ocr page 1
ocr page 2
//
ocr page 3
ocr page 4
BIBUOTHEEK UN1VERSITEIT UTRECHT
2911 675 7
ocr page 5
\:
v^
^ . amp;Zs%s$d/ö •
Hofer, Bruno, Ueber Pischkrankheiten. Vortrag . Charlottenburg, 1895.M.fig.8deg;.
V.f.g.1340 (1515)
Overdruk uitt Zeitschrift für Fischerei und deren Hilfswissenschaften. Mitteilungen des Deutschen Fischerei Vereins. 1895. H.3/4.
j.
A
SA
J* ! i
^ 9
ocr page 6
Dr. HolVr: Seitdom clio b1lscUzucUI lj) Dciiiscliluiul dank der zicl-knviisslcii Thtttlgkott der Pisohoroi-Veroino mul drr cllosolbon untarstUtzendon Staatsroglerungen im Laufe der beiden letzten Jalirzehate einen so crlVciiliclion Aufschwiing gönomraen hat, uiuiuMitlieli seitdem die Salmonidömvirtsohaften In grösserer Zahl entataßden sind, ist auch das Bedürfnis, d'w Krankheiten der Fische genauer können zu lernen, um die Mittel zu ihrer Verhütung an der Hand zu haben, immer lebhafter und aiigemeiner empfunden worden.
Worm mit diesem steigenden Bedürfnis der wissenschaftlich gesicherte Bestand unserer Kenntnisse auf diosom Gebiet nicht gleichen Schritt gehalten hat, so liegt die Ursache in folgenden Umständen,
DieTSrkennung und .Erforschung eines grossen, vielleieiitsogar des grössten Teiles der Fisohkrankheiten, —- ich meine die Baktöfteninfektionjen — ist der Wissenschaft erst in der neuesten Zeil durch die I^]utdoelulng• l)e,soiuleror Untersuehuugsmetlioden möglich geworden. Die auf diesoni Oebiot in erster Linie zur Arbeit berufenen Arzte und Tierärzte sind aber bisher, und wohl ebenso noch, für lange Zeit, mit A.ufgaben wichtigerer Natur so stark in Anspruch genommen, dass man denselben keinen Vorwurf daraus machen kann, wenn sie noch keine Zeit gefunden haben, ihre Arbeitskraft den #9632; Erkrankungen der Fische zu widmen.
Eine andere Gruppe von Krauklieiten der Fische kommt in der freien Natur so selten zur BeaijJlcKtüng, dass den Naturforschern das notwendige Material zur Unt6llaquo;Buchung nicht in genügender Menge zur Verfügung steht Diese Krankheiten wie z, B, die durch Sporozoen veranlasston Epidemien, sind ebenso wie auch die meisten Bakterienseuchen in ihrem Vorkommen zumeist auf die Fisehzuehtanstalten und Teichwirtschaften beschränkt, sie sind vielfach das Produkt der Züchtung und Haltung von Fischen auf engem Räume. In den Kreisen der Fischzilehtor in ihren verheerenden Wirkungen sehr wohl bekannt, dringt die Kunde von diesen Krankheiten nur selten von hier in die Öffentlichkeit, noch seltener aber wird genügendes Material zur Untersuchung an die hierzu geeigneten Stollen, z. B. die zoolo­gischen Institute der Universitäten abgeliefert. Man verheimlicht vielmehr nur gar zu oft die Krankheiten aus Furcht, durch die Bekanntgabe derselben dorn guten Ruf der Pisohzuohtanstftlt zu schaden, und mau verhindert da­durch am allermeisten die Erkenming der gerade für die Fischzucht wichtigsten Erkrankungen.
Wenn schon die bisher genannten Umstände den langsamen Fortschritt unserer Kenntnisse, insbesondere den Mangel oilier systematisch durch­gearbeiteten Krankheitslehre der Fische genügend erklären, so darf auch nicht übersehen werden, dass die Erforschung von Krankheiten an sich eine der schwierigsten Aufgaben der Wissenschaft ist. Bedenken wir nur, seit wieviel Jahrhunderten tausende von Mahnern der Wissenschaft in der ganzen zivilisierten Welt sieh dem Studium der Krankheiten des Menschen widmen, und wie gleichwohl noch manche unserer Kranivheitcn, darunter die schwersten Geissein der Menschheit, selbst in ihren Ursachen bisher nicht erkannt worden sind. Dabei stehen noch den Medizinern in ihren
ocr page 7
181
zahlreichen Instituten die grossartigsten und für die Forschung günstigsten liill'sniittel zu Gebote,
Womit muss sicii dagegen der Zoologe bei der Untersuchung einer Kischerkraiikung begnügen?
Für gewöhnlich erhält derselbe einige wenige Fischkadaver meist in bereits fauligem, stinkendem Zustande, welcher eine bakteriologische Untersuchung geradezu ausschllesst, andere Methoden aber zum mindesten nicht erleichtert. Derartiges Heobachtiingsinaterial genügt ja wohl in manchen Fällen zur Entscheidung gewisser Vorfragen. Zur sicheren Er­kennung und gründlichen Erforschung dor meisten Krankheiten bedarf es jedoch eines frischen, ja sogar lebenden Untomichungsmateriales. Wer eine Krankheit in allen ihren Phasen kennen lernen will, der muss das erkrankte Tier vom Fintritt bis zum Ende der Krankholt beobachten können. Bei den Eischen sind hierzu besonders eingerichtete Aquarien und Halter mit genügenden und geeigneten Wasservorräten notwendig, in denen der Verlauf der Erkrankungen beobachtet, in denen Krankheiten experimentell übertragen werden, kurz, in denen alle die mannigfaltigen mit der Erforschung der Krankheit in Beziehung stehenden Versuche vorgenommen worden können, Ja zum Studium dor Krankheiton der Plsoholer und der Fischbrut erscheinen Einrichtungen analog denjenigen unserer Brutanstalten, wenn auch in be­scheidenen Dimensionen unerlässlich.
Mit den soeben genannten Hilfsmitteln sind alle unsere staatlichen, für die Untersuchung von Eiscbkraiikheiten in Erage kommenden Institute entweder garnlcht, oder nur in durchaus unzureichender Weise ausgestattet. In tUesem Mangel ist daher auch ein (irund zu suchen, warum das Studium der Plschkrankhelten es nicht zu einer systematisch ausgebildeten Krank-heitslehre hat bringen können.
In etwas günstigerer Lage belinden sich, was die Ausstattung mit spozlflsohen Hilfsmitteln anbetrifft, die seit kurzer Zeit begründeten bio­logischen Stationen. Von diesen darf daher auch eine Förderung unserer Kenntnisse der Plschkrankhelten erwartet werden,
Sie sehen, meine Herren, dass die änsseren Umstände bishor für die Erforschung der Plschkrankhelten keineswegs als günstige bezeichnet werden dürfen. Gleichwohl Wäre es eine falsche Vorstellung, wenn man behaupten wollte, dass bisher von Seiten der Wissenschaft noch garnichts Nennens­wertes in dieser Richtung geleistet worden wäre. Im Gegenteil, die Wissenschaft hat uns bereits mit der Kenntnis einer bedeutenden Anzahl von Plschkrankhelten resp. deren Ursachen beschenkt.
Gestatten Sie, meine Herren, dass ich Ihnen einen kurzen Abriss über den Umfang unserer gegenwärtigen Kenntnisse auf diesem Gebiete gehen darf.
Krankheiten entstehen bei den Tieren entweder aus äusscron oder in neren Ursachen.
Über die durch Letztere hervorgerufenen sog. konstitutionellen Erkrankungen wissen wir bei den Irischen sehr weiiig. Abgesehen von gewissen bei der Mästung, Bastardierung und Inzucht auf dem Wege der Vererbung entstandenen Missbildungen und Defekten in der Entwicklung der
ocr page 8
— 182 —
Eier und der Brut spielen die konstitutionellen Krankheiten der Fische in unsern Kiscliziichtanlagen auch eine so geringe Holle, dass ihre Kenntnis nicht gerade zu den Bedürfnissen des praktischen Pischzücllters gerechnet werden nmss.
Anders verhält es sich dagegen mit den Krankheiten, welche aus äusseren Ursachen entstellen, und welche, sich In zwei Gruppen zerlegen lassen: Die erste Gruppe umfasst diejenigen Kranklicitcn, welche durch Ver­änderungen der natürlichen äusseren Kxistenzhedingungen der tische her­vorgerufen werden, wie z. B. plötzliche Teniperatiirsteigernngen, Verminderung des Sauerstoffes, chemische oder mechanische Verunreinigungen im Wasser; in die zweite Gruppe dagegen gehören die Infektionskrankheiten, welche durch tierische oder pflanzliche Parasiten verursacht werden.
Über die Erkrankungen aus der ersteu Gruppe besitzen wir leider noch sehr wenige sichere Kenntnisse, da dieselben, wenn sie nicht scharf prononziert auftreten, selten zur Beobachtung gelangen; wir kennen sie meist nur in ihrem Kndstadium, wenn der Tod bereits eingetreten ist, (jlleichwohl sind doch diese Krankheiten weit verbreitet. Gewöhnlich, wo wir industrielle Anlagen haben, welche ihre Abwässer in die Kliisse leiten, geschieht diese Einleitung nicht plötzlich, sondern zumeist in kleinen Portionen um! zu verschiedenen Zeiten, um dadurch die vergiftende Wirkung der Effluvien abzuschwächen. Dieser Umstand dauernder resp. öfter sich wiederholender Verunreinigung der Gewässer führt zu chronischen Erkrankungen der Fische, Ich kann als Beispiel hierzu einen Fall mitteilen, den ich in diesem Sommer zu boohachton Gelegenheit hatte. In einem kleinen Flüsschon Bayerns erkrankten nach Anlage eines Eisenwerks die Fische in eigentümlicherweise sie erblindeten. Es handelte sich namentlich um Aschen und Forellen, welche einige Kilo­meter unterhalb dieses Bisenwerks durchweg in Hunderten von Exemplaren ihrer Augen verlustig gingen. Fine genauere Untersuchung zeigte zunächst auf der Hornhaut- des Auges eine kleine Trübung von etwa '/g Millimeter Durchmesser; untersuchte man dieselbe mikroskopisch, SO sah man, dass das Gewebe an dieser Stelle angeätzt, zerfallen und abgestorben war. Diese kleine Trübung griff immer weiter um sich und namentlich schritt sie nach der Tiefe vor, sodass bei einer oberflächlichen Ausdehnung derTrübung bis zu einem Milli­meter die ganze Hornhaut bereits durchbohrt war. liier setzten nun, sobald das Loch da war, sofort Schimmelpilze an, und In kurzer Zeil war der ganze Augapfel vollständig zerstört, sodass in dem Flusse eine Menge grosser Fische herumschwamm, die statt der Augen blutunterlaufene Uöcher zeigten. Die Fische gingen zunächst nicht an diesen hochgradigen Verletzungen zu Grunde, allein sie verhungerten langsam, da sie ihre, Nahrung nicht mehr sehen und fangen konnten.
Das ist eine, in folge dauernder Verunreinigung des Wassers entstan­dene chronische Erkrankung, hervorgerufen durch Veränderung einer der natürlichen Existenzbedingungen, der Reinheil des Wassers. In die gleiche Kategorie gehört auch eine von Prof. Leu ckart beschriebene Erkrankung der Kiemen, welche dadurch entstanden war. dass aus den Abwässern eines Brauneisenstoinbergworks feine und scharfkantige Brauneisensteinsplitterchen
ocr page 9
188 —
mit dem AtcmwasKci' in die Kiemen der Kisdic hineingerieten, die Ober­haut derselben anritzten, wodurch die Kiemen bluteten, sich entzündeten und den Tod der Fische veranlasstcn.*)
Wie Ich bereits hervorgehoben habe, wird durch die Veränderungen der ilnsseren Existenzbedingungen zumeist der sofortige Tod der Plsohe her­vorgerufen, Über die längere Zeit hindurch andauernden, hierher gehörenden Erkrankungen wissen wir leider sehr wenig, was Sie schon allein aus der Thatsache schhessen können, das der Deutsche Mscherelvereln sich veranlasst gesehen hat, einen Preis von lüoo Mk. zur Förderung unserer Kenntnisse auf diesem Gebiete auszusetzen.
Die zweite Gruppe, welche die am häufigstennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 1.
vorkommenden Krankheiten nmfasst, sind die 1 nf'ek-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .^v -..laquo;..lt;laquo;rraquo;gt;laquo;-^
tlonskrankhelten, veranlasst durch tierische oder pflanzliche Parasiten.
Unter den Tieren giobt es drei Typen, welche als Parasiten auf den Fischen leben: das sind einmal die Urtiere oder Protozoen, d. h. die einzelligen, meist mikroskopisch kleinen, tierischen Organismen, zweitens die niederen Krebse, deren nächste Vor­
wandte als Fischnahrung eine so ausserordehtllch wichtige Rolle spielen, und drittens die Würmer, Vertreter aus allen diesen drei Gruppen werfen sich schmarotzend auf die Fische, entweder indem sie
[ohthyophthirina mnltlflliis
nat. Grosso 0,8 mm. li — Mund, vc = oontraotile Vaonolen, n = (lüi' hnfeisen-form ige Kern.
sich mir auf der Oberfläche der Fische, auf Haut und Kiemen, aufhalten, in welchem Falle sie den Namen Aussen- oder Ektoparaslten tragen, oder indem sie in das Innere des Körpers eindringen und dann Innen- oder Entoparasiton heissen.
Die Zahl der Aussen-Parasiten unter den Protozoen ist eine geringe**), am bekanntesten unter ihnen sind die Arten der „Fischverderberquot;, welche zur Gattung Ichthyophthirius gehören, [chthyophthirlus multililiis (Fig. 1) z, B. ist ein Infusor, welches sich auf der Haut, den Kiemen und Augen der Fische aufhält und hier kleine ca. l/2 mm grosse weissliche Knötchen verursacht, in deren Innerem die Tiere unter Zerstörung der umgebenden Zellen leben. Die Zahl der Knötchen kann zuweilen mehrere Hundert betragen, sodass der ganze Körper eines Fisches damit bedeckt erscheint. Stehen die Knötchen sehr dicht, so lliessen sie zu grösseren Flecken zusammen. Dann sieht der kranke Fisch ganz weissgelleckt aus. Die Oberhaut, welche wohl
-
*) Nenerdings hat, Prof. MojsisoTics in Graz eine gleichfalls duroh meohanisohe Vor-miroinigmig des Wassers, und zwar durch l'apiermasse verursachte Fiselierkrankung be-silirieben (of. Jahresbericht dos Steierm. K-V. 1894. siehe auch Allg.-Fisch.-Ztg. No. 13 pro 18951. Die im Wasser treibende Masse bedeckte die Oberfläche der Kiemen, wodurch dieselben an der Alhmung verhindert wurden und die Fische im Verlauf von ca. 8 Tagen an „Aniiniiequot; eingingen,
*#9830;) Es sind bisher hauptsächlich beobachtet: Trichodina pediculus, lebthyopbthirius multililiis, lebt, cryptostomns, Chromatophagus parasiticus, Ohllodon piscicola, Bodo nocator Tetramitus Nitsobei,
ocr page 10
184 —
unter dem fortwährend on Reiz und der Entiündung viel Bolüelm sooeralort, unterliegt sohllessllcli den zahllosen Angriffen und löst sich in Kotzen ab, Die Fische verlieren unter dem Elnfluss dieser Erkrankung Ihre Presslust, magern ab und gehen In kurzer Zeit zu Grunde, Bei manchen Fischen worden zuweilen die Flossen geschlitzt, ihrer Oberhaut entblösst, sodaag die Knochenstrahlen frei herausstehen, [ch konnte das wiederholt an grosseu Earpfen beobachten, welche leb zu bestimmten Zwecken In Aquarien hielt, mul bei welchen diese Erkrankung Im Laufe einiger Zelt wiederholt auftrat und von selbst wieder versebwand. Scbleierscbwanzliscbo, die in Folge dessen nicht mehr schwimmen können, gehen jedoch daran zu Grunde. pij„ 2.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wenn die durch Jcbtiryophthirius bei-
gebrachten Verletzungen der Maut nicht
zahlreich sind, so genloron sie als solche einen erwachsenen Fisch im Allge­meinen wenig, allein die erkrankten Gewobsslellon der Oberhaut sind nicht mehr im Stande, gegenüber denSclnmmel-jiilzcn sich abwehrend zu verlialtcn, sodass sie oft der Ausgangspunkt von Wucherungen der Letzteren werden, und somit indirekt den Tod der Fische veranlassen. Besonders gefährlich sind dagegen diese Kiscbvcnlerber der Fisch­brut, Es Ist mir bekannt geworden, dass in diesem Sommer eine bedeutende
Fischzuchtanstalt einen grossen Teil
[chthyophthirinsoyste, iius vvelchei' die jungen 0,03 — 0,04 mm gvossen Tiere (a, b)
iin.sscliliipt'en.
ihrerBacbsaihlingsbrut durch Ichthyoph-thirius verloren hat. Am häufigsten
wird die Krankheit an den Aquarien-Aschen beobachtet, was aber wohl daran liegt, dass sie da am leichtesten der Beobachtung zugänglich Ist.*) In der freien Natur sind die Parasiten weit verbreitet, besonders an Oyprinolden, aber auch an Salmoniden und Welsen. -Jedoch sind grösserc durch dieselben verursachte Verluste an Fischen Im Freien noch nicht sicher bekannt geworden.
Man hat bereits den nicht erfolglosen Versuch gemacht, Aquarienfische, und Brut, die an Ichthyophthirius litten, von ihrer Krankheit zu befreien, Bio zur Bekämpfung der Krankheit angewandten Mittel setzen die Kenntnis der Entwiokelungswelse dieses Infusors voraus, weshalb hierüber einige An­gaben folgen mögen.
*) Die Ichthyophthirius-Krankhelt von Dr. W, Weltner in: Blftttor für Aquarien- and Terrarioiiknmle, VI. Band ls^i No. I, Verlag Kretschmann-Magdeburg. In dieser Arbeit ist auch die Literatur liierüber zusammengdfiisst.
Vergl. ferner: Infusorien uls Hautparasiten bei Fisohen, von Dr. 0. Zaoharias, Zeit­schrift für Fischerei, 1894 No. , pug. 153 ff.
lieber einen neuen Hantparasiton (Tetramitus Nitschei) an (Joldlisehen, von P. Nitsohe und Dr. W. Wetner. Zentralbl. für Bact. n. Parasltenknnde, 1894 No. I.
ocr page 11
— 185 —
Iclithyoplithirius pflanzt sich auf zweierlei Woiso fort, indem er sich wie die meisten freilebenden Infusorien einfach in zwei Hälften toilt u. s. w., oder, Indem er sich mit einer festen Haut, einer sog. Oyste, umglebt, und nun Innerhalb der C'yste in 24 Stunden in mehrere Hundert, ja bis zu 1000 Teiistückeii zerfällt (Flg. 2), welche zu gleicher Zelt ausschliipfon. Dio letztere Fortpflanzungsart 1st die Regel hei den in der Fischhaut schltiarotzenden Tieren, während die erstere lusher nur bei den frei im Wasser umlierschwiuunenden Formen beobachtet wurde. Bei den Versuchen, ichthyophthirius zu vertilgen, hat es sich nun herausgestellt, dass es nicht gelang, die Parasiten zu vernichten, so lange sie in den Hautpustoln und von diesen geschützt, verweilen. Da sie aber bei ihrer Fortpflanzung voll­ständig in ihre Sprösslinge aufgelöst werden, welche die Pusteln verlassen, so kam es darauf an, gegen die jungen, frei im Wasser schwärmenden Infusorien vorzugehen. Dies gelang dem amerikan. Forscher Stiles*), indem er die erkrankten Fische In ein tiefes Aquarium setzte, auf dessen Boden eine Schicht Salz lag. Dadurch entstand eine von unten nach oben zu an Stärke abnehmende Salzlösung, in deren oberen Schichten sich die Fische gewöhnlich aufhielten, gelegentlich aber auch In die tieferen kon­zentrierten Schichten ohne Schaden herabstiegen. Die von den Fischen aus­wandernden Infusorien wurden aber durch die stärkere Salzlösung getötet. So konnte Stiles z. B. Forellen innerhalb 14 Tagen von den Parasiten grossentells befreien.
In ähnlicher Weise wirkten, jedoch nicht immer ohne Schaden für die Fische, zwei dem Aquarienwasser zugesetzte Farbstoffe Methylenblau und Eosin in sein- dünner Lösung.
Die übrigen als Fischparasiten beschriebenen Infusorien sind als Krankheitserreger in ihren ursächlichen Wirkungen noch nicht, völlig sicher erkannt. Ich begnüge mich daher hier mit einem Hinweis auf die unten aufgeführte Literatur.**) —
Die zweite (Inippe der tierischen Fktoparasiten stellen die niederen Krebse dar, welche zu den Ordnungen der Spaltfüssler oder Oopepoden und ZU den Prancliiuren gehören.
Die Spaltfüssler (Eedner demonstriert davon einige Abbildungen) sind Ihnen namentlich in den Vertretern der Gattung Oyclops gewiss allgemein bekannt, da diese sog. Büpferllnge einmal in nahezu sämtlichen ({ewässern off in Ungeheuern Massen vorkommen, andrerseits sowohl für die Jungbrut als auch für manche erwachsenen Fische (Karpfen, Renken, Saiblinge) die vorzüglichste Nahrung darstellen.
Zu dieser als Fischnahrung so wichtigen Tiergruppe gehören nun eine beträchtliche Zahl von parasitisch lebenden Formen, denen Sie au ihrer äusseren Gestalt wohl kaum die Zugehörigkeit zu den Spallfiisslern ansehen würden, so sehr hat die parasitische Lebensweise ihre ursprüngliche Körper-
*) Stilus: Report on a ParoBitio Protozoon observed on the Pish. Fish Bull. II. S Commission 1803 pag. 17:i ff.
' #9632;) [lennoguy! Note snr an tnfasoise flagellä ectoparasite de In Tniije Arch. zool. exp r. gen. (2. Ser.) lid. II 1884-.
ocr page 12
186 —
form verändert. Statt des normalen, ähnlich wie bei unserem Flusskrebs, in einzelne Binge] odor Glieder abgeteilten Körpers finden Sie den Leib Z. B. nur am hinteren Ende noch segmentiert, vorne aber mehr oder minder bauchig aufgetrieben (z, B. Ergasilus Sieboldli von den EQemen der Weiss-lische, Flg. 8), oder der Körper ist gänzlich ungegliedert und wurmförmig gestaltet (z. B, bei Lernaeocera c.vprinacea Plg. 4). Während ferner die freilebenden Spalt fussier an ihrem vorderen Körper zwei lange Buderantennon zum Zwecke der Portbewegung tragen, sind diese Q-eMlde bei den festsitzenden Parasiten meist zu kräftigen Klammerhaken umgebildet. Auch die normaler­weise kauenden TMundteile sind gewöhnlich in Stechwerkzeuge oder Saug­rüssel verwandelt.
big,
Fig. 4.
raquo;*.
jj .-raquo;•^#9632;^Traquo;,..
Kopf
Eier-
siieke
ErgasllnB Sieboldli nat. Grosse 1—2 mm.
Lei'iiaeocera oyprlnaoea nat. Grösse 1 —2 cm.
Am meisten verraten diese zuweilen zu ganz unförmigen kleinen Klumpen verunstalteten Parasiten Ihre Zugehörigkoii zu den Spaltfüsslern dadurch, dass die VVeibcbcn an ihrem hinteren Körperende ihre Eier in zwei bisweilen Über I cm langen, wurstförniigcn, oft mit Hunderten von Eiern gefüllten Säckchen tragen, aus denen zumeist Larven ausschlüpfen, sog, Nauplien, welche im
Wasser eine Zeit
anlaquo;
frei herninsclnvimmen, unter mehrmaligen Häutungen
ocr page 13
187
sodann ihre Körpergcstalt dor ihrer Eltern annähernd verändern, his sie sich [dann auf Irgend einem PIsoh, sei es auf den Kiemen oder auf dor Haut, festsetzen.
Es würde mich viel vai weit führen, wollte ich Ihnen liier oirio um­fassende Aufzählung aller der hierher gehörenden und auf den tischen schmarotzenden Formen gehen. Ich begnüge mich daher, Ihnen einzelne der namentlich l)oi unseren einheimischen Süsswasserflsohen am häufigsten be­obachteten Parasiten zu nennen.
Unter den Spaltfüsslern mit stechenden Mund-
Fiy. 5.
teilen ist wohl der gemeinste Ergasilus Sleboldll (Flg. 8), den Sie in einzelnen Exemplaren sehr oft auf den Kiemen unserer Weisslische wahrnehmen können.
Mit einem Säugrüssel ausgestattet, sind tue Arten der Gattung Lcrnaeocera (Flg. 4) z. 15. L, oyprinaoea, L. esoolna von den Kiemen der karpfenartigen Fische und des Hechts, leicht kenntlich an ihrem mit vier kreuzweise ange­ordneten Fortsätzen versehenen Kopf. Hierher gehört auch Achtheros percarum (Fig. b) aus den Kiemen und der Bachenhöhle dos Barsches, kenntlich an seinem breiten sackförmigen Leib und zwei mächtigen Doppelarmen am Vorderende mit Haftkolben ans chitiuhaltiger Substanz an der Spitze, welche tief in die Gewebe des Wirtes ein­geschlagen werden.
Nahe verwandt mit den Spaltfüsslern sind die Branohluren, von denen in unsorn Gewässern nur die Familie der Argulidoii oder Karpfenläuse vorkommt, z. 15. Argulus foliaceus (Fig. (i) auf der
Ilaut desKarpfens, des Stichlings, Arg.Coregonl auf Coregonen. Die Karplenläuse sind sehr leicht an
AWitheros percamm mit. (JWisso 2—3 nmi.
ihrem ca. 8—12 mm grossen, blattartig verbreiterten
und ganz Ilachen Körper zu erkennen, welcher ein Paar grosser Augen trägt
Ul seinem Kopfende aassen sind zu einer
Saugröhre umgebildet und vor derselben befindet sieh ein vorstiilpharer Stachel, in welchem eine Giftdrüse mündet. Zur Seite des Mundes sitzen ein Paar grosser Saugnäpfe und dahinter ein Paar Klammerfüsse und vier Sehwimiufusspaare. Die Karpfenläuse tragen ihre Bier nicht wie die vorhergenannten Spaltfüssler in lOiersiiekelien an ihrem Körper mit herum, sondern kleben dieselben vom Frühjahr bis Herbst als Laich an Wasserpflanzen etc. an, wo nach ca. vier Wochen die jungen Tiere ausschlüpfen, im Wasser umhersohwärmen, bis sie sich auf der Haut eines Fisches festsetzen und nach weitereu fünf bis sechs Wochen geschlechtsreli werden. Sie schwimmen zum Zweck der Begattung frei im Wasser umher, sodasa man sie daher oft auch mit leinen Netzen vom Frühjahr bis in den Herbt im Wasser fangen kann.
ocr page 14
188 —
übrigens sind die Karpfenliluso auch die einzigen parasitlsohdH Krebse, welche Wochen lang ohne Nahrung, d, h. ohno auf Ihren Wirten zu schmarotzen, frei im Wasser lohen können, während die verlier genannten schon nach wenigen Tagen ZU (Jrmule, gehen, wenn sie von Ihren Wirten entfernt werden. Auch die jungen Larven der Letzteren, die sog. Xaupiien, können nur wenige Tage frei leben und gellen zu (Jrunde, wenn sie keinen passenden Wirt linden.
Wenn Sie nun, nieine Herren, die Frage steilen, in wie weit die para­sitischen Krebse unsorn Fischen gefährlich werden können, so ist darauf zu antworten, dass dieselben trotz ihrer weiten Verbreitung im Allgemeinen keinen grossen Schaden anrichten, sondern solange sie nur in einzelnen
Exemplaren auf einem Fisch leben, gewöhnlich PlK' (i-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ohne sichtbare Nachteile ertragen werden. Anders
verhält sich dagegen die Schädlichkeit der ge­nannten Parasiten, wenn denselben die Q-elegenheit geboten wird, sich massenlialt zu entwickeln, wozu sie bei ihrer enormen Fruchtbarkeit besonders in der warmen .Jahreszeit nur weniger Wochen be­dürfen.
Dann können unter Umständen grosse Fisch-bestände sowohl in der freien Natur, wie in unseren Anlagen der Vernichtung anheimfallen. So wurde z. Pgt;. zu Anfang der 80er .Jahre in einem See bei Lötzen in Ostpreussen nahezu der ganze, nach vielen Zentnern zählende Bestand an Schleien im Verlauf von ca. 8 Wochen nach den
Argnlua foUaoens
mit. (iriisse '/., am.
1) — Mund, ii = Stechrflssel,
c =l)anii, a1 = Aiitcmie p1—-p4
= Heine, pm1 = Sangnapf, il =
Schwanz.
Untersuchungen von Uenecke durch Lernaeocera cyprinacea zu Grunde gerichtet. Eine abnorm hohe und andauernde Wärme hatte die Schleihen in den Zustand des Sommerschlafes versetzt, sodass die Fische völlig regungslos im Wasser standen und
leicht mit der liaml gefangen werden konnten,
Di
e von den in dem See
jedenfalls schon stets in einzelnen Exemplaren
vorhandenen Lernaeoceren abgesetzte, sehr zahlreiche Jungbrut konnte sich dabei' mühelos auf den Kiemen der imbewcglicben Schleihen festsetzen, sodass manche Kiemen ganz dicht damit bedeckt waren und von den blut-saugenden Schmarotzern völlig zerstört wurden, sodass die Schleihen binnen kurzem umkamen.
Derartige Fälle kommen jedenfalls nicht vereinzoll vor. wenn sie auch nicht immer bekannt werden. Auch von Krgasilus Sieboldü berichtet iienecke, dass in Folge ihres massenhaften Auftretens in Teichwirtschaften eine grosse Sterblichkeit unter den Karpfen beobachtet sein soll.
Ich möchte Ihnen hier noch einen andern Fall eines erheblichen Fisch­sterbens unter dm Forollen einer Fischzuchtanstalt mitteilen, welcher durch
den bis 1 ,'2 cm langen Argnlus Coregoni veranlasst wurde und in so fern
ocr page 15
189
Interessant Ist, als das Vorkommen dieser Solimarotzor auf Bachforellen in grösserom Maassstabo vorher nicht bekannt war.
In der betr. Anstalt war frllher das Auftreten von Argullden nicht beobachtet worden, es schien wahrscheinlich, dass dieser Parasit mit einem Import auswärtiger Forellen eingeschleppt worden war. Jedenfalls verbreiteten sich die Karpfonläuso über eine nach Hunderten zählende Menge von Porollen und verursachten auf der Haut derselben zahlreiche und sogar recht erhebliche Verletzungen, Besonders unter den Brustflossen, von wo die Fische ihre, Parasiten nicht gut durch Reiben an Steinen etc. abstreifen konnten, haben dieselben ca. orbsengrosse Löcher in die Haut ge­fressen und dadurch den Tod vieler Porellen veranlasst.
Sie werden vielleicht hier schon die Präge stellen, welche, Mittel wir denn Indien, um gegen diese ektoparasltlschen Krebse einzuschreiten.
Wenn es sich um Karpi'enläuse handelt, d. h. so grosse und nur locker auf der Haut befostigto Parasiten, dann ist es sehr gut möglich, die Fische durch sorgfältiges Abbürsten der Haut mit einer weichen Bürste davon zu befreien. In dem oben initgeteilton Pali wandte der betr. Pischzücher dieses Mittel mit Erfolg an. Indessen blich das Wässer seiner Teiche immer noch infiziert, da ja die Karpfenläuse wochenlang im Wasser, ohne zu schmarotzen, frei herumschwimmen können. Um dieselben zu vertilgen, muss daher ein Teich abgelassen und trocken gelogt werden. Dieses Mittel genügt voll­ständig, um mit Sicherholt alle Karpfenläuso zu töten, da dieselben keine Ein­richtungen besitzen, um sich gegen das Austrocknen eines Gewässers zu schützen. Das so beliebte Kalken oder Ausbrennen des Teichbodens ist hier nicht notwendig, schadet aber natürlich auch nichts. Um übrigens dem Überhandnehmen von Karpfenläusen in Salmonidenbrutteiehen Einhalt zu thun, möchte ich den Versuch empfehlen, so wie einige Parasiten beobachtet werden, sogleich Pfrillen (Phoxlnus laevis) in die Teiche zu setzen. Die Pfrille oder Bllritze Ist nämlich einer der wenigen Fische, welche den Karpfenläusen nachstellt und selbst nur wenig und selten davon befallen wird, während viele andere Fische denselben, wie man besonders in Aquarien beobachten kann, ängstlich auszuweichen suchen, sobald sie die Karpfenläuse erblicken.
Handelt es sich um eine Erkrankung durch einen der andern genannten, in den Kiemen lebenden Krobsparasiten, SO ist eine mechanische Entfernung derselben nicht möglich, ohne das Leben der Pische zu gefährden. Dagegen Ist es leicht, in den Infizierten Teichen die Parasiten zu vernichten, sofern es nur gelingt, sämtliche Fische aus dem Teiche herauszufangeu. Die genannten Krebsparasiten. sowie ihre Jugendstadien sind gänzlich aussei' Stande, auch nur länger als einige Tage, ohne zu schmarotzen, leben zu können. In einem Wasser, in welchem also auch nur für die Dauer von 1—2 Wochen keimlaquo; Fische vorhanden sind, sterben die bezeichneten parasitischen Krebse unfehlbar ab. ohne dass man nötig hat, die Teiche völlig trocken zu legen. Selbstverständlich dürfen die alten, infizierten Fische nicht wieder in die Teiche zurückgesetzt, sondern müssen verbraucht werden.
ocr page 16
— 190 —
Kill Mittel, lt;lii' parasitisohon Krebse von don Kicnuiii der Fische wog'-zubrlngon, glebt os nicht,
Zu den auf Fischen lebenden Ektoparaslton stellen drittens die Würmer eine beträchtliche Zahl von Repräsentanten, welche zu den Ord­nungen der Saugwürmer oder Tromatodon und der Blutegel oder liiriidiiioeii gehören,
Die Saugwürmer besitzen gewöhnlich einen platten, ungegliederten Eörper, weicher zur Befestigung am Wirt mit Saugnöpfen und oft noch mit Hacken ausgerüstet ist. Sie haben einen gegabelten Darmkanal ohne After und sind zwittrig mit sehr kompliziert gebautem Gcscldechtsapparat.
Pig,
Pis:. 8.
Solvwansssolielbe mit lliiflu-n
Diplozoon parailoxiini mit. (irössu: 0,5— 10 mm.
Gyrodaotylus elegans
nat. Orösso 0,6 mm,
Unter den hierher gehörenden Formen sind am bekanntesten die Arten der Gattungen Diplozoon, Clyrodactylus und Dactylogyrus,
Diplozoon paradoxum, das merkwürdige Doppeltier, welches, um ge-sohleohtsreif werden zu können, durch kreuzweise Verwachsung zweier Einzeitiere entsteht (Fig. 7), ist ein häufig an den Kiemen zahlreicher Süss-waaserfische (Quappe, Pfrille, Blei etc.) schmarotzender Parasit, von dem allerdings noch nicht, bekannt geworden ist, dass derselbe trotz seiner weiten Verbreitung ein grösscres Fiscbsterben veranlasst bat.
Ebenso hat man noch nicht erfahren, dass (iyrodact.ylus.. elegans (Fig. 8) und die verschiedenen Arten der (iattung Dactylogyrus in der freien Natur und an erwachsenen Fischen grösseren Schaden angerichtet haben.
Dagegen sind die letztgenannten Parasiten als nicht ungefährliche Schädlinge wiederholt an Aquarienfischen und auch in Brutanstalten be­obachtet worden. Hierüber hat besonders der Verein für Acpiarien- und Terrarienkunde „Tritonquot; in Berlin dos öfteren in seiner Vereinsschrift be­richtet und sich auch damit beschäftigt, diese Parasiten, allerdings noch nicht mit durchschlagendem Erfolg, zu vertilgen.*)
*1 Der Vorsitzende dieses Vereins, Herr Paul Nitsche in Berlin, hat als das relativ beste Mittel, die Anwendung von Salicylsilnre, zuerst empfohlen. Mit derselben hat namentlich
ocr page 17
— 191
Da die lotztgenannten bilden Ektoparasiton auch in Brutanstalten aufgetreten sind, (z. B. an Porellönbrlit) so seien liier einige Bemerkungen üher ilir(5 Entwicklung angefügt, um danaoli lt;lilt;i eventuellen Mittel zur Reinigung der Bruttelcbe otc. olnzurlohten,
Qyrodaotylus elegans legt keine Rier ab, sondern ist lebendig gebfthrend. Sehr merkwürdig ist dabei der Umstand, dass die jungen Tiere, ehe sie gehören werden, schon selbst in ihrem Fruclithäiter einen Sprössllng be­herbergen, ja dass zuweilen sogar In diesem Enkel schon ein Urenkel steckt, sodass In einem öyrodaetylus mitunter schon 4 Q-enerationen eingeschachtelt sein können. Die jungen Tiere kriechen unmittelbar mich Ihrer (loburt lebhaft umher und siedeln sich entweder sofort an demselben PIsch oder auf anderen Individuen an. Jedoch müssen sie in kurzer Zeit einen neuen Wirt erreichen, andernfalls gehen sie zudrunde, da sie die Entfernung von Ihrem Wirte nur wenige Tage aushalten.
Wenn daher in einem Ihutteich Qyr. elegans an den Kiemen oder auf der Haut der Brut auftritt, so ist es notwendig, die gesamte Brut sorgiiiltig auszufischen und den Teich ca. 8—14 Tage unbesetzt zu lassen. Uebertlüssig und nur kostspielig wäre es dagegen, den Teich völlig trocken zu legen und zu kalken. Bleiben beim Abfischen des Teiches, rosp. beim Ablassen des Wassers im Bodensatz einige Stücke der Brut zurück, welche daselbst zu Grunde gehen, so stirbt mit den Fischen auch der Parasit schnell ab.
Herr Hübner in Thalmühle erfolgrelohe Versuche angestellt und die Prenndliohkeit gehabt, mir darüber nachstehende Mitteilungen zugehen za lassen:
„Um wertvolle, karpfenartige Zierflsohe (Japanische Schleierschwänze und dgl.) fon dem auf der Schleimhaut und den Flossen haftenden Qyrodautyius zu befreien, lese ich Salicylstlurepnlver in Wasser, weloheskelnenstark'enEisengehalt haben darf, auf und zwar soviel, als das Wasser bei einer Temperatur von 15 1,'. aufnimmt. Von dieser Lösung kommt 1 btr. zu 20 Litern Wasser von möglichst gleicher Temperatur und hier hinein werden die er­krankten fische gesetzt. Von Stunde zu Stunde wird je ein Liter Salicyllösnug- weiter zu dem Wasser gethan, bis dasselbe ungefähr 5 zu 20 sich verhält. Hierbei sind die Fische gut zu beobachten. Dieselben komnu'ii nach der Oberfläche, schnappen nach Luft und fühlen sich augenscheinlich sehr unbehaglioh. I'm sieh von dem Erfolg zu überzeugen, bringt man ein Stückchen tier Schleimhaut eines Flsohchens, an weichein die Parasiten haften, unter das Mikroskop und sobald sieh herausstellt, dass der Ciyrodaelylns scheinbar tot und dunkler gefärbt ist, sollen die Fische noch '/., Stunde in dem scharfen Wasser bleiben, damit die Parasiten sich später nicht wieder erholen, Werden die Pischo jedoch schon vorher schwach, dann ist keine Zeit ZU verlieren, sondern dieselben sind in ganz reines Wasser von gleicher Temperatur ZU bringen, wo sie sich bald kräftigen. — in gleicher Weise ist derselbe Schmarotzer wie auch Dactylogyrns uns den Kiemen der Fische zu entfernen, nur ist die Kontrole hier .schwieriger; es wird dabei nötig, einige Versuchstiere zu opfern.
In dieser Weise ist es mir häutig gelungen, ältere Fische sowie auch junge, i Wochen alte Brut von diesen beiden Parasiten zu befreien.
Zuchtflsobfl fühlten sich besonders wohl nach solchem Bade, was daraus ZU schliessen ist, dass am 2 oder 3 Tage danach das Laichgesehät't begann. Nichl Imitier aber geht es ohne Verluste ab, das geringste Verschen, namentlich bei der Brut tötet die Fische sogleich oder lässt dieselben an den Folgen, wahrscheinlich Beschädigung der Kiemen, eingehen. Es ist daher sehr riltlich, bis 8 Tage lang nach dem Bade für ein äusserst klares, sauer-stoffreiobes Wasser zu sorgen.
Auch eine Behandlung dieser Parasiten mit überniangausaurem Kali ergiobt gute Resultate.quot;
ocr page 18
192
Die ca. 20 bisher beschriebenen Arten der Gattung Dactylogyrus, weiche sich von dem blinden und nur mit 2 Koplzipieln versehenen Oyro-dactylus durch den Besitz von 4 Augen und 4 Kopfzipfoin unter­scheiden, legen dagegen Eier, welche an den Kiemen der Fische befestigt werden. (Jeher die Zeit ihr Entwioklung, resp. ob dieselben den Tod ihrer Träger Überdauern können, ist noch nichts Sicheres bekannt, Erwachsene Dactylogyren gehen sehr bald zu Grunde, wenn sie von den Kiemen der Fische entfernt werden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird auch hier ein Trokenlegen der Teiche ohne Weiteres die Vertilgung dieser Parasiten resp, ihrer Eier im Gefolge haben.
Aus dein Kreise der Würmer haben wir nun noch der wohl allen Fischzüchtern bekannten Fischegel zu gedenken, welche zur Familie der
Blutegel, speziell der KMlsselegel gehören. Die
Fh
Fischegel sind zwar nicht in demselben Sinne wie die bisher genannten Schmarotzer dauernde, sondern mir vorübergehende Parasiten, welche auch t'rei-schwinimend, oder unter Steinen, oder an IMlanzcii verstockt im Wasser leben und nur von Zeit zu Zeit Fische beiallen, um aus denselben Blut ZU saugen.
Die verschiedenen bisher an Süsswasseriisclion beschriebenen Varietäten gehören alle zu der einen
Pisoicola piscium nut. (iiösslaquo; 2 -4 cm.
in Europa vorkonunondon Art
Plscicola pisoium
#9632;#9632;eometraj (Fig. 0).
von trrUnffrauor Grundfarbe
Dieselbe ist ein 2—4 cm
mit feinen braunen Punkten und reihenweise gestellten hellen länglichen Flecken. Wie alle Blutegel, hat auch der Fischegel am Vorderende einen kleineren, von der Mundöffnung durchbohrten Saugnapf und am Hinterendo eine etwa doppelt so grosse Haftscheibe. Aus der Mundhöhle kann ein kräftiger Rüssel zum Schlagen der Wunde hervorgestülpt werden. Die Tiere legen kleine, gelbrote, längs gestreifte Cocons, welche sowolil auf der Haut der Fische, als auch an anderen festen Objekten unter Wasser angeheftet werden, nicht aber wie in manchen Lehrbüchern der Fischzucht, zu lesen ist, analog den Cocons des medizinischen Blutegels in der Erde, über dem Wasserspiegel zur Ablage kommen. Im Wasser spielt sich auch die ganze Entwicklung der Pischegel ab, welche überhaupt zu keiner Zeit ihres Lebens sich ausserhalb desselben, etwa in feuchter^rde etc. aufhalten. Die Pischegel linden sich hauptsäclilich auf der Haut der Karpfen, Schleihen, Barben, Hechte, sind aber auch bei Forellen und beim Lachs be­obachtet worden. Treten dieselben nur in geringer Zahl auf, so verursachen sie den Fischen keinen besonderen Schaden, obwohl die Stellen, an denen ein Pischegel mit seinem Mundsaugnapl angeheftet war. blutig und ent­zündet zurückbleiben und den Schimmel-Pilzen günstige Angriffspunkte dar­bieten. Treten die Fischegel jedoch in einem Teiche in grösserer Zahl auf, (Fig. 10) so plagen sie die Fische sehr heftig, so dass dieselben vor Schmerzen wie wild im Wasser umberschiessen oder sogar aus demselben herausspringen' oft aber von ihren Quälgeistern getötet werden.
ocr page 19
laquo;
~*
209
luic'li dem Tode abgeßandt, öitodorn t'.rsi, wenn sio halb verwest sind; viel-Incli olmc yörliorgohondo Bonaohrlohtlgung; Uäuflg gonufe erfälirt man auch garniohtamp; über den Uml'nn^ und die Symptome der Kraukheit. Sind, mir doch wiedefholt 1—2 todte Fische, in Papier gewickelt, als faulende, stinkende Kadaver mit der lakonischen Bemerkung zugegangen: „Ich bitte mii1 mitzutoilen, woran diese Fische gestorben sind.quot; In den seltensten Fällen jedoch, mit einzelnen rühmenswerten Ausnahmen, entschliesst man sich zu dem Opfer, lebende kranke Fische einzusenden, obwohl es öfters notwendig ist, auch lebendes Untersucliungsmaterial zur Verfügung zu haben.
Unter solchen Umständen darf man sich nicht wundern, wenn viele Forscher zu der immerhin einen erheblichen Aufwand an Zeit und Arbeit erheischenden Untersuchung- nicht zu haben sind.
quot;Wenn dagegen die Fischzüchterkreise allgemein bereit sein werden, Ihrerseits für geeignetes Untersucliungsmaterial Sorge zu tragen, auch auf die Gefahr hin, davon keinen momentanen Vorteil für sich zu haben, und wenn alle grösseren Fischerkrankungen an geeigneter Stelle bekannt ge­gebenwerden, sodürfenwirniitSicherheit erwarten, dassdurch dieses Zusammen­wirken der Praxis mit der Wissenschaft auch ein schnelleres Tempo in die weitere Bntwickelung unserer Kenntnisse von den Krankheiten der Pische kommen wird.
gt;/.
ocr page 20
'
ocr page 21
IlKi
Eine gewisse Abhilfe ist dadurch tnöglloh, dßäa man in die Teiche cini^ grössere Steine wirft, an denen sich die Pisclie durch Soheuern von ihren Parasiten zu befreien suchen. Die vollständige Reinigung eines Teiches ist jedoch nur dadurcli möglich, dass niiin den Teich trocken legt mid kalkt, um durch die Kalklaugo die Tiere und die Cocons, resp. die darin beflndlichon EJier der Pischogel abzutöten.
Piff. Id.
Hiermit hätten wir die
hau linsten der an unsern SUsswasserflschen bekannten ektoparasitischen Schma­rotzer genannt, namentlich soweit, als sich (lurch die­selben eine Schädigung grosser Bestände von Fischen oder Fischbrut hat nach­weisen lassen können.
ungleich zahlreicher an Arten und zum Teil auch viel gefährlicherist die zweite grosse Gruppe von Schma­
Ein Karpfen mit ssahlreicliQii Pisohoffeln.
rotzern, die sog. Innen-
oder Entoparaslton, zu
welcher die Einzölligen oder Protozoen und die Würmer ein Heer
von Vertretern stellen.
Unter den Protozoen sind es die ausschliesslich parasitisch lebenden
Sporentioro oder Sporozoen (vielfach auch als Qregarinen bezeichnet),
welche Bauptsächlich bei den
Fiff. 11.
Gyprinoiden, wie den Barben,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i',quot;^ quot;#9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l''iquot;' l2'
Karpfen,Schleien etc. vorkommen. aber auch bei anderen Fischen, wie den Sticllllngen, Hechten.
CZv
1lt;*1
#9632;#9632;*#9632;..
Zaudern etc. und verschiedenen Salmoniden. Porollen, Bachsaib-Hngen, Regenbogenforellen beob-achtel worden sind. Man fasst
Myxidinm
pioboi'ktthnii
vom FTechl
nat.Gr.bisO.öjmn.
'3
Myxdsporidlo uns ilcr Gallenblase
der Qnappe mit. (ir o,J imii.
die zahlreichen als Pischparasiten bekannten Sporozoen unter dem Namen Mvxosporidieu zu­
sammen.
Die M.vxosporidien sind gewöhnlteh amöhenarti^e. d. h. ihrer (iestalt nach uaregolmässigg und voränderliclie mikroskopisch kleine. Iiiiuiin- gelb gefärbte Plusmakörperchon, In deren Innern sich eine gtosse Zald quot;von äusserst reinen Kernen findet (Pig, 11 und Fig.' 12). In dieser (iestalt, oder auch in eine feine oder derbere Hülle die sog. Cystcuhaut eingeschlossen. findet man dieselben in allen Organen der Fische, hauptsächlich in der
13
ocr page 22
194
Niere und Mil/, aber auch Im Darm, der Leber, den Ovarfen, Muskeln, Kiemen, der Haut, dem Herzen, dem Blut, den Nerven und im Gehirn. Ent­weder liegen sie nur einzeln zerstreut In den genannten Organen oder in Haufen bei einander, Kodass sie dann wie /.. !'). bei der Barbe oder Plötze (Fiji-. 13) iuisserlieh leicht sichtbare grosse Beulen verursachen können.
Im Innern dieser Myxospo-l''1- 13,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ridien lindet mall nun fast stets
.^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;melirere Sporen, die früher unter
dem Xiimen I'snnispenuieu bo-
Icannl waren. Es sind sehr kleine
(0.02 (i.OOS mm) meistens
elliptische oder eiförmige, an dem Ende zugespitzte Körperchen, Jnnga Plötze mit MyxogporiclienLenlen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;weiche aus einer stark giftnzenden,
zweiklappigen Schale bostehon. Diese umschliosst einen plasmatisohon Inhalt mit einem Kern, aussenlem liegen aber gewöhnlich an dem spitzen Ende darin noch zwei viel kleinere eiförmige Kapseln, die sog. Polkörporohon, in welchen, llbnlich wie bei den Nessolkapseln der PoJypen, ein feiner Faden spiralig aufgerollt ist (Fig. 14). Zuweilen besltzoil die Sporen auch eine iresohwllnzte Form (Fig. 15) mit einem oder zwei Anhängen.
MU'.
15.
Spore von Myxo-
lioliis Mttllarl,
einei' Uyxn-
sporldlfi iins lien Kiemen von Cypvinolden
Pig, lt.
O
mil GrHsse ca.
o.ol mill, n = Zellkern, p — Polkapseln, (i = Oeffnnng.
nat, Gr. ca. 0,03 mm.
Diese Sporen, wolclxe mau früher fttlschliclier Weise lur selbststHndlge Organismen gehalten hatte, sind nun nichts anders, als die Portpflanzungs­körper der Mvxosporidieu. Merkwürdiger Weise entstehen sie nicht nur, wenn die Myxosporidie erwachsen ist d. li. eine bestimmte Grosso erreicht hat, sondern sie linden sich schon bei .nan/, jungen und kleinen Tieren ebenso wie bei den grossen Pormen, welche oit mit grosson Mengen von Sporen prall gefüllt sind, sodass mau in einer Myxosporidienpustol tausende davon und vor Ihrem Gedränge last garnichts mehr von dem eigentlichen Zellleib der Myxosporidien beobachten kann.
Über die Weiterentwickolung dieser Sporen weiss man nun zur Zeit nur soviel, dass die zweiklnppigo Schale derselben zu einer gewissen Zeit aulplatzt und dass der plasmatische Inhalt derselben In Gestall einer kleinen Ainöhe daraus hervortritt (Flg, 16). Möglicherweiso wächst nun diese Amöbe in dem Körper der Pisohe an dem Ort ihrer Entstehung zu einer M.vxosporidie heran, welche, nun sofort von neuem Sporen bildet. Man kann 'das aus dem umstand schliesseu. dass mau in den -rossen Myxosporidlejjpustoln viele Tausende dieser Parasiten dicht godrftngt uehen einander vorliudet. deren Entstehung nicht gut anders zu erklären ist, als
ocr page 23
— 195
(lass niiiii sie von olnlgoh, durch die ursprUnglloho [nfektion elnaeführtön Tieren ableitet,
[ndessen musses noch eine zweite Art der Portpflanzung geben, durch welche die 7orschloppung der Erankholl auf andere Pischindlvlduen er­möglich! wird. Es müssen dann die Sporen, ehe sie Ihren Inhalt entleeren,
erst in dns Wnsscr gelangen, was .....Istens erst nach dem Tode und dem
Zerfall des ersten Wirttieres geschehen kann. Ob sir „.,„ hier direkt von anderen Pischen aufgenommen werden oder ob sie erst einen Zwischenwirl z. I!. Würmer, [nsoktenlarven (in Nais wurden Myxosporidiensporen be­obachtet) oder andere den Fachen zur Nahrung dienende Tiere passieren, darüber wissen wir zur Zeil leider garnichts Sicheres,
Die Zahl der in den Fischen vorkommenden
Fig. 16.
Myxospoi-ldlonarten ist eine beträchtliche und ihre Verbreitung eine sehr weite. In manchen Gegenden sind bestimmte Pischarten damit fasl ausnahmslos infiziert.
}quot;^
L'./vgt;A
'
Am bekanntesten und auch verhältnismässig
Links: eine gescbloasene Spore;
In der ,\iiiiigt;; aufgesprnngene
am besten studiert ist die Myxosporldionkrankheil Spore mit anstreteudem Inhalt i
der Barben in der Mosel, Saar und im Rhein, Hier namentlich in der Mosel tritt diese Krankheil
rechts: dev ansgetretene InhnK in amöbolder Bewegnug; p =
I'dlkaipscln.
seit dem Jahre 1870 seuchenartig auf und hm namontlich In den Jahren 1886-89 hunderte von Zentnern Barben ver­nichtet.
Die kranken Barben sind daran zu erkennen, dass ihre iinut an
vielen Stellen missfarbige Änschwe......gen, später tiefe, nussgrosse krater-
ortige Geschwüre zeigt, deren Inhalt ans einer missfarbigen, im Zentrum schwarzen mit Kiter gefüllten Jauche besteht, worin man hauptsächlich Unmassen von Sporen (Psorospermien) mit den charakteristischen 2 Pol­kapseln aufflndet, claneben aber auch natürlich viele in Zerfall begriffene
Zellen der Barbe und Massen von grossen Bazillen bc.....ichtel Die tn-
fektion gehl bei der Barbe voi.....n Muskeln aus. wahrend die meisten
inneren Organe merkwürdigerweise frei von diesen Parasiten sind, innerhalb der Muskulatur verbreiten sich die Myxosporidien aber so massenhafl dass
man zuwoden an einer Bftrbe bis zu 10 mit Milii......,, von Sporen erfüllte
Jmnoren und ca. den zehnten Teil der gesamten Muskulatur zerstört vor-findet. Die kranken Barben erscheinen daher stets besonders am Schwanztei] stark abgemagert,
,,.....'' MoS('1- Slli,,#9632; i'1111 Im Rhein sind nacl.....n Qntersuchungen
L, Pfeiffers*) in Weimar bereits sämtliche Individuen der Barbe bis zu einem gewissen Grade von diesen Myxosporidion infiziert, sodass unter he-
stln,mten ümstl......gt;n, welche die WiderstandsfäliigkoK der Barben gegen
Hire Parasiten herabsetzen, in j(.....,„ Jahre ein neuer Ausbruch der
iMndeune zu befürchten ist. Die Verseuchung dieser Flüsse ist offenbar
*) L, Pfeiffer: Die Sporozoen als Krankhaitserreger, Jena 1891, II \nil Nneh träge iliizn 1895.
18*
ocr page 24
196 -
dadurch so starfe geworden, dass man bisher nichts Energlsohes zur Bnt-fornung der toten Kadaver gothan hat, denn es kann i^w koineni Zweifel unterliegen, dass zur Verbreitung der Krankhell die Im Wasser verwesenden Barbon am meisten beitragen, dn die grossen Massen von Psorospermlen nur dadurch ins Wasser gelangen können, dass die Tumoren aufbrechen oder die ganzen Plscho verfaulen. Wenn man auch Im vorliegenden Fall nichts Sicheros llber die Art. wie die Infektion zu Stande kommt, woiss, so kann man doch mit Sicherhell den Schluss ziehen, dass nichts so sehr zur Voitreltung der Krankhell beiträgt, als das massenhafte Austreten von Sporen in Folge der im Wasser verfaulenden, erkrankten Kisdie. Die Prophylaxe hat sieh daher in erster Linie darauf zu richten, dass man alle erkrankten Barbon, auch wenn sie nur einige kleine 'rumoren zeigen, herausfällst und veruieiitet. (leseliielit das nicht, so steht ZU erwarten, dass der Barbenbestand in der Mosel. Saar und im Rhein in absehbarer Zeit veruieiitet sohl wird. LJobrlgonS sollen im Rhein bereits aueh Hechte und Barsche von dieser Myxosporldlonkrankbeit ergriffen sein,
Es wäre an der Zeit, dass die beteiligten Kisehereivereine. diese für den Portbestand der Fische eine grosso Gelabr bedeutendo Krankheit sorg-lUltig im A.ugo behielten und bei jedem epidemischen A.uftroton der Krankheit, onergisebo Maassregeln dagegen veranlassten, zumal die Krankheit auch in orschrockonder Weise bereits im Neckar aufgetreten ist.
Myxosporidienorkrankungon grösseren ümfanges sind ferner bekannt geworden bei Dorschen und Makrelen In der Qegontl von Klei, Erkrankungen
einzelner Fisehe sind festgestellt heim Döbel (Abel) hei der Nase, dein Rot-augo, der PlütZO, dem Stlchllllg, dem Karpfen, der ScblolllO, hei Hecht,
Barsch, Zander, Porelle, Bachsaibling, Regenbogenforelle etc.
Nach meinen Beobachtungen treten Sporozoenerkrankungon in Karpfen-und Salmonidontoicbwirtschaften well häufiger auf, als man bisher ange­nommen bat. Ich habe bereits in der „Allg, Fisch.-Zeitg.quot; No. 11 pro 1898 eine durch Sporozoen veranlasste Epidemie beschrieben, welche dadurch charakteri­siert war. dass die Parasiten in Gestalt kleiner in eine derbe kugllgO Cystc ein­geschlossener vielkernigor Myxosporidien bei Rogenbogenforellon aussei' in anderen Organen liauptsächlloh im Gehirn vorkamen, sodass die erkrankten Fischo an ihron taumelnden, uncoordinierten Bewegungen erkannt worden konnten. Dickranken Fische trenftM sich gewöhnlich von dem Schwärm Ihrer Teichgenossen ab, legen sich an den Teichrändorn auf den Grund, wo sie, ohne sich zu bewegen, auf dem Bauch liegen, und nur aufgescheucht, einige wenig ausgiebige taumelnde Bewegungen ausführen, um dann sofort wie lethargisch, als ob ihnen das eigene Gewicht zu schwor wäre, auf den Boden ZU fallen. Äusserlich treten an den Fischen keine Veränderungen ein. nur die Haut erscheint gewöhnlich stark dunkel gefärbt. Dieselbe Er­krankung ist epidemisch auch in einer anderen Salmonidciiziichtaustalt auf­getreten, wo nehen den Regonbogcnforollon auch die Forellen und Bach-salbllngo in gleicher Weise erkrankt waren und mehrere Jahre hindurch zahlreich abstarben.
ocr page 25
— 197 —
Loidor ist llbor die Art dor Infektion nichts zu ermitteln gewesen, sodass man gegen diese Erkrankung neben einer Entfernung aller erkrankten Plsohe mir eine sorgfältige Reinigung der Teiche vornehmen konnte, In den genannten beiden Fällen 1st die Erankhell bisher nicht wieder beobachtet worden, oh allerdings in Folge der angewandten Mittel, bleibt unentschieden,
Anffallond häufig und weit vrrhiviirt sind Sporozoenkrankholten In Karpfenteiohwirtschaften, besonders beim Earpfen und der Sohloiho, wo die Myxosporldlen namentlich die inneren Organe, NTIeren, Milz, Leber, Herz, Blut aber auch den Darm erfüllen, sodass loh bei stark erkrankten Tieren im Kot eine Unmenge von kleinen und grössoren In Sporonblldung be­griffenen Myxosporidion auffinden konnte. Zu epidemischen Erkrankungen scheint es in Karpfenwirtschaften mehr da ziü kommen, wo die Teiche nicht in regelmässigom Turnus abgelassen und gesäubert werden, sondern lange Jahre hindurch unter Wasser stehen. Ich gedenke genaue Mitteilungen über eine derartige Erkrankung heim Karpfen die sog. Pockenkrankhell demnächst nach Ahschluss meiner Untersuchung in der Zeitschrift für Fischerei zu veröffentlichen. —
Die zweite und an Arten zahlreichste Gruppe der Innenparasiten liefern die Würmer und zwar die Ordnungen der Saugwürmor, welche wir schon als FUoparasiten kennen gelernl haben, ferner die Rand würmer, Fadonwtirmer und Kratzer. Die Zahl der ans diesen Tierabteilungen bekannten Fischschinarotzer beträgt zur Zeit zwischen 200 und 800 Arten, welche In allen Organen der Fische
vorkommen können. Im Allgemeinen ist ihr Vor-
handensein glücldlcherweiso für die Fische nicht
Diplustomiun auuuligüruiu
Hill. Ol'ÜSSI' IM. '/,, IILIM.
von grossem Nachteil, sie werden vielmehr gewöhnlich ohne sichtbaren Schaden ortragen, liier und da gehl wohl einmal bei zu massenhafter Entwickelung der Schmarotzer ein oder der andere Fisch daran zu Grunde, Fischsterben in grössorem Umfange durch ontoparasltischo Würmer gehören aher zu den Seltenheiten, Ich begnüge mich daher nur mit der Nennung einzelner Beispiele.
Ans der Gruppe der Saugwtlrmor (Tromatodon) sei hier orwähnl das Diplostoraum annuligerum, welches Im Jugendzustand das Augo der Fische z. !gt;. des Flussbarsches bewohnt, und Erblinden desselben veranlassen kann (Flg, 17).
Ans den Abteilungen der Bandwürmer, welche sowohl als geschlechts-reife, Tiere, wie besonders häufig als Larven in fischen vorkommen, hebe ich die Liguia slmplicissima hervor, einen bandförmigen, schwach gogliodorton Schmarotzer, Derselbe bewohnl Im Jugendzustand, wo er schon über 80 cm lang werden kann, die Lolboshöhlo vonFlschen, namentlich Karpfen. Brachsen n. A. und wächst hier so stark heran, class, wenn viele Exemplare zugleich vorhanden sind, die liauchdeeken der Fische zum nutzen gebrachl werden,
ocr page 26
— 198
sodass die Fisclio daran 7,u Grunde gehen. Zschokko,*) ein Senner der parasitsöben Würmer, sagt über dieselben: „Schwere Plsohepldemlen, die viele Karpfenteiche entvölkerten, sind einzig auf die öegenwart dieser Blemen-würmer oder Llgullden zurückzuführen.quot; [ch kenne zwar nicht dilt;' speziellen Fälle, auf welchen dieser Aussprucli basiert, halte jedoch die Möglichkeit derselben für sehr wohl gegeben, da ja allgemein bekannt ist, wie ein anderer der Llgula nahe verwandter Bandwurm, der Schlstocephalus dlmorphus und Seh. solldus (Flg. 18) unter den Stlchllngen z. B. Im frischen Haff grosse
Flg. 18.
Verwüstungen anrichtet, .Man erkennt die daran er-
krankten Stiehlinge an ihrem stark aufgetriebenen Leib. Die beiden genannten Bandwürmer sind, solange sie in Fischen vorkommen, nicht gesohlechtsrelfe Jugond-l'orinen, können sich also in den Fischen nicht fort-pllanzen, sondern nur an (Jrösse zunehmen. Die ge-schlechtsreil'en Tiere leben Im Dann von Wasser-VÖgeln, wie Killten, Möwen, Weihern etc. Dies zu wissen ist wichtig, denn es zeigt uns den einfachen Weg, wie man gegen ein etwaiges Ueberhandnehmen dieser Bandwürmer z. B. In Karpfenteichen vorgehen
Schistocephalns golldns nal. (iriis.su -'i 8 ora.
kann. Man hat da mir nötig die Wasservögel von
dem 'reiche lern zu hallen und die weitere Ausbreitung der Krankheil ist verhindert, da die Damlwnrmlarven, wenn sie nach dem Vorlassen des Fischkörpors oder mit dem Fisch nicht bald von einem VogeJ gefressen werden, unfehlbar zu Grunde gohn.
In zahlreichen Arten sind als Kntoparasiteii in Fischen auch die Faden-würmer vertreten. Indem Darmkanal z. B. eines Flussbarsches wird man wohl kaum vergeblich danach suchen, sie aber auch in anderen Fischen, wie Kelchen, Porellen, Hechten, Zandern etc. etc. nicht vermissen, ililnlige Formen sind z. !!. der Kappenwurm (Oucullanus elegans), mit welchem sich ehe Fische durch das Fressen von (lyclopiden infizieren, forner
Ascaris acus. deren äusserlicb in Ihrer Gestalt an Trichinen erinnernde Larven im Bauchfell von Lauben, Quappen, Aeschen eingekapselt vorkommen und die Fabel verursacht baiien. dass die Kische auch „Trichinenquot; hätten. Ascaris labiata (Flg. 10) ist ein im Darmkanal von Aalen häufig in grossen Massen lebender Kadeiiwurm, welcher wiederholt und immer wieder von neuem als Belegstück dafür vorge­zeigt wird, dass der Aal lebendige Junge zur Welt bringt.
Ascaris Labiata. nat.Qi'. bis 2,8 cm.
Trotz der weilen Verbreitung der Fadenwürmer sind
Fälle von grösseren Fischsterben durch dieselben nicht bekannt geworden. Dasselbe gilt auch von den Kratzern, zu welchen der ca. I cm lange Kcliinoryiiclms proleus (Flg. 20) gehört, ein häiiliger mit seinem Rüssel in die Darmwand zahlreicher Fische eingebohrter Parasit. Er findet
*) Zschokke: Die Parasiten unserer Süsswasserflsohe iuZaoharias: die Tier- uiul Pflanzen­welt il(!s SUsswassers II. Bd/
ocr page 27
— 199
sich besonders häufig beim Karpfen, aber auch bei Aal, Hecht, Quappe, Schlei, Aescbe. K'orclle etc. etc.
Wir beschränken uns auf fliese kurze Aufzählung einiger der'häufigsten entoparasltlschon Würmer. Wer sieb näher für diese Schmarotzer Interessiert,
den verweisen wir auf die bereits zitierte Arbeit von Zschokko, das Compendium der Helminthologie von Linstow. —
Wir haben bisher, meine Herren, die durch tierische Parasiten verursachten Krankheiten dor Fische in grossen Zügen charakterisiert. Es erübrigt uns nun noch die Krank­heiten zu nennen, welche durch Pflanzen veranlasst werden. Wie bei den Tieren, so können wir auch nach der Natur des Parasitismus ckto- und entoparasitisebe I'llanzen unterscheiden, Formen, die auf der Haut Ihr aerstörendes Werk betreihen und solche, die im Innern aller Organe vegetieren.
Die pflanzlichen Flsohparaslten gehören, wie das schon in
dem Charakter der Pllanzenoriiähruiigsweise begründet liegt,
aussohliesslich zu den Pilzen.
Jeder Plschzüchtor und fischet
EohiuoryuoUns. onnt untor dorn Namen Byssus die
rasenartigen Pllzblldungen, welche sowohl aul Fischeiern (Fig.21) als auch auf der Brut und erwachsenen Fischen namentlich in engen Behälterii täglich und überall beobachtet werden können. Sie gehören zur Familie der Sapro-legniacoon mit den beiden häufigsten Gattungen Saprolegnia und Achlya. Unter dem Mikroskop betrachtet, stellen sich diese IMIzo als sehr feine, zarte, ver­ästelte Fäden dar, die sich, wenn sie einmal anreinem Tier festen FUSS gelasst j('iu-. 21,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; haben, rapide durch fortwährende Sprossung vermehren,
sodass sie ganze Rasen von woissllcher Farbe bilden.
Neben dieser vegetativen Vermehrung pflanzen sieh diese Tilzr alirr auch durch Sporen und Blzollen fort, welche die weitere Verbreitung auf andere Eier oder
Fische vermitteln. Die beiden Gattungen Saprolegnia
Vniii
li.yssus befalle] lEier.'
und Acbl.va unterscheiden sich durch die relative Dicke
der Pllzfäden, indem Achlya dickere und starrere Fäden besitzt (Fig. 22 und Plg, 28),
Die Verbreitung der Saprolegnien ist eine ausscrordentlich weite, sodass es wohl kaum ein Wasser giebl. in welchem dieselben nicht vorkommen. Indessen scheinen diese Pilze im kalten Quellwasser im Allgemeinen seltener zu sein, wie im Bach- und namentlich im wärmeren Flusswasser.
Was die Holle der Saprolegnien betrifft, so scheinen diese Pilze nur auf erkrankten Fischeiern oder verletzten Stellen der Fischhaut (eaten Fuss fassen zu können, (iesunde Eier und eine intakte Fischhaut bieten den­selben gewöhnlich keine Ansatzpunkte. Wäre dein nicht so, und könnten diese Pilze auch normale Fische befallen, dann hätten wir gewiss in unseren Gewässern llberhaupi keine Fischlaquo; mehr. Gleichwohl sind Pilzerkrankungen bei Fischen in der freien Natur ausscrordentlich häufige Erscheinungen und haben schon viele und zahlreiche Opfer gefordert. Namentlich in l!rnt-
ocr page 28
200
anlagen treten diese Sphraarotzer nur allzu oft auf und verlangen an Eiern und Jungln-ut einen vielfach sehr euiptiiidliehen Tribut.
In Brutanlagen müssen daher, wie jeder Anfänger In der Plsclizucht weiss, alle abgestorbenen Hier tftgllcb sorgfilltlg ausgelesen werden. Ver­breiten sieli die Pilze aber trotzdem ZU rapide, sodass sie aneli die gesunden Eier bedrohen, dann kann man der iihermässigen Vegetation derselben da-durcb Binhall thun, dass man mehrere Tage lilnduroh täglicb einige Hände voll Salz In jedem Brutappafal Über die Kier und auf die Pilze streut, Die dadurch entstehende starke bis lOprozontigo Salzlösung tötet die Pilze und schadel erl'ahruugsgemäss den Eiern nichts, wenn dieselben bereits die A.ugenpunkte entwickelt haben, Junge Eier gehen öfters durch das Salzen zu Gründe,
Fig, 22.
Plraquo;. '•laquo;#9632;
Aeste
Itiü Liniu a a bocleutet laquo;liu Oberfläche des Pai'asItentrdgerB, in welohem aus PflUnssohon
mit M'iiirn Wuiv.i'UailiMi r, eteokt, r r sind
Saproleguiapflftnzohen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; alaquo;uo Wutüeimaeu.
Auch hei erwachsenen, grosson Fischen kann man den „Byssusquot; Indien, wenn man die erkrankten Stollen mit einer er. LOprozentigen Kooh-salzlösung vonnittols eines Pinsels öfters bestreicht. Triti die Krankhoil in Teichen in grösserem Umfang auf, sodass es nicht gut möglicb ist, jeden einzelnen Piscli herauszufangen und mit Kochsalz zu bohancloln, so tlmt man gut, an den Rändern der Teiche unter Wasser Wachholdorzweige zu befestigen, an denen die Fische sich die Pilzflecke dann seihst abreiben.
Das Auftreten von l'ilzerkninkungen alsolut zu verhüten ist leider gänzlich unmöglich. Beim Brutgeschaft in Fischzuchtanstalten kann jedoch peinliche Reinhaltung des Wassers und der Apparate, sowie sorgfälliges Auslesen aller kranken und abgestorbenen Bier die Pilzbildung sehr wesontlicb in ihrem Aultreten lieschränken.
Ausser durch Saprplegnlon sind wiedorholl grosso Fisohsterben durch die sog. Wasserblüto bekannt geworden. Die Wasserblüte, welche ja auch den Tod von Wasservögeln wie Enten etc. im Gefolge haben kann, auch auf der Haut der Menschen, die sich im „blühondonquot; Wasser badon, einen aller-
• 1
li
ocr page 29
— 201
II
dings schnell wieder vcrschwindeiulon Ausschlag verursacht, entsteht durch eine massenliiiftc Bntwiokelung verschiedener Algen, wie Clirooeeccacccn, .Oscillai'ien, ('yanopliyceen. ßs ist bisher allerdings nicht bekannt geworden, Welche dieser Algen und in welcher Weise dieselben den Massentod von Kiselien veranlassen können. —
Wir kommen jetzt, nicine Herren, ZU der letzten (irnppe von Fisch-krankheiten, welche von entoparasitisch schinarotzenden l'llanzen verursacht werden; es sind das die Hakterienerkrankungen der Fische.
Kh sind erst wenige Jahr/elinte darüber vergangen, seit wir In den Bakterien, diesen kleinsten und am einfachsten gebauten Lebewesen überhaupt, die geJUhrllohsten Feinde, die Träger der heftigsten [nfektionskrankheiten des Meusehen und der Tiere erkannt haben. Bei der ungeheuer weiten Verbreitung dieser parasitischen Bilanzen In Luft, Erde und Wasser und bei der geradezu erstaunlichen Widerstandsfühlgkeit derselben gegen die Einflüsse von Hitze, Prost, Trockenheit etc. müsste es sehr wunderbar sein, wenn nicht auch die Fische ebenso wie andere Tiere und der Mensch der Infektion mit Bakterien In gleichem Oradc ausgesetzt wären.
Freilich sind unsere Kenntnisse auf diesem allermodernsten (iebiet der Naturforschung, soweit die Fische in Frage kommen, nur sehr geringe. Hieraus darf man jedoch nicht den Schlnss ziehen, dass es auch nur wenig Bakterienerknuikungen der Fische gäbe, im Gegenteil, ich habe die Über­zeugung, dass die überwiegende Mehrzahl aller, namentlich in unseren Fischzucht anlagen vorkommenden Krankheiten auf Bakterieninfektionen zurückgeführt werden müssen.
Im Laufe dieses Sommers habe ich infolge einer kurzen Notiz in der Allg. Fisch.-Ztg., class ich bereit wäre, Krankheiten der Fische zu unter­suchen, eine grosse Zahl von Fischen erhalten, welche an Fpidcmlen zu Orunde gegangen waren. Die Mehrzahl der Fische Hess auf Bakterien­erknuikungen sehHessen.
Schon die Eier in den Bnitkästen werden von Bakterien lieinigesuclit und vernichtet. Dadurch entstehen Z. B. wie Dr. Fickert in No. 17 der Allg. Fisch.-Ztg. von 1892 berichtet, gelbliche Flecke in den Eiern, welche ge­wöhnlich für den Beginn einer Saprolegnienwueherung gehalten werden, aber nicht auf, sondern innerhalb derEihaul sitzen und nach den Untersuchungen von Prof. Kirchner in Bohcnheini von Bakterien veranlassl werden.
Allbekannt sind ferner jedem Fiselizlichter die zahlreichen Darm­erkrankungen der Fischbrut, infolge deren die Brut plötzlich das Fressen einstellt und oft massenhnft zu (irumle gehl. Es fehlt zwar noeh der strikte wissenschaftliche .Nachweis dafür, dass das so oft bei der Anfzuchl von Jährlingen mit künstlichem Futter zu beobachtende Aufhören der Fressinst und das dadurch veranlasste Absterben ganzer Brulbesliinde durch Bakterien verursachl wird. Allein man wird mil grosser Wahr-seheinlichkeit annehmen können, dass dem wirklich so Ist, da es ja vom Menschen und den Haustieren bekannl Ist, dass bakterlonfreio d. h. sterilisierte Nahrung, z. I!. Milch, nicht zu den Darmerkrankungen führt, welche durch bakterienhaltlgo und In (iährung begriffene Milch so vielfach
I
ocr page 30
202 —
hervorgerufen worden. Man ist dahor auch in Fisclizilclitorkrcisen aut die [dop tfßjjpmüioa, storlllslortos Brutfuttor z. 15. orhltztos Pleisohmobl, erhitztes Kailtsiiirn zu füttern. Über Erfolge In grössefoiu Maassstahc ist jiuloch nocli niclits bekannl geworden. Jedenfalls spricht aber der Umstand, dass beim Kiiücrn der Brut mit lobendem Puttor seltener Darmorkrankungen derselben auftreten, auch dafür, dass die Bakterlonlnfoktlonon es wohl hauptsächlich sind, welche die Schwierigkeit der Ä.ufzuoht unserer Fische zu Jährlingen bedingen.
Grosse, erwachsene fische sind gegen Verunreinigung ihrer Nahrung mit Fäulnis- und Gährungsbakterien viel weniger ompflndlich als die Brut, obwohl es auch hier im Allgemeinen nicht geraton ist, faulende Substanzen, /.. ü. Tierkadaver ungekooht als Plschfuttor zu verwenden, da es sich bereits herausgestellt hat, dass andernfalls auch starke Verluste an grossen Fischen zu befürchten sind.
Noch sind die wissenschaftlich sieher begründeten Fälle von Bakterien­erkrankungen boi erwachsenen Fischen an Zahl goring, allein OS ist mit Sicherheit zu erwarten, dass eine spezielle Forschung auf diesem Gebiet in Zukunft zahlreiche liakterieninfeklionen klarlegen wird.
Gestatten Sie, meine Herren, dass ich Ihnen die- bisher ermit­telten Fälle von Bakterlen-Seufehen boi Fischen vorführe. Die grössten
Fischstorben, welche wohl überhaupt 1.....backtet wurden, fanden zu
verschiedenen Malen, so in den Jahren, 1887, 1851 und 1880 in der Wal­lischbai statt. Hierüber berichtet Pechuol-Löscho*) fol^endermaassen: Am 21. Dezember 1880 gowahrto man auffällige, rötliche Streifen und Flocke im Wasjier der Bai. Am nächsten Tage begann ein erschreckendos Sterben der Fische, erst der kleinen, dann der grosson. Nach einiger Zeit lagen die Fischloichon so dicht goschlchtoi an der Oberfläche, dass nirgends mehr das Wasser ZU erblicken war. Die faulenden Massen verpesteten die Luft derart, dass os über 50 Kim. landeinwärts zu riechon war. Im Jahre 1881 war die Umgebung der Bai mit FIschskolotton noch förmlich gepflastert, ja diese Reste waren stellenweise noch zu niedrigen Wällen aufgetürmt. ('. Wilmer und Fug. Warning machten als frsache eine zeitweilig massenhaft sich entwickelnde rötlich gefärbte Hakterienarl warscheinlich, deren perio­disches Auftreten auch in anderen Gebieten, z. B. an den dänischen Küsten beobachtet wurde.
Einen andern Fall eines naturgomäss viel geringeren Fischstorbens
in der freien Natur hatte ich selbst im Laufe dieses Sommers an den lialb-braebsen des RlogSOO's in Oberbavern zu untersuchen (lelegenheit. Die Halbbrachsen (Bllcca björkna) starben in diesem See ohne jede äusserlich erkennbare Ursache plötzlich und wurden ZU mehreren Zentnern tot an der Obeiiläehe des Wassers treibend aufgeliscbt. Äusserlich zeigten dieselben gar keine Symptome einer Erkrankung, auch die inneren Organe erschienen unverändert. Nachdem ich durch eine mikroskopische Untersuchung dor letzteren die Abwesenheit aller übrigen tierischen nml pflanzlichen Parasiten
üivlnii.s Tieriebou, Fische.
ocr page 31
203 —
(ausgenommen einige unbedeuteado Nebenbefundo) festgestellt hatte, wurde diircli die Anlegung von Boinkulturon tllo A.nwosonliolt eines spozlgaohen Baktoriums Im Blut, der ^Nlilz, N'icrc und Lebor konstatiert. Leider musston in Fplgo iinssei'ei' ungUnstlgor llmstände, die beabsichtigten [nfoktlons-vorsucbo an gosundon Fischen unterblolbon, sodoss ein wiolitiges Glied einer absolut sicheren Beweiskette fehlt. Glolohwohl kann es wohl kaum einem Zweilei unterliegen, dass hier eine gpeziflscho Bakterienerkrankung vorlag.
Man darf hier meines Eraohtens der Vermutung Kaum geben, dass manche der in der Fischerellltteratur vorliegenden Berichte über MassentodesfWie unter den Fischen, wie z, li. das im Jahre 1869 im Zürieiior See, aufgetretene Sterben unter den Hechten, deren Leichen man auf mehrere Hundert Zentner berechnete, sieb gleichfalls auf Bakterionseuchen beziehen lassen, wenn eine sorgfältige Untersuchung andere, meist loiehter erkennbare Infektionsursachen ausgeschlossen bat,
Fehlen somit Baktorienepidemien in der freien Natur keineswegs, so können dieselben doch In unseren lgt;rut,-, Mastanstalten und Teichen viel bäuliger auftreten, im Besonderen da. wo in Folge der durch die Fütterung hervorgerufenen Verunreinigung durch faulende Xabrungsrestr, Käealien und das Halten der Fische auf engem Kaum die Bedingungen fiir die Entwlckoiung der Bakterien und Ihre Verbreitung weitaus günstiger sind, als in den grosson Vorhältnissen der freien Gewässer. Die Zahl der sicher nachgewiesenen Fälle ist auch liier zur Zelt allerdings eine noch geringe.
Der erste derselben, eine Seuche unter den Forellen wurde, von dem bekannten Bakteriologen Prof, Dr. Emmerich in München in den Nummern 7 und 8 der „Allgemeinen iMseherei-Zeilungquot; vom Jahre L89ü beschrieben. Die ECrankheit, welche drei Jahre liindurch in einer Saljnonldonzuchtanstalt, besonders beflig während der Laichzeit, auftrat und welcher in einem Jahre allein gegen 100 Lalchforollon zum Opfer luden, ebaraktorisierle sieb folgen-dormaassen: Im Beginn der Krankheil entstanden als äuseriloli sichtbare Symptome auf der Haut an verschiedenen OCörperstellen zahlreiche, etwa
erbseugrosse Geschwülste, welclie mit einer gelldieb-weissrii. käsigeil Masse oder blutigem Kiter eiiiilll waren. Diese Pusteln brachen einige Zeil daranl nach der Oberfläche durch, so dass ein kleines Haches blutrünstiges Ge­schwür entstand, welches sich aber allmäblig bis zum Umfang (dues Künf-pfcnnlgstückos vcrgrössorto. Im weiteren Verlauf der Erkrankung traten zu den Geschwüren noch Blutergüsse unter die Oberhaut, namontllcli in den Flossen. Die Fische selbst wurden nach 8 IGtägigor Krankhoitsdauor träge, standen immer an der gleiidien Steile, so dass sie lolohl mit der Hand zu laugen waren. Häutig griffen in dieser Zeil auch die SchlmmelpllÄo an den erkrankten Stellen der Oberhaul an und bedeckten grosse Teile der­selben In Gestall der bekannten weissliohon Flocken. Zwischen dem 12. und •20. Tage erfolgte gowöhnllcli der Tod, Die Sektion zölgto an den meisten inneren Organen gar keine besonderen Veränderungen, nur der Darm war stark entzündet. Dagegen fanden sich In den Muskeln zerstreut ebensolche eitrige Pusteln von Bohnengrösse und zahlreiche Blutergüsse wie unter der Haut. Bei manchen Tieren führton auch die Darmentzündunjron, welche
ocr page 32
— -204 —
zuweilen noch frlihor auftreten konnten, als die Hautgoschwllro, schon allein zum Tode.
Die Krankheit zeigte somit das Bild einer Furunkulose mit nach-folgender Bildung blutiger Ergüsse in Haut und Muskulatur.
Nachdem eine genaue Untersuchung die Abwesenheit aller anderen Krankheitsursachen festgestellt hatte, wurden Bakterienkulturen angelegt und in der That aus dem Inhalt der (iescliwüre, dem Herzblut, der Muskulatur und anderen Organen stäbehentörmige Bakterien rein gezüchtet, welche sieh durch die besonders charakteristische. Form ihres Wachstums in den Kulturen als verschieden von allen bisher bekannten Bakterionarten erwiesen. Mit diesen Reinkulturen wurden nun [nfektionsversuohe an ge­sunden Fischen angestellt und dadurch genau dieselben Ivrankheitsor-scheinungen mit nachfolgendem Tode hervorgerufen wie bei der natürlichen Infektion in den Teichen, Da die tötliehe (liftigkeit der Bakterien nicht mir bei direkter Uberlmpfung in den Körper gesunder Fische (Forellen, Aeschen, Karpfen) eintrat, sondern auoh, wenn nur das Wasser infiziert wurde, entweder direkt, oder indem erkrankte Fische zu gesunden gesetzt wurden, SO konnte auch durch den Versuch direkt die Aiisteeknngsfähigkeit der Krankheit erwiesen werden, ein Umstand, welcher indess bereits durch den Vorlauf der Krankheit in der Anstalt selbst fast klargestellt worden war.
Ueber den Ursprung dieser Forellenseuche konnten ganz sichere Auf­schlüsse nicht mehr ermittelt werden. Man durfte indess vermuten, dass die Krankheit durch Forellen eingeschleppt worden war, welche aus einem mit Fäkalieu und anderen Abwässern einer kleinen Stadt verunreinigten Bache stammten. Von diesen Forellen sollten die in der Anstalt schon vorhandenen gesunden Fische Infiziert worden sein und zwar sowohl diejenigen, welche mit jenen in einem Raum, wie auch in den benachbarten Weihern zusammen­gelebt batton, welche mit den erstereu in Verbindung standen. Allerdings war die Sterblichkeit um so grosser, je enger die Fische zusammenstanden. Sie nahm z. B. ab, als man in den Teichen die Unterstände entfernte. Ein Jahr nach der ersten Erkrankung wiederholte sich, genau zur Laich­zeit der Forellen, die Epidemie. Fs lag daher die Gefahr vor, dass die ganzen Teiche, in denen die Fische gelebt hatten, injiziert seien. Fs mussten in Folge dessen zur Vermeidung weiterer Verluste radikale Mittel in An­wendung gebracht werden. Zunächst wurde der ganze in den ver-clftohtigen Teichen vorhandene Fischbestand gerftuml und die Teiche sodann trocken gelegt, ausgegraben und mit neuem Kies auf dem Boden und an den Bändern aufgeschüttet. Gleichwohl wiederholte sich die Krank­heit auch in den beiden darauffolgenden Jahren. Man musste daher an­nehmen, dass das Terrain auf dem sich die Teiche befanden, durchseucht sei. Dasselbe wurde von einer Quelle durchspült und die Teicluläinme waren daher sehr uass und sumpfig geworden, SO dass die Möglichkeit des Eindringens von Bakterien aus den Teichen in dieses Erdreich gegeben war. wie umgekehrt auch von [der aus die Infektion der Teiche erfolgen konnte. In Folge dessen war es angezeigt, das ganze Terrain trocken zu legen, was durch Fassung und Ableitung der erwähnten (Quelle sowie durch
ocr page 33
- 205 ~
Drainage aucb ^ollstöndlg gomng. Datlurcli war die Kommunikation des Tolohwnssers mil dein umgebenden frtlher sumpfigen Boden beseitigt und seitdem ist die Krankheit aiieli wiihrend der [otzten beiden Lalcliperlodon nicht mehr aufgetroton,
Eine zweite dureii Bakterien verursachte. Erkrankung bei Flschon wurde Im Jahre 1892 Im 10, Bande (No, 8) der Zeltschrift „Fortschritte der Medizin1' von Dr. F. Flschel und Dr. ('. Enoch uns dem hygienischen Institut der deutschen ünlvorsltllt In Prag beschrieben.
In diesem Falle handelte es sieh nielit um eine förmliche Epidemie__
so weil wenigstens aus der Boschroflmng der Autoron hervorgeht- sondern es wurde nur ein einziger uns einem Fisehheliiilter stammender Karpfen unmittelbar nach seinem Tode zur Untersuchung eingeliefert. A.oussorllcli waren an'dem Karpfen zahlreiche Blutorgllsso bis zur Qrösse eines EUnf-marksttlckes zu bemerken, namentlich an den Klemendeckoln, am Rücken des Tieres zu beiden Seilen der Rllckoilflosse, in dieser seihst, sowie in der Schwanzflösse und um die Geschlechtsüffnung. An den Inneren Organen waren derartige Blutaustrltto nicht vorhanden, auch sonst keine aft/fHUlgon Voränderungen zu konstatieren.
Es wurden nun aus dem Herzblut Haktorienkultureii aid (ielatine-platten angelegt, auf denen auch bereits nach drei Ta^on zahlreiche Bakterien­kolonien wuchsen. Diese Kolonien unter strengster Kgntrollo weiter rein gezüchtet, ergaben stilbchenförmlge Bakterien, vvelcho hftuflg kettenförmig zu 4—5 Individuen zusammenhingen. In den vorschledonsten Reinkulturen zeigten diese Bakterien ein so elgöntümllches Verhalten, class über die spotdflsche Eigenart derselben kein Zwotfol obwalten konnte, wosslmlb die genannten Autoren denselben den Namen; IBaclllus pisclcklus gegeben haben.
Mit den Reinkulturen dieses Bacillus plsclclclus wurden nun Kai'pfen In­fiziert, welche nach 6 — 12 Stunden dieselben Blutergüsse auf dem Rücken an den Flossen und den Klemendeckoln zeigten, wie der ursprünglich zur Untersuchung eingelieferte Karpfen. Kurz darauf starben die Infizierten Fische und aus ihrem Blute konnte wieder der Hacillus plscloldus in Rein­kultur gezüchtet werden.
Es war somit der strikte Belwois erbracht, class dieses Bakterlum für den Karpfen In hohem Grade giftig und. wie weitere Versuche lehrten, auch ansteckend Ist.
v,m lgt;os.....lerer Bedeutung ist aber ferner die Thatsache, class der
Bacillus plsclclclus nicht nur bei Karpfen, sondern auch bei Warmblütern krankheitserregende Wirkungen zeigt. Mäuse um! Meerschweinchen, sowie Hunde und Tauben, denen Reinkulturen dieses Spaltpilzes eingeimpft wurden. gingen je nach der Menge des Cmpfmaterials und der Qrösse der Tiere zu Grunde, nachdem vorher Lähmungserschelnungon an den Ä.tmungs-organen und dem Herzen aufgetreten waren. Ebenso starben Mäuse, welche mit Infiziertom Brot gefüttert waren nach fiö Stunden, wenn die Menge der aus den Reinkulturen dargestellten giftigen Substanz (eines sog. Toxins) gross genug war (0,4 gr). Wurden nur geringere Dosen (0,2 gr) gegeben, so erkrankten die Tiere, erholten sich jedoch wieder. Ebenso erkrankten
ocr page 34
— 20laquo; —
Hundo unter don Erscheinungon heftigen DlirchfaJls, wenn sie mit Brol ge-füttorl wurden, welches in einer A.bkoohung dos Plolsohos des ursprünglich untorsuchton Karpfens olngewolchl war.
Aus dieseii üntorsucliungon gohl die sehr morlcwUrdigo Thntsache her­vor, daSS es llilkteriell globt, VVOlcho ill glolcllPr Weise snwuld liei l-'isciieli
wie bei Wnrmblütorn Krnnkhoiteii erregen und den Tod im Gefolge haben
können.
T.islier kannte man derartige Bakterien nicllt, Kondorn man war der Meinung, dasraquo; die Bakterion dei Warmblüter fUr die Kaltblüter, also auch die Kisehe. iiiiseiiiidlicdi seien und unmvkelirt.
Von min an wird man jedoch grössore Vorsiohl bei der Verwertung vim Fischen obwalten lassen müssen, welche mit derartigen patbogenen Bakterien infiziert sind. Dass solche Fische seihst im gokoebten Zustande
von Menschen nicht gonosson werden dürren, ist wohl ganz sidhstversliindiicii. wie auch ans den oben erwähnten Kütteruiiüsversuchen an Hunden hervor­geht. Denn wenn auch durch das Kochen der abgestorbenen Fische alle Bakterien vernichtet werden, so können dieselben doch bereits giftige Stoffe erzeugt haben, welche heim Kochen oben nicht, zu Grunde geben und wohl auch heim Menschen Darmerkranknnircn zu verursachen im Stande sind.
Dasselhe weiss man ja auch seit Langem von der sog, ilarheneholera einer Krankheit, die heim Menschen durch den (iennss gekochten Barben­rogens hervorgerufen wird. Auch hier vernichtet die Siedetemperatur des Wassers nicht das im Barbenrogen vorhandene (lift.
Der vorliegende Fall ist jedoch aoeh in einer anderen l^gt;ielltlllllt;i#9632; speziell für den Kisclr/.iichtcr von Bedeutung,
Wenn uns derselbe zum ersten Mal wie bereits betont, mit einem Spaltpilz bekannt gemacht hat, welcher in gleicher Weise für Warm- wie Kaltblüter pathogen ist. so gebt daraus die Möglichkeit hervor, dass auch mit dem Fleische und den Eingewoiden krepierter Haustiere, welche hiiulie' an Kisehe verfüttert werden, unter umständen Krankheiten übertragen
werden können.
In dieser Ricbtung ist naclistohender Fall bosondora interessant.
In No. 2(.) der „Allg, Fischerei-Zeitg.quot; vom 21, September isiraquo;;; berichtete ich llbor ein grosses Fischsterben, von welchem die Pisch-zucbtanstali Biborg bei Malching am Inn betroffen wurde. Daselbst war das Fleisch eines verendeten Pferdes verfüttert worden, welches nach Aussage des dortigen Tierarztes „leberkrank, jedoch als Pischfutter noch zu verwenden gewesen seiquot;. Acht Tage darauf begann ein orsclu'ockendos Pischsterben, welchem ca. 600 Stück his zu .'5 Pfund schwere Forellen, Regenbogenforellen und Bacbaaiblinge zum Opfer üelen. Das gleiche Missgeschick widerfuhr einem zweiten Fischzüchter in Simhach. der auch von diesem Fleisch ver­füttert hatte.
Auf meine Veranlassung wurden mir einige der verendeten Fische zur Untersuchung eingesandt. Da dieselben keine anderen Krankhoitsufsachon, trotz genauester Prüfung, erkennen Hessen, so wurden die inneren Organe uif eine etwaige Infektion mit Bakterien untersneht und zu diesem Zwecke von
ocr page 35
207
dem Assistciiton am patlologteoh-anatomischen Institut in Mtlnohon, Herrn Dr. Dürck, Bakterlonkulturen angelegt, Dieselben ergaben (ins Resultat, (lass aus dem Blut und der' Leber eigentümliche, plumpe, kurze Stäbchen-bakterion rein gezllobtpt werden konnton, weiclie in den Kulturen ein durchaus olgenartigos Wachstumsvorhalton zeigten, so flass sie sicli da-durob als eine eigene neue Art charaktfirlslerton.
Uoldor inussten mangolH goolgnotor Elnricbtungon und zufUlllg ein­getretener anderweitiger umstände wegBn Infektionsvorsuchc unterbleiben, so dass ein nach allen Rlclltimgen hin feststehender Beweis liir die Infokti-nsitiit der gefundenen Bakterien unterblieben ist.
Gleichwohl ist es bei Borllckslclittgung' aller Nebenumstllndo In bohera Grade wahrscheinlich, dass durch die Vorflltterung des gofallonon Pferdes eine [nfektion durch ein im Blute der l-'ische sich entwickelndes Bakterium erfolg! ist.
Die Untersuchungen weisen zum mindesten ebenso wie der Prager Pali darauf hin. dass es /wischen Warm- und Kaltblütern gomotnsame Bakterien giebt, und dass durch Vorflltterung mil krankem Fleisch bei Fischen Epidemien erzeugt werden können, sodass es zwockmllssig erseheint, das als Kischlutter zu verwertende Fleisch -•elalleuer Tiere mir in gekochtem Zustande zu verablolgon,
An-'esichts der besonderen Gefllhrllohkell der Baktorlenftifektionen werden Sie. meine Herren, gewlss die Präge stellen, in wie weit man In der Lage ist. derartigen Seuchen entgegenzuwirken. Hierauf ist zu ant­worten, dass man zur Zeit noch nicht oiitfernl daran denken darf, Bakterien­erkrankungen etwa heilen zu wollen. In der freien Natur, in Seen und Flüssen stehen wir diesen Epidemien machtlos gegenüber, allenfalls werden wir es liir zweckmüssig halten, zu einer eventuellen Bindftmmung der Krankheit alle Fischleichen heraus zu holen und zu Vornichten. Da­gegen sind wir in unseren raumlich hesehränkten Brutanstalten sehr wohl in der Lage, verseuchte Teiche zu desinfizieren, um dadurch die Wieder­holungen der Epidemien zu verhindern, wie Uberhaupl durch eine sorg-lUltige Reinhaltung der Teiche, namentlich in Salmoniclonzucht- und Mast­anstalten dem Auftreten von Baktorionerkrankungen entgegenzuarbeiten,
Icli habe oben bereits mitgeteilt, in welcher Weise die betr. Anstalt die mehrere Jahre hindurch immer von Neuem auftretende Forellenfurunku-lose glücklich und gründlich boseitigl hat.
Ähnliche Mittel worden prinzipiell unter Berücksichtigung der lokalen Verhältnisse llbeiaii angewendet werden müssen, Bin einfaches Trockenlegen der Teiche wird aller Voraussicht nach in keinem Falle zur Entfernung von Bakterien ans einem Teiche führen, da alle Bakterien die Fähigkeil baben, in einen sog, Dauerzustand, überzugehen, in welchem sie alle Grade der Trockenheit und die in der Natur vorkommenden Hitze- und Kältegrade siegreich überwinden.
Alan wird zum mindesten in jedem Balle nach vorhergehender Reini­gung des Teichs zu dem kräftig wirkenden Mittel des Kaikens rosp, Aus-hrennens der Teiche greifen müssen, obwohl der oben mitgeteilte Fall zeigt
ocr page 36
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; m
208
(lass auch (ladiarli iihcnill nw Erfolg noch niclit gesichert 1st. copy;n Aus-grahon dos Tolohbodcns und Abstoobsn dor Telchrftndor, völflgo jrockeri-logung dor Diimmo niit luxdilol-ondor Doslnflzlorung duroh Kalklan^o und BeschUttung nut neuem Kios wird unter Umständou notwendig sein. Wie­wohl dioso Mittel rocht kostspielig sind, so sind sie doch notwendig, denn oinoBakterioninfoktion bodeutfct nntoi'Uniständoa die grösstoGefahr für den Porthostand einer ganzen Anstalt, Jedoch bin ich nicht etwa dor Meinung, dass alle dioso Mittel In jedem Pali soglÄch anzuwenden waren. Unser Wissen auf diesem (leidet ist zur Zeit nnch viel zu gering, um darüber ein sicheres Urteil fftllon zu können, wir stehen eben noch und wohl noch für geraumo Zelt Im Stadiuni des Versuchs, Darum wird es vielleicht geraten sein, sich gegobonen Kalis zunächst auf eine sor|fältigo Reinigung und ein Kalken dos Teichs zu beschränken. Allo Anstalten z. !'... welche mit zementierten Weihern arbeiten, worden mit diesem Mittel gewiss schon allein durch­kommen.
Was ahor kein Snlmonidenteichwiit versäumen sollte, um l'.aklcrien-
opidemion zu entgehen, das ist. die sorgfftltigsto Billigung aller seiner Teiche. n(imontlioh derjenigen in welchen künstlich gofilttort wird. Der Prozess der Soibstreinigung, welcher z. B. in den schmdlströmendon BÄchen der PoroUenrogion hauptsächlich durch die mechanischo Wirkung dos Wassers ein so energischer ist. muss in den sämtlichen Toidhanlagen mit ihrer relativ geringen Wassorbowegungbedeutend reduziert worden und dadurch wird dem Überhandnahmen von Bakterien und Pftulnisprodukton wesentlich Vor­schub --.#9632;leistet, liier muss daher die Fürsorge dos Kiscl.znchters nachhelfen, sei es dass derselbe durch Einsetzen von Aas- und Schlammfressern, z. B. Krohsen Muscheln, Schnecken, die faulenden Hoste beseitigt, wie das von einigen Ä.natalten mit grossem Erfolg bereits geschieht, oder aber indem die Teiche von Zeit zu Zeit geschlftmmt worden. Kino richtige Erkenntnis der (Mahren welche den Salmonidenwirten durch die Ahlalle der PUtterung und die Käkalien der Fische drohen, wird viele vor grosson und unerwar­teten Verlusten bewahren.
Meine Herren, wir sind mit der Skizzierung unserer gegenwartigen Kenntnisse über die Krankheiten unserer Fische am Ende.
Man hat in Fisch/.üchterkreisen den Vorwurf erhoben, dass die Wissen­schaft bisher zu wenig für die Erkennung von Pischkrankheiten gothan Uabe; .lieser Vorwurf war für mich die Veranlassung zu dem heutigen Vor­trage und ich habe die Hoffnung, dass es mir gelungen ist. die Nichtberech-
tlgling dessolbon gezeigt ZU haben.
An Interesse für die Erforschung von Pischkrankheiten fehlt es m weiten wissonschattlichon Kreisen gewiss nicht. Nicht leicht werden Sie sich vergeblich z, B, an die zoologischen oder hygienischen Institute etc. wenden vorausgesetzt, dass Sie für die Lieferung eines gut erhaltenen und genügenden öntersuchungsmaterials Sorgen. In dieser Richtung wird ahor von den Fischziichtern. welche von einer Erkrankung ihrer PlSCho heimgesucht werden, mit wenigen Ausnahmen viel gefehlt, (lewöhnhch ist die Verpackung keine sorgfaltige, die Fische werden nicht unmittelbar
ocr page 37
ocr page 38
ocr page 39