ist mit Hilfe der Eiugeboreuen au einem Punkte genau festgestellt und durch das Pflanzen einer jungen Sagupalme markirt worden; eine Ortschaft liegt hier nicht.

Der Mala ist an diesem Punkte bereits 25 Schritte breit und zur Zeit was-

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serreich, so dass die Leute in ihm an vielen Stellen bis unter die Arme einsinken; dabei ist der Strom stark, und der Versuch mit Hilfe eines von Ufer zu Ufer gespannten Rottantaues durchzuwaten, wird bald wieder aufgegeben. Aber der Uebergang- über den Finss muss docli möglichst bald stattfinden, denn das Gebirgs-land, welches sicli in kurzer Entfernung im Süden und (lussaut'warts zèigt, beziebt sieli bereits mit Wolken, und wenn ein Banjir (Wasserflutb) herankommt, so lasst siob gar uiclit absehen, wie lange wir etwa noch aufgehalten werden können. Qliicklicherweise gelingt es, etwas weiter aufwarts an einer starken Biegung des Stromes eine Furt zu finden. Auf dem Wege dorthin sah icb am Mala eine ausgedehnte, üppige Sawa, die einzige Reisptianzung, welche mir überhaupt auf Buru begegnet ist.

Um 9 U. 37 M. ist der Uebergang bewerkstelligt, und wiederum gebt es am jenseitigen Ufer in südwestlieher Riehtung über alluviale Ablagerungen, welche theils mit holiem Gras und Bambus tlieils mit Anpflanzungeu bedeckt sind. Darin fliesst der Mesawaki. , d. b. Flachwasser (ynem = Fliiche), welcber sich nach II' dem Mala zuwendet, nachdem sich sein Laut' weiter abwarts noch zunachst in zwei Arme zertheilt liat. Einen derselben kreuzen wir; dann nabert sich der Weg einem im Westen etwa 200 m. über das Tbal hervorragenden Rücken, zugleich tritt ein Wald mit Sumpfboden auf, und kurz hernach passiren wir einen anderen Nebenfluss des Mala, genannt Wak Dula. Wahrend wir an seinem Ufer entlang wandern, erreicht die erwahnte Anhöbe den Fluss, und alsbald umgehen wir ver-schiedene ihrer aus Kalksteinfelsen gebildeten Auslaufer; endlich folgt der Anstieg auf den erwilhnten Bergrücken selbst.

Am steilen, kalden Ilange liegen grosse Mengen von Sohotter, und zahlreiche, zerfressene Klippen, welche in ihrem Aussern durcbaus an gehobene Korallenbil-dungen erinnern, indessen keineswegs als solche zu deuten sind, stehen aus dem Boden hervor. Aber der Kalkstein, dieser Freund des Geologen, wird auch hier wieder vergebens nach Versteinerungen durchsucht; die vielversprechende Schutthalde liefert trotz angestrengten Nachspürens keinerlei Ausbeute. Desto lohnender ist der Ausblick von der Höhe des Gipfels, denn A' 40°O ist deutlich der Abschnitt des Mala zu sehen, welchen wir vor kaum 2 Stunden durchwateten; darüber hinaus schweift das Auge zu der dichtbewaldeten, flachgipfeligen Wasserscheide zwischen Süd und Nord; ringsherum liegen in nachster Niihe grasbewachsene Kalkstein-berge, aus denen die Erosion viele, kleine, mndliche oder elliptische iïöhen herausgeschnitten hat, die sich aus der Feme wie Reihen engverbundener Maul-wurfshügel ausnehmen; hie und da ragen machtige, graue Klippen aus der Vege-tationsdecke hervor. Warm ist's zwar im Kusukusu, und die Leute werden fast unwillig darüber, dass sie hier in der brennenden Uitze einige Zeit warten müs-

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sen, bis ich selbst mit meinen Aufzeichnmigeu fertig bin; aber was bedeutet Sonnengluth gegen die Duukelheit des TJrwaldes und gegen den überallhiu durcli die Vegetation gehemmten Blick! W'er tagelang in dichtbewaclisenen Gegenden reist, fühlt sich allmahlig gedrückt, fast einem gefangenen Vogel gleich; bier auf den Höhen aber ist Freiheit ringsum, und die lirusi weitet si(-b beim Anschauen von Lull und Sonne!

Es war das in der That nicht nur eine augenblickliche Aufwallung, denn von nun ab gestaltete sich die Reise durch Buru angenehm und nicht sonderlich mühsam, da sie mit geringen Ausnahmen durch offene Gegenden fuhrte, in denen die schlimmsten Hindernisse, die gefallenen Baunie, fehlen. Nirgends sind auch die Wasserlaufe, über welche der Weg hingeht, in dem bis zur Südküste rei-cbeuden Kalksteingebirge ') so scharf und tief eiugesclinitten wie in dem nördlich von Wakollo gelegenen, archaeischen Gebiete.

Weit und durchfluthet vom Sonnenschein liegt die Landschal't vor uns ausge-breitet, weil der unfruchtbare Boden ausser Gras nur noch hie und da Farnenge-strüpp, kleine Striiucher oder einzelne, unbedeutende Baumchen triigt, die noch obendrein vielfach durch Feuer angegriffen und verdorrt sind. Nur die Höhen der Berge, an denen über dunklem Schattengrün die Wolken hangen, sowie die Fluss-lilufe und Wasserrisse, welche sich, sattgefarbt, Schniiren gleich an den Hiingeu herunter und durch die Ebene h in winden, sind jnit dein vollen Schmucke der tropischen Vegetation bekleidet, so dass man auch hier wieder an manchen Stellen an den Hochwald und die Wasserlaufe des krystallinischen Schiefergebirges erin-nert wird. Brausend und schiiumend ziehen Btiche und Ströme thalwarts; vielfach folgt Strudel auf Strudel; dort aber, wo das Wasser eine Weile im eiligen Laufe innehalt, spiegeln sich in ilim Bambus und Rottanpalmen nebst mannigfach be-hangenen, machtigen Waldbiiumen. So bietet denn die ganze Gegend einen merk-würdigen Kontrast zwischen ihren offenen, grasbedeckten Theilen, in denen die zinkenreichen Kalksteinblöcke Termitenbauten gleich aus dem Kusukusu aufragen, und den üppig bewachsenen Thaleinschnitten, denen das lliessende Wasser die \\runder des Pflanzenreichs erweckte. Dort eine Gegend, welche an ein heimisches Mittelgebirge erinnert — denn die grasbedeckten Flacheu ersetzen die kultivirten Felder, welche man in Europa zu sehen gewohnt ist, und der Vordergrund er-scheint beim Mangel besonders eigenthümlicher Pfianzenformen kaum fremdartig, wiihrend nur das völlige Fehlen von Blumen in ibm auffallt — hier dagegen ein echtes Bild der Tropen, mit all seiner Ueppigkeit und grilligen Pracht.

1) J)io Kalkstoino dioser Gogond zoigon orhebliche, potrographischo Veuschicdcnhcilon, und os soli vorUlufig kcincswogs behauptet werden, dass sio alle gleichaltrig seien. Die niikvoskopischc Untersuehung wird hoffentlich oiniges Licht über das Alter dioser Bildungen vorbroiten.

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Lustig flattert die Fahne im Winde, welcher die Hitze in den Qrasfeldern der Jlölieu einigermaassen lindert, und rascli geht es unter Trommelschlag vorwarts, wenn es nichts nielir zu klopten oder aufzuzeichnen giebt. Leider kennen aber die Lente nielit eiuen einzigen Namen für die zalilreichen Qipfel, welclie beiderseits vom Wege siclitbar werden und durcli ihr stets wecliselndes Profil den Genuss des Keisens so sehr erhöhen; sie lieissen allesammt einfacli gunung, Dass es nicht an Bodenwellen in dem Kalksteingebiete fehlt, ist selbstredend, doch sind daselhst nur selten steile Ililnge zu überwinden.

Fast 3 Stun den lang gingen wir zunachst über schotterreichen Boden, ohne einem Bache oder auch nur einein unbedeutenden Wasserrisse zu hegegnen, wahrend sich in einigem Abstande von uns beiderseits eng aneinander gereihte Höhen hin-zogen, die den Weg 50—100 m. überragten; dann gelangten wir an den Waë Unit, dessen Wasser dem Tim und darauf dem Mala zntliesst. Der genannte Bach ist hier 6 Schritte breit, und in seiner sumpfigen Umgebung haben Alfuren von HawaSSI Sagupflanzungen angelegt. Diese Leute gehören zu dem gleiehnamigen Orte an der Kuste; ihre zerstreuten Wohnplatze, welche nirgends zu einem Dörfchen ver-einigt sind, werden aber, zur Unterscheidung von dem Hawassi Pante am Meere, unter dem Namen Hawassi Gunung zusammengefasst.

Hier am Unit wurde in 461 m. Meereshöhe die Station errichtet. In der Nacht erwachte ioh durch das Schwanken meiner Hangematte, da mehrere Erd-bebenwellen in der Eichtung von Ost nacli West unter uns hinzogen, ohne dass aber ein unterirdischer Donner dabei wahrgenommen wurde.

Am lsten Juni wandern wir im thaufrischen Morgen jenseits des Unit über ein flachwelliges Terrain weiter. Der Boden ist hier streckenweise mit feinem, weissem Kieselgrus bestreut, welcher wie hart gefrorener Schnee unter den Füssen knirscht; darauf wuchern Plechten und niedriges Gestrüpp, abwechselnd auch lichter Wald oder Kusukusu. lm Walde passiren wir einige Zuflüsse des Unit, zunachst den Waë Fdka, dann den Mokotwaël , beides unbedeutende Bache von etwa 2 Schritt Breite. Kurz darauf limiet sicli ein Alfuren-Grab am Wege, und die um-herliegenden Broeken des f'risch aufgeworfenen Bodens bestehen aus Kalktutl' mit zierlichen Blattabdrücken.

Das Grab (Taf. 31, Fig. 8) ist mit einer einfachen Schicht von dünnen Baum-stammen, welche der Lange nach neben einander liegen, bedeckt, und darüber steht ein niedriges Atappdach, welches an den Querseiten durch je drei Stöcke getragen wird. üeber die Flur am Boden ist ferner ein Sarong ausgebreitet, auf den Pinangnüsse gestrent sind, ausserdem liegen auf ilim noch Reis- und Papeda-Löffel sowie eine Scliale von Oocos. Die Küchengerathe deuten an, dass hier

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eine Prau ruht. Die aus Hol/, gefertigten, etwa 35 cm. langen Löfl'el sind beide gostielt, so dass der Eeislöffel (S'1) einem europaeischen Geratlie iilmelt; derjenige für Papeda(8a) besitzt unten zwei Schenkel, welche dem knöcliernen Löfl'el der Alfuren von Wairnma in Wahaï entspreclien '), und sieht somit fast wie eiue Gabel aus. Kein Stein belindet sich auf dem Grabe, wiibrend dies nacli dem weiter oben Mitgetheilten in Wakollo wohl der Fall ist; doch ist in einer soldi en Ab-weichung niclits AufTalliges gelegen, da bei den Alfuren der versobiedenen Landschaften Bum's so wenig wie bei denen Serans überall eiubeitliche Sitten herrsclien.

Andertlialb Stunden nach dem Aufbruche A'on der gestrigen Station befanden wir una abermals am Unit, welcher nun niit starkem Gefalle nacli Südeu iliesst, und dessen Bett ganz und gar aus einem in unregelmassigen Knollen abgesetzten Kalktufi'e besteht. Ueber kurze Stufen desselben Gesteins geld es im Walde ab-warts; dann betreten wir das Bett eines Wasserlaufes, welclier sich bereits weiter oberhalb vom Unit abgezweigt hat, aber nur in regnerischen Zeiten Iliesst; deutlich sieiit man in ilim, wie die Vegetation den Anlass zur Bildung der Knollen von Tuff gegeben hat, und wie vor allem auch Wurzeln die Entstehung der Stufen begunstigen. Bald verschwindet aber das Wasser allseitig in den Wald, oline noch einem irgendwie gekennzeiclmeten Bette zu folgen, so dass sich die Quellabsatze hier über weite Flachen vertheilen müssen, hernach sammelt es sich abermals und rinnt in den Tihi, gleich dem ersterwahuteu, niemals austrocknenden Arme des Unit, welcher weiter unterbalb in jenen Fluss einmündot.

Der Waë Tira, welcher ohne Mühe durchwatet wird, ist an diesem Punkte 20 Schritte breit und gleich dem Unit Aron Kalktuff erfüllt , welcher noch eine ganze Strecke flussahwarts anlialt und den Anlass zur Entstehung hübscher Falie von |—1| m. Ilöhe giebt. Meist liegen ihnen Barrièren zu Grimde, welche an der ahwarts gekehrten Seite flach zugerundet sind, so dass das Wasser in breiter, zusammenhangender Masse darüber hingleitet, bisweilen indessen auch rundliche Klippen von Tuff, und vielleicht sind im ersteren Falie Baumstamme, im letzteren abgestürzte Blöcke die Ursache der Stufenbilduug im Flusshette. Denn die Kalk-steinhöheu treten wieder nahe an den stark gekrümmten Lauf hinan, so dass ihre vorstehenden Qrate stellenweise uur mit Hilfe kleiner Brücken passirt werden können, wahrend wir am jenseitigen, rechten Ufer unseren AN'eg fortsetzen. Dabei befinden wir uns bald in unmittelharer Niihe des Tihi bald wieder in einiger Ent-fernung von ihm in einem üppigen, an Bambus reichen Walde, und die Scenerie ist in dieser Gegend ebenso mannigfaltig wie sohön, vor allem hart am Ufer des Flnsses. Da bilden pittoreske Klippen und losgelöste Felsmassen durch iliro graue

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Sieh oben, pag. 236.

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Farbung einen pracbtigen Gegensatz zn dem dunklen, weiss aufachaumenden Wasser, in dem melirtacli kleine Insein liegen, gleieh dielit mit Grün bestanden wie das Land ringsum; dazu die kleinen FiiHe und die aus ibnen hervorstehenden, rund-lioben Tuflgebilde mit graubrauner Oberfliicbe, endlich die starken Krümmungen des Bettes, welclie den Bliek auf die nacbste Umgebung bescbranken, so dass die mannigfaltigen l'iianzenformen im Hintergrunde überall deutlicb bervortreten — das alles vereinigt sicb bier, um Bilder von bober landscbaftlicber Scbönheit zu gestalten, Kastlos eilt das Wasser weiter, und wiegt die Bambusbalme am Ufer bin und ber, und lasst die auf' seinen Spiegel berniederhangenden Lianen ruck-weise erzittern, als ob viele, unsiebtbare Hiinde in seinem Bette ein Kinderspiel trieben, ein Spiel nur des Spieles wegen, gleicbwie die Natur bier nur ibrer selbst wegen gescbmückt ist; denn Niemand bewundert ibre Scbönheit.

Leider verliessen wir den Finss scbon bald wieder, und als wir ibn nach einem Marscbe ydh einer reicblicben Stunde abermals erreiebten, um ibn zu über-scbreiten (11 U. 50 M.), waren die Tuffe versebwunden. Bis dabin batte der Weg dureb eine offene (legend mit Kusnkusu und wenig Kajuputi gefübrt, wiib-rend das Rauschen des Tibi oftmals aus der Ferne lier zur Linken vernebmbar war. Gleich jenseits ist die Vegetation ebenso eintönig, aber die Fernsicbten sind scbön, wabrend der Boden bin und wieder sumpfig wird; dann gelangen wir um 12 U. 28 M. an den Waë Dika, einen hier 15 Schritte breiten, anderen Nebenfluss des Mala. Sein stark gescblangeltes Bett ist bald passirt, und der Wald, welcber den Fluss, wie jeden Wasserlauf von einiger Breite umgiebt, ist nicht sonderlich ausgedehnt, so dass die offene Gegeild scbon gleich darauf wieder beginnt, Der Boden wird nun last 11 ach und ist reich an Sümpfen; mehrere Nebenbache des Dina, die wir nach einander überschreiten, schlangeln sicb hindurch; zuerst folgt der Man-jangan-Taï (= ïïirschdreck), dann der Konpokotpün (= Fledermausbaum), darauf der Gampun und endlich der Itei'attan , aber keiner von ibnen bat eine grosse Bedeutung. Genau um 2 Uhr trafen wir an einem 323 m. hoch gelegenen, Folpitu genannten Orte ein, woselbst übrigens keine Wohnungen stehen; nur waren hier derzeit durch die Fürsorge des Postbalters von Tifu fur mich und meine Begleiter eiuige llütten aulgesehlagen, welche in festlichem Flaggenschmucke prangten.

Es batte der landesübliche Empiang mit Trommeln [Ufa, hier tuba genannt) und Gesang statt, denn es belanden sicb in JPolpitu der Kapalasoa von Hawassi Gunung, genannt 8elon Biloro, sowie derjenige von Waëkibu Gunung, genannt Lam or i Titawacl, von letzterwahntem Orte auch der sogenannte perioies, ein Adjunkt-Kapalasoa (Assistent und bei vorkommenden Gelegenheiten Vertreter des Kapalasoa). Vier abschreckend hassliche Frauen dieser Würdentriiger (itjoras) waren ebenfalls zugegen und machten sogleich mit den Siridosen ihre Aufwartung,

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docli erlaubte ich mir diesmal, den Dolmetsclier statt meiner essen zvi lassen, nachdem ich die Frauen beschenkt halte, und man nalim das nicht weiler übel. Die Manner zitlerten am ganzen Leibe, als icli ilinen die Hand reichte, obwohl sie doch bisweilen znm Orangkaja von Tifu kommen und dort vermnthlich auch schon einen Wcissen in der Person des Missionars gesehen batten. Was mag es sie gekostet haben, mich mit lautem Hurrahgeschrei bei der Ankunft zu be-griissen!

Beim Inafuka sangen nur zwei Frauen, welche anfangs unter einem Sarong hoekten; ebenso geschah es auch spater beim Empfange in Kawiri, an der Süd-küste, und niemals singen in dieser Gegeud mehr als zwei Frauen zugleich, im öegensatze zu der Nordküste und zu Fogg'i, woselbst ilire Zalil nicht so bescbriinkt ist. Abends wurde unter Begleitung von 2 Gongs und 3 Trommeln der Tatal)uaii gespielt, und die Leute tanzten dazu, anfangs nur die Manner, hernach auch die Frauen. Letztere stehen dabei zu zweien auf einer kleinen Matte, wahrend die Manner sie allseitig umwerben und die bereits beschriebenen Bewegungen ausfüh-ren; sie ziehen sicb für besonders festlicbe öelegenheiten zwei Jacken über einander an, tragen noch ausserdem einen zusammengefalteten Sarong über der Schulter ') und ein schmutziges Taschentuch in der Hand, so dass vermuthlich ihre ganze Toilette dem bewundernden Auge der ümgebung preisgegeben wird. Die Musik war nicht gerade klangvoll, aber icb vermochte keinen Unterschied von derjenigen wahrzunehmen, welche icli an der Nordküste gehort hatte. Der Tatabuan bestand nur aus sechs Becken, welche in einem Eahmen von Gabha-gabba so aufgehangen waren, dass je zwei auf einem Paar Eottanstreifen rubten.

Die Kleidung der Leute ist im wesentlichen die gleiche wie in Wakollo und an der Nordküste; nur die Kapalasoa's machen hierin eine Ausnahme, denn sie Bchlingen ihr Tuch ebenso um den Kopf wie die gemeinen Leute und tragen auch nicht den langen Koek ilirer Amtsgenossen des Nordeus, sondern statt dessen die mehrmals erwahnte, kurze Jacke, welche entweder bunt verziert odcr auch ein-fach schwarz ist. Dass die Hiiuser diesseits des Secs nicht mehr von Baumrinde gebaat werden, kann bei dem Mangel au grossen Waldern nicht befremden; sonst fand ich aber in ihrer Binrichtung keine Abweichungen von dem, was uns bereits über die Wobnungen von Buru bekannt ist.

Vom alten Selon Biloro tauschte ich hier den Stock ein, welcher Taf. 30, Fig. 11 abgebildet ist.

Am 2tei1 Juni traten wir gegeu Uhr morgens unseren letzten Tagemarsch

1) Vgl. obcn unter „Seranquot; die Anmerkuntr zu pag. 170.

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bis nach Kawiiu an, dessen NÉibe ich sclion in Polpitu an den dorthin gesandteu Hühnern und Eiern gespurt liatte, so dass die Eeise mit dem selten gewordonen öelïilile der Silttigung begonnen werden konnte. Der Weg senkt sicli nun rasch südwarts und fiilirt zunachst in engen ïhaleiuschnitten zwischen flaclikegeligen Kalksteinhöhen hin, welche ihn 80—100 m. überragen, und deren Geliange mit zalilreiehen, grossen Blöoken des polyëdrisch zerfallenden Gesteins bedeckt sind. Schon um 8 Uhr befinden wir uns an einem Nebenfiusse des Mala, welcher Waë Dule lieisst, und dessen Breite hier zwischen 10 und 20 Schritten wechselt; er ist gleich dem Tihi von Kalktufi' erfüllt, und sein Bett triigt sammt der ilin umge-benden Vegetation audi im übrigeii den gleichen Oharakter, wie er oben vom letztgenannten Flusse beschrieben wurde.

Aucli jenseits des Dule führt der Weg alsbald wieder abwarts, und nicht lange, so erblicken wir zur Rechten tief unter uns einen bogenförmigen Abschnitt des Mala. An seinem gegenüberliegenden Ufer befindet sich ein Eücken mit flach-welliger Profillinie, welcher etwa 400 m. über das Flussbett emporsteigt und au ihm in hoher, senkrechter, grauer und von vielen vertikalen Schluchten durchrissener Wand endigt, Die Gipfel dieses Höhenzuges sind dicht bewaldet, ebenso diejenigen, welche in einigem Abstande, zur Linken des Weges und im Osten, unseren Stand-punkt um mindestens 300 m. überragen, und sich mit sanft geschwungenen Linien allmiililig nach dem Flussbette iiin verliacheu. Der Hang aelbst, welcher den Strom am linken Uier begrenzt, fiillt unter etwa 15° Neigung ab. Hie und da treten aus dem Walde einzelne Klippen hervor, scharf eingescbnittene Wasserrisse zertheilen auch die flachen Wellen der nachsten Umgebung, und isolirte Blöcke sind überall im örase als Verwitterungsreste zerstreut.

Einer derselben, etwa l|m. lang, gilt den Leuten als heilig, denn er liisst sich mit einiger Phantasie als Bumpf und Kopf eines Schweines deuten, und die Eingeborenen haben diese Aehnlichkeit noch dadurch zu erhöhen gesucht, dass sie einige flache, langliche Steine, welche die Beine darstellen, au das feststehende Kalksteingebilde anlehnten, wahrend sie ausserdem auf die vermeintliche Rücken-iirste eine Eeihe kleiner Steine legten, welche anscheinend die Borsten nach-ahmen sollen. Es geht die Sage, dass das betreffende Thier von Jagern aus Lisela geschossen und an diesem Orle ins Gras gelegt sei, worauf jene sich einen Augenblick entfernten, zurückkehrend tanden sie aber das Schwein in Steiu verwandelt.

Jetzt darf keiner in dieser Gegend jagen, ohne dem heiligen Bilde (welches nach obigem als Eigenthum der Alt'ureu von Lisela und nicht derjenigen von Massarette betrachtet wird) erst Pinang und Siri dargebracht zu liaben, wobei daim aui' einem in der Nahe errichteten Altar Dammerharz geopfert wird. Der Altar

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(Taf. 31, Fig. 7) ist von plattigen, hier anstelienden Kalksteinen aufgebaut, vier-seitig, 2 m. lang, dabei lm. breit und ebenso hocb; au jeder seiner Beken steht obeii eine dreiseitige Steinplatte zinkenartig liervor, und flache Steine sind auch ringsherum an den Fuss des vierseitigen Bans gelegt ; endlich ist von dein gleichen Materiale oben in der Mitte ein kleines, heerdartiges Gestell über dein grossen Unterbau errichtet, um auf ihm das Harz verbrennen zu können.

Die Leute zollen dem Steinbilde eine so grosse Verebrung, dass aucli die an-wesenden Christen furchtsam wurden, als icb Miene machte, ein Handstück von ihm abzusc,blagen, und sagten, sie wollten daim lieber erst fortgehen; so unterliess icb es denn, aus Furcbt, meine Trager zu verlieren. Jeder warf nun einen Steiu neben dom Grötzen auf die Erde, und icb wurde dadureb lebhaft an eine Handlung erinnert, die icb in Venezuela beobaebtete, woselbst die Statte eines Erscblageneu durch einen Steinbaufen gekennzeicbnet ist, den Vbrübergebende allmiiblig in gleicber Weise, erriebteten.

Ueber treppenartige Absiitze des plattigen Kalksteins gebt es nun weiter tbal-wiirts, wobei wir den Mala in einigem Abstande zur Kecbten bebalten; seine mittlere liicbtung ist liier iS'20o O, nacbdem sie weiter oben, beim Altar, iS'70° IV gewesen. Kurz vor 10 Ubr treten wir dann in eine Ebene ein, in welcber der Waë Kapal fliesst, und alsbald gelangen wir an den Punkt, an dem sicb derselbe mit dem Waë Flopfon, einein Nebenllusse des Mala, vereinigt. Nacbdem dies 11)—15 Scbritte breite Gewasser durebwatet ist, trennt uns uur noch ein schmaler, niedriger Kalksteinrücken vom Hauptstrome, den wir gerade um 11 Ubr erreichen Von der Anhöhe aus, welche Mala und Floffon scheidet und beiderseits steil zu den genannten Wasserlaufen abfallt, lasst sicli ersterer auf weite Strecken über-blioken. Sein lichtgraues Wasser, welcbes mit starkein Strome, unter Bildung zabl-reicber Scbuellen und kleiner P'iille, dem Meere zueilt, fliesst hier mit einer mittleren liicbtung von S 5° IF in einem engen Thaleinscbnitte. Es ist durcbscbnittlich 60 Schritte breit; von grobem Schotter gebildete, mit hobem Grase dünn bewacbsene luselchen liegen darin, und ausgedebnte Geröllbanke befinden sicb am Ufer, welcbes beiderseits von flachwelligen, etwa 300 m. über den Mala aufragenden Bergen eingeschlossen wird. Wenn nicht am gegenüberliegenden Hange ein Alfurenbaus stande und aus einer Anpflanzung einige kleine Palmdacber bervorlugten , so könnte man sicb fast nacb Thüringen versetzt füblen.

Das Studium der Profile sowie der zahlreicben Gesebiebe im Flussbette nahm lange Zeit in Ansprucb, und meine Begleitung benutzte diese Gelegenbeit sofort, um von den Alfuren der jenseits gelegenen Ansiedelung so viel wie luöglicb an Früch-ten zu erpressen, die dann noch obendrein von den Anwohnern des Mala selbst durch das stark stromende, tiefe Wasser herbeigescbleppt werden mussten, weil meine Leute

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sioli diea entweder nicht getrauten oder vielleiclit aucli zu triige dazu waren. Erst um 12 TJ. 15 M. wurde die Reise uach Kawiri fortgesetzt, zuniichst über Gerölle im Bette des Mala, dann an seinem linken Ufer über Alluvium und kurz hernach an einer steil und unmittelbar zum Flusse abfallenden Kalksteinhohe hin. Au letzt-geuanntem Punkte wendet sicli der Strom unter scbarfer Biegung nach S 20° //', und jetzt behalt er diese Richtung eine Strecke weit bei, eng eingeschlossen durch die benaclibarten, von ihm durchbroclienen Höben, welche ihn um etwa 150 m. überragen.

Nun stiegen wir wieder in ein Thai liinab, in dem um 1U. 5 M. ein 5 Schritte breiter Zufluss des Mala, der Waë Rbhu, durchwatet wurde, und gleich jenseits abermals auf eine Kalksteinhohe hinan, welche Lavitabong beisst, Machtige Banke des Gesteins sind hier aufgeschlossen, durchsetzt von Klüften, die es in grosse, polyëdrische Blöeke zerfallen lassen. Da letztere stark zerfressen und beim Abstiirzen vielfach durcbeinander geworfeu sind, so war diese 1'artie nicht gerade bequem zu begeheu, und als wir hernach am sleilen Hange wieder zum Bette des Mala binabkletterton, mussten wir zu ausgespanuteu Rottantauen unsere Zuiiucht nehmen. Uebrigens ist diese schwierige Wegstrecke nur kurz und für einen guten Bergsteiger bedeutet sie uichts.

Noch einzelne grosse Kalksteinfelsen steben im Alluvium des Flusses, vor die passirten Höben vorgescboben, mil denen sie früher obne Zweifel zusammenhingen; dann weitet sich das Thai, dessen Boden von Sand und Geröllen, den Ablagerungs-produkten des Mala, erfüllt ist. Wir folgen nocb aufangsin der grasbedeckten Ebene seinem Laut'e, nahe dem linken Ufer, wabrend jenseits des hier lUO Schritte brei-ten Bettes malerische Klippen sichtbar werden. Einer der Gipfel, welche den Strom am rechten Ufer begleiten und ihn um etwa 200 m. überragen, tragi, den-selben kastellartigen Charakter wie die Kalksteinberge an der Nordküste Serans und erinnert ganz auffallend au den Massohi; wenig weiter flussabwarts liegt dann cine Insel in Flusse, dessen Breite hierdurch bis gegen 200 Schritte anwachst; sie ist rnit Gras und niedrigem Gestrtiuch bewachsen und bildet so im rauschenden Wasser einen schonen Ruhepunkt. Der Bliek von hier Hussaufwarts zu dem Höhen-zuge des rechten Flussufers gehort zu den scliönsten, welche ich in den Molukken kennen lernte.

Die Berge weichen alsdann beiderseits weit zurück, und wir verlassen den Strom, anfangs noch in derselben Ebene fortschreitend; hernach wird eine niedrige Kalksteinhohe gekreuzt, abermals folgt Alluvium mit Anpllanzungen, dann ein fürchterlicher Sumpf und gleich dahiuter die Sanddüne, auf welcher Kawiri liegt. Dort langten wir um 3 U. 5 M. au, und beim Betreten des armlichen Durfes erreichte auch schon das Getöse der Brandung unser Ohr und sahen wir die Wel-

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len des Meeres dort schaumend aus Ufer schlagen. Nicht lange naeliher, so hatte icli micli am Strande davon überzeugt, dass das Aneroid alle Fiihrnisse der Reise gut iiberstanden, und mit dein frolien Bewusstsein, ein schwieriges Ziel glücklich erreicht zu liaben, liess ich in dem festlich gefjchmüokten Orte die tiblichen Era-pfangsfeierliclikeiten übor mich ergehen.

7. AN DER SÜDKÜÖTE.

Es galt noch, die Strecke von Kawiri uach Tifu zurückzulegen, woselbst im Ilause des Posthalters Hogendorp einige Tage Rast gehalten und Vorbereitungen zu weiteren Reisen getroffen werden sollten. Ein direkter Weg vom Mittellaufe des Mala nach Tifu, welcben die Riedel'scbe Karte angiebt, besteht überhaupt nicht, doch kann man den letztgenannten Ort in gunstiger Jahreszeit von Kawiri aus leicht mit einem Ruderboote erreichen. Derzeit war dies leider nicht möglich, weil im südlichen Burn die Regenzeit herrschte und die starke Brandnng eine Küstenfahrt dem herrschenden Südostwinde entgegen von vornherein ansschloss.

So machten wir uns denn am lolgenden Tage über Land anf den Weg und betraten bierbei abermals das uns bereits bekannte Kalksteingebirge, welches bis an die Südküste der Insel stösst. Obwohl die Formation in dieser Gegend durch-gangig mehr bewaldet ist als langs des f'rüher zurückgelegten Pfades, so begegnet man doch überall zahlreichen Aufschlüssen, und die Menge der abgestürzten, grossen Blöcke bietet dem raschen Vorwartskommen bisweilen erhebliche Hinder-nisse. Auf dem in südöstlicher Richtung bergan führenden l'fade belanden wir uns i'ast 2 Stunden nach dem Aufbruche von Kawiri in 169 in. Meereshöhe, von wo im Süden der Ocean sichtbar wird; dann ging es zu einem in die Bai von Tifu mündenden Bache abwarts, genannt Nangu Lale, d. h. „viel Rottanquot; (rianyu — Rottan, lale = viel), und abermals einen Gripfel namens Watiiamin Ka kun (Jcakun — Berg) hinan, Sein höchster Punkt, bis wobin wir von Kawiri aus fast Stunden gebraucht batten, liegt 167 m. über dem Meere.

Von dort erblickt man den Eingang zur Tifubai in S lö0 O, den Oipfel dos Sanank '), des Berges der Geister, in lt;S30° W\ er ist etwa 100 m. höher als der-jenige des Watiiamin Kakun. Der Fuss des ersteren begrenzt die Bai von Tifu im Westen am Meere, desgleichen derjenige des Tedoï im Osten, und an ilinen bricht sich die Kraft der heranrollenden Wogen, wahrend dor innere, nach Osten ein-

1) Üobei' sananr vgl. Wilkcn, AlCoeron v. h. eiland Booroo, pag. 29.

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his nach Kawiei au, dessen Nahe ich schon in Polpitu an den dorthin gesandten Iliilmern und Eiern gesj)iirt hatte, so dass die lleiso mit dem selten gewordenen Qefühle der Sattigung begonnen werden konute. Der Weg senkt sich nun rascli südwarts und fülirt zunaohst in engen Thaleinschuitten zwischen flachkegeligen Kalksteinhöhen hin, welclie ihu 80—100 m. überragen, und deren Grebange mit zablreiclien, grossen Blöcken des polyëdrisch zerfallenden Gesteins bedeckt sind. Schon um 8 Ubr befinden vvir nns an einem Nebentiusse des Mala, welcher Waë Dulb beisst, und dessen Breite hier zwischen 10 und 20 Schritten wechselt; er ist gleich dein Tihi von Kalktuff erfiillt, und sein Bett triigt sammt der ilin miige-benden Vegetation aucli im übrigen den gleichen Oharakter, wie er obeu vom letztgenannten Flusse beschrieben wurde.

Aucli jenseits des Dule führt der Weg alsbald wieder abwiirts, und nicht lange, so erblicken wir zur Eechten tief unter uns einen bogenformigen Abscbnitt des Mala. An seinem gegenüberliegenden Ufer befindet sich ein Kücken mit tiacli-welliger Prolilliuie, weieher etwa 400 m. über das Flussbett emporsteigt und an ihm in hoher, senkrecbter, grauer und von vielen vertikalen Schluchten durchrissener Wand endigt. Die Gipfel dieses Höbenzuges sind dicht bewaldet, ebenso diejenigen, welclie in einigein Abstande, zur Linken des Weges und im Osten, unseren Stand-punkt um mindestens 300 m. überragen, und sich mit sanft gescbwnngenen Linien allmalilig nacb dem Flussbette bin verflachen. Der Hang sellist, welcher den Strom am linken lifer begrenzt, fallt unter etwa 15° Keigung ab. Hie und da treten aus dem Walde einzelne Klippen hervor, scbarf' eingeschnittene Wasserrisse zertheilen aucli die flachen Wellen der nacbsten Umgebung, und isolirte Blocke sind überall im Grase als Verwitterungsreste zerstreut.

Einer derselben, etwa IJtn. lang, gilt den Leuten als heilig, denn er lasst sich mit einiger Phantasie als Eumpf und Kopf eines Schweines deuten, und die Eingeborenen haben diese Aebnlichkeit noch dadurch zu erhöhen gesncht, dass sie einige tlaclie, langliche Steine, welclie die Beine darstellen, an das feststehende Kalksteingebilde anlehnten, wahrend sie ausserdem auf die vermeintliche Eiicken-firste eine Reihe kleiner Steine legteii, welclie anscheinend die Borsten nacb-abmen sollen. Es geht die Sage, dass das betreffende Thier von Jagern aus Lisela geschossen und an diesem Ürte ins Gras gelegt sei, woranf jene sich einen Augenblick entfernten, zurückkebrend landen sie abei' das Schwein in Stein verwandelt.

Jetzt darf keiner in dieser Gegend jagen, olme dem heiligen Bilde (welches nach obigem als Eigenthum der Alfuren von Lisela und nicht derjenigen von Massarette betrachtet wird) erst Pinang und Siri dargebracht zu haben, wobei dann auf einem in der Nahe errichteten Altar Danimerharz geopfert wird. Der Altar

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(Taf. 31, Fig. 7) ist von plattigen, bier anstelienden Kalksteinen aufgebaut, vier-seitig, 2 m. lang, dabei lm. breit und ebenso liocb; an jeder seiner Ecken stebt oben eine dreiseitige Steinplatte zinkenariig bervor, und flacbe Steine sind aucli ringsherum an den Fuss des vierseiügen Baus gelegt; endlich ist von dam gleicben Materiale oben in der Mitte ein kleines, beerdartiges Gestell über dem grossen Unterbau errichtet, um auf ibm das Harz verbrennen zn köniien.

Die Leute zollen dein Steinbilde eine so grosse Verebrung, dass aueb die an-wesenden Christen furcbtsam wurden, als icb Miene macbte, ein Handstück von ibm abzuschlagen, und sagten, sie wollten dann lieber erst fortgeben; so unterliess icb es denn, aus Furcbt, meine Trager zu verlieren. Jeder wart' nun einen Stein neben dem Götzen auf die Erde, und icb wurde dadurcli lebliaft an eine Handlung erinnert, die icb in Venezuela beobacbtete, woselbst die Statte eines Erscblagenen durch einen Steinbauteu gekennzeicbnet ist, den Vorübergebende allmablig in gleicber Weise. errichteten.

Ueber treppenartige Absatze des plattigen Kalksteins gebt es nun weiter tbal-warts, wobei wir den Mala in einigem Abstande zur Reobten behalten; seine mittlere Riobtung ist bier S 20° O, nacbdem sie weiter oben, beim Altar, 70° /F gewesen. Kurz vor 10 Ubr treten wir dann in eine Ebene ein, in welcher der Waë Kapal fliesst, und alsbald gelangeu wir an den Punkt, an dem sicb derselbe mit dem Waë Flopfon, einem Nebentlnsse des Mala, vereinigt. Nacbdem dies 10—15 Schritte breite Gewasser durcbwatet ist, trennt uns nur noch einscbmaler, niedriger Kalksteinrücken vom Hauptstrome, den wir gerade vim 11 Ubr erreicben Von der Anböbe aus, welcbe Mat,a und FijOFfgn scbeidet und beiderseits steil zu den genannten Wasserlaufen abfiillt, lasst sicli ersterer auf' weite Strecken über-blicken. Sein licbtgraues Wasser, welcbes mit starkem Strome, unter Bildung zabl-reicber Scbnellen und kleiner Falie, dem Meere zueilt, fliesst bier mit einer mittleren Riobtung von S 5° /fr in einem engen Tbaleinscbnitte. Es ist dui'cbsobnittliob 60 Schritte breit; von grobem Schotter gebildete, mit hohem Grase dünn bewacbsene Inselchen liegen darin, und ausgedehnte Geröllbanke befinden sich am Ufer, welches beiderseits von flachwelligen, etwa 300 m. über den Mala aufragenden Bergen eingescblossen wird. Wenn nicht am gegeniiberliegenden Hange ein Alfurenbaus stande und aus einer Anpflanzung einige kleine 1'almdacber liervorlugten, so konnte man sich fast nach Thüringen versetzt fühlen.

Das Studium der 1'i'oiile sowie der zablreicben Gescbiebe im Flussbette nahm lange Zeit in Ansprucb, und meine Begleitung benutzte diese Gelegenheit sofort, um von den Alfuren der jenseits gelegenen Ansiedelung so viol wie möglich an Frücb-ten zu erpressen, die dann noch obendrein von den Anwobnern des Mala selbst durch das stark stromende, tiefe Wasser herbeigeschleppt werden mussten, weil meine Leute

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sich dies entweder nicht getrauteu oder vielleicht aucli zu triige dazu waren. Erst um 12 U. 15 M. wurde die Reise nacli Kawiri fortgesetzt, zunachst über Gerölle im Bette des Mala, dann an seinem linken Ufer über Alluvium und kurz hernach an einer steil und unmittelbar zum Flusse abfallenden Kalksteinliöhe hin. An letzt-genanntem Punkte wendet sich der Strom unter scharfer liiegung nacli S 20° If, und jetzt behalt er diese Eichtung eine Strecke weit bei, eng eingesclilossen durch die benacbbarten, von ilmi durcbbroclienen Höben, welche ihn um etwa 150 m. überragen.

Nun siiegen wir wieder in ein Tlial liinab, in dem um 1 U, 5 M. ein 5 Scbritte breiter Zulluss des Mala, der WaI: Ebhu, durcbwatet wurde, und gleicb jenseits abermals auf eine Kalksteinliöhe binan, welclie Lapitabonö helset. Machtige Banke des Gesteins sind hier aufgeschlossen, durehsetzt von Klüften, die es in grosse, polyëdrische Blöcke zerfallen lassen. Da letztere stark zerfressen und beim Abstürzen vielfach durcheinander geworfen sind, so war diese 1'arüe nicht gerade bequeru zu begehen, und als wir hernach am steilen Hange wieder zum Bette des Mala binabkletterten, mussten wir zu ausgespannten Rottantauen unsere Zulluclit nehmen. üebrigens ist diese schwierige Wegstrecke nur kurz und für einen guten Bergsteiger bedeutet sie niohts.

Nocli einzelne grosse Kalksteinfelsen stehen im Alluvium des Flusses, vor die passirten Höben vorgescboben, mit denen sie früher oline Zweifel zusammenhingen; dann weitet sich das Thai, dessen Boden von Sand und Gerüllon, den Ablagefungs-produkten des Mala, erfüllt ist. Wir folgen noch anfangs in der grasbedeckten Ebene seinem Laufe, nahe dem linken Ufer, wahrend jenseits des hier 1U0 Scbritte brei-ten Bettes malerische Klippen sichtbar werden. Einer der Gipfel, welche den Strom am rechten Ufer begleiten und ihn um etwa 200 m. überragen, tragt den-selben kastellartigen Oharakter wie die Kalksteinberge an der Nordküste Scrans und erinnert ganz auffallend an den Massohi; wenig weiter flussabwarts liegt dann eine Insel in Flusse, dessen Breite hierdurch bis gegen 200 Scbritte anwachst; sie ist mit Gras und niedrigem Gestrauch bewachsen und bildet so im rauschenden Wasser einen schonen Ruhepuukt. Der IJlick von liier liussaufwiirts zu dem llöhen-zuge des rechten Flussufers gehört zu den schönsten, welclie ich in den Molukken kannen lernte.

Die Berge weichen alsdann beiderseits weit zurück, und wir verlassen den Strom, anfangs noch in derselben Ebene fortschreitend; hernach wird eine niedrige Kalksteinliöhe gekreuzt, abermals folgt Alluvium mit Anpflanzungen, dann ein iürchterlicher Sumpf und gleich dahinter die Sanddüne, auf welcher Kawiri liegt. Dort langten wir um 3 U. 5 M. an, und beim Betreten des armlichen Dorfes erreiclite auch schon das Getöse der Brandling unser Ohr und sahen wir die Wel-

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len des Meeres dort schaumend ans TJfer schlagen. Nicht lange nachher, so hatte ich micli am Strande davon überzeugt, dass das Aneroid alle Fahrnisse der Reise gut überstanden, und mit dein frohen Bewusstsein, ein schwieriges Ziel glücklich erreicht zu haben, liess ich in dem festlich geschmückten Orte die üblichen Em-pfangsfeierlichkeiten iiber mich ergehen.

7. AN DER SÜDKÜSTE.

Es galt noch, die Strecke von Kawiri nacli Tifu zurückzulegen, woselbst im Hause des Posthalters Hogendorp einige Tage Rast gehalten und Vorbereitungen zu weiteren Reisen getroffen werden sollten. Ein direkter Weg vom Mittellaufe des Mala nach Tifu, welchen die Riedel'ache Karte angiebt, besteht überhaupt nicht, doch kann man den letztgenannten Ort in gunstiger Jahreszeit von Kawiri aus leicht mit einem Ruderboote erreichen. Derzeit war dies leider nicht moglich, weil im südlichen Buru die Regen/,eit herrschte und die atarke Brandung eine Küsteufalirt dem herrschenden Südostwinde entgegen von vornherein ausschloss.

So machten wir una deun am folgenden Tage über Land auf den Weg und betraten hierbei abermals das uns l)ereits bekannie Kalksteingebirge, welches bis an die Büdküste der Insel stösst. Obwohl die Formation in dieser Gegend durch-güngig mehr bewaldet ist als liings des früher zurückgelegten Pfades, so begegnet man doch überall zahlreichen Aufschlüssen, und die Menge der abgestürzten, grossen Blöcke bietet dem raschen Vorwürtskommeu bisweilen erhebliche Hinder-nisse. Auf dem in südöstlieher Richtung bergan führenden Pfade befanden wir uns fast 2 Stunden nach dem Aufbruche von Kawiri in 169 m. Meereshöhe, von wo im Süden der Ocean sichtbar wird; dann ging es zu einem in die Bai von Tifu mündenden Bache abwarts, genannt Nanüu Lale, d. h. „viel Rottanquot; (nawju — Rottan, lale — viel), und abermals einen Gipfel namens Wathamin Kakün (kahun — Berg) hinan. Sein höchster Punkt, bis wohin wir von Kawiri aus fast Stunden gebraucht batten, liegt 167 m. über dem Meere.

Von dort erblickt man den Eingang zur Tifubai in S 15° O, den Gipfel des Sanane '), des Berges der Geister, in S 30° JF; er ist etwa 100 m. höber als der-jenige des Wathamin Kakun. Der Fuss des ersteren begrenzt die Bai von Tifu im Westen am Meere, desgleichen derjenige des Tedoï im Oaten, und an ihnen bricht sich die Kraft der heranrolleuden Wogen, wahrend der iunere, nach Osten ein-

1) Üebor sanane vgl. Wiiken, Altoeren v. h. eiland Boeroe, pag. 29.

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springende Tlieil der Bucht spiegelglatt daliegt. Es ist ein merkwürdiger Qegensatz , ■wenn man vom Wathamin aus den ()(^ean und die Bai zngleich übersielit: jener, im Augenblicke staklbiau gefarbt, gleich dem regenschwangeren Himmel überihm, scheint mit Gewalt die Kulie des blaugrüuen Wassers da drinnen storen zu wollen; aber die Wellen, welche er unaufhaltsam zum Angi'ifTe vorscbickt, zersehellen ili re weissen Köpfe mack tics an dem Bollwerke, das von den granen, klippigen Sockeln des Küstengebirges gebildet wird.

Jetzt kommt ault;!b Tifu am östliehen üfer der Bai zu Gresicht, woselbst es am steil abfallenden Hange auf einer schmalen Terrasse 10 m. über dem Meere gelegen ist, wahrend darüber liinaus zahlreiche kleine, vielfacli dreiseitig erscliei-nende und diclit bewaldete Gripfel, Avelche sicli auf gemeinschaftlicher, breiter Basis erlieben, sichtbar siud. Links dagegen, am nördlichen üfer und im Innern der Bucht, stiirzt der Euan (—Eels) in koker, senkreckter, grauer Wand zum Wasser ab; in der Binnenbai liegt nock eine kleine, zum Theil bewachsene Klippe, im übrigen umsaumt fast überall das schone Grim der Mangrove ikre üfer. Damit audi die Stallage nicht lelde, welche man in kuiturentmckten Landern oftmals so sekr vermisst, fahren eine Sarua und eine Prau, die letztere mit Tifa- und Gong-schlagern besetzt und beide mit den jungen Eiedern der Cocospalme behangen, auf dem Wasser nrnher; andere Böte, für den Transport meiner Begleitung und der Bagage bestimmt, liegen au dem mit zaklreiclien Kalksteinblöcken bestreuten Ufer. Die hohe, Jenseits zum Orte hinaufführende Treppe prangt abermals in einem reichen, grünen Eestscbmucke, welcher aucli von der Terrasse des Dorfes herüber-leuchtet und einen schonen Kontrast zu dem dunklen, bewaldeten Hintergrunde bildet.

Der Abstieg vom Watkamin zur Bai katte uur l Stunde erfordert, da der Weg rasch und steil am Gehange hinunterfükrt, und die ganze Strecke von Kawiri kis hierher lasst sicli für jemanden, der sich unterwegs nicht aufzubalten braucht, in zwei Stunden zurücklegen; nach dem gegenüberliegenden üfer von Tifu muss man aber alsdann noch mit einem Boote hinüberrudern. Kurz nach 11 Uhr morgens langten wir am 3l011 Juni daselbst an.

Seit dem 19t(Jn Mai batten wir Tag und Nacht in den Kleidern gesteckt, nur kin und wieder das Unterzeug wechseln und kauin den Körper gründlick reinigen können; die Kleidung war nur einmal in Wakollo nothdürftig gewaschen worden, die Enuikrung durciigiingig ungenügend gewesen, wahrend an körperlicher und geistiger Arbeit von mir das Höchste gefordert wurde. Alledem war nun mit einem einzigen Schlage ein Ziel gesetzt: Ein Bad und ein Bett, reine Wiiscbe und Euhe, gute Nahrung und vor allen Dingen auch eine anregende ünterhaltung im llause des gebildeten Missionars von Tifu, des Herni 11. Hendriks — der Tlm-schlag war so gross, dass ich micb kaum hineinfinden konnte.

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Der Ort Tifu tragt seinen Namen vermuthlich deswegen, weil er etwa in der Mitte des zu Massarette gehörigen Küstenstrichs gelegen ist, denn tifu bedeutet „Mittequot;. Er besteht erst seit dem Jahre '82 und zalilte zur Zeit meiner Anwesen-lieit ausser der Wohnung des Missionars und der Kirche ungefiihr 30 Hiiuser, von denen aber nur 20 auf' der erwahnten, unteren Terrasse lagen, da fur melirere kein Ilaum ist; die übrigen Wohnungen befanden sicb aut' einem liöher gelegenen Vorsprunge desselben öehanges im Osten der Bai, woselbst man sie auf dem Wege nacb Mefa passirt. Graue Klippen stelien überall am Strande und vielfacb aurh in den von lebenden Hecken eingefassten Wegen des Dorfes aus dem Boden her-vor, und ringsherum fallen die dreiseitig zerschnittenen Höben unmittelbar zum Wasser ab; den Ocean erblickt man aber von Tifu aus nirgends, und in dem vor Winden völlig geschiitzten Thalkessel liegt das Wasser so rubig geljettet, dass man durchaus den Eindruck erlüilt, als belande man sicb an einem Binnensee. Oftmals kam es mir vor, als sei icb in das Harzgebirge versetzt.

Siebt man von den Wohnungen des Missionars und des Postbalters, welche selbstredend dem ambonschen Stile folgen, ab, so tragen alle übrigen den Cha-rakter der iirmlicheren Iliiuser von Kajeli, und ebeuso ist es in den ürten Mefa und Waëultjnö, vvelcbe weiter südÖstlich, an der Bai von Mefa. gelegen sind, sowie in Kawiri; nur sab icb am letztgenannten Orte nocb die Kixcben nacli al-furischer Sitte auf ITablen gebaut. Die Huma-koïn's fehlen im Gebiete der Mission aus leicht ersicbtlicben Gründen; doch sagle man mir, dass sie an der Süd-küste überhaupt niemals in den Dörfern standen, und dei' Missionar selbst liatte noch keins gesehen. Daim zeigte ich einem bekehrten Altüren die Abbildungen, welche ich von den Huma-koïn's in Waëpote angefertigt, und er erklarte mir so-gleich, dass eine derselben durchaus dem heiligen Hause gleiche, welches bei ihnen gebriiuchlich gewesen und unter dem Namen eines huma pudji (jtudji = Gebet) bekannt sei; es entsprach dem kleinsten der oben von genanntem Orte beschrie-benen Bethauser (Taf. 32, Fig. 5).

Auch der Orangkaja von Okki, derselbe, welcher mich von Wakollo aus zur Südküste geleitete, besitzt in seinen Pflanzungen noch ein Huma-pudji, obwohl er Mohammedaner geworden ist. Darin opfert er einem weissen Krokodile, denn die Leute von Okki glauben, dass sie von solchen Thieren abstammen, und femer, dass sicb unter diesen ein weisses betinde, welches die übrigen beherrsche; opfert man aber letzterem, so thun die übrigen Krokodile dem Menschen nichts zu Lelde. Im Bethause des genannten Regenten befiuden sicb nun zwei Modelle von Prauen, von denen eins uur mit rothem und weissem Tuch umwickelt ist, wsihrend das andere eine aus Gabba-gabba angefertigte Nachbildung des Rep tils enthalt. Ausserdem steht darin eine Art steinernen Altars auf dem unter Tifaschlag Dammerharz ge-

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opfert wird, wobei man daim das Haus, wie gewöhnlidi, mit Gocosfiedem behaugt.

Wie die Bewolmer Okki's vom Krokodil, so leiten diejenigen von Tifu ihren Ursprung vom Kinarbamne [KleAnhovia hospita Ij.) her, dessen bereits in Waëpöte gelegentlich der alfarischen Lieder gedacht wurde. Man sagt, dass sich der Baum in aussergewöhnlich trockeaen Jahren selir leicht oline Zuthun des Menschen durch Reibung seiner Aeste entzünde und viel zur Entstehung der von Zeit zu Zeit auftretenden Waldbrande, welche oft erhebliche Ausdehnung erlangen, heitrage.

Die Leute von Tifu sind jetzt Christen geworden, wenngleich heidnische Sitte und Gewohnheit selbstredend noch überall ber-vorsieht, trotz der preisenswerthen Umsicht, mit welcher die Mission hier geleitet wird; demi letztere bat mit grossen Schwie-rigkeiten zu kampfen. Vor allem der Frauenkauf steht ihr viel-fach im Wege, weil die Müdchen des Brautschatzes wegen von den El tern zu sehr gescbiitzt werden und sie auf diese Weise schwer in die Schule des Predigers zu bringensind; dabei wollen manche Manner nicht von der Polygamie lassen, doch sind auch bereits Ebeu im christlicben Sinne geschlossen worden. Bei alledem werden aber diese bekehrten Alfuren am Strande nicht sesshaft, sie kommen vielmebr in der Regel uur für den Sonnabend und Soimtag nach Tifu, um ünterricht zu erhalten und die Kirche zu besuchen; ist der Qottesdienst beendet, eo eilt alles wieder in die Berge, und ebenso geht es audi in Mefa. Es sind das somit dieselben Zustande wie an der Nordküste Serans, woselbst es auch eine ganze Eeibe von Orten giebt, welche uur nominell als Wohnsitze gelten, wabrend die zugehörige Bevölkernng sich thatsiichlich im Innern aufhalt; einem augenfiilligen ]3eispiele dieser Art werden wir noch ausserdem spiiter auf Buru am Waë Apu begegnen.

Keinen wird es befremden, dass heidnischer Aberglaube in der Gegend von Tifu noch üppige Blüthen treibt, und bereits oben lernten wir bei dem angeblich versteinerten Schweine eine Probe hievon kennen. Das Schwein ist hier an der Südküste früher als Opferthier benutzt, so wie es in Wakollo noch heute geschieht; nach Hendriks wurde der blutende Kopt' des Thieres bei dieser Gelegenheit auf einen Stock gesteckt, und darunter stand ein sehr holier, mit weissen Laken be-hangener Tiscb, welcher vermuthlich Siri und Pinang trug.

Zaubereien, welche dazu dienen sollen, einem anderen zu schaden, spielen ferner eine grosse Holle; man opfert draussen und schickt darauf seinen Teufel {setan) dem Feinde ins llaus. Vielfach benutzt man bei der betreffenden Handlung Gegenstilnde, die entweder von der Person selbst, gegen welche die Beschwörung

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gericbtet ist, abküuftig sind, oder doch init ihr in Berührung kamen, so z. li. etwas Haar oder der Sand, in dem sicli ein Fussabdruck des Verfolgten land, Reste seiner Mahlzeiten n. s. w.

Zu den Gegenstiinden, welche den Schaden anbringen sollen und dem Feinde ins Haus geschafft werden, gehort aucb der auf Tafel 30 in Figur 8 dargestellte ij er Icoïn, d. h. har any pamali {ijer = Qegenstand). Er ist etwa 16 cm. lang und besteht aus einem Bündel, in dem sich der ünterkiefer eines Cuftcm, das Stück einer Alcyonarie, Wurzeln vom Spanischen Pfeffer und einige andere i'flanzentheile befinden. Letztere dienen znm Erregen von Fieborhitze, der Kiefer zum Beissen und die gekrümmten Zweige der Alcyonarie vermuthlicb zum Fassen des zur llacbe Auserkorenen, luid zwar ist dieser Ijer-koïn ein sehr gefiibrliches Zauber-mittel, welches den Tod verursachen soil und einer Frau ins Haus geworfen wurde, die niclit zu ihrem Manne zurückkehren wollte. Als icb ihn in die Wohnung des Posthalters mitnahm, wurde dieser ganz entsetzt hierüber, da er als geborener Saparuanese ebenfalls grosse Furcht vor solchen Dingen batte. So ist es demi aucb ganz erklarlicb, dass andere, noch weniger entwickelte Leute bei ahnlichen An-liissen nicht selten schwere, durch Angst erregte Fieber bekommen, wenn ihnen z. B. ein grüner Zweig über die Schlafstatte gehangen wird, mit der Bestimmung, dass der Betreffende sterben solle, sobald jener verdorrt sei. Spater erfubr icb noch, dass der Gebrauch der soeben beschriebenen Ijer-koïn's aucb am Meere von Wakollo bekannt ist; dort steekt man aber noch ein Stück vom Rückgrat des den See be-wohnenden Aales hinein, damit der Bedrolite aufschwelle. Man benutzt ein derartiges Zaubermittel auch Leuten gegenüber, von denen man annimmt, dass sie falsche Versicberungen gegeben oder Meineide geschworen naben.

Als ein Beweis starken Aberglaubens mag ferner noch dies gelten: Die Leute von Tifu batten von Wakollo aus ein Schvvein mitgenommeu, mit dem Versprecben es bezahlen zu wollen, was dann aber spater der Bequemlicbkeit wegen vergessen wurde. Das Tbier folgte uns frei wie ein Hund überallbin, ohne dass sicb jemand um dasselbe zu bekümmern brauchte, indem es sicb seine IN'ah rung, so gut dies ging, liings des Weges suchte; alle Leute, mit Einschluss des Posthalters von Tifu, waren aber überzeugt, dass dies uur eine Folge von olt;W sei, welches dem Tbiere in Gestalt einer Wurzel eingegeben worden war.

Der Gebrauch des maiakau ist in dieser Gegend ebenfalls bekannt, es wird aber in Massarette kemoaket genannt, und aassi's sah ich mehrfach, unter anderen solche für Cocosnüsse auf dem Wege nach Mefa; es waren Zusammenstelhmgen von Zweigen, wie icb sie bis dahin noch nicht angetroffen , demi alle diese Dinge haben in den verscbiedenen, von mir besuchten Gegenden von Seran und Buru wenig Gemeinsames.

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Als Volks3]iiel ist von der Südkiiste wiedenim dor Tjakalele zu erwiihnen, welcher mil, deni kleinen Schilde mul dem Parang, aber ohne besondere Festklei-dung aufgeführt wurde; der Meuarie wird temer in der bereits iïir Buru geschilder-ten Weise nnter Begleitung der gewölinlicb benutzten Musikinstrumente getanzt. Dass es daneben aucli eine Qeige giebt, ist scbon bei Gelegenboi( des Verbleibs in Wakollo erwahat, und ausserdem lernte icb noeb ein latabuan kawan genanntes Instrument kennen, welches seinen Namen dalier tragt, dass mit ilim der Tatabuan nacbgeabmt wird, walireud es von Bambus {kawan) bergestellt ist. Obvvobl im Archipel sehr verbrei l et, zeigt es doch hier im südlichen Huru in dem gleich zu beschreibenden, zum Halten dienenden l^ortsatze und deu mit Klappen versehenen Schallöchern eine geringe Abweichung von der gebrauchliclien Form (Taf. 29, Fig. 18).

Das tast 1 m. lange Instrument ist im wesentlichen aus dem Internodium eines Bambushalmes sammt den Knoten seiner beiden Enden angefertigt, doch bleibt in Verband hiemit von einem folgeuden Internodium noch ein scbmaler, brettartig-er Fortsatz erhalten. Letzterer dient dazu, das Instrument in aitzender Stellung mit dem linken Fusse auf den Boden zu drücken, wahrend sein anderes Ende über den rechten Fuss hingelegt wird, so dass also der Spieier beide Iliiude frei behiilt. Von dem als Resonanzkasten verwendeten Rohre sind gleichzeitig fünf schmale Streifen abgespalten, welche nun durch zwischengeschobene Holz- und Steinstückchen als Saiten abgehoben, gespannt und gestimmt werden können. Die beiden ilussersten von ihnen tragen eine Holzklappe, ilie jederseits iiber einen kreuzförmigen, als Schalloch dienenden Ausschnitt des Rohres lierabbiingt; auch ist eine kreuzartige Oeffnung in einer der Scheidewiinde angebracht, und zwar an dem beim Spielen rechts befindlichen Ende des Instruments. Anf dieses trommelt man mit der rechten Hand, um so den Klatig der Tifa nacbzuahmen, wahrend mit der Linken die Saiten an-gesi-blagen werden, und die Musik ahnelt in der That auffallend derjenigeu, welche unter Tifabegleitung mit dem metallenen Tatabuan hervorgebracht wird, so dass der Name eines tatabuan kawan für das in Rede stehende Instrument sehr bezeichnend ist; sein Klang ist aber ungemein leise.

Auch den bekannten, geflochtenen Fangball (raga, hier ray an genannt) sah ich au der Südkiiste von Buru, in Kawiri, zum Spielen benutzt; die Leute wussten ibn dort sehr gescbickt mit Hüaden und Füssen zu schlagen. Dagegen habe ich diesen Ball an der Nordküste so weuig bemerkt wie den Tatabuan-kawan, was möglicherweise einer Zutalligkeit zuzuschreiben ist.

Am 5t(in Juni unternahm ich von Tifu aus eine kleinere Reise nach Mf.fa. Der Weg, welcher in südüstlichor Richtung in einigem Abstande von der Küste hinführt, bietet kaum ein anderes als rein geologisches Interesse und liisst sich für

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einen selir rüstigen Fussgangei' ohne Aufentbalt iu 2.] Stunden zurücklegen. Man klimmt das Gebiinge hinan, welclies sich im Osten der Binnenbai Ton Tifu uu-mittelbar binter dem Orte erbebt, und gebt alsdanu auf einem in uubedeuteuden Wellen auf- und absteigeuden, uur bin und wieder etwas sumpfigen lioden durcb Waldungen, bisweilen audi durcb Kusuku.su oder Anpflanzungen; erst in uninil-telbarer Niibe der Bai von Mefa ist nocli ein steiler Alralieg zu überwinden, sonst bietet aber das Terrain nirgends Mübseligkeiten. Halbwegs zwiscben Tifu und Mefa kreuzt der Waë Dea den Pfad, und sein 15 Scliritte breites, in Kalkstein eingeschnittenes Rett muss bocb über dem Spiegel des stark strömenden Wassers auf einem Baumstamme überscbritten werden. Kurz bernacb gelangt man an einen Nebenfluss dieses Qewassers, genannt Waë Eoë; es suil aber ersteres laut mir ge-macbter Aussage das Meer nicht erreicben, sondern etwa ' Wegstunde von dem Punkte, an welcbem wir es überscbritten, im Boden verschwinden. Mefa mebr geniibert tliesst der Waë Foffo, ein unbedeutender Bacb, welcber von links her noch eine Waë Fbfa genannte Wasserader in sich aufnimmt und au der Südküste der Insel ausmündet.

Die Bucht von Mefa dürfte fast ebenso gross sein wie die Binnenbai von Tifu, aber sie ist nach dein Meere hin weit geöffnet und sebr seicht, so dass man in ilir bei Niedrigwasser bequem umherwatet. Die Berge, welclie sie umge-ben, tragen einen ühnlichen Charakter wie diejenigen von Tifu und besteben auch aus derselben Formation; unter ilinon erreicht der Qünuno Mefa, welcber die Bucht im Osten am Meere begrenzt, etwa 300 m. Höhe; der gegenüberliegende Gipfel im Westen, welcber von den Leuten abermals mit demselben Namen belegt wird, ist vielleicht 50 m. niedriger. Im Innern der rundlichen Bai, welches sumpfig und mit dichter Mangrove sowie mit einigen Oasuarinen bestanden ist, mündet ein unbedcutendes Gewasser, genannt Waë Mefa ; am rechten lifer des-selben und liart an demjenigen der Bucht liegt ferner ein elendes, kleines Dorf, Waëulono, und weiter landeinwiirts am linken Ufer des erwahnten Baches der nach ihm genannte Ort Mefa. Blickt man von diesem Dorfe aus, welches uur wenige Meter über dem Meeresspiegel auf Kalksteinfelsen gebaut ist, auf die Berge ringsum, so bemerkt man, dass es in einem Kesselthale gelegen ist, welches sich nur nach der Bai bin öffnet, wahrend sonst die Berge überall nahe an dasselbe berantreten, um mit starker Neigung nach innen abzufallen; die Aehnlichkeit mit der Gegend von Tifu ist alsdanu sehr augeniallig.

Erst seit kurzem wohnte iu Mefa ein Missionar, Ilerr Storm, welcber sammt seiner Gemablin auf der Fahrt von Europa nach Batavia mein Reisegenosse ge-wesen war und nach vielen, durch die Schwierigkeit der Landung auf Burn her-vorgerufenen Enttauschungen, endlich seinen Bestimmungsort erreicht batte. Es

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standen dort zur Zeit meiner Auwesenheit ausser der Kirche noeli 20 Hüuser, einige entl'ernter gelegene Wohnungen eingerechnet, und hierzu geliörten, mit Ein-scliluss von Frauen und Kindern 170 getaufte Personen.

Nachdem i('li bei meinen liebenswürdigen, alten Bekannten einen angenehmen Naclunittag und einen durch Musik verschönten Abend verlebt, trat icli in der Frübe des 6tei1 Juni den Rückweg nach Tifu an, woselbst für die auf den fol-genden Tag f'estgesetzte Weiterreise nacli Foooi noch manches zu erledigen war.

Unö'ern verliess icli Tifu, denn ich hatte daselbst und im benacbbarten Mefa

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nicht uur körperliclie Ruhe und Erholung gefunden, sondern war auch vor allen Dingen durch die Begegnung mit Menschen, welche andere als rein materielle Interessen kannten, geistig erfrischt worden. Bei den Missionareu brachte ich in anregender Unterhaltung manche lehrreiche Stunden zu, und viele der oben mit-getheilten Einzelbeiten über die Bevölkerung von Massarette verdanke ich ihnen, namentlich ïïerrn Hendriks, welclier durch seinen jahrelangen Aufenthalt an der Südküste Bum's bereits einen grossen Schatz von Erfabrungen gesammelt batte. Wer aber die Gegenwart gebildeter Fraueu eine lange Zeit entbehrte, wird leicht ermessen können, daas icli der Gtesellschaft der beiden Gemahlinnen der Missionare in nicht minder dankbarer Erinnerung gedenke! Sie theilen mit ihren Mannern nicht uur das Loos der Verlassenheit, sondern auch die Miihen und Freuden ge-meinsamer Missionsarbeit. Mogen die letzteren in Zukunft überwiegen und gesundes geistiges Leben in dem jetzt noch stumpl'en Volke erweckt werden, S(j wie auch der Gegend von Tifu trotz ihres felsigen Bodens ein üppig grünendes Pflanzen-kleid entsprossen ist.

8. VON TIFU ÜBER SEE NACH WAËPOTE.

Eine Fahrt langs der Südküste von Buru ist in der Eegenzeit mit Hilfe kleiner Bote meistens kaum auszufübren, und namentlich ist die Passage der Aussenbai von Tifu dann vielfach mit Gefahr verblinden; selbst mit dem Dampfer durften wir spiiter, am G,en Juli, es nicht unternehmen, in die Bucht einzufaii-ren, so dass der Kapitan damals genöthigt war, uaver richt eter Sache nach Ambon zurückzukehren. Im Augenblicke blieb aber keine Wahl, und das Wetter war leidlicb gunstig, so dass wir uns mit gutem Muthe einem kleinen, sowohl zum Segeln als zum Rudern eingerichteteu Boole der Galelaresen, einer sogeuaniiton fakaiora, anvertrauten. Die Galelaresen wohnen uümlich, zusammen mit Sulanesen, in ver-

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scliiedenen Kampongs an der Südküste, westlicli von Tifu, und siud als tüclitige Seeleute bekannt.

So fuhren wir denn am 7len Juni um 7 U. 15 M. von Tifu fort uud steuer-ten alsLald mit dem Kopfe in die gewaltige Brandung hinein, als wir aber das offene Meer gewonnen halten und der Kiel nach Westen gewendet werden konnte, war auch die Soliwierigkeit überwunden. Wir ruderten am Fusse des Sanane bin, woselbst die Kalksteinformation in malerischen Klippen ans Meer herantritt; eine steil abfallende, kahle und graue Wand endigt bocb über uns mit dreiseitiger Pro-iillinie, so dass man bis zum Gipfel des lierges emporzublicken glaubt; weiter abwarts lagert sicb an iliren Fuss eine Felsmasse, welcbe aus machtigen, deut-lich über einander geschicliteten Banken aufgebaut ist und nabezu 40 m. hoch über den Seespiegel hervorragt. In ibr stelten die Schichten fast senkrecht, und da sie uach S einfallen, so ist eine bobe, nabezu ebene Gesteinswand dem Oceane zugekebrt, als ob der Sanane, einem wetterfesten, trotzigen Krieger gleich den anprallenden Wogen einen gewaltigen Schild entgegenhielte. ünd doch zeigt die ausgewascbene Ilohlkehle über dem Wasser, dass aucb sein Widerstand langsam und statig vermindern und schliesslich brechen wird; Klüfte, welcbe das Gestein in verschiedeneu Eichtungen durchsetzen und sein Zerfallen in polyödrische Blocke begünstigen, bieten dem Meere beim Zerstörungswerke eine hilfreiche Hand. Wo ferner infolge des Abbruchs liings der Kluftfliicben kleine Absatze an der steil aufstrebendeu Wand geschaffen sind, da bat aucb das Pfianzenreicb bereits Fuss gefasst; es sendet in die Spalten des Gesteins seine Wurzeln hinab, welcbe es zérsetzen und beim Weiterwacbsen die Felsen sprengen, und so arbeitet die Vegetation und das Meer, unterstützt durch die auflösenden Atmospbaerilien uuver-drossen fort, um in langen Zeitniumen mit geringen Mitteln ein macbtiges Gebilde zu zerstüren.

Etwas weiter westlicb sind vom Fusse des Sanane einzelne kleine Klippen als Eilande losgelösl-, und daneben zeigl ein Kap die bekannte, audi an gebo-benen Korallenkalken mebrfach beobachtete Erosionsform, welcbe an das ïïintertbeil eines Schiffes erinnert. Das betreffende Felsgebilde wird deswegen auch wiederum Batu Kai'ai, genannt, und die Eingeborenen bebaupteu, dass es ein gestrandetes Scbifl' sei, von welchem die Insel die auf ibr gepflanzte Kartoffel erbalten babe. Man bemerkt nun yon iF her, dass die erwahnte, steile und kahle Wand des Sanane mit 06° Neigung nach S abfilllt und etwa bis zur halben Höbe des im übrigen ziemlicb Uach gewölbten Gipfels binaufreicht.

Westlicb von ihm verflacbt sicb das Küstengebirge in der Ricbtung nach Kawiri bin, und nun folgen die alluvialen Ablagerungen des Mala, welcbe eine weit seewarts vorspringende Landzunge bilden. Die Mündung des Stromes, der

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wü' uus um 9.1 Ubi' gegenüber befanden, liegt an der Spitze der letzteren uud macht, vom Meere aus gesehen, einen ziemlich unbedeutenden Eindruck, obwohl ihr keine Sandbank vorgelagert ist nnd man das hohe Gras des Flussbettes bereits in nachster Niihe des mit Oasuarinen bestandenen Strandes erblickt.

Nun wurde das Segel geheisst, nud ein kraftiger Üstwind fiihrte uus rasch das liter entlang nach Nordwesten; die See ging hoch, bin und wieder schlug eine Welle iiber den Rand unseres kleinen Fahrzeuges, und die Bemannung hatte alle ïïande voll, denn die Takelage war ausserst primitiv. Das trapezförmige Segel ist zwischen zwei als Gaffel und Giekbaum dienende Stabe ausgespannt, aber keine der beiden Langsseiten ist nooli ntiher rait dem Maste verbanden, und nachdem die obere Stange hoobgeheisst ist, wird die untere einfach mit den Handen in der erforderlichen Stellung festgehalten, wie icb es auch sonst auf meinen Eeisen vielfach gesehen. Das Streichen des Segels ist nur durch allmabliges Aufrollen auf die den Giekbaum vertretende Stange möglich und erfordert bei starkem Wind-drucke die ganze Kraft von zwei bis drei Personen; auch jedes Verstellen ist selbst-redend mit einer selir umstandlichen Operation verbunden, und setzt plotzlich eine schwere 15öe ein, so ist dem Falirzeuge aus diesen Grimden trotz seiner grossen Stabilitat nicht zu trauen. Unter allen Umstanden kommt es darauf an, stets viele Hande zur Verfügung zu liaben, und wir waren deswegen auch wenig erbaut, als uns mittag-s gelegentlich einer kurzen Landung zwei Leute verliessen, und wir nach vergeblichem Warten scliliesslicli genöthigt waren, die Reise obne sie fortzusetzen, Nur mit Mühe war diese Landung im Schutze einer vorspringenden Zunge des Strandes erinöglicht worden, um einige Nahrung einnehmen zu können, was sich auf dem stark bewegten Meere in dem kleinen Boote nicht ausführen liess; übrigens war an eine Untersuchung der Küste gar nicht zu denken und musste unser Augen-merk lediglich au(' möglichst rasches Fortkommen gerichtet sein.

Schnell gleiten die Ulergeliinde an uns vorüber, und meine ganze Thatigkeit wilbrend der Fahrt beschrankt sicli auf das Notiren der Namen von Flüssen, Höhen uud Dürleru, welche wir in nachster Niilie des Strandes passiren nnd deren Lage sich nur in selir rohen Umrissen mit Hilfe der Uhr bestimmen lilsst; denn der Wind weht ziemlich gleichmassig durch, und die Schnelligkeit des Bootes bleibt bis etwa

3 Uhr nacbmittags nahezu unverandert. Zu tlieser Zeit befanden wir uns ein wenig südlich von der Mündung des Waë Bo; dann liess der Wind allmiililig nacli und wurde die See an der Westküste, im Schutze des Eilands, ruhig, bis wir um

4 U. 40 M. sogar wieder zu den Rudern greifen mussten. Ein feiner Regen trat ein, und die Sonne malte einen prachtigen Regenbogen an den trüben Himmel, welcber das landeinwarts befindliche Gebirge mit duftigem Schleier verhüllle; aber der Sonnenball war langst verglüht, als wir vor Fogoi, dem Hauptorte der gleichna-

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iiiigen Landschaft im Westen Bum's, ankamen , woil die liemannung ausserorduutlich lüssig ruderte. Erst mn 6 U. 35 M. lagen wir Yor Anker.

Die Einzelbeobachtungen, welche wiiliretid (lieser Küstenl'alirt gemacht wur-den, sollen an einem anderen Orte mitgetheilt werden; bier moge mir eine kurze Charakteristik des Uferlandes l'latz /inden; Nirgends lt;veten im Nordwesten des Sanane wieder hohe Gipfel nnd Klippen von so grosser Ausdehnung, wie sie unfern von ïifu vorkommen, unmittelbar ans Meer liinan. Wolil folgt jenseits der Ebene des Mala noch wieder ein Küstengebirge von 250—300 m. Ilöhe, doch sendet dasselbe nur einzelne, unbedeutende AuslauCer als Klippen an den Strand, sonst iat es fast überall dicht bewaldet und lagert sich ibm ein sandiger fjferstreifen vor. Wei ter nordwestlich tritt dann ein fiachwelliges, sanft zum Meere abfallendes Ge-birge auf, wiederum mit dichter Vegetation bedeckt nnd unfern der Kilste im Mittel etwa 200 m. hoch, wahrend der sandige Strand an seinem Fusse nur hie und da durch unbedeutende Felsmassen unterbroclien wird und sich zuweilen zn ausgedehnten, alluvialen Ebenen erweitert, in denen zahlreiche Wasseradern fliessen. Erst in der Nabe von Foggi wurde wieder ein bedentenderes Gebirge im Innern der Insel sichtbar, dessen Hohe aber infolge der bedeckten Luft nicht einmal an-nahernd geschatzt werden konnte.

Unendliche Schaaren von Kalongs (vermuthlich Pleropns personalm) flogen bei unserer Anknnft vor Foggi über die Bal bin, der gegenüberliegenden, gleichna-migen Insel zu; denn bekanntlich legen diese grossen „fliegenden Hundequot; mit einbrechender Dunkelheit oft anselinliche Strecken zurück, um zu den Orten zu gelangen, an welchen ihnen saftige Früchte als Futter gebeten werden. Die Er-scheinung wiederholte sicli am l'olgenden Abende zu derselben Zeil nnd erinnerte micb lebhaft an die langen Züge unserer Krahen, welche allabendlich in irgend einem einsamen Gebölze ihre lluheplütze aufsucheu.

Um 7 U. 50 M. glaubten wir avis umnittelbarer Niihe einzelne Kanonenscbüsse zu vernehmen, und so selten anch ein gvösseres Schift in diesen Gewassern fahrt, so wurden doch sogleich Anstalten gemacht, urn ein Boot ins Wasser zu schieben, weil wir es für möglich hielten, dass sich in der Niihe der kleinen, vor der Kuste von Foggi gelegenen Insein ein Schiff in Gefahr befande. Alsbald fielen aber, dvirch kurze Zwischenraume unterbroclien, so zahlreiche Schiisse, dass wir ei nes Besseren helehrt wurden, und nur noch die Annahiue einer vulkanischen Eruption gemacht werden konnte. Bis 8 IJ. 20 M. blieb die Zahl der einander folgenden Schltige, die übrigens von sehr verschiedener Stiirke waven, besonders gvoss; daim wurden sie melir vereinzelt wahrgenommen. Der Schall schien aus JV W zu uns zu gelangen; das Meer war sowohl an diesem Abende als anch am folgenden Morgen ganz ruhig.

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Spater steilte sich heraus, dass um 6 ü. 10 M. eine gewaltige Erruption des öijnung Awu auf öhobs-Sangir stattgefunden hatte, wobei das ganze Eiland von seliwerem Aschen- und Steinregen bedeckt wurde und Schlamraströme grosse Verheerungen anrichteten. Seit dem 2,tquot;1 Miirz 1856 befand sich der G. Awu in llulie, und als icb am 22sten Nuv. '(J1 in Takuna war, zeigte er aucli nouh keine Spur von Tliiitigkeit; jetzt braciite die plötzliclie, durch keinerlei Vorzeichen angekündigte Eruption vielen Mensolien den Tod, violen anderen Verlust von llab und Gut.

Da der genannte Vulkan 3° 39' N. B., Foggi 3° 20' S. B. gelegen ist, so batte also die Scballwelle, nnter Vernachlassigung des verhaltnissmassig sebr ge-ringen Lüngenunterscliiedes beider Orte, als wir sie wahrnahmen, bereits den Ab-stand von fast sieben Breitegraden zurückgelegt, und dennocb klangen die Soluisse so stark, dass sie anfangs zu dem uben erwahnten Irrthume Anlass geben konn-ten. In Mbnado hörte man sie gegen 7 Ubr und wurde gleicbzeitig in der Eich-tung von Sangir eine machtige Feuergluth gesehen; aus Tbenaïb wurde berichtet, dass zwischen O und 10 ühr heftiges Knallen und Erdbeben von N W her wabr-genommen sei, aus Makasser und Maros im südlichen Celebes, dass daselbst ziemlich schwere und dumpfe Schlage gehort wurden, die an Kanonenschüsse denken Hessen, wahrend in der Kacht vom 7teD auf' den S1™ Juni an beiden Orten ein von A' O nacli S IF verlaufendes Erdbeben, welches ungefahr 30 Sekunden anhielt, empfunden wurde. In Ambon vernahm man ebenfalls die Explosionen und wurde ausserdem ein geringes Seeheben konstatirt; um so auflallender ist es, dass bei der Grosse des Erschütterungskreises hiervon in Foggi, unmittelbar am Strande, nichts zu verspüren war. Die ersten Schüsse sind, nach mir an Ort und Stelle gemachten Mittheilungen, auf Ambon um 7 U. 45 M. gehort, also 5 Minuten früber, als icb in Foggi notirte; diese Differenz kann aber auf Reehnung der Uhren oder der üngenauigkeit der Aufzeichnung gestellt werden, zumal man aucb in jenem Orte anfangs ein Schifl' in Noth glaubte und somit, gleich mir, Bchwerlich heiiu Horen des ersten Knalls zur Feder gegrifièn hat, sondern erst etwas spater aus der Erinnerung seine Aufzeichnung gemacht haben wird. Zu Eechnungen iiber die Fortpflanzungsgeschwindigkeit des Schalies lassen sich leider alle die obigen, mehr oder minder unsicheren Zeitangaben, wie sofort ersicht-lich ist, gar nicht verwenden; es ist auch schon auf Grund der Kachrichten, welche iiber den Verlauf der Eruption vorliegen, nicht anzunehmen, dass in den erwahnten, grossen Entfernungen von Sangir bereits ihr Beginn wahrgenommen sein sollte.

Das Dorf Foggi liegt nur 20 Minuten Gehens südlich vom Waë Miting ,

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woselbst sich früher ein nach diesem Gewasser genannter, yoh seerauberisclieu Galelaresen bewohnter Ort befand, walarend das alte Foggi weiter südlich gebaut war. Jetzt bestehl die Einwohnerschaft aus zum Islam übergetretenen Alfuren, Galelaresen und Sulanesen, deren Hauser wiederum an diejenigen von Tifu er-innern. Eine kleine Ebene dehnt sicli langs des Strandes ans, jenseits des Waë Miting erliebt sicli indessen sogleicb ein ansehnlicbes Gebirge; A 35° O liegt der Gunung Karkoï , den ich auf etwa Güü—700 m. aehiitzte; JS' 75° O erblickt man den G. Waë-Miting, 6'75° O den Moït Kakün, beide viel niedriger als jener, alier weiter landeinwarts von einem vielleicht bis zn 1000 m. ansteigenden Gebirgslande überragt. Auch der Hauptgipfel des Eilands ist bereits von der Ivhede von Foggi aus zu sehen ; es ist der Kapala Madang, den Europaeern meistens uur als G. Tomahü bekanut und als soldier auf den Karten verzeichnet, dessen Höhe nach dem vom hydrographischen Bureau in Batavia lierausgegebeuen Blatte 2600 m. ') betragt. Alle Berge sind dicht bewaldet, aber vielfacb blieken lichtgraue Gesteins-partieen aus der Vegetationsdecke hervor, und tieté Erosionsfurchen laufen an den Gehangen hernieder; namentlich am Karkoï fallt eine von steilen Fels wanden be-grenzte, weite und sichelförmige Schlucht auf, welche sich fast vom Gipfel aus bis zur Meeresflache verfolgeu liisst.

Leider ist es unmöglich, dorthin zu gelangen, deun die Leute sagen, dass noch keiner versucht liabe, das hohe Gebirge zu besteigen, und da ich nicht aufs GerathewobI eine ziemlich aussichtslose Excursion unternehmen wollte, wüh-rend für ausführlichere Vorbereitungen die Zeit fehlte, so musste icli mich am Tage nach meiner Ankunft (am 8lcn Juni) mit der Untersuchung der uumittelbareu Umgebung von Foggi begnügen. Zunachst wurde also der Versuch gemaebt, den an der Mündung etwa 40 Schritte breiten Waë Miting aufwarts zu fabren, aber sebon nacli 10 Minuten fanden wir den Weg durch Baumstamme versperrt, so dass ich wieder umzukebren gezwungen wurde; dann ging ich über Land zur Quelle des genannten Flusses, welche bei tüchtigem Ausschreiten schon in Stunde vom Dorfe aus zu erreichen ist und sich östlich von ihm, hart am Fusse des Gebirges (dem G. Waë-Miting), in einer teichartigen, in plattigen Kalkstei-nen gelegenen Wasseransammlung befmdet. Das unregelmassig begrenzte Becken missL in seinem grössten Durchmesser vielleicht 100 Schritte, und gleich südlicii von ihm, nur durch eine 10 m, hohe Kalksteinwand von etwa 3 Schritt Breite getrennt, liegt in einer kesselartigen Vertiefung ein zweiter Teich, ungefahr | so

1) Nach der Borechmmg von a. Dronkors 25Ü9 m. (Wilier, Booroo, juig. 87), nach derjonigen vou W. Goodwyn 0998 rheinl. Fuss, also 3138 m. (Gregory, Zeemans Gids, pag. 194). Letztere Angahe halte ich übrigeus für zweifollos unrichtig.

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gross wie der erstere; es erinnert das an die bekannten Erdfalle Milteldeutsch-lands. Selbstredend ist der l'latz seiner Eigenthümlichkeit wegen den Alfuren wiederum heilig, und es stand daselbst auf der beide Wasserausammlungen tren-nenden Brüeke auch ein Teller mit einer Opfergabe. In niichster Niibe, südlich von dem kleineren der beiden Teiche, fliesst nocli ein linker Nebenbacli des W. Mitinü , genannt W. Blama, welcher hier von 5 70°O kommt und weiter land-eiuwiirts entspringt.

Aut' dem Wege zur Quelle des Waö Miting fiel mir in der Naho von Foggi eine zu den Cucurbitaceen gehorige Pflanze auf, welche mit ihren zweitheiligen, schraubigen Wickelranken an vereinzelt im Grase stehenden Baumen emporklet-terte und sich (lurch die zierlicben, tief zerschnittenen, dunkelgrünen Bliitter prachtig von den hellberindeten Stammen abbob. Nach Boerlage ist es ein neue Art der Gattmig Trichosanthes, die aber bei dem Fehlen von Blumen leider noch nicht nilber beschrieben und benannt werden kann. Im Walde, welcher sich land-einwarts alsbald an die Grasebene anschliesst, standen unter anderen zahlreiche Pinangpalmen, und ich sah bei dieser Gelegenheit, wie die Leute ihre Stamme erklettern, falls sie so glatt siud, dass es nicht möglich scheint, ohne beson-dere ïïilfsmittel hinaufzukommen. Sie fertigen alsdann einen Eing an, am liebsten aus den Blattern der Palme selbst, den sie unter die Sohlen beider Füsse durch und über ihre Spannen hinlegen, und drücken nun wührend des Kletterns diese als Stützpunkt dienende Vorrichtung von hinten her gegen den Stamm, indem sie dieselbe gleichzeitig mit Hilfe der Füsse möglichst straff auseinander halten.

Am 9ten Juni wurde die Küstenfahrt weiter fortgesetzt, und da das ruhige Meer hier im Westen überall zu landen gestattete, wand te ich micli mit Musse der geologischen üntersuchung des üfers von Buru und der ihm in niichster Niibe gegeuüherliegenden, kleinen Insein zu. Dies liess sich um so leichter ausführen, als die Orembai des Posthalters von Kajeli nach Foggi gekommen war, woselbst wir sie bereits bei unserer Ankunft angetroffen halten, so dass wieder eine be-queme Zufluchtsstatte sowie Raum fiir Bagage und Lebensmittel zu Gebote stand. Ich selbst machte freilich von dem schwerfalligen Fahrzeuge vorliiufig keinen weiteren Gebrauch, sondern bediente mich , selbstredend nur von einigen Kuderern begleitet, der kleinen Prau, welche die Orembai im Schlepptau mit sich führte. Sowohl der Posthalter von Kajeli als derjenige von Tifu bestiegen mit allen übrigen Eeisegenossen das grosse Boot, letzterer um mit uns bis zur Grenze seiner Ahtheilung zu fahren, die ihm bis dahin noch unhekannt war. Wieder fiel ein Scliusa von der Orembai, wieder spielten zur Begleitung der unregelmiissi-

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gen Ruderschlage ihrer Bemannung Tatabuan, Tifa und Flöte bei der Abfalirt, uad wieder sail man die Brust des glücklichen Eigentbüinera im Selbstbewusst-sein schwellen, -wabrend sein Amtsgenosse von Tifu, der es noch nicht zu sol-chem Reichthume gebracht, von all der Pracht und Herrlichkeit vüllig uiederge-driickt war.

Von den kleinen Insein an der Westküste Bum's heisst die südlichste Pü^u FoöGi, die mittlere P. Tbnga und die nördlichste P. Tomatiu ; sie werden der Hauptsache nach von einem niedrigen, kurzwelligen Hügellande gebildet, welches zum grössten Theile bewaldet, hie und da aber nur mit Gras bedeckt ist. Indessen schliesst sich an die südöatliche Ecke von P. Foggi eiu Streifen alluvialen, mit Mangrove bedeckten Landes an, welcher einem anderen, von der Küste Bum's ausgehenden, fast die Hand reicht, so dass zwischen beiden Insein nur eine sehr schmale Strasse bleibt, wabrend das Meer au der Kuste von Foggi ausserordentlich seicht ist. Auf' seinem Boden wachst hier in grosser Zahl eine an Seegras erin-nernde Pflanze, mit mehrere Fuss langen, breit-bandformigen und oft korkzieher-artig gedrehten Blattern, welche zu den Ilydrocharideen gehort und Enhalus Koenigii Rich, genannt worden ist. Sie heisst liier lalamon (nach Eumphius auf Ambon lalamut), kommt sehr allgemein ia dem von mir bereisten Qebiete auf untiefem, sandigem Meeresboden vor, woselbst sie ein beliebter Aufenthalt vieler Fische ist, und liefert essbare Früchte. Die erwiilinte Strasse ist im Süden nicht mehr als 20—Schritte breit und so seicbt, dass nicht einmal die ürembai hindurch-fahren konnte, wabrend wir selbst lange Zeit vergeblich umherruderten, urn ihren Eingang aufzufinden. Drinnen herrscht ein übler Geruch, und das schmutzige Wasser ist mit zahlreicheu Blasen der Tom Boden aufsteigenden Gase bedeckt; doch erweitert sich der Kanal bereits an der nordöstlichen Ecke von Foggi, und wenn aucb weiterhin noch hie uud da Mangrove an der Küste von Buru auftritt, so sind doch dessen üfer von diesem Punkte au bis zu P, Tomahu auf weiten Strecken von hohen Kalksteinklippen gebildet, welche stellenweise steil abfalleu und über der Hochwasserlinie abenteuerlicbe Erosionsformen zeigen. Zu ihnen gehort aucb das Tandjung Kamnjouo, ein wenig nördlich von P. Foggi (der Name bedeutet im Babassa ein stark nach Moschus riechendes Thier, welches auf Ambon boschkat genannt wird und also nur eine Viverra sein kann, ver-mutblich V, langalunga Gray.), ferner der Batu Banang, welcher weiter nord-wiirts, aber noch immer südlich von P. Tenga, gelegen ist. Diese ausgedehnte Felspartie sollte eigentlich Batü Benang lieisseu, weil daxnit „Nahgarn-Felsquot; ge-meint ist; deun der Name rührt vou zwei weissen Flecken her, welche an einer Stelle der senkrecht aufstrebenden Klippen zu sehen sind und von dem hier woh-nenden Volke als das vergessene Nahgaru einer Nymphe gedeutet werden.

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An der nordöstHclien Ecke von P, Tenga liegt auf einer schmalen, sandigen Uferterrasse, hart am Fusse des Hügellandes ein kleines Dorf von gleichem Namen mit Jem Eilande. Es ist wiederum von Galelaresen bewobnt, die icli aueh sclion in einigen Hausern am Siidstrande von I'ulu Foggi angetroffen hatte, und bildete fiir diesen Tag unsere Station, welche mit der Orembai von Foggi aus in 4i Stunden erreiclit wurde; docb liisst sich der Abri I and mit einem kleinen Euderboote vielleicht in der Halfte der Zeit zuriicklegen. Icb selbst traf trotz man-nigfachen Aufhaltes unterwegs scbon kirn nacb 12 Uhr ein nnd fand den Ver-bleib auf dem Wendenden Sandboden freilich zur Mittagszeit unertraglich beiss, den ürt aber im übrigen ausserordentlich geeignet für einige kleinere Excursionen auf der Insel selbst sowie zum benacbbarten P. Tomabu und der jenseitigen Kliste von Buru.

Unmittelbar gegenüber unserem am Meere gelegenen Hause erblicken wir die Kiiste von Buru (Taf. 40), gebildet von einem langgestreckten, ziemlicb steil seewiirts abfallenden Gebirge, welches von Pulu Tenga aus in O und S (50° O zwei Gipfel zeigt, die anscheinend durch eine sebr weite und seichte Depression von einander geschieden werden. Es ist dicht bewaldet, doch treten im Osten ausgedehnte, zackige Felspartieen, welche an der Seeseite steile Klippen bilden, aus der Vegetation bervor — mebr ist um die Mitte des Tages in der Eegel nicht wabrzunebmen. Morgens und abends aber, wenn die Nebelkappe der höheren Gipfel geschwunden ist, erscheint gerade binter der erwahnten Einsenkung weiter land-einwiirts in /S'8(J00 der Kapala Madang mit schroff abstürzenden Flanken und schriig abgestutztem, breitem Gipfel, so dass man den Eindruck erbalt, derselbe ware als jlingerer Eruptionskegel einem alteren, im Küstengebirge gelegenen Krater aufgesetzt, und dies um so mebr, weil lotzteres miter dem grossen Ge-sichtswinkel gegenüber dem Kapala Madang aucb von sebr ansehnlichen Dimen-sionen zu sein scheint. Freilich ist diese Deutung durchaus unrichtig, wie im geologiscben Theile naher erörtert werden soli, und unbegrimdet ist es aucb, wenn man erzahlt, dass sich auf dem Gipfel des genannten Berges ein See be-finde. Es liegt hierbei vermutblich eine Verwecbselung mit dem See von Wakollo vor; deun wer sollte iiber seine Bescliaffenheit etwas Nalieres wissen? Schwerlich ist jemals ein Mensch dort oben gewesen, da es fiir den Eingeborenen durchaus keinen Zweck hat, den Gipfel zu besteigen, und der Alfure obnehin viel zu grosse Scbeu vor dem Unbekannten besitzt, als dass er sich einer solchen An-strengung uhne dringendste Nothwendigkeit unterziehen würde. Ueberhaupt ist der Kapala Madang so steil, dass er wohl uur durch einen trainirten Alpen-touristen erklettert werden könnte, und audi dieser würde vermutblich den Weg von Osten her, aus dem Gebirge von Bara, nehmeu mussen, da bier die

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Profillinie aut' günstigere Reliefverlialtnisse hindeutet. Wie aber den Weg in einer Gegend finden, welche infolge der dichten Vegetation nur iiusserst selten einen weiteren Ueberblick gestattet? Deun auch die liöchste Spitze ist noeli mit Grün bedeckt.

Imposanter noch als von Pulu Tenga ist der Bliek auf den K. Madang you 1'. Tomahu aus, weil bei diesem Standpunkte das Küstengebirge den Fuss des liarges kaum verdeckt, so dass er sich fast unmittelbar aus dein Meere zu er-heben scheint und durch seine isolirte Stellung wie ein Fürst die ganze Gegend beherrscht. Seine Profillinie gleicht von dort einem Kegel, dessen Spitze nach i\r und S unter 45° abiallt, und wenn die Wolken sich an den Hang lagern, um bisweilen durch die Luftströmung langsam ihm eutlang aufwarts getrieben zu werden, so erhiilt man ungefahr den Eindruck, als mache es ihnen Mühe, dort hinauf zu gleiten. Der ümstaud, dass die Wellen des Meeres fast seinen Fuss bespülen, ist selbstredend die Ursache, weswegen sich der Gipl'el weit raajestati-scher praesentirt als mancher Bergriese des Binnenlandes von viel bedeutenderer Höhe. Die Strasse zwischen Buru und den kleinen Insein sieht man von P. Tomahu aus durch die höchste Spitze von P. Foggi iu S10° //'' abgeschlossen, wahrenu das Auge gleichzeitig einen grossen Theil der angrenzenden Küsten von Bum und P. Tenga uuifasst.

So hervorragend jener Punkt aber auch sein mag, so kann ich docb nicht unterlassen, noch eines Landschaftsbildes aus dieser Gegend zu gedenken, welcbes von so vollendeter Schönheit ist, dass es unverandert einem Künstler zum Vor-wurfe dienen könnte, und welches gleich westlich von der Ortschaft P. Tenga gesehen wird, wenn man im Boote zur Westseite des gleichnamigen Eilandes fahrt. Das Gebirge zeigt alsdann im wesentlichen die gleiche Profillinie, wie sie boreits von der Station aus beschrieben wurde, aber die ansehnliche Höhe des K. Madang tritt mehr hervor, weil das Küstengebirge nun unter einem kleineren Gesichtswinkel erscheint; dabei liillt die Verlangerung vom Nordhange des Haupt-gi])fels mit einer Bösclnmg der Vorberge zusammen, und die Profillinie macht dadurch den Eindruck, als ginge es in gewaltigen, abgerundeten Stufen vom Meere aus zum Gipi'el aufwarts. Ob hiemit der Name des Berges {madang), welcher Leiter bedeutet, zusammenhangt ?') Vor das Gebirgsland lagert sich ferner eine niedrige Sandbank als Fortsetzung des Nordstrandes von P. Tenga; sie wird vom Hochwasser überströmt und ist mit dichtem Mangrovegebüsch bedeckt, dessen

1) Valentijn jriebt cine andero Krkliirung des Namens. Er nennt den herg Kapai.a Lemadang und sagt, dass dies «Dorado's Kopfquot; bodcute (IT, pag. 3). Der Dorado oder Dorade ist bekanntlicli eine Co» ryphaena, und die Deutung liesse sich wohl annehmen; doch bezweillo ich, dass Lemadang die richtigo Hencnnung sei.

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üppiges, saftiges Griiii gerade in der Fluthgrenze abschneidet, wahrend zur Ebbe-zeit darunter ein dunkier Scblagschatten lagert, in dem dicht gedrangt die stel-zenartigen, granen Wurzeln der Baume siehtbar sind. Zungenfórrnige Auslaufer der Bank, von blendendem Weiss, scbieben sicb zum seichten Meeresboden vor, indem sie allmiiblig in das griinliebe, von Tbieren wimmelndc Wasser verlaufen; lanter der Mangrove endlicb ragen einzelne Casuarinen, welcbe bei den Wob-nungen der Galelaresen steben, bocb empor und lassen ibre zierlicben Zweige in sanft gesobwungenen Bogenlinien abvvarts hangen. Es ist ein farben- und formen-reiches Bild.

Uin 11^ Ubr verliess icli am 10tlt;)n Juni P. Tenga wieder, um mit Hilfe der erwiihiiten, kleinen Prau meine Fahrt um die Nordwestecke von Buru fortzusetzen, und gelangte nun alsbald ein wenig nördlicb von P. Tomahu zu kleinen Klippen, die inmitten der Strasse zwischen der letztgenannten Insel und dem Tandjung IbiiGJio gelegen sind. Seeschwalben, welcbe liior nmlierflogen (sebr wabrscheinlich Sterna hybrida Pull.), verriethen durch ibre Unrube, dass ihnen die Felsen als Brutstiltte dienten, und obne sonderliche Mülie fand icli aucli binnen knrzem daselbst ein Grelege mit stark angebrüteten Eiern. Da die Klippen kaum 1 m. bocb über den Wasserspiegel hervorragen und so klein sind, dass man nur zur Notb darauf stehen kann, so beweist der Fund wold zur Genüge, dass das Meer an diesem Orte im Ost-Muson sebr rullig sein muss, da die Thiere sonst schwerlich langere Zeit hindurch jene Statte bebauptet haben würden.

liereits gegenüber P. Tomahu verflacht sich die Küste von Buru, denn ein niedriges Ilügelland lagert sich bier an den Fuss des Kapala Madang und fallt von dort rascli unter Bildung unbedeutender Wellen ab, welcbe bis zur Nordwestecke der Insel, dem Tj. Balh'KTU, den gleichen Cliarakler bewahren. Ver-einzelt tritt noch ein Streifen Mangrove, hie und da aucli eine unbedeutende Parlie gchobenen Korallenkalkes am Strande auf'; sonst ist derselbe aber überall mif blendend weissem Sande bedeckt, welcher eine unertriigliche Hit ze ausstrahlt, und uns, die wir im offenen Boote ohnehin ununterbrochen den Sonnenstrahlen ausge-setzt waren, eine gewaltige Plage bereitete. Die Fahrt ward eintönig; eine Horde umherschweifender Alfuren, die ich gerne überrascht batte, llob bei unserer Anmiherung eiligst in den Wald; fast die einzige Abwechselung bot noch der Kapala Madang, welcher wiederholt durch Lichtungen in der Vegetation des niedrigen Uferlandes siehtbar wurde; ein wenig westlicb vom Tj. Balipetu er-blickte man ferner genau im Norden Sula Bbbi, welches sicb als ein hohes Qe birgsland darstellte, wahrend gleichzeitig im Süden wiederum der Hauptgipfel von Buru bervorlrat.

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Das erwahnte Kap hatteu wir um 3 U. 22 M. erreicht, doel» wurde hier die Falirt durch oinen in seichtem Waaser befiadlichen Korallenboden sehr erschwert; wir mussten uns deswegen ziemlich weit durch die Brandung1 ins offene Meer liineinwagen, weil es nicht möglich war, in der Nahe der Küste zu passiren, und die Sicherheit in meiner kleinen, uur mit drei lluderern bemanuten Prau lioss wold etwas zu wünschen übrig. In grosser Ferne erblickien wir mm ösllich von uns Tandjünö Waë-Ili, als Abschluss der weiten ilucht vonBara, welclie sich zwischen ihm und dem Tj. Balipetu ausdehnt; vom erstgenannten Kap aus steigt das Ge-birge nach S bin allmiiblig zu bedeutenden Höben an, bis seine Gripfel sich im dichten Wolkenschleier verlieren. Das bolie Bergland im Süden und Südosten der Bai ist, wie sich spiiter herausstellte, eine unmittelbare Fortsetzung des Kapala Madang, aber es stösst audi hier niebt ans Meer, und die Fahrt nach S O, ent-lang dem Uier der Bucht, bebiilt im wesentli(dien den gleicben Oharakter wie an der Westküste wahrend der Mittagsstunden dieses Tages; zwar liegen haufiger Blöcke von Korallenkalk am Sti'ande, aber im Innern der Bai von Bara ist letzterer docli vorherrschend sandig oder grandig.

Endlicb, um Ubr nachmittags, gingen wir an Land, da wir unser Ziel, die Grenze zwischen Hukumina und Lisela, und somit aucb der Abtheilungen Mas-sarette und Kajeli, erreicht batten. Dieselbe befindet sicb tast im innersten Theile der Bucht von Bara, im Südwesten vom gleiclmamigen ürte, an eitiem kleinen Flusse namens Faïtfallu, und diese Stelle war von uns als Rendezvous verabredet worden — aber von der Orembai komite man leider noch gar nichts bemerken; sie war noch nicht einmal beim Tj. Balipetu sichtbar, obwohl sie doch gleich-zeitig mit mir P. Tenga verlassen und ich selber für die Aufnahme der Küstenlinie unterwegs viel Zeit geopfert batte. Wenngleich auf* diese Weise an eine wohlver-diente Mahlzeit noch lange nicht zu denken war, so gewührten uns doch einige Oocospalrnen, welclie zufallig hier wuchsen, eine nicht zu verschmahende Erquik-kung, und alsbald streckte ich die vom Sitzen in der Prau fast steifen Glieder bebaglich unter den Baumen am Uier aus.

Der Auswurf des Meeres bot an dieser Stelle mancherlei Unterbaltung. Zahl-reiche Muscheln lagen in der Hocliwasserlinie, und darunter vor allem viele Flügel-schnecken (Siromhm luhuams Lin. u. Str, (juttatus Kien.) mit prachtiger, dunkelrother Mündung, so wie man sie in Sammlungen kaum vorfindet; die Thiere wurden lebend angespült, aber die Sonnengluth hat sie ausgetrocknet, und Schaaren von Einsiedlerkrebsen sind darüber hergefalleu. Nahert man sich diesen gefrassigen und frechen Eiiubern, so ziehen sie sich schleunigst in das gestohlene Schnecken-baus, welches ihnen zur Wohnung dient, zurück, und wenn es irgend angeht, lassen sie sich mit bewundernswertber Eile in irgend eine kleine Oeffnung des

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TJfers fallen. Audi eiue Xenophora fiudet sicli, jene merkwiirdige, siumpf-kegel-förmige Schnecke, welche ihr Geliiiuse init, Hilfe fremder Bestandtlieile aufbaut, indem sie solche durch ilire eigenen Kalkabscheidungen cementirt; sie hat lueselbst viele kleine, abgerundete Steine des Strandes benutzt und triigt nun in ihrer Scliale eine kleine geologische Mustersamialung der dortigen Meeresablagerung mit sicli herum.

Das Ufer fallt infolge seiner grandigen Bescliaffenheit ziemlich steil ab, mid die bobe Dünung des ruhigen Meeres bricht sich in kraftigen Wellen zu unseren Füssen. Die Wasserflache erscheint beim Untergange der Sonne wie mit violettem Purjmr übergossen; über ihr schweben blaugraue, rothlicli angeflogene Wolken; jetzt beginnt kurz nach Sonnenuntergang in der hohen Waldung des TJfers mit schrillem Tone die Cicade zu zirpen, wahrend der Himmel am westlichen Hori-/,011 te eine schwefelgelbe Fiirbung annimmt; graue Wolken schwimmen darin, aber weiter aufwiirts verlauft das Gelb allmiihlioh ins Violette, und mit grünlichem Glanze leuchtet auf diesem Grunde der erste Stern, umgeben von gelblichweissen Federwolken. Nun sinkt die Nacht hernieder. Der Mond beleuchtet alsbald dicht zusammengepackte, helle Wolkenmassen; dann bilden sich in ihnen Oeffnungen; der Schleier zerreist an zahlreichen Punkten, und in fratzenhaften, spukartigen Gestalten schweben die Nebel zu unseren Hauptern. Langsam niihert sich der Laut der Tifa von dei' schneckenartig herankriechenden Oreinbai her; ein Licht taucht auf; jetzt endlich audi Stimmen, und nun kann die Reise weiter gehen! — Erst um 12 Uhr Mitternacht kommen wir vor Bara an, woselbst trotz der tiefen Finsterniss unserer der übliche Empfang mit Trommeln und Gesang bei Fackel-licht wartete. Wann kommt man auf diesen Eeisen einmal zur Ruhe!

Baea liegt am östlichen Ufer der gleichnamigen Bai, ein wenig nördlich von dem dort mündenden Flusse Siru und von der rundlichen Ausbuchtung im innersten Winkel des tiefen Busens. Es wohuen daselbst Galelaresen nebst eiuem Theile der Alfuren von der Soa Geuiuiii, wahrend andere Angehörige der letztereu sich im Gebirge aufhalten, und die gesammte Kopfzahl der im Orte ansiissigen Manner betrug derzeit etwa hundert. In den Morgenstunden hat man von dort einen priichtigen Ueberblick über das siidwestliche Uferland der Meeresbucht bis zurn Kap Balipetu hin, mit Einschluss des hinter jenem aufsteigenden hohen Ge-birges. Der Kapala Madang , welcher von hier aus tlach und schildiormig erscheint, liegt iS' 57° W; an ihn schliesst sich der Gununo Bara, ein langgestreckter, nach SO ansteigender Rücken, dessen höclister Punkt sich iS 24° If befiiidet; einen an-Behnlichen Gipfel, welcher wiederum G. Sanaxk (Geisterberg) heisst, erblickt man noch in 6' 44° U.

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Von Bara aus wurde ein kleiner Ausflug den Sifu (Pig. 47) aufwarts, bis an den Fuss des Gebirges, unternommen, aber ungiinstiges Wetter und die drobende Aussicht auf eine Ueberstromung des Flussbettes nöthigten zur baldigen Umkebr. Aii(di die Küstenaufualime im lunern der Bai wurde im Ansehlusse an diejenige des 10ten Juni weiter fortgesetzt; aber alle diese kleineren Reisen baben kaum ein anderes als rein geologiscbes Interesse '), und dasselbe gilt ebenfalls von der Weiterfabrt nacb Waëpote, welebe am 12ton Juni urn 3 Ubr nacbmittags angetreten wurde. Denn die Nordküsto und ibre Bewohner sind uns scbon gelegentlich des früberen Aufentbaltes in Wai1-pote bekannt geworden, und der Cbarakter der Landschaft bleibt sicb im Osten der Bai von Bara bis zur Bucbt von Kajeli bin im wesentlichen iiberali gleich.

Noch vor Einbruch der Dunkelheit lag in weiter Ferne vor uns im Osten der flachgipfelige Pitigawa, den wir auf der Raise ins Innere überstiegen; daim langte die Orembai kurz nach Mitternacht in Waümanöi (Tal'. 48) an. Hier lag friiber Lisela , der nicht mehr bestehendo Hauptort der gleichnamigen Landschaft; jetzt betrug die Anzahl der dort wobnenden Alfuren 150, wozu sicb noch etwa 30 Galelaresen und Sulanesen gesellten. Man kann von Waëmangi aus ebenfalls aus Meer von Wakollo gelangen2), und Riedel hat den betreffenden Weg (von Lisela aus) audi in seine Karte eingetragen; doch ist derselbe, wie mir nach vielfacher Nachtrage versichert wurde, nicht besser als der früher geschilderte Pfad.

Nachdem icii vim Waëmangi aus noch eine kurze Excursion , im Bette des gleicb-namigen Plusses bis ins Gebirge aufwilrts, gemacht batte, fulir ich von dort am htcn Juili nm 2{ Uhr nacbmittags weiter nacb Wamlana, welches mit der Orembai in 3 Stunden erreicht wurde. Dann stand mir glücklicherweise wieder die altbe-kannte Sarua zur Verfiigung, welche von Waëpote aus bierhergekommen war, und mit der die Küstenfahrt nach Osteu am 15,en Juni um 3 Ulir nacbmittags weiter fortgesetzt werden konnte, so dass ich in kaum 1| Stunden bereits zum Wak Nibb gelangte. Obwobl mir genugsam bekannt war, dass die Mimdungen der Pliisse dieser Gegenden in der Regel eine sehv aohlechte Vorstellung von ihrem Wasser-reicbthume im lunern geben, so fublte ich micb dennocb beim Anblicke des Nibe am Meeresstrande (Taf. 49) sebr enttausclit. Was war aus dem Strome geworden, der brausend aus dem See von Wakollo thalwarts eilt, eine ungemein grosse Zahl scbaumender Wildbache in sicli aufnimmt und weiter abwarts breite Wasser-

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An lt;lics(gt;,ni Orto soil nur hoivorgehoben werden, dass nntor don Geschioben des SiCu braun bis rolhbraun gofiirbto, foste Kalkstoino voI'kuuuuen, welebe Uulemnitfn nnd Jpfi/rhru cnthalton, Let/lere gobiiren zur Grnppo dor Celluhm und sind dem A. laevis 11. r. Mrt/. naho vorwandl. Die botrell'endon (le-scbiobo ktinnon somit nur aus Jura- oder Kroidescbichten stammen, unil die Ajityeben woison besonders auf oberen Jura bin. Diese mksozoisciie Bildunq muss in der Niibe ansteben, da die erwiibnten Kalksteiue m mehr als bandgrossen Stüekeii aufgoleaon wurdon und somit niebt allzuwoit transporlirt sein diirftcn.

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Vgl. obon, Anmerkung zu pag. 310.

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massen durch schroffe Felsenthüler ftthrt! Ein ziemlich unfciefes, 30— 40 Sohritte hreites Bett, hie und da nahe dem üfer mit 1 ml Kim Gras bowachsen und von einer uubedeutenden Vegetation umgeben, im ïïintergrunde abgeschlossen durch eiu flach-welliges Ciebirgsland, welches etwa 1 j Wegstuiiden fluasaufwarts liegen und 300 m. hoch sein mag •— das ist alles: eine nicht unschöne, aber auch durch nichts besonders ausge/.eiclmete Landschaft! Es wollte mir nicht einleuchten, dass der Nibe keine Nebenarme besitzen solle, und doch ist dam so; von den grossen Wassermengen, welche er iu sich aufgenommen, erreicht nur ein geringer Theil das Meer, so dass die Hauptmasse durcli Verduustung auf dera Wege zur Kuste verloren gelien muss. So bietet denn der Strom das Bild eines vergeblich nach Kraft ringeuden Wesens.

Waüpote wurde von der Mündung des Waë Nibe aus in kaum Stunden erreicht; dort traf' am folgenden Tage (am 16,en Juni) um Mittag unverhofft der Dampier Arend ein, bei dessen Ankunft ein Theil der Manner von Waëpote mit Weibem und Kindern aus Furcht, in den Wald floli. Alsbald befand ich mich wieder an Bord in Gesellschaft des Residenten, welcher in Amtsgeschiii'ten nach Buru ge-kommen war, für kurze Weile von körperlichen und geistigen Entbehrungen erlöst. Dann langten wir am Morgen des 17ten Juni mit dem Arend \arieder in Kajbli an.

9. ZUM WAË APU UND BATUBUA.

Am 18tcn Juni machte ich mich mit einer grossen Prau auf den Weg zu dem ansehnlichsten Plusse der Insel, welcher in der Mitte des westlichen Ufers der Bal von Kajeli an dem nach ihm benannten Taudjung mündet und von Riedel als Wakiai'o bezeichnet wird. Auf der Karte des hydrographisohen Bureau's ist der Name Wai Aru einem angeblich von rechts kommenden Zuflusse des Hauptstromes beigelegt, den auch Riedel eintrug, von dessen Existenz ich mich aber nicht über-zeugen konnte. Die richtige Schreibart des weit aus dem Innern kommenden Gewas-aers ist Waë Aptt, d. h. „triiber Plussquot;. In nachster Niihe des Meeres zweigt sich von ihm ein kleiner Arm ab, welcher Ajhr Makasbeu geuannt wird und zur Bil-dung eines uubedeutenden Delta's Anlass giebt.

Bis zur Mündung des letzteren gelangt man von Kajeli aus nach etwa ein atündigem Rudern, und die Fahrt dorthin langs des alluvialen Ufersaumes der Bucht ist in landschaftlicher Beziehung sehr lohnend, da man einen priichtigen Ueberblick über den Batubua, den Kakusan und das zu Füssen des Berglandes ausgebreitete Kajeli geniesst. Der Kakusan erscheint aus grösserem Abstande von N W her auch weit liöher, als wenn man ihn von der Rhede aus erblickt, und wie eine alte Burg

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ragt er steil empor, mit vielfach zerschnittenem Gipfel, dessen geziihnter Rami vielleiclit zu der Benemumg 1'loï lm lialiassa Anlass gegebeu hat. Deun dies bo-deutot das iiussere Skelet eines Krebses, und mit einiger Phantasie liisst sicb die obere Profillinie eines Decapoden in derjenigen des betreffenden Kalksteinberges wobl wieder erkennen; Kakusan dagegen ist der Name für ein kegeltörmiges Körbcben, in dem man Reis über Wasserdampf kocht, und mit einem solclien bat man die beiden Hauptspitzen der Felsmasse verglicben, welcbe nun als Kakusan Debar und K. KktjtTj von einander unterscbieden werden. Westlicli vom Batubua tritt noch ein liober Berg bervor, welclier Hanhoni heisst, und über das Hügelland, weiehes die Bai im Nordwesten begrenzt, ragt ebent'alls ein ansebnlicher Gipfel heraus; es ist der Wamfassang, den man audi bereits von Kajeli aus in der llichtung i\' 61° /Ferblii-ki. Unfern der Mündung des Waö Apu treiben Mengen grosser Baumstanme im Meere; da sie unten vielfach breite Stützplanken besitzen, die weit aus dem Wasser her-vorragen, so gleichen sie aus der Ferne fast einer Flotte von Fiscberböten, welcbe die Segel geheisst baben; grosse Schaaren weisser Reiher waten in der Niilie des üfers, naeh Beute ausspahend.

Unmittelbar am Strande ist das Ajer Makasser nahezu so breit wie der Han|list r om , doch verscbmalert es sicb schon eine kurze Strecke aufwilrts Ms zu 20 Schritte, nacbdem ein von ir kommender, aber in derSumpfvegetation blind endi-gender Nebenarm, das sogenannte Ajer Püli, passirt ist. Alsdann gelang( man dui'di vielfache Windungen der in Mangrove verlaufenden Wasserader nai^li kaum lialbstün-digem lludern zu dom etwa 60 Schritte breiten Hauptflusse. Eine dimkle Wassermasse flutbet in dem ganz angefüllten Bette, ein niedriger Wald, aus dem vereinzelt eingestreute Cocospalmen ihr Haupt bisweilen noch hoch emporstrecken, begleitet seine Ufer; bisweilen ist der nacbste Saum des Stromes auch von hohem Grase ein-genommen, bin und wieder bat eine grosse Gesellschaft von Rottanpalmen die ganze, grime Wand erobert; eine einzelne, unbedeutende Insel, an der sicb erlieb-liche Mengen von Treibbölzern stauen, liegt ein wenig flussaufwarts von der Abzwei-gung des Ajer Makasser. Alles das ist sicberlich nicht unschön, und namentlich die schlanken, klotternden Palmen mit ihren zierlicben, glfinzenden Fiedern Arer-leihen dem Ufer bisweilen einen hohen Reiz, aber nichts ist hier doch grossartig zu nennen, und immer wieder drangte sicb mir der Vergleich mit der majestüti-schen Vegetation Surinams auf, sehr zum Nachtheil dessen, was ich bisher in Ost-Indien gesehen. Wo sind die Waldriesen, welcbe in Guiana jeden Wasserlauf von einiger Bedeutung begleiten, die Gruppen hochstammiger Palmen, die ungezfiblten Lianen und Schlingpflanzen, welcbe in phantastischen Verschlingungen von Baum zu Ikum reichen, die viele Meter langen Luftwurzeln und fruchttragenden Stiele, welche zur Wasserflache herniederhangen / Wo sind vor allem auch die Blumen l

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Man trifl't sie so selten und vereinzelt mi, dass sie, abgesehen von einigen Coirvol vu-laceen, im Gharakter der Landschaft überhaupt keine Eolle spielen, und wenn auch manches zierliche Hlatt sowie manche hübsche Baumfonn im Einzelnen das Interesse zu fesseln vermogen, so ist das Ganze doch unbedeutend; denn dies ewige örün wirkt, wenn es nicht durch bunte Blüthen oder bizarre Formen des PHanzenreicbs nnterbrochen wird, manchmal langweilig und ermüdend.

Bisher liatte ich geglaubt, dieser Gogensatz zum tropischen Amerika möchte seinen Grund zum Tlieil darin hahen, dass die von mir bereisten Flussbetten klippig oder doch nicht sehr wasserreich gewesen seien, doch trifft am Wac Apu weder ilas eine noeh das andere zu. Wie in Surinam, so findet sioh auch hier bis weit landeinwiirts ein alluvialer Boden, welcher aus der Verwitterung alterer, krystal-linischer Gesteine hervorgegangen ist, und dabei nimmt die Vegetation ein wenig liussaufwarts an Üppigkeit noch bedeutend ab; die Waldungen lichten sich, wiihrend ausgedehnte, grasbedeckte Ebenen vielfach bis an das Ufer des Stromes heranreichen.

Von der Abzweigung des Ajer Makasser gelangt man unter giinstigen Verhalt-nissen, bei nicht zu starkem Gegenstrome, schon nach reichlich 1| Stunden Ru-derna (also in 3 Stunden von Kajeli aus) zu einem Punkte, an dem zahlreiche Blasen im Flusswasser aufsteigen, und hier befindet sicb im Walde, kaum 200 Schritte vom rechten Ufer des Waë Apu entfernt, eine warme Quelle, Gabsit') genannt. Sie liegt in alluvialem Boden und riecht stark nach eclnvefliger Siiure; ibr Wasser, welches nach der Untersuehung von Herrn Professor van Bemmelen als ein soge-nanntes Mineralwasser zu betrachten ist, erfüllt einen rundlichen Pfuhl, der einen Durchmesser von etwa 8 Schriften besitzt; ihre Temperatur betrug 34^° C.

Bereits am 10tBn Mai hatte ich diesen Ort besucht, an den sich für micli nocb eine sehr unangenehme Erinuerung knüpfte; denn ich hatte hier bei meinen Auf-zeichnungen langere Zeit, entfernt von der Begleitung, arglos in einem Ameisenhaufen gestanden, bis ein unertriiglisches Jucken am ganzen Körper mir diese unerfreuliche Thatsache offenharte. Nur ein völliges Entkleiden und ein Flussbad konnten Ililfe bringen, aber wiihrend mein Diener die Kleider reinigte, versank ich aus Mangel an einem geeigneten Platze zum Baden tief im Schlamme, und als ich mieh end-licli wieder herausgoarheitet hatte, musste ich noch eine weite Strecke mit blossen Füssen über stark erhitzten Sand laufen. Diese Reihe von Qualen erwahne ich hier, um anzudeuten, wie sehr dem Europaeer die state Begleitung eines wachsamen Eingeborenen vonnöthen ist, selbst wenn er nicht mehr ein Neuling in den Tropen genannt werden kann.

Am 18ton Juni brachte ich der Quelle nur einen kurzen Besuch, um alsdann die

1) Es ist dies auch dor Name einoa biisen Goistos (vgl. VVilken , 1. (.. pag. 81).

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Flussfahrt weiter aufwarts fortzusetzen, iu eiue Gegend, die mir bis daldn noch unbe-kannt war. Die Jieise wird nuu scliwierigor, denn der Strom ist stellenweise sebr stark, so dass das Boot weite Strecken gezogen werden muss; oft machen die Leute auch von einem Stocke zum Vorwartsstossen Gebrauch, Dabei versperren bsiufig ansehn-licbe Baumstamme den Weg, und nur mit Mübe gleitet das Fahrzeug über ein-zelne dieser unter dem Wasserspiegel gelegenen Hindernisse bin; manche breite Sandablagenmg erstreckt sich zudem von den coucaven Seiten des stark gekrümm-ten Flussbettes aus zungenartig weit ins Wasser hinein, so dass dieses dann selir seiclit wird, wiihrend an der convexen Seite frisch abgebrochene, bis 4 m. hohe, alluviale Wiinde von der haufigen Umlagerung des lockeren Materiales an den Ufern des Stromes Zeugniss ablegen. Die Baumstamme stehen nicht seiten dicht neben einander, bisweilen fast reibenartig, wie Kanonenlaufe aus dem Strome hervor, indem sie ibre abgebrochene Spitze scbriig nach oben und flussabwiirts kebren, wiihrend das schwere Wurzelende weiter oberbalb am Boden rubt; dazu gesellen sich zahlreicbe vom TJfer losgerissene Bambusbüsche, deren Halme durcli das stromende Wasser in ununterbrochener Bewegung gelialten werden. Die unbc-deutende Vegetation eröifnet vielfach einen Ausblick auf das Gebirgsland, und in-folge der ungemein starken Krünimungen des Waë Apu sielit man den Batubua und den Kakusan bald vor- bald wieder hinter sich liegen. Nicht seiten passiren uns Böte mit Alfuren, welche den Fluss hinunter zu ibren Pflanzungen fahren, obwolil unterhalb VVabloï, des Zieles unserer heutigen Kei se, keine Ansiedlimgen am ïïauptstrome gelegen sind. Man sieht die Leute liier in der Einsamkeit in der Uegel mit ent-Idösstem überkörper und mancbmal auch oline Kopftucb , wobei sie dann in ihrem langen, unordentlichen, krausen Haare gleich wüst erscbeinen wie ihre Stammesgenossen von Seran. Die fiir die Flussfahrt benutzten Böte entbehren aus leicbt ersichtlicben Gründen der Ausleger.

Es war bereits nacb 4 Ubr, als wir an dem Punkte anlangten, von wo der 1'fad nach dem | Wegstunde eutfernten Dorfe Wajiloï, am linken Uier des Waë Apu, weiter fortgesetzt werden musste. Nach Abzng des Aufenthaltes zur Mittagszeit batte die Falirt vom Gassit aus nicht minder als 4 Stunden und 40 Minuten erfordert.

Wir befanden uns nun in einer uufruchtbaren Gegend, die reich an Kusu-kusu ist und nur am ïïauptstrome und den sie durchscbneidendeu, kleineren Wasser-adern eine unbedeutende Waldung tragt, in welche die Pflanzungen der Alfuren, vor allem auch Sagupalmen, eingestreut sind. Der erste Bach , den wir auf dem Wege nacb Wabloï kreuzen, heisst Ekmadilahin; er tliesst in den Wak Bloï , welcber alsdann direkt dem Waë Apu zuströmt und nacb dem aucb das dort gelegene Dorf benannt ist. Da kommen uns aucb bereits Tifascblager entgegen, l)e-

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gleitet von zwei singenden Frauen, und kurz hemacli befinden wir uns in dem nur 15 m, über dem Meere gelegenen Orte.

Icli war nicht wenig erstaunt, hier ein Dorf zu finden, welches durchans an Kajeli erinnerte, und dessen rnma negri (huma fcnna) im ambonschen Stile erbaut war. Ein alter, zudringlicher Moharnmedaner, der weder durch barsche Antworten noch duroli Stillschweigen zu einiger Zurückhaltung zu bewegen war und sich schliesslicli als ein früherer Regent aus Kajeli entpuppte, erklarte mit Stolz, dass dies Gebiiude vüh ihm errichtet worden sei, und erzahlte alsdann ohne Scheu, dass er wegen Betrügereien gefangen- und darauf abgesetzt worden sei. Von einer Enteh-rung durch solche Strafe liatte dieser Mann offenbar gar keine Vorstellung! Alsbald erfuhr ich auoh, dass Wabloï das einzige Dorf' am Waë Apu sei und über-haupt nicht regelmassig bewohnt werde, da die Alfuren hier, wie überall, in kleinen Hausergruppen (Humalolin's) zerstreut leben und nur bei Grelegenheit, wenn einmal ein Beamter hierherkommt, das Dorf in grösserer Zahl besuchen. Nach dem, was mir erzahlt worden, ist die Anlage von Wabloï ein misslungener Versuch, die unstaten Alfuren au bestinimte Wohnstatten zu fesseln '). Die ganze Bauart des Dorfes hat aus diesen Gründen auch kein weiteres Interesse; dass die Huma-koïn's iljm felilen ist selbstredend.

Die Leute, welche zu Wabloï geliören, repraesentiren eine einzige Fenna, die aber wiederum in vier Familien oder Soa's zerfalltJ), deren jede einen Kapala-soa als überhaupt besitzt. Diese Soa's beissen Da va, Fctgmaï, Bamako undKoHAN; sie bestehen ferner aus verschiedenen Humalolin's, deren Dava allein schon vier ziihlt. So liegt z. B. gleich nördlich von Wabloï ein Dava au einem Bache namens Gtuvutvohin, ein anderes befindet sich nur wenig landeinwarts am Waë Apu, ein drittes nocli weiter aufwarts an einem linken Nebenbacbe des letzteren , welcher Wak Süiian iieisst, und iiacli dem dies Humalolin aucli als Dava WaKbuhan be-zeichnet wird. Die Lage der vierten zu Dava geliörigen Hausergruppe ist mir nicht bekannt; sie beansprucht auch kein besonderes Interesse, so wenig wie die genaue Feststellung aller übrigen Wohnorte, weil dieselben nach Sterbefallen vielfach gewechselt werden.

Dagegen dürf'te es wohl von Bedeutung sein, die richtige Schreibart fïïr die Namen der in Kajeli gelegenen Humalolin's und Soa's zu erfahren, und deswegen habe

1) Nach Wilken isl Wabloï auf BofeLl des früheren Gouverneurs der Molukken, C. T. Goldman, gebaul worden (1. e. pag. 50, Anmerkung 37).

2) Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass diese Darsiellung von den am Nordstrande beobachteten Zustanden abweicht; die Vorhiiltnisse, welche ich für Lisela etc. schilderte (vgl. p. 290), Tand ich am War Apu nicht wieder.

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ie li dieselbe in Wabloi mit Hill'e der Alfuren gouau featgestellt. Die vou Iliedel ein-geiragenen Naineji mussen l'olgonderweise verbessert werden: Für HebIiIMa ist /ai lesen Hetlima , für Halalmata: Waë Lalmata , d. h. „trockener Flussquot;, für Ba Balata: BabsaVjAIjE, d. h. „viel Baumequot; {hassa = Baum, lale — viel), für Ait-noto : Ajeu Noïto , für Ibat : Ilat ; die übrigen Namen von Niederlassungen, deren zweifellos nocli eiue Reibe bis jetzt ungenannter besteht, sind aul' Riedel's Karte riebtig geschrieben, ein Durf Guvutvohin ist indessen in der betreffendon Gegend unbokannt; wolil tiiesst daselbst, wie bereits erwalint, ein kleiner Bach dieses Namens, welcher in den Waë Apu ausmündet.

In Wabloi wuchsen ausser Sagu-und Cocospalmen aucli zalilreiclie Pompelmuse, welcbe bei den Alfuren /wsi ïieissen (Citrus de cum ana L,), sowie Nangka {Artovarpus intc tjrifolia Jj.), Bei den letzterwahnten Nutzbaumen stand unter anderen wieder ein Sassi, eine rolie Zusammenstellung von 2 jungen, an ibren oberen Enden zerklopften und da-durch zerfaserten Oocosblattern; bei den ürangen befand sicli ferner ein Matakau. Dtis-selbe war ein mannshohes Gestell (Taf. 32, Fig. 7), bestehend aus einem aufrecliten Stocke, an dessen Spitze ein Stück Gabba-gabba nahezu horizontal befestigt war, um als Trager für eine Anzabl roher, aus demselben Materiale geschnitzter Figuren von Miiusen zu dienen: War die Früchte stiehlt, dem sollen Mause die Kleiderzerfressen. Ein zweites Matakau sah ich vor der gesclilossenen Tbiire eines Hauses hangen (Taf. 32, Fig. 6). Es bestand aus dem eingekerbten Blatlstiele einer Cocospalme sowie aus zwei roll geflochtenen Ketten von Eottan; alle drei Gegenstande waren au einem horizontal über der Thüre ausgespannten Tau befestigt, und zwar der Blattstiel inmitten der Ketten. .lener besagt, dass derjenige, welcher die Thür widerrechtlieh öifnet, seinen Arm nicht mehr soil aufheben können, die Ketten dagegen bedrohen eine Frau, welche hier etwa eindringen möchte, mit einer schweren Geburt.

Auch einen Begrahnissort der Alfuren lernte ich unfern Wabloi kennen, bei Gelegenheit eines kleinen Ausfluges nach N W, aul'die ersten Auhöhen, welche als die letzten Auslaufer des Gebirgslandes von Leliali eine Stunde Geheus voin erstgenannten Dorfe in die Ebene des Waë Apu reichen. Auf dem Wage dortbin passirt man zuniiclist den bereits erwahnten Bach Guvdtvohin , welcher vielfach zer-theilt und mit zahlreichen Sagupalmen bestanden ist, nebst dem an ihm gelegenen Ilumalolin Da va, alsdann den periodisch lliessenden Wai, Salfakka , welcher in den Wak Miting, einen kleinen Nebenfluss des Waë Apu, ausmündet. Bald hernach liegt die Begrabnisstatte auf einem niedrigen, Kakuiiihan genannten Hügel vor uns; aber durch nichts wird man an einen Kirchhof erinnert, demi kein Zeiclien deutet die Stelle an, an der eine Leiche verscharrt wurde; weder eine Erhöhung des Bodens, noch Steine, noch Schutzdacher sind vorhanden, nicht einmal Opfer-gaben. Man beschrankt sich namlich darauf, dem Todten sogleicb nacb dem Bo-

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grabnisse eiuen Teller mit Siri mul Pinang Mnzusetzen; doch wird das spater niclit wiederholt, und obwohl man an dieser Stelle noch stets begrabt, so fand sich doch erst nach langerem Suohen eine einzelne Scherbe als Rest einer solchen Spende vor.

Ein wenig weiter anfwarts folgt, nordwestlich vom Kakuhihan, eine Küba-lajiin genannte Höhe, welche trotz ihrer geringen Meereshöhe (117 m.) einen weiten, instruktiven Ueberblick gewahrt; demi man sieht von dort aus nicht nur das Tandjung Karbau an der Bai von Kajeli aowie den Kakusan und Batubua, sondern auch Buano, Kelang, Manipa und sogar Seran. Leider war aber das Gebirgsland von Burn in S li. S W sehr verschleiert; im Norden und in der nachsteii Umgebung tragt es in Bezug auf Relief und l'flanzenwuchs den gleichen Oharakter wie bei Leliali, wie demi auch der Boden aus derselben, archaeischen Formation gebildet ist. Die gras-bedeckte Ebene, welche sich von seinem Fusse nach S hin ausdehnt, erinnert an die mit Kusukusu bestandenen Fhichen des Kalksteingebirges im. Inuem.

Dalt;weder die Gegend geognostisch interessant ist, noch ethnographische Auf-schlüsse von irgend welcher Bedeutung in Wabloï zu erhalten waren, so hÉLtte ich die Reise tlussaufwarts gerne bereits am 19tf!n Juni fortgesetzt, aber die Indolenz des mohammedanischen Regenten von Kajeli, welelier mich begleitete, schloss jede Möglichkeit eines raschen Fortkommens aus. Der junge Mann, nacli euro-paeischen Begriffen kaum mündig, schien bei der Bevölkerung, die vielleiclit dem abgesetzten Regenten noch melir zugethan sein mochte, auch nicht in besonde-rem Ansehen zu stehen, und die einzige Aufmerksamkeit, welche man ihm bewies, bestand in dem Geschenke eines schneeweissen Hulmes bei unserer Ankunft. Alle seine Anordnungen wurden lassig ausgetührt, und so musste der Aufbruch bis zum SO816quot; Juni verschoben werden.

Wir fuhren in der Frühe dieses Tages noch 2\ Stunden lang, unter gleichen Verhaltnissen wie unterhalb Wabloï, den AVaö Apu anfwarts, olme dass der Clia-rakter der Landschaft sich irgendwie geandert hatte. Überall dasselbe, langweilige TJferland! Links erblickte man einige Hiinser von Dava , dann rechts ein liuma-lolin namens Wak Temü, endlich abermals links Dava Waësuhan , woselbst trelandet wurde, um die Reise zu Fuss weiter nacli Wagapa fortzusetzen. Aucb

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hier wiederum genau die gleiche üede: Kusukusu und an den Wasserlaufen ein unbedeutender Wald. Der Weg führte links von einem kleinen Bache namens Waï: Walg bin, welcher in den Waë Suhan fliesst; letzterer mündet bei dem gleichna-migen ITumalolin in den Hauptstrom, aber er ist eben so unbedeutend wie sammt-liche Zuflüsse des Waë Apu, welche ich bis hieber gesehen hatte. Genau eine halbe Stunde nach dem Aufbruche vom Uier des Flusses, welcher hier oben im Mittel

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noch immer gleich breit ist wie au seiner Mündung, befanden wir uns in Bamang.

Dies Humalolin trügt einen gam anderen Charakter als Wabloï; ausser dem ïilau steben daselbst nur noch 7Hauser und nicht weniger als 8 Huma-koin's. Ersterer gleicht durchaus den entsprechenden Gebauden der Nordküste (jede Verzierung der Dachfirste fehlt ihm), die Hiiuser dagegen ruhen fast alle auf Pföhlen und haben Pritschen unter dem vorstehenden Dache, so dass sie in mancher Hinsicht an diejenigen des Innern von Seran erinnern. Als Baumaterial ist vor allem Atapp ver-Avendet, aber man siebt ausserdem Banmrinde und horizontal über einander geschichtete Stabe von Qabba-gabba zur Herstellung der Wande beuutzt. Bisweilen fehlen solche auch ganz, und mehrfach linden sich, an die Hauptwohnungen angebaut, kleine lliiume mit Pritschen, welche mit ihren von Atapp angefertigten Wanden direkt auf dem Boden steben. Nur ein einzeliies, kleines Haus entbehrt jeden Unterbau von Piahlen und ahnelt hierdurch den am Strande gebriiuchlichen Wolmungen. Im Innern beiindet sioh die Peuerstatte in einem langlichen Kasten, welcher fast stets die ganze Breite des Ha uses an der Wand einnimmt und Erde sowie Asohe nebst einigen als Untersiitze dienenden, dreiseitigen Steinen enthült. Auf einer Borte über der Feuerstatte liegt das Brennholz geschichtet, zahlreiche, geflochtene Körbe hiingen oder steben in den Wolmungen uniher.

In einem Hause bemerkte ich auch eine Vorrichtung zum Opfern (Taf. 82, Fig. 8). Es waren zwei mehr als mannshohe, ziemlich dicke Pftlble nalie neben einander in den Boden gepflanzt; einer derselben (8quot;) besass am oberen Ende drei tier schon beschriebenen, ringartigen Einkerbungen und war im übrigen rund-lich, der andere (8b) vierseitig und nur mit einem einzelnen Einge verziert. Auf beiden stand eine Scbüssel, und zwar war diejenige, welche sicb auf dem erst-erwahnten Pfahle beland, bestimmt, das Dammerharz aufzuuehmen, so dass also diese Vorrichtung der allgemein bei Dammeropfern gebrauchlichen glich; in der anderen Scbüssel dagegen lag Siri und Pinang fur die Nitu-nitu sowie ein in ein Tuch eingewickelter musiilca. Darunter verstebt man Steine, welcbe sicb gelegent-lich in Thieren oder Früchten finden (nicht deren Kerne), und zu denen auch die Otolitben der Fische gerechnet werden. Man schreibt ibnen eine bohe Bedeutung zu und glaubt z. B., dass eine gunstige Zeit für das Bebauen des Fel des angebro-chen sei, wenn man einen solchen Mustika in einer Frucht antrifft. Beim Einlegen des Steines in die Scblüssel wird Siri gekaut und rings um den l'fahl herum ausgespuckt; das Gauze dient dazu, sicb durch Opfern einen günstigen Jagder-folg zu sicbern.

Die Huma-koïn's (Taf. 32, Fig. 3) unterscheiden sicb von denen der Nord-küste dadurch, dass sie an ihren Querseiten oben unter dem Dache otl'en bleiben und nun hier bis zur Firste binauf mit Cocosfiedern behangen sind, welche

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an den Lüngsseiten des Dachrandes ebenfalls in gewohnter Weise befestigt werden* Alle Gebetliauser trugen oluie Ausnalime den gleicben Scbmuck, mul so sab ich denselben audi bereits an einem Huma-koïn, welches an der Einmündung des Waö Hulian in deu Waë Apu stand; es scbeint also, dass die Fiedern in dieser Gegend eine stiindige Vemerung der Hauschen ausmacben, was am Nordstrande nicbt der Fall ist.

Das Gebirge diirfte von Bamang aus nocb sebr weit entfernt sein, denn nicht eimnal Geschiebe waren in dieser Gegend zu finden, mid die Weiterreise nach Wagapa, welclies etwas weiter landeinwarts liegt, versprach keinerlei geognostische Uesultate. Da icb mich nun bereits seit einiger Zeit unpasslioh fühlte, so be-schloss ich, nodi an demselben Tage (am 20s,on Juni) so bald wie möglich nach Kajeli zurückzukebren, denn leider war scbon die Aufnahme des Flussbettes vom Gassit bis Waë Suban inlolge des ünwohlseins unbrauchbar, und auch aut' der Rückreise konnte icli diese Lücke in meinen Beobachtungen nicht mebr antullen. Dagegen mogen zur Beurtheilung der Abstande noch iblgende Zeitangaben hier Platz tinden.

Die Fahrt flussabwarts wurde um 12 ü. 1 M. angetreten; bereits um 1 ülir befanden wir uns am Landungsplatze uniern Wablo'i, von wo um 1 U. 48 M. wieder aufgebrocheu wurde; um 3 U. 50 M. gelangten wir zum Gassit, um 5 ühr ans Ajer Makasser, um 5 U. 22 M. an den Meeresstrand und um G U. 35 M. nach Kajeli. Die Fahrt vom Waë Suban bis an das Utér des Meeres batte also trotz des ungemein starken Stromes in dem weiter landeinwarts befindlichen Flussabschnitte und trutz sebr angestrengten Euderns, nach Abzug des Aufenthaltes bei Wabloï, noch 4 Stunden und 34 Minuten erfordert. Wenngleich nun der Fluss zahlreiche, scharfe Krümmungen macht, so scheiut mir doch aus der Dauer der Fahrt, ver-glichen juit den Abstanden, welche ich unter ahnlichen Verhaltnissen langs der Küste zurückzulegen ptlegte, liervorzugelien, dass AVagapa in der That etwa so weit landeinwarts liegt, wie Riedel aut' seiner Karte angegeben bat.

Es blieb mir nocb übrig, den heiligen Batubua zu besteigen, und wenn auch meine Gesundheit viel zu wiinschen übrig liess, so wollte ich diese Helse doch nicht aufscbiehen und nocb weniger aufgeben; waren doch die Vorbereitungen dazu mit grossen Schwierigkeiten gepaart gewesen, wei! es nicht uur galt, einen Weg zum Gipfel aufzufinden, sondern vor allem auch, die Scheu der Eingeborenen vor dem Betreten des Berges zu überwinden. Meine glücklicha Heimkehr vom Kakusan batte vielleicht dazu beigetragen, den Leuten von Kajeli Muth einzuflössen, wenngleich derselbe spater, wie wir weiter unten seben werden, nicht immer stand hielt.

Das Wetter erinnerte zwar seit einigen Tagen mebr an ilie Regen- als an die

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ïrockenzeit; eine bedeckte l;iil't , bin mid wieder Eegen , bisweileu audi GewUter, nicht selten ein beftiger Wind, bei dein das Wasser in der Bai von Kajeli am 22stcn Juni etwa LJ m. niedriger stand als sonst zur Zeit der tiei'sten Ebbe; aber wir befanden uns doch in der Jahreszeit, welche in diesem Tbeile von Buru trocken zu sein pfiegt, und so glaubte ich denn der zeitweilig scblechten Witte-rung keine zu bobe Bedeutung beilegen zu müssen. Hatte ich alinen können, welche reichlichen Niedersclilage die folgenden ïage bringen würden, so wilre icb jedenfalls daheim und auf diese Wei.se vielleicht vor schwerer Erkrankung bewabrt geblieben, unter den obwaltenden Umslanden aber wurde die Besteigung des Berges am 24sten Juni in Angrift' genommen. Noch am Morgen dieses Tages lielen gewal-tige Regenscbauer; docli konnte ich die Trager, welche stets so schwierig zusain-menzubringen sind, nicht wieder heimsenden, und so machte ich mich denn, begleitet von meinem Dolmetscher um 7 U. 43 M., als der liegen gerade ein wenig nachgelassen batte, aul' den Weg.

Fast eine Stunde lang folgten wir dein bereits bescbriebenen Ajer Kajeli (im Bahassa Waë Absel genannt) im Bette aufwarts, dann stiegen wir an seinem linken Ufer das mit Kajuputi besetzte Hügelland hinan, woselbst vielfach kleine Klippen der krystalliniscben Schieferformation aus dem Grase hervorsteben, welches in Gesellschaft des genannten Baumes audi bier wiederum die berrschende l'üan-zenform lt;larstellt; sie sind von Quarz durchwaehsen, dessen weisse Broeken überall umherliegen. Jetzt bereits sind wir gründlicb durclmasst.

Links blickt man nun eine Zeit lang auf den Fluss, rechts auf die Bai von Kajeli, wahrend der Weg unter bestandiger Eichtungsanderung hiigelanf und liügelab in dem vielfach zerschnittenen Terrain fast unmerklich aufwarts führt, bald S W—W, eine Strecke A IF, dann wieder S W, 14', 6' und so weiter. Gegen Mittag haben wir noch nicht mehr als 325 in. Meereshöhe erreiclit und befinden wir uns an einem Punkte, von dem aus der IIaniioni Ar80o // gelegen ist, in der Luftlinie vielleicht nur ^ Wegstunde entfernt. Ueber ihn und über das Thai des Waë Apu hinaus schweift der Bliek zu dem Berglande, welches die Ebene des letzteren im Norden begrenzt, und der uns bekannte Kakuiiihan bei Wabloï ist A 68° iV sichtbar. Die Kajuputi-Vegetation ist seit kurzem geschwunden; lichter Wald mit Rottan, Galoha {Amomum spec.) und vielen Farnen ist au ilire Stelle getreten, wahrend sich bisweilen auch hohes Schilf in üppigster Entwicklung zeigt. Nun führt der Weg nach S und dann lange Zeit hindurch nach S O, bis gegen 1 IJhr der Gipfel des Gunünö Eïnoul erreiclit ist, welcher 420 m. über dem Meere hervorragt und einen prachtigen Ausblick auf die Bai von Kajeli gewahrt. Denn nicht nur Tandjtjng Kakhai; und Tj. Fuban, sondern auch Tj. Waë Apu sind von dort sichtbar, wahrend im Vordergrunde zu unseren Füssen das A.iek Kajeli in

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gleitet von zwei süigenden Frauen, und kurz hernach befiuden wir tins in dem nnr 15 m. über dem Meere gelegenen Orte.

Icli war nicht wenig erstaunt, hier ein Dorf zu finden, welches durchans an Kajeli erinnerte, und dessen ruma negri (Jmma fcnna) im ambonschen Stile erbant war. Ein alter, zudringlicher Mohammedaner, der weder dnrch barsche Antworten noch durch Stillschweigen zn einiger Zurückhaltung zu bewegen war und sich schliesslich als ein früherer Regent aus Kajeli entpuppte, erklarte mit Stolz, dass dies Qebiiude von ihni errichtet worden sei, und erziihlte alsdann ohne Scheu, dass er wegen Betrügereien gefangen- und darauf abgesetzt worden sei. Von einer Enteh-rung durch solche Straie batte dieser Mann offenbar gar keine Vorstellung! Alsbald erfuhr ich auch, dass Wabloï das ei nzige Dorf ara Waë Apu sei und überhaupt nicht regelmassig bewohnt werde, da die Alfuren hier, wie überall, in kleinen Hausergruppen (Humalolin's) zerstreut leben und nur bei Gelegenheit, wenn einmal ein Beamter hierherkomml, das Dori' in grösserer Zahl besuchen. Nach (iera, was mir erzahlt worden, ist die Anlage von Wabloï ein misslungener Versuch, die unstaten Alfuren an bestimmte Wohnstatten zu fesseln '). Die ganze Bauart des Dorfes hat aus diesen Grimden auch kein weiteres Interesse; dass die Huma-koïn's ihm fehlen ist selbstredend.

Die Leute, welche zu Wabloï geboren, repraesentiren eine einzige Ken na, die aber wiedemm in vier Familien oder Soa's zerfallt1), deren jede einen Kapala-soa als Oberhaupt besitzt. Diese Soa's heissen Dava , Fügmaï, Bamang und Kouan ; sie hestehen ferner aus verschiedenen Humalolin's, deren Dava allein schon vier ziihlt. So liegt z. B. gleich nördlich von Wabloï ein Dava an einem Bache namens Guvütvohin, ein anderes befindet sich nur wenig landeinwarts ara Waë Apu, ein drittes noch weiter aufwarts an einem linken Nebenbache des letzteren, welcher Wak Suhan heiast, und nach dem dies Humalolin auch als Dava WaRsuuan be-zeichnet wird. Die Lage der vierten zu Dava gehörigen Hausergruppe ist mir nicht bekannt; sie beansprucht auch kein besonderes Interesse, so wenig wie die geuaue Feststellung aller übrigen Wohnorte, weil dieselben nach Sterbefallen vielliich gewechselt werden.

Dagegen dürfte es wohl von Bedeutung sein, die richtige Schreibart für die Namen der in Kajeli gelegenen Humalolin's und Soa's zu erfahren, und deswegen habe

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Nach Wilkon ist Wabloï auf Befehl des früheron Gouverneurs der Molukken, O. T. Goldman, gebaut worden (1. c. pag. 50, Anmorkung 37).

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ich dieselbe in Waljloi mit Hille der Altüren genau festgestellt. Die vou Riedel ein-getragenen Namen müssen lolgenderweise verbessert werden: Für Hehliwa ist zu lesen Hktlima , für Halalmata : Waë Lalmata, d. h. „trockener Flussquot;, fiir ISa balata: üassaiiaiik, d. li. „viel Banmequot; (iassa — Baum, lede = viel), für Au-noto : Ajbh Notto , für Ibat : Ilat ; die übrigen Namen von Niederlassungen, deren zweifellos noch eine Reihe bis jetzt ungenannter besteht, sind auf liiedel's Kar te richtig geschrieben, ein Dorf Guvutvouin ist indessen in der betreffenden Gegend unbekannt; wolil üiesst daselbst, wie bereits erwiilmt, ein kleiner Baoli dieses Namens, welcher in den Waë Apu ausmündet.

In Wabloi wuchsen ausser Sagu-und Cocospalmen aucli zahlreiclie Pompelmuse, welche bei den Aliüren Ziosi heissen {Citrus cleomana L.), sowie Nangka {Artocarpus inte' grifolia Ij.), Bei don letzterwiilinten Nutzbtiumen stand miter anderen wieder ein Sassi, eine robe Zusammenstellung von 2 jungen, an ihren oberen Enden zerklopften und da-durcli zerfaserten Cocosblattern; bei den Orangen befand sicb ferner ein Matakau. Diis-selbe war ein mannshobes Qestell (Taf. 32, Fig. 7), bestebend ans einem anfrechton Stoeke, an dessen Spitze ein Stück Gabba-gabba nabezn horizontal befestigt war, um als Trager für eine Anzahl roher, aus demselben Materiale geschnitzter Figuren von Miiusen zn dienen: Wer die Früchte stiehlt, dem sollen Miiuse die Kleider zer tressen. Ein zweites Matakau sah ich vor der geschlossenen Thüre eines Hauses hangen (Taf. 32, Fig. 6). Es bestand aus dem eingekerbten Blattstiele einer Cocospalme sowie aus zwei rob gefiochtenen Ketten von Rottan; alle drei Gegenstande waren an einem horizontal über der Thüre ausgespannten Tan befestigt, und zwar der Blattstiel inmitten der Ketten. Jener besagt, dass derjenige, welcher die Thür widerrechtlich öffnet, seinen Arm nicht mehr soil auf he ben können, die Kelten dagegen bedrohen eine Frau, vvelche hier etwa eindringen möchte, mit einer ach weren Geburt.

Auch einen Begrabnissort der Alfuren lernte ich unfern Wabloi kennen, bei Gelegenheit eines kleinen Ausfiuges nach N W, auf die ersten Anhöhen, welche als die letzten Auslaufer des Gebirgslandes von Leliali eine Stunde Gehens vom erstgenannten Dorfe in die Ebene des Waë Ajm reichen. Auf dem Wege dortbin passirt man zunachst den bereits erwahnten Bach Güvütvohin , welcher vielfacli zer-theilt und mit zalilreichen Sagupalmen bestanden ist, nebst dem an ihm gelegenen llumalolin Dava, alsdann den periodisch fliessenden Waë Salïakka , welcher in den Wak Miting, einen kleinen Nebentluss des Waë Apu, ausmündet. Bald iiernach liegt die Begrabnisstatte auf einem niedrigen, Kaktihihan genannten Hiigel vor nns; aber durch nichts wird man an einen Kirchhof erinnert, demi kein Zeichen deutet die Stelle an, an der eine Leiche verscharrt wurde; weder eine Erhöhung des Bodens, noch Steine, noch Schutzdacher sind vorhanden, nicht, einmal Opfer-gaben. Man besohrankt sich namlich darauf, dem Todten sogleich nach dem Be-

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grabnisse einen Teller mit Siri unci Pinang Hnzusetzen; doch wird das spater nicht wiederholt, und obwohl man au dieser Stelle noch stets begrabt, so fand sich doch erst uach langerem Suchen einc einzelne Scherbe als liest einer solchen Spende vor.

Ein wenig weiter aufwarts folgt, nordwestlich vom Kakuhihan, eine Kuba-laiiin genannte Höhe, welche trotz ihrer geringen Meereshöhe (117 m.) einen weiten, iustruktiven Ueberblick gewiihrt; denn man sieht vod dort aus nicht nur das Tandjung Karban an der Bai von Kajeli sowie den Kakusan und Batuhua, sondern auch Buano, Kelang, Manipa und sogar Seran. Leider war aber das Gebirgsland vou Buru in S u. S IV sehr verschleiert; im Norden und in der nachsten ümgebung tragt es in Bezug auf Relief und Pflanzeuwuchs den gleichen Charakter wie bei Leliali, wie denn auch der Boden aus derselben, archaeischen Formation gebildet ist, Die gras-bedeckte Ebeue, welche sich von seinem Fusse nach S hin ausdehnt, erinnert an die mit Kusukusu bestandenen Fliichen des Kalksteingebirges im lunern.

Da weder die Gegend geognostisch interessant ist, noch etlmographische Auf-schlüsse von irgend welcher Bedeutung in Wabloï zu erhalten waren, so hatte ich die Reise tlussaufwürts gerne bereits am 19ten Juni fortgesetzt, aber die Indolenz des mohammedanischen Regenten von Kajeli, welcher mich begleitete, schloss jede Möglichkeit eines raschen Fortkommens aus. Der junge Mann, nacli euro-paeischen Begriffen kaum mündig, schien bei der Bevölkerung, die vielleicht dem abgesetzten Regenten noch mehr zugethan sein mochte, auch nicht in besonde-rem Ansehen zu stehen, und die einzige Aufmerksamkeit, welche man ihm bewies, bestand in dem Geschenke eines schneeweissen Huhnes bei unserer Ankunft. Alle seine Anordnungen wurden lassig ausgeführt, und so musste der Aufbruch bis zum 20ston Juni verschoben werden.

Wir fuhren in der Frühe dieses Tages noch 2| Stunden lang, unter gleichen Verhaltnissen wie unterhalb Wabloï, den Waö Apu aufwarts, ohne dass der Charakter der Landschaft sich irgend wie geandert batte, liberal] dasselbe, langweilige Uferland! Links erblickte man einige Hituser von Dava, dann rechts ein Huma-lolin namens Wak Tbmu, endlicli abermals links Dava WaëSühan , woselbst gelandet wurde, um die Reise zu Fuss weiter nach Wagapa fortzusetzen. Auch hier wiederum geuau die gleiche üede: Kusukusu und an den Wasserlaufen ein unbedeutender Wald. Der Weg führte links von einem kleinen Bache namens Wak Walo bin, welcher in den Wak Suhan fliesst; letzterer mündet bei dem gleichna-migen Humalolin in den Hanptstrom, aber er ist eben so unhedeutend wie sammt-liche Zuflüsse des Waö Apu, welche ich bis hieher gesehen hatte. Genau eine halbe Stunde nach dem Aufbruche vom Ufer des Flusses, welcher hier oben im Mittel

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noch immer gleich breit ist wie an seiner Mündung, befanden wir uus in Bamang.

Dies Humalolin tragt einen ganz anderen Charakter als Wabloï; ansser dem Tilan steken daselbst nur noch 7 Hüuser und nicht weniger als 8 Huma-koïn's. Ersterer gleicht durchaus den entspreclienden Gebauden der Nordküste (jede Verzierung der Dachfirste fehlt ihm), die Hiiuser dagegen ruhen fast alle aut' Plablen und liahen Pritschen unter dem vorstehenden Dache, so dass sie in manoher Hinsicht an diejenigen des Innern vun Seran erinnern. Als Baumaterial ist vor allem Atap]) ver-wendet, aber man sieht ausserdem Baumrinde und horizontal über einander g-eschlchtete Stiibe von Qabba-gabba zur Herstellung der Wande benutzt. Bisweilen fehlen solciie anck ganz, und mekrfach finden sick, an die LLauptwohnungeu angeliaut, kleine Kiiume mit Pritschen, welche mit ihren von Atapp angefertigten Wanden direkt auf dem Boden stehen. Nur ein einzelnes, kleines Hans entbehrt jeden Unterbau von Pfaklen und ahnelt hierdurch den am Strande gebriuichlichen Wohnungen. Im Innern befindet sick die Feuerstiitte in einem langlichen Kasten, welcher fast stets die ganze Brei te des Hauses an der Wand einnimmt und Erde sowie Ascke nebst einigen als üntersatze dienenden, dreiseitigen Steinen enthalt. Auf einer Borte über der Feuerstiitte liegt das Brennkolz gesckichtet, zahlreicke, geflocktene Körbe hüngeit oder stehen in den Wohnungen umher.

In einem Hause bemerkte icli auch oine Vorrichtung zum Opfern (Taf. !i2. Fig. 8). Es waren zwei mekr nis mannskuke, ziemlicb dicke I'fakle nabe neben einander in den Boden gepflanzt; einer derselben (8a) besass am oberen Ende drei der sckon beschriebenen, ringartigen Einkerbungen und war im übrigeu rund-lich, der andere (8'') vierseitig und nur mit einem einzelnen llinge verziert. Auf beiden stand eine Scküssel, und zwar war diejenige, welche sick auf dem erst-erwaknten Pfakle beland, bestimmt, das Dammerkarz aufzunehmen, so dass also diese Vorrichtung der allgemein bei Dammeropfern gebrauchlichen glich; in der anderen Schiissel dagegen lag Siri und Pinang für die Nitu-nitu sowie ein in ein Tuch eingewickelter mustika, Damnter verstekt man Steine, welcke sicli gelegent-lich in Thieren oder Frückten findeii (niclit deren Kerne), und zu denen auck die Otolitken der Fiscke gerecknet werden. Man sckreibt ihnen eine kohe Bedeutung zu und glaubt z. B., dass eine giiustige Zeit für das Bebauen des Feldes angebro-ohen sei, wenn man einen solciien Mustika in einer Frucht antrifft. Beim Einlegen des Steines in die Schlüssel wird Siri gekant und rings um den l'fahl lierurn ausgespuckt; das Ganze dient dazu, sicb durck Opfern einen günstigen Jagder-folg zu sicliern.

Die Iluma-koïn's (Taf. 32, Fig. 3) unterscheiden sich von denen der Nord-küste dadurch, dass sie an ikren Querseiten oben unter dem Uache oii'en bleiben nnd nun liier bis zur Firste kinauf mit Cocosfledern behangen sind, welche

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an den Liingsseiten de« Dachrandes ebeiifalls in gewolmter Weise beleslig-t werden-Alle Gebethauser trugen olme Ausuahme den gleichen Sclimuck, uud so sab ich denselben audi bereits an einom Huma-kom, welclies an der Einmündnng des Wais Sulian in den Waë Apu stand; es scheint also, dass die Fiedern in dieser Gegend eine stiindige Verzienmg' der HauscLen ausmacben, was am Nordstrande niclit der Fall ist.

Das Gebirge diirfte von Bamang ans nocb sehr weii entfernt sein, denn nicht einmal Geschiebe waren in dieser Gegend zn linden, und die Weiterreise nacb Wagapa, welches etwas weiter laudeinwarts liegt, versprach keinerlei geognostiscbe liesultate. Da ich mich nun bereits seit einiger Zeit unpasslich fiihlte, so be-schloss ich, noch an demselben Tage (am 20st011 Juni) so bald wie möglicb nacb Kajeli zurückzukehren, denn leider war schon die Aufnahme des Flussbettes voin Gassit bis Waë Suban inlblge des Unwohlseius unbrauchbar, und audi auf der Rückreise konnte ich diese Liicke hi meinen Beobachtungen nicht mehr anfiillen. Dagegen mogen zur Beurtheilung der Abstande noch folgeude Zeitangaben liier Platz finden.

Die Fahrt flussabwarts wurde urn 12 U. 1 M. angetreten; bereits um 1 Ubr belanden wir uns am Landungsplatze unfern Wabloï, von wo um 1 U. 48 M. wieder aufgebrochen wurde; um 3 U. 50 M. gelangten wir zum Gassit, um 5 Uhlans Ajer Makasser, um 5 U. 22 M. an den Meeresstrand und um (3 U. 35 M. nacb Kajeli. Die Fahrt vom Waë Suban bis an das Uier des Meeres hatte also trotz des ungemein starken Stromes in dem weiter landeinwiirts befindlichen Flussabschnitte und trotz sehr angestrengten Ruderns, nacb Abzug des Aufenthaltes bei Wabloï, noch 4 Stunden und 34 Minuten erfordert. Wenngleich nun der Fluss zahlreiche, scharfe Krümmungen macht, so scheint mir doch aus der Dauer der Fahrt, ver-glichen mit den Abstanden, welche ich unter iibnlichen Verhilltnissen liings der Küste zurückzulegen pllegte, liervorzugdien, dass Wagapa in der That etwa so weit landeinwiirts liegt, wie Riedel auf seiner Karte angegebeu hat.

Es blieli mir noch übrig, den heiligen Batitisua zu besteigen, und wenn audi meine Gesundbeit viel zu wiinsdien übrig liess, so wollte ich diese Reise doch nicht aufschieben und nodi weniger aufgeben; waren doch die Vorbereitungen dazu mit grossen Schwierigkeiten gepaart gewesen, weil es nicht nur galt, einen Weg zum Gipfel aufzufinden, sondern vor allem audi, die Sclieu der Eingeborenen vor dem Betreten des Berges zu überwinden. Meine gliicklidie Heimkehr vom Kakusan hatte vielleicht dazu beigetragen, den Lenten von Kajeli Muth einzuflossen, wenngleich derselbe spater, wie wir weiter unten sehen werden, nicht immer stand hielt.

Das Wetter erinnerte zwar seit einigen Tagen mehr an die Regen- als an die

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Trockenzeit; eiiio bedeckte ljuft, bin unci wieder Hogen, bisweilen aueh öewittt'i', nielit solten ein beftiger Wind, bei dom das Wasser in der Bai von Kajeli am 22stl!n Juni etwa I.' m. niedriger stand als sonst zur Ze it der tiofsten Ebbe; aber wir befanden uns doch in der Jabreszeit, welclie in diesem Theile von Bum trocken zu sein pflegt, und so glaubte icb deun der zeitweilig schlecbten Witte-rnng koine zu bobe Bedeutung beilegen zu müssen. Hatte icb abnen kÖnnen, welche reicblicben Niederscblage die folgonden Tage bringen wiirden, so wiire icb jedenfalls dabeim und auf diese Weise violloicht vor schwerer Erkrankung bewabrt geblieben, unter den obwaltenden Umstanden aber wurde die Bosteigung desBerges am 24stcquot; Juni in Angrifi' genommen. Noch am Morgen dieses Tages Helen gewal-tige Eegenschauer; docb konnte icb die Trager, welclie stets so scbwierig zusam-menzubringen sind, nicht wieder beimsenden, und so machte icb mich deun, begleitet von meinem Dolmetscher um 7 U. 43 M., als der Regen gerade ein wenig nacbgelassen batte, auf den Weg.

Fast eine Stunde lang folgten wir dein bereits bescbriebenen Ajbu Kajeli (im Bahassa Waë Asskl genannt) im Bette aufwarts, daim stiogen wir an seinom linken Ufer das mit Kajuputi besetzte llügelland hinan, woselbst vielfach kleine Klippen der krystallinischen Schiei'erformation aus dem Qrase bervorstehen, welches in Gesellscbat't des genannten Baumes auch hier wioderum die herrschende Pflan-zenform darstollt; sio sind von Quarz durchwachsen, dossen weisse Broeken überall umherliegen. Jetzt bereits sind wir gründlich durchnasst.

Links blickt man nun eine Zeit lang auf den Fluss, rechts auf die Bai von Kajeli, wahrend der Weg unter bestandiger Richtungsanderung bügelauf und hügelab in dem vielfach zerschnittenen Terrain fast iinmerklich aufwiirts fübrt, bald S W—W, eine Streeke JV W, daim wieder S W, W, S und so weitor. Gogen Mittag haben wir noch nicht mohr als 325 m. Meoroshöhe erreicht und befinden wir uns an einem Punkte, von dem aus dor Hanuoni Ar80o ff gelogen ist, in der Luftlinie violleicht nur { Wegstunde entfernt. Ueber ibn und über das Thai des Waë Apu binaus sebweift der Bliek zu dom Berglande, welches die Ebene des lotzteren im Norden begrenzt, und der uns bekannte Kakühiiian bei Wabloï ist N 68° IV sichtbar. Die Kaj uputi-Vegetation ist seit kurzem geschwunden; lichter Wald mit Rottan, Galoba (Amomum spec.) und vielen Farnen ist an ibro Stelle getreten, wahrend sieb biswoilen audi holies Schilf in üppigster Entwicklung zeigt. Nun fübrt der Weg naeh S und daim lange Zeit hindureb nach SO, bis gogen 1 Uhr der Gipfol des Gunung Etnoül erreicht ist, weieher 420m. über dem Meere hervorragt und einen prachtigen Ausbliek auf die Bai von Kajeli gewahrt. Donn nicht nur Tandjuno Kaubaü und Tj. Fusan, sondern auch Tj. Waë Ai'u sind von dort sichtbar, wahrend im Vordergrunde zu unsoron Füssen das A.ier Kajeli in

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mannigfaclieu Krümmungen durch das niedrige Hügelland hiu seinen Weg zur Küste sucht; die hellen Qeröllablagerungen des Flusses und sein blinkendes Wasser durchsclineiden einer lichten Schnur gleieh die braunlich- und blaugrünen Bodenwellen zu Seiten seines Bettes. Die mittlere Riclitung dieses Flusaabsclmittes, den wir in weitem Bogen nmgangen batten, ist von dem erwahnten Standpunkte aus N40°O; etwas spater, nachdem wir von dort aus noeb eine Strecke nacb SO marscbirt, batten wir aber den Oberlaut' des Kajeli uumittelbar unter uns zur Linken, und es scbien mir, als ob der Weg zum Batubua in wirklich trockener Zeil, bis weit aufwarts viel bequemer im Bette des genannten Flusses als über den G. Etnoul zurückgelegt werden könnte. Die Alfuren bestatigten dies aucb, erklar-ten aber, den Wasserlauf aus Furcbt vor Überströmungen vermieden zu haben — bei dem jetzigen Wetter jedenfalls ein glücklicber Umstand! Noch immer wecbselte die Kichtung des Weges, auf dem wir allmahlig im Walde nacli oben stiegen, und zwar zwischen S If—S O, aber besondere Schwierigkeiten waren nicht zu überwin-den, da die Vegetation nicht sehr dicht ist. Zu meiner Verwunderung sah icb bier noch Casuarinen wacbsen, die icb bis dahin iiirgends so hoch im Gebirge antraf. Dann horten wir gegen 3 Ubr (etwa 1| Stunden nach dem Verlassen des Etnoul) zur Hechten den Sbnïïpa rauschen, einen Nebenliuss des Waë Lata, weleher sich untern des Ajer Makasser in die Bai von Kajeli ergiesst, und um 3 U. 40 M. wurde in 711 m. Meeretdiöhe die Station erricbtet.

Der Berg, auf dem wir uns befanden, trügt viele Dammarabaume, und die Leute nennen ihn aus diesem Grunde G. Dammer; doch bildet derselbe, wie der Weitermarsch am folgenden Tage lebrte, keine isolirte Spitze. Der Verbleib am genannten Orte war sehr unerquicklich, denn obwohl es in den Nachmittagsstunden nicht mebr geregnet batte, so waren wir doch seitber lange ui einem dicken Nebel gegangen, und die Kleider klebten uns noch immer am Leibe. Dabei batten die Mohammedaner von Kajeli ibren Auftrag, Hütten zu banen, wiederum so schlecbt ausgerichtet, dass icb, gumde wie aut' der lieise zum Kakusan, die Arbeit unter persönlicher Aui'sicbt von neuem in Angriff nebmen lassen musste; lange dauerte es, bis icb den durchfrorenen Körper in europaeiscbe Winterkleidung stecken konnte, und obwohl die Temperatur in der Nacht nicht unter tJܰ G. sank, so konnte icb doch trotz jen er und trotz des Plaids in meiner Hangematte nicht recht, warm werden.

Qleicb trübe wie der vergangono Tag brach aucb der 25s10 Juni für uns an; os regnete so schwer, dass in den Irüben Morgenstunden an Aufbruch gar nicht zu denken war. Deswegen begannen die wenigen Alfuren von Waëlata, welche sich unter meiner Begleitimg befanden und bereits früber bei Anlage des Weges

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an dieser Stelle geopfert batten, von neuem Dammerharz zu verbrennen und ihre Gebete zu den Nitu-nitu emporzusenden, damit der Regen aufböre. Halb veracht-licb, halb vertrauend salien die Mohammedaner dieser Handlving zu; docli sind sie selber so aberglaubiscb, dass die Spötteleien vielleicht niclil einmal ernstlic.b gemeint waren, sondern uur als ein Zeiclien des Selbstbewusstseins gegenüber den heidniscben Alfuren geaussert wurden. Endlich, um 7 U. 40 M., batte der Regen Kir einen Augenblick so weit naebgelassen, dass der Autstieg fortgesetzt werden konnte, und um 8 IJ. 15 M. befanden wir uns in 755 m. Meeresbölie, auf dem böchsten Punkte des G. Dammer; dann tübrte der Weg vviederum init langsamer Steigung über verschiedene Bodenwellen bin,quot; bis um 8 U. 53 M. der 797 m. liocli gelegene Fuss des Batuhüa erreicbt war.

Bald in diokem N eb el bald unter schwerem liegen gebt es weiter aufwarts; weder Speise noch Trank ist von meinon unzuverlassigen, auf' dem Pfade weitbin zerstreuten Begleitern zu erlialten, und gegen 10 Ubr wird das Klettern obendrein schwierig, da auf dem glatten, durchweichten Boden, welcber die jetzt steilen Gebünge bedenkt, viele Baumstiimme umherliegen, wabrend die nassen Wurzeln dem Fusse nur einen schlecbten Halt bieten. Dabei ist der Weg reich an Löcbern, welche dadurcb gebildet sind, dass das Erdreiob zwiscben dem Wurzelwerk aus-gewascben wurde. Hie und da unterbricbt freilich eine kleine, ebene Fliiche die steile Böschung, aber alsdann ist der Boden sumpfig und stellenweise mit teicbartigen Wasseransammlungen bedeckt; namenlose, uur in den Regenzei ten auftretende Biiche fliessen an den Hiingen und über den Weg bernieder — und immer Regen, Regen! Im Walde fallt besonders der Reichthum an Frejcinctia auf, welche die Uiiume mit ihren zierlichen Blattern und Stengein locker bekleidet, um die an Dracaenen erinnernden Kronen Armleuehtern gleicli in eleganter Riegung von den Stammen nacb auswarts zu strecken. Die Moosvegetation, welche sicb bereits kurz nacli dem Verlassen der letzten Station eingestellt batte, beginnt einen ahnlichen Oharakter anzunehmen wie im Gebirge des Innern, unfern von Wakollo, aber Raumfarne sah icli in dieser Gegend nicht.

Seit dem Morgen war die mittlere Wegriehtung iS'0 gewesen, selbstredend mit zablreichen, gelegentlichen Abweicbungen, und so blieb sie auch fernerhin wabrend der ganzen Dauer dieses Tages. Um 10| Ubr befanden wir uns an einem l'uukte, wo re(;hts von einem Grate, auf dem wir ebenfalls in SO-Riclitung iiin-gingen, der Waklmoli floss, wiederum ein Nebenfluss des bereits erwiihnten Wak Lata, und um 1 U. 50 M. horten wir dasselbe Gewasser abermals zu unserer Rechten rauschen; in der Zwiscbenzeit batten wir indessen einen namenlosen Bacb passirt, welcber nacb links dem Ajbk Kajuu zueilte — der Weg lïïhrte somil-über die Wasserscbeide zwiscben dem Wak Lata und Ka.iei,i bin. Um 2 Ubr

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musste in 1191 tii. Höhe die Station eingerichtet werden, da dor immerwahrende Regen und der Iluuger das Weiterkommen uninöglich machten.

Das war nun freilich leichter gesagt ah gethan, weil der Wald sicli sehr gelicht,el hatte und nur wenige Biiume zeigte, deren Blatter zum Bauen von Hausern geeignet gewesen waren; Atapp war aber von den Leuten aus Triigheil nur in sehr ungenügender Menge von der verlassenen Station aus mitgenoramen worden. Endlich hatte man ein kleines, von sechs Pfahlen getragenes Dach, unter welchem meine nasse Hiingeraatte gerade zur Noth ausgespannt werden konnte, fertig gestellt, und vermochte ich die Kleider zu wechseln; aber trocken waren auch diese nicht, weil die Trager unterlassen halten, die Kisten zu bedecken und ohnehin alles von Feuchtigkeit durchdrungen war. Taugliches Brennholz gab es ebensowenig, und erst nach vieler Mühe gelang es, mit Hilf'e von Dammerharz eine Flamme zu erzeugen; das musste aber im Schutze meines Daches geschehen, da ja das Feuer draussen im Regen nicht angemacht werden konnte, und nun beizte dei' scharfe Ranch des glimmenden Holzes einem die Augen. Meine Beglei-tung, welche, so gul es ging, in nachster Nahe Blatterschirme errichtet hatte, hoekte daselbst ebenlalls an triige brennenden Zweigstücken, urn den vor Kalte zitternden Körper etwas zu erwarmen, so dass bald rings herum die gauze Atmos-phare von Ranch geschwaugert war. Als kurz vor Sonnenuntergang der Regen einen Augenblick nachliess und das Tagesgestirn wieder in gelblicliem Ijichte durch den Nebel hin von uns Abschied nabm, gedachte ich meines Aufenthaltes anf dein Oentralgebirge Serans; aber dennoch war letzterer im Vergleiclie zu diesem Quar-tiere noch erquicklicb zu nennen.

Der Kapalasoa der Alfuren von Waëlata, welche den Weg bis hieher gesuclit und im höberen Theile des Gebirges auch gangbar gemacht batten, kante gegen Abend Ingwer aus und spuckte ihn darauf rings um alle Schutzdacher (um nicht von Hausern zu reden) anf die Brde; zuvor hatte er leise zum Ingwer gesprochen, doch konnte ich nicht erfabren, was er gesagt, da niemand es wissen sollte. Die Ceremonie hatte den Zweck, gefürchtete Schlangen fernzuhalten, zu den Nitu-nitu ward aber dieserhalb nicht gebetet '). Als der Mann meinen Kompass sah und ich ihm die Beweglichkeit der Nadel gezeigt batte, meinte er, dass dieser Gegenstand ausserordentlich geeignet für em Huma-koïn sei, wahrend die Amvesenheit eines solch merkwürdigen Dinges ihn über das Betreten des heiligen Beiges etwas zu beruhigen scluen.

Dass der Nachtverbleib kein angenehmer war, bedarf kaum der Erwahuiing. Von der Schlucht des Waëlmoli, in deren Kiihe wir uns befanden, wehte ein hef-

1) Uobor don Gebrauch von Ingwer vgl. auch Van Schmid (Aantookoningon, pug. 510 und 514).

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tiger Wind lierüber, der sclmeidend die erkalteten Glieder durclifulir, weil keine Seitenwand an dem Selmtzdache angebracht war; bestandig goss der Regen hernie-der, und die Kleider wurden in der feucliten Atmospbiire nicbt trocken. Unter der Hiingematte hoekte zum Ueberflusse ein halbes Duty,end meiner Begleiter, dos besseren Schutzes wegen, und diese Leute ertüllten die Lutt mit den unangenehmen Ausdiinstungen Hirer nassen Kleidung.

In der Frühe des 26sU,n Juni war es glücklicherweise tronken, und deswegen brach ieb bereits urn 6 U. 45 M. mit wenigen Leuten zum tiahen Gipfel iles Herges auf. Nur etwa 10 Minuten von der Station aufwarts befindet sich «in Punkt am Gehange, von dem aus man N 34° O den Kaktjban erblickt und genau in dersel-ben Ricbtung, dariiber hinaus, den kegelförmigen Gununö Kramat, welcher nabe dem Meere zur Rechten des Wak Lea gelegen ist. Das Thai des genannten Flusses ist unter uns, etwa lialbwegs zwiscben dem betreffenden Standpunkte und dem Kakusan, sicbtbar, wahrend über den Kramat bin das Meer erscbeint. Diese Landschaft zeigte sich vibrigens erst auf dem Rückwege, als die Sonne für einen Augenblick mit schwachem Glanze die Wolken durchbrochen batte; vorlaufig mar-schirten wir noch im dichten Nebel und unter tropfenden Bilumen bis zum höchsten Punkte des Batubua fort. Der Weg, welcher noch stets nacli S 0 tiihrte, ging bis 7 U. 35 M. ohne sonderlicbe Schwierigkeit, langsam steigend oder fallend, auf und ah; hie und da standen machtige, polyëdrisch zerklüftete, moosbewachser.e Klippen von Urachiefern (Glimmerschiefer) an, die einzige Formation, welcher ich auf der ganzen Reise begegnete. Dann befanden wir uns am Fusse einer gewaltigen Fels-masse, die steil vor uns anfragte und nur mit Hilfe von Rottan, auf Handen und Fiissen, erklettert werden konnte. Um 7 ü. 50 M. waren wir oben und standen an einem Abgrunde, welcher mit etwa 45° nach N20o O abfallt und in dessen Tiefe der Waë Lea rauscbt, wogegen sic li dies Grat, welches den Waö Lea und Waëlmoli scheidet, zur Rechten weniger steil abwilrts senkt. Wir hielten uns indessen links, hart am Absturze, woselbst die theilweise frei bervorstebenden Wurzeln mancher Büume das Gehen bisweilen recht erscbwerten, wahrend es in der Ricbtung S 20° ü—S 30° O bald auf' bald al), bald bequemer, bald wieder an stelleren Hangen entlang vorwarts ging.

Auf dem Gipfel einer kleineren Bodenwelle erklilrte mir der Radja von Kajeli, wir seieu am Ziele angelangt, wahrend alle anderen sich beeilten, dies zu bestiitigen; doch erkannte ich am Relief durch den lichten Wald bin, dass die Mittbeilung nicht wahr sei, und alsbald steilte sich dann beraus, dass niemand holier zu gehen wagte und man aus diesem Grunde seine Zuflucht zur Lüge genommen batte. Audi die Leute, welcbe den Weg gesucht batten, waren aus Furcht vor dem heiligen Berge

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nif.lit weiter vorgedrungen. Selbstredend kümmorte mich das wenig, und da das Pflanzeureich keine sonderlicke Schwierigkeit verursachte, so vermochte ich aucli ohne Hilfe der Begleitung allein vorzugehen; dann folgten aber auch die anderen, tind um 9 U, 30 M. war die Spitze des Eatubua wirklich erreicht. Es fand sioh, dass sie 1410 m. iiber dem Meeresspiegel gelegen ist.

Da icli trotz des dicken Nebels und des schneidenden Windes zum Verweilen genö-lbigt war und den Instrumenten wohl oder übel die nötbige Eube gönnen musste, so batte icb Musse genug, meine Aufmerksamkeit dem Pflanzenwucbse zuzuwenden, wel-clier bereits seit einigen Stundeu mein lebbaftes Interesse waebgeruten liatte. Das galt namentlich von einem Baume, welcher aucb schon in der Nilbe der letzten Station büulig vorkam und nocb eine Strecke weiter abwarts von mir ])eobacbtet wurde, weil er durch seinen Wucbs wesentlich zur grosseren Durcbsiebtigkeit des Waldes beitrdgt und daher niclii, leicbt überseben werden kann. Ilerr Dr. Boerlage, dem icb das Wicb-tigste dor iiaokfolgenden Notizen verdanke, erkannte ihn als Dacrydium elaturn Wall. Dieser zu den Coniferen gehorige Baum, den ich sonst nirgends auf meinen Reisen in den Molukken gesehen, wacbst auf dem Gipfel des Batubua in grosser Zahl; er erreicht uacb meiner Schatzung bis zu 15 m. Höbe; seine aufwarts gericbteten Aeste stehen weit aus einander und bilden so im Verbande mit den feinen Nadeln eine sehr magere Krone.

Der Artbegriff des Bacryilium elatum Wall, ist weit gefasst, und es ist unter diesem Namen eine ganze Reihe von Formen vereinigt worden, welche mehr oder minder abweiebende Charaktere aufweisen. Eine in diesem Sinne neue Form ist auch dicjenige vom Batubua, denn sie unterscbeidet sicb von allen bisbor ange-führten (von Malakka, Sumatra und Borneo) durch die Richtung der Nadeln. In ihrer öestalt stimmen aber letztere mit denjenigen der Exemplare von Borneo und Sumatra, in ibrer Lange mit denjenigen des Dacrydium elatum von Borneo überein.

Freycineüa, angudifolia BI. (von Rumphius Car ex arhorea genannt) kriecht hier oben auf der Erde bin und bildet im Vereine mit Lycopodium speclabile Hl. einen ('ast gescblossenen, bis ans Knie reichenden Teppich, dessen Entwicklung durch die wenig dichten Kronen des Dacrydiums begünstigt werden dürfte. Das zierliche Lycopodium, mit schlankem Stengel vind locker stellenden Blattem, zeichnet sicb durcli sein lichtes, frisches Grün aus und liebt sicb im Pflanzenkleide des Bodens prachtig gogen die dunkleren Freycinetien ah. Dazu gesellen sicb viele Moose, welche vor allem an den Wurzeln und Stammen der grosseren Biiume wuchern, ohne aber eine geradezu auffallende Entwicklung zu erreicben. Unter ibnen ist eine Playioehila besonders hiiufig; sie zeichnet sich vor ibren niichsten Verwandten durch grosse Blatter aus und repraesentirt vielleicht eine neue Art. Weniger zahlreich,

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wenngieich nicht selten, sielit man Lichenen, von deuen ich eine Parmclia sam raelte (/', speaiom Nyl. oder eine ihr verwandte Art).

Zalilreich hiingen an den niedrigereu Bauinen die grossen Krüge von Nepenthes Boschiana Korlh,, jeuer typischen Insektivore der feuchten Tropen des Osiens, welclie liohe Stengel treibt nnd mit Hilfe der niclii knigtragenden lilattstielranken empor-klettert. Ich brachte von hier einen der Krüge, welclie uns reicliliches 'l'rink wasser lieforten, lieim; derselbe besitzt 25 cm. Lange. Beccari fand die Art auch auf Ambon, nnd vielleicht ist sie ebent'alls mit derjenigen identisch, welche ich dort ani' dem Gipfel des Tunahuhu sah.

Ergötzlich war es, das stille Stannen der mich begleitendenLeute zu selien, als wir wohlbehalten oben angekommen waren, ohne etwas von gefahrlichen Alturen, Riesen oder Schlangea zu bemerken. Vielleicht schrieben sie dies alles mir und meinen Instrumenten zu ; denn sicherlich ware keiner allein hierbergegangen, und der Kapalasoa der Alfuren ilusserte sicb nachher anderen gegenüber dahin, dass ich nachst Allastala der Grösste an Macht und Weisheit sein müsse. Allastala') (hervorgegangen aus dem arabischen Allah taala, wrelches audi in dieser Form in Kajeli bekannt ist) ist aber der machtigste unter den Nitu-nitu; er liat Himmel und Erde geschaffen. Man versicherte micli, dass auch die Alfuren von Wakollo au diesen Gott glauben, doch habe ich au dem Orte selbst hierüber nichts erlaliren. Wo ist hier die Greuze zwischen Religion1) und Heidentlmm? Der Aberglaube kann bei der Beautwortung dieser Frage schwerlich den Durcbschlag geben, da er sicb bei mancben Cbristeu bekanutlicb in gleicbem Maasse entwickelt findet, und sittlicli ist der Alfure Buru's über viele Bekenner gottlicher Lebren sicherlich weit erhaben I

Der Rückweg vom Giptel bis zur Station wurde, nacli Abzug eines eiumaligeu Aufenthaltes an dem oben erwahnten Aussichtspunkte, von dem aus man den Kakusau erblickt, in 1 St. IBM. zurückgelegt, so dass wir daselbst bereits um lü U. 20 M. wieder eintral'en. Docb bescbloss ich, noch bis zum folgenden Tage an diesem Orte zu bleiben, weil das Wetter sicb etwas besser auliess und souiif einige Aussicbt auf trockeue Kleidung vorhanden war; zudem tühlte ich micli selir krank und boffte dureb Ruhe etwas besser zn werden. So batte ich denu Musse, noch einiges über den Aberglauben der mich begleitenden Leute zu erfragen, was ich hier unten folgen lasse.

Die Einwohner vou Kajeli, sowobl Christen als Mohammedaner, und auch

25

1

Vgl. auch Wilken (1. c. pag. 21). Dio Mittheilungon Wilkon's worden aber wohl nicht lui am i Alfuren von Burn geiten, wie sich schon durch einen Vergleich mil ilnn von mir in Wakollo Anl'^e/eich-netcn ergiebt; Kajeli und seine weitere Ihngebung diirften aus orkliirlichen Griinden eine SondeMellung ein-nelimen. — Sieh t'erner Wilier 1. c., pag. 113. ,

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386

noch die meisten Leute von Ambon glauben an sogenannte mangi's, d. b. an Menschen, welcbe andere krank maoben können. Die.se sprechen bisweilen mit dem Teufel, können sicb unsiohtbar macben mid fliegen; audi vermogen sie sicli in ein Huhm-WlM (vom Brodbaume) zu verwandeln. Fallt ein solclies Blatt auf den Feind des Suangi, so ist jener in einigen Tagen todt; wenn dagegen jemand das auf ibn zufliegende Blatt zersclmeidet, so muss der Suangi in kurzem sterben. Weibliche Suangi's essen die Eingeweide lebender Kinder, obne dass man es abnt, worauf dann die Kleinen erkranken und sterben; docb trachtet die Hexe nun audi nodi das im Grabe liegende Kind zu verspeisen, und um sicli biervor zu sdiiitzen bewabrt man, im Falle irgond welchen Verdacbtes, sorgfaltig die beim Anlegen des Qrabes mit dem ersten Spatensticbe ausgeliobene Erde. Das ist namlicli der Scblüssel zur Rubestiitte des Kindes, den der Suangi in der driften Nacht zu bolen kommt. Boi Vollmond tanzen diese Ilexen an einsamen Stellen um Mitternadit Menarie; diejenigen von Bum und Manipa sind am meisten berüclitigt.

Nadi einer gleich schlecbten Nacht wie die letztverflossene wurde am 27stcn Juni um 6| Ulir morgens der Rückweg nach Kajeli angetreten, und obwobl selir krank und scbwacb, bescbloss icb docb gerade dieses ümstandes wegen, alles daran zu setzen, um uocb an demselben Tage den Ort zu erreicben. Die ersten drei Stunden ging es bei dem stark fallenden Wege noch langsam vor-vviirts, dann aber torderten wir sehr rascb, und bereits um 10 U. 55 M. war die Station des 24quot;'™ Juni auf dem G. Dammer erreidit, von wo wir genau zwei Stunden bis zum G. Etnoul gebraucbten. Gorade trat die Sonne du rob die Wolken, als wir bier den Wald verlassen batten, und in wunderbarer Schönbeit lag die Bai von Kajeli vor uns; dabei Vogelscblag und helle Luft ringsum — es war, als batte die Natur wie mit Zauberscblag sicb geiindert, und jeder lebte auf, nicht abnend, dass der Regen uns alsbald leider von neuem beimsucben werde. Von der genannten Hühe bis zum Ajer Kajeli dauerte der Marscb 2 St. 25 M., endlicb noch 5G M. von dort bis zum Orte. Unter Hinzuziehung der Strecke, die wir am vcrhergebenden Tage vom höchsten Qipiel lus zur letzten Station auf dem Uatubua zurücklegten, und bei Vernachlassigung jeden Aufenthaltes nahm der Abstieg von der S]utze bis nach Kajeli 11 St. 2 M. in Anspruch, wovon 9 St. 46 M. auf den heutigen Tag kamen. In kürzerer Zeit liisst sicli der Weg aber unter keinerlei Umstanden zurücklegen.

Todtmüde und scbwerkrank langte icb etwas nach 5 Uhr wieder zu Hause au; die Dysenterie, welche sicb bereits gestern angemeldet und seit langer Zeit vorbereitet batte, war in beftigom Grade ausgebrochen; sie fesselte micblange ans Krankenlager, und allen Reisen war damit ein Ziel gesetzt.

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387

Wahrend icli auf eiue Falirgelegenlieit nach Ambon wartete, konuten in den langsam dahinsclileichenden Tagen, in denen ich mein eigener Arzt sein musste, nur nocli wenige Aufzeichnungen gemaolit werden, und unter diesen diirflen die Angabeu der Eegeumengen in erster Linie von Interesne seiii. In Kajeli betrugen sie:

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Mai

5

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4

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— 9

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Juli

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— 31

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20

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26

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6

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— 23

Die übrigen Tage waren entweder ganz trocken oder doch so arm an Nieder-schlagen, dass der Regenmesser von der mit der Ablesung betrauien Person ver-naehlassigt wurde, wie z. B. in der Zeil vom 21stcn—23stBn .luni. Denn an diesen Tagen hat es in Kajeli laut meinen eigenen Aufzeichnungen wiederholt ge-regnet, wahrend die obige Tabelle Trockenheit verzeichnet, und somil ist die Angabe vom 24sten Juni audi aller Wahrscheinlichkeit natdi zu hoch. Abgesehen von den erwiihnten Unterlassungen geschali aber die Ablesung der Maassrühren, wie icli mich selbst überzeugt habe, in Kajeli mit der wünschenswerthen Genauig-keit, and so sind also die obigen Zahlen wohl geeignet, ein richtiges Qesammt-bild zu gehen. Das» letzteres keineswegs demjenigen der Trockenzeit entspricht, welche nicht nur aacb der herrschenden Ansicht und allen mir gemachten Mit-theilungen, sondern auch aul' Grund der früher gegebeuen, theoretischen Ent-wicklung augenblicklicli im nördliohen Buru herrschen sollte, bedarl' keiner wei-teren Begründung.

Am (3ton Juli feierte die mohammedanische Bevölkerung Kajeli's ihr Neujahrs-

A

i'est ( Jdu 'l qorhlm oder Garcheg bemr), nachdem man bereits am vorigen Abende viele Liciiter gebrannt sovvie gesungen und getrommelt hatte. Vom Hause des Ro-genten aus bewegte sicli naclimittag.s ein Festzug zu dem meiner Wohnung unmiltelbar gegeniiber liegenden Missigit, so dass icli also trotz der Krankheit Augenzeuge diesor Ceremonie sein konnte. Eröffnet wurde der Zug durch erbürmlicli schlechte Tjakalele-Tünzer; dann lolgten rothe Fahnen, darauf das von einem Manne auf der Scbulter getragene Opferthier, eine Ziege, endlich Alt und Jung in bunter

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388

Feierldeidmig und unter schrecklichem Gesange. Mehrlacli wurde die Zioge um das Bethaus herumgetragen und alsdann hinter demselben geschlachtet, wobei man das Blut in die Erde rinnen liess.

Mitten in die Festfreude hinein ertönte aber der Euf kapal; der Dampier Arend, welcher einen neu ernaimten Posthalter nach Tifn bringen sollte, wurde in der Ferne sichtbar, und damit; batte auch die Stunde meiner Erlösung von dem für einen Kranken jedenfalls nicht beneidenswertben Aufentbalte in Kajeli geschlagen. Glücklicdierweise war die Bagage scbon vollstandig bereit; denn wenn ich micb aucb selbst nicht bewegen durfte, so batte doch der treue und bewahrte Dolmetscher jedes Stück berantragen und unter meinen Augen, so wie iob es wünschte, ver-packen lassen. Die gute Ankunft der Sammlungen in Leiden lieferte spater den besten Beweis für die hierbei beobachtete Sorgfalt.

Bo begab icb micb denn um 4.' Uhr nachmittags an Bord; eine Stunde spater war alles öepack verladen, und kurz darauf dampften wir auf Ti Cu xu. Indessen ging die See so hoch, dass der erfabrene Kapitan scbon bald die Unmoglichkeit erkannte, iu die Bai von Tifu einzulaufen, und infolge dessen langten wir bereiis in der Frühe des 7toquot; Juli auf der Rhede von Ambon an. Kurz hernach quot;befand ich micb wieder im gastlichen Balu Gadjah.

Dort lag ich bis zum 22s,ei1 Juli scbwerkrank, schiffte mich aber, in der Hoffnung, dass die Seereise Genesung bringen werde, am Mittage dieses Tages aul dem Dampfer Both nacli Batavia ein und gelangte schon am Nachmittage des 24ston Juli nach Makasser. Als die ersten Bekannten aus der Heimath sab ich dort nnsere Spat/,en wieder, welche mir bereits auf der Hinreise aufgefallen waren; denn wenngleicb es bekannt ist, dass diese Vogel auf Java eingeführl wurden, so war ich doch verwundert, sie hier so weit im Osten anzutreffen. In die Moluk-ken sind Jene gefiederten Landsleute, welche alle ihre liebenswürdigen Gassenjungen-Gewohnheiten auch in den Tropen treulich bewabrt liaben, bis jetzt noch nicht ein-gedrungen; sie würden mir daselbst sonst schwerlich entgangen sein.

Am ls,en August befand ich micb in der Frühe in ïandjung l'riok und bald darauf in Batavia , woselbst ich bereits in weit besserer Verfassung ankam, als wie ich Ambon verlassen batte; dennoch konnte an weitere Untersuchungsreisen sjar nicht gedacht werden, und war icb gezwungen, nach Europa zurückzukehren. Aus diesem Grande verliess icb Java wieder am 10tOB August mit dem Prins Ak.vundcr und traf wohlbehalten und leidlich gesimd am Nachmittage des 8t(quot;1 Sejitember in Genua ein: endlich war ich am liten September 1892 zu Hause, uach-dem ich bis auf wenige Tage ein Jahr zuvor den Kreis meiner Familie verlassen.

Ich batte an Strapazen und Entbehrungen mehr erduldet als meine schlimm-sten Befürchtungen mir vor der Abreise vorgespiegelt, aber ich hatte auch mehr

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389

erreiclil , als ich derzeit glaubte erwarten zn können, und wenngleieh mir im Laufe der Reisen noch manche Frage aufstiess, deren Beantwortung ich gewünschl lultte, wenn audi vor allem die schliessliche Erkrankung noch einzelne, kleinere Untersuchungen auf Ambon vereitelte, so dnrfte ich doch mil dom Gesammt-ergebnisse der Forschungen zufrieden sein. Mochten spiiter aucli andere dies Urtheil fallen, so wird mir der Preis, nm den ich die Resultate erreichte, nie-mals zn hoch erscheinen. Ich that, was in meinen Kraften stand — aher vieles bleibt noch der Zukunft in den bereisten Gebieten zur Ergründung vorbehalten.

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LIT KRAT IIU. ')

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1) Diese Liste beabsichtigt keineswega eine Uebersicht alles ilcsjemgen zu geben, was bisher auf deu vcr-schiedeustcu Korscbungsgcbicten iiber die vou mir bereiste Gcgend |jublicirt wurde; vielmebr sind uur dieje-uigen Arbeiten bier ausgewiihlt, welchc auf die Uarstellung von Land und Leuten Hezug nehraen und soinit in den Rabmca meines Keiseberichtes passen, lu dieser Begreuzung kann die Liste aber wohl auf ziemliche Vollstiindigkeit Ansproeh erheben; Wesentliches diirfte man in ibr kaum vermissen. Sie ist ursprttnglich zu-sammengcsteilt, um das Citireu der betreffenden Arbeiten im Texte zu erleicbtern, zumal die Titel haufig sebr langatbmig sind, und aus solchem Grunde wurdc auch die alpbabetiselie Anordnung der Autorennainen fiir diese Ueborsicbt gewiihlt.

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391

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Autor? (gozeiclmet E.) Iets over Ceram en do Alfoeren (Bijdragen tot do Taal- Land- en Volkenkunde van Nod. Indiö, nieuwe volgreeks. Deel 1). Amsterdam 1850.

2. KARTEN. ')

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Moluksche Archipel, Klad 11. Maasstab I : 1 000 000 (horausgogeben vom Hydrographischen Bureau in Batavia) 1884.

1

Ks ist Jamil nul' die SCadt Araboa gemcint.

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I N 1) E X.

A.

Aal 332.

Abend am Moore 23, 368. Abcrgliiube 51, 09, 221', 2(U, 271, 347, 352, 353, 381, 385. Aboro 35, 30.

Abreiso ins Inncro von Bum 2lt;J7.

Abreiso nach Waiipote 27f). Abreiso von Burn 388.

Abreiso von Tifu 350.

Abreiso von Waöpotc 290. Abreiso von Wabai 244. Abreiso von Wakollo in Burn 336.

Abreiso zum Batuhua 379. Abstammung vom Kinarbanme 352.

Abstammung vom Krokodil 330, 351.

Abstieg vom Batuhua 380. Abstieg vom Koroluhuc 215. Abubu 33

Ajor liosar 220, 232, 3:1:1,235.

Ajor Binang 171.

Ajer Kajoli 379, 381, 380.

Ajor Lapuan 100.

Ajor Makassor 370, 371.

Ajor Manurit 106.

Ajor Notto 375.

Ajer Pana 100.

Ajor panas 28, 34, 30.

Ajer Pull 371.

Ajor Sama 171.

Ajer Ternate 220.

Ajer Wahaï 220.

A kon 33.

Ala 239.

Alannsignal 148.

Alcyonarion 90.

Allali taiila 385 Allastala 385.

Alluvium 185, 193, 200, 204, 211, 218, 233, 202, 279,329, 337, 340, 348, 357, 359,363, 372, 373.

Alfuren von Bum 254, 255,257,

3SS, 320, 366, 377.

Alfuren von Scran 72, I I!». 194, 220.

Alpinia giganten 136.

Altar 346.

Amahoi, Abthoilung 183. Amahci, Ort 181, IHS. Amahuratu 37.

Amaïhol 183,

Ambon, Insol 1.

Ambon, Stadt 2.

Ameison 372.

Amott 33.

Amomum 202, 299, 379. Anguilla Blphinstonei 332. Ankunft am Nordstrando von

Soran 218.

Ankunft in Bar» 368.

Ankunft in Kawiri 348. Ankunft in Tifu 350.

Ankunft in Wakollo, Bum 320. Ansiedlung am Strands 229, 328.

Anstieg aufs (iobirge Serans 204,

Apfelsinen 333,

\)gt;laïn 282.

Aptychon 369.

Arabcr 254, 255.

Araohis bypogaea 317,

Arak 291, 310,

Arobaeisclio Formation auf Ambon 13,

Arclmeiselie Formation auf Burn 265, 267, 271, 300, 317,338, 370, 370, 383.

A rchaciscbo Formation au I' Scran 04, 98, 90, 1(11,103, 107, 133, 157, 173, 184, 205.

Aroea Catechu 252,

Arengpalme 128, 100, 202,317.

Argonauta argo 30.

Argonauta hians 30.

Argwohn dor Alfuren von Bum 321.

Argwohn dor Alfuren von Scran 137, 143, 145, 140.

A rtooarpus incisa 11, 333.

Artocarpus intcgrifolia 375.

Arundo 106, 108, 204, 314.

Asplonium nidus 310.

Atau 206, 211, 212.

II.

Babirusa 264.

Bahassa 50.

Baileo 50, SS, 141, 17 4, 175, 177, 253.


26

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INDEX.

Baileo fur die Kakeanisten 78. Baileo fiir die Soa 79.

Bai von Ambon 1, 42.

Bai von Bagnala 23.

Bai von Bara 307.

Bai von Djikomarasa 273. Bai von Hukurila 13.

Bai von Knjeli 251, 258, 370. Bai von Mefa 355.

Bai von Nalahia 32.

Bai von Saparua 25, 2«. Bai von Sawai 219.

Bai von Sila 32.

Bai von Tifu 349, 350.

Bamang 374, :ISS.

Bambusrolir 128, 136, 264, 311, 312.

Banjir 340; sick audi; Ueber-

schwemmungcn.

Bara 368.

Barang pamali 353.

Bassalale 375.

Bataten 317.

Batu Banang 363.

Batu Batolla 167.

Batubua 19, 251, 268, 370,378,

SMI, 3M4.

Balu Gadjali 4, 388.

Batu Kapal 357.

Batu Lakaëla 167, 172.

Batu Lobang 111.

Batu Mcrah 8.

Batu Mustika 258.

Batu pamali 9, 12, lit, 83, 142,

174, 251, 287.

Batu Pana 102, 105, 114.

Batu Tambaga 102.

Batu Tampajan 278.

Bauchband (?) 250.

Banen von Hiitten 201, 304, 382.

Banmbast 287, 288.

Baumfarno 136, 203, 264, 302,

319, 333, 351«, 381. Baumrinde 280, 281, 282, 283,

318, 323, 377.

Bedrüekung der Alfuren 256, 257.

Begriibniss, 82, 155, 177, 178, 326.

Begriissungsceremonie 321. Belemniten 369,

Benteng 226.

Beobachtungsgabe dor Alfuren 298.

Bergstooke 307, 325. Bescliwiirungon 30'!, 352, 382. Besitethum, Alfuren 141, 325. Besteigung dos Batubua 378. Besteigung des Wawani 20. Betbiiuser 259; sieli ferner:

Hunia-koin. Beivoliiier,sicliauoli; Einwobner. Bewobner dor Diirter an der

Elpaputibai 186.

Bewobner der Nordkiiste Serans 168.

Bewobner von Ambon, Stadt 3. Bewobner von Ambon und den

üliassern 43.

Bewobner von Buano 159, 100, 104.

Bewobner von Hitu 103. Bewobner von Nuniali 178. Bewobner von Rumasosal 194 Bewobner von Wabaï 231. Bewobner von Wairaiua 237. Bewobner von Wakollo, Scran

172, 175.

Bezablung der Alfuren Serans

143.

Bimstein 115.

Binnengcwasscr 100. Binongkoresen 103.

Blumon 336, 341, 371.

Blutegel 319.

Bobara 294.

Bobbo 306.

Bogen I OS, 286.

Bonang 59.

Bote der Alfuren von Bum

329, 373.

Bote, sieli: Prauen.

Boot von Galelarescn 358. Boot, Ban desselben 164.

Boti 229.

Brandsebatzung 151. Brandungsterrasacn 28, 32, 31, 38, 102, 114, 157, 163, 274, 278, 281.

Brautsehatz 286, 389, 352. Briieken 311, 314, 339, 343. Bryopteris fllieina 213. Bryopteris frutieosii 130.

Buano 156, 157, I.quot;ill.

Buano Islam 159.

Buano Sarani 159.

Bueeros plicatus 94.

Biirger vou Ambon etc. 44, 55,

Buku 313.

Bunga gojang 74.

Bunga kasturi 129.

Burn 251.

Burung kapal 132.

Burung siang 132.

Buscbwacbter 53.

Bussen 325.

Caoatua moluccensis 93. Canariebaume 216.

Carex arborea 384.

Carpopbaga neglecta 93. Carpophaga pcrapicillala 93. Cassave 317,

Cassis eornuta 75.

Casuarina equisetifolia 92. Casuarinen 89 , !»3. 220, 243,

273, 355, 360, 380.

Casuarius galeatus 205.

Cervus moluceenais 210. Cbinesen 43, 254, 255, 273. Christen 45, 243, 254, 255,257,

320, 347.

Cicaden 131, 368.

Citrus decumana 375, Cocospalmen 10, 11, 279. Colocasia antiquorum 83, 317, ConcUylien 30, 239. Conglomerate 102,

Coniferen 384.

Conserviren 334.

Conus gloria-maris 91.

Conus millepunetatus 123. Convolvulaeeen 372.

Cossus strix 212, 3WJ».

Croton 32, 51, 72,»«, 122,153, Cueurbitacee 362.

Cuscus 56, 127, 313, 302. Cyclotus amboinensis 30, 239, Cyelotus liratulus 30.

Cyclotus plicosus 30.

Cyrcna coaxans 243.

Cyrena papua 243.

Cyrenen 242, 243,

I».

Dacrydium elatum 384. Dammara alba 10, 21, 305.


ocr page 433

INDEX.

üammerliarz 84, l.'il, 259, 370,

287, 292, 321., 382. Darstellungsform 5, 70.

Dava 374, 375, 37«.

Defensie 252,

Degodogo 281.

Delplxino 92.

Demiegretla sacra 93.

Dendeng 237.

Dendrooyguc guttata 331. Dicbstalil 63 Djahalatani 194.

Djatibimmo 28, 202, 265. Djikomaiaamp;a 273.

Djudjaro's 72.

Djurumudi 87.

Doctor djawa 50, 276. Dolmetsclior 97, 278, 334, 388. Dörllinge von Ambon ctc. 41. Dcirrcn von Fleiscb 210, 240. Drymophloeus spec. 128, 218. Dulang 47.

Diinung 279, 368.

Durian 106, 207.

Durio zibothinus 106, 207. Duurstede 25.

Dysenterie 380.

IC.

Bbene am Mala 348.

Ebenen an der Siidkiiste von

Burn 359.

Ebcne von Foggi 301.

Ebcnc von Wakollo 320, 336. Ebenholz 259.

Eguinang 9,

Elian 350.

Eliebrueh 154, 176, 289, 290. Ehen 154, 170, 289, 352.

Eide 231, 353.

Eideohse als Verzierung 249. Einl'riedigungen auf Scran 74, 103.

Einfiihr von Wallen 145, 147. Einkünfte der Dörüingo 54. Einsiedlcrkrebse 96, 367. Eintlieilung von Wahaï 228. Einwohner, sieh atich: ,13c-

woliner.

Einwoliner von Eoggi 361, Einwohner von Kajeli 251, Einwohner von Mel'a 356.

Einwohner von ïil'u 352, Einwohner von Wakollo, Bnru 324.

Einwohnorzahl des Landes Wakollo, Bnni 328. Einwohnerzahl von Dörfern aul'

Ambou etc. 48. Einwohnerzahl von Dörfern in

Wahaï 229.

Einwohnorzahl von Honitetu. 140.

Einwohnerzahl von Waömangi 369.

Ekmadilahin 373.

Elli 111,

Klpaputibai, Ufer 185,

Erna 9.

Empfang in Loliali 273. Empfang in Polpitn 314, Empfang in Tifu 350,

Empfang in Waöpoto 279, 280. Empfang in Wakollo, Bum 320. Bm])fangsfeicrlichkeiten 04, 71, 294.

Enhalus Koenigii 303,

Enten 364, 331,

Epe 184.

Epiphyten 316.

Erdbeben 201, 306, 342, Erdcichel 317.

Erdfrüchtc 317, 331,

Erisepa 95.

Ernahrung der Ambonesen ctc. 54, 50.

Ernahrung der Seranesen 83. Erosion dureh das Meer 13,14,

27, 92, HO. 111, 112, 357. Erpressungen 347.

Eruption des G. Awu 300. Ethnographica 245.

Etti 08, 97,

Euchirus longimanus 31. Europaeor 13, 250. Eurytraehclus saiga 31,

F.

Eahne 307.

Fahrt an der Nordküste Serans 179,

Fahrt auf dem Toluarang 240. Fahrt auf dom VVaö Apu 373, 378.

Fahrt naeh Buano 158.

Fahrt naeh Leliali 272,

Fahrt naeh Wuliaï 225,

Fahrt um Huru 350, 358. Fakatora 356, 358.

Fallen 303,

Familie 300, 323,

Fangball 354,

Fangon von Insekten 334, Farno 98, 204, 301, 310, 316, 341; sieh fornor: Baumfarne, Fasten, sieh: Puasa.

Faltfallu 307,

Faun 211, 243.

Foderschmuck 7I', 247.

Feighcit der Alfuren 153. Feilen der Zahnc 73. Fcindsoligkeiten 151, 227, 325. Fenna 279, 289, SIM», 291,300,

323, :I3I.

Fertigkciten der Ambonesen etc. 57,

Fcste 153, 155, 387, Fcstschnmck 379.

Ficus benjamina 77.

Fiedem der Cocospalme 279,284, Fira 285,

Fisehc 90, 91, 273, 332. Fisehfang 34, 91, 110, 189, 394. Fisehjagtl 198.

Flacon rtia inernüs 100. Flechtarbciten 225,

Flechten 342,

Flcdcnniin.se, heilige 224. Fliegcndo Fiscbe 100, 199, Fliegende llunde 359,

Floss 240, 333.

Fiussbctt, Vcrlegung 302, h'lüssc, Thiitigkoit derselben 300, 801.

Flussperren 211, 201.

Foggi 358, .*HHI Fort auf Bnru 353.

Fort von Wahaï 330,

Fortloben naeh dem Tode 155, 320

Frauen, Burn 389, 290, Frauongurt 247.

Frauenkauf 176, 383, 289, 353, Fremde auf Seran 333. Freyeinetia angustifolia 384, Freycinetia 23, 381.

Frikadell 35,


ocr page 434

II.

INDEX.

396

Fugmaï 374'.

i'ukinoliti 201.

Fussbckloidungcii 305.

€n •

Gnlcliireson 284, 292, 356, 361, 364, 368, 869,

üivloba 262, 299, 302, 370.

Galoba utang 13G, 263.

Gampiin 311.

Gandro 282.

Garobeg bcsar 387.

üaruda Besar 109.

Garuda Kctjil 107.

Gassit 372.'

Gleba ko'in 292.

Gcbclo 215, 270, 284, 313, 316, 326, 327, 330, 33!

Gcbotlmusor, sich; Huma-koin.

Gebirgc von Bnano 160, 162.

Gebirge vou Bum 314, 317,331, 337, 338, 339, 340. 342, 346, 347, 348, 350, 355, 357, 359, 361, 364, 367, 378.

(jcbirgo von Seran 172, 181, 185, 187, 219, 230, 235.

Geburt 153, 176.

Gebiinge, Wog am 308, 313, 316, 318.

Geigen 325.

Geister der A1 fiiren*Serans 215.

Geister dor Verstorbenen 77, 155, 32(1; sioli auoh: Nitu-nitu.

Geistliolie, sich; Predigcr.

Gepiick 199, 297, 307.

Gcsang 61, 64, 178, 188, 225, 280, 202, 345.

Geaolienkc, Aiistlieilung von 145, 321.

Gosoliicklichkcit der Alfuren 129.

GesclileehtliohcrVerkelir 153,176.

Gewehre 125, 195, 237.

Gipfel dcs Batubua 383, 384.

Gijifel dcs G. Lnmute 214.

Glimmerschiefer 182, 200, 202, 258, 265, 383.

Globba sylvestris major 136.

Gneiss 182, 200.

Gong 62, 87, 313.

Grabor 51, 83, 160, 164, J78, 326, 342, 375.

Granite auf Seran 95. Granitformation von Loitimor 8. Gras 269, 273, 336, 341, 371,

372; sieli audi: Kusukusu. Grasebene von Kajeli 265 Grausamkeit 152.

Grenze von Lisela gcgen Hukn-

mina 367,

Grenze von Lisela im Innern 339. Gunung Ama 17.

(i.

A mailiel 51.

G.

Bara 368.

G.

Batare 317.

G.

Boï 24.

(i.

Dammer 380, 381

G.

Etnoul 379, 386.

G.

Hatuana 163.

G.

Hulung 167, 172.

G.

Karang Pandjang

15.

G.

Karkoi 361.

G.

Kramat 383.

G.

Lalmata 299, 300.

G.

Latalmliu 25.

G.

Lumuto 213, 21 1.

G.

Makanopa 111.

G.

Maraké 41.

G.

Maspait 16, 17.

G.

Massa 25.

G.

Massobi 167.

G.

Mefa 355.

G.

Menapele 107.

G.

Naga 99.

(l .

O ij a 134, 149.

G.

Pamali 226.

G.

Patah 13, 14.

G.

Pitigawa 299, 301,

303

(i.

liila 25.

G.

Sana no 349, 357, 368.

G.

Sebeseleu 162.

G.

Solan 17, 21, 71,

130.

G.

Solobua 134.

G.

ïagalaggo 338.

G.

Taïna 162.

G.

Tcba 162.

G.

Tjap 273.

G.

Toesiwa 172.

G.

Tomabii 361.

G.

Waii-Miting 361.

G.

War-Nibo 303, 305.

G.

Wajira 35, 36.

Guru 82.

Guvutvohin 374, 375. Gyriniden 311.

Ilaarc, Absohneiden dersclbcn 154.

Haarkamm 45, 80, 120. Haarschnmck auf Ambon 47. Haiirtraoht auf Ambon etc. 45. Haarlraeht der Bcrgbewohner

Serans 120, 126.

Haartraebt dor Strandbewohncr

Scrans 80.

Hadifut 299.

Hakniku 317.

Haliastur girrcnera 295. Halsketten 123, 127, 249. Handler 119, 147.

Handwerk 55, 56.

Hanhoni 371, 379.

Harta 286, 389, 290, 335. Haruku 35.

llatalai 9.

Hfttiling 227.

llatuë 227.

Hatusua 70.

Hatu Supun 219.

Hiiuptcr von Wabai 22?. lliiuptlinge 115, 117, 128. lliuiser am Hadifut 300. Hiiuser an dor Nordkiiste Serans 221.

Hiiuser dor Alfuren von Burn 345.

Hiiuser dcr Bcrgbowohner Scrans 130, 139, i-H».

Hiiuser von Ambon etc. tl», 48,

49, 56.

Hiiuser von Bamang 377. Hiiuser von Hatusua 74.

Hiiuser von Kajeli 253.

Hiiuser von Mefa 356.

Hiiuser von Nalbesi 337.

I liiuser von Pasaliari 242, 243. Hiiuser von Rumasosal 193. i liiuser von Salancsen 259. Hiiuser von Tabelloreson 233. Hiiuser von Tifu 351.

Hiiuser von Waepotc 281. Hiiuser von Wairania 235, 237. Hauser von Wakollo, Burn 323. Hiiuser von Wakollo, Seran 173. Hausratb 325.

Hautkrankheitcn 144.

Hawassi 342, 344.


ocr page 435

INDIA.

Hebungen 102, 111, lOIS, 184. Hoidenthum 270, 1585.

Heiligt! Berge 251, 271, S78, Heilige Oegonstiindc 171s sich

auoh: Pamali.

Heiliger Ort 302.

Heiliger Stein li 16.

Heirallien 153, 151, 17(1, 28'.). Helat 1(1.

Hclioiim Idae 30.

Helieina oxytropis 30.

ilelioimi siitnnilis ;50.

Helix ungulina 230.

Helix zonaria 239.

Horodias alba 204. Herrendienstc 54, 231.

Hesl ia idea 31.

Hetlima 375.

Hcxea 380.

I Lila IS.

Hinterland 291.

liii-scho 50, 210, SiM», 208, 302.

Hirsclihorner, junge 242. llirundo javanica 271.

Hitu, Dorl' 17.

Ititil, 1 lalbinsel 10, 71. Itoëvcllsberg 215. Höhlenbcwolicor 112, 114. Holotliiirien 91.

llongizüge 80.

1 lol/.biicke 144 llomalia Uabellnta 213. Ilonitetn, llauptling 115, 117,

138, 145, 148.

Hoaitclu, Ort 115, l:Ut. Iloploeerambyx nitidns 311. llori 2.

llorlolipp 00.

Horn 183.

Hornpipe 00.

Itosi 375.

llualoi 184.

Ilimmiial 19, 07, 71, Ml. 99.

Hiigclland bei Kajeli 203, 265.

Hiihner 50.

Iliiliucla 130.

Hnma fenna 374.

Huma-koïn ««:», 284,300, 322,

325, 337, 351, 377, 382. Humalolin 279, 291, 332, 374. Hnma pnmori 282.

Hnina piidji 351.

Humtina 282.

llundellciscb als Nabrung 55. Iluruwano 35, 40, 183.

Hutu Muri 13.

Ilydrocharidee 303.

I a. •!.

laniko 253, 2S7, 323. lelitliyosis 80, 111.

Idjuk 128.

H en wain 310.

Ijor koin 353.

Ikan kiss 15.

I la 103.

Hat 375.

Imperata arundinacea 107, 205. Impfarzt 277.

Inafuka 292, 300, 345,

I ngwer 382.

Insein bei Burn 363. Inundalionsbott 204, 207, 31 I, 339.

Ipomoea batatas 317.

Islam 257.

Itcfattan 344.

Jagd 201, 211, 230, 240, 268,

270, 280, 303, 309, 340. ilagdtropbaeen 230, 242. Jasniimini sanibac 17, 04. .lungeruplivfi (iesteine IS, 33, 30, 11 4.

li.

Kadilm 72.

Kafor 31, 101, 212, 295, 311. Kid to 204, 214, 305, 313, 333,

382, 383.

Kabua 247.

Kaibobo 71, 82, 85, !gt;.»

Kajeli 251, 252.

Kailolo 38, 40.

Kaïn patola 280, 287.

Kaïn pikol 47.

Kairatu, Abthcilung 70, 183. Kairatu, Ort 119, 127, 149. Kaitctn 19.

Kajubapa 302.

Kajuputi 95, 158,252,259,205,

274, 299, 344, 379.

Kakadu 93.

Kakcanbund 00, 154, 155.

Kakeanbans 130, 155. Kakoanisten 78,

Kaknhiban 375, 379.

Kiikusan 251, , 2/0, 370, 383.

Kakusan Besar 209, 275. Kakusan Ketjil 209, 275, Kalauri 203.

Kaliella milium 30. Kalkbrenncn 79.

Kalkk/icher fiir Siri 125, 248, 249.

Kalksteino, iiltere von Bum 251, 208, 209, 271, 339, 3 HI, 343, 310, 317, 348, 319, 350, 355, 357, 301, 303, Kalksteine, iiltere von Seran 95,

134, 166, 213, 210. Kalksteiae, quarlare 1 I-, 10. 18, 19, 27, 33, 30, 41, 92, 102, 105, 112, 113, 157, 159, 160, 161, 10(1, Is::, 184, 226, 235, 360, 30/,

Kaiktuir 342, 343, 34(1,

Kalong 56, 359.

Kamalaoë 16.

Kambello 109,

Kambodja 83,

Kaminwaël 313.

Kamin 247.

Kap; sieli: Tj. 'randjiing Kapahalia 21,

Kapala djudjaro 72, 73.

Kapala Madang 301, 304, 305,

366, 308.

Kapalasaniri 68, 117,

Kapalasoa t8, 290, 322, .335, 3 I t,

374, 382.

Kapo Date 318.

Karbau 2, 17.

Karori 77, 168, 2I'7.

Kartoll'el 357 Kasbie 317.

Katania 99, 157, 158.

Katell'a 319.

Katjang 317,

Kawa 105, 180,

Kawiri 348, 351,

Kchal de keha 280, 287,

Kclang 108,

Konntniss von Seran 150. Kenwaket 353.

Kotten 249.


ocr page 436

1NI)K\.

Kicsolgnis 312.

Kiriarbaum SJAH, 1553.

Kinder 15i, 17(1, 290.

Kirchcn 49.

Kladie 83, 317.

Kleidung dor All'uren von Buru

288, 345.

Kleidung dei' Alfuren vo» Seran

121, 126, 145, 231,

Kleidung der Anwolinor der El-

paputibai 194.

Kleidung der Bewoliner von

Kajeli 255.

Kleidung der Christen 4(1, 82. Kleidung dor Strandbewohner

Scrans 73, 80, 82.

Kleinhovia hospita 203. Kloin-Seran; sieli: Huamual. Kleltern auf Biiume 362. Kletterpalmen; sieh: Rottan. Klima von Kajeli 271.

Knbi 229.

Kohau 374.

Kolden 94.

Koïn 322. 327, 330, 332. Kolekolc 97.

K olwuter 11.

Komo 294.

Koufcrenzen 229, 230, 258, 291,

32.1, 834.

Koiifokotpun 344. Kopl'bedeekung beim Tjakalele 57, 58.

Kopt'bedeckungen, Seran 194 Kopfjagdcn 116, 122, 12S, 143, 151, 178, 224, 227, 247,286. Kopfputz, All'uren Senilis 247. Kopftiioher dor All'uren vonBuru 288.

Kopftüchter der Alfuren von Seran 120, 142; si oh auoh: Koptbedeckung.

Kopra 10.

Ivorallenbauten 71. 220,

22(1, 272.

Korohiluie 214, 217.

Kotta Fraug 27 4.

Krakatau 115.

Krank heit 378, 386, 388. Krankheiten auf Ambon etc. 63. Krater 28, 36.

Krebs 242, 252.

Krieg 325.

Kriegorisohe Maassnahmcn auf

Buru 328.

Kricgerisehe Maassnahmen der

Alfuren Scrans 136.

Krokodil 52, 92, 97. 162, 233,

241. 351.

kubalahin 376.

Iviihte im Innern dor I'irubai 97. Kuhuwael 97.

Kulebleo 278.

Kulor 103.

Kultur von Seran 231. Kupanuc 99.

Kupferberg 102

Kusukusu 107, 265, 340, 341, 344, 373, 376; sich ferner: O ras.

Kwarto's 256, 257-

Lubuan 229.

Lubuan Tundona 162.

Lagundi 332.

Lalamon 363.

Lalola 108.

Lamori Titawaël 344.

Lampen 242.

Lampyriden 24.

Landwind 278.

Lanzen 237, 285, 321. Landschaft (polilisoh) 291. Landschaft am Mala 348. Landschaft am Nibe 311. Landschaft am Tana 202. Landschaft am Tihi 343. Landschaft am Toluarang 241. Landschaft an dor Pirubai 89, Landschaft bei Kajeli 251, 260. Landschaft bei Leliali 273. Landschaft boi P. Tonga 365. Landschaft im Kalksteingebirge

von Buru 341. Landschaften(politisch)von Buru 256.

Landsehaftsbilder von Ambon U, 23.

Landsehaft sbilder von Saparua26. Landsohnecken 30.

Lapitabong 348.

Larven 212.

Lastara 80.

Laterit 8, 33, 172, 265.

Latu 183.

Latua 1.

Laufhühner 37.

Lawakano 32.

Lebcnsmittcl; sieh; Nahrung. Lebhaftigkoit der Alfuren 311,

319.

Lehrer 49.

Lea Hari 18.

Leimcna 278.

Leliali 273.

Lenitu 32,

Leptopoma vitreum 30, 136. Leuchte von Dammcrlmrz 170,

176, 178, 236.

Liehenen 384.

Lieder 61, 237, 292.

Likusama 311.

Liscla 369.

Literatur 390.

Locherfels 111.

Logirhans 98, 280.

Lokki 100.

Lotone Bataï 205, Luftspiegelungcn 186,

Lu hu 103.

Lycopodium cernuum 22. Lycopodium speotabile 384.

n.

Macrochlamys Martini 30. Macrogyrus 311.

Madeben 290, 322. Madchengürtel 246, 247. Mahlzeiten 98, 109, 210, 309. Malilzeitcn, festliche 64. Mai-maï-sageru 31.

Makariki, Bach 200.

Makariki, Urt 190.

Makassaren 114, 123.

Mako 77, 169, 247.

Mala 185lt;

Malaman 2, 22.

Malayisch 60.

Maleo 37.

Malcssi 77.

Mangimangi padomara 15. Mangrove 15,97, MSI, 243,

252, 259, 363, 365, 371. Mani 185.

Manihot utilissima 83, 317, Manipa 108.


ocr page 437

INDIA.

Miinjangan-Tni 34 !■.

Mnnnalii O'J.

Maoïu batn J I t, 146.

Maoin besar 79, 177.

Maoto 314.

Maraluimi 230.

Marulat 27S.

Marmahu 323.

Marmor 21G.

Marscgo 50.

Massarotte 257, 367.

Massimato 332, 238, 241, 243.

Maasisihulan 231.

Matakau 53, 134, 178, 183, 331.,

353, 375.

Matlea 381.

Mccrlenchten 36, 113.

Mct'a 351, 354, 355.

Mcgiijiodius Forstenii 38. Megapodius Wallacei 37. Melaleuca leucodendron 158; sinh

fernor; Kajuputi.

Molania clavus 339.

Melania eronulata 339.

Molania funiculus 239.

Mclano 35.

Molatti-lUumen 47, 04.

Menario 59, 178, 331, 354.

Menarie parisi 104.

Menses 153, 176,

Mesawaiil 340.

Mcsser; sieh: Parang.

Messer der Frauen, Alfuren J 37,

Messor fiir don Tjakalelo 58.

Mostizen 43, 55.

Migodo 332.

Milbon 144.

Militairisohe Expcditionen 115, 337.

Missigit Lama 112,

Mission 353, 356.

Missionare 350, 355, 350, Mohammcdanor 30, 45, 220, 254, 257, 290, 330, 338, 370, 380. Mo'it Kakun 301.

Mokotwacl 343.

Moos SS, 136, 204, 31», 313,

316, 329, 381,

Moriisto auf Soran 318, 338, 211 f

sich fernor: Siimpfe.

Morde 151, 153, 171, 176,182, 327.

Mosqiiitos 218, 34J, 271, 313.

Muralatetu 107,

M urinatin 108, 172.

Muscheln 91, 367.

Musik 01, 88, 169, 225, 392, 345.

Musikinstruraento 01, 35 4. Musnaits 80, IIS.

Muson 84.

Mustika 377.

Myristicivora bioolor 93.

V.

Nacliahmungsvernmgen 60. Nalining 309, 313, 313, 315, 317, 334.

Nahrungssorgen 312, 335.

Nalbosi 332, 336,

Nangka 375,

Nangu Lale 349.

Nani 308.

Nanina citrina 239,

Nassa, als Vorziening 194,250.

Nautilus poinpilius 29.

Nogoreibewobner von Ambon

etc, 44.

Nomopbas Grayii 101. Nepenthes Boscbiana 32, 385. Neujubrsfost, ohiuesisobes 60. Neujabrsfost der Mobammedaner 387,

Nipabliittor 306.

Nipa fruticans 161.

Nipapalino 101, 343, 353, Nitu-nitu 370, 381, 380, 313,

330, 330, 377, 383, 385. Niwetetu 194.

Njiru 181.

Njora's 291, 344.

Noa 200.

Nordkiiste von Burn 372, 378, Nordkiistc von Hitu 18. Nordkiiste von Soran 150, 106, 330.

Nordwestocke von Bum 300. Nonlu J 94,

Nukubai 177.

Numenius pbaeopus 94,

Nuniali 168, 171, 17 7. Nusabmt 31

4».

Oclfabrikation 103, ZZit. 300, übrziorratbe 133.

Oma 35.

Ompbalotropis ceramonsis 30. (jpfoi'gabon 281-, 362.

Üpfcrn 5J, 77, S^, SS», 320, 330, 310, 351, 352, 377, 381 Oplorpfabl 324, 377. Opferstiittcn 9, 12, 51, 70, 284, Opferthier 352, 320, 388. Opo djo 391.

Urang sarani 45.

ürbitolitos complanata 105. Orembtti MO, 377, 363.

Orombai tikang ikan 59,

Orlepe ('0.

Ornitboptora Helena 31. Ortssinn 205.

Ostorfcst 232,

Iquot;.

I'adowakan 1 11.

Palmen, Rciclitbuni an 311,

I'almwoin 11,

Painali 176, 177, 280, 387. Pamali besar 174, 177. Pandanus 97, 311, 218, 225,341,

373, 310,

Pantons 178.

Papaipu 207.

Papasia uma 259,

Papatjeda 17, 74,

Papeda 141, au».

PapcdalölTcl 230, 343.

Papilio Ulysses 31,

Parang 81, 125, 138, 195, 234,

366, 284, 334.

Parang pamali 387.

Pur/nelia speoiosa 385.

Pasabari 337, 329, 233, 24:». Pasania 315, 319, 223.

Passaic 84.

Passo 33.

Pata-lima ««, 70, 225. Puta-siwa lt;»lt;», 70, 325, Pata-siwa-bitam 00, 08, Pata-siwa-puti 60,

Patola, Pgt;aum 339.

Patstock 307.

Paulobi 185.

Pel a 29, 117, 331.,

Pclau 40.

Perioplitbalmus koelrcuteri 15. Perkara 11'3.


ocr page 438

INDIA.

).()(}

Pci'singguliMii 280,

Pn,.., VOO 1 01 tl

Perwics

I'rMinggriihan '280,

rfeilo 195, ■!gt;«!, 280.

Pfcilt', selbstschiesaondo 303. I'fcilspitzon 197.

I'Hnn/.imgcii 10lgt;, ÜH3, 300,317,

328, 339, 340, 342. Phalangista orienlalis 213. Pliosphorcsciron 200. Photographiren 331.

Pia 213.

Pinang 291.

I'iimngpiilmon quot;252, 302.

Pining 202,

Piru 97, t»quot;quot;

Pirnbai 84.

Pitigawa 309.

i'lacuna sella 11.

Plagiocliila 384.

Plateau's 238; .sioli auoh : Bran-

dungstcrrassen.

Ploï 251, 371; sich ferucr:Ka-

luisan.

I'lumcria acutifolia S3. Pockonepideinio 71, 244.

Pohon Halu 183, 184.

Pcdpitu 344.

Polsstok 307.

Polygamic 170, 289, 352. Potypodien 98.

1'ompelmuse 375. Porcclliunvaarcn 51, 141.

Porto 29, 42.

Poslhaltoi' *»!gt;. 18S, 250, 270. 277, 305, 320, 320, 327, 338, 351, 302,

Posthouder; sioli: Postlialtor. Postkommandanten 189, 220. Postverbindungon 100,190, 229. Potamidcs palustris 213.

Pniuon 8S, 90, saa, 258, «35»,

332.

I'rawan 278.

Prodiger 82, 100, 188.

Prodnkto vou Burn 259.

Pteris aqttilina 302.

Pteropus personatus 359.

Pnasa 222, 229.

Pulu Babi 71, 95, 109.

Pulu Bcsar 259.

Puin Bontal 157.

Pulu Foggi 303.

Pulu Kalapa 103.

Pulu Kasa 38, 71, 89, lit.

Pulu Kasuari 163.

Pulu Ketjil 259.

Pulu Ponibo 25, 40.

Pulu Pua 157, 102.

Pulu Tonga 303, 301.

Pulu Tiga 112.

Pulu Tonmliu 303.

Puppcn 295.

Python 130.

U

Unartiere '.18, 159, 274.

(.luarz 202, 274, 312, 379. Cinollabsiitzo 343.

Ciuellen, warmc 28, 34,30, 102, 372.

II.

Rabana 02, IO.V

Radja; sich audi; Regent.

Radja tana, Wakollo auf Scran

173, 175.

Radja von .Massisihulan 221, 230. Radja von Salmluu 185.

Radja von Sawaï 228, 230. Ragan 354.

Randju's 133, 137, 325. Riiubereien 193.

Raupen 211, 295.

Reohnen 144.

Regen 181, 303, 312, 317, 333,

337, 380, 381, 383. Rogenmengen 387.

Regenmesser in Kajcli 387. Regenten 47, 71.

Regenten von Hum 250, 291. Regenton von Seran 223. Regent von Kairatu 128, 148. Regent von Kajcli 374, 370, 383. Regent von Leliali 274.

Regent von Lisela 278, 297,

298, 334.

Regent von Okki 335, 351. Regent von Pasania 222, 223, 230.

Regent von Pulnpa 215. Regent von Rumaolat 228, 230. Regent von Se run wan 110, 143, 145, 148.

Regent von Slemann 223, 225. Regent von 'i'agalisa 378, 297. Regenzeiten 85, 100, 349, 350, 378.

Regicrungsformen in W aliai 228. Reiher 93, 252, 204, 371. Reinigung 334.

Reis 83, 85, 171, 189, 340; sich

audi: Sawa.

Reiso (lurch Seran 199. Reisegesellschal't auf dein Wogc duroh Seran 194, 199, 203, 224

Reisegeselischaft (lurch das nörd-

liche Burn 290. Reisogescllsehat't von Wakollo zur Südküste von Hum 335. Reisen auf Hum 300, 341. Reiscn dcr Alfuren 398 Reisen vou Kajcli aus 204. Rciscpliine 228, 318.

Rnislöllol 343.

Rcismörscr 175, 212, 300. Rhizophorcn; sich; Mangrove. Rille; sich I Korallcnbauten. Ringc 73, 123, 127, 108, 195,

289.

Rohomoni 40.

Rosonbergskopf 214, 217. Rottanpidnic als Nabmng55. Rottanpalmen 128, 203, 218,

260, 371.

Ruata 192, 200.

Riiokkebr nach Europa 388. Rückkcbr nach Kajcli 370. Ruder 87, 118, 233, 330. Rudern 118,-225.

Rucllia 249.

Ruin 99, 150.

Runiakai 181, 182.

Ruma ncgri 374.

Rumaolat 221.

Ruma pamali 77.

Rnmareat 184.

Rumasosal 181, 193.

Rumatiga 10.

Rumatita, Dorf 139.

Rumatita, Itiiuptling 115, lly

132, 148, 149.

Rusisina 20, 32.

Rutung 13.


ocr page 439

INUl'X.

HJJ

s.

Sabua 25;!, 283,

Sadurue 94.

Sagen m, 332, 31«, 357, 363, Sagubrei 210,

Saguklopfor 207, SOM. Sagumehl 2ü.

Sagiipalmeii 10, 317, 333. Sagupflanzungen 100, 207, 265, 373.

Saguwiische 207.

Saguwcer 11.

Saliulau 185.

Sahuliiu Gunung 185.

Saku 180.

Salawako 285.

Salcndang 73,

Salhutu 1, 37, tó, 71,

Salz 144., 330.

Samal 229,

Samalagi ^78,

Samloko 305.

Sanahu 184.

Sandalen 2C5.

Sandsteine von Üuru 268, 269,

271, 338, 339.

Sangwaru 319.

Saniri's «n, 71, 147, 151. Sanlapa 260,

Sapalcwa 08,

Saparna 24,

Sariputi 229.

Sarua 118, 258.

Sassi S», 134, 302, 333, 353,

375.

Sawaï 220,

Sawa's 171, 189, 340.

Schild el 75, 77, 174, IJS.

ISS, 227, 28G, 326. Schallwollen 360.

Scliamgürtel j sieli: Tjidako. Scheidung 290.

Schcilorn der Keiseplano 231. Seliilde der Tabelloresen 234, Schilde von Ambon etc, 58. Schilde von Burn 285, 324, Schilde von Huamual 104, Schilde von Seran 191. Schildkrotc 52, 159. Schildkrotringe 122,

Schildpalt 84.

Schilf 337, 379.

Sohlangen 136, 212.

Schliiigen 237, 303.

Schmalster Thcil von Hnamual 99.

Schmetterlinge 30, 131, 296. Schmieden 233, 285, 324, 323, Schnitzarbciten 75, 225, 233. Schorea selanica 302.

Scholtor 202, 299, 312, 336, Selirciher 277.

Schillen 49.

Schurzj sieh: Tjidako. Sehutzdilchcr 1'iir Gepiick 200, Schützcn 18, 277,

Schwalben 271,

Schwein 302, 333, 352, 353. Schwcin, versteinertes 346. Sehwieriger Weg durcli Bum

306, 309, 310. Schwierigkeitcn an der Nord-

kllstc Se rans 2l'2, 223. Schwierigkeitcn in Ruraatitu

143, 148,

Sehvvierigkeiten in VVakollo,

Burn 327, 335.

Seebcben 300.

Seesohwalben 366.

Sec unl'ern des Toluarang 241. Sec von W'akollo 319, 322,

»:il.

Segel 358.

Selon Biloro 34 k Senepa 380.

Sepa 229.

Septaria suborbicularis 9.

Seran 66.

Serinum 2, 12.

Setan 352.

Siau 280.

Sicherheit auf Seran 96, 149,

173, 229, 231.

Sifu 368, 369.

Sigaale im Walde 212.

Sila 32.

Si ri J 66, 291.

Siridose 291.

Siriolo 184.

Sittlichkeit 62, 170, 322.

Slelatt 282.

Slemann 219.

Slikut 282.

Sua 290, 293, 374.

Soa (lobrihi 368.

ScjJ.'i 8.

Sole 97.

Sonne als Verzicrung 249. Sonnenkullus 77.

Sonncratia alha 14.

Sosö 286.

Sprache 50 Spatzen 388.

Spiele 170, 354.

Spirilla Peronii 165.

Station am At/in 211.

Station am 1'apaïpu 268. Station um Tana 200, 203. Station am Toluarang 210. Station am Unit 342.

Station am V\rae Danga 312. Station am Waëlnipa 317. Station am Waë N'cbo 306. Station am Waü Xibe 314. Station auf dem Batnbua 382, 385.

Station auf dom (I. Dammer.

380, 386.

Station auf dein U. Lumute 213. Station auf dein Lotone Bataï 205.

Station auf dom l'itigawa 304, Station auf dom Wego nach

lloiiitotu 135.

Station auf Pulu Tonga 364. Station in Nalbesi 337.

Station in 1'asania 223.

Station in Slemann 224.

Station in Wahaï 228, 244.. Station in Wakollo, Bnru 320, 332.

Station in \\rak(illo, Seran 177. Station 1'nlpitu 311..

Station unfern des Waë Uuma 338,

Station unfern dos Ula 216, Steinerno lliiuser 79,

Sterna hybrida 366.

Steuorn 5 4, 83.

Stöcke 171, 3-15.

Strafzahlungen 151. Strandalfnren von Kairatu 156. Strandlinien J63,

Strand von Burn 359, 366, 368,

369.

Strapazen 306.

Strasse zwischon l'oggi und Bnru 363.


ocr page 440

1NIgt;F,X

402

Strcitigkniten 151, 193. Strombus gultatus SOT.

Sti'ombus luhuanus 307. SU'omschnellcn 202, 312, 313, 310.

Stürme 179, 180.

Stutzor, all'iu-isohor 142. Suaiigi's 380.

Südküslc [Senilis 181.

Siidkiiste vou Uurii 340.

Siiliur 8.

Siiknu 380.

Sula 15csi 306.

Siiianescn 110, 259, 273, 284,

350, 301, 309.

Siuncit 193.

öiiiiipt'e 238, 241, 242, 3157, 339,

344, 318.

Sus babirussa 204.

ïabiiok 259.

Tabclloroscn 233, 285.

Tim/.c 57, 00, 04, 72, 178, 321,

345.

ïagvogel 132.

Tal as 317.

Talla 08, 184.

Tampajan solan 22.

Tana, Finss 200, 202.

Tananahu 193.

Tanate 256.

Tana Wakollo 322.

Tandjung Almralu 204. Tj. Akau 35,

Tj. lialipetu i500.

Tj. Batu Kapal 101.

Tj. Haiu No lui 279, a»5, 299,

301.

Tj. Biloro 360.

Tj. Elemonanjo 32.

Tj. ïusan 251, 258, 200, 379. Tj. llataniatii 114.

Tj. Hatucna 100, 179.

Tj. llatu Melen 182.

Tj. llatu Muri 41. Tj. Hotolauwe 18.

Tj. liihar 13.

Tj. Hiitu Muri 13, 14. Tj. Kaiawaï 100, 179. Tj. Kamnjoho 303.

Tj. Karbau 272, 379.

Tj. Knaku 204.

Tj. Labuan 244.

Tj. Lamana 107, 172.

Tj. Lalii 181, 183,

Tj. Laiima 102, 105, 11 1. Tj. Maloo 38, 40.

Tj. Manilla 18.

Tj. Mania 98.

Tj. Mnlu 111.

Tj Namaulo 34.

Tj. Ow 20.

Tj. Paa 219.

Tj. 1'amali 104, 219.

Tj. Papcla 41.

Tj. Paporu 20, 27. Tj. Pollano-nuwai 32.

Tj. lliki 14.

Tj. Sacoila 220, 243.

Tj. Salnku 105.

Tj. Sapalewa 107.

Tj Scnsuni 106.

Tj. Sial 19, 71, 112, 11» Tj. Sisi 98, 99.

Tj. Tala Somang 182. Tj. Tanduruë 106, 179. Tj. Tanduruü ütó 106. Tj. Tapan 98.

Tj. Tarawail 166.

Tj. Tawano 111.

Tj. Teno 181.

Tj. Tetulain 17.

Tj. Tctnnatcn 98, 99. Tj. Tihulalo 42.

Tj. Totui'l 35.

Tj. ülalu 109.

Tj. Waë Aka 42.

Tj. Waë A (in 379.

Tj. Waü Ui 307.

Tj. Waë Ira 181, 182. Tj. Waua 100.

Tj Wasoï Koljil 35.

Tanggiri 272.

Taniri 272.

Tapeinocliiliis pungens 129. Tapuara 177.

Taruna 300.

Tasohcn 125, 195,248,297,325. Talabuan 59, 62, 277, 345. Tatabuan kawim 354. Taluirungen 79, Ml, 124, 120, 168, 288.

Tauben 93.

Tausülien 140, 149.

Tauscliwaarcn 335.

Teotona grandis 28.

Todoï 349.

Tclaga 100.

Tclcscopium l'uscuin 243.

Toniperatur 333, 337, 380.

Tornatanon 110.

Tbalassina anomala 21-2, 252.

Thon als Nahnmg 55.

Thynnus polamys 294.

Ti fa 48, 02, MS, 237, 280, 292,

ïtM, 313, 319, 344.

T'il'n 350, »51.

Tilmlale 151, 182.

Tilan 282, 287, 323.

Titawai 33.

Tjakaïba 00.

Tjakalang 29 !■.

Tjakalolo .15, 72, 191,234,294,

354, 387.

Tjampeda 215.

Tjidako 120, 153, 215,

3-15, 21«, 324. Töpfcrarboiten 11.

Toluarang 232, 239, 841, 244. Tomc-tomo 100.

Tome-tome Weru 100.

Tomilehu 184.

Tonki 15.

Totanus 94.

Totoï 81.

Tottaniwol 181, 182. Tragcrkolonne 199, 297.

Tragen von Lasten 47,141,199,

242.

Tragkörbe 230.

Tragst\ilil 5, 218, 309. Treibliolz 371.

Trichosanttics 302.

Tridacna 144, 234.

Trinkbecber 149.

Tripang 84, 159.

Triton 75, 183.

ïroolioniorplia planorbis 30. Trockcnbett 202.

Trockenzeit auf Bum 387. Trommel; sieh; Tita. Trompeten 75.

Tnba 344.

'l'nbipora musica 220.

Tudung 40, 47, 297.

Tunabuliu 19, 21


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INDEX.

Tuwan tana von Wakollo, liuru

310, 322, 321., 320, SSO Typus der Alfuren von Bnru

288, 321..

Typus der Amboncson etc. 44. Typus der liorgbowohner Serans 119.

Typus der Bewohnor von Knjcli

2r)'t.

Typus dor Strandbewohner Serans JJ», 178, 221.

U.

Ubi 83.

Ubong 272.

üeberscbroiten des Mala 340. Ucborsclirciton des Nil)o 315. Ueberscliwcmmungen 238, 239,

340, 369.

Ufcrterrassc j sieh: Brandnngs-

terrasse.

Uforwiille 279.

ülar patola J 30.

Uliasser 34..

Ulu 280.

ünkenntniss bei den Bewolinern

von Kajeli 208.

Unsicherheit; sieh unter Sicher-hoit.

Unlcrbandlungcn 110, 147; sieh

fernor: Konferenzon. Upa lanit 215.

U ril ii 130.

Ursa na 139.

Ur-Scbieferformation von Burn 203, 207. 271-, 295, 299, 301,

311, 312, 314, !«'»«; sicb forner: Archaoischcl'orniation.

Urwnld 128,131, 208, 301, 308. üsua 213.

Uwe 185.

V.

Vaccinateur 277.

Vegetation am See von Wiikollo

329, 331.

Vegetation auf Ambon 10. Vegetation auf dem Batubua »84.

Vegetation auf Saparua 25. Vegetation;sieli fcrner:VValdung und Urwald.

Vellejns moluccanus 212. Vorbleib; sieli: Station. Verpaeken von CJcstcinen 217. Versammlungen dor Alfuren

Serans 08.

Versammlungsort; sieh; Bailee

und Tilan. Verwitterungsboden 133, 203. Vihola 320.

Viverra 103, 170, 303.

Vogel 37, 92, 316, 336. Völkerschaften von Wahaï 227. Vorbercitungen fiir die llci.se

dureli Burn 294.

Voreltcrn; sieh: Nitu-nitu. Vulkanische Eniption 359. Vulkanisehe Schlaeken 113. Vulkanruine 23, 27, 42.

W.

Wabliiï 373, • I

Waë Apu 252, 310, 370, :t71,

373. 370 Wae Arsale 337.

Waë Assel 379.

Wac Blama 302.

Waii Bloï 373.

Waii Bo 358.

Waë Danga. 312.

Waii Dea 355.

Waii Dina 344..

Waii Dula 34.0.

Waë Dule 340.

Waëeno 339.

Waë Erro 314.

Waë Fanabo 312.

Waë Fefa 355.

Waë l'Vha 330.

Waë Eloffon 347.

Waë ll'olfo 355.

Waë Eiika 342.

Waë Grabe 320.

Waë (iuma 339.

Waë Ilaggi 330.

Waë Hahan 314.

Waë llalebc, 337.

Waë Ilalua 171.

Waë Hangan 310.

Waë llila 15.

Waë Ira 37, 40.

Waë luwa 15.

Waë Kabo 310.

Waë Kajeli 200.

Waë Ka'la Uli 21.

Waë Kapal 347.

Waë Kibo 311.

Wackibu 3 Ut.

Waë Krikua 131, 149. Waë Kuassa 132.

Wac Lalmata 290, 299, 301, 375.

Waë Lamasi 160, 179.

Waë Lata 319, 380, 381.

Waë Lea 206, 207, 383.

Waë Lei 183.

Waë Lcmann 21.

Waë Lesnela 310.

Waë Lilla 21.

Waëlkadar 310.

Waëlkollan 312.

Waëliuoli 381.

Waëlnipa 317.

Waë Loï 19.

Waë Lolla 21.

Waë Losa 210.

Waëlpanga 318.

Waëlschu 317.

Waëltane 311.

Waë Lumaïti 260.

Waë Mala 338, 339, 342, 340,

347, 348, 357.

Waëniangi 369.

Waë Ma raké 40, 42.

Wac Massi 299, 301.

Waë Mcfa 355.

Waë Momi 37.

Waë Mctan 171.

Wac Miting 300, 361, 375. Waë Moar 337.

Waë Nafe 313.

Waë Napa 339.

Wac Nebo 306.

Wac Ngenga 310.

Waë Nibe 301, 303, 311, 311., 310, :il7, 319, 320, 329, 332, 309.

Wac Olang 21.

Waë ürangkaja 21.

Waëpanga 322.

Waë l'ote 279.

Waëpotc 278, «31», 370. Waë Puti 105, 114.

Waë Rehu 34.8.

Waë Itiupa 131.

Wac |{,oë 355.


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INDIA.

■m

Wivi; Ru pa 9.

Wac Salfakka :!7.rgt;.

Wac Sali 3:57.

Waë Sapinfattan 'i:i7.

Waii JSiiri 180.

Wac Sassefattan

Wuc Suhan 374, 37(1.

Waii Tagalaggo 338.

War Tamua 108,

VVaë Tari 130.

VVaii Tnnm 336, 376.

Wai: Tilii 312, 343.

Wail Tuba 132, 133, 140.

quot;Waeulong 351, 355.

Waë Una 27'.».

Wac Unit 342, 343.

Waë Uta 214, 210, 217, 219.

Waë Walo 376.

Wagapa 370, 378.

Wahai, Ablhoilung 219.

Wahaï, Ortschalt 220.

Walirsagcr 280.

Wairama 235.

Wairama Ajor Bosar 235.

Wairama Tcpoa 235, 239.

Waj angspiel 232.

Wnkalc Ilur 206.

Wakollo in Burn 320, tfJS

Wakollo in Scrim 171, IJ3,

Walain 108.

VValdbriindo 301, 302, 352. Waldslationon 201, 304. Waldung am Tana 200, 202. Waldung in Burn 202, 310, I

338, 343, :85l, 384.

Waldung in Scran 205, 206, 218. Walhanhat 322.

Walutmaha 314,

Wamlana 369.

Wampassang 371.

Waraka 194.

Waringin 77, 188, 232, Warnungszeiohon 303.

Warora 319.

Wiuschapparat fiir Sagu 207,

209.

Wasia 184.

Wasserbcckon 301,

Wasserfiille 318, 319, 343. Wasserflaschc 159.

Wasscrllntb; sieli: Uebersoliwem-

mungen.

Wasserkiifer 311,

Wasscrmcngen der Müsse 133, 370.

Wasscrrisse 200, 207. Wasserscheide, Burn 338, 340. Wassersciicidc, Scran 212, 214. Wassersclinepfcn, 94, 204. Wathamin Kakun 349.

Watui 151.

Wauwangi 100.

Wawani 1, 17, 19, 23, 71. Wasn 35.

Wcg durch Buano 160. Wcg durcli Burn 298, Wcg dnrob Hitn 16, Weg durch Leitimor 8, 15, Wege (lurch liuamual 100,157, V\rcgc durch Scran 190, 229, 230, Wege in Bum 275, 349,354,369. Wege in don DOrleru vun Ambon etc, 49.

Wege iu Fliissen 309, 312,

Weg nach Wakollo, Bum 296. Wcg von Kailolo nach Poliiu 41.

Wcg von Oma naeh Harukn 36. Wcg urn Nusalaut 33. Weg zum Kakusan 264, 271. Wild 302.

Wildschwciiie 50, 210. Wohnsitzc der Regenten von

Burn 257.

Wohnsitzo, feste 352, 374, Wohmingcnj sich; Hiiuscr. Wnnderbaiim 332.

Wiirfnct/. I 255, 294. AVurl'specr 110,

X.

Xenophora 308,

Xixuthms lunicollis 212, 295. Xylotrupes Simson 31, 123.

X.

Zablimgsmittcl 144,

Zaubcreicn 287, 352, 353, /eiclinon 118, 142, 147. Zeiclmungcn an Gcrathcn 249. Zoitbestiminung 240,

Zeug nis Kaufpreis 283, Zibothkatzc; sich: Viverra, Zierratho der A If uren Scrans 122, 127.

Ziorrathe der Alfuren von Bum 289.

Zierratho ilcr Anwohncr dcr Elpaputihai 195.


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VON

K. MARTIN,

l'raft'fistir J'iir Cwolinjir en (h'r l nu^waillil ,;// L -nh-n.

'11 y\ I^IOI jN ITNI) K.XlVVb:.

L Ji r DE N.

E. ,1. 15 II I L L 1894.

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ilv'l •' SI

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TAKEL 1.

ftlratse in der Stadl Ambon. — iSeite 3.

TjakaMc- TH mei- in I\uiimlt;i aul' Leiliinor. lm liinlergrimde Elirenliügen, nul Cooostieilerii beliung'en; reelils im Voi'ilergniiKlc cin Negoreibewolinei' in Festkleidiiiig. — Seite 4() u. 57.

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TAFEL 111,

r.nuinanf/, Wasserfall /.wischen llatalai and Erna aulquot; Leiiimor. I his (leytein gc-iiort der GraniUbriiialion aa; im IIintergruiilt;3e Sagiipalineii. Die Leute iin Wasser siiid uieine Trager, in Kina ansiissig. — Seile

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TAFEL IV.

Etna, Dorf uuf Leitimor, nuf einer Granilkuppo gebanl. Die Treppe ist ins Gestein gehauen; rechts eiu Pfad, welcher au einer zerklüfteteu Wand des Enipl ivgesteins hinführt; im Hintergrunde Qebirge von Leitimor. Anf der Treppe sitzt ein Mann in Feieriagskleidung; links im Vordergrunde Fiscidiörbe. — Seile 10 u. 12.

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TAFEL V.

A'/V/, 1. Sonueratia alba Hmilh aul' einer im Augenblicke trockeneu Brandungs-terrasse am Noi'dstraude von Uitu, westlich von Ilitulama. Ijinks i'agen aus dein Waldesraude, weleher die Küste begleitet, Cooospalmen liervor. — iSeite 14.

Fig. 2, Waldung mil Baiimfarncn aul' dem Gipfel des Berimuu, Leiümor. — Seite 12.

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TAFEL VI.

Landxvhafl, geselen non Unilu auf Nusalaul. — 1 Die kleine Innel Melauo; Ü Kft]) lioi; zwischen beiden, im iliulergniiule, Haruku; ü Tandjung' l'aperu tind dariibei1 liinaus da.s Gebirgsland aus der Gegond von Porto aufHapama; 4 Tandjuny ()w, 5 Gebirge von Seran; ti Ostküste von Haparna, deren nördliuhe Fortaetzung nicht inelir gezeichnet ist, lm Vordergrnnde die zur Ze it trockene Brandling,s-terrasse, welche sicli urn die ganze Insel Nusalaut liinzieht. — Seite K u. 34.

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TAFEL VII,

Mg. 1. Trommel (Tifa) von Hitulama auf Ambon. — Seite 48.

Fig, 2. Hah ana von Hitulama auf Ambon. — Seite 02 u. 10.*).

Fig. 3. Mmïkinstrument au« Bambu.s, von Saparua. — Seite 02.

Fig. 4. Wanehapparal für Sagu, von Porto auf Saparua. — Seite 20quot;?.

Fig, 5. Grabdatle von Soja auf Ambon; 5quot; Anortluung des Steinringes uuter dem

Scliutzdache derselben. — Seite 51.

Fig. (!. Di'diUirupparal fur die Bereituug von Kolwater. — Seite 11.

Fig. 7. lieibsteiu für Betel. — Seite 9.

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TAKEL LX.

F'kj. J. Ans dew Durfe Niemann, an d des Regenten auf ilas Meer. Fig. 2. Hum am dein üorfc llatalai

er Nordküste von So ran. Au.-hlick vom llau

— Öeite ÜXJJ.

auf Leitimor. — Seite 10.


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K MARTIN, MOLUKKEN.

TAK IX.

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TAFEL X.

Djudjaro\i von. Jlaluma bei der Etnpl'ang'sl'eierlichkeii urn I(»lt;'•quot; Febriuir. Vorne link.K stellen die beiden Ka|)ala-dJudJaro's mil dem FedersidimiKike (Tal', yii, Fig. 5) in der Hand. üeber weitere Einzellieiteii der Kleidung sind die im Texie ango-iührten Abbildungen zu vergleichen. — Seite 72.

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TAFEL XI.

Vii/. 1. Saniri's dei' Pata-siwa von West-Seran, in Festkleiduug. — Seite 08.

2, Al fur en von Taniwel an der Nordkü.ste von Kairaiii, als TjakalolD-Tan/ei' angethan. — Seil-e 72.

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TAFEL XII,

Oremhaï. Daneben rneine kleine, fiir die (Jntersucliung der Küste verwendete, inlaudische l'rau (8eiie 96); links im Vordergrunde eine Pran, welche die iiacli ambonscher Art befestigten Pingel zeigfc (Seite 232); am Straude Mangrove. Dus Bild ist von Ruïu aus genommen; das gegenüberliegende Gebirgsland, im Hinler grande, grenzt demnacli au das üstliche Uier der Pirubai. Das Dacb der Orembai scheint nacli dem Bilde spitz zu sein, weil die auf ilim befindliche Bagage mil Atapp gedeckt ist, doch ist es in Wirklichkeit gauz flach. — Seite 86.

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TAI'Mil; Xlll.

Strandbewohncr vou Her an, l'imbai, in Kajuj)uti\valdung. A.ul' dem Wego vun Jiuïn nacli Katania. — Öeite 79 u. 158.

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TAKEL XIV.

Hans von Ihmitdu in Wesl-Seran, an Ort nnd Stelle samtitl der Dmg'ebung ge-zeicluiel. Nur die Figuren sind spater uacli l'liolograpliieen, ilie icli von tien Kin-wolinern des Dories anfertigte, hinzugefiigi. — Seile 140.

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TAFEL XVI.

Au-t dm Dor fa Wahollo in West-Serau. Zur Linken ein Haus tier Alfuren, zur Hechten eine Üruppe von Pisang. Der nuf er letzterer belindliciie Schup[)en ist von meiuen Begleilern erriclitet, gehort also eigentlich uicht liieher. — Seite

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TAFEL XVII.

Hailco {Tupwara) von NuniaU, an der Norclkiislo von West-fWan I'lilor «Icin Daclirande hangen 48 Sdiiidel von Erschlageuen. — Keite 177.

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TAFEL Will,

Auwohner der Fdpapuli/jai, /,u moiiier Begleit nng auf dem Wegc duirh Seran gehorig. Die beiden Lente links mui die zweite Person von rechts sind Kapalasoa's, deren Kopfbetleckung mil Gehausen von Xassa beniilit ist. Die driUe Person von links triigt ein Bündel von Bogen mul Pl'eilen: bei dor P1'quot; mul ö1' quot; bemerk! man nnter dem linken Arme die geschilderle, kleine Tasche, woneben die iinssersle von ilmen noch eine nusammengelegte Matte triigt. — Seite 1IJ4.

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TAFEL XXL

ilehtryu nou der Nordkiidc Reruns, geselien vun Slemann aus. Der beirelibiulo Kücken, welcher oben zum Theil (lurch Wolkensnhleier verhülll ist, endig-t iini Kaj) ILilu Snpuu (Seite 21U). Ira Vordergrimde ein kaum überstromtes Korallcu-iifl, i'ocbts J Lento vou Waliai; ilaliinler die überliiiugfuulen Zweige oinor Oasuariue. Dio Sdionbeit der Landachal't ist leider in der IMiolograpliie nicht, wioderzugeben, da sie weder das prachtige Jvoloril nocli die Linzolheiten im Relief des den Uin-tergrund abschliessenden Gehirgslandes znra Ausdrucke hring't. — Seite 220.

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TAFEL XXII,

h'j. 1. Kamvi von Sc/Udpalt, Straiulhewolmer von Seran, Kaibobo; I von oben gesehen; 1« Verbimlung der braden Halflen, von liinteu; 1/ Jiledisliick, welches als Zierral li dient, von oben gesehen mul gleich deinjenigen, wol-ohes in l/' in seilliclier Ansicht wiedergegeben isl; !'■ Aussenendo des Kammes. — Seite 80.

%. 2. Stab ehws Kapala-saniri, von West-Seran, zu den Talla-Alliiren gehorig; 2n unteres Ende. — Seite 68.

/■V/. 3. Haarsc/mucl- einer Kapala-djudjaro von Ilalusua. — Seite 74.

/% 4. Thai nnes (Jürtels zum Festschmvicke der Madeheu von Ilalusua gehorig. — Seite 73.

ri;/. 5. Salcndang der Kapala-djudjaro's von Uatusua; 5« der vordere, auf der lirust getragene Theil desselben. — Seite 73.

Fvj. 6—Ü. Silberne Armringe der Kapala-djudjaro's von Hatusna; (5 Gosanunlansicht eines solchen Ringes; 7 ein Theil des Mittelstückes ei nes zwellen: 8 Aus-senende eines drillen; (J Gesaminl unsichi eines vierten; 9« aussere Ansicht eines Theiles vom Mittelstücke des letzteren. — Seite ;;i.

Fig. 10. Armring von Hold, welches mil Silber versetzt ist; ebenfalls von einer

Kapala-djudjaro von Ilalusua. Die Zeichnung ist links abgebrocben, redils vollstandig.

Fig. 11. Saguklopfar von Lokki auf Seran. — Seite 208.

Fig. 12. Knuppel zum Eiutreiben der Keile helm Zerspalten der Sagupaliuen. -Seite 208.

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TAFEL XXIV.

Fit/, 1. Haileo von Pint auf Serau, schematischer Durchsclinitt; 1quot; Veiv.icriing an der Treppe; I4 Verzierung am Mittelbalken. — Seite 75.

Fig. 2. Ruder fiir die Orembai. — Seite 87.

Fig. 3. Ruder von Kaibobo auf Seran; Squot; sein oberes Ende. — Seile 88.

Fig. 4—6. Hefesligungstoeise des Tjidako. — Seite 121.

Fig. 7. Kalkkiicier fiir Siri von Lisabatta auf Seran; 7quot; Verzierung am Deckel und am oberen Ende des Köidiers, theilweise abgerollt; 74 deBgleichen am unteren Ende des Köchers; 7cquot;t Ver/ierungen auf dem Mittelfelde. — Seite 24!).

Fig. (S. l/iiun ran Untnalihi in Wesl-Scran , schemaiischer Durchsebnilt der Wolinmig des Hauptliugs. — Seite 141.

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TAFEL XXV.

Viy. I. Kanm von Honitetu nii(' Seran. öeite 120.

Fhj. 2. Kanm von Seran, Abtheilung Wahaï; Handbabe vou aussen mul in wirk-licher Gröase; 2quot; desgleicben von der Innenflfiche geseben, olme (^uu.slc. — Seite 247.

Fig. 3 w. 4. Weiblicler Hchamgiirtél von Lisabatta auf Seran. — Seite 241).

Fitj, 5. Verzuirunij an einer Halskette. Alfuren von lïomtetu. — Seite 123.

Fiy. 6. Armring, Altaren von Houiteta. — Seite 123.

/■?'/. 7. Uaarnadel. Alfuren von Honitetu. — Seite 12Ü.

Fig. 8. Ohrge/ange. Altaren von Honitetu; 8quot; Veizierung auf der oonvexen Fliiclie desselben. — Seite 124.

Fig, 9. Ohrverzicrung, Alfuren von Honitetu; 9quot; ibr Knopf von oben geselien. — Seite 124.

l'ig. 10. Ham von Urdu im Innern von West-Seran. Es liegt auf einem lliigel, weswegen man scbrag von unten gegen die t'ritsube ansiebt. — Seite 130.

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TAFEL XXVI.

1. Kopfschmuck von Mastsisiluilan auf Serau. — i^oito ~47.

'2. lUliillcr fiir Knik /.imi Hirikautüi. llonitelu. — Heite l~(j.

:i. Annriwj. Alfuren von Honitetu. — Heite 12!}.

4. Paramj. Strandalluren der Eljtapuübai. Seite 81 u. lUT).

ö. l'arangi/riff. iStraudall'ureu der Elpapulihai. — Heite 81 u. 1

(i n. 7. l'araiuj. Htraiidhewdlmei' ven Seran , Kailiubo; 6quot; genauere Darrtlelluug

des Griffes vou Fig. (5. — Seite 81.

8. Ohrccrzierung. Alfuren von Honitetu. — iSeite 124.

I). Taluïrung eines Eiawohners von. Hatusua, vorne; 9« desgleitdien aui dein liückeu derselben Person. — Seite 81.

10. Taiaimng eines Alfiiren von Honitetu , welche in gleicher V\ eise bei den

Bewohnern der Südwestküste Serans vorkommt. — Seite Sill. Taluirmg auf der linken Brust eines Mannes von Kaibobo. — Seite 81. 12. Tatmrwnij auf der rechten Brust eines anderen Mannes von Kaibobo. — Scile 81.

II). Taluirunr/ auf der Stirn eines Madchens von Murinatin. — Seite Kis. 14- 1(5. Tatuiruny auf der Stirn bei Münnern von Honitetu. — Seite 124. 17. Taluvrung einer Frau von Honitetu. — Seiie 12(5.

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TAKEL XXVII.

Fig. I. Hmehhand (?) von Massisiliulan nuf Seran. — Seiie 250.

Fig. 2. Trinkheeher von Rumatita, im Iunern von Sevan. — Seite 149.

Fig. 3. Arwring von Murinatin auf' Seran. — Seite 123.

Fig. 4. Tan dn; von Seran, uordliches Kairatu. — Seite 248.

Fig. 5. Kopfputz von Massisihnlan aut' Seran; 5quot; zeigt die Betesligiing der Federn

an der Hinterseite des Muschelstückes. -- Seite 247.

Fig. (i. Armring von Honitetu in West-Seran. — Seite 123.

I'ig. 7. He./Uil von Lisabatta anf Seran; iinsserer Absolinitt der llinlerflanhe. — Seite 102.

Fig. 8. iïchild von Kaibobo auf Seran; eine 11 alf'ie der Vordei'flücdie. — Seite l(.)2. hg. 11. Scli/d von Taniwel auf Seran; sehriig von liinlen gesehen. — Sidle lilx}. Fig. 10. Srhi/d von Taniwel: iinsserer Absclinilt der VorderHiirlio. — Soil.e 192. Fig, II. Sciiid von MakariKi auf Seran; eine Hiilfte mil liinscliluss des gan/en Millelfeldes. —■ Seite 192.

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TA LEL XXVIII.

Fiy. 1. Wasserflasche vou Buano. — Seite 159.

Vuj. 2. Ham non Wakollo aiif Seran. — Seiie 17«5.

Fi'j. 3. lieümörser von Wakollo axif Seran. — Seile 175.

Fig. 4. lieümörser von Pasahari auf Seran. — Seite 242.

Fvj. 5. liamhusk'ócher f'üi' Trinkwasser, von Slemann; oboroa Ende. — Seilo 225. Vuj. 6 u. 7. Messergriffe von Slemann. — Seite 225.

Fig. 8. Thiirpfoslen, oberer Abschluss derselbeu, in einera Hause von Wairama in

Wabaï. — Seite 236.

Fig. 9. Matakau von Latn auf Seran. — Seite 183.

Fig. 10. J'cmali aus dem Uaileo von Wakollo auf Seran. — Seite 174. Fig. 11. L'amali besar aus dem Baileo von Nuniali auf Seran. — Seite 177. Fig. 12. l'amali aus dem Oaileo von Wakollo auf Seran. — Seite 174. Fig. 13. Vorric/dung zmn Tragen, von Pasahari auf Seran; 13a zeigt die Befestignng1

des Hottans an dem Rahmeu. — Seite 242.

Fig. 14. Feuerstatte, versetzbar, von Wairama in Wahaï. — Seite 236. 1'ig. 15. Fjinricltung der Jiontjtilgel bei Prauen von Ambon. — Suite 232. Fig. 16. FAnric/tung der 'BooiflUgelbei Prauen von dor Nordkiisle Sorans. •— Seite 232. Fig. 17. Selmicde von Tabelloresen in Wahaï. — Seite 233.

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TAFEL .\XL\.

Fifj. I. Hogen von Nuniali auf Heran. — Seile 195.

Fuj. 2. Bogen von Etti auf Seran; beide Eiuleu. — Seite 19C.

Fig. 3 u. 4. Bögen von Nuniali; beide Enden derselben. — Seite 195.

Fig. 5 u. 6. Ffeile von Licsabatta auf Seran. — Seite 196 u. 197.

Fig. 7. Ffeil von Nuniali auf Seran; 7quot; Befestigung' der Spitze, seilliidie An.s

— Seite 197.

Fig. 8. Ffeil von Lisabatta. — Seite 197.

Fig. 9. Ffeil von Nuniali. — Seite 197.

Fig. 10—12. Ffeile von Solo, unfern Etti. — Seite 197 u. 198.

Fig. 13 u. 14. Ffeile von Nuniali. — Seite 198.

Fig. 15. Ffeil von Sole, unfern Etti. (Die Hottau-Umwicklnng der Spit.ze isi

loren gegangen und durch einen Bindfaden ersetzl,. — Seite 198.

Fig. 16. La/nzempitze von Lisabatta auf Seran. — Seite 237.

Fig. 17. Fapedalöjjfel von Wairama in Wahaï. — Seite 230.

Fig. 18. Tatahuan ka wan von Tifu auf Bum. — Seite 354.

Fig. 19. Saguklopfer von Neu-Gruinea. — Seite 209.

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TAFEL XXX.

Fifj. 1. Laslara von Kawa auf Serau; Abschnitt. — Seite 80.

Fvj. 2 n. 8. Armrmffe von Honitetu auf Serau; Absclmitte. — Seite 1^3.

Fiff. 4. Kalkköc/ier für Siri von Kaibobo auf' Serau. — Seite 125.

Fvj. 5. Schild vou Waëtemong, Wabloï, auf Buru, von vorne geseben; 5« ia seit-

licher Ansicht. — Seite 285.

Fig. 6 «. 6quot;. Parang pamali von Waëlata auf Buru. — Seite 287.

Fig. 7. Lanze von Waëbiri auf Buru; 7quot; Verzierung unten am Schafte «lersellien.

— Seite 285.

Fig. 8. Ij er koïn von Tifu auf Buru. — Seite 353.

Vig. 9. Gevje von Tifu auf Buru. — Seile S525.

Fig, 10. (ieige von Wakollo auf Buru; daneben der Kopf derselben in seillicher

Ansicht. — Seite 325.

Fig, 11. Handdoek, Alfuren von Buru; oberes Ende. — Seite 345.

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TAFEL XXXI.

Fitj. 1. l'arang von Bum. — Seite 26(5.

Fit/. 2. Paraiuj von Buano. — - Seite 266.

Fu/, 3. l'arang von Lokki auf Seran. — Seite 234.

Fig. 4. l'aranggnff von Waëpote auf Bum; 4« der zugeliörige l'arang in schema-

tischer Darstellung. — Seite 285.

Fig. 5 n. 5«. Faranggriff von Kajeli, vou der Seite und von vorne geselion. — Seite 266.

Fig. 6. Paranggriff von Kajeli. — Seite 266.

Fig. 7. A Liar von Bum. — Seite 346.

Fig. 8. Alfurengrah von Bum; 8« Papedalöffel, 84 lleislöffel von dem Grabe. Seite 342.

Fig. !). Warnungszaichen von Buru. — Seite 303.

Fig. 10. hammerpfahl aus dein Tilan von Wakollo auf' Burn. — Seite 324. Fig. II. laniko vom Tilan in Wakollo auf Buru. —• Soile 323.

Fig, 12. Under von Wakollo auf liuni. — Seite 330,

Fig. 13. Tifa von \Vaii|iole auf Buru. — Seite 21)1.

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TAFEL XXXII,

Fig, 1. Vorrichtung für die Oelfahnkatim von Burn. — Seite 259.

Fig. 2. Jluma-koïn's vou Waëpote auf Buru. — Seite 283.

Fig. '6. Hwna-hrin am Waë Apu aut' Buru. — Seite 377.

Fig. 4 n. 5. lluma-kom's vou Waëpole auf Buru. — Seite 283.

Fig. 6 u. 1. Matakau von Wabloï auf Bum. — Seite 375.

Fig. 8« u. 84. Opferpfa/dc aus Bamang auf Buru. — Seite 377.

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TAFEL XXXIII.

h'irj. 1. Am Kajcli, Das Gewaaser ist der Waë Kujeli; der Steg, welchor darüber hinführt, ist die einzige Verbiudung zwischen den beitierseits vom Flukse gelegeuen Theilen des Ürtes und mündet in eine seiner Hauptstrassen. — Seite Ü6U.

Fig. 2. Ham von Sulanesen an der liai von Kajeli. Am Strande Mangrove. — Seite 259.

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K. MAHTIV, MOLUKKEN. TAF. XXXJU.

Auctor phot.

1.

UICHTORUK VAN EM«IK 1 0INQ6H, HAARLEM.

2.

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TAFEL XXXIV.

hu Bette, i/en Limaiti, unibni Kajeli. Flussperreu, diirch gefalleue Biüime g'ebildel. Der Manu im Vordergrunde isl möin javanischer Die nor. — Heite ).

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TAFEL XXXV.

hu Bette den Lumaïti, weiter aufwarts als der auf Tafel 34 dargestellte Punkt. lm Hintergrunde der Batubua. Pie hohen G rager gehören zu einer Art vou Arundo; der let/ie der Leute von Kajeli, welclie auf dem 15ilde vorkoiumou, stelit urnnil-telbar am Fusse einer Graspartie, um deren Höhe /,11 /eigen. Die grossen liliitier, links im Vordergrunde, gehören einem üjatibaume an. Der Schotter riihrt von arebaeischen Gesteinen her. — Seite 263.

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TAFEL XXXVI. Kakusan iïasar voa Buru. — Seite 269.

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TAFEL XXXVil.

/'///. 1. Tjakalele aui Slraiuin von Waëjiüle; nacli einer I'liologTajiliie. — Seile ÜU4. Fiy. 2. Al/urm von Waëlata auf liuru; uaeh einer IMiotographie. — Seite 255.

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K MARTIN, MOLVHKEN.

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TAFEL XXXV111.

/« Waëpolc aul' liuru. ijinks slebl der Regent von Ijisela und daneben der 1'oat-iialter Hoffman von Kajeli; alle übrigen Leute siud aus Waëpote tind y.um festli-cheu Emplange in Hirer besten Kleidung. Die boekenden Milliner im Vordergruude tragen die Tifa unter dem Anne; von den Frauen ist die dritle von links die Hauptfrau de» Mat,lea Ikan von Waëpote. Die Miinner im ïïintergrunde sind, so-weit sie lange Beinkleider tragen, Kapalasoa's. — Seite 280 fl'.

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TAFEL XXXIX.

In IFai'pok anf Huru. Alle Leute sinil in die,sein Orte ansiissig; der zweite Mann von rechts ist ein Kapalasoa; der erste, eiu Qreis, hekleidete friiher das Amt eines solchen. — Seile 281 11'.

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TAFEL XL.

Reisegescllschaft (lurch Burn, in Wakollo aufgeuomraen. Links lt;ler Tilau des Ortes, im Hintergrunde Sagupalmen. Dei' Mann mit Dieiistmüt/.e ist der Post-halter von Kajeli; rechts daneben, mit europaeischem Hute, sitzt mein Dolmet-scher; zwischen beiden steht der Regent von Li sela vind rechts vom Dolmetscher derjenige von Tagalisa mit seinem Knaben. Die Leute, welche links hoeken, sind alio Kapalasoa's von Burn, und in der Mille des Vordergrundes sitzt dor Matloa Ikan. Alle Lenle sind mit ihrer boston Kleidung angothan, es ist aber niciit mog-lich gewesen, die ganze Reisogesellschaft ant'das Bild zu bringen. Vonder Bagage wurden die mit einem Streifen versehenen Kisten zur Aufnahme von Gesteinen etc. verwendet. — Öeite 297.

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TAFEL XLI.

Traycr aui' clem Marsohe iiuc.h Wakollo in Burn, am Waölpanga rastoiul. (Der ilinterg'i'imd ist rechts retouchirt, weil tlie Platte etwas verdorben war). — Heile IJ 18.

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TAFEL X Ml.

Waëlpanga im Innern von Buru. lui Vordergrunde einer meiner Begleiter, ei» Allure von Buru, welcher in eiuem Bambusköcller Trinkwasser triigt. — Seite 318.

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TAFEL XLIH.

Fi;/. 1. Ham am Hadiful, in Buru. — Seile 300.

Fiy. 2. Hum mm Wak (Mo, in lUiru, avis liannirindo. —- Hei Ie 323.

Ft;/. 3. Iltius vun [Vahtllo, in Bnm, ans Hambus iind Ala|i|); im VonlBrgrinulo ein Apfelsinenbaum. — Seite 323.

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K. MARTIN, MOIUKKEN.

TAF XLJ/I.

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TAFEL XLIV.

Wakollo im Innern von Bum. Das grösste Hans (das zweite von reclits) ist dor Tilan des Ortes, dasjenige im Vordergrunde eiue gewöhnliche Wohnung von Banmrinde. Die Leute auf dem Bilde gehören zu meiner Begleitung. Der Uinter-grund ist, links durcli IJauc.h verschleiert; am Tilan wird Wiische getrockuet. — Seite 323.

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TAFEL XLV.

Sec von Wakollo. Die Spiegelung im Wasser ist su stark, dass man im Vorder-gTunde die Grenze der Spiegelbilder aufsuchen muss; im Ilintergrunde isl letztere der Deutlichkeit halber durcli Retouche hervorgehoben. Die Leute im i5oole siud zwei Kapalasoa's uieiuer Begleitung. Zur i tec li ten wachst Bambus, daneben Pandanus, welclier mit Farnen behangen 1st, im Wasser öcliilf. — Seite 331.

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TAFEL XLVI.

Kapala Madang unci die Nonlwestküste von liuni, geHehen von l'ulu Tenga aus. Am Strande dieser lasel meine kleine, für die Untersuchung der Küalen verwen-dete l'rau, welche gerade aiiH Land gezogen wird. — Seite ;5G4.

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TAFEL XLVI1.

Unterlauf den SiJ'n bei Bara, nach Ablauf einor [Jebersü'ümiiug. Vorne rechts Treibholz, hodi iiber doui Niveau «Ie» derzeitigeu Wasserstaudes, im llinlergriuule ein au Kottanpalineu reiclier Wald. — Seiie 369.

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TAF KL XL VIII

hogirham in IVaëmangi auf' Rum, Hinter iluti ragen Hambusbüsche hervor; links im Vordergrande eiu Stüclc des als Versammlungsort dienenden öabua. Zur Keeh-ten steht der Matlea Ikan, dann folgt der Poslhalter von Kajeli nnd darauf der Regent, von Lisela, endlicb zur Linken eine Qruppe von Al luren ault; Waömangi. Seite 280 u. 369.

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TAFEL XLIX.

Müiulmij de* (Fai- Ai/jc. Im Vordergruude die Sarua. Der Maan zur Reehteu ist

ein Einwohner des ilauptortes Kajeli; die beiden anderen Leute sind Alluren. _

8eile Jiü'J.

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TAFEL L.

A If wan von Wahloï, am Waë Apu, in Festkleiduiig. Vor ihnen slelit der Regent, von Kajeli, st.utzerhaft, mit oiner Cigarrens|jitze von Meerscliaum im Munde. Die, Wege liesilzen mir zu Ehren eine Einfassung von Cocosfiedern. Cooospalmen iiber-i'agen die Menschengruppe. — Seite 374.

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EHLAUTERUNG DER KARTE.

Die Karte verfolgt lediglich den /work , dom Laser des Berichtes zur allgemeineu Orientirung über die zuruckgelegten Wege zu dienen ; meine eigenen Beobachtungen sind fïïr ihre Zusammenstellung uur in wenigen Fallen lierangezogen, vor allem fiir die Einzeichnung des See's you Wakollo und für das richtige Eintragen der Namen. Detaillirtere Karten sollen ersl lm zweiten Tlieile dieses Werkes gegebeu werden, da meine specielleren Aufnabmen noch niolit, fiir die Veröffentlichung reif sind. Es liassen sicb aber die zuriickgelegten Wegstrackan in keiue der vorhande-nen Karten in bafriedigendar Weise eintragen. Desvvegan baba icb aus dam mir zti Gebote stahenden , fremden Materiale dasjenige ausgewablt, was mit meinen eigenen Beobachtungen am besten im Einklauge stand, und auf örund dessen ain naues Uebersichtsblatt zusammangestellt — soweit dies ahan zur Zeit möglich war.

Als Qrundlage hiefür diente mir das als „Moluksche Archipelquot; bezaichnete Blatt; doch ist auf ihm das wastliche Seran ungemein fehlerhaft. Letzteres wurde nach einer in Ambon vorhandenen, handschriftlichen Karte, deren Harkunft mir unbe-kannt ist, korrigirt. Leitimor ist ferner nach der Aufnahme von Mickler einge-tragen, und die üliassar sind nach Van Hoëvell's Karte verbessert; indassen liess sicb Saparua mit latzterer nicht ganz in Eiuklang bringeu, obne der Seekarte einan unarlaubten Zwang anzuthun. Des wegen stimmt auch das Karton von Saparua mit dam Uabersichtsblatte nicht überein.

Das Karton von Leitimor ist eine verkleinerte Eeproduktion der Karte von Mickler, und abenso sind die Kartons der Uliasser obne Abanderung, aber unter Vernachlassigung der Bargzeicbnung, in verkleinartem Maasstabe nacb Van Hoëvell wiadargagaban.

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