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HANDBUCH
lll-.l!
THIEKlRZTLICHEN CHIRURGIE
UND
GEBURTSHILFE.
UNTER MITWIRKUNG
VON
Prof. ALBRECHT (München), Corpsrossakzt 15ARTKE (Stettin), Prof. DE UHUra (Utrecht), Puop. CADIOT (Alfort), Prof. W. EBER (Berlin), Doobnt Dr. EBERLEIN (Hkrlin), Prop. Dr. GMELTN (Stuttgart), Prof. GIJILLE15EAU (Bern), STAATSRATE Prof. GUTXIANN (Dorpat), Corfsrossarzt HELL (ALTONA), Prof. HENDRICKX (Brüssel), Prof. HESS (Bern), Prof. HIRZEL (Zürich), Oderrossarzt KÖNIG (Bkulin), Prof. LANZILOTTI-BUON-SANTI (Mailand), Docent LUNGWITZ (Dresden), Prop. Dr. OSTERTAG (Berlin), Prof. Dr. PLÖSZ (Budapest), DiEBOTOR v. RAUPACII (Dorpat), Prof. Dr. 80HINDELKA (Wien), Adjunct SCHMIDT (Wien), Ober-Med.-Rath Prof. Dr. SIEDAMGROTZKY (Dresden), Prof. VENNERHOLM (Stockholm), Prof. Dr. ZSCHÜKKE (Zürich)
HERAUSGEGEIiEN VON
PROFESSOR DR. JOS. BAYER und PROFESSOE DK. EUG. FRÖHNER
IN WIENnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IN ÜERLIN.
II. BAND:
ALLGEMEINE CHIRURGIE
VON
DR EUGEN FRÖHNER.
libliockccfc Her
llkwElrrrriteit rs TTtwdlaquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; WIEN vm LEIpzIG_
WILHELM BRAUMÜLLER
K. U. K. HOF- UND U N I VERS IT ATS-HU CHIl AND LEK.
1896.
BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 408 3
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ALLGEMEINE OHIKUROIE
vox
DR EUGEN FRÖHNER
1'1101'KSSOIl UND DIRIGENT DBB ORIRUROIgOHEM KI.I.MK AN DKR KÖMIOIi. TIIIURÄHZTLICUEN HOOH8CHUI1E IN BEBUN.
WIEN UND LEIPZIG. WILHELM BRAUMÜLLER
K. V, K. HOP- UND UXlVKUSI'l'ÄTS-nUCIIlIÄNOLKK.
1896,
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ALLE E E C H T E V O K ]5 E H A L T K N.
DRUCK VON FRIBDRIOII JA8PKII IN WIBN,
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T
VORWORT.
In clem vorliegenden Ilandbuclie der thierürztliclicn Chirurgie und Geburtsliilfo bildet die allgemeine Cliirurgie. ebenso wie die Operations­lehre, einen eigenen, selbstständigen Hand. Sie; kann auch gewisser-massen als Einleitung aufgefasst werden zu der im dritten und vierten Bande folgenden speciellen Chirurgie der Einzelorgane.
Jedes Lehrbuch der thierärztlichen allgemeinen Chirurgie muss sich auf die Forschungen und Lehrbücher der humanen Medicin stützen. Indem ich diesen Satz an die Spitze der nachfolgenden Darlegungen stelle, glaube ich die Beziehungen zwischen mcnsehenärztlicher und thierärztlicher allgemeiner Cliirurgie ausreichend klargelegt zu haben. Ich ftige hinzu, dass ich beim Schreiben dieses Buches hauptsächlich den Darlegungen gefolgt bin, welche Billroth und neuerdings Tillmanns in ihren Lehrbüchern der allgemeinen Chirurgie des Menschen ge­geben haben.
Dass im Uebrigcn die nachstehende Bearbeitung keine blosse Compilation aus den genannten inenschcnmedicinischcn Werken bildet, wird der Leser rasch entnehmen können. In manchen Stücken ist die thierärztliche Chirurgie, wie dies auch bei der Pathologie, Pharmako­logie und Therapie der Fall ist. ihren eigenen Weg gegangen. Viele Capitel der menschenärztlicheu Chirurgie lassen sicli ferner überhaupt nicht auf thierärztliche Verhältnisse übertragen; andere für die humane Chirurgie sehr wichtige Abschnitte sind für die Thierheilkunde weniger wichtig oder selbst ganz bedeutungslos. Die Tuberculose der Knochen und Celenke z. B. gehört zu den wichtigsten Gegenständen der humanen Chirurgie; für die thierärztliohen Chirurgen bietet sie so gut wie gar kein Operationsobject. umgekehrt hat für die Veterinäre Chirurgie die Aktinomykose und die beim Menschen gar nicht bekannte Holrvo-mykose eine sehr grosse praktische Bedeutung. Beim Menschen ist die Osteomyelitis die wichtigste Form der KnuchenentzUndung. beim
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VInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vorwort.
Pferde dagegen die Periostitis. Das beim Menschen so häufige Erysipel scheint bei den Thieren nur äusserst selten vorzukommen. Von einer Resection der Gelenke, sowie meist auch von einer Amputation der Qliedmassen kann bei den Hausthieren aus verschiedenen Gründen keine Rede sein. Auch die in der menschenärztlichen Chirurgie so wichtig gewordene aseptische Methode ist aus rein ilusserlichen Ursachen für die Thierhcilkunde ziemlich bedeutungslos. Ja selbst die Knochon-brüche erfordern bei den grösseren Hausthieren eine ganz andere chirurgische Peurtheilung als beim Menschen. Als speciell thieriirztliche chirurgische Methoden sind das Brennen und die Anwendung der scharfen Einreibungen bei chronischen Entzündungen der Knochen, Sehnen und Gelenke zu bezeichnen.
Andererseits ist das vorliegende AVerk auch nicht etwa als ein aus thieriirztlichen chirurgischen Lehrbüchern zusammengestelltes Com­pendium aufzufassen. Ich glaube auf Grund meiner lojiihrigen chirurgisch-klinischen Thätigkeit ausreichende Erfahrungen gesammelt zu haben, um den vorliegenden Gegenstand von eigenen Gesichtspunkten aus beleuchten zu können. In manchen Capiteln. so namentlich in den über Fraoturen und Tumoren, war ich ferner in der Lage, eigene Unter­suchungen einfügen zu können. Ausserdcm war ich bemüht, den Stoff vom rein thieriirztlichen Standpunkte aus nur für die Zwecke der thier­iirztlichen Praxis zu bearbeiten. Aus diesem Grunde wird der Leser beispielsweise auch manche Hinweise auf die forensische Thiorheilkunde in dem Buche finden (Altcrsbeurtheilung der Wunden, Practnren, Eissuren, Muskelatrophie; Heilbarkeit oderXichtheilbarkcit der Knochen­brüche beim Pferde und Rinde; abnorme Eragilitilt der Knochen: Prophylaxe der Knochenbrüche u. s. w.). Eine besondere Bearbeitung haben die für den Chirurgen wichtigen Fremdkörper, Parasiten und angeborenen Missbildungen gefunden.
Zahlreiche und wichtige Beziehungen hat die allgemeine Chirurgie zur allgemeinen Pathologie und pathologischen Anatomie. Leider ist in unserer thieriirztlichen Literatur kein Lehrbuch der allge­meinen Pathologie vorhanden. Dagegen besitzen wir seit Kurzem ein gross angelegtes Handbuch einer thiorärztlichen pathologischen Anatomie. Ich verdanke diesem ausgezeichneten Werke von Kitt viel Anregung und Belehrung. Auch mit der Anatomie steht die allge­meine Chirurgie naturgeinäss in enger Verbindung. Als einen Mangel habe ich es hiebei empfanden, dass die für den Chirurgen ausserordent-lich wichtigen Sehnenscheiden und Eascien in den meisten thieritrzt-llchen anatomischen Lehrbüchern nicht mit der wUnschenswerthen
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Vorwort.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;VII
Ausführlichkeit und Uebersiobtliohkeit behandelt sind. Was das Ver-
hältniss der allgemeinen Chimirgic zur Bacteriologic anbelangt, so nmss anerkannt werden, dass die letztere insbesondere auf dem Gebiete der Eiterung und Entzündung, sowie deren Bekämpfung durch Anti­sepsis die Chirurgie in wissenschaftlicher und praktischer Hinsicht erheblich gefördert hat. Andererseits soll man die Bedeutung der BftOteriologie fUr die allgemeine Chirurgie auch nicht liberschätzen und namentlich nicht überall nach Hacterien wittern. Viele chirurgische Entzündungen haben mit Bacterien gar nichts zu thun, insbesondere nicht die rein traumatischen, aseptischen Entzündungen der Knochen. Gelenke, Sehnen, Sehnenscheiden und Muskeln. An geeigneten Stellen wiederholt hierauf hinzuweisen, habe ich für meine Pflicht gehalten. Auch in diagnostischer Hinsicht darf der Bacteriologio in der Chirurgie kein allzugrosses Gewicht beigelegt werden. Speciell den Eitorcoccen kommt eine praktische diagnostische Bedeutung wohl kaum zu, wenn auch leider hier die bacteriologisch vorgeschulten Candidaten beim Examen vielfach der Meinung sind, der Nachweis von Eiterbacterien im Knocheneiter sei für die Diagnose einer Knochenfistel die Haupt­sache. Welche Verwirrungen die Bacteriologie beim Wundrothlauf an­gestiftet hat, mag an Ort und Stelle nachgelesen werden.
Das den einzelnen Capiteln angebiingte Literaturverzeich­nis s macht auf Vollständigkeit keinen Anspruch. Es war mir haupt­sächlich darum zu thun, einerseits die mensehenitrztliche von der thierärztlichen Literatur zu trennen und vor Allem auch die grund­lesenden menscheniirztlicben Untersuchunoren dem Ötudirenden zuffttnffisr zu machen, andererseits von beiden nur die wichtigsten, beziehungs­weise neuesten Arbeiten anzuführen.
Abbildungen enthält das Buch keine. Es hat mir widerstrebt, die in der Thierheilkunde vielfach übliche Sitte nachzuahmen, Illustra­tionen menschenärztlicher Werke unverändert oder entsprechend modi-ficirt herüberzunehinen. Ich halte das nicht für zulässig.
Sohliesslich habe ich Herrn Dr. Eberlein für die beim Lesen der Corrcctur geleistete i5oihilfe zu danken.
Kissingen im August 1896.
Prof. Dr. Fröhner.
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INHALT.
.Seitlaquo;
Vorwort...............................nbsp; nbsp; v
Inlmltsvci'zoiclinis*...........................nbsp; nbsp; IX
Wunden................................nbsp; nbsp; nbsp;i
I. Allgenioincs iilier liegriff, Einthcilung und Ersehe! n u n gen . .nbsp; nbsp; nbsp; 1
II. Schnitt-, Stich-, Quetsch-, Schuss-, Kiss-und vergiftete Wundennbsp; nbsp; nbsp;4
III.nbsp; nbsp;lilutstillung...........................nbsp; nbsp; nbsp; i)
IV.nbsp; nbsp;Anutomischc Vorgiinge liei der Wundheilung.........nbsp; nbsp; 18
V. Wundinfectionskrankhoiteu..................nbsp; nbsp; 18
1.nbsp; nbsp;Die Eiterung der Wunde....................nbsp; nbsp; li)
2.nbsp; Die Phlegmoue........................nbsp; nbsp; 21
8, Das Wnndfiober........................nbsp; nbsp; 26
4.nbsp; nbsp;Die Soptilciimio.........................nbsp; nbsp; 28
5.nbsp; nbsp;Die Vy'dmia............•.............nbsp; nbsp; nbsp;,'i,H
C. Die übrigen Wundinfoctionskranklieiten..............nbsp; nbsp; 34
VI. Wundbehandlung.......................nbsp; nbsp; 41
Snbcutone Verletzungen der Weichtheile (Qnetschnngi Zerrei88iuig) ...nbsp; nbsp;öl
I. (Quetschung. Contusion.....................nbsp; nbsp; öl
II. Zerreissung. Ruptur......................nbsp; nbsp; ö()
Die Entzttndnng............... ............nbsp; nbsp;öi)
I. Wesen und Ursachen .....................nbsp; nbsp; ö!)
II. Arten, Erscheinungen und Verlauf der Entzündung .....nbsp; nbsp; 62
III. Behandlung der Entzündung.....#9632;........• . . .nbsp; nbsp;
Geschwür, Fistel, Brand........................nbsp; nbsp;71
I. Geschwür. Ulcoration.....................nbsp; nbsp; 71
II. Fistel...........................nbsp; nbsp; 73
III. Brand. Xekrose. Gangrän. Mortification............nbsp; nbsp; 77
Die Geschwülste............................nbsp; nbsp;84
I. AI Ige mo Ines über Geschwülste.................nbsp; nbsp; 84
II. Die Geschwülste im Einzelnen.................nbsp; nbsp; 91
A. Uindesiib^taiiXHeubildungeti....................nbsp; nbsp; 1)1
1.nbsp; nbsp;Das Fibrom........................nbsp; nbsp; !)1
2,nbsp; nbsp;Das lii|gt;oTii.........................nbsp; nbsp; !)6
;!. Das Myxom........................nbsp; nbsp; 1)8
4. Das Choiulrom.......................nbsp; 100
ö, Das Osteom........................nbsp; 101
(i. Das Myom.........................nbsp; 108
7.nbsp; nbsp;Das Neurom........................nbsp; 108
8.nbsp; nbsp;Das Augiom........................nbsp; 104
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X
Inlmlt.
Solto
9. Das Lymphom.......................105
10. Das Sarkom........................106
H. J'JpitkeHate Neubildungen.....................112
1.nbsp; nbsp;Das Carcinom........................112
2.nbsp; nbsp;Das Papillom........................121
;). Das Adenom........................121-5
Oi Cyaimyescliwülste........................124
1). Infeitiöae Geschviihle. . ....................127
1.nbsp; nbsp;Das Aktinomykom......................127
2.nbsp; Das Botryomykom......................132
8i Die Tuberonlose • .................. . . 135
Conoretnente und Fromdkörpoi1.....................141
1. Concromontc..........................141
II. Fremdkörper .... .....................144
Hemlen und Vorfälle........................150
I, llernien, Eingewoidebriiclie..................150
II, Vorfälle. Prolapsus.......................154
Krankhuitoii der Knoohon.......................157
I. Knoelionliri'iclic........................157
II. Knochcnontziindnnt;. Periostitis. Ostitis. Osteomyelitis .... ISO
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung dor lieinhaut. Periostitis.............18H
2.nbsp; nbsp;Die EntzUndung der Knochensubstanz. Ostitis...........I8i(
8, Die Entzündung des Knochenmarkes. Osteomyelitis.........190
III.nbsp; nbsp;Nekrosc, Atrophie und Hypertrophie der Knochen......192
1.nbsp; nbsp;Die Knochennekrose.......................192
2.nbsp; nbsp;Die Knochenatrophienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;....................194
3.nbsp; nbsp;Die Knochenhypertrophio ....................194
IV.nbsp; nbsp;Rachitis und Os teom al acie...................195
Kranklicitcn der Gelenke.......................201
1. Entzündung der Gelenke. Arthritis oder Synovitis......202
1.nbsp; nbsp;Die seröse Gelenkentzündung. Arthritis scrosa...........203
2.nbsp; nbsp;Die eiterige Gelenkentzündung. Arthritis pnrnlenta.........204
3.nbsp; nbsp;Dio defonnirendo Gelcnkenlzi'indung. Arthritis deformans.......205
II. Lage Veränderungen der Gelenke. Luxation, Distorsion, Con­tusion .........................210
1.nbsp; nbsp;Die Luxation oder Verrenkung..................210
2.nbsp; nbsp;Die Distorsion oder Verstauchung.................215
8, Die Contusion oder Quetschung des Gelenkes ...........217
III.nbsp; nbsp;An ky lose und Con tract ur...................217
1.nbsp; nbsp;Dio Ankylose oder Gelenksleiligkcit................217
2.nbsp; nbsp;Die Gelenkcontractur (Stclzfuss)...............218
IV.nbsp; nbsp;Gelenk korpor. Corpora li hera................221
Krankheiten der Sehnen, Selnienscheiden nnd Schleinihentel.......22t
1. Krankheiten der Sehnen....................229
1.nbsp; nbsp;Die Sehnenentzündung. Tendinitis................229
2.nbsp; nbsp;Dio Zcrroissung der Sehnen...................234
3.nbsp; nbsp;Die Nokrose der Seimen.................... 23(1
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Inhalt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;XI
Solle
IT. Krankheiten der SehnenBobeiden............nbsp; nbsp; 237
1,nbsp; nbsp;Die Entzündung der Selinenscheiden. Tondovaginitiä........nbsp; nbsp; nbsp; 237
2.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheidengallen. Hydrops der Selinenscheiden......nbsp; nbsp; nbsp; 239
III. Krankheiten der Schleimboutel..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;. 242
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung der Selileimbeutel. Hursitis............242
2.nbsp; nbsp;Das Hygrom der Selileimbeutel................243
Kranklicitun der Muskel, Fascion und Nerven..............247
I.nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskel................... 247
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung der Muskel. Myositis...............2;)Ü
2.nbsp; Die Zerreissung der Muskel...........,......255
3.nbsp; nbsp;Die Atrophie der Muskel ................... 257
II. Krankheiten der Fascion...................258
1.nbsp; nbsp;Die Nekroso der l'ascien....................258
2.nbsp; nbsp;Die Zerreissung der Fascien . . .......... ... 200
III. Krankheiten der Nerven....................2f)2
1.nbsp; nbsp;Die Nervenlälimung. Parcse und Paralyse.............262
2.nbsp; nbsp;Die Nervenentzündung. Neuritis.................2(13
Krankheiten der (Jefilsse........................2(i(i
I. Krankheiten der Arterien...................2ö6
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung der Arterien. Arteriitis..............2()lt;)
2.nbsp; nbsp;Die Erweiterung der Arterien. Aneurysma.............207
3.nbsp; nbsp;Die Zerreissung grösserer Arterien. Gefässruptur..........271
II. Krankheiten der Venen....................273
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung der Venen. Phlebitis ... ...........273
2.nbsp; nbsp;Die Erweiterung der Venen. Varix. Phlebektasie..........274
III. Krankheiten der Lymphgefasse................275
1.nbsp; nbsp;Die Entzündung der LymphgefHsse. Lymphangitis..........275
2.nbsp; nbsp;Die Erweiterung der Lymphgctasse. Eymphangiektasie.......27()
Krankheiten der Drüsen........................278
I. Die Entzündung der Lymphdrüsen. I.y mphad eni tis......270
II. Die Entzündung der Milchdrüse. Mastitis...........280
Chirurgische Krankheiten der Haut und Schleinihilute.........283
I. Chirurgische Krankheiten der Haut..............283
1.nbsp; nbsp;Die Hautentzündung. Dermatitis .................2813
2.nbsp; Die Verbrennung. C.'oinbustio...................285
3.nbsp; nbsp;Das Erfrieren. Congelatio....................287
II.nbsp; nbsp;Chirurgische Krankheiten der Unterhaut...........280
1.nbsp; nbsp;Das Oedem...........................280
2.nbsp; nbsp;Das Emphysem.........................200
III.nbsp; nbsp;Chirurgische Krankheiten der Schleimhäute........201
IV.nbsp; nbsp;Chirurgische Krankheiten der Huflederhaut.........202
Anhang. Angeborene Mlssblldnngen von chirurgischer Bedontnng .... 203 Register...............................297
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Wunden.
I. Allgemeines über Begriff, Eintheilung und Er­scheinungen.
Begriff. Als
Wunde im engeren Sinne bezeichnet man jede
Verletzung
ZuHiimmenhangstrenniing der Haut oder
Schleimhaut. Die Wunde kann somit auch definirt werden als offene, blutige Verletzung im Gegensatz zur Zerreissung, Quet­schung und Fractur, welche subcutane, unblutige Verletzungen ohne Continuitiltstrennung der Aussendecke darstellen. Während die letzteren von der Luft abgeschlossen und somit aseptisch, d. h. vor dem Ein­dringen von Infectionserregcrn geschützt sind, kann bei der Wunde Jederzeit eine septische Infection eintreten. Erscheinungen, Verlauf, Beurtheilung und Behandlung sind daher bei beiden vollständig ver­schieden. Die offenen (Wunden) und subeutanen (Quetschungen etc.) Verletzungen müssen daher in besonderen Capiteln behandelt werden. Auch das Geschwür unterscheidet sich wesentlich von der Wunde durch das Ausbleiben der Heilung. Das Gesohwttr kann daher auf-crefasst werden als eine Wunde, welche nicht heilen will.
Eillthcillilig der Wunden. Nach der einwirkenden Ursache unterscheidet man Schnitt-. Stich-, Riss-, Hiss-, Hieb-. Quetsch-und Schusswunden. Ausser diesen eigentlichen, durch mechanische Insulte entstandenen Wunden hat man wohl auch die durch chemische (Verätzung) und thermische (Verbrennung, Erfrieren) Einflüsse bedingten Verletzungen als Aetzwunden, Hrandwunden u. s. w. bezeichnet.
Nach der Beschaffenheit der Wunden unterscheidet man einfache, ungequetschte (Schnitt-, Hieb-, Stichwundon) und com-plicirte, gequetschte Wunden (Quetsch-. Schuss-, Bisswundcn\ Wunden mit und ohne Substanzverlust. Lappenwunden, reine, unreine (Schmutz. Staub,), inficirte und vergiftete, oberfläch-
Fröliner, Altgemeine Chirnrpie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
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2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;AUgoinuine Symptome dor Wunden.
liehe, tiefe und perforirende (Bauchhöhle. Brusthöhle, Gelenke), leichte, schwere und tüdtliche. frische beziehungsweise blutende, eiternde, granulirende. alte und vernarbte Wunden.
Je nach dem Sitze und den bötheiligten Geweben spricht man endlich von Kopf-, Hals-. Brust-. Bauchwunden u. s. w.. ferner von Haut-, Schleimhaut-, Muskel-. Knochen-, Knorpel-. Gelenk-, Sehnen-. Gehirn-. Cornea-, Magen-. Darmwunden etc.
Allgemeine Symptome der Wunden. Die wichtigsten Er­scheinungen bei frischen Wunden sind der Schmerz, die Blutung, das Klaffen, die gestörte Function, sowie gewisse Allgemein-störungen.
1. Der Schmerz wird durch das Zerschneiden. Zerquetschen beziehungsweise Zerreissen sensibler Nerven hervorgerufen. Dieser sogenannte primäre Wundsclmierz ist von dem spüter in Folge Ent­zündung der Wunde auftretenden seeundären Wundschmerz zu unter­scheiden. Die Sohmerzhaftigkeit der Wunden ist umso grosser, je reicher an sensiblen Nerven die verletzten Theilo sind. Verletzungen der Haut, der Schleimhäute, des Periosts, der Cornea, der peripheren Nervenstämme zeigen im Gegensatze zu den Verwundungen der Knochen. Knorpel und Sehnen, des Bindegewebes, sowie der Gehirn­substanz eine erheblich grössere Sohmerzhaftigkeit. Die letztere erscheint ausserdem umso bedeutender, je stumpfer der schneidende Gegenstand ist, und je langsamer die Trennung der Gewebe vor sich geht (Er­fahrungen beim Operiren). Die Empfindlichkeit der einzelnen Thiere ist theils individuell, theils nach dem Alter und Geschlecht sowie nach der Kasse und Thiergattung sehr verschieden. Beim Nervensclmitt beispielsweise reagiren manche Pferde sehr stark, andere nur gering; viele Pferde lassen sich im Stehen die Trepanation, die Tracheotomie sowie ähnliche eingreifende Operationen gefallen, während andere bei viel weniger schmerzhaften operativen Eingriffen geworfen werden müssen. Im Allgemeinen sind Pferde empfindlicher als Rinder, Hunde empfind­licher als Pferde. Warmblütige Pferderassen zeigen häufig grössere Empfindlichkeit als kaltblütige (z.B. bei der Castration). Am wenigsten Empfindung zeigen dummkollerige, phlegmatische und alte Thiere. Vollständige Empfindungslosigkeit besteht nach vorausgegangener Neurotomie, so dass z. B. das Vernageln des Hufes nicht empfunden wird. Im Vergleiche zum Menschen scheint die Empfindlichkeit gegen­über Verwundungen bei allen Hausthieren eine wesentlich geringere zu sein. Ohnmaohtsanfälle, wie sie beim Menschen nach Verwundungen
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Allgemeine Symptome der Wunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
zuweilen vorkommen, sind bei den Thioren nocli nicht beobachtet worden. Dagegen zeigen manche Thiere bei schweren Verletzungen, ähnlich wie der Mensch, eine gewisse Resignation (dressirte Hunde).
2.nbsp; Die Blutung ist verschiedenartig je nach der Grosso und Beschaffenheit der verletzten Gefnsse. Als arterielle Blutung bezeichnet man eine solche, bei der in Folge der Verletzung einzelner Arterien hellrothes Blut sich spritzend aus der Wunde ergiesst. Bei der venösen Blutung sind grössere Venen betroffen, aus denen dunkles Blut in con-tinuirlichem Strome hervorquillt. Bei der parenehymatösen Blutung sind sowohl Arterien als Vonen betroffen (gemischte Blutung); die durchschnittenen Gefilsse sind indessen nur klein, das Blut zeigt eine mittelrothe Farbe und fiiesst aus allen Theilen der Wunde, ähnlich wie aus einem Schwämme ab (Tumoren, Schwcllkörper, Muskeln). Die capilläre Blutung entsteht nach leichten Verletzungen der Haut und Schleimhäute und ist durch tropfenweises Abtliessen des Blutes aus den durchschnittenen Capillaren gekennzeichnet.
Bei Verletzungen grösserer Lymphgefässe, von Gelenken und Sehnenscheiden ergiesst sich aus der Wunde Lymphe, beziehungs­weise Synovia und Sehnenscheidenflüssigkeit, bei Verwundungen der Speicheldrüsen, der Speichelgänge und des Schlundes Speichel, nach perforirenden Verletzungen des Magens und Darmes Futter beziehungsweise Koth, bei Euter wunden Milch, bei Läsionen der Blase und Harnröhre Harn. Bei (,'orneawunden fehlt die Blutung.
3.nbsp; nbsp;Das Klaffen der Wunde hängt von der Beschaffenheit der durchschnittenen Gewebe, sowie von der Richtung der Wunde ab. An Stellen, wo die Haut stark gespannt ist, bei querverlaufenden Muskel-und Sehnenwunden, ziehen sich die Wundränder am weitesten von einander zurück.
4.nbsp; Die gestörte Verrichtung äussert sich bei Wunden am Huf, an den Sehnen, Gelenken und Muskeln durch Lahmheit, an der Zunge durch behinderte Fattcraufiiahme, an der Cornea durch Sch-störung u. s. w,
5.nbsp; nbsp;Das Allgemeinbefinden kann durch grössere Verletzungen in verschiedener Weise beeinflusst werden. Sehr schmerzhafte Wunden haben namentlich bei Pferden eine Verminderung oder selbst vollstän­diges Sistiren der Futteraufnahme im Gefolge. Ein eigentlicher Shock oder Wundschreck (plötzliche Lähmung des vasomotorischen Centrums mit Anämie der Schleimhäute und Verlangsamung der Herzthätigkeit) kommt bei Thieren nur ausnahmsweise vor. Dagegen zeigen sich zu-
I*
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schnitt- und liiebwumlon.
weilen nach starken Blutverlusten die Ersoheinungen der Anitmie (bla.sst^ SchleimliiUitc, sohwaoher Puls. Mattigkeit u. s. w.).
Nach pertbrirenden Bauohwunden entsteht beim Pferde häufig Kolik. Vereinzelt hat man plötzlichen Tod in Folge von Luf'taspiration durch die verletzte Jugularvene beobachtet; derselbe wird theils auf Lungenlähmung (Luftembolien der Lungencapillaren), theils auf Herz-lähmung (Anflillung der Herzkammern mit Luft), theils auf Gehirn­lähmung (Luftembolien der Gehirncapillaren) zurückgeführt. Endlich kann zu jeder Wunde Fieber hinzutreten. Man hat hiebei das aseptische von dem septischen Wundfieber wohl zu unterscheiden. Das aseptische Fieber wird durch die Resorption zerfallener Elutbestandtheile ohne Mitbethwligung von Bakterien hervorgerufen und äussert sich lediglich durch eine massige Temperatursteigerung ohne schwere Störung des Allgemeinbefindens. Dagegen liegen dem septischen Fieber speeifische Infectionsstoffe zu Grunde, welche in die Wunde und später in die Blntbahn eindringen und neben einer hohen Temperatursteigerung schwere Störungen des Allgemeinbefindens bedingen (vgl. das Capitel Septikämie und Pyämie).
Beschreibung der Wunde. Die Inspection beginnt mit der Feststellung der Körpergegend, in welelier sieh die Wunde befindet (Kopf, Hals, Brust, Hauch etc.). Sodann folgt die Angabe der Länge, Breite, Tiefe, Richtung und Form der Wunde, die genaue Beschreibung der Wundränder (scharf, gezackt, zerrissen, gelappt, geschwollen, ungestülpt u. s. w.), des Grundes der Wunde (Farbe, Oberfläche), sowie dos Wundsecretes (Menge, Farbe, Con-sistenz, Geruch). Die Palpation (Finger, Sonde) ermittelt die Tiefe der Wunde 'Haut, Unterhaut, Muskeln, Knochen etc.), die Anwesenheit von Fremdkörpern n. s. w. Man unterlasse das Sondiren bei frischen perforirenden Gelenks-, Sehnenscheiden-, Brust-, Bauch-, Gehirn- und Cornea-wundon, sowie bei erfolgter Blutstillung nach Verletzungen grüsserer Gofässe (tiefe Brustwunden bei Pferden).
U. Schnitt-, Stich-, Quetsch-, Schnss-, Rias- und vergiftete Wunden.
Schnitt- und Hiebwunden. Die Veranlassung bilden Verletzungen
durch chirurgische und gewöhnliche Messer, Ilauklingen, Hufmosser, Schhlchtermesser. Futtermesser, Scheren, Glas, Eisenblech, Sensen, Sicheln. Säbel, Peile u. s. w. Das Charakteristische der Schnitt- und Hiebwunden besteht in der geraden Richtung, der länglichen
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Stich- und Quetsclnvuiulen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
Form, sowie den meist scharfen, glatten, nicht gequetschten Wundrilnden. Die Hchnitt- und Hiebwunden zeigen meist eine bedeutendere Blutung und klaffen starker als die Übrigen Wunden. Man findet sie am häufigsten bei Pferden. Hunden und Rindern an den verschiedensten Körperstellen, namentlich an den Beinen, Je nach der Tiefe stellen sie Haut-. Muskel-, Sehnen-. Knochen- und perforirende Wunden dar. Ihre Beurtheilung ist. wofern sie nur die Haut betreffen, günstig (Nähen).
StlcllWlindeu. Dieselben werden durch Mistgabeln, Heugabeln, Nägel, Nadeln, spitze Messer und Scheren. Lanzen, Bajonnettc, spitze Eggen, Ilaken, Holzsplitter u. s. w. verursacht. Am häufigsten sind Sticli-wunden bei Pferden durch Mist- und Heugabeln, sowie durch Nagel­tritte und Vernagelungen. In der Deutschen Armee ist die Zahl der Lanzenstiche bei Pferden seit der erweiterten Einführung der Cavallerielanzen eine beträchtliche. Zu operativen Zwecken werden Stichwunden mit Hilfe von Injectionsspritzen und Punctionstroicarts ausgeführt. Die Stichwunden sind meist klein, rundlich, wenig blutend, und führen häufig in einen Stichcanal. Nicht selten sind sie perforirend (Gelenke, Sehnenscheiden, Bauchhöhle, Brusthöhle, Auge). Wie die Erfahrungen bei der Injection und Function lehren, sind Stichwunden mit spitzen reinen Instrumenten auch dann nicht gefährlich, wenn sie bis in eine Körperhöhle eindringen. Alle unreinen Gegenstände jedoch, insbesondere Mistgabeln, alte Nägel, Eggenzähne u. s. w. bedingen die Gefahr der eiterigen und septischen Infection. Stichwunden am Hufe haben zuweilen Starrkrampf zur Folge. Das Sondiren der Stichwunden in der Nähe, von Gelenken. Sehnenscheiden und Körperhöhlen ist zu unterlassen.
Quetschwunden. Veranlassung bilden Verletzungen durch stumpfe Gegenstände. Kronentritte. Hufschläge. Niederstürzen. Gegen­fahren, Anrennen, üeberfahrenwerden. Einbrechen in Gruben, längeres Liegen u. s. w. Gequetschte Wunden sind durch unregel massige, zackige, zerfetzte Ränder, unreinen Grund, Schwellung, nicht selten auch durch Substanzverlust und Neigung zu brandigem Ab­sterben der gequetschten Gewcbstheile ausgezeichnet. Die Blutung ist zuweilen auch hei grossen (Quetschwunden relativ gering oder fehlt ganz. Aehnlich wie beim Abdrehen des Samenstranges findet nämlich bei manchen Quetschwunden (Ueberfahren) eine Lostrennung der Intima und Media der blutenden (lefässe von der Adventitia mit Aufrolhmg
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(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kias-, Hiss-, vergiftete und Sehussmnulen.
nach innen statt, wocku'ch das Lumen der g'eöü'netcn Gefitsse verschlossen wird. Man kann obertliiehliche (ExooriationeiijHautabsohtirfungen) und tiefe Quetschwunden mit und ohne Substanz Verlust unterscheiden. Vergleiche auch das Capitel über Quetschung.
I?isswiuuleil. Dieselben haben zum Theil den Charakter der Schnittwunden, zum Theil sind sie als Quetschwunden aufzu­fassen. Sie entstehen durch Hängenbleiben oder Streifen an Ilaken und Njigcin, durch spitze Stollen, durch vorbeifahrende Wagen, durch Maschinen u. s. w. Man findet sie beim Pferde am häufigsten am falschen Nasenloch, an den Augenlidern, an der Brust, an der Kruppe und an den Hinterschenkeln. Eigenartige Risswunden findet man auf der Cornea bei Hunden (durch Katzenkrallen erzeugt). Die Risswunden sind nicht selten Lappenwunden mit Winkelbildung; die Wund­ränder sind bald glatt, bald zerrissen.
BlSSWUnden. Die durch den Biss von Hunden, Pferden und anderen Thieren verursachten Verletzungen sind ihrer Natur nach bald als Stich- und Quetschwunden, bald als Risswunden aufzufassen. Man findet sie am häufigsten bei Hunden und Katzen, seltener bei Pferden und Rindern. Hundebisse haben nicht selten complicirte Knochenbrüche zur Folge.
Vergiftete Wunden. Unter diesem Namen werden herkömmlich die Verletzungen durch Schlangenbisse. Bienen- und Wespen­stiche etc., sowie die inficirten Wunden (Wuth. Milzbrand) Rotz. Starrkrampf. Septikämie) zusammengefasst.
Bezüglich der dadurch bedingten speeifischen Krankheiten muss auf die Lehrbücher der Toxikologie und Seuchenlehre verwiesen werden. Vergleiche auch das Capitel der Wundinfectionskrankheiten.
SellUSSWIlluleil. Sie stellen eine besondere, Art der Quetsch­wunden dar und können als Quetsohrisswunden aufgefasst werden. Sie sind gekennzeichnet durch eine Eingangsöffnung mit gequetschten, gezackten, zerrissenen oder glatten Rändern, einen röhren­förmigen Schusscanal und einer Ausgangsöffnung. Fehlt die letztere, so spricht man von einem blinden Schusscanal. ist der Schuss ganz aus der Nähe abgefeuert worden, so sind die Wundränder verbrannt. Oberflächliche, längliche, rinnenförmige Verwundungen der Haut werden bei Streifschüssen. Quetschungen der unter der Haut
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Sclmsswunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
gelegenen Gewebe ohne Hautvei'Ietzung bei Prellschüssen beobachtet. Schüsse, bei welchen die Kugel sich nur unter der Haut einen Canal bohrt, heissen Ilaarseilschllsse. In den Knochen entstehen entweder Loch schlisse, d. h. runde, beziehungsweise röhrenförmige Schuss-wunden ohne Zersplitterung des Knochen, oder Comminutivf'racturen, d. h. complicirto Knochenbrüche mit Zersplitterung und Zermalmung des Knochens; bei Prellschüssen kommen auch subeutane (einfache) Fraoturen vor. Nach einer von Jewsejcnko im russisch-türkischen Kriege aufgestellten Statistik waren unter 211 angeschossenen Pferden 41mal die Knochen getroffen (gleich 20%)- Zuweilen findet unter Abkapselung ein Einheilen, namentlich bei Schrotkörnern, vereinzelt auch bei Kugeln statt; die letzteren verändern in seltenen Fällen ihre Lage (Wanderung). Sind jedoch mit der Kugel noch andere Körper, namentlich Schmutz, Haare. Theile der Decke, des Lederzeugs u. s. w. eingedrungen, so kommt es zur Entwicklung einer eiterigen oder jauchigen Entzündung in der Umgebung des Schusscanals. Von Wichtigkeit sind die Sehusswunden im Kriege bei Pferden; sonst beobachtet man sie selten (Jagdhunde, Katzen).
Sclinsswnffcn und Projectile. Die Sohussvevletzungen werden entweder durch Jliindge wehre (Flinten, Revolver, Pistolen, Tesehings) oder durch Kanonen (Granaten, Shrapnels, Vollkllgeln] verursacht. Am relativ leichtesten sind die Verletzungen durch Schrotschiisse, indem ertahrungagemiissSchrotkornor namentlich bei Hunden ohne Reaction einheilen können. Wichtiger sind die Ver­letzungen durch Flintenkugeln. Während dieae Kugeln früher aus Blei be­standen, einen ziemlichen Durchmesser und eine rundliche Form hatten, besitzen die Kugeln der modernen KriegswatVen, speciell des Ach t mill imeter-Gewohrs, einen sehr geringen Durchmesser (8 mjraquo;), eine cylindrisehe lange Form, sowie einen sehr harten Stahlmantel, welcher einen Blcikorn umgibt. Vermöge dieser Stahlhülle und dem geringen Durchmesser behalten diese Geschosse ihre Form bei, während die früheren Bleikugeln beim Aufschlagen auf den Knochen platt­gedrückt oder zersprengt wurden. Sie besitzen ferner eine ganz enorme Durch­schlagskraft. Im Nachstehenden folgen die wichtigsten Resultate der an Pferde-cadnvem mit dem neuen deutschen und französischen kleincalibrigcn Gewehr angestellten Versuche.
Das deutsehe Achtniilliinotor-Gewelir hat nach den Untersuchungen von Bllenbergei' und Baum (Beil. Archiv, 1803, S. '277) auf die einzelnen Körper­organe bei einer Entfernung von 250 — (!0ü m eine sehr verschiedene Wirkung.
1. Die Haut zeigt in der Regel glattrandige Einschussöffnungen, welche meist kleiner als der Geschossdurehmesser sind. Die Ausschussöffnung in der Haut ist stets grosser und mehr gerissen als die Einsehnss-
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.Sclnisswiindon.
Offnuagi Besonders gross ist sie, wenn das Gcschoss vorher Knoclien durcli-sohlagen und Knochensplitter mitgerissen hat.
2. Die Muskeln zeigen je nach ihrer Dicke verschiedene Verletzungen. In glatten, straffen Muskeln sind die Wunden sehlitzartig, glattrandig und kleiner als der Geschossdurchmosser, während sie in dicken Muskeln grosser und zer­rissen sind. Der Schusscanal erweitert sich allmälig, wobei auch die Zerrelssung allmälig stärker wird, so dass die Ausschussöt't'nung stark zerrissen und etwa doppelt so gross als die Einschussöffnung ist. Matte Kugeln ^Prellschüsse), sowie Kugeln, welche durch Knochen hindurch­gegangen sind, verursachen besonders starke Muskelzerreissungen. Auf'fallender-weise iindet man hiebei zuweilen Gefässe und Nerven intact. Die Wunden der daseien und des Bindegewebes sind stets schlitzartig und oft kaum zu entdecken. Die Sehnen wunden sind spaltformig, wenig klaffend.
;!. Die Knochen zeigen an den Epipliyson der Kührenknochen oft Ijochscliiisso, jedoch stets mit starkor liissbildung; seltener ist die Epiphyse /.ertriimmert. Diaphysenschüsso sind dagegen stets mit vollständiger Zertrümmerung odor zum mindesten mit starker Zersplitterung verbunden; selbst bei Streifschüssen wird der Knochen in der Regel voll­ständig zersehmettort. Streifschüsse an den Epiphysen führen nur zu Absplitte­rung. Kurze Knochen werden bei Schüssen in der Mitte meist zertrümmert, bei Streifschüssen zum Theil zersplittert. Platte Knochen zeigen häufig Lochschüsse mit rundlicher, kleiner Einschussöffnung und grösseror Ausschussöffnung, welche Eissuren und schwache Splitterung aufweist. Werden die Kippen in der Mitte getroffen, so entstehen Lochschüsse vom Durchmesser des Geschosses mit längs-verlaufenden Rissen und schwacher Splitterung an der etwas grösseron Ausgangs-Öffnung. Streifschüsse in der Längsrichtung des Körpers zertrttmmern die Rippen. Querschüsso durch den Thorax durchdringen das ganze Pferd; hat die Kugel bereits an der Einschussseite eine Rippe getroffen, so tritt an der Aus­schussseite Zerschmetterung der Rippe, beziehungsweise vollständige Continuitäts-trennung ein. An den Kopfknochon entstellen Lochschüsse mit Ab-splittcrung und zuweilen auch Zerschmetterung. Die Schädelbasis wird zertrümmert. Dagegen sind die Schusswundon in den Knorpeln relativ kloin, oft nur spaltartig und glatt.
4. Die Lungen zeigen stark zerrissene, meist Knochensplitter enthaltende Sehusscanälo, welche sich nach der Ausschussöffnung hin erweitern. Auch im Herzen findet man stark zerrissene, lappige, klaffende Wundon, seltener kleine rundliche Oeffnungen. Im Dünndarm entstehen meist Lochschüsse, im Dick­darm dagegen meist breite, lappige und zerrissene Wunden.
Das französische LebelgOWOhr erzeugt nach dem von Gabeau (Rocucil vet. 189!'), Nr, 7) erstatteten Berichte über Versuche an Pfcrdecadavoru ebenso erhebliche Verletzungen, welche stets coniplicirtcr Natur sind. In Schuss­weite von 100 bis 200 ra durchdrangen alle Kugeln den Körper des Pferdes.
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Spontane Blutstillung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
1,nbsp; nbsp;In der Hunt sind die Elngangsöffnungen slrkelrand, wie mit dem Locheisen dui'Obgesohlagen; die Haut selber zeipt keine Veränderungen. Die AusgangSÖiFnung ist an den weichen Partien cif'iirinig, dagegen ist die Haut über KiKiclion zerrissen und zerzaekt.
2.nbsp; nbsp;In den Muskeln ist dor Wundeanal viel weiter, ala der Durehmesser der Kugel; er enthält fieisehigo, blutige Massen und erweitert sich nach der BiohtUDg der Ausmiindung. Die Muskelfasern erseheinen in der Biohtnng der Kugelrotation gedreht. Die Aponourosen und flachen Händor zeigen linienf'örniige Wunden; die Sehnen wunden sind doppelt so breit als die Kugel, die Sehnen-fasern erscheinen gedreht und zerrissen.
S, Die langen Knochen sind gebrochen oder gespalten und zeigen schräge Brüche mit grossen Splittern; die kurzen Knochen sind in Splitter zermalmt; die Hippen zeigen flache Querbiiiche. Die Gelenke sind zerschmettert, ihre Knochen sind zu ürei zermalmt; zuweilen werden Knochen-trümmer mehrere Meter weit fortgerissen. Die Ausmiindung bei Gelenklaquo; Schüssen ist sehr gross, die Haut daselbst ist zerfetzt.
4. Die Lungen zeigen cylindrische Schusscanäle. In der Leber ist die Eintrittsstelle viel grosser als die Kugel, der Scliusscanal ist sehr weit, das Leber­gewebe in einer Ureite von 3 bis 4 cm zu Brei zermalmt. Im Magen und Darm sind die Eintritts- und Austrittsstellen ziemlieb gleich gross. Im Hufe ist die Eintrittsstelle kaum l mm breit, fast unmerklich; der Huf selbst wird vollständig durchschossen.
III. Blutstillung.
Spontane Blutstillung'. Man versteht darunter im Gegensätze
zu der künstlichen, durch therapeutische Massregeln erzielten 1^1 ut-stillung das Aufhören der Blutung von selbst. Dieses sogenannte raquo;Stehenlaquo; der Blutung wird namentlich bei capillilrcn und parenchvma-tösen Blutungen, sowie bei Verletzungen kleinerer Venen beobachtet. Die Ursache der spontanen Blutstillung ist vor Allein in der Blutgerinnung zu suchen; daneben findet eine Retraction der Q-efässWandungen mit Verengerung des Gcfilsslumens statt. Die Gerinnung- des aus den geöffneten Blutgefassen abfUessenden Blutes hat die Bildung eines Thrombus (Blutpfropfes) zur Folge, welcher die Oeffnung verscliliesst und sich auch noch zum Theil in das Innere des Gefilsslumens hinein fortsetzt. Da der Blutdruck besonders in den Capillaren und kleinen Venen sehr gering ist, kann in ihnen die Thrombosiruug und damit die Blutstillung rasch eintreten. In grösseren (jiefilssen dagegen, namentlich in Arterien, kommt es entweder
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Spontane bliitstillung,
gar nicht zur Thrombosenbildung (Verblutung)) oder der Thrombus entsteht .spontan erst dann, wenn nach starkem Blutverluste Herz­schwäche eingetreten und der Blutdruck erheblich gesunken ist, so dass das Blutgerinnsel durch den Blutstrom nicht mehr weggespült werden kann. Bei .starken Blutverlusten wird die Blutstillung ausser-dem dadurch unterstützt, dass sich das Blut durch die Aufnahme zahl­reicher weisser Blutkörperchen zu ergänzen sucht, wodurch die Gerinn­barkeit desselben erhöht wird. So erklärt sich beispielsweise die ex­perimentell festgestellte Thatsache, dass Hengste, welchen man ohne jede Vorsichtsmassrcgel beide Hoden abgeschnitten hatte, nach starkem Blutverluste am Leben blieben. Im Allgemeinen darf jedoch hiebei der Blutverlust den dritten Theil der gesammten Blutmenge nicht über­schreiten, weil sonst tödtliche Herz- und Gehirnlähmung eintritt. Die Regeneration des Blutes erfolgt in quantitativer Hinsicht ziemlich rasch durch Besorption der in den Geweben enthaltenen Lymphe, sowie der im Magen und Dann vorhandenen Flüssigkeit. Das neugebildete Blut ist jedoch zunächst sehr reich an Wasser, dagegen arm an rothen Blut­körperchen, deren Ersatz nur langsam vor sich geht.
Die genaueren Vorgänge bei der Thrombenbildung sind immer noch nicht völlig aufgeklärt. In der Hauptsache handelt es sich bei der Blutstillung um sogenannte weisse Thromben, welche durch die Anhäufung weisser Blutkörperchen und der von Bizzozero ent­deckten Blutplättchen gebildet werden und von dem gewöhnlichen Producte der Gerinnung, dorn Coagulum, wesentlich zu unterscheiden sind. Im Gegensatz zu den gewissermassen physiologischen, im gesunden, lebenden Thierkörper entstehenden weissen Thromben, bilden sich die sogenannten rothen Thromben als pathologische, aus rothen Blut­körperchen und Fibrin bestehende Gerinnsel'wflhrend des Lebens in den Gefässen saptisoh erkrankter Thiere. Diese rothen Thromben sind somit ähnlich wie die im todten Thierkörper gewöhnlich auftretenden Blut-coagula durch einen Gerinnungs- beziehungsweise Absterbungsprncess entstanden und besitzen deshalb eine wesentlich andere Zusammen­setzung und Bedeutung. Bei gleichzeitigem Auftreten von weissen und rothen Thromben spricht man von gemischten Thromben.
Die weiteren Schicksale dos weissen Thrombus sind ver­schieden, je nachdem ein Hinzutritt von Infectionsstoffen stattfindet oder nicht. Bleibt der Thrombus frei von Infection, so kommt es zur sogenannten Organisation des Thrombus, d. h. es entwickelt sich festes, gefässhaltiges Bindegewebe, wodurch das verletzte Gefäss einen soliden und dauernden Narbenverschluss erhält. Dringen jedoch Jn-
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Künstlicho Hlutstilluiig,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\\
feotionsstoffe in den Thx'ombus ein. so entsteht die eiterige und jauchige Erweichung des Thrombus mit nachfolgemlen Emboiien.
1.nbsp; nbsp; Die sogenannte Organisation des Thrombus besteht im Ersatz desselben durch Bindegewebe, Der Thrombus selbst betheiligt sich mit seinen Zellen hiebei nicht aotiv, er spielt vielmehr eine ledig­lieh passive Rolle, indem er allmÄÜg durch das neugebildete Gewebe verdrängt wird. Die Uindegewebsueubildung kommt durch Wucherung der Gefiissendothelien zu Stande. Die Endothel-zellen der Gefässintima wuchern und verwandeln sich in spindelförmige beziehungsweise vielgestaltete Bildungszellen, welche gegen das (Jentrum des Thrombus vordringen, denselben durchwachsen und umwachsen und später zu tibrillilren Bindegewebszellen auswaohsen, so dass der Thrombus schliesslich durch derbe Bindegewcbszüge verdrängt und ersetzt wird. Gleichzeitig findet in Folge Sprossung der Vasa vasorum Gefassneubildung und Vascularisation des Throm­bus statt. Der Thrombus stellt dann etwa, vier Wochen nach der Verletzung eine bindegewebige, von Capillaren durchsetzte Narbeninasse dar, welche später durch Schnunpt'ung und Schwund der neugebildeten Geiasse derber wird. Seltener tritt Verkalkung oder Verkreidung des Thrombus ein (sogenannte Venensteine oder Phlcbolithenl
Die Wiederherstellung der durch den Thrombus unterbrochenen Circulation wird durch die Bildung eines Gollateral'Kreislaufes ermöglicht, indem sich die central und peripher vom Thrombus ab­gehenden Arterienäste, sowie die Vasa vasorum erweitern. Zuweilen wird die Thrombusnarbe im Centrum später für den Blutstrom wieder durchgängig oder die Leitung wird durch erweiterte Narbengefässe hergestellt.
2.nbsp; nbsp;Die Erweichung des Thrombus wird durch die Einwande­rung von Bakterien bedingt, welche eine eiterige Einschmelzung und jauchigen Zerfall der Thrombusmassen und damit die Gefahr emboli-scher Processe. beziehungsweise einer Allgemeininfection des Körpers hervorrufen. Vergleiche das Capitel der Pyämie und Phlebitis.
Künstliche Hlutstilluiig'. Dieselbe bezweckt einen Verschluss des blutenden Gefässes entweder durch Druck oder durch Beförderung der Gerinnung. Die wichtigsten hiebei angewandten Hilfsmittel sind folgende:
1. Die Unterbindung (Ligatur) der blutenden Gefässe. Die Ligatur ist das einzige Mittel, welches Blutungen aus grösseren Arterien und Venen sicher und schnell stillt. Man fasst das blutende Gefäss
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12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Künstliche Blutstillung.
mit einer guten Sclneberpincctte (besonders empfelilenswerth sind die vorne mit einem spitzen Haken versehenen v. Bergmann'schen Pin-cetten) und unterbindet dann das Gefäss mit Seide. Gelingt die Isolirung des Gefässes nicht, so wird das Gewebe in der Umgebung des Gelasses mit unterbunden (Ligatur en müsse), nachdem es eventuell vorher mit einer Nadel umstochen worden ist (Umstechung). 1st wecen der tiefen Lage dos blutenden Gefilsses keine dieser Me-thoden anwendbar, so muss die spritzende Arterie an einer entfernten, centripetal gelegenen Stelle unterbunden werden (Unterbindung in der Continuität); man unterbindet beispielsweise bei Verletzung der inneren Kopfarterie die Curotis.
2.nbsp; nbsp;Die Compression der Gefilsse durch Naht und Verband reicht in der Regel zur Blutstillung bei parenehymatösen und capillären Blutungen aus. Zuweilen kann man aber auch durch Tamponade der Wunde einen verstärkten Druck auf die blutenden Gefässe ausüben. Vorübergehend lilsst sich die Blutung durch Druck der lunger oder Hand (Digital com press ion') oder durch Anlegen eines elastischen Schlauches (Esmarch'scher Schlauch) beziehungsweise einer Gummibinde (Martin'sehe Binde) zwischen Wunde und Herz beseitigen. Die früher angewandten Tourniquets (mit Gurten befestigte Polster) sowie die sogenannte Acupressur (Compression des Gefässes durch eine seitlich von demselben in querer Richtung unterhalb oder oberhalb desselben durchgesteckte Nadel) sind heutzutage kaum mehr in Gebrauch.
3.nbsp; nbsp;Das Abdrehen der blutenden Gefässe (Torsion) hat eine Los-lösung und Aufrollung der Intima und Media, sowie eine Zusammen­drehung der Adventitia zur Folge, wodurch das Lumen der verletzten Gefässe verengert beziehungsweise verschlossen wird. Die Torsion wird entweder in der Weise ausgeführt, dass man nur das blutende Gefäss mit der Schieberpincette fasst und längere Zeit um seine Achse dreht, oder dass man 'auch die benachbarten Weichtheile mit herumdreht (Torsion des Samenstranges).
Wie ich mich durch zahlreiche Castrationcn beim Pferde über­zeugt habe, ist die regelrecht ausgeführte Torsion des Samenstranges ein ebenso sicheres Mittel gegen Nachbluten, wie das Abklappen oder Unterbinden desselben.
4.nbsp; nbsp;Das Feuer in Form des Glliheisens oder Paquelins ist in manchen Fällen bei parenehymatösen Blutungen insofern ein wirksames blutstillendes Mittel, als es die Oetfnungen der blutenden Gefässe durch Verschorf ung schliesst, und der Brandschorf gleichzeitig die Rolle eines aseptischen Verbandes bildet (Brennen beim Amputircn des Schweifes).
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Arien iler Wiimlheilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
Weniger wirksam ist dio Anwendung' von Kälte (Eis, kaltes Wasser, Aethcrverdunstung). Dieselbe wirkt blutstillend durch Contraction und Verengerung der kleinsten Gefässe.
ö. Von Arzneimitteln wird als Stypticum bei capillilren und parenchymatösen Blutungen huuptsilchlich der Liquor Ferri sescjui-chlorati. concentrirt oder mit Collodium, Baumwolle, in wiisserigcn Lösungen etc. benutzt. Derselbe bedingt Coagulation des Blutes mit gleichzeitiger Verengerung der Blutgefasse. Andere chemische Mittel sind Alaun, Tannin, Creolin, Bleizucker, Höllenstein, Terpentinöl u. s. w. Innerlich wird bei Blutungen, denen chirurgisch nicht beizukommen ist, Mutterkorn oder Hydrastis verabreicht.
Häinophilie. Die Iliimopliilie (Bluterkrankheit) ist eine angeborene Neigung zu Blutungen (httmorrbagische Diathese), welche sich darin äussert, laquo;lass nach ganz geringfügigen Verwundungen unstillbare Blutungen auftreten. Die Bluterkrankheit ist bei den Thieren sehr selten und bisher nur heim Pferde beobachtet worden (Köhne, Siedamgrotzky u. A.); man hat beispielsweise nach der Erweiterung der Castiationuwunde, heim llaarsoilzichcn und Fontanell-legen, beim Spalten von Kistelcanälen u. s. w. stunden- und tagelang dauernde Blutungen wahrgenommen, welche allen angewandten Mitteln trotzten. Die eigentlichen Ursachen sind unbekannt (abnorme Blutbeschaffenheit? Ernährungs­störungen der Gretasswand?).
IV. Anatomische Vorgänge bei der Wundheilung.
Al'tcn (lor Wimdlieilung. Die anatomischen Vorgänge bei der
Wundheilung, welche namentlich durch eingehende Untersuchungen von Thicrsch klargelegt wurden, sind sehr verschieden, je nachdem die Wunde rein oder inficirt. genäht oder unvereinigt ist, ferner je nachdem eine Schnittwunde oder Quetschwunde u. s. w., eine Wunde mit oder ohne Substanzverlust vorliegt. Man kann die nachstehenden Arten der W undheilung unterscheiden:
1.nbsp; die Heilung per primam intenlionem;
2.nbsp; nbsp;die Heilung per seeundam intentionem:
3.nbsp; nbsp;die Heilung per tertiam intentionem;
4.nbsp; nbsp;die Heilung unter dem Schorfe;
6. die abnorme Granulation und Vernarbung,
Die Heilung per primam intentionem. Man versteht darunter
die directe Vereinigung der Wundränder durch unmittelbare
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14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I''e Hellung per prlntftm Intenttonem.
Verklobung ohne Eiterung. Grumlbodingungcn fLir das Zustande-kommeu tier primären Wundbeilung sind: frische, niehtinticirtei aseptische) oder nach erfolgter Infection gründlich desinticirte (antiseptisch be­handelte) Schnittwunden mit möglichst geraden Rändern und ohne Substanzvei'lust; enge Annäherung der Wnndräiider mittels der Naht; Entfernung aller Fremdkörper (Ilaare. Schmutz, Blut etc.) aus der Wunde; Anlegen eines aseptischen Wundverbandes,
Bei den Ilausthieren treffen diese Voraussetzungen meist nur für die ()perationswunden, und auch unter diesen gewöhnlich nur für solche y.u. welche durch einen Verband ausreichend geschützt werden können.
Makroskopisch findet man bei der Heilung per primam eine Verklebung der Wundränder anfangs durch Bluti später durch eine Ivinpheartige plasmatische Flüssigkeit (sogenannter Wundkitt i. Die Ober­fläche der Wunde bleibt trocken. Die Wundränder zeigen vom zweiten Tage ab geringe Schwellung, Schmerzhaftigkeit undliöthung. Nach etwa einer Woche ist unter Zurückbleiben einer schmalen Narbe die defini­tive Vereinigung erfolgt. Mikroskopisch beobachtet man sehr bald die Einwanderung weisser Blutkörperchen aus den benachbarten Blut-gefäsaen in die AVnndränder und in den Wundkitt. Diese z eil ige Infiltration der Wunde mit wandernden weissen Blut­körperchen ist als ein Entzündungsvorgang aufzufassen. Die Auswanderung der weissen Blutkörperchen wird jedoch nicht, wie bei der seeundären Wundheilung, durch die Einwirkung von Bakterien (eiterige Entzündung), sondern lediglich durch den traumatischen Reiz veranlasst (traumatische, aseptische Entzündung) und ist daher als eine reactive Erscheinung seitens der verletzten Gewebe zu betrachten.
Die Ansammlung der Wanderzellen (Leukocyten) im Wundkitt und in den Wundrändern erreicht am dritten Tage den Höhepunkt; von da ab gehen sie zu Grunde oder wandern wieder in die Gefässc zurück.
Bei der Bildung der definitiven Narbe sind die Wanderzellen nicht betheiligt, wie man früher irrthüiulieh annahm. Das Narben­gewebe wird vielmehr durch die sogenannten Fibroblasten erzeugt, rundliche Zellen, welche durch Wucherung der fixen (autochthonen) Bindegewebszellen und der Gefäss-emlothelzellen entstehen. Indem sich die Fibroblasten allinälig vergrössern, entstehen grosse, epithelioide. sowie längliche. Spindel- und keulenförmige Zellen, welche sich später in übriiläre Bindegewebszellen umwandeln und dann das eigentliche Narbengewebe bilden. Gleich-zeilig findet durch Sprossenbildung aus der Wand der
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Igt;iü Iloiliuig pet soemuliun intentioiiem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]5
clurchschnittencii Capillaren (lofiis.snoubi klung zwischen deji W undriiudorn statt.
Die Fibroblasten in Verbindung mit den neugebildeten Gefttssen bilden das sogenannte Keimgewebe (Gninulationsgewcbe). Nach der Umwandlung der Fibroblasten in Bindegewebszcllen schrumpft das Keimgewcbc. wobei die neugebildeten Gtefässe wieder veröden und das eigentliche Narbengewebe entsteht. Dieses Narbengewebe wird schliesslich durch die Wucherung der in der Peripherie der Wunde gelearenen Epidermiszellen tiberhäutet. Damit sind die Vorgänge bei der primären Wundheilung zum Abscbluss gelangt.
Die Hoilung per seeundam intentioiiem. Dieselbe verläuft in Folge der Infection durch Eitercoocen mit Fite rung unter Bildung von reichlichem Granulationsgewebe. Man findet sie namentlich bei älteren, inücirten. beziehungsweise nicht aseptisch be­handelten Wunden, bei Quetschwunden, bei Wunden mit Substanz­verlust, bei nicht genähten Wunden.
Makroskopisch sieht man auf der Wunde nach ein bis zwei Tagen ein seröses, lymphatisches, röthlicbgeibes Secret, wodurch der Grund der Wunde ein gallertartiges Aussehen erhält. Vom dritten Tage ab zeigt die Wundfläche eine körnige Beschaffenheit (Granulationen) sowie beginnende Eiterbildung. Im Verlaufe der Eiterung wird das vorhandene abgestorbene Gewebe abgestossen. Später wird die granulirende Wundfläche von den Händern her all-mälig mit Epidermis überbautet; die neugebildete Epidermis umgibt in Form eines weissen Sauines den Rand der Granulation. Unter Schrumpfung des Granulationsgewebes und nach erfolgter vollständiger Ueberhäutung bleibt schliesslich eine breite, derbe, sehnige Narbe zurück. Der mikroskopische Befund stimmt mit dein bei der Heilung per primam im Wesentlichen tiberein. Die secuiuläre Vereinigung unterscheidet sich von der primären lediglich dadurch, dass in Folge der Infection eine viel grössere Menge von Keim­gewebe (Granulationsgewebe) gebildet wird, welches als Product der eiterigen Entzündung ein eiteriges Exsudat liefert. Die zellige Infiltration der Wundränder, die Bildung von Fibroblasten, die Sprossung der Capillaren, die Umwandlung der Fibroblasten in libriiläivs Binde­gewebe erfolgt genau so, wie bei der Heilung per primam.
Die II ei lung' per tei'tiam iiitentioiu'in. Man versteht darunter die künstliche VereiniflfUnif von bereits granulirenden und
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I'ie Heilung unter dorn Schorfe,
eiternden W und flächen. Dieselbe gelingt zuweilen nach einer voraus­gehenden sorgfältigen Desinfection der eiternden Granulationen und Ver­einigung der Bänder durch exaetes Nähen. Die Heilung per tertiam hat für dieThierheilkunde insofern gewisse Bedeutung, als man damit z.B. eiternde Risswanden am Kopfe der Pferde erfahrungsgemäss selbst noch eine Woche nach geschehener Verwundung zur schnellen und dauernden Verwachsung bringen kann. Der Versuch, die Heilung per tertiam herbeizuführen, sollte in derartigen Fällen nicht unterlassen werden.
Die Heüuilg Ulltev dein Schoi'fe. Dieselbe stellt eine Form der primären Wundheilung dar, bei welcher es zur Eintrocknung des Blutes auf der Wunde und zur Bildung einer festen Borke kommt. Bei kleineren Wunden kann unter diesem Schorfe die Vernarbung ohne Eiterung rasch in der Weise erfolgen, dass sich von den Bändern her unter dem Schorfe neue Epidermis bildet. Diese Form der Heilung ist für die thierärztliche Chirurgie deshalb von grosser Wichtigkeit, weil sieh bei den Hausthieren sehr häufig weder Nähte noch Verbände anlegen lassen. In solchen Fällen übernimmt der trockene Blutschorf die Stelle des aseptischen Verbandes. Künstlich kann diese Form der Heilung mittels des Glüheisens durch die Erzeugung eines Brand­schorfes (Brennen von Schweifwunden, Ohrwunden, nach Exstirpation kleiner Tumoren auf dem Bücken, Brennen von Gclenkwunden u. s. w.), durch Aufstreuen von Tannin, Wismuthsalzen, Jodoform und anderen austrocknenden Desinfectionsmitteln herbeigeführt werden,
Die abnorme Granulation und Vemarbung. Während bei den
geschilderten verschiedenen Formen der normalen Wundheilung die Vorgänge der Granulationshildung und Vernarbung nach einer be­stimmten Zeit einen typischen Abschluss finden, kommen bei manchen Wunden abnorme Granulations- und Vernarbungsprocesse vor. Dies ist der Fall, wenn Fremdkörper in der Wunde zurückgeblieben sind, wenn grosse Substanzverluste vorliegen, wenn eine fortgesetzte Beizung und Infection der im Heilen begriffenen Wunde stattfindet, bei gewissen Allgemeinerkrankungen des verwundeten Thieres u. s. w.
1, Die Granulation ist namentlich abnorm, wenn das Granu­lationsgewebe zu üppig und in zu i'eichliclier Menge wuchert: üppige, wuchernde, fungöse Granulation (Cai'O luxurians, wildes Fleisch). Man findet zu üppige Granulationen, wenn z. B. bei Kronen­tritten. Widerristfisteln und Satteldrücken abgestorbene Gewebstheile in der Tiefe einen fortwährenden Enfzündungsreiz unterhalten, ferner
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Wundbeilung und Niirbeiibildung in don oinzelnpn (Jcwelicn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17
wenn Hautwunden in der BougcHäche der Gelenke (Fesselbeuge, Sprunggelenksbeuge) durch die Beu^e- und Streckbewegungen der Extremität fortwährend gereizt werden, bei Äluskelvorfall nacli Ver-letzunquot;- der Unterschonkelfaseie in Folge Einsohntlninff und fort-gesetzter Reizung der vorgefallenen Tlioile u. s. w, Andere krankhafte Formen sind die er ethische Granulation, d. h. reizbares, dimkelrothes. leicht ))liit('iules und sehr empfindliches Granulationsgewebe. die zu schlaffe (torpide), die zu schwache oder blasse, mangelhafte, sowie die ungleiohmässige Granulation, der brandige Zerfall des Oranulationsgewebes (Croup und Diphtherie der Granulation) u. s. w.
2. Die Vernarbung kann ebenfalls in verschiedener Weise abnorm vorlaufen. Bei grossen Substanzverinsten bleibt die Vernarbung unvollständig, und es entwickelt sich ein Geschwür. Oder auf der Narbe bildet sich eine zu reichliche Ansammlung verhornter Epi-dermiszellen (II o rn n a rbej.
Zuweilen beobachtet man eine geschwulstartige Wucherung des Narbengewebes (Narbenkeloid. Narbcnhypertrophiei namentlich in der Fcsselbeuge und an der Krone bei Pferden. Endlich findet bei ausgedehnter Zerstörung der Haut zuweilen eine Na rbcncontractur, d. h. eine narbige Zusammenziehung der benachbarten Haut mit Lage­veränderungen einzelner Körpertheilc statt (Caput obstipum in Folge Narbencontraotur am Hals; Ektropium bei grossen Wunden am
Au
#9632;amp;
enlid).
WiiiKlIieilung und Nitrltenbildiin^; in (ton einzelnen Gewoben. I. In der
Haut und In den Schloimli(tuten vollzieht sich die WundheilnQg in der oben ausfOhrlich beschriebenen Weise. Am schnellsten geht der Wiedererstitz der Bpldevmis und des Epithels der Schleimhäute vor sich.
#9632;2. Die Wunden der Muskeln heilen nicht etwa durch neugebildete Muskelfasern, sondern durch eine librilläre, bindegewebigo Narbe. Das Kegene-rationsvermügon des Muskels ist ein sehr geringes. Nur in der un­mittelbaren Nachbarschaft der Hindegowebsnarbo, sowie nur bei leichten, ober­flächlichen Muskelverletzungen findet durch Wucherung und Vergriisserung der Miiskelkcrno eine beschränkte Hildung neuer Muskelfasern statt.
.'!. Wunden der Söhnen heilen hauptsächlich durch Wucherung dor Zellen der Sehnenscheiden, an welcher sich auch die eigentlichen Sehnen-/.ollen der Sehnenstümpfc betheiligen. Das aus dieser Wucherung hervorgehende Qranulationsgewebe vereinigt die beiden Sehnenenden und verwandelt sich allmälig In eigentliches Sehnengewebe.
•I. Die Wundon dor Knochen heilen in derselben Weise, wie dieFracturen durch verknöcherndes Granulationsgewebe (Callus), au dessen Bildung
Krölmor. AllKlaquo;ineilui OlllfUrgtO.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
.
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Wundinfcctionskriuiklioiten.
sicli sowohl das l'oriost, als auch der Knochen und das Knochenmark hotheiligen (Periostitis, Ostitis und Ostoomyolitis ossificans). Vgl. das Capitel über Heilung der Knochenbrüche.
5.nbsp;Die Wundon der Knorpel heilen ähnlich wie die Knoehenwunden durch Wucherung des Pcrichondriums und Bildung eines zuerst fibrösen, später verknöchernden Callus. Die direct an der Knorpolwunde gelegenen Knorpolzcllen zerfallen fettig, dagegen beginnt gleichzeitig mit der Proliferation des Perichondriums eine Wucherung in den benachbarten Knorpelzellen mit Neubildung von Knorpelgewobe.
6.nbsp; nbsp;Die poriphereu Nerven zeigen bei Verletzungen ein ausserordont-lich grosses Jtegcnerotionsvermügen. Der Ersatz erfolgt nach Anlegung der Nervenimht durch Neubildung von Nervenfasern aus den alten Nervenfasern des centralen Nervenstumpfes und Iloroinwachsen dieser neuen Fasern in den periphoren Stumpf. Bleiben die Nervenenden jedoch mindestens lern von einander getrennt(Xeurektomio), so findet im centralen Nervenende eine Neubildung von Nervenfasern und von Bindegewebe statt, wodurch das contrnle Nervenende keulenförmig anschwillt (Neurome).
7.nbsp; nbsp;Im Gehirn und Rückenmark rindet im Gegensatze zu den peripheren Nerven keine llegeneration von Nervensubstanz, sondern wie in den Muskeln nur die Hildung einer Bindegowebsnarbe statt.
8.nbsp; nbsp;In gefässlosen Geweben (Cornea, Gelenkknorpelj vollzieht sich die Wundhellung ähnlich wie In gefässhaltigon; auch hier findet zuerst Einwanderung weisser Blutkörperchen aus der angrenzenden Conjunctiva und Sklera, sowie später autochthonc Zeilproliferation mit Bildung von Fibrohlasten und Um­wandlung dorselben in ribrilläres Bindegowebe statt. Die Neubildung der Gofässe erfolgt jedoch in der Cornea nicht vom Corneagewebe, sondern vom Rande der Sklera her. Die ribrilläre bindegowebige Narbe der Golenkknorpol kann sich später in hyalines Knorpolgewebe verwandeln.
V. Wundinfectionskrankheiten.
Bog'i'iff. Unter der Bezeichnung Wundinfectionskrankheiten oder aocidentelle Wundkrankheiten 'fasst die allgemeine Chirurgie eine Reihe von Wundkrankheiten zusammen, welche durch das Ein­dringen von Mikroorganismen sowie deren Stoffwechscl-produeten (Toxinen) in die Wunde veranlasst werden. Dieselben bestehen entweder in localen krankhaften Proccssen an der Wunde beziehungsweise! in deren Umgebung, oder sie iiussern wich haupt­sächlich in Form von Allgemeinstörungen. Die wichtigsten Wund­infectionskrankheiten im engeren Sinne sind: 1. Die Eiterung der
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Uio Eiterung dor Wundo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19
Wunde, 2. die Pble^mone, 3. das Wundfieber, 4. die Septikilmie, und 5. diePyämie. Ausserdem kann im weiteren Sinne eine Infection der Wunde durch Tetanus. Rotz, Wuth. Botryomykose, Aktino-mykose, Tuberculose, malignes Oedem, Milzbrand, llauscb-brand und Wildseuohe stattHnden. Endlicb kann sieb von der Wunde aus eine LympbgefilssentzUndung (Lympbangitisl. Venenent­zündung (Phlebitis), Rothlauf (Erysipel;, sowie Wunddiphtberie (Hospitalbrand) entwickeln. Im Nachfolgenden sollen nur die Wund-infectionskrankheiten im engeren Sinne ausführlicher besprochen werden.
1. Die Eiterung der Wunde.
UrsacluMi. Die bei der Heilung per seeundam intentionem auf­tretende Eiterung ist das Product einer Entzündung, welche durch die Infection der Wunde mit Eitercoccen veranlasst wird. Die bacteriologische Untersuchung hat mehrere Mikroorganismen als Erreger der eiterigen Entzttttdung auf Wunden nachgewiesen. Die wichtigsten derselben sind folgende:
a)nbsp; Stapbylococcus pyogenes aureus ist bei den Thieren der häufigste Eitercoecus. Er bildet unbewegliche, traubenförmig in Haufen liegende oder als Diplococcen geordnete, ungleich grosso Cocccn. welche auf Kartoffeln, Agar-Agar und in Gelatine orangegeibe Culturen liefern. Seine durch die Bildung entzündungserregender StoiVwecbsel-produete (Toxine) bedingte pathogene Wirkung ist experimentell fest­gestellt; die subeutane Injection erzeugt bei Versuchsthieren gewöhnlich Abscesse, die Injection in die Bauchhöhle tödtliche Eiterung, die Injection ins BlutPyämie sowie uleeröse Endocartitis. Stapbylococcus pyogenes aureus findet sich namentlich bei umschriebenen locali-sirten Eiterungen.
b)nbsp; Stapbylococcus pyogenes albus kommt seltener vor. Er unterscheidet sich vom voriffen nur durch seine quot;•erinnere pathotrene Wirkung und die fehlende Gelbfärbung der Culturen.
c)nbsp; Staphyloeoccus pyogenes citreus ist selten, zeichnet sich durch intensiv citronengelbe Farbe seiner Culturen aus. stimmt aber sonst mit den vorigen überein.
d)nbsp;Streptococcus pyogenes ist neben Staphyloeoccus pyogenes aureus der wichtigste Eitercoecus. Er bildet kettenförmig aneinander gereihte Coccen, welche sich auf Kartoffeln nicht vermehren und in
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Eigensclmt'tuu (los Eiters.
Gelatine feine gekörnte Stiohoulturen, sowie auf Gelatine bräunliche StrichcLiltucen mit punktil'ton Rändern bilden. Der Streptococcus pyogenes erzeugt nanKsntlich prog'vossive pblegraonüse Eiterungen mit nachfolgender Septikttmie. Nach neueren Untersuchungen soll er auch identisch mit dem Streptococcus des Erysipels sein.
e) Bacillus pyooyaneus, der Bacillus des grünen und blauen Eiters, bildet kleine, schlanke, sehr bewegliche Stäbchen, welche ähnlich den Bacillen der blauen Milch einen grünen beziehungsweise blauen Farbstoff (Pyooyanin) liefern, der chemisch mit dem Anthracen verwandt ist, also zur Benzolgruppe gehört, und den Eiter und die Verbände grün oder blau färbt. Während das Pyocyanin unschädlich ist. wirken die Bacillen auf Versuchsthiere pathogen, indem sie an der Einspritzungsstelle üdematOse und eiterige Entzündung hervorrufen. Auch Bacillen mit rothom Farbstoff sind im Eiter nachgewiesen worden.
Von sonstigen Mikroorganisnieii, welche unter Umständen Eiterung hervor­rufen können, sind ssu nennen: dor Aktinomyces- und ]5otryomyces-Pilz, der Tuberkel- und Rotübacil Ins, der Mikrocoecus pyogenes tennis, dor Kapsolcoccus (Diplococcus), der Uaeillus pyogenes t'oetidus, das üacteiiuni coli eommuno, der Stapliylüeoccus eerous, albus, t'layus u. s. \v. — Weiteres über Eiterung, namontlich über ilie bei den einzelnen Ilaus-thieren vorkommenden Elterbakterien, sowie bezüglich der nicht durch Bakterien erzeugten sogenannten aseptischen Eiterung (Einspritzung von Terpentinöl, Sublimat, llöllensteinj vergleiche das Capitol der Entzündung.
Eigen^oliafteil lt;los Eitci'S. Enter gewöhnliehen Umständen bildet der Eiter eine dicke, rahmähnliche, gelblichweisse oder grünlich-weisse. geruchlose, nicht gerinnende Flüssigkeit (Bus houum et laudabile). In Eolge der gleichzeitigen Ansiedlung farbstoffbildender Bakterien nimmt er eine grüne, blaue, seltener eine rothe Farbe an. Dünnflüssiger, schleimiger, schaumiger, missfarbiger, übelriechender Eiter beweist das Vorhandensein von Zersetzungsvorgängen in Folge Ansiedlung von Eäulnissbakterien in der Wunde. Im Uebrigen hängt die Beschaffenheit und Menge des Eiters von verschiedenen Umständen ab: von der Grosso und dem Alter der Wunde, von dem Blutreiclithum und der (Jonsistenz der verletzten Gewebe, von der Art und ilenge sowie den verschiedenen Eutwicklungsstadien der Eitercoccen, von der Temperatur und Jahreszeit, vom Klima, von der Thiergattung u. s. w.
Wenn der Eiter längere Zeit in einem Gefässe steht, kann mau zwei Schichten unterscheiden. Die obere ist dünnflüssig, ziemlich klar
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Die I'hlejjmoue.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21
und gelblich gefärbt, sio bildet das sogenannte Eiterserum; die untere ist dickflüssig und strohgelb, sie enthält die Eiterkörper eben. Die Eiterkörperchen stellen im Wesentlichen aus den Blut-gefttssen ausgewanderte weisse Blutkörperchen dar(Cohii-heim). Zum Theil sind sie jedoch auch Abkömmlinge der fixen Gewebs­zellen, sowie der im Zerfall begriffenen (Irundsubstanz der Gewebe. Ausser den Eiterkörperchen findet man bei der mikroskopischen Unter­suchung die verschiedenen Eitercocccn. welche zuweilen im Innern der Eiterkörperchen eingeschlossen liegen, sowie andere Spaltpilze, rotte Blutkörperchen, Gewebszellen, Fetttropfen, Krystalle von Fettsäuren und Oholestearin U. S. W, Der Peptongehalt des Eiters stammt aus der Umwandlung des Fibrinogens durch die Eitermikroorganismen; das Fehlen des Fibrinogens im Eiter erklärt die fehlende Gerinnung.
Bleibt die Eiterung nicht auf die Wunde beschränkt, sondern verbreitet sieh die eiterige Entzündung auch auf die Nachbarschaft, so kommt es zur Entwicklung einer diffusen eiterigen Entzündung des subeutanen und submueösen Zellgewebes (Phlegnione). einer eiterigen Fmtzündung der Eymphgefässe (Lymphangitis). Lymphdrüsen (Lymphadenitis) und Venen (Phlebitis), sowie zur Aufnahme von Eitercocccn und deren Toxinen ins Blut (Wundfieber, Septikämie P y ä m i e).
2. Die Phlegmone.
Be|£rif(. Mit dem Kamen Phlegmone, phlegmonöse Ent­zündung oder Zellgewebsentzündung bezeichnet man eine infec-
tiöse, meist eiterige Entzündung des subeutanen. submueösen, subfascialen, intermusculttren, periostalen, perichondralen, tendovaginalen. intergiandulären etc. Bindegewebes.
Mmi spricht daher im Speoiellen von einer subfascialen oder interinusculären Phlegmone, von einer Phlegnione der Subcutis, des Perichondriums, der Sehnenscheiden, des Euters n. s. w.
Ursachen mul Formen. Die phlegmonUse Entzündung wird im
Wesentlichen durch dieselben Bakterien hervorgerufen, welche bei der Eiterung gefunden werden. Am häufigsten sind Staphylococcus pyogenes aureus und Streptococcus pyogenes die Ursachen der Phlegmone. Das Eindringen der genannten Eitercocccn findet immer durch eine Wunde statt; Stich-, Streich-. Quetsch- und Bisswunden
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lgt;ic l'hleginoiie.
bilden gewühnlicli den Ausgangspunkt der Phlegmone. laicht selten sind die voraiisgehenden Wunden sehr klein oder bereits abgebeilt, so dass sie als Eingangspforten der Kiterbakterien nicht mehr nach­gewiesen werden können. Dieser Umstand hat früher zu der falschen Annahme der sogenannten spontanen Phlegmone geführt. Hiezu hat wohl auch die Thatsache beigetragen, dass die Phlegmone zuweilen mehr oder weniger entfernt von der Eintrittsstelle der Eitercoccen auftritt, wenn letztere niimlich nicht in der Wunde liegen bleiben, sondern durch die Lymphbahnen sofort weitergeführt werden. Auch kann es vorkommen, dass die Infection des Bindegewebes nicht von aussen. sondern vom Blute her erfolgt (metastatischo Phlegmone bei Pväraie, Druse. Brustseuche u. s. w.j. Eine Prädisposition zu Phlegmone bilden Blutungen und Zerroissungen des Bindegewebes in Folge Quetschung.
Die Chirurgie unterscheidet verschiedene Formender Phlegmone. Abgesehen von der anatomischen Eintheilung in subcutane, sub-m u c ö s e, s ub f a s c i a 1 c, i n t e r m u s c u 1 il r e u. s. w. Phlegmone spricht man von einer oberfliichlieben und tiefen, ferner von einer um­schriebenen (circumscripteni und diffusen (progressiven) Phleg­mone. Die umschriebene Form beschränkt sich auf eine phleginonöse Schwellung in der nächsten Umgebung der Wunde und führt luiutig zur Bildune eines Abscesses: die diffuse Phleamone besteht in einer eiterigen Infiltration grüsserer Flüchen des Bindegewebes und hat häufig brandiges Absterben der Haut, der Unterhaut, der Fascien. Sehnenscheiden u. s. w. zur Folge (gangränesci rende Phleg-m o n e).
Eine besonders bösartige Form bildet im Gegensatze zu der ge­wöhnlichen eiterigen die septische Phlegmone; sie stellt eine iMischinfection durch Eitercoccen und septische Bakterien dar. Auch die sogenannte Gasphlegmone ist als eine Mischinfection mit gas­bildenden Bakterien aufzufassen (Bacillus phlegmonae emphysematosae, Bacterium coli). Endlich bezeichnet man die gewöhnliche, eiterige Phlegmone als einfache im Gegensatze zur speeifischen Phleg­mone, welche nicht durch Eitercoccen, sondern durch bestimmte andere Spaltpilze, insbesondere durch die Bacillen des malignen Oedems und Raus eh brands verursacht wird. (Vgl. die betreffenden Oapitell
Vorkoiiimeil. Die gewöhnliche, einfache, eiterige Phlegmone kommt bei allen Hausthieren vor, am häufigsten aber beim Pferd. Hund und Kind.
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Die Phlcgmone.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23
Die meisten Phlegmoncn sind subcutan, doch sind die phleg-inonösen Entzündungen des subfascialen, intermusculären und peri-chondralen Bindegewebes, sowie der .Sehnensclieiden besonders beim Pferde nicht selten.
Besonders praktische Bedeutung haben nachstehende Phleginonen:
1.nbsp; nbsp;Die subeutane Phlegmone der Weichtheile des Kopfes (Lippen. Augenlider. Schläfengegend, Kehlgang);
2.nbsp; nbsp; nbsp;die submueöse Phlegmone der Maul- und Bachen-Schleimhaut (Stomatitis, Pharyngitis und Glossitis phlegmonosa);
3.nbsp; nbsp; die subfasciale Phlegmone der IJals-, Schulter- und Rlickenfaseien beim Pferde (Nackenfistel, Widerristiistel, Stich­wunden);
4.nbsp; nbsp; die intermtisculäre Plilegmone der Hals-. Schulter-, Ellenbogen-. Kruppen- und Bauchmuskeln beim Pferde;
5.nbsp; die subeutane Phlegmone an den il interbei neu der Pferde (Kinschnss);
ü. die subcoronäre und periehondrale Phlegmone an der Hufkrone (Kronentritt) und am Hufknorpcl (llufknorpelfisteli, sowie die Phlegmone des Strah 1 poIsters beim Pferde (Nageltritt);
7.nbsp; das der subcoronüren Phlegmone des Pferdes entsprechende sogenannte Panaritium der Klauen des Kindes und der Krallendes Hundes;
8.nbsp; die subfasciale Phlegmone der Fascia lata und Unter­sehe n keif a scie beim Pferde;
9.nbsp; die Phlegmone der Sehnenscheiden der Beuge sehnen beim Pferde;
10.nbsp; die subeutane und intermusculilre Phlegmone am Schweif beim Kind (Impfung), Hund (Quetschung) und Pferd (Coupiren);
11.nbsp; die Phlegmone des Schlauches und Scrotums beim Pferde ;
12.nbsp; die Plilegmone des Euters beim Kind.
El'Scheillimg'ClI. Die umschriebene Phlegmone äussert sich durch Schwellung, höhere Temperatur, Köthung und Schmerz-liaftigkeit einer kleineren Partie der Haut. Die Schwellung, welche sich zuweilen wallartig von den gesunden llautpartien abgrenzt, ist bald hart und derb, bald weich und teigig anzufühlen. In Folge der Anschwellung und Spannung lässt sich die Haut nicht ab­heben. Häufig entwickelt sich aus der umschriebenen phleginonösen Anschwellung ein Abscess, der sich durch Fluctuation, blaurothe oder grauschwarzc Verfiirbung der Haut, sowie durch Fieber anzeigt. Dieser
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JJio l'hlegmono.
Abscess entleert sich entweder unter Absterben des darüber jreleffenen Ilautstückos von selbst nach aussen, worauf Heilung unter (Jranulations-bildung eintritt, oder er gibt, wenn er nicht künstlich oeött'net wird. ZU Eiterversenkungen sowie zu progressiver I'hlegmone Veranlassung. Audi kann eine eiterige Lymphangitis. Lymphadenitis, Phlebitis, sowie Pyäniie und Septikümie hinzutreten.
Die diffuse Plilegmone ist durch ausgedehnte Schwellung der Haut, namentlich an den Gliedmassen, durch Fieber und Schmerzhaftig-keit ( Lahmeni gekennzeichnet. Durch besonders hohe Fiebertemperatur und Scbmorzhaftigkeit sind die s ubfascialen Phlegmonen charakte-risirt; bei tiefer Lage derselben zeigt die Haut entweder keinerlei Ver-anderungen oder nur eine geringe ödematöse, teigige Schwellung.
Aehnlich verhalten sich die i n term uscuLiren Phlee'monen. Alle diese ditt'usen Phlegmoneii führen häufig' ZU ausgedehnten Gewebs-nekrosen der Haut, der Subcutis, der Fascien, Muskeln etc. und enden nicht selten tödtlich in Folge von Septikämie oder Pyümie.
Die septische Plilegmone zeigt einen sehr acuten. meist tödtliohen Verlauf, sehr schnelle Ausbreitung, hohes septisches Fieber, ausgedehnte brandige Zerstörungen, sowie zuweilen eine knisternde Beschaffenheit der erkrankten Partien in Folge der Entwicklung von Fäulnisgasen (Qasphlegmone, Emphysema septicum). Aehnlich ttussert sieh das maligne Oedem, (Vgl. unten.)
AllSgällft'C. Der Verlauf der Plilegmone ist je nach ihrem Charakter und ihrer Ausdehnung, sowie je nach der Thiergattung ver­schieden.
1.nbsp; nbsp;Heilung durch Resorption erfolgt namentlich bei den um­schriebenen Phlegmoneii. sowie bei den diffusen Phleginonen des Pferdes (Einschuss). Die Erfahrung lehrt, dass speciell die letzt­genannten gar nicht selten ohne Abscess und Nekrose in Heilung libergehen.
2.nbsp; nbsp; Die Bildung von Absc essen kommt bei jeder Art von Plilegmone vor. Sie ist umso ungefährlicher, je oberflächlicher die phlegmonöse Entzündung gelegen ist. Ungünstig ist dagegen das Auf­treten subfascialer und intermusculilrer Abscesse, welche entweder als zahlreiche kleine Eiterherde auftreten oder zu grösseren Abscessen confluiren. Zuweilen findet indessen auch bei subfascialen Abscessen eine spontane Eröffnung nach aussen statt.
8, Das Auftreten von Nekrose kann ebenfalls bei jeder Phleg-mone beobachtet werden. Am häufigsten fuhren jedoch septische, sub-
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Die Plilegnione.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
fasciale. intennnsculure. perichomlralc und poriostale PblogmOQen zur Mortification der betroffenen Gewebe (Nekrose bei Hufknorpel-. Wider­rist-. Xackenfistel. l'blegmone des Strablpolsters u. s. w.), Die Nekroso bildet oft den Ausgangspunkt von Septikllmie und Pyänue,
4.nbsp; nbsp;Eine Abkapselung von Abscessen scheint am häufigsten bei intermusculiirer Plilegnione (Brustbeule) vorzukommen. Auch bei der diffusen subcutanen Phleginone an den Hinterscbenkcln der Pferde (Einscbuss) sistirt zuweilen der pblegmonöse Process eine Zeit lang, indem er scheinbar abheilt; die Phlegmone recidivirt indessen früher oder später. Vielleicht erklären sich diese Recidive durch eine vorüber­gehende Abkapselung beziehungsweise Isolirung einzelner Krankheits­herde mit späterer Wiederausbreitung des entzündlichen Processes in Folge Zerrung, Zerreissung oder Einschmelzung der Kapsel.
5.nbsp;Als chronische Induration oder Sklerose bezeichnet man den Ausgang der diffusen eiterigen Phlegmone in chronische Bincle-gewebswucherung im subcutanen, intermusculären, subfascialen, peri-chondralen u. s. w. Gewebe. Tritt die Sklerose an den Hinterfüssen nach dem Einscbuss (Dickbein), nach der Mauke (Straubfuss, Jgelfuss) oder am Kopfe (Rotzj auf und führt sie zu starker Verdickung der Haut, so spricht man wohl auch von Elephantiasis, Pachy­derm ie oder Skier0 dermie. (Vgl, das Capitel über Elephantiasis.)
Bohaiullmi^. Dieselbe besteht zunächst, so lange keine Absce-dirung nachweisbar ist. in Anwendung von an ti s optischen Waschungen. Berieselungen, Hadern und Priessnitz'samp;hen Umschlägen, im Einreiben von (lamp her-, Jodoform-, Theer-j Carbol-, Creolin-. grauer Quecksilbersalbe, sowie in subcutanen Injectionen von Desinfeotionsmitteln.
Alle Absccsse sind frühzeitig mittels ausgiebigen Incisionen zu spalten und die Abscesshühlen mit antiseptischen Flüssig­keiten auszuspülen und zu drainiren. Alles nekrotisohe Gewebe muss entfernt werden. Die Anwendung der Mass age is t zu ver­meiden.
Paimrifium. Man vorsteht unter diesem (aus l'aionycliium — Bntzlindnng des Nagelbetts abzuleitenden) Namen eine umschriebene Phlegmone der Phalangen, spociell beim Menschen eine eiremnseiipte eiterige Kntzündmig des Unterliautbindcgcwebes au der Volarflftcho der Finger.
Aus der Mensehenheilkundo ist das Wort auch in die Tliicrhoilkunde Über­nommen und vielfach falsch aut'gefasst worden. Heim Menschen prädisponirt der anatomische Boil der Subcutis zur Kntstelmng dos l'anaritiuins. Das Sllboutane
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J)iis Wundliolier.
(tewebe der Volarfliicho der Fingor ist nämlich dort sein' dick und seine Binde-gewebsfasern verlaufen nicht parallel mit den Fingorn, sondern senkrecht zu donselbon. liiedurcli entsteht beim Eindringen von Eitercoccen zunächst ein umschriebener, von starren Kindeguwcbstasorn umgebonor Entzündungsherd in der Subcutis (l'anaritium). Breitet sich von hier der phlegmonöse Process auf die Sehnenscheiden, das Periost, das Gelenk und die Knochen aus, so entsteht eine progressive Phlegmone (l'anaritium tendinosum, poriostale, articulare, osseum), welche zur Nekrose der Knochen, eiteriger Entzündung der Gelenke und Sehnenscheiden, zu Xekrose der Solinon und zum Absterben der ganzen Phalange, ja selbst zu tödtliehcr Septikämie und Pyämio führen kann.
Ganz dieselben Proccsse kommen am Hufe der Pferde, an den Klauen der Kinder und Schafe, sowie an den Krallen des Hundes vor. Insbesondere beim Hund und Kind kann man die obengenannten Formen des Panaritiums sehr wohl unterscheiden. Auch die subcoronäro Phlegmone des Pferdes bildet nanientlich dann ein Analogen zum Panaritinm, wenn sie mit Phlegmone des Strahlpolstors, dos Perichondriums, der Rursa des Strahlbeins, sowio mit Nekrose der llnflieinbeugosohne, mit llufknorpeltistol und eiteriger Entzündung des lluf-gelenkes eomplicirt ist.
3. Das Wundfieber.
Wesen iiimI Ursachen. Unter dein Begriff Fieber versteht man einen Symptomencomplcx, der sich aus verschiedenen Störungen des Allgemeinbefindens zusammensetzt. Die wichtigsten derselben sind die .Steigerung der Körpertemperatur, die Erhöhung der Pulsfrequenz, die Aenderung der Blutvertheilung und des Blutdruckes, die Alteration der Zusammensetzung des Blutes, sowie Störungen im Digestions-. Respirations- und Nervenapparat. Die Steigerung der Körpertemperatur ist somit durchaus nicht die einzige Erscheinung beim Fieber.
Die genaueren Vorgänge bei der Entstehung des Fiebers sind noch nicht völlig auf geklärt. Eine wichtige Rolle scheint indessen das Wilrmecentrum im Gehirn dabei zu spielen. Dieses (Jentrum regulirt die gleiobmässige Wärmevertheilung, sowie die Erzeugung der Wärme im Körper (calorigenes Centrum). Wird das Wilrmecentrum gereizt, so steigt die Körpertemperatur, wird es geschwächt'oder gelähmt, so sinkt dieselbe. Eine Reizung des Wärmecentrums mit Erhöhung der Jnnen-temperatur kann auf verschiedene Weise erfolgen. Das Centrum kann traumatisch gereizt werden durch das Einstechen eines Instrumentes oder sonstige Verletzungen iWärmestich nach Aronsohn und Ott), oder thermisch durch hohe Hitzegrade (Hitzschlag. Sonnenstich), oder chemisch durch zahlreiche chemische Körper (Toxine, Fermente. Albumosen, IMallein. Tuberculin. Hydronaphthylamin u. s. w.). oder
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Das Wundficlter.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
refleotorisoh durch Schmerz (sogenanntes nervöses Fieber). Um­gekehrt kann das Wiirmecentrum gelilhint und die Körpertemperatur herabgesetzt werden ebenfalls durch traumatische (Zerstörung des Wilrmecentrums), thermische i Kidte). chemische (Antifebrin. Antipyrin) Einflüsse,
Beim Wundfieber kommt die Störung der Wärme­regulation beziehungsweise die Reizung des Wilrme­centrums wahrscheinlich durch die Resorption chemi­scher Stoffe des Wund secrets zu Stande. Das Wundtieber ist somit als ein Resorptionsfieber aufzufassen. Die resorbirten chemischen Körper sind meistens Stoft'wecliselproducte (Toxine) der auf den Wunden befindlichen Bakterien; man spricht daher von einem septischen oder bakteriellen Fieber (Infectionslieber, Intoxi-cationsfieberl Ein besonders bösartiges septisches Wundtieber kommt im Verlaufe der Septikilmie und Pyämie vor. In einer Anzahl von Fällen tritt indessen Fieber auch bei nichtinticirten Wunden auf. so z. 15. bei subeutanon Knpohenbrüchen und Blutextravasaten. Das Fieber entsteht hiebei wahrscheinlich durch fermentartige Zerfallsproducte des Blutes, welche ähnlich auf das Wärmecentrum wirken, wie die durch Bakterien erzeugten Toxine; man nennt diese Fieber aseptische oder nichtbakterielle Fieber.
Ersclieinimgeii. Die beim Wundfieber nachweisbare Tempe­ratursteigerung kann nach Intensität und Verlauf verschieden sein. Man unterscheidet niedergradiges (beim Pferd und Hund bis 39'50 C), mittelgradiges (bis 40,iV' C.) und hochgradiges Wundtieber [bis 41'50 C). Das Wundtieber ist bald continuirlich, bald remittirend. meist jedoch atypisch; seltener ist ein intermittirendes Fieber (Pyämie). Zuweilen ist das Allgemeinbetinden trotz relativ hohen WundHebers nicht wesentlich gestört, so z. B. beim Pferde nach der Castration. Sonst aber beobachtet man bei höhergradigem Wundtieber gleichzeitig Störungen in der Futteraufnahme, Verdauung und Herz-thätigkeit. Mattigkeit, psychische Eingenommenheit u. s. w. In schweren Fällen geht aus dem Wundtieber das Krankheitsbild der Septikämie und Pyämie hervor.
Heliiliidlimg'. 1 He Hauptaufgabe bei der Therapie des Wund-fiebers bildet die locale Behandlung der Wunde. Häutig genügt schon ein Verbandwechsel, sowie die gründliche Entleerung des Eiters und die Desinfection der Wunde, um einen Abfall der Fieber-
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l^iquot; Septlkämlo.
teiuperatur licrbeizutiiliren. In anderen Füllen beseitigt die Drainage der Wunde, sowie die Incision von Abscessen das Fieber.
Selten ist beim gewöhnlichen Wundtiuber die innerliche Ver­abreichung von Fiebermitteln nothwendig. Die wirksamsten, chirur­gischen Antiseptica sind (Jampher und Alkohol, welche suheutan in Form von Canipherspiritns applicirt werden können.
4. Die Septikämie. Begriff und Ursachen. Mit dem Namen Septikttmie (Seph-
thämie. Septicopyämie, Sepsis. Blutvergiftung-, Faulfieber) bezeichnet man eine durch Aufnahme von Bakterien und deren Zersetzungs-produeton ins Blut entstandene schwere Wundinfectionskrank-heit. Ix'i welchei' im (Jogonsat/e zur Pyämie keine inneren Local-affeotionen (Metastasen | auftreten, sondern welche anatomisch haupt-Bächlioh durch Allgeineinveränderung'en, insbesondere durch Schwellung der j\Iilz und parenehymatöse Entzündung' der Leber, der Nieren, des Herzens und der übrigen inneren Körperorgane gekennzeichnet ist.
In ätiologischer Beziehung unterscheidet man zwei Hauptformen der Septikiimie. eine durch Spaltpilze und eine durch gelöste chemische Giftstoffe (Toxine) erzeugte. Die durch Spaltpilze ver­ursachte wird als bakterielle Septikämie, die durch Toxine bedingte als septische Intoxication bezeichnet. Erstere ist durch Blut­impfung auf andere Thiere übertragbar, wahrend das Blut der letzteren nicht infectiös ist. Zwischen beiden gibt es Uebcrgänge und Combi-nationen (gemischte Infection).
1. Die bakterielle Septikiimie wird durch sehr verschiedene Spaltpilze, sowohl Coccen. als Bacillen, hervorgerufen. Man kann daher zwischen (Joccenseptikämien und Bacillenseptikilmien unterscheiden. Von Coccen erzeugen namentlich Septikämie: der Streptococcus septicus und der Mikrococcus totragenus; aber auch die bei der Pyiünie vorkommenden Coccen, nämlich Strepto­coccus pyogenes und Staphylococcus aureus sind im Stande, Septikämie zu verursachen. Von Bacillen sind durch die experimen­tellen Untersuchungen Koch's als pathogen festgestellt die sogenannten Bacillen der Mäuseseptikäniie sowie die Bacillen der Ka­nin chenseptikäinie; hieher gehören ferner der Bacillus enteri-tidis und das Bacterium coli. Als speeifische Septikäinien können endlich im (iegensatz zu diesen einfachen aufsjefasst werden: der
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Die Öcptikäniio.
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Milzbrand, der Kuuschbraml. das maligne Oedem, der Stäbohenrothlauf, die Septikaemia haemorrhagioa (Wildseuohe) u. s, w.
2. Die septische Intoxication besteht in der Aufnahme giftiger Stoffwechselproducte der Bakterien. Diese als Toxine. Ptomaine, putrides Gift u. s. vv. bezeichneten Stoffe (vgl. unten) sind chemisch sehr verschiedene Körper (Toxalbumine, organische Basen, Fettsäuren, aromatische Producte u. s. w.). Gewöhnlich iindet die Aufnahme dieser Toxine von einein Jauchcherde an der Körperoberfhlehe aus oder von einem solchen im Darm, in der Lunge oder in der Leber statt. In der Regel sind es die obengenannten pathogenen Spaltpilze, welche sich in verjanchten Wunden oder in Jaucheherdeu des Darmes und der Lunge ansiedeln, und deren Stoft'wechselproducte daselbst resorbirt werden. Aber auch an sich nicht pathogeno Pike, so namentlich Fäulnissbakterien, können nach dem Eindringen in Wunden und Eiterherde des Körpers durch faulige Zersetzung des thierischen Ge­webes sehr starke chemische Gifte daselbst liefern, welche nach ihrer Resorption ebenfalls allgemeine intoxication zur Folge haben. Man nennt diese durch Stoffwechselproducte der Filulnispilze (Saprophvten) verursachte Form der Septikämie Saprämie. Besonders gefährlich sind in dieser Beziehung Proteus vulgaris. Proteus inirabilis und Proteus Zenkeri. Ein Uebergang der Saprophyten selbst in das Blut als Ursache von Septikämie findet nicht statt. — Zuweilen ist eine Ursache für die Entstehung der Septikämie nicht zu linden (krypto­gen e t i s c h e S e p t i k ä in i e).
Anatomischer BetlUld. Bei der Section von Thieren, welche an Septikämie gestorben sind, findet man zunächst eine theerai'tige. lackfarbene Beschaffenheit des Blutes. Das Blut sowohl wie die festen Kürperorgane zeigen eine auffallende Neigung zur Fäulnis. Bei der mikroskopischen Untersuchung das Blutes findet man in den Fällen von bakterieller Septikämie die betreffenden Spaltpilze, welche zu einem Zerfall der weissen und rothen Blutkörperchen geführt haben. Insbesondere sind die weissen Blutkörperchen durch die zahlreich cin-raquo;edrungenen Bakterien zu förmlichen Bakteriencolonien umjrewandelt. In Folge parenohymatöser Erkrankung der Gefässwände entstehen Blutungen in den Schleimhäuten, unter den serösen Häuten, nament­lich unter dem Endocardium, im Mesenterium und Netz, ferner in den Nieren, in der Milz. Leber u. s. w.
Milz, Leber und Nieren zeigen in der Regel parenehyma-töse Schwellung, der Herzmuskel und zuweilen die Skeletmuscu-
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'J'0 Septikiiniie.
latur erscheinen lelnnfarbig, wie gekocht. In manchen Füllen besteht ausserdem eine uloeröse Endocarditis, eine katarrhalische, hilmor-rhagische und selbst diphtherisohe Enteritis, sowie eine parenohymatöse and hämorrhagisohe Nephritis, in sehr acuten Fällen von Septikämie sind alle diese Veränderungen sehr wenig ausgeprägt.
SyniptOinelt; Man beobachtet schwere, tödtliche Fälle von Septi­kämie am häufigsten bei Pferden nach eiterigen Entzündungen der Gelenke und Sehnenscheiden, schweren subfascialen und intermuscu-lären Phlegmonen, bei perforirenden Bauohwunden, nach der Castration u. s. w. Die Local Veränderungen sind dalier sehr verschieden. Häutig befindet sich die Umgebung der Wunde im Zustande der sep­tischen Phlegmone. Zuweilen fehlen indessen auffallende Veränderungen an der Wunde. Die Allgomeinkrankheit beginnt meist mit schweren Fieberersoheinangen: hoher, bis zu 42deg; C. und darüber ansteigen­der Temperatur, welche zuweilen durch einen Schüttelfrost ein­geleitet wird, sehr frequentem, kleinem, schliesslich ganz unfühl-barem Pulse, sowie grosser Herzschwäche. Bei manchen Formen von .Septikämie fehlt übrigens die Temperatursteigerung. Hiezu treten schwere Allgemeinstörungen: grosso Mattigkeit und Schwäche, starke Eingenommenheit des Scnsoriums, Muskelzittern, zuweilen auch Lähmung des Hintertheils, schmutzig i'othc oder ikterische Ver­färbung und Ekchymosirung der Schleimhäute, missfarbiger, eiweiss-haltiger Harn, völlig unterdrücktlaquo;! Futteraufnahme, sowie gegen das Ende anhaltende Durchfälle, welche beim Pferde häufig mit Kolik verbunden sind. Die Dauer ist sehr verschieden; die Krankheit kann schon innerhalb weniger Stunden zum Tode führen, dauert jedoch gewöhnlich einige Tage und zieht sich zuweilen selbst über Wochen hin.
BchaiHlluil^'. Wie beim Wundfieber, ist auch bei der Septikämie die locale antiseptische Wundbehandlung die wichtigste Aufgabe. Die Anwendung kräftiger Desinfectionsmittel, die gründliche Ent­fernung stagnirender Wundsecrete, die sorgfältige Drainirung der Wunde, die möglichst frühzeitige Incision Huctuirender raquo;Stellen sind die wirksamsten Gegenmittel. Die innerliche Behandlung mit Fiebermitteln ist von seeundärer Bedeutung; am ineisten empfehlen sich als speeifische Mitteigegen septisches Fieber (quot;ampher, Alkohol und Chinin. Auch das Quecksilber in Form kleiner (iahen von Calomel wird innerlich empfohlen.
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Allgomoines Ulior Toxine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3 1
Allgomolnea über Toxinelt; Unter Toxlnen (PtomaJnen, Ptomatlnen, Cada-
voralkaloidon, Soptioinon, Leichengiften) versteht man Stoffwochselproducte von Bakterien Innerhalb und ausscrlialb dos Thlorkth'pers, Dieselben entstehen sowohl im todten als auch im lebenden Körper; die letzteren hat man im Gegensätze zu den sogenannten Ptomai'nen wohl auch Leukomai'ne i Leukomatine) genannt. Ihrer chemischen Natur nach sind die Toxino nicht blos Basen, wie man früher annahm (Cadaveralkaloidc), sondern auch Eiweiss-korper (Toxalbumino), Säuren u. s. w. Ihre sehr verschiedenartige chomische Zusammensetzung erhellt am besten aus nachstehender, dem Lehrbuch der Intoxieationen von Kobort (1893) entnommenen Eintheilung.
I.nbsp; nbsp;Gh'uppe der Fettsäuren. Hieher gehören Säuren von der Pormol CjHjxOj, und zwar: Ameisensäure, Essigsäure, Propionsäure, Butter-säure, Valoriansäure etc., welche sich theils als Producte der Fäulnis, theils als Zersetzungsproduote Im Körper bilden.
II.nbsp; nbsp;Gruppe der Oxysäuren. Sie haben die Formol ('x IL^O^ und liefern als giftige Stotfwcchsclprodueto namentlich die Milchsäure (Oxypropionsäure) und Oxybuttersäure (Ursache dos Coma diabetieum).
III.nbsp; Gruppe der Oxalsäure. Die Oxalsäure von der Formel 0jII_gt;O, wirkt als Stoffwechselproduct des Körpers giftig bei der Oxalurie.
IV.nbsp; nbsp;Gruppe der Amidofettsäiiren. Dieselben sind häufige Producte der Fäulnis von Eiweiss und Leim, jedoch ungiftig. Ilieher gehören ülykokoll (Amid der Essigsäure), Alanin (Amid der Propionsäure), Propalanin. Butalanin und Leuoin (Amid der Capronsäure). Letztores findet man z. B. im Verlaufe der Phosphorvergiftung (Leucinurie).
V.nbsp; nbsp;Gruppe dor A mine. Dieselben sind organische Ammoniakderivate der Eiwoissfäulnis mit basischem Charakter (Aminbascn). Die drei Wasserstoffe im Ammoniak (NII3) worden durch ein (primäre Amine, Amidbasen), zwei (seeundäre Amine, Imidhasen) oder drei einwerthipe Alkoholradicalc ersetzt (tertiäre Amine, Nitrilbascn), Ilieher gehören die Producte der Leichonfäulnis Methylamin (auch in der Häringslake enthalten) von der Formel CU^ . NIL, das Aethylamin CjHe . NHj, Propylamin C, H7 . NIL, Dimethylamin (CHa)2NH, Diäthylamin (C2IIr,).,NH und Trimethylamin (C1I3)3N, das Gift der Häringslake, welches sich ausserdem in faulem Käse sowie in Leichentheilen findet. Die Amine erzeugen eerobrale Krämpfe und selbst Tetanus; neben der Geliirnreizung findet auch locale Reizung statt.
VI.nbsp; nbsp;Gruppe der Diamine. Dieselben sind Verbindungen des Ammoniaks mit zwoiwerthigen Alkoholradicalen und bilden sich bei der Lcichenfäulnis sowie bei gewissen Krankheiten im lebenden Körper. Besonders bekannt sind das Tetramethylondiamiu oder Putrosein von der Formel N1I,(C1I.),N1I3, und das Pontamethylendiaraln oderCadaverin von der Formel NHj(CHs)6NH„ mit welchem zwei andere Fäulnisbasen isomer sind, niimlich das Sajirin und \e u ridi n.
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32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Allgcineinos iiber Toxine.
VII.nbsp; nbsp;Gruppe des Cholins, Hioher gehören sehr wichtige Leioheugifte,
welche darin ühereinstimmen, dnss sie alle bei der Zersetzung Trimethylamin liefern und eine nuislcariiiiihnliche Wirkxiog besitzen. Es sind dies Cholin, Betain, Ncurin, Leiehenmusliarin (im Fisehgift enthalten, identisch mit dem Muskarin des Fliegonpilzes) und Mydatoxin. Neben einer curareartigen Wirkung erregen diese Körper wie das Fliegenpilzmuskarin die Drüsensecretion und Darm-peristaltik und tödten unter Krämpfen.
VIII.nbsp; nbsp;Gruppe des (Suanidins. Es sind die im lebenden Körper ent­stehenden Zersetzungsproducte des Kiwcisses: tJuanidin, Keratin, Kroa­tin in u. a.
IX.nbsp; Gruppe der Nucleinbason. Zu diesen wohl auch als Gaanin-oder Xanthingruppe bezeichneten Körpern gehören Xantliin (quot;Xanthinurie), Ilypo-xanthin, (Juanin (Guaningichfj, Adenin (in Drüsen vorkommend, Formel CjHsNraquo;)) Carnin, Allantoin und in gewissem Sinne auch die Harnsäure von der Formel CjI^NjOj (Toxin der Gicht). Die XucloVnbasen besitzen eine dem Coffein, einem ihnen ebenfalls chemisch verwandten Alkaloid, ähnliche Wirkung.
X.nbsp; nbsp;Gruppe des I'yridins. Giftige Toxine sind namentlich l'yridin, l'icolin, Lutidin, I'arvolin, Coriilin. Sie besitzen eine nicotinartige Wirkung.
XI.nbsp; Gruppe der aromatischen Substanzen, liieher geluiieu Tyrosin, Phenol, Kresol, Brenzeateehin, Indiean und andere im Harn auftretende aromatische Körper.
XII.nbsp; nbsp;Gruppe der schwefelhaltigen Substanzen. Die wichtigste ist der Schwefelwasserstoff mit specHischer toxischer Wirkung. Ebenfalls aus dem Eiweiss durch Zersetzung gebildet ist das MetliyInierkaptan, ein im Darm neben Schwefelwasserstoff enthaltenes Gas von der Formel Cl\s . HS; ausserdem sind zu nennen Taurin und Taurocho 1 säure.
XIII.nbsp; nbsp;Gruppe der Isocyanide. Diese auch unter dem Xamen Carbyl-amine bekannten Körper finden sich als äusserst giftige Substanzen im Krötengift als I socyanmothyl CH3NC, im Tritonengift als Isocyanäthyl CjH-.XC, und im Salamandcrgift als Isocyanamyl CjHnNC,
XIV.nbsp; nbsp;Gl'uppe von Basen unbekannter Sfritctnr. Hieher gehören Tetanotoxin CsHuN, Tetanin (^H^.X,O,, Saprin C;,HiiXgt;i Gadinin, Tyjihotoxin, Anthracin (':,II(gt;N.,, Sepsin I'blogosin, l'tomatoatropin, I'tomatocurari n, I chtliy otoxin, Tyrotoxin. Lupi notoxi n, Lysotoxin, l'el lagrocci n u. a.
XV.nbsp; nbsp;Gruppe der eiweissartigen Gifte (Toxal bum inej. Die b(;-kanntesten sind Tuberculin, Malleln, das Schlangengift, Bienengift sowie die verschiedenen Toxopoptone der Infeetionskrankheiten. Hieher gehören auch gewisse eiweissartige, in l'tlanzen enthaltene Gifte, die sogenannten l'hytal-bumosen, enzymartige Körper, von welchen bisher das Riein, Abiin, Kobinin und l'ballin besondere Bcdcnitiing erlangt haben.
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Uiü Fyttmle,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 88
5. Die Pyämie.
Begriff und Ursachen.Unter? y ilmi c vorstellt man eine allgemeine Wundinfeotionskrankheit, bei der es im Gegensätze zur Septikttmie am* Bildung von eiterigen Krankheitsherden (Metastasen) im Innern des Körpers kommt. Die Bakterien der Pyämie sind jedoch im Wesentlichen dieselben Avio bei der Septiknmie. Auch die PyJimie kann sowohl durch Coe.oen, wie durch Baoillen ver­ursacht werden. Die häutigsten Erreger der Pyämie sind die Kiter-coccen. insbesondere Streptococcus pyogenes und Staphylo-coecus pyogenesjaurous. Diese (Jocoen bedingen hauptsäehlich das Auftreten von Metastasen (Pyaemia metastatica). indem sie von einem primären Eiterherde aus in die Blutbahn eindringen, sich in ver­schiedenen inneren Organen ansiedeln und daselbst durch ihre Ver­mehrung Eiterung erzeugen. Am häufigsten sehliesst sich die Krankheit an eiterig zerfallende Venenthromben in Wunden, im Hute, im Mabel, nach Knochenverletzungen, sowie an die Resorption innerer Eiterherde an. Von besonderer praktischer Bedeutung ist die Pyämie der Fohlen und Kälber, welche sich aus einer eiterigen Thrombophlebitis des Nabelstranges entwickelt (sogenannte Eohlenlülnne. Kälberlähme). Beim Rinde entwickelt sich die Pyämie häufig von inneren Organen aus, so vom Uterus (Metritis), sowie im Anschluss an die traumatische Gastritis. Eine speeifische Pyämie bildet die Druse der Pferde, sowie die sogenannte Hundedruse (eiterige Foliieulitis der Lippen mit seeundärer Lymphangitis. Lymphadenitis und Metastasenbildung).
In sehr vielen Fällen ist eine Unterscheidung von Pyämie und Septikämie nicht möglich, indem cine Combi­nation von Pyämie und Septikämie stattfindet; man spricht dann von Soptikopyämie.
Anatomischer Befund. Die für die Pyämie charakteristischen
anatomischen Veränderungen bestehen in mehr oder weniger zahl­reichen eiterigen Entzündungsherden (metastatischen Pro-cessen) in den inneren Organen (Lungern. Leber, Milz, Mieren. Gehirn, Herz, Skeletmuseulatur, Gelenke, Sehnenscheiden etc.). Beider Fohlenlähme tritt besonders die multiple eiterige Entzündung der Synovialis der Gelenke in den Vordergrund (Polyarthritis pyaemicai. Ausserdem beobachtet man eiterige Entzündungen anderer seröser Häute, so des Peritoneums, der Pleura, der Meningen, sowie eiterige; Entzündungen im Auge (eiterige Chorioiditis und Panophtbidmie). Zu-
Pröhncr, All^omeine Cliirtirgio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; li
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Die Übrigen Wundlnfeotlonskrunkhelten.
weilen sieht man auch, wie hoi der Septiktlmie, eine ulcerösc Endo­carditis und zahlreiche uiusciiriehene Hämorrhagien auf den serösen Membranen, in der Haut, im Auge, in den Muskeln. Auch können hiezu noch die übrigen anatomischen Veränderungen der Septikämie treten (Septikopyllmie). Die Localveränderungen endlich sind zuweilen ebenfalls sehr cbarakteristisch: man findet nämlich in Folge der Ansiedlung zahlreicher Bakterien in den Venenwänden der Wunde (Nabelwunde z. B.) eine eiterige Entzündung der Venenwand mit eiterigem Zerfall des daselbst gebildeten Thrombus (eiterige Thrombo-Phlebitis), welche die Quelle der eiterigen embolischen Herde im Innern des Körpers, sowie der zahlreich im Blute und in den inneren Organen vorhandenen Bakterien (Mikrocoecen) bildet.
Symptomlaquo;'. DiepyämisoheInfection beginnt mit einem wechseln­den, häufig intermittirenden. sehr uuregelmässigon Fieber, sowie zuweilen mit Schüttelfrösten. Hierauf entwickeln sich die Erscheinungen einer metastatischen Lungenentzündung oder die Symptome von Leber-, Nieren-, Gebirnabsccssen. pyämischcr Polyarthritis, Pleuritis, Meningitis. Tendovaginitis u. s. w. Zuweilen beobachtet man ferner multiple, subeutane Eiterherde, weichein Form phlegmonöser Anschwellungen an verschiedenen Körper­stellen oft ganz plötzlich und manchmal in grosser Anzahl auftreten. Die Dauer der Pyämie ist eine längere als die der Septikämie; sie beträgt gewöhnlich mehrere Tage bis zu einigen Wochen, je nach dem Orte und der Ausbreitung- der Metastasenbüdungcn. Zuweilen kommt es auch zur Entwicklung einer chronischen Pyämie mit starker Abmagerung der Thicre. Genesungen kommen etwas häufiger vor als bei Septikämie, wenn sie auch im Allgemeinen selten sind und das llcconvalescenzstadium immer ein sehr langes ist.
Beliiiiidlimji. Dieselbe besteht, wie bei der Septikämie, haupt­sächlich in der gründlichen localen Desinfection. Drainirung und Incision. Von Fiebermitteln ist wegen seiner speeifischeu Wirkung das Chinin versuchsweise anzuwenden.
Die übrigen Wundinfectionskrankheiten.
Erysipelas, Hotlilunf. Beim Mensohen versteht man darunter oine speci-t'ischc, int'cetiöse (Streptococcus Fehleisen) Entzündung der Haut und Sohleimhänte, welche sich rasch durch Vermittlung der Lymphbahuen
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Erysipelas, Uothliiuf,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
über grössere Strecken ausbreitet, mit sebwerer Ailgemeininfüetion verläuft, jedoch in der Itogel keine schweren localen Veriinderiuigen hinterliisst. Den Ausgangspunkt der Infection bildet meist eine ganz oberfläehliclie Wunde.
Die bacteriologischen Untorsuchungon über die das Erysipel erzeugenden Spaltpilze sind sehr widersprechend. Früher nahm man an, dass dasselbe aus-schliesslich durch den von Fehleisen entdeckten spoeifischen Streptococcus erysipelatis hervorgerufen werde.
Nach neueren Untersuchungen ist dagegen die Specifität dieses Erysipel-COC0U8 mehr als zweifelhaft geworden; derselbe soll vielmehr identisch mit dem Stroptocoeous pyogeues sein. Von anderer Seite ist ausserdem constatirt worden, dass auch Staphylococcen echtes Erysipel erzeugen küiineu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,
Darnach scheint die Annahme berechtigt, dass der Uothlauf keine specilisehe Wundinfeetiontkrankheit darstellt, sondern nur eine innerhalb der Haut localisirto Form der Septikämie. (Mavmorek.)
Die Erscheinungen des Erysipels bestehen in dem Auftreten einer ditfnsen, mit leichter Schwellung verbundenen Köthung in der Umgebung der Wunde, welche sich rasch und häutig den Lymphbahnen entlang verbreitet (Ervsipeias migrans. s. ambulans). In anderen Fällen treten an entfernten und an mehreren Stellen neue Entzündungsherde auf, welche offenbar Metastasen darstellen (Erysipelas erraus s. multiplex). Entsprechend der Ausbreitung des Erysipels beobaclitct man ein rasch ansteigendes, meist hochgradiges Fieber. An manchen Stellen bilden sich an der Oberfläche der Haut in Folge starker seröser Exsudation Blasen (Erysipelas bullosum). In der Kegel heilt der orysipolatöse l'rocess unter raschem Sinken dos Fiebers in typischer Weise ebenso rasch ab, als wie er sich entwickelt hat (einfaches, typisches, nicht complicirtes Erysipel). In anderen Fällen treten phlegmoniise und gangränöse l'rocesse hinzu (Erysipelas phlegmonosum und gangraenosum). Sonstige Complicationen sind erysipelatöse l'neumonie, Flenritis, Endocarditis, l'ericarditis. Myocarditis, Schleimhaiitdiphtherie im Pharynx, eiterige i'anophthalmie, Otitis, Parotitis, Enteritis, Darmgeschwüre, Nephritis, sowie Septikämie und I'yämie. In vereinzelten Fällen hat man endlich die Wahrnehmung gemacht, dass Neubildungen (C'arci-nome, Sarkome, Eymphome, Lupus) nach einer zufälligen Infection durch Erysipel vorschwanden. Auf Grund dieser Erfahrung hat man neuerdings den nicht un­gefährlichen Versuch gemacht, die genannten Neubildungen durch künstliche Erzeugung eines Erysipels mittels Einimpfung von Ervsipolcoccen zu heilen (Impfrotblauf, curativer, salutärer, artificiel lor Rothlauf).
Die Behandlung des Rothlnufes besteht in der epidermatischen und parenehymatöson Application von Desinfectionsmitteln (Ciirbolsüure, Kreosot. Croolin, Lysol, Thoer, Ichthyol, Jodtinctur, Sublimat u. s. n.), in der Incision der Haut mit antiseptischer Irrigation, in der Anwendung von Druck im ge­sunden Urenzbezirk (Collodium, Heftptlastorstreifen), von Kälte u. s. w. Das Fieber behandelt man mit Camphoi u. s. w.
8laquo;
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Ervsiix'las, IJothliuif.
Ueber das Vorkomnicn dos Krjsipcls bei Tldort'ii ist nicht viel bokaunt. Ks erklärt sich dies einosthells aus dem Umstaiido, dass die am meisten charaktc-risti.sche Erscheinung den Kothlaut's, die Kothfiirbung der Haut, bei den Thiorcn wegen der l'igmontirung und Behaarung meist nicht nachgewiesen weiden kann; andererseits scheint, echtes typisches Erysipel bei den Haus-thieren auch viel seltener vorzukommen als beim Menschen. Ich habe beisimgt;lsweise beim Hunde unter 70.000 Krankheitstallen nur viermal Kisclieiuungon beobachtet, die mit' Erysipel hinwiesen; einen Fall habe ich in der Wochenschrift für Tliierheilkunde (1894, S. 24:1) beschrieben. Möller (Lehrbuch der Chirurgie. 1898, I, 8, 150) hat bei llundeii vereinzelt typischen Itothlauf beobachtet. Hei Schweinen scheint Erysipel etwas hiinfiger in Form der Kopfroso vorzukommen; auch durch Impfung lässt sich dasselbe auf Sohwelne Übertragen] (Fehleison), Beim Pferde ist der Kothlauf meist mit Pblegmone (Einsohuss) vorwechselt worden. Ob die sogenannte erysipelatöse Form der Mauke echter Rothlauf ist, bleibt fraglich. Malzow (Zur Aetiologic der Mauke, Inaugural-Dissertation. Dorpat 1Ö89) hat die Ansicht, ausge­sprochen, die unter dem Namen der Mauke bekannte Entzündung in der Fesselbeuge sei mit wenigen Ausnahmeu wirkliches Erysipel. Er gibt an, bei der Mauke der Pferde regclmässig Streptocoecon nachgewiesen zu haben, welche mit denen des Erysipels übereinstimmen. Auch soll nach seinen Ver­suchen das Erysipel vom Menschen und Hunde stets mit Erfolg auf die Haut dor Fesselgegend des Pferdes übertragbar sein. Abgesehen davon, dass es specitische Erysipelcoccen nicht gibt (vgl. oben), dass sich vielmehr auch bei nicht erysipelatösen, einfach eiterigen Hautentzündungen derartige Coecen linden lassen, spricht gegen die Erysipelnatur der Mauke die Thatsache, dass dieselbe weder mit Allgeineinerkrankung verläuft, noch die Neigung zur Weiter-ausbreitung besitzt. Dagegen dürfte ein von Semmor (Oestorreich. Monatshefte. 1896, S. 280) beschriebener Fall wirkliches Erysipel gewesen sein. Drei l'ferde zeigten nach einem Transporte bei starker Kälte Anschwellungen der Lippen, die sich rasch auf die Backongegend, den Kchlgang, den Hals und die Vorder-brust weiter verbreiteten. Xacli kurzer Krankheitsdauer starben alle drei Pferde. Bei der Section fand sich an den geschwollenen Hautpartien ein serös-fibrinöses, theils flüssiges, theils sulzig geronnenes Exsudat; Pleura, Pericardium und Peri­toneum zeigten hämorrhagisebe Entzündung; In der Brust- und Bauchhöhle, sowie im Herzbeutel war eine bedeutende Menge sclimutzigrothor Flüssigkeit vor­banden ; am Gekröse und unter der Lungenpleura sah man bedeutende Blut-extravnsate, die Milz war stark vergrössert. Aus dem serösen Exsudat der geschwollenen Haut Hessen sich Roinculturen von Staphylococcen gewinnen, deren cutane und subeutano Injection bei einem Versuchspferde bedeutende erysipelatöse Geschwttlste an der Impfstelle (Schulter) erzeugte, die sich bis zum Carpus hinab erstreckten; ausserdem bestand Fieber und Appetitlosigkeit. — Ueber das Vor­kommen von echtem Erysipel beim Kind, Schaf und Geflügel ist nichts Sicheres bekannt.
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Malignes Ocdem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
Malignes Oodoin. Dasselbe ist als eine speoifisohe Phlegmono aufzu­fassen, welche verschiedeno Benennungen erhalten bat (malignes Oedem, progressive gangränöse Phlogmone, gangränoseiroiulo Septlkitmio, acut purnlentes Oedem, Oangr6ne foudroyante). VVahrsoheintioh kommen
mehrere Spaltpilze als Krankheitserreger in Betracht, Am wichtigsten ist der von Koch entdeckte Hacillus dos malignen Oedems. Die Baoillen des malignen Oedems sind sporenbildondo, meist sehr bewegliche, die Gelatine verflüssigende, die Giiim'sche Färbung annehmende, unaörohe Stäbchen von, 3 his b fimm Länge und 1 nmrn. Breite, mithin viermal so lang als breit. Mehrere Stäbchen pflegen sich zu Schoinfädon von 10 bis 40 raquo;mmLänge zu verbinden. Nach dem Tode der Thiere wachsendie ÜcdembacillGii selir in die Länge und bilden theils steife, theils schlankbogigo und sohllngonartlge Fäden, welche eine Gliederung erkennen lassen, so dass sie den Eindruck aneinandergereihter Baoillen machen. Aus diesen Fäden entwickeln sich später die Sporen. Die Oedembacillen finden sich in grosser Menge auch im Blute vonErstlcknngsleichen nach 24 Stunden, wenn dieselben in einei- Temperatur von 38quot; C. gehalten werden, besonders im Pfortaderblute, Aus diesem Grunde kommen sie auch regelmässig nach 12 bis 24 Stunden zunächst im Leberblute, dann aber auch nilgemein im Körperblute in den Cadavern unserer llausthiere nach dyspnoischer Todesart, bei Koliken etc. vor, weil sich in deren Innerem dii-Temperatur lange erhält.
Die Oedembacillen zeigen eine auss erorde n tl iche Verbreitung in der Natur. Besonders in den obersten Erdschichten findet man sie zahlreich. Bringt man eine geringe Menge gewöhnlicher Gartenerde unter die Haut eines Kaninchens, so geht dasselbe in 24 bis 36 Stunden an malignem Oedem zu Grunde. Die Infection erfolgt im Anschlüsse an eine Verunreini­gung von Haut- oder Sehleimhaut wunden durch Knie, Koth, Heu staub etc., jedoch nur bei Aufnahme der Uedembaci llen ins subeutauo Bindegewebe. Die Einführung derselben ins kreisende Blut ist dagegen relativ unschädlich, wohl deshalb, weil der Sauerstoff des Blutes die anaeroben Spaltpilze tödtot. Ebenso erfolglos ist die Impfung von der Cutif) aus. Audi granulirende Wunden erschweren den Eintritt der Baoillen. Im Uebrigen muss das subeutane beziehungsweise submueöse Bindegewebe vor dem Eindringen der Oedembacillen gewissermassen für ihre AufVlahmo präparirt sein. Hieher gehört zunächst das Vorhandensein einer Nährfliissigkeit für die Baeillen (Serum, Lymphe, Blutj. Sodann muss die Infcctionsatelle möglichst frei von Sauerstoff-haltigem Blute sein, weil der Sauerstott' des Blutes die Bacilleu tödtet. Je mehr also an der Infectionsstelle die Circulation unterbrochen ist. umso günstiger sind für den Oedembacillus die Bedingungen seines Wachsthums.
Nachdem Kitt gezeigt hat, dass das maligne Oedem sich experimentell auf sämmtliche Hausthiore Oberimpfen lässt, sind in der letzten Zeit mehrere Fälle von spontanem malignem Oedem beim Rind und Pferd beobachtet und beschrieben worden (Jensen und Sand, Renter, Attinger, Elmenhoff-
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Tctaiuis, Starrkrampf.
Nielsen, Friis, Mesnard, Besson, Home u. A..); loh selbst habe mehrei-e Källe beim Hunde, sowie einen Fall beim Pferde beobachtet. Die Veranlassung };eben Verletzungen, /.. B. eine subontane Fserininjeetion, Verletzungen der Zunge durch Futter, Fremdkörper oder bei der Zahnextraction, des Schlundes ht'i der Entfernung von Fremdkörpern, üiss- und Stichwunden, Verletzungen der Gebär­muttor, Operationen mit unreinen [nstrumenten u. s. w. Das maligne Oedem ist den Tbieriirzten offenbar schon lange, wenn auch unter anderem Namen (fliegender Ihaud, schwarzer Brand, Feuer, fortschreitende Zollgewebsentzündung u. s. w.) bekannt gewesen und früher theils zum Kauschbrnnd, theils zum Milzbrand und Uothlauf, sowie zur Wild- und Iviuderseuche gerechnet worden.
Die Erscheinungen des malignen Oedems bestehen in einer plötzlich auftretenden ödematösen, teigartigen, empfindlichen Anschwellung in der Umgebung der Infcctionsstelle, welche sich schnell auf die Nachbarschaft verbreitet und zuweilen beim Hotasten knistert. Licblingsstellen der Uodemgeschwülste sind die Zunge, der Kehlgang, die Rachen-und Pai'Otisgegend, der Hals, dio Oberschenkel, die Lenden- und Kreuzgegend. Im Centrum ist die Geschwulst meist schlaff, kühl und schmerzlos, während sie in den peripheren Theilen gespannt, heiss und schmerzhaft ist. Das subeutane Ulndegowebe und Fettgewebe, sowie die benachbarte Musculatur ist gelbsnlzig tnflltrirt und von übelriechenden Gasblasen durchsetzt. Die gelbrüthliclie Oedemfliissigkoit enthält zahllose charakteristische Oedem-bacillen und Fäden, welche während dos Lebens im Blute fehlen und auch nach dem Tode dort nur vereinzelt angetroffen werden. Ausserdom findet man schwere gastrische Störungen (EntzUndung der Darmsehleimhaut) und hochgradige Dyspnoe (Lungenödem). Die Krankheit verläuft gewöhnlich in kurzer Zeit (ein bis drei 'ragen) unter schweren Ficbcrorscheinungen tödtlich; doch kommen vereinzelt auch Genesungen mit loealer Abscessbildung vor. Bei dor Section findet man Milz, Lober und Nieren intact, insbesondere fehlt ein Milz tumor.
Die Behandlung besteht wie bei der Phlegtnone in ausgiebigenInclsionen, Drainage und Anwendung der Antiseptik. Warme Umschläge scheinen nach einer Beobachtung von At tinger nicht angezeigt, da sie die Ausbreitung des Oedems befördern. — Bezüglich der Literatur des malignen Oedems vergleiche Friedberger und Fröhner, Speoielle Pathologie und Therapie, 4. Aufl. 1!S9(), II. Bd., S. 275.
Totanns, Starrkrampf. Der früher für eine innere Nervenkrankheit ge­haltene Starrkrampf ist durch die Untersuchung von Nikolaier und Kitasato als eine echto, durch die spoeifise hen Tetanusbacillen erzeugte Wnnd-inf'eotionskrankbeit festgestellt worden. Man beobachtet ihn am häufigsten beim Pferde nach Verletzungen des Hufes (Nageltritten. Verimgelung, Kronen-trittenj, nach der Castration, nach Operationen am Schweife (Couplren, Knglisiren), nach subeutaneu Injectionen, IJaarsetlziehcn u. s. w. Ausserdem kommt er vor
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Tetanus, #9632;Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
beim Riiul (Vorletzungen der Sehoulo und dos Uterus, Castration, Nabelwunde boi Kälbern), Scbaf und bei der Ziege (Castration, Impfung, Fontanelle, Nabel-wunde). Dagegen ist der Starrkrampf beim Hnndo änsserst selten; zwei Fälle sind von Möller, Lobrbuch der Chirurgie, 189;3, 1. Bd., S. 143, beschrieben worden. Ich selber habe unter 70.000 kranken Hunden niemals einen Fall von Starrkrampf beobachtet; auch die von Nikolaier an Hunden vorgenommenen Impfversuche mit Gartenerde ergaben ein negatives Resultate Dagegen gelang es Kitt, durch Vorimpfung von Keincultureu bei Hunden Tetanus zu erzeugen.
Die Tetanusbaolllen bilden Stecknadel-, knoten- oder kochlüffelformige Stäbchen mit einer endständigen Spore. Sie finden sich überall, namentlich in der Qartonerde, sowie in der mit Pferdemist gedüngten Ackererde, ausserdem im Boden der l'ferdostallungen vor.
Wie Impfversuohe mit gewöhnlicher Gartenerde gezeigt haben, erfolgt die Infection in der Regel durch das Eindringen baktorienhaltigor Erde, indessen kümion auch andere Gegenstände (Holzsplitter, Hufnägel, In-strumente. Heustaub, Dung u. s. w.) Zwischenträger der Tetanusbaolllen sein. Im Gegensatze zur Septikämie und Pyämie dringen die Tetanusbaolllen nicht in das Blut ein, sondern bleiben an der Infeetionsstelle liegen und entwickeln daselbst e|n strychninartiges Toxin (Tetanotoxalbumln), welches ins Blut resorbirt wird und dann als Krampfgift auf das Rückenmark wirkt. Der Starrkrampf ist somit als eine toxische Infectionskrankheit aufzufassen, bei der eine Allgemeinintoxication von dem loealon Infectionsherd ausgeht. Zuweilen beobachtet man ein ziemlich langes, mehrtägiges 1 neubationsstadium, indem beispielsweise tier Starrkrampf erst eintritt, nachdem die Wunde schon sorgfältig desinlicirt und verbunden, In Heilung begriffen, ja angeblich sogar schon abgeheilt ist.
Die Erscheinungen des Tetanus bestehen in Maulsperre (Trisniusj, krampthaftcr, steifer, gestreckter Haltung dos Kopfes, Halses und Rückens (Orthotonus), Rückwärts- oder Seitwärtsbiegung des Halses (Opisthotonus und Pleurotonus), gespreizter, sägobockähnlicher Stellung der Gliedmassen, steifer, gestreckter Haltung des Schweifes und der Ohren, starker Contraction der Bauch-presse, Dyspnoe (Krampf der Inspirationsmuskeln), gesteigerter Reflexerregbarkeit, Schreckhaftigkeit, Sohwelssausbruob u. s. w. Der Verlauf ist beim Pferd ent­weder sehr stürmisch (Tod nach ein bis drei Tagen) oder häufiger aeut (Tod nach vier bis zehn Tagen); in anderen Fällen, insbesondere in den seltenen Fällen von Genesung, beobachtet man einen subacuten und selbst chronischen Verlauf (mehrere Wochen). Die Mortalitätsziffer beträgt beim Pferde circa SO Procent. Der Sectionsbefund ist ein ziemlich negativer. Die Behandlung ist eine wenig ^'folgreiche (locale Desinfection, Entfernung des Infectionsherdes, z. B. durch Amputation lies Schweifes, Abhaltung äusserer Reize, rein diätetisches Curverfahren, Verabreichung von Chloralhydrat, Bromkalium, Morphium u, s. w.). — Bezüglich der Literatur und ausführlicheren Bearbeitung des Starrkrampfes vergleiche Friedborger und Pröhner, Specielle Pathologie, l.Aull. 1896, II. Bd.
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WunddlphtheriOi Rotssi Wuth, Knusohbrand,
Wunddlplitlierie. Man bezeichnet mit dem Namen Wunddiphtherie (Hospitalbrand) Oangraena nosooomlalU) eine früher häufigere, unter dem Einflüsse laquo;lei1 moderneu Antiseptlk jodocli selten gowordone Wundlnfeotlons-krankhelt, welche in einer Coagulationsnekrose der Qranulationen In Folge Einwirkung- speclflsoher Bakterien (Nekrosobaolllus) besteht. Die Qranulationen verwandeln sieh hiebe! in einen gelbrothen, eiterigen, Jauohlgon Brei (croupöso und dlphtherlsohe Form), oder in eine graue, breiartige, gangn'inöse Masse (nleeiöse Form), oder in eine stinkende, der faulenden und erweiehton Mllzpulpa iilinliebe Masse (palptise Form). Die Behandlung bestellt im sofortigen Brennen oder Aetzen der Wunde mit t'ldorzink. ISayer (Lehrbuch der Vetoriiiiirchirurgle, 1890, S. 805) hat einen Fall beim Pferde beschrieben. Das Gewebe in der Ohr-speiobeldrttsengegend war In einen grttnliohbraunen, übelriechenden Brei um­gewandelt, unter Jüldung von Faulnisgason, welelie das benachbarte Glewebe cmpliysoinatiscli aufgetrieben hatten, leb habe ähnliche Fälle beim Pferde be-obaohtet.
Holz. In seltenen Fällen findet eine Infection der Wunde beim Pferde durch Botzbaolllen statt (primärer Hautrotz). Ks wird dies besonders an den Extremitäten, am Bauch, an der Brust, an den Schultern und am Kopf be­obachtet. Aus der Wunde entwickelt sieh dann ein B'otzgeschwUr, von dem ans rosenkranzartig geschwollene Lymphgefässe zu den ebenfalls geschwollenen Lymphdrüsen verlaufen (rotzige Lymphangitis und Lymphadenitis). Je nach der Localisation dieser rotzigen l'rocesse besteht ausserdem Lahmgehen. Zuweilen entwickelt sich aueb eine clfronische, rotzige Plilegmone, welche bei längerer Dauer zu Elephantiasis der Extremitäten und des Kopfes führen kann (i-otzige Pachydermie). leh habe einen derartigen Fall beim Pferde beschrieben (Repert. 1888). Ein Fall von Augenrotz (granulöse Keratitis) ist von Richter beschrieben (Zeitschr. f. Veterinärk. IHiXj;. Ausführlicheres über den Rotz liiulot sich in den Lehrbüchern der spcciellen l'atbologie.
Wlltlli Die Wuth ist als eine echte Wundinfeetionskrankhcit aufzufassen, bei der das bisher noch nicht entdeckte Wuthcontagium mittels deraquo; Speichels in die Bisswunde und von da in den Körper eindringt. Die Bisswunde selbst zeigt nichts Besonderes. Das eingedrungene Virus braucht zu seiner Entwicklung beziehungsweise bis zum Ausbruch der eisten sichtbaren Krankhoitterselieinungen mehrere Wochen und selbst Monate (langes Incwbationsstadium). Dieüehandlung der Bisswunde bestellt im Ausbrennen, Ausschneiden, sowie In der Anwendung der stärksten Desinfectionsmittel. Vergleiche im Uobrigen die Lehrhüclier der spcciellen Pathologie und die Bestimmungen des Seuchenge.setzes.
Rauschhniml. Derselbe ist ebenfalls eine Wundinfectionskrankhoit, indem die Kauschbrandbaeillen nur durch Verletzungen der Haut und Schleimhäute (beziehungsweise der Btlboutis und Submuoosa) in den Körper eindringen. Der Kauschbrand kann somit als eine speciiisclie l'lilegmone des Rindes, ähnlich wie das maligne üedem, aufgefasst werden. Er ist durch raseli entstehende, knisternde,
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Wundbehandlung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 41
in der Mitle brandig absterbendo Iliiutgoscliwülstf an dun Obot'SOlienkeln, am Ilaiso, an dor Schulter und Unterbrust etc. durch Hcwegungsstöiungen, Schwellung der regionärcn LjUpbdl'Usen, schwere Allgemoinorseh(iinuiigen und hohes Fieber \ gekennzeichnet und verläuft fast regolmSssig sehr rasch, nach zwei bis drei Tagen, tödtlich. Eine Behandlung der Infectionsstelle kommt meist zu spät (Incision, Desiufoction, Amputation, Ligatur). Weiteres über Eauschbrand ver­gleiche in den Lehrbüchern der spcclellen Pathologie.
^lilzbiaiid. Im Gegensatz zum Menschen bildet bei den Hausthieren der Milzbrand nur sehr selten eine echte Wundinf'eetionskrankhcit (den Impfmilzbrand ausgenommon). Man beobachtet statt der gewöhnlichen Infection durch den Dann in einzelnen sporadischen Fällen ein Eindringen der Milzbrand hacillen durch Wunden der Haut und iSchleimhäute nach vorausgegangener Operation (Castration), nach Uissen, Insectensticlien u. s. vv. Es entstehen zunächst locale Entzündungsherde in der Haut und den Schleimhäuten (Milzbnuidciirbiin kcl und Milzbriind-ödein), worauf rasch eine Allgemeinint'oction mit gowöhnlicli tödtliclieiu Ausgange eintritt. Diese Fälle von Haut- und Schleimhautmilzhrand sind früher unter dem Namen Carbunkclkrankheit, Beulenfieber, /ungcnanthnix, Gaumcnantlirax, Rüokenbtut u. s. w. beschrieben worden. Die Behandlung i.^t dieselbe wie beim Kauschbrande.
WikUeUChOlaquo; Die sogenannte exanthomatiselie Form der Wlldseuche entsteht wahrscheinlich durch das Eindringen dos Infectionsstoffes in kleine liaut-heziehungsweise Schloimliautwundon (Bremsenstiche, zufällige Verletzungen) und ist daher auch als eine .Winidinfectionskiankheit aufzufassen. Sie äussert sich in starker, sulziger Schwellung der Haut und Schleimhaut, sowie der Subcntiy und Submucosa am Kopf, in der Maulhöhlo, am Kehlgang und Hals etc.; ausserdem entwickeln sich die Erscheinungen der Septikaemla haemorrhaglcn. Der Tod tritt meist schon nach 12 bis 30 Stunden ein. Ausführlicheres über Wlldseuche findet sich in den Lehrbüchern der speciellen Pathologie.
Aktinomykose, Botryomykose, Tiiborculose. Vergleiche das Capitol über Geschwülste.
Lyinphangifis. Phlebitis. Vergleiche das Capitel über Krankheiten der
Gefässo.
VI. Wundbehandlung.
Antiseptisclu* und aseptische Wundbehandiungt Der Be-
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ründer der modernen Wundbehandlung ist Lister. Von der An-
schauung' ausgehend; dass sich eine [nfection der Wunde durch die An­wendung antiseptisoher Mittel, sowie durch eine sorgfilltige Vorband-
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Wundbehandlung!
tnethode verhtlten lasse, empfahl er 1867 die Carbolsäureia Verbindung mit dem nach ihm benannten Verbände als Wuiulde.sinfectionsmittel. Dieser Listerverband wurde in folgender Weise angelegt. Nuohdein die Wunde durch eine 2-bis öprocentige wässerige Carbollösung gereinigt und die darüber befindlißbe Luft durch Zerstäuben von Carbolwasser (Carbol-spray) desinticirt war. wurde die Wunde durch ein Stück Ctirbolisirten. ans Seide oder Baumwolle bestehenden Sohutztaffet (Silk oder Cotton protective) bedeckt, eine dicke Lage von Carbolgaze oder Carbolwatte darüber gelegt, auf welche ein wasserdichter Baumwollstoff (Mackintosh) zu liegen kam. und das Ganze mittels feuchter Carbolgazebinden be­festigt. In Deutschland wurde der Listerverband in den Jahren 1872 bis 1875 allgemein eingeführt. Später wurde der ('arbolspray weg­gelassen und der Verband vereinfacht. An die Stelle der Garbolsäure trat ferner im Jahre 1880 das Jodoform und damit an die Stelle des feuchten der trockene Jodoform verband. Spttter wurde das Jodoform zum Theil durch den Sublimat, das Creolin. Lysol und andere Des-infectionsmittel ersetzt.
In der neuesten Zeit hat man in der mensebenärztlichen Chirurgie den Gebrauch der Antiseptica eingeschränkt beziehungsweise aufgegeben. An die Stelle der antiseptischen Wundbehandlung ist die aseptische getreten. Dieselbe besteht darin, daas die Wunde ohne Anwendung antiseptischer Flüssigkeiten mittels sterilisirter Tupfer möglichst trocken gebalten, beziehungsweise nur mit gekochtem Wasser oder gekochter physiologischer (O'öprocentiger) Kochsalzlösung abgespült und sodann mit sterilisirtem Verbandmaterial bedeckt wird. Das Sterilisiren erfolgt in besonderen Apparaten mittels längerem i20 bis 30 Minuten) Hindurch-strömenlassen heissen Wasserdampfes von 100quot; C. In ähnlicher Weise werden die Instrumente keimfrei gemacht. Am sichersten sterilisirt man sie durch Kochen mit 1- bis 2proeentiger Sodalösung. Besondere Sorgfalt wird endlich auf die Desini'ection der Hände des Operateurs verwendet. Nachdem die Nägel gründlieh von Schmutz gereinigt sind, werden die Hände sorjrfllltiarmit Seife und lauem Wasser abarebürstet und scbliess-lieh mit Sublimat-, Carbol- oder Creolinwasser abgespült.
Die aseptische Wundbehandlung ist für die humane Chirurgie als ein wichtiger Fortschritt zu bezeichnen, da bei ihr namentlich die reizende Einwirkung der Antiseptica auf die Wunden und die damit verbundene stärkere Seeretion. sowie die langsamere Heilung derselben vermieden wird. Für die Zwecke der Tb ierheilkunde ist jedoch die aseptische Methode der Wundbehandlung wenig geeignet. Der Veterinärchirurg hat es am häufigsten mit veralteten, inticirten
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Die autiscptischen Winulmittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 43
Wunden zu tlmn. bei denen nicht Asepsis, sondern gründlielie Anti­sepsis notlnvendig ist. Aber auch bei frischen Operationawunden Ittsst sich das aseptische Verfahren hei den Hausthieren nur ausnahmsweise, Z. B. in einer Klinik, durchführen. Und selbst in einem gut aus­gerüsteten Thierspital stellen sich der Asepsis namentlich beim Pferde die grUssten Schwierigkeiten entgegen, da sicli Verbünde nur in sehr beschränktem Masse anlegen lassen und eine Infection der Wunde Während der Operation oft bei der grössten Sorgfalt nicht zu verhüten ist. Aus diesen Gründen ist in der Thierheilkundc die Antisepsis als die sicherere Methode der Asepsis vorzuziehen.
Auch die antiseptische Wundbehandlung' lilsst sich übrigens be­kanntlich bei den Thieren nicht immer in der vollkommenen Weise durchführen wie beim Menschen.
Die antiseptisdien Wundmittel. Hei der Auswahl und Be-urtheilung der einzelnen in der Wundbehandlung angewandten Arznei­mittel kommen zunächst einige; allgemeine Gesichtspunkte in Betracht. In erster Linie ist zu berücksichtigen die Widerstandsfähigkeit der die Wundinfection bedingenden Mikroorganismen gegenüber den anti-septischen Mitteln.'Diese Widerstandsfähigkeit liegt, wie ich an anderer Stelle ausführlich dargelegt habe (vgl. mein Lehrbuch der allgemeinen Therapie. 1893). etwa in der Mitte zwischen derjenigen der schwer zu zerstörenden Milzbrandsporen und Rauschbrandbacillen einerseits, sowie der leicht zu vernichtenden .Milzbrand- und Schwcinerothlauf-hacillen andererseits. Speciell die Streptococcen und Staphylo-coccen sind durch schwache Desinfectionsmittel nicht zu bekämpfen; ihre wirksame Vernichtung erfordert vielmehr stilrkere Antiseptica (Sublimat, Creolin, Lysol, Carbolsilure. essigsaure Thonerde, llöllensteinj. Sehr zu beachten ist ferner der Grad der Giftigkeit der gebrauchten Wundmittel, ihre reizende Wirkung auf die Wunde, ihre Zersetzung' durch die Wundseerete, die Dauer der Einwirkung auf die Wunde, die Concentration und Form, der Preis, das Stadium der Wuiulheilung. Im Allgemeinen ist als Kegel aufzustellen, möglichst ungiftige, nicht zu stark reizende, wenig zersetzliche. billige Desinfectionsmittel in wässe­riger Lösung oder alsPulver zu wählen und dieselben thun-lichst lange, sowie in einein möglichst frühen Stadium auf die Wunde einwirken zu lassen. Der eigentlichen Desinfection hat ierner eine quot;'rundliche Reiniji'iing der Wunde vorauszugehen. Im Ein-zelnen ist bezüglich der wichtigsten Wundmittel folgendes /.n beachten.
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lgt;io antiseptischen Wundmitfel.
Siiblhnat. Derselbe ist das stärkste, aber auob giftigste Wundmittol. Eine Ipromillige SublimatlOsung tiidtet alle bei dor Wnndlnfeotion in Betracht kommenden Mikroorganismen rascli. Der Sublimat kann bei allen Thieren als Wnndtnlttol Anwendung finden, mit Ausnalimo der Wieder­käuer. Speoiell beim Kinde bat man sieb vor der Anwendung des Sublimats wegen seiner spoeifiseben Giftigkeit zu hüten. Bei der Berührung mit dem eiweissbaltigen Wundsecret wird der Sublimat zum Theil in Form von Queoksilberalbuminat ausgefällt, zum 'i'lieil zersetzt (Bildung von Quecksilber-oxychloridon). Diese Zersetzung stört indessen die antiseptische Wirkung des Sublimats nicht wesentlich; sie kann ferner dureli einen Zusatz von Kochsalz, Salzsäure, Essigsäure n. s. w. zum Sublimatwasser verhütet werden. Die Vor­züge des Sublimats liegen in seiner stark antiseptischen Wirkung, Gerucblosigkcit, Billigkeit, Handlichkeit (Sublimatpastillou), gt;laquo;'achtlieilc sind seine starke 'iiftigkeit, namentlich für liinder, seine starke Iteizwirkung, insbesondere auf die Schleimhaut des Auges (Augenheilkunde) und des Uterus (Geburtshilfe), sowie die rasch eintretende Anmlgamirung der Instrumente.
Ci'oolin, Lysol und andei'O Ki'osolvorbiiulnngon. Die antiseptische Wirkung
der Kresole ist eine sehr starke und schnelle. Eine üjirocentige Lösung ttidtet sänimtlicho Wundi nfectionserreger sofort. Die desinficirende Wirkung der Kresole ist zehnmal stärker als die der C'arbolsäure. Sie besitzen ferner gleichzeitig desodorisirende Eigonscbafton, sowie den Vorzug der Hilligkeit und relativen Ungiftigkeit. Naclitlieile sind der Geruch, die reizende Wirkung auf Schleimhäute und die trübe Beschaffenheit der Lösungen.
Carbolsiiiiri'. Relativ gutlaquo;! antiseptischc Wirkung. Eine üprocentige Carbollösung Uidtet nach längerer Einwirkung die meisten Wund-iufectionserreger. Wenig wirksam erweist sich die Carbolsäure jedoch gegen die Infectionsstoflfe des Starrkrampfes, der Wutli, sowie gegen die Tuberkelbacillen und .Milzbrandsporen. Gebrauchte Castrationskluppen übertrugen beispielsweise noch nach 18 Monaten den Starrkrampf, obgleich sie 5 Minuten lang in 4procentigem Carbolwnsser gelegen hatten (Nocard). Vorzüge der Carbolsäure sind ihre Un-zersetzlichkeit und die Constanz der Präparate. Nachtheile sind der Geruch, der liobe Preis, sowie die reizende beziehungsweise giftige Wirkung, letztere nament­lich für Katzen.
Jodoform. Das Jodoform ist zur Zeit immer noch das beste Trocken-A ntisepticum unter allen Gon eurrenzmitteln. Gleichzeitig ist es ein vorzügliches, granulationsanregendes Mittel. Es liisst sich auch in Form ätherischer Lösungen (1 ; 5 — lOj verwenden. Naohthelle sind der Geruch, der hohe Preis, die Giftigkeit für Hunde (Ablecken) und die Unlöslichkeit in Wasser. Aehnliche, jedoch noch viel theuerere und daher in der Thierheilkunde meist nicht verwendbarti .lodpn'iparate sind: Loretin, Sozojodol, Losophan,
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Die antiseptischcn Wiindinittel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;45
Jodophen, Europhen, Aristol, .loilot'orniin, Jodol, Jod trichlorid (sehr zersetzlioh) u. a. Als Speoifloum bei botrjomykotisobor und aktinomykotiBoher In­fection findet die wässerige Jod-Jodkaliumlösung (Lugol'sphe Lösung) Anwendung.
Ilöllciistciu. Der llöllenstein ist ein ausgezeielinetos Wundmittoi. Er besitzt hohen Desintectionswerth (eine Ipiomillige Lösung tödtet die Eitei-coeeen), ist ein wichtiges, regulirendos Mittel für abnorme Granulationen und liefert einen deckenden Wundschorf (Silberschorf).
Essigsaure Thonoitle, Ein vorzügliches, uugiftiges Antisepticum in 2- bis 4pi,ocüntiger wässeriger Lösung; wegen seiner Billigkeit den tlieuereren Ersatzpräparaten Alunmol, Tannal, fiallal, Sozul, Bora], Saluminuni, Cutol u. s. w. vorzuziehen.
SHlicylsüuro. Sehr scbwaclies AntiHcpticuin, jedoch angiftig, geruchlos und reizlos; Anwendung namentlich in der Augenheilkunde, sowie zur Ausspülung innerer Körperorgane. Thioform = dithiosalicylsaures VVisnmth ist als Ersatzmittel des Jodoforms, insbesondere wegen seiner Geruchlosigkeit und Ungiftigkeit, empfohlen worden.
Wismiithsiilze. Dieselben werden als austrocknende, ndstri ngirende 'l'rockenantis eptica ähnlich wieJodoform angewandt. Die gebräuchlichsten siml Mismuthum subnitricum, subsalioylioixm, giillicuin (I)orraatol), Dithio-salioylicum (Thioform), tannicuni, sulfuricum, chrysophanicum (Dermol), Airolin (jodirtes Dermatol) u.a.
Horsiluro. Mildes, ungiftiges und gernohloses Antisepticum ohne hervorragende Wirkung (Augenheilkunde), Aehnh'cii wirkt Boras und Ma­gnesium boricum, Boral, Antipyonin, Uotterin, Antiseptin, Horol und andere liorsäurehaltige Gemenge.
ClilorzinK. Aotzcndes, umstimmendes Antisepticum von relativ schwacher Wirkung (regulirendes Mittel für abnorme Granulationen).
Kiiliiini poi'inanganicnm. Schwaches Antisepticum. Speolfioum gegen Schlangenbisse und Wuthgift,
Camphei'^ Kin kräftiges Antisepticum namentlich bei schlaffen Granu­lationen, ulceröson und nekrotisirenden Processen, Achnlich wirken Terpentinöl, Terpentin (altes Hufmittel), Thymol, Euoalyptusöl, Peru-balsam und andere ätherische Üole.
I'yoktniiln. Starke antiseptische Wirkung. Naohtheil; Blaufärbung.
Tlicer. Vorzügliches Antisepticum, namentlich bei Huf- und Klauenwunden.
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oiVcne Wundbehandlung und Verband.
('hlonvasst'i'. Starkes Antiseptioum. SpeoiAoum gegen Wuthgift und
Scli liingonbisse. Anwoiulung In der Augenlieilkunde.
Alofitinotnr. Sehr gutes Anregungsmittel für Granulationen.
Fonnalin. Starkes, in die Gewebe eindringendes Antisepticum.
Calomel. Heizendes Antisepticum bei Gornoagoscliwären. Achnlidi wirkt Naphthalin, Zucker, Gerbsäure, Alaun u. s. w. Ausfnbrlicberes über die genannten Antiseptioa findet sich in meinem Lehrbuoh der Aizneimittellehre,
Offene Wuiulbcliiliiillini^' und Verband. Ist eine Wunde anti-septisch beziehungsweise aseptisch behandelt und eventuell genäht, so wird dieselbe zum Schütze gegen liifectionsstofi'e von aussen (Contact-infection, atmosphärische Infection), sowie zur Abhaltung sonstiger Reize verbunden, wofern dies überhaupt möglich ist. Man nennt einen solchen Verband Wundverband, Schutzverband. Occlusiv-verband. aseptischen Verband. In der Regel wird derselbe trocken angelegt (Trockenverband i. Hei stark secernirenden Wundon, starker Eiterung, bei Phlegmonen. zur Vorbereitung bestimmter Körpertheile vor Operationen u, s. w. wird der Verband woiil auch mit einer anti­septischen Flüssigkeit angefeuchtet und feucht erhalten (feuchter Verband, feuchter antiseptischer Verband). Bleibt ein und der­selbe Verband längere Zeit liegen, so nennt man ihn Dauerverband. Ausserdem unterscheidet man den einfachenVorband, Listerverband, Druck verband. Pulververband, vSalbenvorband, Theerverband. Jodoformverband, die antiseptische Tamponade u. s. w. Be-züglieli des Verbandmaterials und der Verbandtechnik vgl. Bayer, Operationslehre. Es mögen hier nur die wichtigsten Verbandregeln kurze Erwähnung finden; dieselben lauten:
1.nbsp; Jode \\runde soll, wenn möglich, verbunden werden.
2.nbsp; nbsp; Der Verband soll, namentlich nach Operationen, möglichst lange liegen bleiben.
3.nbsp; Der Verband muss gewechselt werden:
a)nbsp; wenn er von Eiter. Wundseeret oder Schmutz durch­feuchtet ist;
b)nbsp; wenn er schlecht angelegt ist;
o) wenn Fieber oder starke Selimerzhaftigkeit der Wunde oder starke Schwellung in der Umgebung derselben auf­treten.
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Behandlung dor Wunden im Einzelnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
In der Tliierhcilkuiido muss in sehr vielen Füllen an die Stelle, des VVundvei'baiidca die offene Wundbehandlung treten. Es gilt dies namentlich für das Pferd und Kind, bei welchen Tbieren das Anlegen eines Verbandes an verschiedenen Körperstellen unmöglich ist. Am ehesten lassen sich regelrechte Wundverbftnde noch beim Hunde anbringen. 1st ein Verband nicht ausführbar, so kann die Heilung unter dem Schorf angestrebt werden (Blutschorf, Krand-sohorf, Tannin-, Höllensteinschorf etc.). Auch deckende Salben (Bor­salbe, Höllensteinsalbe, Decubitussalbe etc.) sind als Ersatzmittel für den Verband in der Thierbeilkunde nicht zu entbehren. Ausserdem bat man statt des Verbandes Klebemittel empfohlen (Jodoformcollo-dium. Zinklehn. Wismuthpaste, Eorinalingelatine. Heftpflaster u. a.). In manchen Fällen leistet auch, wie beim Menschen, die permanente Irrigation, d. h. die anhaltende Berieselung der Wunde mit einer antisep-tischen Flüssigkeit gute Dienste. Dagegen liisst sich die permanente Immersion (Wasserbad) bei Tbieren nicht durchfuhren.
lielmiullinijuc dor Wundon Im Einzolneu. 1. Prisoha Schnitt-, Stich-, Hiss- und Kisswundon worden nach erfolgter Blutstillung, Keinigung, Dcs-infection und eventueller Drainlrung beziehungsicelse aseptlsohei' Tamponirung womöglich geniiht und, wenn dies ausführbar ist, verbunden.
2.nbsp; nbsp; Quetschwunden und ältere, überhaupt eitonulc 'Wunden worden meist nicht genäht, im Uebi'lgen aber behandelt, wie frische Schnittwundon. In manchen Fällen gelingt es übrigens aueli bei alten, oiterndon Wunden nach Auffrischen dor Ränder und vorausgegangener sorgfältiger und anhaltender Reinigung und D esinfeotion, sowie nach Ent­fernung abgestorbener Tlicile, durch Nähen eine Vereinigung der Wundrändev per tertiam herbeizuführen (Kopfwunden beim Pferd), Hei der Entfernung von Fremdkörpern und abgestorbenen Uewebstheilen aus Quetschwunden hüte man sieh, gleich von vorneherein auch gesundes Gewebe mit wegzunehmen. Dies gilt namentlich für Lappenwunden nach Kronentritten, wo die Erhaltung auch kleinster ihintlappen von grösster Bedeutung ist. Quetschwunden mit starker Eiterung und (Jowebsnekiose werden vortheilhaft mit feuchten Verbänden oder offen, oder mittels permanenter Irrigation behandelt.
3.nbsp; nbsp;Sclmsswunden werden nach denselben Kegeln der Antisepsis und Asepsis behandelt; wie gewöhnliche Wunden. Da die Erfahrungen beim Menschen gelehrt haben, dass Kugeln bäulig einheilen, kann mau in vielen Fällen ein exspoetatives Curverfahren einleiten und von dor Extraction dor Kugel Abstand nehmen (v. Bergmann), Auch das Sondiren der Wunde ist oft zum mindesten überflüssig. Hei nicht ausreichender Dosinfection der Sonde beziehungs­weise des Fingers ist dasselbe geradezu lebensgefährlich, Am besten eignet sieh für
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Behandlung dor Wunden im Einzelnen.
Sclui sswumlen die an tiseptisclie Tamponailo beziehungsweise Drai­nage ohne Naht mit uachi'olginulom Verband. Erweist sieh die Extraction der Kugel aus bestimmten Gründen nothwendig ('Phlegmone, Sehmerzen, hohes Fieber u. s. \v,), so kann man sieh statt besonderer Kugelzangen einer Korn-zango oder eines scharten Lött'els bedienen; häutig genügt auch eine einfache Incision.
-1. Gelenkwunden werden in frischen Fällen mittels sorgfältiger Desinfection und womöglich mittels aseptischen Occlusivverbandes be­handelt. Das Sondiren und Ausspritzen ist zu unterlassen. Da natnont-lieh heim Pferd und Kind perforironde Golenkwunden nicht immer verbunden werden können, batman das Auftragen von Jodoformeollodium und anderen klebenden Stott'en, sowie das Aufbrennen eines die AVunde verschliessendon Brand-schorfes empfohlen. Die früher üblichen scharfen Einreibungen in der Um­gebung des Gelenks (Schluss der Wunde durch Schwellung) sind weniger empfehlenswerth. Eiternde Golenkwunden sind bei Hunden versuchsweise zu drainiren und antiseptisch auszuspülen, beziehungsweise durch Incision und anti­septische Tamponade zu behandeln. Hei Pferden und Rindern sind dieselben meist unheilbar.
6, Vergiftete Wunden iSchlangengift, Wutbgift etc.) weiden oxcidirt, ausgebrannt, ausgeätzt oder mit specitischen Wundmitteln, insbesondere mit Kalium permanganicum, Aqua chlorata, Lirpior Ferri sesquichlorati und Kuli bichromicum in Form der subeutanen Injection behandelt.
i). Abnorm granulirende Wunden behandelt man mit dem Messer, dem soharfon Löffel, dem Brenneisen, mit Aetzraitteln (namentlich Höllen­stein und Chlorzink), Salben verbänden, Aloctinctur u. s. w. Vergleiche die Behandlung der lt;beschwüre.
Tnnisplnntation. Zur rascheren Ueberhäutung granulirender Wundfläcben benützt man in der Menschenheilkunde das zuerst von lieverdin empfohlene, von Thiersch weiter ausgebildete Verfahren der Epidermisüberpflanzung oder Hautaufpfropfung (Transplantation). Das ältere Verfahren bestand darin, dass man Tiautstücke in ganzer Dicke der Haut überpflanzte. Nach dem neueren Verfahren schneidet man unter peinlichster Asepsis mittelst eines liasirmessers möglichst dünne, oberflächliche, aber bis auf den Papillarkörper reichende, finger­lange und fingerbreite Hautläppchen aus der Haut dos Oberarms oder Schenkels und trägt sie auf die mit dem scharfen Löffel abgeki atzton Granulationen auf, wo sie unter Vermeidung aller Antiseptica (Epidermisnckrose) vorsichtig mittels sterilisirter Stanniolstreifen befestigt und durch einen aseptischen, trockenen oder feuchten Verband (Kochsalzlösungj geschützt werden. Glückt die Ueberlragung, so heilen die Hautstückchen per primam intentionem an, indem vom dritten Tage ab von den Granulationen aus Gefässe in dieselben hineinwachsen, und die Bedeckung der Wunde erfolgt durch Epidormisnoubildung von diesen künstlichen Hautinseln aus. Ein noch einfacheres Verfahren besteht darin, dass nur die Epidermis von gesunder Haut abgeschabt und auf den Granulationen aiisgesäet wird. Auch Schleimhaut auf Schleimhaut ist beim Menschen zu transplantiren.
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Literatur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4i)
Die Schwierigkeit dor Transplantation bestellt einerseits darin, die trans-plantirten Stüekclien vor dem Absterben zu schützen, andererseits sie hinreichend sicher zu befestigen. Besonders die lotztero Bedingung ist bei Thieren sehr schwer zu erfüllen. Bayer hat die Transplantation wiederholt erfolglos bei Pferden versucht; die grosse Beweglichkeit der l'ferdehaut vcrbindort die oxacto Plxirung der Läppchen, während die Derbheit und C4efässarmutli derselben das Anwachsen erschwert. Bayer hat selbst das Annähen und Festnageln dor Läppchen mittels Nadeln ohne Erfolg ausgeführt. Auch die Behaarung der tbierisoben Haut ist dem Anwuchsen offenbar binderlich. Dagegen gelingt die Uebertragung der Haut und Schleimhaut von Thieren auf den Menschen; das­selbe gilt für die Transplantation des Sporns auf den Kamm beim Hahn.
Wie in der Haut gelingt heim Menschen auch in den Knochen die Transplantation von Knochenstückchen mit l'criost und Mark lebender junger Thiere. Dagegen hat sieb die Ueberpflanzung von Nerven, Muskeln und Söhnen vom Tbier auf den Menschen bisher nicht bewährt. Neuerdings soll auch die Transplantation drüsiger Organe (Schilddrüse) gelungen sein.
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Subcutane Yeiietzuiigen der Weichtheile (Quetschung, Zerreissung).
I. Quetschung (Contusion).
Begriff und Ursachen. Im Gegensatz zu der inimer mit Zu-sammenhangstrennung der Haut verbundenen Wunde stellt die Quetsehung eine subcutane Verletzung der Weichtheile ohne Hautwunde dar, welche unter dem Druck stumpfer Gegenstände in der Weise entstanden ist, dass die Haut vermöge ihrer Elasticität un-gesohädigt blieb, während die darunter gelegenen Weichtheile. nament­lich die über Knochen befindlichen, gequetscht wurden. Quetschwunde und Quetschung haben somit zwar dieselbe Ursache miteinander gemein, unterscheiden sich aber in allen übrigen Punkten, namentlich in den Erscheinungen, im Verlauf, in der Behandlung und in der Beurtheihmg deshalb ganz wesentlich, weil bei Wunden sofort ein Hinzutritt von Infectionsstoffcn stattfindet, während dies bei suheutaner Verletzung der Weichtheile nicht ohneweiters möglich ist.
Die Ursachen der Quetschung sind bei den Haustbieren ver­schieden. Bei Pferden kommen namentlich in Betracht der Druck des Geschirrs, des Sattels, der Trense, des Hufeisens, der Stollen, einzelner Hufnägel, sodann Hufschläge, Stoss und Fall. Gesehleiftwerden, Selbst­verletzung durch Kronentritt, Decubitus u. s. w. Beim Rind geben Horn-stösse, beim Hunde Bisse und Züchtigungen häutig Veranlassung zu Quetschungen.
Grade der Quetschung. Je nach der Schwere und Ausdehnung der subeutanen Verletzung beziehungsweise Gefässzerreissung hat man verschiedene Grade der Quetschung unterschieden. Am einfachsten ist die Unterscheidung einer Quetschung mit Erhaltung und einer solchen mit Ertüdtung der gequetschten Theilc. Ausscrdem kann man erstere
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MikroskopUoher Befund bei (Quetschungen.
nach der Grosse der Blutung noch eintheilen in Quetsobung mit geringer und mit starkor Blutung. Es ergeben sich darnach in der Hauptsache drei Grade der Quetschung:
1.nbsp; nbsp;Die Quetschung ersten Grades ist durch eine geringfügige Blutung gekennzeichnet, bei der das Extravasat entweder gleichmiissig in dem gequetschten Gewebe vertheilt ist (blutige Infiltration) oder sich in kleinen umschriebenen Herden ansaimnnielt (Sugillation, E kehymose).
2.nbsp; Die Quetschung /.weiten Grades führt entweder zu grössereu subeutanen 151utgeschwülsten oder Blutbeulcn (Hftmatome), angeblich auch zu umschriebenen grösseren Lymphergüssen (Lyrnphextra-vasatci, oder zu flächenhaft ausgedehnten Blutanhiiufungen (Suffu­sion en).
8. Die Quetschung dritten Grades hat ein brandiges Ab­sterben der betroffenen Theile zur Folge (Nekrose, Mortification). Die Ursache der Gewebsertodtung ist hauptsächlich in Circulations-störungen, verursacht durch die ausgedehnten Geftlssverletzungen (pri­märe anämische NekroseX ausserdem in der Einwanderung von In-fectionsstoffen (seeundäre septische Nekrose) zu suchen. Die Quetschung für sich allein erzeugt keine Nekrose, wie experimentelle Untersuchungen gezeigt haben.
Als Quetschung vierten Grades hat man wohl auch die völlige Zermalmnng der gequetschten Theile bezeichnet.
Miki'oskopiaohei1 Befund bei Quetschnngen. Erzeugt man bei Thieren experimentell Quetschungen, so findet man bei geringerem Grade nur eine Zor-reissung in dem lockeren, die kleinsten I51utgofas.se begleitenden Uiiulegewebe. Bei stärkeren Graden der Quetschung wird ausserdem die Intercollularsubstanz der Gewebe zerrissen, so dass die Zellen von oinandor getrennt sind. Aber auch bei stärkster Zermiilmung der Gewebe bleiben die Zellen selbst in der Kegel unversehrt. Hiedureh erklärt sich die Thatsaehe, dass die Zermalmung allein eine Nekrose nicht herbeiführt. (Gussenbauer.)
Erscliciiiiiiigcii. Das wichtigste Symptom der Quetschung ist die durch den Austritt von Blut bedingte Anschwellung der betroffenen Weiobtheile (Quetschungsgeschwulst). Je nachdem eine Quetschung ersten Grades (blutige infiltration i oder zweiten Grades (Hämatom) vorliegt, ist die Schwellung kleiner oder grosser, diffus oder umschrieben. Sie befindet sich ferner bald in der Haut, bald unter der Haut, bald unter Eascien. zwischen Muskeln, in der Umgebung von Gelenken.
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Verlauf bei Quetschungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 58
innerhalb derselben (Hämarthrosi, in der Tunica vaginalis (Hflmatocele) u. S. w. Zuweilen findet man die Haut an der Stelle, wo die quetschende Gewalt einwirkte, oberflächlich excoriirt. So lange die Quetschunys-gesohwulst ein reines Extravasat ohne wesentliche Mitverletzung der Haut und ohne Hinzutreten einer infection von aussen darstellt, fehlen an derselben entzündliche Erscheinungen. Es gilt dies nament­lich für die Hämatome, welche sich dadurch wesentlich von den Ah-scessen unterscheiden. Die Consistenz der Geschwülste ist im Allge­meinen mehr weich, bei liilmatomen deutlich fluctuirend; zuweilen ergibt die Palpation ein crepitirendes Gerttusch (Blutgerinnsel). Sind die gequetschten Theile reich an Nerven, so bestellt aussei-Schwellung auch Schmerz beziehungsweise Lahmgehen, so namentlich am Huf, an der Beinhaut, in gequetschten Muskeln und Nerven. Stärkere Quetschung der Nerven, des Rückenmarkes und Gehirns führt zu Lähmung beziehungsweise Unemptindliclikeit und Hewusstlosigkcit. Auch eine reflectorische Lähmung des (Jentralnervensysteins nach starken peripheren Quetschungen kommt vor (sogenannter Shok). Sonstige Allgemeinerscheinungen fehlen in der Kegel. Nur bei Zerreissung grosser Blutgefässe beobachtet man die Symptome der Anämie. Ausserdcm findet man bei ausgedehnten Quetschungen nach der Resorption des Extravasats zuweilen fieberhafte Temperatur-Steigerung (aseptisches Resorptionsfieber) und Lymphdrtisenschwellung. Beim Menschen hat man ausserdcm Fettembolie der Lungen constatirt. Tritt später zu der Quetschung Entzündung. Eiterung und Nekrose hinzu, so kann sich das Bild der Septikämie und Pyämie entwickeln.
Vwlailf. Das Schicksal der Blutextravasate ist je niich ihrer Orüsse, dem Grade der Quetschung und dem Fernbleiben oder Hinzu­treten einer Infection verschieden. Bald nehmen sie ihren Ausgang in Resorption, bald bildet sich eine Abkapselung beziehungsweise Organisation, bald entsteht Nekrose beziehungsweise Eiterung.
1. Die Resorption, d.h. die Aufsaugung des Extravasats durch die Lymphgefüsse, erfolgt in der Regel bei subeutanen Quetschungen ersten Grades. Es werden der Reihe nach resorbirt das Blutseruiu, das verflüssigte Fibrin, die zerfallenen weissen Blutkörperchen und schliess-lich die rothen Blutkörperchen, theils in toto. theils in zerfallenem Zustande. Die resorbirten rothen Blutkörperchen häufen sich zuweilen in den Lymphdrüsen so an,dass dieselben eine dunkelrothe Anschwellung zeigen. Die an der Quetschungsstelle zurückbleibenden rothen Blut­körperchen zerfallen körnig und geben ihren Blutfarbstoff ab. der in
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Differentialdiagnose.
Ir I
die Umgebung dift'imdirt und sich entweder in krystalliniscbes Häma-toidin oder in lösliches Choleglobin umwandelt, aus dem sich dann gallefarbstoffilhnliche grüne, rothe. blaue, schwarze (Melanin) Farb­stoffe entwickeln (Latschenbergcr), die indessen nur bei unpigmen-tirter Haut in Form der sogenannten grünen und blauen Male sichtbar sind und später ebenfalls wieder auf dem Wege der Resorption verschwinden.
2.nbsp; nbsp;Die sogenannte Organisation und Abkapselung ündet bei grösseren, umschriebenen Blutextravasaten, namentlich bei Iläimatomen statt. In der Umgebung des Blutherdes entsteht in Folge Wucherung der autochthonen Gewebszellen eine zellige Infiltration mit Bildung flbrillttren Bindegewebes, welches das Extravasat allmillig verdrängt und ähnlich wie bei der sogenannten Organisation der Thromben eine bindegewebige induration als Product einer aseptischen, inter-stitiellen Ent/.Undung liefert (Tumor fibrinosus, Faserstoff-geschwulstl Dringen diese bindegewebigen Massen nicht in das Innere des Extravasats vor, sondern verläuft der chronische, aseptische Entzündungsprocess ähnlich wie bei eingedrungenen Fremdkörpern nur in der Peripherie desselben, so wird das Extravasat schliesslich durch eine bindegewebige Membran abgekapselt (Blutcyste). Diesen Vorgang der Cystenbildung kann man sehr häufig beim Hund be­obachten; ich habe in einem Falle nachgewiesen, dass sich eine deut­liche Kapsel unter Umständen schon nach vierzehn Tagen entwickelt. Auch eine kalkige Incrustation, ja selbst Verknorpelung und Verknöcherung kommt zuweilen bei der Organisation der Häma-tome vor (Othämatom beim Hund, subperiostale llämatome).
3.nbsp; nbsp;Die Vereiterung und Verjauchung der Quetschungs­geschwülste ist nur die Folge des Eindringens von Infectionserregern in das Blutextravasat. Aus dem Hämatom entsteht dann ein Abscess, aus der diffusen blutigen Infiltration eine Phlegmone. in deren Verlauf sich Nekrose und bei Complication mit septischer Aligemein-infeetion Septikämie und Pyämie entwickeln kann.
Dii't'ereiitltildiagiiosc. Da die; Quetschungsgesokwülste einen sehr verschiedenen Verlauf zeigen, sich auch mit mehreren Wundinfections-krankheiten compliciren können, sind Verwechslungen mit anderen chirurgischen Krankheitszuständen nicht selten. Es kommen hier in Betracht Ahscesse, Phlegmonen, Neubildungen, Hernicn und Fracturen (Cropitiren). Besondere praktische Bedeutung hat die Unter­scheidung von llämatomcn und Absccssen. Man halte hiebe! fest, dass
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Die wichtigsten bei den Ilausthieren vorkommenden Quetschungen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;55
Hümatome plötzlich in ihrem ganzen Umfange entstehen, während Abscesse allmälig' an Grosso zunehmen, class bei reinen Hiimatomen entzündliche Erscheinungen und fieberhafte Allgemeinerkrankung fehlen, und dass dieselben im Gegensatze zu den am Rande derberen Abscessen eine gleichmässige fiuctuirende Beschaffenheit zeigen. In Zweifelsfällen entscheidet eine Probepunction.
BehillKlluiijquot;'. Die Qnetschungsgesohwttlste erfordern je nach dein Grade der Quetschung eine ganz verschiedene Behandlung.
1.nbsp; nbsp;Wenig umfangreiche Blutcxtravasate sucht man durch Anwendung von Massage, feuchter Wärme, ('ompression, Bewegung u. s. w. zur Resorption zu bringen.
2.nbsp; Grössere lliimatome behandelt man am besten durch nicht zu frühzeitiges Spalten beziehungsweise Drainiren, Blutcysten durch Exstirpation; weniger wirksam ist die Function und nachherige .Tod-injeetion. Gegen abgekapselte Hätnatome hat man ausserdem das gewalt­same Sprengen der Kapsel empfohlen. Von Manchen werden auch scharfe Einreibungen angewandt.
3.nbsp; nbsp;Bei vorhandener Xekrose, Phlegm one und A b seed i rung hüte man sich vor der Anwendung von Massage, behandle die eiterige beziehungsweise nekrotisirende Entzündung vielmehr nach den Regeln der Antisepsis mittels Incision. Entfernung der nekrotiseben Theilc, I )rainage und Desinfection.
Die wichtigsten bei den Hausthieren vorkommenden Quetschungen. Besondere praktische Bedeutung besitzen die nach­stehenden Affectionen;
1.nbsp; Quetschungen am Widerrist, in der Sattellage, an der Bug­spitze, am Brustbein und in der Schultergegend der Pferde (sogenannte Widerristschilden, Satteldrücke, Brust- und Bugbeulen).
2.nbsp; llämatome an der Kruppe und an den Hinterschenkeln der Pferde.
3.nbsp; Quetschung der Ober- und Unterlippe (Bremse), der Haut des Maulwinkels (Qebiss) und der Schleimhaut des Zwisehenzahn-randes des Unterkiefers (sogenannter Ladendruck) bei Pferden.
4.nbsp; Quetschung am äusseren Darmbeinwinkel, Augenbogen, an der Jochleiste u. s. w., besonders bei Pferden und Rindern iDecubitus).
5.nbsp; Quetschung in der Genickgegend bei Pferden und Hunden (sogenannte G e n i c k b e u I e).
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Muskelsserreissung,
(i. lliiiuatonic und Bluti-ystcn am Halse und Rücken der Hunde.
7.nbsp; nbsp;Hämatoine an der Inncnflächo der Ohrmuschel hei Hunden (üthämatom, sogenanntes Blutohr).
8.nbsp; Quetsohungsgesoliwülste am Ellenbogen dei- Pferde und Hunde (sogenannte vStollbeulen). Desgleichen heim Hunde am Sitzbeinhöcker.
9.nbsp; Quetschungsgesehwülste an der Vorderfläche des (Jarpalgelenkes beim Rind, namentlich bei Zugochsen (sogenannte Kniebeulen).
10.nbsp; nbsp;Qaetsohungsgesob'wUlste über dem Höcker des Sprungbeins bei Pferden (sogenannte Piephackei; desgleichen an der Hinterfläche des Sprungheins (sogenannte Hasenhackei.
11.nbsp; nbsp;Quetschung der Huflederhaut im Sohlenwinkel (sogenannte Steingalle), sowie der Ballen des Hufes (sogenannte Verbilllung).
12.nbsp; Quetschung des Kniegelenks. Schultergelenks etc. (Gelonks-contusiom.
Lympliextmvnsat. Mit diesem Namen bezeichnet man Quctscliungs-geschwülste, welche nicht Hint, sondern Lymphe enthalten und durch Zerreissung grösserer Lyni|digetasso entstehen (Lymphoi'i'hagie). Sie sollen nach Gussen-bauer namentlich dann entstehen, wenn die Haut bei der Quetschung von den untergelegenen Theilen (Faseien) stark verschoben wird, somit ein Kutschen auf fester Unterlage stattfindet. Im Gegensatz zum llilmatom soll das Lymphextravasat langsam an Umfang zunehmen, so dass ein wochen- und selbst monatelanges Waehsthum zu boobachten ist; der Lvmpherguss soll ferner nicht gerinnen, so lange die Haut darüber intact ist. Wegen des fortschreitenden Wachsthums und der Unmöglichkeit der Thrombosirung beziehungsweise Resorption soll die l'ro-gnose ungünstig sein.
Hoffmann hat zwei Fälle beim Pferde (Hinterbacke) beschrieben und gibt ausserdem nn, je einen Fall beim Kind und Hund (Ohr) beobachtet zu haben. Möller und Bayer verneinen das Vorkommen reiner Lymphextravasate am Hinterschenkel bei l'ferdon und an der Ohrmuschel bei Hunden und weisen auf die Möglichkeit einer Verwechslung mit Hämatomen hin. Ich selber habe bis jetzt ein Lymphextravasat weder beim Hund noch beim Pferd beobachtet.
II. Zerreissung (Ruptur).
Mliskelzi'i'l'eissung. Mit diesem Namen bezeichnet mau im Gegensatze zur offenen Muskelwunde eine subeutan erfolgte Zusammen-hangstrennung einzelner Muskeln nach heftigen Muskelcontractionou, in Folge starker Zerrung und Dehnung der Muskeln oder durch stumpfe Gewalt von aussen. Die Zerreissung kann eine vollständige
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•Selmenzerreissuni;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 57
odor unvollstündige sein. Eine Prädisposition zu Zermssimg- zeigen krankhaft veränderte Muskeln (sogenannte spontane Muskelzerreissungen). Die Krankheitsorscheiuungen bestehen in Bewegungsstörungen, sowie im Vorhandensein einer Lüekc, beziehungsweise eines Blutergusses an der Bissstelle. Die Heilung erfolgt durch Resorption des Blutextra-vasates und Bildung einer bindegewebigen Narbe; hiebe! bleibt häufig eine Verkürzung des Muskels (Muskclcontraetur) zurliek. Die Be­handlung besteht in Massage, Compression und, wenn möglich, im Anlegen eines ContentivVerbandes. Beim Hunde kann nach voraus­gegangener Spaltung der Haut das Anlegen einer Muskelnaht versucht werden.
Muskelzerreissungen kommen namentlich bei Pferden und Rindern vor und betreffen am häufigsten den Tibialis anticus. den Rectus, Obliquus und Transvorsus abdominis, den Quadriceps femoris (besonders den Vastus lateralis), die (Jastrocnemii, Glutaei. den Biceps brachii und femoris, die Anconacen, den Hternocleido-mastoidous. Bcctoralis minor, Longissimus dursi. Psoas, Gracilis, 1 ufraspinatus, Tensor fasciae latae u. a.
SehiHMizeiTeissiiiig'. Auch die Sehnenzerreissung stellt im Gegen­satz zur Sehnenwunde eine subeutane Zusammenhangstrennung dar. Die Ursachen sind dieselben, wie die der Muskelzerreissung. Wie wirken in der Regel äusserlich ein (Ueberdchnung), können aber auch auf einer innerlichen Prädisposition in Folge Erkrankung der Sehne durch Entzündung, Ernährungsstörung, Nekrose u. s. w. beruhen (sogenannte spontane Sehnenrupturen, z. B. im Verlaufe der Brustseuche). Man unterscheidet vollständige und unvollständige (partielle, fibrilläre) Zerre issungen; bezüglich der letzteren vergleiche das Capitel über Sehnenentzündung. Die vollständigen Sehnenzerreissungen betreffen beim Pferd am häufigsten die Sehne des Schienbeinbeugers. Hufbeinbeugers, Kronboinbeugers und Fesselbeinbeugers, selten zerreisst die Achillessehne und der Zehenstrecker; beim Rind und Hund zerreisst am häufigsten der Scbieubeinheuge r und die Achillessehne. Unter 28 Fällen von Sehnenzerreissung beim Pferd war betroffen der Schienbeinbenger elfmal, die Hufbeinbeuge-sehne sechsmal, die Kronbeinbeugosehne fünfmal, der Fesselbeinbeuger viermal, der Zehenstrecker zweimal (Statist. Militär-Veteriuärbericht der preussischen Armee pro 1894).
Die Erscheinungen der Sehnenzerreissung bestehen in eigenartigen Bewegungsstörungen, sowie im Nachweis einer Lücke zwischen den
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Zcrreissung von Fascien.
getrennten Sehnenenden. Bei dor anatoinisclicn Untersuchung findet man in der Nähe der Rissstelle ein Blutextravasat, die zerrissenen Sehnenenden sind faserig, flossig, mit Blut bedeckt. Die Heilung erfolgt nach Resorption des Blutes durch Bildung einer bindegewebigen Narbe von Seiten der Sehnenscheiden, des Paratendineum und des intor-fasciculiiren Bindegewebes, welche später den Charakter des Sehnen­gewebes annimmt und zur Sehnencontractur fuhren kann. Die Be­handlung besteht in Compression, sowie eventuell im Anlegen eines GvpsVerbandes: beim Hund kann ferner das Anlegen einer Seimennaht versucht werden.
ZerreiSSIing von FaSCleil. Bei snboutaner Zcrreissung von Fascien kann es zur Ausbildung einer sogenannten Muskelhernie, d. h. zum Vorquellen einer Muskelpartie durch den Riss in der Fascie kommen. Ich habe einen derartigen Fall am Hinterschenkel bei einem Pferde beobachtet (Hernic des Semimembranosus).
Bezüglich der Zcrreissung von Gefilssen, Nerven und Gelenk­bändern vergleiche die betreffenden Capitel über Krankheiten der (iefässe, Nerven und Gelenke.
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Die Entzündung.
I. Wesen und Ursachen.
Wesen. Die Entzündung stellt einen höchst oomplioirten reac-tiven Vorgang im gereizten Gewebe dar. Nach neueren Unter­suchungen von Cohnheim, v. Recklinghauscn. Thoma. Pfeffer und Anderen sind die Hauptvorgilnge hiebei folgende;
1.nbsp; nbsp;Die Reizung peripherer G efitsscentren veranlasst in dem von der Entzündung betroffenen Gewebe auf rcHectorischcm Wege; zunächst eine Gefässerwciterung iVasodilatatoren) in den Arterien, Venen und Capillaren.
2.nbsp; Mit der Gefttsserweiterung entsteht gleichzeitig eine Beschleu­nigung des lilutstromcs, welcher jedoch bald eine Verlang-samnng der Elutbewcgung und schliesslich selbst Bltitstaunng (Stasis) folgt.
3.nbsp; Mit dem Eintritte der Verlangsamung des Blutstromes findet namentlich in den Venen eine Rand Stellung der weissen Blu t körper­chen statt, während die rothen Blutkörperchen im Centrum des (ie-fässes weiter flicssen. Hieran schliesst sich die Auswanderung (Emi­gration) der weissen Blutkörperchen durch die Gefiissnrand in der Richtung auf den einwirkenden Reiz iCheinotropismus, (Jhemo-taxis), wodurch die sogenannte zellige Infiltration des cntzlimleten Gewebes bedingt wird.
4.nbsp; nbsp;In Eolge Alteration der Gefässwand kommt ausserdem eine gesteigerte Transsudation von Blutsc rum durch die krank­haft veränderte Gefässwand (entzündliches Transsudat, Exsudat), sowie ein Durchtritt von rothen Blutkörperchen durch die Capillarwände (Diapedesis) hinzu, welche die sogenannte entzündliche Schwellung verursachen.
5.nbsp; nbsp;Endlich betheiligen sich aussei- den emigrirten weissen l.lut-körperchen auch die fixen, an toch thonen Bi ndcgewebszellen
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I'rsuolicu der Entzündung.
durcli Proliferation (Theilung, Wucherung) an dem Entztindungs-prooess,beziehungsweise an der zelligen Infiltration (Sohlummorzellen).
BlltzUndlingSthoorleil. Während nach den neueren Anschauungen über die Entzündung die Beizung der loealen vasomotorischen Nervenapparate den primären, die nach den Gesetzen der Chemotaxis vor sich gehende Aus­wanderung der weissen Hlutkörpercheu, sowie die Alteration der Gofiisswände den secundiiren Vorgang darstellt i v. Kecklinghausen), hat man früher die Verändeiung der Geftisswand für das Wesentliche der Entzündung, und die ent-zUndliolie Exsudation, sowie die Auswanderung der weissen Blutkörperchen für einen Filtrationsprocess gehalten (Cohnheini). Die Bedeutung der Chemotaxis für den Vorgang der Emigration der weissen Blutkörperchen ist durch Pfeffer klargelegt worden. J)ie neuere Auffassung kann im Wesentlichen als eine noiU'istlsolie Theorie hezeichnet werden, weil das Nervensystem hiebei die ein­leitende Kollo spielt. Aehnlichc neuristische Anschauungen über das Wesen der Entzündung sind schon vor längere.' Zeit geiiussert worden (sogenannte para­lytische und spasmodische Entzündungstheorie von Brücke, Stilling u.A.j. Mit Kiicksicht auf die Auswanderung der weissen Blutkörperchen und die Mit­wirkung dor Chemotaxis hat man wohl auch von einer clicmotaktischcu Ent­zündungstheorie gesprochen. Von Virchow ist die COlInlare Entzündungstheorie iiufgestellt worden ; darnach sollen die durch den Entzündungsreiz irritirten Ge­webszellen sieh vergrössern und vermehren, und deshalb aus dem Blute eine grössere Menge von ErnährungsHüssigkoit an sich ziehen (Attractionstheorie, nutritive Beizung). Die llBinoralo Entzündungstheorie hat das Wesen der Entzündung in einer veränderton Besehaft'onhoit des Blutes gesucht. Von Metsch-nikoff ist endlich die sogenannte Plmgocytcn-Theorie aufgestellt worden, wo­nach die weissen Blutkörperchen zum Schutz gegen die eindringenden Entzündungs-errogor auswandern und dieselben vernichten sollen („Fresszellenquot;).
#9632;
Ursachen der EntziiiKlung. Die auf die thierischen Gewebe
einwirkenden Entzttndungsreize sind ihrer Natur nach sehr verschieden-Mechanische, chemische, thermische, infectiöseUrsachen können den Vorgang der Entzündung auslösen. Im Allgemeinen lassen sich die Entzündungen vom ätiologischen Standpunkt aus in zwei praktisch sehr wichtige Hauptgruppen eintheilen. Die eine Gruppe kann als aseptische oder nichtbaktericile (nicht infectiöse) Entzündung bezeichnet werden; sie entsteht nicht durch Einwirkung von Bakterien, sondern durch mechanische, thermische und chemische Einflüsse (trau­matische Entzündung, Verbrennung, Aoria). Die andere Gruppe um-fasst die septischen oder bakteriellen (infectiösen). das heisst durch die Einwirkung von Mikrooriranismen verursachten Entzttndun(renlt;
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Ursachen dor Entzündung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ß[
Im Einzelnen sind die wichtigsten Entzlindun^sursachon folgende:
1.nbsp; Mechanische Reize (Verwundung, Druck, Qnetsohung, Zer­rung, Zerreissung) erzeugen die sogenannte traumatische Entzündung. Heispiele einer traumatischen, aseptischen, nichtbakteriellen Entzündung sind die Vorgänge bei der Wnndheilung per primam und bei der Heilung subcutaner Knochenbrliehe, Muskel- und Sehnenzerreissungen, ferner die als Hafrehe bezeichnete Huflederhautentzündung, die nichtinfectiüsen Entzündungen der Gelenke, Sehnen, Sehnenscheiden, Schleimbeutel, Knochen u. s.w. Mit der rein traumatischen, aseptischen Entzündung kann sich eine bakterielle, infectiöse Entzündung cninbi-niren (Heilung per secundam, Heilung complicirter Knochenbrüche).
2.nbsp; Thermische Reize in Form von Hitze und Killte. Kein asep­tische Entzündungen dieser Art sind die Verbrennung (Röthung. Blasenbildung), sowie die rheumatischen Entzündungen, insbesondere der Muskelrheumatismus (nichtbakterielle, lediglich durch den Kältereiz verursachte Muskelentzündung). Auch diese; thermischen, asep­tischen Entzündungen können sieh spiiter mit einer infectiösen com-hiniren (eiterige Infection der Brandblasen).
3.nbsp; nbsp;(Chemische Reize; können ohne Mithilfe von Bakterien sehr verschiedene Arten und Grade von Entzündung veranlassen, insbesondere auch eine eiterige Entzündung. Bringt mau z. B. sterilisirte, d. h. keim­frei gemachte Chemikalien (Terpentinöl, Creolin. Höllenstein. Am­moniak u. s. w.) unter aseptischen Cautelen in das subeutane Binde­gewebe von Versuchsthieren, so entsteht cine acute eiterige Entzündung ohne Anwesenheit von Eiterbakterien (Grawitz, De Bary u. A.). Praktische Bedeutung hat die durch chemische Reize; verursachte Ent­zündung in der Therapie erlangt; durch die sogenannten Acria oder haut-reizenden Mittel werden absichtlich Hntzündungen verschiedenen Grades ZU Heilzwecken hervorgerufen (Rubefacientia. Vesicantia. Pustiilantia. Suppurantia).
4.nbsp; nbsp;Infectiöse Entzündungen werden durch das Eindringen von Mikroorganismen in die; Gewebe bedingt. Eine grosse Anzahl von Spalt­pilzen vermag derartige bakterielle oder septische Entzündungen zu veranlassen, SO namentlich Stapliylococcen, Streptococcen. Oedeinbacillen, Tuberkel-, Rotz-, Milzbrandbacillen, Botryomvces. Aktinomyces u. s. w. Beispiele infectiöser Entzündung sind die Eiterung der Wunden, die Phlegmone, die eiterige Arthritis. Tendovaginitis, l'ododermatitis u. s. w. Alle diese Spaltpilze wirken nicht mechanisch, sondern durch ihre ehemischen Stoff wechs elproduete (Toxine) ent­zündungserregend. Dass die infectiöse Entzündung im Wesentlichen
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Arten der Ent/.iindimg.
durch eine ehemisehe Reizwirkung zu Stande kommt, ist zuerst durch Leber festgestellt worden, welchem es gelang', aus Staphylococecn-Calturen einen krystallisirbaren obemisohen Stoff mit entzündungser-i'egender Wirkung (Phlogosin) zu gewinnen. Die sogenannten parasi­tären, durch grüsserc Parasiten hervorgerufenen Entzündungen (Acarus, Räude u. s. w.) haben für die Chirurgie keine Bedeutung.
Von Einfhiss auf das Zustandekommen der Entzündung sind endlich gewisse dispositionelle Momente (Constitution, Idiosynkrasie, Iininunität).
II. Arten, Erscheinungen und Verlauf der Ent­zündung.
Al'tcil (lor Entziillduilg'. Je nach der Beschaffenheit des Ex­sudates werden verschiedene Formen der Entzündung unterschieden.
1.nbsp; nbsp; Die seröse Entzündung ist durch ein seröses, wässeriges, lympheartiges Exsudat ohne erheblichen (iehalt an weissen und rothen Blutkörperchen charakterisirt. Sie stellt den niedersten Grad der Ent­zündung mit nur schwacher Alteration der Gefässwand dar und kommt namentlich in der Haut lödematöso Entzündung, Brandblasen, Dermatitis l)ullosa).auf den serösen Membranen der Gelenke. Sehnenscheiden und Schleimbeutel (seröse Arthritis. Tendovaginitis und Buraitis, Hy-drops der Gelenke. Sehnenscheiden und Schleimbeutel), sowie auf Schleimhäuten vor (katarrhalische und aphthöse Entzündung).
2.nbsp; Die fibrinöse oder croupösc Entzündung zeigt ein Exsudat, welches sehr reich an Faserstoff und weissen Blutkörperchen ist. In Folge dessen sind den entzündeten Geweben Croupmembranen (soge­nannte fibrinöse Pseudomeinbranen) aufgelagert, welche im Wesentlichen aus Leukocyten und Fibrinfäden bestehen. Ist gleichzeitig auch seröses Exsudat vorhanden, so bezeichnet man die Entzündung als sero-i'ibrinös. Am häufigsten findet man die fibrinöse Entzündung auf der Serosa der Gelenke, Sehnenscheiden und Schleimbeutel (Arthritis, Ten­dovaginitis, Bursitis fibrinosa s. crepitans), sowie auf Schleimhäuten, z. B. im Auge (Conjunctivitis membranacea).
8. Die eiterige Entzündung ist eine besondere Form, welche in der Regel durch eine Infection mit Eiterbakterien bedingt wird (Strepto­coccus pyogenes, Staphylococcus pyogenes aureus, albus und citreus, vgl. Seite 19). Das eiterige Exsudat setzt sich einestheils aus den einigrirten weissen Blutkörperchen, anderntheils aus den proliferirten
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Krsclielniingen der Kiitziindung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;63
fixen Bindegewebszelleu zusammen. Eine umschriebene Eiteransatnmlung im Gewebe nennt'man Abscess, eine diffuse eiterige Entzündung da­selbst eiterige Infiltration, Eiteransammlung in Gelenken undKopf-hühlen Empyem, eiterige Entzündung der Sclileimbäute eiterigen Katarrh, der Augenschleimhaut Hlennorrboe. der Haut des itusseren Gehörgangs Oturrhoe, Eiterblasen auf der Haut führen den Namen Pusteln.
4.nbsp; nbsp;Die hiimorrhagi sehe Entzündung ist durch einen reichen Gehalt des Exsudates an rothen Blutkörperchen ausgezeichnet, welche die Gefässe entweder per diapedesin oder per rhexin verlassen haben. Diese Entzündungsform beweist immer eine schwere Alteration der Gefilsswand.
5.nbsp; nbsp;Die jauchige oder putride Entzündung zeigt ein missfar­biges, faulig zersetztes Exsudat (Miachinfection mit Fäulnisbakterien).
6.nbsp; nbsp;Die diphtheritische Entzündung besteht in einer Coagu-lationsnekrose der Schleimbaut, d. h. in einer Einlagerung von Fibrin in das Gewebe mit Absterben der Zellen. Sie führt entweder zur Bildung von sogenannten diphtheritischen Pseudomembranen oder zu Substanzverlusten in dem nekrotisirten Gewebe (diphtheri­tische Geschwüre).
7.nbsp; nbsp;Die productive Entzündung verläuft chronisch und hinter-lässt bleibende Gewebsneubildung (Verdickung. Verwachsung u. s. w.); sie wird je nach der Beschaffenheit des producirten Gewebes indu-rirende. sklerosirende. ossificirende, adhiisive, pannöse. fun-göse. granulöse, verrueüse etc. Entzündung benannt.
8.nbsp; nbsp;Die speeifisehen Entzündungen entsprechen speeifischen In-fectionskrankheiten (Tuberculose, Rotz, Aktinomykose, Botryoinykosc u. s. w.).
Ueber den Begriff der erysipelatösen und pblegmonösen Entzündung vgl. Seite 21 und 34.
Erscheinungen der Entziilldiillg'. Von jeher sind als Cardinal-symptome der Entzündung bezeichnet worden Röthe (Rubor), Hitze (Calor). Schwellung (Tumor) und Schmerz (Dolor): hiezu tritt als fünftes Symptom die gestörte Function (Functio laesa).
1. Die entzündliche Röthe ist bei den meisten Thioren wegen der Pigmentirung und Behaarung auf der Haut nicht sichtbar, dagegen an den Schleimhäuten leicht erkennbar. Sie wird durch die Erweiterung und stärkere Füllung der Gefässe bedingt (entzündliche Hyperämie i.
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Vorlauf und Ausgang der Entziinclung.
Man unterscheidet die Injcctionsröthe. wobei nur einzelne Gefiisse stärker injicirt erscheinen, und die diffuse EntzündungsrOthe.
2.nbsp; Die vermehrte Wilrme ist namentlich bei den acuten Ent­zündungen deutlieh ausgeprägt. Sie bildet in der Thierheilkundc ein um so wichtigeres Hilfsmittel zur Feststellung des Vorhandenseins einer Entzündung, als die entzündliche Röthe häutig nicht nachweisbar ist. Sie erklärt sich aus dem vermehrten Blutzufluss, nicht aus einer localen Mehrpruduction von Wärme im entzündeten Gewebe.
3.nbsp; nbsp;Die Schwellung ist eine Folge des vermehrten Blutgehaltes und der entzündlichen Transsudation. Je nach der Beschaffenheit des Exsudates und der erkrankten Gewebe ergibt die Palpation der ent­zündlichen Schwellung eine verschiedene Consistenz: weich, derb, tluc-tuirend (Abscess. Hydrops der Gelenke und Sehnenscheiden), crepi-tirend (fibrinöse Arthritis und Tendovaginitis). Am stärksten ist die Schwellung im weitmaschigen Gewebe der Subcutis, bei Entzündung der Sehnenscheiden. Gelenke und Drüsen.
4.nbsp; nbsp;Der Schmerz wird thcils durch den Druck der entzündlichen Schwellung auf die Nerven, theils durch eine entzündliche Mitbetheili-gung der Nerven selbst (Neuritis) verursacht. Besonders schmerzhaft sind die acuten Entzündungen der nervenreichen Organe: Haut, Huf­lederhaut, Gelenke, Auge; chronische Entzündungen sind im Allgemeinen weniger schmerzhaft. Prognostisch ungünstig ist bei acuten Entzün­dungen das plötzliche Verschwinden des Schmerzes iNekrose der Huf­lederhaut).
5.nbsp; nbsp;Die gestörte Function äussert sich im Lahmgehen, Sistiren der Drüsenseoretion, Undurchsiohtigkeit der Cornea u. s. w. Auch die Störungen des Allgemeinbefindens, welche theils durch die Schinerzen, theils durch die Aufnahme fiebererregender Stoffe bedingt wurden, sind hier zu erwähnen.
Verlauf und Ausgangquot; der Entziiiiduiig. Man unterscheidet
einen acuten (Dauer einige Tage) und chronischen (Dauer mehrere Wochen), zuweilen auch einen peracuten (Dauer einige Stunden; malig­nes Oedem, Milzbrand) und subaouten (Dauer 1—2 Wochen) Verlauf. Bezüglich der Ausbreitung theilt man die Entzündungen ein in ober­flächliche (superficielle) und tiefe (parenehymatöse beziehungs­weise interstitielle). ferner in localisirte oder umschriebene (circumScripte) und diffuse oder progressive (z. B. die Phlegmone). Endlich gibt es entzündliche Primär- und Secundär-Herde (meta-
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Behandlung dor Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;05
statische, embolische. gcneralisirto, d.h. über den ganzen Körper durch die Vermittlung der Hlutbahn verbreitete Entzündung).
Von den Ausgängen der Entzündung sind als die wichtigsten zu nennen:
1.nbsp; Der Ausgang in Zerthcilung (Resolution) in Folge Resorption der entzündlichen Exsudate durch die Lynipbgefilsse unter Mitbethei-ligung der weissen Blutkörperehen (Phagocytose).
2.nbsp; Das Zurückbleiben entzündlicher Neubildungen in Form von Verdickung, Verhärtung, Verwachsung (Sklerose, Elephantiasis. Sehnencallus. Exostosen, Dermatitis verrueosa etc.).
3.nbsp; Das Hinzutreten von Brand bei schweren Oirculationsstörungen oder septischer Infection.
III. Behandlung der Entzündung.
Rulie. Bei fast allen schmerzhaften Entzündungs/.ustilnden ist Ruhe für den leidenden Tlieil die Grundbedingung der Heilung. Bei vielen Entzündungen genügt sogar lediglich Ruhe zur Hei­lung. Dies gilt namentlich für Gelenkdistorsionen, aseptische Hufent­zündungen, Spat u. s. w. In jedem lalle unterstützt die Ruhe die übrigen Mittel in ihrer Anwendung. Kur ausnahmsweise ist, namentlich bei chronischen Entzündungen, Bewegungangezeigt, z.B. beim chronischen Muskelrheurnatisnuis. Unter den Gesichtspunkt der Ruhe-Therapie fällt auch die Entfernung des die Entzündung verursachenden Reizes, alsf) des Hufeisens beziehungsweise Hufnagels bei Entzündung der Huflederhaut, des Sattels, Geschirrs und Zaumzeugs bei entzündlichen Zustünden am WiderVist, in der Sattellage, an der Lade, reizender Fremdkörper im Lidsack bei Conjunctivitis, abgestorbener, chronische Kntzündungsprocesse unterhaltender Knorpel- und Knochenstucke (Huf-knorpelfistel, Knochenfistei) u. s. w.
Kälte. Dieselbe eignet sich nur im Anfang aeuter Entzündungen (Sehnen-. Gelenk-, Ilufent/.ilndung). Ihre Wirkung beruht auf einer Con­traction der erweiterten Gefässe. zum Theil auch in einer lähmenden beziehungsweise antiseptischen Wirkung auf die weissen Blutkörperchen (Auswanderung sistirt) und entzündungserregenden Mikroorganismen. Nach Versuchen, welche Bayer mit den gebräuchlichen Methoden der Kälteapplication angestellt hat, wirkt um stärksten die perma­nente Irrigation der rasirten Stelle mit kaltem, fliessendem Wasser (Wasserleitung); er erzielte damit schon nach einer Stunde eine Tem-
Frübner, Allgemeine Cliirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ö
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Behandlung der Kntziindung.
peraturerniedrigung um 20 Grad. Auch durch Aetberzerstftubung liess sich die Temperatur nach 10 Minuten um 15 Grad herabsetzen, stieg jedoch nach dem Aufhören schon nach 15 Minuten wieder zur Norm. Das Maximum der Temperaturerniedrigung durch den Eis­beutel und den Leiter'schen Kuhlapparat betrug 7—8 Grad. Kalte Waschungen und Kaltwasserumsobläge zeigen eine schwächere Wirkung, indem sie. von 6 zu 5 Minuten erneuert, die Temperatur im günstigsten Falle um 3—5 Grad herabsetzen; gewöhnlich sinkt die Temperatur nur in den ersten 2—8 Minuten und steigt dann wieder an. Kalte Bäder wirken nar bei bftuflger Erneuerung oder in fliessen-dem Wasser. Ganz unzureichend ist die kühlende Wirkung des früher so vielfach angewandten Lehmanstrichs; wie bei kalten Umschlägen ent­steht nach einigen Minuten eine Temperaturabnahme um einige Grade, worauf die Temperatur bald wieder fast, bis zur Norm ansteigt. In einem Falle betrug beispielsweise die in der Unterhaut gemessene Temperatur Sb'lquot; V,.: als ein Lehmanstrieh von 12'60 C. applicirt wurde, sank die Temperatur vorübergebend nach 5 Minuten auf 32-5quot;C., stieg jedoch nach 30 Minuten wieder auf'34-2T. und nach 60 Minuten auf84,90C.
Wärme. lgt;ic Wärme eignet sich nicht für die aeuten, sondern für die subacuten und chronischen Formen der Entzündung. Eine frische Sehnenentziiiulung wird beispielsweise in den ersten Tagen mit Kälte, später mit Wärme behandelt. Die Wärme soll die Resorption der entzündlichen Exsudate befördern; dies geschieht durch Anregung der Circulation, Diffusion und Auswanderung von Phagocyten, sowie durch Erweichung und Lockerung des entzündeten Gewebes; ausser-dein wirkt die Wärme durch Entspannung schmerzstillend. Besonders wirksam ist die feuchte Wärme in Form des öfters erneuerten Pricss-nitz'scbenUmschlages. Indem derselbe kalt angelegt wird, erzeugt er zunächst eine vorübergehende Contraction der Gefässc. der bald eine starke Erweiterung folgt. Durch häufige, alle 3—6 Stunden erfolgende Wiederholung dieses Vorganges wird die gestörte Circulation in dem ent­zündlich erkrankten Gebiete gehoben und auch das Allgemeinbefinden (Temperatur. Blutdruck,llerzthätigkeit, Blutvertbeilung, Nervensystem) trünstijr beeinilusst. Aehnlich wirken warme Breiumsobläge (Kata-plasmen), welche indessen bei Thieren schwieriger anzuwenden sind (antiseptische Kataplasmcn bei Hufcntzündungl Contraindicirt ist die Anwendung der Wärme bei septischer Phlegmone sowie beim malignen Oedem. weil sie die Ausbreitung dieser Pro-cessc und die Vermehrung der Infectionsstoffe befördert.
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Behandlung dor Entzündung,
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MjlSSagC. Die Massage bildet eine sehr wichtige Behandlungs­methode subacuter und chronischer aseptischer Entzündungen der Sehnen, Gelenke, Muskel, Knochen, Haut u, s. w. Bei septischen, infectiösen, eiterigen Entzündungen, insbesondere beiPhleg. mone ist wegen der dadurch herbeigeftihrten Verbreitung des Processes die Massage contraindicirt. Auch schmerzhafte acute Entzündungen gestatten ihre Anwendung nicht. Man unterscheidet herkömmlich vier Arten der Massage:
1.nbsp; nbsp;Das Streichen (Effleurage),
2.nbsp; das Reiben (Massage a Friction),
8. das Kneten oder Walken (Pctrissage),
4. das Klopfen (Tapoternent, Percussioni.
Ausserdem kann der constante Druck (Compression) zur Mas­sage gerechnet werden. Die Wirkung der Massage besteht in der Reinigung des entzündlich erkrankten Gewebes von den Exsudaten, welche mechanisch in die Lymphbahnen hineingepresst und so zur Resorption vorbereitet werden, in der Entspannung, Absclnvellung und dadaroh Schmerzverminderung der entzündlichen Anschwellung, sowie in der Anregung der Circulation, Ernährung undlnnervation. Genaueres über Massage vgl. in meinem Lehrbuch der allgemeinen Therapie, 1890, Seite 173.
Hautreize. Der sogenannten hautreizenden Methode kommt in der Thierheilkunde eine grosse Bedeutung bei der Behandlung chronischer Entzündungen zu. Die wichtigsten Hautreize sind die scharfen Ein­reibungen und das Brennen. Diese Mittel werden namentlich bei chronischen Entzündungen der Sehnen und Gelenke häutig mit gutem Erfolg angewandt. Ihre Wirkung erklärt sieh wohl daraus, dass sie die chronische Entzündung in eine acute umwandeln und dadurch die Resorption der chronischen Entzündungsproducte ermöglichen. Die genannten Hautreize verursachen auf dein Boden der chronischen Ent­zündung Erweiterung der Blutgefässe. entzündliche Transsudation von Blutserum, Auswanderung weisser Blutkörperchen (Phagocytose) mit Bildung von Fermenten (Enzymen) aus den weissen Blutkörperchen, durch welche die Eiweisskörper in dem chronisch entzündeten Gewebe unter Bildung von Albumose fPropepton) verdaut, und die festen Ent­zündungsproducte verflüssigt und erweicht werden (Histolyse). Dass thatsächlich Hautreize eine derartige tiefe Wirkung in Sehnen, Knochen und Gelenken ausüben, beweist die mikroskopische Untersuchung dieser (raquo;rganc nach vorausgegangener Bepinselung der Haut mit Jodtinctur,
6*
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ßynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entziinduiigswidiigo Arzneimittel.
Wenige Stunden nach der Aufpinselung' iindet man eine erliebliclie Transsudation, sowie Emigration weisser BlatkOrperohen in der Haut und Unterhaut, sodann im Zwischenmuskelgcwebc und im Periost der darunterliegenden Knochen. Diese acute, rothlaufartigc Entzündung kann sogar anf das Knochenmark übergehen und zur Lockerung und Lösung der Epipbysenknorpel führen (Volkmann),
EntzttnduilgSWidrige Arzneimittel. Da viele Entzündungen inraquo; i'ectiöser Natur sind, so können sie wirksam durch die Anwendung der Antiseptioa bekämpft werden. Handelt es sich um eine tiefer gelegene Entzündung (Pldeginonc. 1 )rüsen-. Sehnenentzündung), so müssen solche Antiseptioa gewühlt werden, welche durch die Haut in die Tiefe dringen (Campher. (Karbolsäure, Theer. .Jodoform, Quecksilber u. s. W.). Ausserdein sind als raquo;antiphlogistischelaquo; Mittel von jeher im Gebrauch, die metallischen und pflanzlichen Adstringentien. welche die erweiterten (refässc contrahiren. deckende trockene Schorfe bilden und meist auch gleichzeitig desinficirend wirken i Höllenstein. Bleizucker, Bleiessig, Alaun, Zinkvitriol, Kalkwassei', Tannin, Eichenrinde u. s. w.), Rein mechanisch wirken die sogenannten Dcckmittel (Oele, Salben, Col-lodium, Pflaster u. s. w.i. Ein speeifisches Antipldogisticum ist das Jodkulium l)ei Aktinomykose und Hotryomykose.
Operative Behandlung dw Entzündung. Pei manchen Formen
der Entzündung, insbesondere bei den infectiösen (Abscess. Phlegmonc, jauchige Entzündung) ist statt jeder anderen Behandlung die Incision mit nachfolgender antiseptischer Irrigation beziehungsweise Drainirung angezeigt. Bei brandigen Entzündungen muss ferner die Entfernung der abgestorbenenTheile,sowie eventuell die Amputation (Schweif, Zehen. Euter, Ohr, Flügel, bei Hunden wohl auch ein Bein) vorge­nommen werden. Weitere Operationen sind die Scarification, d. h. die locale Blutentziehung durch Einstiche oder Einschnitte, sowie der A der lass, der indessen gegenwärtig in der Chirurgie nur noch gegen die als Hufrehc bezeichnete acute, diffuse, aseptische Pododermatitis vor­genommen wird.
Anhang. Der Abscess.
Jinctcriologist'lies. Der Abscess ist das Product einer eiterigen Entzündung, Er wird dabei' am häufigsten durch die gewöhnlichen Eiterbakterien erzeugt, nämlich durch Streptococcus p.vogenes, Staphylocooous pyogenos albus und auveus, sowie bei Pferden durch den Drusestreptococcna, bei Rindern durch den Aktinomycespilz; seltener sind Stapliylococcus citreus, Mikrococcus tonuis,
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Abscosse.
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Baoillus pyugencs totidus, Bacterium coli und andere Biikterien die Ursachen von Absccssen. Häufig liegt der Absccssbildung eine Mischinfoction mit versehiedonen Mikroorganismen zu Grunde; sind neben pyogenen Bakterien gaserzengende ein-godrungen, z. B. der Bacillus pblegmonae emplnsemiitosao, so entstehen die sogenannten üasabseesse. Nach den Untersuchungen von Hell sind beim Pferde Staphyloeoccen und Streptocoecen die wesontlichston Eitornngseneger; er glaubt ferner, dass die Botryomycosrasen sich ebenfalls aus Staphyloeoccen zu­sammensetzen. Fotb fand in einem Druseabsccss beim Pferde aussei- dorn Druse-Stl'eptoooocus auch Staphylococcus aureus; er ist weiter der Ansicht, class auch bei nicht drusekranken Pferden Eiterungen unter Umständen durch einen Streptococcus hervorgerufen werden können, der von dem der Druse mit den bisherigen bacteriologischon Hilfsmitteln nicht unterschieden werden kann. Müller fand in den als lirustbcule bekannten Muskelabscessen des Pferdes regelmässig Staphyloeoccen und Streptocoecen. Lucet und Xocard nehmen für die Abscesso des Rindes besondere, noch nicht beschriebene Eitererreger an, die sie bacteriologisch nachgewiesen und mit besonderen Namen belegt haben: Streptococcus, Staphylococcus und Bacillus pyogenes bovis, Bacillus liquofaciens pyogones bovis und Bacillus crassus pyogenes bovis. Der Bacillus pyogenes bovis soll mit dem Bacillus pyelouepbritidis bovis identisch sein.
Arten. Herkömmlich unterscheidet man verschiedene Arten von Abscesson, so hoisse und kalte (durch acute und chronische eiterige Entzündung entstanden), oberflächliche und tiefe, primäre und seeundäre oder symptomatische beziehungsweise motastatiseho (Druse, Pyfimie, Tuberculose, liotz), Con­gestions- oder Senkungsabscesse, subeutane, subfasciale, intermuscu-läre, Drüsen-, Knochen-, Huf-Abscesse u. s. w.; endlich spricht man von Koth- und Harn-Absccssen.
Voi'kotniueit. Die Abscesse kommen bei allen Hausthieren vor, am häufigsten wohl beim Pferd, Hund und Rind; der Absoesseiter beim Geflügel zeigt eine eigen-tbümlich trockene, käsige Beschaffenheit. Am häutigsten findet man Abscesse in der Subcutis, in den Lymphdrüsen, unter Foscien, in Muskeln und in der Manuna; seltener sind Knochenabscesse. Die am meisten botrotl'enen KOrperstellen sind beim Pferd der Kehlgang (Lymphdrttsenabscoss), die Hufkrono (subeoronäre Abscesse), die Buggegend (Brustbeule), der Hals (snbeutaue Injectionen), die Sattellage, Kruppe, die Unterschenkel u. s. w. Beim Hund findet man ausgedehnte Abscesse besonders häufig am Kopf und Hals (liisswunden). Die Abscesse bei älteren Kindern zeigen eine Neigung zu langsamer Entwicklung (kalte Abscesse).
Syinptoiiic. Die Erscheinungen der suboutanen Abscesse bestehen in einer umschriebenen, schmerzhaften, höher temperirten, im Ceotrum fhietuirenden, an der Peripherie derberen Schwellung, über welcher sich die Haut nicht verschieben lässt und bei heller Pigmentirung eine blaurothe, blauviolette oder bleigraue Earbo sowie starken Cilanz zeigt. Häufig besteht gleichzeitig Fieber, Bei tieferen
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I-iteiatur.
Absccsscn, namentlich bei subfascialon Abscossen, welcho schwieliger y,n er­kennen sind, entscheidet eine Probepunotion die Diagno.se.
Heliniullung. Die Behandlung der sich entweder primär ans einer Wunde, Pldegmone, parenehymatösen Drüsenontzi'indung oder seeundiir auf dem Woge der Metastase (Pyämie, Druse) entwickelnden und im letzteren Fall häufig multipel auftretenden Abscesse ist eine rein chirurgische. Sie besteht in der möglichst frühzeitigen und vollständigen Incision mit nachfolgender antisep-tischor Ausspülung. Die früher übliche oxspeetative Methode, welche die Selbst-ötfnung des Abscesses abwartete, ist nicht zu billigen, weil die Haut hioboi nekrotiseh, der eiterige Process verlängert, in seiner Ausdehnung unterstützt und namentlich bei subfascialen Abscesscn das Leben bedroht wird. Sehr grosse Abscesse, insbesondere solche unter Fascien, werden drainirt. Vorsicht ist geboten bei der Eröffnung tiefer Abscesse in der Umgebung des Sohluiulkopfes: man spaltet hier nur die Haut mit dem Messer und bohrt sich dann mit dorn Finger oder mit stumpfen Instrumenten (gebogene Seherenspitze, llohlsonde, Kornzango) einen Weg in die 'riefe. Die geöffneten Abscesse sollen nicht austam-ponil't, sondern offen behandelt beziehungsweise drainirt oder nach erfolgter Exstirpation ihrer Kapsel (Brustbeule) vernäht und dann drainirt werden. Sub-fasciale Abscesse mit starker Ausdehnung und Nokroso der benachbarten Fascien und Muskel (Kiickenfascie beim Pferd nach AVidcrristiisteln) sind unter Um­ständen unheilbar.
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Geschwür, Fistel, Brand.
I. Geschwür. Ulceration.
Begrifflaquo; l^as öeschwür kann vom ohirurgisdhen Standpnnkte aus
als eine Wunde definirt werden, welche keine Neig'iing zur Heilung zeigt (Billrotli)- Man kann es auch auffassen als eine chronische eiterige, zur Zerstörung des Gewebes führende Entzündung, oder als einen fortgesetzten eiterigen Zerfall der (Granulationen einer Hautwunde. Vom pathologiseh-anatomischen Standpunkte aus bezeichnet man als ein Geschwür einen durch Nekrose oder Vereiterung entstandenen Gewebsdcfect.
Ursachen. Die Ursachen der Geschwüre sind theils örtliche, theils allgemeine. Darnach unterscheidet man zwei Hauptarten von Geschwüren:
1.nbsp; Das primäre oder idiopathische Geschwür entsteht durch die fortgesetzte Einwirkung localcr Entzündungsreize auf Wunden, so durch anhaltendes Schütteln der Ohren nach Verletzungen, durch un­ablässiges Belecken der Wunden an der Schweifspitze und an den Extremitäten bei Hunden, durch die chronische Reizung, welche Fremd­körper, zurückgehaltene Eitennassen, abgestorbene Knochen-, Knorpel-und Sehnentheile in der Tiefe einer Wunde ausüben, durch die un­unterbrochene entzündungserregende Einwirkung cariöser Zähne auf das benachbarte Zahnfleisch u. s. w.
2.nbsp; Das seeundäre oder symptomatische Geschwür ist, die Folgeerscheinung einer speeifischen Local- oder Allgemeinerkrankung. Hieher gehört das Krebsgeschwür, dalaquo; Rotzgeschwür, das tuberculöse und aktinomykotischc Geschwür, die Genital­geschwüre im Verlaufe der Beschälseuche, die Corneageschwüre bei der Staupe der Hunde und beim Diabetes mellitus.
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Gesclnvilr.
Die beim Menschen so häutig durch entzündliche Blut­stauung am Unterschenkel im Anschluss an Venenorweiterungen der Haut hervorgerufenen sogenannten vuricöseu Unterschenkelgeschwllre scheinen bei den Thieren nicht vorzukommen. Dagegen sind die so­genannten trophoneurotischeii Geschwüre. welche sich nach schweren nervösen Störungen beim Menschen entwickeln, auch bei Thieren beohachtet worden (Corneageschwüre nach Trigeminuslähmung).
Formen der Gesohwttre. Nach dem ('harakter der Granulationen
unterscheidet man schlaffe (atonisehe, indolente, torpidc. schmerzlose) und reizbare (crethische, entzündliche, schmerzhafte) (ieschwüre; nach der Beschaffenheit des Randes glatte und calliise. d. h. mit wallartigem, derbem Rande versehene GesehwUre. Mit Beziehung auf die Tiefe spricht man von oberfläch­lichen, tiefen, sinuösen (buchtig unterminirten) und röhren­förmigen oder fistulösen Geschwüren (Fisteln). Oberflächliche Ge­schwüre auf Schleimhäuten nennt man Erosionsgeschwüre. Nach der Beschaffenheit des Grundes bezeichnet man die Geschwüre alshämor-rhagisch,jauchig, gangränös, nekrotisir'end, diphtherisch, fungös (hypertrophisch, wuchernd) und phagedänisoh (fressend. rasch um sieh greifend). Serpiginöse (kriechende) Geschwüre sind solche, bei welchen die Vergrösserung in der Weise vor sich geht, dass das Geschwür an der einen Stelle abheilt, während es an der anderen fortschreitet. Bezüglich der Grosso gibt es in iliare (hirsekorn-grosse), lenticuläre (lin sengrosse), erb sengrosse, thai ergrosse
u. s. w.. hinsichtlich der P(
runde, ovale, reeelmässiffe,-un-
regelmässige Geschwttre.
IJehaudlimg. Manche Geschwüre heilen einfach durch Ruhe, d. h. durch Abhaltung des das Geschwür unterhaltenden äusseren Reizes; so bringt man z. B. die (ieschwüre an ilor Ohrspitze beim Hund lediglich dadurch zur Heilung, dass die Thiere durch einen Verband oder eine Ohrenkappe anhaltend am Schütteln gehindert werden. Dasselbe gilt für die Geschwüre an der Schwoifspitze, anquot; den Extremitäten und am Auge (Cocai'n I.
Andere Geschwüre kann man in der Weise zur Heilung bringen, dass man sie durch Ausschneiden, Auskratzen, Ausbrennen oder Ausätzen in eine frische, reine Wunde umwandelt. Die Anwendung des Messers, des scharfen Löffels, des Brenneisens, des ('hlorzinks.
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Fistel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
Sublimats, der ('hromsäurc und anderer Actzmittel ist meistens der Anwendimg der zu schwach wirkenden Antisoptiea und Adstringentien vorzuziehen.
Eine innerliche specifische Behandlung kann endlich bei den aktinoinykotisehen Erosionsgescbwürcn der Maulsebleimhaut mit Jod­kali um, sowie bei den neurotischen, beziehungsweise bei den auf einer allgemeinen krankhaften Disposition beruhenden (beschwüren mit Arsenik versucht werden. Mine Behandlung- der Rotzgesohwüre ist unstatthaft.
Die wlohtigston Ctaschwttro bei den llaiistliieren. Die ohlrurgisoh Inter-cssirenden Geschwüre sind bei den Thieren viel seltener als beim Menschen. Praktische Bedeutung haben die nachstehenden:
1.nbsp; nbsp;Das öesohwür an der Ohrspitze dos Hundes.
2.nbsp; Dus Geschwür an der Schweifspitze des Hundes.
3.nbsp; Das Hautgesohwttr am Unterschenkel der Hunde und Pferde.
4.nbsp; Das Corneageschwür stanpekranker Hunde.
5.nbsp; Das sogenannte Hufgeschwttr beim Pferde.
(i. Die DeonbitalgesohwUre bei septiseli erkrankten, liegenden Thieren, 7. Die Stomatitis uieerosa zahnkranker Hunde. cS. Die Krebsgesohwttre bei Hautoarolnomen der Hunde und Pferde. Auch manche sogenannte Drucksohäden In der Sattellage, am Widerrist and am Genick der Pferde können als Geschwüre bezeichnet werden.
11. Fistel. Fistula.
Umgriff. Mit dem Namen Fistel werden in der Chirurgie sehr verschiedenartige Krankheitszustände bezeichnet. iUan hat insbesondere zwei ganz differente Processe zu unterscheiden.
1. Die Eiterfisteln können als röhrenförmige Geschwttre oder Hohlgeschwtire aufgefasst werden, welche dadurch entstehen, dass sich in der Tiefe der Haut, Unterbaut, Muskel, Knorpel, Knochen. Drüsen eiterige Entzündungsherde bilden, welche durch langsame Versohwftrung allmälig an die Oberfltlohe gelangen (Billroth). Sie sind somit das Product einer chronischen, eiterigen, destructively Entzündung in der Tiefe, welche häufig durch abgestorbene Gewebstheile (Knorpel, Knochen), zuweilen auch durch specifische Mikroorganismen (Botryo-mveesi unterhalten wird, und deren eiteriges Exsudat sich durch einen röhrenförmigen Canal nach aussen ergiesst. Beispiele sind die Huflaquo; knorpelfistel. Samenstrangfistel, Zahnfistel, Widerristfistel,
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Eitorfisteln.
Geniokfistel, Adorlassfistel, Brtistbeinfistel, Beokenfistel, Rippenfistel und andere Knochenfisteln.
2. Die Secret- und Excretfistelu stellen eine pathologische Verhindung tief gelegener Seoretionsorgane (Drüsen) und Excretions-organe (Magen, Darm, lilase) mit der Kürperoberfläche dar. llieher gehört die Speichelfistel, Thrttnonfistel, Milohfistel, Magen­fistel, Darmfistel, Sohlundfistel, Ohrfistel u. s. w. Diese Fisteln sind entweder auf traumatischem beziehungsweise entztlndlichem Wege entstanden (erworbene Fisteln) oder angeboren (Ohrfistel, Darm­fistel, Harnfistel etc.). Je nachdem der Canal frei mit dem Exoretions-organ communicirt oder in der Tiefe blind endigt, unterscheidet man vollständige oder communicirende und blinde Fisteln. Nach der Form des Fistelganges nennt man die Fisteln canalf'örmig, loch-fürraig oder lippenförmig. Ausserdem spricht man von Hautfisteln, Schleimhautfisteln, Corneafisteln, serösen Fisteln. Gelenkfisteln. Sebnen-scheidenfisteln u. s. w.
Eitcrt'istHii. Die Erscheinungen der Eiterfisteln sind im Ein­zelnen je nach der Oertlicbkeit verschieden. Gemeinsam ist ihnen die Fistelöffnung, welche meist klein, eingezogen und indnrirt erscheint, und aus der sich fortgesetzt Eiter in verschiedener Menge entleert; ferner der Fistelcanal, welcher entweder von derben, glatten Wänden umgehen, oder mit schlaffen Granulationen ausgefüllt ist, und der Fistel-grund, in dessen Tiefe nicht selten rauhe, harte Gewebstheile (abge­storbene Knorpel- oder Knochenstüeke) zu fühlen sind. Gewöhnlich sind die Fisteln, als das Product einer schleichenden Entzündung, schmerz­los. Sie können sich jedoch auch mit einer frischen Entzündung, z. B. einer acuten Phiegmone, eompliciren, wenn eine Verletzung oder un­geeignete Operation einwirkt.
Die Behandlung der Eiterfisteln hat analog derjenigen der Geschwüre die Aufgabe, an Stelle der eiternden, verschwärenden, schlecht granulirenden, sieh gegen die Umgebung mit glatten, indurirten Wandungen abkapselnden Hohlgesebwlire reine Wimdflächen7zii schaffen und insbesondere die abgestorbenen Theile in der Tiefe der Fistel zu entfernen. Die beste Behandlung der Eiterfisteln ist somit die Ope­ration, wobei mit Messer, Schere, scharfem Löffel, Knochenzange, Moissel u. s. w. der Grund der Fistel freigelegt, die abgestorbenen Theile i Knorpel. Knochen, Zahn etc.) entfernt, die indurirten Wan­dungen exstirpirt. die Granulationen beseitigt werden. Ein blosses
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Secret- und Excretfisteln.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;75
iSpalten dor Fistel genügt durchaus nicht. Nach der Spaltung besteht vielmehr die Hauptaufgabe in der Entfernung der im Zustande ohronisoher Entzündung befindliehen Fistelwändc und des uleerirteu Fistelgrundes. Beim Operiren der Eiterfisteln ist sorgfältige Antisepsis nothwendig, nm cine Infection der frisch er­zeugten Wunde durch die alten Eiterherde zu verhüten. Wird diese insbesondere von Bayer hervorgehobene Hauptregel nicht berück­sichtigt, oder werden nach dem .Spalten die eiterig infiltrirten beziehungs­weise nckrotischen Theile nicht sorgfältig entfernt, so schiiesst sieh an den operativen Eingriff leicht eine acute eiterige Infection des bisher gesunden Gewebes, insbesondere eine oft ausgedehnte Phlegmone an. Umgekehrt ist zu beachten, dass die operative Exstirpation einer Fistel nicht angezeigt, erscheint, so lange in der Umgebung eine acute phlegmonösc Entzündung vorhan den ist. In einem solchen Falle muss die Operation so lange aufgeschoben werden, bis die Phlegmone beseitigt ist. Möller vertritt diesen Standpunkt speciell bei der operativen Behandlung der Hufknorpelfistel, worin ihm voll­kommen beigestimmt werden muss. #9632;—#9632; Kann oder soll eine Fistel nicht operativ behandelt werden, dann mag ein Versuch mit Ausbrennen oder Ansätzen gemacht werden; entschieden erfolgreicher und schneller wirksam ist die Operation. Die blosse Anwendung des-inficirender Mittel genügt zur Heilung einer Fistel in der
Re
'8
el nicht.
Secret- und Excretfisteln. Dieselben unterscheiden sich von den Eiterfisteln wesentlich dadurch, dass aus der Fistelöffnung nicht Eiter, sondex'n die verschiedensten Secrete und Excrete zum Vorschein kommen: Speichel, Milch. Harn, Futter, Mageninhalt, Darminhalt, Roth u. s. w. Ihre Heilung ist viel schwieriger als die der Eiterfisteln. Dieser für die Prognose ungünstige Umstand erklärt sich theils dadurch, dass der stetige Druck der abfliessenden Drllsensecrete die Heilung verhindert, theils dass Operationen am Magen und Darm (Magenflstel, Darmfistel) die Eröffnung der Bauchhöhle voraussetzen, was bei dem Vorhandensein eines Fistelprocesses doppelt gefährlich ist. Die Ope­rationen zur Beseitigung der Secret- und Excretfisteln sind plasti­scher Natur und bestehen im Wesentlichen im blutigen Anfrischeu und Vernähen der Fistelöffnung. Brennen und Aetzmittel führen in der Kegel nicht zum Ziele. In manchen Fällen bleibt als Kadicalmittel zur Heilung von Sccrettisteln nur die Exstirpation der das Secret liefernden Drüse übrig (Exstirpation der Parotis beim Pferde).
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Eitorlisteln. Secret- mid Kxorotfisteln.
Pit! wlohtigateil Eitorfisteln der HanstlliorOi Praktisch wichtig sind:
1.nbsp; nbsp; JJic Ilufknorpelflstel des l'ferdos ist als umsohriebenc Knorpel-nekroso aufzufassen, die sicli meist als Folgezustand einer parachondralon Phleg-mone entwickelt und einen chronischen, aicerativen Zustand mit Bildung eines oder mehrerer Fistelcaniilo an der Krone unterhält. Behandlung: Exstlrpatlon des Hufknorpels (Bayer'sohe Methode).
2.nbsp;Die Samenstrangfistel des Pferdes wird bedingtdurch eine chronische, eiterige, indurirende Entzündung des Samenstranges (Funloulitis chronica) und der Tunica vaginalis, die meistens durch den Uotryomycespilz verursacht wird fUotryomykose des Samenstranges). Behandlung: Exstirpatiou dos degenerirten Samenstrangs (Ligatur, Kluppen, Ecraseur).
ii. Dio Zahnfistel kommt bei Pferden namentlich an den Prämolaren dos Unterkiefers, bei Hunden am Oberkiefer vor und ist das Kesultat einer eiterigen Alvoolarperiostitis, Ostltls und Osteomyelitis. Behandlung: Zahnextraction.
4. Die Knocbenfistel entwickelt sieh aus einer eiterigen beziehungsweise nekrotisirenden Periostitis, Ostitis und Osteomyelitis. Sie hat je nach dem Orto verschiedene Namen erhalten (Brustbeinfistol, Beckonfistel, Kippeniistel, Uuter-kieferfistel, Schwoifllstel, Fisteln der Röhrenknochen laquo;. s. w.). Behandlung: Ent-t'enuing des nokrotischen Knochenstiickes (Se(|uesters) durch Ausmoisseln, Tre­panation, Auskratzen, Ausbrennen. Schwer beilbar sind Brustbeinfisteln wegen der tiefen Lage dos Knochens.
ö. Die Widerrist- und Nackenfistel entsteht bei Pferden im Anschluss an Quetschung mit eonseentiver Phlegmone und Nekrose der Haut, Unterbaut, Bursa, Fascien, Muskel und Knochen am Widerrist, in der Sattellage und in der Genickgegend, Behandlung: operative Entfernung aller nekrotischen Theile, antiseptlsche Drainage und Irrigation.
G. Die Aderlassfistel wird durch eine eiterige Thrombophlebitis der Vena jugularis unterhalten. Behandlung: doppelte Unterbindung und Exstirpation der kranken Vene. Weitere Eiterfisteln sind die Afterfistel (periprootal), Kronenfistel, Fosselfistol, Ballenfistel u. s. w.
Die wichtigsten Secret- und Excretflsteln. Praktisch wichtig sind:
1. Die Milch fis tel der Kühe entsteht durch Verletzungen und absce-dirende Euterentziindungen während der Lactation. Man unterscheidet eine Drüsen­fistel und eine Gangfistol. Behandlung: Anfnschen und Vernähen, Brennen, Aetzen, Anlegen eines Milchkatheters; Heilung oft nur in der Trockenperiode möglich.
#9632;i. Die Speichelfistel entsteht durch Verletzung von aussen (Wunden) oder innen (Speichelsteine) und ist entweder eine Drüsen- oder eine Gangfistel. Behandlung: Unterbindung, Anfrischung und Vernähung, Brennen, Exstirpation der Drüse, Einspritzung ätzender Flüssigkeiten.
3. Die Ohrfistel (ilalsfistel, Halskiemenfistel) bei Pferden ist ein an­geborenes Kicinent'urehenteratom am Ohrgrund, welches einen Zahn enthält (Zahn-
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Brand, Nekroee, Gangrän. Mortification.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;77
balgcysto, ovratischer Zahn), A'gl. das Capitol der Tcratomo. Behandlung: Ex-Btirpation,
4.nbsp; nbsp;Die Sclilmulkopf- und Soblundfistel entsteht nach Verletzungen von aussen und innen, sowie nach perforirenden Abscesscn. Behandlung: \aht.
5.nbsp; Die Magen- und Darmfisteln bilden sich nach perforirenden Ver­letzungen von innen oder aussen. Je nach dem Sitz und der Thiergattung unter­scheidet man Labmagen-, Pansen-, Hauben-, Dünndarm-, Dickdarm-, Mastdarm-Fisteln, Sehr grosso Darmfisteln worden alsAnus praeternaturalis, widernatürlichor After, Schoidenmastdarmfistoln als Cloake (Anus vaginalis, Fistula recto-vaginalis), lilasenmastdarmfisteln als Anus vosicalis bozeiebnet. Behandlung; Plastische Operation.
0. Die Harnblasen- und Haruröhrenfistel wird wohl auch allgemein als Harnflstel bezeichnet. Sie ist erworben (traumatisch) oder angeboren. Be­sondere Formen sind die Blasonscheidon-, Blasonmastdarm- und Blasen-d ü n n d a r m -Fistel.
Von sonstigen Fisteln sind zu erwähnen die Thränenfistol, Urachus-fistel, II ornhau tfistel, die Fisteln zwischen Maulhöhle und Nasenhöhle.
III. Brand. Nekrose. Gangrän. Mortification.
Begriff und Arten. Unter Brand (Nekrose, Gangrän, Morti­fication) versteht man das Absterben von Geweben, somit einen localen Gewebstod. Man untersoheidet in der Chirurgie verschiedene Arten von Brand, insbesondere den trockenen Brand oder die Muini-fication (Gangraena sioca) und den feuchten Brand oder die Colii-qnation (Gangraena luimida). Verläuft der Brand unter den Erschei­nungen der Entzündung', .so spricht man von lieissem. im andern Fall von kaltem Brand (Spliaeelus). Die Ansiedlung von Fäulnispilzen (Saprophyten) auf feuchtem Brand hat den putriden Brand (Putres-cenz) zur Folge. Jauchig, ichorös oder phagedänisch (Phagedaena) nennt man den putriden, um sich greifenden Brand. Die Gasgangrän (das Brandemphysem) kommt durch eine Mischinfection mit gaserzeugen­den Bakterien zu Stande (Bacillus phleginonae emphyseniatosae, gas­bildende Varietät des Bacterium coli). Umschriebene Knochennekrose führt den Namen Sequester; eigenartige Einschinelzungsproces.se an den Knochen und Zähnen werden als Caries (Knochenfrass. Zahn-frass) bezeichnet. Brand auf den Schleimhäuten führt den Namen Diphtherie. Oberflächliche trockene Brandschorfe hat man Eschara genannt. Eine besondere anatomische Form des Brandes bildet die so­genannte Coagulationsnekrose. Endlich kann man den Brand der
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7Hnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ursachen des Brandes.
Haut, der Hufledei'haut, der Unterhaut, der Knochen, Muskeln, Öelineiij Drüsen u. s. w., ferner einen umschriebenen und fortschreitenden, einen infeotiösen und niohtinfeotiösen (se])tischen und aseptischen) Brand unterscheiden.
Ursaclion des Brandes. 1. Die mechanische Unterbrechung
der Circulation ist eine der häufigsten Ursachen des Brandes. Ins­besondere bewirkt die fortgesetzte oder mit Gewebszertrttmmerung verbundene Compression (Druck. Quetschung, Einschnürung', Ein-klemmung) brandiges Absterben in Folge Anämie beziehungsweise ausgedehnter (JefässVerletzungen (Druckbrand, Decubitus). Wie schon bei der Quetschung bemerkt worden ist. bedingt das mechanische Moment der Zertrümmerung- für sich allein den Tod der Zellen nicht. Aehnlich wie die Compression wirkt die Ligatur, die Thrombose! und Embolie. sowie die Erkrankung der Wand der arteriellen Ciefässe, desgleichen die Unterbrechung des venösen Blutabflusses (anämische Xokrosei. Das Absterben der Haut und Muskeln erfolgt erst nach 10- bis 12stUndiger Unterbrechung der Circulation, während im Darm (Incarceration von Hernien), in den Nieren und im Gehirn schon nach ein bis zwei Stunden anämische Nekrose eintritt; am wenigsten empfindlich sind Knorpel und Knochen. Auf die Störung der Circulation in Folge einer hyalinen Thrombose der peripheren Arterienäste ist auch die bei der Mutterkornvergiftung (Ergotismus) auftretende Gangrän i Mumiiieation der Extremitäten) zurückzuführen.
2. Von chemischen Ursachen der Nekrose sind namentlich die Aetzmittel zu nennen. Hire Wirkung ist eine verschiedenartige. Die metallischen Aetzmittel (Sublimat, Chlorzink, Chromsäure, Kupfervitriol u. s. w.) tödten die Gewebszellen durch die Bildung eines Niederschlages von Metallalbuminat und durch das Freiwerden der Sfturecomponenten. Dicätzenden Säuren (Salpetersäure) wirken schorfbildend durch Gerinnung des Eiweisses, zum Thcil ertödten sie die Zellen auch durch Wasser­entziehung (Schwefelsäure). Die Laugen (Aetzkali, Aetzkalk, Ammoniak) verwandeln das Gewebseiwciss zu einer schmierigen, breiigen Masse (Alkalialbuminut). Auf chemischen Processen beruht ferner der Brand bei der Einwirkung des Schlaugengiftes, sowie vieler Infectionsstoffe (vgl. unter 4).
8. Von thermischen Einflüssen sind als Ursachen des Brandes zu erwähnen: hohe Hitzegrade (Verbrennung, Combustio) und starke Kälte (Erfrierung, Frostgangrän, Congelatiol Der sogenannte dritte Grad der Verbrennung und Erfrierung ist nichts anderes als
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Xekrosebacillus.
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Brand. Auch gegen thermische Einwirkungen zeigen sich die einzelnen Gewebe sehr verschieden empfindlich; eine Darmsohlinge stirbt bei­spielsweise schon ab, wenn einige Stunden eine Temperatur von -j- 8 Grad C. eingewirkt hat.
4.nbsp; nbsp;Zahlreiche Infections errege r erzeugen ferner sogenannte brandige Entzündungen, indem die Bakterien Toxine produciren. welche theils auf chemischem Wege, theils durch Störung der Circu­lation die Ertödtung der betroffenen Gewebe herbeiführen. Die ge­wöhnlichen Eiterbakterien, Streptococcen und Stapbyloooooen, sind so im Stande, im Verlaufe der eiterigen Entzündung', nament-lieh einer Phlegmone, Nekrose zu erzeugen (Hufknorpelnekrose bei parachondraler Phlegmone). Besonders stark ist die nekrotisirende Wirkung des Nekrosebacillus. Milzbrandbacillus, liauschbrand-baciilus, Oedembacillus, Rotzbaoillus (acuter Rotz), der Bak­terien der Schweinesouche, Schweinepest und des Schweine-rothlaufs (Hautbrand bei Schweinen), der bösartigen Klauen­seuche, Brandmauke, Brandpocken, der mit Sohleimhaut-diphtherie verlaufenden Infectionskrankhciten u. s. w.
Auch manche Befallun gspilzo (Brandpilze, Kernpilze), ins­besondere Tilletia Caries, üstilago Carbo, üstilago Mafdis und Polydes-mus exitosus erzeugen auf Haut und Schleimhäuten bei iiiudern. Pferden und Schafen Brand; in ähnlicher Weise kommt wahrscheinlich auch der Brand beim Buchwcizenaussehlag (Pagopyrismus), bei der Lupinose. bei der Kleekrankheit, sowie der sogenannte Brand der weissen Abzeichen zu Stande.
5.nbsp; nbsp; Häufig wirken mehrere Ursachen gleichzeitig ein. Namentlich der Druck brand entsteht oft nach relativ geringfügigen mechanischen Insulten, wenn gleichzeitig eine schwere Allgemein­erkrankung, namentlich eine Erkrankung des Cireulationsapparates (Fieber, Septikämie, Blutkrankheiten, Anämie, Kaehexie, Merzkrank­heiten, allgemeine Schwäche) vorhanden ist. Aclmlich gestaltet sich die Entwicklung des sogenannten Altersbrandes (öangraena senilis). des sogenannte]! Zuckerbrandes (Cangraena diabetica) und des nach Bückenmarkskrankheiten auftretenden sogenannten symmetri­schen Brandes beim Menschen.
Nokrosebacillns. Unter diesem Namen beschreibt Hang einen Bacillus, der sebon früher von Löffler uml Sohmorl beobaobtet worden ist, und dor bei oinor grossen Anzahl krankhafter Zustände theils als Ursache, theils als Begleiterscbelnung (Mlscbinfection) vorkommt. Er gehört zu den Faden-
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80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nekrosebacillua.
baktorien und tritt theils in Stiibohenforni, thcils als Coccus, thcils in Form gestreckter, bis zu 100,quot;hh?i langen Fäden auf, welche bei Färbung helle, runde oder cjdindrischo Lücken zeigen. Die kürzeren, bacillenartigcn Formen zeigen eine .-chlängelnde Bewegung, die längeren Fäden sind meist unbeweglicb, zuweilen zeigen sie langsame, pendelnde Hewegungen. Kaninchen zeigen bei subeutaner Impfung in der Umgebung der Impfstelle starke Entzündung, brettharte Schwellung und Verkäsung; sie sterben ferner nach 8 bis 14 Tagen in Folge metastatiseher Xekrosoherde in der Lunge, Pleuritis und Peritonitis. Hang hat den Nekrosebacillus in folgenden Fällen gefunden:
1,nbsp; nbsp;lieim Pl'orde als Ursache der H randmauke, der llufknorpelfisteln und bei Schleimhautdiphtherio im Grimmdarm.
2.nbsp; nbsp;Beim Kinde als Ursache des Panaritiums, der Hrandpocken, der Uterus- und Scheidendipbtherie, bei nokrotisirender Entzündung granulironder Wunden, bei der Külberdiphtheric, bei der Necrosis nodosa multiplex der Leber, in Leberabscossen, bei emboliseher Lungen- und Herz-nekrose.
'•i. Heim Schwein bei Nekrosc der Nasenschleimliaut und der Maul-schloimhaut, sowie in den nekrotischen Herden des Darmes und der Lunge bei Scbweineseucho (Schweinepest).
4. Hei KnniiU'lien hat Sehmorl eine seuchenhafto, progressive, nekroti-sirende EntzOndnng beobachtet, welche durch den Nekrosebacillus erzeugt wurde, mit starker Schwellung am Kopf (Unterlippe) begann, die sich auf Hals, Brust und Hauch fortsetzte, und nacli 12 bis l(i Tagen zum Tode führte,
Erscheinungen. Der trockene Brand ist dadurch gekenn­zeichnet, class die abgestorbenen Tlieile eintrocknen. Die nckrotische Haut erscheint schorfig, leclcrartig, pci'gamentiihnlicli, zuweilen horn-artig hart, von brauner bis schwarzer Farbe, kühl und gefühllos. Am häufigsten findet man den trockenen Brand bei Satteldrückeii, bei De-cubitalgangrän am iiusseren Darmbeinwinkel, .lochbogen etc., an der Schweifspitze des Hundes, an den Klauen der Binder, auf der Cornea, nach Aetzung mit Salpetersäure u. s. w,
Beim feuchten Brand werden die abgestorbenen (jewebc. in eine schmierige, weiche, matschige, breiige, jauchige oder blutige Masse von graugelber, graubrauner, schwarzgelber, schwarzbrauner, braungrüner, graugrüner, violetter, schwarzer Farbe umgewandelt. Eine schöne hellgrüne Farbe zeigt der nckrotische llufknorpel. Die nekrotischen Gewcbsmasscn sind meist kalt und gefühllos (kalter Brand), bei gleich­zeitig vorhandener Entzündung dagegen wann (heisser Brand). Zu­weilen entwickeln sich im abgestorbenen Gewebe stinkende Fäulnis­gase (Schwefelwasserstoff, Kohlenwasserstoff, Wasserstoff. Ammoniak, Kohlensäure), welche die Oberhaut blasig abheben oder eine schaumige
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Nokrosobacillus.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^jj
Jieschaftenheit der Jauchemassen bedingen (Brandblase. Brand-emphysem, Emphysema scpticum).
Die brandig- abgestorbenen Thcile werden vom gesunden Gewebe durch cine reactive, eiterige Entzündung unter Bildung von Granulations­gewebe abgegrenzt beziehungsweise abgestossen (demarkirende Ent­zündung, Demarcationslinic, Brandzone). Beim Uebcrgang des brandigen Processes auf die Wandung grösserer Gefässe können in Folge brandiger Arrosion der Gefässvvand schwere arterielle und venöse Blutungen entstehen. Auch das Allgemeinbefinden ist häufig schwer mit afticirt (septische und pyämische Infection).
Am häufigsten findet man den feuchten Brand an der lluf'leder-haut, an der Hufkrone, am liufknorpel, in der Haut der Fesselbeuge (Brandmauke), in der Unterbaut, den Fascien und der Musculatur der Sattel-, Widerrist- und Genickgegend, am Unterschenkel, am Zwischcn-zahnrand des Unterkiefers sowie an der Zunge der Pferde, am Euter der Kühe, Schafe und Ziegen, am Scrotum und am Schweif bei Bunden, nach der Lungenseuchenimpfung auch am Schweif des Rindes, an der Eichel nach Paraphimose u. s, w.
Therapie, öio Behandlung des Brandes besteht in der opera­tiven Entfernung der abgestorbenen Thcile (Messer, Schere, scharfer Löffel, Zange, Meissel, Trepan etc.), sowie eventuell in der Amputation des ganzen Körportheils (Schweif, Zungenspitze, Penis, Euter, Klauen, Ohren, Beine beim Mund). Das Abstossen trockener Brandsehorfe kann durch Anwendung von Kataplasmen befördert werden. Endlich muss eine gründliche und fortgesetzte De sinfe et ion stattfinden.
Atrophie. Als Atrophie odor Schwund bezeiobnet man die Verkleino-rung von Organen beziehungsweise den Schwund einiger GowebsbostaiHltlioile in Folge von Ernährungsstörung und pathologischer Rückbildung, Vom Ktlologlsohen Standpunkt aus unterscheidet man in der Chirurgie die nachstehenden Formen der Atrophie:
1.nbsp; nbsp;Die Inactivitätsatrophio ist die Folge der Unthiitigkeit von Organen, namentlich von Muskeln und Drüsen. Die Zellen können wegen Unthiitigkeit. das zufliessende Nährmatcrial nicht mehr ausnützen (active Atrophie). Besonders wichtig ist die bei chronischen Lahmheiten in der Kegel bald auftretende Muskel-ntrophie dor Pferde.
2.nbsp; nbsp; Die Druckatrophie entsteht nach fortgesetzter Compression von Organen, z. li. durch Neubildungen (passive Atrophie). Man beobachtet sie unter anderen am Hufbein beim Vorhandensein einer llornsäule.
Fröhner, Allgmiieino Chlrursie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (J
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^2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Atresle. Obliteration.
.'J. Die degenerative Atrophie entsteht durch Kmährungsstörungen nach Ablautquot; entzündlicher Prooesse (entatlndliohe Atrophie), so z. 15. im Euter und Auge, sowie bei Norvenlähmungen (neurotische Atrophie). Meist liegt jedoch bei dieser Form keine einfache Atrophie, sondern diese und jene degene­rative Veränderung vor. Auch die bei verlagerton Hoden (Kryptorchismusj häufig vorkommende Atrophie wird als eine degenerative Atrophie aufgefasst (Seerotretontiou in Folge Knickung des Nebenhodens und Unterbrechung des ausführenden Cnnnlsystems nach Stilling).
Weitere Formen sind die senile Atrophie, die sogenannte lipomatöse Atrophie der Muskeln (Mästung) u. s. w. Vgl. Genaueres über Atrophie im Capitel Krankheiten der Muskeln und Knochen.
Atresie. Olilitorittioii. Man bezeichnet mit dem Namen Atresle beziehungs­weise Obliteration einen Vcrschluss beziehungsweise eine Verwachsung von Köiperötl'nimgen.
1.nbsp; nbsp;Die Atresie ist ein angeborener Bildungsfehler, der bei Thioren namentlich am After (Atresia ani), an den Augenlidern (Atresia palpe-brarum), am Zitzenoanal, am Ausführungsgang dos Tbräiiencanals etc. vorkommt.
2.nbsp; nbsp;Die Obliteration ist als narbige Yerwaehsung aufzufassen, welche nach Verwundungen und entzündlichen l'rocessen am Auge, in der Scheide und an der Scham durch den Process der Vernarbung entsteht. Die auf diese Weise zu Stande gekommene Verwachsung der Lider miteinander nennt man Aukyloblepharon, die Verwachsung der Lider mit der Cornea Sym-blepharon. Im weiblichen Genitalrohr kommen vereinzelt bei Thieren Ver-wach-ungen der Scheide und Scham nach Verwundungen beim Coitus und bei der Geburt vor (Geyer, Gieses). Die Behandlung der Atresie und Narben-Verwachsung ist eine operative.
Slonoso. Man versteht darunter eine Verengerung von Caniilen und HOhlen des Körpers, insbesondere des Schlundes, der Trachea, der Harnröhre, der Scheide, des Darmes, des Zitzencanals, dos Speichelganges, der Nasenhöhle, Kieferhöhle, Stirnhöhle u. s. w. Je nach der Ursache der Verengerung unter­scheidet man:
1.nbsp; Die Coinpvcssionsstenose, welche durch den Druck von Neubildungen oder Absccssen auf benachbarte Caniile von missen entsteht, so auf die Luft­röhre (Kropf), auf den Schlund (tuberculöse Neubildungen in der Umgebung), auf den Mastdarm (paraproctale Ahscesso und Neubildungen, Frostatatumoron).
2,nbsp; nbsp;Die Obturationsstenose, bestehend in einer Verstopfung beziehungs­weise Verengerung der Canäle durch Fremdkörper, Neubildungen u. s. w. von innen. Beispiele sind die Obturation des Schlundes durch steckengebliebene Futterstoffe (Bübeustttoke, Kartoffel etc.), die Verstopfung der Harnröhre durch Harnsteine, des Speichelcanals durch Speichelsteine, des Darms durch Darmsteine, die Verengerung des Traoheallnmens nach Brüchen der Knorpel (Infraction), die
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Kktasio. Dilatation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;g3
Verengerung der Nasenhöhlen, Stirnhöhlen, Kieferhöhlen durch Knochenneu-hildungen, welche beim Pferd, Kind und Schaf die genannten Höhlen zuweilen fast ganz ausfüllen, die Stenose des äusscren Gehörganges durch Papillome beim Hund u. s. w.
3. Die Xarbenstenose oder Strictur entsteht nach vorausgegangenen Verletzungen und Entzündungen durch narbige Retraction. Man findet sie in der Trachea nach der Tracheotomie, im Schlünde nach der Oesophagotomie, in der Harnröhre nach der Urethrotomio, in der Scheide nach Verletzungen beim Coitus und während der Geburt, im Zitzencanal naeli chronischer Entzündung und nach Verwundung, an den Nasenlöchern nach Verletzungen mit starkem Substanzverlust U. S. w. — Eine seltene Form ist endlich die spastische Stenose (Schlundkrampf).
Die Hehandlung der Stenosen ist eine operative; besonders schwer heilbar beziehungsweise unheilbar sind die Stricturen.
Ektasio. Dilatation. Diese Namen bedeuten eine Erweiterung von Canälen und KörperhOhlen, der Zustand bildet also das Gegentheil der Stenose. Nach der anatomischen Form unterscheidet man diffuse und umschriebono (Divcrtikol), cylindorförmige, spindelförmige und sackförmige Ektasien, In ätiologischer Beziehung sind zu unterscheiden:
1.nbsp; nbsp;Dio Pulsions-Ektasie, entstanden durch das Auseinanderdrängen der Canalwandungen von innen, so namentlich durch das angestaute Futter oberhalb einer Schlundstonose, durch den rückgestauten Harn vor einer Harnröhren-Stenose u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Die Traetions-Ektasie, bedingt durch einen retrahlrenden Narbenzug von aussen. Hiehcr gehört unter Anderem auch die nach ausgedelinten Ver­letzungen der Maulwinkel entstehende Makrostomie.
Eine besondere Form der Ektasie ist die Dilatation der Kopfhöhlen nach Schleimdegeneration der Nasenmuseholn (Sand).
Literatur.
Biltroth und Winiwarter, Tillmanns 1. c. — Bayer, Hoffmann, Möller I. i'. — Kitt, Lehrb. der pathol. anat. Dia^n, 185)4. — V1 r p. h o w, Specielle Pathol. und Ollularpatliol. — Oohnhelm, Handb. der allg. Pathol. 1882. — nemmc, (Tober die Veränderung der Gewebe bei liranci. 1857. — Israel, Ueber den Toil der Gewebe. IJerliner klin. Woelienschrift. 1894.— Stilling, Versuchs über die Atrophie des verlagerten Hodom. Ziegler*a Heiträge. 181)4. — Use hin sky, Ueber die Wirkung der Kälte auf verschiedene Gewebe. Ibid. 1891). — Üblich, Zahlreiche Fälle von liraudinauke beim Pferde. Sachs. Jabresb. 1894. — Hang, Die Ursachen der localon Nekrose, Maanedskr. for Dyrelaeger. iSÖܗ91. — Jensen, Die Acliologie des Mcsseltiebers und der dilVustm Hautnekrose des Schweines. Deutsche Zeitschr. ffir Thiermed, 1892.— Dermatitis Riiperlielalis gangraenosa multiplex ht.i Klephanten. Berliner thierärstli Wochenschrift. 1892, Nr, 61. — Kitt, lieber den Nokrosebaeillus. .Sflmmelreferat. Monatfiscbrift für praktische Thierhcllkunde. Bd. V, 8. 429.
(i*
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Die GeschwCilste.
I. Allgemeines über Geschwülste.
Begriff Und Elntheilung. Unter einer Geschwulst (Gewächs, Tumor) im engeren Sinne versteht man in der Chirurgie gewöhnlich eine Gewebsneubildung nicht entzllndlichen Ursprungs, welche keinen physiologischen Ahschluss erlangt und vom anato-mischen Typus des Mutterbodens abweicht (Llicke, Cohn-heim). Diese Definition schlicsst somit die entzündlichen Gewebsneu-bildungen (Hyperplasien) und die sogenannten infectiösen Granulations­goschwülste (T uberculose. Rotz, Aktinomykose. Botryomykose) aus. Im üebrigen ist eine völlige üebereinstimmung bezüglich des Geschwulst-begriffes noch nicht erzielt.
Dasselbe gilt bezüglich der Dintheilung der Geschwülste. Vom klinischen Standpunkt unterscheidet man gutartige und bösartige Geschwülste. Zu den bösartigen Geschwülsten gehören namentlich die Carcinome und laquo;Sarkome. Die Bösartigkeit derselben besteht in ihrem raschen Wachsthum mit Untergang des Nachbargewebes, in ihrer Nei­gung zu geschwürigem Zerfall und insbesondere in der Bildung von Metastasen in entfernten Organen. Die Metastasenbildung geht in der Weise vor sich, dass kleine Theile der Geschwulst zunächst in die Lymphbahnen (locale Lymphdrüsenmetastase) und sodann in die Blut-bahn gelangen (allgemeine Metastase in der Lunge, Leber u. s. w.).
Wichtiger ist die histologische Eintheilung der Geschwülste, bei der die Geschwülste je nach dem mikroskopischen Befunde classificirt werden. Es lassen sich nach dieser Richtung namentlich zwei grosso HaUptgruppett unterscheiden:
l. Die Bindesubstanzgeschwülste (desraoide Gewächse nach
Waldeyer, histioide Geschwülste nach Virchow). welche in der Hauptsache aus Zellen des mittleren Keimblattes bestehen und theils
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Gcsolnvlilste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;85
den Bau tlos Hindegewcbos (Fibrome), tlieils den des Fettgewebes (Lipome), Schleimgewebos (Myxome), Knorpels (Enehondrome), Knochens (Osteome), Muskels (Myome) u. s. w. besitzen. Hilufig- zeigen diese Geschwülste keinen einhcitlichon Bau, sondern eine Mischung verschiedener Typen, sogenannte Mischgesohwtllste.
2. Die epithelialen Geschwülste (epltheliale (iiewiichse nach Waldeyer, organoide Tumoren nach Vircbow), deren wesentlichste Bestandtheilo Epitbelzellen, somit Zellen des äusscren odor inneren Keimblattes bilden. Hauptrepräsentant dieser Gruppe ist das Carcinom und Adenom.
Ilistologischo Eintlieilun^ der GoSOhwtllste. 1. Nach Vircliow werden die Geachwülato im Allgomcinon cingetlieilt in Extravasations- und Kxsudations-Go schwülste (Hämatome, Hygromo), lletentionsgesehwiilsto (Schleimcyston, Atherome) und ProlifcrationsgoschWülste oder Geschwülste im engeren Sinn. Die Gesehwülste im engeren Sinn werden, je nachdem sie im Wescntliehen nur aus einer oder aus verschiodonen Arten von Zollen beziehungsweise Geweben zusammengesetzt sind, cingetlieilt in:
laquo;) histioide Gaächwülste: Fibrome, Lipome, Enchondromo, Ostoome, Myxome,
Myome, Neurome, Angiomo, Sarkome; h) organoide Goschwülste; Carcinomo; c) toratoido Geschwülste: Dermoideysteu.
2. Nach Waldeyer theilt man die Geschwülste jo nach ihrer embryo-logischen Entwicklung ein in solche, welche sich aus den Geweben des mitt­leren Keimblattes (Typus der Uindesubatanzen), und solche, die sich aus dem iuissoron beziehungsweise inneren Keimblatt (epithelinler Typus; entwickelt haben.
a) Bindesubstanzgeschwülste oder dosmoide Gewüchse sind: Fibrom, Myxom, Lipom, Ohondrom, Osteom, Angiom, Myom, Gliom, Nouroni, Lymphom und Sarkom.
h) Epitheliale Gowäcbso sind: Carcinom, Adenom, Epitlioliom und Kystom.
3. Nach Cohnhelm, dem sich Tillmanns u. A. anschliessen, unter­scheidet man:
a) Geschwülste, nach dem Typus der IJindosubstanzcn in der Hauptmasse gebaut (dosmoide Gewächee nach Waldeyer): Fibrome, Lipome, Myxome, Chondrome, Üsteome, Angiome, Lyraphangiome, Endotholiome, Lymphomc, Sarkome und Misohgosc'nvülste der genannten Tumoren;
h) Geschwülste vom Typus des Muskel gewebos (Myom);
c) Geächwülste vom Typus des Nervengewebes (N'eurom, Gllomi;
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86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Geschwülste.
il) Gescluvülsto vom Typus des Epithclgewebes (opitheliale Gewächse nach Waldeyer): Carcinotn, Adenom, Kystom, Epitheliom, Onychom, Teratom.
4. Nach Biroh-Hiraohtold unterscheidet man folgende Geschwulstarten: a) Bindegowebsgeschwülste, h) Muskelgeschwülste, c) Nervengeschwiilste, (I) epitholiale Geschwülste, e) Misehformon, f) Cystengeschwülste, (/) Infectionsgcschwiilstc (Granulationsgeschwülsto).
Ursachen.Ueber die Entstehung der Gesohwülate ist nichts Sicheres bekannt. Nach (Johnheim sollen sie durch Wucherung; embryo­naler Keime entstehen, welche bei der fötalen Entwicklung einge­schlossen beziehungsweise in andere Gewebe verirrt sind. Diese embryo­nalen Zellen sollen bei der Mehrzahl der Individuen unentwickelt bleiben, während sie bei anderen im Anschluss an eine Verletzung, mechanische oder chemische Heizung, Hyperämie, Entzündung u. s. w. zu wuchern beginnen. Dieser Keimtheorie, welche unter Anderem die Thatsache der Vererbung mancher Geschwülste sowie das Auftreten von Dermoidoysten in inneren Organen (z. 15. Verirrung von Epidermis-keimen in die Ovarien) zu erklären geeignet ist, steht die Infections-theoric gegenüber. Darnach sollen entweder Mikroorganismen die eigentlichen Ursachen der Geschwülste sein (Caroinom, Papillora) oder die gesunden Gewebszellen sollen durch gewisse Einflüsse einen infec-tiösen Charakter annehmen. Für die Infectionstheorie scheinen nament­lich die gelungenen Ucbertragungsversuche (Caroinom, Sarkom), sowie der Vorgang der Metastasenbildung zu sprechen. Von sonstigen Ur­sachen der Geschwülste werden beschuldigt: vorausgegangene Ent­zündung, fortgesetzte traumatische Einwirktmgen. Vererbung, Prädisposition u. s. w. Auch die IDuitfarbe (Melanomo bei Schim­meln), das Alter (Carcinome bei filteren, desmoide Nenbildongen bei jüngeren Thieren), das Geschlecht, die Thiergattung, die Art und Weise der Ernährung dürften einen indirecten Einfluss bei der Ent­stehung der Geschwülste ausüben. Ausführlicheres über die Aetiologie der Geschwülste vgl. bei den einzelnen Tumoren, insbesondere beim Caroinom.
Aetiologie der Geschwülste bei (leil Thieren. lieber dieselbe ist wenig be­kannt.Manche Angaben scheinen ohne weitere Prüfung aus der Menschenheilkundo in die Veteriniirchirurgie übertragen worden zu sein. So behauptet Plioque, Lippenlaquo;
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(ieschwiilsto.
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oaroinome entstehen bei Pferden vorwiegend dnrota den Uruek der Trense, bei Katzen durch den wiederholten Hiss kleinerer Thiere (!!). In Deutschland siml derartige Beobachtungen bisher noch nicht gemacht worden. Auch die weitere Angabo, bei Pferden sollen in Kolge von Geschirrdruck häufig subeutane Fibrome vorkommen, dürfte insofern nicht ganz zutreffend sein, als es sich hiebe! nicht um echte Fibrome, sondern nur um Quetscliungsgescliwiilsto (Tumor fibrinosus) handelt. ÜC/diglich der angeblichen Vorerblichkeit der Melanome bei Pferden und des Brustkrebses bei Hunden ist ebenfalls nichts Sicheres erwiesen. Dagegen kann icli auf Orund eigener Erfahrungen die Behauptung von l'licque bestätigen, laquo;lass junge Hunde im Gegensatz zu alten selten oder gar nicht an Carcinoiu erkranken; icli habe wenigstens unter '267 Carcinomfällen beim Hund niemals Caroinomatoce bei Thieren unter zwei Jahren beobachtet. Hinsichtlich dos Einflusses der Er-niilirung scheint vielleicht Fleischnahrung eine Prädisposition für Carcinomo zu be­dingen ; Hunde leiden wenigstens orfahrungsgemäss liiiuliger an Krebs als Schweine, Kinder, Pferde und andere Pflanzenfresser. Dagegen muss die Behauptung von Trasbot, man könne einen Hund durch eine sehr eiweissreiche Nahrung ex­perimentell krebskrank machen, als eine mehr als problematische bezeichnet werden.
Klinische Symptome und Diagnose. Die Gesohwttlste bieten je nach ihrem Charakter und je nach den verschiedenen Stadien ihrer Entwicklung einen verschiedenartigen klinischen Befand dar. Ihr bald schnelles, bald sehr langsames Wachsthum erfolgt entweder vom Cen­trum aus (conccntrisclies Wachsthum, Wachsthum per intussuseeptionem), oder von der Peripherie (exeentrisches Wachsthum, Wachsthum per appositioneinj; im ersteren Falle sind die (Jeschwülste umschrieben, im letzteren diffus, beziehungsweise mit Tochterknoten vorsehen. Häufig beobachtet man an den Geschwülsten die als regressive Metamor­phose bezeichneten Veränderungen, namentlich Verfettung, Verkttsung, schleimige und cystöse Erweichung, Verknorpelung und Verkiiochenmg. Treten zu der Geschwulst Infcctionserrcger hinzu, so entstehen wie im gewöhnlichen Gewebe entzündliche, ulcerirende, nekrotisirende, jauchige u. s. w. Pl'OCOSse. Das Allgemeinbefinden ist bei allen gut­artigen Neubildungen (Fibrome. Lipome, Papillome. Osteome etc.) nicht gestört. Dagegen können die bösartigen Geschwülste, speciell die Car-ciuoine, aussei-zur Bildung von Metastasen, zu allgemeinen Erntthrungs-störungen, insbesondere zu Abmagerung, Anämie und llydrämie führen (sogenannte K rebskachexie). Manche Gewächse veranlassen ferner in Folge Ulceration ihrer Oberflüche fortgesetzte Blutungen: so hat man z. 15. chronisches Nasenbluten bei ulccrirenden Angiomen auf der Nasenscheidewand bei Pferden, anhaltende Ilämaturie bei Blasencar-cinomen des Hundes beobachtet,
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(iesclnviilsto.
Dio Diagnose einer Gtesohwulst als solcher, d. h. die Unter­scheidung von anderen, namentlich entzündlichen Sohwellungszustttnden,
ist meist nicht schwer. Im Gegensätze zu einem Abscess oder einer Phlegmone fehlen bei der Geschwulst in der Regel die Erscheinungen der Entzündung, insbesondere die Schmerzhaftigkeit und die höhere Temperatur. Nur die chronischen hyperplastischen Kntzlindungsprocesse können unter Umstünden mit Neubildungen grosse Aelmlichkeit er­langen, so dass eine sichere Unterscheidung schwer füllt. Beispiele hiefür sind die Entstehung warzenartiger Gebilde nach chronischer Dermatitis in der Fesselbeuge (Dermatitis verrueosa), sowie die Bildung von Exo-stosen nach einer vorausgegangenen Periostitis.
Schwieriger ist die Differentialdiagnose der einzelnen Gc-schwulstarten. in vielen Fallen ist der lediglich makroskopische Befund zur Classiticirung des Tumors nicht ausreichend, es muss vielmehr eine mikroskopische Untersuchung zur Sicherstellung der Specialdiagnose vorgenommen werden. Von Wichtigkeit für die rein klinische Beur-theilung sind die nachstehenden Punkte:
1.nbsp; nbsp;Der Sitz der Geschwulst beziehungsweise die Natur dos be­troffenen Gewehes weist in manchen Füllen auf die besondere Beschaffen­heit des Tumors hin. Im Hoden und in der Mamma entwickeln sich erfahrungsgemäss häufig Careinome. am Periost Sarkome, am Samen­strang Botryomykome, in der Haut Fibrome. Papiliome und Careinome, in der Unterbaut Lipome und Fibrome, in den Muskeln Myome, in den Knochen ()steomc, an den Nerven Neurome.
2.nbsp; nbsp;Die Thiergattung ist unter Umstünden von entscheidender Bedeutung. Beim Rinde kommen auffallend büufig Aktinomykome. beim Pferde Botryomykome. beim Hunde Careinome vor. Schimmel er­kranken sehr häufig an Melanosarkomen.
3.nbsp; nbsp;Das Alter entscheidet im Zweifelsfalle die Diagnose auf Krebs; junge Thiere erkranken sehr selten an Krebs, dagegen sehr büufig an Sarkom und Papillom.
4.nbsp; Die Grosse beziehungsweise das Waehsthum der Geschwulst gibt zuweilen Anhaltspunkte für die Unterscheidung. Die bösartigen Neubildungen sind im Allgemeinen grosser und wachsen schneller als die gutartigen. Eine besonders erhebliche Grosse erreichen beim Pferde Sarkome und Botryomykome. Durch ein sehr schnelles Waehsthum sind die Sarkome und weichen Fibrome ausgezeichnet. Von Wichtigkeit ist ferner zuweilen der Umstand, ob die Geschwulst vereinzelt (solitftr) oder in mehreren Exemplaren (multipel) auftritt. Zu multiplen Nett-
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Gesclnvillste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;89
bilcliingcn neigen namentlich die Papillome und Fibrome (sogenannte Papillomatose und Fibromatose); multipel sind ferner bei Generalisirung in Folge von Metastn.scnbildung die Sarkome und Careinome (sogenannte Sarkomatose und Caroinomatose).
5.nbsp; nbsp;Die Oberfläche der Geschwulst ist höckerig bei Papillomon. Fibromen, Botryoraykomen und Caroinomen, gelappt bei Lipomen, ziem­lich glatt bei Sarkomen.
6.nbsp; nbsp;Die Consistenz ist am weichsten bei den Sarkomen, weichen Fibromen. Lipomen und Myxomen, sowie bei allen Cysten; derber sind Careinome und harte Fibrome; knorpel- und knochenhart Enchon-drome und Osteome.
7.nbsp; nbsp;Die Beziehung der Geschwulst zur Haut beziehungsweise den Kachbargeweben ist bei den bösartigen Neubildungen (Oar-cinom. Sarkom) insofern für die Diagnose von Bedeutung, als dieselben grosse Neigung haben, ihre Umgebung mit in den Zerstörungsprooess hereinzuziehen. Sie sind daher nicht so scharf begrenzt, wie die gut­artigen Tumoren (Fibrome, Lipome, Papillome); die Careinome zeigen häufig oborfliU'liliche Ulceration, die Sarkome greifen gerne auf die tiefer gelegenen Gewebe, selbst auf die Knochen über.
8.nbsp; nbsp;Schwellung der benachbarten Lymphdrüsen ist charak­teristisch für bösartige Neubildungen, spcciell für Krebs (Metastase).
Statistisches. Uobor dio Häufigkeit des Vorkommens der einzelnen 'rumoren bei den Ilaustliioren sind nur wenige vorgloichcndu Angaben vorhiinden.
1. Heim Hunde habe ich eine Statistik der im llundespitale der Berliner thieriirztliehcn Hochschule in den Jahren 188(J—1894 von mir behandelten Fälle (2871 Tumoren) veröffentlicht. Darnach landen sich unter 2228 poliklinlaoh an Tumoren behandelten Hunden 1484 Fülle von Carcinomen, Fibromen und Sar­komen. Unter G43 in der Klinik operirten Xeubildungen wurden festgestellt!
262 Careinome
=
40 P
rocont
aller
rumoren
97 Fibrome
=
18
..
66 Papillome
=
10
)i
..
44 Sarkome
7
••
#9632;'5I( Lipome
ti
..
17 Scheidenpolypen
=
2(i
..
Ki Schlcimoyston
=
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•*
14 Struma
=
2'2
,.
..
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=3
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raquo;i
7 Atherome
=
1
M
,.
4 Dermoide
=
raquo;
,.
2 Angiome
=
(raquo;#9632;;!
ti
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Gesclnviilsto.
2. lieim Pferde liegen ZnsaDiiuenstellungen von ohifurgisohei' Seite nicht vor. Dagegen ist von Seiten der patliologisehen Anatoniio eine Statistik aufgestellt worden, welche allerdings auch die für den Chirurgen bedeutungslosen Neu­bildungen der inneren Organe (Gehirn, Lober, Nieron, Lunge etc.) umfassen (Semmei', Johne, Casper).
Hcliamllim^ der Geschwülste. In iillen Überhaupt ausfahrbaren Fällen empfiehlt laquo;ich die operative Behandlnng, das heisst die Ent­fernung der (Jesehwiilste auf blutigen) Wege durch Exstirpation mit dem Messer, der Schere u. s. w. Bei gestielten Neubildungen sowie bei Tumoren innerhalb von Körperhohlen (Nasen-, raquo;Scheiden-, Mastdarm-polypen) kann das Ausreissen und Abdrehen, die Ligatur (Unter­bindung des Stils der Neubildung) oder der Ecraseur angewandt werden: die beim Menschen ausserdem benutzte galvanokaustische Schlinge ist für die Zwecke der Thierhcilkunde zu mnstilndlicli. Für manche Oe-scbwülste eignet sich ferner das Brenneisen beziehungsweise derTherino-kauter; dieselben wirken gleichzeitig blutstillend, die Heilung erfolgt ferner unter dem Brandschorfe, welcher einen Verband ersetzt. Dagegen sollten die früher so vielfach angewandten Aetzmi ttel nur bei solchen Tumoren gebraucht werden, bei welchen eine operative Behandlung nicht ausführbar ist. Eine erhebliche Bedeutung hat neuerdings die Behandlung gewisser Tumoren mit Jodkalium erlangt; dieses Arzneimittel ist nicht blos ein Speoificum gegen Kropf, sondern namentlich auch gegen die Aktinomykose des Rindes und, wie es scheint, auch gegen die Botryo-mykose des Pferdes. Das Jodkalium wird entweder innerlich verab­reicht, oder itusserlich in Form der Lugol'schen Lösung angewandt; auch Bepinselungen und Injectionen mit Jodtinotur haben sich sehr wirksam erwiesen. Aehnlich soll der Arsenik, innerlich gegeben, bei Fapillomen wirken.
Weniger wichtig ist die parenehymatöse Injection anderer Arznei­mittel (Spiritus, Milchsäure U. s. w.), sowie die Behandlung mit Anilin-farbstofien; dasselbe gilt für die in der Menscbenbeilkunde in einigen Fidlen durch künstliche üeberimpfung von Erysipel erzielten Heilerfolge bei Carcinom.
Literatur.
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Fibrom,
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II. Die Geschwülste im Einzelnen.
A. Bindesubstanzneubildunöen. 1. Das Fibrom.
Formen. Das Fibrom oder Fibroid (Fasergesohwulst) ist eine desmoide Geschwulst, welche in der Hauptsache aus Bindegewebe be­steht. Man unterscheidet zwei Arten: 1. Das harte Fibrom (Fibroma durum, Desmoid) zeigt eine harte, derbe Consistenz. eine weisse, seimige, glüuzendc Schnittfläche und besteht mikroskopisch im Wesentlichen aus straffen, geschichteten oder gekreuzten Bindegewebsl'asern mit sehr wenig Zellen; 2. das weiche Fibrom (Fibroma molle s. molluscum) ist viel seltener, zeigt eine weiche Beschaffenheit, sowie eine grauweisse, durchscheinende Schnittfläche und ist mikroskopisch aus lockerem. durchfeuchtetem Bindegewebe mit sehr vielen Bindegewebszellen zu­sammengesetzt. Zwischen dem harten und weichen Fibrom gibt es zahlreiche Uebergilnge. Ausserdem unterscheidet man das einfache (solitilre) und multiple Fibrom (Kibromatose). Gestielte Fibrome auf Sehleimhäuten nennt man Polypen (Fibroma pendulum)-, ähnliche fibröse Neubildungen der Haut und Unterhaut werden als (Jutis pen-dula bezeichnet (vgl. unten). Fibröse Wucherungen in Narben führen den Namen Keloide. Fine besondere, iutectiüse, durch den Botryo-mycespilz erzeugte Form des Fibroms ist das sogenannte j\I ykofibrom (Botryomykom). Endlich kommen sehr häufig Mischgeschwülste mit anderen Tumoren vor, Z.B. das Fibrosarkom, Fibrolipom. Fibro-myxom, Fibromyom, Fibrochondrom. Fibroosteom, Fibro-neurom, Fibroangiom.
Ueber die Ursachen der Fibrombildung ist mit Sicherheit nichts bekannt. Neuerdings sucht man ihre Entwicklung mit traumatischen und entzündlichen Einwirkungen in Verbindung zu bringen, indem man auf ihre Verwandtschaft mit dem ebenfalls durch Entzündung entstandenen Narbengewebe, beziehungsweise mit dem Narbeukeloid (vgl. unten), sowie mit den entzündlichen Bindegewebshvperplasien. namentlich der Elephantiasis (vgl. unten) hinweist. Im Uebrigen dürften wiederholte Verletzungen und chronische Entzündungen meist doch nur eine Gelegenheitsursache zur Fibrombildimg darstellen; die Haupt­ursache scheint in einer nicht näher gekannten fibromatösen Disposition zu liegen. Hierauf weisen die angeborenen Fälle von Fibrom hin (con-
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Fibrom i
genitale Anlage von Fibromen). Auch die Multiplicitilt der Iliiutfibrome (Hund, Pferd) spricht für eine innere, prildisponirende Ursache.
Vorkommen. Die Fibrome sind gutartige, langsam wachsende, meist rundlich umschriebene, knotenartige, an der Ober­fläche glatte, derbe, ziemlich blutarme, schmerzlose Neubil­dungen von gleiohmftssiger Consistenz. Sie sind bei den Haus-thieren sehr häufig und kommen in allen Organen vor, welche Binde­gewebe enthalten. Lieblingsstellen sind deshalb namentlich die Haut, die Subcutis, die Submucosa. das Periost, das subfasciale und intermusculäre Bindegewebe; ausserdem kommen Fibrome häufig im Uterus mid in den Nerven vor (viele sogenannte Neurome sind nichts anderes als Nervenfibrome). Chirurgische Bedeutung besitzen bei den Hausthieren die nachstehenden Fibrome:
1. Die Fibrome der Haut und Unterhaut beobachtet man um häufigsten bei Pferden und Hunden. Beim Pferde kommen sie besonders am Kopf, in der Schulter- und Widerristgegend, sowie am Schlauche vor; gewöhnlich sind sie solitär, scharf umschrieben, von Erbsen- bis Faustgrüsse, zuweilen aber auch multipel, wobei bis zu 100 Exemplare an einem Pferde constatirt worden sind (Siedamgrotzky). Die sub-cutanen Fibrome sind durchschnittlich gänseeigross und liegen zuweilen in einer Kapsel, aus der sie sich nach erfolgtem Hautschnitt ausschälen lassen (Möller). In seltenen Fällen stellen Fibrome in der Schulter­gegend das Bild der sogenannten Brustbeule dar (eigene Beobachtung). Multiple, weiche, nach dem Ausschälen reeidivirende Fibrome am Hoden­sack des Pferdes hat Bayer beobachtet. Manche Fibrome des Pferdes sind übrigens keine echten Fibrome, sondern Mykofibrome (vgl. das Capitcl über Botryomykome). Auch viele entzündliche Bindegewebs-hyperplasien werden herkömmlich, wenn auch mit Unrecht, als Fibrome bezeichnet, so namentlich die in der Ueschirrlage beim Pferde und Rind (vgl. unten). Beim Hunde kommen die Hautübrome nach meinen Erfahrungen sehr häutig, nicht selten auch multipel, namentlich an der Brust, an den Extremitäten, an den Ohren und Augen, am Rücken, am Schweif und in der Mamma vor. Wie beim Pferde sind es in der Regel harte Fibrome, weiche sind selten. Ihre Orösse ist verschieden; meist sind sie jedoch klein, scharf abgegrenzt, derb, glatt und an der Oberfläche intact. Zuweilen beobachtet man pendelnde Fibrome.
2. Die Fibrome der Schleimhäute sind entweder flache, mit breiter Basis aufsitzende, umschriebene Wucherungen oder gestielte Geschwülste (Polypen, polypöse Fibrome) von ziemlich weicher
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Fibrom.
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Consistenz, Micht alle in der Literatur als Sclileiinliautpolypen be­schriebenen Geschwülste sind echte Fibrome; auch zahlreiche andere Tumoren auf Schleimhäuten können eine gestielte Form zeigen, z. 13. Lipome, Sarkome und Aktinomykome. Je nach dem Sitze spricht man von Nasen-. Rachen-, Kehlkopf-. Scheiden-, Blasen-, Mastdarmpolypen u. s. w.
In der Nasenhöhle haben die flachen und polypösen Fibrome der Nasenschleimhaut besondere Bedeutung beim Pferde, indem sie eine Stenose der Nasengänge, Athembeschwerden, chronischen, ein­seitigen Nasenkatarrh und bei ulcerösem Zerfall auch jauchigen, übel­riechenden NasenausHuss mit einseitiger Drüsenschwellung (Rotz­verdacht) verursachen.
Im Uterus und in der Scheide kommen theils reine Fibrome, theils Mischgeschwülste (Fibromyome, Fibromyxome) namentlich beim Rind, Hund und Schwein in verschiedenen Formen vor. Eine besondere! (Jrösse erreichen zuweilen die Fibromyome des Uterus beim Schwein und Bind i1/^—2 Centner), wenn sie sich nach der Bauchhöhle zu ausbreiten; weniger umfangreich sind die durch den Muttermund in die Scheide hervorwuchernden Tumoren. Typische polypöse Fibrome von Kirschen- bis Walnussgrösse und darüber kommen in der .Scheide des Hundes vor (Scheidenpolypen). Dieselben haben eine derbe, feste Consistenz, sind zuweilen ziemlich lang, tlaschenförmig gestielt und lassen keinerlei Entzündungserscheinungen erkennen. Dadurch unter­scheiden sie sich wesentlich von den ebenfalls unter dem Bilde einer polypösen Neubildung auftretenden chronischen Schwellungszuständen der Scheidenschleimhaut (sogenannte Plicae polyposae). Seltener sind polypöse Fibrome im Kehlkopf, Seblundkopf (beim Rind sind die sogenannten Schlundkopfpolypen meist aktinomykotischer Natur), Luftsack, in der Luftröhre (die bei Pferden nach der Traoheotomie auftretenden Polypen sind meist (rranulome oder Botryomykome), im Mastdarm, in der Blase, in der Harnröhre, im Zitzencanal.
3.nbsp; nbsp; Die Fibrome im Euter bilden nach Kitt knollige, harte, scharf begrenzte, bei Munden taubenei- bis faustgrosse Geschwülste, welche theils schleimige, theils sulzige Umwandlungen zeigen (Myxo-fibrom); zuweilen findet ausser der Wucherung des Bindegewebes auch gleichzeitig eine solche der Drüsensubstanz statt (Adenofibrom). Aelmliche Fibrome bildet man im Hoden bei Hunden und Pferden.
4.nbsp; In inneren Organen sind Fibrome von chirurgischer Be­deutung selten. An der Zunge eines Rindes hat Kitt ein brettbartes. 18 claquo;* langes und 10 craquo;laquo; breites, wulstförmiges Fibrom beobachtet. Ein liühnereigrosses Fibrom im Becken eines Hundes bat .luredieu be-
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Keloid.
schrieben. Ob bei den Hausthieren auch Fibrome im Wirbelcanal vor­kommen, welche ähnlich wie Lipome, Sarkome und andere Neubildungen eine spinale Druckliihmung (Kreuzlahme) hervorrufen, ist bisher niehl bekannt. Dagegen finden sie sich in Form von Osteofibromen in anderen Knochenhöhlen, z. 15. in der Paukenhöhle des Pferdes (Fretjanow'l.
HcliaiKlIuilg'. Die Behandlang der Fibrome besteht in der opera­tiven Entfernung mittelst Messer. Schere, Ligatur u. s. w. Qrössere Fibrome werden mit dem Messer exstirpirt und die Wunde vernäht; bei kleineren kann nach erfolgter Excision die Wunde behufs Er­zeugung eines aseptischen Schorfes gebrannt werden. Bei sehr grossen, diffusen, nicht auf einmal operirbaren Fibromen kann die Geschwulst nach und nach durch wiederholte partielle Operationen entfernt werden. Besondere Schwierigkeiten machen dem Operateur diepoly-pösen Fibrome. Man kann dieselben, wenn sie mit der Hand erreichbar sind (Scheide. Mastdarm i. unterbinden, wobei man zur Sicherung des Fadens eine getheilte Ligatur durch den Stiel anlegt und denselben somit in zwei Hälften abbindet. Oder man benutzt zur Entfernung tiefer gelegener Polypen, insbesondere bei Nasenpoiypen. den Ecraseur. In manchen Fallen muss man sich auf das Ausreisson oder Abdrehen der Geschwülste mit der Hand oder mittelst einer Zange beschränken.
Keloid. Man vorstellt darunter eine gesohwulstartige, libröse Wucherung der Haut und Untorhaut, welche meistens nur im Narbongowebe auftritt (Narbeu-keloid). Im Gegensatz liiczu bat man ein spontanes (wahres) Koloid unter­schieden. Nach neueren Untersuchungen ist die Existenz eines „spontanenquot; Keloids zweifelhaft geworden, indem sieb erfahrungsgemäss Keloide hauptsächlich im Anschluss an traumatische beziehungsweise entzündliche Vorgänge in der Haut entwickeln. Die Ursachen des Keloids sind übrigens noch nicht völlig aufgeklärt. Während die Einen eine spoeifisehe Infection der Wunde als Veranlassung der Keloidbildung betrachten und damit die nach Operationen auftretenden Roci-diven zu erklären suchen, nehmen Andere für die Entstehung der Koloido eine individuelle fibromatöse Disposition des Korpers an.
15ei den Hausthieren tindet man Xarbenkoloido am häufigsten boini Pferde. Sie kommen namentlich nach Verletzungen an der Krone, am Ballen, in der Fossolbeuge u. s. w. vor und bilden umschriebene, derbe, fibromartige Neu­bildungen von massiger Grosse, welche meist einen starken Epidcrmisüberzug haben. Sie bilden gewissermassen ein hüheros Entwicklungsstadium der sogenannten hypertrophischen Narbe (vgl. S. 17). Nach meinen bisherigen Beobachtungen scheint die fortgesetzte Bewegung beziehungsweise Reizung der Wunde einen Ilauptfaetor bei der Entstehung von Keloiden zu bilden. Rccidivo nach Operationen habe ich bisher noch nicht wahrgenommen. Ein Narbenkoloid an den Beuge-
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Elephantiasis.
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solinon ist von Joluic boi einem l'f'ei'cle hcscliriebon worden, Dasselbe bildete eine derbe, seimige, ovale, 27 cm lange, 18 cm breite, pilzartigc, aus der Sehnon-narbo hervorwucherndo Geschwulst, welche mit den Sülincnscheiden und der Haut innig vnrwaohsen war.
PMcpliantiasis. Man bezeichnet mit dem Namen Elephantiasis (Skloro-dermie, Sklerose, Pachydermio) eine bi ndege webigo liyperplasio der Haut und Subcutis, welche eine starke Verdickung der betroffenen Körperthcile zur Folge hat. Nur ausnahmsweise wird die Elephantiasis durch ein echtes Fibrom bedingt; in diesen seltenen Fällen stellt sie dann eine diffuse Fibromatose dar. Gewöhnlich ist sie beim Pferd das Product einer chronischen Entzün­dung der Maut oder Unterhaut (chronische indurirende Dermatitis und Phleg-mone nach Mauke, Einscbuss u. s. w.; sogenannter Straubfuss, Igelfuss, Dick-fuss, Elepbantenfuss), oder spoeifischor, chronischer Entzündungsprocesse im Ge­biete der Lymphgefässe (Rotz). Auch ehr oni sehe Stauungen im Venengebiete, sowie angeborene Erweiterung der Lymphgefässe können Elephantiasis bedingen. Poim Menschen bildet der Aussatz (Lepra) und die Filaria sanguinis die llauptuisachc der Elephantiasis; je nach der Beschaffenheit der Jlautoberfläcbe unter­scheidet man hier eine Elephantiasis glabra, verrueosa, ulcero.sn, papillaris u. s. \v. Zuweilen scheint eine individuelle Prädisposition für fibröse Hypcrplasien (Elephan­tiasis) vorzuliegen. So beobachtete Labat bei einem Pferde, welchem nach dem Brennen eine scharfe Einreibung (Kalium dichromieuni) applicirt wurde, aus­gedehnte, 60—70cm grosse, fibröse Neubildungen an den Gliedmassen. Aehnlicbe Beobachtungen sind von Rabe und Lustig gemacht worden.
Tjiom. Die Tylome sind fibröse, von der Unterhaut ausgehende, durch eine chronische, hyperplastiseho Entzündung hervorgerufene llautwucherungen (fortgesetzter Druck des Geschirrs etc.). Sie gehören somit, ähnlich wie die Sklerose und Elephantiasis, nicht zu den echten Neubil­dungen, sondern sind als chronische, entzündliche Pimlcgewebsbypcrplasien auf­zufassen, welche im Gegensatz zu den umschriebenen Fibromen meist diffuse, derbe Verdickungcn der Haut und Unterbaut in der Kummetlage bei Pferden, am Triel und Vorderknie beim Rinde, am Ellenbogen und Sitzbeinböeker beim Hunde u. s. w, darstellen und zuweilen durch ihre Schwere ein Herabhängen dor fibrös entarteten Haut veranlassen (Cutis pendula). Sind diese Tylome ausnahmsweise umschrieben, dann ist allerdings die Unterscheidung von echten Fibromen unter Umständen schwer. — Im Gegensatz zu den Tylomen stellen die Hautschwielen (Callositas) in der Hauptsache eine Hypertrophie der Epidermis dar, unter welcher allerdings auch eine bindegewebigo, chronische Hypcrplasie der Cutis vorhan­den ist.
IthinosUleroni. Beim Menschen bezeichnet, man mit diesem Namen eine Elephantiasis der Haut und Schleimhaut der Nase, hervorgerufen durch eine speeifische Infection, welche eine chronische entziindlicbe Hindegewebs-
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m
96nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rliinoskleroin.
sklci'ose ziu- Folgo hat üt-im Pferde ist unter dem Namen „Khinoskleromquot; von Dieckerlioff und Grawitz eine goscliwulstai'tige Erkrankung der Nasenschleim-liaut im unteren Tlieile der Nase beschrieben worden, welche nach Kitt als adenofibröso Ilyperplasie der Nasensclileimhant aufzufassen ist. Der Kranklieitsprocess besteht in knolligen, derben, in gelappten Packeten dicht nebeneinander gelagerten, glatten, flachen, speckig durchscheinenden Wuche­rungen, welche gewöhnlich nur im unteren Drittel der Nasenhöhle, und zwar meist beiderseits auftreten und wahrscheinlich durch eine specifische Infection bedingt sind. Zuweilen findet man auf dem Schleimhautüberzug Blutungen, Ul-cerationen und Narben (Verwechslung mit Kotz).
Literatur.
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2. Das Lipom.
Formoil. Die Lipome oder Fettgescliwülsto bestehen in der Hauptsache ans Fettzellen, welche in einer bindegewebigen Gerlist-substanz liegen. Sie zeigen somit einen ähnlichen Bau wie das normale Fettgewebe und finden sich deshalb auch an allen denjenigen raquo;Stellen dos Körpers, wo Fettgewebe beziehungsweise Bindegewebe vorhanden ist. Lioblingsstellcn sind demnach das subeutane, submueöse, sub­seröse, subsynovialc und intei-musculilrc Bindegewebe. Ueberwicgcn in einem Lipom die Fettzellen, so entsteht das weiche Lipom, ist mehr Bindegowebe vorhanden, so wird die Consistenz eine derbere (hartes Lipom). Zuweilen haben die Lipome eine gestielte, pendelnde Bc-scluiffenheit (Lipoma pcndulans. Lipoma polyposuin). Eine eigen-tliliinliche Form ist das Lipoma arborescens, ein in der Umgebung der Gelenkkapsel sich entwickelndes und nach deren Zerreissung baum­artig wucherndes Lipom. Wie bei den Fibromen kommen auch beim Lipom nicht selten MischgcschwUlsto vor, so das Lipof'ibrom (Lipoma libromatosumi, Lipomyxom (Lipoma myxomatosum) u. a.
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Llpom,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 97
Ueber die Ursachen der Lipome ist nichts Sicheres bekannt. Wie hei den Fibromen muss eine besondere örtliche oder allgemeine Prädisposition als Grundursache angenommen werden. Neuerdings wird auf die Mitwirkung traumatischer und entzündlioher Reize sowie von Para­siten hingewiesen. Im Uebrigen sind die Lipome von allen Neubildungen diejenigen, bei welchen eine infectiöse Ursache am allerwenigsten ange­nommen werden kann. Auch spricht ihre MultipliciUit und ihre nicht selten congcnitale Entwicklung nicht für die Einwirkung eines Uusseren Reizes.
Vorkommen. Die Lipome sind im Allgemeinen selten. Sie bilden umschriebene, rundliche oder ovale, zuweilen gestielte und daher pendelnde, oft kleine, oft enorm grosse, knollige, gelappte, bald sehr weiche, eigenthii mlich knitternd und scheinbar f'luctuircnd anzufühlende!, bald derbere, langsam wachsende, meist solitäre, mitunter aber auch multiple, gut­artige, niemals metastasirendo Geschwülste. Eigenthlimlicher Weise werden sie durchaus nicht blos bei fetten, sondern ebenso oft bei mageren Thieren angetroffen; sie pflegen ferner bei etwa eintreten­der allgemeiner Abmagerung in ihrem Umfange sich nicht zu ver­kleinern. Von Rtickbildungsprocessen ist zu erwähnen die Verkalkung. Nach Verletzungen kann ferner Verjauchung eintreten.
Von den bei den llausthieren vorkommenden Lipomen haben die nachfolgenden chirurgische Redeutung:
Onbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;C*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;c5
1.nbsp; nbsp;Subcutane Lipome linden sich namentlich bei Pferden und Hunden. Pei Pferden kommen sie am Schlauch, Schweif und After (Raver), ferner am Rumpf und an den Hinterschenkeln vor. Müller sah ein 2(r5 k(j schweres Lipom in der Gegend des unteren Endes des Biceps Pemoris, Ich selber habe bei einem einjährigen Hengstfohlen ein kopfgrosses Lipom an der Aussenfläohe des rechten Kniegelenks beobachtet. Rei Hunden, wo die Lipome hauptsächlich an der Innenlaquo; iläche der Schenkel, an der Brust und an der Schulter auftreten, habe ich 12 Fälle gesammelt; ihre Gestalt ist rundlich oder walzenförmig, ihre Grosse sehr wechselnd, bis Mannskopfgrüsse erreichend, ihr Wachstbum ein langsames, ihre Consistcnz speckig, der Bau lappig, ihre Form zuweilen gestielt (pendelnd}.
2.nbsp; nbsp;Auf Schleimhäuten werden beim Pferde vereinzelt gestielte Lipome und Lipofibrome im oberen Theile der Nasenhöhle ge­funden, welche ihren Ausgangspunkt von der Nasensoheidewand, den Muscheln oder dem Siebbein nehmen (Gurlt). Auch im Kehlkopf treten sie vereinzelt auf: ein kartoffelgrosses Lipom an der Vorder-
rruhner, Allgemeine Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
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Myxom.
Iläclio des Kehldeckels bei einem Pferde ist vonFricker bosohrieben worden. Submuciise Liponie im Mastdarm bedingen Verstopfung' und Kolik (Brose, Lessa). Ausserdem findet mau sie zuweilen an der Niekhaut des Hundes (eigene Beobachtung).
8. Die subperitonealen Lipome der Bauchhöhle, welche na­mentlich in Form langgestielter, pendelnder, dem Qekrüsansatz ent­wachsender Neubildungen relativ häufig beim Pferde vorkommen und zu tödtlieher Kolik in Folge Umselilingimg lies Dünndarms oder Mast­darms führen, haben für die Chirurgie keine praktische Bedeutung. Beim Rinde hat Werner durch rectale Untersuchung ein Lipom als Ursache der Kolik festgestellt und mit Erfolg durch den Klanken­schnitt beseitigt. Sommer gelang es auch, bei einem kolikkranken Pferde vom Mastdarm aus den Kachweis einer vor der Harnblase ge­legenen (leschwulstzu liefern, die sich bei der Section als ein Lipom erwies.
4. In anderen Organen sind Lipome sehr selten. Vereinzelt entwickeln sie sich von der Uura aus; in einem von Pfister ver­öffentlichten Fall wurde bei einer an Kreuzlahm ung leidenden Kuh im Wirbelcanal in der Kreuzgegend als Krankheitsursache ein Lipom gefunden. Nach Stockfleth linden sie sich ferner zuweilen im Puter fetter Hündinnen.
Die Behandlung der Lipome besteht in der Kxstirpation mit dem Messer, beim Lipoma pendulans kann eventuell auch die Ligatur Anwendung linden.
Literatur.
liillrotli, T i llmanns, Bayer, Hoffmann, Möller, Kitt, Jone, ). c. — stockfleth
—nbsp; Hang, Tliiorürytl. Ciiir. 1871). — ericker, Cliir. Vatieinecmn, 1871. — Xuiin, The Vet.Journ. 1888,
—nbsp; Uliodo, l'Urstonberg, Kühne. Meyer, Magazin. Bd.III, XVII, XXXII. — Wakeficld, Am.Ttt. rov. 1887. — Sommer, Dentsobe Zeltsobr. für Tblermed. 1888; Petersburger Areh. für Vet.-Med. 1889.Preuss.Mil. Vet.-Iierichte. 1880—1894, —Werner, Heil, thieiurztl.Woclionsclir, 180R. — Godfrny, Joul'n. of cornp. Path. 1808. — Fröhner, Monatshefte ftlr prakt. Thlerhk. 1804. — Pfi.ster, Sehweiz. Archiv. 1884. — Lessa, Clin. vel. 1884. — liroso, Zeilsclir. für Vct. 1801.
3. Das Myxom.
Begriff Ulld Vorkommen. Das Myxom (Schleimgeschwulst) besteht aus sulzigem. gallertigem Schleimgewebe mit sternförmig ver­ästelten Bindegewebszellen und reichlicher zwischengelagerter Schleim­substanz. Seine Selbstständigkeit als Geschwulst wird bestritten. Wahr­scheinlich ist das Myxom nichts anderes als ein ödematöses Fibrombeziehungsweise Lipom ( Küster). Die erweichten, ödematös-snlzig aufgequollenen Fibrome und Lipome wurden daher besser als Myxofibrome und Myxolipome bezeichnet. Auch Myxomyomo,
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Sohlelmclegoneratlon der NasenmuBoheliiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;99
Myxochondromo, Fibrorayxosarkome und andere schleimig-ödematös erweichte Gesoliwlllate werden als Misch formen angetroffen. Wie die Fibrome und Lipome sind die Myxome gutartige, namentlich in der
Subeutis, Subiuucosa, Sulj.sorosa, am Periost, unter den Fascien 11. s. w. sich entwickelnde Tumoren. Vereinzelt soll ein Uebergang in Sarkome stattfinden.
Am relativ häufigsten scheint das Myxom beziehungsweise Jiyxo-Hbrom in der Nasenhöhle bei Pferden vorzukommen, wo es zur Bildung sogenannter Nasenpolypen Veranlassung gibt (Müller, Hamburger, eigene Beobachtungen). Auch beim Rind kommen nach Kitt in den Kopfhöhlen Myxome vor, welche drei Fäuste im Umfang erreichen können, glatt, höckerig oder gelappt sind und aus einer glasig verquollenen, Schleimblasen enthaltenden Bindegewebsmasse be­stellen. Ausserdem hat man Myxome angetroffen in der Blase beim Rind (Leisering), Myxomyome, Myxofibrome und Fibromyxosarkome im Uterus des Rindes (Kitt), in der Subeutis des Pferdes (Ehlers), in der Outis des Kalbes in Form htthnereigrosser weicher Geschwülste an der Unterdliche des Bauches (Möller), sowie unter der Dura des Rückenmarks als Ursache spinaler Lähmung (Bratschikow. llolz-inann).
Die Behandhing der Myxome der Nasenschleimhaut bestellt im Ausreissen. Abdrehen, sowie; im Aussehneiden nach vorhergegangener Trepanation der Nasenhöhle.
Schlelmdogenoratlon der Nasonmnscheln. Unter diesem Namen hat Sand (Monatshefte für Thierhellkunde ISiliJ) eine gesohwulstartige Auftreibung der Gesichtsknochen bei Fohlen beschrieben, welche mit Athembesohwerden und Nasenansflnss verbunden, und durch eine schleimige Erweichung der Nasen­muscheln, sowie der KnoehenWandungen der Oberkiefer- und Stirnhöhle mit starker Erweiterung, Ilydrops und Kmpyem der letzteren bedingt war.
MyxOdoin. Xaeli Erkrankung oder Entfernung der Schilddrüse hat man beim Menschen ödematöse Sohwellung der Haut des Gesichts und der Extmui-tiiten (Muciuansammlnng) mit schwerem allgemeinem Verfall der Ernährung, der Kräfte und der psychischen Thätigkeit beobachtet (Cachexia strumipriva nach Kropfoperationen; Verwandtschaft mit Cretinismus). Neuerdings wird dasMyxödem beim Menschen erfolgreich behandelt durch Fütterung von Sehilddrüsensubstanz, welche vom Hammel oder Kalb entnommen wird. Man erklärt sich die Ent­stellung des Myxödems in der Weise, dass die Function der Schilddrüse, wolcho in der Verhinderung von Muciimnhiiufung im Körper besteht, beim Myxödem gestürt ist.
7*
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Chondtom.
Literatur.
11 il Irot Ii, Tillinanna, Müller, Kitt, I.e. — K ös tfc r, Sitzungsberichte der niederrheiniaclien (lesellschal't für Natur- uud Heilkunde. 1881. — Roll, Spec. Patbologie. 1885, I. — Martin, Mttnob. JaUroabor, 1882/83, — Ehlers, Thienned. Uundscliau. 1888. — Morot, Trasbot, Hecueil Bull. 1888 und 1889. — Ostaiienko, Kusa. Archiv lur Voliirinännedicin. 18IW, — Gratia, Annal. de liruxelles. 1890.
4. Das Chondrom.
Begriff imrt Vorkommen. Mit dem Namen Chondrom (Enchon-drom, Ekohondrose, Knorpelgeschwulst) bezeichnet iiiiin eine im Wesent­lichen aas Knorpel bestehende, ziemlich seltene Nauhildung. Meist ist sie üiis livalinein (grosszelligem oder kleinzelligem) Knorpel zusammen-ffesetzt. Man findet die Chondrome;
a) in Knorpeln (sogenannte Ekchondrosen oder hyperplastische
Chondrome); h) in Knochen, z. B. an den Rippen, am Becken, an der Wirbel­säule, am Kesselbein, am Siebbein und Keilbein u. s. w.; o) im Euter, im Hoden, in der Sohilddi-üsc, in der l'arotis, in der Untorhaut und in anderen im normalen Zustande kein Knorpel­gewebe enthaltenden Organen (Enohondrome im engeren Sinne: hetero­plastische Chondrome). Das Auftreten der Chondrome in diesem Organe wird theils durch eine Metaplasie (Umwandlung) von Bindc-gewebs- und Endothelzellen in Knorpelzellen, theils durch verirrte Knorpelkeime erklärt.
Die Chondrome sind gutartige, meist solitärc, zuweilen auch multiple, rundlich-kugelige (Euter), mitunter sehr grosso, knollige, elastisch harte, schmerzlose (i esclnvülste. Meist beob­achtet man eine Combination mit anderen Geschwülsten (Chondro-l'ibrom, Ostcochondrom. Chondrosarko in): zuweilen tritt Er­weichung, Cystcnbildung, Verkalkung und Verknöcherung in ihnen auf. Bei den llausthieren lindet man Chondrome am häutigsten im Euter des Hundes; dieselben bilden erbsen- bis f'iuistgrosse, rundlich harte, schmerzlose, vom gesunden Drüsengewebe scharf abgesetzte, mit der Haut nicht in Verbindung stehende, knotenartige Tumoren. Auch im Hoden der Pferde sind wiederholt knorpelharte, höckerige, scharf umschriebene Chondrome vorgefunden worden (Kitt). Ausscrdem treten sie bei Pferden und Kindern nicht selten an den Rippenknorpeln auf, WO sie möglicherweise traumatischen Ursprungs sind (Bruck-inüller, 11 ahn, eigene Beobachtungen). Ein doppelfaiistgrosses Chondroin am Fesselbein einer Kuh ist von Siedamgrotzky beschrieben worden.
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Osteom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Ausserclem hat man Chondrome an don Kiefern bei Pferden und Hunden (Gurlt), an der Wirbelsäule eines Hundes mit spinaler Lähmung (Smith), in der Suboutis des Kindes (Jansen) und am Stimmband des Pferdes (Lee) gefunden.
Die Behandlung besteht in der Exstirpation. beziehungsweise bei grossen Euterohondromen in der Amputation der Mamma. In vielen Fällen ist übrigens nach meinen Erfahrungen eine operative Behandlung der Euterohondrome beim Hund wegen ihrer Gutartigkeit und Stabilität überflüssig.
Literatur.
Hillrotli, Tillmanns, Müller, Kitt, 1. c. — S ic dnmprot/.ky, Sachs. Jabrfisher. 1874. — Moh r, TJober dnn Enchondrom des Hodens, Hi'itr. zur klin. Chir. ltd. XII.— Steudel, Multiple V.nchon-drome der Knochen. Ibid. Ud. VIII. — Pntclll, lieber Knorpe'peseliwiUste des Larynx. Wiener med. Jnhresher. 188U.
5. Das Osteom. Begriff und Vorkommen. Die Osteome oder Knooben-
geschwiilstc bestehen in der Hauptsache aus Knochensubstanz. Sie bilden somit das Analogen zu den Chondromen. Auch bei den Ostcomen kann man bezüglich ihres Vorkommens unterscheiden:
laquo;) Im Knochen auftretende (sogenannte hyperplastisehe Osteome); dieselben entwickeln sich theils A'om Periostc, theils von der Tela ossea. theils vom Knochenmark aus und haben verschiedene Bezeichnungen erhalten: Exostosen, Ostcophvten, Hyperostosen, Enostome. üeberbeine n. s. w. Herkömmlieh rechnet man auch die durch Ent­zündung entstandenen Knochcnneubildungen hieber (Exostosen).
h) Die Mamma, Parotis, das Gehirn, die Muskeln und andere, unter normalen Umständen keine Knochenzellen enthaltenden Organe zeigen ebenfalls zuweilen Osteome (sogenannte heteroplastischc Osteome). welche entweder durch Metaplasie oder durch Verirrung embryonaler Keime entstanden sind.
Ausserclem unterscheidet man nach der Consistenz und nach dem üeberzug ein Osteoma eburneum (elfenbeinhart) und spongiosum (sobwammartig, weich), ferner eine Exostosis oartilaginea (Knorpelüberzug) und bursata (Schleimbeutelüberzug). Auch bei den Ostcomen sind Mischformen häufig: Osteosarkom, Osteofibrom, Osteochondrom u. s. w. Die nach Ablösung von den Knochen-wänden frei in Kopfböblen liegenden Knochengesclnviilsto werden todte Osteome laquo;renannt.
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Myom.
Die Osteomo bilden sehr harte, beziehungsweise knochen­harte, selnnerzlose, trutartiirc. mehr oder weniger scharfum-sehriebene. theils solitäro, theils multiple Neubildungen untcr der Haut. Sie kommen bei den llausthieren hftufiger als die (Jhondroine vor. Praktische Bedeutung haben; Die am Unterkiefer und Meta­carpus sehr häufig auftretenden Osteome, welche zwar meist durch eine ossifioirende Periostitis bedingt sind, zuweilen aber auch echte Geschwülste darstellen (gestielte, pilz- und knopfartige Osteome am freien Unterkiefer-rande); die Osteome im Euter dos Hundes und in den Kopfhöhlen des Pferdes und Kindes. Die letzterem bilden zuweilen sogenannte todtc Osteome (raquo;verknöchertes Gehirnlaquo;). Eine besondere Form bilden endlich die Dentalosteome oderOdontome an den Zähnen und am Kiefer.
Dio Behandlung besteht im Absägen, Abineisseln, Trepanii-en u. s. w.
Literatur.
BiUrotbj Tillmanns, Ciurlt, Müller, Hoffmann, Kitl, Johne, 1. c. — GouIjjiu.n, Report. 1864, — Vo i^tUintler, Süclis. Jahrcs))er. 1870. — Albrecht, Woeliennchr. für Thierlieilk. 1889. — Imminger, Ihid. 1895. — Krüger, Zeitsclir. für Veterinärkunde. 1891laquo;
6. Das Myom.
Begriff und Voi'kommoil. Das Myom oder die Muskel­geschwulst setzt sich aus Muskelfasern zusammen. Je nach der Be­schaffenheit der Fasern unterscheidet man
a)nbsp; nbsp;Das Leiomyom (Myoma laevicellulare), die gewöhnliche, aus glatten Muskelfasern bestehende, im Uterus, im Magen und Darm, in der Blase, sowie metaplastisch in Tumoren der Hoden, Nieren und Eierstücke vorkommende Form, welche sich zuweilen mit anderen Tumoren combinirt (Fibromvom);
b)nbsp; das Kh ab do in vom (Myoma striocellulare), eine sehr seltene, aus quergestreiften Muskeln gebildete Neubildung.
Den Myomen kommt, weil sie sich meist nur in inneren Organen entwickeln, eine sehr geringe chirurgische Bedeutung zu. Ein 250'/ schweres Leiomyom der Schenkelmuskcl. Welches nach der Sub-cutis vorwuchs, hat Kitt beschrieben. Gratia berichtet über ein Rhabdo-myom beim Pferd, welches am Vagus, in der Mitte der Halsportion sass. Ein Myom im Hoden ist von Siedamgrotzky, ein solches am Schweife von Kolesnikow beobachtet worden. Viel häufiger sind die Myome des Uterus (Kitt, Frank, .lohne. Eber, Gratia), die zur Stenosirung des Darmes (Schütz. Tetzner. Gadeac) und des Magens (Rabe. Lothes) führenden Myome, sowie die der Blast; (van Tright, Lie-naux, eigene Beobachtungen) und der Nieren (.lohne). Bezüglich der
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Neurom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;103
Therapie empfiehlt es sich, bei den üterustnyoiüen der Hausthiere, ähnlich wie beim Menschen, die innerliche Behandlung mit Mutterkorn versuchsweise anzuwenden.
Literatur.
Milli'oth, Tillmanns, Möller, Kitt, Johne, 1. o. — Frnnck, Tliieriiiv.ll. Qeburllaquo;-hilflaquo;. 1879. — Italie, Hnnnover. Jiihvesbor. 187laquo;. — Kitt, lliinchon. Jahrcsbor. 1884—1869. — Cadiiac, Rev. vet. lH8.rgt;. — T e l z n c r, Zeitscbr. für Veterinärkd. 1890. — Biber, Dmilsche Zoitsclir. für Tblermod. 18112. — vnn Trigbt, Gralln, Lienaux, Annal. do Bruxelles. 1881 u, 1891.
7. Das Neurom.
Begriff und Vorkoinmeii. Als Neurome oder Nervenfaser-
gesohwülste werden zwei verschiedenartige Neubildungen bezeichnet:
a)nbsp; nbsp;Das wahre Neurom bestellt wesentlich nur ans einer Xeu-bildung von Nervenfasern, welche entweder nuirkhaltig (Neuroma mye-linicum) oder marklos sind (Neuroma amyelinicum). Diese auch beim Menschen sehr seltene Neubildung ist bisher bei den Ilausthiercn noch nicht beobachtet worden.
b)nbsp; Das falsche Neurom ist als Fibrom oderMyxom der Nerven aufzufassen (Nourofibrom, Nouromyxom). Es entwickelt sich aus dem bindegewebigen Perineurium und besteht im Wesentlichen nur aus Bindegewebe und Schleimgewebe, Diese Neuroflbrome entwickeln sich beim Pferd zuweilen im Anschluss an den Nervenschnitt. Sie bilden das Analogem zu den Ainputationsneuromen des Menschen und stellen spindelförmige oder ovale, bobnen-bis taubeneigrosse, weisse, derbe Auftreibungen am centralen Nervenende dar. welche Lahmgehen verursachen, Mau hat sie am Medianus (Möller, Trasbot U, A.), sowie am Plantaris (Hardy, Braueil, Key U. A.) wiederholt beobachtet. Auch die beim Menschen unter dem Namen Ranken-neurom (plexiformes Neurom) bekannte, in Form von Knoten und Strängen auftretende, multiple Form des falschen Neuroms ist bei Thieren beobachtet worden (Morot),
Qliome entstehen durch Wucherung der Ncurogliazellen (Stütz­zellen) des Gehirns und Kückeuniarks; sie haben für die Chirurgie keine Bedeutung,
Die Behandlung der Neurofibrorae besteht im Freiprttpariren und Exstirpiren; da hiebei wiederum die Neurotomie gemacht werden muss, sind Recidive möglich.
Literatur.
Ilillioth, Tillmanns, Möller, Kitt, Cadiol, 1. c. — liraiioU, Mas. Bd. XI,
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Anquot;ii)in.
8. Das Angiom.
Formen. Das Angiom otlcr die Gefftssgesolxwulst tritt ont-weder an den Blutgefttssen (Hämaugiom) Angiom im engeren Sinn). oder an den Lymphgefilssen (Lymphangiom) auf. J)ilt;! Bezeichnung Angiom bildet einen Sammelnamen für verschiedene Geschwülste, welche in der Hauptsache aus erweiterten, hypertrophischen, abnorm ge-schlängelten und neugebildeten (icfiisscn besteben. Man untersebeidet die nachstehenden Formen:
n) Das Angioma simplex (Angioma plexiforme, Teleangiektasie, Xaevus, Naevus vasculosus, Muttermal, Feuermal) besteht im Wesent­lichen aus erweiterten und neugebildeten Capillaren der Haut;
b)nbsp; das Angioma cavernoaum (Tumor cavernosus) stellt eine nach Art der cavernösen Körper gebaute venöse Xcubildung der Haut, Schleimhäute, Knochen. Leber etc. dar, in weicher grössere Hohlräume miteinander communiciren;
c)nbsp; das Angioma racemes um (Rankenangiom) ist durch den geschltlngelten Bau charakterisirt;
d)nbsp; nbsp;das Angioma lymphaticum (Lymphangiom, Lymphangi-cktasio) ist eine sehr seltene, aus erweiterten und neugebildeten Lymph-geftlssen bestehende Neubildung der Haut (angeborene Elephantiasis) der Zunge (Makroglossie) und der Lippen (Makrocheilie). welche als Angioma simplex, cavernosum und cysticum vorkommt;
e) der Blutschwamm (Fungus haematodes) ist kein eigentliches Angiom. er stellt vielmehr eine Bezeichnung für ganz verschiedene, sehr blutarefässreiche Neubildungen dar.
Torkoinmen. Angiome sind bei den Hausthioren an verschiedenen Kürperstellen beobachtet worden. Am wichtigsten sind die im Schwell­körper der Nasensohleimhaut beim Pferde auftretenden flilchen-haften Angiome. welche meist cavernös, seltener plexiform sind und zu Nasenbluten, Geschwürsbildung, Kot/.vcrdacht und Atheinstörungen Veranlassung geben. In einem von Deigendesch beschriebenen Falle er­zeugte ein derartiges Angiom zehn Jahre hindurch periodisches Nasenbluten. Lübko fand beim Pferde ein diffuses cavernöses Angiom der Nascn-und Augenschleimhaut mit Blutungen aus der Nase und aus den Augen, welches sich bis in den Tbränencanal erstreckte. Schütz beob­achtete bandHäcbengrosse Geschwüre der Nasenschleimhaut, welche durch Angiome veranlasst waren. Hahn fand bei einem Pferde zahl­reiche, bis erbsengrosse, warzenartige Angiome auf beiden Seiten der
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Lvmplioin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
Xascnschfidewand, wclclio boohgradige Atheinnoth verursachten. Seltener sind bei den Thieren Angiome der Haut und der Untcr-haut (Bonnet, Leisering, Jolme, Müller, Siedamgrotzky, eigene Beobachtungen), Ein oavernOsea Angiom an der Lippe, am Zahnfleisch und am Gaumen ist von Grobe bei einem Pferde beobachtet worden. Ueber ein Angiom der Schädelbasis bei einer Kuh hat Zscbokke berichtet: dasselbe wucherte entlang dem iiusseren Augen­muskelnerven lind erzeugte in Folge Lähmung des Mltsoulus externus Strabismus convergens. Ein Lymphangiom an der Mamma einer Katze hat Schindelka beschrieben, lieber den sogenannten Blutselnvamm finden sich verschiedene Angaben in der Literatur. Rosenbaum beobachtete z. B. eine sehr blutreiche Neubildung am Schweif des Rindes.
Behnil(llim£'. Eine Heilung der Angiome der Nasenhöhle beim Pferde ist wegen ihrer tiefen Lage in der Regel als aussichtslos zu be­zeichnen. Auch bei oberflächlich gelegenen llautangiomen macht die Exstirpation wegen ihrer Grosse und Ausdehnung zuweilen grosse Schwierigkeiten. Leim Menschen besteht die Therapie in der Unter­bindung der zuführenden Gefässe. im Ausätzen, Brennen. Sticheln mit dem Thermokauter, in der Anwendung der Galvanokaustik, sowie im Einspritzen von Liquor Ferri sesqulchlorati, Alkohol. Jodtinctur, Ex-tractum Seealis u. s. \v.
Literatur.
Ilillrotli, TI1) manns, Jobno, Kitt, Müller, I. c.— Slodam grotzk y, Sachs, .Tnhrosber, 1874. — Schütz, Qrobd, Berliner Archiv. 1877, — DetgODdesob, Kepcrtor, 1882. — Heyne, llerl. Arehiv, 188.). — Hoffmann, lieiiertorhun. 1801, — Sc h i n (1 cl k n, Oesterr, Zeltschiifi, 1892, — LUbke, Zeitschrift für Voterinürkunde. 18!)4.
9. Das Lymphom.
Betriff. Mit dem Namen Lvinphom iLvinphdrUsengeschwulst) werden sehr verschiedenartige krankhafte Processe in den Lymph­drüsen bezeichnet.
fr) Die entzündliche llyperplasie der Lymphdrüsen nach chronischen Entziindungsproces.sen der benachbarten Organe (Katarrh, Druse. Rotz, Tuberculose. Aktinoinvkose);
In das leukämiseho Lvinphom im Verlauf der Leukämie:
o) das maligne Lymphom im Verlaufe der sogenannten Pseudo-leukämie:
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.Sarkom
d) ilas Lympliosarkom. Lymphadenom, das Carcinom und andere in den Lymphdrüsen vorkommende eelite Neubildungen.
Das bei den Hausthieren ebenso hilufig \vic beim Menschen vor­kommende sogenannte maligne Lymphom (progressive Hyperplasio der Lymphdrüsen, Lymphadenie, Lymphomatosis maligna, Hodgkin'sche Krankheit, Pseudoleukämie) wird namentliob bei Pferden. Kindern und Hunden angetroffen. Wie bei der Leukiünie, jedoch ohne gleichzeitige starke Vermehrung der weissen Blutkörpereben im Blute, findet man die Lymphdrüsen gruppenweise oder sttmmtliobe Lymphdrüsen des Körpers vergrössert, wobei multiple, knoten- oder klumpenartige, derbe, speckige oder weiohere, schmerzlose, oft sehr grosse Ge­schwülste in der Gegend der Kehlgangsdrilsen, oberen, mitt­leren und unteren Halsdrüsen, Leisten-, Kniekehl-, Scham-drüsen u. s. w. nachweisbar sind. Eine chirurgische Behandlung dieser Lymphome ist wegen der Generalisation des Kranklieitsprocesses nicht durchführbar, man muss sich vielmehr auf die innerliche Behandlung mit Arsenik oder Jodkalium beschränken. Dagegen lassen sich die solitftren Lymphome. namentlich im Kehlgang der Pferde, ohne Schwierigkeit exstirpiren. Die operative Entfernung- empfiehlt sich beim Pferde namentlich auch vom diagnostischen Standpunkte aus (Kotzverdacht i.
Literatur.
Billroth, Tillmanna, quot;Bayer, AI öl 1 er, Cadio t, Kitt, I. o. — Fr ie dbergor u. Fr ühne r, Spec. Pathologie, lSi)(i. (Mit Literatur.) — Die ckerhof f, Spec. Patbotogio. ISUÜ. — Hufnagel, Hamburger, Hollttndtscbe Zeitschrift. 1888 und 1889. - lirett, The Veterinarian. 1890. — Slgl, #9632;Wodienschnlt für Thierheilkunde. 180t, — Morot, Revue vct. 1891 und 1893. — Montane, Ibid. 1891. — Lnthcs, Berliner thlcrärzll. Wochenschrift. 1891. — Hink, HadUclie tlderiirzll. Mittheil, 1891. — Dexlor, Ocstcrr. Zeitschrift. 1892. — Oftdiot, ROCUeil Bull. 1892. — Casper, Borlinor Archiv. 1893.
10. Das Sarkom.
Wesen. Das Sarkom stellt eine desmoide Geschwulst dar. welche als atypische Wucherung embryonalen Bindegewebes bezeichnet werden kann. Es ist eine bösartige Bindegewebsneubildung-, in welcher die Zellen (Kundzellen, Spindelzellen, Ricsenzellen. Eudothclzellcn) gegenüber der G rundsubstanz ganz erheblich überwiegen. Damit hängt auch das oft ausserordentlich rasche Wachs-thuin, sowie die durch die Vermittlung der Venen erfolgende Meta­stasenbildung zusammen. Das Sarkom entwickelt sich überall da im Körper, wo Bindegewebe vorhanden ist. Lieblingsstellen sind das Periost, die Lymphdrüsen, das Knochenmark, die (Jutis, das suboutane, submueöse und subseröse (siibperitoneale und subpleurale) Gewebe,
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Sarkom,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 107
d;is Drüsengewebe (Moden. Mamma, Schilddrüse), sowie die Eellwandung der Gfefilsse. Bei der in den Sarkomen vor sich gebenden lebhaften Zellthiitigkeit sind regressive Zustände nicbt selten, insbesondere beob­achtet man Erweichung, Oystenbildung, Blutung, Ulceration und Verjauohungi Wie bei anderen Qesch'wtllsten kommen auch beim Sarkom häulig- Misohformen vor. so z. B. das Fibrosarkom, Ohondro-sarkom. Myxosarkom, Osteosarkom,
Formell! Das Sarkom ist dureli eine grosse Mannigfaltigkeit der Formen ausgezeichnet. Man unterscheidet je na(fli der Form der Binde-gewebszellen und dem Bau die nachstehenden Hauptformen:
a)nbsp; nbsp;Das Rundzellensarkom besteht aus grösseren oder kleineren Rundzellen (grosszelliges und kleinzelliges Bundzelleusarkom). Besonders bösartig ist das kleinzeiligo Rundzellensarkom. Dasselbe besteht in der Hauptsache aus lauter kleinen, runden, den weissen Blutkörperchen ähnlichen, zuweilen auch mit amöboider Bewegung ver­sehenen Wndegewehszcllen, welche sieb rasch vermehren; die Consistenz ist deslialb weich, markähnlich (medulläres Sarkom), das Wachs-tlium ein sehr rasches.
b)nbsp; nbsp;Das Spindelzellensarkom besteht im Wesentlichen aus Spindelzellen und entwickelt sich nicbt selten aus Fibromen (Fibro­sarkom).
c)nbsp; Das Riesenzellensarkom ist sehr bösartig und findet sich namentlich im Knochenmark (myelogenes Sarkom, Mycloid).
d)nbsp; Das Stern- oder Netzzellensarkom nimmt seinen Ausgang besonders von Mysomen (Myxosarkom).
e)nbsp;Das Sarkom mit polyinorpber Zellenbildung setzt sich aus den verschiedenen Formen der Bindegewebszellen (Rundzellen, Spindel­zellen, Riesenzellen,Netzzellen) zusammen und lässt zahlreiche IJebergänge der einzelnen Zellen ineinander erkennen (combinirtcs Sarkom).
f)nbsp; Das alveolilre Sarkom ist durch einen alveolären, drüsen- be­ziehungsweise krebsähnlichen Bau charakterisirt, so dass es unter Um­ständen schwer vom Carcinom zu unterscheiden ist. Bedeutung hat namentlich das alvooläre kleinzelliffe und ffrosszellisre Rundzellensarkom; zu ersterein gehört beispielsweise das Lymphosarkoin. Im Gegen­satz zu dem ebenfalls alveolar gebauten Carcinom zeigt das alveoläre Sarkom eine innigere Verbindung der Zellen mit dem liindegewebs-ger liste.
g)nbsp; nbsp;Das Angiosarkom oder Endotheliom (Endothelsarkom, Endothelkrebs), plexiformes Angiosarkom, plexiformes Angiom, Cylin-
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10Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sarkom,
(Iroin) ist als ein Angioni mit sarkomatOser Wucherung der öofttsswandzellen aufzufassen, welches sich ans den Endotlieizcllcii und dem Perithel (Adventitia) der Blut- und Lynipligefiisse, sowie, des Bindegewebes entwickelt. Man unterscheidet in neuerer Zeit deshalb Hämanii'iosarkome (Angiosarkome an Hiutgefässen) und Lymph-angiosarkome (Angiosarkome an Lympbgefflssen), welche wiederum je nach ihrer Entstehung an der Jnnenwand oder Aussemvand der (ietasse eingetheilt weiden in intra vasculäre (endotheliale) und peri-vasouläre (peritheliale).
Die Angiosarkome sind sehr hösartige. zu Blutungen und hyaliner Degeneration neigende (icschwülste. welche leicht mit Carcinomeu verwechselt werden können; sie sind durch starke Verdickung der Ge-fiisswände. hyalines Aussehen und eine häutig cylindrische (icstalt ge-kennzeiohnet. Zu den Angiosarkomen beziehungsweise Endotbeliomen rechnet man wohl auch das Choiesteatom oder Margaritom an den Adergeilechten im Clehirnder Pferde (Endotheliom mit Ablagerung von Cholestearinkrystallen), das Psaramom oder die Hirnsandgeschwulst (Endotheliom mit Ablagerung von kohlensaurem Kalk) und das Xan-thom oder Xantbelasma (verfettetes Endotheliom, Endothelioma lipo-inatosura; nach Anderen eine Liporaform).
1i) Das Melanosarkom oder Melanom (Pigmentsarkom) ist ein braun oder schwarz pigmentirtes, bösartiges, rasch wachsendes, reeidi-virendes und metastasirendes, am häufigsten bei Schimmeln, aber auch bei dunklen Pferden (Braunen, Euchsen, Kappen), sowie bei Kindern, Schafen und Hunden vorkommendes Sarkom. Die Entstehung des Pig­mentes wurde früherauf den Blutfarbstoff zurückgeführt; nach neueren Untersuchungen entbült Jedoch das Pigment (Hippomelanin) kein Eisen und stammt von specitischen, embryonalen, pigmentbildenden Zellen, den sogenannten Melanooyten (Berdez und Neneki. Lieber), Ilislologisch ist das Melanosarkom theils ein Rundzellen- und Spindel-zellensai'kom (weiche, maligne Neubildung), theils ein Fibrosarkom (derbe, relativ gutartige (Jesebwulst).
Vorkomme)!. Die Sarkome sind bei den Ilausthieren sehr häutige Geschwülste und kommen besonders bei Pferden, Rindern und Hunden vor. Unter 54 Sarkomen entfielen nach Semmer 80 auf Hunde, 12 auf Pferde, 4 auf Kinder, 2 auf Schweine. Ich selber habe unter 643 operirten Neubildungen beim Hunde 44 Sarkome festgestellt (neben 267 Carcinomeu. 97 Fibromen, 05 Papillomen, 39 Lipomen u. s. w,). Für die ('hirurgie haben die nachfolgenden Sarkome praktische Bedeutung,
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Sarkom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 109
1, Sarkome der Knoclieil. Dieselben stellen tlieils periost;
He. 11
theils oentrale (myelogene) Sarkomo, theils Osteosarkorae dar. Ma lindet sie ))ei Pferden und Bindern namentlich in der Nasenllühle und Kieferhohle, wo sie vom Siebbein, den Miischeln, dem Nasen­bein oder den Oberkieferbeinen ans sich entwickeln, Stenosenbil-dung veranlassen und einen chronischen Katarrh unterhalten, sich auch zuweilen auf die Stirnhöhle und die übrigen Kopfknochen fort­setzen. Beim Hunde werden sie am häufigsten in der Manlhölilc. am Oberkiefer, seltener am Unterkiefer angetroffen, wo sie am Zahn­fleisch knollige, umfangreiche, derbe,knorpel- bis knochenharte, schmerz­lose Wucherungen mit unregelmässiger. höckeriger, granulirter oder gelappter Oberfläche bilden, welche die Sclmeidezähno lockern, heben, verschieben und auseinander drängen (Kpulis). Ausserdem kommen oentrale Osteosarkome beim Pferd, Hund, Rind und Schwein solitür und multipel beziehungsweise generalisirt vor am Armbein, an der Scapula, am Femur, an der Tibia (Lahingchen), am Stirnbein. Felsenbein (Faoialislfthmung), an den Schädelknochen, Hals- und Kücken­
wirbeln. In einem Falle wucherte beispielsweise ein Spindelzoll Sarkom vom Atlas aus durch das /wischenwirbelloch des zweiHalswirbels in das Halsmark einer Kuh (Ivammerinann). Diffmyelogene Sarkome beim Pferd und Hund sind von Dicckerhound Fröhner beobachtet worden. Ein vom Luftsack aus in d
eil­en e T
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Wirbelcanal eindringendes Sarkom hatte bei einem Pferde Hemiplegie, ein anderes Zungenlähmung zur Folge (Hallander); im Rückenmark des Hundes entstehen durch derartige durale Sarkome spinale Lähinungen (l)exler). Beim Schwein stellt das Sarkom der (iesichtsknoehen eine Form der sogenannten Sohnüffelkrankheit dar.
2. Lymphosarkome werden besonders bei Pferden und Hunden beobachtet. Bei Pferden lindet man sie nach meinen Erfahrungen als weiche, zuweilen fluetuirende und cvstöse. hühnerei- bis über maiins-kopfgrosse, nicht selten multiple Geschwülste im Kehlgang (Rotz­verdacht), in der Umgebung des Kehlkopfes (kropfartige Geschwulst, am Hals, in der Buggegend (eine Form der Brustbeule), an der vorderen Brustapertur, an den Schamdrüsen, zu beiden Seiten des Schlauches u.S.W. Beim Hunde habe ich sie in ähnlicher Weise, nament­lich am Hals und in der Schamgegend, nicht selten multipel angetroffen.
i). Sarkome der Haut und Ullterliaut bilden theils höckerige. lappige, pilzförmige. zottige, umschriebene und multiple, theils diffuse, ausgedehnte Geschwülste von weicher oder derber Consistenz. Man
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Sarkom
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findet sie namemlich beim Rind und Pferd an der Hals- und Sohnlter-gegend, wo sie sehr umfangreiche, mitunter zu Stauuiigsüdem und Verjauchung führende, bis in die Brusthöhle hiueinwuchernde und durch Compression der Trachea zur Erstickung fuhrende Qesohwulst-massen darstellen und meist zu Generalisation mit Metastasenbildnng in inneren Organen fuhren, Sie kommen auch an anderen Körper-steilen vnr. so bei Hunden an den Extremitäten, bei Pferden an den Lippen, am Schlauch, am Fleischstrahl u. s. w., bei Ktthen an der Sehnm und Seheide etc.
4.nbsp; nbsp;SarkolllO am AngC. Man trifft dieselben namentlich bei Pferden, Hunden und Katzen entweder als Kundzollensarkoino der Orbita, wo sie Strabismus (Schielen). Exophthalmus, sowie Zerstörung der benachbarten Knochen bedingen und selbst in die Stirnhöhle, Kiefer-höhle und Q-ehirnhöhleeindi'ingen(Emmerieh,eigeneBeobachtungen), oder als ßundzellensarkome der Retina (Horn) und Chorioidea (Bayer).
5.nbsp; Sarkome Im Hoden, Euter, in der Sohilddrilse und Paro-
tls. Dieselben bedingen eine umschriebene oder totale, oft ganz enorme Vergrösserung der genannten Drüsen. Am relativ hantigsten ist nach meinen Erfahrungen die Sarkombildung im dislocirten Hoden und in der Mamma bei Hunden, sowie in der Schilddrüse bei Pferden. Beim Pferde (Monorchiden) ist ein 2ö/.v/ schweres Rundzellensarkoin im Hoden gefunden worden (Walley). Aehnlichc Tumoren hat man in den Eierstöcken und Nieren gefunden.
6.nbsp; Subperitoneale und subpleurale Sarkome. Dieselben kom­men zwar bei Pferden, Rindern und Hunden ziemlich häufig vor, ins­besondere die Sarkome der Hauchhöhle, Beckenhöhle und des Darmes, sie haben jedoch als nicht operirbare Tumoren in der Regel keine, chirurgische Bedeutung, Eigenthtitnlioherweise bedingen sie in vielen Fällen keine äusscrlich sichtbaren Krankheitserscheinungen, sie werden vielmehr meist erst bei der Section entdeckt. In anderen Fällen ver­anlassen sie Kolik (Diinndarmstenose). allgemeine Abmagerung, sowie Kachexie. Auch die in der Lunge. Leber. Milz, im Herzen, in der Blase, in den inneren Lymphdrüsen u. s. w, primär oder metastatisch auftretenden Sarkome haben gewöhnlich keine chirurgische Bedeutung,
7.nbsp; Melanosarkomelaquo; Die am häufigsten bei Pferden, auaserdem bei Eseln, Rindern, Schafen und Hunden vorkommenden Melanosarkome treten theils isolirt. tlieils multipel und gencralisirt auf. Am öftesten
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Sarkom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ill
findet man sie bei (llteren Schimmeln, Lieblingsstellen sind; die Um­gebung des Afters, der Scham und der Scheide, der Schwanz, der Schlauch und Penis, die Bug-und Sohultergegoucl, die Augen­lider, die Lippen, sowie die Backen-, Masseteren- und Parotis-gegend. Im üebrigen können sie, an jeder Stelle des Körpers und in Jedem Organe auftreten. Sie werden unter Anderem auch in den Muskeln und Knochen angetroffen. In einem von Mauri beschriebenen Falle hattu sich ein Melanom im Körper des dritten Lendenwirbels entwickelt und zu Compression des Rückenmarks mit nachfolgender spinaler Lähmung geführt; in anderen Fallen wurde eine Compression dos Gehirns, einzelner Gehirnnerven (Facialis), des Ischiadicus u. s. w. mit Lfthmungszustttnden festgestellt. Manche Melanosarkome haben eine Neigung zu Ulcoration und Verjauchung, so dass z. B. auf der Haut, krebsartige Geschwüre entstellen. Sehr häufig wird Generalisation beobachtet; Metastasen entwickeln sich namentlich in der Lunge, in der Leber, in der Milz, im Herzen, in den Lymphdrüsen a. s. w. Bezüglich der Prognose ist zu bemerken, dass in einer sehr grosseu Zahl von Fällen, selbst bei der general isirten Form, Allgcmeinstöruugen nicht beobachtet werden. Die Melanosarkome bilden vielmehr oft einen ganz zufälligen Befund bei geschlachteten, sonst ganz gesunden Pferden. So wurden beispielsweise im Jahre 1892/1893 in Petersburg unter 7000 geschlachteten Pferden 36 Fälle von Melanosarkom. darunter 8 mit allgemeiner Melanose constatirt (Sawaitow). In anderen Fällen allerdings sind die Melanome sehr bösartig, indem sie jauchigen Zerfall und allgemeine Kachexie veranlassen. Insbesondere neigen die weichen pigmentirten Hundzellensarkome zu dem letzteren Verlauf.
Hclüimllimg. Die Therapie der Sarkome besteht in der möglichst frühzeitigen Exstirpation. Ist bereits eine Metastasenbildimg einge­treten, dann ist die Behandlung aussichtslos. Aus letzterem Grunde ist namentlich die Prognose der Melanosarkome ungünstig: nur bei solitiiren. derben, gutartigen Mcianomen kann eine erfolgreiche Operation vorgenommen werden. Die verschiedenen'widersprechenden Angaben über den Werth der operativen Behandlung bei den Melanomen erklärt sich aus dem sehr verschiedenen, bald gutartigen, bald sehr bösartigen Charakter und dem Grade der Ausbreitung im Körper. Im Üebrigen werden Melanosarkome genau nach derselben Methode operirt wie die übrigen Sarkome, üelamotte empfiehlt, zur Vermeidung von Recidiven nach der Exstirpation mit dem Messer die Wunde zu brennen und
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Das Carcinom.
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sodann mit Arsenik zu bestreuen, der eine speeifisohe Affinität ZU den Sarkomzellen besitzen soll (?).
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B, Kpithellale Neubildungen. 1. Das Carcinom.
Wesen. Das Carcinom oder der Krebs (Cancer) ist eine atypische, epitlieliale Neubildung mit der Eigonsoliaft des unbegrenzten Wiichstlnims. Den wesentlichsten Bestandtheil aller Carcinome bilden die Epithelzellen, welche in einem bindegewebigen Gerüste (Krebsstroma) liegen, in Form von Krebszapfen, Krebsnestern und Krebsknoteu in das Naohbargewebe bereinwuchern und durch Ein-
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Carcinom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;113
brechen in die Lymphgefässe und Blutgeftlsse Metastasen zunilelist in den benachbarten Lymphuefässen, später in Form der generalisirten (Jarcinomatose überall in den inneren Organen des Körpers herbei­führen. Die im Anschluss hieran sich ausbildende allgemeine Ernährungs­störung', die sogenannte Krebscachexie, wird als eine Art Auto­intoxication, d. b. eine von der krebsigen Neubildung ausgehende all­gemeine chronische Vergiftung aufgefasst. In allen Fällen bilden epi-theliale Gebilde den Ausgangspunkt der Carcinome (Thiersch. Waldeyer). Die früher angenommene Umwandlung der Bindegewebs-zellen in Krebszellen (Virchow) ist bis jetzt mit Sicherheit nicht er­wiesen worden.
Formen. Nach den verschiedenen Arten des Epithels (Platten­epithel, Cylinderepithel, Drüscnepithcl) unterscheidet man:
laquo;) Plattenepithelkrebse oder Can er oi de, auf der Haut. Maul­schleimhaut, Scheiden-, Blasen-, Schlundkopf- und Schlundschleimhaut, am Schlauch, Penis u. s. w.;
h) (Jylindcrepithelkrebse, auf der Schleimhaut des Magens, Darmes und Uterus:
c) DrUsenepithelkrebse, im Hoden, in der Mamma, in der Schilddrüse, Parotis, Prostata, in der Leber, imPankreas, in den Nieren lind Nebennieren, in den Schweiss- und Talgdrüsen der Haut u. s. w.
Ausserdein hat man nach der Consistenz und Form unterschieden: harte, derbe Carcinome mit viel Bindegewebe (Scirrhus, Faserkrebs), weiche Carcinome von der Consistenz des Gehirns oder Rückenmarks (Medullarkrcbs, Medullarcareinom), schleimige und gallertige Krebse (Carcinoma myxomatosuin und gelatinosum). pigmentirte Krebse (Melanooaroinom), den Zottenkrebs (Carcinoma papillo-matosum oder villosum) und andere.
Aetiologio. Die Entstehung der Carcinome ist ebensowenig sicher klargelegt, wie die der übrigen Neubildungen. Beim Menschen hat man eine Reihe ätiologischer Factoren aufgestellt, die sich jedoch nicht ohne Weiteres auch auf die Thierheilkunde übertragen lassen (vgl. unten).
1. Alter, Geschlecht, Nahrung und Vererbung werden als prädispomrende Momente für die Entwicklung des Krebses bezeichnet. Die Erfahrung beim Menschen hat gelehrt, dass das Carcinom vor­wiegend eine Krankheit des höheren Lebensalters ist. indem es zwar in jedem Lebensalter vorkommen kann, vor dem 40. Lebens­jahre jedoch nur selten, vielmehr am häufigsten in der Zeit vom 45. bis ()5. Jahre (50 Procent aller Fälle) auftritt. Bei Thieren fehlen dies-Fröhnnr, Ällgometne Ohlrargle,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
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Carcinom.
bezügliohe statistische Erhebungen mit Ausnahme beim Hunde, wo ich auf (irund eines Materials von 2(52 Folien festgestellt habe, dass nur ältere Hunde vom Carcinom befallen werden, während ich bei Hunden unter 2 Jahren Krebs niemals gesehen habe. Ueber 5 .Jahre alt waren S?0/,, aller Hunde, über 7 Jahre alt 54%- l)a's Carcinom bildet liier einen Gegensatz zum Sarkom, das häutig-bei ganz jungen Hunden vorkommt. Bezüglich des Gesohleohtes batman beim Menschen angegeben, dass die gesteigerte funetionelle Thätigkeit der Geschlechtsorgane, insbe­sondere des Uterus und der Mamma beim Weibe, eine Prädisposition zu carcinoinatöser Erkrankung der genannten Organe bedinge. Aehnlich scheinen die Verhältnisse beim Hunde zu liegen, wo ebenfalls Maroma-careinome ziemlich häutig vorkommen. Für das Rind dagegen, wo aus wir th schaff liehen Gründen die Geschlechtsthätigkeit und Milchproduction aufs Höchste gesteigert ist, hat die obige Theorie durchaus keine Geltung? Carcinome der Mamma und des Uterus beim Rinde sind bisher in ganz vereinzelten Fällen (ich zähle in der gesummten Literatur nur je zwei) beob-aclitet worden, obgleich beim Schlachten der Kühe in allen Schlacht­häusern eine genaue Untersuchuna; dieser Organe vorgenommen wird.
Die Nah r u n g soll beim Menschen insofern einen Einfluss auf die Ent­wicklung der Carcinome ausüben, als dieselben bei Fleischnahrung häufiger vorkommen sollen als bei Pflanzenkost (Beobachtungen in England). Man hat diesen Satz auch auf die Thierheilkunde übertragen und be­hauptet, dass im Gegensatz zu den sehr häufig mit Carcinom behafteten Fleischfressern (Mund. Katze) die Pflanzenfresser (Pferd, Rind) so gut wie gar nicht an Krebs leiden. Auch diese Angabe hat nur für den Hund (Jiltigkeit. der allerdings auch nach meinen Erfahrungen am häufigsten an Carcinoinatose zu leiden scheint. Dagegen ist die Be­hauptung, dass das Pferd als Pflanzenfresser so gut wie gar nicht vom Krebs befallen werde, entschieden unrichtig; ich habe im ver­gangenen Jahre allein drei Fälle von Carcinom beim Pferde operirt. Auf der anderen Seite scheint das Schwein, das als Omnivor doch auch Fleischfresser ist, höchst selten an Carcinom zu erkranken, wie die Erfahrungen der Schlachthäuser darthun, Darnach dürfte nicht sowohl die Nahrung, als die Thiergattung in gewissem Sinne einen nicht näher zu definirenden prädisponirenden Einfluss auf die Entwicklung des Krebses ausüben. Ueber die Bedeutung der Ver­erbung endlich, welche namentlich von den englischen Aerzten bei der Aetiologio des Krebses in den Vordergrund gestellt wird, ist bei Thieren gar nichts Sicheres bekannt; immerhin muss, obgleich der Krebs
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Ciircinom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
sicli fast nur im höheren Alter entwickelt, die Möglichkeit der erblichen Uebertragung auch bei Thieren zugegeben werden: aus diesem Grunde empfiehlt sieh Vorsicht bei der Venvendung krebs-kranker Zuclittbiere.
2.nbsp; Traumatische und chemische Reize werden beim Menschen neuerdings in den Vordergrund der Krebsütiologie gestellt. Die soge­nannten Narbenkrebse, welche sich auf Grund einer Narbe, dem End-stadium einer chronischen Entzündung, entwickeln, die iläuligkoit der Gailenblasenkrebse beim Vorhandensein mechanisch reizender Gallen­steine, das Auftreten der Lippen-, Zungen- und Kehlkopfkrebse bei Tabakrauchern, sowie der Hantoarcinome bei Schornsteinfegern. Theer-und Paraffinarbeitern werden als Beweise für die Richtigkeit der so­genannten Reiztlieorie angesehen. Im Uebrigen ist es noch niemals hei Versuehsthieren gelungen, durch fortgesetzte mechanische oder chemische Reize, z. B. Theerbepinselungcn bei Hunden und Ratten (Hanau), Car-cinom zu erzeugen. Wahrscheinlich können die genannten Reize, Krebs nur hervorrufen bei vorhandener primärer, entweder allgemeiner, oder localer Prädisposition; sie bilden somit keinen eigentlichen ätiologischen Factor, sondern nur einen Nebenumstand. Jliefür spricht auch die Thatsache, dass Krebse sehr häufig in Organen vorkommen, bei denen äusserc Reize ausgeschlossen sind (Prostata und Schilddrüse beim Hund, Kopfhöhlen. Brusthöhle. Bauchhöhle beim Pferd). Falsch ist ferner die von thierilrztlicher Seite aufgestellte Behauptung, dass auch bei Thieren Lippen- und Zungenkrebse als Folge iiusserer Beize häufig vorkommen. Sie gehören im Gegentheil zu den allergrössten Seltenheiten. Ich habe nie einen Fall gesehen und auch in der Literatur nur je einen Fall verzeichnet gefunden.
3.nbsp; Eine Infection durch Parasiten ist ebenfalls in den letzten Jahren mehrfach als Ursache des Krebses angenommen worden. Zu­nächst wurden Spaltpilze als Erreger des Carcinoms beschuldigt (Krebsbacillus nach Scheuerlen u. A.), die sich indessen alle als unschädliche zufällige Saprophyten erwiesen haben (Proteus mirabilis u. s. w.). Auch die Protozoen oder Coccidien, welche nach Pfeiffer. Thoma, Adainkiewicz u. A. als eigenartig geformte Ge­bilde im Innern der Krebszellen schmarotzen sollten, haben sich bei genauerer Prüfung als Degencrationszustände der Epithelzellen sowie als Kern- und Kcrnkörperchen-Degenerationen heraus­gestellt. Insbesondere haben endogene Zellneubildung, unvollendete Zell-theilung. Einstülpung einzelner /eilen in einander. Einschlüsse rother und weisser Blutkörperchen in Zellen, pathologische Kerntheihmgen. achleimige, kolloide, hyaline, vakuoläre Degenerationen des Zellproto-
8*
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(.'arciuoni.
plasmas, patliologisohe Verliornungsproccssc. Degenerationen des Kerns, der Kernkörperohen und der Eernmembran, Nebenkerne u. s. w. bei der mikroskopischen Untersueliuiig das Bild von Cocoidien vorgetäusoht.
Man hat ferner die beim Krebs häufig voi-kommende Metastasen­bildung, sowie die in vereinzelten Fällen bei Menschen und Thieren gel ungene k ii n s 11 i c h e U e b e r t r a g u n g des Krebses (Hanau. (i c i s s 1 e r. Hahn, A'on Bergmann. Wehr, Gornil) als Beweis für die parasitäre Natur der Krebsneubildung geltend gemacht. Auch abgesehen davon. dass mit Ausnahme der erwähnten wenigen Fälle alle übrigen in grosser Zahl angestellten Uebertragungsversuche ein negatives Resultat ergeben haben (Klebs. Tillmanns. Israel. Shattock und Ballunce, Alberts, Pütz, Trasbot. Dujilay. Cazin, Cadiot, Gilbert, Gratia, Lie-naux u. A.), wird durch die künstliche Ueberimpfung des Carcinoms seine parasitäre Natur keineswegs erwiesen. Die gelungenen Impfver­suche sind im quot;Wesentlichen nur als künstliche Metastasenbildung auf­zufassen, wobei nicht etwaige Carcinomparasiten, sondern die specitischen kranken Epithelialzellen übertragen werden, von denen aus sich die neue Krebswucherung entwickelt. Es kommt hinzu, dass sich die Ueber­tragungsversuche beim Menschen auf eine Selbstimpfung bereits krebs-kranker Personen beziehen, so dass also zu dem Nebenmoment der üebertragung der Hauptfaotor der caroinoraatösen Disposition tritt.
4. Die Entwicklung aus embryonal versprengten Epithel­keimen (Cohnheim) scheint bei den Carcinomen nur eine geringe Rolle ZU spielen. Einzelne sehr seltene Fälle von wirklich primärem Knochenkrebs oder Lymphdrüsenkrebs lassen sich jedoch nur auf diese Weise erklären, da eine Umwandlung von Bindegewebszellen in Epithel­zellen nicht stattfindet. Aus demselben Grunde ist eine Umwandlung-gutartiger desmolder Neubildungen in Caroinome nicht denkbar. Dagegen soll, wenn auch ausserordentlich sel(quot;n, eine Umwandlung cpithelialer gutartiger Neubildungen (Papillom) in Krebs stattfinden.
Vorkommen. Die Localisation der Krebse ist bei den Hausthieren eine andere als beim Menschen. Im Wesentlichen kommen nur Pferde, Hunde und Katzen in Betracht-, bei Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen haben Carcinoine nur ausnahmsweise eine chirurgische Be-deutunar. Die wichtigsten Einzelformen sind folgende;
1. Carcinome der Haut findet man am häufigsten beim Hunde, und zwar nach meinen Erfahrungen namentlich am Kopf (Ohren und
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Carcinom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 117
Augenlider), auf dem Rücken, am Schweif, am Präputium, Scro-
tuin, in der Umgebung des Afters und an den Eemen; beim Pferde scheinen der Schweif, der Schlauch, die Glaus Penis, sowie die Ballengegend Lieblingsstellen zu sein. Das makroskopische Verhalten ist je nach Alter und Lage der Geschwulst sehr verschieden; gemeinsam ist den Hautcarcinomen die innige Verbindung mit der Haut, die Nei­gung zu Ulceration und Infiltration der Nachbarschaft, die meist derbe Consistenz, die knollige, höckerige Beschaffen­heit, der wallartige, harte Geschwlirsrand, die Knotenbildung in der Umgebung, sowie die seeundäre Schwellung derregio-nilreu Lymphdrüsen. Sie stellen bald umschriebene, bald diffuse Neubildungen dar, welche grössere Partien der Haut in geschwürige, knotige, dicke, speckige, jauchige, übclaussehende und übelriechende Ge-schwulstmassen umwandeln können. Am Penis bilden die Carcinome papillomatöse, zottige, zerklüftete, oft sehr erhebliche Geschwülste.
2. Caroinome der Sollleimhaat kommen zuweilen vor in der Oberkieferhöhle beim Pferd; sie bilden derbe, lappige, blut­reiche, von Blutherden durchsetzte Geschwülste mit hirnnuirkälm-licher Flüssigkeit, welche nach der Nasenhöhle, Stirnhöhle, sowie nach der Maul- und Rachenhöhle durchbrechen und schon frühzeitig eine Schwellung der Kehlgangsdrüsen (Metastasenbildung) herbeiführen. Achnlicho Tumoren sind in der Rachenhöhle beim Hund und im Schlund bei Pferden angetroffen worden, von wo sie unter Umständen zur Perforation und tödtlichen Pleuritis führen können, wie ein von Lorenz beschriebener Fall beweist. Man beobachtet ferner Carcinome an der Au gen schleim haut beim Pferde, welche entweder nur die Nickhaut (eigene Beobachtung) oder die Conjunctiva Sclerae (Bayer) botreffen, oder die ganze Orbita durchwuchern, die benach­barten Knochen, insbesondere das Stirnbein, Oberkieferbein, Jochbein und Thränenbein zerstören und in die Stirnhöhle und Oberkieferhöhle eindringen (Möller). Ausserdem wurden mehrfach Carcinome angetroffen in der Scheide, im Uterus, in der Blase, sowie an der Prilputial-schleimhaut bei Hunden, Pferden und Kindern. Die Blasen carcinome bilden meist Zottenkrebse mit blumenkohlartigen, zottigen, huscheligen, zerklüfteten, schleimigweichcn Wucherungen und derberem Grunde, weiche zu Blutung und jauchigem Zerfall, sowie zu Knotenbildung in der Nachbarschaft führen (blutiger, jauchiger, übelriechender, sedimen-tirender Harn), zuweilen auch auf das Peritoneum und die Bauchein-geweide übergreifen oder eine tödtliche Perforativperitonitis zur Folge
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Carcinom.
haben (Siedamgrotzky, Kitt. Pflug, Esser, Bang', Demourisse u. A.). Der einzige in der tliicrärztlichcn Literatur beschriebene Fall von Zungenkrebs ist bei einer zwölf Jahre alten Katze beobachtet worden (Fadyean); an der Unterfläche der Zunge befand sich ein Krebsgcschwür. von dem aus carcinoinatöse Wucherungen die ganze Zunge zapfenförmig durchdrangen. Auch am Kehlkopf (Kehldeckel) ist bisher nur ein einziges Carcinom beobachtet worden (Casper).
3. Driiseucarciiiome werden am häufigsten in der Mamma des Hundes angetroffen; ich habe allein 18 Fälle operirt, Ihre Consistenz und Grosse ist sehr verschieden; in der Kegel sind sie schmerzlos und ohne höhere Temperatur; die Haut darüber ist entweder intact oder steilenweise ulcerirt und krebsig infiltrirt; häutig sind die regionalen Lymphdrüsen geschwollen. Zuweilen sind die. Mammacarcinome sehr weich und hissen selbst in Folge cystöser Einschmelzung Fluctuation erkennen, in anderen Fällen sind sie in Folge Verkalkung und Ver­knöcherung sehr hart. Zahlreiche Fölle sind von Bang, Kitt, Rabe, Johne. Möller, Plitz. Pflug u. A. beobachtet worden.
Caroinome des Hodens sind bei Pferden und Hunden ebenfalls nicht selten; sie bedingen eine oft erhebliche UinfangsVermehrung des Hodens (eine Form der sogenannten Sarkocele), Infiltration des Samen­stranges. Schwellung der Leistendrüsen, Carcinomatose des Bauch­fells sowie Metastasenbildung z. 15. ins Gehirn (Trasbot); sie finden sich vereinzelt auch bei Kryptorchiden, sowie nicht selten bei den seitlich dislocirten Hoden der Hunde. Fälle von Hodenkrebs sind be­schrieben worden von Leisering. Stockfleth. Roll, Guillebeau, Siedamgrotzky, Möller. Kitt, Fröhner. Trasbot, Cadiot u. A.
Caroinome der Schilddrüse kommen am häufigsten bei Hunden und Pferden vor; sie treten unter dem Bilde des Kropfes (Struma malicna. Struma carcinomatosa) auf und sind durch rasches Wachsthum, Abmagerung und Cachexio der Thierc, sowie Metastasen­bildung in den Lungen (Einbruch in die Jugularis) und anderen inneren Organen mit tödtlichem Ausgange ausgezeichnet (Johne. Kitt, Siedam­grotzky, Möller, Zschokke, Hutyra, Cadiot, eigene Beobachtungen). Beim Hunde können die Schiiddrüsenkrebse doppelte Faustgrösse, beim Pferde doppelte Mannskopfgrösse und darüber erreichen; nicht selten umwuchern sie die Trachea und den Schlund und dringen selbst gegen die Brusthöhle vor.
Der Krebs der Prostata bedingt beim Hund ein eigenartiges Krankheitsbild, indem die durch reotale Untersuchung nachweisbare, oft
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(.'arcinoin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;119
über Faustgrösso ciTeichemle Geschwulst habituelle Verstopfung ver­ursacht. Sehr häutig sind ferner beim Hunde Carcinoine am After, welche von den Analdrüsen ihren Ausgang zu nehmen scheinen (Mastdarincarcinome sind im Gegensatz hiezu ausserordentlich selten). Sie bilden unebene, höckerige, warzige, pilz- oder blumenkohlartige, zer­klüftete, gelappte, zuweilen auch gestielte, weiche, schmerzlose Xeubildungcn.
Eine von der Thymusdrüse ausgehende krebsige Neubildung beim Pferde, welche zu Metastasenbildung in den unteren Halsdrlisen, den llautlymphstilmmen, den retropluirvngealen und submaxillaren Lymph­drüsen, sowie zu ausgedehnter Sklerose des subeutanen und inter-musculären Bindegewebes geführt hatte und das klinische Bild eines hochgradigen Hautödems an den abhängigen Theilen des Kopfes, Halses und der Brust darbot, hat Siedamgrotzky beschrieben.
4. CarcillOllie in inneren Organen kommen zwar bei Pferden, Hunden und Rindern nicht selten vor, haben aber in der Regel keine chirurgische Bedeutung. Man findet sie, namentlich multipel, mit seeun-diirer Metastasenbildung und mehr oder weniger allgemeiner Generali­sation auf der Pleura, auf dem Peritoneum, im Netz, in den Media-stinal-, Mesenterial- und Lumbaidrüsen, wo sie oft enorme, die Lunge und andere angrenzende Eingeweide comprimirendc, und selbst die Wandungen der Brusthöhle und Hauchhöhlc durchbrechende Ge­schwulstmassen bilden. Ausserdem hat man Carcinome beobachtet be­sonders in der Leber, in den Nieren, Nebennieren, im Eierstock (10—20% schwere, zuweilen durch Blutung und Peritonitis zum Tode führend), im Pansen, Magen, Darm, in der Lunge, im Gehirn. Rückenmark (Metastasen) U. S. w. Bei einem Pferde hatte eine Krebs-metastase zu Druckltthmung des Rückenmarks geführt (Alforter Klinik).
Statistik. Bezüglich der Häufigkeit der Carcinome in den einzelnen Organen haben meine Erfahrungen beim Hund (262 Fidle) ergeben, dass am häutigsten vorkommen Carcinome der Haut, der Mamma und des Afters, weniger häutig die der Prostata, der Hoden, der Scheide, des Penis und der Schilddrüse; nicht selten findet sich allgemeine Carcinomatose. Unter 27 Füllen beim Pferde fand Casper fünfmal die Mamma, viermal die Nieren, je dreimal die Hoden und Gesichtsknochen, je zweimal die Eierstöcke und Mcsentcrialdrüsen, je einmal die Nebennieren, den Magen, den Penis, die retropharvn-gealen Drüsen, das Milzmagenband, den Samenstrang und den Kehl­deckel betroffen: unter 51 Carciuomen beim Hund waren neunmal die
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Caieiuoin.
Mamma, siehonnial (li(! Lcber. sechsinal clio Gekrösdrüsen, je viermal die Prostata und SohilddrÜBO, je dreimal die Hoden, Lungen und die Pleura, zweimal die Nieren, je einmal der Eierstock, die Scheide, der Schweif, der After, die Haut, der Uterus, das Pankreas, die Älilz, die HronchiiddrUsen und die Submaxillardrii.sen Sitz des Carcinoms.
[
Therapie. Wie bei den Sarkomen, ist auch bei den Carcinomen die möglichst frühzeitige K xstirpation die Grundbedingung einer erfolgreichen Behandlung. Aetzmittel sind nur ausnahmsweise an­gezeigt. Am relativ einfachsten ist die operative Entfernung der Haut-und Aftercarcinome, sowie der Carcinome der Kickhaut und der Augen­lider. Mamma-, Penis- und Hodencaroinome sind durch Amputation beziehungsweise Castration zu beseitigen. Schwieriger ist die Be­handlung der in den Kopfhöhlen wuchernden Carcinome (Trepanation). Besonders schwierig ist die Exstirpation der Schilddrüsenkrebse (starke Blutung, Cachexia strumipriva). Unheilbar sind alle inneren Carcinome (Pleura, Peritoneum, Lunge, innere Lymphdrüsen, Leber, Nieren, Blase. Magen. Darm u. s. w.) sowie die gcneralisirte Carcinomatose. l)er früher als Specifioum innerlich angewandte Arsenik hat wohl nur eine all­gemeine anregende Wirkung auf den Stoffwechsel und die Ernährung. Die beim Menschen in einzelnen Füllen erfolgreich angewandte Ueber-impfung von Erysipel auf Krebse gelangt, weil lebensgefährlich, nur selten zur Ausführuiiquot;'.
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l'apillom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 121
Vpteriiiiu'iutHlloiiiische liitcratur. Die Lehrbücher der atlt;. Pathologie und Chirurgiu von Stockf le th-II ang, Kitt, Möller, Hoffmann, Cadlot (franzcHischo I^iteralur). — Küll, Oi'sterr. Vicrtolinhraachr. 185S. — lloloff, Magazin fttr Thierhcllk. 18(38. — Hren n eka aim. Ibid. 18üi). — IMitz, Zoitselir. IUr Thiurmed. 1877. — Uahe, Hannov. Jahresbcr. 1H77. — Johne, Sachs. Jabroshei'. 1871raquo;. — Martin, Manch. Jahresber. 188ä;8a. — Trasbot, Morot, Uccueil Bull. 1881 u. 1885. Hcvue viit, 1892 u. 18013. — Wolff, Deri. Archiv 18811. — Cadeac, Jouin. de Lyon. 1887. Uovuo vct. 1887.
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2. Das Papillom.
Begriff und Formen. Bas Papillom ist früher als eine binde-gewebige Wucherung des Papillarkürjiers aufgefasst und zu den Fi­bromen gerechnet worden (papilliiresFibrom); neuerdings wird es zu den epithelialen Neubildungen gezählt (papilliires Epitheiiom) und als eine Mischgeschwulst aufgefasst, welche sich aus einer Hyper-plasie des Haut- und Schleimhautepithels mit gleichzeitiger Wucherung des Papillarkiirpers (Bindegewebs- und Gefässneu-bildung) zusammensetzt. Man unterscheidet herkömmlich zwei Formen des Papilloms;
et) Die Warze (Verruca), das harte, trockene, verhornende, vor­zugsweise epitheliale Papillom der Haut;
h) Das Condvlom (Feigwarze), das weiche, au der Oberfläche feuchte (raquo;Feigwarzelaquo;)) nicht verhornende, gefässreiche. bhmienkohl-oder hahnenkammartig -wuchernde Papillom der Haut und Schleimhaut (spitze, breite Condylome).
Aetiolog'ie. Bei der Entstehung der Papillome spielen chronische entzündliche Reizzustände eine wichtige Rolle. Keine andere Neu­bildung illustrirt die Bedeutung der irritativen Momente besser als das Papillom. Die sogenannte verrueüso Form der Mauke des Pferdes stellt eine multiple Warzenbildung auf der Haut des Fesseis dar. welche als das Product einer chronischen Dermatitis beziehungsweise infectiösen Hautentzündung aufzufassen ist. Ebenso hat mau nach dem Weide­gang auf Stoppelfeldern bei Pferden und Kindern Lippenpapillonie als Folgezustände entzündlicher Processe auf der Haut und Schleimhaut entstehen sehen. Auch bei den in der Umgebung der Scham und des Afters vorkommenden Papillomen lassen sieh zuweilen chronische Reize
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l'apillom.
(Ausflüsse) als Ursache der Gesclnvulstbildimg' nachweisen. Von einigen ist sogar die Ansieht ausgesprochen worden, dass die Papillome eine cniitagiüse, ansteckende Neubildunü,' darsteilen; Uebertraffunffsvcrsuche von Thier aufquot; Tliier sind indessen nicht gelungen (Gratia).
Neben der Beiztheorie kommt bei der Entstellung der Papillome die Vererbung als iltiolog'ischer Factor in Betracht. Bei Fohlen. Kill­bern und Hunden hat man die Beobachtung gemacht, dass die Papil­lome angeboren waren, Von manchen wird auch eine erbliche Ueber-tragung angenommen. In diesen Fidlen ist eine Entzündung als Ursache ausgeschlossen, denselben muss vielmehr eine embryonale Zellwucherung zu Grunde liefen.
Vorkommeil. Man findet die Papillome am häufigsten bei Hun­den, Rindern und Pferden.
1.nbsp; Beim Hunde sind Lieblingsstellen für die Entwicklung der Papillome die Lippen, die Maulschleimhaut (Lippen, Zahnfleisch, Zunge), die Augenlider, die Ohren, namentlich der ilussere Gehörgang, die Baokengegend, das Präputium, der Penis, der After, die Scham, sowie die Extremitäten. Charakteristisch für die Papillome ist ihre höckerige und gelappte Oberfläche, wodurch sie Aehnlichkeit mit Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Maulbeeren, Blumenkohl, Hahnen­kämmen u. s. w. erhalten; gewöhnlich sind sie scharf abgesetzt, zuweilen gestielt, linsen-, erbsen- bis walnussgross, an der Oberfläche trocken oder feucht. Nicht selten besteht eine allgemeine Papillomatose.
2.nbsp; Beim Rind kommen die Papillome häufig multipel vor. so dass die ganze Haut mit Warzen wie tibersäet erscheint. Besonders zahlreich sitzen sie am Kopf, Hals, an den Schultern, am Euter, am Bauch, am Penis und an den Beinen. Sie bilden höckerige, granu-lationsähnlicbe. gelappte, vielfach zerklüftete, breite oder gestielte, derbe, gelblichweisse. zu grösseren Wucherungen coniluirende, schmerzlose Neubildungen von den verschiedensten Formen, welche zuweilen eine enorme Verdickung der Haut bedingen und ein Gesammtgewicht bis zu einein halben Centner erreichen können. In manchen Fällen ist vorwiegend das Euter der Sitz zahlreicher Papillome. Aussei- diesen llautpapillomen kommen beim Rind auch nicht selten Papillome der Schleimhaut im Schlundkopf und Schlund, sowie vereinzelt in der Haube und Blase vor.
3.nbsp; Beim Pferd, namentlich bei Fohlen, findet man Warzenbildung in der Umgebung der Lippen, der Nase, an den Augenlidern, Ohren, am Schlauch u. s. w. Bei älteren Pferden beobachtet man sie in der
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Adenom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;123
Geschirr- und Sattellage, an der Krone (eigene Beobachtung) U, s. w.. sowie nach vorausgegangener Mauke am Fessel (Dermatitis verrueosa, sogenannter Straubfuss). Als eine papillomartige Neu­bildung ist auch der Strahlkrebs aufzufassen,
Therapie. Die Behandlung der Papilloine besteht im einfachen Abschneiden mit der Schere oder im Abdrehen mit den Fingern. Aetzmittel (rauchende Salpetersäure und andere Säuren) sind un-zweckmässig und jedenfalls in der Nähe der Augen und in der Maul-höhle nur mit grösster Vorsicht verwendbar. Papilloine an den Lidern müssen wegen der Möglichkeit krebsiger Umwandlung gründlich, d. h. durch Ausschneiden eines keilförmigen Stückes des ganzen Lides, excidirt werden. Vereinzelt hat man auch, insbesondere bei jüngeren Tbieren. von der innerlichen Anwendung des Arseniks Heilerfolge beobachtet. Im Uebrigen bilden sich Papilloine nicht selten ohne jede Behandlung ganz von selber wieder zurück.
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3. Das Adenom.
Wesen. Das Adenom ist eine nichtkrebsige. gutartige, epithelialo Neubildung vom Typus des Drüsengewebes. Je nachdem die adenomatöse Geschwulst in Drüsen von tubulöscm, acinösem oiler alveolärem Bau auftritt, spricht man von tubulösen. acinösen und alveolären Adenomen, ferner je noch der Natur der Drüse von Schilddrüsenadenomen (Struma). Mamma-, Leber-, Schweiss-drüsen-, Talgdrüsenadenomen u. s. w. Die Adenome haben trotz ihrer Gutartigkeit als epitheliale Neubildungen doeli zuweilen die Neigung, sich in Carcinome umzuwandeln (maligne Adenome. Adenoide).
Vorkoilimeil. üeber das Vorkommen der Adenome bei den Hausthieren ist nicht viel bekannt. Am häutigsten ist wob! das unter dem Namen Kropf (Struma bvperplastica simplex) bekannte Adenom der Schilddrüse, namentlich bei jungen Hunden, seltener beim Pferde
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C'ystengesclnviilstc.
(Lanzillottil Ein Adenom der Schleimdrüsen im Kehlkopf ist von .Johne. Talgdrllseamp;adeuome der Haut sind von Kitt, Siedamgrotzky, Müller U. A. beobachtet worden. Die Adenome der Leber sowie anderer innerer Organe haben keine chirurgische Bedeutung.
Epitlieliom. Mit diesem Namen bezeichnet man in Deutschland eine gut­artige, umsohriobono Neubildung von Epidermis auf der Haut:. Dieselbe entsteht theils durch fortgesetzte Reizung der Haut durch Druck (Schwiele, Clavus, Tylom), theils durch parasitäre Infection (Epithelioma gregari-nosum oder molluscum).
Eine ähnliche epitheliomartige Neubildung ist das llauthorn (Cornn cutaneuni, Iveratosis, Keratom), ein umschriebener Auswuchs neugebildetcr, verhornter Epidermiszellen, der sich namentlich sehr häufig bei Rindern am Halse, im Kehlgango, am Koj)f, am Bauch und Euter, mitunter in Form von '/i Meter langen, hornartigen Gebilden, sodann beim Geflügel namentlich als Symptom der Hauttuberculose (ein typischer Fall bei einem Papagel ist von Eberlein beschrieben worden), ausserdom bei Pferden (Fessel, Ohr u. s. w.), Hunden, Schafen und Ziegen vorfindet. Aehnliche Wucherungen bilden die llornsäulen (goschwulstartige Hyperplasie des Hufhorns), die Onychomo iHypertrophie von Nagelgewebe), die Ichthyosis (angeborene selmppenartigo Epidermisverdiekung der ganzen Haut), sowie der Hystrieismus (angeborene borstenarlige Hantverdiekungen).
Kystome. Dieselben sind epitheliale Neubildungen in Drüsen mit Cystenbildung. Sie können somit auch als eystüse Adenome aufgefasst worden. Man findet sie besonders im Eierstock (Ovarialcysten), in der Schilddrüse (Cysten-kropf), in der Mamma, Parotis u. s. w. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Cysten bezeichnet man die Kystome wohl auch als genuine, proliferirendo Cysten.
C. (Systcnöeschwülste.
|}lt;'ftTit'i'. Als Cyste bezeichnet man eine sackartige oder blasen-iurniige Geschwulst, welche aus einein flüssigen Inhalt besteht, der von einer Kapsel (Balg) umgeben wird. Die Entwicklung dieser Cysten ist eine sehr verschiedenartige. Man unterscheidet die nachstellenden Haupt tonnen:
1.nbsp; Er weich ungscy sten.
2.nbsp; Retentionscysten,
3.nbsp; Extravasations- und Exsudatioiiscvsten,
4.nbsp; nbsp;Dermoidcysten,
ö. (ienuine Cysten iKystome).
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Enveiclmngscysten. Ketcntionscystcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;125
Ei'woiclning'scysteii. Man versteht darunter cystiis entartete Neubildungen, welche namentlich in Sarkomen und Carcinomen vor­zukommen pflegen (Cystosarkom, (Vstocarcinom, Cystoiibrom u. s. w.).
KetoiltioilSCystoil. Dieselben bilden sich durch Zurückhaltung (Retention) des Secretes von Drllsen. Man kann verschiedene Arten der Ketentionscysten unterscheiden:
a) Die sogenannten Schleimcysten entwickeln sich auf Schleim­häuten durch die Zurückhaltung des Secretes von Schleimdrüsen. Sie kommen insbesondere in der Maulhöhle bei Hunden, Rindern und Pferden unter und neben der Zunge als sogenannte Ranula (Retentions-cyste des oralen Theiles der Glandula sublingualis), im Kehlgang und in der Umgebung des Kehlkopfes als sogenannte lioniggeschwlilsto oder Mcliceris (Retentionscystcn des aboralen Theiles der Glandula sublingualis). an der Lippenschleimhaut der Pferde, in der Nasen­höhle, am Grunde des Kehldeckels und in der Luftröhre bei Pferden und Rindern, im Scheidenvorhof bei Kühen (Retentions­cystcn der Bartholinischen Drüsen), im Mastdarm bei Pferden U, s. w. vor.
b)nbsp; Die sogenannten Atherome (Grützbreicysten, Palggeschwülste) kommen in der Haut, namentlich bei Pferden (Grund des falschen Nasenloches, innerer Augenwinkel) und Hunden (Rücken) vor und wurden früher ausschliesslich als Retentionscystcn der Talgdrüsen auf-gefasst. Nach neueren Untersuchungen sind sie jedoch zum Theil durch eine Vcrirrung von Epidermiskeimen verursacht und müssen dann zu den Dermoidcysten gerechnet werden.
c)nbsp; Die Retentionscystcn grösserer Drüsen, namentlich im Euter von Milchkühen, entstehen durch Verschluss einzelner Driisengiinge oder der Hauptausführungsgänge.
Extravasations- und Exsiidatioiiscysteu. Die nach Quetschungen entstehenden Hämatome und Lymphextravasato werden, wie dies namentlich am Hals und Rücken des Hundes häutig beobachtet werden kann, durch eine aseptische Entzündung von der Umgebung abgekapselt und bilden dann mit Serum angefüllte IlohlgesehwUlste. welche als Extravasationscysten oder Rlutcysten bezeichnet werden. Seltener entstehen IMit- und Lymphcysten durch eine allmälige Erweiterung von Blutgefässen und Lymphgefässen i Retentionscysten). In ähnlicher Weise bilden sich die Exsudationscysten nach vorausgegangener Entzündung in Schleinihäuten und Sehnenscheiden: hieher gehören
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J26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; JJennoidcjsteii. CJcnuine Cysten.
die Hygl'ome der Scbleimbeutel auf dein Ellenbogcnhöckcr (sogenannte Stollbeule) und Sprungbeinhöoker (sogenannte Piephaoke) bei Pferden und Hunden, das Hygroma proliferum der Sehnenscbeiden am Vorder­knie der Zugochsen (sogenannte Kniebeule) u. s. \v.
Doriiioidcystcn. Die mit diesem Namen bezeichneten Geschwülste
gehören zu den Teratomen. Sie sind durch eine embryonale Ver-irrung von Hautkeimen nach inneren Organen (Subcutis, Ovarien, Hoden. Gehirn) entstanden, so dass die Wand der Cyste unter Um­ständen alle Theilc der Haut, insbesondere Epidermis. Papillarkörper Haare und Federn, Talg- und Scbweissdrlisen aufweist. Hieber gehören auch die sogenannten Zahnbalgcysten, welche besonders bei Pferden und Rindern in der ()hrspeieheldrUsengegend vorkommen (sogenannte Ohrflstel) und als Kiemenfurehenteratoine, d, h. als Abkömmlinge einer Primitivzahnfalte des Maulhühlenepithels in Folge Anwesenheit embryo­naler Kiemenbogen und Kiemenfurchen aufzufassen sind. Meist tindet man am Grunde des Obres eine kleine Oeffnuno-, in deren Umsrebunst die Haare durch eine zähe, schleimige Flüssigkeit verklebt sind; beim Sondiren gelangt man in einen blind endenden Canal oder cysten-förmigen Hohlraum, an dessen Grunde ein Backenzahn sieb befindet. Im Ganzen sind etwa 100 Fälle dieser Kiemenfurcbcnteratoiue bei Pferden und Rindern registrirt worden.
Genuine Cysteil. Diese auch unter dem Namen Kystome be­kannten Cysten sind als epitheliale Neubildungen von Drüsen (Cysto-Adenome) aufzufassen (vgl. S. 124). Sie kommen z. B. in den Eierstöcken und in der Schilddrüse vor.
Therapie. Die Behandlung aller dieser Cysten besteht in der Ex-stirpation des Balges. Die einfache Punction oder Incision genügt in der Regel nicht, insbesondere nicht bei den Scbleimcysten und Atberomen. Von Wichtigkeit ist. dass der Balg ganz herausgenommen wird, damit nicht Theilc des proliferirenden Gewebes zurückbleiben. Besondere Schwierigkeiten bieten der totalen Exstirpation die Ranula, sowie manche Scbleimcysten am Halse beim Hunde. Dagegen sind die Atberome in der Regel leicht operirbar. Bei den Zahnbalgcysten wim der dem Schläfenbein mehr oder weniger fest aufsitzende Zahn mit Hammer und Meissel entfernt und die den Cystensack auskleidende Schleimhaut sorcßiltisf abjrekratzt.
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Aktinomvkom.
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D, Infcctiösc Geschwülste.
1. Das Aktinomykom.
Aetioloft'ic. Als Aktinomykom l)ezcic]iiiet mein die (lurch den Strahlenpilz oder Aktinomyces hervorgerufenen Geschwülste. Der zu den Spaltpilzen (Cladothrixurtj gehörende, von Perroncito, Rivolta. Hahn und Bellinger entdeckte Pilz bildet makroskopisch schwefel­gelbe, sandkorngrosse Körnchen, welche bei mikroskopischer Unter­suchung als Drusen mit strahlenförmiger, rosettenartiger Anordnung erscheinen, die aus keulenförmig verdickten Fäden zusammengesetzt sind. Am häufigsten finden sich Aktinomykome in der Maul- und Rachen-schleimhaut, in der Zunge, in den Kieferknochen, in der Haut und in den Ohrdrüscn. Zuweilen trit die Aktinomykose auch in gene-ralisirter Form auf. Weitaus am öftesten erkranken Rinder an Aktino­mykose, ausserdem Pferde, Schweine und Schafe. Bezüglich des Modus der infection, welche am häufigsten von der Maulschleiinhaut aus durch pilzbesetztes Futter stattfindet, sowie bezüglich der aktinomykotischen Erkrankung innerer Organe vergleiche man die Lehrbücher der speciellen Pathologie. Hier soll die Aktinomykose nur vom chirurgischen Stand­punkte aus kurz besprochen werden.
Aktinomykom der Zunge, in der Zunge tritt die Aktinomykose meist multipel und disseminirt mit starker Bindegewebsnenbildiing auf (Glossitis actinomycotica indurativa, aktinomykotische Skle­rose oder Makroglossie, sogenannte Holzzunge). Die Zunge ist stark vergrössert und defonnirt. zuweilen unförmlich angeschwollen, von sehr derber, harter (Jonsistenz. Auf der Zungenschleimhaut sieht man an der unteren und seitlichen Fläche kreisrunde, scharf um­schriebene, etwas prominirende. bräunliche Flecke, welche kleinste gelbliche Knötchen durchschimmern lassen.
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Aktinonijkom.
Ausserdem sind hirsokorn- bis erbscngrossc, derbe, fibröse rundliche Aktinmnycesknotcn in und unter der Schleimhaut sowie zwischen den Muskelfasern oft in grosser Zahl vorhanden, welche im Centrinn einen eiterigen, käsigen, kalkigen oder inörtel-äluilichen Inhalt zeigen. Die bindegewebig indurirte Zunge schneidet sich speckig, hart und selbst knirschend. Auch die Lymphdrüsen der Zunge zeigen die beschriebenen Knötchen, sowie Abscessc mit gelbem, sandartige Aktinomyceskürnchen enthaltenden Eiter, in einigen Fällen ist auch beim Pferde Zungenaktinomykose beobachtet worden (Trueisen, Gruber), Nicht selten findet man ferner aktinomvkotischo Erosionen auf dem Zungenrücken in Form von Epitheldefecten am Uebergang des Körpers in die Spitze, welche eine Primürinfection dar­stellen (Ilentschel und Falk). Auch am Zahnfleisch sowie an der Innenfläche der Lippen (Klepzow) kommen bräunliche Aktinomyces-knoteu vor; am Boden der Maulhühle nehmen die aktinomykotischen Wucherungen der Schleimhaut zuweilen das Aussehen einer Kanuln an (Hohenloitner).
Aktlnomykose der Kieferknochen. Die früher unter dem
Namen raquo;Winddornlaquo;, raquo;Spinn ventosalaquo;. raquo;Knochenwuvmlaquo;, raquo;Kiefer­geschwulstlaquo; u. s. w. bezeichnete aktinomykotische Ostitis des Unter­kiefers und Oberkiefers nimmt ihren Ausgang von flachen Granulationen am Zahnfleisch und an der Maulschleimhaut in der Umgebung der Zähne. Zunächst entsteht eine aktinomykotische Periostitis ossificans mit Osteophytbildung. Dringt das Aktinomykom auch in das Markgewebe des Knochens, so entwickelt sich eine aktinomykotische granulöse Ostitis rarefaciens (myelogenes Aktinomykom) mit Schwund des knöchernen Balkenwerks und Bildung grosser Hohlräume. Beide Pro-cesse führen zu starker Auftreibung des Unterkiefers und Oberkiefers. Nicht selten bricht das aktinomykotische Granulations­gewebe in Form einer sarkomartigen Wucherung nach dem Zahnfleische, nach der Richtung der Backenzähne, nach der Haut, sowie nach der Kiefer- und Stirnhöhle durch. Auch beim Pferde kommen epulisartige, von den Zahnalveolen ausgehende Aktinomykome vor (Möller).
Auch in anderen Knochen sind centrale. myelogene Aktinoinvkome beobachtet worden, so im Brustbein, in den Klicken wirbeln, Hals­wirbeln fspinale Drucklähmung bei einer Kuh), in den Rippen, in der Tibia.
AktillOJnykoilie der l^iclicuiiölilc. Dieselben bilden pilzähn­liche, polypöse. kurz gestielte, erbsen- bis gänseeigross e,
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Aktinoiuykomc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;129
weiche Knollen oder Knoten, welclic aus der Rachensohleinihaiit hervorwuohern und zu Schlingbeschwerden und ErstiokungsanfHllen Veranlassung geben können. Sie wurden früher als raquo;Raehenlyinpliomelaquo; oder raquo;Schlundfibromelaquo; bezeichnet. Aelinliclie Knoten findet man auf der Sohleimhatlt dos Schlundes, im Kehlkopf, in der Trachea, auf der Nasen- und Scheidenschleiinhaut, sowie auf der Sehleim­haut des Digestionsapparates.
Lymphdräsen-Aktinoiuykome. Dieselben bilden sich secundilr als inetastatische Processe im Anschluss an eine Priniaraffection der Maul-undßachenhöhle. Amhäuligsten erkranken die subparotidealen und die Kehlgangs-Lymphdrüsen in Form runder oder ovaler. walnuss- bis faustgrosser, schmerzloser, derber Knoten. Auch bei Pferden kommen derartige, hühnerei- bis gänseeigrosse Aktinomykome in den Kehlgangsdrüsen vor und geben bei einseitigem Auftreten zu Rotzverdacht Veranlassung (Baranski. Pilz, Kasmussen). Bei der mikroskopischen Untersuchung der exstirpirten Drüsen findet man massenhaft die typischen Aktinoinycesrasen. Zuweilen erkranken auch die Speicheldrüsen.
Aktinomykome der Haut nnd ünterhaut. Dieselben kommen
primär (Infection durch Hautwunden) und seeundiir (Durchbruch tieferer Herde nach aussen), namentlich am Kopf. Hals. Euter, Hodensack, in der Ellenbogen- und Schultergegend, an der Bauchwand u. s. w. vor und bilden entweder derbe Knoten von Haselnuss- bis Faustgriisse. odor pilzartige, fleischrothe, weiche G-ranulationsmassen, welche mit Eiter oder mit eingetrockneten, bräunlichen Krusten bedeckt sind. Zu­weilen zeigt die Haut in der Umgebung ausgedehnte phlegmonöse Anschwellung' und Sklerose. Nicht selten bilden sich in der Umffebunff eines älteren Herdes Tochterknoten. Bei subeutanen Aktinomykomen kommen mitunter Fistelöffnungen nach aussen vor. Vereinzelt findet man auf der Vorderfläche des Carpalgelcnkcs beim Rind derbe aktino-mykotische Wucherungen (sogenannter Kniescliwannn bei Zugochsen). Ausserdem hat man Aktinomykome in Castrationswund en bei männlichen und weiblichen Schweinen, sowie im Samenstranlaquo;'' ca-strirtcr Rinder und Pferde gefunden (liasmussen, Mazzarella). Nach Burke ist der sogenannte Madurafuss der Elepbanten durch ilautaktinonivkoso bedingt.
EuteraktinomykoSO. Dieselbe kommt am häutigsten bei Schweinen, ausserdem bei Kühen vor. Bei Schweinen findet man im
Kröhner, Allgeineinc Cliirnrgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J)
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J30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aktinomykome.
Euter zahlreiche erbscn- bis buhnengrosse. in einem festen, fibrösen Gewebe eingehigerto Knoten mit eiterigem Inhalte oder grössere Abscesse, welche zuweilen nach der Haut durchbrechen.
Beim Rinde beobachtet man höhnen- bis hülmereigrosse, weiche Eiterknoten mit fibröser Verhärtung des interstitiellen Ge­webes in einem oder mehreren Vierteln. Seltener besteht eine disse-minirte Euteraktinomykose, wobei das ganze Euter stark anschwillt, hart und höckerig wird; die .Schnittfläche zeigt in diesen Fallen zahl­lose hirsekorn- bis hanfkorngrosse gelbliche Flecke, welche kleinste Eiterherde in röthlichen Knötchen enthalten (Bang, Jensen, Ras-mussen, Johne, Kitt).
Die Aktinomykose der Muskeln entsteht secundär durch Ein­dringen von Hautaktinomykomen in die Tiefe; ein Fall von aktino-mykotisoher Erkrankung der Ellenbogen- und Schultcrinnskeln ist von Rasmussen beschrieben worden. Die in den inneren Organen (Lunge, Leber. Milz, Nieren, Gehirn, Zwerchfell, Bauchfell. Uterus u. s. w.) auftretenden Aktinomykome haben keine chirurgische Be­deutung.
Therapie. Die der Operation zugänglichen Aktinomykome werden am besten wie andere Tumoren durch Exstirpation mit dem Messer beseitigt. Bei den Zungenaktinoinykomen, sowie bei den tief gelegenen Aktinomykomen des Rachens u, s. w. empfiehlt sich die ilusserliche oder innerliehe Anwendung des Jods, welches als ein Specificum gegen die Aktinomykose bezeichnet werden darf, Aeusser-lich wird Jod in Form der Jodtinctur oder der Lugorschen Lösung in der Weise angewandt, dass die Zunge entweder mit Jod­tinctur überpinselt wird, oder dass parenehymatüse injeetionen von Lugol'scher Lösung in das Gewebe der Zunge vorgenommen werden; von Manchen wird auch das Scarificiren der Zunge und die nach­folgende Einpinselung von JodlOsungen empfohlen. Für die chirurgisch unzugänglichen Geschwülste hat sich bei innerlicher Verabreichung das Jodkalium als ein speeiiisches Heilmittel erwiesen. Nach Thomassen, der im Jahre 1885 die innerliche Jodbehandlung zuerst empfahl, er­halten die aktinomykotischen Rinder 14Tage hindurch je öry Jodkalium in einem '/., / Wasser gelöst; mit dem Beginn der Besserung wird die Dosis auf 4 bis by verringert. Schon nacht acht Tagen soll sichtliche Besserung, durchschnittlich nach 14 Tagen Heilung eintreten, wenn die Erkrankung sich auf die Zunge und die benachbarten AVeichtheile beschränkte. Zahlreiche Naobprüfongen haben die specitische Heil-
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Aktinomykome.
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Wirkung des Jodkaliums mit wenigen Ausnahmen bestätigt (Fürth-moyer. Bass, de Jong, Nocard, Ostertag, Dcslex, Reeks, Perinni, Ilavas, Soucail, Gooch, Hokenleitner, Krug, Schwäbel, Waltlier, Salmon, Bang, Jensen u. A.). Neben der innerlichen Jodkali-behandlung kann auch eine iiusserliche Jodtherapie mit Jodtinctur oder Lugol'schcr Lösung in Form von Bepinsclungen oder parenehymatösen Injectionen einhergehen. — Nicht unerwähnt mag schliesslich sein, dass zuweilen eine spontane Verkleinerung der Aktinomvkome ohne jede vorausgegangene Behandlung beobachtet wird.
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9*
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1S2
liotryoinykom.
2. Das Botryomykom.
Aetiologie. ^Ht dem Namen Botryomykom oder Myko-fibrom wird eine durch den Botryomyoespilz (Botryooooous, Mikro-coccus ascoformans, Mikrooocous botryogenus) erzeugte chronische, entzündliche Bindegewehswucherung bezeichnet. Der von Rivolta, Johne, Habe. Bollinger, Jensen, Kitt, Hell u. A. genauer unter­suchte Pilz bildet hrombeerenähnliche Klumpen rundlicher Coccenrasen. über deren Nfttur die Meinungen noch getheilt sind. Nach Hell sind die den Botryomycesrasen bildenden Ooccen nichts anderes als Kitercoccen und identisch mit dein Staphylococcus pyogenes.
Das Botryomykom ist eine besonders beim Pferd sehr häufig vorkommende' Neubildung, welche wegen ihrer (irösse und ihrer Bös­artigkeit ein ebenso grosses chirurgisches Interesse erheischt, wie die Aktinomykose des Rindes. Die Botryomykose kann ähnlich wie die Aktinomykose als eine Wundinfectionskrankheit aufgef'asst werden, indem der Botryomycespilz gewöhnlich durch kleine Wunden der Haut beziehungsweise durch Operationswunden (Castration) eindringt. Eine Generalisation kommt jedoch seltener vor als bei der Aktino­mykose. Am häufigsten Hndet man die für den Chirurgen wichtigen Botryomykome in der Haut und Unterhaut. im Samenstrang. im Euter und in den Muskeln, seltener kommen sie in den Knochen vor. Ausser beim Pferd hat man auch beim Rind und Schwein Botryo­mykome beobachtet.
Botryomykome der Haut. Dieselben kommen theils als solitärc 'rumoren, theils multipel und zuweilen über die ganze Haut verbreitet vor. namentlich in der Geschirr- und Sattel läge, am Ellenbogen, am Schweif, am Fessel, an den Lippen u. s. w. Ihre Grosse ist ver­schieden ; häufig sind sie nur erbsen- bis faustgross, nicht selten er­reichen sie aber eine ganz enorme Ausdehnung, wie keine andere Geschwulst. So findet man z. B. am Ellenbogen oder in der Buggegend Geschwülste von doppelter und dreifacher Mannskopfgrösso und darüber. Zuweilen gruppiren sich um einen grösseren Primärknoten zahlreiche kleine Knoten. Ihre Consistenz ist im Allgemeinen derb, an anderen Stellen weicher und selbst umschrieben fluetuirend; mitunter führen Fistelgänge in die Tiefe der Geschwulst. Auf dem Durchschnitte findet man sandartige Einlagerungen von Botryomycesrasen. sowie Ein-schmelzungsräume mit schlaffem Granulationsgewebe und kleinen Eiter­höhlen in einer sehnig derbc^i. sklerosirten Bindegewebswucherung.
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liotryoniykom.
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Grosso Tumoren wuchern von clor Haut in die Subcutis und die tiefer gelegenen Organe.
Botryomykose des Sanienstranges. Die meisten Fälle der so­genannten Samenstrangfistel beim Pferde sind als Fnnioulitis
botrvomycotica beziehungsweise als Botryoinykom des Sanienstranges aufzufassen. Die Infection der Castrationswunde erfolgt durch die Streu. Der Stumpf des Sanienstranges beginnt zu wuchern und bildet schlicss-iich in Verbindung mit der ebenfalls chronisch indurirten Scheidenhaut eine faust- bis mannskopfdicke, walzenförmige, derbe Ge­schwulst, welche bis zum Leistcncanal reicht, zuweilen auch fungüse Wucherungen zwischen den Wundrändern zeigt (sogenannte Cham­pignons) und häufig eine oder mehrere Fistelgängc umschliesst. welche nach unten in eine oder mehrere trichterförmig eingezogene Fistel­öffnungen ausmünden, aus denen sich eine eiterige, den l^otryomycespilz enthaltende Masse entleert. In manchen Fällen greift das Botryoinykom vom Samenstrang auch auf den Schlauch und die benachbarte Haut des Schenkels und Unterbauches über. Im exstirpirten Präparat findet man auf der speckigen, derben, sehnigen, grauweissen Durchschnitts* fläche gelbbraune, schlaffe, schleimig-eiterige Erweichungs­herde, in denen sich die gelb weissen, sandartigen Botryomyces-rasen schon mit blossem Auge erkennen lassen.
Botryomykose laquo;les Euters. Dieselbe scheint bei der Stute nicht selten zu sein (Möller, Sand, eigene Beobachtung). Das Euter zeigt hiebei Anschwellung, derbe, knotige Verhärtung, Fistcl-öffnungen sowie umschriebene Abscessbildung. In dem Eiter der Fistelgänge lassen sich die typischen Botryomycesrasen nacli-Aveiscn. Die Euterbotryomykonie sind nach meiner Erfahrung sehr bös­artige Tumoren. Einmal reeidiviren sie gerne nach erfolgter operativer Entfernung, weshalb sich bei halbseitiger Erkrankung die Amputation des ganzen Euters dringend empfiehlt. Andererseits haben sie grosso Neigung, vom Euter auf die Bauchwand und Innenfläche des Schenkels überzugehen, und sich ziemlich rasch auszudehnen, wie ich dies in einem Falle beobachten konnte, bei dem zwei Jahre vorher die halbseitige Amputation des Euters vorgenommen und die Affection scheinbar geheilt war.
Muskel-Botryomykome (Myositis botrvomycotica) kommen namentlich im Stenioeleidomastoideu.s vor und bilden daselbst eine Form der sogenannten Brustbeulc oder Bugbeule; ausserdem hat
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134nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Botryoinykum.
man sic in den ]5iiuchmuskcln. Zwischenrippcnmuskeln. Lendenmuskeln u. a, w. beobaobtet, Sehr selten scheint dagegen die Knoclienbotryoinykoso zu sein; in einem von Kitt beschriebenen Falle war eine Rippe durch ein benachbartes Botryomykom in eine schwammige, osteoporotische Masse umgewandelt. Ein von der Kiefer-höhlc ausgebendes Botryomykom beim Pferd hat Storch beschrieben: die vorwiegend aus der Schleimhaut hervorgehende Neubildung hatte in zwei Monaten die Grosse eines Kinderkopfes erreicht und eine Auftreibung und Asymmetrie der Kieferhöhlen- und Stirngegend mit einseitigem NasenausHuss und Dyspnoe verursacht.' Einen Eall von generalisirter Botryomykose bei einer Stute hat Kieck beschrieben-, den Prknftrherd bildete ein Uterusbotryomykom (Ansteckung durch den Hengst?). Die primär oder secundär (metastatisch) in der Lunge und anderen inneren Orga'nen auftretenden Botryomykome haben für die Chirurgie in der Regel keine Bedeutung; vereinzelt hat man einen Uebergang der Lungcnbotryomykome auf die Pleura parietalis und auf die Rippenwand mit Ostitis granulosa. Rarefaction und Fistelbildung in den Rippen beim Rind beobachtet. Ein mit Eistelbildung nach aussen und nach der Blase complicirtes lbhlt;j schweres Botryomykom in der Beckenhühle ist von Rabe beschrieben worden.
Thorsipie. Die Botryomykome sind genau so wie die Aktino-mykome womöglich operativ durch Exstirpation zu beseitigen. Um Recidive zu verhüten, führe man den Schnitt in einer gewissen Ent­fernung von der Geschwulst im zweifellos gesunden Gewebe. Zuweilen sind die Botryomykome so gross oder so multipel, dass sie durch eine einmalige Operation nicht entfernt werden können. In diesem Fall entfernt man sie in mehreren Sitzungen. Siedamgrotzky beseitigte z. B. bei einem Pferde die multiplen und massigen Ilautbotryomykome durch sechs Operationen im Verlaufe eines Vierteljahres.
Auch gegen die Botryomykose ist das J od als Spccificum empfohlen worden. Thomassen gibt Pferden täglich 10// .lodkalium und behandelt die Samenstrangfistel local mit Jodtinctur; nach einmonatlicher Bc-handlung sollen die Tumoren sich erheblich verkleinern. Siejrmund gibt Dosen von 12—^15fy Jodkalium dreimal pro die, so dass ein Pferd im Ganzen 800, ein anderes 1200(7 Jodkalium erhielt (!) und berichtet über guten Erfolg. Aehnlicho günstige Erfahrungen mit Jodkalium sind von Ostertag (private Mittheilung) und in der preussischen Armee bei der Behandlung der Samenstrangfistel gemacht worden.
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Tuberoulose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;135
Literatur.
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3. Die Tuberculose.
Chirurgische Bedeutung. Wahrend in der menschenärztüolion
(.'liii'iirgio der Tuberculose der Knochen, Gelenke und anderer äusserer Organe eine grosse praktische Bedeutung zukommt, ist dies bei der Tuberculose der Ilausthiere nicht der Fall. Diese Thatsacho erklärt sich zunächst aus dem Umstand, dass die Tuberculose der äusseren Organe bei den Thieren viel seltener auftritt als beim Menschen. .Sodann lassen sich manche der in der Menschenheilkunde üblichen ein­greifenden chirurgischen Behandlungsmethoden, so z. B. die Resection tuberculöser Gelenke, in der thierärztlichen Praxis nicht durchführen Endlich findet man die Tuberculose in der Hauptsache nur bei Sehlacht-thieren (Rind, Schwein), bei denen eiuestheils die localisirte äusser-licheTuberculose einen unerheblichen Mangel darstellt, während anderer­seits diejenige Form der äusseren Tuberculose, welche secundilr als Folge einer Generalisation des Leidens auftritt, unheilbar ist.
Indem bezüglich der Aetiologie und Pathogenese der Tuberculose (Tuberkelbacillus) auf die Lehrbücher der speciellen Pathologie ver­wiesen wird, sollen im Nachstehenden die wichtigsten chirurgischen Formen der Tuberculose bei den Ilausthieren kurz registrirt werden.
EutertnberCUlOSe. Dieselbe ist beim Kind meist seeundär. durch Embolien bedingt, seltener primär (Kindringen der Bacillen durch die Zitze). Anatomisch ist der Process bald als disseminirte Miliartuber-culose, bald als tuberculose Mastitis, bald als Localtuherculosc aufzu­fassen. Meist beobachtet man eine diffuse, schmerzlose, ziemlich feste, Schwellung der hinteren Euterviertel mit Anschwellung und Vergrösserung der supratnammären Lymphdrüsen. Später
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Tuberculose.
bilden sich in den geschwollenen Partien grössere oder kleinere derbe Knoten, welche sich sehr hart anfühlen. Auch die übrigen geschwollenen Euterpartien werden alhnälig brett- und selbst steinhart. Das Euter zeigt eine oft ungewöhnliche (jrosse, zuweilen greift der Process auch von den hinteren Vierteln auf die vorderen über. Die Milch ist im Gegensätze zu den gewöhnlichen Euterentzündungen im Anfang noch normal, später wird sie dünn, Wässerig, mit Flocken gemischt und häufig bacillenhaltig (Bang).
LymphdriisentlllMTCulose. Die Infection der Lymphdrüsen erfolgt theils durch die Lymphbahnen, theils vom Blute her. Die Vergrösserung und Verhärtung der tuberculös erkrankten Lymph­drüsen ist auf die Einlagerung von später verkalkenden Tuberkelknoten mit Wucherung des interfollicuütren Bindegewebes zurückzuführen. Am Kopfe sind es hauptsächlich die Kehlgangsdrttsen und die Lymph­drüsen in der Parotisgegcnd, am Halse die oberen (retropharyn-gealen), mittleren und unteren Ilalsdrüscn, an den Vorderextremi­täten die Bug-, Achsel- und Ellenbogendrüsen, an den Hinterglied­massen die Leisten-, Kniefalten- und Kniekehldrüsen, am Euter die Schamdrüsen (suprainammilrc Drüsen), an den Hanken die äusseren Darmbeindr Ilsen, welche namentlich beim Rind das Bild einer äusseren chirurgischen Tuberculose darbieten. Dagegen gehört die Tuberculose der in der Brusthöhle gelegenen bronchialen und mediastinalcn sowie der intercostalenund sternalen Lymphdrüsen, ferner die Erkrankung der in der Bauchhöhle befindlichen Qekrös-drüsen und Lumbaldrüsen. sowie der Drüsen der Leber, Milz, Nieren u. s. w. ins Gebiet der inneren Pathologie. Nur die BronchialdrUsen bedingen bei starker Vergrösserung insofern eine auch ins Gebiet der Chirurgie einschlagende Erkrankung, als sie in Folge Compression des Schlundes häufig die Erscheinungen der Schlund­stenose beim Rind (chronische Tympanitis) hervorrufen. Eine unter dem Bilde der Brustbeule verlaufende Bugdrüsentuberculose beim Pferde ist von Johne beschrieben. — Tuberculose der Schilddrüse beim Rind ist von Bruckmüllcr beobachtet worden.
Tuberculose der Haut und Unterhaut Dieselbe ist sehr häufig
bei Papageien, wo sie in der Regel primär auftritt und in der Hälfte aller Fälle nur die Haut betrifft (Eberlein). Mau findet die Tuber-culome namentlich am Schnabelwinkel, an den Augenlidern sowie überhaupt am Kopf. Sie bilden stecknadelkopf- bis hühnereigrosse,
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Tuberculose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
kugelige odor eiförmige, weiche Tumoren auf und unter der Haut, oder hauthornartige harte Gebilde in der Haut, die sich leicht ab­brechen lassen. Zuweilen lindet man auch kleinere und grössere tuberculose Geschwüre aufdor Haut, in denen sich grosso Mengen von Tuberkelbacillen nachweisen lassen. Seltener kommt dielhiuttuberculose beim Kind vor; in einzelnen Fällen hat man das Auftreten hasclnuss-bis walnuss- und faustgrosser Anschwellungen Über die ganze Körper­oberfläche beobachtet, welche später erweichten und einen käsigen, Tuberkelbacillen oinsehliessenden Inhalt zeigten (Hlittner, Langdon u. A.). Einen Fall von Tuberculose der Subcutis beim Ochsen in Form tuberculöser Lymphangitis mit unregelmassig höckerigen, faustgrossen, unter der Haut gelegenen, reihenfönnig geordneten (jcschwlilsten. Fluctuation und Durchbruch an der Aussenfläche des rechten Vorder-fusses haben Godbille und Nocard beobachtet. Bei einem Hunde fand Müller ein tuberculoses Geschwür am Halse mit Lyrnphdriisen-schwellung, bei einer Katze subeutanc Tuberkelknoten mit Schwellung der Achseldrlisen.
Tuberculose der Schleimhaut. Man findet dieselbe am häutigsten bei Rindern im Kehlkopf und in der Luftröhre in Form von Geschwüren oder aktinomykomartigen Tumoren, ferner bei Papageien auf der Maulschleimhaut und Conjunctiva in Form von Tumoren und Geschwüren. Zuweilen beobachtet man auch beim Kind eine Tuberculose der Nasenschleimhaut in Form zahlreicher stecknadel-kopf- bis erbsongrosser, Conglomerate bildender, speckiger Knötchen auf der Nasenscheidewand, welche mit NasenausHuss und Dvspnoe verbunden sind (Zimmermann, Strerath u. A.). Ein Fall von Tuber­culose der Präputialschleimhaut am Peuis eines Kindes ist von Johne und Eber beschrieben worden. Sehr häutig ist endlich die Schleiinhauttuberculose im Uterus (Endometritis caseosa tuberctllosa), seltener die der Scheide beim Kind.
Tuberculose der Knochen und Gelenke. Die Tuberculose der Knochen bildet meist eine Theilerscheinung der generalisirten Tuber­culose und kommt somit auf embolischem Wege zu Stande. Sie nimmt deshalb auch gewöhnlich ihren Ausgang vom Knochenmarke (Osteo­myelitis granulosa; Caries oentralistuberoulosa) und verläuft unter Bildung röthlichgrauer Granulationshei.'de uiul lakunärcr Fin-schmelznng ((Juries) des Knochengewebes mit centraler Caverncnbildung und VerkUsunff. Am häutigsten erkranken die Rückenwirbel.
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Tuberculüse.
Lendenwirbel, Halswirbel, das Felsenbein, das Jirustbein und die Hippen; ausserdem hat man am öiebbein. Stirnbein. Ilintcr-bauptbein, llumenis, J5ecken, Pemur, an der Tibia u. s. w. Tubcrculose bei Rindern und Schweinen festgestellt. Eigenartig ist die Tuberculose des Mittelohrs (tuberoulöse Otitis media und interna) bei Schweinen mit Durohbruob nach dem Gehirn, welche sich durch Infection von der liachenliöhle aus entwickelt (Schütz, Siedamgrotzky). Die tuberculüse Entzündung verbreitet sich durch die Tuba Eustachii zunächst auf die Paukenhöhle und erzeugt eine tuberculüse Osteo­myelitis, Periostitis und Ostitis mit Rarefaction und Nekrose des Knochens, worauf der Process auch auf die Gehirnhäute, das Kleinhirn und verlängerte Mark übergehen kann. Auch in den itusseren Gehör-gang, welcher durch einen tuberculösen Tumor alisgefüllt wird, dringt die tuberculose Aflection vor. In ähnlicher Weise kann sich von einer primären Tuberculose des Stirnbeins aus beim Rind eine seeundäre Gehirntuberculoso entwickeln (Kühnau, Moussu).
Einen Fall von Kyphose beim Stier in Folge Tuberculose der Lendenwirbel hat Hess beschrieben. Nicht selten ist die Knocben-tuberculoso beim Geflügel. Audi bei Pferden, Schafen und Ziegen sind Fälle von Tuberculose der Rückenwirbel. Rippen u. s. w. beobachtet worden (Walley, Rasmussen, Magin). — Gelenktubereulose findet man am häufigsten beim Geflügel, namentlich an den Fuss-und Flügelgelenken, ausserdem beim Schwein an den Sprung­gelenken und an der Vorderfusswurzel, seltener beim Rind im Hü ft-, Knie- und (Jarpalgelenk (Arthritis pannosa, grarmlosa und caseosa). Nocard erzeugte experimentell durch Milchfütterung tuberculüse Arthritis bei einer Katze.
Tuberculose der Musculatur. Dieselbe ist meist embolischer
Natur (generalisirte Tuberculose), im Allgemeinen jedoch nicht häutig und ohne chirurgische Bedeutung. Man findet in den Bauchmuskeln, Brust- und Schenkelinuskoln rundlich derbe, zuweilen in Reihen angeordnete miliare oder linsen- bis bohnengrosse, scharfbegrenzte, graubraune Knoten. Häutiger ist die Tuberculose der Zunge bei Papageien, welche nicht selten zu ganz erheblicher Geschwulstbiklung in der Zunge führt; seltener ist die Zungentuberculose beim Kind (Laquerriere, Gobdille u. A.).
Tuberculose des Auges. Während die Tuberculose der Lider und der Conjunctiva bei Papageien häutig ist. kommt die Augentuber-
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Tuberouloso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 139
culose beim Hind relativ selten vor. Sie verläuft unter dem Bilde einer embolischen Iris- und Chorioidealtuberculose und führt zur Zer­störung des Bulbos und zur Umwandlung desselben in eine granulirende oder käsige Masse (Edelmann, Moncet, Winter, Mathieu, Hess, Köder u. A.)- Bei einer mit Lungentubcrculose be­hafteten dreijährigen Kuh fand Köder Tuberculose des rechten Auges. Hess beobachtete bei einer an Lungentuberculose leidenden Kuh die Erscheinungen der eiterigen Conjunctivitis. Erblindung und Bulbus-atrophie zuerst auf dem linken, dann auf dem rechten Auge: die Section ergab zahlreiche weisse Punkte in der Vorderkammor, fibrinöse Iritis und hirsekorngrosse, weisse, verkäste Knoten. Winter fand bei einer geschlachteten tuberculösen Kuh das ganze Augeninnere mit einer käsigen Masse angefüllt; an der Sklera und Cornea waren linsen- bis erbsengrosse Knoten vorhanden, die sich zu Haufen conglomerirten. In einem andern von Winter beschriebenen Fall waren auf der Vorderflüche der Iris linsengrosse gelbe Knoten, sowie stecknadelkopf-grosso gelbe Herde nachzuweisen, die am unteren Rande zotten- und traubenfönnig und mit der Cornea verklebt waren. Edelmann be­schreibt eine tuberculose Neubildung im Innern des Buibus eines tuberculösen Ochsen, welche die Linse ans ihrer Lage verdrängt und den Glaskörper zum .Schwinden gebracht hatte. Sie besass die Con-sistenz eines Sarkoms und enthielt mehrere Cavernen mit schleimig-eiterigem Inhalt.
Tuberculose des Hodens. Dieselbe ist in mehreren Füllen beim Rind und Schwein in Form einer Vergrösserung des Hodens (in einem Falle wog der linke Hoden eines Schweines 10 %, der rechte V/^kg) mit Einlagerung erbsen- bis walnussgrosser Tuberkelknoten beobachtet worden (Perroncito, Lydtin, Kitt, Johne. Fambach. Grörig, Arens u. A.}. Einen Fall bei der Katze hat Jensen beschrieben. Eine giinseeigrosse, tuberculose Geschwulst am Nebenhoden beim Rind hat Hess constatirt; über Tuberculose des Samenstranges der Scheidenhaut und Samenblasen haben Meyer u. A. berichtet. Tuberculose der Prostata beim Kind und Hund haben Prauenholz und (Jadiot constatirt. Die zahlreichen Falle von Tuberculose der Eierstöcke gehören ins Gebiet der inneren Pathologie.
Tuberculose des Gehirns und Rttckenmarks. Die beim Rind
nicht seltene Gehirntubereulose verläuft zuweilen mit Lähm ungs-zuständen und Herdsymptomen, welche in differentialdiagnostischer
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Tnberculose.
Hinsicht ein gewisses Interesse für die Chirurgie darbieten (Lähmung-der Faoialis, ((oulomotorius, Optious, Troohlearis, Hemiplegie, Dreh­bewegungen, Torticollis u, s. w,), Bei der RUckcnmarktubcrculoso hat man die Erscheinungen der Kreuzliihmc und Ataxie beobachtet; tuberculüse Neubildungen im Lendenmark sind von Johne. Stcuding a, A. beschrieben worden.
Bezüglich der Behandlung' der Tuberculoso kann versuchs­weise, wie beim Menschen, die Exstirpation der tuberculüs erkrankten Theile (z, B. Castration, Ovariotomie) vorgenommen werden. Auch ein Versuch mit aseptischen Injectionen von storilisirtem .lodoformöl oder Jodoformglvcerin (10%) in tlie erkrankten Organe könnte z.B. bei Hunden gemacht werden.
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Coiicremeute und Fremdkörper.
I. Concremente.
Allgemeines. Mit dem Kamen Concremente bezeichnet man feste, steinartige Ausscheidungen salziger und organischer Bestandtheile
von Secretcn und Excrcten des Thierkörpers. Nur ein kleiner Theil dieser Concremente besitzt eine Bedeutung iur die thierärztliche Chirurgie; die Mehrzahl derselben, so namentlich die Darmsteine des Pferdes, die Haarbälle im Pansen und in der Haube der Wiederkäuer, die Gallensteine. Nierensteine, Pankrcassteine u. s. w, sind im Wesent­lichen Gegenstand der inneren Pathologie, weil sie gewöhnlich nur innere Krankheitserscheinungen bedingen und mit wenigen Ausnahmen nicht chirurgisch zu behandeln sind. Im Nachstehenden sollen kurz besprochen werden:
1.nbsp; nbsp;Die Harnsteine,
2.nbsp; die Darmsteine.
'S. die Speichelstoine. 4. die Milchsteine. 6. die Vorhautsteine,
6. die freien Körper in den Gelenken. .Sehnenscheiden u. s. w.
Uariisteiiie. Dieselben entstehen entweder in der Niere und im Nierenbecken (Nierensteine) oder in der Blase (Blasensteine) und werden hantig in der Harnrühre eingekeilt (Harnröhrensteine). Sie bilden Ausscheidungen der Harnsalze und bestehen somit aus kohlensiuirem Kalk (Carbonate), oxalsaurein Kalk (Oxalate), Harnsäure und harn­sauren Salzen (Urate), phosphorsaurer Ammoniak-Magnesia (Tripel-phosphatc), kieselsauren Salzen (Silicate) u. s. w. Veranlassung zur Bildung von Harnsteinen geben einerseits Fremdkörper, insbesondere die organischen eiweissartiaen Produote der Entzündunsc der Blasen-
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Harnsteine. lgt;annsteiiie.
und ^ierenlK'ckcnsclilc'imliaut. an welche sich die Hamsalze wie um einen Kern ankrvstallisiren. andererseits Bakterien, welche eine Zersctzun^^#9632; des Harnstoffes zu Ammoniak (ammoniakalisclio Hamgfthrung) bedingen und damit die Bildung von Tripelphosphat ennögliohen.
Beim Pferde bestehen die Harnsteine meist aus kohlensaurem Kalk mit Spuren von oxalsaurem Kalk und Eisen. Die Blasensteine bilden eiförmige oder platte, harte, gelbliche Steine von glatter oder drüsiger, maulbeerförmiger Oberfläche und von AValnuss- bis Faustgrösse und darüber; hilulig sind mehrere und selbst viele kleinere Steine in der Blase vorhanden, welche sich gegenseitig facettenartig abschleifen; daneben findet man sand- oder griosförmiges Sediment (Harnsand, Harngries). Das Gewicht der Blasensteine schwankt zwischen 10 und 1000/y. Die Ilarnröhrensteine sind ähnlich beschaffen, jedoch kleiner, von Haselnuss- bis Kastuniengrösse; ihr Gewicht beträgt durchschnittlich 10 bis 50 _(/•, sie liegen meist, in der Nähe des Sitzbcinausscbnittcs.
Beim Rinde findet man meist zahlreiche kloine. linsen- bis erbsengrosse. runde, glatte, perlenähnliche, metallisch goldgelb oder goldbraun glänzende, facettirto Blasensteine, welche sich regelmässig an der S-förmigen Krüinmung der Harnröhre bei Ochsen und Stieren einkeilen. Sie bestehen aus kohlensaurem und oxalsaurem Kalk.
Beim Hunde sind die Blasensteine und Ilarnröhrensteine meist klein, von Sandkorn- bis Erbsengrosse und oft in grosser Anzahl vor­handen; seltener trifft man grössere. haselnuss- oder kastaniengrosse solitäre Blasensteine, ihre Oberfläche ist häufig durch das Kebenein-anderliegen glatt. Würfelartig facettirt. nicht selten findet man aber auch eine rauhe, drusige, -warzige Oberfläche. Gewöhnlich sind die Ilarnröhrensteine! beim Hund in der Rinne des Ruthenknochens ein­gekeilt, so dass oft die ganze Harnröhre bis zur Blase damit ausgefüllt ist. Zuweilen beobachtet man auch eine sandartige Incrustation der Harnröhrenschleimhaut mit Harnsedimenten. Die Harnsteine des Hundes bestehen meist aus üraten, Tripelphosphaten und Oxalaten.
Die Behandlung der Harnsteine ist eine rein operative: sie besteht in der Ausführung des Blasenschnittes (Cystotomie) und Harn­röhrenschnittes (Urethrotomie).
Darmsteine. Dieselben bilden sich im Dickdarm der Pferde und
werden dadurch, dass sie sich irn Mastdarm oder am Uebergang des Grimmdarms in den letzteren einkeilen, die Ursache der sogenannten Steinkolik, Sie bestehen im Wesentlichen aus Tripelphosphat, das sich aus der phosphorsauren Magnesia des Putters (Kleie) und dem
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Speichelstciiu'. .MilchsU'iiic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 143
Ammoniak dor Stallluft zusammensetzt; häufig krystallisirt sicli die phospliorsaurc Aminoniakmagnesia um ein llafcrkorn, einen Nagel, einen Knopf, ein Sandkorn u. s. w. als Kernpunkt an. Ihre Grosse ist verschieden; die g-rössten erreichen den Umfang einer grossen Kegel­kugel und ein Gewicht bis zu 5 bis 10 Jeff, Chirurgische Bedeutung erlangen die Darmsteine dann, wenn sie sich in erreichbarer Entfernung vom Ende des Mastdarms befinden. Eine operative Beseitigung durch La])aratomie und Darmschnitt ist so gut wie aussichtslos. Eelizet will zwar auf diese Weise einen Darmstein beim Pferde mit Erfolg operirt haben; dagegen starben die von Dollar, Richards und Hall operirten Pferde.
Die Haarbälle (Bezoare, Phytobezoare, Aegagropili) in den Vor­mägen der Wiederkäuer bestehen aus verfilzten Haaren und Ptianzen-fasern, sind beim Rind apfel- bis faustgross und verstopfen bisweilen, wenn sie regurgirt werden, den Schlund, wobei sie ähnliche Zufälle bedingen, wie andere im Schlünde festgekeilte Fremdkörper (Tympa­nitis). Die Behandlung ist in diesem Falle eine operative (Schlundröhre, Schlundschnitt).
SpeicholsteillO. Man findet sie namentlich im Ductus Stenonianus bei Pflanzenfressern (Pferd, Rind, Esel). Sie bestehen in der Haupt­sache aus den Salzen des Speichels, nämlich aus kohlensaurem Kalk (80 bis 90%), neben phosphorsaurem Kalk und organischen Stoffen, haben eine kreideweisse oder weissgelbe Farbe und erreichen zuweilen eine beträchtliche GriJsse. indem sie bis gänseeigross und bis 600 ff schwer werden können. Solitäre Steine haben eine ovale, multiple, eine facettirte, würfelförmige Gestalt. Im Centrum der Steine befindet sich meist ein Fremdkörper (Haferkorn u. s. w.). Man entfernt sie durch operative Eröffnung des Speichelganges.
Der sogenannte Zahnstein an den Zähnen der Pferde und Hunde besitzt dieselbe Zusammensetzung wie die Speichelsteine; der Hauptbcstandtheil ist auch hier der kohlensaure Kalk. —• Sehr selten sind Kalkconcremente in den Mandeln.
3Iilohslt;lt;'iii('. Mit diesem Namen bezeichnet man Conoremente in der Milohoysteme oder in den Zitzen von verschiedener Gestalt, gelbweisser oder grauer Farbe und Hirsekorn- bis Bohnengrüsse und darüber, welche aus kohlensaurem Kalk ii)On/0). Casc'i'n und Fett bestehen. — Aehnliche Concremente sind die sogenannten Prostatasteine.
welche durch Sedimentirunjr des Prostataseoretes srebildet werden.
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w
ralt;?
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Fremdkörper.
Vorhautsteine. Die auch als Eichelstetne benannton Conore-
incnte finden sich im Prttputialsaok beim Pferde und Eber als ovale, glatte oder spitze, höckerige, im Wesentlichen aus eingedicktem Smegma bestehende Körper.
Freie Körper. Mit dem Namen freie Kürper (Corpora libera,
Corpora orvzoidea, reiskornähniiehe Körper, (Jhondroide, Gelenkmäuse u.s. w.) bezeichnet man organische Gebilde in Gelenken, Sehnenscheiden. Schleimbcuteln und im Luf'tsack, welche eine verschiedenartige Entstehung haben. Zum Theil sind sie als eingedickte, geronnene, verhärtete, verkalkte Entztlndungsproduote, zum Theil als abgeschnürte Neubildungen oder abgestossenc Knochen- und Knorpel-theile aufzufassen, Vergleiche das Capitel über Gelenkkrankheiten.
II. Fremdkörper.
Allgemeines. Ausseiquot; den im Thierkörper selbst sich bildenden Fremdkörpern, den Concrementen, kommen in zahlreichen Körper-thcilen häutig die allerverschiedensten, von aussen eingedrungenen Fremdkörper vor. Zum Theil haben sie grössere Bedeutung für die innere Medicin als für die Chirurgie; dies gilt namentlich für die in den Vormagen der Wiederkäuer befindlichen Fremdkörper (traumatische Magen - Zwerchfell - Herzentzündung). In vielen Fällen bilden sie jedoch den Gegenstand für chirurgisches Eingreifen. Hieher gehören insbesondere die Fremdkörper der Maulhöhle, des Schlundkopfes, Schlundes, Magens, Darmes, der Nasenhöhle, des Lidsackes, der Haut, üntorhaut, Muskel, des Hufes u. s. \v.
Fremdkörper in der Maulhöhle. Man beobachtet'sie am häutig­sten bei Hunden. Katzen und Rindern, wo sie die Erscheinungen der Stomatitis. Speicheln, Kaubeschwerden, bei Hunden unter Umständen sogar wuthähnliche Symptome hervorrufen. Bei den genannten Thieren sollte beim Vorhandensein obiger Symptome eine genaue Untersuchung der Maulhöhle niemals unterlassen werden. Zwischen den Zähnen, in und unter der Zunge, am Gaumen, in der Backenschleimhaut, in den Ausführungsgängen der Speicheldrüsen u. s. w. findet man eingekeilte Knochonstücke. Ilol/.stücke. Nadeln, Grannen. Strohhalme und andere spitze Gegenstände. Zuweilen ist die Zunge bei Hunden und Katzen sowie beim GefiUgel ringförmig eingeschnürt durch herum-
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Fremdkörper.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;145
geschlungene Bindfaden und Haare sowie üljergestlilpte Luftrohren­ringe, Aortenquerschnitte, Kautschukringe, Eisenringe etc. Auf der Zunge des Rindes hat man sogar grlinende Rasen, eingespiesste, ausgekeimte Gerstenkörner mit langen Wurzeln heohachtet. In den Ausflilirnngsgilngen der Speicheldrüsen hat man Haferkörner, Korn­ähren, Grannen und Strohpartikel gefunden. Diese Fremdkörper treten von der Maulhöhle aus zuweilen eigenartige Wanderungen an. So hat man in der Schädelhöhlo beim Pferd und Schwein Nadeln und Gras-ilhren, in der Eustachischen Röhre beim Hund ein Metallstück, in der Augenhöldcngrube und Schläfengrubo beim Pferd Strohhalme und Getreideuhren angetroffen.
Fremdkörper im Sohlundkopf und Schlund. Dieselben sind
besonders hiiutig bei Hunden und Bindern und veranlassen die Er­scheinungen der Pharyngitis, Schlingbeschwerden, Selilundstenose und selbst Schlundperforation. Die wichtigsten Fremdkörper sind: Knochen, Fleischstllcke, Fischgräten, Speckschwarten, Fettklumpen, .Sehnenstücke, Kartoffeln, Rüben, Aepfel.Rirnen. Leinkuchen­stücke, Futterballen, Eier, Sauerkohl, Pflaumenkorne, Holz-stücke, Nadeln, Pillen, Zähne, Gabeln, Messer, Löffel, Münzen, Tuchstücke, Haarbälle, abgebrochene Peitschenstöcke und Schlundrühren, Wergknäuel, Nachgeburtsrestc u. s. w. Ihre Entfernung bietet oft grosse Schwierigkeit dar. Die Behandlung besteht in der Verabreichung von Brechmitteln (Apomorphin, Veratrin), speichel­treibenden Mitteln (Arecolin, Piloearpiu), in der Anwendung der Selilund-röhre, in der Ausführung des Schlundschnittcs u. s. w. Unheilbar sind diejenigen Fidle, in welchen der Fremdkörper die Brustportiou des Schlundes perforirt hat (Pleuritis); in vereinzelten Fällen verursachten derartige Fremdkörper eine Verletzung der vorderen und hinteren Aorta mit innerer Verblutung beziehungsweise mit Bildung eines Aorten-aneurysmas. — Im Luftsack der Pferde werden als Fremdkörper ausser den kastanien- bis hühnercigrossen Obondroidcn nekrotisehe Knochen-stücke (Zungenbein) sowie Futterstoffe angetroffen, weiche zuweilen den Luftsack ganz ausfüllen.
Fremdkörper im Magen und Dann. In den Vormägen der
Wiederkäuer, namentlich Inder Haube des Rindes, kommen die alier-verschiedensten, stumpfen und spitzen, Fremdkörper vor, von welchen die letzteren in Folge Durchbohrung der Magenwandung, des Zwerch­fells, Herzbeutels^ Herzens u. s. w. eine eigenthümliche, durch chroni­sche Verdauungsstörungen! und schwere Herzsymptome charakterisirte
Frühner, Allgemeine Gbirurgic,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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Fremdkiirpor.
Erkrankung- hervorrufen (traumatische Gastritis und Carditis). Nicht selten gelangen die Fremdkörper auf ihrer Wanderung unter Bildung von Phlegmonen, Absoessen und Fisteln in der Brust- und Bauch­gegend durch die Haut nach aussen. Die häufigsten spitzen Fremd­körper sind: Kilg'el, Stecknadeln. Haarnadeln. Stopfnadeln, Stricknadeln,Nähnadeln, Schustornadeln, Drahtstüoke, spitze Eisen- und Bleohstüoke, Schrauben, Messer, Scheren, Gabeln, Glassplitter, Holzsplitter. Steinsplitter, spitze, kantige Kiesel­steine, spitze Bleistttoke, Dornenstücke, Rebenzweige, eiserne Schirmstäbe, abgebrochene Sohirrastöcke u. s. w. Von stumpfen
Fremdkörpern sind zu nennen: Steine, Backsteinstücke. Kies, Sand, Steinkohle. Holzstücke, Korke, Kohlstrünke, Aepfel. Birnen, Haarballen, Kugeln, Löffel, Geldstücke, Lederzeug, Schuh­sohlen, Tuchlappcn, Kleidungsstücke, Schlipse, Stricke, Kiemen. Knöpfe. Frösche, Kröten. Ringelnattern, Kreuzottern, Giftpflanzen u. s. w. Eine chirurgische Behandlung dieser Fremd­körper könnte nur in der von mehreren Seiten empfohlenen Lapara-tomie und Gastrotomie (Pansenschnitt) bestehen.
Die beim Hunde im Magen und Darm vorkommenden Fremd­körper (Kugeln, Münzen, Steine, Korke, Haarballen u. s. w.) lassen sich zuweilen durch Brechmittel und Abführmittel entfernen. Andern­falls muss bei gefahrdrohenden Symptomen die operative Beseitigung mittelst Laparatomie vorgenommen werden. Die Prognose des Darm­schnittes beim Hunde ist nicht ungünstig; derselbe ist mit Erlbig von Siedamgrotzky, Fröhner, Degive, Plösz, Krause u. A. vorge­nommen worden. Zuweilen gehen die Fremdkörper beim Hunde, ebenso beim Pferde von selbst ab (Champagnerkork beim Hunde, Kinnkette beim Pferde). Nicht selten können ferner Fremdkörper, namentlich Münzen, im Magen des Hundes lange Zeit hindurch, selbst Jahre lang, ohne Schaden verweilen; ein Fünffranksstück lag ohne Schaden bei einem Hunde 12 Jahre lang im Magen, ein Kreisel ein Jahr lang (Nichoux, (Jadiot). — Im Mastdarm bei Hunden und Katzen findet man ausser den oben genannten Fremdkörpern und harten Kothcon-erementen zuweilen Angelhaken, Kornähren und andere von aussen eingeführte Gegenstände. In der Harnröhre hat man Kornähren und abgebrochene KatheterstUcke, um den Penis bei Hunden künstliche Ligaturen (Bänder etc.) beobachtet.
Fremdkörper im Respirationsapparat In der Nasenhöhle
und Oberkieferhohle des Pferdes hat man ausser Futterstoffen
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Fremdkörper.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;147
Knoclienstticke, Schwämme, Strohwische, Bandst-Ucke u. s. w., im Kehl­kopf und in der Luftröhre Knorpelstücke, Theile des Tracheotubus, aspirirto Steine u. B. w. gefunden.
Fremdkörper im Auge und Ohr. Die im Lid sack, namentlich
unter dem dritten Augenlid, eingedrungenen Fremdkörper (Kornähren, Grannen, Holzstüoke etc.) erzeugen eine einseitige, eiterige, chronische Conjunctivitis. Beim Vorhandensein einer derartigen einseitigen Blen-norrhoe sollte niemals die genaue Untersuchung des ganzen Lidsackes auf das Vorhandensein eines Fremdkörpers unterlassen werden. Die Behandlung beslteht in der Entfernung unter eventueller Anwendung von Coca'm. — Fremdkörper im Jlusseren Gehörgang sind nament­lich Parasiten, so die Vogelmilbc beim Rind, Riludemilben beim Ka­ninchen.
Fremdkörper im Huf. Am häutigsten sind Nilgel und Glas­scherben; die gewöhnliche Stelle ist die seitliche oder mittlere Strahl-furchc. Bei Hunden und Katzen dringen zuweilen Nadeln in die Sohlenballcn.
Fremdkörper in der Haut, Unterhaut, in Muskeln, Knochen, inneren Organen etc. Dringen Kugeln, Nadeln, Holzsplitter und andere fremde Gegenstände durch die Haut in den Körper ein. so erzeugen sie entweder, wenn sie durch Schmutz, Staub und andere bakterienhaltige Auflagerungen verunreinigt sind, eiterige und sep­tische Entzündungen (Phlegmonen, Abscesse). oder sie heilen, wenn sie aseptisch waren, reactionslos beziehungsweise ohne Eiterung ein. Letzteres ist namentlich der Fall bei Schrotkörnern und Flintenkugeln, welche abgekapselt werden und dann ohne Schaden im Körper belassen werden können. Weiche, aus thierischem Gewebe bestehende Fremd­körper werden sogar unter Phagocytose und Verflüssigung resorbirt (Catgut, in die Bauchhöhle von Versuchsthieren transplantirte Leber-, Lungen-, Nierenstücke).
Von sonstigen Fremdkörpern kann noch erwähnt werden der Eintritt von Luft in die Venen und das Herz, sowie das Herunter­gleiten von Äderlassinstrumenten durch die Venenwunden in das Herz (Trichter, Lanccttenklinge). Eigenthümlicher Weise ist der Herzmuskel gegen Verletzungen durch Fremdkörper relativ wenig empfindlich, wie die wochen- und monatelang fortgesetzte Function derselben trotz schwerer chronischer Veränderungen bei der traumatischen Carditis des Kindes beweist.
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l'urasiton.
Pamsiton. Von chirurgischor Bedeutung sind die naehstelionden Parnsiten, woloho als belebte Ft'diudkörper nufgcfasst worden können:
1.nbsp; nbsp;Coenurus cerobralis (Drebwnrm) erzeugt bei Schafen und Rindern im Gehirn aussei- Zwangsbewegungen zuweilen Herdsymptome (Amaurosis), im Rüekenmark die Ersehoinungen der KreuzUihmo. Die Behandlung des Geliira-blasenwurms ist eine operative (Trepanation, Punotion).
2.nbsp; nbsp;Oestrus ovis (Scbafbremse) bedingt boim Schaf die Symptome eines clironischen Niisen-, Stirn- und Kiefcrhöhlenkatarrbs (Oestruslarvenkrankheitj.
3.nbsp; nbsp;l'entastomum taenioides (Linguatula taenioides) parasitirt in der NasenhOhle bei Hunden und bedingt die Erscheinungen einer schweren, hiimor-rliagisch-oitorigon llbinitis.
4.nbsp; nbsp;Hypoderma bo vis (Dasselfliege) erzeugt b(!im Kind durch ihre Larven beulenartige bis walnnssgrosso Hautgeschwülste (Dasselbeulen), welche als sub-ontane Absccsso aufzufassen sind und durch eine kleine Oetfnung mit der Haut-Oberfläche communieiren, durch welche die Larve später auswandert. ])ie Be­handlung besteht im Spalten der Abscesse. Von anderen Hautparasiten haben chirurgische Bedeutung gewisse Nematoden, welche erbsongrossc Knötchen in dor Haut verursachen; sogenannte Dermatitis granulosa erzeugt durch Dermo-filaria irritans.
6.nbsp; Kilaria paplllosa parasitirt in der vorderen Augenkammer bei Pferden und ruft daselbst eine schwere Entzündung der Iris und Cornea hervor. Sie ist operativ durch Incision der Hornhaut zu beseitigen (Vandeveldo, Monats­hefte für prakt. Thierheilk. 1895). Ausserdom kommt sie vor bei Eydrocele, Ascites und beim Kryptorchismus der Pferde.
ü. Filaria lacrymalis kommt als harmloser Parasit in den Ausführungs-gängon der Thränendrüse vor, seheint aber im Lidsack zuweilen Conjunctivitis zu voranlassen.
7.nbsp; nbsp;Filaria cincinnata ist die Ursache von Sehnenentzündungen im Fesselbeinbeuger bei russischen Pferden; in einem Falle ist sie auch in der Snbontls beim Pferde angotroffon worden (Bassi).
!#9632;gt;. Filaria medinonsis kommt wie beim Mensehen so auch bei Pferden und Hunden im subeutanon Bindegewebe vor (Afrika, Indien, Brasilien).
i). Cysticorcus cellulosac (Finne) kommt vereinzelt im Auge der Schweine vor.
10.nbsp; nbsp;Splroptera sanguinolenta erzeugt Cysten In der Schlundwand mit nachfolgender Sohlnndstenose bei Hunden In Java.
11.nbsp; nbsp;Strongylus armatns ist In der verdickten Nasenschleimhaut beim Pferd gefunden worden (Lammers).
12. Sarkosporidien (Psorospormien, Miescher'sche Schläuche) erzeugen boim Pferd die Erscheinungen der Myositis; vgl. das Capitel über Krankheiten der Muskel.
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Literatur.
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Hernieu und Yorfillle.
I. Hernien. Eingeweidebrüche.
Begriff. Unter einem Bruch (II er nie) versteht man das Aus­treten von Eingewoidcn aus Körperliöhlen bei gleichzeitig unverletzter Haut und Schleimhaut. LagevorJinderungen der Ein­geweide, hei welchen die bedeckende Haut oder Schleimhaut Trennungen aufweisen, so dass die Eingeweide frei an der Luft zu Tage liegen, nennt man Vorfälle (Pro laps us).
Während man im weiteren Sinne von Hernien nicht nur der Baucheingeweide, sondern auch von Lungen-, Gehirn- und Muskel-hernien spricht, werden als Hernien im engeren Sinne nur die Lage-veriinderungen der Baucheingeweide bezeichnet. Je nach ihrem Sitze haben sie verschiedene Namen erhalten: Kahelbrüohe, Leisten­bruche, Hodensackbrliche. Bauchbrüche, Flankenbriiche, Schenkelbrüche, M i 11 e 1 f 1 e i s c h b r li c h e, M a s t d a r m b r ii c h e, Scheidenbrllche, Zwerchfellbruche und andere innere Brüche.
An jedem Bruch unterscheidet man; 1. die Bruchpforte (Bruchöffnung), d. h. die Oeffnung in der Bauchwand, durch welche die Eingeweide nach aussen treten; 2. den Bruchsack, d. h. das sack­förmig ausgestülpte Bauchfell beziehungsweise die bedeckende Haut oder Schleimhaut; 3. den Bruchinhalt (Darm, Netz, Blase, Magen, Leber u. s. w.). Die Ränder der Bruchpforte werden Bruchring benannt. Am Bruchsack unterscheidet man die Mündung, den Hals, den Körper und den Grund. Je nach dem Bruchinhalt spricht man von Entero-cele (Darmbruch), Epiplocele (Netzbruch), Gastrocele (Magen-brueh), Darmnetzbruch, Blasenbruch, Uterusbruch, Leber­bruch, Eierstockbruch u. s. w. Häufig ist im Bruchsack ausseiquot; dem eigentlichen Bruchinhalt etwas seröse Flüssigkeit, das Bruch-wasser, enthalten.
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Eingoweidebri'icho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;151
Bezüglich der Bevvcgliclikeit des Bruchinhaltes gibt es reponible (freie, bewegliche), d. h. durch die Bruchpforte in die Bauchhöhle zu-riickschiebbare, und irreponible (unbewegliche), d. h. nicht zurüok-schiebbare Brüche. Die Unbeweglichkcit wird entweder durch eine Verwachsung des Bruchinhaltes mit dem Bruchsack bedingt, welche z. B. ziemlich häufig bei Netzbrüchen vorkommt, oder sie hat ihre Ursache in einer Incarceration (Einklemmung, Einschnürung) der Vorgelagerten Eingeweide, wie dies namentlich bei Darmbrüchen beob­achtet wird.
Mit Rücksicht auf die Entstehung der Ilernien unterscheidet man endlich angeborene und erworbene (traumatische) Brüche.
Erscheinungen. 1. Der reponirbare, freie Bruch ist gekenn­zeichnet durch eine grössere oder kleinere Bruchgescli willst, welche meist schon durch ihren Sitz in der Nabelgegend, Leistengegend u. s. w. als Hernie charakterisirt ist. Die Geschwulst ist schmerzlos, nicht höher teinperirt, von eigenartig weicher Consistenz; die Haut lässt sich dar­über verschieben, zuweilen kann man auch in der Tiefe deutlich Darm­schlingen oder Netztheile fühlen. Die Percussion ergibt mitunter einen tympanitischen Hchall (Luftgchalt der Darmschlingen); bei der Aus­cultation kann man bisweilen kollernde oder glucksende pcristaltische Geräusche hören. Bei Druck verkleinert sich die Bruchgo-schwulst und lässt sich schliesslich vollständig in die Bauch­höhle zurückbringen. Palpirt man endlich die Bauchdecken, so findet man die erbsen- bis kopfgrosse Bruchpforte als rundes, ovales Loch oder schlitzförmigen Spalt in denselben und fühlt bei älteren Brüchen den freien Rand des derben, sehnigen Bruchringes. In seltenen Fällen rindet man beim Rinde den peritonealen Bruchsack verknöchert.
2. Der incarcerirte Bruch gibt sich besonders bei Pferden zunächst durch Kolik zu erkennen (eingeklemmte Leistenbrüche bei Hengsten); bei Hunden und Schweinen beobachtet man ferner Er­brechen und selbst Kothbrechen, sowie bei allen Thieren Ver­stopfung. Bei der Localuntorsuchung rindet man eine entzündliche Anschwellung am Bruchsacke: Versuche, den Bruchinhalt zu iv-poniren, misslingen.
HeliaiHllimg. Alan hat zu unterscheiden zwischen der Behandlung reponibler und eingeklemmter Brüche: die reponiblen können ferner entweder nur provisorisch (Palliativour) oder definitiv (Rad ical-cur) behandelt werden.
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152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kingeweiclelirüche.
1, Die Palliativcur der nicht incarcorirten Hernien bestellt in der Anlegung eines Bruchbandes, das sich namentlich für Hunde, Fohlen und Mutterstuten bei Nabelbrüchen und Bauchbrüchen eignet. Durch das Bruchband werden die vorgefallenen Eingeweide in die Bauchhöhle zurückgedrängt, wobei eine allmälige Verkleinerung der Bruohpforte eintritt. Bei jungen Thieren, insbesondere bei Fohlen und Hunden, heilen übrigens Nabelbrüche zuweilen ganz von selbst dadurch, dass die mit der Zeit grosser werdenden Gedärme die Bruohpforte nicht mehr passiren können. Diese Beobachtung ist insofern sehr wichtig, weil sie lehrt, dass bei jungen Thieren mit der Vornahme der Radicaloperation einige Zeit abgewartet werden soll.
Eine palliative Wirkung in Form von Zurliekdrilngen des Bruch­inhaltes und Verkleinerung des Bruchsackes soll ferner die künst­liche Erzeugung von Entzündung und Narbenbildung in der Umgebung des Bruehsackes ausüben. In dieser Richtung hat man scharfe Einreibungen und Brennen der Haut des Bruchsackea, das Einpinseln von .Schwefelsäure, Salpetersäure, Chrom säure, sowie subcutanc Injectionen von Alkohol, Kochsalz und anderen reizenden Stoffen empfohlen. Ueber die Zweckinässigkeit dieses Ver­fahrens lüsst sich streiten. Jedenfalls ist dasselbe nicht ungefährlich. Man hat nach der Anwendung von Säuren brandiges Absterben der Haut mit Darmvorfall, nach den subcutancn Injectionen schwere Phleji'inonen und selbst tödtliehe Peritonitis beobachtet.
2.Dielladicalcur der reponiblen Hernien besteht entweder im Ab­binden, Abkl up pen und Abnähen des Bruchsackes oder im blutigen Eröffnen des Bruchringes und Vernähen desselben mit nachfolgender Exstirpation des Bruehsackes (Herniotomie). Die Vortheile des ersteren, unblutigen Verfahrens bestehen darin, dass die Bauchhöhle hiebei nicht eröffnet, sondern nur der Bruchsack abgebunden, abgekkippt oder ab­genäht wird, wodurch die Gefahr einer Bauchfellentzündung, die bei der Herniotomie immer vorhanden ist, umgangen wird. Ausserdcm ist das Abbinden, Abklappen und Abnähen in der Praxis einfacher und leichter ausfuhrbar als die Herniotomie. welche namentlich beim Pferde wegen der dabei nothwendigen peinlichsten Antisepsis und Asepsis und einer tiefen (Jhloroformnarkose ziemlich umständlich ist. Dem gegenüber aber muss die Herniotomie als die sicherste und eigentlich einzige wirklich radicale Behandlungsmethode der Brüche bezeichnet werden, weil sie nicht blos den Bruchsack, sondern auch die Bruchpforte be­seitigt. Die Erfahrung hat gelehrt, dass beim blossen Abnähen, Ab­binden oder Abkluppen des Bruchsackes durch die offen bleibende
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Eilige weidobrücho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;153
Bruohpforte spater zuweilen wieder Eingeweide vordringen, und sich alltnälig wieder ein neuer Bruclisack bildet.
3. Die Behandlung der incarcerirten Hernien bezweckt zunilchst das Zurückbringen der eingeklemmten Eingeweide (Taxis) durch manuelle Eepositionsversuche, Rückenlage, combinirtes Vorgehen von aussei) und vom Mastdarm aus, Verbringen der Hinterschenkel in besondere Stellungen behufs Erweiterung des Leistenringes, tiefes Chloroformiren der Thiere u. s. w. Gelingt die Reposition durch diese Mittel nicht, so muss die zu enge Bruohpforte durch den Eruchschnitt (Herniotomio) erweitert werden, worauf die Taxis zu erfolgen hat. Dem Zurückbringen der eingeklemmten Eingeweide in die Bauchhöhle hat eine sorgfültige Desinfection sowie die eventuelle Resection nekro-tischer Theile (Darmnaht) voranzugehen. Bei Hengsten muss der Herniotomie incarcerirter Leistenbrüche die Castration mit bedeckter Scheidenhaut durch Kluppen folgen.
Die wichtigsten Hernien bei den Jfaustliieren. Uober dio Hiiuiigkeit des Vorkommens der einzelnen Hernien hol den Jlsuisthieron fehlen gonnuero statistische Erhebungen. Nur im Allgemeinen kann gesagt werden, dass Bt'tlche am hSuligsten vorkommen bei Hunden, Schweinen, Pferden und Kindern, und zwar Nabellmicho am häuiigsten bei Hunden und Pferden, Leistenbrüche bei l'ferden und Schweinen, Uauohbrüche bei Kindern und Pferden. Im Vergleich zu den anderen chirurgischen Krankheiten sind übrigefis Brüche selten. Ich habe beispielsweise unter 70.000 kranken Hunden nur 158 Fälle von Hernien (= Q'20/o lt;iquot;er Fülle) beobachtet. Dio wichtigsten Hernien sind die nachstohendon:
1,nbsp; Der Nabelbruch (Hernia umbilicalis) kommt namentlich bei jugendlichen Thieren angeboren beziehungsweise unmittelbar nach der Geburt entstanden vor; angeblieh soll derselbe auch erblich übertragbar sein (Beobachtungen in Gestüten). Die Bruohpforte wird durch den Nabolring gebildet, Da der Kruchinhalt meist aus dicken Gedärmen (Colon, Coecum) besteht, kann sich mit dem grösscren Volum derselben beim Wachsen der Thiere der Bruch allmälig von selbst zurüek-bilden; man warte also bei kleineren Nabelbrttoben mit der operativen Behandlung. Im Uebrigen sind die Nabelbrüche liiiulig ganz unerhebliche Mängel, auch haben sie im Allgemeinen wenig Neigung zur Incarceration. Soll eine Kadical-behandhing eingeleitet werden, so empfiehlt sich am meisten die Herniotomie.
2.nbsp; nbsp;Der Loistonbruch (Hernia inguinalis) ist ebenfalls meist angeboren und angeblich vererblich (abnorme Grosso des Leistenringes). Bei der eigenartigen Lage des Leistencanals sind Kinklemmungen bei Leistenbrüchen ziemlich häufig; derselbe gehört daher zu den gefährlichen Hernien. Gelangen die Eingeweide durch den Leisteneaiml herunter bis in den Hodcnsack, so spricht man von Hodonsackbruch. Die Kadicaloperation incarcerirter Leistenbrüche bei Hengsten besteht in der blutigen Erweiterung des Leistenringes (Herniotomie), Anlegen
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Vorfälle.
cinoi' Kluppe auf die gemoinscbaftlieho Sehoitlenhaut und den Samenstiang (Castration mit bedeckter Sehoidenliaut), melirnialigem Drehon der Kluppe mit dem Samonstrang um dessen A.chse (trieliterfürmigo Einschnürung der Scheidcn-liaut), Befestigen der Kluppe an der Haut (Annähen) und möglichst langem Liegenlassen (Verwachsung zwischen Samenstrang und Scheidenhaut).
ii. Der Hauchbruch (Hernia ventralis) entsteht auf traumatischem Wege nach Zorreissung der Hauchwandung durch Hornstösse, Eindringen der Doichsol U. s. w., wobei die Haut in Folge ihrer Elasticität intact geblieben ist. Je mieh dem Auftreten dor Hauchbrüche an den einzelnen Gegenden der Bauchwand spricht man von Plankenbrüchen, Brüchen der weissen Linie etc. Die Banchbrüche sind häufig sehr umfangreich und dann unheilbar. Bei frischen Bauchbrücben hüte man sich vor einer Verwechslung mit Hämatomen und Abscesson.
4 Der innere Bruch des Ochsen (Uebenvurf, Verschnüren) entsteht zuweilen in borgigen Gegenden im Anschlüsse an gewisse Castrationsmethoden (Ausreissen des Samonstranges) dadurch, dass sich Darmsehlingen in einen Riss der Bauchfell falte des Samenstrangos einklemmen, oder dass der zurückschnellende Samonstrang sich um eine Darmschlinge herumwickelt. Die Krankheit verläuft unter dem Bilde der Kolik und Verstopfung. Die Behandlung besteht in der Vornahme der Laparatomie oder in der Keposition der eingeschnürten Darmscblinge vom Mastdarm aus.
Weniger praktische Bedeutung besitzen der Schenkelbruch (Hernia cruralis), bei welchem die Eingeweide durch den Schenkelcanal, und der Mittel­fleischbruch (llornia perinealis)^ bei dem sie durch die Excavatio reoto-vesicalis beziehungsweise recto-uterina nach hinten in die l'erinealgegend verlagert sind. Keine chirurgische Bedeutung besitzt der Zwerehfellbrucb (Hernia diaphrag-matica).
II. Vorfälle. Prolapsus.
Begriff. Als Vorfall (Prolaps) bezeichnet man das freie Heraustreten, von Eingeweiden durch natürliche oder künst­liche Körperöffnungen ohne Bedeckung durch die ftussere Haut oder Schleimhaut. Die Ursachen sind in der Regel traumatischer Natur; so veranlassen Zerreissungon der Bauchwand den Vorfall von Ge-dilrmen und anderen Baucheingeweiden, starke Anstrengung der Buuch-presse Mastdarmvorfall, Dehnung und Erschlaffung der Mutterbänder Scheiden- und Uterusvorfall, penetrirende Brustwunden Vorfall der Lunge, schwere Schädelwunden Vorfall des Gehirns, Bisswunden am Auge Vorfall des Bulbus, Zerreissung der Scheidenwand Vorfall der Blase. Lähmanc des Penis und der Zun^e Vorfall dieser Organe u. s. w.
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Vorfälle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
Nicht zu verwechseln mit dem Vorfall ist die Umstlllpung (Inversion) eines Hohlorganes (Blase, Uterus) sowie die Einstülpung (Invagination) des Darm- oder Scheidenrohrcs in sich selbst. Während man unter Prolapsus vesicae den Vorfall der Blase durch die zerrissene Scheidenwand in die Scheide oder durch die Scham nach aussen ver­steht, bildet die Inversio vesicae die Umstülpung der Blase durch die Harnröhre nach aussen. In der Thierheilkunde sind die Begriffe Pro­lapsus, Inversion und Invagination nicht immer scharf von einander getrennt worden.
Der sogenannte Mastdarmvorfall ist häufig ein Prolapsus recti cum invaginatione, der sogenannte Gebärmutter- und Scheidenvorfall ein Inversio uteri beziehungsweise vaginae.
Erscheinungen. Die Symptome des Prolapsus sind je nach dem vorgefallenen Organ naturgemäss sehr verschieden.
1.nbsp; nbsp;Der Darmvorfall besteht in dem Heraustreten von Theilen des Dünndarms, Grimmdarms und selbst Blinddarms durch penetrirende Buuchwunden, oder nach der Castration durch den Leistencanal, oder nach der Herniotomie durch die Bruchpforte. Er bildet immer ein sehr gefährliches Ereignis. Vor seiner Reposition ist die gründlichste Des-infection der vorgefallenen Darmtheile, nach der Taxis sorgfältiges Vernähen nothwendig.
2.nbsp; Der Netzvorfall ereignet sich am häufigsten nach dem Castriren sowie bei perforirenden Bauchwunden. Er ist viel weniger gefährlich als der Darmvorfall. Die Behandlung besteht in grilndlicher Desinfection, Unterbindung, Zurückschieben des Stumpfes und Vernähen der Wunde.
3.nbsp; nbsp;Der Mastdarmvorfall ist theils ein Prolapsus ani, theils ein Prolapsus recti cum invaginatione. Er entsteht nach starkem Drängen auf die Bauchpresse, anhaltenden Durchfällen, rohem Exploriren etc. Am häufigsten wird er bei Hunden, Katzen und Schweinen, seltener bei Pferden beobachtet. Die Prognose ist vorsichtig zu stellen, da die Reposition trotz Anlegung von Nähten häutig keine dauernde ist, so dass selbst die Amputation der vorgefallenen Theile vorgenommen werden muss.
4.nbsp; Der Utcrusvorfall besteht in einer namentlich beim Rinde nach rohen Hilfeleistungen bei der Geburt sowie nach anhaltendem Drängen auftretenden Inversion. Die Reposition und namentlich die Retention ist zuweilen schwierig, so dass selbst die Amputation vor­genommen werden muss.
10laquo;
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Vurfiille.
5.nbsp; nbsp;Der rielicid en Vorfall kommt beim Rind als Inversion eines Tlieiles der Scheide, seltener als Invagination der ganzen Scheide, in Folge traumatischer Einflüsse nach Geburten sowie aus Anlass einer Verlagerung des Uterus nach hinten mit gleichzeitiger Erschlaffung der Mutterbtader als sogenannter habitueller Vorfall bei hochtrUchtigen Kühen mit tiefer Lagerung des Ilintertheils vor.
6.nbsp; Der Vorfall des Penis wird nach Lilhmungszuständen sowie bei Paraphimose beobachtet.
7.nbsp; Der Vorfall dor Zunge ist entweder die Folge einer Muskel-zerreissung oder einer Liihmung (nicht zu verwechseln mit dem Ge­wohnheitsfehler des Zungenstreckens).
8.nbsp; Der Vorfall des Bulbus kommt am häufigsten bei Hunden (Möpsen) nach Bisswunden vor; die Behandlung besteht in Reposition oder Amputation.
Weniger praktische Bedeutung hat die Inversion und der Prolaps der Blase, der Prolapsus Iridis, der Vorfall der hinteren Cornea-membran durch ein Hornhautgeschwür (Keratocele), die Ausbuchtung aller drei Hornhautschiehten nach vorne (Keratokonus), u. s. w. Von den inneren Lageverilnderungen der Eingeweide haben chirurgische Bedeutung die Torsio uteri beim Rind und die Achsendrehung der linken Colonlage beim Pferde.
Literatur.
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Krankheiten der Knochen.
I. Knochenbrüche. Fracturen.
Anatomische nud physiologische Vorlu'iiu'i'kimgen. Von den drei Be-standthellen des normalen Knochens, dem Peviost, dor eigentliohen Knochen-äubstanz(Tela ossea) und dorn Knochenmark, hat für dio ohirurgisoben Erkrankungen dor Knochen, insbesondere für die Frueturon, die grösste Bedeutung das Pcriost. Das Knochenmark kommt, soweit es sich um die rein tbieväl'ztliobe Chirurgie handelt, erst in zweiter Linie in Betracht, Die Tola ossoa spielt bei den Knochen-krankheiten eine mehr untergeordnete Bolle.
Für das Vorständniss der lleilungsvorgänge, sowie verschiedener patho­logischer Processo am Knochen ist die Konntniss der physiologischen Entwicklung des Knochens, des normalen Knochen wachsthu ms, unorlässlich. Durch dio liistologlsohen und embryologisohen Untersuchungen von Kölliker, Gegenbaur, Waldeyer u. A. ist festgestellt, dass der Knochen sich aus Perlest, Knochenmark und Knorpel bilden kann. Man unterscheidet deshalb eine periostalo, myelogone und endochondrale Knochenbildung. Die genannten Organe liefern zunächst ein weiches Keimgewebe, das Markgewobc (ostooides Gewebe), in welchem sich sodann die Osteoblasten, d. h. speeifische knocbenbildendo Zellen entwickeln. Die wichtigsten Vorgänge sind biehei im Einzelnen folgende:
1.nbsp; nbsp;Die periostale Knochenbildung geht, ähnlich wie die periehondralo beim Fötus, von der inneren, osteoblastischon Zcllenschicbt des Periostea aus (sogenannte lüldungsscliicht oder Cambiumsehicht); die iiussore, gefäss- und Zeilen-arme, aus Bindegowobäfasern zusammengesetzte Beinhantschioht ist bei der Knochenbildung nicht betheiligt. In der lüldungsscliicht des Periostos entstehen Markräume, welche sich mit Gefässen und zahlreichen Zellen füllen. Ein Theil der letzteren verwandelt sieh in Osteoblasten, die sich unter Aufnahme von Kalk­salzen zu lamollenförmigem Knochengewebe umwandeln, in welchem Zellenreste, eingeschlossen in zackige Hohlen, als sogenannte Knochenkorperehen zurückbleiben,
2.nbsp; nbsp;Die myelogene Knochenbildung erfolgt in ähnlicher Weise, indem sich an der Grenze zwischen Mark und Tola ossea aus dorn Knochonmarke ebenfalls zunächst osteoides Gewebe und später Osteoblasten und Knochengewebe bilden.
Fröhner, Allgemeine Cliirurtric.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 1
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Kiioclieiilii'iiche.
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.'J. Dio enobondi'ftle Knooheublldung wird namentlioh'an den Eplphyson-knorpeln des fötalen Knoohens in der Weise beobaobtel', dass sicli aus den KnorpelhOblen Markräume mit Markzellen und Osteoblasten entwickeln. Inwie­weit sich an der Knoelienbildnng aucli die Knorpelzellen botheiligen, ist inclit Bioher festgestellt. Wird die Gegend dei- Epipliysenfugc andauernd gereizt, (chronische Entzündung, coniplicirte Kracturcn, Einschlagen von Stiften), so wird auch bei ausgewachsenen Knochen ein vermehrtes Längonwachstluun beobachtet (v. Bergmann, Tillmanns u. A.).
lai Gegensätze zu der knochenbildendcn Tliiitigkeit der Osteoblasten stellt die auch am normalen Knochen fortgesetzt zu beobachtende resorbirende Wirkung der Osteoklaston. Die Herkunft dieser knochenauflösenden, vielkernigen Kiesen­zellen ist noch nicht einwandst'rei erwiesen (quot;Abkömmlinge der Osteohlasten? der weissen Blutkörperchen'? der Gefa.ssendotbelzellenV der Adventitiazollon?), Die Tliiitigkeit, der üsteoklnsten besteht nach Tillmanns darin, dass sie walir-scheinlich durch Bildung freier Kohlensäure die Kalksalze des Knochens lösen und die restlrende Gnindsubstanz dos Knochens In sich aufnehmen, wodurch kleine Gruben oder Lacunen im Knoehen entstehen (lacuna're Knoehen-resorption, IIowship'scbe Lacunen).
Ueber die Statik und Mechanik, insbesondere über die natürliche Festigkeit der einzelnen Knochen bei den Thieren fehlen mit Ausnahme einer preisgekrönten Abhandlung von Zsohokke (vgl. Literatur) oinschlägige Unter­suchungen. Heim Menschen ist dieses für die Chirurgie sehr wichtige Capitel durch die Untersuchungen von P, Bruns, Banber und Messerer ausfuhrlich bearbeitet worden. Die wichtigsten Ergebnisse derselben sind folgende; I. Die Druckfestigkeit dos menschlichen Knochens beträgt 12—1'i/.v/ pro Quadrnt-nüllimeter (doppelt so gross, als beim Holz, Blei und Granit); besonders hoho Ziffern zeigen Tibia und Femur. 2. Die Zugfestigkeit der compaotsn Knochen-snbstanz im frischen Zustande beträgt !)—IS/-.;/ pro Quadratmillimeter (ähnlich wie Messing oder Gusseisen). Auf den ganzen Femur kommen (i747.v/ pro Quadrat­millimeter. Viel geringere Zahlen zeigen die spongiösen Knochen. .'3 Die BiegungB-elasticität schwankt zwischen 11)00 und 2000% pro Quadratmillimeter; beim Mann erfolgt ein liiegungsbruch des Femur durch 400 kg, beim Weibe durch #9632;J(iO/#9632;lt;/. -1. Dio Torsionselasticität betrügt 8/.v/ pro Quadratmillimeter; sie ist am stärksten beim Femur. (Ein Drittel der lüegungselasticität.) Aehnliche Untersuchungen bei Thieren, spccioll beim Pferde (warmblütige und kaltblütige Kassen, alte und junge Pferde, Wallache, Hengste und Stuten) wären für die Chirurgie de r Frac turen sehr wünsch enswerth.
licgi'ii'f und Ursachen. Als Knoohenbruoh oder Fraotur bezeichnet man eine Trennung in der Continnitiit der Knochen, bei der im (iegonsatze zur Knoohenwunde eine Zusaramenhangstrennunji; der iiusseren Haut gewöhnlich nicht vorhanden ist.
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Begriff mul Ursaohen,
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Die Ursaclien der Iviiochenbrüche sind entweder iiusscre oder innere. Die meisten lirüclie werden durch äussere Ursachen (Schlag, Stoss, Sturz. Quetschung u. s, w.) bedingt. Es können indessen Fracturen ancli bei Abwesenheit aller iiusseren Traumen lediglich durch innere Ursachen, nämlich durch eine gesteigerte Mnskelcontraction zu Stande kommen. Diese sogenannten spontanen Knochenbriiche beob­achtet man am häutigsten beim Abwerfen der Pferde, indem sich die­selben nicht etwa beim Auffallen, sondern während des Schwebens oder im Liegen in Folge eminenter Muskelcontraction, namentlich des Longis-simus dorsi, eine Klicken- oder Lendenwirbelfractur. bei starkem An­stemmen dos ausgebundenen Hinterfusses eine Fractur des Femur, der Tibia oder des Metatarsus, bei gewaltsamem .Sträuben gegen die Fessel mit den Vorderbeinen eine Fractur des Schulterblattes, Armbeins n. s. w. selbstthäfig zuziehen. Derartige spontane Knochenbrtiche kommen sogar bei stehenden Pferden vor. so Urliche der Lendenwirbel beim Umdrehen (Trasbot), der Rückenwirbel beim .Steigen (Moussu), des Armbeins nach sehr schneller Gangart (Plook, Fenberthy). des Beckens und Tarsus beim Stützen der Körporlast durch den einen Hinterschenkel während des Ausgleitens, anderer Knochen der ilinterscheukel bei heftigem Ausschlagen in Folge übermässiger Contraction der Extenaoren (Joly), des Erbsenbeins bei schweren Zugpferden (Möller).
Ausserdem unterscheidet man dirocte und indirecte Knochen-brüche. Die ersteren entstehen unmittelbar an der Stelle, wo das Trauma auf den Körper einwirkt. Bei den imlirecten Brüchen erfolgt die Fractur in einer gewissen Entfernung von dieser Stelle. Zu diesen in-direöten Brüchen gehören die (Contusions- und Compressions-fraoturen (Wirbelbruch beim Sturz auf das Ilintertheil), die Zug­oder Zerreissungsbrüohe (Bruch am Sprungbein durch den Zug der Achillessehne, des Erhsenbeins durch den Zug der Beuger der Vorderfusswurzel), die Torsions- und Hiegungsfracturen (Drehung des Fesselbeins beim Hängenbleiben in Eisenbahnschienen). Als Frac­turen durch Contreooup hat man indirecte Brüche bezeichnet, welche nach dem Principe des (iegenstosses eintreten (Bruch des Keil­beins nach einem Sturze auf das Maul).
In manchen Fidlen lassen sich weder äussere noch innere Ursachen für das Zustandekommen von Knochenbrüchen nachweisen. Zur Er­klärung dieser sogenannten idiopathisch en Fracturen muss eine abnorme Brlichigkcit der Knochen (Fragilitas ossium. Osteopsa-thyrosis) angenommen werden. Man beobachtet derartige idiopathisoho Fracturen nicht selten beim Pferd und Bind. Die Fragilität wird entweder
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1(]0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Knuchonbri'iolio.
(lurch beatimmte pathologische Veränderungen des Knochens, namentlich durch Osteoinalacie. Kachitis. Knoclicncaries, Sarcoinatose. Tuberoulose u. g, \v.. oder durch gewisse priidisponirendc Momente bedingt, so durch hohes Alter (senile Atrophie), langes Stehen im Stalle nach vorausgegangenen Krankheiten (Inactivitätsatrophie), durch grosse Jugend (juvenilcr Knochen, intrauterineFractnren), durch Krankheiten des Xcrvensystems (trophoueurotische Knochen­atrophie), durcli gehinderte Beweglichkeit in den Gelenken (Anky-lose der Wirbelsäule gibt bei dem Pferde Veranlassung zu Wirbel-brlichcn). Zuweilen lassen sich trotz genauer Untersuchung gar keine Anhaltspunkte für das Zustandekommen von Fracturen gewinnen. In diesen Fidlen inuss eine individuell verschiedene Festigkeit und Flasticität der Knochen bei den einzelnen Thieren angenommen werden. Auch eine erbliche Fragilität unter den Fohlen eines und des­selben Mutterthieres, welche sich durch das Auftreten zahlreicher Fracturen äusserte, ist beobachtet worden (Stockfleth. Dieckerhoff).
Ohne die Annahme einer abnormon Fragilität sind zahlreiche Erfahrungen
aus der tliierärztliclion Praxis nicht zu crkliiren. Es gilt dies vor Allem für jene Wirbelfraoturen beim Pferde, welche sieh beim Abwerfen trotz sorgfältigster Beachtung aller Vorsichtsmassregel n häufiger ereignen, als gewöhnlich angenommen — und veröffentlicht — wird. Kino besondere l'rädisposition zu diesen Fracturen haben erfahrungsgenuiss ältere Pferde (Ab­werfen zur Vornahme von ZahnoperationenfExstirpation der Hufknorpelfistel u.a. w.). Wenn derartige Fracturen in manchen Ländern und Kliniken .seltener als in anderen beobachtet worden, so kommt meines Erachtens hiebei weniger die ver­schiedene Wurfmethodo als vlelraehl' die Verschiedenheit der Kasse and der Er-nähriuigsveihältnissc in Betracht.
Zahlreich sind die Mittheilungen über das gleichzeitige Auftreten mehrerer Knochenbrttche bei einem und demselben Thiere, Hei einer an Osteomalacie erkrankten Kuh war das Hecken nicht weniger als 15mal gebrochen (Maris). Hei einem ganz gesunden Pferde, das nach einigen Galoppsprüngen plötzlich sehr lahm ging, zeigten sich an allen vier Gliedmassen die Sesambeine gebrochen (Rutherford). Bei einem Hengste trat während der Castration eine Fractur beider Oherscbenkelheine ein (Ilasolbach), Bei einem Pferde brachen gleichzeitig alle vier Kronbeino (Henon), bei einem anderen drei Fesselbcine (Köder), hei mehreren anderen zwei Fesselboine oder Kronbeine (Wendworth, Möller, eigene Beobachtung). Auch eine abnorme Fragilität der Rippen und Wirbel ist beim Pferde wiederholt beobachtet worden (Degivo, Thümmler u. A.). Einen Fall von intrnutoriner Fractur beim Fohlen bat Dupuis beschrieben,
Eintlioiillllg. Für die Praxis ist am wichtigsten die Eintheilung der Brüche in einfache (subeutane) und complicirte (offene). Der
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Eintlieilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\Q\
einfache, subcutane Bruch stellt eine Zusammenhangstreanung des Knochens ohne Mitverletzung der Haut dar. Im Gegensatze hiezu ist beim complicirten Bruch gleichzeitig auch die Haut verletzt, so dass der Knochen offen zu Tage tritt, und den Infectionserregern der Zutritt zu demselben eiTnöglicht ist.
Wichtig ist ferner die Unterscheidung eines vollständigen und unvollständigen Bruches. Beim erstcren ist der Knochen an der Bruchstelle ganz durchgebrochen, so dass die Bruchenden nirgends mehr nüteinander in Verbindung stehen. Beim unvollständigen Bruch ist die Trennung nur eine theilweiso; hiebei ist entweder nur ein Sprung. Riss, beziehungsweise eine Spalte im Knochen entstanden (Fissur, Spaltbruch), oder eine Einknickung, beziehungsweise Einbiegung (In­fraction, Impression, Depression, subperiostale Fractur, Knick­bruch). Fissuren kommen beim Pferde am häufigsten vor am Fessel­bein und an der Tibia, Infractiönen an den Rippen. Impressionen an den Schädelknochen. Nicht selten verwandeln sich die Fissuren später in vollständige Brüche.
Nach der Richtung der Bruchlinic unterscheidet man Querbriiche (Kractura transversa), schiefe Brüche(Fracturaobliqua), Längsbrliche (Fractura longitudinalis), Spiralbrüche mit schraubenartig gewundener Bruchlinie (Torsionsfractur), Brüche in Form eines Clarinetten-innndstückes (Fracture en bee de flute), Ypsilon-Fraoturen, T-Fraeturen (am Fosselbein) u. s. w.
Je nach der Lagerung der Bruchfragmente beim vollständigen Bruch werden verschiedene Arten der Dislocation unterschieden, näm­lich eine Dislocatio ad axin (Winkelbruch, Reiten der Fragmente), ad latus (seitliche Verschiebung), ad peripheriam (Drehung), ad longitudinem, und zwar entweder cum contractione (mit Ver­kürzung) oder cum distractione (mit Verlängerung). Die Einkeilung ist ebenfalls eine Form der Dislocatio ad longitudinem cum contractione, während die Diastase das Gegentheil darstellt.
Endlich spricht man im Gegensätze zum gewöhnlichen einfachen Bruch, bei welchem der Knochen nur einmal gebrochen ist, von einem mehrfachen Bruch (Kractura multiplex), Doppelbruch, dreifachen Bruch u. s. w. Derselbe wird besonders am Fesselbein, Kronbein und an den Epiphysenenden beobachtet. Ist der Knochen in kleine Splitter zersprengt, so entsteht der Splitterbruch oder (Jomminutivbruch (Fractura coinminuta): bei völliger /ermahmmg des Knochens heisst der Splitterbruch Con((iiassationsfractur (Fractura eonquassata). Letztere kommt z. B, bei Wirbelbrüchcn abgeworfener Pferde vor.
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i-'issurun.
Don Fissuren kummt deshalb cine grosso praktische Wichtigkeit zu, weil sic speol^U beim Pferde sehr hiiufig sind, nur sohl' schwer diaguostlcll't werden können und unter Umstünden nach einer gewissen Zeit sieh in eine voll­ständige Fmetur umwiiiuleln. Aussei' am Fesselboin und jm der Tibia findet man Fissuren an den Wirbeln, am Sebulterblatt, Armbeiu, Radius, Metacarpus und Metatarsus, Femur, Kronbein, llut'bein, au der Ulna u. s. w. Unter 18 Fis­suren betrafen 8 das Fesselbein, ii die Tibia, je 2 den Kadins, das Kronbein und Ilulbein, 1 die Ulna (Preuss, statist. !Milit.-Veter.-]5orielite pro IS!)--'). Zahl­reich trifft man ferner Fissuren in der Umgebung von Scluissfractnren (Loch-schiissen).
Die l'ägenthümlielikeit der Fissuren, sieh nach einer gewissen Zeit, oft erst nach mehreren Tagen, in eine vollstiindige Fractur umzuwandeln, wird durch zaldrciche Beobachtungen aus der Praxis illustrirt. Am häufigsten tritt dies Er-olgniss, und zwar meist ganz unerwartet über Nacht, beim Niederlegen und Wieder­aufstehen, beim Aufheben des Fusses zum Beschlag u. s. w. bei den Fissuren des Fesselbeins und Unterschenkelbeins ein. Aber auch an anderen Knochen kommen nicht selten Fissuren vor, welche nach einiger Zeit in complete Fracturen Übergehen. Besonders auffallend sind jene Wirheifissuren nach dem Abwerfen oder Stttrzen von PferdeA, bei welchen erst nach mehreren Stunden oder einigen Tagen, ja selbst erst nach Wochen eine voll­ständige Fractur mit plötzlicher Paraplegic der Xacbhand eintritt. Die Fälle dieser Art sind nach Ausweis der thierärztlieben Literatur durchaus nicht seiton (Spinola, Dieckerhoff, Möller, Straube, Gützlaff, Flatten, eigene Beobachtung). In ähnlicher Weise haben sich heim Pferde ans Fissuren erst nach längerer Zeit Fracturen entwickelt am Metacarpus (Bauer), Ilumerus iPhilippi, eigene Beobachtung), Kadins (Freer) u. s. w. UezUglich dos forensi­schen Nachweises derartiger alter Fissuren vgl. S. 174.
HAufigkeit und Vorkommen. Knoehenbrllclio kommen am häufigsten vor bei Pferden und Hunden; ausserclem sind sie nicht selten beim Geflügel und bei Schweinen. Am relativ seltensten dürften Fracturen bei den Katzen sein, quot;welche bekanntlich vermöge ihrer grossen Klasticitiit .selbst einen Sturz; aus beträchtlicher Höhe (mehrere Stock hoch) häufig' ohne Schaden ertragen. Die gewöhnlichen Veranlassungen bei Pferden sind Sturz, Gegenrennen, Zusammenstossen, Abwerfen; beim Hunde sind es Schlage, Bisse, Uoberi'aliremverden. Eingeklemmtwerden, Sturz, Steinwürfe n. s. w. Am häutigsten ereignen sich Knoclienbriiche bei Pferden und Hunden in grüsseren Städten; der Grund liegt beim Pferde im Ausgleiten und Fallen auf hartes und glattes Pflaster, besonders auf Asphaltpflaster bei Glatteis und plötz­lichem Regen, beim Hunde im Uebertabrenwerden durch Pferdebahnen, Droschken und andere Fuhrwerke. Nach meinen Erfahrungen ziehen
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lläniigkuit und Vorkommsu.
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sieb die llundo in Berlin am häutigsten Fracturen zu an Sonntagen (Landpartien), weshalb namentlich die Montagsklinik ein reiches Material liefert, sowie unmittelbar nach Aufhebung der Sperre. Die Knoobon-hi'tiche im Kriege sind gewöhnlich Scbussfracturen.
Bezüglich der Häufigkeit der Fracturen beim Pferde er­geben die statistischen Erhebungen in der preussisolien Armee ein werthvolles .Material Auf 30.000 kranke Dienstpferde kommen im Frieden pro Jahr durchschnittlich 400 Fracturen. Die Gesannntzabl der in den letzten fünf Jahren (1891—1895; registrirten Knochen-hrüche beträgt bei den Pferden der preussischeu Armee 2000. Am häutigsten sind beim Pferde die Fracturen des Beckens, der Tibia, des Fessolbeins, der Speiche, des Metatarsus und der Wirbel. Etwa die Hälfte aller Fracturen betrifft beim Pferde das Becken, die Tibia und das Fessel bein.
Hinsichtlich der Häufigkeit der Fracturen beim linnde ergibt die von mir veröffentlichte, einen Zeitraum von neun Jahren (T88()—1894) und ein Krankenmaterial von 70.000 Hunden umfassende Statistik eine Gesammtziifer von 1700 (1698) Knochenbrüchen = iJ'8% alier kranken Hunde. Auf 40 kranke Hunde kommt somit in Berlin ein Knochenbruoh. Im G-egensatze zu dieser Häuiigkeil der Fracturen sind die Luxationeu beim Hunde .quot;anal seltener (ich habe insgesammt nur 344 Fälle = O'öquot;/,, beobachtet). Am häutigsten sind beim Hunde nach meinen Erfahrungen die Fracturen des Pemur (177,,), des Radius und der Ulna (15%)) ^el' Tibia und Fibula (18%) llnd des Huinerus (f)quot;/,,). 90% aller Fracturen betreffen beim Hunde die Fxt remitätenknocheu. Am seltensten sind Brüche des Brustbeins, der Schadelknochen, der Wirbelsäule, der Kniescheibe, der Rippen und der Scapula.
Die Häufigkeit der Fracturen beim Geflügel wird durch eine Statistik von Larch er belegt, welcher 250 Fälle behandelt hat. Nach Cadiot brechen am häutigsten Humerus, Tibia und Femur, seltener Ulna. Radius, Scapula und die Rippen. Ich selber habe 137 Fracturen beim Getlügel behandelt, durunter 04 bei grösseren Vögeln (Hühner, Schwäne, Papageien) und 73 bei kleinereu (Singvögel, Ziervögel), Am häufigsten waren Flügel- und Beinbrüche.
Ueber die Häufigkeit der Fracturen beim Schwein gibt eine Arbeit von Charpcntier und Lafourcade Aulschluss. Darnach waren bei 15% filler geschlachteten Schweine mehr oder weniger geheilte Rippenbrüchc nachweisbar. Die Häufigkeit der Hippenbrüche erklärt sich aus dem Transport (enges Verladen).
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164nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Knoclienbriiclie.
Statistisches. 1. I5ei Pfei'di'ii sind in der preussischcn Armee die naeh-stehenden PrfiOtliren tMinstatirt worden:
Im Jidnc 1801 kamen unter .'!8;i Fracturen 225 auf die Knochen der Gliedmasson, 11C auf Rumpf und Recken, 42 auf die Kopfknochon.
Im Jahre 1802 entfielen von 408 Fraeturcn 228 auf die Extremitäten, 145 auf den Rumpf und die Wirbelsäule, 86 auf den Kopf. 73nml war das Hecken, flSmal die Tibia, Blmal das Fessolbein, 32mal dor Metatarsus gebrochen.
Im Jahre 1803 kamen von 40(1 Fracturen 2.'i5 auf die Extremitäten, 120 auf den Rumpf und die Wirbelsäule, 45 auf den Kopf; darunter 52 auf das Becken, 75 auf dio Tibia, 41 auf das Fesselbein und 31 auf den Metatarsus.
Im Jnhre 1804 kamen von 415 Fracturen 233 auf die Gliedmassen, 115 auf. den Rumpf und die Wirbelsäule und 40 auf die Kopfknochen; 60 Fracturen betrafen das liocken, 84 die Tibia, 54 das Fessclbein, 80 die Speiche, 29 dm Mittel fuss.
Nach Cadiot betrafen von 159 Exti-emitätenfiaeturen beim Pferde 32 die Tibia, 30 das Reckon, 24 das Fesselbein, 17 den Radius, 15 den Metacarpus, 13 den Humerns, je (! Femur und Ulna, 5 das Schulterblatt, 4 das Kronbein, 3 den Carpus, 2 das llufbein, je 1 Caloaneus und Rollbein.
Nach Verlinde kamen unter 42 in 12 .Jahren bei 3 belgischen Cavallorie-regimentern gesammelten Fracturen 21 auf den Femur, 2 auf das llufbein, sowie je 1 auf das scbifFförmigc Hein, Kronbein und Fesselbein,
Im Jahre 1895—180(1 habe ich in der chirurgischen Klinik dorüerliuer thior-ärztliehen Hochschule unter 1045 kranken Pferden 58 Fracturen behandelt. Davon betrafen 20 das Becken, 11 das Fesselbein, 7 das Kronbein, 4 die Wirbel, 3 die Kopfknochen, 3 den Humerus, 2 das llufbein, 2 den Femur, je 1 die Tibia, den Radius und die Ulna.
2. Bei Hunden vertheilon sich die 1(103 von mir beobachteten Fälle von Fracturen ('548 in der Spitalklinik, 1145 in der Poliklinik behandelt) folgender-(nassen: Unter den 1145 Fracturen der Poliklinik betrafen: 22 den Kopf, (10 den Rumpf, 434 dleVordersohenkel, 687 die Hintorschenkel. ImEinzelnen betheiligten sich an insgesanimt 916 Fracturen die nachstehenden Knochen, beziehungsweise Organe:
Rumpf..........(10 = ()quot;/o
Halswirbel...... Imal
Rückenwirbel.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5 ,.
Lendenwirbel..... 11 n
Kreuzbein......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ..
Schweifwirbel..... 2(1 .,
Rippen....... Kl .
Kopf...........10 = 27,,
Unterkiefer..... Klmal
Stirnbein......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ,,
Zwisohenkieferbein ... 1 „ Keilbein......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 ..
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f|
Erscheinungen und Diagnose,
165
II i u t o r s c h o n k o 1......
Femuv .... Tibia uml Fibuln Motatiirsus Iliiiterpliiilangen . Beoken ....
. . 47J-I88raal 146 ..
47 „
3.quot;) .. 80 ..
620/(
Tavsus .... Knioscheibc
V or der sohenkel
Radius und Ulna
llumorus
Metacarpus
Vordei'phalangen .
Carpus ....
Scapula Stellt man dio einzelnen Knochen nach sio an den Fracturen betheiligt sind, so erg.
. .802 = 40% 17()mal
58 ..
lo ..
89 ..
88 ..
17 ,.
der Häufigkeit zusammen, mit der
bt sich die nachstehende relative
Häufigkeit der Fracturen beim Hunde:
Femur.........löSmal = IT'O0/.!
Radius und Ulna.....170 ,. — 16-0%
Tibia und Fibula.....14.') .
llumerus........68 ,
Metatarsus....... 17 ,
Metacarpus.......4(1 .
= IB'0% = 6'00/0
= 4-()quot;;„
=- 3'6%
Carpus......... 3.S ,
Vorderphalnngen..... .'ill ,
lliiiterphabin^en...... .'!.quot;) ,
Becken........ 80 .
8'00/o 8'00/o 8-00/o 2'5% 2'60
Tarsus.........
Schweifwii'bel......
Scapula........
Hippen ........
Unterkiefer.......
Lendenwirbel......
Rückenwirbel......
Kniescheibe.......
Zähne .........
Halswirbel, Kreuzbein, Stirnbein, Keilbein, Zwischenkicl'erbein, Kehlkopf je......
27 2G 17 Kl IG 11
= 1'6% = l-ö^o
i-ox
= 0-5quot;,, = 0-2quot;,, - 0'20
OTquot;,
Ki'sclieiniiii^'eii imlt;l Diagnose. Das Erankheitsbild der Knochen-
briiehe ist je mich der Art derselben ein verschiedenes. Während dio
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166
[Cnoobeubrtlohe,
volbtäudigen Fraoturen, nameutlioh aber die coniplioirteu sehr leicht als solche zu erkennen sind, bereiten die Fissuren der Diagnose oft grosse Scliwierigkeiteii. Im Allijenieinen kennzeichnen bei den Hiius-thieren die nachstehenden Erscheinungen die Knochenbrüche:
1.nbsp; nbsp;Die Unfähigkeit der Belastung, sowie der Schmerz bei der Berührung und beim Auftreten sind für die Fracturen der Ex-treinitiitenknochen das zunächst in die Augen fallende Symptom. Pferde und Hunde gehen auf drei Beinen; Pferde sind schwer oder gar nicht von der Stelle zu bringen, Hunde schreien bei der Palpation. Hei den Fissuren ist entsprechend dem linearen Verlauf des Knoohen-sprungs der Bruohschmerz ebenfalls ein linearer (schmerzhafte Linie bei Fissuren des Fesselbeins). Die Sohmerzhaftigkeit und Punctions-störung fehlt dagegen nicht selten bei Becken- und Rippenbrüchen, sowie bei vielen Brüchen der Schadelknochen. Totale Anästhesie beob­achtet man neben Paraplegic bei den Fracturen der Wirbelsäule.
2.nbsp; nbsp; Die abnorme Beweglichkeit der gebrochenen Knochen und (iliedmassen an der Bruchstelle ist das am meisten charakteristische Symptom, welches sich sowohl durch Adspection (Pendeln der Glied­massen, veränderte Stellung und Haltung derselben), als auch durch Palpation (Fixiren des oberen und unteren Knochenendes) feststellen lässt. Bei allen unvollständigen Brüchen, sowie bei den Wirbelbrüchen des Pferdes fehlt indessen diese abnorme Beweglichkeit; in anderen Fällen ist die normale Beweglichkeit der (iliedmassen beschränkt oder aufgehoben (Einkcilungi.
ii. Die Crepitation an der Bruchstelle, d. h. das Gefühl eines rauhen Keibungsgoräusches beim Palpiren derselben und bei passiven Bewegungen der Bruchenden ist ebenfalls ein sehr charakteristisches, oft geradezu pathognostisches Kennzeichen für das Vorhandensein eines Bruches, namentlich eines Splitterbruches. Die Crepitation fehlt bei allen unvollständigen Fracturen, bei den Wirbelbrüchen der Pferde, sowie bei starker Dislocation der Bruchenden.
A. Die Schwellung in der Umgebung der Bruchstelle wird bei frischen, einfachen Brüchen durch die in Folge Zerreissung der be­nachbarten Weichtheile eintretende Blutung, bei älteren und compli-cirten Brüchen durch C'allusbildung. beziehungsweise phlegmonöse Ent­zündung der Weichtheile bedingt Sie fehlt in der Kegel bei unvoll­ständigen Brüchen,
5. Eine Verletzung der Haut, sowie später Eiterung und Fistelbildung au der Bruchstelle findet man nur bei complicirte.n
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Erscheinungen und Diagnose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(57
Brüchen; sein- selten tritt Eiterung auch bei subentanen Fraoturen auf, wenn nämlich eine pyäiniselic Infection des Blutes vorliegt (Druse).
6.nbsp; Eine Störung des Allgemeinbefindens tritt bei einfaohen Fraoturen meist nicht ein; nur bei solchen suboutanen Brüchen, welche zu stärkerer Blutung und zu Zerreissung der Weiohtheile gefdhrt haben, llt;isst sich thermometrisch eine massige Temperatursteigerung ohne sonstige Allgemeinstürungen nachweisen. Diese auch bei Thieren vorkommende Temperatursteigerung ist als aseptisches Fieber auf­zufassen (beim Menschen steigt die Temperatur regelmässig nach sub-cutanen Fraoturen auf SS^B—89'60 C); man erklärt sich dasselbe durch die Resorption fermentartiger, fiebererregonder Stoffe aus den zerfallen­den Blutkörperchen an der Bruchstelle (v. Bergmann, Bruns u. A.), Das nach complicirten Fracturen auftretende Fieber ist dagegen in der Kegel ein septisches, durch das Eindringen von Eiterbakterien bedingtes. Nach Xerrcissung grosser Blutgftfässe durch die Bruchenden der Knochen beobachtet man namentlich bei Beckenbrüchen die Er­scheinungen der inneren Verblutung, bei starker Zermalmung des Knochenmarks Fettembolie der Lunge und des Gehirns. Beim Menschen hat man ausserdem Lipurie, Albuminurie, Cylindrurie, sowie in Folge der Resorption des zerfallenden Blutfarbstoffes braune Cylinder, vermehrten Urobilingehalt des Harns, ja selbst hämatogenen iktcrus nach Fracturen beobachtet.
7.nbsp; nbsp;Für manche fracturen sind gewisse Einzelsymptome von speeifischer, diagnostischer Bedeutung. Brüche des Nasenbeins bedingen sichtbare Impression. Nasenbluten. Si enosengeriiusch und selbst bleibende Stenose mit Dyspnoe; Rippenbrüche fuhren zu Lungen­blutung, Lungenentzü ndung und Rip penfei lentz ündung. Brüche des Keilbeins bedingen unter Umständen Amaurose und Schling­lähmung. Fracturen am Augenbogen Phlegmone der Orbita, Brüche des Zungenbeins und der Kieferknochen Zungenlähmung. Kau- und Schlingbeschwerden, sowie Zahnausfall. Hei schweren Fracturen der Sohildelknochen tritt tüdtliche Q-ehirnlähmung ein, bei Brüchen der Halswirbel Zwerchfellslfthmung, bei solchen der Rücken- und Lendenwirbel tüdtliche Paraplegie mit anfangs scharf abgesetzter motorischer und sensibler, später fortschreitender Lähmung. Gteheilte Brüche an der Wirbelsäulequot; hinterlassen durch Bildung von Ankylosen und Synostosen Deformitäten (Lordose. Kyphose,Skoliose . Nach Fracturen des Zungenbeins hat man heim Pferde chronische Katarrhe des Luftsackes beobachtet (Siedamu-rot/. k v, Rupprecht). I )ie Fracturen der letzten Rippen haben beim Pferde zuweilen eine
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Knochen brUohe.
Verletzung des MagöUS und Zwerchfells zur Folge (Gross-wemlt u. A.)' Nicht selten sind Zerreissungon der Arteria ob-turatoria bei Beckenbrüchen. Der Bruch des äusseren Darmbein-wil'bels verursachte bei einem Pferde eine tödtliche Zerreissung der Arteria circumflexa ilei (Kemp). Bei einem Splitterbruche des achten und neunten Rückenwirbels hörte bei einem Pferde die bis dahin sehr starke Schweisssecrotion der Vorderhand genau in der Gegend der Fractur auf (Bourgoin).
Die beim Mensohen neuerdings nls Diagnostlontn verwerthete Dui'oh-leiichtnng der Bmobstelle mit ROntgen-Sti'ahlon ist iiueli in der Thierbeil-
künde probeweise angewandt worden (Bayeiquot;, Eberlein). Derselben kommt indessen eine praktische Bedeutung nicht zu. Die Anwendung der Strahlen bei lebenden Tldcren ist wegen der Unruhe derselben und wegen der nöthigen langen Expositionszeit mit den grössten Schwierigkeiten verbunden. Dazu kommt der lioho Preis der Apparate, die Oomplicirtheit des Verfahrens, sowie der Umstand, dass die Durchleuchtung der Woichtheilc an eine bestimmte Grenze gebunden ist. Eine Durchleuchtung der Beckengegend, des Rumpfes und des Halses ist beim Pferde überhaupt unmöglich (Eberlein).
Prognose. Für die Beurtheilung einer Fractur auf Heilbarkeit
oder Xichtheilbarkeit müssen die nachstehenden Factoren in Betracht gezogen werden:
1. Die Thie rgattung beeinilusst die Prognose am wesent­lichsten. Beim Pferde und Rinde heilen die Fracturen im All­gemeinen viel schwerer und langsamer als bei den kleinen 11 austhicren. Die Ursache hievon liegt einerseits darin, dass sich regelrechte Verbünde beim Pferde und Rinde meist gar nicht oder nur sehr schwer anlegen lassen, wodurch die Reposition und Retention der Bruchenden vereitelt wird. Andererseits entwickeln sich beim Pferde und Rinde nach längcrem Stehen auf drei Beinen häufig schwere Ent-zündungszustände der lluflederhaut, welche mit gesteigerter Arterien-pulsation und Schtnerzhaftigkeit beginnen und sohliesslioh zu Senkung des Ilufbeins und zu Nekrose der lluflederhaut mit nachfolgender Septikftthie führen (sogenannte Stallrehe). Auch bei längerem Liegen bedingt das grosso Körpergewicht dieser Thiere Quetschung und De-cubitalgangriin der Haut mit allgemeiner Sepsis. Nach den Erfahrungen in der preussischen Armee sind nur etwa 20—26% aller Knochen-brüche beim Pferde heilbar; von 1600 in den Jahren 1891—1894 be­handelten Fracturen wurden ;?40 =-- 21% geheilt. Dagegen belauft sich
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Proguose,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;16i)
nach meinen Erfahrungen beim Hund die GesammtBumme der geheilten Fraoturen auf 86%quot; DiePrognose derFracturen ist somit beim Hunde 4inai günstiger als beim Pferde. Noch grosser ist die
Heilungsziffer beim Geflügel. Auch bei Schweinen scheinen namentlich Rippenbrüohe sehr leicht zu heilen. Die Heilungsdauer einer Fractur betrugt im Durchschnitt beim Pferd und Rind 1—3 Monate, beim Hund 3—4 Wochen, beim Geflügel 14 Tage.
2. Der Knochen selbst ist insofern für die Bruchprognosc von Bedeutung, als die einen Knochen leicht, andere; schwer, manche Über­haupt gar nicht verheilen. Beim erwachsenen Pferde und Rinde sind in der Kegel unheilbar die Jlrüche der Halswirbel, Ruckenwirbel und Lendenwirbel, wenn dieselben zu Verletzung des Rückenmarks geführt haben, die complicirten (meist auch die einfachen) Brüche des Femur, der Tibia, der Scapula, des Humerus und Radius, die Comminutiv-fracturen des Fesselbeins und Kronbeins, sowie manche Beckenbrüche. .Sehr schwer heilbar sind die Brüche des Metacarpus und Metatarsus. Dagegen sind relativ heilbar einfache Brüche der Rippen, des äusseren Darmbeinwinkels, der Angesichtsknoehen, des Fesselbeins. Kronbeins und Hufbeins, sowie der Wirbelfortsätze.
8. Die Art des Bruches ist ebenfalls von grösster Wichtigkeit für die Beurtheilung der Heilbarkeit desselben. Alle complicirten Brüche, Splitterbrüehe und Comminutivfractureu, sowie die Brüche in Gelenken oder in der Nähe derselben (Gelenk-pfannenbrliche) sind ungünstig, die einfachen Brüche dagegen relativ günstig zu beurtheilen. Ungünstig ist ferner die Prognose, wenn der Bruch nicht frisch, sondern erst spät zur Behandlung gelangt. Diaphysenbrüehe heilen leichter als Epiphysenbrüche. Querfracturen leichter als schiefe. Eine Verzögerung erleidet die Heilung der Brüche bei innerlich kranken Thieren. Brüche in der Nähe von Gelenken führen zuweilen zur bleibenden Ankylosirung des Gelenkes (Fessel­gelenk, Krongelenk. Hufgelenk). Fissuren sind im Allgemeinen günstiger zu prognosticiren als vollständige Fracturen. Manche Fissuren sind übrigens von vorneherein nicht absolut günstig zu beurtheilen. Eine ziemlich lange Heilungsdauer beanspruchen inshesonders die Fissuren des Fosselbeins beim Pferde (6—12 Wochen und darüber).
4. Das Alter der Thierc ist endlich insofern für die Prognose maasgebend, als erfahrungsgemäss die Heilung der Knochen­brüche bei alten Thieren langsamer erfolgt als bei Jungen. Alte Thiere sind ferner den Gefahren längeren Stehens oder Liegens In viel höherem Masse ausgesetzt als junge.
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Knochenbrllohe.
1
Sohliesslioh ist beim Pferde und Rinde aussei' den bisher er­wähnten Punkten in jedem einzelnen Falle wohl zu erwilgen. ob auch aus ökonomischen (iründen ein Heilungsversnob gerechtfertigt, oder die Sohlaohtung der Thiere nicht als vortheilhafter zu erachten ist.
Dio Beantwortung der Frage der Heilbarkeit (raquo;der Unlieilbai'koit eines Kniehes gehört mitunter zu den sohwlerigsten Aufgaben der thieräi'ztliohen I'l-axis. Da diese Frage liäuiig selir rasch entschieden werden innss (z. li. auf Rennbahnen), ist ein sorgfältiges Abwägen der vorstellend entwickelten Momente nothwendigi Insbesondere vergesse man nieiit, den Wertli des Objeotbs mit den Kosten dor Behandlung zu vergleichen und auch die Möglichkeit einer nur theilweisen Heilung, d. h. einer bleibenden Verminderung der Gebrauchs-ffthigkeit In Betracht zu ziehen. Im Zweifelsfalle ziehe man namentlich beim [linde die Sohlaohtung vor. In einzelnen Fällen kann bei werthvollen Zucht-thieren eine Behandlung so lange eingeleitet werden, bis die Geburt des Jungen erfolgt ist. ßei hoehträobtigeu Kuben mit unheilbaren Beckenbrüchen empfiehlt sich die Tödtuug, beziehungsweise Schlachtung mit unmittelbar ansohliessender Laparotomle und Extraction des Jungen durch Incision des Uterus (Kaiserschnitt),
Auch in forensischer Hinsicht ist nicht selten die Begutachtung sehr schwierig, ob ein Bruch heilbar iät oder nicht. In Preussen werden zahlreiche derartige Outachten veranlasst durch die Abdeckereiprivilegien, wonach den Abdeckern das Kecht zusteht, alles „abgestandene'1, d. b. unheilbare Vieh für sich zu reclamircn. Diese Fragen müssen von Fall zu Fall unter sorgfältiger Berücksichtigung des Thatbestandes, insbesondere des Sitzes und der Art des Knochenbruches, beantwortet werden. Im Allgemeinen dürften die üben entwickelten Gesichtspunkte massgebend sein. Man halte sich hiebe! an die durch die Er­fahrung festgestellten Durebschnittszitfern (,,iii der Kegelquot; heilbar oder unheilbar;.
i.)ass auch bei Pferden und Kindern ausnahmsweise Fracturen mit sehr ungünstiger Prognose zur Heilung gelangen, ist mehrfach beobachtet worden. Im Uebrigen sind nicht alle diesbezüglichen, in der thicrärztlichen Literatur ver-ölfentlichten Beobachtungen völlig einwandsfrei; so will Pösohl bei einer Voll­blutstute eine eoaiplicirfe Fractur des Femur im unteren Drittel nach aefit Wochen geheilt haben (?), Eine eomplicirte Fractur der Kniescheibe, wobei dieselbe in drei Stücke zerbrach, heilte bei einem Pferde mit knöchernem Callus in zwei Monaten ; es blieb jedoch im Trabe starkes, im Schritt geringes Lahmgehen zurück (Andrieu). Ein Beckenbruch, bei dem die Pfanne vom Beckenboden abgebrochen und dislocirt war, heilte beim Kinde (Berdez). Eine Trennung der Beekonfuge nach einer schweren Ueburt soll bei einer Kuh nach vier Wochen geheilt sein, und die Kuh später noch zweimal geboren haben (Henninger). Eine beider­seitige eomplicirte Fractur beider Unterkieferäste am Zwisehcnzahnrand heilte bei einem Pferde nach 60 Tagen (l'asseri ni). Bei einem 2jährigen Fühlen heilte eine Fractur des grossen Umdruhers am Femur (Neuberger). Die Heilnng einer Fractur des lateralen Muskelhöckers am Armbein bei einem erwachsenen Pferde habe, ich selber beobachtet. Ein Qnerbrnch des Metacarpus beim Pferde heilte
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I k'iliuigsvorgaiigu.
r
niuili 00 Tagen (Pujos), desgleichen heilte inn Vovni'inbruoh beim Pferde voll­ständig (Sliafor, Salohow u. A.). Bei eiaern '^J^hvigen Fohlen hellte eine OOmplioii'te Fraotur lies Femur nach zwei Monaten olme Verband im liiingegiirt; 11119 einem Abscesso entleerte sieb ein Stück des mittleren Umdrebers (Dräncr1. Eine Fraetnr des Metatarsus heilte bei einem vier Tage alten Fohlen in fünf Wochen unter Gypsverband, desgleichen eine solche des Radius und der Ulna bei einem acht Wochen alten Fohlen (Frank) u, s. w.
Hcilimgsvoi'ft-äiiji,laquo;' heim einfachen Knochenbruoh. Die llellune' der einfachen, suboutanen Knochenbrtiche erfolgt ganz analog' der primären Heilung der Hautwunden durch eine aseptische Entzündung. Die Wiedervereinigung der gebrochenen Knoohenendeu kommt zu Stande einestfaeils durch die regenerative Tliätigkeit des Periostes. andererseits des Knochenmarks. Das an der Bruchstelle ergossene Blut, sowie die benachbarten Weichtheile sind dabei nicht betheiligt, Die Vereinigung der Knochenenden erfolgt durch die Bildung eines spater verknöchernden Qranulationsgewebes, des sogenannten Callus, seitens des Periostes und Knochenmarks. Der Knochencallus ist das Product einer ossificirenden Periostitis und Osteomyelitis. j\Ian unterscheidet hiehei verschiedene Arten von Callus:
1.nbsp; nbsp;Der äussere Callus oder Periostcallus entsteht durch die Thätigkeit der in der tiefen Periostschicht gelegenen Osteoblasten.
2.nbsp; nbsp;Der innere Callus oder Markcallus (myelogener Callus) ist ein analoges Product der Osteoblasten des Knochenmarks.
3.nbsp; nbsp;Der mittlere oder Intermediäre Callus liegt in der Mitte zwischen iiusserem und innerem Callus und ist in der Hauptsache als eine Fortsetzung des äusseren Callus, in zweiter Linie als ein Product der in den Havers'schen Canälen gelegenen Weichtheile und ties Knochenmarks aufzufassen.
Ausserdein ist der provisorische von dem definitiven Callus zu unterscheiden. Der provisorische Callus entsteht durch die Thätigkeit der Osteoblasten und bildet eine relativ weiche, spongiöse. sehr voluminöse, neugebildetc Knochenmasse. Der definitive Callus gebt später aus diesem provisorischen Callus als harte, kleine Knochennarbe unter der Einwirkung der Osteoklasten hervor; die letzteren machen unter Anderem durch ihre resorbirende Thätigkeit die durch den provisorischen inneren Callus verschlossene Markhöhle wieder frei.
Eine abnorm starke Callusbildung bezeichnet man als hyper­trophischen Callus oder Callus luxurians, entsprechend der hypertrophischen Narbe und dem Caro luxurians bei zu lippiger Wund-trranulation. Zuweilen nimmt die abnorme Callusbildunaf den Charakter
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Knochenbrüclie.
einer Geschwulst an; diese sogenannten Callustumuren haben ihr Analogon im Keloid und sind meist Osteome oder Enchondroine, seltener Osteosarkome. Werden durch Callusbildung zwei nebeneinander liegende Einzelknochen miteinander dauernd verbunden, wie dies namentlich bei Brüchen zweier Rippen beobachtet wird, so entsteht eine Synostose. Die knöcherne, unbewegliclu1 Verbindung zweier Knochen im Gelenke wird als Ankylose (Ankylosis ossea) bezeichnet. Besteht der Callus nicht aus Knochengewebe, sondern aus Bindegewebe, fehlt also die Verknöcherung des periostalen und myelogenen Keimgewebes, so spricht man von Callus fibrös us. Man beobachtet denselben nach Fracturen kurzer, gefilssarmer Knochen, insbesondere der Kniescheibe, des Strahl­beins, der Gleiehbeine. des Olecranons, Calcaneus.Erbsenbeins.desKörpers und Kronfortsatzes am Unterkiefer, der hinteren, beweglichen Rippen.
Die feineren Vorgänge bei der CallnsMldung, welche nament­lich durch die histologischen und experimentellen Untersuchungen von Virchow. Billroth, v. Volkmann, P, Bruns u. A. nachgewiesen wurden sind, verlaufen fohjendermassen. Wie bei der primären, asepti­schen Wundheilung beginnt zunächst an der Bruchstelle eine zellige Infiltration, sowie die Bildung eines zellen- und gefässreichen Keim­gewebes oder Granulationsgewebes (des Callus) sowohl von Seiten des Periostes als auch des Knochenmarks. Iliebei sind zwei Phasen wohl zu unterscheiden, nämlich
a)nbsp; das Stadium der Verknöcherung des Callus;
b)nbsp; das Stadium der Rückbildung des Callus.
J. Die Verknöeh erung des Callus, die Folge der ossiticirenden Periostitis und Osteomyelitis, geht entweder aus osteoidein Gewebe, d. h. aus einer directen Ossificirung des periostalen und myelogenen Keimgewebes, odor indirect aus chondroidem Gewebe, d. h. aus der vorherigen Verknorpelung des Keimgewebes hervor. Schon am dritten und vierten Tage nach erfolgter Fractur beginnt in der unmittel­baren Nähe des Knochens als Product der Thätigkeit der Osteoblasten die Bildung kleiner Herde von osteoidem Gewebe in Form eines Netz­werkes von Knochenbälkchen mit eingeschlossenen Markräumen. Diese und die folgenden experimentell festgestellten Zeitbestimmungen sind von besonderer Wichtigkeit für die forensische Begutachtung des Alters eines Knochenbruches (vgl. die analoge Altersbestimmung der Wunden, S. 15). In der zweiten Woche stellt der Periostcallus ein weit-inaschiges, noch ziemlich weiches Gewebe dar. Vom Ende der dritten Woche ab entwickelt sich aussen und innen eine etwas festere, mark­reiche, spongiöse Callussubstanz, der provisorische Callus.
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lleiliuigsvorgiinge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J 78
Ji. Die Ruckbildung des Callus beginnt in der vierten bis fünften Woche. Die resorbirende Wirkung der Osteoklasten (CO.,) schmil/t den Knochen in Form feinster Gruben ein; gleichzeitig wird der weiche und unebene provisorische Callus zu einer harten, glatten Knochennarbe, dem definitiven Callus, redueirt, so dass die anfangs stark verdiokte Oberfläche des Knochens an der Bruchstelle wieder ziemlich eben und die Knochennarbo kaum sichtbar oder fühlbar ist.
Eine Verzögerung erleidet die beschriebene Callusbildung durch Splitterung des Knochens, starke Dislocation der Bruchenden, Zwischen-lagorung von Weichtheilon, fortgesetzte Bewegung der Knochenfrag­mente (mangelhafter oder nicht anlegbarer Verband), Allgemeiner­krankung (Osteoinalaeie, Rachitis, Infectionskrankheiten. eonstitutionelle Schwache), sowie Infection der Hruchstello (vgl. die Heilung bei com-plicirten Fracturen). Abgesprengte Knochensplitter heilen bei sub-cutanen Fracturen meist wieder an. kleine Splitter können sogar voll­ständig resorbirt werden, nur bei hinzutretender Infection findet Nekrosc derselben statt (Scquesterbildung).
Eine Beförderung der Callusbildung bewirkt die Verabreichung von Phosphor in ganz kleinen 1 )osen (Pferden Centigramme, Hunden Milligramme). Diese kleinen, andauernd verabreichten Phos­phorgaben bilden einen speeifischen formativen Reiz für das Knochengewebe, welcher eine Steigerung des Knochenwachs-thums zur Folge hat. Die genaueren Vorgänge hiebei hat Wegener (Virchow's Archiv, 1872) experimentell durch Monate hindurch fort­gesetzte milligrammweise Verfütterung von Phosphor an junge Kanin­chen, Hühner, Katzen, Hunde und Kälber, sowie an ausgewachsene Thiere festgestellt. Die einzelnen Vorgänge hiebei sind folgende: An Stelle der aus dem Knorpel normal sich entwickelnden weitmaschigen, spongiösen Substanz mit viel rothem Markgewebe und zahlreichen Ge-fässen entsteht compactes, gleiobmässig festes und derbes Knochen­gewebe mit rascher Umwandlung der Knorpelzellen zu Knochenzellen, namentlich an den Röhrenknochen, Wirbeln. Rippen, am Becken, an den Carpal- und Tarsalknochen. Die Ursache ist in einer Verengerung (Sklerosimng) der feinsten Knochencanäle zu suchen; die Folge ist eine dickere, festen;, sklerosirto Knochenrinde. Auch das periostale Dickenwachsthum ist ein gesteigertes, das Product ein ebenso festes, sklerosirtes. Die intermediären Epiphysonknorpel ossificiren rascher. Die Markhöhle endlich wird enger und kann ganz verschwinden.
Findet keine feste Vereinigung der Bruchenden durch Callusbildung statt, so entsteht ein sogenanntes falsches Gelenk (Pseudarthrose).
Fröhnnr, Allptenieine OhlrurgtO,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]2
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KnochonlirUchc.
d. h. eine bleibende bewegliche Vorbindung beider Knocheutbeilc. Man beobachtet dieselbe namentlich am Kopf und Hals des Femur, am Fesselbein und bei Brüchen der hinteren beweglichen Rippen.
Der Naohwois einer Ulteron Fissur und Kriictur, beziehungsweise einer iuis e'inor alten Fissur entstandenen frischen Fractur ist auf Grund obiger Darlegungen nicht schwierig. Für die forensische Begutachtung ist daran festzuhalten, dass eine alte Fissur und Fractur nur dann vorliegt, wenn an ihren Bänden und in ihrer Umgebung C'allusbildnng nachweisbar ist, deren Alter je nach der Beschaffenheit des Callus (vgl. oben) bourtheilt wird. Ganz frische Fissuren und Fracruron zeigen keine Callusbildung, sondern Blutung und die Erscheinungen einer frischen, aseptischen Entzündung. Man beachte ferner, dass eine Fissur bald sehr schnell, bald erst nach liingerer Zeit sich in eine Fractur umwandeln kann. Diigegeu ist die glatte oder unebene Boschaft'en-heit der Bruohfläohe für die Altei-sbostimmung nicht massgebond. Insbesondere beweist eine glatte Bruehtliicho nicht ohne Weiteres ein höheres Alter dor Fractur, da erfahrungsgemäss Bänder und Flächen der Bruchstelle schon innerhalb der ersten halben Stunde nach erfolgter Fractur ganz glatt abgeschliffen sein können (Günrher). In einem von Trasbot untersuchton Falle von Fractur der Tibia beim Pferde, welche sich aus einer 7 'läge zuvor erfolgten Fissur ent­wickelt hatte, war an den Brucbrändern eine 2 — 3otto dicke Lage jungen, sehr gofässreichon, spongiüsen Knochengewebes nachzuweisen. Das Knochenmark war stark injicirt, die compacte Knochensubstanz leichter schnoidbar. Bei der mikro­skopischen Untersuchung fand mau die Havers'schcn Canfile stark erweitert, und mit Rundzellen angefüllt.
Heilnngsvorgänge bei compliclrten Kiioohenlmiclu'n. Während
der einfache, subeutane Knocbenbruch per primam durch eine aseptische Periostitis und Osteomyelitis ossiheans heilt, tritt bei den complicirten Fracturen eine eiterige Infection der Bruchstelle zur Callusbildung hinzu. Je länger die Einwirkung der Eiterbacterien gedauert hat, je älter also die ootnplicirte Fractur ist. und je grosser die Verletzung der Haut und der umliegenden Weiohtheile, sowie die Splitterung des Knochens war, um so ungünstiger liegt der Fall. Umgekehrt erfolgt bei geringfügigen Verletzungen der Haut und Weichtheile, sowie bei sofortiger antiseptischcr Behandlung der Wunde die Heilung beinahe so schnell, wie bei einein einfachen Knochenbruch. Bestimmend für die Schwere eines complicirten Knochenbruches ist in erster Linie nicht sowohl die Splitterung des Knochens, sondern der Grad der WeichtheilVerletzung, Ein glatter Bruch ohne Splitterung, aber mit grosser Hautwunde und ausgedehnter Zertrümmerung der Weiohtheile ist eine viel schwerere Verletzung, als eine
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Hohandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 175
starke Splitterung des Knochens mit nur geringer Weich-theil Verletzung (Tillmanns),
Die localeu Veränderungen an der Bruchstelle bestehen bei der complicirten Fractur ausser den bei der C,allllsbildung#9632; beschriebenen Vorgängen in entzündlicher Schwellung, Eiterung, Eiterver­senkung, Phlegmone, Phlebitis. Lymphangitis, septischen Prooessen, Verjauchung der Weiclitheile, eiteriger Peri­ostitis und Osteomyelitis, Kekrose des Knochens (Sequestra­tion) und Fistelbildung*, in Folge einer allgemeinen Infection kann ferner Septikilmie und Pyllmie hinzutreten.
Behniulluiig' der einfachen Kiiochenhrüche. Die Aufgabe des Chirurgen besteht erstens in der Reposition (Reduction), d. h. im Wiedereinrichten, beziehungsweise Zurückbringen der dislocirten Bruch­enden in die xichtige Lage mittelst Zug (Extension) und Gegenzug (Contracxtension); zweitens in der Retention. d. h. im Fixiren der eingerichteten Bruchenden durch einen Verband. Nur bei richtiger Lage und völliger Ruhestellung der Bruchenden kann sich ein normaler Callus entwickeln. Allerdings können beide Bedingungen bei den grossen Hausthieren und bei manchen Fracturen (Rippen, Becken. Kopf knocken) nicht immer erfüllt werden; auch heilen gewisse Knochen-bl'üche ohne Reposition und Retention durch einfache Naturheilung, namentlich Rippenbrüche und manche Beckenbrüche. Dagegen lässt sich bei kleineren Hausthieren. insbesondere beim Hund, in der Regel die Reposition bewerkstelligen und ein Verband anlegen.
Die Application der Verbände bei einfachen Knochenbrüchen, sowie das hiezu verwendete Material ist in dem vorliegenden Hand-bnche bereits ausführlich erörtert worden (Bayer, Operationslehre, S. 120). Ich selber benutze beim Pferd und Hund ausschliesslich den (iypsverband und halte die übrigen Verbandmaterialien (Tripolith, Wasserglas, Cement. Guttapercha, Leim, Giunmi, Kleister, Dextrin, Harz, Pappschienen, Holzschienen, Eisenschienen u. s. w,) für mindestens entbehrlich. Nur beim Nothverband muss man unter Umstilnden Ge­brauch von ihnen machen. Das Anlegen des Gypsverbandes erfolgt in nachstehender Weise. Nach bewirkter Reposition wird die gebrochene Gliedmasse durch einen oder mehrere Gehilfen oberhalb und unterhall) der Bruchstelle in möglichst gerader Stellung gut fixirt, mit dünnen Wattestreifen namentlich an der Bruchstelle umwickelt und an den Knochen vorsprüngen gut gepolstert, worauf über das Ganze eineCambrie-oder Flanellbinde gelegt wird. Das Auflegen von Watte kann heim
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176nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Knochonbrik'lie.
Pferd unterbleiben. Ueber die Binde werden dann die Touren der vor­her prilparirten. in warmes Wasser kurze Zeit eingelegten Clvpsbiiulen (frischer Q-yps!) in der Weise angelegt, dass eine gleichmassige und ausreichende Gypsschichte auf die Bruchstelle und deren weitere Um­gebung' zu liegen kommt. Zur Verstärkung derselben kann uusserdem noch ein besonders angerührter (iypsbrei aufgetragen werden. Beim Anlegen des Gypsverbandcs sind ferner folgende Vorsichtsraassregeln wohl zu beachten:
1.nbsp; nbsp;Der Verband darf weder drücken noch einschnüren. Man ziehe also die Touren der Gypsbinde nicht zu stark oder un-gleichmässig au.
2.nbsp; nbsp;Man überzeuge sich täglich davon, dass der Verband nicht drückt und schnürt. Bei Hunden ist namentlich die ausser-halb des Verbandes zu belassende Pfote Jeden Tag genau daraufhin zu untersuchen, ob keine Anschwellung, blaue Verfärbung oder brandiges Absterben an derselben nachweisbar ist. Jn diesem Falle muss der Verband sofort gelockert oder ganz entfernt werden.
3.nbsp; nbsp;Der Verband darf umgekehrt auch nicht zu locker liegen. Da die in den ersten Tagen vorhandene Anschwellung der Bruchstelle später in Folge Resorption des Extravasates zurückgeht, wird der Verband auch bei richtigem Anlegen später leicht locker und muss dann erneuert werden. In solchen Fällen emptiehlt es sich, in den ersten Tagen zunächst nur einen provisorischen Nothverband an­zulegen, bis die Schwellung zurückgegangen ist.
4.nbsp; nbsp;Beim Hunde verwende man möglichste Sorgfalt auf das Wattiren der Knochenvorsprünge. Die Haut über dem Ellenbogenhöoker, dem Fersenbein, sowie über den Knochenvorsprüngen am Carpus und Tarsus ist bei schlechter Polsterung- sdlir der Gefahr des Druckbrandes ausgesetzt, der sich durch einen üblen Geruch, Fieber, sowie Allgeineinstörungen kenntlich macht. In diesem Falle ist der Verband sofort zu entfernen und die Druckstelle antiseptisch zu behandeln.
5.nbsp; nbsp; Zur Sicherung des Verbandes lege man bei Ex­tremitätenbrüchen des Hundes einen Gypssattel über den Rücken nach der anderen Seite und um den Rumpf herum an. Dieses Verfahren verhindert das Abfallen und Ahreissen des Ver­bandes. Der Gypssattel bewährt sich besonders auch boi Brüchen beider
1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorder- oder Hinterfiisse.
0. Womöglich nehme man das nächstliegend o Gelenk oberhalb und unterhalb der Bruchstelle mit in dem Verband
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Prophylaxe der KnoobeubrUobe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
hinein. Die Immobilisirung der Bruciistelle wird dadureh mehr ge­sichert.
7. Nach dem Anlegen des Verbandes sind die Thiere bis zur Abnahme desselben möglichst ruhig zu halten. Pferde verbringt man am besten in eine Hängematte oder bindet sie hoch, Hunde sperrt man ein. Cagny heilte mehrere Fracturen bei Hunden lediglich durch Einsperren in einen sehr engen Kaum ohne Verband. Die Abnahme (Gypsschere) erfolgt beim Hund nach 3—4 Wochen, beim Pferd nach 6 —12 Wochen.
Die bei Fracturen des Menschen neuerdings behufs Vermeidung der nach lange liegenden Contentivverb.Hndcn zurückbleibenden Muskei-atrophien und Allgemeinstörungen eingeführten (ichverbände sind in der Thierheilkunde nicht verwendbar. Dagegen kann namentlich bei jungen Thieren die Callusbildung befördert werden durch die innerliche Verabreichung von Phosphor; die Dosis desselben betrügt für Pferde 0-01—0-05. für Hunde %—2mg.
Prophylaxe laquo;ler Knoohenbrttohe. Beim Pferde bildet die Verhütung
von Knoohenbrttchen beim Abwerfen eine wichtige Aufgabe des Chiiurgen. Es köntion sich liiebei namentlich Brüche der Wirbelsäule, des Femur und des Beckens ereignen. Indem bezüglich der Pathogenese dieser Einzelbriiche auf die Lehrbücher der speciellen Chirurgie verwiesen werden muss, mögen hin­sichtlich ihrer Verhütung die nachstehenden kurzen Bemerkungen hier Platz linden.
1.nbsp; nbsp;Wirbclbrüche kommen am häufigsten beim Abwerfen von älteren und von Vollblutptordun vor. Bei älteren Pferden ist die Ursache in einer senilen Knochenatrophie oder in Ankylosirnng der Wirbelgelenke zu suchen. Da hie-gegen Palliativmittol nicht anwendbar sind, mache man sich zum Grundsatz: ältere Pferde •womöglich im Stehen zu operiron (Zahnextraction) und nur in ganz dringenden Fällen abzuwerfen. Bei Vollblutpferden gibt namentlich die Castration Veranlassung zum Abwerfen und zur Entstehung spontaner Eractnren in Folgo übennässiger Contraction des Eongissimus dorsi und Ileopsoas. Die Prophylaxe besteht in einer schwächenden Vorboroitungs-cur; knapper Fütterung, Ermüden durch Aufbinden und starke Bewegung, An-wondung von Abführmitteln (Arecolin, Eserin), Einspritzung von Morphium u. s.w., feiner im Anlogen des Kückengurtes vor dem Abwerfen, in möglichst gestreckter Haltung dos Halses und Kopfes im Liegen, in der Ver­hütung von Seitwürtsbcwogungen durch Belastung der Kruppe und Fixiren des Kopfes, sowie im Chloroformiren.
2.nbsp; nbsp;Brüche des Femur werden am ausgebundenen oberen Fasse in der Kegel dadureh bedingt, dass derselbe an einem Bauchgurt fest iixirt oder zu weit nach vorn gozogon wird. Man gestatte dem ausgebundenen Ilinterfuss wo-
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Knoclicnlmiche.
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möglich etwas Fi-eihoit in der Bewegung (BerllnOI Aus bhulcmethode) und sorge dafür, dass dessen Hut'niemals über das Kllenbogengelenk naeb vorn und aufwärts gezogen wird. Aussordem cliloroformire man edlere Pferde.
3. Beokeubl'Qohe werden duroh einen harten Hoden bei mangelhafter Unterlage voranlasst. Sie lassen sich leicht verhüten durch eine ausreichend dicke Strohlage.
In forensischen l'MIlon sind die erwähnten Punkte von ganz besonderer Bedeutung. Kann der Operateur nachweisen, dass er vor dem Abwerfen und während der Operation die gonannteu Vorbeugungsmittel richtig und ausreichend angewandt hat, so trifft ihn keinerlei Verantwortlichkeit, wenn trotzdem ein Knochenbruch eintritt. Solche Knochenbrücho kommen thatsächlich auch bei der sorgfältigsten Prophylaxe ohne Jede Schuld und Verant­wortlichkeit von Sei ton des Opera tours vor. Dass spociell auch durch das Anlegen eines Küekcngurtes, beziehungsweise ßernadot-lUitel'schon Apparates Wirbelbrüchc nicht mit Sicherheit zu vermeiden sind, hat mich die eigene Er­fahrung gelehrt. Ich muss mich daher im Gegensätze zu anderweitigen Be­hauptungen dein Aussprudle Möller's anschliesson, dass das Werfen der Pferde stets mit einer gewissen Gelahr verbunden ist.
Bohaiullimg der complicirten Kiiochenbrüche. Dieselbe weicht wegen des gleichzeitigen Vorhandenseins einer offenen Wunde von der Behandlung der einfachen, subeutanen Fractur ganz wesentlich ab. Im Gegensatz zur vorantiseptischen Zeit sind seit Einführung der antiseptischen und aseptischen Methode und Dank den kriegs­chirurgischen Erfahrungen der letzten .lahrzehnte (von Bergmann u. A.) die Heilerfolge auch bei dan complicirten Fracturen, welche früher fast ausschliesslich durch Amputation behandelt wurden, viel günstiger geworden. In der mensclienitrztlichen Chirurgie unterscheidet man in therapeutischer Hinsicht vier Kategorien complicirter Knochenbrüche:
1.nbsp; Hat nur eine geringfügige frische Perforation der Haut durch ein spitzes Knochenfragment stattgefunden (Durcli-stechungsfractur), so wird ein sogenannter aseptischer Gyps-Ooclusionsverband angelegt. Die aseptische Occlusion wird in der Weise ausgeführt, dass nach sorgfältigster Desinfection der Hautwunde und der perforirenden Knochenspitze die Bruchenden reponirt, die Bruchstelle mit einem regelrechten aseptischen Verband bedeckt und über das Ganze ein Gypsverbancl angelegt wird, der bis zur voll­kommenen Heilung liegen bleibt.
2.nbsp; Liegt ein frischer complicirter Bruch mit schwerer, ausgedehnter Verletzung der Haut und der Weichtheile. be­ziehungsweise mit Splitterung, oder eine offene Gelenks-
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]ieliandlung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 179
fractur vor, so darf ein Gypsverband niclit angelegt werden. Die Wunde wird vielmehr nach den Kegeln der Antisepsis grüiulliehst desinticirt. das zerrissene Gewebe, das ergossene Blut sowie die vorhandenen Knochensplitter und Fremdkörper entfernt, sehr spitze Eruchenden mit der Zange weggenommen, die blutenden Gefässe unterbunden, die Hautwunde behufs übersichtlicher Freilegung der ganzen Bruchstelle eventuell sogar noch erweitert, die Wundhöhle sorgfältig irrigirt, drainirt und sodann mit Jodoformgaze tamponirt, die Haut unter Umständen theilweise vernäht, worauf das Ganze mit einem aseptischen Verband bedeckt wird, der je nach Bedarf gewechselt wird. Ein Gypsverband darferst nach vollständiger Heilung der Wunde angelegt werden. Nur bei kleineren Verletzungen kann ein gefensterter Gypsverband von vornehercin angelegt, und die Wunde durch das Fenster des Verbandes bis zur Heilung mit asepti­schen Verbänden behandelt werden.
3.nbsp; nbsp;Aeltere, über 1—2 Tage alte, eiternde, complicirtc Fracturen, namentlich solche, bei denen bereits jauchiges Wundsecret, gangränöser Gewebszerfall sowie septische Phlegmone in der Umgebung der Bruchstelle zu constatiren ist, müssen nach energischer Desinfection und nöthigenfalls breiter Incision offen, am besten durch permanente antiseptische Irrigation behandelt werden.
4.nbsp; nbsp;Bei intensiven' Zermalmung und Zerquetsc.hung der ganzen Bruchstelle, sowie bei drohender septischer Allgemcin-infection von einer stark vereiterten und verjauchten Fracturwunde aus, bleibt, wenn durch die örtliche Behandlung die Gefahr für das Leben nicht beseitigt werden kann, als letztes Rettungsmittel nur die Amputation der ganzen Gliedmasse Übrig. Im Uebrigen ist die Amputa­tion auf die beiden eben erwähnten Indicationen zu beschränken. In der thierärztlichen Praxis kommt der letztere Fall wohl nur beim Hunde in Betracht.
Die wichtigsten Knochonbrttohe beim Pferde, l. Beokenbrüohe bilden niimentlieii in grösseron Städten mit gepflasterton Strassen die liäulig.ston Fracturen. Die Mehrzahl der Hcckonbrücho betritlt den äusseren Darniboinw inkel. Diese prognostisch nicht ungünstige Fractur (Heilung nach -l— f'gt; Wochen) ist durch die Senkung der abgobroehenen Hüfte charaktorisirt. Eine zweit'elhafte Prognose bieten Brüche der Darmbeinsäule, welche sich ausser durch Lahmheit, durch Crepitation beim Auflegen einer Hand auf die Hüfte, der anderen auf die Gegend des Sitzboinhöckors bei gleichzoitigem Hiniibertretenlassen des Pferdes äussert und auch durch rectale Untersuclmng, sowie die zuweilen nachweisbare Senkung der ganzen entsprechenden lieckenhälfto nachweisbar ist. Ungünstig sind feiner
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Knoclienbrüclie
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die Fractuion durch das ovale Loch (inncrü Verblutung in Folge Zeireissung der Verstopf'ungsarterie), am Schumbein (rectalo Untersuchung, Anschwellung unter dem Hauchej, lateralen Sitzbcinaste (Perforation der Scheide, Creju-tntion), am Sitzboinhöckor (Ansehwellung). Meist unheilbar sind endlich l'Vacturcn, welche durch die Gelenkpfanne des Hüftgelenks gehen (Crepitation, abnorme Beweglichkeit, hochgradige Lahmheit), sowie Trennungen in oder neben der Heckonsymphyse (Untersuchung durch Mastdarm und Scheide). Ein Verband ist bei keinem dieser Jhücho anzulegen.
2, lirüche des Fesaelbeins entstehen nach forcirten Drehbewegungen und ungleicher Belastung im Fessolgelenke, bei Fehltritten und raschen Wondungen, sowie beim Springen der Rennpferde. Es kommen theils Queibriiche, theils liängsbriiche, schiefe Brüche, Transversalbrüche, Ypsiionbrüche, T-Brüchc, theils Splitterbrüche und Comminutivfraeturen vor. Sehr häufig sind ferner Fissuren. Die Fracturon sind durch Crepitation, abnornio Beweglichkeit und hochgradige Lahmheit, die Fissuren durch ebenfalls sehr stiirke Lahmheit und zuweilen nachweisbare schmerzhafte Linie gekennzeichnet. Die Prognose bei den Fracturen ist sehr zweifelhaft, bei den Fissuren nicht ungünstig (Heilung nach Anlegung eines Gipsverbandes In 1-—2 Monaten). Aehnlloh verhalten sieh die Kronbein-brücho (meist Splitterbrüche) und die llufboinbrüche.
8. Brüche des Unterschenkelbeins entstehen in der Regol durch Hufsehlägc von Xebenpferden an der inneren, von Muskeln nicht bedeckten Fläche dor Tibia. Nicht selten entwickelt sich die Fraetur aus einer voraus­gegangenen Fissur und Infraction. Meist sind es complicirte Brüche mit sichtbarer Haut- und Knochen wunde, abnormer Beweglichkeit des Unterschenkels und nachweisbarer Crepitation. Derartige complicirte Fracturen sind in der Regel unheilbar. Fissuren bedingen Lahmheit und Schmerzhaftigkeit bei der Palpation, sind aber meist nicht mit Sicherheit zu diagnosticiren. In jedem Falle bringe man Pferde, bei denen eine Fissur der Tibia vermuthet wird, in einen Hängegurt oder binde sie hoch, weil sieh sehr leicht beim Niederlegen und Aufstehen aus der Fissur eine Fraetur entwickelt.
4. Brüche der Wirbelsäule entstehen als spontane Fracturen beim Abwerfen, sowie als Biegungsfracluren beim Aufstehen durch Latirbäumo, unter welche die Pferde zu liegen kommen. Die spontanen Brüche sind meist Con-(| uassationsfracturon der letzten Rückenwirbel oder der ersten Lendenwirbel, hervorgerufen durch eine hefiige Contraction des Longissimus dorsi und Ileop^oas (übermässige Krümmung des Rückens) oder einseitige Con­traction der Uückenmuskel (Soitwärtsbewegung des Rückens). In Folge von Quetschung und Zerreissung des Rückenmarks durch die fracturirten Wirbelkörper entsteht eine Paraplegic des Hlntertheiles, d. h. eine vollständige motorische und sensible Lähmung (Unvermögen aufzustehen, Unempfindlichkeit auf Nadelstiche mit scharfer Grenzlinie, zuweilen auch spinale Krämpfe); abnorme Beweglichkeit sowie Crepitation sind in der Etegel nicht nachweisbar, dagegen wird zuweilen im Moment der Entstehung der Fraetur ein dumpfes Geräusch gehört. Derartige
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Knoeheiibriiohe licim Pferde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18]
Brüche sind unheilbar; ge\yöhnlieli erfolgt nncli 24 Stunden der Tod in Folge nsenndirender Lähmung. Zuweilen entwickelt sich die Fractur erst längere Zeit luieli einer vorausgegangenen Fissur.
f). Brttohe des Oborsohenkelboins ereignen sich namentlich durch zu hohes Ausbinden des Hinterfusses beim Castrircn, sowie durch Sturz. Nicht selten sind SplltterbrUche; zuweilen ist nur ein Umdrehor gebrochen. Erscheinungen: hochgradige Lahmheit und Schmerzhat'tigkeit bei Palpation, abnorme Beweglich­keit, Crepitation, Fieber. Abgesehen von den Trochantcren-Fracturcn sind die lirüclie des Oberschenkelbeins, auch die einfachen, in der Kegel unheilbar.
G. Eippenhrücho entstehen durch Sturz, Gegonfahren, Quetschung durch Nebenpferde, Abwerfen etc. und sind entweder Infraetionon oder einfache Quer-brücbe; nach Hufsehlägen entstehen auch complicirte Fracturen, welche zuweilen llippeniisteln hinterlassen. Die einfachen Rippenbrttche werden häufig übersehen. Uio locale Untersuchung ergibt Ansehwellung, Sclnnerzhaftigkeit sowie Vertiefung an der Bruchstelle; Crepitation ist meist nicht festzustellen, dagegen besteht nicht selten subeutanes Emphysem. I!ei perforirenden Kippenbrüchen entwickeln sich die Erscheinungen der Pleuritis und Pneumonie, sowie des Pneumothorax. Die Prognose dor einfachen Rippenbrttche ist günstig; die Heilung erfolgt bei einfacher Ruhe nach 4—6 Wochen.
7. Brüche des Unterkiefers entstehen durch Sturz, Gegenrennen, Huf-schlage, Zahnoperationen etc. Am günstigsten sind Brüche in der Medianlinie (Heilung nach 1 Monat), weniger günstig Querbrüche des Körpers (abnorme Beweglichkeit, Crepitation), Brüche des Kronfortsatzes und der Seitenäste (Schwellung, Crepitation, Kaustörungen). Nicht selten sind ferner Brüche des Z w i s c h o n k i e f e r s.
Bezüglich der Fracturen der übrigen Kopfknooben, ferner der Brüche des Schultorblattes, Brustbeins, Radius, Ellenbogenbeins, Metacarpus, Metatarsus, Calcanous, Erbsenbeins, Strahlbeins, der Knieseheibe, der Gloichbeino u. s, w. Vgl. die Lohrbüchor der speciellen Chirurgie.
Die wichtigsten Knoohenbrttoho heim Hunde. L Knochen der Vorder-
extremitäton. Die Fracturen der Schenkelknocben bilden beim Hunde die überwiegende Mehrzahl aller Knoehenbrüche. Dabei zeigen die Fracturen der Vorderbeine etwa die gleiche Häufigkeit, wie dio der llinterextremitäten. Die Knochen der Vorderbeine wurden nach dem mir vorliegenden statistischen Materiale in nachstehender Häufigkeitsfolge betroffen:
Radius und Ulna ....nbsp; nbsp; nbsp;122mal
Humerus.......nbsp; nbsp; nbsp; 64 „
Metacarpus......nbsp; nbsp; nbsp; ^1 „
Phalangen.......nbsp; nbsp; nbsp; 29 „
Carpus........nbsp; nbsp; nbsp; 12 „
Scapula....... !) ,,
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Knochenbriichc.
Fust die Hälfte aller Fracturon dos Vorilorschenkels betrift't somit Radius und Ulna. Ks hängt dies offenbar damit zusammen, dass diese Knochen die längston und dabei ziemlich dünn und wenig geschützt, somit traumatischen In­sulten am meisten ausgesetzt sind. In zweiter Linie folgt der ebenfalls sehr lange Ilumerus. Ziemlich häufig brechen auch die dünnen und dabei relativ langen Metacarpalknochen und die Quetschungen besonders ausgesetzten Phalangen. Dagegen haben die kurzen, gedrungenen, widcrstandsffiliigen Carpftlknoohen und die durch dicke Muskelmasscn und ihre Lage am Rumpf geschützte Scapula die wenigsten Fracturen aufzuweisen, lieber die einzelnen Knochen der Vorder-extremitäten ist im Speciellen Folgendes zu bemerken:
1.nbsp; nbsp;Die Scapula bricht am häufigsten an ihrer schmälsten Stelle, nämlich am Halse und sodann am Kopfe; unter den von mir behandelten neun Scapula-fracturen botreffen fünf, somit über dio Hälfte, den Hals und drei den Kopf, beziehungsweise die Gelenkfläche der Scapula. Die Ursachen der Scapulafracturen sind meistens im Ueborfahrcmverden und Herunterfallen zu suchen. Ihre Prognose ist im Allgemeinen, trotzdem knapp anscbliessende Verbände (Sattel-Gypsverbaiul) schwor anzulegen sind, eine günstige; es sind wenigstens unter den nenn von mir behandelten Schulterblattfracturen acht geheilt.
2.nbsp; nbsp;Dio Fracturen des Humerus botreffen in der überwiegenden Mehrzahl das untere Ende, da wo der Humerus oberlmlb der Trocblea am dünnsten und schwächsten ist (Gegend der unteren Epiphysc). liesonders leicht brechen ferner die Ränder der Gabelung rechts und links von den Fossae supratrochleares, so­wie die Epicondylen. Unter 54 Humerusfracturon befanden sich 45 = 83quot;, „ um unteren Drittel des Humerus. Crepitation und abnorme Beweglichkeit des Ober­armbeins im unteren Drittel sind die gewöhnlichen Symptome dieser meist ein­fachen Fracturen. Die Prognose ist ziemlich günstig, es empfiehlt sich jedoch auch hier ein gesattelter Gypsverband. Von dm 45 Brüchen des unteren Humorus-eudes wurden geheilt, beziehungsweise in Heilung begriffen entlassen 40 = 90'%, 5 = 10quot; u blieben ungeheilt. 15ei den letzteren handelte es sich um veraltete, com-pllcirte und Splitterfracturcn oder um mehrere gleichzeitige Brüche anderer Knochen.
ii. Die Brüche des Had ins und der Ulna erfolgen in der gröäsereu Mehrzahl (Hälfte bis zwei Drittel) aller Fälle ebenfalls im unteren Drittel. Die gewöhnliche Bruchstelle ist die Gegend der unteren Epiphyse, unmittelbar über dem Carpalgelenk. Von 107 Fracturen beider Knochen betrafen 09 = G5quot;„ das untere, 21 = 20deg;/,, das mittlere, 17 = 15quot;/u das obere Drittel. Meist sind beide Knochen zusammen gebrochen; unter 122 Fracturen befanden sich 10(1, in welchen gleichzeitig Kadius und Ulna gebrochen war. Seltener bricht die Ulna allein (unter 122 Fällen llmalj; gewöhnlich bricht hiebei das Olecranon, welches durch seine freie, abstehende Lage Insulten am meisten ausgesetzt ist. Am selten­sten sind isolirte Fracturen des Kadius; unter 122 Fracturon des Vordorschonkels war nur 4mal der liadius allein gebrochen. Kelativ häufig sind dagegen nament­lich bei jungen Thicrcn Trennungen der Ulna vom Radius im Kllenbogengelenk.
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Knochenbriiche beim Hunde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^3
Die Prognose der Radiuslaquo; und Ulnnfmcturen ist unter allen KLnoohonbl'Qobstl die beste. Liegen keine schwei'en, complicii-ten oder Splitterbrüche vor, so gelingt die Heilung unter dem Gypsvorband ohne Ausnahme nach durchsehnittlich drei Wochen. Der Verband selbst ist an dieser Kürperstelle am leichtesten an­zulegen. Ein Sattel verband ist überflüssig; es genügt, das Ellenbogen- und Carpal-gelenk mit in den Verband herein zu nehmen. Von den 122 in Behandlung ge­nommenen Fracturen des Radius und dor Ulna sind nur drei Fälle ungehcilt geblieben.
4. Die Knochenbriiche des Carpus und Metacarpus, sowie der vorderen Phalangen werden theils durch Fall, Stoss und Schlag, theils durch Quetschungen (Ueberfahrenwerden, Pferdetritt) veranlasst. Während die Fracturen der C'arpal-knochon seltener vorkommen, sind die der Metacarpalknochen ziemlich häufig (unter 122 befanden sich .'51 = 25l,/„ aller Fracturen am Vorderschenkel). Meistens handelt es sich um einen Querbruoh sämmtlicher vier, beziehungsweise fünf Metacarpalknochen im oberen Drittel oder in der Mitte. Seltener sind nur ein oder zwei Knochen gebrochen. Unter 31 Fällen waren 22mal sämmtliche, Tnial mehrere, 2mal nur ein Metacarpalknochen gebrochen. Die Prognose der einfachen Fracturen des Carpus und Metacarpus ist eine durchaus günstige. Die Brttoho der Phalangen sind meistens complicirt (Quetschung der Pfote durch Ueberfahven oder Treten). Indessen ist die Prognose auch dieser eompliciiten Fracturen eine gute, da im Nothfalle die Amputation einer oder einiger Zehen rasche Heilung bringt. Diese sehr einfache Operation sollte im Allgemeinen nicht zu spät vor­genommen werden, weil die Heilung des Hruches durch die abgestorbenen, be­ziehungsweise zersplitterten Knochcnstüeke sehr verzögert wird.
II. Knochen dor Hinterextremitäten. Ordnet man die einzelnen Knochen des Hinterschenkels nach der Häufigkeit) mit welcher sie sieh an den Fracturen betheiligen, so erhält man folgende Reihe. Unter 2(3!! von mir be­handelten Fracturen der Ilintorschenkelknoehen entlielen auf
Tibia und Fibula ....nbsp; nbsp; nbsp;94
Femur........nbsp; nbsp; nbsp;91
Metatarsus.......nbsp; nbsp; nbsp;32
Becken........nbsp; nbsp; nbsp;18
Phalangen.......nbsp; nbsp; nbsp; 17
Tarsus........nbsp; nbsp; nbsp; 11
Am häufigsten, und zwar ziemlleh gleich häufig, sind somit die Fracturen der Tibia und Fibula, sowie des Femnr. Sie bilden je ein Drittel aller Hinter-schenkelfracturen: von den 203 Fracturen entfallen 18') = zwei Drittel auf die genannton Knochen. Es hängt dies offenbar wie beim Radius und HumerUS damit zusammen, dass Femur und Tibia die längston, also auch am leichtesten zerbrechlichen Knochen des Hinterschenkols sind. Am seltensten brechen die kurzen, massiven Tarsalknochen; auch unter ihnen wird der längste, nämlich
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iy4:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Knochcnbriiche.
der CaloanOUS, am i-fliitiv hiiufigstcn von Fracturen betrod'en. Im Speotellen ist Folgendes erwiiluienswerth:
1.nbsp; nbsp;Das üeeken erleidet beim Hunde Fiacturen au sehr versehiedenen Stellen. Am häufigsten scheinen nach meinen JJeobachtungen die Bl'ttohe des Darmbeins zu sein; dieselben betroffen namontlieh die Darmbeinsäule, den iiusseron Darmbelnwlnkel und die Gegend der l'fiinne. Aber auch Brüche des Sitzbeins und Schambeins, sowie TreDDUngen der Symphyse sind nicht selten. Zuweilen sind zwei und selbst alle drei Heekenluioehen fracturirt. Die Vcriudassung zu Jiecken-fracturen gibt beim Hunde in der Hegel das Ueberfahrenwerdon; seltener sind Sturz, Sehlag, Biss und Getietcnwerden die Ursache. Die Erscheinungen der Beekenbriiehe bestehen in Lahmgelion, beziehungsweise Lähmung der Hinterhand, Verschiebung der Beokencontouren, Nachweis von Crepitation und abnormer Beweglichkeit bei äusserer und roctaler Palpation, Anschwellung, Schmerzhaftig-keit n. s. w. Die Prognose der Beckenbrttehe ist eine ungünstige; unter 18 von mir behandelten Fällen war nur Gmal eine Heilung, beziehungsweise Besserung zu erzielen.
2.nbsp; nbsp;Die Fraeturen des Femur haben in der grossen Mehrzahl aller Fälle ihren Sitz im unteren Drittel, in der Gegend der unteren Fpiphyse, unmittelbar über dorn Knie. In zweiter Linie folgen die Fraeturen des oberen Drittels, nament­lich des Halses, in dritter die in der Mitte des Femur gelegenen Fraeturen. Unter den ill von mir behandelten OberscheDkelbrüchen befanden sich 62 = zwei Drittel aller im unteren Drittel, 18 im oberen, beziehungsweise am Collum femoris, 11 in der Mitte. Dio Prognose der Obei Schenkelbrüche, insbesondere die des Halses, ist in Anbetracht der Schwierigkeit der Fixirung, namentlich bei männlichen Hunden vorsichtig zu stellen. Von den 91 mit Gipsverband behandelten Fraeturen blieben 10=lln/ii ungeheilt. Auch ist die Dauer der Heilung eine etwas längere, sie beträgt im Durchschnitt vier Wochen.
;!. Die Tibia, beziehungsweise EHbula bricht ähnlich wie dor Femur inn häufigsten im unteren Drittel, dem schwächsten und durch Muskel am wenigsten geschützten Theile des Knochens. Von 94 Fraeturen befanden sich üi — (iOquot;, o in der Gegend der unteren Epiphyse, 23 im oberen, 17 im mittleren Drittel der Tibia. Ihre Prognose ist, wofern es sich nicht um complicirte Fraeturen handelt, wesentlich günstiger, als die dor Oberschenkelbrüche. Von den 94 in Behandlung genommonen Tibiafracturen blieben nur 5 = 60,'o un­geheilt.
4. Die Hrüclie des Tarsus, Metatarsus und der Phalangen zeigen im Allgemeinen ein ähnliclies Verhalten, wie die entsprechenden Knochen der Vorderextromität. Auch hier sind die Fraeturen des Metatarsus wesentlich häufiger als die des Tarsus; auf 32 Brüche des Metatarsus kommen nur elf Brüche der Tarsalknochen (darunter vier des Calcaneus). Am häufigsten bricht der Metatarsus oben und in der Mitte. Die Prognose ist günstig. Hei den Fraeturen der Phalangen endlich handelt es sich meist um complicirte Brüche, Von ihnen gilt das bereits früher bei den Zehenbriicben der Vorderbeine Erwähnte.
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Knochenbriiclie beim Ihimlo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 185
III.nbsp; nbsp;Kojifknoclien. Die Fi'Aotui'en der Kopfknooben sind beim Hunde sehr soltcn. ünlev 648 Fracturon betrafen nur vier, nlso nicht einmal 1%, die Kopfknoehen. Am relativ häufigsten unter denselben bricht der Unterkiefer. Die Bruchstelle befindet Meh moist am Küpper dos Unterkiefers, wo entweder die Symphjse im Kinnwinkel auseinander weicht, odor der Körper liintor den Hakenzähnen quer abbricht; auch einseitiges Abbrechen des Körpers In der Umgebung eines Ilakenzahnes kommt vor. Die Ursachen der Kiof'erfracturen sind in Ueberfahrenwerden, Sturz, beziehungsweise Schlag auf den Kopf, Fest-boissen U. s. W, zu suchen. Die Erscheinungen bestehen in Herabhängen dos Unter­kiefers, abnormer Beweglichkeit, Crepitation, Schmerzhaftigkeit, Speicheln, Bluten aus dem Maule, erschwerter, beziehungsweise gänzlich aufgehobener Putterauf-nähme. Die Behandlung ist im Allgemeinen, namentlich aber bei sehr unruhigen Hunden, schwierig, Symphysenfraehiren lassen sich noch am leichtesten in der Weise behandeln, dass man einen ürahtverband anlegt. Dagegen ist bei Quer-fraoturen das Anlegen eines Verbandes meist unmiiglieh. Ich pflege daher das abgebrochene KieferstUok, wenn es keine Neigung zum Anheilen zeigt, heraus­zuschneiden.
IV.nbsp; nbsp;Knochen der Wirbelsäule und des Rumpfes. Sicht man von den zahlreichen, durch Uoberfahren, Einklemmen u. s. w. veranlassten, meist complicirten Fraoturen der Sohwanzwirbol ab (Therapie; Amputation des Schweifes), so sind die Brttolie der übrigen Knochen der Wirbelsäule als sehr selten ZU bezeichnen. Nur an zwei Stellen derselben kommen öfters IVactureu vor: an den Halswirbeln und an den Lendenwirbeln. Brüche der Kücken­wirbel, d. b. des Wirbelkörpors habe ich beim Hunde dagegen bisher noch nicht beobachtet. Die Ursachen dor Bt'Qoho der Wirbelsäule sind theils Ueberfahren­werden, tholls Sturz und Stoss, beziehungsweise Schlag, Die Erscheinungen sind Jo nach der Oerflichkeit sehr verschieden. Die schwersten Zufälle werden durch die Fraoturen der Halswirbel bedingt. Aber auch die Brüche der Lendenwirbel, beziehungsweise des Kreuzbeins sind, wenngleich nicht sofort lebensgefährlich, doch von so schweren Lähmungen begleitet, dass eine Heilung in der Regel aussichtslos ist.
Die Brüche der Kippen sind häufiger als die der Wirbelsäule. Veran­lassung hiozu gehen Ueberfahrenwerden, Quetschungen durch Schlag, Wurf und Stoss, sowie bei kleineren Hunden Verletzungen durch die Bisse grösserer Hunde. Die Zahl der gebrochenen Rippen ist verschieden. Im Allgemeinen sind die Fracturen mehrerer Hippen häufiger als die einer einzigen. Dio Prognose ist ziemlich günstig; immerhin kann der Ausgang durch Hinzutritt einer Pleuritis oder Pneumonic auch ungünstig sein. Die, Erscheinungen der Rippenbrttche bestehen in Anschwellung oder umgekehrt In einer Vertiefung an der Bruchstelle, Sehmerz-haftigkeit derselben, Crepitation der Bruehenden (fehlt oft), umschriebener Dämpfung. Keibiingsgeräusehen etc. Sehr selten sind beim Hunde Fracturen des Sternums; ich habe nur einen einzigen Fall beobachtet.
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ISO
Kuochenontzündimg.
II. Knochenentzündung;. Periostitis,
Ostitis, Osteomyelitis.
Kinf liciliiilii'. Wie bei don Entzündungen anderer Organe kann man auch die Knochenentzündung von verschiedenen Gesichtspunkten aus einthcilen. Man kann nach dem Verlaufe acute und chronische, nach der Ursache traumatische, spontane, hämatogene und specifisehe (tuberoulöse, aktinomykotische, botryomykotische, pyftmi-selie. rotzige), ferner primilre und secundlire (symptomatische, tneta-statisehe), bacterielle (septische) und nichtbaeterielle (aseptisclie), endlich nach dem Charakter des Entzündungsproductes eiterige, ossifi-cirende, fibröse, granulöse und nekrotisirende Knochenent­zündungen unterscheiden. Für die Zwecke der praktischen Chirurgie empfiehlt es sich, den Knochen in seine anatomisch-physiologischen Bestandtheile zu zerlegen und die Entzündung der Beinhant, der eigent­lichen KnoohensubStanz und des Knochenmarks gesondert zu be­trachten. Während in der Mensohenheilknnde die Entzündung des Knochenmarks die weitaus wichtigste Knochenentzündung darstellt, ist dies in der Thierhcilkunde nicht der Fall. Bei den Thieren hat vielmehr die Entzündung der Beinhaut die grösste praktische Bedeutung. Insbesondere ist beim Pferde das Periost als äusserste Knochenschichtc den meisten traumatischen Insulten ausgesetzt.
Demnach müssen in einem Lchrbucho der thierUrztlichen Chirurgie die einzelnen KiKichenentzündimgcn in nachstehender Reihenfolge ab­gehandelt werden:
1.nbsp; nbsp;j)ie Entzündung der Beinhant (Periostitis);
2.nbsp; die Entzündung der Knoohensubstanz (Ostitis);
?). die Entzün d ung des Knochenmarks (Osteomye 1 itis).
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I
I
1. Die Entzündung der Beinhaut. Periostitis.
Formen. Man unterscheidet die nachstehenden nach Ursache, Verlauf, Entzündungsproduct und vor Allem auch bezüglich der Be­handlung verschiedenen Formen der Periostitis:
a) Die acute niohteiterige Periostitis, welche auch als asep­tische, traumatische Knochenentzündung bezeichnet wird, indem sie ohne die Mitwirkung von Baoterien lediglich durch traumatische Beize (Quetschung, Druck, Schlag) subeutan verursacht wird. Eine derartige acute aseptische Periostitis entwickelt sich beispielsweise auch
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Periostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
im unmittelbaren Anschluss an einfache, subeutane Knoclienbrüche. Die gewöhnlichen Ursachen beim Pferde sind Hufschliigc, Streifen, Kronentritte. Ladendruck, Anstossen u. s. w.; die Entzündung' ist da­her gewöhnlich eine umschriebene. Da die JBeinhaut eine sehr nerven­reiche Membran darstellt, öussert sich die frische Periostitis vor Allem in grossei* Schmerzhaftigkeit bei Palpation, beziehungsweise in Lahm gehen, ausserdem in einer umschriebenen festweichen Schwel­lung und höherer Temperatur. Die Behandlung besteht in der Anwendung von Kälte, feuchter Wärme, Priessnitz'schen Umschlilgcn. Massage, Einreiben von Kampfer, .Jodoform, Jod, grauer Quecksilber­salbe u. s. w. Gewöhnlich geht die acute Entzündung aber in die nach­folgende Form, in die chronische ossificirende Periostitis über,
lgt;) Die chronische ossificirende Periostitis entwickelt sich aus der Vorigen. Sie verläuft in der tieferen Schichte der Beinhaut, dem Sitze der Osteoblasten. durch deren ossificirende Thiitigkeit die Verknöcherung des EntzUndungsproductes zu Stande kommt. Ein typisches Beispiel für die ossificirende Periostitis ist die Caliusbildung bei einfachen Knochenbriiehen (vgl. S. 172). Genau in derselben Weise entwickeln sich aus der umschriebenen acuten. nichteiterigen Periostitis chronische entzündliche Knochenneubildungen. welche als Ueber­be ine oder Exostosen (Osteophyten, Hyperostoscn) bezeichnet werden. Diese Ueberbeine stellen heim Pferde die wichtigste Knochen­entzündung und eine der häufigsten Knochenkrankheiten überhaupt dar. Man findet sie namentlich an der Innenfläche des Meta­carpus, in der Umgebung dos Krongelenks (periarticuläre Schale; die Exostosen entsprechen den Insertionsstellen der Gelenk­bänder), in der Umgebung des Sprunggelenks (Spat, Rehbein) sowie am Unterkiefer (Ladendruck am Zwischenzahnrand; Druck der Krippe auf den unteren Kieferrand). In allen diesen Fällen wird die Exostosenbildung durch chronische, häufig wiederholte, traumatische Reizung des Periosts veranlasst, z. B. bei der Schale durch die fort­gesetzte einseitige Zerrung der Bänder in Folge abnormer Stellung der Hufe. Auch das überwiegende Vorkommen der Ueberbeine an der inneren Fläche des Metacarpus ist auf derartige einseitige Zerrung des Periosts zwischen Metacarpus und Griffelbein zurückzuführen; während nämlich an der Aussenseite des Carpalgelenks das Hakenbein nicht nur auf dem lateralen (irift'elbein. sondern gleichzeitig auch auf dem Metacarpus ruht, wird das mediale Griffclbein vom kleinen viel­eckigen Bein ausschliesslich belastet, und dadurch seine Verbindung
mit dem Röhrenbein bei abnormen Stellungen der Vorderbeine an-
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Periostitis.
haltend gezerrt. Von 282 Uebcrbcincn waren nicht weniger als 224 vorn innen (114 links, 100 rechts) und nur 35 vorn ausseiraquo; (Preussisoher Militär-Veterinär-Bericht pro 1894). Ausserdem beobachtet man Exo-stosenbilduug am llumerus l)ei chronischerButsitis intertubercularis. in den Zahnalveolen bei chronischer Alveola rperiostitis (Ver­wachsung der Zähne mit der Alveolarwand; schwierige Zahnoxtraction). sowie gleichzeitig an mehreren Knochen als sogenannte multiple, symmetrische Exostosis und .Hyperostosis. Eine derartige multiple Exostosenbildung heim Hund ist von Kitt heschriehen worden: zahlreiche Knochen, namentlich der Unterkiefer, die Vorarmknochen und ünterschenkelknochen zeigten Knoohenauftreibungen, welche deut­lich den Muskelansätzen entsprachen, also eine myopatliische, durch Muskelzerrung bedingte, multiple. Knochenhyperplasie darstellten und wahrscheinlich durch krankhafte Prädisposition veranlasst wurden. Zuweilen führt endlich die Exostosenbildung zu Ankylose. d. h. knöcherner Verwachsung zweier Gelenke (Spat, .Schale, Wirbelsäule), sowie zu Synostose (knöcherne Verbindung des Metacarpus und Qriffelbeins). Die Behandlung der ossiticirenden Periostitis besteht in scharfen Einreibungen, Brennen und Feriostotomie.
o) Die acute eiterige Periostitis entsteht meist durch Verletzungen von aussen (Knochenwunden, complicirte Eracturen), wobei Eiterbaoterien in die Heinhaut eindringen. Seltener dringen die In-fectionserresrer metastatisch vom Blute her oder durch Portleitune einer eiterigen Knochenmarkentzündung von innen nach aussen: im letzteren Falle entstehen die sogenannten s u bp er iostalen Ahscosse. Die Behandlung besteht in Incision und antiseptischer Ausspülimg.
d)nbsp; Die chronische eiterige Periostitis entwickelt sich aus der vorigen. Sie führt häufig zu Osteomyelitis, Nekrosc des Knochens und Fistelbildung. Man beobachtet sie am häufigsten im Anschlüsse an complicirte Eracturen (Rippenfistel, Bockenfistel, Brustbeinfistel), bei Ladendrlloken am Unterkiefer sowie bei Alveolarperiostitis (Zahn-listel. Einpyem der Oberkieferhöhle). Die Behandlung ist eine operative (Incision, Auskratzen. Trepaniren. Zahnextraction).
e)nbsp; nbsp;Die chronische fibröse Periostitis ist als chronische Ent­zündung der äusseren, bindegewebigen Beinhautschichte aufzufassen, welche im Gegensätze zu der tieferen Schichte keine Osteoblasten ent­hält. Sie führt zur Bildung sogenannter Pcriostschwielen mit nach­folgendem Knochenschwund und kommt z. B. beim Pferd am Nasen­rücken vor (Druck des Nasenriemens).
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Ostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iylt;j
2. Die Entzündung der Knochensubstanz. Ostitis.
Formen. Die Entzündung der TVla ossea verläuft in dem Mark­gewebe und an den Gofilssen der Jlavers'selien Canäle, sowie in der direct anliegenden Knoohensubstanz, ferner in den Markräumen der spongiösen Knochen. Die Ostitis ist in der Regel chroniscli und wird entweder durch ilussere Reize, namentlich durch Druck und Quetschung (Spat), sowie durch complicirte PVacturen, oder durch Bpeoifisohe Entzündungserreger (Aktinomyces) verursacht; auch durch Fortleitung einer Entzündung vom Periost oder Knochenmark kann sie entstehen; sehr selten ist sie hilmatogenen Ursprungs. Man unterscheidet:
n) Die rareficirende Ostitis, d. li. die mit Schwund (Osteo­porosis) des Knochens unter Bildung' von Hohlräumen (Lacunen) verlaufende Knochenentzündung. Der Schwund des Knochens ist die, Folge einer lacunären Knochenresorption seitens der Ostco-klasten. Ein typisches Beispiel einer rareficirenden Ostitis bildet die Aktinomykose des Unterkiefers beim Rinde, welche eine Combination von Ostitis rarofaciens und Periostitis ossifloans darstellt. Auch der Uebcrgang des definitiven aus dem provisorischen Callus bei Fracturen wird durch eine rareficirende Ostitis bedingt (vgl. S. 178). Einen ähnlichen Process bildet die demarkirendo Knochenentzlindung bei der Seque­stration (vgl. S. 193). Endlich wird neuerdings die Osteomalacie als eine chronische Ostitis rarefaciens mit consecutiver Entkalkung der Knochen aufgefasst (vgl. S. 195).
b) Die condensironde Ostitis bildet das Gegenstück zu der vorigen. Indem sie statt zu Schwund zu Neubildung. Verhärtung und Verdichtung des Knochens führt (Ostoosklerose, sklerosirende Ostitis). Man beobachtet sie beim Abschlüsse der Callusbildung. beim Spat, sowie nach der Verabreichung kleinster Phosphormengen (vgl. S. 173).
o) Die granulöse oder fungöse Ostitis ist charakteristisch für die Tuberoulose der Knochen. Sie entsteht hämatogen und führt in Verbindung mit einer granulösen Osteomyelitis zur Neubildung von tuberculösem Oranulationsgewebe und zu eiteriger Finschnielzuiig des Knochens (Caries). Ein ähnlicher Process kommt beim Knochenrotz und bei manchen Arthriten vor. Genaueres über Knoehentuberculose vgl. S. 137.
d) Die deformirende Ostitis ist eine chronische Knochen-entzünduug welche beim erwachsenen Menschen besonders die langen Röhrenknochen, den Schädel, die Wirbel und das Hecken befällt.
F röh nor, Allßtnneim! OhirnrgtO,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l;i
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Entziimhing des Knochenmarks.
bald Bohmerzhaft, bald sohmerzloa verläuft und zu Hypertrophie, Er-weiobung und Verbiegung der Knoeben führt. Auch der Spat des Pferdes muss als deformirende Ostitis bezeichnet werden (vgl. S, 206).
3. Die Entzündung des Knochenmarks. Osteomyelitis.
Foi'lllOll. Man unterscheidet, ähnlich wie bei der Periostitis, eine ossificirende und eiterige Osteomyelitis. Die erstere entsteht im Ver­laufe! der Callusbildung bei einfachen, die letztere bei complicirten Fracturen. Ausserdem kann eine eiterige Entzündung des Knochen­marks hämatogen, durch Eindringen der Eiterbactericn vom Blnte her entstehen (Pyämie, Lifectionskrankheiton). Eine solche hämatogene Entzündung ist auch die bei der Knochontuberculose vorkommende granulöse Osteomyelitis. Man unterscheidet ferner neuerdings eine nicht eiterige Knochenmarkentzündung (Osteomyelitis non puru-lenta, serosa. albuminosa oder mucinosa) mit nicht eiterigem, sondern blutig-serösem, zäh-schleimigem, synoviaiihnlichem Exsudate, welche durch verschiedene Ursachen bedingt wird. Bei Thieren beob­achtet man am häufigsten die eiterige Knochenmarkent­zündung nach complicirten Fracturen der Röhrenknochen, sowie im Anschlüsse an die eiterige Alveolarperiostitis; sie führt zur Bildung von Knochenfisteln, Knochenabscessen und Knochennekrose.
Beim Menschen ist die wichtigste Knochenmarkentzündung die acute, primäre, infectiöse Osteomyelitis. Diese auch als spontane diffuse Osteomyelitis oder als Knochentyphus bezeichnete Knochen-entzündung findet sich namentlich bei Jugendlichen Individuen und wird neuerdings als eine pyäm isebe Knochenaffection wachsender Knochen oder als Phlegmone der Markhöhle aufgefasst. Die bacteriologischen Untersuchungen haben ergeben, dass keine speeihsche Infectionskrankheit vorliegt, sondern dass sie durch zahlreiche Spalt­pilze, namentlich auch durch Mischinfectionen verursacht werden kann. Am häutigsten findet man als Infectionserreger den Staphylococcus pyogenes aureus; in anderen Fällen hat man Staphylococcus pyogenes albus und citrous, Streptococcus pyogenes, Mikrococcen, das Bacterium coll, Pneumoeocoen und selbst Typhusbacillen als Krankheitsursache im Knochenmark nachgewiesen. Die genannten Infcctionsstoffe dringen auf verschiedenen Wegen (Darm, Tonsillen, Lunge, Haut) in das Blut ein und erzeugen eine hämatogene. Osteomyelitis, welche meist primär, d. h. als selbststäudige Krankheit verläuft, aber auch als seeundäre
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Kntziindiing des Knoclienmarks.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\{)\
Affection itn Ansdilussc an andere Infectionskrankhciten auftreten kann. Häufig wird nur ein Knoehen. und zwar der Fomur, zuweilen aber auch melirere Knochen gleichzeitig betroffen. Man findet bei der Section multiple, confluirende Eiterherde im Knochenmark und selbst totale Vereiterung und Vorjauehung desselben, daneben eiterige Epiphysenablösung, eiterige Arthriten, seröse, serofibrinöse und eiterige Periostitis, Knochennekrose, Verbiegung und VerkrUninuing der Knochen, sowie Pyiimie und Septikilmio. Klinisch ist die Krankheit in den schlimmsten Füllen durch sehr hohes Fieber, starke locale An­schwellung, sowie durch s c h w e r e A1! g c m e i n e r k r a n k u n g charak-terisirt, welche zuweilen schon nach wenigen Tagen zum Tode führt (Bild des Typhus). In anderen Füllen verläuft die Krankheit unter den Erscheinungen des acuten Gelenkrheumatismus. Daneben beobachtet man auch einen chronischen Verlauf, sowie nicht selten bei frühzeitiger operativer Behandlung Heilung (Aufmcisselung, Aus­kratzen, Resection, Amputation).
Gibt es eine solche acute infectiöse Osteomyelitis auch bei den llausthleren? Die Möglichkeit ihres Vorkommens kann sicherlich nicht bestritten werden. Ein einwandsfreier Fall ist indessen, so weit ich die thierärztlichc Literatur kenne, bisher nicht beschrieben worden. Vorurtheilsfreio Untersuchungen und Mittheihmgen Über diesen Gegenstand sind daher im Interesse der thierärztiiehen Chirurgie sehr wünsehenswerth.
Ein von Iliias als „Osteoniy oliti s in t'oet iosa beim Ri ndequot; beschriobener Fall darf violleioht üls eelite pvinitti'6 infectiöse. Osteomyelitis im Sinne der humanen Chirurgie bezeichnet werden. Kino Schweizer Kuh aus einer Mustermolkerei, welche seit drei Jahren nie krank war, erkrankte plötzlich unter Fiebercr-scheinungen (40'1quot; C.) an einer heissen, stbmerzhaften, harten Anschwellung am rechten Verarm unterhalb des Ellenbogengelenks, bei welcher eine Verletzung der Haut nicht nachweisbar war. Die anfangs auf l'hlegmono gestellte Diagnose mussie nach lOta'giger erfolgloser Behandlung, während welcher die Anschwellung an Umfang zugenommen hatte, aufgegeben und durch die Diagnose Periostitis ersetzt werden. Als einige Tage später in der Tiefe der Gesehwulst sich Er­weichung nachweisen Hess, wurde eine Incision gemacht, worauf tich wenig Eiter entleerte, und ein Flsteloanal In der Blohtung auf das Vorarmbein festgestellt wurde. Nach einer vorübergehenden Besserung verschlimmerte sich der Zustand plötzlich, das Fieber stieg sehr hoch, und der Nährzustand ging stark zurikk. Es wurden Eiterversenkung, Verdickung dos Periostes, rauhe KnochenoberHäehe. sowie kleine abgestossene Knoehenpartikelchcn Im Eiter nacligolaquo;iesen. Einige Tage später stellte sich eine tluctuirende, zwei Händu breite üeschwulst am linken Hüftgelenke ein, der bald darauf eine zweite folgte (pyiiiuische Metastasen)
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Knochen nekrosc.
Da cine Heilung muimelir axiwsichtslolaquo; erschien, wurde die Kuli getüdtct. liei der Section fanden sich in dem höher gerötheten Knochenmark steck-nudelkopt'grosso Eitcrlierde. Dio Tola ossea zeigte ebenfalls Kiterhildung und Xokrose, das Perlost war durch seröses Exsudat geschwollen und gelockert und Hess sich leicht ahheben. Im Knochemnarkeiter war Staphylococcus pyogenei aureus neben albus enthalten.
Ob dagegen die von Frank, Ostermann, Janson, Schick n. A. be-Sohl'lebenen Fälle hleher ZU rechnen sind, bleibt mehr als tVaglich. — Eine Zu-BMntuenstellung der pathologischen Veränderungen des Knochenmarks bei ein-/.einen Krankheiten des Pferdes hat Stick er geliefert.
III. Nekrose, Atrophie und Hypertrophie der
Knochen.
1. Die Knochennekrose.
Ursachen. Dio Nekrose, d. h. das brandige Absterben von Knoebentheileu oder ganzen Knochen ist g'ewöhnlieb die Folge von gestörter Circulation im Knochen (an iim is ehe Nekrose). Sie ent­steht entweder auf traumatisebem Wege, indem bei Verwundungen oder complioirten Fr ac tu von umschriebene Tbeile des Knochens abgesplittert und dadurch aussei- Ernährung gesetzt werden; findet hiebei gleichzeitig eine Wnndinfection statt, so werden die Knochen­splitter nekrotisch, während kleine, aseptisch bleibende Knochensplitter resorbirt werden. In anderen Fällen ist die Nekrose entz lindliehen Ursprungs; sie ist namentlich die Folge von eiterigen Periostiten und Osteoinyeliten oder sie entsteht durch die Fortpflanzung einer benachbarten Entzündung auf das Knochengewebe (Nekroseba eil lus). So kommt es bei chronischen EntzUndnngszustttnden der Nasenschleim­haut zu Nekrose des Siebbeins und der Nasenmuseheln, bei nekroti-sirender Pododermatitis zu Nekrose des llufbeins, bei Sehnonnekrose zu Nekrose des Strahlbeins, bei Phlegmonen am Widerrist, Sternum u. s.w. zu Nekrose der Dornfortsätze, des Brustbeins ete. June besondere Form der Knochennekrose bildet die Knochencaries (Knochenfrass), Sie ist gewöhnlich die Folge einer granulösen, tubereulöseii Osteomyelitis und ()stitis, welche zum Absterben von Knochentheilen und zu lacuniirer Einschmelzung und fortschreitender Erweichung mit partieller Resorp­tion der abgestorbenen Partien führt; vgl. Genaueres über die Caries des Felsenbeins, der Wirbel U.S.W, beim Capitel: Knoehentuberoulose (S. 137). Werden im Verlaufe dieser Caries abgestorbene Knochen-
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Kiiochcnnekniso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;] QQ
tlieilc ausucsto.ssen. so spricht man von Caries necrotica. Eino ähnliche Caries kommt auch bei Ziilmen. munentlioii an den Bnck-ziihnen der I'fordo vor, die sogenannte Zahn caries; dieselbe besteht in einer fortschreitenden Zerstörung' des Cements und der Dentinsub-stanz durch Zersetzung der Futtermassen und Eindringen von Baeterien durch Lücken des Schmelzes (Abraspeln!) in die Zahnsuhstanz (nicht zu verwechseln mit Alveoiarperiostitis). Sehr selten sind bei den Hausthiercn einboiischo Nekrosen; auch die beim Menschen vorkommende Phos­phornokrose der Kieferknochen ist bisher nur bei Versuchstliieren i Kaninchen) nach Inhalation von Phosphordämpfen beobachtet worden.
Formen. Man unterscheidet eine partielle (umschriebene) und totale (diffuse), eine einfache und multiple, sowie eine ober­flächliche und tiefe Nekrose. Insbesondere die letztere Eintheilung ist von praktischer Bedeutung.
a)nbsp; nbsp; Die tiefe Nekrose ist in der Kegel eine umschriebene. Das abgestorbene Knochenstück wird Sequester, der Process der Ab-stossung desselben Sequestration genannt. Der Sequester wird iiiebei durch eine demarkirende Knochenentzündung (()siitis granu-losa) vom gesunden Knochengewebe abgegrenzt und an seiner Ober-fltlche durch lacunitre Knochenresorption (Ostitis rarefaciens) angefressen und eingeschmolzen (Usur, Corrosion); gleichzeitig entwickelt sich ein Wall von neugebildetem Knochengewebe um die Demorcationsstelle herum in Form einer Knochenkapsel (Knochenlade, Todtenlade, ossi-ficirende Osteomyelitis und Periostitis). Von dieser Knochenlade führt häufig ein Canal nach aussen (Knochenfistel, Cloake), durch welchen der Sequester oft von selbst ausgestossen wird. Zuweilen wird im Ver­laufe der eben beschriebenen Sequestration der ganze Knochen be­deutend verdickt.
b)nbsp; Die oberflächliche Knochennekrose verläuft häufig unter dem Bilde der Exfoliation (Abbliltterung).
BehaiKlIlllIg'. Wie beim Brande der übrigen Organe ist auch beim Knochenbrande die Therapie eine rein operative. Sie besteht in der Entfernung des nekrotischen. die Knochenfistel fortgesetzt unter­haltenden Knochen sequesters durch Auskratzen des Knochens, durch Aufmei sselung, beziehungsweise durch Trepanation desselben und Entfernung des Sequesters mittels einer Knochenzange (Sequestro-tomie, Nekrotomiei. Das Einspritzen ätzender Flüssigkeiten, sowie das Ausbrennen des Kistelcanals ist in der Kegel zur Heilung nicht ausreichend.
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Knochenatropliie.
2. Die Knochenatrophie.
Formen. Man unterscheidet eine concent rise, he, d. h. von ausseu nach innen fortschreitende Knochenatrophie, welche auch den Namen Usur (Knochenschwund) führt, und eine excentrische, von innen nach aus.sen sich entwickelnde. Die letztere Form wird wohl auch mit dem Namen Osteoporöse hezeichnet.
Ursachen. Wie bei der Atrophie der übrigen Organe (vgl. S. 81), sind auch bei der Knochenatrophie die Ursachen verschieden. Man unterscheidet:
a)nbsp; nbsp;Die entzündliche Atrophie oder Osteoporose, durch die Thätigkeit der Osteoklasten im Verlaufe der Ostitis rarefaeiens bedingt (Aktinomykose, Osteomalucic).
b)nbsp; nbsp;Die Druekatrophie oder Usur, am llufbein durch den Druck von liornsäuien, an der Wirbelsäule durch Aortenaneurysinen, am Nasenbein durch Tumoren in der Nasenhöhle, an der Schudeldeckc durch Ooenurus cerebralis bedingt.
c)nbsp; Die Inactivitätsntrophie, gleichzeitig mit Muskelatrophie bei chronischen Lahmheiten (Spat, Schale), namentlich am Metatarsus und Metacarpus auftretend.
d)nbsp; Die senile Atrophie, zu Fracturen der Wirbel beim Abwerfen alter Pferde Veranlassung gebend.
e)nbsp; nbsp;Die neurotische Atrophie im Verlaufe von Nervenkrank­heiten (Neuroparalyse).
Die Knochenatrophie ist ein unheilbarer Zustand, von einer Be­handlung kann somit nicht die Rede sein.
3. Die Knochenhypertrophie.
Formen. Man unterscheidet eine umschriebene (Exostose, Osteophyt) und diffuse Knoehcnhypertrophie (liyperostose). Ausscr-dem gibt es eine im Innern des Knochens auftretende Hypertrophie, welche als Osteosklerose oder Eburneatio bezeichnet wird. Alle diese drei Formen sind entzündlichen Ursprungs. Den Gegensatz hiezu bildet die angeborene Knochenhypertrophic, welche namentlich bei Pferden und Hunden an den Schädel- und Gesichtsknochen (Leontiasis ossea, Dickköpfe) beobachtet wird. Angeborenen Riesenwuchs einzelner Extremitäten, z. B. der Zehenglieder bezeichnet man als Makrodac-tylie, angeborene Knochenhypertrophie mit gleichzeitiger Hypertrophie der Weichtheile Akromegalie, den Gegensatz hiezu bildet die A k r o in i k r i e.
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Kiichitis und Osteomaliicie.
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A n b a n g. Rachitis und Osteomalacie.
Begriff. Das Wesen der Rachitis und Osteomalaeio, sowie das Ver-liiiltniss beider zu einander ist noch nicht in befriedigender, übereinstimmender Weise aufgeklärt. Gewöhnlich dofinirt man die Rachitis als cine Ivnochen-krankheit der jugendlichen, noch wachsenden Knochen, bei dor dieselben nicht vorknöchern, sondern auf einer knorpeligen Entwicklungsstufe verhanon. Im Gegensätze hiozu wird die Osteomalacie oder Knochenbriichigkcit als eine Krkrankung der alten, ausgewachsenen Knochen in der Weise aufgefasst, dass denselben die Kalksalze wieder entzogen worden (llalistcrosis). Als Ursache beider Knochonkrankheiten wird bald eine speeifische, infectiöse Knoclien-entzttndung (opizootisches Auftreten, Aehnlichkeit mit der bei IMiosphorvergiftung beobachteten Knochenentziindung), bald ein Kalk mangel der Nahrung be­zeichnet (experimentelle Erzeugung der Kaehitis bei jungen Thieron durch kalk­armes Futter, Kaehitis bei Schweinen und Hunden nach ausschliesslichor Kartoffel-und Brotfüttorung, Osteomalacie bei Milchkühen in armen Gegenden und bei kalkarmem Futter). Vgl. Genaueres hierüber bei Eriedberger und Eröhner, Specielle Pathologie und Therapie. 1896, 4. Aufl., Bd. 1, S. (Hü). Vom chir­urgischen Gesichtspunkte ist über beide Krankheiten Folgendes zu sagen:
Ilachilis. Man findet die Kaehitis (Knochenweiche) am häufigsten bei jungen Schweinen und Hunden, sowie beim Geflügel, seltener bei Fohlen und Kälbern. Nach Kassowitz ist die Rachitis anatomisch durch eine krankhaft gesteigerte Vascularisation der knoehonbildenden Gewebe in Eonn einer chronischen Hyperämie und Entzündung an den Appositionsstellen (Epi-physen, Periost und Knochenmark) eharakterisirt. In Folge dessen kommt est
1.nbsp; nbsp;zu einer Wucherung dos Knorpels an den Epiphyson;
2.nbsp; nbsp;zu gesteigerter Einschmelzung (Halisterosis) der fertigen Knochen durch lacunäre Resorption (Osteoklasten);
3.nbsp; nbsp;zu mangelhafter Kalkablagerung in den wachsenden Knochen. Im Einzelnen sind die anatomischen Veränderungen am Knochen
folgende; Das Periost ist hyperämisch und zeigt auf seiner inneren Seite eine starke Wucherung und Verdlokung der knoehonbildenden Schichte, wobei indess das nougewucherte Gewebe nicht verkalkt, sondern grösstentlieils weich bleibt; erst später verknöchert dieses weiche Gewebe, wodurch die Knochen dicker und plumper erscheinen und umschriebene Auftreibungen erkennen lassen. Derartige periostale Wucherungen findet man besonders an den Anheftungsstellen der Muskeln, so bei Schweinen an der Insertionsstelle des Psoas magnus und Iliaous internus am Femur, sodann sehr häufig am Höcker des Calcaneus; auch
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Kiiuliitis niul Osteomalacie.
kann sich das vordiuktc Periost an olnzelnen Knochuu in Folge des Zuges der Muskeln vom Knochen alilöson, so bei Sehweinen von der Scapula. Die Haupt-Veränderungen des racliitisclien Knochens zeigen sich an der Epiphysengrenzo und bestehen hier in einer abnormen Wucherung des Epiphyscnknorpels ohne genügenderaquo; Verkalkung. Während nämlich normal der Knorpel zwischen Epiphyse und Diaphyse von der letzteren durch zwei dünne, einander parallel verlautende Schichten, die Wucherungssehiehte und Verknöcherungsschichte, ge-(renut ist, zeigt sich beim rachitischen Knochen die Wucherungsschichte u nsserordent lieh entwickelt, während die Verknöcherungsschichte zurückbleibt; die beiden verlauten zu einander auch nicht mehr parallel, eondern greifen zackig ineinander über. Sodann findet man in der gewucherten Knorpelsehiehte versprengte Herde von Markraumbildung und Verkalkung; die Markraumbildung ist also im rachitischen Knochen über die Ossi-ficationslinie hinaus vorgerückt. Diese abnorme Wucherung des Epipbyseu-knorpels führt zu einer Verdickung und Anschwellung der Epiphyseu, welche erst bei längerer Dauer der Krankheit vorknöchern, ausserdem zu einer Verkrümmung und Verbiegung der Röhrenknochen, und endlich zu einer Verschiebung der Epiphyseu, indem dabei die Verbindung zwischen Epi­physeu und Diaphysen gelockert wird.
Die wichtigsten Erscheinungen der Rachitis bestehen in Anschwellung und Auftreibung der Knouhenepiphysen in der Nähe der Gelenke (Doppol­gelenke), in Verbiegung und Verkrümmung der Extrcmitätonknochen (Dachs­beine, Säbelbeine) und der Wirbelsäule nach oben (Kyphose), unten (LordosoJ und seitlich (Skoliose), in Auftreibungen an den Ansatzstellen der Rippen und Rippenknorpel (rachitischer Rosenkranz), Deformitäten des Beckens (rachitisches Becken), Kxostosonbildung am Krongelenke (rachi­tische Schale), asymmetrischer Schädel formation, Ausbildung einer sogenannten Hühnerbrust u. s. w.
Die Behandlung der Rachitis besteht neben Abstellung der Ursachen (Futterwechsel) in der Verabreichung von Phosphor, der Pferden zu 1 — 5 (v/, Hunden zu '/v — - m0 gegeben wird, sowie in der Fütterung von aufgoschlossenein Kno chenm ohl.
Osteomalaolo. Die Osteomalacie oder KnoohenbrUchigkeit wird am häufig­sten bei Milchkühen, insbesondere im Stadium der Lactation und Trächtigkeit, beobachtet. Die Ansichten über das Wesen derselben sind sehr getheilt.
1.nbsp; nbsp;Als chronische paronchymatose Knochenentzündung oder als Rachitis der Erwachsenen wird die Osteomalacie von Virohow, Winkel, Cohnheim U. A. bezeichnet. In Folge der gesteigerten (icfässwuchorung kommt es einerseits zur Neubildung weicher, osteoider Massen, andererseits zur lacunSreu Kalkresorption (Hallsteresls).
2.nbsp; nbsp;Als reine Ilalisteresis, d. h. als einfache Entkalkung der Grund­substanz des Knochens ohne entzündliche Neubildung, wird die Osteomalacie von /leg ler aufgefasst,
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Uaohltis und O.steomalaeie.
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3. Als Infcctionskrankhoit mit einem speciflsohenBacterium (der Nltrl-iication) hut Petrone dio ICnoohenbrQohigkeit (ioiinirt.
Die anatomischen Veräiuieningen dor Knoehon, welche sich namentlich an don Kumpfknochen und an den ohorcn Extremitätenknoclum deutlich aus-prägOU) sind folgende: Im Anfange der Krankheit und in leichten Fällen ist mir bei genauerer Besichtigung ein vermehrter Blutgohalt dor erkrankten Knochen, eine Erweiterung der Gefässe und gefässfiihrcnden Canäle nachweisbar. Der Durchschnitt des Knooliens zeigt feine Blutpunkte, das Mark ist von zahl-reiclien kloinen Extravasaton durchsetzt, das Knochengewebe in der Umgebung der erweiterten Ilavors'schcn Canäle zeigt geringgradigo Veränderungen. In holioren Graden ist dio Hyperämie eine stärkere; die Aussenfläche der Kinde, sowie der Durchschnitt des Knochens sind stark roth punktirt, das Mark ist sehr hyperämisch und von Hämorrlmgien durchsetzt. Die Markräume selbst sind erweiterte In der Diploe und auf der Innenfläche der Kinde finden sich zahlreiche feine, aus dem Zusammenhange gelöste Knochonplättchen. Der Knoehon ist leichter zu sägen und zu schneiden, sein Klang ist nicht mehr so hell. Mikroskopisch ist die homogene Strnetur der Knochonsubstan/. verschwunden, dieselbe erscheint an einzelnen Stellen durchsichtiger, die Knochon-körperehon sind hier vergrüssort und durchseboinend, bekommen eine ovale, runde, selbst polyedrische Form, ihre Ausläufer versehwinden, die Knochenzellen geben allmälig in Fcttzellen über. Das Ganze stellt eine hordweise Um­wandlung der Knocli onsubstanz in ostooides und schliesslich in Markgewebe dar. In den höchsten Graden der Ostooinalacie nimmt die Hyperämie des Knochens und des Markes immer mehr zu, die liindonsubutanz wird spongiös, mürber und weicher, Binde und Diploe verschwinden mehr und mehr, die Marksubstanz nimmt dagegen zu, verdrängt die Kinde von innen nach aussei! und rückt auch in die Epiphyson hinein vor; es stellen sich K n ochenbr ücho ein. Das Mark selbst wird, wenn gleichzeitig allgemeine Er-nttbrnngSStOrungen auftreten, weich, sulzig, selbst wässerig und zeigt eine schmutzig - gelbliche Farbe. Das speeifisehe Gewicht dos Knochens nimmt ab, indem dio Kalksalze desselben bis über die Hälfte des Normalen vermindert sein können; dor Wassergehalt nimmt dagegen zu.
Die Erscheinungen der Osteomalaoie des Kindes bestehen in schworen Ernährungsstörungen, Abmagerung, Verdauungsstörungen, lecksttohtigen Erschei­nungen, Harthäutigkeit, Kachexie, Lahmgehen, Knochenbrüchon, Infrac-tionen und Verrenkungen. Besonders häufig sind Beckenbrüche und Kippon-bt'Uobe, die oft bei den geringfügigsten Veranlassungen (Aufstehen, Niederlegen, Umdrehen, Gehären) und nicht selten multipel entstehen.
Die Behandlung besteht in Aendernng der Fütterung (kalkreicho Xalirnng'), Verabreichung von aufgeschlossenem Knochenmehl oder phosphorsanmu Kalk, sowie hauptsächlich in der innerlichen Anwendung des Phosphors (1—5 (v/ pro Rind) in Verbindung mit Oel. Ob die beim Menschen neuerdings zuweilen mit gutem Erfolg ausgeführte Ovariotomie (Castration) sieh auch beim Kind bewährt, wäre versnehäweise zu erproben.
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Krankheiten der Gelenke.
Aiiutomischc Vorboinerknngt'ii. Der für dio Chirurgie weitaus wichtigste anatomisohe Bestandtheil der Gelenke ist die Synovialis (Gelenkskapsel, Syno-vialmembran). Im Vergleiche zur Gelenkskapsel sind die übrigen Gelenkbänder, insbesondere die Seitonbiindcr, vorderen und hinteren Bänder etc. in der Chirurgie von nebensäohlioher Bedeutung. Die Synovialis ist als eine seröse Mem­bran aufzufassen, welche ihre Analogie im Peritoneum und in der Ploimi findet. Ihre Innenflitcbo ist nämlich von einer einfachen Endothelseliicht über­zogen, welche auch die Fortsätze, beziehungsweise Ausstülpungen der Synovial-membran, die Synovialzottcn, nicht aber den Knorpel überzieht. Nur beim Fötus, sowio nach längerer Ruhe der Gelenke überwuchert, das Synovialondothel zum Theilo auch den Knorpel. Die Aussenschicht der Synovialis, welche derselben zur Grundlage dient, bestellt aus einen Netzwerk bindegoivcbiger und elasti­scher Fasern.
Dio Gelonkzotton bilden feine, fadenförmige Auswüchse der Synovialis nach innen, welche zuweilen Toohterzotten zeigen. Man theilt sie je nach ihrer histoiogisohen Beschaffenheit in Schleimzotton, Fettzotten, Knorpelzotten und Faserzotten, zwischen denen häufig Uebergänge vorkommen. Die Bildung der Synovia erfolgt nach Tillmanns in erster Linie durch die Schleim- und Fettzotten, theils durch Secretion, theils durch Auflösung ihrer zelligen Elemente. Dagegen ist Schneidemühl der Ansieht, dass die Til Imauns'sche Eintbeilung sich auf pathologische Zustände bezieht, und dass die Synovia nicht dnroli einen dauernden Untergang von Endothclzellen, sondern wie in den übrigen serösen Höhlen durch selbstständige Secretion derselben gebildet wird. Diese secre-torische Thätigkeit stellt darnach die llauptl'unction des Gelenk-eudothels dar.
Synovialis und Gelenkzotten sind sehr reich an Gcfässen, namentlich an Lymphgefässen, welche, wahrscheinlich mit der Golonkhöhlo durch ofi'eno Stomata direct communiciren, was die grosso Resorptionsfähigkeit der Gelenks-kfipsel erklärt. Der den UeberiUg der beiden Knoeheneuden bildende hyaline Knorpel ist nur scheinbar homogen, thatsäeblich besteht er schon normal aus feinsten Fasern, was seine Auffaserung bei verschiedenen pathologischen Zuständen erklärt (Til Im amis).
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EntzUndung der Gelenke.
I. Entzündung; der Gelenke. Arthritis oder
Synovitis.
Kintheil 111112;. Je nach Ursachen, Verlauf und anatomischem Oha-raktcr kann man die Gelenkentzündungen (Arthriten. Synoviten) ver­schieden eintiieilen. In ätiologischer Beziehung giht es traumatische und infectiöse, ferner aseptische und septische Gelenkent­zündungen. Von Manchen wird auch eine rheumatische Arthritis angenommen. Ausserdem unterscheidet man primäre und seeunditre Gelenkentzündungen; die ersteren entwickeln sich direct an der Ein-wirkuiigssteile des Entzündungsreizes, die letzteren durch Fortpflanzung benachbarter Entzündungsprocesse. z. B. einer Knochenentztindung auf das Gelenk, oder hilmatogen, durch Vermittlung des Blutes. Man hat diese hämatogenen Arthriten auch symptomatische oder meta­statische gemannt; sie kommen im Verlaufe von Infectionskrankheiten (acuter Gelenkrheumatismus. Pyiimie, Septikämie, Brustseuche, Kopf­krankheiten des Rindes) und constitutionellen Krankheiten (Gicht) vor. Da hiebei meist mehrere Gelenke gleichzeitig erkranken, spricht man von Polyarthritis (rheumatica. pyaemica, urica) im Gegensatze zu den traumatischen Mon arthriten. Zu den symptomatischen Gelenk­entzündungen gehören sodann die specifischen Arthriten (Tuber-culose. Kotz, Aktinomykose). Als Periarthritis bezeichnet man die EntzUndung der in der Umgebung des Gelenkes beündlichen Gewebe. Kach dem Verlaufe theilt man die Gelenkentzündungen in acute und chronische ein.
Vom praktischen chirurgischen Standpunkte aus verdient die Eintheilung der Gelenkentzündungen nach dem anatomischen Charakter der Entzündung den Vorzug. Hiernach unterscheidet man zunächst eine exsudative und trockene Gelenkentzündung (Arthritis sicca). Je nach der Beschaffenheit des Exsudates und dem Producte der Ent­zUndung unterscheidet man ferner seröse, serofibrin öse, fibri-nöse, eiterige, hämorrhagisehe, jauchige, pannöse, fungöse, granulöse, ulceröse und defonnirende Gelenkentzündungen. Wegen ihrer besonderen Bedeutung für die thicrarztliche Chirurgie sind die nachstehenden Gelenkentzündungen ausführlicher zu besprechen:
1.nbsp; nbsp;Die seröse Gelenkentzündung.
2.nbsp; nbsp;Die eiterige Gelenkentzündung.
8. Die defo rmi rondo Gelenkentzündunlaquo;!:.
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Seröse Golenkoiitzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 203
1. Die seröse Gelenkentzündung. Arthritis serosa.
Ursachen. Die seröse Arthritis wird am häutigsten beim Pferde und Hunde nach vorausgegangenen (Quetschungen und Verstiiuchungen als traumatische, aseptische Entzlindung beobachtet. Sie kommt jedoch auch als symptomatische Arthritis namentlich beim aeuten Gelenkrheumatismus (Polyarthritis serosa), sowie m(gt;tastatisch beim Kinde als Folge des Zurückbleibens der Nachgeburt, sowie im Verlaufe der Mastitis vor.
Symptome. Die seröse Gelenkentzündung tritt in zwei Formen1. einer aeuten und chronischen auf.
a) Die acute seröse Arthritis stellt meist eine traumatische Entzündung des Sprunggelenks, Fesselgelenks, Kniegelenks und Hüft­gelenks ohne Verletzung der Gelenkskapsel dar. welche plötzlich auftritt und sich durch eine umschriebene und fluetuirende An­schwell u n g, g r o s s e S c h m e r z h a ft i g k e i t, h ö h e r e T e in p e ra t u r des betroffenen Gelenks, sowie intensive Bewegungen bei fieberlosem oder nur schwach fieberhaftem Allgemeinzustande iiussert. Nur beim Gelenkrheumatismus wird hohes Fieber constatirt. Die acute seröse Gelenkentzündung geht entweder nach der Resorption des flüssigen Exsudates in Heilung oder bei fehlender Resorption in die chronische Form über. Im letzteren Falle ist die Prognose ungünstig.
h) Die chronische seröse Arthritis wird auch als chroni­scher Gelenkbydrops oder als Gelenksgalle bezeichnet und entwickelt sich entweder aus der aeuten Form oder von vorneherein in chronischer, schleichender Weise. Im letzteren Falle liegt häufig eine zuweilen vererbbare, in Erschlaffung und leichter Vulnerabilität des Gelenks bestehende Prädisposition zu Grunde. Im Gegensatze zur aeuten Arthritis ist die Anschwellung beim chronischen Ilydrops schmerzlos und nicht höher temperirt; sie bedingt auch meistens keine oder nicht erhebliche Bewegungsstörungen. Zuweilen zeigt sie einen intermittirenden Charakter. Man findet sie besonders bei Fohlen als sogenannte Kniegelenks-, Sprunggelenks- und Fesselgalle.
Heliillldlllllg'. Die acute seröse Arthritis wird im Anfange durch Ruhe, Kälte, Compression, Gypsverband und Massage, in den späteren Tagen durch feuchte Wärme, Priessuitz'sche Umschläge, sowie reizende Einreibungen (Jodtinctur, Jodoformcollodiuin. Kanthariden-collodium) behandelt. Die ehronisehe Arthritis ist meist unheilbar; scharfe Einreibungen und Brennen sind gewöhnlich auch wirkungs-
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Eiterige Gdenkent/.iindimg.
los. Die in der Mensohenbeilkunde übliche aseptische Punction mit nachfolgender antiseptisoher Auswaschung des Gelenks ist s[)eciell beim Pferde, wo ein regelrechter Verband schwer oder nicht anlegbar ist, nicht angezeigt, kann aber bei Hunden versuchsweise vorgenommen werden. In prophylaktischer Hinsicht empfiehlt es sich. Pferde mit Gelenksgallen von der Nachzucht auszusohliessen,
2. Die eiterige Gelenkentzündung. Arthritis purulenta.
Ursachen. Die eiterige Arthritis entsteht durch das Eindringen von Eiterbacterien in das Gelenk. In der Regel findet dasselbe durch perforirende Gclenkwunden statt; in anderen Füllen geht eine eiterige Entzündung in der Nachbarschaft auf das Gelenk über (Phlegmone des Strahlpolsters auf das Hufgelenk; subporontlre Phleg-monen auf das Krongelenk u. s. w.). Auch auf häniatogenem Wege können Eiterbacterien ins Innere der Gelenke gelangen; am häufigsten beobachtet man dies bei der pyiimischen Polyarthritis der Fohlen und Kälber (vgl. S. 33).
Erscheilumpen. Die eiterige Arthritis (Gelenkempyem) ist im Gegensatze zur serösen Gelenkentzündung durch Fieber und schwere A11 ge m ein er s c h e inungen, ausserdem durch eine u m f a n gr e i o h e, mehr diffuse, heisse und schmerzhafte Anschwellung des Gelenks, zuweilen auch durch periarticuläre Abseesse gekennzeichnet, r.iogt gleichzeitig eine penetrirende Gelenkwunde vor, so besteht ein eiteriger Ausfluss aus dem Gelenke, und man gelangt mit dein Finger oder der Sonde in das Gelenk hinein. Die eiterigen Arthriten der grüsseren Gelenke verlaufen beim Pferde in der Regel rasch tüdtlich in Folge des Hinzutretens von Septikilmie oder Septicopy amie. Man findet dann bei der Section eine eiterige und jauchige Panartbritis mit Knorpelnekrose. Ausnahmsweise tritt beim Pferde Heilung unter Anky losenbil d ung ein. Heim Rinde beobachtet man zuweilen einen chronischen Verlauf, namentlich im Hüftgelenk.
Hcliaildlllllg. Eiterige Arthriten des liüft-, Knie-, Sprung-, Schulter-. Ellenbogen-, Fessel-, Krön- und Ilufgelenks sind beim Pferde in der Regel unheilbar. In allen diesen Fällen ist daher aus ökonomischen Gründen gewöhnlich die möglichst baldige? Schlachtung anzurathen. Ausnahmsweise kann wie beim Menschen die Punction und die
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Ueformirentle Gelcnkentzihidung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 205
Incision, die a n t i s e p t i s c h e Ausspülung, Drain a g e und p e r-manente Irrigation des vereiterten Gelenkes vorgenommen werden. Dagegen ist diese Behandlungsmethode beim Hunde, wo leichter regel­rechte Verbünde angelegt werden können, eher angezeigt; es kann hier selbst unter Umständen die Resection des Gelenkes und die Amputation ausgeführt werden.
3. Die deformirende Gelenkentzündung. Arthritis deformans.
Begriff. Der in der Thierheilkundo zuweilen missbriiuehlich an­gewandte Namen raquo;deformirendelaquo; Gelenkentzündung bezieht sich in der Menschenheilkunde auf eine chronische senile Arthritis (Malum senile), welche zu schworen und bleibenden Ver­änderungen des ganzen Gelenkes führt, ohne mit Eiterung oder Gelenkcaries verbunden zu sein. Die bald spontan, bald traumatisch, entweder mono- oder polyarticulilr, mit Vorliebe am Ilüft-. Knie-, Schulter- und Ellenbogengelenk, an den Fingern und an der Wirbel­säule auftretende, gewöhnlich lebenslänglich dauernde, tieberlose Arthritis beginnt mit Steifheit, Knacken und leichter Schmerzhaftigkeit in den betroffenen Gelenken und führt sehliesslich zur Deformirung des ganzen Gelenkes. Anatomisch setzt sie sich sowohl aus de­generativen, als auch aus Neubildungsprocessen am Knorpel, Knochen und an der Gelenkkapsel zusammen.
a)nbsp; Am Gelenkkn orpcl findet man einerseits die Veränderungen der Arthritis ulcerosa sicca chronica, nämlich Auffaserung der obersten Schichten, herdförmige Zerklüftung und Erweichung der tieferen Schichten, Usur und selbst völligen Schwund des Knorpels mit Bildung glatt polirtor Schliffflächen, andererseits Knorpelwucherungen in Form knolliger Wülste.
b)nbsp; Im Knochen besteht subehondrale entzündliche Knochen­atrophie mit lacunärem Knochenschwunde neben Knoehenneubildung.
c)nbsp; nbsp;Die Gelenkkapsel zeigt Wucherung, Verdiokung und Schrumpfung; auch beobachtet man zuweilen die Bildung von freien G elenkkörpern.
Diese Veränderungen bedingen in ihrer Gesannntheit eine hoch­gradige Deformität der betroffenen Gelenke, wobei die Beweglichkeit in denselben entweder gehemmt und selbst ganz sistirt, oder aber eine, abnorm freie ist (Luxationen, Schlottcrgelenke).
Vorkommen bei Thleren. Zur chronischen deformirenden Ge­lenkentzündung werden herkömmlieh gerechnet der Spat und die
Früliner, Allgcnieimi Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;14
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#9632;#9632;
206nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Deformirendo Gelenkentzündung.
articuliirc vScliule ))eiin Pferde, sowie gewisse mit starker Auftreibung des Gelenkes verbundene Gonitcn (Knieg-elenkentztindungen) und Ooxiten (Ilüftjjelenkentzündungen) bei Hunden, Pferden und Rindern. Auch im Carpalg-eienk hat man sie namentlich bei russischen Trabern beobachtet. Eine grosse Analogie mit der Arthritis deformans zeigt ferner die sogenannte chronische Ilufgclenklahmheit (Bursitis podotrochlearis) und Gleiehbeinlahmheit des Pferdes. Ausserdem beobachtet man deformirencle arthritische Veränderungen beim chroni­schen Gelenkrheumatismus. In einem von Sticker beschriebenen Falle von Polyarthritis deformans beim Pferde zeigten die Gelenk­ränder blumenkohlahnliche Knorpel- und KnoehcnauswUchse, Ver-(liekung und zottige Anhängsel an der Synovialis, sowie vermehrte Ansammhing von Synovia.
Von besonderer Bedeutung ist das Verhiiltniss des Spats zur deformirenden Arthritis. Derselbe wird in den Lehrbüchern der Chirurgie srewöhnlich als Arthritis ehronica deformans Tarsi bezeichnet. In dieser Form ist die Bezeichnung nicht ganz richtig. Der Spat mag allerdings zuweilen seinem anatomischen Wesen nach eine deformironde Sprunggelenkentzündung darstellen in der Weise, dass er sich primär vom Gelenkknorpel aus entwickelt. In vielen Fällen trifft dies aber nicht zu. Nach den ausgezeichneten, leider zu wenig bekannten, histologischen Untersuchungen von Gotti, deren Richtigkeit von Bayer, Eberlein und mir nachgeprüft worden ist, bildet beim Spat in vielen Fällen nicht die Erkrankung des Knorpels, sondern des Knochens den Ausgangspunkt der späteren Veränderungen. In zahlreichen Fällen ist der Spat primär als eine Ostitis des grossen und kleinen schiffförmigen Beins sowie des Metatarsus (der sogenannte unsichtbare Spat), und erst in seeundärer Folge als eine deformirendo Entzündung des Sprunggelenkes aufzufassen. Nach Gotti stellt der Spat einen langsam verlaufenden Entzündungsprocess im Knochen mit Entkalkung desselben dar, wobei zahlreiche kleinere oder grössere Lücken im Knochen nachweisbar sind, in denen sich weiche, röthliche, granulationsähnliche Massen vorfinden. In zahlreichen Fällen sind beim Spat nur diese pathologischen Veränderungen vorhanden, während Knorpel und Periost sich ganz intact erweisen. Im späteren Verlaufe! kann sodann die Ostitis zu einer Chondritis, d. h. zu einer Ent­zündung des Gelenkknorpels mit activer Proliferation der Knorpel­zellen und Zerfall der Grumlsubstanz führen. Oder der Entzündungs­process geht später von der Knochensubstanz; auf das Periost über und bedingt cine ossificirende Periostitis mit Osteophytbildung,
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Arthritis pannosii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 207
Sklerosiriing und Ankylosirung. Datm sind die Knoclion zu einer theils osteoporotischen, theils sklorosirten Knochenmasse verwachsen. Ausnahmsweise greift die Entzündung auch auf die Bursa des Tibialis anticus über.
Aelmlich verhält es sich mit der articuUlren Schale. Sie ist ebenfalls kein einheitlicher Process. Häufig ist die Schale eine echte Arthritis deformans insofern, als der Gelenkknorpel des Fessolbeins und Kronbeins den Ausgangspunkt der Er­krankung bildet (ulccröser Zerfall, üsur). Durch Uebergreifen der Entzündung auf das benachbarte Periost entsteht dann wie beim Spat Osteophytbildung und selbst Ankylose. I )as Verhalten der Knochen selbst ist mikroskopisch noch nicht genau untersucht. In anderen Fällen stellt die Schale eine gewöhnliche chronische Arthritis dar, welche sich aus Distorsionen entwickelt. Die sogenannte periarticuläre oder falsche Schale ist keine eigentliche Arthritis, sondern eine Periarthritis, d. h. eine Periostitis ossiticans an den Ansatzpunkten der Seitenbänder des Krongelenkes,
Die Behandlung der chronischen deformirenden Arthritis besteht in der künstlichen Herbeiführung einer Verwachsung (Ankylosirung) des Gelenkes durch Ruhe, Brennen oder scharfe Einreibungen.
Arthritis fibi-inosraquo;. Dio fibiinüse oder ci'OUpöse GelonkonUiindung ist durch einen hohen Fibringehalt des serösen Exsudates ausgezeichnet, weshalb sie auch als Arthritis sero-t'ibrinosa auftritt. Das Fibrin lässt sich bei der Palpation durch ein feines, knirschondos Geräusch nachweisen (Arthritis cropitans). Von Manchen wird die fibrinüse Gelenkentzündung als katarrha-liseho Arthritis bozoiehnot (vermehrte Dosquamation der Schloimzotten) und als eine leichtoro Form der eiterigen Gelenkentzündung betrachtet (Volkmann). Sie führt häufig zu Ankyloso,
Arthritis iiiinnosa. Die pannüse Gelenkentzündung (Arthritis chronica proliforans oder Arthritis hyporplaatica laovis) ist eine ehroniache, mit Neubildung gefässhaltigen Granulationsgowebes auf dor Oberfläche dor Gelenkknorpel vorlaufende Arthritis, welche bei chronischein Ilydrops, im Verlaufe des chronischen Gelenkrheumatismus U, s. W. beobachtet wird und zur Entstehung freier Gelenkkörper (Corpora libera), sowio einer fibrösen Ankylose führt.
Arthritis chronica sieca. Die trockene oder uleeröse Gelcnkontzüiuluug (Arthritis chronica ulcerosa) wird bei lang andauernden Lahmheiten der Pferde in Folge dor langen Kühe der Gelenke, nach schweren Distorsionen, sowie im Beginn der deformirenden Arthritis beobachtet. Sie ist durch Auf-
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208nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gelenkrheumatismus.
f'asei'ung, Zerfall und Usur des Gelenkknorpels oharakterhlrt. Man findet sie liftuHg bei Pferden und Hundon.
Arthritis gl'anniosai Als granulöse, t'ungcisü oder käsige Gelenk-entzttndung (Fungus, Tumor albus, ttelonk caries, Arthritis caseosa) bezeichnet man beim Menschen die tuborculöso Gelenkentzündung, welche eine granulirotide Entzündung an der Sjnovialis, am Knorpel und im Knochen mit Erweichung und Einschmelzung der Gelenkenden (Caries) hervorruft. Sie ist bei den Thieren relativ selten und ohne praktisobe Bedeutung) man hat sie bei Schweinen am Carpus und Tarsus, bei Rindern im llüft-. Knie- und Carpalgelenk, sowie besonders häufig beim Geflügel an den Fuss- und Flügelgelenken beob­achtet.
Gelenkrlu'uinatisinus. Derselbe ist, als eine lieberhafte Infections-kruukheit mit seröser Polyarthritis aufzufassen, welche atn häufigsten bei Rindern, seltener bei Ziegen, Hunden, Schweinen und Pferden vorkommt. Meist werden plötzlich mehrere Gelenke, besonders das Carpal-, Tarsal- und Kniegelenk, in Form einer serösen, sehr schmerzhaften Arthritis befallen, in Folge deren die Thiere stark lahm gehen. Wie heim Menschen bildet das Hinzu­treten einer Endocarditis (Klappenfehler) eine wichtige Complication. Der Vorlauf der meist aout und selbst peracut einsetzenden Krankheit ist meist ein chro­nischer. Die anatomischen Veränderungen in den Gelenken bestehen der Hauptsache nach in einer serösen Synovitis, sowie bei chronischem Verlaufe in entzüiullich degenorativen Gelenkveränderungcn; eine eiterige Synovitis wird nur ganz ausnahmsweise beobachtet. Meist sind mehrere Gelenke gleich­zeitig befallen. Bei acutem Verlaute findet man die Synovialis höher geröthet, selbst von llämorrhagien durchsetzt, getrübt, geschwollen und verdickt, die Gelenkzotten vasoularlslrt und vergrössert. Die SynovlalflUsslgkclt ist vermehrt, rötlilich gefärbt und oft auch getrübt. Die Gelenkknorpel sind im Anfange stärker geröthet, später werden sie gelblich gefärbt und zeigen eine rauhe, sammetartige Oberfläche. Die Gewebe in der Umgebung des Gelenkes erscheinen ebenfalls injicirt, von Hämorrhagieu durchsetzt, sowie serös infiltrirt (Periarthritis); insbesondere ist das Bindegewebe sulzig geschwollen, die be­nachbarten Muskeln sind ödematös und erweicht. Die Gelenkenden der Knochen sind feiner hyperämisch und selbst hämorrhagisch inliltrirt, desgleichen das Knochenmark. Hei chronischem Verlaufe verdickt sich dio Synovialis sehr stark, und die Innenfläclic des Gelenkes erhält oft einen gofässreichen, bindegewebigen Uebei'ZUg (Arthritis pannosa); die Gelenkknorpel zerfallen fettig, zeigen ge-sehwiirigo Substanzverluste und lösen sich zum Theil ab. In seltenen Fällen ent­wickelt sich wie beim Menschen eine Arthritis defornians. So hat man eine Ver­wachsung der Knochen der Vorderfusswurzol mit einander und mit dem Meta­carpus, sowio unregehnässige Osteophytbildung bei einem mit chronischein Ge­lenkrheumatismus behafteten Hunde beobachtet. Von Allgemoinveränderungen im Körper ist der zuweilen gemachte Hefuiid einer Endocarditis, Pleuritis und Peritonitis hervorzuheben.
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l'yiiinisclie und septische Arthritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;209
Die Behandlung ist .eine innerliche und besteht in der Venibicichung grosser Uahen von Natrium salicylicnm (l'ferden und Kindern 100#, Hunden 2 — 8(/ pro Tog), Salol, Antit'ebrin, Antipyrin, Sallpyi'in U. s. \v. Vgl. Genaueres Über Gelenkrheumatismus bei Friedberger und Fröhner, Speoielle Pathologie der Hiiusthiere. 1896, 4. Aufl., Bd. I, S. 657.
Pyiiiiiischlaquo; uuil septische Arthritis der Siiiiglingo. Die früher als „Fohlen-lähmequot; bekannte Polyarthritis pyaemica und septica der Säuglinglaquo; (Fohlen, Kälber, Lütnmor, Ferkel, Hunde) entwickelt sicli auf nietastatischom Wege aus einer septischen Infection der Nabelwunde in Folge mangelhafter Nabelpflege. Es entsteht zunSchst in den eisten Tagen und Wochen nach der Geburt eine Omphalitis mit eiteriger Thrombophlebitis und Thromb oarteriitis, welche bald zu einer Allgomoininfcction des Körpers (Septikfimie, l'yitmie) führt. Nach vorausgegangenen fieberhaften Allgemeinerseheinungen bilden sich meist sehr rasch und gleichzeitig an mehreren Gelenken, namentlich am Carpal-, Tarsal-, Knie-, Ellenbogen-, Hilft- und Buggelenk Anschwellungen mit Lahm­heit aus, die später abscediren. Die meisten Thiero sterben im Verlaufe von zwei bis drei Wochen an septischen J)urcbfällen oder pyämisehen, inneren Metastasen. Hei der Section findet man die Erscheinungen einer eiterigen Polyarthritis neben sonstigen für den pyämisehen Process charakte­ristischen Vciaiulernngon (pyämische Form); in anderen Fällen ist mehr das Hild der Soptikämie ausgeprägt (septische Form). Die Nabel wunde zeigt, wofern sie nicht bereits abgeheilt ist, die Spuren der Entzündung und Eiterung, der Nabelstrang und die ganze Umgebung des Nabels ist gesehwollen, die Ränder dos Nabelringes sind gesclnvürig entartet, am inneren Nabelring findet sich Abscossbildung, aus der Nabelöffnung lassen sich Eitertropfen ausdrücken. Neben dieser Omphalitis, welche auch abgeheilt sein kann, so dass äusser-Hch nichts Krankhaftes wahrzunehmen ist, besteht in der Tiefe eine eiterige T h r o m b o p h 1 o b i t i s u n d T h r o m b o a r t e r i i t i s u m b i 1 i c a 1 i s m i t Thromboso der Pfortader und ihrer Loberverzw'Cigungen. luden Gelenken ist die Synovialis injicirt, geäehwollen und verdickt, die Gelenktliissigkcit getrübt, vermehrt, mit flockigen Gerinnseln vermischt und zuletzt rein eiteriger Natur (Gelenkempyem); die Gelenkknorpel sind gesclnvürig zerstört, und zuweilen ist selbst das Knochengewebe nekrotiseh; die Gelenk­kapseln sind zuweilen perforirt. In der Umgebung des Gelenkes bilden sich Abscesso zwischen den Sehnen und Muskeln, wodurch letztere ebenfalls eiterig eingeschmolzen werden. Die über den erkrankten Gelenken befindlichen Muskel sind fettig degenerirt. Am augenfälligsten ist die Erkrankung des Knie-, Sprung- und Kopflialsgelenkes. Auäserdem ergibt die Section metastatische Horde in fast allen Organen, besonders in der Leber, Lunge, Im Gehirn, in den Nieren, In den Muskeln und im Untorhautzellgewebe. Diese Herde sind in der Lober hirsekorn- bis kirscliengross und darüber, in der Lunge hirse-koin- bis hühnereigross, anfangs von dunkolrother, später von gelblicher Farbe (sogenannte Lungenveroiterung). Audi Pleuritis, Endocarditis und Pori-
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Luxation.
earditis, Uronch opneumouio, Solincnscheiden-En tziiiulu ngen, Peri­tonitis, Cystitis, eiterige Iritis und Panophthalmie, Leptomcnin-gitis u. s. w. sind beobachtet worden.
Die Uehandlung ist im Wesentlichen eine prophylaktische: Dosintection dos Nabels und Stalles; Nabelbinde. Genaueres vgl. bei Friedberger und Fröhner, Speeielle Pathologie der Hausthiore. 181)6, 4. Auflage, I, S. CG2.
Arthritis urica. Die durch die Harnsäure in den Gelenken verursachte Gelenkentzündung (Gicht) bildet eine in ihrem Wesen noch nicht ganz auf­geklärte Stoffwecliselkrankheit, welche aussei- beim Menschen auch beim Geflügel und vereinzelt beim Hunde vorkommt.
l'criartliritis. Man bezeichnet damit eine Entzündung der in der Umgebung des Gelenkes gelegenen AVoichthoile, insbesondere des Periostea, der Sehnen­scheiden und Schleimboutel. Von praktischer Bedeutung ist namentlich die sehr liiiulig an der Insertionsstollc der Seitenbänder des Krongelenks bei Pferden auf­tretende Periarthritis, welche als sogenannte periarticuläre oder falsche Schale bezeichnet wird, die als Knieschwamm (fälschlich Tumor albus) be­zeichnete sklcrosii'cndo Entzündung des periarticnlärcn Bindegewebes, der Sehnon­scheiden und der Suboutis am Carpalgelonke dos Kindes u. s. w.
II. Lageveränderungen der Gelenke. Luxa­tion, Distorsion, Contusion.
1. Die Luxation oder Verrenkung.
Begriff. Als Luxation oder Verrenkung bezeichnet man die bleibende Entfernung Leider Gelenke nden nach Ueberwindung' der Heinmungsvorrichtungen. Ist die bleibende Entfernung nur eine partielle, so dass sich die Gelenkcnden theilweise noch berühren, so nennt man dies eine 8 u b 1 u x ation oder u n vollstil ndige Luxation. Eine einfache Luxation stellt im Gegensatze zur complicirten die Abweichung der Gelenkemlen ohne gleichzeitige schwere Verletzungen, namentlich ohne KnochenbrUehe dar. Man unterscheidet ferner eine frische und veraltete, sowie eine reeidivirende oder habituelle Luxation. Als Diastase bezeichnet man die Luxation der falschen Gelenke oder Halbgelenko, z. B. des Kreuzdarinbeingelenks beim Rinde. Früher hat man auch den Lageveränderungen der Linse die Bezcich-nunff Luxatio lentis beiffeleirt.
Ursachen. Man unterscheidet traumatische, spontane oder pathologische und angeborene Luxationcn.
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Luxation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 211
a)nbsp; nbsp;Die traumatischen Luxationen entstehen durch die Ein­wirkung äusserer Gewalt, welche entweder indirect durch abnorme Beugung, Streckung oder Drehung die Gelenkenden mittels llebel-hcwegung dislocirt oder dieselben direct durch Stoss und Schlag auf das Gelenk von einander entfernt. Zuweilen kommen Luxationen beim Pferde auch durch die eigene Muskelkraft zu Stande; in Folge sehr heftiger Contraction des Quadriceps femoris beim Ausschlagen kann z, B. eine Luxation der Kniescheibe nach oben entstehen. Am häufigsten sind die traumatischen Luxationen des Hüftgelenkes beim Hunde und Rinde (seltener beim Pferde), der Halswirbel bei Pferden und Hunden, der Kniescheibe bei Pferden, des Unterkiefers bei Fleischfressern, sowie des Ellenbogengelenkes bei jungen Hunden; ziemlich selten sind die Luxationen des Fesselgelenkes bei Rennpferden.
b)nbsp; nbsp;Die spontanen oder pathologischen Luxationen werden durch eine Erkrankung oder Entzündung des Gelenkes, Erschlaffung oder abnorme Dehnung der Gelenkkapsel und Gelenkhänder, Hydrops des Gelenkes, Abplattung der Gelenkhöckcr, deformirende Arthritis u. s. w. veranlasst. Hieher gehört namentlich die habituelle Luxation der Knie­seheibe beim Pferde. In der humanen Chirurgie unterscheidet man verschiedene Unterarten der pathologischen Luxation: die Disten-tionsluxation entsteht beim Gelenkhydrops in Folge Dehnung und Erschlaffung der Gelenkkapsel und Gelenkbänder, die Destructions-luxation und Deformationsluxation nach eiteriger Einschmelzung der Gelenkenden (Gelcnkcaries), beziehungsweise als Folge der de-formirenden Gelenkentzündung.
c)nbsp; Die angeborenen oder congenitalen Luxationen sind meist Bildungshemmungen; seltener sind sie während der Geburt in Folge, fehlerhafter Geburtshilfe entstanden. Inwieweit die habituelle Luxa­tion der Kniescheibe beim Pferde durch eine angeborene oder erworbene Abflaohung der Qelenkfläohe des Condylus internus femoris, beziehungs­weise durch eine angeborene und erworbene (Distorsion) Ueber-dehnung und Erschlaffung der Gelenkkapsel und Gelenkbänder mit V'ergrösserung des Gelenkraumes bedingt ist, lässt sich im Einzelfalle schwer entscheiden.
Erscheiimiigen. Die Luxation der Extremitätengelenke äussert
sich zunächst durch Lahmgehen, sowie eine gehemmte oder abnorm freie Bewegung des luxirten Gelenkes. Bei der Luxation der Knie­scheibe nach oben entsteht Z. B. abnorme Streckstellung des Knie­gelenkes mit Unvermögen, dasselbe! abzubeugen, während umgekehrt
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Luxatloo.
bei der Luxation nach aussen excessive ßeugostöllung des Qelenkes bei der Belastung mit Unfähigkeit zum Stutzen dos Beins beobachtet wird. Die Luxation des Unterkiefers beim Hunde Uuasert sich durch das Unvermögen, das Maul zu schliessen. Luxationen des Femur nach oben sind feuner durch die Verkürzung' des luxirten Beins charakteri-sirt. Man kann diese Verkürzung besonders leicht beim Hunde nach­weisen, wenn man am stehenden Thiere mit je einer Hand ein Hinter­bein unter gleichstarker Streckung im Kniegelenke durchdrückt und die Zehenspitzen oder die Sprungbeinhöcker mit einander vergleicht. Auch die genaue Besichtigung und Palpation der Gelenk­en den und ihre Vergleichnng mit dem normalen Gelenke der anderen Seite ist ein wichtiges diagnostisches IMittel. Ist beim Hunde der rechte Femur naeli oben luxirt, so kommen auch die Trochanteren desselben, namentlich der grosse Umdreher. auf der rechten Seite höher zu stehen, als auf der linken, was durch Adspection, namentlich aber durch Palpa­tion mit dem Daumen leicht nachweisbar ist. Auch sonstige Form-Veränderungen des Gelenkes, sowie die verilnderte Richtung des luxirten Knochens, beziehungsweise der ganzen Gliedmasse deuten zuweilen auf das Vorhandensein einer Verrenkung hin. Durch das Fehlen von Crepitation unterscheidet sich im Aligemeinen die Luxation von einer Fractur.
Die complicirten Luxationen sind gleichzeitig entweder mit einer Fractur der luxirten Knochen, namentlich des Pfannenrandes am Hüftgelenke, der Halswirbel und des Hinterhauptbeins, oder mit schweren Verletzungen lebenswichtiger Organe, insbesondere des Btickenmarka bei Luxationen der Wirbelsäule, oder endlich mit Zer-reissung der Haiit und der um das Gelenk gelegenen Weichtheüe ver­gesellschaftet. Die Zerreissung der Haut ist bei den Thieren ziemlich selten. In einem von Smith beschriebenen Falle von Luxation des Fesselgelenkes beim Pferde hatte das Gelenkende des Metacarpus die Haut durohstossen und sich vier Zoll tief in den Erdboden eingebohrt.
Anatomische Veränderungen. In der Regel hat die Luxation, die Verrenkung der Kniescheibe ausgenommen, einen Kapselriss, sowie die theilweise oder gänzliche Zerreissung der Seitenbänder und Hilfsbänder zur Folge. Bei Luxationen des Hüftgelenkes findet ausser der Zerreissung des Kapselbandes meist auch ein Einreissen oder Abreissen des runden Bandes statt. Die Zerreissung der Gelenk­kapsel hat eine Blutung innerhalb und ausserhalb des Gelenkes zur Folge; auch in den benachbarten Weichtheilen, Muskeln, Binde-
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Luxation,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;213
g'owebo etc. kann es zu Zerrcissung und Blutung kommen. Ausserdem boobiichtet man Frac turen, namentlioli am Pfannenrand des Hüft­gelenkes. Bei den spontanen Luxationen findet man ausserdem chronische ontzllndliche Veriiuderungen am Gelenk.
Erfolgt keine Reposition der luxirten Geleiikenden, so bildet sich in der Umgebung des dislocirten Golenkkopfos ein neues Gelenk (N earth rose). Insbesondere am Hüftgelenk entwickelt sich in der Umgebung des luxirten Oberschenkelbeinkopfes eine entzündliche Ge-websbildung, welche grosso Aehnlichkeit mit einer Gelenkkapsel zeigt: gleichzeitig entsteht in Folge Wucherung des Periostes eine neue Gelenkpfanne mit Knurpelüberzug. Am häufigsten beobachtet man eine derartige Nearthrose nach Hüftgelenkiuxationen beim Hunde; ver­einzelt ist sie auch beim Pferde beobachtet worden. So fand Kitt bei einem chronisch hüftlalunen Pferde in der Pfannengegend an Stelle der Gelenkkapsel einen weiten, lockeren, *l,z — 2cm dicken Pinde-gewebssack, sowie eine Vergrösscrung der Gelenkhöhle nach der Darm­beinsäule zu: die Gelenkfliiche des Femur war glatt abgeschliffen.
Die Diastascn werden beim Rinde namentlich am Krouzdarm-beingelenk und an der Bcckensymphyse, beim Pferde an der Wirbel-silule in Folge Zerreissung der Zwischenwirbelbänder beobachtet. Bei der Diastase des Kreuzdarmbeingelenkes kommt es zu einer Loslösung der straffen, nahezu unbeweglichen Verbindung zwischen Kreuzbein und Darmbein, so dass sich das Kreuzbein nach abwärts senkt und
die Beekenbühle verengert. Die Diastase der Schambeinfuge lässt sieh
vom Mastdarm aus nachweisen.
Hchaudlung. Wie bei den Fracturen sind auch für die Luxa­tionen einestheils die Reposition, anderntbeils die Retention der dislocirten Gelenkendcn Grundbedingungen der Heilung. Lassen sich beide Bedingungen erfüllen, so erfolgt die Heilung bei frischen und einfachen Verrenkungen ziemlich rasch; der Kapselriss schliesst sich innerhalb kurzer Zeit, die intni- und extracapsulären Blutergüsse werden rasch resorbirt. Leider lässt sieb bei den Hausthieren mit Ausnahme der Luxatio patellae weder die Reposition, noch die Retention so leicht ausführen wie beim Menschen. Insbesondere stehen der Reposition einer HUftgelenksluxation bei stark bemuskelton Pferden und Hindern schwere, auch durch Anwendung von Flaschenzügen nicht immer zu überwindende mechanische Schwierigkeiten entgegen; ein Verband zum Zwecke der Retention lässt sich ferner ebensowenig anlegen wie bei Fracturen. Die Retention des reponirten Hüftgelenkes ist selbst beim
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Luxation.
11 undo wegen der Unruhe der Thicre und der Schwierigkeit der Fixirung sehr schwer. Relativ am leichtesten gelingt die Reposition der Kniescheibe heim Pferde und des Unterkiefers beim Hunde. Liegt eine veraltete Luxation vor, wie dies sehr hilufig am Hüftgelenke des Hundes der Fall ist, so enthalte man sich aller Repositions- und Retentionsversuche; sogar bei ziemlich starker Dislocation des Gelenk­kopfes entwickelt sich sehr bald eine Nearthrosc, so dass die Glied-inasse in relativ kurzer Zeit wieder gebrauchsfilhig wird. Die in der .Menschenheilkunde übliche A rthrotcmie und Resection des Gelenkes ist bei den Hausthieren in der Regel nicht durchführbar. Inwieweit die operative Behandlung der Luxatio patellae nach oben beim Pferde mittels Durchschneidung des inneren Querbandes der Kniescheibe aus­führbar und erfolgrsioh ist (Violet U.A.), muss abgewartet werden.
Statistik dor Liixationoii. 1. Holm Pferde ist die Zahl der Luxatioiien im Vergleich zu den übiigen Liigovoränderungen des Gelenkes, namentlich den Distorsionen, sowie im Verhältnisse zu den sonstigen Krankheiten der Gelenke überhaupt eine ziemlich kleine. Auf 500 Distorsionen kommt durch-sehnittlich nur eine Luxation. Auf 1000 Fälle von Golonkcrkran-kungon überhaupt kommt nur ein Fall von Luxation. Ich entnebmo diese Ziffern den preussisohen statistischen Militiir-Veterinärberichten, welche all­jährlich von der Inspection dos Militär-Voterinänvesens veröffentlicht werden. Darnach betrug in den sieben Jahren 188G—1894 unter 200.000 kranken Dienst-pferdon die Ziihl der Gelenkcrkrankungen überhaupt 2ß.000, im Speciellen die der Distorsionen 11.000, die der Luxationen 240 (neben 15.000 Pftllon chronischer und acuter Gelenkentzündung, inclusive Spat und Sehale).
In den einzelnen Berichtsjahren sind die Ziffern folgende:
Oclenkkrankhoiten Jahrnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; UberbAUptnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Distorsionennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Luxationen
1888nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; 3.31)9nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.345nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 42
1889nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; nbsp;3.824nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.660nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 32
1890nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; nbsp;3.(J5(;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.618nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
1891nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; 8.669nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.42laquo;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 38
1892nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; 3.632nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.527nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
1893nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; 3.820nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.597nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
1894nbsp; nbsp; nbsp;....nbsp; nbsp; 4.008nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1.833nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25 Summe .nbsp; 26.008nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11.00Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 241
Bezüglich der Vortheiluug der Luxationen auf die einzelnen Ge­lenke ergibt sich aus den Berichten, dass weitaus am häufigsten die Knie­scheibe luxirt war. Auf eine Luxation des Fesselgolenkes kommen beim Militär durchschnittlich vier Luxationen der Kniescheibe. — Ich selbst habe unter 1500 der Berliner chirurgischen Klinik zugeführten
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üistorsion.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;215
Pferden bis jetzt jü drei Luxailonen des Fenuu- und der Kniescheibe beob-nelitet.
2. Beim Jluiule sind die Luxationen viel häufiger als beim Pferde. Unter den 70.000 im Zeitraum von neun Jahren (188G—1895) von mir im Herlinor Ilundesjntale behandelten kranken Hunden befanden sieh 344 Fälle von Luxa­tionen (= 0'Ö% aller Fälle), neben 579 Distorsionen (= 0-80/,, aller Fälle) und CIS Arthriten (= 0'9quot;/o aller Fälle). In der Regel ist beim Hunde der Femur im Hüftgelenke luxirt.
2. Die Distorsion oder Verstauchung.
Wesen lind Erscheinungen. Unter Üistorsion oder Verstauchung versteht man ein vorübergehendes Auseinanderweichen der Gelenkenden im Gegensatze zur dauernden Abweichung bei der Luxation. Wie bei der Verrenkung unterscheidet man die einfache von der complicirten, d. h. mit schweren Verletzungen, namentlich mit einer Fractur verbundenen Distorsion.
Die Ursachen der Verstauchung sind im Allgemeinen dieselben wie die bei der Verrenkung, sie sind nur graduell verschieden, d. h. die einwirkenden Gewalten sind schwacher. Auch die anatomischen Veränderungen am Gelenke sind im Wesentlichen dieselben wie bei der Luxation. Insbesondere kommt es auch bei der einfachen Distorsion gewöhnlich zu einer Zerrung und selbst Zer-reissung der Gelenkkapsel und der Gelenkbänder, sowie zur Blutung innerhalb und ausserhalb dos Gelenkes. Diese Zu­stande erklären den oft sehr langwierigen Verlauf mancher Distorsionen; liegt ausserdem noch die Complication mit einer Fractur vor, so kann die Verstauchung, weil sie eine Gelenkfractur darstellt, sogar unheil­bar sein.
Die Erscheinungen bestehen in einer plötzlich auftretenden Lahmheit, als deren Ursache meist eine Ueberdehnung oder forcirte Drehung (schiefes Auftreten, Ueberknicken, Hängenbleiben in Schienen u. s. w.) nachweisbar ist. Die Palpation des Gelenkes ergibt bei passiven Bewegungen, namentlich aber beim Rotiren, starke Schmerz-haftigkeit; ausserdem besteht höhere Temperatur und Schwel­lung am Gelenke. Crepitation, abnorme Beweglichkeit sowie bleibende Lage Veränderungen fehlen bei einfachen Distorsionen; dagegen beob­achtet man bei complicirten unter Umstünden Crepitation.
Der Verlauf ist je nach der Schwere der anatomischen Ver­änderungen verschieden. Liegt nur eine leichte Ueberdehnung der Gelenkkapsel und Gelenkbänder ohne Zerreissung derselben vor, so
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21(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Distorsion.
kann die Lahmheit schon innerhalb weniger Tage verschwinden. 1st dagegen die Gelenkkapsel stark eingerissen, der Gelenkknorpel intensiv gequetscht und ein bedeutender Bluterguss innerhalb und ausscrhalb der Kapsel vorhanden, so betragt die Dauer der Heilung mehrere AVochen und selbst Monate. Es entwickeln sich dann chro­nische, theils ulceröse, theils deformirendc Arthriten (z. B. Sehale) und selbst Ankylosirung des Gelenkes, so class eine Heilung nicht erwartet werden kann. Complicirte Distorsionen sind, wie oben bemerkt, nicht selten überhaupt unheilbar. Aus diesen Gründen empfiehlt es sich, bei jeder Distorsion die Prognose von vorneherein vorsichtig zu stellen.
Mehainlhmg. Die bei frischen Distorsionen anzuwendenden Mittel sind Ruhe, Killte, Massage und Compression, An die Stelle der nur in der allerersten Zeit anzuwendenden Killte tritt nach ein bis zwei Tagen die feuchte Wilrme in Form Priessnitz'scher Um­schläge. Zieht sich die Heilung einer Verstauchung in die Länge, ist beispielsweise nach drei bis vier Wochen die Lahmheit nicht beseitigt, so können scharfe Einreibungen und Brennen Anwendung finden. Als letztes Mittel bleibt bei unheilbarem Fällen die Neur­ektom ie übrig.
Statistik der Distorsionen. Die Q-elenkverstauohung bildet namentlich beim Pferde eine der häufigäten Golenkerkriinkungen. Etwa die Hälfte aller Gelenk krank hoi ten sind Distorsionen. Die Distorsion ist etwa öOümal biiuflger als die Luxation; vgl. die S. 211 angegebenen Ziffern. Am häufigsten von allen Gelenken wird beim Pferd das Fesselgelenk und Krongelenk verstaucht. Nach den in der preussisclien Armee gesammelten Erfahrungen sind im Einklang mit den Angaben von Stoekfloth and Payer die Distor­sionen dos Fesselgolenkes drei- bis viermal häufiger, als die des Krongelenkes. Auf 4000 Distorsionen des Fesselgolenkes kommen nach den prensstschen Militär-Veteriniirbericbten in den Jahren 181)0 bis 1894 nur 1100 Fälle von Distorsion des Krongolenkos. Die Zahlen sind im Einzelnen folgende:
DlfltorslODOn (losnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Distorsionen ries
Jahrnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fessolgelenkcanbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krongelenkes
1800.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;471nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;112
1891.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;691nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;192
1892.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;818nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;186
1893.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;075nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .'ilO
1894.......nbsp; nbsp; nbsp;ll.'ilnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iJäl
Summa . . 4086nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1159
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Ankylose und Contractur,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 217
3. Die Contusion oder Quetschung des Gelenkes.
Wesen und Symptome. Die Gelonkcontusion ist eine (Quetschung des Gelenkes, welche entweder direct durch Druck, Schlag und Stoss unmittelhar auf das Gelenk, oder indirect durch Fortleitung einer unterhalb des Gelenkes einwirkenden Erschütterung und Prellung mit Zusammenpressung der Gelenkenden erfolgt. Im ersteren Falle entsteht vorwiegend eine Quetschung und Entzündung des Kapsel­bandes und des periarticulären Gewebes, im letzteren eine Contusion der Gelenkknorpel, welche in schweren Fällen mit einer Fractur der Gelenkenden verbunden sein kann.
Die Erscheinungen der Gelenkcontusion sind iihnlich, jedoch geringgradiger, wie die der Distorsion. Insbesondere ist die Lahmheit und die Schmerzhaftigkeit des Gelenkes bei Palpation eine geringere. Dagegen führt die Contusion meist zu einer stärkeren Blutung ins Gelenk (Hümarthros), sowie zu einer stärkeren, fluctuirenden Schwellung in der Umgebung des Gelenkes (Quetsohungsgesohwttlste der Haut und Unterhaut).
Der Verlauf ist in der Regel ein günstigerer, als bei der Distorsion; gewöhnlich erfolgt baldige Resorption des Ulutextravasates im Gelenk und vollständige Wiederherstellung der Function. Ausnahms­weise bleibt ein llydrops des Gelenkes zurück (Geleukgalle). Einen ungünstigen Verlauf zeigen nur die mit einer Fractur oder Gelenk­wunde complicirten Contusionen.
BeltiUldlllllg. Möglichst frühzeitige Massage und Compression des Gelenkes durch einen festen Verband oder mittels elastischer Binden sind die zweckmässigsten Mittel bei Gelenkcontusion. Ausserdem kann die Resorption durch feuchte Wärme und später durch massige Bewegung befördert werden.
III. Ankylose und Contractur.
1. Die Ankylose oder Gelenksteifigkeit.
Begriff. Als Ankylosis bezeichnet man die durch Verwachsung zweier Gelenkenden bedingte Steifheit und Unbeweglichkeit eines Gelenkes. Im Gegensatze zur Contractur des Gelenkes, bei welcher dessen Beweglichkeit nur beschränkt, also bis zu einem gewissen Grade noch zulässig ist. ist die Bewegung des Gelenkes bei der Ankvlose
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Gelenkcontructur.
vollkommen aufgehoben. Je nach dei- Beschaffenheit der Bindesubstanz an der Vonvachsungsstollo unterscheidet man eine knöcherne, knor­pelige und bindegewebige Ankyloso (Ankylosis ossea, carti-laginea und fib rosa). Die Ankylosis ossea wird unrichtiger Weise zu­weilen auch als Synostoso bezeichnet (vgl. S. 172). Je nachdem ferner die ankylosirenden Massem innerhall) oder ausserhalb der Gelenkkapsel gelegen sind, unterscheidet man eine intracapsulilre und extra-capsuläre Ankylosis. Ausserdem gibt es eine wahre und falsche (scheinbare) Ankylose.
Urssicheil. Die Bildung einer Ankylose ist entweder das Product einer chronischen Gelenkentzündung, insbesondere der deformiren-den, pannösen und granulösen, oder einer Fractur im Gelenk. Am häutigsten lindet man sie im Verlaufe der deformirenden Arthritis (Spat. Schale, chronische Hufgelcnkslahmheit), bei ossificirender Periostitis in der Umgebung von Gelenken, nach Periarthritcn am Carpalgelonk. nach Verknöcherung der Zwischenwirhelknorpel bei älteren Pferden (Ursache; von Wirbelfracturcn!), nach Genickfisteln, welche zu Ver­wachsung der Halswirbel und bleibender Steifheit des Halses führen, bei chronischen Entzündungszustäiulen des Unterkiefergolenkes u. s. w. In Analogie zu der Verwachsung der Gelenke hat man auch die Ver­wachsung der Augenlider miteinander raquo;Ankyloblepharonlaquo; genannt.
Holuindltlllg. Die Ankylose stellt bei den Hausthieren einen in der Regel unheilbaren Zustand dar. Weil mit der Bildung einer Ankylose die Beweglichkeit und damit auch die Schmerzhaftigkeit des kranken Gelenkes und das Lahmgchen aufhört, sucht man in der Thier-heilkundc bei gewissen chronischen Gelenkentzündungen, namentlich bei Spat und Schale, eine künstliche Ankylosirung des Gelenkes durch Brennen und scharfe Einreibungen herbeizuführen. Beim Menschen sucht man die beginnende Ankylose durch Massage, passive Be­wegungen sowie Strecken des Gelenkes in der Narkose zu verhindern. Die ausgebildete Ankylose wird durch Gclenkresection, Arthrotomie, Osteotomie u. s. w. behandelt.
2. Die Gelenkcontractur (Stelzfuss).
Begrifflaquo; Mit dem Ausdrucke Contractur bezeichnet man eine fehlerhafte Gelenkstellung in der Weise, dass die Freiheit der Gelenkbewegung andauernd beeinträchtigt ist (Winkelstellung
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Golenkcontractur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;219
des Gelenkes. Stelzfuss). Nicht zu verwechseln ist die C'ontraetur mit der Contraction, d. h. vorübergehenden Zusammenziehung der Muskeln.
Ursachen und Formen. Die Beschränkung der freien Gelenk­bewegung kann durch Krankheitszustünde des Gelenkes, der Sehnen, Muskeln, Nerven und der Haut bedingt, oder angeboren sein. Darnach unterscheidet man arthrogene, tendogene, myogene, neurogene, Narbencontracturen und angeborene Contracturen.
a)nbsp; nbsp;Die arthrogenen Contracturen sind durch pathologische Zustände am Gelenk selbst bedingt, welche die freie Beweglichkeit des Gelenkes hemmen (Gelenkstelzfuss). Als solche sind zu nennen Exostosenbildung und Auftreibungen an den Gelenkenden, entzündliche Noubildungsprocesse im Gelenk selbst, Arthritis deformans, freie Ge-lenkkürper, beginnende Ankylosenbildung. Am hltuligsten beobachtet man beim Pferde eine arthrogene Contractur (Gelenkstelzfuss) im Ver­laufe der articulären Schale, bei der die osteophytisehen Auftreibungen des Kronbeins und Fesselbeins die freie Beweglichkeit des Krongelenkes mechanisch hemmen. Aehnliches beobachtet man bei einseitiger chroni­scher Arthritis im Kiefergelenke, bei welcher auf der kranken Seite die Kaubewegungen nur mangelhaft ausgeführt werden können.
b)nbsp; Die tendogenen Contracturen entstehen durch Verkürzung und Verwachsung von Beugesehnen nach vorausgegangenen Sehnen­entzündungen (Sehnonstelzfuss). Am häufigsten beobachtet man bei Pferden eine tendogene Contractur im Fesselgelenk der Vorderbeine (Stelzfuss im engeren Sinne), im Anschlüsse an eine chronische Ent­zündung dor Hufbein- oder Kronboinbeugesehne.
ö) Die myogenon Contracturen sind durch narbige Verkürzung von Muskeln als Folgezustände vorausgegangener Zerreissungen und Entzündungen derselben veranlasst. Die Contractur der inneren und äusseren Beuger der Vorderfusswurzel bedingt beim Pferde die soge­nannte Vorbiegigkeit (Kniehängigkeit). Die Contractur des Kopf-Hals-Armmuskels ist die Ursache des schiefen Halses (Caput obstipum). Die einseitige Contractur der seitlichen Schweifinuskel erzeugt schiefe Haltung des Schweifes.
d) Die neuroirenen Contracturen sind durch Störungen in der Muskelinnervation bedingt und entweder durch Lähmung und Muskel­schwäche (paralytische neurogene Contractur) oder durch Krampf gewisser Muskelgruppen verursacht (spastische neurogene Contractur). Der angeborene Stelzfuss der Fohlen (das sogenannte Ueberköthen) dürfte als eine paralytische Contractur (Schwäche der Streckmuskeln)
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220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gclenkcontractur.
iuifzufassen sein. Für diese Annahme spricht auch die rasche Beseitigung-des Fohlenstelzfusses bei geeigneter Behandlung. Diese relativ leichte Heilbarkeit spricht gegen die Annahme von Johne, wornach der Fohlen-stelzfuss eine tendogene Contractur in Folge mangelhafter fötaler Aus­bildung der Heugesehnen darstellen soll.
e) Die Narbencontractur oder eicatriciolle (Jontraetur ent­steht durch Narbenretractiou nach vorausgegangener Verwundung, Ver-hrennung, Verätzung und Nekrose der Haut an der BeugeHiiehe der Gelenke, am Halse (Caput obstipum) u. s. w. Therapeutisch wird von derselben Gebrauch gemacht bei der operativen Behandlung des Entro-piums mittels Ausschneidens eines Hautstückes (Blepharoplastik) beim Hunde.
f) Die angeborenen Contracturen beruhen entweder auf ange­borener Muskelschwäche (Fohlenstelzfuss) oder auf fötalen Entwicklungs-stüi'ungen der Gelenke. Die letzteren sind bei den Hausthieren deshalb nicht Gegenstand chirurgischer Behandlung, weil die damit behafteten jungen Thiere nicht aufgezogen werden. Beim Menschen unterscheidet man den angeborenen Klump fuss (Fes varus), eine arthrogene Supi-nationscontractur des Fusses, den Plattfuss (Pes valgus oder planus), eine abnorme Dorsalflexion des Fusses, den Pferdefuss (Pes equinus), eine abnorme Plantarflexion des Fusses, das Genu valgum (X-förmiges Bein) u. s. w.
BellillHlliillg'. Die Contracturen sind in vielen Fällen unheilbar; inancho derselben sind auf operativem Wege bis zu einem gewissen Grade heilbar. Dies gilt namentlich für die tendogenen Contracturen (Sehnenstelzfuss), welche durch die Tenotomie, und die myogenen Contracturen (Vorbiegigkeit, schiefe Schwcifhaltung). welche durch die Myotomie zum Theil beseitigt werden können. Auch die neurogenen Contracturen (Fohlenstelzfuss) lassen sich durch geeignete Verbände. Massage u. s. w. zuweilen heilen. Unheilbar bleibt dagegen die arthrogene Contractur (articuläre Schale), bei der wegen der rein mechanischen Bewegungshemmung selbst die Neurektomie erfolglos ist.
Deformitäten lt;ler Wirbclsihile. Die ids Kyphoso (Höckor), Lordose (Senkrücken) und Skoliose (seitlich verkniniinter Kücken) bezeichneten De­formitäten der Wirbelsäule sind zuweilen angeboren; zwei derartige Fälle beim Pferde, einen mit Linkskriiminung-, den anderen mit Kechtskriimmung, hat Bayer beschrieben. In anderen Fällon sind sie rachitisclion Ursprungs (vgl. S. 196). üei Stuten verursacht ferner wiederholte Träclitigkeit, sowie gleichzeitige starke Belastung des Kückens Lordosc.
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Oelenkkörpcr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;221
Auch Fracturen, chronischo EntzUndnngsprooesse an den Zwiselicn-wirbclgelcnkon, Tuberculose, Noubildungon u. s. w. können Deformitäten der AVirbelsäule voranlassen. Ein Fall von Kyjihose bei einem Stiere In Folge Tuberculose der Lendenwirbel ist von Hess beschrieben worden. Einen inter­essanten Fall von Rückon-Lendenverkrümmung beim Pferde hat Vatel beschrieben. Die Verkrümmung der Wirbelsäule hatte dio Nieren dislocirt, die hintere Aorta nach unten abgebogen und dieselbe anenrysmatisch erweitert. Im Lendenkreuz­gelenke bestand Arthritis sicca mit Knorpolusur, zwischen dem siebzehnten und achtzehnten Rückenwirbel lag ein knöcherner Tumor, dio Golenkflächen der Lendenwirbel waren ankylotisch. Eine ausführliehe Arbeit über Deformitäten der Wirbelsäule bei den Hausthieren hat Q-OU beaux geliefert (Rccueil. 1886/87).
IV. Gelenkkörper. Corpora libera.
Wesen. AIlaquo; Q-elenkkörper (freie Körper, Corpora libera, Ge-lenkmituse, Mures articulorum, rei.skornillmlicho Körper, Corpora ory-zoidea) bozeiebnet man frei in der Gelenkböble liegende oder gestielte, glatte Körper von Hirsekorn- bis Gurkenkern-, seltener bis Tauben-eigrösse, von weisser, glänzender Farbe und knorpel- oder knoeben-harter Oonsistenz. Ihre Herkunft ist eine sebr verschiedene:
1.nbsp; Ein Tbeil entsteht durch Absprengen von Knorpel- oder Knochcnstücken hei complicirten Distorsionen, Luxationen und Contusionen des Gelenkes.
2.nbsp; Andere sind das Product einer entzündlichen Schwellung und bindegewebigen, knorpeligen und knöchernen Wucherung der Ge­lenkzotten, namentlich der Knorpelzotten, welche später abreissen oder abgeschnürt werden.
3.nbsp; nbsp;Manche entstehen durch Gerinnung und Organisirung fibri-nöser Exsudatmassen (Corpora oryzoidea).
4.nbsp; nbsp; JJei Arthritis deformans und Osteoc.hondritis disse-cans (Coagulatiousnekrose) werden umschriebene Theile des Gelenk-knorpels abgestossen.
5.nbsp; In seltenen Fällen wachsen extracapsuläre Neubildungen (Exostosen, Lipoine) in die Gelenkhöhle hinein und werden daselbst abgeschnürt.
Erscheinungen. Das Vorkommen der Fremdkörper ist ein sehr seltenes. Dadurch, dass sie sich plötzlich zwischen die Gelenke hinein­schieben, können sie unter Umständen zu einer plötzlich, ohne
Frühner, Allgemeine ChirurgUi.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15
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222nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Literatur.
nachweisbare Ursache auftretenden und plötzlich wieder Ycrsehwindenden, recidivirenden Lahmheit Veranlassung geben. Im üebrigen ist ihre Diagnose intra vitam mit den grössten Schwierig­keiten verknüpft. Von Stockfleth sind Corpora libera im Knie- und Sprunggelenk beim Pferd, von Bruckmtiller im Schulter- und Carpal-gelenk, von Möller ein taubeneigrosser Körper im Kniegelenk beim Pferd gefunden worden.
Eine Behandlung ist beim Pferde nicht durchführbar. Beim Hunde könnte, ähnlich wie beim Menschen, die Arthrotomie ver­sucht werden.
Literatur.
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Krankheiten der Sehnen, Sehnenscheiden und
Schleimbeutel.
Anatomische und physiologische Vorbemerkungen.
Seimen. Uiü Sehnen sind aus feinen Behnenfibi'lllen zusammengesetzt, die durch eine Kittsubstiuiz zu dünnen Sehnenfasern verbunden sind. Durch die Vereinigung zahlreicher Sehnenfasern entstehen die Sehnenfasoikel (oder primären Solmenbündcl). Mehrere Sehnenfasoikel werden durch das Tendi-lemm, d. h. lockeres, spärliche Blutgefässe enthaltendes Bindegewebe zu soeun-dären und diese in gleicher Weise wieder zu tertiären Sohnenbündeln ver­einigt, aus welchen sich dann die Sehne zusammensetzt. An ihrer Oberfläche ist die Sehne vom Paratendineum, einer lockeren Bindegewebsschioht, umgeben.
In chirurgisoher Beziehung haben die Bougesohnen der Phalangen, nämlich der Fesselbeinbeuger (oberes Gleichbeinband), der Hufboinbeuger und der Kronboinbeuger von allen Sehnen die griisstc praktische Bedeutung. Die Anatomie und Physiologie dieser als Spannbänder für die Phalangengelenke aufzufassenden Sehnen ist für das Verständniss der Pathogenese, Symptomatologie und Therapie der Sehnenkrankheiten von grosser Bedeutung. Einen schätzens-werthen Beitrag hiozu hat neuerdings Stoss geliefert (Anatomie und Physiologie der Phalangenbänder des Pferdes. Monatshefte für praktische Thierheilkunde. 1^95, Bd. VI, S. 481). Darnach zeigt der Fesselboinbeugor (sogenanntes oberes Glcicbbeinband), ursprünglich als volarer Musculus interosseus, Beuger der ersten Phalange, die höchste Entwicklung des Spannbandes als Beschränkung der Ueberstreckung im Fesseigelenk (sogenannte Beugung des Fesselgelenkes). Der Fesselbeinbeuger setzt sich an der Kückseite und dem oberen Enda des .Metacarpus einerseits, an den Gleicbbeinen andererseits fest. In gleicher Weise bilden der Kronbeinbeuger und Hufbein beuger Spannbänder für das Krön* gclenk und Ilufgelenk. Die sogenannten Verstärkungsbänder derselben .schützen die Bougomuskeln vor Ueberdelmung durch die Kürperlast und besitzen iiusscrdem für das Krön- und Ilufgelenk dieselbe Function, wie die Gleichboin-bänder für das Fcssolgelenk. Das Vorstärkungsband der Ilnfboinbeugesehno ent-springt von der verdickten hinteren Kapsel des Carpalgelenkes, das der Kronbein-beugesehne setzt sich über dem Carpalgolenke am Vorderarmbein fest.
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Krankheiten '1er Sehnen und Sclmonsclioidim.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 225
Sehnensohelden und Sohlelmbentel. Die Anatomie der für die Chirurgie
juissorordentlieh wichtigen Selmenselieiden und Sehleimboutol ist in den meisten vetomiär-iinatomischen Lehrbiiehcin nicht eingehend und üborsichtlieh genug bo-lumdelt. In Nachstehenden sollen in Kürze die wichtigsten einsehliigigen Ver­hältnisse beim Pferde naoh der Beschreibung von Eichbaura (Berliner Archiv. 188.'!) zusammengestellt worden.
Die physiologische Function der Sehnenscheiden und Schleimbeutel besteht darin, dass sie die gleitenden Bewegungen der Sehnen, Muskel und Haut, namentlich aber hervorragender Stellen erleichtern. Mit der physiologischen He-stimmung haben sie auch die anatomische und histologische Zusammensetzung gemein; lediglich in der äusseren Form sind sie verschieden. Auch darin stimmen sio miteinander überein, dass sie keine constant vorkommenden Gebilde sind und dass sio zuweilen mit den Gelenken communiciren; aus Schleimbeuteln können sieh ferner Sehnenseheiden entwickeln.
Die Sehnenseheiden (Bursae vaginales, Vaginae tendinum) bilden eylindrische Säcke, welche die Sehnen an den Streckseiten und Heugesciten der Gelenke durch scheidenartiges Umkleiden isoliren; zuweilen sind mehrere Sehnen von einer einzigen Scheide umschlossen, so namentlich die Kronbeinbeugesehne und llufbeinbeugesehne an der Hinterfläche des Carpus. Aehnlich wie die Gelenk­kapseln besitzen die Sehnenscheiden an ihrer Innenfläche eine Synovialmem-bran (seröse Scheide, Schleimscheide), welche eine seröse Membran darstellt, indem sie einen einschichtigen Endotholbelag zeigt (von Anderen wird sie als drüsiges, Schleim socernirendes Organ anfgofasst), während die Aussen-schichte der Sehnenscheiden eine fibröse Hülle darstellt, die durch Bindegewebe mit der Synovialmembran verbunden ist.
Die Schleimbeutel (Bursae mueosae) bilden rundliche, seitlich abge­flachte Säcke unter Sehnen, Muskeln und der Haut, deren Innenwand meist glatt, zuweilen aber auch durch Zotten und vorspringende Sehnenfäden rauh und netz­artig, oder mit durchlöcherten Scheidewänden verschen ist. Man hat zwei Arten von Schleimbeuteln zu unterscheiden: 1. Die Bursae mueosae subtendineae (Bursae subtendineae), wegen ihres ziemlich constanten Vorkommens auch „typi­schequot; Sehleimboutel genannt, liegen an den Anfangs- und Endinsertionen unter Sehnen und Muskeln, mit denen sio meist innig verbunden sind. Wie die Sehnen­scheiden besitzen sio an ihrer Tnnentläche eine Endothelschicht, auch communi­ciren sie namentlich bei älteren Pferden nicht selten mit Sehnenscheiden und Gelenken, indem sio dann eine blindsackförmigo Ausstülpung der Gelenkkapsel (Bursae synoviales) darstellen. Das Vorhandensein dieser Verbindung ist für ge­wisse chirurgische l'rocesse (Gallen) von grosser Bedeutung. Die Bursae sub­tendineae sind in ihrer Mehrzahl schon bei Fohlen vorhanden. 2. Die Bursae mueosae subeutaneae (Bursae subeutaneae), wegen ihres ineonstanten Vor-quot;komniens auch „atypischequot; Schleimbeutel genannt, tntstehen nach der Geburt („erworbenequot; Schleimbeutel), und steigen mit dem Alter der Thiere an Zahl. Ihren Ausgang nehmen sie wahrscheinlich von Zerreissungen des subeutanen
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Krankheiten der Sehnen und Hohncnseheidcn.
Btndsgewebes, welelie durch Beugung und Streckung der Qelenke, bozichungs-weisc durcli Zciriuig dor Subcutis über KnoehciilKiekern voranlnsst wurden und zur Abkapselung goführt haben. Dio Innenfläche dieser erworbenen Sobleimbeutel besitzt daher auch moistens koine Endothelschiclit. Man findet sie an allen Stellen, an denen die Haut über Knoehenvorspriingon verschiebbar ist, so nament­lich am Olecranon (Stollbeule), Caloaneus (Piepbacke) und am ttnsseren Darm­beinwinkel; seltener kommen sie an der Patella, an den Malloolen, am Wider­rist, Kreuzbein und an den Streckselten der Gelenke vor.
Dio für die (Jhirurgio wichtigsten Sobleimbeutel und Sehnen­scheiden sind nach Eichbaura beim Pferde die folgenden:
1.nbsp; nbsp;Kopf. 1. Die suboutanen Bursen sind selten; man findet sie zuweilen am Gonickfortsntze des Hinterhauptbeins (wo sie beim Hunde häufiger getroffen werden) und an der Rundung des Unterkiefers.
2.nbsp; nbsp;Zwei subtendinoso Bursen finden sich als Bursa nnicosa über der Protnberantia OOOipitls extema und als Sehnonscheide der Sehne des M, leva tor iabii superior is.
II.nbsp; Hals. 1, Kino Bursa mueosa liegt unter dem Ursprünge dos Lig. Nuohae, zwischen Nackenband und der oberen Fläche des Atlas sowie dessen Kapselband. Sio hat 3 — 5—10 om Längsdurchmesser, ist von ovaler Gestalt und seitlich begrenzt von den mittleren Kopfstreckern. Sie ist sehr häufig vorhanden.
2.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa liegt unter dem strick form igen Theil des Lig. Nuchae in der Höhe dos zweiten Halswirbels; sio ist häufig und wird bis apfolgross. Sio liegt zwischen dem strickförmigen Theile und den am Kamme dos zweiten Halswirbels sich anheftenden beiden Soitonhälften des platten-förmigen Theiles des Xackenbandes. Beiderseits wird sie begrenzt von den Mus-culi completi.
3.nbsp; nbsp;Mehrere Hursae mueosae von Hasel- bis quot;Walmussgrüsse liegen über den Gelenkfortsätzen des dritten, vierten, fünften und sechsten Halswirbels; sie sind häufig.
III.nbsp; Ruilipf. 1. Eine Bursa mueosa liegt über dem Widerriste (fünften bis siebenten Kiickenwirbel); häufig.
2.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa liegt subeutan über den Dornfortsätzen des ersten und zweiten Kreuzwirbels; häufig.
3.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa findet sich über dem lateralen Darmbein­winkel = Bursa iliaca lateralis, sowohl auf dem oberen, wie auf dem unteren Höcker derselben; die obere ist bis 10 cm lang und 4—b cm breit. Sie ist in der Kegel vorhanden.
4.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa liegt zu beiden Seiton des Manubrium Storni; selten.
5.nbsp; nbsp; Eine Bursa mueosa liegt auf dem Tuber Isohii; selten (bei Hunden häufig).
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Krankheiten der Sehnen und Sclmenselieiclen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;227
(J. Eine subtendinüso Bursa liegt über dein Dorn Fortsätze des v i o r to n Kücken \v i rb e 1 s.
IV. Voi'dei'extt'einitiltt 1. Eine Bursa inucosa liegt subeutan an der (j rätonbeulo unter der Scbultorarmbcint'aseie; selten.
2.nbsp; nbsp;Eine Bursa subtondinea liegt unter der Endinsoition des M. in-l'raspinatus; constant; walnussgross.
3.nbsp; nbsp;Eine Bursa muoosa liegt unter dem Teres minor. Sie ist walnuss­gross, von vielen Solinent'ädou durchzogen, zwischen Tores und liinterfläche der Gelenkkapsel gelegen, mit der Gelenkkapsel communicirend.
4.nbsp; nbsp; Eine Bursa mueosa liegt unter der Ursprnngssehne des Biceps brachii; haselnussgross.
5.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa liegt zwischen der Ursprangssebue des Biceps brachii und den Kollfortsätzon des Arraboins = Bursa intertuber-oul avis.
6.nbsp; nbsp;Eine Bursa mueosa liegt an der liinterfläche des Ellenbogenhöekors; sehr häufig; walnuss- bis apfelgross, mit Scheiden wänden und mehreren Fächern, zuweilen auch mehr auf der lateralen Seite des Ellenbogenhöckcrs gelegen.
7.nbsp; nbsp; Die Sehnenscheide des langen gemeinschaftlichen Zehen-Streckers.
8.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide dos Streckers dos Yordermittelfusses.
1). Die Sehnenscheide des schiefen Streckers der Vordorfuss-wurzel.
10.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des Fosselboinstreckors.
11.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des M. extensor carpi ulnaris.
12.nbsp; nbsp;Die Sehnensclieide für die Sehnen des Huf- und Kionliein-bougers; sehr geräumig, zum grössten Theilo im Knieringe gelegen, beginnt, circa 10 am oberhalb der Vorderfusswurzel und zieht sich hinten bis zur Ver­einigung des Unterstützungsbandes mit der Hufbeinbeugesehno herab. Die Teno-tomie ist unterhalb dieser Sehnonscheide auszuführen.
I'd. Die Sehnenscheide des Beugers des Vordermittolfnssos.
14.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa subeutanea über dem Köpfchen des medialen Grifl'elbeins.
15.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa an der Vordorf lache des unteren Endes des Metacarpus (und Metatarsus).
1(1. Die Bursa mueosa subtondinea an beiden Seitenflächen des Fesselbeins.
17.nbsp; nbsp;Die Bursa vaginal is an der Sehne des Kronboinbeugers.
18.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des Uufbeinbeugers beginnt 10cm über dem Fcsselgelenke, zieht sich über die hintere Eläeho des Fcsselbeinheugers, der Sesambeino, des Fessel- und Kronbeins nach abwärts und endet etwa in der Mitte des Kronbeins (Tenotomie oberhalb dieser Sehnenscheide)^
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Krankheiten der Sehnen und iSülmoiischeiden.
19. l^ic Bursa podotrochleuiis, eine Huisii mucosii unter der End-insortion der Hufbeinbeugesehne, beginnt am hinteren Rande des Strahl­beins und reicht bis zur Insertion der Hufbeinbengesohne nm Hufbeinc. Sie bildet ohne Communication mit dem Hufgelenko einen vollständig gosehlossenon Sack, dessen vordere Wand die hintere Fläehe des Strahlbeins überzieht, während die hintere Wand die Heugesehne überzieht.
V. Hintei'O Kxtreniität. 1. Die Bursa ghitaei medii (trochanterica; ist eine Uursa mueosa unter der Endinsertion des Glutaeus medius und maxinius am mittleren Umdrehor, und bildet einen umfangreichen Sack an der äusseren glatten Fläche des mittleren Unulrehers.
2. Die Bursa glutaei maximi, eine Bursa mueosa subtendinoa unter der Endinsertion des Glutaeus maximus am unteren Umdrehor.
8. Die Bursa glutaei minimi unter der Endinsertion des Glutaeus minimus.
4.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa am Tuber Iscliii (Bursa tuberis Ischii), walnussgross, sehr häutig vorhanden, zwischen Tuber Ischii und Museulus semiten-dinosus.
5.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa snbeutanoa vor der Kniescheibe = Bursa praepatellaris, nur bei der Hfllfte aller Pferde vorhanden, höhnen- bis walnuss­gross, liegt an der Vorderfläebe der Patella an der am meisten hervor­ragenden oberen Hälfte, und zieht sich zuweilen auch nach dem lateralen Rande der Knieseheibe hinüber.
(1. Die Bursa mueosa subtondinea unter der Endinsertion des M. rectus femoris = Bursa patollaris profunda (infrapatellaris).
7.nbsp; nbsp; Die Bursa mueosa unter der Insertion dos mittleren geraden Bandes der Patella an der Tibia (B. subpatellaris). Ausserdem liegen diverse Burson unter den Seitenbändorn.
8.nbsp; nbsp;Die Bursa synovialis unter dem Ursprungo dos Sehienbcinbougers und langen Zehenstreckers, circa 14 cm lang, geräumig, mit dem Kniegelenke communieirend.
fraquo;. Die Bursa synovialis poplitea unter der Sohne des M. popliteus, eine Ausstülpung der Kniegelenkkapsel.
10.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa subeutanea über dem Sprungboinhöcker, sehr häufig, wenn auch nicht constant, oval, 4 — 5om lang, ;gt;—i an breit, liegt an der hinteren Fläche des oberen Calcaneusendes. — Verschiedene andere Bursen finden sieh über den Malleolen.
11.nbsp; nbsp;Die Bursa mueosa subfascialis unter der U n terschonkelfascic an der Vorderfläebe der Tibia im unteren Drittel gelegen.
12.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des Soitonstrockcrs der /ehe, beginnt 2—4tv/(, über dem lateralen Malleolus und endet am oberen Theil des Meta­tarsus.
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Krankheiten der Sehnen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 229
l.'i. Dio Seliiionschoide dos langen /ohonstrockors verläuft über die Vorderfliiclio des Sprunggelenkes bis zur Vereinigung des hingen mit dem soitlieben Zelienstrecker.
14. Die Sehnonsebeicle am Musculus tibialis anticus liegt medial von der vorigen, und reicht noch 1—2 cm bis zum medialen Insertionsschenkel herunter.
1quot;). Die Bursa muoosa unter dem medialen Insertionsschenkel des Tibialis anticus ist nnregolmässig abgerundet; die Innenwand ist auf dei-medialen Fläche des grossen und kleinen sebiffförmigon Heines und des Pyramiden-beines gelegen, die Aussenwand umschliesst den Insertionsschenkel.
Iß. Die Sehnonscheide des seitlichen Hufbeinbeugers, 30—86 om lang, in der Mitte dor Tibia medial beginnend, über die mediale Fläche des Sprunggelenkes zum Pyramidenbein herunterziehend und an der Vereinigung der Sehne mit dem dicken llufbeiabeuger endend.
17.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide unter der Sehne des Kronbcinbougers, zwischen der kappenartigen Verbreiterung des letzteren und dem C'alcaneus ge­logen, in dor Mitte des Calcaneus endend. — Ausscrdem eine Bursa mueosa unter der Endinsertion der M. gastroonemii.
18.nbsp; nbsp;Die Sehnenscheide des dicken Hufbeinbeugers beginnt etwa drei Finger breit über dem medialen Malloolus, verläuft an der hinteren Fläche der Tibia und des Sprunggelenkes und endet kurz vor der Vereinigung der Sehne mit der des seitlichen Hufbeinbeugers.
I. Krankheiten der Sehnen.
1. Die Sehnenentzündung. Tendinitis.
UrsacluMl. Die häufigste Veranlassung- der meist beim Pferde vorkommenden Sehnenentztindnngen bilden Zerrungen, Ueber-debnungen und partielle Zerreissungen der Sehnen in Folge Ueberanstrengung bei Rennpferden, Trabern und seluveron Zugpferden. Seltener ündet eine directe (Quetschung der Sehnen durch (iegen-soblagen statt. Die Tendinitis ist somit meist eine traumatische und, well sie ohne Verletzung der Haut und somit ohne die Mitwirkung von Bacterien zu Stande kommt, eine aseptische. Sie hat ihr Analogon in der ebenfalls traumatischen und aseptischen Knocheniissur, mit der sie auch in den lleiiungsvorgängen Achnlichkeit zeigt. Eine i'rä-disposition zu traumatischer Tendinitis bedingen einerseits abnorme Stellungen, insbesondere zu lange und zu weiche Fessel, niedrige Trachten und zu lange Zehe, andererseits schwach entwickelte Sehnen sowie Ernithrungsstürungen der Sehnen nach vorausgegangenen schweren Krankheiten, längerem Steilen u. s. w.
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2)50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;SehaeaeatzUndung.
In anderen Füllen greifen Entztindung'sprocesse ans der Nuehiiarseliiift auf die Sehnen über. Insbesondere bedintren nicht selten primäre Entzündungen der Sehnenscheiden (Briistscuehe) eine seeundäre Tendinitis. Aelinlicbos beobachtet man nach phlegmonösen Entzündungen der Sehnenscheiden bei Phlegmone des Strahlpolsters, sowie im Verhülle der Bursitis podotrocblearis und Gleichbeinlähme. Diese seeundär bei Infectionskrankheiten (Brustseußhe) ans einer Sehnenscheidenentzündung sich entwickelnden Tendiniten sind irr-thihnlicher Weise als metastatische SehnenentzünduilffeD aufsrefasst worden.
Eine sehr seltene, Ursache der Tendinitis ist endlich Filaria cineinnata und Spiroptera reticulata, welche namentlich bei russischen und italienischen Pferden im Fesselbeinheugcr parasitiren und daselbst zuweilen eine Entzündung hervorrufen.
Anatomlsdier Befund. Bei frischen traumatischen Sehnen­entzündungen findet man zunächst eine partielle, fasciouläre Zer-reissung von Sehnenfasern mit geringem Bluterguss, beziehungs­weise blutig-seröser Infiltration des interfasciculären Bindegewebes. Die sehr bald eintretende! entzündliche Reaction äussert sich in Hyperämie, zelliger Infiltration, sowie in Neubildung von Blutgefässen und Binde­gewebe. An der Bildung des (iranulationsgewebes betheiligen sich namentlich das Paratendineura, die benachbarten Sehnenscheiden, sowie das inter fas oiculäre Bindegewebe, zum Thcil auch die eigentlichen Sehnenzellen der zerrissenen Sehnenfasern. Aus dem voluminösen, gefiissreichen. festweichen Granulationsgewebe entsteht später unter theilweisem Schwund der Sehnenfasern und Umwandlung des weichen Keimgewebes in hartes, knirschendes, sich knotenartig hart anfühlendes, zum Theil verknorpeltes und verknöchertes Bindegewebe die eigentliche Sehnennarbe (Sehnencallus). Gleichzeitig kann eine Verkürzung und Verwachsung der Sehne mit der Nachbarschaft eintreten. Bei eiterigen Sehnenentzündungen entwickelt sich leicht Nekrose (vgl. S. 286).
Symptome. Die Sehnenentzündung kommt in der Regel nur an den Bougesehnen (Fessel-. Huf- und Kronheinbeiigesohnen). ferner weitaus am häutigsten an den Vorderbeinen hinter dem Metacarpus vor. Die Pferde zeigen entweder plötzlich eintretende oder alliniilig zunehmende Lahmheit mit starker Volarflexion, sowie bei Palpation eine schmerzhafte, höher temperirte. anfangs festweiche An-
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Sehnenentütlndung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 231
Schwellung an der erkrankten rfehnenpartie, über welche sieh die Haut verschieben lässt. Später nimmt die (Konsistenz der Sehnenlaquo; Bobwellnng ZU. Findet im weiteren Verlaufe keine Zertheilung der An-sohwellung statt, so bloil)t schliesslich nach Rückgang der entzündlichen Erscheinungen ein harter, derber Sehnenknoten oder eine diffuse Verdickung der Sehne zurück. Die im Beginne vorhandene Lalun-heit verschwindet meist allmillig; es kann indessen auch eine ehronische Lahmheit zurückbleiben. Die einmal erkrankte Sehne ist ferner namentlich bei Rennpferden und Reitpferden in dor späteren Folge zu Recidiven geneigt. Nach schweren Entzündungen kommt es endlich zu Verwachsung der Sehne mit der Umgebung, sowie zur Ausbildung einer Sehnencontractur (Sehnenstelzfuss).
HohaiKlIung. Ausser absoluter Buhe ist bei ganz irischen Sehnenentzlindungen mit grosser Schmerzhaftigkeit und starker Schwellung zunächst die Anwendung von Kälte angezeigt, die man in Form kalter Umschläge, kalter Bäder oder permanenter Irrigation applicirt. Vom zweiten oder dritten Tage ab empfiehlt sieb statt der Kälte die Anwendung feuchter Wärme in Form von Priessnitz-schen Umschlägen, sowie der Massage und des Druck Verbandes. Die genannten Mittel haben den Zweck, die Resorption des Blut-extravasats und des entzündlichen Exsudates zu befördern und dadurch die Zertheilung der Anschwellung zu bewirken. Sehr wichtig ist ferner von vorneherein die Begelung des Beschlages. Zur Schonung der Beugesehnen muss der Griff des Hufeisens entfernt, die zu lange Fuss-zehe verkürzt, dagegen die Trachten wand • durch Anbringen von Stollen erhöht werden.
Führt das beschriebene Verfahren, namentlich auch die methodisch angewandte Massage, nach zwei bis drei Wochen nicht zu einer ent­schiedenen Besserung oder Heilung, so empfiehlt sich die Vornahme einer scharfen Einreibung. Die Art und Form der hiezu ver­schriebenen Arzneimittel ist dabei nebensächlich; wesentlich ist in erster Linie die Art und Weise, wie die Scharfsalben oder Scharfpllastcr applicirt werden. Ich muss auf Grund eingehender Prüfung die nach­stehende Applicationsmethode, welche ich im Wiener Kaiserlichen Mar-Stall kennen lernte, als eine ganz vorzügliche bezeichnen. Vor dem Einreiben werden die Ilaare abgeschoren, auch wird die Haut an der Einreibungsstelle abgeseift und desinficirt. Hierauf wird eine Queok-silberbijodidsalbe (1 : ö—8) lö Minuten lang gründlich, unter derbem Drucke eingerieben und sodann ein regelrechter Watte-
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2'd'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Selinoncnt/.iindung.
verband angelegt, dar 14 Tage liegen bleibt. Bereits nach 24 Stunden hat sieh eine intensive Exsudation eingestellt, welclie den Verband durchfeuchtet, indessen bald eintrocknet; in den ersten Tagen bleibt das Pferd hochgebunden.
Das beschriebene Verfahren dürfte die Anwendung dos Brennens bei chronischen Sehnenentzündungen entbehrlich machen. Dasselbe wird herkömmlich in Form des Strichbrennens angewandt; neuerdings ist auch das sogenannte Carrce-Hrennen Modo geworden. Die Wirkung des Brennens ist wie die der scharfen Einreibung in einer künstlichen acuten Entzündung der Haut und der untergelegenen Theile zu suchen, wobei Erweiterung der Blutgefässe, Auswanderung weisser Blutkörper­chen mit Phagooytose, sowie Auflösung (Peptonisirung) und Resorption der festen Exsudatmassen (llistolyse) durch Eermentbildung aus den zerfallenden weisson Blutkörperchen stattfindet (vgl. Genaueres hierüber S. 67).
Sind nach Ablauf der chronischen Entzündung harte, schmerz­lose, knotige Verdickungen in der Sehne zurückgeblieben, so sind die­selben ebensowenig zu beseitigen, wie anderes Narbengewebe. Gegen die gleichzeitig eingetretene Retraction der Sohne kann unter Umständen die Tenotomie erfolgreiche Anwendung finden.
Die eiterigen und nekrotisirenden Sehnenentzündungen müssen durch incision, antiseptische Irrigation nnd eventuell Resection behandelt werden (Resection der Hufbeinbeugesebne; vgl, S. 237).
Die wiclitigstcii SehnenentssUndnngen beim Pferde. Die Lehre von den einzelnen SebnenentzQndungen bildet eines der wichtigsten Cnpitet der thior-iir/.tliclieii Chirurgie (vgl. die Lenrblioher der speoiellen Chirurgie), Einen wevth-vollen Beitrag hlezu hat Siedamgrotzky (Berliner Archiv. 1891) geliefert. Darnach ist beziiglicli der einzelnen Sehnen (Fesselbeinbeuger, Hufbeinbougei', Kronbelnbeuger) Folgendes zu bemerken:
1. Die Kntziindiing des Unterstützungsbandes des llufbein-beugers bildet die biiufigste Form der Tendinitis. Man findet sie immontlieli bei schweren Arbeitspferden an den VorderfUssen, seltener hinten. Die eigent­liche Hufbeinbeugesehne leidet hiebe! entweder gar nicht oder nur unbedeutend; Ihre scheinbare Antheilnahme an der Verdioknng rührt nach Siedamgrotzky davon her, dass das Unterstiitzungsband sich weiter nach unten fortsetzt, als man gewöhnlich annimmt, und dass es dabei die Sehne thellwelse umfasst. Die anatomischen Veränderungen bestehen in Hyperämie, blutig-seröser Infiltration, Blndegewebs- und Gefässnenblldung, Kräuselung, Re­traction und theilweisem Schwund der Sehnenfasern und Bildung eines harten, knirschenden, verknöcherten Narbengewebes. Das scharfe Pflaster wirkt hiebet nach Siedamgrotzky besser als die scharfe Einreibung,
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Sehnonuiit/.ündmig.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 283
2. Dio Entzündung dor Hufbeinbougesehne solbst wird durch piirtüdlo Einreissungon verursacht. Sie kommt am häufigsten hinten, unmittelbar am Sprunggclenko oder unter den So.samboinen vor. Nach Siedamgrotzky wird sie meist verkannt und als „vorhärteto Sehnenschoidtfngalluquot; aufgefasst; naoh ihm liegt bei joder chronischon, mit orhobliclier Lahmheit und Verdiekung einhergehenden Entzündung der Sehnenscheide des llufbeinbcugers am Sprung-odor Fessolgelenk eine Einroissung vor. In anatomischor Beziehung findet man die abgolöston Thcile der Sehno lappenartig umgeschlagen oder knolleuförinigo Wülste bildend; die Sehne selbst zeigt nur eine geringe örtliche Reaction, die letztere ist dagegen sehr stark an der Sehnenscheide, wo Ansammlung von Flüssigkeit, Vordickung der Wandung, Zottomvucherung, sowie die Bildung von Pseudoligaraenten und von reichlichem Bindegewebe beobachtet wird.
ii. Die Entzündung des Fcsselboinbeugers kommt am häufigsten bei Reitpferden und Trabern in Folge Uoberanspannung des Gleichboinapparates beim Einfallen der Körperlast vor und bildet nach Siedamgrotzky die gowühnliche Form dos sogonannteu „Niedorbruchosquot;. In den höchsten Graden besteht eine totale Zerrelssung des Fesselbeinbeugers (der Gleichbeinbänder) mit Fractur der Grleichbeine. Bei geringeren Graden hat man es mit einer nur partiellen, fasci-culären Einroissung und nachfolgender Entzündung zu thun. Meist ist das obero Gleichbeinband, und zwar entweder vollständig oder nur dor innere oder äussero Schenkel, seltener das untere betroffen. Die im Verlauf der Entzündung in Folge massiger Neubildung von Bindegewebe auftretende Vordickung der Sehno ist oft sehr erhoblieh; ausserdem entwickelt sich narbige Schrumpfung, Sehnen-Verkürzung und steile Fosselstollung.
4. Dio Entzündung der Kronbeinbougcaehne kommt nach Siedam­grotzky fast ausnahmslos bei Reitpferden an den Vordcrfüssen vor. Die Ur­sachen sind ebenfalls in Uoberanspannung der Sehne beim Einfallen der Last (seltener in äussoron Verletzungen) zu suchen. Zuweilen sind Fesselbeinbeuger und Kronboinheuger gleichzeitig erkrankt. Die Prognose bei der Entzündung der Kronboinbeugesehno ist relativ günstig.
Statistik der SctiiicncntzUiuIiing. Die Tendiniten gehören, wie Überhaupt die Sehnenkrankheiten, zu den häufigsten chirurgischen Krankheiten des Pferdes. Unter 4574 Erkrankungen der Sehnen befanden sich nicht weniger als 1182 Sehnenentzttndungen neben 2!)0;3 Sehnenscheidenentzündungen (Preusslsoher statistischer Militär-Veterinärbericht pro 18i)4). In den sieben Jahren 1888 bis 1804 wurden in der preussisohen Armee insgesamtut 25.547 Pferde an Sehnen- und Sehnenscheidenontzündung behandelt, Die im .Fahre 1894 behandelten 11132 Fälle von Tendiniten verthoilen sich folgender-massen:
Auf den rechten Vorderfuss kamen.....512 Fälle,
n n linkennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „.....30,'! „
,, beide Vorderfüssenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,.....180 laquo;
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2;34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Zerrelsaung der Söhnen.
Ant' don reobtOQ Hinterfuss kamen.....38 FiilU1,
,, ,. linkennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,......43 „
„ beido Hintei'fttssenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „.....IG „
Es kamen somit auf iliraquo;; VorderfUese Insgesamnit 1035 Fälle = 00% aller 'l'endiniten. Die einzelnen Sehnen waren unter (JTO genauer registrirteu Fällen in naehstehendor Reihenfolge betheiligt:
Huf- und Ivronbeinbougesohne gleichzeitig . . . 416inal,
Fesselbeinbeugei'............144 „
llufbeinbengesehno allein.........P*' n
Kronbeinbougesehne allein........18 n
Achillessehne............. 2 „
Demnach erkranken bei don Pferden der Armee in den meisten Fällen (60%) glciehzeitig die Huf- und Kronboinbeugesehne. Nur ausnahmsweise wird die Achillessehne betroffen.
A'iel seltener sind dagegen die SohnenentzUndungen beim H.u n d o. Unter 70.000 kranken Hunden (1886—1895) habe ich nur 28 Fälle von Tendinitis beobachtet, welche meist die Achillessehne betrafen.
2. Die Zerreissung der Sehnen.
Ursachen. Während die unvollständigen (partiellen, flbrillttren, fasoioulären) Sehnenzerreissnngen ihre Betrachtung unter dem Gesichts­punkte tier Sehneuentzündung gefunden haben, bieten die voll-ständigen (totalen) Sehnenzerreissnngen ein anderes, selbstständiges Krankheitsbild dar. Im Gegensätze zu der offenen Verwundung und Durchschneidung der Sehnen (Sehnenwunde) sind die Zerreissungen in der Rcg'el subeutan. Hire Ursachen sind meist äussere, und wie bei der traumatischen Tendinitis gewöhnlieh in Ueberdehnung, seltener in Zerquetsohung zu suchen. Nicht selten bestellt jedoch ganz ähnlich, wie bei den Sehnenentzündungen, auch eine innere Prädisposition zu Sehnen zerreissungen (sogenannte spontane Sehnenzerreissnngen), wenn nänilicli die Sehne durch eiterige Entzündung, Nokrose, vorausgegangene Infectionskrankheiten (Hrustseuclie) und andere Ernährungsstörungen an Widerstandsfähigkeit verloren hat. Besonders haben die eiterigen Tendovaginiten am Fesselgelenke, die Phlegmone des Strahlpolsters und die Bursitis podotroehiearis zuweilen eine spontane Sehnenzerreissung im (Jefolge.
Voi'UonillU'll. Am häufigsten sind beim Pferde, wie bereits auf S. 57 erwähnt worden ist. die Zerreissungen der Sehne des Schien­beinbeugers, Hufbeinbeugers, Kronbeinbeugers und Fessel-
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Zerreissung der Sehnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 235
beinbougors, wäbrend beim Rinde und Hunde am bäufigsten die Aohillessobne und der Sohienbeinbeuger zerreisst. Im Allgemeinen sind jedoch die totalen tSelinenzerreissungen im Vergleiche zu den Übrigen Sehnenerkrankungen ziemlich selten. Wäbrend z. B, in den Jahren 1889—1894 in der preussischen Armee 25.000 Pferde an Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen erkrankten, wurden im (tanzen nur etwa 250 Fidle oben genannter Sehnenzerreissung-en con-statirt. Auf 100 Sehnen- und Selmenscheidenentzündungen kommt so­mit nur ein Fall von totaler Zerreissung. In der Regel ist nur eine Sehne zerrissen; bei Rennpferden und bei den spontanen Zerreissungen findet man jedoch zuweilen gleichzeitig an zwei, drei und selbst an allen vier Beinen Sehnen zerrissen, lieber die Heilungsvorgänge vgl. S. 57.
Ersclieiuilllgeil. Die Symptome der Sehnenzerreissung- sind je nach der betroffenen Sehne verschieden;
a)nbsp; Die Zerreissung des Scbienbeinbeugers erfolgt bei Ueber-debnung desselben dureb übermässiges Strecken im Sprunggelenke (Ausschlagen, Ausgleiten, Xothstand). Sie ist charakterisirt durch eine; plötzlich auftretende scblotternde Bewegung des Unterschenkels und eine eigenartige Lahmheit, bei der das Sprunggelenk abnorm weit geöffnet, und das Kniegelenk stark abgebeugt wird. Wird der Huf wie zum Beschläge aufgehoben, so empfindet man deutlieh den fehlenden Widerstand des Scbienbeinbeugers beim Rückwärtsbringen des Unterschenkels (Stolpern); gleichzeitig- erscheint die Achillessehne auffallend schlaff und in Falten gelegt. Die Prognose ist ziemlich günstig, indem in der Regel nach 1—2 Monaten von selbst Heilung erfolgt.
b)nbsp; Die Zerreissung des Hu fbeinbeugers und der übrigen Beuge­sehnen des Gleichbeinapparates wird namentlich an den Vorderfüssen bei Rennpferden, sowie im Verlaufe der chronischen Hufgelenklahm­heit, an den Hinterfttssen im Anschlüsse an phlegmonöse Processe der Sehnenscheiden und des Strahlpolsters beobachtet. Sie äussern sich durch plötzlich auftretende Lahmheit mit abnorm starkem Durch­treten im Fesselgelenke, beziehungsweise Krongelenke; gleichzeitig ist an der Zerreissungsstelle eine Lücke in der Sehne zu fühlen. Zer­reissungen des Hufbeinbeugers und Fesselbeinbeugers am Metacarpus brauchen durchschnittlicb 2—3 Monate zur Heilung; Zerreissungen im Anschluss an Xekrose sind jedoch meist unheilbar. Die Behandlung besteht im Anlegen eines (iypsverbandes.
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2'3Önbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nekrose dor Sehnen.
o) Die Zerreissung der Aohillessebne wird durch abnorme
Beug-ung des .Sprunggelenkes und Ueberdelmung der Sehne beim Fallen oder durch llbermässige Contraction der Gastrocnemii beim Strecken des Gelenkes verursacht. Sie ist durch plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit mit starker Beugung des Unterschenkels, Ueber-köthen und Unftlhigkeit der Belastung desselben charakterisirt; die Achillessehne ist; dabei erschlafft und lässt an der Zerreissungsstelle eine Lücke erkennen. Die Prognose ist beim Hunde relativ günstig (Qypsverband), beim Kinde und Pferde dagegen ungünstig (Hitnge-gurt). Unheilbar sind in der Regel die Fiüle, in denen die Sehne sammt Periost und Knoohentheilen vom Spruugbeinhöcker abgerissen ist.
ScImcnliiMitiim. Man beobachtet dieselbe zuweilen an der Kappe des Kronbeiubeugors am Sprungbeinhoeker des Pferdes. Die Dislocation erfolgte ent­weder medial oder lateral. Die gleitenden Bewegungen der luxirten Sehne sind bei jeder Streckbewegung am Ualcaneus zu sehen; gleichzeitig beobachtet man locale Aiischwelliing und unsieheren, schlotternden Gang. Die Prognose ist sohleohtj in der Kegel ist die Luxation der Sehne unheilbar.
3. Die Nekrose der Sehnen.
UrStichen. Die Nekrose der Sehnen wird durch eine voraus­gegangene eiterige SebncnentzUndung vcranlasst. welche sich ineist durch Fortpflanzung pblegmonOser Proccsse aus der Nachbarschaft auf die Sehne entwickelt. Da das eigentliche Sehnengewebe äusserst arm an Blutgcfässen ist, kann in demselben Nekrose sehr leicht und sehr rasch auftreten. Am häufigsten beobachtet man die Nekrose der Huf­beinbeugesehne am Strahlbeine im Anschlüsse an die Phlegmone des Strahlpolsters nach Nageltritten. Dadurch, dass der eiterige Process vom Strahlpolster auf die Bursa podotrochlearis übergeht oder bei perforirenden Verletzungen sofort in derselben beginnt, entwickelt sich eine eiterige Hursitis, wodurch die llufbeinbeugesehne am Strahlbeine sieh gewissermassen in einem Eitersacke befindet, was ein rasches Absterben derselben zur Folge hat.
El'gclieiiiiillgeil. Die abgestorbenen Sehnentheile zeigen ein grünes, grüngelbes oder gelbes Aussehen. Sie stossen sich ziem­lich rasch von dem gesunden Sehnengewebe ab, so dass sie als platte, erweichte, schlaffe, grünlich verfärbte, membranöse Gebilde aus der Tiefe herausgenommen werden können. Im Uebrigen bestehen bei der Nekrose der Hufbeinbeugeselme die Erscheinungen der .Strahlpolster-
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EntzUndung der Sehnenscheiden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 237
phlegmoue und eiterigen Bursitis. nttmlioh boobgradige Stützbein-lahmbeit, bei welcher der kranke Fuss meist gar nicht mehr be­lastet wird, starke Volarflexion. bedeutende Schwellung am Strahl und in der J5allengrube, starke Schmerzhaftigkeit bei Dorsal-t'lc^xion des Hufes, sowie fieberhafte Allgemeinerschcinungen.
Tlierapie. Die Behandlung der Sehnennckrose ist eine ausschliess-iich operative. Sie besteht in der Frcilegung der Sehne und in der Entfernung des nekrotischen Stückes. Je früher diese Operation nach einem Nageltritte mit den oben beschriebenen Erscheinungen vorge­nommen wird, umso günstiger ist die Prognose. Die Häufigkeit der unheilbaren Sehnonnekrosen nach Nageltritten ist wesent­lich auf das verspätete operative Eingreifen zurückzu­führen. Die Operation kann auf verschiedene Weise vorgenommen werden. Ich führe sie folgendermassen aus: Nach Entfernung des Strahls und Strahlpolsters durch einen dreieckigen, bis auf die Sehne ein­dringenden Schnitt wird die ganze; Hufbeiubengesebne von ihrer An­heftung ans Hufbein bis zum oberen Rande des Strahlbeins heraus­genommen, die Wandungen der Bursa, namentlich auch das Strahl­bein, sorgfältig abgekratzt und etwa vorhandene nekrotische Partien desselben mit entfernt, worauf die trichterförmige, durch die Operation entstandene Höhle gründlich irrigirt, eventuell durch Incision der Ballengegend drainirt. mit Jodoform ganz locker austamponirt und sodann der ganze Huf regelrecht verbunden wird. Bei frühzeitiger Aus-luhrung dieser Operation und Entfernung der ganzen Endinsertion der nekrotischen Sehne tritt, wofern keine Miterkrankung des Hufgelenkes vorliegt, in der Regel nach 1—2 Monaten dauernde Heilung ein.
II. Krankheiten der Sehnenscheiden.
1. Die Entzündung der Sehnenscheiden. Tendovaginitis.
Formel)laquo; Die Entzündung der Sehnenscheiden (Tendo­vaginitis, Tendosynovitis. Bursitis tendinea. Tenalgie) tritt. ähnlich wie die Entzündung der Gelenke, in verschiedenen Formen auf. Man unterscheidet auch hier traumatische (nicht baeterielle, aseptische), infectiöse (septische, baeterielle) und rheumatische Sehnenscheidenentzündungen, ferner primäre und sec und.'Ire (symptomatische) metastatisehe), acute und chronische; etc. Von Bedeutung ist sodann der verschiedene anatomische Charakter der Früliner, Allgemelna Ohtrurgle,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l(i
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Entzündung dor SebuenBoheldeUi
Tendovaginitis. Da die Sebnensolieiden genau wie die Synovialis der
Gelenke an ihrer Innenfläche eine Kndothelsehielit tragen, somit als seröse lläute, analog' der Pleura und dem Peritoneum, aufzufassen sind, unterscheidet man auch hier eine seröse, serofihrinöse, fibrinöse (croupöse. katarrhalische, crepitirende), eiterige, jauchige und chro­nisch-fibröse Tendovaginitis. Kür die praktische Chirurgie ist nament­lich die Unterscheidung der acuten serösen und acuten eiterigen Sehnen-sclieideneutzündung' von grösster Wichtigkeit.
Die SOl'Öse Teiulovagillitis. Ihre Ursachen sind entweder in äusseren mechanischen Einwirkungen (Ueberanstrengung. Qttßtsoluing) oder in inneren infectiösen Krankheiten (Brustseuche, Druse. Septi-kiimie) zu suchen. Während die primären, traumalischen Tendovaginiten häufig nur eine Sehnenscheide befallen, sind bei den seeundären, symptomatischen oder inetastatischen Entzündungen meist mehrere Sehnenscheiden gleichzeitig betroffen.
Die Erscheinungen bestehen in Lahmgehen sowie in einer höher temperirlen. Pniehr oder weniger schmerzhaften und weichen, entweder fluetuirenden (T. serosa) oder orepitirenden (T. serofibrinosa) Anschwellung im Bereiche der erkrankten Sehnenscheiden. Tritt keine Resorption des ergossenen Exsudates ein. so entwickelt sich entweder ein chronischer livdrops (Sehnenscheidengalle) oder chronische Bindegewebsneubildung mit starker Verdickung und Sklero-sirung der Wandungen (Tendovaginitis chronica librosa, verhärtete Sehnenscheidengalle). Im Allgemeinen ist der Verlauf bei den einfachen traumatischen Tendovaginiten ein günstigerer als bei den symptoma­tischen, namentlich bei den im Verlaufe der Brustseuche auftretenden Sehnenscheidenentzündungen, welche oft einen schleppenden, reeidi-virenden Charakter zeigen. Die Tendovaginiten der Strecksehnen sind ferner prognostisch günstiger als die der Beugesehnen.
Die Behandlung der acuten serösen oder serofibrinösen Tendo­vaginitis besteht in der Anwendung der feuchten Wärme in Form Priessnitz'scher Umschläge sowie der Massage, ferner im Anlegen von Druckverbänden bei absoluter Ruhe der Thiere. Kälte, operatives Eingreifen und Brennen sind contraindicirt. Bei zögernder Re­sorption und Neigung zu chronischem Verlaufe kann eine scharfe Einreibung oder Jodbepinselung vorgenommen werden.
Die eiterige Tendovaginitis. Dieselbe (Mitsteht nach offenen Verletzungen der Sehnenscheiden in Folge Eindringens der Eiter-
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Scliiiünsclieicleiigalk'n.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
baoterien von ausaen (Streiohwunden am Fessel, Nageltritt, Stichwunden am Sprunggelenk), ferner durch Fortpflunzung eines eiterigen, phleginonösen Processes aus der Nachharsehaft auf die Sehnen­scheiden (Strahlpolster, Eiusohass), endlich hümutogen bei Pyiimie und Druse.
Die Erscheinungen bestehen in einer sehr ausgebreiteten, phleginonösen, rasch um sich greifenden, schmerzhaften, /ai-weilen abscedirenden Anschwellung mit starkem Lahmgohon und oft hohem Fieber; im weiteren Verlaufe kommt es häufig zu Nekrosc der Sehnen, sowie zu septischer und pyilmischcr Allgemeinquot; infection. Der Verlauf ist zuweilen ein ilusserst langwieriger, Monate dauernder; insbesondere wechseln Besserungen und plötzliche Ver­schlimmerungen oft wochenlang mit einander ab, auch sind Reeidive nach scheinbarer Heilung nicht selten.
Die Behandlung ist eine antiseptischc. Im Anfang sucht man durch antiseptische Bäder, Wicklungen und Einreibungen (Jodo-formsalbe, Kairtpfcrsalbe, graue Quecksilbersalbe) den eiterigen Ent-zündungsprocess zu bekämpfen. Man halte sich mit dieser Be­handlungsmethode nicht zu lange auf. Ist die Annahme begründet, dass innerhalb der Sehnenscheiden eine Eiteransammlung oder eine Nekrose der Sehne vorhanden ist, dann muss unverzüglich operativ durch Incision, antiseptische Irrigation, Drainage, Resection der nekrotischen Sehnenpartien, antiseptische Taraponade mit nachfolgendem aseptischen Verband vorgegangen werden. Man scheue in solchen Fällen auch nicht die Eröffnung der Beuge-sehnenscheiden des Pferdes. Die möglichst breite Incision und gründliche Desiufection der eiterig inlicirten Sehnenscheiden mit Ent­fernung des Eiters und der abgestorbenen Gewebstheilo bildet bei dieser Form der Tendovaginitis die einzige rationelle Behandlungs­methode,
2. Die Sehnenscheidengallen. Hydrops oder Hygrom der Sehnenscheiden.
Ursachen. Die als Sehnenscheidengalle herkömmlich be­zeichnete Ansammlung seröser Flüssigkeit mit starker Er­weiterung und meist auch Verd ick ung der Sc beiden wandting ohne Sohmerzhaftigkeit und sonstige Entzündungserschei-nungen ist wissenschaftlich als chronischer Hydrops oder als Hygrom der Sehnenscheiden zu benennen. Sie entwickelt sich in der Hegel aus einer schleichenden, wiederholt einsetzenden, serösen
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240nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hvdrops cler Silmonscheiden.
Tendovagiuitis nach starken Anstrengungen und findet sich daher häufiger bei alten, ah bei jungen Pferden. Der Entzttndungsreiz muss in der mechanischen Reibung der Sehne an den Wandungen der Sehnen­scheide gesucht werden; der Process ist somit ein durchaus aseptischer, d. h. ohne die Mitwirkung von Bacterien sich entwickelnder.
Voi'kommoil. Am häufigsten findet man die IJjgrome der Sehnen­scheiden bei Pferden und Zugochsen. Man theilt sie gewöhnlich in Hygrome der Pcugesehnenscheiden und der Strecksehnen­scheiden ein. von (Urnen die ersteren wegen ihrer Grosse, Pilufigkeit und schwereren Heilbarkeit bedeutungsvoller sind, als die letzteren.
a)nbsp; Die wichtigsten Beugesehnengallen des Pferdes sind an den Vorderbeinen die Kniebogengalle (geineinschaftlielie obere Sehnenscheide des Krön- und Hufbeinbeugers an der hinteren Fläche des Carpalgelehkes; das Ilygrom bildet eine 10cm liber dem Gelenk beginnende und bis zum zweiten Drittel des Metacarpus reichende, längliche Geschwulst) und die Fesselbeugesehnengalle oder Fluss­galle (untere Sehnenscheide des Krön- und Hufbeinbeugers; das Hygroin bildet zwei längliche, seitlich neben der llufbeinbeugesehne hinter dem Metacarpus und oberhalb des Fesselgelenkes gelegene An-sohwellungen). An den Hinterbeinen kommt ausser der eben genannten, häufig verhärteten Fesselbeugcsehnengalle vor: die Sprunggclenk-beugesehnengalle (Sehnenscheide des dicken Hufbeinbeugers an der inneren und hinteren Fläche des Sprunggelenkes; bis kindskopfgrosse Geschwulst an der Innenfläche, lüihnereigrosso Geschwulst an der hinteren Fliicho — Courbengalle) und die Sprungbeingalle (Sehnen­scheide des Kronbeinbeugers an der Kreuzungsstelle mit der Achilles­sehne 20 cm über dem Sprungbeinhöcker beginnend; längliche, in zwei Abtheilungen innen und aussen seitlich von der Achillessehne gelegene Goschwulst über dem Sprungbeinhöcker).
b)nbsp; Die wichtigsten Stroeksehnengallcn an den Vorderbeinen sind zunächst die an der Vorderfläche des Carpalgelenkes gc-egenen vier sogenannten Vorderkniesehnenscheidengallen, welche sich von aussen nach innen in nachstehender Reihe folgen: 1. Die Galle des Fesselbeinstr eokers (gänseeigrosse Geschwulst handbreit lateral über der Vorder fuss wurzel beginnend); 2. die Galle des gemein­schaftlichen Zehenstreckers (vom unteren Ende des Radius über die Vorderfiäche des Carpalgelenkes bis zum oberen Ende dos Meta­carpus reichende Geschwulst): 3. die Galle des Vordermittel fuss-
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llvgroiu der Solinenseheitlen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 241
streokers (genau in dor Mitto der Vorderfläohe gelegen); 4. die Galle
des schiefen Streckers der Vorderfusswurzel (schräg über die Vorderiliiche von iiussen und oben nucli innen und unten verlaufende Geschwulst). Ausserdem kommen an den Vorderbeinen vor die Fessel-s treck seh nengullen (.Schlcimbeutel, beziehungsweise Sehnenscheide des langen Zehonstreckers an der Vorderfläche unmittelbar über dem Fesselgelenk; gänseeigrossc Geschwulst). An den Hinterbeinen beob­achtet man aussei- der ebenfalls vorkommenden, eben genannten Fessel-strecksehnengalle noch eine Sprunggelenkstrecksehnengalle oder Malle des seitliehen Zehenstreckers (walnussgrosser Jivdrops an der ilussoren und unteren Mäche des Sprunggelenkes).
Die Wandungen der genannten Hygrome sind, namentlich an den Hinterbeinen, zuweilen sehr stark verdickt (Tendovaginitis chronica übrosa); zuweilen beobachtet man auch die Bildung von Corpora oryzoidea im Inneren derselben (llygroma proliferum).
HcliniMlliing. Die Hygrome der Sehnonscheiden sind im All­gemeinen als unheilbar zu bezeichnen. Da sie ausserdem gewöhnlich mit Lahmheit nicht verbunden sind, stellen sie keinen erheblichen, sondern meist nur einen Schönheitsfehler dar, dessen Beseitigung bei weniger werthvollen Pferden kaum in Betracht kommt. Auf der anderen Seite ist die operative Behandlungsmethode, welche allein zum Ziele führen würde, beim Pferd wegen der Schwierigkeit des Anlegens eines aseptischen Verbandes als nicht ungefährlich zu bezeichnen. Auch aus diesem Grunde wird in der Regel von einer Behandlung der Hygrome Abstand genommen.
Soll aus irgend einem Grunde eine operative Behandlung der Sehnenscheidenhygrome unternommen werden, so kommt als einzig rationelles Verfahren die breite Incision mit antiseptischer Aus­waschung und eventueller Drainirung der Sehnenscheide und nach­folgendem aseptischen Verbände in Betracht. Diese Operation be­zweckt die Obliteration der Sehnenscheide durch Verklcbung der Scheidenwandung und pninäre Heilung der Incisionswunde. Ihre Gefähr­lichkeit besteht darin, dass beim Versagen der Asepsis eiterige und Jauchige Tendovaginitis mit consecutiver Septikämie und Pyämie hinzu­treten kann. Im Uebrigen ist die Operation verschiedentlich beim Pferde mit gutem Heilerfolge ausgeführt worden. Weniger Garantie bei aller­dings etwas verminderter Gefahr bietet die Function des Hygroms mit nachfolgender Injection von wässeriger Jodlösung (1:100—20ü#9632;. Nicht empfehlenswerth ist trotz einiger geglückter Fälle wegen der
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Entzündung tier Sohleimbeutel.
grossen Gefälu'lichkcit das porforircnde Brennen. Ganz wirkungslos ist bei alteren Ilygromen das gewöhnliche Strich- und Punkthremien. sowie die Anwendung von Scharfsalben und Öcliartptiastern.
III. Krankheiten der Schleimbeutel.
1. Die Entzündung der Schleimbeutel. Bursitis.
Formell. Wie bei den Sehnenscheiden und Gelenken kann man auch bei den Sohleiinbouteln seröse, fibrinöse und eiterige, ferner traninatische und infectiöse, acute und chronische Bursiten unterscheiden. ,le nach dem Sitze des Schleiinbeutols spricht man ferner von einer Bursitis podotrochlearis. intertubercularis, trochan-terica. praepatcllaris. Olecrani, Calcanei u. s. w. Praktisch wichtig ist namentlich die Unterscheidung der acuten serösen, beziehungsweise serotibrinösen von der acuten eiteriffen Bursitis.
Die seröse Dursitis. Die Ursaciic der acuten serösen Ent­zündung (des acuten Hygroms) der Schleimbeutel ist in der Regel eine traumatische; sie besteht in einer Quetschung der Bursa durch Druck, Stoss und Schlag. So wird beispielsweise die Bursitis Olecrani durch das Liegen der Pferde mit untergeschlagenen Beinen und den Druck der Stollen auf die Bursa des Ellenbogenhöckers (raquo;Stollbeulelaquo;), die Bursitis Calcanei durch Quetschung der auf dem Sprungbeinhöcker gelegenen Bursa beim Ausschlagen veranlasst. Ob auch wie bei den Sehnen­scheidenentzündungen metastatischo Bursiten vorkommen, scheint mir nicht sicher erwiesen zu sein; angeblich soll bei der Brustseuche eine metastatische Bursitis podotrochlearis, sowie bei der I )ruse eine Bursitis am Kackenband (sogenannte Genickbeule) vorkommen.
Die Erscheinungen der traumatischen Bursitis bestehen in einer gewöhnlieh schnell, über Nacht, auftretenden, schmerzhaften und höher temperirten Anschwellung von verschiedener Consistenz Tfest-weich. fhictuirend, crepitirend), an welcher häufig auch die nht-gequetschte Haut theilnimmt. Geht dieselbe im Verlaufe von drei bis vier Wochen nicht zurück, so entwickeln sich in der Wand der Bursa chronische hyperplastische Entzündungsprocesse (chronisches Hygrom der Bursa).
Die Behandlung der acuten serösen Bursitis besteht in Massage, Priessnitz'scheii Umschlägen, Bepinseln mit #9632;lodoCormeollodinm, sowie
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Hygrom der SohlelmbeuteLnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;243
im Einreiben von Jodoform-, Kampfer- oder grauer Quecksilbersalbe. Jede operative Behandlung, insbesondere die Incision, ist zu
vermeiden. Dieselbe bringt nämlich die Gefahr einer eiterigen Bursitis
mit sieh, weil sichere Verbände beim Pferd in der Regel nicht anzu­lügen sind.
Die eiterige Bursitis. Man beobachtet dieselbe bei solchen Quetschungen, welche mit einer Verwundung der Haut und mit Er­öffnung der Bursa verbunden sind, sowie nach Inoisioneu bei seröser Bursitis. Sie ist durch eine ausgedehnte phlegmonöse Anschwellung, sowie durch Eitcrausfluss gekennzeichnet.
Die oft sehr langwierige Behandlung besteht in antiseptischen Ausspülungen, Drainage, sowie in der operativen Kxstirpation der eiterig inhltrirten Bursa.
Bursitis podotroclileai'is. Unter diesem Namen ist dio wohl auch als l'odo trochlitis,*) Fus srollonen tziuidung, clironisclio Hufgelenks-lahmheit oder Strahlt)oinlahmbeit bezeichnete Entzündung dei1 Sehnen­scheide der Ilufbeinbeugesehno in dor Gegend des Str alilbeins unmittelbar vor Ihrer Insertion ans Hufbein gemeint. Pie fast ausschliesslloh an den engen Vorderbufon warmblütiger Pferde beobachtete, auf die fortgesetzte Zerrung und Quetschung der unter dem Strahlbein gelegenen Bursa durch das von oben horabgodrückto Strahlbein zurückzuführende Bursitis entwickelt sich schleichend unter den Erscheinungen einer Arthritis chronica dofornians (Ulceration und Usur des Knorpels an der Untovtläche des Strahlbeins mit Ostitis grauulosa und rarefaciens und selbst Fractur des Strahlbeins, Verdiekung der Bursa, Zerfasening und Zerreissung der Hufboinbeugesehno). Das Leiden bedingt eine chronische, meist unheilbare Lahmheit mit Zwanghut'bildung, welche ge­wöhnlich nur durch Xourektomie beseitigt werden kann.
2. Das Hygrom der Schleimbeutel (chronischer Hydrops).
Vorkommen. Das Hygrom der .Schleimbeutel entwickelt sich meist aus einer chronischen Bursitis durch fortgesetzte Einwirkung der traumatischen Schädlichkeiten, also •/,. B. durch anhaltendes Liegen der Pferde auf den Stollen, wiederholtes Ausschlagen u. s. w. in manchen Fällen scheint dem Hursahygrom übrigens ein geschwulst­artiger Process (Oyste) zu Grunde zu liegen. Wie bei den librüsen Hygromen der Sehnenscheiden kommt es auch beim Hydrops der
*) Die seit Hrauuli übliche Benennung raquo;Fodotrochllitislaquo; ist sprachlich falsch;
es miisste Podotrochillitis heissen (tf/O/iXia, die Rolle). Besser klingt raquo;l'odotroclilitislaquo; (vgl. Musculus troclilearis).
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244nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hygrom dor Sohletmbeutsl.
Sobleimbaut in Folge ohronisoher fibröser Barsitis zu starker Ver-diokung und Induration) ja selbst zu Verkaox'pelung der Wandung
(Kapselbildung), sowie an der InnenHilche zuweilen zur Entstellung' von Corpora oryzoidea (Hygroma pi'olit'erum, Ganglion crepitans). Auch das benaobbai'te Bindegewebe betheiligt sieh in Form einer ehronischen Parabursitis an der Bildung der Kapsel.
Die wichtigsten Bursahygrome sind folgende:
n) Das Hygroin der Bursa Olccrani, die sogenannte Stoll­beule, bildet am Ellenbogenhöckcr eine umschriebene, rundliche oder ovale, beim Pferde faust- bis kopfgrosse. beim Hunde hlihnerei- bis apfelgrosse, im Gegensatze zur acuten Bursitis schmerzlose Geschwulst von meist derber, harter Consistenz. über welcher die Haut mehr oder weniger verschiebbar ist. Sehr häufig kommt sie bei Pferden und 11 undeii gleichzeitig an beiden Ellenbogenhöckern vor. ohne Labmbeit zu bedingen. Sie stellt im ausgebildeten Zustande keine Bursitis mehr, sondern das Product einer solchen dar.
h) Das Hygroin der Bursa Oalcanei, die sogenannte Piop-hacko. bildet eine schmerzlose, umschriebene, rundliche, etwa apfel­grosse, elastisch gespannte Geschwulst an Stelle der Bursa subeutanea über dem Sprungbcinhöcker. mit welcher Lahmheit in der Regel nicht verbunden ist. In ditl'erentialdiagnostischer Beziehung kommen mehrere andere, ebenfalls herkömmlich mit der Benennung Piephacke belegte pathologische Processe am Calcancus in Betracht, nämlich die Ent­zündung und das llygrom des Kronbeinbeugers (kappenförmige Aus­breitung, Bursa tondinea), eine Quetschungsgeschwulst der Haut und Unterhaut, sowie Gsteophytbildung am Calcaneus.
c) llygrome der am Hinterhauptbein, sowie an den Sitz-beinhückern gelegenen Bursae subeutaneae kommen namentlich bei jungen Hunden in Form schmerzloser, umschriebener, taubenoi- bis gänseeigrosser, derber, an der Oberfläche glatter Geschwülste vor, über denen die Haut verschiebbar ist.
Heliiindluii^. Wie bei den Hygromen der Sehnenscheidon ist auch bei den Bursahygromen eine Behandlung meist deshalb über­flüssig, weil Lahmheit oder sonstige Gebrauchsstörungen damit nicht verbunden sind. Bei der sogenannten Piephacko kommt ausserdem hinzu, dass die operative Behandlung nicht ganz ungefährlich ist, namentlich wenn es sich um ein Hygrom der Bursa subtendinea des Kronbeinbeugers handelt. Die Anwendung von Scharfsalben
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Literatur.
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und Seharfpflastcrn, sowie das JJrcnnen ist bei allen aus­gebildeten JUtrsaliygromen nutzlos. Auch die Punction der­selben mit nachfolgender Jodinjection hat gewöhnlich keine befriedigenden Resultate aufzuweisen. Es bleibt somit, wenn die Beseitigung' der Ilygronie verlangt wird, nur die operative Entfernung derselben, d. h. die vollständige Exstil'pation der Cyste (nicht blos eine Incision) mit dem Messer übrig'. Diese Operation setzt jedoch namentlich bei den Piophacken und Stollbeulen eine ziemlich lange Nachbehandlung' wegen der durch die fortgesetzte Bewegung' und die Unmöglichkeit eines regelrechten Verbandes bedingten Verzögerung' der Wundheilung' voraus; die Ileilungsdauer kann allerdings bei den Stollbeulen der Pferde durch das Anlegen einer Bayer'schen Entspannungsnaht ganz wesentlich abgekürzt, ja die Wunde unter Umstünden selbst per primam geheilt werden. Bei kleinen Jlygromen kann ferner wie beim Menschen die suboutane Sprengung vorgenommen werden. Das in früheren Zeiten übliche Abbinden dürfte sich nur für gestielte Hygrome eignen. Dagegen ist die Anwendung' von Aetzinitteln als ein nicht mehr zeitgemüsses Verfahren zu bezeichnen.
Hydrooele, Man bezeiohnot mit diesem Nftinan einen chronischen Hydvops der Soheidenhaut (Processus vaginalis), bei welchem sich die seröse Flüssig­keit entweder frei im Räume der gemeinsohaftliehen Soheidenhaut (Hydrops asoites) oder als umschriebene Anschwellung zwischen der Duplicatur der Tunica propi'la befindet (Hydrooele dos Samenstranges). Die erstere Form trifft man nicht Holten bei Hengsten als zufälligen Befund bei der Castration; sio ist als das Product einer serösen Perioi'ohitls aufzufassen. Dagegen ist die zweite, beim Menschen relativ httufige Form bei den Hausthioren sehr selten. Ihre Behandlung besteht, wofern die Castration vermieden werden soll, am besten in der Ex-stirpation der Tunica pi'opria durch Abpräpariren nach breiter Eröffnung des Processus vaginalis und Freiiogung des Samenstranges mit nachfolgendem Ver­nähen und Anlegen eines aseptischen Vorbandes.
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Krankheiten der Muskel, Fasoien und
Nerven.
I. Krankheiten der Muskel.
Anatomische Vorbemerkungen.
Muskel. Die ohirurglsohen Krankheiten der Muskel, namentlioh die Ent­zündungen derselben) spielou sich in dor ETanptsaohe nicht In der Muskelfaser selbst, sondern im intra- und iiitermusculären Bindegewebe, dem l'erimysium intorniim und externum sowie an den Fascien und in den subfaseialen
Iviuimeu ab. Die eigdUtliohe Muskelsubstanz erkrankt in der Jtcyel erst .seciindiir, indem sie in Folge von Ernähningsstürungen degenerative Veränderungen er­leidet. Eine besonders grosse, häufig unterschätzte Bedeutung, kommt bezüglich der Chirurgie der Muskel den Fascien zu. Da die Faseien auch in manchen anatomischen Lehrbüchern nicht die genügende Würdigung erfahren haben, bo-ziehungswoiso meist nicht übersichtlich genug dargestellt sind, sollen sie im Nach­folgenden nach der von Eichbaum (Die Fascien dos Pferdes. Berliner Archiv. 1888 und 188it) gegebenen Schilderung kurz zusammengestellt worden.
Fascien. Als Faseien oder Muskolbinden wird eine Form der Apo-neurosen bezeichnet, welche bindegowebige, mit elastischen Fasern durch-wobene, feste Membranen bilden mit der Bestimmung, Muskeln, beziehungsweise Muskelgruppen scheidenartig zu umhüllen und abzugrenzen. Im Wesentlichen bestehen sie aus Bindegowebsfasern mit spärlichen Blutgefassen und Nerven, woraus sieli ihre Neigung zn Nekrose erklärt. Zwischen den Fnseien liegen inter-fascialo Räume, in denen sich l'hlegmonen sehr leicht und schnell verbreiten können. Die Fascien unterstützen den Muskel in seiner Tbätigkeit, indem sie als physiologisches Pumpwerk den Abfluss und Zulluss von Blut und Lymphe während der Contraction und Erschlaffung befördern. Zerrelssung von Fascien hat Muskelhernien und Dislocationen von Muskeln (Biceps fomoris beim liinde) zur Folge. Wegen ihrer Derbheit betheiligen sie sich wenig an Entzündungen; sie bilden ferner zuweilen einen Wall gegen das Fortschreiten tier Entzündung nach anssen oder innen (dagegen befördern sie die Ausbreitung subfascialer l'hleüinonenl. Inwieweit Contractiiren von Fascien mit der Entwicklung des Hahnen-
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Aiiatouiische Vorbemerkungen.
trittos in Verbindung stehen, entbehrt zur Zeit noch der exnetpn wissonschaft-liohen Untoi-suehung. — Abgesehen von dein nls Fascia suboutanea oder superficialis aufzufassend eil llantmuskel, welehor die Oberfliicho des ganzen Körpers überzieht, sind die nachstohenden Faseien von ohirurgischoi- Be­deutung.
1.nbsp; nbsp; Faseien am Kopf und Hals. 1. Dilaquo; oberflächliche Ilalsfascio (F. superficialis colli) steht heim Pferde mit dem llautmuskel in Verbindung (aponeurotische Fortsetzung desselben); sie bildet zwei Lamellen und steigt vom unteren Halsrande über die ScitenHiichen des Halses in die Hoho und endet am oberen Halsrande (Xaekenband). In der Medianlinie des unteren Halsrandes geht ein tnedianes Septum ab.
2.nbsp; nbsp; Die tiefe llalsfascie (P, profunda colli) umgibt die vordere und seitliche Fläche der Luftröhre und bildet nach oben die Schilddrüsenkapsel sowie die äussere Fläche dos Luftsaekes. Zwischen oberflächlicher und tiefer Ilals-faäeie liegt die Vena Jugularls, von lockerem Bindegewebe umgeben. Am Brust-elngange bedeckt sie die unteren Luftröhrendriison.
o. Die Fascia propria der Luftröhre, umgibt die Luftröhre schlauehartig.
4. Die Nackenbinde (F. nuohae) grenzt an die hintere Partie der ober-thiehliehen llalsfascie und ist als seitliche Fortsetzung des kappeufönuigen Theils des Nackenbandes aufzufassen. Sie liegt in der oberen Schultergegend und wird aussen von der oberflächlichen llalsfascie bedeckt. In der Nflhe des oberen Hals-randes wird sie sehr stark und enthält das sogenannte Kammfett.
6i Die Oh rspeichel-Masseterfascie (F, parotideo-masseterica) liegt zwischen Ohr, Parotis, Kehlgang-, Gesichts- und Masseterenfläche. — Die Kachcn-fascie überzieht die Anssenfläobe der Bachenmuskeln.
(5. Die Tenon'sohe Pasole (Tenon'sohe Kn])sel) in der Orbita beginnt am Coruealrande, geht auf die vordere Abtheilung der Sklera und von da auf den Betrflotor Bulbl über, und umsebeidet schliesslich den Ncrvus opticus.
11. Die Faseien nin Uunipf und Becken. 1, Die oberflächliche Fascie
(F. superficialis s. subeutanea) liegt unter dem Brust- und Bauchhnutmuskol und verbindet sieh in der .Medianlinie mit der Lines alba. Sie bildet hinton die Grundlage der Kniefalte, sowie das oberflächliehü Blatt der Vorhautfascie, deckt den Leistenring sowie die Schaiudrüsen und umgibt den Hoden in Form der musculösen Tunica dartos.
2. Die Rttckonfascio (BUokenlendenfasoio, F. lumbo-dorsalisj zerfällt in ein oberes, oberflächliches Blatt, welches den M, longissimus dorsi bedeckt, und ein unteres, tiefliegendes, zwischen der letzten Hippe und dem vorderen Darmbeiuraude gelegenes Blatt. Zwischen der oberflächliehen Fasele und der Kiiekenfascio liegt ein mit lockerem Bindegewebe ausgefüllter, interfascialer Kaum (wichtig für die Chirurgie der Widerrist- und Satteldrücko); ebensolche Bäume befinden sich zwischen den Blättern der Büekenfaseie sowie zwischen obeifläch-lichem Blatt der Büekenfaseie und dem Longissimus.
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Anatoinißclic Vorbemerkungen. ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;249
;i. Die gelbe Baaohhant überzieht laquo;Ion äusseren sobiefen Banohmuskeli Kino Fortsetzung derselben bildet die Penisfasole, beziehungsweise das Auf-hiiiigebiind des Euters; in Verbindung mit der Endfiponeurose (Poupart'sohes Hand) des äusseren schiefen Hauchmuskels bildet sie den Sclienkelbogen und das Sohenkelblatt,
4.nbsp; nbsp;Die Londondiirmboinf'iiscie (F. iliaca s. imnbo-iliaeaj überzieht in der Lendengegend den liiopsoas und geht naeb hinten in die BeckenfaEcie über (verhindert den Durehbrncli von l'soasabscossen nach der Bauchhöhle).
5.nbsp; nbsp;Die Querbauchbinde (P, trunsversa s. transvorsalis abdoiiuiüs) liegt zwischen dein Querbauchmiiskol und dem l'eritonouiu. Als eine Fortsetzung der­selben wird die Tunica vaginalis eommunis aufgefasst.
(i. l)i(^ Beokenfasole (F. pelvis) überzieht die Ennenfläohe der Wände der Beokenhöhle.
7. Die Dammfaseie (F. perinei) zerfällt in eine oberdächlicho (F. perinet superfioiaiis), raquo;änc Fortsetzung der F. subeufanea der Kruppe, und eine tiefe (F. perinei propria), eine Fortsetzung der Kruppcnfascio.
III.nbsp; Igt;ilaquo; Fosoien am Voi'dorsohenkel. 1, Die oberflächliche Fasele (F. superfioiaiis) liegt bis zum Ellenbogengelenke unter dem Hautmuskel, ist
dünn und durehscheinend und reicht bis zum Fesselgelenke.
2.nbsp; nbsp;Die Sohuiterarmbeinfasoie (F. braohii) liegt unter der vorigen an der Aussenfläehe der Schulterarmbeingegend und bostebt aus einem oberfläehlichon und tiefen Blatte; ersteres geht in das oberiläehlielie Blatt der Scheide des M. biceps braohii über.
3.nbsp; nbsp;Die eigentliche oder tiefe Vorarmfasoie (F. antibraohii) überzieht als starke Binde sämmtliche Muskeln des Vorarms sowie die mediale Fläche des Kadius. An der Vorderfusswurzel bildet sie die tiefe Kniebinde (F. carpi profunda), beziehungsweise das Kniebogenband, worauf sie in der Mitte der Beugesehnen mit halbmondförmigem Ausschnitte endet. Sie bildet mehrere Zwischen-muskelbänder zwischen den am Vorarm gelegenen Beugern und Streckern.
4.nbsp; nbsp;Die Zehenfasoie bildet breite oder schmäh! Bänder, welche theils die Sehnen In Ihrer Lage erhalten, tlioils die Gelenkbänder verstärken.
IV.nbsp; Die Fasoien am BüntorsohenkoL 1. Die oberfläohliohe Pasoie
(F. superfleiaiis) bildet die Fortsetzung der Aponeuroso des Bauchhautumskels und überzieht sämmtliche Krupponnuiskel, den Biceps und Semitendinosus, sowie innen den Sartorius, Gracilis und Semimembranosns bis zur Kniegegend; sie endet an der Krone.
2. Die Kruppen fasele (P. glutaea) liegt unter der vorigen und bildet die Fortsetzung der Itüekenfascio, sie überzieht die Kruppen- und [Ilnterbaoken-muskel und geht am Oberschenkel in die Fflsola lata über. Nach abwärts ver­wandelt sie sich In eine Fascie, welche die Muskel des Oberschenkels nmhttllt
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250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Entzündung der Muskel.
(Tensor fasciae latae, Bioeps, SeinltendlnoSUS)) sieh auf den Unteisehonkel fort­setzt und sieli bis zum Sprunggelenke verfolgen liisst. Sie bildet ferner zahlreiche ZwUohenmUHkelbituder zwischen den Muskeln der Kruppe und dos Oborselionkels.
8, Die Obersohenkelbinde oder breite Sohenkelblnde (F. lata) ist eine Fortsetzung der Aponenrose des äusseren schiefen Bauchmuskels an der inneren Schenkeltläche, welohe sich mit der Fortsetzung der Kruppenfascie um vorderen und hinteren Rande des Oberschenkels verbindet. Sie umgibt ringförmig die gesummte Musculntur des Oberschenkels.
4. Die Unterschcnkelfasc ic überzieht in Form einer sehr starken Aponenrose die Muskeln des Unterschenkels und setzt sieli nach abwärts über das Sprunggelenk und den Metatarsus fort. Sie setzt sich aus einem obcrfläeh-Üohen (Fortsetzung der Oberschenkelbindoj und tiefen Blatt (gebildet von den Sehnen des Hiceps, Semimenihranosus, SemitendiiKisus und üracilis), sowie aus der gemeinschaftlichen Scheide der Untorsehenkelmuskel zusammen. Die letzt­genannte Muskelschoide umgibt die Muskeln unmittelbar und zerfällt in drei Ab-theilungen: 1. Die Muskelselicidc für den Schionbeinbeuger, vorderen Unter-schenkelmuskel und laugen Zohenstrecker; H. die Muskelscheide für den Huf-beinbeuger und Kniekehlmuskel; .'!. die Muskelsoheide für den Seitenstreoker der Zehe.
6. Die Zehenfascien verhalten sich wie am Vorderfusso.
1. Die Entzündung der Muskel. Myositis.
Foi'llldl. Je nach den Ursachen unterscheidet man cine trauma-tische (Quetschung), rheumatische (Erkältung, Muskelrlieumatismus). infeotiöse (Bacterien) und parasitäre Myositis (Psorospermien, Trichinen). Speoifisohe infeotiöse, beziehungsweise parasitäre Muskel-entzändungen sind die Myositis actinomycotioa, botryomycotica, sarcosporidica, trichinosa, tuberculosa. inalleo.sa u. s. \v. Nach dem Verlaufe unterscheidet man acute und chronische, sowie nach dem Charakter der Entzündung- seröse, serofibrinöse. eiterig-e, interstitielle oder fibröse, parenehymatöse und ossificiren de Myositis. Endlich kann man die Muskelentzündungen in primäre und seeundäre (symptomatische, metastatisohe) eintheilen. Die letzteren beobachtet man im Verlaufe der Pyflmie, Druse, Taberculose u. 8, w. In praktischer Beziehung sind besonders wichtigquot;:
a)nbsp; Die traumatische seröse Myositis;
b)nbsp; der 11 iLskelrhcuniatismus; e) die eiterige Myositis;
d) die interstitielle Myositis;
c)nbsp; die ossifici rende Myositis.
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Knt/.iimliuij; der Muskel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;251
l)io trjumiiif isclie seröse Myositis. I )iesolbe entstellt als aseptische Entzündung am häutigsten beim Pferde nach Contusion (Quetschung), Zerrung, Ueberdehnung und partieller Zerreissung der Muskel. Mau beobachtet sie namentlich in der Schultergegend in Folge von Anstossen und Gegenrennen. Sie bedingt daselbst eine Form der sogenannten Sohulterlahmheit, welche sich als eine ausgesprochene llangbein-Inhmheit mit Nachschleppen des Schenkels kennzeichnet und ineist auf eine Entzündung des Kopf-lIals-Armmuskels an dessen unterem Ende zurückzuführen ist. Die Localuntersuclmng ergibt ausserdem umschriebene Schmorzhaftigkcit sowie höhere Temperatur der erkrankten Muskelpartie bei Palpation. Im Gegensätze zur rheuma­tischen Myositis ist diese Schmerzhaftigkeit genau örtlich begrenzt und nicht wandernd; gewöhnlich ist ferner anamnestisch die traumatische Ehtstehungsursaohe nachweisbar. Ausserdem beobachtet man traumati­sche Myositis im Anschlüsse an Transporte als Folge von Miss-handlung, Ueberhetzung und engem Verladen, namentlich bei Ochsen und Schweinen an den Brust-, Schulter- und Kruppcnmuskeln. Heim Schlachten oonstatirt man dann als anatomischen Befund seröse und blutige, sulzige Infiltration des Perimysium internum und externum. Erweichung, Entfärbung und Zerfall der Muskelbündel, sowie Verlust der Querstreifung und sonstige degenerative Veränderungen der Muskel­fasern. Der Verlauf dieser traumatischen Myositen ist gewöhnlich ein acuter; insbesondere wird bei der durch Muskcleontusion entstandenen Sohulterlahmheit der Pferde oft eine sehr rasche Resorption mit voll­ständiger Wiederherstellung in wenigen Tagen beobachtet. In anderen Fällen entwickelt sich an der gequetschten Stelle in Folge einer chroni­schen aseptischen Entzündung Bindegewebe zwischen den Muskelfasern (interstitielle Myositis; Muskelsklerose). Die Behandlung besteht in Ruhe, Massage, sowie in der Anwendung feuchter Wärme in Form Priessnitz'scher Umschlage.
Der IMiiskelrlieuimitisiiMilaquo;. Die rheumatische, durch Erkältung verursachte Myositis ist ebenfalls als eine aseptische seröse, be­ziehungsweise chronische interstitielle Muskelentzündung aufzu­fassen. .Alan findet sie am häutigsten bei Pferden. Bunden und Kindern. Die anatomischen Veränderungen bestehen in Hyperämie und seröser Inliltration des Perimysium internum, Erweichung. Verfärbung und Zerfall der Muskelfasern, sowie bei chronischem Verlaufe in Neubildung von Bindegewebe (interstitielle Myositis, rheumatische Muskelschwielen) und Atrophie der eigentlichen Muskelsubstanz. Die Erscheinungen
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Knt/.ündunji- der Muskel.
bestehen in einer meist plötzlich und nach einer vorausgegangenen Erkältung auftretenden Lahmheit (rheumatische Schulteriahinheit, Schulterrheumatisnuis: rheumatische Kreuzlahmheit, Lumbago), schiefer Haltung des Halses (Torticollis). Athmungsbeschwerdcn (Pleuro-dynie) u. s. Wi Die Schulterlahmheit wird hiebei durch eine Myositis des Sternooleidomastoideus, die Kreuzlahmheit durch eine solche der Psoas-muskeln bedingt. Die genannten Muskeln fühlen sich bei der Palpation schmerzhaft an. namentlich die Psoasmuskeln bei Lumbago der Hunde. Auch die Hämoglobinurie (Lumbago, schwarze Hamwindo) der Pferde ist als eine rheumatische Myositis der Lendenmuskol aufzu­fassen. Im Gegensatze zur traumatischen Myositis ist die rheumatische oft wandernd und rueidivirend; sie verschwindet namentlich vor­übergehend oft ganz, wenn die Thiere eine Zeit lang bewegt werden. Sie hat ferner eine viel grössere Neigung zu chronischem Verlauf. Die Behandlung besteht in der äusserliohen Anwendung von feuchter Wärme. Massage und reizenden Einreibungen (Kampferspiritus u. s. w.), sowie in der innerliehen Verabreichung der Salicylpräparate (Pferden 100//, Hunden 2—8y salicvlsaures Natrium pro Tag), des Antipyrins. Antifebrins u. s. w. Bei sehr hartnäckigen rheumatischen Schulterlahm-heiten der Pferde empfehlen sich ausserdem subeutane Veratrin-Injectionen (O'Oö Veratrin : 5*0 Spiritus). Bei sehr schmerzhafter Lum­bago der Hunde lässt sich häufig durch eine subeutane Morphiuin-Injection (O'O'J—O'Cn) rasche Besserung erzielen.
Die eiterige Myositis. Dieselbe entsteht bei inficirten Muskel­wunden entweder in der Form der phlegmonösen Myositis oder des Muskclabscessos und führt dann zu eiteriger Einschmelzung und Nekrose des Muskels und seiner Fascien, Fistelbildung, Eiterversenkung, Septikämie und Pyämie. In anderen Fällen findet eine Abkapselung iles Eiterherdes durch eine int erstitielle Myositis statt. Man beobachtet die letztere namentlich bei der sogenannten Brustbeule der Pferde, einer theils durch Streptococcus und Staphylococcus pyo-genes albns, theils durch den Botryomycespilz bedingten umschriebenen, eiterigen Myositis des Kopf-Hals-Armmuskels, bei der die In­fection durch oberflächliche Quetschwunden der Haut unter Vermitt­lung des Lymphgefiisssystems zu Stande kommt. In einem Falle ist auch als Eitererreger bei einer Brustbeule des Pferdes der Tuberkel-bacillus nachgewiesen worden (Johne). Metastatische, durch Kiter-bacterien oder den Dmsestreptococcus verursachte multiple Muskel-abscesse (Myositis apostematosa multiplex) beobachtet man im Verlaufe
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Kntziindung dor Muskel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 253
der Pyilmic und Druse. Die Behandlung der eiterigen Myositis be­stellt in ausgiebiger Incision, beziehungsweise in der Exstirpntion der abgekapselten Abscesse bei der Brustbeule nach der ]5ayer'schen Methode. Nicht empt'ehlenswerth ist dagegen die Behandlung der Brust-beulen mittels parenchymatösor Injeotioneu concentrirtor Kochsalz­lösungen (Schmidt); nach Schilling starb ein nach dieser Methode behandeltes Pferd am vierten Tage in Folge Gangrän und Sepsis; auch Esser ist in zwei Fällen mit derselben nicht glücklich gewesen.
Die intei'stitidle 3[yositis. Als interstitielle oder fibröse Myositis (Sklerose der Muskeln) bezeichnet man eine durch die Neu­bilduno; von Bindegewebe oharakterisirte chronische Mnskelentzttndnnff. welche zur Verhärtung und Verkürzung des Muskels führt und durch sehr verschiedenartige Entzündungserreger bedingt sein kann. Man beobachtet sie im Vorlaufe des chronischen Muskelrheumatismus, nach traumatischen, eiterigen, aktinoinykotischen (Holzzunge) und botryomykotischen Myositen, bei Muskellähmung und Muskelatrophie. Nicht in allen Fällen sind die Entzündungserreger bekannt. Am häufigsten sind sie jedoch wohl bacillären oder parasitären Ursprungs. Einen eigenartigen Fall einer multiplen interstitiellen Myositis beim Pferd hat Pal at beschrieben. Ein Omnibuspferd bekam ohne nachweisbare Veranlassung (encystirte Muskelparasiten V) harte An­schwellungen am Hals, an der Brust, Schulter und Kruppe, sowie an den Hinterbacken, welche zu einer allmälig zunehmenden allgemeinen Muskelschwäche führten, so class das Pferd getödtet werden musste. Bei der Section fand man bindegewebige Neubildungen zwischen den Muskelfasern der genannton Muskelgruppen mit eingesprengten, zum Theil verfetteten, zum Thoil verkalkten, knorpelharten Knötchen. — Die libröse Myositis ist unheilbar, wofern sie nicht etwa durch Aktino-mykose bedingt wird (Jod gegen Ilolzzunge). Eine speeiüsche, acute, interstitielle Myositis bildet in gewissem Sinne der Ilauschbrand und das maligne Oedem.
Die OSSificireildc 3Iyositis. Die mit Knochenbildung ver­laufende Muskelentzündung ist in mehreren Fällen bei Pferden, Hunden und Schweinen beobachtet worden (Kitt, Cadiot, Constant, Stephenson u. A.). Sie ist sehr verschiedenartigen Ursprungs. Ein Theil der Fälle ist als multiple Exostoscnbildung an den An­satzstellen der Muskel an den Knochen mit seeundärer Muskel verknöchcr ung aufzufassen. Einen interessanten Fall einer
Froh nor, Allgemeine riiirnrgio.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J7
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254nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entzündung dor Muskel.
derartigen multiplen Hyperostosenbilduug, welche wohl mit der beim Mensohen zuweilen schon im jugendlichen Alter vorkommenden Myositis ossifioans multiplex progressiva identisch ist, hat Constant bei einem Pferde beobachtet. Dasselbe war wegen chro­nischer, unheilbarer Lahmheit getödtet worden und bot bei der Section nachstehenden charakteristischen Befund: Der Glutaeus minimus zeigte verknöcherte Muskelansätze, in seinem Bauche befand sich ein über faustgrossor, knöcherner Tumor, ausserdein war er mit dem Becken verwachsen; der Musculus pectineus und Adductor longus waren eben­falls mit dem Becken verwachsen und verknöchert. Der Musculus obturatorius internus bildete einen knöchernen Tumor (Osteom) am inneren Rande dos Fornmen obturatorium; endlich ragten verknöcherte Muskelansätze als knöcherne Stalaktiten aus der Fossa trochanterica hervor. — In anderen Fällen ist die ossiticirende Myositis als ein gesehwulstbildonder Process (Osteom) aufzufassen oder auf Callusbildung nach Fracturen zurückzuführen. Beim Menschen beob­achtet man endlich ossificirendc Muskelentzlindung nach anhaltenden traumatischen Einwirkungen (Exercirknochen im Biceps, Reitknochen im Graoilis). Achnliche Veränderungen hat man im Biceps brachii der Pferde nach Bursitis intertubercularis gefunden.
Myositis sarcosporidica. Die durob die Einwanderung von Sarko-spoi'idien (Psorospermicn, Micschcr'sche Schläuche, Grogarinen) er­zeugte Muskelentzlindung findet sich insbesondere beim Schwein, Rind, Sehnt' und Pferd (Omnivoren und Herbivomi) Die in den Schläuchen enthaltenen sichelförmigen Sporen verwandeln sich nach dem Platzen der Schläuche in amOhoide Wandorzellen, welche In Form einer entzündlichen Infiltration in die benachbarte Musculatur eindringen und zuweilen in den Bug- und Lenden-muskeln der Pferde faustgl'OSSe, harte, weissc oder graue Sarkosporidion-geschwülste, beim Schaflaquo; ei'bsengrosse, abgekapselte Sarkosporidiencystcn in der Schiundmuscnlatur hervorrufen, In der Kegel sind aber die nicht geplatzton Scliläucho ein ebenso ungofübrlicher rIs häufiger liefund; man trifft sie nament­lich in den Muskeln in der Umgebung der Maul- und Rachen höhle, so im Oesophagus, in der Zunge, in den Kau-, Backen-, Kehlkopf- und Rachen-muskeln. Zuweilen führt ihre Anwesenheit im Muskel zu interstitieller Myositis mit Atrophie und zolliger Infiltration des Bindegewebes der umgebenden Muskel­fasern. In anderen Fällen erhält z. 1gt;. das Fleisch erwachsener Rinder durch das massenhafte Vorhandensein der Sarkosporidien eine helle, kalbtleischähnliche Farbe, üei älteren Pferden sowie bei Büffeln scheinen die Mieschcr-sehon Schläuche ein fast COUStanter Befund zu sein; auch beim Schweine wurden sie von Perroncito bei einem Viertel aller untersuchten Thlere angetroffen. Unter 100 von Moule untersuchten kachektischen Schafen
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Zurreissung der Muskel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;255
fanden sieh bei !)9 SarkosporidleQi So häuil^ die Miesoher'schen Sohlttuohe in den Muskeln der pflanzenfressenden Hansthlere rorkommen, so selten bedingen sie oino Erkrankung ihrer Wii'tho; nur in ganz vereinzelten Füllen bat man
Brsoheinungen wahrgenommen) welche sieh auf Muskelverttndernngen entzünd*
lieher Natur bezogen, verursacht durch die in Ueberzahl verlmndenen Schläuche. So beobachteten Dammann und v. Niedorhäusern Athmungsboschworden bei einem Schaft; und einer Ziege in Folge Entzüiidiing der liachen- und Kebl-kopfmnskeln, Brouwier und Tokarenko bei Stieren beschwerlichen Gang und erschwertes Aufstehen, selbst völlige Muskellähmung, Virchow beim Sehwoine Paralyse der hinteren Extremitäten. Brsohosnlowski sah bei zwei Schweinen Appetitlosigkeit, beständiges Liegen, gekriimmton Kücken, ungeordnete Bewegung mit dem Hintertbeil, Schmerzhaf'tigkeit der Muskeln bei Druck, heisere Stimme und Fieber (Vordacht auf Trichinose); nach der Schlachtung zeigte sich die Muscuhitnr wässerig, nilirbe, von zahlreichen Sarkosporidion durchsetzt. Genaueres über Literatur und Entwicklung der Sarkosporidion vgl. bei Friedborgor und Friihnor, Speeiollo Pathologie dor Hausthiere. lyiH!, 4. Aufl., Bd. I, S. 707.
2. Die Zerreissung der Muskel.
Ursachen. Muskelzerreissungon kommen besonders bei Pferden und Rindern thcils in Folge von Quetsclmng und Zerrung von aussen, tbeils durch üeberdehnnng und abnorm starke Muskelcontraction vor. Wie bei den SclmcnzeiTeissungen gibt es auch beim Muskel spontane, d. h. durch krankhafte Veränderungen des Muskels bedingte Zer-reissungen. Im Uebrigen sind die Muskelzerreissungen im Allgemeinen nicht häutig: in den Jahren 1888—1894 sind in der ganzen preussiseben Armee insgesammt nur 1250 Pferde, somit etwa 200 pro Jahr, an Quetschung und Zerreissung der Muskel behandelt worden. Beim Hunde habe ich in den Jahren 1886—1895 unter 70.000 kranken Hunden nur 20 Fälle von Muskelzerreissung constatirt.
Vorkommen. Am häutigsten werden Muskelzerreissungen an den Bauchmuskeln (Stösse beim Rind, Abwerfen beim Pferd), nn der II inters ohenkelmusculatur (üeberdehnung beim Ausgleiten, Sträuben in den Fesseln, abnorme Contraction beim Ausschlagen), sowie an den Hals-, Schulter- und Prustmuskeln (Gegenfaliren gegen Wagcn-deiohseln beim Pferd) beobachtet. Wie bereits früher bemerkt worden ist, werden der Reiiie nach am häufigsten betroffen der Tibialis antious, der Rectus, Obliquus und Trans versus abdominis, der Quadriceps femoris, dieQ lutaei undGastrocnemii, der Piceps fern or is und brachii. derSternocleidomastoideus, Pectoral is ti. s.w.
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256nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zerrelsaung der Muskel,
Symptoilio. Je nach der physiologischen Thiitigkeit des zerrissenen Muskels beobachtet man verschiedene Functionsstörungen im Bereiche des Muskelapparates, so namentlich Lahmgehen, Lilhmungs-erscheinungen, Eingeweidcbrüche u. s. w. An der Zerreissungs-stelle kann man häufig eine Lücke oder ein Loch feststellen, anderen Rande der eingerissene und spiltcr angeschwollene Muskel durchgefühlt wird; ausserdem besteht zuweilen an der Rupturstelle in Folge Hilmatoinbildung aus den mitzerrissenen Blutgefässen eine fluetu-irende Anschwellung.
Die wichtigsten Muskelzerreissungen äussern sich in nachstehender Weise:
laquo;) Die Zerreissung des Musculus tibialis anticus bedingt eine abnorme Streckung im Sprunggelenke mit ausgesprochener Hang­beinlahmheit bei gleichzeitiger starker Beugung im Kniegelenk, schlotternde Bewegung des Schenkels und Entspannung (Faltenbildung) der Achillessehne. Wegen der Bedeckung des Muskels durch die Sohenkelfascie ist meistens weder eine Lücke, noch Hilmatoinbildung und Schwellung nachweisbar. Die Prognose ist nicht ungünstig; die Heilung erfolgt nach durchschnittlich einem Monat.
b)nbsp; nbsp;Die Zerreissung der Gastrocnemii bedingt neben Er­schlaffung der Achillessehne eine Unfiihigkeit, das Bein im Sprung­gelenk und Kniegelenk zu belasten; dasselbe knickt vielmehr beim Aufstützen in den genannten Gelenken zusammen. Meist ist eine Lücke im Verlaufe der Wadenmuskel nachzuweisen. Die Prognose dieser Muskelruptur ist insofern sehr ungünstig, als Heilungen bei Pferden und Rindern ziemlich selten sind.
c)nbsp; Die Zerreissung des Quadriceps fein or is bedingt die Er­scheinungen der Cruralisliihmung, nämlich Unfähigkeit der Belastung des Schenkels im Kniegelenk (Zusammenknicken).
d)nbsp; Die Zerreissung der Bauchinuskel hat zuweilen die Aus­bildung eines Bauchbruchos (Hernia abdominalis), namentlich beim Rinde, zur Folge.
e)nbsp; nbsp;Die Zerreissung des Sternoclcidomastoidcus bedingt Hangbeinlahmheit des betreffenden Vorderfusses, Hämatombildung, zu­weilen auch Abscedirung an der Kupturstelle.
ß(gt;liail(llllllg'. Die Wiedervereinigung der zerrissenen Muskcl-enden durch die Muskelnaht ist bei den grossen Haustlüeren nicht durchführbar. Die Behandlunff hat sich auf die Verordnung von Ruhe
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Atrophie dor MusUol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
(Httagegurt, Hochbinden), sowie eventuell auf die Anwendung- von Massage zu beschränken. Die Verheilung der Bissstelle erfolgt durch
eine aseptische interstitielle Myositis mit Karbenbildung; zuweilen führt die Vernarbung zu Muskelcontraotur und bleibender Verkürzung (Torticollis nach Zorreissung des Sternoeleidomastoideus).
Luxation der MiiHkel. Mit diesem Namen bezeiohnet man eine Lago-vei'änderung (Dislocation) gewisser Muskel. Man beoliachtot sie namentlich am Bioepg femorls beim Rind nach dein Ausgleiten, indem der obere an den Um-drehern befestigte Kopf dieses Muskels sieh von denselben ablöst und hinter den Tl'Oßhanteren festhakt, wodurch eine plötzliche Lahmheit mit Streckstellung des ganzen Heins und Unfähigkeit des Abbeugens eintritt. Die Behandlung ist eine operative (Myotomle).
3. Die Atrophie der Muskel.
Ursachen lliul Formen. Die Muskelatrophie oder der Muskel­schwund ist ein Symptom sehr verschiedenartiger pathologischer Zu­stände. Man unterscheidet die nachstehenden Formen:
n) Die einfache Muskelatrophie besteht in einer einfachen Ab­nahme der Muskelfasern bezüglich Umfang und Zahl ohne degenerative Veränderungen derselben. Man beobachtet sie namentlich als sogenannte Inactivitiltsatrophie als regelmiissigo Begleiterscheinung chronischer Lahmheiten, am häutigsten beim Spat und bei der Schale der Pferde. Die forensische Bedeutung dieser Muskelatrophie für die Altersbestimmung von Lahmheiten wird gemeinhin über­schätzt. Auch abgesehen davon, dass sehr häufig der Zusammenhang zwischen der angeblichen redhibitorischen Lahmheit und einer gleich­zeitig vorhandenen Muskelatrophie nicht ausreichend bewiesen ist, lehrt die Erfahrung, dass sich ein sichtbarer Schwund an der Kruppe oder an der Schulter beim Pferde viel rascher entwickeln kann, als gewöhnlich angenommen wird. Insbesondere wird die Atrophie umso früher sichtbar, je besser der Ernährungszustand des Pferdes und je intensiver die Lahmheit ist. Die von Ger lach in seiner gerichtlichen Thierheilkunde (1872) aufgestellten Sätze haben auch heute noch ihre Giltigkeit. Darnach kann schon nach wenigen Tagen die in den Welchtheilen vorhandene, die Grundlage der normalen Rundung bildende, parenehymatöse^ Flüssigkeit in wahrnehm­barer Weise schwinden. Das Fettgewebe zeigt bei sehr schmerzhaften Lahmheiten schon nach acht Tagen sichtbaren Schwund; bei fetten Thieren kann sieh in Folge dessen schon nach zwei bis drei
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Nekrose dor Faseien.
Wochen eine iiuffälligo Atrophie der Glieclinasse ausbilden. Audi das Fleisch und das Zellgowebe wird bei museulösen Thioren schon nach drei Wochen sichtbar utrophisch. Dagegen werden die Sehnen erst nach einigen Monaten, die Knochen und Hufe erst nach '/i—'/j Jahr deutlich kleiner.
h) üio degenerative Muskclatrophie besteht in einer körnigen Trübung, fettigen, wachsartigen, amyloiden u. s. w. Entartung, sowie im Zerfall der Muskelfasern und entwickelt sich nach Entzündungen und Lähmungen der Muskel. Am häufigsten beobachtet man sie beim Pferde nach der Lähmung des Kervus suprascapularis (Atrophie der Grätenmuskel), des oS'ervus radialis (Atrophie der Anconaeen), des Nervus cruralis (Atrophie des Quadriceps femoris). des Trige-minus (Atrophie der Masseteren), sowie des liecurrens (linksseitige Atrophie der Kehlkopfmuskeln; Rohren). Ausserdem kommt sie bei schweren Myositon, namentlich beim Muskelrhenmatismus und bei der IJämoglobinnrie der Pferde, sowie bei der chronischen Bleiver­giftung (linksseitige Atrophie der Kehlkopfmuskeln; Rohren) vor. Reim Menschen tritt sie ferner im Verlaufe der sogenannten progres­siven Muskelatrophie, einer Rückenmarkserkrankung, auf.
c) Die lipomatöse Atrophie oder Pseudohypertrophie (Lipo-masie) der Muskel besteht in einer interstitiellen Fettzellenwucherung mit Verdrängung der Muskelfasern.
IJcliiiiKlIiiiig'. Die Atrophie, insbesondere die degenerative, ist ein unheilbarer Zustand. In prophylaktischer Hinsicht kann man, um die Zunahme derselben zu verhüten, ausseiquot; Bewegung Massage, flüchtige Einreibungen, Elektrioität, sowie innerliche Erregungsmittel (Strychnin, Verutrin, Coffein) anwenden.
MuskelhypOrtropIliO) Dieselbe bildet das Gogonthoil dor Muskelatropliio und ist in der Kegel dio Folge gesteigerter Muskeltbätigkelt (Training). Auch beim Koppen der Pferde entwiekelt sioli eine Hypertrophie der hiebe! besondere betbeiligten Brustbeinkiefer- und Scliulterzungenbeinmuskol; die zur Beseitigung dos Koppens vorgeschlagene Myotomie dieser Muskel ist ohne Erfolg geblieben.
11. Krankheiten der Fascien.
1. Die Nekrose der Fascien.
Ursachen. Der Nekrose der Fascien kommt namentlich beim Pferde eine Bedeutung zu, welche nicht hinreichend bekannt ist oder
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Xekroso dor Kascien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
meist unterschätzt wird. Sie entsteht entweder im Anschlüsse an eiternde Muskclwundon oder an intermusculiire und subfasciale Pblog-monen. Jn beiden Fallen kommt es in Folge der Gefässanruitb der Fiiscien leicht zur Nekrose dorselbon. h)a wegen der Derbheit des Fascicngewebes und wegen der tiefen Lage und flächenförmigen Aus­breitung mancher Fascien die spontane Abstossung und Entfernung des abgestorbenen Stuckes schwierig und nicht selten ganz unmöglich ist. geben die nekrotischen Partien der Fascien Veranlassung ZU lang­wierigen Eiterungsprocessen und zu Fistelbildung, welche nur operativ, d. h. durch das Herausschneiden des abgestorbenen Gewebes, zu be­seitigen sind.
Symptome. Die in der tbierärztlichen Chirurgie unter dem Namen Genickfistel, Widerristfistel. Schulterfistol, Kruppenfistel, Beckenfistel u. s. w. bekannten Eiterfisteln sind in zahlreichen Fidlen dadurch veranlasst, dass sich in der Tiefe der Hals-, Rlickcn-, Schulter- und Kruppenmuskeln nach vorausgegangenen eiterigen und phlegmonüsen Processen Nekrose der Fascien gebildet hat, welche den chronischen Eiterungsprocess unterhält. Diese Nekrose ist meist eine umschriebene; sie kann indessen, wie z. B. nach diffuser subfascialer Phiegmone im Verlaufe des Longissimus dorsi eine sehr ausgedehnte werden und unter dem Bilde der Septikämie einen tödtlicheu Verlauf nehmen, wie ich dies in einem Falle von Widerristfistel beim Pferde beobachtet habe.
BohaiKlIung. Wird Fasciennekrose als Grundlage irgend einer Fistelbildung vermuthet, so zögere man nicht, durch ausgiebige, tiefe, lange und breite Incisionen die abgestorbenen Eascientheile t'ivi-zulegen und in ihrem ganzen Umfange mit Messer und Schere heraus­zuschneiden. Auf diese Weise gelingt es, Widerrist-, Schulter-und Kruppenfisteln, welche monatelang bestanden haben, innerhalb weniger Wochen zu heilen. Dabei nehme man von den erkrankten Stellen der Fascien und Muskeln lieber zu viel, als zu wenig weg, weil sonst die Operation erfolglos bleibt und wiederholt werden muss. Erst durch sehr lange und sehr tiefe Incisionen, w e 1 c h c n n n t e r U m ständen die E x c i s i o n p f u n d s c h w e r e r F1 c i s c h-stücke zu folgen hat, sowie durch das ganz rücksichtslose 11 erauspräpariren grosser Fascienstllckc gelingt es zuweilen, derartige Fisteln beim Pferde zu heilen, wie ich in mehreren Fällen erfahren habe. Die Nachbehandlung hat dafür zu sorgen, dass keine Stagnation von Wundsecret in der Tiefe der Fascien und
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Zorreissung der Fascien.
Muskeln stattfindet. Sie besteht also entweder in oftencr Wundbehand­lung' oder in Drainage; am besten ist, wenn durchführbar, die mehr­tägige permanente antiseptische Irrigation der Operationswundc.
2. Die Zerreissung der Fascien.
Folgen. Wenn durch einen Stoss oder Schlag nur die unter der Haut gelegene Muskolfascie. nicht auch der Muskel selbst subeutan zerreisst, so quillt zuweilen durch den Fascienriss die weiche Muskelsub­stanz nach aussen hervor, so dass an der betreffenden Stelle eine sicht­bare, umschriebene Anschwellung auftritt. Diese sogenannten Muskcl-hernien werden namentlich bei Pferden nach Ilufschlägen undDeichsel-stüssen an den Schenkehnuskeln und am Halse angetroffen. Ich habe eine Hernio des Semimcmbranosus und Sternocleidomastoideus beim Pferde beobachtet. Man fühlt bei diesen Hcrnien deutlich den scharfen derben Rand der Fascie und ein weiches Centrum. Diese Muskelhernien werden am besten sich selbst überlassen; die Incision der Haut und das Vernähen der gerissenen Fascie ist bei dem aseptischen Zu­stande und dem Fehlen von Lahmheit bei den meisten Muskelhernien überflüssig.
Halinentritt. Mit dem Numen Hahnentritt oder Zuokfuss bezelchnot man eine eigenthümliche Bewegungsstörung (Atasie) bei Pferden, welche sich in einer plötzlichen, zuckenden, unwillkttrliolien, starken Beugung aller Gelenke eines Hintert'usses iinssert. Die Ursachen sind bisher nicht; in befriedigender Weise aufgeklärt. Man unterscheidet don id iopathisehen Hahnentritt, der von den einen auf eine Verkürzung der Untersehenkelfaseio, hezioliungsweisc cine Retraction des Tensor Fasciae latae oder der Sehne des mittleren Zohon-streckers, von den anderen auf eine Verkürzung der Querbänder der Kniescheibe, wieder von anderen auf eine Nervenerkrankung (ßdckenmarkslelden, porlphere Neuritis, Beflexnenrose) zurückgeführt wird. Dementsprechend ist auch die vor­geschlagene Behandlung eine sehr divergente (Durchschneidiing von Fascien, Gelenkbändern, Sehnen, Nerven). Der symptomatische Halinentritt bildet eine Begleiterscheinung des Spats, der Schale, der Mauke, sowie verschiedener Huf kiankheiten und bildet eine Heflexerscheiniing, welche mit dem Zucken bei der Gicht des Menschen verglichen werden kann.
III. Krankheiten der Nerven.
1. Die Lähmung der Nerven. Parese und Paralyse.
Formen. Nach dem Grade, dem Ursprünge und der Ausbreitung unterscheidet man verschiedene Arten von Nervenlälnnungen. Zunächst
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Liilimung dor Xorven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;261
unterscheidet man drei Grade von Lähmung, nämlich die einfache Muskelsohwäohe, die Pareae oder unvollständige Lähmung, und die Paralyse oder vollständige Lähmung. Nach dein Ursprünge theilt man die Lähmungen ein in cerebrale, spinale und periphere, entsprechend dem Sitze der Krankheitsursache im Gehirn, IlUckcnmark und in den peripheren Nerven. Endlich spricht man je nach der Aus­breitung der Lähmung von Monoplegie, wenn die Lähmung nur eine Extremität oder eine Muskelgruppe betrifft, von llemiplegie. wenn sie halbseitig, also auf eine Korperhälfte beschränkt ist, und endlich von Paraplegic, wenn sie doppelseitig, total ist (Querlähmung). Weniger wichtig für die Thicrheilkundc ist die Eintheilung in schlaffe und spastische, organische und fuuctionelle Lähmung.
Ursaclicn. Die Ursachen der Nervenlähmungen sind sehr ver­schieden. Die cerebralen und spinalen Lähmungen werden durch Geliirn-und RUckenmarkskrankbciten, Traumen, Infectionskrankheiten, Ver­giftungen, die peripheren Lähmungen durch Zerrung, Zcrrcissung, Com­pression und Entzündung der peripheren Nerven veranlasst.
Dil'fereiltiakliagllOSe. Die Unterscheidung cerebraler, spinaler und peripherer Lähmungen ist meist nicht schwer. Die vom Gehirn ausgehenden Lähmungen sind gewöhnlich dadurch cbarakterisirt, dass sie vorwiegend Monoplegion und Memiplegien darstellen, häufig den einen oder anderen Gehirnnerven betreffen und meist gleichzeitig mit Störungen des Bewusstseins verbunden sind. Die spinalen Lähmungen unter­scheiden sich von den cerebralen durch mehrfache Kennzeichen. Sie sind zunächst im Gegensatze zu den cerebralen Lähmungen, welche meist Monopiegien und Hemiplegien bedingen, gewöhnlich l'araplegien. Es ist dies dadurch zu erklären, dass bei der geringen Grosso des Rückenmarks im Vergleiche zu der des Gehirns der pathologische Process meist das Organ in seinem ganzen Querdurchmesser betrifft. Aus demselben Grunde ist die Lähmung gleichzeitig eine motorische und sensible (Vorder- und Ilinterhörner). Sodann sind von der er­krankten Stelle im Rückenmark nach hinten sämmtlichc Muskeln ge­lähmt. Bei den spinalen Lähmungen sodann gewöhnlich psychische Störungen, sowie die Mitbetheiligung der Gehirnnerven, welche bei cerebralen meist vorhanden sind. Weiter spricht eine gleichzeitige Lähmung der Blase und des Mastdarms für spinale Lähmung. Spinale Lähmungen schreiten ferner häufig von hinten nach vorne, sind also asoendirend. Endlich sind trophische Störungen in den gelähmten
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liiilmiuiif' der Nerven.
Theilcn (Muskclatrophic) besonders für spinale Lähinungen charakteri­stisch. Die peripheren Lähmungen endlich betreffen nur einzelne Muskeln oder Muskelgruppen ohne cerebrale oder spinale Coinplicationen.
Erscheinungen bei peripheren Lähmungen. Wahrend die oerebralen und spinalen Lähmungen in der oben beschriebenen Weise unter den Ersoheinnngen der motorischen und sensiblen Depression des
Gehirns, beziehungsweise Rückenmarks verlaufen) ist das Krankheits­bild der peripheren Nerrenlähmung je nach der Function des be-treffenden Nerven ein verschiedenes. Die für die Thierheilkunde wiohtiff-sten peripheren Lähmungen bedingen die nachstehenden Symptome:
laquo;) Die FacialisläInnung iiussert sich in einer einseitigen Lähmung der Gesichtsmuskeln. Hiebe! werden die Oberlippe und Nasenspitze nach der gesunden Seite verzogen, die Unter­lippe hängt schlaff herunter oder ist ebenfalls nach der entgegen­gesetzten Seite verzerrt; zwischen der Backenwandung und den Zähnen sammelt sich Futter an. Das Auge der befallenen Seite kann nicht geschlossen worden und thränt; ausserdem hängt das obere Augenlid herab (P to sis).
h) Die Trigeminuslähmung verursacht bei Lähmung des motorischen Trigeminusastes eine Lähmung der Kaumuskeln (masticatorische Gesichtslähmung) mit erschwerter Futteraufnahme, Ansammlung von Futter im Maule, Speicheln, Herunterhängen des Unterkiefers, ungleicher Abreibung der Backzähne, sowie Atrophie der Kaumuskeln.
c)nbsp; Die Lähmung des Suprascapularis ist durch eine eigen-thümliche Schulterlahmheit oharakterisirt, indem bei der Be­lastung des betreffenden Fusses der Bug nach aussen abweicht, so dass zwischen Brustwand und Ellenbogen ein verschieden grosser Raum entsteht. (raquo;Abblattenlaquo;). Im Gegensätze! zu dem auf Muskelzerreissuug beruhenden Abweichen der Schulter fehlen hier alle entzündlichen Er­scheinungen. Die gelähmten Muskeln reagiren auf elektrische Ströme nicht. Später entwickelt sich starke Atrophie der beiden Gräten-muskel und der Schulterumdrehcr.
d)nbsp; Die Lähmung des Radialis, welcher die Streckmuskel des Vorarmes, besonders die Ellenbogenstrecker (Anconaeen) innervirt, iiussert sich in dem Unvermögen des betreffenden Vorderfusses, den Körper zu stützen. Der Fuss bricht in allen Gelenken zu­sammen, indem dieselben bei Belastung nicht gestreckt werden können.
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Kntzündung der Nerven.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 263
Hoi Druck gegen die Vordcrfusswurzel ist der Fuss dagegen im Stande, den Körper zu stutzen. Die gelähmten Muskel fühlen sich schlaft' an und atrophiren später•
e) Die Lähmung des Cruralis betrifft die Knieselieibenstrecker (Quadriceps fomoris). Es erfolgt, ähnlich wie bei der Radialislähmung. während der Belastung eine abnorme Beugung des Kniegelenkes, indem wegen Lähmung der Streckmuskeln die Streckung des Gelenkes unmüglich ist. Bei längerer Dauer der Lähmung atrophiren die Kniescheibenmuskcl hochgradig.
Behaiulluiigquot;. Die Therapie der Nervenlähmungen besteht in der Anwendung der Massage, starker Hautreize, der Elektricität, sowie in der suheutanen Injection von Strychnin oder Veratrin. Von den peripheren Nervenlähmungen haben eine relativ günstige Prognose die Lähmungen des Facialis und Radialis, während die des Suprascapularis und Cruralis häufig unheilbar sind.
2. Die Entzündung der Nerven. Neuritis.
Ursachen. Die Entzündung der Nerven ist in der thierärztlichen Chirurgie von geringer Bedeutung, weil sie einestheils selten vorkommt, anderntheils beim Unvermögen der Mittheilung subjeetiver Empfindungen seitens der Hausthiero schwer zu erkennen ist. Die Ursachen sind wie beim Menschen traumatischer, infectiüser, rheumatischer und toxischer Natur. Besondere praktische Bedeutung hat die im Verlaufe der Brustseuche als Nachkrankheit auftretende Hemiplegia laryngis (Kehlkopfpfeifen beim Pferde), welche von Manchen auf eine Neuritis des Nervus recurrens in der Weise; zurückgeführt wird, dass die Ent­zündung der Pleura auf den linksseitig in der Brusthöhle gelegenen, sich um den Aortenbogen herumschlagenden Recurrens übergreift, und sich in Folge dessen eine Neuritis desselben entwickelt, welche, zu ein­seitiger Lähmung der Kehlkopfmuskeln führt. Auch die hei Pferden im Verlaufe der chronischen Bleivergiftung auftretende Ilemiplegie der Kehlkopfmuskeln kann als eine Neuritis des Recurrens aufgefasst werden. Kinc Neuritis des Ischiadicus soll nach Einigen der Hahnentritt des Pferdes darstellen (?), Nicht selten sind dagegen auch bei den Ilaus-thieren die als Neuritis retrobulbaris. Papillitis und Retinitis be­zeichneten Entzttndnnffsznstände des Sehnerven und der Netzhaut.
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#9632;#9632;
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Entzündung der Nerven.
Anatomische Vei'äiidernng'eii. Wie bei den Entzündungen anderer Organe unterscheidet man auch bei der Neuritis eine serüse, fibri-nüse, eiterige und interstiticllo Form; die ersteren stellen eine acute, die letztere eine chronische KerveucntzUndung dar. Die acute Neuritis ist makroskopisch durch Röthung, Schwellung und seröses, tibrinöses oder eiteriges Exsudat zwischen den Fascrbündeln gekenn­zeichnet; mikroskopisch findet man Erweiterung der Blutgefässe, klein-zellige Infiltration, Kernwueherung der Schwann'schen Scheide, sowie Zerfall des Marks und Achseneylinders. Bei der chronischen Neuritis findet Bindcgewebsncubildung statt (Induration, Sklerose) mit späterer Degeneration und Atrophie der Nervenfasern.
Symptome. Die Neuritis Uusscrt sich theils in Störungen der Sonsibilitiit (Neuralgie, Anästhesie), theils in solchen der Motilität (Krämpfe, Lähmung). Die Behandlung besteht in der Anwendung beruhigender Mittel (Morphium, Cocain), sowie von Hautreizen. Als letztes Mittel ist der Nervenschnitt (Ncurotomie), beziehungsweise das Herausschneiden (Neurektomie) oder Ilerausreissen (Neuraerexie) des erkrankten Nerven zu versuchen.
Xciirotomic. Der Nervenschnitt ist namentlich bei gewissen anheilbaren, Bohmerzhaften Bewegungsstörungen der Pferde (Lahmheit hei Schule, chronischer Hufgelenkslahmheit, Zwangbuf, chronischen Sehnonkrankhelten u. s. w.) ein
sehr schätzbares Palliativmittol, welclies die Brauchbarkeit der sonst werthlosen Thiere bis zu einem gewissen Grade wieder herstellt. Ueber die Indication und Ausführung der Operation vgl. die Darlegungen Bayer's im I. Bande dieses llimdbuchos (8. 192), Die am Nerven mich der Durclischneidung auf­tretenden Veränderungen bestehen in fettiger und körniger Degeneration des ganzen peripheren, vom Centrum abgetrennten NervenstUckes bis in dessen feinste Verzweigungen (absteigende Degeneration). Gleichzeitig beginnt jedoch eine collateralo Anastomosenbildung mit Ivegeneration des Xorvcngcwebes vom Oentralen Ende aus, welche nach einer gewissen Zeit die Nervenleitung in den peripheren Theilen wieder herstellt. Bei eiteriger Infection der Operatioimvunde, sowie bei fortgesetzter Zerrung des centralen durchschnittenen Nervenendes ent-wiekelt sich eine chronische interstitiello Entzündung am centralen Nervenstumpfe mit Bildung eines Neuroms (vgl. S. 10y).
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Nprvellkl'ailkllPitoil. Vgl. die Literatur bei Friedberger u, Frübner, Spec. Pathologie u. Therapie. 1898, 4. Aufl., Bd. II.
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Krank [leiten der Gefässe.
I. Krankheiten der Arterien.
1. Die Entzündung der Arterien. Arteriitis.
Formen. Wan unterscheidet zunächst eineEndarteriitis, Mcs-arteriitis und Periarteriitis, je nachdem die innere, mittlere oder äussere Schichte der Arterienwandung erkrankt ist. Je nach Ursache und Verlauf unterscheidet man ferner eine aseptische und septische oder eiterige, eine traumatische und hämatogene, eine acute und chronische, sowie eine oblitcrirende, d. h. zum Verschlüsse des (iei'ässes führende Arteriitis. Praktische Bedeutung hat namentlich die acute eiterige und die chronische deformirende Arteriitis.
a) Die acute eiterige Arteriitis ist die Folge einer Infection der Arterienwandung durch eiterbildende Staphylococcen oder Strcpto-coecon, welche entweder von der Adventitia aus (Periarteriitis puru-lenta) oder von der verletzten Intima (eiterige Thromboarteriitis) oder emholisch vom Pluto aus erfolgt (pyämische Metastasen). Die Vereiterung der Intima bedingt einen Verlust des Endothels (eiterige nokrotisirende Endarteriitis).
/') Die chronische deformirende Arteriitis oder Arterio-sklerose (Athorom der Gefilsso) stellt eine multiple, herdförmige, ulcerösc Endoarteriitis mit bindegewebiger Verdickung der Intima, Nekrose und Defecthildang derselben (sogenannte atheromatöse Ge­schwüre), sowie mit späterer Verfettung und Verkalkung der Media dar. Sie führt zur Verhärtung, Verengerung, Obliteration oder zu Er­weiterung und Ruptur der krankhaft veränderten Gefässwand. Während sie beim Menschen sehr häufig vorkommt (Alterserscheinung, Symptom des Alkoholismus), ist sie als chirurgisches Leiden bei den Thieren sehr selten. Für die interne Pathologie von grosser Bedeutung ist dagegen die durch Strongylus armatus bedingte chronische Endarteriitis
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Ervvoitenuig dor Arterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 267
und Erweiterung der vorderen Gckrösarterie. Am ehesten scheinen Rinder zu Arteriosklerose zu prädisponiren (Kalkreiohthum des Futters).
2. Die Erweiterung der Arterien. Aneurysma.
Formen. Man theilt die Aneurysmen ein in diffuse und um-scliriebene. Die umschriebenen sind entweder cylindrisch (Aneu­rysma cylindriforme) oder spindelförmig (A. fusiforme) oder sack­förmig (A. saeeiforme). Die diffusen Aneurysmen werden wohl auch als Rankcnaneurysmen (Aneurysma racemosum, anastomoticum, cirsoideum) bezeichnet; dieselben sind eigentlich als Neubildungen. nämlich als Rankenangiome aufzufassen (Angioma racemosum). Eine eigcnthiimliche Form ist das Aneurysma arteriovenosum (Varix aneurysinaticus, Varix arterialis, Artcriophlebektasie), das durch die Verbindung einer Arterie mit einer Vene entstanden ist. Als Aneu­rysma dissecans bezeichnet man die nach Zerreissung der Intima und Media erfolgende Abhebung der Adventitia durch das dazwischen eindringende Blut (sogenanntes falsches Aneurysma). In seltenen Fidlen wird die Wand des Aneurysmas durch die Leber, den Darm und andere Organe gebildet.
Ursachen. Die häufigste Ursache bildet beim Pferde für das Aneurysma der vorderen Gckrösarterie die durch den Pallisadenwurm (Strongylus annatus) hervorgerufene chronische deformirende End-arteriitis. Eine, ähnliche Veranlassung liegt für die Erweiterung und Thrombosirung der Schenkel- und Heckenarterie vor. In anderen Fällen entstehen die Aneurysmen auf traumatischem Wege (Stichverletzung). nach Em bo lien, sowie nach Degencrationszuständen der Gefäss-wand bei gleichzeitiger Einwirkung einer Erschütterung (Sturz, Stoss) oder starker Muskelanstrengung (gesteigerter Blutdruck).
Vorkommen. Im Gegensatze zum Menschen sind die chirurgischen Aneurysmen bei den Ilausthieren sehr selten (Seltenheit der Arterio­sklerose). Man bat sie relativ am häufigsten beim Pferde an der Aorta, der Schenkel- und Ueckenarterie. an der Carotis, Brachialis, Femoralis, Poplitea, Ischiadica, Palatina, Xasalis, Maxillaris iuterna u. s. w. beobachtet. Das Aneurysma arterio-venosum wurde beim Rinde an den Gefässen des Samenstranges (Samennrterie und -Vene), beim Pferde nach dem Aderlasso (Jugularis und Carotis), sowie nach einer Verletzung in der Gegend der Massetoren (Kaumuskelartcrie und -Vene) beobachtet.
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268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Erweiterung iler Artorion.
Ei'sclieimiiigen. Uio ttusserlioh gelegenen Aneurysmen sind durch eine pulsirende G es eh willst gekennzeichnet, welche bei Com­pression der zuführenden Arterie kleiner wird oder ganz verschwindet. Zuweilen lassen sich beim Palpiren der Geschwulst Koibungsge-rilusche nachweisen, die durch das Reiben des Blutes an der rauhen Innenwand des Aneurysmas entstehen. Durch Druck auf benachbarte Nerven entstehen zuweilen anhaltende, sehr starke Schmerzen. Ausser­dom beobachtet man Usur benachbarter Organe, selbst Schwund der Rückenwirbel, Halswirbel und des Brustbeins. Häutig führen die Aneu-rvsmen durch Zerreissung und Verblutung oder durch Throm­bose und Embolie einen raschen tödtlichen Ausgang herbei. Selbst-heiiung durch Obliteration und Verkalkung wird nur ausnahmsweise beobachtet. — Die für die Thierheilkunde wichtigsten Aneurysmen sind im Einzelnen durch nachfolgende Symptome gekennzeichnet:
a) Die Aorten aneurysmen bestehen namentlich in einer Er­weiterung der Sinus Valsalvae am Aortenursprung. Sie werden beim Pferde über mannskopfgross und verwachsen zuweilen mit den benach­barten Organen (Magen, Grimmdarm, Jlüftdarm, Leber); ausserdem comprimiren sie dieselben und usuriren selbst die Wirbelsäule. In den meisten Fällen rufen sie lanse Zeit oder das ganze Leben hin-durch keinerlei sichtbare Krankheitserscheinungen hervor; in anderen Eällen enden sie plötzlich tödtlich durch innere Verblutung, ohne dass bemerkenswerthe Symptome vorausgegangen wären. Der Tod durch innere Verblutung erfolgt besonders nach stärkerer Anstrengung plötzlich, indem die Thiere schwanken, grosse Atbemnoth zeigen, zusammenstürzen und rasch verenden. In anderen Eällen hat man eigenthllmliche, anfallswoise Erscheinungen ohne direct nachfolgenden tödtlichen Ausgang beobachtet. So fand Lustig bei einem Pferde nach stärkerer Anstrengung Schwanken im Hinter-theil. plötzliches Zusammenstürzen, hochgradige Dyspnoe. sowie epi-leptiforme Krämpfe, wobei Kopf und Hals nach hinten gebeugt und die Füsse gestreckt wurden; nach 5—15 Minuten hatte sich das Thier wieder erholt. In einem anderen Ealle wurden bei einem Pferde mit Aneurysma der Lungenarterie Seh wind el a n fälle constatirt. Barrier beobachtete bei einem Hunde mit einein Aneurysma der hinteren Aorta starke Abmagerung trotz grossen Appetites, zunehmende Mattigkeit, hochgradige Athembeschwerden bei geringster Bewegung und scbliesslich Lähmung des llintertheiles (Erscheinungen der Herzschwäche). Schmidt fand bei einem Pferde mit einem mannskopfgrossen Aneu­rysma der Brustaorta einen mit der Herzaction synchronen, summen-
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Erweiterung der Arterlen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;269
den Ton über dar Wirbelsäule, Unvermögen Futter aufzunehmen, sowie gespannten und steifen Gang in der Hinterhand. Vereinzelt hat man einen Durchbruch des Ancurysmas in den Magen (Vogel), sowie in den Mastdarm beobachtet (Labat, Cadeac, Buchene).
h) Die Erweiterung und Thrombose der Schenkel- und Beckenarterio (seltener der Achselarterie) beim Pferde wird entweder durch eine Erkrankung der inneren Arterienhaut (Endarteriitis) mit Auflagerung von Kibringerinnseln auf der rauhen Obcrlläche und Ver­engerung des Lumens, oder durch eine einbolische Verstopfung dieser Aortenilstc durch fortgeschwemmte, aus dem Herzen oder einem Aneurysma stammende Thromben verursacht. Am häufigsten findet man die Aorta an ihrer Thcilung in die beiden Darmbein-, beziehungsweise Schenkelarterien und in die beiden Beckenarterien, seltener die Achsel-, beziehungsweise Armarterie, in sehr seltenen Fällen auch die Lenden­arterien thrombosirt. Das Ende der Aorta und der Anfang der ab­gehenden Arterieniistc ist meist erweitert, die Wandungen sind ver­dickt und atheroniatös entartet, die Intima ist getrübt, verfettet' verkalkt, mit Geschwüren besetzt. Im Inneren sitzt ein meist ge­schichteter und organisirter, derber Thrombus von heller Farbe, welcher das Lumen mehr oder weniger verengt und oft, nur einen ganz dünnen Canal übrig lüsst. Hilufig setzt sich sodann der Throm­bus nach vorne gegen die Aorta und nach hinten in die abgehenden Arterienäste hinein fort oder reitet wohl auch auf der Aortengabelung. Zuweilen ist die Darmbein- oder Ecckcnarterie der einen Seite voll­kommen durch den Thrombus ausgefüllt. Neben der Thrombose ent­wickelt sich seonndär nicht selten eine compensatorischc llerzhyper-trophie. Auch kommen bei Erweichung dos Thrombus Embolien in peripher gelegene Arterien der Extremitäten vor. Wilhrend der Ruhe verursachen die beschriebenen Thromben gewöhnlich keinerlei Krank­heitserscheinungen. Erst nach kürzerer oder längerer Bewegung vor dem Wagen, unter dem Reiter oder in der Longe kommt ein ganz eigenthümliches, charakteristisches Krankheitsbild zum Vorschein.
15ei der Thrombose der Schenkelarterien, an welcher meist Pferde, seltener Hinder erkranken, findet man zunächst eine all-mälig zunehmende Schwäche in einem oder beiden Hinterbeinen. Die Thiere zeigen sodann eine charakteristische, anfallsweise auftretende Lähmung. Sie geben meist auf einer Seite nach, zeigen einen schwankenden Gang, schlagen den befallenen Hinterfuss an dem der anderen Seite an, setzen ihn nur noch mit der Zehe auf oder seideppen ihn ganz nach, zittern, knicken zusammen und liegen r r ü li n e r, AllgoiDOino Ohlrurgte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]S
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270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Erweiterung der Arterien.
meist einige Minuten erst mit den Beinen zappelnd, dann er­schöpft um Hoden. Gleichzeitig ist die Athmungsfrequenz ausser-ordentlich gesteigert, der Herzschlag prellend und beschleunigt, die sichtbaren Schleimhäute stark injicirt, über den ganzen Körper ist Schweiss ausgebrochen. Die Temperatur der gelllhmten Extremitilt ist meist eine sehr niedere, auch fehlt hilufig, wenn auch nicht immer, das Pulsiren der Schien- und Fesselbeinarterien. Nach Ablauf einiger Minuten erheben sich sodann die Thiere wieder, und es stellt sich unter allmllliger Abnahme der Lähmungserscheinungen der normale Zustand bald wieder her. Von Wichtigkeit für die Diagnose ist, dass der Anfall experimentell durch forcirto Bewegung der Thiere hervor­gerufen werden kann. Bei der Untersuchung der thrombosirten Stelle vom Mastdarm aus findet man die Aorta und ihre abgehenden Aeste erweitert, verdickt, unnachgiebig, von einem harten, länglichen Körper ausgefüllt und meist ohne Pulsation auf der erkrankten Seite. In seltenen Fällen kommt es im Anschlüsse an die Thrombose zu peripherer Arterienembolie mit Gangrän der Gliedmassen.
Die seltenere Thrombose der Achselarterio äussert sich in einfachem Lahmgehen auf der betroffenen Seite. Die Thiere be­ginnen während der Bewegung zu straucheln, machen Fehltritte, Stolpern, stossen fortwährend mit der Zehe an, können die Gliedmasse nicht heben, sondern schleifen sie förmlich nach, zittern auf der be­treifenden Seite und stürzen wohl auch zusammen. Athmungsstörungen, Herzaufregung und Congestionszustftnde worden indess dabei gewöhn­lieh nicht beobachtet. Nach kurzer Zeit ist die Functionsfähigkeit vor-läutig wieder hergestellt.
Die Thrombose der Beckenarterion hat eine Lähmung des Mastdarmes, der Harnblase, des Schweifes und Kreuzes zur Folge.
c) Das Aneurysma arterio-venosum des Samenstranges wird zuweilen bei Stieren nach der Castration beobachtet. Im Verlaufe des Samenstranges entwickelt sich eine beträchtliche, weiche, cylinder-förmige Geschwulst, welche dadurch entstanden ist, dass nach tlem Abbinden, Abdrehen oder Ausreissen des Samenstranges die innere Samenarterie mit der Samenvene verklebt, so dass das Blut aus der ersteren sich in die letztere ergiesst (Gurlt, Collin, Kitt).
BeliaiHlliinji,'. Die Badioalbehandlung der chirurgisch zugängigen Ancurysmen besteht in der Exstirpation des erweiterten üefäss-abschnittes nach vorhergehender sorgfältiger Unterbindung der zu-
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Zerreissung grüsserer Arterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;271
führenden und abführenden Gefilsse. Diese Operation ist jedoch unter Umständen deshalb sehr gefährlich, weil häufig anämische Nekrose in den peripher von der Unterbindungsstelle gelegenen Organen eintritt. Man hat deshalb beim Menschen die methodische Compression, die Injection von Arzneimitteln (Liquor Ferri sesquichlorati, Muttorkorn-extract, Alkohol), die Acupunctur und Filipunctur (Einstechen von Kupferdraht, Silberdraht, Eisendraht; Durchziehen eines Pferde­haares), sowie die Galvanopunctur oder Elektropunctur (galvano­kaustisches Sticheln mit Nadeln) empfohlen.
Cnsnistik. Ein Ancurysma dor icditon Carotis in der Höhe dos sochston Halswirbels bei einem 18jährigen, plötzlich verendeten Pferde hat Steinmoyer boschrioben. Das Pferd zeigte unten am Hals eine mannskopfgrosse Anschwellung, in der sieh ein spindelförmiges, #9632;l'/a cm langes Ancurysma mit einem ii cm laugen Queniss befand; die Intima war an dieser Stelle rauh und mit Thromben besetzt.
—nbsp; nbsp; Ein Aneurysma der Untersohenkelarterie bei einem Ochsen besehreibt Furlanotto; es bildete eine lü cm lange, parallel mit der Vena saphona ver­laufende, kegelförmige, pulsirende, elastische, schmerzlose Geschwulst an der Innenfläche des Unterschenkels. — Ein Aneurysma der Schlundkopfartorie mit tiidtlicher Zerreissung unter den Erscheinungen einer Angina beobachtete beim Pferd Blaise. — Ein Aneurysma der die Vena saphena hegleitenden Arterie in Folge des Aderlasses mit tüdtlicher Blutung hat Xou(|uot gesehen.
—nbsp; nbsp; nbsp;Ein Aneurysma der vorderen Schienboinarterio mit verkalkten Wandungen hat Straube exstirpirt. — Mehrere Fälle von Aneurysma racemosum an der Unterlliiche des Schwanzes hat Sand (private Mittheiiung) beim Kind festgestellt.
3. Die Zerreissung grösserer Arterien. Gefässruptur.
Ursachen. Die Zerreissung grösserer Artcrienstämme erfolgt ent­weder durch eine dircetc Verletzung oder indirect durch eine Er­schütterung, durch einen Sturz, durch starke Muskelanstrengung, z. 13, im schweren Zuge, während des Erbrechens u. s. w. In den letzt­genannten Füllen von sogenannter spontaner Ruptur ist meist eine Prädisposition zu Zerreissung in Folge krankhafter Veränderungen der Arterienwand vorhanden. Als solche kommen namentlich in Betracht Aneurysmen, Arteriosklerose, Verfettung der Gefässwand, sowie Arrosion derselben durch Neubildungen.
Vorkommen. Eine Ruptur grösserer Gefässe wird am häufigsten an der Aorta und ihren Aestcn, sowie an der Lungenarterie beob­achtet; von grösseren Venen zerreissen namentlich die Pfortader, sowie die llohlvcnen. Das Krankheitsbild der inneren Verblutung
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Zorreissung grösserer Arterien.
bestellt in Schwanken, Taumeln, plötzlichem /usamnienstürzcn, Blässe der sichtbaren Schleimhäute, Killte der cxtreinitalen Theile. sowie schwachem, zuletzt unfüblbarem Pulse; zuweilen beobachtet man auch (lehirnkr.Hinpfe. Amaurose (anämische Verfettung der lletina), Er­brechen u. s. w.
Die Rupturen der Aorta ereignen sich meist am Ursprung der Aorta unmittelbar hinter den Semilunarklappen in der (legend der Sinus Valsalvae: an dieser Stelle ist dor Blutdruck am stärksten, die Wand ziemlich dünn und meist etwas erweitert; dieselbe bildet daher auch eine Prädilcctionsstolle für Aortenaneurysmen. Eine Zer-reissung der Aorta kommt am baldigsten bei Pferden vor; sie ist bei­spielsweise nach dem Abwerfen, beim Springen und Stürzen beobachtet worden. Das Blut ergiesst sich dabei in den Herzbeutel, welcher bei der Section prall mit Blut gefüllt angetroffen wird. Rupturen der vorderen Aorta kommen nicht selten durch eindringende Wagen­deichseln zu Stande.
Zerreissungen der Lungenarterie sind ebenfalls beim Pferde nach dem Abwerfen beobachtet worden; in einem Falle wurde beim Durchbrach eines Aneurysmas der Lungenarterie in einen grösseren Bronchus heftige ilämoptoe (Bluthusten) beobachtet.
Von sonstigen Rupturen sind zu erwähnen die Zerreissung der Schenkelarterie und Vorstopfungsarterie bei Beckenbrüchen, der Beckenarterie bei Practur des letzten Lendenwirbels, der Nierenarterie bei Erschütterung, der aneurysmatisch erweiterten Grimmdarmarterie beim Abwerfen, der Zwerchfellarterien durch Stoss, der Carotis durch Arrosion von Abscessen bei der Druse, der hinteren Aorta durch Arrosion seitens eines Sarkoms, der Achsel­arterie durch starke Zerrung, der linken Halswirbelarterie, Gaumenarterie u. s. w. durch Fracturen.
Eine Behandlung der genannten Rupturen ist in der Regel unausführbar; bei Rupturen der Gaumenarterie, inneren Kopfarterie u. s. w. müsste die Unterbindung der Carotis vorgenommen werden.
Obliterationlaquo; Die als Resultat der Emlarteriitis obliterans eintretende Ver­wachsung und Yei'Odung von Gelassen ist im Allgemeinen bei den llausthieren selten. Eine Obliteration der liintoren Aorta bei üinem l'ferdc bat Pirl beob­achtet. Die Aorta bildete einen soliden, fingerdicken, 1 — 2 craquo;t starken Strang zwischen zwei Aneurysmen; vor der Verwachsungsstelle zweigten sich flnger-dicke, mMigobildete, collateralc Gcfasso ab. Eine Obliteration der Arteria iliaea mit Lähmungserscheinungen hat Eligio beschrieben. Intermittircndcs Hinken in
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Entzündung der Yenon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;273
Folge Stenose der Aorta boobaclitote Hnyer. Vgl. aueh die Thrombose der Becken- und Sclionkelarterie (S. 2()9).
Embolic. Dieselbe kommt durch Ablösung von Thiombusmiissen im Horzen, an der aueurysmatlsoh erweiterten vorderen Gokrüsarterie, Sehenkebirtorie u. s. w., namontlich bei Pferden vor. Embolie dor Huf lederbaut führt zu Xekroso und Ausscbubcn, Embolie der mittleren Mastdnrmarterie zu Mastdarmläbmung (Casper), Embolic der Arteria ophtbalmica zu plötzlicher Erblindung (Arnold).
II. Krankheiten der Venen.
1. Die Entzündung der Venen. Phlebitis.
Formen. Wie bei der Artcriitis unterscheidet man auch bei der Venenentzündung eine End op hie bitis, Meso phlebitis und Peri-phlebitis, eine acjrte und clironische, eine aseptische und septische (eiterige) Phlebitis. Von besonderer praktischer Be­deutung ist die eiterige, nekrotisirende Phlebitis oder eiterige Thrombophlebitis, welche sich entweder bei der Phleginone (vgl. S. 24), beziehungsweise bei der eiterigen Infection von Venenthroinben (vgl. S. '63) durch Eindringen der Eiterbacterien von aussen her, oder bei der Pyiimie von innen, d. ii. vom Blute her, entwickelt (embolische, pyämische Metastasen).
Erscheinungen. Die Phlebitis ist charakterisirt durch eine strangartige, knotige, derbe Verdickung und Verhärtung im Verlaufe der Venen. Die Knotenbildung rührt davon, dass der Knt-zündungsprocess sich namentlich an den Klappen in Folge der dort bestehenden Verlangsamung und Stauung dos Blutstromes locaiisirt. Die Verhärtung der Vene ist eine Foljre der Thrombosirunsc des Blutes und der Verdickung der Wandung. Durch die Ablösung eiterig in-ficirter Thrombentheile können sich eiterige Metastasen in entfernten Organen (l'yämie) entwickeln.
Bezüglich des Vorkomm en s der i'hlebiten bei den Ilausthicren ist zu bemerken, dass sie in früheren Zeiten, besonders beim Pferd, häutiger zur Beobachtung gelangt sind, als jetzt (Phlebiten der Jugular is nach dem Ad er lass; sogenannte A der lass fist ein). Auch die eiterige Omphaloph lebi tis der Fohlen und Kälber (eiterige Thrombophlebitis der Xabelvenc mit consecutiver Pyiimie; sogenannte Fohlenlähme) ist seit Einführung der Nabelantiscptik seltener geworden. Praktische Bedeutung besitzt dagegen noch die Phlebitis der
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274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Erweiterung der Venon.
Vena saphena im Verlaufe der Phlegmono der Hinterschenkcl (Ein-schuss), deso-leichen dor Becken- und Schenkelvenen, sowie die Thrombophlebitis der Nasenschleim haut, welche zuweilen Ver­anlassung zu Rotzverdacht beim Pferde gibt. Bei der letzteren findet man nach Zschokke die Nasenscheidewand und die Dllten schwarz-roth gefärbt, mit eingelagerten golblichweissen oder graurothen, rosen-kranzillmlich aneinandergereihten Knötchen oder strangförmigen Pro­minenzen von 0 5—2m)a Durchmesser, welche weisse Venenthromben, aus einer primären Phlebitis entstanden, darstellen; eine Geschwürs­bildung sowie eiteriges oder käsiges Exsudat fehlt, wodurch der Process vom Rotz unterschieden werden kann.
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2. Die Erweiterung der Venen. Varix. Phlebektasie.
Ursachen. Wie bei den Aneurysmen bildet auch bei den Er­weiterungen der Venen (Varicen, Plilebektasien) eine chronische Ent­zündung der Venenwandungen, insbesondere der Jntitna (chronische Kndophlebitis) die wichtigste Entstehungsursache. Ausserdem kommen traumatische Einwirkungen, sowie geschwulstartige, angeborene Venenerweiterungen in Betracht. Begünstigend wirkt örtliche und all­gemeine Blutstauung.
Erscheimmg'cn. Die Varioes treten entweder als umschriebene knotenförmige (spindelförmige, cvlindrische, sackförmige) oder als diffuse Geschwülste im Verlaufe von Venen in der Haut und in Schleimhäuten auf, welche Neigung zu Blutung und Geschwlirs-bildung(Periphicbitis).sowie zu Thrombenbildung (eiterigeThrombo­phlebitis, Pyämie) haben und in seltenen Fällen auch Verkrcidung und Verkalkung zeigen (sogenannte Venensteine, Phlebolithen). Im Gegensatz zum Menschen sind die Varices bei den Tliieren sehr selten. Insbesondere kommen die als Jlämorrhoiden bezeichneten Varices der Mastdarmschleimhaut, sowie die Venenerweite-rungen am Unterschenkel der Frauen nach wiederholten Geburten (sogenannte Krampfadern) bei den Thieren so gut wie gar nicht vor. Diesbezügliche Angaben beruhen in der Regel auf einer Verwechslung; so sind z. B. beim Hund die angeblichen Hämor-rboiden in der Regel Krankheitszustände der Analdrtisen: auch ein Varix der Vena saphena bei Pferden (der sogenannte Blutspat) existirl: in Wirklichkeit wohl kaum. Die Ursache dieses verschiedenen Ver­haltens von Mensch und Tliier ist einerseits darin zu suchen, dass
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Entzündung dor Lymphgefässo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 275
chronische EntzUndungszuständo der Vcnonwanduno' bei den Thicren viel seltener vorkommen als beim Menschen, andererseits darin, dass beim Menschen in Folge zahlreicher Herzfehler und chronischer Lungen­krankheiten, ferner wegen der aufrechten Stellung, beim Sitzen, sowie im Verlaufe der Schwangerschaft (Druck des schwangeren Uterus auf die Venen) viel leichter venöse Stauungen eintreten können, als bei den Thieren. Nur vereinzelt hat man Varices bei Pferden, Rindern und Hunden beobachtet auf der Mastdarm Schleimhaut (echte Hilmor-rhoiden), am Samenstrang (sogenannte Varicocele), an der Milch­vene bei Kühen (hühnereigrosse, leicht blutende (Jeschwulst, Liebl); in der Scrotalhaut bei Hunden (mit Geschwtlrsbildung und Blutung verlaufend; Möller, eigene Beobachtung), sowie als angeborene Neu­bildung der Haut bei Fohlen (W. Eber). Ein Varix aneurysmati-cus, d. h. eine durch die Einmündung der Samenartcric in die Samenvene nach der Castration (vgl. S. 270) bei Ochsen entstandene pulsirende, schwirrende Geschwulst am Samenstrang ist dagegen von verschiedenen Beobachtern gesehen worden (Gurlt, Prinz, Meyer, Wagonfeld, Collin u. A.).
ßeliiliidluiig. Dieselbe besteht in der operativen Entfernung oder in der Ligatur. Ausserdem kann man wie beim Menschen das Wegbrennen (Ustion). die Ignipunctur (Sticheln mit dem Paquelin), die Injection von Arzneimitteln (Ergotin, Alkohol, conccntrirto Carbol-säure). sowie methodische Compression versuchsweise anwenden.
III. Krankheiten der Lymphgefasse.
1. Die Entzündung der Lymphgefässe. Lymphangitis.
Ursachen. Die Entzündung der Lymphgefässe stellt meistens eine Wundinfectionskrankhcit dar, welche durch das Eindringen von Eiterbactorien in die geöffneten Lymphgefässe veranlasst wird. Man findet sie daher am häutigsten in der Umgebung inficirter, eiternder Wunden, bei Phlegmonen, nach zu frühzeitiger Eröffnung von Hämatomen in der Kruppen- und Sehenkelgegend, im Anschluss an Widerristfisteln, Satteldruckschäden u. s. w. Ausserdem kommen speeifische Lymphangiten vor, so namentlich beim Pferd im Verlaufe des Rotzes und der Druse, beim Rind als Symptom der Tuberculose der Haut, beim Hund im Verlaufe der sogenannten
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27(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Erwoitorung der Lymphgefässe.
Huudedruse. Eine seuohenartige ansteckende Lymphangitis mit
rotzälmlichen Erscheinungen, aber gutartigem Verlauf, ist unter den Pferde- und Maulthierbestilnden der französischen Armee in Afrika beobachtet worden (Farcm d'Afrique; Lymphangite farcinoide); die Lyinpligefässe der Haut schwellen dabei zu Strängen mit granu-lirenden Geschwüren an, ans deren Mitte gutartiger Eiter hervor­quillt. Eine iilmlicho Infectionskrankheit ist der sogenannte AVurm der Rinder (Faroin du boeuf), eine durch einen Fadenpilz verursachte Lymphangitis an den Extremitäten und am Bauche beim Kinde (Frank­reich, Deutschland, Ocsterrcich), welche durch die wunnformige Gestalt der goschwollenen Lymphstriiuge eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Hautrotze der Pferde zeigt.
Erscheinungen. Die Lymphangitis ist durch eine rosenkranz-
jihnliche, d. h. von Knoten unterbrochene, strangartige Anschwellung im Verlauf der Lymphgefilsso charakterisirt, die häufig von einer Entzündung der zugehörigen Lymphdrüsen (Lymphadenitis) gefolgt ist. Im Verlaufe der rosenkranzähnlichen Anschwellung entwickeln sich, der Ansatzstelle der Klappen entsprechend, zuweilen zahlreiche kloine Absoesse (Druse, Hundedruse). Die chronische Lymphangitis führt zu starker Verdickung der Haut (Elephantiasis bei Hautrotz).
Behandlung. Dieselbe besteht im Spalten der Absoesse, sowie in der Anwendung antiseptischer Flüssigkeiten und Salben.
2. Die Erweiterung der Lymphgefässe. Lymphangiektasie.
Ursachen. Die Lymphangiektasien sind meist angeboren und gehören zum Theil in das Gebiet der Geschwülste; sie stellen die sogenannte angeborene Elephantiasis, Makroglossie und Makrocheilie dar (vgl. S. 104). Im Gegensatz hiezu gibt es jedoch auch erworbene Erweiterungen von Lymphgefässen; dieselben werden namentlich nach chronischen, revidivirenden Entzündungen der Haut und Unterbaut beobachtet (entzündliche Form der Elephantiasis). Eine besondere Form bilden ferner die sogenannten Lymphcysten, d. h. cystöse Er­weiterungen der Lymphgefässe; dieselben dürfen nicht verwechselt werden mit den Lymphextravasaten, d. h. Lympbergüsson im An­schlüsse an eine subeutano Zerreissung von Lymphgofiissen, sowie mit Lymphfisteln, bleibenden, gesohwttrsartigen Oeffnungen an Lymph-gefässen nach vorausgegangenen Verletzungen.
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Literatur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;277
Literatur.
TillmannB, Billroth, Hering (Literatur der Cavotisverletzungen und Luftcmbolien dor Venen), Bayer, Cadlot (franzö.s. Literatur), Möller, Kitt, 1. c. — Uonault Ut li o u 1 e y, Rec. isyil, — Ilertwljf, Magazin. 1H4Ö. — Hey, Junrn. de Lyon. 184S, 1S49. — K r 1 e d h e r g h r u. Froh Her, Spec. Pathologien. Therapie. 18!)6, 4. Aufl., lid. I (Literatur der Aneurytimen, Hecken-artcrien, Thrombose und Oinphalophlebltis). — Cüster, Kberhardt, Golt/., Preuss. Mltth. 1H81, 1H83. — Slmounln, Rec. 1881. — Nouquet, Anual. dlaquo; lirnx. 1882. — Oollln, Journ. de Lyon, 1882, — Ellglo, Gloru. dl med, vet. 1882. — Johne, SSchs. Jahicsber. 1882, — K o n h ä u s e r, Bayer, Oesterr, Vierteljaliraschr, 1882, 1883. — Siegen, Annal. de itrux. 1882. — Bayer, Oesterr. MonatsHchr. 188,1. — C a d 1 o t, Alfort. Archiv. 1884. — Laitat n. C a d ö a c, Cadeac u. Malet, Rev. vet. 1884, 1885. (Mit französ. Literatur.) — Adam, Wochensclir. für Tlilcrlieilk. 1|I86lt; — Plrl, Schrulle, Berl, Archiv, 1885, 1886. — Blaise, Rec. 1880. — G 1 laquo;c k n o r, Oesterr. Verelnazoit-schrift. 1880, — Peuoh, Rev, viit. 1888. — Steel, The vet. jouru. 1888, — Hoffmann, Monatsh. für prakt, Thierheilk. 1880. — P fl n g, Oesterr. Monatsschr. 188Ü. — P r ög o r, Sachs. Jahresbor, 1889, — Rust, Straube, Weinbeor, Zeltachr. für Veleriniirk. 1800, 181)1, 1802. — Zgobokke, Schweiz. Archiv, 1800, — Block, Berl. tbioriirztl. Wochenachr. 1891. — Martin, Woclionscbr. für Thierheilk, 1891, — Schleg, Sachs, Jahresber. 1891. — Maris, Rec. 1892, — Walley, .lourn. of comp, pathol. 1892, 1804. — A s t r ac h a n z o w, N o w 1 k o w, Petersb. Arohiv für Vet. 1893. — U o d-bllle, Rec. Bull. 1893. — Llobl, Schuupp, Wochenachr. für Thierheilk.. 1893, 1894. — Luoet, Rec. 1893. — Ltipkc u. Hoffmann, Report. 1893. — v. O w, Doulscho IhierHrztl. Woohonschr, 1893. — Vaerst, Monatsh. für prakt. Thierheilk. 1893. — Bloye, The vm. 1894. — Sloginund, Am. vet. rev, 1894. — Duchöne u. (Jadcac, Journ. de Lyon. 1895. — Lindqvist, Schwed. Zeit­schrift. 1893. — Mo nod, Rec. Bull. 1895.
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'#9632;':
Krankheiten der Drüsen.
Allgemeines. Die allgemeine Chirurgie der Drüsenkrankheiten
ist in der Tliierlieilkunde insofern von Bedeutung, als gewisse Drüsen, namentlich die Lymphdrüsen und die Milchdrüse, eine Reihe wichtiger Krankheitszustände aufweisen. Unter denselben ist die Entzündung der Drüsen am häutigsten Gegenstand chirurgischer Behandlung. Diese Drüsenentzündungen (Lymphadenitis, Mastitis) können durch sehr ver­schiedenartige Ursachen veranlasst werden und unter sehr verschiedenen Formen verlaufen. Man unterscheidet vom ätiologischen Olesichtspunkte aus traumatische, infectiöse und rheumatische Drüsenent­zündungen. Ausserdem gibt es primäre oder selbstständige, im Gegensatze zu den seeundüren oder symptomatischen, welche nur eine Theilerscheinung einer allgemeinen Krankheit bilden (Lymph­adenitis bei Druse, Rotz, Tuberculose; Mastitis bei Maul- und Klauen­seuche). Je nach der Richtung, von welcher her die Infectionsstoffe in die Drüsen eindringen, unterscheidet man hämatogene, lymph-ogone, galactogene Entzündungen der Milchdrüse u. s. w. Nach dem Verlaufe theilt man die Drüsenentzündungen in acute und chronische. Besonders wichtig ist die Eintheilung nach dem anatomi­schen Charakter der Entzündung. Darnach unterscheidet man parenehy-matöse, interstitielle, eiterige, phlegmonöae, katarrhalische und speeifische Drüsenentzündungen. Die parenehymatösen Ent­zündungen betreffen die eigentliche, secernirendo Drüsensubstanz, die interstitiellen das interglanduläro Bindegewebe, die katarrhalischen die Ausführungsgänge und Sammelvorrichtungen (Milchcysterne) der Drüsen. Im Nachstehenden sollen nur die Entzündungen der zwei für die Chirurgie wichtigsten Drüsen, nämlich der Lymphdrüsen und der Milchdrüse, vom allgemeinen Standpunkte aus kurz besprochen werden.
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Kntzündung der Lymphdrüsen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;279
1. Die Entzündung der Lymphdrüsen. Lymphadenitis.
Ursachen. Die Entzündung der Lymphdrüsen ist in der Regel
infoctiöser Natur. Uic Infectionsstoffe dringen entweder lymphogen, von aussen nach innen durch die Vermittlung der Lympligetasso (vor­ausgehende Lymphangitis) oder hilmatogen, vom Blute her in die Lymphdrüsen ein. Man beobachtet Lymphadeniten am häutigsten im Anschlüsse an inficirte Wunden und bei Phlegmonen. bei Nasen-katarrhen, eiteriger Alveolarperiostitis, Empyem der Kopf höhlen, Pharyngitis u. s. w., ferner in specifischer Form bei Druse, Rotz. Tuberculose, Aktinomykose und Botr yomykose. In anatomischer Beziehung unterscheidet man eine parenchymatöse. interstitiellc und eiterige Lymphadenitis. Nicht selten besteht ferner eine Perilymph-adenitis, d. h, eine Entzündung des Bindegewebes in der Nachbar­schaft der Drüse, welche zu Verwachsung derselben mit der Um­gebung (Unterkiefer) führt. Am häufigsten beobachtet man beim Pferde Lymphadeniten an den Keh Igangslym phdr Ilsen, beim Rinde an den Lymphdrüsen des Kopfes und Halses.
Erscheiiinugcn. a) Die parenchymatöse Lymphadenitis äussert sich in einer meist acut auftretenden Vergrösserung und gering-gradigen Schmcrzhaftigkeit der Drüse, Die Schwellung'wird später entweder resorbirt, oder die parenchymatöse Lymphadenitis verwandelt sich in die eiterige oder chronische Form. Man beobachtet sie am häufigsten als Wundinfectionskrankheit nach Verletzungen sowie nach Schleimhatitkatarrhen.
b)nbsp; Die eiterige Lymphadenitis wird namentlich bei der Druse der Pferde beobachtet. Sie verläuft mit starker Schwellung und Schmerzhaftigkeit sowie mit Fieber; meist kommt es zu Fluctu­ation und Abscedirung der Drüse. Wird der Eiter nicht nach aussen entleert, so dickt er sich ein (Verkäsung), oder es findet eine Resorption ins Blut statt (Pyämie, Scptikämie, Petechiallieber).
c)nbsp; nbsp;Die chronische interstitiellc Lymphadenitis stellt eine schmerzlose, derbe, umschriebene, zuweilen mit der Unterlage verwachsene, und von harten Knoten durchsetzte Drüsenschwellung dar (Rotz, Tuberculose, chronische Katarrhe u. s. w.); vgl. S. 130.
Hehaildlllllg. Während die chronische interstitiellc Lymphadenitis unheilbar ist, und nur zu diagnostischen Zwecken zuweilen die Ex-stirpation der vergrösserton Drüse nöthig wird, behandelt man die eiterigen Entzündungen durch Incision und antiseptische Ausspülung.
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EntzUudung dos Euters.
die parenchymatöscn durch feuchte Wärme, parenchymatüse Injectionon. Kampfer salbe, Jodoformsalbe und andere die Re­sorption befördernde Mittel.
2. Die Entzündung des Euters. Mastitis.
Ul'SJlchoil. Die am häufigsten beim Rinde vorkommende Euterent-zündung is^, gewöhnlifth infeotiösen, seltener traumatischen und rheu­matischen Ursprungs. Die Infection erfolgt galactogen, lympho-gen oder hämatogen. Durch die baeteriologischen Untersuchungen der letzten Jahre sind ausser dem Tuberkelbacillus, Aktinomyces- und Botryomyccspilz eine Anzahl speeifischer Maatitisbacterien nach­gewiesen worden, deren Eintrittstelle gewöhnlich die Zitzenöffnung bildet (galactogene Infection). Die wichtigsten derselben sind:
a)nbsp; Das Bacterium phlegmasiae uberis (Kitt);
b)nbsp; der Streptococcus agalactiac contagiosae (Nocard, Zsohokke);
c)nbsp; der Staphylococcus mastitidis (G uillebeau);
d)nbsp; der ]\[ikrococcus mastitidis gangraenosae (Nocardl;
c) der Galactococcus versicolor, fulvus und albus (Guille-b e a u).
Foi'iiien. 1. Die parenchymatüse Euterentziindung entstellt theils galactogen durch Eindringen der Mastitisbacterien von aussen, theils hämatogen. z. B. im Verlaufe der Maul- und Klauenseuche. Sie führt ZU einer derben, schmerzhaften, fieberhaften Anschwellung und beträchtlichen Vergrösserung des entzündeten Euterviertols. Die abge­molkene Milch ist flockig geronnen, fibrinhaltig, zuweilen gelblich-wässerig, und selbst blutig gefärbt; später hört die Milchseeretion ganz auf. Findet keine Resorption statt, so entwickelt sich entweder eine bleibende entzündliche Hypertrophie des Euters mit starker Ver­grösserung und Induration, oder eine Atrophie mit Schrumpfung und bleibender Verkleinerung des Eutervierlcls. In anderen Fällen bildet sich die eiterige und selbst die gangränöse und nekrotisirende Form der Euterentzündung aus.
2. Die katarrhalische Euterentzündung (Euterkatarrh) localisirt sich namentlich auf die Sehleimhaut des Strichcanals, der Milchcysterne und der Drüsengänge; die Drüse selbst ist im Anfange wenig oder gar nicht geschwollen. Sie ist durch die wässerige, flockige, molkcnälm-liche Beschaffenheit der Milch gekennzeichnet und führt später zu Verhärtung, Stcnosirung und Verstopfung des Zitzcncanals, sowie
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Entzündung des Euters.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 281
zur Bildung bintlegewebigor Scheidewände in der Milclicysterne, was Versiegen der Milch (Agidaktie) und Atrophie des Euterviertels zur Folge hat. In anderen Füllen entsteht beim Uebergreifen der katarrha­lischen Entzündung auf das interstitielle Gewebe chronische Induration mit bleibender Uinfangsvcrmehrung^Fseudohypertrophie) der erkrankten Euterpartien. Zuweilen tritt sie in einer ansteckenden Form auf (gelber Gralt. Agalactia catarrhalis contagiosa).
U. Die phlegmonösc oder acute interstiticllo Euter-entzündung (das entzündliche Euterödem) bildet eine inicctiöse Entzündung der Haut und Unterhaut, sowie des intergiandulnren Binde­gewebes eines Euterviertels, welche eine derbe, diffuse, schmerzhafte, höhcrtempcrirte, fieberhafte Ansohwellnng des betroffenen Euterviertels ohne qualitative Veränderung der Müoh im Anfange der Krankheit bedingt und im Gegensätze zu dem nicht schmerzhaften und nicht hoher temperirten physiologischen .Stauiuigsüdem hochträchtiger Kühe durch Infection von aussen (Traumen) oder innen (Begleiterscheinung parenohymatöser Mastiten) zu Stande kommt. Bei chronischem Verlaufe bleibt eine chronische Induration mit Verödung des erkrankten Euterviertels zurück.
4.nbsp; nbsp;Die chronische interstitielle oder indurirende Eutcr-entzündung besteht in einer entzündlichen Neubildung von Bindegewebe mit Schwund des eigentlichen Euterparenchyms. Sie entwickelt sich entweder selbstständig als schleichende Entzündung während des Trocken­stehens und führt dann allmälig zu einer schmerzlosen, derben, oft sehr erheblichen Vergrüsserung des ganzen Euterviertels mit wässeriger, flockiger Beschaffenheit der Milch. Nicht selten entsteht sie jedoch auch aus einer vorausgegangenen acuten, parenehymatösen. katarrhalischen oder interstitiellen Mastitis; in diesen Fällen ist die häutig knotige Anschwellung im Anfange schmerzhaft.
5.nbsp; nbsp;Die eiterige Euterentzündung, der Euterabscess (Mastitis suppurativa oder apostematosa) entsteht durch umschriebene eiterige Einsohmelzung des Euterparenchyms im Verlaufe der parenehymatösen und katarrhalischen Mastitis. Sie ist durch hohes Fieber, lluctuirende Stellen am Euter sowie eiterige Beschaffenheit der Milch gekennzeichnet und führt zuweilen zur Entstehung von Milcldisteln.
6.nbsp; Die brandige Euterentzündung entsteht namentlich bei Schafen durch die Einwirkung specilischer Mikroorganismen (Mikrocuccus mastitidis gangraenosae), seltener bei Kulten Im Verlaufe schwerer, parenohymatöser Mastiten mit putridem Charakter. Auch im Verlaufe der eiterigen Mastitis kommt es zu Abstossung nekrotischer Gewebs-
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282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Literatur.
tlicile (Sequestration, Mortification oder Mumification des Euters). Die Milch zeigt Liebei eine stinkende, jauchige Beschaffenheit; die nekroti-schen Euterpartien sind verfilrbt und stossen sich ab.
Bezüglich der Tuberculose, Aktinomykose und Botryo-mykose des Euters vgl. S. 129ff.
Ifcliandlimg:. Je nach der Form der EuterentzUndung ist die Behandlung verschieden. Im Allgemeinen ist von Wichtigkeit ein häufiges Ausmelken, die Anwendung antiseptischer Mittel, die möglichst früh­zeitige Incision bei Abscessen, die Entfernung nekrotischer Theile, be­ziehungsweise die Amputation einzelner Euter viertel, die operative Be­handlung der Stenosen- und Wandbildung in den Zitzcncanälen und Milcheysternen. Ausführlicheres vergleiche in den Lehrbüchern der speciellen Chirurgie itnd (Jeburtshilfe.
Literatur.
Kitt, Patbologtsobe Anatomie dor Hausthiere. IBM, Bd. I, S. 282; Deutsche Zeitschr, fllr Thiermcd. 18H5; Moimtsst-hr. für prakt. Thierheilk. 1891. — Franck, Lehrbuch der thierärztl. Geburts­hilfe; Deutsche Zeitpchr. fllr 'i'hicrmed. 1816. — Jsocard uud Mollereau, Kec. Hull. 1891. — ileKs, Guillebeau, Zschukke, Schweiz. Archiv. 18H8; Landwirthschaftl. Jahrbuch der Schweiz. 1890/91, 18Ü3. — Harms, Lehrbuch der thlcrärztl, Geburtshilfe. 181)6.
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Chirurgische Krankheiten der Haut and Schleimhäute.
I. Chirurgische Krankheiten der Haut.
1. Die Hautentzündung. Dermatitis.
Ursachen. Die Ursachen der Hautentzündung sind traumatischer, chemischer, thermischer, infectiöser und speeiflscher Natur (Derma­titis traumatica, caustica, comhustionis, erysipelatosa, suppurativa, malloosa u. s. \v.). Nach Ausdehnung und Verlauf unterscheidet man umschriebene und diffuse, oberflächliche und tiefe, acute und chronische Dermatitcn.
Formen. Von praktischer Bedeutung ist namentlich die Unter­scheidung' der nachstehenden anatomischen Formen der Hautentzttndung:
a)nbsp; nbsp;Die Dermatitis crythematosa oder das llauterythcm besteht in einer entzündlichen Hauthyperämie. Je nach der Ursache unterscheidet man das Erythema traumaticum (Druck, Reibung'), toxicum oder ab aoribus (reizende Chemikalien, z, B. schwarze Seife beim Hunde), c a! or i c u m und solare (Hitze, erster Q rad der Verbrennung, Sonnenwirkung) und exanthematicum (symptomatisches Erythera beim Schweinerothlauf). Das kloine. umschriebene, vereinzelte Urythem wird Macula, das multiple, cxantlieinatischo Roseola benannt. Die entzündliche, active Hauthyperilmio ist nicht zu verwechseln mit der passiven oder Stauungshyperämie (Livedo, Cyanose); sie unterscheidet sich von derselben durch die hello, arterielle Farbe der Uautrüthung.
b)nbsp; nbsp; Die Dermatitis serosa wird bei diffusem Auftreten ent­zündliches Oedem (seröse Infiltration der Cutis) genannt, während die umschriebene Form als Dermatitis bullosa (Blasenbildung unter
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HautentüUnduua.
der Epidermis), beziehungsweise als Urticaria oder Quaddel (um-schriehene seröse Infiltration) bezeichnet wird.
c)nbsp; Die Dermatitis suppurativa ist die Folge einer Infection der Haut mit Eiterbacterien. Sie ist entweder oberflächlich und diffus (eiterige Dermatitis), oder stellt eine umschriebene Eiteransammlung unter der Epidermis dar (Dermatitis pustnlosa, Pustel, Eiter-blase). Die auf die Haarfollikel beschränkte, meist multiple, eiterige Hautentzündung (eiterige Folliculitis) wird Akne und Furunkel be­nannt. Beztlglich der eiterigen Wundinfection vergleiche das Capitel raquo;Wundenlaquo;, S. 19.
d)nbsp; nbsp;Die Dermatitis haemorrhagica tritt symptomatisch beim Milzbrand entweder diffus als hämorrhagisches Oedem oder um­schrieben als Carbunkel auf. Auch auf rein traumatischem Wego (Quetschung) können hämorrhagische Hautentzündungen entstehen, oder wenn zu der einfachen Ilamorrhagie (Petechien, Vibices, Ekcbymosen, Hämatoin. Suffusion) Infeotionsstoffe hinzutreten.
e)nbsp; Die Dermatitis gangraenosa oder die brandige Haut­entzündung (Hautbrand, Nekrose, Gangrän) entsteht nach Verbren­nung und Erfrieren, Verätzung. Anämie, sowie nach Einwirkung be-stimmter Infeotionsstoffe (Kekrosebacillus); vgl, das Capitel raquo;Brandlaquo;, S. 78. Eine ähnliche Form ist die Dermatitis ulcerosa; vgl. das Capitel raquo;Geschwürlaquo;, S. 71.
/') Die Dermatitis chronica hyperplastiea verläuft theils als chronisch indurirende Dermatitis oder Sklerose (Skierodermie, Pachydermie, Elephantiasis, Tylom), theils als Dermatitis verru-cosa (Straubfuss, Igelfuss), theils als squamöse Entzündung (Schwiele, Eczema squamos u m).
Die Behandlung der Hautentzündungen ist eine antiseptische, adstringirende, deckende u. s. w. Bezüglich der Wundon der Haut Vffl. S. Iff.
Akno und Furiniculosis. Mit diesen Namon wird lierkömmlich iliejonige Form der Dennatitis anppuiiitiva bezeichnet, Welche auf die Ilautfollikel beschränkt bleibt (Folliculitis suppurativa). Während die kleineren Knoten Akne lioissen, werden die grösscren, pustelartigen, zur Xekroso des Follikels führenden Knoten Furunkel benannt. Man iindet sie am häufigsten in der Sattel- und Goseliirrlago bei Pferden ('sogenannte Scbwiolentuberkel, Knotcnausscbiag, Knütchenffecbte), sowie auf der flaut des Xasenrückens bei Hunden (Maulkorb, pustulüse Form der Akarusriiude); ausserdem bat man sie beim Kinde (Euter) und Schafe (Baucb) beobachtet. Ihre Behandlung ist eine rein chirurgische (Incision, Auskratzen, Excision). — Im Gegensätze zum Furunkel bildet der Carbunkel eine speeifisebe,
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Verbrennung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;285
durch den Milzbrftndbaclllus erzeugte, hämorrhoglscfa-nekrotisirende, umsohriebene
Entzüiulung der Haut und Schleimhaut.
Ekzem and Exauthem. Das Ekzom stellt eine multiple, durob aus sere Kcizo hervorgerufene Dermatitis mit typischem Verlaufe dar, welche in ver­schiedenen Formen auftritt; Eczema orythematosuin, vesieulosum, papulosum, pustulosum, madidans, crusto.sum, impetiginOBum, squamosum. Chirurgische Ke-dentung besitzt namentlich die als Mauke bezeichnete Hautentzündung in der Fessolbouge des Pferdes, welche je nach dorn Grade der Entzündung bald als Eczema orythomat.osum, madidans, impetiginosum, squamosum u. s. w. aufgefasst weiden kann. Das Exantbem ist ebenlallraquo; eine multiple Hautentzüiubing, bildet jedoch nur ein Symptom innerer Krankheiten, hat somit keine chirurgische Be­deutung (Bläsohenexanthem bei Maul- und Klauenseuche, Pockenexanthem, Exan-thomo bei Scbweinerothlauf, Druse, Hundestaupe u. s. w.). Genaueres über Ekzem und Exantbem vgl. Fried berger und Frobner, Speclellc Pathologie. 4. Aull., 1896, Hd. I, S. 527.
2. Die Verbrennung, Combustio.
Ursachen. Die durch Verbrennung verursaclite Hautentzündung
(Dermatitis combustionis) wird bei den Ilausthioren, das Brennen zu therapeutischen Zwecken ausgenommen, nicht häufig beobachtet. Veranlassung geben bei Pferden und Kindern meist Stallbrände, zu heisse Inhalationen, die Aufnahme heisser Schlempe u. s. w.; bei Hunden und Katzen Verbrühung mit siedendem Wasser oder heisser Milch. Aussei1 der Haut und Hufledcrliaut werden beim Pferde namentlich auch die Schleimhäute des Respiration sap parates in Folge des Ein-athmens der heissen Luft bei Feuersbrünsten verbrannt. Diese ausge­dehnte Verbrennung der Haut und Schleimhaut ist besonders gefährlich.
Ol'Julc. Je nach der Dauer und Intensität der Hitzeeinwirkung unterscheidet man drei Grade der Verbrennung:
o) Der erste Grad äussert sich lediglich durch Hautröthung (Dermatitis combustionis erythematosa), die mit geringgradiger seröser Infiltration verbunden sein kann.
b) Der zweite Grad ist durch die Bildung von Brandblasen charakterisirt (Dermatitis combustionis bullosa), indem sich zwischen Epidermis und Kete Malpighi ein umschriebenes, seröses Exsudat an­sammelt; auf Schleimhäuten entsteht eine croupöse Entzündung.
o) Der dritte Grad besteht in Verschorfung des Gewebes (Dermatitis combustionis cscharotica). wobei die verbrannten Tbeilc FrGhner, Ällgotnelno Chirurgie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; [Q
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Vcrljreninmi'.
nekrotisch absterben (trockener Brand) und später durcli eine liinzn-tretende eiterige, demarkironde Entzündung vom gesunden Gewebe abgelöst werden. Besonders gefährlich ist bei Pferden die Kekrosc der Huflederhaut (Aussohuhen).
Ausser diesen localen Veränderungen beobachtet man nach aus­gedehnten Verbrennungen schwere Allgemeinerkrankung und tödtlieben Ausgang. Die Erfahrungen beim Menschen haben gelehrt, dass der Tod sicher eintritt, wenn mehr als die Ilillfte der Kürper-oberHiiehe. selbst nur in der Form des ersten Grades, verbrannt ist; ausserdem ist meist ein tödtlicher Ausgang zu erwarten, wenn ein Drittel der Körperoberfläche verbrannt ist. Eigene Beobachtungen bei Pferden haben mich gelehrt, dass bei diesen Tbicren schon die Ver­brennung eines Fünftels bis Zehntels der Haut zum tödtlichen Aus­gange unter Auftreten von Ililmoglobimirie genügt, namentlich wenn gleichzeitig die Respirationsschleimhaut durch das Einathmen heisser Luft mitbetroffen wird. Die raquo;Section ergibt in solchen Fällen ausser den Veränderungen auf der Haut fibrinösc Laryngitis, Bronchitis und Pharyn­gitis, Glottis- und Lungenödem) hämorrhagische Gastroenteritis, Hämo-giobinurie, Hämoglobininf'arcte in den Nieren, Ilämorrhagicn in der Milz und im Herzen, sowie parenehymatöse Hepatitis und Myocarditis. Als Todesursache ist offenbar die durch die Verbrennung des Blutes in den Hautcapillareu entstandene Blutzersctzung, beziehungsweise die II iimoglobinämie zu betrachten. Das im Blute plötzlich in grossen Mengen frei circulirende Hämoglobin erzeugt Hämo-gl obinurie, Hämoglobininfarctder Nieren, sowieiliimorrhagien in der Milz und in der Magcndarmschleimhaut mit seeundärer Nekrose (Diphtherie) der letzteren. Neben freiem Hämoglobin entstehen bei der Einwirkung hoher Hitzegrade auf das Blut wahr­scheinlich auch noch andere toxisch wirkende Körper. Man hat in dieser Beziehung besonders auf Stoffe hingewiesen, welche durch die Zersetzung der weissen Blutkörperchen gebildet werden und nach Art des Fibrinfermentea Gerinnung in den Capillaren der inneren Organe mit nachfolgender Nekrose, so namentlich in der Darm-schleimhaut, herbeiführen (Silbermann und Welti). Ausserdem hat man verschiedene bei der Verbrennung der Haut sich bildende chemische Körper (Ammoniak, Pyridinbasen. Blausäure, Ptomaine) in ätiologische Beziehungen ZU dem auffallend rasch nach Verbrennungen eintretenden Tode gebracht. Darnach wäre die Todesursache in diesen Fällen im Wesentlichen eine chemische und der Verbrennungstod als eine Ver­giftung aufzufassen. Die früher als Todesursache angenommene starke
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Erfrieren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;287
Abkühlung des Körpers kann deswegen nicht in Betracht kommen, weil erfahrungsgemäss beim Menschen der Tod auch dann eintritt, wenn die Verbrannten sofort in permanent warme Bilder gelegt werden. Auch eine reflectorische Lfthmung des Nervensystems, besonders des Herzens, ist als Ursache des raschen Verbrennungstodes deshalb unwahr­scheinlich, weil der Tod nicht plötzlich, sondern erst mehrere Stunden, beziehungsweise Tage nachher eintritt. In anderen Fällen ist der Tod auf eine septische Infection des Blutes in Folge Resorption septi­scher Stoffe aus den Brandherden der Haut, Huflcderhaut und Schleim­häute zu beziehen (Septikilmie).
Hchaudlling. Die örtliche Behandlung der Brandwunden ist im Wesentlichen dieselbe, wie die anderer Wunden; bei frischen Ver­brennungen ist womöglich ein aseptischer Verband anzulegen, um den Hinzutritt von Infectionsstofl'en (Eiterbacterien) zu verhindern. Ist be­reits Eiterung eingetreten, dann muss die Asepsis durch die Antisepsis ersetzt werden. Als bestes Antisepticum bei Brandwunden ist der Höllenstein zu empfehlen. Derselbe besitzt ausser seiner stark desinticirenden eine deckende {Silberschorfj und anästhesirende Wirkung; man verwendet ihn in Form einer 5—10% wässerigen Lüsuaig oder Salbe. Sonstige antiseptische Deckmittel sind die Wismuthsalzc. Zink­oxyd, Jodoform u. a. Von älteren Mitteln ist zu nennen das soge­nannte Kalkliniment (Linimentum contra combustiones), eine Mischung gleicher Theile Kalkwasser und Leinöl. Bei schweren Verbrennungen der Extremitäten (Schweif, Obren, Zehenglieder) ist die Amputation angezeigt. — Achnlich wie bei der Verbrennung liegen die Verbältnisse bei der Verätzung.
3. Das Erfrieren. Congelatio.
Gradelaquo; Auch beim Erfrieren unterscheidet man drei (laquo;rado; Röthnng, Blasenbildung (Congelatio bullosa) und Brand (Con­gelatio gangraenosa). Im Gegensatze zu der arteriellen Hyperämie beim ersten Grade der Verbrennung handelt es sich bei der Erfrierungsröthe um eine passive, venöse Stauungshyperämie. Beim dritten Grade der Erfrierung wird meist feuchter Brand beobachtet, im Gegensätze zum trockenen Brand bei der Verbrennung. Der Tod erfolgt nach ausge­dehnter Erfrierung in Folge starken Sinkens der Körpertemperatur; in anderen Fällen entwickeln sich wie bei der Verbrennung tödtliche septische Nachkrankheiten.
lö*
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Erfrieren,
Vorkommen. Die Hausthiere, insbesondere die Pferde, sind im Allgemeinen sehr -widerstandsfähig gegen Kulte (Winterkleid). Am meisten sind der schädlichen Einwirkung der Kälte im Winter aus­gesetzt die Huflederhaut, sowie die Haut der Krone des Fesseis und der Köthe. Im russisch-tUrkischen Kriege (Winter 1877/78) wurde bei den russischen Armeepferden wiederholt eine ähnliche Nekrose der Huflederhaut beobachtet, wie sie bei Verbrennungen vorkommt (Jewsejenko). Besonders widerstandsfähig gegen Kälte scheinen die afrikanischen und arabischen Pferde zu sein. Nach Cadiot zeigten sich im deutsch-französischen Kriege (Winter 1870/71) die afrika­nischen Pferde ausdauernder als die französischen; im Krimkriege (Winter 1854/56) waren die afrikanischen Pferde ebenfalls ausdauernder als die englischen; bei der im Winter 1845/46 ausgeführten franzö­sischen Expedition nach Algerien blieben die afrikanischen Pferde gesund, während 25% der Mannschaften in Folge der Kälte starben. Beim Kind kommt in Dänemark besonders Erfrieren des Serotums vor (Bang).
Die Behandlung erfrorener Gewebe ist dieselbe, wie die ver­brannter.
HlitzKchlag. Von demselben werden besonders grosse Thiere, am häufigsten weidende Rinder sowie Kfllitttrpferde betroffen. In Stallungen worden namentlich die stehenden und die grösseren Thiere betroffen; unter neun Pferden eines Stalles wurden z. B. nur die fünf stehenden erschlagen (Ziegenbein). Die Wirkung des iUitzes ist bald eine die Haut verbrennende, bald die Weich' thoilo mechanisch zerreissende, bald das Nervensystem elektrisch er­schütternde und lähmende, bald eine chemische, die rothen Blut­körperchen zersetzende (Blitzliguren, durch gelöstes, in die Umgebung diffnndirendes Hämoglobin erzeugt). Die Verbrennungen durch den Blitz sind entweder nur oberflächlich (Versengen der Sehutzliaare) oder tief bis in die Musculntur reichend. Bei einem durch Blitzschlag getödtoten Pferde fand sich an der Innenseite beider Vordorschonkel je ein '/jOttt breiter, von der Unterbrust bis zu den Hufen reichender Streifen, auf dem die Ilaare versengt waren; die Unterhaut in der Umgebung der Streifen war stark blutig iniiltrirt (Sachs. Jahresbericht. 1894). Bei einem anderen Pferde blieb nach der Heilung eine Hornnarbe zurück (Müller). Bei schwarzscheckigen Kühen erzeugte der Blitz umschriebene Brandflecke In der Gegend der welssen Haare (Urbain). Eine relativ günstige Prognose besitzen erfahrungsgomäss die sogenannten Blitz­lähmungen.
Eine ähnliche Wirkung wie der Blitz haben starke eiek trische Strome. Bei einem Pi'ordo, das mit dem Leitungsdraht der elektrischen Beleuchtung in BerUhrung gekommen war, trat der Tod blitzartig schnell ein. Die Section ergab
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Hautiidein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
ledlsjlicli Hlutreichthum der Lunge und des Gtahll'US, sowie Erschlatt'ung dos Ilorz-muskols. Ein anderea Pferd zeigte Erstarrung und mehrstündiges Muskelzittern
(Wohevling).
Sonnenstich und Ilitzsehlag liabcn keine chiruiglsclie Uedeutung. Der Sonnenstich ist a.ls eine Erkrankung des Geliirns und verlängerten Markes (Hyperämie, Entzündung, Apoplexie, Lähmung), der Hitzschlag als eine Hypcr-thermie des Körpers (Ueberhitzung, Blutdissolution, Störung der Wiirmeregulining) aufzufassen. Vgl. Genaueres bei Friedberger und Fröhnor, Speciello Patho­logie. 1896, Bd, II, S. 46fi.
II. Chirurgische Krankheiten der Unterhaut.
1. Das Oedem.
Formen. Man vorsteht unter der BezeioLnuag Oedem eine seröse Durelltränkung- des subeutanen Bindegewebes. Je nach den Ursachen unterscheidet man die nachstehenden Arten des Oedems:
n) Das entzündliche Oedein ist als eine seröse Entzündung der Snhcntis und Cntis aufzufassen; es ist deshalb charaktcrisirt durch höhere Temperatur, schmerzhafte Anschwellung, active Hyperämie und starke Spannung der Haut. Als sogenanntes oollaterales Oedem findet man es in der Umgebung eiteriger Knt-ziiiulungsherde (Abscesse). Eine speeifische Form des entzündlichen Oedems ist das maligne Oedem, das hämorrhagischo Oedem (Milzbrand) und der Kausohbrand. Im Gegensatz zu der serösen Entzündung der Subcutis und Cutis beim entzündlichen Oedem stellt die Phlcgmone meist eine eiterige Entzündung der Unterhaut dar (vgl. 8. 21).
i) Das Stauungsödcm entsteht durch hydropischc Infiltration der Subcutis nach Stauung des venösen Blutes oder der Lymphe. Die ödematöso Schwellung ist daher kühl, schmerzlos, mehr oder weniger weich, teigig, zuweilen Fingercindrückc behaltend und zeigt im Gegensatz zu der hellen, arteriellen Röthe des entzünd­lichen Oedems eine blaurothe. cyanotische oder livide Farbe. Man findet es namentlich bei älteren und schlaffen, längere Zeit stehenden Pferden an den Beinen, bei trächtigen Stuten und Kühen am Bauch, Euter und an den llinterschonkoln, bei dauernd gesenkter Kopfhaltung u.s.w. Fine besondere Form des Stauungsödems ist das hydrämische Oedem (Anasarka), welches nach chronischen Herz-, fjiiugen-. Lober-, Nieren- und Blutkrankheiten (Ilvdrämie) beobachtet wird; angeboren
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HiuiteiMphysem.
i
Hndet man dasselbe bei den sogenannten Wasserkülbern (Wassermolen), lieber das M y x ö d e m vgl, S. 9(J.
BellillKlIlllljU;. Die Therapie der einzelnen Oedemformen ist eine wesentlich verschiedene. Beim entzündlichen (Jedem besteht sie in Antisepsis, Hydropathie, in Anwendung von antiphlogistischen Mitteln, Incisionen und Injectionen; beim Ötauungsüdem in Massage, Compression, sowie eventuell innerlicher Eehandlunir.
2. Das Emphysem.
Formen. Man versteht darunter die Ansammlung von Luft im Untcrhautbimlegewobe (Pneuinatose) und unterscheidet zwei Formen: das traumatische und septische Emphysem.
a) Das traumatische Emphysem entsteht entweder nach dem Eindringen der Luft durch äussere Verletzungen der Haut, insbesondere in der Umgebung des Thorax und Halses, oder nach Verletzungen der Rippenwand and Lunge von innen (Husten beim Rind), nach Zer-reissungen des Schlundes, Perforation des Mastdarmes, subeutanen Fracturen der Luftröhrenringe durch Vordringen der Luft von innen nach aussen. Die Ansammlung von Luft in der Subcutis bedingt eine, unter Umständen über den ganzen Rumpf ausgedehnte, weiche, knisternde, puffige, schmerzlose, nicht höher temperirte An­schwellung mit tympanitischem Percussionston oder Olla rnpta, welche den Thieren oft ein ganz unförmliches Aussehen ver­leiht. Die Prognose des traumatischen Emphysems ist im Allgemeinen günstig, indem die Luft meist allmitlig durch die Blut- und Lymph-gefiisse resorbirt, und das Allgemeinbefinden in der Regel nicht gestört wird. Eigenthllmlicherweise findet eine Entzündung des subeutanen Bindegewebes in der Regel nicht statt, obgleich angenommen werden muss, dass mit der Luft auch Infectionsstoffe eindringen. Die Be­handlung besteht in Massage und Compression; häufig ist dieselbe überhaupt überflüssig.
Zraquo;) Das septische Emphysem entstellt durch das Eindringen gaserzeugender Bacterien in die Subcutis, so namentlich des Bacillus phlegmonae emphysematosae (Q-asphlegmone), einer gasbildenden Varietät des Bacterium coli, und anderer Mikroorganismen. Die in der Unter­haut sich ansammelnden Gase bestehen nicht aus Luft, wie beim traumatischen Emphysem, sondern aus Fäulnissgasen (Kohlen­wasserstoff, Schwefelwasserstoff, Wasserstoff, Kohlensäure). Im Gegen­satz zum traumatischen Emphysem findet man an der Haut und
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Krankhoiten der Schlcimhiiuto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;291
Uuterhaut die Erscheinungen der septischen Entzündung, auch ist das Alln'cmeinbetinden häutig schwer altcrirt (Septikälmie). Eine speeifische Form des septischen Emphysems bildet der Kauschbrand.
Die Behandlung des septischen Emphysems besteht in aus­giebigen Incisionen, Entleerung der Gase, gründlicher Dcsiufection der Subcutis. sowie eventuell in Amputation der erkrankten Theilc (Schweif),
Tympanitis. Dio Ansammlung von Luft in Kdrperhöhlon und Hohlorganen (Tympanitis, Meteorismus) hat insofern chirurgische Bedeutung, ais sio zuweilen im Anschluss an Verletzungen entsteht (Pneumothorax nach pei'forirenden Brustwuuden), uml liäutig' operativ durch Function behandelt wird (Tympanitis dos Pansens, Mcteorismus des Darmes). Eine eigeathUmliohe Affection ist die Tympanitis des Luftsaokes bei Fohlen, welche theils durch das Ein­dringen atmosphärischer Luft, theils durch die Entwicklung von Fitulnissgasen verursacht wird. Ausserdem beobachtet man zuweilen Einströmen von Luft in die Bauchhöhle (Castration) und in Venen (Lut'taspiration, vgl. S. 4j.
III. Chirurgische Krankheiten der Schleimhäute.
ElltziiiHlung*. Die Entzündung der Schleimhäute zeigt dieselben Ursachen und Formen, wie die Entzündung der Haut. Chirurgische Bedeutung besitzt namentlich die Entzündung der Maulschleimhaut (Stomatitis), Nasenschleimhaut (Rhinitis), Augensohleimhaut (Con-j unetivitis). Sclilundkopfschleimhaut (Pharyngitis). Scheidenschleim­haut (Vaginitis, Kolpitis), Uterusschlcimhaut (Endometritis), Blasenschleimhaut (Cystitis) und Mastdarmsohleimhaut (Proktitis). Auf den genannten Schleimhäuten werden die nachstehenden Ent­zündungsformen beobachtet:
1.nbsp; nbsp;Die erytlicmatöse Schleimhauteutzüudung;
2.nbsp; die katarrhalische Schleimhautentzündung;
3.nbsp; die eiterige Schleimhautentzündung;
4.nbsp; die aphthöse (vesiculäre, phlyctänuläre) Entzündung;
5.nbsp; die pustulöse Schleimhautentzündung;
6.nbsp; die ulceröse Schleimhautentzündung;
7.nbsp; die croLipüso (fibriuöse, meinbranöse) Schleimiiautontzündung;
8.nbsp; die diphtherische Schleimhauteiitzündung;
9.nbsp; die phleginonöse Scldeimhautentziindung;
10. die chronische hyperplastische (granulöse, polvpösc, cystöse. fibröse, folliculärc u, s. w.) Schleindiauteutzündiing.
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Krankhoiten dor ilnflodorliaut.
Ausserdem gibt es specifische ÖclilcimhautentzUndungcn (aktino-mykotischo, tubcrculüse, rotzige u. s. w,).
Die Behandlung besteht in der Anwendung desinfieirender, adstrinsirender und deckender Mittel.
IV. Chirurgische Krankheiten der Huf­lederhaut.
ElllyiilKlllll^. Die Entzündung der Huf lederhaut (Pododermatitis) stiimnt im Allgemeinen nach Formen und Ursachen mit der Haut­entzündung übercin. Besondere Verhältnisse bedingen jedoch die Un-nacligicbigkeit der bedeckenden Hornkapsel (Huf, Klauen), das Fehlen der Subcutis am Hufbein, dessen Periost die Huf lederhaut gleichzeitig darstellt, sowie die starke Entwicklung des Papillarkörpers und der Retesehicht. Man unterscheidet eine oberflilchliche und parenchv-matöse, eine seröse, eiterige, hämorrhagische (Steingallen) und gangränöse oder nekrotisirende, eine septische (Nageltritt) und aseptische (Ilufrehe). eine chronische productive (Hornsllule, Rehhuf), sowie eine umschriebene und diffuse Pododermatitis. Eine phlcgmonöso Entzündung kommt wegen des Fehlens der Sub­cutis am Hufbein nur an der Krone (subcoronäre Phlegmone), in der Umgebung des Hufknorpels (parachondrale Phlegmone). sowie im Strahlpolster vor (Phlegmone des Strahlpolsters).
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l'J
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A n h a n g.
Angeborene Missbildungen von chir­urgischer Bedeutung.
Allgemeines. Die angeborenen Fttlle von Missbildungen sind bei den Thiercn, soweit sie nicht blos pathologisch-anatomisches, sondern auch praktisch-ohirurgisohes Interesse haben, im Vergleiche zum Menschen deshalb seltener, weil neugeborene Thiere mit erheblichen Missbildungen in der Regel nicht aufgezogen werden. Immerhin bildet auch für den thierärztlichen Chirurgen eine nicht unbedeutende Anzahl angeborener Missbildungen der Gegenstand operativer, beziehungsweise plastisch-operativer Behandlung. Es sind namentlich Anomalien des Gcnital-und Digestionsapparates, des Auges, des Euters, der Haut und der Extremitäten.
Angeborene Missbildungen des Genltalapparates. Bei mton-
liclien Thieren hat zunächst praktische Bedeutung der am häufigsten bei Hengsten (sogenannte Spitzhengste) beobachtete Cryptorchismus, d. h. das Zurückbleiben eines oder beider Hoden in der Bauchhöhle (Cryptorchismus abdominalis) oder im Leistencanal (Cryptorchismus inguinalis). Bezüglich seiner Behandlung vgl. die Operationslehre von Bayer (Bd. I, S. 804). yelterer ist das Fehlen eines (Monorchismus) oder beider Hoden (Anorchismus); in einzelnen Fällen will man beim Pferde das Vorhandensein von drei Hoden (Triorchismus) beob­achtet haben. Eigenthümlioh ist die beim Hunde zuweilen vorkommende Dislocation der Hoden nach vorne, seitlich von der Ruthe; dieselbe scheint eine Prädisposition zur Entwicklung von Neubildungen im Hoden zu bedingen. Ausserdem findet man angeborene Spaltbildungen der Harnröhre in der Weise, dass dieselbe nicht einen geschlossenen. vorne am Penis mündenden ('anal bildet, sondern eine oben (Epispadie) oder unten am Schlauche (Hypospadie). ja selbst am Scrotum und
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Angeborene Missbildimgen.
Perineum mündende Halbröhre oder Fistel. Auch eine angeborene Ver­engerung' der Vorhaut (Phimosis) kommt zuweilen vor. Nicht selten beobachtet man bei neugeborenen Fohlen ein Offenbleiben des Uraclius mit anhaltendem Abtröpfeln des Harns aus demselben (Urachusfistcl, Uraclius patens); auch Urachuscystcn, Ektopie der Harnblase beim Vorhandensein einer Harnblasen- oder Bauchblasenspalte, sowie Ilarnblasendivertikel nach Verschluss der abführenden Harnwege sind mehrfach beschrieben worden.
Bei weiblichen Thieren beobachtet man zuweilen angeborene Eierstockscystcn, angeborenen Verschluss der Scheide (Atresia. vaginae), abnorm starke Entwicklung des Hymens, Fehlen oder unvollständige Entwicklung des Uterus. Endlich kommt die Bildung von Zwittern (Hermaphroditismus) und Scheinzwittern (Psendobermaphroditismus) vor.
Angeborene Missbibluiig'en des Digestionsappai'ates. Spalt-biklung der Lippen und Zwischonkieferknochen (Hasenscharte, Labiura leporinum) sowie des Gaumens (Gaumenspalte, Wolfs­rachen, Palatoschisis) wird namentlich bei jungen Hunden und Fohlen angetroffen. Sie sind jedoch ziemlich selten; ich habe beispielsweise unter 70.000 kranken Hunden nur drei Fülle von Gaumenspalte und nur einen Fall von Hasenscharte beobachtet. An den Kiefern wird namentlich beim Pferde entweder eine Verlängerung mit Vorstehen (Prognathie) oder eine Verkürzung mit Zurückstehen (Brachygn athio) nicht selten als Ursache des sogenannten Hecht- und Karpfengebisses festgestellt. Auch zahlreiche Zahnanomalien sind angeboren, so insbesondere die zu Scherengebiss disponirende zu enge Stellung der Zabnreihen im Unterkiefer, die Persistenz der Milchschneidezähne, das Vorkommen von Ucberzähnen (Polyodontie) und von Hakenzähnen bei Stuten. Erwähncnswerth sind ferner die angeborenen Erweiterungen desLuft-sackes bei Fohlen, welche zu Luftsackkatarrh Veranlassung geben sollen, die unter Petheiligung der zweiten Kiemenspalte gebildeten ange­be )renen S c h 1 u n d d i v e r t i k e 1 bei P ferden, die angeborenen H c r n i e n bei Pferden, Hunden und Schweinen, welche in Form von Nabel­brüchen, Leistenbrüchen und Mittelfleischbrüchen auftreten. Die Mittel-ficischbrüche (Hernia vesicalis, Cystoeele) werden bei männlichen Hunden durch eine Ausstülpung der Excavatio recto-vesicalis, bei weibliehen der Excavatio vesico-uterina bedingt. Endlich hat man angeborene Verwachsungen des Afters und Mastdarms (Atresia ani, Atresia reoti) bei Hunden und Schweinen festgestellt.
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Angeborene Missbildungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 295
Angeborene Missbildungen am Auge. Eine bei Hunden nncl Kälbern verhältnissmässig niclit seltene, auch bei Pferden, Schafen und Sehweinen constatirto angeborene Anomalie ist das Dermoid der Cornea, eine kegelförmige Fortsetzung der Haut auf die Cornea im äusseren Augenwinkel; Schindelka hat 29 eigene und fremde Fälle, darunter neun beim Rinde, acht beim Hunde zusammengestellt; ich selber habe 14 Fälle beim Hunde beobachtet, beziehungsweise operirt. Nicht selten sind forner bei Hunden und Pferden Colobome, d. h. angeborene Spaltbildungen und Defecte der Iris und Chorioidea, die angeborene Kataraktbildung (Cataracta congenita) und Xetzhaut-atrophie (Amaurosis), die Hypertrophie der Traubenkörner beim Pferde, der angeborene Verschluas der Lidspalte beim Hunde (Atresia palpobraruin congenita), die angeborene Atrophie des ganzen Auges bei Hunden und Fohlen (Mikrophthal m us), das Zurückbleiben von Rosten der Pupillarmeinbran (Membrana pupil-laris perseverans) sowie der Glaskörperarterie (Arteria byaloidea persistens), endlich die Atresie des Thränencanals an seiner unteren, nasalen Oeifiuing.
Angeborene Missbildnngen am Euter. Eine angeborene Klein­heit eines oder mehrerer Euterviertel im Vergleiche zu den übrigen (Mikromastie) wird nicht seltoft bei Kühen angetroffen. Den Gegen­satz biezu bildet die abnorm starke Entwicklung der Milchdrüse (Makromastie) bei männlichen Thieren, insbesonders bei Ziegenböcken. Seltener ist das gänzliche Fehlen der Mamma bei weiblichen Thieren (Aplasie oder Hypoplasio des Euters). Ein angeborener Vcrschluss (Atresie) der Zitzenöffnungen ist vereinzelt bei Kühen beobachtet worden.
Angeborene Missltiklmigen der Haut. Aussei- Dermoidoysten
in der Haut und Unterbaut (beim Hunde zum Theil unter dem Hilde einer multiplen Furunkulose auftretend) kommt zuweilen bei Pferden, Rindern und Ziegen eine angeborene Kahlheit (Atrichie, Alopocie) vor; auch das Gegentheil, eine abnorm starke Behaarung (Hyper-trichosis) tritt bei Pferden an der Mähne und am Schweife auf. Eine bei erwachsenen Hunden sehr häufige Abnormität ist das übormässige Wachsthum der Krallen, namentlich der Afterkrallen (Hvperonychie) mit starker Krümmung (Onychogry phosis) und Einwachsen in die Haut (Paronychie); nach meinen Erfahrungen ist etwa ein Procent aller kranken Hunde (540 Fälle unter 70.0U0) damit behaftet. Eine
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29(5
Angeborene MlBsblldungen.
I
Hl
ähnlicho Abnormitttt, die zuweilen auch angeboren ist, bildet die soge­nannte llornsäule Ijeiin Pferde.
Angeborene Misslnldmigen des Skelets und der Gliedmassen.
Abnorme Kleinheit dos ganzen Skelets. zum Theil in Folge totaler Rachitis, wird als Zwergbildung (Mikrosomie oder Akromikrie). das Gegen theil, die übenniissige Entwicklung der Gliedmassen als Akromegalie, Leontiasis ossea u. s. w. bezeichnet. Eine überzählige Bildung ganzer Extremitilten (Polymelie) wird bei den Hausthieren seltener als die überzählige Bildung von Zehen und Klauen (Poly-daktylio) beobachtet; die letztere Missbildung ist an den Vorderfiissen bei Schweinen, sowie an der Innenfläche des Metacarpus beim Pferde mehrfach bcachrieben worden. Dasselbe gilt für das Zusammenwachsen beider Klauen zu einer einzigen (Syndaktylie) beim Schweine. Auch das Fehlen ganzer Extremitäten (Amelie) oder einzelner Zehen (Pero-dactylus) ist bei neugeborenen Thieren beobachtet worden. Endlich findet man zuweilen angeborene .Spaitbiidung der Schädelknochen (Cranioschisis) und des Rückenmarks (Spina bifida), erstere zu­weilen mit Aussackung des Gehirns verbunden (Encephalocele), sowie angeborene Verbiejrunffen der Halswirbelsäule bei Pferden.
Angeborene Missltildimgen des Respirationssipparates. Eine abnorme Vergrösserung der Conchen bedingt zuweilen bei Fohlen Athembesohwerde und chronischen Nasenkatarrh. Ausserdem kommen an der Trachea angeborene Deformitäten in Form von Verengerung, Erweiterung, säbelsoheidenäbnlicber Abplattung. Aufrollung und spiraliger Drehung vor. Sehr häufig ist bei jungen Hunden angeborener Kropf.
Endlich sind als angeborene Missbildungen von Bedeutung die sogenannte Ohrfistel (vgl. S. 126) und die angeborene Taubheit; die letztere habe ich als zweifellos vererbliches Leiden namentlich bei Dalmatiner Doggen mehrmals festgestellt.
Literatur.
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REGISTER.
A.
Abdrehen 12,
Abnorme Fragilitiit 1G0.
Abnorme Gnmulation 16.
Abscess 08.
Accideutellc Wundkrankhciton 18.
Actinomykom 127.
Acupressur 12.
Adenom 128,
Aegagropili 14;i.
Akne 284.
Akromegalie 11)4, 296.
Akromikrie 194, 296.
Aktinomyces 127.
Aktinomykom 127.
Aktinomykose 127.
Äloötinctur 46.
Alopeole 295.
Aneurysrna 267.
Angeborene Missbildungcn 293.
Angiom 104.
Angiosarkom 107.
Ankyloso 172, 217.
Anorohismus 293.
Antisoptische Wundbehandlung 41.
Anrteniinourysma 268.
Aplasle des Euters 295.
A rterienent/.iindimg 266.
Arterienerweiterung 267.
Arteriitis 206, Arteriosklerosc 266. Arthritis ^02.
—nbsp; deformans 205.
—nbsp; nbsp;granulosa 208.
—nbsp; nbsp;pannosa 207.
—nbsp; purulenta 204.
—nbsp; pyaemica 209.
—nbsp; nbsp;serosa 2013.
—nbsp; nbsp;sicca 207.
—nbsp; urioa 210.
Aseptische Wundbehandlung 212.
Atherom 125.
Atherom der Gelasse 266.
Atresio 82. 294.
Atrlohle 295.
Atrophie 81.
B.
Bacillus pyocyaneus 20. Baoterien des Eiters 19. Balggesohwulst 125. BeinhauteutzUnduug 186. Bezoare 143.
BlndesubstanzgesohwUlste 82. Bisswunden 6. Blaseusteine 141. Blitzsohlag 288. Blutcysten 125. Bluterkrankheit 13. Ulutextravasat 62. Blutstillung 9.
lilntsclnvamm 104. BorsHure 45. liotryomyces 132. liotryomykom 132. üraelivanatliio 294. Brand 77. Brennen 12. Bruch 150. liursitis 242.
Callus 171. Calomel 46. Campher 45. ('arl)olsäuro 44. Carbnukel 283. Carolnom 112.
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298
Begister,
Caries 77, 192, Caro Inxuriiins 16. (elliilarthoorie GO. ('hemutroiiisimis 59. Chlonvussov 'lö. Clildiziuk 46. Chondroide 144. Chondrom 100. Clavua 124. Cloake 193.
Coenurus cerebralis 148. Colobotn 295. Combustio 285. Coinniinutivbrucli 161. (Ioiii]ilieirter Bruch 160.
Compression 12. Conoremeute 141.
Coiulyiom 181.
Congelatlo 287.
Conquassationsfraotar IGl.
Contusion 61, 217.
Cornn outoneum 124.
Corpora libera 144, 821.
Corpora orv/.oidca 144, 221,
Cranioseliisis 296.
Creolin 14,
('ruralislälmiuiig 262,
('rvptori'hisin us 291!.
Cyanoso 282,
Cylindrom 107.
Cyste 124.
Cystloercus cellulosae 148.
Kiter 20,
Eiterbaeterien 19, Kitorcoccen 19, Eiterung 19.
Ekehondrose 100. Ekchvnioso 02, Ektasie 88.
Ektopio der Harnblase 294. Ekzem 284.
Elektrische Wirkung 288. Elephantiasis 95. Embolio 273. Emigration 59. Emphysom 290. Encliondrom 100. Endarteriitis 266. Endotheliom 107. Enostomo 101. Entzündung 59. Epispadie 293. Kpithelialo (jiewächso 85. Kpitheliom 124. Erfrieren 287. Erucicliungscvsten 125. Erysipel 34,
Esinarch'scher Schlauch 12. Essigsaure Thonordo 45. Euteraktinomykoso 1 29. Euterbotryomykoso 132. Euterentziindung 280.
Eutertuberoulose ISOlaquo;
Exanthem 284, Exfoliation 193,
Exostosen 101, 187. Exsudate 62. Exsudationscyste 125. Extravasat 52. Extravasationscyste 125.
F.
Eaeialislährnung 262, Fäulnissbacterion 29. Falsches Gelenk 173. Farein d'Afrique 276, Farein du Uoeuf 276. Fascien 247, 258. Faseiennekrose 258. Fascienzorreissuug 260, Foigwarzo 121. Fettgesclnvulst 96, Fibroblaston 14. Fibrom 91. Fieber 26.
Filaria cincinnata 148. Filaria lacrynialis 148. Filaria papillosa 148. Fissur 181. Fistel 78. Fohlenlähmo 209.
I).
Dannstcino 142
Deoubitns 78.
Deformtrende Arthritis 205.
])('])ression 161.
Dermatitis 28;!.
Dermatol 46.
Dormoid dor Cornea 295.
Donnoidcyhto 126.
Desmoide Gewttohse 84.
Diastase 161.
Digitalcompressiou 12.
Dilatation 83.
Diphtherie der Wunden 40.
Dislocation der Hruchenden 161.
Distorsion 215.
Divcrtiliol 88.
Druokbrand 78.
Drüsenentzündung 278.
E.
Kburneatio 104. Eingeweidebruol) 150, Einkeilung 161.
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Register,
299
Follioulitia 288, I'ormiilin 46. Fraoturen 157, Fragilitas ossium 15!). Freie Körper 144, 221. Fremdkörper 144. Fungus 208. Fungus liiicmatotles 104. Funloulitis 188, Furunonlosis 284.
G.
Gallen 239. (ianirrän 77.
Gangraena nosocomialis 40. Qasgangrän 77. Qaspblegmoue 22. Qaumeuspalte 294. Qefttssgesohwulst 104. Qeffissruptur 271. Gelenkoaries 208. Gelenkoontrttctur 218. Qelenkenpyem 204. Gclonkenl/.iindung 202. Gelenkbydropa 803. QelenkkOrper 221. GolcnUUraiikhoiten 201. Gelenkmäuse 144, 221. Golenkrhciimatismus 208. (lelenksgalle 203. Gelenksteiflgkeit 217. Gülenkverstiuichung 215. Gelenkzotten 201. Genuine Cyste I2C. Geschwür 71. Geschwülste 84. Gicht 210. Granulation 15. Gregarinen 254. GrUtzbreigesohwulst 125. (ivpsvorband 175.
H.
Uaarbiille 148,
liiiiiiangiom 104.
Iliiiuatom 52.
Uttmoglobinttmie nach Verbrennung 287.
ll.'iiuojihilie 18,
lljimorrhoiden 274.
Hahnentritt 260.
Harnsteine 141. Hasenscharte 294.
Hautentzündung 282. llauthorn 124. Hautkrankheiten 282. Heilung per primtun 13.
—nbsp; nbsp;— soeundam 15.
—nbsp; nbsp;—#9632; tertiam 15.
Heilung unter dorn Schorfe 16. llormaphroditismus 294. Hernie 160,
Hiebwunden 4. Ilistioido Geschwülste 84. Hitzschlag 289. Hillen stein 45. Holzzunge izT. Honiggesehwulst 125. Hornnarbe 17.
Ilornsäule 124,
Hospitalbrand 40.
Hutlederhauteutziindung 291. liydrocole 245.
llydrops der Sehnenscheiden 239. Hygrora der Schlelmbeutel 243. Hygrom der Sehnenscheiden 239. Hyperonychie 295, Hyperostosen 101. Hypoderma bovis 148. Hypoplasie des Euters 295. Hypospadle 29.:i. llystricismus 124.
iclithyosis 124.
Idiopathische Fraoturen 159. Impression 161. Inaotlvittttsatrophie 81, Infectitise Geschwülste 127. Infraction 161, luterstltielle Myositis 253, luvagination 155. Inversion 155. Jodoform 44.
Irrigation, permanente 47,
K.
Kalium permanganicum
15,
Kcloid 94, Keratom 124. Koratosis 124. Knoohouatrophie 194. Knochenbildung 157. Knochenbrüche 157. Knochencallus 171.
Knoohenoaries 192.
189.
Knochenentzllndung 186,
Knochenflstel 193. Knoobengeschwulst 101. Knoobenhautentzündung 186. Knochenhyportrophic 192. Knochenkran khoiten 157. Knoehenmarkentziindung 190 Knochennckrose 192. Knocheuwachsthum 157. Knochenwunden 17.
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800
liegister.
Knorpelgesclnvulst 100.
Knorpelwunden 18. Krebs 112. Kresol 44. Kystom 124.
L.
Laliimn Icporinum 294. Lelomyora 102. Leontiasis 194. Ligatur 11. Lipom 96. Llpomasio 258. Livcdo 282. Luxation 210. Lymphadenitis 279. Lympbanglektasie 276. Lyiiijiliaugioiii 104. Lymphangitis 27.quot;). Lymphoyste 270. LympbdrUsenentzttndung 279. Lymphextravasat 66, 276. Lymphfistel 276. LymphgefttssentzUndung 275. Lynphom 106. Lymphosarkom 106, 109. Lvsoi 44.
Muskelkrankheiten 247, Muskelluxatlon 257. Muskelrlioumatismus 251. Muskelschwund 257. Muskelwunden 17. Muskelzerreissung 255. Myom 102. Myositis 250. Myxödem 99.
Myxom 98.
N.
Narbe 15.
Xarbeneontractur 17. Narbcnhvpertroidiie 17. Narbenkeloid 17, 94. Nekroso 77. Xckrosebaeillus 79. Nervenentzündung 263. Nervengeschwulst 103. Nervenkrankheiten 261. Nervenlälimuug 18. Nervenwiinden 216. Neuritis 263. Neurom 103. Neurotomie 264.
0.
Obliteration 82, 272. Oedem, entzündliches 289. Ocdem, malignes 37. Oedembaclilen 37. Oestrus bovis 148. Qnyohogrypbosis 295. Onyohom 124. lt; raquo;rganoido Gesclnvülste 85. Ossiflcirende Myositis 253. — Periostitis 186. Osteoblasten 157. Ostcoklaston 158, Ostoom 101. Osteomalacie 195. Qsteomyolitls 190. Osteophyten 101. Osteoporoso 194, Ostcopsatbyrosis 159. Osteosarkom 101. Osteosklerose 189, 194. Ostitis 189.
31.
Macula 282. Makrodaktylle 194. Makromastie 295,
.Malignes Lyinphoin 100.
Malignes Oedem 37.
Massage 67.
Mastitis 280.
Melanom 108.
Melanosarkom 108, 110.
Melioeris 125.
Membrana pupiilaris pcrsovcrans 295.
Mesarteriitis 266.
.Meteorismus 291.
Mierococcus ascofbrmans 132.
Milohsteine 143.
Mikroniastio 29o.
Mikrophthalmus 295.
Mikrosomle 296.
Milzbrand 41.
Missbililungen 293.
Monoplegle 261.
Monorcliismus 293.
Mortification 77.
Mures artieulorum 221.
Muskelatrophie 257.
Muskelentziindnng 250. Muskelgeschwulst 102. Muskelhypertrophie 258.
Paohydermie 95. Palatoschisis 294. Panarltlnm 25. Papillom 121. Paralyse 261.
i
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Register.
301
Paraplegie 201.
Parese 261.
Paronychio 295.
Pcntastomum taonioides 148.
Poriartoriitis 266.
Poiiarthritis 202, 210.
Periostitis 186.
Permanente Irrigation 47.
Phagodäna 77.
Phimosis 294.
Phlebektasie 274.
Phlebitis 273.
Phlcliolithcn 275.
Phlegmone 21.
Phosplior bei Knoclienbrüchen 173.
Phytobezoare 143,
Pneumatoso 290.
Pododermatitre 292.
Podotrochlitis 243.
Polyarthritis 202.
Polydaktylie 296.
Polymelio 296.
Polyodontie 294.
Polypen 92.
Prognathie 294.
Prolapsus 154.
Proteus 29.
Pscudarthrose 173.
Psoudoliermapliroditismus 294.
Psoudolcukämiü 106.
Psorosponnien 148, 254.
Ptomaine 31.
Pus bonurn 20.
Pustel 283.
Putrescenz 77.
Pyäniie 33.
P.vocyanin 20.
Pyoktanin 45.
Q.
Quaddel 283. Quetschung 61, 217. Quetschwunden 5.
R.
Kaohitls 195.
Kadialislähmung 262.
Kankenangiom 104.
lianula 125.
Kausehbrand 40.
Beposltlon der Knochenbrtlohe 175.
Retention der KnoobenbrUohe 175.
Ketentionsi'vste 125.
Khalidomyom 102.
Bhinosklerom 95.
]{iesonzcllcnsarkom 107.
Bisswunden 6. Roseola 282.
Roth lauf 34. Kot/, 40.
Kundzellon sarkom Ruptur 56.
107.
s.
Salicylsäuro 45.
Samcnstranglistel 133.
Baprttmie 29.
Saprophyten 29.
Sarkom 106.
Sarkosporidleu 148, 254.
Schloimheutclentzündung 242.
.Schloimdegcneratiou der Muscheln 98.
Schlelmgesohwulst 98.
SchleiinhautentzüiKlung 291.
Schnittwunden 4.
Schorf, Heilung unter 10.
Sohusswunden 6.
Schwiele 124.
Schwund 81,
Sehnenentziindung 229.
Sehnenkrankheiten 224.
Sehnenluxation 236.
Sohnennckrose 236.
Sehnenscheidenentzündung 237.
Selmensclicidongullen 239.
Sclmenstelzfuss 219.
Solinonwunden 17.
Sehnenzcrroissung 234.
Septikämie 28.
Septikopyttmie 33.
Septische Phlegmone 22.
Sequester 77, 198.
Sequestration 193.
Sklerodermie 95, Sonnenstich 289. Spcichelsteine 143. Sphacelus 77. Spina bifida 296. Spina ventnaa 128. Spindelzollonsarkom 107. Splroptera sanguinolenta 148. Splitterbrucli 161. Spontane Knocheubrilohe 159. Staphylococcen 19. Starrkrampf 38. Stauungsodom 289. Stclzfuss 218. Stenose 82. Stichwundon 6, Strahlenpilz 127. Stroptococccn 19. Strongylus arniatus 148. Sublimat 44. Subperioatale Praotnr 161.
SulVusion 62. Suggilation 52.
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302
Register.
Svndaktylie 296. iSynostose 172. Synovitis 202.
Varix 274.
Venenentzündung 273. Venenerweiterung 274. Verband 46. Verbrennung 285. Vergiftete Wunden 6. Vernarbung 15. Verrenkung 210. Verruca 121. Verstauchung 215. Vorfall 154. Vorhautsteine 144.
T.
Teleangicktasie 104.
Tendinitis 229.
Tendovnginitis 237.
Teratoido (feschwiilste 8Ü.
Tetanus .'iH.
Tetamisljacillen 39.
Tlieer 45.
Tlnoform 45.
Tournit|uet 12.
Toxine 31.
Transplantation 48.
Trigeminuslälimung 2Ü2.
Triorclnsmus 293.
Thrombose der Sehenkelarterien 269.
Thrombus 10.
Tulicrculose 135.
Tumor albus 208.
Tumor cavornosus 104.
Tumoren 84.
Tylom 96, 124.
Tympanitis 291.
u.
Ueberbeino 101, 187. Ulccration 71. Ulons 71. I'mstechung 12. Unterbindung 11. Urachuseyste 294. Urachusfistcl 294. Urticaria 283. Usur 194.
w.
Warze 121. Wildseuche 41. Wisrnutlisalze 45. Wolfsrachen 294, Wundbehandlung 41, Wunddiphtherie 40. Wundon 1. Wundfleber 26. Wundheilung 13. Wundinfectionskrankheiten 18. Wundkrankheiten 18. Wundverband 4G. Wuth 40.
z.
Zahnanomalien 294. Zellgcwebsentzümlung 21. Zerreissuug 56. Zuckfusa ü60.
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s
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