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MOLL Ulis LEHRBUCH
DEB
CHIRURGIE
PUB
THIERÄRZTE
BEARBEITET VON
Dr. H. MOLLER, undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; H. FRICK,
vorm. Prolessov an der Tbierttrztl. Boohsohuldnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Professor hu ilev Thievilrztl Hochscluile
in Berlinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in Ihinnovcr
'/. WE I BÄNDM.
I. BA-ISTD:
ALLGEMEINE CHIRURGHE UNI) OPERATIONSLEHRE.
ZWEITE, VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUFLAGE.
STUTTGART. VERLAG VON FERDINAND ENKB.
1899,
BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 519 7
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MÖLLER's LEHRBUCH
DEB
ALLGEMEINEN CHIRURGIE
UND
OPERATIONSLBHRE
FÜR THIERÄRZTE
BEARBEITET VON
Dr. II. MOLLER, und
II. FRICK,
vorm. Professoi' au der Thicrarztl Hoolisohnlenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Professor an dar Thiciiiiv.tl, Hodisohiile
in Berlinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;in Hannover
MIT 158 IN DEN TEXT GEDRUCKTEN ABBILDUNGEN.
ZWEITE, VERMEHRTE UND VERBESSERTE AUELAGE,
BibUotiwk lt;ict IflMttnlTersitdt te Utrecht
STUTTGART. V ElRL A Q \' lt;) N V B R I) I X A XI) E X K E,
1809.
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Druck der Dnlon Deutsoha Vorlftgsgasellsohaft In atuttgart,
-
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Vorwort zur zweiten Auflage.
UtT vorliegenden Auflage sind gleich wie der ersten die Ergeb­nisse der Wissenschaft liehen Forschung und der Praxis zu Grunde ge­legt. Die Fortschritte, welche nach letzterer Richtung seit dem Er­scheinen der ersten Auflage gemacht wurden, und die Fülle des gewonnenen Materials Hessen es wünschenswerth erscheinen, die Be­arbeitung einer neuen Auflage dieses Werkes durch mehr als einen Autor zu bewirken. Wir haben daher eine Theilung der Arbeit in der Weise vorgenommen, dass der eine (Möller) die chirurgischen Krankheiten der Gewebe und die allgemeine Operationslehre übernahm, der andere (Frick) die chirurgischen Erkrankungsformen (Entzündung, Wunden u. s. w.) sowie die Geschwülstlaquo;! bearbeitete. Diese Arbeits-theilung hat den Vortheil. dass eine mehr specialistische Behandlung des Stoffes erfolgte, und einseitige persönliche Anschauungen nicht in den Vordergrund treten konnten. Unser langjähriges Zusammen­arbeiten ermöglichte es, das Werk dem Wesen nach einheitlich zu gestalten, und wir glauben, dass der Werth desselben durch diese Arbeitstheilung zum Mindesten nicht gelitten hat.
Wir haben uns bemüht, die Ergebnisse der experimentellen Untersuchungen möglichst umfangreich zu verwerthen und auch die Erfahrungen der Praxis dem Rahmen des Werkes einzufügen. Wenn sich in Bezug auf pathologische Anatomie Lücken linden sollten, so dürfte zu bedenken sein, dass daran allein der Mangel dahin zielender Untersuchungen die Schuld trägt. Soweit uns chirurgisch-pathologische Arbeiten zugänglich waren, oder wir selbst über entsprechendes Material verfügten, haben wir solche benutzt. Dabei war es nicht zu umgehen, dass besonders in Folge der Fortschritte auf dem Gebiete der Bakterio­logie wesentliche Aenderungen und Ergänzungen nöthig wurden. Aber
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Vi
Vorwort zur /.wciteu Auflagfl.
auch aii^ praktischen ßrtlnden erschien es uns zweckmamp;ssig, manche Kupitol gänzlich umzugestalten.
Abgesehen von vielfachen Aenderungen in der Anordnung dos Stoffes ist ein Kapitel über die chronische Entzündung ueu hinzu­gefügt worden, wobei iiucli die Aktinomykose, Botryiuuykose und Tuberkulose, welche auf speciflsoher Basis beruhen, Besprechung ge­funden haben. Die beiden ersteren Krankheiten sind damit aus dem Kapitel über die Geschwülste, wo sie früher abgehandelt waren, aus­geschieden worden. Letzteres war bei dem augenblicklichen Stande unserer Kenntnisse über das Wesen der genannten Krankbeilen durchaus noting.
In dem Kapitel über die Geschwülste erschien es geboten, die casuistisohen Mittheilungen aus dem Texte herauszunehmen. Diese würden zusammen mit den in der Literatur seither veröffentlichten einschlägigen Beobachtungen einen zu breiten Raum beansprucht und die Uebersichtlichkeit beeinträchtigt haben. Es wurde daher der Casuistik nur insoweit. Rechnung getragen, als sie zur Aufstellung der Fundorte jeder Geschwulstart, benutzt ist. und diese Fundorte den einzelnen Geschwulstarten vorangestellt sind.
Bei dieser theilweisen Umarbeitung war unser Bestreben darauf gerichtet, den Stoff möglichst erschöpfend zu behandeln, ohne den Umfang des Werkes bedeutend zu vergrössern. Auch haben uns bei der Bearbeitung nicht nur rein wissenschaftliche Gesichtspunkte ge­leitet, sondern wir waren auch bemüht, den Forderungen der Praxis nach Kräften gerecht zu werden.
Möge sich auch diese Auflage in gleichem Masse als Lehrbuch für Studirende und als Rathgeber für den Praktiker bewähren.
Berlin und Hannover, im Februar 185*9.
Möller. Frick.
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InhaltsTerzeichniss.
Allgemeine Chirurgie.
Seite
Vorwort.................. .....nbsp; nbsp; nbsp; V
I. Einleitung und kurzer A brise der Gtesohichte derVeterinär-
Chirurgie .....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
11. Entzttndung....................nbsp; nbsp; nbsp;17
A. Aoute Bntztindung.................nbsp; nbsp; nbsp;17
li. Ohronisohe Entzündung................nbsp; nbsp; nbsp;54
0.nbsp; Chronische Infeotionskrankheiten............nbsp; nbsp; nbsp;03
1. Aktinomykose..................nbsp; nbsp; nbsp;04
1. Botryomykose..................nbsp; nbsp; nbsp;09
III.nbsp; Verletzungen dor Weicht heile............nbsp; nbsp; nbsp;70
A.nbsp; Wunden, ihre Eüntheilung, Erscheinungen, Blutstillung und Hei-lungsvorgftnge...................nbsp; nbsp; nbsp;70
B.nbsp; Die antiseptisohe Wundbehandlung...........nbsp; nbsp; 108
Asepsis....................nbsp; nbsp; 112
Antisepsis...................nbsp; nbsp; 118
('. .Störungen in dm Wandheilung.............nbsp; nbsp; 141
1.nbsp; Anomalien der Granulation und Benarbnng.......nbsp; nbsp; 141
2.nbsp; Eiterung und Entzündung der Wunden........nbsp; nbsp; 140
3.nbsp; Erysipelas und Phlegmone.............nbsp; nbsp; 154
4.nbsp; Wundfleber, Septikämie, Pyämie und Starrkrampf ....nbsp; nbsp; 166
5.nbsp; Stichwunden, (Quetschwunden, Riss-, Biss- und Schusswunden .nbsp; nbsp; 194
6.nbsp; Allgemeine Regeln der Wundbehandlung........nbsp; nbsp; 208
I). Subcutane Verletzungen der Welohtheile.........nbsp; nbsp; 211
1,nbsp; Dehnung, Zerrung und Zerreissung der Weiohtheile ....nbsp; nbsp; 211
2.nbsp; Quetschung (Oontusio)...............nbsp; nbsp; 215
IV.nbsp; Brand, CTesohwüre, Fisteln..............nbsp; nbsp; 228
V. Krankheiten der Muskeln und Seimen.........nbsp; nbsp; 242
1.nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln...............nbsp; nbsp; 242
2.nbsp; nbsp;Krankheiten der Sehnen...............nbsp; nbsp; 251
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Seite
VJ. Krankbeiton der Nerven...............265
VII. Krankheiten der öelenke..............201
1.nbsp; nbsp;Waobstbumstörungen der Gelenke............292
2.nbsp; Wunden und Qaetsohungen der Gelenke.........294
8. Gelenkentzündung..................299
4.nbsp; Arthritis ohronioa deformans..............nbsp; nbsp; 817
5,nbsp; Uorpora libra b, Mures artioulorum (Gelenkmiluee)......nbsp; nbsp; 321
G.nbsp; Veretauohung...................nbsp; nbsp; 822
7.nbsp; Verrenkung....................nbsp; nbsp; 327
VlII. Krankheiten der Sebnensoheiden und Sobleimbeutel. #9632; . 332
1.nbsp; nbsp;Butzttndung der Sebnensebeiden, Tendovaginitls s. Tendosynovitis 333
2.nbsp; nbsp;Elntztindung suboutaner Sohleimhaut (Bursitis).......339
I \. Krankheiten der Blut- und Lympbgefässe sowie der Lymph­drüsen.......................nbsp; nbsp; 342
1.nbsp; Verletzungen der Blutgefässe..............nbsp; nbsp; 342
2.nbsp; Aneurysma....................nbsp; nbsp; 345
3.nbsp; Varix......................nbsp; nbsp; 347
4.nbsp; nbsp;Knuikheiteii der Lymphdrüsen und Lympbgefässe......nbsp; nbsp; 349
X. Krankheiten der iiusseren Haut............nbsp; nbsp; 866
XI, Krankheiten der Knooben..............nbsp; nbsp; 381
1.nbsp; nbsp;Entzündung der Knoobon (Ostitia, Periostitis, Osteomyelitis) . .nbsp; nbsp; 381
2.nbsp; nbsp;Knocbenbrüohe...................nbsp; nbsp; 395
Xfl. Geschwülste, Tumoren................nbsp; nbsp; 416
A, Neubildungen nach dem Typus der Bindegewebssubstanzen . .nbsp; nbsp; 430
1,nbsp; nbsp;Bindegewebsgesobwulst, Fibroma..........nbsp; nbsp; 430
2.nbsp; nbsp;Fettgesohwulst. Lipoma..............nbsp; nbsp; 432
8. Sobleimgesohwulst. Myxoma............nbsp; nbsp; 433
4.nbsp; Gliom.....................434
5.nbsp; Knorpelgeschwulst. Obondroma...........435
ti. Knochengeschwillst. Osteoma............43(5
7.nbsp; nbsp;QefiUsgesohwulst. Angioma.............nbsp; nbsp; 437
8.nbsp; Fleischgesobwulst. .Sarcoma.............nbsp; nbsp; 438
9.nbsp; Lymphom...................nbsp; nbsp; 443
1!, Neubildungen nach dem Typus des Muskelgewebes.....nbsp; nbsp; 444
Myom.....................nbsp; nbsp; 444
0. Neubildungen uaeh dem Typus des Nervengewebes.....nbsp; nbsp; 444
Neurom....................nbsp; nbsp; 444
D.nbsp; Geschwülste nach dem Typus des Bpitbelgewebes......nbsp; nbsp; 445
1.nbsp; Papillom....................nbsp; nbsp; 445
2.nbsp; Adenom....................nbsp; nbsp; 448
3.nbsp; Krebsgeschwulst. Carcinom.............nbsp; nbsp; 449
Anhang. Melanoson................nbsp; nbsp; 454
E.nbsp; Geschwülste mit organoidem Bau und Oysten.......nbsp; nbsp; 466
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Iiihiiltsvi'i'zciclimss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IX
Allgemolne Operationslohro.
Snite
I. Einleitung.....................nbsp; nbsp; 461
1, Beruhigungs* und Zwangsmittel.............nbsp; nbsp; 464
in Zwangsmittel bei Pferden..............nbsp; nbsp; 464
1.nbsp; nbsp; Bremsen...................nbsp; nbsp; nbsp; ^gt;rgt;
2.nbsp; nbsp;Befestigung einzelner Körpertheile.........nbsp; nbsp; 469
u) Niederbinden des Kopfes...........nbsp; nbsp; 4i'gt;9
li) Eoobbinden des Vorderfusses..........nbsp; nbsp; 469
o) Befestigung der Hinterfllsse...........nbsp; nbsp; 470
il) Nothwände und Nothstände...........nbsp; nbsp; 470
o) Werfen der Pferde..............nbsp; nbsp; nbsp;172
li) Zwangsmittel bei Rindern .............nbsp; nbsp; ixtgt;
o) Zwangsmittel bei den übrigen Thieren.........nbsp; nbsp; nbsp;187
#9632;-'. Narkose.....................nbsp; nbsp; 488
a)nbsp; nbsp;Bei Pferden...................nbsp; nbsp; 489
b)nbsp; nbsp;Bei Wiederkäuern................nbsp; nbsp; R00
u) Bei Pleisohfressern................nbsp; nbsp; nbsp;'quot;Öl
d) Die looale Anästhesie...............nbsp; nbsp; 504
II. Methoden der öewebstrennung............nbsp; nbsp; 506
1.nbsp; nbsp;Blutige und unblutige Ti'ennung der öewebe........nbsp; nbsp; 500
2,nbsp; Amputationen und Bxartioulationen, Coupiren des Schweifes . .nbsp; nbsp; 619 '#9632;',. Myotomie des Schweifes...............nbsp; nbsp; 524
III.nbsp; Allgemeine Verbandlehre..............nbsp; nbsp; 529
IV.nbsp; Aderlass, Skarifioationen und Blutersparniss bei Operalaquo; tionen.......................nbsp; nbsp; 585
1.nbsp; Aderlass.....................nbsp; nbsp; 536
2.nbsp; Skarifioationen...................nbsp; nbsp; 650
3.nbsp; nbsp;Blutersparniss bei Operationen.............nbsp; nbsp; 551
V, Injection von Arzneimitteln in die Blutbahn, Unterbaut, Luftröhre, Raohenhöhle und den Kehlkopf, sowie die
parenohymatöse Injection..............nbsp; nbsp; 554
1.nbsp; Intravenöse Tnjeetion.................nbsp; nbsp; 554
2.nbsp; nbsp;Suboutane Injection.................nbsp; nbsp; 557
3.nbsp; nbsp;üntratraoheale Injection................nbsp; nbsp; 558
4.nbsp; nbsp;Farenohymatöse Injection...............nbsp; nbsp; 569
VI. Impfung......................nbsp; nbsp; 561
VII. Fontanell und Haarseil...............nbsp; nbsp; 567
1.nbsp; nbsp;Pontanell.....................nbsp; nbsp; 567
2,nbsp; nbsp;Huarseil.....................nbsp; nbsp; 569
VIII, Anwendung des (ilülieisens. Brennen.........nbsp; nbsp; 578
1.nbsp; nbsp;Brenninetboden...................nbsp; nbsp; 579
2.nbsp; nbsp;Thermooauter...................nbsp; nbsp; 584
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Seite
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strution .................... .
Oastration männliolior Thiero.............
Aiiatnnusolit's...................
I. Oastration rait Erhaltung der Hoden.........
1. Klopfen dor Eoden..............
•j. Klopfen des Samenstrangea...........
:!. Torsion des Samenstranges...........
4. Subontane Unterbindung des Samenstranges.....
II. Castration mit Entfernung der Hoden.........
1. Abreissen der Hodon..............
'2. Abschaben des Saraenstranges..........
ö. Al)i|iietsetieii mit dem Kcraseur..........
4.nbsp; nbsp;Abdrehen des Samenstrangea...........
5.nbsp; Unterbindung des Samenstranges.........
(i. Abschneiden dos Satnenstranges..........
7.nbsp; Durchbrennen des Samonstranges.........
8.nbsp; Castration mit Kluppen.............
a) Mit blossgelegtem Hoden...........
h) Mit bedeckt cm Hoden............
1.nbsp; Castration der Hengste.............
2.nbsp; Castration männlicher Wiederkäuer........
'6. Castration männlicher Schweine..........
4. Castration männlicher Hunde und Katzen......
B, Castration des männlichen Geflügels........
Störende Vorkommnisse während der Castration mänii-licher Thiere...............
Naohtheilige Folgen der Castration mamp;nnlicher Thiere .
Castration weiblicher Thiere..............
i. Castration der Kühe...............
2. Castration der Lämmer..............
8, Castration der Stuten...............
4. Castration weiblicher Schweine...........
5i Castration der Hündinnen.............
(i. Castration des weiblichen (lellügols..........
588 589 589 591 591 592 592 698 595 596 59(5 597 597 600 601 601 601 602 605 605 620 622 628 628
624 626 OHO 630 636 637 639 642 644
645
Reifist
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Allgemeine Chirurgie.
Müller u. Priok, allgemeine Ohtrurgle für TbierHrzte, 3. Aull.
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I. Einleitung und kurzer Abriss der Geschichte der Veterinär-Chirurgie.
Obgleich die Krankheitsvorgänge an den iiusseren Theilen des Tliierkörpers nuch denselben Gesetzen ablaufen wie an den inneren Organen, so bietet dennoch die Trennung der Chirurgie von der-epeciellen Pathologie und Therapie in mehrfacher Beziehung unver­kennbare Vortlieile, deren richtige Würdigung zu dieser Abzweigung geführt hat. In Bezug auf den Unterricht erscheint diese nothwendig, weil das gesammte Gebiet der Pathologie und Therapie bei der heutigen Entwickeluiig derselben auch in der Thierheilkunde von einer Leinkraft unmöglich vollkommen beherrscht werden kann, daher sowohl für den wissenschaftlichen Ausbau dieser wichtigsten Zweige der Thierheilkunde alt; auch im Interesse der Ausbildung der Studivenden die Trennung der­selben geboten erscheint. Dazu aber kommt, dass die Krankheiten der iiusseren Abschnitte des Thierkörpers eine gewisse üebereinstimmung zeigen, sowohl in Bezug auf Ursachen wie auch auf die Ilülfsniitfel zu ihrer Erkennung und Behandlung, und ferner der Umstand, dass aus diesen Eigenthümliehkeiten gegenüber der Behandlung innerer Krank­heiten für den behandelnden Arzt besondere Aufgaben erwachsen. Dass die genaue Erkennung der Krankheiten innerer Organe im all­gemeinen auf grössere Schwierigkeiten stossen muss als die Diagnose der iiusseren beiden, welche der Untersuchung leichter zugänglich sind, liegt auf der Hand; bei der Erkennung und Beurtheilung der ersteren ist man aber oft genug auf Speculationen und Gombinationeu ange­wiesen. Hiermit soll indess nicht behauptet werden, dass die Diagnose der chirurgischen Krankheiten immer leicht sei; im Gegentheil, auch hier stösst dieselbe häulig auf grosse Schwierigkeiten und verlangt vor allem eine sachgemässe und sorgfältige Untersuchung, wofür z. B.
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4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;EloleituDgi
dio Lahmheiten oiiu'ii schlagenden Beweis liefern. Die Gegenwart einer Wunde festzustellen, füllt selbst dorn Laien nicht schwer, allein die EigenthOmliohkeiten derselben und ihre Bedeutung für das be­treuende Tliier richtig zu beurtheilen, um danach eine zweckent­sprechende Behandlung eintreten zu bissen, das verlangt nicht nur eine faohwissenschaftliche Durchbildung, sondern auch eine genaue Untersuchung und gestaltet sich keineswegs so einfach, wie es auf den ersten Blick- erscheint. Ausserdem stüsst die Durchführung des Heilverfahrens bei den äusseren Leiden in der Kegel auf grössere Schwierigkeiten: die Therapie derselben verlangt vornehmlich mit den Händen auszuführende Hülfeleistungen, daher auch der Name „Chirur­giequot; (X*'P — Hand und 3fJY0V ^ Werk). Endlich vergesse man nicht, dass Irrthümer in der Diagnose bei den Krankheiten äusserer Theile leichter aufgedeckt und daher für den Praktiker häufiger un­bequem werden als bei Leiden innerer Organe.
Wenn demnach im Laufe der Zeit die Notwendigkeit der Tren­nung dieser beiden Gruppen von Krankheiten sich herausstellte, so waren hierbei in erster Linie praktische Rücksichten massgebend. Muss diese Trennung auch als eine künstliche bezeichnet werden, und lässt sich eine scharfe Grenze zwischen den Leiden der äusseren und inneren Organe nicht ziehen, so dass es oft zweifelhaft erscheint, ob man dieses oder jenes Leiden den ersteren oder den letzteren zuzählen soll, z. B. die Entzündung der Zunge, so schwinden doch alle solche Bedenken den Vortheilen gegenüber, welche diese Trennung bietet. Dieser Grund­satz hat auch in der Thierheilkunde allmählich mehr und mehr An­erkennung gefunden.
Der praktische Thierarzt hat indess sowohl innere wie äussere Krankheiten zu behandeln und muss deshalb schon mit beiden ver­traut sein. Aber auch eine Anzahl chirurgischer Leiden , welche ur­sprünglich an den äusseren Körpertheilen abläuft, verbindet sich nicht selten mit .Erkrankungen innerer Organe und umgekehrt, so dass sich auch das Studium der Veterinär-Chirurgie von dem der speciellen Pathologie und Therapie nicht trennen lässt. Eins aber muss von dem Chirurgen noch besonders verlangt werden, das ist die Kunst zu operiren. Diese beruht auf der genauen Keuntniss der normalen, namentlich der topographischen und pathologischen Anatomie sowie der Operationstechnik und auf Uebung. Mag eine persönliche An­lage hierbei wesentlich unterstützen, ohne Uebung und ohne jene Kenntnisse ist Niemand im Stande, diese Kunst sich anzueignen. Die Uebung bezweckt auf der einen Seite Aneignung einer sicheren
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Einleitung!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
Handhabung der Instrumente, auf der anderen persönliche Orien-ürung in Bezug auf die anatomischen Verhältnisse .sowie auf die Eigentbümüchkeiten der Krankheitszustftnde, welche zum operativen Eingreifen Anlass geben. Ausserdem aber gewöhnt man sich durch Uebung im Operiren mehr und mehr daran, unerwartete Ereignisse mit Ruhe zu beurtheileu und ihnen rasch entschlossen entgegen zu treten. Dazu kommt endlich, dass mit dem Erfolge auch das Interesse für die chirurgische Therapie wächst. Wem bereitete es nicht eine besondere Genugthuung, durch einen einzigen, geschickt ausgeführten Schnitt das Leben eines Thieres zu retten und dasselbe zugleich von seinen Qualen ZU befreien. Der Student sollte vor allem daher die Operationsübungen nicht versäumen, denn hierbei wird der Grund zu seinem späteren Wirken auf diesem Gebiete gelegt. Schon Braueil behauptete mit Recht, dass die einmalige Ausführung einer Operation mehr nütze als oftmaliges Zusehen oder Losen der Vorschriften des Ver­fahrens. Aber nicht die geschickte und geübte Hand allein macht den Chirurgen aus, er muss vielmehr gleichzeitig durch seine wissenschaft­lichen Kenntnisse in den Stand gesetzt sein, die Krankheitszustände richtig zu beurtheileu; er mass ferner die Methoden der Untersuchung genau kennen ; der Veterinär-Chirurg muss endlich auch mit den wirth-schaftlichen Verhältnissen vertraut sein, um den Werth seines Wirkens genau bemessen zu können. Handelt es sich doch nicht immer blos darum, das Leben des Thieres zu retten, sondern oft auch die Brauch­barkeit desselben wiederherzustellen; daher wird eine genaue Prognose häufig die Hauptsache. Der Thierarzt muss abwägen zwischen dem Vortheil, der aus seinein Eingreifen für den Besitzer erwächst, und den Unkosten des Heilverfahrens. Da bietet sich demselben Gelegenheit, seine praktische Befähigung zu zeigen, denn leicht sind derartige Aufgaben in vielen Fidlen nicht. Zur sicheren Lösung derselben ge­hört auf der einen Seite eine tüchtige fachwissenschaftliche Durch­bildung, insbesondere in der Beurtheilung der Krankheitszustände, auf der anderen Seite Umsicht und ein Einblick in die wirthschaftlichen Verhältnisse des Besitzers.
Die Chirurgie zerfällt in einen allgemeinen und einen speciellen Theil. Der erstere hat die Aufgabe, die wissenschaftlichen Grundsätze zu lehren, welche bei der Behandlung änsserer Leiden im allgemeinen massgebend sind. Dahin gehört sowohl die Lehre von den Krankheits­vorgängen (allgemeine chirurgische Pathologie und Therapie) als auch die Darstellung der allgemeinen Grundsätze für die Ausfüh­rung der Operationen (allgemeine Operationslehre). Die speoielle
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Binleitung.
Chirurgie bosohftftigt sich dagegen mit den einzelnen Krankheits-zustamp;nden der äusseren Theile des Körpers. Die Lehre von den ohirurgisohen Operationen lieisst Akiurgie (^ ä*''-'? == die Sohneide,
s(jyov = das Werk); die Lehre von den Verbänden (Verbandlehre) wird als Desmologie (Slaquo;0(fcölt;; = Band) bezeichnet.
Ueber die ersten Anfänge der Thierheilkunde und dor Vetoriniir-Ghirurgie herrscht ein ewiges Dunkel. Ohne Zweifel war man aber schon frühzeitig bemüht, die Leiden der llausthiere zu heilen, und in diesem Sinne ist die Thierheilkunde wohl ebenso alt wie Viehzucht und Ackerbau. Sobald die Thiere dem Menschen nutzbar wurden, lag es in seinem Interesse, sich dieselben zu erhalten; dass hierbei in erster Linie die iiusseren Schäden in betraoht kamen, versteht sich von selbst. Wer aber wäre berufener dazu gewesen als Hirten und Jäger, die sich auch zunächst des Gegenstandes bemächtigten, während sich Priester den gleichen Aufgaben für den Menschen unterzogen. Selbstverständlich wurden damals .schon vielfach Mensch und Thier von ein und demselben Heilkünstler bebandelt, und die gesammelten Erfahrungen von einem auf das andere Gebiet übertragen. Bei dem höheren Interesse, welches der Menschenheilkunde dauernd zufiel, hiK es nahe, dass sich die Thierheilkunde vielfach an diese anlehnte, wenngleich sie im Stande war, werthvolle Kenntnisse und Erfahrungen für jene zu liefern. Es war dies namentlich in Bezug auf Aniitomie der Fall, welche bei dem durch viele Jahrhunderte bestandenen Ver­bote, Menschen zu seciren, zunächst an Thieren gepflegt werden konnte. Mit der Einführung des Hufbeschlags um das 8. bis 10. Jahr­hundert unserer Zeitrechnung traten zu den Hirten und Jägern die Hufschmiede und beschäftigten sieh mit dem (Juriren von Thierkrank-heiten. Die Holle des Barbiers in der Menschenheilkunde übernahm in der Thierheilkunde der Schmied, Verhältnisse, die sich zum Theil bis auf den heutigen Tag erhalten haben.
Jeder genauen Kenntnisse der inneren Einrichtung des Körpers baar, konnte das Handeln dieser Männer nur nach Gutdünken erfolgen; doch lernte man mit der Zeit die Heilkraft dieser und jener Methode kennen, sammelte aus einer grösseren Zahl eigener und fremder Beobachtungen sobliesslicb Erfahrungen. Die ausschliesslich hiernach Krankheiten Behandelnden nennt man Empiriker (2[(J.7MtpO? = er­fahren). Allmählich mehrten sich die so gewonnenen Kenntnisse, durch Tradition und später durch Schrift wurden sie auf die Nach­kommen übertrugen und um so sicherer bewahrt, als der ärztliche
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#9632;#9632;
Einleitnuff.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
Beruf sowolil für die BebandluQg der Mensclien wie der Tliiere sich in bestimmten Familien forterbte. Auf diese Weise wurden allmälilicli die aus Erfolgen und Misserfolgen gewonnenen Kenntnisse aufgehäuft, aber auch mehr und mehr Kunstgriffe zur Heilung von Krankheiten gesammelt. Dass diese sich in erster Linie auf äussere Leiden be­zogen, kann nicht befremden, und so entwickelte sich allmählich aus der einfachen Empirie ein gewisser Grad von Kunstfertigkeit in der Ausübung thieriirztlicher Hülfeleistungen. Dass diese jedoch höchst unvollkommen sein mussten, ist klar, zumal man über die anatomische Einrichtung des Körpers sowie über die Natur der Krankheitsproeesse damals noch keine Vorstellung hatte. Abgesehen von kleinen Ver­suchen erschien die erste Anatomie des Pferdes im Jahre 1501. Ueber die Natur der Krankheitsproeesse aber erging man sich in Speculation, welche im Laufe der Zeit dem mannigfachsten Wechsel unterworfen war. Erst mit der Gründung der Thierarzneischulen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde für die Entwickelung der wissen­schaftlichen Thierheilkunde eine feste Basis geschaffen, indem man hier sich bemühte, genaue Kenntnisse über Anatomie, Physiologie, Pathologie sowie über die Wirkung der Heilmittel zu erwerben und zu verbreiten. Auch die Veterinär-Chirurgie durchlief hiernach drei Stadien, nämlich; l. das der reinen Empirie, 2, das der Kunst und :gt;. das der Wissenschaft und Kunst. Eine Trennung zwischen Chirurgie und der Lehre von den Krankheiten der inneren Organe konnte sich natürlich erst in der letzten Periode vollziehen.
Nach alter Sage war der Centaur Chiron (ca. 1300 v. Ch.), der Erzieher und Lehrer von Aesculap, ein Heilkünstler bei Menschen und Thieren; nach ihm soll auch das bekannte Tausendgüldenkraut (Centaureum) benannt sein, mit dem er die Wunde seines Gastes Heracles heilte. Ebenso finden sich auf den Denkmälern altägvptischer Cultur Beweise für das Bestehen der Thierheilkunde. Auf Gemälden und Copien aus jener Geschichtsperiode, welche Thiere darstellen, finden sich Anmerkungen, wie „Arzt der Gazellenquot; (Pütz). Ebenso soll die Zendavesta (die Lehren Zoroasters) Taxe für Menschen- und Thierärzte enthalten, woraus man schliessen darf, dass es selbst bei den alten Parsen bereits Thierärzte gegeben hat.
Die ersten literarischen Ueberlieferuugen von Bedeutung stammen von den landwirthschaftlichen Schriftstellern der Kölner, namentlich von Colnraella (1. Jahrb. n. Gh.); doch bat sich bereits Hippo­crates, der Altvater der Medioin (I. Jahrb. v. Ch.), mit Sectionen von Thieren, vielleicht auch mit der Heilung von Krankheiten derselben
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s
Einleitung.
beschäftigt. Hippocrates'beschreibt Verämlerungen au den Gelenken bei Ochsen, Wassersucht, Epilepsie und Fieber bei Thieren. Auch Xenophon (445—354) bespricht in seinem Buche über Reitkunst Pferdekrankheiten. Aristoteles (384—322) berichtet ebenfalls über Pferdekrankheiten, beschreibt u. a. die Rehe und das Ausschuhen, d. h. das Abfallen der Hufe und Klauen.
Colunu'lla dagegen beschäftigt sich genauer mit den Thier-krankbeiten. In dem ü. Buche seines Werkes: „De re rusticaquot; werden verschiedene äussero Krankheiten der Thiere abgehandelt, wird ferner die Anwendung des Gliiheisens zum Oeffnen von Abscessen und zu anderen Zwecken empfohlen. Er berichtet ferner über Castration, Practuren und Wunden bei Thieren; auch soll von ihm bereits ein sog. Zwangsstall zur Ausführung von Operationen bei grösseren Thieren eingerichtet worden sein.
Ein Zeitgenosse Columelia's, Aurelius Cornelius Celsus, war ein reicher Homer mit grossen Besitzungen, auf denen er zugleich als Arzt seiner Sclaven wirkte. Von ihm liegen Mittheilungen über die Behandlung des Bisses giftiger Thiere vor; im übrigen hat der­selbe für die Thierheilkunde weniger geleistet, um so mehr auf dein Gebiete der humanen Medicin.
Galen (131—quot;201 n. Cb.) schrieb über Räude, Wuth und über Castration weiblicher Schweine durch Extraction der Ovarien.
Eine wirksame Förderung fand die Thierheilkunde und besonders die Veterinär-Chirurgie im i. Jahrb. n. Oh. durch die griechischen Pferdeärzte (Hippiater), von denen 21 schriftliche Ueberlieferungen ihrer Thätigkeit hinterlassen haben, Der hervorragendste unter ihnen war ipsyrtus (300—300), Rossarzt im Heere Oonstantin des Grossen, in dein er auch den Feldzug gegen die Sartnaten mitmachte. Von den chirurgischen Krankheiten beschreibt er die Rehe eingehend und stellt bereits die wichtigsten Aufgaben der Therapie derselben auf; ferner die Mauke, Gallen, giebt Anweisungen über die Ausführung ver­schiedener Castrationsniethoden. über das Aderlässen an den einzelnen Körperstellen; er lehrte bereits die Heilung von Knochenbrüchen, die Anwendung des Brenneisens, insbesondere auch zur Castration, be­schrieb Vorfälle, Wundbehandlung und kannte die Wundnaht.
Sein Zeilgenosse Hippocrates der Hippiater, welcher vielfach mit Hippocrates, dem Begründer der Medicin verwechselt worden ist, beschrieb in seiner „1! ippiatricaquot; den Thränenkaual beim Pferde. Von den übrigen Hippiatvrn wird in der Regel noch Pelagonius ge­nannt, doch komm! ihm bei weitem nicht die Bedeutung des vorigen zu.
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Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
Um so wichtiger erscheint ein aus dem Ende des I. Jahrhunderts stammendes Werk von Vegefcius. In seinen „Vegetii Elenati artis veterinariae s. inulomedicinae libri quatuorquot; beschreibt \regetius die Krankheiten der Tbiere. Er war der erste, welcher diese in einer gewissen Ordnung aufführte; er empfahl zuerst die Aderlassschnur und machte auf die Verletzung der Carotis beim Aderlass aufmerksam; Vegetius scheint auch die Mondblindheit der Pferde bereits gekannt zu haben, empfahl beim Ascites die i'aracentesis abdominis mit der Lancette, und kupferne Brennkolben statt der eisernen; Vegetius be­schrieb ferner Harnsteine, Druekscliädeu, Genick- und Zahnfisteln, kannte das Wundfieber und gab Anweisungen über Wundbehandlung.
Um das 7. Jahrhundert ging bekanntlich die Medicin auf die Araber über, wo namentlich die Chirurgie einen möglichst ungünstigen Boden fand. Der Koran verbot auf das Strengste die Ausführung von Sectionen; im Volke selbst bestand gegen Blut eine grosse Scheu; in Folge dessen trat an die Stelle energischer Eingriffe der Mysticis-mus; statt zum Messer zu greifen, suchte man bei den Sternen Hülfe für die Kranken. Sehr natürlich, dass auch die Veterinär-Chirurgie unter solchen Umständen nicht gedeihen konnte, und die wenigen, aus jener Zeit stammenden Werke, z. B. die Avicennas (um das Jahr 1000) enthielten fast nur Wiederholungen der Angaben griechischer Hippiater.
Nachdem die Medicin mit den Mauren Europa zurückgegeben war, wurde sie nunmehr im Abendlande gepflegt und Klöster bildeten die Pflanzstätten derselben. Dass auch hierbei die Thierheilkunde und namentlich die Veterinär-Chirurgie keine Fortschritte machen konnte, liegt auf der Hand. Diese musste sich hier gleichsam von neuem ent­wickeln, denn eine Bekanntschaft mit den römischen und griechischen Errungenschaften auf diesem Gebiete darf wohl kaum angenommen werden.
Aus älteren Mittheilungen geht indess hervor, dass schon bei den Kelten Thierheilkunde gepflegt worden war; in den Händen der Druiden bestand ihre Therapie jedoch zum grössten Theil aus Zauber­formeln und Besprechungen.
Noch im 8. bis 13. Jahrhundert gestalteten sieh die Zustände für die Veterinär-Chirurgie im Abendland wenig günstig. In der Menschenheilkunde wurde auf Grund des Wortlautes der Bibel: „Du sollst kein Blut vergiessenquot; die Ausführung blutiger Operationen von der katholischen Kirche verboten. War hierdurch die Entwickelung der Chirurgie in der humanen Medicin lahm gelegt, so musste natürlich
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10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung,
mull die Vctofiiiiir-Cliiniigic darunter leiden. Sie lug in den Hihiden von Hirten, Abdeckern und Schmieden, deren Wissen und Können auf dunklen Vorstellungen beruhte und in einfachen Hülfeleistungen be­stund, deren Ivenntniss vom Vater auf den Sohn vererbt wurde.
Erst mit dem 18, Jahrhundert begann eine Periode erfreuraquo; Hoher Entwiokeluug der Thierheilkunde und namentlich der Veterinär-Chirurgie. Nicht den geringsten Autheil hatte hieran der nunmehr bereits überall verbreitete Hufbeschlag; mehr aber noch wurde die Thierheilkunde durch die damaligen Stallmeister gepflegt, von denen Jordanus Ruffus in erster Linie genannt zu werden verdient. Er war „Marescalcusquot; ') Kaiser Priedrich's 11. und zugleich örosswürden-trilger. 1250 veröffentlichte .). Ruffus in seinem Werke: „De medi-cina equorumquot; zahlreiche Beobachtungen über äussere Krankheiten, namentlich der Pferde. Er kannte bereits die Brustbeule, den Spat, Kxostosen, beschrieb eine Reihe von Lahmheiten und Hufkrankheiten. Schon Ruffus wendete die Q-efüssligatur bei Thiereu an, welche beim Menschen erst im L6. Jahrhundert durch Ambroise Parö bekannt wurde. Alle Zeitgenossen wie auch die nächsten Nachkommen standen auf seinen Schultern. Unter jenen sind Bonifacius von Calabrien, Peter Cresceiitius und Laurent ins Kusus zu nennen. Der erstere ver­öffentlichte ein Buch über Pferdekrankheiten; Peter Crescentius schrieb über Ackerbau und Krankheiten der Thiere, während Kusus, der im 11. Jahrhundert lebte, die Werke von Ruffus u. A. übersetzt hat; von ihm sollen die ersten Mittheilungen über die Castration durch Zerklopfen der Samenstränge stammen.
Aus dem 1lt;gt;. Jahrhundert muss Marx Fugger, Herr von Kirchberg und Weissenborn, geb. 1quot;gt;2M, gest, 1597, erwähnt werden. Er war Rath Kaiser Rudolph 11. und Stadtpfleger in Augsburg, gehörte der ebenso berühmten wie reichen Pugger-Pamilie an, unter­hielt Gestüte und beschäftigte sich mit Vorliebe mit der Kenntniss des Pferdes. In seinem Werke; „Von der Qestütereiquot; (1578) werden auch einige äussere Krankheiten des Pferdes abgehandelt,
Die Periode der wissenschaftlichen Entwickelung der Thierheil­kunde beginnt mit dem Jahre 1591, in welchem die erste Anatomie und zwar die des Pferdes unter dem Titel; „Anatomia del Cavallo in-firmita e suoi remediiquot;, Bologna, von Carlo Ruini erschien; in dem zweiten Theil desselben sind namentlich die Krankheiten der Gliedquot;
') Das Wort stammt aus dem Koltisclien: march = Pferd, und dem Oiotlii-Bohon! akalks Diener, Knecht,
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Eizileitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11
niiissun oingeliend abgeliamlolt, wenn auch grösslontlicils nach don Angaben von .). Ruffus.
Im 17. und 18. Jiilirhuudert wurde die Thierheilluinde und namentlich die Lehre von den H/Usseren Krankheiten durch die deut­schen und französischen Stallmeister gepflegt, Der hervorragendste unter ihnen, de Solleysol, beschrieb in seinem Werke (,.Lc veritahie parfait Maröohalquot;) die Krankheiten des Pferdes. Auf die chirurgischen Leiden luit Solleysel ein besonderes Gewicht gelegt, doch wurden die Anschauungen desselben vielfach noch von VornrtheiIon beherrscht und Operationen in seinem Werke empfohlen, welche als lebendige Zeugen der dunklen Vorstellungen gelten können, welche damals bezüglich der Krankheiten noch herrschten. So empfiehlt Solleysel das Pfeifel­brechen, eine absichtlich beigebrachte Verletzung der Parotis gegen Entzündungen derselben, das Brennen des weichen Gaumens gegen Appetitlosigkeit, die Unterbindung der Schläfenarterien und Durch­schneidung der Angesichtsnervcn gegen Augenent/Älndungen (Hertwig). Ein Gleiches liisst sich von denWerken de Saunier's, GarsaulPs und de la Gueriniere's sagen. In Deutschland erschienen um dieselbe Zeit die Arbeiten von Payscr ( 1(.)76), Seutcr u. A., welche sich neben der Reitkunst und Zucht mit den Krankheiten des Pferdes beschäf­tigten. Seltsame Anschauungen wurden indess auch von ihnen vertreten; der wissenschaftliche Gehall ihrer Werke muss als gering bezeichnet werden. Es fehlte ihnen vor allem die Bekanntschaft mit den Er­rungenschaften der raedicinischen Wissenschaft, und ihre Anschauungen gründeten sich lediglich auf unklare Vorstellungen.
Anders gestalteten sich in dieser Hinsicht die Verhältnisse in Frankreich. Etienne Guillaume Lafosse (der Vater, gest. 1705) unterhielt Fühlung mit der Medicin, lernte z. 15. von Pare den Trepan kennen und wendete denselben bei Pferden an. Müssen zwar seine Untersuchungen über die Rotzkrankheit als die bedeutendsten be­zeichnet werden, so verdienen doch auch seine Leistungen auf dem Gebiete der Chirurgie volle Anerkennung. Lafosse lehrte die Anwendung der Haarseile und Fontanelle; er wurde Reformator auf dem Gebiete des Hufbeschlags und betoute zuerst die Beziehungen des Hufbeschlags zu dein Gesundheitszustände der Gliedmassen. Mehr noch leistete sein Sohn Phil. Etienne Lafosse (geb. 1739, gest. 1820). Linier der sorgfältigen Erziehung des Vaters war er kaum 18 Jahre alt geworden, als er seine Studien bereits vollendet hatte und als Hossarzt der Armee über Anatomie des Pferdes Vorlesungen und Demonstrationen hielt. Nachdem Lafosse mehrere Feldzüge mitgemacht, erölfneto er in dem
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Kinlcituii
auf eigene Kosten erbauten Amphitheater unentgeltlich Vorlesungen. 'ITTli erscliien sein Prachtwerk! „Cours d'hippiatriquequot;, das bis auf den beutigen Tag ein/ig in der Qrossartigkeit seiner Ausstattung dasteht.
In England gab Robertson 17.quot;i.'{ sein ,,Pferdoarzneibue.hquot; her­aus, welches 10 Anfingen erlebte und auch ins Deutsche übersetzt wurde. Robertson lebte später in Deutschland (Landsberg a. W.) und führte hier die Castration mit Kluppen ein. Er schrieb über das Eng-lisiren der Pferde und andere Operationen und soll ein vorzüglicher Ope­rateur gewesen sein. Auch Hart let verdient hier genannt zu werden, welcher, in Kngland geboren, Chirurgie studirte und sich sodann der Thierheilkunde widmete. Sein ITo-l herausgegebenes Buch! raquo;The gentleman's Farriery or a practical Treatise on the diseases of horsesquot; fand überall Anerkennung und erschien in l- Auflagen, doch waren in demselben hauptsächlich nur die Ideen Lafosse's über den iluf-beschlag wiedergegeben.
In die mm folgende Periode fällt die Gründung der Thierurznei-schuleu. Nachdem ITlJLl die erste derselben unter Bourgelat in Lyon errichtet war, entstanden bald mehrere: ITliquot;) in Alfort, 17ti9 in Turin, 1771 iu Göttingen, 1771! in Kopenhagen, 1774 in Skara (Norwegen) und Padua, 1777 in Wien, 1778 in Hannover, 17HO in Dresden, 1783 zu Freiburg i. B., 1781 in Karlsruhe, 17S7 in Mailand, 1789 in Mar­burg, 1790 in Berlin und München, denen sich bald weitere in Deutsch­land und im Auslande anschlössen. Diese Anstalten waren theils mit Rücksicht auf die verheerend aufgetretenen Seuchen, theils aber zur Heranbildung brauchbarer Militär-Thierärzte gegründet worden; sehr natürlich daher, dass neben den Seuchen die Chirurgie an ihnen eine besondere Berücksichtigung fand, wenn auch anfangs nur in Ver­bindung mit anderen Doetrinen, namentlich dem Qufbeschlag.
1770 erschien in Göltiiigen ein damals bedeutendes Werk von v. Sind: raquo;Der Pferdearzt''. Ursprünglich österreichischer Unterthan, trat v. Sind später in den Dienst des Kurfürsten von (,'öln und brachte es bis zum obersten Stallmeister, beschäftigte sich besonders mit Reit­kunst und Rossarzneikunde. Erxleben nannte ihn den grössten deut­schon Rossarzt. Seine Arbeit über die Rehe der Pferde beweist neben Scharfsinn hohe praktische Begabung, Er beschreibt ferner die Tre­panation. Staaroperationen, den Steinschnitt und Bruchoperationen. Bemerkt sei noch, dass v. Sind eine Latwerge gegen die Rotzkrank-beit erfand, deren Absatz nach den Behauptungen Vitet's u. A. in speculative!' Weise von v. Sind betrieben wurde.
Während Ins dahin in den Werken über Thierarzneikunde tcleich-
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Biuloitang.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
zeitig die inneren und ilusseren Krankheiten behandelt waren, führte Wolstein zum ersten Male eine Abzweigung der Chirurgie herbeit Johann Gottlieb Wolstein, J)r. med. et cliir., war 1738 zu Plinsberg in Schlesien geboren, widmete sicli zunächst dem Studium der Chi­rurgie, bildete sich sodann in Alfort unter Bourgelat und Cliabert aus, ging 1778 nach London, besuchte Holland und Dänemark iiml wurde später Professor an der Thierarzneischule in Wien, wo er liO Jahre thiitig war und sich den Ruf eines Gründers der wissenschaftlichen Thierheilkunde in Deutschland erwarb. Heiner freisinnigen Geshmung halber l?!).1) verbannt, lebte er bis zu seinem Tode in Altona. Von ihm stammt die erste Veterinär-Chirurgie (Buch der Wundarznei der Thiere 1784), er gab ferner den ..Unterricht für Fahnenschmiedequot; und ein Buch für Thierärzte im Kriege (1788) heraus. Wolstein schnob auch über Uernien und Hufbeschlag und führte eine Reihe von thierärztlichen Operationen ein.
1780 erschien Rohlwes' Abhandlung von den äusseren Krank­heiten der Pferde, welche später viele Auflagen erlebte.
In Frankreich nahm .). B. Gohier (1771 —1819) zu Lyon die Stelle als Professor der Operationslehre ein und veröffentlichte in seinen „Memoires et Observations sur la med. et la cliir. veterinairoquot; zahl­reiche Beiträge zur Veterinär-Chirurgie und Akiurgie.
Unter den französischen Veterinären sind ferner zu nennen:
1.nbsp; Chabert (1787— 18M), der zuerst das Lehramt für Huf beschlag in Lyon übernahm und nach Bourgelat's Tode Director der Anstalt wurde. Er soll ein grosses Wert über chirurgische Operationen her­ausgegeben haben, schrieb ferner über Lahmheiten, Moudblindheit und andere äussere Leiden, z. B. des Luftsackes.
2.nbsp; nbsp;Hurtrel d'Arboval (1777—1839), trieb als wohlhabender Munu die Praxis unentgeltlich und bearbeitete in seinem ..Dictionnaire de med. veter.quot; verschiedene Artikel über Chirurgie.
3.nbsp; nbsp;Pierre Isidor Vatel (1795—1852), zuerst Lehrer in Lyon, dann in Alfort, behandelte in seinen „Elements de Pathol. voter, etc.* auch die chirurgischen Krankheiten.
•t. A. Rey, Professor der Klinik in Lyon, bearbeitete in dem „Journal veter.quot; hauptsächlich chirurgische Fälle, von dem sich viele Auszüge in Bering's Repertorium linden. Er beschäftigte sich nament­lich mit Gelenklaquo; und ilufkrankheiten, Güllen, Aderlisteln u. s. w.
5, Eugene Renault. 1828 Professor der Klinik ZU Lyon, später Director und schliesslich General-Inspecteur der französischen Thier-arzneisohulen, pflegte ebenfalls Chirurgie und Operationslehre, legte
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Elinloitung.
das Wachsthum dos Hufes klar, schrieb über Absoesse und öangrftn, Über Castration, Traoheotomie, Hufflsteln, Cauterisation, Unterbindung der öefftsse u. s. w.
6.nbsp; nbsp;II. Bouley, Schwiegersohn Vatel's (geb. 1815) hut sich durch seine Untersuchungen am Hufe des Pferdes, deren Besultate in dein „Traitö de l'organisation du pied du chevalquot; niedergelegt sind, allein schon ein hohes Verdienst mn die Hufpathologie erworben. Er schrieb ferner über Hemien, Lahmheiten, Neurotomieu, Castration U.S.W. Nicht minder geistvoll und fruchtbar waren Bouley's Arbeiten auf anderen Gebieten.
7.nbsp; nbsp;öourdon, Professor in Toulouse, gab 1853 einen .Traitö de Chirurgie vetör.quot; in zwei Bänden heraus, ein Buch, das in Frankreich viel Verbreitung fand. Er schrie!) ferner über Castration und Arterien­verletzungen.
8.nbsp; nbsp;P. Charlier, praktischer Thierarzt in Paria, machte sich 18-19 durch sein neues Verfahren zur Castration der Kühe bekannt, Gou-bonux durch seine l'iitersnclnmgen über Halswirbelverrenkungen, Lähmungen, Kryptorchismus und eine grosse Anzahl anatomischer Arbeiten.
In Belgien wurde namentlich Brogniez (gest. 1832) bekannt, er verfasste als Professor an der Schule in Cureghem ein damals her­vorragendes Werk über Chirurgie (Traitö de Chirurgie veterinaire), construirte verschiedene thierärztliche Instrumente, die er /.um Theil selbst angefertigt haben soll.
In England haben sich u. a. Moorcroft, Coleman, Clark, Sewell, Spooner, Field, Goodwin, Turner und Varnell hohe Verdienste um die Entwickelung der Veterinär-Chirurgie erworben. Moorcroft will schon zu Anfang unseres Jahrhunderts die Neurotomie ausgeführt haben, worüber ein Prioritätsstreit /.wischen ihm und Coleman entstand, wäh­rend Spooner behauptet, dass Sewell diese Operation zuerst ausge­führt habe.
Coleman und Hracy Clark beschäftigten sich namentlich mit Hufbeschlag und 11 nlkra.nkheiteii; letzterer legte in seiner „Ilippo-donomiaquot; die Belasfcungsverhältnisse des Hufes klar und ist der Er-linder des Expansionseisens,
William Sewell wurde insbesondere durch die Periosteotomie und die Anwendung des Haarseils bei Fussrollenentziiudung und Spat bekannt.
William Spooner schrieb über die Krankheiten der ölied-massen und des Hufes, sowie über Gelenkleiden.
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EiiiliiiUiiifif.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15
Jo im Field, bekannt als hervorragender Pferdekenner, trug zur Elarlegung der FussrollenentzUndung wesentlich bei; ein Theil seiner Arbeiten über verschiedene Lahmheiten und andere chirurgische Leiden wurden von seinem Bruder William Field erst nach seinem Tode her­ausgegeben. An dem vor wenigen Jahren im besten Mannesalter ver­storbenen Prof. b'obertson erlitt die Veterinär-Chirurgie in England einen schweren Verlust.
In Dänemark war Erik Viborg (1759 —1822) nach einer gründlichen Ausbildung auf Reisen im Auslande lange Zeit erfolg­reicher Vertreter der Veterinär-Chirurgie, aber auch anderer Lehr­fächer. Seine Arbeiten sind in einem Werke von fünf Bänden, ..Ab­handlungen für Thierärzte und Oekonomenquot;, niedergelegt. Er zeichnete sich durch ebenso grosse praktische Befähigung wie wissenschaftliche Kenntnisse aus. Nach ihm benannt wird auch heute noch in der Chirurgie das sog. Viborg'sche Dreieck für die Eröffnung des Luft­sackes.
Carl Viborg, Sohn des vorigen, Regiments-Chirurg und Pro­fessor der Veterinär-Wissenschaft an der Schule in Kopenhagen, soll nach Schrader eine Abhandlung über den Luftröhren schnitt bei Pferden, verglichen mit derselben Operation beim Menschen, veröffentlicht haben.
Bis in die neuere Zeit war Stockfleth (1824—1878) Vertreter der Chirurgie an der Eopenhagener Schule. In seinem .Lelirbuch der Chirurgie für Thierärzte, das bekanntlich auch ins Deutsche übersetzt wurde (Steffens), hat derselbe reiche Erfahrungen, die er auf diesem Gebiete gesammelt, niedergelegt; in Deutschland hat das Werk eine grössere Verbreitung gefunden,
Ausser den oben bereits genannten älteren Veterinär-Chirurgen Deutschlands sind zu nennen:
1.nbsp; nbsp; Ten necker (1770—1839) war Stallmeister, wurde später Director des Trainwesens der sächsischen Armee. Von 18 17—182;,') bekleidete Tennecker die Professur der praktischen Thicrarzneikunst an der Schule in Dresden. Er war ein produetiver Schriftsteller auf dem Gebiete der Pferdekunde, Pferdezucht, Reitkunst u. s. w., lieferte aber auch Arbeiten über Hufbeschlag, Beschirrung des Pferdes, über Sattel-und Ceschirrdruck, Lähmungen, Wundarzneikunst u. s. w.
2.nbsp; nbsp;Dieterichs (17(.^2—1858). Dietericlis muss als der Begründer einer wissenschaftlichen Veterinär-Chirurgie in Deutschland bezeichnet werden (llertwig). Als Lehrer für Chirurgie und Operationslehre au der Berliner Anstalt gab er eine thierärztliche Chirurgie und ein Lehr­buch der Akiurgie heraus. Die erste Arbeit erlebte 7 Auflagen.
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Eiuleitunff.
3. Qeorg Strauss (1780—1845), Professor der praktiaohen Chirurgie an der Wiener Sohule, veröffeafcliohte ebenfalls eine Chirurgie
für Thiei-ärzte, schrieb ferner über Hufbeschlag und lieferte Abhand­lungen über Gelenkentzündungen und andere in das Gebiet der Veterinär-Chirurgie fallende Fragen.
-1. Carl Heinrich 11 er twig (1798—1881), ein geistvoller, praktischer und vielseitiger Arbeiter, hat auf dein Gebiete der Chirurgie viele Jahre mit grossein Erfolge und unter allseitiger Anerkennung gewirkt. Sein Lehrbuch der Chirurgie für Thierär/.te, welches 1874 in :5. Auflage erschien, sowie die in Gemeinschaft mit Gurlt heraus­gegebene Operationslehre dienten Jahrzehnte hindurch den meisten deutschen Thieriirzten als Führer durchs Leben. Ausserdem lieferte Hertwig zahlreiche Abhandlungen über Chirurgie in dein mit Gurlt herausgegebenen „Magazin für Thierhcilkundequot;. Genannt seien nur die Arbeiten über llernien, Genicklisteln, Augenkrankheiten, Myotomie, Tenotomie und verschiedene Lahmheiten.
5. In Wien wirkten an dem Ausbau der Veterinär-Chirurgie l'ill-wax und Armbrecht; Pillwax auf dem Gebiete des Huf- und Klauen­beschlags. Armbrecht's Chirurgie ist auch heute noch im Gebrauch.
(i. Ebenso bedeutend auf dem Gebiete der Chirurgie wie anderen Zweigen der Thierarzneikunde war Hering, dessen geistreiche und stets den praktischen Zielen zugewendete Arbeiten, insbesondere die unübertroffen dastehende Operationslehre, in Deutschland wie. im Aus­lande zahlreiche Freunde und Bewunderer gefunden haben.
Kurz erwähnt werden mögen hier noch die Arbeiten von Falke (Instrumenten-. Operations- und Verbaudlehre), Binz (Kuochenbrüche), F. Günther (subeutane Operationen), Braueil und Schrader über Gelenkkrank hei ten und andere Gegenstände der praktischen Chi­rurgie. Die heute noch thätigen Vertreter der Veterinär-Chirurgie und ihre Werke können als bekannt vorausgesetzt werden.
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11. Entzündung (Inflammatio).
A. Acute Entzündung.
Anatomische Veränderungen und klinische Erscheinungen — Entzündung gefässloser Gewebe — Eintheilung der Entzündungen — Eiterung — Ur­sachen (Bakterien), Verlauf, Ausgang und Behandlung der Entzündung im
Allgemeinen.
Einleitung. Mit dem Ausdruck „Entzündungquot; (Inflammatio) be­zeichnet man keine bestimmte Erkrankung der Gewebe, sondern man begreift darunter einen Symptoinenconiplex, der bei den verschie­densten öewebserkrankungen in die Erscheinung tritt. Der Begriff „Entzündungquot; ist also ein klinischer. Daher mussten auch die seit den ältesten Zeiten angestellten Versuche, eine erschöpfende Defini­tion der Entzündung zu geben, fehlschlagen, und man ist immer wieder darauf zurückgekommen, die schon von Celsus aufgestellten Cardinalsymptome der Entzündung, nämlich: Hubor, Tumor, Calor, Dolor, denen man später die Functio laesa hinzufügte, bei der Betrachtung der Vorgänge, welche sich bei der Entzündung abspielen, zu Grunde zu legen. Es ist nicht die Aufgabe der Chirurgie, diese in extenso zu besprechen, daher können wir uns darauf beschränken, auf das Wesen der Entzündung hier nur ganz kurz einzugehen und die als Entzündung bezeichneten Vorgänge vom klinischen Standpunkte etwas näher zu beleuchten.
Wesen der Entzündung. Die Veränderungen und Vorgänge an den entzündeten Theilen haben durch Cohnheim zuerst eine ex­perimentelle Untersuchung erfahren; er hat die im Folgenden auf­geführten Processe an den Gefassen festgestellt. Breitet man das Mesenterium eines curarisirten Frosches auf einem Objectträger aus und bringt diesen unter das Mikroskop, so ruft die auf das Mesen-
Moller u. Krii'U, AllgOtnetne Chirurgie für Thicrär/to. 8 And.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2
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BntzUndungi
terium mit ihren SohUdliolikeiten einwirkende Luft alsbald eine Ent-zündung hervor, deren Vorgänge durch das Mikroskop beobachtet werden können, sofern durch Berieselung- mit einer 0,60/oigen Koch­salzlösung das Prüparat vor Eintrocknung geschützt wird. Zunächst tritt eine Erweiterung der Blutgefässe und zwar zuerst an den Arterien (entzündliche Congestion, active Hyperämie), dann an den Venen (passive oder Stauungshyperämie), endlich auch an den Capiilaren ein. Nach den Untersuchungen von v. liecklingliausen und Thoma soll diese Gefiisserweiterung durch Reizung der peripheren öefässnerven und consecutiver Contraction der Vasodilatatoren bedingt sein. Mit der Gefässerweiterung verbindet sich zunächst eine Beschleuniquot; ffuna des Blutstromes, welche jedoch schon mich etwa ' a Stunde einer aut't'iilligen Verlangsamung der Blutbewegung Platz macht, so dass man die einzelnen Blutkörperchen in den öefässen deutlich erkennen und verfolgen kann.
in den kleineren Arterien und Venen strömt bekanntlich das Blut in zwei Schichten; im Centrum, dem axialen Strome, bewegen sich die zelligen Elemente des Blutes, besonders die rothen Blutkörperchen schnell fort, während die langsamer fliessende Randschicht des Blutes fast nur Plasma führt, und deshalb als plasmatische Randsohicht bezeichnet wird. Nur selten gerathen Blutkörper in diese, und wenn ein weisses gelegentlich an die Gelasswand gelangt, so rollt es hier eine Strecke weit langsam fort, um alsbald wieder in den axialen Strom zurückzukehren.
In dieser regelmilssigen Anordnung stellen sich bei der Entzün­dung alsbald Störungen ein. Die weissen Blutkörperchen hänfen sich besonders in den Venen und Capiilaren an; in den Venen treten sie in die Randschicht über (Handstellung der weissen Blutkörperchen) und scheinen oft an der Oefässwand festzukleben, während die rothen im axialen Blutstrome weiter fliessen. Die Capiilaren sind stellenweise mit farblosen Blutkörperchen vollständig vollgepfropft (globulöse Stase). Die an der Gelasswand haftenden Leukocyten gelangen all­mählich durch diese hindurch, also ausserhalb des Blutgefässes, wo sie sich schon nach 6—8 Stunden in grosser Zahl vorfinden; mit an­deren Worten, die Randstellung der Leukocyten führt zur Emi­gration derselben. Dieser Austritt farbloser Blutkörper aus den Gefässen war schon 1846 von Waller beobachtet worden, wurde jedoch erst 1867 von Cohiiheim demonstrirt und genauer beschrieben. In der Umgebung der Gcfilsse findet also eine Anhäufung zelliger Elemente statt. Es kann hier gleichgültig erscheinen, ob die in dem
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Wesen der Entaünclung'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]!)
entzündlich erkrankten Gewebe auftretenden Rundzellen sämmtlich aus dem Blute stammen, d. h, emigrirte Leukooyten darstellen, oder ob, wie ursprünglich von V i f o li o w angenommen und neuerdings von Grawil/,, Bibbert u. A. behauptet wurde, ein Theil derselben als Ab-kömmlinge proliferirter Bindegewebszellen zu betrachten sind. Nament­lich (imwitz ist sehr tür die Abstammung der so^. emigrirten Leukocyten von den fixen Bindegewebszellen eingetreten; er will nachgewiesen haben, dass letztere sieb im normalen Gewebe in einem Schlummerzustande befinden und erst zur Geltuna und Wahrnehmuna gelangen, wenn sie in Folge entzündlicher Neigung anfangen zu pro-lit'eriren. Das Auftreten kleinerer, einkerniger, den Lympbkörperchen (Lymphocyten) ähnlicher Elemente spricht für örawitz' Annahme, da, die Leukocyten in der Regel mehrere Kerne enthalten. Dagegen hat sich neuerdings mehr und mehr die Deberzeugung Bahn gebrochen, dass die emigrirten Leukocyten an der Gewebsneubildung keinen An-theil haben.
Durch die Wand der Capiilaren verhissen auch wohl rothe Blut­körper die Blutbahn und sammeln sich bald einzeln, bald in grösseren Haufen in der Umgebung der Gefiisse an, um hier kleine punktfönnige Hilinorrhagien zu bilden.
Oh die Emigration durch natürliche Lücken (Stomata) in der Oelass-wand erfolgt, oder ob sich die zur Auswanderung erforderlichen Spalten in derselben erst während des Entzüadungsprocesses bilden, ist zur Zeit noch eine offene Frage. T ho m a konnte mit Hülfe von Silberin jeetionen in ent­zündete fiekrüspartien beim Hunde zwischen den Gefiissendothelien zahlreiche pnnktförmige Stellen nachweisen, in welchen noch Leukocyten steckten und durch welche auch rotlio lilutkörper einzeln sowie in Gruppen die Blutbahn verliessen und in das entzündete Gewebe gelangten.
Nach den Beobachtungen Leber's erfolgt die Emigration der weissen Blutkörperchen nicht regellos, sondern mich bestimmten Rich­tungen, in welchen dieselben auch ausserhalb des Gelasses weiter wandern. Wahrscheinlich handelt es sich hierbei um eine Anziehung seitens gewisser chemischer Stolle (chemotactische Substanzen) Chemotaxis (Pfeffer), namentlich der Stoffwechselproducte der Bak­terien, so dass es den Anschein gewinnt, als ob die emigrirten Leuko­cyten einen Kampf mit den Eindringlingen aufzunehmen die Aufgabe haben, eine Anschauung, die in neuerer Zeit, von Metschnikow auf­gestellt (Phagocytose), von anderer Seite jedoch bekämpft wurde.
Es verlassen indess nicht allein Blutkörper die Gelasse, sondern auch Blutplasma oder Blutserum tritt durch die Gefässwand (Tran s-
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^mm
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Eüntzlluduns
su du linn) und misclii: sich dem Lyuiphstroine bei, wodurch (-'iiu-Ueberschwemmung und Dui'clifeuohtung des entzündeten Gewebes yer-aiilasst wird, da die Lymphgefässe bald aussei- Stande sind, diese Flüssigkeit sowie die ausgetreteneu Blutkörpercbeu abzufUbreni
Wie verhalten sicli aber die gefilsslosen Theile bei der Ent­zündung?
Aetzt man die bekanntlich gefüsslose Cornea, so trübt sieh so­wohl das Epithel wie auch das l'arenchym derselben, und /.war nicht allein in dem von der Aetzung betroffenen Bezirke, sondern auch in dessen Nachbarschaft. In kurzer Zeit sammeln sich an der erkrankten Stelle die Wanderzellen der Cornea und zahlreiche Leukocyten an. Nach Senftleben, Lober, Benecke stammen die letzteren aus den Ge-i'ässschlingen des Cornealrandes und ziehen durch die Sai'tkanille der Cornea von der Peripherie derselben zu der verletzten Stelle, während neuerdings örawitz, Buddee diese Zellen nicht mehr für Leukocyten, sondern für proliferirte Cornealköi'per erklären. In manchen Fällen genügt diese Ansammlung von Zellen allein, um die reparatorischen Vorgänge zu bewirken, bei schweren Erkrankungen der Cornea da­gegen bilden sich vom Rande her neue Blutgefässe, die allinählich gegen die kranke Partie vordringen. Die Entzündung geiassloser Theile unterscheidet sich also im allgemeinen nicht wesentlich von der ge-tässhaltiger; an Stelle der Blutgefässe tritt hier die Saftströmung und das Lymphgefässsystem. Dass die Vorgänge dadurch verlangsamt werden, liegt auf der Hund.
Bei den zahlreichen einzelnen Vorgängen, die während der Ent­zündung experimentell testgelegt sind, ist es nicht wunderbar, dass auch das Wesen derselben von den einzelnen Untersuchern verschieden aufgefasst worden ist. Nach Cohnheim bildet der Austritt von ßlut-bestandtheilen (Exsudation und Emigration) den Mittelpunkt der entzündlichen Erkrankung, und er führt ihn auf molcculäre Ver­änderungen der öefässwände zurück. Diese „Alterationquot; der Go-fässwand soll nach ihm das Adhiisionsverhältniss zwischen Blut und Gelässwand erhöhen, und auf diese Weise zunächst eine Verlang-samung des Blutstromes und später den Durchtritt von Blutbestandquot; theilen durch die Wand veranlassen. Worin diese „AI teration1, be­steht, entzieht sich bisher unserer Einsicht; auch das Mikroskop hat in der Frage keine Auskunft ZU geben vermocht. Es scheint, dass die Ge-fdsswand durchlässiger geworden ist, doch lassen sich weder Continuitäts-trenmmgen noch auch Erweiterung etwa vorhandener Oeffnungen nach­weisen , auch die Thoma'schen Färbungen mit Silbernitrat haben
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Wesen der Entzttndunglt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 1
diese Frage nicht entschieden) i'io von Arnold aufgestellte Ansicht,
dass sich zwischen den Eudotheliei] natürliche Stomata Qnden, hat sich als irrig erwiesen. Neuerdings wird mit Recht in dieser Hinsicht zwischen dein Austritt der flüssigen Bestandtheile des Blutes, der Exsudation und der Auswanderung von Leukocyten unterschieden (v. Recklinghausen, Thoma, Gtaä u. A.), Auch die Emigration lilsst sich sehr wohl ohne Alteration der Gefasswand denken; hat doch Thoma nachgewiesen, dass einfache Circulationsstörungen mit Rand­stellung und Emigration von Leukocyten verbunden sein können; Reizung der localen Gefftssnervencentren sind im Stande, diese Vor­gänge einzuleiten, welche incless alsbald wieder aufhören. Durch hef­tige Reizung dieser Nervenapparate soll aber eine Alteration der Ge-fässwiinde, also eine Entzündung hervorgerufen werden können, wes­halb man neuerdings glaubt, den localen Gefassncrvencentren eine wichtige Kollo bei der Entzündung und namentlich bei der Emigration zuschreiben zu müssen.
Die Humoralpathologen suchten den Schwerpunkt der Entzündung im Blute, dessen Veränderungen in der Zusammensetzung den Aus­gangspunkt des Processes bilden sollten (hnmoralpatliologische Theorie). v. Recklinghausen, Thoma glaubten das Wesentlichste in der Reizung der peripheren Gelassnerveu und der dadurch bedingten Con­traction der Vasomotoren suchen zu müssen (Heuristische Theo­rie). Andere legten das Primärleiden in die Gewebe selbst (cellulare Theorie, Virchow, Grawitz, Ribbert); es sollten hiernach die Gewebszellen, von dem Entzündungsreiz betroffen, sich vergrössern, vermehren und auch den Eiter bilden. Das Nähere hierüber zu be­sprechen bleibt Aufgabe der Pathologie.
In dieser Frage wird man offenbar nicht eher zu einer Einigung gelangen, bis man sich entschliesst, es ganz aufzugeben oder doch erheblich einzuschränken, die Entzündung als einen besonderen Krank-heitsprocess zu betrachten. AVas ist dem Processe eigenthümlichP Genau betrachtet sehr wenig; denn Erweiterung und Verengerung der Gefässe sowohl, wie der Austritt von Dlutbestandtheileii aus denselben finden ihre physiologischen Analoga. Kommt doch die Zufuhr der Nährstoffe zu den Geweben auf diese Weise zu Stande, und auch von den weissen Blutkörpern weiss man, dass sie unter normalen Verhält-nissen die Blutbahn verlassen und in die Gewebe übertreten können. Nur durch die Schnelligkeit, mit der diese Vorgänge ablaufen, bezw. durch die Menge des ausgetretenen Materials und die mit der Ent­zündung verbundene Gewebsveränderuiigen unterscheiden sich die ent-
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Eiitziilidiinquot;'.
/iiiullicluMi Processe von den physiologischen Vorgilngcn. Daher lassen sich auch sebari'e Grenzen zwischen beiden nicht ziehen. Vorgänge, die der eine als entzündliche bezeichnet, werden von anderen nicht hier­her gerechnet. Es darf nur an die Heilungsvorgllnge eines Knochen­bruches erinnert werden, die man früher allgemein als Entzündung auffasste; dasselbe gilt von der aseptischen Wundheilung, der Sehnen­entzündung U. S, vv. Unseres Eraclitens sollte man ebenso wie die Callusbildung wenigstens alle aseptisch verlaufenden, d. h. nicht mit Infection verbundenen Erkrankungen aus der Gruppe der entzünd­lichen Processe streichen und den Ausdruck Entzündung nur für die infectiösen Vorgänge in Anwendung bringen. Vorläufig ist es jedoch üblich, diese Bezeichnung auch für eine Reihe von Processen zu ge­brauchen, die als reparatorische Vorgänge auftreten und gewisse örtliche Beschädigungen an den Organen des Körpers ausgleichen. Laufen diese mit Störungen in der Blutbewegung (Hyperämie), mit Austritt von Blutbestandtheilen (Exsudation) oder Auswanderung farb­loser Blutkörperchen (Emigration) und endlich mit Neubildung von zelligen Elementen ab, so rechnet man sie zu den entzündlichen Pro­cessen, spricht /,. 13, von einer Entzündung der Sehnen, wenn durch Zerrung oder Coutinuitätstrennungen derartige Vorgänge in ihnen an­geregt werden. Daraus erklärt sich, dass man neuerdings die Ent­zündung als eine Reaction des Organismus mit dem Charakter der Zweckmässigkeit betrachten konnte, wie es von Arnold, Leber, Marcband u. A. geschehen ist.
Klinische Erscheinungen. 1. Die Röthung verdankt ihre Ent­stehung theils der Dilatation der Blutgefässe (entzündliche Hyper­ämie), theils der massenhaften Anhäufung rother Blufckörper in denselben, welche schliesslich zur Stockung des Blutstroraes (Stase) führen kann; dazu kommt die Anhäufung rother Blutkörper ausser-liulb der Gelasse, wohin dieselben entweder einzeln durch die Gelass­wand hindurch (Diapedesis) oder in grösseren Mengen dureb Zer-reissung der Gefässwand (per rhexin) gelangen.
Die Entzündungsröthe gelangt bei unseren Hausthioren wegen der meist pigmentü'fcen Haut selten zur Beobachtung: sie zeigt sich im Farbenton verschieden. Bald bildet sie eine scharlachrothe Färbung, bald erscheint sie mehr bläulich. Bei ersterer pflegt eine lebhafte Beschleunigung des Blutstromes zu bestellen, weshalb die Röthe auf Fingerdruck schnell wiederkehrt; bei der bläulichen Röthe liegen er­hebliche Stauungen vor; daher lässt sich diese durch Fingerdruck nicht
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Klinische Ki'scIkjuiuii^vu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;23
so leicht beseitigen und kehrt nach Aufhebung desselben mir langsam zurück. AVo die Röthung auf Fingerdruok überhaupt nicht verschwindet, bestehen Extravasate, d. h. Anhäufungen von ISlut ausserhalb der
Gel'ilsse.
2. Die EntzÜndungSgesohwulst (Tumor) entstellt theiis durch die Ausdehnung der Gelasse, vornehmlich aber durch den Uebertritt ilüssiger und körperlicher Elemente des Blutes in die Gewebe; hierbei kommen ferner die vergrosserten und gewucherten Gewebszellen und endlich eingedrungene Fremdkörper und Infectionsstoffo in Betracht, Je nachdem der eine oder andere dieser Factoren an dem Zustande­kommen der entzündlichen „Schwellungquot; oder „Anschwellungquot; vorzugsweise betheiligt ist, gestaltet sich diese verschieden; auch übt die anatomische Beschaffenheit des Gewebes hierauf einen Einiluss aus; in der lockeren Unterhaut am Rumpfe der Thiere erscheint sie in der Regel schlaffer, während die Anschwellung an den unteren Ab­schnitten der Giedmassen namentlich bei grösseren Thieren stets eine derbere Beschaffenheit besitzt.
Verdankt die entzündliche Schwellung ihre Entstehung vornehm­lich der Anhäufung von Serum in den Geweben, welches durch Druck von aussen leicht zum Abfluss in die Umgebung gebracht werden kann, nach Aufhebung dieses Druckes nur langsam wieder zurückfliesst, so nimmt der Theil „Fingereindrückequot; an; die Entzündungsgeschwulst besitzt eine „teigige Beschaffenheitquot;. Diese Eigenschaft beweist also die Gegenwart von Serum in den Gewebsmaschen, einen Zustand, den man als Cede ra 1) bezeichnet, und weil das Oedem durch Entzündung entstanden ist, nennt man es zur Unterscheidung von den durch Stauung oder andere Einflüsse veranlassten entzündliches Oedem. Giebt die Anhäufung zahlreicher Blutkörper oder proliferirter Gewebszellen die Grundlage zur entzündlichen Schwellung ab (plastische oder /.eilige Infiltration), so erscheint die Anschwellung härter, derber, und da diese Elemente sich nicht so leicht durch Druck von aussen verdrängen lassen, so nimmt die Anschwellung keine Fingereindrücke an.
.'J. Auch die Entzündungshitze (Calor) erklärt sieb aus dem Umstände, dass mehr Blut den erkrankten Theil durchströmt. Wenn man früher annahm, dass die entzündlichen Processe, der lebhaftere Stoffwechsel in dem leidenden Theile hierzu beitrage, so ist das nicht richtig, denn die Temperatur in dem entzündlich erkrankten Theil übersteigt niemals die Bluttemperatur. Ferner bleibt zu beachten, dass
') xo 'jiZ-qii'/., das Anschwellen, die öesohwulat (filhamp;m jon. olSiw),
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Knt/,iimliii]lt;
der Calor nicht in dem Müsse objectiv nachweisbar ist, wie er subjectiv empfunden wird. Wir benutzen aber Ijci Thieren iiucli diese Erscheiraquo; aung, um uns von der Gegenwart einer Entzündung zu überzeugen. Das Nähere hierüber ist in .M öl lev's Diagnostik der ilusseren Krank­heiten besprochen.
I. Der E n tz ü nd u ngssch m erz (l)olor) ergiebt sieb aus der mit der Anschwellung verbundenen Drucksteigerung in dem entzünd­lich erkrankten Organ und der sich hieraus ergebenden Zerrung sen­sibler Nerven. Je stärker die Anschwellung und je geringer die Ausdehnungsfähigkeit des entzündeten Organs, je reicher dasselbe an sensiblen Nerven, um so grosser die Schmerzhai'tigkeit. Wahrscheinlich kommen hierzu chemische Reizungen der Nerven durch Substanzen, die sich in dem Entzündungsherde gebildet haben oder von aussen hinein gelangt sind.
quot;gt;. Dass bei derartigen Störungen in der anatomischen Einrichtung auch die Function der Organe mehr oder weniger gestört sein muss (Functio laesa), bedarf keiner weiteren Begründung.
Zu den Erscheinungen der Entzündung rechnen wir klinisch noch die verstärkte Pulsation der zuführenden Arterien, z. B. der Art. phmturis bei Entzündungen im Hure. Die Störung der Blutcirculation in der entzündlich erkrankten Huflederhaut, wie sie durch den Ent-zündungsprocess sowie durch die Drucksteigerung im Hufe entsteht, muss zu einer Anstauung des Blutes in den zuführenden Arterien führen, wodurch diese ausgedehnt werden und sich bei jeder Systole des Herzens in abnormem Grude füllen.
Die genannten Cardinalsymjitonie sind nicht immer alle vor­handen, sondern unter gewissen Verhältnissen kann auch das eine oder das andere fehlen. Wir werden z. 1?. bei Entzündungen des Knochen-markea Schwellung vergebens suchen; die liöthe fehlt bei pigmen-tirter Haut, ebenso ist bei Entzündung tief gelegener Organe eine locale höhere Wärme nicht nachzuweisen. Dagegen wird der Schmerz und die Functionsstörung bei der Entzündung kaum jemals vermisst.
Eintheilung der Entzündungen. Nach der grösseren oder ge­ringeren Schnelligkeit, mit welcher die entzündlichen Veränderungen auftreten und ablaufen, unterscheidet man acute und chronische Entzündungen. Bei ersteren treten die oben beschriebenen Störungen mit einer gewissen Lebhaftigkeit auf, um in kurzer Zeit, d. h. in wenigen Tagen oder Wochen, nach Erreichung des Höhepunktes den einen oder anderen Ausgang zu nehmen. Die chronische Entzündung
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EintheiluDg der Entzündungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25'
verläuft langsaai, schleichend) sie kann unter Umständen Jahr und Tag andauern (S. 62), Aber auch die Gfewebsart spielt hierbei eine Rolle, namentlich wenn die aseptisch, d, h. ohne Infection ablaufenden Vorgänge ZU Entzündungen Anlass geben. In gefilssarnieu, derben Geweben (Sehnen, Bändern u. s. w.) verlaufen die entzündlichen Pro-eesse regelinässig langsamer als im lockeren Bindegewebe,
Nach dem Sitze unterscheidet man oberflächliche (super-ficielle) und tiefere (parenchymatö.se im weiteren Sinne) Entzündungen. Zu den erstcren rechnet man die der ilusseren Haut, der Schleimhäute und serösen Häute. Bei den in die Tiefe greifenden Entzündungen unterscheidet man noch, ob dieselben das eigentliche Parenchym des Organs, z. B. die Muskelfasern, Drüsenzellen, ergriffen haben (parenehymatös im engeren Sinne des Wortes), oder ob die Entzündung in dem interstitiellen Bindegewebe! abläuft (inter* stitielle Entzündung). So trennt man z. B. zwischen einer Mvo-sitis parenehymatosa und einer Myositis interstitialis.
Nach der Ausbreitung des entzündlichen Processes spricht man auch von 1 o c a I i s i r t e n, d i f fu s e n, pro g r e diente n Entzündungen. Eine Eintheilung, welche; sich auf das ursächliche Moment stützt und die Entzündung vom bakteriologischen Standpunkte betrachtet, ist die in aseptische (nicht bakterielle) und in speeifische (bakterielle) Entzündungen. Die ersteren umfassen jene entzünd­lichen Erkrankungen, bei denen keine Mikroorganismen eine ursächliche oder complicirende Holle spielen und die, wie oben bereits angeführt, besser aus der Reihe der Entzündungen gestrichen und zu den repara-torischen Vorgängen gezählt würden. Bei den speeifischen Entzün­dungen sind Mikroorganismen, sei es ursächlich, sei es als Compli­cation, betheiligt.
Wir haben gesehen, dass bei der Entzündung verschiedene Be-standtheile des Blutes die Gelasse verlassen können, und die Beschaffen­heit des „Exsudatesquot; richtet sich danach. Letzteres ist Veranlassung geworden, diejenige Eintheilung der Entzündungen zu schaffen, welche zur Zeit am gebräuchlichsten und auf den anatomischen Befund basirt ist. Bald tritt vornehmlich Serum aus, wie es namentlich bei leichten Entzündungen gewisser Organe (Brust- und Bauchfell, Synovialis der Gelenke und Sehnenscheiden) der Fall ist (seröse Entzündungen). Enthält das Exsudat grössere Mengen spontan geronnenes Eiweiss, so spricht man von einem .,f i bri nösenquot; Exsudat oder einer fibri-nösen Entzündung. Auch diese pflegt an serösen Häuten, an der Synovialis der Gelenke und Sehnenscheiden aufzutreten, deren Ober-
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Kntziimlun;,'.
fläche in Folge dessen mit einer mein- oder weniger dicken Faserstoff* scliicht bedeckt wird. Bei der inikroskopisehen Untersuelmug erkeimt man, dass das Exsudat aus einem engen Fasernetz bestellt, welches zahlreiche weis.se Blutkörper einsohliesst. Wo Serum und Fibrin zu­gleich im Exsudate auftritt, spricht man von sero-fibrinösen Ent-
zü n du n gen.
Finden im Verlaufe der Entzündung zahlreiche Blutungen statt, so nennt man sie eine häinorrliagisehe; das Exsudat erscheint dabei roth gefärbt. Hochgradige Erkrankungen, verbunden mit schweren Störungen an den Geiasswänden sowie in der Circulation geben den Anlass zu dieser Form entzündlicher Erkrankung.
Als diphtheritische Entzündungen bezeichnet man entzünd­liche Processe an der Oberfläche der Organe, namentlich der Schleim­häute, welche schnell zu flächenhaftem Absterben des Gewebes führen. Für diese Form localen Absterbens wurde von Colin heim und Weigert die Bezeichnung „Coagulation snekrosequot;, von Neu­mann „fibrinoide Degenerationquot; eingeführt. Es handelt sich hierbei um schwere Läsionen der Gefilsse und Gewebe mit Bildung von Stase und Gefässthronibosen, wobei die in die zelligen Elemente eindringende librinogene Substanz durch die flbrinoplastische Substanz der /eilen zum Gerinnen gebracht wird.
Ein sehr häufig vorkommendes und klinisch wichtiges Entzün­dungsexsudat ist das eitrige (purulente), der Eiter. Derselbe stellt eine nicht gerinnende Flüssigkeit dar, deren Eigenschaften bei unseren einzelnen Hausthieren variiren. Der Eiter des Pferdes, Kindes und Schweines hat eine graugelbe Farbe, die beim Hunde chocoladen-farbig ist. Seine Consistenz ist rahraartig beim Pferde (Pus bonum et laudabile der Alten), beim Binde mehr klümprig und beim Hunde, sowie Schweine dünnflüssig. Während der Fiter beim Pferde, Hunde und Schweine geruchlos ist, höchstens etwas fade riecht, zeichnet sich der des Kindes durch einen intensiven, sehr dauerhaften Geruch aus. In stag-nirendem Eiter bewirken chemische Zersetzungen (Fiiulniss u. s, w,) nicht selten Veränderungen; er wird unter solchen Umständen oft dünn­flüssig, schaumig und übelriechend. Neben vereinzelten rothen Blut­körpern besteht der Fiter aus einer grossen Anzahl kleiner Kundzellen, den Eiterkörperchen und einer dem Blutserum ähnlichen Flüssig­keit, dem Eiterseruni oder Eiterplasma. Die ersteren, etwas grosser als weisse Blutkörperchen, sind gewöhnlich körnig getrübt und stellen vorzugsweise ausgewanderte und in der Kegel abgestorbene weisse Blutkörper dar. Durch Zusatz von Essigsäure oder einem Kern-
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AbgoossbildttoSTinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Li7
lilrbeniittol werden ein oder mehrere Kerne in denselben sichtbar. Die kugelig gestalteten Eiterkörpercheii verlieren sehr bald die anfangs vorhandene Fähigkeit Fortsätze zu bilden und sterben ab. Oft finden sich in ihnen Fetttröpfchen und regelmässig Mikroorganismen, nament­lich Eiterkokken.
Nach den neueren Untersuchungen (Orawitz u. A.) gehen die Eiterkörpercheii zum Theil aus einer Wucherung der Zellen des ent­zündlich erkrankten Bindegewebes hervor.
Liisst man den Eiter einige Zeit stehen, so senken sich die Eiter-körporclien zu lioden und bilden eine Sehiclit, über der sich eine gewöhnlich etwas trübe, manchmal leicht grün gefärbte Flüssigkeit, das Eiterserum, ansammelt. Das Verhftltniss der Eiterkörperchen zum Eiterserum gestaltet sich ausserordentlich verschieden. Je mehr Eiterkörpercheii im Eiter ent­halten sind, um so dickflüssiger erscheint derselbe, während Vorwiegen des Eiterserums den Eiter dünnflüssig macht. Die festen liestandtheilo des Eiters betragen etwa 10—160|o, unter denen sich 5—(i0,, Asche befinden; Kalium- und Natriumverbindungen sind hier in grösseren Mengen vertreten als im Blutserum. Neben Wasser und Salzen kommen im Eiterserum Paraglobuli n , Seru mal h um i n at, Kaliumalbuminat, Myosin, Leucin, Tyrosin und eine b'eihe von chemischen Körpern vor. welche als Producte der Eiterbakterien angesehen werden müssen. Ausserdem ent­hält der Eiter an festen Bestandthoilen zuweilen Fetttropfen, Fibrin, Fett-und Oholestearinkrystalle, Spaltpilze, abgestorbene Gewebstheile und zufällige Beimischungen: an Gasen Stickstoff und Kohlensäure, während Sauerstoff und Wasserstoff in der Kegel fehlen. Im frischen Zustande reagirt der Eiter alkalisch, nach längerem Stehen sauer.
So lange dor Eiter in den Lüchen des noch lebendigen Gewebes sich befindet, spricht man von einer eitrigen oder plastischen Infiltration; aus dieser bildet sich durch Einschmelzung des infil-trirten Gewebes, oder durch Auseinanderdrängen der Gewebsfibrillen (Woronin) eine mit Eiter angefüllte llöhle, ein Abscess1) (Apo-stenia). Eine Ansammlung von Eiter in einer prälbrmirten Körper­höhle (Gelenk, Stirnhöhle, Bauchhöhle) wird im Gegensatz zum Ab­scess als Empyem bezeichnet. Abscesse, die unter den Erscheinungen einer acuten Entzündung sich entwickeln, nennt man heisse oder acute Abscesse, im Gegensatz zu den langsam entstandenen kalten Abscessen.
Die Entwickelung eines acuten Abscesses läuft oft in wenigen Tagen ab und gestaltet sich so, dass zunächst die Gewebsspalten mit zahlreichen Eiterkörperchen durchsetzt werden (eitrige Infiltration). Durch Vermehrung der letzteren, gleichgültig ob durch Emigration
') absoodere = weichen, veraobwinden.
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Kiit/.iiiuluii'C.
von Leukocyten aus den Gefässen (Colinheim), oder durch Proliferation der Bindegewebskörpercken (Grawitz) werden die ßindegewebsspalten erweitert, und schliesslioh verschwinden die Septa zwischen denselben, es kommt zur Coufluenz und Böhlenbildung. Klinisch besteht zunächst eine schmerzhafte Schwellung mit Röthung, die allmählich an .S|iiin-nung zunimmt, während die anfangs hellrothe Färbung in ein Blau­roth übergeht und schliesslich Fluctuation, d. h. eine schwappende Beschaffenheit der Oberfläche zu Stande kommt. Legt man den Zeige-und Mittelfinger auf die Stelle und übt mit dem einen Finger einen Druck auf die Geschwulst aus, so setzt sich derselbe nach bekannten hydrostatischen Gesetzen auf den anderen Finger fort, welcher in dem gleichen Masse gehoben wird, wie der erste herabsinkt. Je dünner und nachgiebiger die den Abscess bedeckenden Weichtheile, desto deut­licher tritt diese Erscheinung (Fluctuation) zu Tage, welche bei einer starren Abscesswand natürlich fehlt.
Acute Abscesse besitzen die Neigung, nach aussei! durchzu­brechen, zu perforiren, und zwar in Folge der Spannung in dem unter starkem Druck stehenden Abscess und der deletiiren, einschmel­zenden Eigenschaften des Eiters. Indem die Haut angespannt, ihre Gefässe in die Länge gezogen und die Wände derselben an einander gedrängt werden, sterben die Gewebe ab. Daher zeigt sich die conisch zugespitzte Abscessdecke blau, an ihrer Oberfläche erscheint entzünd­liche Exsudation, die Ilaare fallen aus, und schliesslich ergiesst sich der Abscessinhalt nach aussen (spontane Perforation). Natürlich lässt man es in der Kegel nicht so weit kommen, sondern sucht die Eiterhöhle durch einen Einstich oder Einschnitt möglichst bald zu öffnen.
Aetiologie. Man hat sich früher die Thatsache, dass in dem einen Falle bei der Entzündung ein seröses, in dem anderen Falle ein fibröses und schliesslich sogar ein eitriges oder hämorrlntgisches Ex­sudat geliefert wird, so erklärt, dass die Intensität des ursächlichen Momentes die Entstehung des einen oder anderen Exsudates bedingt. Nach dieser Ansicht konnte also z. 15. eine Verbrennung ebenso gut ein seröses als auch eitriges Exsudat veranlassen, je nachdem sie in geringerem oder intensiverem Grade eingewirkt hatte. Wir wissen jetzt, dass dem nicht so ist. Gerade die eitrigen und hämorrhagischen Exsudate sind es, die lediglich durch die unten näher betrachtete Gruppe der specitischen Ursachen entstehen. Zwar ist es den Unter­suchungen von Orthmann, Councilman u. A. anscheinend gelungen,
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Ui'saclu'n iliT BntzUudung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
durch suboutane Injectionon von Argentum nitricuni (•quot;)quot;quot;), Terpen-tinöl und metallischem Quecksilbei1 locale Eiterungen zu erzeugen, allein die Experimente von Strauss, Scheuerlen, Klemperer u. A. sprechen dafür, dass diese Eiterungen durch sterile chemische Körper
Tüuschungcn waren, indem auf irgend eine Art nachträglich Eiter-mikroben an die botreffenden Injectionsstellen gelangten und dann die massenhafte Ansammlung von Leukocyten, d. h. Eiterung veranlasston.
Wir dürfen daher annehmen, dass überall, wo Eiterung besteht, auch Mikroorganismen vorhanden sind, bezw. waren, und dies um so mehr, als unter normalen Verbältnisseu die bei den Experimenten benutzten, eitererregenden chemischen Substanzen im Thierkörper nicht vor­kommen.
Wir unterscheiden folgende Gruppen von Ursachen der Ent­zündung:
1.nbsp; Traumatische Ursachen; hierunter sind alle rein meclia-nischen Insulte zu verstehen (Quetschung, Zerrung).
2.nbsp; nbsp;Thermische Ursachen; es handelt sich um die Einwirkung abnorm hoher oder niedriger Temperaturgrade (Verbrennung und Erfrierung).
3.nbsp; nbsp;Chemische Ursachen; hierher gehören alle Aetzmittol, Alkalien, conc. Mineralsäuren sowie die scharfen Salben, die pflanz­lichen oder thierischen Gifte (Schlangenbiss, Insoctenstich); auch die reizend wirkenden chemischen Producte der Bakterien müssten streng genommen zu dieser Gruppe gezählt werden. Da iudess die Bildung jener Producte ohne Bakterien nicht vor sich geht, so muss sich eine weitere Gruppe von Ursachen der Entzündung ergeben, nämlich;
4.nbsp; nbsp;die specifischen Ursachen; zu diesen gehören in erster Linie die Bakterien. Es giebt zwar auch noch entzündliche Processe, deren Natur bisher wenig aufgeklärt ist, deren Ursachen man aber zu den specifischen zählt, obwohl sie noch nicht gekannt sind, näm­lich die durch Erkältung entstandenen sog. rheumatischen Entzün­dungen.
Nach dem oben Erwähnten könnte man den Ausdruck Entzün­dung auf diejenigen Processe beschränken, welche durch die speci­fischen Ursachen veranlasst werden, und die übrigen durch die ersten 8 Gruppen bewirkten Vorgänge zu den reparatorischen Processen zählen.
Die Zahl derjenigen Mikroorganismen, welche dem thierischen Körper gefährlich werden können, ist schon jetzt, Avie die neueren Untersuchungen gezeigt haben, eine ausserordentlieh grosse, und tag-
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Entzttnduntri
lieh worden mit di'n Hülfsmitteln moderner Forschung neue entdeckt. Es muss der Pathologie und der Speoialwissenschaffc, Mykologie oder Bakteriologie überlassen bleiben, auf diese Frage näher einzugehen; wir beschränken uns auf einige kurze Bemerkungen, soweit diese Fragen in klinischer Hinsicht eine grössere Bedeutung erlangt haben. Die Schimmelpilze (Fungi) sowie die Sprosspilze (Blastomyceten) haben bei den Hausthieren ein chirurgisches Interesse bisher nicht erlangt, dagegen spielen die Spaltpilze oder Bakterien eine hervorragende Bolle bei den entzündlichen Erkrankungen. Die bahnbrechenden Arbeiten R. Koch's und seiner Schüler haben hierüber in neuerer Zeit unsere Kenntnisse bedeutend erweitert und ein ganz neues Forschungsgebiet bezüglich der Aetiologie der Krankheiten eröffnet. Indem wir auf die einschlägigen Lehrbücher verweisen, sei hierüber nachstehendes be­merkt, wobei wir den Darstellungen Kitt's, Fränkel's1) und Gün-ther's2) in den wesentlichen Punkten gefolgt sind.
Die Bakterien8) (Mikroparasiten, Mikroben), dem Pflanzen­reiche zugerechnete kleinste Lebewesen, müssen als einzellige Organis­men aufgefasst werden, die sich sehr verbreitet in der Natur vorfinden und eine wesentliche, theils schädliche, theils werthvolle Rolle im Haus­halte der Natur spielen. Sie sind unendlich klein, so dass es beson­ders scharfer Mikroskope und eigenartiger Untersuchungsmethoden bedarf, um sie dem Auge wahrnehmbar zu machen und um sie stu-diren zu können. Ihre Grosse schwankt vom Bruchtheil des Durch­messers eines rot hen Blutkörperchens bis zum Mehrfachen desselben, jedoch ist dieselbe keineswegs constant innerhalb derselben Art; Wachs-thumshedingungei), Erniihrung und Präparirniethoden üben einen wesentlichen Einfluss auf die Grosso der Bakterien aus.
Vom niedicinischen Standpunkte aus theilt man die Bakterien ein in solche, die dem tlüerischen Körper schädlich werden können (pathogene, oder krankmachende Bakterien) und in solche, die dazu nicht im Stande sind (nichtpathogene Bakterien); nur die ersteren sollen uns hier beschäftigen.
Nach ihrer Forin unterscheidet man: 1. Kugelbakterien (M i k r o k 0 k k e n), 2. S t ä bebe u b a k t e r i e n (B a c i 11 e n) und 3. Schraubenbakterien (Spirillen).
') Grundrlss dor Bakterienkundo von Dr. med. Carl Fränkol. III. Aufl. Berlin 1890, Hirsohwald.
'-') Einführung in das Studium der Bakteriologie von Dr. med. Günther. II. Aufl. Leipzig 1891. (i. Thieme,
8) t'j ßotxtiptov = das Stäbchen,
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Bakterien.
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1. Die Mikrokokkon bilden kugelige oder ovale Zellen, welche sich durch Theilung vermehren. Bald treten sie einzeln, bald zu zweien (DiploGOCCUS Pig. 1) auf, nicht selten alier reihen sich dieselben wie die Glieder einer Kette an einander (Kettenkokken, Strepto-
Pig. 2.
Fig. 1.
Mlkroooccus tetragonus.
Sti'eptooocons pyogonea (nach Kitt).
kokken Pig, 2) oder sie bilden, dicht zusammengefügt, traubenähn-
liche Gebilde (StaphyloCGCCUs) oder endlich artige Masse mit einander verbunden, grösserc Zooglöa). Einzelne derselben lügen sich in
durch eine schleim-Haufen (V e r b ä n d e,
Fig. 3,
Folge doppelter, rechtwinkeliger Theilung zu
Würfeln von je 1 oder 8 Kokken (Sarcina) zusammen.
2.nbsp; Die stäbchenförmigenBakterien (Bacillen) zeigen eine mehr oder weniger ausgesprochene Stabform, d. h. ihr Lilngen-durchmesser übertrifft, stets den Querdurch­messer (Fig. 4b). Sie theilen sich in der Rich­tung des Querdurchmessers, und wenn sich
die neu entstandenen Elemente an einander
Botryomycea (nach Babe).
reihen, so entstehen längere oder kürzere Fäden (Fig. 5), welche zuweilen den Fäden der Schimmelpilze nusser-ordentlich ähnlich erscheinen, zumal wenn sich die Fäden winkelig an einander lagern und so eine Ramification vortiiuschen. Bei genauer Untersuchung ergiebt sich der Unterschied leicht, indem die Fäden aus Stäbchen zusammengesetzt sind, was bei Schimmelpilzen nicht der Fall ist.
3.nbsp; nbsp;Die S ch r aubenb a k teri e n (S pirill e n) bilden korkzieher-förmige Gebilde (Pig. 7); ist ihre Windung nur gering, so nennt man sie Vibrionen.
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Elntzündunff,
Die Bakterien besteben wie tue Pflanzenzolle aus einer ^lem-* bran und ibreil) Inhalte. Die erstere, wabrsoheinlich aus einer der Cellulose verwandten Kolilenwasserstotl'vcrbindung gebildet, wird in des Regel erst sichtbar, nachdem der aus Protoplasma (Zellei weiss) bestehende Inhalt durch gewisse Mittel, z.B. Jod, zusammengeschrumpft ist oder sich retraliirt hat. Die ilussersten Schichten der Membran haben
Fw. -la.
Pit
p %:^m
WOlaquo;laquo;** jA
\
Müzbramp;ndbamp;clUen mit Sporeiii
MilzbrandbaolUen (halbsohemat.),
Fig. 5.
Ficr. G
\j
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iiaciUcn dos maligneu Oedams.
Eausclibrandbaolllen (lialbscbemat.).
zuweilen Neigung aufzuquellen, d. h. durch Wasseraufnahme in einen gallertigen Zustand überzugehen, wodurch eine Gallcrtschicbt um die Zelle entsteht, welche nicht in dem Masse Farbstoff aufnimmt, wie die übrigen Theile, sieb in Folge dessen deutlich abbebt und zur irrigen Annahme einer besonderen Kapsel (Kapselkokken) Anlass gegeben bat. Ob auch ein Kern in diesen einzelligen Organismen besteht, ist bisher nicht bekannt, nach Franke! jedoch wahrscheinlich. Der Zellinhalt (Protoplasma) bildet eine gleicbmässig durchscheinende Masse ohne besonderes Gefüge, die chemisch als Protein (Mvcopro-
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Bakt(
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tci'iii aufüufasson ist. Zuweilen werden ßennuiuigeu und Körner in demselben beobachtet, welche indess liiiulii;quot; ersl in Folge der Präpara.-tion entstehen. Ausgezeichnet ist die bei weitem grösste Mehrzahl der Bakterien dadurch, dass sie kein Chlorophyll besitzen, dagegen bildet eine Reihe derselben Farbstoffe in den verschiedensten Nuancen, so duss das betreffende Näbrsubstrat entsprechend gefärbt erscheint.
Ein Theil der Bakterien besitzt Cilien oder Geisselfüden in wechselnder Zahl, d. h. ausserordentlich feine Fortsätze, welche als
Bewegungsorgane dienen und mittelst deren sit fortzubewegen. Anderen fehlen diese und damit auch die Fähigkeit zur Eigenbewegung.
Obwohl dit1 Bakterien sieh ausserordentlich verbreitet, in der Natur vorfinden, so halten doch die einzelnen Arten bestimmte Lebens­bedingungen, tue sie auf gewisse Sub­strate direct, anweisen. Eine grosse Zahl derselben lebt nur von Be-standtbeilen lebender Thiere oder Pflanzen (obligate Parasiten),
andere nur auf todten liesten des
Thier- oder Pflanzenkörpers (obli-
Spirilleu.
gate Saprophyten); dagegen giebt
es auch Bakterien, die sowohl im lebenden Thier- oder Pflanzenkörper, als auch auf deren todten Resten ihr Fortkommen bilden (facultative Parasiten bezw. Saprophyten).
Der Mangel an Chlorophyll macht die Bakterien unfähig an­organische Nahrungsmittel, namentlich Kohlensäure zu assirailiren und jene complieirten organischen Verbindungen zu bilden, wie wir sie von den Pflanzen sonst kennen; sie sind vielmehr auf stickstoffhaltige Nahrung angewiesen; organische Substanzen sind es vornehmlich, von denen sie sich ernähren. Doch müssen auch diese entweder neutral oder schwach alkalisch reagiren ; auf saurem Nährboden wachsen die meisten im Cegensatz zu den Schimmelpilzen Überhaupt nicht.
Ein für das Gedeihen der Mikroben nothwendiger Factor, tier sich aber bei den ein/einen Arten verschieden gestaltet, ist ein ge­wisser Wännegrnd; dieser liegt im allgemeinen zwischen 10quot; und 40deg; C.
Als Temperaturoptimum bezeichnet man den Wärmegrad, bei dem eine Art, am besten gedeiht; für die saprophvHschen Bak-Miillor ti. Frlck, Allgemeine Chlrargle fllr Thierärzto, i Aufl,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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Bntzttuduuff.
terien liegt dieses etwa bei 21deg;. für die pamsitäsolien bei der Blut-wäniKraquo;, d. i. 35—10quot;. Abweichungen von dieser Temperatur bringt die Bakterien zunächst in einen Zustand der Kälte- bezw. Wftrmestarre, in dem sie jedoch noch nicht gleich absterben. Temperaturen von 60 — 80deg; tödten die meisten Bacilleu, abgesehen von den Dauerformen (Sporen) und einigen Arten, die trockene Hitzegrade bis zu 140deg; ohne Schaden vertragen; Kältegrade dagegen werden bei weitem leichter und andauernder ertragen. Den Temperatureinflüssen gegenüber ver­hallen sich Jedoch die einzelnen Arten sehr verschieden.
Zu den nothwondigen Lebensbedingungen der Bakterien gehört endlich Wasserj ein gewisser Grad von Feuchtigkeit ist für alle zur Entwickelung, für viele auch zur Erhaltung ihrer Lehensfähigkeit un­entbehrlich: Trockenheit tödtet manche früher, andere später.
Eine grosso Anzahl von Bakterien gedeiht nur in Gegenwart von Sauerstoff (obligat aerobe Bakterien), während andere auch ohne Sauerstoff wachsen (facultativ aerobe Bakterien), wie es bei der Mehrzahl der pathogenen Bakterien, die im thierischen Körper loben, der Fall ist. Mikroben, die nur unter Abschluss von Sauerstoff ge­deihen, heissen obligat anaerobe Bakterien.
Sind vorstehende Bedingungen erfüllt, so wachsen und vermehren sich die Bakterien auf Kosten des Nährbodens in verschieden schneller Weise. Manche Arten, z, B, die, welche die sog. chronischen In-fectionskrankheiten bedingen (Tuberkulose, Rotz, Aktinomjkose), ver­mehren sich nur langsam, andere dagegen wuchern so schnell, dass bereits in wenigen Stunden der ganze Nährboden, z. B. die Blutbahn des thierischen Körpers, mit Bakterien Überschwemmt ist. In so schnellem Tempo vervielfachen sich beispielsweise die Milzbrandbacillen. Die Vermehrung der Bakterien erfolgt auf ungeschlechtlichem Wege, indem sich dieselben einfach theilen, so dass aus einem Individuum eines oder mehrere (bis zu (i) entstehen. Dass diese Art der Ver­mehrung unter günstigen Bedingungen ausserordentliche Mengen von Bakterien liefert, erklärt sich aus rein rechnerischen Gründen.
Viele Bakterien bilden, auf der Höhe der Entwickelung ange­langt, oder auch unter dem Einflüsse ungünstiger ErnährungsVerhält­nisse zum Zwecke der Erhaltung der Art, Sporen, eine Art Frucht (Fig. ta). Zu dem Zwecke zieht sich das Protoplasma der Bakterie an einzelnen Stellen dichter zusammen und bildet die Spore, ein stark lichtbrechendesi hellglänzendes Körperchen, von runder oder ovaler Gestalt mit einem dunklen Contour. Indem der Best des Protoplasmas untergeht, wird die Spore frei und bildet die . 1) a uer f or mquot; der
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Bakterien,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
Bakterie, dlt; h. eine Form, in der sidi dieselbe längere Zeil unter un­günstigen Lebensbedingungen zu erhalten vermag. Jedes Bakterium, sofern dilaquo;' betreffende Art überhaupt Sporen bildet (von den Kokken ist dies bisher ganz unbekannt), bildet nur eine Spore, welche ent­weder in der Mitte derselben oder an einein Ende der Bakterie (.endständig) erscheint und von einer fast undurchdringlichen Membran (Sporenhaut) umgeben ist, Die Spore besitzt eine ausserordentliche Widerstandsfähigkeit gegen äussere Einflüsse, erträgt Kälte wie Hitze, Trockenheit und chemische Agentien bei weitem leichter als ihre Wuchsform. Trockene Hitze los 140deg; wird von vielen Sporen
längere Zeit ertragen; Siedehitze zerstört sie leichter, doch werden ver­schiedene Arten auch durch sie erst nach mehreren Minuten, gewisse Arten sogar erst nach stundenlanger Einwirkung vernichtet. Dagegen kann durch schädigende Einflüsse die Eigenschaft der Bakterien, Sporen zu bilden, vorübergehend oder dauernd aufgehoben worden. Die als Arthrosporen bezeichneten Abschnürungen einzelner Theile der Zelle, aus denen ebenfalls selbständige Individuen hervorgehen können, besitzen jedoch nicht die Widerstandsfähigkeit der eben be­schriebenen. Sobald die Sporen in günstige Lebensbedingungen ge­langen, keimen aus ihnen neue Bakterien derselben Art, aus denen sie gebildet wurden, aus. Auch für die Bakterien gilt daher der Satz: „omnis cellula e cellulaquot;; von einer Generatio aequivoca ist hier eben­falls nicht die Hede.
Während die Bakterien auf der einen Seife wie Jede lebende Zelle Nährstoffe, die zu ihrer Entwickeluug noting sind, aufnehmen, so geben sie auch gewisse Stoffwechselproducte ab, die man geradezu als ihre Excromente bezeichnen kann und die zum grossen Theil werthvolle Substanzen sind, z. B. Alkohol, zum grossen Tbeil jedoch Gifte schlimmster Art darstellen.
Einige produciren Säuren (Kohlensäure, Milchsäure, Essigsäure), andere Alkalien (Ammoniak, Trimethylamhi, Schwefelwasserstoff u, s. w.). Die pathogenen Bakterien liefern Fäulnissalkaloide (PtomaYne, Toxiue), über deren Zusammensetzung und Wirkung Brieger's u. A. verdienstvolle Arbeiten bereits einigen Aufschluss gegeben haben. Diese Stoffe besitzen zum Theil eine ausserordentlich giftige Wirkung auf höher organisirte Thiere.
Gewisse Bakterienarten produciren Farbstoffe (ehromögene oder Pigment baklerien), die Producte anderer leuchten im Dunkeln (phosphoresc i reu).
Die pathogene Wirkung der Bakterien beruht auf dem Eindringen
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Knlziii
derselben in den lebenden Orgaiiisimis (1 n t'ection) und der Vermehrung
derselben auf Kosten der Bestandtheile des letzteren. Die (lurch sic hervorgerufenen Krankheiten (Infectionskrankheiten) gestalten sieh bei den einzelnen Bakterienarten verschieden, ähnlich wie die durch Giftpflanzen veranlassten Vergiftungen speciflsche Krankheitsbilder be­wirken. Nicht alle Thiersjiecies zeigen sich für die pathogene Wirkung der einzelnen Bakterienarten in gleichem Masse empfänglich; die eine Thierart wird von dieser, die andere von jener Bakterienart pathogen beoinflusst. Zum Zustandekommen der Infection ist daher erforderlich, dass die lebenden Bestandtheile des Thierkörpers den Bakterien als Nährmaterial zu dienen geeignet sind. Da im thierischen Körper auch Bakterien vorkommen, welche zufällig dahin gelangt sind, oft erst in Folge des krankhaften Zerfalles der Organgewebe desselben sich in dem todten Material angesiedelt haben, so fällt der Nachweis, dass es sich um wirklich krankmachende Bakterien handelt, oft recht schwer; dieser Schluss erscheint erst gesichert, wenn dieselbe Bakterien­art constant bei der betreffenden Krankheit angetroffen wird und sich bei keiner anderen Krankheit findet, oder wenn mit einer I! eineull u r derselben durch künstliche Uebertragung (Impfung) dieselbe Krank­heit erzeugt werden kann.
Nach älteren Ansichten (Bollinger) sollte die pathogene Wir­kung der Bakterien auf rein mechanische Weise zu Stande kommen; durch Anhäufung massenhafter Bakterien sollten Blutgefässe verlegt und so die Circulation und Ernährung aufgehoben werden. Geschah letzteres in lebenswichtigen Organen, z. B. Gehirn, so erfolgte apo-plektischer Tod. Wenn auch dieses Moment nicht als unwesentlich zu betrachten ist, so wissen wir doch, dass das Wesen der Bakterien­wirkung in ihren Stoll'wechselproducten (Btoma'iuen) ZU suchen ist, und dass die Infectionskrankheiten als durch Bakterien bedingte In-toxicationeu aufzufassen sind. Dass die Bakterien gleichzeitig dem iniieirten Körper reichliches Nährnuiterial entziehen und so denselben entkräften, ist hiernach klar.
Gewisse Bakterien gelangen nach dem Eindringen in den Körper bald in die Blutbahn und vermehren sich liier, wodurch ihre giftigen Prodlicte schnell zur Wirkung gehingen, und acut verlaufende In­fectionskrankheiten entstehen, die man nach Koch und Davaine unter dem Namen „Septikämiequot; zusammenfasst. Andere zeigen die Neigung in den Organgeweben sich anzuhäufen und hier zu schweren Störungen zu führen. Wieder andere bleiben auf einzelne Stellen be­schränkt, z. B. die Tetanusbacillen, welche nur an der Impfstelle und
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Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37
(k'i'on nächster Umgebung angetroffen werden. Dass die letzteren trotzdem durch Resorption ihrer Stoffwechselproduote gefdhrlich werden können, beweist ebenfalls der Tetanus. Manche Arien sind allein gar nicht im Stande pathogen zu wirken, sie bedürfen hierzu gewisser-massen eines öehülfen, mit dem vereint (Symbiose) sie erst zur Wirkung gelangen, z. B. der Tetanusbacillus bedarf der Eitererreger, ohne diese wird er nicht wirksam.
Schliesslioh müssen wir auch mit der Thatsache rechnen, dass gleichzeitig mehrere, verschiedenartige Bakterien einen Körper inficiren können; wir sprechen dann von „Mi sc h i n fee ti onquot;.
Wie bereits erwähnt, ist nicht jeder Organismus für die Infection durch eine bestimmte Bakterienart empfänglich. Wo dies nicht der Fall ist, spricht man von Immunität; man nennt das Individuum immun oder refractär gegen den betreffenden Infectionsstoff. Theilt diese Eigenschaft das Individuum mit allen seiner Art, so bezeichnet man dieses als natürliche Immunität; individuelle Immunität nennt man die auf das Individuum beschränkte. Wir müssen bei dem Begriff raquo;Immunitätquot; uns gegenwärtig halten, dass hierunter zwei Eigen­schaften des Körpers verstanden werden, nämlich 1. die L'nempfilng-lichkeit für die Bakteriengifte (passive Immunität, 0 i ft immun i-tät, Giftfestigkeit); diese ist eine schnell vorübergehende, und 2. die Widerstandsfähigkeit gegen die Bakterien selbst (Bakterien­immunität, active Immunität). Letztere ist von längerer Dauer und ist diejenige Immunität, welche für den Impfschutz allein von Werth ist. Sie kann auf unbekannten Ursachen beruhen, z. B. an­geboren sein, oder aber durch das Ueberstehen derselben oder einer nahe verwandten Krankheit erworben sein, wobei es gleichgültig bleibt, ob diese durch zufällige Ansteckung oder durch absichtliche Uebertragung der Krankheitserreger (Impfung) entstanden war. Die Impfung kann unter Umständen mit einem Material erfolgen, dessen Virulenz durch gewisse Behandlung abgeschwächt wurde, wie es durch längeres Aufbewahren oder Austrocknen der Culturen, durch Znsatz bestimmter chemischer Körper (Carbolsäure u. s. w.) oder aber durch Züchtung der Bakterienart hei höherer Temperatur ermöglicht wird (Mitigation). Eine andere Art der Impfung wird so vorgenommen, dass man erst eine Giftimmunität bei den Impflingen durch Serum solcher Thieve, welche immun gegen die betreffende Krankheit sind, schafft, als­dann die entsprechende Bakterienart einimpft und so dem giftimmunen Thiere die Bakterienimmunität verleiht. Beim Rothlauf der Schweine hat diese Methode (Lorenz) sehr günstige Resultate geliefert.
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Kntzüudunquot;.
Die Abschwäcbuug tier Virulenz scheint nach den Untersuchungen Smirnow's auf einer allgemeinen Degeneration der Bakterien zu be­ruhen, welche sieh bei einzelnen (/. 15. Milzhrandlmeillen), Jetloch nieht bei allen durch langsameres Wacbsthura und verzögerte Sporeu-bildung auf künstlichem Nährboden bemerkbar macht und in den nachfolgenden Generationen erhalten bleibt. Auf diese Weise hat man den Milzbrand, lumschbrand, die Müliiiercholera, Schweinerothlauf und andere Infeetionskrankheiten durch Impfung mit abgeschwächten Culturen in einer leichteren Form zu erzeugen vermocht.
Ohne auf die heute noch nicht vollständig aufgeklärte Frage nach der nächsten Ursache der Immunität einzugeben, sei nur bemerkt, dass diese von Einigen (Klebs, Pasteur) in dem Verschwinden der­jenigen Stoffe im Körper zurückgeführt wird, welche den Bakterien zu ihrer Entwickelung notbwendig sind (Ers ch öp f u n gsth e o r ie); von Anderen (Chauveau) in dem Zurückbleiben der den Mikroben schädlichen Stoffe (ßet enti o nsth e o ri e) erblickt wird. Nach Metscbnikow sollen die Leukocyten und Organzellen durch die Impt-krankheit in ihrer Eigenschaft als Zerstörer der Mikroben geübt und leistungsfähiger weiden (l'hngocvtentheorie). Die neueren Unter­suchungen haben jedoch festgestellt, dass die zelligen Elemente jeden­falls nicht allein, sondern vor allen Dingen (womöglich ausschliess-licb) die Säfte des lebenden Körpers an der Vernichtung der Bakterien betheiligt sind, dass also chemische Stoffe hierbei thätig sind. Dafür spricht zugleich die Beobachtung, welche man mit der Einführung der Stoffwecbselproducte gewisser Bakterien gemacht hat. Werden diese nämlich ohne lebende Bakterien eingeimpft, so kann das Thier immun werden, wie bei verschiedenen Krankheiten (liauschbrand, malignes Oedem n. a.) beobachtet wurde, Woolbridge konnte aber auch durch Injection von Fibrinogen des (hierischen Körpers Immunität gegen Milzbrand erzeugen. Endlich zeigten Behring und Kitasato, dass durch Einverleibung von Blutserum immunisirter Thiere bei nicht immunen Tbieren sowohl Immunität erzeugt, als auch die bereits in der Entwickelung begriffene ECrankheil geheilt werden kann (Blut­serumtherapie). Bebring und Schütz gelang es endlich auch durch Injection von ,1 odtrichlorid die Immuuisirung, z. B. gegen Tetanus, zu unterstützen.
Haben diese Thatsachen für die Chirurgie zur Zeit zwar nur geringe Bedeutung, so ergeben sieh doch aus den Beobachtungen Gesichtspunkte für die praktische Ausnutzung derselben. Abgesehen von der durch Behring bewiesenen Thalsache, auf diese Weise z.B.
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Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 39
dün Tetanus und die Diphtherie zu heilen, erscheint nunmehr auch nicht ausgeschlossen, dass es gelingt, für die Zwecke der operativen Chirurgie wichtige Zustände von Immunität ZU erzielen. Man denke nur, dass es gelänge, Immunität gegen Eiterungen und septische Pro-cesse ZU schaffen, und sei es auch nur auf kurze Zeit, so würde damit ein wichtiges Hüll'sinittel geboten sein, eingreifende Operationen bei weitem ungefährlicher zu gestalten, als es bisher in der Praxis mög­lich war.
])ass die Erreichung einer derartigen Immunität keineswegs aussichtslos erscheint, beweisen die Experimente Ueichol's, do Giaxa's, Pinna's, welche bei Hunden, Katzen und Kaninchen in Zwischenzeiten von 2—o Tagen Oulturen von Staphylokokken bezw. abgetödtete Oulturen derselben intra­venös, suboutan und intraperitoneal einspritzten, wobei sieb zeigte, dass die Thiere sebliesslieh Mengen der Oulturen ertrugen, die bei den Oontrolthieren schnellen Tod zur Folge hatten. Diese Immunität scheint indess nur von kurzer Dauer zu sein, so dass sich das Verfahren für die Praxis vorläufig noch nicht verwerthen lässt. Mit den aus Reinculturen gewonnenen Pto-inanien wurden Hunde widerstandsfähiger gegen Einimpfung von Eiter.
Die Lcdire von der Immunität steht in innigem Zusammenhange mit der Heilung der Infectionskranklieiten. Fast alle Stoffe, welche im Stande sind, ausserhalb des Organismus die pathogeuen Bakterien ZU tödten, haben sich bisher unfähig gezeigt, dieseraquo; Thätigkeit in den Geweben und Säften des Körpers zu verrichten, ohne den Organismus selbst schwer zu schädigen, wenn nicht zu tödten. Auch die Ein­impfung von Bakterien, welche sieh, den pathogeuen gegenüber feindlich verhalten (Bakteriotherapie), haben bisher ein praktisches Interesse nicht erlangt. Bekanntlich gelang es Pawlowski, Burehard und Emmerich, mit virulenten Milzbrandbacillen geimpfte Kaninchen durch Einführung von Erysipelkokken zu retten; die Thiere blieben am Leben, ohne Jedoch Immunität gegen Milzbrand zu zeigen.
Auch die Vorgänge bei der spontanen Heilung der Infections­kranklieiten erscheinen im ganzen noch wenig aufgeklärt, doch er­geben sieh aus der obigen Betrachtung einigt' Anhaltspunkte. Einmal kommt in Betracht, dass die Infectionserreger nicht zu jeder Zeit die gleiche Virulenz besitzen, wie die Absehwiiehungsverfahren deutlich zeigen, und wie es auch aus den praktischen Beobachtungen über den Verlauf der Seuchenkrankheiten hervorgeht; ausserdem fällt die Wider­standsfähigkeit des erkrankten Organismus hierbei wesentlich ins Ge­wicht. Ohne Zweifel stehen demselben Hülfsmittel zu seiner Verthei-digung den Bakterien gegenüber zur Verfügung; nämlich auf der einen Seite die in den Säften desselben enthaltenen chemischen Stoffe,
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biiitüündung.
sodann die von den Parasiten seihst, gebildeten Stoffwechselproduote, welche sowohl die Vegetationsfähigkeit wie auch die Virulenz der­selben abschwächen. Wahrscheinlich spielt hierbei auch die locale, entzündliche und die allgemeine fieberhafte Steigerung der Temperatur eine ßolle. Wie oben bereits erwähnt, /.eigen die bei höherer Tem-peratur gewachsenen Culturen eine Abschwächung ihrer Virulenz. Somit liegt auch der Gedanke nahe, dass die unter dem Einflüsse der gesteigerten Körpertemperatur entstandenen Generationen der Bakterien in ihrer Virulenz eine Abschwächung erfahren und nicht mehr den schädigenden Kinlluss ansähen. wie die zuerst aufgenommenen. Ent­zündung und Fieber erlangen von diesem Gesichtspunkte aus eine salutäro Bedeutung, ein Umstand, der selbst für die Therapie heaehtens-wertb erscheint. Diese Wirkung wurde schon früher von Paracelsus, Stoll n.A. vermuthet; Stell bezeichnet das Fieber als eine „affectio vitae conantis mortem averterequot;.
Das Eindringen der Hakterien erfolgt in der Regel durch ver­letzte Stellen der äusscreu Haut bezw. Schleimhaut; letztere sind oft so klein, dass sie, zumal bei der Behaarung unserer Hausthieve, der Beobachtung vollständig entgehen. Nach den Versuchen Garre's ist: es wahrscheinlich geworden, dass die natürlichen Oeffnungen der iiusseren Kaut (Mündungen der Hautdrüsen und Haarsäcke) Eingangs­pforten für Bakterien bilden können. Garre konnte durch Einreibung einer Reincultur von Staphyiococcus pyogenes aureus auf die unver­letzte Haut typische Carbunkeln bezw. Furunkeln erzeugen. Ehenso scheinen einige Mikroben im Stande zu sein, die Epitheldecke der Schleimhäute mit Hülfe der Leukocyten, die ihnen als Transporteure dienen, zu perforiren. doch ist dieses vielen anderen nicht möglich, SO dass auch hier der Infection in der Hegel eine Verletzung voran­gehen muss.
Ant' der anderen Seite kann die Infection auch von den Blut­oder Lymphbahnen aus erfolgen. Zu beachten bleibt hierbei, dass unter normalen Verhältnissen Blut und Lymphe keimfrei sind (Hauser, Meisener, Zahn u. A.), dass aber diese Medien unter besonderen Verhältnissen (locale Infectionen, Läsionen der Darmschleimhaut) Bakterien aufnehmen und andere Stelleu des Körpers auf diese Weise inficiren können. Hosenbach zerbrach Kaninchen, denen vorher eine Bakterien enthaltende Flüssigkeit in die Blutbahn gespritzt war, die Tibia und beobachtete hierauf schwere Infection an der Bruchstelle bei vollständig intacter Haut. Becker erzengte eitrige Knochenmark-entzündung. indem er Thieren. denen er Contnsionen des Knochen-
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Bakterien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;II
markos beibrachte, Culturen von Stapbylococcus pyogenes aureus in diu Blutbahn injicirte. Diese auch von Anderen mehrfach wieder­holten Versuche gelingen zwar nicht immer, aber doch häufig, so class es keinem Zwuif'd unterliegt, duss die im Blute kreisenden Mikroben mit dem extravasirten Blute an geeignete (verletzte) Körperstellen ge­langen und hier ihre pathogenen Wirkungen entfalten können. Beim Pferde liefert die Brustbeule hierför ein Beispiel. Ebenso beobachtet mim bei Pferden, welche wegen unerhehlichor Streich wunden odor gering­fügiger Distorsionen in Fässern gekühlt werden, dass an den hierbei zufällig gequetschten Abschnitten des Schenkels schwere l'hlegmonen entstehen.
Die subcutane, parenohymatöse und intraperitoneale Injection einer mit vegetatiousfähigen Keimen von Staphylococcus pyogenes aureus oder Streptokokken versehenen Flüssigkeit bleibt häufig wirkungslos (Kinne), erst wenn grosse Mengen der InfectionsflUssigkeit injicirt, oder wenn derselben grössere Mengen Stoffwechselproducte der Bakterien zugesetzt werden, kommt es ZU einer Infection mit ihren Folgen. Offen­bar muss erst eine Schädigung des Gesundheitszustandes der Gewebe, z. B. Quetschung, Cauterisation (Reichel), in dem Masse stattfinden, dass ihr Widerstandsvermögen den Bakterien gegenüber erheblich ab­geschwächt wird, und die- letzteren das Uebergewicht erlangen, Das­selbe wird auch durch schwere Allgemeinerkrankung des Organismus oder durch Ernährungsstörungen mit Verminderung des Eiweissgehaltes, z.B. llydräiuic, Kochsalzinfusionen nach Blutverlusten (Reichel), be­wirkt. Vielleicht können auf diese Weise durch üeberanstrengung Dispositionen zu derartigen Erkrankungen geschaffen werden. Bei mehreren der am Distanzritt Berlin-Wien betheiligten Pferde konnten septische Phlegnioncn festgestellt werden, an denen einige sogar ein­gingen; gleiche Beobachtungen will man in Wien gemacht haben. Dass im gehetzten Wildbret ungewöhnlich schnell Fäulniss eintritt, ist bekannt.
Die Verbreitung der Bakterien ausserhalb des thierischen Kör­pers gestaltet sich bei den einzelnen Arten ausserordentlich verschie­den; die der Fäulniss, Eiterung u.a. finden sich fast überall, sie sind ubiquitär, weshalb fast jede ihrer Beschaffenheit nach dazu geeignete Wunde, die gegen Infection nicht geschützt wird, in Eiterung über­geht. Andere sind auf bestimmte Orte angewiesen oder finden nur zu gewissen Zeiten eine grössere Verbreitung. Trifft das letztere für besonders virulente Bakterien zu, so machen sich local oder temporär ihre gefährlichen Wirkungen durch die Verbreitung gewisser Krank-
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KutzümluiiLr.
lieiten Ijt'iiR'rkliar; darauf beruht zum Tlieil die von den Alten durch den Genius epideiuicus erklärte grössere Verbreitung schwerer Kriinklieitsi'ormen, besonders im Verlaufe der Wundheilung.
Ausbreitung entzündlicher Processo. Von der grössten Be­deutung ist die Ausbreitung' der entzündlichen Frocesse. Die nicht infectiösen, sog. aseptischen Entzündungen besitzen keine Neigung zu weiterer Verbreitung; sie beschränken sich In der Kegel auf die von dem Entzündungsreize (.der Quetschung, Verbrennung u. s. w.) be-trofl'ene Stelle und deren Nachbarschaft. Ganz anders verhalten sidi die unter dem Einflüsse bestimmter [nfectionen entstandenen Entzün­dungen. Indem die Infectionsstoflfe mit dein entzündlichen Exsudate fortgeschwemmt oder durch Wanderzellen fortgetragen werden, unter Umständen auch durch Eigenbewegung sich ausbreiten, greift der entzündliche Process oft weit über die Grenzen seines ursprünglichen Auftretens hinaus. Die Richtung dieser Ausbreitung hängt einestheils
von der Saftströmung, dann Organe ab.
iber auch von der Beschaffenheit der Gewebe, je grosser die in demselben
enthaltenen Spalträume, um so leichter breitet sich die Entzündung iu demselben aus. Fascien, .Sehnen und alle Gebilde, welche einen derben und dichten Bau haben, bilden für den entzündlichen Process meist eine unüberwindliche Schranke, welche nur dadurch durchbrochen wird, daslaquo; der Eiter in diesen Geweben Nekrose vevanlasst, oder dass in der lockeren Adventitia der Gefässe, welche diese Membranen per-foriren, die Entzündung fortkriecht. In den Muskeln bildet das lockere interstitielle Bindegewebe (Peritnysium) eine günstige Gelegenheit zur Fortpflanzung entzündlicher Processe. Dass in grösseren Körperhöhlen und physiologischen Gewebslücken, wie Sehnenscheiden, Schleimbeuteln, Peritoneal- und l'ieurahöhle, die Ausbreitung der [nfectionsstoffe und ihrer Wirkung leicht und rapid erfolgt, liegt auf der Hand.
Eine besonders bequeme Gelegenheit zur Ausbreitung der Ent­zündung bieten Lymph- und Blutgefdsse. Gelangen die speciiischeii entzündungerregenden Substanzen in die Lymplibahnen, was ja sehr leicht geschieht, da die Biudegewebsspalten bekanntlich die Wurzeln der Lymphgefässe darstellen, so werden die näclistgelegenen, mit dem Entzündungsherde in Verbindung stehenden Lymphgefässe und Lymphdrüsen in Mitleidenschaft gezogen, und es entstehen soeundäre Entzündungen dieser Oi'gane. Durch den Ueb er tritt der IDntzUndungs-erreger oder der reizenden i'roducte derselben in die Blutbabn werden nicht allein allgemeine Störungen (Fieber, Septikümie) hervorgerufen,
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Ausbreitung- ontzündlichcr Proccsse. Ausgang der Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;48
sondern es können dieselben an anderen Körperstellen die Blutbalin wieder verlassen, in die Gewebe gelangen und SO neue Entzündungs­herde veranlassen. Man spricht alsdann von einer metastatischen Entzündung oder kurz „Metastasenquot;, Vorgänge, die wir bei Be­sprechung der Pyämie genauer kennen lernen werden.
Verlauf und Ausgang der Entzündung. Der günstigste Aus­gang ist der in Zertbeilung (Resolution). Hierbei werden die in die Gewebe ergossenen entzündlichen Exsudate resorbirt; das Serum wird direct durch die Lympli- bezw. Blutgefässe aufgenommen und die emigrirten woissen Blutkörperchen gelangen zum Theil durch die Lymphgefässe in die Circulation zurück, oder sie zerfallen und ihre Zerfallsproducte (körniger Detritus) werden resorbirt. Nachdem auch die Veränderungen (Alteration) an den Blutgefftssen unter Wieder­kehr normaler Blutcirculation und Erniihrungsvorgänge ausgeglichen sind, ist der Status quo ante wieder hergestellt. Mau spricht in solchen Fällen von einer vollständigen Zertheilung (Resolutio com-pleta), die also Restitutio ad integrum bedeutet und nur bei acuten Entzündungen eintritt.
In vielen Fällen bleiben allerdings Veränderungen an den ent­zündlich erkrankten Geweben zurück. Diese unvollständige Resolution oder Restitution besteht bald in Defecten, indem Organzellen fehlen, oder es sind diese durch anders eingerichtete ersetzt. Man spricht in solchen Fällen von einer entzündlichen Aplasie, während in anderen durch die Entzündung neue Gewebsmassen gebildet werden, der Theil also grosser, bezw. dicker bleibt (entzündliche Hyperplasie). Hierbei bildet sich stets Bindegewebe von oft derber Beschaffenheit. in Folge dessen das betreffende Organ eine grössere Härte und Festig­keit erlangt, weshalb der Vorgang als „Indurationquot; bezeichnet wird. Am Knochen bezw. Periost sind die Reste einer abgelaufenen Ent­zündung natürlich nicht als Bindegewebe, sondern als Knochen (Exostosen, Hyperostosen) ZU linden. Man nennt diesen meist langsam verlaufenden Process chronische oder „productive Entzündungquot;, von der in einem anderen Kapitel die Rede sein soll. Dass es sich hierbei um andauernde leichtere Reizungen handelt, liegt auf der Hand, Die Restitutio ad integrum wird natürlich am häufigsten bei nicht sehr ausgebreiteten und weniger heftigen Entzündungen beobachtet. Auch erscheint es natürlich, dass das seröse Exsudat leichter beseitigt werden kann als fibrinöses und eitriges; Fibrin muss zu dem Zwecke zunächst zerfallen. Die untergegangenen Gewebselemente werden zur
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KnUimdunn'.
Resorption gebracht und durch andere ersetzt; bei schwereren Ent­zündungen, luimeutlich eitrigen, findet ein solcher Untergang immer statt, so ilass genau genommen eine ßestitutio ad integrum hier nicht möglich ist. Wir zählen jedoch alle Pillle hierher, in denen eine dauernde Veränderung an den erkrankten Organen bei der klinischen Untersuchung nicht nachzuweisen ist.
Ein /.weiter Ausgang der Entzündung ist der in Brand (Ne-krose), d. b. Tod der erkrankten Gewebe (Genaueros s. H. 228). Einzelne Zellen, ja selbst Gruppen derselben geben bei der aenten Entzündung regelmilssig zu Grunde, doeb lässt sich der Vorgang in der Kegel klinisch nicht nachweisen. Sterben aber grössere Bezirke ab, so dass man die abgestorbenen Massen als solche erkennt, so spricht man von Nekrose oder Brand. Dabei spielt einerseits der Grad der Entzün­dung, andererseits die Einrichtung des entzündeten Gewehes eine Hauptrolle. Schwere Erkrankung, namentlich infectiöser Natur führt häutig zu Nekrose, indem hierbei entweder eine vollständige Stockung der Circulation, Stase des Blutes durch Gerinnung desselben zu Stande kommt, oder das Gewebe wird durch eitrige Einschmelzung zer­stört. Diese besteht in einer progressiven Vernichtung der Gewebs-massen und Auflösung derselben durch die Eiterkokken; diese und ihre Producte besitzen die Fähigkeit, Eiweiss zu peptonisiren. Die einzelnen Infectionsstoffe wirken zwar sehr verschieden, manche der­selben üben einen so deletären Einlluss aus, dass sie die mit ihnen
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eruhruiu
kommenden Gew
ehe
.sofort zum Absterbe}! bringen
iz. B. iMil/.braudbacillen). Aber auch die Einrichtung der Gewebe kommt hierbei in Betrauht. Manche derselben, deren schwache Er­nährung und geringer Stoffwechsel leicht aufgehoben werden kann, gehen dabei zu Grunde, z. 15. Knorpel, Sehnen und Bänder.
Wo auf die eine oder andere Weise Theile untergegangen sind, muss der Defect durch Neubildung von Bindegewebe be/.w. Narben­gewebe ausgeglichen werden, wobei sicli in ähnlicher Weise Granula-tionsgewebe bildet, wie wir es bei der Wundheilung näher kennen lernen werden (S. 104). Dabei ist selbst eine Regeneration von speeiflschen Organelementen, Muskeln u, s. w., nicht ausgeschlossen, wie hei den Krank licit szuständen der einzelnen Gewebe besprochen werden soll.
Die Prognose hängt bei Entzündungen in erster Linie von dem Sitze, sodann vom Grade und der Natur derselben ab, d.h. von den Ursachen. Dass eine Entzündung der äusseren Haut nicht die Be-deutung einer Gelenk- oder Sehnenentzündung besitzt, liegt auf der
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Bsbaudlung der ElntzUuduDg.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45
Hand. Sodann /.eigen sieli die fiseptiscli verlaufenden, entzündlichen Processe niemals sei gefährlich wie die infectiösen. Während die ersteren in der Begel local beschränkt bleiben, besitzen die letzteren eine Neigung, .sich weiter auszubreiten, wobei nicht selten wichtige Organe (Gelenke, Sehnenscheiden) in Mitleidenschaft gezogen werden! auch findet bei ihnen zuweilen ein üebertritt der Infectionsstoffe oder deren Producte in die Circulation statt, in Folge dessen allgemeine Störungen (Fieber) entstehen. Heftig auftretende sowie in grösserem Umfange bestehende Hnt/.iindungen gefährden sowohl local wie all-gemein bedeutender als langsam verlaufende und auf kleinere Bezirke begrenzte,
Behandlung der Entzündung. Ueber die Behandlung der durch traumatische (Quetschungen, Zerreissungen) und thermische Einflüsse (Verbrennung, Erfrierung) entstandenen entzündlichen Processe wird an anderer Stelle noch die Rede sein, daher soll die Betrachtung sich hier auf die Erörterung einiger allgemeiner Gesichtspunkte der ent­zündungswidrigen Behandlung (Antiphlogose) hescliränken. Für die acute Entzündung gilt Folgendes:
I. Als wichtigste Aufgabe kommt die Beseitigung der ursäch­lichen Momente der Entzündung in Betracht. Das die Weichtheile des Hufes quetschende Hufeisen, die nicht passenden, daher drückenden Theile des Geschirrs müssen beseitigt oder zweckentsprechend ab­geändert, der in der Wunde zurückgebliebene Fremdkörper entfernt, werden.
'2. In /.weiter Linie gilt es den eiitzündlieh erkrankten Theilen Buhe zu geben. Ebenso wie der Körper im ganzen bei Erkrankungen der Buhe bedarf, so auch seine einzelnen Organe. Das entzündete Auge ist gegen Lichtreiz zu schützen; in dem entzündlich erkrankten Gelenke Bewegung zu vermeiden.
3.nbsp; nbsp;In prophylaktischer Hinsicht verdienen alle Verletzungen, und seien sie noch so klein, besondere Beachtung; es handelt sieh darum, infectiimen zu verhindern, doch soll das Nähere hierüber bei der Wund­behandlung besprochen werden (S. 1 OS ff.).
4.nbsp; nbsp;Die direct gegen den Entzündnngsprocess gerichtete Behand­lung (antiphlogistisehe Therapie) besteht a) in der Beschrän­kung der entzündlichen Vorgänge; b) in der Beseitigung der entzündlichen Exsudate und Heilung der alterirten Be­schaffenheit der Gefässwände wie der Gewebe.
Hierzu dienen:
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Kntziincluii
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1. Kälte. Wir kühlen dvn entzündlich erkrankten Tlieil und entziehen ihm auf diese Weise die krankhaft gesteigerte Wilrme; durch Herabsetzung des Leitungsvermögens in den sensiblen Nerven übt die Kiilto zugleich eine schmerzstillende Wirkung iius. Indem ferner durch Kälte die krankhaft erweiterten Gelasse zur Contraction gebracht werden, beschränkt dieselbe die exsudativen Vorgänge und verhindert das Auftreten von Uihnorrhagien; auch wird durch die Kälte der krankhaft gesteigerte Stoffwechsel verlangsamt. Bei Wunden übt endlieh die meist mit Wasser applicirte Kälte einen reinigenden (mecha­nisch desinfleirenden) Einfiuss ans.
Wenn wir schon aus diesem Grunde und seiner bequemen An­wendung wegen mit Vorliebe Wasser als kühlendes Mittel benutzen, so gewährt dasselbe auch noch den Vortheil, dass es einen besseren Wärmeleiter bildet als die Luft. Die Form seiner Anwendung ist verschieden, und /.war:
al Als Immersion; hierbei lässt man /.. 1!. die entzündlich er­krankten Abschnitte der Gliedmassen grösserer Thiere in ein öefäss mit kaltein Wasser stellen. Indem das an dem kranken Theil erwärmte Wasser nach oben steigt, findet ein fortdauernder Wechsel desselben statt, wodurch immer neues, kälteres Wasser in Wirksamkeit tritt. Durch Einlegen von Eis oder öfteren Wechsel des Wassers erhalten wir dasselbe dauernd auf einer niedrigen Temperatur.
b) Als kalte Fomentation, d. h. in Form kalter Umschläge. Ein mit kaltem Wasser getränktes, mehrmals zusammengefaltetes Tuch wird auf den entzündeten Theil gelegt und in kurzen Zwischen­zeiten erneuert oder etwa alle 5 Minuten mit kaltem Wasser begossen. Dieses Verfahren findet namentlich bei grösseren Thieren oft Anwen­dung, weil hier das ablliessemle Wasser nicht in dem Masse stört, wie beim Menschen und hei den im Zimmer gehaltenen kleinen Thieren.
Von grosser Wichtigkeit bleibt hier die häufige Erneuerung des Umschlages oder öfteres Hegiessen mit kaltem Wasser. Wie Biuz durch Auflegen von Eisblasen experimentell nachgewiesen, steigt die durch Kälte herabgedrückte Temperatur in dem entzündeten Theile bald von neuem an; nachdem die Temperatur von 390 auf 27 0 herab­gesetzt war, trat nach dem Aufhören der Kältewirkung schon in 15 Minuten die abnorme Temperatur von 390 wieder ein. Soll intensiv gekühlt werden, so benutzt man Eisbeutel. An Stellen, wo Umschläge nicht gut anzubringen sind, können an Stelle der Umschläge Lehm­anstriche verwendet werden, die man ebenfalls von Zeit zu Zeit mit kaltem Wasser anfeuchten lässt.
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Behaudlnug der Elntzllndung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 47
c) Die Irrigation liestdit in einer fortdauernden Berieselung der eiitzümllicli erkrankten Theile mit kaltem Wasser, ein Verfahren, das gleichfalls bei grössoren Thiereu leicht ausführbar und am wirk­samsten von allenAnwendungsformen dos Wassers ist (Bayer). MitIeist eines GKinimischlauches iässt man aus einem grösseren Gefässe (Irri­gator) Wasser in dünnem Strahl, unter Umständen auch tropfenweise über den entzündeten Theil fliessen. Auf diese Weise kommt immer von neuem kaltes Wasser mit dein erkrankten Organe in Berührung, welches zum Theil durch die Enfczündungsliitze verdunstet, wodurch ebenfalls Wärme gebunden, d.h. Kälte erzeugt wird. Die permanente Irri­gation gehört daher zu den wirksamsten Methoden der Klllteapplicatiou.
Unter Umständen empfiehlt sieh, dem zum Kühlen benutzten Wasser Arzneimittel zuzusetzen, z. 15. Essig, Hleiaeetat, Alaun oder Des-infectionsmittel: Carbolsäure, Sublimat, Creolin, Burow'sche Mischung von Alaun und Bleizucker; aus letzterer Mischung entsteht durch Zer­setzung essigsaure Thonerde. Uei Erkrankung der üusseren Haut bezw. der Schleimhäute üben solche Zusätze entschieden einen günstigen Ein-fluss auf den schnellen Ablauf acuter Entzündungen aus, namentlich wenn sie frühzeitig angewendet werden; auch lassen sich durch ihre Wirkung Infectionen verhüten, daher linden diese Mittel in der Wundbehand­lung häufige Anwendung. Aber auch bei entzündlichen Processen der dicht unter der äusseren Haul gelegenen Organe (Sehnen, Gelenke) üben die genannten Substanzen einen günstigen Einlluss aus und kommen hier ebenfalls in Anwendung. Endlich bleib! zu beachten, class es oft im Interesse der sorgfältigen Ausführung der Behandlung liegt, solche Zusätze zu machen; mancher Thierbesitzer schenkt dem blossen Wasser nicht das nöthige Vertrauen und wendet dasselbe daher auch nicht, so sorgfältig an wie eine Arzneillüssigkeit.
in Wunden und auf Schleimhäuten bilden Adstringentien oft zweckmässige Zusätze. Diese Mittel rufen bekanntlich eine Verengung der Gefässe und Schrumpfung der Gewebe hervor und beschränken sn den entzündlichen Process. Tannin, Alaun, die Sulfate der Schwer­metalle stehen daher seit den ältesten Zeiten in dem Hute wirksamer antiphlogistischer Mittel.
Die in früherer Zeit vielfach zur Erzielung von Kältewirkung verwendeten Mischungen (Kälteniischungeii), wie Kochsalz, Salpeter, Salmiak u. s. w., sowie die Erzeugung von Kälte durch Verdunsten von Schwefeläther sind neuerdings mit Hecht fast ganz verlassen worden, weil sich ihre Anwendung kostspieliger und ihre Wirkung nicht günstiger als die von Wasser, Eis u. s. w. gestaltet.
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ctntzundunsf
Ms liegt auf der Hand, dass niobi; bei allen Entzündungen die ^^'i^l^ullg der Killte gleichmässig angezeigt sein kunii. Man erinnere .sicii nur, dass bei infectiösen Processen nicht nur der Emigration der Leukooyten, sondern auch der Qxsudation eine heilbringende Bedeutung zugeschrieben werden muss, die man daher durch die Anwendung von Kälte nicht stören soll. So erklärt sich der alte Grundsatz, bei Ent­zündungen, die nicht aus äusseren Ursachen hervorgegangen waren, Kälte zu vermeiden, Bei Entzündungen, die in Eiterung tibergegangen sind, wendet man daher nach einem alten (.iruudsatze ebenfalls keine Killte an,
Endlicb bleibt zu beachten, dass da, wo bocbgradige .Störungen der Circulation bestellen und Theile abzusterben drohen, Z, B. bei Quetschungen, die Killte nur in beschränktem Masse augewendet werden darf, weil ihre Wirkung die Gol'ahr des Abstcrbens noch er­höhen würde.
Während die Anwendung der Kälte vornehmlich in den ersten Stadien acuter Entzündungen angezeigt; erscheint, komml es im wei­tereu Verlaufe derselben darauf an, die entzündlichen Exsudate zu be­seitigen und die Herstellung normaler Zustände in den (lefässwäuden und Geweben zu fördern; beides erzielt man am sichersten durch An­regung der Circulation, Die Alteration in den Gefässwänden und Geweben kann nur unter dein Einflüsse des wieder regelmässig circu-lirenden Blutes durch Förderung der Circulationsvorgänge erfolgen, welche auch die Rückkehr der entzündlichen Exsudate sowie der emigrirten Leukocyten beschleunigt.
Eür diese Zwecke stehen uns in erster Linie folgende Mittel zu Gebote: I. Wärme, 'J. Druckwirkung und 3, Arzneistoffe.
Temperaturen von 30 — 50 0C. bewirken Erweiterung der Blttt-gef'ässe und damit eine Förderung der Circulation in denselben. Hier­durch werden also die reparatorischen Vorgänge au den Gefässwänden unterstützt, aber auch die Abfuhr entzündlicher Exsudate wird cr-
leichtert, die Resorption
hezw. hesolntion ffe
fördert.
Wir bedienen uns zur Anwendung der Wärme ebenfalls häutig des Wassers in Form von Bädern oder Umschlägen und setzen den­selben Für den betrelfenden Fall passende Mittel zu, wie z. B, bei Infect.ionen oder Infectionsgefahr Desinticientien, Alkalien, um die Ober­haut, den Huf ti. s. w. aufzuweichen oder um lösend zu wirken.
Eine sein- bequeme Form der Wärmewirkung bilden die sog. Priessnitz'schen Umschläge oder Einwickelungen. Fun mit kaltem Wasser getränktes Tuch oder eine angefeuchtete Binde wird so weit
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Behandlung dor Eutzüudung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40
ausgerungen, dass kein Wasser aus denselben abfliesst, sodann auf den erkrankten Theil gelegt und mit mehreren Lagen einer wollenen Decke oder Binde so bedeckt, duss jeder Luftzutritt zu dem erkrankten Theil möglichst abgeschnitten wird. Das feuchte Tuch wird bald von seiner Unterlage erwärmt, und da in Folge seiner l'ndurchlässigkeit für Luft jede Ausstrahlung und (lurch die Bedeckung mit mehreren Woll-sohichten auch die Fortleitung der Wärme fast vollständig ausge­schlossen wird, so muss die Temperatur an der Oberfläche der Haut unter dem feuchten Tuche in kurzer Zeit bis auf die Bluttemperatur steigen. Werden nun die Umschläge etwa alle 4—5 Stunden erneuert, so unterstützt auch noch der Wechsel in der Weite der Blutgefässe die Beschleunigung der Resorption entzündlicher Exsudate.
Ein ebenfalls äusserst wirksames Mittel zur Beförderung der Resorption bildet die mechanische Behandlung unter Anwendung von Druck. Derselbe kann in Form der methodischen Compression (Druckverbände) andauernd wirken, oder man sucht durch Streichen und Kneten (Massage) einen Wechsel der Druckverhältnisse in dein entzündeten Theile eintreten zu lassen. Die erstere Methode wird vor­nehmlich mittelst Binden ausgeführt, welche man so anlegt, dass sie einen gleichmässigen Druck auf den (Mitzündeten Theil ausüben und so den Rücktritt der entzündlichen Exsudate in die Circulation unter­stützen, die Resorption also fördern.
Die Massage besteht in Streichen, Kneten oder Klopfen der entzündeten Theile mit den Fingern, der Hand oder besonderen Instru­menten. Man unterscheidet hierbei:
1.nbsp; nbsp;Das Streichen mit den Fingerspitzen in centripetaler Richtung unter Anwendung eines geringen Druckes (Efflcurage);
2.nbsp; nbsp;das Streichen unter kräftigerem Drucke mit den Fingern, dem Daumen oder der Hohlhand, abwechselnd in centripetaler und centrifugaler Richtung (Massage ä friction);
H. das Knoten des kranken Theiles mit den Fingern oder der geballten Faust (Petrissage);
4. das Klopfen (Tapoteiuent) mit der geöffneten Hand, der geballten Faust oder bei grösseren Thieren mit ein paar leichten höl­zernen Hämmern, wie sie ähnlich auf dem Lande zum Klopfen der Wäsche wohl noch benutzt werden.
Bei der Ausführung der Massage ist auf Verletzungen und
schmerzhafte Erkrankungen Rücksicht zu nehmen; bei grösseren
Thieren regelt dieses die Widersetzlichkeit derselben. Ferner darf
nicht vergessen werden, dass die Massage bei der Anwesenheit infec-
Mbller u. Pi'iok, Allgemolno Chirurgie für Thletfti'Zte, a. Ami.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
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Kntziimluii'
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tiöser Producte im Entzündungsherd contraindicivt ist, da auf diese Weise eine Verschleppung der [nfectlonskeitue nach anderen Körper-steilen (Metastasen) bewirkt wird.
Die Wirkung der Massage besteht vornehmlich in mechanischer Zerkleinerung der Entzündungsproducte und üeberführung derselben in die Lymphbahnen, also in Förderung der llesorption. Bei grüsserer Schmerzhaftigkeit wendet man nur leichten Druck an, während bei älteren, indolenten Zuständen unter kräftigem Druck massirt wird. Ebenso wirkt das Klopfen, welches namentlich bei Lähmungen zur Aufreohthaltung oder Wiederherstellung der Ernährungsvorgänge in den Muskeln benutzt wird.
Die Procedur des Massirena dauert etwa B—10 Minuten, muss womöglich 1—3 mal am Tage wiederholt und oft wochenlang fortgesetzt werden. Liegt darin schon eine Schwierigkeit für die Anwendung der Massage bei den Thieren, so ergiebt sich eine /.weite aus der Ilaar­bedeckung des Körpers. Abgesehen davon, dass durch die Gegenwart der Haare die Wirkung der Massage abgeschwächt wird, stellt auch die Richtung derselben dem centripetalen Streichen entgegen; in Folge dessen werden die Haare hierbei leicht abgerieben: dazu kommt, dass sich die Thiere bei schmerzhaften Leiden der Manipulation des Mas-sirens widersetzen,
Kann daher bei den Thieren von der Massage nicht in dem Umfange Gebrauch gemacht werden, wie beim Menschen, so bietet sie doch auch hier unter Umständen ein äusserst wirksames Mittel, namentlich gegen chronische Entzündungen. Bei werthvollen Pferden und Lieblingsthiereh unterrichtet man den Besitzer oder Pfleger des Patienten in der Ausführung der Massage für den gegebenen Fall. Um bei kräftigem Streichen die Ilaare zu schonen, wird ein Stück Pergamentpapier oder Pauspapier auf die betreffende Stelle gelegt und irgend ein Fett oder Salbe angewendet. Die Wirkung der früher häufiger als jetzt benutzten zerthoilenden Salben beruhte nicht zum wenigsten auf der mit der Application derselben verbundenen Massage. In Frankreich ist zum Einfetten der Haut bei der Ausführung der Massage eine Salbe aus Kampfer 10, Laudanum 10 und Oel 00 im Gebrauch. Es empfiehlt sich auch, die Unterlage von Papier mit einem Fette zu bestreichen, um das Gleiten der Hand auf demselben zu erleichtern.
In Folge der Schwierigkeiten, welche sich bei unseren llaus-thieren der Massago entgegenstellen, empfiehlt es sich, die passiven Bewegungen, welche bei Ausführung der Massage mit dem kranken
Tl
Stemacht werden, sobald als möglich durch active, die der
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Patient selbst vollzieht, zu ersetzen. Gemde bei den entzümlliclien Affeotionen der Gelenke und Sehnenscheiden ist es meist unmöglich, mit der Massage bis in die nothige Tiefe zu dringen, in solchen Fällen ist Bewegung des Patienten in müssigem Grade ein ganz ausgezeichnetes Mittel. Voraussetzung hierbei ist freilich, dass der Patient ruhig geht und auf ebenem, weichen Boden geführt wird. Oft genug verschwin­den bei diesen activen Bewegungen des kranken Theiles Schmerzen und Schwellung schneller als bei jeder anderen Behandlungsart. Es sollte daher von diesen activen Bewegungen bei der Behandlung von Gelenk- und Sehnenscheidenentzündungen dann, wenn die primären entzündlichen Erscheinungen abgelaufen sind, öfter Gebrauch gemacht werden, als bisher geschehen.
Die Anwendung der resorptionbefördernden Medicamente, unter denen die Quecksilber- und Jodpräparate obenan stehen, ist zwar noch vielfach üblich, allein ihr Werth erscheint sehr problematisch. Sie wurden und werden in Form von Salben angewendet, und da beim Einreiben derselben Massage geübt wird, so ist es sehr fraglich, ob nicht die Massage bei der Application der resorbirenden Salben das Wirksame ist. In proxi wird man freilich diese Mittel vielfach nicht entbehren kramen, da auf diese Weise die Massage wirklich aus­geführt wird; anderenfalls unterliisst sie der Besitzer meist. Die inner­liche Anwendung der Jodpräparate (Jodkalium), wie sie beim Menschen vielfach geübt wird, um Entzündungsproducte zur Resorption zu bringen, hat sich hei unseren Hausthieren bisher keinen Platz zu er­werben vermocht.
Dass bei infectiösen Entzündungen die Anwendung von Kälte nicht angezeigt ist, liegt auf der Hand. Hier handelt es sich viel­mehr darum, den Organismus im Kampfe gegen die Iiifectionsstolie zu unterstützen. Sowohl die exsudativen Vorgänge wie auch die Emigration der weissen Blutkörper zielt offenbar auf die Vernichtung bezw. Unschädlichmachung derselben hin, daher verdienen diese Vor­gänge unterstützt zu werden. Wir wenden deshalb, abgesehen von der Desinfection und dem Schutz vor weiterer infection Mittel an, welche jene Vorgänge fördern. Wärme, namentlich feuchte Wärme in Form von Bähungen, Bädern oder Umschlägen, wirken hier vortheilhaft, zumal sie durch Erweichung der Haut die Spannung in der Ent-zündungsgeschwulst und damit nicht nur die Schmerzen, sondern auch die Gefahr der Nekrose herabsetzen. Setzt man diesen Flüssigkeiten desinficirende Substanzen zu ((Karbolsäure, Creolin, Sublimat u. s. w.), so werden zugleich die an der Oberfläche der Haut etwa noch vor-
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EntzümluiiL
handenen Mikroorganismen zerstört; soweit diese Mittel zur Resorption gelangen, werden sie mich den Infectionsstoffen nachtheilig, welche sich im Entzündungsherde befinden, indem sie ihre Entwiokelung hemmen und ihre Virulenz herabsetzen, Beim Menschen sind in sol­chen Füllen neuerdings Umschläge mit 960/oigem Alkohol angewendet worden und haben sieh gut bewährt (Salzwedel, Schmitt). Die­selben werden in der Weise applioirt, duss eine mit 96 0/oigem Alkohol getriinkte Compresse bezw, ein so zubereiteter Wattehausch auf den entzündeten Theil gelegt, mit durchlöchertem öummipapier bedeckt und mit Bindentouren befestigt wird. Der Wechsel dieses Verbandes soll alle 24 .Stunden erfolgen.
Sobald die Möglichkeit sich dazu bietet, muss die Entfernung des entzündlichen Exsudates, namentlich des Eiters auf operativem Wege erfolgen, um sowohl die Ausbreitung der Entzündung, das Uehergreifen auf wichtige Organe (Gelenke. Sehnenscheiden) zu ver­hindern, wie auch allgemeine Störungen (Fieber) zu beseitigen. Wir öll'nen den Eiterherd sobald als möglich, und wo Zweifel über die Gegenwart eines solchen bestehen, kann eine Probepunction Aufsehluss geben. Die Spaltung der Abscesse muss so erfolgen, dass der Ablluss des Eiters möglichst erleichtert wird; erforderlichen Falles werden Drains oder Haarseile angelegt. Der in Abscessen stagnironde Eiter inlicirt die Nachbarschaft, und da sich derselbe an der tiefsten Stelle der Höhle anhäuft, so dringt er vornehmlieh nach unten vor (Eiter­versenkung, Senkungs- oder Congestionsabseess).
Zuweilen linden oberflächliche Einschnitte in das entzündete Ge­webe (Scari ficatio ne n) zweckmilssige Anwendung, indem hierdurch die Spannung in der Entzündungsgeschwulst gehoben, die Gefahr des Absterbens vermindert und zugleich die Entzündungserreger mit den Exsudaten zum Theil direct entleert werden. Im übrigen lindet das­selbe Verfahren Anwendung wie bei der Wundbehandlung, worauf verwiesen werden muss.
Zu den resolvirenden Mitteln rechnet man in erster Linie die Jod- und Quecksilberpräparate; Bepinselungen mit Jodtinctur oder Jodglycerin, Einreibungen von Ungt. einer, und anderen Salben, z. B. Jodkalium. Das Vertrauen zu diesen Mitteln ist jedoch in neuerer Zeit mehr und mehr erschüttert worden, wie bei der Behandlung der acuten Entzündung schon aus einander gesetzt wurde. Um Zeit zu gewinnen, die ja auch heilt, um den Besitzer zu beruhigen und zu verhindern, dass derselbe nicht dem ersten besten Curpfuscher
in die Hände fällt, ist man oft
gezwungen von solchen Einreibungen
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auch da Gebrauch zu machen, wo nicht viel von ihnen zu erwarten ist;. Andererseits lässt sich die Möglichkeit nicht ableugnen, dass diese Mittel einen günstigen Einfluss auf den Abiiuii' der Entzündung aus­üben. Sobald an der Applicationsstelle Verletzungen in der äusseren Haut bestellen, oder die Mittel wiederholt und kräftig eingerieben werden, können dieselben zum Theil in den Entzündungsherd, in die Saftströmung und LymphgefUsse gelangen, um so ihre noch keines­wegs vollständig aufgeklärte Wirkung zu entfalten. Zur Lockerung der bei den grösseren Thieren stellenweise sehr starken Epidermis empfiehlt sich, diesen Salben etwas grüne Seife zuzusetzen. Dass kräftiges Einreiben derselben zu empfelilen ist, wurde bereits erwähnt. Zu den gegen chronische Entzündungen in der Thierheilkiiiule häufig angewendeten Beilmefchoden gehören die sog. scharfen Ab­leitungen (derivatorische Heilmethode). Indem man die äussere Haut auf dem Krankheitsherde durch scharf reizende Mittel in eine acute Entzündung versetzte, glaubte man nach der humoralpathologi-schen Vorstellung die schädlichen Stolle (Materia peccans) aus dem Blute an die Oberfläche abzuleiten und so unschädlich zu machen. Obgleich ohne Zweifel namentlich durch Herbeiführung einer eitrigen Entzündung, z. B. durch ein Haarseil oder Fnntanell. auch [nfections-stoffe auf diese Weise zur Ausscheidung gebracht werden, so kann die heilsame Wirkung der Hautreize hierauf allein doch nicht zurück­geführt werden. Ebenso erscheint es zweifelhaft, dass Reflexwirkungen am öefässapparat, welche nach einer Reihe sorgfältig durchgeführter Experimente durch Hautreize veraniasst werden, den Nutzen dieser Mittel ausmachen. Dass es sich hierbei nicht um eine Ableitung der Entzündung selbst oder des Blutes handeln kann, bedarf hier keiner weiteren Begründung. Ebenso wenig Vertrauen verdient wohl die neuerdings vielfach aufgestellte Behauptung, die chronische Entzündung werde auf diese Weise in eine acute verwandelt und so Heilung erzielt. Wo eine directe Einwirkung auf den kranken Theil möglich wird, z. B. durch [njeetionen reizender Flüssigkeiten In die Gelenkhöhle hei chronischer Erkrankung der Synovialis, oder beim Brennen mit dem Stift in neugebildete Bindegewebs- oder Knochenmassen, da mag diese Erklärung zutreffen; etwas ganz anderes aber ist es, wenn bei der­artigen Zuständen eine scharfe Einreibung au der Oberfläche der äusseren Haut applicirt wird. Niemals ist durch letztere eine Entzün­dung der Synovialis eines Gelenkes oder einer Sehnenscheide beobachtet worden. Auch die von Volkmann, Schede u.A. nach Bepinselungen der äusseren Haut mit Jodtinctur beobachtete Exsudation und Emi-
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bntzündungi
gratioDSTorgfinge in der unterbaut und tiefer gelegenen Theilen geniigen nicht, um obige Behauptung ZU rechtfertigen.
Wahrscheiulieh beruht der ohne Zweifel ausseronlentlich günstige Binfluss scharfer Hautreize, wenn nicht aussohliesslich, so doch zum grossen Theii, auf der sclmierzerregenden und mechanischen Wirkung derselben. Kinmal werden die Thiere hierdurch veniiilasst, den kranken Theil, /.. B, das enfczündlicli erkrankte Gelenk ruhig zu halten; dann übt die entzündliche Anschwellung in der Haut und Unterbaut einen continuirlichen und gleichmässigen Druck auf den entzündeten Theil aus, wirkt also ähnlich wie die methodische Compression, deren Nutzen Niemand bezweifelt. Wählt man schliesslich noch scharfe Hautreize, die zu Narhenbüdung führen, z. 15. das ölüheisen, so erfolgt durch die Narbenretraction eine weitere, langsame, aber kräftige Druck­wirkung auf die unter ihr gelegenen Theile, wodurch ein günstiger Einfluss auf den Ablauf entzündlicher Processe in denselben ausgeübt wird. Es soll nicht behauptet werden, dass hiermit der Nutzen scharfer Hautreize erschöpft ist, aber ein wesentlicher Antheil kommt nach unserer üeberzeugung diesem Umstände entschieden zu. Vielleicht ist es der Zukunft vorbehalten, weitere Aufklärungen auf diesem Gebiete der Therapie zu liefern, doch genügt uns zunächst diese Erklärung, um dem Standpunkte pessimistisch angehauchter Theoretiker gegen­über an der durch tägliche Beobachtungen bestätigten Wirksamkeit dieser Heilmethode festzuhalten, welche schliesslich auch noch geeignet erscheint, Zeit zu gewinnen, d. h. den Besitzer zu veranlassen, dem Patienten die zum Ausgleich der Krankheitsprocessc erforderliche Ruhe zu geben.
Die Behandlung der specifisch-chronischen Entzündungen ist ent­weder rein operativ, oder es finden auch innerlich Medicamente, z. B. Jodkalium, Anwendung. Das Genauere hierüber wird im nächsten Kapitel Erledigung finden.
It. Chronische Entzündung^
Schon bei Besprechung der acuten Entzündung war gelegentlich bemerkt worden, dass alle entzündlichen Processe, welche nicht inner­halb verhältnissmässig kurzer Zeit die einzelnen Stadien durchlaufen haben, als chronische bezeichnet werden. Der Verlauf allein ist es aber nicht, der das Charakteristische der chronischen Entzündung bildet, vielmehr sind es die anatomischen Veränderungen an dem chronisch entzündeten Theil.
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Wesen tlci- ohronieohan Eatzttndunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;55
Wesen der chronischen Entzündung. Eine ohronische Ent­zündung experimentell zu erzeugen und gleichzeitig die einzelnen Vor­gänge an dem Gewebe vermittelst des Mikroskops zu verfolgen, ist bisher noch nicht gelungen. Die Gründe hierfür liegen in der Natur der Sache; jene tagelange Beobachtung, wie sie beim Studium der acuten Entzündung ausgeführt worden ist, liisst sieh eben bei chro­nischen Entzündungen nicht anwenden, da bei letzteren eine Beob­achtungszeit von Wochen und Monaten erforderlich wäre. Wir sind daher auf eine andere Art des Studiums der chronischen Entzündung angewiesen. Durch fortgesetzte Untersuchung der todten Theile und Aneinanderreihen der einzelnen Beobachtungsresultate muss man ver­suchen, sich ein Bild von den einzelnen Phasen der chronischen Ent­zündung zu verschaffen.
Auf diese Weise hat sich ergeben, dass die anatomischen Lil-sionen am chronisch entzündeten Gewebe im grosson und ganzen denen, welche wir bei der acuten Entzündung kennen gelernt haben, gleichen, Nur hinsichtlich der Producte bestellt ein ganz wesentlicher Unter­schied zwischen beiden Entzündungsarten, Während die Producte der acuten Entzündung (Serum. Fibrin, Eiter) wenig beständig sind und nur kurze Zeit nach Ablauf des Processes persistiren, sind die Producte der chronischen Entzündung (Bindegewebe, Knochen) ge­wöhnlich von bedeutender Lebensfähigkeit und bleiben nieist längere Zeit (Monate und Jahre), oft zeitlebens bestehen. Mit Recht hat man daher die chronischen Entzündungen auch als „productivequot; bezeichnet.
Die Natur dieser Producte ist verschieden, je nach der Art des ergriffenen Gewebes und nach der Ursache; wir linden darunter Serum, Eindegwebe, Knochen, Eiter, Käse. Man spricht mit Rücksicht auf diese Producte von:
1.nbsp; nbsp;chronisch-serösen Entzündungen,
2.nbsp; nbsp;chronisch-fibrösen Entzündungen,
'#9632;gt;. chronisch-ossifleirenden Entzündungen, 4. chronisch-eitrigen Entzündungen.
Die chronisch-serösen Entzündungen sind eine Eigenthüm-lichkeit der serösen und Synovialhäute; sie führen zu einer Ansamm­lung von Serum in den entsprechenden Höhlen (Gelenk, Bauch-, Brust­höhle), und es werden die geschaffenen Zustände auch wohl als „Hydropsquot;, an Gelenken als „Gallen1' bezeichnet.
Die mit Bhulegewebsueubildung verbundenen chronischen Ent­zündungen, die chronisch-fibrösen zeichnen sich durch bedeu­tende Vermehrung des regolmässig in dem betroffenen Gewebe vor-
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Entzünduno;.
haiuloiien Bindegewebes aus. Hs handelt sich hierbei nicht; um jungelaquo;, zelkeicbes Bindegewebe, welches später der .regressiven Metamor­phose anheimtälll und meist verschwindet, sondern um derbes, seh­niges, schwartiges, gelassannes Bindegewebe. Der betroffene Theil bekommt dadurch eine feste, derbe Beschaffenheit, er wird „iiulurirlquot; in Folge einer Hvperplasie seines Bindegewebes. Diese Form der chronischen Entzündung ist ausseronlentlich verbreitet bei unseren Hausthieren und tritt au der Haut (Pachydermie), an Bändern, Sehnen, Gelenlckapseln (verhürtete Gallen) und Muskeln recht häufig auf. Ferner seilen wir die chronisch-fibröse Entzündung meist da auf­treten, WO reizende Substanzen (Eiter, Fremdkörper) längere Zeil im Körper liegen bleiben; sie bildet dann um derartige Materialien eine Kapsel, durch welche eine Wand zwischen Gesundem und Normalem geschaffen wird (abgekapselte Abscesse, Geschosse).
Die chronisch-ossificirenden Entzündungen liefern, wie der Name sagt, Knochen; sie treten mit Vorliebe an den Knochen bezw. in nächster Nähe derselben auf. Sie nehmen ihren Ursprung entweder direct von der Matrix des Knochens, dem Periost, oder sie stellen das ihidstadium einer chronisch-fibrösen Entzündung dar. Im ersteren Falle entstehen die sog. Ueberbeine (Exostosen, Hyperostosen, Osteophy ten), im zweiten bildet sich in den Iryperplastischen Binde-
ffewebsmasson echter Knochen in Form von Inseln oder Züffe
n, z.
in der verdickten Gelenkkapsel bei den sog. verhärteten Gallen, oder in den chronisch erkrankten Gelenkbändern bei der sog. Schale der Pferde.
Chronisch-eitrige Entzündungen kommen nur an Sehleim-, Synovial- und serösen Häuten vor, also an den freien Flächen des thierischen Körpers. Hiernach fallen auch die Bezeichnungen für diese Form der chronischen Entzündung und ihre Folgezustände verschieden aus. An Schleimhäuten fliesst der producirte Eiter ab und daher sprechen wir von einem Katarrh bezw. mit Rücksicht auf die chronische Natur desselben von einer „Blennorrhoequot;. In den Höhlen, welche mit serösen oder Synovialhäuten auskleidet sind, ist nur selten (Ober­kieferhöhle, Luftsack) der Abfluss des Eiters ermöglicht, er sammelt
sich deshalb in den betreifenden Höhlen
Wir haben dann ein
„Empyemquot; vor uns. An den Schleimhäuten, welche chronisch­eitrig afflcirt sind, findet sich gleichzeitig eine Verdickung der Epithel­schicht und ausserdem eine stärkere Vascnlarisation; die Gefässe, namentlich die Venen, sind stark dilatirt, in grösscrer Anzahl vorhan­den und verlaufen meist geschlängelt. Anders liegen die anatomischen
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Ursaohon der ohronisohen Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;TiT
Vorilnderungeii, wenn cbroQisob,*eitrige Entzündungen an Serösen oder Synovialen auftreten; bier kommt es sehr bald zu einer productiven Reaction von Seilen der erkrankten Häute. Letztere werden dicker und liefern auf ihrer Oberfliiclie ein Gewebe, das wir unter dem Namen ,Granulationsgewehequot; an anderer Stelle noch kennen lernen werden.
Die Frage ist vollständig berechtigt, ob derartige chronisch-eitrige Entzündungen nicht auch im Innern der Gewebe, z. B. dem Knochen, Masked u. s, \v. vorkommen. Dass an solchen Stellen Eiterungen und zwar chronische vorkommen, ist richtig, allein zu erwägen bleibt, ob man diese Processe ZU den chronisch-eitrigen Entzümhmgeu zählen soll. Wie wir bei den Ursachen der chronischen Entzündung kennen lernen werden, giebt es eine ganze Reihe von ursächlichen Momenten, die chronische Eiterungen hervorrufen und unterhalten, allein sehr wenige tragen von vornherein einen eitrigen Charakter zur Schau. Dies muss man selbst von jenen chronisch-eitrigen Entzündungen zu­geben, die durch die speeifischen Eiterbakterien (Staphjlococcus, Bo-tryomyces) veranlagst werden. Bei allen chronisch-eitrigen Processen im Innern von Organen kommt es zunächst zu einer Production von Bindegewebe, Graimlationsgewebe oder sog. speeifischen Producten (Tuberkel, Botzknoten) und erst, diese gehen eitrig zu Grunde. Dem ist auch dadurch Rechnung getragen, dass man derartige chronische Eiterungen als besondere Leiden (chronische 1 n f eet ionskrank-h ei ten) ansieht und gesondert abhandelt, was an anderer Stelle ge­schehen wird.
Dasselbe, was soeben gesagt ist, liisst sich auch auf diejenigen chronischen Entzündungen anwenden, deren Endproduct Käse ist. Auch hier ist die Production von Käse nicht das Primäre; auch in ätio­logischer Beziehung nehmen diese Processe eine besondere Stellung ein, so dass sie anderweitig besprochen werden.
Aetiologie. Wenn auch die Ursachen der chronischen Ent­zündung im allgemeinen dieselben sind, wie die der acuten, so muss doch berücksichtigt werden, dass dieselben in anderer Weise einwirken müssen, da sonst oben keine chronische, sondern eine acute Entzün­dung zu Stande kommt. Der Beiz, den sie ausüben, muss stark genug sein, um anatomische Veränderungen zu bewirken, darf aber nicht so heftig sein, dass schwere Alterationen der Gefässe resultiren, und die Existenz des Theiles in Präge gestellt wird, wie bei der acuten Ent­zündung. Es sind daher bei unseren llausthicren zwei Gruppen von
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58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bnteilndung.
Ursachen in Betracht zu ziehen, welche chronische Entzündung be­wirken :
1. Mechanische Ursachen. Hierher gehören Schläge, Stösse, Druck, Quetschung und Zerrung, Diese spielen bei unseren Hausthieren die Hauptrolle als Ursachen der chronischen Entzündungen. Fortgesetzte massige Zerrungen an den Gelenkbändern, wie sie durch den Ge­brauch, schiefe Belastung, fehlerhaften Beschlag u. s. w. ausgeübt werden, führen zu chronischen ossificirenden Processen am Ansatz­punkte derselben. Der Druck der öeschirrtheile führt zu schleichend verlaufenden Entzündungen der äusseren Haut in der Geschirrlage.
Wie wir sehen, sind die mechanischen Ursachen aseptischer Natur und die Producte, deren Bildung sie veranlassen, sind gewisser-massen Material, das zur Reparatur der geschädigten Theile da ist. Es gehören also, wie bei den acuten Entzündungen ebenfalls ausge­führt wurde, die auf mechanische Ursachen folgenden chronischen Vorgänge streng genommen auch nicht zu den Entzündungen, sondern zu den re para t ori sehen Processen.
Chemische und thermische Reize sind zwar im Stande, chronische Entzündungen hervorzurufen, allein sie liegen bei unseren llausthieren wohl kaum jemals vor, so dass der Hinweis auf sie genügen mag.
#9632;J. Die speeiflschen Ursachen sind recht häufig Veranlassung zu chronischen Veränderungen der Gewebe, und wir kennen solcher eine ganze Reihe. Wir halten dieselben wie bei den acuten Entzündungen in pflanzlichen Lebewesen, in den Bakterien, zu suchen. Chirurgfisch wichtig sind aus dieser Gruppe für den Tbierarzt zwei Mikroben, nämlich der Botryomyces aseoformans (s, S. 72) und der Actinomvces bovis (s. S. 66), Heide haben sich als Ursache der verschiedensten chronisch - entzündlichen Processe entpuppt (S a m e n s t r a n g f i s t e 1, Aktinomykome. Botryomykome); ihre specielle Besprechung wird an anderer Stelle (S. 64, 69) stattfinden. Für die Menschenheilkunde, nicht dagegen für die Thierheilkunde, ist nach der beregten Richtung der Tuberkelbacillus von ausserordentlicher Bedeutung; dieser ist es, der einen grossen Thcil chronischer Krankheiten verursacht und den Chi­rurgen zur Zeit recht häufig Veranlassung zu operativen Eingriffen giebt.
Klinische Erscheinungen. Bei der langsamen Entwickelung der chronischen Entzündung kann es nicht befremden, dass die kli­nischen Erscheinungen derselben nicht in dem Masse auffällig sind, wie bei der acuten Entzündung. Oft genug sind in den Anfangs-stadien so geringfügige Symptome vorhanden, dass es schwierig, ja
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Krscheiiuingou der chronisclicii EatztltlCiUIlginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 59
manchmal geradezu unmöglich ist, Über das Wesen cles Processes sich Klarheit zu verschaffen. Die Erscheinungen vier aouten Entzündung
lallen durch ihr plötzliches Auftreten sowie durch ihre mehr oder minder scharte Ausprägung leicht in die Augen; nicht so bei der chronischen Entzündung.
Die Entzündungsröthe (Rubor) ist schon ohne weiteres bei unseren Hausthieren wegen der pigmentirteu Haut in den seltensten Fällen wahrnehmbar. Vergegenwärtigt man sich, dass bei der chro­nischen Entzündung die Gelasse nur massig alterirt sind, so wird es hegreiflich, dass die Entzündungsröthe seilen zur Beobachtung kommt. Am häufigsten wird sie noch bei chronischen Entzündungen der Schleim­häute gesehen.
Da die Entzündungswärme (Calor) mit der l'öthe in naher Beziehung steht, so kann es nicht auffallen, dass bei chronischen Entzündungen vermehrte Wärme am erkrankten Theil regelnlässig vermisst wird.
Anders gestaltet sich die Sache mit der Umf a ngs Vermehrung (Tumor) chronisch entzündeter Theile. Da die Production im Vorder­gründe steht, so sieht man frühzeisig eine Zunahme des Volumens am erkrankten Theile.
Dieselbe ist anfangs nur in geringem Grade vorhanden, so dass sie bei tieferer Lage des ergriffenen Organs oft übersehen wird. Im weiteren Verlauf wächst jedoch das Volumen stetig, so dass die An­schwellung schon von weitem sichtbar ist. Dann wird sie aucli schärfer in ihren Oontouren; während sie sich anfangs nur ver­schwommen zeigt, tritt sie in mehr entwickeltem Stadium als deut­liche, oft scharf umschriebene Auftreibung hervor. Synovialhäute zeigen bei chronisch-serösen Entzündungen meist weiche, fluetuirende Consistent, während bei den übrigen Formen der chronischen Entzün­dung die Theile eine derbe, selbst knochenharte Beschaffenheit auf­weisen. Zuweilen zeigen die Anschwellungen, z. 15. bei der chronisch-ossificirenden Entzündung, eine knotige, knollige Oberfläche.
Selten nur lindet man die Haut bei chronisch-entzündlichen Schwellungen mit diesen verlöthet; sie ist der Regel nach über der­selben verschiebbar und gestattet durch dieses Verhalten eine Unter­scheidung derartiger Schwellungen von gewissen Tumoren, die wil­den sog. Geschwülsten zuzählen.
Nicht zu vergessen ist, dass bei tiefer Lage solche chronisch-entzündlichen Schwellungen oft nicht nur dem Auge, sondern auch der Palpation vollständig entgehen können.
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Der Sell merz (Dolor), welcher bei acuten Entzündungen sehr lebhaft zu -sein pflegt, fehlt auch bei den ohronisohen Entzündungen keineswegs, nur ist er massig. Obwohl uns unsere Thiere darüber keine subjeetiven Angaben machen, so können wir •loch sehen, dass
Druck auf den kranken Theil vom Patienten meist bis zu einem be-träohtliohen Grade ertragen wird. Ferner verschwinden auch nicht zu arge .Bewegungsstörungen, die uns einen Massstal) für die Empfin­dungen des Patienten bieten, häufig einige Zeit nach Beginn der Be­wegung. Wir dürfen daraus schliessen, dass der Patient keine leb­haften Schmerzen in Folge der chronischen Entzündung empfindet. Auf jeden Fall ist nächst der Fimctio iaesa der Schmerz eines der con-stantesten Symptome bei chronischen Entzündungen und oft auch das einzige, welches den Thierbositzer veranlasst, den Thierarzt um Uath zu fragen.
Die Störung der Function (Punctio laesa) im erkrankten Theile tritt je nach dem Werthe des letzteren mehr oder minder in die Erscheinung. Namentlich schwer wiegen die Functionsstörungen, welche bei chronischen Erkrankungen des Bewegungsapparates beob­achtet werden, die sog. Lahmheiten. Es ist dies ein Kapitel, welches an anderer Stelle eingehende Besprechung findet,
Die Störungen des Allgemeinbefindens sind bei chro­nischen Eidzündungen verschieden je nach der Natur der letzteren. Bei den aseptischen Formen findet man zuweilen als Folge der Schmerzen Appetitsverminderung, Atrophien gewisser Muskelgruppen, leichte Er­müdung, Nichtlegen in den Ruhepausen. Auch bei den speeiflsch-chronischen Entzündungen werden diese allgemeinen Symptome ge­sehen, jedoch entspringen sie hier vielfach der Thätigkeit der Bakterien, wie solche bei der acuten Entzündung beschrieben ist. Treten diese Formen der chronischen Entzündung in grösserem Umfange auf, so werden die Symptome in den Vordergrund gedrängt, welche den sog. Infectionskrankheiten eigen sind und bezüglich deren auf die specielle Pathologie und Therapie verwiesen werden muss.
Diagnose. Die Anfangsstadien der chronischen Entzündungen weisen oft, wie oben bereits erwähnt, so geringfügige klinische Er­scheinungen auf, auch sind letztere meist so unbestimmt, dass ein Urtlieil über das Wesen des Leidens in diesen Stadien schwer zu fällen ist. Diejenigen Symptome, welchlaquo;laquo; bei unseren ITausthieren frühzeitig, namentlich bei den Lahmheiten, auf das Vorhandensein einer chroni­schen Entzündung schliessen lassen, sind: der mässiyo Grad von
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laquo; V(U'):iiif' der uhrouisohon Eutzündting.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (11
Schraerzbaftigkeili, das Verschwinden letzterer bei der Bewegung bezw, das Gegentheil, nämlicb das Stärkerwerden, und die Functionsstörung, Die übrigen Symptome, namentlich die Schwellung, fehlen anfangs meist. Hierzu kommt der Vorbericht des Besitzers, welcher mittheilt, dass das Leiden bereits längere Zeit besteht und sieh allmählicb ent­wickelt hat. Dem Geübteren und Erfahrenen koinmt dann zu statten, dass er aus der Praxis weiss, wo chronische Entzündungen vorzukommen pflegen und welcher Art diese sind.
in vorgerückterem Stadium, wo die Schwellung sich deutlich bemerkbar macht, hält es selten schwer, die Chronicität einer Ent­zündung zu erkennen. Eine Schwierigkeit bietet sich unter diesen Umständen immerbin, nämlich die Anschwellung zu trennen von jenen pathologischen Producten, die unter dem Namen „Geschwülste (Tu­moren)quot; bekannt und an anderer Stelle besprochen sind.
Verlauf. Die chronischen Entzündungen können spontan zur Ausheilung kommen, Regel ist dies jedoch nicht. Wenn die Ursache des Leidens beseitigt wird, so kann an den Producten desselben regressive Metamorphose und Reslitutio ad integrum eintreten. Meist jedoch erfolgt letztere nicht, sondern wir behalten üeberreste, die in Form von Bindegewehsbyperplasien (Pachydermie), Knochenwuche­rungen (Exostosen, Hyperostosen, Osteophyten) übrig bleiben, während namentlich die Schmerzen verschwinden. Dieser Ausgang ist zwar keine Heilung im strengsten Sinne des Worts, aber er führt zu einem Zustande, in dem der Patient in relativ hohem Grade leistungsfähig bleibt. Während dieser Ausgang bei den aseptisch chronischen Ent­zündungen häutiger gesehen wird, können wir auf denselben bei den speeifischen in den seltensten Fidlen rechnen.
In der Regel entwickeln sich die chronisch-entzündlichen Pro-cesse ganz allmählich, verbreiten sich weiter in die Nachbarschaft hinein und rufen so immer umfangreichere Störungen hervor, wenn nicht die Kunsthülfe dieser Entwickelung eine Grenze setzt. Während die aseptischen Processe das Leben des Patienten in den seltensten Fällen gefährden, da sie trotz massiger Production local bleiben, so ist dies bei den speeifischen anders. Letztere tragen wegen ihrer Ursache die Gefahr der Allgemeininfection in sich und führen auf diese Weise meist chronisches Siechfhum (Marasmus) bezw. den Tod herbei.
Aber nicht immer verlaufen die chronischen Entzündungen chro­nisch; sie können zeitweise acut werden, sowohl die aseptischen als auch die speeifischen. Treten jene bei den acuten Entzündungen be-
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(',2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Entzündung.
sprochenen ürsaohön au den ohronisoh entzündeten Theil heran, so
setzt eben eine ganz acute Entzündung i'in, so dnss der Chiiraktei-des Priniiirleidens rollständig verwischt wird. Auf diese Weise seilen wir acute Gelenkentzündungen, heftige l'hlegmouen und aeute Eiterungen mit all ihren Folgen an den entsprechenden chronisch entzündeten ECörpertheilen auftreten.
Die Dauer der chronischen Entzündung ist ausserordentlich ver­schieden, je nach, der Art der Erkrankung, nach der Natur des ergriffenen Körpertheiles, der Ursache und vielen anderen Momenten, die wir in der Prognose zu berücksichtigen haben. Es kann Wochen und Monate, ja selbst zeitlebens währen, ehe eine chronische Entzündung zu einem Aus­gange bezw. Abschluss gelangt, aber ein typischer Abschluss erfolgt zum Unterschiede von den sog. Geschwülsten, die einen solchen nie besitzen.
Prognose. In der Beurtheilung der chronisch-entzündlichen
Processe sind recht viele Gesichtspunkte zu berücksichtigen, wenn man zu einem richtigen Schlüsse über die Bedeutung genannter Vorgänge gelangen will.
Die aseptischen Formen, soweit sie für die Chirurgie in Betracht kommen, sind quoad vitam günstig zu beurtheilen, dagegen sind sie für die Benutzungsweise unserer Bausthiere von besonderem Interesse. Bezüglich des Sitzes wissen wir, dass Zugthiere, bei denen in der Qeschirrlage derartige Entzündungen auftreten, dadurch erheblich ent-werthet bezw. untauglich für ihren Dienst werden. Dasselbe gilt für chronisch-seröse (Gallen) und chronisch-ossificirende Entzündungen (Spat, Schale), auch diese Formen führen recht häufig zu schweren Gebraucbsstörungen. Rechnet man dazu, dass auch die Behandlung dieser Leiden meist undankbar ist, so crgiebt sich, dass die aseptischen Formen der chronischen Entzündungen recht ernste Leiden bilden.
Die Benutzuiigswei.se ist; von erheblicher Bedeutung für die Beurtheilung insofern, als mit chronisch-enlzündlicheii Leiden der Gliedmassen behaftete Thiere leichte Arbeit, und auf weichem Boden oft noch lange Zeit verrichten können. Ist es jedoch nicht möglich, solche Verhältnisse herzustellen, dann ist der Thierarzt meist am Ende seiner Kunst und der Patient entwerthct.
Von hoher Bedeutung ist der Grad der Ausbildung des Leidens; eine kleine Exostose in der Nähe des Vorderfusswurzelgelenks stört wenig oder gar nicht, dagegen ist eine umfangreiche chronisch-ossi­ficirende Entzündung der Knochenhaut an dieser Stelle im Stande, das. Thier unbrauchbar ZU machen.
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CbvonisoliQ Infeotlonskrankheiteni
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Die Beurtbeilung der speciflsch-chronisohen Entzündungen, welche
chirurgisches Interesse besitzen, geht bei unseren llausUiieren vor allen Dingen von dem Grundsatze aus, ob das Leiden local ist oder generalisirt. In letzterem Falle sind diese Leiden unheilbar und die betreffenden Thiere besitzen höchstens noch den Werth einer minderwerthigen
Schlachtwaare. Bleiben aber derartige Frocesse auf einzelne Stellen des thierischen Körpers beschränkt, dann sind sie günstiger zu beurtheilen. In solchen Fällen gelingt es bei nicht zu umfangreicher Ausbreitung und oberflächlichem Sitze des Processes denselben operativ zu bewirken.
Behandlung. AVesentlich anders als bei den acuten stellt sieb die Behandlung bei den chronischen Entzündungen. Dass hierbei die Kälte keinen Nutzen gewährt, ergiebt sieb aus obiger Betrachtung von selbst. Zur Beschränkung der entzündliehen Neubildung und zur An­regung der Resorption der Entzündungsproducte dient die methodische Compression sowie Massage; dazu kommen die sog. zerthei lenden Mittel und die ableitende Methode (s. S. 53).
(quot;. Chroulsclie [nfectionskraukheiten.
Zu dieser Gruppe, die sich ihrem Wesen nach eng an die chronisch-entzündlichen Processe anschliesst, gehören folgende für die thierärztlii he Chirurgie in Betracht kommende Processe: I. Aktinomykose, -. Botryomykose.
Während in der Menschenheilkunde die Tuberkulose, soweit, sie chirurgisches Interesse hat, schon längere Zeit zu den chronischen Infectionskrankheiten gezählt wird und ihre Producte aus der Reihe der Tumoren gestrichen sind, ist solches in der Thierheilhunde mit der Aktinomykose und der Botryomykose bisher nicht geschehen. Die Producte der beiden letzteren sind wegen ihrer geschwulstartigen Form stets zu den Geschwülsten gezählt worden, und als Aktinomvkome und Botryomykome bezw. Mykofibrome oder Mykodesmoide bei den Fibromen abgehandelt worden. Mit der Erkenntniss der Ursache dieser Krankheiten und mit Rücksicht auf die Thatsache, dass dieselben auch in inneren Organen ohne Geschwulstcharakter auftreten, musste diese Stellung aufgegeben werden und die Aktinomykose und Botryomykose als chronische Infectionskrankheiten und im Anschluss an die chroni­schen Entzündungen an dieser Stelle besprochen werden. Sie sind als speeiflsch-chronische Entzündungen, aber nicht als Geschwülste
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EutzUuduns
aufzufassen. Bezüglich dor Tuberkulose soll hier fgt;'lt'icli vorausgeschickt werden, dass dieselbe lit-'i unseren Bausfehieren chirurgische Bedeutung bisher noch nicht erlangt hat. Die Beobachtung Eborlein's, dass die bei Papageien vielfach am Kopfe auftretenden Q-eschwülste bezw. Hauthörner tubei'kulöser Natur sind, sowie die differentiell-diagnostische Bedeutung der Tuberkulose einzelner Organe ist noch kein hinreichender Grund, der Tuberkulose an dieser Stolle ein besonderes Kapitel zu widmen. Daher wird die Tuberkulose hier nicht besonders abgehandelt werden, es muss vielmehr bezüglich derselben auf die Handbücher der speciellen Pathologie' verwiesen werden.
I, Aktinomykose.
Vorkommen. Die Aktinomykose ist, seitdem dieselbe ihrem Wesen nach genauer bekannt geworden, bei unseren Hausthieren häufig gefunden worden. Man hat sie vor allen Dingen beim Kinde beob­achtet: neuerdings mehren sich aber die Fälle beim Pferde, und auch das Schwein und Schal' leiden nicht selten an dieser Krankheit. Ebenso mehren sich auch die Angaben in der Literatur idter die einzelnen ergriffenen Körperorgane. Während früher hauptsächlich die Kieferaktinomykose des Rindes bekannt war, weiss man jetzt, dass alle Organe des Thierkörpers, auch die Knochen und Haut, Sitz des Leidens sein können. Obwohl die Aktinomykose in den meisten inneren Organen (Lunge, Milz, Nieren, Leber, Gehirn, Bauchfell, Uterus u. s. w.l beobachtet ist, interessirt den Chirurgen hauptsächlich die Aktino­mykose der Zunge, Kieferknochen, Rachenhöhle, Lymphdrüsen, Haut, des Euters und Samenstranges. Die Häufigkeit, in der die letzt­genannten Organe ergriffen werden, geht aus ihrer Reihenfolge hervor, während das Auftreten bei den einzelnen Thierarten sich so gestaltet, dass das Rind die meisten Fälle liefert, dann das Pferd und schliess-lich das Schwein und Schaf.
Verschiedentlich ist beobachtet worden, dass die Aktinomykose in gewissen Jahren und Gegenden häufiger auftritt, so dass man fast von epizootischer Verbreitung sprechen konnte. Woran dies liegt, ist bisher noch nicht aufgeklärt. Auffällig ist mir (Prick) die Häufigkeit des Leidens in manchen Jahren gewesen, ohne dass auch mir eine Erklärunff dafür ffefunden werden konnte.
Pathologische Anatomie. Alle aktinomykotisch erkrankten
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Ald.inomykose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ()quot;,
angeführten Veränderungen. An den Weiohtlieüen finden wir vor allem grosso Mengen Bindegewebe in allen Entwickelungsstadien, vom jungen, zellreiohen, saftigen Bindegewebe bis zum sehneuai'tigen, schwartigen, gefassarmen Narbengewebe. Die Knochen, welche vom Process affleirt sind, weisen die Erscheinungen einer chronischen pro-duetiven Periostitis nur. so dass sie an umfang beträchtlich zunehmen. Gleichzeitig spielt sich in den aktinomykotisch erkrankten Organen ein anderer Process ab. Wahrend durch die productive Entzündung eine ümfangsvermehrung des erkrankten Organes oft in dem Umfange eintritt, dass man von Geschwulstbildung gesprochen hat, läuft im Innern ein regressiver Vorgang ab. In dem neugebildeten Binde­gewebe und im Knochen, bezw. seiner Markhöhle bilden sich durch die Thätigkeit des Krankheitserregers kleine Höhlen der verschiedensten Gestalt, welche mit Granulation ausgekleidet sind und einen schleimig-eitrigen Inhalt besitzen. In diesem Eiter sowie auch in der Granu­lation finden sich kleine, schwefelgelbe, wie Sandkörner anzufühlende Körnchen, nämlich die Kolonien des Erregers der Aktinoinvko.se, der A k tmomy eesrasen. Die SO entstandenen Abscesse nehmen unter Umständen auch grössere Dimensionen an (bis Kindskopfgrösse) und brechen dann oft nach aussen durch. Dieselben besitzen meist ein vielbuchtiges Innere, das mit Granulation ausgekleidet ist. und heilen unter starker narbiger Einziehung aus, ohne dass dadurch der speeiflsche Process einen Abschluss findet. Meist bleibt eine Fistel übrig, aus der häufig eine Granuhitionswucherung wie ein Champignon hervorschiesst. Dieselbe ist hochroth, blutet leicht und enthält die typischen Aktinomyeesrasen. Unter diesem Wechsel: chronisch-pro-duetive Wucherung in der Peripherie, eitriger Zerfall im Centrum schreitet die Aktinomykose immer weiter in die Nachbarschaft vor und zerstört Alles, was in ihren Bereich kommt. Auf diese Weise vernichtet sie auch lebenswichtige bezw. zur Arbeit oder Verdauung nöthige Organe und führt zu chronischem Siechthum und Tod.
Die massenhafte Bildung von Bindegewebe bezw. Knochen ist es gewesen, welche früher dazu geführt hat, das Leiden zu den ge-sch wulstbilden den Processen bezw. zu den Geschwülsten zu zählen. Die Höhlenbildung in den aktinomykotisch ergriffenen Knochen war fernerhin die Ursache, dass derartige Knochen nach der Maceration wie aufgeblasen erschienen und als „Winddornquot; bezeichnet wurden.
Ursache. Der ursächliche Erreger der Aktinomykose ist der Strahlen]) ilz lAktinomyces); er gehört nicht zu den Bakterien, Müller u Frick, Allgemeine Chirurgie für Tbierärzte. #9632;-gt;. Aminbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ö
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Kiitziiiuluni;.
sondera zur Gruppe „ciiulotlirixquot;, wurde 1^77 von Bellinger in den als Winddorn bezeichneten Kiefergesohwlllsten des Rindes nachgewiesen und spater auch beim Menschen beobachtet, wo er ebenfalls zu chronischen Knochenleiden führt,
Makroskopisch giebt sich derselbe als sandkorngrosse, gelbliche, beim Rinde oft schwefelgelbe Körnchen zu erkennen, die dem dick­flüssigen Eiter beigemischt sind. Unter
Fig. 8.
dem Mikroskope zeigt Aktinomyecs
bovis einen strahligen Bau, daher der Name. Von einem körnigen Centrum strahlen rosettenartig. dichotomisch getheilte und an ihren Enden oft etwas aufgetriebene Fäden aus (Fig. 8), die bei L00—300facher Vergrösserung leicht zu erkennen .sind.
Der Aktinomycespilz liisst sich schwer färben, doch gelingt dies mit der öram'schen, durch Weigert modificirten Methode. Nach Weigert, kommt das Präparat ans dem Jod­jodkalium sofort in eine Mischung von 2 Theilen Anilinöl und 1 Theil \vlol. dann in reines \ylol und Bal­sam. Picrokarmin färbt Aktinomyces gelb, während das umliegende Gewebe
Aktinomyces bovis (nach Ponfik).
i-oth erscheint. Auf Blutserum und
Gelatine gelingt die Züchtung, doch erfolgt das Wachsllinm sehr langsam; erst, nach 5—6 Tagen erscheint ein kleines, graues Pünktchen, das mit dem Wachsen ein gelbes Centrum erlangt. Erfolgreiche Uebertragungsversuche sind von Johne, Bo-ström u. A. bei Thieren gemacht worden.
In welcher Weise die Infection zu Stande kommt, ist mit Sicher­heit noch nicht festgestellt. Der Umstand, dass in Aktinomyces-abscessen zuweilen Pflanzentheile gefunden wurden, lässt vermuthen, dass der Pilz, in der Regel an letzteren haftend, mit dem Futter aufgenommen wird und dann in Verletzungen eindringt. Die Uebertragiuig des Pilzes durch gegenseitiges Belecken der Binder (Mipke) sowie durch ilaar-seile (öooeh) sind als Ausnahmen zu betrachten. Während obige Erklärung für diejenigen Körpertheile, welche mit der Aussenwclt bezw. den Futterstoffen in Berührung kommen, plausibel erscheint,
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Aktinomykoso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 07
kann sie für die Entstehung der Aktinomykose innerer Organe (Leber, Milz, Nieren) nicht verwertiiet werden, und der Infectionsmodus dieser Organe bedarf nocii der Anfkliming.
Erscheinungen. Eine specielle Symptomatologie der an den einzelneu Organen auftretenden Aktinomykose kann hier nicht gegeben werden; dieselbe ist Gegenstand der speciellen Chirurgie, Zunächst ist zu unterscheiden, ob die Aktinomykose an einer freien Oberfläche (Rachenhöhle, Haut), oder in der Tiefe eines Organs (Kiefer, Lymph­drüsen, Euter) auftritt.
In ersterom Falle entstehen knollige, harte, derbe, oft warzige Vcrdicknngen (Haut) oder weiche, markige, pilzförmige Wucherungen (ilachenhöhle), welche die davon betroffenen Organe deformiren und lediglich auf mechanische Weise functionelle Störungen (Beschränkung des Schluckens, der Athmung, Störungen der Bewegung) hervorrufen. Mit Schmerzen sind diese Wucherungen offenbar nicht verbunden. Vielfach entstehen an der Oberfläche der aktinomykotischen Producte Fisteln, die etwas Eiter entleeren, oder aus deren Mund üppige, leicht blutende Granulation hervorragt. In diesem Eiter sowie in den Granu­lationen kann mau häutig die Aktinomycesraseu schon durch das Ge­fühl nachweisen, Sie fühlen sich wie Sandkörner an. Auf jeden Fall lassen sich diese durch mikroskopische Untersuchung des Eiters bezw. der Granulation feststellen.
In der Tiefe von Organen regt der Aktinomycespilz stets eine üppige Production von narbigem Bindegewebe bezw, Knochen an, welche sich nach aussei! in Form von knolligen, anfangs kleinen, später umfangreichen, derben, schmerzlosen, nur selten leicht vermehrt warmen Anschwellungen zu erkennen geben. Letztere sind oft scharf begrenzt und adhäriren der über ihnen gelegenen Haut erst, in späteren Stadien, wenn diese in den specifischeii Process hineingezogen wird, oder wenn die in der Wucherung gebildeten Abscesse nach aussei! durchbrechen. Auch in dem Eiter dieser Abscesse sind die Aktino­mycesraseu nachweisbar. Je nach den ergriffenen Organen fallen die speciellen Symptome verschieden aus (Kaubeschwerden, Verdauungs­störungen, Störungen in der Milchergiebigkeit u. S. w,),
Diagnose, Wenn auch durch die Erfahrung festgestellt ist, dass die Aktinomykose gewisse Thierarten und bestimmte Körpertheile mit Vorliebe ergreift, so lässt sich aus der Anwesenheit von Anschwel­lungen, Fisteln u, s, w, der obigen Art noch nicht mit Sicherheit die
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Eutziinduno
Diaguose stellen. Letzteres kann aber ilurcli mikroskopische Unter­suchung des Eiters geschehen. Der Nachweis der speclflschen Aktino-mycesrasen im Eiter sichert die Diagnose endgültig.
Verlauf und Prognose. Der Verlauf des Leidens gestaltet sicii so, ilass eine Spontiinheilung kaum jemals erfolgt. Meist greift der Process langsam um sieh und zerstört iilhniilig die ergriffenen Gewebe. Je mich dem Sitze sind die Folgen der Äktinoraykose verschieden. Während an der Haut umfangreiche Aktinomykose nur massige Stö­rungen verursacht, kann dasselbe Leiden im ßückenmarkskanal bezw. in der Nachbarschaft des Gehirns schnell tödtlicli werden. In noch anderen Fällen ist /.war das Leben des Thieres nicht direct gefährdet, allein durch seeundäre Störungen (Behinderung der Athmung, dos Kauens und Schluckens) werden die Patienten in ihrer Ernährung geschädigt, und ihre Existenz wird durch mangelhafte Nahrungsauf­nahme in Frage gestellt.
Entsprechend diesen Momenten fällt auch die Beurtheilung ver­schieden aus. Dem Messer bezw. einer operativen Behandlung zugäng­liche aktinomykotische Wucherungen sind verhilltnissmässig günstig zu beurtheilen. Ist jedoch die Eadicalbehandlung mit Rücksicht auf die Dignität des erkrankten Organs bezw. in Anbetracht der Aus­breitung des Processes nicht angängig, dann wird die Vorhersage mindestens zweifelhaft. Günstiger ist das Leiden bei fetten Hindern und Schweinen als bei mageren Thieren und beim Pferde zu be­urtheilen, da event, die Schlachtung einen Ausweg bietet.
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Behandlung. Beseitigung der Ursache und der l'roducte der Aktinomykose sind die obersten Grundsätze für die Behandlung. Die Operation wird diesen Forderungen am ersten gerecht. Wo daher die Exstirpation der krankhaft entarteten Gewebe durchführbar ist (Sameh-strang, Parotisgegend), ist sie als die rationellste Methode zu empfehlen. Leider liegt oft in der Ausbreitung des Processes sowie in seinem Sitz (Kiefer, Zunge) eine Gegenanzeige für die Operation, und es muss in solchen Fällen zu Medicamenten gegriffen werden. Nach der Em­pfehlung von Thomassen wird zur Zeit das Jod und seine Präparate vielfach mit Erfolg angewendet. Die bequemste Auwendungsform ist das Jodkalium, welches innerlich in Dosen von 5—10 g pro die verabreicht wird. Hiernach ist recht häutig ein Zurückgehen der Schwellungen und Sistiren des Processes beobachtet worden. Keines­wegs ist jedoch das dodkalium in seiner Wirkung absolut sicher; es
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Botryomykose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(JO
wurden auch Fälle mitgetheilt (Eugel, Noack), in denen das Medica­ment im Stiebe gelassen hat. Mir selbsl fFrick) sind derartige Miss­erfolge iiucli begegnet.
Eine andere Form der Anwendung von Jod ist die Injection von Jod-tinetur bezw. Jodjodkaliumlösung in die krankbuften Gewebe. Auch tiei'o Scarificationen der letzteren (Zunge) unter gleichzeitiger Bepinselung der Schnittflächen mit Jodlösungen wurdo oft fi-Iolgrcieli ausgeführt (Ostertag). Neben dieser äusserlichen Anwendung kann Jod inner­lich noch angewendet werden. Es hat sogar den Anschein, als ob das Jodkalium sofort in Wirksamkeit träte bei Tumoren, die vorher darauf nicht reagirten , wenn diese durch tiefe Scarificationen stärker vascnlarisirt werden ( M a 1 k m us, Frick).
Zum Schluss mag nocli der Anwendung des Arseniks gedacht werden, der entweder in Salbenforni (Tullberg) oder in Substanz (Schulze, Heine, Prick, Liphardt) mit Vortheil gebraucht worden ist. Die Salbe enthält 100/o Acidum arsenicosum und wird so lange auf die kranke Stelle gerieben, bis die Haut nekrotisch wird. In Substanz benutzt man Arsenik bei inoperabler Aktinomykose in der Parotisgegend in der Art, dass Stückchen Arsenik (0,2—0,5 g) mit Hülfe eines Trokars hinter die Geschwulst gebracht werden. Die­selben erzeugen Nekrose der aktinomykotisch entarteten Gewebe, welche sicli durch Demarkation abstossen und eine leicht heilende Wunde hinterlassen,
2. Botryomykose.
Vorkommen. Während die Aktinomykose mit Vorliebe das Rind heimsucht und verhältnissmässig selten beim Pferd gefunden wird, kommt die Botryomykose fast ausschliesslich beim Pferde vor. Die wenigen Fälle von Botryomykose, welche bisher beim Rind und Schwein beobachtet wurden, verschwinden fast gegenüber der Häufig­keit des Leidens beim Pferde. Aehnlich wie die Aktinomykose be­vorzugt auch die Botryomykose gewisse Körperstellen beim Pferde; namentlich sind es diejenigen Stellen, welche mechanischen Insulten ausgesetzt sind, d. h. die Häuf in der Geschirrlage der Zugthiere. Man könnte daher die Botryomykose beinahe als eine Berufskrankheit des Lastpferdes bezeichnen. Ausser in der Haut der Geschirrlage wurde die Botryomykose auch an anderen Körperstellen und anderen Organen festgestellt! Haut der Lippen, des Schweifes, am Ellenbogen, in der Fessel, Prädilectionsstcllen sind ferner der Samenstrang, das Euter, der gemeinschaftliche Kopfhalsarmmuskel, Ausserdem hat man Botrvo-
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Eutzündun
niyko.se am Bauchfell, Brustfell, in den Lungen und vielen anderen inneren Organen gesehen. Mir selbst sind als besonders seltene Stellen, an denen die Botryomykose auftreten kann, die Seil weif wurzel und die Umgebung des Afters sowie die llufkrone (nacli Kronentritten) be­kannt geworden. In seltenen Fällen (Hiek) wurde Botryomykose in Form eines ceneralisirten Leidens beobachtet.
Pathologische Anatomie. Ebenso wie bei der Aktinomykose besteht auch bei der Botryomykose eine chronische, productive Ent­zündung der afftcirten Gewebe, /um
Fig. 9.
^
Unterschiede von der Aktinomykose geht jedoch die Entwiekeluiig dieser neugebildeten Massen ausserordent-lich langsam von statten, auch ist der Knochen nur ausnahmsweise der Sitz des Processes. In der Regel
ist das Bindegewebe betroffen, und bindegewebiger Art sind auch die Producte. Wir finden eine Neubil­dung von Bindegewehe in solcher Menge, dass letzteres oft Tumoren vortäuscht. Auch hat dieser Umstand zu der Bezeichnung Mykolibrom oder Mykodesmoid für diese Bindegewebs-productionen geführt. Welchen Um­
fang die so gebildeten Biudegewebs-
Hautverdloknng durob Botryomyoes
(nadi .Tcusen).
niassen erreichen können, zeigen
Fig. 9 und 10, sowie die Angabe von Peliset, dass eine von ihm gefundene Bindogewebsbildiing ein Gewicht von fil) kg besass.
An freien Oberflächen (Haut) sowie an Stelleu, wo dem Wachs-thum wenig Widerstand geleistet wird (Subeutis), tritt das neugebildete Bindegewebe in Form von verhältnissmässig scharf begrenzten Schwel­lungen auf, die Knoten oder Kugelform zeigen und durch Confluenz umfangreichere Massen mit schwach höckriger Oberfläche bilden. Anders im Innern von Organen (gemeinschaftlicher Kopfhalsarm­muskel); daselbst entsteht zunächst eine chronische interstitielle Ent­zündung, die schliesslich zu einer vollständigen Umwandlung des be­troffenen Organes in eine Bindegewebsmasse führt. Das Bindegewebe selbst bildet in allen Fällen ein straffes Narbengewebe, welches dem
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Botryoraykose.
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Messer bedeutenden Widerstand entgegensetzt und heim Durchsohneiden knirscht. In dieses Bindegewebe sind zahlreiche Höhlen eingesprengt) welche Stecknadelkopf- bis Haselnussgrösse, nur selten (Samenstrang und gemeinschaftlicher Kopfhalsarmmuskel) Hülinereigrösse erreiclien. Dieselben lullen schon durch ihre gelbbraune Farbe auf, enthalten eine geringe Menge eines schleimigen Eiters und sind im übrigen mit gelbbraunem, his braunrothem schlaffem Granulationsgewebe ausgefüllt.
Fig. 10.
Mykoflbrom an der Brust (nach olnsr PhotograpMe von Prof. Bayer).
In dem Eiter sieht man oft mit hlossem Auge Körper, ähnlich kleinen Sandkörnern, welche die speeifischen Pilzrasen (Botryomyces) darstellen. Die einzelnen kleinen Granulationslierde, die charakteristisch bezüg­lich ihrer Farbe und Beschaffenheit sind, communiciren meist mit ein­ander, so dass die ganze Bindegewebsmasse wie von einem Kanalwerk durchzogen erscheint. Diese Kanäle streben oft nach der llautober-flilche bezw. Oberfläche des betroffenen Organs und geben dort Ver­anlassung zur Fistelbildung. Der Mund solcher Fisteln besitzt gewöhn­lich aufgeworfene Lippen, die aus einer schlauen Granulation bestehen.
Aus den Fisteln, die bei umfangreicherer Ausdehnung des P
•ocesse
s oft
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in grosser Zul
Kiitzünilunjr. vorhanden sind, entleert sich etwas Eiter, in dem sich
der Erreger der Botryoinvkose nachweisen liisst.
Ursache. Bereits 1870 ist der Erreger der Botryomykose von Bollinger beobachtet worden, welcher ihm auch den Namen Botryo-myces gegeben hat, sowie die Bezeichnung Botryomykose für alle von ihm verursachten Processe einführte. Spater (1879) haben Uivolta und Micellone diesen Pilz ebenfalls heobachteti Johne nannte ihn Micrococcus aseoformans, Rabe hat ihm den Namen Micrococcus botryogenes gegeben und das Verdienst sein ursächliches Verhäitniss zu genannten Leiden experimentell nachgewiesen zu haben.
Fijr. 11.
Der Parasit tritt in brombeer-förmigen [dampen oder In rundliehen
Scheiben von glilnzendem Aussehen und scharfen Contouren von 5-10-100 u Durchmesser auf (Kitt) (Fig. 11), In diesen Conglomeraten stecken, durch eine zooglöaartige Grundmasse ver-\ bundeu, die etwa nur 1 ft grossen runden Kokken, welche nach (labe am besten auf Pleischwasserpepton-gelatine und Kartoffeln gedeihen, auf Agar-Agar dagegen nicht gut fort­kommen. Von verschiedenen Seiten (Kitt, Hell) ist, dieser Parasit als mit Stnphylococcus identisch betrachtet worden. Hell gelang es in fünf Fällen, aus Botryomycesrasen Staphylo-
coccus pyogenes zu züchten, und zwar viermal aureus und einmal albus.
Botryomyces (nach Rain),
Ill
üeber die Art, wie der Botryomyces in die betreffenden Organe gelangt, sind bestimmte Ansichten noch nicht gewonnen. Wester be­obachtete eine üebertragung von Pferd zu Pferd durch das Kummet. Während auf der Haut die Einwanderung durch Verletzung von Seiten des Geschirrs l.I ensen, .lohne) plausibel erscheint, ist diese Erklärung für das Zustandekommen der Infection nicht anwendbar, wenn es sich um Botryomykose des Hauch- oder Brustfelles handelt. Dieser Punkt bedarf ebenso wie auch das Verhäitniss des Botryomyces zum Staphylo-COCCUS noch näherer Prüfung.
Erscheinungen. Die ersten Anfänge der Botryomykose zeigen sich durchaus nicht in charakteristischer Weise. Meist tritt plötzlich eine Anschwellung des betroffenen Theiles auf, die alle Erscheinungen
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BotryomykogOinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;73
einer iicuteii Entzündung besitzt. Die diffuse Schwellung wird oircum-
scripfc, und es kommt zuweilen auch zur Abscedirung. Säuflg jedoch bleibt eine knotige Verdickung übrig, die schmerzlos ist und all­mählich an Umfang zunimmt. In der Nachbarschaft treten neue, knotig derbe, schmerzlose Anschwellungen auf, von denen die eine oder andere auch wohl abscedirt. In dieser Weise nimmt die An­schwollung allmählich trotz aller Behandlung an Umfang zu und zwar derart, dass geschwulstartige Wucherungen von der oben be­schriebeneu Grosse zu Stande kommen. Erst verhiiltnissmiissig spät kommt es zur Fistelbildung; von vornherein sind solche nur da vor­handen, wo der Botryomyces sich in einer Operationswunde an­siedelt (Samenstrang). Die Haut über diesen Wucherungen wird sehr bald adhärent, sie wird auch dicker, und die Ilaare fallen aus. Treten dann mehrere Fisteln auf, so bekommt die Oberfläche in Folge der Narbenretraction eine hügelige, buckelige Beschaffenheit, die durch den Eiter oft erodirt erscheint. In der Nähe des Hufes sowie an den unteren Enden der Gliedmassen zeigt sich häufig Hyper­trophie der Hautpapillen, sodass die Oberfläche ein warziges Aussehen bekommt.
Während diese Erscheinungen an der Körperoberfläche die Bo-trvomykose kennzeichnen, sind dieselben im Innern von Organen (Muskeln) nicht so auffällig, um sofort den Verdacht auf Botryomykose ZU erregen. Hier sieht man höchstens eine diffuse, schleichende Ent­zündung, die lange Zeit local bleibt, bis eines Tages ein Eiterherd nach aussen aufbricht und eine Fistel hinterlässt. Diese Fistel heilt nicht trotz aller Behandlung, ja es bilden sich sogar im weiteren Ver­lauf neue in der Nachbarschaft, und auf diese Weise gewinnt der Process an Ausdehnung. Bei Muskelbotryomykose habe ich (Frick) häufig nur derartige Pistelbildung gesehen, ohne dass es zu einer ge­schwulstartigen Verdickung gekommen wäre.
Eine Erscheinung, welche die Botryomykose von der Aktino-mykoae unterscheidet, ist das zeitweilige Auftreten acuter Entzündungen au dem ergriffenen Theile; nämlich dann, wenn ein Abscess zum Durch­brach kommt. Auch die Anfangsstadien des Leidens treten häufig in Form einer acuten Entzündung auf. Die Aktinomykose dagegen setzt von vornherein chronisch ein und zeigt auch bei Abscedirungen keine acuten Erscheinungen. Wenn man mit Kitt und Hell an­nimmt, dass Botryomyces und Staphylococcus identisch sind, dann würde sich diese Erscheinung so erklären, dass in Folge der Invasion von Botryomyces in das lockere Bindegewebe, welches ja bei der Ab-
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Qntziindunffi
scedirung perforirt wevden muss, eine Pblegmone untsteht. Ob diese
Erklärung richtigquot; ist, bleibt weiteren Uiitersueliungen vorbebulten.
Diagnose. Die Erkennung des Leidens stösst, sobald es vollständig ausgeprägt ist, kaum auf Schwierigkeiten. Allein mit RUoksiobt auf die Behandlung, die möglichst frühzeitig erfolgen muss, wenn sie noch etwas erreichen soll, nuiss auch die Diagnose möglichst frühzeitig ge­stellt werden. Da min in den Ä.nfangsstadien keine specifisohen Ver­änderungen bestehen, so ist man einzig und allein auf den Nachweis des Botryomycespilzes angewiesen. Man sucht denselben im Eiter, den mau event, durch Punction oder Incision gewinnt. Die Anwesenheit desselben spricht auf jeden Fall für Botnomvkose.
Verlauf und Prognose. Der Verlauf der Botryomykose ist ein ausserordentlich langsamer. Unter Umständen vergehen Jahre, ehe umfangreichere Entartungen der betroffenen Organe zu Stande kommen. Wegen des Sitzes (Geschirrlage, Samenstrang) stört das Leiden häufig die Brauchbarkeit der Thiere erheblich, ohne aber das Leben direct ZU gefährden. Die Thiere haben oft recht umfangreiche botryomyko-tische Veränderungen und befinden sich trotzdem in recht gutem Er­nährungszustände. Von einem Todesfall verursacht durch Botryomy­kose ist unseres Wissens bisher noch nicht berichtet. Dementsprechend gestaltet sich die Prognose verhilltnissmässig günstig. Wird die Be-nutzungsweise des Thieres durch das Leiden nicht in Frage gestellt, so können die Thiere trotz desselben oft zur vollen Arbeit herangezogen und ausgenutzt werden. In solchen Fällen wird es auch oft rathsam sein, zumal bei minderwerthigen Thieren und bei armen Besitzern auf eine Behandlung ZU verzichten. Auch in Fällen, in denen eine Be­handlung erforderlich erscheint, ist die Prognose noch keineswegs schlecht, selbst bei inoperablen Fällen, da auch hier die Behandlung mit Jodkalium oft laquo;mten Erfolff hat.
Behandlung. Die beste und rationellste Behandlungsmethode des fraglichen Leidens bildet (wenn anwendbar) die Operation. Mit der Entfernung der gewucherten Massen und der Krankheitserregers ist das Leiden beseitigt. Es empfiehlt sich jedoch, hierbei möglichst weit in das Gesunde zu gehen, da sonst leicht Hecidive auftreten.
Wo die Operation ans örtlichen Gründen nicht alles Krankhafte entfernen kann, empfiehlt sich doch stets, so viel als möglich davon abzutragen und den liest mit innerlichen Gaben von Jodkalium zu
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Botryomykose.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;75
behandeln (Bayer, Malkmus, Thomassen, Siegmund). Ob­wohl auch Misserfolge mit der Jodkaliumbehandlung mifcgetheilt sind (Fröhner), so darf man nicht vergessen, dass öhnlich wie hei der Aktinomykose eine kräftige Vascularisation der Wucherungen ange­strebt werden kann (durch Partialcxstirpatioii), damit das Medicament an die Krankheitsherde gelangt,
Im Anschluss an vorstehende Leiden mug hier noch derjenigen Bindegewebswucherungen gedacht werden, die durch thierische Para­siten hervorgerufen werden.
Spiroptora cincinnata (Ercolani) oder Onchocerca reticu-lata (Diesing) siedelt sich in Italien (Bassi, Rivolta, Vigezzi, Perroncito) und Russland (Tsc hulo wski, Popow) bei Pferden, Hunden, Eseln in der Subcutis der Schulter, des Vorarms, des Karpal­gelenks sowie in der Wandung der Arteria digitalis comnumis an. Sie erzeugt Bindegewebswucherungen, die Gänge oder Höhlen mit Eiter enthalten. In letzteren findet sich der Parasit. Gelegentlich werden derartige Bindegewebswucherungen an der Art. digit, connn. bei Pferden gefunden, die von Kussland importirt waren (Bartels).
Die Behandlung besteht in der operativen Entfernung.
In der Subcutis beim Binde finden sich zuweilen (in Italien) um­fangreichere Bindegewehsknoten, die ihre Entstehung abgestorbenen Oestruslarven verdanken und regelmassig verkalken; Gaparini hat sie daher ilypodermolithen gemannt.
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III. Verletzungen der Weichtheile. A. Wunden (Vulnera, Traumata).
Einleitung. Die Weichtheile des thierischen Körpers sind viel­fältigen liisultt'ii ausgesetzt, welche sich sowohl nach ihrer Art, wie auch Ausdehnung und Bedeutung ausserordentlich verschieden gestalten. Dass die an der Aussenfläche des Körpers gelegenen Organe hiervon am häufigsten betroffen werden, liegt auf der Hand, datier fallen diese Zustände auch vornehmlich in das Gebiet der Chirurgie.
Unter dein Einflüsse von Zugkräften werden gewaltsame Deh­nungen der Weichtheile veranlasst. wodurch Trennungen in denselben entstehen, die man als Zerrung und Zerreissung bezeichnet, Aus­drücke, die zugleich den verschiedenen Grad der Verletzung andeuten. Durch gewaltsame Einwirkung stumpfer Körper entstehen oft Con-tinuit'atstrennungen au den VV'eichtheilen, vornehmlich in den unter der äusseren ilaut gelegenen Geweben, während die äussere Haut in Folge ihrer grösseren Widerstandsfähigkeit keine Trennungen erfährt (subcutane Verletzungen). Im Gegensatz zu diesen subcutanen Ver­letzungen nennen wir C'ontiniiilätstremiungen der Weichtheile' mit gleichzeitiger Trennung in der darüber gelegenen äusseren ilaut bezw. Schleimhaut, wie sie in der Regel durch die Ein­wirkung scharfer Gegenstände entstehen, Wunden.
Verletzungen der äusseren Haut, d. h. Wunden, mit den unter ihr gelegenen Weichtheilen bezw. der Schleimhäute entstehen vornehm­lich durch scharfe, schneidende oder stechende Instrumente, doch können auch Geschosse oder Bisse hierzu Veranlassung geben, Man unterscheidet an jeder Wunde die getrennten Flächen (Wundränder) und den Grund, d. h. die tiefsten Abschnitte derselben. Die durch chemische Körper (Aetzmittel) und thermische Ursachen (Hitzegrade) entstehenden Wunden linden in einem anderen Kapitel Besprechung.
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Wunden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
Man hat die Wunden der kürzeren Bezeichnung wegen und um zuffleicli einen üeberbliok über dio Entstehunff und die event, zu erwartenden Schicksale der Wunden zu erlangen, nach versobiedenen Gesichtspunkten eingetheilt; so spricht man von Schnitt-, Stich-. Hieb-, Schuss- und Bisswunden. .Jede dureb gewaltsame Ein­wirkung eines stumpfen Körpers entstandene Wunde ist mit einer mehr oder minder starken Quetschung verbunden und heissi demnach Quetschwunde. Je schärfer der verletzende Gegenstand, desto weniger Gewalt- ist zur Erzeugung einer Verletzung mit demselben erforderlich, um so weniger werden also hierbei die Qewebstheile selbst leiden. Die mit einem scharfen Messer erzeugte Schnittwunde stellt eine einfache Trennung der Weichtheile dar; je stumpfer das Messer, desto mehr Gewalt erfordert der Schnitt, um so lebhafter wird neben der Trennung die Zerrung, Dehnung und Quetschung in den Geweben, und um so weniger sind diese geeignet, die zur Heilung der Wunde erforderlichen Reparationsvorgänge zu bewirken.
An der Schnittwunde sind die Wundränder in der Kegel glatt und (dien, an der Quetschwunde unregelmässig, zerrissen, zer­fetzt. Einzelne Abschnitte der Wundränder können mehr oder weniger von den (ihrigen Losgelöst erscheinen; man spricht alsdann von einer Lappenwunde, und wenn Theile vollständig abgetrennt wurden, von einer Wunde mit Substanzverlust. Ferner unterscheidet man oberflächliche, tiefe und penetrirende, d. h. in Körperhöhlen, z. B. Brust- oder Bauchhöhle, eindringende Wunden. Man trennt ferner Haut-, Muskel-, Sehnen- u. s. w. Wunden und bezeichnet die in der Längsrichtung des Organes liegenden als Längs wunden, entgegengesetzt verlaufende als Querwunden. Unrein heisst die Wunde, wenn sie Fremdkörper (Holz. Erde, Haare u. s. w.) enthält, inficirt dagegen, wenn sich Infectionsstotfe in derselben befinden. welche den regelmässigen Heilungsvorgang zu stören im Stande sind; die von solchen Stoffen freie Wunde heisst aseptisch. Als ver­giftet gilt eine Wunde, in welcher sieh pflanzliche oder thierische Gifte befinden, z. B. beim Schlangenbiss, Inscctenstich. Fernerhin bat man leichte, schwere, tödtlicho Wunden unterschieden; ebenso spricht man von frischen, alten, eiternden, granulirenden, jauchigen, stinkenden Wunden. Nach dem Sitze hat man ein­getheilt in Kopf-, Hals-, Brust- u. s. w. Wunden.
Stellen wir uns eine einfache Schnittwunde von massiger Ausdeh­nung vor, so fallen drei Erscheinungen auf den ersten Blick an derselben auf, nämlich; Schmerz. Klaffen der Wundränder und Blutung.
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FS
Verletzungen der Weiobtheile!
Wie Jeilur an sicli selbst erfahren, ist die Verwundung mit mehr oder weniger Schmerz verbunden! Dieser prirallre Wund-schroerz entsteht durch Zerrung und Verletzung, welche die sensiblen Nervenfasern im Momente der Verwundung erfahren. .Je grosser ihre Zahl, d. li. je reicher das Gewebe an sensiblen Nerven, je weniger scharf das verletzende Instrument, und je langsamer dasselbe die Trennung bewirkt, um so grosser ist dieser primäre Wundschmerz. Bemerkt mag hier werden, dass Verletzungen der weissen Hirnsubstmiz unschmerzhaft sind. Bekannt ist femer, dass die Intensität des pri­mären Wundschmerzes bei unseren liausthieren nach ihrer Art variirt. Während Pferde und Hunde lebhafte Schmerzen empfinden, sind Binder, Schafe, Schweine ziemlich indolent gegen solche. Allein auch innerhalb der Art giebt es nach dieser Richtung Unterschiede. Gut erzogene Jagdhunde ertragen oft geduldig Schmerzen, die bei einem Ziehhunde heftige Abwehrbewegungen hervorrufen. Arbeitsochsen lassen sich oft ausserordentlich schmerzhafte Operationen gefallen, während Milchkühe sich bei leichten Verletzungen des Euters kaum anfassen lassen. Darum ist auch bei Operationen der Schnitt durch die äussere Haut schmerzhafter als der durch die Unterbaut, durch Muskeln und Sehnen; deshalb führen wir den Schnitt möglichst schnell aus und verwenden recht scharfe Instrumente. Auf diese Weise werden nicht nur dem leidenden Thier Schmerzen erspart, und wird die Ausführung der Operation weniger durch die Unruhe derselben ge­stört, sondern es werden auch die lieiluugsvorgänge in der Wunde be­günstigt. Dass nicht alle Thiere gleich empfindlich sind, ist bekannt.
Der erst nach der Verwundung auftretende Schmerz (seeun-därer Wundschmerz) wird durch die Einwirkung der Luft und durch entzündliche l'rocesse hervorgerufen, die wir später kennen lernen werden; wo diese Einflüsse von der Wunde fern gehalten werden, hört der Schmerz bald nach der Verletzung auf.
Die Blutung wird bei Verwundungen von Organen vermisst, welche keine Blutgefässc besitzen, wie an der Cornea und am Gelenk-knorpel; ferner bei Quetschwunden (s. d.) unter besonderen Bedingungen. Im übrigen enthalten fast alle Organe mehr oder weniger Blut-gefässe und zwar in so dichter Lage, dass bei jeder Wunde solche durchtrennt werden. Man unterscheidet klinisch: arterielle, venöse und parenehymatöse Blutungen. Als parenehymatös bezeichnet man Blutungen aus den Capilhiren und kleineren Gelassen, aus denen das Blut ohne einen Strahl zu bilden wie aus einem Schwamm aus der Wnndlläehe hervorquillt; auch Blutungen aus cavernösen Körpern,
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Wunden — Blutung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7M
#9632;/.. B. des Penis oder der Harnröhre, gehören hierher. Die arteriellen Blutungen kennzeichnen sich durch die mit der Systole des Herzens zusammenfallende, stossweisse Entleerung hellroth gefärbten Blutes, wfthrend das dunkelroth gefärbte Venenblut in gleichmftslaquo; sigem, woniger starkem Strahle entleert wird. Wo arterielles Blut sieh zunächst in eine grössere Höhle ergiesst und von liier aus erst abfliesst, kann die Entleerung desselben auch in einem gleich-massigen Strahl erfolgen.
Sistil't die Blutung nicht, so tritt schliesslich durch den Blut­verlust der Tod ein (Verblutung). Diese Gefahr ist jedoch nicht so gross, wie sie dem Unerfahrenen, namentlich dem Laien erscheint; die Menge des an der Erde liegenden Blutes wird regelmässig über­schätzt. Capilläre Blutungen führen fast niemals in dieser Richtung zu bedenklichen Folgen; die Stillung derselben erfolgt regelmässig auch ohne therapeutisches Eingreifen (spontane Blutstillung).
In sehr seltenen Fällen wurde auch bei Thieren jener Zustand beobachtet, den man als llämojihilie oder Bluterkrankheit be­zeichnet, wobei selbst parenehymatöso Blutungen gefährlich werden; die geringfügigste Verletzung führt bei diesem Zustande zu schwer oder überhaupt nicht zu stillender Blutung. Glücklicherweise ist das Leiden bei Thieren nicht häufig: trotz ausgedehnter Erfahrung ist uns bisher kein Fall der Art begegnet.
Die Bluterkrankheit stellt offenbar eine angeborene Constitutions-anomalie dar, welche bei Menschen oft angeerbt ist (Bluterfamilie) und sieh durch die Neigung zu spontanen oder durch leichte Verwundungen ver-anlasste, heftige und schwer zu stillende Blutungen kennzeichnet. Ueber das Wesen der Krankheit fehlen bisher genaue Kenntnisse. Bald wurde eine zu geringe Widerstandskraft der (lefässwilnde, bald mangelhafte Con-tractionsl'iilugkeit der Musoularis derselben als Grundlage des Leidens erklärt, bald in abnormen Druckverhilltnissen als Folge abnormer Enge des (iofiiss-systems (Virchow) das Wesen des Leidens gesucht. Andere glaubten Ab­weichungen in der ISlntinischung mit Abnahme der Gerinnungsfähigkeit desselben als die Ursache solcher profusen Blutungen annehmen zu müssen. Obgleich nicht alle bei Thieren beschriebenen Beobachtungen über Hämophilie die Gegenwart dieses Zustandes ausser Zweifel stellen, so steht doch soviel fest, dass das Leiden auch hier wahrscheinlich vorkommt. So beobachtete man Verblutung hei Pferden in Folge der Application eines Fontanells.
Auch venöse Blutungen werden, namentlich bei grüssereu Thieren nicht leicht lebensgefährlich. Mit der Abnahme der Blutmenge sinkt der Blutdruck, und steigert sich die Gerinnungsfähigkeit des Blutes, so dass selbst durch Verletzungen grösserer Gefässe, /.. B. der Jugular-venen eine tödtliche Blutunff nur selten zu Stande kommt. Dabei
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Verletzungen der Weiobtbeile
blelbl allerdings zu beachten. dass die Blutung ans einer Vene aiebt allein von der Grosse, sondern auch von der Lage derselben wesent­lich beeinflusst wird. Verletzungen der Vena jugularis, wie sie ab­sichtlich beim Aderlass herbeigeführt werden, führen erst zu einer Blutentleerung, wenn man die Vene unterhalb der Verletzung com-primirt, weil der Blutdruck in der Jugularis ein sehr geringer ist. Die geöffneten Venen der Samenstränge (Castration) lassen dagegen leicht grössere Mengen Blutes abfliessen, welches sieh am stehenden Thiere schon in Folge seiner Schwere entleert.
Der geringe Blutdruck in den Venen am Halse und Thorax schliesst dafür eine andere Gefahr ein, nämlich die des Eintritts von Luft in die Vene, ein Umstand, der namentheh bei Verletzung der Vena jugularis (Aderlass) beachtenswerth erscheint. In dieser Vene fliesst das Blut seiner Schwere folgend abwärts; dazu kommt bei tiefen Enspirationen ein Ansaugen des Blutes von Seiten des Thorax und des Herzens (Aspiration). Die Folge davon ist, dass der .Blutdruck- in der Vena jugularis negativ wird, d. h. bis unter den Luftdruck herabsinkt, und das nach dem Herzen ablliessende Blut durch die Wunde Luft ansaugt. Dieser Vorgang wird also nament­lich durch Compression der Vene oberhalb der Verletzung (Aderlass­stelle) begünstigt, indem alsdann nicht Blut nachfliessen kann, an dessen Stelle Luft in das Gtefass tritt.
Gelangen nur kleine Mengen Luft in die Blutcirculation, so ent­stehen daraus in der Regel keine Störungen, ja zuweilen rufen selbst grössere Mengen solche nicht hervor; doch beobachtet man in anderen Fällen, dass selbst massige Mengen plötzlichen Tod veranlassen. Be­kanntlich gelingt es zuweilen, Pferde durch Einblassen von Luft in die Vena jugularis schnell zu tödten; oft aber bleibt diese Wirkung seihst nach längerem Blasen aus. Auch bei Hunden veranlassen 8—10 com Luft im Blute nieist keinen Nachtheil, während Kaninchen sich in diesem Funkte ausseronlentlich empfindlich zeigen.
üeber die nächste Ursache das Todes durch Lufteintritt in die Blut-balm gehen die Ansichten noch auseinander. Wtthrend von einigen die Änfüllung des rechten Herzens mit Luft, welche das Einströmen des venösen Körperblutes verhindern and in weiterer Folge die gesammte Circulation stören soll, als Todesursache betrachtet wird, legen andere dos Hauptgewicht auf den Eintritt der Luft in den Lungenkreislauf und die damit verbundene Störung der Circulation in diesen Organen. Neuerdings wird behauptet, dass der Tod durch Änfüllung der Gehirnarterion mit Luft (Luft ein bolie) veranlasst werde, eine Ansicht, die Hauer an Kaninchen experimentell zu begründen suchte, die auch mit den klinischen Erfahrungen über die so verschiedene Wirkung des Lufteinlrittes in die Blutbahn im Einklang steht.
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Wunden — Thrombenbildung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;81
Wären die erstgenannten Ansichten richtig, so sollte man den tödtlichen Ausgang mit grösserer Begelmässigkeit erwarten, während es mehr oder weniger dem Zufalle überlassen bleibt, ob die Luft in die (Jchirngefässe gelangt oder nicht.
Therapeutisch lilsst sieh gegen diesen Zustand wenig ausrichten, dagegen Weiht die Prophylaxis wichtig. Das Nähere hierüber soll bei Besprechung des Aderlasses erwähnt werden.
Die Folgen einer Blutung richten sich in erster Linie nach der Menge des vergossenen Blutes. Aus der Zeit, als der Aderlass noch eine Hauptrolle in der Behandlung innerer Krankheiten spielte, wissen wir, dnss man bei grösseren Pferden ohne sonderlichen Schaden für dieselben reichlich 6 — 8 Liter Blut auf einmal entnehmen kann. Bei der Bereitung des Diphtherieantitoxins werden innerhalb 15 — 20 Tagen 40—15 Liter den Pferden entnommen (Casper); in einem Falle stieg die Menge bei einer Blutentnahme auf 12 Liter. Trotzdem ist es nicht rathsam, verschwenderisch mit dem Blute umzugehen, zumal beim Menschen in Folge starker Blutverluste schwere Anämien mit eingreifenden Ernährungsstörungen beobachtet werden. Die möglichst schnelle und vollständige Stillung der Blutung liegt aber nicht allein im Interesse der Erhaltung des Tliieres und seiner Leistungsfähigkeit, sondern auch der schnellen und sicheren Heilung der Wunde.
Wie kommt die Blutstillung zu Stande? fragen wir zunächst.
Nach vollständiger Durchtrennung eines Blutgefässes fliesst das Blut in Folge des Blutdruckes sofort ab, letzterer aber sinkt alsbald an der Ausflussstelle; in Folge dessen verengt sich die elastische Ge-f'ässwnnd, und das Lumen des blutenden Gelasses wird an der Aus-flussöffnung kleiner. Der Blutstrahl erreicht daher niemals die Stärke des Lumens vom intacten Gefässe, aus welchem er stammt. Paren-chymatöse sowie Blutungen aus kleineren Gelassen, namentlich Venen, hören daher fast immer in kurzer Zeit von selbst auf. Diese sog. spontane Blutstillung kommt durch Verschluss der Ausflussöffnung des blutenden Gelasses zu Stande, während an grösseren Gefässen, besonders an Arterien, hierzu oft ein actives Eingreifen nothwendig wird (künstliche Blutstillung). Auf jeden Fall aber muss die Ausflussöffhung verschlossen werden, wenn die Blutung aufhören soll; über die feineren Vorgänge beim Zustandekommen dieses Verschlusses bei der spontanen Blutstillung ist man auch heute noch nicht voll­ständig im Klaren. Wir wissen allerdings, dass sich an der Mündung des blutenden Geiasses ein Pfropf (Thrombus) bildet, welcher die Oeffnung desselben verstopft, doch herrscht über den Ursprung des Möller u. Frick, Allgemeine Chirurgie tUr Thieiiü-zto. n, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0
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1^2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verletzungen dor Weiohtheilei
Thrombus und den Modus seiner Entwiokelung (Thrombose) noch keineswegs Tollstftndjffe Klarheit.
Ks unterliegt zwar keinem Zweifel, dass, wie Brücke gezeigt, die Bewegung des Blutes und der Einiluss der intaoten Intima bezw. ihres Emlothels das Blut flüssig erhält, und dass, wo einer dieser beiden Faetoren fehlt, die Gerinnung zu Stande kommt; über den Modus der Thromben-bildnng gehen die Ansichten noch auseinander. Früher glaubte man, dass es sich hierbei um einfache Gerinnung des lilutes handele, wie sie ausserhalb der Gefässe durch die Einwirkung des Fibrinfennentes auf die fibrinogene Substanz (Fibrinregeneratoren Alex. Schmidt) zu Stande kommt. Die neueren Untersuchungen haben indess ergeben, dass der Thrombus nicht immer aus einem Blutcoaguluin besteht. Man unterscheidet daher heute woisse und rothe Thromben. Nach Zahn sollen die ersteren durch An­häufung weisser Blutkörper in dem Gefiisslumpii entstehen; von anderen (Bizozzero, Scbimmelbuscb, Eberth und Baumgarten) wird behauptet, dass der weisso Thrombus durch die von Bizozzero entdeckten Blut-plüttchen (kleine, farblose, scheibenförmige Elemente, deren Herkunft und Bedeutung zur Zeit noch zweifelhaft ist) gebildet werde; diese sollen sich an die verletzte Stelle der Intima festsetzen, zusammenkleben und sehliess-lich das Lumen des Gefiisses vollständig verschliessen.
Die rot heu Thromben verdanken der Coagulation des Blutes ihre Entstehung, kommen jedoch im lebenden Körper viel seltener vor als die weissen, finden sich aber bei schwereren Erkrankungen der Gefässwand, namentlich des Endothels ein; hierbei kommen in erster Linie infcctiüse Zu­stände in Betracht. -Man trifft rothe Thromben daher vornehmlich bei ent-ZÜndlichen Erkrankungen der Gefässe sowie bei der l'yämie. Zuweilen bilden sich gemischte, d. b. rothe und weisse in demselben Gelasse.
Bei Unterbindung eines Blulgellisses kommt nicht, immer Throm­busbildung zu Stande; sofern die Intima hierbei nicht erheblich verletzt oder inficirt wird, stellt sich Wucherung der Endothelien und Verlöthung der Gefässwand ohne Tlironibenbildnng ein, oder es entsteht ein weisser Throm­bus, bei schweren Verletzungen oder erheblichen Circulationsstörungen ein rother.
Zur pathologischen Fibringerinnung gehört nicht allein die Gegenwart fibrinogener und flbrinoplastischer Substanz, sondern auch Fibrinferment, welches von den absterbenden Zellen geliefert wird, und unter dessen Mit­wirkung die Fibringerinnung zu Stande kommt. Hier sind es vornehmlich die Endothelien des Gefässes, welche durch die gestörte Circulation zum Ab­sterben gebracht, werden; erfolgt dies nicht, so fällt auch die Blutgerin­nung aus.
Der Thrombus verwandelt sich entweder in ein gofässhaltiges Binde­gewebe (Organisation) oder er erweicht. Der erstere Vorgang ist aller­dings der bei weitem günstigere und besteht in einer allmählichen Substi­tution des Thrombus durch Bindegewebe, welches vorzugsweise einer Wucherung der Endothelien der Intima seine Entstehung verdankt. Die Endothelien verwandeln sich zunächst in vielgestaltige , Bildungszellenquot;, welche lebhaft wuchern, den Thrombus durchwachsen und bis auf einen l'igmentrest (Eisenoxydhydrat) gleichsam verzehren. In das neugebildete Gewebe dringen aus den Vasa vasorum neu entstandene Blutgefässe ein, wodurch dasselbe mit allen Eigenschaften des Bindegewebes ausgestattet wird. Der Thrombus spielt hierbei also nur eine passive Kolle, indem er
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alliniililich durch fibrillilres Bindegewebe ersetzt wird. Dieser Vorgang voll­zieht sich verbältnissmässig schnell; schon nach 8 Tagen findet man vasculari-sirte.s Gewebe an der Unterbindungsstelle, nach 8—5 Wochen ist der Throm­bus, welcher wie eine Narbe allmählich schrumpft, rollständig organisirt. Bei schweren Erkrankungen der Intima oder allgemeinen Störungen kann der Vorgang allerdings länger dauern. Zuweilen entwickeln sich innerhalb der bindegewebigen Narbe des Thrombus Hohlräume (sinusartige Dege-neratio n [B okitansky], Kanalisation des Thrombus), so dass das Lu­men des Gtefässes auf diese Weise zum Theil wieder hergestellt werden kann. Sohllesslioh können sich auch in den Thrombus Kalksalze einlagern, so dass er geradezu einen Stein vorstellt. Diese Inkrustation mit Kalksalzen wird zuweilen an Venenthromben gesehen, und man spricht in diesem Falle von „Venen st einen' (Phlebolithen),
Die gestörte Circulation wird in der Kegel durch Bildung eines Col-lateralkreislaut's wieder hergestellt, indem die Vasa vasorum sich erweitern, um das Blut auf Seitenwegen gleichsam über die verstopfte Stelle hinweg-zuführen. Auch dieser Vorgang vollzieht sich sehr schnell, wieNothnagel an Kaninchen experimentell feststellte. Schon am 6. Tage nach der Unter­bindung eines Gefilsses konnte eine Verstärkung der Muscularis in den er­weiterten Collateralgefässen nachgewiesen werden. Während mau früher diesen Vorgang auf eine Steigerung des Blutdruckes zurückführte, erklärte Nothnagel denselben aus der Beschleunigung des Blutstromes in den Collateralgefässen, wodurch die Ernährungsvorgänge in der Wand derselben gesteigert werden.
Während die Organisation des Thrombus da zu Stande kommt, wo ein aseptischer Zustand besteht, erzeugen infection des Thrombus mit Eiter­kokken oder anderen Bakterien eiterige oder faulige Erweichung des­selben. Dadurch entsteht die Gefahr, dass erweichte Massen und Infections-stoße in den Blutstrom gelangen und embolische Processe veranlassen (vergl. Pyämie).
Blutstillung. Die vollständige Stillung der Blutung in einer Wunde erscheint nicht nur mit Rücksicht auf die öefahr der Ver­blutung geboten, sondern liegt auch im Interesse der schnellen und regelnlässigen Heilung der Wunde, wie später noch genauer gezeigt werden soll. Hierzu steht eine grössere Anzahl Methoden zur Ver­fügung, unter denen im einzelnen Falle die für denselben zweck-niässigste ausgewählt werden nuiss. im allgemeinen suchen wir hierbei entweder die Thrombenbildung in dem offenen Lumen des Gefilsses zu beschleunigen, oder dieses wird direct zum Verschluss gebracht. Die Möglichkeit, blutende Gefässe mit Erhaltung der Circulation in denselben zum Verschluss zu bringen, ist sowohl durch Thieroxperimente, als auch beim Menschen für Venen und Arterien bewiesen (Jassi-nowsky, Burci, Mayer u. A.), doch lilsst sich von dem hierzu in Vorschlag gebrachten Heften der Gefasswunde in der thierärztlichen Praxis schwerlich jemals Gebrauch machen. Dazu gehört vollständige Asepsis, die hier oft auf grosso Schwierigkeiten siösst. Es kommt
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Yerletzunccei) diT Weiohtheil
hinzu, dass ein solcher Versohluss an kleinen öefässen keinen beson* deren Vortheil gewährt, an grösseren in der Regel nioht von dauerndem Erfolg, sondern oft mit bedenklichen Nachblutungen rerbunden ist. Nur an Venen, in denen dor Blutdruck niedriger als der ftussere Lul't-druck ist, schliesst sich die, Gel'iisswiuulo von selbst, und kommt regel-iniissiu' eine directe HeiluDff derselben zu Stande, wie v.. B, beim Ader-lass aus der Vena jugularis.
Zur Stillung von Blutungen aus kleinen Gefässen dient Kälte wie auch Hitze. Die ans dem Glüheisen oder Thennocauter aus­strömende Hitze erzeugt in dem offen stehenden Gel'iisse schnell einen Thrombus, der aber in grösseren Arterien selten dem nachströmenden Blute ausreichenden Widerstand entgegenstellt und daher oft nach welligen Augenblicken wieder hinausgeschleudert wird; selbst mit Unter­stützung des durch die Hitze entstandenen Schorfes reicht derselbe oft nicht aus. Rothgluth verdient zu diesem Zwecke den Vorzug, weil der durch Weissgluth erzeugte Schorf in Folge vollständiger Ver­kohlung der Gewebe nur geringe Widerstandsfähigkeit besitzt; an dem nicht mehr glühenden Eisen dagegen bleibt der Schorf leicht kleben und wird mit demselben abgerissen.
Kälte, in Form von Wasser (Eisblasen u. s. w.), bewirkt eine schnelle Contraction der Gefässe, genügt jedoch im allgemeinen nur bei parenehymatösen Blutungen. Ebenso wirkt Wasser von 45deg; C, welches zugleich die Gerinnung des Blutes beschleunigt.
In der Menschenheilkunde ist der strömende Wasserdampf, zumal bei üterusblutungen, neuerdings mit gutem Erfolge zur An­wendung gelangt.
Ilämostatische Wirkung kommt ferner einer Reihe von Arznei­mitteln (Styptica) zu, welche theils auf Verengerung der Gefässe, theils iiuf Beschleunigung der Coagulation bezw. der Thrombenbildung beruht. Zu diesen gehört in erster Linie Ferrum sesquichloratum, das zu dem Zwecke als Liquor Ferri sesquichlorati in den Apotheken vor-räthig gehalten wird. Man bringt diese Flüssigkeit direct auf die Wunde, oder tränkt mit derselben Watte, die getrocknet als sog. „blutstillende Wattequot; verwendet wird. Die Wirkung dieses Mittels beruht auf der durch dasselbe herbeigeführten schnellen Gerinnung des Blutes zu einem festen Coagulum. Nach längerem Stehen bildet sich in der Lösung freie Salzsäure, welche bei der Anwendung des Mittels grössere Schmerzen bereitet; man setze zur Neutralisation der Säure so lange Liquor Ammon. caust. zu, bis der dadurch entstandene Niederschlag sich nicht wieder löst. Aehnlich wirken Gerbsäure,
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Alaun, Essi^, sowie die Mehrzahl der iibrigon Adstringention. Auch Spiritus, Terpentinöl und die früher unter den Namen Rahel'sches Wasser und Theden'sohes Schusswasser gebräuchlichen Mischungen aus Schwefelsäure, Weingeist und Essig gehören hierher; sie bewirken zugleich eine energische Contraction der (ret'iisse.
Zur Beschleunigung der Blutgerinnung und Fixirung des ge­bildeten Thrombus dienen ferner poröse Körper, namentlich wenn dieselben sich der Wundiliiclie gut anlegen. Dahin gehören: Feuer­schwamm, Spinngewebe, Kohlenpulver u. a. In der Menschenlieü-kunde findet zum Zwecke der Blutstillung ein unter dem Namen Penghawer Djambi bekanntes, hellbraunes Pulver Anwendung, das aus den weichen Haaren vom Stamm eines ostindischen Baumfarns (Cibotium Cuminghii) besteht; neuerdings hat man auch eine ..l'eng-hawerwattequot; hergestellt, eine Vermischung mit Watte und Jodo­form. Zur Stillung von Blutungen, die von aussen nicht zugänglich sind, ist das Extrae.tum Seealis cornuti vielfach innerlich angewendet, worden, jedoch neuerdings übertroffen von dem Extractum llydrastis canadensis.
Dass beim Menschen sog. Sympathie blutstillend wirken kann, unter­liegt keinem Zweifel und beruht offenbar auf dem Einfluss psychischer Vor­gänge auf die Weite der Qefässe; es braucht hier nur an die Sdiamrüthe sowie an die liliisse erinnert zu werden, welche durch Zorn hervorgerufen werden kann. Aehnlich wirkt bei Pferden zuweilen die bremse, doch handelt es sieh in solchen Füllen regeltnässig um Blutungen, die auch ohne dies Mittel gestillt werden.
Zur Stillung von Blutungen aus grösseren Gefässen reichen die genannten Mittel in der Hegel nicht aus; auch üben dieselben auf den Wundheilungsprocess einen ungünstigen Einfluss aus, wodurch die Anwendung derselben noch weiter beschränkt wird. Zur Unterbrechung von Blutungen aus grösseren Gefässen dienen daher folgende Hülfs-mittel, die den oben erwähnten auf jeden Fall vorzuziehen sind:
1. Die Compression des Gefässes. Um bei gefahrdrohenden Blutungen möglichst bald eine, wenn auch nur vorläufige Stillung der­selben ZU erzielen, sucht, man das blutende Gefäss mit den Fingern zu comprimiren (Digitalcompression); in anderen Fällen wird zu dem Zwecke eine Schnur um den blutenden Theil gelegt. Früher benutzte man hierzu das sog. Tourniquet, ein durch Zusammen­schrauben eines Gurtes auf den blutenden Theil gedrücktes Polster; zu Operativen Zwecken ist dasselbe neuerdings durch den Esmarch-schen Constrictionsschlauch, einen starkwandigen Gummischlauch
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Verletzungen der Veichthoile.
ersetzt, den man um die Gliedmasse schnürt, an der die Blutung be­steht, oder eine blutige Operation erfolgen soll.
Die Compression des blutenden Gefilsses kann ferner durch Ein­führung fest zusammengeballter Jute, Werg u. s. w. (sog. Tampons) in die Wunde und event, darauf folgendes Heften derselben erzielt werden (Tamponade der Wunde). Parenohymatöse und venöse Blutungen lassen sieh mit diesem Verfahren in der Kegel stillen, bei arteriellen genügt dasselbe jedoch meist nicht. Die Tampons bleiben 24—48 Stunden in der Wunde liegen und werden womöglich aus Sterilisirtem (S. 112) Material hergestellt.
Bei der sog. „Aoupressurquot; soll das blutende Getass durch einen Druck geschlossen werden, den man mit Hülfe einer Nadel erzielt, welche quer unter das Getiiss bindurobgestoohen wird. Das Getass befindet sich dann in der Lage eines Kosenstiols, der mit Hülfe einer Nadel im Knopf-loche befestigt ist. Wird die Wirkung dieser Methode noch durch einen Faden unterstützt, den man in Achtortouren um die Nadel führt, so spricht man von einer Acu filopressur. Für die thiorärztlicho Praxis sind beide bedeutungslos. Dagegen wird hier von der sog. „Forcipressurquot; bei grüssoren Operationen zuweilen Gebrauch gemacht, vorausgesetzt, dass eine Anzahl Schieberpincetten oder arretirbare Zangen zur Verfügung stehen. Lässt man diese nämlich einige Zeit auf dem blutenden Gelasse liegen, so werden die Wunde desselben lest gegen einander gepresst: auch kann sieb nunmehr alsbald ein Thrombus bilden, so dass die Blutung steht, wenn man nach 5—10 Minuten das Instrument entfernt. Bei grossen Gelassen verlasse man sieh jedoch nicht auf diesen Versehluss, der oft nur vorüber­gebend wirkt.
Unter Umständen kann es sich empfehlen, die Arterienpincetten 24—48 Stunden liegen zu lassen, so namentlich wenn die Ligatur auf Schwierigkeiten stösst. Bei Exstirpation von Brustbeulen haben wir zuweilen 3—5 Schieber 48 Stunden ohne jeden Nachtbeil liegen lassen.
Ueber die Wundnaht als blutstillendes Mittel vergl. 8.91,
Die Mehrzahl der beschriebenen Methoden der Blutstillung übt einen störenden Einfluss auf den Heilungsprocess in der Wunde aus, daher sucht man namentlich in Fällen, wo die Heilung weiter begün­stigt werden soll, andere, weniger störende Mittel in Anwendung zu bringen. Dabin gehören:
2. Die Torsion, d. h. Umdrehung des blutenden Gelasses, bis die Intima und Media zerreisst und die Adventitia zusammengedreht den Versehluss des Gefilsses bewirkt. Man unterscheidet eine einfache Torsion und eine solche mit Fixirung des Gefilsses. Bei der ersteren wird das blutende Gefilss mit einer Schieberpincette (Fig. 12) in der Längs- oder Querrichtung erfasst und etwa 10—SOmal, oder bis das erfasste Ende abfällt, um seine Längsachse gedreht; bei der zweiten
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Wim Jen
Blutstillunur,
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Methode wird das Gut'ilss mittelst einer Pincette oder Zunge etwa 1—12 cm vor seiner Dnrclitrennung fixirl, und mit einer /weiten die Torsion ausgeführt. Es versteht sieli von selbst, dass die letztere Me­thode eher zum Ziele führt, namentlich an Gefässen, weiche auf grössere Streuken in lockerem Gewebe liegen, in Folge dessen sich die Um­drehung auf weitere Strecken fortsetzt, also weniger wirkt,
Fig. 12.
als wenn die Umdrehungen auf das Ende des Gefässes beschränkt bleiben. Für kleinere Gelasse genügt jedoch die erste Methode.
Auch die Torsion gewährt nicht die Sicherheil wie die Ligatur, zeigt sich namentlich an Arterien oft nicht aus­reichend, weshalb man diese Methode auf kleinere Gelasse ZU beschränken pflegt.
Als Acutorsion bezeichnet man die Umdrehung des blu­tenden Gefässes mittelst einer quer durch dasselbe gestochenen Nadel, welche schliesslich in die benachbarten Weichtheile ge­stochen wird, damit sich die Torsion nicht wieder löst. Die .Methode stösst meist auf grössere Schwierigkeiten als die Unter­bindung und kommt, daher selten zur Anwendung.
:!. Die Unterbindung des blutenden Gefässes. Mittelst einer sog. Schieberpincette oder arretirbaren Zange. die nicht zu schwach gearbeitet sein darf und ein starkes Maul besitzen muss, damit das Instrument nicht mit in die Ligatur gelangt, wird das blutende Gefiiss erfasst. Die in niJ^ltto' Fig. 12 und abgebildeten Instrumente sind für diesen Zweck sehr brauchbar, namentlich wenn sich am Maule sog. Mäuse­zähne befinden (Pince ä dent de souri); sie gewähren noch den Vor-theil, dass sie sich aus einander nehmen und leicht reinigen lassen. Die früher hierzu benutzten Arterienhaken eignen sich weniger gut. Man sucht das Ende des blutenden Gefässes mit dem einen oder anderen Instrument zu fassen und stellt dasselbe mit dem Schieber fest, worauf ein Faden aus Zwirn, Seide oder Catgut um das Gefäss geschlungen und zugebunden wird. Benutzt man hierzu sterilisirtes Material (S. 113), so wird der Heilungsprocess der Wunde durch den Faden nicht ge­stört. Auf diese Weise ist weder der früher, namentlich bei Venen-unterbindung so gefürchtete Zerfall des Thrombus mit Ausgang in IVämie, noch auch das Eintreten von Tetanus zu besorgen. Um Zer­rungen des Gefässes und das Abreissen desselben bei der Anlegung der Ligatur zu verhüten, schiebt man beim Schlingen des Knotens die Zeigefinger bis an denselben (Fig. li, die Schieberpincette ist auf dem
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Verletzungen dor Weiohtheile.
öefftsse liegend zu denken). Vor der Unterbindung wird das Ge-i'iiss womöglich isolirt gefaasi (isolirte Ligatur), das umliegende
Qewebe zurückgestreift, und nach dem Knoten der Faden abge­schnitten. Bei der Unterbindung grösserer Arterien
Pig. 18.
empfiehlt sich, einen sog. chirurgischen Knoten zu
machen, welcher darin bestellt, dass man den Faden beim ersten Male doppelt durchschlingt; hierbei darf aber die zweite Schlinge nicht sehr fest angezogen werden, weil dadurch die erste Schlinge gelockert wird. Je nach der Grosse des ZU unterbindenden öefässes wird das Ligaturmaterial von verschiedener Stärke gewühlt; im allgemeinen genügt indesa die Stärke des gewöhnlichen Zwirns oder eines kräftigen Seiden l'adens.
Die Frage, wie fest der Ligaturfaden anzuziehen
ist, lässt sich dahin beantworten, dass durch die
Ligatur Media und Intima des unterbundenen öefässes
durchtrennt werden sollen, dann ist die Thrombose
sicher zu erwarten, während das einfache Aneinander-
UsterliiudungB' zange.
legen der Gefässwünde unzuverlässig ist (Delepine,
Forque, Both er at, Dent).
Weniger empfehlenswerth ist die „Ligature en massequot;, wobei
nicht nur das Gefäss, sondern auch die um dasselbe gelegenen Gewebe
in die Ligatur genommen werden. Man macht jedoch von derselben
Fig. 14.
Daterbindnng eines Qefässes,
Gebranch, wenn das Gefäss für sich allein nicht aufzufinden oder zu fassen ist. Zum Ergreifen des Gewebes und des Gefässes können Zangen mit breiterein Maul verwendet werden, oder man umsticht das ZU unterbindende Gewebe mit einer krummen Nadel und Faden (Umstechung). Da hierbei die unterbundenen Gewebe absterben,
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Wunden
Blute tillunt
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durch den Druck der Ligatur auf die in denselben befindlichen Nerven Schmerzen entstehen, so liegt es auf der Hand, dass man sich zur Massenligafur nur im Nothf'alle entschliesst.
Aolmliclies gilt von der Ligatur in der Continuität. wobei das Gefäss nicht am durchtrennten Ende, sondern in seinem Verlaufe unterbunden wird. Man macht von dieser nur da Gebrauch, wo das getrennte Ende nicht zu erreichen ist; z. B. bei Blutungen aus der Arteria interossea würde man die Art. radialis unterbinden. Von der anatomischen Einrichtung der Theile und dem Gefiissverlauf hängt es ab, ob dieses Verfahren zulässig bezw. zweckinilssig ist.
Dass die isolirte Ligatur den Vorzug verdient, liegt auf der Hand. Das unterbundene Gefilssstück stirbt in der Kegel ab, und wenn Eiterung eintritt, wird dasselbe aligestossen; bei aseptischem Wundverlauf bleibt auch der Stumpf erhalten und heilt ein. lieber die mit der Ligatur verbundene Thrombenbildung vergl. S. 82.
Die Unterbindung muss heute als die am meisten gebräuchliche Methode der Blutstillung bezeichnet werden; sie bietet die grösste Sicherheit gegen weitere Blutung und stört im allgemeinen die Wund-heilung am wenigsten.
4, Von Stilling wurde die Per plication des blutenden Gefilsses empfohlen, ein Verfahren, dus Hertwig beim Pferde an der Carotis und Vena jagularis prüfte. Dabei wird das Ende der blutenden Arterie durch einen Liingsselilitz gezogen, den man vorher mit Hülfe von Schere oder Messer in der Wand derselben her-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;pj„ jjj
gestellt hat (h'ig. IT)); da dieses allein schon schwieriger zu sein pflegt, als die Unterbindung, so findet die Per-plication kaum noch An wen dung, zumal auch sie nicht
die Sicherheit wie die Ligatur gewährt.
Wichtig vor Allem bleibt die richtige Aus­wahl des Stypticums; dabei kommt es weniger auf die Intensität der Wirkung des Mittels als auf
die schnelle Herbeischatfung desselben an. Rasch
Perplloatlon tios Gofiissos (niipli Stilling:).
Orientiren und sich bald entschliessen bleibt auch
hier die Hauptsache. Man wähle Mittel, die schnell
zur Hand, leicht anwendbar sind und den lleilnngsprocess möglichst wenig stören. Umsicht, Geschicklichkeit und praktischer Tact spielen hierbei die Hauptrolle.
Mit der Blutstillung ist in vielen Fällen die Thätigkeit der Thera­peuten nicht beendigt, und der Patient noch nicht aussei- Lebensgefahr. Geringfügige Blutverluste werden sehr bald ersetzt. Wenn auch die
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VorletzuitKen der A^^^-'iclltlR'llc#9632;.
Zahl der rothen Blutkörjierelien erst in 2—3 Tagen wieder /ur Norm zurückgekehrt ist, SO ist doch die Menge des Blutserums durch Aui-jiiilune von Trinkwasser oder im Körper vorhandenen Trans- oder Exsudaten bereits nach 24 Stunden wieder hergestellt. Der Aderlass hut dies zur Genüge bewiesen. Anders gestaltet sieh die Sache, wenn die verlorene Bluttnengo beträchtlich war; dann liegt die Gefahr des Yerblutungstodes vor. Vor allen Dingen ist das Merz hierbei gefährdet; dasselbe arbeitet blutleer, also vergebens und erschöpft sieli schliess-lieh. Diesem Erschöpfungstode des Herzens muss auf jeden Fall vor­gebeugt werden, indem die Menge der im Gefasssystein vorhandenen Flüssigkeit möglichst schnell vermehrt wird.
Zu diesem Zwecke wurde bereits im l(i. Jahrhundert die „Trans­fusionquot; ausgeführt. Dieselbe besteht in der directen Einführung von frischem oder detibrinirtem Blut in das Gefilsssystem des betreffenden Patienten. Die Transfusion wird bei unseren llausthieivn zur Zeit gar nicht, beim Menschen auch nur ausnahmsweise ausgeführt, da sie sehr unbequem ist und gewisse Gefahren in sich birgt. Man ist jetzt allgemein dazu übergegangen, den Blutverlust durch 0,60/oige Kochsalzlösung (GoItz, Kronecker) zu ersetzen; die Resultate dieser Methode sind ausgezeichnete auch in der Thierheilkunde. Die beste, d. h. wirksamste Methode besteht darin, dass vermittelst einer Kanüle (Nadel der 1' ra v a/.quot;scheu Spritze), welche in eine Vene, z.B. Vena jugularis, V. saphena magna, unter antiseptischen Cautelen eingestochen wird, blutwarme 0,60/oige Kochsalzlösung direct in die Blut­bahn gebracht wird. Mau kann hierzu eine grössere Spritze nehmen, welche an die Kanüle angesetzt wird, oder an letztere, wird ein Guinmi-schlauch befestigt, und auf diesen ein Glastrichter gesetzt. Auf diese Weise werden dem Blute in kurzer Zeit grosse Mengen Flüssig­keit, zugeführt, und das Herz vor Erschöpfung bewahrt. Die zu in-jicirenden Mengen variiren je nach der Grosse des Thieres von 50 bis 3000g. Kommt es nicht auf schnellen Ersatz des Blutverlustes an, so kann man auch der Bequemlichkeit wegen die Kochsalzlösung in die Subcutis oder in die Bauchhöhle injiciren. Unerwähnt mag hier eine Methode nicht bleiben, die für Nothfälle einen Ersatz bietet und fernerhin ohne antisoptische (Jaulelen durchführbar ist, nämlich die Infusion der Kochsalzlösung in das entleerte Rectum. Letzteres saugt nusserordentlich schnell Flüssigkeiten auf; die Methode erfordert kein umfangreiches [nstrumentarium und ist unter allen Verhältnissen an­wendbar. Bei Hunden hat sich die Methode verschiedentlich gut be­währt, wenn bei Operationen heftige Blutverluste entstanden (Frick).
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Wunden
Wundnaht.
01
Die Wundnaht. Nachdem die Blutstillung erfolgt ist, iibui'-zeugt man sich von der Abwesenheit von Fremdkörpern in der Wunde oder entfernt dieselben und das in der Wunde angeliäuftc Blut, worauf das dritte Symptom der Verletzung in den Vordergrund tritt, niimlieli das Klaffen der Wunde. Durch die Elasticitilt der Gewebe, bei Muskel-wunden durch Contraction der getrennten Fasern unterstützt, rücken
Flgr. 16.
Krelsfönnlg gebogene Heftnadeln.
die Wundränder mehr oder weniger aus einander, die Wunde klafft. Der Grad des Klaifens hängt theils von der Ausdehnung und Richtung der Wunde, theils von der Beschaffenheit, der Elasticitilt und Con-tractilitilt der getrennten Gewebe und endlich von etwaigen Substanz­verlusten ab. Durch das Klaffen wird zwar die Heilung nicht un­möglich, in der Kegel jedoch erheblicb verzögert, daher fällt uns
Ilalbgebogeue Ileftmvli'ln.
die Aufgabe zu, die Wundränder durch ein zweckmässiges Verfahren an einander zu bringen, die Wunde zu heften.
Die zur Wundnaht benutzten Nadeln sind theils grade, theils krumm und mit einer lancettförtnigen Spitze verseilen, welche das Durchstechen derber Gewebe, namentlich der äussereu Haut erleichtert (Fig. 1() und 17). An ebenen oder vertieften Oberflächen des Körpers empfehlen sich halbkreisförmig oder dicht hinter der Spitze etwas ge­krümmte Nadeln. Solche stiellose Nadeln werden entweder mit den Fingern oder mit Hülfe besonderer Nadelhalter (Fig. 19 und 'Jtgt;) geführt. Die letzteren, von verschiedener Construction, empfehlen sich
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9-2
Verletzuogsn der Weiolitbeilelt;
an Stellen, WO die iiusscre Haut, recht dick ist, z. B. auf dem Rücken und an den unteren Abschnitten der Gliedmassen grösserer Thiere. Wenn die Nadel nicht sehr scharf ist, stösst die Durchführung derselben
Kg. 18.
Patentnadel mit federndem Oehr und Hagedorn'scha Meftnadel.
durch die Haut an wird dies durch dk
olehen Stellen auf Schwierigkeiten; erleichtert lagedorn'schen Nadeln, welche seillich abge­plattet sind und leichter die Gewehe
Piff. 20.
Fiff. 19.
durchdringen, namentlich wenn man sich
des für diese besonders construirten Nadelhalters (Fig. 20) bedient. Eine gute Kornzange oder Schieberpincette macht die Nadelhalter für die gewöhn­liche Praxis entbehrlich.
Ebenso wird das Durchstechen mit gestielten Nadeln erleichtert, d. h. solchen, die an einem lieft befestigt sind. Eine der gebräuchlichsten ist die Gerlach'sche Heftnadel (Fig. 21 und 22). Sie eignet sieb ihrer Stärke wegen vor­nehmlich zum Heften grosserer quot;Wunden, zur Application von Eiterbilndern und zu ähnlichen Zwecken.
Um das Einfädeln zu erleichtern, das namentlich für Weitsichtige, und
Nadelhalter nach Kos er.
Nadellialtni' nach Hagedorn.
wenn Nadel und 1 lande feucht oder
blutig sind, Schwierigkeiten bereitet, hat
man Nadeln mit federndem Oehr (Patentnadeln) construirt, die zwar
etwas theurer, aber ZU empfehlen sind (Fig. 18).
Als Fadenmaterial benutzt man Zwirn, Seide. Catgut von
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Wunden — Wundnahti
m
versohiedöner Stärke, seltener Metalldraht oder schmales Hund. Am meisten gebräuchlich ist Catgut und Seide, während die anderen Niih-materiolien (Silkwormgut oder Fil de Florence, Pferdehaare, Kälber­nerven, Seimen vom liennthier oder Känguruh) nur selten Anwendung linden. Wo Heilung per prim. int. angestrebt wird, müssen diese
PiH. 21.
Materialien sorgfältig sterilisirt sein, wie S. 128
Fit
näher beschrieben ist; über auch da, wo man auf Asepsis nicht reebnet, sollte man für ein möglichst reines Material sorgen, jedenfalls aber vermeiden, mit dem ersten besten an der Erde liegenden Faden zu heften. Früher legte man hierauf kein Gewicht und hat da­durch gewiss häufig zur Entstehung von Starr­krampf und anderen schweren infectionskrank-heiten Anlass gegeben. Catgut hat vor den übrigen Materialien den Vorzug, dass es re-sorbirt wird, daher findet es vorzugsweise bei subeutanen. sog. versenkten Nähten An­wendung, während man da, wo eine grössere quot;Widerstandsfähigkeit des Materials erforder­lich erscheint, Seide, Zwirn u. s. w. vorzieht. Auch diese lassen sich sterilisiren und in diesem Zustande, wie S. 128 beschrieben, auf­bewahren. Statt der theuren Seide kann starker Zwirn mit demselben Resultate wie Seide benutzt werden. Zu den in der Veteri­när-Chirurgie gebräuchlichen Nähten gehören
folgende:
1. Die Knopfnaht (Sutura nodosa,
o erlaoh'scbe
Heftnadel mit
wecliselbarem
Heft.
Fig. 2.f5). Die mit einem Faden versehene, gerade oder gekrümmte Nadel wird quer durch beide Wundränder gestochen, so dass der durchgezogene Faden GiiVimadeTlle rechtwinkelig zum Wundrande verläuft; derselbe wird in der Kegel sogleich geknotet, und zwar so, dass der Knoten seitlich oder über der Nahtlinio liegt. Solche Ligaturen weiden in Abständen von 1—:! cm und je nach der Grosse der Wunde in verschiedener Zahl angelegt. In der Mitte der Wunde beginnend, achte man darauf, dass die Wundränder in der richtigen Weise zu­sammengefügt, nicht an einander verschoben werden. Aber nicht blos auf die Vereinigung der äusseren Haut, sondern auch auf die
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VerletzuBüfen der Weiohtheilo.
gehörige Anpassung der Weichtbeile in der Tiefe ist, zu achten. Bei der Elastidtät derselben wird es nothwendig, die Nadel so durch die Wundränder zu führen, dass sie wenigstens bis zur Hälfte der Wund­tiefe gelangt (Fig. 24); anderenfalls ziehen sich die elastischen Wundraquo; flächen von einander zurück, es entsteht ein kolt;j;. „todler Kaumquot;, in dem sich Blut oder Wuudsecret anhäuft, zersetzt und so den HeiluugS-
ECnopftaalit Verelnigungs- und Entspannungsiiillite,
process stört, ja selbst das Leben des Thieres in Gefahr bringen kann. Es liegt auf der Hand, dass, je tiefer die Naht gelegt, und je mehr Gewebstheile sie unifasst, um so weniger dicht die Nähte angelegt zu werden brauchen; eine Mautwunde muss man enaer heften als eine
Fig. -24.
Nadelftthiang bei der Knpfnalit.
tiefe Muskelwunde. Das gilt allerdings nur von den .Vereiuigungs-nähtenquot;, d. h. den Heften, die unmittelbar zur Vereinigung der Wundränder angelegt werden. Bei tieferen und stark klaffenden Wunden würden diese bald ausreissen oder die Wundränder durch­schneiden, wenn man nicht breitere und tiefere Hefte anlegen wollte. Diese sog. „Entspannungsnahtquot; wird in der Weise hergestellt, dass man 'J—(i cm vom Wundnuule entfernt ein- und auf der entgegen-
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Wunden — Wundnabt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;95
gesetzten Seite ebenso weit aussticht und durch den Grund der Wunde oder selbst über diesen hinaus eitlen starken Faden zieht, der ebenso wie bei der Vereinigungsnaht geknotet wird. Werden mehrere der­selben in verschiedener Tiefe über einander gelegt, so spricht man von einer Etagennaht.
Bei Lappenwunden erscheint es zum Zwecke richtigen Anpassens der Wundrftnder wichtig, zunächst eine sog. Situationsnaht anzu­legen. Als Fixationsnähte bezeichnet man Nähte, welche z. B. bei frischen Muskelwunden, die keine Aussicht auf Heilung per prim, int. bieten, angelegt werden, um die Retraction der Wundränder zu verhindern. Nachdem solche Nähte 3—4 Tage, gelegen haben, sind die Wundränder bereits entzündlich infiltrirt und retrahiren sieh in diesem Zustande nicht mehr in dem Masse wie au der Irischen Wunde.
Bei Höhlenwunden und an dünner Haut kommt es leicht vor, dass sich die Wundränder beim Verknoten des Fadens nach innen umbiegen, so dass die Epithelflächen der Haut mit einander in Be­rührung kommen; dadurch wird natürlich die Heilung erschwert. Man vermeidet dieses „Umkrämpenquot; der Wundränder durch Unter­halten einer gekrümmten Schere während des Knotens oder dadurch, dass man die Wundränder zwischen Zeigefinger und Daumen aufrecht hält, während ein Gehülfe den Knoten schlingt. Auf diese Weise kommt die Subcutis an den Wandrändern in gegenseitige Berührung, was die. Vereinigung ausserordentlich erleichtert. Als Zeichen, dass in dieser Weise geheftet ist, bildet die genähte Wunde einen schmalen 0..quot;)—1,5 cm hohen Kamm (Fig. 2G). Erforderlichenfalls wendet man Entspannungsnähte an.
Bayer bedient sich bei grösseren Wunden der Entspannungsnähte, in Gestalt der Zapfennaht, welche mit ein Paar starken Drainröhren angelegt wird (Fig. 27). Auch liisst sich, wie Bayer gezeigt bat, mit letzterer zu­gleich ein Occlusivverband befestigen, was namentlich an Stellen von Wichtig­keit ist, wo liinden nicht zu appliciren sind. Der Verband wird von der Zapfennaht getragen (Fig. 27), mittelst welcher auch noch Drainröhren applicirt werden können (Fig. 28).
Besonders bcachtenswerth bleibt bei der Knopfnaht das sorg­fältige Anziehen des Fadens; dies soll so weit geschehen, dass die Wundflächen vollständig in gegenseitige Berührung kommen. Die zu lose angelegte Naht erfüllt nicht ihren Zweck, die Wunde zu vereinigen, während durch die zu fest angezogene Naht die Circulations- und Ernährungsvorgänge in den Wundrändern beschränkt, die Heilungs­vorgänge gestört, und selbst Nekrose der Wundränder veranlasst
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f.quot;X:,;.. .,
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Verletzunffän der Weiobtbeil
werden kann. Man nelime daher Rüoksicht auf die etwa In Aussicht stehende oder bereits vorhandene Anschwellung und lege im ersteren Falle die Hefte lockerer, in letzterem dagegen um so fester an, je mehr eine baldige Abselnvellung in Aussicht steht. Mau benutzt für gewöhnlich einen doppelten Knoten und schneidet den übrigen Faden kurz ab. Hei stark klaffenden Wunden empfiehlt sich, zuerst einen chirurgischen Knoten (S. 88) zu machen, darauf die zweite, gewöhn­liche Schlinge nicht fest anzuziehen.
Fig. 20.
Vereinigung der Cutis (nach Bayer).
Vemmguug der SubinUis mit Entspiimiuiigs-naht (muh Bayer).
Piff. 27
Oeheftete Wunde mit einen duroli Zapfsnnabt tixirtoii Verband (nach Bayer;.
Verband von oben gesehen (nach Bayer).
Steht eine Lösung der Hefte für die nächste Zeit in Aussicht, ao kann auch eine aufziehbare Schlinge angewendet werden, ein Ver­fahren, das jedoch in der Regel auf Situationsnähte beschränkt bleibt. Die Knopfnaht wird zur Zeit am meisten in Anwendung gebracht und gewährt den übrigen gegenüber erhebliche Vortheile.
2. Die fortlaufende oder Kürschnernaht (wohl auch Seil weineschneidernaht genannt, Fig. 29) wird mit stielloser Nadel und längerem Faden in der Weise angelegt, dass man an einem Ende der Wunde zuerst eine Knopfnaht oder einen Knoten legt, dann den Faden nicht abschneidet, sondern die Nadel in Abständen von l—3 cm quer durch die Wundränder sticht, um, am anderen Ende der Wunde angekommen, wieder eine Knopfnaht oder einen Knoten zu bilden.
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Wunden
Wundnalitlaquo;
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.Dio.su Naht ist einfachor, doch glebt sie keine so cxucte Anpassung der Wundränder wie die Knopfuaht, weil die WundrUnder nicht recht­winkelig, sondern in schräger Richtung im einander gezogen werden; aucli wird mit; der Loslösung des Fadens an einer Steile die ganze Naht gelöst, nnd man ist nicht in der Lage, wie es oft wünschens-werth erscheint, nur an einzelnen Stellen die Wundnaht zu öffnen. Die quot;fortlaufende Naht eignet sich daher mehr für oherllachliehc Wunden oder zum provisorischeu Verschluss derselben. Allerdings lässt sicdi
Piff. 29.
Fig. 30.
Portlaufeude N'nlit.
Zlclczacknabt.
dieselbe durch Entspannnngsniihte nach Art der Knopfnaht unterstützen und brauchbarer machen.
;gt;. Aehnlich verhält sich die Zickzacknaht (Fig. 30), wobei der Faden nicht schräg über die Wunde, sondern im Zickzack ver­läuft, indem der Einstich und Durchstich an derselben
31.
Seite erfolgt. Sie wird heute nur noch selten an-
gewendet.
4. Die umschlungene oder Hasen seh ar­tennaht (Sutura circumvoluta, Fig. 31, '#9632;'gt;2, ;!:!). Man sticht Stecknadeln quer durch beide Wundränder in Abständen von 1—2 cm; mehr noch eignen sieh hierzu Karlsbader Insectennadeln, die länger und mit einer lanzenförmigen Spitze versehen sind. Hei
kleinen Wunden genügt eine Stecknadel, um welche ümsohlungene Naht
#9632;nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lit-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;• -. tt f. .\ -.-r ,.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'quot;'* sto81 Nadel.
eine Uoppelschlinge gelegt wird (Flg. 31). Um die
Nadeln wird sodann ein Zwirn- oder Seidenfaden geschlungen und zwar entweder in Gestalt eines 0 (Fig. 32) oder einer 8 (Fig. 33), daher auch wohl „Achternahtquot; genannt. Wurde nur eine Nadel an­gelegt, so werden die Enden des Fadens zusammengebunden, bei An­wendung mehrerer Nadeln verknotet. Die Vortheile dieser Naht be­stehen in der Einfachheit sowohl des Materials, wie auch der Anwendung, sodann aber darin, dass die Wundränder durch die starren Nadeln besser fixirt werden und sich nicht umkrämpen. Dagegen lässt sich Möller u. KricU, Allgemeine Ohlrnrglo rttr Thlerärzto. 2. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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Verlotzungfen der Weiohthöile,
die uiiiscliluiigene Naht nur bei oberflächlichen, nicht bei sehr tiefen: Wunden anwenden. Mit Vorliebe macht mau an beweglichen Theilen, /. B. den Lippen, Nasenflügeln und Augenlidern von dieser Naht Gehrauch. Sie gewährt hier noch den Vortheil, dass ihre Application bei unruhigen Thieren leichter gelingt, als die Anlegung einer Knopf­naht. Zur weiteren Fixirung der Wundriinder bedeckt man an solchen
Fig. 32.
Dmadilnngene Nalit mit O-Schlingen.
Umscliluugene Naht mit s-Schlingen
Stellen die Naht mit Collodium oder Gelatine, wodurch zugleich Ver­letzungen der Wunde durch Scheuern sowie Infectionen derselben ver­hütet werden.
5. Die Zapfennaht (Sutura clavata, Fig. 34, 35). Sie findet namentlich bei tiefen und stark klaffenden Wunden vortheilhafte An-
Fig-, 34.
Fig. 35.
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Zapfennahti
Zaiil'oniialit Tiiit Wcigbiiusclien.
wendung, weil sie das Ausreissen oder Durchschneiden der Wund­riinder durch die Heftfäden am sichersten verhütet und den Grund tiefer Wunden wirksamer zusammendrängt. Die Ausführung der Zapfennaht gestaltet, sich wie folgt: Man legt zwei, etwa bleifeder-starke, gut geglättete, runde Holzstäbchen oder ein entsprechend starkes Drainrohr, etwas länger als die Wunde, parallel und in einiger Ent­fernung zur Wundlinie auf die äussere Haut. Alsdann werden Doppel-fftden wie bei der Knopfnaht durch die Wunde gezogen, wozu man
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AVundon -- Wundnaht.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9i)
sieh einer stark gekrümmten Nadel bedient. Durch die Padensoblingen wird an der Einstichstelle sodann das eine Stäbchen bozw. der Drain-schlauch geschoben, und nachdem der Doppelfaden an der Ausstich-steile angezogen ist, wird hier das zweite Stäbchen mit den beiden Enden des Fadens umschlungen und verknotet.
Neuerdings hat man beim Menschen an Stelle der Zapfen doppelt durchbohrte Glasperlen benutzt (Perlennaht)) weniger empfehlens-wertli ist dagegen die sog, Matratzennaht, wobei statt der Perlen kleine Wergbäusche angewendet werden (Fig. yö).
6. Um runde Oeffnungen, #9632;/.. B. Fistelkanäle zum Verschluss zu bringen, wendet man die von Dieffenbach zuerst empfohlene Schnür- oder Tabaksbeutelnaht an. Dabei führt man eine mit starkem Seidenfaden versehene, krumme Nadel rund um die Oell'nung durch die Weichtheile und knotet die Enden des Fadens zusammen.
Die Nähte bleiben so lange liegen, bis die Wundränder fest mit einander verbunden sind, und ein Aut'reissen nicht mehr zu befürchten steht. Beim Menschen erfolgt die Entfernung der Nähte am 5. bis (i. Tage, bei unseren Mausthieren kann man dies nicht, ohne Gefahr für die Wunde thun. Die stark entwickelten Hautmuskeln unserer Hausthiere, Scheuern und Nagen der letzteren an der Wunde, schliess-lich die meist straffe Spannung der Haut führen bald zum Wieder-aufreissen der verklebten Wunde. Man entfernt daher die Nähte erst dann , -wenn die Narbe schon einen massigen Zug vertrügt. Bei kleinen Wunden und an Stellen, wo die äussere Haut nicht stark ge­spannt ist, reichen hierzu ö—(i Tage aus, unter den entgegengesetzten Umständen sind hierzu 10—14 Tage erforderlich: in letzterem Falle löst man nicht alle Nähte zugleich, sondern zunächst einzelne. Wurde Catgut zum Heften benutzt, so wird der in der Tiefe gelegene Abschnitt des Fadens resorbirt, so dass man die Fadenschlinge einfach mit der Pincette herausheben kann. Zwirn- oder Seidenfiiden durchschneidet man zunächst mit der Schere. Die Entfernung einzelner oder aller Heft­fäden erscheint ferner geboten, sobald Fiebererscheinungen oder starke Anschwellung auf eine Infection der Wunde hindeuten. Zuweilen ge­nügt es hier, einzelne Hefte zu lösen und die Wunde auszuspülen.
In der liege! wird die Naht an frischen Wunden angelegt, doch kann es vorkommen, dass zunächst eine Desinfection oder Tamponade der Wunde nothwendig wird, worauf die Naht erst nach 24—18 Stun­den applicirt werden kann (seeundäre Naht). In praxi werden die Fäden hierzu gewöhnlich gleich nach vollendeter Operation eingelegt, jedoch erst nach der angegebenen Zeit geknüpft.
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Verletzunffon der Welohtheile,
Die bei Menschen zuweilen noch benutzte unblutige oder trockene Naht, nämlich die Vereinigung der Wundränder mil llültV' von Heftpflaster, Collodium, Klantniern aus Metall (Wachs-
111 uim) n. s. w., lassen sich bei Thieren nur selten, gelegentlich am Muter der Kühe verwenden.
Zuweilen werden noch andere Suhstanzen in Wunden gleich nach ihrer Entstehung gefunden, die dann als Fremdkörper aufzufassen sind, und frischen Wunden oft ein besonderes Gepräge gehen. In Darmwunden wird regelmässig Darminhalt bezw, Koth gefunden, in Wunden der Ohrspeicheldrüse oder des Ductus Stenonianus faden­ziehender Parotisspeichel, in Euterwunden Milch u, s. w.
Vorausgesetzt, die Wunde wäre nach sorgfältiger Desinfection, d. h. nach vollständiger Entfernung aller Fremdkörper und infleirenden Substanzen in der einen oder anderen Weise geheftet und mit einem zweckmässigen Verbände versehen, welcher das Eindringen von In-fectionsstoffen in dieselbe verhindert, so Kann die Heilung derselben ohne jede Störung in kurzer Zeit zu Stande kommen und zwar in folgender Weise;
Heilungsvorgänge. Heilung per prim am intentionem. Sobald die Wundränder einige Stunden in dauerndem Contact bleiben, verkleben sie mit einander, so dass eine Trennung zuweilen nicht mehr erfolgt, wenn die Nähte gelöst werden, und kein Zug an den Wundrändern ausgeübt wird: letzteres geschieht leider bei unseren Hausthieren stets. Diese Verklebung der Wundränder führte man früher aussehliesslich auf die Wirkung der zwischen dieselben ergos­senen Lymphe und 151ul zurück, welche gleichsam als „Kittquot; wirken sollten. Nach der Ansicht von T hi ers c h ist es jedoch das gequollene Gewehe, namentlich das mit Blut und Plasma durchtränkte Binde­gewebe, welches die Wundränder nach dein Gesetze der Adhäsion mit einander verbindet (provisorische Narbe). Ohne Zweifel können beide Momente zu dieser ersten Vereinigung beitragen, doch erscheint es natürlich, dass die Heilung um so sicherer und schneller erfolgt, je inniger die Gewebe mit einander in Berührung getreten sind, und je weniger Secret, das sich in Folge der gestörten Circulation ergossen hat, zwischen den Wundflächen liegt.
Schon 12—iM Stunden nach der Verwundung zeigt, sich in den getrennten Geweben eine Reihe von Veränderungen, welche offen­bar zum Theil auf die Störung der Circulation zurückzuführen, zum Theil aber als active Heilungsvorgänge aufzufassen sind. In der Nach-
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Wunden — HoilungsvorgtlngQ.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;101
barschaft der Wundfldchen stellt sich [nfiltration mit Hundzellen ein, während die Gewebszellen und Bindegewebsflbrillen aufgequollen und von Blutfavbstoif durchtrtlnkt erscheinen. Bei sttlrkerer Reaction können die Elemente des alten Gewebes zmn Theil durch Verfettuna zu Grande gehen, während an ihre Stelle llundzellen treten. Diese rücken auch bis an die Oberfläche der Wundränder vor, sammeln sich hier an und durchsetzen das etwa vorhandene Blutcoagulum. Am dritten Tage sind sowohl die Wundränder, wie auch ihre Nachbarschaft mit I!imdy.elli'ii angefüllt, welche bereits eine ziemlich feste Bereinigung der Wunde hei'beifUhren. Wo an kleinen und zweckmässig ver­einigten Wunden das Plasma fehlt, legen sich die von Rundzellen er­füllten Gewebe unmittelbar an einander (immediate Reunion ]\I aca rtney's).
In der Wunde und deren Nachbarschaft sind die durchtrennten Gefässe in grösserem oder geringerem Umfange thrombotisch ver­legt; in Folge dessen staut das lüut hinter den Thromben an und erweitert die Gefässe, die zuweilen kolbig auftreiben. Dn die Blutcirculation an der verletzten Stelle unterbrochen ist, erfolgt die Ernährung des alten wie des neu gebildeten Gewebes durch den plas­matischen Strom. welcher von den Gefässenden sowie den intact ge­bliebenen Blutgefässen gespeist wird, Dadurch erklärt, sieh, dass, wie Thiersch zeigte, dieses intercelluläre Kanalsystem von den Blut­gefässen ans injicirt werden kann. Doch nicht lange währt es, bis sich neue Gefässe bilden und /war durch Sprossung der nräexisti-renden. Au der Aussenfläche der Capillaren entstehen zunächst Er­hebungen, welche sich allmählich vergrössern und zu soliden Fort­sätzen auswachsen. Solche Gefässsprossen verbinden sich mit den wegsam gebliebenen Capillaren oder wachsen den gleichen Bildungen der gegenüberliegenden Wundfläche entgegen, um mit diesen zu ver­schmelzen. Nach kurzer Zeit werden die anfangs soliden Gefässfort-sätze hohl, indem sich ihr Centrum verflüssigt, und so entstehen neue Gefässe, welche die regelmässige Blutcirculation an der verletzten Stelle wieder herstellen. Indem die bald nach der Verletzung in grosser Menge eingewanderten liundzelleii zum Theil iu Spindel- und stern­förmige Bindegewebszellen verwandelt, werden, zum Theil in die Cir­culation gelangen oder zerfallen, indem ferner an der äusscreu Haut die Zellen des Itete Malpighii sich wieder zu einer zusammenhängenden Epidermisschicht verbinden, ist die Heilung der Wunde vollendet (de f i nit i ve Narbe).
üeber den Ursprung der bei dieser Art von Wundheilung in so
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Vcrk'tzuiiiroii der WeiobtheÜQ.
hervorriigoiulom Masse betlii'iligton Kmulzellen yelien die Ansichten noch auseinander. Während man bisher allgemein annahm, dass es sich ausschliesslich um ausgewanderte Leulsocyten handele, haben neuerdings T liier seil und andere Forscher es wahrscheinlich gemacht, dass die­selben vornehmlich Abkömmlinge der fixen Bindegewebszellen und Gefässendothelien darstellen. Nach dem Auftreten zahlreicher Kern-fcheilungsliguren scheint so viel festzustehen, dass diese Zellen zum grössten Theil aus einer Proliferation präexistirender Elemente her­vorgegangen sind. Dafür spricht zugleich das Erscheinen grosser, mehrkerniger Kiesenzellen in dem neu gebildeten Gewebe, welche von den oben genannten Forschern als die eigentlichen Narbenbildner (Fibroblasten) angesehen werden.
Der beschriebene Vorgang wird als „Heilung auf dem ersten, d. h. nächsten Wege'' (Heilung per primam intentionem) be­zeichnet ; er bildet den günstigsten Ausgang, den eine Wunde nehmen kann, und er vollzieht sich in etwa 3 Tagen. Natürlich besitzt das neugebildete Gewebe (Narbe) noch nicht sogleich die Widerstands­fähigkeit des ursprünglichen Gewebes. Daher kommt es namentlich da, wo die Narben durch stärkere Anspannung der Haut erheblichen Dehnungen ausgesetzt sind, wie z. B. an den Gliedmassen unserer grösseren Hausthiere zuweilen vor, dass die Narbe wieder aufreisst, wenn die verletzte Stelle nicht auf mehrere Tage durch Nähte oder einen passenden Verband gegen derartige Dehnungen geschützt wird. Erst vorn 10. Tage ab verschwindet auch diese Gefahr.
Bedingungen für das Zustandekommen dieses Heilungsvorganges bilden:
1.nbsp; nbsp;Eine genaue Anpassung der Wundränder an einander, da­her auch sorgfältige Stillung der Dlutnng vor der Bereinigung der Wunde.
2.nbsp; nbsp;Vermeidung von Infection, welche den Heilungsvorgang stört; mit anderen Worten: Asepsis ist zur Heilung per primam intentionem unbedingt nothwendig.
Aus obigen Angaben erklären sich auch die makroskopisch sicht­baren Vorgänge an der Wunde und ihrer Nachbarschaft während der Heilung. In Folge der Infiltration der Wundränder erscheinen diese leicht geschwollen. Dazu kommt als Ausdruck der venösen Stase bei nicht pigmentirter Haut eine leichte liöthung, die zuweilen sogar bläulich wird. Die Schwellung ist unschmerzhaft, kaum vermehrt wann und nimmt Fingereindrücke an (Oedem), Diese Erscheinungen sind jedoch keineswegs constant vorhanden; sie können vollständig fehlen.
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Die strich form ige Wunde ist gewöhnlicli mit einem trockonon Schorfe bedeckt, nach dessen Abstossung man den Defect meist sclion mit jungem Epithel überdeckt findet. Die Narbe ist lebhaft rotli gefärbt in Folge des reichen Gefiissgehaltes und verliiiltuissmiissig breit. Diese Verhältnisse äiulern sich, indem sich am Narbengewebe die später y,u besprechenden Umwandlungen vollziehen.
Heilung der Wunde per seeundam int eutionem. Denken wir uns, die oben genannten Bedingungen für das Zustandekommen der Heilung per prim. int. seien nicht erfüllt, dann erfolgt bei ent­sprechender Behandlung die Heilung der Wunde im Wesentlichen nach denselben Gesetzen wie oben gezeigt. Der Unterschied liegt nur darin, dass Jenes Gewebe, welches bei der Heilung per primam intentionem nur den winzigen Wundspalt ausfüllt (Granulationsgewebe), bei der Heilung per seeundam intentionem in den Vordergrund tritt und die Schliessung des Defectes bewirkt. Daher kann man diese Art der Wundheilung auch als „Heilung per granulationemquot; bezeichnen. Als entschieden falsch muss es jedoch angesehen werden, wenn diese Wundheilungsart als „Heilung per suppurationemquot; bezeichnet wird, denn Eiterung ist kein notbwendiges Erforderniss der Heilung per seeundam intentionem, sondern eine Complication derselben, d. h. eine AVundinf ecti onskran khe it (s. S. 146).
Die makroskopischen Vorgänge bei genannter Wundheilung ge­stalten sich wie folgt:
Nachdem die Blutung in gleicher Weise wie oben besehrieben gestillt, und das ergossene Blut abgespült ist, erkennt mau an der Oberfläche der Wundränder mehr oder weniger deutlich die getrennten Gewebe. In den nächsten 24 Stunden stellt sich etwas stärkere Köthung und Anschwellung in der Umgebung der Wunde ein. Ob­gleich auch jetzt noch die Gewebe zu unterscheiden sind, erscheint die Oberfläche der Wunde doch etwas grau und zwar durch einen dünnen Belag von geronnenem Plasma, welches aus den getrennten Gewebs-spalten und Lvmphgefässen an die Oberfläche der Wumltläche er­gossen ist und hier gerinnt. Zuweilen stellt sich dieses in grösserer Menge ein, gerinnt dann nicht, sondern häuft sich als eine von Blut­farbstoff mehr oder weniger roth gefärbte Flüssigkeit in der Wunde an oder fliesst aus derselben ab. Man bezeichnet diese Flüssigkeit als „primäres Wundsecretquot;. In den folgenden Tagen treten keine wesentlichen Veränderungen auf; die Anschwellung nimmt höchstens noch zu, und die Oberfläche der Wunde erscheint gleichmässig grauroth und gallertig, so dass die einzelnen Gewebe sich nicht mehr scharf
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Verlutzini'roii der Weiohtheile.
von einander abgrenzeni Die Wunde erscheint; mehr oder weniger gleiclnniissig gnuirotli und unehen, indem sieh kleine, rothe Körnchen (Granula) bilden. In diesem Zustande verharrt die Wunde auch in den folgenden Tilgen, doch wachsen die rothen Körnchen (Granu­lationen) weiter hervor und füllen die Lücke /.wischen den Wundquot; rändern mehr und mehr aus. Vom 8. Tage ab verkleinert sich auch die Wundtläclie, indem die Wimdrander sich einander niilurn. und es zeigt sich, wenn der Defect durch die Granulation vollständig ausgefüllt ist, dass die Ränder der Wunde bei weitem nicht mehr in dem Masse von einander entfernt liegen, wie beim Beginn der Granulationsbildung. Sobald die letztere das Niveau der benachbarten Haut erreich! hat, hört sie auf und wird an der Oberfläche glatt und glänzend. An der Peripherie der Wunde erscheint Jetzt ein nur wenige Millimeter breiter rosarot her Saum, an welchem die Granulation trocken wird. Indem sich dieser Saum gleichmässig gegen das Centrum der Granulations­fläche vorschiebt, folgt auf diesen an pigmentirten Hautstellen ein zweiter, bläulicher, ebenfalls trockener Saum, Unter langsamem Vor­dringen dieser Randpartien trocknet allmählich die Granulationsfläche und bedeckt sich mit einer zunächst dünnen Oberhaut, worauf die Wunde als geheilt zu betrachten ist.
Man bezeichnet diesen Vorgang als Heilung auf dem zweiten Wege, per seeundam intentionem, oder als Heilung per granu­lation em.
Obgleich die Heilung per seeundam intentionem äusserlich von der per primam intentionem wesentlich abzuweichen scheint, so stimmen die histologischen Vorgänge doch in vielen Punkten mit einander über­ein. Nachdem wie bei der Heilung prima intentione die Blutung durch Thrombose der Blutgefässe gestillt ist, quellen die verletzten Gewebe bald auf, indem sie von dem durch Stauung des Blutes aus den Ge­lassen getretenen Serum und der Lymphe durchtränkt werden. An der Oberfläche der Wunde gerinnt diese Masse zu einem dünnen Fibrin­belag. In den (iewebslückon treten bald einzeln, bald in Gruppen zahlreiche weisse Blutkörperchen auf; schon 24 Stunden muh der Verletzung finden sich die Gewebe der Wundränder mit zahlreichen Rundzellen durchsetzt, die entweder ausgewanderte Heukocvten oder Abkömmlinge der gewucherten Bindegewebszellen und Gefässendo-thelien darstellen (F i b ro b 1 a s ten). Diese Zellen sammeln sich aber auch an der Oberfläche der Wunde an und bilden hier kleine Zell­haufen, die durch eine schleimige, luilbflüssige Intercellularsubstanz mit einander verbunden sind. In die Zellenhaufen dringen wie bei
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Wunden - ETeilungsvoi'gängSinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]()'gt;
der Heilling auf dem ersten Wege sprossende Hlntgefii.sse ein und hissen sich liier bereits in den ersten 24 Stunden durch Injeetion nach­weisen in Form kleiner Schlingen oder Bogen, welche die ursprüng­liche Wundfläche Überragen und so die körnige Beschaifenheil; der­selben erzeugen (Granulation). lgt;ie Granulationswärzchon bilden sicli stets neu auf den alten und Killen so schliesslich die Wunde vollständig aus.
An die Oberfläche der Wunde ergiosst sich zunächst ein durch Blutfarbstoff rotli gefärbtes Serum, und aus den Gewebslückon fliesst ebenso gefärbte Lymphe. Tritt diese Flüssigkeit nur in geringer Menge mit', so kann sie unter dem Einflüsse der äusseren Luft zu einem festen Schorf eintrocknen (S. 131); in der Hegel aber sammelt sieh dieselbe an der Oberfläche der Wunde an und fliesst schliesslich von derselben ah. Dieses „primäre Wundsecret* besteht aus transsudirtem Blute, aus Lymphe und öewebssaft und bildet ein ausser-ordentlich günstiges Nährmaterial für die Vegetationen von Mikro­organismen, welche, sofern nicht besondere Vorsichtsmassregeln ge­troffen weiden, bei ihrer allgemeinen Verbreitung regelmässig in die Wunde gelangen; dies gih namentlich von den verschiedenen Mikroben, welche Eiterung anregen (S. 148).
In der Rege] sterben auch an der Oberfläche der frischen Wunde kleinere oder grössere Gewebspartien ab, welche abgestossen und gleich­falls dem Wundsecret beigemischt werden. Diese Massen, in der Regel graugefärbt, verleihen der Oberfläche der Wunde eine graue Färbung; erst wenn sie abgestossen sind, erscheint die gleiclimiissig graurothe Granulation. Man sagt, die Wunde hat sich gereinigt, und dann rückt die Granulation gleichmässig vor.
Schliesslich bat man auch noch von einer 11, ei lung per ter-tinm intentionem gesprochen; man versteht darunter eine Ver­wachsung granulirender Wundflächen. Spontan kommt der Vor­gang wohl kaum zu Stande (höchstens bei subeutanen Verletzungen), weil die auf der Granulation lagernde Zellschicht der directen Verwach­sung hinderlich ist. Meist wird diese Art der Heilung künstlich her­beigeführt, indem die Granulation mit geeigneten Instrumenten von der beregten Zellschicht befreit wird, so dass die Gefässe freiliegen, und dann wird durch Naht (Seen n d iir n ah 11 die Verklebung der Wundflächen angestrebt. Mau bezeichnet diesen Vorgang daher besser als Heilung vermittelst Secundärn ah f.
Vielfach beobachtet man, dass Wunden, zumal wenn sie wenig secerniren. in der Weise heilen, dass sich auf ihnen ein trockener, fest
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Verletzuniren der Weiobtheilo.
liiit'tondor Schorf bildet, unter dem die Heilungsvorgänge ablaufen. Füllt, dieser Scborf endlich ab, .so finden wir die Wunde vollständig gebeilt und vernarbt. Wir nennen dies die Heilung unter dem trockenen Schorf. Ein unterschied in den bistologischen Vor­gängen zwischen dieser Heilungsart und der Heilung per granulationem besteht nicht. Alle bei letzterer beschriebenen Processe laufen liier unter dem Schorfe, wie unter dem besten Occlush Verbund ab.
Benarbung der Wunde. Wenn die Wunde mit Qranulations-gewebe vollständig ausgefüllt ist, bort die weitere Bildung desselben auf, und nun handelt es sich um die Bedeckung tier entstandenen Narbe mit Epithel. Da aber aus Bindegewebszellen hezw. Leukocyten niemals Epithelgewebe entsteht, so muss dieser Vorgang vom Epithel bezw. von der Oberhaut des benachbarten Bete Malpighii ausgehen. So­bald das Granulationsgewehe his zu diesem herangerückt ist, entwickelt sich in demselben eine lebhafte Wucherung; die neugebildeten Zellen des Betegewebes sammeln sich auf der Oberfläche der Granulation und bilden hier eine Decke. Da dieses vom Rande der Wunde ausgehen muss, so erscheint zunächst hier eine dünne Lage Retezellen, durch welche die gefiissreiebe Granulation roth hindurchschimmert. Dem rothen, an seiner Oberfläche trockenen Saume folgt an pigmentirter Haut alsbald ein bläulicher, indem sich mehr und mehr pigmentirte Betezellen auflagern, welche die rothe Granulation schliesslich ganz verdecken. Diese üeberbiuitung des Granulationsgewebes mit Epithel­massen von der Nachbarschaft nennt man „Benarbungquot; der Wunde.
Das zur Ausfüllung der Wunde entstandene neue Gewebe wird in seiner Gesammtheit als „Narbequot; bezeichnet, welche also aus Hundzellen, Blutgefässen und der die Decke desselben bildenden Epi­dermis besteht.
Die Narbe erfährt im Laufe der Zeit erhebliche Veränderungen. Schon während der Enhvickelung der Granulation erfolgt in den älteren Sedlichten derselben eine Umgestaltung ihrer zelligen Elemente. Wäh­rend ein Theil der Rundzellen in stern- oder spindelförmige Bindc-gewebselemente umgewandelt, plasmaärmer und zu Bindegewebsfasern wird, gelangt ein anderer Theil der jungen Grnunliitionszellen in die Blutbahn zurück; noch andere zerfallen und werden resorbirt. Auch die in grosser Zahl entstandenen Blutgefässo bilden sich allmählich wieder zurück, so dass zwei auffällige Veränderungen an der Narbe auftreten, nämlich: 1. eine erhebliche Verkleinerung (Schrumpfung, Retraction) und 2. eine Abnahme ihrer rothen Färbung. Die Narben-
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Wunden — Hoilungsvorgänge.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;107
rctmction intorcssiii uns ganz besonders, indem dieselbe namentlicb in grössereti Wunden eine wichtige und vortheilhaffce Rolle .spielt. Ihr ist die schon während der Gh'anulationsbildung auftretende Verkleine­rung der Wunde zu verdanken, und du iuicii in dem älteren Qranu-lationsgewebe diese Narbenretraotion sich fortsetzt, so werden die Grenzen der Wunde mehr und mehr einander genähert, das nachbar­liche Gewehe, namentlich die Hussere Haut durch die schrumpfenden Grauulationsmassen in die durch das Klaffen der Wunde oder durch Substanzverlust entstandene Lücke hineingezogen. So erklärt sieh, duss grosso Defecte und weit klaffende Wunden eine verhältnissmüssig kleine Narbe hinterlassen, welche unter der selbst nach Jahr und Tag noch fortschreitenden Schrumpfung immer kleiner wird und sohliess-lich last ganz verschwinden kann. Doch nicht überall vollzieht sich dieser Vorgang in gleichem Masse iß. 141).
Im ganzen besteht also zwischen der Heilung per primam inten-tionem und dem zuletzt besprochenen Vorgange kein wesentlicher Unterschied. Hier wie dort bewirken die in der Wunde auftretenden Ruudzellen mit den neugehildeten Gefässen die Reparation, Freilich gestaltet sich die Heilung so nur unter der Bedingung, dass keine Infection der Wunde zu Stande kommt,; die Therapie hat also vor allen Dingen die Infection dor Wunde zu verhüten bezw. zu bekämpfen. Das ist in der That der Therapie gelungen. Wie der berühmte eng­lische Chirurg Lister zuerst zeigte, lassen sich durch ein besonderes Verfahren (Antisepsis, Antiseptik, Aseptik) die Infectionsstoffe von der Wunde fernhalten, in derselben vernichten oder die Zustände in der Wunde so gestalten, dass eine Entwickelung dor Mikroben in der Wunde nicht zu Stande kommt. Wo dies erreicht wird, erfolgt die Heilung wie oben beschrieben, also ohne jede Spur von Eiterung. Damit ist nicht blos eine Ersparnlss für den Organismus verbunden, sondern es werden auch alle Gefahren vormieden, welche sich an die Eiterung knüpfen (S. 152). Die mit Erfolg durchgeführte Antisepsis vorhindert endlich das Auftreten der Entziindungserscheinuiigen mit all den Folgezuständen, welche sich als allgemeine Störungen (Fieber 11. s. w.) ZU erkennen geben und nicht selten das Leben dor Tbiero bedrohen. Deshalb mögen diese Hülfsmittel der Wundheilung hier zunächst Berücksichtiffunff timlen.
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Verletzunsfan dor Woichtheilo,
H. Die antiseptlsdie Wandbehandlnug (Antlseptili raquo;ml Vsojitik).
Ohne Zweifel bildet die Wundbehandlung eine der wichtigsten Aufgaben der Chirurgie, und es kann daher nicht Wunder nehmen, dass man sich mit dieser Frage seit den ältesten /eilen dauernd und eiiigelieiiil hesehäftigte. Ununterbrochen wurde das Interesse der Wissenschaft sowohl wie der Praxis für diese Aufgahe lebendig er­halten; sehr natürlich, dass die Anschauungen und Heilverfahren im Laufe der Zeit manchem Wechsel unterworfen waren, V^ergleichl man indess die ältesten GrumlsiU/.e der Wundbehandlung mil den heutigen, so zeigen sieh dieselben keineswegs so grundverschieden, wie man auf den ersten Blick anzunehmen geneigt sein krümle. Viele der von den Alten angewendeten Wundmittel haben in der Neuzeit bei entsprechen­der Untersuchung gezeigt, dass sie bei geeigneter Application wohl in der Wundbeliandlung verweiiliet werden konnten. Der Unterschied, welcher einzig und allein zwischen der modernen Wundbehandlung und der der Allen besteht, liegt darin, dass erslere auf bakteriologi­schen Untersuchungen aufgebaut ist, während letztere ein rein empiri­sches Verfahren darstellt. Im Princip ist jede Wundbehandlung be­strebt gewesen, Infection der Wunde zu verhüten oder zu beseitigen. Die alte Wundbehandlung hat dies unbewusst gel hau, die moderne handelt absichtlich in dem Sinne.
Mit der Erfindung des Mikroskopes wurde! zwar eine nähere Ein­sicht in die Heilvorgänge gewonnen, doch leistete das Instrunient der Wissenschaft grössere Dienste als der Praxis. Für die letztere war eine auf ganz anderem Gebiete gemachte Entdeckung von viel grösserem Einfluss, nämlich die 1856 von Pasteur aufgestellte Fäulnisstheorie; auf diese baute der englische Chirurg Joseph Lister seine Anti­sepsis auf, ein Verfahren, das gewaltige Umwälzungen auf dem Ge­biete der Chirurgie hervorrief und zu jenen glänzenden Resultaten führte, von denen unsere. Vorfahren sich kaum träumen Hessen.
Schon in den ältesten Zeiten galt für die Wundbeliandlung als oberster Grundsatz: Reinlichkeit. Man erkannte bald die nachtheilige Wirkung der Wundsecrete; schon Hippocrates Hess die Wunden mit Wasser und Wein waschen und mit einem Pulver ans Aloe, Myrrhe und Weihrauch bestreuen. Im l(i. Jahrhundert lehrte Am-broise Pari', dass faulige Stolle und verdorbene Luft das grösste Ilinderniss für die Heilung der Wunden bilden; er empfahl deshalb venetianischen Terpentin zur Behandlung derselben. Als die wich-
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Die antiseptisoho Wuadbohaudlung — Antisepsis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]o(i
tigsten Wiuidheilmittol galten im Mittelalter Alkohol und Wasser /.um lleiuigeu und ein Balsam aus Terpentin und Elemiharz zum Bedecken der Wunden. Eine Mischung von AI06 und Myrrhentinctur fühi't bis auf den heutigen Tag nock die Bezeichnung Wundbalsam.
Spilter tral der Campher in die Reihe der Wundheilmittel; in Weingeist gelöst, wurde derselbe namentlich in Frankreich allgemein angewendet, während in Deutschland die A.rnicatinctur die gleiche Kollo Übernahm. Wenn man bedenkt, dass sich nach den ünter-Buchungen 1!. Koch's gerade die ätherischen Oele und namentlich Terpentinöl als wirksame Antiseptica erwiesen haben und dass der Alkohol nach den Untersuchungen von AhllVId. Lccdliam. Ep­stein u. A. als ein äusserst brauchbares Desinhciens erkannt, worden ist, so zeigt sich, dass die einfache Beobachtung unserer ältesten Vor­fahren das Richtige bereits getroffen hatte.
Ein /.weiter, ebenfalls bereits von Hippocrates vertretener Grund­sat/., der sich durch alle Jahrhunderte behauptete, lehrte, dass man für den Abfluss des Wundsecretcs nach Möglichkeit Sorge zu tragen habe. Zu diesem Zwecke spaltete man die Wunde, legte Haarseile und selbst Drains in dieselbe. Es hatte sich bald die Ueber/.eugung Bahn gebrochen, daslaquo; das /.ersetzte Wundsecret einen besonders nach­theiligen Eintluss auf den Heihmgsvorgang ausübe. Worin diese Zer­setzung bestand, blieb allerdings bis in die neueste Zeit der Erkennt-niss verschlossen. Man glaubte allgemein, dass es sich um chemische Umsetzungen handle, die zu verhindern man aussei- Stande sei, daher beschränkte man sich auf die baldmöglichste Beseitigung und Un-schädlichmachung der zersetzten Secrete. Nachdem aber Pasteur den Lehrsatz aufgestellt hatte, dass Fäulniss auf der Wirkung von Mikroorganismen beruhe, lag allerdings der Gedanke nahe, auch die Zersetzungsvorgänge in den Wundsecreten auf ähnliche, von aussen ein­wirkende Ursachen zurückzuführen. Die Richtigkeit dieser Vermuthung vorausgesetzt, musste die Möglichkeit zugegeben werden, solche Ver­änderungen in dem Wundsecrete ZU verhindern, indem man die Mikroorganismen von der Wunde fern hielt, oder aber die in dieselbe eingedrungenen unschädlich machte. Darin liegt die Grundidee der Lister'schen Antisepsis und der modernen Wundbehandlung. Die Beobachtungen, welche man mit der Fäulniss machte, mussten ferner ZU der üeberzeugung führen, dass die infleirenden Substanzen überall vorbreitet sind; auch die an Wunden gemachten Erfahrungen sprachen dafür. So einfach aber das i'rincip der Antisepsis auch erseheint, so '#9632;#9632;oliörte doch die Energie eines Lister dazu, den Grundsatz durchzu-
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Vcrk'tzimm'ii dor Weiobtheile,
führen und in der Praxis zu verwerthen, wie es zuerst, 1805 im Kranken-hause zu Glasgow durch ihn geschah.
Von der Voraussetzung ausgehend, dass die schildlichen Mikro­organismen, von denen liier namentlich die Eiterung erregenden Mikro-kokken in Betracht kommen (S. 146), sowohl in der Luft, wie auch in Flüssigkeiten vorhanden sind und fast allen festen Körperu anhaften, suchte Lister diese Stoffe, soweit sie mit der Wunde in Berührung kamen, unschädlich zu machen. Die Hände des Operateurs und seiner Gehüli'en wurden sorgfältig gewaschen und mit einer Lösung von Carholsiiure abgespült, die Wunde mit derselben Flüssigkeit gereinigt. Ebenso liess er die Instrumente in Carbollösungen legen, die Verband­stoffe und Unterbindungsladeii mit diesem Mittel tränken: endlich suchte er die Luft durch Zerstäuben einer Carbollösung mittelst eines Zerstäubungsapparates (Spray) zu desinficiren. Der ursprünglich von Lister benutzte Deckverband (Occlusivverband) wurde später allerdings in zweckmässiger Weise vereinfacht und verbessert. Er bestand ursprünglich aus folgenden Theilen:
1. Der sog. protective Silk, ein Stück Seide, die mit carbol-haltigem Firniss wasserdicht gemacht war und als Schutzmittel un­mittelbar auf die Wunde gelegt wurde. Darüber kam:
-. mehrfach zusammengelegte trockene Carbolgaze, welche dazu bestimmt war, das Wundsecret durch Imbibition aufzunehmen;
;i. auf die Gaze legte man den sog. Makintosli, einen wasser­dichten, mit Kautschuklösung bestrichenen Baumwollenstoff, oder Gummi-papier, um die Wunde von der Luft vollständig abzuschliessen und zu verhindern, class letztere mit dein vom Wundsecret durchtränkten Ver­bände in Berührung kam. Darüber wurden
4. einige Lagen Carbolwatte oder Werg mittelst Binden befestigt.
Ein solcher Verband, welcher unter Carbolspray angelegt wurde, blieb liegen, bis er sich vom Wundsecret durchtränkt zeigte, oder bis Fieber und andere Störungen auf eine stattgehabte Infection schliessen liessen. Der Wechsel des Verbandes wurde unter Anwendung der­selben Massnahmen vorgenommen.
Die Nachrichten über die grossartigen Erfolge Lister's mit diesem Verfahren veranlassten dasselbe auch in Deutschland zu versuchen; es waren zuerst Bardeleben, Thiersch und Volkmann, welche sich von der hochwichtigen Entdeckung überzeugten und bald An­hänger derselben wurden. In Deutschland vereinfachte und verbesserte man aber das ursprüngliche Verfahren Lister's in verschiedenen Punkten. Zunächst zeigte sich, dass reine, staubfreie Luft nicht in
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Die antiseptisohä Wundbehandlung
Antisepsis.
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dem Masse als Träger von Infeotionsstoffen zu fürchten ist, und man schaffte den Spray ab, suchte aber in mögliebst reiner Luft zu ope-riren. Aueh überzeugte man sich bald, dass der protective Sillv sowie der Makintosh durch sterilisirte Gaze, Watte u. s. w. zu ersetzen seien. Durch diese Stolle wird die Luft ausreichend filtrirt, so dass keine lebendigen Keime in die mit denselben sorgfältig bedeckte Wunde ge­langen, sofern diese Stolle nicht bis an ihre Oberfläche von W'und-secret durchsetzt sind.
Im Laufe der Zeit überzeugte man sieh ferner, dass der Einfluss der antiseptischen Mittel wie Carbolsäure u. s. w. auf die Wunde keines­wegs ein günstiger ist, und war bemüht, diese nach Möglichkeit zu vermeiden. Verbandstoffe, welche früher durch Imprägniren mit Carbol, Sublimat, Creolin u. s. w. desinficirt wurden, sucht man gegenwärtig womöglich mit heissem Wasserdampf von 100quot; C. und darüber keim­frei zu machen; Instrumente werden durch 5 Minuten langes Kochen in Wasser oder L0/oiger Sodalösung sterilisirt. Bei Operationen richtete sich das Streben darauf, von vorne berein eine reine Wunde zu er­halten. Das Verfahren gegen die Infection (Antisepsis) suchte man immer mehr zu vereinfachen, die Wunden möglichst wenig durch Arzneimittel ZU schädigen, dennoch aber den keimfreien Zustand in der Wunde, die Asepsis, zu erhalten: man gelangte mehr und mehr von der Antisepsis zur Asepsis.
Ferner drang allmählich die Ueberzeiigung durch, dass es ausser-ordentlicli schwer fällt, eine Wunde den Infectionsstoffen gegenüber vollständig ab/.uschliessen; es zeigte sich bald, dass dieses seihst beim Menschen unter Anwendung aller Sorgfalt oft nicht möglich ist. Ein­gehende Untersuchungen zeigten sogar, dass unter dem besten Ver­bände und in Wunden, die anscheinend ganz aseptisch heilten, immer noch lebensfähige Bakterien existirten, ohne dass jedoch die Wund­heilung dadurch gestört wurde, üiese Thatsache, so paradox sie klingt, erklärt sich durch die Erfahrung, welche bei bakteriologischen Versuchen genügend gemacht ist, dass nämlich zur Infection eine ge­wisse Menge von Mikroben gehört. Wenn also in eine Wunde nicht die genügende Anzahl Mikroben hineinkommt, dann wehrt sich der Organismus selbst, und die Heilung wird nicht gestört, sofern sonst keine für die Vermehrung der Mikroben günstigen Bedingungen in der Wunde selbst vorhanden sind (Craigdun). Letztere liegen aber vor­nehmlich im Wundsecrete, das den Infectionsstoffen ein günstiges Nähr-substrat bietet. Daher strebte man danach, durch Desinfectionsinittel das Hegenerationsvermögen der pathogenen Bakterien aufzuheben und
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VerlatzuDOfen der Welohthoilei
mit Hülfe von Vorbandstoffen und Drainage das Wundsecret möglichst schnell und vollständig aufsaugen zu lassen bezw. zum Abfluss zu bringen und so unschädlicb zu maclien.
Zwei Möglichkeiten wind zu unterscheiden, nämlich;
a)nbsp; nbsp;Die Wunde ist noeh rein. d. li. frei von organischen Keimen, namentlich von Eiterkokken; sie ist aseptisch. Hier kommt es dar­auf an. die Asepsis zu erhalten; das einzuschlagende Verfahren be­zeichnet man auch wohl als primäre Antisepsis oder Asepsis.
b)nbsp; nbsp;Die Wunde ist bereits infleirt und soll desinfleirt werden (secundäre Antisepsis).
Asepsis.
Aus den That suchen, dass;
1.nbsp; das lebende Gewebe geringe Mengen pathogener Keime zer­stört, ohne selbst inlieirt zu laquo;'erden,
2.nbsp; nbsp;durch die bei der Wundbehandlung angewendeten Desinfections-mittel das lebende Gewebe mehr oder weniger in seiner Wider­standsfähigkeit gegen Mikroben herabgesetzt wird,
ergab sich das Verlangen, eine Methode zu haben, welche den An­forderungen einer bakterienfeindlichen Wundbehandlung entspricht, ohne Gefahren für den Organismus selbst in sieb zu schliessen. Die aseptische Wundbehandlung ist das Resultat dieses Strebens.
Das Princip dieser Wundbehandlungsmethode besteht darin, dass alle Gegenstände, welche mit der Wunde in Berührung kommen (In­strumente, Näh- und Verbandmaterial, Irrigationsflüssigkeiten u. s. w.), frei von Mikroben, aseptisch, steril sind. Ferner ist Grundsatz, dass die zum Spülen der Wunden verwendeten Flüssigkeiten für diese indifferent sind. Mit Rücksicht auf diese Gesichtspunkte gestaltet sich die aseptische Wundbehandlung folgendermossen:
Die Hände und Arme dos Operateurs und seiner Assistenten, sowie die Operationsstelle werden mit Bürste, Seife und warmem Wasser gründlich gereinigt, sodann mit Alkohol abgewaschen und schliesslich mit einem Desinliciens abgespült. Letzteres wird durch Waschen mit sterilisirtem Wasser möglichst wieder entfernt.
Die Instruinente werden in ' j—1 %igem Sodawasser 5—10 Mi­nuten gekocht.
Die Verbandstoffe (Gaze, Tupfer, Binden, Watte) werden in besonderen Apparaten (Sterilisatoren) der Einwirkung strömenden Wasserdampfes lla—l Stunde lang ausgesetzt.
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Die antisoptische Wundbehaadluog — Antisojisis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]];{
Das Nühinatorial, soweit es dies verträgt (Seide), kann wie die Verbandstoffe behandelt oder auch gekocht werden. Catgut ver­langt eine besondere Behandlung; hierzu sind recht umständliche Ver­fahren angegeben von Saul, Sohäffer u, A.
Als Spülflüssigkeit, die aber nach Möglichkeit von der Wunde ferngehalten wird, benutzt man sterilisirtc 0,60/oige Kochsalzlösung.
Obgleich von Seiten der Luft die Gefahr einer Wundinfection nicht bedeutend ist, muss doch bei der aseptischen Wundbehandlung darauf gesehen werden, dass die Luft im Operationslocale staubfrei und nicht bewegt ist.
Einige Operateure haben sogar behauptet, dass aus ihrem Barte pathogene Keime in die Wunde gelangen können, und tragen des­wegen Bartbinden von sterilisirtem Mull (Mikuliez). Andere (Zoege-Manteufel, Mikuliez) sind noch etwas weiter gegangen und haben selbst auf die nach obigen Angaben gereinigten Hände sterilisirtc Zwirnhandschuhe gezogen, die im Verlaufe der Operation gewechselt werden.
Uebersehen wir die Massnahmen der aseptischen Wundbehand­lung, so muss uns mancherlei auffallen. Sie ist nämlich nur da an­wendbar, wo noch keine Infection besteht, und das pflegt bei unseren llausthieren nicht die Kegel zu sein. Ferner gehören besondere Appa­rate dazu (Sterilisatoren), die wegen der Schwierigkeit des Transportes für die Landpraxis kaum geeignet sind. Ohne geschulte Assistenz ist Asepsis einfach unmöglich, und wo findet der praktische Thierarzt solche? Schliesslich muss es einleuchten, dass geringfügige Fehler, welche bei der Sterilisation u. s. w. unterlaufen, von den schwersten Folgen für den Patienten sein können und oft auch schon geworden sind. Aus den angeführten Gründen ergiebt sich von selbst, dass die Asepsis für die Zwecke der Thierheilkunde nur selten geeignet ist, wie neuerdings ganz richtig bemerkt wurde.
Aber nicht nur in der Thierheilkunde, auch in der Menschen­heilkunde regt sieh diese Ansiebt; auch dort erheben sich gewichtige Stimmen (Lister, Whatson Cheyne U.A.), welche von der Asepsis abrathen und der Rückkehr zur Antisepsis das AVort reden.
Antisepsis.
Die antiseptischc Wundbehandlung ist diejenige Methode, welche ausgezeichnete Resultate gezeitigt hat und für den Thierarzt nicht nur brauchbar, sondern auch durchführbar ist. In Nachfolgendem soll Möller u. Krick, Allgemeine Ohirnrgle für rhlerärzte. s. Ami.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
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Asepsis.
Wie bereits oben erwilhnt, droht weniger die Gefahr der ln-fection von Seiten der Luft (atmosphärisolie Infection), als'viel­mehr durch Flüssigkeiten und feste Körper (Contactinfeotion). Dalier müssen die mit der Wunde in Berührung' komnienden Flüssig­keiten wie festen Gegenstände bei strenger Durchführung der Anti­sepsis keimfrei gemacht werden. Die Antisepsis verwendet hierzu chemische Mittel (Desinficientia), und man bezeichnet den Vor­gang als Des in fee t ion.
Ueber den Gfebalt der Luft an Spaltpilzen haben die Dntei'suchangsn von Hesse und Petri zuerst nähere Auskunft gegeben. Hiernach enthält die freie Luft in Berlin pro Cubikmeter circa 1000 Mikroben, während dieselbe in einem Kanal unter dem Potsdamer Platz last frei von solchen ist. In Ställen, welche mit kleinen Thieren besetzt waren, fand man 84000 Spalt­pilze und bis 7-100 Schimmelpilze pro Cubikmeter. In einem Schulzimmer wurden 3000, wahrend des Unterrichts 20000 und beim Austritt der Schüler 40000 im Cubikmeter Luft angetroffen.
Diese Thatsachen erklären sich, wenn man bedenkt, dass die organi­schen Keime von der trockenen Erdoberfläche und festen Gegenständen durch den Luftstrom fortgetragen werden. Daher zeigt sich die bewegte Lul't sowie in trockenen Zeiten bei weitem reicher an solchen als ruhige Luft und an Regentagen. Eine feuchte Erdoberfläche, wie die ßespirations-schleimbaut von Menschen und Thieren hält gleichsam die Mikroben fest, daher schliesst auch die Exspirationslul't des Operateurs eine Gefahr der Infection der Wunde nicht ein, so lange nicht durch Husten oder Niesen flüssige oder feste Massen von der Scbleimhautoberfläche losgelöst werden. Alle diese Thatsachen sind besonders beachtenswerth. Bei Operationen im Freien müssen daher staubreiche Plätze vermieden werden; am sichersten erzielt man Asepsis bei feuchtem Wetter (vergl. S. 12it).
Viel grosser zeigt sich die Gefahr der Infection durch feste und flüssige Körper. Nach den Untersuchungen im hygienischen Institut der Universität Berlin enthält ein Cubikcentimeter Spreewasser .'{2000 —154 000 Keime, durchschnittlich 87525, Auch an allen festen (legenständen, die nicht sterilisirt sind, z. B. Instrumenten, an den Fingern des Operateurs, und wenn sie noch so sauber gewaschen erscheinen, haften zahllose organische Keime, welche den quot;Wundverlauf zu stören und entzündliche I'rocesse an­zuregen im Stande sind. Gegen diese müssen daher unsere antiseptischen Massnahmen sich in erster Linie richten.
Antiseptische Flüssigkeiten dienen zur Reinigung der Wun­den, zum Waschen und Abspülen des Operationsfeldes sowio zum Des-inticiren der Verbandstoffe und Instrumente.
Im allgemeinen muss von einer antiseptischen Flüssigkeit ver­langt werden :
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Die antissptisohs Wuudbebaindluug — Autise|itica.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
1,nbsp; dass sie womüglidi mit Wassei' eine klare Lösung darstellt;
2.nbsp; (lass sie in bestimmten Goncentrationen bale tericide Eigen* Schäften besitzt, d. b. die Mehrzahl der pathogenen Organismen abtödtetj
15. dass sie in ilnerischeii Flüssigkeiten, nanieutiieh Blut, Eiter, Serum keine Niederschläge bildet und nicht zersetzt wird:
1. dass sie weder allgemeine Intoxication hervorruft, noch auch ürtlieli eine intensiv ätzende Wirkung besitzt. Eine gewisse Schädi­gung erfahren die meisten thierisohen Gewebe durch den Contact mit diesen Mitteln, weshalb man sich in neuerer Zeit mehr und mehr be­müht, den Schwerpunkt nicht in der Zerstörung der ini'ectiösen Sub­stanzen (Antisepsis) zu suchen, sondern jede Infection von vorn herein zu verhüten (Asepsis), indem Flüssigkeiten und Verbandstoffe angewendet werden, welche frei von Infectionsstoffen (steril) sind. Je weniger indess eine J)esinf'eetionsflüssigkeit das thierische Gewebe schädigt, und je intensiver ihre bakterieide Wirkung ist, um so geeig­neter erscheint dieselbe.
Eine wichtige Holle bei der Desinfection spielt die Beschaffen­heit der Gegenstände, in oder an welchen sich die Bakterien befinden. Behring zeigte, dass solche in Wasser vertheilt schon in wenigen Minuten von einein Sublimatgehalt von 1:500 000 getödtet werden, während in Bouillon hierzu eine Concentration von 1:100000 noth-wendig ist, in Blutserum 1:2000 nicht einmal ausreicht. Je kürzer die Zeit der Einwirkung eines Mittels, um so concentrirter muss das­selbe angewendet werden. Auch wirken fast alle chemischen Des-infectionsmittel bei höherer Temperatur schneller als bei niedriger (ilenle). Endlich kommt es auf die Menge der abzutödtenden Bak­terien an; je mehr zu vernichten sind, um so mehr ist von dem Mittel erforderlich. Den einzelnen Substanzen gegenüber verhalten sieh die verschiedenen Bakterien nicht in gleicher Weise; die eine Art zeigt sich am empfindlichsten gegen dieses, die andere gegen jenes Mittel.
Zu den wichtigsten derselben gehören :
1. Q u ecksi 1 be rsu bl i in at. In der Tbierheilknnde hatte Hin/, schon im Jahre 1830 das Sublimat als Wundbeilmittel schätzen gelernt, welches hier nicht selten angewendet wurde, doch fand dieses Mittel erst nach den Untersuchungen R. Koch's die verdiente Würdigung. Hierbei zeigte sich, dass wässerige Lesungen des Sublimats von 1; 1000—5000 die meisten Mikroben, ja selbst die wiaerstandsfitthigen Milzbrandsporen in kurzer Zeit abtödten, libSOOOO das Wachsthum der Milzbrandbacillen noch ver­hindern. Sehr natürlich, dass hierauf das Sublimat in der Wundtherapie bald eine grosso Kollo spielte; in Deutschland wurde dasselbe namentlich durch v. Bergm an n, Schede und Bruns empfohlen. Das Mittel ist allen übrigen vorzuziehen, zumal die Lösung stets klar und rein ist, die Wund-
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Verletzunston der Weiohtheile.
flächen nicht verdeckt i so dass man dauernd volle Einsicht in den Zu­stund der Wunde behält; ein Umstand, der nicht nur in Kliniken für das Studium, sondern überhaupt für die Ueliersiehtliehkeit des Operationsfeldes ins Gewicht fällt. Hei Wiederkäuern ist stets Vorsicht mit der Anwendung dos Sublimats, ebenso bei kleinen Thieren, welche ihre Wunden viel belecken, angerathen worden, allein dass die Gefahr der Vergiftung übertrieben ist, beweisen unsere Erfahrungen und auch die anderer (Piot, Lucet, Saake u. A,). E/twas anders gestaltet sich die Frage der Giftigkeit des Subli­mats, wenn es auf Schleimhäuten Anwendung findet. Hier ist eine lebhafte Resorption ermöglicht, und so die Giftwirkung nahe gerückt; immerhin hat die Berieselung der Nasenhöhle des Kindes beim Katarrhalfiobor mit SuMi-matlösung gezeigt (Eggeling, Prick), dass auch die Schleimhäute das Mittel vertragen. Man verwendet es in Lösungen von 1:1000—5000 zum Waschen der Wunde, Abspülen des Operationsfeldes und der Hände, zum Tränken der Verbandstotlo u. s. w. In Wunden wird allerdings ein Theil des Sublimats zersetzt, es bildet sich mit dem Eiweiss der Gewebe und Flüssigkeiten Quecksilberalbuminat. welches nachMikulicz von geringerer Wirkung ist. Deshalb wählt man meist stärkere Lösungen (1 : 1000), Durch Zusatz von Salzsäure (0,50/o) zum Sublimatwasser lässt sich diese Zersetzung in der Wunde wohl verhindern, allein die Säure übt nicht allein auf die Wunde einen schädigenden J'linlluss aus, sondern zerstört auch die Oberhaut an den Händen des Operateurs, der längere Zeit mit der Flüssigkeit arbeitet, wie wir selbst erfahren haben.
Da meist grössere Mengen der Flüssigkeit erforderlich sind, und man deshalb nicht destillirtes Wasser, sondern gewöhnliches Wasser (am besten Flusswasser) nimmt, so bilden sich durch die kohlensauren Erdsalze unlös­liche Quecksilberverbindungen (Di-, Tri- und Tetraoxychlorid). Zur Ver­meidung dieses Ausfällens werden ebenfalls Säuren als Zusatz empfohlen (Salicyl-, Salz-, Essigsäure, 0,5—1,0 pro Liter), von anderen Kochsalz, welches mit dem Sublimat in gleichen Mengen angewendet wird. In Kliniken lässt man aus praktischen Gründon eine concentrirte Lösung von Sublimat in Salzwasser (Sublimat, Nat. chloral, ä 1,0, Aqua 4,0) vorräthig halten, und aus der graduirten {''lasche dem Wasser entsprechende Mengen zusetzen. Sehr bequem für die Praxis sind die Angeror'schen Sublimat-Koclisalz-pastillen , welche aus Sublimat und Kochsalz aa 1,0 bestehen. Luftdichter Verschluss der Gofässe und Abhaltung des Lichtes unterstützt die Haltbar­keit der Sublimatlösungen.
Eine Beschränkung für die Anwendung dieses Mittels liegt in dem Umstände, dass in Berührung mit Motallon das Quecksilber alsbald nieder­geschlagen wird. Zur Desinfection der Instrumente ist daher das iMittel nur in Nothfällen zu verwenden, auch seine Application mittelst einer Metallspritze unzulässig. Dagegen eignet sich Sublimat zur Desinfection von Schwämmen und Verbandmaterialien (S. 128). Bei dünner Epidermis, wie z. B. an der unteren Flüche des Schweifes bei Pferden ruft Sublimat-wasser (1 : 1000) wohl in seltenen Fällen ein leichtes Ekzem hervor; an anderen Hautstellen haben wir dieses selbst nach feuchten Sublimatverbän­den nicht beobachtet. Trotz langjähriger Anwendung bei Pferden und kleinen Thieren ist uns auch niemals eine Vergiftung mit Sublimat vor­gekommen. Hofin a nn bat neuerdings die Anwendung einer Sublimatsalbe (1 :100) zum Bestreichen der Wunden empfohlen.
2. Die Carbolsäure (Phenol, flydroxylbenzol) löst sich in 20 Theilen kalten und 15 Theilen Wasser von Zimmertemperatur, ist da­gegen in Alkohol. Aether, Chloroform und fetten Oelen leicht löslich. Die
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Die antiseptisohe Wundbehandlung — AntisepUoa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
cinzplneii Mikroben verhalten sidi der Carbolsttore gegenüber versobiedeu; Milzbrandbaoillen werden von 20/oiger Lösung bald vernichtet, Sporen erst nach äistündiger Einwirkung einer 5 0/oigen Lösung. Streptokokken sollen luich (iilr tn er und Flagge von 10/oiger Lösung bereits in SJO—40 Sekun­den getüdtet werden, während Staphylokokken dem Mitte] grösseren Wider­stand leisten; eine on,iiiH,n Lösung tiidtel, jedoch die Mehrzahl der patho-genen Mikroben. Die Wirksamkeit der Carbolsiinre kiuiii durch Zusatz von Säuren oder \quot;n Kochsalz (Soheuerlen, Beckmann) erhobt werden.
Aber auch die Qewebe leiden unter der Carbolwirkung. Wässerige Lösungen gehen auf Kosten der Integrität des Zellenlebens mit den Albu-minaten derselben Verbindungen ein; Garbol tödtet auch die Gewebe, schwächt ihre Productivität für regenerative l'rocesse und erzeugt schliesslich eine ausserordentlich lebhafte Secretion in der Wunde. 3—5 quot;joige Lösungen rufen bei andauernder Einwirkung selbst an der unverletzten äusseren Maut entzündliche l'rocesse hervor, erzeugen Ekzeme. Dazu kommt endlich für den Menschen und die Fleischfresser die Gefahr der Intoxication, welche hei Pflanzenfressern viel geringer ist. und endlich der für viele Menschen sein' unangenehme Geruch.
Zum Beinigen der Wunden benutzt man meist 2—3 quot;quot;ige Lösungen, ebenso zum Waschen der Hände sowie zur Desinfection der Instrumente. Mit 5 0/oigen Lösungen werden bereits inficirte Wunden behandelt. Schwämme und Verbandmaterialien desinflcirt; auch spült man damit wohl die Hände und das Operationsfeld ab. Durch Zusatz von Schwefel- oder Salzsäure lässt sich die Löslichkeit der Carbolsiinre erhöhen, doch wirken diese Lösungen ebenso wie die concentrirte Carbolsäure ätzend. 10—20quot;joige Lösungen von Carbolsiinre in Glycerin werden zur Desinfection der Hände und stumpfer Instrumente, Catheter, Sonden u. s. w. benutzt: mit 5 quot;/oigem Oarbolöl be­streicht man bei Untersuchungen des Rectum oder der Vagina die Finger oder Hände. Wie R. Koch nachgewiesen, sind Carboldämpfe wirkungslos. Im ganzen scheint die Carbolsäure, welche durch die grossartigen Erfolge Lister's einen Weltruf erlangte, weniger durch Abtödtung der Mikroben als vielmehr durch Behinderung ihrer Vegetation einen günstigen Einlluss in Wunden zu entfalten.
3.nbsp; Salicylsäure löst sich erst in 8—100 Theilen kaltem Wasser, leicht dagegen in heissem sowie in Alkohol, Aether. Glycerin u. s. w. Als Desinfectionsflüssigkeit wurde sie beim Menschen angewendet (Thiersch), um die Gefahr der Carbolintoxication zu umgehen. Da diese bei Thieren nicht gross ist, so findet die ausserdem noch {neuere Salicylsäure nur selten in dieser Form Anwendung. Nach den Untersuchungen von Fes er und Priedberger wird ihre Wirkung noch durch Verbindung mit Alkalien beschränkt; sie hat daher hei Thieren nur selten für diese Zwecke Anwen­dung gefunden.
Dasselbe gilt vom Thymol.
4.nbsp; Essigsaure Thonerde (Aluminium aceticum) gehört zu den wirksameren antiseptisohen Mitteln, wie alle Acetate mehr oder weniger anti­septische Eigenschaften besitzen. Von Burow wurde dieselbe als Wundheil­mittel empfohlen, von Billroth und Bruns zu permanenten Irrigationen hei Wunden angewendet. Sie hat den Vorzug nicht giftig und billig zu sein, indem man dieselbe durch Auflösung einer Mischung von Alaun und Bleizucker (1:5) leicht herstellen kann. Hierbei findet eine Umsetzung statt, indem Bleisulfat gefällt wird, und Aluminiumacetat in Lösung bleibt; nimmt man mehr Alaun, so bleibt auch dieser in der Lösung, wodurch die Flüssigkeit ätzend und stärker austrocknend wirkt. Zu permanenten
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Verletzungen ilcr Weiohtheil
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Irrigationen verwendet man
2quot;oilt;?e Lösungen, 3—60/oige zur Desinfeot
von Wunden.
5.nbsp; nbsp;Clilorzink, früher nur als Aetzmittel angewendet, zerstört nach H, Koch in 50/oiger Lösung die Keimkraft Jer Milzbrandspoi'en; '•,- his 1,0 0/oige Lösung genügen zur Erhaltung der Asepsis (Kocher), doch reizen auch dieso Verdünnungen noch die Gewebe, Man wendet in neuerer Zeit das Chlorzink meist in concentrirter Form (1: 8—10) zur Desinfection bereits inticirter Wunden oder Granulationen an, weh/he mit Hülfe eines mit der Lösung getränkten Werg- oder Jutebausches oder Schwainmes ausge­wischt werden.
Von Oagny wurde das Mittel für grössere Thiere sehr empfohlen. Der Billigkeit wegen benutzt Cagny flüssiges Chlorzink, eine Lösung von Zink in Salzsäure, die 33 quot;io des Salzes enthält. 100,0 dieser Lösung sollen 200,0 Wasser zugesetzt werden. Auch verwendet Cagny Zinkoxyd in Ver­bindung mit der gleichen Menge 10'Voiger Clilor/inklösung zur Behandlung von Wunden, hei denen weder die Irrigation noch auch eine Naht anzu­bringen ist; rechtzeitig angewendet Hess das Mittel Eiterung nicht auf­kommen, Ls eignet sich Chlorzink auch bei frischen Wunden, die nicht aseptisch zu erhalten sind, und wo eine Heilung per prim. int. nicht in Aussicht steht; das Chlorzink erzeugt hier einen Schorl', welcher die Re­sorption infleirender Substanzen verhindert,. Doch ist die Anwendung des Mittels schmerzhaft und übt auf die Blutstillung keinen Einfluss aus, färbt aber das Blut hellroth.
Endlich eignet sich Chlorzinklösung zum Sterilisiren von Verband­stoffen, da es stabil und nicht flüchtig ist.
6.nbsp; nbsp;Ch 1 or wasse i- ist ein älteres Desinfectionsmittel und wird heute nur noch selten angewendet, da seine Wirkung keineswegs so bedeutend, wie man früher annahm, der Geruch unangenehm und der Preis ein höherer ist. Nur bei Desinfection an den Augen wird es noch benutzt, weil die Mehr­zahl der übrigen Mittel leicht Trübungen und entzündliche Processe in der Cornea erzeugen.
7.nbsp; nbsp;Die anorganischen Säuren (Salz- und Schwefelsäure) wirken zwar antiseptisch, doch auch in hohem Grade reizend auf die Gewebe und schädigend auf ihr Eoproductionsvermögen : daher werden diese nur wenig benutzt.
8.nbsp; nbsp; Borsäure. Sie löst sich in 30 Theilen Wasser, hemmt in Lösungen von 1 : 136 die Vegetationen von Mikroorganismen, wird in 20/oiger Lösung zum Waschen und Berieseln der Wunden angewendet. Auch an den Augen kann sie in 2—4quot;,niger Lösung ohne Nachtheil für die Cornea applicirt werden; sie wirkt im übrigen aber nicht zuverlässig.
9.nbsp; nbsp;Chromsäure, ein bakterientödtendes Mittel, dient zum Auf­bewahren von Catgut, dessen Haltbarkeit durch das Mittel erhöht wird. Kalium bichromicum soll dagegen nach Koch ein schwaches Antisopticum sein.
10.nbsp; nbsp;Alaun. Kaliumalaun, früher zur Blutstillung dienend, besitzt neben seiner antiseptischen noch adstringirende Wirkungen durch Wasser­entziehung und Coagulation von Eiweiss. Er stört daher die Heilungsvor-gängo, dient aber zur Beseitigung ödeniatöser Schwellungen in Schleim­häuten. Ein Gemisch von 1 Theil Alaun, 2 Theilen Borsäure und 18 Theilen Wasser wurde von Schweden aus unter dem Namen „Aseptinquot; in den Handel gebracht; eine ähnliche Mischung ist auch in der Thierheilkunde empfohlen.
11.nbsp; Kochsalz wird schon seit alter Zeit zur Conservirung des Fleisches angewandt und wirkt fäulnisslieminend, jedoch nur in geringem (Jrado;
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Die antiseptisclio Wundbohandluug — AutiseptioE.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;119
dagegen reizt es die Qewebe, kann aber in 0,6 quot;/oiger Lösung zur Erbaltung der Asepsis verwendet werden.
12,nbsp; nbsp;Zu den wirksamen Desinfeotionsmitteln gehören die ätberisoben Oele, wie neuerdings durch lgt;. Kocb festgestellt wurde, doch reizen sie die Gewebe und wirken in Folge ihrer Flüchtigkeit nur vorübergehend. Schon im Alterthiunc waren, wie oben erwähnt, Terpentin, Kampfer und andere Harze als Wundheilmittel im Gebrauch. Kampfer fand in Gerlnoh einen eifrigen Anhänger, während Terpentinöl sowie Eucalyptusöl und Arnicatinctur vielfach von Laien angewendet werden. Krüger empfahl neuerdings die Anwendung des Terpentinöls bei Thieren. Sowohl in frischen Wunden, wie auch auf (iranuhitionsllächcn soll dasselbe die Heilung wesent­lich fördern, indem es die Neubildung sowohl wie auch die Dissection neoro-bischer Gewebe anregt. Die Onlöslicbkeit des Terpentinöls in wässerigen Kliissigkeitcn lässt jedoch einige Bedenken gegen die Richtigkeit dieser An­nahme aufkommen, Auch die Balsame, wie Perubalsam, verdanken zum Tbeil ihre antiseptisebe Wirkung dem Gehalte an ätherischen Gelen,
13,nbsp; nbsp;Mine immer steigernde Anwendung hat neuerdings der Theer und die aus ihm gewonnenen Producte (Creolin, Lysol, Solutol, Solveol u, s. w.) erlangt. Es handelt sich bei diesen Mitteln theils um den Gehalt an Carhol-säure, theils um Kresolc und andere Substanzen. Der Theer bildet ein billiges Antisepticum zum liedecken der Wunden sowie zur Herstellung undurcblassender Verbände an den Küssen grösserer Thiere (Esser u. A.). Jiei den übrigen Mitteln dieser Gruppe ist die Zusammensetzung jedoch zum Tbeil noch unbekannt und daher auch wohl nicht immer die gleiche, so dass .man keine absolute Garantie für eine zuverlässige Wirkung erlangt, Neuerdings werden dieselben jedoch im Grossen hergestellt und haben sich als brauchbare Antiseptioa erwiesen, die jedoch keine Vorzüge vor den anderen wirksamen Desinfeotionsmitteln haben, zumal sie auch nicht un­giftig sind, wie meist von ihnen behauptet wird. Creolin wird in 1—ö^oigen wässerigen Emulsionen angewendet, die eben den Nachtheil haben, dass sie milchig trüb sind und daher die in ihnen liegenden Instrumente und Materialien kaum erkennen lassen. Die in gleicher Concentration ange­wendeten Lysollösnngen sind zwar klar, wenn Aq. dest. zur Lösung benutzt wird, aber sie fühlen sich fettig an und erschweren die Handhabung der in ihnen gelegenen Instrumente. Heber die Wirkung des Solutol und Solveol bei Thieren liegen bisher nur vereinzelte Mittbeilungen vor. Ks handelt sich bei diesen Wittein vornehmlich um die Wirkung der Kresole, welche durch bestimmte Zusätze in Wasser löslich gemacht werden. So bildet das Creolin eine Verbindung der Kresole mit Alkalien. Lysol eine solche mit Seifen und Solveol eine solche mit Salzen. Letzteres wird ans cresolsaurem Natrium dargestellt und in 2—5 quot;/oiger Lösung angewendet; es ätzt wenig und ist ungiftig.
Solutol, aus Kresolnatrium gewonnen, giobt ebenfalls klare Lösungen und wirkt gleichfalls desinlicirend.
Neuerdings hat man (Heule, Gruber) sich überzeugt, dass auch die reinen Kresole in Wasser nicht unlöslich sind, und diese im reinen Zustande unter den Namen Kresol und Trikresol in den Handel gebracht.
14,nbsp; nbsp;Diesen antiseptischen Mitteln ist in jüngster Zeit noch das Pyok-tanin hinzugefügt worden (Stilling). Dasselbe stellt ein Anilinfabrikat dar und wirkt wie alle Anilinfarbstoffe bakterieid, Man unterscheidet blaues und rothes Pyoktanin. und verwendet es in 1—2quot;/oiger Lösung, aber auch in Sub­stanz (Stifte). Unbequem wird die intensive Färbung, welche die Anwendung verursacht, doch lässt sich die Farbe durch Seifenspiritus wieder beseitigen.
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Verletzungen der Weiohtbeilei
1quot;). Auch wurde Jodtriohlorid in Lösungen von 1: luOO—1600 Wasser zur Desinfeotion dor Hände und Instrumente, des Operationsfeldes wie der Verbandstoffe von Langeubuoh empfohlen^ In seiner bakterioiden Wirkung soll das Mittel das Sublimat last erreielion.
Als Antiseptioa, die in Pulverform Anwendung finden, sind zu nennen:
1. Das Jodoform, ein oitronengelbes Pulver, das in Wasser, Säuren wie Alkalien fast unlösliob, in Alkohol, Aether, Chloroform, äthorisclien und leiten Oelen leicht löslich ist. Naohdem dasselbe! 18.');) von Deohainp als Antisepticum empfohlen und anfangs der 80er Jahre besonders von Mosetig in die Praxis eingeführt war, hat das Mittel bald ullgemeine Anerkennung gefunden. Heim Menschen bewirkte dasselbe, in grösseren Mengen angewendet, Intoxicationen, die jedoch später durch Anwendung des Zerstäubers (von Wölfler U. A.) verhindert wurden, indem hierdurch kleine .Dosen des Mittels genügten. Seitdem bildet das Jodoform bei .Men­schen wie Thieren eines der am meisten angewendeten Wundheilmittel, und /war nicht nur als Antisepticum sondern auch wegen seiner schmer/.stillen-den, die Granulation anregenden und die Secretion beschränkenden Wirkung.
Von Heyn, Thorkild, Rovsing u. A. wurde auf Grund eingeben­der Versuche die baktorieide Wirkung des Jodoform, namentlich den Eiter­kokken gegenüber geleugnet. Thatsacbe ist allerdings, dass Streptokokken und Staphylokokken wochenlang in Jodoform aufbewahrt ihre Keinifiihig-keit nicht vertieren. Dagegen ist von Po ton, deKyt, er, Behringu. A, hervorgehoben, dass das Jodoform seine Wirksamkeit erst erlangt, wenn es mit lebendigen Geweben in Berührung kommt und zersetzt wird, indem sich Jod bezw. Jodwasserstoff bildet. De Ryter betont besonders, dass das Mittel auf diese Weise hemmend auf die Vegetation der Mikroben und zerstörend auf die von ihnen gebildeten Substanzen (FtomaTne, Toxine) wirke. Mischt man Eiter mit Jodoform, so wird Jod frei, nicht aber, wenn statt Eiter Serum gewählt wird. Die Bakterien bezw. deren Producte müssen also zersetzend auf Jodoform einwirken, und andererseits dürfte Jodoform die schädlichen Stolfwechselproducte der Bakterien zerstören. Damit steht
auch
Beobachtung Neisser's
das l'ntersuchungsresultat von
Behring in Debereinstimmung, wonach die antiseptische Wirkung des
Jodoforms um so energischer hervortritt, je lebhafter die ZersetzungsVor­gänge in der Wunde sind. Wo Asepsis besteht, hat das Jodoform keinen ersichtlichen Nutzen, dagegen benutzt man es um so mehr bei eiternden bezw. inficirten Wunden.
Sehr beliebt ist das Jodoform-Glycerin (1:10) sowie auch der Jodoformäther (1:7) und das Jodoforraeollodium (1:10). Letzteres dient als Deckmittel bei oberflächlichen Wunden; man vermeide dasselbe jedoch in grösseren Höhlen, wo die Beste des Collodium schliosslich als Fremdkörper liegen bleiben und die Heilung stören. Auch Jodoformgaze wird bei Menschen zum Ausfüllen von Höhionwunden namentlich da in Anwendung gebracht, wo ein Occlusivverband nicht angelegt, werden kann. Man nimmt, zur Herstellung desselben 50,0 Jodoform, 250,0 Aether, 760,0 Alkohol auf 500,0 Gaze, oder 50,0 Jodoform, 20,0 Colophonium, 5,0 Glycerin und 1000 Spiritus, tränkt mit der Mischung die Gaze und lässt sie an einem mög­lichst staubfreien Orto trocknen.
Vergiftungen mit Jodoform wurden bei Thieren nur selten beobachtet und haben daher keine besondere Bedeutung; man vermeide indess grosse Mengen Jodoform anzuwenden, namentlich unter Druckverbänden und da, wo die Resorptionsvorgänge begünstigt erscheinen. Der hohe Preis verbietet die Anwendung grössercr Mengen des Mittels.
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Die antiscptisclie Wundbehandlung — Antissptioa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12]
2.nbsp; nbsp;Gerbsilure (Acid, tannicum). Schon 1876 wurde Clerbsilui'o von Graf als Antiseptioum empfohlen, Das Mitiel coagulirt Eiweiss, fördert die Blutstillung, hemmt die Secretion und unterstützt die Sohorfbildung, Seit Jahren benutzen wir dasselbe in Verbindung mit Jodoform (3:1) namentlich bei offenen, bereits eiternden Wunden, wo es sich ausserordenl-lich wirksam zeigt. Im übrigen sind Decoote von Eichenrinde in der Tliier-heilkunde, namentlich bei Gelenkwunden längst im Gebrauch,
3.nbsp; Naphthalin, weisse, glänzende Krystallblättehen, die in Wasser unlöslich sind, leicht löslich in heissem Alkohol, Aether, ätherischen und fetten Oelen; das Mittel dient als Streupulver auf bereits infleirte Wunden, welche durch dasselbe schneller gereinigt worden, indem Naphthalin die Granulation anregt.
4.nbsp; Salicy Isäure wirkt weniger reizend als das vorige Mittel und bildet als Streupulver ein vorzügliches Antisepticum. Kür die thierärztliche Praxis bei grüsseren Thieren ist dasselbe zu theuer, doch lässt sich durch Zusatz von Talkum eine ebenfalls wirksame und billigere Mischung her­stellen, welche besonders da geeignet erscheint, wo sich ein Verband nicht appliciren lässt; in etwa 0,5 cm dicker Lage auf die Wunde gestreut, kann es den Verband ersetzen. Zu demselben Zwecke verwenden wir in der Kegel Jodoform-Tannin oder Naphthalin.
5.nbsp; Wismuthnitrat (Bismuthum subnitricum). Das Mittel wird seit 18(10 in Prankreich vielfach als Streupulver auf Wunden angewendet und neuerdings von Kocher mit Wasser zu einem Drei gerieben empfohlen, Es hemmt die Entwickelung der Zersetzungsvorgänge, während der ver­nichtende Einfluss desselben auf diese, nicht erheblich ist; auch coagulirt es Eiweiss und wirkt, austrocknend,
0. Zwei andere Wismuthpräparate haben neuerdings in die Thierheil-kunde Eingang gefunden, die eigentlich bestimmt waren, das Jodoform zu ersetzen, nämlich das Dermatol (Bismuthum subgallicum) und das Thio-form (Bismuthum dithiosalioylicum). Beide werden wie Jodoform ange­wendet, haben jedoch keinen besonderen Vorzug vor demselben, da bei unseren Haustbiereu Jodoformvergiftungen kaum gesehen werden, und der Geruch nicht stört. Schliesslich sind sie auch nicht billiger als Jodoform.
7,nbsp; Jodol (Tetrajodpyrrol), Das Jodol bildet gelbbraune Kry-stalle und enthält an 900/o Jod, ist geruchlos und in Wasser schwer löslich. Es wird bei Menschen als Pulver und an Stelle des Jodoform angewendet, bei Thieren ist es bisher nur selten benutzt.
8,nbsp; Zucker und Kaffee. Zucker wird bekanntlich seit alter Zeit zur Conservirung des Obstes angewendet und schon Galen erkannte, dass Zucker und Honig lanlnisswidnge Wirkung besitzen; von Plinius wurde Honig sogar als Verbandmitte] direct empfohlen. Neuerdings hat Lücke den Zucker als Wundheilmittel empfohlen , der in Deutschland schon seil, langer Zeit beim Volke als solches in Ansehen steht. Seine Wirkung dürfte wohl auf die saure Reaction zurückzuführen sein, welche Zucker in alkali­schen Gewebsilüssigkeiten erzeugt. Wir benutzen den gepulverten Zucker in Verbindung mit Jodoform (5:1), Auf üppige Granulationen übt Zucker­pulver einen beschränkenden, schrumpfenden Einfluss aus. wobei seine wasserentziehende Wirkung wohl hauptsächlich in Betracht kommt. Für die thierärztliche Praxis wird derselbe dadurch noch werthvoller, dass er überall zu haben ist.
Von Lücke wurde auch der gebrannte und gemahlene Kaffee em-plohlen. Das in demselben enthaltene ätherische Gel sowie die brenzlicben Substanzen üben ohne Zweifel bakterieide Wirkungen aus. Leim Brennen
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Vui'letzuimvu cIlt Weiohthsile.
desinfioirt und getrookneti ist das Kaffeepulrer verhaltnissmtlssig reir von Infeotionskeimeu und zugleich liygroskopisoh, Eügensohaften, welobe das Mittel in der Wundbehandlung namentlich in der Landpraxis geeignet er­scheinen lassen.
i*. Aus demselben Grunde verdient, auch die Hol/.kohlo liier noch genannt zu werden; durch Ausglühen derselben erlangt man ein absolut, sicher sterilisirtes Pulver, welches bei seiner hygroskopischen Beschaffenheit quot;VVundsecrete schnell absorbirt und eine Krusto bildet, die unter Unistiinden den Occlusivverband ersetzen kann.
10.nbsp; Auch Borsäure liisst sich als Streupulver verwenden; Froh nor lässt derselben 2 quot;/o Creolin zusetzen.
11.nbsp; nbsp;In neuerer Zeit sind einige Präparate in die Wundbehandlung eingeführt, welche sich zur Behandlung von Wundon unter dem Schorfe sehr gut eignen, nämlich das Glutol, Amyloform und Tannoform, Es sind dies Gelatine, be/.w. Stärkemehl, bezw, Tannin, welche mit Pormaldehyd imprägnirt sind und die, auf die Wunde gebracht, durch Abspaltung von Pormaldehyd antiseptisch wirken. Da sie pulverförmig sind, so findet, gleich-zeitig Schorfbildung statt, unter der die Wunden schnell heilen. Die Prä­parate können an Stelle des Jodoforms angewendet werden und werden mit Vortheil bei nicht allzutiefen Wunden, bei denen ein Verband nicht an­zubringen ist, benutzt.
Die Zahl der anfciseptischen Mittel ist eine recht grosso und ver­mehrt sich täglich. Von dem einen wird dieses, von dein anderen jenes vorgezogen, doch kommt es weniger auf das Mittel als auf die richtige, zweckmässige Anwendung desselben an. In der Landpraxis inuss oft zu dem gegriffen werden, was zunächst zur Hand ist, immerhin ver­dienen aber auch die vorliegenden Kranklieitszust'ände bei der Auswahl des Mittels besondere Beachtung. Im allgemeinen gilt als Grundsatz, dass bei aseptischen Wunden die weniger intensiv wirkenden nicht nur genügen, sondern sogar vorzuziehen sind, weil sie die Gewebe weniger schädigen, somit deren Leistungsfähigkeit für die ileilungs-vorgilnge nicht herabsetzen; unter umständen genügt sterilisirtes, d. h. ge­hörig gekochtes Wasser zum Reinigen der Wunde. Wo aber bereits eine Infection vorliegt, da muss zu den energischer wirkenden Mitteln gegriffen werden, und je wichtiger die Erzielung der Asepsis erscheint, um so sorgfältiger verfahre man nicht blos bei der Auswahl sondern auch bei der Anwendung der Mittel.
Es liisst sich kaum hoffen, dass mau erheblich wirksamere Des-infectionsmittel als die bereits bekannten für die praktische Anwen­dung finden wird, daher ist die Jagd nach neuen Mitteln, wie sie namentlich von den chemischen Fabriken in Scene gesetzt wird, für uns recht überflüssig; es erscheint namentlich in der Thierheilkunde zur Zeit viel wichtiger, die Grundsätze der Antisepsis recht, sorgfältig zu beobachten und dahin zu arbeiten, dass möglichst viel Nutzen aus der
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Dii; antisoptUoha Wundbahandlung — Verbandstoffe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;123
strengen DurobfQbrung derselben gezogen wird. Man mutlie nieht dem Mittel zu viel Wirkung zu, sondern sucbe diese mit einer tntiglichsi peinlicben Durcbfübrung der antiseptisoben M iissiiiihmen zu erzielen.
Zu bertlcksicbtigen bleibt endlicb, ob man die Arzneien selbst applicirt oder Laien zur Anwendung übergeben muss. In dem ersteren Falle (but man am besten, sieb in der Anwendung des einen oder anderen Mittels zu üben, um die Grenzen der Leistungsfähigkeit des­selben genauer kennen zu lernen. Wir geben dem Sublimat und der Carbolsäure bei Pferden und Fleiscbfressern den Vorzug, docb bleibt nicht ausgeschlossen, dass ein anderer mit einem der übrigen Mittel dasselbe erreicbt. Wo dem Besitzer oder Wärter des Patienten das Antiscpticum in die Hand gegeben werden muss, ist darauf zu achten, dass diese mil der Anwendung und den Get'abreu der betreffenden Antiseptica genau bekannt gemacht werden. Anderenfalls tbut man besser, zu weniger gefilbrliehen Mitteln (Creoliu, Lysol u. a.) zu greifen, obwohl mau sieb damit inaneber Vorfbelle in der Wundbehandlung begiebt.
Verbandstoffe. Die zur Herstellung von Verbänden dienenden Stoffe haben eine doppelte Aufgabe, nämlich: 1. die Wunde gegen Infection von aussen her abzuschliessen, und '2. das etwa entstellende Wundsecret schnell aufzusaugen und unschäd-licb zu machen. Zu diesem Zwecke müssen die Verbandstoffe zwei Eigenschaften besitzen, nämlich Porosität und Keimfreiheit. Letz­tere wird für die Zwecke der Asepsis auf die oben bereits beschriebene Weise hergestellt. Für die Antisepsis erreicht mau die Abtödtung der im Verbandmaterial vorhandenen Keime durch Tränkung der Materialien mit einem Desinfectionsmittel und nachberiges Trocknen. Der Werth eines Verbandstotfes wurde ehedem nach der Menge der Flüssigkeit, welche er zu resorbiren vermochte, beurtbeilt. AVir wissen jetzt, dass bei regelrechter Antisepsis die Menge der Wundsecrete so geringfügig ist, dass fast jedes Verbandmaterial genügend resorptionsftlhig ist. Der Hauptwerth ist dagegen auf Keimfreiheit zu legen, und dies ist die Veranlassung gewesen, dass vielfach die Herstellung derartig be­schaffener Verbandstoffe fabriksrailssig durch Imprägniren mit einem Desinfectionsmittel erfolgt. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die zum Imprägniren benutzten Desinfectionsmittel sich mit der Zeit zersetzen, und das Verbandmaterial so an Keimfreiheit eiubüsst (Salt/.mann, Wernickel. Man tbut daher besser, sieb nicht auf
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Vcrli'tzunm'ii der AVoiohtlieile.
kiiuf'liclu.', imprftgnh'te Verbandstoffe zu verlassen, sondern das Im-prägniren selbst zu besorgen, indem man letztere in die Desinfeotions-Sttssiglceit eintaucht, ausdruckt und feucht verwendet,
Fast ebenso zablreich wie die antiseptischen Arzneimittel sind die zur Anti.septik auyeweiideteii Verbandstoffe. Zu den wichtigsten derselben yehüren folgende:
1.nbsp; nbsp;Die nicht geleimte Gaze (Krüllgaze odor Mull), welche bei Menschen ausgedehnte Anwendung findet, ist für die thierärztliche Praxis Im ullgemeinen zu tlieuer, doch liisst sieb unter besonderen umständen, sowie bei kleinen Tbieren von derselben vortbeilbafter Gebrauch machen. Durch Trän­kung mit dem einen oder anderen Desinfeotionsmittel (Gavbolsäure, Sublimat. Creolin, Jodoform, S. 128) oder durch strömenden Wasserdampf von 100deg; 0. nml darüber wird dieselbe desinfloirt bezw. sterilisirt, Die Qaze ist in hohem Grade hygroskopisch und eignet sieh deshalb ganz besonders zu Verbänden.
2.nbsp; nbsp;Watte, mit Carholsäure, Sublimat, Chlorzink oder Salicylsiiure getränkt und wieder getrocknet, bildet ein recht brauchbares, keinesfalls zu theueres Verbandmittel.
:). Jute und Werg. Die Jute, eine aus dem Hast von Corchorus eapsularis und olitorius (Indien) gewonnene Hanfart, ist billiger als ilnll und Watte, besitzt aber ein geringeres Aufsaugungsvermögen, zeigt sich weniger weich und schmiegsam als jene; auch bildet sie kein so zuver­lässiges Filter zur Abhaltung der Infectionsstoffe. Dennoch aber machen wir, namentlich bei grösseren Tbieren von derselben oft Gebrauch und /war mit Carholsäure impriignirt.
Ebenso wird Werg benutzt, welches sich namentlich für die Land­praxis eignet, weil man es überall antrifft. Im Nothfalle kann es durch Tränken mit einer Carbol- oder Sublimatlösung desinficirt werden.
4,nbsp; nbsp;Holzwolle und Holzwollwatte, Durch Schleifsteine zer­kleinertes Holz, namentlich der Pinusarten, bezeichnet man als Holzwolle, welche durch Verarbeitung mit etwa 20 0/o Watte in zusammenhängenden Tafeln zu Holzwollwatte hergestellt wird. Dieser Stoff besitzt ein aus­gezeichnetes Absorptionsvermögen, nimmt etwa das 5—(ifache des eigenen Gewichtes an Flüssigkeiten in sich auf. Wegen der in dem Holze der Pinien enthaltenen ätherischen üele finden sich in diesen Präparaten wenig keim­fähige Mikroorganismen (Kümmel); sie können aber auch mit Sublimat desinficirt werden. Des geringen Preises wegen eignet sich Holzwolle und .Holzwollwatte besonders für die thierärztliche Praxis.
5.nbsp; nbsp;Der Torfmull oder Moostorf besteht grösstentheils aus Sphag-numblättern, besitzt ein starkes Absorptionsvermögen, ist elastisch und billig. Durch Imprägniren mit Sublimatlösung lässt sich derselbe desinfi-ciren; auch die in dem Torfmull enthaltenen Huminsäuren hemmen die Entwickelung der Mikroben.
Aehnlicb verhält sich der von Neubor empfohlene Torf, welcher in manchen Gegenden auch von Thiorärzten als verbandmitte] angewendet wird und ganz besonders geeignet erscheint, wo eine grosso Menge deletären Wundsecrotes (Jauche) zu absorbiren ist.
Die übrigen, beim Menseben wohl empfohlenen Substanzen, wie Glas­wolle. Piltrirpapier, Asche, Sägespäbne sind im allgemeinen ent­behrlich, können aber im Nothfalle, oder wo sie leicht zu beschaffen sind. Anwendung finden.
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Die autiseptisclic WundbohandluQg — Antisejisis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;|25
Um das auftretendd Wmidsecret zum AbHu.ss /.u bringen) werden lieg'enötf'mingou hergestellt, Erweiterungen der Wunde vorgenommen oder Drainröhren bezw. Baarseile eingelegt. Am meisten eignen sich hierzu Drains aus Gummi, die man in verschiedener Stärke vorräthig hält, mit kleinen OeH'mmgen an den Seiten versieht und durch 5 Minuten langes Kochen in Wasser oder Sodalösung oder auch in Wasserdampf sterilisirt und in 50/oiger Carbolsäurelösung aufbewahrt; Sublimat wird durch Gummi /.ersetzt und eignet sich daher hierzu nicht.
Die Antisepsis richtet sich, wie gezeigt, gegen die Infections-erreger und deren Producte; hierzu bieten sich verschiedene Wege;
1.nbsp; Fernhaltung der Infectionskeime von der Wunde. Wir erreichen dies durch einen antiseptischen Verband mit den oben an­gegebenen Materialien, und ferner dadurch, dass wir alle Dinge, welche mit der Wunde in Berührung kommen (Instrumente, Hände u. s. w.), desinfleiren.
2.nbsp; Entfernung der in die Wunde eingedrungenen Mi­kroben. Diese Forderung ist viel schwerer zu erfüllen als die erste. Wir schaffen zu diesem Zwecke nach Möglichkeit die inficirten Ge-webstheile aus der Wunde durch Messer, Schere, scharfen Löffel und spülen mit einer Desinfectionsflilssigkeit so viel als möglich die Keime aus der Wunde (Bäder, einfache und permanente 1 rrigation).
:!. Abtödtung der in der Wunde vorhandenen Keime. Diesem Zwecke dienen die sog. Desinfectionsmittel; wir spülen mit solchen, die in Wasser löslich sind, die Wunde aus, oder machen feuchte desinficirende Verbände um dieselbe, oder wir bringen die pulverförmigen, nicht löslichen (Jodoform, Naphthalin u. s. w.) in die Wunde und lassen diese allmählich auf die Keime wirken. Ein Desinfectionsmittel, das in der Wundbehandlung viel Anwendung findet, ist das Feuer; mit Gliiheisen, Paquelin'sohem Brenner überfährt man die Wunde und zerstört so die Mikroben.
#9632;1. Hemmung der Entwickelung der Mikroben in der Wunde. Wenn auch schon die unter 2 und 3 angegebenen Mass-nahmen die Entwickelung der Infectionskeime hemmen, so giebt es dazu auch noch andere wirksame Mittel. Diesen Zweck erreicht man dadurch, dass man ihnen die erforderlichen Lebensbedingungen, d. h. Nährmaterial, Feuchtigkeit und eine höhere Temperatur ent­zieht. Durch aufsaugende Verbände, Drainage, permanente Irrigation oder öfteres Waschen, Ausspülen und Baden wird das Wundsecret -sobald als möglich aus der Wunde entfernt. Aus demselben Grunde
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Vorli'tzunuvn iIlt WeichtluiU.1
befreit man die Wunde von abgestorbenen Gtawebamassen; Mangel an Nährstoffen und Feuchtigkeit verbindert alsdann das lippige Waohstbum der Mikroben, ebenso wie das Fortlassen eines Deckverbandes, wodurch die Temperatur in der Wunde herabgesetzt wird, lleininend auf die Entwiokelung wirken endlich alle Massnahmen, welche die Wider­standsfähigkeit, be/.w. Lebenskraft der Gewebe in der Wunde aufrecht erhalten. Aus dem Grunde vermeidet man soweit möglich jede stärkere Druckwirkung sowie auch die Einwirkung chemischer Mittel, welche die Gewebe schädigen; wir suchen daher die Anwendung von Des-infectioiismiticlu auf die Wundflächen nach Möglichkeit zu beschränken,, denn auch diese schädigen die Lebensfähigkeit und Widerstandskraft der Gewebe in demselben Masse, wie sie desiulicirend wirken. Bei Operationswunden hat man daher das früher übliche Spülen mit Sublimat, Carbol u. S, w. neuerdings mehr und mehr verlassen. Wo eine Spülung der Wunde erforderlich, wird sie mit 0,0 quot;o sterilisirter Kochsalzlösung bezw. mit sterilisirtem Wasser ausgeführt. Meist werden die Secrete, Blut u. s. w. mit sterilisirtem Material aus-getupft, und das Spülen der Wunde auf das Mimlestmass beschränkt (Landerer).
Die Producte der infectionsstolfe (l'tomaine, Toxine u. s, w.) sollen soweit und sobald als möglich aus der Wunde entfernt, und die Resorption derselben verhindert werden, Aufgaben, die bei bereits inficirten Wunden in Betracht kommen, und deren Lösung später be­sprochen werden soll.
Es liegt auf der Hand, dass sich die Erhaltung der Asepsis im allgemeinen leichter gestaltet als die Desinfection einer bereits inlicirten Wunde, die unter Umständen geradezu unmöglich werden kann.
Denken wir uns, es handle sich um die Ausführung einer Ope­ration, wobei ein aseptischer Wundverlauf erreicht werden soll, z. B. um die Exstirpation eines llufbeinknorpels oder einer Geschwulst. Erste Bedingung für die Erreichung von Asepsis bildet die vollständige Des­infection des Operationsfeldes. Der Huf und seine nächste Umgebung muss desinfleirt werden. Dies lässt sich /.war durch sorgfältiges Waschen und Bürsten mit Seifenwasser und nachheriges Abspülen mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Sublimat- oder Carbolwasser) erreichen, allein sicherer noch, wenn man alles zerfallene Horn aus dem Hufe entfernt und denselben nach sorgfältiger Reinigung mit einem des-infioirenden Verbände versieht. Aus sterilisirten Materialien wird ein Verband angelegt und 12—21 Stunden hindurch mit einer Des­infectionsflüssigkeit feucht erhalten, bevor man zur Operation schreitet.
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Die antiseptisclie Wundbehandlung ..... Antisspsiainbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;127
Wo es sich um aufscbiebbare Operationen handelt, empfleblt sicli bei Thieren ein solcher, nennen wir ihn Desinfectionsverband, weil durch die Haarbekleidung die vollständige Sterilisation der Husseren iiiiut sehr erschwert wird. Auch nach sorgfältigem Rasiren, Waschen und Spülen bleiben sicher keimfäbige Mikroben in den Haarbälgen zurück.
Die zur Operation verwendeten Instrumente werden am sichersten durch 5—10 Minuten langes Kochen in 10/oiger Sodalösung oder einfachem Wasser desinticirt. Da Holzbefte nicht nur schwieriger zu sterilisiren sind, sondern auch durch das Kochen leiden, so empfehlen sich vernickelte Metall-hefte. Die Messer und andere schneidende Instrumente wischt man mit einem in Carholsiiure getränkten Watte- oder Mulltupfer ab und lilsst sie etwa nur eine Minute in der kochenden Sodalösung, weil durch längere Einwirkung der Lauge ihre Schürfe leidet. Nach den Versuchen von Kümmel u. A. genügt das einfache Einlegen der Instrumente in Carhol-siiurelüsung zwar nicht, allein in der Praxis sind wir meist auf Einlegen der Instrumente in 2—5 quot;/oige Oarbollösung angewiesen. Wie die Erfahrung gi'lohrt, genügt dieses Verfahren für thierärztliche Zwecke vollkommen. Während der Operation verbleihen die Instrumente in einer 2—-JV'nigen Carbollösung,
Die Hände und Vorarme des Operateurs und seiner öehülfen werden in folgender Weise desinlicirt:
Nachdem die Nägel mit einem Messer oder einer Nagelschere von dem sichtbaren Schmutze befreit sind, bürstet mau Hände und Vorarme mit Seile und warmem Wasser gründlich ab, wobei die Räume unter den Nägeln besonders berücksichtigt werden. Darauf folgt Waschen der Hände mit 40—500/oigem Alkohol (Epstein u. A.) und schlicsslich mit einer 30/oigen Carbollösung oder 0,l0/oigen Sublimat­lösung während etwa 1 Minute. Nach den Versuchen von Lands­berg, Fürbringer, Poten u. A. kommt es ganz besonders auf ein kräftiges Reiben und Waschen der Hände an, Sehr wirksam zeigt sich auch das Abwaschen der Hände mit 40—50n/oigem Alkohol, namentlich um fettige Massen von der Haut zu entfernen; von diesen eingeschlossen sind die Mikroben gegen die Einwirkung wässeriger Desinfectionsfiüssigkeiten geschützt, jedoch besitzt der Alkohol auch bacterieide Wirkung, Das Tragen von Ringen ist zu vermeiden, event, müssen solche entfernt werden, weil sie die Desinfection er­schweren. Um während der Operation die Hände immer von neuem reinigen zu können, wird ein Gefäss mit 30/oiger Carhol- oder 0,1 quot;niger Sublimatlösung bereit gehalten. Sobald die Desinfection der Hände begonnen hat, vermeide man, nicht Sterilisirte Gegenstände mit den­selben anzufassen.
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VerleUantren der Weiohtbeil
0.
Sdiwilmniü lassen sicli nur sein- sclnvcr vollstiindij)' tlosiaficiren, daher ziehen wir Tupfer von Watte oder Mull zur Entfernung des Blutes vor, die entweder in einem Sterilisationsapparat mittelst heissen Wasserdampfes oder durch Imprägniren mit einem Desinfeotionsmittel (Carbol-, Sublimatwatte) keimfrei gemacht sind.
Sollen Schwämme benutzt werden, so erfolgt die Desinfeetion derselben entweder in heissein Wasserdampf, wodurch dieselben indess leiden, oder nach folgendem Verfahren: Nach dem Ausklopfen kocht man dieselben 1 i Stunde lang, reinigt sie in einer Kalium liyperinangan.-Lösung (1 : 500 bis 1000), dann ' i Stunde in einer Lösung, die 80 Tlieile lquot;oiger unter-schwefligsaurer Natronlösung und 20 Tlieile 80/oigei' reiner Salzsäure ent-hftlt, sodann 'f* Stunde in kochendem Wasser. Zur Aufbewahrung der Schwämme dient eine 50|oige Carbol- oder eine 0,lquot;()ige Sublhnatlösung.
Frische Schwämme können auch in folgender Weise sterilisirt werden: Nachdem zunächst soweit möglich der Schmutz entfernt ist. werden sie durch Ausklopfen vom Sand befreit. Sodann lässt man die Schwämme längere Zeit in kaltem Wasser liegen und von Zeit zu Zeit auskneten. Darnach werden dieselben gut ausgepresst, in ein Leinentuch geschlagen oder in einen Beutel gelegt und in l0(oige, kochende Sodalösung gebracht, in welcher sie ''#9632;: Stunde verbleiben. Kochen ertragen Schwämme nicht. Aus der Sodalösung kommen sie in abgekochtos Wasser und werden durch Ausdrücken von der Soda be­freit. Man bewahrt sie alsdann in einer 0,5quot;quot;ooigen Sublimatlösung auf.
Die zum Heften der Wunde und zur Unterbindung- blutender Gcfils.se dienende Seide, wozu sich die rohe chinesische am haltbarsten erweist, aber auch durch einfachen Hanf- oder Flachszwirn ersetzt werden kann, wird '-..--l Stunde in 5ll1(iigcr Carbol- oder 0,lo/oiger Sublimatlösung gekocht und in derselben aufbewahrt. Catgut lässt man 6—12 Stunden in l,00/oigem Sublimatalkohol liegen und bewahrt es sodann in absolutem Alkohol auf, dem 0,1 % Sublimat zugesetzt ist (Schede). Braatz empfiehlt folgendes Verfahren: 12 Stunden in Aether oder Chloroform, 12 Stunden in 95quot;/oigem Alkohol, dann sofort 12—21 Stunden in 0,loi)igem Sublimatwasser, worauf man dasselbe am besten trocken in einem durch Auskochen vorher sterilisirten Ge­lasse für den Gebrauch aufbewahrt. Von den vielen neuerdings empfohlenen Methoden zur Präparation von Unterbindungs- bezw. Näh­material ist folgende (Bergmann) entschieden am zuverlässigsten: Seide oder Itohcatgut kommt zur Entfettung 21 Stunden in Aether, sodann 3—4 Tage in eine Mischung aus Sublimat 10, Alkohol abs. 800, Wasser 200. Die Aufbewahrung erfolgt in trockenem Zustande in be­sonderen Behältern; für tbierilrztliche Zwecke ist die Aufbewahrung in Alkohol, dem 0,1 0/o Sublimat zugesetzt ist, nicht zu umgeben. Das Anfeuchten oder Einlegen des Unterbindungs- und Nähmaterials in Carbol- oder Sublimatlösung genügt zur vollständigen Desinfcction
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Die antisejitisuhe Wundbehandlung — Antisepsis.
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desselben nicht, weil die von Fett oder ähnlichen Substanzen ein­gehüllten Keime auf diese Weise nicht vernichtet werden. 'Dieses Ver­fahren bleibt nur für Notiilillie.
Catgut hat vor Seide und Zwirn voraus, dass es resorbirl wird; im Körpergewebe liegend, quillt es zunächst auf und wird von Leukocvten durchsetzt, bald darauf vom lebenden Gewebe durch­wuchsen, verdrängt, scliliesslich in einen körnigen Detritus verwandelt und von den Leukocyten forlgetragen (Tillmanns). Seide und Zwirn sind dagegen haltbarer, und wo eine grossu Span­
Fig. 36.
nung in den Wundrändern durch die Naht zu über-
winden ist, oder die Nähte längere Zeit liegen bleiben, da verdient Seide und Zwirn den Vorzug.
Zur Ausführung der Operation wähle man einen möglichst staubfreien Kaum; in der Land-praxis, und wo keine Matratze zum Niederlegen grösserer Thiere zur Verfügung steht, empfiehlt sich in warmer Jahreszeit die Streu bereits am Abend vorher herstellen zu lassen, so dass dieselbe, durch den Thau angefeuchtet, nicht staubt. In dringenden Fällen kann dieselbe mit einer Giess-kanne vor dem Niederlegen des Thieres angefeuchtet werden. Das Niederlegen grösserer Thiere erfolgt erst, nachdem man sieh überzeugt hat, dass alles, was zur Operation erforderlich werden kann, zur Stelle ist; dahin gehören auch einige Gefiisse (irdene
Schalen) mit Sublimat- oder Carbolwasser. Kleinere Thiere legt man auf einen vorher sorgfältig ge­
Oyllnder zum Aufbewah­ren des Niili- und Unter-blndungsmaterials.
reinigten Tisch.
Erst nachdem die Desinfection der Hände des Operateurs, des Operationsfeldes, der Instrumente und des Verbandmaterials erfolgt ist, kann zur Operation geschritten werden. Um eine Infection der Wunde durch die Kleider des Operateurs und seiner Gehülfen zu ver­meiden, werden diese mit einer reinen leinenen oder Gunimischür/.e versehen; für gewöhnlich genügt es, die Oberfläche der Kleider, soweit diese in die Nähe der Wunde kommen, also namentlich die Aermel, mit einem Schwamm an ihrer Oberfläche anzufeuchten. Der Operateur streift zweckmässig die Aermel bis über seine Ellbogen zurück. Man vermeide vor und während der Operation jede Berührung nicht des-inficirter Gegenstände. Die blutenden Arterien oder Venen werden alsbald mit einer Schieberpincette erfasst, um sogleich oder erst nach Müller u. Prick, Allgcmoino Ohimrgie für Thlerärzte. •-gt;. Aufl,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
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Yoi'letzunfiren ilor Weiohtheilo.
Vollendung dor Operation unterbunden ZU werden. Das ans den Capil-larcn entleerte Blut wird mit einem Tupfer entfernt. Hierzu eignen sich besonders Ga/.ebiuisehe, weniger Watte oder Holzwollwatte, von denen leicht Theile in der Wunde zurückbleiben; dagegen sind etwa hülmeivigrosse, mit Holzwollwatte gefüllte öazebeutöl zu empfehlen. Nach der Operation überzeugt man sich nochmals, ob die Blutung vollständig gestillt ist, und vereinigt die Haut durch Nähte; erforder­lichen Falls werden dabei auch Drains eingelegt. Nach dem Heften wird die Hautlhicho, wo es nöthig erseheint, abgewaschen oder nur mit Tupfern abgetrocknet, worauf die Anlegung des Verbandes erfolgt. Durch denselben sollen womöglich die Wundlliicheu überall leicht an
Filaquo;.
¥ilaquo;. 38.
Kasten zur AnfbewahTung des xuh-
und Hoftmatcrials.
Lelobt tntngportablei Cylinder
ziu' Aufbewahrung des Niili-
und IJnterblndungBinaterlalB.
einander gedrückt werden. Einige Gazeballen oder Wattebäusche legt man einzeln auf die Wunde, lilsst das weitere Vorbandmaterial folgen und befestigt das Ganze mittelst sorgfältig angelegter Binden (Occlusivverband). Bei unseren Hausthieron ist die Gefahr der Infection des Verbandes von missen her grosser als beim Menschen, daher empfiehlt sich bei denselben dor trockene Verband nur in wenigen Fällen. Wir greifen daher meist zum feuchten Occlusiv­verband, indem der Verband täglich 2—3mal mit einer Desinfections-flüssigkeit durchtränkt wird.
Der erste Verband kann acht Tage liegen bleiben, sofern Asepsis erreicht ist. und der Verband nicht durchfeuchtet wird. Sollte sich er­hebliches Fieber einstollen, der Vorband von Wundsecret durchfeuchtet werden, oder die Schmerzen bedeutend zunehmen, so muss der Ver­band unter Beachtung der Grundsätze der Antisepsis erneuert worden.
Doch auch bei strenger Durchführung der beschriebenen Mass-nalimen ist mau nicht sicher, dass nicht Infoctionskeime in die Wunde gelangt sind; es kommt daher namentlich darauf an, die Vegetation
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Die antiseptischo Wundbehandlung — Wundheilung unter dem .Schorl'. 131
derselben in der Wunde nach Möglichkeit zu verhindern. Begünstigt aber wird die Vermehrung derselben:
a)nbsp; nbsp;durch die Anwesenheit von Blut in der Wunde,
b)nbsp; nbsp;durch grössere Mengen Wundsecret und
o) durch vollständig abgelöste oder schlecht ernährte öewebs-theile, Gerade diese Massen suchen wir nach Möglichkeit aus der Wunde zu entfernen, die Blutung vollkommen ZU stillen, zerrissene, zerquetschte oder grösstenthoils abgetrennte Gewebe sorgfältig zu ent­fernen und das Wundsecret durch Drains oder bydropliiles Verband­material schnell aus der Wunde zu entfernen.
Wundheilung unter dem Schorf. Die oben genannten Be­dingungen für das Zustandekommen eines aseptischen Wundverlaufs sind in kleinen oder oberflächlichen Verletzungen regeimässig gegeben. Der Stich mit einer Nadel oder einem feinem Trokart, eine kleine Haut­wunde, die nicht klafft, wie sie z. B. bei der subeutanen Durchschneidung einer Sohne oder eines Muskels besteht, heilt in der Regel auf dem ersten Wege, weil entweder eine Infection der Wunde überhaupt nicht ein­getreten ist, oder weil in derselben die Bedingungen zur Vegetation von Mikroorganismen nicht bestehen. Aehnlicb liegen die Verhältnisse in grösseren Wunden, welche überall der Einwirkung der äusscren Luft ausgesetzt sind; hier entsteht unter der austrocknenden Wirkung der Luft an der Oberfläche der Wunde ein trockener Schorf und zwar durch Eintrocknung entweder des Secrets, oder der Gewebe an der Oberfläche der Wunde. Dieser Schorf bildet gleichsam einen natür­lichen Occlusivverband, welcher die Wundfläche vor Infection schützt; der trockene Schorf selbst gewährt den Infectionsstoffen nicht die Be­dingungen zu ihrer Entwickelung, da hierzu die nöthige Feuchtigkeit fehlt. Unter einem solchen Schorfe sehen wir, namentlich bei grösseren Thieren, besonders Pferden, oft Wunden von bedeutendem Umfange ohne jede Eiterung heilen. Die Oberfläche der Wunde erscheint bald nach der Verletzung dunkel gefärbt und trocken; unter diesem Schorfe, welcher seiner Unterlage fest aufsitzt, entwickelt sich in wenigen Tagen lebhafte Granulation. Nachdem diese den Defect ausgefüllt hat uiul ihrerseits von dem umliegenden Uetegewebe mit Epithel bedeckt (ver­narbt) ist, fällt der Schorf ab, und die Wunde ist geheilt.
Nothwendige Bedingung für das Zustandekommen dieses Vor­ganges ist also die Bildung eines trockenen Schorfes an der Oberfläche der Wunde, welche wiederum abhängig ist:
1. Von dem Fehlen einer grösseren Menge Wundsecret; daher
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VorlstzuDSfsn der Weiohthsile.
beobacUtet man den Vorgang vornehiulioli bei glatten Schnittwunden, wie sie bei Operationen, z. B. beim Ausscliftlen einer Geschwulst, her­gestellt worden. Quetschwunden heilen selten unter dem Schorf.
2. Von der Einwirkung der ilusseron Luft auf die ganze Wund-fliiche, damit entweder die geringe Menge Secret oder das Gewebe an der Wundoberlläehe vollständig eintrocknen kann. Wo sich Wund-fiächen gegenseitig berühren sowie in Taschen und Ausbuchtungen der Wunde bleibt dieser Vorgang ausgeschlossen, weil hier der Einlluss der atmosphärischen Luft zur Bildung des .Schorfes fehlt.
Heilung unter dem Schorf kommt daher namentlich an flachen Wunden vor; solche der äusseren Haut und Muskeln eignen sich hierzu ganz besonders. Unterstützt wird der Vorgang durch Mittel, welche die Secretion in der Wunde beschränken, oder das Secret zum Gerinnen bringen, oder endlich mit den Geweben einen trockenen Schorf bilden. l)azu gehören in erster Linie die Adstringentien, besonders Tannin. Wir benutzen für diesen Zweck Tannin mit Jodoform (3: 1); während das erstere Mittel die Schorfbildung begünstigt, verhindert letzteres die Zersetzungsprocesse in der Wunde; aber auch Naphthalin. Dermatol, Tlüoform, Zucker (mit 5 0/o Jodoform), Chlorzink lassen sich zu dem Zwecke verwerthen. Dass trockene Luft und lebhafter Luftwechsel dem Vorgange günstig sind, liegt auf der Hand. Nach Exstixpation von Geschwülsten, z. B. einer Brustbeule, wird die Wunde zunächst tamponirl, um die parenehymatöse Blutung zu stillen; am nächsten Tatre lässt man aber die Tampons entfernen, die Wunde durch Aus-spülen mit Sublimatwasser vom Blute und Secret befreien, dann nach Bestreuen mit Jodoform-Tannin offen stehen, so dass die äussere Luft womöglich zu der ganzen Fläche derselben Zutritt findet. Weiteres ist alsdann nicht nöthig; nur suche man den Schorf gegen Reiben und Scheuern zu schützen, ohne ihn zu bedecken. Ausspülungen müssen von nun ab vermieden werden; ebenso dürfen keine Salben oder Fette angewendet werden, weil sie der Austrocknung hinderlich sind.
Es empfiehlt sich diese Behandlung namentlich bei grösseren Thieren; bei den Fleischfressern wird der Vorgang durch das Belecken der Wunde seitens der Patienten in der Regel vereitelt. Dass diese Methode der Wundbehandlung die denkbar einfachste ist und trotzdem alle Vortheile der Asepsis gewährt, liegt auf der Hand. Zuweilen gelingt es auf diese Weise, in grossen Wunden wenigstens einzelne Abschnitte so zur Heilung zu bringen. Dies gilt namentlich von den oberen Theilen. welche durch das Wundsecret nicht in der Schorf­bildung gestört werden, wie es in den unteren Abschnitten der Wunde
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Die antiseptisohe Wundbehandlung — Permanento [rrigation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;133
durch das abfliessendo Secret der Full ist. Man liisst in solchem Falle das Secret recht oft mit einem Tupfer aus Watte abheben, vermeidet aber jedes Waschen und Spülen der Wunde,
Dieses lleilvcrl'ahren ist im übrigen sclion seit den iilteslcn Zeiten bekannt; Hippokrates wie Galen empfahlen, die Wunde austrocknen zu lassen. Namentlich aber waren es englische Chirurgen (J. Pl unter, Moore, Astley 0 00 per und Pag et), welche die Schorf bildung in der Wundheilung beim Menschen benutzten; auch Lister wandte es mit Hülfe von Carbolsiiure an. In Deutschland wurde das Verfahren von He/, in, Hurow, Volkmann, Treudelenburg u. A. empfohlen. Auch in Prank­reich lernte man das als Pansement a ciel ouvort bezeichnete Verfahren schiit/.en. Uouisson empfahl 1867, durch einen Luftstrom die Wunde künstlich eintrocknen zu lassen, zu welchem Zwecke Guyot rietii, das verletzte (ilied mit einem Kasten zu umgeben, in welchem eine Temperatur von 3()') C. erhalten wurde, um das Wundsecret zum Gerinnen zu bringen. Guerin .suchte in einem solchen hermetisch abgeschlossenen Kasten die Luft mit Hült'o eines Aspirators zu verdünnen.
In der Thierheilkunde hat man dem Verfahren bisher nicht die ver­diente Beachtung geschenkt, und doch eignet es sich hier ganz besonders, stösst nur zuweilen auf den Widerstand des Besitzers, welcher oft die noch vielfach unter Laien verbreitete Ansicht theilt, dass eine Wunde ohne Salben, ohne Waschungen und Bedeckung nicht heilen könne,
Permanente Irrigation. Ferner kann durch ununterbrochene Berieselung der Wunde mit einer Desinfectionsflüssigkeit oder selbst mit reinem, lauwarmem Wasser Asepsis erreicht werden. Durch die sofortige AbspUlung des Wundsecrets wird den in die Wunde gelangten [nfectionsstoffen die Möglichkeit zu ihrer Vegetation genommen. Bei grösseren Thieren empfiehlt sich dieses Verfahren namentlich zur Be­handlung von schweren Verletzungen, die mit einem Occlusivverbande nicht zu versehen, aber auch unter dem Schorfe nicht zur Heilung zu bringen sind. z. B. von grösseren Höhlenwunden mit Ausbuchtungen, ferner bei Verwundungen von Gelenken, welche die Anlegung eines Verbandes nicht gestatten. Das Verfahren muss jedoch womöglich Tag und Nacht fortgesetzt, darf jedenfalls nicht über 6—12 Stunden unterbrochen werden, da in dieser Zeit dio Vermehrung der Infections-stoffe in der Wunde und das Kindringen derselben in die Gewebe er­folgt, wodurch eine Desinfection ausgeschlossen wird. Wir benutzen bei Pferden zun'äcbst Sublimatwasser (0,05—0,1 0/o) oder Aluminium-acetat (S. 117), Creolin u. s. w., später einfaches oder abgekochtes Wasser in lauwarmem Zustande, weil die dauernde Anwendung der Kälte auf die Heilungsvorgänge michtheilig wirkt. In der Hegel ge­nügt es, das Verfahren 3—5 Tage fortzusetzen, da in dieser Zeit durch Granulation das geöffnete Gelenk bezw. die Sehnenscheide geschlossen
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Verletzuniren der Weiohtheilo
Ist. Die Granulation bildet ein aus Rumlzellou bestehendes, (lichtes Ge­webe, welches in unverletztem Zustande für das Eindringen von Mikroben nicht geeignet ist (Al'faiiasiel'f, Nötzel u. A.); daher kommen von einer granulirenden Wundfiächo aus erst naeli Verletzungen derselben Infectionen zu Stande.
Für die permanente Irrigation genügt es in der Kegel, dass ein dünner Wasserstrahl bis auf den Grund der Wunde und auf die ganze Oberfläche derselben gelangt; meist reicht sogar ein fortdauerndes Tropfen der Flüssigkeit aus. Man benutzt hierzu am zweckinilssigsten einen Irrigator, der sich für grössere Thiere in jedem Stalle aus einem Eimer oder ähnlichen Gefässe, wie man solche zum Kühlen und anderen Zwecken in grösseren Wirthschaften vorräthig hält, mit Hülfe eines Gummischlauches improvisiren lilsst. Natürlich muss auch hier darauf gesehen werden, dass der Schlauch rein ist; erforderlichen Falls lässt man ihn vor dem Gebrauck 5—10 Minuten lang auskochen. Um unterhalb der Wunde die Oberhaut gegen die andauernde Wirkung der Flüssigkeiten, wodurch die Oberhaut macerirt wird, und die Haare zum Ausfallen gebracht werden, zu schützen, lässt man diese Stellen mit Fett oder Vaseline einreiben.
Das früher mehr als heute übliche Kühlen, Baden und Waschen der Wunden wirkte hauptsächlich durch Reinigung der­selben ; das Kühlen der frischen Wunde konnte allerdings auch Blu­tungen und Schmerzen stillen, allein in -wirksamer Weise wird ein günstiger Verlauf des Heilungsprocesses durch Verdünnung und Be­seitigung des Wundsecretes erzielt, welche mit der Anwendung des Wassers verbunden ist. Sobald die acute Entzündung verschwunden ist, wird durch kalte Flüssigkeiten die Granulationsbildung verzögert, und damit auch die Heilung verlangsamt; daher geht man seit alter Zeit in diesem Stadium zur Anwendung warmen Wassers über, welches in Form von Bädern oder Waschungen applicirt, das Wund-secret beseitigt. Wirksamer als diese Behandlung bleibt jedoch die Irrigation, welche leider nicht überall anwendbar ist und dann durch Waschen und Baden ersetzt werden muss. Bei den Fleischfressern wirkt in dem gleichen Sinne das Leeken der Thiere, das indess nicht immer vortheilhaft erscheint, sondern auch die Heilung, namentlich die Benarbung der Wunde verzögern kann.
Antiseptische Tamponade. Wo Asepsis nicht zu erwarten steht, ist das Heften der Wunden in der Hegel nicht zu empfehlen, weil hierdurch das Wundsecret zurückgehalten, und die Vegetation dor
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Krankheitskeime begünstigt wird. In solchen Fällen bleibt entweder
die Wunde ganz offen, um event, eine Heilung unter dem Schorf zu erzielen, oder man stopft (tamponirt) dieselbe mit Jodoformgaze oder einem anderen sterilisirten Material (Werg, Jute, Watte) aus. Jodo-formgaze wird am einfachsten in der Weise hergestellt, class man sterilisirte Gaze mit abgekochtem Wasser besprengt, mit Jodoform bepudert, letzteres mit einem sterilen Gazebäusehchen verreibt und die Gaze in desinlicirten Behältern aufbewahrt (Schimmelbusch). Sehr werthvoll zeigt sich die antiseptischo Tamponade, wenn die Blutung auf andere Weise nicht zu stillen ist, oder wenn eine Wunde wegen Blutung zunächst nicht geschlossen wird, .sondern erst nach 24—48 Stunden (Secundärnaht).
Wie sich aus Vorstehendem ergiebt, ist die strenge Durchfüh­rung der Antisepsis zunächst mit grösserer Mühe, mit Material- und Zeitverlust verbunden. Dazu kommt, dass diese Schwierigkeiten bei Thieren noch wachsen, und zwar einestheils, weil die meisten Wunden, wenn sie zur Behandlung gelangen, bereits soweit inficirt sind, dass eine vollständige Desinfection nicht mehr möglich ist, dann aber auch, weil die Anlegung von Verbänden besonders hei den grösseren Thieren sich schwierig gestaltet. Verbände werden nicht selten von den Thieren gelockert und entfernt, sobald nicht eine dauernde Beaufsichtigung derselben stattfindet. Allerdings lässt sich eine gewisse Gewähr dafür, dass sie den Verband liegen lassen, dadurch erzielen, dass man voi­der Operation einen Probeverband anlegt, der, wiederholt mit Des-inficientien angefeuchtet, zugleich zur Desinfection des Operationsfeldes dient. Allein eine sichere Gewähr erlangt man auch damit nicht; gar oft lassen die Thiere den Verband vor der Operation liegen, um ihn nach derselben alsbald abznroissen, Gelingt auch eine strenge Anti­sepsis bei unseren Hausthieren nicht immer, so haben wir doch da, wo sie durchführbar ist, gewissermassen die Verpflichtung, sie anzu­wenden. Es werden dadurch die mit jeder Wunde verbundenen Ge­fahren für das Lehen des Patienten auf das geringste Mass herab­gedrückt und so indirect dem Besitzer pekuniäre Verluste erspart. Auch der Kostenpunkt wird durch die Antisepsis nicht erhöht; ein einziger antiseptischer Verband, selbst ein mehrmaliger Wechsel eines solchen kostet sicher nicht mehr als die Salben, Mixturen u. s. w., welche in der vorantiseptischen Zeit auf die Wunden gebracht wurden. Ohne Zweifel ist Antisepsis für alle Wunden und Operationen, welche mit Eröffnung der Brust- oder Bauchhöhle, sowie der Gelenke und Sehnenscheiden verbunden sind, unbedingt anzustreben; desgleichen
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Vork't/mit'on der AVcichthcilo.
bei der Exstirpation dos Hufknorpels, der Resection der llufbein-beugesehne, bei Neurotomien u. s. w. Heilten auoh manche Opera­tionswunden, z. B. Tenotonüewunden, bei dem früheren Verfahren in der Kegel per prim, int., so kamen dooh nicht selten durch den Ein­tritt von Eiterung unangenehme Ausgänge vor, die man durch An­wendung der Antisepsis mit fast absoluter Sicherheit vermeiden kann. Dasselbe gilt von Myotomien, Spatoperationen und einer Reihe anderer operativer Eingriffe.
Dem Praktiker sollen daher die Grundsätze der Antisepsis bei der Wundbehandlung stets vor Augen schweben, gleichgültig, ob es sich um die Behandlung bereits inflcirter Wunden, oder um die Aus­führung von Operationen handelt. Soviel steht fest, dasa durch Nicht­beachtung dieser Grundsätze in früherer Zeit und vielleicht auch bis auf den heutigen Tag noch manch schwerer Verlust herbeigeführt wurde. Wenn ein Castrirer /. 15. 10 Hengste verliert, die von ihm an ein und demselben Tage castrirt wurden, so unterliegt es keinem Zweifel, dass so etwas nicht vorkommt, wenn auch nur einigermassen die Grundsätze der Antisepsis beachtet werden.
Von Wichtigkeit erscheint die Frage, unter welchen Umständen eine Wunde aseptisch erhalten, oder eine wirksame Antisepsis durch­geführt werden kann. Sofern die oben beschriebenen Massnahmen bei Operatiouswunden streng beachtet werden, liisst sich in der Regel aseptische Heilung erzielen; anders liegt das Verhältniss bei Verwundungen, namentlich solchen, die von stark inficirten Gegen­ständen, /.. ß. Mistgabeln herbeigeführt sind. In der ersten Zeit nach der Entstehung solcher Wunden belinden sich die Infectionsstofl'e nur an der Oberfläche derselben, und es hängt vornehmlich von der Be-schalt'enheit der Wundränder ab, ob es gelingt die Infectionsstofl'e vollständig zu entfernen, oder ihre Entwickehmg zu verhindern. Glatte Schnittwunden lassen sich natürlich leichter desinficiren als Uiss-und Quetschwunden; die grössten Schwierigkeiten bieten hierbei tief gehende Stichwundon. Es kann daher unter Umständen angezeigt erscheinen, die Wunde zu vorgrössern, um ihre ganze Oberfläche der Desinfection zugänglich zu machen. Schon in kurzer Zeit dringen die Mikroben in die Gewebe ein, wo ihre Vernichtung äusserst schwer fällt, wenn sie überhaupt noch möglich erscheint. Es ist experimentell festgestellt, dass mit Milzbrand inficirto Wunden kaum zu desinficiren sind (Colin, Schimmelbusch); dies gelang jedoch innerhalb 6 bis 18 Stunden nach der Infection bei eitrig inficirten Wunden (Messner, Heule). Neben der Beschaffenheit der Wundoberfläche spielt hierbei
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Die antiseptischc Wundbehandlung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
auch die Frage eine Kolle, ob die Zerstörung der Wundoberfläche zu­lässig i.st, oder durch die Dignität der Gewebe, welche hierbei mit zerstört werden, ausgeschlossen wird. Je inelir sich die Wundfläche glatt und eben gestaltet, je weniger Ausbuchtungen dieselbe besitzt, und je rücksichtsloser man bei der Desinfection derselben vorgehen kann, um so eher darf auf Asepsis goreebnet werden.
Führt bei glatten Wundflächen sorgfältige Ausspülung mit Desinfectionsmitteln zuweilen noch zum Ziele, so erreicht man dieses meist sicherer durch Abreiben derselben mit Chlorzink (1 : 10). Ein mit dieser Lösung getränkter Werg- oder Jutehausch dient zum Ausreiben der Wunde, wobei mau um so rücksichtsloser vorgeht, je weniger die Zerstörung der Weichtheile in der Wunde mit Gefahren verknüpft ist. Auch auf das Glüheisen bezw. den l'aquelin mag für derartige Fälle nochmals aufmerksam gemacht werden. Unter Umständen zeigt sich die permanente Irrigation zu diesem Zwecke sehr wirksam. Auch empfehlen sich in solchen Fällen Verbände, die mit dem einen oder anderen Desinfectionsmittel, namentlich Sublimat getränkt und wieder­holt angefeuchtet werden.
Ganz besonders eignet sich hierzu auch die antiseptische Tamponade. Man stopft die Wundhöhle mit sterilisirten Materialien (Jute, Watte, Mull) aus, die unter Umständen mit dem Desinfections­mittel getränkt werden (Sublimat 0,1 0/o, Carbolsäure JJ0,laquo;, Creolin und Lysol l0/o, Chlorzink 0,2 quot;o, Jodjodkaliumlösung 1:5:100). In Er­mangelung dieser Mittel lässt man den Verband mit Alkohol tränken und mit Gununipapier bedecken, um das Verdunsten des Mittels zu verlangsamen.
Anwendung der Antisepsis in der thieriirztlicben Privat­praxis. Wie bereits oben erwähnt, war die früher in der Privatpraxis übliche Wundbehandlung bequemer für den Thierarzt als die heutige; mit der Untersuchung und Anordnung der von dem Besitzer auszuführenden Behandlung war die Tbiitigkeit des Tbierarztes erschöpft. Bei der Asepsis und Antisepsis liegt die Behandlung in der Hand des Tbierarztes selbst, und der Besitzer muss von der Wunde nach Möglichkeit ferngehalten werden. Der Thierarzt soll sieb daher stets klar darüber werden, ob und wie die Durch-führung einer strengen Antisepsis möglich ist. Dass die Durchführung der Antisepsis nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten stösst, gebt zur Genüge ans der Fachliteratur hervor; auch wir haben dies bestätigen können. Der Umsicht des Tbierarztes, mehr noch seiner Einsicht in die Bedeutung des Zustandes seiner Patienten muss es daher überlassen bleiben, hier den rich­tigen Weg zu finden, da sich allgemein gültige Kegeln nicht aufstellen lassen. Bemerkt wurde bereits, dass Asepsis auch bei Thieren für eine grosse Anzahl von Operationen zu erreichen nicht schwer fällt; das gilt von allen sub-cutanen Operationen (Myotomien, Tenotomien). Auch bei der Xeurectomie
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Verletzuuiifen der Woiohtheilegt;
an den Plantavnerven lilsst sieh moist Asepsis erzielen. Wichtig ist. die Er-reiobung eines aseptischen Znstaniles bei penotrirenden Wunden, d. h. solchen, die bis in die Kürperhöhlen (Hauch- und Hrusthöhli', Gelenke, Sehnen­scheiden) reichen; daher kommt auch bei operativen Eingriffen, welche mit Eröffnung dieser Höhlen verbunden sind, die Antisepsis in Betraobt, Z, B. Ijoitn Brust- und Bauobstioh, bei Entleerung von Gallon u. s. w. Auch bei Verwundungen der Sehnen und Bänder, Fascien, Knorpel u. s. w. wird durch Asepsis die Heilung wesentlich abgekürzt, und sie sollte hier stets angestrebt werden. Bei grossen Wunden bietet die Heilung unter dem Schorf ein iiusserst bequemes Heilverfahren. Dass man sich stets einer relativen Anti­sepsis, d. h. mögliebster ßeinliobkeit befleissigen muss, wurde bereits betont, doch sollte man immer in der Lage sein, den Grundsätzen der Antisepsis gerecht zu werden. Das ist nicht so schwer, wie manche glauben, und die sich dadurch zu der Behauptung verleiten lassen, dass die Antisepsis in der Privatpraxis überhaupt nicht durchzuführen sei. Sehr beaobtenswertbe Winke haben in dieser Hinsicht Prick (Grundriss der antiseptischon Wund­behandlung für Thierärzte) und Müll or (Theorie und Praxis der thier-ärztlichen Wundbehandlung) gegeben, auf die hier verwiesen worden muss; im übrigen sei hierzu noch Folgendes bemerkt:
Der Transport von Dosinl'ectionsmitteln bietet keine Schwierigkeiten mehr, seitdem Sublimat wie auch üarbolsäuro in Pastillenform käuflich sind. Wir empfehlen namentlich die Ali gerer'.scheu Sublimatpastillen, welche aus 1 g Sublimat und ebenso viel Kochsalz bestehen und in einer kleinen Glasröhre aufbewahrt werden. Mit Hülfe derselben lilsst sich in wenigen Augenblicken eine kräftig wirkende Desinfoctionsllüssigkeit her­stellen, indem man in je 1 1 Wasser eine Pastille löst. Jodoform kann bei aseptischen Wunden entbehrt werden, ist jedoch in kleinen Streubüchsen bequem zu transportiren. Die zum Unterbinden nöthige Seide und Catgut bewahrt man am einfachsten in einer kleinen Glasruhre auf, in dor auf einem, mit einem Gummipfropfen verbundenen Stab das Nähmaterial auf­gerollt ist (Fig. 88); in diesem Glase lassen sich dio Materialien unter Carbol- oder Sublimatwasser bequem transportiren. Für Kliniken und zum Handgebrauch sind grössero Gefässo mit Rollen (Fig. 87) oder, wie wir sie auch anwenden, Glascylinder vorzuziehen, in welchen die storilisirten Fäden auf einer Glasplatte befestigt, unter Carbol- oder Sublimatwasser bezw. Spiritus aufbewahrt werden (Fig. 86),
Catgut wird am besten in einer 0,lo/oigen Lösung von Sublimat in Spiritus aufbewahrt, da es in wässeriger Lösung quillt und an Haltbar­keit leidet; in Gel aufbewahrt, lässt es sich nicht bequem handhaben. In Sublimat-Spiritus wird Catgut dagegen leicht spröde, und, um das zu ver­meiden, setzt man dem Spiritus etwa 5—-20 quot;/o Glycerin hinzu.
Etwas grössero Schwierigkeiten bieten die sterilisirten und des-infioirten Verbandstoffe. Man braucht davon jedoch in der Rogol nicht viel, indem die oberen Lagen ohne Bedenken aus nicht sterilisirtor Watte besteben können; die durch Imprägnation mit Desinticiontien odor durch Erhitzen storilisirte Watte lässt sich in einem kleinen Lederetui oder Gummibeutel aufbewahren. Ein Beutel aus recht dichtem, leinenen oder wollenen Zeug würde ebenfalls dazu genügen. Da sich die Watte fest zu­sammenpressen lässt, so nimmt die erforderliche Menge wenig Kaum ein, und es bleibt noch für eine Handbürste Platz. Zur Herstellung eines Ver-bandes am Rumpfe grösserer Thiere kann nach dem Vorschlage Bayer's eine Naht dienen. Bayer benutzt dazu die Entspannungsnaht, welche mit Hülfe von Zapfen, als sog. Zapfennaht angelegt wird (Fig. 2t5 und 27).
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Die antisüptische Wundbehandlung!
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Auoli erscheint es oft unbedenklich, den Occlusivverhand durch einige Hefte tragen zu hissen, welche durch die iiussere Haut gelegt worden.
An manchen Stellen und namentlich für Wundon, die nicht lebhaft secerniron, lilsst sich der Verband durch Jodofornitunnin ersetzen. Wir streuen das Mittel auf die geheftete Wunde, wo es mit der feuchten Ober-lläche eine schmierige Masse bildet und die Wunde verschliesst, sobald man mit den Fingern über die mit dem Mittel bedeckte Wunde streicht. Auf diese Lage wird von demselben Mittel eine zweite gestreut. Auch die Sulilinuitglyceringolatine kann zur Bedeckung der Wunde benutzt werden. Hoffmann hat für den Zweck eine 1 quot;,'oige Sublimatsalbe empfohlen, welche täglich mittelst eines starken Pinsels aufgetragen worden soll. Bei lobhaft
Fig. 89.
Ast'iitisches Taschenbesteek (halbe Ovösse).
socernirenden Wundon genügen diese Mittel jedoch ebenso wenig wie bei bereits inlicirten Wunden.
Die Instrumente endlich lassen sich überall durch B—10 Minuten langes Kochen in Wasser oder l'/oiger Sodalösung zuverlässig sterilisiren. Wir führen seit Jahren ein sog. antiseptisches Besteck, wie es nach den Angaben Prick's von Hauptner zusammengestellt ist und uns stets gute Dienste geleistet hat (Fig. tfÖ). Leicht, mit den nöthigen Instrumenten sowie mit einer Büchse für Nilhmaterial und Nadeln versehen, lässt sich das Ganze durch Auskochen dosiniieiren. Ein Spray ist, wie schon bemerkt, überflüssig; auch kann ein Irrigator in der Kegel entbehrt oder durch ein Gefiiss (Topf mit Ausguss) ersetzt werden. Im übrigen lilsst sich ein Irrigator leicht im-provisiren. Dazu gehört nur ein doppelt durchbohrter Gumraipfropfen, der mit zwei Gummi- oder Glasröhren versehen ist (Fig. 40), Wenn der Pfropfen
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no
V('rli'tzuiiquot;'i'ii dor Weiohthelle,
in eine, die antiseptisehc Flüssigkeit enthnltoiulo Flasche (Woinllasclio) ge­steckt wird, muss das eine llolir bis fast nuf Jen Jioden der Flasche reichen, das zweite dicht unter dem Pft'opfsn endigen. Kehrt inan die Flasche um, so entleert sich die Flüssigkeit aus dem Rohre, an welchem ein Gunimi-schlauch befestigt ist, der als Ausüussrohr dient und erforderlichenfalls in die Wunde eingeführt werden kann. Wenn diese Q-umraivomohtung '/usammen mit der Watte in dem Lederetui aufbewahrt wird, so bleibt sie ebenfalls aseptisch. Das unter dem Namen „Alphaspritze' in den Handel ge­brachte Instrument liisst sich schwer reinigen und leidet leicht Schaden, so
dass es nicht gut funetionirt. Seife findet sich
Pig. 40.
überall. Wo ein Wagen zur Vorfügung steht,
empfiehlt sich auch, eine Flasche mit Alkohol oder Aether mitzuführen; in diesem Falle lassen .sich auch sdmmtlicheMaterialien leicht in einen Blechkasten verpacken und steril erhalten.
Aber auch da, wo Asepsis nicht zu er­reichen ist, hat der Thierarzt die Aufgabe, eine Reihe von Missbräuohen zu bekämpfen, welche bei der Behandlung von Verletzungen selbst heute noch namentlich in Bezug auf die Reinigung von Wunden im Publikum bestehen. Fast überall begegnet man dem Missbrauch, zum Feinigen von Wunden den ersten besten Schwamm hervorzuholen, auch wenn derselbe noch so sehr verunreinigt ist. Damit wird eine Reihe von Gefahren herbeigeführt, deren Bedeutung man unterschätzt, weil man sie eben nicht kennt. Und doch hissen sich solche leicht vermeiden, wenn man den Besitzer der 'filiere nur darauf aufmerksam macht. Wir empfehlen daher, bei frischen Wunden, bei denen die Gefahr am grössten ist. Schwämme
ganz zu vermeiden und dafür einen Bausch
Ein elnfaobei [nigatori
Watte, Werg, einen reinen leinenen Lappen,
die mit einer Desinfectionsliüssigkeit getränkt werden, zu benutzen. Wenn nicht zu umgehen, nehme man einen wo­möglich ungebrauchten Schwamm, lasse denselben circa 10 Minuten in reinem Wasser auskochen und nach dem Abkühlen dasselbe Wasser sowohl wie den Schwamm zum Feinigen der Wunde, aber zu anderen Zwecken nicht verwenden. Durch dieses einfache Verfahren erlangt man einige Sicherheit, dass nicht noch nachträglich Infectionen der Wunde erfolgen, und erspart dem Besitzer Ausgaben für Desinfectionsmittel. Werden der­artige Vorschriften nicht befolgt, so hat der Sachverständige wenigstens seiner Pflicht genügt, welche ihm mit der Uebernahme der Behandlung zufällt. Liegt Grund zu dem Bedenken vor, dass der Besitzer der einfachen Wasserbehandlung nicht das nöthigo Vertrauen entgegenbringt, so können leicht Zusätze von Desinfectionsmitteln verwendet werden.
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Störungen in der Wundheilung — Anomalien der öranulationi 11]
€. Störnngen in (Um* Wundheilung.
I. Anomalien der Granulation und Benarhung.
Jede Wunde soll sich, wenn sie nicht per primam iutentionem heilt, in der Weise scbliesseu, dass die Granulation sieh gleichmässig von den Wuiidriludern her bildet, den Defect ausfüllt und, wenn sie bis in die Höhe der Haut gelangt ist, mit Epithel bedeckt. Von diesem normalen Vorgange giebt es Abweichungen, die oft ein thera­peutisches Eingreifen erfordern. Wir kennen die folgenden:
1. üngleichraamp;ssige Granulation. Die Fähigkeit der ein­zelnen Gewebe, Graiuilatiüiien zu bilden, ist verschieden; am meisten eignet sieh hierzu lockeres, gefdssreichea Bindegewebe, während Sehnengewebe (Fascien, Bänder) und Knorpel eine lebhafte Vascu-larisation erfahren müssen, bevor sie Granulation treiben #9632; können. Daher kommt es, dass in grösseren Wunden, welche mehrere Gewobs-arteu betreffen, die Granulation oft unregelmässig ausfällt. Auf­gabe der Therapie wird es hier, die Granulation an einzelnen Stellen durch einen Druckverband, durch Aetzmittel oder Adstringentien zurück­zuhalten; Aufstreuen von Tannin oder Alaun zeigt sich hierbei sehr wirksam. Unter Umständen bleiben Messer, Schere, scharfer Löffel die einzigen Mittel, um die stellenweise überwiegende Granulation zu beseitigen,
quot;_*. Mangelhafte Granulation. Während schwerer fieber­hafter Erkrankungen lilsst die Granulation mich oder hört ganz auf; hier muss eine Behandlung des Allgemeinleidens eintreten. Ferner beobachtet man zuweilen auch ohne diesen Eintluss, dass die Granu­lation schlaff wird, höher geröthet erscheint und nicht vorwärts kommt. In solchen Fällen Qnden Reizmittel, sog. Digestivsalben, vortheil-hafte Anwendung, Sie bestehen aus Harzen, Terpentin, älteren reizen­den Fetten U. s. w. Eine ebenso einfache wie wirksame Salbe erhält man durch Zusammenreiben von dem Gelben eines Hühnereies mit 15,0 g Tereb. comm,
In grösseren Wunden, namentlich solchen mit Substanzverlust, beobachtet man nicht selten, dass sich die Granulat ion erschöpft; ihre Oberfläche wird glatt, und in Folge dessen bildet sie eine spiegelnde Fläche, an welcher die Eiterung sowohl wie auch die Neubildung aufhört. liier zeigt sich eine oberflächliche Aetzung mit Höllenstein oder einer l'Voiffen Sublimatlösung nützlich. Auch bewährt sich hier
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Vurlctzuiiyca der Wuichtlicile.
die mechanische Abtragung der oberfiamp;chlichen Scliieliten der Wunde mit Messer, Schere, scharfem Löffel. Sierauf erfolgt eine lebhafte Neubildung von Gei'iissen und so auch von Granulation.
.'3. Ueppige Granulation(Oaro luxurians, wildes Fleisch). Unter normalen Verhältnissen hört die öranulation auf, sobald sie das Niveau der benachbarten Maut erreicht hat, d. h. wenn die Wunde ausgefüllt ist. Zuweilen aber wuchert sie, und zwar in der Regel durch andauernde Reizung veranlasst, über diese Grenze hinaus. In dieser Hinsicht kommt vor allem mangelnde Kühe der Wundramp;nder in Be­tracht. So entsteht bei Thiereu namentlich an der Bcugelläche der Gelenke, z. B. in der Köthe bei Pferden, leicht üppige Granulation. Auch geben Fremdkörper oder abgestorbene Gewebsmasseu zu pilz-förmigen Erhebungen der Granulation Veranlassung. Untersucht man eine solche Stelle genauer, so erkennt man auf der Höhe der her-vorgewuchorteu Massen ein Tröpfchen Eiter und gelangt mit einer dünnen Sonde in einen engen Kanal, der bis auf den Grund der warzenförmigen Erhebung reicht; hier stösst die Sonde auf den Fremdkörper oder auf abgestorbenes Gewebe. In solchen Füllen muss die gewucherte Masse mit Messer oder Schere abgetragen, und der reizende Gegenstand event, unter Zuhtilfenabme eines scharfen Löffels entfernt werden.
Breitet sich üppige Granulation über die ganze WundHäche aus, so suche man die Ursache derselben zu beseitigen, stelle durch einen zweckmässig angelegten Verband die Wundränder fest und lasse durch denselben einen gleichmässigen Druck auf die wuchernde Masse ausüben. Im übrigen lernt mau die Stellen bald kennen, wo sich aus diesem Grunde die in Bede stehende Störung regelmilssig ein­stellt, z. B. bei Pferden an der Hufkrone und über den Ballen ; durch [lassende Verbände wird dieser Fehler der Granulation von vorn­herein vermieden. In anderen Fällen finden Adstringeutien (Tannin, Alaun) oder austrocknende Mittel, z. B. Zucker, vortheilhaf'te An­wendung. Letzterer empfiehlt sich ganz besonders. Man streut eine grössere Menge Zuckerpulver auf die üppige Granulation, welche in Folge der hygroskopischen Wirkung des Zuckers bald zusammen­schrumpft; auch ein gut angelegter Druckverband erweist, sich hier nützlich. Man halte sich jedoch nicht zu lange bei der inedicamen-tösen Behandlung auf und greife bei Zeiten zum Instrument, mit dem man kurzer Hand die üppige Granulation abträgt: durch geeignete Massnahmen (Druckverband) lässt sich ein Wiederauftreten der Ab­normität vermeiden.
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Störungen in der Wundheiluiig —#9632; Anomalien der GranulaMoiii 143
4.nbsp; Erothischu Granulation. Unter lebhafter Wucherung, bei soblafTer, leiclit blutender Beschaffenheit, grosser Schmerzhaftigkeit und dunkler Röthung drängt sicli die erethisehe Granulation über das Niveau der Wunde hinaus. Meist liegen dem Zustande Fremdkörper, abgestorbene Gewebsmassen oder Eiterungen in der Tiefe zu Grunde. Es bandelt sich um eine Entzündung der Granulation und ihrer Nach­barschaft. Selbstverständlich müssen die Ursachen durch Spaltungen, Reinigen, event, unter Entfernung der gewucherteil Massen beseitigt werden. im übrigen zeigt sich in solchen Fällen Bestreuen der Granulation mit Jodoform, Aetzen mit Höllenstein und selbst das Glüheisen recht wirksam.
5.nbsp; nbsp;Diphtherie der Granulation. Diese unter dem Namen Hospitalbrand (Gangraena nosocomialis) beim Menschen bekannte und früher so gefürchtete Krankheit der Granulation wird bei Thieren selten beobachtet und bestellt in brandigem Zerfall der Granulation, veranlasst durch eine specilische Infection, deren Erreger nicht genauer gekannt ist. Bald tritt die Gangrän nur oberflächlich auf, bald greift sie schnell in die Tiefe und zerstört nicht nur die Granu­lation sondern auch die nachbarlichen Gewehe. In der Granulation bilden sich hämorrhagisebe Herde, welche bald zerfallen und das Ge­webe in einen gelblichrothen, jauchigen Brei verwandeln. Bei Hindern will man ähnliche Erkrankungen gesehen haben; mir (Möller) be­gegneten ähnliche Vorgänge bei Fleischfressern und beim Geflügel, doch ist die (Jasuistik nach dieser Richtung dürftig und keineswegs einwandsfrei. Energische Zerstörung der erkrankten Granulation mit dem Glüheisen oder Galvanocauter, mit Chlorzink, Salpetersäure und sorgfältige, d. h. öftere und energische Reinigung mit Desinticientiea (Sublimat 0,1 0/o) setzen der Zerstörung, die gewöhnlich schnell um sich greift und meist mit dem Tode des Patienten endet, noch um ehesten eine Grenze.
6.nbsp; Unvollständige Benarbung der Granulation. Da die Ueberhäutung mit Epithel vom Ketegewebe der benachbarten Haut ausgeht, so erklärt sich, dass dieser Vorgang vornehmlich da auf Schwierigkeiten stösst, wo die Verwundung mit grösseren Hautverlusten verbunden war. Ganz besonders ist dies der Fall, wenn die Haut an der verletzten Stelle straff angespannt und fest mit ihrer Unterlage verbunden ist, so dass die Wundrilnder durch Narbenretraction nicht in wirksamer Weise einander genähert werden können (S. 1071, Solche Umstände treffen an den unteren Abschnitten der Gliedmassen bei Pferden und Rindern oft zusammen, daher an diesen Stellen die Be-
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Verletzanireu der Woiohtheilei
aarbung nicht selten uavollsttladig ausfüllt. Bier muss mau daher von vorn herein darauf bedacht sein, bei der Behandlung von Ver-letzungen mit grösseren Sautverlusten die Cutis nach Möglichkeit zu schonen, event, das Absterben derselben zu verhindern. Vermeidung von intensiver Kälte und Druckwirkung, sorgfältiges Heften der Haut, Anwendung feuchter Verbände und Asepsis schützt noch am ehesten gegen derartige Schwierigkeiten bei der Wundheilung. Auf diese Mittel ist um so mehr Gewicht zu legen, als die beim Menschen zum Ersätze der verloren gegangenen Haut angewendeten Verfahren (Unter-minirung der nachbarlichen Cutis, Transplantation) bei Thiereu nur selten mit Erfolg auszuführen sind.
Nachdem durch Reverdin zuerst gezeigt worden war, dass es mög­lich ist, Hautdel'ectu durch Aufpflanzen von Haut, die einer anderen Körper-steile entnommen ist, zu beseitigen, haben sich neuerdings Thiersoh und Esniarch um dieses Verfahren beim Menschen verdient gemacht. Während Beverdin 2—3 qcm grosso Hautstücke verpflanzte, benutzt Esmarcb grössere, weil dieselben regelmässig stark schrumpfen. I)as zu verpflanzende Stück muss aseptisch und frisch abgetragen sein, an seiner unteren Flüche von Fett und lockerem Bindegewebe möglichst befreit, auf die aseptische von Granulation befreite Wundfläche gelegt werden, nachdem die Blutung ge­stillt, und die Wunde mit 0,60/oiger Kochsalzlösung abgespült ist, und hier durch Binden oder Ligaturen befestigt werden, v. Mangoldt hat statt der Hautstücke einen Hautepithelbrei auf der Wunde ausgesät, den er von einer desinticirten Haut mit dem Messer bis auf das Oorium abgeschabt hatte. Schon die Forderung eines aseptischen Heilverlaufs stösst bei Thieren auf Schwierigkeiten, abgesehen von dem Erforderniss, die Wundfläche und das implantirte Material ruhig und unverrückbar an einander zu er­halten; doch könnte man unter Umständen den Versuch einer Transplan­tation machen.
Smith will Hautdefeote bei Pferden durch Transplantation von Hühner-haut geheilt haben. Nachdem die Wundfläche mr Erzielung einer ebenen Granulation ü—5 Tage lang mit einer schwachen Sublimatlösung verbunden war, wurden kleine Hautstücke unter dem Flügel eines Huhnes mit der Pincette aufgehoben und mittelst einer Schere excidirt, auf dem Fingernagel ausgebreitet und so schnell als möglich übertragen. Darauf legt Smith einen antiseptischon Verband an. Man soll nach ihm darauf achten, dass bei Entnahme der Hautstücke möglichst wenig Blutgel'ässo und Pett mit­genommen werden,
Dasselbe gilt von dem Anheilen vollständig abgetrennter'l'heile. Dass dieses möglich ist, haben zahlreiche Erfolge beim Menschen bewiesen, doch gelingt es nur, wenn günstige Ernährungsverhältnisse in dem abgetrennten Theile bestehen; derselbe muss zunächst durch plasmatische Circulation von seiner Unterlage aus ernährt werden, bis sich neue Blutgefässe in sein Ge­webe eingesenkt haben. Der abgetrennte Theil darf daher nicht zu gross sein: während Bindegewebe das Anheilen begünstigt, stirbt das schlecht ernährte Fettgewebe leicht ab.
Die zweite Forderung für das Anheilen vollständig abgetrennter Theile besteht darin, dass sie vor dem Absterben in innige Verbindung mit ihrer
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Störungen in der Wundheilung — Anomalien der Denarbung.
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Unterlage gebracht werden und liier keine Infeetion (Eiterung) besteht. Uass das Absterben bei weitem nicht so schnell erfolgt, wie allgemein an­genommen wird, lehren die Untersuchungen von tirawit/., wonach Haut, die 5 Wochen vom Körper getrennt war, noch mit Erfolg transphintirt wurde. Auch Abkühlung schadet nach Grawitz der Lebensfähigkeit abgetrennter Theile weniger als Wärme und Trockenheit. Der abgetrennte Theil muss daher nach Möglichkeit gegen Austrocknen geschützt werden, und je früher die sorgfältige Verbindung desselben mit der Wuiidüäche geschieht, um so sicherer der Erfolg.
Hei Tliieren hat diese Frage keine so hohe Bedeutung wie für den Menschen; dass die Durchführung des Verfahrens bei ihnen auf grössere Schwierigkeiten stösst, ergiebt sich aus obiger Betrachtung, Um so grosseres Gewicht muss dagegen oft auf das Anheilen theilweise getrennter Theile gelegt werden. Aseptische Wundheilung und Unterstützung der Circulation in den Wutidrändern fordern am wirksamsten den Vorgang.
Die vorstehend hesclirieboiien Anomalien werden an der granu-lirenden Wunde gefunden, es gieht jedoch auch solche, Welche noch an der bereits mit Epithel eingedeckten, also vernarbten Wunde auftreten. Dabin gehören:
1.nbsp; nbsp;Die Horn n arbe. An Stellen, wo die äussere Haut mit einer starken Epidermis versehen ist, bildet sich auch auf Wunden regel-mässig eine dicke Lage von Mpitbelmassen, v.. B. an
den unteren Abschnitten der Gliedmassen. Man spricht in solchen Fällen von einer llornuarbe, die man am sichersten durch eine sorgfältige Wundbehandlung beschränkt, denn je länger die Heilung dauert, um so stärker pflegt die Hornnarbe zu werden. Reizungen der Wunde durch Bewegung der Wundränder bilden oft die Grundlage zur Entstehung derselben.
2.nbsp; nbsp;Das Narbenkeloid, Kommt nach erfolgter Benarhung die Granulation nicht zum Abschluss, son­dern wuchert sie allmählich weiter, so nennt man den Zustand Narbenkeloid. Man begegnet demselben am häufigsten an der Beugefläche der Gelenke, na­mentlich in der Köthe der Pferde nach Verletzungen oder Brandmauke. Offenbar geben die mit der Be­wegung verbundenen Beizungen des Narbengewebes
zu dem excessiven Wuchern Veranlassung. Ebenso
werden Narbenkeloide bei Wunden, die durch Fascien
Narbenkeloid.
reichen, beobachtet; die Bewegung der Fascie giebt
hierbei den Anstoss zur Wucherung. Ein umfangreiches Narbenkeloid behandelte ich (Möller) am Fesselgelenko eines Pferdes (Fig. 41). Durch zweck massig angelegte Verbände und Buhe des Thieres ver-
Jlüller n, Frlok, Allgemeine Cliimrgie für Thicrarzte. 2. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
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Uli
Yerletzansren der Weiohtheile,
hindert man am sichersten diesen Vorgang. Hat sich bereits ein Narbenkeloid gebildet, so werden entweder Aetzmittel oder operative Eingriffe (Excision dvv gewucherten Massel nothwendig. Die in Fig. 11 darcestellte Neubildung wurde diircli Excision dauernd beseitigt.
2. Eiterung und Entzünclung der Wunden.
Während man früher alle reactiven Vorgänge in der Wunde als Entzündung auffasste und zum Zustandekommen der Heilung für noth­wendig hielt, haben die neueren CTntersuchungen gezeigt, dass diese Auffassung unrichtig ist, dass man hier streng zwischen Heilungs­vorgängen und Entzündung unterscheiden muss. Es hat namentlich die Antisepsis gelehrt, dass selbst schwere und umfangreiche Ver­letzungen ohne Jede Spur von Entzündung nicht nur heilen können, sondern dass Entzündung stets fehlt, sobald die Infection der Wunde verhütet wird. Mit welchen Schwierigkeiten aber die Erhaltung der Asepsis verbunden ist. haben wir in unserer vorigen Betrachtung kennen gelernt, und es erklärt sich dieses leicht, wenn man berück­sichtigt, dass die [nfectionsstoffe und namentlich die pyogenen i\likro-organismen allgemein verbreitet sind, so dass fast jede Wunde von ihnen verunreinigt (inficirt) wird, sofern nichl .u'''^1'11 (^ls Eindringen derselben ein wirksamer Schutz gewährt wurde.
Die mit solcher Infection verbundenen Gefahren bestehen theils in localen, theils in allgemeinen Erkrankungen; die örtlichen, durch Infection bedingten Störungen bestehen in schweren Entzündungen der Wunde und ihrer Nachbarschaft, Eiter- und Jauchebildung in der Wunde, so dass die Heilungsvorgänge ganz beträchtlich gestört wer­den. Auf jeden Fall wird das Ideal der Wundheilung, die Heilung per primam intentionem, hierdurch vereitelt. Allein auch der Ge-sammtorganismus leidet unter der Wundinl'edion sein- leicht. Die Ent­zündung der Wunde ist für den Patienten schmerzhaft, seine Nacht­ruhe leidet darunter; ferner ist profuse Eiterung mit beträchtlichem Eiweiss- und somit Kräfteverlust für den Patienten verbunden. Geht auch der Patient nicht immer in Folge von Erschöpfung, bedingt durch copiöse Eiterungen, zu Grunde, so liegen in der Wundinfection doch noch andere Gefahren. Die Aufnahme der [nfectionsstoffe bezw. ihrer Products in die Blutbahn führt zu Fieber und zu jenen Leiden, die wir später unter dem Namen Septikämie und Pyämie noch kennen lernen werden.
Diese Erkonntniss von der Gefahr der Wundinfection ist frei-
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Stöi'ungon in der Wundbeilung — Eüterung und BntzUndunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
lidi nicht iilt; Ins zur Schaffung der antiseptischen Wundhehaamp;dlung diircli List or sah iiiiui Bntzttndung und Eüterung als etwas Regel-massiges, ja selbst ids etwas zur Wundheilung Nothwendiges an. Jede Wunde musste nach den Ansichten der vorantiseptlschen Zeit eitern, sonst konnte sie nicht heilen, daher sprach man von „pus lioimm et laudabile*.
Ursachen. Was zunächst die Elntzüudung und Eiterung in der Wunde betrifft, so haben zwar die neueren Intersuchun^en von öra-witz u. A. ergeben, class auch keimfreie chemische Substanzen (Ter­pentinöl, Quecksilber u. s, w.l locale EJiterung zu erzeugen im Stande sind, allein so viel steht andererseits fest, dass die uns interessirenden Eiterungen, welche' scheinbar spontan entstehen und die Neigung zur Ausbreitung in die Nachbarschaft zeigen, regehniissig auf einer Infection beruhen. Nachdem von Ogston, ßosenbach, Passet u. A. beim Menschen im Eiter bestimmte Mikroben (Staphylococcus pyogenes aureus und albus, Streptococcus pyogenes, Mikrococcus pyogenes tenuis) nachgewiesen waren, konnte man sich auch bei Thieren (He 11, Bossi) von ihrer Gegenwart stets überzeugen. Zahlreiche in der Klinik der Berliner thierärztiiehen Hochschule (Möller) angestellte Unter­suchungen von Eiter Hessen in fast allen Fällen Mikroben nachweisen. Diese rufen in der Regel acute Eiterung hervor, welche von einer mein- oder weniger heftigen Entzündung begleitet wird. Ob letztere. nur in geringein Grade auftritt, oder mit schweren, gefahrdrohenden Folgen verbunden ist, hängt theils von der Menge der eingedrungenen Infectionserreger, theils von der Art und dem Grade ihrer Virulenz, endlich auch von dem Orte der Invasion und der Beschaffenheit der inficirten Gewebe ah.
Je günstiger die Wachsthumsbedingungen für die Mikroorganismen sich gestalten, d. h. je reichlicher Nährmaterial (Blut, Wundsecret und abgestorbene Gewebe) zu ihrer Entwickelung zu Gebote steht, um so üppiger wuchern die tnfectionsstoffe in der Wunde: je lockerer das Gewebe, um so leichter verbreiten sich dieselben in der Umgebung der Wunde, und je günstiger die Resorptionsvorgänge, um so reich­licher treten sie. in die Circulation und das Blut über.
Die Zahl derjenigen Mikroorganismen, welche unter Umständen Eiterung erregen, ist neuerdings gewaltig angewachsen : Lemiere zählte 1S!U schon 38 Arten auf, eine Zahl, die sich seitdem fast verdoppelt hat. Zu den bisher bekannten Kiterun^ erregenden Bakterien, welche den Chirurgen hauptsächlich iuteressiren, gehören folgende:
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Verletzunffon dor Weiobthelle
1, Stapliylocoeous p3rogonos auruus und albus1) (Fif,'. 42). Staphylococcvxs pyogenos aureus bildet kleine Kügolchen von 0,7//. Durchmesser, vrelcue sieh zu tranbenförmigen Verbänden zusammenlagern und in Cnlturen einen goldgelben Karbstoli' produoireu; daher der Name. Er gehört zu den am meisten verbreiteten Eiterkokken, findet sieh häufig im Eiter beim Monsehen (nacli (J. Frilnkcl in 0ii) und bei Thieren, aber auch in der Luft, Erde, Spülwasser; er lässt sieb auf Gelatine, Agar-Agar, Rartoffeln und Blutserum in Keinzueht gewinnen. Die Oulturen wachsen
am besten bei 'M—37quot; C. und zwar
Fig. 42.
ziemlich schnell, jedoch ohne Sporen ZU bilden, die bei ihm bisher nicht
bekannt sind. Staphylocooous pyogenes aureus zeigt sich sowohl (diemischen Agentien, wie auch dem Austrocknen und der Hitze #9632; gegenüber sehr wider­standsfähig, erzeugt weder Fäulniss, noch Gase und lilsst sich mit der G-ram'sohen Methode leicht färben. Cutane [mpfangen mit demselben bleiben bei Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen erfolglos; in die Sub-cutis dieser Tbiere gebracht, erzeugt er locale Abscesse. Von der Blutbahn aus vermag Staphylococcus pyogenes aureus Gelenkentzündungen and andere
yvjT;____^^'
Eiter mit Staphylokokken.
Metastasen, daher auch i'yämio zu erzeugen. Er findet sich ferner bei vor-schiedomui Erkrankungen der Scbleim-inderen Leiden, nicht selten begleitet von
häute, bei Osteomyelitis und
anderen Bakterien.
Der Staphylococcus pyogenes albus scheint nur eine Varietät des vorigen zu sein; seine Oulturen sind weiss, seine Wirkungen weniger viru­lent. Im übrigen verhält er .sich wie jener.
Staphylococcus pyogenes citreus liefert ein citronengelbes Pig­ment, findet sich selten im Eiter des Menschen und hat bei Thieren eine besondere Bedeutung bisher nicht erlangt.
2. Streptococcus pyogenes (Fig. 43). Nach den Untersuchungen von Bauuigarten, E. Präukel u. A. ist Streptococcus pyogenes identisch mit dem von Fehleisen beschriebenen Streptococcus des Erysipels und besteht aus Kokken, die Ketten bilden, indem sie sich zahlreich an einander reihen. Er findet sieb auf Schleimhäuten, im Speichel, Nasensecret u. s. w., erscheint mit Vorliebe da, wo Organgewebe sich krankhaft verändern oder absterben, und bildet eine häufige Ursache schwerer, progredienter Eite­rungen sowohl in der Cutis (Erysipelas), wie auch Subcutis (Phlegmone), in und unter Schleimhäuten sowie in lockeren Bindegewebsmassen. Auch er wird oft Vermittler metastatischer Proeesse (Pyämie) und Gelenkentzün­dungen. Seine Oulturen wachsen langsam; auf Kartoffeln gedeiht er nicht. Nach der Gram'sehen Methode ist er leicht zu färben. Die Tenaoität der Streptokokken scheint nach den Versuchen von Holst sehr gross zu sein; in ausgetrocknetem Eiter bleiben dieselben 4—5 Monate, im Schwefelsäure-Exsiccator über 8 Monate lebensfähig.
') awfu'/.v; = Traube.
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Störungen in der AVumlliciiung — Eiterung und Entzündung.
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Neuerdings wurde diese Kokkenart als mit dem Streptococcus der Druse identisch bezeichnet (Hell). Heim Kinde will Luoet vorwiegend Streptokokken gefanden haben.
Die übrigen beim Menschen ausnahmsweise im Eiter vorgefundenen Bakterien, wie Mikrococcus pyo-
genes tenuis (llosenbach), Bacil-
Fig. 43.
lus pyogenes t'oetidns (Passet),
liacillus pyoeyaueus ((iessard) und Mikrococcus tetragon us (Koob), haben bisher eine praktische Bedeutung bei Tbieren nicht erlangt. Bemerkt sei, dass der liacillus pyo­eyaueus, ein zarter, schlanker liacil­lus, dem Eiter eine grünblaue Farbe verleiht.
Es giebt ausserdem noch einige Mikroben, welche Eiterung zu erzeugen im Stande sind und nicht, selten bei Thieren angetroffen werden. Dazu ge­hört eine unter dem Namen Botryo-myces bekannte Kokkenart und die
Vegetationen von Aktinomyces.
Abgesehen davon, dass es nach den
StroptOCOCOUS ci\ni (Kitcr, nach Kitt).
neuen Untersuchungen zweifelhaft er­scheint, ob Botryomyces eine besondere Art bildet, oder nicht vielmehr mit Stapbylococcns identisch ist, also nur eine eigenartige Vegetationsform desselben bildet, tritt bei beiden die Neigung zur Anregung von Binde-gewebsneubildungen in den Vordergrund. Deshalb sind diese Parasiten an anderer Stelle (S. (1(1. 72) berücksichtigt worden.
Am häufigsten wird Staphylococcus pyogenes
aure
us im Eiter
angetroffen, beim Menschen in etwa 80% (Fvänkel), bei Pferden (Hell) und den anderen llaustbiereii (Bossi) kommt er auch häufig vor. Injeetionen von Staphylococcus pyogenes in die Bauchhöhle er­zeugen schwere Peritonitis, in Gelenke Synovitis; in die Blutbahn ge­bracht, veranlnsst derselbe oft local auftretendeEitevungsprocesse (Meta­stasen), insbesondere auch eitrige Entzündungen der Gelenke.
Injeetionen in die Subcutis verhalten sich verschieden; zuweilen erfolgt keine Reaction, und im anderen Falle entstehen Abscesse oder weitverbreitete, mit Eiterung verbundene Entzündungen des Unter-liautgewebes (Phlegmone). Die Ursachen für diese verschiedenartige Wirkung liegen in den Stoffwechselproducten der Eitererreger und in einigen anderen Verhältnissen, die prädisponirend wirken. Nach den Untersuchungen Bouchard's wirken die Stoffweohselproduote der Eiterkokken auf die Nervenendigungen in den Geweben und durch Ver-mittelung dieser Nerven auf die gefässerweiternden nervösen Centren reizend, wodurch die Gefässerweitenmg in dein erkrankten Bezirke
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ir.o
Vcrletzunyeii der Wciclitlicik'.
eingeleitet wird. Zugleich werden durch die Bakteriengifte dio Endo-thelien der öefösse gereizt, die in Folge dessen kugelförmig zusammen­schrumpfen; dadurch entstehen Lücken /.wischen denselben, welche den Leukocyten zur Bmigration dienen; durch die cheraotaktische Wir­kung der Bakteriengifte wird diese veranlasst, Die so in der Gtaföss-wand entstandenen Lücken bilden auch den Weg für den Austritt rother Blutkörper (Diapedese) sowie des Blutplasmas, Die emigrirten Leukocyten gehen unter der lähmenden und abtndtenden Wirkung der Bakteriengifte zu Grunde (Eiterzellen); eine Rückwanderung derselben in die Blutbnhn ist ausgeschlossen.
Auch die Leukocytose (Vermehrung der Zahl der Leukocyten) steht mit der Wirkung chemischer Stolle in Verbindung, Wie Buch­ner, Kölner. Lemiere, Poliakoffu, A. zeigten, werden durch den Zerfall thierischer Zellen fortwährend geringe Mengen löslicher Protenisloll'e gebildet, welche einen formativen Reiz auf die Leuko­cyten ausüben und eine lebhafte Vermehrung derselben sowohl im Blute, wie auch in dem Entzündungsherde anregen; die Anhäufung von Leukocyten in letzterem wird also nicht allein durch Emigration, sondern auch durch Theilung und Vermehrung an Ort und Stelle bedingt.
Mine Prädisposition für die Wirkung der Eitererreger wird nach den Versuchen von Gärtner. Reichel durch bydrämiscbe Zustände geschaffen. Ebenso wird durch Schädigimg der Gewebe (Quetschung, Aetzen, Einwirkung von Carbolsäure oder Sublimat) Eiterung begünstigt (Hermann, Reichel).
Aehnlich wieStaphylococcus pyogenes aureus verhält sich Staphylo-coccus pyogenes albus und citreus, doch sollen diese weniger heftig wirken als der St. aureus. Staphylococcus pyogenes albus und aureus besitzen die Eigenschaft, progressive Eiterungen anzuregen, doch zeigt sich die Malignität derselben verschieden. Von ihnen wird neuerdings angenommen, doss sie auch Erysipel verursachen können (S. 155). üeber die Eigenthümlichkeiten in der Wirkung der übrigen eiter­erregenden Mikroben, namentlich des Bacillus pyoeyaneus, Mikrococcus pyogenes tennis u. s. w. ist bei den grösseren Thicren bisher noch wenig bekannt. lieber die Bildung von Eiter, seine Zusammensetzung und Eigenschaften vergleiche man S. '27.
In Folge Infection mit der einen oder anderen dieser Mikroben­arten entstehen au der Wunde bezw. ihrer Nachbarschaft die verschieden­artigsten Processe, denen allen gemeinsam die massenhafte Ansamm­lung von Leukocyten ist. Auf diese Weise kommt zustande: 1. Ent-
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Störungen in dir Wundhoilung ...... Eüteruiig und Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;151
Zündung der Wunde durch Infiltration der WundrUnder und ihrer Nachbarschaft; 2, Flilcheneiterung durch reichliche Lieferung von Eiter auf die WundrUnder bezw, auf inflcirte SchleimhüiUte und Serösen; 'A. Abscesse durch Ansammlung des Eiters in einer neugebildeten laquo;dor präformirten Höhle des thierischen Körpers, also auch in der Nachbarschaft einer Wunde. Letzten- Form der Eiterung, d. h. die Ansammlung von Eiter /.. B. in einer Gelenkhöhle oder im Bauch­fell- oder Brustfeilsack, bezeichnet man auch als „Enipyem''. Nicht selten iindei die Infection eine weitere Verbreitung in der Wiindnacli-barschaft, wodurch in dem lockeren öewobe der Uulerlmut die Plileg-mono (S. Iö7). in der limit selbst Erysipelas und durch Eindringen in den Lymphapparaf Lymphangioitia und Lymphadenitis entstellen.
Klinische Erscheinungen und Verlauf. Die locale Wund-infection mit Eiterkokken giebt sich schon nach -I Stunden durch Anschwellung. Röthung und Schmer/, in derselben zu erkennen. Durch Einwirkung der Producte dieser Mikroben auf die Blutgefüsse und Ocwehe werden an ihnen die oben (S. 18) besprochenen Processe hervorgerufen, welche wir unter der Bezeichnung „Entzündungquot; zusammenfassen. Das hierbei in reichlicher Menge auftretende Wund-secret nimmt am •'!. oder 1. Tage eine trübe, gelbliche Beschaffenheit an, d. li. es tritt ..Flilcheneiterungquot; ein, welche in der Regel so lange anhält, bis die Granulationsbildung vollendet ist. und die Benarbung der Wunde eintritt. Solange diese Vorgänge auf die Wundober-tliiche beschränkt bleiben, verzögern sie nur die Heilung, ohne zu be­denklichen Folgen zu führen; doch darf man nicht vergessen, dass sich stets mehr oder weniger Gefahren mit der Eiterung verbinden. Es kann scheinbar die Entzündung in der Nachbarschaft der Wunde nachlassen, die Schwellung nimmt ab, ebenso die Schmerzen, nur an einer Stelle bleiben diese Erscheinungen bestehen. Daselbst findet sich eine mehr oder weniger grosse, circumscripte Stelle, wo Schmerz, Schwel­lung, vermehrte Wärme nicht nachlassen; nach einigen Tagen fühlt man daselbst bei der Palpation unter dem Finger „Fluctuation''. Hier hat. sich Eiter in einer Höhle angesammelt, es hat sich ein ..Abscessquot; gebildet. In günstigen Fällen tritt unter Verdünnung und Einschmelzung der Haut spontaner Durchbruch nach aussen ein, der Abscess hat sich geöffnet. Tritt dies nicht bald ein, so muss die Kunsthülfe für Ablluss des Eiters sorgen (l'bi pus. ibi evacua).
Häuft sich der mit Eiterkokken und deren Producten versehene Eiter an der einen oder anderen Stelle in der Wunde an, so tritt leicht
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Verletzuuffen der Woiohthelle.
Eiterrersenkung ein, d. b. die [nfeotionsstofiPe und deren scliiid-liohe Noxen breiten sich in den Geweben iius und führen zu eitriger Ein.selunel/ung derselben. Du diese Anhäufung vornehmlich in den unteren Abschnitten der Wunde einzutreten pflegt, 80 findet die Eiter­versenkung in der Kegel nach dieser Richtung statt. ' Durch die Bil­dung von Bauttaschen, oder durch Ausbuchtungen der Wunde mich unten werden solche Eiterre tont innen und Eiterversenkungen be­günstigt. Die Verhütung solcher Complicationen bildet bei eiternden Wunden eine Hauptaufgabe der Behandlung. Wir suchen derartige Taschen (Recessus) durch Spalten zu beseitigen, oder legen (iegen-öffnungen an, durch welche das Wundsecret be/.w. der Eiter Abfiuss findet, und ermöglichen die Entleerung desselben durch Application von sog. Eiterbändern oder Drainröhren. Wo die Lage der Wunde dieses nicht gestattet, wird die Wunde möglichst oft ausgewaschen oder per­manente Irrigation zur Reinigung derselben eingeleitet. Der Vortheil des früher allgemein angewendeten Kühlens der Wunde bestand haupt­sächlich in der Reinigung derselben.
Eiterung wird ferner dadurch leicht nachtheilig, dass sie sich auf Grewebe ausbreitet, welche durch dieselbe schwer geschädigt werden. Kommt der Eiter z. J5. mit Sehnen, Fascien und Knorpelgewebe in Berührung, so sterben diese leicht ab. Wahrscheinlich beruht diese Wirkung darauf, dass die genannten Gewebe bei ihrem geringen oder ganz fehlenden Gehalt an Bllltgefässen nur dürftig ernährt wer­den, so dass durch Berührung mit Eiter diese, sowie die Ernährung der Gewebe zu Grunde gerichtet wird. Die abgestorbenen und in-fleirten Gewebe aber bleiben längere Zeit in der Wunde liegen, rufen Reizungen und immer neue Eiterungen hervor. Die Folge davon ist, dass die Heilung solcher Wunden längere Zeit in Anspruch nimmt, da im Verlaufe derselben immer von neuem Eiterung und weiteres Absterben eintritt. So entstehen die dem Praktiker als Widerrist- oder Nackenflsteln, Knorpelfisteln u. s. w. ebenso bekannten wie unan­genehmen und schwer heilenden Zustände.
Bedenklich wird ferner das Ucbergreifen der Eiterung auf Ge­lenke und Sehnenscheiden, wodurch eitrige Erkrankungen dieser Or­gane entstehen, welche mit den schwerwiegendsten Folgen verbunden zu sein pflegen.
Behandlung. Ans dem Angeführten ergiebt sich, dass in allen Fällen, wo derartige Complicationen in Aussicht stehen, die streng durchgeführte Antisepsis in ihre Rechte treten muss. Leider erreicht
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Störungen in dur WmuUi(jihmg — Eiterung und Eiitziinilung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15igt;
mail diese in der Hegel höchst, selten, wenn die Wunde schon einige Zeit besteht, und fast niemals, wenn bereits Eiterung eingetreten ist (S. 136).
Da die Wumle nicht per prim. int. heilt, erscheint ilns Kelten derselben in der Regel nicht zweckmiissig, weil dadurch der Ahfluss des Wundsecrets und Eiters behindert wird. Wo indess das Heften der Wunde zur Blutstillung erforderlich wird, werden die Fäden nach 24—48 Stunden wieder entfernt.
Das Heften solcher Wunden kann ferner den Zweck haben, das Klaffen ZU vermindern oder die beweglichen Wundränder zu iixiren, wie bereits erwähnt wurde. Auch für diese Zwecke genügt es in der Hegel, wenn die Hefte 3—I Tage liegen, indem bis dahin die Wund-ränder bereits in dem Masse plastisch inliltrirt sind, dass sie sich nicht mehr refrahiren oder bewegen. Unter Umsländen lassen sich bei grösseren Muskelwunden die Hefte so legen, dass sie der Reini­gung der Wunde und dem Abfluss des Wundsecrets nicht hinder­lich werden. Dass man in solchen Fällen Hand zum Heften wählt, liegt auf der Hand, denn dünne Fäden würden die Wundränder durch­schneiden.
Eine weitere Indication für die Behandlung entzündeter oder eiternder Wunden besteht in der Abhaltung mechanischer Heize, in der Verhinderung der Bewegung der Wundränder an einander, wie sie bei Thieren durch die Wirkung des Hautmuskels begünstigt wird. Grössere Thiere zeigen oft Neigung, die Wunde zu scheuern, Fleischfresser diese zu belecken. Wenn auch das letztere unter Umständen zur Reinigung der Wunde nützlich werden kann, so zeigt es sich im allgemeinen doch nachtheilig. Einmal schliesst das Belecken Asepsis in der Wunde aus, weil auch im Maule der Thiere, im Speiche) u. s. w. sich stets Eiter­erreger linden; dann aber kann andauerndes Bedecken der Wunde die Seilungsvorgänge, namentlich die Benarbung derselben verzögern. Doch muss zugegeben werden, dass das Belecken nicht so bedenklich ist. wie das Scheuern der Wunde, das auf jeden Fall verhindert werden muss, weil darin die Gefahr einer Allgemehiinfection in Folge von Verletzung der Granulation liegt. Grössere Thiere bindet man zu dem Zwecke zwischen zwei Pfeilern doppelt an, oder man benutzt einen sog. Spannstock, der die Bewegungen des Kopfes einschränkt. Im übrigen bleibt zu bedenken, duss die Neigung zum Scheuern oder Lecken aus einem Juckgeluhl hervorgeht, welches sich vornehmlich während der Heilung der Wunde zeigt, zuweilen aber durch Eiterungen in der Tiefe veranlasst wird. Man untersuche in solchen Fällen die
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ir.l
Verletzuniren dor Weiohtheilo,
Wunde, und wo sich Eiterversenkungon oder A.bsoessbüdung bemerk­bar machen, muss durch Einstich oder Spaltung die Eiterretention beseitigt werden.
J5c'i stark eiternden Wunden sind Verbände v.u vermeiden, denn sie .stören den Abfluss des Wundsecretes und begünstigen die Zersetzung desselben, Daher verdient die offene Wundbehandlung hier den Vorzug, sobald nicht besondere Umstände die Anwendung des Verbandes wllnschenswerth erscheinen lassen, /. B. zum Schutz, gegen Verletzungen, zur Fest Stellung der Wundränder.
Durch das abfliessendu Wundsecret entsteht: unterhalb der Wunde eine Entzündung der Haut, verbunden mit Haarausfall, was durch Be­streichen der betreffenden Stellen mit Fett, Vaseline oder Paraffin­salbe verhindert werden kann.
Finden sieii in der Nachbarschaft der Wunde Abscesse, so müssen diese, um Durchbruch in innere Organe oder Höhlen zu vermeiden, bei Zeiten mit dem Messer eröffnet und wie inlicirte Wunden behandelt werden.
3. Erysipelas und Phlegmone.
Nach den Untersuchungen der neueren Zeil unterliegt es keinem Zweifel, dass sowohl das Erysipelas, wie auch die Phlegmone zu den Wundinfectionskrankheiten gerechnet werden müssen.
a) Als Erysipelas, Rose oder Rothlauf bezeichnet man eine durch Spaltpilze (Streptokokken, Staphylokokken) bedingte, von einer bestimmten Stelle ausgehende und sich allmählich ausbreitende Ent­zündung der iiusseren Haut, der Cutis. Der die Krankheit erzeugende Streptococcus wurde von Fehleisen zuerst nachgewiesen, und die Beziehungen des Mikroorganismus zum Erysipelas durch Impfungen festgestellt. Man hiell denselben ursprünglich für eine speeiflsche Bakterienarf und nannte ihn Streptococcus erysipelatis (Fehl­eisen). Die späteren Untersuchungen durch Baumgarten, E. Frän-kel, Fasset u. A. haben jedoch ergeben, dass derselbe mit dem Strepto­coccus pyogenes identisch ist. Heim Erysipelas wuchert der Coccus vornebinlich in den feinen Lymphgefässen der Cutis langsam, so dass das Erysipel als Lymphangitis der Haut aufzufassen ist (Verneuil, Clado), seltener in Schloirnbäuten. Bei umschriebenen, phlegmonösen Eiterungen in den betreffenden Geweben vegetirt er lebhafter und ver­mehrt sieh reichlicher als beim Erysipelas. Aber selbst, von der Haut aus gehen die toxisch wirkenden Stotfwechselproducte des Streptococcus
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StörunffOB in der Wundheiluns
hrysijieliiH.
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in die Blutoirculation über und erzeugen Fieber; aucb können die Kokken selbst in das Blut übertreten und metastatisohe Entzündungen ver­anlassen. Neuerdings ist nachgewiesen, dass auch andere Streptokokken (Petruschky) und selbst Staphylokokken (Jordan) Erysipelas zu erzeugen im Stande sind. Demnach dürfte das Erysipelas als In-fectionskrankheit der lluul nur durch seinen eigenartigen klinischen Verlauf charakterisirt sein, nicht aber durch seine Ursachen; es können eben verschiedene Mikroben Erysipelas erzeugen, Ausgangs­punkt des Leidens bildet aber stets eine Verletzung der Oberfläche, und wenn diese nicht in jedem Falle nachzuweisen ist, so kann das an der behaarten Haut der Thiere noch weniger befremden als beim Menschen, zumal experimentell die Aufnahme von Staphylokokken von der intacten Haut bewirkt worden ist(Garre). Bemerkt sei noch, dass das als „Rothlauf der Schweinequot; bezeichnete Leiden kein Erysipel, sondern eine durch den Rothlaufbacillus bedingte Infectionskrankheit darstellt.
Das klinische Bild des Brysipels gestaltet sieh wie folgt;
1. An nicht pigraentirter Haut, erscheint eine scharf begrenzte, rosarothe Färbung, die mit vermehrter Wärme, geringer Schwellung und massigem Schmerz, in der Regel von vornherein aber jnit erheb­lichem Fieber verbunden ist. Die Röthung verschwindet auf Finger­druck, kehrl jedoch alsbald wieder, zeigt sieh anfangs fleckig, später gleichmiissig. Sie breitet sich allmählich aus. bald mehr nach der einen, bald nach der anderen Seite, wodurch die Röthung eine un-regelmässige Gestalt erlangt, aber stets scharf begrenzt erscheint. Die anfangs hellrothe Färbung geht später in eine dunkelrothe, zuweilen in eine blaurothe über. Die im allgemeinen gleichmässige Anschwellung tritt an Stellen, wo sieh reichliche Mengen ünterhautgewebe finden, deutlicher hervor; zuweilen kommt es zur Eüxsudation unter die Ober­haut, zur Bildung kleinerer oder grösserer Blasen (E. hullosum), die aber bei behaarter Haut schwer oder gar nicht zur Wahrnehmung gelangen. Nur selten entstehen Abscesse in der Haut, häuflger kommt es zur (fangränhildung (E.gangraenosum); dunkelblaurothe Färbung der Haut lässt diesen Ausgang befürchten. Bald greift der Process mit grösserer, bald mit. geringerer Schnelligkeit um sich, je nach­dem die Hindernisse für die Verbreitung der Bakterien geringer oder grosser sind. Zuweilen rückt die Röthung innerhalb 2 i Stunden nur um 2'—I cm vor, nicht selten aber um das 3- und Sfache in der ffleichen Zeit. Nur ausnahmsweise wird ein Ueberirreit'en auf ent-ferntere Stellen beobachtet.
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Verletzungen der Weichthoilc.
-. Die regionären LymphdrUseQ sobwellon beim Ejysipe] in der lu'gel bald an und abscediren zuweilen; auoi wird in der Hegel Ausfall der Elaare an den erkrankten llautstellen beobachtet.
3, Das den Rothlauf begleitende Fieber entwickelt sich schnell, verläuft meist contimiirlich, selten remittirend; es ist häufig mit gastrischen Störungen, Appetitlosigkeit, selbst Erbrechen verbunden, wes­halb man das Leiden früher aus Verdauungsstörungen hervorgehen Hess. l)as Fieber fällt jedoch mit dem Nachlassen der localen Erscheinungen schnell ab, Uebergreifen des entzündlichen Processes in die Tiefe wird selten beobachtet; dagegen kommen Metastasen (Entzündung der Ge­lenke, der Hirnhaut, Pleura u. s. w.) vor; auch kann das Leiden mit Pyämie sich verbinden und einen letalen Ausgang nehmen, was bei den Eigenschaften des ursächlichen Erregers des Erysipels nicht auffallend erscheint. Kommt es zur Mortification der Haut, so findet im gUnstigsten Falle eine Dissection derselben statt.
Der Verlauf des Erysipelas gestaltet sich typisch. In der Kegel schreitet der Process mehrere Tage hindurch fort, um gegen den 0. — 9. Tag Halt zu machen; darauf verblassen die gerötheten Stellen und es tritt Zertheilung ein. Die oben erwähnten Coxnplicationen sind bei Thieren im allgemeinen selten.
Ans obiger Schilderung ergiebt sieh, dass die Röthung der Haut den Mittelpunkt der klinischen Erscheinungen bildet; da nun aber die Haut der Haustniere in der Regel pigmentirt ist, so erklärt sich, dass der Nachweis des Erysipelas bei diesen auf Schwierigkeiten stiisst. Unsere Kenntnisse über das Vorkommen und die Verbreitung des Leidens bei den Hausthieren sind deshalb quot;unvollständig, und die in der bisherigen Literatur als Erysipelas beschriebenen Erkrankungen können um so weniger alle als echter Bothlauf angesehen werden, als man bis vor kurzer Zeit über die Natur des Leidens noch ganz unvollkoniniene Vorstellungen hatte. Doch lässt sich nicht leugnen, dass bei den verschiedenen Thierarten echter Bothlauf vorkonmien und überall einsetzen kann. Beim Schwein und Kaninchen konnte Fohl­eisen den Kothlauf durch Impfung hervorrufen. Hei Hunden kommt typisch verlaufender Rothlauf vor. Bei l'ferden wird derselbe vielfach mit Phlegmone verwechselt; es scheint indess, dass echter Rothlauf hier nicht so häufig auftritt, wie man vielfach noch annimmt. Lucet will beim Pferde echtes Krysipel am Kopfe gesehen und auch den Streptococcus ery-sypelatis rein gezüchtet haben, aber sowohl dieser Fall, wie auch die von Pröhner und Sommer mitgetheilten sind keineswegs einwandst'rci.
Behandlung. Das wirksamste Priiservativmittel gegen Erysipelas bildet Reinlichkeit und sorgfältige Antisepsis bei jeder noch so kleinen Verletzung. Nach den Untersuchungen Fehleiscivs verdient Sublimat hierbei besondere Beachtung, weil dasselbe in 0.10/oiflfer Lösung die
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Erysipelkokken in 10—15 Seouuden verniohtet. öegon ilas den Rotli-lauf begleitende Fieber werden die bekannten Mittel in Anwendung gebracht.
Die Localbohandlunjj; bestellt in Bestreichen der Haut mit Oel und warmer Bedeckung. Beim Menschen werden im Beginn der Krank­heit die von Hüter zuerst empfohlenen Injectionen einer 2- 30/oigen Carbollösung angewendet. Am Rande der erkrankten Stellen applicirt man mittelst der l'ravaz'schen Spritze 3 — quot;gt; g in die Haut bezw. in das [Jnterhautgewebe; auch wurden hier subeutane Injectionen von Sublimatlösungen empfohlen. Andere lassen Terpentinöl auf die er­krankten Stellen einreihen, oder bepinseln die Ränder des Erysipelas mit Tinct. -lodi oder einer Lösung von Argent, nitricum (1:1—Iquot;). Ferner sind Einreibungen mit Ichthyol, Creolin, Bleisalbe empfohlen. Auch das Gliihcisen in Strichform und Scarificationen, denen man Carbol-umschläge folgen lässt, wurden in Vorschlag gebracht. Um die Aus­breitung der Kokken zu verhindern, lässt Wölfler die Umgebung mit Eeftpflasterstreifen bekleben. Uass die noch bestellenden Verletzungen antiseptisch behandelt werden, und Desint'ectionsinittel im allgemeinen den Vorzug verdienen, liegt auf der Hund: an den Extremitäten können diese in Form von warmen Bädern Anwendung finden. Auch die Serunitherapie ist in Anwendung gebracht (Marmorek), allein die angestellten Untersuchungen haben gezeigt, dass dem Antistrepto-kokkenserum keinerlei heilende Wirkung bei Streptokokkeninfectiouen zukommt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; t
b) Phlegmone. Bei weitem häufiger als Erysipelas wird Pbleg­mone (aus dem Griechischen (yXiyuv = brennen, 'fXrcu.ovr, = Entzün­dung) bei Thieren beobachtet. Man bezeichnet damit eine acute infectiöse Entzündung des lockeren Bindegewebes der Subcutis, unter den Fascion, 'zwischen den Muskeln und an anderen Stellen, Demnach wird eine subeutane, subl'asciale und intermusculäre Phlegmone unter­schieden. Aber auch an jeder anderen Stelle kann lockeres Binde­gewebe phlegmonös erkranken, z. B. das Strahlpolster, das um die Hufbeinknorpel gelegene Gewebe u. s. w.
Schon Vegetius gebrauchte die, Bezeichnung Phlegmone in der Thierheilkunde, welclio später aber verlassen und erst in neuerer Zeit (Stock-f'leth) wieder aufgenommen wurde. Unsere Kenntnisse über dieses Leiden haben sich erst neuerdings, seitdem die baktoriolosische Forschung ein­gesetzt hat, wesentlich geklärt, und seitdem ist eine Unterlage für die ratio­nelle Behandluna des Leidens beschaffen.
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Verletzungen der Weichthcile.
Man unterscheidet eine locale, circumscripte und eine dif­fuse Phlegmone, Die erstere beschränkt sich mehr oder weniger auf ihre Drsprungsstelle; die diffuse Phlegmone zeigt eine entschiedene Neigung zur Ausbreitung, die bald schneller) bald langsamer erfolgt.
Obgleich auch hier, ebenso wie beim Erysipelas, eine Contiuuitäts-trennung in der Epidermis und Cutis regelmässig den Ausgangspunkt des Leidens bildet, wie /.. B. Streich wunden, so lassen sich solche an der behaarten Haul der Thiere oft nicht nachweisen. Auch können die Infectionsstoffe durch die Lymphbahnen auf grössere Strecken fort­getragen werden und entfernt von ihrer Eintrittsstelle zur Entwickelung gelangen, um diese Krankheit ZU veranlassen.
Die Phlegmone ist ebenfalls keine besondere Krankheit, sondern nur eine besondere Krankheitsform, da die infectionsstoffe, welche Phlegmone erzeugen, nicht nur bei ihr vorkommen; es handelt sich vielmehr entweder um eine Infection mit gewöhnlichen Eiterkokkeri, namentlich Streptococcus und Staphylococcus, oder mit anderen Mikroben, /,. B. den Bacillen des malignen Oedems, des Rauschbrandes n. s. w, Demnach unterscheidet man auch eine einfache oder eitrige und eine septische Phlegmone. Beim Menschen hat man neben den genannten Mikroben auch den Mikrococcus pyogenes tennis, den Bacillus pyogenes foetidus (Passet), Bacillus pyoeyaneus u, a., als Erreger der Phlegmone beobachtet. Bei Thieren sind auch meist Strepto- und Staphylokokken als Ursache gefunden, nur ausnahmsweise andere, /.. B, Bacterium coli commune (Bossi),
.So viel steht jedoch lest, dass der Verlauf der Phlegmone und die Heftigkeit ihres Auftretens in erster Linie von der Virulenz der inficirenden Substanzen abhängig ist. Die durch Streptokokken erzeugte Phlegmone zeigt auch bei Thieren eine grössere Neigung zu schneller Ausbreitung als die durch Staphylokokken veranlasste. Zu den be­denklichsten Formen gehören die septischen Phlegmonen, d, h. die durch septische Infectionsstoffe veranlassten (malignes Oedem, Rauschbrand).
Das acute maligne Oedem (Gangrene foudroyante) wird durch einen von K. Koch entdeckten Bacillus (Bacillus oedematis raaligni) erzeugt, welcher sich vornehmlich in den obersten Schichten der Gartenerde, in faulenden Stollen und Flüssigkeiten findet und etwas schlanker als der Milzbrandbacillua ist. ;)—3,5^ lang, \y n breit, zeigen sich die Enden abgerundet, zuweilen sogar etwas zugespitzt. Ebenso wie der Milzbrand­bacillua bildet auch der des malignen Oedcrns oft lungere gebogene fielen (Fig. 44). Durch Geisseifäden sind die Bacillen ausserordentlich beweglich, bilden in der Mitte oder an einem Ende eine Spore und laquo;ind obligat-
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an aärobe Bakterien, d.h. sie gedeihen nur in Abwesenheit von Sauerstoff, ^ie wachsen auf Gelatine, Ägar, Blutserum und gekochten Kartoffeln; ihre Cnlturen verbreiten einen penetranten Geruch, Aehnlich wie beim Starr­krampf finden trotz der grossen Verbreitung des Bacillus des malignen Oedems und seiner Sporen verhältnissmässig selten [nfeotionen mit demselben statt, iiiu hilulifrstpii von der Gebärmutter, seltener von iiusseren Verletzungen aus. Home führt diese Thatsache theils auf die anaßrobe Natur des Bacillus zurück (derselbe muss tief in die Gewebe gelangen, um zu vege-tiren), theils auf die wirksame Thätigkeit der Phagocytose seitens der Leukocyten dem Bacillus gegenüber und endlich auf den Umstand, class die Lebensbedingung dieser Bacillen von der Gegenwart anderer Mikroben, z. B, des Mikrococcus prodigiosus, abhängig sei.
An den erkrankten Körperstellen lassen sich die Bacterien oft in grösserer Menge nachweisen, im Blute linden sie sich erst kurze Zeit nach dem Tode ein.
Das maligne Oedem charakterisirt sich durch sein plötzliches und heftiges Auftreten und seine schnelle Ausbreitung, es ist begleitet von Fieber und Atbembeschwerden sowie von Entwickelung von weniger (lasen als heim h'ausehbrand. Nach Altinger soll die Infection oft von Verletzungen im Maule, besonders am Zungenhändohen aus erfolgen.
Es dürfte sich empfehlen, eine eitrige, d. li. eine durch Eiter­erreger erzeugte, und (due septische Phlegmone zu unterscheiden; der letzteren würde das maligne Oedem zuzuzählen sein. Die klinischen Symptome ermöglichen diese Trennung ebenfalls.
Klinische Erscheinungen. Die locale Phlegmone des Unter-Imutgewebes giebt sich durch Röthung, Schwellung, vermehrte Warme uiul Schmerz an der betreffenden Stelle zu erkennen, ohne
dass Hussere Yerletzunaten hierzu eine directe Veranlassung
ri rv
ben, l'ie
Anschwellung erscheint zunächst weich, teigig, indem sich neben den Infectionsstoffen vornehmlich seröse Flüssigkeit in den Lücken des Gewebes befindet (Oedem). Buhl aber stellen sich zahlreiche Leuko-evten ein, wodurch die Anschwellung eine grössere Härte erlangt. Die vermehrte Wärme erscheint auffällig stark, während der Schmerz in der lieget nicht bedeutend ist. Selten fehlen hierbei Anschwellung der Lymphgefässe und Fieber.
Die locale Phlegmone führt in der Regel zur Abscedirung. Im Verlaufe von 3—'i Tagen entwickelt sich an dor betreffenden Stelle Fluctuation, der Eiter bricht durch, wenn ihm nicht künstlich ein Ausgang verschafft wird; sodann tritt durch Granulationsbildung und unter Eiterung in der Regel Heilung ein.
Anders verläuft, die diffuse eitrige Phlegmone, welche an den Gliedmassen grösserer Thiere, namentlich bei Pferden, unter dem Namen Einschusa schon lange bekannt ist. Ohne nachweisbare äussere Veranlassung tritt plötzlich eine Anschwellung des Schenkels ein, die
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Vcrlutzuim'cn der Woiobtholldi
meist bis liber die Fusswurzel, bezw. das Sprunggelenk) nicht selten bis zur Schulter oder Kniegelenk micli oben reicht. Anfangs ödematös, nimmt dieselbe schon in den nächsten Tagen unter schneller Aus­breitung eine feste, derbe Beschaffenheit an. Diese Veränderung beruht ebenfalls darauf, dass anfangs fast nur Serum die Gewebslücken anfüllt (Oedem), später aber zahlreiche, Leukocyten in diese eintreten. Die An­schwellung zeigt sich vermehrt warm und zuweilen so ausserordentlich schmerzhaft, dass die Pferde bei der Berührung des kranken Theiles stöhnen und das Bein so hoch heben, dass sie beinahe umfallen. Die bei Phlegmone der Gliedmassen beobachtete Lahmheit wird vornehmlich durch die aus der Spannung der äusseren Haut hervorgehenden Be­wegungsstörungen bedingt. Daher erklärt sieb, dass eine ausgesprochene Hangbeinlahmheit zu bestehen pflegt, während die Belastung des Fusses oft regelinässig erfolgt. Selten fehlt bei dieser Phlegmone die Anschwellung der regionären Lymphdrüsen und Lymphgefässe sowie Fieber; bei der Neigung des Processes zur Ausbreitung kann das Auf­treten dieser beiden Zustände nicht auffallen.
Entwickelt sich die eitrige Phlegmone unter Pascien (sub-fasciale Phlegmone), M'ie es an den Gliedmassen der Pferde nicht selten der Fall ist, so tritt der Schmerz und das Fieber in den Vorder­grund der Erscheinungen. In Folge der geringeren Nachgiebigkeit der Fascien entsteht unter derselben eine erhebliche Drucksteigerimg, wodurch sowohl die Schmer/.haftigkeit, wie auch die schnelle Resorption der fiebererregenden Substanzen begünstigt wird. Bei diesem Zu­stande zeigen die Thiere auch im Momente der Belastung erhebliche Schmerzen, während in der Unterhaut in der Itcgel schwaches Oedem besteht, und bei der Palpation in der Tiefe erhebliche Spannung und Schmerz nachzuweisen ist. Plötzlich bilden sich auf der Haut pilz-förmige, scharf umschriebene Anschwellungen von li—quot;gt; cm Durch­messer, und zwar in Folge des Durchbruches von Eiter durch die Fascien in das Unterhautgewebe; nach einigen Tagen wird auch die Haut perforirt. Neben der sehr gespannten und schmerzhaften An­schwellung bilden das Fieber und die Mitleidenschaft der regionären Lymphdrüsen die wichtigsten Symptome der subfascialen Phleg-nio ne.
Verlauf. Die diffus-eitrige Phlegmone geht bei den grösseren Thieren, namentlich beim Pferde, häufig in Zertheilung über, ja man kann behaupten, dass beim Kinschuss der Pferde Zertheilung die Kegel bildet; nur ausnahmsweise kommt es hier zur Abscedirung. Die sub-
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fasoiale Phlegmone dagegen l'ülirt: in der Regel zur Eiterung mit Nekrose der Fasoie und Durchbruch des Eiters. Derselbe ergiesst sich zunächst in die Subcutis, um die plötzlicb auftretenden pilzfürtnigen Anschwellungen zu veranlassen und dann die äussere Haut zu durch-brecben; auch werden bei der subfascialen Phlegmone häufiger als bei der subcutanen Complicationen mit Pyämie oder Septihämie beobachteti die leicht zu tödtlichem Ausgange führen. Das Leiden kann ferner nodi dadurch bedenklich werden, dass die Phlegmone auf Sehnenscheiden oder Gelenke Übergreift; so bricht /.. B. die Phlegmone des sub-coronären Bindegewebes am llui'e oft in das Hufgelenk, die an den oberen Phalangen auftretende Phlegmone in die Sehnenscheiden des Beugeapparates ein. Auf diese Weise entstehen schwere, meist tödtheh verlaufende Complicationen.
Bei weitem bedenklicher erweisen sich die septischen Phlegmonen; ihr Verlauf gestaltet sich auch stürmischer und schwerer. Oft setzen dieselben mit erheblichem Fieber ein, aus dem bald der septische Cha­rakter spricht. Der Puls ist klein, schwach, unregelmilssig, die Psyche erscheint schwer belastet, die Thiere nehmen weder Pulter noch Getränk auf und zeigen keine Aufmerksamkeit auf ihre Umgebung. Gleichzeitig entwickelt sich eine schmerzhafte Anschwellung, die schnell an Aus­breitung gewinnt und beim Darüberstreichen ein knisterndes Geräusch giebt (Emphysem). Beicht der Process Ids in die Cutis, so stellt sich alsbald Mortification der äusseren Haut in grösserem oder geringe­rem Umfange ein, Die Oberfläche der Haut wird feucht, die Haare fallen hier aus, und bald bricht der Jaucheherd durch, worauf sich eine rölblich-braune Flüssigkeil von sehr üblem Geruch entleert.
Zuweilen gehen die Thiere schon früher unter schweren all­gemeinen Störungen im Septikämie (S. I7l2l zu Grunde. In anderen Fällen lösen sieh die abgestorbenen Hautfetzen los, und wenn der Process nicht, wie es leider oft der Fall ist, auf Gelenke und Sehnen­scheiden übergreift, so kann selbst Heilung eintreten. An den Glied­massen bilden umfangreiche Hautverluste ein Hinderniss für die Wieder­herstellung der Thiere. Bs greift die Nekrose zuweilen auf die be­nachbarten Blutgefässe über, erzeugt namentlich in den dünnwandigen Venen Thrombose mit Metastasen, und der Tod erfolgt unter dem Bilde der Pyämie (S. 178).
Bei der Section findet sich das erkrankte Gewebe gelbsulzig
inflltrirt und mit Übelriechenden Gasen durchsetzt, stellenweise auch
brandig abgestorben. Dazu kommen die Veränderungen, welche in
Folge des schweren Fiebers, der Septikämie oder Pyämie entstanden
Müller u. Frlok, Allgemeine OhlniYgle für Thiorftrate, -'. Aminbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 1
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Verletzungen der Weiohtheile.
sind. Bemerkenswert!] ist die Thatsache, dass auch in dan Cadavern von erstickten oder an Kolik zu Grunde gegangenen Tbieren, bei höherer Temperatur schon iiuierhiilb 21 Stmulcii, besonders in der Leber sowie in der Pfortader llhnlicbe Bacillen gefunden werdeiii
lv i 11 beobachtete malignes Oedem bei Schafen and konnte don Ba­cillus auf die übrigen Thierarten mit Erfolg verimpfen, wobei sieh in den Erscheinungen eine grosse üebereinstimnaung mit dem Bausohbrande der Hinder zeigte. Jensen und Sand beschreiben 8 Ftllle von malignem Oedem beim Pferde; auch sie konnten die Bacillen mit Erfolg auf andere Thiere verimpt'en. Murclli beobaclilete nacli (lastrationen malignes Oedem, an dem die l't'erde innerhalb 24 Stunden zu Grunde gingen, Wahrschein­lich müssen auch andere Beobachtungen an Pferden /um Theil hierher ge­rechnet worden. Cornevin fand bei seinen üebertragungsversuehen an 'fhieren, dass Rinder gegen Impfungen mil malignen Oedembacillen immun waren. Andere (Kitt, Meyer) haben jedoch auch beim Kinde malignes Oedem beobachtet und glauben gewisse Fälle von septischer Metritis auf dieses Leiden zurück rühren /.u können. Cornevin stellte einen [mpfstoff zur Erzeugung von Immunität dar; doch schon vorher hatten Uhauveau undArloing gezeigt, dass Injection des Virus In die Blutbahn die Thiere immun macht. Friis beobachtete malignes Oedem beim Pferde nach Nageltritt und Eserininjection am liaise. Seh lake sah am Halse des Pferdes bis zur Schulter und zum Ellenbogen eine umfangreiche Geschwulst, welche heim üeberstreichen knisterte; ausgegangen war das Leiden von einem kleinen Brandschorf an der Schulter, dessen CJmgebung sehr schmerz­haft war. Hochgradiges Fieber begleitete das Leiden, an welchem das Pferd nach ',gt; Tagen zu Grunde ging.
Abgesehen von dieser speeifiseben Phlegmone kommen bei'{'liieren noch andere septische Phlegmonen vor; so namentlich bei Pferden und Rindern in Folge von Verletzungen mit Düngergabeln, bei Hunden nach Bisswunden. In ihrem Verlaufe gestalten sich diese Formen dem malignen Oedem sehr ähnlich, doch vermisst man bei ihnen das Emphysem, Wir haben derartige Fälle wiederholt bei Thieren zu beobachten Gelegenheit gehabt. Besonders gefahrlich /.eigen sieh in dieser Hinsicht Stichwunden mit Mistgabeln an muskulösen Körper-theilen; liier greift die Phlegmone schnell niu das intermuseulilre Bindegewebe über und führt oft zu umfangreicher Nekrose desselben wie auch der Nachbarschaft, z. li. Knochen, Auf diese Weise kommt nicht selten Nekrose am Tuber ischii zu Stande.
Die Prognose gestaltet sich bei der Phlegmone verschieden und ist in erster Linie von der Intensität dor Infection und der Virulenz des Inflciens, theilweise aber auch von dem Sitze des Leidens abhängig. Heini malignen Oedem bleibt die Aussicht auf Heilung verschwindend gering, namentlich wenn nicht alsbald energische operative Eingriffe
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Störungsn in Aw Wundheilung ....... Phlegmons.
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vorgenommeti werden: nach den bisherigen Erfahrungen geht die bei weitem grösste Mehrzahl der Thiere daran zu Grunde. Demgegenüber
verlaufen die einfach eitrigen Phlegmonen der Subeutis, besonders beim Pferde und Rinde im ganzen günstig. Bei diesen Thieren zeigt nament­lich die diffuse Phlegmone wenig Neigung zur Eiterung; beim Einschuss der Pferde kann diese als Ausnahme bezeichnet werden. In der Regel steigt das Leiden 1—6 Tage an. und von da ab bilden sich die Er­scheinungen zurück, ohne anatomische Veränderungen /.u hinterlassen. Sobald an Extremitäten die Phlegmone abscedirt, tritt die Gefahr der Miterkrankung von Fascien, Gelenken, Sehnen und Sehnenscheiden ein, wodurnh ein ungünstiger Ausgang herbeigeführl werden kann. Grosser indess gestalte! sieh diese Gefahr bei septischer Phlegmone, nament­lich wenn die loealen Verhältnisse energische Eingriffe nicht zulassen. Zur Beurtheilung der Virulenz der Infectionsstoffe dient in erster Linie der Verlauf des Leidens und die Höhe der allgemeinen Störungen, namentlich das Fieber. Je rapider sich die Anschwellung entwickelt, je hochgradiger die Schmerzen und das Fieber, um so bedenklicher erscheint der Zustand.
Zuweilen beobachtet man, dass sieh an derselben Stelle und in verschiedenen Zeiträumen neue Anfälle einstellen, so namentlich wenn die Geschwulst nicht vollständig verschwindet. Nach Wochen und selbst Monaten stellt sich plötzlich ein neuer Anfall ein, der darin wohl seine Erklärung linden dürfte, dass entwickelungsfähige Krankheitskeime von den Geweben eingeschlossen und so zunächst unschädlich gemacht wurden, gelegentlich aber frei werden und eine neue (ufectiou veranlassen. So beobachtete ich (Möller) am llinter-fusse eines Pferdes in Zeit von zwei Jahren dreimal einen heftigen Anfall von Einschuss. Eberhardt berichtet über ein Pferd, das in schneller Aufeinanderfolge zuerst am rechten Hinterschenkel, dann am linken Vorderschenke] und iUnterschenkel, endlich noch einmal am rechten Hinterschenke] an Phlegmone litt. Die eine Erkrankung setzte ein, wenn die vorangegangene eben geheilt-war. und das Leiden dauerte sieben Monate, [mminger beobachtete Einschuss häutig bei Pferden, wenn Schilf aus Bächen und Flüssen zur Streu verwendet wurde.
Einen anderen Ausgang der eiterigen Phlegmone bildet die Elephantiasis. Der erkrankte Fuss schwillt hierbei nicht ah; es stellt sich vielmehr eine allmählich zunehmende Wucherung vorwiegend des subeutanen Bindegewebes au demselben ein; auch die fascien und seihst das Periost können hieran Antheil nehmen, und es bilden sich oft zahlreiche Exostosen an den betreffenden Schenkelknochen. Bei der
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m
Verletzungen der Weiobtheile,
aiiat.oinisclien Untersuchung elephantiastisoh erkrankter Schenkel finden sicli in dem massenliaft entwickelten Bindegewebe nieiir oder weniger zahlreiche kleinere Herde, die mit einer geringen Quantität Eiter an­gefüllt sind. Igt;ie rcgelmilssig in demselben enthaltenen Eiterkokten bilden offenbar den chronischen Reiz und die Ursache der fortschreiten­den Wucherung des Bindegewebes. Von ihnen geht zuweilen auch die Anregung zu einer neuen acuten IMileginone aus, so dass der Process einen remiltircnden, bezw. iutermittirenden Verlauf nimmt.
Bei weitem gefährlicher als die subcutane ist die subfasciale Phlegmone. Sie führt eher zur Nekrotisirung der Gewebe, weil die Ausdehnungsfähigkeit in dem entzündeten Gewebe durch die Fascien beschränkt wird, und so leicht eitrige Erkrankungen der Gelenke und Sehnenscheiden entstehen. Ferner pllegt sie auch mit schwereren allgemeinen raquo;Störungen verbunden zu sein und häufiger Pyämie und Septikämie im Gefolge zu haben.
Endlich spielen bei der Prognose auch die örtlichen Verhältnisse eine hervorragende Rolle. So führt die Phlegmone am Widerrist und Halse der Pferde regelmässig zur Nekrose der hier gelegenen Fascien, greift sodann auf die Dornfortsätze der Rückenwirbel, auf das Nacken­band oder Schulterblatt über und erzeugt Nekrose an denselben. Auf diese Weise entsteht ein Leiden, das unter dem Namen Widerrist-fistel bekannt ist und oft viele Monate zur Heilung in Anspruch nimmt, aber auch einen letalen Ausgang nehmen kann. An den Hufbein­knorpeln ruft die Phlegmone Nekrose hervor (Hufknorpelfistel), im Strahlpolster erzeugt sie eitrige Erkrankung der Strahlbeinbursa und Nekrose an der Sehne des lanffen Zehenbeuarers.
Behandlung. In prophylaktischer Hinsicht kommt hier ebenso wie beim Erysipelas eine sorgfältige Antisepsis in Betracht. Jede Wunde, ob gross oder klein, muss namentlich an den Gliedmassen, wo Infectionen leichter erfolgen, von diesem Gesichtspunkt aus behandelt werden; das gilt bei Pferden in erster Linie von Streichwunden. Man lässt dieselben mit Seifenwasser reinigen, mit Creolin, Sublimat oder einem anderen Desinflciens abwaschen und, nachdem die Oberfläche trocken geworden, mit Theer bestreichen. Ein zweites Mittel zur Ver­hütung von Phlegmonen bildet die Sorge für regelmässigen Abfiuss des Wundsecretes; kleine Stichwunden werden daher mit Vortheil gespalten. Da die Gefahr der Infection mit dem Auftreten der Granulation nachlässt, so sind derartige Vorsichtsinassregeln nament­lich bei frischen Verletzungen geboten. Besondere Sorgfalt empfiehlt
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Störungen In der Wundheilung Phlegmone.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Iö5
sicli bei allen Verletzungen an den öliedmassen im Winter. Hier treten in dieser Jahreszeit am häufigsten schwere phlegmonöse Prolaquo; cesse auf und sind oft mit Mortification der limit verbunden (Brand­mauke). Offenbar wird die Infection durch eine Schädigung be­günstigt, welche die Gewebe in Folge der Kältewirkung erleiden; auch scheint, der feuchte Strassenschmutz gefährlicher zu sein als trockener Staub.
Bei der einfach eitrigen Phlegmone, wie sie heim Einschuss der Pferde auftritt, lasse man zunächst den betreffenden Schenkel und namentlich die an demselben bestehenden Verletzungen sorgfältig reinigen und mit einer warmen Desinfectionsflüssigkeit abwaschen, An den unteren Theilen der Gliedmassen eignen sich hierzu besonders warme Bilder mit diesen Mitteln.
Zur Förderung der Zertheilung dient feuchte Wärme; Kälte wird bei diesen Zuständen in der Rege] nicht ertragen, da sie die Schmerzen steigert und den Verlauf des Leidens verzögert. Wärme dagegen fordert die Circulation, regt sowohl die Exsudation wie Emigration von Leukocyten, also Vorgänge alaquo;, welche zur Bekämpfung und Ver­nichtung der [nfectionsstoffe dienen. Wahrscheinlich unterstützt die Wärme zugleich die salutäre Wirkung der Entzündung (S. 40), Die zur Förderung der Circulation und Zertheilung dienende, erhöhte Lagerung der Theile können leider bei Thieren nur selten in Anwendung kommen.
Sobald sich Abscessbildung bemerkbar macht, zögere man nicht mit der Anwendung des Messers. Zum Nachweis des Abscesses kann unter Umständen eine Probepunction dienen. Man spalte die Abscesse möglichst ausgiebig und behandele dieselben mit Desinficientien und wende, wo es nöthig erscheint. Drainage an.
Bei septischer Phlegmone, wie auch beim malignen Oedem, sind frühzeitige Spaltungen doppelt wichtig. Unter Umständen können die Incisionen aufs Geratewohl gemacht werden (Scarificationen); noth-wendig werden solche, wo sich eine grosse Spannung in der Ge­schwulst bemerkbar macht, und Nekrose droht, z. B. an der Zunge. Auf diese Weise lässt sich der Eintritt von üewebsnekrose am sichersten vermeiden. Bei in der Tiefe ablaufenden Phlegmonen macht man den Einschnitt durch die Haut, und etwa oberflächlich gelegene Fascien. bohrt sodann mit dem Finger, einer stumpfen Schere, llaarseilnadel oder Kornzange einen Weg zum Eiterherde. Wo die anatomischen Verhältnisse eine ausgiebige Spaltung der Höhle nicht gestatten, findet nach Eröffnung derselben permanente Irrigation mil Desinfections-mitteln zweckmässiae Anwenduncr.
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Verlötzunffen der Wciditlu-ih
Ebenso müssen beim maligaen Oedem frühzeitige und ausgiebige
liicisiouen empfohlen werden, denen mim gründlielie und wiederholte
Desinfectionen mit Sublimat, Creolin u. s. w, folgen liisst. Nach den Versuchen von Cornevin äussern Carbol- und Salioylstlure eine intensiv iibschwüeliende und zerstörende Wirkung auf die Bacillen des malignen Oedems,
Sobald bei subfascialer Phlegmone die beschriebenen Anschwel­lungen in der Subcutis auftreten, zögere man nicht, durch Einschnitte den Eiter zu entleeren. Auch kann hierbei eine Spaltung der Fascien zur Erleichterung des Eiterabflusses erforderlich werden, die mit Vor-tlieil in Gestalt eines T- oder Kreuzschnittes bewirkt wird. Sorg­fältige Entfernung aller nekrotisebeu Gewebe, Drainage und Aus­spülen, bezw. permanente Irrigation mit Desinficientien erscheinen auch hier geboten.
4. Wundfieber, Seplikamie, Pyämie und Starrkrampf.
Gelangen lebensfähige Keime bestimmter Mikroparasiten in eine Wunde, so finden dieselben in der Regel günstige Bedingungen zu ihrer Vermehrung, welche bekanntlich sehr schnell erfolgt, und wenn es sich um Bakterien handelt, deren Producte reizende oder in anderer Weise schädigende Wirkungen auf das betreuende Thier ausüben (pathogene Bakterien), so kommt es nicht nur zu einer localen Störung der regelmassigen Wundheilung, sondern auch zu einer Eeihe anderer, das Allgemeinbefinden des Patienten schwer schädigender Kraukheits-vorgänge, welche das Leben der Thiere bald mehr bald weniger ge­fährden. Zu diesen Leiden gehören a) das Wundfieber, b) die Septikämie, c) die Pyämie und d) der Starrkrampf.
a) Das Wundlieber. Wenn von einer Wunde ausgehend sich jener Symptomencomplex entwickelt, der als Fieber bezeichnet wird, so spricht man von einem Wundlieber. In früherer Zeit glaubte man, dass dasselbe lediglich auf einer Heizung nervöser Apparate beruhe; gegenwärtig aber besteht kein Zweifel darüber, dass das Wundfieber durch Aufnahme gewisser schädlicher Stoffe aus Wunden in die Blut­bahn veranlasst wird. Es darf freilich nicht verschwiegen werden, dass beim Menschen Fieber auftritt, wenn in die durch Stricturen verengte Harnröhre ein Bougie eingeführt wird. Die Ursache hierfür sieht man in der Reizung von Nerven und spricht in diesem Ealle
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Störungon in dar Wundhoilung Wundflebor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I(i7
von „nervösem* Fieber. Zu den Stoffen, welche fiebererregend (pyrogen) wirken, gehören in erster i^inii^ die Stoffwecbselproducte der Bakterien (Ptomaine, 'I'ox ine), und so erklärt sich, dass je nach der Virulenz der Infectionserreger bezw, deren Producte das Fieber sich verschieden gestaltet. Bald tritt es sein- heftig, bald nur in geringem Grade auf, in dem einen Falle ist es nui grossen Ge­fahren verbunden, in dem anderen erscheintquot;, es unbedenklich. Man kann dieses Fieber also als den Ausdruck einer Intoxikation auffassen, dalier die Bezeichtiun^en ,Iii to x icationsfieber, Toxämie, Saprämiequot;. Bald gelangen die Mikroben seihst in die Blutbahn, wo man sie während des Fiebers nachweisen kann; dann besteht ein in-fectiöses Wundfieber. Wundfieber kann nun auch ohne Mit­wirkung von Enfectionserregern und zwar durch Resorption von thie-rischeu Flüssigkeiten entstehen, von Stoffen, welche aus zerfallenen Körperbestandtheilen, /,. I!. aus durch Fermentwirkung zersetztem Blute hervorgegangen sind. So weiss mau, dass das Fibrinferment und Eämoglobinlösungen in die Blutbahn gebracht Fieber erzeugen; das­selbe gilt von gewissen Permenten, z. B, dem Pepsin und Pancreatin, sowie von dem durch Seh m i ed ehe rg hergestellten liistocvm, einem normalen Stoffwechselproduot des thierischen Körpers. Alle diese und andere Stoffe erzeugen Fmber, sobald grössere Mengen derselben in die Blutbahn gelangen. So erklärt sich auch das Auftreten von Fieber bei Knochenbrüclien (Bruchfieber), bei Quetschungen und anderen subcutanen Verletzungen. Volkmann und Genzmer baben für dieses Fieber die Bezeichnung aseptisches Fieber eingeführt; man nennt es auch niohtbakterielles Fieber. Grössere Mengen Wund-secret, Reizungen der Wunde mit concentrirten Desinfectionsmitteln (Carbolsäure) begünstigen die Bildung dieses Fiebers, indem sie den Zerfall der Gewebselemente und die Abscheidung von Wundsecret, unter Umständen auch Blutungen fördern.
Wichtiger als die oben genannten pvrogenen Stoli'e. welche den sog. blanden Wundsecreten ihre Entstehung verdanken, sind die­jenigen, welche Stoffwecbselproducte der Mikroben bilden. Hierbei kommen nicht allein die fäulnisserregenden sondern auch eine grosse Zahl anderer Bakterien, wie namentlich die Eiterkokken in Betracht. Das in der Wunde angesammelte Secret wird, falls nicht Asepsis erreicht. wird, durch die Mikrobenvegetationen zersetzt, kann nun mit oder ohne diese in die Blutbahn gelangen und Fieber erzeugen, im Gegen­satz zu dem oben besprochenen Fieber bezeichnet man dieses als sep­tisches oder bakterielles Wundfieber und, wenn hierbei die
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V'ei'letzunßon dor Wüiclithoile.
Mikroben selbst in die Blutbabn Uberiroteu, als ,So pti kam iequot; oder „Sepbthamiequot; (s, S. 172).
Beim Wundfleber bandelt es sich iilso 1. um die Aufnabine ge­wisser cbemischen Substanzen in ilas Blut, um ein Intoxieations-fieber mit Stoffen, deren Natur bisher noeb nicht klar gelegt ist, die aber sowohl aus einer einfachen aseptischen Zersetzung-, wie auch durch die Wirkung von [nfectionserregern durch „Sepsisquot; ent­stehen können; oder -'. um eine infection des Blutes, d. h. um den üebertritt organischer Keime (Mikroben) mit ibren Stoffwecbsel-produeten in die Blutcirculation, um ein Infectionsfieber. Beim septischen Wundfleber ist der Symptomencomplex zwar graduell ver­schieden, je nach der Virulenz der Infectionserreger, sowie nach der Art derselben, allein die Folgen sind im (missen und Ganzen die­selben, nämlich;
I. Steigerung der Körpertemperatur, 2, Störungen in der Circulation und 3. Störungen im Stoffwechsel und in den Funct ionen verschiedener Organe.
1.nbsp; nbsp;Die Steigerung der Bluttemperatur, welche bei Tbieren am zuverlässigsten mit dem Thermometer im Rectum festgestellt wird, be­trägt etwa 1—3deg;, selten mehr. Sie erfolgt bald langsamer, bald schneller und in letzterem Falle beobachtet man wohl .bei Tbieren, namentlich Hunden, wenn aueb nicht so regelmässig wie beim Menschen Fieber-frost, der sich durch Muskelzittern zu erkennen giebt. An der Aussen-fläche des Körpers zeigt sich beim Fieber die Temperatur unregel-mässig vertheilt; während die eine Extremität heiss erscheint, fühlt sich die andere kalt an, und nach kurzer Zeit lindet man das umgekehrte Verhilltniss. Der Grad der Tempenilursteigenmg eiitspricbt der Höhe des Fiebers, deshalb bleibt dieses Symptom für den Kliniker be­sonders wichtig.
2.nbsp; nbsp;Die Störungen der Circulation äussern sich zunächst durch Steigerung der Pulsfrequenz, welche jedoch nicht im graden Verhillt­niss zur Höhe der Temperatur stellt. Der Blutdruck ist beim Wund-fieber in der Hegel nicht erheblich vermindert; der Puls bleibt kräftig und regelmässig, wodurch sich das Wundfleber von der Septikämie und l'yäniie unterscheidet. Hei länger andauernden und heftigen Wund' fiebern beobachtet mau auch wohl in Folge Abfalls des Blutdruckes und Abnahme der Spannung in den Gelassen einen doppelsehlilgigen Puls (Pulsus dicrotus).
In den Capillaren finden vielfach Unterbrechungen des Blutstromes statt, indem zeitweise, bald hier, bald dort Anstauung des Blutes und
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Störungen in dar Wundbsilung — Wundäsbsr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;liiit
selbst Stase eintritt, wie Qüter zuerst direot nachweisen konnte, Aus den Beobachtungen und Messungen Ludwig's ergiebt sich ferner, dnss der Blutstrom eine erhebliche Verlangsamung erfahren hat, unter
dein Einflüsse nervöser Erregungen finden in den verschiedenen Gc-fässgebieten bei Fiebernden Störungen statt, indem bald in diesem, biild in jenem Bezirk allgemeine Verengerung, oder aber abnorme Er­weiterung der Blutgefftsse eintritt. Damit erklärt sieb die unregel-massige Vertheilung der Temperatur an der Aussenfläche des Körpers. Die Erweiterung der Gef'iisse ist. mit Füllung derselben und vermehrter Wärmezufuhr verbunden; Stellen, an denen die Oeflisse verengt sind, verhalten sieb umgekehrt, sie sind kühl.
'lt;gt;. Eine Steigerung erfährt beim Fieber ferner der Stoffwechsel, namentlich der Eiweisssubstanzen im Körper, woraus sieb eine Ab­nahme des Körpergewichts und der Kräfte ergiebt. Mit dem ge­steigerten Stoffwechsel steht auch die Beschleunigung der Respiration in Verbindung, indem der Körper mehr Sauerstoff verbraucht und mehr Kohlensäure producirt; nach Liebermeister und Leyden kann letztere auf mehr nls das Doppelte erhöht werden.
Durch die veränderte Blutmischung werden einzelne Organe nachtheilig beeinflusst. Appetit und Verdauung leiden, die Darmperi-staltik lässt nach, und es entstellt Neigung zur Verstopfung. In Folge vermehrter Abgabe von Wasser durch die Lunge und äussere Ibml wird das Durstgefühl gesteigert; der Harn zeigt sieb in Folge des vermehrten Stoffumsatzes reich an Harnstoff bezw. Harnsäure, und durch den Zerfall der Blutkörper wird der Gehalt desselben an Kali­salzen vermehrt. Nicht selten tritt in Folge der Circulationsstörungen in den Nieren Eiweiss im Harn auf (Albuminurie).
Die ßeimisebuug deletärer Stolle zum libite, sowie atieb die krankhaft gesteigerte Temperatur üben einen nachtheiligen Eiufluss auf das Sensorium aus, in Folge dessen Mattigkeit. Eingenommen­heit des Kopfes (Kopfschmerzen) entstellen, die jedoch bei dem ein­fachen Wundfieber nicht erheblich zu sein pflegen, dagegen bei schwerem Infeetionstieber (Septikämie) deutlieb hervortreten und des­halb wichtige Hülfsmittel für die Differentialdiagnose abgeben.
Das septische Wundfieber stellt sieb in der Regel bald nach der Verletzung ein, meist innerhalb 24 ......18 Stunden; ein Auftreten des­selben nach dem dritten Tage wird nur noch ausnahmsweise beob­achtet, weil die Gewebslücken in der Umgebung der Wunde alsdann bereits plastisch inliltrirt. also zur Resorption weniger geeignet sind. Verletzungen der Wunde, ungeschickte Untersuchung oder Behand-
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Verlotzunffan der Weiohtheile.
lung derselben können indess auch in diesem Stadium zur Entstehung von septischem Wundfleber noch Veranlassung geben.
IHc Dauer des Wnndflebers ist verschieden und richtet sich in erster Linie mich der Beschaffenheit und Menge der in das Blut über­getretenen pyrogenen Substanzen. Sobald diese Zufuhr aufhört, fällt auch das Fieber schnell ab, wie man sich leicht, überzeugen kann, wenn man nach Entleerung des Wundsecrets und Ausspülen der Wunde mit einem Desinficiens die Temperatur controllirt; schon inner­halb I—- Stunden kann dieselbe um 1—3deg; abfallen. Ein so plötz­liches Verschwinden der Beberhaften Erscheinungen bezeichnet man als kritische Defervescenz, während für das langsame Nach­lassen des Fiebers die Bezeichnung Lysis seit alter Zeit im Gebrauch ist. Sobald indess die Resorption pyrogener Stoffe von neuem erfolgt, stellt sich auch das Fieber wieder ein, welches auf diese Weise einen reinit.tirenden oder gar intermittirenden Verlauf nehmen kann. Im allgemeinen aber pflegt das Wundfieber einen continuirlichen Verlauf zu nehmen.
Ein tödtlicher Ausgang beim Wundfieber bildet bei unseren Thieren die Ausnahme, doch kann dieser bei hochgradig entkräfteten Individuen, z. B. Hunden eintreten. Nach Chossat gehen Thiere regelmilssig zu Grunde, sobald sie 400/o ihres Körpergewichts ver­loren haben. Noch seltener tritt der Tod durch Entartung und Läh­mung des Herzmuskels (Herzlähmung), oder durch Einstellung der Function im Oenlralnervenorgane (Gehirnlähmung) ein.
Die von Jürgens en und Lieb er mann vertretene Ansicht, dass die heberhafte Temperatursteigerung die nächste Ursache zu dem tödtlichen Ausgange abgebe, wird neuerdings mehr und mehr in Zweifel gezogen. Gegen diese sprechen namentlich die Versuche Xaunyns mit künstlicher Erwärmung der Thiere. Heutzutage be­trachtet man mit Cohnheim die Temperatursteigerung beim Fieber als ein Heilbestreben des Körpers, indem dadurch die pyrogenen Stoffe schnell zerstört, oder in ihrer Virulenz abgeschwächt werden. Durch die erhöhte Körpertemperatur wird auch die Entwickelung der ln-fectionserreger nachtheilig beeinflusst. Ferner ist bekannt, dass die bei höheren Temperaturen entstandenen Mikroben vielfach eine ge­ringere Virulenz besitzen; eine Thatsache, die bekanntlich für die Zwecke der Impfung Anwendung gefunden hat (S. 87). Dagegen konnte durch wiederholte Abkühlung des Körpers der mit Milzbrand geimpften Thiere das Auftreten der Bacillen im Blute beschleunigt werden. Frei­lich entspricht es einer alten Erfahrung, dass sich bei tieberhaften
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Störungen in der \Viuidliciluiiigt; \\'uihIlieber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;171
Knmkhuiteii die ProgDose schlecht gestaltet, sobald lt;ii'' Temperatur unter Zunahme der übrigen Erscheinungen abfUUt, wie es gegen Ende des Lebens sogar Hegel ist. Es erscheint, verständlich, dass die Aus­sicht auf Genesung schwinden inuss, wenn der Körper nicht mehr die Kraft besitzt auf die pathogenen Eingriffe zu reagiren. in diesem Paukte verhält sich das Fieber ähnlicb wie der Entzündungsprocess. Man ist hiernach auf eine frühere, schon von Paracelsus ver­tretene Ansicht zurückgekommen, dass nämlich das Fieber einen Kampf des thicrischen Körpers gegen feindliche Stoffe darstellt, also iils eine vortheillnifte Reaction des Organismus aufgefasst wer­den muss.
Während Patienten mit septischem Wundfieber stets in stärkerem oder geringerem Grade den beschriebenen Symptomencomplex zeigen, ist dies beim asepti sehen Wundfieber nicht der Fall. An derartigen Patienten ist nichts weiter zu constatiren als eine Erhöhung der Körper­temperatur, die 40,5deg;—41,0deg; betragen kann, im übrigen ist das Be­enden ein munteres, der Appetit ist gut, das Sensoriura frei, der Kräfte­fond ungeschwacht. Freilich kommen zwischen beiden Wundlieberarten Uebergänge vor. allein der Verlauf entscheidet bald darüber, welche von beiden vorliegt. Das aseptische Wundfleber verschwindet spätestens am !. Tage, während das septische länger anhält und erst allmählich absinkt oder gar zunimmt. Wenn man für den Begriff Fieber jenen Symptomencomplex verlangt, der oben näher angegeben, dann folgt von selbst, dass das aseptische Wundlieber eigentlich kein echtes Fieber ist, da „Fieberquot; und „Erhöhung der Körpertemperaturquot; nicht identisch sind.
Die Behandlung des Wundfiebers gestaltet .sich hiernach im Princip sehr einfach. In prophylaktischer Beziehung kommt bei Wunden
vor allem Antisepsis in Betracht. Wo Asepsis erreicht wird, stell! sich selten Wundfleber ein, und wo dies trotzdem der Fall sein sollte, handell es sich um ein aseptisches, nicht, bakterielles, das in der Regel bald von selbst wieder verschwindet. Zur Verhütung des Wundfiebers dienen ferner Massregeln, welche die Anhäufung grösserer Mengen Wundsecret und Blut in der Wunde verhindern (Drains, sorgfältiger Verband mit absorbirendem Material u. s, w.l. Wenn sich bei Wunden, die mit den llülfsmitteln der Antisepsis bezw. Asepsis behandelt wurden. Fieber einstellt, so kommt es darauf an festzustellen, ob ein bakterielles oder ein aseptisches Fieber vorliegt. Die obigen Ausführungen bieten die nöthigen Anhaltspunkte, um eine Unterscheidung zwischen beiden
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Verletzunffen der Weiohtbsile
Wundfieberai'ten herbeizuführen und die erforderlichen Massnahmen zu treffen. Erforderlichenfalls Sffnet man die Wunde unter anMseptischen
Miissiialunen, s])iilt, sie mit Desint'ecfcioiisniitteln aus und .sucht das retinirte Wundsecret zum Abfluss zu bringen.
Bei ollen behandelten Wundem lässt man die gleieho Unter­suchung eintreten, legt Gtagenöffhungen oder Drains an, um dein Wundsecrete einen möglichst schnellen Abfluss zu schaffen. Macht sich in der Umgebung der Wunde stärkere Anschwellung bemerkbar, so untersuche man diese auf die Gegenwart von Wundsecret bezw. Abscessen. Nach Entleerung dieser Massen lallt die Temperatur in der Regel nach wenigen Stunden auf die Norm zurück. Liisst sich dieser Abfluss in Folge ungünstiger Lage der Wunde nicht erreichen, so muss entweder permanente Irrigation eingeleitet, oder die Wunde recht oft (ö—(i mal am Tage) mit einer Desinfectionsfliissigkeit ausgespült werden; auch können absorbirende Tampons hier nützlich werden.
Die Anwendung von Kälte in Gestalt von Umschlügen U. S, w. hat nur insofern Nutzen, als das Wasser reinigend wirkt; im übrigen ist hier Kühlen ebenso wenig zu empfehlen wie die Anwendung der Antipyretica (Salicylsäure, Kairin, Antipyrin u, s. w.), welche unter Umständen sogar schallen können. Dagegen ist für den Patienten Körperruhe, leicht verdauliche Nahrung und reines Wasser, welches nach Belieben genommen werden kann, erforderlich. Gegen grössere Schwächezustände wird Alkohol, Aether und Kampfer in Anwendung ffebracht.
b) Septikämie (Sephthämie, Septichämie). Wie oben ge­zeigt, handelt es sieh bei dem septischen Wundfieber um die Aufnahme von Stoffwechselproducten der Bakterien in das Blut, welche an einer beschränkten Stelle des Körpers producirt werden, um eine „Intoxi­cationquot;. Obwohl es nun klinisch nicht immer möglich ist, dieses sep­tische Wundfieber von dem Processe zu trennen, welcher entsteht, wenn Baeterien in die Blutbahn übertreten und dort ihre Stoif-wechselproducte bilden, nämlich von der „Septikämiequot;, so ist es doeli keineswegs zu billigen, das septische Wundlieber als „toxische Septikämiequot; zu bezeichnen. Ks deckt sich hier der klinische Be-grilf „Septikämie* nicht mit dem ätiologischen, und es empfiehlt sich daher, ihn als ätiologischen fallen zu lassen. Im letzteren Sinne wurde sich dann das Wesen des klinischen Begriffes ..Septikämiequot; trennen in; I. Bakteriämie, verursacht dureb Anwesenheit der Mikroorganismen im Blute selbst, und 2. Saprämie, Toxämie,
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Störungen In der Wundheilung — Septikämle.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17ii
entstanden durch üebertritt von Stoffwechselproducten der Mikroben in die Blutbabu. Obgleicb diese beiden Gruppen von Erkrankungen
klinisch in der Regel nicht zu unterscheiden sind, scheint die Tren­nung derselben dennoch um so mehr gerechtfertigt, als die erstere Gruppe fieberhafter Erkrankungen in hohem Grade ansteckender Natur zu sein pflegt, nicht aber die letztere.
(Jeher die Septikämie erzeugenden Bakterien sind dir Unter­suchungen ebenso wenig ah^eschlossen wie über die Natur und Ver­breitung derjenigen chemischen Körper, welche Intoxication erzeugen. So viel steht fest, dass es verschiedene Mikrobeuarten giebt, die ein Krankheitsbild erzeugen können, das wir klinisch als Septikämie be­zeichnen, und dass sich diese Mikroben den einzelnen Thierarten gegen­über verschieden verhallen, Die Suche nach dem für die „Septikämie* spezifischen Mikroorganismus ist also insofern fruchtlos, als es nicht einen einzigen, sondern zahlreiche Mikroben giebt, welche das J}ild der Septikämie erzeugen, so dass es nicht Wunder nehmen darf, auch die gewöhnlichen Eiterkokken (Staphylo- und Streptokokken) als Erreger dieses Leidens zu sehen. .Letztere sind sogar in den Fällen, WO eine Wunde1 den Ausgangspunkt der Septikämie bildet, meist als Ursache gefunden; es kommt eben nur darauf an, dass sie in grossen Mengen in die Blutbahn eindringen (Jürgensen, Vidal, Schütz).
Während der von R.Koch experiinentoll nachgewiesene Bacillus der Mäuseseptikämio ein äusserst feines Stäbchen bildet, das dem Bacillus des Schweinerothlaufes sehr ähnlich erscheint, zeigt der von Gaffky entdeckte Bacillus der Kaninchenseptikäinie die grösste Uehereinstim-mung mit den Bakterien der Hühnercholera, dem Bacillus der Schweine­seuche und den von Kitt und Hüppe näher untersuchten Bakterien der Wildseuche, so dass man diese letzteren für identisch hält, und Hüppe hierfür den Sammelnamen Bacterium Septicaemiae hae-morrhagicae wühlte. Buch sah durch dieses Bacterium ovale bei Bindern sporadische Septikämie entstehen. Bei Kaninchen konnte. Franke! durch Impfung von menschlichem Speichel Septikämie er­zeugen. Er fand in dem Speichel einen Coccus, welcher dein der croupösen l'neumonie des Menschen ähnlich erscheint, wahrscheinlich mit demselben identisch ist. Auch wurde in unreiner Erde ein dem Streptococcus pyogenes ähnlicher Mikroorganismus gefunden, welcher bei Thieren Septikämie erzeugt.
Zu den auch bei Thierenlaquo; septikämische Erkrankung hervorrufen­den Mikroorganismen gehört der von R. Koch als Bacillus des malignen
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Vei'letzunamp;fen der Weiohtheils.
Oedema beschriebene Parasit, der wahrsobeinlich mit den Vihrions septiques Pasteurs identisch ist (Im^'- 'I). Endlich kann auch der Kauschbrandbacillus hierher gezählt werden (Fig. 45), der bei Rindern eine typische Erkrankung- (Rausohbrand) hervorruft. Voraussichtlich werden zukünftige Untersuchungen noch weitere Aufkltlrungen über ähnlich wirkende Mikroben und ihr Vorkommen geben.
Während die hier genannten Mikroben im thierischen Körper und namentlich im .Blute desselben sieh vermehren und durch ihre Stoffweohselproducte (Anthracin, Methylguanidin [Hoffa]) schädlicli werden, giebt es andere Mikroparasiten, die im Blute des Thierkörpers nieht veßetiren, wohl aber im Stande sind, demselben durch ihre Stoff-
fig. 4\.
Fig. 45.
^
^
C^Ba,
/
P
Vgt;
Rauschbrandbacillen.
wechselproducte gefährlich zu werden. Dahin gehören u. a. die ursprünglich als Bacterium terrao bezeichneten Fäulniss-pavasiten, welche nach den Untersuchungen
lotiiniis maligni.
Mauser's in drei Arten zerfallen, nämlich: 1. Proteus vulgai'is, 2. P. mirabilia und 8. P. Zenkeri. Sie selbst zeigen sieh im thierischen Körper nicht wachsthumsfähig, dagegen können selbst geringe Mengen ihrer Producte eine heftige septische Intoxication hervorrufen. Ebenso haben v. Bergmann und Angerer Erkrankungen, die der Septikäinie sieh ähnlich gestalteten, nach Injectionen von Fer­menten in die ßlutbahn erzeugt. Sie injicirten sterile Lösungen von Pepsin und Pancreatin und erzielten schwere Störungen, welche wie die Septikäinie mit Untergang zahlreicher weisser Blutkörper verbunden waren. Aelmliche Wirkungen wollen Semmer, Eossbach u. A. durch intravenöse injectionen von Papayotin in steriler Lösung erreicht und hiernach Bakterien im Blute auftreten gesehen haben.
Die Bezeichnung ..Septikäinie1' umfasst hiernach eine Reihe von Krankheiten, deren Natur bisher nur zum Theil bekannt ist; Septi-kämie bildet also einen Sammelnamen, den mau richtiger durch „septimische Krankheitenquot; ersetzen würde. Bei dem Mangel
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Störungen in der \^,lmlill(;ilunn#9632; — Septikäinie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17rgt;
genauerer KCiuitniss derselben ersobeint jedoch dio erstere Bezeicbnung bereebtigt.
Der Elintritt der schildlicben Substanzen in den Körper, die ln-fection oder [ntoxication ^'elit in der Elegel von Wunden, ElntzUndungs-berden oder brandigen Processen (Brandmauke der Pferde) uns. Be­sonders leiebt erfolgt die Resorption in frisebeu Wunden und da, wo /.. B, unter Fascien, in Gelenken und Sebnenscbeiden dureb Steigerung des Druckes im Erkrankungsberde diese Stolle gleicbsom in den Lympbstrom oder in die Blutbabn getrieben werden, ist die Eingangspforte derselben nicht naebzuweisen, so spriebt man von einer kryptogenetischen Septi kiiin ie.
Die Section dor an Septikämie verendeten Tbiere ergiebt dunkles, nicht geronnenes, tbeerartiges Blut, weiches leicht, in Fäulniss über­gebt und zuweilen sauer reagiren soll. Die Blutkörper sind grössteu-Iheils aufgelöst, die weissen entbalten zablreicbe Mikroben, in den versobiedenen Organen werden kleinere oder grössere Blutungen an­getroffen, welcbe besonders an den serösen Häuten zablreich bervor-treten, Die grossen Parencbyme /.eigen sich geschwollen, die Muskeln fettig degenerirt, Milz und Nieren vergrössert, Leber ebenfalls ge-scbwollen.
Klinischer Verlauf. Ein continuirlicbes, hoebgradiges, mit sebweren allgemeinen Störungen und einer Reibe zum Theil typiseber Entzündungsprocesse verbundenes Fieber kennzeichnet die Septikämie. Die Temperatur steigt in der Kegel um 3—4deg;; nur ausnahmsweise fehll die Temperatursteigerung. Mit noch grösserer Regelmässigkeit tritt hohe Pulsfrequenz ein; dabei erscheint der i'uls klein und schwach, ein Zeichen schwerer Miterkrankung des Heramuskels. Dazu kommt starke Eingenommenbeit des Sensorimns; die Thiere sind un­aufmerksam auf ihre Umgebung, hören nicht auf den Zuruf, ver­schmähen das Futter, meist, sogar das Getränk, has matte Auge und der stiere Blick verratben sofort die schwere Erkrankung, und nach kurzer Zeil tritt der Bulbus in die Orbita zurück. Die De-fdcation ist bald verzögert, im späteren Stadium des Leidens stellt sich nicht selten profuser Durchfall ein, wobei wässerig-schleimige oder blutige Kothmasseu entleert werden. Im Harn findet sich stets
Eiweiss.
Die Zersetzung des Blubes zeigt sich intra vitam am deutlichsten an den sichtbaren Schleimhäuten; die Conjunctiva ersebeini diffus (schmutzig) dunkelrotb. während ihre grösseren venösen Gelasse mit
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Verlstaungen der Weiohtheilo.
ebenfalls dunklem Blut überfüllt sind. Beim Meiise.lien sind die ursilcli-lichen Erreger der SepUkiunie in Form von Sfcaphylo- und Strepto­kokken oft schon willirend des Lebens im Blute Septikämisolier nacli-gewiesen worden (t. Eiseisberg).
Geht die Septikämie von einer Wunde oder einer anderen niicli-weisbaren Erkrankung der Körperoberfläche aus, so können diese Localerkrankungen offenbare Veränderungen zeigen; /. B, hört sowohl die Eiterung wie auch die Granulation in der Wunde auf. Meist werden auch hier schwere entzündliche oder gangränöse Processe be­obachtet, oft mit einer ausgesprochenen Neigung zur Ausbreitung. Nicht selten setzt die Septikämie mit dem üebertritt solcher Processe auf ein Gelenk oder eine Sehnenscheide erst ein. Bei der Brand­mauke der Pferde z, B. greift die Nekrose häufig auf eine Sehnen­scheide des Beugeapparates über, und sobald sieb die Producte der Gangrän in die Sehnenscheiden ergossen haben, beginnt von hier aus eine lebhafte Resorption derselben, und die Septikämie ist da. Auch an Wunden, die zur Septikämie führen, beobachtet man oft Gangrän; dagegen pflegt die mit derselben verbundene Anschwellung in den Hintergrund zu treten. Beim malignen Oedem nimmt die An­schwellung in der Regel einen bedeutenden Umfang an, und zeigt wie beim Kauschbrand der Binder häufig Emphysembildung.
Sobald der örtliche Process auf das Brust- oder Bauchfell über­greift, stellen sich Erscheinungen schwerer Enlzündungen dieser Organe ein. Bei der Castration z. B. entsteht Peritonitis, die sieh durch leichte, aber andauernde Kolikerscheinungen zu erkennen giebt; das hochgradige Fieber deutet aber auch hier auf die Schwere des Leidens bin.
Seltener kommt es bei Thieren im Verlaufe der Septikämie an der inficirten Wunde oder der Verletzung, welche den Ausgangspunkt des Leidens bildete, zu profusen Blutungen; doch können auch an den seeundär erkrankten Organen solche erfolgen. Bei einem Pferde, welches in Folge einer äusseren Verletzung an Septikämie erkrankte, stellten sich im Verlauf dieses Leidens Erscheinungen einer septischen Pleuritis ein, welche plötzlich zum Tode führte; die Section ergab, dass eine Verblutung in die Brusthöhle eingetreten war. In Wunden erfolgen bei der Septikämie zuweilen Nachblutungen.
Die Diagnose der Septikämie fällt nicht schwer, sobald das Leiden seine volle Lniuickelung erfahren hat und heftig auftritt. Vor­her sowie bei leichterer Erkrankung kann die Trennung von dem septischen Wundlieher schwer werden. Genau genommen lässt sich
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Störungen in der Wundheilung Septiktlniie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;177
hier iiuch keine soharfe Grenze ziehen, und man könnte die Septikämie als ein sebweros septisches Wuudfleber, oder dieses als eine leichte Form der Septikämie auffassen. Der unterschied liegl in der Schwere der Erkrankung, und bei der Septikämie ist die Schwere dadurch be­dingt, dass alle Organe des Körpers mehr oder weniger mitleiden. Dagegen ist die Trennung von dem aseptischen Wundfieher leicht; während bei letzterem der Puls nicht, wesentlich alterirt, Appetit und namentlich das Durstgefühl nicht gestöri ist, auch Eingenommenheit des Kopfes fehlt, können bei der Septikämie diese Störungen dem aut'nierksanien Beoliachter kaum entgehen. Ks empfiehlt sich, heim Besuche derartiger Patienten gegen die Box bezw. den Stand zu klopfen oder mit der Zunge zu schnalzen; wenn das Pferd hierauf nicht durch Aufheben des Kopfes und lebhaften Blick reagirt, erscheint der Zu­stand stets bedenklich. Zeigt: sich zugleich der Puls klein und frequent, so bleibt selten noch ein Zweifel über die Diagnose bestellen.
Die Beurtheilung gestaltet sich im allgemeinen schlecht. Vom theoretischen Standpunkte würde man die Snprämie günstiger beurtheilen müssen als die Bakteriämie. Wenn es gelingen sollte, den Herd, von dem das Leiden ausgegangen, aufzufinden und frei zu legen, so würde man bei der ersteren Aussicht auf Heilung haben. Wo dagegen das Blut selbst den Sitz, der Infec.tionsstolFe bilde!, da bleibt von der Therapie wenig zu erwarten. Diese Trennung gelingt jedoch, wie bereits oben erwähnt, intra vitam höchst selten; daher sind wir auf andere lliilfsmittel bei der Prognose angewiesen. Als Regel gilt, je heftiger das Leiden auftritt, je hochgradiger die Temperatursteigerung und namentlich die Störungen in der iler/.function. je kleiner, schneller und unregelmässiger der Puls, um so schwerer die Erkrankung, und um so geringer ge­stalten sich die Aussichten auf Erhaltung der Thiere. Die meisten der letzteren gehen schon in den ersten 21—18 Stunden der Erkrankung ein, andere erst später; selten erstreckt, sich das Leiden über 4 — 5 Tage.
Behandlung. Präservativ kommt, auch hier strenge Anwendung der Antisepsis in Betracht. Eine besondere Beachtung verdient ferner die Thatsache, dass die Bakteriämie durch Impfung übertragbar ist, daher sei man namentlich mit den Händen und Instrumenten, welche an solchen Patienten benutzt wurden, recht vorsichtig und benutze sie niemals an anderen, bevor sie nicht sorgfältig desinticirt sind. Eine gleiche Vorsicht erscheint allen fauligen Substanzen, namentlich Brand­horden gegenüber geboten.
Möllor u. Frlok, Allgemeine Chtnirgie für Thlerlirzte. s. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 12
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ITS
Vcrlclzuiiquot;vii der Weic-hllu'ilc
Unsere Literatur hat verschiedene Beobachtungen aufzuweisen, welche von der Wichtigkeil dieses Grundsatzes Zeugniss ablegen. Wiederholt sah man eine grössore Anzahl Thiere, namentlicli Pferde mi Septikilraie zu Qrunde gehen, welche mit einem inflcirten Messer castrirt waren. W ie viele soldier Fälle mögen sich aber ereignen, ohne dass sie bekannt werden; manche werden vielleicht von dem Operateur selbst nicht einmal richtig gedeutet.
I'm zu verhindern, dass bereits vorhandene Wunden Ausgangs­punkt für die Entwickelung dieses Leidens werden, wende man Anti­sepsis an, soweit es möglich und erforderlich erscheint, Stark jau­chende Wunden müssen in kurzen Intervallen sorgfältig gereinigt werden; auch hier empfiehlt sich permanente Irrigation. Bei bereits eingetretener Septikämie kommt es in erster Linie auf eine gründ­liche Desinfection des localen Krankheitsherdes an. Man untersuche die Wunde genau, suche Blut und Wundsecrete nach Möglichkeit aus derselben zu entfernen, spüle dieselbe mit kräftig wirkenden Des-infectionsmitteln aus und behandle die Wunde nach den allgemeinen Grundsätzen (S. 125).
Qungränöse Herde sind möglichst zu reinigen, die nekrotischen Massen, zu entfernen, und die betreffenden Stellen wiederholt mit Desinfectionsflüssigkeiten zu waschen oder permanenter Irrigation zu unterwerfen. Ging die Septikämie aus einer septischen Phlegmone hervor, so empfehlen sich [ncisionen, sobald es zur Anhäufung von Jauche gekommen ist; darauf iässt man eine energische Desinfection folgen, (iegeii den septischen Durchfall werden Opium, Creolin, Naph­thalin, Bismuth, subnitric. empfohlen; gegen Tenesmus Stärkeklystire. Sobald Herzlähmung droht, linden Alkohol, Aether und Kampfer An­wendung. Das Fieber ist naeh den oben besprochenen Gesichtspunkten zu behandeln.
c) Pyämie 1). Als Pyämie (Pyohämie) bezeichnet man diejenige Allgemeinerkrankung, welche durch die Aufnahme von Eiter bezw. Biterkokken in das Blut bedingt wird und mit Metastasenbildung (multiplen Eiterungen) in den verschiedensten Organen des Körpers verbunden ist. (Jeher die Entwickelung dieses Leidens war man lange Zeit im Unklaren, doch hat diese- Frage in neuerer Zeit durch die Untersuchungen von Virchow, IJ. Koch und Rosenbach Aufklä­rung; erl'aliren. Durch Virchow wurde der Nachweis erbracht, dass
') ituov #9632; Kiter und oujalaquo; -- Blut.
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Störungen in dor Wundheilung — Pyämie
eine Venenentzündung (Endophlebitis) mil eitriger Schmelzung des Thrombus (eitrige Thrombomalacie) den wesentlichsten Äutheil an der Entstehung der Pyiimie hat. Nachdem it. Koch für die Pyämie des Kaninchens einen speciflschen Coccus nachgewiesen hatte, zeigten Rose 11 hadi und Pawlowski, dass auch die gewöhnlichen Eiter-kokken, Streptococcus pyogenes und Staphylococcus pyogenes aureus, Pyämie zu erzeugen im Stande sind. Auch Storch fand bei Thieren uls Ursache der Pyämie Streptokokken, welche den Eiterkokken sehr ähnlich waren. Schütz ist der Ansicht, dass zwischen Pyämie und Septikämie kein morphologischer Unterschied bestehi. weil auch bei der Septikämie dieselben eiterbildenden Kokken im Blute angetroffen werden (S. 173). Ks kann also unter Umständen jede Eiterung zur Pyämie führen und zwar dadurch, dass entweder Conglomerate inflcuter Eiterelemente in die Blutbahn gelangen, oder dass Stückchen von einem eitrig erweichten Thrombus in die Circulation geschleudert werden. Wenn trotzdem mis Eiterungen verhältnissmässig .selten Pyämie hervorgeht, so erklärt sieh dieses theils aus der ungleichen Virulenz der eitererregenden Mikroben und der geringeren Empfänglich­keit einzelner Individuen, theils aber aus den verschiedenen Zuständen, unter denen die Eiterungsprocesse ablaufen. Ms ist bekannt, dass die Virulenz ein und derselben Mikrobenart grosser und geringer sein kann, und dass durch die üebertragung von einem Individuum auf andere die Wirkung gewisser Mikroben erhöht wird (Davaine, Ivocli). Auf der anderen Seite bietet sieh an gewissen Stellen des Körpers günstigere Gelegenheit, grössere Mengen Mikrokokken in die Blut­bahn gelangen zu lassen, z. B. bei Eiterungen im Knochen. Wird /,. B. bei purulenten Processen am Hufbein ein Stück' dieses Knochens nekrotisirt, so werden die in den Haversi'schen Kanülen desselben ver­laufenden, venösen Uefiisse leicht thrombosirt. Die Thromben schmelzen dann eitrig ein und gehen zur Entstehung vonEmbolien, d. h. „Pyämiequot;, Veranlassung. Conglomerate von Eiterkörperchen und Kokken ge­langen auf diese Weise in den venösen Blutstrom, machen den venösen Kreislauf zum Herzen und von diesem in die Lungenarterien leicht durch, um nun aber in den kleinen Zweigen der letzteren oder in den Lungencapillaren stecken zu bleiben und hier neue Eiterungsprocesse hervorzurufen, d. h. Metastasen zu bilden. Ein Theil derselben passirt vielleicht auch die Lungencapillaren, gelangt zum Herzen zurück und durch die Aorta in die Capillaren anderer Orgaue, z. 1!. der Nieren, und erzeugt liier Metastasen. Schon Spinola wiess auf den Zu­sammenhang der von ihm als Eiterknoten bezeichneten Metastasen
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VorU'tzuiigoii der Wciülitlicilu.
in den Lungen mit eitrigen Processen im Hufe hin. Aebnliohe Vorlaquo; gänge knüpfen sidi au gangränöse Processe in der ftusseren Haut, wie sie ;ils laquo;og. Brandmauke bei Pferden beobachtet werden. Entwickelt sich die Qangr'än an einer Hautstelle, wo in der Suboutis grössere Blutgeftlsse liegen, z. B, an den Fesselpartien, an den oberflächlichen oder tiefen Venennetzen der Hufkrone, so ergreift sie nicht selten die hier gelegenen Gelasse. Dass die dünnwandigeren Venen hierbei in erster Linie! betroffen werden, liegt auf der Hand. Sobald die Intinia derselben erkrankt, tritt Thrombenbildung in dem Gelasse ein; der zunächst wandständige, mit Enfectionsstoffen durchsetzte Thrombus giebt zu Ernbolien und Metastasenbildung in den Lungen und anderen Organen Veranlassung. In der Regel handelt es sich bei der Brand-rnauke jedoch nicht allein um Eiterkokken, sondern auch um septische Infectionserreger, und es entstehen Combinationen von Pyämie und Septikämie, Zustände, die man als Pyoseptikämie bezeichnet. Solche können sich aber auch von anderen Stellen und in gleicher AVeise ent­wickeln.
Da bei dieser Entstehuugsart der Pyämie grosse Mengen von Eiterkokken in den Blutstrom gelangen, so ist es nicht auffallend, dass neben den eitrigen Metastasen in den verschiedensten Organen des Körpers, welche die Pyämie als solche kennzeichnen, gleichzeitig Veränderungen getroffen werden, welche der .Septikämie angehören. In diesen Fällen haben wir es, wie oben bereits gesagt, mit einem Gemisch von Pyämie und Septikämie zu fchun, d. h. es besteht raquo;Pyo­septikämiequot; oder „Septikopyämiequot;.
Der Unterschied zwischen l'vämie und Septikämie beruht also darauf, dass bei letzterer eine Uebersclnvemmung des Blutes mit Bakterien erfolgt, wodurch die bei der Septikämie beschriebenen ana­tomischen Läsionen veranlasst werden, dagegen findet hei der l'vämie zwar ein Einbruch von Eiterkokken in Mengen in die Blutbahn statt, allein diese localisiren sich und bilden multiple, eitrige Herde, sog. Metastasen.
Ausgangspunkt der Pyämie bildet in der Regel ein Abscess oder mit Nekrose verbundene Eiterungen. Die Gefahr derselben hängt nicht so sehr von der Grosse des Primärherdes als vielmehr von der Lage; und der Beschaffenheit der Umgebung ab. Eiterungen in Ge­lenken und Sehnenscheiden sowie unter Fascien erscheinen in dieser Beziehung stets bedenklich, weil unter der Wirkung des in der Regel hohen Druckes, unter dem der Kiter steht, der Uebertritt des­selben und seiner Erreger in die Circulation begünstigt wird. In der
I L
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Störungon in der Wundhoilung - l'yiiime.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 181
Regel liisst sich der Ausgangspunkt, der PyHmie direct nachweisen, seltener als bei der Septikäinie bleibl dieser verborgen (kryptogene-tisciie Pyftmie). Während bei der Heptikilniie schwere Allgemeiu-erkrankungen, namentlich Degeneration in den grossen Parenchytnen, den Mittelpunkt der anatomischen Veränderungen bilden, treten bei der l'yihnie die localeu Entzündungsherde in den Vordergrund, ganz besonders die Metastasen in den Lungen, welche ebenso wie das Blut selbst mit /.ahlreichen Eiterkokken durchsetzt sind. Im Blute lassen sich diese vornehmlich in den Leukocyten nachweisen, weiche in Folge der Gegenwart derselben in grosser Zahl zu Grunde gellen; aber auch das Plasma und ganz besonders die Gei'ässtbromhen enthalten zahl­reiche Kokken. Ausserdem bildet die Mehrzahl der Übrigen Organe, wie Herz, Milz, Nieren, Leber, Geh im, Knochen, Ge­lenke und Lymphdrüsen, den Sitz von Mikrokokkenherden und embolischen Abscessen (Metastasen). In den Gelenken kommen auf metastatischem Wege eitrige Entzündungen (Polyarthritis pviünica) zu Stande.
Obgleich die Metastasen vornehmlich aus Embolien hervorgehen, so muss doch ziigegeben werden, dass auch die bei der Pyftmie häufig und In den vei'schiedensten Organen auftretenden Blutungen zu Metastasenbildung führen können. Wie bereits erwähnt, finden sieh in dem kreisenden Blute bei der l'yiiime re.lt;,'elniUssilt;,' Eiterkokken, welche also auch in den hiinior-rhagischen Herd übertreten können und hier zur Vermehrung Gelegenheit finden. Ebenso erscheint es nicht ausgeschlossen, dass mit den Leukocyten oder dem Plasma die Infectionsstoffe in ein Gelenk oder eine Sehnenscheide gelangen und in der Synovia sich vermehren (secretorische Metastase Hliter's), oder dass die im Verlaufe des Kiehers auftretenden Stasen in kleinen Gelassen Ausgangspunkt der Metastasen werden (febrile Metastasen).
Klinische Erscheinungen. Die Pyämie setzt mit einem hef­tigen Kieberanfall. verbunden mit Schüttelfrost, in der Regel plötzlich ein; .solche Anfälle wiederholen sich im weiteren Verlaufe des Leidens. Dieser intermittirende Verlauf ergiebt sich aus dem Einbruch grössercr Mengen von Mikrokokken bezw. deren Producten in die Blut­bahn, mit anderen Worten aus der Bildung neuer Metastasen, Dem­entsprechend wechselt auch, zuweilen innerhalb weniger Stunden, zu­weilen im Verlaufe von ein bis mehreren Tagen die Temperatur, indem sie plötzlich auf II quot; steigt und nach einiger Zeit wieder auf die Norm zurückgeht. Die Pulsfrequenz dagegen pflegt auch in der Zwischenzeit fortzubestehen, selten kehrt der Puls ebenfalls auf die Norm zurück. Der Appetit ist gestört, und wenn nicht früher ein tödtlicher Ausgang erfolgt, so stellen sich hiaitig profuse Durchfälle mit Icterus ein. Der
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Vorletzuntren der Weiohtbeile,
letztere entsteht, wie bei der Septikilmie, entweder durch den Zerfall rother Blutkörper (hftmatogener Icterus), oder er bildet eine Folge von öallenstauung, wie sie durch Schwellung der Darmschleimhaut, aber auch durch Metastasen in der Leber veranlassl werden kann (Besorp-tionsicterus), Metastasen in den Lungen führen zu Lungenabscessen, veranlassen Störungen der Respiration und verleihen der Exspirations-luft zuweilen einen fötiden Geruch, Durchbruch des Eiterherdes in den Pleurasacls erzeugt Pleuritis. Metastasen in den Nieren führen zu Albuminurie, zum Auftreten von Harncylindern, nicht selten auch zu Hämaturie) in Gelenken und Muskeln gehen sie zu schmerzhaften Anschwellungen Veranlassung. Metastasen im Gehirn und Rückenmark rufen Lähmungen oder Krämpfe hervor. Diese localen Erkrankungen treten um so mehr in den Vordergrund, je langsamer die Pyämie Fort­schritte macht, d. h. je längere Zeit vom Beginn bis zu dem fast .stets erfolgenden Tode vergeht.
Die Dauer der Pyämie beschränkt sich in der Regel auf #9632;quot;gt; bis 10 Tage. Meist werden die Tliiere vor dem Ablauf der Krankheit getödtet, da eine Eeilung so gut wie aussichtslos erscheint. Je schneller die Fieberanfälle auf einander folgen, je rapider der Kräfteverfall, um so früher muss ein tödtlicher Ausgang erwartet werden.
Die Aussicht auf Heilung ist sein- gering. Von den in den Jahren 1889 und 189] in der preussischen Armee an Pyämie und Septikämie be­handelten 1quot; Pferden gingen 15 zu Grunde, eins wurde getödtet und nur
eins genas.
Von einer Behandlung ist daher bei Thieren kaum die Rede; in prophylaktischer Hinsicht bildet sorgfältige Antisepsis das zuver­lässigste Mittel. Abscessewerden möglichst bald gespalten und entleert; das gilt namentlich von solchen im Hufe. Gangränöse Processe in der Haut (Urandniauke) müssen naeh den allgemeinen Regeln behandelt werden. Soll im übrigen hei Pyämie eine Behandlung eintreten, so muss diese auf Beseitigung der gefahrdrohenden Symptome gelichtet sein; im übrigen deckt sie sich mit der bei der Septikämie erwähnten.
d) Der Starr krumpf (Tetanus). Wie die neueren Unter­suchungen ergeben haben, gehört diese Krankheit ebenfalls zu den Wundinfectionskrankheiten. Die frühere Annahme eines rheumntiseben Starrkrampfes kann nicht aufrecht erhalten werden. Die unter dieser Bezeichnunff in der Literatur aufgeführten*Krankheitsbilder gehören
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Störungen in der Wunilhciluni; Stürrkrnmiif'.
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entweder in das Gtabiel des echten Muskelrheumutismus, der bei Pferden keineswegs selten ist, oder es sollte mil dem A.djeotiv ^rheumatischquot; mir angedeutel werden, dass keine Wunde vorlag, von der der Tetanus ausging, in letzterem Falle spricht man besser wie bei der Pyttmie und Septikämie von „kryptogenetischem Tetanusquot;. Der Starrkrampf rauss stets auf eine Infection zurückgeführl werden, und in diesem Sinne baben die neueren Arbeiten von ECitasato, Nicolaier, Elosenbach und Brieger aufklärend gewirkt. Wenn auch früher schon die Vermuthung gehegt wurde, dass der Tetanus eine lufections-kranklieit sei, so haben doch oral die Untersuchungen Nicolaier's den specifischen Bacillus festgestellt, und Kitasato gelang es, dessen Eleinzuchl zu bewirken,
Nachdem Nicolaier die Beobachtung gemachl hatte, dass Impfungen mit Erde, die von verschiedenen Orten entnommen war, bei Mäusen, Kaninchen und Meerschweinchen Te­tanus erzeugten und dass die Thiere daran zunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'',- 46,
Grunde gingen; da ferner bei der Section der-
\
selben keine auffälligen Veränderungen nach-
\
zuweisen waren, so untersuchte Nicolaier dienbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;v o Impfstellen genauer und land hier neben Eiter raquo; laquo; \ ^s.
und Biterkokken eine eigenthümliche Bacillen- \
.1
art, die sich bei weiteren Untersuchungen undnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \) j r~
Versuchen als die Erreger des Tel aims heraus- quot;^-o
*#9632;'/ /
.-/ •
stellten. Sie besitzen eine keulenförmige Gestalt
(Fig. 46), die mau auch mit einem Kochlöffel Tctanusbacillen mit Sporen, oder einer Stecknadel verglichen hat. Igt;ie Ba­cillen bilden Stäbchen mit abgerundeten Enden, sind :!......L0(jl lang,
können aber unter Umständen zu langen Fäden auswachsen und lassen alsdann ihre Gliedei'ung nur noch undeutlich erkennen. Sie besitzen geringe Eigenbewegung und bilden endständige Sporen. Der Tetanus-bacillus gehört zu den streng anaeroben Bakterien, wuchst also nur unter Luftabschluss am besten bei 36—38deg; (,'.. unter 16deg; wächst er llberhanpt nicht mehr; bei :''7quot; erfolgl in den Culturen schon muh 30 Stunden Sporenbildung, indem das eine Ende des Bacillus fcrommel-schlägelförmig anschwillt. Die Sporen zeigen eine grosse Widerstands-rälii^kcit : in feuchter Umgebung halten sie eine Stunde lang Tem­peraturen bis 800C. ans. Wasserdampf von 100deg; tödtet sie erst nach 5 Minuten. Getrockneter, sporenhaltiger Eiter zeigte sieh nach 16Mo­naten noch virulent (Kit II. Ein Holzsplitter, welcher bei einer Frau, die am Tetanus litt, entfernt war. erzenffte mich nach '-l'i Jahr bei
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Verletzun^en der Weiulitheile.
der Verimpfung Tetanus (v, Eiseisberg). Die Färbung der Baoillen erfolgt leicht iiiich der Gtram'soben Mefcliode. Bei der Impfung geben die Bacillen nicbt ins Hlut über, .sondern bleiben in der Nabe der
[mpf'stelle liegen, erzeugen hier jedocdi ausserordenÜich giftig wirkende Stoffe, welche resorbil't werden und die Erscheinungen des Tetunus hervorrufen. Brieger stellte aus Tetiinusculturen vier GfiftstofFe dar: Tetanin, Tetanotoxin, Spasmotoxin und ein salzsaures Toxin. Selbst geringe Mengen dieser Substanzen erzeugten bei Tbieren acuten Tetanus, aber nicht den typischen Verlauf des Tetanus. Von Weyl und Kitasato wurde aus den Culturen ein weiterer Giftstoff ermit­telt, der auch von Brieger und ('. Frilnicel später festgestellt wurde und gegenwärtig als das eigentliche Tetanusgift angesehen wird. Auf­fallend und noch nicht genügend aufgeklärt ist die experimentell fest­gestellte Tliatsache, dass Ueincultiiren von Tetauusbacillen , die von ihren chemischen Giften befreit sind, bei der subcutimen Verimpfung keinen Tetanus hervorrufen. Wenn aber gleichzeitig Eiterkokkeu mit solcben entgifteten Tetanusculturen injicirt werden, entwickelt sich typischer Tetanus. Es scheint daher, als ob der Tetaausbaeillus an sich nicht tetanogen wirkt, sondern diese Eigenscbaft erst durch Sym­biose mit Eiterkokken erwirbt. Da die Fundorte des Tetanusbacillus (Erde, Pferde- und Rinderkotb) gleichzeitig stets Eiterkokken ent­halten, so ist bei natürlicher Infection mit diesen Zwischenträgern für die Symbiose gesorgt.
Nach den Versuchen von Bruschettini (Fortschr.d.Med. i,:!, 8.881) verbreitet sieb das Tetanusgift von seiner Bildungssttltte ans Im Blute. Es findet sieh im Centralnervensystem, während es in Leber, Milz, Nebennieren und Muskeln vermisst wird. Dagegen wirken Nieren von Thieren, die an Tetanus gestorben sind, toxisch. Ein grosser Theil des Giftes wird durch den Harn ausgeschieden.
Formi und Celli (Fortsohr. d, Med. 93, S. 881) fanden, dass Eiweiss-körper, organische Extracte, Urin, Galle, Fett, Speichel, Dann- und Pankreas-saft, sowie Trypsin ohne Wirkung auf das Tetanusgift sind. Der Magensaft wirkt nur durch seine Säure auf dasselbe. Die Zerstörung des Giftes im Darmkanal erfolgt nach F. und 0. durch die Thätigkeit der Darmwand. Die unverletzte Haut resorlnrt das Gift nicht. Durch Insolation wird die Wirk­samkeit desselben geschädigt. In trockenem Zustande 'ja Stunde hei 130deg; gebalten, wird das Gift zerstört, oder abgeschwächt.
Nach Connnont und Doyen (.1. li. igt;;!, S. (53) wirkt das TeUnusgift auf die sensiblen Nerven, von da auf das Rückenmark und reflectorisoh auf die motorischen Nerven.
Krieger uiid (John stellten das Tetannsgift dar, welches in Wasser löslich ist und nicht die speeiliselie Kiweissreaction zeigte, weshalb es von ihnen als kein Eiweisskörper betrachtet wird; es tödtete schon in 0,5 mg Mäuse von 15,0 g Gewicht.
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Störungsu in der Wundheilung — Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18'gt;
Der Tetanus stellt demnach eine toxische Krankheit, eine Intoxication dar, welche durch Resorption der von den Tetanns-bacillen gelieferten Stoffwechselproducte veranlassl wird. Diese That-sache ist sowohl für die theoretische Auffassung, wie auch für die Beurtheilung und Behandlung des Leidens von Bedeutung. Bei schneller Production und Resorption des Virus entwickell sich die Krankheit rascher, nimmt einen mehr stürmischen Verlauf, etwa wie eine acute Intoxication, während da. wo zur Vegetation der Mikroben, zur Entwickelung und zum üebertritt der toxischen Substanzen in die Circulation die Bedingungen sich weniger günstig gestalten, eine langsamere Intoxication mit retardirtem Krankheitsverlauf eintritt, ähnlich wie bei chronischen Vergiftungen. Dass im letzteren Falle die Gefahr geringer, die Aussicht auf Genesung aber grosser wird, versteht sich von seihst. Es soll indess nicht geleugnet werden, dass auch individuelle Eigenthümlichkeiten (Empfänglichkeit) hierbei eine Rolle spielen. Unter Berücksichtigung dieses Vorganges erklärt sich auch, dass Transfusionen von lilut Tetanus zu erzeugen nicht im Stande sind, wie bereits 1877 von uns (Möller) durch Versuche festgestellt wurde. Der Starrkrampf komm! bei allen Haussiiuge-thieren vor, am häufigsten allerdings beim Pferde und den kleinen Wiederkäuern. Bei Fleischfressern ist das Leiden sehr selten; zwei Fälle von Tetanus bei Bunden wurden jedoch von uns beobachtet. Ebenso stellte Martin Starrkrampf, welcher 9 Tage nach der Ver­letzung aufgetreten war, bei einer Bulldogge mit tödtlichem Ausgange fest. Dreyraann beobachtete Tetanus bei einem Truthahn. Im all­gemeinen erkrankl Geflügel selten an Tetanus; auch haben Cour-mont und Doyen in Lyon durch Versuche festgestellt, dass zur Debertragung der Krankheit auf Geflügel eine grössere Menge [mpf-stotr erforderlich ist. Der Tetanus findet sich bei Menschen wie auch Thieren häutiger in heissen Gegenden. Nach Wagenfeld soll der Starrkrampf in St. Domingo in dem Masse herrschon und bei Operationen gefährlich werden, dass ein castrirtes Pferd doppelt so hoch im Preise steht, wie der Mengst (Priedberger und Fröhner). In der preussischen Armee wurden in den Jahren 1888—1893 ISO Starr­krampffälle bei Pferden beobachtet, die ziemlich gleichmässig über die ganze Monarchie vertheilt waren; muh Liebscher komm! Tetanus besonders bei Pferden vor, die zur Abfuhr des Strassenkehrichts und Mülls verwendet werden. Dasselbe beobachtete Peck in Frank­furt a. M. Die meisten Erkrankungen kamen allerdings im Garde­corps vor, woran offenbar Berlin als Garnison den wesentlichsten
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]S(i Vciirtziium'ii da
#9632; Weiohtheile.
,1'jiiilluss iiiisiihl. indem in Berlin Tel
anus bei Pferden tlberhaupl häufig
beobachtet wird, [ntercssunl ist di(
Vertheilung des Tetanus auf lt;\\v
verschiedenen Quai'tale, Welchen
Minihi.ss die höhere Temperatur
auf die ECntstehung des Leidens 1
at, ergiebt sich am besten üus
dem umstände, dass im 11. und III.
Quartal, also im Sommerhalbjahr,
der Tetanus am Lllufigsten beohac
btet wurde. Es erkrankten von
177 Pferden im 1. Quartal 21, im 1
1. I'd. im III. 77 und im IV. 30,
Im Übrigen vertheilten sieb die Ei
krankungen ziemlich gleichraässig
auf die einzelnen Jahre (•57, iiii, 3
1, '.!gt;'2, 11), woraus sich ergiebt,
dass die sonstigen Witterungsverh
lltnisse auf die Verbreitung der
Krankheit keinen erheblichen Hinlluss ausüben. Mehrfach wurde be­obachtet, dass dasselbe Pferd wiederholt (innerhalb 5 Monaten, Schirraann; innerhalb 2 Jahren, Wheatley) an Tetanus erkrankte.
In den meisten Fällen von Tetanus lässt sieb eine tlussere Ver­letzung, von der die infection ausgegangen war, nachweisen. Ver­wundungen an den Hufen und klauen (Nageltritte) zeigen sich in dieser Beziehungquot; besonders gefährlich, aber auch nach Costrationen und anderen Operationen (Englisiren, [mpfungen) hat man Starrkrampf beobachtet. Von den Castrationsmethoden gilt seit aller Zeit die Unter­bindung als besonders bedenklich. Bei Rindern schlieast sieh Tetanus zuweilen an den Qebäract an und ist vielleicht eine Folge dor hierbei an den Qeschlechtsfcheilen vorkommenden Verletzungen, vielleicht wird er wie heim Menschen durch manuelle Placentalösung vermittelt, In Prankreich wurde neuerdings von verschiedenen Seiten (Hartea-stein u. A.) auf die üebertragung des Tetanus per os aufmerksam gemacht, doch han'l diese Frage, welche ohne weiteres nicht zurück­gewiesen laquo;erden kann, noch ihrer Entscheidung. Jedenfalls ist mit der Anwendung von Instrumenten und Ajipuralen, welche hei Tetanus-kranken Anwendung landen, Vorsicht geboten. Nach Hering können Darmgeschwüre den Ausgangspunkt des Leidens bilden: auch soll die Nabelöffnung neugeborener Thiere den [nfectionspuukt abgeben; bei Lämmern sah man das Leiden auf diesem Wege en/.ootisch auftreten.
Thatsache ist ferner, dass bei Pferden der Tetanus zu gewissen Zeiten ungewöhnlich häufig vorkommt und dann wieder verschwindet. Ob dies gerade hei nasskalter Witterung der Fall ist, wie Waldinger behauptet, mag dahingestellt bleiben; die oben mitgetheilte Statistik spricht dagegen. Zuweilen erkranken in einzelnen Ställen kurz nach einander mehrere Thiere, oder in bestimmten Ständen die in dieselben eingestellten Pferde, Dischereit beobachtete Starrkrampf nach dem
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Störungon in der Wundhoilung - Starrkrampf,
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Castriröti; drei von einem Empiriker castrirte Hengstfohlen erkrankten vier Tage sptlter an Tetanus und gingen daran ein, Die von dem­selben Castrirer und an demselben Tage geschnittenen drei Bullen­kalber starben ebenfalls fünf Tage später an Starrkrampf. Kräftige Thiere in mittleren Jahren werden am häufigsten von Tetanus be­fallen; selten leiden alte, abgetriebene Pferde. Oll stellt sich die Krank­heit erst ein, wenn die Wunden bereits in der Heilung begriffen oder schon abgeheilt sind; in einem Falle soll sich der Starrkrampf erst 1 I Tage nach dem A-bheilen eines Hufgeschwürs entwickelt haben. Mir (Frick) erkrankte und starb ein Pferd an Tetanus, das bereits 1 I Tage nach einem abgeheilten Nageltrilt: wieder gearbeitel hatte.
Klinische Erscheinungen. Bei Pferden beginnt das heulen in der Regel mit Trismus, d. h, mil einer tetanischen Contraction der Muskeln des Kopfes, namentlich der Kaumuskeln, seltener sieht man (lie tetanischen Muskelcontractionen am Hintertheil zuerst. Beim Tris­mus kann das Maul nicht regelmässig geöffnet werden (Maulsperre, Maulklemme); in heftigen Fällen stehen die Zähne des Ober- und Unterkiefers fest auf einander und lassen sich nicht mehr von ein­ander entfernen. Mit diesem Zustande ist natürlich nicht nur das Kauen, sondern auch das Schlucken gestört, weshalb der Speichel leicht in die Trachea fliessl und Erstickung oder Fremdkörperpueumonien veranlasst, woran die Thiere nicht selten eingehen.
Der Krampf in den Ohrmuskeln veranlasst eine steife Haltung der Ohren, in den Augenmuskeln Zurücktreten des Bulbus in die Or­bila und dadurch stärkeres Hervortreten der Nickhaut über die Cornea, eine Erscheinung, die besonders beim Hochheben des Kopfes und Führen des Thieres deutlich wird. Die Nüstern werden erweitert. während der Krampf in den Halsmuskeln eine gestreckte Stellung des Kopfes und Maises hervorruft; letztere werden deswegen steil' und in gerader Richtung nach vorn, selten nach einer Seite gehalten. Diese ..vslreckto Haltung des Halses hat offenbar zu der Bezeichnung „Hirschkrankheitquot; Anlass gegeben.
Der Krampf in den Rücken- und Kruppenmuskeln bewirk! bei dem üebergewicht der Strecker (due leichte Aufrichtung des Halses mit Einsenkung der Ruckenwirbelsäule (Opisthotonus); zuweilen nimmt der Kücken eine gerade Haltung ein (Orthotonus), selten beobachtet man eine Seitwartsbiegung der Wirbelsäule (Pleurotho-tonus) und noch seltener eine Aufvvärtskrümmung, wobei sich der Kopf gegen die Brust richtet (Kmprosthotomisl, Die Schweifrübe
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In Folge der Contraction in den Bauchmuskeln erscheint der Leih aufgeschürzt, während durch Krampf in den Respirationsmuskeln die Athtnung melir oder weniger gestört, namentlich oberflächlich wird; man beobachtet bei Pferden 30—50, selbst 100 Atliemzüge pro Minute, doch ist diese Störung erheblichen, temporären Schwankungen unter­worfen. Ausnahmsweise veranlasst der Krampf in den Kehlkopfmuskeln bei der Bewegung der Thiere ein pfeifendes Athnien.
Die Temperatur hält sich im Anfange der Krankheit meist auf der Norm, später steigt dieselbe auf 40—12 0C. und post mortem sogar his auf 45deg; (Bayer). Ob hierbei die Gerinnung des Myosins (Erstarrung der Muskeln) betheiligt ist, lässt sich zur Zeit nicht ent­scheiden.
Der Puls zeigt im Anfange der Krankheit keine Veränderung. In späteren Stadien und heftigen Anfällen steigt derselbe auf 70 100 pro Minute, so namentlich, wenn die Thiere andauernd liegen und uii-ruliig werden; dabei erscheint der l'uls hart und klein.
Die heim Tetanus auftretenden Störungen in der Verdauung be­schränken sieh in der Kegel auf Schi nekheschwerdeii, die wiederum theils von der Maulsperre, thcils aber von einem Krampf in der Zunge, Rachenmuskulatur oder im Schlünde abhängen. Flüssige Nahrung wird noch am besten aufgenommen, oft aber zeigt sich auch das un­möglich, so dass die Thiere nicht einmal Gelegenheit finden, den sich allmählich steigernden Durst zu stillen.
Die Darmperistaltik und Entleerung der Fäces sind meist etwas verzögert, zuweilen auch der 1 larnahsat'/., indem durch Krampf im Sphincter vesicae Ischurie bezw. Dysurie eintritt. Der Harn zeigt sich seihst bei Pflanzenfressern oft sauer; Friedberger fand in dem­selben bei Pferden grosse Mengen von Oxalatkrystallen, Geschlechtliche Aufregungen werden ausnahmsweise bei Hengsten und Wallachen beobachtet.
Die Elumpfmuskeln fühlen sich almorm hart und gespannt an.
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Störungen in der Wundheilung Starrkrampf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1S9
auch besteht in der Regel ein abnormer Erregungszustand bei den Thicri'ii; durch Zuruf, plötzliche Geräusche oder Berührungen des Kör­pers worden siu erregt. Sobald erhebliche Dyspnoe auftritt, quot;der wenn die Thiere andauernd liegen, stellt sich bald allgemeiner Schweiss-ausbruch ein.
Beim Rinde erscheint der Tetanus als Begleiter von Endometritis und nach der Castration, im übrigen hat das ganze Krankheitsbild mit dem Tetanus des Pferdes so grosse Aehnlichkeit, dass Verwechselungen inif; anderen Leiden kaum vorkommen. Mit einer gespreizten Stellung der Ftlsse und steifer Haltung der Wirbelsäule verbindet sich ein steifer dang. Die Bewegungen, weiche im allgemeinen zu vermeiden gesucht werden, erscheinen unbeholfen. Zuweilen stellt sich durch Tympanitis des Pansens Auftreibung der linken Flankengegend ein.
Auch beim Schafe tritt die steile, gespannte Körperhaltung be­sonders an den Hinterfüssen in den Vordergrund der Symptome; die Stellung wird ebenfalls breitbeinig, und die Thiere suchen Bewegungen uaeli Möglichkeit zu vermeiden. An liegenden Thieren erscheint der Kopf und Hals oft nach hinten gerückt. Auch beim Schaf besteht in der Hegel Trismus.
Die sensoriellen Fimctionen und namentlich das Bewusstsein bleiben in der Regel bei allen Thieren bis zum letzten Stadium der Krankheil; ungestört.
Die grosse Seltenheit des Tetanus bei Bunden und das Fehlen einer Beschreibung der Symptome des Leidens bei diesen Thieren dürfte eine Darstellung zweier von uns beobachteten Fälle an dieser Stelle rechtfertigen.
Ein 7 Jahre alter Hofhund wurde am 15, Juni 1885 dem Spitale der thierärztlichen Bochschule zu Berlin mir. dem Bemerken übergeben, dass man an demselben .seit einigen Tagen ein eigenthümliches Schnarchen und Appetitlosigkeit bemerkt habe. Das ziemlich s^ut genährte Thier zeigt normale Aufmerksamkeit. Auf plötzliche Gcriiusehe, wie das Oeffnen des Ktlfigs fährt der Hund zusammen und zittert- an den Gliedmassen. Der i31iek ist stier, die Ohren stehen steif nach oben gerichtet, die Conjunctiva ist blassroth, die Nase trocken, jedoch nicht vermehrt warm. Aus dem Munde iliesst glasiger Schleim und die äussere ICörperteraperatur ist regel-mässig vertheilt; Bluttemperatur 39,30 C. Respiration oberflächlich und nn-regeltnässig; es worden 50—b0 Athemztige gezählt, die abdominalen Typus zeigen, zeitweise auf 100—120 in der Minute steigen und mit Röcheln vor­handen sind. Von Zeit zu Zeit wird das Man) krampfhaft geöffnet, doch lassen sich die Kiefer nur wenig von einander entfernen, l'uis 80—90 per Minute ist voll und kräftig, Appetit kaum gestört, das Thier zeigt eine gewisse (ilor heim Versuche zu fressen, doch vermag es nicht das Maul so weit zu öffnen, um einen regelrechten Hissen aufzunehmon. Während solcher Versuche stellt sich plötzlich Husten und Röcheln ein . worauf das
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Verletzunaan dor Weiohtheilo,
Thioi' mit gestrecktem Halse knurrend vor seinem Putter steht. Die Musku­latur ilcs Rumpfes ist liaii and gespannt; Verletzungen lassen sich am Körper des Tbieres nicht nachweisen. Am 16, Juni trat der Tod ein, nachdem sich kurz vorher Durchfall eingestellt hatte, Die Section ergab ein vollstftndig negatives ßusultat.
Am 15, December 1884 wurde der Klinik ein schwarzer Neufundlllnder-lliiml überwiesen, der nach seinem ganzen Benehmen auf eine schwere Er­krankung schliessen iiess, Kopf und llnls werden in steifer Haltung nach vorn gerichtet, beide Bulbi nach aussen gewendet, so dass dio Sclera am medialen Augenwinkel deutlich sichtbar wird (Strabismus divergens), Dio Ohren sind nach auf'würts gezogen, die ßumpfmuskulatur fühlt sieh gespannt und hart an, besonders die Muskeln des Halses. Zeitweise tritt an den hinteren Gliedmassen Zittern hervor, Her Gang des Thieres ist steif und unsicher, Zahl der Pulse 100, die der Athemztige 90 per Minute. Die Respiration erfolgt oberflächlich mit gehobenen Nasenflügeln. Haut-temperatur regelmltssig, Bluttemperatur 39,8deg; G, Die sichtbaren Schleim-hilute blassroth. Appetit ist vorhanden, doch wird die Putterauf nähme durch die Anspannung der Halsmuskulatur ersehwert: Kieforbewegung frei. l'svehe nicht gestört. Die Behandlung bestand in snbcutaner Application von 2,0 Chloralhydrat.
Am IC, December zeigte sich derselbe Zustand; es wurden 5,0 Chloral­hydrat als Clysma verabreicht, worauf Patient in einen tiefen Schlaf ver-l'iillt, und die Athmung regelmllssiger wird.
Am 17. December erseheint der Zustand etwas gebessert, namentlich hat die Anspannung der Muskulatur nachgelassen, so dass die Bewegungen des Kopfes freier werden. Medication; 3,0 Chloralhydrat snbcutan, worauf wiederum tiefer Schlaf folgt.
Am 18. December zeigt sich das Bewusstsein des Thieres mehr als an den vorangegangenen Tagen eingenommen , was jedoch auf Rechnung der Chloral Wirkung gesetzt werden musste, zumal sich bereits Nachmittags auch hierin Besserung eingestellt hatte.
Am 19, December wurde Nahrung, wenn auch etwas ungeschickt, aufgenommen. Von da ab besserte sich der Zustand allmählich, das Be­nehmen wurde lebhafter, die Bewegung freier, und als letztes Zeichen des Leidens blieb noch mehrere Tage hindurch die steife Haltung dor aufwärts gerichteten Ohren zurück. Am 30. December konnte der Hund als geheilt entlassen werden.
Diagnose. Ein auffälliger Unterschied zwischen dein Tetanus des Menschen und der Tliioro bestellt darin, dass bei crstereiu sieh regelrnässig Idonische Krämpfe bemerkbar machen, und die Körper­temperatur schon frühzeitig eine erhebliche fieberhafte Steigung zeigt. Beides fehlt bei den Thieren, indem klonische Krämpfe nur im Stadium der Agonie, und Temperatursteigerung erst in den letzten Studien des Leidens vor dem bödtlichen Ausgange beobachtet werden.
DaStrychninvergiftungen bei Thieren stets mit klonischcn Krämpfen verbunden sind, so fällt die Differentialdiagnose beider Zustände hier nicht schwer. Ebenso wenig lässt sicii Tetanus mit der Eklampsie verwechseln. Dagegen eicht der acute Muskelrheumatismus, wenn vor-
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Störungen in dar Wuudheilung — Stiurlinimpl'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lil]
wiegend die Kaumuskeln ergriffen sind, leicbl zu Verwechselungen mil Tetanus Veranlassung. Dahin gehörl auch der von Novotny mit-getheilte Fall, dem Fricli einen ebensolchen hinzufügen kann, In solchen Füllen scliiil/.l die Mastdarmtempcratur vor Irrthümern; die­selbe ist beim acuten Muskelrheumatismus erhöht, ofi bis auf 10deg; und darüber, was beim Tetanus im Anfange des Leidens fasl nie vorkommt.
Verlauf. Im allgemeinen verlliufl der Tetanus acut, doch zeigen sich hierbei erhebliche Verschiedenheiten. In peracuten Fällen gehen die Thiere schon nacli 2- -3 Tagen unter den Erscheinungen heftiger Dyspnoe ein. in weniger heftig auftretender Form lässi die Erkrankung in der Regel nach etwa 1quot;—12 Tagen nach, doch stellen sich nichi selten nucli dann noch Verschlimmerungen mil tödtlichera Ausgange, meist durch Fremdkörperpneumonien bedingt, ein; so namentlich wenn Pferde den Versuch maclicn , sich nicdcrznlcLiVii, oder in Folge von Schwäche unfähig sind, zu stehen. Sobald die Pferde andauernd liegen, gehen sie regelmässig an Septikämie, Dyspnoe odor Pneumonic bald ein. In anderen Fällen Irden die Erscheinungen allmählich zurück, so dass 4—G Wochen lang noch eine gewisse Steifigkeit bemerkbar bleibt. Auch in diesem Stadium können durch ungünstige Verhält­nisse (Arbeit) Recidive veranlasst werden.
Bei Rindern und Bunden verläuft die Krankheit etwas langsamer, Schale gehen meist in 3—(! Tauen an derselben zu Grunde.
Die Incubation währt verschieden lange; ofi stellt sieh schon am 4, Tage nach der Verletzung (Infection) Tetanus ein, häufiger aber erst später. Dieudonnd fand in 58 Fällen, von denen II geheilt wurden, als kürzeste Incuhationszeit 8 Tage, als längste 35 und I- Tage.
Die Prognose richtet sieh in erster Linie nach dem Grade der Erkrankung; .sobald der Tetanus von vornherein mil grosser Heftig­keit erscheint, bleibt kaum eine Aussicht auf Genesung. Diese alte Erfahrung erklärt sich jetzt, wenn man bedenkt, dass es sich um ein Intoxicationsleiden handelt , das von inner Bakterien vegetation an der Infectionsstelle ausgeht. Sobald der Giftstoff rasch und in grosser Menge gebildet und in die Circulation übergeführt wird, erliegt das Thior dem Linden stets; der Vorgang gestaltet sich wie eine acute Vergiftung. Zeigen sich dagegen die Bedingungen für die Vegetation und Aufnahme dieser Stoffe in das Blut weniger günstig, so treten die Erscheinungen nicht mil der Lebhaftigkeit auf. und damit isl Aus­sicht nuf Genesung gegeben.
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VerletauugSQ der Weiohthsile,
Einen wichtigen Masstab für .die Prognose bildet die Respiration; je mehr dieselbe gestört erscheint, um so schwerer ist die Infection. Dazu kommt noch ein anderer Punkt; manche Thiere würden dem Tode entgehen, wenn nicht secundäre Gefahren einträten. Diese bestehen vonielunlieh in Premdkörperpneumonien. Sobald sich der Trismus stark entwickelt, wird das Schlucken erschwert oder ganz unmöglich; die Folge davon aber ist, dass leicht Futterstoffe und Speichel in die Trachea gelangen und zu einer tödtlichen l'neumonie Veranlassung-geben. Je stärker die Dvspnoe, um so bedenklicher der Zustand; aussichtslos wird derselbe, wenn die Thiere, namentlich Pferde an­dauernd liegen; da die Mehrzahl derselben an den Folgen der gestörten Athmung eingeht. Wenn die Patienten vor den genannten Compli-cationen etwa 10—12 Tage verschont gebliehen sind, tritt regelmässig Genesung ein. Nach dem 10,—12. Erkrankungstage kommt ein tödt-licher Ausgang nur noch selten vor, wie schon lange bekannt ist; aber auch diese Kegel steht nicht ohne Ausnahme da. Man rechnet die Mortalität hei Pferden auf 70—80 quot;#9632;#9632;. Von den in den Jahren 1888—1893 in der preussischen Armee behandelten 180 gingen etwa 75 0/o ein, während 21 0/o geheilt, die übrigen beseitigt wurden. Die Mortalität- zeigt sich nicht gleiohmässig; in manchen Jahren tritt das Leiden leichter auf, und werden bessere Heilerfolge erzielt als in anderen.
I
Behandlung. Die wichtigste Aufgabe der Therapie bildet Ver­meidung jeder Aufregung der Patienten, welche stets eine Verschlim­merung des Zustandes zur Folge hat. Schon hierdurch wird die Zahl der anzuwendenden Arzneien wesentlich beschränkt, indem die mit der Application derselben verbundene Aufregung die etwa günstige ^ irkmig des Mittels paralysirt. Die Anwendung derselben per os wird in der Regel schon durch den Trismus ausgeschlossen. Man bringe den Kranken in einem isolirten, ruhigen Stall unter, der recht gross und womöglich verdunkelt ist. Sollte sich zeigen, dass durch diese Mass-nahme oder durch die Isolirung die Aufregung gesteigert wird, so lasse man den Patienten mit anderen, ruhigen Pferden zusammen; eine üebertragung der Krankheit ist nicht zu befürchten. Im übrigen ist absolute Hube und Vermeidung jeder Aufregung auch beim Menschen als wirksamstes Heilmittel anerkannt (de Renzi). Für grösserc Thiere sorge man dafür, dass die Streu kurz geschnitten ist, damit sich die Thiere bei ihren ungeschickten Bewegungen in derselben nicht ver­wickeln und niederstürzen: aus demselben Grunde ist glattes Pflaster zu vermeiden. Ruhige Pferde lasse man in einen Hängegurt bringen.
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Störungen In der Wundhoilung Starrkrampf.
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Wichtig ist zweitens die Regelung der lüraälirung, namentlicli wenn Trismus bestehti Sobald der Patienl RanLfutter und Hafer nicht regelmllssig aufzunehmen im Stande ist, lasse man Kleie und Mehllaquo; tränke verabreichen; ausserdem muss demselben frisches Wasser dauernd zur Verfügung stehen und so aufgestellt werden, dass der Patient das­selbe leicht erreichen kann, Um den Durst ZU stillen und das Mau] von dem zersetzten Speichel durch Ausspülen zu befreien. Auch dürfte nach den Versuchen von Bruschettini die Aufnahme von reichlichen Mengen Wasser die Ausscheidung des Tetanusgiftes durch den Harn begünstigen. Heim Menschen wurde zu dem Zwecke die Injection grösserer Wassermengen (2,5 Liter pro Tag) in die Armvene empfohlen (Siilili)
Arzneimittel Ulsst man entweder mit dem Getränk verabreichen, oder so appliciren, dass hierbei Aufregungen der Thiere möglichst vermieden werden. Nach unseren Beobachtungen verdient bei Pferden Chloralhydrat (30—50,0) vor allen anderen Medicamenten den Vorzug, namentlich bei ruhigen Thieren, welche durch die Application desselben als Klystier nicht aufgeregt werden. Grössere Dosen, intravenös an­gewendet, lösen /war regelmässig den Krampf, können aber nicht empfohlen werden, weil die Pferde sich hierbei niederlegen und nach Ablauf der Wirkung meist unfähig sind, sieh wieder zu erheben. Ebenso wenig erscheinen Inhalationen von Chloroform und Aether angezeigt, deren Anwendung die Thiere in der Regel sehr aufregt, Dasselbe gilt vom Morphium, welches ebenfalls aufregende Wirkungen bei Pferden entfaltet. Audi Curare hat bei Thieren keinen erheblichen Nutzen: ebenso sind die von Wittig empfohlenen intratrachealen Injectionen von Chin, salicyl, und Acid. salicj'L, sowie die subeutanen Injectionen von 20/oiger Lysollösung von anderer Seife als werthlos bezeichnet worden. Dasselbe dürfte von der Application von Jod­jodkalium gelten, dagegen Bromkalium vielleicht ZU versuchen sein. Das von Behring angegebene und von der Firnin Meister, Lim ins und Brüning in Höchst a. M, hergestellte Heilserum ..Tetanus-antitoxinquot; scheint recht wechselnde Erfolge zu haben; das Endurtheil über den Werth dieses Mittels, das bekanntlich intravenös applicirt wird, dürfte zur Zeit noch nicht reif sein. D i eck er ho ff berichtet von 1 9 mit Tetanusantitoxin behandelten fällen nur '#9632;'lt; Heilungen, und diese •'S Fälle waren nur leichte. Auch von anderen Seiten (Roux, Vaillard, Vet.-San. Her. der preuss. Armee) kommen fortgesetzt Niichrichten, wo das Mittel im Stich gelassen; mir (Prick) selbst, ist ein derartiger Misserfolg zugestossen.
Möller u i-'vieli, AltgemoinG Chirurgie fUr Thierärzte. 8. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 13
11
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litt
Verletzungen der Weiohtheile,
Verletzungen, welche den Verdacht erwecken, dasa sie den Aus­gangspunkt des Leidens bilden, müssen entsprechend behandelt worden, sofern dies möglich ist. Au den Küssen der Thiere verbietet- sich dieses oft durch die Unmöglichkeit, den Fuss aufzuheben, und bei der grossen Widerstandsfähigkeit der Tetnnusbacillen ist hiervon auch nicht viel
die Klinik der Berliner thierärztlichen Hochschule mit einer schweren Verletzung an der [frone des
zu erwarten
wurde ein l'fen Hufes eingestequot;
, und es gelang durcli rechtzeitig eingeleitete Behand-
lung einen aseptischen Zustand der Wunden zu erzielen. Trotzdem erkrankte das Thier 8 Tage später an Tetanus; ein Beweis dafür, dasa die Infectionserreger des Tetanus grössere Widerstandsfähigkeit be­sitzen als Eiterkokken. Nach den Untersuchungen Sormani's soll. Jodoform gesell Tetamishaeilleii eine energisch hakterieide Wirkung
besitzen, daher dürfte das Mittel zu versuchen sein.
Dasselbe gilt vom
ii..11 i • inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; in.. \r.........i......,„., t:.,.,.
Höllenstein, der nach den Versuchen von Ti/./.oni und Catani in l0/oiger Lösung die Bacillen schon in einer Minute tödtet. Die früher empfohlene Durchschneidung der Nerven an der verletzten Stelle muss nach den gegenwärtigen Anschauungen über die Entstehung des Leidens als werthlos bezeichnet werden, dagegen ist die Exstirpation der ver­wundeten Stelle, z. B. Schweifrübe bereits erfolgreich ausgeführt worden
(Mötlel ,.
Sobald die Thiere Jas Reconvalescenzstadium erreicht haben, lasse
man dieselben täglich ein wenig im freien führen, was zur
Lösung
des Krampfzustandes in den Muskeln wesentlich beiträgt.
5. Sticliwuncleii, Quetschwunden, Riss-, Biss- und Schusswunden.
Weniger günstig als Schnittwunden gestalten sich Verletzungen, die durch stechende oder stumpfe Instrumente veranlasst werden. Die ersteren werden als Stichwunden, die letzteren als Quetsch- bezw, l{ iss wunden bezeichnet.
a) Stichwunden. Zu Stichwunden geben bei Thieren Ver­letzungen mit Mistgabeln, Nägeln (Vernagelung, Nageltritt), in der Armee mit Lanzen und Säbeln Veranlassung, sowie die Anwendung chirurgischer Instrumente (Trocare). Je schärfer (spitzer) der ver­letzende Gegenstand, um so glatter wird die Wunde, und um so leichter ihre Heilung. Die grössere Gefahr, welche mit Stichwunden verbunden zu sein pflegt, bestellt zunächst in Verletzungen wichtiger Organe (Blutgefässe, Nerven, Körperhöhlen), dann aber in dem umstände,
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SI iohwundon.
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diiss einer etwaigen Infection des Stichkanals weder von Seiten des Patienten (Abfluss iIit Wundsecrete), noch von Seiten des Behandeln­den (Desinfection) wirksam entgegen getreten werden kann. Sofern keine gefahrdrohende Blutung eintritt, und Asepsis erzielt wird, heilen Stichwunden ebenso, wie dies oben bei aseptischen Schnittwunden an­gegeben ist, J )a aber namentlich bei Thieren die stechenden [nstru-mente (Mistgabeln u. s. w.) regelmässig eine starke infection der Wunde herbeiführen, so erklärt sich, dass man Stichwunden mit Recht fürchtet; sehr oft gehen von ihnen schwere entzündliche Pro-cosse aus, welche das Leben der Thiere in öefahr bringen.
Macht schon die stärkere Blutung, erheblichere Schwellung und der lebhafte Schmerz auf eine grössere Ausdehnung der Verletzung aufmerksam, so giebt die Sonde zuweilen — aber nicht immer — über die Tiefe der Wunde Aufschluss, Nicht selten verschieben sieh nämlich die getrennten Weichtheile über einander, so dass die Sonde nicht his auf den Grund der Verletzung vordringen kann. Bat daher die An­wendung der Sonde für solche Fälle nicht die Bedeutung, die man ihr wohl auf den ersten Blick beilegen möchte, so ist die Application derselben unter Umständen sogar mit öefahr verbunden, und /.war namentlich durch Verschleppung von Infectionsstoffen in die Tiefe der Wunde; dazu kommt, dass man bei einigermassen unvorsichtiger Manipulation mit der Sonde Muskeln ganz bequem durchstösst. Hier­durch können also Kanäle vorgetäuscht werden, die nicht, existiren. Man sei daher beim Gebrauche der Sonde vorsichtig, reinige zunächst die Wunde durch Auswuschen event. Ausspritzen mit Desinficientien und verwende desiuticirtü Sonden. Ein Gleiches gilt von dem zur Untersuchung der Wunde benutzten Finger. In vielen Fällen unter­bleibt das Sondiren der Wunde am besten ganz, namentlich aber. wenn Anzeichen oder auch nur die Vermuthung dafür vorliegen, dass die Wunde bis in Körperhöhlen (Brust- und Bauchhöhle, Gelenke und Sehnenscheiden) reicht. Gelenk- und Sehnenscheidenverletzungen geben sich schon durch den Ausfluss von Synovia zu erkennen, so dass hier die Application der Sonde tiberflüssig wird. Nur wo Fremd­körper in der Wunde vermuthet werden, bleibt die Anwendung der Sonde oft unentbehrlich.
Im üebrigen verlangt die Behandlung der Stichwunden Beachtung der oben besprochenen Massnahmen; also in erster Linie Antisepsis, die in aller Strenge durchzuführen hier stets versucht werden muss. Sobald sich Erscheinungen der Infection bemerkbar machen, sorge man für den regelmilssigen Abfluss des Wundseercts, wozu unter Um-
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Verletziiniren dar Woiohthoile
sfcanden laquo;las Spalten der Wunde, d. b. iliu Umwandlung der Stichwunde in eine Schnittwunde, erforderlich wird. Anderenfalls spritze man die Wunde mit Desinfectionsmitteln sorgfältig aus und lege, wo neue VerunR'iniguiigcii von aussen drohen, einen Verband an. .Das Schliessen der Stichwunden mit Collodium und ähnlielien Mitteln ist nur da zu empfehlen, wo Aussicht auf Asepsis vorliegt. Sobald in­fection eingetreten ist, werden diese Mittel meist nachtheilig, weil sie die Retention des Wundsecretes begünstigen, Dass Stichwunden häufig Tetanus im Gefolge Italien, beruht auf der Verletzung durch Gegenstände, die an der Erde gelegen haben und oft mit Tetanus-bacilleu verunreinigt sind; ans diesem Grunde ist /,. B. heim Nagel­tritt doppelt Vorsicht geboten.
Die in Stichwunden zurückgebliebenen Fremdkörper müssen so­weit möglich entfernt werden. Die meisten derselben sind inlieirt und veranlassen entzündliche Processe, welche ohne Elimination des Fremdkörpers nicht zum Abschluss kommen, gar oft dagegen mit schweren Folgen verbunden sind. Nur selten beobachtet man, dass der Fremdkörper einheilt: es setzt das aber voraus, dass derselbe aseptisch ist, wie es am häufigsten noch bei metallischen Gegenständen (Nadeln und Glas) beobachtet wird. Solche Fremdkörper wandern nicht selten, indem sie sowohl durch die eigene Schwere, als auch durch die Muskel­wirkung allmählich verschoben werden. Beispiele nach dieser Richtung liefert uns das Rind, bei dem die abgeschluckten Fremdkörper oft weite Wanderungen ausführen.
b) Quetschwunden. Wunden, durch stumpfe Instrumente ver-anlasst, heissen Quetschwunden. Da der stumpfe Gegenstand mit grösserer Gewalt einwirken muss, um eine Wunde y.u erzeugen, so findet hierbei eine Quetschung der Weichtheile statt (vergl. Quetschung S. 215).
bei
grösseren Thieren geben Gegenfahren, Hornstösse, lluf-
schlage, Niederstürzen
uf unebenem, hartem Boden am häutigsten ZU
Quetschwunden Veranlassung; bei kleineren üeberfahren und Fuss-tritte. Auch die Schusswunden gehören eigentlich zu den Quetsch­wunden. Ebenso können 1! iss w unden, die durch heftige Dehnung der Gewebe entstehen, hierher gezählt werden. Sie kommen bei Pferden vornehmlich an den Lippen und Augenlidern vor, indem diese Theile bei Bewegungen des Kopfes von Gegenständen (Haken, Nägeln 1 erfasst werden, die sich am Geschirr oder an den Wänden des Stalles befinden. Iiisswuuden haben in der Regel ein zerfetztes Aussehen;
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Quotsohwunden,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1(17
einzelne Stücke der Haut sind gmi/., andere theüweise losgetrennt, und die Oberfläche der Wunde zeigt sidi uneben, ofl von Blut unter­laufen. Zu den Quetschwunden gehören endlich auch die Bisswunden, die, soweit sie von giftigen Tliieren stammen, eine noch weitere Be­deutung erlangen (S. 204). Die Gewebe in der Nachbarschaft der Quetschwunde sind zum Theil zerrissen oder zertrümmert, und da ihre Widerstandsfähigkeit sich laquo;(dir verschieden verhält, so fällt die Tren­nung derselben unregelmässig aus: die Wundränder sind nicht glatt, sondern uneben, blutig inflltrirt, in Folge dessen nicht seilen blau-schwarz gefärbt. Auch in der meist geschwollenen (gequetschten) weiteren Umgebung der Wunde linden sieh Blutextravasate, die jedoch nur im pigmentfreien Hautstellen bei Thieren erkannt; werden. Zu­weilen zeigen sieh die Weichtheile, namentlich die äussere Haut, voll­ständig zerfetzt und bereits abgestorben, oder sie sterben im weiteren Verlaufe der Verletzung ab.
Dia Blutung bleibt bei Quetschwunden in der Regel gering, selbst da, wo grössere Gefässe getrennt sind. Indem diese zerrissen oder abgequetscht werden, kommt ähnlich wie bei der operativen Anwen­dung des Ecraseurs ein baldiger Verschluss der Gefässe und Blut­stillung zu Stunde. Auch die Schmerzen pflegen keineswegs so hoch­gradig zu sein, wie man nach dem Umfange der Verletzung glauben sollte. Da.s erklärt sich theils ans der vollständigen Ertödtung der Gewehe. also auch der Empfindungsnevven, theils ans dem Auftreten des sog. Wundstupor, Shock genannt.
Mit Shock (Stoss, Schlag) bezeichnet man eine auffilllige Herabsetzung der Nerventhfttigkeit, wie sie namentlich in Folge von Erschütterung oder Quetschung auftritt, üeber das Wesen dieser Punctionsstörung ist man /.war noch nicht vollständig im Klaren, doch scheint der Zustand auf einer reflectorischen Lähmung des vasomotorischen Centrums in der Medulla oblongata zu beruhen, eine Annahme, die sieh aus dem bekannten Groltz-sehen KlopIVersnelie ergab. Durch die Reizung sensibler Nerven soll reflec-torisch der Gefllsstonus herabgesetzt werden, wodurch ein plötzlicher Abfall des Blutdruckes mit Verlangsamung der Circulation eintritt. Indem sieh das Blut vornehmlich in den Neuen anhäuft, bleiben die Arterien leer; wichtige Organe, wie Gehirn und Lungen werden anämisch, und schliesslich kann Herzlähmung eintreten. Derartig bedenkliche Polgen werden bei Thieren nur selten beobachtet, und es scheint, dass heim Menschen psychische Einflüsse hierbei eine wichtige Wolle spielen. Hie frage dos Shocks ist jedoch auch an Thieren durch Experimente geprüft und hat hier zu ähn­lichen Schlussfolgerungen gerührt.
Der Shock zeigt sich durch abnorme Blässe und Kühle der äusseren Haut und Schleimhäute. An den starren, glanzlosen Augen sind die Pupillen stark erweitert, und der Puls klein, schwach, oft kaum fühlbar, die Herzaction verlangsamt, aussetzend. Athtnung unregelmässig; Sensibilität der Hanf
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Verletzungen der Weiohtheile,
herabgesetzt, ebenso die sensoriellen Fanotionen und MuskeltbUtigkeit, Zu­weilen wird Erbrechen, Tobsucht oder Obnmaofat beobaohtet,
In der Elegel erholen sicli die Kranken, doch können sie auch zu
Grunde gehen.
Die Behandlang besteht in tiefer Lagerung des Kopfes, um dem Ge-liini mehr Blut zuzuführen; ferner in starken Hautreizen, Sinapismen, kräftigem Frottiren. Innerlich werden unregende Flüssigkeiten, Alkohol, Kaffee verabreicht. Ohloroformnarkose ist bei diesem Zustande zu vermeiden; ebenso müssen grüssere Operationen bis zum Ablauf der Erscheinungen unterbleiben.
Bei der oben beschriebenen Beschaffenheit dieser Wunden, nament­lich hei den zahlreichen Blutungen in das Gewebe der Wundränder und der unebenen Beschaffenheit ihrer Oberfläche, erklärt sich, dass Quetschwunden selten per prim, int. heilen. Die Gewebe der Wund-r'änder sind zum Theil nicht lebensfähig. Ein Theil derselben ist bereits aligestorben, ein anderer führt bei der durch die zahlreichen Blutungen gestörten Circulation nur noch eine vita minima. Sehr natürlich, dass solche Weichtheile zur Granulationsbildung und zum directen Ver-schluss der Wunde wenig geeignet sind. Auch stösst die Antisepsis auf grössere Schwierigkeiten; dass eine unebene Wunde mit zerfetzten Wundrändern viel schwerer vollständig zu desinficiren ist wie eine glatte Schnittwunde, leuchtet auf den ersten Blick ein. Auch werden diese Wunden schon bei ihrer Entstehung durch den verletzenden Körper meist hochgradig inlicirl. Das Gleiche gilt von Bisswunden, in der Regel tritt daher bei Quetschwunden der Thiere Eiterung ein, zumal die Behandlung oft erst einige Zeit nach der Verletzung eingeleitet wird. Die Secretion der Wunde zeigt sieh stets lebhaft, das primäre Wundsecret intensiv roth gefärbt. Nach 3—1 Tagen beginnt eine profuse Eiterung, welche die Dissection der abgestorbenen Massen be­gleitet; die Wunde reinigt sich. Darauf folgt meist regelmässige Granulation und Heilung wie bei Schnittwunden. Doch nicht immer verlaufen Quetschwunden so günstig; gar oft stellen sich schwere ent­zündliche Processe ein, welche auf die Nachbarschaft übergreifen und zu lebensgefährlichen Complicationen (Septikämie, Pyämie) führen können, im l.'ehrigen kann aber auch eine Quetschwunde aseptisch heilen, wodurch nicht nur Zeit gespart wird, sondern auch die oben geschilderten Gefahren ausgeschlossen bleiben.
Wo daher Aussicht vorhanden ist, Asepsis zu erreichen, wird man diese namentlich bei Quetschwunden durchzuführen suchen, welche in der Nähe wichtiger Organe liegen, oder durch ihre sonstige Be­schaffenheit bedenklich erscheinen^ Nachdem die fast vollständig ab-
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Sohusswundon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I!i!)
gelösten Qewebsruossen entfernt .sind, muss dio Desinfection naob den früher besprochenen Grundsätzen und rocht sorgfältig eingeleitet werden. Auch hier empfiehlt sich zuweilen antiseptische Taraponade (S. 135) und ein feuchter Verband; wir haben mil BUlfe dieser Mittel wiederholt schwere, bis in die Sehnenscheiden der Zehen­beuger reichende Quetschwunden bei Pferden ohne Eitei'ung zur Hei­lung gebracht.
Wo Asepsis nicht zu erzielen ist, oder uns besonderen Gründen nicht angestrebi werden kann, eidlerne man zunächst die abgetrennten und abgestorbenen Gewebsmassen mit der Schere und lasse hierauf die Wunde recht hlluflg ausspülen, bei schweren Verletzungen womöglich permanente Irrigation einleiten. Man vermeide indess andauernde Einwirkung von Kälte. Nachdem die Blutung gestillt ist, om-pliehll: sich eine Flüssigkeit von etwa 38 quot; C. ZU wählen, um weiteres Abstorhen der Weichtheile zu verhüten. Auch genügt nach der ersten Reinigung mit Desinflcientien einfaches event, abgekochtes Wasser.
Wo Eiterung in Aussieht steht, empfiehlt sich das Hellen der Quetschwunden ehenso wenig wie die Anlegung von Verbänden. So­fern nicht besondere Lndicationen hierfür vorliegen, z. B. Blutstillung, Quetschwunden am Hufe, vermeide man solche und leite offene Wund­behandlung ein, wobei zuweilen ein Theil der Wunde unter trockenem Schorfe heilt. Nur bei stark klaffenden Wunden und namentlich da, wo man mit der äuaseren Haul sparsam umgehen muss, empfiehlt sich, einige Helle anzulegen, um weitere Uetractionen der Haut zu verhindern. Bei grossen Wunden beftet man mit nicht zu schmalem Bande, welches die Wundrilnder weniger leicht durchschneidet, Auch wenn die Ligaluren nur o—I Tage liegen, erfüllen sie ihren Zweck. indem um diese Zeit die Wundränder bereits plastis(li inliltrirt. sind und sich nicht mehr erheblich retrahiren.
c) Schusswunden. Durch Projectile aus Feuerwaffen entstandene Verletzungen zeigen sieh nach der (raquo;rosse, Gestalt und sonstigen Be­schaffenheit, endlich auch nach der Schnelligkeit, mit welcher der ver­wundende Körper einwirkt, sehr verschieden. Schrotkörner bewirken kleine Wunden, welche meist per priraam int. heilen, während die Bleikörner jahrelang in der Unterbaut oder den Weichtheileu ohne Nachtheil liegen bleiben, wie man sich bei Jagdhunden oft überzeugen kann. Pistolen-, Revolver- und Flintenkugeln geben schon zu erheb­licheren Verletzungen Änlass. Je nach dem Umfange der Projectile entsteht eine grössere oder kleinere, röhrenförmige Wunderaquo; (Schuss-
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Vfrletziiiiireii der Weiohtheile,
(canal), die sich ihrer Beschaffenheit nach den Quetschwunden oder lüsswiniilrii anschliesst. i'i(; Kugel durchdringt die Haut und Weioh­theile, um entweder in diesen oder in einem Knochen stecken zu bleiben (blinder Schusskanal); oder sie tritt an einer anderen Stelle wieder heraus (Haarseilschuss). Die Eingangsöffnung entsprich! in ihrer Grosse dem Umfange des Geschosses, erscheint etwas eingedrücW und an nicW pigmentirter Haut dunkel gefamp;rht. 8ie entspricht einer Quetschwunde, während die Ausgangsöffnung in der Regel grosser ist und die Eigenthümlichkeiten einer liisswunde besitzt. Nicht selten zeigt sieh die letztere Jedoeli in Folge Pormver-änderung des Geschosses raquo;der durch Knochensplitter erheblich grosser. Einfache Bleikugeln werden durch Iteibung im Büchsenlauf und auf der Flugbahn oft so weich, dass sie, wenn sie einen Knochen treffen, ihre Form verändern, platt gedrückt werden oder sieh gar zertheilen, wodurch namentlicb bei Schüssen ans grosser Nähe explosionsartige Wirkungen zu Stande kommen. Die Projectile der modernen Gewehre bestehen aus einem Bleikern mit Stahlmantel, wodurch dieselben eine grössere Widerstandsfähigkeit erlangen und ihre Form nicht so leicht abändern, Da sie ausserdem eine grössere Durchschlagskrafi besitzen und auch kleiner sind als die früheren Geschosse, so zerstören sie weniger und können starke Knochen durchdringen, ohne diese zu zer­splittern. Bei ihnen Qndet auch durch Knochen u. s. w, nicht so leichi eine Ablenkung des Projectils statt; letzterer bewirkt, dass der Schuss-kanul eine unregelmässige Richtung nimmt, nicht grade verläuft, sondern nach einer ganz anderen Richtung ausmündet, als die Kugel in den Körper eingedrungen war.
Ellenberger und Baum stellten an Pferde- und Schafcadavern Versuche mit dein H mm-Gewehre an. Es wurde aus einer Ent­fernung von 250—600 m von verschiedenen Seiten geschossen und Folgendes constatirl:
In platten und straff anliegenden Muskeln entstehen glattrandige Wunden, die in der Regel etwas kleiner sind als der Durchmesser des Geschosses. Dickere Muskelmassen erleiden durch dos Geschoss grössere Zerstörungen und zwar um so mehr, je kleiner die Schussentfernung, und je weiter der Muskel von der Einschussöffnung liegt Der Schuss-kanal erweitert sich nämlich allmählich, so dass in einem dicken Muskel die Einschussöffnung glattrandig, die Ausschussöffnung doppell so gross und zerrissen sein kann. Starke Zerstörungen richten malte Geschosse und solche an, die zunächsl durch Knochen gegangen sind. Nerven und Gefässe werden oft in grosser Wunden intact gefunden.
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SohuBSwundon.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;201
An der ilusseren Haut sseigl sich dio Einschussöffnung glatt-randig und kleiner als der Durchmesser des Gfescbosses, nuweileu ebenso gross und stärker zerrissen; die Ausschussöffnung igt;l stets grosser inid mehr zerrissen, am grössten, wenn das Gescboss vorher durch Knochen gegangen war.
Wunden in Pascien und Bindegewebe sind stets schlitz­artig, oft kaum aufzufinden. Ebenso zeigen sich Schusskanäle durch Sehnen stets spaltartig, ein wenig klaffend, wenn es nichl zu voll­ständiger Zertrümmerung der Sehnen gekommen ist,
Schüsse durch die E p i p h y s e n d e r R ö li v e n k n o c h e n bilden oft LochschUsse, doch stets mit Rissbildung; eine starke Zer­trümmerung der Epiphyse kommt selten zu Stande, und zwar dann, wenn dus öeschoss die Grenze zwischen Epiphyse und Diaphyse trilli. In der Diaphyse entstellt stets Zertrümmerung oder doch starke Absplitterung; selbst Streifschüsse können vollkommene Zerschmette­rung des Knochens bewirken.
In platten Knochen entstehen leicht Lochschüsse; die Ein­schussöffnung ist kleiner, rund, ohne Rissbildung, die Ausschussöffnung grosser mit stärkei'er Zersplitterung des Knochens, Kleine Knochen #9632;werden leicht zertrümmert. Rippenschüsse bilden ofi LochschUsse, vorausgesetzt, dasa die Glitte derselben getroffen wurde. Der Schuss­kanal ist zuweilen seihst kleiner als das öeschoss, in seiner Umgebung jedoch finden sich Hisse, die in der Längsrichtung der Rippe verlaufen. in der Längsrichtung des Körpers gestreift, tritt Zersplitterung an den Rippen ein; ebenso wenn ein Rand derselben getroffen wird.
Geht ein Schuss quer durch den Thorax, so zeigt sich an der Ausschussstelle, besonders wenn die Kugel an der Einschussstelle eine Hippe getroffen hatte. Zerschmetterung der Rippe.
An den Kopfknochen bilden sich meist. LochschUsse, nicht selten jedoch mit stärkerer Absplitterung, bisweilen sugar Zerschmetterung, Die Schädelbasis wird zertrümmert, das Zungenbein theils zersplittert, theils lochschussartig durchbohrt. An den Nasenmuscheln treten ziem­lich grosse Schussöffnungen (l'i 1'^ cm im Durchmesser) auf,
Knorpel erleiden durch das (Jeschoss relativ kleine, oft sogar spaltartige, glatte Trennungen. Splitterung tritl am Knorpel nicht ein; nur an den Kehlkopfknorpeln fanden Ellenberger und Baum schwache iliss- bezw. Splitterbildung.
Zähne werden zerschmettert. Öelenksohüsse verhalten sich verschieden, je nach der Richtung, in welcher die Gelenke getroffen wurden.
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Verletzungen der WeioUtUeile.
Lungen werden in der Regel stark zerrissen, besonders nach der Ausschussöffnung bin, und wenn an dor Einsohussöffnung t-üne Rippe getroffen wurde.
llerzscliiisse bilden in der Regel stark zerrissene, lappige, klaffende Wunden, seilen rundliehe, mil kleineren Oeffnungen,
Zwerchfellschüsse sind im sehnigen Theile spaltartig, im muskulösen Theile rund und klein, theilweise auch gross und zerrissen.
in der Milz findet sieh oft ein lochartiger Schusskanal,
Magen und Darm. Au dünnen, engen Därmen entstehen meist Lochschüsse, am Dickdarm meist breite, lappige und zerrissene Wunden, selten Lochschüsse. Eine quer durchschossene Zunge war stark zerrissen.
Die Beobachtungen von Lömau, Gaheau und Eichel stimmen mit den vorstehenden im grossen und ganzen üherein.
Streifschüsse erzeugen eine rinnenförmige Wunde, während aus grösserer Entfernung kommende (matte) Kugeln oft nur eine Quetschung veranlassen. Vollkugeln und Granaten aus Kanonen oder Mörsern rufen meist schwere und ausgedehnte Verletzungen (Quetsch­wunden, Knochenbrüche u. s. w.) hervor, die, wenn auch nicht immer sofort tödtlich, doch meist zum Tode führen.
Die Schmerzen sind bei Schusswunden oft nur gering und hängen vornehmlich von der Ausdehnung der Verletzung und von der Beschaffen­heit der verletzten Gewebe ab. Selbst Knochen können von Kugeln durchschlagen werden, ohne laquo;lass die Thiere darauf erheblich reagiren. So beobachtete ich (Möller), wie eine Kugel das Nasenbein eines Pferdes durchschlug und aus der Nasenöffnung zur Erde Bei; das be­treffende Pferd machte dabei nur eine schüttelnde Kopfbewegung, konnte aber weiter geritten werden. Auch die Blutung pflegt nur erheblich zu sein, wenn zufällig ein grösseres Geftlss verletzt wurde, und selbsl dann zeigt sich dieselbe oft nur gering, indem das zu­sammengerollte Gewebe der Umgebung den Versehiuss des Gefiisses beeUnstifft und die Bildunff eines Thrombus unterstützt.
Der Verlauf und die Beurthoilung der Schusswunden Längt von dem Umfange der Verletzung und der Dignität der betroffenen Organe ab. Durch das Eindringen der Kugel in Körperhöhlen (Brust-und Bauchhöhle, Gelenke) wird in der Regel eine bei Thieren tödtlich verlaufende oder doch unheilbare Verletzung geschaffen. Dass jedoch auch Schüsse, welche quer durch die ganze Brusthöhle gehen, nicht immer tödtlich sind, bezw. werden, konnte Jewsejenko im russisc h-tür-
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Storuniron iraquo; der Wuudheilunff — Sohusswunden,
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kiscliiMi Kriege IS77 mehrfach feststellen. Dagegen sind Schusswunden der Baucheingeweide fast slots als tödtlich zu betrachten. Muskel­wunden heilen dagegen meist [eicht, wenn auch nicht immer auf dem ersten Wege, weil in der Kegel durch die eingedrungenen Haare oder öeschirrtheile eine [nfection der Wunde reranlassl wird. Am göfdhrlichsten sind Schusswunden, welche durch vom Erdboden ab-geprallte „ricochettirtequot; Geschosse veranlasst sind, da sie meist durch mitgerissene Erde Tetanusbacillen in die Wunde schleppen und so Tetanus veranlassen. Immerhin kann die Wunde durch das Geschoss so wenig inficirt werden, dassnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '*quot;'quot;#9632;#9632; 47.
Kugeln einheilen, wie es nicht selten beobachtet wird. Bei den modernen Hartgeschossen ist dieses noch leichter der Fall, weil sie eine kleinere, mehr glatte, weniger gequetschte Wunde erzeugen. Solche Ge­schosse wandern später oft und kommen zuweilen erst nach Jahr und Tag zum Vorschein. Bei einem im Feldzuge von 1S(i(l in der Lendengegend verwun­deten Pferde entfernte Möller 10 Jahre später die Kugel aus der Unterbaut in der Nahelgegend.
Behandlung. Erste Aufgabe bei .jeder Schuss­verletzung ist, die etwa bestehende erhebliche Blutung zu stillen; unter Umständen kann zu dem Zwecke eine Spaltung und Erweiterung des Schuss­kanals nothwendig werden. Erst in zweiter Linie kommt die Entfernung des Geschosses um! der mit demselben eingedrungenen Fremdkörper in Be- |[ tracht. Wie bereits erwähnt, ist die Entfernung der
Kugel niehl unbedingt nothwendig, Lässt sich dieselbe
Kugelzang
leicht erreichen, so holt mau sie mit einer Korn- oder Kugelzange hervor. Hierzu eignet sich am meisten die amerikanische Kugelzange (Fig. 17). Ist die Kugel nicht leicht zu erreichen, so lässl man sie sitzen, wenn 1. keim' Infection besteht, -. die Kugel nicht durch ihren Sitz schadet (Druck auf das Gehirn, in der Nähe grösserer Nervenstämme, oder eingekeilt in Gelenke). Seit Einführung der anti­septischen Wundbehandlung ist man auch heim Menschen von dem Grundsatz abgekommen, dass die Kugel auf jeden Fall entfernt werden muss. Lässt sicdi eine Spaltung des Schusskanals ohne Bedenken durch­führen, so kann dadurch die Extraction wesentlich erleichterl werden. Das Herumsuchen modi der Kugel im Schusskanal schadei oft mehr als
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gt;0\
VerletzauKen der Weiohtheilei
ilic sitzengebliebene Kugel; wo also kein zwingender Grund vorliegt, operativ einzuschreiten, oder Zweifel über den Erfolg bestehen, ver-zichte niaii auf solche Versuche, yoll uher der Versuch gemacht werden, .so suche man, soweit die Omstände es gestatten, mit reinen event, desinfleirten instrumenten und Jlanden vorzugehen.
Die dritte A.ufgabe der Behandlung besteht in der Anwendung der bereits besprochenen Grundsätze der Antisepsis, und zwar muss diese in erster Linie auf die [Cingangsöffuung gerichtet werden, weil sie am meisten infleirt zu sein pflegt. Dieser Grundsatz hat beim Militär darin Ausdruck gefunden, class jeder Soldat ein Verbandpäck­chen bei sieh trägt, mit dessen Hülfe die Wunde den ersten Verband erhält. Er basirt auf der Krf'ulirung, dass die Infection des Schuss­kanals meist, nicht durch das Geschoss, sondern durch andere, mit der Schusswunde in Berührung kommende Substanzen veraulasst wird. Man suche zunächst die etwa mit eingedrungenen Ilaare und Geschirr-tbeile aus ihr Wunde zu entfernen und behandle dieselbe mit anti­septischen Mitteln, sofern solche zu Gebote stehen. Welche Bedeutung die Antisepsis für die Behandlung der Sclmsswunden hat, geht deut­lieh aus den im serbiseli-bulgiiriscben Kriege 188.quot;) gesammelten Er­fahrungen hervor. Es zeigte sieh, dass unter Antisepsis selbst Schüsse durch das Kniegelenk, von denen früher 80 0/o der Verwundeten starben, kaum 2 0/o Verluste, meist volle restitutio ad integrum ergaben. Wir benutzen mit Vortheil zur Desinfection der Wunde Aussvasehen oder Ausspritzen mit einer Carbol-, Creolin- oder Sublimatlösung, vor allen Dingen aber das Jodoform. Im Fehle lassen sieh zu dem Zwecke die bekannten Sublimatpastillen bequem verwenden. Ist bereits Eiterung eingetreten, so muss die Wunde nach den allgemeinen Kegeln be­handelt werden. Zur Erzielung eines regehnässigeu Ahtlusses für den Eiter und sonstiges Wumlsecret werden oft Gegenöffnungen, Haarseile und Dvainröhren erforderlich.
d) Vergiftete Wunden. In der Veterinär-Chirurgie bezeichnet man seil alter Zeit als vergiftete Wunden nicht allein diejenigen, welche einen Giftstoff, eine toxische Substanz enthalten, wie z. B. Bienen-uml Wespenstich und Schlangenbiss, sondern auch die mit einem auf die betreffende Thierart übertragbaren Ansteclcungsstoff versehenen Wunden ; z. 1!. pflegt mau den lüss tollwuthkranker 1 lunde hierher zu rechnen. Nach unseren früher entwickelten Anschauungen müssen die durch den Biss tollwuthkranker Hunde verursachten Wunden zu den inlieirten gerechnet werden, und deshalb linden sie hier keine weitere
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Störuugen in dir Wundheilung — Vergifteta Wundeuinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2^'gt;
Berücksichtigung. Zu den vergifteten Wunden geliürt streng genommen jeder Mückenstich; eine praktische Bedeutung erlangen jedoeb erst die Stiche grösserer [nsecten, wie Bienen, Wespen, Hornisse, und der Schlangenbiss sowie die Verletzungen solcher Insecten, welcbe durch ihre Zahl und die derselben entsprechenden Stiche schtldlich werden, #9632;/.. ]\. der Golumbaczer Mücke (Simulin columbaczensis). Die Vergiftung der Wunden mit. indischem Pfeilgift kommt hier nicbl in Betracht. Bienen, Wespen mid Eornisse besitzen in ihrem hinteren Leibesende einen röhrenförmigen Stachel, welcher mil einer kleinen Giftdrüse in Verbindung steht, während Mücken mil einem Stech­rüssel bewaffnet sind und bei Anwendung desselben einen Tropfen ihres giftigen Speichels in die Wunde fliessen hissen. Einzelne Stiche dieser Insecten haben für Hausthiere keine weitere Bedeutung. Nirlit selten aber ereignet es sich, dass grössere Schwärme derselben die Thiere überfallen und ihnen zahlreiche Stiche beibringen. Die hiermit namentlich für Pferde verbundene Gefahr besteht zunächst in der Unruhe der Thiere; Wagen- und Reitpferde gehen durch, ziehen sich hierbei ofi schwere Verletzungen /.u und bringen zugleich den Führer in Gefahr. Ist diese glücklich überwunden, so ergeben sich andere Bedenken aus der alsbald auftretenden Anschwellung. Da die Insecten mit Vorliebe am Kopfe, in der Nähe der Nasenöffnungen und selbst auf der Schleimhaut der Nase stechen, so schwellen diese Theile unter Umständen in dem Masse an, dass nicht genügend Athmungs-iuft durch die Nase gelangen kann, und Erstickungsgefahr eintritt. Dies gilt vornehmlich für Pferde, welche unfähig sind, durch das Maul ausreichend zu athmen. Dazu kommt drittens die mit der Auf­nahme grösserer Giftmengeu verbundene allgemeine intoxication der Thiere, welche sich durch schwankenden Gang, gespreizte Stellung der Beine, Lähmung der Muskeln, Unvermögen zu stehen, Athembeschwerden und Steigerung der Körpertemperatur zu erkennen giebt und in wenigen Stunden zum Tode führen kann: oft sterben die Thiere schon nach 5—10 Stunden.
Albrecht land hei Pferden, die von einem Bienenscliwarra überfallen waren, anderthalb Stunden nach diesem Vorfall eine Temperatur von 4:0,20G,', das aus der Vena ju^ularis gelassene Hint erschien weichselbraun, gerann regelmässig, schied eine mttssige Speckbaut, und nachdem es 21ji Stunden gestanden hatte, gelbröthliches Serum ab. Ein Pferd ging bereits nach 5 Standen, ein anderes nach 15 Stunden zu (ininde. Mei der Section zeigten sich die Cadaver stark aufgetrieben; an der inneren Plllche der Maut fand sich eine grosso Zahl runder, dnnkelrotber Flecke von 0,5—2,0 cm Durch­messer; die Subcutis gelbsulzig inflltrirt und braunroth gefärbt; selbst die
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Verletaunireti dor Weiohtheik
I
darunter liegenden Muskeln haitpii oino gleiche Verfftrbungi lt;lio tiefen Muskel-lagen waren dagegen blass, tlbnlioh laquo;ric bei der Hämoglobinämie, An den am meisten betroffenen Stellen war die Haut gangränös. Bei dem zuletzt. gestorbenen Pferde zeigte sich die Scbleimbaut tlos Magens und Darmes diffus geröthet; auch am Peritoneum waren tlieils diffuse, tlieils ramiforme Elöthungen vorhanden, Die Leber beider Pferde erschien stark ange­schwollen und blass, wie Lehm gefilrbti auf Binschnitten floss ans derselben oiiu^ bedeutende Menge blassrotfa geftlrbter Plüssigkeit ab. Milztumor, die l'ulpa der Milz dunkelbraun, last schwarz, iilmlieh wie beim Milzbrand, doch nicht so weich (Pünfstücls fand die Milz pechschwarz). Niereu vergrössert, zwischen Membrana propria und Niere eine gelbsulzige blasse: die Schnittfläche der Nieren dunkelbraunroth und weich, Schleimhaut der Harnwege hochgradig hyperftmisch. Pleura tlieils diffus geröthet. theils injieirt; in den l'lcurasäcken circa 1 Liter blutig gefärbtes Serum. Lungen hyperämisch mil bämorrhagischen Infaroten, Lungenödem, Endocardium und Epicardium braunroth; die Herzkammern enthielten bist, schwarz ge­färbtes, schmieriges, nicht geronnenes Blut von alkalischer Reaction, Ge­hirnhäute hochgradig hyperämisch, Blutleiter strotzend von dunklem Blut; die Pia maier zeigte [njeetionsröthe und capillitre Apoplexien. Adergeflechte dunkelblauroth. Gehirnödem, Aehnliche Resultate ergaben andere Sectionen bei Thieren, die in Folge von Bienenstichen zu Grunde gegangen waren (Olichy, Lies, Ftinfstück, liable. Dochtermann), Die von Pünf-stück beobachteten Pferde starben an den Folgen von Bienenstichen in ti bis lü Stunden. Cliehy sah 5 Pferde, welche in der Nähe eines Bienen­hauses angebunden und gestochen waren, innerhalb 5 Stunden zu Grunde gehen. Einige der Thiere hatten sich in Folge der Schmerzen die Zähne ausgebrochen. Hurtrel d'Arboval boschreibt 2 tödtlich verlaufene Fälle bei Hunden.
Worin die von Jonen insecten verimpfte giftige Substanz besteht, ist bisher nicht festgestellt. Berdez fand in den Giftdrüsen Ameisen­säure; nach Pröhner enthält das Gift dor Bonigbiene neben Ameisen­säure eine ptoimuiuirtige Substanz.
Behandlung. Nachdem die zur Beruhigung der Thiere erfor­derlichen Massnahmen getroffen sind, iässt man den Körper möglichst bald mit grossen Mengen Wasser begiesseu, um die nooli auf demselben befindlichen [nsecten zu entfernen. Sodann sind Waschungen mit al­kalischen Flüssigkeiten, Seifenwasser, Aschenlauge zu empfehlen. Gegen die durch Schwellung der Naso veranhissto Athembeschwerde kann die Tracheotomie erforderlich werden. Die Behandlung der [ntoxica-tionserscheinungen bietet bei dem Mangel näherer Einsicht in die Natur des Giftes keine; sicheren Anhaltspunkte, doch dürften auch hier Alkalien angezeigt, sein; wo die Application dieser Mittel per os auf Schwierig­keiten stösst, würden intravenöse [njeetionen zu versuchen und mit einem Aderlass zu verbinden sein. Zur Anregung der Herzthätigkeit dienen Analeptica (Alkohol, Aether, Kampfer).
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Störungen in der Wundheilung — SohlangenbisBinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;207
Schlangenbiss. Zu den in Deutscliland vorkommenden giftigen Schlangen gehören lt;iit' Kreuzotter (Vipern berus), die V^ipera üimIü und proster. Dieselben siml mit zwei gekrümmten Qiftzähnen aus­gestattet, in welche die Äusführungsgftnge der Giftdrüsen münden. Beim Bisse dieser Thiere entleert sich der giftige Inhall der Drüse und ergiesst sich in die Wunde, wodureb zunüchsl (ine sein- schmerz-bafte Anschwellung entsteht, die zur Gangränbildung neigt. Hierzu gesellen sich Äihemnoth, Mattigkeit, Erbrechen, Fieber, und unter Erscheinungen von Gollaps kann schon in wenigen Stunden der Toil eintreten. Die Gefahr ist jedoch nicht, so gross, indem etwa nur 2—80/o der Gebissenen sterben. Sobald das betreffende Thier den dritten Tag erlebt, ist in der Kegel Lebensgefahr ausgeschlossen. J'ls handelt sieh also auch heim Schlangenbiss um Intoxication mit, einem Gift, dessen Natur bisher nicht näher bekannt ist. Auch die Unter­suchungen von Müller haben nichts weiter zu Tage gefördert, als dass das Gift der Kreuzotter ans einem Pepton und einem Glohulin bestellt. Ersteres erzeugt Nekrose an der Bissstelle, während Letzteres das Herz, das vasomotorische Centrum, das periphere Ende der Nervi splanchnici und die Athmung lähmt.
Behandlung. (Jm die Resorption der eingeimpften toxischen Substanz zu verhindern, lässt man eine Schnur oberhalb der Bissstelle um das Glied legen, die Wunde selbst zunächst sorgfältig auswaschen; auch ist das Aussaugen der Wunde für den Menschen ungefährlich. Man benutzt soweit möglich die üblichen Desinfectionsmittel zum Beinigen der Wunde, und wenn Aetzmittel zur Verfügung stehen, können diese dazu beitragen, das Gifi zu zerstören und die Resorption desselben zu verlangsamen; ebenso wirkt das Glüheisen. Ferner ist Liquor Ammou. caust. empfohlen und/.war sowohl innerlich, wie auch. subeutan oberhalb der Wunde. Ein Theil Liquor Ammon. caust. auf 2—3 Tille. Wasser wird mittelst einer l'ravaz'scben Spritze unter die äussere Kaut gebracht. Zur Bekämpfung der entzündlichen Erschei­nungen dient Kälte. Von Karlinsky wurden neuerdings subeutane Injectionen einer lquot;quot;igen Chromsäurelösung (0,5 —1,0) gegen Vipern-bisse bei Hunden und Menschen empfohlen. Spätestens ', Stunde nach dem Biss angewendet, soll eine Injection genügen, um die Er­scheinungen der Vergiftung zu beseitigen. Kaufmann empfiehl! zu demselben Zwecke eine 1 quot;,#9632; ige Lösung von Kalium permanganicum. Von Fräser sind neuerdings Versuche augestellt, Kaninchen und Pferde unempfänglich für Schlangengifte (Naja tripudians, Crotalus
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Verletzunffen der Weiohtheile.
horridus) zu machen. Es ist ihm dies vollständig gelungen; er hat sogar aus dem Blute solcher Thiere ein Serum „Antivenenequot; her­gestellt, das gelbst bei eingetretenen Vergiftungserscheinungen noch lehensrettend wirken soll. Auch (inrriu hat von Giftschlangen ge­bissene Hunde mit einem Serum, das aus dem Institut Pasteur in Lille bezosen war, behandelt und will dadurch die llundi' gerettet haben.
6. Allgemeine Regeln der Wuiulliehandlung.
Erste Aufgabe bei der Wundbehandlung bleibt, von der Bedeutung der Wunde sich zu überzeugen. Diese ist in erster Linie von dem Sitze der Wunde, von der Art der verletzten Theile. dann von dem Um­fange, der Art und Richtung der Verletzung, namentlich aber von der Präge abhtingig, ob die Wunde noch aseptisch oder mit Erfolg zu desinficiren ist, oder ob bereits eine Infection vorliegt: ferner kommt es auf die Virulenz der [nfectionserreger an. Meist lassen sich hierüber nur Vermuthungen anstellen, doch sei bemerkt, dass grosse Schmerz-haftiglteit und starke, schnell hervorgetretene Anschwellung als un­günstige Zeichen betrachtet, werden müssen, weil sie vornehmlich bei schweren Läsionen und Inl'ectionen auftreten. Als Regel muss gelten: Jede Wunde bei unseren II austhieren, welche wir nicht selbst angelegt haben, ist als inficirl anzusehen. Man über­zeugt sich zunächst durch inspection über Sitz und Grosse der Wunde, über die Beschaffenheit der Wundränder, die etwa noch fortbestehende Blutung, über das Klaffen der Wunde und die Beschaffenheit ihrer Umgebung (Anschwellung, Entzündung). Nachdem die .Blutung mit dem einen oder anderen Mittel (Digitalcompression, Compression der zuführenden Gef'iisse central von der Wunde) gestillt ist, reinigt man die Wunde durch Ausspülen mil antiseptischen Plüssigkeiten, um sich von der Ausdehnung derselben in die Tiefe sowie über die Gegenwart von Fremdkörpern in derselben Ueberzeugung zu verschaffen. Diese Untersuchung der Wunde erfolgt stets mit desinfleirten Münden und Instrumenten (S, 1quot;J7). In der Nähe von Körperhöhlen sei man mit der Application von Sonden besonders vorsichtig, damit diese Höhlen nicht verletzt werden; im allgemeinen gilt die Hegel, dass der Finger für die Untersuchung geeigneter ist als Sonden. Nunmehr muss man sich klar darüber werden, welcher lleilvorgang angestrebt werden soll. Erscheint die Heilung auf dem ersten Wege möglich, zugleich sicher und leicht zu erreichen, so werden natürlich die hierzu erforderlichen Vorkehrungen getroffen. Nach sorgfältiger Desinfection
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Allgemeine ßegeln der Wundbehaudlung.
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wird die Wunde entweder geheftet und mit einem Occlusivverband verseilen, oder man leitet offene Wundbehandlung ein, um Qeilung unter dem Schorf au erzielen, unter Umstünden kann zunächst anti-septische Tamponade Anwendung linden, worauf am nächsten Tage die weiteren Massnahmen für die Asepsis getroffen werden; entweder folgt die secundiire Wundnaht (S. 99), oder offene Wundbehandlung (S. 135),
Die Anlegung eines Verbandes kann ans verschiedenen Gründen erfolgen;
1. Der Orelusivverliand bezweckt die aseptische Wunde vor Infectiouen zu schützen und wird, wie oben (S, 130) beschrieben, an­gelegt.
:!. Der Druckverband soll entweder Blutungen stillen, oder die Granulation an bestimmten Stellen der Wunde zurückhalten, oder endquot; lieh eine günstige Lagerung und Pixirung der Wundränder herbei­führen. Werg, Jute, Watte oder Gaze, entweder in lockeren Lagen (Bäusche), oder Pest zusammengerollt (Tampons), werden in die Wunde geschoben und nüthigenfalls mittelst Binden oder durch Heften der Wundräuder befestigt. Am Hufe bezweckt der Druckverband einen Vorfall der Weichtheile zu verhindern.
:!. in anderen Fällen soll durch den Verband Wundsecret auf­gesaugt, oder die Wunde vor Verletzungen geschützt werden (Schutz­verband), Im ersten Falle kann die Wirkung desselben durch Ein­legen von Drains sowie durch zweckinässige Auswahl der Verbandstoffe unterstützt werden; llolzwollvvatte zeigt sich für diesen /weck recht brauchbar. Ein Schutzverband findet an den unteren Enden der Glied­massen bei den grösseren Thieren oft Anwendung, um zugleich Ver-
unreinigungen der Wunde zu verhindern.
I. Feuchte Verbände linden in der Wundbehandlung Anwen­dung, und zwar um eine nachhaltigere Desinfection zu erzielen. Wenn eine inlicirle Wunde zur Behandlung gelangt, so gelingt es oft nicht durch Waschen und Spülen die Desinfection derselben zu bewirken, und es empfiehlt sich event, ein feuchter Verband in Ver­bindung mit aseptischer Tamponade (S. 134). Hierzu können die Materialien vorher angefeuchtet werden, oder man feuchtet den fer­tigen Verband mit einem Desinliciens an. Auch zur Erzielung voll­ständiger Asepsis auf dem Operationsfeld wenden wir mit Vorliebe feuchte Verbände an (S. 130),
Ein Wechsel des Verbandes wird nothwendig;
1. Wenn derselbe sich gelockert oder verschoben hat.
i!. Wenn der Verband von Blut oder Wundsecret durchtränkt ist,
Möller u. Priok, Allgemeine ChirnTgle für Tlm'Oirzto. a. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; II
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Vorletzungsn der Weiohtheil(
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wenn er raquo;durchschlägt*. Sobald dieses erfolgt, finden die [nfeotions-erreger in laquo;Ion flüssigen Massen Gelegenheil zu lebhafter Entwickelung und so zur [nfection der Wunde; daher wird namentlich in solchen Füllen lt;,in Verbandwechsel nothweudig.
3. Wenn die Schmerzen eine erhebliche Steigerung erfahren, oder wenn die Erscheinungen eines septischen Wundflebers eintreten. Ln diesem Falle liegt die Vemuthung vor, dass der Verband entweder schlecht liegt, durch die eingetretene Schwellung zu eng geworden ist, oder dass sieh unter demselben erhebliche Entzündung eingestellt hat, welche, durch [nfection veranlasst, eine Reinigung und Desinfection der Wunde erforderlich macht. Dieselbe VermuUuiiig ergiebt sieh aus dem Auftreten höheren Fiebers; sobald bei Pferden die Temperatur über 39,5deg; C. steigt und gleichzeitig andere Störungen, wie kleiner, frequenter Puls, Appetitlosigkeit auftreten, ist stets ein Verband­wechsel vorzunehmen.
I. Wenn der Verband der Heilung, insbesondere der Gfranulations-bildung hinderlich wird, was namentlich bei Verbänden mit der Zeit eintritt, die mit Tamponade der Wunde verbunden waren.
#9632; gt;. Endlieh kann der Verband entfernt werden, sobald die Heilung vollendet ist.
Beim Wechsel des Verbandes aseptischer Wunden müssen die­selben Massnahmen beobachtet werden wie bei der ersten Anlegung desselben.
Zur Vermeidung einer Infection durch den bei der Abnahme des Verbandes entwickelten Staub empfiehlt sich, den Verband vor der Abnahme anzufeuchten.
Im allgemeinen ist es rathsam, den Verband .so lange als mög­lich liegen zu lassen, weil mit jedem Wechsel desselben eine Reizung der Wunde und die Gefahr einer Infection verbunden ist. Nur bei den zur Absorption der Wundsecrete angelegten Verbänden wird ein häufigerer Wechsel derselben erforderlich. Auf stark eiternden oder jauchenden Wunden unterbleibt im allgemeinen die Anlegung eines Verbandes. Die (lurch denselben bewirkte Temperatursteigerung und Zurückhaltung der Feuchtigkeit in der Wunde begünstigt die Zer­setzung des Wumlsecrets und die Vegetation der Infeetionserreger. Dasselbe gilt von dem Heften solcher Wunden.
Man bedenke ferner, dass jede Reizung und Verletzung einer Wunde nicht nur die Heilungsvorgänge in derselben stört, sondern auch die (ud'ahr einer Infection herbeiführt. Daher sei man bei allen Manipulationen an derselben vorsichtig und sorge auch dafür, dass
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Suboutane Vorlotzungon der Woiohtbeile — Dehnung, Zerrmi}?, Zcrreissiiiig. 211
sdlclic Vcrlef/uiigcii und Ki'i/.ungen durch andere Ursachen nicht herbei­geführt werden, Ruhe des Thieres, Vermeidung von Bewegungen desselben, soweit nur möglich, erscheint um so nothwendiger, wenn Theile verletzt sind, die an der Bewegung Thei] nehmen, /.. 15. bei Wunden in der Nähe der Gtelenke, namentlich an der BeugeflächS derselben, Unter solchen [JmstB.nden kann ein zweokmässig angelegter Verband zwar nützlich, aber auch nachtheilig werden: manche Thiere werden durch denselben erst, recht veranlasst, Bewegungen mit der betreffenden Gfliedmasse auszuführen.
Ein für die thierärztliche Praxis beachtenswerther Punkt ist ferner die Sorge für die junge Narbe, So lange diese nicht mit Eaaren ausreichend bedeckt ist, übt Kälte leicht einen nachtheiligen Ein-tluss auf dieselbe aus. Sollen die Thiere bei Temperatur unter 0 quot; im Freien andauernd benutzt werden, so wird ein Schutz gegen Er­frierungen nothwendig; dies gilt namentlich für Wunden an den unteren Abschnitten der Gliedmassen solcher Pferde, die im Winter bei Schmutzwetter zur Arbeit verwendet werden sollen. Ebenso wird oft ein besonderer Schutz für Narben erfordei'lich, welche mit dem Geschirr in Berührung kommen.
I). Subcutane Verletzungen (lev Weichtheile.
I, Dehnung, Zerrung und Zerreissung der Weichtheile.
Die Weichtheile des Körpers werden häufig von mechanischen Insulten getroffen, ohne dass gleichzeitig Trennungen in der äusseren Haut stattlinden. Sowohl ihrer Art, wie auch Ausdehnung nach gestalten sich die hierbei entstandenen Verletzungen ausserordent-lich verschieden. Dass hiervon die der Oberfläche näher gelegenen vornehmlich betroffen werden, versteht sich von selbst. Durch die Einwirkung von Zugkräften kommen Dehnungen der Weichtheile zu Stande, die man je nach dem Grade der Läsion als Dehnung, Zerrung odor Zerreissung bezeichnet. Die langsam sich vollziehenden, über die Grenze der Elasticität der Weichtheile hinausgehenden Ausdeh­nungen bezeichnet man als Dehnungen, während plötzlich, ruck­weise erfolgende Ausdehnungen unter dem Namen Zerrung be­kannt sind. Bei beiden handelt es sich um eine Verlängerung der elastischen Weichtheile, wobei Trennungen in ihrem Zusammenhange makroskopisch nicht wahrnehmbar sind, dennoch aber bestellen und
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Verletzungen cler Weiohtheile.
unter Umständen, /#9632;• li in Muskeln mikroskopisch nachzuweisen .sind; einzelne Muskelflbrillen zeigen sidi zerrissen, wobei das Sarkolemra ent­weder intact bleibt-, oder aucb zerreisst. Au Blutgefässen treten bei Zerrungen Continuittttstrennungen mit Blutungen auf; an gedehnten
Nerven findet man abnorme Blutfülle, auch lassen sieb Blutungen im Neuriiemm und Perineurium sowie Continuitätstrennungen in der Mark­scheide oiler am Axencylinder feststellen.
Von einer Zerreissung spricht man erst, wenn nach Einwir­kung der dehnenden Gewalt eine Continuitätstrennung makroskopisch erkennbar ist. Die verschiedene Widerstandsfähigkeit der einzelnen Gewebe erklärt es, dass solche Trennung selten gleichmässig ausfüllt, dass oft nur einzelne Tbeile, z. B. einige Fasern der Sehne (librilläre Zerreissung'), von der Continuitätstrennung betroffen werden, während andere, derselben Zugkraft ausgesetzt, intact bleiben.
Oertliche oder allgemeine Ernährungsstörungen, wie sie beson­ders bei Infectionskrankheiten beobachtet werden, veranlassen eine Schwächung der Widerstandsfähigkeit und Elast ich ät in den Geweben und verleihen somit eine Disposition zu derartigen Verletzungen, Am häuligsten werden Zerrungen und Zerreissungen an den Muskeln, Sehnen und Blutgefässen bei grösseren Thieren beobachtet.
Die dehnende Gewalt wirkt bald von aussen auf den Körper ein, so verursacht z. B. heim Niederstürzen die fallende Körperlasl Dehnungen, Zerrungen und Zerreissungen von Muskeln, Sehnen, Bän­dern und Blutgefässen, bald geht die Dehnung aus der activen Thätig-keit der Muskeln selbst hervor. Eine heftige Coutraction der Muskeln kann zur Zerrung und Zerreissung sowohl im Muskel selbst, wie auch in der mit ihm in Verbindung stehenden Sehne bezw. au deren Insertionspunkten führen. So beobachtet man bei schweren Lastthieren und Rennpferden nach heftigen Anstrengungen schmerzhafte Zustände in den Muskeln, welche auf eine Dehnung oder Zerrung derselben zurückzuführen und die Arbeitsfähigkeit der Thiere für einige Zeit zu stören geeignet sind; dieselben verlieren sich jedoch in der Hegel nach kurzer Zeit unter Ruhe wieder.
Die Heilungsvorgänge erfolgen im allgemeinen regelmässig und schnell, da die Läsionen fast stets aseptischer Natur sind; leichter und früher natürlich bei Dehnungen und Zerrungen als bei Zerreissungen. Der Umfang der Continuitätstrennungen entscheidet hierüber jedoch nicht allein, sondern auch das Regenerationsvermögen der verletzten Theile. Da fast alle hierbei in Betracht kommenden Gewebe reichlich mit Blutgefässen versehen sind, so treten bei Zerrungen und Zer-
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Suboutano Verletzungen der Weiohtheila — Zerreiasuuginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'l]'-'i
reissungen regeltnässig Blutungen auf, selbst wenn sie makroskopisch nicht erkennbat sind. Die durch Retraction der zerrissenen (Jewehe entstandenen Lücken werden zunächst durch das ausgetretene Blut angefüllt. Bei dem Heilungsvorgange wird letzteres wieder resorbirt, indem die flüssigen Bestandtheile in die Circulation zurück gelangen, während die Blutkörper entweder direct in die Blutgefässe zurück­kehren, oder zerfallen und dann resorbirt werden. An Stelle des Ex-travasats treten alsbald Leukocvlon, bezw. neugebildete Bindegewebs­zellen, welche die Lücke in dem zerrissenen Gewebe ausfüllen und sich allmählich in Bindegewebe umwandeln,
Laufen diese reparaloriscben Vorgänge mit einer gewissen Leb­haftigkeit ab, stellt sich im Verlaufe derselben an der verletzten Stelle Schmerz, vermehrte Wärme, Anschwellung und an nicht pigmentirter Haut Köthung ein, welche ausschliesslich das Ergebniss der Circu-lationsstörung sein können, so spricht man von einer Entzündung. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass diese Diagnose sieh nur auf die klinischen Symptome siiitzt; eine öefahr liegt darin für den ver­letzten Tlieil meist nicht.
Während nach Dehnungen und Zerrungen nachweisbare Ver­änderungen in der Regel nicht zurückbleiben, veranlassen Zerreissungen, d. h. umfangreiche Continuitäfcstrennungen, die Bildung grösserer Men­gen Bindegewebes, welches stets, wo auch immer die Continuitäts-trennung im Körper erfolgen mag. als Klickgewebe (Narbengewehe) auftritt. Solche Narben besitzen in der Regel nicht die Widerstands­fähigkeit der ursprünglichen Gewebe und erfahren daher ebenfalls leicht Läsionen; daraus erklärt sich, dass derartige Verletzungen stets eine mehr oder weniger ausgesprochene Anlage zu neuen Krkrankungen hinterlassen.
Die zum Ablauf der Reparationsvorgänge erforderliche Zeit hängt theils von dem Umfange der Trennung, theils von der Regenerations-fahigkeit der Gewebe ab; am meisten eignet sich hierzu lockeres Bindegewebe, viel weniger derbe Bindegewebsmassen (Sehnengewebe), sowie Knorpel und Muskeln. Endlich kommt für den Heilungsvor­gang in Betracht, ob sich die getrennten Gewebstheile mehr oder weniger von einander entfernt (ret rahirll haben, ob die Lücke zwischen denselben grosser oder kleiner, ob sie mit Blut angefüllt, oder ob nach­barliche Gevvcbsmassen sieh in diese gelegt haben. Das letztere er­weist sich stets vortheilhaft, weil das eingelagerte Gewebe, in der Kegel lockeres Bindegewebe, direct für die Heilung verwendet werden kann; so z. H. bei Zerreissunffen von Sehnen und bei der Tenotomie.
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Verletzungen der Weiohtheilei
Es kommt daher auch auf die BeschafPenheit der umliegenden Gewebe im, ob lt;lio Seilung derartiger Gewebstrennungeu schneller oder lang­samer von Statten geht. Im allgemeinen erfolgt die Reparation um su leichter und schneller, je gefftssreicher das durchrissene Gewebe bezw, seine Nachbarschaft istquot;.
Oberster Grundsatz bei der Behandlung von Dehnungen, Zer­rungen und Zerreissungen muss sein, dass an tier liidirteu Stelle, als einem locus minoris resistentiae und einem vorzüglichen Nährboden für Mikroben, eine Infection verhindert wird. Dies erreicht man durch Zusatz von Desinfectionsmitteln zu den nachstehend genannten kühlenden bezw, Priessnitz'schen Umschlägen, Sind beide Methoden nicht an­wendbar, so sind immerhin desinficirende Waschungen namentlich bei oberflächlich gelegenen Dehnungs-, Zerrungs- und Zerreissungsstellen am Platze. Für das Zustandekommen der Vereinigung getrennter Theile ist die Beseitigung des ausgetretenen Blutes wichtig; je weniger Blut sich ergossen, um so leichter der Jleilungsprocess. Daher sucht man in Irischen Fällen die etwa noch fortbestehende Blutung durch Kühlen und Anlegung eines Druckverbandes möglichst bald zu stillen. Diese Mittel linden indess nur in den ersten 24 Stunden zweckmüssige An­wendung; die Kälte wenigstens übt nach dieser Zeit keinen weiteren Vortheil aus, als dass sie' zuweilen, aber auch nicht immer bei heftigeren Schmerzen lindernd wirkt. Nunmehr fällt der Therapie die Aufgabe zu, die Resorption des Blutergusses zu fördern, wozu feuchtwarme Um­schläge, Compression und Massage dienen, l'riessnit/'sche Umschläge sind zu dem Zwecke bei Menschen wie Thieren neuerdings mehr und mein- in Anwendung gekommen und mit Recht; ebenso die Massage, wo die Ausführung derselben nicht wegen grosser Schmerzhaftigkeit contraindicirt ist. Durch die Resorption des Blutergusses soll erst der zur Vernarhung nöthige Raum geschaffen werden. Feuchte Wärme aber erweitert die Gelasse, fördert die Circulationsvorgänge und somit auch die Resorption. Die günstige Wirkung der Massage liegt auf der Hand: durch die bei derselben ausgeübten Manipulationen wird das ergossene Blut zur Resorption gebracht, ebenso wie durch einen gleichmässig, aber anhaltend ausgeübten Druckverhand (methodische Compression).
Dagegen kann den früher viel empfohlenen, zertheilenden Salben, deren Hauptbestandtheile Jod oder Queoksilbermittel bildeten, ein be­sonderer Werth hierbei nicht zuerkannt werden. Der nach ihrer An­wendung beobachtete Nutzen beruhte vornehmlich auf der mil ihrer Application verbundenen Massage. Mit Hecht wurde daher auch Früher
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Suboutane Verletzungen der Weiobtheile — Quetsobun^
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schon betont, dass ein besonderer VVortli auf die sorgfältige Ä.pplica-lidii dieser Mittel gelegi werden müsse; kräftiges Einreiben wirkt aber wie Massage,
Gegen laquo;He in Muskeln nacli derartigen Dehnungen und Zer­rungen in der ersten Zeit zurückbleibende Schwtlche empfiehlt sieh leichte Arbeit. Ueber die besonderen, bei Zerreissungen der einzelnen Gewebe und Organe erforderlichen Massnahtnen soll an den betreffenden Stellen die Bede sein.
2. Quetschung (Contusio).
Als Quetschung bezeichnet man Verletzungen der Weichtheile durch Einwirkung stumpfer Gegenstände (Stoss, Sehlag, Fall), wobei der Zusammenhang in der äusseren Haut erhalten bleibt. Die Gewebe werden hierbei entweder in ihrer Gtesammtheit gewaltsam zusammen-gepresst, oder gegen einen harten Gegenstand z. !gt;. Knut hen gedrückt und erleiden auf diese Weise mehr oder weniger umfangreiche Tren­nungen in ihrem Zusammenhange. Gussenbauer bezeichne! deshalb die Quetschung als eine Zerreissung dureh Druck. Wird hierbei gleich­zeitig die äussere Haut durchtrennt, so sprich! man von einer Quetsch vvu ade.
Die anatomischen Veränderungen, welche durch die quetschende Gewalt herbeigeluhrt werden, hängen theils von der Beschaffenheit und dem Grade der mechanischen Einwirkung, von der Druckkraft und der Schnelligkeit ab, mil welcher der stumpfe Gegenstand den Körper trifft, theils aber von der Beschaffenheil und der Unterlage der gequetschten Weichtheile. Ein Sehlag mit einem Stock auf die dicke Schenkelmuskulatur ruft bei weitem nicht so schwere Verletzungen hervor wie die gleiche Einwirkung auf eine Stelle, wo dich! unter der Haut ein Knochen liegt. Nicht zum wenigsten ist für die anatomische Veränderung der Winkel, unter welchem die Gewalt die Gewebe trifft, von Bedeutung. Je senkrechter eine (lewalt aid' die Oberfläche auf­trifft, um so schwerer werden bei gleicher Kraft die erzeugten Lü-sionen sein.
Als quetschende Gewalten kommen bei Thieren vornehmlich Schläge (Hufschlag, Pusstritt), Stösse mil dem Born oder Gegen­fahren mit der Deichsel, ferner Niederstürzen auf hartem Boden, Gegenrennen, rohe Misshandlungen mil Knütteln. Besenstielen, Dünger­gabeln n. s. w., bei Arbcilslliieren Druckwirkungen des Sattels und Geschirrs in Betracht,
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Verletzuncrsn der Weiohtheile,
Die Widerstandsfähigkeit der Gewebe gegen Quetschungen ist aussei'ordentlich verschieden, am geringsten ist dieselbe in lockerem Bindegewebe und Muskeln, bei weitem grosser in Sehnen, Bändern und Fascien.
Die Einwirkung einer stumpfen Gewalt, /.. 15. beim Schlag mit der Peitsche oder einem Stock, wird erst dann iils Quetschung auf-gefasst, wenn hierdurch anatomische Veränderungen veranlagst werden, die entweder sichtbar sind, oder sich durch andere Erscheinungen ZU erkennen geben, Dass diese ausserordentlich verschieden ausfallen können, liegt auf der Hand. Man hat deshalb auch verschiedene Grade der Quetschung unterschieden. Obgleich selbstverständlich keine scharfen Grenzen hier zu ziehen sind, die Eintheilung also eine willkürlicheist, so empfiehlt sich doch aus praktischen Gründen, 4 Grade der Quetschung ZU unterscheiden:
Bei einer Quetschung ersten Grades, wie solche /.. 15. dnrch einen Peitschenhieb veranlasst wird, entsteht in Folge der einwirkenden Gewalt eine Dehnung, Zerrung, Compression der Weichtheile, ins­besondere der ilusseren Haut verbunden mit Zerreissungen einzelner Gewebsfasern und kleinerer Blutgefässe, vornehmlich der Capillaren der Haut. Die nächste Folge hiervon sind geringe Blutungen und Störungen in der Circulation, Je nach dein Umfange der Trennung und der Nachgiebigkeit der umliegenden Gewebe, deren Structur im übrigen erhalten ist, ergiesst sich eine kleinere oder grösscre Menge, Blut in die Gewebslücken, oder es sammelt sich dasselbe in Räumen an, die durch Retraction der getrennten Gewebe und Verdrängung derselben durch den Blutdruck entstanden sind. An pigmentfreier Haut giebt sich der Zustand vornehmlich durch dunkle Röthung, Schmer/, und Anschwellung zu erkennen und wird deshalb auch als Entzündung aufgefasst. An pigmentirter Haut treten Anschwellung und Schmerz in den Vordergrund der Erscheinungen.
Kleine, scharf abgegrenzte, streifige Blutungen bezeichnet man als Vibices, grössere, abgerundete, rothe Flecke als Petechien und bei grösserem Umfange als Ecchymosen, Sugillationen heissen diffuse, nicht scharf begrenzte und unregelmässig gestaltete Blutungen, und solche in grösserer Ausdehnung Suffusionen '). Alle diese Zu­stände bilden also blutige Infiltrationen oder h ii m o rrh agi sehe Inl'arcte. d.h. das ergossene Blut befindet sich in den erweiterten
') Vibex-iois = Strieme; petechia Pieberfleok; suffillare — braun und Mim sohlairen (Sugillatio = blauer
= 7.y')ogt; quot;
Pleok),
austriessen ;
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Suboutane Verlstzungan der Weiohtheile - Quotsohung
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QewebslUoken. Saimnelt sich dasselbe in grösseren Höhlen an, die duroh Zerreissung der Gewebe oder V^erdrilngung derselben (lurch iliis ausgetrstene Blut entstanden sind, so spricht man von einem llil-111 atoiii oder Blutextravasat.
Natürlich erleiden micli die Organgewebe bei Quetschungen ersten Grades Continuitätstrennungen, wobei die zelligen Elemente selbst zer-reissen, oder von einander gedrängt werden. So entstellen \ erletzungen, jedoch in geringfügigem umfange, welche durch die reparatorischen Vorgänge leicht ausgeglichen werden können.
Ik'i den Quetschungen zweiten Grades erfolgen die Continuitäts­trennungen in grösserem Umfange, und /war sowohl an den Geweben wie auch Blutgefässen. Nicht, nur die Capillaren, sondern auch grössere Venen und selbst Arterien werden hierbei getrennt, in Folge dessen wird der Bluterguss grosser, und das extravasate Blut sammelt sieh in grösseren Höhlen an (Hämatome), Auch kommt es hierbei ge­legentlich zu Zerreissungen von Lymphgefässen und zur Bildung von Lymphextravasaten. Auch bei der Quetschung /.weiten Grades ist ebenso wie bei derjenigen ersten Grades die Structur der gequetschten Gewehe noch deutlich erkennbar.
Als Quetschungen dritten Grades bezeichnet man solche, die mit erheblichen Zerstörungen in den Organgeweben verbunden sind, in iMilfj^e dessen die Gewebselemente in grösserer Zahl zu Grunde gehen (Nekrose). Sie entstehen vornehmlich durch andauernden Druck /. Pgt;. iles Sattcds oder Geschirrs.
Von einer Quetschung vierten Grades spricht man, wenn die Gewebe und Gelasse in grösserem Umfange zermalmt werden, so dass die gequetschten Theile in eine breiartige, struct urlose Masse nm-crewandelt werden, also auch abffestorben sind.
Man könnte diese verschiedenen Grade der Quetschung auch wie folgt ausdrücken:
1. Grad - Quetschung mit Blutinfiltrationen, -. Grad = Quetschung mit Hämatom, 3. Grad = Quetschung mit Druck-nekrose, I. Grad - #9632; Quetschung mit Zermalmung.
Es liclt;jt auf der Hand, dass nur Quetschungen ersten Grades für sich allein auftreten können, während die höheren Grade stets mit solchen niederer Grade verbunden sind, indem die quetschende Gewalt an den am meisten betroffenen Theilen höhere, in der Umgebung der­selben geringere Läsionen veranlagst.
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Verletzunffön der Wetohtheile.
Verlauf. Bei Quetschungen ersten Grades erfolgt regelmftssig in kurzer Zeit Resorption ilos ergossenen Blutes, indem zunächst das von dem Coagulura ausgepresste Serum in die Saftströmung, in die Lymph- und Blutgefdsse zurückgelangt. Das geronnene Fibrin zer­fällt allmählich zu einem körnigen Detritus und wird ebenfalls von den Gefässen aufgenommen; während ein Theil der Leulcocyten /-er­füllt und resorbirt wird, kehren andere durch Eigenbewegung in die Saftströmung und Gefässe zurück (Cohnheim). Aehnlich verhalten sich die rothen Blutkörper; viele derselben gelangen in den Saftstrom, in die Lymphgefässe und Lymphdrüsen, wo sie sieh in so grosser Zahl anhäufen können, dass die Drüsen anschwellen und auf der Schnitt­fläche dunkelroth erscheinen. Auf diese Weise wird aber ein grosser Theil der rolhen Blutkörper dem Organismus erhalten. Andere gehen zu Grunde, zerfallen, verlieren ihren Farbstoff und werden resorbirt. Dabei krystnllisirt nicht sehen Blutfarbstoff (Hämatoidin) in Nadeln aus; dasselbe kann zum Andenken an das Ereigniss an der betreffenden Stelle dauernd liegen bleiben und hildel dann pigmentirte Narben.
An Stelle des resorbirten Blutergusses sammeln sich Leukocyten, sowie neugebildete Bindegewebszellen an und treten nach Resorption der bei der Quetschung zermalmten Gewebselemente an deren Stelle. Auf diese Weise wird die durch die Quetschung entstandene Lücke ausgefüllt.
Bei den Quetschungen zweiten Grades erfolgen die Regene­rationsvorgänge zwar in derselben Weise, aber nicht so schnell wie bei denen ersten Grades. Je grosser die Trennungen an den Gefässen und in den Gewchen, um so sehwierin'er muss sich der Heilungsprocess gestalten und um so langsamer erfolgt er. Nicht selten kommt es im Verlaufe desselben zur Eiterung, indem entweder von der verletzten äusseren Haut, oder vom Blute bezw. dem Lymphstrome aus Mikro­organismen zu der verletzten Stelle gelangen (S. 10). Da Quetschungen stets mit gröberen Läsionen der Gewebselemente und namentlich der Intercellularsuhstanz verbunden sind als Zerreissnngeu, so erklärt sich, dass die HeilungsVorgänge hierbei auf grössere Schwierigkeiten stossen und häufiger mit Eiterung verbunden sind, als es bei Zerreissungen der Fall ist.
Grössere Blutextravasate werden im günstigsten Falle resorbirt, doch dauert auch dieser Vorgang natürlich längere Zeit, namentlich in Geweben, die zu Resorptionsvorgängen ungünstig eingerichtet sind, z. 13. unter Fascieu.
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Suboutans Verletzungen der Weiohtheile Quetsohunf
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ßeoht ungünstig scheinen die Bedingungen zur Resorption in der
Subcutis dds llundcs zu liegen, daher beobachtel man oft, dass sich hier Extravasate lange Zeit erhalten, nicht zur Resorption gelangen und zu Cystenbildung Veranlassung geben. Aehnliohe Verhältnisse müssen in der Subcutis am Carpus des l'ferdo.s bestellen, woselbst sieh Hllmatome oft monatelang erhalten, indem nach Diffusion des Blutfarbstoffes und Resorption des Ooagulums eine bindegewebige Kapsel zurückbleibt, welche mit einer gelbröthliohen Plüssigkeii angefüllt ist. Doch nicht alle an dieser Stelle angetroffenen Zustände der Art sollen hierauf zurückgeführt werden; manche derselben bestehen offenbar aus Lymphextravosaten,
Häufiger noch als bei Mutigen [nflltrafcionen kommt es bei lliliiiiitonicn zur Vereiterung oder Verjauchung derselben. Indem Eiter­kokken oiler andere pathogene Mikroben zu dem ergossenen Blute gelangen, linden sie in diesem sowohl, wie in den zerfallenen Gewebs-elementen einen vorzüglichen Nährboden für ihre Entwickelung und Vermehrung. Damit treten natürlich nicht allein grössere Schwierig­keiten für den lleilungsvorgang, sondern auch neue Gefahren für den Organismus auf. Progressive Entzündungen, Eiter Versenkungen, Nekrose, namentlich an Fascien, Seimen, Bändern, Knochen und Knorpeln der Nachbarschaft, treben oft zu schweren Störungen und langwieriffen Krankheitsprocessen Veranlassung, Am Widerrist des Pferdes führen Quetschungen durch den Sattel auf diese Weise nicht selten zu chroni­schen Entzündungen und Eiterungen (Widerristfistcln); ebenso am Genick dieser Thiere (Genickbeule), An den Klauen der Wiederkäuer führen derartige Quetschungen zur Entstehung von Panaritien, an den Hufen der Pferde zu Knorpelfisteln,
Das Hämatom kann endlich künstlich eröffnet und entleert werden. Dabei liissl sieh unter günstigen umständen sogar Heilung per prim, int. erzielen, in der Kegel aber tritt Eiterung ein. Nach der Eröffnung des Hämatoms verhält sich die Quetschung wie eine Quetschwunde (S. 196), Wenn jedoch das Bümatom vor vollendeter Thromben­bildung in den getrennten Gelassen geöffnel wird, sei kann es zu einer bedenklichen Nachblutung kommen.
Noch weniger günstig gestaltet sich der Verlauf der l.vmpli-extravasate; da das zerrissene Lymphgefäss nicht wie das lilut-geläss durch Thrombenbildung alsbald verschlossen wird, so vergrössert sich das Kxtravasal oft allmählich, oder besteht längere Zeit Fort, ohne Neigung zu Resorption des Ergusses zu zeigen. Wenn dasselbe ge­öffnet wird, so bleibt nicht selten eine Lvmplitistel zurück, indem die Operationswunde bis auf eine kleine Oeffnung verheilt . aus der sich fortdauernd Lymphe ergiesst (Lymphorrhoe). Lymphextravasate will
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WrU'tzmijiVü der Weiohthsile,
mau beim Menschen namentlicb da beobachtet haben) wo die quet­schende Gewalt den Körper in tangentialer Richtung getroffen hatte Aul' diese Zustände haben in neuerer Zeit Hoffmann und Rust die Aufmerksamkeit gerichtet. Eloffmann beschrieb mehrere Beobach-tungeu von Lymphextravasaten an den Qinterschenkeln lgt;ei Pferden. Die äussere Haut zeigt sicli von den Pascien getrennt, oder es trennen sicli Fascieublätter, oder endlich diese von der von ihnen umgebenen Muskulatur, und in der so entstandenen Höhle findet sich eine klare, gelbliche, inucinlreie Flüssigkeit. Solehe Lymphextrarasate entstehen ziemlich schnell und geben sieh bei oberllächlicher Lage als flnctui-rende Geschwülste zu erkennen. Wir haben wiederholt ähnliche Zu­stünde bei Pferden an den Hinterbacken beobachtet, doch enthielt die Geschwulst stets Blut. Heim Einschneiden entleert, sicdi zwar hiiulig klares Serum, untersucht mau aber die Höhle genauer, so trifft man in derselben regelmässig Blutgerinnsel an. Damit soll jedoch aicht behauptet werden, dass nicht auch Lvmphextravasate hier vorkommen, doch mag darauf aufmerksam gemacht werden, dass leicht Verwechse­lungen möglich sind. Dasselbe gilt unseres Erachtens von dem als Blutohr der Hunde bezeichneten Zustand und dem sog. Knieschwamm des Kindes, von dem Hoffmann ebenfalls annimmt, dass ihm fast stets Lymphextravasate ZU Grunde liegen.
Kleine Lymphextravasate werden wohl resorbirt, meist bleibt jedoch eine bindegewebige Verdickung zurück, die sich schwer besei­tigen lässt. Das Eintreten von Eiterung gestaltet auch hier den Ver­lauf ungünstig, indem die Pascien nekrotisiren, und in der Hegel aus­gebreitete entzündliche Processe unter Miterkrankung der Lymphgefässe und Lymphdrüsen (Phlogmone) entstehen, die ihrerseits wiederum zu erheblichen Verdickungen, unter Umständen zu septischen Erkrankungen führen können.
Quetschungen dritten und vierten Grades sind mit Absterben der Weichtheile verbunden, die des dritten Grades mit trockenem Brand, •während die des vierten oft feuchten Brand im Gefolge haben. Die nekrotischen Gewebe müssen ausgestossen werden, worauf im günstig­sten Falle unter Granulationsbildung und Eiterung Heilung erfolgt. Diese Zustände sind jedoch mit all den Gefahren verbunden, welche bei Besprechung des Brandes berücksichtigt werden sollen (S. 228).
Der Ausgang einer Quetschung hängt in erster Linie von dem Grade derselben, dann aber auch von der Lebensfähigkeit der ge­quetschten Gewebe und namentlich von dem umstände ab, ob die regelmässige Circulation alsbald wieder hergestellt werden kann.
U.
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Suboutane Verletzungen der Weiohtheile Qucteobung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 221
Hierüber eutsclieidet vov allen Dingen der Gefässgehalt der betreffenden Tbeile, doch iiiit auch die Frage, igt;lgt; eine [nfecfcion der verletzten Stelle erfolgt oder niebt, einen laervorragenden Einfluss darauf aus. Eine Gefahr der Verblutung besteht in der Hegel nicht, indem die zerrissenen Gefässe bald thrombosiren oder der hydrostatische Druck in dem Hilmatom bald die Hohe des Blutdruckes in den getrennten Geftlssen erlangt, womit die Blutung natürlich aufhört. I)a.ss jedoch auch subeutane Blutungen zur Verblutung führen können, wurde bereits erwähnt. Selbstverständlich gestalten sich solche aus arteriellen Gefässen stets bedrohlicher als aus Venen. Je grosser das geöffnete Gefäss und der Blutdruck in demselben, je nachgiebiger das um dasselbe gelegene Gewebe, um so leichter ergiessen sich grosse Mengen Blutes. Eine Lebensgefahr kann durch das ergossene Blut auch auf die Weise be­wirkt werden, dass letzteres auf lebenswichtige Organe, z. B. Gehirn oder BUckenmark drUckt und diese aussei- Function setzt. Auf solche Weise können auch Quetschungen im Bereich des Halses, sofern sie mit heftigen Blutungen verbunden sind, durch Compression der Trachea Erstickung herbeiführen.
KliuiKclie Erscheinungen. Als erstes und wichtigstes Zeichen der Quetschung tritt Anschwellung hervor, die sich bei hämorrhagischeu [nSltrationen mehr oder weniger lest, bei Hämatomen fluetuirend anfühlt, thre schnelle Entwickelung, die bei heller Haut dunkle Fär­bung derselben und das Fehlen einer derben Anseliwellung in der Umgebung der Fluctuation — wenigstens in der ersten Zeit — kenn­zeichnen die Geschwulst als Hämatotn und unterscheiden sie von einem Abscess (S. 28. löl). An den Bauchdecken erlangt die Anschwellung gewisse Aehnlichkeit mit einem Bruch, der ebenfalls schnell ent­steh! und tluctuirende Beschaffenheit zeigt, dagegen durch seine Com-pressibilität gekennzeichnet ist.
Die durch Quetschung entstandene Anschwellung zeigt nach kurzer Zeit eine ödematöse Beschaffenheit, da in Folge der gestörten Circulation die flüssigen Bestandtheile des Blutes in die Gewebslücken hinein austreten (Oedem).
An pigmentl'reier Haut erscheint die gequetschte Stelle anfangs blau, nimmt aber nach einigen Tagen eine rothe, dann braune und schliesslich grüne und gelbe Farbe an. Dieser Farben Wechsel wurde früher ausschliesslich auf chemische Umsetzungen des Blutfarbstoffes zurückgeführt, beruht jedoch vornehmlich auf der allmählichen Re­sorption des Blutfarbstoffes, welcher in dicken und dichten Lagen den
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Verlsteuniton dor WeiohthoilOi
Geweben eine blaue Farbe verleiht, während durch allmähliohe Re­sorption des Farbstoffes das erwähnte Farbenspiel entsteht.
In dem Masse als die flüssigen lieslaiuHheile des Blutes resoi'birt werden, und zellige Elemente an ihre Siedle treten, nimmt die An-schwellung eine grössere ilihie und derbe Beschaffenheit an. Bei llämatomrii erstreckt sieh diese derbe Beschaffenheil meist auf die Peripherie, daher fühlt man bei der Palpation einen Wall, der ein fluetuirendes Gentrum umschliesst.
Die mil der Quetschung verbundenen Schmerzen beruhen zum Theil auf mechanischen L'äsionen sensibler Nerven von Seiten der contundireuden Gewalt, theils werden sie durch die Schwellung her­vorgerufen, welche .sieh durch die Extravasation und im Verlaufe der Regenerationsvorgänge einstellt. Je reicher das öewebe an Empfin-dungsnerven, je mehr diese von der Quetschung betroffen, oder durch die entzündlichen Vorgänge gereizt werden, um so grosser die Schmerz-haftigkeit. Dass die individuelle Empfindlichkeit der Thiere hierbei eine Rolle spielt, bedarf kaum der Erwähnung. Auch übt der Grad der Anschwellung und namentlich der Spannung in der Geschwulst hierauf einen hervorragenden Einfluss aus. Wurden bei der Quetschung die Theile vollständig zermalmt, so sind die Schmerzen nur gering, wodurch man zu der Annahme gezwungen wird, dass die Leitungs­fähigkeit der sensiblen Fasern mehr oder weniger vernichtet wurde, so dass ein loealer Torpor entsteht. Hochgradige Sehmerzen, ver­bunden mit Krämpfen beobachtet man dagegen bei Quetschungen sensibler Nervenstämme, während .solche an motorischen Nerven Läh­mungen zur Folge haben.
Mit umfangreichen Quetschungen verbinden sich zuweilen all­gemeine Störungen: abnorme Pulsfrequenz, Abnahme oder Schwinden des Appetits, vermehrtes Durslgel'ühl, Steigerung der Körpertemperatur und ungleiche Vertheiluug derselben an der Körperoberfläche; es tritt Fieber ein, welches entweder aus der Resorption grösserer Mengen zerfallenen Blutes oder abgestorbener Gewebsmassen hervorgehen kann (aseptisches Fieber), oder aber durch die Aufnahme von lufec-tionserregern oder ihrer Stoffwechselproducte in die Blutbahn veran-lasst wird (S. IGT).
Die Functionsstörungen hängen in erster Linie von den Geweben ab, welche von der Quetschung betroffen wurden. Ein gequetschter Muskel kann sich nicht in normaler Weise contrahiren; in motorischen Nerven kann die Quetschung das Leitungsvermögen vernichten und so Lfthmunffen erzeucen.
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Quefcscbungen der äussoren Baut führen häufig zum Ausfall der Haare, sofern diese nicht schon durch die liussere Gewalt ausgerissen wurden, wobei oft gleichzeitig StUcke der Oberhaut abgestreift werden, ein Zustand, der im Munde von Laien als „geschundenquot;, in der wissenschaftlichen Sprache als Excoriation oder Erosion be­zeichnet wird.
Behandlung. Die Behandlung der Quetschungen hal vier Auf­gaben zu erfüllen: 1. Beschränkung der etwa noch fortbi stehen­den Blutung, -i. Förderung der Resorption des ergossenen Blutes sowie der zertrümmerten Gewebsmassen, 3, Unterstützung der ßegenerationsvorgänge, welche zur Beseitigung der Continuitäts-trennungen dienen, und I. Verhinderung einer Infection bezw. Bekämpfung der bereits vorhandenen. Der erste Punkt kommt natür­lich nur in frischen Fällen in Betracbtj gatiz besonders sind Kälte und ein massiger Gegendruck geeignet, die etwa noch fortbestehende Blutung zu stillen, jedoch linden beide Mitte] für diesen Zweck nur in den ersten 24 Stunden Anwendung, Dabei bleibl zu beachten, class die Girculationsvorgänge in den gequetschten Theilen gestört, sindi und die zum Theil im Zustande einer Vita minima sich befindenden Elemente durch intensive Abkühlung leicht abgetödtet werden. Daher darf die Anwendung der Kälte, /. li. in Gestalt von kalten Um-schlägen oder Auflegen von Eis, nicht intensiv und andauernd geschehen. Sobald die äussere Haut auch nur die geringsten Ver­letzungen aufweist, empfiehlt sich den zum Kühlen verwendeten Flüssig­keiten Desinfectionsmitte] (Sublimat, Carbol, Creolin, Alaun, Bleiacetat) zuzusetzen, nm Vereiterung oder Verjauchung in dem Krankheitsherde ZU verhüten. Wo sich gleichzeitig ein massiger Druck auf die ge­quetschte Stelle ausüben lässt, z. ]gt;. an den Gliedmasseu durch Ban­dagen, kann auch hierdurch die Blutung und Schwellung wirksam be­kämpft werden.
Die Resorptionsvorgänge erfolgen zwar auch ohne äussere Hülfe, doch lassen sich dieselben durch feuchte Wärme und Druckwir­kung fördern. Die erstere regt die Girculationsvorgänge an und wird in Gestalt von Priessnitz'schen Umschlägen angewendet, die letztere mit Hülfe methodischer Compression und Massage er­reicht. Massage kann jedoch nicht bei erheblichen Verletzungen oder Excoriationen und erst nach dem Verschwinden grösserer Schmerzen angewendet werden, zeigl sich dann aber besonders geeignet, die Be-standtheile des extravasirten Blutes in die Circulation zurückzuführen.
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90,1
Vi'i'U'tzuiitri'n der Weiohtheile.
Oontraindicirt ist selbstverständlich die Massage auch, wenn bereits Infection der gequetschten öewebe besteht. Sie sollte täglich nuiule-stens 1 -niul ausgeführt werden. Auf die jedesmalige Anwendung folgt mit Vortheil ein gleiohmässig wirkender Druokverband, besonders im Anfange, so lange neue Blutungen noch zu erwarten sind. Auch bei grössereu Sämatomen muss die Massage in der ersten Zeit mit Vorsicht ausgeführt werden, um nicht neue Blutungen hervorzurufen. Sie wird entweder durch sanftes Streichen mit den Fingerspitzen (Effleurage), oder durchstreichen unter Anwendung eines stärkeren Druckes (Massage a friction), oder nach Art des Knetens eines Teiges (Pötrissage), oder endlich durch Klopfen mit der Hand oder besonderen Instrumenten ausgeführt (Tapotement), Das Streichen erfolgt centralwiirts, d. li. in der Richtung dos Lymphstroines. Um die Resorption weiter zu erleichtern, wird in der Regel eine Ein­leitungsmassage vorgenommen, d. h. man massirt die central von dem kranken Tlieil gelegene gesunde Körperpartie, wodurch die Venen und Lymphgefftsse sich entleeren und zur Aufnahme der aus dem Krankheitsherde stammenden Massen geeigneter werden. Nachdem die Hände und besonders die Pingerspitzen des Masseurs mit Fett eingerieben sind, sucht derselbe in der einen oder anderen Weise die Massage auszuführen. Bei Quatschungen eignet sich in erster Linie das Reiben, das allerdings auf der behaarten Haut der Thiere nicht dieselbe Wirkung hat wie beim Menschen; auch werden durch kräftiges Reiben die Haare leicht zerstört und ausgerissen. Auf diese Weise; win! die Massage bei Thieren häutig schmerzhaft; daher empfiehlt sieh hier eine Unterlage von Pergament- oder Pauspapier zu benutzen. Das Klopfen erfolgt mit der Kante der Hand, mit Stäben oder hölzernen Hämmern und findet namentlich an dicken Muskelpartien bei Lähmungen Anwendung, ebenso das Kneten. Das Massiren dauert jedesmal etwa 10 -20 Minuten, und /.war hängt dieses nicht nur von den Krankheitszuständen, sondern auch von der Beschaffenheit der Gewebe ab.
Im ganzen lässt sich von der Massage bei Thieren nicht in dem Umfange Gebrauch machen wie heim Menschen. Das liegt einmal in der Widerspenstigkeit der Thiere, besonders bei schmerzhaften Leiden, und in den bereits erwähnten Schwierigkeiten, die in der liaar-bekleidung der Haut gegeben sind. Dadurch ist die Ausführung der . Massage um so mehr ersehwert, als die Haare fast überall peripher gerichtet sind; auch wird die Wirkung der Massage hier­durch wesentlich abgeschwächt. Dazu kommt endlich, dass sich die
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Suboutane Vörletzungen der Weiohthoile — Quetschung
Ausführung niclil so einfach gestaltet, um die Massage dem Pfleger oder Besitzer des Thieros Überlassen zu können; der Thierarzt aber hat nicht täglich Gelegenheit, Patienten mit derartigen Leiden zu be­suchen. Wo indess Zeit und geeignete Kräfte zur Ausführung der Massage zur Verfügung stehen, muss dieselbe namentlich zur Förde­rung dm- Resorption bei Qiu'tscluuigvu und lllmlichen Leiden der Thiere empfohlen werden.
Wo weder Massage, noch ein Druckverband anwendbar erscheint, werden zunächst Priessnitz'sche Umschläge, später scharfe Ein­reibungen angewendet. Die letzteren fördern ohne Zweifel in wirk­samer Weise die Resorption und zwar auch hier durch den gleich-massigen Druck, welchen die in Spannung versetzte äussere Haut und Weichtheile auf den Krankheitsherd ausüben; eine sorgfältige Applira-tion von Salben wirkt, wie Massage. Darauf ist auch hier bei wieder­holter Anwendung die zertheilende Wirkung der Quecksilber- und Jodpräparate zurückzuführen.
Schwierigkeiten bieten zuweilen grössere Hämatome, indem die Resorption ihres Inhalts lungere Zeit in Anspruch niniint; auch liegt;rt hierbei die Gefuhr vor. doss das Extravasat der Verjuiu iiung anheim­fällt. Schon aus diesem Grunde bildet ein aseptischer Verlauf mit oder ohne Entleerung des Hämatoms den günstigsten Ausgang. Die Zertheilung, bezw. Resorption kann durch Massage, gleichmässigen Druck und leuchte Wärme gefördert, werden. Wo diese Mittel nicht anwendbar sind, empfiehlt sich bei grösseren Thieren, namentlich Pferden eine scharfe Einreibung, welche ebenfalls wie ein Druck­verband wirkt und die Resorption fördert. Die Eröffnung des Häma­toms mittelst Einschnitts, darf nicht vor Ablauf von 3—4 Tagen er­folgen, weil sonst leicht eine erhebliche Nachblutung eintreten kann. Nach dieser Zeit ist jener durch Infiltration der Nachbarschaft ent­standene Wall vorhanden, der einen wirksamen Schutz gegen das Kindringen von Inlectionskeimen bildet, und überdies sind die durch­trennten Gefässe alsdann bereits tbrombosirt. Besonders beachtens-wert.h erscheint diese Regel beim Rinde, dessen Blut zwar schnell gerinnt, aber durch das so entstandene Gerinnsel wird die Wand des Hämatoms mit einer Pibrinschicht ausgekleidet, welche die Gerinnung des übrigen Minies und die regelmiissige Thrombenbildung in den getrennten Gefftssen verlangsamt. Man suche sieh vor dem Oeffnen eines grösseren Hämatoms stets von der Abwesenheit jeglicher Pulsa­tion in demselben zu überzeugen; wo solche fehlt, massire man zu­nächst, und wenn hierauf eine Vergrösserung des Hämatoms nicht Möller 11. KricU, Mlgomeine Oliirurgla für ThlerHrzto, s Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
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Verletzungen lt;loi' Weiobtheil
eintritt, kann die Punotion nach laquo;lern Verschwinden der Pulsation ohne Gefahr erfolgen. Selbstverständlich wird diese an der tiefsten Stelle des Hämatoias und in solcher Ausdehnung vorgenommen, dass die grösseren Blutgerinnsel entfernt werden können. Darauf lässt mau die Höhle mit einer desinficireuden Flüssigkeit ausspülen, sofern bereits Zersetzung ihres Inhaltes besteht: andernfalls ist dieses nicht absolut nöthig, jedenfalls kann mit Hülfe der Antisepsis Heilung ohne Eiterung erzielt werden. Sobald entzündliche Erscheinungen in der Umgebung des Häiuatoms sich bemerkbar machen, oder allgemeine Störungen (Fieber) auf Vereiterung oder Verjauchung schliessen lassen, muss die Spaltung des Häniatoins möglichst bald und in ausgiebiger Weise erfolgen, worauf der Zustand wie eine iulicirte Wunde be­handelt wird.
Extravasate in der Subcutis, welche der Resorption längere Zeit Widerstand leisten, lassen sich namentlich bei Hunden zuweilen durch gewaltsames Zersprengen schnell beseitigen. Man umfasst die Ge­schwulst mit einer oder beiden Händen und presst sie so lange, ener­gisch zusammen, bis die Wand des Häniatoins zerreisst, und der In­halt in die Lücken des umliegenden Gewebes getrieben wird, wo er resorbirt werden kann. Auf diese Weise lassen sich oft Hiiina-tome in der Subcutis hei Hunden sowie am Carpus bei Pferden in wenigen Augenblicken beseitigen. Zuweilen kehrt allerdings die An­schwellung wieder. Man darf daher nicht zu früh, d, h, vor voll­ständiger Thrombosirung der blutenden Gefässe zu diesem Verfahren greifen, dasselbe auch nicht bei Hämatomen anwenden, in denen be­reits Zersetzung eingetreten ist.
Quetschungen dritten und vierten Grades sind mit der Gefahr der Verjauchung der nekrotiscben Massen und allgemeiner Infection verbunden, müssen daher nach den Grundsätzen behandelt werden, welche bei Besprechung des Brandes erwähnt sind. Fleissiges Spülen (permanente Irrigation) mit antiseptischen Flüssigkeiten empfiehlt sich ganz besonders bei feuchtem Brand, während bei trockenem feucht-warme Umschläge die Dissection des Sphacelus beschleunigen.
Lymphextravasate spalte man nicht zu früh, jedenfalls nicht vor dem 5.-6, Tage. Die Anwendung der Kälte zur Beschränkung der Lymphorrhagie erscheint nicht nur zwecklos, sondern begünstigt; auch das Zurückbleiben von Verdickungen (Hust). Soll die i'unction vor­genommen werden, so muss sie unter strenger Antisepsis, durch lange Schnitte und Auswaschen mit einer concentrirten Desinfectionsllüssigkeit Oarbolsäure 3—50/o oder Chlorzink 10%) erfolgen; die Wunde wird
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Suboutane Verletzunsen lt;l(.'r Weiohtheilo
Quetschung!
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nach Abfluss der Flüssigkeit eng geheftet, und womöglich ein Com-pressivverhand angelegt. Ausserden] suche man die -Haut durch Nähte mit ihrer Unterlage zu verbinden; anderenfalls heilt oft die Haut­wunde, während die Höhle sich von neuem mit Lymphe anfüllt.
Besondere Vorsicht erscheint mit der Spaltung an Stellen ge­boten, wo das Blut- oder Lymphextravasat auf oder in der Nähe von Fascien liegt, •/.. B. am Widerrist; wird hier nicht Asepsis bewahrt, und tritt Eiterung ein, so stellt sich Nekrose der Fascien oder Bänder (Nackenband) ein, woraus wiederum schwer heilbare phlegmonöse Processe (Widerristfistel) hervorgehen. Auch hier benutzen wir mit Vorliebe Scharfsalben zur Förderung der Etesorption, die event. durch Entleerung des Inhaltes mittelst einer Hohlnadel unmittelbar vor Application der Salbe unterstützt wird.
Ebenso können Injectiunen von Tinctura Jodi oder Lugol'scher Losung oder anderen Desinfectionsmitteln (Carbol. Chinosol) versucht werden, die nach vorangegangener Function mit einer Hohlnadel zu­weilen recht Stute Dienste leisten.
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IV. Brand. G-escliwtire. Fisteln.
Al^ „Brand' (Mortificatio, Nekrose, Gangrän) bezeichnet man das Absterben bezw, Abgestorbensein von Organen oder Organ-theilen im lebenden Körper; Brand bedeutet hiernach „örtlichen Todquot;, (1. h. einen Zustand, wobei die Lebensvorgänge, der Stoffwechsel und die Function in dem betreffenden Theile vollständig und dauernd aufgehoben sind. Eine vorübergehende Untei'brechung der Zellen-thätigkeit bezeichnet man dagegen als „Starrequot; oder „Scheintod''. Der Brand kann sowohl an einem bis dahin gesunden Theile, wie auch an erkrankten Geweben auftreten. Knüpft sich derselbe an eine acute Entzündung, wobei die Theile also eine abnorme Wärme besitzen, so spricht man von .heissem Brandequot;, im anderen Falle bezeichnet man ihn als „kalten Brandquot;.
Die abgestorbenen Gewebe verfallen denselben Umsetzungen wie andere todte Körper, und das Verhalten derselben hängt in erster Linie von ihrem Gehalt an Feuchtigkeit und von äussereu Einflüssen ab. Theile, die ein festes Gefüge besitzen, wie Knochen, Knorpel u. s. w.. verändern sich im abgestorbenen Zustande wenig: oft wird ihr Ab­sterben erst daran erkannt, class sie von ihrer Umgebung abgestossen werden (Sequesterbildung). Man spricht in solchen Fällen von einfachem Brande oder Nekrose. Andere Gewebe, namentlich solche, die wenig Feuchtigkeit besitzen und besonders im Momente des Absterbens wenig enthielten, wie auch Theile, welche die in ihnen enthaltenen Flüssigkeiten durch Verdunstung leicht abgeben, trocknen nach drm Absterben bald ein; es entsteht N e k i'o s e m i t A u s t r o c k-nung, sog, trockener Brand (Mumificatio, Gangraena sicca), Wieder andere Gewebe gerinnen niit dem Eintreten des Brandes, es tritt Nekrose mit Gerinnung ein (Oo agu 1 a t i o n s n e k r os e Weigert's); sowohl Zelleninhalt wie auch Parenchymsaft pflegen
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Bvaiul,
hierbei zu gerinnen. Dieser Zustand kommt namentlich in Geweben zu Stande, die reich an Eiweiss sind, und wenn die Nekrose durch Aufhebung der Blutzufuhr eintrat, /.. i!. nach Verlegung der arte­riellen Gefässe; das nekrotisirte Gebiet derselben nennl man „Infarctquot;. Wahrscheinlich hui aber an dem Zustandekommen der Gerinnung auch ein Ferment Antlieil. das vielleicht erst nach dem Absterben in den Zeilen gebildet wird, üeber die bei der Coagulationsnekrose ablaufen­den Vorgänge und ihre Bedingungen ist auch heute volle [Clarheit noch nicht erzielt.
Eine vierte Form des Brandes bildet die Nekrose mit E r-weichung, wobei sich das abgestorbene Gewebe in eine weit lie, oft breiig zerfliessende Masse verwandelt; ein Vorgang, der weniger an ilusseren Theilen, vielmehr an inneren Organen (Gehirn u. s. w.) beobachte! wird.
Endlich kann das brandige Gewebe der Fnulniss imheimfallen, wodurch es ebenfalls erweicht (Gangraena humida, Paul­brand). Bedingung für diese Fenn bildet in erster Linie der Zutritt von saprogenen Mikroorganismen, sodann die Gegenwart von Wasser und ein gewisser Wärmegrad. Diese Voraussetzungen treffen bei den an der Oberfläche des Körpers gelegenen Weichtheilen in der Hegel zu, daher sehen wir diese Brandform hier am häutigsten auf­treten. Dabei entstehen Zersetzungsprocesse mit Bildung von zum Theil höchst gefährlichen Substanzen. Als Producte der Eiweiss-fäulniss entstehen Amidosäuren (Glycocoll, Leucin, Tyrosin). Dazu kommen flüchtige und übelriechende KohleiiwasserstoftVerhimlungeii, Schwefelwasserstoff. Schwefelaminonium. Ammoniak, Buttersäure: ferner finden sich in der ids Brandjauehe bezeichneten Flüssigkeit Fiiulniss-alkaloide, Plomatne und Bakterienvegetationen. Neben dem Üblen Geruch der brandigen Theile macht sieh zuweilen durch Auftreten von Gasen das Brandemphysem bemerkbar. Wichtiger jedoch als diese Eigenschaften bleibt die für die Nachbarschaft in hohem Grade reizende und inficirende Wirkung. Die chemischen, toxisch wirkenden Substanzen der Brandjauche schwächen die Lebensfähigkeit in den lebendigen Geweben der Umgebung ab, so dass dieselben von den [nfectionsstoffen leicht zum Absterben gebracht werden. Es be­steht also bei der (iangraena huniida die Gefahr weiterer Ausbreitung. Dazu kommt endlich, dass die foxiscfTen Substanzen und die Infections-erreger selbst in den Saftstrom lind das Dlut übergehen, schwere, fieberhafte Erkrankung (Brandfieber) veranlassen und so das Leben des Organismus in Gefahr bringen. Zuweilen häuft sich Brandjauche
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Brand. Q-osohwüre. Fisteln.
unter der von ihr abgehobenen Oberhaut an, und es entstehen auf diese Weise die sog. Brandblasen,
Der trockene Brand wird bei Pferden um häufigsten als Sattel-drurk und Decubitus beobachtet; aber auch auf spontanem Wege sieht man ihn bei Thieren auftreten. Bei Schweinen sterben zuweilen die Ohren oder die unteren Abschnitte der Extremitäten ab. Wahr­scheinlich war hierbei zuweilen Kältewirkung im Spiel. Bekannt ist bei Thieren ferner das Auftreten von trockenem Hautbrand nach dem Genuss von Buchweizen, oder Getreide, welches viel Seeale cornutum enthält (Ergotismus gangraenosus). Letzteres Leiden wurde in Nordamerika in grosser Verbreitung beobachtet und führt zur Mumi-fication der verschiedensten Körpertheile; in erster Linie pflegen hier­bei die Extremitäten betroffen zu werden (Gliedmassen, Schwanz, Kämme des Geflügels, Ohren. Kehllappen, Zungenspitze, Kehldeckel
u. s. w, I, Gribble sah
einem schlecht, aenährten Pferde Haut und
Unterhaut vom Carpus des rechten Fusses abwärts brandig absterben. Der Process ergriff muh die Hufkrone und veranlasste Ausschuhen; eine Ursache konnte Gribble nicht auffinden (spontane Gangrän). Ein Gleiches beobachtete Lindenberg an den Ohren und Müller an den Hinterfüssen bei Schweinen. Als Beispiel des feuchten Brandes verdient die Brandmauke der Pferde genannt zu werden; doch kommen sowohl bei diesen, wie auch anderen Thieren schwere entzündliche Processe mit Ausgang in Gangrän vor, z. B. beim Milzbrand, Rausch­brand, malignen Oedem, bei septischer Phlegmone u. s. w.
Ostortag stellte multiple Fettnekrose am Gekröse, Xetz und Peritoneum bei Schweinen fest (B.T.W, 1894, S. 153).
Ursachen. Ausgangspunkt für das Aufhören der Ernährung bildet in der Kegel die Unterbrechung der Circulation, namentlich in den Capillaren. Je unvollkommener die Entwickehuig der Circulations-vorgänge in einem Theile, um so leichter verfällt derselbe in Nekrose. Knorpel, Helmen, Fascien und Narbengewebe erliegen daher dem Vor­gange am leichtesten; ebenso verleihen allgemeine Erkrankungen, welche mit Circulationsstörungen oder Entmischung des Blutes verbunden sind (z. B. Septikämie), eine Disposition zur Nekrose.
Als äussere Ursachen wirken theils chemische Reize (conc. Säuren oder Alkalien sowie andere scharfe Substanzen), theils thermische Einflüsse (Verbrennung und Erfrierung); es handelt sich also um chemische oder physikalische Veränderungen in den Gewebszellen, welche die Lebensfähiffkeit derselben aufheben. Ebenso können durch
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Brand,
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Einwirkung mechanischer Gewalten (Quetschung, andauernden Druck, Deoubitus) laquo;iie Circulations- und Ernährungsvorgönge dermassen in
den Geweben unterbrochen werden, diiss Brand entstellt. Ferner bildet Verlegung der Circulation durch Thrombose, Embolie und Incarceration bäufig den Ausgangspunkt des Brandes. In entzündlich erkrankten Geweben übt die durch starke Anschwellung gesteigerte Spannung oft denselben Einlluss aus. Endlich können Infectionsstoffe von hoch­gradiger Virulenz, z. B. Milzbrand, Rauschbrand, sowie Substanzen, welche eine andauernde Contraction in den Capillaren veranlassen, z. B. Ergotin, die Ernährungsvorgänge so vollständig aufheben, dass Brand entsteht. Bei infectiösen Leiden handelt es sich offenbar um die Wirkung chemischer Substanzen (l'tonia'ine, Toxine), also um putride Intoxication. Durch neuere Untersuchungen (Bang, Jensen u. A.) ist auch festgestellt, dass es einen specilischen Bacillus giebt, welcher an denjenigen Körperstellen, wo er auftritt, Nekrose verursacht. Er heisst daher auch Nekrosebacillus und wurde bei den verschieden­sten Processen am Thierkörper, welche mit Nekrose einhergehen (Pana-ritiurn. Brandmauke, Widerristfistel, Nekrose der Huflederhaut, Dann-, Scheidendiphtherie u. s. w.) gefunden. Der Bacillus ist anaerob und gedeiht am besten in einer Mischung von öelatineagar und Blutserum bei Körpertemperatur. Er soll im Blinddarm gesunder Schweine vorkommen und bei brandigen Processen in der Peripherie der Herde nachzuweisen sein, wo seine Fäden radialquot; und in dicken Bündeln in die Umgebung eindringen. Nach Kitt ist der Bacillus von Löifler bereits früher als Ursache der Kälberdiphtherie und einer Kaninchen­krankheit beobachtet; ebenso von Schmor] als Ursache einer Ka-ninchenkrankheit gefunden und als Streptothrix euniculi bezeichnet.
Klinische Erscheinungen. Durch gleichzeitiges Absterben der nervösen Bestandtheile. fällt zunächst die Unemptindlichkeit in dem nekrotischen Theile auf; weder Nadelstiche, noch sonstige Reize werden von demselben empfunden. Die Aufhebung der Blutcirculation führt, wenn der nekrotische Theil an der Körperoberfläche liegt, zum Abfall der Temperatur, und ist zugleich die Ursache, dass Einschnitte in den nekrotischen Theil keine Blutung zur Folge haben; auch tritt hier­durch eine Entfärbung ein, so dass blutreiche Gewebe dunkel, oft schwarz erscheinen, blutarme dagegen beller als normal gefärbt (Knochen). Das Sehnengewebe nimmt eine eigenthümlioh gelbe, Knorpel häutig eine grüne Farbe an. Beim trockenen Brande erscheint der Theil hart, die äussere Haut leder- oder pergamentartig, während
.
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Draml. Ctasobwüre, Fisteln.
;#9632;
iltT feuchte Brand illt;'ii Tbeilen eine eigentbümlich weiche, morsche, brüchige Beschaffenheit vorleiht, indetn die den lebendigen Geweben eigenthUmliche Spannung (Tonus) verschwindet. Auf der nekrotischen äusseren Haul stehen die Haare unregelmässig, gesträubt, während beim feuchten Brande die Zersetzungsprocesse oft einen eigenthttra-lichen Geruch verbreiten. Endlich wirkt der abgestorbene Tlieil als Fremdkörper auf die benachbarten gesunden Gewebe und ruft liier entzündliche Erscheinungen hervor. Beim trockenen Brand be­schränken sieb diese in der Kegel auf einfache Eiterungsprocesse, welche zur Dissection (Demarcation) des nekrotischen Theiles führen; beim feuchten Brande entsteht je nacb der Virulenz und der Menge der Brandjauche eine mehr oder minder lieft ige Entzündung, die nicht selten ebenfalls den Ausgang in Braud nimmt, wodurch das allmähliche Fortsehreiten des Processes veranlasst wird (pro­gressive Nekrose). Duxxh den Uebertritt der Brandjauche in die Blutcirculation endlieb linden seh were, fieberhafte Erkrankungen ihre Entstellung, welche in der Regel den Charakter eines septischen Fiebers zeigen (S. 10(gt;).
Verlauf. Das Schicksal des brandigen Theiles ist mit dem Absterben besiegelt: derselbe geht unter allen Umständen verloren, während die hiermit für den Organismus verbundenen Folgen theils vom Sitze und Umfange des Brandes, theils von der Beschaffen­heit des abgestorbenen Gewebes abhängen. Heim trockenen Brande entsteht in der Umgebung eine demarkirende Entzündung, welche zur Ausstossung des BrandstUckes führt, worauf sich Granulation entwickelt, welche hier ebenso wie in einer klaffenden Wunde den Substanzverlust zu decken übernimmt. .Mit Hinterlassung einer kleineren oder grösseren Narbe kommt in der Uegd Heilung zu Stande. Bei grösseren Substanzverlusten in der äusseren Haut kann die Benarbung auf Schwierigkeiten stossen, ähnlich wie bei Wunden (S. 143).
Auch beim feuchten Brande findet in der Regel örtliche Begrenzung derselben statt, wobei es, wenn auch in der Hegel unter heftigeren Entzündungserscheinungen, zur Demarcation und unter Narbenbildung gleichfalls zur Heilung kommt. Wo indeslaquo; Neigung zur Ausbreitung des Brandes besteht, greift die Entzündung und das Absterben leicht auf tiefer gelegene Theile über, wodurch schwere entzündliche Er­krankungen der Sehnenscheiden und Gelenke entstehen können (sep­tische Synovitis), an welche sich allgemeine Störungen anscbHessen
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Brand.
2:v.\
und nicht selten zum Tode führen, Durcli (Jebergreifen auf liltil-geftsse, naraentlicb auf die dünnwandigen Venen entwickeln sich pyämische Zustände, wie /.. B, bei der Brandmauke der Pferde. End-licii können die Thiere an septischen] Fieber (Brandfieber) zu Grunde gehen.
Zuweilen gelingt es dein Körper, zumal bei tiefer gelegenen Brandherden, den abgestorbenen Theil durch Granulation und Narben­gewebe vom Gesundon abzutremuii und abzukapseln (abgekapselter Jaucheherd i.
Die Prognose himgt somit heim Brande bheils von der Dignität der erkrankten Organe und der Ausbreitung des Processes, theils von der Art des Brandes und den mit demselben verbundenen Compli-cationen ab. Während der trockene Brand der äusseren Maut in der Kegel mit grösaeren Gefahren nicht verbunden ist und einen günstigen Ausgang nimmt, sofern die Ausbreitung desselben nieht zu erheblich wird, knüpfen sieh im den feuchten Brand stets mehr oder weniger gl'OSSe Gefahren. Der Ausgang hängt daher vornehmlich von dem Sitze und der Neigung zur Ausbreitung ab; in der Nähe von Ge­lenken und Sehnenscheiden droht Infection derselben. Bei progredien-tem Verlauf fällt auch die Schnelligkeit der Ausbreitung ins Ge­wicht, welche zugleich als Massstal) für die Virulenz der ursächlichen Momente gelten kann. Ungünstig wird die Prognose, wo beilaquo; its septische oder py'dmische Erscheinungen bestehen.
Behandlung. Sobald sich die klinischen Erscheinungen des Brandes an einem Theile bemerkbar machen, ist die Wiederbelebung desselben ausgeschlossen. Aufgabe der Therapie bleibt es also, das Absterben zu verhüten und den abgestorbenen Theil unschädlich zu machen. Die Prophylaxis richtet sich namentlich gegen Dccubitus, der durch weiche Lagerung und öfteres Umlagern des dauernd liegen­den Thieres verhindert wird. Ebenso sind alle Einflüsse von den noch lebendigen Theilen fern zu hallen, welche die Ernährung und Circu­lation in denselben stören. /.. 15. Killte, Hitze, Druck. Quetschung. Bei hochgradiger Spannung in entzündeten Theilen bilden Einschnitte (Scarificat ionen) (dt das zuverlässigste Mittel gegen Brand. Endlich hüte man sich, mit, Instrumenten Infectionsstolfe zu übertragen, welche schwere Störungen zu erzeugen im Stande sind. Insbesondere des-inticire man solche, die mit brandigen Theilen in Berührung gekommen sind, anderenfalls werden unangenehme Erfahrungen gemacht. Als
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Brand. Gesohwttro. Kisteln.
einmal ein Castrirer mit einem infloirten Messer -lü Hengste bald nach einander operirte, starben säimntliche Thierc, In dieser 11 in-sicht kann auf das bei der antiseptischen Wundbehandlung Gesagte verwiesen werden.
Beim trockenen Brande muss durch Anregung der Granulations­bildung und Erweichung der abgestorbenen Gewebe das Abstossen des Brandschorfes beschleunigt werden; feuchte Wärme in Gestali Priess-nitz'scher Einwickeluugen sowie Einreibungen von Fett finden hierzu zweckmässige Anwendung. Sobald die Ablösung der äusseren Haut begonnen hat. kann dieser Vorgang auf operativem Wege unterstützt werden: man erfasse den Brandschorf mit einer Pincette oder Zange und suche ihn so bald als möglich ab/.uroisscn. Diese Art der Trennung verdient den Vorzug, weil man mit Messer und Schere niemals die Grenzen zwischen dem Lebendigen und Todten genau innehalten kann. Nach Entfernung des Brandschorfes wird der Defect wie eine Wunde mit Substanzverlust behandelt.
Beim feuchten Brande handelt es sich in erster Linie darum, die Nachbarschaft zu schützen und die Resorption der Brandjauche mög­lichst zu verhindern. Energische Desinfection spielt hier die Haupt­rolle, daher linden Carbolsäure, Sublimat, Creolin, Kampfer u. s. \\, vortheillmfte Anwendung. Wo es durchführbar erscheint, lässt man durch permanente Irrigation oder wanne Bäder, denen Desinfectious-mittel zugesetzt werden, den brandigen Theil andauernd reinigen, um vor allem die Anhäufung von Brandjauche zu verhindern und auf diese Weise nicht nur die Ausbreitung des Processes, sondern auch septische Infection fern zu halten. Wo derartig reinigende Bäder nicht anwendbar sind, wird die Stelle möglichst oft am Tage mit Dos-infectionsmitteln gewaschen und mit solchen Substanzen verbunden: nach unseren Erfahrungen muss hierzu ganz besonders Kampfer empfohlen werden, und zwar in Form eines Breies, der mit Spiritus hergestellt wird. Auch können unter Umständen Incisionen nützlich werden, in­dem sie den Abtluss der Brandjauche unterstützen. Sobald die De­marcation, die hier viel schneller erfolgt als beim trockenen Brande, so weit vorgeschritten ist, dass sich das Brandstück oder nur Theile desselben loslösen, muss die Trennung auf operativem Wege, wie oben beschrieben, unterstützt werden. Gegen septische Zustände findet das S, 177 u. f. beschriebene Verfahren Anwendung.
Unter Geschwür (ülcus) verstehl der neben Granulation moleculärer Zerfall
man eine Wundfläche, auf besteht. Der Vorffanff wird
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Gesohwttro
Versohwärung (Uloerafcion) genannt und sein Product bildet das Geschwür (Ulcus), Es handelt sich also um einen Entzündungsprocess mit der Tendenz zur fortschreitenden Zerstörung. Neubildung (Granu­lation) und Zerstörung stellen sich im Geschwür gegenüber, Die Granu­lation erfolgt wie in einer Wunde, und /war bald langsamer, bald schneller, je nach der Tendenz des Geschwürs und nach der Beschaffen­heit der erkrankten Gewebe; dieselbe ist mit mehr oder weniger Eite­rung verbunden. Die Zerstörung geschieht durch Ahsterhen einzelner Zellen oder kleiner Zellengruppen. Die hierfür gewählte Bezeichnung „moleculärer Todquot; ist genau genommen nicht richtig, denn nicht das Molecül, sondern die Zelle bilde! — wenigstens zur Zeit noch — die Lebenseinheit und kann daher nur absterben. Es soll eben mit der Bezeichnung „moleculilrer Zerfall' angedeutet werden, dass das Ab­sterben nicht mit Bildung grösserer, todtor Gewebsstiicke erfolgt (Nekrose), wobei die abgestorbenen Theile ihre Gestalt beibehalten (Nokrose = Tod d. h, Abgestorbensein mit Erhaltung der Form. Virchow), sondern es sterben die Gewebseleniente einzelnah (Nekro-biose Virchow's). Das Product dieser Zerstörung mischt sich dem Product der Granulation, dem Eiter, bei, und so entsteht zuweilen eine mehr oder weniger trübe, missfarbene Flüssigkeit, die man als „Brandjauche* (Ichor, Sanies) bezeichnet. In manchen Ge­schwüren hat das Secret jedoch eine mehr schleimige oder schleimig­eitrige Beschaffenheit.
Das Verhältniss zwischen Neubildung und Zerstörung gestaltet sich verschieden: bald überwiegt die Zerstörung, und der Substanz­verlust nimmt schnell zu, bald erlangt die Neubildung die Oberhand, so dass die Granulation sichtbare Fortschritte macht. Jedoch auch in letzerem Falle bleibt zu beachten, dass die Granulation meist wenig Bestand hat und bald dem Zerfall wieder anheimfallt. Findet die Zerstörung mit grosser Schnelligkeit statt, so sprich! man von einem fressenden (phagedänischen) Geschwür; ein Vorgang, der also an Brand grenzt (Gangrene foudrovante). Waltet dagegen die Granu­lation vor, so erhebt sich der Geschwürsgrund über die gesunde Nach­barschaft, es entsieht ein Ulcus elevatuni s. fungosum. so ge­nannt, weil die im übrigen leicht wieder zerfallende Granulation pilzartig hervorragt. Zuweilen treten sowohl Neubildung, als auch Zerfall in den Ilintergruml, dann ändert sich der Zustand wenig, der Grund wie die Ränder des Geschwüres bestehen in Folge der Narben-retraction aus derbem Bindegewebe (callöses Geschwür), welches natürlich zur Neubildung und Reparation wenig geeignet erscheint;
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J'iniml. (u'scliwuro. Fisteln
in lt;1it Regel ist hierbei die Schmerzhaftigkeit gering (torpide oder atonische öescliwiire). Lchliuf't wucliernde Geschwüre zeigen meist dunkelrotbe Granulation und sind sehr schmerzhaft (erethisohes Geschwür), Nach der Ausbildung der entzündlichen Erscheinungen unterscheidet man ülcus simplex und inflammatorium.
In Beziehung auf Gestalt zeigen die Geschwüre grosse Verschieden­heit. Der Geschwürsgrund erscheint, bald flach, bald vertieft, bald pilzartig hervorragend; die GeschwUrsrilnder sind ebenfalls bald flach, bald erhaben, bald aufgeworfen, bald unterminirt (sinuös). Lebhafte Entwickelung plastischer Infiltration giebt dem Geschwüre ein gelbweissliches Aussehen, welches auch wohl als speckig bezeichnet wird.
Verlauf. Es lassen sich drei Stadien in der Geschwürsbilduug unterscheiden, nämlich: I. das Stadium destruetionis, welches den Process einleitet, 2. das Stadium purificationis, d. h, die Zer­störung hört auf, und es bildet sich regelmiissige Granulation, und ^gt;. das Stadium reparation is, d, h, die Neubildung ersetzt den durch die Ulceration entstandenen Verlust.
im allgemeinen nehmen Geschwüre einen chronischen Verlauf, doch kommen Ausnahmen von dieser Regel vor. Bei unseren Haus-thieren finden sich Geschwüre im ganzen nicht so häufig wie beim Menschen, weil hier zwei Ursachen derselben fortfallen, nämlich 1, höheres Lebensalter und 2. syphilitische Infection; auch die beim Menschen unter dem Bilde der Verschwärung auftretende Tuberkulose (Lupus) wird bei den Thieren in dieser Form nicht beobachtet.
i
Ursachen. Während man früher die Ursache der fortschrei­tenden Zerstörung in der Wirkung der Qeschwtirsjauche erblickte (Rust, Bell), oder in der Gegenwart einer besonderen Geschwürsinenibran (Walther), oder in einer speeifischen Steigerung der absorbirenden Kräfte, namentlich der Lymphgefftsse (Hunter, Cooper) suchen zu sollen glaubte, muss man heutzutage einräumen, dass die Ulceration aus verschiedenen Zuständen hervorgehen kann. In erster Linie kommen hiei'bei Störungen der Circulation in Betracht, ebenso wie beim Brande. Bald handelt es sich um Gewebe, welche ein so mangelhaftes Kegene-rationsvermögen besitzen, dass einfache Verletzungen zur Verschwärung an denselben führen, wie es an manchen Tumoren, z. B. dem Carcinom, der Fall ist. Ferner geben Mikroorganismen bei Thieren nicht selten den Anstoss zur Geschwürsbilduug, z. B. der Botzbacillus: ebenso
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QesohwUn
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dürfte iliis bei Hunden so häufig vorkomniende Horaliautgeschwür auf infectiöse Vorgänge zurückzufllhren sein. Je unvollkomraeuer die Circulation und Ernilhrungsvorgänge in einem Gewebe, um so leichter kommt, es in ihm zur Verschwärung, Im gamsen haben jedoch du.' Geschwüre bei den Eausthieren nicht die Bedeutung wie beim Menschen,
Die Diagnose muss sich theils auf die nachgewiesenen mangel­haften Fortschritte in der Heilung .stützen, theils ergiebt sich die­selbe uns der callüsen Beschaffenheit der Geschwürsränder und nus der Abscheidung der Jauche sowie dem Fehlen einer gesunden, kräftigen Granulation.
Bei der Prognose kommt einmal die Ursache der Qlceration (ob specitiscli, oder nickt), bezw. die Frage in Betracht, ob diese zu beseitigen ist, oder nicht, sodann der Sitz und die Dauer des Leidens; je älter der Zustand, um so weniger Aussicht gewährt derselbe aui Heilung, insbesondere wenn eine zweckentsprechende Behandlung be­reits stattarefunden hat.
Die Behandlung verlangt Beseitigung der Ursache und Um­wandlung des Geschwürs in eine regelrechi granulirende Wunde. Der ulcerirende Tumor wird womöglich exstirpirt, das plastisch inflltrirte und callöse Gewebe entfernt oder zerstört. Am sichersten kommt man zum Ziele, wenn es gelingt , alle krankhaft veränderten Gewebe auf operativem Wege zu entfernen, oder mit Hülfe von Aetzmitteln oder mit dem Glllheisen zu zerstören.
Eine zweite Indication besteht in der möglichst schnellen Ent­fernung der Geschwtirssecrete; für regelmässigen Abfluss derselben ist Sorge zu tragen, und Retention von Secrei unter allen Umständen zu verhindern. Anregung der Neubildung und Unterdrückung des Zerfalles bilden den dritten Angriffspunkt für die Therapie. Hierzu dienen im allgemeinen erregende Mittel, Digestivsalben, besonders solche, die zugleich desinficirende Eigenschaften besitzen. Terpentin, Kampfer u. s. w. Auch zeigt sich feuchte Wärme unter Umständen ausserordentlich wirksam. Dabei muss auf der anderen Seite Jede mechanische, öfter wiederkehrende Heizung des Geschwürs durch Sattel, Gescbin- u. s. w. vermieden worden; seihst die Einwirkung der Luft pflegt einen ungünstigen Einfluss auf die Heilung auszuüben, und des­halb empfiehlt sieh in der Regel ein Occlusivverband.
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Brandi Gesohwüro. Fisteln.
Bei ei'ethischen öesohwüreu, d. h. solchen, die eine schliiffe, leicht blutende Granulation besitzen und sein- schmerzhaft sind, üben warmes Bleiwasscr, ehensu Jodoform, Hydrarg. oxyd. rubr. zuweilen einen überraschend günstigen Einfluss aus; am wirksamsten /eigen sich hier Aetzungen üiit Höllenstein, das Ferrum candens und der scharfe Löffel. Callöse GeschwUrsröiuder sind mit dem Messer abzutragen oder eben­falls mit Aetzmittoln zu zerstören; lt;las (jlleiclie gilt von übermässigen Granulationen (fungösen Geschwüren I. Bei [diagedänischen Geschwüren gelingt es nicht selten, durch permanente Bäder oder Irrigationen in Verbindung mit Kampferverbänden dem Zerstörungsprocess eine Grenze zu setzen und die Neubildung anzuregen. Die beim Menschen zur Erzielung der IJeberhäutnng grösserer Geschwürsiläclien empfohlene Transplantation von Haut lilsst sich bei Thieren nur selten mit Er­folg durchführen. Etwaige Versuche würden in der Weise auszu­führen sein, dasa man die frisch entnommenen, vorher sorgfältig des-inficirten Hautstücke auf die mittelst des scharfen Löffels abgeschabte und ebenfalls desinticirte Geschwürsfläche bringt und hier durch Nähte oder mit Hülfe eines passenden Verbandes so befestigt, dass sie sich möglichst gleichmässig der Geschwürsfläche anlegen (S. 144).
Fisteln. Mit Unrecht zählt man vielfach noch die Fisteln zu den Geschwüren. Sie haben mit diesen nur den chronischen Verlauf gemein, stellen im übrigen eine röhrenförmige Wundfläche dar, welche von der Körperoberfläche oder den Schleimhäuten aus in normale Hohlräume des Körpers (Darm, Blase, Speichelgang, Sehnenscheide), oder abnorme (Eiterhöhlen) führt. Aus der Fistel entleert sich Eiter oder eine andere Flüssigkeit (Speichel, Koth, Galle, Milch u. s. w.). In der Regel bildet ein Fremdkörper oder ein Stück abgestorbenen Gewebes die Ursache der fortdauernden Eiterung und des Nichtheilens der Fistel; die llufknorpellistel giebt. hierfür einen schlagenden Be­weis, Nachdem eine eitrige Entzündung des den Hufknorpel um­gebenden Bindegewebes (Parachondritis phlegmonosa) am Knorpel Nekrose erzengt und zur Abscedirung geführt hat, wird durch das nekrotische Knorpelstück die Heilung des Abscesses verhindert, indem die auf solche Weise unterhaltene Eiterung dem Abschluss der Granu­lation im Wege steht. Diese schreitet so weit vor, dass nur noch ein enger Kanal übrig bleibt, welcher zum Abllnss des eitrigen Secrets nothwendig ist. Schmilzt das nekrotische Knorpelstück end­lich vollständig ein, so kann die Heilung der Fistel erfolgen. Wenn diese alsdann nicht ZU Stande kommt, so liegt das entweder an der
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Fistel.
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callö.si'ii BesohafiPenheit des öewebes der Fistelwnnd, oder in dem Aui-treten neuer Phlegmouen! deren Entstehung ganz besonders durch Behinderung in dorn regelmässigen Abflugs des Eiters begünstigt wird. Es entstellt- ein neuer Abscess und dieser Vorgang wiederholt sich, bis der Qufknorpel vollständig zerstört ist, worüber in der Regel mehrere Monate vergehen. Ebenso kann die Bildung einer Fistel durch Fremdkörper erfolgen, die in einer Wunde zurückgeblieben sind oder immer von neuem in dieselbe gelungen. Man denke sich eine Wunde, die vom Perineum in den Mastdarm führt; sie heilt in der h'ogel bis auf einen engen Kanal (After fistel), welcher nicht 7,11111 Versohluss kommt, weil sich vom Mastdarm aus immer neue Koth-massen in die Fistel einschieben.
In ähnlicher Weise entstehen Fisteln nach Verletzungen drüsiger
Organe oder ihrer Anst'iihrungsg'änge. Denken wir uns
Wunde.
welche in das Farenclmn des Euters oder einer Thränen- oder Speichel­drüse reicht. Hier wird der Abschluss des Heilungsprocesses da­durch verhindert, dass das Secret der Drüse durch die Wunde zum Abfluss gelangt; indem sich die Flüssigkeit fortdauernd durch die Wunde nach aussen ergiesst, wird ein vollständiger Abschluss der Wundheilung unmöglich, es bleibt eine Euter- bezw. Speichel-drüsenfistel zurück. Dasselbe gilt von Verletzungen des Aus-führungsganges drüsiger Organe (Speichelgangfistel). Bei der Zahnfistel ergiebt sich aus der an der Zahnwurzel bestehenden Ne-krose ein Hinderniss für den Heilungsprocess und die Grundlage der Fistelbildung.
Vom Geschwüre unterscheidet sich die Fistel also wesentlich durch das Fehlen eines fortschreitenden Zerstörnngsprocesses, welcher zu den charakteristischen Vorgängen der Verschwftrung gehört (S. 235).
Wenn Pröhner bei der Definition der Eiterfisteln die Billroth'sche Auflassung acceptirt und dio Kiterlistoln den Geschwüren zuzählt, '-o müssen wir doch bei unserer Ansicht verharren.
Die herkömmliche Definition; „Wanden, welche nicht heilen wollen, sind Geschwüre', entspricht ebenso wenig den Forderungen der Wissenschaft wie der Praxis. Aus dein klaren Verständniss für die pathologischen Vor­gänge erwachsen sichere Anhaltspunkte für die Therapie. Demnach bleibt es auch hier Hauptsache ZU untersuchen, weshalb die Wunde nicht heilen will, und hiernach den Zustand zu benennen und zu behandeln. Die Aus­drücke Geschwür und Verschwürung sind daher Bezeichnungen, die wir auf Zustande und Vorgänge beschränken sollten, bei denen das Nichtheilen oder die fortschreitende Zerstörung auf unbekannte oder specifische Ur­sachen (Rotzgeschwür) zurückzuführen ist. Für Eiterfisteln, die bei Thieren häufig vorkommen, trifft dieses jedoch fast niemals zu. Der llufknorpel-ßstel liegt eine fortschreitende Xekrose des Hufknorpels zu Grunde, der
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Brand. Gesohwüre. Fisteln.
Widorrlstflstel Neki'Qse am Naokenbande, an den Dorn fortsetzen der Brust­wirbel oder an den Faseieii dos RUckens, Die Loealitiit, d. li. Eigen­artigkeit der anatotnisohen EHnrichtung dieser Stellen giebt den (Jrund für das Niohtheilen der Wunde ab, und es wäre zweokmässig, auch hier die Bezeichnung „Fistel' lallen zu lassen und zu sagen; Nekrose am Hufknorpel bezw. Naokenbande. Diese Zustände aber mit den Geschwüren, /.. B, dem Rotzgeschwür, auf gleiche Stufe zu stellen, entspricht weder unserer wissen-soluiftlichen Vorstellung, mich auch dein praktischen Bedürfnisse,
Erscheinungen. Klinisch charakterisirt sich die Fistel durch einen kürzeren oder längeren, engen Kanal, aus dem sich eine speci-tische Flüssigkeit (Milch, Speichel u. s. w.) oder Eiter entleert. Ueber die Gegenwart der Fistel überzeugt man sich durch eine Sonde. Die iius.sere Oeffnung der Ei.stel, Mund genannt, erscheint nach längerem Bestehen des Leidens trichterförmig eingezogen in Folge der l!e-traction des Narbengewebes, welches die Wand der Fistel bildet; je länger und je älter die Fistel, desto auffälliger tritt diese Er­scheinung hervor. Zuweilen erscheint der Fistelmund mit Uranu-lationen besetzt; die Haut in der Nachbarschaft desselben ist regel-mässig durch das ausfliessende Secret erodirt bezw. von Haaren enl-blösst. In der Tiefe endigt der Kanal (Fistelgang) entweder blind, indem er bis auf einen Fremdkörper oder abgestorbenes Gewebe führt (unvollständige Fistel), oder die Fistel mündet hier in einen Hohlraum, z. B. in den Mastdarm. Die mit einem zweiten (inneren) Munde versehenen heissen vollständige Fisteln und werden nach ihrem Sitze noch besonders benannt, z. B. Afterhnrnblasenfistel, wenn die eine Oeffnung in den Mastdarm, die andere in die Harn­blase mündet.
Die Beurtheilung und Behandlung der Fisteln ergiebt sich aus dem Gesagten von selbst. Bei der Prognose kommt es darauf an. ob die Ursache der Fistelbildimg sowie die Zustände, welche die Fistel unterhalten, zu beseitigen sind. Zahnfisteln heilt man am sicher­sten durch Extraction des kranken Zahnes; Euterfisteln heilen regel-mässig während der Zeit des „Trockenstehensquot; der Thiere, Hufknorpel­fisteln durch Exstirpation des erkrankten Hufknorpels. Wo ein Fremd­körper oder abgestorbene Gewebe Fisteln unterhalten, müssen diese entfernt werden. Vollständige Spaltung des Fistelkanals führt daher in der Kegel zum Ziele; leider ist dieses Verfahren nicht überall durch­führbar. Zuweilen bildet das callöse, zur Granulationsbildung un­geeignete Gewebe der Fistelwand ein llinderniss für den Heilungs­vorgang; in solchem Falle dienen Aetzmittel, das Glüheisen oder der
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Fistel.
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scharfe Löffel zur HerbeifUhrung der Heilung. Einführung von Subli­matfäden, Einspritzungen vov Liquor Villaii. Sublimat- oder Carbol-lösung stehen daher im Rufe wirksamer Mittel zur Heilung von Fisteln. Sublimatfildon liissl man in der Weise berstellen, dass Bindfäden von verschiedener Stärke mit einer Gummi arabicum-Lösung liest riehen, sodann mit Sublimat; bestreut werden. Ebenso bereitete Jodoform-fäden dienen zur Anreguno- der Granulation und Förderung der Heilung (Ammerschläger). Handelt es sich um eine vollständige Fistel, so kann ein Haarsei] durch dieselbe ffeleßt werden.
MölltM u, Frlck, Ällffoiueine GhlrurgiG für Thlcvili'Kte.
Aufl.
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V. Kranklieiten der Muskeln und Sehnen.
1. Krankheiten der Muskeln.
ii) Verwundungen der Muskeln gehören namentlich bei Pferden zu den täglichen Ereignissen. Bald handelt es sich um Schnittwunden, bald werden Stich-, Riss- oder Quetschwunden, '/.. B. durch öegen-tahren mit der Deichsel, Hufschlag, Hornstoss, Niederstürzen u. s. w. veranlasst. Querwänden klall'cn stark in Folge der Elasticität wie auch der Contraction der Muskelfasern, und zwar um so mehr, je länger der verletzte Muskel ist. Bei Trennungen in der Längsrichtung legen sicli dagegen die Wundränder unmittelbar an einander (Knopf-lochwunde), und an solchen wird daher auch eher Heilung per prim. int. erreicht als bei Querwunden; dennoch heilen auch die letzteren im ganzen leicht. Ueber die Heilvorgänge vergl. S. 100. Grössere Muskel-wunden, die nicht zur unmittelbaren Vereinigung gebracht werden können, heilen häufig unter dem trockenen Schorfe: so namentlich an der dicken Ilinterbackenmuskulatur des Pferdes. Man suche zu dem Zweck möglichst die ganze Wunde der äusseren Luft auszusetzen, reinige dieselbe, spüle sie mit einem Desinficienz ab und bepudore oder bestäube die Oberfläche der Wunde mit Jodoform oder Tannin. Hier­auf bildet sich ein schwarzer Schorf, unter dem die Heilung oft ohne Eiterung zu Stande kommt. Zuweilen gelingt dies nur an einzelnen Abschnitten der Wunde. Wo Eiterung nicht zu vermeiden ist, muss durch Spaltungen, Gegenölfnungen, Haarseile und Drains für den Ab-flusa des Secretes Sorge getragen werden. Auch kann die Anlegung einer Situationsnaht angezeigt sein. Im übrigen bieten reine Muskel­wunden der Therapie selten grössere Schwierigkeiten; auch die Blutung pflegt selbst bei umfangreichen Trennungen, besonders bei Quetsch­wunden nicht bedeutend zu sein.
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Krankheiten der Muskeln — Zerrungen und Zerreissungen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2\,i
b) Zerrungen und Zerreissungen. Zerrungen der Muskeln beobachtet man bei Thieren nach andauernder schwerer Arbeit, be­sonders im jugendlichen Alter. Rennpferde /eigen nicht selten wäh­rend des Trainings einen steifen, schmerzhaften Gang, der jedoch in kurzer Zeit, namentlich bei leichter Bewegung wieder verschwindet. Hierbei handelt es sich offenbar um dieselbe schmerzhafte Empfindung, wie wir sie an uns selbst nach grösseren Anstrengungen oder un­gewohnten Bewegungen beobachten. Kirillow beschreibt eine gleiche Erscheinung bei Pferden und nennt den Zustand „Muskul-Ubermüdungquot;i dabei leiden besonders die Hinterschenkelmuskeln, und in Folge dessen wird der Gang schleppend. Der Zustand soll sich in 5—10 Tagen verlieren. Kirillow empfiehlt flüchtige Einreibungen und Massage. Durch Muskeldehnung kommen beim Niederstürzen schmerzhafte Lahmheiten zu Stande. Wahrscheinlich bestehen hierbei C'ontinuitätstrennungen in einzelnen Muskelfasern, ohne dass man im Stande ist solche klinisch nachzuweisen. Bei Schweinen wurden von Ostertag häutig Blutungen in der Muskulatur angetroffen, welche durch Zerreissungen von Muskelfasern veranlasst waren.
Zerreissungen von grösserem Umfange, so dass sie klinisch festzustellen sind, können in Folge passiver Dehnungen durch äussere Gewalten, oder durch heftige Wirkung der Antngonisten zu Stande kommen, aber auch durch energische Contraction des Muskels seihst entstehen. Da indess die Elasticität des Muskels mii seiner Contraction zunimmt, so gehen Contractionen selten zu Zerreissungen Veranlassung; diese treten vornehmlich im Zustande der Ruhe ein. So beobachtete man bei Pferden Zerreissungen des Qiopsoas, der Kniescheiben­muskeln, der (lastrocnemii, des Longissimus dorsi, der Halsmuskeln, der Ellenbogenstrecker, Bauchmuskeln u. s, w. Bald reisst der Muskel­körper, häufig aber die Uebergangsstelle in seine Sehne; bald werden nur einzelne Fasern, bald der ganze Muskel oder mehrere zugleich getrennt. Abnorme Beweglichkeit und Functionsstöi'ung, wobei die Antagonisten der zerrissenen Muskeln das üebergewicht erlangen, deuten auf den Zustand bin. Die Untersuchung liisst zuweilen eine Lücke im Muskel nachweisen, welche durch das Auseinanderweichen der Bänder des Risses entsteht; doch wird diese alsbald durch er­gossenes Blut angefüllt und verdeckt. Audi hier pflegi die Blutung nicht bedeutend zu sein, weil die sich retrahirenden Muskelenden die
Blutgefässe comprimiren, Kitt sah zerreissung subeutane Verblutung eintreverbundenen Schmerzen sind ebenfalls
i in #9632;,,.)#9632;,. \ i I.;..'.-
)ei Fasanen in Folge Muskel-
Die mit der Zerreissung
ht erbeblich. Zer-
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Krankheiten der Muskeln und Seimen.
reissungea der Bauclunuskeln geben zur Bildung von Hernien Ver­anlassung.
Die Heilung erfolgt in der Regel wie beim aseptischen Wund­verlauf. Zunächst wird das ergossene llhü resorbirt, während von dem Perimysium interaura und exfcernum eine loblmttu Wucherung mis-geht) wodurch die Lücke ausgefüllt, und sohliesslich eine bindegewebige Narbe in dem zerrissenen Muskel gebildet wird, so dass die Ftinctions-fähigkeit in der Liege] vollständig wieder hergestellt wird. Durob Schrumpfung des Narbengewebes entstellt, später oft eine deutliche Lücke bezw. Vertiefung, dn wo der Kiss bestanden hat. Buhe und eine Stellung, wobei die Enden des Hisses möglichst einander genähert, werden, bilden den Schwerpunkt der Behandlung, Durch Massage lässt sich die Resorption des Blutes beschleunigen. Obgleich nachgewiesen ist, dass gerissene Muskeln sich heften hissen, und selbst Transplanta­tionen von Muskeltnasae auszuführen sind, so haben diese Hülfsraittel bei Thieren bisher keine praktische Verwerthung finden können.
Zerreisst die Fascie eines Muskels, so quillt die Muskelmasse durch jene Lücke hervor, ein Zustand, den man als M uske 1 hernie oder Muskelbruch bezeichnet hat. Am Unterschenkel der Pferde wird ein solcher Zustand nicht selten beobachtet, erlangt indess meist nur da eine Bedeutung, wo er von einer Verwundung begleitet wird, also ein Muskel verfall besteht.
c) Entzündung der Muskeln (Myositis). Klinisch unterscheiden wir zunächst eine Myositis acuta und chronica. Die erstere schliesst sich meist an Wunden, Quetschungen, Dehnungen und aeui entzündliche l'rocesse der Nachbarschaft an; sie kann aber auch aus Erkältungen (Myositis rheumatica) hervorgehen und im Verlauf infectiöser l'rocesse (Pyämie, Septikämie u. s. w.) in Verbindung mit degenerativen Vorgängen an den übrigen Parenchymen auftreten. Von der letzteren kann hier abgesehen werden. Die acute Myositis, sofern sie aseptisch verläuft, führt im Perimysium internum zu einer serösen Durchtränkung, welche im weiteren Verlauf einer zeitigen Infiltration Platz macht; dabei bleiben die Muskelfasern oft intact, sie können aber auch der fettigen Degeneration anheimfallen und zu Grunde gehen. Die durch mechanische Insulte veranlasste Myositis acuta pflegt mit 1 lämorrluigien und Zerreissungen von Muskelfasern verbunden zu sein, während beim acuten Muskelrheumatismus seröse Myositis besteht, die vornehmlich im Perimysium abläuft. Es fragt sich in­dess, ob man den Muskelrheumatismus den aseptischen Erkrankungen
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Krankheiten lt;lor Muskeln Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 245
zurechnen darf; beim Mensolien neigt man sich der Ansicht zu, dasa hierbei eine [nfeotion vorliegt, und Leu be vermuthet ein ahge-
sehwiiclites N'irus des Gideiikriieuiiiiitisnuis.
Die durch mechanische Einflüsse entstiiiidene M. aouta piiegt in vollständige Heilung überzugehen, während die rheumatische in Folge häufiger Recidive einen chronischen Verlauf annehmen kann und ot'b zu Indurationen führt, indem sich auf Kosten der- contractilen Sub-stanz Wucherungen im Perimysium internum einstellen, welche Ver­dickung und Verhärtung des Muskels veranlassen (rheumatische Seh wiele).
Unter den klinischen Erscheinungen der acuten Myositis treten die Schmerzen in den Vordergrund, und zwar sowohl als Druck­schmerz, wie auch bei Dehnung und Contraction des Muskels. An den Gfliedmassen ist das Leiden daher regelmässig mit Lahmheitquot; verbunden (Schulterlahinheit, Hüftlahmheit); an den Halsmuskeln auftretend ver-anlasst es Schiefstellung des Kopfes (Torticollis). Ein Unterschied zwischen traumatischer und rheumatischer Myositis besteht in der Hegel darin, dass bei der ersteren die Schmerzen während der Arbeit des Muskels zunehmen, bei der letzteren allmählich geringer werden. Als absolut entscheidend kann diese Erscheinung jedoch nicht'angesehen werden; denn auch die durch Dehnung oder Ubermässige Anstrengung (Arbeitspferde, Hennpferde) veranlassten Schmerzen (S. 243) nehmen nicht selten während der Bewegung der Thiere ab. Zu beachten bleibt ferner, dass schmerzhafte Zustände in den Hufen (Verschlag) bei Pferden leicht zu Verwechselungen mit Muskelrheumatismus führen, wenn die Hufe nicht eingehend untersucht werden. Im allgemeinen ist die rheu­matische Myositis bei Pferden selten, seltener als man bei der Ver­wendung dieser Thiere erwarten sollte; häutiger findet sich das Leiden bei Hunden, namentlich bei Stubenhunden. Zuverlässig begründe; erscheint die Diagnose, wenn Recidive und die Neigung zu wandern, d. h. gleichzeitig oder in kurzer Zeit an verschiedenen Körperstellen aufzutreten, beobachtet wird. — Bei der durch mechanische Insulte veranlassten Myositis genügt zur Heilung in der Regel Ruhe; unter Umständen fördert leichte Bewegung diese. Bei der rheumatischen Myositis empfehlen sich; Massage, Einreibungen mit leicht reizenden Mitteln (Kampferspiritus), Priessnitz'sche Umschläge und innerlich Antirheumatica (Salicylsiiure, Antifebrin U.S. w.). Bei Hunden sahen wir (M.) vom Natr. salicylic, oft überraschende Erfolge.
Auch die Myositis purulenta läuft vornehmlich im Perimysium ab, indem sich zunächst zellige Intiltration einstellt, aus der sich.
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Krniililu'iten der Muskeln und Sehneni
Abscesse entwickeln. Hierbei gehen zahlreiche Muskelfasern zu Gründe; doch hängt dies minu'iitlich von dem Charakter und der Ausbreitung des Processes ab. Diffuse Phlegmone breitet; sieb in dem intermusku-liiren Bindegewebe aus, wie es häufig nach Stichwunden beobachtet wird. Bei der hierbei auftretenden septischen Phlegmone gehen oft zahlreiche Muskelfasern zu Grunde, während Perimysium und Fascien in grösserer Ausdehnung nekrotisiren und beim Durchbruch oder Oeffnen der Abscesse als übelriechende Fetzen entleert werden. Eiterungen und jauchige Processe im Perimysium geben leicht zu Versenkungen Anlass, wodurch das Leiden nicht nur an Ausbreitung gewinnt, sondern auch leicht auf andere Tbeile Übergreift. So werden bei Eiterungen am Widerrist, die Dornforfcsätze der Brustwirbel häufig nekrotisirt, am Halse das Nackenband. Durch die Verschiebung der Muskeln an ein­ander bei ihrer Function wird die Ausbreitunff derartiger Processe ebenfalls gefördert. Bei der Neigung der Fascien sowie dos Nacken­bandes zu nekrotisiren. sobald sie von Eiter oder Jauche umspült werden, erscheint es daher natürlich, dass eitrige Processe in der Muskulatur des Halses und am Widerrist der Behandlung besondere Schwierigkeiten bieten, Dagegen greift die im subeutanen Binde­gewebe ablaufende Phlegmone nur selten auf das intermuskuläre Binde­gewebe über; am häufigsten geschieht dies noch bei der septischen Phlegmone.
Kino local beschränkte Myositis purulenta beobachtet man am häufigsten im M. sterno-cleido-mastoideus des Pferdes, bei der sog. Brustbeule. Das Leiden gebt jedoch zuweilen von den Bug-bezw. unteren Luftröhrenlymphdrtisen aus. Hierbei entwickelt sich in bezw. unter dem genannten Masked ein Abscess, in dessen Um­gebung lebhafte Bindegewebswucherung entsteht, die um den Abscess eine Kapsel bildet und den Durchbruch desselben oft auf Monate hinaus­schiebt. Das Nähere hierüber vergleiche man in der speciellen Chirurgie II. Aufi. S. 207.
Die Behandlung der eitrigen Myositis besteht in ausgiebiger Spaltung der Abscesse und Eiterversenkungen, event, unter Anwen­dung von Baarseilen und Drains, sowie in öfterem Ausspülen der Herde mit Desinfectionsflüssigkeiten.
Eine anscheinend eigonthüinliche acute Muskelentzündung besteht, bei der Lumbago der Pferde, einem Leiden, das indess kein chirur­gisches Interesse besitzt.
Auch die chronische Myositis verläuft hauptsächlich im Peri­mysium internmn. in welchem sich chronische Wucherung einstellt.
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Krankheiten der Muskeln - EntzUnduna
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die zur Verhärtung und Verdiokung des Muskels t'ülut und häufig mit Verkürzung (Contractur) desselben verbunden ist. Die Neubildung führt zum Untergang der Muskelelemente; indem 'las Periniysium mehr und mein- an Masse zunimnd und schrumpft, schwinden die Muskel­fasern. Die rothe Farbe des Muskels wird durch die gewucherten Bindegewebsmassen in eine weisse verwandelt (Myositia inter-stitialis chronica fibrosa). Der Zustand wird auch als Scle-rose des Muskels bezeichnet,
Aidass zu diesen Vorgängen geben leichte, alier andauernd wirkende Reizungen, die theils von recidivirenden oder chronisch auftretenden, rheumatischen Affectionen ausgehen, tlieils durch gewisse [nfections-erreger (Botryomyces, Psorospermien, Aktinomyces, Tuberkelbacillen) verursacht werden. Der Process stellt sich auch regehnässig in der Umgebung eitriger Erkrankungen ein. Die Holzzuuge des Rindes und die sog. Eisballen der Pferde liefern Beispiele dieser Erkran­kung. Zuweilen lässt sich eine Ursache des Leidens nicht nachweisen; so sahen wir den Zustand hei Hunden in den Kaumuskeln, bei Pferden in den Anconäen; Kitt in den Schenkelmuskeln bei Pferden.
Die neugebildeten Bindegewebsmassen können verknöchern(M. ossi-fleans); Step hen son fand bei einem Pferde die Beugemuskeln am Vorarm vollständig verknöchert, und auch bei weiblichen Schweinen wird an der Castrationsstelle die Bauchmuskulatur nicht selten verknöchert angetroffen. Ebenso stellt sich bei chronischen Lähmungen in den be­troffenen Muskeln quot;Wucherung des Periniysium internuin ein. während die Muskelelemente allmählich degonerireu und untergehen.
Die Therapie bietet bei diesen Zuständen wenig Aussicht auf Erfolg. Nur bei der Myositis actinomycotica, vielleicht auch bei der M. botryomycotioa vermögen innerliche Gaben von Jod (Jodkalium) hei längerem Gebrauch Abtödtung der Parasiten und Heilung des Leidens herbeizuführen (vergl. Aktinomykose). Wo ein Eiterherd die Heizung unterhält, suche man denselben möglichst bald zu spalten (Brustbeule).
Pütz fand verschiedene Muskeln der Schulter bei einem Pferde be­deutend vergrössert, von grangelblicher Farbe und rigider Beschaffenheit. In den unregelmässig erkrankten Muskeln Hessen sich „zahlreiche, weissliche Conoretionen* nachweisen, welche bei der mikroskopischen Untersuchung als Kalktheilchen, Hund- und Spindelzellen erkannt wurden. Die Zunahme des Volumen war durch bedeutende Vennehrung des Bindegewebes bedingt. Rabe und Johne betrachten den Zustand als chronische, interstitielle Myositis. während Pütz die in den Muskeln nacligovviesenen Psorospermien als zweifellose Ursache der Erkrankung nicht ansehen konnte.
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Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
Tokarenko will durch I'sorospermion boi einem Ochsen starke Ab­magerung, erschwerten, steifen (lang und Aniimie beobachtet haben. Winter fand bei Schweinen Tuberkulose der Muskeln.
d) Muskelschwund, Atrophie der Muskeln, eine bei Thieren häufige Erkrankungsform entsteht entweder in Folge andauernder .Ein­schränkung ihrer Thiitigkeit (Inactivitätsatrophie), oder durch ex­cessive Fettbildung im interstitiellen Bindegewebe der Muskeln (Atro-phia musculorum lipomatosa s. pseudohypertrophioa), oder endlich in Fulge degenerativer Vorgänge im Parenohym der Muskeln (degenerative A.trophie). Die erste Form wird am hiluligsten bei chronischen Lahmheiten beobachtet, wobei die Muskelfasern selbst keine anatomischen Veränderungen erleiden, aber an Umfang abnehmen. Die Schnelligkeit, mit der dieser Vorgang auftritt, richtet sich nach dem Grade der Inactivit'ät. An den starken Muskeln der Kruppe und Hinlerschenkel wird dieselbe schon in wenigen Tagen deutlich. Die Atrophia lipomatosa entwickelt sich im Verlaufe der Mästung bei Thieren und bildet den Grund mangelhafter Leistungsfähigkeit der Mus­keln in diesem Zustande; bekanntlich sind z. B. gemästete Schweine aussei- Stande längere Pusstransporte auszuhalten. Beim Menschen tritt der Zustand als eine besondere Krankheit progressiv auf und führt mit der Zeit zu Marasmus. Wahrscheinlich kommen derartige oder doch ähnliche, zuweilen auf congenitalen Bildungsanomalien be­ruhende Vorgänge auch beim Pferde (Pütz, Si edamgr otzky), beim Schweine (Roloff) und Lamm (Fürstenberg) vor. Eine chirur­gische Bedeutung erlangen dieselben jedoch nicht.
Zu den degenerativen Atrophien gehört namentlich die in Folge von peripheren Nervenlähmungen auftretende, wobei es zum Zer­fall der Muskelsubstanz und schliesslich zur fettigen Degeneration der­selben kommt. Unter Zunahme des Bindegewebes, Verdickung des Sarcolems bleiben schliesslich nur noch mitJFett gefüllte Schläuche zurück. Aussei- den bereits erwähnten peripheren Nervenlähmungen kommt dieser Zustand durch chronische Ernährungsstörungen im Ver­laufe schwerer Infectionskrankheiten vor.
Während die Atrophia lipomatosa mit Vermehrung des Um-fonges der erkrankten Muskeln verbunden ist, daher auch Pseudo-hypertrophie genannt wird, geben sich die übrigen Atrophien durch Abnahme des Volumens der Muskeln zu erkennen. Aus'den Umständen, unter denen diese Erscheinung auftritt, muss auf die Art der Atrophie geschlossen werden.
Din Beurtheilung und Behandlung dieser Leiden ergiebt sich
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hieniiieli von seihst. Methodische Arbeit und Massage bilden neben Regelung der Ernährung die wirksamsten Mittel. Wilhrend die ln-activitätsatrophie auf diese Weise vollständig beseitigl werden kann,
lilsst sieli bei den übrigen Formen im günstigsten Falle eine Hem­mung des Processes erreichen. Durch systematische üebung kann indess auch hier eine coinpensatorische Hypertrophie der erhaltenen Muskeleleraente herbeigeführt, ein Ausgleich erzielt, und die mit dein Zustande verbundene Störung beschränkt werden. Die Regeneration der Muskelfasern erscheint so lange nicht ausgeschlossen, als die Muskel­kerne erhalten sind, bezw. die sog, braune Muskelatrophie noch nicht vorliegt.
Bei Pferden wird zuweilen Atrophie an den Muskeln der Kruppe beobachtet, ohne dass eine Lahmheit voranging. Dieselbe erstreckt sich nicht selten auf ganz bestimmte Muskelabschnitte, so dass die Vermuthung nahe liegt, es handle sich um emholische Processe, So beobachtete Kutzner bei einem Pferde starke Atrophie des Mus-culus biceps femoris und des oberen langen Kopfes des M. semiten-dinosus; erst nach Verlauf von ;5—1 Monaten machten sich Be­wegungsstilrungen in Form einer gewissen Schwäche des Schenkels bemerkbar; bei der Bewegung wurde der Fuss abnorm abducirt.
Wahrscheinlich handelt es sich hierbei nur um ischämische Atro­phie, In einigen Füllen traf man bei derartig local auftretenden Atrophien Neurome im verlauf der Kreuznerven (Funk im N. glutaeus superior). Vielleicht kommen auch andere Einflüsse als Ursache derartig local be-schränkter Atrophien vor.
Durch fortgesetzte Absperrung des arteriellen Blutzuflusses, /,, B. unter festen Verbänden, nach Anlegung des Esmaroh'schen Schlauches, nach Verstopfung oder Unterbindung grösserer Arterien sah man bei Menschen die sog, „ischämischen M uskelcon tracturenquot; entstehen. Hierbei ge­rinnt die contractile Substanz, zerfällt und wird später resorbirt, während die Muskelkerne verschwinden,
e) Als Contracturen bezeichnet man jede andauernde Ver­kürzung eines Muskels, wobei die [naertionspunkte desselben dauernd einander genähert, werden und nicht mehr in normaler Weise aus einander rücken. Der Zustand entwickelt sich zuweilen durch an­dauernde Annäherung der Tnsertionspunkte des Muskels, wie sie bei Lahmheiten und namentlich bei Lähmungen durch das Uehergewicht der Antagonisten entsteht (paralytische Contractnr), So kommen Verkürzungen in den Beugenuiskeln der Vorderschenkel in Folge an­dauernder, schmerzhafter Leiden der Beugesehnen zu Stande. Eine zweite Ursache der' Oontractur bildet die chronische Mvositis (ent-
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zUndliohe Contraotur). Das im Verlaufe derselben neugebildete Bindegewebe retrahirt sich . sobald es nicht öfter oder andauernd in Spannung versetzt wird, Aehnlich scheint aucb die mit dem Alter, namentlich bei Arbeitsthieren auftretende Contractur in den Muskeln der Öliedmassen zu entstellen. Mau bezeichnet den Zustand als struppirt oder contract. Die Muskeln büssen hierbei nicht nur ihre Elasticität und Dehnbarkeit, sondern aucb ihre Contractilifcät mehr und mehr ein.
Spastische Contrac turen, d. h. andauernde Verkürzung der Muskeln durch Reizung ihrer motorischen Nerven, werden bei Thieren selten beobachtet; doch sah man solche in den Anconäen eines Hundes bei centraler Lllbmung des N\ radialis.
Die Beurtheilung und Behandlung dieser Zustände richtet sich natürlich nach der Natur und Dauer der Kraiikheits/Austände, weiche der Contractur zu Grunde liegen.
Erst kurze Zeit bestehende Contracturen, wie sie z. B. nach der Abnahme des Verbandes bei Knochenbrüchen beobachtet werden, ver­schwinden mit der Wiederkehr regelm'assiger Thiltigkeifc der Muskeln in kurzer Zeit; auch können hier passive Dehnungen bei kleinen Thieren zur Wiederherstellung des Normalzustandes heilragen. Veraltete Con­tracturen sind nur noch operativ zu heilen und zwar durch Myo-toniie. In der Thierlieilkunde wird jedoch zu diesem Zwecke von der genannten Operation nur selten Gebrauch gemacht. Dagegen findet die Durcbschneidung von Muskeln zu anderen Zwecken bei Pferden und Hindern statt; bei Pferden am häutigsten die der Schweif­muskeln, heim Rinde die des M. biceps femoris. Die letztere Operation ist in der specielleu Chirurgie abgehandelt, bezüglich der ersteren sei auf das in der Operationslehre Gesagte verwiesen.
unter den beschriebenen Erkrankungen leidet die Function der Muskeln mehr oder weniger. Erscheint dieselbe ohne nachweis­bare anatomische Veränderungen gestört, so spricht man von einer Lähmung. Die Lähmung kann zwar durch Störungen in der Einrichtung des Muskels veraulasst werden (myopathische Läh­mung), in der Kegel aber gehen die Functionsstörungen von den motorischen Nerven aus (neuropathische Lähmung) und sollen deshalb an anderer Stelle beschrieben werden.
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Krankheiten der Sehnen.
2. Krankheiten dta* Sebnen.
Die Krankheiten der Sehnen haben in der Tbierheilkunde und namentlich beim Pferde ein bedeutend grösseres Interesse als beim Menschen; sie kommen bei Thieren nicht nur häufiger vor, sondern vernichten auch sehr oft die wirthschaftliche Ausnutzung der Thiere vollständig, weshalb es gerechtfertigt erscheinen mag, wenn dem Q-egenstande hier eine eingehende Betrachtung gewidmet wird. Die­selbe kann im allgemeinen auch auf Bänder und Pascien übertragen werden, da deren EHrkrankungen bei ihrer gleichen anatomischen Ein­richtung denselben Verlauf nehmen.
Die Grundlage dor Sebnen bildet ein straffes, fibröses Bindegewebe, welches in Form zarter Pibrillen parallel zur Längsaxe der Sehnen ge­lagert ist. Durch eine Kittsubstanz werden die Fibrillen zu dünnen, runden oder glatten Fibrillency lindern oder Sehnenfasern verbunden (Fig. 48), welche zu 30—.rgt;0 von einer Lage Zellen umgeben und durch Kittsnbstanz zu primären Sehnenbündeln oder Sebnenfascikeln vereint werden. Diese umgiebt lockeres Bindegewebe (Tendilemma, Kn-doteniuni, Interfasciculargewebe, Fig. 48) sowie eine Endothellage und verbindet 2—20 derselben zu den seeundären Sehnenbündeln, welche in gleicherweise zu tertiären Sehnenbündeln und diese ebenso zur Sehne aneinander gefügt sind. Lockeros Bhulogewobc umgiebt auch diese (Peri- und Paratendineutn), soweit keine Sehnenscheide die Sehne umschliesst.
lieber die Natur. Porm und Bedeutung der zelligen Elemente in den Sehnen herrschen noch Meinungsverschiedenheiten. Zwischen den Fasern der priinilren Sehnenbündel findet sich ein feines Lückensystem, welches mit den grösseren Spalten im Tendilemm der primären Bündel und hierdurch mit denen der seeundären sowie tertiären llümlel in Verbindung steht und die Wur/.eln der Lymphgefässe der Sehne, bildet (El lenborgerl. Die spär­lichen und engen Hlntgefässe verlaufen im Tendilemm, vornehmlich in der Längsrichtung der Sehne (Fig. 48). In der Jugend sind die Sehnen gelass­reicher, später worden sie an (iefässen wie an Nerven ärmer.
a) Verwundungen in der Querrichtung der Sehnen haben die Neigung zu klaffen, besonders wenn die Sehne vollständig durch­trennt ist. Die Enden werden durch die Elasticität ihrer Muskeln oft auf 5 —10 cm zurückgezogen, ein Zustand, den man bei der Teuotomie künstlich herbeiführt. Aber auch bei unvollständiger Durchtrennung einer Sehne- kommt die Heilung niemals durch directe Vereinigung zu Stande (Busse). Bei dem geringen Gehalt an lockerem Bindegewebe und Blutgefässen geht die Heilung einer Sebnenwunde langsam von Statten, am schnellsten noch bei aseptischem Wund­verlauf. Die Wiedervereinigung gebt vom Tendilemm, dem Perlten*
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(liiu'um sowie von dem umliegenden Bindegewebe (Paratendineum) aus und erfolgt um so leichter, je kleiner die Lücke zwischen den Wuiidründeni ist.
b) Genau so verhalten sich suheutane Zerreissungen der Sehnen, welche sowohl durch passive Dehnungen, wie auch durch heftigen Muskelzuff entstehen. Nicht selten tritt Zerreissuntt an mehreren Sehnen
Quorsciinitt aus der Hnfbeiubeugesehiie vom Pferde. ii SehiK'iil'ascikcl. !gt; inlerfascicuIiiiTs Bindegewebe, oo Arterien, i! Vene.
zugleich oder bald nach einander auf. Wiederholt fanden wir alle vier Hufbeinbeuger bei Pferden zerrissen; auch von anderen wurden ähnliche Beobachtungen gemacht. Hier muss also eine Disposition, beruhend auf einer mangelhaften Festigkeit der Sehnen, angenommen werden. Der Umstand, dass man multiple Zerreissungen fast stets bei Thieren antrifft, welche unmittelbar vorher längere Zeit hin­durch erkrankt gewesen, oder doch wenig gearbeitet hatten, lässt ver-rnuthen, dass durch andauernde Ruhe die Widerstandsfähigkeit der
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Krankheiten i1lt;t Sehnen — Zerreiasunt
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Sehnen berabgesotzt wird. Dafür sprichl auch eine Beobachtung, welche Br'duer lraquo;1! zwei durch ein „nervöses Fieberquot; (Morbus macu* losus?) entkräfteten Pferden machte. Als das eine nach Uberstandener Krankheit die ersten Gehversudic iinsliihi'ic, ilelmlcu sich i\'\i- Ucuge-sehneu au allen vier Küssen allmählich und so stark, dass hochgradige Bärenfüssigheil eintrat, Die Fesselgelenke waren bei der Belastung etwa nur '-#9632; Zoll vom Boden entfernt; Schmerzen fehlten, und es dauerte 1 — •'• Monate, bis die normale Stellung wiederkehrte, und das Pferd arbeiten konnte.
Zuweilen wird die Zerreissung durch anderweitige Kraukheits-processe der Sehne seihst /,. I!. bei der sog. Fussrollenentzllndung durch Zerfasserung auf dem rauhen Strahlbein unterstutzt. Auch sahen wir wiederhol! bei Pferden Zerreissungen der Beugesehnen, welche durch Nekrose vorbereitet waren.
Im Jahre 1891 kamen in der preassischen Armee bei 36 Pferden Zer­reissungen von Sehnen vor. Von den zwölf näher beschriebenen betrafen acht den Schienbeinbeuger und je eine die Beugesebnen beider HinterfUsse, den Kronheinbeuger am Vorderfuss, die Hufbeinbeugesehne und die Streck-sehne des Vordermittelfusses.
Zahlreiche Versuche sind seit aller Zeit über die Regenerations-vorgänge des Sehnengewebes angestellt worden. Während von einigen dem in den Zwischenraum ergossenen Blute (v. A mm on), von anderen dem Tendilemm (Ranvier, Velpeau), wieder anderen dem Peri- und Paratendineum (Bizozzero, öüterbock), von Körner und Beltzow den Sehnenkörperchen der Hauptantheil hierbei zugeschrieben wurde, haben Viering und Busse neuerdings die Heilungsvorgänge ein­gehend studirl und auch mikroskopiscdi untersucht; sit; gelangten zu folgenden Schlüssen:
Die Heilungsvorgänge laufen verschieden ab, je nachdem sich mehr oder weniger Blul ergossen bat. Eine Förderung des Heilungs-processes durch das Blutextravasat findcl nicht statt (Busse), Wo wenig Blui ausgetreten ist. legen sich die Wände der Sehnenscheide, bezw, die umliegenden Bindegewobsmassen an einander sowie in die durch die Zerreissung entstandene Lücke, und nun heginnt in diesem Gewebe eine Neubildung, welche auf die Enden der .Sehne beschränkt bleibt. Sobald Blutung in die entstandene Lücke erfolgt ist, nimmt das ergossene Blut an der Neubildung theil, wodurch natürlich eine stärkere Verdickung entsteht. Im Paratendineum geht schon in den nächsten Tagen eine lebhafte Proliferation vor sich, während in dem Sehnengewebe selbst um diese Zeil keine Reaction zu bemerken ist;
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25 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
höchstens zeigt laquo;las die Get'ilsso umgebende Bindegewebe beginnende Proliferation. In den Sehnenfasem treten dagegen in Folge gestörter Ernährung degenerative Vorgänge, fettige Degeneration mit Retraction auf. Etwa I Tage nach der Durditremnmg, also zu einer Zeit, in der die LUcke bereits von Jungem Granulationsgewebe angefüllt ist, beginnt die Reaction in dem eigentlichen Sehnengewebe und geht hier von dm (iet'iissen aus; lebhafte iveriitiieilung und Proliferation vollzieht sieh in dein Bindegewebe, welches die Uetassu umgiebt. Von der Um­gebung wachsen neue Gelasse in die Gewebe hinein, die jedoch später ziun Theil wieder verschwinden. Die anfangs nur aus Ruudzellen be­stehende Neubildung nimmt allmählich mehr und mehr den Charakter des Sehnengewebea an, wenn auch nicht vollständig, denn es bleibt immer modiflcirtes Bindegewebe (Narbengewebe), Die Rundzellen wandeln sieh in spindelförmige Zellen um, und /.war unter der Wirkung der Zugkraft der Muskeln oder passiver Dehnungen der Sehnen, wie sie durch Belastung des Fusses veranlasst werden; während die Intercellularsubstan/. homogen wird, nehmen die Zellen eine gestreckte Gestalt an. Je geringer die im Verlaufe dos Hei-lungsvorganges auftretenden Störungen, je mehr die Sehnenenden einander genähert werden, um so schneller vollzieht sich dieser Vor­gang, namentlich wenn alsbald eine Anspannung der Sehnen erfolgt. Bleibt letztere aus, so behalten die Zellen der Neubildung in unregel-mässiger Anordnung ihre runde und .sternförmige Gestalt, mit anderen Worten, das Narbengewebe erlangt nicht den Typus des eigentlichen Seimengewebes.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen erlangen ein besonderes Interesse bei Verwundungen (Tenotomien) wie auch bei Zerreissungen von Sehnen. Es geht aus denselben hervor, dass eine rcgelmässige Anspannung der getrennten Sehne bei dem Heilungsvorgange eine besondere Rolle spielt. Im übrigen vollzieht sich die Heilung, wie schon Paget durch Versuche nachwies, schnell. Die von Paget durch­schnittene Achillessehne eines Kaninchens wurde am 6. Tage erst durch ein Gewicht von 10 kg, am 10. Tage von quot;28 kg wieder zerrissen.
Allein damit ist noch keineswegs eine Verbindung hergestellt, welche den Anforderungen zu entsprechen vermag, die z. B. an die Bengesehnen beim Pferde gestellt werden. Nach Versuchen an der Achillessehne von Kaninchen und den Untersuchungen Busse's ist das neugebildete Gewebe selbst mich 3 Monaten dem Sehnengewebe noch nicht gleich, wenn es auch bereits dieselbe Beschaffenheit wie das Bindegewebe in den Sehnen besitzt, d. h. aus parallel verlaufenden
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Krankheiten der Sehnen ZerreiBsunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2o'gt;
zu Bündeln geordneten Fasern besteht, zwischen denen Zellen liegen; mehrere dieser BUndel werden durch Septa mis lockeren) Bindegewebe zu secundftren und tertiären Bündeln vereinigt.
Eine amlfiv Tlialsiicho ist oheivfiills wichtig, dass nämlich Tren­nungen der Seimen innerlialb einer Sehnenscheide bei weitem nicht so schnell heilen wie solche ausserhalb derselben; der Mangel an Para-tendineum erklärt dieses. Je mehr lockeres Bindegewebe die Sehne umgiebt, desto leichter erfolgen die Beillingsvorgänge; auch Busse gelangt zu dem Schlüsse, dass der bei weitem grösstc Theil des neuen Gewebes vom Paratendineum geliefert wird.
Während subcutane, bezw. aseptisch verlaufende Verwundungen und Zerreissungen verhältnissmässig leitdif und vollständig heilen, stösst die Regeneration aul' grössere Selnvierigkeiten, sobald Eiterung eintritt. Durch Einwirkung des Eiters auf die Sehne entstellt Nekrose derselben, und auf diese Weise wird nicht allein das Regenerations­vermögen der Seime an der betreffenden Stelle vollständig aufgehoben, sondern auch die Dissection des nekrotischen Sehnenstückes nothwendig, welche in dem derben Gewebe stets längere Zeit in Anspruch nimmt. Während dieses Vorganges treib! aber das lockere Bindegewebe (Para­tendineum) lebhafte Granulationen, und in Folge dessen bleibt stets eine starke Verdiekung /urück, Nicht selten entwickeln sich auch in dieser Zeit umfangreiche Phlegmonen, welche zu weiterer Nekrose der Sehne führen. Tritt die Kiterung gar in einer Sehnenscheide ein, SO gehen daraus noch besondere Gefahren hervor.
Zerreissungen und Verwundungen grösserev Sehnen an den Glied­massen der Pferde werden nicht selten dadurch unheilbar, dass sie den Thieren den Gebrauch des betreffenden Fusses zum Stützen der Körperlast unmöglich machen, wodurch an dem anderen Fusse in Folge andauernder Belastung Senkung des Hufbeins eintritt. Continuitäts-trennungen an der Achillessehne bieten aus diesem Grunde den Heilungs­vorgängen grössere Schwierigkeiten als #9632;/.. B. in dem seimigen Theile der M. tibialis bei Pferden; an den Beugesehnen werden daher Con-tinuitätstrennungen stets bedenklicher als an den Strecksehnen. Auch aus diesem Grunde zeigen sich mit Eiterung verbundene Trennungen gefährlicher als solche, bei denen Asepsis erbalten bleibt.
Die Behandlung der Sehnenzei'reissungen muss zunächst darauf gerichtet sein, der leidenden Gliedmasse eine Stellung zu geben, in welcher die Enden der Sehne möglichst einander andauernd genähert bleiben, Man erreicht dieses unter Umständen durch Verbände (Gips
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251)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der .Muskeln und Seimen.
oder Schienen) und andauernde Etuhe, Weiteres ist bei Zerreissungen mnl aubeutaner Durcbschneidung der Sehnen in der Regel nicht er­forderlich ,
Frische Sehnenwunden verlangen strenge antiseptisohe Behand­lung, um den Heilungsvorgang möglichst abzukürzen. Doppelt geboten erscheint diese an den Beugesehnen der dliedmassen und ganz be­sonders, wenn gleichzeitig Sehnenscheiden verletzt sind, Nach einer möglichsl sorgfältigen Reinigung und Waschung mit Sublimat, Carbol-säure, Oreolin u. s. w, empfehlen wir einen Occlusivverband, der mit diesen Mitteln 5—8 Tage hindurch feucht erhalten wird. Sind Sehnen­scheiden verletzt, su kann die Anwendung von Drains, Haarseilen u.s. w,, event, auch Heften der Wunde erforderlich werden.
Wo Eiterung eingetreten ist, muss eine entsprechende Antisepsis eingeleitet werden. Da die Sequestration der nekrotiselieu Massen längere Zeit in Anspruch nimmt, so suche mau von vorn herein die Granu­lation der nachbarlichen Weiehtlieile durch einen snit anu'eleo'teu Druck-verband und Adstringentien (Alaun, Tannin) zurückzuhalten, die Abstos-sung des nekrotiselieu Sehnengewebes aber zu fördern. Mau versuche von Zeil zu Zeit, die losen Petzen mit der Pincette zu entfernen. Gegen die zurückbleibende Verdickung bewähren sich Druckverbände.
c) Die Entzündung der Sehnen (Tendinitis) spielt bei den chirurgischen Krankheiten des Pferdes eine grosse Rolle, wird liier recht häutig, jedoch fast nur an den Beugesehnen der GHiedmassen (Fessel-, Krön- und Hufbeinbeuger) beobachtet. Da gerade diese Seimen bedeutenden Dehnungen ausgesetzt sind, so liegt der Schluss nahe, dass hierdurch ihre Erkrankung in der Regel veranlagst wird. Bald sind es einmalige', heftige Lleberdelinungen bei der Aufnahme der Körper­last (/.. B. beim Springen), bald ruft schwere Arbeit wiederholte An­spannungen und Zerrungen hervor. Dass hierbei stets Zerreissungen einzelner Sehnenfascikel bestehen, wie Williams annimmt, kann wohl als wahrscheinbeh betrachtet werden, wenn sie auch nicht immer anatomisch nachzuweisen sind. Soviel steht fest, dass in der Regel mechanische Läsionen, und zwar starke Dehnung die Ursache zur ent-zündlichen Erkrankung der Sehnen abgeben; sehr natürlich daher, dass bei den Pferden der Armee solche Sehnenleiden vorzugsweise in den Sommermonaten auttreten, im Winter fast gar nicht beobachtet worden. Siedamgrotzky glaubt, Continuitätstrennungen da annehmen zu müssen, wo die entzündlichen Veränderungen local beschränkt auftreten, während er bei gleichmässiger und grösserer Verbreitung der Eut-
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ECraukhoiteu der Sehnon — Elntzünduuginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
Zündung eine einfache Dehnung als Entztindungsreiz vermutbet, Da indi'ss alle 'licse Erkrankungen regelmftssig längere Zeit zu ihrer Heilung in Anspruch nehmen und fast immer Verdickungen an der betreffenden Stelle zurücklassen, will uns die Annahme fasciculärer Zerreissungen zutreffender erscheinen, Soviel aber steht Fest, und Siedamgrotzky hat das Verdienst nur diesen Punkt zuerst die Auf­merksamkeit gelenkt, zu liulien, dass in sebr vielen Fällen den als entzündlicben Erkrankungen der Sehnen ablaufenden Processen eine roparatoriscbe Bedeutung zukommt. Auch müssen wir Bayer und Siedumgrot/.ky darin zustimmen, dass die als metastatische Sebnen-entztlndungen aufgefassten Entzündungsvorgänge in der Regel secun-dilrer Natur sind, indem die auf diesem Wege (#9632;/.. B, bei der Brast-seuche) auftretenden Erkrankungen zunächst die Sehnenscheiden betreffen und von hier auf die Sehnen übergreifen. Das hierbei regel-miissige Ausbleiben der Verkürzung, sowie auch der geringe Blutgehalt der Sehnen sprechen ebenfalls gegen den primären Ursprung dieser Leiden,
Ebenso zweifelhaft erscheint die Annahme t'heumatischer ^elnienent-Zündungen, Schon der Umstand, dass der Process last nur die Beugesehnen betrifft, spricht gegen Erkältung als Ursache des Leidens. Welchen Antheil die namentlich in südlichen Gegenden (Italien) in verdickten Sehnen ge-fnndenen Parasiten (Spiroptera reticulata) an der Erkrankung derselben haben, ist bisher nicht bekannt; vielleicht finden sich dieselben erst in Folge der entzündlicben Veränderungen in der Sehne ein. Einen solchen Befund tboilt neuerdings Mauri mit. Im oberen Qleichbeinbunde wurde bei einem Pferde, welches chronisch lahm war, eineAnzahl Spiroptera reticulata gefunden.
Die bei der Tendinitis ablaufenden anatomischen Veränderungen .sind zwar in ihrem ganzen Umfange noch nicht untersucht worden, doch darf man annehmen, dass hierbei zunächst leichte Blutungen auftreten, denen sieh alsbald exsndative Vorgänge anschliessen. Aus den zerrissenen Gelassen tritt Blut in die Lücken des getrennten Ten-dilemm. Das interfasciculäre Bindegewebe zeigt sich anfangs serös durchtränkt, wodurch die Fascikel aus einander gedrängt werden und sich leichter von einander trennen lassen (Siedamgrotzky). Der entzündliche Process greift auf das Pcritendinenm und Paratendineum über, und so entsteht, die mehr oder weniger starke Anschwellung der Sehne, An die Stelle des serösen und hämorrhagischen Ex­sudates tritt später plastische Infiltration, indem sich in dem Binde­gewebe mehr und mehr Lcukocvten anhäufen, oder durch Wucherung neue Gewebszellen entstehen; hierbei dürften die Sehnenzellen wesent­lich betheiligt sein. Diese Vorgänge werden namentlich hei wieder-Miillor u. Prick, Allgomoiue Uliiringir für ThiiTiir/ti', 2 Autl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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Krankheiten der Muskeln und Sehnen.
holtiT Erkrankung von Gefässneubildung (Vasoulorisation) in der Sohne begleitet.
Das Resultat dieser Erkrankung besteht also in Neubildung von Bindegewebe, und /war sowohl in der Seime selbst, wie auch in ihrer Umgebung, wodurch eine Verdickung derselben veranlasst wird. Das neugebildete Bindegewebe zeigt, wie überall, so auch hier die Neigung y.nr Retraction, welche stets zu Stande kommt, sobald die Möglichkeit dazu gegeben ist, d. h. wenn z. B. durch die Belastung des Fusses der Retraction kein Hinderniss entgegengesetzt wird. Auf diese Weise er­klärt sich, dass in dem einen Falle trotz erheblicher Gewebsneubildung (Verdickung) eine Verkürzung der Sehnen ausbleibt, in anderen aber eintritt; letzteres namentlich, wenn durch erhebliche Schmerzen die Belastung der Gliedmassen andauernd unterbrochen war. An den hierdurch zu Staude kommenden Veränderungen in der öelenkstellung (Stelzfuss) können allerdings auch die Muskeln botheiligt sein, indem sich in Folge andauernder Annäherung ihrer Insertionspunkte Contraotur in ihnen einstellt. Diese Theilnahme lässt sich jedoch in der Regel klinisch nachweisen (vergl. Specielle Chirurgie).
Eine zweite Folge der Bindegewebswucherung bildet die Verwach­sung der Sehne mit ihrer Umgebung, mit nachbarlichen Sehnen sowie mit Sehnenscheiden, Zustände, welche den operativen Eingriffen grosso Schwierigkeiten entgegenstellen können. Das in der Sehne neugebildete Bindegewebe erscheint grauweiss, zuweilen durch lebhafte Vasculari-sation grauröthlich gefärbt und lässt sich sowohl auf dem Längs-, wie Querschnitte der Sehne von dem gelblichweissen, atlasglänzenden Sehnengewebe deutlich unterscheiden. Wo Retraction desselben ein­getreten ist, zeigen die Sehnenfascikel einen geschlängelten Verlauf, der früher wohl als die Ursache der Verkürzung aufgefasst wurde, in der Hauptsache aber eine Folge der Retraction darstellt. Bei länger andauernden Erkrankungen kann das Sehnengewebe unter dem Ein­flüsse der Bindegewebswucherung zu Grunde gehen, das Bindegewebe selbst aber verknöchern. Nach Siedamgrotzky ergiebt die mikro­skopische Untersuchung der entzündlich erkrankten Sehne anfangs eine Zunahme spindelförmiger Zellen in den Gelassscheiden und dem lockeren, die Sehnenfasern verbindenden Gewebe. Später nimmt die Zelleninfiltration mehr und mehr zu, und zwar auch in dem die Sehne umgebenden Bindegewebe; dagegen soll nach ihm der Process an der Insertionsstelle der Sehne nie auf den Knochen übergreifen. Bei den
gleichen Erkrankungen der Bänder wird
ein solches Uebergreifen da-
gegen regelmässig beobachtet.
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KniiikhfiU'ii der SuIhuti — Elntzüudunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25fl
Itic beschriebenen anatomischen Veränderungen können sich unter UmstRnclen in dem üdasse zurtlckbilden, dass liii der klinischen Unter­suchung nachweisbare Veränderungen (Verdickung) in der Sehne nicht mehr zu erkennen sind; dieser Ausgang bildet jedooli nichl die Regel, In den meisten Fällen besteh! die Anschwellung der Seime dauernd fort. Findet auch mit der Zeit, selbsl nach Monaten noch eine all­mähliche Abnahme der Verdickung statt, so verschwindet sie deich selten vollständig. Es ist jedoch bekauni, dass das i'eparatorische Gewebe, und zwar unter der Einwirkung der Dehnung (S. 254) dem normalen Sehnengewebe allmählich ähnlicher wird und auch eine grössere Widerstandsfähigkeit erlaugt, allein diesem gleichwerthig wird dasselbe nie. Daher erklärt sich die Disposition zu neuen Er-krankungen und das .so häufig beobachtete Auftreten von llecidiven, sobald die schädlichen EindUsse von neuem auf die erkrankte Sehne sich geltend machen. Dagegen pflegen die mit der Erkrankung verbundenen Schmerzen, also auch die Lahmheit, in Zeit von 3—(3 Wochen zu ver­schwinden, jedoch kann bei erheblichen Erkrankungen, starken Ver­dickungen auch eine dauernde Lahmheit zurückbleiben: dieses ist stets der Fall, sobald eine erhebliche Verkürzung der Sehne eingetreten war.
Als Ausgänge sind also zu verzeichnen:
1.nbsp; nbsp;Vollständige Zertheilung, d, h, relative Wiederherstellung des normalen Zustandes; nur bei leichter Erkrankung wird dies be­obachtet,
2.nbsp; nbsp;Dauernde Verdickung der Sehne ohne erhebliche Störungen im Gebrauche der Thieve.
3.nbsp; Chronische Verdickung verbunden mit chronischer Lahmheit, -I. SehnenverkUrzunff mit Stelzfussbilduntr,
Die Beurtheilung dieser Zustände richtet sich in erster Linie nach dem Grade; und der Art der krankhaften Veränderungen, sowie nach der Bedeutung der leidenden Sehne. Je grosser die Verdickung, und je lebhafter die Schmerzen, um so mein- steht eine Verkürzung der Sehne (Stelzfussbildung) oder dauernde Lahmheit in Aussicht. Umgekehrt, beobachtet man aber nicht selten, dass bei umfangreicher Zerreissung die noch erhaltenen Sehnen fasern sich dehnen. und auf diese Weise erhebliche Abänderungen in der Stellung der Gelenke entstehen, Diese Gefahr tritt namentlich da ein, wo mehrere Püsse gleichzeitig leiden, die Belastung derselben also nichl vermieden werden kann. Aus dieser, mit starkem Durchtreten in den Gelenken der Phalangen verbundenen Erscheinung ist die Bezeichnung „Nieder-
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Krankheiten dor Bluskeln und Sehnon.
gebrochen* hervorgegangen, welche indess später, uamentüch in der Sportwelt, für verschiedene, mit erheblicher Gebrauchsstörung verbun­dene Erkrankungen der Gl-Uedniassen angewendet wurde.
Ungünstiger verlaufen nach dem oben Erwähnten Entzündungen der Sehnen innerhalb ihrer Scheiden, weil die Regeneration liier auf Schwierigkeiten stösst (S, 255); ganz besonders, wenn an der Sehnen­scheide starke Verdickung eingetreten ist.
Die Prognose bei der Sehnenent/.ündung hängt ferner davon ab, ob die Tlnere den schädlichen Einflüssen (z. B. Rennen) entzogen werden können, oder nicht. Beugesehnen, die bei Rennpferden immer von neuem erkranken, bleiben beim Gebrauch der Thiere zum ein­fachen Reit- oder Wagendienst oft dauernd gesund. Bei Reitpferden gestaltet sich die Prognose im allgemeinen ungünstiger als bei Wagen­pferden, Dass hierbei zugleich der Knochenbau eine Rolle spielt, ver­stellt sich von selbst (vergl. Specielle Chirurgie).
Bei bereits eingetretener Sehnenverkürzung kommt endlich die Frage in Betracht, ob operative Eingriffe Aussicht auf Erfolg haben. Als ungünstig müssen in dieser Hinsicht Verwachsungen der Sehnen unter einander oder mit den Sehnenscheiden aufgefasst werden.
Dass die Aussicht auf Wiederherstellung mit dem Alter der Er­krankung abnimmt, liegt in der Natur der Sache.
Erscheinungen. 1. Als wichtigste Erscheinung der Tendinitis ist Anschwellung und Schmerz der Sehnen zu nennen. Die erstere erscheint anfangs weich und diffus, indem sie vornehmlich auf seröser Durchtränkung und blutigen Ergüssen in dem Gewebe der Sehnen, dem Peri- und Paratendineum beruht. Mit der Zeit wird dieselbe derber und mehr circumscript, stellt, oft nur eine knoten-förmige Verdickung der Sehne dar, die erst bei sorgfältiger Palpation ermittelt werden kann. An dem oberflächlich gelegenen Kronenbein-beuger macht sich die Schwellung oft schon durch eine Art Waden­bildung beim Pferde bemerkbar. Die S cb nie rzhaftigkei t ist sehr verschieden und giebt sich sowohl durch Lahmheit, wie auch auf Druck mit der Hand zu erkennen, zeigt sich am lebhaftesten bei irischer Er­krankung, verliert sich aber mit der Zeit.
'2. Vermehrte Wärme. Diese pflegt im Anfange des Leidens nicht zu fehlen, verschwindet aber auch nach einiger Zeit; in der Regel ist dieselbe nicht erheblich,
3. Veränderung in der Stellung der Gelenke, Schon während der ersten Zeit der Erkrankuiiquot;' macht sich eine abnorme
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Kninkhciteii der Sehnen Elntztlndong.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J(il
Beugestellung (Volar- bezw, Plantarflexion) bemerkbar, indem durch Uebertragung der ECörperlast auf die Knocbensäule laquo;lie schmerzhaiten Dehnungen in der erkrankten Sehne geringer werden. Später laquo;^iubt die Verkürzung der Sehne hierzu Veranlassung, Zur Unterscheidung dieser Zustände lässt man durch Aufheben des anderen Fusses den kranken belasten, wobei im erstoren Falle die normale Gfelenklage einigermassen eintritt, bei Retraction in der Seime jedoch nicht. Mit dem Stol/.fuss verbindet sich später ein Bockhuf, indem die Zehe des Hufes kürzer, seine Trachten aber länger werden.
Die Behandlung der Tendinitis verlangt in erster Linie mög­lichste Beseitigung der schädlichen Ursachen (Dehnungen), also vor allem Ruhe, welche auch nach dem Verschwinden der laihniheit noch fortdauern nuiss. Zu beseitigen ist ferner alles, was eine abnorme Dehnung der Beugesehnen zur Folge hat, insbesondere die zu lange Hufzehe, sowie der Griff am Hufeisen. Durch Schonen der Trachten bei der Beschneidung des Hufes, Anbringen von Stollen oder ver­dickten Schenkelenden am Hufeisen wird namentlich im Hufbeinbeuger eine Abspannung erzielt.
Bei der directen Bekämpfung des entzündlichen Processes handelt es sich nur um Beschränkung der stürmisch verlaufenden Regenerations­vorgänge sowie der Blutungen in der Sehne. Die Anwendung der Kälte bleibt daher auf die erste Zeit der hlrkrankung beschränkt und findet namentlich da Gelegenheit zu günstiger Wirkung, wo die Schmerzen sowie die Anschwellung und vermehrte Wärme mit grosser Lebhaftigkeit hervortreten. Sie beschränkt sowohl die durch Gefäss-zerreissungen bedingten Blutungen, wie auch die acuten Exsudations-processe; sobald diese vorüber sind, übt die Kälte einen nenneiis-werth günstigen Einfiuss nicht mehr aus. Dieser von allen Praktikern anerkannte Grundsatz steht mit der Vorstellung, dass es sich im wesent­lichen um Reparationsprocesse in der Sehne handelt, in voller Ueber-einstimmung.
Man geht daher alsbald ZU den Hülfsmitteln über, welche im Stande sind, die Resorption der im üebermass aufgetretenen Entzlln-dungsproduete zu fördern. Dazu dient in erster Linie feuchte Wärme und methodische Compression. Bähungen mit Seifenwasser oder ver­dünnten Lösungen (0,5 0/o) von Pottasche und Priessnitz'sche Ein-wickelungen müssen besonders empfohlen werden: von dem hervor­ragenden Nutzen der letzteren haben wir uns oft überzeugt. Man lässt den kranken Puss mit einer weichen, leinenen oder baumwollenen.
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262nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kraukheiten der Muskeln und Sehnoui
angefeuchteten Binde massig fest bandagiren und legt darüber vine wollene (Flanell-) Binde. IJiu bei Erkrankung des Huf- und Fessel­beinbeugers einen allseitigen Druck auf diese Sehnen auszuüben, lasse man ein Paar Werg- oder Juteb'ausclie zu beiden Seiten gegen die Sehne legen, soilanu die Binden applioiren, welche alle 4 —ö Stunden erneuert bezw. gewechselt werden. Der hierdurch erzielte plötzliche Wechsel in der Temperatur übt einen vortheilhaften Einfluss auf die Blutfülle und damit auch auf die Kesorptionsvorgiinge aus.
Die Wirkung dieser Behandlung richte! sieh nnmentlicli gegen die entzündlichen Vorgänge in der Umgebung der Sehne (Paratendineum) und verhindert so das Zurückbleiben umfangreicher Verdickungen; unterstützt wird dieselbe dureb zertheilende Einreibungen, Salben von Jodkalium, Jodoform oder von lugt. Hydrarg. einer.
Gegen chronische Entzündungen und Verdickungen linden Massage und scharfe Hautreize zweckmässige Anwendung. Die erstere muss indess vorsichtig und darf nicht zu früh eingeleitet werden; so lange die Erkrankung schmerzhaft ist, verbietet sich die Massage dureb die Unruhe der Thiere von selbst. Zur Auslubrung derselben legt man ein Stück Pergamentpapier auf die kranke Seime, fettet die Finger gehörig ein und streicht unter anfangs massigem, später kräftigerem Drucke von unten nach oben (d. b. in der Richtung des Lymphstromes) mit dem Daumen und den ersten beiden Fingern wiederholt über die Sehnen. Sobald hiernach die Schmerzen und Anschwellung zunehmen, lasse man mit dem Verfahren nach: andernfalls wird dasselbe einige; Wochen 1—2mal täglich fortgesetzt.
Die Wirkung scharfer Hautreize ist unseres Erachtens in erster Linie auf den andauernden und gleichmässigen Druck der geschwollenen äusseren Haut auf die erkrankte Sehne zurückzuführen. Je kräftiger und nachhaltiger diese Anschwellung, um so besser die Wirkung jener Mittel. Auch zögere man bei erheblicher Erkrankung der Sehnen nicht zu lange mit der Application der Scharfsalbe, sondern entschliesse sich zur Anwendung derselben, sobald die localen Entzündungserschei­nungen zurückgetreten sind. Von den Salben geben wir dem Hydrarg. bijodal. (1 :8 Fett oder Vaseline) den Vorzug, weil die Anschwellung hiernach ergiebig, und der sich bildende Schorf fest wird. Noch wirksamer zeigt sieb allerdings das scharte Pflaster, welches nach dem Erstarren einen kräftigen Gegendruck ausübt, der noch durch Auflegen eines Stückes Leinwand iSiedumgrotzky) verstärkt werden kann. Man muss indess das Pflaster und die Leinwand bis auf die Seitenfläche des Schienbeines ausdehnen und die Leinwand kräftig
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Krankheiten der Sehuec
Kutzüiiilun
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^#9632;i')j,vii den Metacarpus drtlcken bezw, ziehen, um dieses Mittel zur vollen Wirkung gelangen zu lassen. Zu beisses Auftragen des Pflasters ist zu vermeiden, weil auf diese Weise die Wirkung an der Oberfläche der Haut zu beftig wird, und dadurch sowohl das Pflaster, wie die Leinwand sieh Imld lockern und event, ahf'alleii. ihre Wirkung auf die Sehne also aufhört.
Ebenso empfiehlt sieh bei älteren Sehnenverdickungen das (ilüh-eisen in Strichform. Die Wirkung desselben ist eine doppelte; Ein­mal übt die hierdurch erzielte ueule Entzündung und Anschwellung der äusseren Haut einen Druck auf die erkrankte Sehne aus; dazu kommt später noch die Retraction des Narbengewebes in der Haut. welche in derselben Weise die Zertheilung günstig beeinflusst. Die Wirkung des Glüheisens fällt sonül nachhaltiger aus. wie im übrigen jedem Praktiker bekannt ist.
Eins darf bei der Behandlung nichl aussei- Acht gelassen wer­den, nämlich, dass eine längere Zeil unter Schonung des Pferdes zur Entfaltung der Wirkung dieser Mittel unbedingt erforderlich wird. Das verstösst allerdings oft gegen die wirthschaftlichen Interessen und bildet oft den Grund, weshalb der Erfolg unvollkommen bleibt. An­dererseits darf nicht übersehen werden, dass andauernde Ruhe, wie S. 252 erwähnt wurde, die Widerstandsfähigkeit der Sehnen herab­zusetzen geeignet erscheint. Denientspreehend kann unter rniständen, namentlich wenn die acut entzündlichen Erscheinungen versehwunden sind, leichte, langsame Bewegung der Thiere vortheilhal't werden. Braun hat dieselbe neuerdings bei entzündlichen Erkrankungen der Beugesehnen der Pferde geradezu empfohlen.
Verkürzungen der Beugesehnen können sich zwar zurückbilden, doch ist dieses nur so lange möglieh, als die erkrankte Sohne durch die Belastung des Fusses noch angespannt wird. Unter diesen I'm-ständen sieht man nicht selten, dass mit dem massigen Gebrauch der Pferde die Gelenkstellung sieh allmählich bessert. Wo aber durch die Sehnenverkürzung das Fesselgelenk soweit nach vorn gerückt ist,, dass die Beugesehnen bei der Belastung nicht mehr angespannt werden, erscheint jede Aussicht auf eine spontane Verlängerung der Sehne ausgeschlossen. Hier kann nur noch die Tenotomie eine Besserung in der Stellung und Bewegung des Pusses herbeiführen j doch erscheint die Annahme, dass diese Wirkung in jedem falle erreicht werde, ebenso unrichtig wie die Behauptung, dass die Tenotomie überhaupt keinen Nutzen gewähre. Wir müssen bezüglich dieses Punktes und der Ausfüh­rung der Operation auf das in der Speeiellen Chirurgie Gesagte verweisen.
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Krimklioitcn dor Muskeln und Sohnoii.
Infeotiöse Entzündungen, uamentlioh eitrige Prooesse rufen, so­bald sie mit dem Sebnenge'vrebe in Berllhtuug kommen, die Gldeg;efahr dor Nekrose bervor; daher seilen wir diesen Ausgang stets bei Verwundungen der Sehnen, die zur Eiterung geführt haben (S. 255). Aber auch ohne Trennungen in der ilusseren Maut kommen liier Infectionen vor, die von den Sehnenscheiden ausgehen, oder dadurch, dass phlegmonöse Prooesse von der Nachbarschaft auf die Seimen Übergreifen. Fälle der letzteren Art verbalten sieb ähnlich wie eiternde Wunden der Sehnen, sind jedoch nicht so häufig wie infeotiöse Entzündungen der Sehnenscheiden, die theils durch äussere Verletzungen, theils auf em-bolisebem Wege entstehen. Man vergleiche darüber Kap. V1I1.
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VI. Krankheiten der Nerven.
1. Wunden. Mil jeder Verwundung uervenführender Theile
liiulen auch Verletzungen von Nerven statt, doch ei'langen diese erst eine Bedeutung, wenn grössere Sfcilmme oder Aeste davon betroffen wurden. Im Gegensatz zu den tiefässen /eigen Nerventreniningeii nur wenig Neigung zu klaffen: oft findet man im öegentheil, nament­lich bei Wunden, die mit stumpfen Instrumenten veranlassi wurden, dass die Enden der durelitrennten Nerven gedehnt werden und über die Wundfläche hervorragen, woraus die frühere Ansicht hervorging, dass der durchschnittene Nerv länger werde. Es handelt sicli jedoch stets um eine durch Dehnung des Nerven veranlasste Verlängerung, welche unter Umständen zum Abschneiden der freiliegeiulon Absclmitte desselben Veranlassung geben kann.
Verwundungen sensibler Nerven zeigen sich sehr schmerzhaft, besonders wenn sie nur theilweise durchtrenut sind: sobald eine voll­ständige Durchtrennung derselben vorliegt, werden die von demselben versorgten Theile empfindungslos, Die Duvchtrennung motorischer Nervenhahnen hat Lähmung der betreffenden Muskeln zur Folge.
Die Heilung kann auch bei Nervenwunden sowohl auf dem ersten Wege, wie auch unter Eiterung erfolgen. Die vom Centrum abgetrennten Nervenfasern verlieren nach einiger Zeil ihre Erregbar­keit, es tritt in ihnen fellige, körnige Degeneration ein, und zwar nicht blos an der verletzten Stelle, sondern der ganze Nerv mit seinen Zweigen atrophirt, soweit er aussei' Verbindung mit dein Centralorgan gesetzt ist. Nur da, wo sensible Fasern vor hezw. oberhalb der Spinal­ganglien durchtrennt sind, fällt die Degeneration in dem abgetrennten Nerven aus, tritt dagegen in diesem Falle an dem centralen Abschnitte ein. Hieraus ergiebt sich, dass die Spinalganglien einen Einfluss auf die Ernähruna der Nerven ausüben. Dasselbe eilt für die motorischen
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Krankheiten der Nerven,
Nerven des Eitlckenniarks; zur Degeneration derselben gesellt sich der gleiche Vorgang in deu von Ihnen versorgten Muskeln (S. 248),
l);isgt; die durchtrennten Nerven durch Neubildung von Fasern wieder mit einander in Vorbindung treten können, beweisen schon die Erfahrungen, welche man bei der Neurotomie gemacht hat, Räch etwa 2 Jahren pflegt die Verbindung wieder so vollständig zu sein, dass die Wirkung der Operation, d. h. die üneinpflndliohkeit der be­treffenden Theile aufhört. Nach einfacher Durchschneidung eines Nerven (Neurotoraie) tritt diese Wiedervereinigung früher ein, als wenn ein Stück des Nerven ausgeschnitten wird (Neurektomie).
Nach Durchschneidung eines Nerven zerfällt zunächst das Mark der Markscheide an beiden Enden desselben. In einigen Tagen stellt sich Kernwucherung im Neurilenim ein, worauf sich von den Nerven­enden /.arte Fortsätze (Axencylinder) entwickeln, die einander ent­gegen wachsen und sich schliesslich vereinigen; um den so entstandenen Axencylinder bildet sich Mark und schliesslich auch eine Markscheide,
Hei diesem Vorgange ist in erster Linie der centrale Stumpf betheiligt, aus dem die Axencylinder hervorwachsen und das periphere Ende zu er­reichen suchen: letzterer spielt dabei nur die Wolle eines Wegweisers, wie durch die üutersuchangen und Versuche von Vanlair festgestellt worden ist. Vanlair steckte die Enden des durchschnittenen Nerven in eine aus decaloinirten Knochen bestehende Röhre und fand später, dass die Rege­neration nur von dem centralen Ende ausgegangen war. Diese „Tub ul ar-nahtquot; (Tubulisation) wird beim Menschen wohl zur Förderung der Heilung getrennter Nerven in Anwendung gebracht.
Je geringer der Substanzverlust und die Läsion der Nerven, und je schneller diese Heilungsvorgänge erfolgen, um so früher kommt die Verbindung zu Stande. Bei einfacher Durchschneidung grösserer Nervenstämme dauert der Vorgang indess einige Monate, nach der Neurektomie Jahr und Tag,
Wunden, in denen grössere Nervenäste durchtrennt sind, suche man daher auf dem nächsten Wege, womöglich aseptisch zur Heilung zu bringen. Beim Menschen werden vielfach die Enden des Nerven zusammengeheftet (Nervennaht), indem mau durch das Neurilemm einige Catgutligaluren legt. Auch mir (Möller) gelang es bei einem Hunde auf diese Weise die Enden des durchtrennten N, tibialis zur Vereinigung zu bringen. Wo die Nervenenden stark über die Oberfläche der Wunde hervorragen, trage man dieselben mit der Schere ab, weil namentlich in nicht aseptischen Wunden am centralen Stumpfe leicht entzündliche Schwellung und Neubildung (Neurome) entstehen. Wenn Nervenäste nur theilweise durchtrennt sind, wurde früher die voll-
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Norvenverletzungcn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;267
ständige Durchschneidung derselben empfohlen, und zwar namentlicb mil Itiicksicht auf Tetanus, der durcb die Zerrung der Nerven ent­stehen sollte. Nach unseren heutigen Vorstellungen ist dieses nicht /.u befürchten; man suche indess in solchem Falle Vorkehrungen zu treffen, um Zerrungen sowie entzündliche, besonders infectiöse Vorgänge von der Wunde' fern zu halten.
2. Quetschungen sensibler Nerven sind mil erheblichen Schmer­zen verbunden, wie sie jedem aus eigener Empfindung am N. ulnaris bekannt sein dürften, Bei Pferden sehen wir eine gleiche Wirkung durch Streichverletzung besonders an den Hinterfüssen. An motorischen Nerven rufen Contusionen durch Unterbrechung des Leituugsvermögens Lähmung der von ihnen versorgten Muskeln hervor, wofür bei Pferden die Lähmung des N. facialis an seiner Umschlagstelle um den Unter­kiefer ein Beispiel liefert. Dieselbe wird bei Thieren beobachtet, die in Folge von Lahmheit oder aus anderen Gründen längere Zeit fest­liegen. Je nach dem Grade der Quetschung und den mil derselben verbundenen entzündlichen Folgen hält die Lähmung kürzere oder längere Zeit an.
Die Behandlung solcher Zustände erfolgt nach den allgemeinen liegein: zur Anregung der Zertbeilung entzündlicher Processe kann auch hier unter Umständen, z. H. am N. facialis Massage und die Application Resorption befördernder Mittel nützlich werden.
Aelinlielie Wirkungen wie die Quetschnng hat ein anhaltender Druck
auf motorischn Nerven. Entwickelt sieh in der Mühe des Nerven ein Tumor, oder volMelit sich in der Umgebung desselben eine entzündliche Neubildung mit Narbenretraction, so tritt Lähmung der von den betroffenen Aesten innervirten Muskeln ein, /,. B. bei Pleuritis am X. recurrens und an den Kehlkopfmuskeln. Derartige Zustünde sind in der Regel unheilbar, weil sie nicht genau festzustelleo und schwer zu beseitigen sind. Heim Menschen hat man wohl versucht, den vom Narbengewebe oder von einer Geschwulst gedrückten Nerven /u befreien (NT e u roly sis).
If. Zerrungen motorisclier Nerven rufen ebenfalls Lähmung, der sensiblen zunächst Schmerzen, dann oft Anästhesie in den betreffenden Theilen hervor. An letzteren wurden neuerdings bei schmerzhaften Leiden in der Menschenheilkunde absichtlich solche Zerrungen (Nerven­dehnungen) herbeigeführt; bei Thieren greifen wir in solchen Füllen zur Neurektomie (s. diese). Die mit einer Zerrung oder Dehnung motorischer Nerven verbundene Lähmung verläuft ausserordentlich verschieden und richtet sieb in erster Linie nach dem Grade und der
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268nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankholten dor Nei'von.
Ausdehnung der Verletzungen, welche den Nerven hierbei getroffen haben, Das Nähere hierüber vergleiche mau unter „Lähmungenquot;,
I. Nervenentzündung (Neuritis). Entzündliche Processe treten an dfii Nerven sowohl in acuter, wie (^ironischer Form auf und ent­stellen durch Verletzungen und Fortpflanzung entzündlicher Processe aus der Nachbarschaft; meist bleibt jedoch die Ursache derselben unbekannt. Die Neuritis spielt in der Veterinärchirurgie eine unter­geordnete Rolle, da sie entweder überhaupt nicht erkannt, oder nur ans ihren Folgen (heftigen Schmerzen und Reflexkrftmpfen bei Er­krankung sensibler Nerven, Lähmungen bei Entzündung motorischer Fasern) vermuthet werden kann. Die bei der Neuritis auftretenden pathologischen Veränderungen gestalten sich wie in andern Organen: ebenso der Verlauf, Acute Entzündungen sind mit den bekannten Exsudationsvorgängen, chronische mit Hindegewebswucherungei: auf Kosten der nervösen Elemente verbunden. Dass in jedem Falle die Function der Nerven dabei erheblich leiden muss, liegt auf der Hand.
Ueber das Vorkommen multipler Neuritis, welche beim Menschen im Anschluss an verschiedene [ntoxicationskrankheiten beob­achtet wird und mit Knotenbildung im Verlaufe der Nerven verbunden ist, daher als Neuritis nodosa bezeichnet wird, ist bei Thieren wenig bekannt. Lellmann (B. T, W, 97, S. 121) hat neuerdings einen Fall beim Hunde beschrieben, der möglicherweise als N, nodosa ge­deutet werden kann. Lab at fand Polyneuritis beim Pferde muh der Druse mit motorischen Störungen der Beckenrauskeln, Atrophie des N, reenrrens durch Bleiintoxication kommt auch bei Pferden vor. Hamburger will am N, mediauns und cruralis Degenerationen nach Endonietritis und Peritonitis des {{indes, beim Hunde nach Carcinom der Prostata mit purulenter Nephritis, Cystitis sowie nach der Staupe beobachtet haben, Eine praktische Bedeutung haben diese Vorgänge bisher nicht erlangt.
5, Neuralgie. Man bezeichnet als Neuralgie eine Erkrankung sensibler Nerven, deren Haupterscheinung Schmerz bildet (Nerven­schmerz), Es liegt in der Natur der Sache, dass dieses Leiden bei Thieren nicht die Bedeutung besitzt wie beim Menschen, zumal das­selbe bei ersteren ebenfalls nur vermuthel werden kann, weil die sub-jectiveii Symptome desselben hier fehlen. In der Regel bleibt der Schmerz auf bestimmte Nervenäste beschränkt, tritt periodisch auf und kennzeichnet sich vornehmlich dadurch, dass leichte Berührung
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I.äl
Miniiiquot;i']i.
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denselben in hohen] Gbade steigern. während ein kräftiger Druols oft ohne jede Wirkung bleibt. Da bei entzündlicher Erkrankung sensibler Nerven das Umgekehrte der Fall ist, so lassen sich neuralgische Schmerzen auch bei Thiereu zuweilen nachweisen.
Worauf das Leiden beruht, ist auch beute nicht klar: man ver-muthet eine abnorme Empfindlichkeil (Hyperästhesie) der Nerven, welche sowohl nach mechanischen Läsionen, wie aucb nach toxischen Einflüssen (Blei, Quecksilber) beobachtet wird. So erklärt sich die bei Pferden in Folge von Hleiinloxicutioneii auftretende und intermit-tirend verlaufende Kolik (Bleikolik). Auch sollen Circulations-störungen bei constitutionellen Leiden zu Neuralgie Veranlassung geben. Wir hatten wiederholt Gelegenheit, Zustände zu beobachten, welche auf eine Neuralgie im N. occipitalis bei Pferden schhessen Messen. Die Thiere zeigten sich ausserordentlich empfindlich, wenn das Genick be­rührt, oder der Versuch gemacht wurde, die Halfter oder Trense auf­zulegen. Vielleicht müssen auch andere Zustände, wie z. Igt;. der Sattelzwang, zuweilen auf neuralgische Schmerzen zurückgeführt werden. Das Fehlen entzündlicher Erscheinungen und jeder anderen nachweis­baren Ursache der Schmerzen, der intermittirende Verlauf, sowie die lebhaftere Steigerung des Schmerzes bei leiser Berührung lassen die Gegenwart eines derartigen Leidens vennuthen.
Bei der Behandlung von Neuralgien sahen wir wiederholt günstige Wirkungen von scharfen Einreibungen: in der Menschen­heilkunde werden Klektricität und Massage empfohlen. Wo alle diese Mittel im Stiche lassen, dürfte die Durchschneidung der betreifenden Nerven zu versuchen sein, sofern diese ausführbar erscheint.
Die beim Menschen versuchte Hervendehnnng hat hier ebensowenig regelmässigen Erfolg gehabt wie bei Lähmungen. Zu dem Zwecke wird der betreffende Nervenstamm freigelegt und isolirt, mit Zeigefinger und Daumen erfasst und so lange energisch gedehnt, Ids sich eine Verlängerung desselben bemerkbar macht. Dieses von Billroth und v, Nussbaum zuerst empfohlene Verfuhren wurde Jedoch neuerdings mehr und mehr wieder verlassen. Wirksamer ist die N er ven ex t ra c t ion (Thiersch), welche in der Weise ausgeführt wird, dass man den freigelegten Nervenstamm mil einer dazu besonders c.onstruirten Nervenklemme erfasst und ausdreht, wo­durch ein grösseror Theil der Nerven verloren geht, und eine Wiederver­einigung geradezu unmöglich wird.
6, Nervenlähmung. Während die Lähmungen, d. h. die voll­ständige oder unvollständige Unterbrechung der Functionsfälngkeit in Nerven oder Muskeln beim Menschen weniger in das Gebiet der
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Kiiinkliciii']! iIit Nei'vsn.
Chirurgie fallen, bildeu diese bei Thieren eine nicht seilen vorkom­mende Ursache von Lahmheiten; deshalb erscheint eine eingehende Besprechung derselben liier gerechtfertigt.
Die Beschränkung oder Aufhebimg der Function in Nerven oder Muskeln muss sich je nach ihrem Auftreten verschieden gestalten. In den sensiblen Nerven bezeichnen wir diese Zu­
Fig. II).
stände als sensible Lähmung oder Anästhesie,
in motorischen als motorische Lähmung, und als Paralysis, wenn die Function vollständig, als Parese, wenn diese unvollständig unter­brochen ist. Man unterscheidet ferner ueuro-pathische und myopathische Lähmungen, je nachdem die Functiousstörung von den Nerven, oder von den Muskeln, ausgeht. Die letzteren beruhen auf Erkrankungen in der Muskelsubstanz, worüber an anderer Stelle das Nöthige besprochen ist; hier sollen daher nur die ueuropathischen Lähmungen berücksichtigt werden.
Zum Zvistaiidpkoiiinieii einer willkürlichen Con­traction in den dem Willen unterstellten Muskeln gehören drei Pactoren, niinilich; 1. Der Willens­reiz, welcher vom Centralorgan, dem Gehirn ausgeht, 2. die Fortleitung desselhen durch die motorischen Nervenbahnen und 3. die Punctionsfäbigkeit des Muskels, die Thfttigkeit der ausführenden Organe der Bewegung. Der Willensreiz entwickelt sich in der grauen Substanz der Gehirnrinde, besonders im Lo-hulus centralis und paracentralis. Hier ist der Sitz der sog. psychomotorischen Centren, welche nach den üntersnenungen von H. Muuk, Horsley u. A. scharf localisirt sind, so dass nicht nur für ganze Muskel­
gruppen, sondern sogar für jeden einzelnen Muskel
Sohematlsche Darstellung dor motorischen Leitungs.
balmen.
eine gesonderte Centralstation angenommen werden muss, von wo aus die Thiitigkeit der Muskeln ein-
'.• Drsprang. üTErenzung geleitet wird. Versuche mit mechanischer oder elektri-fasemÄ'wnrzSfMlSl '^wv Reizung dieser Theile an narkotisirten Thieren, dor motorischen Rttcken- lgt;ei denen also die Wirkung des Willensreizes auf-marksnerven,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; gehoben ist, haben diese Localisation auf das glän-
zendste bewiesen. Von hier aus beginnt der zweite Factor, niinilich die Nervenleitung, tinter der Gehirnoberfläche sammeln sich die motorischen fasern, dringen von hier in die Tiefe und gehen durch die Hirnschenkel und Varolsbrücke zur Medulla oblongata, um am hinteren (unteren) Ende der letzteren (Pyramidenkreuzung) die motorische Kreuzung zu machen (Fig. 49), d. h. die Pasern der rechten Seite treten auf die linke, die der linken auf die rechte Seite über. Ihre Portsetzungen laufen man im Rückenmark weiter
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Mihimmycn.
I
und zwar in gesohlossenen Bündeln als sog, Pyramiden-Seitenstrang-bahnen derMedulla, welche zwischen den vorderen (unteren, ventralen) und den hinteren (oberen, dorsalen) grauen Hörnern des Bückenmarkes (graue Vorder- und Hintersäulen) zum hinteren Körperende verlaufen
(Fig. TiO). Ans diesen Pyramiden-Seitenstrangbahnen geben die einzelnen motorischen Fasern ab, doch treten sie zunächst mit den motorischen Ganglien der Ventralhörner in Verbindung (Fig. 50), um sodann als ventrale Wurzel-fasern das Bückenmark zu verlassen, durch die Wirbellöcher zu treten, his ia die Muskulatur zu gelangen und hier zu endigen. Der Muskel kann als das Endorgan des motorischen Nerven betrachtet werden.
Ventral
linprsclmitt des liüdionmiulirs isclieniatiscli). /#9632;s Pyramlilen-Seltenstrangbahnen. /' dorsales Horn, i' ventrales Horn.
Verbindung der
motorischen Nervenfasern mit den QangUen des ventralen Horns.
Zwischen dem Ursprünge der motorischen Nerven im Gehirn und dem Muskel liegt also eine lange Leitungsbahn der Nerven, die man sich zweck-massig in zwei Abschnitte zerlegt denkt, nämlich in eine obere Strecke, welche vom Gehirn bis zu der Verbindung der Nerven mit den motorischen Ganglien des Bückenmarkes reicht, und eine untere, die von hier bis in die Muskeln führt. Zum Zustandekommen einer willkürlichen Muskelcon-traction gehört also eine ununterbrochene Portleitung des im Gehirn ent­standenen Willensreizes bis zum Muskel, und wo auch eine Störung ein­treten mag, die Folge derselben bildet in jedem Falle Aufhören der Thlltig-keit in den betreffenden Muskeln, d, h. Lähmung. Die Ausbreitung der Lähmung gestaltet sich natürlicherweise verschieden, je nachdem die Ursache derselben im Gehirn (cerebrale Lähmungen), oder im Bückenmarke (spi­nale Lähmungen), oder in einem Nervenstamm, bezw. Asl (periphere Läh mungen) auftritt.
Dio Ursachen der Lähmungen pflegt man seit langer Zeit in anatomische und functionelle einzutheilea; während die ersteren auf naclnveisbarou Veränderuim'en beruhen, dachte man sieh die let/.-
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Nerveni
tcrcu ohne jede Störung dor anatomischen Einriobtung. Wenn man indess erwägt, (hiss die Function eines jeden Organes von seiner uiui-tomischen Einrichtung abhängig ist, und dass die complioirte Einrich­tung eines Nerven sehr wohl Veränderungen erfahren kann, ohne dass man im Stande ist, diese nachzuweisen, so muss zugegeben werden, dass funotionelle Lähmungen in dem erwähnten Sinne nicht existiren, dass vielmehr allen diesen Störungen der Function auch anatomische oder chemisch-physikalische Veränderungen zu Grunde liegen. Diese können in entzündlichen Processen bestehen, wie solche durch Ver­letzungen, Quetschungen, Dehnungen und Zerrungen veranlagst werden; auch kann ein langsam wirkender Druck, z. 15. durch eine Geschwulst oder llämatoin, oder durch die rotrahirende Kraft von Narbengewebe die Leitung in dem Nerven unterbrechen, d. h. Lähmung erzeugen. Es muss ferner zugegeben werden, dass Circulationsstörungen in Nerven mit Lähmung verbunden sein können. Endlich werden durch die Aufnahme von Giften sowie durch Erkältung Lähmungen veran-lasst (toxische bezw. refrigeratorische oder rheumatische Läh­mungen). Ob auch bei Thieren psychische Eintliisse Lähmungen zur Folge hahen können, bleibt dahin gestellt, doch wurden in der Literatur wiederholt Mittheilungon der Art gemacht.
Welche Ursache aber auch immer bestehen mag, die Art der Störung bleibt stets dieselbe; aus der Lähmung als solcher lässt sich niemals ein Schluss auf die Ursache und den Sitz derselben ziehen, wohl aber gelingt dieses aus der Entwickelung, dem Verlauf und der Ausbreitung der Lähmung. Langsam entstandene Lähmungen lassen die Wirkung einer Geschwulst oder chronischen Entzündung vermuthen; plötzlich aufgetretene deuten auf eine mechanische Läsion hin, Rheu­matische Lähmungen pflegen günstiger zu verlaufen, in kürzerer Zeit zu heilen als Lähmungen, die durch schwere mechanische Läsionen veranlasst sind. Wirkt die Ursache vom Gehirn aus, so wird die Lähmung in der Regel nur an einer Körperseite (Hemiplegie) und zwar an der dem Sitze der Gehirnerkrankung entgegengesetzten Seite auftreten; im Rückenmark liegen die Leitungsbahnen der motori­schen Nerven verliältnissmiissig nahe zusammen, und es werden in Folge dessen meist beide Seiten leiden, die hierdurch erzeugte Lähmung also doppelseitig auftreten. Man spricht von einer Paraplegie und unterscheidet eine P. anterior und posterior, d. h. eine Lähmung der vorderen, oder der hinteren Extremitäten; die letztere ist die bei weitem häutigere und wird deshalb auch kurz als Paraplegie bezeichnet.
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iähmuQ{£onlt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27^
Wirkt die Ursache der Lähmung ersi nach dem Austritt!
lIl.'S
Nerven aus dem B-Üokonmarke ein, so bezeichnet man dieselbe als periphere Lähmung, welche sich natürlich in der Regel auf einzelne Nervenstämme oder Aeste beschränkt (Monoplegie). Bei der oben erwähnten, scharf abgegrenzten Localisation der psychomotorischen Centren im öehiru erscheint es natürlich, dass auch central auftretende Ursachen gelegentlich eine Monoplegie zur Folge haben können.
Hendrickx, Thomassen und Hamburger beschreiben Fälle von multiplen Lähmungen bei Pferden. Hendrickx beobachtete bei einem Pferde gleichzeitig Lähmung des N. facialis und oculomotorius auf derselben Seite, Parese einer Extremität der entgegengesetzten Seite, Parese der Blase und des Rectum mit Störungen in der Schweif-bowegung, Bei der Section landen sich verschiedene Abscesse. und zwar einer im verlängerten Mark, welcher den Facialiskern getroffen hatte, und mehrere in der Gegend der 1. Kreuznerven im Rücken­mark. Thomassen und Hamburger stellten nach einem ähnlichen Zustande capilläre Blutungen in der Medulla oblongata und im Rücken­mark fest. Hemiplegien wurden wiederholt bei Pferden und Hunden beobachtet.
Die Erscheinungen der Lähmung bestehen in Störungen oder vollständiger Aufhebung der willkürlichen Bewegungsfähigkeit; ist diese vollständig aufgehoben, so spricht man von einer Paralyse, bei einer Herabsetzung derselben dagegen von Parese. Die betreffenden Mus­keln /eigen sich unfähig auf den Willensreiz eine Contraction auszu­führen; im übrigen können sie sich verschieden verhalten. In der Kegel erscheint der gelähmte Muskel schlaff, setzt passiven Bewegungen kein llinderniss entgegen, verharrt also andauernd im Zustande der Ruhe (schlaffe Lähmungen). Seltener linden sich die gelähmten Muskeln im Zustande andauernde]- Contraction, in welchen sie durch Reflex­reize gesetzt wurden (spastische Lähmung); die Reizung sensibler Bahnen springt hierbei auf die motorischen über, und /war findet dieses im Rückenmark oder Gehirn statt.
Dexler und ich (Möller) beobachteten solche bei Hunden, Her von mir behandelte Pali betraf einen 2 Jahre alten Windhund, welcher am Tage vorher hoiin Herumspringen plötzlich zusammengebrochen und unfähig war sich zu erhohen. Die Psyche des gul genährten Thieres erschien frei, (je-hör- und Sehvermögen nicht gestört; an den Augen keine Veränderungen, Pupillen normal. Patient lag dauernd auf der linken Seite, und sobald er auf die rechte gelegt wurde, zeigte er sich unruhig und suchte die früherlaquo;.' Lage wieder einzunehmen. Beim Versuche, ihn auf die Pässe zu stellen, Müller u. Frlak, AUgemelnG Chirurgie Kit Thlerärzte. i, Ami.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;18
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271nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankhöiten dor Nerven,
zeigte sii-li die linke Seite vollständig gelähmt, wobei die Muskeln dieser Seite sieh in dauernder Contraction befanden, und die Gliedmassen in ex­tremer Streekstellung gehalten wurden, was am auffälligsten an den Vorder-fassen hervortrat. Die ReÜexerregbarkeit war erhöht; leichtes Klopfen der
Sehnen und Knochen rief lebhafte Contractionen in den betreffenden Muskel-grnppen hervor. Die äussere Haut reagirte auf Nadelstiche am Rumpfe nur schwach, an den Gliedmassen gar nicht. Fieber fehlte; Respiration and
Herzthatigkeit Hessen keine Störungen erkennen.
Nach 8 Tagen war bereits eine erbebliche Besserung eingetreten, worauf vollständige Heilung erfolgte.
Durch künstliche Reizung der sensiblen Nerven prüft man /,. 15. die Eleflexerregbarkeit in gelähmten Theilen und unterscheidet: Hunt-, Muskel-, Seimen-, Periost-, ('remaster- u, s.w. Reflexe; nach der Art des Reizes: Kitzel-, Stich-, Klopf- und Streichreflexe. Man schlägt /.. B. mit dem Stiele eines Percussionshammers gogen die Achillessehne oder die innert1 Fläche des Unterschenkels, oder man kitzelt die Fussballen und beobachtet, ob dadurch Contractionen aus­gelöst werden. Die gelähmten Muskeln verhalten sieh nämlich in diesem Punkte sehr verschieden; bald fehlt jede Spur von Reflex­erregbarkeit, bald besteht normale Reflexerregbarkeit, bald verharren die Muskeln in Folge abnorm gesteigerter Ueflexerreg'barkeil oder an­dauernder Einwirkung von Reflexreizen im Zustande permanenter Con­traction; in den ersten beiden Fällen besteht eine schlaffe, in dem letzten eine spastische Lähmung.
Die Steigerung der Reflexerregbarkeit giebt sich durch abnorm leb­hafte Reflexcontractionen ZU erkennen, oder sie zeigt sich durch eine un­gewöhnliche Ausbreitung derselben. Veranlasst wird dieselbe entweder durch Steigerung der Erregbarkeit in den sensiblen Nerven (Hyperästhesie), oder durch gewisse Rückenmarksleiden, Naeli den Ergebnissen bei Thieren angestellter Versuche ist man nämlich zu der Annahme gelangt, dass im Lendenmark reflexhemmende Fasern verlaufen, welche mit den motori­schen Nerven der Hinterstränge in Verbindung stehen (Refloxbogen), Da nun aber in den Ganglien dos Rückenmarkes, mit welchen die motori­schen Pasern vor ihrem Austritt aus demselben in Verbindung treten, die (Jebertragung des Reflexreizes von den .sensiblen auf die motorischen Halmen erfolgt, so erklärt sich, dass die Reflexerregbarkeit erhalten bleiben muss, sobald die Ursache der Lähmung den motorischen Nerv auf der ersten Strecke seiner Leitungsbahn getroffen hat, d, h. wenn die Störung entweder im Gehirn selbst, oder bis zum Eintritt der Fasern in die graue Substanz der Vorder- (Unter-) Hörner besteht. Nur dann bleibt die Möglichkeit der liebertragung sensibler Reize auf die motorischen Hahnen erhalten. Liegt die Ursache der Lähmung zwischen dem Lendenmark und dem Austritt der motorischen Fasern aus den Vorderhörnern, so ist der Eintluss der reflex-liemmenden Fasern unterbrochen, und die Reflexerregbarkeit zeigt sich er­höht, in Folge dessen die gelähmten Muskeln im Zustande retloctorisclier Kiämple verharren können, Auch bei oerebralen Lähmungen wird die
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laninnufifsih
Reflexei'regbarkeit zuweilen erhöht angetroffen. Vernichtet muss dagegen die ßeflexerregbarkeit werden, sobald die Lttbniung peripher auftritt, d. b. wenn die Drsache derselben den motorischen Nerv im Rückenmarke oder nach seinem Austritt aus demselben getroffen bat. Ks liegt auf der Hand, dass dieses versehiedene Verhalten zur l'riieisiruni,' der |)iaL,mose ausser-ordentliob wichtig ist.
In den gelähmten Muskeln tritt in der Regel nach einiger Zeil Atrophie ein, und zwar bald nur langsam und in geringem Grade, bald aber schnell und bedeutend: .sie kann indess auch ganz fehlen. Letzteres ist der Fall, wenn die ['nteidireelmug der Leitung vor dem Eintritt der motorischen Fasern in die grauen Vorder-(Unter-) Hörner des Rückenmarkes stattgefunden hat; ist diese dagegen in den Gang­lien selbst oder nach dem Austritt der Fasern ans denselben erfolgt, so tritt schnell hochgradige Atrophie in den gelähmten Muskeln ein. Diese Erscheinung erklärt sieb aus dem trophischen Einfluss der moto­rischen Ganglien des Rückenmarkes auf die Nerven und Muskeln; sie bilden gleichsam ein trophisches Centrum für diese. Sobald also die Ursache der Lähmung die motorischen Fasern vor ihrem Zusammen­tritt mit diesen trophischen Ganglien getroffen hat, wird die Ernährung in den gelähmten Muskeln nur insofern gestört, als sie nicht regel-mässig arbeiten. Dieser als Inactivitiitsatrophie bezeichnete Zu­stand besteht in Abnahme des Volumens der einzelnen Muskelfibrülen (und somit auch des ganzen Muskels), ohne dass die anatomische Ein­richtung derselben verändert wird. Sobald aber jene Ganglien mit­erkranken, oder die Leitung peripher von denselben unterbrochen ist, verfallen Muskel und Nerv einer schnellen, mit Degeneration, d. b. mit Abänderung ihrer inneren Einrichtung verbundenen Atrophie (de­generative Atrophie). Hierbei zerfällt in dem gelähmten Nerven zunächst die Markscheide, dann auch der Axencylinder, so dass nur die Schwann'sche Scheide übrig bleibt, welche mit einem homogenen, flüssigen Inhalte angefüllt erscheint. Indem nun in dieser sowie im interstitiellen Bindegewebe Wucherung eintritt, bleibt schliesslich an Stelle des Nerven ein einfacher Bimlegewebsstrang übrig. In den Muskeln geht die Querstreifung verloren, die Pibrillen verfallen der fettigen Degeneration unter Vermehrung der Kerne im Sarkolemin, so dass der Muskel endlich in eme aus Bindegewehe und Fett bestehende Masse verwandelt wird.
Fs liegt auf der Hand, dass durch die degenerative Atrophie ein Zustand geschaffen wird, der nicht mehr reparabel ist, und wenn nach vollständiger Ausbildung desselben der gelähmte Nerv seine Func­tion wieder erlanffen sollte, so kann die Thätiffkeit iu dem so degene-
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JQ
Krankheiten dor Nerven.
rirten Muskel doch niemals wieder lier^i'stelll weiden. In dem Nach­weise dieser degenerativen Atrophie be/.w. der Bedingungen zur Entstehung derselben liegt daher für die Beurtheilung der Läh­mungen ein besonderer Werth, Gekennzeichnet wird der Zu­stand l, dureb die rapide Abnahme im Umfange der gelähm­ten IM us kein: 2. durch das Verhalten derselben gegen elek­trische Reizungen. Während der erste Punkt sich aus dem oben Besprochenen erklärt, sei bezüglich des letzteren noch Folgendes bemerkt.
Bei perip bereu Lähmungen, bei denen also die trophisclien öanglien des Rückenmarkes ihren Einfluss auf den gelähmten Nerv eingebüsst haben, zeigt sowohl der gelähmte Nerv, wie auch der von ihm versorgte Muskel frühzeitig Störungen seiner elektrischen Erregbar­keit. Im Nerven geht die galvanische und faradisclie Reizbarkeit in etwa 14 Tagen allmählich verloren; im Muskel schwindet die Reactions-l'ähigkeit auf den faradischen Strom ebenfalls bald, während die gal­vanische Muskelerregbarkeit zunächst gesteigert erseheint. Die mit dem galvanischen Strom erzeugten ('ontractionen des Muskids werden jedoch immer langsamer und träger, besonders bei Anodenschliessung, und im Verlaufe von 4—8 Wochen verschwindet auch die galvanische Erregbarkeit im Muskel. Diese Erscheinung, welche also allen Läh­mungen fehlt, deren Ursache vor dem Zusammentritte der motorischen Fasern mit den Ganglien des Rückenmarkes liegt, wird ids „Ent-artungsreactionquot; bezeichnet, weil sie andeutet, dass im Muskel und Nerv degenerative Atrophie eingetreten ist, be/.w. eintreten wird.
Aus dem Gesagben ergeben sich wichtige Anhaltspunkte für die genauere Diagnose der Lähmung, d. h. für die Ermittelung des Sitzes ihrer Ursache. Sprichl die Aufhebung der Function ohne nachweis­bare anatomische Veränderung im Muslud für eine Lähmung, so gilt, für den Sitz ihrer Ursache folgendes:
1.nbsp; nbsp;Centrale (cerebrale) Lähmungen treten meist halbseitig (llemiplegion) und in gWisserer Verbreitung auf: die Reflexerreg-barkeit ist bei ihnen erhalten, zuweilen sogar erhöht, während Erschei­nungen der degenerativen Atrophie fehlen.
2.nbsp; nbsp;Spinale (Rückenmarks-) Lähmungen erscheinen doppel­seitig (Paraplegio); Reflexerregbarkeit bald normal oder erhöht, bald vernichtet. Atrophie kann fehlen, tritt in anderen Fällen aber hoch­gradig hervor; daher wird bei spinalen Lähmungen die Entartungs-reaction bald beobachtet, bald vermisst; das alles hängt von dem Sitze der Veränderungen im Kückenmarke ab.
:i. Poriphere Lähmungen (Monoplegion) beschränken sich
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.i h iiiiniquot;i'ii.
in der lit'H'i'l auf einen bestimmten Nervenstaimn und auf bestimmte Muskelgruppen, deren Reflexerregbarkeit vollständig aufgehoben wird; es stellt sicli bald Entartungsreaction und nach einiger Zeil boch-gradige (degenerative) Atrophie in den gelähmten Muskeln ein.
Unter Beachtung dieser Punkte gelingt es in den meisten Füllen, den Sitz der die Lähmung veranlassenden Erkrankung genauer zu be­stimmen, eine Frage, die klinisch sowohl für die Beurtheilung, wie auch Behandlung oft von höchster Bedeutung ist.
Die Prognose hängt in erster Linie von den anatomischen Ver­änderungen ab. welche der Lähmung zu Grunde liegen. Lassen sieh diese auch meist nicht direct nachweisen, so ergeben sich doch aus dem Auftreten und dem Verlauf der Lähmung in der Regel werth-volle Anhaltspunkte für die Beantwortung dieser Frage. Wie bereits erwähnt, spricht plötzliches Auftreten für mechanische Läsionen (Quetschung, Durchtrennung), während langsame Entwickelung auf Druckwirkung einer üescliwulst., oder auf Compression des Nerven durch schrumpfendes Narbengewebe hinweist. Da sich bei den ein­zelnen Nerven diese Ursachen mit geringerer oder grösserer Regel-mässigkeit wiederholen, so erklärt sich der verschiedene Verlauf der­selben. Die 40—50 Fälle von Radialislähmung, welche wir bei Pferden zu beobachten Gelegenheit hatten, gingen sämmtlich in Heilung über, während die Mehrzahl der Suprascapularislähmungen sich unheilbar erwies. Sollte diese Beobachtung nicht den Schluss rechtfertigen, dass der erstere Nerv in der Regel von leichteren, der letztere von schwereren Läsionen betroffen wird? Lähmungen des X. cruralis, welche bei sonst gesunden Pferden durch Niederstürzen u. s. w. plötz­lich auftreten, pflegen in kurzer Zeit wieder zu verschwinden: solche muh der Uämoglobinämie zeigen sich meist unheilbar, weil sie aus schweren Erkrankungen des Muse, iliopsoas hervorgehen, durch welchen der N, cruralis auf seinem Verlauf hindurchzieht. Aus demselben Unistande erklärt, sich das langsame Auftreten und die relative Un-heilbarkeit der Recurrenslähmungen; dieser Nerv wird in der Kegel von dem in seiner Umgebung entstandenen Narbengewebe unter der Pleura gleichsam strangulirt. Wie aber überall, so giebt es auch hier Ausnahmen, und es kann nur als eine Verkennung dieser Thatsachen bezeichnet werden, wenn man die Möglichkeit eines anderen Verlaufs der Lähmungen dieses Nerven leugnen will.
Im übrigen kommen für die Prognose folgende Punkte in Betracht:
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Krankheiten der Nerven.
1.nbsp; nbsp;Günstig gestaltet sieh im allgemeinen der Verlauf rheu-mutiseher Lähmungen. Es liegt auf der lland. dass hierbei in der Regel nicht so schwere anatomische Läsionen im Nerven bestehen! wie bei vielen traumatischen Lähmungen; die durch Erkältung ent­standenen heilen deshalb regelmiissig in I—ü Wochen, oft in noch kürzerer Zeit.
2.nbsp; nbsp;Leichte traumatische Einflüsse, /. B. eine massige Dehnung. Zerrung oder Quetschung können Lähmungen zur Folge haben, die nur wenige Tage andauern, wie man es am N. cruralis bei Pferden häufig beobachtet. Schwere Lüsionen an peripheren Nerven rufen oft unheilbare oder doch jahrelang andauernde .Lähmungen hervor. Bei Pferden sahen wir Kadialislähnuingen erst nach 9 Monaten ver­schwinden.
3.nbsp; nbsp;Ungünstig wird die Prognose, wo sich die Elntartungsreaction zeigt, oder in kurzer Zeit hochgradige Atrophie einstellt.
I. Die Erhaltung der faradischen Erregbarkeit länger als 14 Tage nach Entstehung der Lähmung muss als günstig angesehen werden; das Auftreten von faradomuskulärer Hyperästhesie gilt sogar als sicheres Zeichen der in Aussicht stehenden baldigen Heilung.
5.nbsp; nbsp;Günstig müssen die plötzlich entstandenen, unvollkommenen Lähmungen beurtheilt werden: Paresen des N. radialis heilen regel­miissig in II Tagen. Als ungünstiges Zeichen gilt dagegen ein deut­liches üebergewicht der Antngonisten.
6,nbsp; Je älter eine Lähmung, und je grosser die Atrophie in den betreffenden Muskeln, um so ungünstiger gestaltet sich die Aussicht auf Genesung.
Eine von Hajnal beim Pferde beobachtete incomplete Hemi-plegie verschwand in '#9632;'gt; Monaten: halbseitige Lähmung eines Hundes heilte in 3—4 Wochen.
Bei der Behandlung einer Lähmung kommt sowohl der Nerv, wie auch der gelähmte Muskel in Betracht, Nur selten gelingt es auf die Beseitigung der an dem betreffenden Nerven bestehenden ana­tomischen Veränderungen einen wirksamen Einfluss auszuüben; wo das möglich ist, muss es natürlich geschehen. So lässt sich z, B. bei peripherer Facialislähmung, die durch Quetscliung des Nerven an seiner Umschlagstelle um den Unterkiefer entstanden ist, durch Anwendung zertheilender Mittel mit Unterstützung von Massage nützlich eingreifen. Die meisten Nerven sind aller einer solchen Therapie nicht zugäng­lich, so dass man auf die Behandlung der gelähmten Muskeln an-
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Lillimiiiigeii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 279
gewiesen ist. Dabei handelt es sich vornelimlioh um AutVechthaltuiig der Ernährung in denselben und Beschränkung der sich eventuell ein­stellenden Atrophie. Uta die Inactivitätsatrophie zurückzuhalten, lässt man. so lange die elektrisehe lin-egliarkeit noch nielit i'rloschen ist, den faradischen oder galvanischen Strom anwenden; aber auch das Eintreten der degenerativen Atrophie kann durch öftere, elektrische Reizung inhibirt werden, sofern die Muskeln noch darauf reagiren. Leider setzen Pferde in der Regel der Anwendung des elektrischen Stromes Schwierigkeiten entgegen, indem diese Thiere elektrischen Reizen gegenüber eine ausserordentliehe Empfindlichkeit äussern, bei der Anwendung desselben sehr unruhig und widerspenstig werden. Wir sind daher hier meist auf Mittel angewiesen, welche die Circu­lation und Ernährungsvorgänge in den gelähmten Muskeln fördern; dahin gehört in erster Linie die Massage, in Form des Knetens, Klopfens oder Streichens, Von den örtlichen Verhältnissen hängt es vurnehmlich ab, welche Methode der Massage man wählt; wo es be­quem durchführbar ist, ziehen wir das Klopfen (Tapoteraent) mit den Händen oder ein Paar hölzernen Hämmern vor (S. 49). Welchen Einfluss die Massage auf die Blutcirculation und somit auch auf die Ernährung der Muskeln ausübt, zeigten die Versuche vonMaggiora. Danach wurde durch Massage die Arbeitsfähigkeit der Muskeln nur dann gesteigert, wenn die blutzuführende Arterie frei war: com-primirte man dieselbe, so blieb diese Wirkung der Massage aus.
In derselben Weise wirkt unseres Erachtens auch eine kräftige Douche, welche schon von Gerlach u. A. gegen Lähmungen empfohlen wurde; vielleicht vermag die Kältewirkung auf die Resorptionsvor­gänge unter Umständen einen vortheilhaften Einfluss auszuüben.
Zu den vielfach gegen Lähmungen angewendeten Arzneistoffen gehören Strychnin und Veratrin. Vom ersteren weiss man, dass es die Reflexerregbarkeit im ßUckenmark steigert und so durch Anregung von Reflexbewegungen die Ernährungsvorgänge in den gelähmten Mus­keln fördert. Veratrin steigert und verlängert die Zuckungscurven der quergestreiften Muskeln; ermüdete Muskeln werden durch Einwirkung desselben wieder arbeitsfähig. Dass beide Mittel indess mit Vorsieht angewendet werden müssen, ist bekannt; während Strychnin leicht zu Vergiftungen führt, bewirken übermässige Dosen von Veratrin gerade das Gegentheil, indem sie Lähmung der Muskulatur herbeiführen. Beide Mittel linden in subeutaner Application die beste Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Wirkung.
Die beim Menschen ü'egen Lähmungen wohl angewendete Nerven-
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KnmUheiteii dor Nerven.
dehnung kommt bier schon deshalb niobt in Betracht, weil es schwer tTdlt, die betreffenden Stämme bei den grösseren Tbieren frei zu legent Die als Kriimpfi' bezeichneten Motilitfttsstörungen besitzen in therapeutischer Hinsicht kein veterinftr-chirurgisches Interesse.
7. Der Nervenschnitt (Neurotomie und Neurektomie). Die Durchschneidung von Nerven bezweckt Beseitigung von schmerz­haften Zuständen, die sich in anderer Weise überhaupt nicht oder doch erst nach längerer Zeit heilen lassen. Bei Thieren handelt es sich ausschliesslicb um Lahmheiten, welche durch die Neurotomie beseitigt werden sollen, wenn der sie veranlassende Krankheitszustand seihst schwer oder gar nicht heilbar ist. Die articuläre Form der Schah', die Fussrollenentzündung, chronische Entzündung des Fessel-gelenkes und der Beugesehnen, gewisse Hufleiden (Zwanghuf, Ver-Icnöcherung der Hufbeinknorpel, Hornsäule) gehen zur Ausführung dieser Operation nicht selten Anhiss. Beim Menschen bezweckt die Xeurotoniie vornehmlich Beseitigung heftiger neuralgischer Schmerzen, die bei Thieren nur selten beobachtet werden und noch seltener so genau nachzuweisen sind, dass man zu der Operation schreiten könnte lS. 268), Soll mit dem Nervensclmitt eine Lahmheit beseitigt werden, so muss man sich zunächst über zwei Fragen Klarheit zu verschaffen suchen, nämlich:
1.nbsp; nbsp;dass die schmerzhaft, erkrankten Theile ausschliesslicb von dem zu durchschneidenden Nerven ihre sensiblen Pasern empfangen, und
2.nbsp; nbsp;dass die Lahmheit nur durch die bestehenden Schmerzen, nicht aber durch anderweitige Zustände, z. B. Verwachsungen des Ge­lenkes, Verkürzung von Seimen oder Bändern bedingt wird.
Wo diese beiden Bedingungen zutreffen, wird die Lahmheit durch den Nervensclmitt geheilt.
Nerven, die einfach (|Uer durchschnitten werden (N en ro to m i e), vereinigen sich in der Kegel nach einiger Zeit wieder (S. 26ii), so dass damit die Wirkung derOperation keine dauernde ist. Wir schneiden daher in der Regel ein Stück aus dem Nerven heraus (Neurektomie), um eine länger anhaltende Wirkung zu erzielen. Aber auch die Neurek­tomie, wobei I — - ein des betreffenden Nervenastes resecirt werden, übt in der Regel einen dauernden Einflnss nicht aus. Meist stellt sich nach i -'-! Jahren von neuem EmpHndlichkeit in dein betreffenden Theile ein. und damit auch die Lahmheit. Das Regenerationsvermögen sensibler Nerven zeigt sich so ausserordentlich günstig, dass trotz der Resection eine Wiedervereinigung stattfindet, wie schon Hausmann
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Xcrvensclmitt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2S |
bei Pferden feststellen konnte. Nichtsdestoweniger empfiehlt sich die Operation in vielen Fällun. in denen schon die Herstellung der Arbeits­fähigkeit für obige Zeit genügt; event, kann die Operation nach dieser Zeit an derselben oder an einer höher gelegenen Steile wiederholt werden. Die bei Menschen gegen Neuralgien neuerdings ausgeführte Nerven­dehnung hat nur eine vorübergehende Wirkung und ist bei Tbieren nur selten (B erto, Botalli und Rabb aglielli) mit Erfolg an­gewendet worden,
Da es sich um die Beseitigung von Schmerzen handelt, so kommen nur sensible Nerven in Betracht, welche an den Gliedmassen in der Regel isolirt verlaufen, d. h. keine motorischen Fasern führen, so dass die Bewegung durch den Nervenschnitt nicht gestört wird. Im übrigen gehen die Bewegungsimpulse an den Gliedmassen nament­lich beim Pferde fast ausschliesslich von den an den oberen Ab­schnitten derselben gelegenen Muskeln ans, deren Nerven von der Operation nicht getroffen werden, Wohl aber werden mil den sen­siblen Nerven in der Hegel tropliisclie be/.w. vasomotorische Fasern dnrehtrennt, und in Folge dessen treten zuweilen auffällige Ernährungs­störungen an der betreffenden Gliedmasso auf. Bald stellt sieh eine Unterbrechung der Horn production mit Ablösung der Hutkapsel ein; bald entwickelt sich in der Haut und Unterhaut ein hyperplastischer Vorgang, welcher mit erheblicher Verdickung des Fusses, namentlich an der Fessel, verbunden ist. Ebenso wird oft ein abnorm schnelles Wachsthum des Hufes beobachtet, so dass derselbe häufiger besehlagen werden nniss als der correspondirende Huf. ßäthselhafi bleibt es. weshalb diese Folgen ganz unbestimmt, im ganzen aber nur selten auftreten, und weshalb die Verdickung in der Haut und Unterhaut sich später wieder zurückbilden kann. Auch das Ansschuhen stellt einen seltenen und bezüglich seiner nächsten Ursache unaufgeklärten Ausgang der Neurotomie dar. Zur Vermeidung dieses recht unan­genehmen Ereignisses wurde empfohlen, die Nerven eines Fusses nicht zugleich, sondern in Zwischenzeit von II Tagen zu durchschneiden (Hendricks); wir haben davon keinen Gebrauch gemachi und trotzdem nicht •woniger günstige Erfolge erzielt als andere. Auch wurde die Neurektomie am N. medianus vielfach von uns vorgenommen, ohne schlechtere Erfahrungen bezüglich des Ausschuhens gemacht zu haben als mit der Neurektomie an den Plantarnerven. Von anderen wurde betont, dass die Thiere in den ersten vier Wochen nach der Neurek­tomie mit Arbeit vorschont werden müssen (Nocard), um das Aus-sebuhen zu verhüten. Dass aber auch hierin nicht der Schwerpunkt
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Krankheiten der Nerven.
der Frage lit^'t. geht schon daraus hervor, doss sicli d;is Ausschuhen in der liege] schon in den nächsten Tagen nach der Operation ein­stellt. Wenn diese Complication erst später eintritt, bildet sie regel-mässig eine Folge nichl beachteter Verletzungen an der Euflederhaut. Damit soll indess nicht behauptet werden, dass diese Massnahme unnütz sei; es liissi sich im Gegentheil sehr wohl denken, dass die durch die Neurotomie herheigeführten trophischen Störungen mit der Zeil ausgeglichen werden, und so diese Gefahr sich allmählich verliert. Ernährungsstörungen in Folge der Neurotomie bilden ferner auch die Ursache der zuweilen hiernach auftretenden Fracturen an den Zehen­knochen, namentlich am Bufbein; diese veranlassen wahrscheinlich auch die seltener beobachteten Zerreissungen der Beugesehnen. Man hat diese Ereignisse lediglich dem schonungslosen Auftreten mit der neurektomirten Gliedmasse zugeschrieben, unseres Erachtens jedoch nicht mit vollem Recht. Das Auftreten mit dem operirten Fusse fällt wühl etwas stärker aus als vor der Neurotomie, dagegen liegt die An-nahme nahe, dass die Ernährung der Knochen und Sehnen durch die Operation leidet, so dass hierdurch die Fracturen eigentlich bedingt werden, welche iudess im tfanzen selten sind. Die nach der seffen [•'ussrollenentzüiidung unternommenen Neurotomie öfter beobachtete Zerreissung des Hufbeinbeugers auf dem Strahlbein musa in erster Linie auf die Veränderungen (Zerfaserungen) der Sehne selbst zurück­geführt werden, die sich im Verlaufe dieser Krankheit einstellen.
Ein weiterer üebelstand, der mit der Neurotomie verbunden ist, besteht darin, dass die Thiere Verletzungen an dem betreffenden Fusse nicht fühlen: Nageltritte, Vernagelungen u. s. w. werden daher nicht rechtzeitig erkannt, und geben in Folge dessen zu schweren entzünd­lichen Erkrankungen und seihst Ausschuhen Veranlassung. Daraus ergiebt sich. dass man bei Pferden mit mangelhaft eingerichteten Hufen diese Operation soweit möglich vermeiden sollte.
Vom theoretischen Standpunkte wird wohl behauptet, dass die Sicherheit des Ganges der Thiere durch den Fortfall des Empfindungs­vermögens in dem operirten Fusse leide, die Erfahrung lehrt indess, dass diese Störung keineswegs in dem Masse zu befürchten ist, wie früher viellach angenommen wurde. Wir selbst haben den Nerven­schnitt nicht nur bei Wagen- sondern auch bei Reitpferden häufig ausgeführt, ohne einen derartigen Nachtheil beobachten zu können; auch llugues. Hardy, Schwendimann u. A. theilen diese Auf­fassung. Selbstverständlich kommt es hierbei wesentlich auf die Stel­lung der Gliedmasse und in erster Linie auf die Lage der Vorderfuss-
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Nürveiisclinil t.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'JSlJ
würze] mul des Fesselgelenkes an. Durch vorbiegige Stellung und steile Fessel wird der öang der Pferde auch ohne Neurotomie un­
B
iober, iiiudi dieser Operation aber noeh mehr; daher 1lt;iuiii die Operation
für Reitpferde mit solchem Bau nicht empfohlen werden. Unrichtig aber ist die Behauptung Very's, dass die Thiere nach der Neurotomie nicht mehr traben; wir haben auch bei Trabern, welche auf der Rennbahn Verwendung linden, die Operation vorgenommen und beob­achtet, dass sie nachher ebenso leistungsfähig waren wie vor der Operation, be/.w. vor der Krankheit, welche zu derselben Anlass gab.
Die Xeurotoniie be/w. Xenrektoinie kommt nur für Pferde in Betracht und kann an verschiedenen Nerven der GHiedmassen vor­genommen werden.
An den Vordergliedmassen wurde diese Operation ursprüng­lich nur gegen Zwanghuf und Fussrollenentzündung und zwar ent­weder am Schienbeinnerven 5—6 cm über dem Fesselgelenke vor­genommen, da wo der Nerv dicht vor der Hufbeinbeugesebue liegt, oder 2—3 cm unterhalb des Fesselgelenkes, woselbst man in der Kegel gegen Fussrollenentzündung nur den hinteren x^sl durchschnitt. An der zuletzt genannten Stelle zeigt sich die Operation unbequemer und schwieriger, weil der Nerv hier bedeutend kleiner ist. Auch bietet die Methode nicht die Sicherheit des Erfolges wie die Operation über dem Fesselgelenke; daher hat sieh in Deutschland die letztere; Methode am meisten eingebürgert. Auch in Frankreich tritt man neuerdings mehr und mehr für diese ein (N ocard, M ollereau u. A.i. Wir führen diese Methode etwas tiefer als bisher empfohlen, und zwar dicht über dem Fesselgelenke aus, wo man sich durch Palpation über die Lage des Nerven leicht orientiren kann. Lässt man nämlich den Zeige­finger dicht oberhalb des Fesselgelenks quer über die Sesambeine gleiten, so fühlt man einen beweglichen Strang, der aus der Seiten­arterie und Vene der Zehe und dem Nerven besteht. Am meisten nach vorn liegt die Vene, dann folgt die Arterie und die hintere Grenze dieses Stranges bildet der Nerv.
Mau operirt in der Regel am gefesselten und ausgebundenen Fusse; wir benutzen gegenwärtig die Latte zum Ausbinden, Gärtner empfiehlt Schleich'sche Infiltrations-Anästhesie. Der aus dem Fessel befreite und mit dem Esm arch'schen Constrietionsschlauche versehene Fuss wird auf ein 3 m langes. 10 cm breites Brett gebunden, dessen Ränder gut abgerundet sind und das von einigen Oehülfen festgehalten wird. Da man in der Regel beide Aeste bald nach einander durch­schneidet, so beginnt die Operation an der medialen Seite, weil als-
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Krankheiten der Nerveui
dann die Wuude während der Durohsohneidung des lateralen Astes nicht so leicht verunreinigt wird, als wenn man in der entgegengesetzten Weise vorgeht. Bei Beachtung antiseptisoher Massnahmeu erfolgt die Heilung per px'im, int, Nachdem die Ilaare an der Operationsstelle abrasirt sind, und die Haut sorgfältig desinfioirt ist, legt man den 3—I cm hingen Hautsohnitt unmittelbar auf dem Nerven, Pig, 51, also am hinteren Runde des hier fühlbaren Stranges an, über dessen Lage man sieb vorbei- noeb einmal genau durch Pal­pation informirt. Bei Beachtung dieser Vorschrift trifft man regelmässig den Nerv sofort, der an seiner hellen Farbe und dein faserigen Hau leicht zu erkennen ist. Der tfautschnitt muss schnell erfolgen, und das Messer sofort zurückgezogen werden, damit durch die alsbald erfolgende Bewegung des Fusses der Schnitt nicht zu gross wird; auch hüte man sich zu tief zu schneiden, um eine Verletzung der Sehnenscheide zu vermeiden. Nachdem mit einem sterilen Tupfer das aus den Hanlgefässen stammende Blut entfernt ist, legt man durch ein paar Präparirscbnittc den Nerven frei; kollten sieb reichlichere Mengen Bindegewebe vorfinden, st) nimmt man dieses mit Hülfe von Pincette und Messer oder Schere fort. Sodann wird die Dechamp'sche Nadel (Fig. 51) mit einem Ligaturfaden versehen, quer unter den Nerven hindurch­geschoben, und der Faden um den Nerv geknotet. Durch lebhafte Bewegungen des Thieres beim Knoten giebt sieh aungsnadei zu erkennen, dass man den Nerv geiasst hat. JNunmehr Deohamp. gelingt es mit Hülfe der Ligatur und des Messers oder besser noch mit der Schere den Nerv auf eine Strecke von I bis #9632;J cm frei zu legen, um einen Scherenschenkel unter denselben schieben zu können. Mit einem kurzen Schlage durchtrennt man den Nerv zuerst im oberen Wundwinkel; die zweite Durchschneidung im unteren Wundwinkel wird alsdann nicht mehr empfunden. Nunmehr lässt man die geringe Menge Blut abtupfen, und wenn eine Verun­reinigung der Wunde zu befürchten ist, spült, man dieselbe mit Sublimat­wasser aus und legt sodann 3—4 KnopfnHhte aus Catgut oder Seide an. Das Pferd wird sodann über den Bücken gewälzt, und der äussere Nervenast in derselben Weise durchschnitten, Nachdem auch diese Operationswunde geheftet ist, legt man einen Occlusivverband mit sterilisirtem Material an. Der Fuss wird hierauf losgebunden, der Constrictionsschlauch entfernt, und die Fesselung gelöst, damit das Thier aufstellen kann.
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Nerveusohnitt.
28r.
Am stehenden I'i'enle liisst mini den \'erliiind mit Suldimahvus.ser Einfeucbten und liiilt, denselben in don niudisten drei Tagen in gleicher Weise angefeuchtet. Zu einer stärkeren Blutung kommt es nui' selten; sollte sieh indess am nächsten Tage der Verband von Blul durch­tränkt /eigen, so nuiss derselbe gewechselt werden. In der Regel ist in 5-—8 Tagen die Eeilung soweit erfolgt, dass der Verband entfernt werden kann. Sollte Eiterung eingetreten sein , oder in den ersten Tagen nach der Operation sieh Fieber einstellen, so löse man nicht nur den Verband, sondern auch die Hefte der Wunde; letztere zeigt sieh alsdann regelmässig angeschwollen.
Das früher ühliche Spülen der Wunde mit dem einen oder anderen Desinfeotionsmittel suche mau soweit möglieb zu vermeiden, weil die Gewebe darunter leiden, und die Heilung nicht so leicht erfolgt, als ohne Einwirkung dieser Mittel, Darin eben besteht zum Theil der Unterschied zwischen Anti­sepsis und Asepsis.
M'Killip lässt, um die Erlangung eines aseptischen Wundverlaufs zu sichern, •! Tage vor der Operation Oantharidensalbe an der Operations-stelle applioiren und nach 24 Stunden wieder entfernen. Die nunmehr von Haaren entblösste Stelle wird sorgfältig desinficirt, und die Operation wie oben beschrieben vollzogen, worauf ebne Naht ein Verband angelegt wird. Auf diese Weise will M'Killip stets Asepsis erzielen und den Patienten in 5—(gt; Tagen wieder arbeitsfähig gefunden haben.
Cadeac empfiehlt die Neurektomie besonders bei der sog. Hufgelenk­lahmheit und Schale und hält die Folgen der Operation für weniger bedenk­lich als bisher angenommen wurde; insbesondere glaubt Cadeac nicht, dass die Sicherheit des Ganges dadurch leide. Er hat mehrfach die Operation an beiden Vorderfüssen vorgenommen, ohne solchen Nachtheil zu beobachten. Desonderen Worth legt OacUac auf aseptischen Wundverlauf und empfiehlt Ü —10 cm des Nerven zu excidiren.
Mit Hülfe von Cocain ist es neuerdings auch gelungen, die Neur­ektomie der Schienbeinnerven am stehenden Pferde auszuführen. Unseres Wissens ist dieses Verfahren zuerst in Amerika, dann auch in Holland versucht worden. Von Jong wurde es näher beschrieben, in Deutsch­land von Gärtner empfohlen; auch wir haben uns von seiner Ausführ­barkeit überzeugen können, .long operirl im Nothstalle, doch ist nach unseren Beobachtungen derselbe nicht nöthig; es geniigi in der Regel, den Vorderfuss des Thieres auf einen Beschlagbock zu stellen. Wo die Operation so vorgenommen werden soll, injicirl man nach
sorgfältiger Desinfection der Hautoberfläche ca. 2,0 einer 5.....100/oigen
Cocainlösung oder Gilrtner-Schleich'scher Inliltrationsllüssigkeit in die Subcutis, wodurch nach 2—3 Minuten vollständige Empflndungs-losigkeit nicht nur der Haut, sondern auch der Nerven erziel! wird. so dass die Thiere selbst ohne Bremse weder auf den Hautschnitt,
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Kranklii'iti'ii dor Nerven.
noch auch auf d'w Durclischneidung des Nerven reagirenj will mau ^#9632;iin/. sicher gehen, so träufelt mau vor der Durchschneidung ein paar Tropfen Cocainlösung auf den blossgelegten Nerven. Um in der Jilul-leere operiren zu können und die Resorption dos Cocains zu verlang­samen, wird auch hierbei zweckmÄssig ein Esmarch'soher Constrictions-schlauoh angelegt.
Gegen Lahmheiten, die durch schmerzhafte Leiden am Fessel­gelenke, am Metacarpus (Seimen) oder Carpalgelenke veranlasst werden, wählen wir lt;lie Neurektomie des Medianus, die zuerst von Peters ausgeführt, später von Goldmann u. A. empfohlen wurde; sie ge-wilhrt noch den Vortheil, duss eine einmalige Durchschneidung genügt. Hierzu nuiss das l'l'erd niedergelegt werden, und wenn keine Latte zur Verfügung steht, empfiehlt es sich Narkose einzuleiten. An der Latte iudess lilsst sirli der Fuss genügend befestigen, wobei es nament­lich darauf ankommt, dass derselbe gehörig aus der Brust hervor­gezogen wird. Man lilsst den Fuss gleichzeitig etwas nach vorn halten, etwa in ausschreitender Stellung. Dicht oberhalb des Ellbogengelenkes ist der X. medianus zu fühlen, wenn man -zwei Finger unter massigem Druck von vom nach hinten oder umgekehrt über das genannte Ge­lenk gleiten lässt; er liegt etwa in der Mitte auf demselben, zuweilen etwas mehr nach vorn. Bei muskel- und fettarmen Thieren fällt so­wohl das Aufsuchen, wie auch die Durchschneidung der Nerven leichter aus als bei den entgegengesetzten Zuständen. Warum Tagg, der die Operation ebenfalls und besonders bei chronischen Krankheits-processen am Karpalgelenk empfiehlt, das Pferd zur Ausführung der­selben in die Rückenlage bringen lässt, ist uns nicht klar.
Nachdem das Haar auf und über dem Ellbogengelenk abrasirt, und die Haut gereinigt ist, überzeugt man sich nochmals von der Lage des Nerven genau und macht sodann an der betreffenden Stelle einen 5—6 cm langen Hautschnitt in der Richtung des Nerven bezw. des Schenkels. Die etwa blutenden llautgefiisse werden torquirt oder unterbunden, um das Operationsfeld frei zu erhalten. Ein zweiter Schnitt trennt, die Muskulatur bis auf die Vorarmfoscie, welche sieh durch ihre gelbweisse Farbe alsbald zu erkennen giebt. Auch hierbei entsteht in der Regel nur geringe Blutung; sollte indess ein Gefäss spritzen, so wird es unterbunden. Während mit zwei Wuudhaken die Muskelmassen und Haut von einem Gehülfen aus einander gehalten werden, tastet: der Operateur mit dem Zeigefinger die Fascie ab, um sieh zu vergewissern, dass der Nerv unter dem freigelegten Abschnitte derselben in der Mitte der Wunde liee't. Sollte das nicht der Fall
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Xervt'iisclmitl.
ÜB,
sein, so wird der Fuss mull vorn oder hinten bewegt, bis der Nerv an dieser Stelle zu fühlen ist. Mil einem geballten Messer wird nun­mehr ein Einschnitt in die Fascie gemachl und die Oeffnung mit der Schere erweitert. Es empfiehlt sich mit der Schere ein kleines (1 cm breites und - cm langes) Stück der Fascie zu entfernen, worauf der Nerv durch die Oeffiiung bald hervoi'quillt. Man hüte sich hierbei, die unmittelbar neben oder unter dem Nerven gelegenen grossen Venenstftmme zu verletzen. Sobald der Nervnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;quot;#9632; #9632;''-•
sichtbar wird, schiebt man die mit einem Faden versehene Decham p'sche Nadel unter denselben hindurch, wobei dieselbe Vorsicht wie hei der ILuulliabung der Schere geübt werden muss. Da das Thier in diesem Momente oft unruhig wird und nicht mir das Vorgehen stört, son­dern mich zu Verletzungen der venösen Q-efässe leicht Veranlassung giebt, so empfiehlt sich, während der Application des Fadens bei nicht, narkotisirten Thieren die Bremse etwas anziehen zu hissen. Der unter dem Nerven liegende Faden wird nun mit einem kurzen Huck geknotet, der Faden aber sofort wieder losgelassen, um Zerrungen des Nerven durch das hierbei auftretende Sträuben des Thieres zu vermeiden. Sobald Beruhigung eingetreten, und das etwa vorhandene Blut mit einem Tupfer entfernt ist, durchschneidet man den Nerven wie oben beschrieben. Es empfiehlt sich, den ersten Schnitt
möglichst hoch zu legen, so dass der Stumpf des sich
Wundbaken,
leicht dehnenden Nerven nicht frei in die Wunde ragt, wodurch der Bildung von Neuromen Vorschub geleistet wird. Nach­dem man sich überzeugt hat, dass der Nerv vollständig durchschnitten, sodann ca. 2 cm weiter nach unten nochmals durchtrennt ist, wird die Wunde ausgespült, und falls eine stärkere Blutung bestehen sollte, was nicht immer zu vermeiden ist, die Haut mit ein Paar Ligaturen versehen, welche in den nächsten Tagen entfernt werden. Heilung per prim, int. lässt sich hier nicht so leicht erreichen wie an der Fessel, doch heilt die Wunde regelmässig in etwa II Tagen, selbst wenn sie nicht geheftet wurde.
Bei einiger Hebung fällt diese Operation nicht schwer, sobald man Verletzungen der grossen Venen vermeidet; darauf verwende man besondere Sorgfalt. Erscheint die aus den öefässen eintretende Blutung auch nicht gefährlich, so störl sie doch die Ausführung der Opera­tion ganz erheblich, und zwar um so mehr, als die CJnterbindunfl
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Ki'anUlii'itoii der NiTvou.
der blutenden Venen stets auf grössere Schwierigkeiten stösst. Wir verzichten daher in der Regel hierauf, suchen durch Anlegung einer Schieberpincette die Blutung nur vorläufig zu unterbrechen und setzen dann die Operation fort, Nach Vollendung derselben wird die Wunde gehörig tamponirl und fest geheftet; Nachblutung kommt nicht zu Stande; die Blutung hört regclmässig auf, sobald das Thier aufge­standen ist.
Grosserraquo;1 Schwierigkeiten bietet die Wiederholung der Operation an demselben Fusse, wie es /.. B, bei Bildung' eines Neuroms noth-wendig werden kann. Das reichlich entwickelte Narbengewebe stört das Aufsuchen des Nerven in hohem Masse. Dazu kommt, dass sich in der Regel auch die venösen Gel'ä.sse an der Stelle stark erweitert zeigen. Man suche in solchem Falle möglichst hoch oben und bei recht günstiger Beleuchtung zu operiren.
Goldmann führte im Verlaute von 4 Jahren die Neurektomie des Medianus 17mal bei Pferden aus, bei 5 Armeepferden, 3 Offloierpferden und ii Privatpferden. In II Killlen gab chronische Hafgelenklahmheit die Veranlassung zur Operation ab, einmal Schale, einmal Verknöcherung des medialen Hufboiiiknorpels, einmal eine Lahmheit, welche nach tiefgehender Operation eines Nageltritts zurückgeblieben war. Mit einer Ausnahme wurde in allen Fällen (lauernde Beseitigung der Lahmheit erzielt. Es trat zwar in keinem Falle Heilung per prim. int. ein, doch wurden nachtheilige Folgen, namentlich Ausschuhen nicht beobachtet.
Blanch ard empfiehlt laquo;lie Neurektomie des Medianus an der Grenze zwischen dem oberen und mittleren Dritttheil des Vorarmes zu machen und zwar bei chronischer Sehnenentzündnng, Schale und Hufleiden.
Baidon i will unter Blutleere nach Es march operiren.
Hobday empfiehlt ebenfalls die Neurektomie des N. mediaims: von 36 operirten Pferden wurden 24 arbeitsfähig, 7 befanden sich noch in Be-bandlnng; bei 2 trat keine Besserung ein.
Discbereit will in 25 Fällen ISmal Beseitigung der Lahmheit erzielt haben; 7mal blieb der Erfolg ans. Auffällig erscheint, dass letzteres gerade bei Schale und Huflahmheiten der Eall war, woraus ü. den Schluss zieht, dass die Hufmatrix noch von anderer Seite innervirt werde(V).
Vennerholm, Bärlund U.A. haben ähnliche Beobachtungen ge-raacht, deshalb gleichzeitig den N. ulnaris 10 cm über dem Os aocessorium durchschnitten und damit die gewünschte Wirkung erzielt.
Wir selbst haben nur zuweilen eine unvollkommene Wirkung von der Medianusneurektomie gesehen; auch haben wir nachtheilige Folgen im Heilungsverlauf der Operationswunde sehr selten beobachtet. Für den Ge­übten und einigermassen geschickten Operateur stösst die Operation auch nicht auf Schwierigkeiten; bei den ersten Versuchen gelingt sie oft nicht so leicht, und es mag vielleicht auch dieser Umstand zuweilen dazu beigetragen haben, dass die Wirkung nicht ausreichend war. Wenn starke Blutung eingetreten ist, iässt sich der Nerv nicht mehr leicht finden, und man läuft (iefabr, dcnselbi'ii nur Iheilweise zu durchschneiden.
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NiTvonscliiiitt.
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An den Efintergliedmassen bietet sich seltener Gelegenheit zur Neurektomie. öegen .Sp:il lud die von Hosi mit Erfolg aus­geführte Neurektomie des Nerv. tib. und Nerv, peroneus bisher noch nicht weitere Verbreitung gefunden; chronische FussrollenentzUndung und Zwanghuf kommen hier kaum vor, so diiss sich die Operation auf Schale und chronische Blntzündungen der Beugesehnen sowie ihrer Scheiden beschränkt.
Qegen diese Leiden, namentlich gegen Schale, kann ebenfalls die Neurektomie am Nerv us plantar is vorgenommen werden, wobei ähnlich verfahren wird, wie am Vorderschenkel. Auch hier l'ässt sich die Lage der Nerven durch Palpation genau Feststellen, und die Opera­tion dicht über dem Fesselgelenke leicht ausführen. Die Neurektomie eines Astes der Sohlennerven unterhalb des Fesselgelenkes empfiehlt sich hier noch wenige)' als am Vorderschenkel, weil, wie bereits er­wähnt, diejenigen Leiden, bei denen die Methode noch einigen Er­folg verspricht (chronische FussrollenentzUndung und Zwanghuf), hier nicht vorkommen.
Zur Befestigung des zu operironden Fusses wird derselbe auf den Metacarpus des Voi'derschenkels gebunden; die Latte, ist hier nicht zu verwenden, weil sich der liinteiTuss mit derselben nicht genügend festhalten lässt.
Nach unseren Erfahrungen verdient für den Hinterschenkel jedoch die Neurektomie des N. tibialis über dem Sprunggelenke den Vorzug. Denn einestheils ist die Operation leicht ausführbar, und es bedarf nur einer einmaligen Durchschneidung; dazu kommt, dass diese Methode namentlich bei Leiden der Sehnen und ihrer Scheiden grössere Sicherheit des Erfolges gewährt als die Operation am Metatarsus.
Der N. tibialis, ein Ast des Ischiadicus, tritt zwischen den Köpfen der Mm. (lastrocneinii hervor und läuft vor der Achillessehne zum Sprunggelenk hinab, um sich dicht über demselben in den äusseren und inneren Sohlennerven zu theilen. An der medialen Schenkel­fläche, etwa eine Hand breit über dem Sprungbeinhöcker, fühlt man den Nerven, wenn man mit der Hand die Achillessehne von hinten urafasst und die vor derselben liegenden Weichtheile zwischen dem Daumen und dem Zeigefinger nach vorn gleiten lässt.
Er liegt hier etwa Ü cm vor der Achillessehne, an der medialen Schenkelseite der Oberfläche etwas näher als an der lateralen ; von der ersteren aus erfolgt daher auch die Operation.
Nachdem das Pferd auf die Seite gelegt ist, so dass sich der Müilrr u Prlok, Allgemeine Chirnrgie au Tlilorärzte a. Auii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 19
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Krankheiten der Nerven.
zu operirende Fuss unten befindet, wird der oben liegende Binter-Bohenkel auf den gleichseitigen Vorderfuss ausgebunden, um Kaum für die Ausführung der Operation zu erlangen. Die Baare werden zunächst abgeschoren, sodann etwa eine Hand breit über dem Tuber calcanei und 3 cm vor der Achillessehne, da wo man den Nerv fühlt, ein .quot;)raquo;') cm langer Bautsohnitt, parallel zu der genannten Sehne gemacht. Etwa blutende Bautgefamp;sse unterbindet man. legt sodann zweokmässig zwei BeftfHden durch die Wundränder, um diese aus einander zu halten, präparirt das subeutane Bindegewebe fort und ge­langt nun auf die Schenkelfascie, Nachdem man sich durch dieselbe Manipulation wie beim Aufsuchen des Nerven nochmals überzeugt hat, dass derselbe auf dem Grunde der Wunde unter der Fascie liegt, wird diese auf 5—(i ein gespalten und zwar in der Richtung der Bautwunde. Mit der Schere trägt man sodann von der Fascie ein etwa I cm breites Stück ab, worauf der durch seine weisse Farbe und faserige Beschaffenheit gekennzeichnete Nerv zum Vorschein kommt, aus dem Spalt der Fascie häufig hervorquillt. Alsdann wird mit der Dechamp'schen Nadel ein Faden unter den Nerven hindurchgezogen: durch das beim Zusammenknoten des Fadens erfolgende Sträuben fällt der letzte Zweifel, dass man den Nerven vor sich hat. Derselbe wird 2—3 cm frei präparirt und zuerst oben, dann unten mit kurzen Schereuschlägen durchschnitten.
Da Heilung auf dem ersten Wege in der Regel nicht zu er­warten ist, bedarf es einer Naht nur, wo ausnahmsweise stärkere Blutung erfolgt.
Die Bildung eines Xeuroms an dem centralen Ende des durch­schnittenen Nerven findet an dieser Stelle höchst selten statt, wird alier auch hier dadurch begünstigt, dass das Ende des Nerven nicht hoch genug abgeschnitten war und in Folge dessen frei in die Opera­tionswunde ragt. Durch vorsichtige Schnittführung bei der ersten Durchtrennung lässt sieh dieser Ausgang in der Hegel vermeiden, und sollte derselbe dennoch eintreten, so bleibt nur die operative Ent­fernung des Neuroms übrig; die Anwendung einer Scharfsalbe, wie Vogel empfiehlt, genügt nicht. Wie am N. medianus gestaltet sich die zweite Operation jedoch wegen des Narbengewebes schwieriger als die erste. Man suche dabei den Nerv weiter oben auf.
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VII. Krankheiten der Gelenke.
Einleitung. Die Entwickclnn;,' iIit (iolcnkc aus den iinf'iiugs soliden Knorpelsttnlen, der Grundanlage der Gliedmassen, erfolgt in der Weise, dass sieh da, wo ein Gelenk entsteht, in dem byalinen Knorpel zunächst ein Spaltrnum bildet. Wahrscheinlich liiut't dieser Vorgang unter dem Einflüsse der schon frühzeitig auftretenden Muskelwirkung ab, welche auch auf die Form der Gelenklliichen den hauptsächlichsten Eintiuss ausübt. Aus dein Perichondrium bildet sieh das Kapseiband einschliesslioh der Synovialmem-bran, worauf an den so getheilten Knorpelsäulen die einzelnen Abschnitte ossiticiren; doch erhält sieh an ihren Enden eine dünne Knorpelsohichl (G e 1 en k kno r pe 1), welcher da, wo ein gegenseitiger Druck der Knoehen fehlt, mit Endothel bedeckt wird. An der Grenze des Gelenkknorpels setzt sieh die Gelenkkapsel mit der Synovialmembran an, Die erstere besteht aus derben Bindegewebsztigen mit elastischen Fasern, besitzt also den Aufbau einer Kascie. die Synovhdis dagegen wird von einem lockeren, oft sehr fettreichen Bindegewebe gebildet und trägt an ihrer Oberfläche zahlreiche Zotten. Sie ist mit einer meist einschichtigen IDndothellage bedeckt und durch das lockere subsynoviale Bindegewebe mit dem Kapselbande verbunden. Ihe aus zartem Bindegewebe bestehenden (Ißlenkzotten enthalten vielfach Fettgewebe, Man unterscheidet nach ihrer Zusammensetzung Faser­zotten, Pettzotten, Schleimzotten und Knorpelzotten, doch giebt es auch Debergänge, Die meisten derselben rühren zahlreiche Lymph-und Blutgefässe, Nach den Untersuchungen Tillinann's findet sich un­mittelbar unter dem Endothel der Synovialis ein Capillarnetz von Blut­gelassen, unmittelbar unter diesem ein feines Lymphgefttssnetz, welches mit den tieferen, in der Synovialis sowie im subsynovialen Bindegewebe befindlichen Lymphbahnen in Verbindung steht. Die letzteren gehen in die Lymphgefässe des Periosts und des um das Gelenk liegenden Binde­gewebes über.
Die Synovialis entspricht sowohl in ihrer Einrichtung, wie auch in der Art ihrer Erkrankungen am meisten den serösen Häuten. Die Selenk-höhle kann daher auch als ein grosser Bindegewebs- bezw, Lymphraum angesehen werden, in welchem die medificirte (iewebsllüssigkeit (Synovia I einer dauernden Resorption und Secretion unterworfen ist, Vorgänge, die durch die Bewegung in dem betreffenden Gelenke gesteigert werden. So erklärt sich auch der Befund Frerichsquot;, welcher beim Rinde ermittelte, dass die Synovia während der Buhe wasserreicher, nach längerer Bewegung wasserarmer wird. Sie besteht nach Frerichs aus:
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292nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
nach der Ruhenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nach dor Bewegung
1.nbsp; Wasser.....960/o.......94%
2.nbsp; Muoin......0,2 quot;n.......0,5 0/o
8, Eiwois......1,6%.......8,5 laquo;/o
4. Asclic......1.0quot;/o.......1,5quot;/o
Die Synovia unler.scUt'idpt. sich also von dem gewöhnliohen Gewebs-sut'te bezw, der Lymphe durch ihren Gehalt an Mucin, welches wahrschein­lich ein Product der Endotlicl/.ellen an der inneren Oberfläche der Syno-vialis bildet.
Abgesehen von geringen physiologischen Schwankungen bleibt die Menge der in der Gelenkhöhle vorhandenen Synovia andauernd dieselbe. Unter dem Einflüsse krankhafter Vorgänge findet jedoch nicht selten eine bedeu­tende Vermehrung derselben statt, ein Zustand, den man als Hydrops artiouli oder Gelenk Wassersucht, in der Thierheilkunde seit alter Zeit als Halle bezeichnet. Die Hesorptionsvorgänge erfolgeil auf der gesunden Synovialis lebhaft und erstrecken sich selbst auf feste Substanzen. Injicirte man z. B, eine Emulsion von Zinnober oder Tusche in das Kniegelenk, so liess sich diese Masse bereits 8 Minuten später in den InguinaUirüsen nach­weisen.
1. Waclistliumstörungen der Gelenke.
Es wurde bereits betont, dass die Enfcwickelung der Gelenke von der Muskelwirkung beeinflusst wird. Auch nach der Geburt vollzieht sich die weitere Ausbildung derselben keineswegs unter dem Einflüsse von Zufälligkeiten; dieselbe ist vielmehr von der Wirkung der be­wegenden Kräfte, insbesondere von dein functionellen Eingreifen der Muskeln und dem Einflüsse des Druckes der Körperlast abhängig. Es waren namentlich Volk mann und Hüter, die auf diesen, in der Thierzucht noch lange nicht, in verdienter Weise beachteten Umstand die Aufmerksamkeit zuerst richteten. Während des Körperwachs-thums finden vielfach Umformungen in der Gestulf der Knochen und Gelenke statt, wodurch Abweichungen von der normalen Stellung der Oliedmassen zu Stande kommen. Ohne zu tibertreiben darf man wohl behaupten, dass die bei weitem grösste Mehrzahl der fehlerhaften Stellungen nicht angeboren, sondern erst nach der Gehurt entstanden sind. Das Wachsthnni der Knochen schlicsst vielfache Umlagerungen mit Umirestaltuna ihrer Formen ein. Ebenso vollziehen sich an den Gelenken Abänderungen ihrer Gestalt unter dem Einflüsse des auf die Knochenenden wirkenden Druckes, sowohl durch Belastung, als auch durch Muskelwirkung; die sog. Bäckerbeine des Menschen Liefern hierfür einen sprechenden Beweis.
In dieser Hinsicht bleib! ZU beachten, dass jede andauernde oder oft wiederkehrende Störung in der irleichmässiffen Vertheilung des
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Wuchst Immstüniiifi-cn,
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Druckes der Knochen in den Qelenken auf einander nennen wir lim nach Volkmann „artioulllrer Druckquot; - nothwendig zu einer Störung des normalen Wachsthums führen muss, Da wo der Druck in abnormer Weise gesteigert wird, Qndet eine Beschränkung der Wacbsthumsvorgänge statt, willireiul vennindorter Druck die Neu­bildung begünstigt, i'ii diese Vorgänge vornehmlich von den Epiquot; physenknorpeln ausgehen, von denen auch das Längenwachsthum der Knochen erfolgt, so lieben und senken sich die Verknöcherungslinien derselben; auf solche Weise entstellt ein schiefes Gelenk. Man be­zeichnet die so entstandenen Skelettumformungen als Belastungsdeformi-tilten. Diesem Umstände verdankt auch der Senkrücken des Pferdes vornehmlich seine Entstehung; ebenso mltssen die meisten fehlerhaften Stellungen der Gliedmasseu hierauf zurückgeführt werden. An den Steilen, wo der articuliire Druck dauernd aufhört, wo also der Gegen­druck fehlt, verschwindet der Knorpel ganz und gar. indem das Endothel und die Synoviaüs über denselben hinweg wuchern, ihn zur Resorption bringen, bezw. in Bindegewebe und später in Knochen um­wandeln.
Von J, Wolff, dem um unsere Kenntnisse der Wacbsthumsvorgänge
im Knochen SO verdienten Forscher, wurde die Hüter-Volkmann'sehe Theorie etwas modificirt. Nachdem Wolff gezeigt hatte, dass die Archi­tektur der Knoehenbiilkclien in der Spongiosa der statischen Inanspruch­nahme des Knochens entspricht, dass also eine Anpassung der Form an die Function stattfindet, übertrug er diesen Satz auch auf die Entstehung der Deformitäten. Hiernach ist also die Function stets das bildende, das form­gebende Element. Da wo sich ein starker Druck bemerkbar macht, findet eine lebhafte Bildung von Knochengewebe statt, wo der Druck nachlässt, schwindet dasselbe. Diese Transformationskraft ist nach Wolff unbegrenzt, und sie heeinHusst sowohl die innere Architektur der Knochen (Spongiosa), wie auch die ilussere Form derselben. Denn so wie jeder Form des Knochens eine mathematisch bestimmte innere Einrichtung desselben entspricht, ebenso mnss jeder Veränderung der inneren Architektur auch die änssere Form des Knochens entsprechen.
Hieraus ergieht sich die hohe Bedeutung der regelmässigen Be­wegung der Thiere im jugendlichen Alter für die normale Ent-wickelung des Knochengerüstes, Fehlt diese in einem Gelenke nach der einen oder andern Richtung, so fällt auch der Gegendruck an diesen Stellen fort, und damit wird der Grund zu einer unvollstän­digen Ausbildung des Gelenkes gelegt. Wie schon Hüter heim Menschen nachwies, zeigen die Gelenke Neugeborener nicht nur andere Formen, sondern auch andere Mechanik als die Erwachsener. Diiss dieses auch für Thiere zutrifft, beweist schon die Verschiedenariigkeit
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294nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kraiikhoiten dor (iolenko
der Bewegungen jüngerer und ausgewaohseuer Tbiere. Hieraus geht also horvor, dus.s duirli svsteinatische Arbeit (Gymnastik) die Aus-bildung der Gelenke modifleirt und vervollständigt werden kann, indem sich die Eiitwickehmg den an Jas Gelenk gestellten An-Forderungen anpasst. Einen schlagenden Beweis hierfür bilden die sog. „Kautsclmkmensclienquot; ; aber auch in der Tliier/ucht hat man diesem Umstände bereits aus der Erfahrung heraus Rechnung ge­tragen. Es ist längst bekannt, dass andauerndes Stehen im Stalle krüppelhafte Pferde erzeugt, daher zwingt man in der Vollblutzucht die Fohlen frühzeitig ZU andauernder und schneller Bewegung; den vor-theilhaften Einfluss der Tummelplätze und Weiden auf die Entwicke-lung der Thieiv leugnet Niemand. Dass hierbei auch die Förderung in der Ausbildung der Muskulatur eine wichtige Rolle spielt, liegt auf der Hand.
Ein Umstand alier wurde in dieser Beziehung zum Nachtheil der Auf-zuchi allgemein vernachlässigt, nämllob die Behandlung der Hufe. Dass dureli unregelmässige (iestaltung derselben Störungen in der physiologischen Belastung der Gelenke hervorgerufen werden, steht, ebenso zweifellos fest, wie dass auf diese Weise fehlerhafte Stellungen der Gliedmassen entstehen können. Im übrigen habe ich (M.) bei meinen Versuchen diese Wirkung direct nachgewiesen und in meinem Handbuch der Hufkrankheiten genauer beschrieben, worauf hier verwiesen werden muss.
Ebenso kann es hier nicht Aufgabe sein, aus den obigen Andeutungen die praktischen Consequenzen zu ziehen, was vielmehr der Thierzucht und Diätetik überlassen bleiben muss. An dieser Stelle wurden die Fragen nur berührt, weil sie zugleich auf die Heurtbeilung und Behandlung chirur­gischer Leiden einen gewissen Einfluss ausüben.
2. Wunden und Quetschungen der Gelenke.
Gelenk wunden, d. li. Wunden, die his in eine Gelenkhöhle reichen, stellen meist Stich-. Schnitt-, Hieb- oder Quetschwunden dar; bei grösseren Thieren werden sie häutig durch Stiche mit Dünger­gabeln oder durch Tritte mit scharfen Stollen der Hufeisen ver-anlasst und sind daher nicht selten mit Verletzungen der Knochen verbunden, oft zugleich in hohem Grade inticirt. Man halte den Grundsatz lest, dass jede Gelenkwunde, und mag sie noch so klein sein, stets eine lebensgefährliche Verletzung darstellt, weil sich an dieselbe häufig eine tödtlich verlaufende, eitrige oder septische Ge­lenkentzündung finschliesst. Nicht die Verletzung der Gelenkkapsel an sich bildet indess die Gefahr, sondern die durch sie gegebene Ge­legenheit zur eitrigen Infection des Gelenkes, Wird diese Infection
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(ieloiikwumleii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 295
verhindert, so beut lt;lu' öelenkwunde in der Elegel ebenso leioht wie jede andere Wunde der Weiclitlieile; liiiiili^' aber knttpft sieli an die­selbe eine eitrige oder septische Gelenkentzündung, welche namentlich bei grOsseren Thieren regelinftssig zu tödthchem Ausgang i'iiitrt. Die Gefahr hängt daher einestheils von der Beschaffenheii der Wunde und der Zeit ihres Bestehens, sodann aber aueli von dein Gelenke und den Complicationen ab. Bezüglich der Wunde kommt es darauf an, ob aseptische Heilvorgänge zu erreichen sind. Darüber ent­scheidet allerdings in erster Linie die Forin und Grosse der Wunde, dann aber auch die Zeit ihres Bestehens und die Beschaffenheit des verletzenden Gegenstandes. Hier gelten die Grundsätze, welche bei Besprechung der Wunden (S. 108) bereits erörtert wurden. Je er­heblicher die Infection, je. grosser die Virulenz der Infectionsstoffe, und je mehr die Wundränder eine unebene Beschaffenheit besitzen, um so weniger Aussicht auf eine vollständige Desinlection gewähren dieselben. Gelingt diese zuweilen in den ersten 12 Stunden noch, so wird sie nach dieser Zeit nur noch selten erzielt.
Je umfangreicher die Gelenkhöhle, um so bedenklicher ist ihre Verwundung ; Knie- und Sprunggelenk gehören ZU den, wie man sagt, empfindlichsten, die Vbrderfusswurzel zu den indolentesten Gelenken. Sobald bereits Erscheinungen einer acuten Panarthritis bestehen, bleibt für die Erhaltung des Gelenkes nicht viel zu hoffen übrig. Pferde erliegen diesen Zuständen leichter als Rinder und kleine Thiere.
Die Diagnose „Gelenkwundequot; mass sich zunächsi auf den Sitz der Verletzung stützen, sodann wird dieselbe durch den Ausfluss einer durchsichtigen, gelben, fadenziehenden Flüssigkeit (Synovia) ge­sichert, insbesondere wenn ausgeschlossen erscheint, dass diese Flüssig­keit aus einein Schleimbeutel oder einer Sehnenscheide stammt. Mit der Anwendung der Sonde und selbst des Fingers sei man bei Gelenkwunden vorsichtig. Dringt die Sonde in das Gelenk ein, so läuft man Gefahr, Infectionsstoffe in dasselbe zu verschleppen; gelingt dies nicht, so ist damit noch keineswegs die Abwesenheit einer Gelenk wunde bewiesen, weil die getrennten Weiclitlieile sich vielfältig über einander verschieben. In zweifelhaften Fällen empfiehlt sich vielmehr von der Voraussetzung auszugehen, dass eine Gelenk-wunde vorliegt, um dementsprechend die Behandlung zu leiten. Soll aber eine solche Wunde sondirt werden, so muss eine sorgfältige Reinigung und Desinl'ection derselben vorangehen und mit sterilisirten Instrumenten und Händen untersucht werden.
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KiiiiiUlu'itt'H der Gelenkt
Die eitrige Gelenkentzündung giebt sidi neben den (^. 802) go-Bchilderten Symptomen noch durch den Abfluss von Synovia zu er­kennen, die sich nach wenigen Tagen mit Eiter vermischt. Diese Beimischung von Euter erkennt tnan an der undurchsichtigen,
strohgelben Farbe der Synovia, Zuweilen gerinnt dieselbe, und es häufen sich graugelbe, geleeartige Massen in der Wunde an. Indem die Synovia mehr und mehr vom Kiter verdrängt wird, Hiesst schliess-lich nur noch Eiter ab. Sobald die acute eitrige Synovitis einsetzt, tritt Anschwellung des Gelenkes und dessen Umgebung ein, es steigern sich die Schmerzen und die Lahmheit wird erheblich, Das Thier sucht den Fuss in Flexionsstellung v.w halten, und es gesellen sich Fieber und schliesslich oft l'yi'imie oder Septikämie hinzu. Die Ver­schiedenheiten im Verlaufe der öelenkwunden hängen vornehmlich von der Virulenz der inficirenden Substanzen ab. Daher erklärt sich, dass gleiche Verletzungen desselben Gelenkes einen verschiedenen Verlauf nehmen können (Bossi).
Die Behandlung einer frischen Gelenkwunde verlangt strengste Desinfection; die Wunde sowohl, wie ihre Umgebung muss möglichst bald sorgfältig gereinigt und. wie (S. 114) beschrieben, desinfleirt werden. Wenn irgend möglich, lege mau sodann einen antiseptischen Occlusivverband an. Grössere Wunden können geheftet werden, wo indess nicht besondere Gründe hierfür sprechen, beschränke mnn sich darauf, die Verletzung mit Jodoform zu bestreuen und mit einem gut passenden Verbände zu versehen. Liegen bezüglich der Asepsis Be­denken vor, so lasse man den Verband mit einer Desinfectioiisiliissig-keit (Carbol, Lysol, Sublimat) einige Tage hindurch anfeuchten und womöglich das verletzte Gelenk durch den Verband vollständig imlaquo; tnobilisiren. was leider in der Hegel nur bei kleinen Thieron gelingt. Sobald sich erhebliche Temperatursteigerung und andere Fieber­erscheinungen oiler bedeutende Schmerzen einstellen, oder endlich, wenn der Verband vom VVundsecret oder Blut durchtränkt erscheint, muss derselbe gewechselt werden. Zeigt sich das Gelenk hierbei be­reits erkrankt, so bleibt eine energische Desinfection desselben zu versuchen. Man spritze die Gelenkhöhle mit Carbol- oder Sublimat­wasser u. s. w. aus. oder lasse permanente Irrigation der Wunde ein­leiten; die letztere ist namentlich hei Thieren da zu empfehlen, WO sich Verbände nicht gul anlegen lassen und besonders bei grösseren Wunden. Die Irrigation wird mit einer Creolin-, Carbol-, Sublimat­oder Burow'scher Lösunff eingeleitet: an den folgenden Tagen ge-
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Gelenkwunileu.
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nügt unter umständen reines, [auwanues Wasser. Tag und Xaolit fortgesetzt leistet die Irrigation ssuweilen ausgezeichnete Dienste.
Bei kleineren, namentlich Stichwunden wendet man seit alter Zeit in der Veteriniirpraxis Scharfsalben oder das Glüheisen an. Ur­sprünglich geschah dies in der Vorstellung, dass die künstlich erzeugte Entzündung der äusseren Haut die Entzündung ans dem Gelenke ab­leite. Der Nutzen dieser Mittel beruht jedoch vornehmlich auf der Anschwellung der VVeichtheile, welche erzeugt wird und zur Ver­engerung oder gar zum Verschluss des Wundkanals führt, wodurch die Uebertragung von Infectionsstoffen in das Gelenk verhindert werden kann. Das Glüheisen wirkt zugleich als Desinficiens; ans demselben ({runde ziehen wir Sublimat der Cantharidensalbe vor und wenden das Mittel, wenn sonst nichts im Wege steht, in alkoholischer Lösung an (1:10 Spiritus). Auch seiner tiefer reichenden Wirkung wegen ver­dient Sublimat vor der Cantharidensalbe den Vorzug.
Eine zweite Aufgabe der Behandlung von Gelenkwunden besteht, darin, den Ausfluss von Synovia möglichst bald zu unterbrechen. Das zuverlässigste Mittel hierzu bildet die vollständige Immobilisation des Gelenkes, die jedoch meist nur bei kleinen Thieren gelingt; daher bleibt mau hierbei iu der Regel auf andere Mittel beschränkt. Em­pfohlen wurde namentlich:
1.nbsp; nbsp;Tannin, welches sowohl coagulireud auf die Synovia, wie auch antiseptisch wirkt und als Pulver oder in gelöster Form, z, I!. als Eicheurindeuhäder, Anwendung findet, Ebenso zeigt sich Tannin mit Collodiinu (1 : 2) nützlich. Müller empfiehlt,, die Wunde dick mit Jodofonntannin zu bedecken und die Umgehung mit Canthariden­salbe einzureiben, event, .lodoformcollodinm aufzustreichen. Karl führt ein Stückchen Höllenstein in die Wunde ein und lässt dasselbe durch einen Verband auf kurze Zeit befestigen. Dass hierdurch so­wohl antiseptisch eingewirkt, als auch durch Niederschläge und Ge­rinnung der Synovia, ein Absebluss der Gelenkhöhle erreicht werden kann, liegt auf der Hand. Hat sich doch nach den neueren Ver­suchen (Noetzel) der Höllensteinschorf ganz besonders wirksam gegen Infectionei) gezeigt.
2.nbsp; nbsp; Perrura sesquichloratum mit Collodium zu gleichen Tbeilen vermischt kann ebenfalls zum Verschluss von Gelenkwunden dienen: da es jedoch auf einer leuchten Oberfläche nicht haftet, so bleibt die Anwendung des Mittels beschränkt. Dagegen wurde mehr­fach Sublimat empfohlen, und zwar in Pulverform wie auch in Lösung mit einem Tampon auf die Wunde gebracht. Himmelstoss ein-
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KranUlieituu der (tolonki
pfleblt SuiiliiuiitstiihcluMi, die aus gleichen Theileti Sublimat und Cacao-butter hergestellt und in die Wunde eingeführt werden, worauf letz­tere mit einem Heftpflaster verschlossen wird.
3, In Frankreich dient seit alter Zeit Terpentin als beliebtes Mittel, welches ebenfalls mit einem Wergbausch auf die Wunde ge­legt wird. Auch von Jahn wurde neuerdings dieses Mittel neben Sublimat empfohlen. Die antiseptische Wirkung erklärt den Nutzen desselben.
In England benutzt man zu diesem Zwecke Alaun. Kochsalz und Bolus (Hodgson) oder Alaun mit Eisenvitriol und Myrrha (Morton).
Eisele empfahl das Brenneisen, sodann Canthai'idensalbe und einen Lehmanstrich. Auch von Hoffmann wurde neuerdings Lehm als Desinticiens in der Wundbehandlung empfohlen. Vigezzi lilsst eine alkoholische Lösung von Gerbsäure (l : quot;gt; —10) in die Wunde spritzen; H. Bon ley trat besonders für permanente Irrigation ein.
Unter Umständen kann der Abfluss der Synovia durch einen Festen Verband zurückgehalten werden; so legte Petzold Qummi-binden fest um das verletzte Gelenk und erzielte damit Verschluss der Wunde unter Vermeidung einer Gelenkentziindung.
Contusionen der Gelenke erfolgen entweder durch die Ein­wirkung eines stumpfen Körpers von aussen (Hurschlag. Niederstürzen oder Gegenrennen), oder durch Fortpflanzung einer Stosswirkung von anderen Theilen, z. B. von den unteren Abschnitten der Gliedmassen auf die oberen Gelenke. Man unterscheidet demnach directe und indirecte Contusionen. Bei den letzteren handelt es sieh vor­nehmlich um eine heftige Pressung der Epipliysenenden gegen ein­ander; sie kommen bei Thieren verhiUtnissmilssig selten vor und sind meist mit Fracturen verbunden. Directe Contusionen bestehen in Quetschungen der das Gelenk umgebenden VVeichtheile und der Syno-vialmembran ; in letzterer erfahren die Hlutget'ilsso hierbei leicht Con-linuitiltstrennungen. worauf sich Blut in das Gelenk ergiesst (Häm-arthros), und zwar unter Umständen in dem Masse, dass das ganze Gelenk mit Blut angefüllt ist, wodurch die Bewegungen desselben nicht allein schmerzhaft, sondern auch durch den Bluterguss mecha­nisch beschränkt werden. Meist verharrt das gequetschte Gelenk in Flexionsstellung. Aber auch in den umgebenden Weichtheilen tritt in Folge der Quetschung Anschwellung, vermehrte Wärme und Schmerz ein, die bald auf die eine oder andere Seite beschränkt bleiben, bald sich um das ganze Gelenk ausbreiten. An laquo;n-össeren Gelenken ent-
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OontUBion laquo;ler (ieli'iiko.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;299
stelü zuweilen durch Reibung des Blutgerinnsels ilus sog. Neuleder-geriiuscli.
Sobald keine eitrige QeionkentzUnduug eintritt, was bei ein­fachen Quetschungen ohne Wunde Regel ist, verläuft der Zustand meist günstig. Da die Synovialis in der Regel nicht erheblich erkrankt ist, so wird das Blut bald resorbirt; nur selten bleibt eine öelenk-galle zurtick. Eiterung kommt meist dadurch zu Stunde, dass die­selbe von den gequetschten Weichtheilen sieb auf die Gelenkkapsel fortsetzt und diese durchbricht; seltener durch Infection von der Blut­bahn aus (S. 302),
Die Behandlung muss in frischen Fällen mit Kälte eingeleitet werden, um die Blutung zu stillen und die Entzündung zu bekämpfen. Schon nach einigen Tagen dienen y.ur Förderung der Resorption feuchte Wärme, Cumpressivverbund und Massage. Wenn die Schmerzhaftig-keit nicht gross ist, erscheint Bewegung des Gelenkes angezeigt, wo­durch die Resorptionsvorgänge wesentlich beschleunigt werden: auch Priessnitz'sche Einwickelungen und Massage tragen hierzu wirksam bei. Sobald die äussere Haut verletzt erscheint, muss durch ein anti-septisches Verfahren Eiterung verhindert werden: mon reinigt und desinficirt die Wunde und benutzt zum Anfeuchten der Binden Car-bol-, Creolin- und Sublimatlösung. Der etwa noch zurückgebliebene Hydarthros chronicus wird muh den S. 308 beschriebenen Grund­sätzen behandelt.
gt;i. Geleakentzttndung.
Die entzündlichen Erkrankungen der Gelenke theilt man klinisch in drei Gruppen, nämlich: 1. Entzündung der Synovialmembran (Synovitis, Arthromeningitis), 2. Entzündung des Gelenk­knorpels (Chondritis oder Arthritis im engeren Sinne des Wortes) und 3. die Entzündung der Gelenkbänder, des Kapselbandes und der Hemmungsbänder (Periarthritis), Sowohl die Verschieden­heit der anatomischen Einrichtung, wie auch die Bedeutung dieser einzelnen Abschnitte der Gelenke und der ursächlichen Momente ihrer entzündlichen Erkrankung erklärt es, dass die einzelnen Formen der Gelenkentzündungen nicht nur wesentliche Abweichungen in ihrem Verlauf und ihrer Bedeutung zeigen, sondern auch bezüglich der Therapie besondere Rücksichten verlangen. Diese Trennung entspricht daher durchaus dem praktischen Interesse, wenn auch zugegeben
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Krankheiten der Gelenke.
werden muss, dass niclit si'Ucn mehi'ere Qelenkabsohnitte ffleicbzeitiff erkranken.
Bei der Synovitis bandelt es sich vorzugsweise um seoretorisobe Störungen! um Abscbeidung grosser Mengen von Serum odor Fibrin, oder um Biterungsprocesse an der Synovialmembran. Dor öelenk-knorpe] K1''1^ unter dem Einflüsse entzündlicher VorgUnge, namentlich eitriger Flüssigkeiten, leicbt zu Grunde, und da eine Regeneration desselben ausgescblossen erscbeint, so fübren diese Formen der Ge­lenkentzündung häufig zur Zerstörung nicht nur der Gelenkfunctionen, sondern auch der Gelenke seihst, und müssen daher prognostisch als die bedenklichsten bezeichnet werden.
Die Periartbritis dagegen schliesst
sicdi in Bezug auf Verlauf
den Erkrankungen der Sehnen an, indem in den ähnlich wie die Sehneu aufgebauten Gelenkbändern dieselben Vorgänge ablaufen, wie hei der entzündlichen Erkrankung der Sehnen. Das Nähere hier­über vergl. man im Kapitel Distorsion,
1. Synovitis acuta. Die entzündlichen Processe an der Syno­vialmembran sind theils acuter, theils chronischer Natur. Bei den acuten entwickelt sich lebhafte Gefässinjection, welche bald örtlich
beschränkt, meist über die ganze Synovialis ausgebreitet, auftritt. Die hierdurch bedingte Rötbung erscheint oft fleckig, indem einzelne Falten der Synovialis entweder besonders stark injicirt sind, oder den Sitz von lläniorrhagien bilden.
Hierzu gesellt sich alsbald Exsudation und zwar theils in das Gewebe der Synovialis, theils an die Oberfläche derselben. Die Membran schwillt an, ihre sonst glatte Oherfläche wird durch Ver­längerung der Zotten uneben, sammetartig, oft wulstig, ihre Falten treten deutlich hervor. Das an die Oherfläche der Synovialis er­gossene Exsudat häuft sich in der Gelenkhöhle an und führt zur Anfüllung der Gelenkhöhle mit Ausdehnung des Kapselhandes. Bald handelt es sich bloss nm seröses Kxsudat (8. serosa), und das Re­sultat ist eine Vermehrung und Verdünnung der Synovia, ein sog. Hydrops articuli (Gelenkwassersucht), wie es in der Thier-arzneiknnde seit alter Zeit heisst, eine Galle. Zur lebhaften Ab­scheidung von Serum ist die Synovialmembran ebenso geeignet, wie die serösen Häute, mit denen auch der weitere Verlauf ihrer ent­zündlichen Erkrankungen grosse Heimlichkeit zeigt. Unter Umständen hegleiten Blutungen den Process, und es sammelt- sich Blut mit, Synovia vermischt im Gelenke an (S. sero-baemorrbagica). In andern
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GheleukentzUudunf
Synovitis acuta
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Füllen scheidet die Svnoviitlis neben Serum Fibrin ab, welches sich in Flocken der Synovia heimisclit, oder als Belag an der Oberfläche der Synovialmembran anhäuft (S, sero-fibrinosa).
Dass mit diesen Vorgängen stets Emigration von Leukocyten und Proliferation der zelligen Elemente der Synovialis, namentlich ihrer Endothelzelien verbunden ist, lieg! auf der Hand. So lange jedoch der entzündliche Process einen aseptischen Charakter bewahrt, bleiben diese Vorgänge beschränkt, bei infectiöser Synovitis treten sie dagegen in den Vordergrund. Hierbei tindel Anhäufung eingewanderter oder neugebüdeter Zellen in der Synovialis statt. eine grosse Anzahl derselben gelangt an ihre Oberfläche und mischt sich der bereits ver­änderten Synovia bei; schliesslich kann diese ganz, durch Eiter ver­drängt werden. Man nennt den Vorgang Synovitis purulenta, den Zustand Absoessus s. Empyema articuli. Die Glelenkhöhle bildet hierbei gleichsam den Abscess, und die Synovialmembran die Abscess-wand. Natürlich wird auch sie von Zellen durchsetzt, ihre Endo-thelien werden unter dem Einflüsse der lebhaften Exsudation und Emigration abgestossen, während sich an ihrer Oberfläche zellige Elemente anhäufen und dieser schliesslich eine dem Uranulations-gewebe gleiche Einrichtung verleihen. Die Granulationen zeigen leb­hafte Neigung zu wuchern, drängen sich mehr und mehr in das Ge­lenk hinein und zerstören unter der Mitwirkung des Eiters sowohl den Gelenkknorpel, wie auch die iutracapsulären Bänder (/.. B, das Ligamentum tares). Der Knorpel wird getrübt, es findet Vermehrung seiner zelligen Elemente statt, indem die Knorpelzellen durch den ent­zündlichen Reiz in einen Wucherungsprocess versetzt werden. Die Grundsubstanz des Knorpels wird streitig, zerfasert; endlich zerfällt der Knorpel, und zwar entweder in Form eines mikroskopischen Detritus (Chondromalac ie), oder es lösen sich grössere, der Nekrose anheimgefallene Stücke desselben los und mischen sich dem Gelenk­inhalte bei. Sobald auf diese Weise die Knochenenden frei gelegt sind, tritt in ihrer spongiösen Substanz Osteomyelitis ein, wodurch es zu weiteren Destructionen des Gelenkes kommt.
Doch nicht immer führt die Infection zu so schweren Störungen. Ob örtliche Verhältnisse, oder der Grad der Virulenz der Infections-stotfe, oder noch andere Umstände dies bedingen, bleibt vorläufig un­entschieden ; doch kommt es zuweilen zu keiner tieferen Destruction des Gelenkes, ein Vorgang, der nach Volkmann als katarrhalische Gelenkentzündung bezeichnet wird.
Aus dem Angeführten ergiebt sich, dass die aseptisch ver-
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Knmkin-'iU'ii tier Oielenke.
laufende Syuovifcis bei weitem nioht so zerstörend auf laquo;lii^ Gelenk einwirkt,, wie die eitrige; sie Ijlcilifc zugleich melir örtlich besohränki, während die eitrige Synovitis auch aui die Nachbarschaft des Ge­lenkes Übergreift. Bei der S. serosa und sero-flbrinosa entwickelt sicli zwar ausserhalb der Gelenkkapsel, in den um das Gelenk liegen­den Weichtheilen ebenfalls Anschwellung, die .jedoch einen ödematösen Charakter lie wahrt und später höchstens zu Verdickungen führt. Bei der eitrigen Synovitis dagegen sehen wir in der Umgebung des Ge­lenkes schon frühzeitig phlegmonöse Entzündung auftreten, welche wahrscheinlich mit der Verbreitung der [nfectionsstoffe durch die Lyraphbahnen zusammenhängt; die Processe gehen, wie oben erwähnt, von der Öynovialis aus und kriechen in die Umgebung des Gelenkes. Es entsteht eine Anschwellung um das Gelenk, welche sich allmählich in die Nachbarschaft verliert, daher an den Gliedmassen spindelförmig erscheint, anfangs noch weich ist. später aber mit zunehmender Ein­wanderung von Leukocyten und Wucherung der zelligen Elemente des Bindegewebes immer derber und fester wird, bis sich an ver­schiedenen Stellen Abscesse entwickeln, die schliesslich nach aussen durchbrechen (periarticuläre A bscesse).
Bei dein nahen Zusammenhange der Synovialmembran mit dem Periost der Knochen kann es nicht auffallen, dass auch dieses bald an der entzündlichen Erkrankung Theil nimmt; es entwickelt sich eine Periostitis mit Auflagerung neuer Knochenmassen und Verdickung der Knochen.
Die acute eitrige Synovitis geht entweder aus Gelenkverletzungen (Gelenkwunden) hervor, oder es findet die Infection vom Blute aus statt. Sobald mit dem circulirenden Blute Infectionsstoffe in die Ge­lenkhöhle gelangen, finden sie in der Synovia ein günstiges Nähr-material, vermehren sich hier schnell und veranlassen alsbald Reizung und Bntztlndung der Synovialis. Ob der üebertritt in das Gelenk durch Blutungen in dasselbe vermittelt wird, oder ob die Abscheidung auch auf dem Wege der Secretion (seeretorische Metastase Büter's) erfolgen kann, erscheint hier gleichgültig. Sobald aber pathogene Mikroben in die Blutbahn gelangen, liegt die Gefahr einer solchen Gelenkerkrankung vor. Daher führen Pyämie und Septikämie, besonders aber die Nabelvenenentzündung junger Thiere häutig ZU solchen Zu­ständen. Aber auch andere Infectionskrankheiteu (Brustseuche, Druse, Staupe u. s. w.) geben nicht selten zu dieser Form der Gelenkentzündung Anlass, welche in der Regel an mehreren Gelenken zugleich oder kurz nach einander auftritt. So werden Kühe nach dem Gebären im An-
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UeU'nki'ntziiiuiuiijj
Svnovitis acnta.
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sohluss lt;ui Gebftrmuttererkrankungen von dem Leiden häufig befallen. Nach Vogel soll die eitrige Gelenkentzündung zuweilen aus einer eitrigen Osteomyelitis hervorgehen, indem diese auf ilus Gelenk Über­greift. Bei Pferden und Hunden beobachteten wir wiederholt eitrige Polyarthritis, zuweilen fast aller Gedenke im Verlaufe von Eüterungs-processen, besonders an den Knochen.
Seltener greifen Eiterungsprocesse aus der Umgebung der Ge­lenke auf diese über; wo indess schwere entzündliche oder nekrotisirende Processe (Brandmauke) in der Nähe eines Gelenkes auftreten, liegt die Gefahr einer solchen Complication vor. Häufiger noch setzen sich eitrige Entzündungen der Sehnenscheiden und Schleimbeutel aul Gelenke fort, wenn diese mit einander conununiciron.
Hilden nicht Eiterkokken, sondern septische Infectionserreger die Ursache der entzündlichen Erkrankung der Synovialmembran, so spricht man von einer S. septica, welche im wesentlichen von der eitrigen Entzündung nicht abweicht, doch gestaltet sich der Verlauf in der lieget noch bösartiger, und zwar theils in Folge der stürmisch auftretenden Zerstörungen an dem Gelenke, theils aber auch durch die mit der Resorption der jauchigen Massen verbundenen Gefahren für den Organismus (Septikämie, l'vämie S. 17quot;J).
Zu diesen l'rocessen gehören die Gelenkentzündungen, welche besonders bei Wiederkäuern und Schweinen als Complication der Omphalitis, Kälberruhr, des Rothlaufs und in Folgt' von Mastitis sowie des l'uerperiums (h'etentio seeundinarum, Vaginitis, Metritis) auftreten.
Eine Polyarthritis pnrulenta sahen wir bei einem Hunde, der abgemagert war und dauernd lag. Die Conjunctiva balbi des linken Anges war dill'us geröthet, (Hämorrbagie), die übrigen Schleimhäute waren normal. In der Iris des rechten Auges land sich ein stecknadelkopfgrosses Blutextra-vasat, Bei vollständiger Appetitlosigkeit war die Respiration ohne auffällige Störungen; der Puls frequent, Temperatur 39,9deg; 0. An der Verbindung der Bippen mit ihren Knorpeln machten sich Anschwellungen bemerkbar, besonders an der 8.—11.; diese traten deutlich hervor und waren schmerz­haft, fast weich und vermehrt warm. Eine gleiche Anschwellung befand sich am rechten Ellbogengelenk.
Während diese Anschwellnngcn in den nächsten Tagen an Umfang zunehmen, stellten sich gleiche Veränderungen an allen, der Untersuchung zugänglichen Gelenken ein; der Hund ging einige Tage später ein.
Hei der Section erwiesen sich die Anschwellungen an den Rippen und Gelenken als Abscesse, Am rechten livpocliondrinin bestand in der Sub-cutis ein hühnereigrosser Abscess mit grauweissem, dünnflüssigem, geruch­losem Kiter. Sämmtliche Gelenke waren mit ähnlichem Eiter angefüllt; ihre Synovialis verdickt und mit warzigen Granulationen besetzt. Die Gelenk­knorpel von blaugraner Farbe; das Knochenmark llüssig. von graurother
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;!i).|
KnuiklieiUm der Qeldllke.
bis graubrauner Parbo. Aucb an den Etippenknorpeln bestanden EitevhOblen; cine derselben communioirte rait dorn Abscess in dei' SuboutiSi Die ont-spreohenden Stollen der Pleura zeigten eitrig-ftbrinüse Beläge, Auch in der Halsrauskulatur fanden sieb zahlreiidie Abscesso, wclcbo mit gruuera Eiter angefülll waren.
Offenbar bandelte es sieb um eine Pyäraie und Polyartbritis purulenta.
Als uiiio infectiöse Gelenkentztlndung muss uueh der Gelenk­rheumatismus betrachtet werden, doch verläuft der Process in der Regel nicht in dem Masse zerstörend wie bei den genannten Leiden. Dafür tritt der Gelenkrheumatismus häufig an mehreren Gelenken zu­gleich oder bald nach einander auf (Polyarthritis rheumatioa); er wird am häufigsten bei Hindern, seltener bei Pferden, Schweinen und Huiulen angetroffen.
Noack (Dresd, Her. 1891) beobachtete wiederholt multiple Arthritis bei Kindern in Folge von Erkältung. Betroffen waren vorzugsweise die Sprunggelenke, nicht selten auch die Fesselgelenke; es litten Thiere jeden Alters und Qeschleohtes. Hohe Temperatur im Stalle soll nach Noack das Leiden begünstigen, welches namentlich Thiere befällt, die durch ihren Stand an der Thür Erkältungen ausgesetzt sind. Oft soll bei Entfernung des Düngers Gelegenheit zur Erkältung gegeben werden, wobei Thiere, die unlängst gekalbt halten, besonders gefährdet sind.
Das Vorkommen dieses Leidens bei Pferden wird von Diecker-hoff in Zweifel gezogen: soviel steht allerdings fest, dass es hier selten auftritt.
Eine Polyarthritis rheumatioa wurde von uns beim lluiule beob­achtet. Die männliche, graue Dogge zeigte guten Nährzustand, glänzendes und glatt anliegendes Deckhaar. Der Blick des Thieres verrietli Angst und Schmerz. Auf dor Seite liegend war der Hund nicht zu bewegen aufzu­stehen; beim Vorsuche ihn aufzuheben schrie derselbe. Säinmtliehe Gelenke sowohl der Vorder-, wie auch der Hintergliedmassen zeigten sich vermehrt warm, angeschwollen und sowohl auf Druck, wie auch bei passiven Be­wegungen äosserst schmerzhaft. Die Synovialis war ausgedehnt; an den grösseron Gelenken bestand Fluctuation. Aeussere Verletzungen fehlten. Die Mastdarmtemperatur betrug ;390 C. Die sichtbaren Schleimhäute nor­mal gefärbt. Pulse 85, Athemzüge 26 pro Minute. Die Auscultation er­gab ein negatives Besultat. Appetit mangelhaft; Wasser wurde in reich­licher Menge aufgenommen. Päces und Harn normal, Anschwellung der Lymphdrüsen fehlte.
Diagnose: Polyarthritis rheumatica.
Abwechselnde (iaben von Antipyi'in und Natrium salicylicum führten neben Warmhalten des Körpers in 14 Tagen Heilung herbei.
Line eingehende Beschreibung derartig erkrankter Gelenke beim Pferde liefert Trasbot. Das Pferd, welches an einer rheumatischen Entzündung des Scbullergolonks behandelt und von dem Leiden geheilt war, erkrankte einige Monate später unter (ieberhaften Erscheinungen auf dem linken Hinter-fusse und bald darauf am rechten Vorderfusso, Im weiteren Verlaufe zeigte das'finer Schmerzen auf allen vier Ptissen, lag beständig, konnte sich kaum von der Stolle bewegen und ging dann an Deeuhitus ein,
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QelenkoBtzUndunff — Synoritia aouta.
#9632;'505
Bei der Section fand sieh die Mebnabl der oberen Gelenke an allen vier Gliedintisseii krankbaft verändert, wäbrend nur eine Sebnenscbeide, niiinlicli die des Kronbeinbeugers auf dem Calcaneus erkrankt war. in allen erkrankten Qelenken zeigte sieh die Synovia rOtbliob, eingedickt, geleeartig, die Gelenkkapseln überall verdickt, die Zotten der Synovialis vasoularisirt. Im linken Hüftgelenk fand man Zerstörungen des Knorpels (üsuration); die noch erhaltenen Enorpelpartien rOtbliob gefärbt und zwar durob den unter ihnen liegenden, vasculnrisirten Knochen. Dieser war von einer dünnen tjage eines stark vascularisirten spongiösen Gewebes bedeckt; selbst die compacte Knochonsubstany, Hess sich leicht schneiden, und ihre Harversi-sclien Kanüle waren so stark erweitert, dass mau diese mit blossem Auge erkennen konnte. Das Knochenmark erschien intensiv roth gefärbt. Im Kniegelenk konnten dieselben Veränderungen nachgewiesen werden. Der Knorpelüberzug des Sprunggelenkes war zwar intact , docb bestand eine acute Synovitis in der Scheide des Kronbeinbeugers; diese war von einer eitrigen Synovia stark ausgedehnt, in welcher sich körniger Detritus befand. Die Insertion der Sehne der Mm. Gastrocnemii sowie des Kronbeinbeugers war erweicht und zerfasert.
Gleiche Veränderungen zeigten auch das Hüft- und Kniegelenk der anileren Seite, endlich auch das Schultergelenk. Das Herz war gesund.
Einen ähnlichen Fall von Polyarthritis beschreibt Dammann. In den Sprung- und Fesselgelenken eines wegen rheumatischer Lahmheit be­handelten Pferdes fand sich dünne, trübe Synovia, die Synovialis überall verdickt, ihre Zotten vergrössert, der Gelenkknorpel raub, uneben, stellen­weise geschwunden; ein ähnlicher Zustand wurde auch in den Sehnenscheiden der Beuger angetroffen.
Siedamgrotzky fand bei einem Pferde, welches 5 Monate lang an wandernder Sehnenscheidenentzündung, sohliessUcb an heftigem Fieber und starker Gelenkanschwellung gelitten hatte. Entzündung säiimitlicher Gelenke der Vorder- wie, Hinterschenkel, kleine pneuruonische Herde und Endo­carditis. In der dilatirten rechten Herzbälfte war das Endocardium bis auf 3 mm verdickt, gelblich und rauh, die Klappen und ihre Sehnenfiiden ver­kürzt, mit Granulationen besetzt.
Sand beobachtete wiederholt bei Kühen Gonitis serofibrinosa, welche später mit Resorption des Gelenkknorpels, mit Abscbleifung der Knochen-llächen und schliesslich mit Luxation des Kniegelenks verbunden war.
Es handelt sich bei den rheumatischen öelenkaffectionen vor­nehmlich um eine ficute seröse Synovitis. wobei die oben beschriebenen Veränderungen erscheinen, die häufig mit Hämorrhagien verbunden sind. Nach wiederholten Anfällen sowie bei chronischem Verlauf kommt es wohl zu Wucherungen an der Synovialmembran und zu (K'structiven Veränderungen am Gelenkknorpel, ja selbst zur Ver­wachsung des Gelenkes. Ob bei dieser Art Gelenkerkrankung bak­terielle Schädlichkeiten im Spiele sind, muss als unentschieden, wenn auch als nicht unwahrscheinlich bezeichnet werden. Sahli will in einem Falle von Gelenkrheumatismus heim Menschen einen dem Staphylo-COCOUS citreus miliestoheiiden Coccus als Ursache des Leidens fest-
gestellt haben.
Möller u. Frink, Allgemtlne Ohlrargle fltr Thlei'ärzte.
Aull,
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Krankheiten der Gtalenkei
lie ss-Horn uiitersi/hmdet an infeetiüsen Gulunkoiit/.üiidun^en bei Wiedorkäucni und Schweinen folgende:
1.nbsp; Tuberkulöse, oft einige Wochen nach dem fiebilren und vor-nehnilich am Kilon bogen- und Kniegelenke, häufig auch an Sehnenscheiden auftretend,
2.nbsp; Aonter Gelenkrheumatismus. Hess vermuthet, dass besonders nach dem Qebären metastatisehe (ielenkeiitzündungon mit rheumatischen Erkrankungen oft verwechselt werden.
3.nbsp; Synovitis serosa s. sero-fibrinosa in Folge von Mastitis.
4.nbsp; Synovitis serosa s. sero-i'ibrinosa in Folge des Puerperiums (Betentio placent., Metritis).
5.nbsp; Synovitis sero-l'ibr i nosa s. fibrinosa sioca in Folge von Pyiimie.
6.nbsp; Synovitis sero-1'ibrinosa s. fibrinosa sioca in Folge von Omphalitis.
7.nbsp; Synovitis sero-fibrinosa s. fibrinosa sicca in Folge von Kalberruhr,
8.nbsp; nbsp;Arthritis fungosa in Folge von chronischem Stilbchenrothlaut'.
9.nbsp; Synovitis fibrinosa s. caseosa in Folge von Schweineseuche.
10.nbsp; Arthritis fungosa in Folge von inf'ectiöser Agalactie.
Der Verlauf gestaltet sich bei der acuteu, aseptischen Synovitis um vieles günstiger als bei der infectiösen; im ersten Falle kommt es oft zur Restitutio ad integrum, indem mit der Reizwirkung die Hyperämie nachlässt, und die entzündlichen Exsudate resorbirt werden. Dass dieses bei der serösen Form leichter erfolgt als bei der sero-fibrinösen, liegt auf der Hand, zumal das die Oberfläche bedeckende Fibrin die AbHusswege verschliesst; daher muss der Resorption ein Zerfall des fibrinöseu Exsudates vorangehen, und darüber vergeht eine längere Zeit, als zur Entfernung der serösen Flüssigkeit erfor­derlich ist. Aber auch diese kann dauernd bestehen, d. h. die ab­norme Menge der Synovia kann im Gelenke erhalten bleiben (chro­nische Gelenkgalle). Die entzündlichen Erscheinungen verlieren sich alsdann, während der Hydrops zurückbleibt. Dieser Ausgang wird um so wahrscheinlicher, je länger der Zustand besteht, und je mehr die Gelenkkapsel eine abnorme Ausdehnung erfahren hat. Bei der sero-fibrinösen Form beobachtet man diesen Ausgang häufiger als bei der rein serösen.
Die unter dem Bilde einer katarrhalischen Gelenkentzün­dung auftretende infectiöse Synovitis nimmt in der Regel einen günstigen Verlauf, indem oft schon nach wenigen Tagen die; Ent­zündungserscheinungen sich zurückbilden, und vollständige Heilung eintritt: wo es jedoch zur Eiterung mit Zerstörung des Gelenkknorpels gekommen ist, d. h. wo die Schmerzen erheblich und andauernd sind, da bleibt jede Aussicht auf Erhaltung des Gelenkes ausgeschlossen. In
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Ocleukpiit/.iimhinir — Verlauf.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;:',ii7
der Regel geht hierbei der Patienl in Folge allge.....iner, septischer
oder pytoischer Ei'ln'ankuug zu Grunde, wenn man sich nicht bereits früher zur Tödtung desselben entschlossen halle. Allerdings hängt der Ausgang zum Theil von der Zahl und Beschaffenheit der er­krankten Gelenke ab. Als Regel gilt, dass die Gefahr mit der Aus­dehnung der Gelenkhöhle wächst, daher /.. li. an der Vorderfuss-wurzel nicht so gross ist wie am Kniegelenk, Leiden mehrere Glied­massen, so beschleunigt Decubitus oft den tödtlichen Ausgang. Bei schwerer eitriger Synovitis kann die Heilung nur durch Verwachsung des Gelenkes erfolgen; es bildet sieh eine Synostosis ossea (Anky-lose), indem die Knochen im Gelenke mit einander verwachsen.
Die klinischen Erscheinungen gestalten sieh hiernach ver­schieden, Bei der acuten serösen und sero-flbrinösen Synovitis stellt sich neben Schmerz und vermehrter Wärme eine der Lage und Aus­dehnung des Gelenkes entsprechende Anschwellung ein. welche theils auf der stärkeren Füllung der Gelenkhöhle, theils auf dem Oedem in der Umgebung beruht,. Tritt der erstere Factor in den Vordergrund, so erscheint die Anschwellung elastisch, fluctuirend und entspricht der Configuration des Gelenkes. An den Gliedmassen entsteht sowohl durch die Schmerzen, wie auch durch directe Beschränkung der Be­wegung Lahmheit; bei Drehbewegungen sowohl, wie auf Druck zeigt sich das Gelenk' schmerzhaft, und wo viel Fibrin in die Gelenkhöhle abgeschieden war, wird auch wohl ein winches Crepitationsgeräusch (Schneeballenknirschen) beobachtet. Allgemeine Störungen pflegen mit dieser Erkrankung nicht verbunden zu sein.
Rheumatische Erkrankungen kennzeichnen sich durch ihren wech­selnden Verlauf und die Neigung zu wandern: durch Remissionen und Exacerbationen und Uebergreifen von einem Gelenke auf andere.
Bei eitriger Gelenkentzündung treten die oben genannten Er­scheinungen mit besonderer Heftigkeit auf und sind in der Regel von Fieber begleitet. Bewegung des Gelenkes und Druck auf das­selbe lösen heftige Schmerzen aus; die anfangs weiche Anschwellung wird bald hart, derb, und nachdem Fluctuation aufgetreten, bricht der Abscess durch, ein Vorgang, der sich im weiteren Verlaufe noch öfter wiederholt. Die bei der serösen Gelenkentzündung meist- rund­liche Anschwellung nimmt hier eine spindelförmige Gestalt an. Bestellt eine Gelenkwunde, oder ist, das Kapselband perforirt, so entleert sich mit Eiter untermischte Synovia und schliesslich reiner Eiter.
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JJOSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
Unter Berücksichtigung dieser BigenthUmliohkeiten füllt die Unterscheidung der serösen (aseptischen) Gelenkentzündung von einer eitrigen nicht schwer; eine Trennung, die natürlich höchst wichtig erscheint. In zweifelhaften Fällen kann eine Probepunction des Ge­lenkes (siehe unten) entscheiden.
Zu den genannten Erscheinungen tritt bei manchen Gelenkent­zündungen endlich die Neigung, das erkrankte Gelenk in Flezions-stellung zu halten. Die zur Erklärung dieser Erscheinung bisher aufgestellten Theorien genügen jedoch nicht. Gegen die Annahme, dass es sich um eine rellectürische Muskelwirkung handelte (Reflex­theorie), indem die stärkeren Beuger das Uebergewicht erlangen, spricht der Umstand, dass heim Pferde /,. B. an den Hinterschenkeln die Streckmuskeln ohne Zweifel mit bei weitem grösster Kraft aus­gestattet sind, hier also eine Streckstelluug eintreten müsste, was jedoch nicht der Fall ist. Aber auch die B onn et'sche Theorie, wo­nach die Capacitftt der Gelenkhöhle in der Beugestellung grosser ist, jede Streckung des erkrankten Gelenkes also eine Drucksteigerung in demselben und damit grössere Schmerzen erzeuge (mechanische Theorie), vermag diese Erscheinung nicht vollständig zu erklären. Wir finden dieselbe nämlich auch bei Gelenkentzündungen, welche zu einer stärkeren Füllung des Gelenkes nicht; geführt haben, /,. B. bei der Gonitis chronica der Pferde, während bei anderen Gelenkentzün­dungen, z.H. am Kronengelenk (Schale) und Sprunggelenk (Spat), dieses Symptom nicht selten vermisst wird.
Die Behandlung der acuten serösen Synovitis verlaugt zunächst Immobilisation des Gelenkes und Anwendung von Killte zur Be­schränkung der entzündlichen Congestion sowie der exsudativen Vor­gänge. Wo es möglich ist, legen wir eine Binde fest um das Ge­lenk, um Bewegungen in demselben thunlichst zu verhindern, und kühlen das entzündete Gelenk. Lassen die acuten Erscheinungen nach, und handelt es sich um Beseitigung des Ergusses aus dem Gelenke, so findet sowohl feuchte Wärme, wie auch methodische Compression und Massage Anwendung. Da die letztere, welche täglich mehrmals erfolgen muss, bei Thieren auf Schwierigkeiten stösst, und nur selten consequent durchgeführt werden kann, so empfehlen sich besonders Priessnitz'sche Ein Wickelungen. Um das erkrankte Gelenk wird eine mit kaltem Wasser getränkte Binde gelegt und darüber eine wollene. Durch kräftiges Anziehen der Binden, welche alle 4—5 Stun­den zu wechseln sind, erzielt man Feststellung des Gelenkes und ver-
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QelonkentsUndnna
Bebandlui
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liiiulerfc die mit jeder Bewegung in demselben verbundene Reizung der entzündlich erkrankten Synoviiilis. Wo diese Mittel nicht zum Ziele führen, geht, man alsbald y.u einer scharfen Einreibung Über, die du, wo ein Verband nicht anzubringen ist, sich der Anwendung der Kälte direct anschliessen kann. Auch hier wirken die Eautreize muh unserer Ansieht vornehmlich mechanisch; durch den gleichmässigen und andauernden Druck auf die Gelenkkapsel wird die Resorption ihres abnormen Inhaltes gefördert. Bei rheumatischer Erkrankung müssen die bekannten antirheumatischen Mittel (Salicylsäure etc.) angewendet werden.
Gegen die chronische Gelenkgalle kommen ebenfalls Scbarfsalben zur Anwendung, doch ist hier im allgemeinen das Glüheisen, besonders in Strichform vorzuziehen, dessen durch Narbenretraction verstärkte Druckwirkung nicht nur andauernder, sondern auch energischer aus­fällt. Auch verdient das englische Pflaster sowie Collodiuni canthari-datum, bezw, Sublimatcollodium wegen ihrer grösseren Druckwirkung vor Scbarfsalben den Vorzug.
Bei der chronischen Gelenkgalle muss endlich auch Massage mit methodischer Compression empfohlen werden, vorausgesetzt, dass sich diese Behandlungsweise energisch durchführen lässt. Unter Umständen können bei chronischer Svnovitis neben Massage und Compression auch Bewegungen des Gelenkes nützlich werden, indem hierdurch die Re­sorption des entzündlichen Ergusses befördert, und die Retraction des neugebildeten Bindegewebes in der Umgebung des Gelenkes verhindert wird. Daher empfiehlt sich zuweilen die Thiere auf weichem Boden in langsamer Gangart zu bewegen, ohne sie indess anzustrengen.
Zu operativen Eingriffen entschliesse man sich nur, sofern ein aseptischer Wundverlauf und zwar auch ohne Occlusivverband in Aussicht steht. Man ist niemals sicher, dass der Patient den Verband liegen lassen wird, es sei denn, dass ausnahmsweise eine permanente Beaufsichtigung desselben möglich erscheint: doch vergesse man nicht, dass auch dabei Fehler gemacht werden, die später dem Operateur in der Regel zur Last fallen. Relativ ungefährlich erscheint die Function des Gelenkes mit einem feinen Trocart, sobald dieselbe unter anti­septischen Massnahnien ausgeführt werden kann. Zu dem Zwecke wird die äussere Haut rasirt, abgeseift, mit Seife abgebürstet und mit einer 5%igen Carbollösung oder 0,ln/oigen Sublimatlösung ab­gespült, sodann der durch 5—10 Minuten langes Kochen in Wasser oder besser l0/oiger Sodalösung sterilisirte Trocart, oder eine Hohl­nadel in das Gelenk eingestochen, und der Inhalt zum Abllnss ge-
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;J10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankkoiten der Qelonkoi
bracht. Nach Entleerung desselben injicirt man eine womöglicli frisch bereitete Jodjodkaliumltisung (1 : ;'gt; : 20), sucht durch Kneten ilcs Gelenkes die Flüssigkeit rail allen Abschnitten der Synovialis in Berührung zu bringen, worauf man dieselbe wieder abüiessen lässt und die Operationswunde mit Jodoformcollodium oder einem ähnlichen Schutzmittel bezw, Verband versieht. Man darf sich von solclien Einspritzungen jedoch keinen sicheren Erfolg versprechen; zuweilen entwickelt sich ein massiger Entzünduugsprocess, welcher im Verlaufe von einigen Wochen zu einer Verdickung der Wand der Synovialis führt, während ihr abnormer Inhalt allmählich resorbirt wird, in an­deren Füllen jedoch bleibt das Verfahren selbst wiederholt angewendet ohne Erfolg. Auch wurden Ausspritzungen mit 30/oiger Carbolsäure oder 0,ln/nig6r Sublimatlösung empfohlen. Wichtig ist, bald nach Entleerung des Inhaltes einen fest anliegenden Compressivverband zu appliciren: am meisten eignen sich hierzu Gummibinden. Wo ein Verbund nicht anzulegen ist. empfiehlt sich alsbald eine scharte Ein­reibung zu machen (Sublimat 1:10). Bassi hält hiervon sogar mehr als vom Druckverband. Da die Incision des Gelenkes stets einen Occlusivverband erfordert, so erscheint dieselbe bei Thieren gefährlich. Wird nämlich der Verband abgerissen, so entsteht eine purulente Gelenkentzündung mit ihren meist unheilbaren Folgen. Wenn in ein­zelnen Fällen derartige Heilversuche zum Ziele führten, so beweist das noch keineswegs die Zweckmässigkeit, bezw. Ungefiihrliclikeit dieser Methode im allgemeinen.
Kanu ein wirksamer Compressivverband nicht angelegt werden, so füllt sich die Gelenkhöhle innerhalb weniger Stunden von neuem; auch die Jodeinspritzung vermag das meist nicht zu verhindern. Da­gegen beobachtete mau unter Umständen von wiederholten Ent­leerungen Nutzen; das Gelenk wird nach I—li Wochen von neuem und so :gt;—Imal punktirt, worauf zuweilen Heilung eintritt. Von H avnal wurde neuerdings Injection von Weingeist empfohlen, üeber die Wirkung dieser Einspritzungen ist man noch keineswegs im Klaren. Behauptet wird, dass diese Mittel an der Oberfläche der Synovialis eine Veränderung hervorrufen, welche der weiterem Ab­sonderung hinderlich sei.
Bei Thieren wurde mehrfach die Eröffnung der Galle mittelst des Glüheisens empfohlen. Mit dem glühenden Stift eines Brenneisens wird die Gelenkkapsel perforirt, worauf der Inhalt des Gelenkes ab-tliesst. Die alsbald folgende entzündliche Schwellung führt zum Ver­seil luss der natürheh aseptischen Wunde, weshalb diese Methode der
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Qelonkontzttndansf
BsbandlunKi
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Eröffnung des Gelenkes nicht so geftlhrlich erscheint, wie die mit dem Messer. Doch lassen die Erfolge auch hierbei oft zu wünschen üliri^. Führt das Verfahren in einzelnen Füllen zum Ziele, so bleibt es in anderen nutzlos, indem sicli alsbald die frühere Anfüllung des Gelenkes wieder einstellt. Auch liier empfiehlt sieh, auf die Eröffnung des Qelenkes sofort eine scharfe Einreibung folgen zu lassen.
Aehnlich gestaltet sich die von öloag empfohlene Acupunctur der Galle, besonders des Sprunggelenkes. In einen Kork werden vier Nadeln so eingestochen, dass ihre Spitzen etwa lö nun hervorragen; auf Jeder Seite des Gelenkes drückt man die Nadeln einmal in die Galle hinein, worauf der Inhalt ahfliessen soll. Diese Behandlung wird nach fünf Tagen wiederholt, dann eine Jodeinreibung gemacht und eine elastische Binde angelegt, welche lungere Zeit hindurch liegen bleibt.
Aehnlich soll mau in Algier vorgehen. Mit einer Nadel werden 2—3 Einstiche gemacht, der Inhalt der Galle ausgedrückt, dann die Oberfläche der Haut mit Punkt- oder Strichfeuer behandelt, worauf eine längere Kühe folgt. Man lasse indess bei derartigen Eingriffen die Hegeln der Antisepsis niemals aus dem Auge.
Die Anwendung von Gummibinden verlangt einige Vorsicht. Man lasse dieselbe zunächst nur einige Stunden liegen, ersetze sie alsdann durch eine fest angelegte wollene Binde und beachte den Zustand der äusseren Haut, die durch intensive Wirkung der Gummi­binde in Nekrose versetzt werden kann. Beim Wechsel der Binden ist das Gelenk kräftig zu massiren.
Bezüglich der eitrigen Gelenkentzündung spielt die Prophy­laxis eine Hauptrolle. Gelenkwunden und Eiterungen in der Nähe von Gelenken sind mit strengen Massregeln der Antisepsis zu behandeln (S. 1D!). Wo eine eitrige Entzündung der Synovialis bereits einge­treten ist, vermag die Therapie hei grösseren Thieren nur selten noch etwas zu leisten. Sofern die Zufälle nicht sehr heftig sind und eine oberflächliche Erkrankung (katarrhalische Gelenkentzündung) erwarten lassen, suche man durch feuchtwarme Ein Wickelungen, Bepinselungen mit Tiuctura Jodi, womöglich in Verbindung mit einem Druckverband, die Resorptionsvorgänge in dem Gelenke zu fördern. Mehrfach sahen wir von recht warmen Umschlägen (so heiss die eigene Hand sie ver­trägt) vortheilhafte Wirkung. Wo mit dieser Medication in 3 bis 4 Tagen keine erhebliche Besserung erzielt wird, kann auch eine scharfe Einreibung versucht werden; doch verspreche man sich nicht zu viel von ihr.
Gegen bereits vorgeschrittene eitrige Gelenkentzündung bleibt
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312nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Gelenke.
die Behandlung im allgemeinen machtlos; bei gnisseron Thieren ist in der Regel baldiges Schlachten vorzuziehen, da auch der günstigste Ausgang, die Verwachsung des Gelenkes, ünbrauchharkeit zur Folge hat.
Bei kleineren Thieren können Versuche mit Uesectionen und Amputationen gemacht werden, im ganzen aber befriedigen die Er­gebnisse dieser Operationen bei Thieren weder den Besitzer, noch den behandelnden Arzt. Die beim Mensehen oft mit Erfolg angewendeten Ausspülungen des eitrig erkrankten Gelenkes mit 30/oiger Carbolsiiure oder 0,l0/oiger Sublimatlösung haben hier meist keinen Nutzen, was zum Theil in den grösseren Schwierigkeiten begründet, sein mag, die mit dieser Medication bei Thieren verbunden sind. Ist das Gelenk bereits orten, so kann durch Ausspritzungen mit diesen Mitteln, oder durch permanente Irrigation die Geleukhöhle zu desinficiren versucht werden; doch verspreche man sich auch hiervon nicht zu viel. Dasselbe gilt von den auf inetastatischem Wege zu Stande gekommenen eitrigen Gelenkentzündungen.
Die Arthritis rheumatica verlangt in erster Linie Schutz gegen neue Erkältungen. Man lasse dem Thiere einen warmen, zugfreien Stall gehen; entferne es aus der Nähe der Thiir und gebe demselben einen geschützten Platz. Kleinere Thiere bleiben im warmen Zimmer. Die erkrankten Gedenke werden, soweit möglich, warm eingehüllt und mit Tinct. Jodi bepinselt, oder mit Jod- oder Quecksilbersalbe ein­gerieben. Neuerdings wird Ichthyol hierzu sehr empfohlen (Babe). Innerlich versuche man Salicylsäure, Antipyrin u. s. w.; ein sicherer Erfolg ist jedoch von diesen Mitteln nicht zu erwarten. Es scheint, dass bei Thieren ein ähnliches Verhältniss besteht wie beim Menschen, nämlich eine gl'OSSe individuelle Verschiedenheit; bei einem wirkt dieses Mittel, bei dem anderen jenes, bei wieder anderen keines.
2. Die Synovitis chronica tritt in drei verschiedenen Formen auf und zwar a) als Synovitis chronica serosa, b) als Synovitis chronica iudurativa s. fibrosa und c) als Synovitis chronica su ppurat i va.
Bei der ersteren kommt es seitens der Synovialmembran zu einer allmählichen Abscheidung von Serum in die Gelenkhöhle, zur Bildung eines chronischen Hydrops articuli (Hydarthros), einer sog. kalten Galle. Dabei zeigt sich die Synovialis bald wenig verändert, bald aber entsteht unter dein Einflüsse der chronischen Heizung Vas-eularisation und Proliferation derselben. Sie erscheint alsdann fleckig oder ditfus geröthet, ihr Gewebe verdickt, namentlich erfahren ihre
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Gelenkentzündung - Synovitis ohronioa,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.'ilii
Zotten Vergrösserung, wodurch die Oberllilche der Synovialis eine raube, unebene Beschaffenbeit erlangt, Die gewueberten Zotten können sieh von der Oberfläche loslösen und in die Gelenkhöhle fallen, sodass sieii eine grosse Anzahl reiskorniilmlicher Körper (Corpora libra s, oryzoidea) der Synovia beimischt (Synovitis proliferans),
Ursachen. Dieser Zustand kann durcli einen von vornherein chronisch verlaufenden Rei/ungsprocess, z. li. durch andauernde, an­gestrengte Arbeit vemnlasst werden, oder er bildet den Ausgang einer acuten serösen oder fibrinösen Synovitis; beides wird bei Thieren, namentlich Pferden nicht selten beobachtet. Dass dispositioneile Ver­hältnisse, welche in der Einrichtung der Gelenke begründet liegen, bei dem in Bede stehenden Leiden eine grosse Holle spielen, ergibt sich schon aus dem Auftreten desselben an verschiedenen Gelenken bei demselben Thiere. Entzündliche Erscheinungen lassen sich hier­bei klinisch oft nicht nachweisen. Es fehlt sowohl vermehrte Wärme, wie auch Schmerz und Lahmheit; doch können nach stärkeren An­strengungen diese zeitweise hervortreten und die Gebrauchsfähigkeit der Thiere mehr oder weniger stören. Nur eine, der Configuration des Gelenkes entsprechende, weiche, fiuetuirende Anschwellung kenn­zeichnet das Leiden.
Der Verlauf des Processes gestaltet sich stets chronisch. In der Regel zeigt sich der Zustand andauernd, nicht selten unheilbar: da­gegen sind weitere naclitheilige Folgen mit demselben für gewöhnlich nicht verbunden.
Bezüglich der Behandlung muss auf das S. 309 Gesagte ver­wiesen werden. Massage, methodische Compression und scharfe Haut­reize bilden auch hier die wichtigsten Heilmittel; von den operativen Eingriffen gilt dasselbe, was von der Anwendung derselben bei der Synovitis serosa acuta erwähnt wurde.
Läuft die chronische Entzündung in den tiefen Schichten der Synovialis ab, so kommt es zu Bindegewebswucherungen und Ver­dickung derselben (Synovitis fibrosa). In der Kegel greift die Heizung und Wucherung auf das subsynoviale Bindegewebe, nicht selten auch auf die Gelenkkapsel über, wobei beide mit einander verwachsen können. Die allmählich fortschreitende, selbst auf das periarticuläre Bindegewebe sich erstreckende Verdickung führt zu einer ähnlichen, aber harten, derben Anschwellung des Gelenkes wie der Hydrops;
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^14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
deshalb spricht man von einer verhärteten (Jüllo. Da sich im weiteren Verlaufe des Leidens Retraction des ueugebildeten Binde­gewebes einstellt, so kommt es zu einer geringeren oder grösseren Eünschrilukung der freien Bewegung des Gelenkes; dies ist nament­lich der Fall, wenn die fibröse Gelenkkiipsel an der Verdickung Theil nimmt.
Bei beiden Formen der chronischen Svnovitis bleibt der Gelenk­knorpel in der Regel intaci ; zuweilen aber stellen sieh an den Rand-bezirken desselben Wucherungen ein, Auch das benachbarte (sub-synoviale) Periost tritt wohl in den Kreis der Erkrankung ein. und so entstehen Exostosen in der Umgebung des Gelenkes (extraarticu-1 ü r e E x o s t o s e n).
Ursachen. Chronische Reizungsprocesse, die in der Regel vom
Kapselbaude ausgehen, leiten den Zustand für gewöhnheb ein. Zer­rungen der Gelenkkapsel in Folge fehlerhafter Stellungen, unzweck-mässigen Beschlags n. s. w. geben oft die Grundlage zur Entstehung der Krankheit ab. welche am häufigsten an den Gelenken der l'ha-langeu. besonders am Fessel- und Kronengelenk (Schale) bei Pferden beobachtet wird. Der Zustand findet sich daher häufig als eine Be­gleiterscheinung der sog. Struppirtheit der Fesselgelenke, besonders an den Uintertussen der Pferde. In manchen Fällen bildet das Leiden den Ausgang von Distorsionen.
Die Beurtheilung des Zustandes muss nach dem oben Gesagten im allgemeinen ungünstig ausfallen, zumal in vielen Fällen die Ursache desselben nicht dauernd zu beseitigen ist. Es kommt daher in dem concreten Falle vornehmlich auf die Gebrauchsstörungen an. welche mit dem Leiden verbunden sind. Ungünstig gestaltet sich die Prognose. wo der Zustand bereits im Jugendlichen Alter, ohne schwere Arbeit und an mehreren Gelenken hervortritt.
Erscheinungen. Klinisch giebt sich die Synovitis chron. fibrosa durch eine derbe, mehr oder weniger harte, nicht vermehrt warme und wenig schmerzhafte oder schmerzlose, diffuse Anschwellung des Ge­lenkes zu erkennen (verhärtete Galle), welche in der Regel eine spindelförmige Gestalt besitzt, weil sie nur selten auf das Gelenk selbst beschränkt bleibt, sondern auch zu Verdickungen in der Nachbar­schaft desselben führt. Lahmheit fehlt dabei in der Regel, oder tritt nach stärkeren Anstrengungen vorübergehend auf; sie kann aber unter Umständen andauern.
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Qelonkentzttnduug Synovitis ohronioa flbrosa und suppurativai 316
Behandlung. Die Therapie vermag hierbei nichl viel zu leisten. In priiservativer Hinsicht ist ein mit Rücksicht auf die Stellung der GtUedmassen ausgeführter Hufbesohlag beachtenswertb; auch müssen die acut entzündlichen Processe des Bandapparates der Gelenke (Dls-torsionen) sorgfältig behandelt werden, Qegeti den Zustand selbst empfiehlt sich in erster Linie methodische Compression, Massage und scharfe Ableitung. An den unteren Abschnitten der Gliedmassen lilsst man das erkrankte Gelenk nach jeder Arbeit kräftig bandagiren und von Zeit zu Zeit mit Priessnitz'schen Einwickelungen behandeln. Scharfe Hautreize nützen nur so lange, als noch acut entzündliche Er­scheinungen bestehen; später nicht mehr, Hier bleibt zuweilen noch die Neurektomie Übrig, um die etwa bestehende Lahmheit zu beseitigen. Man überzeuge sieb jedoch, dass diese nicht etwa durch mechanische Behinderung der Bewegung im Gelenke veranlasst wird, in welchem Falle durch die Neurotomie die Lahmheit nicht gehoben werden kann; starke Vrerdickungen, verbunden mit Kxoslosenbildung, lassen dies ver-ninthen. Im übrigen kann die Beweglichkeit des Gelenkes direct ge­prüft werden.
Die chronische suppurative Synovitis bildet das Resultat einer Reizung durch [nfectionsstoffe von geringerer Virulenz. Beim Binde giebt, Tuberculose ebenso wie beim Menschen gelegentlich hierzu Anlass, indem die Tuberkelbacillen entweder direct in der Synovlalis eine chronische Entzündung anregen, oder vom Knoclienmarke aus das Gelenk in Mitleidenschaft ziehen. Die Synovialis schwillt an. zeigt eine lebhafte Vascularisation und plastische Infiltration, und nach­dem das Endothel ihrer Oberfläche abgestossen ist, entwickelt sich hier eine bald schneller, bald langsamer fortschreitende mit Tuberkeln durchsetzte Granulation unter gleichzeitiger Eiterung und allmählicher Füllung dos Gelenkes mit Eiter. Die Folge hiervon ist Zerfall des Gelenkknorpels, welcher theils durch die, Einwirkung des Eiters ein­geschmolzen, theils von den ihn mehr und mehr verdrängenden Granu­lationen aufgelöst wird. Sobald die Zerstörung bis auf die sub-chondralen Partien der Knochen vorgeschritten ist, entwickeln sich in dem spongiösen Gewebe derselben ebenfalls Granulationen, welche zur weiteren Zerstörung des Knorpels beitragen. Wegen der in den Vorder­grund der Erkrankung tretenden Granulation bat man das Leiden auch wohl als Arthritis t'ungosa bezeichnet, so dass sich der Vorgang der acuten eitrigen Synovitis ähnlich gestaltet, von welcher derselbe nur durch den langsamen, weniger stürmischen Verlauf unterschieden ist. Man darf hiernach also verniiithen, dass die Infection eine weniger
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ol()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
intensive Reizung veranlasst hat; wahrsoheinlicli handelte es sich um Mikroben von geringerer Virulenz. Neben Tuberkelbaoillen könneu Eiterkokken den Zustand erzeugen. Bei Kühen und Schweinen hat man chronisch eitrige Erkrankungen der Gelenke beobachtet und /war meist am Knie- und Sprunggelenk. Hei Ziegen beobachteten Hess und Guillebeau A, fungosa, bei Schafen in Begleitung der sog. Agalactie (infectiöse Mastitis).
Tuberculöse Gelenkentzündung wurde vornehmlich beim Kinde, aber auch hei anderen Thieren gefunden, Eine von Hess an hochgradiger Lahm­heit behandelte Kuh wurde von Guillebeau secirt, wobei sich das linke BUenbogengelenk verdickt zeigte, Auf der medialen Seite bestand eine tluctnirendn Geschwulst , auf der lateralen waren keine erheblichen Ver-tlnderungen nachzuweisen. Das Gelenk enthielt kleine Mengen eines gelb­lichen Exsudates, das wie Fibrin aussah; auf der stellenweise hyperämisohen Synovialis befanden sich kleine, gestielte Geschwülste, unter diesen ein bühnereigrosser, verkäster Knoten. In den Synovialgruben fanden sich Tuberkeln, in welchen Tuberkelbaeillen nachzuweisen waren.
Während diese Vorgänge im Gelenke ablaufen, entwickelt sich in der tJmgebung desselben eine chronische Entzündung, welche oft zur umfangreichen Verdickung des Gelenkes führt, wodurch eine An­schwellung entsteht, die sich auf dem Durchschnitt als derbe, woisse Bindegewebsmasse erweist und daher seit alter Zeit als „Tumor albusquot; bezeichnet wird. Zuweilen treten in derselben Abscesse auf.
Ursachen. Nach ihren Ursachen hissen sich die chronischen Synoviten ebenfalls in zwei Gruppen trennen, in 1. traumatische, 2. infectiöse. Zu den ersteren rechnen wir entzündliche Processe, wie sie durch Luxatiouen, Distorsionen und Quetschungen des Ge­lenkes mit Continuitätstreimungen an der Synovialmembran entstehen. Auch scheint andauernd schwere Arbeit wenigstens eine Disposition zu solchen Erkrankungen zu verleihen. Die zweite Gruppe geht entweder von äusscren Verletzungen (Gelenkwunden), oder wie die acute Synovitis (S. 302) von der Blutbahn aus. selten durch Ein­bruch infectiöser Entzündungen aus der Nachbarschaft. Heim Rinde dürfte Tuberculöse die häufigste Ursache darstellen, oft auch Misch-infection.
Prognose. Es liegt auf der Hand, dass die Beurtheilung des
Zustandes ungünstig ausfallen muss, da die allniiihliche Zerstörung des Gelenkes unaufhaltsam fortschreitet, und auf alle Fälle die Arbeits­fähigkeit der Thiere zu Grunde gerichtet wird. Auch eine anderweitige
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Arthritis ohrouloa deforraans^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 317
wirtliselnit'tliclie Ausnutzung dm- Thiere — abgesehen von der Schlach­tung — erscheint in iler Regel ausgeschlossen, so dass man die Thiere für gewöhnlich schlachten lilssi.
Behandlung. Sollte /. 15. bei Lieblingsthieren eine Behandlung verlangt werden, so würde dieselbe in Verbünden bestellen müssen, welche das Gelenk iinmobilisiren. Daneben linden Bepinselungen mil Jodtinctur abwechselnd mit hydropathisohen Umschlägen Anwendung. Oberflächliche Abscesse öffnet und entleert man, worauf die Heilung derselben zwar erfolgt, aber es pflegen immer neue an Stelle der
ff
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eheilten zu treten.
4, Arthritis chronloa deformaus.
Während bei den vorhin besprochenen EntzUndungsprocessen die Synovialis den Ausgangspunkt der Erkrankung bildet, setzt das in Rede stehende Leiden am Gelenkknorpel ein, wobei exsudative Vorgänge in den Hintergrund treten, oft ganz fehlen, daher die Be­zeichnung Arthritis sicca. A. deformaus wurde das Leiden ge­nannt, weil im Verlaufe desselben die wichtigsten Theile des Gelenkes derart verändert werden, dass das Gelenk selbst unförmlich, deformirt erscheint.
Das Vorkommen der Arthritis deformaus bei Thieren steht aussei' allem Zweifel. Bei Pferden beobachtet man den Zustand am häufigsten am Knie- und Sprunggelenk (Spat); auch an der Vorderfusswurzel und am Kronengelenk (Schale), bei Hunden am Knie- und Hüft­gelenk, wie beim Menschen. Auch als Polyarthritis erscheint dasselbe zuweilen. Schrader hat die pathologisch-anatomischen Veränderungen dieses Leidens bei Pferden zuerst eingehend beschrieben.
Bezttglich des Sprunggelenkes sowie der Erkrankung der Vorderfuss­wurzel muss zugegeben werden, dass hier auch chronische Entzündungen vorkommen, welche nicht in allen Punkten mit der Arthritis deformans tibereinstimmen. Allein wenn man in Betracht zieht, dass das Wesen dieser Krankheit selbst beim Menschen noch keineswegs vollständig klargelegt ist. und der Begriff A. deformans bisher nicht scharf begrenzt erscheint; wenn ferner in Betracht gezogen wird, dass die genannten Leiden der Thiere, namentlich des Pferdes thatsiichlich mit iihnliehen Veränderungen der Gelenke verbunden sind, so steht unseres Eraclitens nichts im Wege, alle diese Er­krankungen der Arthritis deformans zuzuzählen, Der Umstand, dass diese Leiden zuweilen einen mehr aeuten Verlauf nehmen, und dass die Ent-Wickelung sich an mechanische Insulte knüpft, kann dieser Auffassung um so weniger widersprechen, als auch beim Menschen ein ähnlicher Verlauf vorkommt, und die gleichen ursächlichen Momente mitwirken.
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Krankheiten der Gelenke.
Ursachen, üeber die Ursachen dor deformirenclen Q-elenkent}-zünduug herrscht nocli ein Dunkel. Beim Menschen beschränkt sich das Leiden meist auf das höhere Alter und wird daher vielfach als eine senile Störung angesehen (Volkmann), welche oft an trauma­tische Läsionen anknüpft. Bei Thieren sehen wir vornehmlich Indi­viduen erkranken, welche hohe Anforderungen an ihre Gelenke stellen müssen und diese einseitig gehrauchen. So beobachtet man eine Gonitis chronica, die wenigstens zu denselben Veränderungen an den Knie­gelenken führt, wie das Maluni coxae des Menschen am Eüftgelenk, fast ausschliesslich bei Pferden, die vor Pferdebahnen und im Omnibus­dienst auf ganz bestimmte Bewegungen angewiesen sind. Da gerade die hierbei in Contact tretenden Abschnitte der Gelenktlilche vor­nehmlich erkranken, so kann es keinem /weitet unterliegen, dass die mechanische Wirkung der Bewegung in naher Beziehung zu der Er­krankung steht, wenn sie dieselbe nicht allein veranlasst. Auch bei Hunden beobachtet man das Leiden häutiger, wenn diese zum Zug-dienst verwendet werden. Abgesehen von der Vbrderfusswurzel und dem Kronengelenk (Schale) erscheint das Leiden nur selten an den Vorderfüssen, weit häutiger dagegen an den grössere Arbeitsleistungen vollführenden Hinterschenkeln. Dispositionelle Verhältnisse spielen bei der Entwickelung der Krankheit offenbar eine Rolle, Wie sich am deutlichsten an den Sprunggelenken beim Spat der Pferde zeigt, üben mangelhafte Einrichtungen der Gelenke, fehlerhafte Stellungen und andere Abweichungen im Körperbau der Thiere einen begünstigenden Einfluss auf die Entstehung des Leidens aus. Im übrigen unterliegt es keinem Zweifel, dass die Anlagen dazu vererbt werden, sowie dass auch rheumatische Einflüsse bei der Entstehung des Leidens betheiligt sein können.
Der Umstand, dass das Leiden vornehmlich Arbeitsthiere befällt, lässt schon vennutlien, dass die mit den Anstrengungen verbundenen Insulte vornehmlich den Anstoss zur Erkrankung geben, seltener ein­zelne Läsionen. Von den 1890 in der preussischen Armee behan­delten chronischen Gelenkentzündungen der Pferde betrafen: 36 0/o das Sprunggelenk, 220/o das Fesselgelenk, 200/o das Kronengelenk, 8 das Hug- und 7 das Hufgelenk, während das Leiden an den übrigen Ge­lenken nur vereinzelt vorkam.
Pathogenese und Verlauf. In der Pegel bildet der Gelenk­knorpel den Ausgangspunkt der Erkrankung, Die Grundsubstanz des hyalinen Knorpels zerfasert, erfährt eine ähnliche Veränderung wie
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Arthritis ohronioa doformans,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 319
Ix'i der Behandlung mit ECaliumpernmnganat oder Trypsin (Till-niiiiuis); bald darauf gehen die Knorpelzellen eineu Wucherungs-process ein. Diese Vorgänge rauben dein Knorpel seine Festigkeit, in Folge dessen er namentlich du. wo sich die Golenkflächen berühren und an einander reiben, zerfällt (usurirt) und abgerieben wird. Auf diese Weise entstehen Schlifftlilcben, wobei der Knorpel mehr und mehr zerstört wird, bis schliesslieli die Epiphysenflächen der Knochen einander berühren. An den Rändern des Gelenkes, wo ein gegen­seitiges Reiben nicht stattfindet, kommt es zur Wucherung des Knor­pels; so entstehen höckerige, drusige Erhebungen der Randpartien des Gelenkknorpels , welche später ossideiren und in t raeapsn 1 äre Exostosen darstellen. Der Keiznngsproeess setzt sich aber auf die unter den Ansatzstellen der Synovialis gelegenen Abschnitte des Periostea fort, es bilden sich hier Osteophyten (subsynoviale Es-ostosen), welche äusserlich am Gelenke bemerkbar werden (z.B. der Spatknochen),
Die Synovinlmembran bleibt hierbei längere Zeil intact: die Synovia erscheint bald nicht verändert, bald etwas vermehrt und durch Beimischung der abgeriebenen Knorpelmassen getrübt. Später vascu-larisirt und verdickt sich auch die Synovialis, namentlich an ihren Ansatzstellen am Knochen, Die Zotten zeigen sich vergrössert. Auch die Bänder, das umliegende Bindegewebe und Periost nehmen schliess­lieli an der Erkrankung Theil; erstere verdicken, am letzteren tritt ossificirende Periostitis auf.
So schreitet der Process allmählich fort, ohne dass therapeutische Eingriffe einen erheblichen Einfluss auf den Verlauf auszuüben ver­mögen. Einen verhältnissiuässig noch günstigen Ausgang bildet die Svnostosenbildung, doch kommt diese nur an Gelenken zu Stande, welche geringe Beweglichkeit besitzen, z, B. an der Vorderfusswurzel und am Sprunggelenk der Pferde. Hier kann es nach Zerstörung des Gelenk­knorpels zur Verwachsung der Gfelenkflächen und zur Bildung einer knöchernen Ankylose kommen. Am Hilft- und Kniegelenk dagegen macht das Leiden die Thiere mit der Zeit vollständig unbrauchbar.
Strecker beschreibt das Ergebniss der Seetion bei einem Pferde mit Polyarthritis deforraans, liisst es Jedoch zweifelhaft, oh dus Leiden nicht als. rheumatisch zu betrachten sei. in siiinnitlichen Qelenken der öliedmassen, sowie am Unterkiefer-, Hinterhaupts- und [Crenzdarmbeingelenk war der Ge­lenkknorpel deutlich abgeschliffen, die Ränder mit unregelmässlgen, blumen-kohliilmiieiicn Knorpel- oder Unochenneubildungen besetzt, besonders am Tibioastragal- und Kniegelenk, Die Synovialmembran war verdickt, an einzelnen Stellen . besonders in der Niihe der Ränder des Gelenkknorpels,
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320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
sowie an tier Beuge- und Streckseito mit zottigen, stark gerötlieten Anlaquo; bängseln besetzt, die subsynovialen Gelassü stark injicirl, die Synovia ver­mehrt, dünn und trübe. Leider ist über das Alter und die Haltung dos Tbieres nichts mitgetheilt. Es handelte sieh also um eine Arthritis chronica, wie sie an einzelnen Gelenken bei Thieron häufiger beobaehtet wird.
Die klinischen Erscheinungen dieses Leidens zeigen sich ziem­lich charakteristisch. Es entwickelt sich eine langsam auftretende und in der Rege] allmählich zunehmende Lahmheit, welche zunächst nur im Anfange der Bewegung hervortritt und während derselben oft ganz verschwindet. Diese Erscheinung entspricht offenbar dem sub-jeetiven Symptome, dem Gefühl der Steifigkeit, welches sich beim Menschen nach der Inactivität an dem so erkrankten Gelenke bemerk­bar macht, aber nach einigen Schritten wieder verschwindet. Mit der fortschreitenden Zerstörung dos Gelenkes nehmen die Bewegungs­störungen zu, so dass die Thicre schliesslich zur Arbeit unbrauchbar werden. Acut entzündliche Erscheinungen fehlen aber auch dann noch, dagegen bilden sich in der nächsten Nähe des Gelenkes Exostosen aus; mit der zunehmenden Bewegungsstörung stellt sich Muskel­atrophie ein. Schon frühzeitig macht sich in manchen Fällen eine Neigung zur Flexions.steilung in dem Gelenk bemerkbar, welche nament­lich für diese Erkrankung des Kniegelenkes beim Pferde als charak­teristisch bezeichnet werden kann. Crepitation wird selten beobachtet, weil diese nur an gnisseren Gelenken (Knie) auftreten kann, die Thiere aber in der Regel früher getödtet werden. Die Synostosen-bildung führt dagegen zur Einschränkung der Bewegung, zu einer steifen Haltung des Gelenkes und lässt sich hei passiven Bewegungen oft direct nachweisen.
Die Therapie ist dem Krankheitsprocesse gegenüber ohnmächtig, und eine Behandlung lohnt sich bei Thieren nur da, wo die durch Synostosenbildung eingeschränkte Bewegung die Arbeitsfähigkeit der Thiere nicht ausschliesst. Dies trifft namentlich für die kleineren Abschnitte des Sprunggelenkes zu, wo das Leiden unter dem Namen Spat bekannt ist. Wir suchen durch andauernde (4—6 Wochen lange) Ruhe und Anregung eines acuten Entzündungsprocesses in der Qm-gehung des Gelenkes, namentlich in dem Bindegewebe und Periost, die Bildung der Synostose zu unterstützen. Dazu dienen scharfe Haut­reize (Einreibungen, Glüheisen) oder Operationen, z.B. Periosteotomie, welche eine lebhafte Exostosenbildung fördern und so die feste Ver­bindung der Knochen begünstigen. Mit dem Aufhören der Bewegungen in dem erkrankten Gelenk verschwinden auch die Schmerzen, welche
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(ioltmkimiuse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^21
hiermit verbunden sind. Wird auch das Leiden nicht geheilt, so hört doch die durch dasselbe erzeugte Lahmheit auf. Man vergleiche hierüber die beim Spat in der Speciellen Chirurgie gemachten An­gaben. Am Kronengelenk kann die durch Schale veranlasste Lahm­heit mittelst Neurektomie beseitigt werden; am Kniegelenk bleibt diese nnausfülirbar.
6. Corpora libra s. Mures aHiciiloniiii (Geleilkintluse),
Hiermit bezeichnet man die in Gelenken, entweder vollständig frei auftretenden, oder mit der Synovialis gestielt verbundenen, testen Körper. Die Mehrzahl derselben besteht aus Bindegewebe, bildet ent­weder Fibrinniederschläge aus der Synovia, oder gewucherte und später abgefallene Gelenkzotten. Oft treten sie in grosser Anzahl, in der Grosse und Gestalt von Reiskörnern auf, daher die Bezeichnung Cor­pora oryzoidea; häufiger noch als in Gelenken finden sich diese in Sehnenscheiden. In anderen Fällen entstehen Gelenkmäuse durch Absprengung kleiner Knochen- oder Knorpelstücke in Folge trau­matischer Einwirkungen auf das Gelenk; beim Menschen sah König solche Ablösungen spontan erfolgen und bezeichnet den noch unauf­geklärten Vorgang als Osteochondritis dissecans. Meist beobachtet man Corpora libra in erkrankten Gelenken, namentlich bei chronischem Hydrops; bei Thieren sind sie jedoch im ganzen selten. Bruckmüller fand Corpora libra im Schulter- und Vorderfusswurzelgelenk des Pferdes, Koloff im Sprunggelenk, Stockfleth im Knie- und Sprung­gelenk des Pferdes; ich (Möller) konnte einen tauboncigrossen freien Körper im Kniegelenk beim Pferde während des Lebens nachweisen. Ihre Grosse schwankt zwischen der eines kleinen Reiskornes und der eines Hühnereies. Bald halten sie sich längere Zeit ohne Nachtheil ZU erzeugen im Gelenk auf, rufen aber zuweilen plötzlich hoch­gradige Bewegungsstörungen (Lahmheit) hervor, welche in der Regel ebenso schnell wieder verschwinden. Offenbar hängt die Lahmheit mit einer Verschiebung des Corpus librum zwischen die 'Gelenkflächen zusammen; daher erklärt sich, dass die Störung in un-regelmässigen Zeitabschnitten wiederkehrt. Wo solche Erscheinungen auftreten, unterwerfe man die Gelenke einer sorgfältigen Palpation, wobei sich der freie Körper zuweilen fühlen lässt.
Die Behandlung, welche in operativer Entfernung des Corpus librum besteht, stösst beim Menschen auf keine besonderen Schwierig-Mölier u. Krick, Mlgemeine Chirurgie fiiv Tlilerftrzte. 3. Auflnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -1
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322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten tier Gelenkt'.
ki'itcn. wohl fiber bei Thieren, boi deuen die Asepsis nicht; so sicher durchftihi'bai' isi wie beim Menschen. Man hat daher versucht, durch Anstechen des Geleukkörpers mittelst einer Nadel, oder durch Anwen­dung des GHUheisens eine Verwachsung desselben mit dor Gelenkkapsel herbeizuführen.
Soll der Gelenkkörper entfernt worden, so muSs mit allen Hlllfs-mitteln der Antiseptik die „Arthrotomiequot; ausgeführt werden. Nach­dem die Haare abrasirt, die Haut sorglilltig abgeseilt und mit Garbol-oder SubHmafcwasser abgebürstet ist, wird unmittelbar auf dem Corpus libnnn der Einschnitt gemacht; alsdann suche man denselben heraus­zudrucken, schliesse die Wunde sorgfältig mittelst Naht und lege einen Occlusivverband an, wobei das Gelenk nach Möglichkeit zu immobüisiren gesucht wird.
raquo;gt;. Geleukrerstanchimg.
Als Verstauchung (Distorsio, Vordrehung) bezeichnet man eine Liision der Gelenke durch momentane Verschiebung der Gelenk­flächen an einander, verbunden mit gewaltsamer Dehnung, Zerrung und selbst Zerreissung der Gelenkbänder. Das Kapselband und die Hemmungsbänder leiden hierbei in erster Linie, während die bei weitem dehnbarere Synovialis meist intact bleibt. Bald handelt es sich nur um Zerrung, bald um partielle oder selbst totale Zerreissung der Bänder, zuweilen verbunden mit Contusion des Gelenkes (S. llUS). Nicht selten werden Distorsionen von Zerrungen und Zerreissungen in den umgebenden Weichtheilen oder von Practuren begleitet.
Die nächste Folge dieser mechanischen Läsion bildet eine mit Mäinorrhagien verbundene Entzündung, von welcher namentlich der Handapparat betroffen ist. Anatomisch bezeichnet man den Zustand als Periarthritis, klinisch halten wir an dem ätiologischen Begriff „Distorsionquot; fest. Die Blutungen erfolgen tbeils in das Gelenk, theils treten dieselben in der Umgebung der zerrissenen Bänder auf.
Ursachen. Als Ursachen wirken Gewalten, die Bewegungen in dem Gelenk hervorrufen, für welche die Mechanik desselben nicht ein­gerichtet ist. Bald handelt es sich um Steigerung der physio­logischen Bewegung über die natürlichen Grenzen hinaus, z. B. beim Ueberkötlien um eine excessive Volarflexion, bald um hetero-loge Bewegungen, d. h. Hewogungen nach einer lalschon Richtung, z. B. Seitwärts- oder Torsionsbeweizunffen in den Wechselffelenken der
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Vergtauobung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 823
Phalangeiii Fehltritte, Niederstürzen oder Fixation des Fusses am Boden geben meist, die Ursachen /u Distorsionen ab, die bei Pferden am Kronenraquo; und Fesselgelenk häutig vorkoiniiicii, alior auch am Schulter- und Hüftgelenk beobachtel werden.
Unebener, harter Boden (Pflaster), fehlerhafte Beschneidung der Hufe, wodurch das Auftreten unregelmässig wird, unzweckmftssiger Beschlag, hohe Stollen und Griffe begünstigen das Auftreten des Leidens. Ebenso ist klar, dass kleine, schmale öeleuke mit schwachen Eemmungsapparaten (Bändern) und grosser Bewegungsfreiheit leichter erkranken, und dass fehlerhafte Stellungen der Gliedmassen Distor­sionen begünstigen. Die zehenenge wie zehenweite Stellung der Pferde kommt hierbei namentlich in Betracht, und zwar in mehrfacher Hin­sicht: Einmal weil diese Stellungen regelmässig mit mangelhafter Straffheit (Relaxation) der Gelenkbänder verbunden sind: sodann weil der Gang bei diesen Stellungen weniger sicher ist, Stolpern und Stürzen leichter vorkommt. Ferner werden bei diesen abnormen Stel­lungen während der Belastung des Fusses beim Gehen Drehbewegungen in den Zehengelenken angestrebt, wofür dieselben nicht eingerichtet sind. Auch findet eine ungleichm'ässige Belastung der Gelenkflächen statt; während die eine Seite des Gelenkes übermässig belastet wird, macht sich an der anderen eine Dehnung der Bänder geltend, die leicht zu Zerrungen und Zerreissungen derselben führt. Bei ungleich-massigem Aultreten des Fusses, /.. B. in Folge unrichtiger Be-schneidung des Bufes, veranlasst jede Belastung des Fusses eine Dehnung und Zerrung des Bandapparates der Phalangen, besonders am Fessel- und Kronengelenk. Hierdurch entstellen chronische Heizungen in den Seitenbändern des Kronengelenkes sowie an ihren Ansatzpunkten am Kronen- und Fesselbein, und die Folge davon bilden Verdickungen der Bänder mit Exostosen an ihren Insertions-stellen, ein Zustand, der beim Pferde die periarticuläre Form der Schale darstellt.
In dor proussisclien Armee betrafen von '.'77 im Jahre 1891 bebnn-delten Verstauchungen 692 (70,83 quot;..O das Pesselgelenk, 192 (19,65raquo; das Kronengelenk, 42 (4)800/o) das Schultergelenk, 18 (1,840/o) das Hufgelenk, 13 (1,33'quot;n) das Hüftgelenk, 9 (0,92raquo;/,,) das Kniegelenk. 6 (0,61 gt;) das Sprunggelenk, 3 (0,31%) die Vorderfusswurzel und 2 (0,21 quot;.i) das Ellon-bogengelenk. An den Vorderfüssen kamen Verstauchungen des Fessel- und Kronengelenkes häufiger vor als an den Hintcrsehenkeln.
Erscheinungen und Verlauf. Die klinischen Erscheinungen der Distorsion bestellen in plötzlich auftretender Lahmheit, verbunden mit
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Krankheiten der Gelenke.
mehr oder weniger Sclmierzen und Ent/.iiiulung' an dem leidenden Ge­lenk. Oft wird bei Tbierett der Fehltritt oder das Niederstürzen, an welche sich die Lahmheit in der Kegel sogleich iinschliesst, direct be­obachte!. Die Schmerzen sind oft von vornherein sehr gross; die Thiere schwitzen in Folge derselben über den ganzen Körper. Hierbei handelt es sich um die mit der Distorsion verbundene, mechanische Läsion der mit sensiblen Nerven ausgestatteten Gelenkapparate, nennen wir ihn den primären Schmerz. Nicht selten lässt dieser bald nach oder verschwindet nach wenigen Tritten wieder vollständig, kehrt- aber nach einigen Stunden, namentlich nach der Ruhe zurück und erreicht alsdann oft einen hohen ürad, so dass jede Belastung des Fusses ver­mieden wird. Dieser — nennen wir ihn den secundilren Schmerz--ist die Folge der entzündlichen Reaction, Von Anschwellung und vermehrter Wurme begleitet, zeigt sich derselbe sowohl bei Druck auf das Gelenk, wie auch namentlich bei Drehbewegungen des Ge­lenkes, die Lahmheit daher vornehmlich bei Wendungen. Liegt der Anschwellung ein lliiimirthros zu Grunde, so entspricht ihre Form der Configuration des Gelenkes und zeigt sich fluctuirend; in der Hegel aber geht die Schwellung von entzündlichen Veränderungen in der Umgebung des Gelenkes aus, erscheint anfangs teigig, später fest, hart und nimmt eine spindelförmige Gestalt an.
Verlauf. Erscheinungen sowohl, wie Verlauf richten sich in erster Linie nach dem Grade der Verstauchung, d. h. nach dem Um­fange der mit derselben verbundenen Läsionen, Bei leichteren Distor-sionen kommt es blos zur Zerrung des Bandapparates ohne erheb­liche Zerreissungen in demselben; dabei können die ersten Schmerzen bedeutend sein, sie verlieren sich jedoch alsbald, und bei einiger Schonung des Thieres erfolgt die Heilung in wenigen Tagen. Die entzündlichen Erscheinungen bleiben beschränkt, treten zuweilen nicht einmal deutlich hervor.
Bei Distorsionen zweiten Grades finden nicht nur Zerrungen, son­dern auch Zerreissungen im Bandapparate und selbst in der Umgebung des Gelenkes statt. Der primäre Schmerz zeigt sich dabei oft nicht erheblicher als bei leichterer Distorsion, aber schon nach wenigen Stunden entwickelt sich eine deutliche Periarthritis, mit welcher die Schinerzhni'tigkeit von neuem einsetzt; dieser secundilre Schmerz steht mit dem Umfange der Verletzung in geradem Verhältuiss und gestattet also einen Uückschluss auf diese. Natürlich nimmt ein derartiger Zustand stets längere Zeit zur Heilung in Anspruch; im
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Verstauchung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;32quot;gt;
BÜgemeinen nmss man bei den grossen Thiei'en auf 4—lt;i Wochen rechnen.
Beschränkte sich die Verletzung nicht auf fasciculäre Zcrreissungen, sondern wurden Bilnder in grösserem umfange getrennt oder ganz zerrissen, vielleicht auch Stücke von den Knochen abgesprengt, oder fanden erhebliche Verletzungen der Synovialis mit Blutergusa in das Gelenk statt, so hält der primäre Schmer/, in der Rege] an: die mit der Verstauchung aufgetretene Lahmheit verliert sich nicht, sondern #9632;/.u ihr gesellen sich alsbald entzündliche Veränderungen am Gelenk, insbesondere starke Anschwellung und lebhafte Schinerzensiuisserungeii bei Druck und Drehbewegung. Die Heilung solcher Zustände nimmt bei grossen Thieren regelmässig 2—3 Monate in Anspruch, Je länger die Entzündung, bezw. Lahmheit andauert, desto tiefer gehende Stö­rungen liegen vor, und je älter diese, um so langsamer bilden sie sich zurück. Daher gilt als praktische Regel, class durch Verstauchung veranlasste Lahmheiten, welche in 11 Tagen nicht verschwinden. #9632;I Wochen zur Heilung gebrauchen, und solche, die in 1 Wochen nicht heilen, 8 Wochen,
Ausgang. Bei Distorsionen der ersten beiden Grade tritt regel-inilssig vollständige Wiederherstellung ein; doch vergesse mau nicht, dass für die nächste Zeit mangelhafte Widerstandsfähigkeit des Ge­lenkes zurückbleibt, wodurch Recidive begünstigt werden. Bestand ein bedeutender Hilinarthros, so bleibt nicht, selten eine chronische Gelenkgalle zurück; erreicht dagegen die l'eriarthritis einen hohen Grad, oder hatte die Gelenkkapsel erhebliche Läsionen erfahren, die zu umfangreichen Bindegewebsneubildungen in derselben führen, so kommt es nicht selten zu Verdickungen und Schrumpfungen des Kapsel­bandes wie auch des umliegenden Bindegewebes, und so kann die freie Beweglichkeit des Gelenkes dauernd beeinträchtigt werden, und Steifig-keit desselben zurückbleiben. Hierzu trägt unter Umständen die sich an jene Vorgänge' oft anschliessende Periostitis, sowie die Entzündung der Nachbarschaft des Gelenkes bei; ja es kann auf diese Weise selbst zu einer extraarticulären Synostosenbildung kommen. Finden InfectionsstofFe Zutritt zu dem erkrankten Gelenk, indem sie von aussen durch eine Hautwunde oder vom Blute ans hinein gelangen . so ent­wickelt sich eine der Virulenz derselben entsprechende Gelenkentzün­dung, bald eine acute, bald eineraquo; chronisch eitrige oder gar septische Synovitis mit Zerstörung der integrirenden Bestandtheile des Gelenkes (Carion ekros e).
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;{2()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelenke.
Behandlung. Die Behandlung verlangt zunächst Buhestellung des Gelenkes, bei heftigen Schmerzen, erheblichen entzündlichen Zu­fällen zugleich intensive Kllltewirkung; wir lassen, wenn irgend mög­lich, das Gelenk fesl bandagiren und kühlen. Dieses Verfahren bleibt
jedoch auf die ersten Tage, so lange die acut entzündlichen Er­scheinungen, namentlich die Schmerzen heftig hervortreten, beschrRnkt und wird sodann durch feuchte Wärme, methodische Compression oder Massage ersetzt. Im übrigen kommt rs hierbei wesentlich auf den vorliegenden Krankhcits/.nshind an. Handelt es sich um die Entfer­nung eines Blutergusses aus dem Gelenk, so findet vor allem Massage (täglich 2—3mal) Anwendung, und bei nicht zu grossen Schmerzen Bewegung des Gelenkes zur Förderung der Resorption. Die Massage wird am besten in Form eentripetalen Streichens ausgeführt. Man beginne mit leichtem Druck und verstärke denselben allmählich; im übrigen muss man sieh bei grossen Thieren nach dem Verhalten der­selben richten. An Weehselgelenken, welche bei Pferden am häufigsten verstaucht werden (Fessel- und Kronengelenk), bildet diese Indication jedoch nicht den Schwerpunkt der Behandlung; dieser liegt vielmehr in der Unterstützung der reparatorischen Vorgänge im Bandapparate des Gelenkes; dazu dient sowohl Hube diireh Immobilisation mittelst Binden. als auch feuchte Wärme. Man verbindet, wo es möglich ist, nach Bekämpfung der heftigen Entzündung durch Kälte, Priessnitz'sche Einwickelungen mit methodischer Compression durch Anlegung von Binden. Wo dieses nicht ausführbar, wird eine Scharfsalbe applicirt. Worin die günstige Wirkung der scharfen Hautreize auch bestehen mag, so viel steht fest, dass sie einen überaus günstigen Eintluss auf den Ablauf derartiger Entzündungsprocesse ausüben. Ihre Anwendung kann unter Umständen wiederholt werden, oder man lässt an ihre Stelle das Glüheisen treten. Wir benützen nach dem Abfallen des Schorfes die Zeit, in der die Haut noch empfindUch ist, zur Anwen­dung l'riessn it/.'sclier Einwickelungen, methodischer Compression oder Massage und lassen 8—-14 Tage später eine neue Einreibung oder das Glüheisen folgen. Weiskopf empfiehlt bei Pferden zur Immobilisation der Gelenke Leimverbände.
Im allgemeinen empfiehlt sich während dieser Behandlung an­dauernde Ruhe, bis die Lahmheit vollständig versehwunden ist, Es erscheint natürlich, dass die absolute, auf längere Zeit ausgedehnte Immobilisation eines Gelenkes durch Schrumpfung der Gelenkkapsel und des Handapparates, durch Wucherung des Endothels (S, 293) u.s. w. unter umstünden nachtheilig werden kann, doch bleiben diese Vor-
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Verrßnkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;i27
gänge für grössere Thiere insofern bedeutungslos, als bei ihnen die Bewegung in den Gelenken niemals so vollständig aufgehoben wird wie beim Menschen. Bei kleineren Thieren, namentlich Fleischfressern, welche eine Gliedmasse andauernd schonen können, ist dieser [Jmstand dagegen beachtenswerth; hier kann passive Bewegung des Gelenkes nothwendig werden, um Synostosenbildung zu verhüten. Sollen bei grösseren Thieren Gehversuche angestellt werden, so muss dies mög­lichst ruhig, auf gerader Bfilm und auf weichem Boden ge­schehen, ßei Reitpferden ist mit Rücksicht auf den ersten Punkt dem Führen an der Hund das Reiten derselben vorzuziehen. So Lange Lahmheit besteht, vermeide man indess bei Pferden beides, und nur da, wo dieselbe ungewöhnlich lange anhält, die Schmerzen dagegen zurückgetreten sind, kann schon vor dem vollständigen Verschwinden der Lahmheit vorsichtige Bewegung auf weichem, ebenem Boden nütz­lich werden, ilamlelt es sich hierbei doch zuweilen um eine Rigidität des Gelenkes, namentlich im Kapselbande und dem Hemmungsapparate, die durch geordnete Bewegung erst überwunden werden muss. Man vermeide in der ersten Zeit schwere Arbeit, bei Reitpferden besonders kurze Wendungen, unebenes Pflaster und sorge für einen zweckmässigen Hufbeschlag, sofern das Thier nicht barfuss gehen kann, was im übrigen vorzuziehen ist.
7. Yerreakuug.
Luxation oder Verrenkung nennen wir die nicht blos momen­tane , sondern kürzere oder längere Zeit andauernde Abweichung der Knochen eines Gelenkes von einander, so dass sich dieselben entweder gar nicht mehr berühren (vollständige Verrenkung, Luxatio completa), oder doch so an einander verschoben sind, dass sich Stellen derselben in gegenseitiger Berührung befinden, welche bei den physiologischen Gelenkbewegungen nicht in Contact gelangen (unvoll­ständige? Luxation, Subluxation, Luxatio incompleta), Von der Distorsion unterscheidet sich also die Subluxation durch die nicht l)los momentane, sondern andauernde Verschiebung der Knochen; die Distorsion stellt gleichsam eine momentane Subluxation dar. Dauernde Verschiebung der Knochen in den Halbgelenken, z. B. in der Symphysis sacro-iliaca, nennt man Diastase, aber auch wohl Luxation: ebenso spricht man von der Luxation eines Muskels oder einer Sehne, wenn sich diese dauernd in einer fehlerhaften Lage befinden. Bei unserer Besprechung kommen diese nicht in Betracht.
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328nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Gelcnko.
Aussei1 der cotupleten und incompleten Luxation untersoheidot mau noch einfache und oomplicirte, frische und veraltete Luxatioiien; nach den Ursachen zerfallen sie in traumatische, spontane und congenitale. Auch ist man tlbereingekommen, den unteren, resp, peripheren Knochen als den verrenkten zu bezeichnen, z. B. bei Luxation im Pesselgelenke nicht den Metacai'pus, sondern das Fesselbein als luxirt zu betrachten.
Die vollständige Luxatiini ist in der Hegel mit Zerreissungen im Kapselbande verbunden. Als cotnplicirt werden daher nur diejenigen Luxationen bezeichnet, welche mit weiter gehenden Zerstörungen am Bandapparate oder an den Knochen verbunden sind; wenn z. B. gleich­zeitig Zerreissung von grösseren Blutgefassen oder Nerven stattgefunden hat, oder wenn Fracturen bestehen, Traumatisch heissen die aus-schliesslich durch äussere Gewalteinwirkung entstandenen, spontan, die durch entzündliche oder anderweitige pathologische Zustände ver-anlassten Luxationen; congenitale. Luxationen beobachtet man am häutig­sten bei Fleischfressern am Ellbogen- und Kniegelenk.
Luxationen kommen bei Thieren seltener vor als beim Menschen; dies gilt namentlich für Pflanzenfresser und besonders für das Pferd. Die Gelenkbewegungen sind bei diesen Thieren dem Menschen gegen­über erheblich eingeschränkt, ihr Ilemniuugsmechanismus bei weitem widerstandsfähiger. Daher siiul Luxationen bei grösseren Thieren recht selten und. wo sie auftreten, meist mit erheblichen Complicationen verbunden, so doss die Wiederherstellung der Thiere zweifelhaft, das Schlachten derselben in der Kegel geboten erscheint; die Luxation hat daher auch bei weitem nicht das praktische Interesse wie die Distorsion.
Im Jahre 1891 wurden in der preussischen Armee bei 38 Pferden Verrenkungen beobaebtet und zwar I6mal an der Kniescheibe, 4mal am Fesselgelenk, je einmal am Seliultergelenk und den Halswirbeln.
Die äussere Gewalt, welche die Luxation veranlasst, wirkt entweder direct auf den luxirieu Knochen ein, z. B. ein Schlag oder Stoss, oder die Wirkung erfolg! auf entferntere Theile und wird durch diese auf den iuxirten Knochen übertragen, wie es z. B. beim Niederstürzen mit untergeschlagenen Beinen zuweilen geschieht (Luxationsinecha-nismus). Hierbei kann die Geleiiklläche des einen Knochens sehr ieichi eine fehlerhafte Stellung einnehmen, und bei ihrer schlüpfrigen Beschaffenheit von dem anderen Knochen abgleiten. Je freier die Beweglichkeit eines Gelenkes, je kleiner die Gelenkflilchen, und je
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VeiTciikiing.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;i^!t
Bchwächer und schlaffer der Bandappavat, um so leichter tritt eine Luxation ein.
Die Luxation erfolgt plötzlich, und wenn alsbald Reduction statt­findet, d. li. der luxirte Knochen sofort in seine normale Lage zurück­kehrt, so verläuft der Zustand zuweilen wie eine Distorsion, Kumint die Reduction nicht alsbald zu Stande, so retrahiren sieh sowohl die erschlafften Muskeln und Sehnen, wie auch die entspannten Gelenk­bänder mit den Übrigen Weichtheilen, wodurch später die Reduction oder Reposition ant' grössere Schwierigkeiten stösst. Wo die öelenk-flächeu dauernd von einander entfernt bleiben, bildet, sich /.war ein neues, aber unvollkommenes Gelenk (Nearthrosis); ein Vorgang, den man gelegentlich bei Hunden am Hüftgelenk beobachten kann. Durch entzündliche Gfewebswucherung in dem umliegenden Binde­gewebe entsteht eine Art Kapselband, welches durch die Bewegungen des Knochens allmählich geglättet wird und die Eigenschaften der Synovialis annehmen kann. Stützt sich der luxirte Knochen gegen einen anderen, so kann hier durch Wucherung am Periost eine neue öelenkhöhle entstellen. Nur selten gleitet der luxirte Knochen nach kurzer Zeit von selbst, zurück, in solchem Falle tritt aber dieselbe Luxation oft von neuem ein; man spricht, von einer habituellen Luxation, wie sie bei Menschen und Thieren am häuligsten an der Kniescheibe beobachtet wird.
Die klinischen Erscheinungen hissen in der Regel über die Natur des Leidens keinen Zweifel. An oberflächlich gelegenen Ge­lenken erkennt man eine Abänderung ihrer Form, Dazu gesellt sieh die veränderte Richtung, oder fehlerhafte Lage des Gliedes; bald verharrt dasselbe in abnormer Flexion oder Extension, bald wird es adducirt oder abducirt. Hierzu kommt die Abänderung der Beweg­lichkeit: nach der einen Richtung erscheint, dieselbe ab­norm frei, nach der anderen eingeschränkt. Durch letztere Er­scheinung unterscheidet sich die Luxation von der Fractur, bei welcher die Bewegung nach allen Seiten ühermässig frei zu sein pflegt. Ferner tritt je nach der Lage des Inxirten Knochens entweder Ver­längerung, oiler Verkürzung des Gliedes ein: die erstere bei unvoll­kommener, die letztere bei vollständiger Luxation. Zuweilen macht sich durch das Reiben des luxirten Knochens gegen Weicbtheile oder Blutcoagula eine schwache und eigenthümlich weiche Crepitation be­merkbar. Der Schmerz pflegt lebhaft zu sein, namentlich beim Ver­suche, das Glied zu bewegen, daher tritt bei Lnxutioncn an den
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;530nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der Qeleuko.
G'liedmassen stets bochgradige Lalitnbeit hervor, wobei sowohl die Belastung, wie auch die Bewegung gestört erscheint. Die Reposition stösst bei Luxationen in der Hegel auf grössere Schwierigkeiten als bei Fnictnren, dagegen erfolgt ilie Hetention leicliter als bei diesen.
igt;ie Beurtheilung hängt in erster Linie von der Thierart, dem Grade und der Art dor Luxation ab. Bei grösseren Thieren gestaltet sicli die Aussicht auf Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit weniger günstig als bei kleineren (Fleischfressern); schon die Reposition stösst bei jenen auf grössere Schwierigkeiten. Dazu kommt, dass Luxationen bei Pferden in der Kegel mit schweren Complicationen, Zerreissung von Sehnen, Fracturen n. s. w., verbunden sind. Incom-plete Luxationen lassen sich bei weitem leichter reponiren als complete. Am ungünstigsten fällt die Prognose da ans. wo die Luxation mit Knochenbriiehen. mit Verletzungen grösserer Nerven oder Blutgefässe complicirt ist. Dieselbe hängt ferner von dem Orte des .Auftretens der Luxation und der Zeit ihres Bestehens ab. Nur frische, d. h. nicht über 8 Tage alte Luxationen lassen sich reduciren, später gelingt dies in der Regel nicht mehr; beim Menseben werden jedoch gelegentlich Luxationen reponirt, die jahrelang bestanden haben.
Die Behandlung verlangt in erster Linie Reposition, welche, wie bereits bemerkt, um so leichter gelingt, je früher sie eingeleitet wird. Dieselbe erfolgt, im allgemeinen ebenso wie bei Facturen mittelst Ex­tension und Contraextensiou, und zwar am besten in der Narkose. Man vergleiche hierbei das S. 488 u. f. Gesagte. Auf die Configuration des luxirteii Gelenkes und die Stellung der Knochenenden zu einander muss natürlich Rücksicht genommen werden, so dass die Extension bald mit Rotation, bald mit Abduction oder Adduction, in der Kegel auch mit einem kräftigen Druck auf den luxirten Knochen verbunden ist. Sobald die Reposition gelingt, kehrt die freie Beweglichkeit und normale Form des Gelenkes zurück.
Zur Retention sind häufig keine besonderen Vorkehrungen er-Forderlich, doch muss bei Luxationen an den Gliedmassen bei grösseren Thieren das Niederlegen verhindert, werden, weil hierbei und mehr noch beim Aufstehen die Luxation leicht von neuem auftritt. Unter umständen wird daher ein lliingegurt, nothwendig. Wo es mög­lich ist, legt man einen iimnobilisirenden Verband an, theils um die Wiederkehr der Luxation zu verhüten, theils um die lleilungsvorgänge an den zerrissenen Bändern und Weichtheilen zu erleichtern. An-
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Verrenkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;-VStl
wondung von Killte u. s. w, ist in der Regel txichl erforderlich, wo ein Verband angelegt wird, nicht einmal empfohleuswerth, Sobald die Belastung der CHiedmassen wiederkehrt, kann der Verband ent­fernt werden; doch verschone man das Thier für laquo;lie nächsten Wochen mit schwerer Arbeit und vermeide heftiges Springen desselben, wo­durch leicht Recidive eintreten. Ruhige Bewegung auf weichem Beden fördert die Heilungsvorgiinge und beseitigt die durch längere Immobili­sation entstandenen Verkürzungen in den Bändern und Weichtheilen, Bei habituellen Luxationen sind alle Momente zu vermeiden, welche zur neuen Verschiebung der Knochen führen; im Übrigen ist gegen diese ebenso wenig auszurichten wie gegen angeborene Luxationen. In der Hegel werden die mit solchen Leiden behafteten Thiere getödtet; eine Ausnahme bildet hiervon nur die Luxation der Kniescheibe.
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VIII. Krankheiten der Sehnensclieiden und Sclileimbentel.
Einleitung'. Die Krankheitsprocesse ilcr Sehnenscheiden and Schleim­beutel seh Hessen sich nicht allein anatomisch, sondern iinch klinisch denen der Gelenke en^' an. Wniii von den Gelenkhöhlen behauptet werden konnte, dass sie als grosse Gewebslücken zu betrachten seien, so gilt dieses erst recht von den Sehnenscheiden und Schleimbeuteln. Nach den Untersuchungen Eichbaum's bestehen die Seimenscheiden bei Pferden: 1. aus einem zarten, fibrillären, mit feinem (leiassnet/, versehenen Bindegewebe, welches der Synovia! is der Gelenke entspricht, und 2. aus dem, an der änsscren Fläche des vorigen gelegenen, aus derben, starren Bindegewebsfasern bestehenden Retinaoulura tendinum, welches die fibröse Gelenkkapsel vertritt. Igt;ie erstere heisst auch hier Synovialmembran, ist an ihrer freien Innenfläche mit Endotbelzellen bedeckt, welche stellenweise fehlen, oder durch Knorpel-einlagerungen ersetzt worden, so namentlich an der Oberfläche von Knochen; auch die Seimen sind oft an ihrer Oberfläche mit Knorpelgewebe bedeckt. Die innere Oberfläche der Sehnenscheiden ist grösstentheils glatt; an ein­zelnen Stellen trägt dieselbe jedoch wie die Synovialis der Gelenke Zotten von 0,2—0,3 mm Länge und 0,06—0,24 mm Dicke, Während die Synovialis der Gelenke mit ihren Räudern an die Knochen geheftet ist, schlägt sieh die der Sehnenscheide nach innen um und bekleidet in gleicher Heschatfen-heit die in der Scheide gelegenen Sehnenabschnitte. Man unterscheidet dem­nach an derselben ein viscerales Blatt, das die Sehne direct umgiebt, sich derselben dicht anlegt, und ein parictales Blatt. Die Synovialis stellt also zwei in einander geschobene Cylinder dar (Heule), die mit ihren glatten Flächen einander zugekehrt sind, und von denen der innere dem visceralen, der änssere dem parietalen Blatte der Pleura bezw, des Peritoneums entspricht. Die äussere Flüche des parietalen Blattes wird durch lockeres Bindegewebe, dem subsynovialen Gewebe der Gelenke entsprechend mit, dem Betinaculum tendinum verbunden, An den Enden der meist länglichen Sehnenscheiden schlägt sich das parietale Blatt der Synovialis nach innen um und wird zum visceralen. Beide aber stehen, namentlich in grosseren Sehnenscheiden vielfach noch dadurch in Verbindung, dass eine Duplicatur des parietalen Blattes an der einen oder anderen Stelle, in Form einer Platte oder eines Cylinders auf die Sehne liczw. das viscerale Blatt überspringt. Diese mit dem Mesenteriutn vergleichbare Verbindung, Mesotenon, Mesoteudon, Vinoula tendinum genannt, dient dazu, der Sehne Blutgel'ässo zuzu-
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Krankheiten der Sehuensobeiden — Elntztindung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;838
führen, vielleioht trügt sie auch dazu bei, die Sehne in ihrer normalen Lage zu erhalten,
Mein- noch als an don Sehnenscheiden tritt der Charakter als grosse Gewebslüoke an don Sohleimbeuteln (Bursae) hervor. Sie bestehen aus einer meist durohsoheinenden, stärkeren oder schwächeren, bindegewebigen Membran, deren Innenfläche meist glatt und eben ist; zuweilen besitzt sie gefamp;ssreiohe, zottige Hervorragungen. An don sub out an en Sohleim­beuteln trägt die Innenfläche vielfältig fadenförmige Verlängerungen, die von der einen Wand zur anderen überspringen; auch kommen hier unvoll­ständige .Scheidewände vor, welche die Bursa in mehre Abtheilungen trennen. Ein Eudothelbelag fehlt den Sohleimbeuteln, welche sich in der Hegel erst während des extrauterinen Lebens entwickeln und in ihrem Auf­treten mancherlei Verschiedenheiten /.eigen.
Auch in physiologischer Beziehung schliessen sich diese Apparate den Gelenken an, Die Sehnenscheiden sind bestimmt, die Bewegungen der Seimen da zu erleichtern, wo lockeres Bindegewebe hierzu nicht dienen kann, z. B, auf Knochen. Die subtendinösen Schleimbeutel bilden gleichsam halbe Sehnenscheiden, indem nur die eine Hälfte der Sehne von der Scheide unigeben ist, während die subeutanen Schleimbeutel bestimmt sind, die äussere Haut auf einer harten, festen Unterlage hin und her gleiten zu lassen; sie bilden sich ganz nach Bedürfniss, daher erscheint ihr unhe-stimmtes Vorkommen natürlich.
Die Erkrankungen der Selinenscheiden und Schleimbeutel nehmen hol Arbeitstliieren ein höheres Interesse in Anspruch als beim Menschen; irnn/. besondere Bedeutung erlangen diese Leiden beim Pferde. Es handelt sich meist um entzündliche Processe, welche nicht allein die Arbeitsfähigkeit der Thiere in Frage stellen, sondern auch das Leben derselben bedrohen können. Im allgemeinen verhalten sich die ent­zündlichen Vorgänge hier älmlicli wie an den Gelenken; das gilt in erster Linie von den Sehnenscheiden, während die entzündlichen Er­krankungen der subeutanen Schleimbeutel bei weitem nicht so grosse Bedeutung in Anspruch nehmen. Aus diesem Grunde sind hier die entzündlichen Leiden der Sehnenscheiden und subtendinösen Scheiden unter dem Namen Tendovaginitis zusammenget'asst. und soll der Ausdruck ßursitis auf die Entzündung der subeutanen Schleimbeutel beschränkt bleiben.
1. Die Entzündung der Sehnenscheiden (Tendovaglnitls s. Tendosynovltis).
Mehr noch als die Synovitis der Gelenke schliessen sich diese Leiden den Krankheiten der serösen Häute an, namentlich durch die Neigung zu serösen Ergüssen. Acute Reizungsprocesse der Sehnen­scheiden und Schleimbeute] rufen regelinässig eine lebhafte Abschei-
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Krankheiten der Sehucnsoheiden und Sohleimbeuteli
(lung von Serum hei'vor, wodurch diese Apparate quot;t't bedeutend ausraquo; gedehnt werden. Man bezeichnet den Zustand als Hydrops der Sehnen­scheide oder ivcute Sehnenscheidengalle, Oft wird hierbei zugleich Fibrin abgeschieden, man spricht alsdann von einer Tendovaginitis sero- fibri nosa.
Die Synovialis zeigt sich während der acuten Entzündung mehr oder weniger stark geröthet und geschwollen, ihre beiden Blätter werden oft mit einander verklebt und können schliesslich verwachsen, so dass die Sehnenscheide gleichsam obliterirt.
Zuweilen tritt Faserstoffausscheidung in den Vordergrund, wäh­rend ein wässeriger Erguss ganz fehlt (Tendovaginitis sicca). Durch Reiben der Fibrinschichten an einander entsteht ein weiches Crepitiren (Tendovaginitis s. Tendalgia crepitans).
In der Menschenheilkunde bezeichnet man die hydropischen Zu­stände der Sehnenscheiden und Bursen seit alter Zeit mit dem wenig passenden Namen ., U e b e r he i nquot; oder „Ganglionquot;.
Es können alier auch chronische Reizungsprocesse zur Bildung eines Hydrops chronicus der Sehnenscheiden (chronische Sehnen­scheidengalle) Veranlassung gehen, wobei sich die Synovialis ebenso verhält wie an den Gelenken (S. 312), Hierbei kommt es wohl zu Wucherungen von Zotten mit Bildung von freien Gelenkkörpern (Hy-groma proliferum); in der auf dem ersten Halswirbel unter dem Nackenbande liegenden Scheide fand ich (M.) bei einem Pferde diese Körper in grosser Anzahl (Fig, 53),
An den Sehnenscheiden wird ferner eine chronisch verlaufende, mit zunehmender Vordickung der Seheide verbundene Entzündung beobachtet (Tendovaginitis ehronica fibrosa), welche ebenfalls zur Vermehrung des Umfanges derselben führt) die Sehnenscheide fühlt sich hierbei hart, an (verhärtete Seh n e lisch eidengalle). Am häutigsten wird der Zustand bei Pferden dicht über dem Fesselgelenke, an der unteren Scheide der Zehenbeuger, besonders an den Hinter-füssen, beobachtet, wo er regehnässig mit entzündlichen Processen an den Sehnen selbst verbunden ist.
Während diese Vorgänge auf Grund einfacher, namentlich oft wiederholter mechanischer Reizung entstehen, rufen die infectiösen Ent­zündungen schwerere Störungen hervor. Je nach dem Grade der Viru­lenz der inllcirenden Substanzen entwickelt sich entweder eine leichtere, der katarrhalischen Synovitis der Gelenke (S. 301) entsprechende, oder eine schwere Tendovaginitis mit profuser Eiterung und Sepsis, Die ersteren trifft man im Verlaufe von Infectionskrankheiten (z. B,
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Kraiildiciteii der Sclnirnsdieideii - Entüünduilg.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 385
bei der BrustsGuebe)) während die letzteren vornehmlich durch äussere Verletzungen (Sehnensoheidenwunden) veranlasst werden. Es können aber auch bei jenen Krankheiten schwere Eiterungsprocesse vorkommen, und umgekehrt nimmt bei diesen die EntzQudung zuweilen einen leicli-teren Verlauf,
Verlauf. Die acute seröse und sero-librinüse Entzündung der Sehnenscheiden kann zwar unter Resorption des ergossenen Materials zur vollständigen Genesung führen, liiiulig aber bleibt ein Hydrops der Sehnenscheide, eine chronische Sehnensoheidengalle zurück. Je grosser die abnorme Füllung der Scheide, und je länger dieselbe bestanden, d. h. je mehr das Retinaculum und die umliegenden Theile ausgedehnt sind und sieh den veränderten Verhältnissen angepasst haben, um so geringer wird die Aussicht auf Beseitigung des Zuslandes. Ohne energi­sches Eingreifen kommt Heilung in der Kegel nicht y,u Stande, oft auch trotz eines solchen nicht. Die Tendosvnovitis lihrosa pflegt zu einer allmählich fortschreitenden Verdickung der Scheide zu führen, kann indess auf jeder Stufe der Entwickelung stehen bleiben; dieses hängt vornehmlich von dem Fortwirken oder dem Aufhören des ursächlichen Reizes ab. Auch bei der chronisch-serösen Tendovaginitis findet eine spontane Heilung fast niemals statt.
Die leichteren infectiösen Vorgänge (Tendovaginitis cata-rrhalis) nehmen zuweilen einen überraschend schnellen und günstigen Verlauf. So werden in der Reconvalescenzperiode der Brustseuche nicht selten verschiedene. Sehnenscheiden bald nach einander befallen; doch versehwinden die entzündlichen Krankheitserscheinungen, ähnlich wie rheumatische Gelenkentzündungen, oft schon innerhalb weniger Stunden. Leider ist dies nicht immer der Fall; häutig besteht die Reizwirkung fort und fuhrt zur Entwickelung eines Hygroms, oder zu einer Tendovaginitis chron. fibrosa. wobei es wohl zur Verwachsung der Seime mit ihrer Scheide kommt, und eine chronische Lahmheit bildet alsdann die unausbleibliche Folge des Krankbeitsprocesses. In anderen Fällen verlieren sich die entzündlichen Vorgänge erst nach längerer Zeit, mehreren Wochen und zwar ganz allmählich. Man darf daher bei werthvollen Thieren die Hoffnung nicht zu früh aufgeben.
Eiterungsprocesse in der Sehnenscheide geben zu Nekrose der Sehne Veranlassung: so sahen wir Absterben und später Zcrreissung der Hufbeinbeugesehne in ihrer Scheide über dem Fesselgelenk beim Pferde. Uegelmässig stellt sich dieser Ausgang bei den acuten eit-
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y;;(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ECrankheiten dor Behnsnsoheiden nud Sohloimboutel.
rigen Entzündungen ein, wenn nicht früher dem Leiden der Thiere durch Schlachten ein Ende gemacht wird. Bei septischer Tendo-vaginitis greift die Infection in der Regel schnell um sich; auch gesellt sieh zu ihr bald iViimie oder Septikämie.
Die Eeurtheilung dieser Processe hiingt wesentlich von der Thierart und dem Orte ihres Auftretens ab. Bei kleinen Thieren lassen sich eher Heilerfolge erzielen als bei grosseu, namentlich beim Pferde. Sodann sind an den Gliedmassen grösserer Thiere diese Erkrankungen an den Sehnenscheiden der 11 enge-muskeln bei weitem gefährlicher als an denen der Streck-sehuen, weil die ersteren eine erheblichere Ausdehnung besitzen, und ihre infectiöse Erkrankung den Patienten in grössere Gefahr bringt an Septikämie oder l'vämie zu Grunde zu gehen, als die gleiche Er­krankung kleinerer Sehnenscheiden und Gelenke (S. 307), Vornehm­lieh liegt dies aber daran, dass diese Erkrankungen an den St-reck-sehnen die Function der Schenkel, namentlich die Belastung derselben nicht in dem Masse und selten so vollständig stören, wie die gleichen Leiden der Beugesehnen. Mit Rücksicht auf diesen Umstand konnte Günther mit Hecht auch die operativen Eingriffe an den Sehnenscheiden der Beuger als besonders bedenklich erklären. Besonders gefährlich erscheinen die infectiösen Erkrankungen derjenigen Sehnenscheiden, deren Wandungen zum Tlieil aus Knorpeleinlagen bestehen, wie es z. B. bei der Sehnenscheide des Kronbeinbeugers auf dem Sprungbein­höcker der Fall ist. Hier führt die eitrige Entzündung zur Ein-schmelzung des Knorpels, und auf der hierdurch rauh gewordenen Knoclientläche wird die auf und ab gleitende Sehne bald zerfasert.
Ursachen. Bezüglich der Ursachen gilt das von den gleichen Leiden der Gelenke Gesagte (S, 302), Die aseptischen Erkrankungen verdanken in der Regel mechanischen Reizen ihre Entstehung, welche sieh namentlich bei Arbeitsthieren oft bemerklich machen. Muss auch aus den zuweilen an mehreren Sehnenscheiden zu gleicher Zeit auf­tretenden Erkrankungen auf eine Disposition geschlossen werden, SO übt doch zweifellos die mechanische Reizung der beiden Blätter der Synovialis. welche sich bei angestrengter Arbeit der Thiere geltend macht, auf die Entstehung dieser Leiden einen hervorragenden Ein-fluss aus. Daraus erklärt sich das Auftreten der chronischen Sehnen­scheidengallen (Hvgromei an den Gliedmassen der Pferde zur Zeit angestrengter Arbeit, in der Armee während des Manövers. Bei älteren
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Krankheiten der Seliiieiiseheiden — Entzündung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;337
Arbeitspferden werden diese Leiden selten vemisst, dagegen findet man sie bei jungen Thiereu, die noch nicht gearbeitet haben, nur aus-nahmsweise, Zugegeben muss werden, dass gelegentlich auch einmal eine (Quetschung der Sehnenscheide, welche /.ur Blutung in dieselbe führt, Hygrombildung veranlassen kann.
Die infectiösen Tendovaginiteu gehen grösstentheils aus äusseren Verletzungen, Wunden hervor, seltener entstehen sie durch Ueber-greifen entzündlicher Processe aus der Nachbarschaft (Hautgangrän, Mauke) oder auf metastatischem Wege Ijei l'yämie, Soptikämie (Lähme der jungen Thiero), oder endlich im Verlaufe der Brustseuche, Druse u, s. \v. (metastatische T.). Ihre Entwickelung erklärt sich ebenso, wie bei den gleichen Erkrankungen der Gelenke (S. 302), Mit Vor­liebe zeigen sich die Sehnenscheiden der Zehenbeuger beim Pferde betroffen.
Symptome. Die klinischen Ei-seh einungen gestalten sich ähnlich wie bei der Synovitis der Gelenke. Anschwellung und Schmerz bilden die nächsten Erscheinungen ; die erstere zeigt bei der acuten serösen Tendosynovitis vermehrte Wärme und Fluctuation, bei der chro­nischen serösen Form nur die letztere; die chronisch fibröse Erkrankung führt ZU einer festen, derben, auf Druck wenig schmerzhaften An­schwellung (verhärtete Galle), welche aber an den Sehnen­scheiden des Beugeapparates auftretend, regelmässig chronische Lahm­heit veranlasst. Bei der Tendosynovitis sicca beobachtet man zu­weilen eine weiche Crepitation (Tendo vagi n it is s. Teudalgia c re |i i tans).
Eitrige Erkrankungen rufen eine über die Grenzen der Sehnen­scheide hinausgehende phlogmonöse Anschwellung hervor, welche ebenso wie an den Gelenken zur Abscedirung führt. Handelt es sich um Infectionen mit Substanzen von intensiver Virulenz, so gesellen sich alsbald liVinpligefässanscbwellnng und Symptome der Septikilmie oder Py'dmie hinzu. An der Seime der betroffenen Scheide rufen die In-fectionsstoffe ebenfalls Reizung und Entzündung, manche sogar Nekrose hervor, genau so wie die eitrige Synovitis an den intracapsulären Bändern Nekrose erzeugt. Mit dem Grade der Virulenz pflegen auch die Schmerzen zuzunehmen, während die zuweilen auftretenden Zer-reissungen der Sehnen sich durch Abänderung in der Stellung und Bewegung der Gliedmassen zu erkennen geben. Bei Verwundungen der Sehnenscheiden gesellt sich zu den genannten Erscheinungen Aus-lluss von Synovia.
Moiii'r ii. Frlok, AUgetneiue Chirurgie fflr Thlerärzte. 2. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;22
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;5'58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten iler Sehnensobelden und Sohlelmbeutel.
Die Behandlung verlangt die gleichen Massnahmen wie bei den entzündlichen Ehkrankungeu der Gelenke. Die acute, seröse und sero-HbriiuisL' Synovitis erfordert in der ersten Zeit die Anwendung von Killte in Verbindung mit methodischer Compression, um die ex-sudativen Vorgänge zurückzuhalten; doch schon nach 2—3 Tagen fällt diese Indication fort, und die Behandlung muss auf Förderung der Resorptionsvorgänge gerichtet werden. Auch hierzu empäehlt sich in erster Linie ein zweckmässig angelegter Druckverband mit I'riessnit/,'-schen Einwickelungen. Sobald die Schmerzen nachlassen, kann zu­gleich durch Massage die Entfernung der Entztindungsproducte aus der Sehnenscheide gefördert werden: hierzu dient Streichen in centri-petaler Richtung. Wo Massage nicht consequent durchzuführen .ist, finden Bepinselungen mit Jodtinctur vortheilhafte Anwendung. In den späteren Stadien sowie bei der chronisch-serösen oder fibrösen Ent­zündung wendet man scharfe Hautreize (Canthariden, Quecksilberbijodat oder Sublimatsalben) oder das ölüheisen an. Insbesondere muss bei chronischen Gallen das Strichfeuer empfohlen werden, welches auch bei der chronisch-fibrösen Entzündung zuweilen noch gute Dienste leistet, hier jedoch nicht so zuverlässig wirkt wie bei jenen Leiden.
Bezüglich der operativen Behandlung der Sehnenscheidengallen muss auf das von den Gelenken Gesagte verwiesen werden (S. 309). Dieses gilt besonders für die Gallen des Beugeapparates und solche des Streckapparates, welche mit Gelenken communiciren, während die übrigen Scheiden der Strecksehnen operativen Eingriffen zugänglicher sind und von ihnen bei weitem leichter ertragen werden. Hier macht man unter Umständen Incisionen, oder legt Haarseile durch die Sehnen­scheide. Bei Gallen laquo;hsr Beugesehnenscheiden hüte man sich jedoch vor derartigen Eingrilfen. im übrigen gilt auch hier das S. 309 Gesagte.
An einzelnen Stellen, /,. B. an der Sehnenscheide des Kronbein­beugers auf dem Sprungbeinhöcker, gelingt zuweilen die subeutane Sprengung des Hvgroms. Man sucht auf die betreffende Stelle einen kräftigen Druck auszuüben und diesen zu steigern , bis die Scheide zerreisst, in Folge dessen ihr krankhafter Inhalt in das umliegende Bindegewebe abfliesst und von hier aus leicht resorbirt werden kann. Unter Umständen kann durch einen kräftigen Schlag mit einem stumpfen Instrumente die Galle gesprengt werden, wie man es auch beim Menschen macht. In Bezug auf operative Eingriffe gilt hier das bei gleichen Zuständen der Gelenke Besprochene.
Gegen die im Verlaufe von Brustseuche u. s. w. auftretende, metastatische Erkrankung empfehlen sich neben möglichster Ruhe
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Krankheiten der Sobleimbeutel - Bursitis.
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feuohtwarme Einwlokelungen in Verbindung mit einem kräftigen Druok-verband. Je mehr Synovia in der erkrankten Sehnenscheide angehäuft ist, um so günstiger werden die Bedingungen für die Entwickelung und Vermehrung der [nfeotionsstoflfe; daher soll durch Compressions-verbände und feuchte Wärme die Resorption des Inhaltes nach Mög­lichkeit gefördert, und neue Abscheidung zurückgehalten werden. Später linden auch liier scharfe Hautreize zweckmässige Anwendung'. Sehnenscheiden wunden sind wie Gelenk wunden zu be­handeln (S, quot;-!!*i)i 'l'08 gut namentlich für die Sehnenscheiden des Stützapparates: strenge Antisepsis muss Infectionen verhindern. Wo solche bereits eingetreten ist, suche man durch Waschungen. Bäder oder Ausspritzungen mit antiseptischen Mitteln die Entzündung mich Möglichkeit zu bekämpfen und den Heilungsvorgang zu unter­stützen. Selbstverständlich müssen hier soweit möglich Verbände an­gelegt werden.
•2. Die Entzündung snbentaner Schleimbentol (Bursitis).
beuteln gestalten sich pathologisch-anatomisch ähnlich denen der Sehnenscheiden, klinisch nehmen sie jedoch eine ganz andere Stellung ein. Ihre Erkrankung rührt in den meisten Fällen von directen Ver­letzungen, Quetschungen her, z. H. bei der Stollbeule. Daher bilden Blutungen in den Sclileimbeuteln häutig den Ausgangspunkt der Er­krankungen, doch kommen hier ebenso wie an Sehnenscheiden seröse, sero-fibrinöse und purulente Entzündungen vor. Abweichend von den gleichen Erkrankungen der Sehnenscheiden sehen wir an den Schleim­beuteln alsbald, dass das um dieselben gelegene Bindegewebe am Ent-zttndungsprocesse Theil nimmt. Vielleicht trägt das Fehlen des Endo-thels, mehr aber wohl die vielfache Verbindung des Lumens der Schleimbeutel mit dem um dieselben gelegenen (parabursalen) Gewebe hierzu bei. Selbst bei nicht infectiösen Entzündungen ptlegl der Process an vielen Schleimbeuteln auf dieses Gewebe überzugreifen, es entsteht eine Parabursitis, welche bei infectiösen Erkrankungen stets erscheint und einen phlegmonösen Charakter annimmt. Bei der aseptischen Entzündung der Hursen besteht im parabursalen Binde­gewehe anfangs ödematöse Anschwellung, welche jedoch später einer plastischen Intiltnition Platz macht und schliesslich zu umfangreichen Verdiokungen führen kann. So erklärt, sich der im Verhältniss zur Grosse des Schleimbeutels oft auffälliate ütnfano der Anschwel-
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Kraukbeiton
Sebneusoheiden und Sohleimbeutel
lunlt;4', #9632;/.. W. die bei Pferden iiiclit selten kindskopfgrosse Stollbeuldt Bei Hunden bildet diese Bursa dagegen eine mehr abgeschlossene Höhle, daher rulVn die gleichen Ursachen hier einen Hydrops oder HvgTom des Schleimbeutels hervor, während das parabursale Gewebe an der Erkrankung selten Antheil nimmt, in anderen Fällen kommt es auch in den subcutanen Bursen zu chronischen
Wucherungen mit Ablösung der zottenförmig ge-wuelierten Massen, welche als reisf'önnige Körper (Fig. 53) in die oft bedeutend erweiterte Bursa lallen (Hygro nia proliferu m l.
Die eitrigen Frkrankungen der Sohleimbeutel verdanken meist änsseren Verletzungen, selten Meta­
Corpora oryzoiüea
aus dt'r GciiR'klieiil
eines PIVnles.
stasen ihre Entstehung. Sie haben nicht die hohe Be­deutung, wie die gleichen Erkrankungen der Sehnen­
scheiden, weil die Miterkrankung einer Sehne ausge­schlossen ist. doch bieten sie der Therapie oft erhebliche Schwierigkeiten. Das derbe, wenig gefässreiche Gewebe der Bursa besitzt nicht die Fähigkeit, regelmässige Granulation zu bilden, daher kommt nach ein­facher Spaltung der erkrankten Bursa die Heilung entweder gar nicht, oder doch sehr langsam zu Stande; wenn zugleich die Wand des Schleimbeutels zerstört oder operativ entfernt ist, gelingt die Heilung des Zustandes leichter.
Verlauf und Erscheinungen. Die klinischen Erscheinungen wie auch der Verlauf gestalten sich ähnlich wie bei den gleichen Erkrankungen der Strecksehnenscheidengallen. Bei der acuten Bursitis tritt die Anschwellung in den Vordergrund, die Schinerzen sind dagegen gering. Oft lilsst sich aus der Fluctuation auf eine Füllung der Bursa mit Blut, Serum oder Eiter schliesscn. Wäh­rend plötzliches Auftreten der Geschwulst die Gegenwart von Blut in dem Schleimbeutel beweist, langsamere Entwickelung derselben auf Serum schliessen liisst, spricht eine lebhafte l'blegmone in der Um­gebung für eitrigen Inhalt. Für die Therapie hat diese Trennung jedoch keine so grosse Bedeutimg wie an den Sehnenscheiden und Gelenken: denn Störungen in der Bewegung und Gebrauclisfähigkeit rufen alle diese Erkrankungen meist ebenso wenig hervor, wie sie den Ausgangspunkt allgemeiner Störungen der Gesundheit bilden. Es handelt sich vielmehr nur um Beseitigung des durch die erhebliche Geschwulstbildung bedingten Schönheitsfehlers, z. B. bei der Stollbeule oder der Piephacke.
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Kranklieitoii dor Sclilcirnbuutel — Jiiirsitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34 1
Die Behandlung der aouten Bursitis verlang! zunächst Be­seitigung der veranlassenden Ursachen, #9632;/.. B. Aufhebung des Druckes auf die Bursa olecrani bei der Stollbeule; im übrigen linden die­selben Methoden der Behandlung Anwendung, welche bei den Er­krankungen der Sehnenscheiden besprochen wurden. Durch Massage kann die Resorption der in die Bursa ergossenen Massen gefördert werden; wo diese nicht eintritt, erscheint unter Umständen die Spaltung der Bursa und Zerstörung derselben mit dem glühenden Eisen oder mit scharfen Substanzen geboten. Bei erheblicher Verdickung des parabursalen Gewebes kann die Exstirpation der Geschwulst einschliess-lich der Bursa angezeigt erscheinen (Stollbeule); auch wird mit gutem Erfolge vom Abbinden derselben Gebnmch gemacht. Subcutane Zer-sprengungen können natürlich hier ebenso wie beim Uygrom der Sehnenscheiden versucht werden, doch sind Kecidive hiernach zu be­sorgen. Da bei Thieren fast nur die Erkrankung der Bursa olecrani und calcanei in Betracht kommt, so vergleiche man das hierüber in der Specielleu Chirurgie Gesagte.
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IX. Krankheiten der Blut- und Lymphgefässe sowie der Lymphdrüsen.
So gross tins Interesse der pathologischen Anatomie für die Krank­heiten der Blutgefässe, so gering ist ihre Bedeutung für die Veterinär-Chirurgie. Ein Theil derselben, wie u. a. die clironisclien Entzüudung.s-processe, kommt hier kaum in Betracht, während die acuten Entzündungen der Oefiisswände theils bei Besprechung der IVilmie und der Throraben-bildung Berücksichtigung gefunden haben.
I. Yerletzungen dor Blutgefässe.
Kleine Stichwunden an den Gefässen, namentlich Venen, wie sie •/.. B, bei intravenöser Application von Arzneien herbeigeführt werden, zeigen sich ungefährlich, sobald hierbei weitere Verletzungen der Intinia vermieden werden. Ebenso pflegen Schnittwunden, welche grössere Venen in ihrer Längsrichtung treffen, auf dem ersten Wege zu heilen, wofür der Aderlass ein Beispiel liefert; an Arterien geben solche jedoch stets zu erheblichen Blutungen Anlass, weil in ihnen der Blut­druck grosser ist, hier wird daher regelmiissig die Unterbindung des verletzten Gefasses nothwendig.
Querwunden der Blutgefässe rufen eine stärkere Blutung her­vor, weil die Fasern der Adventitia, welche vornehmlich in der Längs­richtung der Gefässe verlaufen, sich mit den longitudimilen Fasern der Media retrahiren. sobald das perivasculäre Gewebe dieses nicht ver­hindert. So entsteht eine stärker klaffende Wunde, die sich nament­lich an Arterien niemals spontan schliesst, sondern den künstlichen Verschluss des (refässes stets erforderlich macht. Am wenigsten bluten Quetsch wunden der Gefässe, weil hierbei die Adventitia, welche zuletzt zerreisst, das Lumen des Gefasses verschliesst und die Thrombenbildunff
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Krankheiten der Blutgefässe — ZerreisBungeo
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begünstigt) wir benutzen diesen Vorgang daher bei Durcbtrennen von Weiobtheilen, um Blutungen zu vermeiden (Ecraseur).
Die Unterbindung blutender (laquo;efiisse erfolgt nach den S. H7 lraquo;e-sohriebenen Kegeln. Ein Naohthei] für die Circulation ist seihst mit der Unterbindung grösserer Gei'iisse in der Regel nicht verbunden, denn zu den solion phy.siologiscli bestellenden Collateralverbindungen mit den benachbarten Gelassen gesellt sieh eine Neubildung, bezw. Erweiterung in den Gef'ässen der Nachbarschaft, namentlich der Vasa
Fig. 54.
Fig. 55.
Collatpralgiit'iiss nanh Duterblndnug der
Carotis des Soliafcs (uach Ebol).
Km wiokel iiiiK iler Vasa vasovum an
der Dnterblnanngistelle 'ler Art. iliaca
des Iliindüs (nach Portlaquo;).
vasorum des unterbundenen Gel'iisse.s, wodurch die Circulation unter­halten wird (Fig. 51 u. 55). In der Berliner Klinik wurden versuchs­weise einem Pferde beide Carotiden unterbunden; die hiernach zunächst auftretenden Störungen verschwanden nach wenigen Tagen. Selbst die Unterhindung der hinteren Aorta wurde von Hunden ohne dauernde Störungen ertragen.
Subcutane Quetschungen oder Zerreissungen der Blut-gefilsse gehen zur Bildung von kleineren oder grösseren Extravosaten Veranlassung, deren Grosse theils von dem Lumen des verletzten Ge­lasses, theils von dem Blutdrucke in demselben abhängt. Die aus Arterien
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;i4.| Ki'iuikluMteii der Blutlaquo; und LyiaphgefKsse sowie der Lymphdrllseiii
stannaenden Elxtravasate en'eioben daher einen bedeutendoreu [Tmfang als solche aus venösen Get'iissen gleichen Kalibers. Einen wesent­lichen Einüuss auf die Grosse des Extravasates übt ferner die Be­schaffenheit der umliegenden Gewebe nus. Da die Blutung in der Regel erst aufhört, wenn der Druck in dem Extravasate die Höhe des Blutdruckes in dem verletzten Geliisse erreicht hat, so muss dus Extra-vasat um so umfangreicher ausfallen, je nachgiebiger dus Gewebe an der verletzten Stelle ist; im lockeren Bindegewebe und unter einer wenig gespannten Iluut fällt dieses bedeutender uns, als in derbem Gewebe und unter einer stratV angespannten Haut oder unter Pascien, Im allgemeinen zeigt sich die Blutung in Folge subeutaner Verletzungen der Gel'iisse ungefährlich, da sie in Folge schneller Gerinnung des ergossenen Blutes meist früher steht, als in dem Extravasate der gleiche hydrostatische Druck wie in dem Gelasse erreicht ist. Doch hat man auch bei subeutanen Trennungen grösserer Blutgel'iisse heftige Blutungen und selbst Verblutungen beobachtet.
So berichtet Äugst über eine derartige Verblutung bei einer Kuh. In der Gegend des M. quadriceps femoris hatte sich die Blutung eingestellt ; sie reichte bis zu den Querfortsätzen der Lendenwirbel nach oben, unten bis zur Mittellinie des Rumpfes und nmfasste den Schenkel, Eine ilnssere Ver­letzung konnte nicht nachgewiesen werden. Ob hier ein Fall von lliiino-philie (S. 79) vorlag, muss zweifelhaft bleiben.
Befindet, sich das Blut in den erweiterten Interstitien der Gewebe, so spricht man von einer hämorrhagischen Infiltration, während kleinere derartige Anhäufungen als Ekchymosen oder Sugillationen bezeichnet werden. Sammelt sich das Blut in grösseren, durch Ver­drängen des Gewehes entstandenen Höhlen, so nennt man den Zustand eine Blutbeule oder Hämatom; grössere, flächenartig ausgebreitete Blutungen heissen Suffusionen. Diese Ausbreitung des Blutes richtet sich in erster Linie nach dem grösseren oder geringeren Widerstände, welcher demselben von den Geweben entgegengesetzt wird. Zuweilen ergiesst sieh das Blut in natürliche Körperhöhlen, z. B. in ein Gelenk (Hämarthros), oder in den Pleurasack (Hämothorax); dass solche Blutungen leicht gefährlich werden, indem sie die Function dieser Organe stören, liegt auf der Hand. Auch bezeichnet man dieselben wohl nach ihrem Sitze, /,. B. das Kephalohämatom unter der Kopf­haut, oder Othämatom am äusseren Ohr.
Die meisten der in Rede stehenden Blutungen erfolgen aus venösen Gefässen, die oberflächlicher liegen, und deren Wandungen geringere Widerstandsfähigkeit besitzen als die der Arterien. Findet
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Krankheiten dor BlutgefäsBe — Anoui'ysma.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;345
indess eine derartige Blutung aus einer grösseren Arterie statt, so kommt es zuweilen zur Bildung pulsirender Blutgescbwülste, indem der lebhafte Blutdruck das ausgetretene Blut in Bewegung erhHlt und dessen Gerinnung verhindert; mau spricht von einem traumati­schen Aneurvsma.
v, AiH'iir.vsiuu.
Als Aneurysma bezeichnet man eine mit flüssigem und strömendem Blute angefüllte Erweiterung einer Arterie, Bald ist die Erweiterung auf eine Stelle des Gefässos beschramp;nkt und hat eine cylinder-, sack-oder spindelförmige Gestalt (Aneurysma cylindriforme, sacci-forme, fusiforme); bald zeigen sich grössere Abschnitte des Gefässes oder mehrere derselben erweitert (Aneurysma raceniosum). Er-giesst sicli das Blut durch die zerrissene intima und Media unter die Advenidtia, so spricht man von einem Aneurysma dissecans.
Aneurysmen entstehen entweder durch allmähliche Ausbuchtung des Gefässes in Folge chronischer Erkrankung (Atheromatose) der Wand desselben, oder durch Verletzung der Getiisswand (traumatisches Aneurysma). Da atheromatose Processe nur selten bei Thieren an den oberflächlich gelegenen Arterien vorkommen, so trifft; man bei ihnen diesen Zustand seltener als beim Menschen: doch hat man Aneurysmen an der Samenarterie, Gaumenarterie, der Carotis, Schwanz­arterien und an der Arteria interossea am lllnterfusse bei Pferden (Stockfleth) beobachtet. Das bei letzteren so häutig auftretende Aneurysma der Gekrösarterie hat chirurgisch keine Bedeutung, ist aber dennoch beachtenswerth, zumal durch Zcrreissung desselben Ver­blutung eintreten kann. Zuweilen linden sich Communicationen zwi­schen dem Aneurysma und benachbarten Venen, wie es am Samenstrange bei Pferden und Rindern beobachtet wurde (Aneurysma arterio-venosum oder Varix aneurysmaticus).
Das Aneurysma stellt ein chronisches Leiden dar, welches niemals zur Wiederherstellung des normalen Zustandes führt, wohl aber kann Verletzung desselben zu erheblichen Blutungen führen, In Folge der Verlangsamung des Blutstromes in dem Aneurysma findet regelmässig Gerinnung des Blutes in demselben statt, wobei schliesslich der Sack thrombosirt: auf diese Weise können kleine Aneurysmen verschwinden. Grössere Aneurysmen dagegen pflegen sich mit der Zeit mehr und mehr zu vergrössern und werden zuweilen durch Druck auf die Nach­barschaft nachtheilig.
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316 Krankheiten der Blut- und LymphgefUsse sowie der Lymphdrüsen.
Die klinische Diagnose ergiebt sich aus der Gegenwart einer Geschwulst mit folgenden Eigenschaften; 1. ist sie oompressibel, d. h. sie lilsst sicli durch Druck von aussen verkleinern, 2. erscheint sie fluotuirend, 3, zeigt sie Pulsation und 1. verkleinert sie sich bei ceutraler und vergrössert sich bei peripherer Compression, weil im ersten Falle der ZuHuss von Blut, im letzteren der Ahiluss des­selben unterbrochen wird.
Bezüglich der pulsirenden Beschaffenheit kann eine Verwechslung nur mit Geschwülsten vorkommen, welche grösseren Arterien dicht aufliegen und von diesen eine mitgetheilte Pulsation erfahren. So hatte ich (M.) Gelegenheit, ein Carcinom um Halse eines Pferdes ZU beobachten, welches durch diesen Umstand zur Diagnose „Anourysma* Anlass gab.
Behandlung. Das älteste und radicalste Verfahren besteht in doppelter Unterinndung und Exstirpation des Aneurysma. Mit Hülfe des Constrictionsschlauches lässt sich diese Operation an den Gliod-massen leicht ausführen. Nach Anlegung desselben spaltet man das Aneurysma und unterbindet sowohl das zuführende, wie abführende Arterienrohr; unter Umständen genügt auch die centrale Unterbindung, doch gewährt sie nicht die Sicherheit wie die doppelte Unterbindung. Wo z. B. der periphere Gefässabsclmitt Anastomosen mit anderen Arterien besitzt, ist die einfache Unterbindung nicht ausreichend. Der Sack kann exstirpirt werden, doch hüte man sich dabei grössere arterielle Gefässe, die von der Wand dos Aneurysma ausgehen, ohne Unterbindung zu durchschneiden. Nach der Unterbindung werden an der zuführenden Arterie zuweilen Kecidive beobachtet.
Mau hat auch versucht, die Heilung des Aneurysma dadurch zu erzielen, dass man durch chemische oder andere Mittel, z. B. den elec-trischen Strom, das Blut in demselben zur Gerinnung brachte. Einige Tropfen Liquor l'erri sesquichlorati werden mittelst einer Hohlnadel in das Aneurysma injicirt, oder ein Metalldraht, ein Faden oder Pferde­haar durch dasselbe gelegt. Im allgemeinen haben diese Methoden jedoch für Thiere wenig Anwendung gefunden; sie werden auch bei Menschen nur benutzt, wo das Messer nicht eingreifen, oder die Unter­bindung nicht erfolgen kann. Bei Thieren sehen wir unter solchen Umständen regelmässig von einer Behandlung ganz ab, sorgen indess dafür, dass das Aneurysma von aussen nicht verletzt wird, Sollte aber z. B. an den Gliedmassen ein Aneurysma verletzt werden und bluten, so bleibt in der Regel nur die doppelte Unterbindung übrig. Sofern
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Krankheiten der Ulutgcfilsso — Vui'ix.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;(47
wie oben besohrieben eine öerinnung des Blutes In dem Aneurysma herbeizufUhi'en beabsichtigt wird, rauas während der Anwendung der betreffenden Mittel das abführende Get'iiss cornprimirt werden, damit niclit Blutgerinnsel losgelöst, in die peripheren Gefftsse gelangen und liier Embolie er/engen.
Straube beobachtete ein Aneurystna der Vordermittelfussavterie beim Pferde; es bestand etwa in der Mitte des (iefilssverlaufs eine knotige An­schwellung, welche operativ entfernt wurde und sich bei der Untersuchung als ein Aneurysmn msifome erwies, dessen Wände verkalkt waren. Die Wunde heilte trotz Eröffnung der Sehnenscheiden in kurzer Zeit. LaNotte stcdlto bei einem Pferde an der Art. corviealis post, ein reichlich hülinerei-grosses Aneurysma fest, welches hinter dem Öhre lag, das Auflegen des Zaumes störte und während eines Hustenant'alles platzte, wodurch eine be­deutende Blutung entstand, die Jedoch rechtzeitig durch Unterbindung gestillt wurde, Der Zustand war damit geheilt. Eine ganz ähnliche Beob­achtung machte Peters. Heckmann u. A. berichteten über Aneurysma cordis bei Pferden, welche durch Verblutung zum Tode führten,
Meyer (Herne) fand bei einem 9 Monate alten Ochsen, der (i Wochen alt durch Abschaben des Samenstranges castrirt war, ein Aneurysma der Samenarterie, welches durch Abkluppen des Samenstranges beseitigt wurde,
(Jurlt und Prinz beschrieben ein Aneurysma arterio-venosum des Sainenstranges bei Ochsen, Die erweiterte Samenarterie mündete in die Samenvene, Diese Zustände Hessen sich ebenfalls von aussen feststollen und durch Resection des Samenstranges beseitigen.
Reimers sah ein sackförmiges Aneurysma der linken Art, ischiadica beim Rinde, das pertbrirte und zu einer heftigen Blutung Anlass gab, welche mit Liquor ferri sesquichlorati gestillt wurde. Das Aneurysma lag auf dem Kreuze im Verlaufe der M. biceps fern, und war erst 2 Monate vorher bemerkt worden.
Nach der Beobachtung Blain es starb ein Pferd durch Blutung aus einem Aneurysma der Scblundkopfarterie. Ein gleiches wurde mehrfach über Aneurysmen der Aorta berichtet, Steinmeier beschreibt ein Aneurysma der Carotis beim Pferde, welches zur Verblutung führte.
Furlanetto stellte ein Aneurysma der Untorschenkelarterie bei einem Ochsen lest. An der inneren Fläche des Unterschenkels land sich eine mit der Vena saphena parallel verlaufende kegelförmige Anschwellung von 15 cm Länge, deren Basis einen Durchmesser von 12 cm hatte. Die schmerzlose, nicht vermehrt wanne, aber elastische Geschwulst Hess sich comprimiren und zeigte deutliche Pulsation, welche sogar in einer Entfernung von drei Schritten sichtbar wurde, da die Haut über dem Aneurysma sehr dünn war. Im Verlaufe eines Jahres erlangte die Geschwulst die doppelte Grosse; trotz­dem konnte der Ochse ohne jede Störung zur Arbeit verwendet werden.
:i. Varlx.
Als Varix oder Phlebektasie bezeichnet man andauernde, krankhafte Erweiterungen des Lumens venöser Gelasse. Steigerung des Blutdruckes in den Venen und krankhafte Veränderungen der Venen-
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;{-l8 Krankheiten der Hint- und LymphgefäBse sowie der Lymphdrüsen!
wand odor ihrer Umgebung führen zur Bildung dieses Zustandes, der ebenfalls bei Tliieren seltener vorkommt als beim Menschen. Auch bei den Thirivn wurden sie vornehmlich an den Gliedmassen beobachtet, wo das Blut gegen die eigene Schwere in die Höhe steigen muss, der Blutdruck folglich höher ist, ids in den übrigen venösen be­fassen. Dass die heim Menschen so häufig auftretenden Varicen am After, die unter dein Namen Hftmorrhoiden bekannt sind, bei Tliieren nicht beobachtet werden, erklärt sich ans den bei diesen günstigeren Cireulationsverliiiltnisscn, welche sich aus der horizontalen Lage des Rumpfes ergeben. Ks wurden /.war zuweilen hei Hunden und Schweinen Hämorrhoiden beschrieben, doch lässt sich aus den Mittheilungcu nicht entnehmen, dass es sich um solche gehandelt hat: wahrscheinlich bestanden entzündliche Erkrankungen der am After gelegenen Drüsen, die nicht selten vorkommen.
Auch die Varicen zeigen bald eine c\ lindrische, bald eine sack-oder spindelförmige Gestalt; häufiger noch als an Arterien beobachtet man varicose Erweiterungen einer grösseren Anzahl kleiner Venen über grosse Strecken (Varicositiiten , Varix serpent i niformis). öurlt fand solche am Samenstrange bei Pferden und Etindern, wo sie in dem Plexus pampiniformis ein physiologisches Aualogon finden. Uns begegneten bei einem Hunde Varicositiiten in der äusseron Haut, über das ganze Scrotum ausgebreitet; an der nicht pigmentirten Haut Hessen sich die stark erweiterten Venen in ihrem geschlängelten Ver­lauf deutlich verfolgen. De bloc beobachtete bei einer 2 Jahre alten Stute an der Sporader einen Varix; die wallnussgrosse, fluetuirende Geschwulst verschwand unter dem Druck der Finger, nahm mit der Zeit an Umfang zu und erreichte allmählich Kindskopl'grösse. Bei Pferden wurden ferner wiederholt Varicen an der Vena saphena beob­achtet. Öurlt und Meyer stellten solche an den Venen des Samen­stranges bei Ochsen fest, Liebl an der Milchvene einer Kuh.
Auch in den Varicen kommt es nicht selten zur Bildung yon Thromben und durch Zerfall derselben zu periphlebitischen Entzün­dungen, oder zu Verkalkung der Thromben, woraus die sog. Venen­steine (Phlebolithen) hervorgehen. Bei der geringen Stärke der Venenwand erklärt sich ferner, dass Varicen häufiger noch als Aneu-rysmen sowohl zu spontanen, wie zu traumatischen Blutungen Ver-
Die Diagnose ergiebt sich aus den gleichen Erscheinungen wie beim Aneurvsma. allerdings mit der Abweichung, dass bei Varicen
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Knuiklu'itcu der Lymphgefttsse
DntztlnduiK
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die Pulsation fehlt, und bei centraler Compression eine Vergrösserung, bei peripherem Druck eine Verkleinerung der Gesohwulsl eintritt. Vai'ioositäten geben sicli :iii pigmentfreier Haut durch die dunkelrothe Färbung der geschlängelten öefUsse zu erkennen.
Behandlung. Das radicalste Verfahren bildet auch hier die Unterhindung und Ausschölung des Varix; die Unterhindung muss in der Kegel doppelt erfolgen, um Nachblutungen zu verliindern, während die Exstirpation ebenso gescliielit wie beim Aneurysma. Auch kann durch Anwendung der dilühhit/e (Brenneisen oder Tliermocauter) eine Gerinnung des Blutes in dem Varix erzielt werden; man f'Ulirt einen glühenden Stift durch die Haut bis in das Lumen des erweiterten Gel'ilsses.
Ein Gleiches wird durch Injectionen von Liquor ferri sesquichlorati erreicht; auch hat mau beim Menschen Ergotin (Extract, secal. cornut. 1,0 zu 10,0 Aqua) in das perivasculiire Gewebe gespritzt. Debloc suchte Gerinnung des Blutes in einem Varix der Sporader dadurch zu bewirken, dass er mit dein Aderlassschnapper an zwei Stellen Ver­wundungen desselben herbeiführte und mittelst Nadeln alsbald ver-schloss; darauf wurden Vesicantien applicirt. Es bildeten sich hierauf einige Abscesse, welche nach aussen perforirten; einen Monat später war als Best der Geschwulst nur noch eine geringe Verdickung der Haut zurückgeblieben. Trotzdem der Erfolg dieser Behandlung in dem vorliegenden Falle als günstig bezeichnet werden muss, kann dieselbe doch nicht empfohlen werden, denn mit der hierbei leicht zu Stande kommenden Infection des Thrombus entsteht die Gefahr, dass Embolien auftreten, welche bei der inficirten Beschaffenheit der Emboli doppelt bedenklich erscheinen.
Welche Methode zur Herbeiführung der Blutgerinnung in dem Varix auch zur Anwendung kommt, stets suche man die abführenden Gefässe so lange zu comprimiren, bis die Gerinnung eine vollständige ist, weil sonst vom Blutstrome Gerinnsel losgerissen werden, die central-wärts fortgeführt zu Embolien Veranlassung geben.
Liebl unterband die varicose Milchvene, welche wiederholt zu Blutungen Anlass gegeben hatte, wonach die Milchsecretion sogar zu­genommen haben soll.
i. Krankheiten der Lymphgefilsse und Lymphdrüsen.
Erweiterungen der Lvmphgefässe, wie sie an den Blutgefässen beschrieben wurden, bezeichnet man als Lvmphangiektasien; sie
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350 Krankheiten der Blutlaquo; und Lyrophgefässe sowie der Lymphdrüsen.
werden jedoch bei Thieren mir selten beobachtet und haben kein chirurgisches Interes.se.
Continuitätstrennungen linden in kleineren Lymphgefässen bei jeder grösseren Verwundung' statt, erlangen aber keine besondere Bedeutung; auch die Verwundungen grösserer Lymphgefässstärame haben in der Kegel kein besonderes praktisches Interesse. Da ferner auch die subeutanen Verletzungen dieser Gelasse, die Bildung von Lytnphextravasaten und ihre Behandlung bereits S. 21ii besprochen worden sind, so bleiben hier nur noch die Entzündungsprocesse der Lyniphgel'ässe und Lymphdrüsen zu erörtern.
a) Acute Entzündung der Lymphgefässe (Lymphangioltis acuta). Dieselbe entsteht, fast nur seeundär, d. h. durch den üeber-tritt reizender Substanzen in dieselben. Da die Wurzeln der Lymph­gefässe von den Gowebslücken, namentlich des lockeren Bindegewebes gebildet werden, so erklärt sich, dass die entzündlichen l'rocesso der Lymphgefässe fast immer aiis einer inl'ectiösen Entzündung der Weich-theile hervorgehen. Die Lymphgefdssentzündung ist daher ein ständiger Begleiter der Phlegmone (S. 157),
Durch den Uebertritt reizender, namentlich int'ectiöser Substanzen in die? Lymphbahnen wird häufig zunächst eine Gerinnung der in den­selben enthaltenen Lymphe veranlasst, welche Stasc in den betreffenden Gelassen zur Folge hat. Durch entzündliche Schwellung der zu­gehörigen Lymphdrüsen wird der Lymphstrom in dem betreffenden Gefässe ebenfalls gestört. Bald darauf werden die Endothelien der Intima gereizt und in Entzündung versetzt, wobei ein Theil derselben zu Grunde geht. Der von der Intima gebildete Eiter mischt sieb dem Thrombus bei, welcher zerfällt, und man findet das Gefäss in diesem Zustande mit einer graugelben, rahmartigen Masse angefüllt, welche aus Lymphkörperchen und Endothelien sowie aus den Zer­fallspro dueten derselben und aus Mikroorganismen besteht. Bei der geringen Stärke der Wandung dieser Gefässo dringen die entzün­dungserregenden Substanzen durch diese leicht, hindurch und rufen in der Umgebung des Gelasses, namentlich in der aus lockerem Binde­gewebe bestehenden Adventitia derselben entzündliche Processe hervor (Peril vmphangioitis). Auch hier kommt es bald zur Eiterung, welche mit Bildung von mehr oder weniger zahlreichen Abscessen (perilymphatische Abscesse) verbunden ist, wodurch im Verlaufe der betreffenden Gefässe, also reihenförmig geordnete Eiterherde auf­treten (Reihenabscesse). Diese perforiren in der Regel die äussere
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Kmnlihciten der LyiuphgefttsBQ - Entzündunj
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Haut, doch Kanu aiu'li Einhruch der Kiteniiasscn in das Gcfäss selbst, erfolgen,
Gtehi der Process von weniger intensiv reizenden Substanzen aus, so stellt sich \s'ohl eine chronische Entzünduns mit Verdickunc der
Wand des Lymphgefässes und seiner angioitis ohronica) ein.
[Jingebutig (l'eri I y in])li-
Diagnose. Klinisch giebt sich die acute Entzündung der Lymph-
gefässe in erster Linie durch Anschwellung y.u erkennen, welche theils durch die Stase und Thrombose, theils durch die entzündliche An­schwellung der Wand der Gefässe und ihrer Umgebung bedingt wird. Die Anschwellung gestaltet sich, entsprechend dem Verlauf des Ge-fasses, strangförmig, und wenn sich perilymphatische Abscesse ent­wickeln, treten diese ebenfalls im Verlaufe des Gefässcs auf. An nicht pigmentirter Haut zeigen sich im Verlaufe der erkrankten Gefässe strichförmige Röthungen, eine Erscheinung, welche an der meist pig-mentirten Maut unserer Thiere nicht zur Beobachtung kommt. Die mit solchem Zustande verbundenen Schmerzen sind nicht erheblich. doch ruft das Linden an den Gliedmassen zuweilen erhebliche Lahmheit hervor, welche vornehmlich durch die Schwellung bedingt wird, die sich in der Umgebung der erkrankten Gefässe sowie in den Geweben bemerkbar macht, aus denen die erkrankten Gefässe entspringen. Die Anschwellung liegt daher vornehmlich peripher und geht aus der Stauung des Lymphstromea in den Geweben hervor. Mit der acuten Erkrankimg der Lymphgefässe verbindet sich regehnässig entzündliche Schwellung der regionären Lymphdrüsen und Fieber. Die erstere ent­steht in Folge des Uebertritts reizender Substanzen in die Lymph­drüsen und entzündlicher Erkrankung derselben; das Fieber stellt die Wirkung des Uebertritts dieser Substanzen in die Blutbahn dar.
In der Regel handelt es sich bei der Lymphangioitis acuta um die Wirkung von Bakterien, bezw. deren Stoffwechselproducten, welche durch kleine, an der behaarten Maut der Thiere häufig nicht nach­weisbare Verletzungen in die Saftströmung und Lymphgefässe ge­langen. Vielfach geben Eiterkokken die Ursache hierzu ab (Lymph­angioitis purulenta), doch können auch Mikroben mit apeeifischen Wirkungen (z. B. Kotzbacillen), oder solche von höherer Virulenz schwere, acute Entzündungen der Lyiuphgelässe erzeugen (Lymph­angioitis septica). Dass hiernach die anatomischen Veränderungen, wie auch der Verlauf und die klinischen Erscheinungen sich verschieden gestalten, liegt auf der Hand.
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352 Kraukheiten dor Blut- und Lymphgoftlsse sowiu der Lymphdrüsen.
Noeard stellte bei Pferden nine, durch einen eigenartigen Ba­cillus, der sieh von dem Kotzbaeillu.s durch seine Culturen und Färbbar-keit unterschied, entstandene Lym, ulcerosa lest, die ilusserlich von Rotz nicht zu trennen war. Aul' Impfting mil Mallofu reagirte das Pferd iodoch nicht.
iiei weniger virulent wirkenden Infectionen küiinnt der Process wob] zur Zertheilung; die verfallenen [nbaltsmassen des Lympbgefösses werden lgt;ei dem reichlich entwickelten Collateralkreislaut' leicht resor-birt, worauf sowohl die Anschwellung, wie auch die übrigen Erscbei-mmgen allm'dblicb verschwinden. Pyogene Mikroben rufen aueb hier in der Elegel Eiterung mit Abscedh'ung hervor, worauf es jedoch eben­falls zur Kreilegung des Lyinphget'ilsses und Wiederherstellung der normalen Circulation in demselben kommt. Ob Lympbtbrombeu auch organisiren können, ist noch eine offene Frage.
Welcher dieser Ausgänge eintreten wird, lässt sich aus der Heftigkeit der entzündlichen Erscheinungen und des Fiebers nur ver-muthen; kennt man den Infectionsstoff genau, so ergehen sich hieraus weitere Anhaltspunkte für die Prognose.
Entzündliche Erkrankungen der Lymphgefässe werden zai gewissen Zeiten in grösserer Verbreitung angetroffen, so namentlich am Kopfe der Pferde im Verlaute oder als Nachkrankheit der Druse. Hier ent­stehen zuweilen zahlreiche Abscesse, ein Zustand, der früher wohl als Kopfwurm oder gutartiger Wurm bezeichnet wurde. Peuch beschreibt eine seuchenartig aul'treteiide Lymphgetassentzündungder Pferde, welche häufig in der Armee, aber auch anderswo vorkam und von Thier auf Thier übertragbar war. Nach der Beschreibung von PeucL scheint es sich um eine eitrige, mit Abscedirung verbundene Entzündung der Lymphgefässe gehandelt zu haben.
Von der beim Rotz der Pferde auftretenden Lymphgefässentzün-dung unterscheiden sich diese durch die Entleerung von gutartigem Eiter aus den Abscessen , während diese beim Rotz eine röthlich ge-larbte, trübe Flüssigkeit enthalten.
Bei der Behandlung bilden Präservativmassregeln die Haupt­sache; man suche äussere Verletzungen, auch wenn sie noch so klein sind, rein zu erhalten und Retentionen von Wundsecret zu verhindern. Mine sorgfältige Antisepsis schützt am sichersten gegen derartige Complicationen, Bei bereits eingetretener Lymphangioitis wende man seine Aufmerksamkeil zunächst auf die Quelle derselben; suche fest­zustellen, von wo der Process ausgeht, um die etwa nachweisbaren
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Krankheiten der Lymphdrüsen Bntzttndung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;{r):'i
Verletzungen soweit mfiglicb zu desinflciren und weiteren Eintritt von [nfectionsstoffun in die Nvinplilmlinen zu verhindern.
Dasa hier mit örtlicher Anwendung von Killte nichts zu erreichen ist, liegt auf der Hand; dagegen empfiehlt sich, durch feuchte Wärme die Zertheilungsvorgänge zu unterstützen. Zu den Umschlägen oder Bädern, welche für diesen Zweck angewendet werden, benutze man Desinfioientien, theils um die an der Oberfläche der äusseren Haut, bezw. in Wunden und sonstigen Verletzungen sich aufhaltenden In-t'ectionsstoft'e zu vernichten, theils um so viel als möglicb von den Desinfectionsmitteln in die erkrankten Lymphgefässe gelangen zu lassen und auch hier die [nfectionserreger zu zerstören. Vielleicht übt die andauernde Einwirkung der Wärme auch dadurch einen günstigen Kintluss aus, dass sie die Virulenz der im Krankheitsherde sich ent­wickelnden [nfectionserreger herabsetzt, eine Mitigation derselben herbei­führt. Aelmlicb wirkten die früher mehr als heute üblichen Einreibungen mit grauer Salbe und verwandten Mitteln, l'erilyinphaiigioitische Ab-scesse spalte man rocht bald. Bei chronischem Verlaufe des Leidens kann auch durch Massage und Bewegung der Thiere die Resorption und Zertheilung unterstützt werden. Die Behandlung gestaltet sich also ähnlich wie bei der Phlegtnone (S. 104).
Gegen die seuohenartig auftretende Lymphgefässentzündung der Pferde empfiehlt Peuch Zerstörung der Knoten mit einem oliven-förmigen Brenneisen. Es liegt auf der Hand, dass hiermit eine ener­gische Desinfection verbunden ist, und dass das Verfahren bessere Resultate liefert als die Application chemisch wirkender Mittel.
b) Die Entzündung der Lymphdrüsen (Lymphadenitis) gebt ebenfalls aus dem Eintritt reizender (infectiöser) Substanzen in die­selben hervor, stellt, also auch ein seeundäres Leidem dar, welches sich regelmässig zur Lymphangioitis gesellt. Thrombosiren die Lymph­gefässe frühzeitig, so gelangen die deletären Substanzen nicht in so grosser Menge in die Lymphdrüsen, als wenn die Thrombose ausbleibt: im ersteren Falle leiden daher die Lymphdrüsen weniger stark als im letzteren.
Die Lymphdrüsen, denen u. a. die Aufgabe zufällt, körperliche Bestandtheile der Lymphe aufzuhalten, damit sie nicht in die Blutbahn gelangen und hier Etnbolie erzeugen, lassen auch die Mikroben nicht ohne weiteres durchtreten; diese bleiben zunächst im Hcticulum der Drüsen liegen und rufen hier je nach ihrer Virulenz verschiedene Veränderungen hervor. In der Hegel kommt es zunächst, zu einer Er-Möllor ii. Friik. Allgemeine Ohlrurgle tin Tblertlrzte !. Anil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28
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354 Krankheiten dor Blut- und Lympbgefässe sowie der Lymphdrüsen.
Weiterung der BlutgefUsse der DrUs
c und zum
Austril
Hüssii
Bestandtheilen derselben (seröse Durobtränkung); darauf folgt bald eine lebhafte Emigration und Proliferation der zelligen Elemente der Drllse. Die Alveolen der Lymphdrüse erscheinen mit Leukocyten, bezw. Lymphzellen angefüllt, so dass die Balken des Reticulum aus einander gedrängt, und die Durchlässigkeit der Drüse für den Lymphstrom mehr oder weniger gestört wird. Nielit selten erlölg'en in der hyperttmisohen Lymphdrüse Hämorrhagien. Bei Beuten, namentlich eitrigen Erkran­kungen greift die Entzündung regelmässig auf das die Lymphdrüse umgehende Bindegewebe über (Perilymphadenitis), wodurch die Anschwellung vergrösserl und mehr diffus wird, au dass man zuweilen die Sehwelinng der Drüse selbst nicht mehr zu erkennen vermag.
üeber den Grad und die Art der Erkrankung entscheidet auch hier in erster Linie die V'irnleii/ der [nfectionsstoffe, welche in die Lymjilulriise gtdaugen. So erzeugen sowohl Tuberkel-, wie auch Kotz-hiieillen eine chronische Erkrankung der Lymphdrüsen. Bei ersteren kommt es zur Bildung von Tuberkeln und käsigen Herden, beim Rotz zur Induration der Lymphdrüse; beide Processe haben jedoch kein chirurgisches Interesse.
Sehwarznecker fand in Lymphdrüsenschwellungen, welche bei Katarrhen und verdächtiger Druse im Kehlgange der Pferde auf­traten, Stapln lococcus albus und nimmt, an, dass es wesentlich von der Menge der Kokken, welche in die Drüsen gelangen, abhängt, welche Erkrankungsforuien in den Drüsen entstehen, ob einfache Schwellun­gen, oder herdförmige Eiterungen und chronische Entzündung. Wir hatten wiederholt Gelegenheit Kehlgangsdrüsen bei Pferden zu ex-stirpiren, welche durch Eitererreger in chronische Entzündung ver­setzt waren.
Ahscedirende Entzündungen der unteren HalsdrUsen geben die Grundlage zur Bildung gewisser Formen der Brustbeule bei Pferden ab. Bei der Druse der Pferde bilden zweifellos Streptokokken die Ursache der eitrigen Erkrankung in den subinaxillaren wie auch anderen Lymphdrüsen. Ebenso entsteht heim Kinde zuweilen fluch an den der Untersuchung bei Lebzeiten zugänglichen Lymphdrüsen chronische Entzündung mit Verkiisung und Induration, Zustände, welche hei der Lungentuberkulose an den mediastinalen, bei tuberkulösen i'ro-cessen in der Bauchhöhle an den Mesenterialdrüsen niemals rermisst werden. Aktinomvees-lnt'ectionen veranlassen, namentlich beim Rinde chronische, mit Abscedirung verbundene Erkrankungen der Lymph­drüsen am Kopfe.
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Krankhpitcm der Lymphdrüsen blntzüudunff,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;355
Unter den klinischen Erscheinungen tritt auch hier die An­schwellung in den Vordergrund, welche in der Elegel mit Schwellung der zuführenden Lymphgefässe (Lymphstauung) und bei acuten Ent­zündungen häufig mit Fieber verbunden ist, Bei eitrigen Erkrankungen kommt es in der Hegel zur Ahscesshildung und Perforation nach aussen; meist stammt der Abscess jedoch aus der Umgebung der Lymphdrüse (Peri lymph adenitis). Die chronische Entzündung der Lymphdrüsen giebt sich ebenfalls durch Anschwellung zu er­kennen, die jedoch nichi so erheblich ausfällt und mit zunehmender Märte und Festigkeit (Induration) des Orgaus verbunden zu sein ptiegt.
Die Behandlung' geht von denselben Grundsätzen aus wie bei der Lymphangioitis. Sobald sich Erscheinungen der Ascessbildung bemerkbar machen, suche man den Eiterherd zu spalten und desinficire die Höhle. Käsige Zustände (Tuberkulose) können zum Auskratzen der Lymphdrüse mit dem scharten Löffel, rotzige oder andere chro­nische Processe zur Exstirpation der Lyni|didrüse Veranlassung geben.
c) Neubildungen in den Lymphdrüsen. Von den Lymphdrüsen gehen nicht selten Neubildungen aus, welche theils primärer, theils seeundärer Natur sind, [nfectionen mit Staphylococcus und Aktino-myces veranlassen chronische Reizungsprocesse mit Neubildung binde-gewebiger Massen, einen Zustand, wobei die Drüse allmählich an Umfang zunimmt und den Charakter eines 'rumors erlangen kann. Man beobachtet solche Vorgänge nicht selten in den Subniaxillardrüsen bei Pferden und kann dieselben sowohl der chronischen Lymphadenitis, wie auch den Fibromen zuzählen. Oft sind dieselben mit Abscedi-rung und Fistelbildung verbunden.
Maligne Geschwülste, namentlich Krebse metastasiren mit Vor­liebe in den Lymphdrüsen, so daslaquo; sich hier Secundärknoten bilden.
Bei allen diesen Zuständen bleib! nur die Exstirpation der er­krankten Lymphdrüse übrig, die sobald als möglich vorzunehmen ist, und auf keine grösseren Schwierigkeiten stösst, wenn die Drüse mit ihrer Umgebung nicht verwachsen ist; hat eine solche Verwachsung stattgefunden, so wird nicht nur die Isolirung der Drüse erschwert, sondern es pflegen auch Blutungen aufzutreten, die oft nicht leicht ZU stillen sind.
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X. Krankheiten der änsseren Haut.
Ein grosser Theil der Krankheiten der äusseren Haut steht mit Krankheitszuständen des Blutes, des Darmkauals oder des Gesammt-organismus in Verbindung und fällt daher in das Gebiet der speciellen Pathologie und Therapie. Dahin gehören die sog. Hautausschläge (Exantheme), welche ebenso wie die parasitären Hautkrankheiten (Räude) kein chinu'gisches Interesse besitzen, daher hier unberück­sichtigt bleiben. Hier kommen nur die acuten Entzttndungsprocesse der änsseren liaul in Betracht, welche zum Theil bereits an anderer Stelle Besprechung gefunden haben, /.. I?. der Rothlauf (S. 154) und die Phlegmone der Subcutis (S. 1quot;)7). Audi die Wunden und Quetschungen der änsseren Haut wurden bereits bei Betrachtung dieser Zustünde abgehandelt; es bleiben daher noch folgende zu besprechen;
1. Das Erythem (Dermatitis erythematosa), ein Leiden, das nur an pigmentfreier Haut deutlich beobachtet werden kann. Es be­steht in einer acuten Entzündung, welche, loeal beschränkt, vornehm­lich im Papillarkörper der Cutis abläuft, bei Pferden vornehmlich in der Köthe (Mauke), aber auch an anderen Stellen und bei den übrigen Thieren vorkommt. Beim Rinde beobachtete man ausgebreitete Erv-theme nach dein Qenuss von Buchweizen unter gleichzeitiger Einwir­kung der Sonne (S. :gt;ö7). Vogel berichtet über ein Erythema calori-cum et solare bei Schafen.
Der Papillarkörper, zuweilen auch die unter ihm gelegenen Ab­schnitte der Cutis sind heim Erythem entzündlich erkrankt, ihre 6e-webslticken mit Serum und zelligen Elementen angefüllt. Die darüber gelegenen Abschnitte des Rete Malpighii zeigen sich verdickt, auf­gequollen; zuweilen sammelt sich eine grössere Menge Serum im Stratum inucosuiu an, hebt die Epidermis von ihrer Unterlage ab und giebi so zu Blasenbildung Veranlassung.
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Verlauf. Das Leiden gehi fasl immer nach kurzem Verlauf in vollstäadige Eeilung Über. Nachdem in wenigen Tagen die ent-züiHlliclu'ii Prooesse verschwunden sind, wird die Bpidermis in grösseren oder kleineren Schuppen ahgestossen; zuweilen fallen die Ilaare an der betreffenden Stelle aus.
Klinisch giebtsich das Erythem durch eine gleichmässige Röthung der Haul., verbunden mit geringer Schwellung und massigem Schmerz zu erkennen, An pigmentirter Haut entzieht sich das Leiden der Be­obachtung, oder es wird erst, durch den Haarausfall, oder nach Ahlauf der Ent/.ündung durch die lebhaftere Abschuppung der Epidermis erkannt. An den (laquo;liedinassen ruft der Schmerz wohl Lahmheit her­vor, /.. B, bei der Mauke. Der sog. Buchweizenausschlag bei Schafen, Schweinen, Kindern tritt fast nur an weissen Hautstellen auf, besonders am Kopfe. Dabei /.eigen sich oft Erscheinungen von Congestionen nach dem Gehirn, Stumpfsinn, Betäubung, ferner Athem-beschwerden und Fieber. Zuweilen tritt innerhalb 24 Stunden der Tod ein. Dass das Fehlen des Pigments eine besondere Disposition zu dem Leiden giebt, geht daraus hervor, dass schwarz angestrichene Hautstellen verschont bleiben.
Die Ursachen des Erythems bestehen in localer Heizung der Hautoberfläche durch mechanische, chemische, thermische oder speci-fische Reize. Zu den ersteren gehört das Reiben der Haut durch Ge-schirrtheile und Verbände, oder durch gegenseitige Bertlhrung; chemische Reize spielen #9632;/,. B, bei der Mauke der Pferde zuweilen eine Rolle (Kalkstauh). Ein arteticielles Erythem erzeugen gewissermassen auch die sog. Rubefacientia, die hautröthenden Arzneimittel; ferner können Sublimat, Carbolsäure in massiger Concentration Erythem veranlassen. Als thermisches Erythem müssen die Verbrennungen und Erfrierungen ersten Grades aufgefasst werden (S. 869. 378); auch kann andauernde Einwirkung von Sonnenstrahlen ein Erythem der Haut erzeugen (E. solare). Bei Rindern werden erythematöse Erkrankungen oft in Verbindung mit Nekrose der Haut durch den Genuss von Buchweizen beobachtet; ähnliches sah man bei Pferden, Schafen und Schweinen.
Die Behandlung des Erythems besteht zunächst in Beseitigung der Ursache, des scheuernden Geschirres oder Verbandes, oder der an der Hautoberlläche noch vorhandenen reizenden Stoffe. Sodann sucht man die erkrankte Stelle sorgfältig zu reinigen und gegen äussere Reize zu schützen: Waschungen mit Seife, wobei darauf zu achten
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358nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Sussereu Sautlt;
ist,, dass nicht Seife auf der Haut zurückbleibt, sodann Einreibungen mit Glycerin, Zink-. Hör- oder Bleisalbe. Wo die ftusseren Umstände es gestatten, iiisst man den erkrankten Theil durch einen weichen Verband schützen,
2. Das Ekzem (Ekzema). Als Ekzem bezeichnet man eine mit mehr oder weniger lebhafter Exsudation an die Oberfläche verbundene Dermatitis, wobei es in der Rege] zuerst zur Bildung kleiner Knötchen (St ad. papulosum) kommt, die sich Jedoeh auf der behaarten Haut der Thiere der Beobachtung oft entziehen. Hierauf folgt alsbald lebhafte Exsudation in das Hete Malpighii mit Bildung kleinerer oder grösserer Bläschen (Stad. vesiculosum). Dieses Stadium tritt bei Thieren ebenfalls'nicht deutlich hervor, weil die Blasenbildung auf der mit Ilaaren bedeckten Haut verhindert wird: die Epidermis ist gleichsam durch die Ilaare an der Hautoberfläche festgenagelt und kann niclif leicht im Zusammenhange abgehoben werden. Dennoch beob­achtet man dieses zuweilen; handtellergrosse Blasen können sich unter Umständen an der Oberfläche der Hanf bilden. Deutlich tritt bei Thieren aber meist das vierte, das Stad. madidans hervor, während auch das dritte Stadium, die Pustelbildung (Stad. pustulosum) an der behaarten Haut meist übersehen wird. Das Stadium madidans kenn­zeichnet sich durch Nässen der I lautobertläche, das durch Platzen der Blasen und die hierauf folgende Exsudation bewirkt wird. Dabei­ist das Ekzem in der Regel auch mit Haarausfall verbunden.
Das Leiden geht regelmässig nach 5—10 Tagen in Heilung über, indem die Exsudation nachlässt, die an der Oberfläche der Haut be­findlichen Exsudate zu Krusten eintrocknen (Stad. crustosum), worauf die Restitutio ad integrum beginnt. Zunächst werden kleinere oder grössere Schuppen, aus Epidermismassen bestehend, abgestossen (Stad. squamosura), worauf regelmässige Oberhautbildung eintritt, und die Entzündung abheilt.
Bei Hunden nimmt das Leiden häufig einen chronischen Ver­lauf und zwar entweder dadurch, dass der Process, wenn auch in geringerer Intensität sich öfter wiederhol! (z. B. auf der ßückenhaut), oder indem sich in verschiedenen Zeitabschnitten local beschränkte Eruptionen einstellen, welche die verschiedensten Körperstellen treffen können, am häutigsten jedoch am Rumpfe auftreten. Auch bei Pferden und Rindern kommen chronische, universelle Ekzeme vor, welche mit starker Krustenbildung, Hautverdickung und lebhaftem JuckgefUhl ver­bunden sind.
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Ekzem.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;:55(t
Wie aus dieser Betrachtung hervorgeht, liissl sich eine scharfe (Jrcn/.i; zwischen Erythem und Ekzem nicht ziehen; doch gilt als solche das Fehlen bezw. Auftreten der Exsudation an der Oberfläche; heim Erythem bleibt die Qautoberfläche trocken, das Ekzem nässt.
Das Ekzem kann aber auch local in grösserer Verbreitung über den Körper auftreten. l]ns interessirt hier nur das erstere, wie es hei der Mauke der Pferde und Rinder, sowie auch bei Hunden nicht selten vorkommt.
Als Ursachen der Ekzeme kommen ähnliche Einflüsse wie beim Erythem in Betracht; nur dass sie beim Ekzem von lebhafterer Wir­kung sind. In der Kötbe des Pferdes und h'indes hildet das Leiden die Grundlage der ekzematösen Forin der Mauke.
Bei Bunden üben offenbar bisher unbekannte Vorgänge im Ver-dauungstractus einen Einfluss auf die Entstehung von Ekzemen aus (Ekzema ab ingestis), Nach Gratia, und Lientuix soll eiweissreiche Nahrung bei diesen Thieren Ursache von Ekzemen werden können.
Bei Rindern stellte Seh 1 ei ff er als Ursache eines ansteckenden Schweifekzems eine Aspergillusart fest; Casper am Schweife des Pferdes Streptococcus pyogenes; hier konnte das Leiden auch durch Verimpfung übertragen werden.
Mau könnte hierher auch die Erkrankung der äusseren Haut rechnen, welche durch den Kinliuss von Wundsecret und anderen thierischen Flüssigkeiten z. B. Harn entsteht; doch entspricht der hierbei ablaufende Vorgang nicht ganz dem Kkzem. Kommt die ilaut-oberfliiehe z. B. unterhalb einer Wunde mit dem abfliessenden Wund­secret in Berührung, so fallen bekanntlich alsbald die Haare an der betreffenden Stelle aus, und die Haut erscheint an ihrer Oberfläche feucht. Sobald aber die Ursache dieser Erkrankung beseitigt ist, wird die von Haaren entblösste Oberfläche der Haut in kurzer Zeit wieder trocken; zur Krustenbildung kommt es nicht. Der Verlauf ent­spricht also im ganzen dem Ekzem , so dass man den Vorgang dem in Rede stehenden Leiden wohl zurechnen könnte: wir sind jedoch der Meinung, dass dies nicht gerechtfertigt ist. Heim Ekzem besteht. ein entzündlicher Process im Retegewebe sowie im Papillarkörper der Cutis, bei der durch thierische Secrete, Harn u. s, w. erzeugten Er­krankung leidet dagegen nur das Rete Malpighii; dieses wird durch jene Flüssigkeiten macerirt, und in Folge dessen fallen die Haare aus, indem die Maceration sich bis in die Haarbiilge fortsetzt. Sobald die macerirende Wirkung aufhört, stellt sich alsbald trockene Epidermis
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360nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiton der änaseren Haut.
an (Ut Oberfläche ein, und die ausgefallenen Haare werden wieder
ersetzt. Bei Hunden werden durch Hisswunden derartige Zustünde hervorgerufen.
Klinisch kennzeichnet sich das Kkzeiu vornehmlicb durch seine nässende Eligenschaft; die mit demselben verbundene Anschwellung und Schmerzen bleiben in der Regel beschränkt, Nur beim Auftreten des Leidens an den Beugeflächen der Gelenke (Köthe) entstehen bei Bewegungen der Qliedmassen oft lebhafte Schmerzen, die sich aber nach einigen Schritten zu verlieren pflegen. Beim acuten .Ekzem stellt sich Haarausfall ein; beim chronischen auf der Rückenhaut der Hunde fällt ein Theil der Haare ebenfalls aus, während die übrigen Ilaare auf der verdickten Haut gesträubl stehen.
Die Behandlung verlangt zunächst Beseitigung der Ursachen des Leidens und Beiniguug der erkrankten Haul: sodann finden Sub­stanzen Anwendung, welche die exsudativen Vorgänge zu beschränken im Stande sind, die sog. austrocknenden Mittel, Adstringentien, natnent-lieh Tannin, Wichtig bleibt ferner, die noch nicht ausgefallenen Haare, /,. B. bei Hunden, abzuschneiden und die von Krusten bedeckte Haul-oberfläche zu reinigen. Theer, Theersalben oder Theerseifen finden heim chronischen ElUckenekzetn der Hunde vortheilhafte Anwendung. Ebenso Ichthyolsalben, Creolinwaschungen. Bei Pferden geniigi zu­weilen nach erfolgter Reinigung Abspülen der Oberfläche mit 0,10/o Sublimatwasser, oder Bepinseln mit L 0/o Höllensteinlösung, ferner Pikrinsäure 1quot;quot;. Kaliuinperiminganat 20/o.
Bei dem chronischen Ekzem des Rindes und Pferdes dürften innerliche Gaben von Kalium jodatum zu versuchen sein. Wir hatten Gelegenheit ausserordentlioh günstige Wirkung dieses Mittels bei einem Lama zu beobachten, bei dem die verschiedensten Medical lonen un­wirksam geblieben waren. Gegen das chronische llückenekzem der Hunde haben wir die von der Wiener Schule empfohlene. Cortex Cinnamomi mil Oeleum Eucalypti und Menthae pip. mil gutem Erfolg angewendet.
:i. Akne, Furunkel und Carbunkel. Mit Ak n e und V u r u n k e 1 bezeichnet man eine acute Kntzündung der Hautdrüsen oder llaar-bälge, welche sich durch Bildung eines kleinen Knötchens (Akne) oder eines bis bohnengrossen Knotens mit centraler Neurose (Furunkel), der nach einigen Tagen abscedirt, zu erkennen giebt. Zuweilen enl-
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Aknc, Furunkel und Carbuukol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,'{(11
wickelt sicli von diesen Zusttlndei] aus eine phlegmouöse Bntztlndung der Umgebung. Akne und Purunke] lassen sich natürlich an der mit Haaren besetzten Haut dor Thierc nicht so leicht erkennen wie heim Menschen, kommen jecloch hier ebenfalls vor und werden bei Pferden namentlich in der Sattel- und (ieschirrlage beobachtet. Zuweilen finden sich solche in grösserer Zahl und an verschiedenen Körper­stellen ein (Furunkulosis).
Pröhner beschreibt eine Furunkulosis Um llundcn. die mit dem von \uis als Dermatitis ehronica aposteroatosa bezeichneten Leiden (8. 864) iden­tisch sein dürfte; Priedberger beobachtete eine nicht parasitäre Akne und Furunkulosis beim Pferde, die vornehmlich in der Qeschirrlage auftrat und durch Einreibungen von Bals. peruv. und Oreolin (1 ; 10) in einigen Wochen geheilt wurde.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass infectiöse Vorgänge den Ausgangspunkt dieser Leiden bilden. Wenn Infectionsstoffe (z. B. Eiterkokken) in den Haarbalg, in eine Talg- oder Schweissdrüse ge­langen, so können dieselben hier ebenso eine Entzündung erzeugen, wie die als Pustulantia bezeichneten Arzneimittel, Ausserdera beweist der regelmiissige Ausgang in Eiterung und die nicht seltene Verbin­dung mit Phlegmone diesen Ursprung.
Der Carbunkel bildet gleichsam einen multiplen Furunkel, in­dem eine grössere Anzahl zusammenstehender Haarbälge oder Haut­drüsen von einer Furunkulosen Entzündung befallen wird, welche in der Hegel zur Nekrose mehrerer Eaarb'dlge oder Hautdrüsen sowie ihrer Umgebung führt. Auch hier werden wie beim Menschen regel-mässig Staphylokokken gefunden. Im ganzen sind Furunkeln und Carbunkeln, die zum Theil mit innerlichen Krankheiten in Verbindung stellen, bei Tbieren nicht so häutig wie beim Menschen; doch kommen beide auch hier vor und bilden die Grundlage von spontanen Ent­zündungen und Abscessen.
Akne, Carbunkel und Furunkel unterscheiden sich also nicht ätiologisch, sondern nur durch ihre verschiedene Grosse, die allerdings auf die Bedeutung des Leidens und auf die mit demselben verbundene (irel'ahr immerhin einen bedeutenden Eintluss ausübt.
Behandlung. Während das Akneknötchen in der Kegel ein­trocknet und von seihst verschwindet, verlangt der Furunkel bezw. Carbunkel baldige Spaltung; in der Kegel genügt ein Längsschnitt, der jedoch durch die ganze Anschwellung reichen muss. Darauf lässt man eine kräftige Desinfeetion des Krankheitsherdes folgen, reibt den-
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;5()2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Susseren Haut.
selben mit 10quot;raquo; Chlorzinklösung oder 5quot;/deg; Carbolsfture oder 0,10/o Suli-liniatlösung aus; die in dem Purunkel bezw. Carbunkel vorhandenen nekrotiselien Gewebsmassen werden entfernt, unter Umständen durch Auskratzungen mit dem scharfen Löffel. Die weitere Behandlung erfolgt nach den allgemeinen Regeln; oft wird die Herstellung von Gegen­öffnungen, oder die Anlegung von Eiterbäudeu bezw. Drains nothwendig.
Solange die Spaltung des Entzündungsherdes nicht zulässig er­scheint, werden warme Umschläge oder Behängungen angewendet.
In Bezug auf Nekrose der Haut muss auf das S, 368 Gesagte verwiesen werden.
I. Elephantiasis (Pachyderraie). Mit dem Namen Elephan­tiasis werden in der Medicin zwei Zustände belegt. Unter E. arahum versteht man eine über grössere Körperstellen verbreitete, hyperplastische Verdickung der Cutis und Subcutis. welche am häutigsten an den Ex­tremitäten im Anschluss an chronisch entzündliche Processe (Geschwüre, Erkrankungen der Lymphgefässe und i'hlegmonel beobachtet wird. Man bezeichnet den Zustand anatomisch als Pachy dennia acquisita; diesem iiuish auch die bei Pferden zuweilen beobachtete Elephantiasis zugerechnet werden.
Eine zweite form . welche in tropischen Gegenden epidemisch beim Menschen, in ESuropa nur sporadisch vorkommt und durch einen Fadenwurm (Pilarin Bankrofti) erzeugt wird, welcher im Binde­gewebe und in Lymphgefässen vegetirt, scheint bei den Thieren nicht vorzukommen. Allerdings hat man in südlichen Gegenden auch bei diesen Padenwürtner in verdickten Hindegewebsmassen beobachtet (S, 75).
Bei Thieren, namentlich Pferden wird Elephantiasis am häutig­sten an den Gliedmassen beobachtet, und zwar bildet der Zustand in der Hegel einen Ausgang der l'hlegmone (S. 157). Bleiben mich dem Verschwinden der acut entzündlichen Erscheinungen Infectionsherde in der Subcutis zurück, so unterhalten diese eine chronische Wuche­rung in dem Bindegewebe der Haut und Unterhaut mit allmählich zunehmender Verdickung derselben (Pachydermie); aber auch die tiefer gelegenen Gewebe und selbst das Periost sind hierbei zuweilen betheiligt, so dass sich in letzterem ebenfalls chronische Wucherungen mit Verdickungen und Exostosenbildung einstellen. Derselbe Zustand verbindet sich beim Pferde zuweilen mit einer chronischen Erkrankung der Cutis (siehe unten), wobei ebenfalls Infectionen mit Eiterkokken wahrscheinlich im Spiele sind.
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EHephantiasis. Dermalitis chronioainbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.'{(i.'i
Die Ursache dos Leidens besteht also in einem cbronisohen Eleizungsprocesse, welcher Cutis und Suboutis trifft und dm-cli verraquo; sohiedenartige Einflüsse veranlasst werden knnn. Oft sind Eiter­kokken hierbei wirksam, doch können auch andere Infectionsstoffe, /,. 15. Botzbaoillen den Zustand veranlassen. Nach der Neurektomie der Fessei nerven stellt sich ein ähnlicher Vorgang zuweilen an der Fusszehe ein, indem die ihiut und Unterbaut bis zur Höhe des Fessel­gelenks langsam fortschreitend verdickt; ohne ilussere Ursache hört dieser Vorgang später oft auf, und die Verdickung bildet sich auch wieder zurück. Dass bei manchen Tliieren eine besondere Disposition zu derartig chronischen Entzündungen besteht, unterliegt keinem Zweifel; dieselbe zeigt sich durch gleichzeitiges Auftreten derselben an mehreren Stellen des Körpers ohne nachweisbare Veranlassung.
Die Behandlung der Elephantiasis erweist sich in der Kegel ohnmächtig, zumal eine vollständige Beseitigung der Ursachen (In-t'ectionsstoffe) nicht möglich ist. Die sonstigen Mittel (Bandagiren, Massiren U. s. w.) können den Verlaut' des Leidens wohl zurückhalten, Heilung ist aber von ihnen nicht zu erwarten.
5. Dermatitis chronica verrucosa. Eine mit langsam fort­schreitender Verdickung der Cutis verbundene, chronische Entzündung des Papillarkörpers bildet die Grundlage zweier bei Pferden vorkom­mender Leiden, nämlich des sog. Straubfusses und des Strahl­krebses. Es handelt sich hierbei um einen Wucherungsprocess im Papillarkörper und Uete Malpighii, an dem allerdings auch die Cutis und selbst die Subcutis regelinässig Autheil nehmen.
Die Wucherung führt zu einer bedeutenden Vcrgröswerung der Papillen, die schliesslich zu erbsen- bis bohnengrossen Warzen heran­wachsen, während an ihrer Oberfläche, im Stratum mucosuin, ein leb­hafter Proliferationsprocess abläuft. Die hierbei producirten Retezellen linden nicht Zeit zu verhornen, sondern werden von den neugebildeten Zellen und der gleichzeitig bestehenden Exsudation abgestossen und bilden mit dem Exsudat eine graue, schmierige Masse, die schnell der Fäulniss anheimfällt. Dadurch entsteht an der Oberfläche der er­krankten Haut ein äusserst übelriechendes Secret, welches geeignet ist, den Process zu unterhalten, indem es den regelmässigen Verliornungs-process verhindert. Auf diese Weise greift der Vorgang, von einer bestimmten Stelle ausgehend, allmählich auf die Umgebung über und stellt der Heilung stets grosse Schwierigkeiten entgegen.
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;i(l.|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten dor äusseren Maul.
Da das Leiden ills .Muukc sowie als Strahlkrebs in der speciellen Chirurgie besprochen worden ist:, so kann auf das daselbst Gesagte verwiesen werden.
(i. Dermatitis chronica apostematosa. Obgleich dieses Leiden zu den b'dufigsten und nur chirurgisch /.u heilenden Hautkrankheiten der Hunde gehört, so ist dasselbe doch bisher in der Literatur fast ganz unberücksichtigt geblieben. Spinola (Speoielle Pathologie und Therapie) beschreibt unter dem Namen .fressende Flechtequot; einen ähnlichen Zustand. Pröhner hat den Zustand Dermatitis furunculosa
genannt.
Das Leiden kommt fast nur bei grossen Hunden vor und be­steht in einer chronischen Entzündung der Cutis mil Induration und Abscessbildung; es wird vornehmlich an den Qiiedmassen und am Kopfe, besonders auf dem Nasenrücken beobachtet. Ä.usserdem bilden Ellbogen, Vbrderfusswurzel, Sprunggelenk und die Aussenflftche des Metatarsus den häufigsten Sitz des Leidens.
Erscheinungen. An einer scharf umschriebenen Steile verdickt sich zunächst die Haut, und ein Thei] der Haare fällt aus. Die Ver­dickung der Cutis wird bald so auffällig, dass sicli die erkrankte Stelle deutlich über die gesunde erhebt. Nach einiger Zeit erscheinen auf der Oberfläche der Haut kleine, mehr oder weniger dunkel gefärbte Stellen. Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass es sieh um kleine, dem Durchbruch nahe Abseesse bandelt; ein kräftiger Druck auf die gefaltete Haut bewirkt Entleerung einer rothbraunen Flüssig­keit. Wo das Leiden bereits einige Zeit bestanden hat, werden die dunklen Stellen auch wohl durch kleine Oeffnungen in der Haut ge­bildet, in denen eine Anzahl Ilaare steckt, die mit Leichtigkeit aus­gezogen werden können; aus einer solchen Oeffnung lassen sich oft in—2quot; und mehr Ilaare hervorziehen.
Durch l'ebergreifen des l'rocesses auf die Naehbarsehaff ge­winnt derselbe, wenn auch langsam, eine immer grössere Ausdehnung. Untersucht man eine Perforationsstelle miticlst der Sonde, so lassen sich oft mehr oder weniger ausgebreitete Unterniinirungen in dem Cutisgewebe nachweisen; zuweilen finden sich in der Cutis Gänge
von 2-.....3 cm Länge. Die Subcutis verdickt /war in den späteren
Stadien ebenfalls, ohne Jedoch an den eitrigen Vorgängen Antheil zu nehmen.
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Dcrmiititis ohrouioa apoatomartoaa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'4(j'gt;
Auf dem Querschnitt einr-s so veränderten und exoidirten Hautstückes füllt zantlohst die bedeutende Verdiokung auf; die Outis enreioht /.uwoilen eine Stilrke von 5—-10 nun. Li den Anfangsstadien erscheint, auf einem soloben Quersohnitt eine niehr oder weniger grosse Anzahl graurötblioher Funkte, die sich unter dem Mikroskop als byperplastisohe Talgdrüsen, oder als kleine Ahscesse zu erkennen geben. Die mikroskopische Untersuchung ergiebt ferner eine bedeutende Vermehrung des Bindegewebes und an ein­zelnen Stellen Zerfall. Die zerfallenen Massen liegen in kleinen, mit eitrigem Material gefüllten Höhlen, deren Wandungen von schlaffem (Iranulations-gewebe ausgekleidet sind. In der Umgebung der Höhlen besteht plastische oder eitrige Infiltration des Outisgeweoes.
in den späteren Stadien lassen sich diese Ahscesse schon mit. unbe­waffnetem Auge auf dem Querschnitt der Haut erkennen; gewöhnlich tritt das schlaffe, dunkelroth gefärbte (iranulationsgewebe etwas über die Schnitt­fläche hervor. Die Talgdrüsen, welche sich in der ersten Zeit stark hyper-plastisch zeigen, verschwinden später fast ganz. Wo Perforationen statt­gefunden haben, bilden sich bindegewebige Narben und haarlose Stellen.
Wenn in Folge grösseren .Juckreizes die erkrankten Stellen viel beleckt, oder von den Thieron gebissen wurden, fehlt oft sowohl die Oberhaut, wie auch das Haar. Im übrigen ninnnt die Fpidennis an der Erkrankung keinen directen Antheil; bei der mikroskopischen Untersuchung lassen sich zwar Veränderungen an derselben nachweisen, dieselben sind jedoch seeun-diirer Natur. So finden sich vielfach Ueberreste von Flutungen; bald er­scheint das Kete Malpighii und die Epidermis stark verdickt, an anderen Stellen dagegen vollständig zerstört. Das alles billigt theils von äussereil Einflüssen, theils von den Vorgängen in den darunter gelegenen Bezirken der Cntis ab. Die bauptsäobhohsten Veränderungen zeigt der Papular-körper. Von Papillen ist kaum noch etwas zu erkennen, und die Ober­fläche der Cutis erscheint unregelmiissig, uneben, bald etwas eingesenkt, bald gegen das liefe Malpighii vorspringend.
Bigenthttmlich ist das Verhalten der Haare. Haarbillge und Talgdrüsen bei diesem Leiden. Während anfangs eine starke Vorgrösserung der Talg­drüsen nachzuweisen ist. verschwinden diese mit den Haarbälgen unter dem chronischen Zerstörungsprocesse ganz und gar, und an Stelle einer grossen Anzahl Haarbälge erseheint eine Höhle, in welcher die betreffenden Haare liegen. Von den Haarwurzeln ist später nichts mein- zu entdecken; die Haare liegen vielmehr frei in der gemeinsamen, von einer bindegewebigen Kapsel gebildeten Höhle. Fald ragen die Spitzen der Haare über die Ober­fläche der Haut hinaus, nicht selten aber steckt eine grössere Anzahl Ilaare in dieser sackförmigen Oeffnung der Cutis; zuweilen schliesst sich die Mün­dung des Sackes, und die Haare liegen abgekapselt in dem Cutisgewebe.
Das Wesen der Krankheit bestellt also in einer chronischen, in-durirenden, mit Abscessbildung verbundenen Entzündung der Cutis. Demnach glaubten wir die obige Bezeichnung für dieselbe wählen zu sollen. Der Process tritt zunächst im Papülarkörper auf, und verläuft zunächst in diesem, dringt jedoch späten- auch in die Tiefe.
Aetiologie und Pathogenese. Der Umstand, doss diese Haut­erkrankung nur bei grösseren Hunden und fast ausschliesslich an
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;5(;()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranklieitrn del' iiusscrcn llaut,
Stellen vorkoramt, wo die Haut den Knoohen dicht aufliegt, begründet schon die Vermuthung, dass ein mechanischer Elinfluss (Druck) bej der Entstehung derselben betheiligt ist. An anderen Körperstellen wird der Zustund zwar .selten beobachtet, kommt jedoch auch auf dem Rücken vor. Durch den Druck des Maulkorbes, durch das Körpergewicht beim Liegen der Thiere würde allein schon der Zustand sich erklären lassen. Wenn man indoss bedenkt, dass sich das Leiden nach lüngerem Bestehen über die Grenze der von solchem Druck bo-troffenen Eautstellen ausbreitet, SO gelangt, man doch ZU der Ueber-zeugung, dass noch ein anderer Iteiy, Für die Entstehung und Unter­haltung des entzündlichen Processes gegeben sein muss; diesen darf man wohl in dem Vorhandensein der Eitererreger suchen. Ohne Zweifel unterhalten die in der Cutis gelegenen Abscesse die entzünd­lichen Vorgänge in ihrer Umgebung, und indem diese wiederum zur Eiterung führen, rufen sie ihrerseits neue Entzündung hervor. Daher erklärt sich die ullmilhliche Ausbreitung des Processes auf die gesunde Nachbarschaft und die Uebertragbarkeit des Leidens auf andere Hunde, wie wir neuerdings wiederholt /.n beobachten Gelegenheit hatten. Wiederholt wurden in ähnlichen liautvcränderungen bei Hunden Rund­würmer gefunden (Sied a mgrot/.ky, Möller, Schneider U. a.).
Die Diagnose der Dermatitis chron. apostematosa ist leicht. Die Hautoberfläche zeigt im Anfange ein unebenes, hügeliges Aussehen, welches durch die in der Entwickelung begriffenen Abscesse veranlasst wird; ihre färbe ist verschieden, in der Regel erscheinen die Hügel dunkelbraun. Später finden sich in den dunklen Punkten Gruppen von Haaren. Juckreiz fehlt in vielen Fällen, in anderen zeigen die Thiere dagegen Neigung die erkrankten Stellen zu belecken oder zu beissen.
Zu verwechseln ist der Zustand nur mit Acarusräude, Dieselbe tritt jedoch sehr selten an den Stellen auf, welche den Lieblingssitz jener Erkrankung bilden, und wenn dies einmal der Fall sein sollte, so zeigen sich last regelmässig auch andere Hautstellen in gleicher Weise verändert. Im allgemeinen bietet die Cutis bei der Acarusräude bei weitem weniger Veränderungen und niemals so ausgebreitete Eite­rungen; oft fällt hierbei nur der Haarausfall auf. Durch das Mikro­skop kann aber in jedem Falle die Diagnose gesichert werden, da sich die Acarnsmilben leicht nachweisen lassen.
Verlauf, In der bei weitem grössteu Mohrzahl der Fälle ver­läuft das Feind chronisch, so dass ein Zeitraum von 2 — '#9632;'gt; Monaten
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Dermatitis ohronioa apostBKiatosa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,'{(17
erforderlich wird, um eine ilautiiiiclu1 von der (misse einer Mark in der beschriebenen Weise zu verändern. Zuweilen breitel sich der Process indess schneller aus und erreicht in -—:gt; Wochen diesen umfang; an der Kopfhaut wird, wie bereits bemerkt, öfter ein schnelleres Umsichgreifen beobachtet. Aus der Dicke und Härte der Haut lamp;sst sich schon einigermassen die Acuitüt des Processes beur-theilen. Je dicker und derber die liniit. desto langsamer der Verlauf; die Entzündung trägt in diesem Fall einen mehr fibrösen, produc-tiven Charakter. Greift die Zerstörung schnell um sielt, so kommt solche Induration der Haut nicht zu Stande: die Cutis fühlt sich in Folge dessen weicher an. An Stellen, WO die Haut dünner ist, pflegt die Ausbreitung schneller zu erfolgen.
Beachtenswerth bleibt die Thatsache, dass der Process ohne ent­sprechende Behandlung niemals zum Abschluss kommt, das Leiden breitet sich vielmehr immer weiter aus. his der Besitzer sich ciitschliesst, das Thier behandeln oder tödten zu lassen.
Therapie. Nach unseren Erfahrungen giebt es nur ein sicheres Mittel zur Heilung des Znstandes, nämlich die Excision des erkrankten Hautstückes. Zwar gelingt es zuweilen durch Spalten der Abscesse lind Aetzen ihrer Wandungen mit Höllenstein oder mit dem Thenno-cautor und Einstreuen von Jodoform eine Besserung, zuweilen sogar eine scheinbare Heilung zu erzielen; über kurz oder lang aber treten Recidive ein. Terpentinöl hat uns wiederholt hier gute Dienste geleistet.
Die Aussicht auf vollständige Heilung ist im allgemeinen von dem [Jmstande abhängig, ob eine Entfernung der krankhaft ver­änderten Haut zulässig ist. Hierüber entscheidet sowohl der Umfang des Leidens, wie auch der Sitz desselben. An Körperstellen, wo die Haut locker, leicht verschiebbar ist, wie am Rumpfe, lassen sich hand-tellergrosse Hautstücke entfernen, ohne dass die Heilung auf Schwierig­keiten stösst: bei der Narhenretraction wird die Haut der Nach­barschaft herangezogen, und der Hautdefect mit Hinterlassung einer geringfügigen Narbe gedeckt. Auch auf dein Nasenrücken treten bei der Entfernung thalergrosser Hautstücke keine Schwierigkeiten für den Heilungsprocess ein. Anders verhalten sich die Gliedmassen; bei der grösseren Spannung der Haut können hierselbst umfangreiche Defecte derselben nicht gehörig vernarben. Daraus ergiebt sich der wichtige Grundsatz: Hier sobald als möglich zur Operation zu schreiten, und mit der Anwendung von anderen Mitteln keine Zeit zu verlieren.
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;,1(jSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Sussersn Hunt.
Ferner ist zu beaohteu, dass bei der Excision die Haut so weit entfernt werden muss, wie die krankhaften Veränderungen reichen; andernfalls treten in der IJtngebung der Narbe Becidive ein. Man führe also das Messer durch die gesunde Nachbarschaft und nehme
auch unter der Haut alles fort, was krankhaft verändert erscheint, verdickt oder mit Abscesseu durchsetzt ist. Wo die Haut auf ihrer Unterlage leicht verschiebbar ist. empfiehlt sieb die kranke Stelle zu lassen, in die Höhe ZU liehen und nun mit der Schere die Excision zu bewirken. .Man lilult hierbei weniger Ciel'ahr, krankhaft ver­änderte Haufabschnitte stehen zu lassen. Nachdem die Blutung gestillt ist, legt mau einige Hefte durch die Wundrändor, um dieselben so­weit möglich einander zu nähern, worauf die Wunde mit einer dünnen Schicht Jodoform bestreut wird. Bei stärkerer Blutung wird zweck-milssig ein mit Jodoform gepuderter Wergbausch auf die Wunde ge­legt und mittelst der Heftfäden befestigt. An den (Jliedmassen lasse man noch einen Verband von Werg und Gfazebinden appliciren, der einige Tage liegen bleibt, wenn er nicht von dem Patienten entfernt wird. Die weitere Behandlung erfolgt mich den allgemeinen Hegeln der Chirurgie; fast immer geht die Heilung selbst ohne Hülfe regel-mässig von stalten.
7. Nekrose der äuaseren Haut wird unter verschiedenen Um­ständen bei Thieren beobachtet. Unter der dauernden Druckwirkung des Sattels oder Geschirrs entsteht sog. „Druckbrandquot;; an den unteren Abschnitten der Gliedmassen tritt bei Pferden feuchter Haut­brand auf, der als Brandmauke bezeichnet wird und zum Theil unter dem Einflüsse der Winterkälte entsteht (Frostmauke). doch sind ln-fectionsvorgänge hierbei ebenfalls thätig. Bei Schweinen fand man wiederholt brandiges Absterben der Ohren. Nach andauerndem Ge-nuss grösserer Mengen Mutterkorn sah man bei Thieren an ver­schiedenen Stellen Hantnekrose entstehen. Endlich tritt an weissen Hautstellen besonders bei Rindern und Schafen unter dem Einflüsse der Sonnenstrahlen Hautentzündung I Mrytbem oder Ekzem), zuweilen aber auch oberflächliche Nekrose der äusseren Haut auf. Oft wirken bei Entstehung der Nekrose bestimmte Nahrungsmittel wie z. B. Buch­weizen. Wicken. Klee. Luzerne u. s. w. Audi hier bandelt es sich in der Hegel um trockenen Brand.
Die Beurtheilung des Hanfbrandes hängt in erster Linie von der Art, ob fern hier oder trockener Brand, sodann von der Aus-
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Vorbronnung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;360
dehnung und dem Sit/c des Leidens ab. Beim feuchten Brande ist die Gefahr stets grosser als beim trockenen (S. 2.'i2), weil durch die Brandjauohe nicht allein die Naohbarsohaft inficirt und in heftige Entzündung versetzt wird. sondern weil auch durch Resorption der­selben Fieber entsteht. Der trockene Mauthrand wird nur dadurch bedenklich, dass er sich auf grössere Strecken und die ganze Dicke der Haut ausbreitet. Dadurch entstehen bedeutende Bautdefecte, die schwei1 henurben.
Behandlung. In prophylaktischer Hinsicht ist den Ursachen des Brandes Rechnung ZU tragen, diese sind soweit möglich fernzuhalten. Im übrigen kommt es bei der Behandlung vornehmlich auf die Form des Brandes an. Das Nähere ist hierüber bereits S. 23'A initgetheilt.
8. Verbrennung (Combustio). Verbrennung, d. h. die schä­digende Wirkung höherer Temperaturgrade, wird bei Thieren nicht häufig beobachtet, kommt indess sowohl bei Feuersbrünsten, in Schmieden und Eisenwerken durch glühendes Eisen, oder durch Einwirkung beisser Flüssigkeiten oder Dämpfe (Verbrühen) und bei anderen Gelegenheiten zu Stande; bei der Anwendung des Glüheisens benützen wir die Ver­brennung als Heilmittel. Nur selten finden dagegen heutzutage noch Verbrennungen der Weichtheile des Hufes beim Richten des Hufeisens statt. Bei Feuersbrünsten wirkt zugleich das Einathmen des Rauches oder beisser Dämpfe nachtheilig; uns interessiren jedoch nur die durch Hitzegrade an der Aussenfläche des Körpers veranlassten Er­krankungen, deren Bedeutung von der In- und Extensität der Ver­brennung abhängt.
Nach der Intensität unterscheidet man für gewöhnlich 3 Grade der Verbrennung:
1. Grad. Durch flüchtige Einwirkung einer Temperatur von 60 bis 100deg; C. entsteht an der betreffenden Hautstelle Röthung und lebhafter Schmerz, worauf zuweilen eine leichte Anschwellung folgt. Dieser Zu­stand pflegt jedoch schon nach einigen Stunden wieder zu verschwinden ; zuweilen folgt demselben eine lebhafte Desquamation des Epithels, selten Haarausfall. Durch die Hitze wird eine Lähmung der Gefässmuskeln herbeigeführt, in Folge deren Erweiterung der Blutgefässe eintritt, und da dieses vorzugsweise an den Arterien erfolgt, so erscheint die Haut bellroth. An der pignientirton Haut der Hausthiere wird dieser Grad der Verbrennung oft übersehen; an nicht pigmentirter Haut bildet die Röthung den Mittelpunkt der Erscheinungen.
Möllac n Priolt, allgemeine Ohlrnrgle für Ttalerärzts, i. Autl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'J4
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o70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranlihc'iU'ii der iiiisscri'ii Baut.
2.nbsp; nbsp;Qrad. Wirkt eine höhere Temperatur Itlnger ein, so gesollt, sich zu den genannten Erscheinungen sehr bald Blasenbildung. Die
arterielle Fluxion führt zu lebhafter Exsudation von klarenraquo; Serum, welches sich mit dem Parencliymsalfc des Uetegewehes unter der llorn-schicht der Epidermis anhäuft und so kleinere oder grössere Blasen bildet, Auch die Blasenbildung ist au der behaarten Haut der Thiere in der Regel nicht so deutlich, weil die Hornschidit durch die Haare fest mit der Outis verbunden wird. Obgleich der Schmerz hierbei er-hehlich, und die Anschwellung grouser ist. so verliert sich der erstere doch meist schon nach etwa 12—24 Stunden, während die An­schwellung etwas später verschwindet. Sofern die Blasen nicht ver­letzt werden, trocknen sie nach einigen Tagen ein. d, h. ihr Inhalt, wird resorbirt, und es bildet sich auf dem Retegewebe eine neue Hornschicht, worauf die alte ahfilllt. Wird die Blase geöffnet, so er­scheint auf dem Grunde derselben das geröthete, empfindliche Eiete-iiezw. Cutisgewebe, welches bald mit. bald ohne Eiterung eine neue Epitheldecke erlangt; darüber vergehen in der Kegel 8 — II Tage, bei Fleischfressern, welche die Neigung haben, solche Stellen zu lecken, noch längere Zeit.
3,nbsp; Grad. Wirken höhere Temperaturen als 70quot; (,'. längere Zeit auf die Haut ein. so entsteht Verschorfung derselben. In dem 6e-webssaft sowie in den Zellen gerinnt das Fivveiss; ja selbst in den Blul-und Lymphgetassen kann in Folge der Hitze Gerinnung des Inhalts eintreten. Die unausbleibliche Folge hiervon ist Absterben der Haut und selbst der unter ihr gelegenen Theile. Je nach dem Blutgehalt erseheint der Brandschorf bald hell, bald dunkel gefärbt; die iiussere Haut pflegt indess eine hellere Farbe anzunehmen, Der Brandschorf wird sodann durch dissecirende Eiterung abgestossen, worauf Granu-lationsbildung und Heilung eintritt, jedoch mit. Hinterlassung einer in der Kegel starken Narbe, welche später durch Retraction noch zu weiteren Störungen Veranlassung gehen kann.
Stock 11 eth berichtet über ein Pferd, das sich durch Verbren­nung bei einer Feuersbrunst grössere haarlose Narben auf dem Rumpfe zugezogen hatte und in Folge dessen sehr empfindlich gegen Kälte war.
Hiernach besteht also der erste Grad der Verbrennung in Kö-thung bezw. Hyperämie, der zweite in Blasenbildung, der dritte in Brand und Schorfbildung, Es hängt theils von dem Hitze­grade, theils von der Dauer der Einwirkung und von der Beschaffen' heit der Weichtheile ab, welcher Grad erreicht wird, und wie tief die
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Verbrennuug.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; il71
Verbrennung reicht. Mit Itücksicht auf die Tiefe der Wirkung li.it man wohl iiucli mehrere Grade der Verbrennung unterschieden. Für die Zwecke der Praxis erscheint eine solche Eintheilung jedoch Überflüssig.
Aehnlich wie bei Verbrennungen gestaltet sich die Wirkung von Aetz-inittoln auf die iuissere Haut; zuweilen verbinden sich beide mit einander; wenn z, 15. Thicre in (irnben mit frisch gelöschtem Kalk gerathen, so ent­stehen oft bedeutende Zerstörungen, wobei es regelmttssig zu Esoharabildung
an der äusseren Haut kommt. Dies erscheint erklärlich, wenn man be-riuksichtigt, dass sich hier die Hitze mit der Aetzwirkung des Kalkes ver­bindet, und erwägt, dass Alkalien besonders geeignet sind, die Homsobicht der Epidermis auf/uh'isen und zu zerstören, und endlich, dass der Kalk aus den Ilaaren der Thiere nicht leicht zu entfernen ist. Im übrigen pflegen wir auch die Aetzmittel dem Grade ihrer Wirkung entsprechend ein/.utheilen. Dem ersten Grade der Verbrennung entsprechen die Hubefaeientien. dem zweiten die blasenziehenden Mittel, dem dritten die Escharotica.
Die Bedeutung be/.w. die Gefahr einer Verbrennung luingt je­doch mehr nocb von der Extensität als von dem Grade derselben ab. Bekanntlich gehen Menschen wie Thiere regelmässig an Verbrennungen zu Grunde, sobald sich diese über grössere Abschnitte der Körper-oberfläche erstrecken: wenn mehr als die üälfte derselben auch nur von einer Verbrennung ersten Grades betroffen ist, so geht dus In­dividuum oft schon mich wenigen Stunden, zuweilen erst mich mehreren Tagen plötzlich und unerwartet zu Grunde.
Zu den heftigen Schmerzen, welche ausgedehnte Verbrennungen stets begleiten, gesellt sich bei Fleischfressern zuweilen Erbrechen. Die Thiere zeigen sieh bald in hohem Grade aufgeregt, nicht selten stellen sich alsbald Zeichen des Collaps ein, welcher unter Dyspnoe und Temperaturabfall bis unter die Norm zum Tode führt. Zuweilen treten tonische oder klonische Krämpfe auf, in anderen Fällen ein soporöser Zustand mit sehr frequentem Pulse, Letzterer sowie der Temperaturabfall und die Dyspnoe müssen stets als ominöse Erschei­nungen angesehen werden. Unter diesem Krankheitsbilde erfolgt oft sehr bald, zuweilen erst 8 Tage nach der Verbrennung plötzlicher Tod.
Da die Section meist ein unvollständiges Resultat ergiebt, so wurde bisher vergeblich mich der nächsten Ursache des Todes gesucht. Ur­sprünglich glaubte man, dass die mit Störung der liautfunction ver­bundene Anhäufung von Ammoniak im Blute diese Erscheinungen und den Tod veranlasse, während andere (Sonnenb urg, Falk, Tschmarke) in einer durch reflectorische Heizung zahlreicher Hautnerven veranlassten Herabsetzung des Gefässtonus und Herzlähmung die Todesursache er­blicken. Schulze, Ponfick und Wertheim lenkten sodann die
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Krankheiten der äusaeren Baut.
Aufmerksamkeit auf Veränderungen an den Blutkörpereben, welche hierbei zerfallen, und durch das Auftreten grosser Mengen freien Hämo­globins soll Hämoglobinurie und schwere Nephritis entstellen. Nach Entdeckung der Blutplftttchen glaubte man, in einer Abnahme der-
selben (Silber raai
in).
der in multiplen Stasen (1^1
Welti)
bezw. Throrabenbildung die Todesursache suchen zu müssen, welche Ansicht neuerdings in Salvioli einen Vertreter gefunden hat, der sie durch Versuche am Mesentorium von Thieren ZU unterstützen suchte. Nach Salvioli sollen in Folge der Ueberhitzuug des Blutes in den Hautgefässen Thrombosen entstellen, von denen sich Emholi loslösen und zu Verstopfungen der Capillaren führen, Auf der anderen Seite hat Catiano in neuester Zeit die alte Theorie wieder aufgenommen, wonach der Toil durch eine chemische Schädlichkeit veranlasst wird. In­dem die im Sclnveisse enthaltene Ameisensäure mit Ammoniumhydroxyd ameisensaures Ammoniak bildet, soll durch Erhitzen desselben und unter Abgabe von Wasser Blausäure entstehen, welche den tödtlichen Ausgang veranlasst, Kijanitzin konnte in den Organen der an Verbrennung gestorbenen ein, der Gruppe des Leichennuiscarins und Xeurins (Brieger), dein Peptotoxin angehörendes Gift nachweisen, welches in Form einer Autointoxication den Verbrenmingstod bewirken soll, Pavrlowski fand dagegen, dass mit dem Blute an Verbrennung gestorbener Thiere durch intraperitoneale Injection Kaninchen nicht getödtet wurden.
Alle diese Theorien haben bisher eine endgültige Bestätigung nicht erfahren, und es scheint last, dass der Verbrennungstod nicht immer auf dieselbe Ursache zurückzuführen ist. Auch Tschmarke kommt zu dem Schluss, dass der tödtliche Ausgang bei Verbrennungen veranlasst sein könne:
I. durch allgemeine Infection des Körpers in Folge der aus­gebreiteten Verletzungen der Oberfläche;
'2. der nach ausgedehnter Verbrennung rasch eintretende Tod ist in der reflectorischen Herabsetzung des Getasstonus und dadurch bedingten Herzlähmung zu suchen (Sonnenburg);
:lt;. der Tod durch Verbrennung kann auch in den ersten Tagen durch eine von den Brandwunden ausgehende Sepsis bedingt sein.
Die Prognose quoad vitam hängt, wie bereits erwähnt, in erster Linie von der Ausdehnung der Verbrennung ab, natürlich kommt auch der Grad und die gleichzeitige Affetion anderer Organe, wie der Respiration in Betracht; je hochgradiger die Verbrennung, um so
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Verbrennung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'.ilH
geringer die Aussicht auf einen günstigen Ausgang. Bezüglich der vollständigen Wiederherstellung der Thiere liimgt die Prognose /.u-gleich von dem Sitze der Verbrennung und der Frage ab, ob die iinssere Haut in grösserer Ausdelinung abgestorben ist, und die der Nachbarschaft zum Ersatz derselben genügend herangezogen werden kann. An den Gfliedtnassen stellen sieh diesem Vorgange grössere Schwierigkeiten entgegen als am Rumpfe. Werden bei tieferen Ver­brennungen Gelenke, Sehnen oder Sehnenscheiden freigelegt, so fallt die Prognose natürlich schlecht aus.
Behandlung. Bei nicht ausgedehnten Verbrennungen ersten Grades wird eine Behandlung in der Kegel nicht verlangt. Durch An­wendung von Killte, Bleiwasser, Zink oder Bleisalbe und Cocafti lassen sich die Schmerzen mildern. Bei Verbrennungen zweiten Grades em­pfiehlt es sich die Blasen durch Anstechen zu entleeren, aber nicht ZU entfernen, vielmehr Sorge ZU tragen, dass die abgehobene Epidermis erhalten bleibt. Durch Anwendung antiseptischer Flüssigkeiten (Sub­limat-, Carbol-, Creolinwasser) sucht man die Eiterung zurückzuhalten und legt zu dem /wecke womöglich einen Verband an, nachdem die kranken Stellen mit einem austrocknenden Pulver bestreut sind (Jodo­form, Magnesia usta, Zinkoxyd). Wo ein solcher Verband nicht an­zuwenden ist, werden Salben (Zink- oder Bleisalbe), oder gleiche Theile Kalkwasser und Leinöl (Stahl'sche Brandsalbe), oder Leinöl mit Blei­wasser (1 : 3) in Anwendung gebracht. Auch ist Carbolöl oder Carbol-glycerin (1 : 10) zu empfehlen. Erhebüche Schmerzen werden durch Argent, nitric.-Lösung (1 %), oder mit einer Coca'i'nlösung beseitigt. Der Höllenstein wirkt zugleich als ein ausgezeichnet desinticirendes Mittel, dessen Aetzschorf ganz besonders geeignet ist, Infectionsvor-gänge zu verhüten. Aehnlicb verhält sich Pikrinsäure, die neuerdings von verschiedenen Seiten (Thiöry, Ottinger, Miles u. A.) empfohlen wurde und zwar in wässeriger Lösung (12:1000), oder mit Wasser und Alkohol. Beaux is benützt Gaze, welche mit Acid, picronitr. 5,0, Spiritus (65 %) 50,0, Aqu. dest. 950,0 getränkt wird. Auch wurde beim Menschen Aristol empfohlen (Aristoli 3,0, 01. Olivar. 20,0, Lano-lini 11) (Richtmann). Bei Verbrennungen dritten Grades sind be­sonders Pulververbände am Platze (Jodoform, Zinkoxyd, Bor- oder Salicvlsiiure. Kampfer). Capita n wäscht die Stelle mit Borwasser oder Sublimatlösung (2 pro Mill.) und bestreicht dieselbe sodann ziem­lich dick mit einer Salbe aus: (Saloli 4,0, (locnTn. hydrochlorici 0,25, Vaselini 50,0), bedeckt die Stelle mit einer Lage in Sublimatlösung
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;{7.|nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheitsn der Kusseren Baut,
getränkter Watte und öufctaperoba. Dieser Verband wird mit Sublimat-KisuiiH' feucht erhalten und bleibl 2—8 Tage liegen. Ebenso ist in England neuerdings die Anwendung von Milch zu den Verbänden empfohlen worden (Dale). Sobald erhebliche Umsetzungen mit Bil­dung von Brandjauohe eintreten, sorge man für öftere Reinigung der Wunde, welche im übrigen nach den allgemeinen Grundsätzen be­bandelt werden muss. Ueberhaupt dürfte auf eine sorgsame Antisepsis das Hauptgewicht zu legen sein.
Um die in Folge ausgedehnter Verbrennung auftretende Lebens­gefahr ZU bekämpfen empfiehlt sich, die Thiere möglichst warm zu halten, einzudecken und Amileptica zu verabreichen (Alkohol, starken Kaffee), sowie subcutane Injectionen von Aether oder Kampier. Auch dürften intravenöse Kochsalzinfusionen (0,6 0/o) zu versuchen sein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; tj
Die auftretenden, entzündlichen Erkrankungen der Respirations- ; Schleimhaut müssen nach den allgemeinen Hegeln behandelt werden.
Um Thiere aus Feuersbrünsten zu retten. was bekanntlich oft schwierig ist, empfiehlt Rey, den Kopf derselben mit nassen Tüchern zu bedecken.
Bei Verätzungen mit frisch gelöschtem Kalk und anderen scharfen Flüssigkeiten, z. B. anorganischen Säuren, suche man zuerst diese möglichst bald zu entfernen oder zu neutralisiren. Verätzungen durch Kalk und Alkalien werden mit verdünnten Säuren, solche von Säuren herrührend mit alkalischon Flüssigkeiten (Seifenwasser, Aschenlauge) behandelt, und wo Epitheldefecte entstanden sind, deckende Mittel in Anwendung gebracht.
Die durch Blitzschlag veranhissten Verletzungen bestehen theils In elektrisch erschütternden, theils in verwundenden, theils in bren­nenden (Son n en bürg), von denen bald die eine, bald die andere in den Vordergrund tritt. In Folge starker elektrischer Heizung oder mechanischer Verletzung des Centralnervensystems kann sofortiger Tod eintreten: zuweilen handelt es sich um eine Commotio cerebri oder C. spinalis, wodurch Lähmungen hervorgerufen werden, welche häutig einen günstigen Vorlaut nehmen . unter Umständen aber zu einem tödtlichen Ausgang führen, l'röger berichtet über eine Be­obachtung, wonach sieben Kühe durch Blitzschlag getödtet, ein Kalb gelähmt wurde; die hei letzterem aufgetretene Paraplegic veranlasste 14 Tage später das Schlachten des Thieres. Bei Alhorn im Münster-scheu schlug der Blitz in einen Schafstall und tödtete :gt;•)(• Schafe. Utz beobachtete bei einem Pferde, welches vom Blitz getroffen und
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BlitzBohlag Sitissohlagi
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sofort niedergebrooben war, Ersohoinungen, wie sie llaquo;1! aouter Menin­gitis vorkoimnen, zugleich Lähmung des N. fuciulis. Niicli zwei Monaten batten sicii die; ersteren verloren, die Läbmung rersobwand erst später.
Oft werden auf der Haut die ßlitziigiuen, vielfach verzweigte Zickzacklinien angetroffen, welche durch die Einwirkung des Blitzes auf das Blut entstehen sollen, indem der Farbstoff von den Blut­körpern losgelöst, durch die Gefilsswand transsudirt. Nach Jleus-n e r lassen sich jedoch Blutaustretungeii an solchen Stellen nicht nachweisen; deshalh hat man diese RötlnuigeM auch wohl auf um­schriebene Lähmungen der GreJ'iisse, verbunden mit Thrombosen in den Capillaren zurückgeführt.
An acker fand an einer vom Blitz erschlagenen Kuh in der Haut der linken Seite fingerbreite Streifen, welche von hinten nach der Brust verliefen, an denen die Haare angeklebt, jedoch nicht versengt erschienen; ebenso Tapken. Sturm berichtet über ein fohlen, welches, nachdem es quot;2 Tage verlier vom Blitz getroffen war, an Starrkrampf (?) erkrankte und starb.
Boll mann fand an einem vom Blitze getroffenen Pferde die Haare des Schopfes versengt und am nächsten Tage eine Conjunctivitis des linken Auges. Die Verbrennung begann am linken Ohr, verlief zum linken Augen­winkel , wo sie sich gabelförmig theilte. Im Verlaufe derselben erschienen die Haare auf eine Breite von 2—3 mm versengt. 10 Tage danach stellten sich Erscheinungen einer linksseitigen Pneumonie ein, welche jedoch günstig verlief.
Nachdem in einen Karsernenstall, welcher mit 58 Pferden besetzt war, der Blitz eingeschlagen hatte, waren 40 Pferde plötzlich zu Boden ge­fallen, erhoben sich jedoch bald wieder bis auf eines, welches 10 Minuten lang unvermögend war aufzustehen, dann aber auch wieder hergestellt er­schien und nur noch 1 Stunde lang sehr aufgeregt war. In einem von uns beobachteten Falle trat bei dem Pferde nach mehreren Minuten Paraplegie mit tödtlichem Ausgange ein.
Die Behandlung der vom Blitz getroffenen Thiere beschränkt sich auf eine symptomatische. Für die localen Verbrennungen gilt das oben Gesagte, während die Lähmungen nach den allgemeinen Grundsätzen ZU behandeln sind.
Als Hitzschlag (Coup de chalour) bezeichnet man eine, unter gleichzeitiger Einwirkung körperlicher Anstrengung und grosser Hitze auf­tretende Erkrankung, welche daher besonders bei Arbeitspferden und schwülem Wetter beobachtet wird. Beschleunigung der Respiration und der Herzthiltigkeit, Steigerung der Körpertemperatur (bei Pferden wurden bis 4.'!0 G. von uns beobachtet) und Auftreten eines soporösen Zustandes geben das Leiden zu erkennen, dessen Natur auch heute noch nicht ganz aufgeklärt ist. Ruhe und Abkühlung des Körpers bewirken in manchen
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KnuiUit'itcn del' iiussoreii Haul.
Pillleii baldige Heilung, oft gehen die Tbiere jedoch in trenigen Stunden zu Qrunde, zuweilen aueli nooh später.
Sonnenstich (Insolation, Coup de soleil). Mit diesen Namen worden Knuikiioitszustilndo belegt, welobe durch direete Kinwirkung hoisser Sonnenstrahlen bei Mensohen und Thieren entstellen und auf entzündliulien Vorgängen am Qehirn und den Gehirnhäuten beruhen. Atbembesohwerden, taumelnder (iimg, trisinusiilinlirluraquo; und oomatöse Erscheinuii^en treten auch hierbei auf. Die Körperteinperatur steigt bei Pferden über 43quot; C. Als Nuchkrankheiten beobachtete man Bebe und Keblkopfpfeifen. Präservativ wurden Leinwandmützen und Strohhüte bei Pferden mit Erfolg angewendet (Jewsejenko). Kühe und Abkühlung dürfton si(di auch hier empfehlen.
i). Erfrierungen (Congelatio) .sind ebenfalls bei Thieren selten. Ihr Haarkleid bildet ein so vorzügliches Schutzmittel gegen Kälte, dass diese ihnen nur selten nacht heilig- wird. Als ein .schlechter Wärmeleiter schliesst dasselbe durch seine Lagerung an der Ober­fläche der Haut eine Anzahl Luftschichten ab, wodurch zugleich die Ausstrahlung der Körperwärme verhindert wird. Thatsache ist, dass bei den ilausthieren Erfrierungen so gut wie gar nicht vorkommen, so lange dieses Schutzorgan seine volle Wirksamkeit entfalten knnn. Das ist jedoch nicht der Fall, sobald das Haar entfernt ist, die äussere Luft unmittelbar /.. B, auf Wundflächen einwirkt. Audi bei Durchnässung des Ilaares geht seine Scluitzkraft zum Theil verloren, indem die Luftlücken in dem Haar verschwinden bezw. mit Wasser angefüllt sind, wodurch sowohl die Fortleitung, wie auch die Aus­strahlung der Wärme begünstigt wird, der Körper also erhebliche Verluste an Wärme erleiden muss; dazu aber kommt noch die Ver­dunstung des Wassers beim Uebergang zur Stallwärme. Wie Petten-kofer zeigte, brauchen 45 g durclmiisste Wolle oder Haare zur Ver­dunstung ihres Wassers ebenso viel Wärme, wie erforderlich ist, um 'i kg Wasser von 0deg; zum Sieden zu bringen. Endlich kommt in Betracht, dass durch andauernde Einwirkung von Feuchtigkeit das Epithel der Haut aufgeweicht wird und seine Schutzkraft verliert. Da nun aber von liegen und Schnee das Haar am Rumpfe der Thiere nicht leicht durchnässt wird, indem sowohl die Lagerung desselben (der Strich nach unten), wie auch die durch die Talgdrüsen erfolgte Einfettung das Eindringen der Feuchtigkeit verhindert, so beschränken sich Erfrierungen fast ausschliesslicb auf die vom Boden her durch­feuchteten Abschnitte der öliedmassen. Bei andauernder Einwirkung trockenen Schnees hat man nur an den Ballen der Pferde und am Scrotum des Rindes Erfrierungen beobachtet. Die ersteren bilden dünne Hornabschnitte des Hufes und sind nicht mit Haaren bedeckt; SO erklärt sich, dass sie namentlich in Winterfeldzügen wohl erfrieren
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Erfrierung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;:;77
(Siodatngrotzky). Welch ausgezeichnetes Schutzmitte] der Huf bildet, beweist die Thiitsaehe, dass Pferde stundenlang im Schnee stellen können, ohne dass lürfrierungen an der Huflederhaut vor­kommen. Hierbei wirkt allerdings der grosse GefUssreichthura und die lebhafte Blutcirculatlon in dem Hufe, der fortdauernde Austausch
zwischen abgekühltem und im Innern des Körpers erwärmtem Blute wesentlich mit. Sobald unless ('ontiiuiifiitstrenmm^'on am Hufe be­stehen, tritt die Gefaln- der Erfrierung ein. Bei Mullen ereignen sieh Erfrierungen am häufigsten am Scrotum, namentlich wenn die Thiere im Winter bei Schneetreiben sich im Freien aufhalten: das Fehlen einer dichten Behaarung am Hodensack erklamp;rt diese Thatsache, Die in Russland vielfach angetroffene Verwachsung der Testikel mit der Tunica dartos wird auf die Wirkung grosser Kälte zurückgeführt. Bei Hindern beobachtet man Erfrierungen der Beine, wenn dieselben in kalten Ställen ohne hinreichende Streu stellen (Stottmeister); in erster Linie leidet die äussere Haut an den unteren Abschnitten der Gliedmassen, an der Fessel und Hufkrone. Hier sehen wir im Winter unter dem Einflüsse der Kälte Entzündung mit Gangränbildung (Brand­mauke) auftreten. Es soll hiermit jedoch nicht behauptet werden, dass die Kälte ansschliesslich den Krankheitszustand veranlasst; ohne Zweifel spielen auch Intectionsstoffe hierbei eine Rolle. Aber wenn Hertwig gegen die Annahme der Kältewirkung die Thatsache her­vorhebt, dass die Brandmauke nicht während strengen Frostes, sondern bei Thauwetter auftritt, so erscheint damit mich den obigen Betrach­tungen nichts bewiesen. So viel steht fest, dass Schneewasser durch seine Kältewirkung leichter nachtheilig wird als kalte Luft.
Die andererseits beschuldigte Kältewirkung des in grösseren Städten zum Aufthauen des Schnees (Pferdebahnen) benutzten Koch­salzes hat jedenfalls nicht die ihr mehrfach zugeschriebene Bedeutung. Sowohl die Versuche von Born und Siedamgrotzky, wie auch von Jelkmann haben aussei- Zweifel gestellt, dass die hierbei ent­stehende Kälte allein nicht Brandmauke veranlasst. Aber zwei andere Factoren spielen hier mit; nämlich kleinere Verletzungen und Infections-erreger, welche namentlich in dem Strassenschmutz grösserer Städte niemals fehlen. Es lässt sich dieses Zusammenwirken auch mit un­seren heutigen Vorstellungen über Infectionsvorgänge sehr wohl in Einklang bringen. Durch die Kälte werden namentlich in Wunden und Verletzungen die zelligen Elemente in ihrer Lebensfähigkeit wenigstens abgeschwächt, wenn nicht geradezu getödtet; damit aber erlangen die Mikroben die Oberhand, sie vermehren sich schnell in dem abffestor-
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KiMiiklu'iten der iiiisscivn Haul
benen Material und fuhren nun zu weitgreifenden Elrnährungsstürungen (Entzündung and Brand) 8.28.230), Bei Jagdhunden wird Erfrieren der Küsse beobachtet, besonders wenn die Ballen Ubermässig abge­laufen waren. Bei Hülniern erfriert am leichtesten der Kaiuni, welcher ebenso wie die Obren im Verhamp;ltniss zur Grosse ibrer Oberfläche, also auch zum VVarmeverlust wenig Blut enthalten. Ob die weisse Haut weniger widerstandsfähig ist als die pigmentirte (Spinola), vermögen
wir nicht zu entscheiden.
Erfrierungstod kommt fast nur hei Eseln (Hortwi^) und kleinen Hausthieren vor, die nicht an strenge Killte gewöhnt sind. Worauf die geringere Wicjerstandsftlhigkeit des Esels beruht, ist nicht klar. Dass kleine. oft nicht abgehärtete Uausthiere, wenn sie längere Zeit höhereu Kältegraden ausgesetzt werden, erfrieren, kiiiin nioht. überraschen.
Colin stellt, bezüglich der Widerstandskraft der Uausthiere folgende Skala auf: Am grössten soll dieselbe bei Lapins sein, dann folgt das Schaf. sofern das Vliess trocken ist; auch Schwein und Ziegen ertragen leicht höhere Kältegrade; am wenigsten widerstandsfähig soll das Pferd sein; nach Cadiot zeicliuen sich die arabischen Pferde durch grosse Widerstandsfähig­keit gegen Kälte aus.
Bei Erfrierungen unterscheidet man ebenfalls drei Grade;
1. Grad. Ihirch vorübergehende Einwirkung massiger Kälte­grade entsteht zunächst Contraction der Gefiis.se. namentlich der kleinen Arterien, und Anämie, ein Vorgang, der an der pigmentirten Haut der Thiere sich unserer Beobachtung meist entzieht. Der Contraction folgt bald eine starke Erweiterung, wodurch Röthung entsteht, welche namentlich aus einer starken Füllung der venösen Gefdsse hervorgeht; daher erscheint die Färbung der Haut, dunkelroth, oft blanroth bis blau. Leichte Exsudation, also auch Anschwellung und Schmerz be­gleiten diese Gefiisserweiterungen, die sich in der Hegel bald wieder verlieren. Der Vorgang wird bei Thieren oft übersehen, oder er lilsst sich aus der Neigung einzelne Theile zu reiben oder zu beiecken (Hund) nur vennuthen. .Ebenso wenig beobachtet man die beim Menschen durch wiederholte leichte Erfrierungen entstehenden Frost­beulen (Bern ion es) bei Thieren.
.;. Grad. Bei höheren Kältegraden oder bei längerer Einwirkung der Killte gesellt sich zu den obengenannten Veränderungen seröse Exsudation und Ansammlung einer gelben oder röthlichen Flüssig­keit unter der Hornschicht (Blasenbildung); die Haut wird hierbei gefühllos.
:gt;. Grad. Noch niedrigere Temperatur oder längere Einwir­kung der Kälte führen ebenso wie Verbrennungen zur Nekrose;
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I'lrl'ricTun^.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iW
docli tritt diese Iiht aiobt so plötzlich ein, sondern entwickelt sich langsam an der in starker venöser Stase befindiioben Haut. Du.s nekrotisobe Bautstüok erlangt auf diese Weise eine dunkel­braune Färbung, während die durob Hitze abgetödtete Haut meist heller gefärbt erscheint. Die Nekrose kann durch directes Erstarren der GtewebsflUssigkelten sowie des Blutes in den Gefiissen entstehen, doch ist diese hierzu nicht erforderlich; schon die erheblichen Circu-liitioiisstöruiilt;j,en können zum Absterben der Gewebselemente führen. Hei dem in der Regel reichen Blutgebalte der Theile während des Absterbens entstebl meist feuchter Brand mit Bildung von Brand-jil liehe.
Während bei tlangränbildung das betreffende Hautstück, event, auch die unterhalb der Haut erfrorenen Gewebstheile durch disse-oirende Eiterung abgestossen werden, worauf der Zustand ebenso heilt wie Verbrennungen gleichen Grades, gestalten sich die Heilungsvor­gänge bei der Erfrierung zweiten Grades verschieden. In vielen Fällen erfolgen sie ebenso wie bei Verbrennungen desselben Grades; nicht selten aber kommt es hier noch zum Absterben, so dass es oft schwer hält, diese Grade genau zu trennen. Unter Umständen entwickelt sich eine in die Tiefe greifende Gangrän; so berichtet Stottmeister über eine Kuli, bei der im Stalle alle vier Füsse erfroren, weil sie in feuchtem und gefrorenem Dung gestanden hatte. Nachdem die Haut abgefallen war, traten Knochen und Sehnen frei zu Tage. Eine gleiche Beobachtung machte Krekeler bei einem Fohlen, welches in einen Fluss mit steilen Ufern gefallen und längere Zeit in dem kalten Wasser gestanden hatte.
Der Tod durch Erfrieren erfolgt wahrscheinlich durch Herz-paralyse in Folge der erheblichen Abkühlung des Körpers. Das Be-wusstsein schwindet, die Pulsfrequenz lilsst nach, die Darmperistaltik hört auf, Urin wird selbst bei gefüllter Blase nicht entleert, die Augen stehen ollen, die Cornea ist reactionslos, die Pupillen sind erweitert; die Respiration wird immer schwächer, die Mastdarmtempe­ratur kann auf 18deg; C. fallen. In diesem Zustande lassen sich kleinere Thiere noch dadurch retten, dass man sie in ein hoch temperirtes Medium, z. B. in ein Bad von 40deg; C. bringt, während sie bloss in mittlere Temperatur zurückversetzt zu Grunde gehen. Diese an Hunden und Kaninchen experimentell nachgewiesene günstige Einwirkung steht allerdings mit den bisher bei Mensehen und Thieren ange­wendeten Heilverfahren in Widerspruch.
Stockfleth theilt einen Fall mit, in dem am 28. Mai eine Kind-
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Krankheiten der Kusseren Maut.
viebherde von 53 Stück, welche erst, kurz vorher auf die Weide ge­bracht, daher nicht abgehärtet und mit einem dünnen Haar verseilen war, in Folge eines mit heftigem Sturm verbundenen Nachtfrostes an Erfrierung zu Grunde p'ititi'.
Behandlung. Erfrierungen ersten Grades geben bei Thieren selten Anlass zur Behandlung; wo es der Fall sein sollte, würden kräftige Reibungen und hydropathisohe Einwiokelungen zu empfehlen sein. Bei Erfrierungen zweiten Grades suche man die Blutoirculation nach Möglichkeit ZU fordern, und wenn Bildung von Blasen erfolgt, behandele man diese ebenso wie bei Verbrennungen, Deckende Mitte] (Glycerin rait Carbolsüure, Tannin, Jodoform) linden hier zweck-raässige Anwendung, Sobald Nekrose eingetreten ist, dienen Bäder und häutige Waschungen zur schnellen Entfernung der Brandjauche, und Desinfectiousmittel (Carbol, Jodoform, Sublimat und Kampfer) zum Schütze der Xaehlmrselial't. In präservativer Hinsicht ist bei grösserer Killte besonders da Vorsicht geboten, wo Haare fehlen oder Wunden bestehen; selbst leichte Streichwunden bilden auf diese Weise den Ausgangspunkt einer umfangreichen I laulgangriin. Bei Tempera­turen unter Null sollten Wunden bedeckt werden; um zugleich In­fection zu verhüten, linden Bepiuselungen mit Theer zweekiniissige Anwendung. Bei Thauwettcr lässt sieb durch Einfetten der Haare und Haut an den unteren Abschnitten der Gliedmassen die Einwirkung des kalten Schneewassers und des Strassenschmutzes auf die Haut ver­hindern. Natürlich ist das Fett wieder sorgfältig abzuwaschen, auch sollte man dafür Sorge trugen, dass die durchnilssten Haare an den Püsseu möglichst bald getrocknet werden; Abreiben derselben mit trockenen Sägespähnen oder Kleie eignet sieh hierzu bei Pferden.
Gegen die Gefahr des Erfrienmgsfodes bleibt Muskelbewegung das wirksamste Mittel, und wo die oben beschriebenen .Erscheinungen auftreten, würde durch kräftige Abreibungen die Blutoirculation in Bewegung zu bringen sein. Man vermeide indess plötzliche Erwär­mung, lasse vielmehr die Abreibung mit missen, kalten Tüchern bewirken. Kleineren Thieren kann darauf ein Bad von 16—ISquot; C. gegeben werden, welches in etwa zwei Stunden allmählich auf 38deg; gebracht wird, Subcutan linden Aether und Kampfer Anwendung, um die Herzthätigkeit anzuregen, innerlich Alkohol. Bei Störungen der Athimmg leite man künstliche Respiration ein,
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XI. Die Krankheiten der Knochen.
1. ßntzttndung der Knochen. Ostilis. Periostitis. Osteomyelitis.
Die unmittelbare anatomische Verbindung wie auch der physio­logische Zusammenhang des Knochengewebes mit dem Periost iiuf der einen und dem Markgewebe auf der anderen Seite erklärt. dass die Krnuklieitsprocesse. namentlich die entzündlichen Vorgänge von einem Beatandtheil des Knochens auf den anderen leicht übergreifen. Nicht selten leiden Jedoch einzelne Abschnitte allein, so dass man z. B. eine Entzündung der Tela ossea (Ostitis), der Beinhaut (Periostitis) und des Knochenmarkes (Osteomyelitis) unterscheiden kann. Ver­laufen auch die entzündlichen Processe hierseihst im allgemeinen ebenso wie in den bindegewebigen Weichtheilen, so übt doch sowohl die physikalische Beschaffenheit des Knochengewebes, wie auch der geringfügige Stoffwechsel in demselben einen gewaltigen Einfluss auf die entzündlichen Vorgänge ans und verleiht ihnen mancherlei Eigen-thümlichkeiten,
a) Entzündung des Knochengewebes (Ostitis). In der Tela
ossea gehen die entzündlichen Vorgänge von den Blutgefässen und den Geweben in den Haversischen Kanälen aus, während die harte Knochensubstanz erst im weiteren Verlaufe an der Erkrankung Theil nimmt.
Die entzündlichen Processe zeigen sich hier analog den physio­logischen Vorgängen, indem sie entweder mit. Neubildung, oder mit Rückbildung von Knochengewebe verbunden sind; demnach unter­scheidet man eine Ostitis ossificans und eine Ostitis rare-faciens. Die erstere stellt einen regenerativen Vorgang dar, durch den an Stelle von Markgewebe Knochensubstanz tritt, sodass der Knochen eine grössere Dichtigkeit und Härte erlangt (Osteosclerose,
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Krankheiten der Knochen,
condensirende, regenerative Ostitis). Bei dw /.weiten Form findet: unter Wucherung des Markes und Vergrösserung der Markriiunie Eünschnielzung des Knochens statt; der Knochen wird hierbei weicher und poröser (Osteoporosis, usurirende oder degenerative Ostitis). Hierbei treten oft Granulationen auf, die von den Blutgefässen und den Q-eweben in den Eavei'sischen Kanälen ausgehen; man spricht von einer Ostitis fuugosa, weil die öranulationsmassen iiäulig pilz­artig aus den Knochen hervor wuchern.
Die Ostitis ossificans bildet in der Hege! das Ergebniss leichter, aber chronischer Reizungen, während die rarefioirende Ostitis vornehmlich bei intensiveren und besonders infectiösen Pro-cessen auftritt, Nicht selten lauten beide neben einander ab, indem im Mittelpunkte der Erkrankung eine rarefioirende, in der Umgebung ossificirende Entzündung besteht.
Angeregt wird die Entzündung der Teia ossea durch locale Keizungsprocesse (Verwundungen mit Eiterung), nur selten geht der Anstoss von im Blute eirculirenden Substanzen aus (hämatogene Ostitis). Xur ausnahmsweise greift die Entzündung vom Periost oder dem Markgewebe auf die Tela ossea über. Die Ostitis ossificans hat häufig eine salutäre Bedeutung, indem durch sie die in Folge krank­hafter Vorgänge im Knochen abgeschwächte Festigkeit desselben wieder hergestellt wird; die rarefioirende Ostitis dient dazu, nekro-tisehe Knochenstücke auszustossen, Defecte auszufüllen und infectiöse Vorgänge zu bekämpfen.
Hei der cundeiisirenden Ostitis werden nach dem Vorbilde der physiologischen Knochenbildung neue Knochenmassen auf die alten gelagert, und da dieser Vorgang besonders von den II a versisehen Kanälen ausgeht, so müssen diese kleiner, enger, der betreffende Knochen dichter werden. Der Process schliesst sich also der chro­nischen, producirenden Kidzündung der Weichtheile, namentlich des Bindegewebes an, welche ebenfalls mit Neubildung von Gewebe (In-duration) verbunden ist.
Ungleich wichtiger erscheint in chirurgischer Umsicht die rare-ficirende Ostitis, welche ihr physiologisches Analogon in der Mark-
raumbilduns findet. Die
von den Gefässen und den übrigen Weich-
theile
Kanal
e ausjn
henden Wucherungen (Granu-
-ersi seilen
der Hav
lationen) bewirken eine Einschmelzung der Knocheusubstanz und zwar nicht gleichmässig. sondern in Form kleiner Ausbuchtungen derselben (lacunäre Resorption. Howship'sche Lacunen), Auf welche Weise diese Einschmelzung zu Stande kommt, bildet auch heute noch
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BntüUndung dor Knouhen — Ostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'AH'.i
Gegenstand von Meinungsvefschiedenlieiten. Offenbar ist hierbei die Wirkung des lebendigen Plasma der (Jnuinliitioiisnnissen oder besonderer Elemente thtltig. Man Bndet nämlich an der Oberfläche des in der Einraquo; Schmelzung bofindlicdien Knochens ungewöhnlich gros.se, rundliche, oder mit Ausläufern versehene, vielkernige Zeilen, wie sie auch bei der physiologise.lien I'm Wandlung des Knochengewebes in Markgewebe an­getroffen und als Osteoklasten bezeichnet werden. Diese sollen nach Kölliker unter dem Einflüsse des höheren Druckes, wie er durch die Entzündung veranlasst wird, die leimgebende Substanz des Knochens mit ihren Salzen auflösen, also auf chemischem Wege (Kohlensäure?) ein­schmelzen. Andere (Pommer) lassen diese Wirkung von den Blutgeiassen ausgehen, welche sich zunächst als solide Sprossen aus den vorhandenen Qefässen entwickeln, die Knocheusubstanz gleichsam durchwachsen und so eine Art, ., Vascularisa t ionquot; (Volkmann) des Knochens herbei­führen. Die rareflcirende Ostitis beobachtet man stets bei Nekrose der Tela ossea; hier entwickelt sie sich in der Umgebung des ab­gestorbenen Knochenstückes und führt zu einer allmählichen Loslösung (Exfoliation) desselben. Dieser Vorgang schliesst sich also im wesentlichen der Demarcation von nekrotischun Weiclitheilen an. Wäh­rend dort z, B, Bindegewebe durch Granulationen eingeschmolzen wird, erfolgt hier, wenn auch langsamer, eine allmählich fortschreitende Auflösung des Knochengewebes. Inmitten desselben auftretend, kann es zur Bildung von Abscessen kommen, nach deren Perforation Granu-lationsmassen die Höhlen auslullen, verknöchern und so den Defect ausgleichen; der letzte Act dieses Vorganges stellt allerdings eine Ostitis ossificans dar.
Während sich die eondensirende Ostitis oft zur Periostitis ossifi­cans gesellt, bildet die rareflcirende Ostitis in der Kegel eine Com­plication der Osteomyelitis.
Die klinische Diagnose der Ostitis fällt häufig schwer. Während die Ostitis ossificans am lebenden Thiere in der Regel nur vermuthet werden kann, giebt sich die eitrige Knochenentzttndung durch schmerz­hafte Anschwellung (Auftreibung) des Knochens und durch entzünd­liche Erkrankung der umgebenden Weiclitheile zu erkennen. Die eitrige Entzündung pflanzt sich häufig vom Knochen auf die den-selben umgebenden Weiclitheile fort, führt auch hier zur eitrigen Er­krankung, l'hlegmone mit Abscessbilduug und schliesslich zum Durch­bruch nach aussen, wie man es an den Kieferknochen bei Ladendruck und gewissen Zahnleiden beobachten kann. Sobald der Abscess zur
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Ki'aiiUliciti'ii der Knnolu'ii.
Perforation gekommen ist, lassen sich auch nekrotlsohe Knüobeustücke meist direct nachweisen.
Behandlung. Aus dein Gesagten ei'giebt sich, class die beschrie­benen Vorgänge zum Theil eine salutäre Bedeutung haben, also nicht gestört werden dürfen: daher erklärt sieh, dass nur selten Anlass zu therapeutischem Elingreifen gegeben ist. Gegen die Ostitis ossifloans liegt ein solcher um so weniger vor. als das Leiden klinisch meist nicht festzustellen ist. Hei der Ostitis suppurativa kommt es dagegen ebenso wie bei Eiterungen in den Weichtheilen darauf an, dem Eiter möglichst bald freien Ahliuss zu verschaffen und die etwa abgestor­benen Knochenstücke zu entfernen. Wir prüfen von Zeit zu Zeit das nekrotische Enochenstück auf die Festigkeit seiner Verbindung mit dem erhaltenen Knochen, und sobald es sich ..mobilquot; zeigt, wird es zu entfernen gesucht, und die granulirende Wunde nach den allgemeinen Regeln behandelt. Einspritzungen von verdünnten Mineralsäuren (1—',i quot;n Salzsäure. Milchsäure) fördern nicht nur die Einsclimelzung der nekrotischen Knochenmassen und ihre Dissection, sondern wirken zugleich antiseptisch und sind daher hei diesen Leiden {#9632;/.. B, Laden-druck) vielfach in Gebrauch.
b) Die Entzündung des Knochenmarkes (Osteomyelitis) wird mit einer Hyperämie des Markgewebes eingeleitet, das in diesem Zustande dunkelroth, oft blauroth erscheint. Die hiermit verbundene Anschwellung macht sich am durchsägten Knochen durch Vorquellen des Markes über die Schnittfläche bemerkbar. Der Hyperämie folgt bald lebhafte Emigration, welche in kurzer Zeit zur Resorption der Fettzellen des Knochenmarkes führt. Auf diese Weise verwandelt sich das gelbe Mark erwachsener Thiere In rothes Knochenmark des jugend­lichen Alters; dasselbe kann nunmehr unter Umständen verknöchern, wie es #9632;/.. B. bei subeutanen Knochenbrüchen der Fall ist, Entzünd­liche Processe am Knochenmark kommen im übrigen fast nur in Folge von infectiösen Vorgängen zu Stande: complicirte Fracturen, Verletzungen der Knochen (Ladendruck) und Alveolarperiostitis (Zahn-fisteln) geben hierzu oft Veranlassung. Daher stellt sich in der Hegel Eiterung und Abscessbildung ein. Unter Zunahme der Leu-kocyten (eitrige Infiltration) erlangt das Mark seine gelbe Farbe wieder, und mit der Hildung von Abscessen geht eine mehr oder weniger lebhafte Granulationsbildung einher. Die Granulation übt vom
Marke aus denselben Hinfluss auf die Innentläche der Tela ossea ans
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Kiit/.iiiKliiiifi dor Kuoohen — Ostsomyolitisinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; JtST)
wie von den Hiiversiscliou Kanälen, d. b. 'las Knoobengewebe wird durch sie eingeschmolzen. Sieran schliessl sicli eine rarefioirende Ostitis, und so kommt es schliesslioh zur Auflösung der Knoohenrinde und Perforation nach aussen. Doch bevor dieses erfolgt, veranlasst der Bntzündungsreiz (Infecfcionsstoff) in der Beinhaut zunächst eine ossiflcirende Periostitis mit Auflagerung neuer Knochenschiohten (Knochenauftreibung); sodann werden aber iiucli diese von der rarefloirenden Ostitis zerstört, die ossiflcirende Periostitis wird in eine eitrige verwandelt, die umgebenden Weichtheile erkranken pblegmonös, worauf endlich der Durebbruch nach aussen erfolgt. Diesen Vorgang beobachten wir sowohl'bei Zahnleiden, wie auch beim Ladendruck der Pferde. In der Hegel sterben unter dem Einflüsse der eitrigen Osteomyelitis kleinere oder grössere Stückt' der Rindenschicht des Knochens ab (centrale Nekrose), bleiben oft lungere Zeit in der Markhöhle liegen und werden hier von einem neugebildeten Knochen­gewebe gleichsam eingekapselt.
Auch kann der Process auf die Spongiosa der Epiphysen über­greifen und auf diese Weise in benachbarte Gelenke einbrechen (seeun-däre Gelenkentzündung). Während der Entwickelungsperiode des Knochensysfcems tritt bei dieser Ausbreitung des Processes zuweilen Elinscbmelzung des Epipbysenknorpels mit Ablösung der Epiphyse von der Diaphyse ein (spontane Epiphysenlösung).
Vogel beschreibt eine eitrige Osteomyelitis bei Kühen, welche sich nach dem Gebären der Thiere auf embolisobem Wege entwickeln und oft auf die nachbarlichen Gelenke übergreifen soll.
Hierher scheint die von Jan son bei einem Bären in Japan beob­achtete Osteomyelitis snppiirativa zu gehören. Bei dem noch jungen Thiere zeigten sieh die Kieferknochen, die Zwisclieiikieferheine in ihrem ganzen Um­fange, die Oberkieferbeine sowie der Unterkiefer in seinen vorderen Ab­schnitten um das 5faclie aulgetrieben, so dass das Maul nicht geschlossen, die Backzähne nur bis auf 5 cm genähert werden konnten. Die Knochen­tafeln waren papierdüan, und unter ihnen fluctuation bemerkbar; die Zähne gelockert. Nach Function der Knochen und Entleerung von 150 g Eiter und öfterer Keinigung mit Oreolin, unter täglicher Verabreichung von Oaloiumphosphat und spftter von Phosphor und Leberthran trat allmählich Besserung ein.
Beim Menschen beobachtet man eine spontane, diffuse Osteo­myelitis, wobei namentlich die Röhrenknochen leiden. Nach den neueren Untersuchungen ist Jedoch auch hier eine Infection, insbeson­dere mit Eiterkokken (Stapbylokokken u. a.) als Ursache des Leidens zu betrachten, obgleich es häutig nicht gelingt, den Infectionsweg direct nachzuweisen. Wahrscheinlich geht die Infection unter Umständen vom Möiii'vu. Kvick, Allgemslne Chlmrgte fUr Tlileramp;rzte. •-'. Auilnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
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',]Q(\nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kranklieitcii dar KiiDclicn.
Blute aus; bei Thieren kommen derartige Erkrankungen seltener vor, docli haben neuerdings Haae und Groezinger solche beobachtet.
Haas stellte bei einer Kuh eitrige Osteomyelitis am Vorarm (Radius)
und Oberschenkelbein fest, welche durch Staphylococous pyogenes aureus und albus veranlasst war. Es hatte sich die Krankheit zunächst unter dem Bilde einer intermuskuliii-en Phlegmone entwickelt; nach eingetretener Perforation der Abscesse überzeugte man sich jedoch, dass auch der Radius mil leidend war, und stellte scliliesslich durch die Section das Leiden fest.
Groezinger beobachtete eitrige Osteomyelitis am Vorarm eines Pferdes unter ähnlichen Erscheinungen; hier war der Zustand jedoch durch Actinomyces veranlasst.
Bei Wiederkttnern und Schweinen Ittuff unter dem Namen Osteo-malacie ein Krankheitsprocess in den Knochen ab. welcher mit Ver­änderungen des Knochenmarkes und der Tela ossea verbunden ist, die zur allmählichen Auflösung der letzteren führt. Schon das Fehlen von Reizungs­vorgängen am Periost legt indess die Vennuthung nahe, dass es sich hier um eigenthümliche Ernährungsstörungen handelt, die den Entzüudungspro-cessen nicht zuzuzählen sind.
Auch die bei Pferden und zwar anscheinend in Folge einseitiger Er­nährung auftretende sog. Kleien- oder Krü schkrankh eit dürfte hier­her zu rechnen sein, doch handelt es sich auch bei diesem beiden nicht um Infection und Eiterung, sondern um eine Wucherung des Markgewebes auf Kosten der Tela ossea. Die dieses Leiden hegleitende Periostitis (Knochen-auftreibung) sowie die Köthung des Knochenmarkes (rothe Osteomalacie, Pütz) liisst vennuthen. dass es sich um Reizungsvorgänge im Knochen handelt. Auch spricht die Ausbreitung der Veränderungen auf mehrere oder fast alle Skelettknochen für eine Wirkung des Ueizes vom Blute aus. Diese namentlich bei anämischen Thieren im jugendlichen Alter auftreten­den Störungen haben jedoch bisher ein chirurgisches Interesse nicht erlangt.
c) Die Entzündung der Beinhaut (Periostitis). Nicht die äussere, vornehmlich aus Bindegewebsfasern bestehende, zollen- und blutgefilssarmc, sondern die innere, dem Knochen unmittelbar aufliegende, gcfilss- und zellenreiche Schicht (Bildungs* oder Cambiumsohicht) leidet hierbei in erster Linie. Die Bildungsschicht, so genannt, weil während der Entwickelung von ihr aus das Dickonwac hsthum des Knochens sich vollzieht, bestellt aus einer grösseren Anzahl rundlicher, oft abgeplatteter und mit Fortsätzen versehener Zellen (Osteoblasten); auch enthält sie zahlreiche, feine, elastische Fasern (Sharpey'sclio Fasern), welche sich mit den Blutgefässen und Nerven direct in den Knochen einsenken. Sehr natürlich daher, dass eiitziindliche Erkran­kungen des Periosts in erster Linie für den Knochen selbst eine Be-
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Kntzümlmig der Knodiennbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Periostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;]87
deutuug eplaugen und liiinlig mit entzündlichen Processen in der Tela
ossea verbunden sind (Osteoperiostitis).
Vom chirurgischen Standpunkte genült;ft die Unterscheidung einer Periostitis ossit'icans, suppurativa und fibrosa.
Bei der P. ossit'icans erkrankt vorzugsweise die Bildungslaquo; Schicht, welche nacli Einwirkung des Entzündungsreizes in Folge leb­hafter Gefassbildung stärker geröthet (gelbrötlilich) erscheint. Durch exsudative Vorgänge und Wucherung der zelligen Elemente, nament­lich der Osteoblosten, nimmt sie eine gallertige Beschaffenheit an und lässt, sich ungewöhnlich leicht vom Knochen ablösen. Die durch Wucherung der zelligen Elemente entstandenen Massen verknöchern alsbald, und so lagern sich neue Knochenmassen auf die alten, ganz nach dem Vorbilde des Dickenwachsthums des Knochens. Man nennt diese Knochenauflagerungen Osteopliyten, Exostosen oder Hyper-ostosen. Sie bestehen bald aus zusammenhängenden Knochenmassen, bald besitzen sie mehr oder weniger spitze Erhabenheiten. Die Ver­knöcherung der neugebildeten Massen geht nur langsam und nicht so regelmässig wie bei der physiologischen Knochenontwickelung von statten, sondern erfolgt, meist netzförmig. Daher fühlt sich die Exostose zunächst weich an, indem zwischen den verknöcherten Netzwerken noch nicht vcrknöchi'rte Massen liegen (primäre Spongiosität); im macerirten Zustande erscheint diese Neubildung porös, daher die Be­zeichnung Ostcophyt. Allmählich verknöchert auch die Zwischen­substanz, die Masse wird nun fester und dem normalen Knochen ähnlicher (Exostose s. Hy perostose, primäre E burneation). Hört der Reizungsprocess auf, so kann ein Theil der Exostose ähnlich wie die Narbe durch Resorption verschwinden; es bilden sich nämlich Markräume in derselben (seeundäre Spongiosität). Schliesslich kommt es genau so wie in der Narbe zu einer allmäh­lichen Verkleinerung der Knochenauflagerung und Uebrigbleiben einer kleineren oder grösseren elfenbeinartigen Knochenerhöhung (seeun­däre Eburneation). Während der Entwickelung des Knochensystems trägt ein vermindertes Dickenwachsthum an der betreffenden Stelle zum Ausgleich und zum Verschwinden der Exostose noch bei.
Je langsamer die Periostitis abläuft, um so dichter und compacter wird die Exostose; je schneller die Entwickelung derselben, um so weniger fest erscheint dieselbe, um so grosser aber bleibt die Aussicht auf ein späteres Verschwinden oder doch Verkleinerung derselben.
Unter Umständen greift die entzündliche Heizung auf das um­liegende Bindegewebe über, welches ebenfalls in einen Wucherungs-
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1(88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der ECnoolieu.
process versetzt wird und darauf verknöchern kann. Man spriebi von einer Parostitis ossifioans, die namentlich bei ContinuitHtstrennungen im Periost aufzutreten pflegt.
Die knoobenbildende Periostitis bildet in der Regel die Folge meebaniseber Reizungen, wie sie bei der exponirten Lage des Periosts bei Tbieren nicht selten vorkommen; doch nur bei aseptischem Zu­stande tritt diese Form der Entzündung ein.
Der Reizungsprocess am Periost geht nicht selten von den Ge­lenken aus, setzt sich von liier auf dn.s benachbarte Periost fort, z.B. heim Sput und der Schale; oder die Entzündung läuft in den Bändern und Seimen ab, deren Ansatzstelleu alsdann Sitz der Exostosen-bildung werden. Barrier gelangt auf örund seiner Untersuchungen ZU dem Schlüsse, dass die meisten periarliculären Exostosen von den Insertionspunkten der Haftbänder ausgehen, Durch Zerrung der Bänder entsteht Reizung des Periosts, wodurch eine productive Entzündung in demselben angeregt wird. Mangelhafter Hau der Gelenke verleiht namentlich bei Pferden eine Prädisposition zu diesem Leiden, welche andererseits durch Benutzung der Thiere zu schweren Dienstleistungen unterstützt wird, namentlich wenn dieses im jugendlichen Alter ge­schieht, d. h. solange die Knochenbildung noch nicht abgeschlossen ist. Harrier geht so weit, aus dem Auftreten von Exostosen zu schliessen, dass es sich niemals um eine Sehne, sondern stets um die Wirkung von Haftbändern handele, eine Annahme, die in der bei weitem grösseren Anspannung der Bänder ihre Erklärung findet; durch Mnskelaction kommt eine derartige Heizwirkung selten zu Stande, weil die Wirkung derselben im Vergleich zur Zugkraft der Bänder nur gering ist.
Periostitis suppurativa. Treten in der Cambiumschicbt ent­zündliche Processe auf, die durch Infection, namentlich Eit.erkokken veranlasst sind, so kommt es auch hier zur Eiterung; es entsteht eine Periostitis suppurativa. In der an Zellen reichen Bildungs-schicht entwickelt sich zunächst eine eitrige Infiltration, sodann erfolgt in der Hegel Abscedirung. Durch den Eiter wird das Periost von der Tela ossea abgehoben (P. dissecans), die Gefässe, welche vom Periost in den Knochen eindringen, zerreisseii oder tbrombosiren. wodurch die Ernährung der Rindenschicht des Knochens gefährdet wird, und die Oberfläche desselben meist nekrotisirt. Doch tritt dieser Ausgang nicht immer ein. weil zuweilen von den tieferen Knocheiischichtcu eine ausreicliende Erniilirung des Knochens unterhalten wird. Es entwickeln
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Elutzttnclung der Knooben Periostitis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; üSü
sich alsdann auf der Oberfläche des Knochens sowohl, wie uucli an der von ihm abgehobenen Innenfläche des Periosts Granulatiousmassen, die mit einander verwachsen und später verknöchern. War ein Stück Knochen abgestorben, wie es namentlich hei ausgehreiteter Periostitis und ausgedehnter Qefässthrombose leicht vorkommt, so kann der Heilungsvorgang nur auf Umwegen erfolgen. Zunächst entsteht in der Umgebung des Sequesters eine rarefloirende Ostitis, welche die Rolle der demarkirenden Entzündung in den Weichtheilen Übernimmt und das aekrotisohe Knoohenstück ablöst; dann folgt nach Entfernung des Sequesters Ausfüllung des Defectes mit Granulation, welche später mit dem Periost verwächst und verknöchert, so dass auch für das verloren gegangene Knochenstück ein Ersatz geleistet wird.
Die Periostitis fibrosa besteht in einer Verdickung der äusseren
IVriostschicht und entwickelt sich in der Hegel durch Uehergreif'eu des Entzündungsprocesses von aussen auf diese Schicht, ohne dass die Bildungsschicht in Mitleidenschaft gezogen wird. Der Vorgang ist chirurgisch nur von untergeordneter Bedeutung, kann jedoch durch Verknöcherung der neugebildeten Massen, oder durch Uebergreifen der Entzündung auf die Cambiumschicht zur Bildung von Exostosen führen, wie es bei schweren entzündlichen Processen in der äusseren Haut, /.. B. bei der Brandmauke beobachtet wird.
Ursachen. Als ursächliche Momente wirken bei den entzündlichen Erkrankungen des Knochens theilweise dispositionelle Verhältnisse, /. B, bei der Periostitis jugendliches Alter, in welchem die physio­logische Thätigkeii , namentlich die lebhafteren Ernährungsvorgänge entzündliche Processe im Periost begünstigen. Den nächsten Anstoss zur Periostitis geben theils mechanische Reize (Quetschung, Zerrung), theils Traumen mit Infection (coraplicirte Fracturen, Knochenwunden), Endlich können entzündliche l'rocesse aus der Nachbarschaft auf das Periost übergreifen (Gelenkentzündung, Mauke), in gleicher Weise gesellt sich zur Osteomyelitis und Ostitis purulenta entzündliche Kei-zung des Periosts, welche zunächst mit Knochenauflagerung, schliesslich aber mit eitriger Erkrankung und Perforation verbunden zu sein pflegt.
Die Ostitis gesellt sich häutig zur Periostitis (Osteoperlostitis) oder zur Osteomyelitis; Knochenwunden und complicirte Fracturen können direct eine Entzündung der Tela ossea hervorrufen.
Die Osteomyelitis suppurativa zerfällt in eine traumatische und eine spontane. Die erstere schliesst sich an complicirte Fracturen an,
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KnmUlu'itcn der Knooluin.
sobald ein aseptischer Verlauf nicht, erzielt wird (S. 405); die letztere, welche beim Menschen vorzugsweise jugendliche, tuberkulöse Individuen befällt, wird ebenfalls durch Infection mit Eiterkokken veranlasst; doch kann sie auch von leichten Verletzungen ausgehen, die nicht bemerkt wurden. Hei Thieren bildet spontane Osteomyelitis eine seltenere Er-krankungsform (S. ;i8t)).
Ein wesentlicher Unterschied besteht aber zwischen beiden Zu­ständen nicht; beide beruhen auf infeotiösen Vorgängen, welche bei der traumatischen direct nachzuweisen sind, während sie bei der spon­tanen Osteomyelitis verborgen bleiben, oder auf metastatischem Wege zu Stande kommen. Offenbar können zufällig im Blute circulireude Eiterkokken das Leiden veranlassen, besonders wenn gleichzeitig ein Bluterguss in das Knochenmark stattfindet. Ullmann und Becker konnten den Zustand bei Thieren künstlich hervorrufen, wenn sie nach Injection von Eiterkokken ins Blut einzelne Knochen in grober Weise verletzten. Sehr natürlich, dass eitrige Osteomyelitis häutig bei Pyilmie vorkommt und sich auch im Verlaufe der eitrigen Nabelvenenentzün­dung (sog. Lähme junger Thiere) oft einstellt.
Klinische Erscheinungen. Am lebenden Thiere treten diese Processe mit ungleicher Deutlichkeit hervor. Während die Periostitis an oberflächlich gelegenen Knochen durch grosse Schmerzhaftigkeit auf Druck (au den Gliedmasseu durch Lahmheit), sowie durch eine mehr oder weniger harte Anschwellung sich bemerkbar macht, lässt sich die Ostitis und Osteomyelitis in der Kegel erst mit Sicherheit erkennen, wenn das Periost und die anliegenden Weichtheile Antheil an der entzündlichen Erkrankung genommen haben; d. h. wenn Knocheuauftreibung, Abscesse oder Fisteln entstanden sind, deren Zu­sammenhang mit dem Knochen durch Anwendung der Sonde regel-mässig nachzuweisen ist.
Die eitrige Osteomyelitis in Röhrenknochen ist stets mit erheb­lichen Schmerzen und in der Regel auch mit Fieber verbunden. Ausser-dem spricht das spontane Auftreten und die Neigung zu Metastasen für dieses Leiden. In der Umgebung des leidenden Knochens ent­wickelt, sich alsbald entzündliche Anschwellung, welche den Charakter einer Phlegmone an sich trägt. Lassen sich durch die Untersuchung entzündliche Processe in den Weichtheilen sowie; schmerzhafte Ge­lenkerkrankungen an der lahmen Gliedmasse ausschliessen, so gelangt man auch bei Thieren zur Diagnose eines derartigen Knochenleidens. Dabei bleibt, zu beachten, dass auch eine eitrige Osteomyelitis in das
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BntuUnduDg der Knooheu PeriostitiB.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 30]
benachbarte (ielenk einbreoheraquo; und zu eitriger Erkrankung desselben führen kann (S. .'{85).
Die Periostitis suppurati va pflegt ebenfalls mit lebhaften Schmerzen und Fieber verbunden ZU sein. Die anfangs feste An­schwellung nimmt allmählich Fluctuation an, es kommt zur Perforation nach aussen, und wo /.ugleich Ostitis oder Osteomyelitis besteht, ent­leert sich Eiter von übelriechender Beschaffenheit (Knocheneiter); Vorgänge, wie sie namentlich an den Kieferknochen bei Zahnleiden und Ladendruck sowie auch am Brustbein der Pferde (Brustbein-fistol) beobachtet werden.
Die Beurtheilung dieser Prooesse fällt natürlich sehr verschieden aus. Die Periostitis führt regelmässig zur Bildung eines Ueberbeins, das nur selten wieder vollständig verschwindet, jedoch meist ohne er­heblichen Nachtheil bleibt. Eitrige Periostitis währt oft länger und pflegt auch mit andauernden Gebrauchsstörungen verbunden zu sein, doch hängt dies wesentlich von dem Orte des Auftretens ab. Wir sehen sie am häutigsten am Alveolarperiost der Zähne, welche häufig dabei verloren gehen.
Bei der eitrigen Ostitis hängt die Prognose ebenfalls vornehmlich von dem Orte des Auftretens und dem Umfange ab; sie kann selbst eine salutäre Bedeutung haben. Am bedenklichsten erscheint die Osteomyelitis, besonders die spontane, an den Röhrenknochen bei grösseren Thieren auftretende. Die mit derselben verbundene grosse Schmerzhaftigkeit zwingt die Thierc, andauernd zu liegen, wodurch leicht Decubitus und Tod veranlasst wird.
Therapie. Abgesehen von der ätiologischen Indication fällt der Behandlung bei Periostitis ossificans die Aufgabe zu, den Wucherungs-process in der Bildungsschicht des Periosts zu bekämpfen. Im ersten Stadium kann daher wohl Kälte angezeigt sein, namentlich um grössere Schmerzen zu lindern; im ganzen aber wird hiermit nur wenig er­reicht. Mehr als diese leisten bei subacuten Formen zertheilende Ein­reibungen (Ungt. einer.), Bepinselungen mit Tinet. jodi, und sobald die Schmerzhaftigkeit nicht gross ist, methodische Compression (Druck­verband). Wo sich der Anwendung dieser Mittel Schwierigkeiten ent­gegenstellen, finden alsbald scharfe Einreibungen (Ungt. Cantharid., Ungt. Hydrarg. bijodat. oder bichlorat. 1 : 8) und selbst das Glüheisen zweckinässige Anwendung. Wir benutzen mit Vorliebe das von Gerlach empfohlene Sublimat in spirituöser Lösung (1:4); mit einem Kork
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392nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der KnooheUi
wird das Mittel, welches einen festen Hautsoliorf erzeugt, einmal ein­gerieben. Die Wirkung dieser in der Praxis oft verwendeten und er­probten scharfen Hautreize muss aucb hier vornehmlich auf den Druck ZUrtlokgefUhrt werden, den die entzündliche Anschwellung auf den Wucherungsprooess im Periost ausübt. Das Glüheisen kann auch in Form des Stiftes mit Nutzen verwendet werden. Die von Sewell in die Thierheilkunde eingeführte Periosteotomie mindert zwar durch Ent­spannung des entzündlich erkrankten Periosts die Schmerzen, auf den Ablauf des Processes pflegt sie jedoch keinen günstigen Einlluss aus­zuüben; dadurch, dass sie die ossiticirende Periostitis leicht in eine eitrige verwandelt, kann die Periosteotomie unter Umständen sogar be­denklich werden. Auch hüte man sich, mit dem Stiftfeuer Gelenke oder Sehnenscheiden zu treffen.
Die nach dem Ablaufe des entzündlichen Processes zurückgeblie­bene Exostose wird mit scharfen Hautreizen oder durch methodische Compression und Massage behandelt. Diese Mittel sollen durch An­regung der Resorptionsvorgänge eine Verkleinerung der Exostose her­beiführen. Es liegt auf der Hand, dass die Behandlung mit Ausdauer und frühzeitig erfolgen muss, wenn man sich Erhebliches von ihr ver­sprechen will, Exostosen mit schmaler Basis lassen sich wohl mit Hammer und Meissel oder mit Hülfe einer Säge entfernen. Die Peri­osteotomie kann dagegen bei ausgebildeter Exostose nicht mehr empfohlen werden; sie regt von neuem Periostitis an und führt in der Pegel nur zu einer Vergrösserung der Exostose.
Bei Periostitis suppurativa sind zunächst scharfe Hautreize zur Förderung der Zertheilung zu versuchen; sobald aber Fluctuation eintritt, erscheint die Spaltung des Abscesses angezeigt, der eine mög­lichst sorgfältige Desinfection folgt, um den Ablauf der Entzündung zu beschleunigen und die Ausbreitung derselben zu verhindern.
Eitrige Ostitis und Osteomyelitis verlangen ebenfalls bal­dige Entleerung der Abscesse und Beseitigung der etwa vorhandenen Sequester; doch gelingt dieser Eingriff in der Hegel erst, wenn die Eiterung bis zum Periost vorgedrungen ist. Alsdann punctire man die Huctuirenden Stellen und suche durch Ausspritzungen den Biter nach Möglichkeit zu entfernen. Zur Förderung der Ablösung der Knochensequester und zur gleichzeitigen Desinfection dienen verdünnte Säuren (Salzsäure 1 ; 10) oder Milchsäure (Greiner). In demselben Sinne erweist sich auch das Ulüheisen nützlich) man führt in die Abscesse einen glühenden Löschspiess ein, der nicht nur desinllcirend wirkt, sondern auch die Sequestration fördert.
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Nrkrosi' und Carlos der Kmiclien.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;{()•!
Nekrose und Caries der Knochen. Im Verlaufe entzündlicher Pl'OCesse sterben nicht selten kleinere oder grössere Stücke der Knochen ab. Erfolgt dieses in grösserer Ausdehnung und mit Erlmltung der Form, so spricht man von Nekrose; stirbt dagegen die Knocheu-inasse in kleineren Partikeln laugsaiu und unter Auflösung derselben ab, so bezeichnet man den Vorgang als Caries. Beides beruht auf einer Unterbrechung der Ernährung des Knochens, wozu sowohl vom l'eriost, als auch vom Marke und der Tela ossea selbst der Ansioss ausgehen kann; in der Regel handelt es .sich um eitrige Vorgänge an dem einen oder anderen dieser Abschnitte des Knochens. Embolisclie Processe im Knochengewebe veranlassen weniger durch die hiermit verbundenen Circulationsstönmgeu Knochennekrose, als vielmehr durch die bei ihnen ablaufende metastatische Ostitis. Zuweilen leitet eine eitrige Periostitis an der Aussenfläehe, in den Generallaraellen Nekrose ein (periphere Nekrose); die vom Knochenmark ausgehende Nekrose nennt man .centralequot;. Wo auch immer die Nekrose ein­setzen mag, überall regt der abgestorbene Theil (Sequester) durch Heizung als Fremdkörper eine rareficirende Ostitis an. welche sich ebenso wie die demarkirende Entzündung in Weichtheilen verhält, d. h. der Sequester wird durch Kinsclnnelzung von den umliegenden Knochen allmählich losgelöst. Bei geringem Umfange der Nekrose kann hierdurch eine vollständige Resorption des Sequesters erfolgen, während anderenfalls bei peripherer Nekrose das abgestorbene Knocheu-stück auf diese Weise abgehoben und eliminirt wird, worauf Granu-lationsmassen den Defect ganz oder doch theilweise ausfüllen und schliesslich selbst verknöchern. Bei centraler Nekrose bildet die ver­knöcherte Granulation eine den Bindegewebskapseln in Weichtheilen entsprechende Umhüllung des Sequesters (Todtenlade), die in der Regel durch verschiedene Löcher und Kanäle (Kloaken) mit der Ober­fläche des Knochens in Verbindung steht. Aber auch die centrale Nekrose kann schliesslich zur Ausstossung des Sequesters führen, indem eine rareticironde Ostitis dem Sequester eine Bahn durch die ihn be­deckende Knochenmasse bricht. Während dieser Vorgang abläuft, stellt sich an der Knochenoberfläche durch entzündliche Reizung ossi-ticiremle Periostitis ein, wodurch neue Knochenmassen auf die alten gelagert werden (K noch e n a uft reibung).
Im Verlaufe infectiöser Entzündungen kommt es nicht selten zu einem allmählich fortschreitenden Absterben kleinster Theile des Kno­chens, ohne dass ein nachweisbares Sequester entsteht, ein Vorgang, der als Knochencaries bezeichnet wird. Die Caries stellt also am
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;{()-(nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knoohen.
Knochen denselben Vorgang dar, wie an den Woichtheilen die Ver-schwiirung. Indem durch irgend welche Einflüsse, meist durch Stö­rungen der Circulation, die Ernährungsvorgiinge eingestellt werden, sterben kleinste Knochenpartikel eins nach dem anderen langsam ab. Daher erklärt sich, dass die Caries einen allmählich fortschreitenden und sich ausbreitenden Process darstellt. Hierbei entstehen Höhlen und Fistelgänge im Knochen, die in der Regel nach aussei) münden; rotzige, tuberkulöse, aktinomvkotische und ähnliche Infectionen pflegen den Ausgangspunkt dieses Vorganges zu bildet).
Bei Knochennekrose lassen sich die Sequester oft direct nach­weisen , während die Sonde über die Gegenwart von Fisteln Aul-schluss giebt. Der vom Periost entblösste, nekrotische Knochen zeigt eine glatte Oberfläche und weisse Farbe. In manchen Fällen muss aus dem örtlichen Auftreten und dem chronischen Verlauf des Ent-zündungsprocesses auf die Gegenwart von Ostitis hezw. Nekrose oder Caries und Osteomyelitis geschlossen werden; bei Widerristfisteln lässt grössere Schmerzhaftigkeit Nekrose der Dornfortsätze der Wirbel ver-muthen.
Die Bedeutung der Knochennekrose hängt in erster Linie vom Orte ihres Auftretens ab. An sich pflegt sie mit besonderen Gefahren nicht verbunden zu sein. Das erklärt sich aus dem Unistande, dass die Verhältnisse zur Bildung von Bi-aiidjauche hier ungünstig liegen: der harte, trockene Knochen ist dazu wenig geeignet. Bedenklich wird sie z. B. in der Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden, wäh­rend die mit dem sog. Ladendruck regelmässig verbundene Knochen­nekrose nur den Heilungsprocess verzögert. Auch die durch Verwun­dungen veranlasste Nekrose an Knochen stört den regelmässigen Wund-verlauf und zieht die Heilung in die Länge.
Bei der Behandlung kommt es vornehmlich darauf an, das nekrotische Knochenstück möglichst bald zu entfernen. Das kann allerdings in der Kegel erst nach vollendeter Dissection desselben ge­schehen. Man prüft daher öfter das nekrotische Stück, ob es „mobilquot;, d. h. beweglich ist; sobald dies der Fall ist, sucht man es abzuheben. Die Nachbehandlung erfolgt nach den allgemeinen Kegeln.
Die Caries muss nach denselben Grundsätzen behandelt werden, wie Geschwüre; Beseitigung der Ursachen, Anregung der Ernährung event. Vernichtung der im Zerfall begriffenen Knochenabschnitte durch Auskratzen, Aetzen mit dem Glüheisen oder chemischen Agentien.
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Knoohonbrüoheinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;.{(.I5
Morris suolit böi Knoebennekrose die Fistolgiinge durch Einfiiliren antiseptischer (ia/e oiren zu lialten und injicirt 2—3 0/o Sal/.siiuro, woduroh Decalcination das nokri)ti.sclien Knoclunistückw.s eintritt. Dann wird alle 2 Tage eine sehwach angesäuerte Pepsinlösung injicirt. Diese Behandlung lässt Morris so lange ibrtsetzen, bis sich die Fistel von innen schliesst. Dei bestehender Eiterung witscht Morris die Wunde vor jeder Injection mit Wasserstoffsuperoxyd aus. Die Decalcination soll am nekrotischen Knochen schneller erfolgen als am normalen.
Bezüglich der Knoohencaries gelten im allgemeineu dieselben Grundsätze, welche bei der Behandlung von Geschwüren (siehe diese) massgebend sind: Entfernung der abgestorbenen Müssen, event, unter Beibülfe eines scharfen Löffels; Reinigung und Dcsinfection des Krank­heitsherdes sollen eine normale Granulation und durch diese Heilung herbeiführen.
'.i. Knocheubrttohe. Fraoturae.
Als Knochenbruch bezeichnet man das Zerbrechen oder den Zu­stand des Zerbrochenseins eines Knochens. Eine Fractur kommt zu Stande, sobald die Elasticitilt oder die Festigkeit des Knochens durch irgend eine Gewalt überwunden wird. Die Elasticitilt der Knochen zeigt sich im jugendlichen Alter erheblich grosser als in den späteren Lebensjahren und ist wahrscheinlich proportional dem Gehalt der Knochen an organischen Substanzen gegenüber den an­organischen.
Bezüglich der Festigkeit der Knochen wurden beim Menschen Ver­suche angestellt. Hiernach beträgt die Zugfestigkeit am Dumerus 5li3 kg pro Quadratcontiineter, mit anderen Worten hii'i kg sind erforderlich, um einen Quadratcontimetor Knochen zu zerreissen. Auch gegen Druck zeigen sich die Knochen ausserordentlich widerstandsfähig und zwar ungefälir ebenso wie Gusseisen und doppelt so widerstandsfähig als Holz. Dagegen beträgt die Torsionsfestigkeit (Drehung um die Längsaxe) nur ca. 8 kg pro Quadrat-millimeter.
Die Widerstandsfähigkeit der Knochen kann ferner durch Er­krankungen derselben (Ilhacbitis, Osteomalacie) leiden; auch will man, ähnlich wie beim Menschen, bei Thieren eine individuelle, zuweilen ererbte Fragilitas ossium (Osteopsatyrosis) beobachtet haben. So sah man (Dieckerhof f, Stockfleth) unter den Fohlen einer Familie bei geringfügigen Gelegenheiten multiple Enochenbrüche entstehen, ohne dass durch die Section krankhafte Veränderungen an den Knochen nachzuweisen waren. Mehrfach wurden Knochenbrüche bei Thieren
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,'19(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ki'iinklu'itcn iIlt KikicIu'ii.
beobachtet, welche längere Zeit ßuhe gehabt hatten, su dass es den
Anschein gewinnt, als ob die Festigkeit der Knochen unter der an­dauernden Ruhe leidet. Tapken beobachtete beim Kinde Knochen* bräche am meisten im Frühjahr in den ersten Tilgen des Austreibens, und führt dieses auf die geringere Sicherheit der Thiere in der Be­wegung zurück. Die Knochenhrüchigkeit, bestehend in einer allmiili-lich fortschreitenden Umwandlung der Tela ossea in Markgewebe, welches eine gallertige Masse bildet, wird vornehmlich beim Rinde beobachtet und kommt namentlich in ärmeren Gegenden unter dem Einflüsse einer mangelhaften Ernährung zu Stande. Vereinzelt beob­achtete man das Leiden auch bei anderen Wiederkäuern, Schweinen und Pferden und sah in Folge desselben multiple Fracturen entstehen. Üass örtliche Erkrankungen (Wunden, osteorayelitische Processo, S. 38ii, Tumoren) die Widerstandsfähigkeil eines Knochens herabsetzen können, liegt auf der Hand; man bezeichnet solche Brilche als pathologische oder secundäre.
Als äussere Gewalt wirkt bald ein Druck (Compressiona-brücbei, bald cine Combination von Zug und Druck (Biegungs­brüche), bald eine Drehung um die Längsaxe (TorsionsbrUche).
Bricht der Knochen an der Stelle, wo die Gewalt einwirkt (z. B, ein Hufschlag), so nennt man den Bruch einen directen, wobei in der Kegel die umliegenden Weichtheile mitverletzt werden (Contusionsfractur). Bei indirecten Brüchen hat die Gewalt entfernt von der Bruchstelle eingewirkt; indem sich die Wirkung derselben durch Knochen, Sehnen, Bänder n. s. w. Portpflanzt; es bricht der Knochen an der schwächsten Stelle, zuweilen selbst ein entfernt liegender Knochen, z. B. beim Fall auf das Maul bricht beim Pferde nicht selten das Keilbein (Fracture par contrecoup). Die fracturirende Gewalt kann von aiissen einwirken (Mufschlag), oder durch plötzliche Hem­mung des in der Bewegung befindlichen Körpers (Sturz, Durchgehen) entstehen (Contusionsfractur), oder endlich von den eigenen Mus­keln des Körpers ausgehen. So entstehen bei Pferden durch heftige Muskelcontractionen nicht selten Wirbelbrüche.
Es handelt sich also in jedem Falle um eine üeberdelnunig oder um eine übermässige Druckwirkung auf den Knochen, welche zur Continuitätstrennung in demselben führt.
Nach dem Grade der Trennung unterscheidet man eine Frac-tura completa und Incompleta, Bei der ersteren wird der Knochen vollständig und wenigstens in zwei Stücke getrennt. Je nach der Richtung der Trennung werden Längsbrüclie (Fr. longitn d in iHes),
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KnoohGubriioho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;!()7
Quorbrllclie (Fr, transversales) und Schrägbrüche (Fr. raquo;bli-quae) unterschieden. Die erstere Form beobachtet man häufig am Fesselbein des Pferdes, Querbrüohe kommen an den Rippen, Schräg-brtlohe nicht selten an den grösseren Röhrenknochen vor. Die Ah-trennung eines kleineren Stückes vom Knochen nennt man einen Hiss-bruch. 1st der Knochen nur in zwei Stücke getrennt, so spricht man von einem einfachen Bruch (Fr, simplex); beim Splitterbruch {Fr. comminutiva) ist der Knochen in eine yrössere Anzahl Stücke zertrümmert. Findet die Zersplitterung durch Druckwirkung (Zer­malmung) statt, so heisst der Brucb eine Fr, conquassata, Beim Doppelbruch ist der Knochen an zwei verschiedenen Stellen ge­hrochen: brechen mehrere Knochen zugleich, so spricht man von einem mehrfachen Bruche.
An unvollständigen Brüchen werden unterschieden:
1.nbsp; nbsp;Subperiostale Fracturen, wobei das Periost nicht durch­trennt ist: sie kommen selten und nur im jugendlichen Alter vor, so lange das Periosl noch dick, saftreich und lose mit dem Knochen ver­bunden ist.
2.nbsp; nbsp;Fissuren oder Spaltbrüche, d. h, schmale Spalten, die nicht durch den ganzen Knochen gehen, etwa wie der Sprung in einem Teller. Sie werden am häufigsten am Fesselbein und ünterschenkel-bein des Pferdes beobachtet.
Im Jahre 1891 kamen in der preussiseben Armee Fissuren bei Pferden vor; am Fesselbein 9mal, am Unterschenkel -tinal, am Kronenbein 2mal, am Vorarm und Blienbogenbein je limil.
;i. Bei In l'ract iouen (Knickbrüche), wird durch Biegung, /.. B, eines langen Röhrenknochens, die Binde an der coneaven Seite eingeknickt, oder an der convexen durchrissen; sie bilden also unvoll­ständige Querbrüche und kommen ebenfalls nur an den elastischen Knochen jugendlicher Individuen vor.
Trennungen eines Knochens im Epiphysenknorpel, wodurch die Epiphyse von der Diaphyse abgelöst wird, heissen Epiphysen-lösungen und kommen entweder durch mechanische Einwirkungen an gesunden Knochen zu Stande (traumatische Epiphysen lösung), oder die Trennung wird durch Krankheitsprocesse am Knorpel, /.. B. in Folge von Osteomyelitis, vorbereitet bezw, allein hervorgerufen (spontane Epiph vsenlösung, S. ;?8ö). Der Vorgang steht also etwa zwischen Fmctur und Verrenkung.
Praktisch wichtiger als die besprochenen Unterscheidungen ist
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#9632;jltSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knooben.
die Trennung in suboutane und coniplicirte BvUobe. Als sub-outan bezeichnet man eine Fraotur, wobei die Brucbstelle mit der äusseren Luft nicht, ccumminicirt. Besteht dagegen eine Trennung in den die Fractur bedeckenden Weicbfcheilen und zugleich in der äusseren Haut, so da.ss den Infectionsstott'en von aussen ein Zutritt zur Bruch­stelle ermöglicht wird, so nennt man den Bruch einen complicirten. Die Verletzung der VVeichtheile kann von derselben Gewalt ausgehen, welche den Bruch veranlasste, z. B. von einem liut'schlag, oder aber die Stücke des zerbrochenen Knochens führen diese Trennung herbei. Der erste Fall liegt bei jeder Knocheuwunde vor; durchdringt eine solche die Tela ossea des Knochens, so spricht man wohl von einer „Dui'ehstoss u ngs f r a c t ti vquot;.
Die Diagnose stösst bei vollständigen Brüchen selten auf grössere Schwierigkeiten; bei Fracturen an den Gliedmassen fällt zunächst die abnorme Beweglichkeit und das Unvermögen auf, das Glied zu be­lasten. Die in der Regel nach allen Seiten vergrösserte Beweglich­keit, im Verein mit einer oft veränderten Stellung oder Haltung des Gliedes zeigt sich in den meisten Fällen geradezu als pathognomisch für den Knochenbruch. Bei Luxationen ändert sich zwar auch die Lage und Richtung der Gliedmasse oft, doch erscheint hier die Beweglich­keit nach der einen Richtung abnorm frei, nach der anderen da­gegen eingeschränkt. Ebenso zeigt sich das Glied bei passiven Bewegungen nach allen Seiten abnorm beweglich: bei Brüchen des Hufbeins, Beckens u. s. w. fehlt dieses Symptom allerdings. Hierzu gesellt sich die Crepitation, das Reiben der Bruchstücke an einan­der, welches sich sowohl durch das Gehör, wie auch beim Erfassen des Gliedes als ein hartes, knarrendes Geräusch zu erkennen giebt, am deutlichsten, wenn man den gebrochenen Knochen selbst erfasst. Dieses Symptom tritt allerdings nur bei vollständigen Brüchen her­vor und kann unter Umständen auch hier fehlen, namentlich, wenn die Fragmente sich von einander entfernt haben, oder Weichtheile zwischen dieselben gelagert sind; ebenso fehlt es oft bei älteren, be­reits in der Heilung begriffenen Brüchen. Durch Palpation lässt sich in der Regel eine Verschiebung der Bruchstücke feststellen. Diese .. 1) is locutionquot; kann zwar durch dieselbe Gewalt veranlasst sein, welche den Bruch hervorrief (primäre Dislocation), in der Regel aber entsteht sie durch die Wirkung der Muskeln, Sehnen und Fascien, indem die Bruchstücke dem Zuge derselben folgen, oder es ruft endlich die Schwere des Gliedes die Dislocation hervor (secun-
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Knoclienliriiclii
899
dare Dislocation). Hiernach gestaltet sicli auch die Dislocation verschieden^ Man unterscheidet:
1.nbsp; nbsp;Dislocatio ad axin, wenn die Axen der Bruchstücke einen Winkel bilden (Fig. lt;r)6), der zuweilen zu sehen, meist aber zu fühlen ist.
2.nbsp; nbsp;Dislocatio ad latus (Fig. 57), wenn die Bruchstücke seit­wärts an einander in der Richtung der Bruchllächen verschoben sind. Die Erkennung dieser Lageveränderung ist weniger leicht, macht sich indess bei oberflächlicher Lage des Knochens durch eine grössere Dicke
Fijr. 57.
Fiflf. .Vi.
Dislocatio ail axin.
Dislooatio Mil latus
des Gliedes an der Bruchstelle bemerkbar. Rücken die Knochenstücke
in seitlicher Richtung ganz von einander ab, so dass sie sich nicht mehr berühren, so spricht man von einer Disl. ad latus mit Diastase. Oft ist dieselbe verbunden:
3. mit Dislocatio ad longitudinem, wobei die Stücke in der Längsrichtung des Knochens an einander verschoben werden. Am meisten zeigt sich dieselbe an schrägen Brüchen der Röhrenknochen, indem die Elasticität der Muskeln, Sehnen und Bänder sowie die Contractionen der Muskeln einen Zug auf die Fragmente ausübt;)! (Disloc. ad long, cum contractione, Fig. 58); das Glied wird alsdann verkürzt. Oder die Bruchstücke entfernen sich von einander
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400
KniiiklioiU'ii der Knooheiii
(1). ad long, cum distruct iouc. Fig. 69), wobei die GHiedmasse oino Verlängerung erfuhrt. Zuweilen schieben sicli CnochenstUoke in einander (Einkeilung, Implantation). Audi kann Dislocatio ad uxiii mit ni.slor. ud longitudinem verbunden sein.
1. [faktisch wicbtig zeigf siob die Dislocatio ad peripheriam, welche in einer Drehung des einen oder anderen Knochenstückes um seine Lilngsiixe besteht. An den (iliedmassen kennzeichnet sich diese Verschiebung durch die veränderte Stellung (Pronation oder Supination) der unteren Abschnitte derselben, ein Umstand, der bei Anlegung des Verbandes nicht übersehen werden darf.
b%. 58.
Fig. 50
111'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;!#9632;
KpJ
Dislocatio ml lotiKltudlnem lt;'iiiii
cOMtriirtionc.
Dislocatio ad longitudinem ciim distractione.
Dislocationen trillt man natürlich niemals bei unvollständigen Brüchen, auch können sie bei vollständigen fehlen. Hier treten sie jedoch regelmässig ein und geben sich durch die veränderte Stellung des Gliedes schon dem Auge zu erkennen; bei oberflächlicher Lage des gebrochenen Knochens lässt sich die Dislocation auch fühlen, und führt hier leider oft zu Verletzungen der Weichtheile und der äusseren Haut, zur Bildung eines complicirfeii Bruches, dessen Fragmente oft direct sichtbar werden, so dass über die Gegenwart eines Bruches kein Zweifel besteht.
5. Zu diesen Symptomen gesellen sich Schmerz und Functions-störungen, welche an den Gliedmassen als Lahmheit, an den Wippen
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Knochen brik'he.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;401
als AtlionilK'scliwerdcn, im den Wirbeln in Gtestali von Lfthmungen hervoi'treten. Die mit dor Fractur verbundenen Verletzungen des Periosta und der Weichtheile bedingen vormdnnlicli den Schmerz; da­her pflegen auch Bewegungen, die mit Verschiebung der Fragmente verbunden sind, lebhafte Schmerzen hervorzurufen, ein umstand, der ebenfalls bei der Untei'suchung zu berücksichtigen Ist. Die Functions-störungen hängen theils von den Schmerzen ab, theils sind sie die directo Folge der gestörten Festigkeit der Knochen, z. B, an der Gliedmasse bei Belastung derselben; theils ruft der Bruch diese erst in weiterer Folge hervor, z. B. Lähmung beim Wirbelbruch durch Quetschung des Rückenmarkes.
Bei weitem schwieriger fällt die Diagnose der Incompleten Fractur. Fissuren geben sich indess durch die Ausbreitung der ScInnerz-hai'tigkeit bei der Bai pat ion in einer Linie von bestimmter Kichtung zu erkennen; am Fesselbein des Pferdes z. B. von der Mitte des vorderen oberen Gelenbrandes gegen das untere Ende dieses Knochens. Doch kann bei Fissuren der Schmerz fehlen, wie es namentlich bei intactem Periost, z. B, bei Fissuren an der Tibia der Fall zu sein pflegt.
Infractionen, welche hei Thieren nur selten vorkommen, lassen sich noch seltener bei Lebzeiten genauer nachweisen, in der Regel lassen sie sich aus den heftigen Schmerzen bei intacter Beschaffenheit der Weichtheile nur vermuthen.
Der Verlauf der Knochenbriiche gestaltet sich bei den kleineren Thieren im ganzen günstig, indem bei entsprechender Behandlung regelmiissig in 3—6 Wochen Heilung erzielt wird. Bald nach dem Auftreten des Bruches stellt sich durch Bluterguss aus den zerrissenen Gelassen Anschwellung ein, welche oft an den folgenden Tagen noch zunimmt, dann einige Tage unverändert bleibt, um sich alsdann langsam wieder zurückzubilden. Etwa 8 Tage nach der Verletzung erscheint die Anschwellung an der Bruchstelle hart und ist weniger schmerzhaft, nach etwa 8 Wochen bereits knochenhart, während die abnorme Beweglichkeit verschwunden ist. und nach einigen weiteren Tagen findet oft schon die Belastung der gebrochenen Gliedmasse statt. ein Zeichen, dass die Wiedervereinigung erreicht ist. Anders gestaltet sich das Verhältniss beim Pferde und Rinde. Vollständige Brüche der grösseren Röhrenknochen werden hier in der Hegel nicht geheilt und zwar aus dem einfachen Grunde, weil die Anlegung eines festen Verbandes bei diesen Thieren auf grosse, oft unüberwindliche Schwie-Molleru. FiieU. Allgomelne Ohüiirgle dir TbierUrzte. a. Anil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knoclien.
rigkeiten stösst und dann, weil Pferde weder im Stande sind an­dauernd zu liegen, noch aue.h mehrere Wochen hindurch unaus­gesetzt den gegenüberstehenden Fuss zu belasten. An letzterem stellt sich in Folge der andauernden Belastung Hut'beinsenkung und damit Unvermögen auf dem Fusse zu stehen ein; es entwickelt sich Decubitus, an dessen Folgen die Thiere bald zu Grunde gehen, wenn sie nicht früher getodtet werden. Dass aber auch bei Pferden unter günstigen umständen Brüche der verschiedenen Knochen der Gliedmassen heilen können, beweisen Beobachtungen, die in der Literatur mitgetheilt wurden. Die Wiedervereinigung verlangt jedoch eine Zeit von 6 bis 12 Wochen, während bei Vögeln dieser Vorgang selten mehr als 14 Tage in Anspruch nimmt.
Allerdings können auch bei kleinen Thieren der Heilung Schwierig­keiten entgegentreten. So gestaltet sich der Vorgang ungünstiger bei complicirten Practuren und Q-elenkbrttchen, d. h. wenn die von der Gelenkkapsel umschlossenen Theile des Knochens von der Trennung betroffen wurden.
Nachdem die Consolidation sich vollzogen, und das Glied wieder gebraucht werden kann, verliert sich auch der während der Un-thätigkeil in den Muskeln eingetretene Schwund sowie die Steifig-keit in den Gelenken, welche zum Theil Folge von Retractionen in Muskeln, Sehnen und namentlich in den Knpselbäiulern der Ge­lenke sind.
Heilungsvorgänge. Die Heilung der subeutanen Knochen­brüche erfolgt nach dem Vorbilde des normalen Knocheiiwachsthums, und ebenso wie die Heilung einer Wunde per prim, intentionem. Das aus den zerrissenen Gelassen zwischen die Knochenenden und in die getrennten Weichtheile ergossene Blut gerinnt alsbald. Dieses Blut sollte nach den ehemaligen Anschauungen (Hunter) die Grundlage für die Heilung abgeben, eine Annalnno, die indess nicht zutrifft. Der Bluterguss bildet stets etwas Uebertiüssiges, wenn auch unvermeid­liches. Das Blut zerfällt in den nächsten Tagen, und durch Resorption seiner Zerfallsproduote entsteht häutig leichtes Fieber (Bruchfieber), welches dem aseptischen Wundlieber zur Seite zu stellen ist. Auch kommen durch Resorption des Blutes wohl Anschwellungen in den regio-nären Lymphdrüsen vor, die in diesem Zustande auf dem Durch­schnitt oft rothbraun gefärbt erscheinen. An dem Ileilungsprocess hat das ergossene Blut jedoch keinen Antheil: dieser geht vielmehr von dem /.erbrochenen Knochen selbst aus, während die Wiederver-
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RnoohonbrQobs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 408
einiguug dor zernsseaen Weichtheile durcb Regenerationsvorgänge in denselben ZU Stande kommt. Lassen wir die letzteren, welche sich genau so, wie bei jeder Quetschung vollziehen, aus dem Auge, und richten wir unsere Aufmerksamkeit auf den gebrochenen Knochen, dessen Stücke wir uns in ihre früheren Lagen zurückgebracht denken. Schon am zweiten Tage macht sicli in dem benachbarten Periosfc eine starke Gefassinjection und in der Bildungs- oder Cambiumschicht des­selben Kerntheilung und leithafte Vermehrung der Zellen bemerkbar. Die zelligen Elemente wachsen zu grossen, mehrkernigen, rundlichen oder polyedrischen Formen heran, welche ganz und gar denen der Osteoblasten entsprechen. Diese scheiden zum Theil eine Grundsubstanz aus, bilden so osteoides Gewebe, welches unter Einlagerung von Kalk­salzen verknöchert, theils bilden sie zunächst ein dem embryonalen Knorpel analoges Gewebe, welches später gleichfalls verknöchert, so namentlich bei Thieren. Auch das Bindegewebe der Umgebung nimmt an den Heilungsvorgängen Antheil, indem es sich in osteoides Gewebe verwandelt und ebenfalls verknöchert. Auf diese Weise entsteht an der Aiisseniliiche des gebrochenen Knochens eine anfangs weichere, später durch Verknöcherung fest werdende Masse, Callus genannt. So lange derselbe weich ist, heisst; er auch wohl provisorischer, vollständig verknöchert ..definitiver' Callus. Diese Bezeichnungen entstammen der ehemaligen Vorstellung, dass der zuerst gebildete, provisorische Callus mit dem später entstehenden, definitiven nicht identisch sei. sondern diesem Platz machen müsse, d. h. von ihm verdrängt werde. Heute bedeutet „provisorischer und definitiver Callusquot; nur zwei Entwicklungsstadien derselben Froducte eines regenerativen Processes.
Während diese Vorgänge am Periost ablaufen, trägt auch das Kochenmark zur Vereinigung des gebrochenen Knochens bei. Das gelbe Knochenmark erwachsener Tluere verwandelt sich zunächst, unter starker Füllung seiner Blutgefässe in rothes Mark. Der Blutei'guss wird resorbirt, ebenso die zahlreichen Fettzellen des gelben Markes, und an ihre Stelle treten theils Leukocvten, theils durch Wucherung entstandene Markzellen; auch entwickeln sich Riesenzellen, welche die Rolle der Osteoblasten Übernehmen, d. h. eine bald homogene, bald streifige Grundsubstanz abscheiden, welche in kurzer Zeit verknöchert. Indem dieser Vorgang von der IVripherie des Markes zum Centrum desselben fortschreitet, entsteht, ein anfangs hohler, später jedoch solider Knochenzapfen, welcher die Markhöhle ausfüllt und zur festen Verbin­dung der Stücke wesentlich beiträgt. Während das Product der Periost-
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Krankheiton der Knochen.
wuohevung aperlostaler oder Penost-Callus*, der von dem um-liegenden Bindegewebe gebildete als parostaler (Julius be/eicbnet wird, nennt man diese vom Knoobenmark ge­
lieferte Masse den „endostalen, oder myelo-genen Callusquot;; derselbe entsteht also nach dem Voi'bilde der endoobondralen Knocbeuent-wickelung.
Die Tela ossea kann sich diesen regenera­tiven Vorgängen nicht so schnell anscbüessen; ihre Oberfläche bleibt an den Bruchstellen zu­nächst reactionslos, während sich sowohl vom Periost, wie auch von der Markhöhle aus Callus-massen über sie vorschieben. Von einigen
Callusblldung (sohematisoh).
quot; periostalei', b endostaler,
c [ntormddiäror Callas,
wurde der Corticalis sogar jede Betheiligung an dem Heilungsvorgange abgesprochen, doch kann
es keinem Zweifel unterliegen, dass sie. wenn auch erst später, in den Vorgang mit eingreift und nach dem Vor­bilde der Ostitis ossifleans eine Verbindungsmasse liefert, die wob] als „intermediärer Callusquot; bezeichnet wird.
Auf diese Weise werden also die Knochenstücke mich einiger Zeit wieder fest mit einander verbunden. Zwar zeigt sich der Umfang dos Knochens an der betreffenden Stelle noch vergrössert (Callustumor), allein auch diese Verdickung verliert sich allmiihlich, indem sowohl von den tiefsten Lagen de.s Periosts Gefässschlingen und Osteoklasten in die Oallusmassen bereinwaohsen, als auch im Innern derselben Mark-räume entstehen, die sieli allmählich vergrössern, wodurch mit der Zeit die nach vollständiger Heilung des Bruches überflüssig gewordenen Massen wieder beseitigt werden. Man nennt den Vorgang, der etwa mit der Narbeuretraction zu vergleichen wäre. Aplanation. Auch vom Mark geben Besorptionsvorgänge aus, so dass die Markhöhle wieder frei werden kann; zuweilen bleibt sie aber dauernd geschlossen. Nicht in Jedem Falle vollzieht sich dieser Vorgang in so voll­kommener Weise: bald tritt eine Verzögerung ein. bald fällt die Callus-bildung ganz aus, oder sie kommt erst auf Umwegen zu Stande. Bedingungen für diese regelmässige Heilung bilden:
1. Iluh ige Lage der Bruchstücke. Werden die Fragmente dauernd au einander bewegt, so wird eine feste Vereinigung derselben unmöglich, und es entsteht eine Pseudar thr o se, ein falsches Gelenk, oder aber ein sog. Callus fibrosus, d. h. es findet eine Neubildung von Bindegewebe statt, welches die Bruchstücke zwar mit
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Kiiiichenbrücho.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;406
einander verbindet, aber dauernd im Stadium des provisorischen Callus verlian-t, UippenbrUche licilen duller fast immer mit Bildung eines Callus flbrosus.
2. Die Lage der Fragmente an einander. Die Diastase darf nicht zu gross sein; auch dürfen nicht Wekdil heile zwischen den Bruchenden liegen (Interposition). In solchen Fällen kommt es ebenfalls zur Bildung eines Callus Jibrosus,
:gt;. Aseptischer Verlauf des Processes. Sobald infectiöse Entzündungen an der Bruchstelle auftreten, wird der beschriebene Heilungsvorgang gestört, weshalb complicirte Brüche bei weitem lang­samer heilen. Wenn eine Infection, z. B. mit Eiterkokken erfolgt, linden die Mikroorganismen in dem an der Bruchstelle ergossenen lilut einen günstigen Nährboden, auf dein sie sich schnell entwickeln und unter Umständen schwere entzündliche Processe mit bedenklichen Folgen veranlassen, zumal die verletzten und offen stehenden Gofässe der Tela ossea und des Knochenmarkes thrombosirt sind, und durch Zersetzung der Thromben leicht Cyämie und Septikämie entsteht. Ist diese Gefahr überwunden, so tritt an Stelle der Callusbildung am Periost und Knochenmark Eiterung ein, und es entsteht eine Periostitis und Osteomyelitis suppurativa. Dadurch komnit der Knochen in Ge­fahr zu nekrotisiren; an gewissen Abschnitten desselben findet dies sogar regelmässig statt. Die Sequester müssen nach erfolgter Dis­section entfernt werden, worauf die Granulationsmasseii, welche den Callus bilden und die Bruchstücke verbinden, verknöchern. Darüber vergeht alicr eine längere, im allgemeinen die doppelte Zeit. Auch sind diese Vorgänge häufig mit Nekrose von Weichtheilen, mit Eiter­versenkungen und anderen, noch bedenklicheren Folgen verbunden.
#9632;1. Eine Verzögerung oder mangelhafte Callusbildung beobachtet man ferner bei Thieren, die an Osteomalacie oder Rhachitis leiden; auch macht dieselbe während der Trächtigkeit oft nur langsame Fortschritte. Endlich kann die Callusbildung sich verzögern, oder an einzelneu Knochenstücken ganz ausfallen, wie es z. B. bei intracapsulilren Practuren der Fall ist. Das abgebrochene Stück eines Gelenkkopfes oder einer Gelenkpfanne ist in der Regel von jeder Blutzufuhr abge­schnitten . kann also auch schwerlich produetiv auftreten. Dasselbe gilt von Knochen, die wenig Periost besitzen, z. B. die Kniescheibe; ihnen fehlt die Hauptmatrix für die Callusbildung, damit der wichtigste Heilungsvorgang; auch hier bildet sich ein Callus flbrosus.
U ehe rm ässige Bildung von Callus (C. luxurians) be­obachtet man bei erheblicher Dislocatio ad longitudinem cum con-
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406nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Knooluni.
tractiono, bei t'iilsclior Liilt;j[e einzelnor Fragmonts (Dift'orm itilt des Callus), sodann bei mangelnder Ruhe der an einander liegenden Bruch-sttioke; wir sehen Callus luxurians dalier namentlioh bei grösseren Thieren auftreten und die Arbeitsfähigkeit derselben mehr oder weniger
stören.
Prognose. Die Prognose gestaltet sich bei den Knocheuhriiehen. wie bereits oben angedeutet, verschieden; sie richtet sich insbesondere:
1.nbsp; nbsp;Nach der T hier art. Während bei Vögeln alle subeutanen Brüche in S—II Tagen heilen, kommt bei Fleischfressern und den kleineren Wiederkäuern (Schaf und Ziegel sowie beim Schwein die Heilung eines subeutanen Bruches durchschnittlich in 8—I Wochen regelmässig zu Stande. Weniger leicht erfolgt die Heilung beim Kinde. und auf die grössten Schwierigkeiten stösst sie beim Pferde, einmal weil die Anlegung eines festen Verbandes in der Hegel hier nicht ge­lingt, dann aber auch, weil dein Thierc das andauernde Liegen ebenso unmöglich ist, wie andauerndes Stehen (S. 401). Von 37 Brüchen an den Gliedmassen der Pferde wurden nach den Berichten der Armee-Veterinäre geheilt: 23 am Fessolbein, 1 am Kronenbein, 3 am Unterschenkel, 1 am Huf bein, 1 am Schulterblatt, 1 am Armbein, 1 am Oberschenkel und je 1 an der Kniescheibe und den Sesam­beinen. Bei Kälbern und Fohlen erfolgt die Heilung leichter als bei älteren Thieren, wie überhaupt die Kegenerationsprocesso bei jungen, in der Entwickelung begriffenen Thieren selbstverständlich leichter und günstiger ablaufen, weil sich sowohl das i'eriost, wie auch das Markgewebe noch in physiologischer Thätigkeit befinden.
Besondere Vorsicht gebietet die Prognose bei schlachtharen Thieren; man vergesse nicht, dass dieselben während des Heilungs-processes in ihrer Ernährung erheblich zurückgehen.
2.nbsp; nbsp;Nach dem Sitze des Knochenbruches. Es liegt auf der Hand, dass z. B. der Bruch eines Nasenbeines nicht die Gefahr ein-schliesst, wie ein Bruch des Oberschenkelbeins; doch vergesse man nicht, dass auch an ersteren Bruch sich Gefahren knüpfen können, v.. B. beim Pferde durch starke Schwellung der Nasenschleimhaut die Gefahr der Brstiekung. Der Speciellen Chirurgie muss es überlassen bleiben bezüglich der einzelnen Knochen auf das Nähere einzugehen.
3.nbsp; nbsp;Nach der Form und Beschaffenheit des Bruches. Subcutane Brüche sind bei weitem günstiger zu heurtheilen als compli-cirfce; auch verläuft eine Fissur in der Kegel günstiger als ein com­pleter Bruch. Im allgemeinen heilen Fracturen in der Diaphyse besser
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Knoohenbrttohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 107
als in den Epiphysenj durch reichliciie Callusbüdung an letzteren kann die Bewegung des Gelenkes gestört werden. Querbrüche zeigen sich günstiger als schiefe, weil die Retention derselben erleichtert wird; eine Fractufii simplex heilt leichter als eine Fractura connninutiva. Kleine Knochensplitter können zwar rcsorbirt werden, grössere, iiiinientlich wenn sie mit dem Periost in Verbindung geblieben, anheilen, andern­falls aber worden sie der Heilung leicht hinderlieh.
Ablösungen der Epiphysen heilen langsam und schwer, meist mit Verkürzung des Knochens.
4. Bei der Prognose ist ferner zu berücksichtigen, ob die Repo­sition und Retention der Fractur regehniissig zu bewirken ist. Ge­lingt diese vollständig, so ist meist Heilung zu erwarten, andernfalls ist auf solche nicht zu rechnen, namentlich bei unruhigen Thieren.
6, Endlich kommt, die Dauer des Bestehens und das Auftreten von Complicntionen in Betracht. Bei älteren, bereits in der Heilung begriffenen Brüchen lässt sich nicht mehr viel leisten. Unter Umständen mag es bei schlecht verheilten Brüchen kleiner Thiere gelingen. den Knochen von neuem zu brechen und eine vortheiihaftere Heilung zu erzielen; meist stosst man hierbei jedoch auf erhebliche Schwierig­keiten, namentlich auch seitens des Besitzers. Schwere fieberhafte Erkrankung trübt die Aussicht auf Heilung in hohem Masse; ebenso erscheint die Prognose bei Thieren mit organischen Leiden (Osteo-malacie, Rhachitis) zweifelhaft. Während der Trächtigkeit muss man auf eine Verzögerung der Heilung gefasst sein.
Der Behandlung füllt bei subcutanen Fracturen zunächst die Aufgabe zu, den gebrochenen Knochen in seine normale Lage zurück­zubringen (Reposition oder Reduction) und in derselben zu er­halten (Retention), bis die Heilung erfolgt ist. Bei unvollständigen Brüchen (Fissuren und Infractionen) genügt in der Regel dem Thiere während des Heilungsprocesscs Ruhe zu geben; dagegen verlangen complicirte Fracturen noch besondere Massnahmen, die weiter unten besprochen werden sollen.
Da bei den meisten Brüchen an Röhrenknochen eine Dislocatio ad longitudinem besteht, so setzt die Reduction in der Regel eine ge­waltsame Verlängerung des Gliedes voraus, welche durch Zug an dem peripheren Abschnitte (Extension) ausgeführt wird, während am central en Theile ein Gegenzug (Contra ex tension) aus­geübt wird. Hierbei ist sowohl die Elasticität der Muskeln, Sehnen, Fascien und der übrigen Weichtheile. als auch die active Contraction
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.(OSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Krankheiten der Kaoohea,
dev Muskeln zu übcrwiiuli'ii. Die letztere lüs.st sicli allerdings duvch Narkose, bei Pferden zum Theil auoh durch die Bremse aussofaeidon; diese Mittel empfehlen sieh daher besonders da, wo die Reduction auf grössere Schwierigkeiten stösst. Die Narkose gewährt noch den Vbr-theil, dass sie dem Thiere Schmerzen erspart, und ein ruhiges Ver­halten desselben herbeiführt, wodurch sowohl diese Operation, wie auch die Application des Verbundes erleichtert wird. Bei Pferden empfehlen wir hierzu Chloroform, bei Hunden Morphium; für Pferde ist Mor­phium hier nicht angezeigt, weil die Thiere nach Anwendung des­selben in der Regel Unruhe zeigen. Hei grösseren Thieren wird häutig auch die Anlegung eines provisorischen Verbandes nothwendig, namentlich sobald dieselben zur Reposition des Bruches und Anlegung des definitiven Verbandes niedergelegt werden müssen; soweit mög­lich, sucht man letzteres jedoch zu umgehen.
In einer passenden Lage, eventuell am stehenden Thiere wird unter Anwendung der Extension und Contraextension die Reduction zu bewirken gesucht. Die Zugwirkung muss langsam und gleichmässig geschehen. Hei grösseren Thieren kann ein improvisirter Flasohen-zug (Rad) hierbei zweckmässige Verwendung linden; bei kleineren leisten die Arme von ein paar kräftigen Gehilfen diesen Dienst. Der Operateur sucht während der Extension durch Verschiebung der Bruchstücke die Reduction zu bewirken, wobei auf die Art der Ver­lagerung Rücksicht zu nehmen ist. Diese muss daher auf Grund genauer Palpation vorher festgestellt werden; zuweilen lassen sich unter Berücksichtigung der Anheftung der Muskulatur und des Sitzes des Bruches auf die Art der Dislocation Schlüsse ziehen, Erschwert wird die Reduction durch Einsehiebung von Knochensplittern oder Weichtheilen (Muskeln) zwischen die Bruchstücke, oder auch dadurch, dass der gebrochene Knochen nicht zu fassen oder zu tixiren ist: hierdurch wird z. H. bei Brüchen am lateralen Darmbeinwinkel die Reposition geradezu unmöglich. Zuweilen ist man darauf angewiesen, aus der Stellung des unteren Endes der GHiedmasse und deren Länge auf die zweckinässigste Art und Weise der Reduction Schlüsse zu ziehen. Man achte an den filiedinassen insbesondere auf die Rich­tung der Zehe und suche durch Rotation des Fussendes jede Dislocatio ad peripheriam zu beseitigen; andernfalls heilt der Bruch in einer falschen Stellung, wodurch erhebliche Gebrauchsstörungen veranlasst werden.
Zur Retention genügt beim Menschen unter Umständen eine zweckmässige Lagerung der Glieder, bei Thieren sind wir jedoch zu
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Knoobenbrttobe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4o(,(
diesem Zwecke auf ciiiun sorgfältig angelegten Verband angewiesen, welcher der Reduction sofort folgen muss; deshalb werden die hierzu erforderlichen Materialien vorher bereit gehalten.
Besteht der Bruch bereits 21 Stunden . und ist eine erhebliehe Schwellung nicht eingetreten, so kann alsbald der definitive Verband angelegt werden; im anderen Falle, oder wenn das Material /um di-linitiven Verband nicht zur Stelle ist, muss zunächst ein provisorischer Verband applicirt werden. Letzterer erscheint in der Kegel auch noth-n-endig, wenn das Thier zu transportiren ist, und zwar nni zu ver­meiden, dass durch die hierbei an dem gebrochenen Gliede unvermeid­lichen Bewegungen weitere Verletzungen der VVeichtheile und Perfo­ration der äusseren Haut verhütet werden.
Der provisorische Verband bestellt aus einfachen Binden, oder in Umwickolung der gebrochenen Stelle mit Tüchern. Säcken oder Stroh. Um eine griissere Festigkeit zu erzielen, legt man auf diese Materialien Schienen (ein paar Stöcke oder Bretter), welche mit: Bindfaden oder Stricken befestigt werden. Der Transport grösserer Thiere mit Brüchen an den Gliedmassen erfolgt am besten im Liegen auf einem Schlitten, einer Thür oder Leiter, welche als Schleife benutzt werden. Auch nach Abnahme der Hinterräder lassen sich grössere Thiere auf einen Wagen schleifen: kleinere Thiere werden am besten im Korbe getragen.
Sofern nicht starke Schwellung eingetreten sein sollte, legen wir bei kleineren Thieren (Hunden) alsbald den definitiven Verband an. Zuweilen wird man allerdings gezwungen, wegen der mit zuneh­mender Schwellung verbundenen Schmerzen oder wegen Einschnürung des Verbandes, diesen an den folgenden Tagen zu wechseln; in den meisten Fällen tritt jedoch bei Hunden diese Xothwendigkeit nicht ein. Die Anlegung einer Unterbinde ist bei diesen Thieren eben­falls nicht erforderlich: dagegen umhülle man die Bruchstelle mit einer Lage Watte und schreite, nachdem man sieb von der richtigen Stellung der Gliedmasse, d. b. von der vollständigen Reduction des Bruches überzeugt hat, zur Application des definitiven Verbandes. Hierzu eignen sich vornehmlich:
1. Gips oder Tripolith. Der Gips — schwefelsaures Calcium — frisch, leicht geglüht und trocken aufbewahrt, erstarrt innerhalb o-- I Minuten, nachdem er mit Wasser angefeuchtet ist, zu einer festen Masse. Am einfachsten wird der Gipsverband in der Weise angelegt, dass man '#9632;-gt;—5 m lange, 5—11) cm breite Gazebinden während des Aufrollens mit feinem Gipspulver bestreut, dann einige Zeit lang in
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#9632;p
410nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Krankheiten der Knochen.
warmes Wasser hält, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen, die Binde
leicht auspresst und nun ohne Falten zu bilden um das gebrochene Glied wickelt. Während der A.pplication der Binde lilsst man ein wenig Gipspulver auf die einzelnen Touren streuen und diese erforderlichen­falls anfeuchten, reber die letzte Binde wird noch etwas Gips gestreut und das Glied etwa 5 Minuten lang in seiner normalen Lage fixirt. —• Als Regel gilt, dass der Verband bis über die nächsten beiden Ge­lenke reichen muss, doch lässt sich dies nicht immer durchführen. Die beim Menschen übliche Unterbinde oder das Bestreichen der Haut mit Fett oder Vaseline halten wir für die mit dichtem Haar be­setzte Haut der Thiere nicht allein für überflüssig, sondern im Interesse der festen Lage des Verbandes nicht einmal für zweckmilssig. Sehr lange Haare werden natürlich vor Anlegung der Gipsbinden ab­geschoren.
An Stelle des Gipses ist neuerdings vielfach Tripolith, eine Mischung von Gips, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia. Kohle und Sand empfohlen worden, welche noch schneller erstarren und eine noch festere Masse geben soll, als der Gips; wir haben uns von diesen Vorzügen nicht überzeugen können. Dagegen scheint er den Vortheil zu gewähren, dass er in Folge längeren Aufbewahrens nicht so leidet wie Gips, der namentlich vor Einwirkung von Luft und Feuchtigkeit geschlitzt werden muss. Die früher üblichen Gips-giisse sind unpraktisch, da sie weniger leicht zu appliciren sind und eine geringere Haltbarkeit besitzen. Die Festigkeit des Gips­verbandes lässt sich durch Einlegen von Hanf zwischen die einzelnen Touren noch erheblich erhöhen (Beely), was bei grösseren Thieren unter Umständen wünschenswerth wird. Nach Anlegung des Ver­bandes gebe man dem Thiere möglichste Ruhe; grössere (Pferde und Binder) werden zweckmässig in einen Hangegurt gebracht. Die früher übliche, kühlende Behandlung ist nicht zu empfehlen, zumal wenn der Vorband bereits angelegt ist. Durch die Feuchtigkeit wird die Kpidermis macerirt, wodurch es später leicht zu Erosionen der Haut kommt. Auch beim Menschen ist man von dein Kühlen vor An­legung des Verbandes ganz und gar zurückgekommen und zieht hier zur Beseitigung der Geschwulst Friessnitz'sche Umschläge vor. Nach Anlegung des Gipsverbandes ist das Anfeuchten des Gliedes auf alle Fälle zu widerrathen.
Wurde der Verband am ersten Tage nach dem Auftreten der Fractur angelegt, so muss man sich 24 Stunden später von der Lage desselben und namentlich davon über zeugen, dass der-
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Kiioohenbriiclic.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 411
selbe in Folge der etwa aufgetretenen Schwellung das Glied nicht einschnürt. Man uclite bei dieser Revision auf den peri-pheren Abschnitt der Gliedmasse, und wenn sich hier eine stärkere Anschwellung bemerkbar macht, ist der Verband alsbald zu erneuern. Wir legen, um diesem Ereignisse entgegen zu treten, das untere, periphere Ende des Verbau des nur lose an, und wenn eine Einschnürung befürchtet wird, au dieser Stelle eine Lage Watte auf die Haut, um nöthigenfalls dm-ch Entfernung derselben die Blutcirculation wieder frei zu machen, und so der Erneuerung des Verbandes Überhoben zu sein. Besteht indess neben der An­schwellung Kälte und Gefühllosigkeit in dem eingeschnürten Abschnitte der Gliedmasse, so muss unter allen Umständen der Verband abge­nommen werden. Es ist wichtig, diese Revision etwa 24 Stunden nach Anlegung des Verbandes vorzunehmen, weil innerhalb dieser Zeit die etwa auftretende Einschnürung keine bedenklichen Folgen nach sich zieht, nach dieser Zeit aber nur selten noch eintritt. Im übrigen em­pfiehlt sich, den Besitzer oder Wärter auf das Erscheinen der An­schwellung an diesem Abschnitte der Gliedmasse aufmerksam zu inachen und eventuell Benachrichtigung zu verlangen. Bei ganz frischen Fracturen lege man den Verband überhaupt nicht mehr fest an; be­findet sich die Bruchstelle bereits in der Abschwellung, so muss der Verband fester angezogen werden.
2.nbsp; nbsp;Kleisterverbände finden nur noch in Ermangelung eines anderen Materials Verwendung; sie erhalten zu langsam und sind da­her namentlich bei Thieren wenig brauchbar. Dagegen können bei kleineren Thieren, namentlich Vögeln
3.nbsp; nbsp;Wasserglasverbände empfohlen werden. Das kiesel­saure Natron bildet eine zähe, klare, farblose Flüssigkeit, welche an der Luft Kohlensäure aufnimmt und durch Ausscheidung von Kiesel­säure erhärtet. Man legt eine Gazebinde um die gebrochene Gliedmasse und bestreicht diese wiederholt mittelst eines Pinsels mit Wasserglas. Der Wasserglasverband hat den Vortheil, dass er elastisch, leicht und doch fest und dauerhaft ist, also weniger spröde als Gips; daher bröckelt er nicht SO leicht. Bei langsamer Erstarrung kann ein Gips­verband über denselben gelegt und nachher wieder abgenommen werden. Ein Nachtheil des Wasserglasverbandes besteht darin, dass er zu langsam erhärtet; es dauert dies unter Umständen mehrere Stunden. Durch Zusatz von Magnesit (Magnesia carbonica) kann das Erstarren indess beschleunigt werden; man setzt dem Wasserglas unter beständigem Umrühren so viel Magnesit zu, bis ein gleich-
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Krniikhi'iU'ii dor Knochi'ii.
massiger, rahmarfcigor Brei entstellt, mit dem man laquo;lie Binden (riinkcii oder bestreichen liisst.
t. Guttapercha. Bei kleinen Thieren (Vögeln) lassen sich auch aus Guttapercha oder Huflederkitt leicht Verbände herstellen. Eine
etwa 2—3 nun dicke Platte Guttapercha wird in warmem Wasser auf­geweicht, um die Bruchstelle gelegt und mit einem Faden umwickelt. Der Verband ist leicht, passt sich der Gliedmasse gut an, und liegt daher fest und doch bequem.
5, Harzverhände. Bei grösseren Thieren lassen sich die be­schriebenen Verbände vielfach nicht genügend befestigen, namentlich an den oberen Abschnitten der Qliedmassen, wo sie leicht nach unten gleiten. Aus diesem Grunde wird in der Veterinär-Praxis von II ar/.verhändeu wohl Gebrauch gemacht. Ein starker Leinwand- oder Lederlappen, oder eine leinene Binde wird mit einer Mischung von - Thln. Harz und
1nbsp; Thl. Wachs (Stolz), oder mit einer solchen von 5 Thln. Guttapercha,
2nbsp; nbsp;Thln. Schmalz und l'i Thl. Harz (Fricker) bestrichen, und im angewärmten Zustande angelegt. Im Nothfalle kann Pech oder Tischler­leim hierzu benutzt werden, doch hüte man sich bei Anwendung der­selben Verbrennung der .Haut zu veranlassen. In Folge der Verklebung der Masse mit den Haaren wird das Gleiten des Verbandes verhindert, dem durch Schienen nütliigenfalls eine grössere Festigkeit verliehen werden kann.
(i. Der Schienen verband besteht in der Anlegung fester, aus Holz oder Eisen, bei kleineren Thieren aus Pappdeckel, bei Vögeln aus einem Kartenblatt bestehenden Schienen, die mit Hülfe von Binden, Bindfaden oder Stricken befestigt werden. Selbstverständlich darf man diese harten Gegenstände nicht, unmittelbar auf die äussere Haut, legen, sondern muss durch Unterlagen von Binden oder Watte nament­lich die Stellen zu schützen suchen, wo die äussere Haut unmittelbar dem Knochen aufliegt. Hs kommt darauf an, dass die Schienen der Ober­fläche dos Gliedes möglichst gleichmässig anliegen und an der Bruch­stelle jede Bewegung verhindern. Unter Umständen eignen sich hierzu die Beely'schen Hanfschienen, welche in der Weise hergestellt werden, dass man Hanfsträhnen von der Schiene entsprechender Länge in frisch bereiteten Ginsbrei taucht und mittelst Binden auf dem ye-brochenen Gliede befestigt. Nach dem Erhärten des Gipses kann die Schiene wenn erwünscht entfernt und von neuem applicirt werden.
Line wichtige Frage ist die: Wann soll der Verband abgenommen werden? Selbstverständlich wird dies nothwendig, sobald sich derselbe gelockert hat, schlecht liegt oder einschnürt. In der Kegel erkennt
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BLnoobenbrliobe^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.113
miui dies schon aus dum Verhalten des Patienten, uns der Neiauna den Verband zu entfernen. Einen weiteren (raquo;rund zur Abnahme dos Verbandes bildet die erfolgte Beilung, welche man am sicherten aus der Wiederkehr der Belastung des Fusses erkennt,; sobald die Gliedmasse zum Stützen der Körperlast wieder Anwendung findet, steht der Abnahme des Verbandes nichts mehr im Wege. Bei öips-nnd Tripolithverbänden benutzt mau hierzu mit Vortheil die sog. Gips-sohere; in Ermangelung einer solchen verdünne man den Verband mit llüli'e eines Messers (Kinnmosser) von aussen, bis der Kesl mit einer kräftigen Schere durchschnitten werden kann. Sobald sieb der Ver­band gelöst hat, gehe man mit der geschlossenen Schere unter den­selben und trenne von oben nach unten die Ilaare von demselben ab. Auf diese Weise gelingt die Abnahme ohne erhebliche Schmerzen für den Patienten. Hierauf prüft man durch Drehbewegungen des Gliedes, ob die Verwachsung vollendet ist. Auch wenn diese erfolgt war, zeigen die Tbiere in der Regel zunächst noch Lahmheit auf dem betreffen­den Fusse, welche eine Folge der Muskelatrophie sowie der Retractionen in den Seimen, Fascien und Bändern, namentlich der Gelenkkapseln bildet, aber in kurzer Zeit bei leichter Bewegung sieb verliert.
Bei öelenkbrüchen können passive Bewegungen und Massage nützlieb werden; man beginne damit bei kleinen Tbieren nicht zu spät, womöglich schon in der zweiten Woche, und construire zu diesem Zwecke einen beweglichen Verband (Schienen), um diese Be­handlung öfter wiederholen zu können. Audi nach Entfernung des
Verbandes kann die Massa
quot;oquot;
fortgesetzt, werden.
Behandlung complicirter Fracturen. Das Bedenkliche der complicirten Brüche liegt in der Infection (S. 40.quot;)), dalier kommt es bei der Behandlung derselben in erster Linie darauf an, diese zu ver­hindern. Bei frischen, d. h. erst wenige Stunden alten Brüelien mit geringfügigen Verletzungen der VVeicbtbeile und äusseren Haut gelingt es wohl durch strenge Antiseptik die Entzündung und Eiterung fern zu halten, und so den Bruch in derselben Weise zur Heilung zu bringen wie subcutane Brüche; dies muss daher stets versucht werden, wo Aussicht auf Erfolg bestellt. Man desinlicire die Wunde nach den allgemeinen Hegeln mit den besten der zu Gebote stehenden Mittel und unter Anwendung grösster Strenge. Meisl ist schon beim Auf­treten des Bruches eine Infection der Wunde erfolgt, und in der regel-milssig mit Quetschung verbundenen Wunde bieten das ergossene Blut sowie die abgestorbenen Gewebe einen überaus günstigen Nährboden
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Krankheiten der Kuooheni
i'ür die Entwiokelung von pathogenen Mikroorganismen) rmmcntlich von Eiterkokken. Daher empfiehlt sich andauerndes Ausspülen mit iiiitistgt;|i-tisohen Mitteln, um zugleich mit raquo;k'ii [nfectionsstoffen das Blut nach Möglichkeit zu entfernen. Dabei untersucht man die Wunde und den Bruch genauer, entfernt etwa vollständig losgetrennte Knochenstücko und Oewebstrttmmer und legt sodann einen antiseptisclien Occlusiv-verbaml nn, erforderlichenfiills unter Anwendung von Drains.
Nacii möglichst sorgfältiger Reduction wird ein Gipslaquo; oder ein beweglicher Scbieiieuverband angelegt. Tritt hierauf kein Fieber ein, und bleiben die Schmerzen massig, so kann der Verband 8—10 Tage liegen bleiben. Durch tägliche Messungen der Temperatur muss der Zustand des Patienten allerdings controlirt werden. Beim Verband­wechsel werden die Drains, sofern sie überflüssig erscheinen, fortgelassen, das vorhandene Wumlsccret entfernt, dann ein neuer Oeclusivverband angelegt, wobei natürlich Rücksicht auf die Beschaffenheit der Wunde zu nehmen ist.
Sofern in einer kleinen Wunde die Weichtheile nicht erheblieh verletzt sind, eine grössere Menge Wundsecret also nicht ZU erwarten steht, kann auch bei complicirten Knochenbrüchen event, von vornherein ein Gipsverband angelegt werden, den man zwcckmiissig an der ver­letzten Stelle mit einer Oeffnung (Fenster) versieht. Um diese Stelle zur Herstellung des Fensters leichter wiederzufinden, legt man auf die Wunde einen Watte- oder Jutebausch, und nachdem der Verband fertig ist. liisst sich beim Klopfen auf denselben die Stelle ermitteln, wo die Watte liegt, liier schneidet man mit einem scharfen Messer ein Stück aus dem Verbände, um die Wunde freizulegen, deren Behandlung nun in der gewöhnlichen Weise erfolgen muss. Es kommt über kurz oder lang zur Bildung von Granulationen, welche schnell verknöchern, doch dauert die Heilung stets längere Zeit als bei subcutanen Fractnren.
Tritt Filterung ein, so schwindet damit nicht nur die Aussicht auf baldige Heilung, sondern es wächst auch die Lebensgefahr, In solchem Falle kommt, alles darauf an, durch möglichste Reinhaltung der Wunde und Vermeidung von Eiterretentionen sowohl eine allge­meine infection il'vilmie u. s. w.), als auch Eiterversenknngen (l'hleg-mone 11. s. w.) ZU verhüten. Die Wunde muss daher täglich unter­sucht und mit Desinflcientien ausgespült werden. Abscesse werden gespalten, man macht Gegenöffnungen und legt Drains an. Nach einiger Zeit lösen sich uekrotische Knochenstücke los, die man ent­fernt. Mit Rücksicht hierauf muss die Wunde öfter untersucht werden, denn ein in derselben zurückgebliebener Sequester liisst die Granulation
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Knoohenbrüohe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -t 15
und Eitening und damit auch die Heilung nicht zum Ahschluss kommen. Abmihmo der Eiterung und Anschwellung bilden daher auch liier gtinetige Zeichen.
Bei complicirten Brüchen, die mit Zertrümmerung des Knochens verbunden sind, wie sie bei Hunden in Folge von Ueberl'ahren beob­achtet werden, stösst die Heilung auf noch grössere Schwierigkeiten. Zuweilen sind selbst die Blutgefiisso des Schenkels an der Bruchstelle zerquetscht, so dass das untere Ende der Gliedmasse nicht nur ge­fühllos, sondern auch kühl erscheint, und auf Einschnitte in die Weich-theile keine Blutung mehr erfolgt. In solchem Falle erscheint die Möglichkeit der Heilung ausgeschlossen, und das Leben des Thieres kann nur durch Amputation des Gliedes erhalten werden. Je früher diese Operation vorgenommen wird, um so günstiger die Aussicht auf den erwünschten Ausgang.
Verletzungen der Blutgeliisse können ferner zu erheblichen, ja selbst tödtlichen Blutungen führen, z. B. bei Beckenbrüchen durch das eirunde Loch; Verletzungen der Nerven erzeugen Lähmungen oder heftige Schmerzen, nicht selten auch Krämpfe, Erscheinungen, welche sowohl bei der Prognose, wie auch Therapie der Fracturen Beachtung verdienen.
Verzögert sich bei subeutanen Brüchen die Callusbildung, so suche man zunächst nach der Ursache ihres Ausfalls und beseitige sie. Dasselbe gilt von der Bildung einer l'seudarthrose. Waren die Bruch­stücke nicht gehörig in Berührung gebracht, so sorge man dafür, dass dies geschieht, sofern es möglich ist. Zuweilen scheint eine mangel­hafte Reaction an den Bruchflächen die Ursache zu sein; hier führt ein einmaliges kräftiges Reiben der Bruchstücke an einander oft noch zum Ziele; nöthigenfalls lässt man dies wiederholen und die Bruch­stelle massiren. Auch werden Injectionen von Jodtinctur, Milchsäure, Alkohol u. s. w. hierbei empfohlen. Dammann injicirte beim Pferde an der Hinterfessel Milchsäure mit Wasser zu gleichen Theilen und erzielte damit Erfolg. Ferner würde (bis Glüheisen in Anwendung kommen können. Die innerliche Behandlung mit Phosphor, Arsenik u. s. w. hat beim Menschen keinen erheblichen Nutzen gehabt und dürfte daher auch bei Thioren wenig Erfolg versprechen, im Nothfalle imless zu versuchen sein. Beim Menschen ist das tägliche Anlegen eines massig fest angezogenen Gummischlauches oberhalb der Bruchstelle an den Gliedmassen ein gutes Mittel, um den Callus zu consolidiren. Die dadurch je ' i — ljt Stunde bedingte venöse Stase führt zur schnelleren Festigung des Callus. Bei Hunden habe ich (F.) vortheilhaften Gebrauch davon gemacht.
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XII. Geschwülste. Tumoren.
Obgleicli die Geschwülste in der Veterinär-Chirurgie nicht, die Holle spielen wie beim Menschen, so bleiben sie doch nicht nur wissen­schaftlich in hohem Masse interessant, sondern auch für die Praxis wichtig genug, um hier eingehend besprochen zu werden. Es erscheint das um so mehr erwünscht, als diese Fragen eine genauere Berück­sichtigung bisher nur selten gefunden haben. Die Arbeiten Virchow's, Lllcke's, Waldeyer's, Cohnheim's u. A. haben zwar eine wissen­schaftliche Grundlage geschahen, die zugleich für die Geschwülste bei Thieren massgebend geworden ist. allein noch viele Punkte bedürfen auf diesem Gebiete der näheren Aufklärung. Was aber vor allem in der Veterinär-Chirurgie fehlt, ist eine genaue Statistik der Geschwülste, welche nicht nur ein theoretisches, sondern zugleich ein in hohem Grade praktisches Interesse besitzt.
Definition. Die Definition des Wortes ..Geschwulst'' stösst auf Schwierigkeiten, welche wohl kaum eher überwunden werden dürften, als bis wir über die Aefiologie dieser Gruppe von Neu­bildungen genauer unterrichtet sein werden, (,'ornil und Uanvier erklärten als „Geschwulstquot; Jede Neubildung, welche die Tendenz hat zu bleiben und zu wuchern. Nach Lücke ist „Geschwulstquot; eine Volumenzunahme durch öewebsneubildung, welche keinen physio­logischen Abschluss erlangt. Cohnheim nannte Tumor eine Ge­schwulst, welche vom morphnlogisch-anatomischen Typus der Localitilt abweicht. Je nach dem Lehrbuch, welches man in die Hand nimmt. wechseln die Erklärungen des Begriffes .Geschwulst''. Die Verschie­denheit der Detinitionen beweist am besten, dass sich der Begriff Geschwulst bisher nicht scharf umgrenzen lässt, weshalb Virchow auch auf eine Definition verzichtete und die Anwendung der Bezeich-
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Bintheilung der Tumoren.
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nuug Geschwulst von praktisoben Gesichtspunkten geleitet wissen will. Im allgemeinen kennzeichnen sich die Geschwülste als Anschwel­lungen, denen die Ciirdinalsyinptome der Eintüündung fehlen, die aber eine gewisse Selbständigkeit bekunden, indem sie ein abgeschlos­senes Ganze bilden, eine selbständige Einrichtung besitzen, in der Hegel unaufhaltsam weiter wachsen und nicht selten dem Organismus gefährlich werden. Die Mehrzahl erscheinen als rundliche oder knotige Bildungen mit oft unebener Oberfläche, die im Gegensatz zu den entzündlichen Anschwellungen meist deutlich be­grenzt erscheinen. Auch durch ihre Oonsistenz beben sie sich von der Umgebung mehr oder wenig deutlich ab und treten oft in grösserer Zahl sowie an mehreren Stellen des Körpers auf.
Eintheilung. Die Geschwülste sind von den einzelnen Autoren nach verschiedenen Gesichtspunkten eingetheilt; allen Eintheilungen eigen ist, dass sie den anatomischen Bau der Geschwülste für die Be­nennung heranziehen, während ihre Gruppirung nach ganz willkür­lichen Momenten erfolgt ist und meist den Charakter des Gezwungenen au sich trägt. Wenn wir lediglich dir anatomische Beschaffenheit zu Grunde legen, so ergieht sich folgende Eintheilung:
I.nbsp; nbsp;'rumoren, die vornehmlich nach dem Typus der Bindegewebs-subsianzen aufgebaut sind (Desmoide Waldevor's). Dazu gehören: Fibrome, Mvxome, Chondrome, Osteome, Lipome, Gliome, Lymphome, Sarkome und das Bndotheliom oder der En do­th el krebs.
II.nbsp; nbsp;Gesehwülste nach dem Typus des Muskelgewebes; Myome.
III.nbsp; nbsp;Geschwülste vom Typus des Nervengewebes: Neurome. Diese drei Gruppen umfassen die histioiden Geschwülste Virchow's.
IV.nbsp; nbsp; Geschwülste vom Typus des Epithelgewebes (epitheliale G e wachse VV aldeyer's). Zu diesen zählen: l'apillome, Adeuome und Carcinome.
V.nbsp; nbsp; Geschwülste, deren Aufbau mehr einem Organ entspricht (teratoide Gewächse, Teratome Virchow's), d. h. solche, die z. B. aus Haut. Haaren. Zähnen, Knochen oder Gehirnsubstanz be­stehen. Dahin gehören die Dermoidcysten oder Kvstoiue. Als Anhang hierzu werden die Cysten Besprechung linden.
Nicht selten werden Geschwülste angetroffen, die aus einer Mischung verschiedener Gewebe bestehen und dann als „Mischge-schwülstequot; bezeichnet werden: so kennt man Pibrosarkome, Pibro-carcinome, Myxosarkome, Osteosarkome u. s. w,
Möller u. Krick, AUgoinelno Ohlrargie für ThierHrzts. 2, Ami.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
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#9632;118
GeBobwttlste. Tumoren!
\'()iii kliiiisclien Standpunkte unterscheidet man gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Tumoren. Gutartig nennt man diejenigen Qesobwulstformen) welohe zur grösseren Vei'breitung und Verallgemeinerung (Qeneralisation) im Körper nicht jene Nei­gung /eigen, die bei den bösartigen Geschwülsten mehr oder weniger ausgesprochen ist. Dass diese Trennung eine hohe praktische Be­deutung hat, liegt auf der Hand. Während die malignen Geschwülste in der Regel nur so lange mit Erfolg behandelt werden können, als sie noch auf den Primärherd beschränkt und namentlich noch keine den operativen Eingriffen iin/.ngängiichen Metastasen eingetreten sind, lassen sich gutartige Tumoren in der liege! aucli in späterer Zeit noch heilen, sobald ihr Sitz, ihre Grosse und sonstige Beschaffenheit kein Ilinderniss für die Operation bietet, Aber jede an sich benigne Geschwulst kann unter besonderen Umständen, z. B. durch ihren Sitz oder durch Zufall bösartig werden: es kann auch ein an sich gut­artiger Tumor im Gehirn oder am Kehlkopfe schnellen Tod des Thieres herbeiführen.
Ursachen. Die grösste Schwierigkeit für die wissenschaftliche Beurtheilung der Tumoren liegt in der Unkenntniss über die Ur­sachen derselben. Seit alter Zeit sind hierüber zahlreiche Hypo­thesen aufgestellt, ohne dass bis heute volle Klarheit erzielt wurde. Althergebracht ist die Trennung der Ursachen in indirecte oder prädisponirende und directe. Zu den ersteren gehören theils an­geborene, theils erworbene Anlagen für diese oder jene Geschwulst-bildung. Erfahrungsgemiiss entwickeln sich die Geschwülste mit Vor­liebe in Narbengewebe und an Stellen, welche chronischen mechani­schen oder chemischen Reizungen ausgesetzt sind. Manche Tumoren treten mit Vorliebe in jüngeren Jahren, andere im Alter auf; das erstere gilt von den Sarkomen, das letztere von den Krebsen. Das eine Organ bildet den Lieblingssitz für diese, das andere für jene Geschwulst; zuweilen gehen Tumoren auch wohl aus entzündlichen Erkrankungen hervor, #9632;/.. B. die sog. Schleimhautpolypen.
Am meisten überraschend wirkte der Umstand, dass bei einzelnen Geschwülsten Gewebselemente aufgefunden wurden, welche in dem Mutterboden nicht vorgebildet waren, z. B. Epithelzellen im Binde­gewebe. Zur Erklärung dieser Thatsache griff Gohnheim auf die Ent-wickelungsVorgänge des Individuums zurück und suchte die eigentliche Ursache der Geschwülste in einem Fehler der embryonalen Anlage. Durch Unregelmässigkeiten bei der Diiferenzirung der Keimblätter
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Ursaoheii lt;llt;'r Tumoren.
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sollen nach ihm zellige Elemente an eine falsche .Stelle gerathen und hier fortwuchern. Oh^leicli diese Hypothese nnuiche Thatsaehe leicht erklärt, wie z. B. die l'rildisposition gewisser Organe für bestimmte Geschwülste, die Vererbung der Anlage u. s. w., so fehlt es zur Zeit doch an Beweisgründen für die allgemeine Gültigkeit dieser Lehre. Kibbert hat diese Lehre Cohnheim's noch erweitert, indem er an­nimmt, dass nicht nur während des Fötallebens aherrirte Zellgruppen zur Entstehung von Geschwülsten Veranlassung geben, sondern dass auch Zellen und Zellgruppen, die im postfötalen Lehen tbeilweise oder ganz aus dem Zusammenhang gerathen sind, dies können. Die Ur­sache der Geschwülste darf wahrscheinlich nicht als eine einheil liehe aufgefasst werden. Dafür sprechen namentlich die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte, welche für verschiedene Bildungen, die früher zu den Geschwülsten gerechnet wurden, eine specilische Ursache aul­deckten. /.. B, für die Tuberkeln. Kotzknoten, Aktinomvkome, Hotryo-mykome. Damit inusste sich mehr und mehr die Ueberzeugung Hahn brechen, dass auch bei anderen Tumoren specilische Schädlichkeiten als Ursache wirken, ohne dass es jedoch bisher gelungen ist, solche ge­nauer festzustellen. Alle neueren Untersuchungen nach dieser Richtung (Binaghi, Sant'elice. Jürgens u, A.) haben zu keinem endgültigen Resultat geführt. Wenn auch die Anwesenheit von Sporozoen, Blasto-
myceten u. s. w. in Tm
sicher naebffewiesen ist. so fehlt immer
noch der Beweis für die ätiologische Bedeutung dieser Gebilde. Alle Impfungen mit Reinculturen dieses Parasiten haben entweder keine, oder doch sehr zweideutige Resultate geliefert. Die Auffassimg, dass den Tumoren eine speeifische Schädlichkeit zu Grunde liegt, findet noeb durch eine Reibe von klinischen und experimentellen Tbatsacben eine weitere Unterstützung und erklärt zugleich verschiedene Vorgänge in der Geschwnlstentwickelung, namentlich die Verbreitung der Ge­schwülste im Körper, welche sowohl durch active Fortbewegung oder Verschleppung der specitischen Substanzen im Parenchymsaft, als auch durch Contact, z. B. vom visceralen auf das parietale Blatt des Peri-toneums oder der Pleura, oder aber durch die Gefässe erfolgen dürfte. Ferner linden die beim Menschen wie bei Thieren wiederholt beob­achteten absicbtlicben oder auch zufälligen [Jebertragungen von Ge­schwülsten in dieser Annahme eine natürliche Frklärung (II ahn, v. Bergmann. Jürgens. Cornil u. A.l. Obwohl die Infectiosität der Geschwülste nicht einwandsfrei ist, da es sich bei den genannten üebertragungen um reine Gewebstransplantationen handeln kann. so muss der Chirurg diesen Grundsatz wenigstens für die malignen Tu-
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420nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (IcscliwiilsU'. Tumoren.
inoren zur Hiclitsclimir seines Handelns niuclicn und stets duhin trachten, derartige Keime bei der Behandlung von öesohwtilsten zu entfernen oder zu vernicliten.
Wesen und Verlauf. Alle 'rumoren bestehen wie die Organe des Körpers aus zelligen Elementen und Interoellularsubstanz, d, h. aus denjenigen Geweben, welche der Körper regelmässig entliiilt: die alte Anschauung, dass die 'rumoren etwas dem Körper Fremdes, Hetero­genes seien, ist also irrig, ihr Wachsthum erfolgt wie in physiologi­schen Geweben durch Zellenproliferation, bald schneller, bald lang­samer, und zwar entweder central, indem die vorhandenen Zellen sich vermehren oder indem neue Zellen zwischen die alten gelagert werden, Wachsthum per intussuscoptionem, oder aber peripher, d, b. es bilden sich in der Umgebung der Geschwulst neue Tumoren, welche schliesslich mit den alleren zusamtnenfliessen, so dass das Ganze ein Conglomerai von kleineren und grüsseren Knoten bildet ( Wachst hum per appositionem). Dieser letztere Entwickelungsvorgang erinnert an die Ausbreitung infectiöser Krankheiten, wie der Tuberkulose, des Rotzes u. s. \v.. und erklärt sieh leicht, wenn man annimmt, dass von dem ersten Knoten aus Seminien in die Nachbarschaft gelangen und hier zu dergleichen Bildung Veranlassung geben (accessorische Knoten). Dass dieser letztere Vorgang eine besondere Gefahr fin­den Organismus einschliesst, liegt auf der Hand, und er verdient in­sofern schon hier Beachtung, als gerade die bösartigen Tumoren diesen Entwickelungsmodus einzuschlagen pflegen und sieh auf diese Weise durch die Bildung von Metastasen auszeichnen. Die Verschleppung von Geschwulstkeimen kommt durch die Lymph- und Blutgefässe zu Stande. Mit Ausnahme des Knorpels hat man in allen Geweben des Körpers Metastasen von 'rumoren beobachtet. Von den Lvniphgefässen aus werden zunächst die regionären Lymphdrüsen häufig in Mitleiden­schaft gezogen, indem in ihnen neue Herde entstehen, die wiederum Ausgangspunkte weiterer Erkrankungen bilden. Gelangen die Keime in die Blutbahn, so können sie in die verschiedensten Organe verschleppt werden, und es erscheint natürlich, dass die Lunge hierbei eine be­vorzugte Rolle spielt, weil die Wand der venösen Gebisse von der wuchernden Geschwulst leichler durchsetzt wird als die stärkere Wand der Arterien; von den ersteren aber gelangen die Emboli regelmässig in die Lungen. Die Metastasen wachsen wie die 1'riiiiiirgeschwul.st un­aufhaltsam weiter, eine Eigenschaft, welche den normalen Geweben abgeht. Bringt man Bestandtheile normaler Gewehe, z, B, Knorpel-
lt;m
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Dißffnoss (ier Tiinioren.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;121
oder Epithelmassen In die Blufcbabn, so gehen sie, wie zahlreiche Versuche ergeben haben, bald unter; Partikel von Tumoren hierher verpflanzt wachsen dagegen oft fort und können zu ausgedehnten Neubildungen dergleichen Art führen, ein umstand, der gleichfalls für die Specifltftt der Bildung spricht. Auf dieser Neigung zur Meta-stasenbüdung und zur allgemeinen Ausbreitung im Körper (Generali­sation) beruht vor allem die Miiligaitiit, wie sie besonders den Carci-nomen und Sarkomen innewohnt. Mit dieser Ausbreitung verbinden sich allmählich Störungen in den Punctionen wichtiger Organe, welche schliesslich durch Entkräftung (Kach exie) langsam zum Tode führen. Unter umständen kann aber auch hierbei der Tod schnell ein­treten, indem die Function eines lebenswichtigen Organes (Gehirn) aufgehoben wird, oder endlich, indem sie zu I liiinorrliagien Veran­lassung geben.
Elbenso wie an normalen Geweben kommen auch an den Tu­moren anatomische Veränderungen vor, die auf den Verlauf meist nachtheilig, nur selten vortheilhaf't einwirken. Regressive Verände­rungen kommen häufig und am meisten bei /.ellreichen, stark wuchern­den Tumoren (Sarkomen, Cai'cinomen) vor in Form fettiger Degene­ration, schleimiger Erweichung und Cvstenbildung. Unter Umständen sterben in Folge solcher regressiven Frocesse, die meist Product einer mangelhaften Ernährung des neugebildeten Gewebes sind, grössere Stücke der Geschwulst ab. Da dies subeutan zu erfolgen pflegt, so können durch Resorption des todten Materials narbige Schrumpfungen am 'rumor entstehen (Krebsnabel bei Carcinomen). Andererseits können derartige nekrotische Materialien auch nach aussen entleert werden, und dann pflegen die entstandenen Def'ecte geschwürigen Charakter anzunehmen und durch Jaucheproduction den Körper zu entkräften oder durch Infection (Septikiunie) das Leben des Patienten zu bedrohen bezw. ZU vernichten. Die Bildung von Geschwüren mit ihren Folgen wird nicht selten durch Verletzung des Tumors veranlasst (('arcinome, Sarkome, Fibrome, Lipomel. Eine Metamorphose, welche nicht selten in Sarkomen gesehen wird, ist die Bildung von Knochen. Wir haben in Eutersarkomen bei Hunden verschiedentlich faustgrosse Knochen­herde gefunden. In Fibromen und Lipomen wird nicht selten eine Ablagerung von Kalksalzen beobachtet.
Diagnose. Die Frage, ob eine Geschwulst zu den malignen oder benignen gehört, klinisch zu entscheiden, erscheint von höchster Wichtigkeit, doch gelingt diese Trennung bei weitem nicht immer.
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(#9632;raquo;•sellwülsto. Tumoren.
#9632;
Allerdings giebt es eine Reihe von Anbaltspunkbon, die l)c'i Entschei­dung dieser Frage in Betracht kommen; dahin gehören;
1.nbsp; nbsp; Der Sitz der Primärerkrankung. Beim Menschen hat
man im Laufe der Zeit eine umfangreiche Statistik über das Vor­kommen der verschiedenen Geschwülste an den einzelnen Körper­organen und an bestimmten Stellen gewonnen. Diese sog. regionäre Geschwulstlehre ist bei Thieren erst in der Entstehung begriffen, doch lässt sich beute schon behaupten, duss dieselbe in vielen I'unkten mit den Beobachtungen beim Menschen -/usanimenfilllt. Nach den namentlich von Semmer, Johne. Plicque, Pröhner und Casper aufgestellten Statistiken ist anzunehmen, dass die 'rumoren beim Tbiere in dieser Hinsicht sich ähnlich verhalten wie beim Menschen: andererseits zeigt sich aber, dass diese Verhältnisse bei den Tbieren anders ausfallen können. Ks würde hier zu weit führen, auf diese Fragen näher einzugeben, doch sollen dieselben bei Bes|irecluing der einzelnen Tumoren Berücksichtigung finden, soweit sie ein chirur­gisches Interesse erlangt haben.
Wichtig bleibt ferner für die Diagnose das Gewebe, von welchem die Geschwulst ausgegangen ist. Entwickeln sich auch in reinem Bindegewebe unter Umständen Neubildungen, welcbe aus Epi-thelien besteben (z. B. Krebs), so gilt doch als Regel, dass Carcinome mit Vorliebe da auftreten, wo bereits Epitbelgewebe vorhanden ist, z. B. in der Haut, während von der rein bindegewebigen Snbcutis häufiger Geschwülste ausgeben, die ebenfalls aus Geweben aus der Reibe der Bindesubstanzen besteben tz. B. Fibrome, Sarkome). Natür­lich gilt dieses nur für die Primärgescbwulst, nicht für die Metastasen.
2,nbsp; nbsp;Das Lebensalter. Beim Menschen treten in jugendlichen Jahren vornehmlich Geschwülste aus der Reibe der Bindesubstanzen auf, während im höheren Alter die epitbelialen Neubildungen vorwiegen. Da nun die meisten Hausthiere ein höheres Lebensalter nicht erreichen. viele, z. B. Schweine schon in den ersten Lebensjahren geschlachtet werden, so erklärt sich, dass bei Thieren die krebsigen Neubildungen im ganzen seltener vorkommen als Sarkome. Hund und Pferd machen allerdings in diesem 1'unkte eine Ausnahme, indem sie zuweilen ein höheres Alter erreichen; bei ihnen werden auch Carcinome liäuliger angetroffen. Dass selbst während des Fötallebens sich bei Thieren Tumoren entwickeln können, beweisen die Beobachtungen von Görig und Klett. Görig fand generalisirte Sarkomatose bei einem neun Wochen alten Kalbe, während Klett in einem Hindsfötus ein Chondro-sarkoni feststellte.
•
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DiairnosQ dor Tinuorcn.
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3. Der Verlauf, iiiiincntJicli (Ho ScIukMI igkei t dos VVuclis-tlnuns sowie die Grosse der Geschwulst. In don bindegewebigeu Neubildungen (Sarkomen, Fibromen) liegen die Ernährungsverhältnisse in Folge der gut entwickelten Circulation und bei dein vorwiegend zeUigen Ihm günstig; deshalb wuchsen diese Gteschwillste in der Regel schnell und erreichen oft eine bedeutende Grosse. Langsamer geht das VVachsthuin in harten Fibromen, Lipomen, (quot;hondroinon, Osteomen von statten; am meisten verzögert, sich die Entwickelung der epithelialen Neubildungen (Oaroinome), Ais Regel kann man an­sehen, dass die Geschwülste um so schneller wachsen, je zellenreicher sie sind. Die kleinzelligen Sarkome werden aus diesem Grunde so sehr gefürchtet.
I. Die Beschaffenheit der Oberfläche. Wie bereits oben hervorgehoben, wachsen die malignen Tumoren durch Bildung von Secundärknoten in der Nachbarschaft, die sich unter allmählicher Vor-grösserung schliesslich mit dein Primärknoten verbinden. Hierdurch muss der 'rumor eine unebene, höckerige Oberfläche erlangen, während die durch centrales Wachsthum sich vergrössernden, benignen Neu­bildungen meist eine glatte Oberfläche beibehalten.
Lipome und Adenome /.eigen in der Regel einen lappigen Hau; grosshöckerig erscheint die Oberfläche der Ost (Mime und Fibrome, kleinhöckerig die der Enchondrome und Carcinome, während Har-kome längere Zeit ihre glatte Oberfläche bewahren und erst sehr spät höckerig werden.
5.nbsp; nbsp;Die Consistenz. Am härtesten erscheinen Osteome, doch können auch andere Geschwülste (Sarkome) durch Verknöcherung sehr hart werden. Elastisch hart sind ferner Chondrome. oft auch Fibrome und primäre Carcinome. Elastisch weich zeigen sieh Adenome, Lipome, weiche Fibrome und Cvsten mit dicken Wandungen: weich endlich Sarkome. Mvxonio, sowie die seeundären Carcinome und Metastasen anderer Geschwülste. Sarkome. Myxome und Lipome können in Folge ihrer Weichheit wohl Fluctuation vortäuschen (Pseudo-fluctuation).
6,nbsp; nbsp;Das Vor h ältniss der Geschwulst zu ihrer Umgebung. Bei centralem Wachsthum werden die nachbarlichen Gewebe und Organe bei Seite gedrängt und bilden häutig eine Kapsel um die Geschwulst , während die ilussere Haut emporgehoben wird, ohne mit der Geschwulst eine feste Vorbindung einzugehen. Bei peri-pherem Wachsthum, also bei malignen Geschwülsten wird die Um­gehung allmählich in den Kreis der Erkrankung gezogen
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(iesoliwiilste. Tin
mid ebenso die iiussere Haut, welche in Folge dessen bald mit dem 'rumor verwächst; eine Erscheinung, die ebenso verdächtig ist, wie die nicht scharfe Begrenzung der Geschwulst und das Auftreten von Secnndärknoten in ihrer Nachbarschaft,
7.nbsp; nbsp;Das Verhalten d er regi o n il re n Lymphdrüsen, Die gutartigen Neubildungen üben in der Regel auf die Lymphdrüsen keinen Binfluss aus, während maligne zu Anschwellungen (Secnndärknoten) in denselben führen. Das gilt in erster Linie von den Krebsen; bei dem nicht minder malignen Sarkom pflegen die Lymphdrüsen in der Regel intact zu bleiben. Selbstverständlich können Ulcerationen oder Verwundungen an benignen Geschwülsten ebenfalls Anschwellung der Lymphdrüsen und Lymphgefässe veranlassen,
8.nbsp; nbsp;Schmerzh af tigke i t gilt seit alter Zeit als Zeichen für die krebsige quot;Natur der Neubildung, doch fehlt: dieses Symptom bei unseren llaustlüeren häufig. Schmerzhaft auf Druckwirkung zeigen sich ferner die Neurome, während Sarkome im ganzen wenig empfind­lich sind.
Obgleich diese klinischen Anhaltspunkte einigermassen ein Urtheil über Malignität oder Benignität einer Geschwulst gestatten, so kommen doch Fehlschlüsse dabei nicht selten zu Stande, und das Endurtheil über den Charakter einer Geschwulst kann man meist erst nach Wür­digung ihres anatomisch-histologischen Baues fällen.
Ein Umstand, der beim Menschen für die klinische Diagnose ausserordentlich wichtig ist, kann leider bei unseren Hausthieren noch nicht berücksichtigt werden, nämlich die Statistik. Eine solche fehlt uns leider fast vollständig, nur folgende Angaben liegen bis jetzt vor. Semmer fand bei 3525 obducirten Thieren in 854 Fällen (10 0/o) Tumoren (Tuberkulose 149, Rotz '.'7, Carcinome 26, Sarkome 32, Aktinomykome 6, Melanome 6, Lipome tgt;, Myxome 4, Osteome und Exostosen 9, Fibrome 7, Adenome 3, Myome 2, Cysten 11, Papil-lome 10, Angiome 1, Neurom 1, Cholesteatom 1). Fröhner hat beim Mund unter 643 Tumoren festgestellt:
2ü2 Carcinome . 97 Fibrome . . . 65 Papillome 44 Sarkome . 39 Lipome 17 Scheidenpolypen l'i Schleimcysten .
= 10 0/o aller Tumoren. = 13 , „ = 10 , „
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Klinische Untersuohiuig und Bourthdilung der Tumoren.
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14nbsp; Striuuen .
0nbsp; Ranulae .
7nbsp; Atlieronui
4nbsp; Derinoiilc
2nbsp; Aniriome .
2,2 %nbsp; nbsp;aller Tumoren.
1 ..nbsp; nbsp; nbsp; ,
0,6 .,nbsp; nbsp; nbsp; ,
0.3 .nbsp; nbsp; nbsp; .,
Die von Caspar aufgestellte Statistik dw Gtasohwtllste lgt;ei Thiereu stützt sich in Folge strenger Sichtung auf ein nicht allzu umfangreiches Material und berücksichtigt alle bei Thiereu gefundenen Tumoren, so dass es leider für den Chirurgen nicht verwerthhar ist.
Klinische Untersuchung. Bei der Untersuchung
er Ge-
schwulst empfiehlt sich systematisch vorzugehen, etwa in folgender Weise:
Nachdem man sich durch Inspection Über den Sitz, die Qrösse, Abgrenzung, sowie über die Beschaffenheit der äusseren Maul im all­gemeinen orientirt hat, soll die Palpation über den Sitz, die Aus­dehnung, sowie Grosse, Form. Consistenz, über die Beschaffenheit der Obcrfliiche und Nachbarschaft der Geschwulst, ferner über den Zu­stand der regionären Lymphdrüsen und die Gegenwart von Secundär-knoten Auskunft geben.
Mau beachte ferner das Alter der Geschwulst, ihren Entwicke-lungsgang, ob sie langsam oder schnell entstanden, und endlich auch das Alter des Patienten.
Genauere Auskunft über die Zusammensetzung der Geschwulst vermag erst, wie oben bereits gesagt, die mikroskopische Untersuchung zu geben, und es kann sich unter Umständen empfehlen mit Messer oder Schere oder mit Hülfe einer Harpune Partikel der Geschwulst zu diesem Zwecke abzutragen. Im allgemeinen greift man jedoch nur selten zu diesem Verfahren, weil die Verletzung einer Ins dahin in-taoten Geschwulst bucht zu unangenehmen Ulcerationen fuhrt; bei bereits in Ulceration befindlichen gieht die Untersuchung aber hiiutig keinen sicheren Aufschluss, weil die entzündlichen Processe Verände­rungen in dem Gewebe des Tumors hervorgerufen haben, und weil man bei Anwendung der Harpune niemals weiss, ob man auch gerade Theile des specitischeu Tumors und nicht etwa unschuldige Gewebe der Geschwulst erhält.
Bei der Beurtheilung der Geschwülste kommt in erster Linie in Betracht, ob Nachtheile aus der Gegenwart des Tumors für das
.
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(ii'schwülstc. Tumorsiii
betroffonde Thier zu erwarten sind, und ob die Geschwulst vollständig zu entfernen ist, Sierbei spielt allerdings die Natur der Neubildung eine Hauptrolle1, suilanu ihr Sitz, ihre Grosse, Abgrenzung, Ausbrei­tung, sowie der Charakter der Geschwulst [ob maligner, oder benigner). In der ttesrel sind sohnoll wachsende Tumoren vorsichtio zu beurtheilen.
Behandlung. Die früher zur Beseitigung von Tumoren in An-wendung gebrachten innerlichen Arzneimittel haben sich erfolglos er­wiesen: auch das heim Menschen vielfach versuchte Quecksilber, das Arsen, Jod, Eisen bleiben ebenso wirkungslos wie die in Frankreich ehemals üblichen Blutentziehungen und Ableitungsmittel. Auch das
vuii ;i o a ia k i e w i e/. /.oi Dtmiuiuiung eiupioniene v ai
von Denissenko angewandte Extractum Ghelidonii
croKn, sowie das , ferner die von
(Jolev, Riebet et Höricou
A. angegebenen Behandlungs-bezw. deren Stoli'wecdiselproducten und
metnoiien mir orrepiouoivken
mit Heilserum haben sich nach Koch und Petruschky, Semat/.ki. Peterson, Cadiot u, A. nicht bewährt. Dagegen verdienen die Angaben von Schwalbe und Ilasse, die bei Carcinom mit sub-cutanen [njeetionen von Alkohol (40 : öO Aq.) in der Peripherie der
wird, um so grosser die Aussicht aul vollständige Heilung; ist bereits
Generalisation erfolgt, so wird letztere unmöglich. Doch kommt es bei
Thieren oft darauf an, die das Aussehen oder den Gebrauch derselben
störenden Geschwülste ZU beseitigen, um das Thier, wenn auch um
für einige Jahre zu erhalten, Z. B, bei den Geschwülsten in der Mamma ,1,,,. ii„,,.i..
der Hunde.
Zur Entfernung der Gesch
I. Die ün t erbindu ng.
... te dienen folgende Verfahren : Bei manchen, besonders den gutartigen
Tumoren, z. !gt;. Warzen, kann die üiiterbiudung der Geschwulst mit Erfolg angewendet werden; sie empfiehlt sich besonders bei gestielter form derselben, dagegen lassen sich Geschwülste mit breiterer Basis
mil einer doppelten oder mehrfachen Massenligatui .. Haut mit in die Ligatur genommen wird, gestaltet sich das Verfahren sehr einfach; Man durchstiehl die Geschwulst an ihrer Basis mehrere Male und unterbindet mit starken Fäden aus Seide, Zwirn oder mit
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licliilllillllll;
1 lllilnlcn.
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einem Bindfaden; seUener wird Metalldrabt für laquo;Ich Zweck benutzt. Mit Hülfe von zwei Nadeln, von denen die eine in ihrer Mitte ein Oclir träfet, wird die Basis der Geschwulst in mehreren Abschnitten unterbunden. Gegenwärtig wird von diesem Verfahren nur selten Ge­brauch gemacht (S. .MG).
Die aubcutane Unterbindung hat den Zweck, eine vollständige Absperrung der Circulation in den unterbundenen Geweben zu erzielen, die mit dem Druck der Ligaturen auf die an Empfindungsnerven reiche Haut verbundenen Schmerzen aber zu vermeiden. Beides liisst sich mit einer einfachen Nadel erreichen, die man nach ein paar Einstichen mit dem stumpfen Eünde unter die äussere Haut fortschieht, dann durch die Geschwulst führt und so einen Abschnitt derselben unterbindet. Das Verfahren wiederholt man mit dem Rest der Geschwulst, event, in mehreren Abschnitten. Für gewöhnlich wird jedoch bei Thieren die Ligatur über die äussere Maut gelegt und möglichst fest angezogen, Die Schmerzen, welche hiernach auftreten, sind nicht gross, wie man dem Verhalten der Thiere entnehmen kann. Liegen grössere Massen von Geweben in der Ligatur, so rnuss dieselbe in den nächsten 'ragen angezogen werden, wenn nicht eine elastische Ligatur benutzt wurde. Aber auch diese macht bei grossen Tumoren nach ;i—1 Tagen oft eine Erneuerung notliwendig, weil sie nach Durchschneidung eines Thi'ils der Geschwulst ihre Spannung verliert. Bei grösseren Tumoren verdient duller ein recht kräftiger, aber nicht sehr dicker Bindfaden den Vorzug; mit demselben stellt man eine Castrationsschlinge her. die um den Tumor gelegt wird. Wenn sodann die zweite Schlinge in aufziehbarer Form hergestellt wird, so ist der Besitzer bezw, Wärter des Thieres im Stande, die Ligatur in den nächsten Tagen fester an­zuziehen, bis der Tumor abfällt. Dauert dieses längere Zeit, so hisse man die Ligaturstelle mit Kaliumpermanganatlösung fleissig waschen, um Zersetzungsvorgänge zurückzuhalten.
Zur elostiscben Ligatur genügt bei kleinen Tumoren ein einfacher
Guinnulaclcu, wie er im gewöhnlichen Leben viellach gebraucht wird. Bei grösseren Geschwülsten wird ein recht dickwandiger Gnm misch] auch zudem /wecke benutzt; das Lumen desselben beträgt kaum uiehr als 2 mm. wäh­rend der Schlauch einen Durchmesser von etwa 5 mm besitzt. Ein solider (iunmül'aden von derselben Stärke besitzt nicht die Festigkeit dieses Schlauches. Der Gummifaden oder Schlauch wird möglichst stark ausgedehnt um die Basis des Tumors gelegt; zur Befestigung der Ligatur legt man die stark angezogenen Luden derselben kreuzweise über einander und um-schlingt sie hier mit einem dünnen Laden. Wenn diese Schlinge aufzielibar hergestellt wird, so lallt auch das Nachziehen der elastischen Ligatur nicht schwer, falls es erforderlich werden sollte.
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428nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gesohwülete. 'rumoren.
-. I)us Abreisscn des Tu mors. Manclu) Gi'.schwiilsto, z.B. in der RacbenhOhle des Rindes, lassen sicli mit den Fingern abkneifen und schliesslicb abreissen; auch giebt es in der tlusseren Haut bei Pferden und Rindern Fibrome, Papillome und mvxomatöse Neu-bildungen, die mau bequem mit den Fingern abreissen kann. An anderen Steilen und bei derben Gescbwülsten dient hierzu der Ecraseur. in den Kopfhöhlen, zur Beseitigung von gestielten Neubildungen, auch wohl die .sog. Polypenzange, die im Nothfalle durch eine einfache Kürnzange ersetzt werden kann. Das Abreissen gewährt den Vor-tlieil, dass die Blutung weniger lebhaft ausfällt als beim Abtrennen mit Messer oder Schere.
:i. Das Glüheisen, der Thennocau I e r und (i a I v anocauter. Die Glühhitze dient zum Zerstören von Neubildungen, welche einen geringen Umfang besitzen; doch lassen sich auch grössere mit Hülfe eines messerförinigen Brenneisens oder mit dem Thennocauter vom Körper abtrennen. Beim Menschen werden namentlich kleinere Ge­schwülste in Kopfhöhlen mit dein Galvanocauter entfernt: bei Thieren handelt es sich dagegen meist um grössere Tumoren, die sich nur mit kostspieligen Apparaten der gedachten Art beseitigen lassen würden, weshalb diese hier im ganzen wenig Anwendung gefunden haben. Dagegen werden auch heute noch chemische Aetzmittel (Kai. caust.. Chlorzink, Arsenik, Chrom-Salpeter und Schwefelsäure) zur Zerstörung von Tumoren bei Thieren in Anwendung gebracht, indem man ent­weder concentrirte Lösungen, oder Stücke dieser Substanzen in die Tumoren einführt, oder dieselben wiederholt damit bestreicht.
1. Das zuverlässigste Mittel bleibt ohne Zweifel die Exstir-pation der Geschwulst mit schneidenden Instrumenten; gegen diese spricht nur die Gefahr der Blutung. Je nach der Form und dem Sitze der Geschwulst wird zunächst ein einfacher Längsschnitt oder ein verschieden gestalteter Hautschnitt gemacht. Bei malignen Tumoren muss die äussere Maut bezw. Schleimhaut soweit mit fortgenommen werden, als sich dieselbe mit der Geschwulst verwachsen zeigt. So­dann präparirt, man die Geschwulst von ihrer Umgebung frei und unterbindet die dabei blutenden Gefässe sorgfältig. In lockerem Binde­gewebe dienen die Finger zweckmässig zum Lostrennen der Geschwulst von ihrer Umgebung. Liegt der Tumor in der Nähe grösserer Ge­fässe, so präparire man sie zuerst von diesen ab, um gefährlicheren Blutungen sicherer und leichter entgegentreten zu können. Leichtere Blutungen werden mit dem Glüheisen oder Thermocauter gestillt. Ferner operire man bei malignen Tumoren womöglich 1—'1 cm von
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Behandlung der Tumoren
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der Geschwulsi entferafc, um zugleich laquo;lie etwa vorhandenen Seoundär-knoten .siimintlicli zu entfernen. Wo die Vermuthung besteht, dass solche zurüokgebliebeti sind, kann unter Umständen das GlUheiseu
nützlich werden; zu demselben Zweck wendet niiin wolil Aelzmittel an, z. B. Arsenik, von dem vielfach behauptet wurde, dass es besonders weiche Siirkome vernichte,
Die Frage, wann die Operation erfolgen soll, hängt bei Thieren allerdings vielfach von wirtlischaftliehen Forderungen ab, im Übrigen gilt als Kegel: je früher, desto leichter ist die Operation, und um so grosser die Aussicht auf Erfolg. Das gilt vor allem für die malignen Tumoren, welche sonst local reeidiviren (continuirliches Recidiv). Aber auch die gutartigen lassen sieh in der Regel leichter entfernen, so lange' sie noch klein sind. Allerdings giebt es Tumoren, welche sich überhaupt nicht operiren bissen, weil die mit dem operativen EingrifFe verbundenen Blutungen und anderweitige Folgen wenig Aus­sicht auf Erhaltung des Thieres gewähren. In solchen Fällen bat mau früher die Weiterentwickelung der Geschwulst durch verschiedene Mittel zu verb indem gesucht; die Unterbindung ihrer Blutgefässe, ins­besondere der Arterien, sowie das von Middeldorpf empfohlene Verfahren (Brennen einer tiefen Rinne vermittelst des Paquelin um den Tumor) haben jedoch wenig Nachahmung gefunden. Die parenehymatösen Injectionen von Flüssigkeiten (Alkohol, Tinct. Jodi, Argent, nitric, Essigsäure, Ergotin, Arsenik, üeberosmiumsäure, Ter­pentinöl, Papayotinum, in neuer Zeit auch Pyoctanin) zur Zerstörung der Geschwülste haben nur selten durchschlagenden Erfolg gehabt und für Tbiere nur wenig Beachtung gefunden. Sollte indess ein Tumor inoperabel erscheinen, so dürften mehrere Wochen hindurch fortgesetzte Injectionen mit einer wässerigen 1 quot;/uigen l'yoctaninlösung zu versuchen sein, wodurch Thrombose und Absterben der Geschwulst bewirkt werden soll. Wieweit der Arsenik, welcher neuerdings von Lassar innerlich und subeutan gegen Epitheliome empfohlen ist, Heilwerth besitzt, bleibt abzuwarten.
Welches Verfahren in dem einzelnen Falle eingeschlagen werden muss, hängt zum Theil von der Natur der Neubildung, mehr aber noch von der Grosse, Form und dem Sitze derselben ab. Darüber lassen sich weitere allgemeine Grundsätze nicht aufstellen; diese Frage ist in der Speciellen Chirurgie bei Besprechung der Tumoren in den ein­zelnen Organen näher berücksichtigt.
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(Joscliwiilstc. 'l'iinujrcTi,
A. Noubtldnugon naoli dem Typus dor Blndegewebssubstanzeui Desmolde Gewllohso (Waldeyor).
I. Bindegewebsgeschwulst. Fibroma.
Fundorte: Pferd (Haut und unterbaut des Kopfes, Widerristes, Schulter,
Schlauch, Nasenhöhle, Hoden. Euter
Nerven, Fleischstrahl). Hind (Zunge, Flotzmaul, Uterus, Schei(
Geschirrlage, Bluse. Euter. Strichkanal,
Mastdarm, Kehlkopf, Schlundkopf). Sch w e iu (Uterus, Scheide), Hund (Haut und (Jnterhaut der Brust, Gliedmassen, Ohren,
Augen, Kücken, Schweif, Gesäuge, Seheide, Cornea). K 111 I e (Euter. UnterhiUit).
Geschwülste, welche im wesentlichen aus Bindegewebe bestellen. heissen Fibrome, Die Mehrzahl derselben sind bei Thieren aus testen Bindegewebsfasern aufgebaut und erscheinen als harte, feste Geschwülste (harte Fibrome, Fibroide); seltener sind die zellenreichen (weiche Fibrome, F. molluscum [Yirchow]), doch kommen solche in der Haut des Hundes zuweilen vor. Die Entwickelung der Fibrome geht am häutigsten vom Bindegewebe der äusseren Haut, unterbaut, von Pascien, Periost oder aber von Schleimhäuten und dem interstitiellen Gewebe der Organe aus. in der Unterbaut der Pferde und anderer Thiere treten bis gänseeigrosse Fibrome auf, die in einer besonderen Kapsel zu liegen scheinen, aus der sie sich nach Spaltung der Cutis durch leichten Druck hervorpressen lassen. In der Kegel zeigen sich Fibrome als scharf abgegrenzte, Karte, an ihrer Oberfläche glatte Ge­schwülste, doch kommen auch diffuse Hyperplasien namentlich in der Unterhaut vor. Leisering beobachtete ein Fibrom in der Unterhaut einer Hatte: die Geschwulsl wog- 145 g, während das Gewicht des Thieres 310 g betrug.
Von den tiefer gelegenen Schichten der Cutis ausgehende Fibrome führen oft zu einer Verlängerung derselben, indem sie durch ihre Wucherung gleichsam die Haut hervordrängen, diese in Falten legen und von ihrer Unterlage abheben. Auf diese Weise entstehen nicht selten leicht bewegliche Hautfalten, ein Zustand, den man als Cutis pendulans bezeichnet. Diesen Zustand findet man nicht selten bei Pferden in der Kumnietlage dicht über dem Buggelenk, forner am
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Neubildungon imcli dem Typus der BindegewebssubBtanzsn — Ifibrome.
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Ellenbogenböokor bei Pferd und lluml, sowie an der Brust und dem Scbaufelknorpel des Bundes. Auf Schleimhäuten nehmen die Fibrome hiiuti^ eine mehr oder weniger gestielte Form an (Polypen),
Das Wnclistliimi der Fibrome erfolgt meist langsam; degenerative Processe sind hier selten, doch kommt Verknöcherung und Verkalkung in ihnen vor, weniger bäuflg Erweichung und Cystenbildung. Ihr Gefiissreiclitlunn ist meist nicht gross, oft zeigen sicli diese Geschwülste auffallend gefässarm. Die Fibrome gehören zu den gutartigen Go-sohwttlsten, doch treten sie nicht selten multipel auf, so namentlich an der Haut,; auch können sie durch ihren Sitz nachtheilig werden, in der Sattel- oder Geschirrlage den Gebrauch der Tbiere stören, in den Luftwegen der Atlunung hinderlich werden und seihst Erstickung hervorrufen, z. H. am Kehlkopfe.
Zu den harten Fibromen gehört auch das Keloid, eine Binde-gewebsWucherung in Gestalt einer derben Wulst, welche meist von Narben ausgeht (Narhe n k e I o i d) und mit Vorliebe in der Beuge­fläche der Gelenke (Fessel-, Sprunggelenk) auftreten (S. 145), Zu den MischgeschwUlsten des Fibroms gehören Myxoflbrome, Fibromyome, Fibrosarkome u. s. w,
üeber die Ursachen der Fibrome ist bisher nichts bekannt.
Diagnose. Langsames Wachsthum, die gleich massige, meist elastische Härte, leichte Verschiebbark'3it, glatte Oberfläche und Schrn e rzlo s igk e i t deuten auf Fibrome,
Die Behandlung muss sich in erster Linie nach dem Sitz und der Gestalt der Neubildungen richten. Kleine, gestielte Fibrome werden am einfachsten unterbunden oder mit einer Schere abgetragen; solche mit breiter Basis entfernt man entweder mit Hülfe des Messers, oder zerstört sie durch Aetzmittel. Wo diese Behandlung nicht durchführ­bar erscheint, muss man in anderer Weise die Entfernung des Tumors zu bewirken suchen: unter Umständen gelingt es mit der Hand oder mit einer Korn- oder Polypenzange den Tumor ahzureissen, z, ß. in der Nasen- und Rachenhöhle sowie in den übrigen Kopfhöhlen nach Eröffnung derselben. Recidive werden am sichersten durch voll­ständige Exstirpation des Tumors vermieden. Flache Geschwülste ohne bestimmte Basis lassen sich auch mittelst Aetzmittel (Chlorzink, Chrom­säure, Sublimat n. s. w.) entfernen, indem man diese Mittel in con-centrirter Form auf die Geschwulst bringt. Auch das Glüheisen kann unter Umständen hier Anwendung linden.
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Geschwülste, 'rumoren.
2. Fettgeschwulst (Lipomai.
Fundorte: Pferd (Subcutis der Sattellage, des Hinterschenkels, Schlauches,
Schweifes, A Hits, Nasenhöhle, ECehldeokel). Bind (Mastdarm). Hund (Subcutis der Schenkel. Brust, Schulter, Schwan/,, Euter,
Processus vaginalis, Nickhaut, Hals).
Iticse Geschwulst besteht aus mehr oder weniger entwickeltem Fettgewebe. Bildet dasselbe tust ausschliesslich die öeschwulstmasse, so erscheint der Tumor weich (L. molle), sodass zuweilen Fluctuation vorgetäuscht wird. Enthält dasselbe mehr Bindegewebe, so spricht mau von einem t'ibromatüsen Lipom (L. l'ibrosum 8. Steatonui, Speck-geschwu Ist); zuweilen enthält dasselbe Cholestearin (Cholesteatoma) oder reichliche Mengen Pigment (L. melanodcsi. Abgesehen von den an serösen Häuten wuchernden oder von der Synovialis der Gelenke und Sehnenscheiden ausgehenden Wucherungen von Fettzellen (Lipoma arborescens) linden sicli Lipome noch am häufigsten an der äusseren Haut und den Schleimhäuten; die vom Peritoneum ausgehenden Lipom-bildungen haben eine chirurgische Bedeutung bisher nicht erlangt, Lipome werden bei Pferden am Rumpfe (Köhne) sowie namentlich am Hinterschenkel in der Regiocruralis (Bohde) beobachtet. Möller sah ein Lipom von grossem Umfang in der Gegend des unteren Endes von M. biceps fern, beim Pferde. Das Gewicht desselben betrug '-igt;,quot;i Kilo. Werner ermittelte bei einem Ochsen, der an Kolik litt, durch Untersuchung per anum eine Geschwulst am Darm, welche durch Laparotomie von der rechten Flanke aus entfernt wurde, und sich als ein Lipom erwies. Das Thier war hierauf hergestellt. Im ganzen kommen Lipome bei den Thieren nicht so bäuflg vor als Fibrome. E. Semmer fand bei einem Hunde, welcher an Athem-beschwerden gelitten hatte, die Lungen mit zahlreichen kleinen Lipomen durchsetzt. Beim Pferde wurden gestielte Lipome am Gekröse be­obachtet, welche zu tödtlich verlaufender Kolik Anstoss geben können: in einem Falle liesass das Lipom einen 0,.quot;) m langen Stiel, Auch bei Hühnern konnte Semmer Lipome in den Eierstöcken und am Darm nachweisen. Bei dem oft gleichzeitigen Auftreten von Fibromen und Lipomen vermuthet Semmer eine gemeinsame Ursache, vielleicht einen Mikroorganismus. Ptirstenberg hat die Zusammensetzung und Ent-
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Neubildungen mich dem Typus der Bindegewebssubstanzeu - Myxoinegt; 433
stehung der Lipome bei Thieren genauer beschrieben. Er fand die Fettzellen in der gleichen Grosse wie im normalen Fettgewebe der Thiere, und in denselben vielfach krystallinisohes Margarin.
Bei der in der Regel geringen Vascularisation der Lipome erklärt sicli das häufige Auftreten von Degenerationen in denselben leicht. Fürstenberg beobachtete Verkalkung in Lipomen; Verletzungen der Lipome führen zur Bildung jauchender Wunden, deren Heilung stets auf Schwierigkeiten stösstj nicht, selten gehen sie zu septischen Pro-oessen Veranlassung.
Die klinische Diagnose der Lipome ergiebt sich aus dem lappigen Bau und langsamen Wachsthuni, aus der Sohmerzlosigkeit und — mit Ausnahme der Steatome — aus der weichen Beschaffen­heit, Steatome lassen sich intra vitam von einfachen Fibromen kaum unterscheiden.
Recidive treten nach der Exstirpation nicht selten auf, zumal die Lipome meist erst operativ behandelt werden, wenn sie bereits eine erhebliche Grosse erlangt haben, so dass es oft schwer fällt, sie giin/.lich zu entfernen.
Die Behandlung verlangt operative Beseitigung, da die An­wendung von Aetzmitteln oder des Glüheisens in der Kegel schlecht, heilende Verletzungen erzeugt. Bald lassen sich Lipome abbinden oder abreissen, für gewöhnlich aber muss das Messer zur Entfernung derselben nach den oben geschilderten Grundsätzen angewendet werden. Bevor man zur Operation schreitet, überzeuge man sich, ob das Lipom nicht mit tiefer gelegenen Theilen in Verbindung steht, wodurch die Exstirpation erschwert wird; namentlich setzen sich Lipome mit Vor­liebe auf das intermuskuläre Bindegewebe fort. Im übrigen haben diese Geschwülste klinisch keine grössere Bedeutung.
3. Schleimgeschwulst (Myxoma).
Fundorte:
Pferd (Nasenhöhle, Subcutis, Euter).
Rind (Kopfhöhlen, Blase, Subcutis am Bauch und Nabel).
Schaf (Oberkiefer-, Stirnhöhle).
Hund (Euter).
Das verhältnissmässig seltene Vorkommen dieser Geschwulstart bei den Hausthieren erklärt es, dass unsere Kenntnisse über dieselbe Müller u. Frick, Allgemeine Ohlrargle tttr Thlerärzts. i, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28
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434nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gesohwülsta, Tumoreiii
noch äusserst liickenliaft siml. Hs bändelt sich um eine Neubildung nach dem Typus des fötalen Schleiingewehes, wie es am Nabelstrang als Wharton'sche Sülze auftritt. Mikroskopisch zeigt das Mvxom ein tibrilliires Stützwerk, welches mit schleimiger Substanz und mit spärlichen, rundlichen, spindel- oder sternförmigen Zellen angefüllt ist. Es erscheint indess fraglich iKüster), ob alle diese Neubildungen von vorn berein Schleimgewebe enthalten; wahrscheinlich werden zu dieser Gruppe vielfältig auch erweichte, ödeniatöse Fibrome und Lipome gerechnet, wie schon l{öll vennuthete; man spricht daher auch von Mvxolihromen, Mvxolipomeu, Myxomvomen, Mvxochonili'omen, Myxo-sarkomen.
Das Myxoni gehört zwar zu den guturtigen (jescdiwülsten, doch kann dasselbe durch seinen Sitz zu bedenklichen Folgen Veranlassung geben.
Die Behandlung besteht in operativer Entfernung, welche sich namentlich in der ilusseren Haut leicht gestaltet, indem es oft gelingt, die Neubildung mit der Hand abzureissen. Sollte das nicht der Fall sein, so müssen Messer oder Schere in ihre Rechte treten.
4. Gliom.
ßindegewebige Neubildungen, welche dem Typus des Neuroglia-gewebes entsprechen und von diesem ausgehen, bezeichnet man als Gliome. Soweit uns bekannt, ist diese Gesellwulstart bei Thieren nur in folgenden Fällen mit Sicherheit festgestellt; Jedenfalls hat dieselbe eine praktische Bedeutung bisher nicht erlangt.
Gratia beschreibt als Uliom eine Neubildung beim Hunde, welche vom Ganglion Gasseri ausging, eine längliche, haselnussgrosse Geschwulst von i'öthlicher färbe darstellte, von einer glatten, festen Hülle umgeben war und im Innern eine sclilatl'e, fast zertliessende Masse bildete. Die Ge­schwulst dehnte sieh bis auf die Wurzeln des 5, Nerven aus und be­gleitete den Unter- und Oberkieferast desselben auf einer Strecke von 1—2 cm. Die umliegenden Knochen zeigten sich geschwunden; auch hatte die Geschwulst an der Varolsbriioke eine Vertiefung veranlasst und auf die Wurzeln der N. N. abducens, faoialis und aousticus einen Druck aus­geübt. Dementsprechend war bei Lebzeiten des Jagdhundes Atrophie der Temporal- und Orbitalgegend und Lälimung der linken Oberlippe beobachtet worden, in Folge dessen die Putteraufnahme behindert war, und das Thier sieh hierbei oft auf die Lippe biss.
Plan a fand bei einem Hunde, der unter Lähmungserscheinungeii ge­storben war, in Höhe des 2. Bücken wirbeis zwischen Pia und Dura mater spinalis ein scheibenförmiges Gliom.
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XrubildimfjcM nach dem Typus der BindegswobBsubatanzen - Obondrome. jü.quot;)
5. Knorpelgeschwulst (Chondroma).
Fundorte; Pf ex* d (Hoden, Kiefer, Rippenknorpel, Wirbelkanal, Stimmbund), Rind (Unterbaut, Rippenknorpel, Fesselbein). Zi ege (Kiefer). Hund (Euter, Wirbelkanal, Kiefer, Nasenhöhle, Subcutis).
Das Chondi'om stellt einen Tumor nach dem Typus des physio­logischen Knorpelgewebes dar. Geld:, die Bildung von präexistirendera Knorpel aus, so nennt man die Geschwulst eine Ekchondrose (h vper ))1 a stiscli o s (Mioud vom), in einem anderen Gewebe ent­standen heissfc sie Enchondroin; das letztere stellt somit eine hetero-trope Neubildung dar (heteroplastisches Ohondrom). Wie der physiologische Knorpel tritt auch das Chondrom als hyaliner Netz-ocler Faserknorpel auf. Hiiulie- finden sich in diesen Neubildungen regressive Processe, insbesondere schleimige Erweichung, welche zu Cystenbildung Veranlassung giebt. Nicht selten findet Ossification des Chondroms statt. Audi werden Combinationsformen, wie Osteo-Chon-drorae und Chondro-Sarkome beobachtet.
Im ganzen sind diese Neubildungen bei Thieren nicht häufig; inn liiluligsteii findet man sie im Euter des Hundes, wo dieselben oft multipel und als Mischgeschwülste, namentlich als Chondrosarkome auftreten. Beim Menschen bilden Parotisgegend und Hoden Lieblings­sitz der Enchondrome; bei Thieren sind sie in der Parotisgegend unseres Wissens bisher nicht beobachtet worden.
Die Diagnose ergiebt sich aus der elastisch harten Be­schaffenheit sowie der kleinhöckerigen Oberfläche der Ge­schwulst. Am leichtesten werden Chondrome mit Carcinomen ver­wechselt; doch fehlt bei ihnen meist die Erkrankung der regiontlren Lymphdrüsen, welche bei Carcinomen vorhanden zu sein pflegt. Eine Härte, wie Enchondrome können auch Fibrome annehmen.
Gehören die Chondrome, namentlich die Ekchondrosen auch zu den gutartigen Neubildungen, so können sie gleichwohl Störungen ver­anlassen, am Rückenmark Lähmung, an den Hippen Athembeschwerdeii hervorrufen. Die Enchondrome metastasiren nicht selten, wie auch Nocard und Cadeac angeben.
Die Behandlung besteht in operativer Entfernung nach den all­gemeinen Regeln. Die Unterbindung wird durch die Festigkeit der
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(lesoliwulstc. Tumoren,
Geschwulst erschwert, ihr geringer Gt'l'iissriuchlliuiii erleichtert dagegen die Exstirpation mit dem Messei'.
6. Knochengeschwulst lOsteomai.
Fundorte:
Pferd (Unter-, Zwischenkiefer, Kopfhöhlen, Glaskörper, Stirn­beine).
Kind (Hornfortsatz, Euter. Hodensack, Kopfhöhlen, Gaumen).
.Hund (Kopfhöhlen, Euter).
Osteorae kommen ebenfaUs sowohl als hyperplastische, d. li. von vorhandenen Knochen ausgehende, wie auch als heteroplastische, d. h. in einem anderen Gewebe auftretende Neubildungen mit dem Hau des Knochengewebes vor. Die ersteren sind uns als Exostosen, Hype ros tose n, Osteophyten bereits bekannt (S. #9632;gt;ti. 387). Sie werden am häufigsten bei Pferden am Metacarpus sowie am unteren Rande des Unterkiefers beobachtet und bilden bekanntlich das Pro-
Fiir. 61.
Exostosla eburnea in dev Oberhieferhöhle ainee Pferdes (nach Qurlt),
duct einer entzündlichen Heizung des Periosts sowie des Knochens; sie verdanken ihre Entstohimg also einer Periostitis ossilicans, ge­hören also genau genommen nicht hierher. Ihr zuweilen multiples Auftreten berechtigt jedoch hierzu; Kitt beschreibt eine multiple Hyperostoseubildung beim Hunde. Bald bestehen die Osteome fast ausschliesslich aus Tela ossea und zeigen sich dicht wie Elfenbein (Osteoma eburneum, Fig. öl); bald enthalten sie mehr Mark und spongiöses Gewebe (Osteoma spongiosum). Besitzt die Ge­schwulst einen Knorpelüberzug. so nennt man sie eine Exostosis oartilasinea.
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Neubildungen naoh dem Typus der Blndogewebssubstanzen — Augiome. Agt;'gt;7
Von den Zähnen oder döIU Alvcoliirperiostquot;. ausgehende Knoelirn-neubildungen nennt, man Dental-Osteome oder Odontome, und je nachdem sie mis Dentin oder Cement bestehen, als Dentin-bezw, Ce in en t-Odo n to m e. Derive fand heim l'i'erde ein Odoutoni. das 175,0 wog; Roth ein solches in der Sohädelhöhle einer Ziege, wo­durch fast das ganze Grosshirn zum Schwund gebracht war. Williams wies ein Odontom in der Oberkieferhöhle eines Fohlens nach.
Das Osteom gehört zu den gutartigen (lesehwulsten und erlangt nur selten eine praktische Bedeutung. Der Palpation zugänglich, kenn­zeichnet sieh dasselbe durch grosse Märte. Dadurch wird auch die Möglichkeit ausgeschlossen, den Tumor durch Unterbindung zu ent­fernen. Seihst dem Messer sind die meisten derselben nicht zu­gänglich. Am Unterkiefer liisst sich das Osteom in der Kegel mit Hülfe von Meissel oder Säge entfernen; aus den Kopfhöhlen laquo;•eiliger leicht und nur dann, wenn dasselbe gestielt auftritt, oder bereits ab­gefallen war (todte Osteome).
7. Gefassgeschwulst lAngioma).
Fundorte i
Pferd (Nasen-, Augenschleimhaut, Haut, Schwanzwurzel, Lippen,
Zahnfleisch, Gaumen, Glans penis). Hund (Unterbaut, Haut).
Als Angiom oder Gefassgeschwulst bezeichnet man Tu­moren, die neben geringen Mengen Bindegewehe vornehmlich aus n e u g ebil de ten Blutgefässen bestehen. Enthält die Geschwulst fast nur erweiterte Cajnllaren und kleine Gefässe, so spricht man von einem Angiom a p lex i forme, oder Naevus vasculosus, ein Zustand, der an der pigmentirten Haut der Thiere nur selten beobachtet wird, beim Menschen die Grundlage des Muttermales bildet. Entspricht der Bau des Angioms der Einrichtung des Corpus cavernosum, so spricht man von einem c a v e r n öse n A n g i o m. Von verschiedenen Seiten (Deigendesch, Urban. Heyne u. A.) wurden Ängiome der Nasenscheidewand beschrieben, doch bleibt es zweifelhaft, ob es sich hierbei um eine wirkliche Neubildung von Gefilssen, oder um Erwei­terung der geräumigen Venen im Centrum venosum der Schleimhaut handelte.
Ebenso gehört, wahrscheinlich die Mehrzahl der als Fungus haematodes (Blutschwamm) bezeichneten Geschwülste nicht hier-
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TutnoröD
her; wahrscheinlich stellten diese stärker vasoularisirte Neubildungen anderer Art dar. Die Angiome bilden zwar gutartige Neubildungen, können indess leicht zu erbeblichen Blutungen Anlass geben.
Die Diagnose Angiom lässt sich klinisch in der Regel erst stellen, wenn die Geschwulst Pulsation /.ei^'t oder deutlich oompres-sibel ist. Während der Operation kennzeichnet laquo;ich das Angioro dui'cb lebhafte Blutung.
Die Behandlung besteht in Exstirpation der Geschwulst, sofern diese möglich erseheint.. Die Gefahr der hiermit verbundenen Blutung kann durch ümstechung und ümschnürung der Geschwulst gemildert werden, Lässt sich dem Tumor mit dem Messer nicht beikommen, so kann das Glüheisen oder der Thermocauter entweder in Sti'ichform, oder als perforirendes Punktfeuer Anwendung linden. Auch werden Injectionen von Liquor ferri sesquichlorati unter Umständen nützlieli. doch sind hierbei dieselben Vorsichtsmassregeln zu treffen, wie bei den Varicen (S. 349), namentlich ist Sorge zu tragen, dass die geronnenen Massen nicht, in die Circulation gelangen und Embolien erzeugen. Man suche, wo nur möglich, die Geschwulst mit einem Bindfaden zu umschnüren, der so lange liegen bleibt., bis die Injection vollendet und anzunehmen ist, dass sieb die Gerinnung des Blutes vollzogen hat. Lymphangiom nennt man die gleiche Geschwulstbildung, welche von den Lvnipbgefassen ausgeht; sie wurde bei Thieren bisher nur selten beobachtet, Sohindelka beschreibt einen Fall vom Euter der Katze. Eine klinische Bedeutung haben dieselben bisher nicht erlangt, zumal sie klinisch kaum als solche erkannt werden.
8. Fleischgeschwulst (Sarcoma).
Das Sarkom ist, aus der Reihe der Geschwülste, welche den Bindesubstanzen entstammen, diejenige, welche zu den malignen ge­rechnet wird. Der Name wurde offenbar von dem lleischälmlichen Aussehen abgeleitet |oäfgt;? = Fleisch). Hei allen unseren ilausthieren ist diese Geschwulst beobachtet, selbst beim Geflügel und beim Gohl-lisch (B. Semmer). Sie kommt recht häufig vor, jedoch bei weitem nicht so oft, wie man früher angenommen, Fröhner stellte beim Hunde unter 043 operirten Tumoren 14 Sarkome fest gegenüber 267 Carcinomen; E. Semmer fand unter 57 bösartigen Tumoren 32 Sarkome und nur 25 Carcinome. Demgegenüber geben Cadiot,
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Noubildungen naoh dom Typus der Bindegowebssubstanzen - Sarkomo. 439
Hubert, ßogei' an, 'iiiss unter II bösartigen Geschwülsten 32 Caroi* noun' und 12 Sarkome gewesen seien. Beztiglicb der Eäuflgkeit bei diMi einzelnen Tbierarten zählte E, Semmer unter :i2 Sarkomen 7 beim Pferd, 17 beim liuiid, 2 beim Wind. 1 beim Schwein, I beim llulm. :gt; bei der Ente, I beim Goldfisch. Dagegen ist nicht zu be­streiten, diiss Groiieralisation (Sarkomatose) häufiger ist als generalisirte Carcinombüdungi es gilt dies besonders für die Melanosarkome des l'l'erdes. Was die einzelnen Organe des Thierkörpers betrifft, welche Sitz des Sarkoms sein können, so kann man sagen, dass jedes der­selben bereits als Sitz gefunden ist.
Wesen. Das Sarkom besteht, aus Geweben der Bindesubstauz-reihe und zeielinet sich durch seinen Zellenreichthum ans, der die Grund­substanz bei weitem an Menge Überragt. Es entwickelt sich gern in Bindesubstanzen (Knochen, Maut, unterbaut, Periost, Pascien), kommt jedoch auch in drüsigen Organen (Hoden, Euter, Schilddrüse u. s. w.) vor, WO es wahrscheinlich seinen Irsprung von den in diesen Or­ganen vorhandenen Hindesuhstan/en nimmt. Ks hat grosse Neigung, sich dem Charakter des Mutterbodens anzupassen, und so entstehen im Knochen Osteosarkome, im Bindegewebe Pibrosarkome u. s. w. Auf diese Weise erklären sich auch die vielen Mischgeschwülste (Myo-sarkom, Myxosarkom, Lympbosarkom, Angiosarkom). Die Form der Zellen und ihre gegenseitige Lagerung ist es, welche dem Sarkom seinen Charakter verleiht. Sind die Zellen rund, so entsteht das Rund-zellensarkom, welches in ein klein- und grosszelliges zerfallt. Das Spindelzellensarkom, weh lies auch in ein klein- und gross­zelliges getrennt, werden kann, weist Spindelzellen auf, während das Riesenzellensarkom zahlreiche Riesenzellen besitzt. Netz- oder Sternzellen linden sich meist in einer schleimigen (irinidsubstanz und geben das Kennzeichen für Myxosarkome ab. Nicht selten findet man in einem Sarkom mehrere dieser Zellarten vereint und man spricht dann von einem Sarkom mit polymorpher Zellbildung. Zuweilen sind die Zellen (namentlich die kleinen Kundzellen) in ein Bindegewebs-gerüst eingelagert, welches Hohlräume (Alveolen) besitzt, in diesem Falle liegt ein al veolilres Sarkom vor. Oft ist der Zellenreichthum so gross, dass die Geschwulst die Consistenz des Gehirns annimmt; mau bezeichnet, diese Form als Markschwamm oder medulläres Sarkom. Eine besondere Art, des Sarkoms geht von den Blut- und Lymphgefässen aus und wird als Angiosarkom, Endotheliom, EndoIhelkrebs, Cylindrom u. s. w. bezeichnet: je nachdem es
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440nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;GesohwülBte. Tumoren.
von Blut- oder Lymphgefftssen auagelit, spricht imui von einem 1 \ ii m angio8 a r k 0 m oder Tjy m p li a n gi o s ar k o in. I )ieso werden uoeli, je iiiiclideni die Geschwulst ihren Ursprung von der Innen- oder Aussenwand des üei'ässes iialim, in ein intravasculilres (endo-llielialesl und perivasculiires (peritheliales) getrennt. Eine eigenthümliche Form des Sarkoms, welche lgt;ei Schimmeln sehr liiuifig-ist, aller auch bei Braunen, Rappen, Füchsen und ausnahmsweise beim liind, Schal' und Hund vorkommt, entsteht durch Einlagerung von Pigment in die Geschwulst, Mau bezeichnet diese als Melauo-sarkome oder kurzweg Melanosen. Das Pigment ist eigentlich nicht schwarz, sondern dunkelbraun und seine Herkunft noch unklar. Nach Jooss entstammt es dem Eiweiss der Blutkörperchen; als Beweis dafür sieht er den hohen Schwefel- und den geringen Eisengehalt des Pig­ments an.
Die Bösartigkeit der Sarkome bestellt nicht nur in ihrer ört­lichen Wirkung, die sich durch schnelle Zerstörung von Geweben (Knochen, Gehirn u, s. w.) kundgiebt, sondern durch ihre Hartnäckig­keit, mit der sie nach Operationen recidiviren, und durch schnelle Metastasenbildung, Auch für den Menschen ist dies bekannt, wo nach Müller 17,2% Carcinome, dagegen 63,70/o Sarkome meta-stasiren. Der l;instand, dass die Metastasen häufig in der Lunge ge-t'unden werden, sowie die directe Beobachtung seenndärer Tumoren in den Venen der betreffenden Körperstelle (Tillmanns) und das Fehlen von secund'dren Geschwülsten in den regionilren Lymphdrüsen berechtigen zu dem Schlüsse, dass die Verbreitung des Sarkoms (Meta-stasenbildung oder Generalisation) vorwiegend auf dem Wege der Blut­bahn vor sich geht (Leisering). Bei unseren Hausthieren wurde Sarkomatose häufig beobachtet (Leisering, Sticker, Gramer, Möller, Ostapenko u. A.). Sie kommt um so schneller und leichter zu Stande', je kleinzelliger das Sarkom ist; daher werden seit Alters bei' die kleinzelligen Sarkome besonders gefürchtet, Noch viel mehr ist dies der Fall bei den pigmentirton Sarkomen, die überhaupt zu den bösartigsten Geschwülsten gehören.
In Folge des Zellenreichthums der Sarkome und bei dem mit der Vermehrung der Zellen nicht immer Schritt haltenden Wachsthum der Gel'ässe. ist die Ernährung der Sarkome eine ungünstige, und es treten daher an ihnen nicht selten regressive Metamorphosen ein (Erweichung, Verfettung, Cystenbildung, Hlceration, Verjauchung). Andererseits findet man auch Verknöeherung an ihnen.
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Neubildungen naoh dem Typus dor Bindegewebesubstanzeu — Sarkome, 141
Aetiologie. Heber die Ursache des Sarkoms sind wir bisher noch vollstilndig im Dunklen. Nur laquo;'int; Arbeit von Jürgens ist go-eignet, einen Blick in die ursiichiiclieii Momente zu verschaffen, .liir-gens gelang es nUmlich, in einem melanotisohen Sarkom des Menschen und einem Kuiidzellensiirkoni Sporozoen nachzuweisen und durch intraperitoneale Impfung auf Kaninchen durch vier Generationen zu tibertragen, In den tmpfgesohwülsten sowie in einer am Daumen durch Infection bei den Versuchen entstandenen Geschwulst konnte er die­selben Sporozoen wie in der Originalgeschwulst nachweisen.
Auch Curtis, Corselli und Frisco, sowie Clarke u. A. haben derartige Parasiten in Sarkomen des Menschen gesehen, die sie als Blastorayceten bezeichnen; allein zuverlässige Beweise ftlr die ursäch­lichen Beziehungen dieser Parasiten fehlen bisher.
Diagnose. Die klinische Diagnose stösst nicht selten auf Schwie­rigkeiten und muss sich vornehmlich auf folgende Punkte stützen:
a)nbsp; Aulquot; das schnelle Wachsthmn, eines der am meisten charak­teristischen Zeichen der Sarkome, besonders des sehr bösartigen weichen, zellenreichen; innerhalb II Tagen sah Möller bei Hunden Geschwülste von über Faustgrösse entstehen. Fehlen an solchen An­schwellungen entzündliche Erscheinungen, und ist die Gegenwart eines Hämatoms ausgeschlossen, so liegt stets der dringende Verdacht auf Sarkom vor. Die langsam wachsenden, härteren Sarkome (Fibro-sarkome) sind klinisch weniger leicht als solche erkennbar.
b)nbsp; nbsp;Die regionären Lymphdrüsen für die Primärknoten bleiben gewöhnlich intakt, oder schwellen doch erst in späteren Stadien an; bei Secundärknoten leiden sie häufiger mit.
c)nbsp; Bald tritt das Sarkom diffus, bald mehr abgegrenzt auf; seine Oberfläche erscheint anfangs glatt, später aber wird sic (lurch Dege­nerationen im Innern des Tumors oft höckerig; im Euter bid Munden trifft man wohl Fluctuation durch cvstische Entartung (Verfettung, Sarcoma cysticum).
dl In der Nachbarschaft der Sarkome treten oft Secundärknoten auf. Die äussere Haut wird nicht so schnell in Mitleidenschaft gezogen, verwächst daher erst später mit dem Tumor als beim Carcinoin; auch kommen Ulcerationen hier nicht so regelniässig und frühzeitig vor wie beim Krebs.
o) Die Consistenz des Sarkoms zeigt sich verschieden; /.ellen­reiche erscheinen sehr weich, oft Fluctuation vortäuschend iPseudo-fluetuation), Möller sah solche wiederholt in der Unterbaut an der
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442nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Q-esohwillstOi Tumoren.
Vordüi'f'u.sswui'zcl bei llunilou. Filirosurkdiuc ftlhlen sich liärtcr, unter Umständen knochenhart an; so auch manche Sarkome in der Mamma bei llundcn, namentlich Mischgeschwülste, z, B. Sarkom mit Bnchon-droiii oder Carcinom. In der Regel bleiben Sarkome vollständigquot; schmerzfrei, wenigstens bis sie ulccriren. Die Melanosorkome lassen den schwarzen Farbstoff schon durch die üussere Haut erkennen.
fi Das Auftreten in den jüngeren Jahren; daher auch wohl das häutigere Vorkomnien hei Thieren (S. Vl'Ij.
Die anatomische Diagnose wird zwar in erster Linie durch das Mikroskop gestützt und soll hier nicht näher behandelt, werden. Bemerkt sei nur, dass die innige Verbindung der Zollen mit dem bindegewebigen Stroma einen Gegensatz zur Einrichtung der Car-oinome bildet. Makroskopisch erscheint beim Sarkom die Schnittfläche mehr gleichartig, und in Folge der festeren Verbindung der Zellen mit der Urundsubstanz lilsst sich beim Druck und Ueberstreichen mit dem Messer nicht so massenhaft trübe Flüssigkeit entleeren wie beim Carcinom (vergl. S. #9632;lö;!).
Die Beurtheihmg fällt hei nicht schlachtbaren Thieren im all­gemeinen ungünstig aus und zwar um so ungünstiger, je schneller das Sarkom wächst. Wie schon von lüllenberger betont wurde, erscheint die Prognose bei dieser Geschwulst im ganzen um so un­günstiger, als die Sarkome mit Vorliebe von serösen Häuten und inneren Organen ausgehen und zugleich eine grosse Neigung zur Generalisation besitzen. Die Sarkomatose kann schnell, aber auch sehr langsam verlaufen, In dem von Ost ape nko mitgetheilten Falle hatte sich bei dem 10jährigen .Hunde erst sechs Wochen vor dem Tode ein Schwächezustand eingestellt, welcher unter Marasmus schnell zum Tode führte. Bei Pferden verläuft der Zustand oft langsam, indem allgemeine Sarkomatose längere Zeit ohne Kachexie besteht (Sticker). Auch bei Hunden hat Möller Jahre lang Sarkome beobachtet, ohne dass sich ein Xachtheil auf die Gesundheit der Thiero bemerkbar machte. Das gilt insbesondere von den harten Sarkomen des Euters. Die zellenreichen, also weichen und schnell wachsenden Sarkome müssen als besonders bedenklich angesehen werden. Am ungünstigsten sind die pigmentirten Sarkome zu beurtheilen, da sie in Folge von frühzeitigen Metastasen besonders bösartig sind. Schliesslieh kommt es für die Prognose darauf an, ob die Primärgesohwulst vor der iiil-dung von Metastasen vollständig zu beseitigen ist, sodaas Recidive
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NtMibilduiigvii nach dein Typus der BindögewebssubstanzeD LymphonL 1 11}
vormieden werden. Im allgemoineii reoidiviren Sarkome leicht, daher erscheint stets Vorsicht geboten.
i)i(i Behandlung verlangt möglichst baldige und vollkommene
Entfernung des Tumors; dasa dazu das Messer allen anderen llülfs-mitteln vorzuziehen ist, liegt auf der Hand. Bei der Bxstirpation suche man die Schnitte möglirhst in dem gesunden öewebe der Nach­barschaft zu führen und alle sarkomatösen Massen zu entfernen. Wo die Verrnuthung vorliegt, dass Reste zurückgeblieben sind, lassen sich diese zuweilen durch das Glüheisen oder mit Aet/mitteln zerstören; A.rsenikpulver wird zu dem Zwecke von verschiedenen Seiten mit der Behauptung empfohlen, dass das Arsen eine speeiäsohe Wirkung auf die weichen Sarkomzellen habe, diese schnell zerstöre.
Beim Menschen ist wiederholt beobachtet worden, dass Sarkome unter der Einwirkung eines zufamp;lligen Erysipels sich zurückbildeten und seihst zur Heilung gelangten. Die Versuche durch künstliche Erzeugung eines Erysipels diese Beobachtung therapeutisch zu ver-fverthen, sind wegen der Gefahr für den Patienten wieder aufgegeben .worden. Audi die Methoden von Emmerich und Scholl, Riebet ,und Hericourt, Coley, welche mit den Toxinen von Streptokokken be/.w. von Streptokokken- und Bacillengemischen (Bacillus prodigiosus), sowie mit dem Serum von gegen Streptokokken iminunisirten Thieren arbeiteten, sind worthies (Petersen, Bruns, Angerer, v. Bergmann, Kocher u. A.).
9. Lymphom.
Unter dem Namen „Lymphomquot; gehen in der Menschenheilkunde verschiedene Arten von Vergrössernngeu der Lymphdrüsen. Das Wesen dieser Tumoren kann bestehen in einfach chronisch-entzünd­lichen Schwellungen (Hyperplasien), oder in echten Tumoren. In letz­terem Falle spricht man hesser je nach dem Hau des Tumors von Lvmphosarkoni, Lymphoadenoin u. s. w. Es blieben dann für das Lymphom nur noch jene bösartigen, multiplen Lymphdriisenschwellungen übrig, die mit dem Namen .malignes Lymphomquot; belegt werden und höchstwahrscheinlich nichts weiter sind als der Ausdruck einer eigenartigen infectionskrankheit, die auch bei unseren Maust liieren häufig beobachtet ist und als „Pseudot enk ä mi equot; oder „Lymphadeniequot; beschrieben wurde. Es muss daher bezüglich der sog. Lyniphome auf die Lehrbücher der speciellen Pathologie be/.w. auf die entsprechenden Tumoren (Sarkom, Adenom u, S. W.) verwiesen werden.
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Hl:
Gesohwülsto. Tumoren.
B. Neubildungeu nach dem Typus des MEaskelgewebes.
Myom.
Fundorte i
a)nbsp; nbsp;Bhabdomyome.
Pferd (Schweif, perianales Bindegewebe, Nervus vagus); S c li w c i n (Niere | Adenosarkorhabdomyora 11.
b)nbsp; nbsp;Leiomyome.
Pferd (Schlund, Magen, Zwölfüngerdarra, Dünndarm, Mastdarm,
Subcutis); Esel (Meckel'sches Divertikel). Kind (Uterus, Vagina, Schlund); Schwei n (Uterus);
H uiul (Blase, Prostata. Vagina, Uterus): Rhinoceros (Uterus).
Die Myome sind öeschwülste, welche aus echtem Muskelgewebe bestellen und dementsprechend in zwei Formen auftreten; als Rhabdo-invoni oder Myoma str iocel lul are , bestehend aus quergestreiften Muskelfasern, und als Leiomyom oder Myoma laevicellulare, zusammengesetzt aus glatten Muskelfasern. Es kommen aber auch Mischgeschwülste (Fibromyome, Myosarkome) vor, die dann wohl anderen Geschwülsten zugezählt werden, ebenso wie viele Fibrome der Vagina und des Uterus wahrscheinlich den Myomen zugehören.
Bei unseren Haustliieren geben diese Tumoren selten Veran­lassung zu operativem Eingreifen, höchstens in Vagina und Uterus, wo sie zu Geburtshindernisseu führen und in Form von Polypen vor dem Fötus nach aussen treten. Klinisch werden die Myome melsi nicht erkannt.
Die Behandlung bestellt in operativer Beseitigung.
V. Noublldangen nach dem Typus dos Nervengewebes.
Neurom.
Als Neurome oder Nervenfasergeschwülste bezeichnet man Neubildungen, welche aus Nervenfasern bestehen, und man unterscheidet wahre und falsche. Die wahren Neurome sind aus neugebildeten
Nervenfasern zusammengesetzt und /.orfallen, je nachdem sie aus mark-
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m
Gosohwülste nacli dem Typus dos Qpithelgewebes — l'apdloim;. 445
luiltiifeii oder rnarklosen Ncrvcnf'iiwerii bestehei:, in ein Neuronia inye-linicuui und N. amyclinicum. Diese wahren Neurome sind heim Menschen ausserordentiicli selten und bei unseren Haustiiieren bisher noch nicht beobachtet. Dagegen sind falsche Neurome mehrfach be­schrieben; am meisten treten sie nach der Neurektomie am centralen Stumpf auf. Sie wurden am Nervus medianus, Nerv, tibialis und den Seitennerven der Zehe von uns öfter gesehen und stellen ihrem ana­tomischen Baue nach Nourohbrome dar; sie entsprechen den Ampu-tationsneuromen des Menschen. Auch Neuronivxome fand man an den verschiedensten Nerven, zuweilen multipel.
Klinisch lassen sich die falschen Neurome von den wahren nicht trennen und werden ebenso wie diese behandelt. Sie erzeugen an den Gliedmassen Lahmheiten und werden operativ entfernt. In prilser-vativer Beziehung empfiehlt sich bei Neurektomien, insbesondere des N. medianus, den Nerv möglichst wenig hervorzuziehen und ihn recht hoch zu durchschneiden. Durch die bei Dehnungen der Nerven ein­tretende Verlängerung derselben ragt der Stumpf leicht in die Wunde hinein und bildet so die Grundlage zur Bildung eines Neuroms oder Neurofibroms.
Igt;. Geschwülste nach dem Typus des Epithelgemrebes. Epitheliale Gewächse (Waldeyer).
Die epithelialen Geschwülste zerfallen in drei Gruppen, nämlich: I.Neubildungen nach dem Typus der Deckepithelien, welche man als Papillome bezeichnet; 2. die dem Typus der Drüsenepithelien angehörigen sog. Adenome und 3. die atypischen epithelialen Geschwülste, die Carcinome.
I. Papillome.
Fundorte: Pferd (Haut der ganzen Körperoberfläche); Kind (Haut, Schlundkopf, Schlund, Pansen, Haube, Blase); Hund (Haut. Maulschleimhaut).
Die Papillome entstehen aus einer Wucherung der Deckepi­thelien der äussereu Haut oder Sehleimhaut (soweit dieselbe cutanen Bau hat) unter gleichzeitiger Neubildung von Bindegewebe, ausgehend
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hi
(icsohwiilstc. Timioi'cn.
vom Papillavkoiper und den öefässen, Mit Rücksicht auf diese Hyper-plasie des Bindegewebes rechnete Virchow diese Tumoren zu den Fibromen (Fibroma pupil hire). Neuerdings fasst man die Epithel­neubildung als (Ins Wichtigere auf und nennt solche Geschwülste wie früher Papillome. ihr physiologisches Analogen finden dieselben in
dem i'apillarkörper der äusseren Haut oder den Darmzotten. Nach der Beschaffenheit ihres Deckepithels unterscheidet man harte und weiche Papillome. Zu den ersteren gehören die bei Thieren häutig an der äusseren Haut, vorkommenden Warzen (Verrucae). Sie finden sich als einzeln stellende, erbsen- his taust,grosse Geschwülste mit brombeerartig zerklüfteter und von verhorntem Epithel bedeckter Oberfläche an der Haut, bei Pferden, Rindern und Hunden, wo sie namentlich in der Geschirrlage heim Pferde recht unbequem werden können. Nicht selten treten sie in grösserer Zahl auf, sodass grössere Parthien der Haut mit Warzen bedeckt sind. Man hat bei so multiplem Auftreten von Papillomatose gesprochen. Aul'diese Weise kommen Neubildungen zu Stande, die ein Gesammtgewicht his zu 20 kg haben können (Lehnert),
Junge Thiere leiden häutiger an Warzen und namentlich an Papillomatose als erwachsene. Man findet oft in einem Jungvieh-bestande alle Thiere mehr oder weniger daran leidend, Bevorzugt als Sitz für Papillome sind bei unseren Hausthieren in der Jugend die Haut der Lippen, Nase, Ohren und der Schlauch. Bei älteren Thieren werden sie seltener am Kopfe, dagegen mehr an solchen Stellen ge­funden, die mechanischen Insulten ausgesetzt sind, z.B. Geschirrlage der Pferde, Euter der Kühe, Fesselbeuge des Pferdes (Dermatitis chro-nica verrueosa). In seltenen Fällen (Moussu, Pirl) hat man ge­funden, dass Thiere bereits bei der Geburt mit Warzen behaftet waren.
Die an den Schleimhäuten auftretenden Papillome stehen gleich­sam in der Mitte zwischen den harten und den weichen Papillomen des Menschen, da das Epithel derselben meist, weich, macerirt ist, auch die Zotten selbst ein saftigeres Bindegewebe besitzen. Dasselbe gilt von den als Hufkrebs und als verrueöse Form der Mauke bei Pferden auftretenden Wucherungen des Papillarkörpers der Cutis. Nicht, selten werden Warzen in der äusseren Haut bei Pferden von mehr oder weniger zahlreichen Fibromen in der Subcutis hegleitet, die in einer hindegewebigen Hülle liegen.
Die weichen Papillome besitzen ein weicheres Stroma und eine dünne bezw. überhaupt nicht verhornte Epitheldecke. Beim Men­schen finden sie sich vornehmlich an den Geschlechtstheilen und bilden
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(#9632;esclnviilstt' iiaoh don) Typus des Bpithelgowebea - Papillome,
4.17
eine Folge von [nfectionen; bei Thieven ist diese Ursache unbelsannt. Zwiiv koiuint'ii bei ETunden längliche, spitze Warzen am Penis und Prftputium, nicht .selten gleichzeitig an den Lippen vor, so dass die V^ermuthung einer [nfection auch hier nahe lie^i, (Garcia, Johne), jedoch als nachgewiesen ist dieselbe nicht zu betrachten; auch bilden sie leeine weichen Warzen, schliessen sich vielmehr den auf Schleim­häuten mit cutaneui Bau auftretenden an. lieber das Vorkommen weicher Papillome bei Thieren ist bisher nur wenig bekannt.
Als echte Papillome müssen die soij;. llaulhörner (Cornua cut.anea) betrachtet werden. Sie bestehen fast ausschliesslicb aus verhornten Epithelzellen, welche auf dein rergrösserten Papülarkörper durch Wucherung an einer scliarl' begrenzten Stelle entstanden sind. Am häutigsten wurden solche am Halse und im Kehlgange bei Hindern (Nörner, Lesbre und Falk), aber auch bei Pferden, Fleischfressern und dem Geflügel beobachtet.
Aetiologie. üeber die Ursache der Papillome ist bisher nichts Sicheres bekannt. Die Annahme, dass sie Product einer chronischen Reizung seien, ist zwar vielfach verbreitet, allein nicht bewiesen. Dem­gegenüber wird auch wohl eine Contagiosität der Warzen angenommen, namentlich im Volke ist diese Ansicht sehr verbreitet, allein alle Be­mühungen den Ansteckungsstoff zu isoliren, sind bisher fehlgeschlagen. Immerhin muss zugestanden werden, dass gewisse Papillome, z. B. der sog. Hufkrebs und die Dermatitis chronica verrueosa, kaum als anders entstanden gedacht werden können.
Verlauf und Prognose. Obwohl die Papillome gutartige epi-theliale Neubildungen bilden, so darf nicht vergessen werden, dass beim Menschen häutiger Carcinome aus denselben sich entwickelt haben. Auch können diese Geschwülste, wenn sie multipel bei den Thieren auftreten, zu wirthschaftlicheu Nachtheilen (Störung des Melkens bei Milchkühen) führen. Eine zeitige Behandlung ist dabei' anzuratheu, und bei solcher gestaltet sich die Prognose meist günstig.
Die Behandlung der halten Papillome und der Hauthörner ge­staltet sich einfach, sobald sie überhaupt operabel, oder mittelst Aetz-mittel (Salpetersäure, Schwefel- oder (!hromsäure, Arsenik. Gltiheisen) ZU beseitigen sind. Dabei bleibt zu beachten, dass der hypertro­phische Abschnitt des Papillarkörpers mit entfernt werden muss, was am besten mit Messer und Schere geschieht oder durch Abdrehen
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•148nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (ieaclnviilstü. Tumoren.
mit den Fingern, Sobald die Neubildung grössere Ausbreitung erlangt hat, wird die operative Bebandlung schwierig oder unmöglich. In solchen Füllen kann die medioamentöse Behandlung mit looalen und innerlichen Mitteln versucht werden. Lehnhard behandelte Warzen bei einer Kuh mit Subliraatspirifcua (1:5); es wurden täglich 10 his 15 Stellen, nachdem die Warzen wundgekratzt waren, mit der Lösung bepinselt, Der Erfolg war sehr günstig, seihst Warzen von „enormerquot; Grüsse verschwanden darauf. Steffen lilsst täglich Liq. Kali arse-nicosi (.1 : 12) auf die Warzen pinseln, bis die Nachbarschaft sich ent­zündet: die Heilung erfolgt durch Demarcation. Kaposi behandelt die Warzen täglich mit einer Sclüittelmixtur von Flor. sulf. 10,0, Glycerin 25,0. Acidum aceticum purum 5,0. Die Warzen trocknen danach ab und lösen sich. Zu demselben Zwecke lilsst sich auch die Jodtinctur verwenden. lliUitig habe ich (Frick) nach der innerlichen Anwendung des Arseniks beim Rindvieh ausgedehnte multiple Papillome verschwinden sehen. Bezüglich des Hufkrebses und der Dermatitis verrueosa muss auf die specielle Chirurgie verwiesen werden.
Es bleibt zu beachten, dass namentlich bei jungen Thieren selbst ausgebreitete Warzenbildung von selbst verschwindet; so namentlich bei Kühen am Rumpfe, bei Bunden und Pferden an den Lippen. Lübke beobachtete bei einem 13 Jahre alten Pferde, welches aller­dings bereits früher Neigung zu Warzenbildung gezeigt hatte, plötz­lich ohne nachweisbare Ursachen eine grosse Zahl Warzen an ver­schiedenen Körperstellen auftreten, welche jeder Behandlung (?) trotzten, später aber von selbst verschwanden.
2. Adenome.
Fundorte: Pferd (Ohr. Talgdrüsen, Muskeln): Hund (Talgdrüsen. Euter, Analdrüsen, Harder'sche Drüse).
Neubildungen nach dem Typus des Drüsengewebes bezeichnet man als Adenome (Drüsengesch wülste), sofern diese nicht ein­fache hypertrophische Zustände, sondern knotige Gewächse darstellen. Je nach ihrem Vorkommen werden Talgdrüsen-, Seh weissdriisen-, Leber- u. s, w. Adenome unterschieden: ferner nach dem Bau aci­nose, tu bul öse und a I v eo 1 ä r e Adenom e. Sie gehören zu den seltenen Tumoren und haben chirurgische Bedeutung mit wenigen Ausnahmen bisher kaum erlangt. Obgleich das Adenom zu den gut-
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(ieseliwiilsto nach dem Typus des Kpilhclgewolu'S — Cnreinom.
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artigen Geschwülsten gehört, laquo;o giebt es doch auch unter ihnen maligne, welche zu Metastasenbildung neigen, bezw, sieb in Carcinoma um­wandeln (sog. A (1 e n o i (1 e).
Klinisch hissen sich dieselben nicht bestimmt nls solche erkennen. Die Geschwulst wird in der Hegel nicht gross, ibre Oberfläche erscheint uneben, oft lappig, ihre Consisten/. verschieden. Am meisten Aehn-lichkeit besitzen sie mit den Ciircinomen und werden daher auch wie diese behandelt. Anatomisch bildet der Nachweis einer Membrana propria, welche die Epithelmassen umgiebt, das Unterscheidungsmerk­mal vom Carcinom.
3. Krebsgeschwulst (Carcinoma).
Fundorte;
Pferd (Haut am Schweif, Schlauch, GMans penis, Hufballenj Schleimhaut der Nase, der Oberkieferhöhle, des Schlundes, der Augen (Nickhaut, Conjunctiva sclerae), Kehlkopf, Scheide, Uterus, Blase, Vorhaut; Hoden, Schilddrüse, Euter, Thymus­drüse, Lymphdrüsen);
Hind (Scheide, Uterus, Blase, Vorbaut, Samenstrang, Augen­höhle);
Hund (Maut der Ohren, Augenlider, des Rückens, Schwanzes, der Vorhaut, des Afters, der Heine; Schleimhaut der llachen-höhle, Scheide, Uterus, Blase, Vorhaut; Gesäuge, Hoden, Schild­drüse, Prostata, Analdrüsen, Submaxillardrüsen);
Katze (Zunge).
Wesen. Als Carcinom (Krebs, Cancer) bezeichnet man eine atypische Wucherung von Epithelzellen, wobei sich diese unauf­hörlich vermehren und die Gewebe verdrängend oder zerstörend in Form von Nestern oder Zapfen in die Nachbarschaft dringen, ins­besondere auch in die Lymph- und Blutgefässe. Indem von hier keim­fähige Epithelzellen, oder die unbekannten ursächlichen Erreger ver­schleppt werden, entstehen in den regionären Lymphdrüsen und selbst in entfernteren Organen Metastasen, scbliesslicli eine multiple Bildung von Carcinomen im Körper (Carcinomatose), welche durch Entkriif-tung (Krebscachexie) zum Tode führt. Ob die Krebszellen aus den Elementen dos Bindegewebes und insbesondere aus Endothelien hervor­gehen können, wie Virchow U.A. annehmen, oder ob dieselben stets von priilormirten Epithelien abstammen (Thiersch, Waldeyer). ist Möller u, Friok, Allgemeine Chirurgie für Thierftrzte. v. Ami,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
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(i laquo;schwülste. Tumort'ii.
bisher nicht endgültig entschieden. In der äussoren Haut geht das Caroinom regelmtlssig vom Stratum muoosum oder von den Drtlsen-epithelien uus. In letzteren soll sich häufig zunächst ein Adonom ent­wickeln, aus dem in Folge Durohbruchs der Wucherung in die Nach­barschaft ein Carcinom hervorgeht; so erklärt sich auch das häufige Vorkommen beider Neubildungen an derselben Stelle.
Die verschieden gestalteten Krebszeilen liegen in einem schwä­cheren oder stärkeren Bindegewehsstroma, welches die Gerüstsubstanz abgiebt und zugleich die meist schwach entwickelten Ernährungsgefässe führt; aus letzterem Umstände erklärt sich auch das häufige Vor­kommen regressiver Metamorphosen (fettiger, schleimiger, colloider Zer­fall) mit Cystenbildung und nabelförmiger Einziehung der mit der Geschwulst verwachsenen änsseren Haut (Krebsnabel). Demselben Unistande verdankt die den Krebs oft begleitende Ulceraticm (Krebs-geschwür) ihre Entstehung, namentlich da, wo Verletzungen der Geschwulst oder der mit ihr verwachsenen Haut vorkommen. Auf diese Weise können durch Arrosion der öefässe profuse Blutungen, selbst Verblutung entstehen.
Nach der Gestalt der Krebszellen unterscheidet man: Platten­epithel-, Cylinderepithel- und Drüsenepithelkrebse. Die erste-ren finden sieh vornehmlich in der ilusseren Haut und an Schleim­häuten, die Platteuepithel tragen (Blase, Vagina, Schlund u. s, w,); sie werden wegen ihres langsamen Wachsthums und ihrer scheinbaren geringen Malignität als Cancroide bezeichnet. Die Cylinderepithel-krebse treten an Schleimhäuten, welche Cylinderepithel tragen, auf; die Drüsenepithelkrebse in drüsigen Organen (Mamma, Nieren, Leber. Hoden u. s. w,). Enthält die Geschwulst viel derbes Bindegewebe, d. h. prävalirt die Geriistsubstanz, so entsteht eine harte, derbe Ge­schwulst, die man auch als Skirrhus (Fas er krebs) bezeichnet hat. Treten dagegen die Epithehnassen in den Vordergrund, so erscheint der Tumor weicher, der Gehirnsubstanz ähnlich (Carcinoma medullare). Durch Einlagerung schwarzer Pigmentmassen entstehen die Melano-carcinome, durch schleimige Umwandlung der Epithelien der Gal­lertkrebs (Carcinoma gelatinosum). Als C. myxomatodes bezeichnet man Krebsgeschwülste, in denen die hindegewebige Grund­substanz, zuweilen auch die Krebszellen eine schleimige Entartung er­fahren haben. Ein sehr gefässreiches, sogar pulsirendes Carcinoma telangiectodes sah Möller am Halse eines Pferdes; die Operation war wegen der heftigen Blutung undurchführbar und bei der Obduction ergab sich obige Diagnose. Nicht selten trifft man auch Misch-
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(xcselnvülsto nach dorn Typus des Kpithclgcwebcs — Carcinoui. 451
gcscliwülste, Caroinotne mit Arlenomen, Sarkomen, Enclioiulromen oder Myxomcii an. Ob die in Indien bei Pferden vorkommende, von eng­lischen Autoren (Murke U.A.) als Bursatti bezeichnete Erkrankung auf Caroinombildung beruht, wie von jenen angenommen wird, er­scheint bisher zweifelhaft.
Aetiologie. Das Carcinom ist seit Alters her Gegenstand ätiologischer Forschiuigen gewesen; wenn wir jedoch die Literatur darüber, welche namentlich durch italienische Forscher neuerdings (Sanfelice, Aievoli, Honeali. ßinaghi u. A.) gewaltig bereichert wurde, genauer prüfen, so bleibt meist nur Hypothetisches übrig, abgesehen von einigen Beobachtungen, von denen die Kdchtigkeit bezw. die daraus gezogenen Schlüsse auch noch nicht unbestritten ge­blieben sind.
Die Thatsache, dass Carcinome beim Menschen liiiutig an solchen Stelleu entstehen, die chronischen Reizungen ausgesetzt sind (Lippen bei Rauchern, Haut bei Parafflnarbeitern und Schornsteinfegern), hat dazu geführt, der chronischen Reizung ätiologische Bedeutung beizu­legen. Für unsere Hausthiere sind derartige einwandsfreie Beob­achtungen noch nicht gemacht. Auch die beim Menschen statistisch nachgewiesene Thatsache, dass in England, wo Fleisch die Haupt­nahrung bildet, Krebs häufiger ist, als in Ländern mit gemischter bezw. Pflanzenkost, hat bei unseren Hausthieren bisher noch keine Bestäti­gung gefunden. Carcinome kommen zwar rocht häufig bei Hunden vor, jedoch leidet auch das Pferd in einem Masse an dieser Gfeschwulst-form, die in keinem Verhältnisse zu seiner exquisiten Pflanzenkost steht. Dagegen ist der Einfluss des Lebensalters auf die Entstehung der Carcinome auch bei unseren Hausthieren festgestellt. Fröhner fand niemals Carcinom bei Hunden unter 2 Jahren; dagegen waren 87 quot;,o carcinomatöser Hunde über 5 Jahre und 54 0/0 über 7 Jahre alt. Auch bei Pferden wird das Carcinom stets in den höheren Lebens­altern gefunden. Dass bei Kindern, Schweinen und Schafen seltener Carcinome gefunden werden, dürfte daran liegen, dass diese Thiere selten ein so hohes Alter erreichen wie Hund und Pferd, sondern bereits früher geschlachtet werden.
Ein Einfluss des Gfeschlechts auf die Entstehung des Krebses in der Weise, dass weibliche Thiere in Folge der gesteigerten Inanspruch­nahme des Geschlechtsapparates häufiger Carcinome an demselben auf­weisen, passt zwar für den Hund, jedoch nicht für das Bind.
Es muss bei vornrtheilsfreier Betrachtung zugestanden werden.
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CtasohwUlste. Tumoren.
dass alle vorgenannten Momente eine gewisse Berechtigung haben, allein sie erklären uns doch nidit alle EigenthUtnliclikeiteu des Carolquot; noms, vor allen Dingen nicht die Metastasonbildung. Daher können die obigen Punkte nur als prädisponirende Ursachen aufgefasst werden, und die eigentliche Ursacke dürfte in einem belebten Agens zu suchen sein (Czerny).
Die Forschungen nach dem beichten Agens sind vielseitig auf­genommen, haben aber bisher noch nicht zu entgültigen Resultaten geführt. Der Krehshacillus von Scheuerlen hal sieh als harmloser Parasit entpuppt. Die von Lev den und Schaudinn gefundene Leydenia gemmipara hat auch keine definitive Bestätigung gefun­den. Die Saccharomyceten und Blastomyceten (S auf slice, Binaghi, Aievoli u. A.) sind theils für Degenerationsproducte bezw. Kern-theilungsfiguren erklärt, theils nur bei ulcerirende.n Carcinomen gerunden, bei nicht ulcerirenden aber vermisst worden (Maffucci, .Sirleo, Marcone). Auch die Coccidien, öregarinen, Mikro- und Mysosporidien (Pfeiffer, Thoma, Foa, Sawtschenko, Ruffer, V^edeler u. A.) haben vor der Kritik noch nicht bestanden. Hiernach ist zur Zeil das ursächliche Moment des Carcinoms, soweit es als ein belebtes Agens angesehen wird, noch unbekannt. Gleichwohl giebt es Untersuchungen, welche für die Existenz eines .solchen sprechen, nämlich die gelungenen Uebertragungsversuche von Novinski, Geissler, v. Bei'gmann, Dubois u. A. Die negativen Kesullate, welche Klebs, Tillmanns, Duplay, Cazin, Cadiot, Gilbert, Roger, Gratia, Lienaux u. A. diesen positiven entgegenhalten, beweisen nur, dass die Uebertragnng schwierig ist, aber nichts gegen die Folgerungen aus den positiven Versuchen.
Bei dem derzeitigen Stande der Aetiologie des Carcinoms ist die Cohnheim'sche Hypothese von der Verirrung von Epithelien während des Fötallebens noch immer vertreten und von Uibbert sogar dahin erweitert, dass auch solche Epithelien, die im extrauterinen Lehen aus dein Zellverbande gerathen sind, zur Entstehung des Carcinoms Ver-anlassunc quot;'eben können.
Die klinische Diagnose muss sich auf die langsam wachsende, meist harte, knotige Beschaffenheit der Geschwulst stützen. deren höckerige Oberfläche oft ulcerirt. Das Carcinom zeigt sich in der Regel nicht scharf begrenzt, zuweilen schmerz­haft, oft mit Seen ndii rknoteii und fast immer mit Anschwel­lung der regionären Lymphdrüsen verbunden.
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(ioscliwülstlaquo; imch dein Typus ties Bpitholgswebea — Caroinom.
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Die anatomisclio Diagnose ergiebt sidi bei makroskopisober Unterquot; sucbung aus der öegeuwart versohiedener Gewohsarfon, die sich auf der Sclunttflächo bemerkbar macben, sowie aus dem Abfliessen einer miloharfcigen Flüssigkeit (Krebsmiloh), welche grösstentheils aus Krebszellen bestellt.
Der Verlauf des Carcinoms ist cbroniscb, und die Wucherung kann rnonate- und jahrelang andauern; manche Krebse wachsen schneller, insbesondere die zellenreichen, andere, namentlich die harten IVimär-geschwtilste, langsamer. Unter Metastasenbildung in wichtigen Organen (Lunge, Leber, Nieren, Milz, Hauchfell, Lymphdrüsen) kommt es zu Carcinomatose und Cachexie. Auch diese Vorgänge spielen sich hier wie heim Sarkom bald langsamer, bald schneller ab; offenbar üben hierauf die Infectionswego und die Dignität der von den Metastasen betroffenen Organe den hauptsächlichsten Binfluss aus. Ob bei der Carcinomatose der abnorm schnelle Stoffwechsel mit lebhaftem Zerfall von Eiweisskörpern durch bestiimute Giftstoffe veranlasst wird (K'lem-perer), harrt noch weiterer Bestätigung.
Die Prognose erscheint heim (.'arcinoin stets bedenklich; je älter der Zustand, desto geringer die Aussicht auf Heilung. Als be­denkliches Zeichen gilt die Anschwellung der regionären Lymphdrüsen; aussichtslos wird der Zustand, wenn schon Zeichen der Carcinomatose eingetreten sind. Die harten Krebse, namentlich die der iiusseren Haut verlaufen günstiger, indem sie nicht so leicht zu Metastasenbildung führen: daher wurden die Hautkrebse früher als eine besondere Art betrachtet und als Cancroide bezeichnet.
Die Behandlung verlangt möglichst frühzeitige und vollständige Exstirpation der Geschwulst mit Messer und Schere. Man operire mög­lichst weit von der Grenze der Geschwulst entfernt, um auch die hier etwa vorhandenen, makroskopisch nicht immer erkennbaren Secundär-knoten zu entfernen. Wo diese Massregel nicht beachtet wird, treten regelmässig, nicht selten aber auch trotzdem llecidive auf: diese pflegen bei Mensehen nach 1—3 Jahren hervorzutreten. Wo die be­treffende Stelle es zuliissl, kann die Operationswunde alsbald mit dem Glüheisen oder einem Aetzmittel vortheilbalt behandelt werden (Arsenik vergl. S. 429). Erscheint die Krebsgeschwulst, inoperabel, so vermeide man jeden chirurgischen Eingriff, weil Verletzungen derselben zu un­angenehmen ölcerationen führen. Innerliche Mittel nutzen ebenso-
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(i(.'schwülste. Tuniorei
wenig wie lt;lii' intraparenohytiiatöse Anwendung von Argent, nitr. oder
Essigsäure. Auch die Serumtberapie hat sich als werthlos erwiesen, ebenso wie das von Adainkiewiez empfohlene (.'ancro'in und das l'i.xlr. Cheiidonii innj. von Dennissenko. Inwieweit Injeetionen von Alkohol (Alkohol ahs. 40, Aq. 60) in der Nachharscliaft. der Carcinome den von Hasse behaupteten Heilwerth besitzen, bleibt abzuwarten, i^ei sehlaehtbaren Thieren würde sieh in solchen Füllen das baldige Mästen und Schlachten derselben empfehlen. Auch sollte man z. B. bei Lieblingshunden die wenn auch geringe Gefahr der Uebertragung auf den Menschen wenigstens im Auge behalten und den Besitzer darauf aufmerksam machen. Wenn auch derartige Uebertragnngen nicht direct beobachtet wurden, so erscheinen doch JVlassnahmen zur Vermeidung von Inl'ectionen der Wundfläche und des Operateurs bei blutigen Garcinomoperationen geboten. Letzteres erscheint um so nöthiger, als auffälligerweise die tliierürztlichen Autoritäten der Neuzeit häuEff an Carcinomen litten und starben.
A n h a n
Melanosen.
Als Melanosen, Melanomc bezeichnete man früher alle pig-inentirten Geschwülste: neuerdings hat Lücke beim Menschen diese Bezeichnung für diejenigen Geschwülste in Anspruch genommen, welche vornehmlich aus Pigmentzellon bestehen. Sie bilden also eigentlich keine besondere Gruppe von Tumoren, sondern sind nichts weiter als gewöhn­liche Tumoren, die sieh durch ihren Heiclitliiiiu an Pigment auszeichnen. Man könnte daher auf eine gesonderte Besprechung derselben verzichten: wenn dies nicht geschieht, so ist lediglich das so häufige Vorkommen dieser |iiginentirten Geschwülste bei unseren Pferden hierbei mass-gebend.
Obgleich eine genaue Statistik über die anatomische Zusammen­setzung dieser Tumoren zur Zeit noch fehlt, so darf man schon mil Rücksichl auf das Auftreten und den malignen Verlauf annehmen, dass es sich meist um M e I anosar kom e und Melanocarcinome handelt.
Man trifft diese Tumoren am häufigsten bei Schimmeln in den mittleren oder höheren Lebensjahren, doch sahen wir solche wiederhol! bei noch nichi ausgewachsenen Pferden. Die vielfach verbreitete Meinung, dass nur Schimmel an den sog. Melanosen leiden, ist falsch. Auch bei Braunen, Füchsen, selbst Rappen sind sie gesehen worden;
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(Jescliwülsto uaoh dorn Typus des Epitlioliengcwebcs — Mclanoson. '15.')
ebenso kommet] Mdanosen bei Rindern (Morot, Adam H.A.) und selbst beim Sohaf (Worsley) vor. Ihr Waohstbum erfolgt bald schneller,
bald langsamer: nach der Exstirpation stellen sich oft Kecidive, bei Verletzungen (nicht: selten auch ohne diese) LJlcerationen ein. Sehr liilulig werden Metastasen beobachtet, so dass es keinem Zweifel unter­liegt, dass es sich um eine maligne Geschwulstbildung handelt. Vom Schweif und dem perianalen Bindegewebe breitet sich die Geschwulst oft weiter aus, kann einerseits zu Störungen der Defilcatiou, anderer­seits zu Metastasen in den Organen der Bauchhöhle führen.
Zahlreiche Mittheilungen in der Literatur haben dieses bestätigt und zugleich gezeigt, dass die Tliiere schiiesslich in ('achexie verfallen und au allgemeiner Geschwulstbildung zu Grunde gehen. Wiederholt beobachtete man auch Paraplegien durch Eindringen der Geschwulst­masse in den Wirbelkanal, oder Lähmung der Hinterschenkel durch Druck derselben auf die Schenkelnerven.
Ueber die Ursachen der Melanosen ist ebenso wenig bekannt wie über die des Sarkoms und Carcinoms. Der Umstand, dass diese Gesclnvülste vornehmlich bei Schimmeln vorkommen, hat zu der An­nahme geführt, dass der Organismus die Geschwulstbildung benutze. um sich des überflüssigen Pigmentes ZU entledigen. Für diese Ansicht hat man die Thatsachc herangezogen, dass im Blute der mit Melanosen behafteten Thiere Pigmentkörner angetroffen werden. Aber schon Bellinger hat darauf hingewiesen, dass diese Pigmentmassen aus den zerfallenen Zellen der Geschwülste stammen und aus diesen erst in die Blutbahn gelangen. Ueberdies kommt die Geschwulstart auch bei Braunen, Füchsen und Rappen vor. Grössere Wahrscheinlichkeit erlangt daher die Annahme, dass es sich bei der Pigmentbildung um eine speeifische Thiltigkeit der Gewebszellen handelt; dafür spricht auch das Vorkommen pigmentfreier und pigmentirter Tumoren neben einander bei ein und demselben Individuum (Beeger, Leiserinß u. A.l.
Bezüglich der Beurtheilung und Behandlung der Melanosen gelten die an betreffender Stelle erwähnten Grundsätze. Bemerkt sei noch, dass die mit dieser Geschwulstbildung verbundene Gefahr um so grosser erscheint, je schneller das Waclisthuin der Neubildung, und zwar einmal, weil der Tumor dann um so früher locale Störungen (Obstipation, Behinderung der Harnentleerung) hervorruft, dann aber auch, weil die schnell wachsenden Tumoren in der Kegel eine grössere Neiflunif zu Metastasenbilduna besitzen.
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(ieschwülste.
E. Gesoliwttlste mit organoldein Bau (Teratome [Viroliow])
and Cysteu.
\ (in den echten orgauoiden Qesobwülsten kommen bei unsei'en
lliui.stlüeveii nur zwei vor, nämlich solche, welche den Bau und die Einrichtung der äueseren Haut zeigen (Derraoide, Dermoidcysten), und solche, welche ihrer Einrichtung nach als Zähne angesprochen werden müssen (Zahncysten). Die Entstehung dieser Gebilde ist einer Verirrung der entsprechenden Gewebe während des Pötallebens zu verdanken. Ob es sich hierbei um einfache Missbildungen, oder um verkümmerte Doppelmissbildungen (Foetus in foetu) handelt, darüber sind zur Zeit die Ansichten noch getbeilt.
Die Dermoide und Dermoidcysten zeigen mich Chiari den Bau der Haut mit allen ihren einzelnen Thoilen (Haare, Epidermis, Papillen, Talg- und zuweilen .Schweissdrüsen, bei Vögeln Federn). Während die Dermoide bei unseren Haustbieren am häufigsten am Auge vorkommen, werden die Dermoidcysten in der Subcutis, Ovarien, Hoden und dem Gehirn gefunden. Sie zeigen die Eigenthümlichkeit, dass sie in Form eines Hohlraumes auftreten, der als Wand echte Haut oft mit allen ihren Einrichtungen besitzt, und dessen Inhalt aus Haaren (bei Vögeln Federn) und einem grauen, schmierigen Brei be­steht. Letzterer ist nichts weiter als das Product der Talgdrüsen, ge­mischt mit Ilaaren und Epidermiszellen, das gekochter Grütze ähn­lich sieht.
Zahncysten werden bei unseren Haustbieren ebenfalls häufig ge­funden (Scbläfeugegend, Ovarien, Hoden, Gehirn, medialer Augen­winkel) als Folge während des Fötallebens aberrirter Zahnkeime. Sie bilden einen Sack, der einer Schleimhaut- ähnlich ist, und beherbergen einen mehr oder minder ausgebildeten Zahn, der häufig mit den Knochen (Schläfenbein, Felsenbein, Tliränenbein) verwachsen ist. Am Kopfe der Pferde zeigen sich diese Zahncysten meist in Form einer Fistel, deren Wesen erst bei der Untersuchung mit der Sonde er­kannt wird.
Die Cysten zerfallen je nach ihrer Entstehung in Erweicbungs-, Retentions- und genuine Cysten oder Cystome.
Die Erweichungscysten geboren streng genommen nicht hierher. da an ihnen die Cyste niebi das Primäre und Wesentliche ist. Sie entstehen vielmehr ersi aus Tumoren (Sarkom, Carcinom, Lipom, Fibrom) durch regressive Metamorphose (schleimige Erweichung, fet-
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(roschwülsto mit orgauoidein Bau and Oysten.
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tiger Zerfall) und werden daher richtig' als Cystosarkom, Cystooaroinom ix. a. w, oder Sarcoma c\,sticum, Carcinoma cysticum u. g, w. bezeichnet. Ihre Beurfcheilung und Behandlung entspricht vollständig der der pri­mären Tumoren, auf die liier verwiesen werden muss.
Eine wesentlicb andere Entstehung haben die Retentions-cysten: dieselben stellen Hohlräume dar, welche einen Balg besitzen mit einem wässerigen (seröse (.'ysten), schleimigen (Schleimquot; cysten), honigartigen (j\Ieliceris), grützbreiähulichen Inhalte (Grütz­beutel, Atheromoysten, Atherome). Diese kommen an der äusseren Haut (Atherome), in den Ovarien, in der Scheide, am Zungen­bande (Ranula), an der Lippenschleimhaut, in der Nasenhöhle, am Kehldeckel, im Kehlgange und in der Nachbarschaft des Kehlkopfes sowie Im Mastdarm vor.
Allen lictentionscvslen gemeinsam ist ihre Entstehung, welche darauf zurückzuführen ist, dass Ausfübrungsgänge von Drüsen aus irgend welchen Ursachen verlegt werden und so das Drüsensecret nicht entleert werden kann. Nach neueren Untersuchungen machen die Atherome hiervon insofern eine Ausnahme, als ihre Entstehung nicht lediglich der Retention von llauttaig, sondern einer Aberration von Epidermiakeimen zugeschrieben wird, so dass sie den Dermoidcysten zugezählt werden müssten. Lediglich einer Retention von Drüsensecret entspringen jedoch die übrigen, z. B, die Cysten der Scheide den Eart ho lin i'schen Drüsen, die lianula der (ilandula suldingualis U.S. w. In welcher Weise die Verlegung des Ausftthrungsganges zu Stande kommt, ist noch nicht erforscht. Chinri nimmt für den Baarbalg an, dass er durch Epithelmassen verstopft wird.
Unter genuinen Cysten oder Cystomen versteht man Cysten, welche in Drüsen (Eierstock, Schilddrüse) auftreten, und von denen man annahm, dass sie nicht durch vorgenannte Ursachen angeregt werden. Nach neueren Untersuchungen werden sie als Adenome mit starker Erweiterung des Lumens aufgefasst und somit als Cystoadenome anzusehen sein. Der Cvstenkropf ist- ein derartiges Gebilde,
Diagnose. Bietet auch das typische Auftreten der organoiden Geschwülste und Cysten einigen Anhalt für die klinische Diagnose, so lässt sieb die Natur derselben doch häutig erst durch l'unctioii oder Incision oder nach der Exstirpation mit Bestimmtheit erkennen. Meist stellen sie runde oder längliche, scharf begrenzte, elastische, fluetuirende, schmerzlose Anschwellungen von verschiedener Grosse dar. Sie sind an sich gutartig, stören aber oft mechanisch
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158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gesobwülste. Tumoren.
laquo;lurch ihren Site (Kehldeckel), oder durch ihre betrllohtliohe Grosse, oder endlich dadurch, dass sie Ausgangspunkt maligner Neubildungen, #9632;/.. 15. Carcinome (Grebe), werden.
Die Behandlung \rersprioht nur Erfolg, wenn zugleich der Balg mit seinem Inhalte entfernt, bezw. zerstört wird; ein­fache Function führt niemals zur Heilung und kommt nur in Betracht zum Zwecke der Verkleinerung der Geschwulst. Die Zerstörung der i'vstenwand kann durch Injection ätzender Flüssigkeiten in die Cyste (Jod, Zinc, ehlorat,. Weingeist u.s.W.) geschehen; grössereu Erfolg erzielt man in der Regel mit vollständiger Spaltung und darauf fol­gender Aetzung mit den genannten Mitteln, oder durch Touchiren mit dem (iliiiu'isen oder mit dem Paquelin. Am sichersten ist die Exstir-pation der ganzen Cyste. Im allgemeinen empfiehlt sich, den Balg geschlossen zu entfernen, was in der Regel nicht schwer fällt, da derselbe mit seiner Umgebung selten fest verwachsen ist. Nach dem Anschneiden der Cyste stösst die Exstirpation auf grössere Schwierig­keiten, welche man durch Einbringen von Gipsbrei in die Höhlung der Cyste zu beseitigen versucht hat. Auf Jeden Fall ist bei Cysten mit festem Inhalt (Haare, Federn, Zähne) die Entfernung der Cysten-wand zur Qeilunff unbedingt erforderlich.
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Allgemeine Operationslehre.
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IW
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I. Einleitung.
Die Operationslehre (Akiurgie) bildet einen Theil der Chirurgie. Im weiteren Sinne des Wortes bezeichnet man als Ope­ration alle mechanischen Hülfeleistungen, bei welchen chirurgische Instrumente Anwendung finden, und unterscheidet daher blutige und anhlutige Operationen. Zu den letzteren gehören z. B. die Application eines Katheters, die Entfernung von Fremdkörpern aus dem Schlünde, die Reposition eines fracturirten Knochens u. s. w. Im engeren Sinne des Wortes gelten als Operationen nur die blutigen, welche auch hier vornehmlich in Betracht kommen.
Zweck der Operationen ist entweder die Abwendung drohender Lebensgefahr, z. B. beim Luftröhrenschnitt der Erstickung, oder die Heilung von Krankheiten, z. B. beim Heften einer Wunde; endlich werden verschiedene Operationen an Thieren ausgeführt, um dieselben für bestimmte Zwecke brauchbarer zu machen (Castration) oder das Aussehen derselben zu verbessern (Myotomie des Schweifes).
Zahlreiche Instrumente finden bei der Ausführung von Operationen Anwendung; die nähere Beschreibung ihrer Einrichtung und Hand­habung bildet die Aufgabe der Instrumentenlehre (Akologie), während die Verb an d I eh rc (Desmologie) sich mit der Anwen­dung der Verbandmitfcel beschäftigt. Eine eingehende Betrachtung dieser Lebrgegenstände muss den speciellen Lehrbüchern überlassen bleiben, hier sollen nur die praktisch wichtigeren Fragen in Bezug auf die Instrumenten- und Verbandlehre Besprechung linden.
Die Ausführung chirurgischer Operationen setzt in erster Linie genaue Kenntnisse der Anatomie, insbesondere der topographischen Anatomie, sodann ein wissenschaftliches Verständniss für die in Be­tracht kommenden chirurgischen Krankheiten und der speciellen Patho­logie voraus. Sie verlangt ferner scharfe und geübte Sinne, manuelle
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I(i2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
(icsduckliclikcit, Kuho, Umsicht und Besonnenheit, nm aucli unerwartete Zufälle richtig zu beurtheileu und ihnen event, mit Erfolg entgegen ZU treten. Ein scharfes Auge, ruhige Hand und feines Gefühl sind ebenso unentbehrlich für den Chirurgen, wie eine begeisterte Hingabe zu dieser Kunst. Natürliche Anlage bildet zwar ein mächtiges Unter­stützungsmittel, doch spielt die Uebimg in der Ausführung von Ope­rationen eine noch grössere Holle.
Vor der Operation sind zunächst die Indicationen und Contraindicationen derselben sorgfältig zu erwägen. Bei Thieren kommt stets in Frage, ob die Operation nothwendig, oder ob die Hei­lung nicht auch ohne solche in entsprechender Zeit, zu erreichen ist. Man vergesse nicht, dass der mit der Operation erzielte V ortheil den Aufwand an Unkosten mindestens decken muss, wobei auch die mit der Operation verbundenen Gefahren in Betracht zu ziehen sind. Dem praktischen Takt des Operateurs muss es überlassen bleiben, bei auf­schiebbaren Operationen diese Berechnung mit dem Besitzer vorher anzustellen; dabei versäume man nicht, denselben auf die etwaigen Gefahren aufmerksam zu machen. Wenn die Operation noch so kunst­gerecht und mit Erfolg ausgeführt wird, den Besitzer befriedigt die­selbe in der Regel nur, wenn die Operation directen Vortheil bringt. Eine derartige Aufklärung erscheint aber geboten, sobald der chirur­gische Eingriff aufschiebbar und mit Lebensgefahr für das Thier ver­bunden ist; aber auch bei relativ ungefährlichen Operationen gebietet die Klugheit, den Besitzer des Thieres vor der Ausführung der Operation über die Folgen derselben aufzuklären, sobald Zeit und Gelegenheit dazu gegeben ist. Handelt es sich um eine Operation, die keinen Aufschub gestattet, so müssen natürlich diese Rücksichten fortfallen. Im anderen Falle nehme man bei grosseren Operationen auch auf Witterung und Tageszeit Rücksicht; mau castrire z. B. nicht in Zeiten und an Orten, wo ansteckende Krankheiten herrschen, welche den Ver-lauf der Operation ungünstig zu gestalten geeignet erscheinen. Im all­gemeinen ist der Vormittag zur Ausführung eingreifender Operationen vorzuziehen, um den bald nach denselben etwa auftretenden Folgen, z.B. Blutungen während des Tages begegnen zu können; auch bietet der Vormittag in der Hegel das beste Licht. Für die Ausführung grösserer Operationen wähle man einen schattigen, aber möglichst hellen und staubfreien Platz.
Wo es sich um grössere Operationen bandelt, muss sich nament­lich der Anfänger vorher einen genauen Operationsplan machen. Fast jede Operation kann nach verschiedenen Methoden ausgeführt werden;
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Kinlcitunt
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OS handelt sich also durum, diejenige auszuwählen, welche am ein-fachsten und sichersten, am schnellsten und leichtesten ausliihrbiir ist, und dem Patienten die wenigsten Schmerzen bereitet, ohne dass der Erfolg der Operation darunter leidet. Darüber klar geworden, führe man sich den Gang der Operation im Geiste vor und versichere sich aller Instrmnente, welche zu derselben erforderlich sind oder zufällig gebraucht werden. Von Instrumenten, die leicht beschädigt werden (Messer), halte man mehrere vorräthig; bei blutigen Operationen muss das nöthige ünterbindungsmaterial und eine Anzahl Schieberpincetten zur Stelle sein. Mau orientire sich über die anatomischen Verhältnisse des Operationsfeldes , erwäge alle möglichen Zufälle und trelte die hierbei event, nothwendigen Vorkehrungen. Sobald Thiere zur Ope­ration niedergelegt werden, ist die Veränderung in der Lage der Theile zu beachten, und das Thier so zu placiren, dass die Ausführung auf möglichst wenig Schwierigkeiten stösst. Auch sorge man für die nothwendigen Gehülfen, theile denselben ihre Aufgaben zu und unter­richte sie in der Ausführung derselben. Im übrigen ist die Zahl der ttberflüssigen Zuschauer nach Möglichkeit zu beschränken; sie be­unruhigen den Patienten, lenken die Aufmerksamkeit der Gehülfen ab und stehen dem Operateur im Liebte wie im Wege.
Während der Operation ist dafür zu sorgen, dass man selbst und die Gehülfen eine gesicherte Stellung einnehmen, ohne der Ope­ration hinderlich zu werden; man wähle seihst eine Stellung, die zur Ausführung der Operation die grösste Bequemlichkeit bietet, ohne dass man selbst in Gefahr kommt und das Licht von dem Operations­felde abgesperrt wird. Bei Operationen an grösseren Thieren im Stehen vermeide man eine knieende Stellung, wähle, wenn an den Glied-massen operirt wird, stets eine gebückte Haltung, um unerwarteten Bewegungen des Thieres leichter ausweichen zu können. Besonders beachtenswertb ist diese Kegel bei schmerzhaften Operationen. Auch am liegenden Thiere suche man sich selbst und seine Gehülfen so zu placiren, dass durch die sträubenden Bewegungen des Thieres Niemand verletzt werden kann, selbst dann nicht, wenn die Befestigungs­mittel zerreissen sollten.
Jeder operative Eingriff soll vorsichtig, aber energisch erfolgen: wo #9632;/.. B. ein Schnitt zur Trennung der Gewebe ausreicht, mache man nicht mehrere und suche jeden möglichst schnell auszuführen, um dem Thiere Schmerzen zu sparen und dasselbe möglichst wenig ZU beunruhigen. Niemals lasse man sich durch unerwartete Zufälle aus der Fassung bringen, sondern überlege ruhig, aber wenn nöthig
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Einloitunffi
schnell, wie denselben entgegen zu treten ist, Sollten sieh der Auslaquo; fUbrung der Operation unvorbergesebene Hindernisse entgegen stellen, so iinderl man dementsprechend seinen Operationsplan. Vorsicht,
Kühe und Geschickiieiikeit helfen über solche Schwierigkeiten am besten fort.
Niieh der Operation ist der Patient möglichst günstig zu placiren; wo etwa die Gefahr einer Nachblutung bestehen sollte. muss derselbe beaufsichtigt werden. Man unterrichte den Besitzer über die möglicherweise auftretenden Störungen und die hierbei zu leistende erste Hülfe, treffe die zur Nachbehandlung erforderlichen Anordnungen und suche alles von dem Thiere fern zu balten, was den Erfolg der Operation in Frage zu stellen geeignet erscheint. Dazu gehören namentlich Vorkehrungen, dass die Thiere die Operationsstelle nicht verletzen (zweckmässiges Anbinden, event. Bewachung). Bleibt der Operateur nicht in der Nähe des Patienten, so empfiehlt sich, den Besitzer auf diejenigen Erscheinungen aufmerksam zu machen, welche ein sachverständiges Eingreifen erfordern.
I. Die zur AusiTiliriing der Operationen ilaquo; Anwendung kommenden Beruhigungs- und Zwangsmittel.
Da die meisten Operationen mit mehr oder weniger Schmerzen verbunden sind, so werden die Thiere bei Ausführung derselben un­ruhig, widersetzen sich und stören dadurch nicht allein die Operation, sondern gefährden sich selbst, den Operateur und seine Gehülfen; es werden daher Mittel erforderlich, welche das Gelingen der Operation sichern. Aengstliche, namentlich junge Thiere suche man durch Zu­reden, Klopfen oder Streicheln zu beruhigen; doch genügt dieses nur bei kurzen und wenig schmerzhaften Operationen. Bösartige Thiere, namentlich Pferde, die beissen oder schlagen, wenn sie berührt wer­den, lässf man vor der Operation hungern und dursten, dabei aber, wenn möglich, tüchtig arbeiten oder bewegen.
Es liegt auf der Hand, dass diese Mittel bei den einzelnen Thier-arlen verschieden ausfallen müssen.
a) Zwangsmittel, welche bei Pferden angewendet werden. Bei Pferden kommt es nicht bloss auf die Schmer/.haftigkeit und Dauer der Operation, sondern mein- noch auf die Empfindlichkeit und das Temperament der Thiere an, welche Beruhigungs- und Bändigungsmittel
erforderlich werden. Man überzeuge sich zunächst von dem Charakter
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ZwangsmHtol ix'i Pfordeo.
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des Thieves, suche zu ermitteln, ob es besonders empflndliob, oder kitzlich ist, indem man in der bekannten Weise die einzelnen Körper* theile des Thieres berührt und hierbei jene Vorsiohtsmassregeln l)e-achtet, die in der Diagnostik der ilusseren Krankheiten eingehend beschrieben sind. Nur selten hissen sich Operationen bei Pferden im Stalle ausführen, in der Kegel ist dazu ein freier Platz erforderlich, zumal Pferde auf schmerzhafte Eingriffe dadurch reagiren, dass sie gegen den Operateur drängen. Dieser muss sich daher stets den Rücken frei halten, um in der Lage zu sein, dem andrängenden Thiere auszuweichen. Schon aus diesem Grunde sucht der Operateur mit der einen Hand einen festen Stützpunkt am Pferdekörper, indem er die Mähne des Thieres oder den Deckgurt erfasst, oder die Hand gegen die Kruppe des Pferdes stützt. Mit einer Trense versehen — der Kappzaum ist entbehrlich, — lässt man bei Operationen am Vordertheil den Kopf des Thieres tief, bei solchen am Hintertheil dagegen hoch halten und bei Operationen am Rumpfe oder den Hinter­gliedmassen den Vorderfuss der Seite aufheben, an welcher operirt werden soll. Gegen das Beissen schützt mau sich am sichersten durch Erfassen des HackenstUckes der Trense. Am meisten gefährdet ist man hinter und vor dem Pferde: man suche dalier an der Seite des Thieres Stellung zu nehmen. Schmerzlose Operationen, z. B. am Hufe, lassen sich auf diese Weise in der Regel ausführen, sobald aber grössere Schmerzen mit dem operativen Eingriff verbunden sind, und dieser längere Zeit in Anspruch nimmt, werden weitere Hüli'smittel erforderlich. Dahin gehören:
1. Die Bremse1). Als solche bezeichnet man Instrumente, durch welche an dem einen oder anderen Körpertheile des Thieres ein heftiger Druck ausgeübt und Schmerz erzeugt wird, der die Auf­merksam k(.'it des Thieres von den operativen Eingriffen ablenkt. Wie jeder an sich selbst erfahren kann, lässt der lebhaftere Schinerz den ge­ringeren an einer anderen Körperstelle nicht zum Bewusstsein kommen; auch übt die Bremse bei manchen, namentlich warmblütigen Pferden eine geradezu betäubende Wirkung aus. Bei schweren Arbeitspferden zeigt sie sich zuweilen fast wirkungslos; doch bestehen auch hier grosse individuelle Verschiedenheiten.
Als Nasenbremsen verwendet man zwei Arten: 1. die Stock­oder Strickbremse und '2. die eiserne Bremse. Die erstere
') Die Bezeichnung „Bremsequot; hKngl wahrsoheinlioli mit dem lat. „premere1 zusammen.
MUllei u. Flick, Allsemeine Chirurgie für Thierürzlc. J. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 80
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lii'niluquot;Uiiquot;,.s- uiu
I Zwi
ittol,
(Pig, C2) wird in der Weise angelegt, dass man die Strickschleife his an die ersten Phalangealgelenke über die Pinger der linken Hand .streift, mit letzterer die Oberlippe dos Pferdes erfasst, die Schleife auf diese schiebt und durch Umdrehungen des Stockes die Oberlippe kräftig zusatnmenpresst, Die Bremse wird nun von einem Gehülfen gehalten, der dieselbe auf Anordnung des Operateurs kräftiger anzieht und zeitweise lockert. Wo solche Hülfe nicht zur Hand ist. kann die Bremse mit Hülfe einer, am unteren Ende des Stockes befindlichen Strippe an der Trense befestigt werden. In Ermangelung einer Bremse bildet man aus einem Strick oder recht dicken Bindfaden eine lö bis
Piff. 63.
Pia:. ii'
Htockbrcmso
Miscrnr Broinse
20 cm weite Schlinge und schiebt durch diese, nachdem sie wie oben beschrieben über die Oberlippe des Pferdes gelegt, einen kurzen Stock oder ein Stück Holz und .schnürt so die Lippe des Thieres zusammen (Knebelbremse).
J)ie eiserne, ihrer Gestalt wegen auch wohl Zirkelbremse (Fig. 63) genannt, besteht aus zwei ca. 20 cm langen, abgerundeten. zuweilen gekerbten oder spiralig gedrehten Eisenstäben, die an einem Ende durch ein Charnier beweglich mit einander verbunden sind. An dem freien Ende des einen Schenkels befindet sich ein beweglicher, länglicher Hing, der über das gekerbte Ende des anderen Schenkels geschoben werden kann. Die geöffnete Bremse wird senkrecht über die mit der linken Hand erfasste Oberlippe gelegt und mit der rechten
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Amvrmhniquot; der Bremse;.
Ku
Hand geschlossen, worauf die linke Hand den Ring llber den /weiten
Schenkel der Bremse schiebt.
Da die Stockbremse leichter zu transportiren, ihr Druck elastischer und leichter regulirbar ist. so hat sie in Deutschland die eiserne Bremse mehr und mehr verdrängt. Ks muss allerdings zugegeben werden, dass die Strickbremse nicht so leicht rein gehalten und event, des-inlicirl werden kann, wie die eiserne Bremse. Von diesem Gesichts­punkte und unter Hinweis auf andere Vorzüge (sichere und kräftige Wirkung ohne Verletzungen zu erzeugen) hat Bräu er (Annaberg) die in Fig. (11 dargestellte eiserne Bremse empfohlen.
64.
Kit
Ocbsonbvemse #9632; nacli Brauer).
Xasenbremse für Pferde mach BrAuer).
Wenn nach wiederholtem Gebrauch der Bremse an demselben Pferde die Oberlippe wund geworden, oder zufällige Verletzungen oder Entzündungen die Anwendung der Bremse hier unmöglich machen. kann dieselbe auf die Unterlippe gelegt werden, doch ist die Wirkung hier nicht so gut wie an der Oberlippe. Wurde die Bremse an der Trense befestigt, so vergesse man nicht die Abnahme derselben, da sonst Absterben der Lippe eintreten kann. Im übrigen kann die Bremse während der Operation unter Umständen eine Stunde und darüber ohne Nachtheil liegen bleiben. Allerdings lässt ihre Wirkung allmählich nach und hört schliesslich ganz auf, sobald die Lippe un­empfindlich geworden ist. Am wirksamsten ist sie gleich nach dem Anlegen, daher empfiehlt sich, dieses erst kurz vor dem schmerzhaften
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ttiSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hcniliiiriiiigs- und Zwangsmittel.
Eingriö vorzunehmen, oder die Bremse in diesem Momente kräftiger anziehen ZU lassen. Nach Abnahme der Bremse reibt man die Lippe des Thieres, um die gestörte Circulation in derselben wieder zu beleben.
Wiuiger gebräuchliob ist in Deutschland die Maulbrem.se, auch polnische oder ungarische Bremse genannt'1. Ihre An­wendung beschränkt sich auf Fälle, in denen die Application der Nasenbremse auf Schwierigkeiten stösst,; wenn z, B. die Thiere sich ZU dem Zwecke nicht ankommen lassen, sondern schlagen oder heissen. Die Maulbremsc besteht aus einer 3—I m langen Leine, die an einem Ende mit einer Oese oder besser noch mit einem Hinge versehen ist. Die durch Einschleifen des anderen Endes des Strickes durch diese Oese gebildete, etwa 1 m hinge Schlinge wird dem Thier durch das Maul und über das Genick gelegt. Lässt man nun das Ende des Strickes anziehen, so presst die Schlinge die Hacken des Pferdes gegen die Backzähne, wodurch dem Thiere erhebliche Schmerzen bereitet werden. Diese Methode erscheint vortheilbafter als das Zusammenschnüren des Strickes mittelst eines Knebels auf der Backe des Thieres. Nach­theilige Folgen haben wir von der Wirkung dieser Bremse niemals beobachtet, doch sollte man die Anwendung derselben auf jene Fälle beschränken, in denen das Thier nur auf diese Weise zu überwältigen ist, und solche Fälle kommen nicht so selten vor.
Die Ohrbremse besteht aus einem einfachen, nicht zu dünnen Stock; ein Besenstiel kann dazu benutzt werden. Man sucht um das dünnere Ende des Stockes die Ohrspitze des Pferdes zu rollen, und indem man nun den Stock um seine Längsachse dreht, wickelt sich das Ohr weiter um den Stock und wird durch diesen mehr oder weniger gepresst. Die Wirkung der Ohrhremse zeigt sich bei den einzelnen Pferden sehr verschieden; manche beruhigt sie sehr, bei anderen wirkt sie gar nicht. Der mit der Ohrbremse erzeugte Schmer/ seheint nicht gross zu sein, dagegen das ungewöhnliche Gefühl zu wirken, das man in einfacherer Weise durch Einführen eines Fingers oder einer Bleikugel in das Ohr des Thieres hervorrufen kann; auch das Erfassen beider Ohren durch zwei kräftige Gehülfen ist namentlich bei Operationen am Kopfe des Pferdes zu empfehlen. Alle diese Mittel wirken bei unruhigen Thieren zuweilen überraschend, oft aber auch nicht.
Die Schenkelbremse kommt hauptsächlich am liegenden Pferde in Betracht und soll beim Werfen desselben besprochen werden.
') In Kninkrcicli nennt man diese mit Unrecht „detlUohes Gtabissquot; Mors il'A llemairne,
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Befestigen der Küsse des Pferdes,
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2. Befestigung einzelner Eörpertbeile. Wie bereits er­wähnt, lilsst man das Pferd in der Hegel am Trensenzügel von einem kräftigen und beherzten Manne halten, der sieli mit dem Tliiere beschäftigt, durch Zureden oder Klopfen gegen die Stirn die Aufmerk­samkeit desselben von dem Operateur abzulenken sucht. Bei manchen Pferden empfiehlt sich, dieses durch Drohungen mit einem Stock zu bewirken, mit dem erforderlichenfalls dem Thier von Zeit zu Zeit ein leichter Schlag versetzt werden kann. Bei bösartigen Pferden und soloben, welche die Neigimg haben zu steigen, hisse man den Ge-httlfen zur Seite des Kopfes treten, weil er, vor dem Pferde stehend, in die Gefahr kommt, von den Vorderfüssen desselben verletzt zu werden. Hiergegen schützt auch die Anlegung eines Strickes um beide Fiisse oberhalb der Carpalgelenke (Kniefessel) oder einer Schlinge, die vom Bauchgurt aus über den einen oder anderen Vorarm gelegt wird. Zu demselben Zwecke kann ein Vorderfuss mit dem llinterfuss derselben Seite zusammengebunden werden.
a)nbsp; nbsp;Bei Operationen am Kopfe ist das Niederbinden des­selben zu empfehlen. Ein langes, starkes Tau, am Kinnstück der Halfter befestigt, wird durch einen in der Brusthöhe des Pferdes an der Wand befindlichen Ring gezogen und von einem Geliülfen gehalten. Oder man führt den Strick vom Kinn zwischen die beiden Vorder­beine des Thieres und unter dem Bauchgurt hindurch, schlägt ihn hier um und fiilnt ihn zur Halfter zurück, wo das Ende befestigt wird. Man benutzt diese Hülfsmittel bei Operationen am Kopfe und den oberen Theilen des Halses: ruhige Thiere lassen sich den Kopf und Hals durch Ergreifen der Ohren von ein paar kräftigen Männern leicht herunterdrücken. Zu vermeiden ist dagegen kurzes Anbinden, namentlich mittelst einer Kette; wenn sich die Thiere heftig sträuben oder gar niederwerfen, kommen sie in die Gefahr, sich einen Bruch der Halswirbel zuzuziehen, das Genick zu brechen. Zuweilen lassen sich Pferde durch Bedecken des Kopfes bezw. der Augen mittelst eines Tuches ISackes) beruhigen und Operationen am Maule oder der Nase gefallen.
b)nbsp; nbsp;Das Hochbinden des Vorderfusses. Wenn es nicht ge­lingt, einen Vorderfuss andauernd hochzuhalten, so lilsst sich derselbe mit Hülfe eines Strickes befestigen. Zu dem Zwecke wird um die Fessel die Schlinge eines Strickes gelegt, welchen man an dem wie zum Be­schläge aufgehobenen Fusse in Achtertouren um die Fessel und den oberen Abschnitt des Vorarms legt (Fig. 66); das Ende desselben wird von einem Gehülfen gehalten, um im Nothfalle, namentlich wenn das Pferd sich
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Bei'uhigUDgs- und Zwangsmittel.
heftig bäumt oder j(iir stürzt) den Fuss sohnell zu betVeicu. Aus diesem (hniiiile darf das Ende des Strickes uieht festgebunden werden.
c) Befestigung der Hint erfasse. Bei wenig schmerzhaften und mir kurze Zeit iu Anspruch nehmenden Operationen an einem Hinterfusse genügt das Aufheben desselben wie zum Beschläge, event, unter Anwendung eines Handtuches oder Gurtes, der um die Fessel gelegt wird und das Halten des Fusses erleichtert. Soll die Opera­tion an dem belasteten Kusse ausgefiilirl werden, so empfiehlt sich, denselben mit Hülfe eines Taues an den gleichseitigen Vorderfuss zu
befestigen, oder ein um die Fessel gelegtes Tau Fig. 66.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nach vorn /.wischen beide Vorderbeine hindurch
ZU führen, dann um den Hals zu schlingen und von einem (Jehülfen halten zu lassen (Spanneu des Binterfusses), In gleicher
VV
eise werden
de Hinterfusse bei Unter-
suchungen per anum s. vaginam und bei Opera­tionen am Hintertheil befestigt (Fig, 67).
d) Die Nothwände und Nothstände werden mehr zur Ausführung des Hufbeschlags, namentlich bei Pferden kaltblütiger Kassen (Belgien, Frankreich) in Anwendung gebracht als zu chirurgischen Operationen. Als Noth-wand bezeichnet man eine Bretterwand, die in der Kegel auf einer Seite gepolstert und mit Löchern und Ringen versehen ist, an welcher die Thiere befestigt werden. Man hat
Hochbinden des Vorderfussea oder Drehvorrichtuns
die Nothwände auch wohl beweglich einge­richtet, so dass dieselben durch eine Koll­in horizontale Lage gebracht werden können,
und das zu operirende Pferd auf denselben liegt (Operationstisch). In Frankreich wurden verschiedene derartige Vorrichtungen empfohlen (Daviau, Vinsot u. A.), doch fanden sie auch hier bisher nur wenig Anwendung, in Deutschland fast gar nicht. Neuerdings hat Trapp, Schlachthofthierarzi in Strassburg, einen solchen Apparat empfohlen, lt;ler einen grossen Vortheil besitzt, nämlich, dass er nicht, so complicirt und daher auch nicht so kostspielig ist wie die französischen. Das gilt auch und vielleicht noch mehr von dem durch Pflanz (Canth) neuer­dings empfohlenen, der aus Lemberg stammt und soviel uns bekannt von Zorawski construirt wurde. Die mit demselben von mir (M,) angestellten Versuche sprechen für die Brauchbarkeit desselben.
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N'othwiiiulc und NotlistiiiKK1
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J)iis.s bei der Anwendung solcher Apparate Unglticksfölle, wie EuoohenbrUche, .seltener vorkommen, als bei dem gewöhnlichen Werfen, giebt auch Cadiot zu. Dazu kommt, dass die Ausführung der Opera­tionen für den Operateur bequemer, und die Durchführung der Anti­sepsis erleichtert wird.
Aehnlich verhalten sich die sog. Nothstände, welche aus vier starken Säulen bestehen, die durch Querbalken fest mit einander ver-
67.
SpannstooU Hlr den lluls und das Spannen der Hlnterfttsso,
buuden sind. Das in den Nothstaud geführte Pferd wird zwischen diesen befestigt; iniltolst Rollen lassen sieb die Püsse des Thieres hochheben und hxiren. Auch diese finden in Deutschland wenig An­wendung.
Zur Bewältigung widerspenstiger Pferde wurde von zwei fran­zösischen Offizieren (Raabe und Lunel) eine Vorrichtung erfunden, die sie „Lasso-dompteurquot; nannten. Der Apparat (Fig. lt;gt;8) be­steht aus einem starken ledernen Vorder- und Hinterzeug, welche durch Riemen zusammengehalten und so befestigt werden, dass sie in der Höhe der Vorarme bezw. der Unterschenkel liegen. Auf diese
.
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#9632;172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Beruhigungslaquo; und Zwangsmittel.
Weise wird den Pferden die Möglichkeit genommen auszuschlagen;
auch soll durch diese Einschränkung der freien Bewegung ein psychi­scher Eindruck auf die Thlere ausgeübt werden, so (lass selbst bös­artige Pferde bei Anwendung des Apparates sich ruhig verhalten. Operationen sowie das Anlegen der Fesseln zum Zwecke des Werfens sich ruhig gefallen lassen.
Piraquo;, 08.
Lasao-dompteur,
e) Das Werfen der Pferde. Die oben beschriebenen Metho­den geniigen bei Pferden für weniger schmerzhafte und kurze Zeit dauernde Eingriffe; bei zeitraubenden und schmerzhafteren Operationen wird aber in der Regel das „Werfenquot;, .Abwerfenquot; d. h. das Nieder­legen der Pferde an die Erde nothwendig, denn nur auf diese Weise bekommt man volle Gewalt, über das Thier. Das Verfahren ist indess keineswegs ungefährlich, indem hierbei zuweilen Brüche der Wirbel­säule oder der Schenkelknochen auftreten. Man hat verschiedene Me­thoden des Werfens der Pferde empfohlen; aber keine derselben ge­währt absolute Sicherheit, derartige unliebsame Ereignisse zu vermeiden. Welche Methode man auch wählen mag. in erster Linie kommt es auf exaete Ausführung derselben an. Es würde zu weit führen, auf die verschiedenen Methoden des Abwerfens hier genauer einzu­gehen; wir beschränken uns vielmehr darauf, neben dem in der Ber­liner Klinik seit langer Zeit üblichen Verfahren, die übrigen in Kürze mitzutheilen und auf die wesentlichen Unterschiede aufmerksam zu machen.
In der Privatpraxis erfolgt das Abwerfen auf Stroh, weichesauf einem möglichst weichen Hoden ausgestreut ist; Basenplätze sind hierzu besonders geeignet.' Je härter der Boden, desto dicker muss die Strohunterlage sein, um namentlich Practuren der Rippen und des
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Werfen der Pferd
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Beckens zu verhüten. Je nach der Härte lies Bodens ist ein Strohlager von 20—60 cm Dicke erforderlichi auf hartem Boden, namentlich Pflaster, muss die Streu noch reichlicber ausfallen. Da WO der Kopi' des Pferdes ZU liegen kommt, breite mau eine Decke aus, um Ver­letzungen des Auges zu verhüten. Handelt es sich um Operationen, bei denen Asepsis angestrebt werden soll, so leuchte; man sowohl das Lagerstroh, wie auch die Lagerstätte vorher an. In Kliniken und zur Ausführung aseptischer Operationen empfiehlt sich eine starke Matratze von etwa 3 m Länge und quot;2 m Breite, die mit dickem Leder überzogen ist und leicht gereinigt werden kann.
1. Das sog. Berliner Wurfzeug nach Dieterichs besteht: a) aus einer sog. .Hauptfesselquot;, d. h. einem starken, mit einer
Kesseln mit Kette und Tau iles Berllnei Wnrfzeags.
Schnalle versehenen, innen gepolsterten Riemen, der mit einem ca. (gt; m langen, starken Seil verhunden ist, und aus drei ebenso gebauten Fesseln, jedoch ohne Seil;
b)nbsp; aus einem ca. 6 m langen, handbreiten Gurt, der entweder aus starkem Hanf oder doppeltem .Lederriemen besteht (Beigurt);
c)nbsp; aus der sog. Schenkel bremse, einer ca. 50 cm langen Schleife, bestehend aus einem handbreiten Gfurt und einem etwa 50 cm laugen, 8—quot;) cm dicken, gut geglätteten, runden Stock (Fig. 70). (Kin Besenstiel lässt sich an Stelle desselben verwerthen.)
Es ist üblich, Pferde; zum Niederlegen vorzubereiten, indem man ihnen 0 Stunden vorher das Futter entzieht, um die bei starker Fül­lung des Magens mit dem Werfen verbundene Gefahr der Zerreissung desselben zu umgehen. Allerdings ist diese Gefahr nicht so gross,
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Beruhisruns
Zwangs inilt(
wie oft angenommen wird, dagegen empflehli sich, Thiere, deren Harn­blase llbermftssig angefülH ist (Harnverhaltung), überhaupt nicht oder mit besüiulerer Sorgfalt niederzulegen. Unruhigen und bösartigen Pferden wird gweckmässig vorher Futter und öe-Fig. 70.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; iriink entzogen, um sie ruhiger zu machen.
So vorbereitet wird das Pferd, mit einer Trense verseilen, an das Lager herangeführt und demselben eine Naseubremse angelegt. Der hier­mit beschäftigte Gehülfe bleibt vor dem Pferde stehen und richtet den Kopf des Thieres etwas seitwärts, abgewendet von der Streu. Sobald dies erfolgt ist. liisst man den von der Streu ab-gewendeten ') Vovderfuss aufhellen und unter dem Fesselgelenk die Hauptfessel anlegen, so dass die Schnalle aussen liegt. Zu gleicher Zeit werden die übrigen drei Fesseln in derselben Weise angelegt, so dass der Ring derselben nach dem Bauche des Sohenkelbvemse.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferdes, also an den Vorderfesseln nach hinten, an
den Hinterfesseln nach vorn, die Schnalle nach aussei! gerichtet ist, während ein anderer Gehülfe den Beigurt von der Streuseite aus über den Widerrist des Pferdes legt, von wo er /wischen beide Vorderbeine hindurch wieder zurückgeführt (Fig. 71) und von 2—4 Gehülfen gehalten wird. Während die Fesseln angelegt werden, hält ein Gehülfe das Ende des Taues der Vorderfessel bereit und reicht es dem mit der Anlegung der Hinterfessel derselben Seite be­schäftigten, welcher dasselbe durch den Hing zieht und zum anderen Hinterfusse weiter reicht: von hier aus wird das Tau durch diese Pessel gezogen und zunächst zum unteren, endlich auch zum oberen Vorderfusse, d. h. durch den lüng der Hauptfesse] geführt. Alle vier mit der Application der Fessel beschäftigten öehülfen suchen das Tau weiter zu fuhren, bis es schwach angespannt ist. Dann wird der auf­gehobene Vorderfuss langsam heruntergelassen, und sobald der Opera­teur -fertigquot; ruft, cüinmandirt der Gehülfe, welcher den Schweif des Thieres erfasst hat, in gleichmässigem nicht zu langsamem Tempo: eins, zwei, drei. Auf „dreiquot; ziehen die mit der Anlegung der Haupt-fessel und der gleichseitigen Hinterfessel beschäftigt gewesenen Ge-bülfen, event, unterstützt von zwei kräftigen Leuten, das Tau der
') Der Kürze woKon wollen wir die Küsse diesor Seite mit lliicllt;sielit, auf die spätere l^iige desselben die oberen, die der anderen Seite die unteren nennen,
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Werfen der Pferde,
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HauptfdSSel kräftig an, und zwar etwas nach dem Iliiitortlicil des
Pferdes zu, während die an der anderen Seite beschäftigt gewesenen Gtahülfen mittelst des Gurtes den Rumpf des Tliieres auf die Streu nieder­ziehen. Der am Schweif angestellte Qehülfe sucht durch einen kräftigen
Gegenzug oder durch Zurückdrängen der Kruppe während des Fallens zu verhindern, dass das Kreuz des Thieres zuerst auf den Boden kommt,
Pik. 71
Berliner Uetbode des Werfens.
wodurch leicht Brüche des Beckens entstehen. Ebenso hält der am Kopfe stehende Gehült'e diesen etwas seitwärts, um Halswirlielhrüche ZU verhüten. So gelangt also zuerst die Schulter des Pferdes auf den Boden, darauf erst Kopfquot; und Kreuz. Es ist zweckmässig, dass die Fllsse des Pferdes heim Werfen dicht zusammenstehen; jedenfalls ver­meide man, dass der untere Jlintorfuss weiter nach vorn (unter dem Leib) steht als der andere llinterfuss; dadurch erlangt das Pferd eine Kraft in diesem Fuss, um im Moment des Fallens entweder nach vorn zu drängen oder sich in die Höhe zu heben. Aus demselben Grunde
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Boruhistunffs* und Zwanfirsmittel.
empfiehlt sich, class die Vorder- von den Hinkerftlssen weit ab, die beiden Hinterfüsse jedoch nahe zusammen stehen. Sobald das Pferd liegt, setzt sich der am Schweif stehende Geluilfe auf die Kruppe des Pferdes, um diese zu belasten, während die bis dahin am Gurt beschäftigten im Verein mit dem Oebüifen am Kopfe,
diesen und den Hals des Tbieres zu strecken suchen, um die h'ückemnuskeln zu entspannen. Durch die Be­lastung der Kruppe werden Seitwärtswendungen im Rücken, durch die Entspannung der Hückenmuskeln energische Krümmung der Wirbelsäule nach oben und auf diese Weise Brüche der Kücken- oder Lendenwirbel verhütet. Die am Kopfe beschäftigten Gehülfen haben ferner darauf ZU achten, dass das Auge des Thieres auf der Decke liegt und nicht von der Streu verletzt wird.
i'uraliiitovlmlii'ii
zur Befestigung
der Keltlaquo;
Sobald die Füsse des Pferdes den Boden verlassen haben, ziehen die am Tau stehenden Gehülfen diese zusammen
und verknoten das Tau, oder wenn dasselbe an der Fessel mit einer Kette versehen ist, legt einer das Schloss oder einen Carabinerhaken (Fig. 7'J) durch eine der ersten Schaken derselben. Nunmehr wird die Schenkelbremse angelegt, indem ein Gehülfe die Gurtschleife etwa I—2 Hand breit über dem Sprunggelenke des oben liegenden Fusses schlingt, den Stock hindurchführt und durch Um­drehungen desselben die Schleife massig fest anzieht.
An den oben liegenden Körpertheilen, namentlich am Kopte. Hals und Rumpf können nun die beabsichtigten Operationen ausge­führt, und kann event, die Narkose eingeleitet werden. Zu Opera­tionen an den unteren Abschnitten der Gliedmassen lilsst man diese noch besonders befestigen, wie später beschrieben werden soll. Bei der nöthigen Anzahl geübter Geholfen (5—7) und ruhigen Thieren ge­lingt das Niederlegen der Pferde auf diese Weise leicht, und nur selten ereignet sich dabei eine Beschädigung. Manche Pferde wider­setzen sich jedoch .schon dem Anlegen der Bremse, werden zuweilen durch diese sogar beunruhigt: in solchem Falle lüsst man sie fort.
Beim Anlegen der Fesseln muss der betreifende Gehülfe in ge­bückter Stellung, niemals knieend. mit der Hand zunächst an der Gliedmasse von oben nach unten streichen: Vollblutpferde lassen sich dieses leichter gelallen, wenn man während des Anlegens der Fesseln die beim Putzen derselben üblichen summenden Laute hören lässt; auch muss der am Kopfe stehende Gehülfe die Aufmerksamkeit des Pferdes durch Zureden von diesen Manipulationen abzulenken suchen.
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Werfen der Pferdei
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Einzelne Pferde werden duroh Blonden mit Hülfe eines Handtuches, das mau ihnen über die Augen legt, beruhigt) bei anderen ttbt die polnische Bremse einen günstigen Eintluss aus. Wichtig vor allem ist, dass jeder Gehülfe gehörig informirt wird und die von ihm erwarteten Hülfeleistungen schnell aber ruhig voll­zieht, damit nicht durch längere Dauer des Verfahrens die Geduld des Pferdes zu früh erschöpft wird: hastige Bewegungen beunruhigen das Thier. Die mit dein Anlegen der Hinterfessel betrauten Uehülfen treten von vorn an den betreffenden Fass heran, um nicht geschlagen zu werden, und verharren hierbei in ge­bückter Stellung,
Die grössten Schwierigkeiten bieten Pferde, die sieh Berührungen der Gliedmassen nicht gefallen lassen, daher auch das Anlegen der Fesseln nicht dulden. Erleichtert wird dies oft durch vorheriges An­legen leinener oder wollener Binden um die Fessel, Bayer empflehli in solchen Fällen die Anwendung des Lasso-dompteurs (S. 472), Zu­weilen gelangt man bei solchen dadurch zum Ziele, dass man etwa 20—:3n Minuten vor dem Werfen eine Morphin minjeetion (0,5 auf 10,0 Wasser) subeutan applicirt. Genügt auch dieses sowie angestrengte Arbeit, Hungern und Dursten nicht, so lasse man (bis Pferd auf recht weichem Boden mit reichlicher Streu so aufstellen, dass die Vorder- wie liinterfüsse desselben in der Schlinge zweier langer Taue oder Gurte stehen. Nachdem sodann ein Gurt, wie oben beschrieben, über den Llumpf gelegt worden ist, ziehen auf das (\)mraando ..dreiquot; fünf bis sechs Gehülfen den Gurt kräftig an. während die Schlingen der Tune durch eine schleudernde Bewegung um die Fiisse des Thieres geworfen werden. Sobald das Pferd am Boden liegt, setzen sich mehrere Ge-hülfen auf den Rumpf desselben, und während die am Kopte beschäf­tigten das Genick des Thieres gegen den Boden, das Maul nach oben zu richten suchen, dienen die beiden Taue zur vorläufigen Befestigung der Füsse. Das Thier sträubt sich natürlich zunächst und sucht die Füsse auf den Boden zu setzen, was mit Hülfe der Gurte verhindert werden muss; bald aber beruhigt sich auch das heftigste Pferd, worauf die Fesseln wie (dien beschrieben angelegt und mit dem Tan befestigt werden.
Cagav liisst bösartigen Pferden, welche sich die Fesseln nicht iin-legen lassen, 20,0 Sulfonal mit 1 Liter Haferschleim geben. Nach 1 Stunde soll Schlaf eintreten, oder doch die Application der Fesseln leicht gelingen. In 1() Fällen wirkte das Mittel prompt.
Die Berliner Wurfmethode gewährt den Vortbeü, dass die Thiere genau auf die beabsichtigte Stelle fallen, und dass sich die einzelnen Füsse
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leruhigungfs- und Zwangsmittel,
li'icbt frei macbGn und in beliebiger Lage befestigen lassen. Sie eignet sich daher besonders bei Operationen an den GHiedniassen. Eine Dnbequemliohkeit derselben besteht darin, dass lt;lie ITesseln am liegenden Pferde einzeln ali-genommen werden müssen, üxa dies zu vermeiden, wurden verschiedene Ab­änderungen an dem Wurfzeug in Vorschlag gebracht. So construirte Barnick Fesselsohellen ohne Schnalle, die eine Scidoife bilden, daher für jede Fessel-grösse passen und bewegliche ßinge tragen, welche die Entfesselung er­leichtern.
Matthias läs.st das Tau bezw. die Kette mittelst, einer Schraube mit der Bauptfessel verbinden. Durch Lösen dieser Schraube wird die Kette frei, worauf die Fesseln am stehenden Pferde abgenommen werden (Fig, 73).
Wurteoug nucli Jl n tfcliia.8.
Büttner construirte einen recht brauchbaren Carabinerhaken für das Berliner Wurfzeug.
Eines sollte man vor allem bei solchen Neuerungen nicht aus dem Auge lassen, niiinlich die Sicherheit und Zuverlässigkeil der Function. Das Nieder­legen der Pferde ist stets mit gewisser Gefahr auch für die Gehtilfen ver­bunden, die nur durch absolute Zuverlässigkeit des Wurfzeuges einiger-müssen vermindert werden kann. Doppelte Vorsicht ist daher auch bei Ver­wendung eines neuen Wurfzeuges geboten, dessen Festigkeit noch nicht erprobt wurde.
2. Die Stuttgarter Methode. Der beschriebenen Wurfmethode ähnlich gestaltet sich die in Stuttgart nach den Angaben Hördt's übliche. Zwei Wurfseile und ein Brustgurt sind dazu erforderlich; letzterer trält;ft unter der Brnsl einen eisernen Ring. Soll das Pferd auf die rechte Seite geworfen werden, so legl mau das eine Wurfseil um die Fessel des rechten Vorderfusses und führ! dasselbe durch den Umg einer um den rechten liinterfuss gelegten Fessel, und zwar von aussei! nach innen, woran!' das Ende des Seils an dem linken Vorder-fuss vorbei nach der linken Seite des Pferdes geführt wird. Um-
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Werfen dor
irde
17!)
gekehrt wird das zweite Wurfsei] angelegt; also um die Fessel des linken Hintorfusses geschlungen, .lurch den fting einer um den linken Vorderfuss gelegten Fessel, aber von innen nach aussen gezogen, und dann auf die linke Seite des Pferdes geführt (Fig. 74). Während die an einem um die Brust gelegten Gurt ziehenden Gehülfen den Rumpf des Pferdes zur Seite bewegen, Üben die an jedem der beiden Wurfseile stehenden zwei bis drei Gehülfen einen kräftigen Zug aus.
Stuttgavtev Methode des Werfens,
um die Füsse zusammenzuziehen. Am liegenden Thiere können die beiden Füsse jeder Seite zusammengebunden, event, an dem unter der Brust gelegenen Ringe des Brustgurtes befestigt werden.
Die Methode hat den Vorzug, dass bei Operationen am Bauche die Füsse mit Leichtigkeit auseinander gebracht werden können, und .las Ausbmden hierzu nicht nöthig wird, wie es hei dem Berliner Wurfzeug der Fall ist, Statt der Stricke können auch Ketten benutzt werden Im übrigen erfolgt das Werten hier ebenso wie „heu beschrieben.
He. der dänischen Methode wird ein aus starkem Leder be-
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Beruhiffuugs- und KwangBmittel.
stehendor. reichlich - m langer, 14 cm breiter Gurt urn die Brust des Pferdes gelegt und mittelst einer starken Eiseiisciimille befestigt. Auf dem Hucken und unter der Brust des Pferdes trügt der Gurt einen grossen eisernen King. Zwei beweglich mit dem Gurte verbundene Ledor-riemen werden vor der Brust des Pferdes zusammengeschnallt, um das Rutschen desselben nach hinten zu vermeiden '). Von den vier Fesseln sind zwei mit einem starken. 5 — lim langen Strick verseilen (Hauptfessel).
DäniBchä WmfinctUodo (nach Topper).
Soll das Pferd auf die linke Seite geworfen werden, so wird nncli Anlegung ties Brustgurtes die eine lliinptfessel um den rechten liinterfuss (Fessel) gelegt, und der Strick von liier durch den oberen King des Gurtes über den Rücken des Pferdes nach der linken Seite desselben geführt. Die /weite tlauptfessel legt man auf den rechten Vorderfuss, die übrigen beiden Fesseln auf den linken Vorderfuss und linken liinterfuss. Vom rechten Vorderfuss wird der Strick zunächst durch den Fesselring des linken Vorderfusses, dann durch den des linken Hinterfusses und den unteren Brustring des Gurtes nach vorn und rechts vom Pferde geführt.
') (iimz überflüssiger Weise i-^t hierzu oeuerdings eine Art Kummt empföhlet)
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Werfen der J'l'erde.
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An jedem der beiden Stricke stehen drei Geliiilfen und ein Mann am Kopfe des gebremsten Pferdes, welcher mit der linken Hand das linke Ohr des Pferdes, mit der rechten die von rechts nach links über den oberen Halsrand gelegten und straff angezogenen Trensenzügel erfasst.
Auf ein gegebenes Zeichen ziehen die an den Stricken stehenden Grehülfen zu gleicher Zeit kräftig au, wodurch das Pferd auf die linke Seite fallt. Wahrend des Werfens darf Niemand hinter dem Pferde stehen, um Verletzungen durch den rechten Hinterfuss zu vermeiden.
Piff, 70.
Pferd nach (liiiiisolu'V Methode gefesselt (Topper).
Sobald das Pferd liegt, wird der rechte Hinterfuss bis auf etwa 1 Fuss an den liückenring des Gurtes gezogen, der Strick zweimal um die Fessel dieses Fusses geschlungen, sodann von unten nach oben um den Unterschenkel und zurück zur Fessel geführt. Diese Achtertouren werden drei- bis viermal wiederholt (Fig. 7(i), wobei darauf zu achten ist, dass die um den Unterschenkel geführten Touren immer höher gelegt weiden, die um die Fessel dagegen sich immer mehr dem Hufe nähern. Schliesslich wird der Strick etwa in der Mitte des Metatarsus einige Male um don Fuss geschlungen, und hier verknotet von einem Gehülfen gehalten.
Die übrigen drei Füsse zieht man mit dem zweiten Strick an den Möller u. Kr ick. Allgemeine Ohlrnrgle für Thlerftnste. 2. Ami.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•?!
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Beruhigungslaquo; und Zwangsmittel.
Unteren Hing des Gurtes und befestigt dieselben liier. Soll das Pferd auf den Uücken gelegt werden, so empfiehlt sieb iiucb, den unten liegenden Hinterfuss in derselben Weise zu befestigen wie den oberen. Auf diese Weise befinden sich beide Hinterfiisse in extremer Heugestellung, in welcher die Muskeln derselben unfähig zu jeder ener­gischen Ivriiftilusserung sind. Das ist auch der Grund, weshalb die Thiere in dieser Lage sich verhilltnissniässig ruhig verhalten, wodurch nicht allein die Ausführung der Operation erleichtert, sondern auch Fracturen der Wirbel oder Hchenkelknochen weniger leicht vorkommen. Zur Herstellung der Hückcnlage schiebt man einen mit Häksei, Heu oder Stroh gefüllten Sack unter die Brust des Pferdes.
Die Entfesselung erfolgt in der Weise, dass man zunächst, die Achtertouren des linken, dann des rechten Hinterfusses löst, darauf die Fesseln und endlich den Brustgurt aufschnallt.
Während diese Methode sich weniger für Operationen an den Beinen eignet, weil sich diese nicht so bequem ausbinden lassen, wie beim Berliner Wurfzeug, empfiehlt sich dieselbe ganz besonders für Operationen am Bauche und den Q-esohlechtstheilen (Castrationen), namentlich für solche, die in der Hückcnlage ausgeführt werden. Bei Castrationen, besonders von Cryptorohiden wird nicht allein das Aus­binden des linken Hinterfusses sondern auch die Ausführung der Ope­ration erleichtert, weil das Operationsfeld freier daliegt.
Zur Erleichterung des Ausbindens des rechten Hinterfusses bei Anwendung des Berliner Wurfzeugs hat Siebenrogg eine empfehlens-werthe Methode vorgeschlagen, welche gewisse Aebnlichkeit mit dem beschriebenen Verfahren hat. Siebenrogg legt um die Fessel des rechten Hinterfusses einen 5 m langen, starken Strick, welcher über den Rücken des Pferdes geführt und um den Hals desselben ge­schlungen wird. Die übrigen drei Fesseln werden wie gewöhnlich angelegt, der mit der rechten Vorderfessel verbundene Strick jedoch zunächst durch den Ring der Fessel des linken Hinterfusses, dann durch den des linken Vonlcrfusses und endlich durch den des rechten Vorderfusses geführt. Beim Werfen selbst wird nun an dem die drei Fasse verbindenden Strick gezogen, und nachdem dieser am liegenden Pferde befestigt ist, lässt Siebenrogg das Ende des um den Hals geschlungenen Strickes um die Fessel des linken Hinterfusses legen, und diesen wie bei der Berliner Wurfmethode befestigen.
Die mit extremer Beugestellung der Hinterfiisse verbundenen Vortheile hat Petersen bei Anwendung des Berliner Wurf'zeugs durch einen besonderen Apparat zu erzielen versucht. Zwei starke, mit
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Werfen der Pferde.
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Schnallen versehene Lederriemcii laufen durch die Oese einer eisernen, gepolsterten (jabel. Während die letztere gegen die Bengeflilche des Sprunggelenkes gerichtet ist, werden die beiden Riemen um den Unter­schenkel und den Metatarsus fest geschnallt, so dass das Sprung­gelenk sich in vollster Beugestellung befindet.
4. Die russische Methode. Abweichend von den bisher be­sprochenen ist die in Russland übliche Wurfmethode. Um den Hals
Russische Methode iles Werfens.
des Pferdes wird ein etwa handbreiter, starker Ledergurt gelegt, dessen Enden mit einander verbunden sind und einen starken Eisenring tragen. Dieser Gurt wird z. B. beim Werfen auf die rechte Seite so um den Hals gelegt, dass sich der Ring etwa in der Höhe des linken Ellen­bogen befindet. Ein Strick oder ebenfalls Kiemen wird in dem Ringe des Gurtes befestigt, um die Fessel des rechten Hinterfnsses gelegt und zu dem Ringe wieder zurück, sodann über die Kruppe des Pferdes nach hinten geführt (Fig. 77). Bei kleinen Pferden ist der Operateur im Stande, das Niederlegen ohne Hülfe zu bewirken, indem er, zur Seite des Pferdes stehend, und zwar an derjenigen, auf welche das-
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484nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Beruhigungslaquo; iihlt;1 Zwangsmittol,
selbe t'ulltm soll, rait der einen Hand die von der entgegengesetzten Seite des Halses kommenden Trensenzügel, mit der anderen Hand das Wurfseil erfasst und den eiugesclilungenen Hinterfuss etwas liocli heben lilsst. Es gehört nur geringe Kraft dazu, die blos von einem Hintei-fusse unterstützte Körperlast über ihren ünterstützungspunkt liinweg-/uzielien, worauf sich das Pferd freiwillig niederlegt, und die Füsse nun gefesselt werden. Die Methode hat einen grossen Nachtheil, der darin bestellt, dass man nicht im Stande ist, genau zu bestimmen, wohin das Pferd fallen wird: man wähle daher weichen Boden und nicht zu kleinen Raum,
Im Princip mit diesem übereinstimmend ist die ungarische (Ba-lassa) sowie die Methode von Robard; hei beiden genügt ein ein­faches, langes Seil, mit welchem eine Schlinge gebildet wird, die man um den Hals des Pferdes legen lässt, während das Ende des Seiles um den Hinterfuss geschlungen wird.
Mit einer gewissen (iofahr ist das Werfen der Pferde stets verbunden, und wir können Hir/.el nicht zustimmen, welcher behauptet, dass das Werfen nie eine Gefahr involviro: allerdings setzt Hirzel hinzu: „wenn durch festes Anziehen einer Brustgurte und durch intensives Spannen eines von einem Eüokenring dieser öurte zum Genickstück der starken Halfter gehenden Lederriemens die Muskulatur der „ Haiichpressequot; und diejenige der Rücken­strecker während der Dauer des Liegens aussei- Function gesetzt wird.quot; Abgesehen davon, dass selbst, auch diese Massnahmen keine sichere Q-ew8.hr bietet, Wirbelbrüche zu vermeiden, indem seitliche Hewegungon der Wirbel­säule solche veranlassen können, bleibt immer noch die Möglichkeit des Auf­tretens von Schenkelbrüchen nicht, ausgeschlossen. Die Behauptung Hirzel's erscheint um so bedenklicher, als nach seiner Darstellung der Operateur für jeden derartigen Unfall verantwortlich gemacht werden kann, eine Ansicht, die bisher in der Thierheilkundo nicht anerkannt worden ist und voraus­sichtlich nicht anerkannt werden wird. Das Nähere über diese Frage vergl. man Brüche der Rückenwirbel in der Speciellen Chirurgie.
Zur Ausführung bestimmter Operationen werden Aendcrungen in der Lage des Thieres, z. B, Rückenlage oder das Ausbinden des einen oder anderen Schenkels nothwendig. Diese Handhabungen sollen bei den betreffenden Operationen beschrieben werden, hier sei nur er­wähnt, dass bei diesem Verfahren im allgemeinen zwei Punkte nicht aussei- Acht gelassen werden dürfen: Erstens darf die betreffende Gliedinassc auf keinen Fall in eine Lage gebracht werden, zu der sie physiologisch nicht fällig ist, z. B, beim Aushinden des Hintorfusses, bei der Castration darf dieser nur soweit, nach vorn geführt werden, dass der Huf bis zur Mitte des gleichseitigen Vorarmes gelangt. Zweitens beachte man beim Aushinden, namentlich der Hinterfüsse,
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Zwaiifitsmittöl bei ßindorn.
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dass diese nicht absolut fixirt werden, es sei denn, dass dies in ex­tremer Beugestellung erfolgt (S. 482). Wir halten deshalb auch das Befestigen des llinterfusses an einem Bauohgurt nicht für
/.weekmassig, lassen denselben vielmehr in dieser Lage von Gehiilfen liaiten, damit der Fuss bei heftigen Be­wegungen keinen festen Punkt findet und so in die Möglichkeit versetzt wird, durch gewaltsame Contraction der Muskeln sich Fractureu des Ober- und Unter­
schenkels beizubringen. Trotzdem wir jiilirlicb viele Pferde niederlegen lassen, ist uns eine solche Fractur noch nicht vorgekommen. Gerade fdr die Castration in der Seitenlage erscheint dieser Umstand besonders be-achtenswertli.
Bei gewissen Operationen an den Füssen der Pferde leistet der sog. Spannstock (Fig. 78) gute Dienste; seine Anwendung erglebt sich von selbst. Durch ihn wird es
möglich, den einen oder anderen Fuss aus der Fessel zu nehmen und dennoch ausreichend zu befestigen. Wir be­nutzen an Stelle des Spannstockes bei Pferden und Hindern vielfach die sog. Latte, ein 10 cm breites und 3 m langes Brett, dessen Ränder gut gerundet sind; im Nothfall lässt sieh eine starke Stange zu demselben Zweck verwenden.
Der betreitende Vorderfuss wird an der Fessel sowie über der Vorderfusswurzel auf die Latte gebunden, welche man
Spannstoch zum Bafestlgen
der Küsse.
von zwei Gehülfen halten lässt. An den Hinterfiissen ist die Latte nicht zu verwenden, weil die Kraft in denselben zu gross ist.
üeber das Auftreten von Wirbelbrüchen an gefesselten Pferden muss auf das in der Speciellen Chirurgie Gesagte verwiesen werden.
b) Zwangsmittel bei Eindern. Hinder zeigen im allgemeinen geringere Empfindlichkeit und grösseres Phlegma als Pferde;; auch verhalten sie sich sowohl beim Angriff, wie bei der Abwehr von jenen verschieden. Bei ihnen sind in erster Linie die Hörner gefährlich; das Schlagen mit den llinterfüsscn erfolgt vornehmlich nach vorn und seitwärts. Am meisten gefährdet, ist man bei diesen Thiereu also an der Seite derselben.
Das Niederlegen wird bei den Kindern weniger oft nöthig: auch können viele Operationen an denselben im Stalle vorgenommen worden, wo sich die Thiere ruhiger zu verbalten pflegen, als wenn man sie
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Bsruhigungs* und Zwangsmitte
•an einen t'reinden Ort bringt. Für manche Operationen genügt es, die Thiere recht kurz und fest anzubinden, und gegen Verletzungen durch die Ftisse dei'selben schützt man sich durch ünisohlinger eines .starken Strickes um beide Unterschenkel oder dureh
das Gegenlialten einer starken Stange oder Ein­schlagen eines l'faiils in den Erdboden.
Zum Anlegen einer Bremse benutzt man die Nasenscheidewand, die Brust oder einen Hinterfuss, Eine zweokmässige Nasenbremse hat Harms construirt; ihre Einrichtung ergiebt sich aus Fig. 79. Man schiebt das Instrument so in die Nase des Thieres, dass die Nasenscheidewand von den beiden knoplTörniig abgerundeten Enden desselben (ti) ge-l'asst wird, und drückt diese durch Vorschieben des Ringes {!gt;) fest gegen die Scheidewand. Die Brustbremse oder der Würgestrang besteht aus einem starken Strick, der um den Brustkorb des Thieres geschlungen und mittelst eines Knebels verkürzt wird, so dass der Brustkasten eine Ein­
Nasonbremse ttaoli Harms,
schnürung erfährt, Die Schenkelbremse ist ebenso
wie beim Pferde eingerichtet und kann bei Opera­tionen an den Hinterlussen auch am stehenden Thiere angewandt werden. Das Aufheben eines Vorderfusses erfolgt bei ruhigen Tlneren ebenso wie beim Pferde, bei unruhigen unter Zuhült'eiialnne eines Seiles oder Tuches, das man um die Fessel schlingt und über den Widerrist zur anderen Seite ziehen lässt.
Auch die Hinterf'iisse lassen sich bei manchen Rindern wie beim Pferde hochheben; gelingt dies nicht, so wird ein Strick um den Unterschenkel geschlungen, ein Besenstiel durch denselben gesteckt, den man von zwei kräftigen Männern halten lässt. Der Hinterfuss wird auch wohl an einer Wagendeichsel befestigt.
Das Niederlegen der Rinder lässt sich ebenso wie beim Pferde bewirken, nur müssen die Fessel um die Schienbeine gelegt werden, weil die Fesselbeine hierzu in der Pegel zu kurz sind. Ferner achte man darauf, dass das unten liegende Horn nicht beschädigt wird; man lasse deshalb den Kopf seitwärts und nach oben richten.
Eine bequeme Methode bildet das Nieder schnüren mich Hertwig. Ein langes Seil wird mit dem einen Ende um die Hörner des Thieres gesohlungen, dann nach hinten geführt, um Hals, Brust und Bauch je eine Schlinge gebildet (Fig. HO). Während nun zwei oder
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ZwangBinittel bei den ttbrigeu Thieren.
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drei kräftige Milnner an dem anderen Ende des Seiles ziehen, liält einer den Kopf des Tliieres lest. Dureli das Zusaniinensclmüren des
Pig. 80.
Nledorsolrattren des EUndM.
Körpers werden die Tliiere veranlasst, sich freiwillig niederzulegen, worauf die Füsse gefesselt werden kiinnen
c) Zwangsmittel bei den übrigen Thieren. Schafe, Ziegen. Schweine und Fleischfresser können in der Regel dureli directe lland-
Pisr. 81.
Befeotigung des Hundes.
griffe kräftiger Manner so befestigt werden, dass die meisten Opera­tionen an ihnen auszuführen sind; erforderlichenfalls werden die Füsse durch Stricke festgebunden. Schweinen lässt man das Maul zubinden, um gegen Verletzungen durch die Zähne derselben gesichert ZU sein.
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48Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Beruhigung^quot; und Zwangsmittel.
Ebenso wird bei Hunden verfahren, indem man uin Tuoh oder einen Bindfaden um das Maul legt und auf dem Genick zusammenknotet (Fig. 81 I. Katzen werden bei .sehmer/lmften Operationen in einen Sack oder Stiefel Besteckt.
8. Die Narkose.
Mit Hülfe der vorhin besprochenen Befestigungsmethoden ge­lingen zwar die meisten Operationen, und da bei Thieren auf die mit letzteren verbundenen Schmerzen niclifc so grosse Rücksicht zu nehmen ist wie beim Menschen, so wird bei jenen von der Narkose nur aus­nahmsweise Gebrauch gemacht. In der Praxis ist die Durchführung der allgemeinen Narkose noch dadurch erschwert, dass dem Thierarzte die hierzu nöthige Assistenz meist fehlt. Bei allen grösseren Opera­tionen, die in der Narkose vorgenommen werden, ist sachverständige Hülfe meist unentbehrlich, die in der Kegel von einem benachbarten (Jollegen geleistet werden muss. Ergeben sich schon hieraus mancherlei Schwierigkeiten, so wird die Operation durch die Narkose auch er­heblieh kostspieliger. Und doch giebt es Fälle, in denen die Narkose nicht entbehrt werden kann, z. B. bei gewissen Operationen an den Bauchorganen, um die störende Wirkung der Bauchpresse aufzuheben, in der Geburtshülfe um die Wehen zurückzuhalten. Auch bei sub­tilen Eingriffen am Auge, Kehlkopfe u. s. w., wo jede plötzliche Be­wegung des Thieres den Erfolg der Operation in Frage stellen kann, empfiehlt sich die Narkose. Endlich benutzen wir dieselbe bei der Castration älterer Pferde, namentlich dem englischen Vollblut, sowie hei Thieren mit sehr starkem Rücken, bei denen im Momente der Application der Kluppen leicht Wirbelbrüche eintreten, die durch die Narkose in der Regel vermieden werden können. Zuweilen erfolgt die Narkose auf den speciellen Wunsch des Besitzers des zu operirenden Thieres. Die Gefahren, welche mit der Narkoseraquo; bei Thieren ver­bunden sind, hat man im allgemeinen überschätzt. Fehlerhafte Vor­richtungen, wie sie namentlich mit Bücksicht auf Ersparnisse an Arznei construirt wurden, haben zu nachtheiligen Folgen und zur Scheu gegen die Narkose bei Thieren vornehmlich beigetragen.
Man unterscheidet al Ige; meine und locale Narkose. Bei ersterer wird das Empfindungsvermögen zugleich mit dem Bewusst-sein am ganzen Körper mehr oder weniger herabgesetzt bezw. auf­gehoben; bei der localen Narkose dagegen nur die Sensibilität, an der
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Narkose hn Pferden,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 489
betreffenden Stelle. Beide fiiicluii unter bestimmten [Jmständen zweok* massige Anwendung; betraohten wir zunächst die erstere.
Durch Einführung eines Arzneimittels, welches auf das Grossraquo; liirn wirkt, die Ceiitralorgiine der Empfindung iiiiinit, wird natürlicb aucli das Empfindungsvermögen in den peripheren Nerven aufgehoben, sodass schmerzhafte Eingriffe nicht zur Perception gelangen: gleich­zeitig ist das Bewusstsein aufgehoben. Es liegt auf der Hand, dass diese Wirkung nicht urplötzlich, sondern allmählich auftritt, sodass man den Grad der Narkose nach Belieben gestalten kann. Ebenso erscheint es natürlich, dass solche Mittel nicht blos auf die Empfindung und das Bewusstsein, sondern auch auf andere Organe lähmend wirken. /,. B. auf die Thiltigkeit des Herzens und der Athniungsorgane, wo­durch Gefahren entstehen und selbst der Tod herbeigeführt werden kann. Ferner kommt in Betracht, dass diese Mittel bei den ver­schiedenen Thieren verschiedene Wirkungen äussern; schon aus diesem Grunde empfiehlt sich die Narkose bei den einzelnen Thierarten ge­sondert zu besprechen.
a) Die Narkose bei Pferden. Da dein Eintritt der Narkose regelmässig ein Erregungszustand (Excitationsstadium), wahrschein­lich durch Lähmung der centralen Hemniuugscentren hervorgerufen, vorangeht, in welchem die Pferde wiehern, unruhig werden und sich oft heftig sträuben, so müssen die Thiere zum Zwecke des Narkotisirens niedergelegt werden. Darin liegt eine grosse Unbequemlichkeit; könnte man die Narkose am stehenden Pferde durchführen und auf diese Weise das Werfen der Thiere umgehen, so würde dieselbe viel häufiger verwendet werden, als es gegenwärtig der Fall ist.
Eine unvollständige Narkose erzielte Lnngwitz zum Zwecke des Beschlags bösartiger Pferde auch im Stehen. Nachdem 0,3 Morph. hydro­chloric, subeutan applicirt war, legte man in den Maulkorb der Thiere einen mit Chloroform und Aether (1 : 2) getränkten Schwamm. Nach 10 Minuten Hessen sich die Pferde das Aufbeben der Füsse und den Be­schlag ruhig gefallen.
Neuerdings iiat auch Hendrickx Narkosen an stehenden Pferden aus­geführt, indem er dem Thiere einen grossen Maulkorb oder einen Futter­beutel umhiingen lioss und in diesen einen mit Chloroform getränkten Schwamm legte. Auf diese Weise soll das Excitationsstadium abgekürzt werden, und das Niederlegen leicht erfolgen. Bei 20 auf diese Weise narko-tisirten Pferden trat kein Nachtheil hervor, und es waren 80—180 g Chloro­form erforderlich.
Bei Pferden wird die Narkose noch am häufigsten angewendet und muss im allgemeinen als gefahrlos bezeichnet werden. An
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(lt;)0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Beruhlgnngs* und Zwangsiaitteli
,quot;gt;—600 Pferde wurden von uns narkotisirt, ohne dass sicli jemals nach-theilige Polgen einstellten; nicht ein einziger tödtlicher Ausgang wurde dabei beobachtet. Wir wenden zur Narkose bei Pferden Chloroform an und müssen nacli unseren Erfahrungen dieses Mittel allen übrigen vorziehen, üeber die Methoden der Anwendung, Dosis u. s. w. haben wir bereits berichtet.
Hui einer grüsseren Anzahl der ausgeführten Narkosen wurden von mir (M) an anderer Stelle statistische Beobachtungen angestellt; insbesondere Hess ich die Zeitdauer bis zum Eintritt der Narkose und die erforderliche Menge des Mittels feststellen, ebenso wurde Kasse, Alter, Geschlecht und Gewicht der Tliiero verzeichnet. Da meines Wissens eine solche Statistik in der Ausdehnung bisher nicht bekannt ist, so will ich in dem Nach­stehendon die von mir gesammelten Beobachtungen und die eingeschlagene .Methode der Narkotisirung mittheilen.
Bei 12(1 Pferden (31 Hengste, 38 Stuten und 57 Wallache), welche ausschliesslich durch Inhalation von Chloroforni betäubt wurden, waren bis zum Verschwinden der Rellexerregbarkeit der Conjunctiva im Durch­schnitt 110 g Chloroform und 20 Minuten erforderlich; auf 100 kg Körpergewicht kamen ca. 25,0 Chloroform. Die so erzielte Narkose hatte eine Dauer von etwa 20 Minuten.
Von 1—2jährigen Fohlen abgesehen, welche in 7—8 Minuten mit 15—20 g Chloroform regelmässig in Narkose versetzt wurden, betrug die kürzeste Frist beim Pferde in einem Falle 8, in einem anderen 9 und in zwei Füllen 10 Minuten. (Doch wurde früher einmal ein -tjähriger Wallach in 7 Minuten mit 35,0 Chloroforni von mir in vollständige Narkose versetzt.) Bei 12 von 126 Pferden waren -'fO Minuten erforderlich, '1 verlangten sogar über 30—40 Minuten. Bei Hengsten trat die Narkose durchschnittlich in 18, bei Stuten in 1!' und bei Wallachen in 22 Minuten ein; es waren hierzu bei Hengsten 118,0 Chloroform im Durchschnitt erforderlich; 7 Pferde (8 Hengste, 2 Stuten und zwei Wallache) wurden mit weniger als 50,0 Chloro­form betäubt. Dagegen verlangten 18 (5 Hengste, -f Stuten und 9 Wallache) 150,0 und mehr Chloroform. Bei einem Wallach wurden 240,0, bei einem englischen Vollbluthengste 250,0 Chloroform verabreicht. Das Durchschnitts­alter der narkotisirten Hengste betrug 5. das der Stuten 0, das der Wallache 7 Jahre.
Bemerkt sei. dass die Menge des erforderlichen Chloroforms zum Theil von der Application abhängt. Abgesehen von Versehiittntigen und Ver-dunstung (namentlich in warmer Luft im Freien) braucht man bei lang­samem Aufträufeln weniger Chloroform als bei schneller Application. Die Menge des verbrauchten Mittels steht daher oft in umgekehrtem Verhilltniss zur Zeitdauer bis zum Eintritt der Narkose.
Von geringem Finfluss auf die Wirkung des Chloroforms scheint die Rasse zu sein; sie übt weder auf die Chlorofonnmenge, noch auf die Zeit bis zum Eintritt der Narkose einen wesentlichen Einiluss aus. Wallache ver­langten dagegen durchschnittlich mehr Chloroform als Hengste und Stuten.
Bei 28 Pferden wurde ',j Stunde vor Beginn der Narkotisirung 0,5 g Morphium subeutan applicirt. Der Verbrauch an Chloroform betrug hierauf im Durchschnitt 94,0, während bis zum Eintritt der Narkose 15,5 Minuten verstrichen.
8 Pferde wurden mit einer Mischung von gleichen Theilon Chloroform
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Narkose bei Pferden,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 491
und Aether narootisirt. Die hierzu erforderliche Menge stellte sich im Durchschnitt auf 210,0, die Zeit his zum Eintritt der Narkose auf'iO Minuten. Ein erbeblißber Untersobied in der Wirkung des englisohen und deutschen Chloroforms wurde nicht beobachtet.
Zälilen wir zu den verzeicluieteu 102 Chlorofomnarkosen die-jonigen, welche ohne genaue Aufzeichnungen bereits früher und später von uns ausgeführt wurden, so dürfen wir behaupten, bei Pferden über öOO Chlovoformnarkosen herbeigeführt zu hüben. In keinem Falle wurde ein Naohtheil von der Narkose beobachtet; es war weder ein Todesfall, noch auch irgend welche Erkrankung nach derselben zu verzeichnen.
Wird vorher Morphium verabreicht, so zeigen sich die Thiere zuweilen aufgeregt, was bei ausschliesslicher Anwendung von Chloro­form oder von Chloroform mit Aether gemischt nicht der Fall ist. Da diese Aufregung bei gewissen Operationen mit unbequemen Folgen verknüpft sein kann, und da die Morphiumgabe einen nur unbe­deutenden Einfluss auf die Narkose selbst ausübt, weder die Zeit bis zum Eintritt derselben erheblich abkürzt, noch auch eine Ersparniss an Material gewährt, so haben wir später von dem Gebrauch des Morphiums meist Abstand genommen. Da, wo das Niederlegen bei unruhigen oder bösartigen Thieren schwierig wird, empfehlen wir zunächst die Anwendung von Morphium. Ebenso haben wir die An­wendung der von verschiedenen Seiten empfohlenen Mischung von Chloroform und Aether aufgegeben, weil damit eine Verschwendung an Zeit und Material verbunden war.
An Stelle des früher allgemein benutzten Schwarnnies verwenden wir ein 20 cm langes und ebenso breites Flanelltuch, welches auf das am gefesselten Pferde oben befindliche Nasenloch gelegt wird. Mittelst einer Tropfflasche lässt man das Chloroform auf das Tuch träufeln, sodass in etwa 10 Secunden 20—30 Tropfen Chloroform fallen. Nach einer Unterbrechung von 10 Secunden wird dies wiederholt; auf diese Weise werden in der Minute ca. :!—5 g Chloroform verbraucht. In Zwischenzeiten von quot;J—.'5 Minuten wische man mit einem reinen Schwamm dem Thier die Nase aus, um etwa abgeflossenes Chloro­form von der Schleimhaut zu entfernen und eine Aniltzung derselben zu verhüten. Dies muss namentlich beachtet werden, wenn etwa reichlichere Mengen Chloroform das Tuch vollständig durchtränkt liaben. Geschieht es nicht, so entstehen Verätzungen der Nasenschleiin-haut, ja selbst die der Oberkiefer- und Stirnhöhle kann in Gefahr kommen, wenn Chloroform in diese gelangt; Ja es kommt gelegentlich
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tea
Beruhigungslaquo; und Zwangsmittel
(lurcli Pneumonie zu tödtlioliena Ausgange, wie Jaoobi und andere erfahren mussten. Ferner empfiehlt sich die ftussere Haut in der Um­gebung des Nasenloches mit Vaseliiif oder Fett zu bestreichen, um Aüätzungen derselben durch Chloroform zu verhüten. Auch versuchte icli (M.) die andererseits empfohlene Kianellmaske, kehrte aber bald ZU dem einfachen Tuch zurück, weiches vor dem Schwamm noch den Vorzug hat, dass es den [nspirationsstrom nicht in dem Masse be­hindert, wie es durch den Schwamm geschieht; auch läuft man bei Anwendung des Tuches weniger Gefahr, die Nasenschleimhaut mit Chloroform anzuätzen.
Die verschiedenen Apparate zur Application des Chloroforms, welche von Billings, Vennerholm u. A. construirt wurden, sind zum Mindesten überflüssig, vielleicht aber unter Umständen ge-fährlich, indem sie den Zutritt von Luft zu sehr beschränken; auch kommen bei Anwendung derselben leicht Verätzungen der Nasen­schleimhaut vor.
Vermieden wurde die Narkose bei Thieren mit Herzfehlern und Beberhaften Erkrankungen; eine Untersuchung auf solche Zustände vor Beginn der Narkotisirung halten wir für unerlässlieh, und die bei der Chloroformnarkose beobachteten Todesfälle müssen zum Theil hierauf zurückgeführt werden. K'emp fand bei einem Pferde, das während der Narkose eingegangen war, Herzklappenfehler und ein Gewicht des Herzens von 1 1 Pfund. Athmungsbesclnverden, wie sie Hoffmann mit tödtlichem Ausgange bei einem Pferde beobachtete, sowie Würgen und Erbrechen, das von Georges und Töpper ge­sehen wurde, habe ich (M.) niemals nach der Narkose bei Pferden beob­achtet. Dass letzteres auch gefährlich werden kann, beweist der von Töpper mitgetheilte Fall, in dein das Pferd an Fremdkörperpneumonie ZU önmde ging, während in dem von Georges mitgetheilten das Er­brechen durch Morphiuminjeetionen beseitigt wurde. Ein von VVehrle beobachteter tödtlicher Ausgang scheint nur durch die schnelle Ver-abfolgung einer reichlich grossen Dosis veranlasst zu sein; es wurden vor der Operation 100,0 Chloroform in 8 Minuten und während der Operation nochmals L00,0 verbraucht.
Man sorge dafür, dass man nicht sehr altes Chloroform erhält und bewahre es sorgfältig (an dunklem Orte) auf, weil die Produkte von Zersetzungen gefährlich werden können. Durch Znsatz von l00;(j(i Schwefel, der vorher durch Behandlung mit Ammoniak und Aus­waschen mit Wasser gereinigt wurde, sollen solche Umsetzungen des Chloroforms vermieden werden. Preipitsch empfiehlt das Chloro-
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Narkose bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40;i
formium Piotet für Pferde und Bunde, das weniger gefährlich sein soll als diis gewöhnliche.
Die Ausfuhrung gestulfcet .sich wie folgt.
An dem niedergelegten Thiere, welches womöglich in den letzten 12 Stunden kein Futter erhalten hat, wird der etwa angelegte Gurt oder Brustriemen gelockert, und die Brust von jedem Druck frei­gelassen, um das Athuien nicht zu behindern. Während der Inhalation des Mittels achte man auf die Athmung und den Puls des Thieres. Beide werden während der Inhalation anfangs beschleunigt, bald aber wieder regelmässig. Ein deutliches Exoitationsstadium stellt sich bei einigen Pferden, im ganzen aber selten ein. Es zeigt sich durch Wiehern und Sträuben der Thiere in den Fesseln und dauert selten länger als eine Minute. Dann beginnt das Stadium der Depression.
Die Mehrzahl der Pferde pflegt einige Zeit nach dem Beginn des Narkotisirens die Augen zu schliessen; zuweilen treten rollende Bewegungen derselben hervor (Nystagmus).
Mit dem Verschwinden der Empfindlichkeit und des Bewusst-seins werden die Augen wieder geöffnet. Nunmehr prüfe man die Conjunctiva oder Cornea in Zwischenzeiten von einer halben Minute auf ihre Reflexerregbarkeit. So lange die Berührung derselben regel­mässig Lidschluss hervorruft, kann mit der Application des Chloroforms fortgefahren werden; erfolgt dies nicht mehr, so höre man mit der Verabreichung des Mittels auf. Eine zu häufige Wiederholung dieses Versuches ist zu vermeiden, weil damit die Wirkung desselben abge­schwächt wird. Auch halten wir es für weniger zweckmässig, die Cornea für diesen Zweck zu benutzen, da manche Thiere schon vor Eintritt der Narkose hier nicht regelmässig reagiren.
Sollten sich Störungen in der Athmung einstellen, so setze man mit der Application des Mittels aus. Weniger bedenklich erscheint ein miregelmässiger Puls, doch muss die Verabreichung von Chloro­form unterbrochen werden, sobald der Puls klein und aussetzend wird. In einzelnen Füllen beobachteten wir bei Pferden allgemeines Muskelzittern, was uns ebenfalls zur Unterbrechung der Inhalation veranlasste. Das beim Menschen so bedenkliche Röcheln hat beim Pferde bei weitem nicht diese Bedeutung. Man lasse indess, wo es auftritt, die Zunge des Thieres aus dem Maule hervorziehen. Zuweilen, aber nicht immer wird das Geräusch hierdurch beseitigt, welches nach unserer Ansicht vom Gaumensegel herrührt, indem dasselbe bei dem Versuche des Pferdes, durch das Maul zu athmen, in Schwingungen versetzt wird.
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494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; BeruhignngS' und Zwangsmittel.
Sollten vor beendeter Operation Bewusstsein und Etnpflndlioh-
keit zurückkehren, so kann von neuem Cliloroi'orm nach Bedarf und unter Beachtung der oben onvähnten Vorsichtsinassregelu verabreicht werden. Auf diese Weise haben wir wiederholt Pferde 1—2 Stunden lang in voller Narkose erhalten und auch davon niemals einen Nach­theil beobachtet.
Nach vollendeter Operation lässt man das Thier alsbald ent­fesseln, aber ruhig liegen, bis es von selbst aufsteht, worüber zuweilen noch '/i Stunde vergebt. Wird das Pferd vor vollständiger Wieder­kehr des Bewusstseins zum Aufstehen veranlasst, so tritt schwankender Gang und ein ähnliches Drängen nach vorn ein. wie es bei gehirn-kranken Tliieren beobachtet wird. Zur Sicherung des Ganges erfasst ein Gehülfe den Schweif des Thieres, um den Körper desselben zurück­zuhalten und bei etwaigem Schwanken zu stützen.
Bei lilnger andauernder und tiefer Narkose finden in den späteren Stadien, meist kurz vor der Wiederkehr des Bewusstseins, Unter­brechungen des Athmens statt, die bei dem mit dieser Erscheinung Unbekannten wohl Besorgniss erregen können. Wir haben wiederholt bei Pferden das Atlimen '#9632;-gt; —:l i Minute (nach der Uhr controlirt) aussetzen sehen. Ein Schlag mit der flachen Hand auf die Brust­wand löst regelmüssig und sofort eine neue Inspiration aus.
Während der Inhalation durch das obere Nasenloch rauss das untere für den ungestörten Zutritt von Luft offen bleiben, worauf besonders zu achten ist. Ebenso sorge man dafür, dass die Brust des Thieres zum Athmen frei bleibt, und dulde nicht, dass sich ein Gehülfe auf diese setzt, noch auch dass der Brustgurt fest anliegt.
Mit dem neuerdings von Fob ringer zum Ghloroformiren von Pferden empfohlenen Apparate erzielt man allerdings eine Ersparniss von Chloroform, doch nimmt die Narkotisirung längere Zeit in An­spruch als bei dem beschriebenen Verfahren.
Geradezu gefährlich sind die von Zangger, Reisser u. A. em­pfohlenen Masken zur Ersparung von Chloroform. Sie verhindern den Zutritt von atmosphärischer Luft und veranlassen durch Erstickung leicht einen tödtlichen Ausgang. Diese Apparate sind bereits allge­mein aufgegeben, und es dürfte sich auch empfehlen, sie gänzlich der Vergessenheit zu überliefern und nicht mehr in die Lehrbücher auf­zunehmen, wo sie wiederholt zu der falschen Ansicht Veranlassung gnben, dass man sich ihrer auch heute noch bediene, woraus Laien absprechende Urtheile über den Stand der wissenschaftlichen Thier-
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Narkosii Ijoi I'furden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 495
arzaeikunde ziehen zu müssen glaubten (Lebndorf, Pferdezucht).
Wenn man, wie damals empfohlen, dun Kopf des Hundes in eine Schweinsblase steckt und um den Hals zubindet, so bedarf es nicht einmal des Chloroforms in der Blase, um das Thier zu tödten.
Nach dem Angeführten kann die Narkose mit Chloroform hei Pferden empfohlen werden, wo solche zur Ausführung eingreifender Operationen nothweudig erscheint oder diese wesentlich erleichtert. Mögen auch bei Pferden ebenso wie bei Menschen einzelne Individuen eine besondere Empfindlichkeit gegen Chloroform besitzen, wodurch die Anwendung dieses Mittels gotahrlich werden kann, im allgemeinen aber gestaltet sich die hiermit verbundene Gefahr bei weitem nicht so gross, wie bis in die neuere Zeit angenommen wurde.
Ein tödtlicher Ausgang kann sowohl durch Asphyxie, als auch durch Herzsynkope eintreten. Erstere wird besonders im Excitations-stadium beobachtet; die Athmung steht still und bald darauf auch die llerzthätigkeit. Es wurde bereits erwähnt, dass man sich durch Unter­brechungen der Athmung nach beendeter Inhalation nicht ängstigen lassen darf. Ebenso ereignet sich bei Thieren nur selten, dass die Zunge zurücktritt und die Rachenhöhle verschliesst. so dass Erstickung droht. Sollten sich Erscheinungen einstellen, die darauf hindeuten (Schnarchen u, s. w.), so ziehe man die Zunge schnell hervor. La-borde u. A. empfehlen auch bei drohender Asphyxie die Zunge rhyth­misch, etwa 15—30mal in der Minute hervorzuziehen, und glauben, dass hierbei eine Reizung des N. laryngeus sup. und des Athmungs-centruins stattfinde. Im Nothfalle wird künstliche Respiration einge­leitet. Herzlähmung kündigt sich durch Unregelmässigkeit des Pulses, ad maximum erweiterte Pupillen, schwache Herztöne, Stockung der Blutung an der Operationsstelle, Entleerung weniger Tropfen dunklen Blutes an. Tieflagerung des Kopfes und künstliche Respiration sind auch hier zu empfehlen, daneben Begiessen des Kopfes mit kaltem Wasser, Schlagen auf die Brust u. 8. w. Gegen Herzsynkope empfiehlt Maas bei Menschen 120—140mal in der Minute einen Druck auf die Herzgegend auszuüben, Bobroff intravenöse Injection von Kochsalz, Hobday Blausäure per os oder subeutan (0,000 g auf 8'—f kg Körper­gewicht), Hosenberger hat für Menschen neuerdings die Behauptung aufgestellt, dass die Herzsynkope auf Beizung des Vagus zurückzuführen sei, welche durch die Einwirkung des Chloroforms auf die Nasenschleim­haut veranlasst werde; er empfiehlt diese vorher zu cocainisiren.
Hirzel spricht sich ebenfalls für Chloroformnarkose bei Pferden aus und benutzt zur Application des Mittels eine Maske, wie sie ahn-
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Kit;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; BeruhigungS' und ZwaDgsmittsli
lieh bui MenscluMi üblicli und auch für Pferde bereits iiu Gebrauch ist. Ein mit Flanell überspanntes Drabtgestell wird über die Nase und das Maul des Pferdes gelegt. Derselbe inaclit darauf aufmerksam, dass aueb Pferde zuweilen beim Cbloroformiren durch das Maul atbmen, wodurch das Gamnensegel und die Gaumenmuskulatur in Schwingungen versetzt, ein äbnliches Geräusch wie das Röcheln beim Menschen er­zeugt wird, und die Narkose eine Verzögerung erfährt, llirzel er­achtet die Narkose als vollständig, sobald Lidschluss eintritt. Für manche Fälle genügt dieses Stadium jedoch nicht, und wenn man eine tiefe Narkose erzielen will, lasse man die Inhalation fortsetzen, bis die Ausen wieder treöffnet werden. Auch darin können wir llirzel nicht zustimmen, dass sich beim Pferde stets ein Excitationsstadiuin zeigt, wenn man nicht dasjenige Sträuben hierher rechnen will, welches bei gefesselten Pferden auch ohne Narkose selten vermisst wird. Nach­theilige AVirkungen hat Hirzel von der Chloroformnarkose bei Pferden nie beobachtet, selbst nicht einmal Störung des Appetits. Uns ist letzteres jedoch wiederholt in den nächsten Tagen begegnet; aller­dings lässt sich oft nicht entscheiden, ob der Appetitmangel auf Kosten der Narkose oder der Operation geschrieben werden soll. Endlich ist zu bemerken, dass sich namentlich bei Vollblutpferden in den nächsten Tagen zuweilen Husten einstellt, der offenbar durch die lleiz-wirkung des Chloroforms auf die Respirationsschleimbaut veranlasst wird, jedoch bald von selbst verschwindet.
Auch Harms bezeichnet das Chloroform als souveränes Narco-ticum; er konnte bei einem Pferde mit 188,0 Chloroform eini' zwei­stündige Narkose unterhalten; ebenso Negotin, welcher für Pferde 0,35 Chloroform pro Kilo Körpergewicht als ausreichend bezeichnet; oft genügten 0,27; 0,8-1 soll eine tödtliche Dosis abgeben. Die Dosen sind offenbar zu hoch geschätzt.
Eine Mischung von Chloroform und Aether wurde für Pferde u. A. auch von Esser empfohlen; sie gewährt nach unserer Ucberzeugung jedoch keinen Vortheil, dagegen wird das Verfahren zeitraubender als bei der Anwendung von reinem Chloroform. Auch Negotin spricht sich dahin aus.
Malzew lässt zunächst 0,12 — 0,2 Morphium subeufan verab­reichen und 3—12 Minuten darauf die Chloroformnarkose beginnen, worauf ohne jede Erregung bei 1 Pferden nach 10 — 20 Minuten Nar­kose eintrat, die 40 — 70 Minuten dauerte; es wurden 46—90 cem Chloroform verbraucht. Bei 4 anderen Pferden war auf diese Weise Narkose nicht zu erreichen. Malzew versuchte ferner eine combinirte
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NarkosQ bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 107
Methode! Zuerst wurde Chloralhydriit per reotum (Clilorallmlrat 110,0, öummi arab. 15,0, Aqua deatil. 60,0) applicirfc, darauf 0,25 Moi'phiuin suboutan und nach etwa lü Minuten wurde ohlorofornürt. Bei 2 Pferden trat nach 9 — 11 Minuten Narkose ein, die über eine Stunde anhielt und 00—80,0 Ohlorofortn erforderte; bei anderen trat die Narkose erst später ein. Nach der Narkose wurde vielfach Schwamp;ohe und Niedergeschlagenheit beobachtet.
Seitdem das Ohloralhydrat bekannt geworden, hat man das­selbe sowohl per os und als Clysma, wie auch subeutan und intravenös zur Erzielung von Narkosen in Anwendung gebracht. Hanns ver­suchte das Mittel innerlich, gab Pferden 15-—16 g und will damit volle Narkose erzielt haben-; bei einem Pferde wurde ein lebhaftes Excitationsstadium beobachtet. Häufig reichen die genannten Dosen jedoch zur Erzielung einer vollen Narkose nicht aus; dasselbe musste Esser bei rectaler Application des Chloralhydrats erfahren; Esser benutzte sogar 100—160 g in schleimiger Flüssigkeit ohne Erfolg. Dagegen genügten 70—8t) g, wenn vorher eine Morphiuniinjection gemacht war. Esser bemerkt jedoch, dass bei den grossen llaus-thieren eine so vollständige Narkose wie mit dem Chloroform hierbei nicht ZU erreichen sei; er empfiehlt diese Methode daher für Fälle, in denen eine Chloroformnarkose schwierig oder gefährlich erscheint. Butel giubt bei schweren Pferden zunächst eine subeutane Injection von 0,7.quot;) —1,0 Morphium, darauf 50—100,0 Chloralhydrat in einem Liter Wasser gelöst innerlich.
Negotin konnte bei Pferden mit 0,46—0,56 pro Kilo Körper­gewicht mit Decoct. Had. Althaeae 1 : 12 verabreicht weder Schlaf, noch Abnahme der Sensibilität erzielen, doch Helen die Thiere oft nieder; 0,57—0,00 pro Kilo veranlasste einen *l—5 Stunden dauernden Schlaf mit Verlust der Sensibilität, der jedoch verhältnissmässig spät eintrat.
Nocard, Humbert, Cadiot u. A. haben intravenöse Injectionen von Chloralhydrat zur Erzielung von Narkose bei Pferden empfohlen; 30,0—50,0 in 150,0 schwach alkalisirteni quot;Wasser gelöst werden in die Vena jugularis gespritzt. Da man die erforderliche Dosis bei den grossen individuellen Abweichungen nicht genau bestimmen kann, so kommt es leicht vor, dass die hiermit erzielte Narkose entweder un­vollständig ausfällt, oder dass die Wirkung des Chloralhydrats zu heftig wird. Bei älteren Anatomiepferden sah ich nach 45,0 Chloral­hydrat intravenös applicirt unter Stillstand der Respiration den Tod eintreten. Aus den Verletzungen, welche die Venen an der der Ein-Möllcr u. Friok, Allgemeine Ohlrargle (ttr Thlerärzte, -2. Ami,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 32
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498nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;BeruWgungBquot; und Zwangsinittol,
stichstelle gegenüber liegenden Wand leicht erfahren, j^'ht Venen-fchrombose, d. h. eine sog. Aderflstel hervor, wie ich (M.) selbst gesellen habe. Auch veranlasst Cliloralliydrat in der Zusammensetzung des Blutes erhebliche Störungen, doch scheinen diese nicht die Bedeutung zu haben, welche man erwarten sollte. In Prankreich wie in Däne­mark will man mit dem Cliloralliydrat ohne nachtheilige Folgen volle Narkose erzielt haben. Subcutane Application von Chloralhydrat führt in der Kegel zu schweren localeu Entzündungen,
Humbert, der mehr als -Id Narkosen mit Cliloralliydrat intravenös bei Pferden ausführte, erklärt, daas dieselbe nngel'iüirlicb sei. Unmittelbar nach der Application von 80,0 [Ungt das Tliier an zu schwanken und füllt bald darauf ZU Boden, wie Humbert beobachtete, gewöhnlich auf diejenige Seite, wo man nicht injicirt hatte. Nach wenigen Minuten ist absolute Un-eniptindlichkeif mit Erschlali'ung der Muskulatur eingetreten. Nach 10 bis 20 Minuten macht das Thielquot; Versuche aufzustehen, und nach 1 — 2 Stunden sind alle Erscheinungen vorüber. Humbert zieht daher das Chloralhydrat dem Chloroform und Aether vor; doch solle man stets eine frisch bereitete und filtrirte Lösung anwenden. Wo 80—35,0 nicht genügen, wird noch eine Dosis suboutan verabreicht. Auch Nocard hat sich für die Methode aus­gesprochen, jedoch bei Hunden mit Herzfeldern von der Anwendung des Chloralhydrats abgenithen. Cadeac und Malet landen, dass Chloralhydrat in die Vene gespritzt bei allen llansthieren ein zuverlässiges Narcoticum bildet, doch sei das Verfuhren für die Praxis nicht geeignet. Sie empfehlen bei Pferden 10,0 Chloralhydrat pro 100 kg Körpergewicht; Cadiot sah hiernach jedoch aspliyktischen Tod eintreten. Negotin sah nach 90 bis 100,0 Pferde bald niederstürzen; es trat Schlaf und Anästhesie ein, die zu­weilen 2'.. Stunden andauerten. Mehrfach beobachtete auch N. Ende-phlebitis nach [njeetionen von Cliloralliydrat. Subcutan sei Chloralhydrat nicht zu empfehlen, ebensowenig intratracheal, wo es geftthrliche Wirkungen ilussere. 1 )ie beste Narkose erlange mau nach subeutaner Anwendung von Morphium (Pferd 1,0, Hund 0,1) und einige Minuten später darauf folgen­dem Klystier von Chloralhydrat (Pferd 120,0, grosser Hund 20,0).
Es bleibt zu beachten, dass in Frankreich vornehmlich schwere Pferde in Betracht kommen, von denen diese Dosis Morphium wohl ertragen wird; bei warmblütigen Thieren gehe man jedoch nicht über 0,5 g hinaus. In Uebereinstiramung mit den Beobachtungen Q-erlach's sah auch Mollereau bei schweren Pferden nach 1,0 Morphium Schwindel eintreten. Ebenso Negotin.
Cagny U. A. haben neuerdings Aether vom Mastdarm aus zur Narkotisirung bei Thieren und namentlich bei Pferden benutzt. Ein ölasrohr (Reagenzglas) 10—11 cm lang, 1,15 cm breit und mit einem IT)—20 cm langen Gummisclihuich nebst Kanüle versehen, wird mit Aether gefüllt. Nachdem die Kanüle in den Mastdarm eingeführt ist, bringt man das Glasrohr in ein öefäss mit kochendem Wasser; die sich hierauf bald entwickelnden Äetherd'dmpfe dringen in den Mast­darm ein und werden hier resorbirt. Nachdem etwa 30,0 Aether
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Narkose bei Pferden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 491)
verdampft sind, sollen sich die ersten Erscheinungen der Narkose be­merkbar machen, und mit 40—50,0 Aether soll volle Anästhesie erzielt werden. Diese von Eoux, Pirogoff u. A. seit 1847 heim Menschen versuchte Methode hat sich dort nicht bewährt, indem sie zuweilen zu schweren Darmreizungen, Cyanose und Collaps Anlass gab. Ebenso spricht sich Trusbot gegen dieselbe bei Pferden aus; er sah hierauf heftiges Drängen eintreten, das zu einer inversio recti führte. Später benutzte Cagnv eine Mischung von 20,0 Chlorallivdrat und 100,0 Aether; auch wurden Chloral und Morphium zusammen angewendet. Die Methode soll auch am steilenden Pferde ausführbar sein, doch zieht Cagny die Application der Mittel am liegenden Thiere vor.
Inhalationen von Aether bis zur Erzielung einer vollen Narkose nehmen längere Zeit und grössere Mengen des Mittels in Anspruch. 11. Bouley brauchte über 100,0; nach meinen (M.) Versuchen reichen selbst diese oft nicht aus. Trasbot emjitiehlt ebenfalls Aether. Da­gegen hat man subeutane liijectionen von Morphium, theils für sich allein, theils in Verbindung mit Chloroform, Aether und Chloralhydrat vielfach benutzt. Nachdem auch Gerlach dasselbe in Dosen von 1—2,0 empfohlen hatte, musste man sich bald überzeugen, class das Mittel in diesen Mengen zuweilen den Dienst versagte, bald aber be­denkliche Excitationserscheinungen hervorrief. Es erscheint gerathen, bei mittelgrossen Pferden nicht über 0,--gt; hinauszugehen, namentlich wenn die Thiere noch jung sind. Man erzielt damit zwar keine volle Narkose, aber doch einen gewissen Grad von Eingenommenheit, sodass sich bösartige oder unruhige Thiere leichter ankommen lassen; auch verlangt die hierauf folgende Chloroformnarkose -weniger Zeit und Stoff. Dagegen stellt sich bei den mit Morphium behandelten Pferden etwa 1 — 2 Stunden nach der Application des Mittels oft eine bedeutende Unruhe ein, indem die Thiere ununterbrochen Gehbewe­gungen machen, wenn sie nicht angebunden sind; auch angebunden benehmen sie sich unruhig, wobei leicht Verletzungen vorkommen. Handelt es sich um eine Operation, bei der es darauf ankommt, dass die Thiere sich nach derselben vollständig ruhig verhalten, z. B. bei Castrationen, SO suchen wir Morphium ZU vermeiden und bewirken die Narkose ausschliesslich mit Chloroform.
Harms versuchte Benzin als Betäubungsmittel für Pferde. Nach 3 Minuten langer Inhalalion traten Excitationserscheinungen auf, nach 10 Minuten war das Gefühl theilweise, nach 15 — 20 Minuten vollständig verschwunden. Die Narkose, welche mitunter eine Stunde dauerte, konnte durch weitere Inhalation noch verlängert werden.
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f,00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bertthignngs- und ZwaugsmittoL
Müller benutzte l'etmleuaibcnzin des deutschen Arzneibuches bei Pferden und Hunden, fand aber, dass dasselbe neben Bowusstlosig-keit iiuch Krämpfe hervorrief, und erklärte das Mittel für unbrauchbar.
Pröhner prüfte bei Pferden Hypnon, Urethan und Paraldehyd, kann diese Mittel jedoch nicht empfehlen, weil dieselben erhebliche Veränderungen im Blute der Thiere hervorrufen. Nach den Versuchen Negotin's hatte Bichlormethyl keinen Vorzug vor dem Chloroformj Bromoform und Amylenhydrat zeigten ätzende Eigenschaften.
Bei einem Tapir, dessen Organisation mit dem des Pferdes in vielen Punkten übereinstimmt, wurde von mir (M.) zum Zweck einer Scheiden' amputation Morphium 0,8 subeutan, darauf Chloroform verabreicht. Schon nach 6—8 Minuten war vollständige Narkose ohne Excitationsstadium ein­getreten, die an 7 Stunden anhielt. An Chloroform waren etwa 20,U ver-branchl, von dein der gnisste Theil wohl noch verschüttet worden war.
b) Narkose boi Wiederkäuern. Da eingreifende Operationen bei den schlachtbaren Thieren selten ausgeführt werden, das Fleisch der Thiere durch die Mehrzahl dor Betäubungsmittel wenigstens vor­läufig einen üblen Geruch und Geschmack annimmt, so dass es zunächst zum Genuss für Menschen nicht verwerthet werden kann, so linden Narkotisirungen bei diesen Thieren nur ausnahmsweise statt. Dies gilt auch vom Chloroform und Aether; letzterer wird von Negotin für Rinder sogar als gefährlich bezeichnet. Tabourin und Saunier, welche schon 1853 Versuche mit Chloroform und Aether bei grösseren Wiederkäuern anstellten, gelangten zu folgenden Schlüssen: 1. dass Kinder ohne Schwierigkeit der Aotherisation unterworfen worden können; 2. dass die Anästhesie um so leichter, schneller und vollständiger ein­tritt, je öfter sie bei einem Thiere wiederholt wird, und :gt;. dass das Chloroform weit energischer als Schwefeläther wirkt und daher trotz seines höheren Preises zur Anwendung in der Praxis sich mehr empfiehlt. Vom Chloralhydrat beobachtete Pröhner muh Dosen von 40—50 g keinerlei Wirkung; per os halten 25—40 g nach einer Viertelstunde Schwanken der Hinterhand, 50—75 g Niederstürzen, Bewusstlosigkeit und ünempfindlichkeit zur Folge, welche 3 Stunden dauerten. .rraquo;() -7ö g Chloroform per os verabreicht bewirkte mich den Versuchen Pröhner's noch keine vollständige Narkose. Auch Morphium soll nach den Beobachtungen Gfuinard's bei Wiederkäuern und be­sonders bei der Ziege als Narcoticuin unbrauchbar sein, ja nicht ein­mal als Sedativum Beachtung verdienen. Nach Gninard ertrugen Ziegen das #9632;lOOfaebe der Dosis für Menschen.
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Nurkose hei Wiedurkiiucni und Fleisclifresseri].nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;501
Malzew versuchte bei 10 Ochsen Morphium mit Chloroform. Ersteres wurde in Dosen von 0,12—0,2 g Buboutan eingespritzt, sodann nach 3—12 Minuten mit der Application von Chloroform begonnen, fn 7 Fällen trat nach 10—10 Minuten Schlaf ein, in ;gt; Fällen gelang es nicht, denselben hervorzurufen. Es wurden 1quot;)—68 cem Chloroform verbraucht. Nach dem Erwachen zeigten die Ochsen keine abnormen Erscheinungen, Dagegen erzielte Harms mit Inhalation von Benzin auch beim Rinde nach 10 Minuten Abstumpfung des Gefühls, sodass Nadelstiche nicht mehr empfunden wurden, fn der Geburtshülfe wird bei Kindern vielfach vom Chloral bydrat Gebrauch gemacht, um Ubor-mässige Wehen zu bekämpfen, eine vollständige Narkose ist dazu allerdings nicht erforderlich. Cadiot empfiehlt bei Hindern '/k bis 1,0 Liter gewöhnlichen Branntwein oder Bum per os. Ziegen und Schafe lassen sich durch Inhalation von 10—20 g Chloroform in 5 —10 Minuten sicher betäuben,
Für Schweine gilt im allgemeinen dasselbe, und wahrscheinlich würde man hier ebenfalls Chloroform anwenden können; auch Negotin fand das Mittel hier ungefährlich.
c) Narkose bei Fleischfressern. Wenn auch manche Fälle glücklich verliefen, so wurden doch gerade bei Hunden und Katzen durch Chloroformnarkose die meisten Todesfälle beobachtet. Guinard legt besonderes Gewicht darauf, dass Hunden während der Narkose das Maul durch ein Maulgatter offen gehalten wird; er thcilt die von Guerin zuerst ausgesprochene Ansicht, dass bei Hunden ohne jede Gefahr Chloroform durch das Maul inhalirt werden könne, während die Application durch die Nase Vagusreizung mit Herzlähmung veran­lasse. Guerin empfiehlt für Hunde Aether, 10 — 30,0, in 6—8 Minuten durch die Nase und nicht gleichzeitig durch das Maul eingeathinet; auch Oombinationen von Chloroform, Aether mit Morphium und Atropin werden von Guerin empfohlen. Nach unseren Beobachtungen verdient bei diesen Thieren das Morphium snbeutan angewendet den Vorzug, doch zeigen die Thiere diesem Mittel gegenüber sehr verschiedene Empfind­lichkeit. Man applicirt 0,1—0,4 Morphium in wässeriger Lösung sub-cutan und lässt zur Vervollständigung der Karkose Aetherinhalationen folgen. Seibach fand, dass selbst längere Zeit dauernde Aether­inhalationen bei Hunden und Katzen gefahrlos sind. Malzew giebt Morphium subeutan und lässt alsdann Chloroform folgen. Guinard empfiehlt Morphium und zwar von einer 20/oigen Lösung ' i com pro Kilogramm Körpergewicht; er lässt erforderlichenfalls ein Khstier
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BerubigungS' und Zwangsmittel,
von Chloralhydrnt und zwar 1,0 pro Kilogmmtn Körpergewicht folgen. Kaufmann lässt zunftohst ein öemisch von Morphium und Atropin subcutan anwenden, dann '.i Stunde darauf Inhalationen von Chloro­form folgen. Nach Preipitsch soll das Chloroform Piotet auch für Hunde und Katzen ganz ungefährlich sein. Roucher empfiehlt für Hunde Morphium mit darauf folgendem Chloralbydrat als Clysma. Um Kothabgang während der Operation zu verhindern, wird zunächst ein Klystier von Seifenwasser oder Glycerin gegeben, darauf pro 1 •quot;' bis 20 kg Körpergewicht 0,02 Morph. hydrochlor. subcutan und hierauf ein Klystier von 1,1) Cliloralludrat in Leinsamenschleim, Wenn erforder­lich, wird nach 7—8 Minuten die gleiche Dosis wiederholt; bei sehr jrrossen Hunden eine dritte und selbst vierte. Cagny spricht sich für Ä-etherdämpfe per anum, wie oben beschrieben angewendet, aus, die Dosis soll 50—60 g betragen und regelmassig ein kurzes Exci-tationsstadium auftreten. Huppe behauptet durch Einspritzung von 10,0 Aether ins Ohr bei Hunden Narkose erzielt zu haben.
Mit 4,0 Chloralbydrat per OS verabreicht, konnte Harms bei einem mittelgrossen Hunde keine volle Narkose erzielen, dagegen empüehlt Esser muh einer Morphiuminjection von 0,05—0,1, Chloral­bydrat (3—10 g) als Clysma folgen ZU lassen. Nach Fröhner er­wies sich Urethan als eines der besten Narcotica beim Hunde; ebenso wurde von demselben Hypnon und l'araldehyd bei diesen Thieren mit Erfolg verwendet. Deaoubry verwendet Sulfonal) Hunde von etwa 20 kg Körpergewicht sollen 1,5—2,0 g erhalten. Ferner wird von demselben empfohlen, eine Lösung von 0,005 Atropinsulfat und 0,1 Morph. hydrochl, in 1,0 Aqua als subeutane Injection mit darauf folgender Inhalation von Chloroform anzuwenden. Auch Hendrickx spricht sich für dieses Mittel aus.
Die von Cadeac und Malet neuerdings nach dem Vorschlage Richet's versuchten intraperitonealen Injectionen von Chloralbydrat haben keine günstigen Resultate ergeben, sowohl bei Hunden, wie auch Pferden wurden hiernach Todesfälle durch Peritonitis beobachtet. Da­gegen wird von denselben 0,02 Morph. hydrochlor. subcutan mit 4,0 Chloral in 1-elnsamenklystier empfohlen.
Katzen zeigen sich gegen Narkotisirung mit Chloroform ausser-ordentlich empfindlich, und es kommt bei ihnen oft ein tödtlicher Aus-ernntf vor; doch will Guinard durch Combination von Morphium und Chloroform gute Resultate erzielt haben. Er giebt vom Morphium 0,0005—0,005 pro Kilogramm Körpergewicht subcutan und liisst nach 15 Minuten Chloroforminhalation folgen, zu welchem Zwecke die Katze
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Locale Aiiiisthüsie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; T)!);}
unter eine Glasglocke gebracht wird, unter welcher das Chloroform verdunstet. Sobald Jas Thier Zeichen von Schwäche wahrnehmen liisst, wird es herausgenommen; man darf jedoch nicht bis zum Um­fallen desselben die Narkotisirung fortsetzen.
Nach den Versuchen Müller's (Dresden) lassen sieh Katzen leicht mit Ohlorofonu (ti—ö,0 in 4—10Minuten) vergiften, während diese Tbiere Aether in grossen Mengen ohne Nachtheil ertragen (bis ^0,0). Auch Cbloralbydrat wirkte als (Jlysina in Dosen von 8,0 bei Katzen tödtlioh.
Hobday gelangte auf Grund von 500 Ohloroformirungen bei Hunden und 120 bei Katzen zu der Ansicht, dass sich auch der Hund bei der nötbigen Vorsieht zur Anästhesirung mit (Jhlorol'orm ganz gut eigne. ])as Ohlorofortn soll laugsam gegeben, und das Tbier in der Bauchlage mit nicht zu weit auseinander gespreizten Küssen gehalten werden, um die Hrust-organe in ihren l'unctionen nicht ZU stören. Bei Katzen soll noch grössore Vorsicht geboten sein; auch sollen junge Thiere enitindlicber gegen Chloro-fortn sein als ältere.
Negotin empfiehlt für Hunde und Katzen die Billroth'sche Mischung (Chloroform;}, Aether und Alkohol aa 1) oder die Wachsinuth'sche Mischung (Chlorofonn 5, rectificirtes Terpentinöl 1). Auch soll hier die englische Mischung (Aether sulf. 3, Chloroform 2, Spiritus 1) wirksamer sein als gleiche Theile Chloroform und Aether.
Mit Aetbylenum bichloratum erzielte Negotin bei Fleischfressern und Pferden keine günstigen Besultate; ebenso mit dem Bromoform bei Hunden und Katzen.
In Frankreich sind in neuerer Zeit, Mischungen von Atropin und Morphium nach Dastre undMorat in Anwendung gekommen. Von einer Lösung bestehend aus: Morphin, hydrochl. 0,2, Atropin. sulf. 0,02, Aqua dest. 10,0 wird 0,5 com auf 1 kg Körpergewicht subeutan applicirt und nach 20—25 Minuten mit der Inhalation von Chloroform begonnen. Hierauf soll eine tiefe und langdauernde Narkose eintreten. Für Hunde empfiehlt Cadiot: Morph. 0,1, Atropin 0,005 und Aqua 10,0, von der man für kleine Hunde 0,5 com, für mittelgrosse 1—2, für grosse 3—4 cem injicirt, und nach 15—25 Minuten Chloroform folgen liisst.
Nach dein Gesagten dürfte sich empfehlen:
1.nbsp; nbsp;Für Pferde: Chloroform, 30—250,0 im Durchschnitt 100,0 als Inhalation,
2.nbsp; nbsp;Für Rinder: Chloralhydrat (50—80,0) oder Branntwein 0,5 bis 1,0 Liter innerlich..
ii. Für Schafe, Ziegen, Schweine: Chloroform 10,0 — 20,0 inlmlirt.
4. Für Hunde und Katzen: Morphium (0,05—0,4), darauf Aether, vielleicht auch Chloroform oder Mischungen (Billroth'sche, Wachs-mu th'sche),
Affen liisst Cadiot in einen engen Käfig bringen, der mit einem Tuch bedeckt wird, sodann in eine Ecke des Kiitigs von Minute zu Minute Wattetampons legen, welche mit Chloroform getränkt sind. Das Thier sträubt sich zunächst, fängt aber bald an zu taumeln und sich gegen die Wand
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5(Mnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Beruhiguugslaquo; und Zwangsmittel,
lies Kiifiifs zu loliiipn. Sobald dies eintvitt, nitutut man dun Affen heraus, und wenn die Operation längere Zeit in Anspruch nimmt, liisst man weiter inhaliren.
Zur Anästhesirung von Vögeln eignet sich ebenfalls Chloroform. Das Tbier wird unter eine Glasglocke gebraobt, welche an einer Seite etwas gehoben wird, um Luft /.uznluhren und mit Chloroform getränkte Watte­tampons unter die Clocke zu schieben. Dass für den gleichen Zweck schon seit langer Zeit Hypnotismus verwerthol, wurde, beweist eine Bemerkung Horing's, wonach man Vögel einschläfern kann, wenn man ihren Kopf unter einen Flügel steckt und sie sodann mehrere Male um ihre Achse dreht.
d) Die locale Anästhesie. In neuerer Zeit wurde eine Reihe von Methoden bekannt, welche im Stande sind, die Function sensibler Nerven henibzudrücken oder vollständig aufzuheben. Zunächst be­nutzte man hierzu iviilte, in Form von Umschlägen mit, Eis oder Kältemischungen, die mittelst Zerstäuben schnell verdunstender Flüssig­keiten! Aether, Kohlensiiuro, Schwet'elkolilenstoft'und eine Reihe anderer Stoffe) erzielt wurden; mit einem Spray auf die betreffende Stelle gebracht, erzeugen diese einen hohen Kältegrad und stumpfen die Empfindlichkeit in den sensiblen Nerven mehr und mehr ab. Diese Methode hatte jedoch den Nachtheil, dass auch die übrigen Gewebe geschädigt werden, selbst Erfrierungen der Theile entstellen können.
Später wendete man zu diesem Zwecke bestimmte Arzneimittel an, welche einen directen Einduss auf die sensiblen Nerven ausüben. Das zunächst benutzte Chloroform eignet sich hierzu jedoch nicht, weil es auf die Oberfläche der äusseren Haut gebracht, diese Wirkung nicht entfalten kann; kommt es aber mit Wundflächen oder Schleim­häuten in Berührung, so ätzt das Mittel ebenso wie bei subeutaner Injection.
Neuerdings hat man in dem CocaYnum livdrochloricmn ein Mittel gefunden, welches eine speeifisch lähmende Wirkung auf die Endigungen sensibler Nerven ausübt. Aber auch dieses Mittel wirkt nicht in hin­reichender Weise, wenn es auf die Oberfläche der äusseren Haut ge­bracht wird. Auf Wunden und Schleimhäute in -—50/oiger wässeriger Losung gepinselt, vorschwindet die Empfindlichkeit in 3—5 Minuten und kehrt erst nach längerer Zeit wieder. Will man auf die äussere Haut oder tiefer gelegene Theile wirken, so spritzt man die Lösung in Abständen von 1—2 cm mit der Pravaz'schen Spritze ein, worauf nach wenigen Minuten Einschnitte sowie Stiche und andere mechanische Läsionen nicht mehr empfunden werden.
Wir haben von dem Mittel häutig Gebrauch gemacht, wenn es sieb darum handelt, bei empfindlichen Pferden kleinere Tumoren zu
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liocalo Anästhesie.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
exsiirpiren. Es gelingt sogar mit diosem Verfahren, am stehenden Pferde die Neureotoinie der Fesselnerven auszu^lhren; selbst bei der
Durclisclmeidutig der Nerven zucken die Thiere oft nicht im geringsten (S. 239). Ebenso leistet das Mittel bei Operationen am Auge, sowie beim Heften von Wunden recht gute Dienste. Auch Lab at erzielte mit dem Mittel gute; Erfolge und gebrauchte für Pferde 0,08—0,1, bei Hunden 0,003—0,00 CocaKn.
Die Anwendung der Localanästhesie bat neuerdings in Schleich einen Förderer gefunden. Er injicirt in die Cutis und selbst in tiefer gelegene Theile eine Mischung von: Cocain 0,02—0,2, Morphium hydrochlor. 0,01—0,025, Xatr. chloral. 0,2, Aqua destill. 100,0 und erzielt damit volle Anästhesie (raquo;Infiltrationsanästhesiequot;), die seit­dem in der Menschen- wie auch Thierheilkunde allgemein in Gebrauch gekommen ist und volle Beachtung verdient. Auch wir haben uns von der Wirksamkeit der Methode oft überzeugt, aber auch davon, dass man sich nicht so streng an die Zusammensetzung der Flüssigkeit zu halten braucht. Selbst die physiologische Kochsalzlösung {0,(jl,/ii) übt einen ähnlichen Einlluss aus und genügt für kleinere Operationen (Frick). Auch subeutane Injectionen von 20/o Carbolwasser erfüllen den Zweck. Nach Letang sogar alle Flüssigkeiten, die auf 0deg; temperirt sind.
Mit Hülfe des Schlei ch'schen Mittels habe ich (M.) selbst grössere Bruchoperationen bei Pferden im Stehen zur Ausführung gebracht, womit der grosse Vortheil verbunden war, dass die Naht geschont wurde, welche beim Aufstehen des gefesselten Thieres leicht aufreisst.
Dagegen konnten wir uns von der Wirksamkeit der Bepinse­lungen der äusseren Haut mit Cocain beim Brennen des Pferdes nicht überzeugen. Wie bereits betont, wirkt es nicht durch die Epidermis; subeutane Injectionen lassen sich hierbei für gewöhnlich nicht an­wenden.
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11. Die Methoden der G-ewebstrennung.
1, Blutige mid aublatlge Trennung der Gewebe.
Dio Trennung der Weichtheile kann auf blutigem und auf unblutigem Wege erfolgen; zur ersteren Methode dienen scharfe Instrumente (Messer, Scheren, Trokarts u. s. w.), zur letzteren die
Piff, 82.
Pia. 83.
QebaUtes und spitzet Bistouri,
Lnncclte.
Ligatur, das Glüheisen, der Thermokauter, die Galvanokaustik und das Abreissen,
Zu den chirurgischen Messern gehören; 1. Bistouris, an denen Heft und Klinge beweglich verbunden, daher ZU schliessen, aber mit einer Vorrichtung versehen sind (King, Stift), um die Klinge festzustellen (Fig. 82), 2. Sealpeile mit unbeweglicher Verbindung zwischen Klinge
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^p
Messer, sclmrt'er Löffel
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und Heft, (Fig. 84 a und amp;), ;gt;. Lanoetten mit lanzenförmiger Klinge und beweglichem Hei't (Fig. 8:5); die letzteren finden neuerdings nur noch selten Anwendung (Aderlass), Dagegen haben •• scharfe Löffel in der thierärztliclien Praxis vielfach Eingang gefunden (Fig. 81 rund/'). Nach der Form der Klinge unterscheidet man gebogene (con-vexe) (Fig. 8-1 r/), gerade und concave Bistouris bezw, Scalpcdle; solche mit schmaler Klinge heissen auch Tenotome (Fig. 84 ö und J), weil sie zum Durchschneiden von Seimen und Muskeln unter der Haut-
Fiff. 84.
cnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;d c
geballtes, b spitzes Soalpell, o goljOgenes, lt;/ gerades Tenotom. •#9632;, f scharfe Löffel,
benutzt werden. Dieselben sind entweder mit einer scharfen Spitze, oder an Stelle dieser mit einem abgerundeten Knopfe versehen (spitze und geknöpfte Tenotome).
Die Stärke der Messer ist verschieden, doch empfiehlt sich na­mentlich für grössere Thiere kriil'tige Klingen und nicht zu schwache Hefte ZU wählen, weil die Anwendung dieser Instrumente hier oft grösseren Kraftaufwand erfordert. Für aseptische Operationen em­pfehlen sich gut vernickelte Metallhefte, die sich leichter sterilisiren lassen, ohne dabei zu leiden. Die Instrumentenfnbrik von Ilauptner-Berlin hält die hier verzeichneten Instrumente stets vorräthig.
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Methoden der Gewebstreununs
Bistouris und Sculpolle werden bald uaeli Ali einer Schreibfeder (Fig. 8.quot;)) gehalten, wie es namentlich heim Präpariren von Weicli-theilen geschieht, oder mau erfasst das Bistouri wie ein Tischmesser, und zwar die Schneide entweder nach oben, oder unten gerichtet (Fig. 86 und 87), oder wenn es sich um üeberwindung grösserer Kraft handelt
Kg. 85.
Haltung (l(,'s Messers wie eine Schreibfodor.
mit der ganzen Hand (Fig. 88). Wird an Theileii, die sich bewegen, also besonders an nicht gefesselten Thieren operirt, so setzt mau, wie Fig. 89 zeigt, den Daumen der betreffenden Hund in möglichster Ab-
Fip;. 86.
Haltung wie ein Ttsohmssser, die Schneide nach unten gsrlclitet.
ductionsstelluna fest auf den Körper des Thieres, um etwaige plötz-
liehe Bewegungen mit der
Iland mitzumachen und eine übermilssige
Verlängerung
des Schnittes zu
87.
vermeiden. Aus demselben Grunde wird beim Durchschneiden der ilusseren Haut mit der linken Hand und mit Unterstützung eines Ge-hiiH'en eine Hautfalte gebildet und mit dem Messer gespalten; natür­lich kann dies nur an Stellen go-Unterlage verschiebbar ist, also
i^-^^MAjtoü
Haltung wie ein Tiseiimcsser, die Sohneide
Uaoll oben gerichtet.
schoben, wo die Haut auf ihrer
namentlich am Kumple der Thiere.
Mau unterscheidet: Stich und Schnitt. Beim Stieb wird die Klinge des Messers mit Daumen und Zeigefinger da erfasst, bis wo-
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Messerbaltunir. Sonden.
m
hin dicsolhe eindringen soll; beim Schnitt daffe^on wird das Messer­heft erfusst, und die Trennung bald von aussen nach innen bewirkt (Einschnitt), wobei man die leicht bewegliche äussere Maut zuweilen
Fig. 88.
Fig. 89.
Haltung mil der ganzen liaiul.
Fiff. 90.
Aufsetzen des Daumens. Fig. 91.
Ilakensonde. Ilolilsoude, Myrtenldattsonde.
Oelivsondeu
mittelst Zeij^olinger und Daumen der linken Hand anspannt, bald von innen nach aussen, wobei zur sicheren Einführung z. B. in eine Abscess-höble sog. Hohlsonden (Fig. 90) dienen. Aengstliche und unge­schickte Operateure pflegen auch bei der Schnittführung die Klinge
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no
Die Methoden dor Gtawobstrennnng.
des Messers zwischen Daumen und Zeigefinger zu halten, wodurch
nicht nur der freie Gehmuch desselben erschwert, sondern uucli die
Uebersicht über die Ausdehnung, namentlich über
Fig. 92.
die Tiefe des Schnittes verhindert wird.
Die Lancette wird an der Klinge zwischen Daumen und Zeigefinger erfasst, das lieft nach oben, damit dasselbe weniger verunreinigt wird und das Eindringen der Klinge nicht behindert (Fig. 92),
Zum Zwecke der Untersuchung von Höhlen
Haltmig dev Lanoatte
und röhren tonn igen Kanälen auf ihre Ausdeh-
nung und die Gegenwart von Fremdkörpern dienen Sonden (Fig, 91), die gegenwärtig meist aus Metall (Silber, Stahl) hergestellt werden und mit einem abgerundeten Knöplchen (Knopfsonden), oft auch zur besseren Handhabung am entgegen-
geset/.ten Ende mit einer myrtenhlattförraiffen Verbreiterung
ver,
ehen
Fiof. 94.
Ficr. 98.
Pincotten.
Komzangen.
sind (Myrtenblattsonden). Andere tragen zur Befestigung eines Fadens ein Oehr (Oehrsonden) (Fig. 91), oder einen Haken zur Unter­bindung von Gefilsseu (Fig. 90). Fischbeinsonden sind /.war biegsamer, lassen sich jedoch schwer reinigen und sind deshalb weniger zu empfehlen. Dagegen zeigen sich biegsame Zinnsonden für die Zwecke
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Pinoetten, Haken, Zangerii
.11
der Untersucluing sehr geeignet. Beim Gebrauelie der Sonde ist aucli noch die Vorsicht geboten, dass man nicht künstliche Gowehstrennungen mit derselben herstellt.
Zum Erfassen der Gewebe, von Fremdkörpern, abgelösten Knochen-stüekeu dienen Pinoetten und Zangen, deren Einrichtung sich aus beifolgenden Zeichnungen (Fig. 93 und i.M) ergiebt. Man unterscheidet
Fijr. 9£
Fig. 90.
Hakenzange.
Hakonzange narli Esser,
glatte und Hakenpincetten; sie dürfen nicht zu schwach gearbeitet sein, da ihre Anwendung, namentlich zum Eidfernen abgestorbener Gewebsmassen oder Fremdkörper, oft einigen Kraftaufwand voraus­setzt. Von den Zangen ist die sog. Kornzange am meisten im Ge­brauch (Fig. 91).
Wird bei der Operation präparirend vorgegangen, st) dienen sog. Wundhaken (Fig. 52 und 95) zum Auseinanderhalten der Wundränder. In verschiedenen Grossen werden sowohl scharfe, wie stumpfe Ilaken benutzt, die letzteren mehr als die ersteren.
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512
Die Methoden der Ocwebstrenniiiig.
$
Bei der Exstirpation von Q-eschwulstmassen lassen sich sog. Hakenzangen mit Vortheil verwerthen (Fig. 96), indem man niit einer solchen die Geschwulst erlassen und vorziehen kann; die in
Fig. 98.
Fig. 99.
gt;^?55^|S5fegt;S
^
Haltung des Trooarts.
Fig. 07 dargestellte, construirte Zanjre ist
von Professor Esser Für grössere Thiere be­
sonders brauchbar. In Ermangelung solcher Instrumente legt mau mit Hülfe der Ger-lach'schen Heftnadel (S, 93) ein starkes Band durch die Geschwulst.
Trennungen der Weichtheile erfolgen ferner mit Trocarts und Hohlnadeln. Dir Trocart (Fig. 99), aus dem Stilet mit Griff und der Hülse bestehend, dient zum Ein­stich in Hohlräume behufs Feststellung ihres Inhaltes (l'ro he t rocart) oder zur Entfer­nung desselben. Die Stärke der Instrumente schwankt zwischen 2 -14 mm: ihre Anwen­dung erfolgt in der in Fig. 98 dargestellten Haltung, indem der Zeigefinger die Grenze andeutet, bis wohin das Instrument eingeführt
werden soll. Sobald der Trocart eingedrungen
Probetrooart,
ist, zieht man das Stilet zurück. Bei Function von Körperhiihlen oder Gelenken muss das Instrument vorher sorg­fältig sterilisirt werden, was am sichersten durch 10 Minuten langes Kochen in Wasser oder hesser noch 10/o Sodalösung erfolgt. Als Prohetrocart lässt sich unter Umständen eine Hohlnadel verwerthen, wie sie zur subeutanen Application von Arzneien benutzt wird.
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Scheren.
518
Zur Gewebstrennung dienen ferner scharfe Löft'ol von versobielaquo; doner Grössu, bald rund, bald etwas länglich gestaltet (Fig. 84e, /'). Die „AuslöCf'elungquot; kann .sowohl an harten Gewoben (Knochen, Knorpel), als auch an Granulations- bezw. Gesehwulstmassen vollzogen •werden und erfolgt namentlich da, wo man diese mit dem Messer nicht ohne Gefahr entfernen kann. Die Anwendung des scharfen Löffels ist jedoch schinerzhafter als die des Messers.
Endlich können blutige? Trennungen der VVeichtheile auch mit der Schere erfolgen, die den Vortheil gewährt, dass man nicht so leicht
Gefahr läuft, die Trennung über
r nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IT?- i i i #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'1quot;- 100.
die Grenzen des Jäi'wünschten ninaus
zu bewirken, was namentlich bei unruhigen Thieron ins Gewicht fällt. Man unterscheidet „gradequot; und ..gekrümmte'' oderCooper-sche Scheren. Die letzteren ermög­lichen es, Theile von einer ebenen Fläche schärfer abzutrennen, und dienen daher auch zur Entfernung der Haare; ihre Form gestattet zu­gleich, die Bewegungen des Instru­mentes mit den Fingern der linken Hand zu controliren und dasselbe unter straff angespannte Membranen (Fascien, Bänder) zu schieben.
Früher glaubte man, dass die Trennung mittelst der Schere eine
Quetschwunde darstelle, welche
ciiinirgibclu1 Scheren.
weniger leicht heile als ein Schnitt mit dem Messer. Sofern die Schere gehörig scharf ist, kommt dieser Umstand nicht in Betracht, doch muss sie fest gebaut und nicht wackelig sein, wodurch nicht allein die Anwendung derselben erschwert wird, sondern der Schnitt zugleich uneben und schmerzhaft ausfällt.
Welches der Instrumente auch Anwendung finden mag, stets soll dasselbe möglichst scharf und rein sein und mit sicherer, ruhiger Hand schnell geführt werden. Vorsichtig, aber energisch, nicht zag­haft muss der Schnitt und Stich ausfallen. Was mit einem Schnitt oder Stich zu trennen ist, soll nicht mit mehreren getrennt werden. Je weniger Schnitte, und je schneller sie erfolgen, um so geringer die damit verbundenen Schmerzen; ein Umstand, der namentlich hei Ope-Jioiicr raquo;. KricU, Allgsmsine OUrufgla für Thlsrtete. ü. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 38
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quot;,14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Methoden der Qewebstretmungi
rationell uii gfrösseren Thieren und im Stehen ins Gewieht füllt, du solche nach längerem Gtabrauob der Instrumente, selbst Lei Anwendung der Bremse unruhig werden.
Die unblutige Trennung der Gewebe kiinn mit den Fingern geschehen, indem man namentlich lockere Bindegewebsmassen mit den­selben losstösst. Bei grösserer Widerstandsfähigkeit wendet man hierzu das lieft eines Scalpells oder eine geschlossene Schere au ; dies Ver­fahren empfiehlt sich namentlich bei der Exstirpation von Geschwülsten. Beim Abreissen werden die Blutgefässe in der Kegel zuletzt getrennt, weil ihre Elasticität sehr gross ist; daher bietet sich hierbei Gelegen­heit dieselben isolirt zu unterbinden. Aber auch die abgerissenen Gofässe bluten nicht so stark wie abgeschnittene.
Relativ unblutig gestaltet sich auch das Abreissen von Weich-theilen mit Hülfe besonderer Instrumente. Zu den letzteren gehört der Ecraseur, zuerst von Chassaignac empfohlen, später mehrfach modificirt und verbessert. Er besteht aus einer Kette, einer metallenen Röhre und einer Krücken- oder Sclmiubenvorrichtung (K'etten-ecraseur, Fig. 101). Die Kette ragt aus dem Ende der Röhre in Form einer Schlinge hervor, welche mittelst der Krücken- oder Schrauben-vorriclitung vergrössert und verkleinert werden kann. An Stelle der Kette hat man später starken Draht gewählt (I) rah t ecr aseu r, Fig. 101 r). Nachdem die Kette bezw. der Draht um den abzulösenden Theil (Geschwulst l gelegt ist, wird durch die Schraube bezw. Krücke die Schlinge allmählich verengt, bis dieselbe alle in ihr liegenden Weicbtbeile durchquetscht bezw. zerrissen hat (Ecrasement lineairei. Werden auch Blutgefässe zerrissen, so schiebt sieh die am meisten widerstandsfähige Adventitia vor das Lumen derselben und verhindert auf diese Weise die Blutung.
Aelmlich verhält sich die Wirkung der galvanokaustischen Schliugi}, nur mit dem Unterschiede, dass der sie bildende Platindraht durch den elektrischen Strom zum Glühen gebracht wird und so die Weiclltheile durchbrennt. Für thierärztliche Zwecke bedarf es in der Regel einer grossen Schlinge, zu deren Erhitzung starke Elemente er­forderlich sein würden; deshalb hat die Galvanokaustik, welche beim Menschen besonders zur Entfernung kleinerer Geschwülste aus den Kopf-höhleu dient, in der Tliierheilkuude bisher wenig Anwendung gefunden, zumal eine ähnliche Wirkung mit dem bei weitem billigeren und ein­facher construirten ..Thermokauterquot;, oft sogar auch mit dem ölüh-eisen zu erzielen ist. Das Nähere hierüber vcrgl. beim Kapitel Brennen.
Zur Trennung von Weicbtheilen, namentlich zur Entfernung von
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Trennung durch Ligatur.
516
Geschwülsten dient endlich die Unterbindung, das Abbinden. Hierbei wird um den betreuenden Tiieil ein Faden (Zwirn- oder Bindfaden), ein Draht oder ein dickwandiger Qntnmisohlauch (elastische Liga­tur) gelegt und möglichst fest zusammengeschnürt. Die Ligatur wirkt einmal durch Absperren der Blutzufuhr, in Folge dessen der unter­bundene Tiieil frtlher oder später abstirbt, dann aber durchschneidet
Fig. 101.
gj^-nm.-: .w!-quot;laquo;-^
(i Kcttenecraseiu' nacli Uliassaignar,. li KoUonccmsGur nach Cliarriengt;, o Drahteoraseni; nach Meyer. lt;( Drahtocrasour, französischer. lt;#9632; Kettcnccraseur nach Liier.
sie die Weichtheile direct, und zwar um so schneller, je weicher diese und je fester die Ligatur war. Die letztere Wirkung kommt ganz be­sonders bei der elastischen Ligatur in Betracht. Nicht elastische Liga­turen werden in dem Masse, als sie die Weichtheile durchschnitten haben, locker, müssen alsdann von neuem angezogen oder durch eine engere Ligatur ersetzt werden.
Bei Geschwülsten mit breiter Basis kann die Unterbindung in mehreren Abschnitten erfolgen. In einfachster Weise wird dieses dadurch erreicht, dass man einen doppelten Faden durch die liasis des Tumors führt und
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Die Methoden dor Q-ewebstrennung.
denselben nach beiden Seiten unterbindet. Um mehrere Ligaturen anlegen zu können, braucht man zwei grade Nadeln (Fig. 102laquo;), von denen eine in ihrer Mitte mit einem Oehr versehen ist. Diese wird zunächst quer durch
Fig, 102.
t'ntiirliiiiiUmp; mil SUelblldnng,
die Mitte der Ge.schvvnlstbasis gestochen, sodann die zweite mit einem langen, doppelten Ligatarfaden versehen in der entgegengesetzten Richtung und zu­gleich durch das Oehr der ersteren (Fig. 102/; und r). Hierauf zieht man die erste Nadel mit dem Faden durch die Geschwulst (Fig. 102(7) und schneidet
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Trennung duroh Ligati
.17
in einiger Entfernung von dem Oohr den Faden durch. Während nun das eine Fadenendo iestgehalten wird, zioht man den anderen Faden mit der Nadel durch die Einsticiiöirnung zurück (Fig. 102 c) und durchsehneidet auch diesen. So erhält man vier Fäden, welche Je ein Viertel der Geschwulst einfassen (Fig. 102/) und nun fest geknotet die Basis der Geschwulst ein­schnüren. Schiebt man die Fäden vor dem Verknoten unter die äussero Haut hindurch, so gelingt es, die Geschwulst subcutan zu unterbinden (Fig. 102i7). Im ganzen wird jodocii von diesem, als Pddiculisation der Geschwulst (Unterbindung mit Stielbildung) bezeichneten Verfahren in der thierärztlicben Praxis nur selten Gebrauch gemacht.
Der Umstand, class grössere Geschwülste bei der Unterbindung' langsnin abgetrennt werden, aber schon vorher absterben, zerfallen und
Fig. 108.
Fig. 104.
Knocbenzatiao naoh T.ision.
Kuochensoliere,
einen üblen Geruch verbreiten, beschränkt das Abbinden im allgemeinen auf kleinere Geschwülste, besonders da, wo man sich vor der Anwen­dung des Messers oder der Schere scheut. Ebenso Hegt auf der iiaiul, dass durch die länger andauernde Eiterung das Auftreten von Starr­krampf begünstigt wird, und dass es sich auch aus diesem Grunde empfiehlt, die Unterbindmigsstelle mit Desinfectionsniiftcln zu behandeln. Der Umstand, dass gerade nach Unterbindung von Geschwülsten bei Pferden oft Tetanus beobachtet wurde, war die Veranlassung, dass man in der Wirkung der Ligatur die Ursache dieses Leidens erblickte, eine Auffassung, der man heute jedoch nicht mehr zustimmen kann (S. 18;}). Die Trennung bezw, Zerstörung der Gewebe durch Chemikalien
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Die Methoden dor (lewubatrennung.
(Aetztnittel, Cauterium potentiale), die sowohl mit festen, wie flüssigen
Aetzmitteln geschehen kann, erfolgt nach den Grundsätzen der Pharmako­logie. Man greift zu diesen Mitteln jedoch nur da, wo die Trennung mit chirurgischen Instrumenten auf Schwierigkeiten stösst, mit beson­deren (lefahren verbunden oder unbequem ist, z. B. bei Üppigen Wuche­rungen oder Geschwülsten mit breiter Basis und geringer Höbe.
Feste Gewebe, wie Knochen, lassen sich mit den oben gescbil-derlen lliilf'siiiitteln nicht durchtrennen; hier sind stärkere und anders gestaltete Instrumente erforderlich, In erster Linie kommen hierbei Säge
und Meissei in Betracht, ausser-Fig. 105.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; dem Knochenzangen (Fig. 103)
und Knochenscheren (Fig. 104). Zum Durchsägen von Knochen dienen Bogensägen, Stich sägen und Kettensägen (Fig. 105). Bei der Bogensäge kommt es namentlich darauf an, dass das Sägeblatt ge­hörig gespannt ist; die Stiebsäge muss stark, darf aber nicht zu breit sein, um sie bequemer anwenden zu können: sie dient hauptsächlich zur Entfernung grösserer Knochen-stücke.
Die Kettensäge (Fig, 105), aus einer Heihe beweglich mit einander Kottensägo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; verbundener Glieder bestehend, trägt
an jedem Ende einen abnehmbaren Griff und wird beim Menschen vornehmlich zu liesectioneu von Knochen angewendet; in der Thierheilkunde benutzt man sie zum Absägen nekrotischer Dornfortsätze am Widerrist bei Pferden sowie unter ähn­lichen Umständen, im ganzen aber nur selten.
In neuerer Zeit ist die Kettensäge mehr und mehr durch die Drahtsäge verdrängt worden. Diese bestellt in einem verhältniss-nüissig dünnen Stahldraht, der ein enges Gewinde trägt und vor der Kettensäge den Vorzug der Billigkeit (40 Pfg.) und leichteren Des-infection besitzt, leb (F.) verwende nur noch diese Drahtsäge.
Zu den Sägen gehören endlich auch die Trepane, Instrumente, die in der Specicllen Chirurgie genauer beschrieben werden.
Chirurgische Meissel sollen aus gutem Stahl und in verschiedener Grosse gearheitet sein. Man unterscheidet flache und Hohlmeissel,
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Amputation.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 510
je nachdüin die Schneide grade oder gekrUinnit vorläuft. Mit einem hölzernen oder eisernen Hiunmer wird der Meisscl durch die Knochen getrieben! An Stelle des Meisseis benutzt man in der Thierheilkiinde vielfach die sog. „Hauklinge* der Schmiede, z.B. beim Coupiren des Schweifes; sie muss recht scharf sein und wird mit dem Klopfschliigel durch den betreifenden Theil, z. B. den Schweif getrieben.
2. Amputationen und Exartlculationen. Goupiren laquo;les Schweifes.
Unter Amputation1) versteht man die operative Entfernung grösserer Extreniitätentheile; geschieht diese in einem Gelenke, so spricht man von einer Exarticulation. Abgesehen von der Exarti-culation einzelner Klauen bei Wiederkäuern und der Zehenglieder der Fleischfresser finden Amputationen bei Thieren aus nahe liegenden Gründen nur selten statt, Gelegentlich wird indess bei Lieblings-thleren die Amputation einer Gliedtnasse der Tödtung derselben vor­gezogen; schwere Verletzungen, coinplicirte Knoclierihrüche und gan­gränöse Entzündungen geben dazu Anlass. Um das Leben der Thiere ZU erhalten, bleibt hier oft nur die Amputation iilirig. Es enipiiehlt sich jedoch, den Besitzer vorher darauf aufmerksam ZU machen, dass sich nach der Amputation, auch wenn sie glücklich verläuft, mancherlei ünzuträglichkciten einstellen. Wir haben wiederholt die Beobachtung gemacht, dass die Besitzer nach erfolgter Amputation sich veranlasst sahen, das Thier schliesslich doch tödten zu lassen. Eine Katze, bei der von mir (M.) ein Vorderfuss amputirt war, erregte bei der aber­gläubischen Bevölkerung derartigen Schreck, dass ein allgemeiner Auf­ruhr entstand, und das Thier, in dem man den leibhaftigen Teufel ver-muthete, mit Knitteln todtgeschlagen wurde. Bei grösseren Thieren wurden früher wohl noch Amputationen der Gliedmassen vorgenommen, um die Thiere für die Zuchtzwecke zu erhalten; bei den Unkosten, welche heutigen Tags mit der Erhaltung derselben verbunden sind, ver­zichtet man für gewöhnlich auf derartige Operationen. Dass indess auch bei grösseren Thieren einzelne Gliedmassen amputirt werden können, beweisen zahlreiche Mittheilungen in der Literatur. Erleichtert wird die Operation wesentlich durch Anwendung der Narkose und des Con-strictionsschlauohes, der es ermöglicht, in der Blutleere zu operiren.
Zu Amputationen an den Gliedmassen dienen; ein Amputations-messer, welches bei kleinen Thieren durch ein festes Scalpel, Bistouri
') Ampntare = wegsolineiden.
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520nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pie Methoden der Gewobstromuiiig,
oder Lorbeei'blattmesser, bei grösseren Thioren durch ein Schliichter-messer ersetzt werden kann; ferner eine Säge, Unterbindungspincetten, Scliere, Heftnadeln und Fäden nebst Verbandmaterial.
[Jeber die Stelle, wo die Amputation vorgenommen werden soll, entscheidet in erster Linie der Kriinklieits/.ustand, welcher zu der Ope­ration Veranlassung giebt. Im allgemeinen verdient die Amputation voi­der Exmticulation den Vorzug, weil die Wundheilung hierbei leichter und sciiueller von Statten ZU gehen pflegt als nach der Exarticulation.
Nach der Schnitti'ülirung unterscheidet man zwei Methoden: 1. den Zirkelschnitt und 2. den Lappenschnitt.
Nachdem das Thier in eine passende Lage gebracht ist (kleinere placirt mau auf einen Tisch), wird oberhalb der Operationsstelle ein Esmaroh'scher Schlauch angelegt, und das Operationsfeld zuerst sorg­fältig desinticirt, um womöglich einen aseptischen Wundverlauf zu er­zielen; zu dem Zwecke müssen auch die übrigen hierzu erforderlichen Massnahmen getroffen werden. Der Operateur stellt sich so, dass das zu amputirende Ende der öliedmasse sich an seiner linken Seite befindet.
Zur Ausführung des Zirkelschnittes lilsst man die (iliediuasse oberhalb der Amputationsstelle von einem G-ehülfen mit beiden Händen umspannen und die VVeichtheile mit der Hand soweit möglich nach oben ziehen, Sodann erfasst der Operateur das Ende der Grliedraasse mit der linken Hand, während die rechte '1—3 cm unterhalb der Stelle, wo die Amputation vorgenommen werden soll, einen Zirkelschnitt durch die Baut führt. Nachdem letztere in der gleichen Entfernung von ihrer Unterlage lospräparirt ist, werden die Weichtheile in langen, gleichmässigen Zügen bis auf den Knochen durchschnitten. Die Schnittfläche soll möglichst glatt und eben ausfallen, doch ziehen sich Muskeln, Sehnen, Fascien u. s. w. nicht gleiehniässig zurück. Nun wird auch tier Knochen durchtrennt, wobei man soweit möglich das Periost des­selben zu erhalten sucht. Etwa 1—2 cm unterhalb der Stelle, wo der Knochen durchsägt werden soll, spalte man zunächst mit einem Zirkel­schnitt das Periost und präparire es bis zur Amputationsstelle frei, wo alsdann der Knochen durchsägt wird. Je dicker der Knochen, um so wichtiger erscheint die Erhaltung des Periosts. Bei dünnen Knochen durchschneidet man das Periost und setzt an derselben Stelle die Säge an.
Beim Lappenschnitt geht man in ähnlicher Weise vor, doch werden zwei halbmondförmige llautlappen gebildet und zurückgelegt, worauf die Trennung der VVeichtheile und des Knochens erfolgt.
Nachdem der zu amputirende Theil entfernt ist, wird zunächst zur Blutstillung geschritten, und zwar durch Unterbinden aller grösseren
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Amputation dos Selnvcil'es.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5'J1
Grefiissu. Man suclie nanu'utlicli in den Interstitien der Muskeln die offenen Oefässe auf und unterbinde sie möglichst isolirt. Glaubt man
alle sichtbaren (ief'ilsse gefunden zu habeni so lässt man den Con-striotionsschlaucb ein wenig lockern, um sich zu überzeugen, ob noch Getasse spritzen, und um event, auch diese zu unterbinden. Sollte sich ein Gefäss nicht hervorziehen lassen, so wird es umstoehen. Kleinere Gefilsse können auch durch Torsion zum Verschluss gebracht werden. Die parencliyrnatose Blutung wird am besten in der Weise gestillt, (Uiss man die hoch gehaltene Ainputatioii.siläche einige Minuten lang mit Schwämmen oder Tupfern comprimirt.
Nach erfolgter Blutstillung werden die dehnbaren Nerven hervor­gezogen und möglichst kurz abgeschnitten, um die Bildung von Am-putationsneuronien zu verhindern. Die Wunde wird hierauf desinticirt und geheftet; wenn es erforderlich ist, werden auch Drains angewendet. Man legt ein paar Entspannungsnähte au, liisst darauf die Vereinigungs­naht folgen und applioirt schliesslich einen Occlusivverband. Die Nach­behandlung erfolgt nach den allgemeinen Grundsätzen.
Die Exarticulation wird in ähnlicher Weise ausgeführt; sie be­schränkt sich bei Thieren auf die Entfernung von Klauen oder Krallen und der zuweilen beobachteten überzähligen GHiedmossen. Nach Tren­nung der Weichtheile, event, unter Bildung von Hautlappen, sucht man mit einem starken Messer die Gelenkbänder zu durchschneiden, wobei der abzutrennende Knochen nach der einen oder anderen Seite gedrängt wird, um den uöthigen Kaum ZU gewinnen. Nach Entfer­nung des Theiles wird der Qelenkknorpel an dem erhaltenen Knochen mit einem scharfen Löffel abgekratzt, im übrigen wie bei der Ampu­tation verfahren.
lieber die Exarticulation bezw. Amputation der Klaue des Rindes vergl. man die Angaben der Speciellen Chirurgie.
Eine der häufigsten Amputationen ist die des Schweifes bei Pferden, Bindern und Hunden.
Die Amputation der Schweifrübe bei Pferden geschieht viel­fach, um ein besseres Tragen des Schweifs zu erzielen (Arabisiren), oder zur Entfernung gekrümmter oder mit Krankheitszuständen behafteter Abschnitte der Schweifrübe. Die Operation erfolgt für gewöhnlich in einfacher Weise. Nachdem festgestellt ist, wo die Amputation des Schweifes erfolgen soll, scheitelt man an der betreffenden Stelle das Schweif haar, schneidet, dasselbe in einer Breite von 2 cm um den Schweif mit der Schere ab und schlinfft dicht über dieser Stelle einen
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,r)2'Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Motbodon der Qewobstronnuogi
Bindfaden fest um die SohweifrUbei Nachdem sodann das Pferd gut
gebremst und die IJiiiterfiisse event, gespannt sind (S. 471), wird der Schweif in #9632;wagerechter Lage mit einem Holzklotz an der .Stelle unter­stützt, wo die Amputation erfolgen soll, Sodann stellt sieh der Operateur
zur Seite des rechten Hinterschenkels auf, setzt eine recht scharfe, gut gereinigte Hauklinge auf die betreffende Stelle des Scbweifes und treibt durch einen kräftigen Schlag mit einem Klopfschli'igel, wie er in der Schmiede gebraucht wird, die Iliiuklinge durch die Schweifrübe, In der Kegel reagiren die Thiere hierauf kaum. Grössere lUutgefässe, namentlich die untere Schweifartorie können unterbunden -werden; doch erscheint auch das nicht nöthig, wenn mit einem ringförmigen Brenn­eisen die Blutung gestillt wird. Nachdem man sicli nach Abnahme des Bindfadens überzeugt hat, dass keine Geiasse mehr spritzen, wird die Wundfläohe mit Jodoform bestreut, ein Wattebausch auf die­selbe gelegt und durch Zusammenbinden der untersten Schweifhaare mit einein schmalen Band befestigt. Auf diese Weise erlangt man einen einfachen Occlusivverband, der fest liegt und nicht sichtbar ist, • so dass das Pferd alsbald wieder zur Arbeit verwendet werden kann. Der Verband wird nach etwa 8 'Tagen abgenommen, worauf die Hei­lung ohne weiteres Zuthun, zuweilen sogar ohne Eiterung erfolgt. Sobald bei der Abnahme des Verbandes Asepsis angetroffen wird, sucht man dieselbe durch Erneuerung des Verbandes zu erhalten, im anderen falle kann der Verband fortbleiben.
Nachtheilige Folgen werden hiernach selten beobachtet: es können zwar bedenkliche Nachblutungen vorkommen, doch sichert der oben beschriebene Verband gegen diese Gefahr bei weitem mehr als das einfache Zusammenbinden der Schweifhaare, wie es von Gamgee vor­geschlagen wurde. Es empfiehlt sich indess, den Besitzer darauf auf­merksam zu machen, wie eine etwa eintretende Nachblutung durch Um­legen eines Bindfadens um die Schweifrübe gestillt werden kann, Auch gegen den nach dem Coupiren des Schweifes zuweilen auftretenden Starrkrampf bietet der Occlusivverband neben der Sterilisirung der Hauklinge, welche man zu dem Zwecke einige Male durch eine Flamme zieht, und Anfeuchten des Klopfschliigels das zuverlässigste Schutz­mittel. Wird die Operation ohne Beachtung dieser Vorsichtsmass-regeln ausgeführt, so stellt sich wohl Starrkrampf ein, der in einem von mir (M.) beobachteten Falle durch eine weitere Amputation des Schweifes geheilt wurde.
Früher legte man besonderes Gewicht darauf, die Trennung zwi­schen zwei Schweifwirbeln vorzunehmen, also vorher genau ZU unter-
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Amputation des Schweif'us.
#9632;gt;23
suchen, damit eine solche Stelle getroffen wurde. Am unteren Ende der Scliwciiriibe gelingt dies zwar regelmiissig, nicht über so an den oberen Abschnitten derselben. Wir legen hierauf keinen besonderen Wertli, denn oft genug konnten wir uns überzeugen, dass die Heilung ebenso gut von statten geht, wenn ein Wirbel durchtrennt wird.
Cagny lilsst zuerst eine elastische Ligatur anlegen, worauf die Am-pntation erfolgt; die Ligatur soll 14 Tage liegen bleiben, und das nekro-fisebe Stuck des Schweifes mich 2 Monaten abfallen, Es ist nicht recht ersichtlich, weshalb dabei noch die Trennung mit dein Messer erfolgt; die Ligatur würde ja allein ausreichen. Unseres Erachtens steht diese Methode der oben beschriebenen entschieden nach, entspricht auch nicht den heutigen (Jrundsiitzen.
Vielfach benutzt man zur Amputation des Schweifes die sog. Coupirschere (Fig. 106), doch eignet sich hierzu die Hauklinge in der oben beschriebenen Anwendung bei weitem mehr, und zwar schon deshalb, weil man mit der-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fig. 100.
selben eine grössere Gewalt ausübt und eine schnellere Trennung erzielt. Im Falle die Durch­trennung nicht mit dem ersten Schlage gelingt, und das Pferd unruhig wird, bleibt die Schere leicht am Schweife hängen und kann ZU weiteren Be­schädigungen Veranlassung geben, was bei der Anwendung der Hauklinge ausgeschlossen ist. Die Abtrennung der Schweifrübe mit dem Messer empfiehlt; sich, wenn in der Nähe des Afters operirt werden soll, z. B. bei Tumoren am Schweif, oder um den Pferden das Leinefangen unmöglich zu machen.
Hierbei verfährt man im allgemeinen wie bei der Amputation von Gliedmassen, macht entweder einen Zirkelschnitt durch die äussere Haut und präparirt diese centralwärts 2—4 cm weit von ihrer
Unterlage ab, oder man legt ein paar halbmond-
Ooupii'schcrc.
formige Lappen (S. 520) an und durchschneidet nun die Schweifrübe zwischen zwei Wirbeln oder durchsägt einen Scbweif-wirbel. Nach Unterbindung der Gcfässc wird die Haut über den Stumpf gelegt und geheftet; mit Hülfe der erhaltenen Schweifhaare legt man, wie oben beschrieben, einen Occlusivverband an. Die Heilung gelingt auch hierbei oft per prim, int.
In ähnlicher Weise erfolgt die Amputation des Schwanzes bei
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,quot;)24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Dif Mothoden dor Q-ewebstrennung-
den übrigen Tliieron. Beim Rinde bilden schwere entzündliche oder gangränöse Processe, wie sie bei dem sog. Sterzwurm oder nach Im­pfung bei der Lungenseuelie wohl beobachtet werden, Anlass zu dieser Operation; Hunde werden eoupirt, um das Aussehen der Tbiere zu verbessern. Während bei erstereu die Amputation des Schwanzes nach der einen oder anderen der oben beschriebenen Methode erfolgt, liissfc sich bei Jungen lluiulen die Verkürzung in einfachster Weise mit einer starken Schere bewirken. Hierbei kommt es selten zu einer Blutung, welche besondere Hülfe in Anspruch nimmt.
Wird auf eine vollständige Behaarung der Schwanzspitze Gewicht gelebt, so empfehlen wir ähnlich wie bei Pferden zuerst einen Zirkel­schnitt durch die äussere Maut zu legen, diese alsdann centralwärts auf 1 — 2 cm von ihrer Unterlage abzupräpariren, darauf die Amputation mit einem scharfen Messer oder einer starken Schere vorzunehmen und nach Stillung der Blutung den Efautlappeu auf dem Stumpfe zu­sammenzuheften. Hierbei kann unter günstigen Umständen Heilung auf dem ersten Wege erzielt werden; aber auch da, wo dieses nicht der Fall ist, kommt die Ifeilung leicht und ohne erhebliche Narben­bildung auf der Schweifspitze zu Stande; auf dem Amputationsstumpfe wachsen wieder Haare, worauf oft ein besonderer Werth gelegt wird. Bei Hunden lässt sich die Amputation des Schweifes durch Anwendung der Schleich'sclien inliltrationsanästhesie (S. 504) zu einer fast schmerzlosen Operation gestalten (Frick).
Die Amputation der Hörner, des Euters, der Gebärmutter und des Penis ist in der Speciellen Chirurgie beschrieben, worauf hier ver­wiesen werden muss.
:{. llyotoinle des Schwelfes.
Die Myotomie des Schweifes bezweckt beim Pferde ein besseres Tragen desselben, stellt also eine kosmetische Operation dar. Der Schweif des Pferdes, namentlich des Reitpferdes, soll in der Verlängerung der Medianebene des Körpers und in einem nach oben gerichteten Bogen getragen werden. Zuweilen geschieht dies nicht, indem die Schweifrübc entweder nach links, oder rechts ge­richtet ist, oder dieselbe verläuft von ihrer Anfangsstelle direct ab­wärts, ohne einen Bogen zu beschreiben. In dem ersteren Falle spricht man von raquo;Schieftragenquot;, in letzterem wird „der Schweif schlecht getragenquot;. Während das Schieftragen eine Folge ungleich-massiger Enl wickelung der Schweifmuskulatur ist, indem die der einen
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Myotomie 'lus Bohweifes.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;52B
Seite kräftiger ist und somit (ins Uebergewioht erlangt (selten bandelt es sich hier um eine Contractur), kann das mangelhafte Tragen auf verschiedenen Ursachen beruhen. Bald wird es durch eine schräge,
abschüssige Kruppe (tiefer Sclnveii'ansat/), liald durch phleg­matisches Temperament, selten durch Lähmung der Schweifmuskeln oder allgemeine Krankheitszust'ändo veraniasst. In vielen Fällen bildet es jedoch die Folge einer übermässigen Entwickelung der Nieder/.ieher und des Uebergewichtes derselben gegenüber den Hebern. Dass nur in dem letzteren Falle von der Myotomie Nutzen zu erwarten ist, ver­steht sich von selbst, und man muss sich daher zunächst über die Ur­sache des Zustandes Orientiren, bevor man zur Operation schreitet.
Die fehlerhafte Lage der Kruppe ergiebt sich aus der Berück­sichtigung der Grundsätze des Exterieurs, ebenso das phlegmatische Temperament. Lähmung der Sclnveifmuskeln erkennt man an dem Fehlen jeden Widerstandes beim Versuche den Schweif zu heben; auch baumelt die gelähmte Schweifrübe beim Gehen hin und her und wird von Urin und Mist beschmutzt (sog. liammelschwanz). Nur wo diese Zustände ausgeschlossen werden können, lässt sich von der Myo­tomie etwas erwarten.
Die Durchtrennung der Niederzieher des Schweifes kann mit einem offenen Schnitt oder subeutan erfolgen. Schon seit längerer Zeit wird die letztere Methode vornehmlich angewendet und in der Hegel am stehenden Pferde ausgeführt; bei ruhigen und kleinen Thieren kann auch der offene Schnitt im Stehen erfolgen. Grössere und heftige, widerspenstige Pferde werden zu dem Zwecke auf die linke Seite oder auf den Rücken gelegt. Am bequemsten operirt man jedoch am stehenden Thiere; die liinterfüsse desselben werden ge­spannt. Eine von Brücher empfohlene Modification dieser Befesti­gung besteht darin, dass das um die Hinterfessel der Seite, an welcher man steht, gelegte Tau zunächst durch den King eines an dem gegen­überliegenden Vorderschenkel liegenden Fesselriemens gezogen, und dann erst um den Kais des Thieres geschlungen wird; auf diese Weise wird dem Thiere das Schlagen nach der Seite unmöglich gemacht, und der zur Seite dieses Fusses stehende Operateur vor Verletzungen geschützt. Da hierbei die Thiere jedoch leichter niederstürzen, so empfiehlt sich auf weichem Boden zu Operiren oder Kniekappen an­zulegen.
Beim offenen Schnitt wird ein Stück der Niederzieher resecirt, indem man wie folgt vorgeht: Etwa ()—8 cm vom Schweifansatze be­ginnend, wird auf der Mitte der Niederziehe!' zu beiden Seiten der
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Difl Methoden dor Qewebstrennuog!
Mittellinie ein Längsschnitt von ca. 5 cm durch die iiussere Haut ge­macht (Fig. 107 c). Durch diese Hautwunde sucht man die Muskeln mit Hülfe von Pincette, Schere oder Messer soweit als möglich abzu­tragen, Von anderen wird empfohlen, zu jeder Seite der Mittel­linie des Schweifes quer über die Niederzioher einen Jlaut.schnitt zu legen und durch diesen die Muskeln auszuschneiden. Wenn erforder­lich, kann das Verfahren etwa Sem weiter nach hinten wiederholt werden (Fig. 107a), Nicht zu empfehlen ist dagegen ein Querschnitt über die ganze untere Schweiflliiche, wobei die untere Schweifarterie leicht durchschnitten wird (Fig. 107 e). Ebenso hat man auch die T-för-migen Schnitte aufgegeben (Fig. 107 rf), welche zu erheblicher Narben­bildung führen. Dagegen kann beim Längsschnitt durch ein Paar an
Pig, 107.
bnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; onbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;d
Myolomic dos Scliwoifcs.
den Endpunkten desselben angebrachte kurze Querschnitte (l'ig. 107amp;) die Präparation der Muskeln erleichtert; werden, Die Wunden be­handelt man nach den allgemeinen Regeln, Wenn auch ein aseptischer Wuudverlauf durch Anlegung eines Occlusivverbandes zuweilen nicht erzielt; wird, so bleibt hierdurch doch die Eiterung auf die Operations­stelle beschränkt, und unangenehme Zufälle treten selten ein.
Die subeutane MEyotomie des Schweifes gestaltet sich einfacher, leichter, führt schneller und regelmässig auf aseptischem Wege zur Heilung. Zur Ausführung der Methode gehört ein spitzes Bistouri und ein massig gebogenes, schmales, geknöpftes Tenotom. Der getibte Operateur kann ein spitzes Tenotom benutzen und braucht alsdann kein Bistouri. Auch eignet sich hierzu das von
Brücher construirte Myotom (Fig. 108). Nachdem die Schweifhaare
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Myotomie lt;l('s Sohweifos.
)27
zusammengeflochten sind, die untere Fläche iles Schweifes sorgfältig abgeseift, mit Sublimatwasser abgespült und 12—21 Stunden mit einem feuchten Sublimatwasserverband versehen gewesen ist, auch die (Ihrigen Massnahmen der Antisepsis getroffen sind, macht man an der von einem GehUlfen nach oben gebogenen SchweifrUbe, etwa 5—6 cm von dem After entfernt, mit dem Brtlcber'scben Myotom da einen Einstich, wo das Schweifhaar mit der haarlosen Haut zusammenstösst. Blücher empfiehlt, einen Fingerbreit, hinter dein Winkel
108.
einzustechen, der von der Schenkelhautfalte mit der Schweif­rUbe gebildet wird, woselbst man den oberen Rand des Niederziehers fUhlt, Den Daumen auf den Rüeken des Seh weites gestützt, welcher während dieser Zeit etwas heruntergelassen wird, führt man das Myotom zwischen Muskel und Haut mit flacher Klinge bis in die Nähe der Mittellinie des Schweifes ein, ohne letztere ganz zu er­reichen, um die untere Schweifarterie ZU schonen. Nun wendet man die Schneide des Instrumentes gegen die Muskeln, liisst. die Schweifrübe wieder nach oben biegen und schneidet die Muskeln mit einem kräftigen Zuge womöglich bis auf die Wirbel durch; erforderlichenfalls inuss der Schnitt, wiederholt werden. Es ist vielfach empfohlen, etwa '#9632;'lt;—4 cm weiter nach hinten dieselbe Operation zu wiederholen, doch muss man zugeben, dass hiermit kein wesentlicher Vortheil erreicht wird. Wenn der erste Schnitt, nur hoch genug angelegt wird, reicht derselbe vollständig aus, und ein zweiter nutzt sehr wenig.
Nachdem das Operationsfeld mit Sublimatwasser ab­gespült ist, wird auf die Operationsstelle, da wo sich die Vertiefung in den Muskeln bemerkbar macht, ein Werg­
Myotom mu'li Ur flöhe r.
tampon gelegt, darüber folgt eine Luge ilolzwollwat.te,
welche man mittelst einer Binde befestigt. Um das Ab­gleiten des Verbandes zu verhindern, lege man einige Strähnen Sehweif-haare von unten nach oben zwischen die Bindentonren. Auf diese Weise bedarf es keines sehr festen Anziehens der Binden, auch nicht des von Wichmann und Spinoln empfohlenen Strohbündels, welches auf den Rücken der Schweifrübe gelegt wurde, um bei etwaiger Anschwellung durch Ausziehen von Strohhalmen das Ein-sclmüren des Verbandes zu verhüten. Sobald die allgemeinen Regeln der Antisepsis auch nur einigermassen Beachtung finden, kommt es zu keiner entzündlichen A.nschwellunaf.
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r)28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Metboden der Qewebstrennunsfi
Der Schweif wird mit Hülfe eines Über eine Rolle gehenden und mit einem Gewicht (Ziegelstein) belasteten Strickes etwa 14 Tage lang nach oben zu richten gesucht. Der Verband kann nach 6 bis 6 Tagen entfernt werden, in der Regel ist in dieser Zeit die llaut-wmule bereits geschlossen. Auch die Muskel wunde heilt ohne Eite­rung und sonstige Zulalle. Sollte durch Unruhe des Pferdes beim Durchschneiden der Muskeln der liautschnitt vergrössert worden sein, so legt man eine Knopfnaht durch die Wunde.
Gegen das Schief tragen wird die gleiche Operation, jedoch nur an der Seite vorgenommen, wohin der Schweif gerichtet ist. Nach der Operation lässt man den Schweif nach der entgegengesetzten Seite ziehen, mit Hülfe eines Bandes an dein Brustgurt befestigen und in dieser Lage etwa 14 Tage halten.
Bemerkt sei schliesslich, dass die Operation um so wirksamer ist, je höher, d. h. je näher dem Schweifansatze sie vorgenommen wird. Man hat es daher in der Hand, je mich dem Grade des Schieftragens den Effekt der Myotomie zu bemessen. In der Regel ist die Wirkung der Operation trotzdem keine dauernde, indem sich nach etwa (5—8 Monaten in dem Narbengewebe Retraction einstellt, wodurch die fehlerhafte Haltung des Schweifes zurückkehrt. Die Myotomie des Schweifes bildet daher eine Operation, die vorzugsweise im Interesse des Händlers liegt. Um eine längere Wirkung desselben zu erzielen, empfiehlt es sich auch später noch zeitweise, besonders während des Stehens im Stalle, den Schweif in derselben Weise zu befestigen, wie es unmittelbar nach der Operation geschieht. Auch mag der offene Schnitt eine länger andauernde Wirkung haben, wenn gros.sere Stücke aus den Muskeln entfernt werden.
M. Rousseau bat neuerdings einpfolilen, an Stelle der Myotoinie die Nearektomie der unteren Schweifnerven vorzunehmen, welche zwischen dem langen Niederziehet' und den Zwischenquermuskeln verlaufen. Die Lage derselben soll sieb nach K. durch eine rinnenförmige Vertiefung der Baut bemerkbar machen, und die Operation möglichst nahe dem oberen Ende des Schweifes gemacht werden. Das Pferd nmss hierzu geworfen werden. Der Vortlieil dieser Operation scheint uns die Schwierigkeiten ihrer Ausführung niclit aufzuwiegen, ihre Wirkung überhaupt zweifelhaft.
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III. Allgemeine Verbandlelire.
Nachdem sowohl (lit; Vereinigung der Wunden durch die VV'und-nalit, wie aucb die der Knochen durch Anwendung von Verbünden bei den Knochenhrüchen bereits abgehandelt sind, bleibt hier nur noch die allgemeine Verbandlelire zu besprechen.
Verbände finden namentlich bei grüsseren Thieren nur be­schränkte Anwendung, weil sie an vielen Körpertheilen nicht aus­reichend zu befestigen sind, häufig von den Thieren auch nicht ge­duldet werden. Diese, namentlich Fleischfresser, aber auch Pferde reissen die Verbände mit den Zähnen oft ab oder machen mit der betreffenden öliedmasse Bewegungen, welche zu einer Lockerung des Verbandes, nicht selten auch zu Beschädigungen gerade der Theile führen, die man durch den Verband zu schützen beabsichtigte. Die schon frühzeitig angestellten Versuche (Bourgelat) '), für die einzelnen Körpertheile des Pferdes besondere Verbände zu construiren, haben in der Praxis wenig Beachtung gefunden. Es giebt indess Fälle, wo ein Verband geradezu unentbehrlich wird und daher unter allen Um­ständen augewendet werden muss.
Verbände bezwecken entweder Abschluss kranker Stellen, z. B. gegen Infectionsstotl'e (Occlusivverb and), oder gegen mechanische Läsionen (Schutzverband), oder es soll durch den Verband ein andauernder Druck auf die erkrankten Stellen ausgeübt werden (Druck verbau d), um die betreffenden Theile in ihrer Lage ZU erhalten oder durch den Druck heilend auf bestimmte Krankheits-zustände zu wirken, Blutungen zu stillen, Entzündungsproiluete zur Resorption zu bringen u. s. w. lieber den Occlusivverband ist bereits bei der Wundbehandlung (S. 130) das Nähere gesagt.
') Bourgolat: Kssui sur los appareils oi sm- Ics bandages propres uux quadrapödes. 1818.
Müller n, Prlok, Allgemelno Ohtrurgle für ThlerHrzte, 9, Auflnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
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530nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Allgemeine Verbancllelu-e.
Zur Anlegung eines Verbundes dienen vornebtnlicb Binden, d.h. 'rgt;—25 cm breite, 2—10 m lange Bänder iius Leinwand, Flanell, Gummi, Gaze u. s. w., welche entweder direct auf die ilussere Haut applioirt werden, oder noch Unterlagen (Deckmaterial) aus Werg, Jute, Watte, Holzwolle, Mull u. s. w. erhalten. Derartige Unterlagen finden
namentlich hei den Wundverbftnden Anwendung und wurden bereits oben (S. 124) besprochen. Wollene (Flanell-) Binden besitzen eine grossere Elasticität und schmiegen sich in Folge dessen den Theilen besser an als leinene, verschieben sich nicht leicht und drücken daher weniger leicht als jene. In der Mitte zwischen beiden stehen baum­wollene (Cambric-) und halbwollene (Tricot-) Binden. Gazebinden legen sich ebenfalls gut an. namentlich wenn sie wie gewöhnlich ge­leimt sind und angefeuchtet werden; dagegen besitzen sie geringere Widerstandsfähigkeit und Haltbarkeit als jene. Gummibinden werden mit Vorliebe benutzt, um einen kräftigen Druck auf die betreffende Stelle auszuüben; ihres hohen Preises wegen linden sie bei Thieren nur beschränkte! Verwendimg.
Die Binden werden im aufgerollten Zustande autbewahrt, und man unterscheidet, je nachdem dieselben zu einer oder mehreren Rollen vereint sind, ein-, zwei- und inch rköpfige Binden. Am meisten
werden bei Thieren einköpfige benutzt, selten Fig, 109.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;zweiköpfige (Fig. 109). Das Aufrollen derselben
geschieht in der Weise, dass man mit Daumen
und Zeigefinger beider Bände den Anfang ,, , ;l ,;i||i|(nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;macht; dann wird der massig dicke Bindenkopf
so in die rechte Hand gelegt, dass sich das noch aufzurollende Stück zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hund befindet. Während nun die rechte Hand den Bindenkopf rollt, glätten die beiden Finger der linken Hand das Material, indem sie die Binde zwischen sich hindurchgleiten lassen und dabei massig an­spannen, SO dass der Bindenkopf die nöthige Festigkeit erhält (Fig. 110). Soll die Binde angefeuchtet werden, so geschieht dieses unmittelbar vor dein Anlegen, weil hiernacb eine Verkürzung der Binde eintritt, in Folge dessen dieselbe leicht zu fest wird. Aus demselben Grunde müssen leuchte Binden fester augelegt werden als trockene, die man erst später leuchten lässt. Hauptsache bleibt, der Binde mit Rück­sicht auf den K'rankheitszustand und die örtlichen Verhältnisse die richtige Festigkeit zu geben; jedenfalls muss sie so fest liegen, dass sie sich nicht verschiebt, aber nicht SO fest, da.ss sie Störungen in der Circulation und Ernährung des betreffenden Theils hervorruft.
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Anlegen der Binde.
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Im allgenieinen empfiehU sich, die Binde in der Richtung des
venösen Blutstronies, an den Gliedmussen also von unten nach oben
auzulegen, An oylindrischen Abschnitten, Metatarsus, genügt im Übrigen daran
#9632;/.. B. um Metacarpus und
Imü-. 110.
v
festzuhalten, dass Jede folgende Bind e n t o u r (B i n d e n !4 a n g) die i 'a dockt. Bei
kegelförmigen Schenkelabschnitten, z. B. am Vorarm oder Unterschenkel,
würde hei diesem Verfahren der untere Bindenrand sich der Unterlage nicht anschliessen, sondern abstehen, liier ist deshalb bei jeder oder bei ein­
zelnen Touren ein „Umschlagquot;
Das Aufrollen der Binden.
(Kenverse) nothwendig (Fig, 111).
Sobald die Binde sich der Unterlage nicht mehr fest anlegt, fixirt man den oberen Band des abgerollten Theils mit der linken Hand, nähert den Bindenkopf der letzton Tour und dreht
Pig. 111.
denselben so herum, dass sich die Binde, da wo die Finger der linken Hand liegen, nach unten umschlägt. Auf solche Weise wird der obere Rand der Binde etwas ver­längert, und es legt sich die Tour gleich-massig der Unterlage an. Dieser Umschlag wird nach Bedttrfniss, unter Umständen bei jedem Gange, an derselben Stelle der
Uliedinasse wiederholt, bis wieder ein cylindrisclier Abschnitt kommt, der ein circuläres Auflegen gestattet (Fig. 111).
Um am Fesselgelenke beim Pferde eine Zirkelbinde anzulegen, beginne man mit Zirkeltouren am unteren Dritttheil des
Schienbeins, gehe dann auf das Gelenk über, um dasselbe in Achtertouren mit der
Binde ZU umgeben ; wenn auch die Fessel
inlegen einer Binde, Bildung eines [Imsohlages.
bandagirt werden soll, geht man nun auf diese über, kehrt dann zum Fesselgelenke und zum Schienbein zurück, um hier das Ende der Binde nach einigen Kreistouren mittelst eines Bandes zu befestigen. Die beim Menschen hierzu Üblichen Sicherheits­nadeln eignen sich bei Thieren nur ausnahmsweise.
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S32
AUgeineinfi Verbftudlehre,
Am Hufe war früher mehr als beute eine Art Knotenbinde (Fascia noilosa), der sog. Ketten verband im Gebrauch (Fig. 112). Naobdem die leidende Stelle mit den aötbigen Verbandunterlagen
(Tampon u. s. w.) versehen ist, legt man die Binde, etwa 20 cm vor ihrem Ende an einer der erkrankten gegenüber liegenden Stelle, womög­lich auf der Hornwand gegen den Huf und
flxirt dieselbe liier mit dem Daumen der linken Hand, das Ende der Binde mit der­selben Hand haltend. Nun geht die erste Tour direct über die kranke Stelle und an der entgegengesetzten Seite zum Ausgangs­punkte zurück. Hier sclilingt man sie um das fixirte Stück, zieht die Binde kräftig an und macht denselben Weg in umgekehrter Rich­tung, wobei jedoch an der kranken Stolle die
Der sog. Kettenvorband
erste Tour von der folgenden etwa um die
Hälfte bedeckt wird. Schliesslich verknüpft man die beiden Enden der Binde mit einander. Auf diese Weise ge­lingt es nicht nur einen unverrückbaren Verband anzulegen, sondern auch auf die erkrankte Stelle des Hufes einen kräftigen Druck in der Richtung nach dem Knoten zu auszuüben, wie es hei Hufkrankheiten oft wünschenswerth erscheint. Bei Benutzung von Cambric- oder Gaze­binden, namentlich wenn letztere angefeuchtet werden, lässt sich auch ohne Anwendung des Kettenverhandes ein gut passender Hufverband appliciren. Man legt hierbei Achtertouren an, und lässt das äussere Ende der Binde frei, um es mit dem inneren zu vorknoten.
Am Rumpfe grösserer Thiere lassen sich Binden nur selten be­festigen: sollen hier Verbände angelegt werden, so empfehlen sich vielmehr Tücher, welche mit Bändern versehen sind. Eine Ausnahme macht in dieser Hinsicht der Hinterkopf des Pferdes. Hier gelingt es nicht schwor, einen Hindenverband in der Weise zu befestigen, dass rnan die Touren kreisförmig um die Ohren, nusserdem aber um das Genickstück der Halfter laufen lässt.
Krolikowski hat neuerdings eine Methode zur Befestigung von Verbänden am Rumpfe der Thiere empfohlen, die Beachtung ver­dient. Nach Lage des Falles werden leinene Tücher von genügender Stärke zugeschnitten, und deren Ecken mit Haken versehen. In letzteren befestigt man 4,5 mm starke (umimifädcn, die an geeignete Theile (Gurt, Schweifriemen, Halfter u. s. w.) gebunden werden, aber nicht zu fest angezogen werden dürfen, damit sie nicht einschneiden.
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Verbandteohnik.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;538
Eine nicht zu schmale Binde, in Ihrer Längsrichtung und zwar entweder an einem oder an beiden Enden gespalten, und die einzelnen Enden aufgerollt, nennt man eine Spalthin de. Ist nur ein Ende gespalten, so entstellt eine zweiköpfige, andernfalls eine nerköpflge Binde. Man wendet solche mit Vortheil zu Verbänden an den Klauen der Thiere an, indem der nicht gespaltene Abschnitt der Binde in den Klauenspalt gelegt wird, wilhrend die Enden um die Fessel ge­schlungen und hier zusammeiigebunden werden.
Beim Abnehmen der Binde werden nach Lösung ihrer Eel'estigung die zuletzt angelegten Touren zunächst abgerollt, die Binde zusammen-gekniiuelt und während des Abwickeins rasch von einer Hand in die andere geworfen. Binden, die nicht wieder in Gebrauch kommen, durchschneidet mau mit der Schere oder einem Messer (Hufmesser) und entfernt sie.
An den Gliedmasseu grösserer Thiere, namentlich bei Pferden gelingt die Anlegung einer Binde nur bis zum Vorderfusswurzel- bezw. Sprunggelenk. Zur Sicherung der Lage des Verbandes, namentlich um das Herabgleiten zu verhindern, muss derselbe bis zum Fesselgelenk reichen und sich gegen dieses stützen (Fig. 111). Am Vorarm wie am Unterschenkel gleitet der Verband regelmässig nach unten und kann nur durch besondere Klebemittel befestigt werden, z. B. bei Practuren am Unterschenkel mit Hülle von Harz. Auf der Vorder­fusswurzel und dem Sprunggelenk lassen sich bei Pferden und Hindern Zirkelbinden in der Regel nickt befestigen, weil Bewegungen in diesen Gelenken unvermeidlich sind; das gilt namentlich vom Sprunggelenk. An der Vorderfusswurzel gelingt es wohl bei entzündlichen Erkran­kungen derselben, welche an sich schon eine Beschränkung der Be­wegung in diesem Gelenke zur Folge haben, mittelst Binden aus dehnbarem Material (Flanell oder Cambric) einen Verband zu be­festigen, doch darf derselbe nicht fest angelegt werden. Oft erreicht man dieses auch dadurch, dass man das Gelenk mit dem Verbandstoff bedeckt, sodann ein Tuch um dasselbe schlingt, welches oberhalb und unterhalb des Gelenkes durch zwei nicht mit einander in Verbindung stehenden Binden befestigt wird. Bei Fleischfressern lässt sich da­gegen sowohl die Vorderfusswurzel mit dem Vorarm und seihst das Ellenbogengelenk sowie das Sprunggelenk mit dem Unterschenkel und dem Knie mit Bindentouren umgeben, wie sie bei Knochenbrüchen, Erkrankungen der Gelenke und anderer Theile notliwendig werden; durch Anlegung eines sog. „Sattelsquot; wird der Verband noch weiter gesichert. Derselbe besteht darin, dass nach Einwickelung der be-
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53 Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mothodsn lt;ler Vereinigung der Gewebe.
treffenden öliedinasse die Binde über den Elttcken Jos Thieres ssu der entspreobenden G-liedmasse dev anderen Seite giTührt, und auoh diese mit einigen Touren versehen wird, worauf man zu dem erkrankten Fusse zurückkehrt. Durch mehrmaliges Wiederholen dieser Tour wird die feste Lage des Verbandes gesichert, und namentlich das Herab­gleiten desselben verhindert, was besonders bei Gipsverbänden wichtig ist. Durch Einlegen von Moospappe in den Verband lässt sich dieser Zweck auch sehr bequem erreichen.
Bei den Fleischfressern gelingt us wohl, den Hals und Rumpf ZU bandagiren; an der Brust und am Bauche gleitet der Binden-verband leicht nach hinten, was iadesa durch einige Bindentouren verhindert werden kann, die man zwischen beide Vorderbeine hindurch um den Hals des Thieres und wieder zurück zum Verbände Führt. Dass die um den Hals gelegten Binden nicht fest angezogen werden dürfen, versteht sich von selbst. Am Rumpfe grösserer Thiere erzielt man einen Deckverband in einfacher Weise, indem man auf das Deck­material eine mehrfach zusammengefaltete wollene Decke legt und mittelst einer oder zweier Deckgurte, wie sie auch sonst bei Pferden benutzt werden, befestigt.
lieber die Sicherung der Binden am Schweif der Pferde vergl. S. 527.
Es bedarf kaum der Erwähnung, dass die Binden bald mehr, bald weniger fest angezogen werden müssen. Dabei kommt in erster Linie der Zweck des Verbandes und der Krankheitszustaml in Be­tracht, gegen den der Verband applicirt wird; auch muss auf etwa in Aussicht stehende Zunahme oder Abnahme der Anschwellung Rück­sicht genommen werden. In Bezug auf den Occlusivverbaml wurde bereits oben (S. 130) das Nähere hierüber erwähnt; ebenso bezüglich der gegen Knochenbrüche angewendeten Verbände (S. 409). Im übrigen gilt als Kegel, je fester der Verband angelegt ist, um so kürzere Zeit kann derselbe ohne Nachtheil liegen bleiben; besondere Vorsicht ist daher mit Gummibinden geboten, welche bei längerem Liegen leicht Nekrose der Haut veranlassen.
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IV. Der Aderlass (Venaesectio). Skarificationen und Blutersparniss bei Operationen.
Die Bluteatziehung mittelst Eröffnung eines BlatgefUsses gehört m
den iiltesten Opni-ationen der Thiei-arzneikunde; sie wurde jedoch früher viel häufiger als heute ausgeführt. Die Lehrsätze der Humoralpathologie waren dem Aderlasse günstig, daher hatte auch schon II ippo k rates die Wir­kungen des Aderlasses wissenschaftlich zu erklären und die Indicationen für die Ausführung desselben aufzustellen versucht und dabei Anschauungen entwickelt, die zwar zeitweise unterdrückt wurden, jedoch bis in die neuere Zeit hinein sich Geltung bewahrten. In Aegypten unter den Ptolemäern, welche im Blut den Sitz der Seele erblickten, war der Aderlass natürlich verpönt, ebenso bei den Erasistratäorn, die den Lebensgeist im Blute suchten; ihnen brachte dieser Standpunkt den Spitznamen „Blutscheue' (atuoip6ßot] ein. Die Empiriker erklärten sich meist für den Aderlass; auch Galen, der das Wesen der Entzündung im Blute vermuthete. machte ausgiebigen Gebrauch von demselben beim Menschen, während sein Zeitgenosse Co la­mella auch bei Thieren den Aderlass lehrte und anwendete. Apsyrtus empfahl denselben bei der Rehe der Pferde und anderen Leiden; auch -zeigte er die Stellen, wo der Aderlass der Thiere zu machen sei. In Strömen floss das Blut schon bei den Arabern, welche nicht nur bei bestimmten Krank­heiten, sondern auch prophylaktisch von dem Aderlass Gebrauch machten. Zu gewissen Zeiten, unter diesem oder jenem Sternbilde musste Mensch und Thier zur Ader gelassen werden, sollte die Gesundheit derselben erhalten bleiben; eine Anschauung, die sich in einzelnen Gegenden Deutschlands bis auf den heutigen Tag bei Laien erhalten hat. Als im Mittelalter die Medicin in den Klöstern gepflegt wurde, kam auch in Europa der Aderlass zu Ehren. Die Mönche Hessen sich selbst nicht nur bei verschiedenen Krankheiten, sondern auch gegen Vollblütigkeit zur Ader, bis Papst Bonifacius VI11. im L'i. Jahr­hundert nach dem Grundsätze „die Kirche soll nicht nach Blut dürstenquot; den Mönchen und Geistlichen das Aderlässen wie auch die Ausführung chirurgischer Operationen vorbot. Dieser Schritt, sagt Esser'), gab dem Bäderhandwerk seine Existenz, das fortan auf seinen Baderstuben mit Schröpf­kopf und Aderlassschnepper den ungezügeltesten Vampyrismus trieb. In Prankreich nahm sich ein berühmter Arzt, Peter Brissot (1478 bis 1522), des Aderlasses an, dessen heilsame Wirkungen er bei der damals
') Esser, Die (leschichto des Aderlassos. Inaiifr.-Diss. Hallo 1872.
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äJiti Der Aderlass. Skarifioatiouen und Hlutci'spaniiss liui Oporationeu.
in Paris hernsclimiden epidemisoben Pleuritis erprobt haben wollte. Wenn auch erst nach seinem Tode, so brach sich doch die Lehre lirissot's all­mählich Bahn und führte, unterstützt von der Entdeckung und den Lehren Hotalli's, schliesslich dahin, dass mit dem Aderlass ein gewaltiger Miss­brauch getrieben wurde. Eine weitere {''örderung fand diese Kichtung in der Entdeckung des Kreislaufes durch Poerhave (1728), der selbst so eifriger Anhänger des Aderlasses war, dass Tourtelle spöttisch von ihm behauptete: ..Plures oeoidit lanceola quam lancea.quot; Trotz der Mahnungen einzelner Aerzte (Borden u. A.) entwickelte sich in Frankreich eine wahre Aderlass-wuth. „Saignez coup sur coup*, oder „snignoz a blano*, wurde leitender Grundsatz, obgleich einer falschen Darstellung über die Beziehungen der Entzündung zum Plute entsprungen. Man glaubte nämlich, dass die Ent­zündung in einer abnormen Vermehrung des Blutfaserstoffes seinen Grund habe und letzterer mit dem Aderlass beseitigt werde. Die Dicke der Speck-haut (ürusta inflammatoria s, pblogistica) deutete nach damaliger Ansicht die Menge des Faserstoffes im Blute an. Da diese aber nach dem Aderlasse stärker wird, so mussten sich mit der Ausführung des Aderlasses die An­zeigen für denselben steigern , und so kam es, dass man bei ein und dem­selben Patienten immer von neuem zur Fliete griff und mehrmals am Tage den Aderlass wiederholte. Noch im Anfange unseres Jahrhunderts Hess lios-quillon im Hotel Dien zu Paris 2U—30 Aderlässe an demselben Kranken ausführen, so dass man ironisch statt raquo;Aderlassenquot; den Ausdruck „bos-quilloniren' gebrauchte. Unglücklicherweise trat sodann Bouillard mit der irrigen Ansicht hervor, das Fieber bestehe in einer Entzündung des Endocardhuns und der Gcfässe, welches durch immer neue Aderlässe be­kämpft werden müsse. Ms gehört nicht zu den geringsten Verdiensten der Homöopathie, unterstützt von den Fortschritten physiologischer Porsohung, diesem Missbrauch mit dem Aderlass entgegen getreten zu sein; sie zeigte, dass man auch ohne Aderlass innere Krankheiten heilen könne. In der Thierheilkunde traten namentlich Lafosse und Wolstein (1788—1820) der sinnlosen Anwendung des Aderlasses entgegen. Letzterer schrieb schon damals: ,Dies Mittel (Aderlass) allein hat in unseren Zeiten den Thieren gewisser Gegenden Europas mehr geschadet als alle Seuchen, Fieber und Pest.' Dennoch erhielt sich der Glaube an die vortheilbaften Wirkungen des Aderlasses noch lange Zeit, namentlich in Frankreich und Italien. Auch in Deutschland wurde bis zur Herrschaft der Gellularpathologie bei Mensch und Thier reichlich Gebrauch vom Aderlass gemacht. Hielt man doch vom Standpunkt hippokratischer Lehre vielfach an den Grundsätzen ihres Be­gründers fest. Erst mit der Verbreitung der Cellularpathologie verlor diese Lehre mehr und mehr ihren Boden, und wenn auch durch die neueren Forschungen auf dem Gebiete der Bakteriologie die Ansichten der Humoral-Pathologie mich manchen Richtungen gewisse Berechtigung wieder erlangt haben, so ergab sich doch für den Aderlass hieraus keine erhebliche Unter­stützung. Wir halten daher heute an dem Grundsatze fest: „Blut ist ein ganz besonderer Saftquot;, mit dem sparsam umzugehen ist.
Man unterscheidet einen allgemeinen und einen örtlichen Aderlass. Bei ersterein wird ein grüsseres Gel'ilss geöffnet und eine erheblichere Menge Blutes entleert, sodass das gesammto Blutgei'iiss-system dnvon heeinfiusst wird; bei letzterem übt die Bluteiitziehung nur iin Ort und Stelle ihre Wirkung aus. — Gegenwärtig benutzt man
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Adorlnss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;587
/.um allgemeinen Aderlass nur noch Venen (Venaesectio)| die Er­öffnung von Arterien (Arteriotomie) ist nicht allein der tieferen Luge dieser Get'ilsse wegen mit grösseren Gefahren verhunden, .sondern sie stüsst auch in Bezug auf die Blutstillung auf Schwierigkeiten; in der Regel gelingt diese nur durch Unterbindung der Arterie. Wird endlich in Betracht gezogen, dass die Arteriotomie der Venaesectio gegenüber keine neunenswerthen Vortheile gewährt, so erscheint es natürlich, ilass man sich gegenwärtig auf die letztere Methode des Aderlasses beschränkt.
Bei den grösseren Thieren wählt man hierzu die Vena juguhiris, weil sie für die Operation, welche hier leicht ausführbar ist, günstig liegt und bei dem geringen Blutdruck in der Vene selten nachtheilige Folgen mit sich bringt: auch gelingt es hier mit Leichtigkeit, in kurzer ^eit grössere Mengen Blut zu entleeren.
Bei den übrigen Thieren werden Aderlässe seltener in Anwen­dung gebracht. Schafe und Schweine eignen sich hierzu schon wegen ihrer Constitution nicht; auch bei Munden haben wir niemals Indi-oationen für den allgemeinen Aderlass gefunden.
Die Wirkungen der schnellen Entleerung einer grösseren Menge Blutes sind im wesentlichen folgende:
1.nbsp; nbsp;Mit der Verkleinerung der Blutmenge sinkt sofort der Blut­druck in den Gefässen. Damit wird ein übermässiger Blutdruck- be­seitigt, und so können auch Circulationsstörungen, namentlich die An-hiiul'ung abnormer Mengen Blutes in einzelnen Organen ausgeglichen werden. Darin liegt auch heute eine der häutigsten Indicationen für den Aderlass: bei Congestionen nach wichtigen Organen (Lungen. Ge-hirnl findet derselbe zweckmässige Anwendung.
2,nbsp; nbsp;Mit dem Blute werden grosse Mengen Nährsubstanzen und Blutkörperchen entleert, die dem Organismus namentlich im Kampfe mit infectiösen Substanzen ausserordentlu h wichtig sind ; bei solchen Leiden findet daher der Aderlass nur selten Anwendung. Da ferner bekannt ist, dass entzündliche Processe im Körper vorzugsweise auf infectiösen: Wege entstehen, so lässt sich auch die Ansicht nicht aufrecht er­halten, dass der Aderlass ein wirksames Mittel gegen entzündliche Processe bildet.
Mit dem Blute werden indess auch die in demselben circulirenden schädlichen Beimischungen entleert: inticirende wie toxische Substanzen können also mit Hülfe des Aderlasses aus dein Blute entfernt werden. Es bleibt hierbei jedoch stets zu erwägen, dass der Aderlass eine Schwächung des Körpers zur Folge hat, und dass nachher eine leb-
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quot;)88 Dor Adui'liiss. Skai'iliciitioiii'ii iitnl Uliitcrsjiiu'iiiss bei Oporalionun.
haftaResorption statttindot, welche uuber Diaständen dem Blute grössere Mengen schädlicher Suhstanzen zuführt, als mit dein Aderlass beseitigt wurden. Im grossen und ganzen findet daher der Aderlass bei In-fectionen und Intoxicationen nur ausnahmsweise Anwendung. Viel­leicht lässt sich die günstige Wirkung des Aderlasses beim Lumbago und der liebe des Pferdes auf obigen Umstand zurückführen.
3.nbsp; nbsp;Wie bereits erwähnt, findet nach Entleerung des Blutes eine lebhaftere Resorption aus den Geweben und Körperhöhlen statt, wobei zunächst die flüssigen Hestandtheile des Blutes ersetzt werden. Dar­auf beruhte die frühere Anwendung des Aderlasses als Resorption be­förderndes Mittel. Dem steht jedoch das Bedenken entgegen, dass mit dem Aderlass der Wassergehalt des Blutes und damit auch die Nei­gung zu neuen Abscheidungen (Exsudationen) steigt. Die Erfahrung bat im übrigen gelehrt, dass nacli dieser Richtung mit dem Aderlass nur wenig erreicht werden kann.
4.nbsp; nbsp;Nach dem Aderlass findet eine, aber bald vorübergehende Steigerung der Verbrenmmgsprocesse im Körper statt, in Folge dessen die Ausscheidung von Stickstoff und Phosphorsäure im Urin gesteigert ist. Auch darin dürfte ein wirksames Mittel zur Bekämpfung von Krankheiten kaum zu linden sein.
Hieraus ergiebt sich, dass die therapeutische Wirkung des Ader­lasses keineswegs eine ausgedehnte ist, und wenn man bedenkt, dass höheres Alter sowohl wie Jugend, schwächliche Constitution, Träch­tigkeit und andere Umstände eine weitere Beschränkung in der An­wendung desselben fordern, so erklärt sich, dass man heutzutage nur selten zu dem Mittel greift. Wo es noch geschieht, handelt es sich darum, eine Circulationsstörung, die mit Lebensgefahr verbunden ist (z. B. in Lungen und Gehirn), zu beseitigen. Ferner kommen hierbei einige Krankheiten in Betracht, wie liehe und Lumbago, von denen man aus Erfahrung weiss, dass bei ihnen der Aderlass eine günstige Wirkung besitzt, obgleich die Wirkungsweise selbst nicht vollständig aufgeklärt ist.
Die Menge des zu entleerenden Blutes beträgt für 'Pferde und Hinder 3—10 kg, für Schafe, Ziegen, Schweine 300—J 500,0 g, für Hunde je nach der (irösse von 30—100,0 g. Geflügel erträgt nicht grössere Blutverluste; man sei bei diesem besonders vorsichtig; 5,0—20,0 g können nach Ilertwig hier unter Umständen entleert werden.
Bei Pferden wird der Aderlass gegenwärtig fast nur noch an der Vena jugularis ausgeführt, früher auch wohl an der Vena thoracica externa bei Brustleiden, an der Vena epigastrica bei Euter-
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AiUtIuss mit der Lanoette.
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kranklieiten, im den Augesiohtsvenen bei Augenleiden und an den Fesselvenen bei Hufkrankheiteu, doch hat man sich allmählich über­zeugen müssen, dass ein Vortheil damit nicht erzielt wird. Die Vor­züge der Vena juguluris für den Aderlass wurden bereits oben er­wähnt. Man wählt bei Pferden und Rindern die Grenze zwischen dem oberen und mittleren üritttheil des Halses, wo der (Schulterzungenbein-mushel zwischen Jugularvene und Carotis liegt, weshalb Verletzungen der letzteren nicht so leicht auftreten.
Die Eröffnung der Vene erfolgt durch einen 1—2 cm langen Längsschnitt bezw. Stich, wobei gleichzeitig der Halshautmuskel und
Fig. 114.
Fig. 118.
Haltung licr Laiicette.
Aderlass mit der Lanoette
die äussore Haut durchtrennt werden. Es kommt darauf an, dass diese Wunde möglichst in der Mitte der Venenwand liegt und recht glatt und eben ausfällt, damit die Heilung derselben auf keine Schwierig­keiten stösst.
Drei verschiedene Instrumente sind zur Ausführung des Ader­lasses construirt, nämlich: dieLancette, Fliete und der Aderlass-schnepper; in neuerer Zeit dient hierzu auch die Hohlnadel.
1. Mit der Lancette (Fig. 113) operirt man beim Pferde an der rechten Halsseite; das Instrument muss recht scharf sein. Mit einer Trense event, auch Bremse versehen, wird das Pferd so auf­gestellt, dass die rechte Halsseite gut beleuchtet ist; der Kopf des Thieres wird massig gehoben und etwas nach der linken Seite ge­wendet. Der Operateur stellt sich dicht neben der Schulter des Pferdes
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540 Der Adorlass. Skariiloationen und Blutersparniss bei Operaptioneu,
auf, um von lit'iii Blutsti'om nicht getrofleu zu werden. Ein Gefilslaquo; zum Aut'i'iuig'en des Blutes lils.st man bereit halten; hier/u dient am einfuchsten ein Stalleimer, Nachdem an der oben bezeichneten Stelle die Haare geglättet und angefeuchtet, bei langhaarigen Thieren mit der Schere entfernt sind, erfasst man mit dem Zeigefinger und Daumen der rechten Hand die Lancette und oomprimirt mit dem Daumen der linken Hand dicht unter der Stelle, wo der Aderlass ausgeführt werden soll (Fig. ill), die Vene, ohne die äussere Haut zu ver­schieben. Die Vene schwillt hierauf an und tritt deutlieh hervor. Bleibt mau bei dickhalsigen Pferden über die Lage des Gefiisses im Zweifel, so unterbricht man die Compression plötzlich, worauf die schnell eintretende Absehwellung über den Verlauf desselben Auskunft giebt. Nachdem von neuem in derselben Weise die Vene comprimirt ist, wird die Lancette wie in Fig. 113 erfasst, dicht über dem Daumen der linken Hand da auf die äussere Haut gesetzt, wo die Vene am deutlichsten hervortritt, und mit einem kurzen .schnellen Stoss so eingestochen, dass die Schneide genau die Mitte des Gelasses in seiner Längsrichtung trifft. Unter leichter aber schneller Dorsal­flexion im Handgelenk zieht man das Instrument sofort wieder zurück und erweitert durch diese Bewegung des Instrumentes die Gefässwunde ein wenig. Dicht über der comprimirten Stelle wird eingestochen, weil hier die Vene durch den Daumen der linken Hand lixirt ist, also dem Instrumente nicht, so leicht ausweicht. Man hüte sich namentlich Über den hinteren bezw. oberen Rand der Vene abzugleiten, da hierbei leicht, eine Carotisverletzung vorkommt. Die Klinge muss nahezu senk­recht zur Oberfläche des Halses aufgesetzt werden und eindringen.
[st die Vene richtig gelrolfeii, SO stürzt alsbald ein Blutstrom hervor, den man in dem vorgehaltenen Gefässe auffangen lässt, welches gegen den Hals gedrückt wird, so dass es zugleich die Compression der Vene bewirkt. Nachdem die nöthige Menge Blut abgeflossen ist, was durch Einführen der Finger in das Maul und dadurch veranlasste Kaubewegungen des Thieres beschleunigt werden kann, wird das Ge-fäss mit dem Blute entfernt, worauf in Folge Unterbrechung der Com­pression der Vene die Blutung aufhört. Sodann nimmt der Operateur, mit einer Stecknadel und einer aus einigen Mähnen- oder Schweif haaren, besser aus reinem Band gebildeten Schlinge verseilen, der Operations­stelle gegenüber Aufstellung, erfasst mit der linken Hand und zwar von oben die Bänder der Hautwunde, hebt dieselben ein wenig empor, ohne die Haut von ihrer Unterlage abzuziehen, und sticht nun die Nadel etwa :! mm vom Wundrande entfernt, quer durch die Hautwunde. Stärkeres
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Aderlass mit dar Flidtc.
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Abheben der Haut begünstigt einen BlutergUSS unter dieselbe, was abei vermieden werden soll. Sodann wird mit Hülfe der Haare eine um­schlungene Naht angelegt, und die vorknoteten Enden sowie die Spitze der Nadel werden mit der Schere abge­schnitten. Um das Herausfallen der Nadel ZU verhindern, kann das Ende derselben ein wenig umgebogen weiden, doch ist dies nicht absolut nothwendig.
Um ein /.n tiefes Eindringen mit der Lancotte zu ver­hindern, oonstruirte v, Braun (Schwerin) eine Aderlass-lanoette mit Parirstange (Fig, 115), Der Vortheil derselben liegt auf der Hand, douh ist das Instrument bei einiger Vrorsieht und Uebung seitens des Operateurs entbehrlich. J'lin Gleiches gilt von der von Hoffmann empfohlenen, mit Un­recht , Flietequot; genannten Aderlasslancette,
Adeilasslanct'tli-mit Parirstange nach V. lliauii
quot;J. Der Aderlass mit der Pliete aus der Vena jugularis wird heim Pferde an der linken Halsseite ausgeführt. Das Instrument, nach seinem Erfinder benannt, besteht aus einem 10 cm langen, 1 bis
PiK, m
Klicte, einfache.
1,5 cm breiten eisernen Stiel, an dessen vorderem Abschnitte, 1—2 cm vom Ende entfernt, rechtwinkelig eine 1,5 — 2 cm breite, lancettförmige, scharfe Klinge angebracht ist. Der Stiel ist durch ein bewegliches Charnier mit der Messiim'schah' verbunden, welche sowohl den Stiel.
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542 Dm Ailorlass. Skarilicatioiit'ii mill Hliiti'i'spanuss bei (iix'rationon.
wie auch die Klinge aufzunehmen bestimmt ist. In der Regel enthält die Schale 2—8 Flieten verschiedener Grossen, von denen die grössere beim Kinde und bei schweren Pferden benutzt wird. Die JSticker'scbe Fliete besitzt an ihrem Stiel, der Klinge gegenüber, einen breiteren Kücken, um den Schlag mit der Hand für den Operateur weniger empfindlich zu machen, während die englischen Flieten von den deut­schen sich dadurch unterscheiden, dass die Klinge am Ende des Stiels sitzt, die Fortsetzung des Stiels über diese hinaus, der sog. Anschlag also fehlt; letzterer hat den Zweck, ein ZU tiefes Eindringen'der Fliete
Fig. 118,
Haltung der Fliete beim Aderlass.
Ailerlass mit iler Fliete,
zu Verbindern. Die belgische Fliete besitzt; einen kleineren Anschlag als die deutsche; die letztere verdient indess den Vorzug.
Heim Aderlass mit der Fliete aus der Vena jugularis wird das Pferd, wie oben beschrieben, mit dem Kopf ein wenig nach rechts gewendet, aufgestellt; der Operateur erfasst die Schale der geöffneten Fliete mit der linken Hand so. dass Zeigefinger und Daumen am Ende der Schale liegen (Fig. 118), und nimmt dicht neben der linken Schulter des Pferdes Aufstellung, seine rechte Seite gegen den Hals des Thieres gerichtet. Mit dem driften und vierten Finger der linken Hand wird die Vene etwa 10 cm unter der Grenze des oberen und mittleren Dritt-theil.s des Halses eomprimirt, und die Fliete so auf die Vene gesetzt, dass der Stiel des Instrumentes mit dem (iefässe parallel liegt, die
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Adcrlass mit der PHete,
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Klinge an tk'r Grenze des oberen und mittleren Dritttiieils des ilaises gegen die Vene gerichtet ist (Fig. 119). Man hüte sieh aueh liier, die Klinge nach oben gegen die Carot.is zu wenden. Sobald der Ope­rateur von der richtigen Lage des Instrumentes überzeugt ist, scliliigt er mit dein lateralen IJiinde der offenen rechten Hand im einer Bewegung, die vornehmlich im Handgelenk erfolgt, kräftig aber kurz gegen den Theil des Stieles der Fliete, welcher der Klinge gegenüber liegt. Früher bediente man sich hierzu eines Schlägels (Fig. 121)), der zugleich mit einem kleinen Trichter zur Infusion von Arzneien in die Blutbahn sowie mit Stecknadeln zum Verscbliessen des Blutgefässes versehen war. Durch diesen Schlag wird die laneettiormige Schneide des Instrumentes schnell durch die äussere Haut, und bis in die Vene getrieben, worauf sich das Blut im Strahl entleert. Bei unruhigen Pferden liisst man im Momente des Schiagens von dem Gehülfen das linke Auge zuhalten, damit das Thier nicht scheut und durch eine Bewegung des Halses die Operation stört. Von nun ab verfährt man genau so wie beim Aderlass mit der Lancette.
Die Fliete hat vor der Lancette den Vorzug, dass die Schneide kräftiger und namentlich schneller eindringt,
Schläge] /.mn
Aderlass mit
der Fliete.
und auf diese Weise das Abgleiten des Instrumentes von der Venenwand sicherer vermieden wird. Der Aderlassschlägel lässt sich durch einen Holzstab von 20—30 cm Länge ersetzen ; beide sind aber entbehrlich, sobald der Operateur über einige Geschicklich­keit und Hebung verfügt.
3. Ehemals diente zum Aderlass auch der Aderlassschnepper, ein in verschiedenen Constructionen angefertigtes Instrument, welches ähnlich wie die Eliete gebaut, jedoch eine Federvorrichtung besitzt, durch welche die Klinge in Bewegung gesetzt wird. Bei der mehr oder weniger complicirten Einrichtung bereitete die Reinigung des In­strumentes grössere Schwierigkeiten. Da der Schnepper nur den Zweck hat, die manuelle Geschicklichkeit des Operateurs zu ersetzen, so ist derselbe heute, wo der Aderlass von ungeübten und Laien nur noch selten vorgenommen wird, überflüssig geworden und Hndet sich nur noch in den Sammlungen chirurgischer Instrumente.
Bei regelmässigem Wundverlauf kommt sowohl in der Venen­wand, wie auch in der äusseren Haut Heilung auf dem ersten Wege zu Stande, so dass die Nadel nach 1- — 24 Stunden entfernt werden kann, wobei jedoch Verschiebungen der Haut und das Abheben von
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544 Dor Adorhis.s. Skariäoationen and Bluterspaniiss boi Operatioueu.
ihrer Unterlage ebenfalls za vermeiden sind, damit niciit durch Tren­nung der nur lose mit einander verklebten VVundränder der Vene die Bildung eines Hämatoms unter der Haut veranlasst wird, wodurch nachtheilige Folgen entstehen (Aderfistel).
Beim Kinde wird der Aderlass an der Vena jugularis externa ausgeführt. Da die Haut dieser Thiere jedoch sehr dick ist, so ver­dient hier die Fliete vor der Lancette den Vorzug. Auch empfiehlt sich, die Compression der Vene mit Hülfe einer Schnur (Aderlass­schnur), die man durch einen Strick oder starken Bindfaden leicht herstellen kann, auszuführen, indem man diese fest um den unteren Theil des Halses schnürt. Das Thier wird mit aufgerichtetem Kopfe an den Hörnern festgehalten; lange Haare an der Operationsstelle schert man ab und liisst das linke Auge des Thieres durch die Hand eines Gehiilfen bedecken. Darauf tritt der Operateur mit einer breiten Fliete versehen an die rechte Halsseite, neigt, sich über den oberen Halsrand des Thieres. setzt die Fliete an derselben Stelle wie beim Pferde auf das Gefäss und treibt dieselbe mit einem kurzen, nicht zu schwachen Schlag in die Vene. Nachdem eine entsprechende Blut­menge entleert ist, wird die Schnur abgenommep, Ein Verscbluss der Hautwunde ist. bei der grossen Verschiebbarkoit der Haut nicht er­forderlich; doch kann dieser ebenso wie beim Pferde erfolgen.
An anderen Neuen einen Aderlass zu inachen, muss als irrationell bezeichnet werden,
Boi Schafen und Ziegen finden sich nur selten Indicationen für die Ausführung eines Aderlasses, und wo dieses einmal der Fall sein sollte, wähle man ebenfalls die Vena jugularis externa, schere vorher beim Schafe die Wolle ab und öffne die Vene entweder mit der Lancette oder mit der Fliete. Der von Schäfern zuweilen an der Augenwinkelvene vorgenommene Aderlass giebt nur wenig Blut, und man darf wohl sagen glücklicherweise, dem andernfalls würde zweifel­los mit diesem Aderlass viel Nacbfheil angerichtet werden.
Auch bei Schweinen bietet sich nur selten Gelegenheit, einen Aderlass zu machen, der bei der Widerspenstigkeit dieser Thiere zu­gleich mit Schwierigkeiten verbunden ist. Von dem Abschneiden des Schwanzes oder Theile des iiusseren Obres, wie es von Laien oft aus­geführt wird, gilt das oben vom Schafe Gesagte. Auch aus der durch­schnittenen hinteren Ohrvene entleert sich in der Eegel nur so wenig Blut, dass von einer Aderlasswirkung nicht die Rede sein kann.
Bei Hunden und Katzen wird in den Lehrbüchern die Drossel­vene und die Hautvene am Hinterschenke] zum Aderhissen empfohlen.
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Carotisvcrletzuiig beim Adcrlass.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 545
Zweifellos wurde der Aderlass bei diesen Tliieren häufiger beschrieben als ausgeführt. Wir haben bei Fleischfressern ebenso wenig wie beim Geflügel jemals Veranlassung zur Anwendung des Aderlasses gefunden (S. 588).
Unerwünschte Zufälle beim Aderlass kamen namentlich in früherer Zeit, als auch Laien sich mit demselben beschilftigten, nicht selten vor. Die häufigsten derselben sind:
1.nbsp; nbsp;dass kein Blut fliesst, nachdem das eine oder andere In­strument angewendet wurde. Es kann dies dadurch veranlasst sein, dass die Vene nicht getroffen wurde, oder dass sich die äussere Haut auf derselben verschoben hat und die Venenwunde deckt, wie es vorkommt, wenn das Thier während der Operation eine andere Kopfstellung an­genommen hat, oder wenn beim Comprimiren des Gelasses durch den Operateur eine Verschiebung der äusseren Haut stattgefunden hatte; ferner kann durch Unterbrechung der Compression der Blutabfluss ge­stört werden. In solchem Falle suche man zunächst die Ursache fest­zustellen und leite die unterbrochene Compression wieder ein. Wenn dennoch kein Blut kommt, so gebe man dem Hals des Thieres die oben beschriebene Lage wieder, und wenn auch das nicht genügt, ver­schiebe man die äussere Haut an der Aderlassstelle bin und her, bis sich Blut entleert. Führt endlich auch das nicht zum Ziele, so ist anzunehmen, dass die Vene nicht getroffen wurde, und die Operation muss wiederholt werden. Da man jedoch nie sicher ist, dass eine Verletzung der Vene nicht stattgefunden hat, so gilt der Grundsatz, den zweiten Versuch niemals an derselben Stelle, sondern etwa ;gt; cm höher oder tiefer zu machen. Erfolgen nämlich in der­selben Hohe mehrere Verletzungen der Gelasswand, so legen sich die Wundränder nicht genau an einander, und es kommt häufig zur Thrombosirung der Vene mit ihren unangenehmen Folgen.
2.nbsp; nbsp;In anderen Fällen fliesst das Blut in zu schwachem Strahl oder mit Unterbrechungen. Dies kann sowohl durch eine zu kleine Wunde, als auch durch Verschiebung der äusseren Haut und endlich durch mangelhafte Compression der Vene bedingt sein; auch ist zu­weilen ein abnorm geringer Blutdruck die Veranlassung, so nament­lich, wenn der Aderlass kurz vor dem Tode vorgenommen wird. Wie bereits erwähnt, lässt sich durch Anregung von Kaubewegungen der Blutabfluss befördern; im übrigen muss, wie oben angegeben, ver­fahren werden.
3.nbsp; nbsp;Eine unangenehme Ueberraschung beim Aderlass bildet die Verletzung der Carotis. Da die Arterie dicht unter und etwas
Miilidv u. PrloU, Allgemeine Ohlvurgle tttr Thlertete. B, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•gt;rgt;
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546 I*01' Adorlass. Skarificationon und Rlutorsparniss bei Operationen.
hinter der Vena jugularis, d. li. luicli dein oberen Ilalsrande zu liegt, so erfolgt eine Verletzung der Carotis leicht dadurch, dass das zum Aderlass verwendete Instrument entweder zu hoch, d. h. zu weit gegen den hinteren (oberen) Wand der Vene angesetzt, oder schräg nach oben gerichtet wird. Auf diese Weise gleitet das Instrument von der Vene ab und trifft alsdann leicht die Carotis. Nicht die Stärke des Schlages beim Aderlass mit der Fliete trägt die Schuld an dieser Verletzung, wie man wohl behauptet hat, sondern die unrichtige Haltung des Instrumentes; es gelingt sogar bei einiger Geschicklichkeit, die Carotis statt der Jugularis absichtlich zu treffen. Bei zu tiefem Ein­dringen des Instrumentes wird zwar die mediale Wand der .lugularis leicht mit verletzt, wie es nach den Untersuchungen Renault's sogar häufig bei Pferden vorkommt, aber keine weitere Bedeutung hat.
Die Carotisverletzung giebt sich durch einen kräftigen Blutstrom und den Abfluss von hellrothem Blute zu erkennen; bald zeigt sich auch, dass die Entleerung desselben stossweise erfolgt. Diese letztere Erscheinung lässt über die Verletzung der Arterie keinen Zweifel, sie kann aber fehlen. Wenn sich nämlich das Blut aus der Carotis zu­nächst unter die äussere Haut ergiesst, und hier ein Hiimatom entsteht, so erfolgt der Auslluss auch des arteriellen Blutes zuweilen in einem gleichmässigen, aber ungewöhnlich kräftigen Strahl, der auch nicht nachlässt, wenn die Compression der Vene unterbrochen wird. Be­sondere Beachtung verdient daher bei der Diagnose Carotisverletzung das hellrothe Blut und das Fortbestehen der Blutung ohne Compression, und selbst dann noch, wenn die Vene oberhalb der Aderlasswunde comprimirt wird. Zu bemerken ist hierbei zweierlei: erstens, dass man bei diesem Versuche vorsichtig ZU Werke gehen muss, damit nicht Lufteintritt in die Vene stattfindet (8,548), und zweitens, dass bei der sog. Hirschhalsbildung nicht selten ein Blutabfluss aus der Vena jugularis auch ohne Compression derselben von aussen erfolgt, nament­lich wenn die Pferde den Kopf und Hals übermässig heben, wobei die Halsmuskeln einen Druck auf die Vene ausüben.
Endlich kann die Carotisverletzung durch Trennung einer kleinen Arterie vorgetäuscht werden, die quer über die Vene verläuft. In diesem Falle entleert sich das arterielle Blut in einem dünnen Strahl.
Sobald eine Verletzung der Carotis festgestellt ist, halte man sich mit dem hier und da empfohlenen Verfahren, das Gefäss zu coni-primiren nicht auf, sondern schreite sogleich zur Unterbindung des­selben. Zu dem Zwecke erweitere man die Aderiasswunde der äusseren Haut bis zu einer Lftnffe von 8— 10 cm. trenne ebenso den Halshaut-
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Oarotisverletzunff beim Aderlass.
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muskel und gehe nun mit den beiden Zeigefingern in die Wunde ein, um sich durch Beiseiteschieben des Bindegewebes einen Weg bis zur Oarotis zu verschaffen. Sobald in der Tiefe Pulsation bemerkbar wird, umfasse man die Carotis mit einem Zeigefinger und ziehe sie hervor. Nachdem eine gekrümmte Schere unter das Gefiiss geschoben ist, und die an der Arterie liegenden Nervenstämme (Vagus, Sympa-thicus und iiecurrens) abgetrennt sind, unterbindet man das Gefäss unterhalb und oberhalb der verletzten Stelle. Die letztere Ligatur ist nothwendig, weil durch die Collateralverbindung von Seiten der tiefen Nacken- und anderer Arterien eine Blutung von der Peripherie aus unterhalten wird. Nach doppelter Unterbindung durchschneidet man das Gefiiss zwischen beiden Ligaturen, um die Spannung des­selben aufzuheben, die möglicherweise zur Zerreissung an der einen oder anderen Unterbindungsstelle und dadurch zu einer gefährlichen Nachblutung führen könnte.
Die Unterbindung der Carotis ist au sich zwar ungefährlich, in­dem sich regelmässig ein ausreichender Collateralkreislauf entwickelt, dennoch aber bedenklich, weil hierbei nicht selten der N. recurrens verletzt und gelähmt wird, so dass Kehlkopfpfeifen entstellt. Man gehe deshalb recht sorgfältig hierbei vor und suche bei der Wund­heilung durch Sorge für den regelinässigen Abfluss der Secrete den Heilungsprocess möglichst günstig zu gestalten; dazu empfiehlt sich offene Wundbehandlung.
Die übrigen Verfahren, z. B. Compression der verletzten Carotis, dichter Verschluss der Hautwunde mittelst einer Kürschnernaht, sind nicht zu empfehlen. Die Compression vermag selten die Blutung ZU stillen; der Verschluss der Hautwunde aber erscheint bedenklich. Wie wir uns an Anatomiepferden überzeugten, entwickelt sich hier­nach alsbald ein bedeutendes Hämatom am Halse; das Blut dringt bis an die hintere Wand der Trachea und bewirkt von hier aus eine Compression derselben, welche schliesslich zur Erstickung führen kann. Auf jeden Fall lasse man die Thiere nicht aus dem Auge, sobald eine Verletzung der Carotis vermuthet wird.
4.nbsp; Die Verletzung der kleinen Arterie, die zuweilen quer über die Jugularis verläuft, ist in der Regel bedeutungslos, (udingt es, das Gefäss zu fassen, so unterbinde man dasselbe, anderenfalls schliesst man die Aderlasswunde wie gewöhnlich.
5.nbsp; nbsp;Verletzungen der Trachea, welche zu Eniphvsembildung führen, aber auch durch Einfliessen von Blut in die Lungen tödtlich verlaufen können, linden bei der Ausflthrunff des Aderlasses durch
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548 Dor Aderlass. Skarifloatiouea und Blutersparniss bei Operationen. einen Sachverständigen kaum noch statt; als Laien sich mit dieser
Operation befassten, waren sie häufiger, Das Nühcre hierüber ist in
der Speciellen Chirurgie beschrieben.
Ü. Der Eintritt von Lui't in die geöffnete Vene. Der geringe, oft negative Blutdruck in der Vena jugularis macht dieses Oefilss zwar zum Aderlass besonders geeignet, führt aber die Gefahr mit sich, dass Lufteintritt in die Vene erfolgt, wodurch plötzlicher Tod herbeigeführt werden kann. Wird niimlieh die Compression der Vene unterhalb der Aderlassstelle unterbrochen, so strömt zwar in der Kegel soviel Blut von oben nach, als nach unten abflicsst. Ge­schieht dieses aber nicht, z. B. durch Compression der Vene oberhalb der Venenwunde, so saugt das nach unten abflicssende Blut Luft in das Getiiss ein, ein Vorgang, der sich durch ein schlürfendes oder kluckerndes Geräusch bemerkbar macht und bei einiger Aufmerksam­keit des Operateurs als eine bedenkliche Erscheinung bald erkannt wird. Heftige und tiefe Inspirationen des Thieres können ebenfalls den AbHuss des Blutes nach dem Herzen in dem Masse fördern, dass nicht hinreichend Blut nachströmt, und statt dessen Luft in das Ge-fäss eintritt. So lange ein regelnlässiger Abfluss des Blutes statt­findet, ist die Möglichkeit des Lufteintrittes ausgeschlossen, erst mit dem Aufhören des Abflusses stellt sich diese Gefahr ein. Darauf ist besonders zu achten; sobald die genannten Symptome auftreten, suche man sofort unterhalb der Aderlassstelle die Vene zu com-primiren und durch Streichen mit der Hand in der Richtung zur Aderlasswunde die etwa in der Vene noch befindliche Luft zu ent­leeren. Da sich die Thiere nach der Operation zuweilen, namentlich im kranken Zustande gegen die Krippe lehnen, oder durch den Druck der Halfter eine Compression der Vene herbeigeführt werden kann, so erscheint der Verschluss der Hautwunde beim Aderlass aus der Vena jugularis stets erforderlich, um die hierdurch entstehende Gefahr des Lufteintrittes zu verhüten. Dass eine übermässig grosse Wunde diesen Vorgang erleichtert, ist klar und bleibt beachtenswerth.
In manchen Füllen knüpfen sich an den Eintritt geringer Mengen Luft, keine weiteren naehiheiligen Folgen. Oft aber fangen die Thiere sogleich an zu taumeln, stürzen nieder, bekunden eine erhebliche Dyspnoe, schwitzen und können in kurzer Zeit zu Grunde gehen (vergl. S. 8(1).
Zu den nachtheiligen Folgen, die sich 'zuweilen im weiteren Ver­laufe einstellen, gehören folgende:
1. Nachblutungen. Abffesehen von den durch Verletzungen
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N'aclibliihuijj
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iler Carotis oder iiiulorer, kleiner Arterien kommen Nachblutungen beim Aderlass aus der Jugularis selten vor. ihre Entstellung verdanken solche in der Hegel einer Compression der Vene unterhalb der Operationsstelle und /war am häufigsten bei gehirnkranken Pferden, die sich mit dem Halse oder der Brust gegen die Krippe lehnen, sowie bei liegenden Thieren. wenn z. B. ein Aderlass bei Rehe oder Kolik gemacht -wurde. Auch kann der Druck des Kummets oder Sielen­geschirrs dieses bewirken; daher gilt der Grundsatz, dass man die Thiere in den ersten 21 Stunden nach dem Aderlass nicht ein­spannen lässt.
Die Behandlung niUSS auf die Ursachen der Nachblutung Bück­sicht nehmen, da diese zwar selten mit der Gefahr einer Verblutung verbunden ist, jedoch durch die Entstehung eines grösseren Hiimatoms bedenklich wird und so die Grundlage zu der sog. Aderfistel abgiebt. Dieses Leiden kann
Fitr. 121,
sich ebenfalls an den Ader­lass anschliessen und ist in der Speciellen Chirurgie be­reits beschrieben.
D ieok e r h o ff und Casper haben neuerdings die Hohlnadel zur Ausfüh­rung des Aderlasses em­pfohlen. Da man dieses In­strument schon früher zur endovenösen Application von Arzneien angewendet hatte, lag der Gedanke nahe, das­selbe auch zur Entleerung des Blutes in Anwendung zu bringen, besonders wo es sich darum handelt, das Blut möglichst rein zu erhalten, wie z. B. bei der Gewinnung
Adevlnsfilioliliuiilcln. and b naob Dieckcrhofl'. o narli Cnspor.
lierbei gewährt die Hohlnadel noch den Vortheil, class der Aderlass an derselben Stelle öfter wieder­holt werden kann. Dieckerh of f empfahl eine Hohlnadel für die Zwecke der Praxis (Fig. 121), welche mit einer Scheibe vorsehen ist. wodurch die Application der starken Nadel erleichtert wird. Während die Ringer der linken Hand die Vena jugularis comprimiren (man
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550 l)ei' A-derhiss. Skarificationeu und Bluterspaniiss bei Operationen.
wählt beim Pferde zweokmässig die reclite Seite), sticht die rechte Hand das Instrument, mit Daumen, Zeige- und Mittelfinger geführt, in scbrörger ßichtung nach oben in die Vene ein (Fig. 123), Nach­dem die gewünschte Menge Blut entleert ist, wird die Nadel zurück­gezogen; Heften der Wunde ist nicht erforderlich. Man achte darauf, dass die der Stichstelle gegenüberliegende Venenwand von der Spitze der Nadel nicht zu sehr verletzt wird, wodurch leicht Thrombose entsteht.
2. Skarificationeu. Als örtlicher Aderlass kommen bei Thieren nur noch die Skarificationeu in Betracht; man hat zwar ver­sucht hier auch Schröpf köpfe einzuführen, doch setzt ihre Anwen­dung ein sorgsames Abrasiren der Haare voraus, daher haben diese keinen Eingang in die Praxis gefunden. Hasselbe gilt von Blutegeln und dem von Leblanc empfohlenen Bdellometer oder Blutsauger, einem complicirten Schröpfkopf. Erwähnt sei nur, dass bei Anwen­dung der Schröpfköpfe durch verdünnte (erwärmte) Luft das Blut des betreffenden Theiles entweder in die äussere Haut gesogen (trockener S.), oder aus kleinen Einschnitten entleert wird (feuchter S.).
Die Skarificationeu (3Xapilt;pd!0(J.at, scarifico, aufritzen), bestehend in mehreren oberflächlichen oder tieferen Einschnitten in den erkrankten Theil, wurden ursprünglich in der Absicht angewendet, aus den Capillaren und kleineren Gefässcn des entzündlich erkrankten Gewebes das Blut zur Entleerung zu bringen und so Blutstockungen zu verhindern, floate leiten uns dabei in der Regel noch andere und wichtigere Ge­sichtspunkte. Erstens handelt es sicli zugleich um die Entleerung pathogener Stoffe und Entzüudungsproducte, ferner darum, Abschwellung namentlich solcher Organe zu erzielen, die in Folge der Anschwellung entweder in sich selbst, oder von benachbarten Theilen Quetschungen oder Einklemmung erfahren. An der stark angeschwollenen Zunge Z. B. wird durch die Schleimhaut, welche weniger dehnbar ist als das Gewebe (Muskeln und Bindegewebe) der Zunge, bei acuten Entzün­dungen des Organes eine gewaltige Spannung und Drucksteigerung in demselben veranlasst, wodurch leicht Brand entsteht. Durch tiefe und lange Einschnitte in die Zunge lässt sich diese Spannung und damit auch die Gefahr der Nekrose aufheben. Dazu kommt, dass sich aus den Einschnitten Blut und reizende Entzündungsproducte ent­leeren und unschädlich gemacht werden; auch lässt sich von den Schnittflächen aus Desinfection der erkrankten Gewebe bewirken. Thatsache ist, dass solche Skarificationeu bei der acuten Glossitis, weniger bei chronischen Erkrankungen (Aktinomykose), ausserordent-
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Skanfiuationen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ß51
lieh günstig wirken, wenn sie zur rechten Zeit und in der richtigen Weise angewendet werden. Starke, venöse Stauung, gekennzeichnet durch dunkle Färbung des Organes, heftige Spannung und starke An­schwellung des betreffenden Organes bilden die wichtigsten Indi-cationen für die Anwendung der Skurilicationen. Ebenso finden die­selben bei heftigen entzündlichen Schwellungen am Penis, bezw. an der Vorhaut, am Euter bei acuter Mastitis sowie au der Conjunctiva Anwendung, wenn letztere in Folge der Anschwellung von den Augen-lidern eingeklemmt wird. Auch Vorfalle des Mastdarmes, der Scheide und Gebärmutter können zur Anwendung von Skiirifieationen Ver­anlassung geben. Wenn starke Schwellung der vorgefallenen Organe ein Hinderniss für ihre Reposition bildet, kann diese durch Skarili-cationeu, mit Unterstützung von adstringirenden Bähungen (Alaun) und Massage erleichtert werden.
Von verschiedenen Seiten wurden bis in die neueste Zeit Skarifica-tionen der Hufkrone sowie der Fleischsohle bei Hufleiden, namentlich bei der Hebe empfohlen. Wir haben von der Anwendung derselben niemals einen nennenswerthen Nutzen gesehen und bezweifeln solchen. Da bei der Rehe auch ohne Skariticationen oft plötzliche Besserung beobachtet wird, so kommen hier leicht Täuschungen vor. Skarifica-tionen an der Fleischsohle bei dieser Krankheit zu machen, erscheint sogar bedenklich, namentlich wenn man nicht sicher ist, Asepsis zu erhalten; der Eintritt von Eiterung führt bei diesem Leiden fast stets zu schweren Folgezuständen.
8. Blutersparniss bei Operationen, „Blut ist ein gar-kostbarer Saftquot;, so heisst der heutige Grundsatz, daher suchen wir nicht allein die Anwendung des Aderlasses möglichst zu beschränken, sondern auch bei nllen Operationen Blutverluste soweit nur mitglich zu vermeiden. Das gilt namentlich bei schwächlichen, anämischen Patienten. Jeder Blutverlust schwächt das Individuum, insbesondere auch Krankheiten gegenüber, welche sich an Operationen anschliesscn; auch bietet das in die Operationswunde ergossene Blut ein vorzüg­liches Nährsubstrat für Bakterien und wird auf diese Weise Aus­gangspunkt schwerer Infectionskrankhciten. Wie bereits erwähnt, schaffen hydrämische Zustände eine Disposition zur Eiterung. Wurde dem Versuchsthiere l/10 c'el' Blutmenge entzogen, so entwickelte sich nach subeutaner Injection von Eiterkokken viel leichter umfang­reiche Phleginone mit tödtlichem Ausgange. Es scheint also mit der Verminderung der Blutmenge eine Abnahme der bakterieiden Stoffe einherzugehen. Dazu kommt endlich, dass das abfliessende Blut
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;gt;.).
Der Adt.'flass. Skurilicatioiicn mul lilutcrsparniss bei Operationen.
das Operationsfeld verdeckt, die Operation selbst stört und auch den lieilungsvorgilngen direct hinderlich ist. Die moderne Chirurgie fordert duller möglichste Beschränkung der Blutung bei allen Opera­tionen. Dass der Verscliluss blutender Gefiisse mit Erhaltung der Circulation in denselben möglich und an bestimmten Gefässen für gewöhnlich ZU erreichen ist, wurde bereits S. ;!42 erwähnt; in der Kegel wird hierzu aber der Verscliluss des blutenden Gefil.sses erforder­lich. Ueber die Methoden der Blutstillung und die hierzu in An­wendung kommenden Instrumente muss auf das S. 8;{ Gesagte ver­wiesen werden. Hier sollen nur noch die Mittel besprochen werden, welche zur Verhinderung der Blutung bei Operationen dienen: dahin gehört in erster Linie:
Die künstliche Blutleere. Nachdem von Esmarch beim Menschen gezeigt hatte, dass durch Einwickelung der Glieder von der Peripherie gegen das Centrum das Blut aus denselben zurückzudrängen, sodann durch einen Guminischlauch der Blutzufluss abzusperren ist, hat man bei Thieren von dem Verfahren ebenfalls Gebrauch gemacht. Wird auf diese Weise die grüsste Ersparuiss an Blut erreicht, so hat die künstliche Blutleere auch noch den Nutzen, dass das Operations­feld überall klar und trocken bleibt, so dass man keine Schwämme und weniger Gehülfen braucht, sich auch anatomisch leichter Orientiren kann. Letzterer Umstand fällt für Thiere ganz besonders bei Opera­tionen an den Hufen und Klauen ins Gewicht. Da das Zurückdrängen des Blutes in den Gefässen der Gliedmassen, namentlich aus den Hufen und Klauen nicht möglich ist, so beschränken wir uns darauf, durch Anlegung eines starkwandigen Gummischlauches (Constrictions-schlauch Fig. 122) oberhalb der VorderfussWurzel bezw, des Sprung­gelenkes zu verhindern, dass das Blut in das untere Ende der zu operirenden Gliedmasse lllesst. Nachdem das in den Gefässen vor­handene Blut während der Operation abgeflossen ist, hört jeder weitere Zufluss und damit auch die Blutung auf. Das Verfahren findet namentlich bei Pferden zum Zwecke der Resection des Hufknorpels und der Hufbeinbeugeselme Anwendung, muss auch bei Neurektomien und Amputationen empfohlen werden.
Man legt den Gummischlaucli bei grösseren Thieren unter ener­gischer Dehnung zweimal um die betreffende Gliedmasse, zieht die Huden nochmals, soweit es die Armkraft gestattet, an, kreuzt die­selben und lässt an der Kreuzungsstelle einen Bindfaden oder ein 1 — 2 cm breites Band schlingen und hier fest verknoten (Fig. 122). Zur Fixirunff des Schlauches wurden uuch wohl besondere; Vorrich-
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Bluteraparnisa liei Operationen!
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tungen (Klemnum) cuustmirt; sic sind jedoch nicht mir cntbohrlicli, sondern sie genügen auch für die hei Pferden und Uiudeni erforder­liche Stärke des Schlauches von circa 2 Cta Durchmesser in der Regel nicht. Bei kleineren Thieren liisst sich ein einfacher Üniinschlauch zu dem Zwecke verwenden.
Es versteht sich von selbst, dass man nach beendeter Operation die durchschnittenen Gelasse durch Ligatur, Tamponade oder andere Mittel zum Verschluss bringt, um auch die nach Entfernung des Schlauches auftretende Blutung zu verhindern, oder doch soweit ein-
Fig. 122.
ßsmarch'soher ConstrlotlonssohlauDli,
zuschränken, dass hieraus keine Gefahr entsteht. Der Schlauch kann bis zwei Stunden ohne Nachtheil liegen bleiben; ihn länger liegen zu lassen, dürfte indess Bedenken erregen, obgleich bei Thieren hiernach ein directer Nachtheil bisher nicht beobachtet wurde. Beim Menschen sah man nach Anwendung des Schlauches zuweilen hochgradige Muskel­atrophie eintreten, was bei Thieren, soweit uns bekannt, bisher nicht festgestellt wurde, auch weniger zu befürchten ist, weil starke Fascien und Sehnen den Druck des Schlauches auf die Muskeln erheblich ab­schwächen. Wo ein Constrictionsschlauch nicht zur Verfügung steht, kann ein Strick oder starkes Tuch an Stelle desselben angewendet werden; am Hinterschenkel übt bei grösseren Thieren die Schenkel­bremse eine ähnliche, wenn auch nicht so vollkommene Wirkung aus wie der Schlauch.
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V. Die Injection von Arzneimitteln in die Blutbahn,
Unterhaut, Luftröhre, Rachenhöhle und den Kehlkopf,
sowie die parenchymatöse Injection.
1. Die intravenöse Injection. In früherer Zeit diente der Aderlass zugleich zur Einführung von Arzneien in die Blutbahn. Es wurde z. B. bei Pferden mit der Fliete eine Aderlasswunde in der Vena jugularis hergestellt und mittelst eines vom Tbierarzt Helper construirten Trichters die Arznei in die Blutbalin gebracht. Abgesehen davon, dass dieses Verfahren mit der Gefahr des Lufteintrittes ver­bunden war, knüpften sich an dasselbe auch häufig sog. Aderfistcln. Gegenwärtig benutzt man zur Injection von Arzneien ins Blut nur noch Spritzen, die mit einer Hohlnadel versehen sind. Ich (M.) habe bereits 1877 M eine grössere Spritze zu diesem Zwecke construirt und mich von der Zweckmiissigkeit des Instrumentes überzeugt. Dieselbe fasst etwa 50 g Flüssigkeit, doch hat man neuerdings auch wohl Spritzen mit doppeltem Ansatz in Anwendung gebracht, wodurch nicht nur die Operation erleichtert, sondern es auch ermöglicht wird, die In­jection vorzunehmen, ohne die in die Vene eingeführte Nadel viel zu bewegen und zugleich Verletzungen der Intima des Gefässes aus dein Wege zu gehen, welche leicht den Grund zur Thrombosirung der Vene und zur Bildung einer Aderfistel abgeben. Auch liisst sich die Infusion leicht mit Hülfe eines Trichters und Gummischlauches be­wirken, der mit einer Hohlnadel in Verbindung steht.
Nicht jedes Arzneimittel darf natürlich in die Blutbahn gebracht werden; es sind vielmehr folgende Forderungen an dasselbe zu stellen:
') Möller, Arehiv für wiss. und prakt. Thierheilkunde 1877. 8.454.
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Intravenöse Injection.
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1. class es flüssig ist, d. li. eine echte Lösung darstellt, also keine ungelösten Bestandtlieile entliillt; deshalb sollte die Flüssigkeit vor der Anwendung sorgfältig tiltrirt werden. Diese Forderung bedarf liier keiner weiteren Begründung. 2. Das Mittel muss sich mit dem Blute vermischen. Fette Oele u. s. w. können daher niemals in der Weise angewendet werden, weil sie Thrombose erzeugen würden. '#9632;'•. Die in-Jicirte Substanz darf keine erheblichen Zersetzungen, namentlich keine Gerinnung des Blutes herbeiführen; Siiuren, concentrirter Alkohol u. s. w. sind daher zu vermeiden. Die Application eines Mittels als intravenöse Injection setzt 4. voraus, dass es bereits in kleinen Quantitäten wirkt, weil man nicht grosse Mengen Flüssigkeit ohne Hedenken einführen kann. Eine Ausnahme macht hiervon allerdings die Infusion von 0,6 quot;oiger Kochsalzlösung bei starken Blutverlusten. Endlich nmss die Arznei etwa Bluttemperatur besitzen und vor allen Dingen sterilisirt sein.
Bei diesen Anforderungen beschränkt sich die Zahl der zur intravenösen Injection geeigneten Arzneien auf einige Alkaloide, und auch diese werden, seitdem die subeutane Injection mehr und mehr Eingang gefunden hat, nur noch selten intravenös applicirt. Allerdings erlangt man bei der letzteren Methode eine sofortige Wirkung des Mittels, während diese bei der subeutanen Anwendung etwa ܗ5 Mi­nuten auf sich warten lässt. Eine derartige Verzögerung kommt aber fast niemals in Betracht, zumal die Präparation der Arznei zur In­fusion in die Blutbahn grössere Zeit in Anspruch nimmt. Stoffe, die jedoch örtlich heftig reizen, z. B. Chloralhydrat, Veratrin, und des­halb zur Erzielung einer allgemeinen Wirkung sich nicht in subeutaner Application eignen, können intravenös angewendet werden.
L)ie Injection mit einer einfachen Spritze erfolgt in folgender Weise: Nachdem die Arznei präparirt und ebenso wie die sorgfältig gereinigte Spritze und Hohlnadel auf Körpertemperatur gebracht ist, erfasst man die Hohlnadel zwischen Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, während der Daumen sich gegen den Ansatz derselben legt (Fig. 123). Der Daumen der linken Hand compriinirt die Vena jugu-laris dextra an der Aderlassstolle (Grenze zwischen dem oberen und mittleren Drittheil des Halses). In einer Stellung wie beim Aderlass mit der Lancette stösst man die Nadel in etwas schräger Richtung nach oben unmittelbar über der coniprimirten Stelle, auf der Höhe der Venenanschwellung mit einer kurzen kräftigen Bewegung der Hand durch die äussere Haut (Fig. 12b), Da das Thier hierbei wohl unruhig wird, so drücke man zunächst die rechte Hand gegen den Hals desselben, ohne die Nadel weiter einzuführen. Sobald Be-
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lnjectiüu von Araicimittelu in die Blutljuhii, Unterbaut etc.
ruhigUQg eingetreten ist, führt man in derselben Richtung den /weiten, ebenfalls kurzen Stich aus, der die Nadel in die Vene eintreten lässt, entfernt den rechten Daumen von dem Ansatz der Nadel, um zu sehen, ob sich Blut aus derselben entleert, ein Beweis dafür, dass die Vene getroffen ist, Pliesst kein Blut durch die Nadel ab, so muss der zweite Stich wiederholt werden, his die Nadel die Gefilsswand passirt hat. Auch hierbei ist es wichtig, die Compression der Vene dicht unter der Einstiohstelle vorzunehmen, damit die Vene besser tixirt wird und der Nadel nicht so leicht ausweicht. Sobald der Blutabfluss zeigt, dass sich die Nadel in der Vene befindet, suche man dieselbe
Pig. 128.
Kinfiihrung dor Hohlnadel in die Vena Jagnlarla.
möglichst ruhig und in der Richtung der Vene zu halten, damit ihre Spitze nicht Verletzungen an der Intiimi des Gefässos veranlasst. Nachdem man sich sodann überzeugt hat, dass die Spritze keine Luft enthält, wird diese angesetzt und mit gleichmiissigem Druck auf den Stempel entleert.
Aehnlich verfahrt man bei Anwendung der mit doppeltem Ansatz versehenen Spritze. Durch den Gummischlauch der Hohlnadel, welche in die Vene eingeführt ist, wird unter gleichmiissigem Druck des Stempels die Flüssigkeit in die Blutbahn gespritzt und, nachdem dies geschehen, der Hahn gewendet, so dass beim Zurückziehen des Stempels die Spritze von neuem aus dem Gefilsse gefüllt wird, worauf man den Hahn in seine frühere Stellung zurückbringt, und die Spritze in der­selben Weise entleert. Dies wiederholt sich, bis die zu applicirende
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Intravenöse und imboutane Injeotion
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Flüssigkeit in die Blutbahn gelangt ist. Das Verfahren ist sehr be­quem, doch liisst es sich in der Hegel mir am gefesselten Tliiere aus­führen, während am stehenden Thiere ein Glastrichter sogar den Vor­zug verdient, weil er zugleich hilliger ist als die complicirte Sprit/e.
Hierzu verbindet man die in die Vene einzuführende Hohlnadel mit einem Gummischlauch. Nach Einführung derselben setzt man den Trichter an, überzeugt sich indess vorher, dass der Schlauch keine Luft enthält. Aus diesem Grunde empfiehlt sich, dicht vor dem Ende des vorher gefüllten Schlauches eine Klemme anzulegen, die man löst, sobald der Schlauch mit dem Trichter in Verbindung gebracht ist.
Als nachtheilige Folge der intravenösen Injection verdient Throm­bose des Gefässes genannt zu werden, die miinentlich durch Verletzungen der Intima von Seiten der Spritze bezw. Hohlnadel veranlasst wird. Bei einiger Vorsicht lässt sich diese Complication jedoch vermeiden; ebenso die Gefahr des Lufteintritts in die Vene. Andere nachtheilige Folgen kommen hierbei nicht vor, sobald die oben beschriebenen Vor­kehrungen und eine richtige Auswahl der Arznei getroffen sind.
Die Transfusion von Blut hat bei Thieren bisher keine therapeutische Anwendung gefunden.
2. Bei der subcutanen oder hypodermatischen Application von Arzneimitteln, einer Methode, die neuerdings mehr und mehr Auf­nahme gefunden und die intravenöse fast gänzlich verdrängt hat, wird mit einer Spitze nebst Hohlnadel die Arznei in das Unterhautgewebe gespritzt. Für thierärztliche Zwecke eignet sich hierzu eine nach dem Muster der Fravaz'schen Spritze gebaute, die etwa 5—10 g Flüssig­keit fasst. Man verwende eine graduirte Spritze, um jederzeit die Menge der injicirten Flüssigkeit genau controliren zu können, und wähle zur Injection eine Stelle, wo keine Geschirrtheile, aber viel Subcutis liegen, d. h. wo die Haut auf ihrer Unterlage leicht zu verschieben, und Falten in derselben zu bilden sind; am Halse, an der Schulter, an den unteren Partien des Rumpfes gelingt dies am leichtesten.
Die zur subcutanen Application bestimmten Flüssigkeiten sollten womöglich sterilisirt sein, jedenfalls dürfen sie nicht ätzend wirken. Auch hier kommen vornehmlich Alkaloide in Betracht. Die Spritze und namentlich die Hohlnadel muss rein, womöglich sterilisirt sein. Wo die Umstände es gestatten, sollte man vor der Anwendung Nadel und Spritze mit 50/oigetn Carbol- oder Creolinwasser, erstere event, durch ö—10 Minuten langes Kochen desinficiren. Unbedingt noth-wendig ist dieses Verfahren, wenn die Spritze vorher bei Thieren be-
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558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Injectiou von Arzneimitteln in die Blutbahn, Unterbaut etc.
nutzt wurde, die mit Infectionskraiikheiten behaftet waren. Will man recht vorsichtig sein, so desinfioirt man auch die äussere Haut an der Operationsstelle; notlnveiidig ist dieses jedoch im allgemeinen nicht. Nachdem mit dein Daumen und Zeigefinger der linken Hand eine Hautfalte gebildet ist, sticht man mit der rechten Hand die Hohl­nadel entweder in der Richtung der Falte,
Fig. 124.
oder senkrecht zu derselben ein. liisst dann die Falte los und wartet einige
Augenblicke, um zu sehen, ob sich nicht etwa Blut aus der Nadel entleert. Sollte das geschehen, SO hat die Nadel ein Blutgefäss getroffen, und man würde unter Umständen Gefahr laufen, wollte man jetzt die Arznei, z. B. nicht ge­löste Flüssigkeiten, wie Veratrin in-jiciren. Man zieht also in solchem Falle die Nadel ein wenig zurück, und wenn sich kein Blut entleert, setzt man die Spritze an und treibt unter gleich-massigem, nicht zu schnellem Druck des Stempels die Flüssigkeit in die Unter­haut, wo sie durch Streichen mit der
Hand vertheilt und so schnellcT zur Resorption gebracht werden kann.
Spritzen zur sulu'iifanen Appluation dor Arzneien.
3. Die intratracheale Injec-
tion wurde erst in neuerer Zeit bei Thieren ausgeführt und bezweckt, Krankheitszustände der oberen Luftwege, namentlich chronische Catarrhe des Kehlkopfes und der Luftröhre zu heilen; aber auch gegen eine Reihe anderer Leiden hat man dieselbe neuerdings versucht, z. B. gegen Morbus maculosus (Dieckerhoff), Hämoglobinämie (Luchhau). Da die Resorption der Arzneimittel von der Schleimhaut der Trachea aus sehr schnell er­folgt, so erklärt sich, dass die Methode auch zur Erzielung einer all­gemeinen Arzneiwirkung Anwendung linden kann , doch stehen für solche Zwecke in der Regel bequemere und ungefährlichere Wege zu Gebote. Es hat sich bei diesen Versuchen gezeigt, dass die Luftröhren­schleimhaut bei weitem nicht so empfindlich ist, wie man früher an­nahm, so dass selbst reizende Mittel (Tincturen, Terpentinöl) ohne Naciitheil intratracheal applicirt werden können. Doch lässt sich ein aseptischer Verlauf der Einstichwunde schon aus dem Grunde nicht
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Intratrachealo I njcctioncn.
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gewährleisten, weil man aussei- Stande ist, die Trachcalschleimhaut zu desinficiren. Zwar zeigte die Ert'ahrung, dass bei vorsichtigem Vor­gehen entzündliche Processe hiernach in der Regel ausblieben; wenn sie aber auftreten, werden sie leicht gefährlich. Es wurden in neuerer Zeit verschiedene Beobachtungen mitgetheilt, welche beweisen, dass nach intratrachoaler Injection brandige Entzündung der Tracliealschleimhaut und selbst der Lungen entstehen '''P- 120-kann. Endlich muss die Nadel vorsichtig angewendet und Sorge dafür getragen werden, dass sie bei plötz­lichen Bewegungen des Thieres während der Injection nicht abbricht; daher empfiehlt sich eine stärkere Nadel. Sollte dies dennoch vorkommen, so würde man das abgebrochene Ende der Nadel schnell zu fassen, event, mit Hülfe eines Einschnittes in die Haut zu entfernen suchen.
Zur Ausführung der intratrachoalen Injection dient entweder die für thieriirztliche Zwecke vergrösserte Pravaz'sche Spritze, oder die von Dieckerhoff con-struirte, 10—20 g fassende, mit mehreren Hohlnadeln und einem Trokart (Fig. 125) versehene Spritze. Der Kopf des Pferdes wird in die Höhe gehoben und, wäh­
rend die linke Hand des Operateurs die äussere Haut an der vorderen Fläche der Luftröhre anspannt, mit
Traohealtrokart
(nach DicL'Uovhoff .
der rechten Hand die Nadel bezw. der Trokart zwischen zwei Luftröhrenringe eingestochen. Nachdem sodann das Stilet des Trokarts entfernt ist, setzt man die mit der zu injicirenden A.i'znei gefüllte Spritze an und entleert dieselbe durch einen langsamen und gleichmässigen Druck auf den Stempel. Bei Pferden können 5—30 g Flüssigkeit auf diese Weise applicirt werden.
Von Dieckerhoff wurden ferner intralaryngeale und intra-pharyngeale Injectionen empfohlen. Die Ausführung erfolgt in ähn­licher Weise, wie bei der iutratracbealen Application. Die etwas ge­bogene Hohlnadel (Fig. P26) wird zwischen dem Kingknorpel und dem ersten Trachealringe, also durch das Ligainentum oricotracheale ein­gestochen, die Spitze derselben nach oben gerichtet und durch diese die Flüssigkeit in den Larynx bezw. Pharynx gebracht. Dieckerhoff empfiehlt gegen chronische Laryngitis u. a. Bismuthum sulmitric., Lugol'sche Lösung und lüsst die Injection in Zwischenzeiten von einigen Tagen wiederholen.
4. Die parenchymatöse Injection besteht in der Einspritzung
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Injuction von Arzneimitteln in die Blutbahn, Unterbaut etc.
von Arzneien in das Parenohym der Organe, in Muskeln, Schilddrüsen, Lymphdrüsen, in pathologische Neubildungen u. s. w. Sie bezwecken das Arzneimittel mit dem erkrankten Gewebe in directe und un­mittelbare Berührung ZU bringen. In der Thicrheil-
Fig. 126,
kunde werden namentlich aktinomykotische Neubil­dungen, aber auch Tumoren, Kropf Ult; S.w. auf diesem Wege mit verschiedenem Erfolge behandelt.
Lösungen von Essigsäure, Milchsäure, Jodtinctur, Chlorzink, Carbolsäure, Papayotin und anderen Mitteln wurden intraparenehymatös applicirt. Wir haben bei weichen Neubildungen und beim Kropf vom Papayotin und Jod in dieser Application wiederholt guten Erfolg gesehen.
Die Ausführung geschieht in der Weise, dass man eine nicht zu schwache Hohlnadel in das Organ sticht; bei Tumoren sucht man die Mitte der Ge­schwulst zu erreichen, sodass die gewöhnliche Nadel hierzu zuweilen nicht ausreicht und eine längere er­forderlich wird. Sodann setzt man die Spritze an und sucht die Flüssigkeit — meist genügen wenige Tropfen — in das Gewebe einzuführen. Es empfiehlt sich, die Nadel allmählich zurückzuziehen, während man auf den Stempel der Spritze drückt und ihren Inhalt entleert. Zuweilen werden mehrere Einstiche nöthig. Die Wiederholung der Injection richtet sich nach dem Krankheitszustande und der auftretenden Reaction. In der Regel wartet man mit der folgenden Injection,
bis die sichtbaren Wirkungen der vorangegangenen
Spritze naob
D i a c llt; e r li o l f.
vorüber sind.
Bemerkt sei noch, dass die parenehymatose Ap­plication von Arzneien, wenn auch in anderer Form, in der Thier-heilkunde schon lange im Gebrauche war; es darf nur an die Ein­führung von scharfen Substanzen (Arsenik etc.) in Tumoren und in die sog. Stollbeule erinnert werden.
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VI. Die Impfung (Inoculatio).
Die Impfung, d. li. die absichtliche üebertragung iler ursftch-lichen Erreger ansteckender Krankheiten auf gesunde; Individuen, ge­schah ursprünglich, um einen milderen Verlauf der Krankheit oder schnelleren Ablauf der Seuche in der Herde zu erzielen. In neuerer Zeit wird die Impfung auch für die Zwecke der Diagnose, Imimmi-sirung und Heilung mehr und mehr in Anspruch genominen.
Wahrscheinlich gaben zuerst Rinderpest und Schafpocken zu Impfungen Anlass. Bei der Rinderpest sollen nach Semtner bereits \7-\i in England, bald darauf auch in Frankreich und Deutsch­land Impfversuche angestellt worden sein. Wenn man im vorigen Jahrhundert das Fell eines pockenkranken Schafes im Stalle aufhing, um auf diese Weise die Krankheit zu übertragen, so kam es dabei wohl nur darauf an, einen schnellen .Seuchenverlauf zu erzielen. Schon 176;3 soll nach den Angaben Försterquot;laquo; und SemmeFs Chalette die Impfung der Schafpocken zur Erzielung eines milderen Krank­heitsverlaufes empfohlen haben. 176.quot;) beschrieb Bourgelat diese Operation bereits genauer, sodass es keinem Zweifel unterliegt, dass die Pockenimpfung früher bei Thieren bekannt gewesen ist als beim Menschen. Wenn in Betracht gezogen wird, dass damals die Schaf­pocken enorme Verluste herbeiführten, — so soll 181'J in Frankreich allein eine Million Schafe an dieser Krankheit gefallen sein — so kann es nicht überraschen, dass man dem Gegenstande damals schon grosse Aufmerksamkeit schenkte. Heim Menschen lenkte der eng­lische Arzt E. Jenner 1798 die Aufmerksamkeit auf die Schntzkraft der Üebertragung von Kuhpockenlymphe auf den Menschen (Vac­cination), eine Entdeckung, die sich mit Windessohnelle über die ganze Knlturwelt verbreitete. Obgleich auch heute noch Gegner dieser Möiii'i- raquo;. Prlok, ungemeine Ohirurgle ftlr Thlorllrzte. s. Anflnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 36
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562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;D'0 Impfung.
Impfung existireii, so besteht darüber docli kein Zweifel, dii.ss die [mpfung der Kulipocke mil' den Mensehen einen gewissen Seluil/, gegen die Erkrankung an Mensobenpooken gewUbrt. Auch bei Scbafen land die Pockenimpfung bald allgemeine Anerkennung; es waren namentliob Pessina, Wald, Waldinger und Toegl, Sick u. A., welche sich mit der Frage eingehend besobilftigten, wamp;brend von anderen auch Versnobe mit der Vaccination bei Schafen angestellt wurden. Nachdem man später aber mehr und mehr zu der Ueberzcugung ge­langt war, dass die Impfung gerade das Mittel zur Erhaltung und Ver­breitung der Schafpocken sei, gab man die Impfung allinählieh wieder auf und suchte die Seuche durch gesetzliche Massnahmen zu tilgen, was auch gelang.
Auch bei der Lungenseucbe des Rindes wurde bereits in der ersten Hälfte unseres Jahrhunderts durch Kersting, Hausmann u. A. die Impfung versucht, doch fand dieselbe erst nach den Verölfent-licbungen des Dr. Willemlaquo; in Basselt 1861 grössere Anerkennung und Verbreitung. In neuerer Zeit hat man bei noch anderen In-fectionskrankbeiten (Aphtbenseuche , Milzbrand und llauschbrand, llühuercholera. Rothlauf der Schweine u. s. w.) Impfungen angewendet, um Immunität oder einen milderen Verlaut' der Krankheit oder einen abgekürzten Seuchen verlauf zu erzielen.
I3ei der Hundswuth, dem Rotz und anderen Krankheiten werden Impfungen für die Zwecke der Diagnose ausgeführt, heim Menschen aber auch zu Heilzwecken z. B. als prophylaktische Massnahme gegen Hydrophobie (Pasteur), Impfungen der Rotzkrankheit des Pferdes bezwecken Sicherung der Diagnose (Unterberger, E. Semmer, Trasbot u. A.), wobei namentlich Pferde, Esel, Kaninchen, Meer­schweinchen und Hunde gewählt werden. Neuerdings verwendet man das Malle'i'n zu dem Zwecke und überträgt dasselbe auf das ver­dächtige Thier selbst. Ebenso verfährt man bei der Tuberkulose mit dem Tuberculin.
Nach den Uinstiimlon. unter denen die Impfung vorgenommen wird, unterscheidet man :
1.nbsp; Nothimpfung. Als solche werden Impfungen bezeichnet, die erst ausgeführt werden, nachdem die Seuche bereits in der Herde ausgebrochen ist. Die Notlunipfung bezweckt, bei den noch nicht inficirten Thieren einen milderen Krankheitsverlauf herbeizuführen, oder den Verlauf der Seuche in der Herde abzukürzen,
2.nbsp; Die P r ii v o n t i v -, P r ii c au t i o n s - oder V o r b a u u n g s i m p l'u n g besteht in der Impfung einer Horde, die noch nicht erkrankt, aber durch Auftreten der Seuche in der Nachbarschaft bedroht ist; sie soll in der Regel einen milderen Krankheitsverlauf herbeiführen.
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Die
I tnptang
i68
3. Schutzimpfungen finden bei Seuchen Anwendang, welche Inder betreft'onden Gegend häufig wiederkehren oder so regelmässig auftreten, dass eine Erkrankung dor Thiere befürchtet werden muss. Auch durch sie will man Iminunitill oder einen milderen Verlauf der Krankheit erzielen.
Das zur Impfung angewendete Material (Impfstoff) bestellt in der Regel aus Flüssigkeiten (Lymphe), welche den erkrankten Organen (Pookenpustel, Lunge u. s. w.) entnommen wird. Neuer­dings findet jedoch auch Blut Anwendung, das bei gewissen Krankheiten (Bauschbrand) besonderen Präparationsmethoden unterworfen wird; oder man impft bestimmte, ans künstlichen Cullureii der Bakterien gewonnene Substanzen (Tuberculin, Malie'in). Auch Blut­serum und Galle von Tliioren, welche die Seuche über- Pig. 127. standen haben, wird neuerdings zu Impfungen verwendet.
Es würde zu weit führen, auf diese Fragen hier näher einzugehen; ebensowenig kann es als eine Aufgabe der Operationslehre betrachtet werden, die IVäparations-methoden der Impfstoffe genauer zu beschreiben. Während diese Fragen in der Pathologie besprochen werden, sollen hier nur die Methoden der Uebertragung der Impfstoffe, also das Impfverfahren berücksichtigt worden.
Als ehemals aussohliesslich eine unmittelbare Ueber­tragung des Ansteokungsstoffes von Thier auf Thier statt­fand, wurden nur geringe Mengen benutzt, die man unter die Epidermis, in das Rcte Malpighii brachte, damit sie von hier aus resorbirt würden. Auch die in kleinen (Has-röhren (Haarröhrchen) aufbewahrte Pockenlymphe kam in so geringen Mengen zur Venverthung, dass diese Methode benutzt werden konnte. Das Fehlen von Blutgefässen in diesem Gewebe, also auch der Blutung beim Impfen, sichert hierbei die Uebertragung des Impfstoffes. Man be­nutzte dazu ursprünglich Nadeln mit lancettförmiger Spitze impftiadel (Fig. 127), welche mit einer runden oder rinnenförmigen Fessina. Aushöhlung versehen waren, um die Lymphe aufzunehmen. Die Impfnadel wird durch die Oberhaut bis ins Bete Malpighii ge­stochen, und indem man mit der Nadel eine Wendung macht, tliesst die Impfflüssigkeit in die kleine Hautwunde.
Auf diese Weise wird auch heute noch die Impfung der Schaf* pocken am Ohr der Thiere vorgenommen. Beim Menschen ist man neuerdings zu längeren, mit einer Lancettc hergestellten Schnitten übergegangen, von denen mehrere durch die Epidermis bis in das
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Die Impfungi
Bete Malpigbii gelegt worden; die Lymphe liisst man sodann an der betreffenden Stelle einreiben.
Schon bei der Lungenaeuche zeigte sich die mit einer Nadel ver-impfbare Menge von Lymphe nicht ausreichend, und man construirte daher für die [mpfung derselben besondere Instrumente. Zu den älteren derselben gehört eine vom Departementsthieraiv.t Sticker an­gegebene Spritze (Pig, 128); dieselbe besteht aus einer etwas ge-kriuninten Hohlnadel ia). einem kleinen Gunnnibalhni, der in einer Eolzkapsel liegt (i), und einem Hebel (/). Durch einen Druck auf letz­teren konnte die Spritze gefüllt und auch entleert werden. Beim
Fig. 128.
iTia;, 129,
[mpfinstrnmenl mich Sticker.
Impfinstnimont iiacli Oemler,
Impfen wurde die Nadel durch die änssere Haut bis in die Subcutis gestochen und durch Druck auf den Hebel entleert. Schon die Schwierig­keiten, welche mit der Reinigung des Gummiballons verbunden waren, machten das Instrument unzweckmässig. Oemler construirte deshalb eine verbesserte Impfspritze (Fig. 129), die sich mit einer Hand leicht in Thätigkeit setzen lässt, indem der Daumen den mit dem Stempel der Spritze in Verbindung stehenden Griff (a) bewegt, während der Zeigefinger auf einer hakenförmigen Verlängerung der Hülse (/;) einen Stützpunkt findet.
Aber auch dieses Instrument hat man neuerdings wieder ver­worfen und an Stelle desselben eine einfache Spritze, wie sie zur sub-CUtaneu Application von Arzneien Verwendung findet (Fig. 124), be-
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Die Impfung.
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nutzt. Sie gewährt den Vortheil, duss mau sie leichter rein zu er­halten im Stande ist, worauf solbstvcrstiindlicli besonderes Gewicht gelegt werden tnuss. Audi verdient die Spritze wegen ihrer feineren Nadel den Vorzug, welche einen aseptischen Wundverlauf an der [mpfstelle sichert.
Die Forschungen der Neuzeit haben mehr und mehr gezeigt. dass es bei jeder [tnpfung besonders darauf ankommt, möglichst reines Material zu benutzen; Verunreinigungen desselben oder ander­weitige Infectionen an der [mpfstelle stören nicht nur den Erfolg der Impfung, sondern bedrohen nicht selten die Gesundheit und das Leben des Impfthieres. Aus diesem Grunde müssen die in Anwendung kommenden Instrumente soweit möglieh im sterilisirten Zustande benutzt werden; ebenso wird die Impfstelle nach den Kegeln der Anti­sepsis behandelt, und die kleine Hautwunde entweder durch einen Occlusivverband oder mit Collodium, Jodofortncollodium u. s, w. ge­schlossen.
im übrigen verführt man wie bei der subeutanen Application von Arzneien. Ohne Zweifel verdient diese Methode, soweit sie über­haupt anwendbar ist, vor allen anderen da den Vorzug, wo nicht etwa Theile eines Tropfens zur Impfung ausreichen, und das ist mit Ausnahme der Pockenimpfung bei keiner der Übrigen Krankheiten der Fall.
Die Impfung der Lungenseuche wird auch heute wohl noch in der Weise ausgeführt, dass man ein mit der Lymphe getränktes wollenes Band von 3—5 cm Länge nach Art eines Saarseiles in die Subcutis legt und liier 8—14 Tage liegen lässt. Es versteht sich von selbst, dass auf diese Weise das Verfahren weniger gesichert ist und leicht zu bedenklichen Kolgen führen kann. Ebensowenig empfiehlt sich eine früher wohl benutzte! Methode, welche darin bestand, dass man, ähnlich Avie beim Fontanell, die Lymphe in eine Hautwunde brachte, nachdem die Blutung in derselben gestillt war.
Bei der Maul- und Klauenseuche wird noch ein einfacheres luipf-verfahren eingeschlagen; nämlich es wird ein mit dem Speichel eines erkrankten Thieres getränktes, wollenes Tuch in das Maul des zu impfenden Thieres eingeführt und mit demselben die Maulschleimhaut kräftig gerieben. Aehnlich verfuhr man früher auch bei der Hinderpest.
Thiernesse und Degive empfahlen den Impfstoff direct in die Blutbnhn zu bringen. Zu dem Zwecke wird wie bei der intravenösen Application der Arzneien vorgegangen. Die Methode hat bisher keine alicemeine Aufnahme befunden.
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866nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;I)it' [mpfting,
Bei der neuerdings in Anwendung gekommenen „Sit um fcherapie1' (Behring) werden gewisse Hiihstiiiizeu, namentlich Serum, das aus dem Blute von Thieren gewonnen ist, welche die Kraiilvheit; (/. B. Tetanus) überstanden haben, in grösseren Mengen in die Suboutis m-jicirt. Mau verwendet dazu entweder die oben beschriebenen, nach dem Modell der Prava/.'sehen Spritze gebauten Spritzen, oder eine oder mehrere Hohlnadeln, die mit einem Gummischlauth und Glas­trichter versehen sind. Nachdem die Nadeln an Stellen, wo sich reichliche Mengen Subcutis befinden, z. B. am Halse oder an der Brust eingestochen sind, bringt man die Flüssigkeit durch Druck auf den Spritzenstempel, bezw, durch Hochhalten des Trichters in die Unter­haut und sucht durch Streichen der Haut die Vertheilung und l!e-sorption der eingespritzten Flüssigkeit zu fördern. Auf diese Weise können grössere Mengen Flüssigkeit (beim Pferd 150,0 und mehr) dem ()ngt;'anismus einverleibt werden.
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VIL Fontanell und Haarseil.
Als Fontanoll (Foiiticiilus) bezeichnet mau eine durch die Gegenwart eines Fremdkörpers Icünstlicli unterhaltene Eiterung; wird hierzu ein kürzeres oder längeres Band benutzt, so spricht man von einem Haarseil (Setaceum1), weil ehemals mit Vorliebe Heliweif-liaare des Pferdes dazu benutzt wurden, in der Iminoriilpatliologischen Schule wendete mau beide ursprünglich in der Absicht an, durch die Eiterung auf die Säfte und namentlich das Blut reinigend zu wirken; später glaubte man Kutzünduugsjirocessc oder die sie begleitende Blut-tulle mit Hülfe von Fontanellen und Haarseilen ahleiten, d. h. aus tiefer gelegenen Theileu in die iiusscre Haut übertragen zu können. Nachdem auch diese Wirkung nach späteren Forschungen zweifelhaft geworden ist, finden Fontanelle nur noch selten Anwendung. Haar­seile dagegen werden noch vielfach benutzt, um Ent/.iuulungsproducten, namentlich dem Eiter aus Abscessen und in der Tiefe ablaufenden Entzündungsherden besseren Abfluss zu verschaffen; das Haarseil ver­tritt hier also die Stelle des Drains. Auch gelangt das Haarseil zu­weilen noch bei chronischen Entzündungen und namentlich bei den durch solche bedingten Lahmheiten zur Anwendung. Der Nutzen derselben bleibt jedoch auch hier zweifelhaft; nach unserer Ueber-zeugung kommt es hierbei vornehmlich auf die längere Ruhe an, welche der Besitzer dem Thierc zu geben sich leicht entscbliesst, wenn ein Haarseil gelegt wurde: wo Zeit und Ruhe für die Heilung erforderlich sind, du ,wirkenquot; Haarseile am besten.
Man könnte zwar versucht werden, die lunnoralpathologische Anschauung über die Wirkung dieser Ableitimgsmittel den neueren
') Seta
das dioko Haar, die Horste.
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'(OSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fuiitiuii'll und lliiiirseil.
Ansichten über iicute Inl'ectionszustiiiulo anzupassen und anzunehmen, (lass mit dem lamstlicli erzeugten Eitor die Infectionsstoffe aus dem Blute entfernt würden. Allein wenn berücksichtigt wird, diiss die in den weisseil Blutkörperchen enthaltenen Bakterien in der Regel bereits abgestorben sind, so kann von der Heilwirkung der Eiterung auch hierbei nicht viel erwartet werden. Bei acuteu [nt'ectioiiskrunklieiteii gehen zuweilen von der Stelle, wo das Jlaarseil oder Fontanell ge­legt wurde, schwere mit Nekrose verbundene Entzündungen aus; da­her ist hier Vorsicht geboten. Endlich kommt in Betracht, daas sich das Haarseil und auch das Fontanell in der thi er ärztlichen Praxis so eingebürgert haben, und ihre Anwendung vom Laien oft direct ver­langt wird, sodass sich der Tbierarzt unter Umständen indirect ge­zwungen fühlt, zu diesen Mitteln zu greifen.
Zur Herstellung eines Fontanells benutzt man in der Hegel ein rundes Stück Filz oder dickes Tuch von der Grosse eines silbernen Füufmarkstückes, welches in der Mitte ein etwa 1,5 cm weites Loch besitzt. Früher verwendete man häufig Leder, und sprach daher von „Ledersteckenquot;. Auch wurde namentlich bei Schweinen die Wurzel der grünen Niesswurz benutzt (Niesswurzstecken).
Las Fontanell wird am stehenden Thicre in folgender Weise applicirt: Nachdem an der betreffenden Stolle unter Bildung einer Hautfalte mit dem Messer ein senkrechter Hautschnitt von 55 — 4 cm Länge hergestellt ist, wird mit dem Zeige- oder Mittelfinger die äussere Haut oberhalb des Schnittes von ihrer Unterlage soweit: abgetrennt, dass das Filzstück unter derselben ausgehreitet worden kann. Letzteres tränkt man vor der Anwendung mit Terpentinöl, schiebt es zusammengefaltet unter die abgetrennte äussere Haut und breitet es hier aus. Die Anwendung des Terpentinöls geschah ur­sprünglich, um die Reizwirkung des Fontanells zu erhöhen; wichtiger erscheint jedoch die desinficirende Wirkung, welche bei Anwendung unreiner Filzstücke ganz besonders vortheilhaft werden kann.
Dieterichs schlug vor, die Abtrennung der Haut unterhalb des Hautschnittes zu bewirken, um das Herausfallen des Fontanells zu verhindern. Da dieses jedoch kaum zu besorgen ist, sobald der Hautscbnitt nicht grosser als oben angegeben gemacht wird, der Eiter bei dein Dieterichs'schen Verfahren jedoch stagnirt und leicht zu Versenkungen führt, so kann das Verfahren nicht empfohlen werden. Dasselbe gilt von dem Lospräpariren der Haut rund um die Haut­wunde. Die von Sewell construirte Fontancllscbere ist entbehr­lich und wird heute kaum noch benutzt.
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lliuirsiiihimli'ln.
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Das Fontanell wurde l'rülicr mit Vorliebe bei entzündlichen Kr-krankungen dor Lungen vor der Brust oder unter derselben am Sobaufelknorpel des Brustbeins applioirt. Die letztere Stelle ist bei Reitpferden zu vermeiden, weil durch den Druck des Sattelgurtes auf die zurückbleibende Narbe Schmerzen erzeugt werden, die das Tbier beunruhigen und die Vrer-vrendung desselben zum Reitdienst wenigstens einige Zeit stören können. Auch ist es vorgekommen, dass die
Pig. 130.
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lliiarseiliiadelu. n c-infiiclio, h mit Knopf, c, •/ zweitheilige, t englische.
Bauchdecke liier perforirt, ja selbst der Blinddarm beim Legen des Fontanells verletzt, wurde.
Das Haar seil wurde ursprünglich aus Schweifhaaren des Pferdes, später aus 1—2 cm breiten Tuclistreifen oder einem ebenso breiten, leinenen oder baumwollenen Band hergestellt, welche man wie das Fontanell mit Terpentinöl ZU tränken pflegt. Mit Hülfe be­sonderer, aus Stahl gefertigter Instrumente (Haarseilnadeln) werden diese Gegenstände in einer Ausdehnung von 5—20 cm unter die äussere
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Kuutiincll mill Ilaarsinl.
Haut hindurchgefUhrt. Mau unterscheidet durchgeheude (Fig. 130a bis (/) mul nicht durchgehende oder feststehende Haarseilnadeln (Fig. I80e), Mit Hülfe der ersteren, weiche mit einem Oehr verseilen sind, wird das Haarseil auf eine Strecke von 5—20 era unter die äussere Haut bozw. unter den Eautmuskel hindurebgeführt, Die feststehenden Haarseilnadeln tragen das Oehr zuweilen an ihrem spitzen
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Ende und sind mit einem Handgriff versehen; diese führt man eine Strecke unter die äussere Haut hindurch, legt so­dann das Haarseil in das Oehr und zieht darauf die Nadel zurück. Zu den durchgehenden Haarseilnadeln gehören die deutsche, tranzösische und dänische. Die deutsche (Fig. 130d) besitzt eine stumpfe Spitze, die französische eine scharfe, während die dänische (Fig. I30i) eine geknöpfte Spitze trägt. Um sie in der Verbandtasche transportiren zu können, sind die für grössere Thiere bestimmten llaarseilnadeln zum Auseinanderschrauben eingerichtet. In England ist eine feststehende Haarseilnadel in Gebrauch, deren Spitze bald abgestumpft, bald scharf ist. Auch verwendete man hier früher eine Haarseilnadel, die aus zwei der Länge nach be­weglich mit einander verbundeneu Stahlblilttern besteht, so-dass entweder das stumpfe Ende des einen, oder die scharfe Spitze des anderen Blattes vorgeschoben werden kann (Fig. 130e). An Stelle des Oehrs ist das hintere Ende der Haarseilnadel auch wohl gespalten, um das Band hier-selbst mit Hülfe eines platten Junges befestigen zu können. Zur Anlegung von Haarseilen an bestimmten Stellen, z. B. durch den Huf, hat Sewell eine besondere Nadel con-struirt (Fig. 131).
Die Application des Haarseils erfolgt mit der deutschen Haarseilnadel wie folgt: Das mit einer Trense versehene Pferd wird auf einen freien Platz geführt und gebremst. Nachdem man sich über die Lage und Aus­dehnung des Haarseils klar geworden, wobei zu be­achten ist, dass man demselben womöglich eine senkrechte Lage giebt. wird an der unteren Grenze der betreffenden Stelle in senk­rechter Richtung ein 2—3 cm langer 11 autschuitt gemacht. Hierzu empfiehlt sich die Bildung einer Hautfalte, damit der Schnitt nicht zu gross ausfällt; dann schiebt mau die mit dem Bande versehene Haarseilnadel von dieser Schnittwunde aus unter die äussere Haut fort bis zu der Stelle, wo das Haarseil endigen soll, durchsticht liier
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Anlegen ilos llaui'si
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die Haut mit lt;len:i Messer und zieht nun die Nadel mit dem Band liindurcli. Da man namentlich bei unruhigen Pferden nie sicher ist, genau die beabsichtigte Austrittsstelle zn treffen, so empfiehlt sich, den zweiten Hautschnitt erst zu machen, wenn die Haarseilnadel be­reits an der Stelle angekommen ist. Sollte wider Erwarten die Haar­seilnadel eine falsche Richtung eingeschlagen haben, so schadet das in der Regel nicht; man zieht alsdann die Nadel zurück und sucht dii-selbe in der erwiinseiitcn Richtung durchzuschieben. Würde man aber bei der Application des Haarseils von oben nach unten vorgehen, so könnten auf diese Weise leicht Eiterversenkungen zu Stande kommen. Deshalb und weil die Ausführung der Operation von unten nach oben im allgemeinen bequemer ist, geht, man stets in der beschriebenen Wi'ise vor.
Eine Modification besteht, noch darin, dass das Haarseil nicht durch die Subcutis, sondern durch das unter dem Hautmuskel befind­liche Bindegewebe gelegt wird. Bei Pferden mit dünner Haut ver­dient letzteres sogar den Vorzug, weil auf diese Weise weniger auf­fällige Narben entstehen, und Eiterungen mit Abscessbiidung in der Cutis vermieden werden.
Bei Anwendung einer Maarseilnadel mit scharfer Spitze wird der Hautschnitt entbehrlich, indem sowohl Einstich wie Ausstich mit der Nadel selbst ausgeführt werden, Man muss sich jedoch hüten, dass die Nadel nicht zu tief geht oder die äussere Haut an einer falschen Stelle perforirfc. Das wird allerdings durch die doppelte Haarseilnadel verhindert, indem man nach dem Einstich das stumpfe Ende der Nadel vorschiebt, das Instrument unter der Haut bis zur Durchstichstelle vorführt und unter Vorschieben der scharfen Spitze die äussere Haut zum zweiten Male perforirt. Diese Bequemlichkeit wird jedoch durch die Schwierigkeit beim Reinigen des Instrumentes doppelt aufgewogen, so dass man heute, wo Haarseile nicht mehr so häufig angelegt werden wie früher, dieses Instrument kaum noch benutzt.
Bei Hindern und Hunden, deren Haut leicht beweglich ist, lassen sich Haarseile einfach in der Weise appliciivn. dass man an der betreffenden Stelle eine Hautfalte bildet, deren Höhe die halbe Länge des Haarseüs beträgt. Am Grunde dieser Falte wird eine scharfe Haarseilnadel quer durch die Hautfalte gestochen und ein Band hindurchgezogen. Die hierzu dienenden Haarseilnadeln können daher kürzer sein als die, welche bei grossen Thieren Anwendung finden (Fig. VWa und //).
Um ZU verhindern, dass das Haarseil von dem Thiere heraus-
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Funtiiiioll lind Haarseil.
gezogen wird, liisst man Pferde kurz angebunden oder mit Spann­stock (S, 485) versehen stellen. Das Eerausfallen des Haarseils wird durch ein Paar, an den Enden des Haarseils angebrachte Knebel ver­hindert. Letztere .sind dem Zusammenbinden der Enden dos Haarseils entschieden vorzuziehen, da das Haarseil durch Gesohirrfcheile oder sonstige Gegenstände, die in die Schleife gelangen, leicht heraus­gerissen werden kann.
Haarseile und Fontanelle bleiben in der Regel 8—10 Tage liegen; ein längeres Liegenlassen hat im allgemeinen nur den Nachtheil, dass die Narbenbildung auffälliger wird. Während dieser Zeit muss sowohl das Fontanell, wie auch das Haarseil täglich l—2mal von dem Eiter gereinigt werden; um dies vollständiger bewirken zu können, zieht man täglich das Haarseil hin und her. Deshalb soll das 11 aarseil bei Anwendung von Knebeln wenigstens um die Hälfte des unter der Haut gelegenen Abschnittes ans der äussern Haut hervorragen.
Das Fontanell wird in der Weise entfernt, dass man mit dem Zeigefinger in die Wunde eingeht, das Loch des Filzes zu fassen sucht und mit demselben das Filzstück hervorzieht. Das Haarseil wird durchschnitten, oder ein Knebel entfernt und das Band nach unten herausgezogen. Nach Entfernung des Haarseils oder Fontanells lässt man die Wunde noch einige Tage reinigen und den Eiter durch Drücken und Streichen aus derselben entfernen, lieber die Application von Haarseilen und Fontanellen an den einzelnen Körperstellen ist bei Besprechung der betreifenden Krankheitszustände in der Speciellon Chirurffie das Nähere mitgetheilt.
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VIII. Die Anwendung des Grlülieisens. Das Brennen.
Seit den ältesten Zeiten gehört die Glühhitze in der Thierarznei-kunde zu den geschützten und häufig angewendeten Eeilmittelu. Wird auch von der Anwendung des Glüheisens nicht mehr in dem umfange wie frQher Gebrauch gemacht, so gehört doch das Brennen in der Tliier-heilkunde auch heute noch y.u den vielbenutzten Heilmethoden, Dass man beim Menschen nicht in dem Umfange wie bei Tineren von der Glühhitze Gebrauch macht, liegt in der Natur der Sache; theils Furcht, tlieils Schmerz bilden hier ein Hinderniss, doch greift man auch in der Menschenheilkunde neuerdings wieder mehr zu diesem Mittel.
Die Glühhitze wird gegenwärtig fast nur in Form des lieissen Eisens oder als Thermocauter bezw. Gal vanocauter in Anwen­dung gebracht. Die früher benutzten Moxen. d. b. Cylinder ans Werg oder Watte, die mit einer brennbaren Flüssigkeit getränkt auf den kranken Theil gelegt und angezündet wurden, sind nicht mehr im Ge­brauch. Abgesehen von der mit ihrer Anwendung verbundenen Feuers­gefahr, lässt sich hierbei die Wirkung der Hitze weder in Bezug auf Intensität, noch auch auf Extensität so genau bemessen, wie es wün-schenswerth und oft nothwendig ist. Das Gleiche gilt vom lieissen Wasser, welches früher ebenfalls als ein Entzündung erregendes Mittel verwendet wurde. Gegenwärtig lässt man die Glühhitze eines erwärmten Metalles einströmen und wählt dazu in der Hegel Eisen, Kupfer oder Platin. Das erstere gewährt neben seiner Billigkeit noch den Vorzug. dass man die Temperaturgrade an demselben besser abschätzen kann als am Kupfer. Im übrigen bleibt es für die Wirkung des Brennens gleichgültig, von welchem Körper die Hitze ausströmt; ein hart ge­kochtes, in der Mitte durchschnittenes Hühnerei auf die ilussere Haut gelegt, wirkt nicht anders, wie ein ebenso hoch temperirtes Glüheisen:
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M
Die Auwendunfl das (iliilioisens.
und doch glaubt man nicht selten, dass dem Ei hierbei eine besondere Wirkung beizumessen sei.
Obgleioh gCauteriutu'1 oigsntüob das Brenndisen bedeutet, so hat man doch ein Cauterium actnale und potentials unterschieden. Unter ersterem versteht man das Q-lttheisen, den Thermo- und Qalvanocautei' und alle übrigen durch ihre Hitze wirkenden Mittel, während als Cauterium Potentiale .Mittel bezeichnet werden, deren zerstörende oder eutzündung-erregende Wirkung auf ohemisohem Wege zu Stande kommt (Aotzmittel).
Die Anwendung des Cauterium actualekann zu verschiedenen Zwecken erfolgen; dasselbe soll entweder: 1. zerstörend oder 2. blut­stillend oder 3, entzündungerregend bezw. die Resorption be­fördernd wirken.
Am einfachsten erklärt sieh die erstere Wirkung. Ueppige Granu­lationen, krankhafte Neubildungen (Tumoren). Ansteekungsstoil'e u. s. w. lassen sieh mit Hülfe der Glühhitze leicht und sicher zerstören, so­bald man solche mit derselben erreichen kann. Es kommt jedoch darauf an, dass andere Theile durch die Hitze nicht geschädigt werden. Aus diesem Grunde muss die Application hier möglichst schnell erfolgen, das Glüheisen nur kurze Zeit mit dem Körper des Thieres in Be­rührung bleiben. Es leuchtet ferner ein, dass man hierbei hohe Temperaturen, ein weissglüliendes Eisen, das etwa 1200quot; C. entspricht, wühlt, welches noch deshalb den Vorzug verdient, dass der von ihm erzeugte Brandschorf' nicht leicht an dem Eisen kleben bleibt, dass die Heilung erleichtert und neue Infectionen verhindert werden. Eine infloirte Wunde kann auf diese Weise, namentlich wenn sie so ober­flächlich liegt, dass das Glüheisen mit allen Theiieu derselben in Be­rührung gelangt, leicht und zuverlässig desinflcirt werden; allerdings wird die Heilung per prim. int. hierdurch in der Hegel ausgeschlossen. Auch Warzen und andere Geschwülste von nicht zu grossem Umfange lassen sich mit dein Glüheisen oder dem Thermo- bezw. (xalvauocauter bequem beseitigen.
Während für den genannten Zweck also Weissgluth den Vorzug verdient, wählt man zur Erzielung der blutstillenden Wirkung Rotbglüh hitze des Brenneisens. Bei hellkirschrother Farbe besitzt Eisen eine Temperatur von circa 800deg; C. Weissglühhitze ist hier nicht zu empfehlen, weil der unter hoher Temperatur entstandene Brandschorf keine Festigkeit besitzt, da die organischen Gewebe in demselben vollständig verkohlt sind; solcher Schorf kann daher auch dem andringenden Blute nicht hinreichenden Widerstand leisten, sodass er bald abgestossen wird, und die Blutung wiederkehrt. Bei der Roth-
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Das Uromiou.
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gltihhitze tritt das nicht so leicht eini trotzdem kommt die Brand-sohorfbildung verhältniasmässig solinell zu Stande, sodass die Appli­cation des Brenneisens nicht längere Zeit in Anspruch nimmt, dem Thiere also Schmerzen erspart bleiben, und erhebliche Verbrennungen in der Umgebung des blutenden Gelasses vermieden werden.
Anders liegen die Verhältnisse bei Anwendung des Bronnens für den zuletzt genannten Zweck, zur Anregung entzündlicher Processe. Hier soll möglichst wenig zei'stört, aber eine acute, in die Tiefe dringende Entzündung erzeugt werden. Wie die tägliche Erfahrung lehrt, wirkt eine acute Entzündung in der iiusseren Haut (unter Umständen auch der unter ihr gelegenen Theile) auf den Ablauf chronischer Erkran­kungen, namentlich entzündlicher Processe in den tiefer gelegenen Geweben vortheilhaft ein. Zur Erklärung dieser Wirkung hat man Theorien und llvpotiiesen herangezogen, die zu besprechen nicht hier der Ort ist; man vergleiche darüber S. 2(i.quot;i und die ableitende Behand­lung in der allgemeinen Therapie bezw, Arzneimittellehre, Die Mehr­zahl der Anschauungen über die Wirkung der ableitenden Methode erweist sich strenger Prüfung gegenüber nicht stichhaltig, dennoch kann man denen nicht zustimmen, welche behaupten, dass die An­wendung des Brennens für solche Zwecke nutzlos sei. Welche aus­gezeichnete Wirkung das Glüheisen bei Entzündungen der Sehnen, Bänder, Gelenke u. s. w. zu entfalten im Stande ist, davon kann sich jeder Praktiker täglich überzeugen, laue und zwar rein physikalische Wirkung des Brennens lässt sich jedoch nicht in Abrede stellen und übt wahrscheinlich einen grösseren Einfluss aus, als man anzunehmen geneigt ist, nämlich die entzündliche Anschwellung, welche mit dein Brennen erzielt wird, und der hiermit verbundene Druck auf die lei­denden Organe. Nach den Versuchen Bonnet's übi die gebrannte Hautstelle auf ihre Unterlage einen bedeutenden Druck aus. Durch kein anderes Verfahren lässt sich ein so anhaltender, gleichmässig wirkender Druck erzielen, wie mit dieser Methode. Man denke sich z. B. eine Distorsion irgend eines dicht unter der Haut liegenden Gelenkes; nehmen wir an, es handle sich um das Fesselgelenk. Nach­dem die acut entzündlichen Erscheinungen (Hitze, Schmerz u. s, w.) nachgelassen haben, bestehen in den Gelenkbändern, den Kapsel-und Seitenbändern entzündliche Vorgänge fort, Diese zu beseitigen und die Exsudate zur Resorption zu bringen, bildet nunmehr die wichtigste Aufgabe der Therapie. Jeder Thierarzt greift in solchem Falle zur scharfen Einreibung oder zum Brenneisen und mit Hecht. Die hierdurch erzeugte Bntzünduna der äusseren Haut ist mit einer
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Die Anwendung dos (iliiheiseiis.
starken und niihalti'iideii Schwellung derselben verbunden, wodurch ein gleiclun'assig von allen Seiten wirkender Druck auf das cnt-/.ündlich erkrankte Gelenk ausgeübt wird. Nicht allein die in die (Jeleiikhülile ergossenen Exsudate, sondern auch entzündliche Schwel­lungen in den Uelenkbäiidern werden auf diese Weise zur Resorption gebracht.
Vor den soliarfen Einreibungen hat das (llülieisen noch den Vor­zug, dass es tiefer wirkt, namentlich wenn es zweckmässig angewendet wurde; dann aber wird durch die Retraction des sich bildenden Narben­gewebes gleichsam eine Nachwirkung erzielt, indem auch hierdurch ein gleielnniissiger, anhaltender und intensiver Druck auf die erkrankten Theile ausgeübt wird.
Dazu kommt, dass unter der entzündlichen Schwellung der äus-seren Haut das Gelenk eine Immobilisation erfährt, und der Besitzer veranlasst wird, dem Thiere auf längere Zeit Ruhe zu geben. Diese Umstände genügen unseres Erachtens vollständig, um die günstige Wirkung des Brennens in solchen Fällen zu ei klären. Damit soll jedoch nicht behauptet werden, dass nicht auch noch weitergehende Wirkungen hierbei zu Stande kommen.
Bei diesem Heilzwecke kommt es also darauf an, eine recht i n-tensive und in die Tiefe greifende Entzündung anzuregen, auf der anderen Seite aber möglichst wenig zerstörende Wirkung mit dem Brennen herbeizuführen. Während die entzündungerregende Wirkung vornehmlich von der Dauer der Einwirkung der Hitze abhängt, wird die zerstörende Wirkung hauptsächlich von dem Grad der angewendeten Hitze abhängig. Daraus folgt, dass man hier möglichst niedrige Temperaturen in Anwendung bringen muss. Zur Erzeugung einer Entzündung genügen schon Temperaturen von etwa 70—100deg; 0. Eisen aber beginnt erst bei 500deg; C. zu glühen, und daraus ergiebt sich, class man für diesen Zweck mit einem noch nicht glühenden Eisen, oder mittelbar z. B. durch die Luft (Distancefeuer) oder durch einen anderen Gegenstand die Hitze in den Theil einströmen hissen soll. Noch aus einem anderen Grunde erscheint dieses geboten. Durch das glühende Eisen wird die Oberfläche der äusseren Haut, so­weit sie mit demselben in Berührung kommt, zerstört und verschorft. Dieser Schorf aber bildet einen sehr schlechten Wärmeleiter, welcher das Eindringen der Hitze in die Tiefe verhindert, also der beabsichtigten Wirkung des Brennens im Wege ist. Je weniger man also die Ober­fläche der Haut zerstört, um so besser die Wirkung des Brennens, um so geringer werden auch die das Aussehen des Thieres schädigenden
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Das Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 577
Nfirben. Allerdings bleibt zu beachten, dass bis zu einem gewissen Grade die Narbenbildung nützlich werden kann. Will man daher eine recht intensive Wirkung vom Brennen erzielen und braucht man auf das Zurückbleiben haarloser Narben keine Uücksieht zu nehmen, so brennt man zunächst mit niedrig teinperirtem Eisen und lässt, zum Schluss ein Eisen in der Rothglübhitze oder kräftiges Distancefeuer folgen.
In früherer Zeit wurde das Glüheisen auch wohl zum Oeifnen von Abscessen angewendet, weil man sich vor dem Gebrauch des Messers fürchtete; allerdings hatte diese Methode einen Vorzug, näm­lich schwere Infectionen zu verhüten. Da jedoch wirksamere Mittel für diesen Zweck zu Gebote stellen (Antisepsis), so findet das Brenn­eisen hierzu nur noch ausnahmsweise Anwendung.
Es ist bisher nur vom Brenneisen die Rede gewesen, weil dieses auch heute noch für die verschiedenen der besprochenen Heilmethoden als das beste betrachtet werden muss. Die früher empfohlenen kupfernen Brennkolben eignen sich viel weniger, weil man an ihnen die Tem­peraturen weniger genau bestimmen kann. Das Eisen hat nur den Nachtheil, dass es in der Hitze schnell oxydirt und in Folge dessen an der Oberfläche bald rauh wird. Diesem Uebelstande lässt sich je­doch dadurch leicht begegnen, dass man vor der Application mit einer Feile über den Brennkolben streicht, oder diesen einige Male im Erd­boden hin und her bewegt. Ueber die Anwendung des Thermocauter vergl. S. 584,
Zum Erhitzen der Brenneisen eignet sich am meisten ein Schniiede-feuer, doch kann hierzu auch ein gewöhnliches Holzkohlenfeuer be­nutzt werden. Lanzi llotti-Buonsan ti hat hierzu eine von i'a-quelin construirte Lampe (Aeolipile) empfohlen, die auch uns gute Dienste erwies. Dieselbe (auch Patent „Plammenstrahlapparat* genannt) erzeugt in wenigen Minuten eine russfreie Flamme von 10000 0, und zwar durch Verbrennung von Benzin; in einem Blech­kasten von 19 17 X 14 cm Umfang verpackt, lässt sich der Apparat leicht transportiren.
Man unterschoidot am Brenneisen a) den Brennkolben, b) den Stiel, welche beide von Eisen sind, und c) den hölzernen Griff,
Nach der Form der Brennkolben trennt man;
1. Mosserförmige oder beilförmige Brenneisen (Fig. 132/raquo;, c), Sie besitzen eine 6—15 cm lange, 3--5 mm breite Kante, die bald gerade, bald mehr oder weniger convex ist; der Kücken soll 1—1,5 breit sein, damit der Kolben länger warm bleibt. Mit diesen Brennkolben werden Striche ge­brannt, Neubildungen abgeschnitten, auch andere Gewebe (Samenstrang) durch­gebrannt; endlich eignen sich dieselben zur Anweadung von Distancefeuer. Möllcv U. Friok, AllKonieim1 Chirurgie für Thierürzto. 2. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; #9632;!?
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Die AiuvciuluMir des (iliihoiscns.
2,nbsp; nbsp;Kugel- oder kn op t'föi-in ige Brenneisen, Der mehr oder weniger kugol- oder eiförmig, 3—5 cm dicke Brennkolben steht in der Regel mit einem im rechten oder .stumpfen Winkel aeboaenen Stiel in Verbindung (Fig. Ki2,/, ,1,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n 0
3,nbsp; nbsp;Birnenförmige und spitze Brenneisen. Beide laufen in eine Spitze aus, weiche bei ersteren mehr abgestumpft, bei letzteren schärfer ist
hnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l
Brenneisou; n flache, b und e messarförmlge. ä uiid lt;• olivlaquo; hezw. bimenftfrmlge, /' und ./ spitze, ii und ( Badelförmige, fc and i laquo;ralzenfSnnlge, m rlngtOrmiges, n nadelförmiges mit Isolator.
(Fig. 132/', g). Sie dienen zum Brennen grüssoror oder kleinerer Punkte; letztere Form auch zum Durchbrennen der äusseren Haut.
4.nbsp; nbsp; Oylindrisohe und konische Brenneisen werden im Ganzen nicht häutig benutzt; ihre Anwendung erfolgt unter ähnlichen Umständen wie bei den vorigen.
5.nbsp; nbsp;Das ringförmige Brenneisen (Fig. l'täiii) besteht entweder aus einem eisernen, 1—3 cm weiten Binge, der im rechten Winkel mit dem
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Das Hmini'ii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.quot;)79
Stiel vei'bunden ist, oiler aus einpiu ebenso weiten eisernen Cylinder, der in derselben Weise mit dem Stiel verbunden ist. Man benutzt diese Brenn­eisen um einen kreisförmigen Brand zu erzeugen, z, B. bei der Amputation des Schweifes, um die Blutung aus den um die Schweifwirbel liegenden Qe* fassen ZU stillen, ohne den Wirbel selbst zu verletzen.
Barthelemy bat viereckige oder rautenförmige Brenneisen empfohlen, die weniger auffttllige Narben hinterlassen sollen.
6. Stiftförmige Brennkolben (Glübnadeln) (Fig. 122//, /). Mit dem cylindriscben oder konischen Brenukolben steht ein 1—8 cm langer, 0,2 — 0,3 cm starker Eisenstift buhl in unmittelbarer (unbeweglicher), bald in mittelbarer (beweglicher) Verbindung, indem der Stift entweder eine direote Fortsetzung des Kolbens bildet, oder durch besondere Vorrichtungen mit diesem verbunden ist. Wahrend mit den übrigen Brenneisen an der Ober-tliiche der Haut, gebrannt wird (Peu ancien), dient das stiftförmige Brenneisen dazu, durch die Haut hindurch bis in die Unterbaut und selbst bis in Knochen, Sehnen u, s, w. vorzudringen (Feu perforant),
Methoden des Brennens. Man unterscheidet: 1. Das un­mittelbare Brennen (Oontiictfeuer), wobei das Eisen mit dem Körper in unmittelbare Berührung gebracht wird, ein Verfahren, das zur Zerstörung von Gewebsinassen oder Infectionsstoffen, zur Blut­stillung fast immer und als entzündungerregendes Mittel regelmässig Anwendung findet. Während sieb in den zuerst genannten beiden Fällen die Art der Application nach den obwaltenden Umstünden ausserordentlich verschieden gestaltet, wird das Brenneisen für den letzteren Zweck in verschiedener Form angewendet. Man brennt ent­weder nur an der Oberfläche der äusseren Haut (superficielles Brennen), oder durchbohrt mit dem Brenneisen die äussere Haut und dringt mit demselben tiefer ein (penetrirendes Brennen), oder man brennt nach Spaltung der äusseren Maut unter derselben (sub-cutanes Brennen). Zu dem ersteren gehört;
a) D a s B r e n neu i n S t r i c h e n (S trie h f e u e r). Die einzelnen Striche werden durch Berührung der Hautoberfläche mit dem messer-oder beilfÖrmigen Eisen und zwar zunächst im rothglühenden Zustande gebrannt, um die Haare abzusengen (Vorbrennen). Weniger Ge­übten ist zu empfehlen, mit Kreide oder Holzkohle die Striche vorher zu markiren, damit dieselben in gleichmässigen Abständen von 1—2 cm und wohl geordnet liegen. Lange und dicke Haare, wie z. H. an den Füssen kaltblütiger Pferde, müssen vor dem Brennen abgeschoren werden. Um die Lage der Striche zu einander besser heurlheilen zu können, beginnt man mit dem obersten, weil anderenfalls der Brenn-kolbcn den vorher gebrannten Strich verdeckt. Die Ausdehnung der Striche hängt zwar von dem vorliegenden Krankheitszustande ab, doch muss als Regel festgehalten werden, dass sie womöglich über die
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Die Auwendunsf des GhlUbsisenB.
Grenzen desselben noch hinausreiohen. Im allgemeinen benutzt man das Striobfeuer da, wo grössere Flächen gebrannt worden sollen; z. B. bei Entzündungen der Beugesehnen, bei grösseren Gallen, besonders am Fessel-, Knie- und Sprunggelenk, Mau legt die Striche zweckraquo; massig in schräger Richtung zum Haarstrich, damit etwa entstehende Narben besser verdeckt werden (Fig. 133). Grössere Schwierigkeiten bietet die Anlegung der Striche an den oberen Abschnitten der Glied-massen (Schulter) sowie am Rumple, wo durch die Hautmuskeln Ver­schiebungen der Haut hervorgerufen werden.
Nach denn Vorbrennen empfiehlt sich ein weniger heisses, nicht mehr glühendes Eisen zu verwenden, um, wie oben erklärt, möglichst wenig Haarbälge und Haut zu zerstören und dennoch eine tiefe und intensive Entzündung zu erzielen. Die Berührung des Brennkolbens mit der Hautoberfläche dauert je nach dem Hitzegrade desselben etwa 3—5 Secunden; je heisser dor Kolben, um so kürzer soll die Berüh­rung sein. Die gebrannte Stelle muss eine dunkelbraune, höchstens rothbraune Farbe zeigen. Durch Einwirkung höherer Hitzegrade ent­stehen strohgelbe, schliesslich grauweisse Striche, ein Beweis, dass der Brennkolben zu heiss war.
Zu beachten bleibt ferner, dass mit dem Brennkolben die Ober­fläche der Haut nur sanft zu berühren, und jeder Druck auf dieselbe zu vermeiden ist. Das Brenneisen soll ferner nicht ziehend über die Haut fortbewegt werden; man setzt vielmehr die Spitze des mosserförmigen Eisens am Ende des Striches auf und lässt durch eine langsame Be­wegung der Hand die gebogene Kante desselben allmählich und gleich-massig ohne Anwendung von Druck mit dem vorgebrannten Strich in Berührung treten. Je heisser das Eisen, um so vorsichtiger ist hierbei zu vorfahren, damit die Haut nicht durchgebrannt wird, wo­durch nicht allein hässliche Narben entstehen, sondern auch gefähr­liche Entzündungs- und Eiterungsprocesse hervorgerufen werden können. Ebenso vermeide mau im allgemeinen, dass die Striche in einander übergehen; nur bei oberflächlichem Brennen kann dies ohne Nachtheil geschehen. Unter dieser Bedingung lässt sich auch kreuzweise brennen, d. h. die Striche werden so gelegt, dass sie sich in einem Winkel schneiden (sog. Kreuzfeuer). Es entstehen auf diese Weise kleine Quadrate, die von den Strichen umgrenzt sind. Bei dieser Methode wird, sofern die Striche nicht sehr weit von einander gelegt werden, eine verhältnissiuässig grössere Brandtläche, also auch eine intensivere Wirkung erzielt. Man hüte sich jedoch hierbei zu eng und zu tief zu brennen. Sobald die Cutis durchbrannt wird, retrahiren sich die
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Das Brennen,
.-,81
betreffenden Hantabsohnitte, und es entstehen auffällige Narben. Bei
einiger Vonsiclit liisst sieb das Kreuzfeuer mit Vortheil da an wenden, wo grössere Flächen zu brennen sind, #9632;/.. B. bei Sprunggelenksgallen. In dieser Weise wiederholt man das Brennen der einzelnen Striche und zwar regelmässig abwechselnd, sodass, nachdem alle gebrannt sind, das Verfahren in derselben Reihenfolge wiederholt wird, bis auf den einzelnen Strichen sicli eine klare , seröse Flüssigkeit bemerkbar macht, von deren Gegenwart man sich durch Aufdrücken der flachen Hand überzeugt. Je nach der Dicke der Haut, der Temperatur des Eisens und der Dauer der jedesmaligen Berührung vergeht hierüber eine verschieden lange Zeit. Im allgemeinen l'asst sich annehmen, dass eine 20—SOmalige Berührung dazu erforderlieh ist. Will mau eine massige Wirkung, so hört man beim Auftreten dieser Flüssigkeit mit dein Brennen auf; wird eine energische Wirkung der Brenneisen
beabsichtigt, so setzt man das Verfahren fort.
sich überall deut-
liche Exsudation auf den Strichen bemerkbar macht. Aus dem oben Gesagten ergiebt sich, dass derjenige in der Kegel am besten brennt, der am meisten Zeit darauf verwendet; ,,man brenne mit ,kaltein' Eisen,quot; heisst es ganz zutreffend.
Werden nur wenige Striche gebrannt, so muss, nachdem der letzte mit dem Eisen berührt ist, eine Pause von etwa einer halben Minute eintreten, bevor man mit dem ersten von neuem beginnt, weil bei schneller Aufeinanderfolge des Brennens der einzelnen Striche Ex­sudation an denselben nicht eintreten kann, da die etwa ergossene Flüssigkeit mit dem Brenneisen beseitigt wird.
b) Das Brennen von Punkten geschieht in ähnlicher Weise mit dem birnenförmigen oder stumpfkonischen Eisen. Es empfiehlt sich bei dünner Haut und da, wo nur kleine Stellen gebrannt werden sollen (üeberbeiue, Schale, kleinere Gallen u. s. w.). Dies Zaiil der zu brennenden Punkte richtet sich nach der Ausdehnung der Erkrankung und schwankt zwischen 1—10; dieselben werden bald in Form eines Kreuzes oder Kreises, oder eines Drei- oder Viereckes zusammen­gestellt, und zwar in einer Entfernung von 1—2 cm von einander.
Auch hier geschieht das „Vorbrenuenquot; mit, dem rothglüheuden Eisen, event, unter Zuhülfenahme von Kreide oder Kohle wie beim Strichfeuer, wobei des guten Aussehens wegen darauf zu achten ist, dass die Punkte regelnmssig geordnet, liegen. Im übrigen müssen die oben beschriebenen Vorsichtsniassregelu Beachtung finden; auch hier wähle man nach dem Vorbrennen ein nicht, mehr glühendes und bei Berührung der Haut höchstens wenig Rauch erzeugendes Eisen
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,r)82nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Diö Anwendung dos (ilüheisens.
und Übe mit demselben keinen stärkeren Druck auf die Hunt aus; auch in Betreff der Dauer des Brennens gelten die gleichen Grundsätze.
Bei sorgfältiger Beachtung der beschriebenen Q-rundsätze Jiisst sich die beabsichtigte Wirkung des Brennens beim Strich- und l'unkt-feuer in der Regel abmessen, docli kommt zugleich die Reactions-fühigkeit der Haut mit in Betracht, welche sich bei den einzelnen individuell verschieden zeigt. Man warte daher 2-1 Stunden ab, und sollte die Wirkung nicht genügen, d. li. eine dem Brennen ent-spreohende Anschwellung und Exsudat ion niclit eingetreten sein, so lässt man eine Scliari'salbe (üngt. acre oder Hvdrargyri bijodati 1 : S) folgen. Dagegen ist die Anwendung dieser Salben gleich nach dem Brennen nicht zu empfehlen. Man suche in jedem Falle mit dem Brennen die beabsichtigte Wirkung zu erzielen und nur da. wo diese wider Erwarten ausbleibt, wende man eine Scharfsalbt' an; diese Frage liisst sich aber erst 24 Stunden nach dem Brennen entscheiden.
c) Das Brennen mit dem Stift (penetrirendes Brennen) bezweckt nach Perforation der äusseren Haut die Hitze direct auf die erkrankten Gewebe einwirken zu lassen. Schon seit längerer Zeit in Frankreich in Gebrauch wurde diese Methode neuerdings auch in Deutsch­land mehrfach empfohlen (Frick, Hoffmann u. A.). Es empfiehlt sich namentlich hei Ueberbeinen von beschränkter Ausdehnung, überhaupt bei chronischen, ossiticirenden l'rocesseu, verlangt indess besondere Vorsicht in der Nähe von Gelenken und Sehnenscheiden, deren Eröffnung mit Gefahren verbunden sein würde. Die rothglühende, etwa 3 nun dicke, gut abgerundete Nadel wird unter massiger Druckwirkung schnell durch die äussere Haut in den betreffenden Theil gedrückt und alsbald wieder zurückgezogen. In der Regel genügt die ein­malige Einführung an derselben Stelle; auch reicht bei kleinen Exo-stosen ein Stich aus; sollen deren mehrere gebrannt werden, so müssen dieselben mindestens 1,5—2 cm von einander entfernt liegen. Diesem Brennen liisst man namentlich wo es in der Nähe von Gelenken oder Sehnenscheiden ausgeführt wird, alsbald eine scharfe Einreibung folgen, um entzündliche Erkrankungen jener Organe zu verhindern. Ueber die Anwendung des Stiftfeuers beim Spat und gegen Gallen vergleiche man das in der Speciellen Chirurgie hierüber Gesagte. Einen Vorzug hat das perforirende Feuer ausserdem noch, nämlich den, dass die Anwendung desselben weniger schmerzhaft ist.
Empfindliche Pferde müssen zum Zwecke ausgedehnter Anwen­dung des Gliilieisens niedergelegt werden, doch versuche man zunächst die Thiere mit der Bremse zu beruhigen. Von der Anwendung von
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Das Brennen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;58'}
Cocain auf der äusseren Haut haben wir niemals erkennbaren Nutzen gesehen, wohl aber bei subeutaner Application desselben; auch eine subcutan applicirte 20/oige Lösung von Carbolsäure erfüllt diesen Zweck. Ferner empfehlen wir bei grosser Empfindlichkeit der Thiere nach dem Vorbrennen zuerst Distaucefeuer zu geben; nicht selten lassen sich die Thiere alsdann die Anwendung des Contactfeuers ruhig gefallen. Bei ausgedehntem Brennen, •/.. B. gegen Sehnenentzündung an mehreren Ftisseu, kann Chloroibrnmarkose angewendet werden, oder man brennt den zweiten Fuss 8 Tage später.
Fig. 133.
lircunflgureu.
Als „mittelbarquot; bezeichnet man das Brennen, wobei der Körper selbst vom Brenneisen nicht berührt wird, die Uebertragung der Hitze entweder durch die Luft (Distaucefeuer), oder einen festen Körper, meist eine Speckschwarte, oder ein Stück Leder erfolgt.
„Distaucefeuerquot; ist stets mit besonderer Vorsicht anzuwenden, weil mau für die Wirkung desselben während der Anwendung keinen Massstab hat. Es wird auch nur in Verbindung mit dem superficiellen Brennen und zwar besonders da angewendet, wo eine intensive Wirkung erzielt werden soll ohne auffällige Narbenbildung. Zu dem Zwecke nähert man das schwach rolhglühende Brenneisen auf 2—5 cm der betreffenden Stelle und hält es hier etwa B—15 Secuiiden. Das Ver­fahren muss mehrfach wiederholt werden. Man untersucht von Zeit zu Zeit die gebrannte Stelle auf Gegenwart von Exsudation.
Das Brennen mittelst einer Speckschwarte geschah ehemals öfter um Narbenbildung zu vermeiden; gegenwärtig wird diese Methode
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584nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;U'e Anwendung des Q-lüheiseuB!
fast gar nicht mehr in Anwendung gebraobt; auch sie bat den Nacli-tlieil, dass man die Wirkung des Brennens nicht controliren kann.
Ebenso hat man das axiboutane Brennen (Neapolitanisches Feuer), wobei das Feuer in einer künstlich hergestellten Hautwunde applicirt wurde, ganz aufgegeben; es sollte ebenfalls Narbenbildung vermeiden und eine tiefer gehende Wirkung herbeiführen. An .Stelle desselben wendet man jetzt das penetrirende Brennen an.
Nach dem Brennen verbleiben die Thiere zunächst in einem ge­nügend beleuchteten Stalle, um die Wirkung des Feuers beobachten zu können. Da Pferde nach dem Brennen oft mit den Füssen kratzen, so lässt man die Hufeisen erst 2—3 Tage später abnehmen, nachdem sich die Thiere beruhigt haben, und um zu verhindern, dass sich die­selben an der gebrannten Stolle beisseu, werden sie 2—;5 Tage hoch­gebunden; seltener zeigt sich auch später noch diese Neigung, doch lasse man darauf achten.
Sollten sich durch Unruhe, Nichtfressen und andauerndes Kratzen bedeutende Schmerzen zu erkennen geben, so empfiehlt sich die ge­brannten Flächen mit einer 20/oigen Cocinnlösung zu bepinseln. Ueber-mässig heftige Entzündung kann durch Bestreichen mit Lanolinsalbe oder Kühlen mit Burow'scher Lösung bekämpft werden.
An nachtheiligen Folgen hat man schwere entzündliche l'rocesse mit Nekrose der Haut, in die Tiefe greifende Eiterungen u. s. w. be­obachtet. Bald führen diese nur zu hässlichen Narbenbildungen, zu­weilen aber auch zu schweren Folgezuständen, eitrigen Erkrankungen der Gelenke oder Sehnenscheiden und auf diese Weise selbst zu tödt-liphem Ausgang. Uebermässige Hitzegrade beim Brennen, zu enge Lage der Striche und intensives Distancefeuer sind die häufigsten Veranlassungen zu derartigen, den Operateur stets compromittirenden Folgen, welche sich fast immer vermeiden lassen, wenn man nach den oben angeführten Regeln brennt. Wenn Vigezzi hierfür besondere Arten von Bakterien Verantwortlich macht, so mag das vielleicht in einzelnen Fällen zutreffen, doch genügen hierzu die überall verbreiteten Biterkokken.
Das Brennen mit dem Thermocauter und Galvanocauter. Die Wirkung des von i'aqueliu construirten Thermocauters (Fig. 134) beruht darauf, dass erwärmtes Platin durch Zuleitung von Kohlen-wasserstoffverbindungen (z. B. Gase des Petroleumäther) und atmo­sphärischer Luft zum Glühen gebracht und glühend erhalten werden kann. Der an einem hohlen Grill' befestigte Platinstift (laquo;I steht mit einem Gununischlauch in Verbindung (//). welcher mit seinem anderen
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Brennet) rait dem Therraooauter,
58E
Eiul(! in eiii kleines ölasgefäss mündet, iliis etwa zur Hälfte mit Petro-leumiitiier gefüllt ist (/•). In dieses Gefiiss mündet ein zweiter Gunimi-schlauohi an dessen Ende sich ein Gummiballon ('/) befindet, mit welchem die über dem l'etndeumiltluT stehenden Gase in den vor­her mit Hülfe einer Spiril nsflamme erwärmten Platinstift geblasen werden. Indem die Kohlenwasserstoffverbindungen in der angewärmten Platinspitze verbrennen, bringen sie diese zum Glühen. Das glühende Platin entzündet die nachströmenden Gase, und auf diese Weise hält sich das Metall glühend, so hinge brennbare Stoffe nachströmen. Zur bequemeren Handhabung ist das Henzingefiiss mit einem Haken ver­sehen, um in einem Knopfloch befestigt, leicht getragen zu werden.
Pig. 134.
Thermooauter naoh I'aqui'liii.
Die linke Hand setzt den Ballon in Bewegung, während die rechte Hand den Platinbrenner führt. In neuerer Zeit hat der Apparat mehr­fache Aenderungen, zum Theil auch Verbesserungen erfahren. So bedarf es nicht mehr der Spirituslampe, indem das Benzin zugleich zum An wärmen des Platinbrenners benutzt wird. Manche dieser Aenderungen haben sich jedoch nicht bewährt;' dazu gehören alle, welche bei ihrer complicirten Construction leicht Betriebsstörungen auf­treten lassen. Eine andere Modification besteht darin, dass Spiritus-dämpfe in einem hohlen Brennkolben von Messing verbrannt werden und so den Kolben zum Glühen bringen.
Geeignet erscheint der Tliermocauter zum Zerstören von Infec-tionsstoft'en und krankhaften Neubildungen von geringem Umfange; zur Vernichtung callöser Gteschwürsränder, üppiger Granulationen u. s. w. Scharfen Instrumenten gegenüber besitzt er noch den Vortheil, dass Blutungen vermieden werden, und Infeetionen nicht 80 leicht zu Stande
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58(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Anwendung des GlQheisenSi
Ivommcii. Allerdings kann es sich immer nur um die Vernichtung
geringerer Massen handeln, zur Entfernung ausgedehnter Neubildungen mUSS das Messer in seine Rechte treten. Ein oft störender Umstand liegt in dein Klebenbleiben der Gewebe am Brennkolben,
Der Thermocauter ist ferner zur Blutstillung zu verwenden, doch beschränkt sich die Zuverlässigkeit seiner Wirkung auf capilläre bezw. parencliymatöse sowie auf Blutungen aus kleinen Venen; aber auch hier ziehen wir das Glüheisen vor. Der dünnwandige Platin mantel des Brenners wird durch das Blut leicht abgekühlt; letzteres bleibt an dem Brenner kleben und verhindert nicht selten, den Brenner von neuem zum Giiihen zu bringen.
Als Brennkolben zu derivatorischen Zwecken lässt sich der Ther­mocauter ebenfalls anwenden, doch muss die Anwendung mit Vor­sicht erfolgen, damit die zerstörende Wirkung an der Haut nicht zu heftig wird. Da der Platinbrennkolben sehr bald Weissgluth an­nimmt, also eine Temperatur von etwa 1300deg; 0, erreicht, so erklärt sich, dass die zerstörende Wirkung hierbei überwiegt, und die An­wendung einige üebung in der Handhabung des Apparates verlangt.
Wenn Vogel annimmt, die Platingluth erreiche nicht den Warniegrad des kirsohrothen Eisens, so beruht dies offenbar auf einer Verwechselung der Wännecapacität (speeiflsoher Wärme) mit dem Temperaturcrad der
Metalle. Während allerdings die Wännecapacität des Platins geringer ist als die des Eisens, so zeigen doch alle Metalle in Bezug auf ihre Temperatur in der Weissgluth eine grosse Uebereinstimniung (ca. 1300deg;). Wenn nun auch die Ausstrahlung im umgekehrten Verhältniss zum Absorptionsvermögen steht, so giebt dennoch Platin in der Weissgluth bei weitem mehr Hitze ab als kirschrothes Eisen.
Nach dem oben Gesagten erscheint also für den in Rede stehen­den Zweck des Brennens der Thermocauter weniger geeignet als das Brenneisen, welches entschieden auch noch deshalb den Vorzug ver­dient, weil es fast überall in der Praxis zu beschaffen ist. In der Hand eines Ungeübten wird der Thermocauter leicht gefährlich, oder man erzielt mit demselben keine ausreichende Wirkung. Ein Vorzug desselben besteht allerdings darin, dass man auch da brennen kann, wo kein Feuer zum Erwärmen des Eisens zur Verfügung steht.
Die Galvanocaustik wird in der Tbierheilkunde sehr wenig benutzt; hierbei wird mittelst einer elektrogulvanischen Batterie ein Porzollankolben oder eine Platinschlinge zum Glühen gebracht. Seit­dem der Thermocauter bekannt ist, wird auch beim Menschen nur noch selten, z. B. bei Entfernung von Polypen aus den Kopfhöhlen,
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Aoupanotui1 mitl Elektropunotar,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 587
von der galvanocaustisobeu Schlinge Gebrauch gemacht. Dor Porzellau-
kolben vorbindet mit den Naclitlioilon dos I'liitinbrcnnors noch erheb-liclio Unkosten und Schwierigkeiten, welche sich an dio Beschaffung und den Transport der Biittorio knüpfen,
Acupunctur und Elektropunctur. Stecknadeln, am besten die mit lancettförmiger Spitze versehenen, langen Karlsbader Nadeln werden in grösseror Anzahl (etwa ö—löj neben einander und senkrecht in die Weichthoilo (Muskeln, Pascien) gestochen (wobei grössere Gefiisse und Nervenstämme zu schonen sind); die Nadeln verbleiben hier einige Stunden. Die hierdurch hervorgerufene Reizwirkung soll Krankheits-zustände, namentlich Lähmungen und chi'onische Entzündungsprocesse (Rheumatismus) heilen. Zur Verstärkung dieser Wirkung taucht man die Nadeln vor dem Einstechen in Terpentinöl, Tinct. Veratri u. s. vv., oder man setzt einen Inductionsapparat bezw. eine constante Batterie mit denselben in Verbindung (Elektropunctur), um den elektrischen Strom in die Tiefe zu leiten. Diese letztere Methode, welche früher gegen dio genannten Leiden vielfach im Gebrauch war, wird neuer­dings beim Menschen fast nur noch zur Zerstörung von Neubildungen (Tumoren) angewendet (Elektrolyse), denen man sonst nicht beikommen kann; auch wurde versucht, mit dieser Methode Aneurysmen zu be­handeln, indem das Blut in ihnen zur Gerinnung gebracht wird (S. 340); bei Thieren hat dieses Verfahren fast gar keine Anwendung gefunden. Bei Lähmungen würde nur da ein Nutzen von der Acupunctur zu erwarten sein, wo die Muskeln den Sitz derselben abgeben (myo-pathische Lähmungen), was jedoch verhältnissmässig selten ist; da­gegen wird die Wirkung dieses Verfahrens bei neuropathischen Läh­mungen mit Vortheil durch die Anwendung des elektrischen Stromes ersetzt, dessen Application bei Pferden aber ebenfalls auf Schwierig­keiten stösst (S. 279).
Dieckerhoff hat neuerdings die Acupunctur gegen chronische Erkrankungen der Fascien empfohlen, welche nach ihm zu Lahmheiten Veranlassung geben sollen. Wir haben von der Wirkung dieses Mittels gegen derartige Leiden, die vorhilltuissinässig selten sind, keinen Er­folg gesehen.
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IX. Die Castration.
Die Castration, d. li. die Vernichtung dor Geschlechtsfunctionen, wird namentlich aus wirthschaftlichen Gründen oft wünschenswerth.
Der Wallach zeigt sich für die meisten Dienstleistungen brauchbarer als der Hengst; er ist im allgemeinen gefügiger und lilsst sich auch neben Stuten zur Arbeit verwenden, was beim Hengste häufig nicht der Fall ist. Das Fleisch der Thiere (Schwein, Geflügel) wird nach der Castration wohlschmeckender, und die Mastfähigkeit derselben zugleich erhöht. Bei Kühen lässt sich durch diese Operation die Milohproduction angeblich auf längere Zeit erhalten, wälirend für die Zucht unbrauchbare Thiere auf diese Weise unschädlich gemacht werden. Endlich können durch die Gastration Krankbeitszustände der Geschlechtsorgane gebeilt werden. So wird neuerdings beim Menschen die Castration zur Beseitigung von Prostatahypertropbien angewendet; Hobday will auch bei Munden die Operation zu diesen: Zwecke mit Erfolg ausgeführt iiaben. Die krankhafte Vergrösserung der Drüse soll sich nach der Castration allmählicli zurüokbilden. Inwieweit die Castration auch bei Tbieren zur Heilung der Osteomalacie dienen kann, wie für den Menschen behauptet wird, müssen Versuche erst ergeben. Dagegen zeigt sich die Castration der Kühe bei Nympho­manie oft wirksam.
Es erscheint natürlich, dass man schon in frühester Zeit von der Castration der Thiere Gebrauch machte, und dass diese auch heute noch häufig in Anwendung kommt. Die hierzu erforderlichen Opera­tiven Eingriffe gestalten sich nicht allein bei den männlichen und weiblichen Tbieren, sondern auch bei den einzelnen Thierarten sehr verschieden, so dass diese auch hier gesondert besprochen werden müssen.
L
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Oaslratioii tntliinlioher Tliiciv.
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A. Die Castration mänullohoi' Thlere
Wie die Erfahrung gelehrt hat, ertragen männliche Thiere die
(lustration am leichtesten im jugendlichen Alter; abgesehen von den ersten Lebenswoclien erfolgt die Castration der meisten männlichen Hausthiere schon im ersten Lebensjahre. Nur das Pferd macht hiervon eine Ausnahme, weil bei ihm häufig die Moden während des ersten Lebensjahres im Leistenkanal zu liegen pflegen und erst mit dem Ablauf dieses Jahres in den Hodensack herabsteigen, wodurch die Castration wesentlich erleichtert wird. Auch behalten Pferde, die bereits im ersten Jahre castrirt werden, meist einen weiblichen Typus, während spät Castl'irte sich kräftiger entwickeln. Möglich ist die Castration jedoch auch bei Pferden schon im ersten Lehensjahre, und man macht bei Rennpferden nicht selten davon Gebrauch, um sie Irüher zu Kenn­zwecken benutzen zu können. Das Verfahren gestaltet sich alsdann ähnlich der Castration inguinaler Cryptorchiden.
Anatomie. Die Hoden, um deren Beseitigung oder Vernichtung ihrer Punctionsfäbigkeit es sich bei der Castration handelt, hängen an den Samen­strängen im Scrotum.
Das Scrotum besteht von aussen nach innen betrachtet aus tblij'enderi Hüllen:
1.nbsp; nbsp;Der äusseren Haut. Dieselbe ist zart, dünn behaart oder haarlos, heim Pferde schwarz, glänzend; sie zeigt sich sehr dehnbar und bildet eine unmittelbare Fortsetzung der allgemeinen Decke. Bei den Wiederkäuern besitzt das Scrotum einen deutlichen Hals; die äussere Haut desselben ist meist hell gefärbt und wenig behaart. Beim Schwein liegt der breite, glatte Hodensack zwischen den Hinterschenkeln, dicht unter dem After, bei den Pleischfressern etwas weiter nach vorn.
2.nbsp; nbsp;Unter der äusseren Haut und zwar fest mit ihr verbunden befindet sich die Tunica dartos (Fleischhaut), welche als eine modificirte, an glatten Muskelfasern, elastischen Elementen und Bindegewehe reiche Subcutis zu betrachten ist. Oben steht sie mit der gelben Banchhaut in Verbindung, während das Septum soroti, eine mediale Portsetzung der Tunica dartos, die Scrotalhölile in zwei Abtheilungon trennt (Fig. 1356),
8, Tunica vaginalis communis (gemeinschaftliche, Scb eiden-haut, Scheiden l'ortsatz. Pig. ISBrt). Eine fibröse Membran, welche als eine Fortsetzung der Querbaucbbinde, oder als eine Verstärkung der Insertion des Hodenmuskels (Sclmialtz) betrachtet wird; sie steigt vom inneren Bauch­ringe durch den Leistenkanal in den Hodensack herab. Ihre äussere Fläche steht durch lockeres Bindegewebe mit der Tunica dartos in Verbindung und wird namentlich an der hinteren und lateralen Seite von M. cremastor ex-ternus umgeben, während ihre innere Fläche von dem parietalen Blatte der Tunica vaginalis propria ausgekleidet wird, welche wiederum eine un­mittelbare Portsetzung des parietalen Blattes des Fcritoneums darstellt. Die Tunica vaginalis communis hat eine sackförmige Gestalt, ist oben, so­weit sie im Leistenkanal liegt, erheblich enger als unten, wo sie den Hoden
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Die Castration^
amgiebt, Während sie etwa 3 om nnterbalb dos inneren Bauohringes mu engsten ist. erweitert sie sich von da ab allmttblicb und erlangt auf diese Weise etwa die Geshill einer Sanduhr. In dem vom Scheidenfortsatze ein­geschlossenen Elaume beflndet sich der Hode mit dem Samenstrange, beim rferde in horizontaler Richtung, bei den Wiederktluern senkrecht, den Schweif des Nebenhodens nach unten gerichtet.
4. Der Samenstrang (Funioulus spermatious), ein plattes, läng­lich fächerförmiges Organ (Fig. 126^) ist an seinem unteren, breiteren Ende (Basis) mit dem Moden verbunden, während das obere bis in die Bauchlaquo; und BeckenhOhle reicht. Umschlossen von dein visceralen Blatte der Tunica vaginalis propria, einer Fortsetzung des visceralen Peritoneums, besteht der Samenstrang aus folgenden Theilen :
Pia;. 185.
Schematiache Dfirsifllun^ ill's Lcistonkunals und Scrotinns:
// Hode, .v Nebenhode, laquo; üussoie Haut, 5 Tunica ihu-tos, o Bindegewebe, d Tunica vaginalis
communis, laquo; Samenleiter, /' Arterle des Samenstranges, g Gekröse desselben,
a)nbsp; aus dem Samenleiter, einem dickwandigen Kanal, bei grossen Tliieren von der Stärke eines dicken Bindfadens, der eine Fortsetzung des Neben­hodenkanals bezw. den Äusführungsgang des Hodens darstellt und von einer Bauchfellduplioatnr umschlossen an tier medialen Fläche des Saraenstranges liegt; er dringt durch den Leistenkanal in die .Bauchhöhle, um von einer besonderen Bauchfelldnplicatur eingeschlossen nach hinten an die obere Fläche der Harnblase zu treten und in den Äusführungsgang der Samen­blase ZU münden (Fig. 186 f);
b)nbsp; den Samengefässen. Die am vorderen Rande des Samenstranges in mehr gerader Richtung abwärts laufende Samenarterie wird von den Samenvenen in Qestalt des Plexus pampiniformis umsponnen. Vom inneren Bauchringe laufen die Bhitget'ässe des Samenstranges, eingeschlossen von einer Bauchfellduplicatur, ihren Stummen zu (hintere Aorta bezw. hintere Hohlvene, Fig. 186f);
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Castration mänDliober Thiere
!\rit BrhaltunK dor
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c) dem Musoulus cromaster intflrnus; er besteht aus glatten Muskelfasevn , welche namentlich am Schweif des Nebenhodens stark ent­wickelt sind und Reste des Hunter'schen Leitbandes bilden.
Dor vordere Abschnitt des Samenstranges (ffefösshaltiger Tbeil) enthält also die grösseren BlutgefäS66, während das hintere Septum (ge-fässloser Thoil) arm an lilutgelassen ist, was für die Castration Beachtung verdient. Das parietale Blatt der Tunica vag. propria, welche wie das parietale Blatt des Peritoneums die übrigen Eingeweide, den Samenstrang umgiebt, springt von der hinteren Wand des Scheidenl'ortsatzes auf das hintere Septum des Samenstranges über, wodurch der Samenstrang mit dem Hodensack in Verbindung stobt.
Der Leistenkanal stellt einen platten, trichterförmigen Raum in der Ilauchdecko dar, welcher oben durch den inneren Bauchring mit der Bauchhöhle, unten durch den äussoren Bauohring oder Leisten­ring mit der Scrotalhöble in Verbindung sieht. Der letztere, eine ei­förmige Oeffnung zwischen dem medialen und lateralen Sehnenschenkel des äusseren schiefen Bauchrauskels, bei Pferden von ca. In cm Länge, wird durch Abdnctionsbewegung des gleichzeitigen Hinterschenkels erweitert, namentlich wenn derselbe zugleich nach rückwärts geführt wird. Man fühlt den äusseren Bauchring beim Pferde, wenn man mit der Hand an der inneren Schenkelfläche nach oben geht, und kann so die Weite des­selben einigormassen beurtheilen, was für die Castration unter Umständen wichtig ist.
Der innere Bauch ring besteht aus einem beim Pferde 2—4 cm langen spaltförmigen Räume zwischen dem hinteren Rande des inneren schiefen Bauchmuskels und dem Sclienkelbogen; er liegt dicht vor dem Querast des Schambeines, beim Pferde 10—lö cm von der Linea alba ent­fernt, schräg von hinten quot;und innen nach vorn und aussen; 2 cm medial von seinem hinteren Winkel entfernt verlaufen die hinteren Bauchdeckengefässe.
Die Castration kann mit Erhaltung oder mit Entfernung der Hoden erfolgen. Bei der erstcren Methode kommt es darauf an, die Function der Hoden zu vernieiiten; dass diese nicht die Sicherheit gewährt wie die Castration mit Entfernung der Hoden, versteht sich von selbst, und man zieht daher auch bei den meisten Thierarten und besonders beim Pferde die letztere vor. Der Vollständigkeit wegen sollen jedoch auch die übrigen Castrationsmethoden kurz erwähnt werden.
I. Castration mit Erhaltung der Hoden.
1. Das Klopfen der Hoden. Eine früher namentlich in Spanien bei Pferden übliche Methode bestand darin, dass man um den Hodensack eine Klammer legte, sodann die Hoden einzeln mit einem hölzernen Hammer eine Zeit lang klopfte. Auf diese Weise rief man eine heftige Entzündung der Hoden hervor, welche zur Degeneration derselben und Vernichtung ihrer Functionsfilhigkeit führte. Abgesehen von dem zweifelhaften Erfolge, der noch heute in der Bezeichnung
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r)i)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Oastratiou.
KlopfhougBt einen Ausdruck findet, muss diese Methode auch der grosseu Sohtnerzhaftigkeit wegen verworfen werden. Dasselbe gilt von dem Brennen der Hoden, welches darin bestand, dass man die­selben mit glühenden Nadeln wiederholt durchstach.
2,nbsp; nbsp;Das Klopfen des Samenstrauges. Um den Hals des Hodensackes wird eine hölzerne Klammer gelegt, und auf dieser klopft man die Samenstriinge mit einem hölzernen Hammer einige Minuten hindurch. Gelingt die Operation, welche früher vornehmlich bei Kälbern benutzt wurde, so atrophiren die Hoden nach einiger Zeit, was offen­bar mit einer Thrombosirung der Samenget'ilsse in Verbindung gebracht werden muss. Die Lappländer sollen diese Zerstörung bei Pferden mit den eigenen Zähnen bewirken, indem sie die Samenstränge und den Hodensack mit den Zähnen bearbeiten und die Samengefässe zermalmen. Nach den Mittheilungen Yryburg's werden auch heute noch in Indien Stiere nach dieser Methode castrirt. Der Operateur schlägt mit einem hölzernen Hammer mehrere Male auf jeden Samen­strang, der auf einer Holzunterlage ruht. Die Methode soll auch bei Schafen und Ziegen ausführbar sein und hauptsächlich deshalb ange­wendet werden, weil Verwundungen in dortigen (legenden besonders gefährlich sind, und auf diese Weise auch eine Nachbehandlung nicht erforderlich ist.
Aehnlich war das von Seibold für Farren und Ziegen empfohlene Verfahren. Eine cn. 20 cm lange, 8 cm breite, mit einer Schraube zum Schliesscn versehene, hölzerne Kluppe, wurde einige Minuten fest auf den Hodensack und die Samenstränge gelegt. Während der Hodensack intact bleibt, tlirornbosiren die Samengefässe, in Folge dessen die Hoden atrophiren, was sich nach Seibold zuweilen schon nach 3 Wochen bemerkbar macht, oft aber erst später (10 Wochen). Beim Schlachten solcher Thiere wurden die Blutgefässe des Samen­stranges obturirt gefunden. Das Verfahren wird auch heute wohl noch bei Kälbern angewendet.
3.nbsp; nbsp;Die Torsion des Samenstranges, ein in Frankreich namentlich beim Bindvieh früher vielfach angewendetes Castrations-verfahren wird als Bistournage bezeichnet. Nachdem der Kopf des Stieres durch kurzes Anbinden befestigt ist, nimmt der Operateur hinter dem Thiere Aurstellung, uml'asst mit beiden Händen den Hoden­sack und sucht zunächst einen Hoden abwärts zu ziehen. Sobald er das Scrotum loslässt, steigt der Hode wieder in die Höhe. Nachdem dieses öfter wiederholt ist, erlahmt der (Jremaster externus schliesslich, und der Hoden steigt nicht mehr in die Höhe.
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Castration mänulioher
Mit Elrbaltuns iler Hodetii
r-oa
Sobald dies eingetreten ist, erfasst die linke Hund mit Daumen*, Zeige- und Mittelfinger den Siinienstrang dicht Über dem Nebenhoden, während die rechte Hand den Hoden so umziistülpen sucht, dass das untere Ende desselben nach oben gerichtet ist. in dieser Stellung wird der llode mit beiden Händen erfasst, mehrmals um seine Längs­achse gedreht und dann in den Leisteukanal geschoben. Nachdem mit dem zweiten Hoden ebenso verfahren ist, legt man dicht unter dem ilusseren Baucliriuge eine Schnur um das Scrotum, welche die Hoden in dieser Lage 48 Stunden hinduroh erhalten soll. Es stellt sich etwas Schwellung ein, welche jedoch bald wieder verschwindet, worauf die Hoden atrophiren. Das ursprungliche Verfahren, das bei geschickter Ausführung kaum 5 Minuten in Anspruch nahm, ist später wiederholt modifleirt worden. So empfahl Mo rot den Samenstrang beim Hüllen 6—9mal, beim Widder 9—12ma] umzudrehen, sodann den Hoden wieder in seine natürliche Lage herabfallen zu lassen; die Anlegung des Bandes um das Scrotum ist hierbei überflüssig, auch sollen die Tbiere durch das Verfahren sehr wenig leiden und alsbald wieder auf die Weide geschickt werden können. Dagegen verlangt diese Methode von dem Operateur grössere Anstrengung und Geschicklichkeit.
Hu eisen versuchte die Torsion des Samenstranges bei einem 4jährigen Pferde und machte etwa 15 (?) Umdrehungen. Gleich darauf soll sich eine Hämorrhagie eingestellt haben, welche erst nach zwei Tagen zu stillen war(?).
I. Die subeutane Unterbindung des Samenstranges, ein Verfahren, das zuerst von Martini für Farren, Widder und Hunde beschrieben wurde. Wir können dasselbe für Ziegenböcke empfehlen, sofern man mit den llülfsmitteln der Antisepsis zu operiren im Stande ist. Das auf dem Rücken liegende Thier wird von zwei kräftigen Männern an den Beinen festgehalten: am Halse des Scrotums wird das Haar zu beiden Seiten abrusirt und die Haut nach den allge­meinen Regeln desiniieirt. Dann drängt man mit Zeigefinger und Daumen zunächst einen Samenstrang gegen die laterale Wand des Scrotum und sticht eine etwa 5 cm lange, mit einem sterilisirten, nicht zu schwachen Seidenfaden versehene Nadel von vorn mich hinten und zwar medianwärts an dem Samenstrang vorüber durch den Hals des Hodensackes. Dann wird der Faden in eine gleich starke, aber stumpfe Nadel gebracht und durch die Ausstichötl'nung zurück in den Hodensack, dann an der lateralen Seite des Samenstranges ent­lang durch die Einstichöffnung zurückgeführt, so dass der Faden eine
UUllev u, Krick, A.Ugemolno Ohirurgle fllv TMerfti'üte, 8. AuM
88
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Die Castration.
Schlinge um den Smnenstnuig bildet. Diese zieht mau fest zusammen, verknotet, schneidet den Faden kurz ab und liissfc den Knoten in den Hodensack gleiten, worauf die kleinen Stichwunden mit etwas Jodo-formtannin oder .lodoformcolludium geschlossen worden. In derselben Weise wird der zweite Samenstrang behandelt. Wenn man vorsichtig zu Werke geht, tritt keine Entzündung und Eiterung ein; auch leiden die Thiere wenig bei dem Verfahren. Die Hoden schwellen
Fig. 130.
in den nächsten Tagen etwas an, aber schon nach ;.} bis •1 Wochen, zuweilen etwas später, stellt sich eine deut­liche Atrophie derselben ein, worauf die Hoden allmählich, aber fast vollständig verschwinden. Nach der Unterbindung tritt Nekrose der Hodensubstanz ein, wie ich (M.) mich bei der Section eines Versuchsthieres überzeugen konnte. Dm das doppolte Einfädeln zu vermeiden, hat Schmey eine Nadel (Fig. 136) mit Schraube empfohlen. Nachdem dieselbe an der einen Seite des Samenstranges vorbei­geführt ist, schraubt man die Nadel aus einander, drängt
den Samenstrang zwischen beide Theile der Nadel durch, schraubt diese wieder zusammen und zieht die Nadel zurück. In Ermangelung dieser und einer stumpfen Nadel gelingt die Operation auch durch Zurückführen des Fadens mit dem Oehrende der Nadel. Asepsis zu erhalten fällt hierbei nicht schwer, besonders wenn für gehörige Des-infectiou der Unterbindungsfäden gesorgt ist. Bei Ziegen­böcken, welche gegen die mit Eröffnung des Hodensackes verbundenen Castration im allgemeinen empfindlich sind, verdient diese Methode Beachtung. Man versäume Jedoch nicht die ünterbindiuigsfäden recht fest anzuziehen; ge­
Castrivnadel
nach Schmoy.
schieht das nicht, so fällt der Erfolg aus, die Hoden functioniren weiter.
Soll die Unterbindung bei Bullen ausgeführt werden, so lässt man den Hinterfuss an der zu operirenden Seite nach vorn ziehen, damit der hinter dem Thier knieende Operateur den Hals des Hodensackes erfassen kann; im übrigen wird wie oben verfahren.
Bei Kälbern und Ziegen wurde von Dentler die subcutane, besser intrascrotale Durchschneidung des Samenstranges empfohlen, ein Verfahren, das sich jedoch in die Praxis nicht eingeführt hat, weil es häufig mit Blutungen, Eiterungen und anderweitigen schweren Stö­rungen verbunden war.
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Castration naännlioher Thiere — i^lit Entfernung der Soden.
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Dass nicht die U n te r b i n d u n g des Samenleiters allein den (re-schlechtstrieb der Thiere vernichtet, ei'giebt sich aus folgendem Versuche. Bei Cryptorchiden findet sich zuweilen der Schweif des Nebenhodens mit einem rudimeiitüren Scheidenfortsatze im Leistenkanal, während der Mode selbst in der Bauchhühle lie^t. In einem solchen Falle unterband ich (M.) den ersteren und schnitt ihn ab , während der Hode nicht entfernt wurde. Damit war zwar die Entleerung der Samenfiüssigkeit unterbrochen . nicht aber der Geschlechtstrieb: dieser sistirte erst, nachdem bei einer zweiten Operation auch der Mode entfernt war.
II. Castration mit Entfernung der Hoden.
Die Castration mit Entfernung der Hoden ist heute die gebräuch­lichere, namentlich bei Pferden, hindern und Fleischfressern. Hierbei werden entweder nur die Hoden entfernt, oder man nimmt zugleich den Hodensack fort; das letztere Verfahren wird jedoch fast nur noch an Kälbern und Ziegen ausgeführt und besteht in der Anlegung einer Ligatur tun den Hals des Hodensackes. Mau nimmt einen recht starken Bindfaden oder einen Strick, legt denselben in Gestalt einer sog. Castrirsohlinge um den Hais des Eodensackes und schnürt diesen recht fest ein. War die Schlinge fest genug, so fällt der Hodensack mit seinem Inhalt nach einiger Zeit ab, anderenfalls muss die Schlinge später nochmals nachgezogen werden, bis das Scrotum in 8—M Tagen abfällt, Man hat auch wohl hölzerne oder eiserne Kluppen zu dem­selben Zwecke um den Hodensack gelegt. Beide Verfahren verursachen dem Thiere unnütze Schmerzen und werden im allgemeinen nur von Kälbern ertragen, welche aber auch hierbei mehr leiden als nach einer kunstgerechten Castration mit Eröffnung des Eodensackes. i'iot will in Aegypten die Unterbindung des Scrotums mittelst elastischer Ligatur bei 2000 Bullen ohne Verlust angewendet haben. Auch bei Ziegen­böcken ist die elastische Ligatur sehr zu empfehlen.
Allerdings knüpfen sich an die Castration mit Entfernung der Hoden verschiedene Gefahren, welche bei der Ausführung zu berück­sichtigen sind, insbesondere:
1, Blutung aus den Samenstranggelassen, welche unter Umständen zur Verblutung des Thieres führen kann.
'.1. Die mit Eröffnung des llodensackes regelmässig auftretende infectiöse Entzündung des Samenstranges, welche auf das Peritoneum übergreifen und tödtliche Peritonitis im Gefolge haben kann, Ein aseptischer Wundverlauf wird unter den obwaltendem äusseren Um­ständen häufig nicht erzielt, daher sind auch speeifischo Infectionen. d. h. mit besonders virulenten (septischen) Stoffen nicht ausgeschlossen.
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596nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 'J'e Oastration.
Moylicliste Reinlichkeit und Sorgu für den regelmässigen Abflugs dos Wundsoorets verhüten indess mit .seltenen Ausnahmen solche Gefahren.
li. Sofern bei diesen Methoden auch der Proeessus vaginalis ge-otfnet wird, ergiebt sieh ferner die Möglichkeit, dass ein Vorfall von Netz oder Dann eintritt. In der Regel stellt sieh Darmvorfall jedoch nur bei abnormer Weite dos inneren Baucbringes. oder bei der Gegen­wart einer Ingninalhernie ein, von deren Abwesenheit man sich daher vor der Operation überzeugen muss.
Zu den gebrilucblichsten Methoden der Durchtrennung des Samen­stranges gehören:
1,nbsp; nbsp;Das Abreissen der Hoden. Ein Verfahren, welches bei Kälbern. Lämmern und Schweinen wohl angewendet wird und darin bestobt, dass man nach Eröffnung des llodensackes mit dem Messer, den Samenstrang durch einen kräftigen Zug vom Hoden abreisst. Wo zahlreiche Lämmer castrirt werden müssen, z. B. in Kussland, bedient man sich selbst heute noch dieser Methode; auch soll das Abreissen des Samenstranges bei Bullen in Süddeutsch land von ge-worbsmässigen Castrirern noch vielfach ausgeführt werden. Wenn bei dem Abreissen der centrale Theil des Samenstranges nicht gehörig fixirt wird, so reisst durch den Zug am unteren Ende desselben die Bauchfellduplicatur entzwei, welche in der Bauchhöhle die Saraen-gefässe umgiebt, oder es gleitet der Rest des Samenstranges in die Bauchhöhle zurück und verwächst hier in der Nähe des inneren Bauch­ringes; beide Zustände können zu Incarcerationen des Darmes Veran­lassung geben. Man vergleiche hierüber das Kapitel „üeherwurf in der Specielleu Chirurgie.
2.nbsp; nbsp;Das Abschaben des Samenstranges wird namentlich bei jungen Thieren, Schweinen, Schalen angewendet und in der Weise ausgeführt, dass man mich Eröffnung der Scheidenbaut den Samen­strang auf den Zeigefinger der linken Hand legt und mit einem stumpfen Messer so lange schabt, his er durchtrennt ist. Es findet dabei eine allmähliche Zerreissung der Blutgefässe statt, in Folge dessen die Blu­tung unbedeutend bleibt, Daw son und Hur ford wollen das Ver­fahren auch bei Pferden mit Erfolg benutzt haben, doch wurden nur die Blutgefässe abgeschaht, das hintere Septum des Samenstranges einfach durchschnitten. In einigen Gegenden (Ostpreussen) soll man bei Pferden zuweilen den freigelegten Samenstrang so lange zwischen zwei Steinen klopfen, bis derselbe durchtrennt ist. Auch wird der Samenstrang wohl mit Kupfervitriol bestreut und zwischen den Fingern abgerieben.
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Castration mitniiliclicr Thiere. — Jlit Entfernung der Hoden.
)97
3, Das Abq uetscho u mit Hülfe des Ecruseurs. In Amerika benutzt man in neuerer Zeit zur Castration der Hengste viel­fach den Ecraseur, indem die Kette oder Schlinge desselben um den Samenstrang gelegt, und letzterer durch Schliessung derselben durch­trennt wird. Neuerdings hat man auch in Deutschland und anderen Ländern (Belgien) hierzu vom Ecraseur mehr Gebrauch gemacht.
In ähnlicher Weise wirkt der in England unter dem Namen „Emasculatorquot; empfohlene Apparat, dessen Zusammensetzung jedoch complicirter ist, wodurch die Reinigung des Instrumentes mit noch grösseren Schwierigkeiten verbunden ist als beim Ecraseur.
Fig. 187
na. 188.
Zangen zmn Abdrehen der Hoden nach Bonanlt.
Ziingc nach Williams.
4. Das Abdrehen des Samenstranges. Hierbei wird der Samenstrang und zwar nur das vordere Septum so lange um seine Längsaxe gedreht, bis er zerreisst. Nach Eröffmmg der gemein­schaftlichen Scheidenhaut legt man bei Pferden und Kindern eine Zange oder Klammer über dem Nebenhoden um den Samenstrang-, um ihn zu lixiren und mit Hülfe einer zweiten Zange oder einfacher noch mit den Händen das untere Ende mit dein Hoden abzudrehen. Bei Schafen, Schweinen und den Fleischfressern fixirt man den Samen­strang zwischen Daumen und Zeigefinger der linken Hand, während die rechte Hand die Torsion bewirkt und zwar in einfacher Weise dadurch, dass man nach Durchschneidung des hinteren Septums mit der Schere den Zeigefinger der rechten Hand dicht über dem Neben-
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Dia Ciistrutuin.
hoden duroh (leu Samenstrang Stösst, sodann mit diesem Finger kreis-törmige Bewegungen ausführt.
Die gebriluchlicliste unter den älteren Zangen zum Fixiren des Samenstranges ist die von Tögl (Fig. 136), welche in zwei verschie­denen Grossen eine für Pferde und Rinder und eine für kleinere Thiere angefertigt wird; von Kaiser, Bayer u. A. wurde die Zange nach verschiedenen Richtungen abgeändert. Ich (M.) liess eine ähnliche Zange herstellen, welche mit längeren Schenkeln versehen und bequem
Eilaquo;. 141.
Wig. 189.
Fie. 140.
Zange nach Tögl.
Zange nach Tögl, modilicirl duroh Kaiser.
Däuisohe Zange zum Abdrehen
des Sameiistranges (nach Saud).
ZU arretiren ist, so dass man dieselbe recht lest anlegen und während des Abdrehens leichter halten kann. In Frankreich sind die Renault-sohen Onterbindungszangen meist noch in Gebrauch (Fig. I'M). Auch Williams hat in England eine besondere Zange zu dem Zwecke con-struirt (Fig. 188); in Deutschland benutzt man die in Fig. 141 dar­gestellte Zange, welche von Sand construirt auch nach unseren Er­fahrungen die am meisten geeignete ist.
In früherer Zeit benutzte man an Stelle der Zangen wohl eiserne Klammern (Fig. 148). Das von Hoffmann construirte „Torcu-lumquot; scheint jener Zange gegenüber keine besonderen Vortheile zu gewähren.
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Castratiou Diamp;anlioher Thier*
Blit EntferQuusr Avr Muden.
509
Beim Abdrehen der Sanienstriingi' kommt es natilrlicli besonders darauf an, einen sicheren Verschluss der Blutgefusse derselben zu er­zielen. Dies wird einmal dureb kräftige Wirkung der zur Fixirung des Sameustranges dienenden Zange; erreicht, indem durch dieselbe die Wände der Blutgei'ilsse fest in einander gepresst werden (Forei-pressur), namenÜich wenn das Maul der Zange rauh ist; dann aber auch durch die langsame Zerreissung der Gewebe beim Abdrehen, wobei die Elutgefiis.se zuletzt getrennt werden.
Die meisten Zangen (Fig. 140) leiden an dem Fehler, dass sie den Siimenstrang ausgebreitet in sieh autiielimen. in Folge dessen füllt die Wirkung der Torsion nngleioliinässig aus. Der vordere und hintere Hand des Samenstranges rcisst nach einigen Umdrehungen ab, und damit werden auch die Bltttgefässe getrennt, ohne gehürig torqnirt zu sein. Auf diese Weise entstehen leicht Blutungen, besonders wenn zum Abdrehen eine zweite Zange gebraucht, und der Samenstrang damit zu kurz gefasst wird. Um ein gleichmilssiges Abdrehen des platten Ramenstranges zu ermöglichen, muss derselbe zunächst zusammengerollt werden, wie es sowohl bei der Tögl'sohen, sowie auch bei der in Pig. 141 dargestellten Zange geschieht. Auf di^se Weise reissen die Blutgefässe zuletzt ab, nachdem sie zahlreiche Umdrehungen erfahren haben. Die zerrissenen Theile des Samenstranges aber legen sich vor das Lumen der Gefiisse und sehliessen dieselben vollständig ein, so dass eine Blutung nicht eintreten kann. Mit der Tögl'sohen Zange ist man nicht im Stande einen kräftigen Druck auf den Samenstrang auszuüben. Deshalb verdient unseres Erachtens von den bisher bekannten Torsionszangen die dänische (Fig. 141) den Vorzug, welche diese Eigenschaften in sich vereint; sie faltet den Samenstrang wie die Tögl'sebe und gestattet zu­gleich eine energische Druckwirkung auf denselben.
Beim Abdrehen selbst gehe man langsam vor, erfasse den Hoden mit den Händen oder einer zweiten Zange und drehe denselben gleichmässig und langsam bis der Samenstrang abreisst; dazu ge­hören im Durchschnitt 15—20 Umdrehungen, zuweilen noch einige mehr. Wird eine zweite Zange zum Abdrehen benutzt, so lege man diese der erstoren, bezw. der Klammer zum Fixiren des Samen­stranges nicht zu nahe, sondern bleibe wenigstens 2 — 3 cm von der­selben entfernt.
Wir empfehlen den Samenstrang, nachdem der gelasslose Theil desselben mit der Schere durchschnitten ist, etwa 2—8 cm über dem Körper des Nebenhoden mit der Zange zu fassen und diese recht fest zu sehliessen. Dann ergreife man den Hoden mit beiden Händen und drehe den Samenstrang wie oben angegeben ab. Dabei pflegt zu­nächst der Samenleiter zu zerreissen, während die Blutgefässe, nament­lich die Samenarterie, bei ihrer grossen Dehnbarkeit zuletzt getrennt werden. Besondere Sorgfalt ist daher bei den letzten Drehungen zu
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(300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;D'e Kastration,
enipt'elilen; nnui vermeide namentlich das Gfefftsa Bbzureissen, sondern drehe langsam, bis die Trennung des Samenstranges vollstätidig ist, Durch Abreissen wird die dehnbare Arterie aus dem übrigen Gewebe hervorgezogen um\ kann uiclit, von diesem umgeben und geschlossen werden, wie es zur sicheren Blutstillung erforderlich ist. Sobald die Trennung erfolgt ist, legt man den Hoden bei Seite, lüftet langsam die Zange und achtet darauf, ob sich noch Blutung einstellt. Sollte dies der Fall sein, so schliesst mau die Zange von neuem, sucht das blutende Gefäss mit einer Schiebeqiincette zu fassen und torquirt es recht vorsichtig, oder man unterbindet unter Beachtung der oben er­wähnten Massnahmen, Falls der blutende Samenstranff der Zansre entschlüpfen sollte, erfasse man ihn mit der Hand, indem man den Processus vaginalis aufsucht und in diesen eindringt. Nach dem Ab­drehen sorge man dafür, dass der Samenstrang in die gemeinschaft­liche Scheidenhaut zurückgleitet, und ziehe das Scrotum zu dem Zweck etwas nach unten.
5. Die Unterbindung. Die Unterbindung des Samenstrauges bezw. des vorderen, die grösseren Blutgefilsse enthaltenden Septum desselben ist wiederholt und von verschiedenen Seiten empfohlen worden. Das Verfahren erscheint auf den ersten Blick auch als das natürlichste, und doch hat sich dasselbe nicht überall bewährt; selbst diejenigen Operateure, welche sich anfangs für dasselbe aussprachen, haben später die Unterbindung wieder aufgegeben. Die Unterbindung eignet sich nicht für alle Thierarten; während Fleischfresser und ältere Eber mit Hülfe derselben leicht und ohne Bedenken castrirt werden, auch bei Wiederkäuern unter Beachtung gewisser Massnahmen die Anwendung derselben zulässig erscheint, ist diese Methode bei Pferden nicht zu empfehlen (vgl. S. 617).
Zum Zwecke der Unterbindung wird der Samenstrang freigelegt, sein hinteres Septum mit der Schere durchschnitten und, nachdem das vordere mit einem reinen Bindfaden oder besser mit Seide, Catgut oder der elastischen Ligatur unterbunden ist, schneidet man den Samenstrang l cm unterhalb der Ligatur ab. Andere durchstechen den Samenstrang, unterbinden das vordere Septum und durchschneiden dann den ganzen Samenstrang.
Lafosse empfahl die isolirtc Unterbindung der Samenarterie. Er legte den Samenstrang ausgebreitet auf den Zeigefinger der linken Hand und suchte mit dem Daumen die Arterie auf, welche sich im vorderen Septum als ein bindefadenstarker Strang durch Pulsation bemerkbar macht. 3 — 5 cm über dem Hoden wurde alsdann mit Hülfe
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(Jnstration männlicher Thiere ^lit Entfernung tier Hoden.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(gt;01
einer Nadel das Gefäss unistochen und unterbunden, worauf man den
Samenstrang 3 cm unterhalb abschnitt.
lt;gt;. Von Lafosse wurde ferner empfohlen den Samenstrang ein*
lach abzuschneiden. Die Versuche, welche von ihm, Barthelemv. Goubaux, Hering U. A. angestellt wurden, haben ergeben, class man unter Umständen auch bei grösseren Thieren (Pferden) dieses Ver­fahren anwenden kann, ohne dass Verblutung eintritt. Keineswegs aber geht aus diesen Versuchen hervor, dass man gegen einen derartigen Ausgang gesichert ist. In manchen Fällen traten bei Pferden be­deutende Blutungen ein, die zwar nicht zum Tode fährten, immerhin aber eine erhebliche Schwächung des Thieres zur Folge hatten. Ein Pferd verlor 13,5 kg. Blut. Bei Fleischfressern gelingt auf diese Weise die Castration ohne erhebliche Blutung, doch dürfte die Methode auch hier nicht ganz zuverlässig sein.
7.nbsp; Das Durchbronnen des Samenstranges bildet eine der ältesten Castrationsmethoden, welche auch in neuerer Zeit bei Pferden und Kindern noch zuweilen angewendet wird. Sie gehört ohne Zweifel zu den schmerzhaftesten Verfahren. Da ebenso zuverlässige, aber weniger schmerzhafte zu Gebote stehen, sollte man von der Anwen­dung desselben Abstand nehmen. Man benutzt dazu ein beilförmiges Brenneisen, das mit einem recht starken, etwa 1,5 — 2 cai breiten Kücken versehen ist, damit es sich längere Zeit heiss erhält, und der Bücken des Brennkolbens zur Blutstillung benutzt werden kann. Der wie oben beschrieben freigelegte Samenstrang wird dicht über dem Schweif des Nebenhodens in eine breite, eiserne (Fig. 142) oder höl­zerne (Fig. 144) Kluppe gelegt, welche zugleich dazu dient, die be­nachbarten Theile gegen die Hitze des Brenneisens zu schützen. Etwa 2 cm unterhalb der Kluppe brennt man zunächst, den Samenstrang mit der Schneide des rothglühenden Brennkolbons durch ; sodann wird der Stumpf des Samenstranges mit dem Bücken des Eisens wiederholt und so lange berührt, bis nach vorsichtigem Lüften der Klammer keine Blutung mehr auftritt. Um das Verkleben des Samenstranges mit dem Brennkolben zu verhindern, empfiehlt sich, den Stumpf mit etwas Oel zu begiessen und dann das Brennen fortzusetzen. Auch hat man wohl empfohlen, den Stumpf des durchbrannten Samenstranges mit Eisenvitriol zu bestreuen und darauf das Brennen fortzusetzen.
8.nbsp; nbsp;Die Castration mit Kluppen. Dieses in Deutschland für Pferde, Rinder und ältere Schweine bis in neuere Zeit am meisten angewendete Operationsverfahren, zerfällt in zwei Methoden:
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Die Oastratlon.
a) ilii! Castration mit blossgelegtom Hoden (Castration k t c a t i c u 1 e d d c o u vert);
1)) die Castration mit bedeelcteni linden (Castration h testicnlo convert).
ft) Bei der ersteren Methode wird am Grunde des Hodensackes, parallel zur Mittellinie ein langer Schnitt durch die äussere Haut, die Tunica dartos und den Frocessus vaginalis geführt, und so der Hoden mit dem Samenstrnnge freigelegt, der Samenstrang gut ausgebreitet in eine Kluppe, d. h. ein paar Hölzer von 10^—20 cm Länge, 1,5 — 2 cm Breite gebracht, welche an einem Ende mittelst eines ßind-
Pig. 112.
Pig. 144.
ßisernonbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hölzerne
Kluppen zum Abbrennen ilcs Samenstrauges.
fadens oder eines Charniers verbunden sind. Nachdem auch das andere Ende mit einer besonders dazu construirlen Zange, Kluppenzange (Fig. 1-li') oder Kluppenschraube (Fig. 14()—148) fest zusammen gcpresst ist, bindet man dieses Ende der Kluppe mit einem starken Bindfaden möglichst fest zusammen. Nach 21 Stunden kann die Kluppe wieder abgenommen werden, doch lässt man sie wohl 2 bis '#9632;'lt; Tage und selbst noch länger liegen.
Die Kluppen sollen aus einem möglichst festen, zähen aber leichten Holz gefertigt werden: in Deutschland wählt man hierzu mit Vorliebe Eschen, Weissbuclien oder Birken, neuerdings auch Hickoiy-hol/,. Die liänder der Kluppe müssen gut abgerundet sein, um Ver­letzungen und Blutungen aus dem Plexus pampinifonnis ZU vermeiden,
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WP
Oastriitiun miiimliflicr Thiorc
Mit IDntfeniuD(r der Hoden
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die durch Verklebung rait den scharfen Rändern leicht entstellen. Man verwendet entweder kreisrunde Kluppen oder solche auf hoher Kante gearbeitet (Fig. 145), deren Berührungsflächen (Kleinnii'läclieni
Witt, W
Fig. 140.
Hölzerne ('astrationskluppe. Pig. 147.
Fiff. 148.
Klnppensohrauben.
kleiner sind als ihr senkrecht durch diese gehender Durchmesser. Die letzteren verdienen auch nach unseren Erfahrungen den Vorzug, weil sie bei geringerer Schwere eine kräftigere Druckwirkung ermöglichen als kreisrunde Kluppen, zumal die Klemmfläche derselben kleiner aus-
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Die Oiistratiou.
filllt. Diese, mit einer riimoufönnigen Vertiefung verseilen, wird viel­fach mit einer Aetzpatse aus Kupfervitriol, rutliem Präcipitat oder Sublimat und Mehlkleister, bestrichen, so dass die Rinnen voll­
Piff. 149,
ständig ausgefüllt sind. Man beabsichtigt damit eine voll­ständige Nekrotisirung des von der Kluppe eingeschlossenen Abschnittes des Samenstranges; wichtiger erscheint jedoch die Imprägnirung desselben mit dem Desinfectionsinittel, welches Zersetzungsprocesse iu dem nekrotisirten Stücke des Samenstranges und Infectionen der Umgebung verhütet.
iMatthiespii empfiehlt folgende Masse: Cupri sull'urici 2, Oupri aoetioi, Gummi arable, und Dextrin! äa 1 werden ge­pulvert und mit Wasser zu einem dicken Brei verrieben auf die Klappe gestrichen, Die Masse trocknet schnell, und die Kluppe ist alsbald zum Gebrauche geeignet. Brücher liisst Onpr. sulfuric. und Mehl zum Drei gerührt auf die Kleinmlliiclien streichen, so dass die Ränder derselben um 2 mni von der Masse überragt, werden. Vor dem Gebrauche soll die Masse mit einer Feile ge­glättet werden. Albrecht benutzt, fein gepulvertes Sublimat, welches mit über einem Feuer verflüssigtem Gummi arable, ver­mischt in einer dünneu Schicht auf die Kluppe gebracht wird.
Wir verwenden ebenfalls eine coucentrirte Lösung von Sublimat in Mucilugo Gummi arabici, welche man 2—3mal wiederholt direct auf die Klemmfläche der Kluppe streicht.
Kluppen-
Schlampp legt zunächst einen Gazestreifen auf die Kluppe und tränkt diesen mit der Sublimatlösung, worauf die Gaze nach dem Eintrocknen der Lösung au der Kluppe festklebt. Das letztere Verfahren gewährt den Vortheil, dass die Abnahme der Kluppen erleichtert wird.
Die Kinne an der Klemmtliicho der Kluppen dürfte wahrscheinlich zuerst in der Absicht angebracht sein, das Abfallen der Kluppe zu verhindern, eine Wirkung, die ihr ohne Zweifel auch zukommt; andererseits eignet sich dieselbe zugleich zur Aufnahme eines Desiiifectionsmittels und erhöht die Druckwirkung, indem die Klemmfläche der Kluppe verkleinert wird.
Zum Schliessen der Kluppen bat man verschiedene Zangen und Schrauben oonstruirt (Fig. 146—148), am meisten ist die in Fig. 149 dar­gestellte Zange in Gebrauch. Wo bei der Castration mit Kluppen kein zu­verlässiger Gehülfe zur Stelle ist, um die Kluppenzange zu halten, während der Operateur die Kluppe zusammenbindet, ist eine Arretirungsvorriohtung an der Zunge erwünscht; das Instrument kann auch als eiserne Bremse be­nutzt werden. Die Kluppen schrauben (Fig. 146—1-18) sollen den Operateur in die Möglichkeit versetzen, ohne Gehülfen zu arbeiten. Die in Fig. 14K dargestellte geschlossene Kluppenschrauhe hat jedoch den Nachtheil, dass mit dem Anlogen derselben grössere Schwierigkeiten verbunden sind als bei Anwendung der offenen (Fig. 147): an letzterer aber muss das Seitenstück
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Oastration mSnnlioher Thisro — Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;005
recht stark gebaut sein, wenn es den Zug der Scliraube auslialten soll. Die bier abgebildete ist zu schwach, wilhrend die in Fig. 146 dargestellte, nach unseren Angaben verfertigt den Vorzug verdient; sie besitzt die nöthige Widerstandsfilhigkeit und lilsst sich leicht appliciren,
Besondere Aufmerksainkeit verdient, die Desinfection der Kluppen. Nach der Abnahme und Reinigung derselben lege man sie mehrere Tage in eine Desiiifectionsfiüssigkeit, lasse sie sodann tüchtig aus­kochen und bewahre sie trocken auf. Sobald sieh bei Anwendung derselben ünregehnässigkeiten in der Wimdlieilung, namentlich stär­kere entzündliche Anschwellungen bemerkbar gemacht haben, empfiehlt sich die Kluppen ZU vernichten.
b) Bei der Gastration mit bedecktem Hoden bezw. Samenstrang wird der Hautschnitt in derselben Weise ausgeführt, und auch die Tunica dartos durchschnitten; sodann trennt man mit leichten Schnitten das die letztere mit dem Processus vaginalis verbindende, lockere Hinde-gewi'be, bis die gemeinschaftliche Scheidenhaut, durch ihre bläuliche Farbe gekennzeichnet, zu Tage tritt. Nunmehr wird mit dem Finger das lockere Bindegewebe, welches die gemeinschaftliche Scheidenhaut mit ihrer Umgebung verbindet, abgetrennt, bis der Hoden mit dem Samenstrange soweit frei liegt, class man oberhalb des Nebenhodens eine Kluppe auf den Processus vaginalis bringen kann, welche im übrigen wie oben beschrieben angelegt und befestigt wird. Darauf schneidet man den Hoden und das untere Ende der gemeinschaft­lichen Scheidenhaut mittelst einer Schere ab. Die Kluppe bleibt hier­bei wenigstens 48 Stunden liegen; oft empfiehlt es sich sie erst am :5.—.quot;gt;. Tage nach der Operation abzunehmen (S. 013).
1. Die Castration der Hengste.
Aus den oben bereits angegebenen Gründen empfiehlt sich bei Pferden das 2. Lebensjahr für die Operation, welche in dieser Zeit am günstigsten verläuft; auch leiden jüngere Thiero dabei weniger als ältere. Im übrigen können Hengste jeden Alters ohne besondere Gefahr castrirt werden, sobald an den Geschlechtsorganen keine krankhaften Zustände bestehen, und die Hegeln der Antisepsis beachtet werden.
Vor der Operation untersuche man das Scrotum auf die Gegen­wart eines Bruches und achte dabei namentlich auf die Stärke des Samenstranges sowie auf die Weite des Bauchringes.
Fohlen lässt man am Tage der Castration das Morgenfutter (Mit­ziehen, filtere, unruhige und namentlich heftige Hengste einige Tage
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vorher knapp im Putter halten, aber regelniiissig' firbeiton. Mastli spricht sich gegen längeres Hungern der Thiere vor der Operation aus, weil hierdurch sowohl Netz- wie Darnivort'illle begünstigt werden sollen. Jährlinge castrirt Masch ohne jede diätetische Vorbereitung. Wie weit diese Besorgniss begründet ist, mag dahingestellt bleiben, doch lässt sich nicht leugnen, dass ein angefüllter Dünndarm weniger leicht den inneren Bauchring und Leistenkanul passirt, als ein leerer. Rennpferde operire man, wenn sie aussei- Condition sind; unmittelbar von der Rennbahn kommend, besitzen dieselben gewaltige Muskelkraft, so dass während der Operation leicht Knochenbrüehe entstehen. Man hat zwar in England, Amerika und Frankreich, Pferde im Stehen castrirt, jedenfalls aber nicht im Interesse der kunstgerechten Ausführung der Operation, wie selbst von Anhängern der Methode zugegeben wird (Salinier). Leicht gelingt dies bei Fohlen und ruhigen, kaltblütigen Thieren, die man aber auch ohne grosse Gefahr niederlegen kann. Unseres Wissens castrirte zuerst Joyenx am stehenden Pferde; später wurde die Methode nach dem Vorbilde' des amerikanischen Castrirers Miles in Amerika geübt, und neuerdings von Salinier, Cagny u. A. empfohlen, .loyeux operirt von der rechten. Miles von der linken Seite, beide mit Kluppen, ersterer mit bedecktem, letzterer mit ent-blösstem Hoden.
Nach Joyeux wird das Pferd zu dem Zwecke kurz und fest an-gebunden, geblendet und gebremst. Nachdem die Hinterfüsso gespannt sind, nimmt der Operateur an der rechten Flanke des Pferdes Auf­stellung. Das Gesicht gegen diese gewendet, die linke Schulter etwas ge­senkt, ergreift er den Hodensaok und sucht die Hoden einzeln nach unten gegen den Grund des Scrotnms zu drängen, indem er mit der linken Hand den Samenstrang von vorn umfasst. Sobald dieser fest in der Hand liegt, werden die Hüllen des Hodensackes von vorn nach binten und zwar in mehreren Tempos durchschnitten, wobei man seinen linken Daumen zu schonen sucht. Nach Durehtrennung der ilusseren Haut und der Tunica dartos soll der Testikel herabsinken, worauf der Operateur mit der rechten Hand die genannten Häute vom Processus vaginalis abstüsst, bis es ge­lingt durch den an der linken Seite des Pferdes stehenden Gehülfen die Kluppe von hinten auf den Samenstrang schieben zu lassen. Sobald dies geschehen, ergreift der Operateur das vordere Ende der Kluppe, legt die Kluppenzange oder Schraube an, worauf der Gehülfe den Bindfaden um die Kluppe schlingt und anzieht. Hierauf überlässt der Operateur die Kluppen­zange dem Gehülfen, er selbst verknotet den Bindluden. Die Kluppenzange muss während der Operation gegen den Bauch und nach hinten gehalten werden, um Zerrungen des Samenstranges zu vermeiden. Nachdem der Hode abgeschnitten ist, wird der linke in derselben Weise entfernt.
Salinier operirt mittelst Aetzkluppen und legt zuerst eine Binde um den Hals des Hodensackes. Während der Operateur die Hoden nach unten drängt, wird die Binde von dem Gehülfen applicirt und zusammengeschnürt;
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je fester dieselbe angezogen wird, desto ruhiger soll sich das Pferd bei de r Operation vorhalten.
Blanlouil und Mosnard castriren ebenfalls um stehenden l'lerde und zwar mit bedecktem Samonstrange. Bei anmhigen Pferden werden Morphiuminjeetionen odor Aether angewendet. Trasbot spricht sich jedoch gegen die Castration am stehenden Pferde aus.
Miles castrirt Fohlen von der linken Seite, indem das Thier kurz angebunden mit der rechten Seite gegen eine Wand gestellt und an der linken Seite in der Hohe der Unterschenkel ein liatirbaum gehalten wird, damit das Thier den Operateur durch Schlagen nicht verletzen kann. Die Kluppen worden über den unbedeckten Samenstrang gelegt und statt des Bindfadens mit einem ledernen King befestigt, welchen man auf das conische Ende der Klappe schiebt.
Auch in England findet neuerdings vielfach die Castration am stehen­den Pferde statt. Griffith beschreibt das Verfahren wie folgt: Ein Ge­hülfe stellt sich links neben dem Pferde auf; seine rechte Schulter gegen die linke des Thieres gelehnt, hält derselbe das mit Halfter und Bremse versehene Pferd; ein zweiter Gehülfe wird mit den erforderlichen Instru­menten versehen. Der Operateur, ebenfalls an der linken Seite des Pferdegt; stehend, lässt seine linke Hand am Bauche des Thieres entlang bis zum Hodensack gleiten, ergreift zunächst den rechten Hoden und zieht den­selben auf den Grund des Scrotums, welches sodann durch einen mit der rechten Hand von vorn nach hinten geführten Schnitt geöffnet wird. Sofort erfasst die linke Hand den hervortretenden Hoden und zieht ihn abwärts, während die rechte Hand die geöffnete Kluppe zwischen beide Hinterbeine hindurch von hinten nach vorn über den Samenstrang schiebt. Darauf er­fasst die linke Hand die freien Enden der Kluppe und drückt diese zu­sammen. Nachdem die rechte Hand festgestellt, dass nur der Samenstrang und nicht zugleich Theile des Hodensackes in der Kluppe liegen, erfasst dieselbe nunmehr die Kluppenzange, um die Kluppe fest zusammen zu pressen. Darauf wird über das vordere Ende der Kluppe eine Sohlinge gelegt und der Kode abgeschnitten; in derselben Weise wird der linke Hoden entfernt. Griffith will auf diese Weise in einem Sommer 140 Pferde im Alter von 1 —12 Jahren ohne bomerkenswerthe Zufälle castrirt haben.
In Deutscbland ist es bisher allgemein üblich, die Pferde zum Zwecke der Castration auf die linke Seite zu legen, so dass die Ftisse und das Hintertheil etwas höher liegen als der Rumpf. Der rechte Hinterfuss wird sodann in Beugestellung ausgebunden, nach vorn ge­zogen, so dass der Huf etwa bis zur Brust des Pferdes reicht, und etwas abducirt. Man vermeide hierbei den Fuss zu weit nach vorn zu führen (der Huf darf höchstens bis zum Ellenbogen des gleich­seitigen Vorderfusses gelangen); wird der Fuss nicht weit genug nach vorn gebracht, so kommt der Operateur in die Gefahr, vom Sprung-beinhöcker desselben verletzt zu werden. Auch empfiehlt sich, den ausgebundenen Fuss nicht zu befestigen, damit heftige Streckbewe­gungen mit demselben nicht auf grösseren Widerstand stossen und Schenkelbrüche veranlassen. Es empfiehlt sich vielmehr, den ausge-
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(i()8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Custrrttion.
bundonen Fuss mit einem um Fessel und Euf geselilimgeuen Strick in Beugestelhmg (Plantarflexion) halten zu lassen.
Pur die Castration von Hengsten eignet sich ganz besonders das dänische Wurfzeug, welches nicht nur das Operationsfeld frei macht, sondern auch grössere Hube der Tiiiere erzielt. Es muss auf das S. -ISO hierüber Gesagte verwiesen werden.
Die Castration in der Rückenlage, welche früher wohl empfohlen
wurde, bietet keine ncnnonswerthen Vortheile: violleicht den, dass ein Dunn-voii'iill nicht so leicht eintreten kann. Bei sorgsamer Untersuchung voi­der Operation ist man gegen solchen jedoch auch in der Seitenlage des l'terdes gesichert. Dagegen verlangt die Kückenlage eine grössere Zahl ge­wandter und zuverlässiger Gehülten.
Bei englischen Vollblutpferden mit starkem Rücken und heftigem Temperamente lassen wir Chlorofornmarkose anwenden, um die besonders beim Zusammenpressen der Kluppen oder Zange leicht auftretenden Wirbel­brüche zu vermeiden; seitdem wir dieses Verfahren beachten, ist uns eine Wirbelfractur hierbei nicht mehr vorgekommen. Röder will durch Ein­spritzungen von Oooain in die Suboutls des Scrotums selbst beim Anlegen der Kluppen Anästhesie erreicht haben.
a) Castration der Hengste mit Kluppen.
Da die Castration der Hengste in Deutschland bisher meist mit Kluppen erfolgte, so mag diese Methode hier zunächst Besprechung finden, obwohl, wie gleich bemerkt werden muss, die Torsion des Samenstranges vorzuziehen ist und neuerdings auch mehr und mehr Aufnahme gefunden hat.
laquo;) Castration mit unbedecktem Hoden (C. ä testicule de-couvert). Der Operateur kniet hinter der Kruppe des Pferdes; nach­dem er sicii nochmals von der normalen Beschaffenheit der Samenstränge und der äusseren Bauchringe durch Palpation überzeugt hat, wird der Hodensack und seine Umgebung abgeseift und mit Sublimatwasser abgewaschen. Darauf sucht man zunächst den linken Hoden zu fassen, indem die linke Hand von vorn nach hinten um den linken Samenstrang greift. Zur Ausführung dieses Griffes wird zunächst die geöffnete rechte Hand zwischen Hoden und linke Schenkelfläche geschoben, worauf die linke Hand von vorn den Samenstrang zu umfassen und den Hoden auf den Grund des Scrotums zu drängen sucht. Man erkennt die richtige Lage des Hodens daran , dass die Raphe scroti parallel zum Hoden an der medialen Seite desselben liegt. Um bei jungen Fohlen die Hoden leichter erfassen zu können, wurde vorgeschlagen, am stehenden Thiere eine Ligatur um das Scrotum zu legen. Man achte ferner darauf, dass das Scrotum auf dem Hoden straff angespannt ist. Mit einem geballten, scharfen Messer wird sodann ein recht langer Schnitt in der Längsrichtung des Körpers, parallel zur Raphe scroti
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Oaslnitiou iiiiiimliolior Tliierc — Hongste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; QQQ
und etwa 2— 3 cm von dieser entfernt geführt, welcher sowohl die iiussere Haut, als auch die Tunica dartos und den Processus vaginalis trennt; dabei kann der Hoden selbst ohne Bedenken verletzt werden. Andere führen den ersten Schnitt durch die iiussere Haut und Tunica dartos, einen zweiten durch die gemeinschaftliche Scheidenhaul. Auf diese Modificationen kommt es nicht an. wohl aber darauf, dass die Trennung in allen drei Häuten möglichst gross ausfällt, damit während des Heilungsvorganges das Wundsecret recht günstigen Abfluss lindet. Dies gilt namentlich vom Processus vaginalis. Fällt der Schnitt durch denselben nicht von vornherein gross genug aus, so quetscht sich der Hoden durch denselhen langsam hindurch; das soll aber vermieden werden. Pflug und Brücher empfehlen zu dem Zwecke den Processus vaginalis zuerst vorn und hinten zu durchschneiden, sodass in der Mitte eine Brücke stehen bleibt, die zuletzt durchtrennt wird. Auf diese Weise gelingt es einen laugen Schnitt im Processus vaginalis zu erlangen, aus dem der Hode gleichsam hervorstürzt. Es kann die Trennung des Processus mit der Schere erweitert werden.
Bei der aseptischen Ausführung der Castration (S. 618) soll da­gegen der Schnitt klein ausfallen, um die Heilung zu erleichtern.
Hierauf legt der Operateur das Messer bei Seite, erfasst den blossgelegten Hoden mit der rechten Hand und führt denselben etwas nach vorn, während die linke den Hodensack mit dem Processus vaginalis zurückschiebt, um den Samenstrang für die Kluppe frei ZU machen; ein weiteres Freilegen desselben ist jedoch zu ver­meiden, weil dadurch nur Infectionen begünstigt würden. In der Regel ziehen die Thiere in diesem Momente mit dem CremaSter den Hoden nach oben; man warte daher einige Augenblicke und übe sodann einen kräftigen aber gleichmässigen Zug auf den Hoden aus, um denselben soweit hervorzuziehen, dass die Kluppe oberhalb des Schweifes vom Nebenhoden angelegt werden kann. Die hierzu erforderlichen Bewegungen sollen langsam geschehen, und übermässige Dehnungen und Zerrungen des Samenstranges müssen vermieden werden. Gegen andauerndes Aufwärtsziehen des Hodens durch den Cremaster wirkt ein Schlag auf die Nase des Pferdes; auch gelingt das Vorziehen des Hodens regelmässig bald, nachdem sich das Thier in den Fesseln gesträubt hat.
Der Operateur erfasst sodann die nach dem Alter und der Schwere des Pferdes ausgewählte Ivluppe mit der linken Hand und schiebt dieselbe von vorn nach hinten auf den möglichst aus­gebreiteten Samenstrang, so dass die Kluppe (das Pferd stehend
Moller u. Frick, Allgemeine Chirurgie l'ür Tliicriirzte. i, Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
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dl0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Castration.
gedacht) horizontal und wenigstens Über clem Schweif des Neben­hodens liegt; bei längerem Samenstrange kommt dieselbe noch höher ZU liegen; man schiebe die Kluppe soweit über den Samenstrang nach oben, als dies ohne erhebliche Dehnung des letzteren möglich ist.
Hierauf werden die beiden Hälften der Kluppe durch einen Uriif-tigen Druck der Finger der linken Hand /.usamincngepresst, sodass der Samenstrang nunmehr von der Kluppe tixirt wird. Man lässt sodann den Hoden los und umfasst mit der freigewordenen rechten Hand das hintere Ende der Kluppe, nähert durch einen massigen Druck die Hälften derselben einander und legt nun die Kluppenschraube an, oder lässt durch einen Gehiilfeu die Kluppenzange appliciren. Während der Wirkung des einen oder anderen dieser Instrumente werden die Thiere in der Regel unruhig und sträuben sich, sofern nicht Narkose angewendet war. Um die hierbei leicht auftretenden Zerrungen des Samenstranges zu vermeiden, lässt man während der Wirkung der Kluppenzange bezw. Schraube die Bremse fester anziehen und drückt die Kluppe gegen den Bauch des Thieres. Schon beim Anlegen der Kluppe muss man darauf sehen, dass nicht Theile des llodensackes von derselben erfasst werden; auf jeden Fall aber untersucht man dieselbe nochmals, bevor das hintere Ende der Kluppe durch einen starken Bindfaden zusammengebunden wird. Auch achte man darauf, dass der Samenstrang nicht, über das hintere Ende der Klemmfläche der Kluppe hinausragt. Wenn beides nicht der Fall ist, wird mittelst einer Castrirschlinge die Kluppe befestigt, wobei besonderes Gewicht ilarauf zu legen ist, dass die doppelte Schlinge recht fest angezogen und verknotet wird. Nunmehr durchschneidet man den Samenstrang I—2 cm unterhalb der Kluppe mit der Schere, sodass bei kurzem Samenstrange der Schweif des Nebenhodens am Samenstrange zurück­bleibt; diesen pflegt man dann wohl mit der Schere an zwei oder drei Stellen einzuschneiden, was jedoch ohne besondere Bedeutung ist.
Nachdem der rechte Hoden in gleicher Weise entfernt ist, wo­bei die bereits angelegte Kluppe nicht verschoben, und auf diese Weise der linke Samenstrang vor Zerrungen bewahrt bleiben nmss, tupft man das abgeflossene Blut von der Wunde und der Innenfläche des linken Schenkels ab, schiebt die Kluppen so über einander, dass sieb ihre hinteren Enden kreuzen, und die straffer angespannt erscheinende Kluppe unten (ventral) liegt. Dann zieht man den Schlauch etwas vor, bepudert die frei liegenden Stümpfe; des Samenstranges mit Jodo­form und lässt das Pferd aufstellen.
Früher pflegte man vor Anlegung der Kluppe den hinteren, ge-
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Castration männliuher Thien; — Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(Jl 1
t'iissloseu Tlieil des Samenskonges zu durohsobneiden, was aber nicht ZU empfeblen ist, weil dann die Kluppe nur allein vom vorderen Septum des Sameiistranges getragen und dieses leicht gedehnt wird; in Folge dessen senkt sich die Kluppe, während dieselbe nach der
beschriebenen Methode zugleich vom (Jremaster und dor gemoinschai'l-lichen Scheidenbaut getragen wird.
Man Ulsst das operirte Pferd in einen ruhigen, reinen Stall mit guter Luft stellen, hoch anbinden, um das Niederlegen zu verhindern und leicht verdauliches Futter verabreichen. Die Mehrzahl der Ope-rirten nimmt alsbald etwas Heu, wodurch die Aufmerksamkeit von der Operationsstelle abgelenkt und Unruhe verhütet wird. Sollte das Thier heftig drängen, d. b. die Bauchpresse wirken lassen, so rilUSS eine Wache aufgestellt werden, die durch Anrufen und leichte Schläge mit einer Peitsche dieses ZU verhindern sucht.
Zeigen sich die Samenstrünge bei der Castration sehr lang, so lege man die Kluppen recht hoch au. Als Grundsatz gilt, die Kluppen so hoch als möglich anzulegen, ohne jedoch eine gewaltsame Dehnung der Samenstränge herbeizuführen. Unter keinen um­ständen dürfen die Kluppen nach der Castration so weit herabhängen, dass Theile der Samenstränge oberhalb derselben sichtbar sind, und auf diese Weise Infectionen des Sameiistranges begünstigt werden, da hier­durch nicht allein Naehkrankheiten iSamenstrangiisteln), sondern auch schwere entzündliche Processe verursacht werden können. Bei schlaffen Thieren tritt dies leichter ein, daher wähle man hier recht leichte Kluppen, lege sie hoch an und lasse dieselben mittelst eines durch die Wundränder des Hodensackes gezogenen Heftfadens tragen. lieber die Abnahme der Kluppen soll weiter unten das Nähere mitgetbeilt werden.
ß) Zur Castration mit bedecktem Hoden (C. ii testicule convert) werden die Tbiere in gleicher Weise vorbereitet und nieder­gelegt. Auch erfasst man ebenso, wie oben beschrieben, zuerst den linken (unteren) Hoden bezw. Samenstrang, wobei jedoch besonders zu beachten ist, dass das Scrotum straff angespannt auf dem Hoden liegt. Der Schnitt wird an derselben Steile ebenfalls recht lang, jedoch nur durch die äussere Haut und Tunica dartos bis in das lockere Bindegewebe gelegt, welches sich zwischen letzterer und der gemeinschaftlichen Scheidenlmut befindet. Erhebliches Klaffen der Wundränder beweist, dass der Schnitt bis dahin reicht. Nun wird mit leichten Präparirschnitten in der Längsrichtung des Hodens dieses Bindegewebe getrennt bis auf die gemeinschaftliche Scheidenhant, die
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sich durch ihre grauhhiue Farbe zu erkennen giebt. Niichdem hierauf das Messer abgegeben ist, erfassfc der Operateur mit der rechten Hand den Moden und sucht mit der linken Hand die Tunica dartos von der gemeinschaftlichen Scheidenhaut so weit abzustreifen, dass über dem Körper des Nebenhoden eine Kluppe auf den Sameustrang und die Sclieidenhaut gelegt werden kann. Brücher legt besonderen Werth darauf, dass das Bindegewebe vom Proc. vaginalis möglichst vollständig entfernt wird, wodurch nicht allein das Anlegen der Kluppe erleichtert, sondern auch infectiöse Folgezustilnde verhindert werden sollen. Bevor die Kluppe angelegt wird, übeiv.eugt man sich nochmals durch Betasten des Processus, dass sich nur allein der Sameustrang in demselben befindet. Das Aulegen der Kluppe, die etwas grosser sein muss als bei der Castration mit unbedecktem Hoden, erfolgt im übrigen, wie oben beschrieben. Man achte darauf, dass der Sameustrang vollständig von der Kluppe umfasst wird. Nach sorgfältigem Verschnüren der Kluppe wird der Hoden mit dem Grunde des Processes mittelst der Schere abgeschnitten. In gleicher Weise wird hierauf der zweite Hoden entfernt, die Umgebung von Blut gereinigt, die Kluppen wie oben beschrieben /urecht gelegt und der Schlauch hervorgezogen. Sodann lässt man das Pferd aufstehen und behandelt es wie bei der Castration mit unbedecktem Hoden.
Eine Modification dieser Methode, welche Degive iieuerdings ein­geführt hat, besteht darin, dass man den H o d e n /.war von der Scheiden­haut entblösst, beim Anlegen der Kluppe jedoch das untere Ende der Sclieidenhaut zu fassen sucht, um es in die Kluppe zu legen. Nachdem wie oben beschrieben der Processus vaginalis freigelegt ist, erfasst man mit der rechten Hand den Hoden und zieht ihn langsam hervor, in Folge dessen die iiussere Haut und Tunica dartos zurücktreten, und ein Abschnitt des Processus vaginalis frei wird. Darauf umfasst die linke Hand von neuem den Samenstrang, während die rechte den Grund der Scheidenhaut soweit spaltet, dass sich der Hoden eben hindurchpressen liisst. Hierdurch ent­steht am Grunde des Processus vorn und hinten je ein Bliudsaok; in den hinteren derselben schiebt der Operateur alsbald den Zeigefinger der linken Hand, in den vorderen den Daumen der rechton und zieht mit dem Samen-Strang zugleich die Scheidenhaut hervor, worauf ein Gehülfe von vorn nach hinten dicht über dem Nebenhoden auf den Samenstrang und die Scheiden haut eine Kluppe legt, die Enden derselben zusammendruckt und sie dann dem Operateur übergiebt, welcher sie festbindet und den Samenstrang 2 cm unterhalb der Kluppe durchschneidet.
Es handelt sich hierbei also um einen Mittelweg zwischen der Ca­stration mit bedecktem und unbedecktem Hoden, um eine Castration mit unbedecktem Hoden, aber bedecktem Samenstrang (Castration a cordon convert). Wir haben diese Methode wiederholt angewendet; sie verlangt einige Uebung, weil die Scheidenhaut dem Operateur leicht ent-SQhlüpft, und das Wiederfassen und Hervorziehen auf Schwierigkeiten stösst.
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Lässt sich dies auch durch Anlegung von ein paar Sehieberpincctten oder arretirbaren Zangen verhindern und so die Operation erleichtern, so filllt gegen diese Methode noch der Umstand ins Gewicht, dass ein geübter Ge-hülfe zur Ausführung derselben erforderlich ist. Vor dor Castration mit bedeckten Hoden hat sie aber nur voraus, dass auch bei grösserer Kürze des Processus vaginalis nicht so leicht eine Dehnung desselben zu Stande kommt. Bei älteren Hengsten, bei denen sich die Castration mit bedeckten Hoden bezw. Samenstrange besonders empfiehlt, zeigt sich der l'rocessus Jedoch regelmilssig so lang, dass die Kluppe bequem angelegt werden kann.
Kaum minder wichtig als Jas Anlegen ist das Ahnclimon der Kluppen. Bei der Castration mit unbedeckter Scheidenhaut pflegt man die Kluppen nach 24 Stunden abzunehmen; in manchen Gegenden noch früher; bereits 5—6 Stunden nach der Operation kann die Ab­nahme ohne besondere Gefahr erfolgen, namentlich bei jungen Thieren. Bei der in Schweden und Dänemark üblichen T id hol mquot;schcn Castration der Pferde werden zunächst beide Samenstränge in Kluppen gebracht und fest zusammcngepresst, dann aber die Kluppen alsbald wieder geöffnet, eine Ligatur angelegt und schliesslich die Hoden entfernt. Nach der Castration mit bedeckter Scheidenhaut lässf man die Kluppen für gewöhnlich 48 Stunden liegen: wir ziehen es mit Degive jedoch vor, die Kluppen 3 — 5 Tage liegen zu lassen und haben gefunden, dass die entzündlichen Erscheinungen alsdann schwächer bleiben, auch das Fieber seltener und weniger heftig auftritt, als wenn die Kluppen 24—48 Stunden nach der Operation entfernt werden. Dies erklärt sich theils aus dem Umstände, dass die nekrotisirten Stümpfe der Samen­stränge nicht so leicht in die Höhe steigen und das Wundseeret in die oberen Abschnitte des Processus vaginalis verschleppen, wenn die Kluppen mehrere Tage gelegen haben. Dann aber kommt in Betracht, dass die Wundränder nach drei Tagen bereits plastisch infiltrirt, daher zur Vermittelung von Infectiouen weniger geeignet sind als 24 Stunden nach der Operation. Bei der Abnahme der Kluppen lässt sich aber bei aller Vorsicht nicht vermeiden, dass Zustände geschaffen werden, die der Resorption des Wundsecrets günstig sind. Man beobachtet daher auch regelmässig, dass erst mit der Abnahme der Kluppen entzündliche Anschwellung bezw. Fieber eintritt. Natürlich wird man die Kluppen nur dann länger liegen lassen, wenn sie gut liegen; anderenfalls, namentlich wenn die Kluppen herunterhängen, müssen sie möglichst bald abgenommen werden. Die Abnahme der Kluppen lässt sich in folgender Weise bewirken:
Im Stande selbst lässt. man einen Vorderfuss des Pferdes aufheben, welches mit einer Trense bekleidet und am Kopfe gehalfen wird; man
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suche zunächst ohne Bremse fertig zu werden; sollte das nicht ge­lingen, so wird dieselbe angelegt. Mit einem starken und reinen Taschenmesser versehen tritt der Operateur an die linke Seite des Pferdes, die linke Kund auf die Lende des Thieres gestützt, und sucht zunächst mit einer krummen Schere die unter der Kluppe liegenden '{'heile des Samenstranges abzuschneiden. Dann wird mit der rechten Hand, der Daumen gegen das vordere Ende der Kluppe gelegt, das Messer zwischen die beiden Kluppenschenkel geschoben und der Bind­faden durchschnitten. Sobald dies geschehen, wendet man das Messer. wodurch die beiden Kluppenschenkel aus einander gedrängt werden. Nachdem hierauf das Messer abgegeben ist, erfasst der Operateur das vordere Ende der Kluppe mit beiden Händen und bewegt diese lang­sam, aber soweit als möglich aus einander. Dabei bleibt der Samen­strang in der Hegel an einem der beiden Kluppenschenkel kleben; er wird dadurch von demselben abgelöst, dass man mit dem Daumen von vorn nach hinten durch die Rinne an der betreffenden Kluppen­hälfte streicht. Die nun frei gewordene Kluppe wird bei Seite gelegt, der Operateur spült seine Hände in Sublimatwasser oder einer anderen Desinfectionsflüssigkeit ab und sucht den Samenstrang von etwaigen Verklebungen mit dem Hodensack zu lösen, indem er mit dem Zeige­finger um den Stumpf des Samenstranges herumgeht. War die Castra­tion mit unbedeckter Scheidenhaut erfolgt, so geht der Finger um den Samenstrang, damit auch etwaige Verklebungen zwischen ihm und der Scheidenhaut gelöst werden. Erforderlichen Falls erfasst der Operateur die Scheidenhaut bezw. die Wundränder und zieht diese nach unten. Auf jeden Fall muss der Samenstrang in die Scheidenhaut bezw. in den Hodensack zurückgebracht werden. Das Abfliessen reichlicher Mengen Wundsecret ist als gün­stiges Zeichen anzusehen; es beweist, dass die Verklebungen gelöst sind, welche die Retention des Wundsecrets begünstigen.
Nachdem die zweite Kluppe in gleicher Weise abgenommen ist, erfasst man einen kleinen Kübel mit reinem, besser noch mit Sublimat­wasser und entleert denselben in kräftigem Strahl gegen das Scrotum. Damit wird weniger eine Reinigung der Wunde bezweckt, als vielmehr das Thier veranlagst, die Samenstränge in die Höhe zu ziehen.
Es empfiehlt sich. das Pferd nach Abnahme der Kluppen täg­lich eine halbe Stunde und seihst länger an einem staubfreien Platze zu bewegen: auf dem Lande pflegt man ältere Thiere alsbald zu leichter Arbeit zu verwenden. Die Erfahrung hat gezeigt, dass an­dauerndes Stehen im Stalle nicht vortheilhaft ist. Diese günstige
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Castration männlioher Thiare — Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;615
Wirkung der Bewegung erklärt sicli uus der Erwägung, diiss hiermit der Abfluss der Wundsecrete befördert wird. Aus demselben Grunde kommt es bei der Castration selbst wesentlich darauf an. dass der Schnitt durch die Hüllen des Hoden möglichst gross ausfällt und am Grunde des Hodensackes liegt. IHe nach der Castration zuweilen auftretenden stärkeren Anschwellungen verdanken ihre Ent­stehung fast ausschliesslich der Retention von Wundsecret.
Eine besondere Behandlung der Castrationswunden ist nicht noth-wendig; man lässt diese sowie die von dem Wundsecret verunreinigten Hinterscbenkel täglich einmal mit einem reinen Schwamm und ab­gekochtem Wasser abwischen, bis die Eiterung aufhört. Nur wenn sich höheres Fieber oder bedeutende Anschwellung einstellen sollte, gehe man mit desinficirten Fingern in die Wunde ein, suche etwa retinirtes Wundsecret zur Entleerung zu bringen und lasse Ausspritzungen mit einer DesinfectionsHüssigkeit folgen. Bei regeJmässigem Wundver-lanfe unterbleiben derartige Manipulationen.
Die Castration mit Kluppen gehört bei Pferden zu den zuverlässigsten Methoden und wurde bisher in Deutschland allgemein angewendet. Bei jungen, namentlich zweijährigen Pferden beobachtet man nach diesem Ver­fahren höchst selten einen ungünstigen Ausgang, sofern nur die nöthige Sorgfalt und Reinlichkeit verwendet wird. Die griissten Bedenken liegen In der Benutzung nicht sorgfältig gereinigter Instrumente und Kluppen, besonders wenn diese mit virulenten Infectionsstoffen in Berührung ge­kommen sind. Tbierärzten ist namentlich zu empfehlen, nach dieser Rich­tung die grosste Vorsicht walten zu lassen und auf jeden Fall die Instru­mente sorgfältig zu dosinficiren, welche zu Operationen an septisch erkrankten Theilen benutzt wurden. Auch sollte man Kluppen verwerfen, welche hei Thieren verwendet wurden, die in Folge der Castration an septischen Krank­heiten litten; die Desinfection hölzerner Kluppen ist schwer ausführbar und bietet niemals volle Sicherheit. Nichtbeachten dieser Grundsätze führt zu schweren Folgen, wie sie aus der Literatur bekannt sind (S. .178). Ro be­richtet auch Dillon über einen Pall, in dem 30 Hengste innerhalb 8 bis 10 Tagen nach der Castration sämmtlich eingingen.
Bei Fohlen kann die einfachere Methode der Castration mit unbe­decktem Hoden ohne Hodenken gewählt werden, sofern nicht Anzeichen eines Bruches vorliegen: bei älteren Hengsten und namentlich bei abnormer Weite des äusseren Bauchringes empfehlen wir die Castration mit bedecktein Hoden oder bedeckter Scheidenhant nach Degive, wobei man der Gefahr eines Darmvorfalles entgeht. Wir haben dieselbe häutig und mit bestem Erfolg angewendet. Zeigt sich der Processus vaginalis recht lang, so operire man mit bedecktem Hoden; bei geringer Länge wird derselbe durch die Kluppe zuweilen übermässig angespannt, wodurch Schmerzen veranlasst werden: hier empfiehlt sich die Degive'sche Methode.
Gegen die Castration mit Kluppen spricht , dass der Operateur zur Abnahme derselben den Patienten nochmals besuchen muss: durch einen Laien die Abnahme bewirken zu lassen, muss dringend widerrathen werden, weil sowohl der günstige Wundverlauf, wie auch die Verhütung von Nach-
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Ollinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Dia Cnstnitioii.
kranklieiten (Saiaenstrangflstel) von der kunstgerechten Abnahme der Kluppen wesentlich abhiingt.
b)nbsp; nbsp;Das A bhrt'iinon der Samen stränge. Eine zweite, bei Pferden zweckmiissige Methode ist in dem Abbrennen des Sanien-stranges gegeben. Sie wurde bereits oben (S. 'iOl) beschrieben und hat der Castration mit Kluppen gegenüber den Vortheil, dass die Operation mit einem Male beendigt ist. Wenn hierbei kunstgerecht vorgegangen wird, bleiben bedenkliche Blutungen wie auch ander­weitige nachtheilige Folgen ausgeschlossen; auch haben wir nicht gefunden, wie vielfach behauptet wurde, dass die locale Reaction, namentlich die Anschwellung hiernach stärker ausfällt als nach anderen Methoden. Man beachte jedoch, dass der Schnitt durch das Scrotum und die Scheitenhaut gross genug ausfällt und am Grunde derselben liegt, damit das Wundsecret freien Abfluss findet.
c)nbsp; nbsp;Die Torsion des Samenstranges bietet ebenfalls bei sorg­fältiger Ausführung ausreichende Sicherheit und gewährt den grossen Vortheil, dass ein zweiter Besuch nicht erforderlich ist. Auch haben wir gefunden, dass die Thiere hierbei weniger leiden, als bei der Castration mit Kluppen, welche, wenn sie noch so gut angelegt wur­den, Zerrungen an den Samensträngen hervorrufen müssen. Ferner kommt nach der Torsion die Heilung leichter und schneller zu Stande. Dass die Dissection der von den Kluppen abgetödteten Abschnitte des Sainenstranges und bei der Castration mit bedeckter Scheidenhaut auch der letzteren, längere Zeit in Anspruch nimmt, hegt auf der Hand, Bei der Torsion fällt dies fort, weil der Samen strangstumpf in der Regel nicht abstirbt. Nur selten trifft man daher nach dieser Operationsmethode'so starke Anschwellungen, wie nach der Castration mit Kluppen. Auch die Bildung von Samenstrangtistelu wird durch die Torsion weniger begünstigt.
Das einzige Bedenken, das gegen diese Methode spricht, besteht in der Gefahr einer Nachblutung. Diese kann jedoch bei Anwendung der Sand'schen Zange und vorsichtiger Ausführung der Operation selbst bei älteren Bf erden auf ein Minimum reducirt werden, wie wir uns überzeugten. Es empfiehlt sich indess, den Besitzer schon vorher auf die Ungefährlichkeit leichter Blutungen aufmerksam zu machen. Früher haben wir zur Vermeidung von Blutungen nach der Operation zwei sterilisirte Wergbäusche in die beiden Scrotalhöhlen eingeführt und mit einer quer über beide Schnitte gelegten Naht befestigt, uns später jedoch überzeugt, dass dies nicht nothwendig ist. Im Nothfalle kann hiervon Gebrauch gemacht werden. Die Entfernung
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Castration mi'innlichoi' Tliiurc — lieng'sto.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;til?
des Wergs erfolgt mit Leichtigkeit durch den Besitzer. Wir können uiieli unseren Erfahrungen diese Methode der Castration für Hengste nur empfehlen und befinden uns darin in Uebereinstiniinung mit Anderen. Sie hat neuerdings in Deutschland auch mehr und mehr Aufnahme gefunden.
d)nbsp; nbsp;Castration mit dem Ecraseur. In Amerika und England wird in neuerer Zeit vielfach der Ecraseur zum Gastrireu der Hengste in Anwendung gebracht.
Nachdem der Mode mit dem Sainenstninge frei gelegt ist, schiebt man die Kette bezw. Drahtschlinge des Eoraseurs über den Hoden auf den Samenstrang und schliesst dieselbe sodann langsam, um den Samenstrang in der Höhe des Schweifes vom Nebenhoden zu durcli-trennen. Das Verfahren soll nach den Mittheilungen der Praktiker brauchbar sein, doch scheint uns dasselbe vor einer sorgfältigen Torsion keine besonderen Vorzüge zu besitzen.
e)nbsp; Die Unterbindung des Samenstranges können auch wir für Pferde nicht empfehlen. Der Nacbtbeil dieser Methode liegt in dem Zurückbleiben der Ligaturfäden in der Wunde, wodurch chronisch-entzündliche Proöesse unterhalten und namentlich Samenstrangfisteln leicht veranlasst werden. Selbst die Anwendung von Catgut schützt nicht gegen solche, weil es auf dem Samenstrangstumpfe, nicht wie von einer nseptisohen Granulation resorbirt wird; wenigstens dauert dies 8—14 Tage, wie wir uns durch Versuche an Pferden überzeugen konnten. Dazu kommt, dass die Unterbindung des Samenstranges mit einer Ligatur nicht so leicht ist, wie mau glauben sollte; auch wenn diese fest genug angelegt zu sein scheint, fallt sie leicht wieder ab, indem der Knoten durch die elastische Beschaffenheit des Samen­stranges gelockert wird. Auf diese Weise können unter Umständen bedenkliche Blutungen entstehen. Will man also unterbinden, so beachte man zweierlei: erstens durehstosse man den Samenstrang (mit dem Pinger) in der Mitte und unterbinde das vordere und hintere Septum einzeln und sehe darauf, dass namentlich die vordere Ligatur gehörig fest angezogen bleibt. Zweitens nehme man sterilisirtes Material (Catgut oder Seide) und schneide wenigstens das eine Ende des TJnterbindungsfadens so lang ab, dass man denselben später er­fassen und etwa acht Tage nach der Castration entfernen kann. Oder man wähle die elastische Ligatur. Wir ziehen indess das oben be­schriebene Verfahren mit Catgut vor, weil auch die elastische Ligatur den Samenstrang nur langsam durchschneidet, also längere Zeit, zu­weilen selbst dauernd liegen bleibt.
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(jlSnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Castration.
Schliesslich sei noch erwähnt, dass es bei dor Castration weniger auf liie Methode als vielmehr auf die Ausführung derselben ankommt. Da du' um moisten geübte Methode in der Regel auch am besten aus­geführt wird, so orkiiirt- sich, dass mancher Praktiker beim Versuche einer ihm fremden Methode bald zu dem früheren Verfahren zurück­kehrt. Gesohicklichkeil und Reinlichkeit üben auf den Verlauf der Castration einen wesentlichen Elinfluss aus. Bezüglich der Reinlichkeit kann mau nie zu gründlich sein; wenn auob eine vollständige Asepsis nicht erreicht wird, bleibt Reinlichkeit dennoch ein wichtiger Factor für das Gelingen der Operation.
1) Die aseptische Castration. Es lag auf dor Hand, dass man nach Kenutnissnahmo, von dor Wirkung der Antisepsis bald Ver­suche anstellte, auch die Castrationswunden auf dem ersten Wege zur Heilung zu bringen. Bayer prüfte diese Frage zuerst 1881, später auch Prick; ersterer erzielte bei 15 operirten Pferden viermal, Prick bei 12 Pferden sieben mal aseptische Heilung. Guttmauu, welcher 2 Pferde, 2 Eber, 2 Hunde und einen Schafbock aseptisch castrirte, erzielte in allen Fällen Heilung per primam intontionom; ebenso Plösz bei (i Hengsten. Man darf indess nicht, vergessen, dass die zur Durch­führung der Asepsis erforderlichen Massnahmen in der Privatpraxis auf grössere Schwierigkeiten stösst als in klinischen Instituten. Auch ich (M.) habe die Operation mehrfach aber ebenfalls mit verschiedenem Erfolge ausgeführt. Es empfiehlt sich, die Thiere wie oben beschrieben, zur Castration vorzubereiten, ebenso nieder zu legen und Chloroform-narkose anzuwenden. Mit den nöthigon Hülfsmitteln der Antiseptik versehen, die llämle, Instrumente und das ünterbindungsinatorial sterilisirt, geht man zunächst an die Dosinfection des Operationsfeldes. Der Hodensack und seine Umgebung wird sorgfältig abgeseift, mit etwas Alkohol abgerieben und mit Sublimatwasser oder einer anderen Dosinfectionsflüssigkoit abgespült. Den oben liegenden Hinterfuss mit dem um ihn gelegten Ausbindegurt lässt man mit einem nassen Schwamm anfeuchten, damit nicht Staub auf die Operationswunde herabfällt; im übrigen wird wie bei anderen unter antiseptischen Cau^ telen ausgeführten Operationen vorgegangen (S. 113).
Der Operateur erfassl zunächst den rechten Hoden, drängt ihn auf den Grund dos Scrotums und macht hier den Einschnitt durch ilussore Haut. Tunica dartos und Scheidenhaut, jedoch nicht grosser, als oben nothwendig ist, um den Durchtritt des Hodens ZU gestatten. Sobald dieses geschehen, unterbindet der Operateur den Samenstrang Je nach seiner Stärke mit zwei oder drei Ligaturen. Um dieses zu
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Castration miimilidmi' Tliiciv — Hengste.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ()llt;l
erleichtern, legt man eine arretirbare Zange nur den Saraenstrang und unterbindet unterhalb derselben mit Oatgut oder Seide, etwa in der Höhe des Nebenhodensohweifes, worauf der Samenstrang 1 om unter­halb der ünterbindungsstelle abgeschnitten wird. Nachdem das etwa ergossene Blut mit sterilisirten Tupfern fortgenommen ist, wird die Hautwunde mittelst der Knopfnaht geschlossen, wobei man womöglich die Scheidenhaut mitzufassen sucht, was aber oft nicht leicht fällt. Man nähe jedoch tief, so dass die Subcutis in gegenseitige Berührung gelangt (S. 95). Nachdem der linke Iluden in derselben Weise ent­fernt ist, spült man die Oberfläche mit einer Desinfectionsflüssigkeit ab, bestreut beide Wunden dick mit Jodoformtannin und bedeckt die­selbe mit einer dünnen Lage Watte, welche durch das Tannin mit der äusseren Haut verklebt und so auch nach dem Aufstehen des Thieres liegen bleibt.
Zur Ausführung aseptischer Castration von Hengsten hat Hoff­mann eine Reihe von Instrumenten construirt, die jedoch entbehrlich sind. Die Schwierigkeiten in der Aufrechthaltung der Asepsis be­stehen weniger während der Operation, als vielmehr in der Behand­lung des Thieres nach der Castration, da ein Verband nur schwer ZU appliciren und ein einigermassen sicherer Schutz gegen Infeciäonen kaum zu gewähren ist.
Es empfiehlt sich, den rechten, oberen Hoden hier zuerst zu nehmen, damit bei der Operation des zweiten Hodens die erste Ope­rationswunde nicht so leicht verunreinigt wird. Das Spülen der Wunden ist weder erforderlich, noch zweckmilssig. weil es die Heilung er­schwert (S, 122). Sollte indess eine Verunreinigung der Wunde zu be­sorgen sein, so spüle man sie energisch aus.
Die aseptische Castration konnte sich bisher in die Praxis nicht ein-führen und wird schwerlich auch in der nächsten Zeit dazu im Stande sein : dies erklärt sich zum Theil aus den grösseren Schwierigkeiten, welche mit dem Verfahren verbunden sind. Während die einfache Castration mit un­bedeckter Soheidenhaut kaum mehr als 5 Minuten in Ansprach nimmt, dauert die aseptische Castration '/laquo; Stunde und darüber; auch verlangt sie umständliche Vorbereitungen (Narkose), welche bei der gewöhnlichen Ca­stration in der Regel fortfallen. Auf der anderen Seite wird mit der Asepsis hier kein erheblicher Vortheil erzielt. Die einfache Castration zeigt sich bei Thieren so wenig bedenklich, dass nur ganz ausnahmsweise ein ungünstiger Ausgang beobachtet wird. Nielsen castrirte 41 Hengste und 11 Eber mittelst Torsion ohne llautsutur, und nur bei 2 Hengsten trat Schwellung und Eiterung ein; ein Resultat, das dem der aseptischen Castration wohl zur Seite gestellt werden kann und bei der Heurtheilung ihrer Bedeutung Be­achtung verdient. Es entspricht die mühevolle und zeitraubende aseptische Methode nicht den mit derselben zu erringenden Vortheilen. Der Schwer-
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(J20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Castration.
piinkt der Frage liegt unseres Eraohteus jedoch nicht hierin allein, sondern in dem Umstände, dass man niemals absolute Sicherheit hat, Asepsis zu er­zielen, und wenn diese nicht erreicht wird, dann gestalten sich die Ope-rationswunden für die HeiluugSVOrgänge recht ungünstig. Die Schnitte sind zu klein, um dem Wundseerete leichten Abliuss zu verschaft'en, welches daher leicht retinirt wird und nicht nur örtlich zu heftigen Entzündungen Veranlassung giebt, sondern auch die Ursache erheblicher fieberhafter Er­krankungen werden kann. Die Schwierigkeiten, welche die Asepsis hier mit sich bringt, liegen zum Theil in äusseren Umständen, namentlich bei der Anlegung eines Verbandes; viele Thiere dulden solchen Überhaupt nicht. Wir beschränken uns deshalb neuerdings auf Bestreuen der Wunden mit Jodoformtannin und Bedecken mit sterilisirter Watte. Dazu kommt end­lich, dass man bei aller Sorgfalt Blutungen nicht verhindern kann. Diese treten meist erst ein, nachdem das Pferd wieder aufrecht steht, und stam­men aus den venösen GefUssen der gemeinschaftlichen Scheidenhaut. Das Blut ergiesst sich in das Scrotum und gefährdet den aseptischen Wund­verlauf. Bei Cryptorchiden, denen die Scheidenhaut fehlt, gelingt daher die Antisepsis leichter als bei gewöhnlichen Hengsten wie die Erfahrungen von Bayer, (xuttmann, Plösz U.A. orgeben haben. Solange diese Schwie­rigkeiten nicht überwunden sein werden, dürfte die aseptische Castration schwerlich Aussicht auf allgemeine Anwendung haben. Auch Mauri hat sich gegen diese ausgesprochen.
Die Castration der übrigen Einhufer dürfte keine besonderen Modi-licationen verlangen. Von Weber wurde nach der Torsion des Samenstranges bei einem Esel Verblutung beobachtet, und er glaubt daher, dass der Samen-sträng bei diesem Thiere ungewöhnlich mürbe und zerreisslieh sei.
2. Die Castration männlicher Wiederkäuer.
Gelten auch bei der Castration der Wiederkäuer dieselben Grund­sätze wie beim Pferde, so fordern die Verschiedenheiten in der ana­tomischen Einrichtung der Geschlechtsorgane sowohl, als auch die äusseren Umstände mancherlei Modificationen. Abgesehen vom Ziegen­bock, der sich gegen die gewöhnlichen Castrntionsniethoden sehr em­pfindlich zeigt, ertragen Wiederkäuer diese noch leichter als das Pferd. Bei Farren kann die Castration durch Abdrehen und Unterbinden event, mit elastischer Ligatur erfolgen; ältere Stiere werden am sichersten mit Kluppen castrirt und zwar in der Regel bei unbedecktem Samenstrange. Zu der oben beschriebenen Castration mit Anlegung der Kluppen auf den Hodensack oder zur Unterbindung desselben greifen in der Kegel nur Laien.
Rinder ertragen die Castration im ersten Lebensjahre am leich­testen; sie ist in den ersten Lebensmonaten auch am bequemsten aus­zuführen. Sollen die Thiere jedoch als Zugochsen später verwendet werden, so pflegt man sie erst im zweiten Jahre zu castriren, weil sich alsdann namentlich ihr Vordertheil besser entwickelt.
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Castration männliuhcr Thiert' — Wiederkäuer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 621
Meist wird am stehenden Thieve operirt; nur ültcre und bös­artige Bullen oastrirt man in derselben Lage wie Pferde. Zur Ope­ration am stehenden Thiere wird dasselbe möglichst kurz und fest an­gebunden, eine Nasenbremse angelegt und ein Vorderfuss aul'gehoben. Die llinterfüsse können gespannt werden, doch ist das in der Regel nicht noting; dagegen stellen sich kräftige Leute zu beiden Seiten des Hintertheils auf und verhindern das Seitwärtstreten des Thieres.
Der Operateur, hinter dem Thiere stehend, ergreift mit der linken Hand das Scrotum. Soll mit Kluppen castrirt werden, so spaltet er den Hodensack an seinem Grunde und ebenso die gemeinschaftliche Scheidenhaut; sodann wird wie beim Pferde die Kluppe angelegt und der Hode abgeschnitten. Die Kluppen nimmt man nach 24 Stunden event, auch später ab, doch können sich die Thiere während dieser Zeit ohne Bedenken niederlegen.
Das Abbrennen des Samenstranges geschieht am liegenden Thiere ebenso wie beim Pferde. Bei jungen Bullen kann die Castration auch durch Torsion oder Abschaben des Samenstranges erfolgen. wobei man wie oben (S. 596) beschrieben, verfährt.
In Süddoutschland, namentlich in Bayern benutzt man zur Castration des Rindes vielfach sog. Aetzligaturen, d. i. starken Bindfaden, welcher mit einer Mischung von gleichen Theilen Sublimat und Gummi arable, in der doppelten Menge Wasser golüst getränkt ist. Bürchner, Horn, Seh au her, An trotter, Bergler u. A. haben die Methode wann em­pfohlen, geben jedoch zu, dass namentlich bei jüngeren Thieren zuweilen Erscheinungen von Quecksilberintoxication hiernach beobachtet werden: es entwickelt sich ein oft über den ganzen Körper verbreiteter Hautausschlag, der stellenweise mit Haarausfall verbunden ist und sich zuweilen erst nach l'/a Monat verliert. Man behauptet, dass dies durch Uebersättigung des Ligaturfadens mit Sublimat veranlasst werde und hat empfohlen, die Schnur nur ein- bis zweimal in eine Lösung von 3,0 Sublimat und 30,0 Collodium zu tauchen. Die Aetzligatur gewahrt einmal den Vortheil, dass der Samen­strang schneller durchtrennt wird, und die Ligatur nicht leicht liegen bleibt; sodann übt das Sublimat eine desinficirende Wirkung sowohl auf den Bind­faden , wie auch in der Wunde aus. Von anderen wird über starke An­schwellung nach dieser Castration mit „Giftschnürenquot; geklagt (Grün). Eckmayer unterbindet den freigelegten Samenstrang mit carbolisirter Näh­seide und schneidet den Hoden 1 cm unterhalb ab: bei mehr als 100 Käl­bern wurde hiernach kein Nachtheil beobachtet. Günther emptiehlt bei Bullen die Unterbindung mittelst elastischer Ligatur.
Eine andere Methode der Castration wurde von Maugold und Grün empfohlen. Nach Eröffnung des Scrotums whd der Samenstrang zwischen dem vorderen und hinteren Septum mit einem Messer so durchstochen, dass ein Schlitz entsteht, in welchen man den Zeigefinger der linken Hand einführt: dann schneidet man den Hoden ab und schiebt den Stumpf des Saraenstrangs durch den Schlitz, so dass der Sainenstrang durch sich selbst geschlungen wird; erforderlichen Falls kann diese Durchschlingung wiederholt
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(322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Castration.
werden, bis die Bltttong gestillt ist. Das Verfall reu wird namentlich bei Alteren Bullen empfohlen und in der Weise ausgeführt! dass man das Thier mit der rechten Seite au eine Wand drücken, den linken Hiuterfuss mit einem Strick, der zngleiob um den Hals des Tbieres gescblungen wird, be­festigen läset. Ein am Hintertheil stehender (iehüll'e hiilt mit der rechten Hand den Fuss an der Achillessehne und zieht denselben nach auswilrts. Bei Stierkälbeni sull die Durchschlingung des noch wenig entwickelten Samenstranges auf Schwierigkeiten stossen. Auf gvosse Reinlichkeit wird besonderes Gewicht gelegt.
Dass auch bei Bullen die aseptische Castration möglich ist, haben die Versuche von Wehr bahn gezeigt, der jedoch selbst /ugiebt, dass das Ver­fahren mit ZU grossem Aufwände an Zeit und Kosten verbunden ist.
Bei Schafen erfolgt die Castration um besten im Alter von -t—(1 Wochen. Mau legt das Thier auf einen Tisch; Lämmer werden von einem Gieliülfen an den Beinen gehalten, die event, /usammen-gebunden sind, allere Hocke lässt man von ein paar kräftigen Männern in der Rückenlage halten. Bei Lämmern empfiehlt sich das A b-schaben oder Abdrehen (S. 596.597); ältere Böcke können ebenfalls durch vorsichtiges Abdrehen, aber auch durch Unterbindung castrirt werden; Kluppen wendet man bei Schafen selten an. Die Eröffnung des Hodensackes erfolgt ebenso wie beim Pferde, doch wird zuweilen der Grund des Hodensackes einfach abgeschnitten, ein Verfahren, das den Abfluss des Wundsecrets natürlich begünstigt,
Ziegen castrirt man am besten durch subeutane Unterbindung des Samenstranges oder vermittelst, elastischer Ligatur, wie es S. 598 beschrieben wurde.
3. Die Castratiou mäunlicher Schweine.
Die Castration männlicher Schweine erfolgt, von der ersten Woche abgesehen, in den ersten Lebensmonaten, nicht selten aber auch an älteren Ebern. Eine besondere Gefahr ist bei diesen Thieren mit. der Operation nicht verbunden, doch untersuche man vorher den Hodensack- und Leistenkanal auf die Gegenwart von Leistenbrüchen, die bei diesen Thieren ziemlich häufig vorkommen.
Das auf einem Tisch liegende Ferkel wird von einem oder zwei Gehülfen in der Rückenlage festgehalten, während der Operateur mit der linken Hand die Boden gegen den Grund des Scrotums drängt. Dann durchschneidet er parallel zur L'aphe scroti und, etwa 1,0 bis 1,5 cm von derselben entfernt, die Hüllen des Hoden, so dass dieser frei zu Tage tritt. Wenn nun auch bei .jungen Thieren das einfache Abschneiden des Samenstranges mit der Schere ohne Gefahr geschehen
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(.'astnition niämiliclicr Tliiere — Scliweiue, Hunde und Katzennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (;2;{
kann, so cinpHelilt sich dennoch die Torsion tics Samenstranges, welche am einfachsten in der Weise ausgclülirt wird, dass man nach Durch-schneidung des hinteren Septums des Saraenstranges den Zeigefinger dicht über den Nebenhoden durch den Saraenstrang stösst und, während Daumen und Zeigefinger der linken Hand den Samenstrang in der Höhe des Schweifes vom Nebenhoden lixircn, mit dein Zeigefinger der rechten Hand Drehbewegungen macht, wodurch der Samenstrang torquirt wird, bis der Hode abfüllt. Oder man legt den Samenstrang nach Durchschneidung seines hinteren Septums auf den Zeigefinger der linken Hand und schabt denselben mit einein stumpfen Messer, bis er durchtrennt ist.
Aeltere Eber werden am besten mit Kluppen oder durch Ligatur castrirt. Es kann dies zwar am stehenden Thiere erfolgen, doch muss der Kopf fest angebunden und das liintertheil so befestigt werden, dass das Thier sich weder legen, noch nach links oder rechts aus­weichen kann, was durch Einschlagen von ein paar Pfählen erreicht wird. Am besten führt man die Operation wie beim Pferde in der Seitenlage aus. Eine besondere Nachbehandlung ist nicht erforderlich, doch gebe man dem operirten Thiere einen eigenen, kühlen und mit reiner Streu versehenen Stall. Kluppen können nach 24 Stunden ab­genommen werden; in der Regel lässt man sie jedoch liegen, bis sie von selbst abfallen. Grün empfiehlt zur Castration der Eber die Unter­bindung mit einem trockenen, dünnen Catgutfaden.
4. Die Castration mänulicher Hunde und Katzen.
Hunde ertragen die Castration leicht und zwar in jedem Alter. Man lässt das Thier in der Rückenlage festhalten und öffnet den l'ro-cessus vaginalis wie oben beschrieben. Bei jüngeren Thieren kann der Samenstrang einfach mit der Schere durchschnitten oder abgeschabt werden; beides soll jedoch dicht über dem Nebenhoden geschehen. Bei älteren Hunden ist die Unterbindung vorzuziehen, weil durch Belecken die Blutung unterhalten wird. Bei Katzen wird ebenso ver­fahren; zur Befestigung des Thieres lässt man das Vordertheil des­selben in einen Sack stecken, die Hinterfüsse von einem (lehüli'en festhalten. Auch hier kann Abschaben, Abdrehen und die Unter­bindung angewendet werden.
•r). Die Castration des Qeflttgels gestaltet sicli im ganzen ein­fach, doch verlangt die Operation einige Uebung: am häufigsten werden Hähne castrirt (Kapaunen), deren bobnenturmige Testikel in der Bauch-
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024nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Castration.
höhle liegen. Die Operation nimmt man hoi Hiilinen im Alter von 2 bis !i Monaten vor. wenn sie zu krilhen antangon, und der Kamm eine rolhe Farbe annimmt. Ein Gehült'e hält den Hahn, welcher auf dem Eückeu in seinen flachen Händen Hegt, so dass das Hintertheil des Thieres dem Ope­rateur zugewendet #9632; isti und die Füsse von den beiden Daumen des Ge-hülfen niedergedrückt werden. Man rupft etwa 2 cm vor dem After die Federn aus oder sehneidet sie ab, worauf ein etwa 3 cm langer Quer­schnitt durch die dünne Bauchwand geführt wird. Hierbei ist Vorsicht geboten, damit die Eingeweide nicht verletzt werden. Der Schnitt er­folgt am besten mittelst einer geknöpften Schere, indem man die dünne Banobdeoke mit der Pincette zu einer kleinen Falte hochhebt, diese mit der Schere durchschneidet und den Schnitt entsprechend erweitert. Mit dem desinlicirtcn Zeigefinger der rechten Hand geht der Operateur in die Bauchhöhle ein und zwar bis dahin, wo äusserlicb die hintere Spitze des Schulterblattes auf den Bippen zu fühlen ist, und drängt die Baucheingeweide bei Seite. Hier liegen zu jeder Seite der Wirbelsäule die etwa bohnengrossen, derben Testikel, welche der gekrümmte Finger zu­nächst von den Bippen abzulösen, dann nach hinten und durch die Wunde hervorzuziehen sucht, wo man dieselben einfach abkneift, Die Entfernung der Hoden ist jedoch nicht nöthig, es genügt, die Testikel aus ihrer Lage ZU drängen. Der etwa vorgefallene Darm wird z.urückgobracht und die Wunde der Bauchwand mit engen Stichen geheftet. Man giebt dem Thiere einen eigenen, trockenen Stall, weiches Futter und frisches Wasser. Die Heilung erfolgt in etwa 8 Tagen. Zuweilen wird als Zierde des Kapauns der Sporn auf den Kamm gepflanzt. Eine genaue Beschreibung der Ope­ration von Günther findet sich in der Berl. Thierärztl. Woch. 1890, S. 90.
Störende Vorkommnisse während der Castration männliclier Thiere.
1. Verwachsungen des Hodens mit der Schcidenliaut. Der Zustand erlangt nur hei der Castration mit unbedeckter Scheiden-liaut Bedeutung und lässt sich zuweilen durch Trennung der Ver­bindung mittelst Daumen oder Schere in einfacher Weise heben. Bei Umfangreicher und fester Verwachsung, die sich dadurch zu erkennen giebt, dass nach dem Einschneiden der Hode nicht hervortritt, ob­gleich er vielleicht selbst von dem Schnitt betroffen wird, versucht mau einen zweiten Schnitt an der Seite des Hodens zu legen, der mit der geknöpften Schere so weit vergrössert werden kann, dass der Hode frei wird. Gelingt das nicht, so kann über dem Hoden bezw. Neben­hoden die Scheidenhaut mit der Schere getrennt und der Grund der­selben mit dem Hoden fortgenommen werden. Sollte die Verwachsung sich auf den Samenstrang fortsetzen, so bleibt nur die Castration mit bedecktem Hoden übrig, die auch gleich erfolgen kann, sobald eine Verwachsung festgestellt ist. Solche Verwachsungen sollen in Russland häufig beobachtet und durch Erfrierung des Scrotums ver-aidasst werden.
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Casti-atioii iniiiinlielier Tliicre — Störungen während derselben, 625
2.nbsp; nbsp;Netzvorfall. Bei Pferden und Schweinen finden sich nicht selton Theile dos Netzes im ilodensack. Während grössere Abschnitte
desselben bei der Untersuchung des Scrotnms vor der Castration ent­deckt werden, treten kleinere erst nach Eröfihung dor Scheidenhaut zu Tage, vergrössern sich aber durch Drängen des Thieres oft sehr schnell. Der Zustand bleibt in der liegel unbedenklich; man wartet, bis das Drängen nachgelassen hat, zieht das Netz so weit hervor, als es ohne Anwendung grössorer Gewalt gelingt und schneidet kleinere Abschnitte mit der Schere ab. Enthält das vorgefallene Net/, grössere Blutgefässe, so unterbindet man das Ganze mit einem sterilisirten Catgut- oder Seidenfaden, schneidet es ab und sucht den Kost soweit als möglich in den Leistenkanal und die Bauchhöhle zurückzuschieben. Da sich das Netz wenig geeignet zeigt, entzündliche Processo fortzuloiten, so ist die hiermit verbundene Gefahr einer Peritonitis nur gering.
3.nbsp; nbsp;Darmvorfall. So ungefährlich ein Notzvorfall, so bedenk­lich wird ein Vorfall des Darmes. Um diesem Ereignisse aus dem Wege zu gehen, muss vor der Castration dor llodonsack und Samonstrang genau untersucht werden. Ohne Zweifel können indess während der Castration Darmtheile in den Leistenkanal treten; auch kann sich eine so geringe Menge Darm im Scheidenfortsatze befinden, dass man denselben mit Sicherheit von ausson nicht nachweisen kann; durch Drängen des Thieres während dor Castration aber vorgrössert sich der Vorfall bald. Begünstigt wird der Zustand durch Zerrungen des Samen­stranges, indem hierdurch der innere Bauchring eine Erweiterung er­fährt. Am häutigsten ereignen sich Darmvorfälle bei älteren Hengsten und kommen entweder schon während dor Castration zum Vorschein, oder erst, nachdem das Thier aufgestanden ist; selten stellt sich der Vorfall später, zuweilen beim Abnehmen der Kluppen ein.
Sobald ein Darmvorfall bemerkt wird, und sei er noch so klein, muss das Thier in die Uückonlage gebracht und das Hintertheil mög­lichst hoch gelagert werden. In erster Linie ist dafür zu sorgen, dass der Darm nicht verunreinigt oder verletzt wird. Während der Um-lagerung des Thieres sucht man durch festes Umfassen des Scrotums eine weitere Entwickelung des Vorfidles, die unter Umständen sehr schnell erfolgt, zu verhindern. Nachdem das Drängen aufgehört hat, bringe man den Darm durch den Leistenkanal in die Bauchhöhle zurück. Gelingt dies nicht gleich, so geht man mit einem Ann in den Mastdarm ein und unterstützt durch einen Zug an dem be­betroffenen Dann die Reposition. Unter Umständen kann hierzu Narkose und eine Erweiterung des inneren Bauchringes nothwendig Müller u. Frlok, Allgemeine Ohirargle für Thiertlrzte. z. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;40
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iJ26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; D'0 Castration,
werden. Letztere ist iiiicli der in der Speeiellen Chirurgie bei der operativen Behandlung inoavcerirter Leistenbruche beschriebenen Me­thode vorzunehmen. Um einen neuen Vorfall zu verhüten, lege man die Kluppe auf die gemeinschaftliche Scheidenhaut; letztere kann ebenso wie bei der llerniotomie des Leistenbruches um ihre Längs-axe gedreht werden. Auch die Nachbehandlung ist wie bei jener Ope­ration zu leiten.
4. Das Eindringen von Luft in die Bauchhöhle ist natür­lich nur bei der Castration mit unbedeckter Scheidenhaut möglich, kommt im allgemeinen selten vor und giebt sich durch ein schlürfendes oder gluckerndes Geräusch zu erkennen. Abnorme Weite des inneren Bauohringes begünstigt den Vorgang, der meist ohne Nachtheile bleibt und in der Regel nur dann gefährlich wird, wenn zugleich Blut in die Bauchhöhle gelangt, welches sich unter dem Einflüsse der gleich­zeitig eingedrungenen Infectionsstoü'e zersetzt und Peritonitis veranlasst. Sobald sich das Geräusch bemerkbar macht, suche man die Operations-wunde mit der Hand zu bedecken. Die einmal eingedrungene Luft lässt sich auf künstlichem Wege aus der Bauchhöhle nicht entfernen, doch wird sie schnell resorbirt und damit unschädlich.
Nachtlieilige Folgen der Castration männliclier TMere.
Eine besondere Nachbehandlung ist bei der Castration männ­licher Thiere nicht erforderlich. Man lässt ihnen einen rahigen, mit guter Streu versehenen Stall geben, Pferde hochbinden und zunächst beobachten, ob sich nicht etwa Drängen (Hauchpresse) einstellt. Sollte das der Fall sein, so muss man das Thier durch Anreden oder einen leichten Schlag mit der Peitsche daran zu hindern suchen, denn durch Drängen wird der Entstehung eines Darmvorfalls Vorschub geleistet. Vom nächsten Tage ab — bei Castration mit Kluppen nach Abnahme derselben — lässt man die Thiere täglich V2—1- Stunde im Schritt bewegen, auf dem Lande alsbald zu leichter Arbeit benutzen. Die Bewegung fördert den Abfluss des Wundsecrets und verhindert zu­gleich Verklebungen des Samenstranges mit der Hautwunde, sowie der Ränder der letzteren mit einander: dadurch aber werden zuweilen schwere, entzündliche Processe, Eiterversenkungen und Abscessbildung veranlasst.
Es empfiehlt sich daher, die Operationswunde in den nächsten Tagen mit reinem (abgekochtem) Wasser oder einer Desinfectionsflüssig-
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('asti'iitiou tnttunliohor Tliioiv - - Naohthsilige Fnlgfn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 027
keit täglioh abwaschen zu lassen; aucli dadurch werden Verkleluingen und Verwachsungen der Wundrilnder des Scrotums verhindert. Später erscheint diese Behandlung zur Entfernung dos Eiters erforderlich und muss daher fortgesetzt werden, his die Eiterung aufgehört hat, Sofern nicht erhebliche Anschwellung oder andere Störungen auftreten, können Pferde etwa 8—10 Tage nach der Castration wieder regelmitssig zur Arbeit verwendet werden.
An bedenklichen Folgen der Castration sind zu beachten: 1. Blutungen. Abgesehen von leichten Blutungen aus llaut-gefässen werden bedenkliche Blutungen fast nur nach der Torsion, nach dem Abschaben bezw. Abreissen des Samenstrfanges, am selten­sten nach der Castration mit Kluppen beobachtet. Aber auch bei jenen Castrationsinethoden kommt es selten zur Verblutung. Aus Hautgefässen entleert sich das Blut in der Hegel nur tropfenweise; diese Erscheinung ist stets bedeutungslos, weil solche Blutung von selbst bald aufhört; zuweilen strömt das Blut in leichtem Strahl aus der einen oder anderen Wunde. Da rnuss man sich zunächst überzeugen, woher sie kommt. Bald entleert es sich an einer Seite der Kluppe und stammt alsdann in der Kegel aus der Hautwunde oder dem Pro-CCSSUS vaginalis; solche Blutungen lassen sich leicht durch Tamponade stillen. Stammt das Blut aus dem Samenstrangstumpf und entleert es sich unterhalb der Kluppe, so ist grössere Vorsicht geboten, und die Unterbindung des blutenden Gefässes erforderlich. Nach der Ca­stration mittelst Torsion können leichte Blutungen durch Tamponade des Hodensackes gestillt werden (S. lt;gt;1()), stärkere verlangen Unter­bindung des Samenstranges. Man legt eine Schlinge auf die linke Hand und sucht mit derselben den Samenstrang auf. Sobald man denselben erfasst hat, schiebt die rechte Hand die Schlinge auf diesen , um so­dann mit Unterstützung eines Gehülfen die Enden der Schlinge anzu­ziehen, jedoch ohne dieselben zu verknoten, damit der Faden in den nächsten Tagen abfallen oder doch leicht entfernt werden kann; zu dem Zwecke bleibt die Schlinge so lang, dass der Faden aus der Operations wunde hervorragt.
Zuweilen tritt bei Abnahme der Kluppen durch Verletzung der an die Kluppe festklebenden venösen Gefässe Blutung ein. Vorsicht bei diesem Geschäfte und Liegenlassen der Kluppen durch 2—8 Tage schützt am sichersten gegen dieses Ereigniss. In der Regel steht solche Blutung nach kurzer Zeit von selbst; sollte dies nicht der Fall sein, so tamponire man die betreffende Seite des Scrotums. Dotter will eine 8 Wochen nach der Castration eines Hengstes aufgetretene Blutung
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()28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Castration.
durch subcutane Injection von Ergotin 3,0 in I00/oiger Lösung- in 12 Minuten gestillt haben.
2. Abnorme Anschwellung in der Umgebung der Custrations-wunden, besonders am Schlauche. In der Kegel entstehen stärkere Anschwellungen durch Retention des Wundsecrets in Folge Verklebung der Wundramp;nder oder durch ungünstige Lage bezw, zu geringe Aus­dehnung der Hodensackwunde; andauerndes Stehen im Stalle begün­stigt ebenfalls die detention des Wundsecrets und Anschwellung. Ist der Operateur im Erfassen der Hoden nicht geübt, so kommt nament­lich bei Fohlen der Schnitt leicht zu weit nach hinten, in Folge dessen bilden die vorderen Abschnitte des Hodensacks eine Tasche, in welcher sich Wundseoret anhäuft, wodurch starke Anschwellung des Schlauches entsteht. Durch Bewegung des Thieres wird nicht allein der Abfluss des Wundsecrets direct begünstigt, sondern werden auch Verklebungen des Samenstranges mit seiner Umgebung verhindert, die oft Ursache der Retention des Wundsecrets bilden. In anderen Fällen gebt die Anschwellung aus einer intensiven Infection der Wunde hervor; solche muss durch peinliche Reinlichkeit verhütet werden. Aus demselben Grunde vermeide man zur Operation staubige Plätze, lasse die Streu vor dem Niederlegen grösserer Thiere anfeuchten u. s. w.
Wo sich eine ungewöhnliche Anschwellung bemerkbar macht, gehe man mit sorgfältig desinficirton Fingern in die Operationswunde ein und verschaffe dem Wundsecret Abfluss. Am häufigsten stagnirt dasselbe da, wo der Samenstrang mit den Wundrändern verklebt ist; man suche daher den Samenstrang auf, führe einen Zeigefinger um denselben, um die Verklebungen zu lösen, spüle die Wunde mit einer Desint'ectionsfiüssigkeit aus und lasse das Thier im Schritt bewegen. Virulentere Infectionen werden durch Beachtung der Grundsätze der Antisepsis verhütet,
8, Wundfieber. Bei der Castration ohne streng antiseptische Massnahmen tritt häufig schon innerhalb der ersten 24 Stunden ge­ringes Fieber auf, Nach den Beobachtungen Fröhner's an 190 Pferden fehlte dasselbe nur bei 270/o; 490/ii zeigton ein massiges, 180/i) ein mittelhohes und 50/o hohes Fieber. Am häufigsten knüpft sich das Auftreten des Fiebers an die Abnahme der Kluppen, namentlich wenn dies in den ersten beiden Tagen nach der Castration geschieht (S. 613). Bei massigem Fieber lässt man die Thiere eine halbe Stunde täglich im Schritt bewegen; steigt die Temperatur bei Pferden über 39,5, so empfiehlt sich, die Wunden mit sorgfältig gereinigtem Finger zu untersuchen, dem Wundsecret. wie oben beschrieben, Abfluss zu
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(.'astratioii iniiimlicliür Tlüere — Nacbthoilige Folgen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (i2(,)
verschiilFun und die Wunden mit einer Desint'eotionsfltissigkeit siuszu-spülen. In der Hegel fällt liienifich das Fieber sclion in wenigen Stunden.
4.nbsp; nbsp;Septisches Fieber giebt sich neben bedeutender Tem-|ieratursteigenmg und Pulsfrequenz durch schwere Störungen im All-gemeinbelinden zu erkennen. Der Puls, der beim Wundfieber kaum über die Norm hinausgeht, zeigt sich hier nicht nur sehr frequent, sondern auch klein und schwach; der Appetit liegt in der Regel voll­ständig darnieder; oft wird nicht einmal Wasser genommen. An­schwellung an der Castratiouswunde fehlt hierbei oft ganz, eine Er­scheinung, die bei hohem Fieber stets bedenklich ist; oder es treten starke und ausgebreitete, oft bis zur Brust reichende Schwellungen auf. Sobald solche Erscheinungen hervortreten, muss energisch eingeschritten werden. In erster Linie sucht mau die Wunde möglichst zu reinigen und wiederholt mit einer lauwarmen Desinfectionsllüssigkeit sorgfältig auszuspülen. Im übrigen muss der Zustand symptomatisch behandelt werden (vgl, Septikämie). Peinliche Reinlichkeit bei der Castration schützt am sichersten gegen dieses Leiden, und es verdient noch be­sonders hervorgehoben zu werden, dass auch bei dem vom Besitzer erfolgenden Abwaschen der Operationswunden hiergegen oft gefehlt wird. Wir verordnen stets, hierzu einen noch nicht benutzten Schwamm oder leinenen Lappen zu verwenden, denselben in reinem Wasser ge­hörig auszukochen und mit diesem Wasser und Schwamm bezw. Lappen die Reinigung vorzunehmen, ein Verfahren, das leicht ausführbar und nicht kostspielig ist.
5.nbsp; nbsp;Peritonitis. Entzündung des Bauchfells kommt nach der Castration entweder im Verlaufe septischer Infection, oder dadurch zu Stande, dass Wundsecret retinirt wird, am Samenstrangstumpfo in die Höhe steigt und event, in die Bauchhöhle übertritt. Hohes Fieber, Unruhe, Kolikerscheimmgen, mangelnder Appetit bilden die wichtigsten Symptome dieser Complication. Die Behandlung besteht in energischer Reinigung der Wunden und in Sorge für den Abfluss des Wund-secrets. In Begleitung von septischer Erkrankung bleibt hier nicht viel zu hoffen.
6.nbsp; nbsp;Vorfall des Samenstranges. Sobald der Samenstrang aus der Hodensackwunde hervorragt, spricht man von einem Vorfall des­selben. Zerrungen der Samenstränge, zu niedrig angelegte, oder zu schwere Kluppen geben hierzu meist Veranlassung. Bei Thieren von schlaffer Constitution kommt der Vorfall häufiger vor, namentlich wenn bei Abnahme der Kluppen Verklebungen der Samenstränge mit der
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tj;{0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die Castration.
ilusseren Haut nicht gelöst wunlcii. Wird der Samenskaug nicht alsbald in die Hodensackwunde bezw, Scheideniiaut ZUl'üokgebl'aollt, so entstellt regelmassig eine SanienstraugHstel, oft zugleich Cliampignonbildung, Zustünde, die in unserer Specielien Chirurgie näher beschrieben sind.
Tritt der Vorfall nach der Castration mit Kluppen hervor, so nehme man diese sobald als möglich ab, suche den vorgefallenen Sameustrang mit dem desinficirten Finger frei zu machen und in die Scheideniiaut bezw, den Hodensack zurückzuschieben. Kräftiges Be-giessen mit kaltem Wasser befördert das Aufziehen desselben (S. 614). Führt dies nicht zum Ziele, so muss eine andere Kluppe höher an­gelegt, oder der Samenstrang oberhalb der vorgefallenen Stelle unter­bunden werden.
7. A1)scesse im II o d en Saok ode r dessen Um gebu ng. Sie bilden ebenfalls eine Folge der Retention von Wundsecret und werden durch ungünstige Lage des llaiitschuittes oder zu geringe Aus­dehnung desselben veranlasst. Das stagnirende Wundsecret ruft in den an Bindegewebe reichen Weichtheilen Phlegmone hervor, welche zur Abscessbildung führt. Die Anschwellung tritt hierbei ungleich-massig, an einer Seite stärker und oft in kugelförmiger Gestalt hervor. Sobald diese Erscheinungen sich bemerkbar machen, untersuche man die Wunde und spalte event, die entstandene Höhle oder stelle eine Gegenöifnung her. Unter Umständen lässt sich ein Drain für den Abfluss des Eiters mit Vortheil verwenden.
lt. Dllaquo; Gastration welblloher Thiere (Ovariotomies
Bei weiblichen Tliieren findet die Castration seltener Anwendung als bei männlichen und besteht in der operativen Entfernung der Ovarien. Bald soll mit der Castration eine bessere Mastfähigkeit (Schwein, Rind) erzielt werden , bald dient sie zur Beseitigung eines krankhaft erregten Greschlechtstricbes (Stuten, Kühe, Hunde); bei Kühen will man durch die Castration eine Verlängerung der Lactation herbei­führen; Hündinnen werden endlich castrirt, um sie von der Zucht aus-zuschliessen und den mit der Brunst derselben verbundenen äusseren Unbequemlichkeiten zu entgehen. Am häufigsten findet die Castration bei Schweinen und Kühen statt, daher soll diese auch hier zuerst be­rücksichtigt werden.
1. Die Castration der Kühe wird sowohl zur Erzielung einer besseren Mast, als auch einer angeblich länger anhaltenden Milchergiebig-
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Castration weiblicher Tliiore — Kühe.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (ilil
keit angewendet. Oharlier empfahl in den 50iger Jahren dieses Jahrhunderts die Kühe 30—40 Tage nach dein 2. oder 3. Kalben zu Oastriren, in Folge dessen der Milchertrag andauernd auf der Höhe stehen bleiben sollte, wie zur Zeit der Castration. Obgleich diese Eoflhung sich nicht erfüllt hat, so wird doch auch heute noch die Castration bei Kühen benutzt, um sie als Milchkühe' auf längere Zeit, auszunutzen und die Mastfilhigkeit derselben zu erhöben, llendrickx glaubt, dass die Castration auch als prophylaktisches Mittel gegen Tuberkulose sich empfehle, indem auf diese Weise die Entwickelung tuberkulöser bezw. zur Tuberkulose disponirter Kälber verhindert werde. Da vornehmlich die Kälber älterer Thiere zur Tuberkulose neigen, so empfiehlt Hendrickx, die Kühe im Alter von 8 Jahren zu castriren.
Auch gegen Nymphomanie wird die Castration bei Kühen mit Erfolg ausgeführt. Albrecht operirte aus diesem Grunde 50 Stück, von denen 42 vollständig geheilt wurden; in 3 Fällen blieb die quot;Wirkung aus, und omal zeigte sich der Erfolg unvollkommen. Spftter wurden von 25 Stück 23 geheilt. Nach der Castration sollen die breiten Mutterraquo; bänder wieder straff werden, die Milchseeretion sowie die Beschaffenheit des Fleisches sich bessern, auch der Fettgehalt der Milch zunehmen.
Das ältere Verfahren, die Eierstöcke von der rechton Flanke aus zu entfernen, wurde mit Recht aufgegeben, als man die von Charlier eingeführte Methode kennen lernte, nämlich die Operation von der Scheide aus. Dass die letztere namentlich den Vorzug verdient, wo eine strenge. Antisepsis nicht durchgeführt wird, geht auch aus den Beobachtungen Lanzillotti's hervor. Die Charlier'sohe Methode wird daher gegenwärtig fast ausschliesslich benutzt.
Die Eierstöcke liegen bei der Kuh unter den Querfortsätzen des 4.— 0. Lendenwirbels, in der Höhe des äusseren Darmbein winkeis, etwa 5—6 cm median- und ventralwärts von demselben. Sie geben sich als reichlich wallnussgrosse, plattrunde, durch derbe Beschaffenheit gekennzeichnete Organe zu erkennen und sind namentlich in Folge der letzteren Eigenschaft leicht aufzufinden. Im krankhaften Zustande (Nymphomanie) zeigt sich der eine oder andere derselben zuweilen bedeutend vergrössert.
Die Ovariotomie erfolgt nach Charlier wie folgt:
Das zu operirende Thier, welches natürlich gesund sein nuiss, empfängt am Abend vor der Operation die halbe Ration und am anderen Morgen überhaupt kein Futter. Am besten operirt man am stehenden Thiere und im Stalle; der Kopf der Kuh wird kurz ange­bunden, während zwei Männer neben dem [lintertheile des Thieres
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Die Castration.
stellen, um Seitwiirtsbewegungeu desselben zu verhindern. Einer der­selben hält den Schwanz zur Seite, während beide eine glatte Stange, welcbe unter dem Leib der Kuh liindurcligel'ülirt ist, festhalten, um das Niederlegen des Thieres zu verhindern, oder falls heftiges Drängen eintreten sollte, die Stange quer über den Rücken der Kuh legen und denselben herunter drücken. Der Mastdarm des Thieres wird vor der Operation ausgeräumt. Hoff mann lässt zu diesem Zweck
Sohflldonspanuer: n, h Uterer, o, ii neuem Oonatrnotlon nach Oharller, raquo; nach Haqbner, f nach Harms.
20,1) Glycerin in den Mastdarm spritzen. An Instrumenten sind er­forderlich:
1.nbsp; Ein Scheidenspanner, Scheidenspeculum (Fig. 150).
2.nbsp; nbsp;Eine Zange zum Abdrehen der Eierstocke (Fig. 151) oder ein Fingerhut zum Abschaben derselben (Fig. 154) oder ein Ecraseur (Fig. 101).
;5. Ein Bistouri cache (Fig. 156),
Obgleich bei der Unmöglichkeit die Scheide vollständig zu des-inticiren Asepsis nicht, mit Sicherheit zu erreichen ist, so beachte
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Castration weiblicher Thicn
Kiilu;.
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niiin docli idle Mussregeln der Antisepsis, lasse zunächst die Scham und den Scheideneingang abseilen und mit einer Desinfectionsllüssig-keit abwaschen. Uürlimann empfiehlt eine quot;J'^iige Carbüllösung in die Scheide einzuspritzen und diese nachher mit steriler Holz­wolle auszutrocknen. Eine 0,1 quot;oige Sublimatlösung zu dem Zwecke zu verwenden, ist nicht zu empfehlen, weil dadurch starke Reizung der Schleimhaut und Drängen der Thiere veranlasst wird, und dies
Fig, 151.
Pilaquo;. V
4gt;i|
Zangen zum Alidreheu des Eierstorkea: Scheren /.tun Abselmeiilen des a nach Cliarlier, /gt; nach Colin,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kierstocklmndes: rtimehChar-
c nach liar ms.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; lier, /gt; nach Richter.
die Operation stört. Selbstverständlich werden Hände und Instrumente desinficirt.
Nachdem der Scheidenspanner geschlossen eingeführt, sodann durch Schrauben an seinem Griff erweitert ist, geht die rechte Hand mit dem geschlossenen Bistouri cachö in die Scheide ein, um in der oberen Wand derselben durch das vom Scheidenspauner gebildete Oehr einen Einschnitt von 5—G cm Länge zu machen. Sobald dies geschehen, giebt man das Bistouri ab, entfernt den Scheidenspanner und geht mit dem Zeige- und Mittelflnirer der Rechten durch die Scheidenvvundo in
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(331nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Castration.
die Bauclihöhle ein, sucht zunächst den linken Eierstock auf und zieht ihn in die Scheide. Nunmehr wird die Zange zum Abdrehen des Eier­stockes von der linken iland eingeführt. Während die rechte Hand, der Daumen mit dem metallenen Fingerhut vorsehen, das Eierstock­band lixirt, macht die linke langsame Drehbewegungen mit der Zange, bis der Eierstock abfallt. Mit dem rechten Eierstock wird in gleicher Weise verfahren; dabei wechselt die Kollo der beiden Hände. Eine besondere Nachbehandlung ist nicht erforderlich; das während der Operation in die Scheide ergossene Blut wird mit der Hand oder einem reinen Schwamm entfernt. Im übrigen genügt es, die Scham täglich 1—2mal mit einer Desinf'ectionsflUssigkeit abwaschen zu lassen. Die Heilung erfolgt regelmässig ohne besondere Zwischenfälle. Auch stösst die Ausführung der Operation in der Kegel auf keine Schwierig­keiten; sie ist bei einiger Uebung nicht schwer.
Nachdem diese Operationsmethode mehr in Aufnahme gekommen war, wurden manche Modificationcn derselben in Vorschlag gebracht.
Charlier selbst construirte später eine andere Form des Scheiden­spanners (Fig. 150r. cf), weil die Stäbe der früheren zuweilen nicht widerstandsfähig genug waren. Auch Haubner, Gerlach und Harms vereinfachten das Speculum (Fig. 150e, /'). Colin führte den Scheidenschnitt, den er dicht hinter dem Muttermund anlegte, ohne Scheidenspanuer mit einem gewöhnlichen Bistouri aus; während Kichter zur Vermeidung von Verletzungen des Mastdarmes empfahl, eine Quer­falte in der oberen Scheidenwand zu bilden und mit einem Bistouri cache, welches an einem langen Stiel befestigt ist, oder mit einer lang-schenkeligen Schere (Fig. ir)2/;) zu durchschneiden. Hürlimann führt den Schnitt ebenfalls ohne Scheidenspanner aus; er drängt hier­bei, um Mastdarmverletzungen zu verhüten, die untere Wand der Scheide nach unten gegen die Blase. Oster tag empfiehlt nur die Mucosa zu durchschneiden, die Muscularis und Serosa mit den Fingern zu durclistossen.
Ein von Bubendorf construirter Apparat, eine Art Luftpumpe, mit welcher die obere Wand der Scheide angesaugt, dann durch­schnitten wird, ist entbehrlich. Die Gefahr, den Mastdarm zu ver­letzen, ist nicht gross, sofern die beschriebenen Vorsichtsmassregeln einigermassen beachtet werden.
Beim Abdrehen des Eierstockes wurde auch wohl der untere, dickere Thoil, das Eierstockband mittelst einer langen Schere (Fig. 152) durchschnitten, und sodann die Torsion vorgenommen, Zum Pixiren des Bandes dienen besondere Zangen, wie sie von Charlier (Fig. L51a),
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Castrntion welbliober Tliiere
Kiilii'.
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von Colin (Fig. 161amp;) und Harms (Fig. 151c) empfohlen wurden!
Colin benutzt zu dem Zwecke auch eine eiserne Klammer (Fig. 158), Mit dem einen oder anderen dieser Instrumente wird das Kierstock-band erfasst, und das Ovarium mit der Hand abgedreht. Sollte sich
Fig, 165.
Fig. 158.
KliumiKTii nach Colin.
Flngerbul nach Oiiarlier.
a nistouri oaohä naoli
0 ü n t her, b dasselbe
slohelfönnig
dasselbe nach 20—80 Umdrehungen nicht lösen, so kann das Eier-stockband mittelst des stählernen Fingerhutes abgerieben werden. Letzterer ist hierzu jedoch meist entbehrlich, weil man mit der Torsion allein zum Ziele kommt. Neuerdings wird zum Abtrennen der Eier­stöcke vielfach vom Ecraseur Gebrauch gemacht,
Fig. 156.
der jedoch recht lang sein muss. Die Anwendung
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desselben ist ebenso einfach wie leicht und sicher. Dagegen hat man nach dem einfachen Abschneiden der Eierstocke heftige Blutungen und selbst Ver­blutung (Götze) beobachtet. Hürlimann durch­schneidet das Eierstockband mit der Schere bis auf den die Arterie führenden Theil, der sich an der Pulsation bestimmen lässt, und legt um letzteren eine Ligatur von sterilisirter Seide.
Um das Eindringen von Luft und Infeotionsstoffen
Ligatur naoli Uiirli-iLiann.
in die Bauchhöhle zu verhindern, zieht Hürlimann das Ovarium nicht in die Scheide, sondern geht mit
der Ligatur, die ein kürzeres und ein längeres Ende hat, wie es in Fig. 15(i abgebildet ist, über den Daumen, Zeige- und Mittelfinger der linken Hand gelegt, in das Abdomen ein, schiebt die Schlinge über den Eierstock und schnürt dieselbe durch einen Zug mit der rechten Hand zu. Mit einer
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(gt;'Mnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I-'io (.'astration.
langen Schere worden die Enden ca. 1 um vom Knoten abgeschnitten, sodann auch der Eierstock reichlich ebensoweit vom Knoten entfernt abgetrennt. Die Operation soll nach Ilürlimann für beide Ovaricn nur 12—15 Minuten in Anspruch nehmen.
Ohne Zweifel gewährt diese Methode eine grössere Sicherheit in Bezug auf die Blutung; ob aber auch bezüglich der Peritonitis, erscheint uns zweifelhaft. Wenn auch die Unterbindungsfäden sorgfältig sterilisirt sind, so bleibt doch die Möglichkeit nicht ausgeschlossen , dass eine Verunreini­gung derselben in der Scheide stattfindet, und Peritonitis entsteht. Die Besection der Ovarien durch Abdrehen oder mit dem Ecraseur will uns aus diesem Grunde zweckmässiger erscheinen; die Blutung ist hierbei eben­falls nicht zu fürchten.
Wenig empfehlenswerth ist offenbar die von Tracbsler beschriebene Methode; derselbe geht mit der Hand in den Mastdarm ein, sucht die beiden Eierstöcke zu erfassen und jeden für sich mit einem Stück Mast-darrnwand zu unterbinden.
Detroye führte die Castration bei einer Kuh im 4. Monate der Trächtigkeit aus, ohne dass Abortus eintrat; das beweist jedoch nicht, dass dies immer der Fall ist.
Hoffmann beschreibt ein Verfahren unter Beachtung antiseptischer Massnahmen. Die Scham und ihre Umgebung wird mit lauwarmem Seifen­wasser kräftig abgebürstet, lauwarmes Wasser in die Scheide gebracht, und diese mit der desinticirten Hand gereinigt. Nachdem das Wasser mit der Hand oder mit Hülfe eines (Jummischlauches wieder entfernt ist, spült Hoffmann die Scheide mit einer Desinfectionsflüssigkeit (Creolinlösung 3 0/o) aus und wäscht diese nochmals mit der Hand. Die hierzu benutzte linke Hand dirigirt sodann den eingeführten Scheidenspanner zum Mutter­munde, worauf die rechte Hand mit einem Bistouri cache den Schnitt durch die obere Scheidenwand führt. Nachdem hierauf die rechte Hand durch die Oetl'nung in die Bauchhöhle gelangt ist, sucht sie den linken Eierstock auf und zieht ihn, zwischen Zeige- und Mittelfinger haltend, in die Scheide, wo er mittelst einer Zange durch Torsion abgetrennt wird. Mit der anderen Hand entfernt man sodann den rechten Eierstock. Nach der Operation wird der Rücken heruntergedrückt, falls die Thiere drängen sollten. Die Temperatur stieg nach wenigen Stunden auf 39 quot;, fiel aber in den nächsten Tagen wieder auf die Norm. Sollte dies nicht der Fall sein, so lässt H. die Scheide mit Crcolinwasser ausspülen.
2. Weibliche Lämmer werden nur selten castrirt. Obich machte die Operation an 10 Wochen alten Tliieren und zwar von der linken Flanke aus. Der Schnitt wird so gross gemacht, dass man mit dem Zeige- und Mittelfinger in die Bauchhöhle eindringen kann, um die Ovarien hervorzuziehen, welche mit der Schere abgeschnitten wurden. Bei 12 operirten Thieren ging die Heilung regelmiissig von Statten; bei einem Lamm cutwickelte sich ein Abscess an der Operationsstelle.
Hering castrirte G zweijährige Schafe von der Flanke aus und zwar um zu versuchen, ob die Thiere nach der Operation reichlicheren Wollertrag geben würden. Bei zweien war nur der linke Eierstock
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Castration weibliober Thlere — Stuton.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ();{7
zu erreichen. Die Operation wurde gut überstanden, der Zweck jedoch nicht erreicht; wohl aber wurden die Thiere früher fett.
3, Die Ciistration der Stuten findet in der Regel mir wegen Nymphoinunie statt, ein Zustand, der bei kaltblütigen Kassen häufiger vorzukommen scheint als bei warmblütigen. Cadiot1) hat sich in neuerer Zeit mit dieser Operation viel beschäftigt und anerkennens-Averthe Resultate erzielt, wenngleich der Zweck, die Thiere ruhiger und fügsamer zu machen, zuweilen nicht erreicht wurde, worauf schon Harms und Thomassen aufmerksam machten. Bei Stuten ist die Castration stets mit grösseren Schwierigkeiten und Gefahren verbunden als bei Kühen. Die Hauptgefahr beruht in der bekanntlich grossen Vulnerabilität des Peritoneums der Pferde. Die Schwierigkeiten be­stehen einmal darin, dass man bei unruhigen und namentlich edleren Thieren oft nicht im Stehen operiren kann; es gelingt dies in der Regel nur bei kaltblütigen Thieren, indem man dieselben in einen Zwangs­stall bringt. Am liegenden Thiere ist die Operation bei weitem schwieriger. Dazu kommt, dass die Eierstöcke bei Stuten erheblich weiter vom Scheideneingange entfernt liegen, und das Eierstocksband kürzer ist als bei Kühen, sodass es nicht wie bei diesen gelingt, den Eierstock in die Vagina zu ziehen, um hier die Abtrennung zu bewirken. Man ist vielmehr gezwungen nicht nur mit der Hand, sondern auch mit den betreffenden Instrumenten in die Bauchhohle einzugehen, in Folge dessen muss die Scheidenwunde erheblich grosser ausfallen.
Am stehenden Thiere gestaltet sich die Operation ähnlich wie bei Kühen; steht ein Nothstand nicht zur Verfügung, so müssen die Hinterbeine gespannt und ein paar Latirbäume oder ein starker Sack unter den Leib gehalten werden, um das Niederlegen der Stute zu ver­hindern. Man sorge namentlich für eine vollständige Entleerung des Mastdarmes; feste Kothballen in demselben begünstigen Verletzungen des Darmes beim Schnitt durch die Scheiden wand. Dieser wird ebenso wie bei Kühen oberhalb des Muttermundes ausgeführt, nachdem die Scheide sowohl, wie die Vulva und ihre Umgebung sorgfältig gereinigt ist. Man vermeide zu den Einspritzungen in die Scheide reizende Flüssig­keiten; selbst 0,l0/oiges Sublimatwasser, namentlich wenn es warm angewendet wird, reizt heftig die Schleimhaut und veranlasst Drängen, wodurch die Operation gestört wird. Man benutze eine kalte Lysol-
') De l'ovariotomie ohez la jutnent et chez In vnche. Paris I8!)'i. Asselin et Houzeau.
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038nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Castnition.
oder Greolinlösung (2 quot;,raquo;). Nacli Perforation der Scheide dringt die rechte Ihuid in die Bauchhöhle ein und sucht zwischen den Darm-sohlingen in der Höhe der letzten Lendenwirbel die Ovarien in der Nähe des lateralen Dannbeinwinkels auf. Bei Stuten, die an Nympho­manie leiden, zeigen sich dieselben oft bis enteneigross; sie kenn­zeichnen sich durch ihre derbe Beschaffenheit und leichte Beweglich­keit. Mau umfasst zuerst den linken Eierstock mit der rechten Hand und führt mit der linken einen langen Ecraseur ein, dessen Kette über den Eierstock geschoben wird, was oft nicht leicht ist. Während die linke Hand des Operateurs den Ecraseur lixirt, setzt ein Gehülfe die Schraube bezw. Krücke desselben in Bewegung, um die Kette zu schlieesen. Die rechte Hand hat in dieser Zeit darauf zu achten, dass nicht Darmschlingeu in die Kette des Ecraseurs gcratheu. Sobald die Kette das Eierstockband gefasst bat, macht sich ein grösserer Wider­stand bemerkbar, und die Drehungen müssen von nun an langsamer erfolgen, bis der Eierstock in die Hand des Operateurs fällt, worauf diese sowie auch der Ecraseur zurückgezogen wird. Nachdem mit der linken Hand der rechte Eierstock in derselben Weise entfernt ist, sucht man das in die Scheide ergossene Blut soweit möglich mit der Hand zu entleeren, lässt das Thier in einen ruhigen, mit reiner Streu versehenen Stall bringen und womöglich so aufstellen, dass das Hinter-theil etwas höher steht als das Vordertheil. Die Nachbehandlung ist ebenso wie bei Kühen zu leiten.
Der Ecraseur verdient hier offenbar den Vorzug vor der Torsion des Eierstockbandes mit einer Zange, weil letztere leichter zu Ver­letzungen des Darmes führt, jedoch muss der Ecraseur erheblich länger und stärker sein als die bisher im Gebrauch befindlichen; Delamotte benutzt einen solchen von 00 cm Länge. Auch darf die Kette bezw. Schlinge des Ecraseurs nicht zu schwach sein; mir (M.) passh'te es, dass die Kette hierbei zerriss.
Bei weitem unbequemer und schwieriger gestaltet, sich die Opera­tion am liegenden Thiere; um das hierbei regelnlässig auftretende Drängen zu verhindern, versäume man nicht tiefe Narkose anzuwenden; im übrigen gestaltet sich die Operation wie oben beschrieben. Wir haben auf diese Weise ein paar Stuten operirt. Bei der einen handelte es sich um ein abgehungertes Versuchspferd mit kurzer Kruppe, bei dem die Operation verhältnissmässig leicht gelang; die zweite, kräftigere, mit langer Kruppe versehene Stute, welche an Nymphomanie litt, konnte erst castrirt werden, nachdem volle Chloroformnarkose eingetreten war. Trotz grosser Schwierigkeiten gelang die Operation. Auch stellten
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Castration wcibliclier Tliicro — Scliweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(iiiit
sich in den niichsten Tagen nur geringfügige Stürungon ein; das Thier wurde gelieilt. Cadiot, dessen Operation ich (M.) persünlicli ZU sehen Gelegenheit hatte, führte dieselbe im Zwangsstalle aus, wo sie sich viel leichter gestaltet; er operirt nach dein Colin'schen Ver­fahren, durchschneidet das Peritoneum und warnt vor dem Versuche, dasselbe mit den Fingern zu durchstossen, wobei sich regehnilssig durch Ablösung der Serosa eine Tasclie bilde. Im übrigen verfährt Cadiot wie bei Kühen, legt aber besonderen VVerth auf die Desiufection der Vulva und Scheide, mit der er bereits 2—3 Tage vor der Operation durch Einspritzungen und Waschungen mit 30/oigem Creolinwasser be­ginnt. Cadiot macht darauf aufmerksam, dass die Thiero unmittelbar nach der Operation oft Kolik zeigen, die zuweilen 2—4 Tage anhält. Ausspülungen der Scheide nach der Operation widerräth Cadiot.
Bemerkt sei noch, dass sich an die Castration von Kühen und Stuten zuweilen chronisch entzündliche Processe mit Eiterung in der Umgebung der Scheide knüpfen, welche selbst nach Monaten noch einen tödtlichen Verlauf nehmen. Auch können Verwachsungen zwi­schen Scheide und Dann oder Buuchwand zu Darmverschlingungen und tödtlicher Erkrankung Anlass geben. Bourges sah eine Stute .'! Monate nach der Castration an einem auf diese Weise entstandenen Volvulus zu Grunde gehen. Delainotte berichtet über die Castration einer Stute, wobei es zur Abscessbildung kam; der Eiterherd entleerte sich glücklicherweise in die Scheide, sodass Heilung eintrat.
4. Die Castration weiblicher Schweine wird gegenwärtig seltener als früher ausgeübt; mit der Einführung des englischen Schweines, bei dem der Geschlechtstrieb nicht in dem Masse aus­gebildet ist, wie bei den früheren Hassen (Zimmermann), wurde die Castration mehr und mehr überllüssig. Die Brunst dieser Thiere ist gering und stört die Mästung nur wenig, sodass man von der Castration meist absieht. Auch wird die Operation, welche zwar leicht ist, aber viel üebung verlangt, von Thierürzteu selten vor­genommen. Da der Thierarzt mit der Ausführung derselben jedoch wenigstens theoretisch bekannt sein muss, zumal dieselbe vielfach Gegen­stand gerichtlicher Streitfragen bildet, so soll die Castration der Sehweine auch hier kurz erwähnt werden.
Sie wird meist im Alter von 4—8 Wochen, selten bei älteren Zuchtschweinen ausgeführt, welche die Operation indess ebenfalls gut überstehen, nur darf dieselbe nicht während der Brunst der Thiere erfolgen; es empfiehlt sich, die Castration älterer Thiere 4—6 Wochen nach dem Gebären vorzunehmen.
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Die Oastrntion.
Die Eierstöcke des Schweines hängen an den langen, darniiihnlich gewundenen Uternshörnern, während ein üterushals bezw.-Mund fehlt; daher wird es möglich: 1. beide Eierstöcke von einer Flanke aus zu erreichen und 2. eine Sonde in den Uterus einzuführen, um unter Füh­lung derselben die Eierstöcke von der Linia alba aus aufzufinden, Dementsprechend sind zwei Operationsmethoden im Gebrauch, sowohl von der Flanke, wie auch von der unteren Bauchwand aus; die erstere derselben wird in folgender Weise ausgeführt:
Das Ferkel lässt man in der rechten Seitenlage so placiren, dass sich Kopf und Hals desselben auf der Erde befinden, das Hintertheil des Körpers vor dein linken Knie des auf einem Stuhl sitzenden Operateurs liegt. Die Hinterbeine werden von einem Gehülfen in gestreckter Stellung unter dem linken Arm des Operateurs hindurch nach hinten gehalten, während der Operateur mit seinem rechten Fasse den Kopf und Mals des Thieres gegen den Boden drückt.
Mit dem sog. Schweineschneidermesser (Fig. 157) (die breite gehallte Klinge liegt lose in einem einfachen Heft, so dass man das Messer mit einer Hand leicht öffnen und schliessen kann)
Fig. It
wird 3—I cm vor dem äusseren Durnibeinwinkcl in der linken Flanke, nachdem die Borsten hier abgeschoren sind, ein Hautschnitt in der Richtung des äusseren schiefen Bauchmuskels, d, h. von oben und hinten nach unten und vorn laufend, oder senkrecht von der Wirbelsäule zur Kniefalte gerichtet geführt, so gross, dass der rechte Zeige­finger des Operateurs hier eindringen und die Bauchmusku­latur und das Peritoneum durchstossen kann. Dieser Stoss muss schnell, senkrecht zur Bauchdecke und während einer Inspiration, oder während das Schwein schreit, erfolgen, um eine Ablösung des Peritoneums von der Bauchwand zu verhüten, wodurch nicht nur die Operation erschwert wird. sondern auch leicht nachtheilige Folgen entstehen. Der in die Bauchhöhle eingedrungene Zeigefinger sucht zunächst das linke Ovariuin auf, welches etwa in der Mitte Schweine- zwichen dem lateralen Darmbein wink el und der 'messer.1' Mittellinie des Kreuzbeines seine Lage hat, von etwa Bohnengrösse und derber Beschaffenheit ist, woran man den Eierstock erkennt. Beim Erfassen des Eierstockes bezw. der Gebärmutter schreien in der Regel die Schweine, was für die Orien-linmg wichtig ist. Der linke Eierstock wird nach aussen gebracht und von der rechten Hand festgehalten, während Zeigefinger und
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(Jasti'iitioii wcibliuliiT Tliicic — Schweine.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (j.) 1
Daumen der linken IJund das linke (iehilrniutterliorn nach und nach in die Wunde und in die rechte Hand bringen. Sobald die TbeiluDgSquot; stelle der Gebärmutter sichtbar wird, holt der Operateur in gleicher Weise das rechte Gebännutterhorn und mit diesem den rechten Eier­stock nach aussen. Es werden nun beide Ovurien mit HUlfe der Fingernägel abgekniffen, abgerissen oder abgeschnitten. Bei Ferkeln wird meist ohne Nachtheil der ganze Uterus mit entfernt. Bei älteren Schweinen werden nur die Ovarien entfernt; man vermeide auch, den Körper des Uterus mit hervorzuziehen. Die Uterushörner werden sodann event, in die Bauchhöhle zurückgebracht, die Hautwunde geheftet, und die Thiere von den übrigen abgesondert, in einem reinen, kühlen Stall untergebracht. In den nächsten 12 Stunden erhalten die Ca-straten nur reines Wasser, sodann leicht verdauliche Nahrung in ge­ringer Menge. An den folgenden Tagen giebt man dem Thiere etwas Bewegung.
Mancherlei Modificationen dieser Methode wurden empfohlen. Es kann natürlich mit antiseptischen Massnahmen vorgegangen wer­den, obgleich das nicht nothwendig ist, wie die Erfahrung lehrt. Bei älteren Schweinen werden auch die Bauchmuskeln durchschnitten, so dass nur noch das Peritoneum mit dem Finger zu trennen bleibt. Das Abstossen desselben führt zur Bildung einer Tasche, in welche sich Darmtheile lagern, hier verwachsen und bald durch Peritonitis, bald durch Incarceration tödtliche Erkrankungen veranlassen. Der erstere Zustand wird pro foro häutig falsch gedeutet, indem man an­nimmt, dass die Eingeweide durch den Operateur an die Bauchwand geheftet wurden.
Dem Ungeübten ist zu rathen, zunächst eine Versuchsoperation zu machen, um sich zu orientiren; andernfalls kann es ihm passiren, dass er die Eierstöcke nicht findet. Welche Geschicklichkeit indess hier erlangt werden kann, beweisen die Castrirer; in England operirte der Thierarzt Bowman auf Grund einer Wette 100 weibliche Schweine in 160 Minuten.
Die Castration von der weissen Linie aus wird in Deutsch­land seltener ausgeführt: für ungeübte Operateure gestaltet sich die­selbe jedoch leichter als die vorige. Man lässt das Schwein an den Hinterbeinen aufhängen oder auf einem Tisch in Rückenlage halten und führt eine ca. 25 cm lange S-förmig gebogene Sonde (Fig. 158) in die Scheide und Gebärmutter ein und zwar an der oberen Wand dieser Organe entlang, um mit der Sonde nicht in die Harnröhre zu gelangen. Etwa 4—5 cm vor der Schambeinfuge drängt man die Sonde gegen
Möller u Fi'ick, Allgcmoino Chinirgip l'iii- Tliioriti/.tc. S, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
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642
IHi^ Castration.
die untere Bauchwaml. Hier wird sodann ein spatenfiiriniges Messer (Fig. 158) entweder an der lateralen Seite der letzten linken Zitze oder dicht neben der Linea alba durch die Bamlnvaiul ge­drückt. Mit einem stumpfen Haken (Fig. l.r)8) wird von liier aus zu­nächst der Uterus aufgesucht, der leicht zu linden ist, wenn man denselben mit der Sonde an die Wunde führt. Vom Fig. 158.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Uterus gelangt mau zunächst zu dem einen Horn
desselben, von welchem der Eierstock abgerissen wird, worauf mit dem zweiten ebenso verfahren wird, üie Hautwunde, mittelst der Knopfnaht geschlossen, heilt in 5—6 Tagen meist auf dem ersten Wege, während die Nachbehandlung wie oben geleitet wird.
Diese Methode nannte man trüher allgemein die chinesische, doch hat Hof fm ann gezeigt, dass die gegen­wärtig in China übliche Castrationsmethode wesentlich verschieden von derselben ist und sich der Castration von der Flanke aus ilhnlicli gestaltet; nur dadurch, dass mit einem spatenRinnigen Messer und Hilkchen operirt wird, stimmt sie mit der zuletzt beschriebenen überein.
Als ungünstige Ausgänge kommen Verblutung und Peritonitis in Betracht; die erstere führt regel-
Spntenfönuigos Mes­ser mit Hakon und Sonde zur ('astration weiMiidier Schweine.
mässig in den nächsten 21 Stunden zum Tode, während Peritonitis 8—86 Tage nach der Castration in der
Hegel tödtlich verläuft (Lindenberg). Beide Aus­gänge werden durch das in einigen Gegenden übliche Treiben der Schweine bald nach der Castration begünstigt. Während sorgfältiges Abkneifen oder Abdrehen am sichersten gegen Verblutung schützt, wird Peritonitis durch Antisepsis, wie sie bei allen Operationen an der Bauchhöhle geboten ist, verhütet.
5. Die Castration der Hündinnen wird nur selten verlangt und bezweckt in der Regel den mit der Brunst der Thiere verbun­deneu Unbequemlichkeiten zu entgehen. Auch diese Thiere ertragen die Operation in jugendlichem Alter und in nicht zu fettem Zustande am leichtesten; dagegen gestaltet sich die Ausführung fast noch schwieriger als beim Schwein und verlangt ebenfalls Hebung, Das gilt nament­lich vom Flankenschnitt, der ähnlich wie beim Schwein ausgeführt wird. Die Eierstöcke liegen beim Hunde weiter nach vorn, in der Nähe der Nieren, sind klein und von Fett eingehüllt; das Eierstockband ist kurz. Die Placirung der Hündin kann wie beim Schwein erfolgen, oder es wird das Thier in der Seitenlage auf einem Tisch liegend
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Castration weiblicher Thiere — Hündinnen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(14:5
castrirt. Der Hautsohnitt erfolgt etwa .'gt; cm vom lateralen Darmbei nwiukel und ebensoweit von den Querfortsätzen der Lendenwirbel entfernt; derselbe soll 4 cm lang sein, in der Richtung des iiusseren schiefen Baucbmnskels verlaufen und nueh diesen zugleich trennen. Will man beide Eierstöcke von derselben Seite entfernen (was nur bei kleinen Hunden gelingt), so lege mau den Selinitt nicht ZU weit nach vorn; umgekehrt verfahre man, wenn an beiden Seiten operirt wird.
Nachdem der Zeigefinger der rechton Hand die Bauch wand wie beim Schwein durchstossen hat, geht derselbe nach dem fünften und sechsten Lendenwirbel, um unter den Querfortsätzen derselben, dicht hinter der Niere den linken, etwa bohnengrossen Eierstock zu suchen. Findet man ihn nicht, so bemerkt man doch alsbald das Gebärmutter-horn, welches hervorgezogen werden kann, um an demselben auch den Eierstock zu erreichen, den mau abkneift oder abschneidet. An dem linken Horn zieht man auch das rechte hervor und entfernt dessen Eierstock in gleicher Weise. Nachdem die Uterushörner in die Bauchhöhle zurückgebracht sind, wird die Hautwunde geheftet.
Um Ablösungen des Peritoneums zu vermeiden, hat Stoss em-pfoblen, zur Perforation desselben nicht den Finger, sondern eine Hohlsonde zu benutzen. Nachdem die äussere Haut und die Bauch­muskeln bis auf das Peritoneum mit dem Messer durchtrennt sind, stösst man die Hohlsonde ein und erweitert in deren Rinne die Oeff-nung. Darmverletzungen sollen dabei nicht zu befürchten sein.
Das Hervorholen des rechten Eierstockes fällt oft schwer, namentlich wenn der Schnitt zu weit nach vorn gelegt wurde. Wir haben daher mehrfach nach Entfernung des linken Ovariums und Heften der Wunde die Operation an der rechten Seite und mit Erfolg wiederholt.
Die Castration von%der Linea alba aus ist für den Un­geübten leichter und wird ebenso wie beim Schwein ausgeführt. Nur bei stark entwickeltem Euter und älteren Thieren stösst man wohl auf Schwierigkeiten. Schon Viborg hat dieselbe empfohlen; sie wird folgeudermassen ausgeführt:
Auf einem Tisch befindet sich die Hündin in der Rückenlage, und womöglich in Narkose. Eine starke Sonde, deren Ende etwas gebogen ist, wird an der oberen Wand der Scheide in die Gebär­mutter geführt. Das ist allerdings nicht so leicht wie beim Schwein, gelingt indess, wenn man das Ende der Sonde an die obere Wand der Scheide gedrückt einführt. Nunmehr richtet man das Ende der-
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044nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Die Castration.
selben gegen die untere Baueliwaiul, so dass es sicli etwa 3—5 cm vor der Scluunbeint'uge bemerkbar maclit. liier wird dicht neben der Linea alba ein Einschnitt von .'i—5 cm Länge gemacht, das Peri­toneum mit dem Finger durchstosseii, und geleitet von der Sonde sucht man die Gebärmutter und an dieser die Eierstöcke auf, um sie durch Abdrehen, Abkneifen oder Abreisson zu entfernen. Die Haut­wunde rauss sorgfältig geheftet und antiseptisch behandelt werden. Bei jungen -Jdunden wurde empfohlen, den Uterus dicht hinter der Bifurcationsstelle doppelt zu unterbinden und zwischen beiden Liga­turen zu durchschneiden, ohne die Eierstöcke aufzusuchen. Ob damit blos das Zeugungsvermögen oder auch die Brunst zerstört wird, er­scheint zweifelhaft.
Hoffmann empfiehlt in der Linea alba zu operiren, das breite Mutterband zu durchstosseii und den Eierstock nach Unterbindung mit Catgut abzuschneiden. Die Bauchmuskuliitur lässfc Hoffmann mit Catgut, die äussere Haut mit Seide heften und mittelst Zirkelbinde einen Occlusivverband anlegen.
6. Die Castration des weiblichen Gel'liigels bestellt in Durch-schneidung des Bierganges. Man liisst die Thiere wie bei der Castration männlicher Hühner (S. 024) von einem Geliülfon halten und macht wie doi't beschrieben 2—8 om vor dem At'tcr einen Querschnitt von derselben Länge durch die Bauchdecke. Mit dem desinficirten Zeigefinger schiebt man nun den Mastdarm bei Seite und erfasst mit einer Pincette den unter dem Rectum liegenden Eiergang, der sich durch seine hellvveisse Farbe be­merkbar macht. Derselberaquo; wird etwas hervorgezogen und 2 cm vor seiner Einmündung in das Rectum mit der Schere quer durchschnitten; Andere schneiden ein Stück aus demselben heraus. Nachdem die Enden zurück­gebracht sind, heftet man die Wunde, wie S. lt;)24 beschrieben wurde.
Her Eierkanal kann auch durch einen Einschnitt über dem After her-vorgepresst werden, indem man einen langsamen Druck auf den Hinter­leib des Thieres ausübt; sodann wird derselbe abgeschnitten und eine Naht angelegt.
Die Thiere erhalten in den nächsten 3—4 Tagen, von den übrigen ab­gesondert, einen kühlen, ruhigen Stall und leicht verdauliche Nahrung.
Die Exstirpation der Eierstöcke soll bei Hühnern gefährlich sein (Gourdon), und da die Castration mittelst Durchschneidung des Lege­kanals genügt, so wird von der Ovariotomic hier kein Gebrauch gemacht.
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Sachregister.
A.
Abscess löl,
—nbsp; abgekapselter 56. Router 27.
—nbsp; nbsp;BUdnng lt;ies 27.
—nbsp; nbsp;BntWlOiCluiM des 27.
—nbsp; Kroffnung des '-JH.
#9632;— klinische Ei-solieiimngen dos 28.
—nbsp; Fluetuntion beim 28.
—nbsp; lieisstT 27.
#9632; - KuxiHtbiilfe beim 152. -- kalter 27.
—nbsp; periui'ttciilarer 302.
—nbsp; perilympbatiHcber 350.
—nbsp; spontaner Durcbbrnch dos 28. 151.
—nbsp; Spaltung des 52. Absoessua artieuli B01. Abdrehen dos Hanicnst ranges,
Technik des ättraquo;, Ableitung 53. Abwerten der Pferde 172. Achternuht i)7. Achtertüiir (Uinde) 531. Aciduin tannicuni 121. Aotlnomyoes 06. 149. Aetinoniyccs bovls iÜS. Actinomycespilz, Entdecknug
des 6(J.
—nbsp; nbsp;UeschalVenheit des ti(i.
—nbsp; nbsp;Oultur des (ifi.
—nbsp; nbsp;Färbung des ti(J.
—nbsp; nbsp;üebevtragungsversncho mit dem 6(J,
Actinomycesrusen, lian des Üü. Actinomykum 68lt; (i3. Actlnomykose (13, 64.
—nbsp; Absoesse bei lt;ior 65.
—nbsp; Arsenik bei der laquo;9. epizootiachcs Auftreten der 6-J.
—nbsp; pathologischn Anatomie der 64.
—nbsp; Behandlung der tss.
—nbsp; Deformation bei der m.
—nbsp; Diagnose der 67.
—nbsp; nbsp;Erscheinungen dor 67.
—nbsp; Fistelbildung bei der 65. 67. ~ Fortschreiten der 65,
—nbsp; jodtnjectionen bei üs.
Aclvuouiykoso Jolt;lpräparuto bei 68.
—nbsp; nbsp;tnfeotionsmodus bei der 66. - im Innern der Organe 67.
#9632; Kaubeschworden bei der 67.
—nbsp; der einzelnen Körperorgane
—nbsp; Lebensgefahr bei der 68.
—nbsp; nbsp;beim Menschen 66.
Misserfolge bei Behandlung
der 69.
—nbsp; an freien Oberflächen 67.
—nbsp; Operation der 68. Prognose bei der 68.
—nbsp; Sohlachtung bei der 68.
—nbsp; Schmerzen bei dor 67.
—nbsp; Siecbtbum hei der 65.
- Skarifloatlonen bei dor 69.
—nbsp; Spontanliellung bot der 68.
—nbsp; bei den einzelnen Thioren 64.
—nbsp; Ursache dor 65.
—nbsp; Verdauungsstörungen bei der 67.
—nbsp; Verlauf der 68.
—nbsp; nbsp;Vorkommen der 6t. Aculilopressur 86.
Acupressur 86.
Acnpunctur 587. Aoutorston 87. Adenoide 44traquo;. Ailonom 448. Aderllstel 541. Aderlass 81. 535.
—nbsp; allgemeiner 536.
—nbsp; Aspiration von Luft beim .vih.
—nbsp; zu entleerende Blutmenge beim 538.
Emphysem beim 517.
—nbsp; Geschichte des 535.
—nbsp; nbsp;Nachblutungen beim 518. —- örtlicher 536.
—nbsp; beim Pferd 538.
—nbsp; beim Kinde 544.
—nbsp; bei Schaf, Schwein, Hund 537. 544.
Seltenheit des 537.
—nbsp; 'IVchnik des 539.
—nbsp; Wahl des QefftssdS zum 537. ~ Wirkungen des 537.
—nbsp; unerwünschte /nfällo beim
545.
—nbsp; mit der Fllete 641.
Aderlass mit der Hohlnadel 549.
—nbsp; nbsp;mit der Lancet to 539. Aderlassfllete nach Hoffmann 641. Adorlasshohlnadeln 549.
Aderlasslancette nach Braun 511. AderlassKohlägel 513, Aderlassschnepper 513. Aderlassschnur 544. Aderlasswunde, Hellung dor 513. Adstringeiitien, Wirkung der 47. AeollpUe 577. Aethernarkoso 498.
—nbsp; bei Hunden 601, Aetzpaste zum Bestreichen der
Kluppen 604. Aftertistel 239. Agalactte, Arthritis fungosa bei
der 316, Akiurgie 461. Akne 360.
—nbsp; Behandlung dor 361.
—nbsp; Ursachen der 361. #9632;— Wesen der 361. Akologio 461. Ahum 85. HS.
Allgemeinbefinden, Störungen
des 60. Alphaspritze 140,
Alteration der Ocfässe, Beseiti­gung der 45.
Alteration der Gewebe, Heilung der 45.
Aluminium aceticum 117.
Amputation 519.
—nbsp; Blutleere bei der 519.
—nbsp; Oonstrlotlonssohlauoh beider
519.
—nbsp; nbsp;Sohnittführung bei dor 520,
•— Seltenheit der, bei Thieren 519.
—nbsp; Technik der 520.
—nbsp; Vorzug der, vor der Ex-articulation 520.
—nbsp; Zweck der 51!). Amputationsmesser 519. Amputationsneurom 115. Amputatlonsstello 520. Amyloform 122. Anästhesie, locale 503.
—nbsp; mit Aether 501.
—nbsp; nbsp;mit Oooaln 501.
—nbsp; mit Kublensäure 504.
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646
Sachregister.
Asamp;stUoald, mit Sohwofolkohlou*
stutV 504. Anuurvsniu, BObamp;QdlUQg dcopy;8
8i6,
—nbsp; Dtagaoso dos Biö^
—nbsp; KntMtt'liun^ dos 8l5i
—nbsp; rrsuchon adfl 846.
—nbsp; Vorlauf dos S16. Aiu'iirysma arteriuvonosum 846.
cyllnilrifoniu' ßlft,
—nbsp; nbsp;diBSOoaua 845.
—nbsp; fusit'urme 315.
—nbsp; nbsp;raoemosum 846.
—nbsp; saccifurme amp;46.
—nbsp; traumutischt'S 345. Aiijiusiclttavoiien, AderlftSS an
den :gt;yx Auglonii oavoruöses '137.
—nbsp; plexiformoa 137. An^iüsarkom 439. Ansihwollung 23.
Ansehe olliiii^ou , ptlzfürmi^'e.
bei der Phlegmone 161.
Autbtacliraquo; 174. AnUphlogoso 46, Antiscptlk 107. Anttsopsts 107.
—nbsp; AnMrendung dev, in der Praxis
137.
—nbsp; Uurchfutirbarkeit der 13traquo;.
—nbsp; Entstehung dor no.
—nbsp; Grundidee der 109.
—nbsp; Kostenpunkt der 13.'raquo;,
—nbsp; Niofctbeaohtung der 136.
—nbsp; nbsp;Nothbeholfe in der 137.
—nbsp; Nothwendigkeit der 135.
—nbsp; primäre 112.
—nbsp; Sidiwiorigkeiten bei der 135.
—nbsp; seeundäre 112. VerpfUohtung zur 135.
—nbsp; Woge der 125. Antiveneue 208. Aplasie, entzündliche 43. Apustoma 27.
Arme, Desinfection der 112.
127. Arteriotoaiie 537. Arthritis olivonloa deformana
317.
—nbsp; nbsp;Behandlung der 320.
—nbsp; nbsp;Erscheinungen der 320.
—nbsp; nbsp;Pathogenose der 318.
—nbsp; Trsachen der 318.
—nbsp; Veränderungen bei der 317.
—nbsp; Verlauf der 319.
—nbsp; nbsp;Vorkommen der, bei Thloren
317. Arlhrltis ftUtgOSa 315.
—nbsp; nbsp;rhoumatlea, Behandlung der 818.
—nbsp; slooa 317. Arthromenfngitis 299. Art hrosporen 35. Artbrotomie 322.
Arzneimittel i Sohfidtgung der
Wunden dureb 111. Asche 124. Asoptik 107. Asepttn 118. Asepafs in.
—nbsp; Erhaltung der 126.
—nbsp; Werth der, für die Thierhell-kunde 113.
Atherome 457. Atheromoyaten 457. Atrophie, degenerative 275. Atropbta musouloram lipoma-
tofla 248. -------paendohypertrophica 248.
Autzucbl. Wertll der Bewegung bei der 291.
Auahlnden 168. AuslötVelung 618.
It.
Baotllen 80.
Bacillus oedeniatis maUgui 158.
-nbsp; pyogenes foetidus 149. Bacterium septicaeniiae haunior-
rhagioae 173. Bakterien 30.
—nbsp; Abscbwächung der Virulenz der 38.
—nbsp; facultatlv aerobe 31.
—nbsp; - obligat aerobe 31
obligat anaerobe 34.
—nbsp; Anhäufung der, in den Ge­woben 3(i.
—nbsp; nbsp;Assimilation der 33. Beschränkung der, auf ein­zelne Stellen 3ti.
—nbsp; chromogono 35.
-nbsp; Dauerform dor 34,
DegeneratloD der 38.
-nbsp; Eigenbewegung dor 33.
-nbsp; nbsp;Kindiiugen der 40,
-nbsp; nbsp;— - in die Blutbabn M.
—nbsp; Eingangspforten für die 40.
—nbsp; Form der 80.
—nbsp; Gallertaohloht der 32.
—nbsp; nbsp;Kältestarre der 88. •— Kapsel der 89,
-nbsp; krankmachende :(0.
—nbsp; Lebensbedingungen der 88.
—nbsp; Mangel an Ohlorophyll In den 88.
—nbsp; nbsp;Membran der 32.
Menge der, bot der Infection 11.
—nbsp; nbsp;MltigaiiOD der 37.
—nbsp; Nachweis der Pathogeuität der 86.
—nbsp; Nälirstoft'e der 86,
#9632; an bestimmten Orten 41.
—nbsp; nbsp;pathogeno 30.
—nbsp; nicht pathogeno 30.
—nbsp; nbsp;Phosphoresctron der 35. —#9632;nbsp; Pigment- 86.
—nbsp; Protoplasma dor 32.
—nbsp; Iteineultur der 86.
—nbsp; Stoffiveohaelpvoditote der 86,
—nbsp; nbsp;Temporaturoptimuin der 88,
—nbsp; Dblquttftt der 41.
—nbsp; Verbreitung der 41.
-- - — zu gewissen Zeiten 41.
—nbsp; Vermehrung der 84,
—nbsp; Vernichtung der, durch die Körperfiäfte 3H.
------— durch die Zellen 38.
—nbsp; Wärmestarro der 84.
—nbsp; Wasserbedürfniss der 34.
—nbsp; Widerstandsfähigkeit der 31.
—nbsp; krankmachende Wlrknng der 86,
—nbsp; pathogeno Wirkung der 35.
—nbsp; Wuchsform der 35.
—nbsp; Zolleiwoips der 32. Bakterionimmunität 37. Bakteriologie 80. Baktoriotheraplo 39. Bartbinde, (iobrauch der 113. Bauchböhto, chruniscb-seröse
Entzündung der 55. Bdellomoter 550. Behandlung.eiitzündungswidrige
15.
Beinhaut. Entzündung der 886laquo; Belastung, Hchtefe 58. lielastungsdeformitäten 293. Benarbungi Anomalien dor 111. Bonzinbetäubung 499. Boruhigungsmlttel beim Pfortlo
464, BeschaÖ'onlieit, leidige, der Au-
schvvclhmg 23, Beeohlagi fehlerhafter 68.
Biegungsbruch 390. nieuenstloh 204. Bildnngszellen 82. Binde, Abnehmen der 533.
—nbsp; Anlegen der 530, Aufrollen der 680,
—nbsp; nbsp;oinköpligo 530.
#9632; Elastlcität der 530.
—nbsp; Material zur 530. --- mehrköplige 530.
—nbsp; Vorschieben der 631.
—nbsp; nbsp;zwoiküpfige 530. Bindengang 531. Bindeiitour 531. Bindegewebe, Aufquolleudos 101,
—nbsp; neugebilrtete8.Brenneubei5;{
—nbsp; derbes 66,
—nbsp; nbsp;gefässarmes 66.
—nbsp; nbsp; Hyperplasie des 66.
—nbsp; junges 5(gt;.
—nbsp; nbsp;aohwftrtlges 5(i.
—nbsp; sehniges 66. Bindegewebskuoten beim Bind
Bindegowobsgesebwulst 430. Blsmuthum dlthiosalicvllcnüi 121.
—nbsp; aabgallloum 191.
—nbsp; subnitrtemu 121. Bisswundo 77. Bistouri 507.
cache 032. Bistournage 592. lilastomyceten 80, Bleikolik 2tJ9. Blennorrhoe 56. Blitzschlag 374. Blut, Ableitung des 63.
-nbsp; nbsp;Keimfreiheit des 40. Blutbabn, Infection durch die
40. Blutbeulo 344.
Blutbewegung, Verlangaamuug
der 18. Blutdruck, Sinken dos 81. Blutegel 550. Bluterkrankheit 79.
Blutersparniss bei Operationen
661. Blutoxtravasat 217. Blutgofässe, Erkrankungen der
342.
—nbsp; nbsp;Erweiterung dor 18.
—nbsp; nbsp;Querwunden der 342.
—nbsp; Quetschwunden der 342.
—nbsp; subeutane Quetschungen der 343.
Kchnittwunden der 342.
-nbsp; nbsp;sprossoude 105.
—nbsp; Stichwunden der 312.
—nbsp; Verletzungen der 342.
—nbsp; ZerrelHsungen der 34:{.
Blutgefftsazerretssung, Verblu­tung nach 344, Blutgerinnung, Fehlen dor 82.
—nbsp; Wesen der 82. Blutkörperchen. Uiapedoao der
rotlien 22.
—nbsp; nbsp;Handstellung der weisseu 18,
ocr page 659
SaohregUter,
647
lilutliürperclioii, voihc , Kr8atz
der, naob Blutung 90, lilutltM'io, künstlicho 553. Blutohr 220.
Blutpiratcheu 82. BluiHcliwamm 137. liiutscruin, Ersatz dcopy;8j naob Blutungen '.to.
—nbsp; Impfung mit fitiH. Blutaonimtheroplfl :ib. Blutfltlllaug laquo;3.
—nbsp; büiistliche 81.
—nbsp; Lobeasgofftüv naob Cmv 88.
—nbsp; Mittel zur si.
—nbsp; Nachblutung uacli dor M.
—nbsp; Hpontane 7!gt;.
—nbsp; nbsp;TUrombenblldnDg bet dor 88.
—nbsp; spoutane, Ursachen der 81.
—nbsp; nbsp;Vorgäugo büi dor Sit.
—nbsp; nbsp;Ziele dor 8.1.
—nbsp; ZustaiidokoimjitMi der 81.
—nbsp; Zweck der 81. Blui-stroni, BeschlouiugiiiiK des
18. Bluttransfusion 567. Blutung, artoriello 78.
—nbsp; Aufhören der 79.
—nbsp; Compression der Trachea durch 221.
—nbsp; Fehlen der, bei \Vunden 78.
—nbsp; Folgen der 81.
—nbsp; Gefahr bei dor 7it.
—nbsp; gletohnaftssige 7it.
—nbsp; pareiK^iymatöae 78.
—nbsp; stoasweiso Eutleovung bei der 7!raquo;,
—nbsp; Stärke des Strahls bei der 81.
-nbsp; nbsp;Im Strahle 70.
—nbsp; nbsp;venöse 78. Blutverlust, Anämie nach 81.
—nbsp; Krnährungsstörungen nach si,
—nbsp; Ersatz des 89.
—nbsp; Gröase des 81. Bogeusägo 518. Borsäure 118. 122. Butryomycos 1-19.
-nbsp; nbsp;artcoformana 68. Butrvumj'cespilz, Aussehen dos
72.
—nbsp; nbsp;Cultur des 72.
—nbsp; Emdockung des 72.
—nbsp; Experimente mit dem 72.
—nbsp; Identität des 72. Uotryumykom 58. *i3. Butryomykose 68( 60f
—nbsp; Abacedirung bei der T8.
-nbsp; nbsp;Anfänge der 72.
—nbsp; nbsp;Behandlung dor 74.
—nbsp; Behandlung, Misserfolge der 75.
—nbsp; eine Beruiskrankheit B9.
—nbsp; Briiuchbnrkoit der Thiere hei der 71.
—nbsp; Diagnuse der 74.
—nbsp; Elter bei der 71.
—nbsp; Entwicklung der 70.
—nbsp; Ernährungszustand bei der 74.
—nbsp; nbsp;Erschoimmgen dor 72.
—nbsp; nbsp;des Euters 69.
—nbsp; nbsp;FlstelbiUlnng bei dor 71. 78.
—nbsp; Generalisation der 70.
—nbsp; nbsp;Granulationsgewebe hei der 71.
—nbsp; nbsp;Hohlenbildung bei der 71.
—nbsp; an der Ilufkrone 70.
—nbsp; nbsp;JotlkaUum bei 74.
—nbsp; nbsp;Infectionsmodiis bei der 72.
Butryomykose im gemeinschaft­lichen Koiifhalsarmmuskol 60.
—nbsp; Umfang dor Neubildungen bei dor 73.
—nbsp; nbsp; nbsp;an freien Oberflächen 70.
—nbsp; Operation bei der 71.
—nbsp; in den Organen 70. rhlegmone bei der 74,
—nbsp; Probepuncfinn bei der 74.
—nbsp; Proguose bei der 71.
—nbsp; Uocidlve bei der 71.
—nbsp; des Saimmstnmges 69.
—nbsp; Schmerzen bei der 73.
—nbsp; au dor Schweil'wurzol 70.
—nbsp; Sitz der 70.
—nbsp; bevorzugte Stellen bei der 6Q,
—nbsp; in der Subcutis 70.
—nbsp; Tod durch 71.
—nbsp; Ucborreste bei der 73,
—nbsp; Ursache der 72.
—nbsp; anatomische Verändern ugen bei der 70.
—nbsp; Verlauf der 71,
—nbsp; Voikoinmon der t!!). Brand 228.
—nbsp; Amidosäuren heim 22!i.
—nbsp; Ausgang der ucuten Entzün­dung in II.
—#9632; Behandlung dos 233.
—nbsp; Beschaftoiihelt der Gewebe beim 232.
—nbsp; Blutarmuth beim 232.
—nbsp; Demarkation beim 232.
—nbsp; Desinfoction beim 231.
—nbsp; Dissection beim 232.
—nbsp; einfacher 228.
—nbsp; Elweissfäulniss beim 229. -#9632;- klinische Erschelnungou
beim 231,
—nbsp; septisches Fieber beim 232.
—nbsp; Gewebsentfärbung beim 2;J2.
—nbsp; heissor 228.
—nbsp; kalter 228.
—nbsp; Mikroorganismen beim 820.
—nbsp; chemische Produote beim 229. -- Prognose beim 233.
—nbsp; Prophylaxe beim 233.
—nbsp; Sequestorbildung beim 228.
—nbsp; trockener 228.
—nbsp; Ursachen des 230.
—nbsp; Vorhalten der Nachbarschaft beim 229.
—nbsp; Verlauf des 232.
—nbsp; Wärmeabiiahnio beim 231. Brandblasen 230, Brandemphysem 229. Brandiieber 229. Brandjanche 235, Brandmauke 165. Brandschorf, Farbe des 870i Bremse 465,
—nbsp; Blutstillung durch die 85.
—nbsp; eiserne 465.
—nbsp; polnische 4ÜH.
—nbsp; ungarische 4(gt;8. Brennen 573.
—nbsp; Anwendung von Cocain beim 583.
—nbsp; Blutstillung durch 571.
—nbsp; nachtheilige Folgen des 581.
—nbsp; mit dem Galvanocauter 584.
—nbsp; Hautfarbe als Maassstab für das 580.
—nbsp; nbsp;beim Monschon 573.
—nbsp; Methoden des 579.
—nbsp; mittelbares 583.
—nbsp; Nachlmliandlung beim 584.
—nbsp; Nachwirkung dos 57().
—nbsp; Narhenbildung beim 577.
Bronnen, Narkose beim 583.
—nbsp; nbsp; penotrlrendes 579. 582. —- In Punkten 581.
—nbsp; nbsp; nbsp;Schurfsalben nach dem 582.
—nbsp; mit dem Slift 582.
—nbsp; nbsp;in Strichen 579. subputanes 571). HUpeiTiciolles 579.
—nbsp; Temperaturen beim 573.
—nbsp; mit dem Thermocautor 581. Uuemplindlichkelt beim 582.
—nbsp; unmittelbares 579.
—nbsp; nbsp;Vorbrenuon beim 579. •— Vorzüge des 676.
Wirkung des 573,
—nbsp; nbsp;Theorien über Wirkung des 575.
~ Verschiedenheit der Wirkung
des 574. Brenneisen, Erhitzen des 577.
Formen des 577.
—nbsp; kupferne 577.
—nbsp; Tbotle des 577. Bruchlieber lf;7. 408, Bruchonden, Interposition von
Weichthellen zwischen die 405. Bruchstelle, Infection der 40. Brustholnflstcl 391. IJrustboule 351.
—nbsp; Wesen der 24(), Brustbremse 486. Brusthöhle, chronisch-seröse
Entzündung der 55. Brnstwunden 77. Buchweizenausschlag 357. Buchweizenfütterung, Erythem
nach 356. bin siitti 451,
Bursitle 339.
—nbsp; Behandlung der 341.
~ Erschoinungon der 310. Verlauf der 840.
—nbsp; Veränderungen bei dor 339.
('.
Callus, Aplanation des 404. übermässigo Bildung von 405.
—nbsp; definitiver -los.
—nbsp; nbsp;imVormltät dos 406.
—nbsp; endostaler 401. ~ (ibrosus 404.
—nbsp; Intermediärer 101.
—nbsp; luxurhuis -105.
—nbsp; paroslalor 401.
—nbsp; perlostaler 404.
—nbsp; provisorischer 403. CallusbiIdung, verzögorte, Be­handlung dor 415.
—nbsp; Verzögerung der 415. Cancer 419. Cancroid 450, Carbolgaze 110. Carbolsäure Uli.
—nbsp; Nachtholle der 111. Carbunkel 860.
~ Bohandlung des 361.
—nbsp; Ursachen des 361.
—nbsp; Wesen dos 361. Carcinoma 419.
—nbsp; cystieuni 457.
—nbsp; golatliuisum 4Ö0,
—nbsp; modullave -150.
—nbsp; myxomatodes 450.
—nbsp; telangieotodea 450. Carclnom. Aetiologio dos 451.
—nbsp; Blastomycoten beim 452.
—nbsp; nbsp;Behandlung des 158.
ocr page 660
648
Sachregister.
rarciiiom, OoooUUen höhn ingt;. - Cyatenbildunt? Im iJü.
—nbsp; nbsp;klinischo Jgt;iagin)Be lies it%,
—nbsp; FleUolmabrung beim t.'ti.
—nbsp; Gost'blooht beim 4öl,
—nbsp; Lebennalter beim 451.
—nbsp; nbsp;regressive Metamorphosen rtes 450.
—nbsp; nbsp;MetastftsoQbUclung beim -iö;!.
—nbsp; Mlkrubon beim 468.
—nbsp; nbsp;UlkroBporldloQ beim '152.
—nbsp; MyxosporidiiMi beim 45^.
—nbsp; bei I'ariifliniirbeltcni .151.
—nbsp; Prognose beim 15:(.
—nbsp; bei Kauebern 451
—nbsp; ebrunische ReizUQgOD ula Ur­sache lies 451.
—nbsp; Sacebaromyci'ten beim AAS,
—nbsp; bei Schornsteiufegeni 451.
—nbsp; Seltenheit des, bei Rind, Schwein, Schaf 451.
-nbsp; Seruratherapio beim 15 t.
~ Uebert ragung versnobe beim 452.
—nbsp; Verirnmg von Kpithelien beim 452.
—nbsp; Vorlauf des 153.
—nbsp; quot;Wesen des 44i).
~- fettiger Zerfall des 450.
-nbsp; schleimiger Zerfall des 400. Carcinomatose 453. Caroinomzellen. Abstammving
der 441).
Oftro luxnrians 112.
OarottSj Compression der ver­letzten 547.
—nbsp; Unterbindung der 546.
—nbsp; Verletzung der, beim Ader-lass 545.
C'arotlsverletzung, Diagnose der
646. Castrat, Kebandlung des 611.
—nbsp; nbsp;Bewachung des 611,
—nbsp; nbsp;Morabhängen der Kluppen beim Uli.
—nbsp; Nachbehandlung des 615. Castration 588.
—nbsp; ä cordon convert 612.
—nbsp; h testicule convert 602. 611.
—nbsp; a testicule decouvert 602.
—nbsp; Absecsse nach der ))30.
—nbsp; Alter zur 580.
—nbsp; Blutungen nach der 627.
—nbsp; septisches Fieber nach der 620.
—nbsp; Peritonitis nach der 621raquo;.
—nbsp; abnorme Schwellung nach der 62H.
—nbsp; Vorfall dos Samcnstranges nach der 62il.
—nbsp; nbsp;Vorthelle der 5b8.
—nbsp; Wnndüebcr nach der 62laquo;.
—nbsp; durch Abreiasen der Hoden 596.
-nbsp; nbsp;Klopfen der Hoden 501,
—nbsp; nbsp;— Abbrennen des Samen­stranges 601.
—nbsp; Ahdreben des Samen-Stranges 507.
—nbsp; — Abschaben des Samen­stranges 506.
—nbsp; — Abschneldon des Samen­stranges 601.
—nbsp; — Klopfen des Samenstranges
502.
—nbsp; nbsp;— Unterbindung des Samen­strauges 600,
-------Torsion des Samenstranges
502.
Castration durch subeutano Unterbindung des Samenlaquo; Stranges 503,
—nbsp; In der Uückenlage 60S. - mit dem Kcrasour 507.
------bedecktem Hoden ti02.
------bedecktem Hoden, Technik
der 605. ö] l. -------bloBSgelegtein Hoden 803,
—nbsp; — Kntl'ernung der Hoden 595.
—nbsp; nbsp;— Erhaltung derHodeu ÖOL
—nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kluppen 6oi.
-----------Kritik der 616.
—nbsp; nbsp;— bedecktem Samenstrang 612,
—nbsp; desmannllchen QeflügelaÜSS.
—nbsp; dos weiblichen (Jetlügeis; 644.
—nbsp; des Hengstes 605.
—nbsp; nbsp;— — aseptische 618.
— nacii Hoffmaun Ö19.
—-------Chloroformnarkose bei
der 608.
—nbsp; — — Dlftt vor der 605.
---------- mit dem Ecraaeur 617,
~ - — Ausbinden des rechten
HlnterfUSSOS bei der 607.
—nbsp; nbsp; - — Ergreifen des Hodens bei der 60S.
—nbsp; — — Anlegen der Kluppe bei der 609.
—nbsp; — — Schliesson der Kluppen bei der 610.
-------mit Kluppen, Tocbnik
dor 608. —-------im Liegen 607.
—nbsp; nbsp;- — mit elastischer Ligatur 817.
—nbsp; nbsp;— — durch Unterbindung
des Samenstranges t)17. -----------SohntttfÜhrung bei der
608.
-------„ inx stehen 606.
-----------Untersuchung vor der
605.
_.. _ — Vorbereitungen zur
606. Castration männlicher Hunde 623. der Hündin 642.
—nbsp; männlicher Katzen 623.
—nbsp; nbsp;der Kuh 630.
„ „ — von der Flanke aus 631. -----------Inatrumente zur 632.
—nbsp; — laquo; vonderSeheideaus6;tl. Castration weiblicher Lämmer
636.
—nbsp; der Schafböcke 622.
—nbsp; männlicher Schweine 622.
—nbsp; weiblicher Schweine 639.
—nbsp; nbsp;der Schweine von der Flanke aus 640.
—nbsp; nbsp;— — von der Lfnea alba aus 611.
Castration der Stute 637.
männliclier Tbiero 589. —------üble Folge nach der 626.
—nbsp; nbsp;weiblicher Tbiere 630.
—nbsp; — — Ecrasenr zur 632.
—nbsp; — — Zweck der 630.
—nbsp; mänulicber Wiederkäuer 620.
—nbsp; der Ziegenböcke 622. Castrations wunden, Behandlung
der 615, 626. Castrirnadel nach Scbmey 594. OastrlTzange, Construction der
599.
—nbsp; nbsp;nach Kaiser 598.
—nbsp; nach Renault 507,
—nbsp; nbsp;nach Sand 59S.
Castrirzange nach Tögl 508.
—nbsp; nach Williams 597. Catarrh 56.
Catgut 92.
—nbsp; Aufbewahrung dos 138.
—nbsp; Doslufection des 128.
—nbsp; Resorption des 129.
—nbsp; Vorzüge des 129. Cauterium actnale 571.
—nbsp; potentials 574. Cellulose 32. Cementodontoiu 437. Champignon bei der Actino-
mykoso 65.
Obemotaxls 19.
Chirurg, Efgenschal'fen des 462. Cbolesteatoma 132. Cbondrltis 299.
Ohondrom , lioteroplastisches 435.
—nbsp; hyperplastlsches 495. Chondroma 435. Chondromalacie 801, Chloralhydrat, Anwendung des,
bei Hunden 502. intravenöse Injection des497. Narkose mit 497 Chloroform, Anwendung des, hei Hunden 501.
—nbsp; Aufbewahrung dos 492. Chlovoformasphyxio, Beband-
lung der 195. Ohloroformnarkoae , Gefahren
der, beim Pferd 496. Chloroformirapparate, Worth
der 495. Chloroformlren, Apparate zum
492. Chlorwasser 118, Chlorzink 118. Chromsäure 118,
Olllen 33.
Circulationsstörung.AVirkungder
einfachen 21. Cladothrix 66.
Coagulationsnekroso 26. 228. Compression, methodische 49.
Oompresslonsbruoh 396.
Combustio 369.
Ccdlateralkreislauf, Hildang des 83.
—nbsp; nbsp;Ursachen des 83. Collodium 100. Congelatio 376. Congestlonaabscess 52. Congestion, entzündliche 18. Coiistrictlonsachlauch 552.
—nbsp; Anlegen des 553.
—nbsp; - naohthelllge Folgen des 553.
—nbsp; LlegenlassflD dos 553.
—nbsp; Nothbehelf für den 653. Contactfeuer 579. Oontraotseln 250. Oontusio 215. Contusionsfractnr 396. Cornea, Aetzung der 20,
—nbsp; Bildung von Blutgefamp;ssen in
der 20.
—nbsp; Leukocyten in der 20.
—nbsp; nbsp;reparatorlsche Vorgänge in der 20.
—nbsp; nbsp;Wanderzellen in der 20. Cornealkörpor, proliforivto 20. Corpora libra 313, 321.
—nbsp; nbsp; nbsp;oryzoldea 313.
—- — in Sehnenscheiden 321. Cornu outaneum 447,
Coup de ehalour 375.
—nbsp; du solell 376.
ocr page 661
Saohi'Sfristsri
049
t'oupirscliere ,'i23.
Ureolln iiJraquo;.
Outls pondulaDB lao,
CylintlGi-opIthollivobs 150. CyllmU-om 139. Cysten, Bail dor ifiOlaquo;
—nbsp; Beliaiidlune dor 468.
—nbsp; Dtagnoso tier 407.
—nbsp; genultio 466. seröse 467.
Oystonkropf 157. Oystoadonom 457. Oystooaroiaom 457. Cystorao 466. ('ystosarkom 467.
D.
iMirmvorfall wälirond der Ca­stration 386. .Darm wunde 11 , IJesondorheiteii
dor ino, Deckverband 110. DeoubituH igt;30. Degeneration, iibrinuido 2(). Dehnung, Entstellung dor 211.
—nbsp; durch active MuHkelwirkung 212.
—nbsp; anatomische Veränderungen bei der 212.
DentaloslGom 487, Dentinodontom 437. Dormiitul 121. Dermoldo 166. Dermoideyston 417. 45G. Desiul'ection, Beschailenheit der CTegeiiBtäude bei der 115.
—nbsp; Sclnvlerigkeiton der 111. Dermatitis chronlca apostema-
tosa 864. -------— Behandlung der 367.
—nbsp; nbsp;— — Krachelnungen der 3G4.
-----------Diagnose der 3()(j.
-------— Pathogeueao dor 866,
-------Ursachen der 365.
—nbsp; — — Veränderungen bei der 365.
....-------Verlauf der 3li().
-----------Wesen der 866.
Dermatitis erythomatosa 350.
—nbsp; furunoulosa 361. Dermatitis chronlca vorrneosa
363. 446.
—nbsp; — — anatomische Verände-ruugon bei der 363.
Dosmologlo 461. Detritus, körniger 13. Diastase 327, Digestivsalbeu 141. Digitalcomprosslon 85. Dlplooooous 31. Dislocatio ad axin 390.
—nbsp; ad longltudinom 399.
-------— cum eontractlone 399.
_ .------cum dlstractiono 399.
—nbsp; nbsp;ad laius 399.
—nbsp; ad perlpheriam 100, Dislocation, primäre, der Bruch-
euden 398.
—nbsp; nbsp;seeuudäre, der Bruchenilen 398.
DlBposlilon 41. Dlataucefeuer 576, 588. Distorslo 322. Doppelbruch 397. Drahtecrasour 514. Drahtsäge 518. Druck, articuliirer 293.
Drnckbrnnd 368. Druckverbami 209. 529. Druckwirkung, Behandlung der
Entzündung mit ih. Drüsenepitholkreblaquo; 460* Drüsengescliwulst 448. Drüsenwunden, Besondorholtun
der 100. Durchstussnngsfractiir 398.
1:.
Eootaymose 216, 314. ICl'llourago 49. Klerstocksschore 688, Eierstockszange 632. Eingriff! operativer, Ausluhrung
des 463. iMiischmelzung, eitrige 11. Einschuss 159. F.iHballeii 247. Elsen, helssos 573. Eltcrbakterion. Proamp;UOte der 27. Elter, Actlnomycesraseu im 65.
—nbsp; Bostandtheile des 27.
—nbsp; Botryomyicsrasen im 71.
—nbsp; Consistent des 2(i.
—nbsp; Farbe des 26.
—nbsp; üaso des 27.
—nbsp; Geruch des 26.
#9632; - Reaction des 27.
—nbsp; Zersetzung des 2igt;. Kitoikokken 27.
—nbsp; Fälligkeit dor, zu poptoni-siren 44.
Eitorkörperchen 26.
—nbsp; nbsp;Herkunft der 27. Eitermikroben 147.
—nbsp; Fundorte der 149.
—nbsp; Häufigkeit der 111raquo;. Metastasen durch 149.
~ anboutane Znjeotton der 119.
—nbsp; Wachsthnm der, in der Wunde 147.
Wirkung der 149.
—nbsp; Zahl der 147. Eiterknoteu 179. Eitorplasma 26, Eiterretentlon 152. Eiterseruni 26.
Eiterung, Behandlung der 153.
—nbsp; Immunität gegen 39.
—nbsp; durch chemische Körper 29. 147.
—nbsp; Prädlspositiou für 150.
—nbsp; profuse, Naohtheile bei der 146.
—nbsp; progressive 150.
- Schädigung der Gewebe durch die 162.
—nbsp; Uebergreifen dor 162.
Elter Versenkung 52.
—nbsp; nbsp;Richtung der 152. Ekchondrose 135. Ekraseur 514. Ekzema 358.
Ekzem. Behandlung des 360.
—nbsp; Erscheinungen des 360.
—nbsp; Stadien des 358.
—nbsp; Ursachen des 359.
—nbsp; nbsp;Verlauf des 358. Elektropunotur 587. Elephantiasis 362.
Anatomische Veränderungen bei der 163.
—nbsp; Arabum 362,
—nbsp; Behandlung der 363.
Ursachen dor 363.
Flfeubeiusonde MO.
Etnasculator 597. Emprosthotouus is7.
Empyem 27. 66. 151. Empyoma artlculi 301. Knchondrom 435. Bndothelkrobs 439. Endothellom 439. Entartungsreaction 276. Entfernung der Hoden, (iefahren bei 6Ö5,
—nbsp; operative, des entzündlichen
Exsudats 69. Bntapannuugsnaht 04.
Entzündung, acute 17. -------ÄetlOlOgle der 28.
—nbsp; Ausbreitung der 42.
—nbsp; nbsp; — Ausgang der 43.
—nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Austritt vonBIutserum bei der 19,
—nbsp; — Betfrin'sboslinimungder 22.
ceUnläre Theorie der 21.
—nbsp; — Cardinalsymptome der 17,
—nbsp; nbsp;- chemische Ursachen der 29.
-------Einschränkung des Be-
grifl's der 21. ------eitrige 20.
—nbsp; nbsp; nbsp;— gefamp;ssloser Gewebe 20.
—nbsp; — humoralpathologlscho Theorie der 21.
-- — klinische Ersohoinongsn
der 22.
—nbsp; — ueurltisi'ho Tlieorie der 21.
—nbsp; - seröse 25.
—nbsp; nbsp;- specilische Ursachen der 29,
—nbsp; nbsp;— thermische Ursachen der
29.
—nbsp; — traumatische Ursachen der 29.
-------Veränderungen der Ge-
fasse bei der 17. -------Verlauf der 43.
—nbsp; nbsp; - Wesen der 20.
—nbsp; Ableitung der ö3.
—nbsp; nbsp;allgemeine Störungen bei der
—nbsp; aseptische 25.
—nbsp; — Gefahr bei der 15.
—nbsp; baeterielle 25.
—nbsp; Behandlung der 46.
-------„( mit actlven Bewegun­gen 60.
—nbsp; Beschränkung des Ausdrucks 29.
—nbsp; nbsp;Beseitigung der Ui-sneho bei der 45.
—nbsp; chronische 48. 54.
mm — ableltendeMethode bei der 68.
—nbsp; Aeutworden der 61.
—nbsp; nbsp;-- Allgemelninfection bei der 61.
-------anatomische Veränderun­gen bei der 54.
-------Bacterlen bei der 58.
-------Behandlung der 63.
—nbsp; — durch Kälte 68.
—nbsp; nbsp;— Diagnose der 60. -------Druck bei 68.
—nbsp; ehroniseh-oltrlgo 55.
—nbsp; — am Knochen 57. ------an Schleimhäuten 56.
—nbsp; nbsp;— an serösen Häuten 66.
—nbsp; nbsp;- an Synovialhäuton 56.
—nbsp; nbsp;~ Bindegewebe bei der 57, -------Granulallünsgewebo bei
der 57.
ocr page 662
650
Saobregistdv.
EntsÜDduugi obroiilBoli^oltotgOi
im Muskel 57.
—nbsp; chi'unUi-li-iibrüse 55.
—nbsp; olu'ouisohe, Pauer der i;-j.
—nbsp; nbsp;— Eutwtokelung dor ös. -------BxpoWmento über die 55.
—nbsp; — kiinisi-iic ErsoheinuDgop
der 08. -------ineihodisi'ho Ootopresalon
bei der 63. -------QUOtBOhung bei der 58.
—nbsp; ohrouUcIi-DKsüicirende 55.
—nbsp; nbsp;Palpatton bei 59.
—nbsp; clmmiHcho, Producte der 55.
—nbsp; — PfOgaOBO di.'i- li-J,
—nbsp; chrüiiisch-nsaitieiiende , l'r-BprUQg der 5lJ.
—nbsp; chronisehe, rogrosstve Meta-morpboBQ bei der iü.
—nbsp; — Kestitulio ad Intogrum bei der öl.
#9632;-------Uütbe bei dor 59.
—nbsp; — (Juroll Sehläge 58. ------Scbrnei'Z bei 60.
-- — BohwlGrlgheiten bei Dia­gnose der öl.
—nbsp; chnniiseh-sorösrt 55.
—nbsp; chronische, specihHclic Pru-dueio der 57.
—nbsp; speeltischo UrHarliendor58.
—nbsp; nbsp;— Spontanheilung bei der m.
—nbsp; — Btörnng der Fnnotlon bei der 60.
—nbsp; nbsp;— StÖBfld bei der 58. - — Studium der 55.
—nbsp; TuberkelbaollluB bei der
58.
—nbsp; — typlsoher Äbschluss bei der
ti2.
—nbsp; — Ueberreste bei dor fil.
—nbsp; — Umfaugsvermebrnng bei der 5;raquo;.
—nbsp; nbsp;— Ursachen der 57.
—nbsp; nbsp;— Verlauf der 61. -------Vorbertobt bei dor fU,
—nbsp; nbsp;— 'Wurme bei der 5!i.
—nbsp; — Wesen der ßfl. 69.
—nbsp; — Zerrung bei der 58.
—nbsp; nbsp; • zertbellende Mittel bei der (i;t.
—nbsp; Desinfectiou bei Behandlung
der 51.
—nbsp; dlpbthertUaohe 8ölt;
—nbsp; Eintbellung der 24.
—nbsp; eitrige. Behandlung der, mit Alkohol 52.
—nbsp; Exsudat bei der 26,
—nbsp; Faeernetz bei der 20,
—nbsp; FebleuderOardinalsymptome * bei der 24.
—nbsp; Fieber bei der 52. ftbrinöse 25.
—nbsp; Hamp;xnorrhaglen bei der 2t!.
—nbsp; nbsp;infertiöse, A.nweodung der Kfilte bei der 51.
—nbsp; Gefahr bei der t5.
—nbsp; InteratitleHe 25.
—nbsp; Kälte bei der aouten IH.
—nbsp; locale 25.
—nbsp; metastatlsobo 48,
—nbsp; nicht baeterlolle 25.
—nbsp; parenehymutöae H5.
—nbsp; productive l:i. 55.
—nbsp; profuse 25.
—nbsp; nbsp;Prognose der acuten 41.
—nbsp; progrodlente 25.
—nbsp; Prophylaxis boi der 16.
—nbsp; rbetunatlaohe 2!t.
—nbsp; Uuhe bei dor 15.
lüiitzündiing, Boblolobeude 25.
—nbsp; nbsp;Hehwero, Ausgang bei dor lt.
—nbsp; Reru-ÜbriiiÖMe 21).
—nbsp; nbsp;Skarllloationün boi dor 52.
—nbsp; apeoiüscho 25.
—nbsp; BaperfloteUe 25.
—nbsp; Uebergrelfeu dor, nuiwichtige Organe 52.
—nbsp; WirkuiiKder.uuf Haeterion 10. /.weeknifiHslgkeit dor 22.
KntzündungKobarukter, Drsaobe
den 25. Eutzündungagoaobwulst 23.
—nbsp; nbsp;Einfluss dOB Qewebes auf die 28,
—nbsp; Prsache der 98. Entzünduugabltze 88i Kntziuidungsproductc, chro­nische, Beschaifonheit der 59,
—nbsp; ßeaorptlon dor 88,
—nbsp; lTeberlührung dor, in die
Lyrnpbbahnen 50.
—nbsp; nbsp;Zerktolnerung der 50. Entzüudungsröthe 22.
—nbsp; nbsp;Farbenton dor 22.
—nbsp; bei pigmentlrter Haut 22. Entzündungasobmerss, Ursaobe
des 21. EptpbysonlÖBungi spontane ;W7.
—nbsp; traumatische 897. Krfriornng ;t7fgt;.
—nbsp; nbsp;Behandlung der 880.
—nbsp; Blasenbildung bei der 878.
—nbsp; Grade der 378.
—nbsp; Hautnokrose bei dor 378.
—nbsp; Hautverfamp;rbung bei der 37!),
—nbsp; Prophylaxe der 380,
—nbsp; Ursachen der 377.
—nbsp; nbsp;Veränderungen boi der 377.
—nbsp; nbsp;Versuche über 377.
—nbsp; Wesen der 377. Erfrierungstod 378.
—nbsp; nbsp;Drsaobe des 379. Ergotistnus gangraenoBus 880.
Erosion 223. Erachöpfungsthourio 38. Erweichungscyston 456. Erysipelas 151. 154.
-nbsp; gangraenoBum 155.
-nbsp; bullosum 155.
Erysipol, Abstorben der Haut beim 150.
—nbsp; nbsp;Ausgangspunkt des 155.
Behandlung dos 157.
—nbsp; nbsp;Blasenbildung beim 155.
—nbsp; nbsp;Fieber beim 156.
—nbsp; nbsp;kllnlsobes Bild beim 155.
—nbsp; Lymphdrüsen beim 150.
—nbsp; Metastasen beim 166. Pyämie nach dem 150.
—nbsp; Horumtberapio beim 157.
—nbsp; nbsp;Streptokokken beim 151.
—nbsp; subontane Injeotlonen beim
157.
Verlauf dos 150.
—nbsp; Vorkommen des. boi Thiereu 160,
Erythem 35(i,
—nbsp; artlflotelles 357.
—nbsp; Behandlung des 357. Brsohelnungen dos 357,
—nbsp; nbsp;l'rsachon des 357.
—nbsp; Veränderungen beim 350,
—nbsp; nbsp;Verlauf des 357. Erythema solare 350. Esmarch'scher Hchlauch 85. Essig 85.
Etagonuaht !)5. Euterflstel 989,
Euterwunden, Besonderheiten
der 100. Exanthem 856,
Exarticitlation, Technik der 521. Excoriation 223.
Exostoae 43. 58. 3 87. 430.
—nbsp; extraartieuläre 311.
—nbsp; nbsp;Intraoapsuläre 3lit.
—nbsp; perlartloulamp;re 388.
—nbsp; prlmäro Eburneatlon der 387.
—nbsp; primäre Sponglosltftt dor 3^7.
—nbsp; soeundäro Kburneation 887,
—nbsp; Hocundäro Hpongiosität 387. —- BUbsynovtale 819, Exostosis oartllaglnea 486.
Exsudate, outzündlielie, Besei-
tlgung der 45. Extraotum Ilvdrastis canattonsis
85.
—nbsp; Seealis cornuti 85. Kxtravasat, Blutlaquo; 23.
v.
Fascia uodosa 532.
Faserkrobs 450.
Faulbrand 229.
Ferrum sesquichloratum 81.
Fesselvonen, Aderlass Hilden 531*.
Fettgoschwulst 132.
Feuor, noaiiolitauisohes 581.
Fouerschwamm 85.
Fibrom laquo;3.
—nbsp; hartes 480,
—nbsp; weiches 480. Fibroma 430.
—nbsp; durum 430.
—nbsp; molle 430.
—nbsp; mollnscum 430.
—nbsp; nbsp; nbsp;papillare 440. Fibromyom 444, Fibrosarkom 430. Flbrinferment.Wundliebor durch
107. Flbringerlnuung, pathologische
82. Fibrin re genera toren 82. Fibroblaston 102. 104. Kiober. aseptisches 107. ~ nicht bacleriolles 107.
nervöses 107.
—nbsp; Wirkung dos, auf Hactenen 10. Filaria Pancroftl, Elophanthisis
durch 302. Fil do Florence 98. Filtrirpapior 124. Fingereindrücke 23. Fingerhut nach Charlier 032. Fissuren 31)7. Fistel, Behandlung der 210.
—nbsp; Bourtlieilung der 240.
—nbsp; Definition der 238. Entwickelung der 238.
—nbsp; nbsp;klinische Erscheinungen der 240.
—nbsp; unvollständige 240.
—nbsp; vollständige 240,
—nbsp; nbsp;Wesen der 238. Flstelgang 240.
Fistelkanal, Spaltung des 240. Fistelmund 210. Fistolsecrel 238. Fixationsnuht 95. Fläcbenoiterung 151.
Dauer der 151. Flammenstrahlapparat 577. Flechte, fressende 304. Fleisch, wildes 112.
ocr page 663
^F
Sachregister.
(551
Fieleohgssohwnlat iSB.
Fluctiialion 151.
FlÜBatgkettOQ) autlaoptlBohOi Elgensobaften dor llfl,
-------Zweck der 114.
Foetus in fuota 450. FomeutaUim, kalte Ki. rontanoü Mii.
—nbsp; A.lllOgUDg dea 508.
—nbsp; vor der Brust 565raquo;.
—nbsp; Entfernung des 673.
—nbsp; Liegenbleiben des 572.
—nbsp; Material zum 50S.
—nbsp; NftobbehftndlUQg beim 572.
—nbsp; am Schaufelkuorpel 569. Fontauellsohore 50H. Fontloutus 5ü7. Foreipressur 80. Fractur 80ö.
—nbsp; complieirte, Amputation bei der 415.
—nbsp; — Bebandlung der 413.
—nbsp; — Lebenegefani bei der 411.
—nbsp; tödtliche Blutungen bei der 415.
—nbsp; Inoomplete, Dla^uose der 401.
—nbsp; intrauapsuläro 405,
—nbsp; Nerven Verletzung bei der 415.
—nbsp; subperloatale üi*?.
—nbsp; Verletzung von BlutgefaSKon bei der 415.
Fractura comnünutiva 807.
—nbsp; completa 390.
—nbsp; conquassata 3Jgt;7.
—nbsp; par eontrecoup 390.
—nbsp; incomplota 390.
—nbsp; longltudlnalla 390.
—nbsp; obllqua 397.
—nbsp; simplex 397.
#9632;— transveraa 397.
Fragilitas ossium 395, Fremdkörper, Wandern der 190. Frostbeule 378. Frostmauke 308. Fungus baematodes 137. Functio laesa 24. Furunkel 300.
—nbsp; Behandlung des 301.
—nbsp; Uraacben des 301.
—nbsp; Wesen des 301. Furunculosis 301. Fussrolleueutzüudung, Selinen-
zerrelsaung nach 253.
Qefamp;aii CJnterblttduugdea blutenlaquo;
den 87, Alteratinii des 20.
durchtremUes, Erweiterung
dos 101.
—nbsp; Tbrombose des 101.
gproaauug des ioi. Gefäaabogen 10fi.
GoJ'äBSgeseliwillst 487. Qefamp;aallgatur in der OontlnulUU
89. Gefamp;aanervenoentron, Reizung
der localcn 81. Uelassncrven, Reizung der perllaquo;
pberon 18.
Rolle der, bei der Knlziin-
dung 21. Gefamp;aaaproaseni Hoblwerdon der
101.
GetTissstumata, Nachweis der 19.
Get'ässschlingen IDS,
Gelasswand, Stomuta in der 19. 21,
molekulare Veränderung der 20.
Gel'ässwnmle, Holten der S3.
Geisseiläden 33,
Gelenk, chronisch-seröse Ent­zündung am 55,
—nbsp; Contusion des 298.
—nbsp; falaobes 404.
schiefes, Kutstohung dos 293. Entwlokelung des 291. Waehsthumsstöruugon des 292. Gelenkbänder, Entzündung der 299.
—nbsp; Zerrung an den 5s. Qelenkbruob 402.
Golenkcontusion, Behandlung der 299. diroete 298.
Entstehung der Infection bei der 299. Erscheinungen der 298.
—nbsp; indirecte 298.
—nbsp; nbsp; nbsp;Verlauf der 299. Gelenkentzündung 299.
—nbsp; acute, Erscheinungen der 307. acut-seröse, Behandlung der 308.
chronische, Behandlung der
313.
-nbsp; Ursachen der 313. Verlauf der 313.
eitrige, Ankyluflü nach der 307.
—nbsp; nbsp; nbsp; - Entstehung der 303.
—nbsp; nbsp;— Eraoheinungen der 307.
------Prophylaxe der 311.
—nbsp; spindelförmige Anschwel­lung bei der 307. Flexlonsatellung bei der 808.
#9632; #9632; Infection bei der 300.
infectiöse, bei Kind und Schwein 300.
—nbsp; nbsp;katarrhalische 301.
—nbsp; nbsp; rheumatische, Bacterien bei der 305.
Staphylokokken bei der 305.
—nbsp; — Wesen der 305. tuberkulöse 310. Verlauf der 300,
Gelenkgallo, Acupuncturder 311,
chronische 300. #9632; - - Behandlung der 309.
-nbsp; Operation der 309. Eröffnung der, mit dem Glüh-cison 310.
Geleiikhuhle, Injeotioil in die 53. Gelenkknorpel, Entziindung des
299. Geleiikkiankhelten 291. Gelenkinäuse 321.
Behandlung der 321.
Entstehung der 821.
Eraoheinungen der 321. Gelenki-htmmatisnms 301. Gelenk Verstauchung 322. Gelenkwaasereu übt 800.
Ciolenkwunde 291-Auagang der 295. Behandlung der 800.
—nbsp; nbsp; nbsp;Diagnose der 295, Gefahr bei der 294. permanente Irrigation bei der
133,
—nbsp; nbsp; Sondiren bei der 295. Verlauf der 290.
-- Wesen der 294,
Geueratto aetguivooa 85.
Genius epidemicus 42. Gerbsäure 81. 191.
Gerlaoh'sobe Nadel 92
Geschirrthelle, Druck der 58. Gesohleohtstbeile, männiiehc.
Anatomie der 589. Geschoss, abgekapseltes 50.
—nbsp; nbsp;Ablenkung dos 200. Einheilen dos 199. 203.
—nbsp; Entfernung des 203.
—nbsp; Formverändorung des 200.
—nbsp; modernes 200.
—nbsp; — Sohleasvereuohe mit 201,
—nbsp; ricochettiites 203.
—nbsp; nbsp; nbsp;Wandern des 203. Geschwulst, Delinition des Be­griffes 110.
Gesehwulstkachexie 421. Geschwulstkeime, Eindringen
der, in die Blutbahn 120. Geschwulstmetastasen 420. Geschwulstlehre, regionäre 422, Gesch wulstwachs thum per ap-
positlonem 420.
per intussuscoptionem 420. Geschwülste 410.
—nbsp; Abbinden der 515.
-nbsp; nbsp; Abreissen der 427.
—nbsp; accessorischo Knoten bei den 420.
-nbsp; nbsp;Arsenik hei don 421K
—nbsp; Bau der 423.
—nbsp; Bedeutung der, für Thierc 410.
—nbsp; nbsp; Behandlung der 420.
—nbsp; beuigne 418.
-nbsp; nbsp;Beschalfenheit der Gberrtächc bei den 423.
—#9632; Beatandthelle dor 420.
-nbsp; nbsp; Benrthellimg der 425.
-nbsp; Blastomyceten in den 419.
-nbsp; bösartige 418.
-- coutlnuirliches Kecidiv der 429.
—nbsp; Consistenz der 423.
-nbsp; Diagnose der 421.
—nbsp; nbsp; nbsp;Eindringen der, in die Venen 420.
Eintheilung dor 417. Exstirpation der 428. ...... fettige Degeneration der 421,
—nbsp; nbsp; Galvanocauter bei ilon 428, Generalisation der 421. Glüheisen bei den 128,
—nbsp; gutartige 418.
—nbsp; nbsp;hlstlolde 417. Infectiosität der 419.
Öalle 55. 300.
—nbsp; kalte 312.
—nbsp; Veränderungen der ayno-
Vlallfl bei der 312.
—nbsp; verhärtete 56. 314,
—nbsp; Wncheningou der Synovial-zotten bei der 313.
Gallertkrebs 450. Oalvauocauter 573. Galvanocaustik 580, Ganglion rles Menschon 334. Gangrän 828.
—nbsp; spontane '230. Gangraena humida 229.
—nbsp; uosocomlalis 143,
—nbsp; sicca 228.
Gangröno foudroyante 235,
Gaze 124.
Gefäss, Compression des 85.
—nbsp; Perplicatlon des 89.
—nbsp; Torsion des 86.
ocr page 664
652
Sachregister.
(iesrhwrilsto, kliiiiML'ho Dutcr-Huclmnn bei den 480. Oyatonblldung in don 121. Lebcimaiter boi den -122.
maligne -118.
raedlcamentöse Bebftndltiag der 42!raquo;.
mit orgftQoldem Bau i;'raquo;!). orgaiinide, BohaudUtug dev 158.
Diagnose der -157.
-nbsp; nbsp;reglonüre Lymiiluirüsen bi'i dou 420.
Statistik der -122. regressive Veramp;nderUDgOQ im dou 421,
sebieimigo Erwetohnng der 421.
SohmerzhafUgkeit der 121. Bobuelllgkolt desWaobatbuma
bei den 12;J. Septikämio bei den '121. Hitz der 422. Sporozoen in den 410. teratoido 417. Thermocauier bei den 428.
Uebevtragung der 110. anbegrenztes Wacbstbum dor
420.
Unterbindnngbeidon 12(J. 515.
IJrsacbon der 418.
—nbsp; Verhalten der, zur Umgebung 423.
Verlialkung der 421. Verknöoberung der 421. Wachsthum der 420. (teachwür 235.
—nbsp; atonisches 23(i. Behandhing des 237.
Geschwür, oallöses 2:M). Diagnose des 237. erethisehes 230. fressendes 235, Häufigkeit des 230.
Mikroorganismen beim 2;iigt;.
Neubildung und Zerstörung beim 235.
phagedimisches 235. Prognose des 237. torpides 236.
Transplantation beim 238. #9632; und Fistel, rntersehiede zwi­schen 23Jt. Ursaehen des 230.
Verlauf des 230.
—nbsp; nbsp;Wesen des 235.
Q-esohwürsgrund) Besobaifcnbett
des 230. tieschwürsränder, UesclialVen-
helt der 230. Gewächse, epithelialo 117. Gewebe, abgestorbene, Folgen
der 152.
—nbsp; — Umsetzungen au den 2:18.
—nbsp; — Wirkung der 152.
—nbsp; Eintrocknen der 131.
—nbsp; parabursales 889laquo;
—nbsp; Schädigung der 41.
—nbsp; nbsp;Widerstandsfähigkeit der, ge­gen Infection 11.
—nbsp; nbsp;Wirkung der Eiterung auf die 152.
Gcwebsmasson, Vernichtung der
14. Oewehstvenming, blutige 500.
-nbsp; nbsp;Methoden der 506.
—nbsp; unblutige 500. Gifttestigkelt 37. Giftimmunität 37.
Utps 409. Ulpsbindcn 410. Gipssehieiienverband 410. CHpSVerbandi Anlegen des 410.
Technik dos 410. Glaswolle 124. Gllom 434. Gliilielsen, Anwendung des 573.
Oell'non von Abscessou mit
dem 577.
aiutoi 122.
Granula lo-i.
Granulation 101. Anomalien der u 1,
Aufhören der 104. - Diplithorle der 14;). erethisidie 113, Erschöpfung der 111. mangelhafte 141. ungleichmässigc 141.
-nbsp; nbsp; unvollständige Ilonarbung der 148.
üppige 142. Entfernung der 142. Ursachen der 142. Oranulatlonsgewebe 103.
—nbsp; an Serösen 57, an Bynovlalen 57,
Grützbuutol 457. (inmmibinde 530. Guttaiiercha vorband 112,
Haut, Nekrose der 308. Transplantation der 141,
Un termini rung dor 111.
Hautansschläge 350.
Hautbrand, Bebandlung des 309.
Honrtheilnng dos 368. Defeoto nach 869. Gefahren beim 309. Vornarbung nach 332, Hautdrüsen als Eingangspforten
für Baoterien 40.
Hautentzündung durch Wuud-
soeroto 154. Hautlioru 447.
Hautreize, mothodischo Com­pression bei 54.
Druck durch 54.
Kühe durch 54.
Wirkung der 68. 54. Hautwunde 77. Ueltnadol, Formen der 91.
stiellose 01. Heftpflaster 100. Heftseide, Desinfeotion der 128. Heilmethode, derivatorische 53. Bemlplegle 272. Hengste, Alter der, zur (Jast ration
005. Herzklappenfehler, Xarkose hei
492. Hiebwunde 77. Hinterfuss, Aufheben dos, beim
Rind 486. Hinterfüsse. Befestigung der, boi
Operationen 470.
- Spanneu der 470.
Hlrsobkrankbelt 187.
Hitze, Blutstillung durch 81.
Hitzschlag 375.
Hoden, Verwachsung des, mit
der Sobetdenbaut 024.
Höhlenwunden, permanente Irri­gation bei 133.
Hohlmeissel 518.
Hohlnadel 512.
Hohlsotidc 509.
Holzkohle 122.
Holzwolle 124.
Holzwollwatto 124.
Holzzunge 247.
Honmarbe 145.
Hospitalbrand 143.
Hühnercholera 173.
Hufe, Behandlung der, bei dor Aufzucht 294.
Hufkrone, Skarlfloatlon an der
551. Hufsohle, Skaritication im der
551. Hydarthros 312. Hvdrops 55.
artlculi 300.
— chronicus 312, Uygroma proliferum 334. 340. Hydroxylbenzol HO. Hyperämie, active 1H.
passive 18.
Stauungs- 18. Hypodermollthen beim Kind 75. Hypcrostosen 43. 50. 387, 430. Hyporplasie, entzündliche 13-Hypnon 500.
11.
Haarsäcke als Eingangspforten
für Uacterlen 40. Ilaarseil 567.
Anlegung des, beim Hund 571.
-------beim Pferd 570.
beim Ulnd 571. - Entfernung des 572.
am Huf 570,
Indlcationen zum 508.
Liegenhleiben des 572.
-nbsp;- Material zum 569.
Nachbehandlung beim 572.
Nutzen des 507.
Wirkung des 507. Haarseilnadel 509.
durchgehende 57ü.
nicht durchgehende 570.
feststehende 070. Ilaiirseilschuss 200. Ifäniangiosarkotn 140. Hämarthros 298. 344, Hämatom 217. 344.
—nbsp; ErölTnung des 22Ö.
zu frühe Eröffnung des 210. Hämoglobin, Wundfieber durch
107. Häniuphllie 70. Hämorrhagie 19. Häinotliorux 314. Hände. Dcsinfoction der 110.
112. 127. Hagedorn'scbe Nadel 92.
Hakenpinoette 511,
Hakeuzaugo 512.
HalsdrUHOii, untere, Kntzändung
der 354. Halswunde 77. Hammolsuhwanz 525. Uarzverband 412. 533. Hasensobartennabt 97, Hauklinge 518. Hanptfessel 473. Haut, Krankheiten der 8S6lt;
Lympbangitls der 154.
I.
lobor 235. Immersion 40. Immunität 37.
ocr page 665
Sachregister.
658
Inummitiit, activo ;t7. -#9632; augeboveue 37.
—nbsp; Bedeutung der, für die Chi­rurgie ys.
—nbsp; nbsp;Dauer der ;t7.
—nbsp; nbsp; erworbene 117.
Individuelle 37.
-— natürliclie 87,
—nbsp; nbsp;passive in.
..... durch Blutserum iinmuni-
slrter Thloro 38.
—nbsp; durch Fibrlnoyen 38.
—nbsp; durch Jodtrlohlorld 88,
Impfnadel nach Possina 5G3.
Impfsprltze nadi Oemler fjüi.
—nbsp; nach Stlokev 064. Impfstoff öö8.
—nbsp; intravonüsQ Injcflioii dOSÖOSi Impfung 86. AÖl.
—nbsp; Deslnfeotlon bei der 6tä. ~ Geschichte der 6Ö1.
—nbsp; Instrumente zur 5(jquot;). Technik der 008.
—nbsp; Wesen der Ö(U. InactlvltiUsatrophio 848. 275.
Induration -in. su. Infarot 229.
—nbsp; nbsp;hamp;morrbagleober 2iß.
Infection 86.
—nbsp; durch intraperitoneale In­jection 11,
—nbsp; nbsp;durcli igt;urcnchymatüse In­jection #9632;11.
—nbsp; nbsp;durch suboutano Injection
41.
Infeottonskrankbelteu 3U.
—nbsp; chronische itl, 68. ------- Zugehörigkeit dor (13.
#9632;~ Empfängllcbkell der ein.laquo; Keinen Tblerspeoles für 3G.
—nbsp; Heilung der 39.
—nbsp; spontane Heilung der 39. InfectlonsstOffOi LUlt als Träger
von in.
Inliltratiou. blutige 21(J.
—nbsp; eitrige 27.
- bämorrhagischo 311.
—nbsp; pbistischo 23. 27.
—nbsp; nbsp;zelligo 23.
Inältratlonsanamp;stbesle 504. Infiammatlo 17.
Infraction 397.
—nbsp; Diaguoso der 401.
~ .Seltenheit dor, bei Tliioron
401. Injection, hypodermatlBobe 667.
—nbsp; intralaryngoale .r)59.
—nbsp; intraperitoneale, bei Blutver­lusten 90.
—nbsp; intrupharyiiRoale 559.
—nbsp; intratrachealo 558.
Anwendung der 558.
-------Flüssigkeiten zur 569.
-------Technik dor 559.
intravenöse 651. #9632; -— bei Blutverlusten oo. -------Beschränkung der 555.
—nbsp; — Instrumente zur 554.
Mittel zur 654.
-------Technik dor 555.
-------In die Vona jugularia 555.
------Zweck der 564.
—nbsp; paroiu'hynmtöse 559.
-------Technik der 560.
-------Zweck der 560,
subeutano 657.
-------bei Blutverlusten 90,
-— — Spritzen zur 557.
—nbsp; nbsp; nbsp;— Technik der 568.
InjectiuiiHllüssigkeit, Sterilisa­tion der 557. Inooulfttlo 661. Insolation 37tJ Inseotenglft, Wesen dos 200.
Insectenstloh. ßrsobelnnngeu
beim 206.
Obduotlonabefund bei Tod
durch 806. Tod durch 21)0. Tracheutomio beim 20i;.
Instrumente, Aufbewahrung der
139.
Auswahl der 403.
Einlegen der uo.
-nbsp; - Kochen dor 112.
Sterilisation der u 1, Instrumeutenlebre 101. Intoxication 86. Intoxloatlonsfleber 107. Irrigation 47.
—nbsp; liormanente 47. 133.
- Anwendung der 133. - — Ausführung der 133.131.
Mittel zur 133. Irrigator 17.
Improvisation eines 180,
.i.
Jaucbeberd) abgekapselter 233.
Jodoform ISO*
Jodoformgazo, Herstellung der
135.
•lodofurmstreubüchson 188,
Jodul 121.
Jodpramp;parate * innerliche An­wendung der 51.
—nbsp; als Kesolvcntten 52. Jodtrlohlorld 120. Jute 124.
K.
Kälborncrven 93.
Kamp;lte, Blutstillung durch Hl.
-nbsp; nbsp; Oontralndloat-lon gegen An­wendung der 48. Widerstand der Thlere gegen 378.
Wirkung der 46. Kill to Wirkung, Untersuchungen
über I(i. Kamp;ltemlschungen 47. Kamp;ngurubsehnen 93. Käse bei chronischer Knt/.un-
dung 67. Kaffee 181. Kuliumalbuminat 27. Kampfer 119.
Kanalsystem, Intercolluliires L01. Kauinchonseptikümle 173. Kapaiineii 628. Kapsel 5(1. Kapselkokken 32. Karabinerhaken zum Wurfzeug
47{i. Kelold 43i. Kophalohämatom 341. Kettonecraaour 514. Kettenkokken 31. Kettonsäge 518. Kettenverband 532.
Rteferaottnomykose 04.
Klaffen der Wunde, (irad des 91.
------Ursache dos 91.
Klammer nach Colin 035.
Kleienkrankheit 886,
Kleister verb and 411.
Kloake 393. Klopfen 49.
Klopfbengst 592.
Kluppe, Abnehmen der 013.
Hoslnfection der 006.
-nbsp; nbsp;Kigcnschafteii der 002. 004,
-nbsp; zum Abbrennen des Samen­stranges 0ft2.
Eluppensohraube 608. Kluppenzaugo 002. Knebelbremso 400. Knoten 49.
KnlokbrÜobe 397. Kniefessel 409. Knieschwamm 220. Knochen, Architektur der 293.
Auflösung dos 383.
Klasticltät des 396.
Entzündung den 381.
Exfoliation dos 3S3.
Fostigkoit dos 31)5.
Krankheiten des 881.
#9632; Vascularisatioii dos, bet Osti-
tls 383.
Zermalmung des 897. Knochonbruch 22. 305.
Bedingungen für die Heilung
des 40t.
Behandlung des 407. passive Bewegungen bei lie-
handlung des 413.
—nbsp; nbsp;abnorme Beweglichkeit beim 398.
—nbsp; nbsp;Beurthellung dos 402.
compllolrter 398. #9632; - Ooutraextension beim 107.
-nbsp; Crepitation holm 898. Diagnose des 898. director 399, Dislocation beim 398. einfacher 397. Einkeilung beim 400. Kintbeilung der 396. Entstehung des 390. Extension beim 407. Functlonsstdrung beim 400. Heilungsdauer dos iöllaquo; HellungsVorgänge beim 102. Implantation heim 400. Indlrecter 390.
Massage bei Behandlung des
413.
mehrfacher 397. Osteomyelitis nach 105. pathologischer 390. Periostitis nach 105.
—nbsp; Prognose beim 400.
-nbsp; nbsp;Reduction beim 407. Reposition beim 407. Betention beim 107. Schmerz beim 400. seeuudärer 390, subeutaner 398. Vorband beim 408. Abnahme des Verbandes beim 412,
definitiver Verband beim 409.
—nbsp; provisorischer Verband beim 409.
Verlauf des 401. - Verschiebung der iiruch-stücke beim 398.
Knochencarles 393. Knocheneiter 391.
Knochengerüst. Eintluss der Be­wegung auf das 293. Knocheugeschwulst 480.
ocr page 666
664
.Sachregister.
KnoohOBgowobo i oougoblldotöS)
JJrennon bei 53. KnuLheninark, eitrige lnliltrii-
tiuu des 88d.
Kut/.ünduiitf ties 38-1. Kiiüchcunuu-ksont Zündung, Erlaquo;
Z6ttgung der 10. KnochiMi. nokrotiBOhOy , Farbe
des 31) t KnochtMinekrose 393.
Auftrolbung bei der 393. Bebaudlnug der 394,
IJeiirtlii'iluny der 804,
ceutrale 31)3.
poriphero 303.
Vorgänge bei dor VM. Enoobensoueve 617. Knoebenzange 017. Knopf loohwuDde ftig. Kuopiniibt 98.
Ausleben dos Fadens bei der
9fl,
Auölühruiig der 98.
Naobtbelle nnoh der 95.
- Regeln für die [)o. Knoptsnmle 610. Knoten, oblrurgisobet 88. Knotenbindo ä32. Knorpelüstel 1:'gt;2.
Rnorpelgescbwulsl 186.
KnorpeliiHur 319.
Körper, poröse, lUiitstillmig
ourob 85.
reisfürinigo 340. Körpertlieile, Befestigung der,
bei der Operation 16i). Körpertempoiatnr, Wirkung der,
auf liacterien 40. Kochsalz 118. Koblonpulvor 85. Kopf, Niederbinden des KiO. Kopfwunde 77. Kornzange 511.
Krankheiten, septikämisobe 171. Krebs t Ift. Krebsbaeillus 152. Krebsgesehwür 160. K rebagesohwulst 4 10, Krcbskaeboxie 453. Krebsmileh 453. Krebsnabel 450, Kreistour (Binde) 531. Kresol 119. K reuzfeuer 580. Kreuzotter 'J07. Krüllgaze U'4. Krüachkrankbeit 383. Kugelbaoterlen 80. Kühlmittel, Wasser als 16. Kühlwasser, Zusätze zum 47. Küracbnornaht 0(i.
Kyatome 417.
Lähmung, Kntwickelnng der 272. Krsfbeiniingen der 273. kalte Douoben bei der 279. Massage bei Behandlung der 279. motorisehe 270.
multiple 273.
myopathlsehe 250, 270.
-nbsp;- deraquo; Nervus facialis 267.
-nbsp; nbsp;deH Nervus reeurrens 2(17.
-nbsp; nbsp;Nervendebming bei Bohand-hnig der 279. neiiropathisehe 870.
-nbsp; nbsp;periphere 271. 273. Prognose bei der 277.
-nbsp; Ketlexerregbarkoit beider271. refrigeratorlscho 272.
rbeumatlsobe 272. soblaffe 273.
sensible 270.
-nbsp; nbsp;spastische 273. spinale 271.
-nbsp; toxlsebo 272. Ursache dor 271. Vorlauf der 272.
Laneotte 507. Langsbruch 39(). Längswunde 77. Lappensohnitt 520. Lappenwunde 77. Lasso-dompteur 171. Latte 485. Leberadenom 448. Ledersteeken 508. Lelomyom 441. Loucin 27. Leukooyten, Emigration der
18.
—nbsp; als Infeetionsvermittler 10. Itesorptlon der 43. Theilnahme der, an der Ge-websueubildung 10.
Leydenia geminlpara 152. Ligatur, elastische 615. nach Hürlimann 035.
-nbsp; isoilrte, des (ietässea S8.
-nbsp; nbsp;Trennung durch 515. Ligature en nmsso 88, Ligatur faden j Anziehen des 88. Lipom, Abromatösea 132.
Lipoma 432.
arboresoena 132.
-nbsp; rtbrosum 432. melauodes 132. inollo 432.
Löffel, scharfer 507. Luft, Aspiration von 80.
-nbsp; DestnfeoUon der Ho.
—nbsp; nbsp;Kiudringen von, in die Baucli-höhle während der Castration *i2(J.
im Operatlonsrautne, Kühe der 113. Luftaspiration, Prophylaxis der
81,
Tod durch 80. Luftembolie 80. Lumbago, Muskelerkrankung bei
der 846. Lungenseuoho, Impfung der ßöl. Luxation 327. Luxatiü eomplota 327.
-nbsp; nbsp;Incomjueta 327. Luxation, habituelle 329. Luxationsmechaiusmns 328. Lymphadenie 443.
Lymphadenitis 151. 353.
Lympluuiglektasio 310. Lymphangioltls 151.
Lynipliangioitis acuta 350. purulenta 351.
—nbsp; septlca 351.
u Icerosa 352. Lymphanglnm 138. Lympbangiiisarkom 440. Lymphbalin. Infection durch die
40. Lymphe 533.
—nbsp; Keimfreiheit der 10.
Lymphdrüsen, Actlnomyltose
dor 354. Entzündung der 353.
—nbsp; Erkrankung der, bei Kntzün-
dang 42.
—nbsp; Induration dor 355. Krankheiten der 349.
—nbsp; Liegeubleibeu der Mikroben in den 353. Neubildungen in den 355.
—nbsp; Vorkäsung der 354. Lyinphdrüsenontzündung, Be-
handlung der 355.
—nbsp; chronlscho, durch Eitererre­ger 354.
—nbsp; nbsp; nbsp;lOrscheiiiungen der 355. Wesen der 354.
Lymphextruvasat 217. Lymplioxtravasjato, Behandlung der 220.
—nbsp; Eiterung beim 220. beim Pferd 220.
—nbsp; nbsp;PhlegmonO nach dem 220.
—nbsp; nbsp;Resorption der 220.
—nbsp; Verlauf der 219. Lymphlistel 211). LyniphgelTisHe., acute Entzün­dung der 350.
—nbsp; Erkrankung dor, bei Entzün­dung 42.
—nbsp; Erweiterung der 349.
—nbsp; kleine, Trennungen der 350.
—nbsp; nbsp; Krankheiten der 349.
LymphgefäHsentzündung, Aus­gänge der 352. Bobandlung der 352.
—nbsp; nbsp;Diagnose der 351.
—nbsp; beim Kotz 861.
—nbsp; nbsp;Verandeningen bei der 350. Verlauf der 351.
Lymphooyten ii).
Lympbom 443.
—nbsp; malignes 443. Lympborrhoe 219. Lympbosarkom 430. Lysol 110.
M.
Mackintosh 110.
Malloin 503.
Marasmus 61*
Markoallos iul
Markschwamm 43!).
Massage 49.
Anwendung von Fetten, Sal­ben bei der 50.
—nbsp; nbsp;Ausfübrntig der 50. Contraindication der 50.
—nbsp; nbsp; nbsp;Daner der 50. Metastasen nach 60, Wirkung der 50.
a friction 40. Materia poccans 53. Matratze zum Operiren 473.
Matratzennaht 9i*.
Mauke 357. Maulbremse 4f)8.
Lacuiien, Howablp'sobO 382. Lahmheit 60.
iiähnmng, arznellicbo Behand­lung der 27igt;.
Ausbroitiing der 272.
belderseitigo 272.
Behandlung der 278.
Benrtbeilung der 27ti.
eerebrale 271.
Diagnose der 27laquo;.
einseitige 272.
Elektricität bei Behandlung
der 270,
ocr page 667
Sachrogistor.
055
.Uaul- mul Klaitenseuche, Im-
pfUDg fje^eu Ö65. Uaulklemme ih?.
Manlspcrro 187. Mäusesopiikümio 170. Mcdicamonte, reHuriitionsbolur-denulo 61,
—nbsp; — Werth dor 51. Molanome -154. Mehuiuourcinum tßO, 451. Mehinosiirkom 410. 451. Melaiiusen 440. 151.
—nbsp; nbsp;BebandlUDg der 455.
—nbsp; nbsp; lieurtholluiif,' dor 455. DrSftOben der 451.
—nbsp; Vorkommeu dor 454. Wohou der 454.
Jklelloerla 457.
Melssel 518.
^leseutorinm dos Frosches, Vor-
Buob um 17. Messer, Beaobaffotttaelt des 507.
spiitoiilüriniges, mit Haken
649. Messertaaltung 508. Metalldraht 33. Metallkluininorn 100. Metustasou 43.
-nbsp; lobrile 181.
-nbsp; secrotnriselio 181. 302. Metbylguanidin 171. Mikroben 30.
Bedlngangou für die Ver-mebrmig der, In der Wundo 111. Mikrokokken 30.
Duuerform der 35.
Mikrocüccus ascoforxnftns 12.
—nbsp; botryogenes 72.
—nbsp; pyogenea tenuls 140.
-nbsp; nbsp;totrageana l4o.
Mikroorganismen , pathogene,
Zalil der 2d, Mikropara-siteu 30, Milzbrand, Hellung des, durch
Evysipe] 39. Mieobgesohwülate 417.
Mißchlnfeution 37.
Mittel, antlsoptiscbo, Anwendung
der 122. -------Auswahl der 122.
—nbsp; — Jagd nach neuen 122.
------Temperatur der 115.
-------Zahl der 122.
—nbsp; — Zeit der Einwirkung der U5.
Mittel, schüi'fbildendo 132.
Monoplogio 273.
Moostoriquot; 121.
Morphium, Anwendung des, bei
Hunden 501. Mortilieation 228. Moxo 573. Mückenstich 205.
Mücke, Oolnmbaozer 205.
Mull 131.
Mulltnpfor 128.
Mures arllculorum 321.
Muskellaquo; Entzündung des 244.
—nbsp; gelähmter, Atrophie im 275,
—nbsp; Krankheiten des 242. Transplantation von 244.
Mnskelactlnomykose, Uehand-lltDg der 247.
Muskefatropble 248.
—nbsp; nbsp; Behandlung dor 249.
—nbsp; brauuo 249. degenerative 218.
—nbsp; iscliämisclie 241t.
Muskelatruplilo nach Nerven-hilimungen 248.
—nbsp; nbsp;Veränderungen bei der 275. Muskelbotryomykose, Behand­lung der 217.
Muskflhnu'h 244. Muskolcontractur, Holland hint; dor 250.
—nbsp; Entstehung der 217.
—nbsp; nbsp;entzünclltobe 249. Ischäinische 249. Myotomio bei dor 250.
—nbsp; parnlytlHclie 249.
—nbsp; spastlBobe 250. Veränderungen bei der 247.
MuskeMehnuiig 213. Muskelliernio 241. Muskolrheumatisiiius 183. 245. Muskelschwund 848. Muskolskleroso 217, ^luskelÜbermüdung 243.
Muskelvorfall 241,'
Muskelwunde 77. 242.
Bohandlung der 242. ^luskelzerreissiing 213.
Heilung der 214.
—nbsp; Ursachen der 243.
-nbsp; Verblutung bol 243.
Muskelzerrungen 213. Muttermal 437.
Mykodesmold 03. 70.
Mykoübrum (13. 70.
Mykologie 30.
Mykoprotem 32.
Myom 444.
Myoma laevieellulare 444.
striocellulare 144. Myosarkom 439. 444. Myosin 27. Myositis, Behandlung dor 245
klinische Erscheinungen der
245.
—nbsp; Ursachen der 246.
-nbsp; nbsp;Veränderungen hei der 244. acuta 24i.
—nbsp; obronioa 844. 340. ------ Uisachen der 217.
intorstltialis 247. osslllcans 247.
-nbsp; nbsp;purulenta 245. Behandlung dor 240. Entstehung der 246. l'hlegmono nach 210.
—nbsp; rheumatica 214. serosa 214.
Myotomio des Kchweifos 524. .-.. — — Operationsniothodenhei der 525.
-------_ Technik der 525.
Myrtonblattaonde 510. Myxoma 433. Myxosarkom 439,
gt;.
Naokenflstel 152.
Nadelhalter 91. Naevus VASOUlOSUS l;s7. Näbmaterial 92.
—nbsp; HeMchalTenheit des 93.
—nbsp; desinüoirtes, Aufbewahrung des 128.
—nbsp; nbsp;Sterilisation des 118. Nahti Entfernung der 99.
—nbsp; Eicbererscheiiuing nach der 99.
—nbsp; fortlaufende 9ti.
I — Liogenblelben der 99.
Naht, Schwellung nach der 99.
—nbsp; seoundAre 99.
—nbsp; trockono 100. umsclilungene 97.
unblutige 100.
—nbsp; versenkte 93.
Wundlntectiou nach der 99, Nährbudon, BeaotlOU dos ;t3. Naiho, Aufrciäsen der 102.
delinttlvo 101.
Dehnung der 102.
Färbung der 103,
Fürsorge für die 211.
GelÜHsrückbildnng In der 10*;,
Grosse der 107.
—nbsp; haarlose, nach dem Hrennen 577.
-nbsp; nbsp;provisorische 100.
—nbsp; nbsp;Resorption In der 10'!. Schrunipfnng dor 10t).
—nbsp; Veränderungen an der 106, —- Widerstandsfftblgkelt der 107.
Zerfall In der 100. Narbenbtldner 102. Narhonhildung 54.
Narbengewebe, Umwandlungen
am 103. Narbenkelold 145. 481.
Narhenretraction, Vorthoile der
107. Narkose 488.
—nbsp; nbsp; nbsp;allgemeino 488.
—nbsp; Aspbyxio bei dor 195. Ausführbarkeit der, in der Praxis 488.
—nbsp; bei Atteu 505,
—nbsp; bei Fleischfressern 5ül. bei Ratzen 502.
beim Pferd 489.
—nbsp; nbsp; bei Schweinen 601. bei Vögeln 505.
bei Wiederkäuern 500.
—nbsp; Coujunctivalroilox bei der493.
—nbsp; Coruealreflex bei der 493.
—nbsp; nbsp; Excitatlonsstadlum bei der 489.
Folgen der 491.
—nbsp; nbsp;Gefahr der, beim Pferd 489. Ilerzstörnngen bei der 493. locale 488.
-nbsp; nbsp;mit Morphium 489.
—nbsp; Oborklolerhühlenor krankun­gen nach der 491.
—nbsp; nbsp; nbsp;Beflexerregbarkelt bei der 193.
—nbsp; nbsp;Röcheln bei der 493.
—nbsp; Statistisches über die 490.
-nbsp; Tod In der 495, Unterbrechung des Athmens nach der 494.
Unterschied der, bei den ein­zelnen Narkottcis 491.
—nbsp; Vorthoile der 188. Narkotica , diverse, beim Pferd
498. Naphthalin 121. Naseubremso 465.
für Kinder 488. Xasonschleimbant, Verätzungen
der, in der Narkose 491. NeartbroMs 329. Nokrose 228.
—nbsp; Ausgang der acutou Entzün­dung in 44.
—nbsp; nbsp;Ursache der, bei acuter Ent­zündung 44.
NekrosebaciUus 081.
Nekrohioae 235.
Netzvorfall wiibrend der Castra­tion ()25.
ocr page 668
650
Saohvegisterraquo;
Nervpu, liiutorischc, Dinick auf 267.
NervondfibnuDg 86T1
N-.'i'vendiu'olisclmoidung SiGü. Novvondtii-clitrcunmi^, Dogüiie-
ration uach dor :HHi. Mervcnentzüudmilaquo; ütiraquo;. Nerven ex traction BO81 NdrvengssohwuUt 'lU. Nervenkrankheiten 8(J5. Nervonlfthnuiii^ i'G'.t. Nervennaht 80ü. Norvonquetsoliung 267.
—nbsp; Behandlung der 267. Norvonselmitt 880.
—nbsp; locale AnAsthenie beim 980.
—nbsp; üble A.uBg{lngo beim 881.
—nbsp; nbsp;Bedingungen tiir den 28U.
—nbsp; Ernfthrungsstörungen nach dem S89.
—nbsp; Nätcbtlioile des l'81.
—nbsp; am NerviiK mediiiims 881. 886.
—nbsp; am stehenden Pferde 2Ü5.
—nbsp; Siehorbeit des Oangos nach dorn 282.
—nbsp; Tetdmlk des 28;;.
—nbsp; Traben nach dem 988,
—nbsp; an den Vurdergliodmassen 283.
—nbsp; Wiedervereinigung der Ner­ven nach dem 280.
Nervemvimduii 265.
—nbsp; Degeneration nach 866laquo;
—nbsp; Heilung der 866.
—nbsp; Tetanus nach 867. Nervenzerrung 267. Neubildung, entzündllcbe. Be-
schräukuug dor 63. NeulodurgcriUisch 29lgt;. Neuralgie 863.
—nbsp; Bedeutung der, tiir Thiore2t!8.
—nbsp; Behandlung der 268.
—nbsp; Naohwelsdor, bei Thieron 2(i;i1
—nbsp; Nervendehnung gegen 269.
—nbsp; Nervendurchschneidung bei der 209.
—nbsp; im Nervus ooolpttaltfl 260.
—nbsp; Wesen der 869. Nenrektomio 280,
--- an denBlDtergltednaMsen 280.
—nbsp; des Nervus plantarls 289,
—nbsp; lies NerMis tlbialls 2S!gt;. Neuritis 888. Neurutihroia 115, Nourulysis 867. Neurom 414.
—nbsp; Entfernung dos 288.
—nbsp; nbsp;nach Nervenwunden 866, Neuroma myelinieum d4Ö.
—nbsp; amyeliuicum 140, Nenroinyxom 44:'gt;. Ncurutomie 280. Niedergebrochen 200. Niedersclimuvu des Kindes 486. Nlesswurzsteokeu 568, Kothlmpfting 502. Nothstaud 470.
Nothwand 470.
Nymphomaidc, {quot;astration gegen
die 681. Nystagmus bei der Narkose 40;;.
o.
Occlnsivverband 209. ßjp.
—nbsp; trockener 130.
—nbsp; feuchter 130. nach Lister 110.
Odnntom 137.
Oele. ätherische 119.
Oedem, ontzündUches 2:i.
—nbsp; malignes 158. -----Baotllus des 17;gt;.
—nbsp; nbsp;— Kiuplivseujbildnng beim 176.
~ — Skariücationen beim 105.
—nbsp; — bei den einzelnen Thieren 162.
Oehrsonde 510,
Öostruslarvon i abgeatovbenei
beim Riad 7ß. Ohrbremae 468. Onobooeroa retloulata 75.
Operateur, Kleidung des 199,
—nbsp; Stellung des 405.
—nbsp; Verletzungen des UKi Operation, Aursohiebbai keit dor
402.
—nbsp; Ausführung der UJl,
—nbsp; antiseptische, Ausführung der 130.
—nbsp; Zeit zur Ausführung der 402. Behandlung deaOperaten nach
der 191.
-nbsp; nbsp;IJegrifisbestiminung der 461. Ileqnomlichkeit bei der 460.
—nbsp; blutige 461.
—nbsp; Drangen des Pferdes hoi dor 165.
—nbsp; Gefahren bei der iliu. -- GehÜlfen bei der dÜS.
—nbsp; nbsp;Instrumente zur 101.
—nbsp; Kopfhaltung des Pferdes bei der 4lgt;5.
—nbsp; Kosten der 469. -— Licht bei der liia
—nbsp; Massnahmen nach der 461,
—nbsp; nbsp;- vor der 462.
—nbsp; nbsp;Nachbphandhmgnach der Uli.
—nbsp; Nachblutung nach der 401.
—nbsp; Platz zur Vornahme der 468,
—nbsp; gesicherte Stellung bei der
—nbsp; am stehenden Thier 40;gt;.
—nbsp; unblutige 461.
-nbsp; Vortheile der 468.
—nbsp; Zuschauer bei der 103. - Zweck der 461.
Operatlonagehülfsn , Unterwel-BUng der 488.
—nbsp; Verletzuugen der 488. Operationslager, Besohaffenheit
des 129. iTil, Operationslehre 481. Operationsmethode. Wahl der
468. Operationsplan 462.
—nbsp; nbsp;Aenderung des 464. Operationsraum. Wahl des 120. Operattonsstelle, Deslnfeotlon
der 112.
—nbsp; nbsp;Verletzungen an der 164, Opistbotonua 187. Organismus. Allgemeinerkran­kung des 41,
—nbsp; KmpfänKlichkeit des. fürliac-tericn 87.
Ortbotonus 187. Osteoblaaten 886. Osteoohondrttts dlsseoana 321.
Osteoklastnn 888.
Osteom, heteroplastlsohea 436.
—nbsp; hyperplastlsehes 430. -- todtes 137.
Oateoma eburneum 486.
—nbsp; spODgtOflUlb 486. Osteomalaole ;i80.
Osteomalaole. rotbe 3Ö0.
Oateomyelltla 384,
—nbsp; Behandlung der QB8.
—nbsp; Hourtheilnug dor 891. EplpbysenlAsung bei der 085.
klinische Erscheinungen der
090.
Gelenkontzündimg nach dor
385.
—nbsp; Kuoohenauftreibung bei der 385.
-- oentrale Kekrose hol der 385.
—nbsp; nbsp; apontano diffuse, dos Men­schen 085,
—nbsp; Ursachen der 385,
—nbsp; Vorgänge bei der 884.
—nbsp; Vorkommen der, bei Thieren 385.
—nbsp; suppuratlva spontanea 389.
-----traumattoa 389.
Osteophyt 56. 387. 186. Osteoperlostltla 387. Osteoporosis 382. OsteopsatyroslR 896, Osteosarkom 439. Osteosolerose 881,
Ostltls 381. - Behandlung der 884,
—nbsp; condouairende 382. degenerative 332.
—nbsp; Diagnose der 383. hämatogene 382. Knochonblldung bei der 382,
—nbsp; regenerative 382.
—nbsp; Ursachen dor 88S,
—nbsp; usurlrende 382.
—nbsp; Vorgänge bei der 383.
fungosa 382.
—nbsp; oaslOcans 381,
—nbsp; nbsp; nbsp;- saIutäre]Jedeutungder382.
—nbsp; rarefficiona 381.
—nbsp; nbsp;- Bedeutung der 382. Othämatom 311. Ovariutomie dor Kuh, 'reclmlk
der 631,
1raquo;
Paohydermle 50. 61, 868.
Pachydermia acquisita 302. Pauoreatin, Wundliober durch
167. Paplllom 410.
-nbsp; Aetlologle des 447. Behandlung des 147.
mit Arsenik 418, bartos 446.
-nbsp; nbsp;medicamentöso Behandlung des 448.
Prognose des 447.
Verlauf des 417. — weiches 44l!. Papillnmatoso 446, Parabursitia 339. Faraglobulln 27. Paraldehyd 500. Paralyse 270. 273. Paraplogio 272. Paraplegia anterior 272.
-nbsp; posterior 272. Parasiten, facultallvo 33.
obligate 33. ~ thierischo , Bindogcwebs-
wucberungen durch 75. Parese 270. 273. Parostltis OBSlfloanS 388. l'atentnadel mit federndem Oehr
92.
ocr page 669
Sachregister.
laquo;57
Pcrticullsation 517.
Pengbaivw DJtmbi us. Peugbawerwatt6 ms. Pepsin, Wundflebet duvob iti?. Perlattbrltia i'.nt.
naob DistorBiou 32a. Peiilynipliuileultis 8ri4.
Perllympbangioltta ssn.
—nbsp; chronlca 351. Pevlonnabt i'j). PamlonaB 37s.
Perubolsain llil. Petechlon 210. PetriHSiige lil, Periosloallus 4(11. PerioBtitls 380.
—nbsp; Bpuitliolluus dor 891, kliniscbü Erflclielnuugen der 390.
Ursacbpii der 38!). Periostitis disseisins B88. Ilbrosa 381).
—nbsp; osslflcans 387.
AuBgangspunktO der 388. Bebandlang dor 891, Patbogenese dor 388. Vc'räii(lerimKenbeider387. Verlauf der 387. Vorgänge bei der 387. suppuratlva 388.
Ostitls raretariens naeh 38!).
liehamlliiug der 3!)2. Sequeatei'bildung bei 38!). Vorgänge bei 388. Periostomie 392. Pferde, bösartige, vorlierlge lie-länbung der 477. liüokonlage der 184. widerspenstige, Bewamp;lttgnog der 471. Pferdehaare !)3, Phagooytontbsorle 88. Pbagooytoae 19. Phenol 116. Pblebektasle 347. PblebaUtben 83 348. Phlegmone 149. 151,
Abscedirmig bei der 100. Baoterlutn coli commune 1)ei der 168.
Bebaudlung der 184, circumserlpte 158. diffuse 158. einfache 168,
-nbsp; eitrige 158.
-nbsp; nbsp; Elepbantiasis naeh der 103 302.
Entstellung der, bei Elephan­tiasis 104.
Häuflgkeit der, im Winter 166, iutermuskuläre 157. kllnisebe Erseheinungun der 159.
loeaie 158.
r.jmphgefässentzülldling bei der 350.
Proigt;hylaxo der 104. Pyäinie nach der 101.
-nbsp; nbsp;Recldlvo bei der 103. Sehmerz bei der 15!raquo;. 160.
- Septikämle naeh der 161. septische 158.
anatomische Verändorun. gen bei der 101.
an den fllicdmasseu 101.
Emphysem bei der 101.
Kautnekroso bei der 101.
Pblegmoue, septische, Knochen-nekruse nach der 102,
skariticationen bei der 105. Tod bei der 161.
—nbsp; — Verlauf der 161.
-nbsp; nbsp; nbsp;subeutano 157. suhl'asclale 157.
Entwickelung der 100. Nekrose bei der 101. Spaltung der Easelen bei der 160.
Ursachen der 158. Verlauf der 160. Zerthoilung bei der 160. Piuce a dent de souri 87. Pincette 511. Plattenepithelkrebs 46raquo;. Pleurotonus 187. Polyarthritis dci'ormans 819,
—nbsp; purnlonta 303. pyaemica 181. rhoniuatlca 304.
Polyneuritls 26S. Polypen 131. Präcautionsiinpfung 562. Präventivlmpfung 502. Probepunctlon 52. Probetroeart 512. Probeverband 135. Processe, reparatorische 5s.
septische. Imnnuiität gegen
3!). Prognose, Abhängigkeit der, bei
Entzündung 41. Protective Silk HO. Proteus mirabllls 174.
vulgaris 174.
Zoukeri 174. Psendarthroso 404. Paoudoleukämlo 443. Psorospermien. Jlyosltis durch
247. Ptomaine 35. Pulsation, mitgetheilte 310.
-nbsp; nbsp;verstärkte, bei der Entzün­dung 24,
PUB bonum et laudabile 147. Pyämie 178.
—nbsp; Allmmlnurle bei der 182.
—nbsp; Ausgangspunkte der ISO. Aussichten bei der 182. liegünstlgung der 179. Behandlung der 182. Dauer der 182. des Kanlncbons 17!). Entstehung der, nach Eite­rung 179.
(ieruch der Exsplrationsluft bei der 182.
hämatogener Xctorus bei der 182.
interniittlrender Verlauf bei der 181.
—nbsp; klinische Erscheinungon der 181.
Krämpfe bei der 182. kryptogeuotischo 181. Lähmungen bei der 182. locale Entzündungen bei der 181.
Metastasen in den Organen bei der 17!).
Metastasen bei der 17H. nach Brandmauke 180. nach Eiterungen Im Hufbein 179.
nach Gelenkeitorungen 180. nach Hautgangrän 180,
Pyämie, nach Venenentzündung 179.
Prophylaxe der isa.
liesorptionsicterus bei der
182.
nach Sehneuscheldeneiteruu-
gen 180.
Seltenheit der 179.
Sltz der Metastasen bei der
181.
Unterschied der, von der
Septikämie 171).
Wesen der 178. Pyohämia 178. P.voktanin 119. i'yoBeptlkämle 18o.
Querbruch 397.
Querwusde 77.
Queeksilbersubllmat 115. Quetschung 215.
Allgemelnstöruugon bei der
222.
Ausfall der Haare nach der 223
Behandlung der 223.
Eiterversenkung nach der 219.
Entstehung der 215.
progressive Entzündungen
nach der 219.
klinische Erscheinungen der
221.
Farbemvechsel bei der 221. Fieber bei der 222. Functlousstorungeu bei der 222.
Grade der 216. an einzelnen Körperstellen 21!).
EebensKefahr bei der 221. Nachblutungen bei der 211). plgmentirto Narben nach der 218.
Nekrose bei der 217. des Nervus ulnarls 207. Schmerzen bei der 232. Thrombose bei der 211). Ursachen der 215. anatomische Veränderungen bei der 215.
Verblutung bei der 221. Vereiterung bei der 219. — Verjauchung bei der 219. Verlauf der 218,
Verwechselung der, mit Bruch
221.
Wallbildung bei der 22laquo;.
Widerstandsfähigkeit der (Je-
webe gegen 216. Zermalmung bei der 217. QuetBchwundc 77. 196. Blutung bei der 197. - Blutstillung bei der 199. Besinfection der 198. Eiterung bei der 198. klinische Erscheinungen der 197.
Heften der 199. Heilung der 198. Kälte bei der 199. Pyämie nach 198. BeiDlgen der 198. Septikämie nach 198. antlaeptlsche Tamponade bei der 199.
nach Knochenelterungen 179. Möller u. Frioli, Allgemeine Chirurgie für Thierämc. 2. Au
Ursachen der 196. feuchter Verband bei der 199.
42
ocr page 670
658
Sachregister.
lt.
lUbel'-sches Wasser 85. RatUUobiobti phismatische 18. lUintla 157.
BauBoltbrAUd 16h.
RefieXi Cremasti'r- 274. Haut- 274.
Kitzel- a7'l.
Klopf- 274.
Muskel- 874.
Perlost- 274.
Ptayalologte dpa 874.
Helmoa- 274.
Stich- ^74. - Streich- 274. UüihonaboeHSfi 35(1. Iti'imthleraehuon \i'i. Kt'uverso (Binde) amp;81lt; Resolution 48. Kesolutio eüiuplota 43. Kesolventicn, Wirkung ilor 68i Itosorptiüu, lacuiiäre, dos Kno­chens 382.
Kostitutio ad tntegrutn 43.
Uetentlonscysten 451).
—nbsp; nbsp;Entstehung der 457. Betonttonstboorle 38. Konnion. imnie'Uate 101.
Rbabdomyozn 441.
Hiosenzellen , Auftreten von, in
den Wundrändern 102. Riosenzolleusarkom 439. Rind, Niederlegen des 485. Rissbrueh 397. Rtsswunden 196.
—nbsp; Aussehen der 1%.
—nbsp; nbsp;Ursachen der 190. Rose 151.
Rothglutb, Blutatlllung durch 84.
RotUlauf 151.
Rutzknoten 57.
Ruhe, Sehnenzerrelaaungen nach
253. Rumpf, Aulegen von Binden am
532.
RondiseUenaarkomraquo; grosazeUtgea
439.
—nbsp; nbsp; kleinzelllges 189.
S.
Säge 618. Sägeapamp;bne 124. Baltoylsfture in. 181.
Samenatrang, Abbrennen des, boim Pferde laquo;10.
—nbsp; Lösung der Verklebungen des tiu.
Torsion des, beim Pferde 616.
Zurückbringen des 014, Samonatraiiglistel 58. Sanies 235. Bapramp;mle 1H7, Saprophyten, fucullative 33.
obligate 88. Sarolna 81. Sarkom, alveolamp;res 139.
—nbsp; nbsp;Aetlologle des 441.
—nbsp; anatotnTsobeDlagno8ode04i8. Uuctcriotherapic beim 443. RohaudlUDg des 443.
Beurtbellung des 442.
-nbsp; Bösartigkeit des 440.
—nbsp; Oystenbtldung im 440. Diagnose des 441.
-nbsp; Krweichung dos 440. Krysipel auf 443.
Sarkom. Iläuligkeit dos, bol
Thieren 438.
modulläres 439.
Metastasen des 440.
regressive Metauinrphosen
um 440.
mit poivmorpher Zellbildung
439.
Korumtheraple In'im 143.
Sporozoen im 111.
Verfettung dos 440, — Verjiiuclmng des 140,
VerknÖoberung des 440.
Ulceration des 440,
Wesen des 130.
Sarcoma 438.
cystioum 411. 157. Saroomatose 112.
Batteldruok 23b. Sattelzwang 860.
Smun, rosarother, nn der Wunde
104. Bfturen, organische 118. Boalpell 507. Bobale 388, Schere 618. Bobeldenspeoulum igt;.gt;'i.
Sclieidi'nspanuer (132. Scheintod 228
Sehenkel. Ausbünden der 484. Bohenkelbremae 468, Sehieberpincette 8fi. Se.lüeftragen des Schweites 524. Seliienenverband 112. Schimmolpilze 30. Boblangenblss 204.
Behandlung des 207.
-nbsp; nbsp;Erscheinungou beim 207. Gefahr beim 207. Immunität gegen 207. Wesen des 207.
Schlechttragen des Rehweifes 524. Schleimbeutel, Anatomie des 332. Entzündung des 339.
-nbsp; eitrige Erkrankung des 840. Krankheiten des 332.
Srhleimcystou 457. Sihleimgesehwulst 133. Bchtelmnamp;ute, Vascularlsation
der 66. Schlinge, galvunoeausttsche 511. Schioss zum Warfzeug 17(J. Sehmerz, Verschwinden des, bei
Bewegung 60,
Schneeballenknlrsohen 807.
Schnitt 508. Scliuittführnng 513. SehnUtwunde 70. Schnürnahl 99. Schorf. Abfallen des 131.
Wundhollimg unter dem 131. Schrägbruch 397. Sehraubeubacterien 80. Schröpfkopf 560, Sohusskanal 200.
blinder sott.
Sehiisswundon 77. 199. Antisepsis bei den 204, Ausgangsöffnung bei den 200. Behandlung der 203. Beurtbellung dor 202. Blutung bei den 202. Drainage bei den 201. Eindringen von (ieschirr-theilon in die 203. Kindringen von Haaren in die 203.
Eingangsöffnung bei den 200. Gegeuöllnungen bei den 204,
Schusswuuden, Haarseiie bei den
204,
Schmerzen hei den 202.
Verlauf der 202. Sehut/.impfung (168,
Bobutsverband 209. 529.
Schwämme, Desinfoctiou der 123. Schwanz, Amputation des, bei
Rind und Hund 524. Schwanzamputiition, locale An-
äatheslo bei der 521. Schwoifamputation, Desinfection
bei der 522.
elastische Ligatur bei der 523.
Starrkrampf nach dor 522. Scliweifuerven, untere, Nenr-
ektomle der 528.
So hwei frühe, Ainjjutatlon der
521. Schwelnerothlauf 37. 155.
Sobweinesohneldernaht 96.
Schwelneachneluermesser 040. Sohwelneseuoba 173. Hchweissdrüsenadonom 4-18. Schwellung 23. Schwiele, rheuniatlscho 245. Sehnen, Anatomie der 251, Krankheiten der 251.
—nbsp; Yasoalarlsatlon der 258.
—nbsp; nbsp; Verdickimg der 259. seimenhündei, gesoblamp;n gelter
Verlauf dor 258. Sehmndurchtrennungen, Unhell
barkclt der 255. Sehnenentzündung 22. 856.
anatomlsobe veramp;uderungen
hui der 257. Ausgang der Bß9, Behandlung der 201.
—nbsp; bei Reitpferden 200. hei Rennpferden 200.
•- hei Wagenpferden 2()0,
• Beurthellung der 259. Bewegung bei dor 203. Brennen bei der 203. Dauer der 259. eitrige, Behandlung bei der 204.
Erscheinungou der 200. metastatische 867raquo; mikroskopischer Befund bei der 258.
rheumatische 2,')7. Uocidive bei der 259. scharfe Hautreize bei der 202.
Ursachen der 250. Veränderungen bei der 250.
Vorkommen der 25H. Sohnungewebe, Regeneration des
253. Sehiiennekrose nach Eiterung
255. Sehnenscheide, Eiterungspro-
cesse In der 335.
Anatomie der 332.
Krankheiten der 332.
Sehnenzerroissung innerhalb
der 255. Sehnenscheidenentzündung 333.
Behandlung der 338.
Beurthellung der 330.
Erseboinungen der 337.
iul'ectiöso 334,
nach Infectlonskrankholten
835.
metastatische 337.
Ursachen der 337. - Verlauf der 335.
ocr page 671
biichregister.
060
Solimmsehcldennullo, acute ^34.
—nbsp; chronischo 334.
—nbsp; nbsp;verhärtete 3111. Bohnenscheiiien wunden, Uoliatid-
IttUg der 338. Sohnouvürkürzuutf S68i
-nbsp; nbsp;Heiluug dor 868lt; -- Operation dor 2(13.
Bobnonverwaobsung 858lt;
Sehnonwunden 77. 351.
—nbsp; EltoruiiK hoi den 25rgt;. -~ Granulation in den äöö.
Phlegmonraquo; hoi don 250. Selmenzerrelßsung 252.
Behandlung der 255. —#9632; DÜposition zur 253.
—nbsp; Heilungsvorgängebei der 253. Solde igt;2.
Aufbewahrung der 128. 138.
—nbsp; Vorzüge der 12igt;. Senkrücken 3Ö3. Senkungsabseess 52. Seplitüamie 172. Sepsle ilt;i8. Septtobftmle 172. rieptikämie M. 172.
—nbsp; nbsp; nbsp;AnsteckungHtahigkeit der 173.
-nbsp; Aufhören der Eiterung hei der 17C.
Aufhören der Granulation bei der 17f).
Ausgang der 177. Ausgangspunkte der 175. Baoterten der 173. Behandlung der 177.
licurtlioilung der 177.
Blutbefnnde während des
Lebens bei der 176.
Dauer der 177.
Desinfection der Hände hei
der 177.
~ der Instrumente bei der
177,
Diagnose der 17(J.
Durchfall bei der 178.
durch tnensohliohen Spelohol
173,
ElnftUSS der, auf Local-
erkrankungeu 17Ü.
entzündlit.'ho Procosso hei der
17(1.
gangränöse Pi'ucesse bei der
17G.
Inoisiouen bei der 178.
-nbsp; nbsp;kryptogenottscho 175. Nachblutungen In Wunden bei der 17(1.
Obductioiisbefund bei der 175. profuse Blutungen bei der 173.
—nbsp; Prophylaxe der 177. Htaphylokokken bei der 173.
—nbsp; toxische 172.
..... Verlauf der 175.
Hoptlkopyämie 180.
Sequester 898.
Serutn gegen öcblangenbisse 208.
—nbsp; Kesorption des 13.
Serumalbumlnat 27.
Sorumtherapie 606.
Setaoeutn 507. Bhok 197.
Behandlung des xos.
Krscheinungen des 197. - Wesen des 197.
Sleohtbum, chvonlsohea 61.
Silkwormgut 93.
Öimulia cohmibaczonsis 205.
Situationsnaht 95.
Hkariflcation 52. 550.
Voranlurtsung zur 550.
Technik der 550.
Wirkung der 550, Skirrhus 450. Kolutol 119. Solvool 119. Hunde zur Castratlun weiblicher
Schweine 612. Sounenatloh 37(i. Spaltpilze 30.
Gehalt der Luft an 114. - der festen und Qflsslgen
Körper an 111.
Spaltbinde 533. Spaltbrüohe 397.
Spannstock 153. 185. Spasmotoxin 184. Spat 388.
Speckgeschwulsl 432. Speicheidrüsenlistol 239.
Speichelgangsfistel 239. Speiohelgangswundengt; Besonder­heiten der 100.
SpiiidrdzeUensurkoni, klelnzolli-ges 439.
grosezelllges 139.
Spinalganglion, Kinlluss des 2(15,
Spinngewebe 85.
SpiriUen 30.
Spiritus 85.
Spiropteia c-inclnnatu 75.
Splltterbruch 397.
Spore 34.
Auskeimen der 35.
Kndstündlgkeit der 35.
Widerstandsfähigkeit der 35.
---------gegen Hitze 35.
........ gegen Sietlhltze 35.
Sporenhant Bö.
Spray llo.
Spritze nach Dieekorhoff 5(10.
Sprosspilze 30,
Spülilüssigkeit, Sterilisation der
113, Stäbchenbacterlen 30. Staphylococcus 31,
—nbsp; pyogeues albUS 148. — aureua 148.
OltrOUB 148. Staphylokukkun. Akuo durch 8Ö1,
Carbunkel durch 861.
Erysipel durch Ißö.
Furunkel durch 3(11. Starre 228. Starrkrampf 182.
-nbsp; nbsp; Abweichungen im Vorlauf des 185.
Auftreten des, in heissen Gegenden 185. Behandlung des iu-gt;. beim Jluml 189, beim Hind 189. heim Schaf 189. - Beschaffenheit der Streu beim 192.
Diagnose des 190. Difforentialdtagnose beim 191.
—nbsp; nbsp;Dyspnoe beim 191. Kinduss der Lufttemperatur auf den 18(1,
EinflUBS der Witterung!-*Ver­hältnisse auf den 18(1.
Etterkokkon beim isi,
Krnährnng heim 193.
-nbsp; nbsp;Fremdltörporpnonmonion beim 191.
Hängegurt beim 192. Höllenstein beim 194,
Starrkrumpf, Incubaüuii beim 191. individuelle Kigeuthümlich-
ketten beim ins.
Infection per os beim 18ti.
Infeettonspforten beim iso.
kliniKche Krscheinungi'n dos
187.
langsamer Verlauf beim 185.
—nbsp; Murtiilität beim 192,
nach abgeheilten Wundon 187. nach Operationen 180. nach ftusseren Verletzungen 18(1.
nach Darmgeschwüren 18(1.
nach dem Gebären 18(1. nach Impfungen mit Knie 188, Prognose beim 191, rhouniatischor 182.
sftgebockavttge Stellung beim
188.
Scptikämle beim 191.
Stall beim 192.
stürmischer Verlauf beim 185.
Symbiose beim 181.
-nbsp; Rooidlve beim 186. Verlauf des 191, Vei'schliiniuerungenbcim 191.
—nbsp; nbsp;vom Nabel ausgehend 18ii.
—nbsp; #9632; Vorkommen des 186.
Worth der Arzneien beim 108. 198.
-nbsp; nbsp;Wesen des 183.
Wirkung der (üfte beim 181.
...... zattwelse HAuflgkelt des I8ö.
Stase, globulöse 18. Steatoma 432. Stelzfuss 258.
Bterillsatoron 112.
Stich 508.
Stichkanal) Infection des 195. Stichsäge 518. Stichwunden 7(1, 194.
Anwendung der Sonde bei den
195,
Behandlung der 195. Gefahren bei den 194.
Heilung der 195. Spalten der 196. Tetanus nach 196. Ursachen der 194. Verschliessen der 196.
Stockbremse 4Urgt;.
stotVe, fiebererregende kit.
—nbsp; pyrogene 1(17.
Stollbeule 340.
Störungen Mährend der Castru-tion männlicher Thlere (121.
Strahlenpilz 66. Strahlkrebs 303. Strahlpolster, Phlegm one des
157. StraubfUBB 808. Streichen 19. Streich Verletzungen 267. Streifsohüsse 202. Streptococcus evysipolatis 151.
—nbsp; pyogeues 148.
—nbsp; nbsp;— F.kzem durch 359. Streptokokken 31. Strlohfeuer 579,
Technik des 579. Strickbremse 4(!5. Strom, axialer 18. StrupplrtKOin 250. Styptica 84, Sublimat 116, Sublimatpastillen, Angerer'sche
13S.
ocr page 672
660
Sachregister.
SuMuxation 327.
Substanzen . chomütadischn 19,
Saffusion ^16. 'Mi.
Sngillatlon 91(1,
Butnra circumvulnta 97.
—nbsp; clavata 9S.
—nbsp; nbsp;uutlosa 9Slt;
Symbiose ü7.
Svmpathio, lilutStillung durch
85. SynOBtOSenbUdttUg. extraurticn-
lilro 335. Bynostosis ossoa !iü7.
Synovliilineinbran, EntzflOdUUg
der 29;gt;. Synovltis 990.
aouta 3oo.
acut-eltriKO Q03. i'Iirunica AbroSft 312, illK.
Behandlung dor aiö. Beurtheilung dor BU. Brsobeinuugeu dor 814lt; Voränderungeti bei der
;il3.
Ci'saolion dor 314. iudurativa 312. Muppunitiva 312.
Bebaudltmg der 817.
Prognose der ititJ.
Veränderungen bei der Ölft.
rrsiu-hen der 31t).
- sorosa 312.
prolllerans 313. - ])urnlenta 301. sero-Iibrinosa 801. sero-haomorrhagloa 300. seilt k-a 303.
T.
Tabaksbeuteluabi 99,
Talgdrüsenadenom 118. Tampon 8(i. Tamponado 8(1.
antiseptisobe 131.
Bedingungen fär 134. BlutstilUmg durch 135. Tannoiforna 122. Tapotement 49,
Tasohenbestecki aeepiisobos 189laquo; Tendalgia orepitans 331. Tendinitis 366. Ten do synovltis 333. Tend0vaginliia 333.
catarrnalls 335.
ebronioa flbrosa 331.
crepitans 334.
B6ro*flbvlnosa 884.
septioa 886.
slcca 331. Tenotom 507. Teratome 417. 466. Terpentin 119. Terpentinöl 88. 119. Tetanin i8i. Tetauotoxln 184. Tetanus 182.
kryptogonottHcher 183.
Ursache des 183.
Tetaunsautitoxin 193.
Tetanuflbaoillus, Elgensobaften
den 183. Fundorte des 184.
Tetrajodpyrrol 121. Theden'scnes Wasser 85, Theer 119,
Thermorauter 51 . 573.
Thloform 131.
Thonerde, essigsaure 117.
Thrombomalacte, eitrige 179. Thrombose, Entstehung der 82. - PlgmeutrcHte bei der 82.
-nbsp; nbsp;Thrombus 81.
Ablagerungen vun Kalksalzen in der 8raquo;.
Kanalisation den S3. Blnusartlge Degeneration dos 83.
-nbsp; nbsp; Erweichung dos 88laquo; eitrige Erweichung des S3.
-nbsp; faulige Knvoichuug des 88.
-nbsp; nbsp;gemischter 82. Organisation des 82.
Thrombus, rother 82.
bei Erkrankung der Go* tasswand 82. - bei Infeetlonskrankheiten
bei Pyümie 82.
Seltenheit dos 82. Substitution des 82. Vasoularlsation des 82.
—nbsp; nbsp;weisser 82.
Thymol 117. Tod, molekularer 2;Jö. örtlicher 228,
Todtenlade 393.
Torculum nach lioll'mann 598. Torf 124. Torfmull 121. Torslonsbruob 3W. Torticollis 245. Tonrniquot 85. Toxämie 1B7. Toxlne 35.
salzsaures beim Starrkrampf
181. Truehoaltrokart nach 1) lecker.
hotf 559. Traehea, Terletznng der, beim
Aderlass 547. Transfusion ilO.
—nbsp; nbsp;Ersatz für die 90,
mit Kochsalzlösung 90. Transplantation, Worth der, bei
Thleren 114. Traussudation 20. Trauma 76. Triohter, Relper'soher 554,
Trikresol 119. Tripolith 409. Tripollthverband 410. Trooart 512. Tropfflasche 401, Tuberkel 57. Tubeikulln 563.
Tuborkulose, chirurgische Be­deutung dor 03. Tubnlarnaht 266. TubuHsatlon 266, Tumor albUS 31H. Tumoren 41(;. Tyrosin 27.
Unterbindung mit Bttelbtldung
517, rnterbindungßfädou , Deslnfec-
tion der 110. 128.
Starke der 8s, rnterbhidungsinaterial 87.
desintieirtes, Aufbewahrung
des 128.
Zurechtlegen des 163, Unterbindungsnadel nach De-
champ 284. Ulceratlun 235. CIcus :•:.lt;#9632;gt;#9632; #9632;-#9632;#9632; elevatum 236.
fxingosuni 285.
inflaramatorinm 23ii. - simplex 230. Umscblftge, kalte Ifi.
Prlessnltz'sclie 48. Dmsteohung 88. Uretlian 500.
Vaccination 5Ü1. Varlcositäten 318. Varlx 847,
—nbsp; aueurysmatlcua 345,
—nbsp; Behandlung dos 349.
~ Diagnose dos 348. Formen des 348.
—nbsp; serpentiniformls 3-18. Viisodilatatoren, Contraction der
18. Venaesectio 535. Vena optgastrlca, Aderlass aus
der 538.
—nbsp; nbsp; jugnlarls, Aderlass an der538.
—nbsp; nbsp; thoracica externa, Aderlass aus der 538.
Venen, Dilatation der 56.
Venensteine 83. 848.
Vonenthromben, Calcitication der
83. Veränderungen, bleibende, nach
dor Entzündung 43. Veriitzmig 371.
Behandlung dor 371, Vorhände, Anwendung der , bei
Thloren 529. Verband, festos Anziehen dos 531.
—nbsp; nbsp;deslnflolrender 126.
—nbsp; Dnrehfouehtung des 130.
—nbsp; Durchsehlagen des 210.
—nbsp; Durehtränkung des 209,
—nbsp; nbsp;feuchter 209.
—nbsp; bei Fleischfressern 534,
-nbsp; gefensterter 414.
an den üliedmassen 533. nach Krolikowski 532.
—nbsp; Liegenlassen des 210, 534.
—nbsp; Lockerung des 209.
—nbsp; Sattelbilduug beim 534.
—nbsp; Sicherung des 533. Verschieben delaquo; 209,
—nbsp; nbsp;Wechsel ties 130. Zweck dos 209,
Vorbandlehro 4(11.
—nbsp; nbsp;allgemeine 529.
Verbandstoffe 123.
—nbsp; nbsp;Aufbewahrung der 138.
—nbsp; Aufgabe der 123.
-- Aufsaugungsffthigkeft der 128.
-nbsp; nbsp;Beurthoilung der 123. Deslnfeciion der 110,
—#9632; Eigenschaften der 123.
—nbsp; Herstellung der 123.
—nbsp; nbsp;Impramp;gnlren der 123.
r
reberanstrengung, Wirkung der 41.
Deberbelne 56.
beim Menschen 884,
Uoberwurf 686.
Unterbindung des Gefamp;sses, Feh­len der Thrombose bei 82. subeutane, des Samenstran­ges, Nadel zur 593.
ocr page 673
Suchregisteraquo;.
Ml
Vorhamlston'e, Koimfrollioit fat 123.
—nbsp; Poroftitüt dnr lya.
—nbsp; Storlli.siitlüu dor Ul 112.
—nbsp; Venlorben dor 198i #9632;quot;- Worth dor 12,1. VerbaiKlwoch.sol , A nfout-hten
beim S10.
—nbsp; Gründe für den 200.
—nbsp; MasHiiuhmon beim 210. Verblutung 79,
Vorblntungstotl , Uefabr dos '10.
Uraaohe lt;ios no. VotbrenuuQg yoo.
Behandlung dor 878.
—nbsp; Btaaenbllduug bet dor 370. Gefahren der 371
—nbsp; Grade der 3(J9.
—nbsp; haarlose Narben uaob der 370. -- FrogUOSd der 372.
—nbsp; 'rod dinch 371.
—nbsp; Versohorfung bot der 37o. VerbronmingHtod, Ursache des
371. Verbrühen 8Ö0(
Verdrehung 322.
Vereinlgun^snaht 01.
Verfahren Lister's, Einführung
des, in Deutsobland 110.
—nbsp; — Vereinfachung des 110. Veiiotzungfii, subcutane 7(}. 211. ------Behandlung der 21-1.
—nbsp; — Auftreten vunBindogewebe bei den 813.
------Blutungen bei dou 213.
-nbsp; nbsp;- Kntzündmig bei den 213. —• — HetlvorRänge bei den 212. Verrenkung 327.
—nbsp; Behandlung der 880. Beurthellung der 330.
—nbsp; complioirte 898.
—nbsp; congeuitale 328.
—nbsp; Oontraextension bei der 330.
—nbsp; einfache 328.
—nbsp; Erscheinungen der :)•gt;'.).
—nbsp; Extension bei der 330.
—nbsp; frische 328.
#9632;— habituelle, Behandlung der 330.
—nbsp; Narkose bei der 330.
—nbsp; spontane 328.
—nbsp; trautnatlsohe 328.
—nbsp; unvollständige 327.
—nbsp; Veräudenmgen bei der 328.
—nbsp; veraltete 328.
—nbsp; vollständige 327.
—nbsp; Vorkommen der, bei Thlcren 328.
Verruca 440. Vorschwärmig 235, Verstauchung 322.
-nbsp; Ausgänge bei der 325.
—nbsp; Behandlung der 326
#9632; - Bewegung bei der 327.
—nbsp; Erscheinungen der 323.
—nbsp; Gelenkentzündung nach der 32r).
—nbsp; Infection bei der 325.
—nbsp; primärer Schmerz bei der321.
—nbsp; secundärer Schmerz hei der 834.
- Ursachen der 323.
—nbsp; nbsp;Veränderungen bei der 322. Vorlauf dor 323.
Verwundung, OstUlS nach 382. Vlblces 218. Vibrio 81. Vipera berus 207.
—nbsp; proster 207.
Vipera lledll 207. VorbaiiungHlmpfung 562. Vorderfnss. Aul heben des, beim Kind 480
—nbsp; Hochbinden dos IÜ9. Vorgänge, ontzuudliclio, He-
Bobränkuog dor i:gt;
—nbsp; repavatrtrl.sche -Jn.
Vulnus 7ö.
w.
Wärmo, AnwendungHforiuon der 18.
—nbsp; Anwendung der, bei Entzün­dung 61.
- Behandlung der Entzündung mit 48.
—nbsp; Gedeihen der Baoterien bei 33,
Wirkung der 48. Warze -Uti,
Wasaerdarapf) strömender, Blut­stillung durch 84. Wasserglasverband 411.
Wassor, wirksamste Anwendungs-
forni des 17. Watte 121.
—nbsp; blutstlllonde 89 Wattetupfer 128. Welchthelle, Verletzungen der 7t;. Werfen dor Pferde 472.
-------„ Technik des 471.
Werg 121. Wesponstich 204, Wlderrlstflstel 162. Wildseuche 173. Winddorn 96, Wlsmuthnltrat 121. Wundbehandlung, allgemeine
Regeln dor 208.
—nbsp; antiseptische 108. 113.
—nbsp; aseptische 112. ------Princlp der 112.
—nbsp; nbsp;Dralua bei der 109. Eintluss der Euulnissthoorie auf die 108.
Haarsoilo bei der 10!raquo;.
—nbsp; moderne 108.
—nbsp; nbsp;Prinolplen der 108.
—nbsp; Betnliohkeit bei der los. Wunden 70.
Wunde, Abtndlung der Infoe-tionskoimo in dor 125.
—nbsp; alte 77. aseptische 77.
—nbsp; — Baoterien in 111.
—nbsp; Ausfüllung der 104.
—nbsp; Belecken der 131.
—nbsp; Benarbung der 106,
—nbsp; Blutung aus der 77.
—nbsp; Definition der 7(i.
—nbsp; Deslnfection der i nlioirten 12(i.
Drainröhren bei 125.
Eindeokung der, mit Epithel 104. 100.
—nbsp; Elntheiluhg dor 77.
—nbsp; eiternde 77.
—nbsp; Entfernung der Infeotions-kelme aus der 125.
—nbsp; Entstehung der 76.
—nbsp; nbsp;Entwlckelungshominung der Kolino In dor 125.
—nbsp; Entzündung der 151.
—nbsp; Erweiterung der 125.
—nbsp; Fernhalten der lufectlona-kelrao von der 125.
—nbsp; frische 77.
—nbsp; — Absterben an der 105.
Vunde, frische, Eretndkörper in dor 100.
-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Nähen der 99.
-nbsp; Qegendffnungen bei der 125. granullrende 77,
-nbsp; nbsp;Ürund der 7t).
-nbsp; Haarsolle bei der Igß,
-nbsp; Heften der 91.
-nbsp; Qefteo der, bei Eiterung 153.
-nbsp; Hellungavorgängebelder ion.
-nbsp; luflolrte 77.
------DoHlnfectlon der 18Ö.
jauchige 77.
-nbsp; Juokgeffthl in der 153.
-nbsp; Klailen der 77. #9632; leichte 77.
-nbsp; Missbräuohe beim Bsinigen dor 140.
oberilächliclie quot;7.
-nbsp; peuetrtrende 77.
-nbsp; Reinigung dor 100. 110.
-nbsp; Schmerz bei der 77. Schorfblidung auf der 105.
-nbsp; schwere 77.
-nbsp; Spalten der 100.
-nbsp; stinkende 77.
mit Substanzverlust 77.
-nbsp; tiefe 77,
-nbsp; tödtliche 77.
-nbsp; nbsp;unreine 77.
-nbsp; nbsp;vergiftete 77. 204.
-nbsp; — Behandlung der 300,
-nbsp; nbsp;— Entstehung der 205.
------Erscheinungen der 205.
Vundeiterung, Folgen der 151.
klinischo Erscheinungen der 151.
-nbsp; Pyamie nach 146. Septtkämie nach 1 lü. Ursachen der 117.
-nbsp; nbsp;Verlauf der 151.
-nbsp; nbsp;Wesen der 145. Vundentzüudung, klinische Er-
BoUeinungen der 151.
-nbsp; Ursachen der 117.
-nbsp; nbsp;Verlauf der 151.
-nbsp; Wesen der 145. Vnndliebor 168,
-nbsp; nbsp;Albuinlnurio beim Itiiraquo;,
-nbsp; Alkohnllka beim 172,
-nbsp; nbsp;Antlpyreüca beim 1T2.
-nbsp; aseptisches, klinische Er­scheinungen beim 171.
-nbsp; bactoriclles 1IJ7.
-nbsp; Behandlung des 171.
-nbsp; Blutstasen beim 16O.
Dauer des 170.
-nbsp; nbsp;Eintritt des 169.
-nbsp; Fieberfrost beim 168.
-nbsp; nbsp;Uohlrnlähmung beim 170,
-nbsp; nbsp;Grad des 107.
-nbsp; llorzlähnmng beim 170.
-nbsp; Infoctiöses 107.
-nbsp; klinische Erschelnuugeii beim 168.
-nbsp; kritische Uefervesoen/. heim 170.
-nbsp; Lysis beim 170.
-nbsp; nervöse Störungen beim 169.
-nbsp; Oeffnung der Wunde beim 172. Prophylaxe beim 171.
-nbsp; Ptomaine bei 107.
-nbsp; Pulsus dlcrotus beim 108.
-nbsp; septisches 107.
-nbsp; tödtlichor Ausgang beim 170,
-nbsp; Ursachen des 167.
-nbsp; Toxine beim 167.
Verlangsamung der circula­tion beim 169.
ocr page 674
062
Sachregister,
Wurullicbei, Wesen des 107
Wundfläobe, granullrende, Ver-vaobBungen io.'gt;.
-nbsp; Flbclnbelag mir aor 101.
-nbsp; nbsp;Verkleinerung der 104.
-nbsp; nbsp;weissu Blutköt'pei'obeo auf eist
104. Wundhellmij,', ilseptl^elie ig,
-nbsp; nbsp;auf dem ersten Wege 102. ~ CompUofttlon der luu.
-nbsp; nbsp;BedlllgUUgSl] für die 107.
-nbsp; Qefamp;BaneubUdung bei der 101.
-nbsp; nbsp;per gcanulatlouem 103.
-nbsp; per jiriinani inteiitinnein 100.
---------------Bedlogungen für die
102.
—nbsp; — #9632;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; makroHkopischo Vot'gAuge bei 102.
—nbsp; —-------Zeit des Zustande-
koiniiieiis der 102.
—nbsp; per seemidnm Intentionem 108.
— — — Besi-hallonlielt der Wundränder bei iler 103.
—nbsp; -- — — blBtologlsohe Vor­gänge bei der 104.
------#9632; — — makrosküpiselie
Vorgänge bei der 103. per snppnratlonem 108.
—nbsp; nbsp;per tertian) intentionem loj.
—nbsp; unter dem trockenen Schorf 106.
—nbsp; unter dem Soborf, Alter der 133.
-------— —- Bedingungen für 131.
'~ ~quot; quot;quot;' — bei den einz'-hien
Tllieren 132. ---------------VorthellO der 132.
Störung der, durch faulige
Stoffe 108.
—nbsp; nbsp;— — durch verdorbene Luft 108.
vermittelst Ssouudftrnaht 108,
—nbsp; Vollendung der 101.
Wundbaken 287. fiii.
Wumllufection. Oontaot- 111
—nbsp; atmospliäria.lio Hl. Wundkllt 100. Wundtnlttol der Alten 108. Wundnaht 91.
—nbsp; todtor Baum bei der 111. Wundraud 71!.
—nbsp; lieschallenheit des 77.
—nbsp; zerfetzter 77.
—nbsp; zerrissener 77.
Wumlränder, Adbäsiun der 100.
—nbsp; Blutfarbstoff In den 101.
—nbsp; Durchschneiden der 153.
—nbsp; nbsp;eingewanderte Unn.lzellon in den 101,
—nbsp; nbsp;Ernährung der 101.
—nbsp; Rundzellen in den ioi.
—nbsp; Dmkrempen der 05.
—nbsp; unrogelmä.ssige 77.
—nbsp; Veränderungen an den 100.
—nbsp; Verleitung in den 101.
—nbsp; nbsp;Verkleben der 100.
-- Zelllnliltration der 100. Wmidreeessus, lieaeitigung der
152. Wundsclmicrz bei den einzelnen
Individuen 78.
—nbsp; bei den einzelnen Thiereu 78.
—nbsp; primärer 78.
—nbsp; seeundärer 78. Wundsecret, Abllnas des 100.
—nbsp; Aufsaugen des 112.
—nbsp; blandes 1117.
—nbsp; Kintrocknon dos 106, 131.
—nbsp; primäres 103.
—nbsp; Ursachen der Zersetzung dos 109.
—nbsp; Wirkung des 108. Wundstuiior 197. Wurfmethode, dänische 180.
—nbsp; nbsp;nach Rohard 181.
—nbsp; nbsp;russische 483.
Wurfmelhode, Stiitlgarter 478.
—nbsp; ungarische 481. Wurfzeug nach liarnlck 478.
—nbsp; Berliner 473.
—nbsp; nbsp;nach Mattblas 4 78. Würgestrang ISO.
z.
Zabnoysten 456.
Zahnlistel 239. Zange nil.
Zapfennabt 95. 98.
Zeilen im entzündeten CtawobOj
Abkunft der 19. Zellgruppen, während des Fötal-
lehons aberrlrte 419. Zerfall, molekularer 235, Zerrelsaung 70.
—nbsp; nbsp;Entstehung der 211.
—nbsp; Ueilungavorgänge hei der 213.
—nbsp; Locus minoria realstentiae nach 213.
—nbsp; Prädisposition zur 212. Zerrung 76.
—nbsp; Entstehung der 211.
—nbsp; anatomiache Verftnderungen
bei der 212. Zerthellung 43.
—nbsp; vollständige 13. Zooglöa 31.
Zlokzaoknabt 97.
Zirkelbremae 466. Zirkelschuitt SgO. Zucker 121.
Zwangsmittel bei kleinen Haus-thioren 187.
—nbsp; beim Pferde 464.
—nbsp; bei Rindern 485. Zwirn 92.
—nbsp; Vorzüge des 129, /.wiruhandschuhe, lienulziing
der 113.
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