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DERZEITIGE STANDPUNKT DER SCPIUTZTMPFÜNGEN.
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
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DER DERZEITIGE STANDPUNKT
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WIESBADEN.
VEBLAO VON J. V. BERGMANN.
1887.
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Das Recht der Uebersctzung bleibt vorbehalten.
RUD. BCCHTOLO * COMP. WIESBADEN.
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MEINEM ALTEN FREUNDE
HEKUN
8AN1TÄT8RATH DR BENGEL8D0RF
GEWIDMET
ZUM 50 JÄHRIGEN DOOTORJÜBILÄÜM.
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VORWORT.
Mehrfache experitneatelle Prüfungen über die Aliscliwüchungs-mögliohkeit der Typhusbacillen, mit denen ich seit einiger Zeit be­schäftigt bin, licssen es wünsohenswerth erscheinen, eine genaue Uebersicht zu gewinnen über die verschiedenen Mitigiitionsverfahren, wie sie mit den Erregern einzelner Krankheiten, so der Hühner* cholera, des Milzbrandes, des Schweinerothlauf's, der Hundswuth u. s. w. in den letzten Jahren mit mehr oder weniger Erfolg zur Ausführung gelangt sind. Dieses Bedürf'niss führte dazu, die dies­bezügliche Literatur des genaueren durchzusehen und das auf die verschiedenen Abschwächungsverfahren sich beziehende, in Abhand­lungen und Zeitschriften Zerstreute, zu sammeln. Es liegt daher auch in der Natur der Sache, dass mehrfach die Angaben der Autoren wörtlich wiedergegeben sind.
Um anderen, die sich mit gleichen Arbeiten beschäftigen oder sich für die so hochwichtige Frage der Schntzirnpfungen interessiren, eine ähnliche, zeitraubende Arbeit zu ersparen, hielt ich es für wiln-schenswerth, diese Uebersicht der versehiodenen Abschwächungsver-
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VIII
VoKWORT.
fahren zu veröffentlichen. Bei der Jugend fast aller derselben ist ein Urtheil über ihren Werth oder Uuwerth nicht überall zu ermög­lichen. Eine theoretische Beurtheilung erschien mir in diesen Dingen, deren piactischc Bedeutung vielleicht eine weittragende werden kann, gefährlich. Soweit die thatsächliche Prüfung dor einzelnen Schutz­impfungen mir bekannt und zugängig war, habe ich deren Resultate iingeführt.
Greifswald, März 1887.
BEUMEB.
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INHALTSVERZEICHN1SS.
Seite
Immunittlt..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.
I. Sohutzimpfttng gegen Mensohenpooken...........nbsp; nbsp; nbsp; 7
1. Verfahren nach Tliiole...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Y
2-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n n Jonner..............nbsp; nbsp; nbsp;ö
II. Schutzimpfung gegen Schafpockon.............nbsp; nbsp; nbsp; y
1. Vorfahren nach Toussain*..........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9
3-nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; b raquo; Sommer und Ruiipaoh........nbsp; nbsp; 10
agt; raquo; raquo; Pourquier.............nbsp; nbsp; 10
III.nbsp; Schutzimpfung gegen llühnercholera.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;n
Verfahren nach Pasteur .........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
IV.nbsp; Schutzimpfung gegen Milzbrand............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;jy
1. Verfahren nach Toussaint...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;]y
•• raquo; „ Pastour ............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ly
^ raquo; raquo; Chauveau.............nbsp; nbsp; ^2
a)nbsp; mit erhöhter Tomperutur.........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3y
b)nbsp; nbsp; „ ooniprimirter Luft...........,.nbsp; nbsp; 33
V.nbsp; Schutzimpfung gegen Septioftmle der Mäuse.........nbsp; nbsp; ylaquo;
VI. Sehutzimpfuiig gegen Soptioämio der Kuiiiiiclicn........nbsp; nbsp; 37
VII. Schutziinpfmig gegen Kuusehbrand...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;a.j
1, Verfahren nach Arloing, Oornevin und Thomas ....nbsp; nbsp;40
n „ Oornevin.............nbsp; nbsp;4j
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Xnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhaltsvbrzeichniss.
______________________________________________________________________________________________________________________.______________________________________________________________________________________________________________________________#9632;•---------------------------------------------
Selllaquo;
VIII. Schutzimpfung gegen Rothlauf dor Schweine.........43
Vorfahren nuoh Pasteur..............44
IX. Schutzimpfung gegen Lungenseuchc............49
1.nbsp; Verfahreraquo; am Schwänze der Rinder..........
2.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ Halsenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ „ nach Degivo.....68
X. Schutzimpfung gegen llundswuth.............B8
Vorfahren nach l'asteur .............!'4
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Wenn man Milzbrandculturen auf 3 — 4 Wochen einer Temperatur von 42,0quot; C. aussetzt, so wird man etwa vom 24. Tage dieser Erwärmung an die Beobachtung machen können, dass diese unter gewöhnlichon Verhältnissen so giftigen Bactcricn ihre Viru­lenz fast gänzlich verloren haben, sie sind derartig abgeschwächt, dass sie selbst kleineren Vorsuchsthiercn inoculirt keine tödtendo Wirkung hervorzurufen im Stande sind. Dieser Verlust der Giftig­keit ist nicht plötzlich, sondern nach und nach eingetreten, derart, dass Culturen vom Ende der 3. Woche noch fähig sind, Mäuse zu tödten, solche vom Ende der 2. schon grösserc Thiere, wie Meer­schweinchen, die von der Mitte bis Ende der 1. aber, haben ihre virulenten Eigenschaften nur wenig eingebüsst, sie tödten selbst noch grosso Vcrsuchsthiere, wie z. B. Hammel.
lloberpflauzt man von diesen abgeschwächten Culturen auf neue Nährböden, so zeigt sich, so oft die Ueberimpfung auch statt­findet, dass alle folgenden Generationen diesre verminderten Virulenz­grade behalten, ja, dass diese selbst den Sporen in den Eäden eigen sind.
Untersucht man die abgeschwächten Milzbrandbacillen, so ist man nicht im Stande irgend eine Veränderung in der Form, der Unbeweglichkcit, dem Wachsthume, dem Verhalten zu den ver­schiedenen Nährböden zu erkennen, sie haben alle ihre Eigenschaften behalten und nur ihre Giftigkeit ist ihnen in mehr oder minderem
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Ein Beispiel ukb AnBCHwXcmiNOSMtiauciiKEiT deh Üactkhien.
Maasso abhanden gekommen. Bei völliger Gleichheit aller erkenn­baren Eigenschaften sind sie nur in dieser einzigen Beziehung unter­scheidbar, es haben sich unter dem Eiufluss der Warme, wie man sagt, „physiologische Varietätenquot; gebildet.
Das ist ein durch Koch und seine Mitarbeiter, Gaffky und Löffler, unzweideutig dargethanes Beispiel von der Abschwtäch-ungsmögiiehkeit eines krankheiterregenden Agens. Aber so sicher der Effect der Erwärmung, so unklar ist dessen Erklärung, denn wir können ja weder mit bewaffnetem, noch unbewaffnetem Auge irgend eine Differenz wahrnehmen, zwischen den so verschieden giftigen Elementen. Naheliegend huish es allerdings erscheinen, dass durch die höhereu, den Bacillcn nicht zusagenden Wärmegrade eine Veränderung des anatomischen Substrats, trotzdem wir das nicht erkennen können, eingetreten ist, in Folge dessen die speeifischen Stoffwechselproducte nicht mehr jene Grade von Giftigkeit besitzen, die ausgeschieden werden bei den behagenden, den Stoffwechsel be­günstigenden Temperaturen.
Wenn man nun mit einer stark abgeschwächten Cultur, die etwa 20—24 Tage bei 42,6deg; C. im Brütofen gestanden hat, ein grösseres Versuchsthier, z. B. einen Hammel impft, so erkrankt dieses Thicr in kaum nennenswerther AVcise, die Körpertemperatur ist vielleicht auf 1^—2 Tage etwas erhöht, die Fresslust etwas ver­mindert, aber nach dieser Zeit tritt völlige Gesundheit ein.
Wenn man dann nach Verlauf von 1—2 Wochen eine zweite Impfung an demselben Thior mit einer Cultur vornimmt, die aber nur 10—12 Tage im Brütofen verweilte, deren Virulenz dement­sprechend viel grosser ist und durchweg die Hälfte der Hammel verenden lässt, so sieht man, dass auch diese 2. Impfung ohne nennenswerthe Schädigung des vorgeimpften Thieres verläuft.
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Ein I'eispiei. von Sciiutzimpfuno.
Wenn man dann endlich nach Ablauf von nochmals 1—2 Wochen virulentes Milzbrandgift, dem ungeimpfte Thiere fast ausnahmslos er­liegen, dem Körper des zweimal vorgeimpften Thioros inoculirt, so wird auch dieser Eingriff fast roactionslos überstanden, das Thior ist gegen den Impfmilzbrnnd immun gemacht und es bleibt nun immun auf Monate und violleicht auch auf Jahre.
Das ist ein des vielfachen festgestelltes Beispiel von erworbener Immunität durch Schutzimpfung, man kann durch Einimpfung abgeschwächter Gifte den Körper festigen gegen das virulenteste Material. Wir werden noch von anderen Ikctorienkrankheiteu ein Gleiches sehen. Aber auch hier ist die Erklärung, worin dio Immunität des Organismus besteht, zur Zeit nicht zu geben, wir sind in dieser Beziehung mehr auf Muthmassungon angewiesen.
Es kann da einmal sich bandeln um eine Entziehung eigen­artiger Stoffe durch die in Folge der Impfung in den Körper ein­geführten Bacterien. Stoffe, die zum Gedeihen der Bacterien im Or­ganismus nothwendig sind.
Es liegt aber auch die Möglichkeit vor, dass durch die Impfung speeifische Producto der Bacterien in den Körper geführt sind, beziehentlich sich bei der Vermehrung derselben im Körper bilden und nun auf längere Zeit in ihm verweilen, und dass diese nun ihn festigen gegen eine neue Invasion durch die Umwandlung des früher vorzüglichen Nährbodens in einen ungünstigen.
Es ist aber ferner auch denkbar, dass der Organismus, nach­dem er sieh durch Einführung abgeschwächter Culhiren an deren weniger giftige Stoffwechselproducte gewöhnt hat, nun im Stande ist, virulente Gaben mit ihren sehr giftigen Erzeugnissen zu ertragen. Bei dieser Festigung des Körperraquo; darf man nicht allein die corpus-culären Elemente des Impfstoffes, die Bacillen, berücksichtigen, von
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Immunität.
denon Metschnikoff bei der Milzbrandimpfung der Frösche, einer für diese Krankheit unempfänglichen Tliierart, bewiesen hat, dass die weissen Blutkörperchen die Bacillen einfach verzehren, indem sie dieselben in sich aufnehmen, sondern es ist auch bedacht zu nehmen auf die giftigen Emanationen der Bacterion. Und an diese kann der Körper nach und nach gewöhnt werden. Wenigstens deuten neuerdings ausgeführte Untersuchungen über wiederholte Inoculationen von Typhusculturen, die wir an anderer Stolle veröffentlichen, daraufhin. Wenn man z. B. Mäusen grössere Gaben von Typhusbacilleu in die Peritonäalhöhle injicirt, so gehen diese Thiere, trotzdem die Bacillen alsbald vom Körper beseitigt werden, an einer Intoxication zu Grunde, die bedingt ist durch das in den Culturen enthaltene Typhotoxin oder auch andere Btomaine, wie dieses von Slrotinin und von uns vor kurzem dar-gethan ist. Jedenfalls spielen die Giftstoffe der Culturen bei Krankheit und Tod der Versuchsthlere eine grössere Rolle, wie die Bacillen selbst. An das Typhotoxin nun kann man durch stetig steigende Gaben, intraperitonäal injicirt, die Mäuse gewöhnen, sodass sie nun im Stande sind unter sonstigen Verhältnissen mit Sicherheit todt-bringende Gaben zu bewältigen.
Der Beweis von der Wichtigkeit der A.iisscheidungsproducte der Typhusbacilleu, von der Möglichkeit der Gewöhnung dos Thier-körpors an dieselben, von der mehr nebensächlichen Bedeutung der Bacillen lässt sich auch auf einem zweiten Wege erbringen. Wenn man nämlich stetig sich steigernde Gaben sterilisirter Typhus­culturen, die also nur todte Bacillen und Typhotoxin in sich bergen injicirt, so kann man sehen, dass auch durch diese sterilisirten Gaben der Körper der Mäuse immunisirt werden kann, so­dass nach 2 —ymoliger Applikation des Typhotoxins absolut tödtende
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Immunität.
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Dosen lebender Culturen die Tliiere nicht zu Fall zu bringen ver­mögen.
Soweit nun ein Rückschiusa aus diesen Versuchen mit Typhus-culturen auf andere Infectionskrankheitcn erlaubt ist, kann man die Immunität, sowohl die durch TToberstehen der Krankheit als auch durch präventive Impfungen erworbene, auch er­klären, als ein Anpassungs-, ein (lowöhniingsvermögen des Körpers an Stoffe, die von Haus aus für ihn giftig sind, eine Anschauung, die im Wesentlichen gleichlautend mit jener ist, welche Grawitz bereits 1881 auf Grund seiner interessanten Versuche mit Schimmelpilzen entwickelte. „Die Immunität nach präventiver Impfung entstellt durch Anpassung der Gewebszellen an das energische Assimilationsvcrmögcn der Pilze und ihre Dauerhaftigkeit auf Monate und Jahre hinaus beruht auf Vererbung dieser höheren physiologischen Ernährungs-energ.io von einer Zellengeneration auf die andere.quot;
Es wäre sehr zu wünschen, dass wir über die Bedeutung der Ausscheidungsproduete der Dacterion in dem jeweiligen Krankheits­bilde mehr Aufschluss erhielten, dass wir klar darüber würden, welche Rolle den Bacillen, welche ihren Giftstoffen zukäme. Für die Cholera hat schon Koch die Vermuthung ausgesprochen und auch Beweise dafür erbracht, dass die vom Darm resorbirten Stoffwechselproddcte der Kommabacillen wohl die Schwere des Krankheitsbildes bedingten. Ebenso scheint es nach den Sirotinin'schen und unseren Thierver-suchen bei dem Typhus abdominalis der Fall zu sein, insbesondere wenn man erwägt, dass die in den Abdominalorganen (mit Aus­nahme des Darms) gefundene, verhältnissmässig geringe Racillenzahl die Bedeutung der Krankheit nicht erklären kann. Sollte es sich in Zukunft bestätigen, dass wirklich die Ausscheidungsproducte der
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Immunität.
Bacillen bei Cholera und Typhus die Hauptrolle spielen, sollte des­gleichen die obige Vermüthung von dem Zustandekommen der Im­munität durch ein Gowöhnungsvermögen des Körpers an diese Stoffe sich als richtig herausstellen, dann liigo insbesondere bei der langen Incubationszoit und dem mehr leichten Verlauf der ersten Woche des Ileotyphus die Möglichkeit vor durch mehrfache Impf­ungen mit sterilisirten Culturen den Körper zu festigen, zu gewöhnen gegen die Giftproducte der im Körper wei­lenden Typhusbacillen.
Aus diesen Erklärungsversuchen der Immunität, die in letzter Linie doch alle auf eine Wirkung der Ikcterien zurückkommen, darf man nicht schliessen, dass alle durch Bacterieu erzeugten Krank­heiten die Disposition des Körpers für die specicllen Gifte aufhöben, denn es gibt auch Leiden, nach deren einmaligem Ueberstehen der Organismus sogar empfänglicher wird für eine zweite Infec­tion desselben Agens, wie das der Fall ist z. B. beim Hrysipel, der Gonorrhoe, der Pneumonie und der Intermittens. Aber andererseits gibt es auch Affectionen, das ist seit Alters her bekannt, die durch einmaliges Ueberstehen den Körper mit Sicherheit immun machen, wie die Variola, Scarlatina, Morbilli u. s. w. Diese seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden bekannte Thatsache hat wohl zu den Schutzimpfungen, wie sie heutigen Tages so vielfach studirt und versucht werden, geführt und die älteste Schutzimpfung und bis zur Stunde auch die segensreichste ist die gegen die Variola.
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SCHUTZIMPFUNCraquo; OEOEN MENSCHENPOCKEN.
I. Menschenpocken.
Bereits vor 3000 Jahren soll man in China die Schutzimpfung in der quot;Weise ausgeführt haben, dass man die Menschen mit dem echten Pockengifte impfte, ein Verfahren jedoch, welches auf allgemeine Anwendung nicht rechnen durfte, da trotz der milden Erkrankung in der grösseren Zahl der Fälle doch immer einzelne schwer, ja tödtlich verliefen. Bei den gewaltigen Verheerungen aber, welche die Variola in früheren Jahrhunderten dem Menschen-geschlechte zufügte, musste die Gewinnung der Immunität auf ge­fahrloserem Wege, als durch die directe Ueborimpfung des echten Pockengiftes ein naheliegender Gedanke sein und die Bestrebungen einzelner das in dem menschlichen Pockoueiter enthaltene Gift in irgend einer Weise abzuschwächen und dann mit demselben zu im­pfen sind ganz die gleichen, die wir in der Jetztzeit nach der Rein-gewinnung einzelner der krankmachenden Agentien mit grösserer Aussicht auf Erfolg studieren, lieber diese Schutzimpfungen mit abgeschwächtem Pockengift in früheren Jahrzehnten berichtet Bohn: „Es ist noch das Verfahren zu erwähnen, durch welches im Jahre 1839 Dr. Thiele in Kasan eine durchaus gefahrlose Inoculation erzielt haben wollte. Seine Variolationen der Kühe hatten ihm die Ueberzeugung gegeben, dass die Meuschenpocken bei ihrem Durch­gange durch die Kuh, zu wirklichen Kuhpocken depotenzirt werden. Auch ohne Dazwischeukunft des Thierkörpers nur durch methodisches Modificiren des menschlichen Pockeneiters, glaubte er das 'Virus variolosum in das vaccinale auf folgende Weise verwandeln zu können. Die Lymphe aus Menschenpocken wird 10 Tage zwischen verklebten Glasplatten aufbewahrt und dann mit warmer Kuhmilch verdünnt, eingeimpft. Es entstehen grosso Pocken mit starker lo-
Beumer, Schutziuiprung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
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M^HH^Bi
8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SCHIITZIMPFIING OEORN MbNSCHENPOOKEN.
caler Entzündung, von einem lieftigen Infectionsfiobei' gefolgt, aber ohne allgemeine Pockeneruption, höchstens schiessen um die Impf­stelle kleine Blattern auf. — Schon Robort in Marseille hatte behauptet, dass der menschliche Pockeneiter mit Milch geimpft, nur Localpusteln hervorbringe. — Mit dem Inhalte der Impfpocken wird nun auf die eben beschriebene Weise verfahren und so geht es durch 10 Generationen; die Localsymptome sind stetig geringer und die Impfblattorn zuletzt den Vaccinen ganz gleich geworden, sodass von da ab von Arm zu Arm weiter geimpft werden kann. Thiele beruft sich auf mehrere hundert Fälle. In der Litteratur herrscht über diese Methode vollkommenes Schweigen, was nicht befremden kann, weil die Inoculation der echten Mcnschenblattorn fast überall seit langer Zeit gesetzlich untersagt istquot;
Diese Bestrebungen aber bedurften kaum der gesetzlichen Un-tersagung, denn die Entdeckung jenes unsterblichen eng­lischen Arztes Jenner, den Ansteckungsstoff der Kuhpocken auf den Menschen zu übertragen und durch dieses mildere Gift eine mildere, ja kaum nennenswerthe Krankheit und dadurch die Im­munität gegen die Variola hervorzurufen, hätte dieselben als über­flüssig erscheinen lassen. Für das rein empirisch gewonnene Ver­fahren Jenner's ist durch die Fortschritte der letzten Jahre auf dem Gebiete der Schutzimpfungen das volle Verständniss angebahnt, denn wir müssen annehmen, nach dem ganz ähnlichen Verhalten anderer Impfstoffe, nach der Zu- und Abnahme der Virulenz in den ver­schiedenen Thierkörpern, dass das echte Pockengift bei seinem Durchgänge durch den Körper der Kuh abgeschwächt wird, dass wir es also mit ganz demselben, nur durch den Thierkörper mitigirteu Gift zu thun haben. Die so oft von den Impfgegnem hervorgehobene Thatsache aber, dass die Kuhlymphe durch die lieber-
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SCBUTZIKPFUNO (1KGEN SciIAFPOCKSN.
tragung auf den Menschen doch nun im Körper des letzteren nach und nach deletäre Eigenschaften wiedergewinnen, sich wieder in echtes Pockengift umwandeln müssto, ist desgleichen durch die his-herigen Ahschwächungsresultato widerlegt, denn wir wissen, dass alle folgenden Generationen jenen Grad von Ahschwächung bewahren, der der Muttercultur beigebracht war.
Sicherheit nach jeder Richtung hin worden wir allerdings erst nach der Auffindung des Virus variolosum und vaccinale erlangen können.
II. Schafpocken.
Das Geschick der Yariolisation ereilte auch die Ovinisation; sie ist durch sect; 49 des Deutschen Roichsviehseuchengcsetzes als Schutzimpfung verboten und darf nur als Nothimpfung unter gewissen Verhältnissen ausgeführt werden. Während die Varioli-sation ersetzt ist durch die Vaccination, ist für die Ovinisation bisher ein Ersatz nicht gefunden worden. Aber auch hier wird ohne Zweifel eine Mitigation des Giftstoftos gefunden werden. An Be­strebungen in dieser Richtung fohlt es nicht.
1. Verfahren nach Tonssaint. Derselbe glaubt die von Schafpocken entnommenen Microorganismen in Schaf-, Ochsen- und Kaninchonbouillon sowie in Hefenwasser gezüchtet zu haben. Nach 2—3 Tagen erscheinen die Culturtliissigkeiten mit Bactcrien und Sporen beladen, auf der Oberfläche der Flüssigkeit bildet sich ein Häutchen, das ungeheuere Mengen Bacterien enthält. Nach 4 —5 Ta­gen fallen die Microorganismen in Form von Sporen zu Boden, wo­rauf die Flüssigkeit sich klärt. Am 1. Ciilturtage sind die Bacterien sehr klein (kaum li—4 |x lang); sie sind in diesem Zustande sehr
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SCHUTZIMPFUNO (iKGKN ScHAFPOCKEN.
beweglich und durchschweifen das Sehfeld nach allen Richtungen, alsbald verlängern und segmentiren sie sich. Nur selten sieht man mehr als 2 Glieder vereinigt, mehr als 3 nie; fast immer ist das eine Glied stärker als das andere entwickelt. Vom 2. zum 3. Tage sieht man die längeren Bacterien an jedem Ende je eine Spore ab­geben, zuweilen bildet sich eine solche in ihrem Mitteltheile. Die kleineren Bacterien geben in der Regel nur eine einzelne Spore ab. Die Schafpockenbacterien sind etwas oval, sehr stark lichtbrechend und kleiner als die Anthraxbacille.
Bei Schafen, welche mit diesen Culturflüssigkeiten geimpft wurden, bildeten sich Blasen, die nach 15—18 Tagen ihren Höhe­punkt erreichten; zur Eiterung resp. Bildung eigentlicher Pusteln kam es nie, ebensowenig zu einer allgemeinen Eruption. Die Hei­lung erfolgte ohne eine Narbe zu hinterlassen. Gegen den 15. Tag war die Temperatur um 5—6 Zehntelgrade gestiegen. To us saint glaubt demnächst sagen zu können, ob diese Impfungen eine Immunität gegen die natürlichen Schafpocken verleihen, zu diesem Controlzwecke werden die mit Culturlymphe geimpften Schafe später ovinisirt.
2.nbsp; Verfahren nach Semmer und Raupach. Diese wollen Immunität erzielt haben in verschiedener quot;Weise:
a)nbsp; durch Injection einiger Tropfen Schafpockenlymphe in die Jugular vene;
b)nbsp; durch subeutane Injection von Blut und Lymphe, welche vorher bis auf 55deg; C. erwärmt gewesen waren;
c)nbsp; durch subeutane Injection von in Schafbouillon bei 40deg; C. gezüchteten Pockenbacterieu.
3.nbsp; Verfahren nach Pourquier. Eine Anzahl von Schafen wird mit gewöhnlicher Pockenlymphe kranker Schafe geimpft; nach überstaudener Impfung wird nochmals mit derselben Lymphe au den-
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SCHUTZIMPKUNO GEOKN HCillNEHCHOI.EHA.
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selben Impflingen geimpft. Das Resultat dieser zweiten Impfung sind Pusteln, welche kleiner sind als die natürlichen Pocken, sich schneller entwickeln, gegen den 12.—10. Tag schon abtrocknen und vor allen Dingen eine mitigirte Lymphe enthalten. Die Abschwäch-ung des Virus, welches die Fähigkeit, Immunität bei anderen Impf­lingen zu erzeugen, nicht verloren hat, lässt sich noch weiter fort­setzen, indem man schon einmal mit gewöhnlicher Lymphe geimpfte Schafe mit Virus impft, das aus den oben beschriebenen kleineren Pusteln stammt. Dies kann beliebig oft gemacht werden, sodass man Lymphe von jeder gewünschten Stärke erzeugen kann. Umge­kehrt kann man die Virulenz der so mitigirteu Lymphe steigern, wenn man ein Schaf mit dem abgeschwächten Virus impft, die so erhaltenen Pocken zur Weiterimpfung benutzt und dies verschiedene Male wiederholt. Pourquicr glaubt, dass man die Verluste bei der Schafpockenimpfung verhindern könne, wenn man die auf obige Weise mitigirte Lymphe bei den Impfungen benutzt.
III. Huhnercholcra.
Pasteur machte im Jahre 1881 der Academic de medecine die Mittheilung, dass es ihm gelungen sei durch ein bestimmtes Vor­fahren die Bactericn der Geflügel- oder Huhnercholcra (Ty­phoid des Geflügels) also abzuschwächen, dass dieselben über­impft wohl das Versuchsthier zu erkranken, aber nicht zu tödten vermöchten und dass die geimpften Thiere nun selbst dem heftigsten Gifte gegenüber sich als immun erwiesen.
Schon vor Pasteur hatte Perroncito und Toussaint im Jahre 1879 nachgewiesen, dass dieser so oft verheerend auftretenden
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#9632;üü^quot;
|2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SCHUTZIMPFUNO OKOEN HülINEKCHOI.ERA.
Seuche des Geflügels eine Bactericnart zu Grunde liege, kurze, nicht bewegliche Stäbchen, die sieh eigenartig färben, indem die Pole die Anilinfarben stärker annehmen, als die Mitte, sodass sie als diplococcen- oder hnntelförmige Eacillen erscheinen. Bei jedem der Seuche erlegcnen Thicr finden sich diese Gebilde in unzähliger Menge im Blut, den ürgansäften, den Geweben, besonders aber im Darm­kanal, welch letzterer im Duodenum die Zeichen einer hämorrha-gischen Enteritis bietet. Die Cultur dieser Bacillen gelingt auf den verschiedensten Nährsubstraten mit Ausnahme der Kartoffelflächen leicht, ihre Uobertragung desgleichen auf Vögel, Mäuse, Kaninchen, sowohl durch Impfung, als auch mit dem Futter.
Ueber sein Cultur- und Abschwächungsverfahren üusserte sich Pasteur auf dem internationalen ärztlichen Congresse in London 1881 kurz folgendermaassen:
„In genügend sterilisirte Hühncrbouillon wird ein Glasstäbchen getaucht, welches unmittelbar vorher mit dem Blute des Hühner­cholerakranken Thiercs in Berührung gebracht war. Die Bouillon, welche nun einer Temperatur von 25—80deg; C. ausgesetzt, wird, trübt sich bald durch die Vermehrung der Micrococcen. Bei fortgesetzter fractiouirter Cultur wiederholen sich in kurzer Zeit dieselben Vor­gänge. Impft man von diesen Culturtiüssigkciten in geringer Menge auf Hühner oder Kaninchen, so ergibt sich, dass dieselben, mögen sie einer beliebigen Serie entnommen sein, ebenso giftig wirken, wie das infectiöso Blut selbst.
Ein anderes Verhalten tritt bei folgender Aenderung in der Herstellung der Culturcn ein. Wenn zwischen der Jedesmaligen neuen Uebertraguug ein Zeitraum von 2—4—8 Wochen oder sogar von 10 Monaten liegt, so ist die Virulenz der einzelnen Serien sehr verschieden. So erhält man dann Culturen von der verschiedensten
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Schutzimpfuno okoen Hühnkhciiolkra.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
Giftigkeit. Liegt zwischen den einzelnen Culturcn kein erheblicher Zeitraum, so zeigt auch die Yirulenz derselben sich ziemlich gleich, wie diejenige der Culturtlüssigkeit, von welcher sie laquo;ibstammcn. Je längere Zeit mithin bis zur HerstcllHiig einer neuen Oultur vergangen ist, um so geringer wird die Giftigkeit dieser letzteren sein müssen, denn im Laufe der Zeit nimmt die Virulenz der Cultur ab.
Die verminderte Virulenz erklärt Pasteur sich in folgendem Sinne:
Die Milderung des Giftes wird verursacht durch die Einwir­kung des atmosphärischen Sauerstoffs auf die CulturHiissigkeit während der zwischen die einzelnen Culturcn eingeschalteten Zeit­räume. Für diese abschwächende Wirkung des Sauerstoffs sprechen jene Culturcn, die in zugeschmolzenen Glasröhren sich befanden. Diese bewahrten auf lange Zeit hindurch ihre Giftigkeit, wurden sie aber dann mit der Luft in Berührung gebracht, so nimmt ihre Viru­lenz um so mehr ab, je länger sie dem Einfluss der Luft ausgesetzt sind. Der Sauerstoff der Luft scheint demnach wesentlich mildernd auf die Virulenz des Micrococcus der sog. Hühnercholcra einzuwirken, indem er die Fähigkeit desselben verändert sich mehr oder weniger •'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;leicht im Körper des Huhnes zu entwickeln.quot;
Die mit mitigirtem Hühnercholeragifte geimpften Hühner werden von einem örtlichen Leiden befallen, von einer mehr oder minder heftigen Entzündung an der Impfstelle. Wird die Lymphe in einen peripheren Muskel eingespritzt, so vermehren sich in diesem die Micrococcen; dieselben gehen aber bald wieder zu Grunde, ohne
H*
ein auffallendes Allgemcinleiden verursacht zu haben. Die locale Affection verliert sich ebenfalls und der Muskel kehrt zur Norm zurück. War die Lymphe bis auf Null initigirt, so tritt auch local keine Reaction ein und dennoch erlangen die Impflinge eine relative
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14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;SciltiTZIMPFlINO OBOEN IlÜHNBBCHOLERA.
oder gar absolute Immunität gegen spätere Inoculationen des virulenten Hühncrcholcragiftes. Hin und wieder finden sich, wie auch Pasteur dieses bereits hervorhobt, unter den abge­schwächten Culturen solche, die eine fast völlig unverminderte Virulenz trotz längerer Sauerstoffeinwirkung bewahrt haben, ein Umstand, der von Pasteur durch dichte Microbenanhäufungen in den oberen Schichten der Cultur und dadurch hervorgerufener Behinderung des Sauerstoffzutritts zu den Microben der unteren Culturschichten er­klärt wird.
Obwohl nun, wie das später noch erwähnt wird, die practische Verwendung dieser Pasteur'sehen Schutzimpfung gegen die Hühncr-cliolera kaum ausführbar erscheint, so war dennoch das Aufsehen, welches diesen Mittheilungen allgemein folgte, sehr wohl begreiflich. Zum ersten Male sollte es gelungen sein, ein organisirtes Gift, das heftig, meist tödtlich wirkte, in Reinculturen seiner deletären Eigenschaften zu berauben, es also ab­zuschwächen, dass es wiederum übertragen jetzt nur mehr oder minder krankmachend, aber nicht mehr tödtlich wirkt, ja sogar nur geringe örtliche Erscheinungen an der Impf­stelle hervorzurufen vermag. Zum ersten Male war experi­mentell mit Sicherheit der Beweis der Immunität nach einer überstaudenen Bactericnkrankhcit erbracht, der Körper sollte trotz der geringen Schwere des hervorgerufenen Leidens jetzt unempfänglich sein gegen neue Invasion des ursprünglichen, virulenten Giftstoffes.
Bei der Bedeutung dieser Fragen muss es auffallend erscheinen, dass diese Pasteur'schen Untersuchungen besonders in Deutschland nicht des genaueren und öfteren einer Prüfung unterzogen sind. Soweit mir bekannt, ist dieses nur von Cagny und Kitt geschehen.
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Schutzimpfuno oeqkn Hühkercholera.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15
Die Versuche des orsteren haben ein günstiges Kesultat nicht ergeben.
Kitt hat seine früheren Untersuchungen über diesen Gegen­stand im vorigen Jahre in ausgedehnter Weise fortgesetzt und in einer vor Kurzem erschienenen Abhandlung „Beiträge zur Konntniss der Gcflügelcholora und deren Schutzimpfungquot; die Kcsultate seiner Bemühungen zusaminengefasst. Von denselben sei folgendes hervorgehoben: Die zu den Versuchen verwandten, abgeschwächten Hühnercholeraitnpfstoffe waren aus dem Pasteur'sehen Laboratorium bezogen und zwar Vaccin I und II.
I. Versuchsreihe: Am 26. Februar wurden mit Vaccin I geimpft und zwar subeutan mit je einem Theilstrich 7 Hennen am rechten Flügel, wovon eine am 6. März verendete in Folge der In­fection und allgemeiner Tuberkulose. Die 6 übrigen Hühner er­krankten schwer, waren jedoch bis zum 5. März völlig genesen.
Desgleichen wurden mit demselben Vaccin eine Menge anderer Thiere, Tauben, Kaninchen, Hennen an der Brust etc. geimpft, die sämmtlich verendeten und deren Section unzweideutig ergab, dass sie der Hühnei'cholera erlagen.
Die 2. Impfung, Vaccin II, geschah am 11. März an den 6 Hennen, welche die Inoculation mit Vaccin premier überstanden hatten. Die Thiere überstanden diesmal die Impfung leicht, nur an den Impfstellen des linken Flügels bildeten sich leichte Störungen aus. Alle übrigen Thiere, mit Ausnahme von 2 Meerschweinchen, er­lagen der Inoculation.
Nach Ablauf von 23 Tagen nach dieser 2. Impfung wurden die 2mal schutzgeimpften Hühner mit virulentem Gifte durch eine kleine Ritzwunde der Brusthaut inficirt, desgleichen 5 frische Contro]-hühner,
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16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Scill'TZIMPKUNO GKOBN Ilt'lMNKHOHOI.KBA.
Sämmtlichc Thicre, sowohl die Coutrolhühncr, sowie alle vor­geimpften, verendeten in wenigen Tagen an unzweifelhafter Cholera.
II. Versuchsreihe: Von den beiden aus dem Pasteur'schon Laboratorium bezogenen Vaccins waren Reiuculturcn in Gelatine fort­gezüchtet. Am B.August 1886 wurden mitVacciu I geimpft, und zwar mit je 2 Theilstrichen subeutan am rechten Flügel 4 Hennen,
1nbsp; nbsp;Henne am r. Brustmuskel, 2 Enten am r. Flügel, 1 Ente am r. Brustmuskel. Die Thieve litten unter dem Eingriff unerheblich, nur die an der Brust geimpfte Henne erkrankte schwer, genas aber,
2nbsp; kleinere, desgleichen geimpfte Thiere verendeten.
12 Tage nach dieser ersten wurde die 2. Impfung, Vaccin H, vorgenommen. Es erhielten am 16. August 2 Thcilstrichc jene am 6. August vorgeimpften Thiere; sie blieben auch jetzt am Leben.
2nbsp; frisch inocullrte Thiere starben.
14 Tage nach dieser 2. Schutzimpfung begannen nun die Controlvorsuche, die den Nachweis der erwirkten Immunität erbringen sollten. Aber auch hier erlagen der Impfung mit nicht abgeschwächtem Giftstoff sämmtliche Hühner, die nach I'asteur's Vorschrift an den Flügeln die doppelte Schutzimpfung erhalten hatten, während die
3nbsp; Enten und die am Brustmuskel geimpfte Henne auch diesen Ein­griff überstanden. An diesen letzteren Thieren ist dann noch in späterer Zeit mehrfach die Immunität geprüft und zwar nicht allein gegen das Impftyphoid, sondern auch gegen die natürliche In­fection, indem Eingeweide frischer an Hühnercholera verendeter Thiere zerhackt und zum Fressen vorgeworfen wurden. Die Thiere erkrankten auch jetzt nicht, während die Controlhühner verendeten.
Nach verschiedener Richtung hin sind diese Kitt'sehen Ver­suche lehrreich. Keiner wird zwar bei derartigen Resultaten an eine practische Verwendung der Impfung gegen Hühnercholera denken.
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SCHUTZIMPPÜNO OBOEN HüllNKRCHOLERA.
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Ganz abgesehen von einer Reihe äusscrer Gründe, die Kitt am Schlüsse seiner Arbeit zusammenstellt, spricht vor allen Dingen der mangelhafte Erfolg der Vorimpfuugou gegen dieselbe, denn mit Aus­nahme einer Henne erlagen sämmtliche Httbuar der Controlimpfung mit virulentem Material.
Für die mehr allgemeinen Bctmchtungcu handelt es sich vor­zugsweise um 2 Fragen: 1) Ist hier bei dem Gifte der Ilühucrcholeru die Abschwächung soweit gelungen, dass durch die Impfung mit demselben eine wesentlich locale, jedenfalls nicht tödtliche Erkrankung entstanden ist und 2) ist in Folge des Ueberstchcns dieser leichten Cholera (nach ein- oder mehrmaliger Impfung) eine Immunität der Versuchsthicre hervorgerufen.
In Bezug auf die erstere Frage glaubt Kitt die Mitigation des Giftes zugeben zu müssen, denn sämmtliche Impfungen an den Flügeln haben mit Ausnahme einer tuberkulösen Henne die Thieio nicht getödtet, sondern nur erkranken lassen. Von den an den Brustmuskeln geimpften Hennen (5) verendeten allerdings 4, und wäre daher auch zu übovlegon, wieviel zu dem leichten Verlauf der Impfung an den Flügeln die gefilssloso Localität, der der Impf­stoff imprägnirt ist, beigetragen hat.
Anders aber verhält es sich mit der 2. Frage: Ist in Folge der Impfungen Immunität erlaugt? Man kann das für einen Tbeil der Versuchsthiero (1 Henne und 3 Enten) zugeben, denn die wieder­holten Imprägnationen mit virulentem Gift liessen diese Thiere intact und selbst das Verzehren infectiösen Materials vermochte ihre Gesund­heit nicht zu schädigen. Immerhin wäre aber auch bei diesen wenigen Thicren daran zu denken, ob dieselben nicht von Haus aus mehr oder minder immun waren. Auch nach Salmon's Angaben sollen manchmal Hühner sich von selbst widerstandsfähig erweisen. Bei
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18nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;•nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schutzimpfung oeokn Mii.zbkanu.
dem weitaus grössoren Theil der Thicre (von 11 Hühnern 10) war jedoch trotz zweimaliger Impfung eine Immunität nicht erreicht worden, denn sie erlagen sämmtlich der Inoculation mit virulentem Material. Neben Kitt hat denn auch Salmon nach der beim Milz­brand zu erwähnenden Methode Toussaint's die Bactcrien der Ilühnercholera zu mitigiren versucht. Seine Kosultatc sollen jedoch, wie Kitt angiebt, so ungleich und unsicher ausgefallen sein, dass sie einen bestimmten Schluss nicht gestatten.
1Y. Milzbrand.
Eine weit grösscre Beachtung als die präventive Impfung gegen die Ilühnercholera verdient diejenige gegen den Milzbrand.
Wenige Monate nach den Pasteur'schen Veröffentlichungen über die Abschwächung des Hühnercholcragiftes theilte Toussaint der Academic de medecine mit, dass es ihm durch ein besonderes Verfahren gelungen sei das Milzbrandvirus abzuschwächen und durch Impfung mit demselben Immunität hervorzurufen.
1. Verfahren nach Toussaint. Uefibrinirtcs, milzbrandiges Blut wird während 10 Minuten auf 55deg; C. erwärmt oder mit einer l0/o Carbolsäurelösung vermischt.
Beide Bchandlungswcisen sind im Rcichsgesundheitsamt einer Prüfung unterzogen worden. Vorversuche ergaben bald, dass ein Erwärmen auf 55deg; C. durch 10 Minuten hindurch die Bacillen tödtet, wie auch der Zusatz von l0/0 Carbolsäurelösung das gleiche Resultat erzielte, während V*0^ die Entwicklungsfähigkeit nicht aufzuheben vermochte. Nach dieser Prüfung musste es unwahrscheinlich sein, dass Milzbrandculturcn, die nach den Tougsaint'schen Angaben
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SCHUTZIHI-FUNO OKIIKN MlLZBRAND.
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behandelt waren, diese Krankheit überhaupt zu erzeugen vermöchten. Wenn aber kein Milzbrand durch Einverleibung dieses Materials hervorgerufen werden konnte, dann musste die Gewinnung der Immunität als unwahrscheiulicli erscheinen. Trotz dieser geringen Aussicht in Bezug auf die Brauchbarkeit des Toussaint'schen Ver­fahrens wurde dasselbe dennoch an Mäusen, Meerschweinchen und Kaninchen geprüft. Die Versuche, 13 an Mäusen, 8 an Meer­schweinchen, 3 an Kaninchen, haben einmal ergeben, dass die In­jection der durch wenigstens 10 Minuten auf 55deg; C. erhitzten oder mit 10/0 Carbolsäurelösung vermischten, Milzbrandbacillen enthaltenden Flüssigkeit die Gesundheit der Thierc nicht zu alteriren im Stande war, dass zweitens trotz mehrfacher Impfung eine Immunität nicht erzielt werden konnte, denn sämmtliche Thiere erlagen ohne Aus­nahme der späteren Impfung mit wirksamen Material.
Die Angaben Toussaint's wurden dann von Pasteur einer Prüfung unterzogen. Diese Arbeiten führten Pasteur zu einem anderen, mehr Sicherheit bietenden Verfahren, welches er in den Sitzungen der Academic der Wissenschaften zu Paris am 28. Februar und am 21. März 1881 mittheilte, ein VerfahVen, deäsen Kenntniss durch die eifrige Mitwirkung der Herren Chamberland und ßoux gewonnen war. Bei dem regen Interesse, welches von allen Seiten dieser Pasteur'schen Schutzimpfung entgegengebracht wird, erscheint es wünschenswerth, dasselbe des genaueren wiederzugeben nach den mündlichen, gelegentlichen Angaben Thuillier's.
2. Verfahren nach, Pasteur. Ausgehend von der Beobach­tung, dass von Thieren, welche mit einer Milzbrandpilze enthaltenden Substanz — z. B. mit dem Blute au Milzbrand gefallener Schafe — inficirt wurden, der grösste Theil verendet, die übrigen von der Erkrankung genesen und jetzt gegen dieselbe Milzbrandsubstanz
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SflHÜTZIMPFIINO OEOKN MlLZBKAND.
nicht molir empfänglich sind, musste die Gewinnung der Immunität erroiclit werden können, wenn es gelingen sollte, alle Thiere nur vor-übergeliond krank zu machen. Zu diesem Zwecke sind ungeschwächte Milzbrandpilze z. 13. das erwähnte Blut oder sporenhaltige Erde nicht geeignet, weil sie eine grössere Sterblichkeit verursachen, als selbst der epizootischc Milzbrand. Es war daher eine so weitgehende Abschwächung der Pilze anzustreben, dass sie nicht mehr, als eine leichte Erkrankung an Milzbrand verursachen. Diesbezüglich nahm Pas tour'das Verhalten zu Hülfe, welches er an den Milzbrandpilzen in Culturen beobachtete, welche bei verschiedenen Wärmegraden gehalten wurden. Die Bacillen entwickelten und vermehrten sich in Fleischbrühe bei 25—40deg; C. am besten, ober- und unterhalb dieser Wärmegrade war die Entwicklung kümmerlich und hörte bei 15 und 45deg; C. gänzlich auf. Diese extremen Temperaturen waren nicht zu verwenden, da ja die Pilze an der Entwicklung nicht vollkommen verhindert werden sollten; hingegen Hess sich von denjenigen, bei welchen die Entwicklung nur kümmerlich vor sich ging, aucli eine entsprechende Abschwächung der Virulenz erwarten. Gestützt auf die Thatsache, dass Vögel, insbesondere Raubvögel gegen den Milzbrand refraetär sind, und auf seine Versuche, welches dieses Vorhalten auf die höhere 42—43deg; 0. orreiehonde Körpertemperatur dieser Thiere zurückführen, begann Pasteur einem moribnnden Thiere entnommenes und Milzbrandbacillen enthaltendes Blut bei 42—43deg; C. in Fleisch­brühe zu züchten und fand, dass die Bacillen jetzt keine Dauer-sporen mehr bilden, sondern nur zu langen, homogenen Fäden aus-wachsen. Je länger die Pilze bei dieser Temperatur gehalten wurden, um so mehr liess ihre Virulenz nach. Während das ursprüngliche Blut alle mit ihm inficirton Schafe tödtete, wurde von den, aus der Cultur am 12. Tage entnommenen Proben nur die Hälfte der Thiere,
ll
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SCHUTZIMPFUNO GEGEN MlLZHRAN'D.
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von den am 24. Tnge entnommenen gar keines mehr getödtet, aber alle bekamen früher oder später eine geringe, etliche Tage andauernde Temperaturerhöhung. In den bei 42—43,, C. gehaltenen Cultureu blieben die Pilze 4 — G Wochen lang am Leben und weiter ver-impfbar; nach Ablauf dieser Zeit waren sie abgestorben.
In dem der bei 42 — 43deg; C. gehaltenen Cultur am 24. Tage entnommenen Material war also die erwünschte, abgeschwächte Viru­lenz der Milzbrandpilze erreicht. Die mit diesem Stoff geimpften Thiere wurden aber von den vollkommen virulenten, ursprünglichen Pilzen noch getödtet, hingegen verursachte ein aus der Cultur am 12. Tage entnommenes Material unter diesen, mit dem 24t!igigen Stoffe bereits geimpften Thieren keine Todesfälle mehr, sondern wieder nur eine leichte fieberhafte Erkrankung, nach deren Ablauf die Thiere nun auch gegen die virulenten Pilze unempfänglich waren.
Hierin war also das Schema des Verfahrens gefunden: Impfung mit den, durch eine 24 Tage lang bei 42—43deg; C. fortgesetzte Züchtung vollkommen abgeschwächten Milzbrandgiften (premier vaccin); nach Ablauf des Folgeleidens, was nach 12 Tagen stets mit Sicher­heit angenommen werden kann, Impfung mit einer bei derselben Temperatur, aber nur 12 Tage fortgesetzten, daher nur zur Hälfte abgeschwächten Cultur (second vaccin). Nach weiteren 12 Tagen ist auch das nach der zweiten Impfung eingetretene Fieber bei allen Thieren abgelaufen, die nun definitiv geschützt sind.
Bald darauf im Mai 1881 war Pasteur Gelegenheit gegeben sein Impfschutzverfahren gegen den Milzbrand im Grossen zu prüfen, indem ihm von der Societc d'agriculture de Melun 58 Hammel, 2 Ziegen und 10 Kinder zur Verfügung gestellt wurden.
Die erste Vorimpfung fand am 5. Mai, die zweite am IG., die Controlimpfuug am 81. statt, den Vorimpfungen wurden 24 Hammel
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22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SCHUTZIMPFUNG QEOEN MlLZURAND.
und 1 Ziege unterworfen, sämmtliche Thiere überstanden die Ein­griffe. Am 31. Mai wurden diese 25 Thiere mit virulentem Material inficirt, daneben als Controlthiere die gleiche Zahl, 24 Hammel und 1 Ziege. — Alle vorgeimpften Schafe, sowie die Ziege zeigten keinerlei Krankheitserscheinungen, bei einzelnen war die Temperatur etwas erhöht. Eins der Schafe starb am 3. Juni; die Section ergab jedoch, dass der Tod veranlasst war durch eine faultodte uterine Frucht. Das Blut enthielt vereinzelte Milzbrandbacillen. Die 25 nicht vorgeimpften Controlthiere verendeten sämmtlich bis zum 2. Juni.
Bei der weiten Verbreitung des Milzbrandes und den erheb­lichen Yerlustcn, welche einzelne Gegenden fast alljährlich durch ihn zu erleiden haben, bei der hohen wissenschaftlichen Bedeutung der ganzen Frage war es naheliegend nach diesen und ähnlichen anderen Resultaten der Schutzimpfung in Frankreich derartige Ver­suche auch in anderen Staaten vornehmen zu lassen. Zu diesem Zwecke wurde Pasteur sowohl nach Ungarn, wie Preussen berufen und in beiden Staaten ist denn auch von ThuiHier, dem bekannten Assistenten Pasteurs an zahlreichen Thiereu das Impfschutz ver­fahren gegen den Milzbrand geprüft worden.
In Ungarn sind 2 Versuchsreihen angestellt a) in Budapest und b) in Kapuvar.
a. Die Prüfung des Verfahrens fand in Budapest im Septem­ber und October 1881 statt unter Beaufsichtigung einer aus 9 Mit­gliedern bestehenden Commission.
Es wurden am 23. September geimpft mit premier vaccin 30 Schafe, 5 Rinder.
Sämmtliche Thiere überstanden die Impfung, nur 1 Schaf starb 8 Tage später an katarrhalischer Pneumouie. Die Untersuchung
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Schutzimpfung oeokn Milzbrand.
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des Thieres ergab keine Bacillen, die IJebertrag-uug des Blutes auf 2 Kaninchen war erfolglos.
Am 5. Oktober wurden geimpft mit second vaccin 29 Schafe und 5 Kinder. Die Impflinge zeigten keinerlei auffüllende Krank-heitserscheinungen; 1 Schaf aber verendete 3 Tage nach der Impfung; die Section sowie die Uebertragungsversuche mit dem Blute des gefallenen Thieres vermochten die Todesursache nicht nach jeder Ilichtung hin klar zu legen, obwohl die wesentliche Bethoiligimg des Milzbrandgiftes in Folge der Impfung sehr naheliegend ist.
Wiederum nach 12 Tagen fand dann die Impfung mit virulen­tem Material statt und zwar an 25 scluitzgeimpften und 25 unge-impften Schafen, desgleichen an je 5 Rindern.
Die 25 schutzgeimpften Thiero blieben bis auf 2 am Leben, krank schien durch die Impfung keines geworden zu sein. Die 2 gefallenen Thiero starben am 7. und 19. Tage nach dor Infection mit ungeschwächtem Anthraxgift, aber die Section ergab keine für Milzbrand charakteristischen Befunde, sondern bei dem ersten Thier hochgradige Auäinio und Distomum hopaticum, bei dem zweiten Ver­änderungen der Lungen, die durch Strongylus filaria hervorgerufen waren.
Die 25 Controlthicre verendeten bis auf 2 sämmtlich. Die Sectionsergebuisso waren bei 22 die dos Anthrax, bei einem Thier aber fanden sich im Blute keine Bacillen, überhaupt keine Ver­änderungen, wie heim Milzbrand, die Leber war durch Distomen zerstört.
Die Impfungen der Rinder bewirkten an deu 5 vorgeimpften keine Erscheinungen, die 5 Controlthiero erkrankten auf 3 Tage, genasen aber dann.
Ueumer, Sclmtzimprun^,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
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24nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SOHIITZIMPPUNO OEGBN MlLZBRAND.
b. In Kapuvar waren die Versuche zahlreicher: a) 50 vorgeimpfte Schafe. Bei der zweiten Impfung verendeten 6 Thiere an Milzbrand, 1 an Pericarditis. Controlinfection an den 44 überlebenden und 50 ungeimpften Schafen. Es verendetennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 Thicrnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „ 48nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
die letzteren innerhalb 5 Tagen fast sämmtlich an Milzbrand.
ß) Bei einer 489 Stück zählenden Schafheerde wurde in der Weise verfahren, dass 267 Thiere vorgeimpft wurden, von denen 13 verendeten und zwar 12 in Folge der Schutz­impfung. — Die überlebenden 254 221 ungeimpften = 475 Schafen wurden dann auf eine Weide getrieben, auf welcher die natürliche Infection des öfteren sich ereignete. 7) 14 vorgeimpfte Rinder. Die Impfungen verliefen ohne nennenswerthe Reaction. Controlinfection mit virulentem Material mit ähnlichem Verlauf, während von 6 Controlrin-dern 4 schwer erkrankten und eins starb.
Das Schlussgutachtcn der beaufsichtigenden Commission lautete in Kürze: dass die sofortige Verallgemeinerung der Pasteur'-schen Methode in der demonstrirten Form verfrüht, dass es am allerwenigsten zu empfehlen wäre, sie unter dem Schütze der Staatsautorität zu verbreiten, dass Privaten die Ausführung von Schutzimpfungen auf eigene Faust sogar zu verbieten seien. Die Commission ist weit davon entfernt die Pasteur'sche Methode endgültig zu verwerfen. Ihre schon jetzt hervortretenden Erfolge berechtigen zu den besten Hoffnungen auf die Möglichkeit der wünschens-werthen Vervollkommnung.quot;
Im Frühjahr 1882 wurden ähnliche Versuche unter Virchow's
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SCHUTZIMPFUNO (IKOKN MlLZlIUANI).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
Leitung ebenfalls von Thuillier in Packisch und Borscliütz, 2 im Regierungsbezirk Merseburg gelegenen Domänen ausgeführt.
a. Versuche in Packisch.
Die beiden Vorimpfungen an 25 Schafen und 6 Rindern fan­den am 5. und 9. April statt und am 6. Mai die Controlimpfungen. Nach der Inocultation mit Vaccin second waren 3 Schafe gefallen. Es blieben daher für den Tag der Controlimpfung 22 Schafe und G Rinder neben 25 Schafen und 6 Rindern, die nicht vorgeimpft waren.
Von den ersteren fiel kein Schaf, kein Rind, von den letzteren erlagen sämmtliche Schafe und 3 Rinder der Impfung mit virulentem Material. Die gefallenen Thiere zeigten bei dor Section die deut­lichsten Milzbrandveränderungen.
, b. Versuche in Bor schütz.
Hier wurden die Impfungen in noch grösserem Maasstabe aus­geführt. In dem Borschützer Schafstalle befanden sich am 10. Mai 256 Mutterschafe und 226 Lämmer. Diese Heevdo wurde in 2 Hau­fen getheilt. 1) 128 Mutterschafe und 123 Lämmer. 2) 128 Mutter­schafe und 103 Lämmer. Die sub 1) genannte Menge wurde am 10. und 20. Mai geimpft. Bei der 2. Impfung wurden aus Ver­sehen, denn 1 Schaf aus der Controlherde war über die trennenden Hürden in die vorgeimpfte Ilcerde gesprungen, 129 Mutterschafe geimpft. Dieser ü. Impfung erlag am 29. Mai ein Mutterschaf.
Die controlirenden Impfungen fanden wieder in Packisch statt und zwar waren von der Borschützer Heordc dahin gebracht 12 Mut­terschafe und 12 Lämmer des am 10. und 20. Mai vorgeimpften Haufens, desgleichen je 6 Mutterschafe und Lämmer der Control-heerde, sowie endlich jene 3 am Leben gebliebenen Rinder, welche
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2(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; SciUITZIMPPUNO OEOKM MlLZBRAND.
am 6. Mai mit virulentem Milzbrandblut geimpft waren, ohne jedoch präventiv geimpft zu sein.
Die 12 nicht vorgeimpften Schafe erlagen sämmtlich innerhalb 48 Stunden. Von den vorgeimpften 24 Schafen und jenen 3 Rindern prlagen dem virulentem Stoffe 2 Lämmer.
Endlieb wurden in Borschütz, Scbweditz und Packisch insgo-sammt 78 Stück. Rindvieh vorgeimpft und erhielten diese dann auf der letzteren Domäne ihren fortdauernden Aufenthalt, da auf ihr der Milzbrand stationär ist. Oleichfalls sind die in Borschütz vor­geimpften wie ungeimpften Schafe nach Packisch getrieben und sollen nach der Ernte, zu welcher Zeit sich der Milzbrand am häufigsten einstellt, auf diejenigen Weideplätze getrieben werden, auf welchen erfahrungsgemäss das Gift am häufigsten aquirirt werden kann. In den nächsten 1—2 Jahren muss es sich dann erweisen, ob die Pasteur'schen Schutzimpfungen eine genügende Immunität den vor­geimpften Thieren verlieben haben.
Bis zum 15. November 1882 sind an spontanem Milzbrand gefallen 1 nicht geimpftes Pferd, 1 geimpftes und ein nicht geimpf­tes Stück Rindvieh, 4 geimpfte und 8 ungeimpfte Schafe. — 1884/85 fielen in Packisch an Anthrax 3 wiederholt und 2 zum ersten Male geimpfte Stück Rindvieh und 3 wiederholt geimpfte Schafe. — In Dlonie und Malarienhof fielen an Anthrax zusammen 6 Stück Rind­vieh, an denen die Impfung bereits 3 mal während der letzten 3 Jahre ausgeführt worden war.
Der über die vorstehenden Versuche erstattete Bericht von Prof. Müller fasst die Ergebnisse in folgender Weise zusammen:
1. Rindvieh erlangt durch das Ueberstehen des Impf­milzbrandes eine Immunität gegen diese Krankheit.
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ScnUTZIMPFUNG GKOEN MlLZBKAND.
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2.nbsp; Die erste Schutzimpfung mit dor im höheren Grade abgeschwächten, als premier vaccin bezeichneten Cultur-flüssigkcit hat weder bei dem llindvich, noch bei den Schafen ein auffälliges Erkranken zur Folge.
3.nbsp; Nach der zweiten Schutzimpfung mit der wenigor abgeschwächten, als deuxiemc vaccin bezeichneten Cultur-flüssigkeit tritt bei den geimpften Schafen und Hindern zwar ein heftigeres, jedoch nur ausnahmsweise lebens­gefährliches Erkranken, namentlich aber eine erhebliche Steigerung der inneren Körperwärme ein. An der Impf­stelle bilden sich häufig grössere oder kleinere, schmerz­hafte oder schmerzlose Anschwellungen.
4.nbsp; Die Controlimpfungen mit dem Blute eines an Milz­brand gefallenen Thiores bezüglich mit der aus dem Pasteur'-schen Laboratorium bezogenen virulenten Flüssigkeit er­zeugten bei Rindern, au denen die Schutzimpfung ausge­führt worden war, stets und bei Schafen unter denselben Verhältnissen meistens nur leichte Erkrankungen, während die gleichen Impfungen bei Thierou, welche der Schutz­impfung nicht unterworfen waren, stets heftige Erkrank­ungen zur Folge hatten.
Mittlerweile hatte Pasteur unter dem 26. Januar 1882 an die Ackerbaugesellschaft zu Melun über die Resultate seiner Milzbrand­impfungen während des verflossenen Sommers Bericht gegeben.
Es waren geimpft 32,500 Schafe. Als Coutrolthierc, als unge-impfte aber unter denselben Verhältnissen lebende Schafe dienten 25,160. Von diesen letzteren erlagen bis Ende Oktober 1881 — 10mal mehr Thiere dem spontanen Milzbrand, als von den vorgeimpften und es waren etwa 400 Schafe durch die präventiven Impfungen
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ScilHTZlMPFUNO OEOKN MlLZBRAND.
vor dem Tode durch Milzbrand bewahrt, d. h. dom Nationalvermögen erhalten.
Unter 188 Hcerden, von denen 45 im Ganzen 10,500 Schafe zählten, sind unter den Impflingen weder während, noch nacli der Impfung Verluste vorgekommen.
Unter einigen Ileerden hat die Sterblichkeit, welche vor und während der Impfung in denselben herrschte, unter den nicht ge­impften Schafen in cmpfindliclier Weise fortbestanden. Nach einer detaillirten Tabelle über 15 Hcerden, in welchen die Mortalität am stärksten war, kamen während der Impfung unter 3663 Impflingen 58, unter 2867 nicht geimpften Schafen 60 Todesfälle an Milzbrand vor. Nach der Impfung starben innerhalb zwei Monaten (bis Ende October 1881) von den nicht geimpften Schafen 141 an Milzbrand, während von den Impflingen kein einziges Stück mehr starb. Hätte die Sterblichkeit unter den geimpften in gleichem Verhältnisse, wie unter den nicht geimpften Schafen fortbestanden, so würden in der­selben Zeit von zwei Monaten 180 Impflinge an Milzbrand in den betreffenden Hcerden ger orbeu sein.
Es wurden ferner bis dahin 1254 Hinder geimpft und neben diesen 888 nicht geimpfte Rinder zur Controle gehalten. Während der ersten zwei Monate nach der Impfung sind von diesen Vcrsuchs-thieren gestorben: 1 Impfling und 10 nicht geimpfte Kinder.
Das Grosammtergcbniss der seitherigen Milzbrandimpfungen nach dem Pasteur'schen Verfahren, soweit dieselben unter öifentlichcr Controle ausgeführt und bekannt geworden sind, glaubt Pütz in folgende Sätze zusammenfassen zu können:
1. Hie unter Pasteur's eigener Leitung vorgenommenen Milz­brand-Schutzimpfungen an verschiedenen Orten Frankreichs sind bei Schafen und llindvich ohne Verlust abgelaufen.
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Schutzimpfung okokn Mu./.hhand.
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2.nbsp; nbsp;Diese Schuteimpfungcu haben sich in Frankreich bei Schafen ausnahmslos als zuverlässig erwiesen, insofern sie bei den Impfungen eine Immunität gegen Milzbrand begründet haben. Beim Rindvieh sind die Erfahrungen noch zu wenig zahlreich, um hestimmte Schlüsse auf dieselben gründen zu können. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch Rindvieh und andere Ilausthiore durch die Pasteur'sehen Schutzimpfungen gegen Milzbrand immun gemacht werden können.
3.nbsp; Die Dauer dieser Impf-Imnuinität scheint sich über eine längere Zeit als 7 Monate, vielleicht auf Jahr und Tag zu erstrecken.
4.nbsp; Die durch I'astcur's Assistenten Thuillier in Ungarn aus­geführten Milzbrandimpfungcn haben woniger günstige Resultate ergeben, als die in Frankreich ausgeführten rasteur'schcn Milz­brandimpfungen. Die Schutzkraft dieser hat sich gleichwohl auch in Ungarn deutlich offenbart, obgleich dort fragliche Impfungen unter Verhältnissen ausgeführt worden sind, welche derartigen Ver­suchen im Allgemeinen wenig günstig zu sein scheinen. Es sind in Ungarn Versuchsthicre zur Verwendung gekommen, welche in Folge verschiedener Invasionskrankheiten thcils blutarm und cachectisch waren. Uebcrdias traten zur Zeit der Impfuug unter den Vcrsuchs-th leren auch Fälle von spontanem Milzbrand auf.
5.nbsp; Rindvieh ist gegen Impfmilzbrand im Allgemeinen weniger empfindlich als Schafe.
Man war allgemein gespannt, welches Urtheil der wohl com-petenteste Beurtheiler in diesen Dingen, R. Koch, über die prä­ventiven Impfungen, die Bereitung der Vaccins, die erzielte Immunität fällen würde. Dies Urtheil erfolgte denn auch in drei Arbeiten Koch's „Ueber die Milzbrandimpfung 1882, weitere Mittheilungen über die Wirkungsweise der Milzbrandhnpfungen nach dem Pasteur'-
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schutzimpfung okgen Milzbrand.
sollen Verfahren 1882, Experimentelle Studien über die künstliche Abschwächung der Milzbrandbiicilleu und Milzbrandinfection durch Fütterung 1884.quot; Wir wollen aus diesen Arbeiten, über welche seiner Zeit Burner in solch beredter und treffender Weise referirt hat, nur dasjenige hervorheben, was uns zunächst hier interessirt.
Unter aller Anerkennung der Verdienste Pasteur's, der das Milzbrandvirus abzuschwächen und zur Imnumisirung zu verwanden gelehrt hat, führt Koch schon in den beiden ersten Abhandlungen aus, dass die Impfung mit dem douxieme Vaccin keine gefahrlose ist, dass bei jährlicher Wiederholung der Impfung die Verluste durch dieselbe erheblicher sein würden, als die durch den spontanen Milz­brand hervorgerufenen, dass ferner der Impfschutz kein absolut sicherer sei gegen den Impfmilzbraud, sondern in noch höherem Maasse gegen den durch das Futter erzeugten, den spontanen Milzbrand. Koch zeigte des weiteren, dass entgegen der Angabe Pasteur's die Milz-brandbacillen auch bei 42—43deg; C. zur Sporenbildung gelangten. Durch die mühevollen Untersuchungen der dritten Arbeit wurde der Nachweis geliefert, dass wesentlich oder allein die erhöhte Temperatur die Mitigation des Griftes hervorrufe, nicht aber, wie Pasteur annahm, der Sauerstoff der Luft. Je höher die Tempe­ratur ist, welcher die Oulturen ausgesetzt sind, um so rascher voll­zieht sich die Abschwächung. Während bei 50—53deg; 0. schon wenige Minuten hinreichend sind, um die Milzbraudkoime völlig abzuschwächen. Handelt es sich bei 47deg; schon um einige Stunden, bei 43deg; um einige Tage, bei 42,6deg; um 3—4 Wochen. Je rascher die Mitigation hervor­gerufen ist, um so schneller erlangt das Gift seine frühere Wirksam­keit zurück, je langsamer erstere sich vollzog, um so dauerhafter erweist sich die geringere Gefährlichkeit, ja letztere ist auch den späteren Generationen, selbst den Sporen derselben eigen,
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SCHUTZIMPFUHG GEOKN MlLZBBAND.
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Durch die Impfung mit derart abgeschwächton Culturcn gelingt es eine Immunität der Versuchsthicre (Hammel) gegen den Inipf-milzbrand hervorzurufen. Wie aber erwies sich, es war das eine naheliegende und wohl die wichtigste Frage, diese Immunität gegen­über der natürlichen Importation des Giftes in den Thicrkörpcr. Auch hier zeigte Koch, dass Pasteur's Annahme „der Futtermilz-brand ist eine Art des Impfmilzbrandes, hervorgerufen durch kleine Verletzungen der Maul- und Ilachenhöhle durch die Art dos Futtersquot; eine irrige sei, wenigstens für die Mehrzahl der Fälle. Seine Versuche ergaben in dör bestimmtesten Weise, dass die Milzbrandbacillcn allerdings im Magen der Hammel zu Grunde gehen, dass aber Milz-brandsporen in demselben nicht vernichtet werden, vielmehr im Darm auswachsen, durch die unverletzte Schleimhaut des Darmtractus in die Gewebe eindringen und auf diese Weise eine schnelle, tödtliche Infection herbeizuführen vermögen. So entsteht durch eine Infection vom Darm aus, durch Sporen, welche mit dem Futter aufgenommen sind, der natürliche Milzbrand.
Nachdem so der natürliche Infectionsmodus klargelegt war, wurden 7 geimpfte Hammel in der Weise inficirt, dass Jedes dieser Thierc täglich eine erbsengrosse Dosis Sporenmaterial erhielt. Am 3. Tage starben 2 von den mit l'astcur'schen Vaeeins geimpften Hammeln an unweifelhaftem Darmmilzbraud, während die übrigen gesund blieben trotz Otägigcr Fütterung mit Milzbrandspuren. Auch nach 9 Monaten war diese Immunität gegen den Futtermilzbrand bei den überlebenden Thieron vorhanden. Koch's Schlussworte lauten: „Da eine sichere Immunität gegen den Impfmilz­brand ohne erhebliche Verluste durch die Schutzimpfung nach dem Pasteur'schen Verfahren sich nicht erreichen lässt und da ausserdem diese mit Verlusten erkaufte Immunität
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SoilUTZIMPFUNO OBOEN MlI.ZHHANIi.
dem natürlichen Milzbrand gegenüber nur unvollkommen Standhält, so ist die bisher geübteSchutzimpfuugsmethodo für die Praxis nur als ein höchst zweifelhafter Gewinn zu bezeichnen. Ob es gelingen wird, ein sicheres und für die Praxis brauchbares Verfahren der Schutzimpfung zu finden, muss die Zukunft lehren.quot;
An diesem Outachten Koch's ist leider bis zur Stunde noch wenig zu ändern. Seit jener Zeit sind die Impfungen des mehr­fachen wiederholt, insbesondere in Frankreich — siehe das Vcr-zeichniss der Littcratur —. Auf diese aber des näheren einzugehen, erscheint nicht nothwendig. Sie lassen fast alle erkennen, dass die 2. Impfung noch immer ihre Gefahren besitzt, dass die Immunität gegen den Futterinilzbrand keine vollständig sichere ist, dass ins­besondere deren Dauer nur derart zu sein scheint, dass eine jähr­liche Wiederholung der Impfungen zunächst nothwendig ist. Aber es lässt sich andererseits auch gar nicht verkennen, dass mehrfach schon die liesultate günstiger ausgefallen sind und dass daher die berechtigte Hoffnung vorliegt, durch irgend welche Aendcrungen im Itupfvorfahren, wie z. B. Verstärkung des premier, vermehrte Ab-schwächung des deuxieme Vaccin die bisherigen Verluste zu beseitigen. Für Milzbranddistricte erscheint es schon jetzt wünschenswerth, die Impfungen nach dem Pasteur'schen Verfahren fortzusetzen, denn nur durch Versuche im Grossen unter der Leitung Sachverständiger wird sich Klarheit über die Hauptfrage, den Nutzen gegen den Futtermilzbrand, mit Sicherheit gewinnen lassen.
3. Verfahren nach Chauveau. Durch mehrfache Versuche hat Chauveau den Beweis geliefert, dass sowohl die erhöhte Tempe­ratur, welcher die mit Milzbrand inficirten Culturcu ausgesetzt waren,
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Schutzimpfung okoen Mu.zbband.
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als auch cine vermehrte Spannung der Luft die Zwecke der Ab-schwächung zu erfüllen im Stande sei. Derselbe hat daher 2 ver­schiedene Yerfahren zur Mitigation des Milzbraudvirus angegeben.
a.nbsp; nbsp;Abschwächung durch erhöhte Temperaturen. Ge-fässo mit sterilisirter Hühnerbouillon werden mit je einem Tropfen Milzbrandblut geimpft und dann durch 20 Stunden einer Temperatur von 42—48deg; C. ausgesetzt. Die Temperatur wird nach dieser Zeit auf 47deg; erhöht und in dieser bleiben die Culturen 1—2—3—4 Stunden. Je nach dieser letzteren Zeitdauer ist die Virulenz eine stärkere oder schwächere. Culturen von 1 Stunde Verweilen bei 47deg; tödteten sämmtliche Meerschweinchen, von 2 Stunden nur einen Theil dieser Thicre, von 3 Stunden keines derselben. Selbst nach 4stündigem Erwärmen aber hört die Entwickelungsfähigkoit nicht auf.
* Werden diese abgeschwächten Culturen einer Temperatur von 82—85deg; C. ausgesetzt, so erreichen sie nach und nach ihre natür­liche Virulenz fast vollständig wieder, selbst wenn die Abschwäch­ung eine gänzliche gewesen war.
Das Verfahren bestätigt die Angaben Koch's über den quot;Wirkungs-effeet der erhöhten Temperatur. Bei der Unbeständigkeit der Eigen­schaften der abgeschwächten Culturen, wie sie die kurze Zeit der Erwärmung zur Folge hat, ergibt sich auch die Schwierigkeit ihrer Benutzung zu Impfungen.
b.nbsp; nbsp; Abschwächung durch comprimirtc Luft. 1'. Bert hatte beobachtet, dass Milzbrandbacillcn zu Grunde gehen, falls die über dem Milzbrandblute befindliche Luft unter einem hohen Druck (20—40 Atmosphären) steht. Aus dieser Beobachtung folgerte Bert, dass bei geringerem Druck die Entwicklungsfähigkeit des Giftes nicht gehemmt sei, wohl aber die Virulenz der Bacillcn abnehme, dass daher eine nur wenig vermehrte Spannung der Luft zur Ab-
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SCHDTZIMPFUNG GKOKN MlLZBHAND.
Schwächung benutzt werden könne. Diese Schlüsse Bert's ver­mochte Chauveau zu bestätigen, indem er bei einem Drucke von 8 Atmosphären und einer Temperatur von 38 —390C. abgeschwächte Impfstoffe darsteilen konnte. Diese abgeschwächten Culturen, sowie die von ihnen abstammenden Generationen konnton mehrere Monate hindurch ohne Aendorung ihrer Eigenschaften aufbewahrt werden und verhielten sich in Eezug auf ihre Virulenz also, dass sie zwar noch Meerschweinchen tödteteu, grösscre Ycrsuchsthiere aber, wie Hammel, Rinder und Pferde nur vorübergehend krank zu machen vermochten. Durch diese leichtere Erkrankung wird den geimpften Thieren völlige Immunität, gegen das giftigste Milzbrandmaterial ver­liehen.
Die Mängel, die jedoch auch dieser Methode anhaften, verkennt Chauveau nicht. Er liebt hervor, dass eine genaue 13ereehnung des AbscliAvächungsgrades der einzelnen Culturen nicht stets möglich sei, eine peinliche Beständigkeit in dieser Beziehung sei leider nicht vor­handen. Es sei sogar möglich, dass nicht einmal alle Elemente der­selben Cultur denselben Grad der Abschwächung besässen, einzelne Elemente vermöchten den Tod zu bewirken, andere nur vorüber­gehendes Kranksein. Zudem erreichten in späteren Generationen die Bacillen ihre frühere Giftigkeit zurück. Für die Zwecke der präven­tiven Impfung jedoch sei die Methode eine hinreichende, ja bei den Schwächen, die bisher allen 3 Absehwäcliuugsverfahrcn eigen, glaubt er sie für die relativ beste halten zu müssen.
Von den mehr als 100 präventiv geimpfton Thieren (Hammel, Kinder, Pferde) ist nur ein Hammel in Folge der Impfung verendet, die Controlimpfung überstanden alle schutzgeimpften Thiere, während die der Controlhecrde sämmtlich verendeten.
In Folge dieser Untersuchungen behauptet Chauveau, dass
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SciIUTZIMPPUNQ OEOEN MlLZllUAND.
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1.nbsp; nbsp;eiuo einzige Impfuug genügt, um den Impflingon eine sichere Immunität zu geben,
2.nbsp; der Impfstoff ist trotz seiner, etwas stärkeren Wirksamkeit ebenso unschädlich, als der nach anderen Methoden erzeugte,
3.nbsp; die abgeschwächten Cultureu bewahren ihre Eigenschaften mehrere Monate lang, ohne besondere Anforderungen in Bezug auf die Art der Aufbewahrung zu stellen.
Auf Grund eigener Prüfung scldiosst sich Hess diesen Aus­führungen Chauveau's an. Auch Hess betont, dass die einmalige Impfung eine 12 monatliche Immunität bewirkt. Von den GO Stück Rindvieh ist während der Impfung nur 1 Thier gefallen und auch dieses nicht an den Folgen der Inoculation, sondern durch sporn-dischen Milzbrand. Als Impfstelle wurde von Hess die obere Fläche der einen Ohrmuschel benutzt, als Impfmaterial eine derartig miti-girte Lymphe, welche Meerschweinchen noch innerhalb 48 Stunden sicher tödtete. Zur Impfung wurden Pravaz'sche Spritzen benutzt und jedem Thier nur 1 Tropfen Lymphe injicirt. Die in zugeschmolzenen Olaskölbcheu enthaltene Lymphe wird vor dem Gebrauch und auch in der Spritze zwischen den einzelnen Impfungen gut umgeschüttelt, damit das darin enthaltene Virus nicht zu Boden fällt und ungün­stige Impfresultate ergibt.
Nach den Arbeiten Arloing's hebt die hohe Wärme der Juli­sonne die Vegetation des Milzbrandvirus auf und wenn Culturen auf 25—30 Stunden der 30—360C. betragenden Juli-Sonnenwärme aus­gesetzt gewesen waren, so sistirte deren weitere Entwicklung. Zu gleicher Zeit mit dieser Behinderung der Entwicklung ging eine fortschreitende Abschwächung. Nach einer Insolation von 30 Stun­den war die Mitigation so bedeutend, dass selbst Meerschweinchen, für welche ein nicht tödtendes Milzbrandgift schwer zu erzielen ist,
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36nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ScHIITZIMPPIINa OKQEN SkPTICXmIE DER MAUSE.
nach der Impfung rnit soldier Cultur nicht starben. Die geimpften Thiere sollen gleichzeitig immun werden gegen die Inoculation gif­tiger Culturen.
Durch demontsprechende Benutzung der Insolation wird es daher auch möglich sein, Yaccins von vorschiedonor Giftigkeit her­zustellen.
V. Septlcämie dor Miluse.
Nach dem heim Milzbrände erwähnten Verfahren Toussaints — Erwärmung auf 55deg; während 16 Minuten — behandelte Löffler das Herzblut zweier Mäuse, die nach Impfung mit Septicämie-Bacillen verendet waren. Mit diesem Blute wurden sodann 4 Mäuse geimpft. Die Thiere überstanden die Inoculation, während das Controlthier, welches mit nicht erwärmtem Blut geimpft war, verendete. Nach 8 Tagen werden die 4 Thiere nebst 2 neuen wiederum mit gleichem Material geimpft, auch jetzt ist das Resultat das gleiche, die Thiere starben nicht; nur 1 Thier verendet, aber nicht, wie die Section das nachweist, an Septicämie. 20 Tage später werden die 5 überleben­den Thiere mit dem Blute einer an Septicämie verendeten Maus ge­impft. Diesem Eingriff erlagen sie alle.
Zu einem anderen Resultate gelangte Löffler, wenn er die­selbe Bacillenart auf eine andere Thiergattung übertrug, wenn er sie Kaninchen am Ohr oder der Cornea einimpfte. Durch eine der­artige Inoculation wird am Ohr der Versuchsthicre ein erysipelatöser Prozess hervorgerufen, der in der Mehrzahl der Fälle nur das ge­impfte Ohr ergreift oder aber bisweilen weiter fortschreitet, die Con­junctiva des gleichseitigen Auges in Mitleidenschaft zieht, auch auf das andere Ohr üherzugohen vermag. In einzelnen Fällen tritt bei
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ScilDTZIMPFlINQ OEOEN SePTICXmIG DER KANINCHEN.
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disponirten Kaninchen der Tod ein. Die um 0,5—2—3deg; C. gestei­gerte Körperwärme liefert den Beweis, dass es sich hier um ein Ergriffensein des ganzen Körpers handelt. Diejenigen Kaninchen nun, welche die Krankheit überstanden, sind nach einiger Zeit immun gegen jede neue Impfung, sei diese mit septischem Blute oder mit den Culturen der Mäuscsepticämie ausgeführt. Löffler hat durch zahlreiche Impfungen an 33 Kaninchen diese interessante Thatsache stets zu constatiren vermocht. Stets war die zweite sowie die fol­genden Impfungen erfolglos, wenn dieselben nach Ablauf einer ge­wissen Zeit vorgenommen wurden. Zur Erreichung völliger Immunität, d. h. des ganzen Körpers nach der am Ohr oder der Cornea aus­geführten Schutzimpfung war ein Zeitraum von 3—4 Wochen noth-wendig, während einzelne Körpertheile schon in früherer Zeit reac-tionslos der Inoculation des Giftos gegenüber sich zeigten. Wurden Kaninchen beispielsweise am rechten Ohr geimpft, so war das linke schon nach 8 Tagen immun, während die Cornea sich zu dieser Zeit noch als geeignet erwies zur erfolgreichen Uebertragung.
Durch die exaeten Untersuchungen Löfflers war somit auch für die Bacillen der Mäusesepticämie der Beweis er­bracht worden, dass das einmalige Durchseuchtsein des Körpers von dieser Bacterienart eine Immunität gegen eine neue Invasion des Giftes hervorzurufen vermag.
YI. Septicilmie der Kaninclien.
Zu ähnlichen Ergebnissen glaubte Sommer in Bezug auf die Kaninchensepticämie gelangt zu sein. Er machte im Central-blatt für die medic. Wissenschaften 1880 Mittheilung über einige
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38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ScillITZIMPPHNQ OKOKN SePTIcXmIE DER KANINCHEN.
Versuclio Krajewski's, die septicämisclies Kauinchenblut nach Toussaint'seller Methode zu mitigirou bezweckten. Die Versuche sind an 3 Kaninchen angestellt, von denen 2 septisches Kaninchen­blut, welches durch 10 Minuten auf 55deg; C. erwärmt war, durch oberfläcliliclie Einschnitte am Ohr eingeimpft erhielten, das 3. Tliier in gleicher Weise behandelt wurde mit in Kauinchcnbouillon gezüch­teten Septicämiebacillen. Die Thiere erkrankten, wurden dann nach Ablauf von wenigen Tagen (3 — 10) mit wirksamem Material wiederum behandelt, blieben jedoch gesund, während die Controlthiere stets erlagen. Semmer glaubt durch diese Versuche die Toussaint'schen Angaben über die Abschwächungsmöglichkeit der Lacillen uach sei­ner Methode sowie die Erzielung der Immunität durch Impfung mit derartigem Material auch für die Kanincheusepticämie bestätigt zu haben.
Als Löffler ebenfalls dieses Verfahren einer Prüfung unterzog, gelangte er zu anderen Resultaten. Löffler stellte 2 Versuchs­reihen an. In der ersten impfte er 6 Kaninchen 1 mal mit abgo-schwäclitem Material. Die Thiere überstanden die Impfung, erlagen aber der späteren Inoculation mit wirksamem Material. Nur ein zweimal geimpftes Tliier blieb am Leben, erlag aber später bei wiederholten Impfungen. Da durch dieses letzte Tliier die Annahme einer gewissen Immunität nach zweimaliger Impfung nicht von der Hand gewiesen worden konnte, wurde noch eine 2, Versuchsreihe angestellt, in welcher G Thiere zweimal präventiv geimpft wurden. Eine Immunität wurde jedoch bei 5 dieser Thiere nicht erzielt, denn dieselben erlagen später der Einverleibung wirksamen Materials. Bei dem G. überlebenden Thicr kann daher auch nicht daran gedacht werden, dass die Impfungen mit mitigirtem Gift Immunität hervor­gerufen hätten, sondern es erscheint die Annahme einer mangelnden
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Schutzimpfuno oeqen Bausciiiirand.
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Disposition gerechtfertigt. Die Controltiiiere verendeteu stets, nur ein kleines Thier übersteht 3 Impfungen mit wirksamem Material, erliegt aber dann der 4. Impfung.
Bei solchem Ausfall der Versuche musste Löffler zu dem Sehluss gelangen, dass bei der Septicämie der Kanin­chen eine Immunität nicht erreicht werden könne durch präventive Impfungen, bei denen bacillcnlialtigo, nach Toussaint'scher Methode behandelte Impfstoffe Verwen­dung gefunden hatten.
YIT. Ransclibrand.
Durch die neuen Untersuchungen von Arloing und Cornevin, insbesondere aber durch die zuerst von Bollinger und Pesor ent­deckten grossen, beweglichen Bacillen ist der Eauschbrand, eine zumeist bei jungen Rindern und Schafen endemisch vorkommende Form des malignen Oodems endgiltig vom Milzbrande abgezweigt. Die Züchtung der Rauschbrandbacillen ist ebenfalls von Arloing, Cornevin und Thomas bewirkt worden unter Abschluss des Sauer­stoffs in Ilühnerbouillon.
Die Richtigkeit dieser Trennung vom Milzbrand wird des ferneren bewiesen durch ein Schutzimpfungsverfahren, welches von den drei letztgenannten Herren angegeben ist. Der den Rauschbrand bedingende Spaltpilz wirkt ebenso, wie die Anthraxbacillen sehr schnell und tödtlich, wenn er ins Unterhautzcllgewcbe eingeführt wird. Während aber die gleiche Wirkung bei intravenöser Injection der Anthraxbacillen eintritt, sind die Wirkungen dos Rauschbrandgiftes sehr geringe bei der Befolgung des gleichen Weges. Es entsteht
llounior, Sdiutzlinpfiing:.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
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ScitlTTZIMPFima OEOKN RaT'SCIIIIHANII.
liieinach nur ein leichtes und alsbald vorübergehendes Fieber. Diese Thatsache benützten Arloing, Cornevin und Thomas zu dem folgenden Schutzimpfungsvorfahren: die in Hühnorbouillon gezüch­teten Bacillen oder der Gewebssaft der Rauschbrandgeschwülste wird intravenös dem Körper einverleibt, bei welchem Eingriff mit beson­derer Sorgfalt zu beobachten ist, dass das umgebende Bindegewebe mit dem Gifte in keine Berührung gelangt. Diese intravenöse Injektion lässt die Thiero nur in geringem Masse erkranken, jedenfalls entstellen äusscrlicb erkennbar keine Karbunkel. Schon nach 5 Tagen ist der Eingriff überstanden und die Folge der geringgradigen Erkrank­ung besteht in der völligen Immunität der Versuchsthiere, sodass die gefährliche Inoculation des Giftes in das Unterhautzellgewebe jetzt ohne Gefahr, ohne jegliche Wirkung vollzogen werden kann.
Von einer Commission, der Vertreter verschiedener Thierarznei-schulen angehörten, wurde dieses Verfahren einer Prüfung unter­zogen. Die Zahl der Versuche war allerdings eine geringe (3 Kälber, 1 Schaf) aber bei keinem der schutzgeimpften Thiere trat weder eine örtliche, noch allgemeine Erscheinungen auf. Besonderes Interesse bietet der dritte Versuch, bei dem ein 16 Tage altes Kalb durch Injection von Rauschbrandflüssigkeit in das Unterhautgewebe inficirt wurde. Nun war bei dem Kalbe selbst die intravenöse Schutzimpfung nicht ausgeführt, wohl aber bei der trächtigen Mutter und zwar schon 6 Monate vor der Geburt des Versuchskalbes. Mithin war das Kalb durch die Muttor immunisirt worden.
Während es sich bei dem vorstehenden Verfahren um die Impfung mit nicht abgeschwächtem Virus handelt, dessen heftige Wirkung durch intravenöse Injection aufgehoben ist, liegt der fol­genden, von Cornevin angegebenen Schutzimpfung ein mitigirter, aus den Rauschbrandgeschwülsten gewonnener Impfstoff zu Grunde.
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SCHIITZIMPPUNO QKOKN RaUSCHBBAND.
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Verfahren nach Corncvin. Von den das Gift enthaltenden Rauschbrandgoschwülsten wird ein Theil dem Körper entnommen, in ganz kleine Stücke zerschnitten und mit der Hälfte ihres Gewichts Wasser übergössen. Sodann wird in einem Mörser die ganze Masse möglichst fein zerrieben, diese zuerst durch ein Leinwandsäckclion und nachher durch ein fünf- bis sechsfach zusammengelegtes, feines, verlier gut getränktes Battisttuch filtrirt. Die also erhaltene, blutig gefärbte Masse wird in flachen Gofässcn einer Temperatur von 32—35deg; C. ausgesetzt, um so möglichst rasch einzutrocknen und den Eintritt der Fäulniss zu verhindern. Das nun gewonnene Pulver enthält das unabgoschwächto Gift des Rauschbrandes, wird in gut ver­schlossenen Glasröhren aufbewahrt und vermag über 2 Jahre lang seine volle Wirksamkeit sich zu erhalten. Aus ihm werden zwei verschieden starke Impfstoffe dargestellt, indem das ungeschwächto, eingetrocknete Rauschbrandgift mit der doppelten Menge Wassers zu einer möglichst gleichmässigen Flüssigkeit verrieben wird. Diese auf flachen Schalen ausgebreitet wird nun entweder einer Temperatur von 100deg; C. während 6—7 Stunden, oder einer solchen von 85deg; C. und gleicher Dauer ausgesetzt. Bei 100deg; wird der erste, schwächere, bei 85deg; der zweite, stärkere Impfstoff gewonnen. Die auf den Schalen eingetrockneten, bräunliche Schuppen bildenden Impfstoffe werden abgekratzt, mittelst je einer Mühle fein zormahlen und nun (in Dosen von 10 Centigramm = 10 Impfdosen) in Papier verpackt, um* an trockenen Orten aufbewahrt zu werden. Die Brauchbarkeit dieser Impfstoffe soll ein Jahr hindurch sich bewährt haben.
Bei Vornahme der Impfungen wird ein solches Packetchen mit
destillirtem Wasser Übergossen, sorgfältigst vorrieben und mittelst
desinficirter Spritzen die Injection am unteren Schweifende dos Thieres
ausgeführt. Die Schutzkraft der Impfungen soll nach den Erfahr-
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42nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ScillTTZIMPKUNO r.KOKN RaCBCIIBRAND.
ungen von Arloing und Cornovin 17 — 18 Monate anhalten. Da dor Rauschbrand hauptsächlich Thiere im Alter von 5—30 Monaten be­fällt, so genügt durchschnittlich die einmalige Vornahme der beiden Schutzimpfungen; zwischen beiden liegt ein Zeitraum von 9—14 Tagen.
Die ersten Studien, welche Arloing, Cornevin und Thomas zu dem vorstehenden Verfahren ihrer Schutzimpfungen gegen den Rauschbrand führten, gingen von der Erfahrung aus, dass diese Affection am unteren Ende der Extremitäten und am Schwänze der Thiere nicht auftritt. Zur Kiarleguug dieser Thatsacho unternahmen sie Impfungen mit dem Rauschbrandgifte an den genannten Stelleu und namentlich am Schwänze stellten sie durch Impfungen in Ab­ständen von 10 — 10 Centimeter von der Spitze bis zur Basis fest, dass je mehr sich die Impfung der Schwanzwurzol nähert, um so mehr sich die Gefahren der seeundären Localisation steigern und selbst die primären Störungen einen wesentlich ernsteren Charakter annehmen, sobald man mit der Impfung in das Niveau der Tuberositas ossis ischii gelangt; nie aber erreichen dieselben die Bedeutung, als wenn man in den Oberschenkel oder in den Hals impft. Die Erklärung dieser auffallenden Thatsache war durch eine Reihe interessanter Versuche dahin gegeben, dass sowohl die bekannter-massen niedrigere Temperatur, als auch das dichte, straffe Binde­gewebe des Schwanzes die Abschwächung des Rauschbrandgiftos bewirkt, dass insbesondere der letztere Factor sich als eine unüber­windliche Schranke der weiteren Verbreitung das Giftes im Körper entgegenstellt.
Die Impfungen mit abgeschwächtem Rauschbrandgift sind in den letzten 3 Jahren 1884/85/86 in sehr umfangreichem Masse in der Schweiz zur Anwendung gelangt. Die überraschenden Erfolge haben trotz der kurzen Prüfungszeit den grossen Rath des Kantons
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Schutzimpfung okoen RoTHLAUF der Schweine.
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Bern vcranlnsst, RauscJibrandvcrlnstc nur dann zu cntscliäcligen, wenn die betreffenden Thioro innerhalb der letzten 14 Monate gegen Rauschbrand schutzgeinipft waren. Man muss nach den in der Schweiz gewonnenen Erfahrungen, wie sie Schmitt in Nr. 3 der Eundschau auf dem Gebiete der Thiermcdicin und ver­gleichenden Pathologie 1887 des genaueren wiedergegeben hat, der Ansicht sein, dass die Impfung Schutz gegen die Infection mit Rauschbrand gewährt, sowie, dass durch die­selbe wesentliche Nachtheile für die Gesundheit der Impf­linge kaum herbeigeführt werden, da bei sorgsamer Aus­führung der Operation Impfzufälle zu den Seltenheiten gehören.
Mit den beiden vorgenannten Methoden hatEloirc die folgen­den Resultate gewonnen: Mit der intravenösen Injection des viru­lenten Giftes, wie es in den Rauschbrandtumorcn vorhanden ist, wurden 3 acht Monate gt; alte Kälber geimpft. 5 Tage nach der Impfung trat bei einem ein Rauschbrandtumor an einer Seite des Halses auf, welcher das Thier in 4 Tagen tödtete. Impfungen mit abgeschwächtem Gifte nach Corncvin wurden zunächst an 20, dann an 121 Thieren vorgenommen. Von diesen erkrankte kein Stück.
VIIT. ItothliUif der Schweine (mal rouge des porcs).
Der Rothlauf der Schweine ist eine seuchenartige, durchweg nur jüngere Thicre, bis zum Alter von 8 Jahren befallende Krank­heit, welche nach den Untersuchungen von Thuillicr, Pasteur, Löfflor, Schütz, Lydtin und Schottellius durch sehr kleine, feine Ikcillen veranlasst wird, welche eine weitgehende Achnlichkeit
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44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;SCHUTZIMPFUNlaquo; OKOKN ßoTUtlAOV 1gt;KH SCHWEINE.
mit den Bacillcn der Mäuscsepticämic besitücn. Auch für diese Erkrankung ist von Pasteur ein Schutzimpfungsvorfahren angegeben, welches für uns ein besonderes luteresse beanspruchen darf wogen der nahen Beziehimgon, die dasselbe mit der Mitigation des Virus variolosum, der Umänderung dieses in das Virus vacciuale besitzt. Unsere Anschauuugen, dass der Variola derselbe Kranksheitserreger wie dor Vaccine zu Grunde liegt, dass der erstore bei dem Passiren des Körpers der Kuh seiner deletären Eigenschaften beraubt, so weit abgeschwächt wird, dass er uuu wieder auf den Menschen übertragen nicht mehr im Stande ist die Mcnscheupocken, sondern nur die der Kuh hervorzubringen, diese Anschauung hat unverkennbar an Wahr­scheinlichkeit gewonnen durch das Abschwächungsverfahreu dor Schweinerothlaufbacillen in Folge des Passirens eines anderen Thior-körpers, dos Kaninchens. Diese Thiorgattung ist ebenso wie Tauben für die llothlaufkraukhcit empfänglich. Während aber die üiftigkoit der Bacillen in dem Körper der letzteren eine Steigerung erfährt, wird sie in dem der erstereu abgeschwächt. Wenn man Schweine mit dem aus Kaninchen gewoiuienou Impfstoff vacciuirt, su sind die­selben gegen den spontan auftretenden, meist tödtlich verlaufenden Kothlauf, ja sogar gegen die Infection mit dem stärksten Gifte, wie es aus dem Taubenkörper gewonnen worden kann, immun.
In der Sitzung der Akademie der Wissenschaften in Paris vom 26. December 1883 äusserte sich Pasteur über dies neue Verfahren fülgondermaasson:
„Ein „Microbequot; ist für ein Thier virulent, wenn er die Fähig­keit hat, in dem Körper des letzteren wie ein Parasit zu leben, und indem er sich vermehrt, solche Störungen hervorzurufen, welche die Krankheit und den Tod des Thieres herbeiführen können. Wenn der Microbe in einer Thierspocies gelebt hat, d. h. wenn er mehr-
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SCHUIZIMPFUNU OEOEN IloTHLAUl' 1gt;EH ÖCHWKINE.
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nmls von oinom Individuum dieser Species in ein anderes Individuum derselben Species übergangen ist, ohne eine Acnderung in der Zeit dos Ueberganges erlitten zu haben, so kann man annehmen, dass dio Virulenz des Parasiten für die Individuen derselben Rasse ge-wissermaassen fixirt und auf dem Maximum seiner Stärke angelangt ist.
I)ie Virulenz eines Virus, welches dieses Maximum seiner Wirksamkeit noch nicht erreicht hat, kann dagegen wesentlich modi-ficirt werden, wenn das Virus durch eine Reihe von Individuen einer uud derselben Rasse hindurchgeht. Ich erinnere daran, dass wir, um dem Schutzstoff gegen die Hühnercholera, den Milzbrand und andere Krankheiten eine bis zum Maximum zunehmend grössere Virulenz geben zu wollen, genöthigt waren, den Stoff zunächst auf jüngere Thiere und hinter einander auf ältere zu überimpfen.
Wenn sich nun die Virulenz eines Virus bei dem Uebergange von einem Thier auf ein anderes Thier derselben Rasse verändern kann, so wirft sich die Frage auf: ob nicht ein Virus, dessen voll-kräftiger Zustand fixirt ist, eine Acnderung seiner Virulenz erleiden kann, wenn dasselbe von einem Thier auf ein Thier anderer Rasse oder anderer Species übertragen wird. Die Erfahrung hat diese Frage bejaht.
Das Ergebniss der Impfung mit dem Rothlaufgift von Tauben einerseits und von Kaninchen andrerseits war folgendes: Wenn man den Microbe des Rothlaufs der Schweine in einen Brustmuskel der Taube einführt, so stirbt dieses Thier innerhalb 6—8 Tagen, nachdem es vorher die äusseren Erscheinungen der Hühnercholera gezeigt hat. Wenn man das Blut dieser ersten Taube einer zweiten Taube einimpft, das Blut dieser einer dritten u. s. f., so aeclimatisirt sich der Microbe in der Taube. Das Vcrsuchsthier stellt seine Federn und wird schlafsüchtig in viel kürzerer Zeit als die ersten Tauben.
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SCHUTZIJIPFUNG GEGEN RoTHLAUF BEB ScilWRINE.
Auch der Tod tritt sclincllcr ein, und das Blut der letzten Tauben ist für das Schwein viel virulenter als die giftigsten Producto eines Schweines, welches am sogenannten, spontanen Rothlauf verendet ist.
Der Durchgang dos Microhc des Rothlaufs der Schweine durch Kaninchen führt zu ganz anderen Ergebnissen.
Die inficirenden Producto eines an Rothlauf unigestandenen Schweines oder die aus demselben hergestellten Culturen lassen das da­mit geimpfte Kaninchen immer erkranken und häufig zu Grunde gehen.
Wenn man das Rothlanfgift von Kaninchen zu Kaninchen weiter impft, so acclimatisirt sich dor Microbe in dem Kaninchen. Alle Thiere sterben und der Tod erfolgt nach wonigen Tagen.
Impft man Schweinen das Rlut der letzten Kaninchen im Ver­gleich zu demjenigen der ersten Versuchsreihe ein, so beobachtet man, dass die Virulenz vom ersten Kaninchen fortschreitend sich bis zum letzten abgeschwächt hat, sodass das Blut der Kaninchen, welches Schweinen eingeimpft wird, nicht mehr den Tod dieser her­beiführt, obgleich sie erkranken. Nach ihrer Heilung sind die Schweine gegen das tödtlichc Rothlaufgift geschützt.quot;
Bei der Impfung bedient sich Pasteur auch liier, ebenso wie bei der Hühncrcholcra und dem Milzbrand zweier Vaccins, eines schwächeren und eines stärkeren, die in Zwischenräumen von zwölf Tagen in der Menge von 12 Ccntigramm der Impfflüssigkeit ver­mittelst Pravaz'scher Spritzen in das Unterhautzellgewebe der inneren Fläche der Oberschenkel eingespritzt werden. 12 Tage nach der 2. Impfung sind die Thiere immunisirt.
Durch die im Departement derVaucluse ausgeführten Impfungen ist von Pasteur der Beweis geliefert, dass es möglich ist Schweine durch Schutzimpfung mit dem abgeschwächten, speeifischen Krank-hoitsgift gegen die Seuche immun zu machen. Die Immunität über-
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Schutzimpfung okgkn Rothlauf laquo;er Schweine.
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-fgt;
dauert ein Jahr, was für Schweine in ninsicht auf die bei ihrer Aufzichung befolgte Praxis genügend ist. Trotz der bisher erzielten günstigen Resultate hält Pasteur doch neue Versuche für nothwendig, besonders um die Empfänglichkeit der einzelnen Schwcincrasscn für das Krankheitsgift festzustellen.
Die Gelegenheit zu dieser weiteren Prüfung war Pasteur als­bald gegeben durch eine ministerielle Einladung im Orossherzogtlnun Baden, in welchem die Schweinezucht jährlich durch den Rothlauf erhebliche Verluste erleidet, grösserc Versuchsreihen vorzunehrnen. Pasteur selbst vermochte persönlich dieser Einladung keine Folge zu geben, aber er beauftragte Herrn Thicrarzt Cagny mit dem Impf-geschäft. 13ci diesen umfangreichen Versuchen waren die Thicro auf ]5 verschiedenen Stationen dos Grrossherzogthums vertheilt. Die­selben 119 an der Zahl und im Alter von 9—16 Wochen wurden mit 118 gleichaltrigen, nicht geimpften Schweinen in denselben Räum­lichkeiten gehalten und in derselben Weise gefüttert und gepflegt. Alle Versuche fanden in Anwesenheit zahlreicher geladener Sach­verständigen und unter Leitung des Medicinalraths Dr. Lydtin im April und Mai 1885 statt.
Ihre wichtigsten Ergebnisse waren folgende: Geimpft wurden mit Vaccin I 119 Thiere. Nach dieser Impfung zeigten sich ver­schiedene hohe Fieberbewegungen, bei einzelnen Schweinen liöth-ungen der In jectionsstelle, Verminderung der Fresslust u. s.w. 150/n erkrankten an Rothlauf, 6 Thiere = 5 0/0 starben. Nach der zweiten Impfung — 118 Thiere — erkrankten 7 0/0, aber kein Thier ver­endete. Bei der Probeinfcction, die mit virulenter Flüssigkeit oder durch Vcrfütterung von Theilen an Rothlauf verendeter Thicro vor­genommen wurde, erkrankten 6 0/0, sie genasen aber sämmtlich. Von don nicht schutzgeimpfton llSThieren erkrankten an Rothlauf 610/0
#9632;gt;
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48nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ScilUTZIMI'FUNO OKOKN RoTHI-AUF UEK SCHWEINE.
mit 26 0/0 Todesfällen. Es schützt nach diesen Resultaten die doppelte Impfuiig gegen die virulente Infection zwar nicht ganz, aber es treten doch nur leichtere Erkrankungen ein. Üb die geimpften Thicro auch gegen die zufällige Infection durch Ilothlaufgift geschützt sind, ist zur Zeit eine noch offene Frage. Jedenfalls, so sehliesst Lydtin seinen Bericht, ist festgestellt, dass
1.nbsp; die Impfung gegen den llothlauf sich leicht aus­führen lässt,
2.nbsp; die Verluste an nicht im Alter vorgeschrittenen Impf­lingen, d. h. an solchen, vvolchc nicht schon über 25 Kgr. wiegen, sehr gering sind,
3.nbsp; nbsp;die Impfung dasWachsthum der Thiere in der Haupt­sache nicht nachtheilig beinflusst,
4.nbsp; nbsp;die Impflinge sich in der That widerstandsfähig gegen die absichtliche Infection durch Eothlaufgift erwiesen haben.
5.nbsp; Hiernach wird die Möglichkeit der Durchführung des Schutzimpfverfahrens überhaupt und insbeson­dere eines Impfversuchs in grösserer Ausdehnung mit wahrscheinlich günstigem Erfolge nicht be­zweifelt werden können.
Zu den vorstehendeu Versuchen und deren Resultaten verdient bemerkt zu werden, dass der Rothlauf seit 1875 — 84 in Baden durchschnittlich von lüüü Schweinen 18 erkranken lässt. Von den Erkrankten sind 120/0 genesen, 250/0 gestorben und 6ü0/0 geschlachtetnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;J
worden. 1884 veranlasste die Seuche für Baden einen pekuniären Verlust von 269,429 Mark.
Schütz der als von der deutschen Regierung abgesendeter Delegirter den Rothlaufimpfungcn in Baden beiwohnte und dem
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ScilUTZIMPFUNtt GEGEN LuNOENSEUCHE.
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dieselben Anlass zu weitoron Untersuchungen boten, äussert sich in ähnlich günstiger Weise:
1.nbsp; Die in den Pasteur'schcn Vaccius enthaltonon Balaquo; cillcu sind in ihrer Virulenz abgeschwächt.
2.nbsp; Schweine können durch Einimpfung der Pasteur'­schcn Yaccins immun gemacht werden gegen die Wirkung virulenter Cultureu.
Auch die Berichte Cagny's, Dieudonue's und Hess lauten ebenfalls in zustimmeudcin Sinne.
IX. Lungenseuche.
Durch die Untersuchungen von Pools und Nolen scheint das Contagium der Luugcnscucho gefunden zu sein, obwohl ihre dies­bezüglichen Resultate der Bestätigung von anderer Seite noch be­dürfen. Durch Yorworthuug eines reichlichen Materials gelang es ihnen in deu Lungen der au der Seuche verendeten oder getödteten Hinder eine bestimmte Micrococcenart zu finden, deren (Jultivirung auf deu gebräuchlichen Nährböden leicht gelaug und deren Einver­leibung in die Lungen vou Kaninchen, Meerschweinchen und Hun­den pneumonisehe Veränderungen hervorrief. Desgleichen wurden pneumonische Verdichtungen sowohl durch Inhalation als auch durch Injection in die Trachea hervorgerufen und bei einem Binde rief die Injection in die Luuge innerhalb 7 Tagen ausgedehnte pneu­monische Veränderungen hervor. Diese Micrococcenart konnte in den Lungen gesunder Kinder nicht aufgefunden werden.
Mit diesen Reinkulturen haben Pools und Nolen an 800 Kin­dern Schutzimpfungen mit nicht mitigirtem Gift am Schwänze aus-
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ScHtlTZIMI'FUNO GEftKN LuNGEXSEUCHE.
geführt. Es zeigten sich nie übelo Zufälle nach der Impfung. Aus der Impfstelle können die Micrococcen wieder cultivirt werden. Keines dor 800 geimpften Hinder wurde später von der Lungen* seucho ergriffen, obwohl vielfach die Gelegenheit zur Erkrankung gegeben war.
Würden sich die Pools — Nolen'schen Untersuchungen be­ziehentlich deren Resultate als richtig erweisen, sollte es gelungen sein, die krankhcitsbcdingcndcn Ihicterien gefunden und gezüchtet zu haben, dann wird auch bald die noch immer in vieler Beziehung angegriffene Schutzimpfung gegen die Lungenscucho in ein neues Stadium treten.
In Bezug auf die bisherige Bereitung des Impfstoffes und der Vornahme der Impfung wird den Ausführungen I'ütz's folgendos entnommen:
1.nbsp; Die Impfung vermag nur in dem Falle zu schützen, dass dieselbe so frühzeitig vorgenommen wird, dass die durch sie im Impflinge verursachten Veränderungen der Körpersäfte bis zu einem gewissen Grade abgeschlossen sind, bevor das Lungcnseuchegift in den Lungen sich localisirt hat, die Impfung soll eine Schutz- und nicht eine Nothimpfung sein.
2.nbsp; Man nimmt die Lymphe am besten aus den Lungen sonst gesunder Thiere, welche im ersten Stadium der plastischen Infiltra­tion an Lnngenscuche erkrankt sind und in deren Lungen keine anderen Krankheitsproccsse, namentlich keine Eiterung oder Ne­crose etc. sich finden. In die saftreichen infiltrirten Lungonabschnittc werden Einschnitte gemacht und die demnach aussickernde Flüssig­keit in einem reinen Gcfäss aufgefangen. Dieselbe wird möglichst bald filtrirt und zur Impfung vorwendet, bevor irgend eine Spur von Fäulniss in derselben eingetreten ist.
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SciUITZIMPFIING QEOEN LnNaENSEIICIIE.
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3. Die Impfung wird am zweckmässigsten bei jedem Impfling zweimal vorgonommen, um etwaigen unberechenbaren Zufälligkeiten möglichst ZU entgehen, durch welche ein ausreichende].' Schutz ver­hindert worden kann. Die erste Impfung wird am besten an der Schwanzspitzo und die zweite etwa nach 6—8 Wochen wiederum am Schwänze etwas über der ersten Impfstelle, oder im Triel vor­genommen. Die Einverleibung der Lymphe kann in oder unter das Hautgowebe stattfinden und mittelst einer Lanzette oder einer Impf­nadel ausgeführt werden.
Die besten Resultate der Schutzimpfungen gegen die Lungon-seuohe hat ohne Zweifel Holland aufzuweisen, ein Land, in welchem nach Angabo von Pools-Nolen die Seuche als erloschen zu be­trachten ist, nachdem noch im vorigen Jahrzehnt diese Krankheit die Viehbestände in erschreckender Weise schädigte. Die Tilgung der Seuche ist wesentlich der iu inficirten Bezirken für alles Rindvieh seit 1870 obligatorischen Impfung zuzuschreiben. Ihr Erfolg gestaltete sich derart, dass *
1.nbsp; im ganzen Königreiche (mit Ausnahme des gänzlich durch­seuchten Spoelingsdistrictes) lungenseuchekrank gefunden wurden 1871: 6079, 1872: 4009, 1873: 2479, 1874: 2414, 1875: 2227, 1876: 1723, 1877: 956, 1878: 701, 1879: 157, 1880: 44, 1881: 12, 1882: 11.
2.nbsp; Im Spoolingsdistricte
wurden
geimpft :
in d(
1878:
34,784
1208
1879:
24,396
475
1880:
22,407
177
1881:
24,594
267
1882:
22.172
184
1883:
14,563
153
in den Schlachthäusern gefunden: 1208 lungenseuchekranke Hinder,
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#9632;f
52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schutzimpfung gegen Liinoenseiiche.
Vom Jahre 1883 ab ist nach Pütz die Impfung vernachlässigt. Eine Zunahme der Seuche war sofort zu erkennen, sodass jetzt wieder in Holland zur Zwangsiinpfung geschritten worden ist.
Die trotz dieser in Holland erzielten Erfolge noch immer in den tliieriirztlichen Zeitschriften auch von competenter Seite hervor­gehobenen Zweifel und Bedenken über den Nutzen der Schutz­impfung würden bei der Lungenseuche durch exact ausgeführte Ver­suche im Grossen unschwer zu beseitigen sein, jedenfalls viel leichter, als bei den anderen der erwähnten Krankheiten. Während z. 13 beim Milzbrand die Aufnahme dos Giftes auf den Weideplätzen von einer Reihe nicht genau zu berechnender Factoren abhängig ist, fallen bei der Lungensouche diese Bodonkon fort, da die üeber-tragimg des Giftes vom kranken auf das gesunde Thicr mit Zuver­sicht vorausgesagt werden kann, falls dieses letztere mit dem ersteren nur in möglichst nahe Berührung gebracht wird. Es müssen daher auch folgende Versuche, wie sie Pütz mit Recht hervorhobt, als besonders ausschlaggebend betrachtet werden:
1.nbsp; Eine Commission im Departement du Nord stellte 34 ge­impfte und 24 nicht geimpfte Kinder 5—6 Monate lang mit lungen-seuchekranken Thieren zusammen. Von den geimpften erkrankte nur 1 = 30/ü, von den ungeimpften erkrankten 14 = 570/o.
2.nbsp; An der Thierarzneischule zu Utrecht wurden 21 geimpfte und 5 nicht geimpfte Rinder in einen Stall gestellt und unter die­selben 6 lungcnseuchckranke Thiero so vcrtheilt, dass diese mit den gesunden in möglichst nahe Berührung kommen konnten. Innerhalb 13 Wochen nach dem Einstellen der kranken Thiere waren von den ö nicht geimpften 4 Stück an Lungenseuehe zu Grunde gegangen, während bei keinem einzigen geimpften Thiere irgend eine Spur von Lungenseuehe sich zeigte.
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SciIUTZIMPPtINO OEQEN IIlTNDSWUTII.
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Ein etwas anderes Verfahren wendet Degive in Brüssel an. Nach ihm wird die Inoculation auf den oberen Theil der Seite dos Halses vorgenommen. Nach einigen Tagen tritt an der Impfstelle eine Goschwulst auf, welche man durch einen Krouzschnitt bis auf die gesunden Theile spaltet. Zwei Tage hinduroh wird die Wunde mit Jodtinktur behandelt. Degive versichert, dass er hierdurch Immunität erzielt und dass die so geimpften Thiere an der Seite lungenseuchekranker Thiere stehen bleiben können, ohne die Lungen-seuche zu bekommen.
Die Schwierigkeit der Gewinnung des frischen, unzersetzten Impfstoffes würde gehoben sein, wenn durch die erwähnten Unter­suchungen von Poels und Nolen das Gift der Lungenseuche rein gewonnen wäre.
X. Hundswiitli.
Die Schutzimpfung gegen die Hundswutli beim Menschen nach Pasteur ist trotz der mnnigfachon Arboiten und Berichte auf diesem Gebiete noch nicht soweit geklärt, um aus der reservirten, ruhig beurtheilenden Haltung, welche insbesondere von deutscher Seite stets dieser Frage gegenüber beobachtet worden ist, herauszutreten. Soviel aber lässt sich heute schon sagen, dass derartige, abfällige Urthcile, wie sie noch im Vorjahre hin und wieder laut wurden, jetzt nicht mehr möglich sind. Wenn auch die ganze Frage einer viel intensiveren experimentellen Bear­beitung bedarf, ehe die Schutzimpfung beim Menschen völlig sichere Gewähr für den Erfolg bietet, so scheint doch mehr und mehr der Gedanke an Baum zu gewinnen, dass in dem ganzen Verfahren ein gesunder Kern liegt und dass die bisherigen mühevollen Unter-
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ScilUTZIMPFDNO GF.OKN HuNDSWtlTH.
i
Miichuiigeu Pasteur's uud dereu ßesultate beim Thier die Hoffnung auf eine erfolgreiche Verwendung beim Menschen erwecken dürfen. Wenn es Pasteur auch bis heute nicht gelungen ist das Wesen der Krankheit, das speeifische Contagium vivum der Lyssa aufzufinden, so sind unsere Kenntnisse von dem Sitz und dem Verhalten des llundswutligiftes durch Pasteur doch wesentlich bereichert worden.
Am 26. October 1885 hat Pastour nach mehrjähriger Vor-nrbeitung der Academie der Wissenschaften zu Paris seine Schutz-impfuugsmethode klargelegt. Er urtheilt über dieselbe folgendermassen:
„Nach unzähligen Experimenten bin ich zu einer practischen und prompten prophylactischeu Methode gekommen, deren Erfolge bei Hunden schon so zahlreich und sicher sind, dass ich volles Vor­trauen in ihre allgemeine Anwendbarkeit auf alle Thiere und selbst auf den Menschen setze.quot;
Die Methode Pasteur's geht von folgenden Thatsachen aus.
Während bisher die Annahme der besonderen Giftigkeit des Speichels wuthkranker Hunde die vorherrschende war, zeigten Pasteur's Studien in bestimmter Weise, dass vorzugsweise in der Medulla und im oberen Theil des Rückenmarks der speeifische Krank-heitsstoff vorhanden ist. Ueberträgt man daher Theile von diesen Stellen des centralen Nervensystems auf Versuchsthiere nach vor­gängiger Trepanation und Durchborung der Dura mater, so ist die Wutherkrankulig des Thieres gesichert. Auch bei diesen wuthge-impften Thicren zeigt sich die besondere Eigenart des Lyssagiftes, die lange Dauer der Incubation, die bei Kaninchen 16 Tage währt. Bei dem öfteren (25—50) Passiren des Kaninchenkörpers steigert sich die Giftigkeit des Wuthgiftes insofern, als die Incubationszeit sich von Thier zu Thier abkürzt, so dass schliesslich bei fortlaufender.
I :
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SOHUTZIMPFDNO OBOEN HtlNDSWUTH.
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25—SOmaliger Uebertragung von Kaninehen zu Kaninchen diese nur 8—7 Tage beträgt.
Dieses in der Medulla und dem Rückenmark enthaltene, sehr virulente Wuthgift lässt sich unter Beobachtung strengster Reinlich­keit und Aufbewahrung der genannton Organe in völlig trockner Luft mehr und mehr in seiner Wirkung abschwächen, sodass nach ungefähr 16 Tagen die Einimpfungen medullarer Theile fast wirkungs­los verlaufen. Die Minderung der Virulenz ist abgesehen von der Zeitdauer der Aufbewahrung sehr wesentlich abhängig von der äusseren Temperatur, je niedriger diese ist, um so dauerhafter erhält sich die Virulenz dos Contagiums. Zur Verhütung dieser in Folge der wechselnden Temperatur schwankenden Yirulenzvonninderung empfiehlt es sich, alle Impfstoffe bei stets gleicher quot;Wärme von 20deg; C. aufzubewahren.
Man vermag demnach sich das Wuthgift in verschiedener Giftig­keit darzustellen, man kann in den verschiedenen Gläsern von dem schwächsten bis zum stärksten vorräthig halten, indem man das Rückenmark oder einen Theil desselben oder des Gehirns von einem der Wuth erlogenen Kaninchen bei sorgfältiger Entnahme in einem gei-einigten hohen Glascylinder oder bei Aufhebung kleinerer Theile in einem Kölbchen aufhebt. Die Oeffnung der Gefässo, auf deren Boden sich Kalilauge in Va—1 Zoll Höhe befindet zur völligen Trockenhaltung der Luft, ist mit sterilisirter Watte verschlossen. Aus diesen Rückenmarkstheilen wird bei jeder Impfung das Virus, dessen mehr oder minder heftige Wirkung an der Zeit der Auf­bewahrung ja leicht zu erkennen ist, stets frisch bereitet. Ein kleines, einige Millimeter langes Stückchen der Medulla wird mit einer ge-ringeu Menge sterilisirter nübnerbouillou verrieben und nach Sedi-montirung der gröberen Partikelchen zur subscutauen Injection ver-
lioumer, Schutzimpfung,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
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SCHUTZIMPKIINO OKOEN HuNDSWdTII.
mittelst einer Pravaz-Spritze in das Unterliautgewebe der Thiere — beim Menschen der Haut des Abdomens — geimpft.
Will man nun z. B. Hunden Immunität verleihen gegen das selbst virulenteste Gift, so müssen dieselben eine ßeihe von Impfungen durchmachen, bei welchen von Tag zu Tag ein stärker wirkender Stoff dem Körper inoculirt wird.
Während am 1. Tage ein 15 Tage altes Rückenmark verwendet
wird, nimmt man „
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1
Bei 50 also schutzgeimpften Hunden blieb die Inoculation des un-schwächten Wuthgiftes in die Schädelhöhle nach Durchbohrung der Dura mater völlig erfolglos und bei zahlreichen anderen von wuth-kranken Hunden gebissenen gelangte die Krankheit nicht zum Ausbruch.
Bei der Uehortragung der Schutzimpfung auf den Menschen ging Pasteur von der verschiedenen Incubationszcit aus, die beim Menschen, wenn auch variabel, jedenfalls sehr lang ist, während die­selbe beim Kaninchen nur 7 Tage dauert. Wird daher die Zeit nach dem Biss durch mehrfache Schutzimpfungen mit Kaninchen* wuthgift genügend ausgenützt, so gelingt es, dem Gebissenen früher oder doch vor Ablauf des Incubationsstadiums, das virulenteste Gift
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beizubringen. Durcb die stetig steigenden Gaben des Wuthgiftes wird der Organismus immer unempfänglicher und so ist er im Stande, die durch den Biss gesetzten Giftstoffe mit Erfolg zu verarbeiten. Der Organismus soll rofractär gemacht sein, ehe die Incubationszeit ihr Ende erreicht hat. Die Zeit, welche zwischen dem Biss und dem Beginn der Behandlung vergehen darf, beträgt wahrscheinlich 20 Tage, dieselbe kann aber in manchen Fällen erheblich länger sein.
Eine genügende Erklärung für die durch Schutzimpfung ei'langte Immunität vermag Pasteur nicht zu gehen. Neuerdings stellt er die Hypothese auf, dass neben den muthmasslichen speeifischon Micro­organismen noch ein lebloser Stoff, ein giftiges Stoflfwechselpi-oduct — die Impfmaterie — im Wuthgift vorkomme, welcher den Krankheiterregern ihre eigenartige Virulenz verleiht. Durch die Austrocknung wird nun nach und nach, aber viel rascher als die Impfmaterie, der speeifische Microorganismus zerstört. Gelangt nur eine hinlängliche Menge der erstoren in den Organismus, wie dies bei den vielfachen Impfungen geschieht, so vermag die Menge der Impf-materic die Entwickelung der spcoifischcn Krankheitserreger zu hemmen.
Die Dauer der erlangten Unempfänglich keit betreffend, so zeigton sich nach einem Jahr von 14 Hunden noch 11, nach zwei Jahren von G noch 4 immun.
Das geschilderte Verfahren der Impfungen beim Hunde ist zn wiederholten Malen auch beim Menschen in Anwendung gezogen. Da aber dasselbe sich in einzelnen Fällen als unwirksam erwies namentlich bei tiefen und zahlreichen Bisswunden besonders des Gesichts, so wurde von Pasteur bei derartigen Verletzungen eine raschere Einverleibung in folgender Weise ausgeführt:
Die Patienten werden einer dreifachen Behandlung innerhalb 10 Tagen unterworfen.
5*
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SOHITTZIMPFUNO OEOEN HlINDSWUTH.
1. Es wird am 1. Tage 3 mal in Sstündigom Intervall geimpft um 11 Uhr mit Rückenmark von 12 Tagen
0
8
ebenso am 2. Tage, mit G, 4, 2 Tage alten Rückenmark
2.nbsp; Es wird am 4. Tage 3 mal in 5 stündigem Intervall geimpft
um 11 Uhr mit Rückenmark von 8 Tagen 4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
9nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
ebenso am 5. Tnge mit 8 und 2 Tage alten Rückenmark
3.nbsp; Es wird geimpft ebenso am
7. Tage mit Rückenmark von 4 Tagen
deg;* nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;raquo; quot; . J)
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üeber die von Pasteur erzielten Resultate geben dicAnnalen seines Instituts folgende Mittheilung:
In der Zeit vom November 1885 bis zum 31. Dezember 188G sind 2G82 Personen behandelt. Dieselben werden in 3 Gruppen getheilt:
1.nbsp; in solche, bei denen das Vorhandensein der Ilundswuth durch künstliche oder natürliche Control-Impfung constatirt wurde;
2.nbsp; in solche, bei denen die Krankheit durch die von einem Thierarzt vorgenommene Autopsie des betreffenden Thieres oder durch dessen unzweifelhaft nachgewiesene Wuth-Symp-tume beglaubigt wurde;
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Schutzimpfung okoen Hundswuth.
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3. in solche, welche von der^Yuthkrankheit verdächtigen Thieren
gebissen wurden. Das licsultat der Schutzimpfungen ist diesen Gruppen ent­sprechend folgendes:
Gruppe I. Gebissene . . 233 Davon gestorben 4 Prozentsatz . 1,71
Oruppo II, Gebissene . .1931 Davon gestorben 25 Prozentsatz . . 1,28
Oruppo III. Gebissene . . 518 Davon gestorben 2 Prozentsatz . , 0,88
Das Gesanimtresultat ist demnach:
Zahl der gebissenen und schutzgeimpften Personen 2682 „ „ Gestorbenen......... 31
Prozentsatz.............1,15.
Man mag zur statistischen Beweisführung noch so we­nig Vertrauen besitzen, man mag durch das vielfach Käth-selhafte dieser ganzen Schutzimpfungsmethode noch so sehr zur Vorsicht gemahnt werden, man muss doch zuge­ben, dass bei solch grosser Zahl der Gebissenen und der geringen Zahl der Todesfälle das Endresultat ein sehr günstiges ist, ein Urtheil, welches Virchow bereits am 16. März 1886 im Abgeordnetenhaus nach 350 Wuthbehan-deltcn mit nur 1 Todesfall in ganz demselben Sinne abgab.
In äusserst mühevoller und sorgsamer Weise sind die gosamm-ten Angaben Pasteur's über das Wesen der Lyssa, die Mitigation des Giftes, den Werth der Schutzimpfung von v. Frisch einer ex­perimentellen Prüfung unterworfen worden. Diese Untersuchungen führten v. Frisch zu den folgenden Ergebnissen, die bei der Wich­tigkeit der von ihm gewonnenen Resultate des genaueren wieder­gegeben werden:
1. DasWutligift ist in coueentrirtester Form im Centralnervcn-
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SciIUTZIMPKUNO QBOBH HuNDSWUTH.
system (Gehirn und Rückenmark) des an Wuth verendeten Thicres enthalten.
2.nbsp; nbsp;Kleine Mengen von Ccrobrospinalsuhstanz an Wuth veren­deter Hunde anderen Thieren auf dem Wege der Trepanation sub-dural injicirt, rufen nach einer, geringen Schwankungen unterliegen­den Latcnzpcriüdc (14—21 Tage) mit fast absoluter Sicherheit bei den Versuchsthicrcn dieselbe Krankheit hervor. Von diesen ist die Wuthkrankheit wieder in gleicher Weise auf andere Thicre über­tragbar.
3.nbsp; Auch nach subduraler Infection mit Markthcilchcn von an Lyssa verstorbenen Menschen erkranken die Thiere unter denselben Erscheinungen nach ungefähr gleicher Inkubationszeit. Hiedurch erscheint die Identität der Prozesse bei Mensch und Thier voll­kommen sichergestellt.
4.nbsp; Durch subeutane Injection von Cerebrospinalsubstanz er­folgt die Infection wer)igcr sicher und die Inkubationszeit erscheint länger als nach der Einbringung des Yirus unter die Dura.
5.nbsp; Die Menge des subkutan injicirten Yirus scheint zur Länge der Incubationszeit in verkehrtem Verhältnisse zu stehen, je geringer die injicirte Menge, umso länger die Inkubationsperiode.
6.nbsp; nbsp;Durch fortlaufende subduralc Uebertragung des an die Cerebrospinalsubstanz gebundenen Lyssavirus auf Kaninchen erfolgt nach einer Reihe von Generationen eine anfänglich sehr unregcl-mässig, später regelmässig und stetig zunehmende Abkürzung der Inkubationszeit.
7.nbsp; Das von Pasteur gewonnene, durch Weiterimpfung von Kaninchen zu Kaninchen durch 4Q—50 Generationen resultirende sog. virus fixe von Ttägigcr Inkubationszeit übertrifft das Virus der sog. „Strassenwuthquot; an Virulenz nicht nur dadurch, dass die Krank-
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ScHUTZIMPKUNO OKOBN HuNDSWUTH.
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hoit früher zum Ausbruche kommt, sondern auch dadurch, dass so­wohl nach subduraler, sowie nacli subkutaner Infection die Versuchs-thiero ganz ausnahmslos der Krankheit erliegen.
8.nbsp; Das sog. virus fixe scheint durch weitere TJcbertragung keine wesentliche Verkürzung der Inkubationszeit mehr zu erleiden (hio und da erkranken die Thiero schon am 6. Tage), hingegen ist die Inkubationszeit von 7 Tagen auch nicht konstant und kommen Eück-schläge von 8—10-, ja auch 12tägiger Inkubationszeit vor; eine 8—12tägige Inkubationsdauer, und somit ein Gift von gleichwcrthigor Virulenz, ergibt sich aber auch bei Uebertragung der „Strassenwuthquot; zuweilen schon in 2. oder 3. Generation.
9.nbsp; Die Gewinnung eines virus fixe von 7tägiger Inkubations­zeit ist nicht nur auf dem von Pasteur angegebenen Wege zu er­zielen, sondern kommt auch unabhängig von der Eciho der Ueber-tragungen zuweilen viel früher zu Stande und dieses Virus zeigt sich dann bei Weiterimpfungen in seinen Wirkungen und der Inkubations­periode konstant.
10.nbsp; Durch Austrocknen bei 20deg; C. über Aetzkali nimmt die Virulenz der Rückcnmarkstückchcn von Tag zu Tag ab und erscheint nach 16—14tägiger Austrocknung vollständig erloschen.
11.nbsp; nbsp;Versuchsthiere, welchen eine Ilcihe verschieden abge­schwächter Impfstoffe (verschieden lange Zeit getrockneter Mark­stückchen) subkutan beigebracht wird, werden durch die schwächeren Impfstoffe gegen die Wirkungen der stärkeren geschützt, voraus­gesetzt, dass die gradatim stärker werdenden Stoffe nicht zu rasch einander folgen.
12.nbsp; Thiere, welchen im Verlaufe von 10 Tagen an Virulenz stetig zunehmende Impfstoffe (und zwar von 15 tag. bis 1 tag. ge­trocknetem Mark) subkutan beigebracht wurden, erwiesen sich ent-
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ScnilTZIMPFUNO OEOBN HüNBSWÜTH.
gegen den Angaben Pasteur's gegen die Infection mit frischer „Wuth von der Strasscquot; nicht mit Sicherheit immun und blieben bei subduralor Infection nur ganz ausnahmsweise gesund.
13.nbsp; Kaninchen und Hunde, bei welchen nach erfolgter Tre­panation und subduraler Infection mit Strassenwuth (von 16 tägiger Tncubationszcit) die Präventivimpfungen, und zwar in der oben ange­gebenen Weise, eingeleitet wurden, erkrankten sämmtlich und erlagen (mit einer einzigen Ausnahme) der Wuth (bereits publicirt, Anzeiger der kais. Academic dor Wissenschaften vom 16. Juli 1886 und Wiener medicinische Presse 1886, Nr. 32). Der bei dieser Versuchsreihe gesund gebliebene Hund wurde 14 Wochen später neuerdings durch Trepanation inficirt und verendete an Wuth am 8. Tage nach der Infection.
14.nbsp; Gegen diese Versuche hat Pasteur eingewendet (Compt. rend. 2. Nov. 1887), dass die Präventivimpflingen zu langsam erfolgt seien, wiewohl ich mich genau an das von ihm bis dahin bei Thieron eingeschlagene Verfahren gehalten hatte. Pasteur fordert nun zum Gelingen dieser Versuche die Application sämmtlicher Impfstoffe innerhalb 24 Stunden, Impfungen von 2 zu 2 Stunden und 2—3 maliges Wiederholen der ganzen Reihe, ferner Beginn der Präventiv­impflingen bald nach der Infection mindestens am folgenden Tage. Versuche an Hunden und Kaninchen, in dieser Weise angestellt, ergaben kein einziges günstiges Resultat; sämmtliche Thiere erlagen auch bei der verschärften Behandlung der Wuth.
15.nbsp; Es hat sich aber bei diesen Versuchen das weitere wichtige Resultat ergeben, dass bei der raschen Aufeinanderfolge der an Virulenz zunehmenden Impfstoffe eine Schutzkraft der schwächeren gegen die nachfolgenden stärkeren Stoffe nicht mehr mit Sicherheit-zu erwarten ist. Von einer Reihe von Kaninchen und Hunden,
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SCHUTZIMPFUNO GEGEN HuNDSWUTH.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;63
welche als Controlthicre der vorigen Versuchsreihe dienten, und bei •welchen die „verstärktequot; Behandlung ohne vorherige Infection durchgeführt wurde, ging die überwiegende Mehrzahl an Wuth zu Grunde.
16. Thierc, welche nach subeutaner Infection mit Strasscn-wuth den Präventivimpfungcn unterzogen wurden, gingen ebenfalls mit wenigen Ausnahmen an Lyssa zu Grunde, selbst wenn die In-cubationszeit sich bis auf 34 Tage hinauserstreckte.
Aus diesen Vcrsuchscrgobnisscn lässt sich der Schluss ziehen, dass Pasteur's Methode, Thiere gegen die Infection mit Lyssa immun zu machen, noch vielfacher cxperimentaler Bearbeitung bedarf, ehe sie auf Verlässlichkeit und Sicherheit Anspruch erheben darf, dass aber für die Einleitung einer Präventivbehandlung am Menschen nach erfolgtem Biss keine genügende Grundlage vorhanden war, vielmehr die Annahme nahe liegt, dass durch die Präventivimpfung selbst, mindestens durch die von Pasteur seit Kurzem auch für den Menschen eingeführte, wesentlich verstärkte Methode, eine Ueber-tragnng der Krankheit stattfinden kann.
Die günstigen Resultate, welche Pasteur selbst mit der prä­ventiven Impfung beim Menschen erzielte, werden neuerdings aus verschiedenen Ländern durch ähnliche Erfolge bestätigt.
1.nbsp; I3r. Bujwid in Warschau impfte bis zum 22. November 1886 84 Personen gegen Hundswuth. Sämmtliche befinden sich wohl.
2.nbsp; In Petersburg (Laboratorium des Prinzen Alexander von Oldenburg) wurden bis zum 8. November 118 Personen geimpft, von denen bis jetzt nur 1 — ein 70jäliriger Greis mit sehr schweren Bisswunden — gestorben ist.
3.nbsp; Dr. Petermann in Moskau impfte bis zum 26. October 112 Gebissene, 2 Todesfälle,
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ÖCHUTZIMPFUNO OKOKN HlINDSWUTH.
4.nbsp; nbsp;Dr. Gamaloiii in Odessa impfte 325 Personen, 12 Todes­fälle. Besondere Verhältnisse der Impfmethodc sollen die relativ erhebliche Zahl der Todesfälle bedingt haben.
5.nbsp; nbsp;Dr. Cantani in Neapel impfte bis zum 20. Dezember 48 Ge­bissene ohne Todesfall.
6.nbsp; Dr. Ullmann in Wien impfte 96 Personen ohne Todesfall.
7.nbsp; nbsp;Dr. Parschensky in Samara impfte bis 1. November 47 Personen mit 1 Todesfall. Der letztere war ein besonders schwerer und spät in Behandlung gekommener Fall.
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LlTTEBATUB.
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Mkdioinischkr Verlag von J. F. Bebomann in Wikshaden.
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laquo;ir. Bad. Medi/.-Uatli, liofersnt im Minist
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Inhalt: I. Dos Apothekenwosen und der Verkehr mit Arznoimittoln. — II. Der Oiftverkohr. — III. Die Pharmacopood Qcrnianicn. — IV. Das Maass­und Qewiclitswesen. — V. Das Disponsirrooht der Thiorilrzte sowohl in den ausserdoutschon Staaten nls auoh in den Deutschen Itundosstaatnn. — VI. Dio Arzncitaxo.
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