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Ueber die
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Diagnose der Rotzkrankheit.
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commiss. Qronzthierarzt in Oderborg,
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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Ueber die
Gewinnung eines festen Malleins
und über seine Bedeutung
für die
Diagnose der Botzkrankheit.
Von
Hermann Poth,
conmüss. Gronztlüorarzt In Odorbovj
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Berlin 1896,
Verlag von Richard Selioctü.
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Schon im März 1892 konnte ich in einer voriiiutigen Mitthei­lung1) berichten, dass es mir gelungen sei, aus den Extrakten von Reinkulturen des Rotzbacillus durch ein geeignetes Fällungsverfahren ein in Wasser leicht lösliches Präparat zu gewinnen, das auf rotz­kranke Laboratoruimsthiere außerordentlich giftig wirkte. Das gefällige Entgegenkommen des Direktors des Wiener k. und k. Militär-Thierarznei-Instituts, Professor Dr. Bayer und des Professors Dr. Schindelka, welchen beiden Herren ich an dieser Stelle öffent­lich meinen Dank ausspreche, ermöglichte es, die Wirkung des Präparates an rotzkranken, gesunden und anderweitig erkrankten Pferden zu prüfen. Der Ausfall dieser Versuche war so zufrieden­stellend, dass ich an die weitere Ausarbeitung und Vervollkomm­nung der Herstellungsmethode gehen konnte.
Versuche, aus dem Präcipitat den oder die wirksamen Stoffe zu isoliren, mussten nach den erfolglosen Bemühungen der be­rufensten Männer beim Tuherkulin von vornherein als aussichtslos betrachtet werden.
Mithin war eine Methode zu ermitteln, die von allerhand Zu­fälligkeiten möglichst unabhängig und leicht kontrolirbar sein rmisste und bei exakter Ausführung stets ein Präparat von gleich starker Wirkung gewährleistete.
Der Plan war folgender:
1.nbsp; nbsp; Die Virulenz der Potzbacillen bis zu einer constanten maximalen Höhe künstlich zu steigern;
2.nbsp; nbsp;die günstigsten Bedingungen für ein möglichst üppiges Wachsthum und für möglichst reichliche Erzeugimg giftiger Stoffe zu ermitteln;
3.nbsp; nbsp;die geeignetste Methode der Gewinnung der flüssigen Ex­trakte zu finden;
') Zeitschrift für Vcterinürkumlo 1802 No.
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die Darstellung des festen Präparates zu vervollkommnen, und die Wirkung- des Präparates auf gesunde, rotzkranke und an anderen Krankheiten leidende Pferde zu studireu und seinen Werth für die Diagnose der Hotzkrankheit durch möglichst umfassende praktische Versuche zu ermitteln.
I. Die Steigerung der Virulenz der Rotzbacillen.
Nach Löffler's1) grundlegenden Untersuchungen bedingt das in den spezifischen Krankheitsprodukten rotziger Pferde enthaltene Contagium hei Meerschweinchen einen durchschnittlich in 4 Wochen tödtlich endenden Impfrotz: hierbei kommt es zur Ausbildung aus­gebreiteter rotziger Veränderungen in den Organen derlmpfthiere; das Blut ist indess frei von Bacillen. Die Löffleischen Befunde zeigen aber auch, dass die Virulenz in sehr weiten Grenzen schwankt; denn manche Meerschweinchen starben schon 10—14 Tage nach der Impfung; in solchen Fällen fanden sich mitunter die Bacillen auch im Blut; in jedem Falle bildet das Blut „nicht das eigentliche Lebenselement, sondern ist mehr Vehikel für die zufällig in dasselbe gelangten Bacillen; je akuter der Verlauf der Krankheit, je plötz­licher die Symptome der Allgemeinerkrankung einsetzen, um so wahrscheinlicher werden Bacillen im Blut gefunden werden.quot; Die Löffler'sche Auffassung hat seitdem vollste Bestätigung gefunden. Andererseits erlagen die Impfthiere erst nach zwei Monaten der Infektion und noch andere erholten sich ganz. Das Impfmaterial stammte in diesen Fällen von chronisch rotzigen, in jenen schnell verlaufenden Fällen von akut rotzigen Pferden.
Hiernach war es wahrscheinlich, dass häufige Passage des Organismus einer empfänglichen Thierart im Stande sei, die Virulenz der Rotzbacillen zu erhöhen.
Hierzu eigneten sich nach Löfflers Beobachtungen vor Allem Meerschweinchen und Feldmäuse. Ferner suchte ich zu ermitteln, ob nicht auch die seit Langem als sehr empfänglich geltenden Katzen zu den Versuchen brauchbar wären, zumal da in unserer entdeckungs-frohen Zeit wohl mitunter ein Mangel an den ersterwähnten viel-begehrten Thieren eintreten kann.
') Arbeiten aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamt, l. Bd. 1880 8.141—198,
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a)nbsp; Feldmäuse. Ein sehr geeignetes Versuchsthier ist die Feldmaus. In grossen, zum Schutz gegen üurehfressen mit Blech ausgeschlagenen, mit feuchter Erde gefüllten Kisten lassen sie sieh bis tief in den Winter hinein halten und auch züchten. Da für die vorliegenden Zwecke mit Keinculturen gearbeitet wurde, so gehörten tödtlich endende Septiciimien zu den seltensten Ausnahmen. Die Thiere wurden an der Schwanzwurzel subcutan mit einer mittel-grossen Oese voll Bacillenmaterial aus der von der vorhergehenden Feldmaus gezüchteten Agarcultur geimpft. Sie starben anfänglich ;} bis 5 Tage nach der Impfung und zeigten die von Löffler be­schriebenen weissen Pünktchen in der stark geschwollenen Milz und der Leber. Die Lungen waren stets frei. In Schnitten der afficirten Organe fanden sich die Bacillen stets in reichlicher Menge. Auch in Ausstrichpräparaten konnten sie nachgewiesen werden. Später trat der Tod längere Zeit am dritten Tage, endlich aber konstant etwa 48 bis (gt;0 Stunden nach der Impfung ein. Die Sek­tion zeigte das Bild einer Septiciimie. Insbesondere die Milz war stark geschwollen. Rotzige Herde in Gestalt jener weisslichen Pünktchen waren nirgends zu finden. Gelenkaffektionen, wie sie Löffler einigemal beobachten konnte, sind mir bei etwa 300 ge­impften Feldmäusen nicht begegnet. In den Ausstrichen des Milz-und Lebersaftes waren die Hotzbacilleu nachzuweisen; desgleichen fanden sie sich im Blut; doch war ihre Zahl in diesem Gewebe gering und der mikroskopische Nachweis in den Blutausstrieben meist ungemein mühevoll. Dagegen versagte das Reagens der Cultur in keinem Falle. In der Begel enthielt eine mittelgrosse Platinöse voll Blut 1 bis 2 Keime, die sich auf der Agarfläche ganz isolirt und auffallend kräftig zu runden, dicken, mattgelben, später etwas dunkler werdenden Auflagerungen entwickelten. Aus Milz und Leber dagegen wuchsen stets sehr zahlreiche, durch Con-tluenz bald eine zusammenhängende Schicht bildende Colonlen.
Nur jene aus dem Herzblut gezüchteten, absolut reinen Colo-nien wurden zu den weiteren Versuchen verwendet.
b)nbsp; Katzen. Diese Thiere gelten seit langer Zeit als sehr empfänglich für das Kotzgift. Als Impfobjekte sind sie seit einigen Jahren besonders von den Bussen empfohlen worden. Es ist rath-sam, nur mittelgrosse, nicht ausgewachsene und tlumlichst zahme Katzen zu verwenden und die Vorsicht zu gebrauchen, die Beine über den Vorderfusswurzel- und Sprunggelenken fest zusammen-
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zubinden und die Thiere, wie Löffler empfiehlt, durch einen Sack, oder auch in einem Stiefelschaft zu impfen.
Sechs Katzen wurden mit virulenter Bouilloncultur in Milch gefüttert. Hiervon erkrankten zwei Thiere und starben1) nach 3 bis 4 quot;Wochen; die eine Katze bekam am Ende der zweiten Woche Anschwellungen am ganzen Körper, die unter der Brust geschwürig zerfielen; das Athmen wurde bei beiden schniebend und dünnflüssige, missfarbene, graue und schmutzigrothe schleimige Massen flössen aus den Nasenlöchern. Die Augen waren verklebt; beide lagen tagelang vor dem Tode und konnten sich vor Schmerzen kaum rühren, bis ich sie angesichts des nahenden Todes von ihren Qualen durch Erschlagen erlöste. Ueberhaupt gewähren rotzkranke Katzen auch bei schnellem Krankheitsverlauf einen für den Thier-fieund in hohem Grade mitleiderregenden Anblick.
Bei der Sektion fanden sich Geschwüre in der Haut des einen Thieres und Schwellungen der Inguinaldrllsen, bei beiden ge-sclnvürige Zerstörungen der Nasenscheidewand, Geschwüre im Kehl­kopf und zahlreiche graugelbe Knötchen in den Lungen und ähn­liche Knötchen in der Milz. Im Yerdauiingstractus konnten krank­hafte Veränderungen nicht ermittelt werden. Auch die Gekrös-diiisen waren unverändert.
Um die Möglichkeit einer Infektion von den ersten Wegen auszuschalten, spritzte ich zwei Katzen durch einen dünnen, auf eine lange Bleisonde geschobenen und vorn daran befestigten Gummischlauch Je 20 g sehr virulenter Bouilloncultur unmittelbar in den Magen; nachdem der Schlauch einige Centimeter vorge­zogen war, Hess ich zum Abspülen des infektiösen Materials von der unteren Oeffnung noch einige Cubikcentimeter reine Bouillon folgen und entfernte den Schlauch. Beide Katzen blieben ge­sund. Einer späteren subcutanen Impfung erlagen sie wie ge­wöhnlich. Ich habe diese recht gefährlichen Versuche nicht wieder­holt, bin aber schon nach diesem Ergebniss geneigt, die beiden geschilderten Erkrankungen auf eine Infektion von Verletzungen der Maulschleimhaut aus zurückzuführen.
Merkwürdigerweise habe ich ferner bisher niemals beob­achtet, dass sich Katzen durch dauerndes Zusammensein mit schwer rotzkranken Gefährten spontan angesteckt hätten!
Dagegen ist die Empfänglichkeit dieser Thiere für die sub-
') Vor dem Verenden getödtot.
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kutane Impfung ganz ausserordentlich gross. Von 103 mittelgrossen, nicht ganz ausgewachsenen Katzen, die ich mit zum Theil mini­malen Mengen virulenter Culturen, seltener auch mit Milzstlickchen gestorbener Versuchsthiere verschiedener Gattungen geimpft habe, habe ich nicht ein einziges Thier die Impfung überleben sehen. Die lebhaften Thiere verloren schon nach einem Tage ihre Munter­keit, die Impfstelle schwoll bedeutend an und war sehr schmerz­haft; sehr bald bildeten sich umfangreiche geschwürige Zerstörungen. Der Tod trat anfangs nach 10 bis 12, später nach 8 bis 10 und endlich konstant nach 5 bis 6 Tagen, niemals aber früher ein. Bei der Sektion zeigten sie, wie ich1) schon vor zwei Jahren hervorhob, ausschliesslich das Bild der Septiciimie. Die Bacillen fanden sich sehr zahlreich im Parenchymsaft von Milz und Leber, weniger reichlich, aber regelmässig, im Blute. Erst später bei einigen zum Zweck der Diagnose mit verdächtigem Material von kranken Pferden geimpften Katzen fand ich jene, bei den Fütte-nmgsversucheii beschriebenen lokalen rotzigen Prozesse.
Trotzdem dass die Thiere mit Reinculturen geimpft wurden, kam es doch zuweilen zu einer nachträglichen Verunreinigung der Impfwunde und die Kulturen lieferten den Beweis, dass die Thiere einer der gewöhnlichen septicämischen Infektionen, für die sie überaus empfänglich sind, erlegen waren.
Doch habe ich auch eine ganz unzweifelhafte Symbiose der Kotzbacillen mit anderweitigen Eindringlingen feststellen können. Ich habe diese interessante Erscheinung in acht Fällen beobachtet, doch sind nur drei davon als einwandsfrei zu betrachten, da nur in diesen die Cadaver ganz frisch, fast noch warm, zur Obduktion gelangten. Der Leichenbefund zeigte nichts Ungewöhnliches. Auch mikroskopisch fanden sich scheinbar nur Rotzstäbchen. Auf den Agarflächen indess entwickelten sich aus dem Blut und den Pareuchymsäften in jedem Gläschen 1 bis ;3, sehr selten mehr kreisrunde, denen der Rotzbacillen sehr ähnliche, doch erheblich flachere, mehr weissliche und schärfer geränderte Colonien. Anfangs üppig wuchernd, wurden sie bald von den benachbarten, in den Blutausstrichen auch nur acht bis zehn Stück enthaltenen Rotz-bacilleneolonien unterdrückt und schliesslich zum Theil so voll­ständig überwuchert, dass man nach acht bis zehn Tagen kaum
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') Poth: Deutsche Zeitschr, f. Thlermedlzin und vergl. Pathologie. Band Xl\, 1898, Heft (i, S. 446 u. 44ö.
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imstande war, sie zu erkennen. Unter dem Mikroskop waren sie jungen Rotzbacillen ähnlich, doch etwas dicker und viel stärker gefärbt. Durch Strichverdiinnungen auf Glycerinagar konnten sie im vierten bis fünften Glase rein erhalten werden. Ueberträgt man direkt in Bouillon, so wachsen beide Bacillenarten neben ein­ander; je nach dem Mengenverhältniss, in dem sie hineingebracht wurden, und auch wohl nach der Reaktion der Fleischbrühe, findet man nach einiger Zeit die eine oder die andere Art vorherrschend. In der Regel pflegt aber der fremde Eindringling mit der Zeit die Rotzbacillen zu verdrängen.
Aus dieser Beobachtung ergab sich für die vorliegenden Zwecke, dass es zweckmässig war, die zu den weiteren Mallem-arbeiten zu verwendenden Ausgangsculturen auf Agar ausschliess-lich aus dem bacillenartnen Blut der Irnpfthiere zu gewinnen, um einen etwaigen Eindringling vor dem Ueberwuchertwerden sofort bemerken zu können.
c) Meerschweinchen. Die Wirkung des Rotzeontagiums auf diese Thiere ist durch die eingehenden Arbeiten Löffler's und zahlreicher anderer Beobachter genügend bekannt. Material aus älteren Rotzherden und auch von älteren Culturen führte zuweilen zur Ausbildung eines lokalen Knotens an der Impfstelle, der all­mählich wieder resorbirt wurde oder auch wohl geschwürig zerfiel; geringe Auflockerung der Kniefaltendrüsen und leichte Abmagerung waren die weiteren Anzeichen der Erkrankung und nach kurzer Zeit war das Thier wieder ganz gesund. Mir scheint hiernach die Empfänglichkeit der Meerschweinchen hinter der der Katzen um ein Weniges zurückzustehen. Dagegen verfehlten selbst Spuren frischer Culturen niemals ihre Wirkung. Erwälmenswerth ist, dass mit steigender Virulenz des Contagiums und mithin kürzerer Krank­heitsdauer die Ausprägung der rotzigen Veränderungen in den Organen gradatim abnimmt. Durch Uebertragung frisch aus dem vorhergehenden Irnpfthiere gezüchteten Culturmaterials auf neue Meerschweinchen liisst sich die Virulenz des Contagiums soweit steigern, dass es diese Thiere sicher in sieben Tagen tödtet; darüber hinaus erscheint eine Steigerung unmöglich. Hat es diese Virulenz erlangt, so kommt es niemals mehr zur Ausbildung von Rotzherden in den Organen. Dennoch finden sich nicht immer Bacillen im Blut, und jedenfalls muss man, um wenigstens einige Colonien zu erhalten, ein grosses Blutquantum auf der Agarfläche verstreichen. Dagegen bilden ganz winzige Stückchen der stark geschwollenen
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Milz, mit heisser Platinnadel (durch Ankleben!) auf die Agarfläche gebracht, den Ausgangspunkt schnell wuchernder, isolirter Co-lonien.
In diesem Virulenzgrade ist das Contagium auch für weisse Mäuse recht pathogen. Doch erkranken nicht alle geimpften Thiere. Sie werden am zweiten oder dritten Tage unlustig, ver­kriechen sich gern, bekommen rauhes, aufgebürstetes Haar und werden meist nach 5 bis 8 Tagen todt gefunden. Culturen wachsen aus der Milz, in der sich auch äusserst feine, deutlich nur mit der Lupe erkennbare, helle Pünktchen finden, die so klein sind, dass ich ihre rotzige Natur erst erkannte, als ich in gefärbten Schnitten ihren Bau und die kleinen, fast strahligen Häufchen von Bacillen erkannte.
Während ich mich zu Zeiten grösserer Meerschweinchennoth der Feldmäuse und der Katzen bediente, benutze ich seit etwa l1/^ Jahren ausschliesslieh die erstgenannten Nagethiere, in denen das Rotzcontagium die geschilderte constante Virulenz erlangt hat.
II. Die Züchtung.
Seit Löffler's Untersuchungen erfreut sich die Kar-toffelcultur In der bakteriologischen Rotzdiagnose mit Recht einer ganz besonderen Werthschätzung. Sie ist denn auch viel­fach zur Gewinnung der Extrakte benutzt worden. Auch erwartete man, dass die Culturen auf den eiweissarmen Kartoffeln ein reineres, specitischer wirkendes Extrakt liefern würden, als die auf Substraten thierischer Provenienz. Doch es stellte sich bald heraus, dass der Rotzbacillus durchaus nicht auf allen Kartoffeln glelchmässig gut gedieh und auch nicht dieselbe Virulenz entwickelte, die erste Bedingung für die Gewinnung eines gleichmässig wirkenden Prä­parates somit nicht erfüllt war. Ks scheint, als ob der Säuregrad von wesentlichem Einfluss sei. Denn die meisten Kartoffeln, auf denen die Bacillen nicht mit der gewohnten Ueppigkeit wachsen wollen, werden durch eine ganz leichte Abstumpfung ihres Säure­gehalts zu ausgezeichneten Nährböden. Doch ist es schwer, immer das Richtige zu treffen. Die Unzweckmiissigkeit des Kresling'schen
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Vorschlages1), alle Kartoffeln gleichmässig mit einer 0,5—0,7 pro-centigen Natriuinbicarbonatlösnng zu behandeln, liegt auf der Hand. Auch hat ja Kresling den Mittheilungen Seininerquot;s, seines Chefs, zufolge'-), sein anfangs so warm empfohlenes Verfahren später wieder verlassen und sich ausschliesslich der Fleischbrühe bedient.
Dagegen gelingt es, in dem aus geriebenen Kartoffeln aus-gepressten braunen Saft gleichmässig entwickelte Culturen zu erzielen. In diesem, nach der Filtration bis zur Durchsichtigkeit in Schichten von der Dicke der 250 g haltenden Erlenmeyerkolben verdünnten und bis zur ganz schwach sauren Reaktion mit sehr dünner Natronlauge versetzten Saft gedeihen die Bacillen vorzüglich. Ob die Schalen der Kartoffeln mit zerrieben sind oder nicht, ist gleichgiltig. Zuckerzusatz bis zu fünf Procent erwies sich anfangs als günstig; später schien das Wachsthum in diesen Gläsern still zu stehen. Dagegen war ein Glycerinzusatz von ;i bis 5 Procent dem Gedeihen der Bacillen entschieden förderlieh.
Sie wuchsen auf der Oberfläche als graue Massen namentlich am Rande und durchsetzten auch die ganze Flüssigkeit, indem sie sie stark trübten: nach mehreren Tagen begann die Sedimentirung.
Doch ist die Ausbeute eines festen Präparats aus diesen Cul­turen zu gering, als dass sie mit Erfolg verwendet werden könnten, während die aus ihnen gewonneneu flüssigen Extrakte alle Nach­theile der übrigen flüssigen Malleme besitzen.
Es blieb also nichts übrig, als zu den Nährstoffen thierischer Provenienz zu greifen.
Zweifellos am üppigsten gedeiiit der Rotzbacillus auf dem mit Glycerin versetzten Löft'ler'schen Fleischwasser mit und ohne Agarzusatz. Von mehreren Seiten ist das Pferdefleisch als be­sonders geeignet für die Rotzcultur bezeichnet worden; ein besonders feiner Beobachterquot;') will sogar gesehen haben, dass die Bacillen in der Pferdefleischbrühe durchweg länger werden als in de.' von Rindfleisch, eine Angabe, die sich unkontrolirt durch die ver­schiedensten Veröffentlichungen anderer Autoren hindurchzieht. Thatsächiich besteht Überhaupt kein Unterschied in der Ueppigkeit
l) M. K. Kresling: Sur In pröparatlon et la composition do la mallölne. Trav. du labor, do M. B. Sommer, ä l'Inst. de M6d. Bxp. Pötersbourg, Archives des Sciences Biologiques. T. 1, No. 6.
') Senimer: Uober gutartige und hellbare Formen des Rotzes. Dtsch. Zeit­schrift für Thiermedlzln und vergl. Pathol. XX, lieft i.
3) Gutzeit: Ueber Mallem. Zeltschrlftfür Veterinärkunde 1892 No.4S.166.
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des Wachsthums und in der Länge der Bacillen. Alle derartigen Behauptungen beruhen bestimmt auf einem Irrthum. Zwar habe ich selbst lange Zeit hindurch Pferdefleisch verwandt, jedoch ledig­lich aus Billigkeitsrücksichten. Es schien mir aber später das aus Rindsbrühe gewonnene Mallem eine intensivere Wirkung zu be­sitzen; ich benutze daher seit langer Zeit ausschliesslich wieder Rindfleisch.
Um das Fleisch möglichst gründlich auszulaugen, empfiehlt es sich, es, wie Petri und Maassen1) meines Wissens zuerst empfohlen haben, fein gehackt :i bis 4 Stunden lang etwas unter dem Gerinnungspunkt des Eiweisses, also bei etwa (500 mit der entsprechenden Wassermenge auszuziehen und erst dann zu kochen und auszupressen. (Ich möchte hier nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, dass die zum Auspressen benutzten Tücher oft von der letzten Wäsche her so reichlich Kaliseife ent­halten, dass die Fleischbrühe zur Züchtung nicht nur der Rotz-bacillen, sondern der meisten Bakterien vollkommen unbrauchbar wird. Es empfiehlt sich also recht gründliches Auswaschen mit warmem Wasser.;
Kochsalz- und Peptonzusatz wie gewöhnlich. Selbstverständ­lich ist reines, also trockenes Kochsalz und stets das gleiche Pepton (ich benutze Witte'sches) zu verwenden. Den Peptongehalt zu steigern, ist nicht zweckmässig; obgleich die Rotzbacillen üppiger wachsen, scheinen sie ihre Wirksamkeit schneller einzubüssen und vielleicht überhaupt weniger Gift zu bilden; auch sind solche Cul-turen in kurzer Zeit fast nur von Involutionsformen wunderlichster Gestalt erfüllt, wie man sie sonst erst viel später findet.
Die Neutralisirung erfordert grosse Sorgfalt. Die günstigsten Lebensbedingungen finden die Rotzbacillen in einer Bouillon von amphoterer oder eben überwiegend saurer Reaktion. Sehr empfind­liches, mit neutralem Wasser leicht angefeuchtetes, auf einer Por­zellanplatte ausgebreitetes Lakmuspapier zeigt die feinsten Schwan­kungen der Reaktion mit überraschender Sicherheit an. Diese Methode ist dem von Fräulein Schultz-) empfohlenen Titrirver-fahren mit Alkaliindicatoren weit überlegen.
Die filtrirte und mit Glycerin im Verhältniss von 4,6 zu
') Arbeiten aus dem Kaiserllohen Gesundheits-Amt Bd. IIX 180.!, 8.811 u. f. '-') N. K. Schultz: Zur Präge von dor BoroihniK einiger Nälirsubstrate. Centralblatt für Bakteriologie u. Parasltenkde, N, No. 2 :!.
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Hundert versetzte klare Brühe wird entweder zum Gebrauch fertig in 250 g haltenden Erlenmeyerkolben sterilisirt, oder zuvor mit Agar versetzt. Bei der Agarbereitung wird in der Regel ein viel zu grosser Werth auf die Gewinnung eines wasserhellen, farblosen Substrats gelegt. Um dies zn erreichen, unterwirft man das Agar-Agar allen möglichen Prozeduren, In jedem Falle ist dies farb­lose, meist viel Condenswasser enthaltende Glycerin-Agar für die Cultur des Rotzbacillus sehr wenig geeignet. Um ein gutes Substrat zu erzielen, ist vor Allem jede Ansäuerung des Agars zum Zwecke der Lösung zu vermeiden; im Gegentheil löse ich das pulverförmige Agur durch mindestens #9632;!- bis 5stündiges Kochen in mehreren Litern destillii'ten Wassers, dem ich einige Tropfen Natronlauge zugesetzt habe, auf offenem Feuer. Die stark eingekochte Qallertlösung, der ich zuletzt noch v., pCt. Ge­latine zusetze, wird mit der fertigen Glycerinfleischbrühe im Ver-hältniss von wenigstens 2 (des Trockenagars) zu Hundert gemischt, fast auf das schliessliche Volumen eingekocht und filtrirt. Das resultirende Nähragar hat genau amphotere Reaktion. Es haftet gut am Glase, neigt aber beim Sterilisiren zur Bildung von Flocken, die man durch Absetzenlassen in weiten Cylindern beseitigt. Auf­fallend ist, dass dies Agar sich am besten für die Rotzcultur eignet, wenn es durch lange Erhitzung im Dampfistrom eine leicht gelb­liche Farbe angenommen hat. Ich lasse daher die weiten Gläser etwa ;! Stunden im Dampf, gtesse das klare Agar in die Cultur-röhrchen ab und sterilisire sie meist in einer Sitzung 8 bis 4 Stunden lang. Auf diesem Agar gedeiht der Rotzbacillus mit ausserge-wölmlicher Ueppigkeit. Während auf dem farblosen, wasserreichen Agar sich nur ein dünner, weisslicher Ueberzug bildet, entwickeln sich hier mächtige, mehr und mehr an Dicke zunehmende, weiterhin confluirende Colonien von mehr gelblicher Farbe, die schliesslich einen I mm und darüber dicken zähschleimigen Ueberzug bilden.
Schützt man die Gläschen später gegen Austrocknung und lässt sie im Thermostaten stehen, so gewahrt man Folgendes: Nach 5—6 Wochen hat die Dicke der Schicht noch mehr zugenommen und am Grunde des Gläschens oft 2 mm erreicht; die Farbe ist im Ganzen gelber geworden. Nach abermals 8 bis 14 Tagen ver­liert die Cultur an einzelnen Fartieen ihrer Oberfläche ihren Glanz, sie wird uneben und bekommt allmählich ein eigenartiges blasiges Aussehen, als wenn sieh ein Gährungsprozess darin etablirt hätte.
Das Mikroskop zeigt in frischen (quot;ulturen die bekannten, gut
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färbbaren Bacillen; mit zunehmendem Alter treten daneben aller­hand gequollene Formen und längere Verbände auf, die sich schlecht färben, und in den blasig veränderten Partleen finden sich gar keine färbbaren Kotzbacillen mehr, sondern ausschliesslich eigenthümliche, zum Theil höchst wunderliche, keulenförmige, kugelige und andere Formen, die keinen Farbstoff mehr annehmen und mit Kotzbacillen nicht die entfernteste Aehnlichkeit mehr haben. Dass es sich aber nicht um Verunreinigungen handelt, zeigt die Culturprobe. Doch auch ihre Virulenz haben diese degenerirten Bacillen nicht einge-büsst, wie der Thierversuch zeigt. Allerdings ist ihre Wirkung oft bedeutend schwächer als die Junger Culturen. Dagegen werden sie dui^h Temperaturen von mehr als 50deg; C. genau so schnell wie alle anderen Kotzbacillen getödtet. Von einer Bildung von Dauer-forraen kann also nicht wohl die Kede sein.
Nach weiteren drei bis vier Wochen hat die ganze Cultur das blasige Aussehen angenommen. Häufig bilden sich stellenweise vereinzelte gelbe schuppige Auflagerungen und im Innern des Agars treten viele runde, dunkelrothbraune, kugelförmige Krystall-drusen von der Grosse eines dicken i-Punktes auf. Sie finden sich zu mehreren, bis -20 in einem Gläschen; ich habe sienurim Agar von Kotzculturen, niemals von Culturen anderer Bakterien entstehen sehen. Worauf ihre Bildung zurückzuführen ist, entzieht sich meiner Beurtheilung. Die Virulenz solch alter entarteter Culturen ist zwar erheblich abgeschwächt, aber meistens noch vorhanden.
Zu den Fleischbrüheculturen dienen grössere, in Erlenmeyer-kolben gefüllte Portionen von quot;250 g. Da der Rotzbacillus ein äusserst lebhaftes Sauerstoffbedtirfnisa besitzt, so gedeiht er in diesem Substrat unter gewöhnlichen Verhältnissen nicht sonderlich üppig. Bringt man jedoch sterilisirte Korkscheibcheu, die mit Agarculturschleim bestrichen sind, auf die Oberfläche der Brühe, so wächst von da aus bei ruhigem Stehen im Thermostaten in wenigen (drei bis fünf) Tagen eine zusammenhängende grauweisse Schicht über die Bouillon hinweg und bedeckt die ganze Oberfläche, um allmählich unterzusinken und neuem Oberfliichenwachsthum Platz zu machen. Dasselbe erreicht man, wenn man mit der Platinöse den Agarschleim an mehreren Stellen an der Grenze der Bouillonschicht an die Glaswand streicht. Zwar pflegen die Kotz­bacillen auch in Kölbchen, die auf gewöhnliche Weise inficirt sind, bei recht ruhigem Stehen ihrem Sauerstoffbedürfniss zu folgen und
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in die Höhe zu steigen, um allmählich jene Decke zu bilden; doch vergehen dann immerhin acht bis zehn Tage.
Auffallenderweise scheint sich dies Wachsthum überhaupt nicht zu erschöpfen. Denn obgleich die Fleischbrühe durch Ver­dunsten immer concentrirter wird, schreitet die Vermehrung der Bacillen ungestört fort; nach zwei bis drei Monaten sind die Kölbchen oft mit 1—l1^ cm hohen Bodensätzen gefüllt, über denen nur wenig trübe dunkle Flüssigkeit steht.
Das geschilderte üppige Wachsthum ist an die höheren Wärme­grade gebunden und kommt unterhalb 35deg; nach meinen Beobach­tungen garnicht oder doch nur äusserst kümmerlich zu Stande. Am günstigsten schien mir stets eine gleichbleibende Temperatur von nahezu 38deg; (etwa 37,8deg;) zu sein.
Die Culturen nehmen bald einen überaus charakteristischen Geruch an, der den ganzen Brütraum erfüllt.
Die mikroskopische Untersuchung zeigt ein sehr verschiedenes Bild. Die Flüssigkeit enthält stets und ausschliesslich kurze und gut färbbare Bacillen. Die Decke dagegen ist schon makroskopisch in den einzelnen Kölbchen verschieden; in den meisten von dick-schleimiger, fadenziehender Beschaffenheit, fehlt ihr in anderen diese Eigenschaft. Unter dem Mikroskop besteht sie in jenem Falle aus einem ausserordentlich dichten Gewirr fest verfilzter, langer, verschlungener, tiieils schlanker und gut färbbarer, oft aber auch vielfach aufgequollener Fäden von schlechter Färbbarkeit; in diesem dagegen besteht sie regelmässig aus detritusähnlichen Massen, die sich entweder garnicht färben oder sich als dicke ge­färbte Klumpen präsentiren; erst bei sehr genauer Untersuchung erkennt man, dass sie aus entarteten Bacillen bestehen. Dasselbe Bild zeigen Präparate aus dem Bodensatz. Auf frischem Agar wachsen aus diesen Massen wieder junge kräftige Culturen. In allen zweifelhaften Fällen ist es zweckmässig, Controlculturen anzulegen, darauf die Stammkulturen abzutödten und bis zum An­gehen der Controlculturen aufzubewahren.
Es fragt sich nun, ob die in der Fleischbrühe unbeschränkt fortwuchernden Bacillen auch fortgesetzt die gleichen Mengen und die gleiche Art von giftigen Stoffen erzeugen. Obgleich ich die Extrakte von Culturen verschiedenen Alters geprüft habe, wage ich doch nicht, diese Frage zu entscheiden. Zwischen den Extrakten von vierzehn Tagen bis zu fünf Wochen alten Culturen schienen deutliche Differenzen in der Wirkung nicht vorhanden zu
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sein. Die ganz alten Culturen sind wegen ihrer dicksehleimigen Beschaffenheit nicht filtrirhar. Ich filtrirte daher vier Wochen alte Culturen, sterilisirte und besäte sie von Neuem mit Rotz und wiederholte dies Verfahren nach vier Wochen noch einmal; nach drei Wochen wurde aus der Endcultur Malle'i'n wie gewöhnlich ge­wonnen. Dies Präparat rief aber eine grössere Anzahl von atypi­schen Reaktionen bei den praktischen Versuchen hervor, als man es sonst beobachtet.') — Ferner versetzte ich gewöhnliche Löffler-sche Glycerinfieischbrühe mit ein bis fünf Procent trockenen Malleins und besäete sie mit Rotzbacillen; sie wuchsen ausnehmend üppig auf dieser Lösung. Das nach vier Wochen hieraus gewonnene Präparat hatte indess ebenfalls selbst in geringer Dosis erhebliche atypische und typische Reaktionen bei gesunden Pferden zur Folge. Ich bin daher geneigt, anzunehmen, dass die specifisch wirk­samen Stoffe mehr in den ersten Wochen des Wachsthums gebildet werden, während später mancherlei andere giftige Körper hinzu­treten, die die Wirkung des Malleins trüben. Wenn man durch geeignete Impfung der Kölbchen für eine schnelle Entwickelung des Oberflächenwachsthums sorgt, so halte ich die drei Wochen alten Culturen für die geeignetsten zur Gewinnung eines gut wirk­samen Präparats.
III. Die Gewinnung des flüssigen Extraktes.
Die Extraktion der auf festen Substraten gewonnenen Rotz-culturen wird mit Wasser oder Glycerinwasser und derjenigen in Bouillon mit ihrer eigenen Culturflüssigkeit bei höherer Temperatur bewirkt. Die Höhe dieses Temperaturpunktes wird von den Autoren verschieden angegeben. Die Angaben schwanken zwischen ;}5 bis 120deg;. Thatsächlich scheint der Grad der Erhitzung auf die Wirk­samkeit des Malleins überhaupt ohne Einfluss zu sein.
Für die Herstellung eines festen Malleins ist jedoch die richtige Wahl des Temperaturgrades von der grössten Wichtigkeit.
') Im kaiscrl. Institut für Exporimentalmedizin in St. Petersburg' wird gegenwärtig in dieser Weise ein flüssiges Mallem gewonnen; vgl. Semmer Dentsohe ZeltSOhr. f. Tlncrmcd. M. XX, S. 69. Wie indess der kaiserl. russische Dolegirto, Staatsrat!! (i run wähl, kürzlich auf dem VI. Internat, thierarztlichen Kongross in Bern mitthellte, sind die Erfolge mit diesem Präparat nicht sehr zufriedenstellend.
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Extrahirt man beispielsweise rohes Fleisch bis 35deg;, engt das Fleischvvasser im Vacuum hei dieser Temperatur ein, filtrirt, und behandelt das Filtrat mit absolutem Alkohol, so erhält man eine braunrothe voluminöse, sehr leichte, zum Theil in lockeren Ballen auf und in der Flüssigkeit schwimmende, zum Theil zu Boden sinkende Füllung, die nach dem Trocknen über Schwefelsäure oder Chlorcaicium im Vacuum ein rothes, in Wasser ganz unlösliches Pulver bildet. In ähnlicher Weise erhält man aus Fleischbrühe-Kotzculturen, die bei derselben Temperatur extrahirt sind, einen weisseil, zum grössten Theil unlöslichen Niederschlag. Nimmt man aber die Extraktion bei etwa ()00vor, so ist das durch Alkoholfällung und Trocknung des Niederschlages gewonnene weisse Pulver schon mehr als zur Hälfte in Wasser löslich. Die Menge des löslichen Antheils in dem Alkoholpräcipitat nimmt nun mit steigender Tem­peratur zu und bei 75deg; wird der ganze Niederschlag in Wasser löslich. Je niedriger also die Temperatur bei der Extraktion ist, desto grosser ist der Antheil der Eiweisskörper, die aus dem lös­lichen Zustand, in dem sie sich doch in dem Extrakt befinden, in die unlösliche .Modifikation übergeführt werden. Um also ein voll­kommen in Wasser lösliches Präparat zu erhalten, muss die Ex­traktion der Culturen mindestens bei 75deg; geschehen.
Erhitzt man aber ein solches, bei 7quot;)deg; gewonnenes, durch Fil-triren geklärtes Extrakt oder die klare Lösung des aus ihm ge­wonnenen Alkoholpräcipitates über 75deg;, so entsteht ein Niederschlag, der, mit Wasser aufgeschwemmt und rotzigen Thieren eingespritzt, die specifische MalleYnwirkung zeigt. Erhebliches Ueberschreiten jener Temperaturgrenze bei der Extraktion bedingt mithin einen Verlust an wirksamen Stoffen.
Nach meiner Erfahrung hat sich für die Erzielung einer möglichst grossen Ausbeute eines vollkommenen und klar löslichen Präpa­rates eine konstante Eindampftemperatur von 76 bis 77deg; C. am meisten bewährt. Die Extraktion geschieht zweckmässig in Ab-dampfschalen auf einem mit Wärmeregulirung versehenen Wasser­bade und ist so lange fortzusetzen, bis die Flüssigkeit auf fast ein Zehntel des ursprünglichen Volumens eingeengt ist.
Ungemein grossen Schwierigkeiten begegnet die jetzt folgende Filtration der eingedickten, gelbbraunen, dicklichen, iiusserst schlei­migen Masse. Bakterienfilter sind ohne Weiteres überhaupt nicht verwendbar. Die besten Dienste leistet ein einfaches Faltenfilter, das durch seitlich eingehängte Glasstäbe in der Faltung erhalten
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wird; die Poren verstopfen sich schnell und nach einigen Stunden tiltrirt iiusserst langsam eine völlig klare, tief dunkelbraune Flüssig­keit hindurch. Dies Filtrat ist absolut frei von Keimen, doch er­fordert die Filtration grössere Mengen von Extrakt, etwa von 1 Liter, mindestens mehrere Tage, während welcher das Ganze im Dunkeln aufbewahrt werden muss. Schneller kommt man zum Ziel, wenn man den grössten Theil der Hacillenimissen zunächst durch eine nicht zu dicke, aber breite Schicht Fliesspapierbreies in einem zu diesem Zweck geblasenen weiten Apparat mit der Luft­pumpe hindurchsaugt und das relativ schnell gewonnene, leicht trübe Filtrat durch ein weites Berkefekifilter saugt. Mit diesem Ver­fahren kommt man mit erheblichen Mengen schon in wenigen Stunden zum Ziel.
IV. Die Gewinnung des festen Präparates.
Mischt man das in der soeben geschilderten Weise gewonnene Extrakt mit etwas absolutem Alkohol, so entsteht eine braune, harzige Masse, die fest am Boden des Gefässes klebt und sich in Wasser sehr schlecht und nur zum Theil mit brauner Farbe löst.
Giesst man jedoch eine abgemessene Menge Extrakt in dünnem Strahl unter fortwährendem Umrühren In die 26 bis 8!)fache Menge absoluten Alkohols, so entsteht augenblicklich ein dichter, feiner, weisser Niederschlag, der den ganzen Cylinder anfüllt, sich aber bald senkt; über dem Niederschlag steht schon nach wenigen Minuten ein ganz klarer, gelblich gefärbter Alkohol.
Giesst man jedoch eine grössere Menge des Extrakts, als wie angegeben, in den Alkohol, so nimmt plötzlich die ganze Mischung einen schmutzig-bräunlichen Farbenton an, der weisse Niederschlag verschwindet zusehends, während sich am Boden und an den Wänden des Gefässes relativ geringe Mengen harziger Massen fest­setzen, über denen ein trüber, schmutzig-gelblicher Alkohol steht, der sich auch bei längerem Stehen nur unvollständig klärt. Das­selbe tritt ein, wenn, bei richtigem Verhältniss, der Wassergehalt des Alkohols zu gross ist.
Diese Zufälle sind nur durch Verwendung der 2quot;)fachen Menge eines wenigstens OSgrädigen (Tralles) Alkohols sicher zu vermeiden.
2
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Um die erforderlichen grossen Mengen absoluten Alkohols zu gewinnen, liisst man den käuflichen Spiritus 14 Tage lang über grossen Mengen gut zerschlagenen, frisch gebrannten Kalks stehen und destillirt ihn dann ab, indem man das Destillat in gut aus­getrocknete Flaschen durch doppelt durchbohrte Stopfen leitet, durch deren zweite Bohrung die entweichende Luft zur Vermeidung etwaigen Kegurgitirens und Ansaugens von Feuchtigkeit durch Chlorcalciumröhren abgeleitet wird. Man erhält dann leicht einen Alkohol von 9!)deg;.
Das Präparat wird um so voluminöser, feiner und weisser, je absoluter der Alkohol ist.
Nach 24: Stunden wird der Alkohol abgehebert und der Nieder­schlag auf dem Filter gesammelt. Der alkoholfeuchte Nieder­schlag zieht indess sehr begierig Wasser aus der Luft an, bräunt sich und nimmt eine schmierige Beschaffenheit an; solche Partien trocknen im Exsiccator zu harten, braunen, schlecht löslichen Massen. Diesen Uebelstand vermeidet man vor Allem durch schnelles Manipuliren und durch Verwendung eines mit gut ein-gepasstem, glattem Filter versehenen Trichters mit nicht zu engem Abflussrohr, der nach der Beschickung mit dem Niederschlage schnell mit einer aufgeschliffeuen und mit Talg gedichteten, in der Mitte durchbohrten Glasplatte bedeckt wird; die Luft streicht, bevor sie durch dies Loch in den Trichter gelangt, durch ein aufgekittetes Chlorcaleiumrohr. Nach Entfernung des Alkohols durch Absaugen mittelst der Luftpumpe wird der Niederschlag schnell in den Exsic­cator gebracht und im Vacuum bei Zimmertemperatur getrocknet. Als Absorptionsmittel leistet frisch ausgeglühtes Chlorcalcium entschieden die besten Dienste. Nach 2 bis 3 Tagen wird die in einzelne Stücke zerfallene, weisse, trockene Masse gepulvert und nunmehr über frisch ausgeglühtem Chlorcalcium in möglichst hohem Vacuum von den letzten, ausserordentlich fest anhaftenden Alkohol­resten durch mindestens achttägiges Trocknen befreit. Verabsäumt man dies, so ist das Pulver hygroskopisch. Ein gut getrocknetes Präparat soll sich, auf Papier gestreut und Tage lang der Zimmer­luft ausgesetzt, nicht bräunen.
Dass bei der Herstellung des Präparates mancherlei Zufällig­keiten den Erfolg in Frage stellen können, bedarf keiner Erwäh­nung. Auf die häufigsten habe ich im Vorstehenden schon hin­gewiesen. Auf verschiedene sonstige beachtenswerthe Einzelheiten
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habe ich an anderer Stelle bereits aufmerksam gemacht1). Au derselbeu Stelle habe ich auch über eine Reihe von Versuchen berichtet, die sich mit der Ermittlung der chemischen Natur der wirksamen Substanzen beschäftigen. Ich habe diese Versuche später fortgesetzt, ohne indess zu einem besseren Resultat zu kommen, und glaube daher auf ihre Mittheilung verzichten zu können.
V. Die praktische Anwendung des Präparates zu diagnostischen Zwecken.
Nach dem günstigen Ausfall der ersten, am Militär-Thier-arznei-Institut in Wien ausgeführten orientirenden Versuche wurde Professor Schindelka von dem genannten Institut mit der weiteren Prüfung des Mittels beauftragt; auf ein Gutachten des k. k. Obersten Sanitätsraths empfahl später die österreichische Regierung seine allgemeine Anwendung zu diagnostischen Zwecken.
Die Mehrzahl der Versuche wurde vom Professor Schin­delka und vom Landesthierarzt Rudovsky (in Brunn) ausgeführt und in mehreren Abhandlungen ausführlich geschildert.-)8) Ueber weitere zahlreiche, in andern Landestheilen Oesterreichs, in Deutsch­land, der Schweiz, Italien und anderen Ländern theils von Pro­fessoren der Thierarznei-Institute, theils von beamteten Thierärzten vorgenommene Versuche habe ich auf Grund privater Mitthei-lungen und eigener Beobachtungen in mehreren Abhandlungen berichtet.4)
') Zeitschrift für Voterlnärkunde 1898, S. 517.
-} Schindolka: Einige Erfahrungen über die Anwendung desMalleYns als diaguost. Mittel: Oest. Ztsohr. f. wiss. Vet. Kunde 1Slt;J4. V. Hft. 2-4, s. 97 ff.; derselbe; ebenda VI. 1894, Hft. 4.
8) Rudovsky: Ueber Impfungen mit Malleln. Oosterr. Ztsohr. für wiss. Vot. Kumlo 1894. V. Hft, 2—4; derselbe: Impfungen mit Malleln. Thlerärztliohes Centralblatt 1894; derselbe: Die Rotzkrankheit der Pferde und die Anwendung des Malloins zur Sloherstellung dieser Krankheit. Brttnn 1895 (C. Winkler).
4) Poth: Deutsche Zeitschrift für Thiermedi/in und vergl. l'athol. XX. 1894, S. 223 und XXI. 1895, S. 881. - Zeltsohr.f. Vet.Kde. 189;! N'o. 12 und 1894 No. 7/8. — Oestorr. Monats sehr. f. Thierhellkde. 1874. No. 10. -Centralbl. f. Bakterlol. u. Par. 1894. XVI., S. 550. - Dtseh. tbieriirztl. Woohensohr. 1804, No. 5. — Berliner thierärztl. Woohensohr. 1895, No. 8. — Fortschritte der Medizin. 1K95, S. 0.'i7.
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Ich werde mich unter Hinweis auf die angeführten ausführ­lichen Schilderungen darauf beschränken, die Ergebnisse jener grundlegenden Versuche nur insoweit hervorzuheben, als es zur kritischen Beleuchtung der Malleinfrage und zur ßeurtheilung der mit Hilfe jener Erfahrungen erzielten Ergebnisse meiner weiter unten geschilderten neueren Versuche unumgänglich erforderlich ist.
Zur Ermittlung der geeigneten Dosis wurde das Präparat in (iaben von 0,1 g abwärts geprüft.
Das Ergebniss der Versuche war folgendes: Die auf die Ein­spritzung folgende Reaktion des rotzkranken Organismus äusserte sich in Temperatursteigerung, in ödematöser Anschwellung der Injektionsstelle und in gewissen Störungen des Allgemeinbefindens. Doch traten diese Erscheinungen, die man der Kürze halber mehr­fach auch wohl als thermische und organische (lokale und allge­meine) Reaktion bezeichnet hat, nicht in jedem Falle alle gleich­zeitig und in gleichmässig starker Ausprägung auf. Nicht rotz­kranke Pferde wurden dagegen entweder garnicht oder nur unbe­deutend beeinflusst. Mitunter trat indess die eine oder die andere jener Reaktionserscheinungen auch bei ihnen in schärferer Aus­prägung auf.
Viele Autoren, vor Allem Nocard in Alfort, und von den russischen Forschern Semmer, Wladimirow und Kresling und Andere sind geneigt, alle diese Reaktionserscheinungen in gleichem Masse als pathognomonisch für die Rotzkrankheit zu betrachten. Die vorliegenden Versuche haben gezeigt, dass diese Annahme durchaus irrig ist. Die Störungen des Allgemeinbefindens, die sich in hochgradiger Abspannung und Mattigkeit, schwachem Puls, aufgehobener Fresslust, gänzlicher Theilnahmlosigkeit, heftigen Schüttelfrösten, Kolikerscheinungen, Athembesehwerden, Husten, lähmungsartiger Schwäche der Nachhand und anderen Erscheinungen äusserten, dürften vielmehr als Giftwirkungen aufzufassen sein, denn sie treten bei rotzkranken sowohl wie bei gesunden auf und sind an grössere Malleingaben gebunden. Dosen von 0,00 g und weniger lösen diese Erscheinungen überhaupt nicht mehr oder nur noch ausnahmsweise aus. Ob daneben auch etwa vorhandene rotzige Veränderungen auf die deutlichere Ausprägung dieser Er­scheinungen einen Einfluss haben, ist schwer festzustellen. Ebenso fraglich sind die Beziehungen der der Einspritzung folgenden ört­lichen Anschwellungen zur Rotzkrankheit. Zunächst zeigte sich, dass bei exakter Ausführung der Einspritzungen unter Vermeidung
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jeder Verunreinigung umfangreiche Schwellungen überhaupt aus­bleiben. Vielmehr ruft die Einspritzung bei allen Pferden eine kleine, flache, höchstens handtellergrosse, etwas schmerzhafte öde-matöse Anschwellung hervor; bei manchen Pferden wird diese Anschwellung indess handgross und grosser und sehr schmerzhaft. In einem Versuchl) zeigten beispielsweise von 20 rotzkranken nur 11 erhebliche örtliche Reaktion, 9 dagegen nicht, während von 13 nicht rotzkranken 8 erhebliche Schwellungen zeigten, 5 dagegen keine. Die Grosse der Dosis war, im Gegensatz zu der allgemeinen Reaktion, ohne Einflnss auf den Umfang der Anschwellung. Offen­bar sind individuelle Einflüsse ganz unbekannter Art hier entscheidend. Nach den späteren Versuchen hat es allerdings den Anschein, als ob zu diesen individuellen Einflüssen auch etwaige rotzige Ver­änderungen gehören. In jedem Falle ist aber der diagnostische Werth der örtlichen Anschwellungen sehr vorsichtig zu beurtheilen. Somit kommt nur noch die Beeinflussung der Temperatur in Betracht und es ist die Frage zu prüfen, ob diese sich bei rotz­kranken und nicht rotzkranken Pferden stets so verschieden äussert, dass sie genügende diagnostische Anhaltepunkte bietet.
a) Versuche mit 0,1 g Mallein.
Von den Versuchspferden wurden 99 getödtet und obduzirt. Die rotzkranken und nicht rotzkranken vertheilen sich auf die einzelnen, die Differenz zwischen der höchsten Temperatursteigerung nach der Einspritzung und der Körperwärme zur Zeit der Injektion bezeichnenden Reaktionshöhen wie folgt:
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') Sohlndelka: Einige Erfahrungen etc., l. o. v. s. ns n. f.
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Bei Teraperatursteigerungen von 1.5deg; abwärts waren mithin rotzige Veränderungen nicht gefunden worden. Für die Dosis von 0.1 g bildet demnach 1.6deg; die unterste Grenze der für Rotz sprechenden Temperaturen. Diese Grenze ist hier und in den folgenden Tabellen durch einen Strich gekennzeichnet. Ober­halb dieser Linie nimmt die Zahl der gesunden mehr und mehr ab und die der rotzkranken dementsprechend zu. Während jedoch mit 1.8deg; und 1.9deg; nur noch rotzkranke reagirt hatten, fanden sich wieder bei den höheren Keaktionen von 2deg; aufwärts unter 63 sogar 10 nicht rotzkranke. Hiervon hatten indess G eine atypische Re­aktion gezeigt; diese kommen daher nicht in Betracht; es bleiben also 4. auf 03 gleich etwa C'/.j pCt. In den dazwischen liegenden Reaktionen von 1.6—1.9deg; beträgt die für Rotz sprechende Wahr­scheinlichkeit jedoch nur ö : 18 = 33 pCt.
Auf die eben erwähnten atypischen Keaktionen komme ich später zurück.
b)nbsp; Versuche mit 0.08 g Mallein.
Zur Todtung gelangten 21 Pferde, die sich wie folgt auf die Reaktionen vertheilen:
2.G0 und mehr 2 Pferde rotzkrank — nicht rotzkrank 2—9 5deg; (i — 1 qOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;___
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Auch hier liegt die unterste Grenze der verdächtigen Re­aktionen bei 1.6deg;; dagegen wurden von 1.9deg; an aufwärts nur noch rotzkranke gefunden.
c)nbsp; Versuche mit 0.06 g Mallein.
Es wurden 34 Pferde getödtet, die sich wie folgt vertheilen:
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Hier liegt die unterste Grenze schon wesentlicli tiefer, 1.3deg;; oberhalb 1.9deg; waren alle Pferde rotzkrank.
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d) Versuche mit 0.05 g Mallein.
Diese Versuchsreihe umfasst die grösste Zahl von Pferden; zur Tödtung gelangten indess nur HO, die sich wie folgt vertheilen: Auf 2.6deg; und mehr 12 rotzkranke — nicht rotzkranke
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Die unterste Grenze der verdächtigen Zone liegt hier aber­mals bei 1.3deg;; dagegen wurden bei 2deg; und mehr noch 2 gesunde gegen 40 rotzkranke, also etwa 4 pCt. gefunden. Die dazwischen liegenden Reaktionen sprechen mit einer Wahrscheinlichkeit von Vo für Rotz.
e) Versuche mit 0.04 g Mallein.
Getödtet wurden 34 Pferde, die wie folgt auf die Reaktionen entfallen:
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Die unterste Grenze (ier verdächtigen Gruppe lag auch hier bei 1.3deg;; dagegen wurden bei i'0 und mehr nur rotzkranke ge­funden.
Hiernach ist ein erheblicher Unterschied in der Wirkung des Malle'ins auf rotzkranke und nicht rotzkranke Pferde un­verkennbar. Denn in jeder Versuchsreihe entfallen auf die hohen Reaktionen von 2deg; und mehr fast ausschliesslich rotzige und auf die niedrigere von 1,5deg; resp. 1,2deg; abwärts ausschliesslich nicht rotzige. Nur die mittelhochgradigen Steigerungen werden bei jeder Dosirung sowohl bei rotzigen wie bei nicht rotzigen beob­achtet. Mithin sind diese — zweifelhaften — Reaktionen von vorn­herein aus den Betrachtungen über den diagnostischen Werth der MalleTneinspritzungen auszuschalten.
Die erste Schwierigkeit liegt in der richtigen Begrenzung dieser Gruppe. Wie wir zunächst sehen, ist die Reaktionshöhe von der Dosirung des Mittels viel weniger abhängig als die Inten­sität der Störungen des Allgemeinbetindens. Der Einfluss der Dosirung macht sich nur in geringem Grade und zwar in einer geringen Verschiebung der Grenzwerthe der zweifelhaften Reak-tionsgruppe bemerkbar. Während die grossen Dosen von 0,1 g bei rotzkranken schwächere Keaktionen als 1,((0 nicht hervorrufen, bedingen sie andererseits auch bei nicht rotzigen ausnahmsweise (in etwa O'/j pCt. der Fälle) hohe Keaktionen von 2deg; und mehr; je kleiner die Dosen werden, desto seltener rufen sie bei ge­sunden hohe Keaktionen hervor, desto tiefer sinkt jedoch auch die unterste Grenze ihrer Mindestreaktion, die sie bei rotzigen Pferden auslösen. Bei der Bestimmung der Grenzwerthe der Gruppe der zweifelhaften Keaktionen hat man im Auge zu behalten, dass die ausserhalb derselben fallenden Keaktionen einerseits mit Sicherheit die Anwesenheit rotziger Veränderungen ausschliessen und anderer­seits mit möglichst grosser Wahrscheinlichkeit für Kotz sprechen
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müssen. Es empfiehlt sich deshalb, ihr die mit siimmtlichen Dosen gewonnenen Ergebnisse zu Grunde zu legen. Dadurch verbreitert sich die zweifelhafte Reaktionszone zu Gunsten der ausserhalb gelegenen Reaktionen.
Es wurden im Ganzen (a bis e) 208 Pferde getiidtet. Davon
entfallen auf Reaktionen von:
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bis 0.9quot;. . .nbsp; nbsp; —nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„_____nbsp; 24nbsp; nbsp; nbsp;.. _„_
171nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 97
Der unterste Grenzwerth der zweifelhaften Reaktionszone ist mithin mit 1,3deg; zu bestimmen. Schwieriger ist die Festsetzung des oberen Grenzvverthes. Wie die Tabelle zeigt, nimmt die Zahl der rotzkranken im Verhältniss zur Zahl der nicht rotzigen mit steigender Reaktionshöhe langsam aber stetig (wenn man von 1,6deg; absieht) zu; ein wesentlicher Sprung macht sich über erst bei Reaktionen von 2 bis 2,5deg; und mehr bemerkbar; während die Wahrscheinlichkeit für Rotz bei 1,9quot; nur 77 pCt. beträgt, ist sie bei 2 bis 2,5deg; auf 87 pCt. und oberhalb 2,5deg; gar auf 08 pCt. an­gestiegen.
Wollte man nun aber, was hiernach entschieden zutreffend wäre, die obere Grenze erst mit 2,5deg; bestimmen, so würde der Erfolg des Verfahrens quantitativ zu gering sein; denn gerade die Reaktionen von 2 bis 2,5deg; sind die bei rotzkranken am häufigsten beobachteten, während die höheren Temperaturen zwar mit fast voller Sicherheit für Rotz sprechen, jedoch bei Weitem seltener beobachtet werden.
Die auf die Reaktionen von 2 bis 2,5deg; entfallenden 18 pCt. Fehl-
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resultate aber als quantite negligeable zu betrachten, geht auch nicht an.
Die vorhandenen diagnostischen Momente reichen mithin zur Beurtheilung dieser Reaktionen noch nicht aus.
Spritzt man einem rotzkranken Pferde Mallem unter die Haut, so steigt die Temperatur in der Regel langsam an, um je nach der Grosse der Dosis etwas früher oder später, bei mittleren Gaben von 0,05 g durchschnittlich in der 10. bis 14. Stunde den Höhe­punkt zu erreichen und darauf ganz allmählich und stets lang­samer, als sie angestiegen ist, unter häufigen Remissionen zur Norm abzufallen; die Gesammtdauer solcher Reaktionen betrügt daher regelmässig mehr als 24 und bis zu 74 bis 80 Stunden. Sehr häutig pflegt die Temperatur, nachdem sie die Höhe erreicht hat und bereits mehrere Decigrade wieder gefallen ist, nochmals in auffallender Weise anzusteigen, um die vorige Höhe wieder zu er­reichen oder zu überschreiten. Schindelka, der auf diese Er­scheinung zuerst aufmerksam gemacht und sie in graphischen Dar­stellungen veranschaulicht hat, legt ihr mit Recht einen hohen Werth bei. Immerhin kann sie aber bei rotzigen Pferden auch fehlen; vielfach wird sie gewiss auch übersehen, besonders wenn die Temperaturmessungen nur alle 2 Stunden vorgenommen werden.
Diesem als typisch zu bezeichnenden Verlauf der Mallein­reaktion gegenüber beobachtet man zuweilen, dass die Temperatur mehr weniger schnell, mitunter auch wohl unter Remissionen, bis zu erheblicher Höhe ansteigt, um nun aber sofort und ebenso schnell, oder schneller abzufallen. Die Gesammtdauer solcher Re­aktionen ist erheblich kürzer; die doppelte Kulmination der Tempe-ratur-Kurve fehlt bei ihnen ausnahmslos; dagegen beobachtet man nach dem Abfall der Temperatur mitunter noch plötzliche Re­missionen.
Diese beiläufig auch in der Regel von erheblichen Allgemein­störungen begleiteten Reaktionen, die gegenüber jenen als atypisch zu bezeichnen sind, stehen nun zur Rotzkrankheit in gar keiner Beziehung und machen, da sie in der geschilderten Ausprägung wohl nur bei grösseren Dosen beobachtet werden, den Eindruck, als ob sie in der Hauptsache als Vergiftungserscheinungen auf­zufassen wären.
Zwischen beiden Reaktionstypen giebt es zahlreiche Ueber-gänge, die der Beurtheilung wieder Schwierigkeiten bereiten. Einer früheren Abhandlung habe ich einige graphische Darstellungen
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— 27 —
mehrerer solcher Typen beigegeben (Deutsche Ztschr. f. Thierraed. und vergl. Pathologie Bd. XXI. 4. Heft, S. 223 ff.). In der Regel lässt sich aber aus dem Verhältniss des auf- und absteigenden Theils und den Remissionen der Charakter der Reaktion feststellen.
Mithin besitzen wir in dem Verlauf des Reaktionsfiebers ein wesentliches diagnostisches Hilfsmoment zur Beurtheilung der er­heblichen Temperatursteigerungen.
Von den 13 Pferden, die in den obigen Versuchen, ohne rotz­krank zu sein, Temperatursteigerungen von 2deg; und mehr gezeigt hatten, zeigte die Reaktion in sieben Fällen einen ausgesprochen atypischen Charakter (vier Fälle Schindelka 1. c, drei Fälle Rudovsky 1. c. Thierärztl. Centralbl. u. Broschüre;. Jedesmal war die Tem­peratur auffallend rasch, in der Regel bis zur dritten Stunde bis zur Höhe angestiegen, um dann ebenso rasch wieder abzufallen. Alle diese sieben Fälle, die zugleich von heftigen Allgemeinstörungen begleitet waren, entfallen auf die höheren Dosen (0,1 g). Es bleiben somit nur noch sechs Fälle übrig, wo nicht rotzkranke Pferde Temperatursteigerungen gezeigt haben, die von denen bei rotzigen Pferden nicht zu unterscheiden waren. Diese Pferde waren mithin infolge eines diagnostischen Irrthuins unnöthigerweise getödtet worden. Die Wahrscheinlichkeit dieses Irrthums, aus 133 Fällen mit Reaktionen von 2deg; und mehr berechnet, beträgt etwa vier Prozent. Dieser Prozentsatz könnte in der praktischen Seuchentilgung in der That als quantite negligeable betrachtet werden!
Die oberste Grenze der Gruppe der zweifelhaften Reaktionen wäre mithin mit 1,9deg; zu bestimmen, unter der Voraussetzung, dass von den höheren Reaktionen nur die mit durchaus typischem Verlauf als für Rotz sprechend betrachtet werden.
Nicht immer haben nun die im Vorstehenden besprochenen Regeln den Erwartungen in gleichem Masse entsprochen. Regel-mässig waren es die angeführten Grenzwerthe und die ihnen zu­nächst gelegenen Reaktionen, die zu irrthümlichen Diagnosen führten. Berücksichtigt man, dass die Körperwärme zur Zeit der höchsten Reaktion oft innerhalb einer halben Stunde nicht unerheblichen Schwankungen unterliegt, die Temperaturmessungen indess in einem mehr als 30 bis -10 Pferde zählenden Bestände selbst bei guter Unterstützung kaum öfter als zweistündlich vorgenommen werden können, zahlreiche Temperaturschwankungen mithin unregistrirt bleiben, so hat die Vorstellung, dass bei jenen Grenzwertheil ein Decigrad endgiltig über das Schicksal des Pferdes entscheiden soll.
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allerdings etwas ungemein Gezwungenes. Ebensowenig will es dem gesunden Menschenverstände einleuchten, dass eine Reaktion von 1,3deg; bei rotzkranken noch relativ häufig vorkommen soll (die auf diese Reaktion entfallenden acht Thiere waren zur Hälfte rotzkrank 1), die nur einen Decigrad geringere von 1,2deg; dagegen überhaupt nicht mehr!
Die aufgeführten diagnostischen Momente reichen mithin noch immer nicht aus.
In den vorstehend geschilderten Versuchen ist, wie bereits angegeben wurde, der Keaktionsumfang stets aus der Differenz des Standes der Körperwärme zur Zeit der Einspritzung und ihrer höchsten Steigerung nach der Einspritzung berechnet worden. Hier­gegen ist von vielen Seiten unter Hinweis auf die physiologischen Tagesschwankungen Bedenken erhoben worden. Man hat, um die Berechnung der Reaktionsgrösse von diesen Schwankungen unab­hängig zu machen, die verschiedensten Vorschläge gemacht, um auf irgend eine Weise eine mittlere Temperaturhöhe zu gewinnen. Während die Einen zur Berechnung dieses Mittels schon eine drei-bis viermalige Temperaturaufnahme in zweistündigen Pausen vor der Einspritzung für genügend hielten, wollten Andere die Messungen 24, ja 48 Stunden hindurch fortgesetzt wissen; oder man fand das Mittel aus den Morgen- und Abendtemperaturen während des Tages vor der Einspritzung, wie es auch eine den Gebrauch des Malleins regelnde Instruktion für die russische Armee1) vorschreibt. Alle diese Vorschlüge haben imless den gewünschten Erfolg nicht gehabt, denn in allen auf dieser Grundlage angestellten Versuchen figuriren die irrthümlichen Diagnosen, wie ich an anderer Stelle gezeigt habe,-') mit weit grösseren Zahlen, als in den vorstehend ge­schilderten Versuchen. Ebenso führte der von anderer Seite ge­machte Vorschlag, die während 24 Stunden ermittelte höchste Temperatur zum Ausgangspunkt der Betrachtungen zu machen, zu keinem günstigen Resultat. Denn man lief Gefahr, hier und da thatsächlich rotzkranke Thiere mit schwachen Reaktionen ganz zu übersehen.
') Versuche mit der Anwendung des Malleins in der russischen Armoo. St. Petersburg (Trenke und Fiisnot). Referat Foth: Contralbl. f, Bakt. u. Par. Bd. XVI., S. 508 und Deutsche Zeitschr. f. Thiermed. Bd. XXI, Seite 187.
2) Fortschritte dor Medizin 1895 No. 16| ferner Deutsche thier-iirztl. Wochensoll r. 1895 No. 6.
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Schindelku, der den Temperaturverlauf bei einer Anzahl unter gleichen Verhältnissen gehaltener gesunder Pferde 24 Stunden vor und nach der Malleuieinspritzung sorgfältig registrirte, zeigte nun, dass die graphische Darstellung des Verlaufs der Körper­wärme nicht mehr die bekannte Wellenlinie, sondern vom Augen­blick der Einspritzung an eine bald flacher, bald steiler verlaufende Bogenlinie darstellte. Er schloss hieraus, dass die Malleinreaktion an sich schon unabhängig von den Tagesschwankimgen sei und trat energisch dafür ein, ausschliesslich die jedesmal zur Zeit der Einspritzung ermittelte Körperwärme der Berechnung der Reaktions-grösse zu Grunde zu legen; folgerichtig betonte er auch, dass es gleichgiltig sei, ob die Einspritzungen in der Kiiihe oder des Abends gemacht wurden.1)
Seine vorzüglichen Erfolge waren die beste Empfehlung seines Vorschlages, der sehr sclinell allgemeine Aufnahme fand.
Ich habe aber oben nachgewiesen, dass auch dieser Modus nicht im Stande ist, die in der Eeurtheilung der Cirenzwerthe liegende Schwierigkeit zu überwinden.
Mehrfach machte man nun die überraschende Beobachtung, dass offenbar rotzkranke Pferde, deren Körperwärme bereits leicht fieberhaft (auf 89deg; and mehr) gesteigert war, auf die Mallein­einspritzung überhaupt nicht mehr oder nur in ganz geringem Grade reagirten; hatten sie ein etwas höheres Fieber, so trat nicht selten sogar ein geringer Temperaturabfall ein.
Diese Erscheinung hat nicht verfehlt, allerhand mehr oder weniger tiefsinnige Erklärungsversuche hervorzurufen. Ich über­gehe diese Hypothesen, indem ich auf die Thatsache hinweise, dass auch nicht rotzkranke Pferde mit fieberhaft gesteigerter Körper­wärme das gleiche Verhalten zeigen.
Da, wie erwähnt, schon ein geringgradiges Fieber genügte, um das Zustandekommen einer deutlichen Reaktion zu verhindern, und diese um so schwächer wurde, je höher das Fieber war, so lag die Frage nahe, ob nicht dieselbe Erscheinung in entsprechend geringerer Ausprägung auch noch bei den nächsttieferen Wärme­graden zu beobachten sei.
Vergleicht man den Temperaturverlauf bei einer Anzahl mit Mallem behandelter Pferde aufmerksam, so fällt auf, dass der Umfang der Steigerung, die Reaktionsdifferenz, und die Höhe zur
') Sohtndelka: Einige Erfahrungen etc. a. a. 0
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30
Zeit der Einspritzung thatsächlich in ganz bestimmter Beziehung stehen. Regelmässig zeigen die Pferde mit der niedrigsten Eigen­wärme nach der Einspritzung die grösste Reaktionsdifferenz, während diese sich mit dem Steigen der Temperatur zur Zeit der Ein­spritzung gradatim verringert. Diese Erscheinung tritt so regel­mässig auf, dass sie fast als (Jesetz bezeichnet werden kann. Rotzkranke sowohl wie gesunde Pferde sind ihr unterworfen. Welche der in der Literatur mitgetheilten Versuche man hierauf* hin prüft, immer findet man dasselbe Verhältniss bestätigt.
Die folgende, nach den Temperaturtabellen des amtlichen Berichts1) über die Rotztilgung im Seiue-Departement im Jahre 1893 angefertigte Uebersicht möge das Gesagte illustriren:
Tabelle I.
Stand (
1er Körper
wärme zur Zeit der
Einspritzung
1 CD
bis 37.5quot;
87.6deg; -88.00|88.10—88.0deg; ;i9quot;u. molir
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5G2 Pferd.
oder noch besser die folgende
Tabelle II.
Stand der Körperwärme
zur Zeit
der Einspritzung
' bis 87.4 137.5-37.9 3S.0--.38.r)i38.6-38.9189o1,.n11.hr
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') Noto näclisto Seite.
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81
Temperatursteigerungen um 3deg; und mehr sind also bei An­fangstemperaturen von 38,6deg; und darüber überhaupt nicht beob­achtet worden, ebenso nicht solche von 1,4deg; und darunter bei Anfangsteraperaturen bis zu 37,40 und so gut wie garnicht (zwei Fälle) bis zu 37,9deg;, während mit zunehmender Höhe der Anfangs­temperatur die Zahl der Fälle mit hoher Wärmesteigerung ab- und derjenigen mit geringer Steigerung zunimmt.
Die Tabellen geben indesa noch kein zutreffendes Bild des wahren Verhältnisses, da die in Vergleich gestellten Qesammt-summen der aut die einzelnen Anfangstemperaturen entfallenden Reaktionen doch sehr verschieden sind. Ein richtiges Urtheil ist erst aus einer, gleiche Verhältnisse voraussetzenden Zusammenstellung zu gewinnen. Ich habe deshalb die Tabelle II durchgehends auf 100 umgerechnet; hiernach stellt sich das Verhältniss wie folgt:
Tabelle III.
Stand der Körperwärme zur Zeit der Einspritzung
bis 37.4
87.6—87,9 88.0- 88,5 88.6 88.9 890u,moM Sunime
|
^a
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I quot; sect;
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0 Pf.
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0
37
100 Pf.
100 Pf. 1 100 Pf. i 100 Pf. 100 Pf.
Aus dieser Tabelle ergiebt sich die Richtigkeit des (lesagten.
Wie wir zunächst sehen, war Schindelka also faktisch im Recht, wenn er empfahl, ausschliesslich die zur Zeit der Ein­spritzung ermittelte Temperatur zur Grundlage der Berechnung der Reaktionsgrösse zu machen. Aber die Begründung war nicht zutreffend. Nicht, weil die Reaktion durch die Tagesschwankungen nicht beeintlusst wird, sondern weil die Temperatur zur Zeit der Einspritzung und der Umfang der Steigerung in allerengster wechselseitiger Beziehung stehen.
') Rapport sur los maladies oootaglenses des anlmanx, observöea dans lc döpart, do la Soino pendant Taniioc 1802, Paris (Impr. Chalx) 1893, S. 36ff.
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„Bekanntlichquot; werden die Temperaturverhiiltnisse bei unseren Hausthieren gerne unter Voransehiekung dieses Wörtchens erörtert, obgleich sie keineswegs so bekannt sind, wie man danach annehmen müsste. Ich habe mich durch sehr zahlreiche Temperaturmessungen Überzeugt, dass die Körperwärme bei Pferden innerhalb 24 Stunden in ausserordentlich wechselnden und oft viel weiteren Grenzen schwankt, als in der Kegel angenommen wird. Der Umfang der Schwankungen ist natürlich abhängig von individuellen Einttiissen, vor Allem aber von der Haltung der Pferde, ihrer Arbeitsleistung, der Witterung, der Fütterung u. s. w. Während bei den gut ge­haltenen und namentlich im Winter mit einem geringen und stets gleichmässigen Arbeitsquantum bedachten Militärpferden die Tages­schwankungen bis zu 0,8 bis höchstens 1u betragen und nur selten unter besonderen Verhältnissen diese Grenze überschreiten, findet man bei den häufig sehr schlecht gehaltenen und grossen Anstren­gungen und allem möglichen W echsel der Einflüsse unterworfenen Arbeitspferden auf dem Lande und in den Fuhrhaltereien, die doch für die Kotzfrage bei uns in Deutschland fast ausschliesslich in Betracht kommen, durchweg erhebliche Differenzen. Früh um 3 bis 5 Uhr findet man häufig Temperaturen von 30,5 bis 37deg; bei Pferden, die nach angestrengter Tagesarbeit nach dem Abendfutter eine Körperwärme bis zu 38,0 bis 38,8deg; zeigen. Tagesdifferenzen von 1,2 bis 1,5u sind nichts so Seltenes, ja es kommen solche von 1,6 bis 1,7deg; vor, ohne dass man nach dem übrigen Verhalten der Thiere berechtigt wäre, hierin etwas Pathologisches zu erblicken.
Deshalb empfiehlt auch wohl Nocard1) die mit Mallem zu behandelnden Pferde zwei Tage vor der Einspritzung nicht aus dem Stalle zu entfernen.
Sollten nun so erhebliche Schwankungen bei der Beurtheilung der Malleinreaktion nicht doch wohl zu berücksichtigen sein?
Die Schindelka'schen Versuche Hessen zwar einen Einfluss der Tagesschwankungen auf den Reaktionsverlauf nicht erkennen; es ist aber zu beachten, dass durch die Stallhaltung und sorgsame Pflege der Pferde während der Versuchsdauer erhebliche Schwan­kungen überhaupt vermieden wurden. Andererseits kann man stets beobachten, dass die in der Frühe, etwa um 4 bis 5 Uhr ausge­führten Malleineinspritzungen durchweg stärkere Keaktionen be-
') Nocard: But la valoiii' do la raallOino coiumo iiioyun do diagnostic dans los cas doutoux do morvo. Rapport, prosonto au VI oongräs Internat, votorinairo ii Berno, Ki—-Jl Sept. 1806; S. 6.
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dingen, als wenn sie Abends vorgenommen weiden. Dies Verhalten zeigen immer die ganzen Bestünde, so dass ein Irrthum ausge­schlossen ist. Trotzdem liegt bierin für die ßeurtheilung der Reaktion durchaus nichts Störendes, sobald man nur jenes oben geschilderte Verhältniss zwischen der Temperaturhöhe zur Zeit der Einspritzung und dem Keaktionsumfang im Auge behält und die mehr weniger erheblichen Differenzen nach diesem Gesichts­punkte beurtheilt.
Somit war wiederum die Schlndelka'sche Behauptung, dass es gleicligiltig sei, zu welcher Tagesstunde die Einspritzungen vor­genommen würden, faktisch richtig. Unzutreffend war aber auch hier die Begründung; aus jenem Versuch, der einen Einfluss der Tagesschwankungen auf den Reaktionsverlauf nicht erkennen liess, war dies überhaupt nicht zu schliessen, denn es handelt sich gar nicht um die Tagesschwankungen während der Zeitdauer der Re­aktion, sondern um diejenigen vor und bis zur Einspritzung. Gerade dieser irrthümliche Schluss hat in seiner praktischen Anwendung vielfach zur unrichtigen Beurtheilung der oben angegebenen Grenz-werthe der Reaktionszonen geführt und manche irrthümliche Diagnose verursacht.
Die Kenntniss des geschilderten Verhaltens der Körperwärme lässt nun diese Grenzwerthe in einer ganz anderen praktischen Beleuchtung erscheinen. Während man bisher Jede Temperatur­steigerung von 2deg; und mehr schablonenhaft als hochgradig ver­dächtig betrachten musste, wird man jetzt zunächst danach fragen, wie hoch denn die Körperwärme vor der Einspritzung stand, und Differenzen von nur wenig mehr als 2deg; nur dann als dringend ver­dächtig erachten, wenn die Temperatur vor der Injektion einen relativ hohen Stand hatte; in gleicher Weise können umgekehrt Steigerungen von 1,2quot; oder gar nur 1,1deg; unter Umständen noch nicht als absolut einwandsfrei angesehen werden, wenn sie sich aus relativ hohen Temperaturen entwickeln, während bei sehr niedrigem Stande der Körperwärme selbst Reaktionen von 1,8deg; oder 1,4deg; noch ohne alle Gewissensskrupel aus der Gruppe der zweifelhaften Reaktionen gestrichen und als ganz unverdächtig betrachtet werden können.
Für die Dosirung sind die bereits S. 1raquo; bis 22 erörterten Verhältnisse entscheidend. Danach empfehlen sich die mittleren Dosen von 0,04 bis 0,05 g. Die frühere Ansicht, dass kleinere abgemagerte und schwache Thlere erapflndlicber gegen das Mallem
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seien und eine Reducimng der Dosis erforderten, hat sich als irrig erwiesen. Vielmehr antworten gerade umgekehrt grosse, starke und kraftstrotzende - nicht rotzkranke — Thiere gerne mit er­heblicheren Temperatursteigerungen auf die Malleineinspritzungen als die Kategorie der sogenannten Anatomiepferde. W. Eber1) spricht sich über diese Erscheinung auf Grund seiner ausgezeich­neten experimentellen Studien dahin aus, dass das Wesen der MalleTn-(und Tiiberculin-)reaktion in der Abspaltung von pyro-genen — Malleo- und Tuberculopyrin genannten — Stoffen aus den „toxigenen, ansicii ungiftigen Substanzen Mallein und Tuber­culin durch die erhöhte physiologische Zellenenergiequot; solcher Thiere zu erblicken sei. Indess ist ein abschliessendes Urtheil über diese Frage zur Zeit noch nicht möglich. In jedem Falle erheischt aber die geschilderte Thatsache Berücksichtigung bei der Dosirung. Danach sind für die kräftigeren Thiere die kleinen Dosen von 0.04 bis 0.046, für die schwächeren und schlechter genährten die grösscrcn von 0.05 g zu verwenden.
Es ist mehrfach behauptet worden, class mancherlei andere Krankheitsprozesse das Zustandekommen einer gleichen Malle'i'n-reaktiou bedingen können wie die Kotzkrankheit.
Ich habe diese Ansicht vor einigen Jahren auch getheilt,-) bin aber durch spiitere Erfahrungen anderer Ueberzeugung ge­worden.
In den vorstehend besprochenen Versuchen war unter den nicht rotzkrank befundenen Pferden, die mit Temperatursteigerungen von mehr als 1,8deg; reagirt hatten, sechs anderweitig krank; hier­von hatte eins mit 2,1deg; reagirt; Befund: chronisches Lungenemphy-sem; eins mit 1,0deg;! beiderseitige Pneumonie und Lymphgefiissent-zündung am Hinterschenkel; zwei mit 1,7deg;: beide chronisches Lungenemphysem; zwei mit 1,6deg;: eins derselbe Befund, und eins Pneumonie. Es scheint aber nicht berechtigt zu sein, hieraus auf einen Einfluas gewisser Krankheitsprozesse, vorwiegend des chroni­schen Lungenemphysems, auf die Malleineinwirkung zu schliessen; denn auch unter den 21 reaktionslos gebliebenen Pferden waren drei anderweitig kranke — eins mit Melanosis, zwei mit Luftsack-und Kieferhöhlenkatarrh. — Ferner berichtet Schiudelka (1. c.) übfer eine Anzahl Versuche an Pferden, die an der Druse in den
') Deutsche Zeitsohr. f. Thlermod. Bd. XXI, 8. .{4. 2) Deutsche Zoitschr. f. Thlermed. u. vergl. Path. XIK. Heft 5 u. C, S. 440.
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verschiedensten Stadien, an Katarrhen des Nasenrachenraumes, an Empyem der Kieferhöhle litten und in keinem Falle eine Reaktion gezeigt hatten. In einem neueren Aufsatz endlich schildert der­selbe Forscher,1) wie drei hochgradig verdächtige Pferde, die nicht die geringste Reaktion zeigten, bei der Obduktion keine rotzigen Veränderungen, dagegen geschwürig zerfallende Phlegmone, chroni­sche Pneumonie mit Lungenabscessen und chronisches Lungen-eraphysem aufwiesen.
Die Zahl der Falle, wo an den verschiedenartigsten Krank­heiten leidende Pferde durch das Mallem überhaupt nicht beeinflusst wurden, überwiegt also ganz bedeutend.
Eine Beziehung zwischen irgend welchen anderweitigen Krank­heiten und der Mallei'nwirkung ist mithin nicht wahrscheinlich. Vielmehr dürften sich derartige Pferde dem Mallei'n gegenüber
ebenso verhalten wie gesunde;
etwaige erhebliche Steigerungen
sind bei ihnen vermuthlich auf dieselben, zumeist unbekannten Einflüsse zurückzuführen wie bei den gesunden.
Es erübrigt nunmehr noch die weitere Behandlung der­jenigen Pferde, die nach dem Ergebniss der Mallei'neinspritzung weder als rotzkrank, noch als gesund zu betrachten sind. Die Knt-
Scheidung kann hier nur spritzung herbeigeführt wewiederholt werden? Das Ei
durch eine Wiederholung der Ein­soll aber der Versuch der ersten Einspritzung
die zweite möglichst bald folgen zu lassen; das verbietet sich aber, wie ich vor längerer Zeit nachgewiesen habe,'-) durch die cumu­lative Wirkung des MalieYns;
Fünf Pferden, die eine raolll, oder weniger orliobliclic, in dio zweifelhafte Gruppe fallende Reaktion gezeigt batten, spritzte ich versuchsweise 24 Stunden nach der ersten [njektion, nachdem die Körperwärme bereits den normalen Stand wieder eingenommen hatte, eine zweite Dosis von 0,075 bis 0,085 gr Mallem unter die Haut. Die folgende Tabelle glebt ein BUd von der atypischen Wirkung, die das .Mallem in vier Fällen äiissorto. Alle fünf Pferde waren bei der Obduktion gesund,
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i. Einige Versuche über die Wirkung des Malleins linderen Oest. Zeltsohr! für wlssensoh, Veterinftrknnde VI, S. '217. Uoutsche Zeltsohr, f. Thiermed, u. vgl, Pathol. xx. Heft 4, B, 223.
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Erfahrungsmiissig kann man bei vielen mit Mallem behandelten Pferden noch tagelang lebhafte, von den Tagesdifferenzen unab-hängige Schwankungen der Körperwärme beobachten. Als friihe-ster Zeitpunkt für eine Wiederholung des Versuches wäre danach der fünfte oder sechste Tag zu bezeichnen. Nun hat man andererseits beobachtet — und die meisten Autoren stimmen darin überein —, dass die rotzkranken Pferde nach den Mallein­einspritzungen während eines gewissen Zeitraumes eine etwas herab­gesetzte Empfindlichkeit gegen das Mallem bekunden, die jedoch allmählich wieder schwindet. Nach den bisherigen Erfahrungen scheinen sie ihre volle Reaktionsfähigkeit vor Ablauf von vierzehn Tagen nur ausnahmsweise, in der Kegel aber erst mit diesem Zeit-punkt oder noch später wieder zu erlangen. Die Wiederholung der Versuche ist demnach möglichst hinauszuschieben. Ein Zwischen­raum von etwa einem Monat dürfte den thatsächlichen Ver­hältnissen sowohl wie auch den Anforderungen der Praxis am meisten Kechnung tragen.
Die nach der zweiten Einspritzung abermals zweifelhaft reagirenden Pferde sind nach denselben Gesichtspunkten ein drittes Mal zu behandeln.
Die Dosirung für die zweiten und dritten Einspritzungen ergiebt sich hiernach von selbst. Sie muss dieselbe sein wie bei der ersten Injektion. Hiermit stimmen auch die thatsächlichen Er­fahrungen überein.
Ich will nun versuchen, die im Vorstehenden für die Be-urtheilung der Mallemwirkung aufgestellten Gesichtspunkte an einem praktischen Beispiele zu erläutern, das durch seine relativ grosse Zahl von erheblichen Reaktionen auch bei nicht rotzkranken das Gesagte trefflich illustriren dürfte.
In dem Pferdebestand eines Rittergutes waren seit einigen Monaten mehrere Kotzfälle festgestellt worden. Der Seuchenverlauf war ausserordentlich schleppend, so dass die Durchführung des Malleinversuchs bei dem 41 Pferde zählenden Kotzbestande an­geordnet wurde. Das Mallein, das in Dosen von 0,045 bis 0,05 g zur Einspritzung gelangte, war meinem ein Jahr alten, zu allen übrigen Versuchen dienenden Vorrath entnommen. Die Tempe­raturmessungen wurden wegen Zeitmangels nur so lange fort­gesetzt, als zur Beurtheilung der Steigerung nöthig war. Das Ergebniss des Versuchs ist aus der beigefügten Tabelle 1 ersichtlich.
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37 —
Tabelle I.
d quot;3
Bezeich­nung dor Pferde
Altor(Jahr)
53
81
Temperatur in .... Standen nach der Rinspritzung
IS)
a
M
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8
9
10
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38
8
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1.35
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— 38
IM
Die Temperatur war mithin bei 12 Pferden, und zwar No. 10, 80, 34, 35, 24, 25, 42, G, 27, 28, 31 und 33, um 2deg; und mehr ge-Btiegen. Der relativ niedrige Stand der Körperwärme vor der Einspritzung und der mangelhaft ausgeprägte Typus des Reaktions­verlaufes sprechen indess bei einer Anzahl dieser Pferde nicht für Kotz. Unter Berücksichtigung aller Momente erschienen nur die Pferde No. 10, 30, 34, 35 und auch noch 25 so dringend der Rotz­krankheit verdächtig, dass ich ihre Tödtung allein auf Grund des Er­gebnisses des MalleYnversuches rückhaltslos empfehlen konnte. Zum Beispiel erregte mir das Pferd No. 27, obgleich seine Körperwärme ganz erheblich (um 2,7deg;) gestiegen war und die des zur Tödtung be­stimmten Pferdes No. 25 (2,()0) noch überschritten hatte, mit Rücksicht auf seine niedrige Anfangstemperatur von 3(1,70 nicht den mindesten Verdacht; verdächtiger erschien beispielsweise wieder No. 31 mit schon etwas höherer Anfangstemperatur von 37,8 und einer üesammtsteigerung um 2,2deg; und bis auf 40deg;; doch sprach hier der wenig typische Verlauf des Fiebers gegen den Rotz­verdacht. Die folgende Kurve I giebt ein Bild des Temperatur­verlaufes bei diesem Pferde:
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Kurve I.
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No. 31: nicht rotzkrank.
Bereits in der achten bis zehnten Stunde tritt eine plötzliche bedeutende Remission ein und nach dem Erreichen des Höhepunktes fällt die Temperatur jäh ab. Demgegenüber zeigt die folgende Tabelle einige Curven von typischem Verlauf zum Vergleiche:
Der Unterschied springt sofort in die Augen. Wie wir sehen werden, bestätigte später die Obduktion diese Annahme.
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ocr page 43
— 80 — Kurve 11.
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Nach einigen Wochen wurden die fünf bezeichneten Thiere Im Beisein des Kegierungskonimissars Herrn Departeraentsthier-arztes IS chilling und einiger Kollegen getödtet und obducirt. Das Ergebniss der Obduktionen war folgendes:
No. ;{5. Dio Oberfläche beider Lungen orhiilt duroh zahlreiche hasol- bis wallnussgrosse und grösscrc knotenartlge vorwölbungen eine bucklige Beschaffen­heit. Die Schnittfläche dieser Partleen ist dunkolroth und glatt mit verschieden grossom, trübem, mit der Umgebung zusammenhängendem, graugetlecktem bis grauem Centrum. Daneben viele hirsekorn- bis erbsengrosse Knötchen mit grau-gelblicher, ähnlich beschaffener Schnittfläche und schmalem, theils dnnkolrothem, theils golblichrothem Hof. Neben diesen Knoten vielfach, in der ganzen Lunge zerstreut, kleine, harte, scharf begrenzte Knötclien mit theils breiartigem, theils hartem, kalkigem, einen geschichteten Bau zeigendem, immer leicht horauslös-barem Centrum (Echinokokken). Der vordere untere Rand der rechten Lunge auf 8 cm Länge im Zustande der gelatinösen Infiltration. Bronchialdrüsen er­heblich geschwollen; auf der Schnittfläche zahlreiche kleine graugelbliche Horde, in denen sich eine geringe Menge eiterartiger Flüssigkeit befindet.
No. 10. Mehrere oberflächlich gelegene haselnussgrosse pneumonisebo Herde wie bei No. 35, mit grauem, weichem, nicht herauslösbarem und nicht scharf begrenztem Centrum. Danebon linsenförmige Kotzknötchen wie bei X). In der Mitte der linken Lunge ein über die Oberfläche hervorragender apfelgrosscr Knoten von derber Consistenz: Schnittfläche grauweiss und mit vielen stecknadel-kovf- bis fast orbsengrossen gelblichen weichen Horden durchsetzt. Bronchial-driisen geschwollen und mit zerstreuten kleinen gelblichen Herdon mit trübem, mehr trockenem Inhalt durchsetzt.
No. 25. In beiden Lungen oberflächlich und tiefer gelegene grleskorn- bis erbsongrosse Knötchen mit gelber oder gelbweissor halbtrockener Schnittfläche und durchscheinender, graner oder graurüthlicher, mit der Nachbarschaft innig verwachsener Hülle. Inhalt und Hülle innig verbunden. In den vergrössertou Bronchialdrüsen zahlreiche graugelbe Herde wie bei 10.
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ocr page 44
— 40 —
No. 30. In beiden Lungen viele hirsckoni- bis erbsongrosse Knoten mit tiübera, gelblich gefärbtem, mit der Umgebung jsusainmonhängendem Centrum und intensiv rothem Hofe. Bronohialdrüsen wie vorhin verändert.
No. 34. In der Schleimhaut der Nasenschoidewand linkerseits mehrere strahligo, woisse, glänzende Narben. In den Lungen hirsokoin- bis haselnuss-grosso Knoten. Kinige untor dem Lungenfell liegende grosso Knoten haben ein bläiilioh-rothes Aussehen und wölben sich halbkugelig hervor. Die Schnittfläche zeigt frisoho entziindliche hämorrhagische Infarete mit grau gefleckter Mitte. Andere Knoten haben ein grangolbes, eingeschmolzenes Centrum und einen mehr weniger breiten, braimrothen Samn, in dem sich an einzelnen Stollen kleine neue Knötchen zeigen. Bronchialdriison markig geschwollen; die Schnittfläche zeigt vielfach kleinste, graue Fieokchou, und stecknadolkopfgrosso, mit eiterartigen Massen gefüllte graugelbe Horde.
Mithin waren alle fünf Pferde rotzkrank. Das Er-gebnlss der Obduktion hatte somit die, lediglich mit Hilfe des Malle'i'ns ermittelte Diagnose bestätigt. Bemerkenswerth ist, dasa keins dieser Pfefde auch nur das geringste verdächtige Symptom gezeigt hatte.
Dagegen hatten mehrere andere Pferde durch zeitweiligen einseitigen Nasenausfluss, Rauhigkeit des Deckhaars, Zurückgehen im Ernährungszustand den Verdacht des Besitzers und des be-theiligteu beamteten Thierarztes rege gemacht. Zwei dieser Thiere, Mo. 24 und 88, hatten zugleich eine nicht imbedeutende Reaktion gezeigt. Nach dem wenig charakteristischen Verlauf der Tempe-ratursteigerung, wie ihn die folgende Kurve zeigt:
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Kurve III.
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rechtfertigte das Ergebniss des Mallei'nversuchs bei diesem Pferde (No. 33) allerdings kaum einen Verdacht, um so weniger, als die Körperwärme vor der Einspritzung sehr niedrig stand. Ver­dächtiger war schon der Reaktionsverlauf bei dem andern Pferde
(No. 24):
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ocr page 45
41 —
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Kurve IV.
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Doch auch hier hätte, mit Rücksicht auf den im Verhältniaa zu der Steigerung von nur 2,;$deg; immerhin niedrigen Stand der Temperatur vor der Einspritzung, der Ausfall des Mallemversuchs allein nicht genügt, einen dringenden Verdacht zu rechtfertigen. Mit Rücksicht auf die erwähnten klinischen Verdachtsmomente wurde jedoch ihre Tödtung angeordnet. Bei der Obduktion er­wiesen sich beide Pferde als gesund.
Reaktionen von 1,3 bis einschliesslich 1,9deg;, die mithin in die zweifelhafte Zone fallen, innerhalb deren ein Urtheil überhaupt nicht möglich ist, zeigten nach Ausweis der Tabelle nur fünf Pferde: No. 9, 43, 44, 39 und 38. Unter Berücksichtigung aller diagnostischen Anhaltepunkte sind dieser Gruppe aber noch die folgenden zuzu­zählen: No. 14 ohne Reaktion, da hier die Temperatur vor der Einspritzung leicht fieberhaft erhöht war, mithin, selbst wenn rotzige Veriinderungen zugegen waren, doch eine Reaktion nicht erwartet werden konnte; ferner No. 40 und 36 mit einer Steigerung von 1,2deg;, da hier die Anfangstemperatur relativ hoch war (38,3 und 38,1deg;. Endlich gehören natürlich jene, trotz der Reaktionen von 2deg; und mehr nicht getödteten fünf Pferde No. 31, 28, 27, 6, 42 hierher. Die Entscheidung über den Gesundheitszustand dieser dreizehn Pferde war von dem Ergebniss einer zweiten Einspritzung abhängig zu machen.
Die übrigen elf Pferde zeigten keine Reaktion In unserem Sinne. Nach den bisherigen Erfahrungen waren diese mithin als gesund zu betrachten. Dennoch wurden auch diese zum noch­maligen Mallei'nversuch bestimmt, da die örtlichen Verhältnisse die andernfalls erforderliche sofortige Absonderung zur Vermeidung jeder weiteren Ansteckung mangels seuchefreier Ställe nicht ge­statteten.
Das Ergebniss der zweiten Einspritzung ist aus der neben­stehenden Tabelle 11 ersichtlich.
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42
In die Augen fallend sind zunächst der durchgehends hohe Stand der Körperwärme zur Zeit der Einspritzung und die ent­sprechenden geringfügigen Temperaturschwankungen nach der Injektion. Auch zeigt diese Tabelle wieder mit grosser Deutlich­keit das reciproke Verhältniss zwischen der Temperaturhöhe vor der Einspritzung und dem Umfang der Reaktion.
Nach dem Ergebniss dieser Einspritzung war kein Pferd der Rotzkrankheit erheblieh verdächtig.
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Temperatur in
Stunden
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ocr page 47
— 43 —
Nur drei Pferde hatten überhaupt eine nennenswerthe Tempe­ratur-Erhöhung gezeigt. Die höchste Steigerung zeigte No. 9 (1,5deg;); trotzdem erschien es mit Rücksicht auf die niedrige Anfangs­temperatur und den garnicht typischen Charakter der Reaktion am wenigsten bedenklich. Desgleichen konnte No. 3ü, das auf die erste Einspritzung mit einer Reaktion von 1,2deg; geantwortet hatte, mit der geringfügigen Steigerung von 1,3deg; keinen Verdacht er­wecken. Von Interesse war dagegen das Verhalten von No. 81. Dies Pferd hatte beim ersten Versuch eine Temperatursteigerung von 2,2deg; bis auf 40,0deg; gezeigt, doch Hess der abweichende Reaktions­verlauf (vergl. S. 84 Kurve i) es nicht sonderlich verdächtig er­scheinen. Dieser Sehluss wurde durch das Ergebniss des zweiten A'ersuchs, wo die Temperatur nur um 1,4deg; anstieg, gerechtfertigt.
, Zur Prüfung des Werthes der Malleineinspritzungen ordnete indess der Regierungskommissar die Tödtung dieses, sowie ausser-dem noch desjenigen Pferdes an, das bei grösster klinischer Ver­dächtigkeit auf beide Einspritzungen die geringste Temperatur-• erhöhung gezeigt hatte; hierzu wurde No. 11 gewählt, das durch rauhes Haarkleid, mangelhaften Nährzustaud, zeitweiligen Husten und NasenausflusSj schnelles Ermiideu bei der Arbeit schon lange die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, auf die erste Einspritzung jedoch nur mit (gt;,S0, auf die zweite gar nur mit 0,50 reagirt hatte.
Bei der Obduktion waren beide Pferde gesund.
Seither sind fünf Monate verflossen, ohne dass sich neue Ver­dachtsmomente gezeigt hätten. Es ist also mit Hilfe des Mallei'ns gelungen, aus dem Bestände eine Anzahl rotzkranker Pferde zu entfernen, die sich nach Umfang und Beschaffenheit der ana­tomischen Veränderungen ohne Zweifel noch lange der klinischen Erkennung entzogen und eine weitere Verseuchung des Bestandes bedingt hätten.
Die end giltige Lösung der Mallel'nfrage begegnet aber noch einem Hinderniss, das ich bisher nicht berührt habe, das ist — last not least — die Divergenz der zur Zeit herrschenden An­schauungen über die Pathogenese und die pathologisch-anatomischen Verhältnisse der Rotzkrankheit.
Es würde den Rahmen dieser Abhandlung weit überschreiten, wollte ich näher hierauf eingehen. Daher nur einige Worte zur Beleuchtung der Sachlage:
Abgesehen von dem alten Streit, ob die Lungen primär er-
*#9632;
ocr page 48
— 44 —
kranken oder nicht, spitzt sich die Debatte gegenwärtig dahin zu, ob gewisse, der bekannten Kriterien der Rotzknoten entbehrende und auch bakteriologisch nicht als rotzig zu erweisende Knötchen in den Lungen als Produkte — und zwar geheilte Produkte — der Rotzkrankheit aufzufassen seien oder nicht.
Während diese Frage mit ihren weittragenden Konsequenzen von No card,1) Leclainche2) und Anderen mit Bestimmtheit bejaht wird, sprechen sich Schlitz,-quot;') 01t4) u. A. entschieden da­gegen aus. Trotz des nicht unbeträchtlichen Verbrauchs von Druckerschwärze ist die Sache indess noch nicht recht vorwärts gekommen. Abgesehen von einigen Widersprüchen, in die sich No card verwickelt hat, leidet die Begründung seiner Anschauung an dem sehr bedenklichen Mangel, dass die rotzige Natur dieser durchscheinenden glasigen Knötchen schwerlich bewiesen werden kann, da mangels lebensfähiger Bacillen der bakteriologische Nach­weis ihrer Existenz doch kaum zu erbringen sein dürfte,5) ein Mangel, den auch Semmerl!) rückhaltslos zugiebt. Dieser zieht es daher vor, seine Ansicht mit den in der russischen Armee gemachten
') Nooard: Vgl. sttnuntüche Publikationen dieses Autors über Mallem und Rotz im Bullet, de la Soclete centi'. de mörtec. vet.; Beottell de med. v6t. 18!raquo;'2 bis jetzt; derselbe: Rapport presente au Congr. vet. ä Bcrno \gl. Fiissnote S. 72 d. Arbeit.
2} Leolainohe et Nooard: Los maladies mloroblonnes. Paris 1895 (Massen), S. (170, 088, 701.
3)nbsp; nbsp;Sohütz: Zur pathol. Anat. d. Rotzkrankheit. Archiv f. wiss. u. pr. Thiorhcllkunde XX. S. 425 ff.: Derselbe: Ueber die durchscheinenden grauen Knötchen in den Pferdelungen. Ebenda XXt, S. ;!82.
4)nbsp; nbsp; Olt: Die kalklg-flbrösen Knötchen in Lunge und Leber des Pferdes. Ebenda S. 352.
r') Die Behauptung, die in der zur Erforschung der Mallo'inwirkung ge­bildeten französischen Kommission zum Ausdruck kam, dass die in den Knötchen enthaltenen Rotzbacillen zwar Versuchsthiere nicht mehr zu inticiren vermöchten, wohl aber in Bouillon zu züchten seien und dann, auf Meorschweinchen und Esel verimpft, ihre pathogene Natur wieder offenbarten, stützt sich auf ein von Roux ausgeführtes, jedoch so wenig einwandsfroies Experiment, dass schon in jener Kommission Zweifel hinsichtlich der Richtigkeit der Schlüsse laut wurden (Rapp. snr les exper., faites a Montoire, pour otablir la valeur diagn. de la mall. Rccueil de med. v6t. 1892 und die sich in den folgenden Sitzungen daran-schliossonden Debatten).
,',) Sommer: Ueber gutartige und hollbare Formen dos Rotzes. Deutsche Ztschr. f. Thicrmed., XXI, S. 59.
#9632;H
ocr page 49
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praktischen Erfahrungen zu begründen. Wenn dagegen No card1) die Rotznatur der fraglichen Knötchen dadurch beweisen will, dass sie nach Verfütterung von Rotzculturen, die in Mohrrüben ein­geschlossen waren, in den Lungen dieser Pferde in grosser Zahl gefunden wurden, so dürfte diese Beweisführung weder durch den wenig einwandsfreien Infektionsmodus, noch durch die Kühnheit der Schlussfolgerung hinreichend überzeugend wirken.
Demgegenüber betont Schütz-') unter Hinweis auf die exakten Untersuchungen Olts (1. c.) und auf diejenigen mehrerer seiner Assistenten, die den Beweis für die parasitäre Natur der in den Pferdelungen gefundenen grauen durchscheinenden Knötchen er­bracht haben, dass es nicht mehr zulässig sei, dieselben als einen Boweis für das Vorkommen des primären Lungenrotzes anzusehen, oder sie als spontane oder nach der Malleineinspritzung geheilte Produkte der Rotzkrankheit aufzufassen; und Olt (1. c.) weist darauf hin, dass nach den bisherigen Erfahrungen aus den französischen Versuchen folgerichtig nichts anderes geschlossen werden kann, als dass jene in Montoire gefundenen Knötchen nicht auf die Rotz­krankheit zu beziehen seien.
Nun aber liefern Nocard und Leclainche8) neuerdings eine sorgfältige Beschreibung der verschiedenen Knötchen, aus der hervorgeht, dass jene von Olt beschriebenen parasitären Können4) mit ihren als Kotzprodukte betrachteten grauen durchscheinenden — pseudotubercules lytnphoi'des genannten — Knötchen nicht übereinstimmen. Doch vermögen sie für ihre Behauptung der Rotznatur .dieser Knötchen ebenso wenig stringente Beweise bei­zubringen wie früher.
Zwar glaubten sich Leclainche und Montane auf üriuul ihrer histologischen ötudien für die rotzige Natur der Nocard'schen
') Nocard: Sin' la pathogönie do la morvo. Reonell laquo;tc. 1894, S. 325, Derselbe; Transmission de la morvo par los voios digostivos, obcuda S, 307. Uerselbo und Loclaincho: Los maladies mierobionnes (Paris) 1S95. S. 69ü u. f.
3) Schütz: Die grauen etc. Knötchen U. s. w. Archiv f. w. u. pr. Thlerhellkunde, XXI, S. 882 u. f.
3)nbsp; nbsp;Nocard und Loclaincho: Los maladies microbiomios. Paris (bei Massen) IHOf); La morvo 8. 670 und f. und 701, 888,
4)nbsp; nbsp;Die Verfasser beziehen sich auf oino frühere das gleiche Thema bo-handolndo Arbeit Olt.s (Zeitschr. f. Fleisch- und Mllchhyglene IV, 1804, p. 188), die sich Inhaltlich indoss mit der S. igt;4 citirton neuen Publication dieses Autors dockt (vfti. Noc. Loci. I. o. Pussnoto 8, 688).
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Gebilde erklären zu sollen.1) Während Montane'2) sie früher für eine Art von Lymphadenomen hielt, theilen die Forscher später mit, dass es ihnen gemeinschaftlich gelungen sei, durch den mikro­skopischen Nachweis der Rotzbacillen ihre rotzige Natur aufzudecken. Indess haben sie es verabsäumt, den Beweis dafür zu erbringen, dass das, was sie gesehen haben, auch wirklich Rotzbacillen ge­wesen sind. Auch ist mir nicht bekannt, dass diese Angaben be­reits von anderen Seiten bestätigt worden wären. Allerdings er­wähnt Schindelka'#9632;) dass ein mit einem der „bekannten, grauen, durchscheinenden Knötchenquot; intraperitoneal geimpftes Meerschwein­chen an Kotz gestorben sei und dass auch Kartoffelkulturen aus jenen Knötchen gewachsen wären, doch bleibt es zweifelhaft, ob diese Knötchen mit jenen der französischen Autoren identisch waren. Noch weniger kann die Aeussemng Prüs'4), dass die frag­lichen (Jebilde nach seiner Ueberzeugung Hotzknötchen seien, in Betracht kommen, da diese Angabe durch keinerlei thatsächliches Material belegt ist.
Zu beachten ist andererseits, dass sich Nocard und Le-elainche in ihrem mehrfach citirten neuesten Werke (S. 689) über den Bacilleiibefund in diesen Knötchen sehr zurückhaltend dahin äussern, dass ,,dans les pseudo-tubercules lymphoi'des, on ne trouve que de rares bacilles, visibles seulement sur des coupes, apres une technique complette; und dass ihre erfolgreiche Uebertragung auf Impfthiere und ihre Heinzüchtung „deviennent des operations deli-cates et incertaines, en raison de la faible quantite des bacilles et (((ue) Ton peut echouer dans la demonstration de la virslencequot;.
Die Frage der durchscheinenden grauen Knötchen in den Pferdelungen, der pseudo-tubercules lymphoi'des der Franzosen, kann mithin zur Zeit noch nicht als gelöst betrachtet werden.
Wie die Dinge liegen, kann hier nur das Experiment Klarheit
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') Leolainohe et Montana: Sur l'hlstogöne du tnbercule dans la morve ehroniquo. Opts, rend, de la soo. do blol., lloincnote du 4 tüvi-. 1893; — (Xo-card beruft sich In der Debatte, die sicli an den Versuch von Montoire knüpften, unter wörtUchom Abdruck der Sohlussfolgerungen dieser Verfasser auf deren Angaben).
'J) Revue de Toulouse, Janv. 18!)3.
8) Schindolka. BlnlgeErfahrungen etc, I. o, 8,188,
4) Prüs; Uobor die Wirkung dos Mulleins auf das Blut und über seinen diagnostisebon Wertb. Oest. Ztsehr. f. wiss. Vctcriniirkundo VI, 1S04, Heft 2 und 3, S. 10(1—104.
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schaffen und damit zugleich die endgiltige Entscheidung über den Werth der MalleTneinspritzungen herbeiführen.
Wie ich schon erwähnte, hat Nocard versucht, Pferde durch Fütterung mit virulenten Rotzculturen zu inficiren. Diese Pferde haben nach einigen Tagen angefangen, auf MalleTneinspritzungen stark zu reagiren und haben bei ihrer Tüdtung neben Kotzknoten in den verschiedensten Entvvicklungsstadien zahlreiche graue, durch-sdieinende Knötchen, eben jene pseudo-tuhercules lymphoides, ge­zeigt. Nocard will mit diesen Versuchen dreierlei beweisen. Erstens, daas die Verdauungswege eine Eintrittspforte für den Kotzbacillus bilden oder, wie er und Leclainche (1. c.) neuerdings betonen, dass dieser Infektionsmodus überhaupt die Regel sei; zweitens, dass die vorgefundenen pseudo-tubercules lymphoides rotziger Natur seien, und drittens, dass die Zuverlässigkeit des Mallems als Diagnosticum aussei1 Zweifel stehe. Es 1st aber zu beachten, dass jede dieser drei Behauptungen die beiden anderen bereits als feststehende Thatsachen voraussetzt, um selbst als be­wiesen gelten zu können. Als das Resultat der Versuche von Montoire noch die öemüther beunruhigte, suchte Nocard schon in ähnlicher Weise die Rotznatur der fraglichen Knötchen mit der eingetretenen Malleinreaktion, und zu gleicher Zeit umgekehrt die diagnostische Sicherheit des MalleT'ns wieder mit der behaupteten, aber eben nicht bewiesenen Rotznatur jener Knötchen zu erhärten. Ich glaube kaum, dass diese Art der Beweisführung geeignet ist, die Schwierigkeiten zu vermindern und die Frage ihrer Lösung, näher zu bringen.
Wie ich kürzlich auf dem VI. internationalen thierärztlichen Congress in Bern ausführte1), gelingt es unschwer, die Virulenz der Rotzbacillen künstlich bis zu dem Grade abzuschwächen, dass sie bei den Versuchsthieren nur noch einen chronisch verlaufenden und erst nach vielen Wochen, ja nach Monaten zum Tode führen­den Impfrotz erzeugen. Mit diesen Culturen dürfte man zweifellos im Staude sein, bei Pferden alle Veränderungen zu erzeugen, die dem chronischen Rotz eigentluimlich sind, und hierdurch nicht nur dem pathologisch-anatomischen Studium, sondern auch den Mallein­versuchen eine einwandstreie Grundlage zu geben.
^Foth: Die Bourthellung der Malleftireamp;otlon und dio Bedeutung dor MaUefti-Einspi'itzimgen als veterlnftr-polizeil. Massregel. Bericht, erstattet nut' dem VI. Internat, thlerärztl. Congress in licrn, li}.—21. Sept. 18ii5.
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Der Congress schloss sieh dieser Ansicht an und fusste ein­stimmig den Beschluss: es seien die hohen Regierungen zu er­suchen, Mittel zur Verfügung zu stellen, um die endgiltige Ent­scheidung der noch streitigen Fragen durch das einwandsfreie Ex­periment, die künstliche Infektion einer grösseren Anzahl von Pferden mit der Rotzkrankheit und die Prüfung des Malleins an diesen Thieren, herbeizuführen.
Nur so können wir völlige Klarheit über die Pathogenese und die pathologisch-anatomischen Verhältnisse der Kotzkrankheit und in letzter Linie über die Wirkung des Malleins gewinnen.
Es ist kein Zweifel, dass sich dann die Mallein-Einspritzungen noch weit melir als das souverainste Mittel zur Bekämpfung der Kotzkrankheit erweisen werden, als dies schon heute der Fall ist.
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Berlin, Druck von Ailerl Damcke.
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