|
|
||||||||||||||||
|
|
?w!i?*w^
|
|
||||||||||||||
|
|
TT*^
|
|
||||||||||||||
|
|
iT^-^glaquo;^-
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
i^
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||
|
|
Vquot;%^,
|
|||||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
Ngt;^^'1 *
|
|
||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
r
|
||
|
|
||
|
BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
|
||
|
|
||
|
2911 304 4
|
||
|
|
||
|
B^Ea
|
||
|
|
|||
|
V
|
//fV/vj
|
||
|
|
|||
|
LEHRBUCH
|
|||
|
|
|||
|
DER 0: '-'#9632;:gt; ? y/'/''' '
|
|||
|
|
|||
|
AEZNEIMITTELLEHRE
|
|||
|
|
|||
|
FUR
|
|||
|
|
|||
|
THIERARZTE
|
|||
|
|
|||
|
VON
|
|||
|
|
|||
|
Dr. med. EUGEN FRÖHNER,
PROFESSOR AN DER K. THIERÄRZTLICHKN HOCHSCHULE IN BERLIN.
|
|||
|
|
|||
|
Vierte, neu bearbeitete Auflage.
|
|||
|
|
|||
|
^^K
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
STUTTGART. VERLAG VON FERDINAND ENKE
1896.
|
|||
|
|
|||
|
BibUotbeek det
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Das Rocht der Uebersetzunir bleibt vorbehalten.
|
||
|
|
||
|
Druck der Union Deutaohe Verlagsgesellschal't in Stuttgart.
|
||
|
|
||
|
;
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vorwort zur vierten Auflaffe.
|
||
|
|
||
|
Die vierte Auflage des vorliegenden Lelirbuclies der Arzneimittellehre ist zum Theil neu bearbeitet worden. Einem von ver-schiedenen Seiten geiiusserten Wunsche Rechnung tragend habe ich den speciellen Kapiteln einen allgemeinen Theil in Form einer Einleitung vorausgeschickt. Sodann sind den wichtigsten Arzneimitteln kurze geschichtliche Notizen heigegeben worden. Es wurden ferner die in dem Nachtrage zur dritten Ausgabe des deutschen Arzneibuches enthaltenen, nunmehr ofticinellen Mittel aufgenommen.
Die zahlreichen neuen Arzneimittel, welche seit dem Erseheinen der dritten Auflage entdeckt bezw. empfohlen worden sind es sind im Ganzen über 100 mussten wenigstens dem Namen nach sowie mit ganz kurzen Bemerkungen über Zusammensetzung und Wirkung ebenfalls berücksichtigt werden. Für diegt; Thierheilkunde kommen davon namentlich in Betracht und sind daher zum Theil etwas ausführlicher bearbeitet worden: Arecolin, Cblorbaryuin, Form-aklebyd, jodsaures Natrium, Loretin, Thioform und Thyreoidin.
Um bei der grossen Zahl der neu aufgenommenen Mittel den Umfang des Buches nicht allzusehr zu vergrössern, musste an mehreren Stellen entsprechend gekürzt werden. Es sind fast alle Abschnitte über die Prüfung der Arzneimittel gestrichen worden. Auf diese Weise wurde es ermöglicht, die Seitenzahl des Baches nicht nur nicht zu vermehren, sondern sogar um ein Geringes zu vermindern.
Der Abschluss der Literatur hat mit dem 1. Juli 1896 erfolgen müssen.
|
||
|
|
||
|
Berlin den 1. August 189G.
|
||
|
|
||
|
E. Fröhner.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vorwort zur dritten Auflage.
|
||
|
|
||
|
irotz des kurzen Zeitraums von nicht ganz drei Jahren, der zwischen dem Erscheinen der zweiten und der jetzigen dritten Auflage der Arzneimittellehre gelegen ist, hat die Pharmakologie doch ganz erhehliche Fortschritte und Neuerungen zu verzeichnen, welche neben vielfachen Verbesserungen bei der Neuhearheitung des Buches auch eine nicht unbeträchtliche Vermehrung des Inhaltes bedingten. Es mussten unter anderem, um dem Lehrbuche seine Vollständigkeit und seine Bedeutung als Nachschlagebuch zu bewahren, nicht weniger als 6tj neue Arzneimittel berücksichtigt werden. Darunter befinden sich einige, welche specicll für die Tiiierhcilkunde schon jetzt unent-hehrlich geworden sind, nämlich das Tuberculin und das Malle'in. Ich habe diesen Mitteln unter der Bezeichnung Diagnosticaquot; eine besondere Abtheilung zugewiesen. Um eine allzustarke Umfangs-vermehrung der neuen Auflage zu verhüten, habe ich die übrigen neuen Arzneimittel möglichst kurz in Kleindruck aufgenommen. Als die wichtigsten derselben dürften zu bezeichnen sein, soweit sich dies jetzt schon bestimmen lässt: Diurctin, Salipyrin, Salophen, Phenocoll. Trional, Tetronal, Lysol, Solveol, Solutol, Aristol, üermatol, Pyoktanin.
Auch der vorliegenden Auflage ist neben dem neuesten deutschen Arzneibuch die österreichische Pharmakopöe mit zu Grunde gelegt worden, nachdem das Lehrbuch in Oesterreich eingeführt ist.
Schliesslich sei erwähnt, dass zwei Uebersetzungen meiner Arzneimittellehre, eine ins Ungai'ische, eine andere ins Eussische, erschienen sind. Die ungarische Uebersetzung hat Herr Professor Dr. von Ratz in Budapest, die russische haben die Herren Nadel und G-ordjeff in Charkow besorgt.
|
||
|
|
||
|
Berlin den 1. December 1892.
|
||
|
|
||
|
E. Fröhner.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Vorwort zur ersten Auflage.
|
||
|
|
||
|
Mit dem vorliegenden Lehrbuche habe ich den Versuch gemacht, den Studirenden der Thierheilkunde und den Collegen in der Praxis in möglichster Kürze und Uehersiclitlichkeit den wesentlichen Inhalt der thierärztlichen Arzneimittellehre nach dem derzeitigen Standpunkte der Wissenschaft zugänglich zu machen. Das Lehrbuch entspricht genau der Durchsclmittssumme von Kenntnissen, welche heutzutage im Examen von einem Candidaton der Veterinärmedicin in Pharmakologie, Pharmakognosie und pharmaceutischer Chemie verlangt werden muss und darf. Die beiden letzten Fächer habe ich in genau bemessener Ausdehnung mit hereingenommen, weil ich an unserer Hochschule neben dem Lehrfache der Pharmakologie auch das der Pharmakognosie innehabe und weil ich aus eigener Erfahrung weiss, dass namentlich im Grebiete der Pharmakognosie zuweilen bei der thierärztlichen Staatsprüfung an die Examinanden allzu grosse Anforderungen gestellt werden. Man soll allerdings auch nicht zu wenig verlangen. Das den Thierärzten eingeräumte Recht des Selbstdispen-sirens verpflichtet dieselben, ganz speciell auch im Gebiete der Pharmakognosie und pharmaceutischen Chemie sich Kenntnisse zu erwerben, an welche ein höherer Massstab zu legen ist, als beispielsweise an die eines Arztes. Aus diesem Grunde habe ich auch die wichtigsten Priifungsmethoden etwas ausführlicher in den Rahmen des Lehrbuchs mit hereingezogen (Chinin, Morphin, Chloroform, Perubalsam etc.).
Wie eine unbefangene Prüfung ergeben wird, habe ich ein blosses Compendium mit dem vorliegenden Buche nicht schreiben wollen. Der Leser wird finden, dass ich in demselben zahlreiche selbständige Versuche eingefügt und bei aller Objectivität doch eine eigene Auffassung vertreten habe. Ich war unter anderem auch bemüht; soweit dies in der kurzen Zeit möglich gewesen isc, die oft arg willkürlich behandelte
|
||
|
|
||
|
|
||
|
VIIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Vorwort.
Doscnloliro durch eigene Controlversuche zu rectiliciren. Hiebei ist mir der Besitz eines mit den modernen Hilfsmitteln ausgerüsteten pharmalvologisclien Instituts sehr zu Statten gekommen.
Freilich darf und soll nicht verschwiegen werden, dass unsere thierärztliche pharmakologische Wissenschaft sich noch in sehr bescheidenen Anfängen befindet, und dass wir gerade in diesem Fache angestrengter und gemeinschaftlicher Arbeit benüthigen, um später auch nur bis zu einem gewissen Grade mit der humanen Medicin Schritt zu halten. Im Anfange und in der Mitte dieses Jahrhunderts, als die Menschenhcilkunde selbst noch mit primitiven Mitteln auch in der Pharmakologie arbeitete, war das Verhältniss ein anderes. Damals nahm die thierärztliche Arzneimittellehre neben der menschenärztlichen eine geachtete, ebenbürtige Stellung ein. Es gilt dies ganz besonders von dem ausgezeichneten Hertwig'sohen Lehrbuchs der thiorärztlichen Arzneimittellehre, das sich auch in der humanen Medicin eines sehr guten Hufes erfreut hat. Seitdem ist aber in der Thierheilkunde gegenüber den grossartigen Fortschritten in der Menschenheilkunde wenig mehr geschehen. Man begnügte sich vielfach, die menschen-ärztlichen Lehrbücher der Arzneimittellehre kritiklos, aber gründlich zu oompiliren. Aus dieser unfruchtbaren Periode ragen nur einzelne, allerdings sehr gediegene, thierärztliche pharmakologische Arbeiten hervor, um welche sich vor Allem die Münchener Schule verdient gemacht hat.
Diese Umstände bedingen es, dass das vorliegende Lehrbuch weit entfernt ist, etwas Fertiges und Selbständiges zu bieten. Aber es ist mein ehrliches Bestreben gewesen, wenigstens von vornherein genau die Grenzen festzustellen, was thierärztliche und was menschenärztliche pharmakologische Leistungen sind.
Von menschenmedicinischen Lehrbüchern der Pharmakologie, welche ich speciell meinem Studium der Arzneimittellehre zu Grunde gelegt und bei Abfassung des vorliegenden Werkes mitbenutzt habe, nenne ich in erster Linie die Binz'schen Vorlesungen über Pharmakologie. Ich muss gestehen, dass sie mich von allen einschlägigen Werken am meisten angesprochen und angeregt haben. Ausserdem habe ich zu erwähnen die Lehrbücher von Nothnagel und Ross-bach, Liebreich und Langgaard, Schmiedeberg, Schultz und Fischer (Neuere Arzneimittel). Von pharmaceutischen Werken nenne ich hauptsächlich Flückiger und Schmidt (Marburg).
Die casuistische thierärztliche Literatur habe ich nur dann, wenn sie einigermassen brauchbare und hinreichend zuverlässige Be-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Vorwort,
|
IX
|
||
|
|
|||
|
obachtungeu enthielt, berücksichtigt. Sio vollständig wiederzugeben war durchaus nicht meine Absicht; dies ist Sache der spcciellen Pathologie und Therapie. Wer sie sucht, findet sie vollständig in dem von Friedberger und mir herausgegebenen Lelirbuche der speciellen Pathologie. Ein Lehrbuch der Pharmakologie bat sich in erster Linie auf pharmakologische Untersuchungen und erst in zweiter Reihe auf klinische Beobachtungen zu stützen. Gerade bei der Verwerthung der Casuistik kann man nicht vorsichtig genug sein, da sie reich an Irrthümern ist. Wie oft berichtet sie über Fälle von Heilung durch Arzneimittel, denen in Wirklichkeit nur die Heilkraft der Natur zu Grunde lag. Man behandelt z. B. versuchsweise einzelne Krankheitsfälle mit einem bestimmten Arzneimittel, wobei die eine Hälfte derselben ihren Ausgang in Genesung nimmt, und verkündet dann urbi et orbi, dass jenes Mittel in 50 0/o aller Fälle Heilung zu erbringen im Stande ist. Bei dieser Logik vergisst man aber ganz, dass die Mortalitätsziffer der fraglichen Krankheit überhaupt nur SOquot;/) beträgt. Hie klinische Thierheilkunde der letzten Zeit ist nicht arm an derartigen Trugschlüssen.
Die von mir gewählte Eintbeilung der Arzneimittel ist auf praktische Erwägungen gestützt. Ich glaube nämlich, dass der Stu-dirende die Hauptwirkung eines Arzneimittels besser würdigt und leichter im Gedächtnisse behält, wenn er das Mittel mit anderen, gleichwirkenden zusammen in einer Gruppe findet; auch für den Praktiker dürfte diese Eintheilungsmethode die bequemste sein. Ausserdem konnte ich mir nicht verhehlen, dass für eine rein chemische Classification die Zeit noch lange nicht gekommen ist. Es haben z. B. die chemisch verwandten Verbindungen Chlor, Chlornatriuin, Chloroform, Chloressigsäure oder Natrium causticum, Natrium chloratum, Natrium jodatum, Natrium bromatum, Natrium salicylicum pharmakologisch absolut nichts mit einander gemein. Dazu kommt, dass wir bei sehr vielen Arzneikörpern die chemische Zusammensetzung überhaupt noch nicht kennen.
Bezüglich der AVerthbemessung der einzelnen Arzneimittel habe ich mich mit Beflissenheit auf den conservativen Standpunkt gestellt und daher auch ältere Mittel beibehalten. Die nihilistische Richtung der letzten 25 Jahre, wie sie in der Menschenheilkunde namentlich von Nothnagel und Rossbach vertreten und in Anlehnung an diese Autoren auch in die Thierheilkunde eingeführt worden ist, hefindet sich glücklicherweise wieder im Rückgange. Viele ältere, nicht mehr modernequot; Arzneimittel sind neuerdings wieder zu verdienten Ehren
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
X
|
Vorwort.
|
||
|
|
|||
|
gelangt; icli will nur an einen Fall, an die tief in Vergessenheit ge-rathenen Folia Uvae Ursi erinnern.
Ein Eingehen auf alle die vielen Theorien und Hypothesen, welche sich, wie in anderen Wissenschaften, so auch in der Pharmakologie immer noch üppig hreit machen, hahe ich nach Thuulichkeit vermieden, da in den meisten Fällen weder dem Studirenden noch dem praktischen Thiorarzte damit gedient ist. Vielmehr war es mein Bestrehen, ein möglichst nüchternes, reelles, objectives Bild von der Wirkung der einzelnen Mittel zu entwerfen. Auch die subtilen Beziehungen der Narcotioa zu einzelnen untergeordneten Organen habe ich nur dann berücksichtigt, wenn sie im Zusammenhang mit irgend einer therapeutischen Venvertbung standen.
Die vielen Arzneimitteln angeschlossenen llecepte sind wesentlich im Interesse der Praxis beigefügt. Es ist mir ans Erfahrung bekannt, dass besonders das Verschreiben der neueren Arzneimittel und Arzneiformen auf Schwierigkeiten stösst und dass häutig die alier-einfachsten Recepte nicht richtig abgefasst werden. Man sollte beispielsweise glauben, dass es etwas Selbstverständliclics wäre, ein Jodoformrecept für äusserlichen Gebrauch zu verschreiben. Die Praxis bat mich eines anderen belehrt. Ich habe aus nächster Anschauung erlebt, wie von einem nicht etwa frisch approbirten Tliierarzte für eine kleine Wunde verschrieben wurde: Rp. Jodoformii 500,0. Dieses Jodoformrecept kostete eine so erkleckliche Summe, dass eine lebhafte Interpellation des betreffenden Eigenthümers die Folge war. Aus diesem Grunde habe ich es für zweckdienlich erachtet, auch derlei einfache Recepte, wie; Rp. Jodoformii 10,0 etc., mit aufzunehmen. Zuschriften praktischer Oollegen haben mich belehrt, dass ich recht daran getban habe. Eine Reccptirkunde sollen diese Recepte keineswegs ersetzen. Ich beabsichtige vielmehr, in einem besonderen Bande dem Lebrbuche der Arzneimittellehre eine thierärztliche Verord-nungslebre folgen zu lassen.
Indem ich schliesslich noch bemerke, dass die mit quot;f oder n. o. bezeichneten Präparate nicht officinelle Arzneimittel sind, und dass die Buchstaben D.P. und A.P. Drogisten- resp. Apothekerpreise bedeuten sollen, übergebe ich somit das Buch der Oeffentlicbkoit. Es wird mir jede berufene Kritik willkommen sein.
|
|||
|
|
|||
|
Berlin den 1. März 1889.
|
|||
|
|
|||
|
E. Fröhner.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Inhaltsverzeichniss.
|
||
|
|
||
|
Seite
Vorwort ........................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;V
Einleitung'.......................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1
Piebcrmitlei. Antipyreticn.................nbsp; nbsp; nbsp; 22
Cortex Chinee. Chinarinde...............nbsp; nbsp; nbsp; 22
Die Chininsalze, Chininum hjrdroohloriouni und sulfuricum ....nbsp; nbsp; nbsp; 2ö
Salioylsäure und aalicylsaures Natrium...........nbsp; nbsp; nbsp;33
Salolum. Salol....................nbsp; nbsp; nbsp;42
Neuere, nicht offioinclle Salicylprilparato...........nbsp; nbsp; nbsp;45
Aoidutn benzoioum, Benzoesilure.............nbsp; nbsp; nbsp; 46
Antipyrin......................nbsp; nbsp; nbsp;49
Acetanilidum. Antifebrin................nbsp; nbsp; nbsp;54
Phenacetinum. rhonacotin...............nbsp; nbsp; nbsp;58
Thallin.......................nbsp; nbsp; nbsp;59
Neuere, nicht officinello Antipyretica............nbsp; nbsp; nbsp;60
Herzmittel. Cardiaclaquo;...................nbsp; nbsp; nbsp;65
Folia Digitalis. Fingerhutblätter.............nbsp; nbsp; nbsp;65
raquo;Semen Strophant.hi. Strophantbussamen ..........nbsp; nbsp; nbsp; 71
Bulbus Scillae. Meerzwiebel...............nbsp; nbsp; nbsp; 74
Coffem und Thoobromin................nbsp; nbsp; nbsp; 75
Neuere, nicht offioinelle Herzmittel ............nbsp; nbsp; nbsp; 81
Herniiigendc Nervenmittel. Sedatlva.............nbsp; nbsp; nbsp; 83
Opium. Mohnsaft...................nbsp; nbsp; nbsp; 83
Morphinum hydrochloricum. Salzsaures Morphium.......nbsp; nbsp; nbsp; 88
Cocainum hydrochloricum. Salzsaures Cocain.........nbsp; nbsp; nbsp; 97
Folia BeUadonnae...................nbsp; nbsp; 102
Herba Hyoscyami. liilsenkraut..............nbsp; nbsp; 109
Herba Conii. Schierlingskraut..............nbsp; nbsp; 112
Amygdalae amarae. Bittere Mandeln...........nbsp; nbsp; 114
Chloroform.....................nbsp; nbsp; 118
Chloralhydrat....................nbsp; nbsp; 127
Spiritus. Weingeist..................nbsp; nbsp; 132
|
||
|
|
||
|
|
||
|
X\lnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nhaltsverzeiohniss.
Seite
Aether.......................nbsp; nbsp; 139
Die Bromsiilze: Kiili\un, Niitrium, Amiiioiiiuiii bromatuiii ....nbsp; nbsp; 144
Sult'onal......................nbsp; nbsp; 148
Paraldehyd.....................nbsp; nbsp; 150
Amylnitrit......................nbsp; nbsp; 152
Diverse andere, nicht offieinelle Nervenmittel.........nbsp; nbsp; 153
Erregende Nerveninittel. Excitnntia.............nbsp; nbsp; 107
Semen Strychni....................nbsp; nbsp; 107
Tubera Aconiti. Kisonlmtlcnollen.............nbsp; nbsp; 172
Rhizoma Veratri. Weisso Nieswur/.el............nbsp; nbsp; 174
Apomorphinum bydroohlorioum..............nbsp; nbsp; 180
Radix Ipeeacuanliae. Broohwur/,.............nbsp; nbsp; 185
liadix Senegae....................nbsp; nbsp; 188
Semen Colchici. I lerbstzeitlosensamen...........nbsp; nbsp; 190
Folia Nicotianae. Tabak................nbsp; nbsp; 191
Semen Pbysosdgmatis. Calabarboline............nbsp; nbsp; 195
Folia Jaborandi. Pilocarpin...............nbsp; nbsp; 204
Arocolinmn liydrobromicum...............nbsp; nbsp; 212
Secalo eornutum. Mutterkorn..............nbsp; nbsp; 214
Rhizoma Hydrastis. Hydrastiswurzel............nbsp; nbsp; 219
Antiseptica.......................nbsp; nbsp; 221
Acidum carbolionin. Carbolsiiure.............nbsp; nbsp; 221
Kreosot.......................nbsp; nbsp; 226
Fix liquida. Holztheer.................nbsp; nbsp; 228
Acetum pyrolignosuni crudutu..............nbsp; nbsp;232
C'resolum crudum...................nbsp; nbsp; 234
Creolin.......................nbsp; nbsp; 235
Lysol.......................nbsp; nbsp; 244
Naphthalin.....................nbsp; nbsp; 245
Naphthol......................nbsp; nbsp; 247
Ichthyol......................nbsp; nbsp; 250
Calcaria chlorata. Chlorkalk...............nbsp; nbsp; 255
Brom.......................nbsp; nbsp; 258
Jod........................nbsp; nbsp; 260
Jodoform......................nbsp; nbsp; 206
Kalium und Natrium jodatura..............nbsp; nbsp; 272
Kalium chloricum. Chlorsauros Kali............nbsp; nbsp; 275
Acidum boricum...................nbsp; nbsp; 277
Borax.......................nbsp; nbsp;278
Carbo Ligni pulveratus.................nbsp; nbsp; 280
Formaldehyd.....................nbsp; nbsp; 281
Metalle und Metalloide ..................nbsp; nbsp; 283
Argentum nitricum. Höllenstein.............nbsp; nbsp; 283
Hydrargyrum....................nbsp; nbsp; 288
Unguentum Ilydrargyri cinereum.............nbsp; nbsp; 290
Hydrargyrum bichloratum. Sublimat............nbsp; nbsp; 292
Hydrargyrum chloratum. Calomel.............nbsp; nbsp; 298
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhallsvci'zoichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XII [
.Seite
Hydrargyrum oxydatum. Rotlier Prilcipitat.........nbsp; nbsp; 302
Hydrargyrum bijodatum.................nbsp; nbsp; 304
Hydrargyrum praecipitatum album.............nbsp; nbsp; 305
Ferram pulTeralum..................nbsp; nbsp; 306
Ferrum sulfuricum. Eisenvitriol..............nbsp; nbsp; 311
Liquor Forri sesquiclilorati................nbsp; nbsp; 314
Die übrigen officinollen Eisenpräparate...........nbsp; nbsp; 815
Plumbum acetieum. Bleizucker und Blciossig ........nbsp; nbsp; 317
Cuprum sulfuricum. Kupfervitriol.............nbsp; nbsp; 325
Zincum sulfuricum. Zinkvitriol..............nbsp; nbsp; 32!gt;
Zincum chloratuin. t'hlorzink..............nbsp; nbsp; 331
Tartarus stibiatus. Hrechweinstein ............nbsp; nbsp; 333
Stibium sulfuratum nigrum und aurantiacum.........nbsp; nbsp; 337
Bismutum subnitricum. Salpetersaures Wismuth.......nbsp; nbsp; 339
Alumen. Alaun...................nbsp; nbsp; 340
Liquor Aluminii acetici. Essigsaure Tbonerdo........nbsp; nbsp; 342
Kalium permanganicum. Uebeimangansaures Kali.......nbsp; nbsp; 344
Kalium tlichromicum und Chromsäuro ...........nbsp; nbsp; 345
Acidum arsenicosum. Arsenik..............nbsp; nbsp; 348
Phospbor......................nbsp; nbsp; 353
Sulfur. Scbwcfel...................nbsp; nbsp; 358
Kalium sulfuratum. Sclnvefelleber.............nbsp; nbsp; 362
rtlan/.lichc Adstringcntien.................nbsp; nbsp; 365
Acidum tannicum. Gerbsäure..............nbsp; nbsp; 365
Cortex Quercus. Eichenrinde ..............nbsp; nbsp; 368
Gallae. Galläpfel...................nbsp; nbsp; 370
Catechu ......................nbsp; nbsp; 371
Radix Ratanbiae...................nbsp; nbsp; 372
Folia Uvao Ursi. Bärentraubenblätter...........nbsp; nbsp; 373
Folia Salviao. .Salbeiblätter...............nbsp; nbsp; 374
Folia Juglandis. Walnussblättcr.............nbsp; nbsp; 375
Ohrysarobinum....................nbsp; nbsp;377
Pyrogallolum. Pyrogallol................nbsp; nbsp; 379
llittennittcl. Amnra...................nbsp; nbsp; ;581
Radix Gentianae. Enzianwurzel .............nbsp; nbsp; 381
Folia Trifolii (ibrini. Bitterklee..............nbsp; nbsp; 384
Herba Centaurei. Tausendgüldenkraut...........nbsp; nbsp; 384
Herba Cardui benedicti. Kardobenediktenkraut........nbsp; nbsp; 385
Lignum Quassiae. Bitterholz ..............nbsp; nbsp; 385
Radix Colombo....................nbsp; nbsp; 386
Lichen Islandieus. Isländisches Moos............nbsp; nbsp; 387
Radix Taraxaci cum Herba. Löwenzahn..........nbsp; nbsp; 388
Cortex Cascarillae...................nbsp; nbsp; 388
Cortex Condurango..................nbsp; nbsp; 389
Alkalien und Siiiiron...................nbsp; nbsp; 391
Natrium ehloratum. Kochsalz..............nbsp; nbsp; 391
Natrium carbonicum. Soda...............nbsp; nbsp; 396
|
||
|
|
||
|
|
||
|
XIVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inhaltsverzeichniss.
Seite
Kalium carbon icum. Pottasche..............nbsp; nbsp; 400
Natrium sulfuricum. Glaubersal/..............nbsp; nbsp; 402
Kalium aceticum...................nbsp; nbsp; 405
Tartarus depuratus. Weinstein..............nbsp; nbsp; 407
Kalium mtricum. Salpeter...............nbsp; nbsp; 408
Liquor Kalii caustici. Kalilauge.............nbsp; nbsp; 411
Calcaria usta....................nbsp; nbsp; 412
Calcium carbonicum..................nbsp; nbsp; 415
Calcium phosphoricum.................nbsp; nbsp; 410
Magnesia usta....................nbsp; nbsp; 420
Magnesium carbonicum.................nbsp; nbsp; 422
Magnesium sulfuricum. Bittersalü.............nbsp; #9632; 424
Liquor Amrnonii caustici. Salmiakgeist...........nbsp; nbsp; 426
Ammonium carbonicum.................nbsp; nbsp; 428
Ammonium chloratum. Salmiak.............nbsp; nbsp; 430
Lithium carbonicum und salicylicum............nbsp; nbsp; 433
Chlorbaryum.....................nbsp; nbsp; 434
Acidum hydrochloricum. Salzsäure............nbsp; nbsp; 437
Acidum phosphoricum. Phosphorsäure...........nbsp; nbsp; 440
Acidum sulfuricum. Schwefelsäure............nbsp; nbsp; 441
Acidum mtricum. Salpetersäure.............nbsp; nbsp; 443
Acidum aceticum. Essigsäure..............nbsp; nbsp; 444
Aethereo-Oluosn. Aetherisch-öllge Mittel...........nbsp; nbsp;449
Kampher......................nbsp; nbsp; 449
Oleum Terebinthinae..................nbsp; nbsp; 454
Fructus Juniperi. Wacholderbeeren............nbsp; nbsp; 401
Fructus Lauri. Lorbeeren................nbsp; nbsp; 463
Fructus Anisi. Anis..................nbsp; nbsp; 404
Fructus Foeniculi. Fenchel...............nbsp; nbsp; 466
Fructus Carvi. Kümmel................nbsp; nbsp; 467
Flores Chamomillae. Kamillen..............nbsp; nbsp; 469
Folia Menthae piperitae. Pfefferminzblätter.........nbsp; nbsp; 470
F'olia Melissae. Meliasenblätter..............nbsp; nbsp; 472
Herba Thymi. Thymian................nbsp; nbsp; 472
Flores Lavandulae. Lavendelblüthen............nbsp; nbsp; 475
Radix Valerianae. Baldrianwurzel.............nbsp; nbsp; 477
Flores Arnicae. Arnikablüthen ..............nbsp; nbsp; 479
Herba Absinthii. Wermuth...............nbsp; nbsp; 481
Radix Angelicae. Engelwurz..............nbsp; nbsp; 482
Rhizoma Calami. Kalmuswurzel.............nbsp; nbsp; 483
Semen Sinapis. Senfsamen...............nbsp; nbsp; 486
Fructus Capsici. Spanischer Pfeffer............nbsp; nbsp; 490
Cubebao. Kubeben..................nbsp; nbsp; 491
Rhizoma Zingiberis. Ingwer...............nbsp; nbsp; 492
Cortex Cinnamomi. Zimmt...............nbsp; nbsp; 493
Caryophylli. Nelken..................nbsp; nbsp; 495
Flores l'yrethri. Insektenpulver..............nbsp; nbsp; 497
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Inhaltaverzeichnisfc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XV
Seite
Balsainum Pcruvianum.................nbsp; nbsp; 4lt;)8
^yrax.......................nbsp; nbsp; 501
('opaivbalsam....................nbsp; nbsp; ,501
Ammoniacum....................nbsp; nbsp; 502
MKrhe.......................nbsp; nbsp; 503
Kuphorbium....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;504
Asa foetida. Stinkasant................nbsp; nbsp; 505
(!antliarides. Spanische Fliegen .............nbsp; nbsp; 50ö
Anhang zu den Aethereo-Oleosa.............nbsp; nbsp; 511
PttanzUcho Abführmittel..................nbsp; nbsp; 515
Aloij........................nbsp; nbsp; 515
Radix Rhei. Rhabarber.................nbsp; nbsp; 519
Folia Sennae. Sennosblätter...............nbsp; nbsp; 522
Fructus Rhamni cathartieae. Krouzdornboeren........nbsp; nbsp; 523
Cortex Frangulae. Faulbaumrindo.............nbsp; nbsp; 524
Gutti.......................nbsp; nbsp; 525
Tubera Jalapne.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 526
Oleum Crotonis. Crotonöl............. ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 527
Oleum Ricini. Ricinusöl..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;530
Podophyllin.....................nbsp; nbsp; 53!
Fructus Coloeynthidis. Koloquinten............nbsp; nbsp; 533
Manna....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 534
Tamarindenmus.................. ,nbsp; nbsp; 535
Neuere pflanzliche Abführmittel..............nbsp; nbsp; 535
Filnnzlichc Anthelininthica.................nbsp; nbsp; 538
Flares Cinae. Wurmsamen...............nbsp; nbsp; 53g
Khizoma Filicis...................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;542
Kamala..................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 545
Flores Koso. Kosoblüthen................nbsp; nbsp; 54g
Cortex Granati. Granatrinde...............nbsp; nbsp; 547
Semen Arecae. Arekanuss................nbsp; nbsp; 548
Diagnostische Mittel...................nbsp; nbsp; 550
Tuberculin.....................nbsp; nbsp; 559
Mallem.......................nbsp; nbsp; 553
Indifferente Arzneimittel..................nbsp; nbsp; 557
Radix Althaeae. Eibisohwurzel..............nbsp; nbsp; 557
Folia Malvac. Malvenbliitter...............nbsp; nbsp; 558
Flores Vorbasci. Wollblumon..............nbsp; nbsp; 559
Semen Lini. Leinsamen................nbsp; nbsp; 5(J0
Semen Focnugraeci. ßoekshornsamen...........nbsp; nbsp; 561
Gummi arabicum...................nbsp; nbsp; 5g2
Tubera Salep....................nbsp; nbsp; 503
Tragant......................nbsp; nbsp; 503
Carrageen. Irländisches Moos..............nbsp; nbsp; 5g;{
Radix Liquiritiae. Süssholz...............nbsp; nbsp; 504
Saccharum. Zucker..................nbsp; nbsp; 5g5
Saccharin.....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5g7
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
XV]
|
Inlialtsvcrzoichniss.
|
||
|
|
|||
|
Seite
Amylum Tritici. Stilrkmehl...............nbsp; nbsp; 568
Lykopodium. BHirlappsamen...............nbsp; nbsp; 569
Adeps suillus. Schweinüsclinialz.............nbsp; nbsp; 570
Oleum Olivurum. Olivenöl...............nbsp; nbsp; 571
Oleum Jecoris Aselli. Leberthran.............nbsp; nbsp; 574
Cera llava. Gelbes Wachs...............nbsp; nbsp; 575
8apo kalinus. Kaliseife................nbsp; nbsp; 576
Glycerin......................nbsp; nbsp; 579
Uuguentmn Paraffini. I'aniffinsalbe............nbsp; nbsp; 681
i-anolin.......................nbsp; nbsp; 582
Kollodium......................nbsp; nbsp; 584
Guttapercha. Kautschuk................nbsp; nbsp; 585
Liquor Natrii silicici. Wasserglas.............nbsp; nbsp; 587
Talk........................nbsp; nbsp; 588
Gossypium. Baumwolle.................nbsp; nbsp; 589
Keratin.......................nbsp; nbsp; 589
Pepsin.......................nbsp; nbsp; 591
Albumen Ovi siccum. Trockenes Hülinereiwoiss........nbsp; nbsp; 592
Extractum Carnis. Fleischextract.............nbsp; nbsp; 592
Aqua destillata....................nbsp; nbsp; 592
Resistor......... ............nbsp; nbsp;593
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Einleitun g.
|
||
|
|
||
|
Die Arzneimittellehre oder Pharmakologie (Matern melaquo; dioa) im weiteren Sinne ist die Lehre von den Eigenschaften und Wirkungen der Arzneimittel. Sie /erfällt in nachstehende Einzel-disoiplinen, welche in dem vorliegenden Lehrbuche der Arzneimittellehre abgehandelt werden sollen: 1) Die Pharmakologie im engeren Sinne (Pharmakodynamik) lehrt die physiologische Wirkung der Arzneimittel auf den Körper; 2) die pharmaceutische Chemie behandelt die Zusammensetzung, Darstellung und die chemischen Eigenschaften der Arzneimittel; 3) die Pharmakognosie (Drogenlehre, Waaren-kunde) hefasst sich hauptsächlich mit der Herkunft, Beschreibung und Prüfung der pflanzlichen Arzneimittel; 4) die Arznciverord-nungslehre (ßeceptirkunst) gibt Anweisungen über das Verschreiben der Recepte. Verwandte, jedoch selbstständige, nicht direct zur Arzneimittellehre gehörige Disciplinen sind die Pharmaeie (Arzneibereitung, Apothekerkunst), die Toxikologie (Griftlehre), die Diätetik (Nahrungsmittellehre), die allgemeine Therapie (Therapeutik, Anwendung in Krankheiten) sowie die Lehre von den physikalischen Heilmitteln (Massage, Hydrotherapie, Electricität u. s. w.).
Die physiologische Wirkung der Arzneimittel entspricht im Wesentlichen ihrer chemischen Zusammensetzung. Chemisch verwandte Körper zeigen in der Regel auch eine ähnliche phar makologische Wirkung. Mit Rücksiciit auf diese chemisch-physiologische Zusammengehörigkeit lassen sich vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus die Arzneimittel in bestimmte chemische Gruppen eintheilen, nemlich in Alkaloide und Glykoside, Kohlenwasserstoffe, Alkohole, Aether und Aldehyde, Benzolderivate (aromatische Verbindungen), ätherische
Gele, schwere und leichte Metalle, Halogene, Säuren, FrOhner, Arznelmlttellohre, 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i
|
||
|
|
||
|
|
||
|
2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
Ei Weisskörper, Petto, Kohlehydrate u. s. w. Im Nachstehenden soll eine kurze, allgemeine, chemische und physiologische Charakterisirung der wichtigsten dieser Gruppen gegeben werden. Für die Praxis emptiehlt sich zur Zeit eine etwas andere Eintheilung. Vergl. den speciellen Tlieil.
I. Die Alkaloide.
Chemische Zusammensetzung. Mit dem Namen Alkaloide oder Pflanzenhasen bezeichnet man stickstoffhaltige, basische, in den Pflanzen vorkommende Kohlenstoff Verbindungen, deren genauere chemische Zusammensetzung nur zu einem kleinen Tlieil bekannt ist. Die wichtigsten Alkaloide sind: Chinin (enthalten in der Chinarinde), Morphin und Code'in (enthalten im Opium), Apomorphin (dargestellt aus Morphin), Coca in (Coca-blätter). Atropin (Belladonna), Strychnin (Strychnossamen), Coffein (Oaffee, Theo), Vcrutrin (Sabadillsamen), Nico tin (Tabak), Physostigmin oder Es er in (Calabarbohne), Pilocarpin (Ja-borandiblätter), Arecolin (Arckanuss), Aconitin (Sturmhut), Col-chicin (Herbstzeitlose), Coniin (Pleckschierling), Hyoscin oder Skopolamin (Bilsenkraut). Ausserdcm gehören zu den Alkaloiden Chinidin, Cincbonin und Cinchonidin (Chinarinde), Tbebain, Papa-verin, Narcotin, Narcein (Opium), Brucin (Strychnossamen), Emetin (Brechwurzel), Hyoscyamin (Bilsenkraut), Hydrastin und Hydrastinin (Hydrastiswurzel), Jervin (Nieswurz), Delphinin (Stepbanskörner) Solanidin (im Solanin enthalten), Curarin (Curare), Piperin (Pfeffer), Cytisin (Goldregen), Sparte'in (Besenginster), Berberin (Colombo-wurzel, Hydrastiswurzel), Tiieobromin (Cacao) u. a.
Die meisten Alkaloide sind Abkömmlinge des Pyridins (06H6N) und Ohinolins (C/H^), deren Kerne in ihnen nachweisbar sind; auch Aminbasen z, B. Trimethylamin = N . (CFL),,, Carbamide, z. B. 00.(NH8)a und Amidosäuren, z. B. CH.. NH2 . COOH sind in ihnen enthalten.
In der Pegel sind sie sauerstoffhaltig und dann krystallisirbar und nicht flüchtig (geruchlos)-, mir wenige Alkaloide (Nicotin, Coniin, Hpartei'n) sind sauerstofffrei und deshalb flüssig und flüchtig (riechend). Alle reinen Alkaloide sind in Wasser schwer löslich und daher in dieser Form als Arzneimittel wenig geeignet; sie losen sich leicht nur in Alkohol, Aether, Benzol, Chloroform und Amylalkohol. Ihre Lösungen in Wasser reagiren alkalisch und schmecken sehr bitter.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3
Als basische Körper verbinden sicli die Alkuloide leicht mit Säuren ZU Sulzen, welche in Wasser viel leichter löslich und daher zur niedicinischen Verwendung viel besser geeignet sind. Fälhingsmittel für Alkiiloide in Lösungen sind Gerbsäure, Jod, Platinchlorid, Phos-phormolybdilnsiiure, Kaliumqueoksilberjodid u. a. Die Molekularformel ist in der Regel eine sehr hochutomige. So lautet /. E. für Morphin die Formel C^H^NO,,, für Atropin O^HgaNO,,, für Chinin OgoHg^Og, für Eserin 016H31N8O8, für Arecolin 08H18N08 u. s. w. Yer-lulltnissmässig einfach ist die Formel des Nicotins = C^H^Nraquo; und Ooniins = CHHnN. Die Darstellung der festen Alicaloidc geschieht am einfachsten durch Ausziehen der Pflanzentheile mit verdünnten Säuren, Ausfällen der Alkaloide mittelst Aetzalkalien und Lösen des Niederschlags in Alkohol; die flüssigen Alkaloide (Nicotin) werden destillirt.
|
||
|
|
||
|
Pharmakologische Wirkung. Den Alkaloiden ist eine speci-fischo Wirkung auf das Nervensystem gemeinsam. Sie stellen meist den wirksamen Eestandtheil von Giftpflanzen dar (Tollkirsche, Bilsenkraut, Mohn, Tabak, Stryohnossamen, Calabarbohnen u. s. w.) und sind schon in kleinen Dosen im Stande, den Thierkörper erheblich zu beeinflussen. Ihre Wirkung ist theils auf das Gehirn, theils auf die Medulla oblougata und das Rückenmark, theils auf die peri-pheren motorischen und sensiblen Nerven, theils auf die Nerven der Iris, der Drüsen, der glatten Muskel u. s. w. gerichtet; nicht selten reagiren mehrere Organe gleichzeitig auf ein und dasselbe Alkaloid. Das Resultat der Wirkung ist entweder eine Steigerung oder eine Hemmung bezw. Aufhebung der Nerven-, Muskellaquo; und Drüsen-thätigkeit.
Darnach kann man die Alkaloide eintheilen in erregende (oxci-tirende) oder lähmende (narkotisirende), in Gehirn-, Rückenmarks-, Muskel-, Drüsenmittel u. s. w. Zum Zwecke der leichteren Uebersicht empfiehlt es sich, mehrere Alkaloide mit gleicher oder ähnlicher Wirkung in physiologische Untergruppen einzutheilen. Solche Gruppen sind:
1) Die Morphiumgruppe, welche Morphin, Cod ein, Papa-verin, Narce'in und andere Opiumalkaloide umfasst. Die genannten Alkaloide wirken in erster Linie beruhigend bezw, lähmend auf das Grosshirn sowie auf die peripheren Nerven (cerebralc und periphere Narcotica). Wegen seiner peripher narkotisironden (anästhosirenden) Wirkung kann auch in gewisser Beziehung das Coca'in hiober gerechnet werden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einloitung.
2)nbsp; nbsp;Die Atropingruppe setzt sich aus dem Atropin, Hom-atropin, Hyosoin (Skopolamin), Hyosoyamin, Daturin und Duboisin zusammen. Die genannten Alkaluide werden wegen ihrer Chemischen Verwandtschaftals Tropoinequot; bezeichnet. !Sie enthalten nemlioh alle einen ähnlichen Kern, und zwar entweder das Tropin bezw. das isomere Pseudotropin von der Formel OgHjsNO oder das Skopohn von der Formel 08H18NOj. Diese Kerne (Tropin, Pseudo-tropin, Skopolin) sind gebunden an Tropasäure == OuH8 . OH. OHgOH.COOH oder an Mandelsäure. Die nahe chemische Verwandtschaft der einzelnen Alkaloide geht aus der nachfolgenden Zusammenstellung hervor:
Atropin = tropasaures Tropin, Hyosoyamin = tropasaures Pseudotropin, Hyoscin (Skopolamin) = tropasaures Skopolin, Homatropin == mandelsaures Tropin, Daturin = Atropin-j-Hyoscyamin, Duboisin = Hyoscyamin. Die Tropeine zeigen ferner eine fast ganz übereinstimmende physiologische Wirkung auf das Nervensystem. Sie erzeugen alle:
a)nbsp; Pupillenerweiterung in Folge Lähmung des Oculo-motorius,
b)nbsp; Herzbeschleunigung in Folge Lähmung des Vagus.
c)nbsp; Unterdrückung der Speichelsecretion in Folge Lähmung der Chorda Tympani,
d)nbsp; Durchfall in Folge Lähmung des Splanclmicus. Endlich wirken sie im Gegensatz zum Morphium stark erregend
auf das Gehirn.
3)nbsp; Die Nikotingruppe umfasst das Nikotin, Physostigmin, Pilocarpin, Arecolin und Muskarin. Die Wirkung dieser Gruppe ist in vielen Punkten derjenigen der Atropingruppe entgegengesetzt. Die genannten Alkaloide bedingen alle:
a)nbsp; nbsp;Pupillenverengerung in Folge Erregung des Oculo-motorins,
b)nbsp; Herzverlangs a ra u n g in Folge E r r c g u n g des Vagus,
c)nbsp; Speichelfluss in Folge Erregung der Speicheldrüsen,
d)nbsp; Durchfall in Folge Erregung der Darmmusculatur.
4)nbsp; Die Strycliningruppe, zu welcher Strychnin, Aconitin und Brucin gerechnet werden können, ist ausgezeichnet durch die Er-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Einleitung-.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5
zeugung von Starrkrampf der quergestreiften Körpermuskulatur, und
entweder zwar in Folge Erregung des Rückenmarks (Strychnin) oder cerebraler Krampfoentren (Aeonitin).
,r)) Die Coffem-Veratringruppe wirkt einerseits erregend auf die pei'ipheren motorischen und sensiblen Nerven, andererseits auf die quergestreifte Körpermuskulatur und das Herz.
(3) Die Conilugruppe (Coniin, Ourarin, Piperidin, Pyridin) hat im Gegensatz zur vorigen Gruppe eine lähmende Wirkung auf die peripheren motorischen und sensiblen Nerven.
7)nbsp; Die Emetingruppe, zu welcher Emetin und Apomorphin gehören, wirkt brechenerregend in Folge Reizung des quot;Brechcentrums.
8)nbsp; Die Hydrastingruppe besteht aus Hydrastin, Hydrasti-nin und den Alkaloiden des Mutterkorns (Cornutin) und ist durch eine specitischo erregende Wirkung auf die Nerven des Uterus gekennzeichnet.
(.i) Die CMniugruppe umfasst die Ohinaalkaloide: Chinin, Ohi-nidin, Cinchonin, Cinchonidin. Sie wirken ähnlich wie Anti-pyrin. Thaliin, Antifebrin etc. Im Fieber temperaturherabsetzend (anti-pyretisoh), und zwar zum Theil durch eine lähmende Wirkung auf das Gehirn (Wärmecentrum); ausserdem wirkt die Gruppe fftulniss-widrig (antiseptisch),
|
||
|
|
||
|
II. Die Glykoslde.
Chemische Zusammensetzung. Als Glykoside (Glukoside, Sacoharide) bezeichnet man Körper pflanzUcher Abstammung, welche beim Kochen mit Wasser, verdünnten Alkalien oder Säuren he zw. unter Einwirkung von Fermenten (Emul-8 in, My rosin, Ptyalin u. s. w.) zu Zucker (Glukose) und eine r a n d e r e n w i r k s a m e n Substanz z c r f a lien. Diese andere wirksame Substanz bedingt die pharmakologische Wirkung der im Pflanzenreich ausserordentlioh verbreiteten Glykoside. Die aussei-Zucker abgespaltene wirksame Substanz ist am häutigsten eine aromatische Verbindung (z. B. Sent'öl), zuweilen aber auch ein Alkaloid (Solani-din) oder ein anderer Körper (Blausäure). Im Allgemeinen können die Glykoside daher aufgefasst werden als ätherartige Verbindungen der Glukosen. Ihre chemische Zusammensetzung geht aus nachstehenden Beispielen hervor:
Das Glykosid Amygdalin, enthalten in den bitteren Mandeln, zersetzt sich durch die Einwirkung des ebenfalls in den Mandeln
|
||
|
|
||
|
|
||
|
(inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Einleitung.
entlmlteneu Fermentes Emulsin unter Aufnahme von Wasser in Zucker, Blausäure und Bittermandelöl nach der Formol:
OgoH^NOu -I-2H.0 = 2 (C.H^O,;) GNH C.H,. OOH
Amygilalinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \\'raquo;ssei'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blausäure BittermauileliU
Das Glykosid Sinigrin (myronsaures Kali), enthalten im Senfsamen, zersetzt sich durch die Einwirkung des ebenfalls im Senfsamen enthaltenen Ferments Myrosin in Zucker, Senföl und saures schwefelsaures Kali nach der Formel:
C^H^KNS.O,, HäO = C.H^O,. OaH6. S . CN -f KHSO^
Sinigrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wassernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zuckernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Senl'ülnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Saures
scliwet'elsaures Kali
In iihnliclier Weise zersetzt sich das in der Weidenrinde enthaltene Glykosid Salicin zu Zucker und Saligenin (Salicylsäure), das Glykosid Populin (Pappelrinde) zu Salicin und Benzoesäure, das Glykosid Solanin (Kartoffel) zu Zucker und dem Alkaloid Solanidin, das Glykosid Arbutin (Bärentraube) zu Zucker und Hydrochinon.
Als Arzneimittel sind folgende Glykosido von Wichtigkeit: Digitalin, Digitalein, Digitonin (Digitalisglykosidc), Stro-phanthin (Strophanthussamen), Scillai'n (Seil litoxin), Scillin, Scillipikrin (Meerzwiebel). Ado nid in (Adonis vernalis), Con-v all amarin (Maiblume), Amygdalin (bittere Mandeln), Sinigrin (Senfsamen). Saponin (Senegawurzcl, Seifenrinde), Cathar-tinsäurc (Rhabarber^ Sennesblätter), Convolvulin und Jalapin (Jalapen wurzel), Colocynthin (Koloquinthen), Ehamnin (Kreuz-dornbeeren), F r a n g u 1 i n (Faulbaum), T a n n i n (Eichenrinde, Ratanhiawurzel u. s. w.), Arbutin (Bärentrauhenblätter), Salicin (Weide), Populin (Pappel), Glycyrrhizin (Süssholz), On on in (Hauhechel), Men y an thin (Bitterklee) und andere glykosidische Bitterstoffe.
Pharmakologische Wirkung. Da sich die Glykoside in sehr verschiedenartige chemische Körper zersetzen, ist ihre Wirkung auf den Thierkörper nicht wie bei den Alkaloiden eine übereinstimmende. Einige Glykoside wirken ähnlich wie die Alkaloidc s p e c i f i s c h a u f d a s X e r v e n s y s t e m, andere wirken örtlich reizend, andere sind mehr indifferente Körper. Man kann die nachstehenden Gruppen unterscheiden:
1) Die Digitalingruppe umfasst Digitalin, Digitalein und Digitonin (Digitalisglykosidc), Strophanthin, Scilla'in, Scillin und Scillipikrin (Scillaglykoside), Adonidin, Convallamarin, Oleandrin und einige andere Glykoside (Apocynin, Evonymin,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Einleitung.
|
||
|
|
||
|
Antiarin, Thevetin). Alle diese Glykoside haben in kleinen Dosen eine erregende, in grossen eine lähmende Wirkung auf das Herz.
2)nbsp; Das Amygdalin bezw. die Blausäure besitzt eine alkaloid-artige erregende AVirkung auf das Gehirn und verlängerte Mark (Athmungscentruni, Krampfcentrum, vasomotorisches Centrum), welche bald in Lähmung dieser (Jentren übergeht.
3)nbsp; Die glykosidisclieii Abführmittel: Cathartinsäure (Rhabarber, Sennesblätter), Oonyolvulin, Ja lap in (Jalapenwurzel), Colocynthin, Hhamnin, Frangulin erzeugen Durchfall durch Reizung der Darmschleimhaut.
4)nbsp; Die glykosidischen Bittermittel, zu welchen gerechnet werden können: Menyanthin (Bitterklee), Gentiopikrin (Enzian), Quassiin (Bitterholz), Cnicin (Cardobenediktenkraut), Erythro-centaurin (Tausendgüldenkraut), Co 1 umbin (Columbowurzel), Con-durang in (Condurangorinde), Oetrarin (isländischesMoos), Achi 1-1 e 'i n (Schafgarbe), T a r a x a c i n (Löwenzahn), C a s c a r i 11 i n (Kaskarillrinde) u. a. Mit Ausnahme von Quassiin und Condurangin sind alle diese glykosidartigen Stofle von ziemlich indifferenter AVirkung. Sie wirken anregend auf die Verdauung durch leichte Reizung der Geschmacksnerven, des Appetits, der Speichel- und Magen-drüsen.
6) Die Saponinsubstanzen sind Glykoside von der Formel OxHjx-sOiO) welche in vielen Pflanzen vorkommen (Senegawurzel, Quillajarinde, Seifenwurzel), ausSaponin, Sapotoxin und Quil-lajasäure bestehen, zum Theil in Sapogenin und Zucker zerfallen, und in wässerigen Lösungen wie Seifenwasser schäumen (daher der Name). Sie sind sehr giftig und wirken namentlich lokal stark reizend auf Schleimhäute.
(3) Die Gerbstoffe (Gerbsäuren, Tannin) sind im Pflanzenreiche sehr verbreitete Körper, welche chemisch als Glykoside auf-gefasst werden können, da sie entweder zerfallen zu Zucker und Gallussäure, oder zu Pliloroglucin und Gallussäure, oder zu Gallussäure und Gallussäure. Das officinelle Tannin ist Digallussäure. Alle diese Gerbsäuren sind in AVasser löslich, färben sich mit Eisensalzen blau oder grün (Tinte), fällen Leimlösungen aus, bilden mit thierischen Häuten Leder, schmecken zusammenziehend (adstringirend) und wirken daher austrocknend und blutstillend, sowie ausserdem antiseptisch. Von tanninhaltigen pflanzlichen Arzneimitteln sind zu nennen: Eichenrinde, Chinarinde, AVeidenrinde, Galläpfel, Katechu, Ratanhiawurzel, Tormontillwurzel. Salbei. Bärentraubenblätter und Wallnussblätter.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
III. Die Kohlenwasserstoffe) Alkohole) Aether, Aldehyde etc.
Chemische Zusammensetzung. Aus der grossen Anzahl der sog. aliphatischen Verbindungen oder Methanderivate haben gewisse Koldonwasserstofl'e, Alkohole, Aether, Aldehyde; Ketone, namentlich auch Methyl- und Aethylverbindungen der Halogene (Chlor, Brom und Jod) eine erhebliche Bedeutung als Arzneimittel. Meist sind es Derivate des Methans (OHJ und Aethans (C^H,.); aber auch das Pentan (06Hjj), Hexan (06HU) und Heptan (C7Hu;) kommt in Betracht. Die nachstehende Zusammenstellung erläutert die chemische Zusammensetzung und Verwandtschaft der wichtigsten hieher gehörenden Arzneimittel. 1) Methanderivate.
CH, = Methan (Methylwasserstoff, Sumpfgas, Grubengas).
CH.OH = Methylalkohol (Holzgeist, Bestandtheil des Holzessigs).
CH.Cl s= Methylchlorid (Chlormethyl, gasförmig).
CH2C12 = Methylenchlorid (Zersetzungsprodukt des Chloroforms).
CHC18 = Chloroform (Triclilormethan).
OHBr8 = Bromoform.
CHJ;, = Jodoform.
CC14 = Chlorkohlenstoff (Tetrachlormethan, im unreinen Chloroform).
COH .H = Formaldehyd (Formal, Aldehyd der Ameisensäure).
CH8.COH = Aldehyd (Aethylaldehyd, Acetaldeliyd).
3(CH8.COH) = Paraldchyd (3faches Isomer des Aldehyd).
CClj.OOH = Chloral (Trichloraldehyd).
OCVCOH.HjjO = Chloralhydrat (Chloral H20).
OBr8.OOH = Bromal (Tribromaldehyd).
CBra.COH.HjO = Bromalhydrat (Bromal B^O).
CH^O.CHoX = Methylal (Methylendimethyläther).
OH8.CO.CH8 = Aceton (Dimethylketon).
CH:,.C().Ci;H5 = Hypnon (Methylphenylketon).
pxTll^gt;C'lt;Cao8riaif8 = Sulfonal (Disulfonäthyl-Dimethyl-
methan).
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Einleitung.
|
D
|
|||
|
|
||||
|
TetronaL
|
||||
|
|
||||
|
/
|
2)nbsp; Aethanderivate.
09Hfl = Aethan (Aethylwasserstoff, gasföx'mig). 08H6OH = Alkohol (Aethylalkohol, Aethylhydroxyd,
AVeingeist). C2H,.O.C2H5 sä Aether (Aethylftther, Aethyloxyd,
Sohwefelftther), C2Hf).0.^{.,0 = Essigäther (Aethylaoetat, Aether
accticus). OgHßCl = Aethylohlorid (Chloräthyl, Aether chloratus). OgHjBr = Aethylbromid (Bromäthyl, Aether bromatus). CjH.J = Aethyljodid (Jodäthyl, Aether jodatus). OgH^Clj = Aethylenchlorid (bezw, Aethylidenclilorid). OaH4Brä = Aethylenbromid. 08H4(O.CgHj)8 = Acetal (Aethyliden-Diäthyläther). OaHBNOa = Aetliylnitrit (Aether nitrosus).
3)nbsp; Pentanderivate.
C-Hj., = Pen tau (Petrolouniäther).
C.H^.OH = Amylalkohol (Pentylalkohol, Fuselöl).
OgHu.NOj Auiylnitrit (Amylium uitrosum).
C.Hjo = Amyleu (Pental).
OftH10.H2O = Amyleuhydrat (Amylemuu hydratum).
4)nbsp; nbsp;Hexan-Heptan u. s. w.
CgHjj = Hexan (Bestandthcil des Benzins).
07H11 = Heptan (Bestandtheil des Benzins).
08Hie bis C^H.,, = Getan bis Heptadekan (Petroleum).
|
|||
|
|
||||
|
Pharmakologische Wirkung. Die Abkömmlinge des Methans, Aethans, Pentans u. s. w. besitzen eine s])ecifische, lähmende Wirkung auf das Nervensystem. Insbesondere werden viele Arzneimittel dieser Gruppe als Betäubungsmittel (Narcotica), Schlafmittel (Hyp-notica) und schmerzstillende Mittel (Anästhetica) verwandt; es gilt dies namentlich für Chloroform, Chloralhydrat, Alkohol, Aether, Sul-fonal, Bromäthyl und Paraldehyd. In kleinen Dosen wirken manche als Erregungsmittel für das Nervensystem (Alkohol, Aether). Auch eine fieberwidrige (antipyretische) und fäulnisswidrige (antiseptische) Wirkung kommt einigen derselben, insbesondere dem Alkohol, zu.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Einleitung.
IV. Die Benzolderivate (Aroiaatische Verbiuduiigeu).
Chemische Zusammensetzung. Mit dem Namen aromatische Verbiiulungcn bezeichnet man Abkömmlinge des Benzols, eines sehr kohlenstoffreichen Kohlenwasserstoffs von der Formel 0flHB. Die hieher gehörenden Arzneimittel leiten sich entweder direkt vom Benzol (0,.^) oder vom Toluol (CI8H6.OHa), von der Benzoe-säure (O0H6.OOOH)bezw. Salioylsfture (C(.H,.OH.CO()H), vom Anilin (0(.H. .NH2) oder vom Naphthalin (O10H8) ab.
1)nbsp; Benzolderivate.
OflHn = Benzol (sog. Steinkohlenbenzin).
CuH8.0H = Phenol (Oarbolsäure).
O,,^. (OH)^ = Brenzkatechin, ßesorcin,Hyd rochinon
(Ortho-, Meta-, Para-Dioxybenzol). CuH8.(0H)a = Pyrogallol (Pyrogallussäure). OÄ.NOg = Nitrobenzol (Mirbanöl). Ct.Hä. CSÖ,),. OH = P i kr ins ä u r e (Trinitrophenol). OßH2.Br8.OH = Tribromphenol (Bromol). C^H, .SOoOH. OH = Phonolsulfonsäure (Sozolsäure,
Aseptol). C,H,. J.SO, 011. OH = Sozojodol.
2)nbsp; Toluolderivate.
06H9.OH8 = Toluol (Methylbenzol).
C(.H1.OH.CH.1 = Ivresol (Methylphenol; Ortho-, Meta-,
Parakresol; Hauptbestandtheil des Rohkresols, der sog.
rohen Oarbolsäure, des Oreolins, Lysols, Solveols, Solu-
tols, Trikresols, Sapocarbols, Liquor Cresoli saponatus etc.). OÄ.OOHb.OH = Guajakol (Kreosotbestandtheil). 0,.H,.CH,.00H8.OH = Kreosol (desgleichen). OgHJg.OH.OHj = Losophan (Trijodmetakresol). Ot)H!1J. (LH,. OH .0H8 = Aristol (Propylorthokresoljodid). C(.H;!J.ClH,l.OH.CH, = Europhen (Butylorthokresol-
jodid). C^.iCtl.,).. = Xylol (Theerbestandthoil).
3)nbsp; Benzoesäurederivate.
OaH6.OOOH = Benzoesäure. 0UH4. OH. COOH = SalicyIsäure (OxybenzoesJiure). Ct;H.)(OH):,.COOH = Gallussäure (Trioxybenzoesäurc). C.H1.CH1.OH.COOH = Kresotinsäure.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j [
4)nbsp; Salicylsäurederivate.
C,.H,.OH.COOH = Salicylsäurc. C^.OH.COONa = Salioylsaurea Natrium. C^H,. OH. OOO. C.H-, = Salol (Salicylsäure-Pl.enyläther). C^H,. OH. 000 . C10H7 =Naphthalol (Sulicylsäure-
Naplithyläther). Ct,H,.OH.C0ONTH., = Salioylamid.
0H4.OH.OOO.CH8.CO.CH8 = Salaoetol (Salioyl-
acetou).
C^H,. OH. 000. C(.H.(. OH. CH:1 rsKresalol (SalicyIsäure-Kresyläther).
Ci;H,.OH.COO.0(iH,.NH.aH;i0 = Salophen (salioyl.
saures Plienacetin). ^liH^.OH.COO.CjiHj^N^O = Salipyrin (salicylsaures
Antipyrin). (C,iH.1.OH.COOH)äS:; =Dithiosalioyl8fture (Ditl.ion =
Natriumsalz, Thioform = AVismuthsalz).
5)nbsp; Anilinderivate.
08Hg.NH2 = Anilin (Phenylamin, Amidobenzol). Cl.H5.NH.CäH.10 = Antifebrin (Acetanilid). 0flH4.0CsH5.NH.C2HBO = Phenaoetin (Aethoxyl-
Acetanilid). OuH^.OOgHj.NH.OjHjNHjO = Phenokoll (Salokoll =
salicylsaures Phenokoll).
6)nbsp; Napkthalinderivate.
010H8 = Naphthalin.
010H7.OH = Naphthol (laquo;#9632; und ß-Naphthol).
0,0H.OH.COOH = Napl.thoesäure.
Pharmakologische Wirkung. Die aromatischen Verbindungen zeichnen sich durch ihre fäulniss- und gährungswidrige (antiseptische) sowie parasitentödtende (antiparasitäre) quot;Wirkung aus, insbesondere die Carbolsäure, die Kresole (Creolin, Lysol, Solutol), die Salicylsäure u. s. w. Ausserdem besitzen manche eine hervorragende fieberwidrige (antipyretische) Wirkung, so namentlicli die Salicylsäure und ihre Derivate, das Antifebrin und Plienacetin. Für das Nervensystem sind die meisten starke Grif'te (Lähmung). Oertlich wirken viele .Benzolderivate reizend und selbst ätzend, insbesondere die Carbolsäure.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
12
|
EilllcitullJ;#9632;.
|
||
|
|
|||
|
V. Die iitlioriseheii Ode.
|
|||
|
|
|||
|
Chemische Zusammensetzung. Die ätherischen Gele sind im Gegensatze zn den fetten Oelen (GHyoericlen der Fettsäuren) Ivohlen-wassei'stofl'e, welche den aromatischen Körpern insofern nah verwandt sind, als sie einen Benz olkern enthalten. Sie sind die wirksamen Bestandtheile einer ausserordentlich grossen Anzahl von Arzneipflanzen (der sog. Aethereo-Olcosa), welche namentlich aus der Familie der Umhelliferen, (Kompositen, Abietineen, Labiaten, Aurantiaceen u.s. w. stammen, und aus deren riechenden Bestandtheilen (Blüthen, Hamen, Blätter, Binde) sie als flüchtige Körper durch Destillation mit Wasser dargestellt werden. In Wasser sind sie last unlöslich, dagegen lösen sie sich leicht in Alkohol, Aether, Chloroform und fetten Oelen. An der Luft nehmen manche unter Säurebildung Sauerstoff auf (Verharzung). In cheinischer Beziehung unterscheidet man drei Gruppen ätherischer ()ele:
1)nbsp; Die sauerstotffreien oder Terpene sind reine Kohlenwasserstoffe von der Grundformel 0aH8 = Ben ton. Sie sind in vielen ätherischen Oelen und Harzen als flüssiger Bestandtheil derselben enthalten. Man unterscheidet Dipentcne = Terpene im engeren Sinne von der Formel 2(C:HS) = 01(1H1(1 (Terpentinöl, Citronen-, Lavendel-, Wacholder-, Oalmus-, Rosmarin-, Orangenblüthenöl), Di-terpene von der Formel O.,0H,.., (Copaivbalsam), Sesquiterpene von der Formel 0,-1-1.,^ (Sadebanm, Cuheben) und Folyterpene von der Formel (CinHli;)x.
2)nbsp; Die Sauerstoff haltigen oder Campher sind als Oxydationsprodukte der Terpene (Alkohole, Aldehyde, Aether etc.) aufzufassen. Ihre Zusammensetzung ergibt sich aus nachstehenden Beispielen:
C10HiBO = Japancampher (gewöhnlicher Campher).
ClnHlsO = Borneooampher,
CinH.,0O = Menthol (Bfetferminzcampher).
C10H12O = Anethol (Aniscampher).
CjdHj^O = Carvol und Thymol (Kümmel-und Thymiancampher).
013HuOj = Apiol (Petei'siliencampher).
Viele ätherische Oele sind Gemenge sauerstofffreier
und sauerstoffhaltiger ätherischer Oele, somit von Ter-
penen und Oamphern, so z. B. das Anisöl, Fenchelöl, Kümmelöl.
Nelkenöl, Pfefferminzöl, Thymianöl. Die Verwandtschaft der äthe-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
EiuleituDir.
|
18
|
||
|
|
|||
|
risclieii Oele mit den aromatischen Verbindungen, namentlioh mit dem Cymol, beweisen folgende Formeln:
CUHU = Benzol.
C10H:U = C^H,,. VH,. CHa = 0 ,v mol.
C 10HI,i = C.H,. Ha. 08H7. CH;, = T e r p e n t i n ö 1.
(;i(1HluO = 0(iH1.H.OH.C3H,.(;H:, = Oampher, 3) Die schwefelhaltigen ätherischen Oele sind ziemlich selten; hie-hcr gehören das Senföl, Knoblauohöl und Zwiehelöl sowie das im Stinkasant (Asa fötida) enthaltene Oel. Das Senföl hat die Formel S . ON . C.H, (Sulfooyanallyl).
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakologische Wirkung. Dieselbe ist eine sehr vielseitige.
1)nbsp; Sie sind Antiseptica, indem sie alle die Krankheitserregenden Mikroorganismen (pathogenen Bakterien), die Fäulnisspilze (Saprophyten) und Gährungsfermente noch in starken Verdünnungen (Menthol 1:300,000, Terpentinöl 1:75,000, Thymol 1:10,000) in der Entwicklung hemmen hezw. tödten. Besonders wichtig sind in dieser Hinsicht Oampher und Terpentinöl. Durch ihre lähmende Wirkung auf die weissen Blutkörperchen verhindern sie ausserdem deren Auswanderung aus den Gefässen und wirken auch dadurch entzündungswidrig (antiphlogistisch).
2)nbsp; Sie sind An tipyretica, insbesondere ist der Oampher ein specitisches Fiebermittel gegen septische Fieber (Septikämie, Pyämie). Aelmlicli wirken Thymol, Eukalyptol, Apiol u. a.
3)nbsp; Sie sind Antiparasitica, sowohl gegen Eingeweidewürmer, namentlich Spulwürmer und Bandwürmer (Terpentinöl, Filixöl, Wach-olderöl, Asa fötida, Thymol, Myrtol, Absynth), als auch gegen Hautparasiten (Perubalsam, Styrax, Anisöl, Insektenpulver, Terpentinöl, Petersilien u. a.).
4)nbsp; nbsp;Das Nervensystem (Gehirn, Herz, periphere Nerven) wird namentlich in kleineren Dosen durch Oampher, Terpentinöl, Baldrian, Arnika und andere ätherische Oele erregt; manche wirken umgekehrt, besonders in grösseren Dosen krampfstillend (antispasmodisch), so namentlich Kamillen-, Fenchel-, Kümmel-, Pfefferminz-, Terpentin-, Baldrianöl, Asa fötida u. s. w.; einzelne besitzen eine besondere schmerzstillende (anästhesirende) Wirkung, z. B. Menthol.
5)nbsp; Die Verdauung wird durch die meisten angeregt (Sto-machica), so z. B. durch Anis, Fenchel, Kümmel, Wacholderbeeren, Oalmus, Pfeffer und andere Gewürze. Bei krampfhaften Oontractionen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
14
|
EinleituusN
|
||
|
|
|||
|
der Daraiinaskulatur wirken die Rtherisohen Oele beruhigend (Carini-nativa), namentlich Pfefferminzlaquo; und Kainillenöl.
6)nbsp; Auf die Nieren wirken viele ätherischen Oele harntreibend (diuretisch), so z. B. Terpentinöl, Wacholderbeeren, Senf, Pfeffer, Perubalsain, Petersilien, Ouonis, Levisticum.
7)nbsp; Die Schweisssecretion wird ebenfalls durch manche angeregt (diaphoretische Wirkung).
8)nbsp; Die Expectoration wird durch Vermehrung der Schleimlaquo; secretion in den Bronchien befördert.
9)nbsp; Eine ähnliche Wirkung wird bezüglich der Milchsecre-tion angenommen.
10)nbsp; Der Geschlechtstrieb wird zuweilen erhöht (Pfeffer).
11)nbsp; Die El as en Schleimhaut wird antiseptisch beeinflusst (Perubalsam).
12)nbsp; Zuweilen beobachtet man endlich eine blutstillende Wirkung (Terpentinöl).
Tl. Die schweren Metalle.
Chemische Uebersicht. Die sog. schweren Metalle (Silber, Quecksilber, Eisen, Blei, Kupfer, Zink, Wismuth, Aluminium, Brom, Mangan u. a.) sind theils in freiem Zustande, theils gebunden an Sauerstoff, Säuren und andere Componenten wichtige Arzneimittel. Es kommen namentlich in Betracht:
1)nbsp; nbsp;Silber in Form von AgN08 (Argentum nitrienm, Höllenstein).
2)nbsp; Quecksilber in freiem Zustande (graue Quecksilbersalbe), als HgCl, (Sublimat, Hydrargyrum bichloratum), Hg2(Jl2 (Calomel, Hydrargyrum chloratum), HgO (rot her Präcipitat, Hydrargyrum oxydatum), HgCl. NH, (weisser Präcipitat) und HgJ2 (Hydrargyrum bijodatum). Ansserdem wird Quecksilber gebunden an Eiweiss, Pepton, Cyan u. s. w. verwendet (Hydrargyrum albuminatum, peptonatum, cyanatum).
15) Eisen in freiem Zustande als Eisenpulver (Ferrum pulvera-tum), als Fe2Cl(1 (Eisenchlorid, Ferrum sesrpüchloratum), FeSO, (Eisenvitriol, Ferrum sulfuricum) sowie gebunden an Sauerstoff, Kohlensäure, Essigsäure , Milchsäure, Citronensäure, Aepfelsäure, Eiweiss, Pepton u. s. w. (Ferrum oxydatum, carbonicum, aceticum, lacticum, citricum, pomatum, albuminatum, peptonatum).
4) Blei gebunden an Essigsäure (Bleizucker und Bleicssig), an Sauerstoff (Bleiglätte, Mennige), an Kohlensäure (Bleiweiss).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Einleitung^
|
15
|
||
|
|
|||
|
6)nbsp; Kupfer in Form von CuO (Kupferoxyd, Cuprum oxy-datum) und CuSO, (Kupfervitriol, CJupruiu sulfuricum).
0) Zink in Form von ZnO (Zinkoxyd, Zincum oxydatum), ZnCl2 (Clilorzink, Zincum cliloratum) und ZnSO, (Zinkvitriol, Zin-cum sulfuricum).
7)nbsp; nbsp;Wismutli gebunden an Salpetersäure (Bismutlium sub-nitricum), Salicylsäure (Bismutlium salicylicum), Dithiosalicyl-säure (Tbioform), (lallussäure (Dermatol) u. s, w.
8)nbsp; Aluminium in Form des Alauns (Doppclsalz aus scluvefcl-saurem Aluminium und scbwefelsaurem Kalium bestellend), des essigsauren Aluminiums (Aluminium aceticum), weinsauren (A. tar-taricum), schwefelsauren (A. sulfuricum), kieselsauren Aluminiums (Tbon, Bolus, Argilla).
9)nbsp; Chrom in Form vonCrO., (Cbronisäure) und Ora06.OH.OK (Kalium dichromic um).
10)nbsp; Antimon in Form von Sb8S8 (Stibium sulfuratum ni-grum), Sb2S8 (Stibium sulfuratum aurantiacum) und Brech-weinstein (Tartarus stibiatus. Stibium kali tartaricum).
11)nbsp; Mangan in Form von KMnO, (Kalium permanganicum).
12)nbsp; Selten werden benützt Gold, Osmium, Cerium u. a. Metalle.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakologische Wirkung. 1) Die Hauptwirkung der Metalle und ihrer Verbindungen auf den Tbierkörper besteht in der Bildung von Metallalbuminat, indem sich die Metalle mit den Eiweisskörpern des Blutes und der festen Gewebe verbinden. Auf diese AVeise entstellt Silbcralbuminat, Quecksilber-, Eisen-, Blei-, Kupfer-, Zinkalbuminat u. s. w. Bei den Salzen der Metalle wird hiebei gleichzeitig der Säurecompone n t frei; aus AgNO., spaltet sich somit Salpetersäure, aus FeSO,, OüS04 und ZnSO, Schwefelsäure, aus Hg012, ZnCl.. und FegOl,, Chlor bezw. Salzsäure ab. Auf dieser Bildung von Metallalbuminat und dem Freiwerden von Säuren berubt die Aetz Wirkung der Metallverbindungen (Sublimat, Höllenstein, Kupfervitriol, Eisenvitriol, Zinkvitriol, Eisenchlorid, Cbronisäure, Brechweinstein u. s. w.). In verdünntem Zustande schwächt sich die Aetzwirkung ab in eine reizende (scharfe Einreibung mit Queck-silberbijodidsalbe) und austrocknende, adstringirende (verdünnte Höllenstein-, Eisenvitriol-, Kupfervitriol-, Zinkvitriollösungen). Die letztgenannte Wirkung kommt ausserdem durch eine verengernde Einwirkung auf die Cefässe (g e f ä s s c o n t ra h i r e nd e, b 1 u t s ti 11 e n d e Wirkung) des Eisencblorids, Alauns u. s. w. zu Stande.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
16
|
Einleituiia'.
|
||
|
|
|||
|
2)nbsp; Die MetalUalze sind starke Antiseptica, insbesondere der Sublimat und Hüllenstein, Der Sublimat hemmt die Entwicklung der Milzbrandbacillen noch bei einer Verdünnung von 1:1 Million und tödtet sie bei einer Verdünnung von 1 : 50,001); die Eotzbacillen tödtet er bei einer Verdünnung von 1 \6 10,000, die Milzbrandsporen bei 1 : 1000. Der Höllenstein tödtet die llotzbacillen noch bei einer Verdünnung von 1:75,000. die Milzbrandbacillen bei einer solchen von 1 :80,000, Andere Metallsalze wirken allerdings sehr viel schwächer antiseptisch, so namentlich der Eisenvitriol (1 : 850). Im Zusammenhang mit der antiseptischen Wirkung steht die antiparasitäre; namentlich das metallische Quecksilber in Form der grauen Salbe, der Sublimat, der weisso und rothe Präcipitat, der Brechweinstein, das Kupferoxyd sind wichtige Mittel zur Tödtung äusserlicher und innerlicher Parasiten (liäude, Läuse, Haarlinge, pflanzliche Hautparasiten, Spulwürmer, Bandwürmer).
3)nbsp; Aid' den Digestionsapparat wirkt ein Theil der Metallverbindungen in Folge Reizung der Darmschloimbaut abführend (Calomel, Brechweinstein), ein anderer bedingt vermöge seiner adstringiren-den quot;Wirkung Verstopfung (Höllenstein. Eisenvitriol, Bleizucker, Alaun). Gleichzeitig wird die Darmsclileimhaut und der Darminhalt desinfioirt (Calomel, Wismuthsalze). Einzelne Metalle wirken ferner reizend auf die Nieren und in Folge dessen die Harnsecretion steigernd (diuretisch); nach dieser Richtung ist namentlich Calomel zu erwähnen,
4)nbsp; Das Nervensystem wird durch grosse Dosen theils gelähmt (Quecksilber, Kupfer, Zink, Silber), theils stark erregt (Blei).
5)nbsp; Der Stoffwechsel wird durch kleinste Dosen befördert (Eisen, Quecksilber); die genannten Mietalle wirken somit alsPlastica. Grosse Dosen oder fortgesetzte kleine Dosen rufen jedoch acute bezw. chronische Metallvergiftung hervor. Da die Metalle im Körper mit dem Organeiweiss eine chemische Verbindung eingehen, verbleiben sie sehr lange Zeit in den Geweben des Körpers; einige Organe, wie #9632;/.. B. die Leber, spielen als Ablagerungsstätten für die Metalle eine besondere Rolle (sog. Organdepositorien).
|
|||
|
|
|||
|
VII. Die leichten Metalle.
Chemische Uebersicht. Mit der Bezeichnung leichte Metalle oder Alkalien fasst man herkömmlich die Gruppe der Alkalimetalle (Kalium, Natrium, Ammonium, Lithium) und Erdalkali-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Einleitung.
|
17
|
||
|
|
|||
|
in et a lie (Calcium, Magnesium, Baryum) zusammen. Von besonderer pharmakologisober Bedeutung sind die Verbindungen des Natriums, Kaliums, Calciums, Magnesiums und Ammoniums,
1)nbsp; Die wiebtigsten Natriumverbindungen sind: NaCl (Natrium chlor at um, Kochsalz), Na^CO,, (Natrium carbonicum, Soda), NaHCO., (Natrium bicarbonieum, doppelt kohlensaures Natron), Na8S04 (Natrium sulf'uri cum, (xlaubersalz), NaNO,, (Natrium nitricum, Cbilisal peter), Na^HPO, (Natrium phosphoric um), CH., .COtXNa (Natrium acetic um) und NaOH (Natron caust i-cum, Aetznatron, Natronlauge).
2)nbsp; Von Kaliumverbindungen sind namentlich offloinell: K800B (Kalium carbonicum, Pottasche), KHCO., (Kalium bicarb onieum), KjSOj (Kalium sulfuricum, Doppelsalz), KNO., (Kalium nitricum, Salpeter), CH;),COOK (Kalium aceticum), 04H4Oj .OH . OK (Kalium b itartaricum, Tartarus, Weinstein), KOH (Kali causticum, Äetzkali, Kalilauge).
3)nbsp; Von Calciumverbindungen sind zu nennen; CaO (Calcium oxydatum, gebrannter Kalk), CaCO,. (Calcium carbonicum, kohlensaurer Kalk , Kreide), CaliPO., (C a 1 c i u m phosphoric u m, phosphorsaurer Kalk), CaSO,, (Calcium sulfuricum, Grips).
4)nbsp; AVichtige Magnesiumverbindungen sind: MgO (Magnesiumoxyd, Magnesia), MgS04 (Magnesium sulfuricum, Bittersalz), MgCO.j (Magnesium carbonicum).
5)nbsp; Von Ammoniumverbindungen sind zu nennen: NH.j (Ammoil i u m oaU8 t i CUm, Ammoniak, Salmiakgeist), NH^Cl (A m m o n i u m c h 1 o r atu m, Salmiak), NH,, H. CO., (Ammonium carbonic u m).
Andere medicinisch wirksame Alkalimetalle sind Lithium (LijCOj, Lithium carbonicum), Baryum (BaOlg, Chlorbaryum), Strontium, Rubidium und Caesium.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakologische Wirkung. 1) Aehnlich wie die schweren Metalle verbinden sich auch die Alkalimetalle mit dem Körpereiweiss zu Alkalialbumina ten. Die letzteren sind jedoch im Gegensatz zn den Schwermctallalbuminaten nicht fest, sondern löslich. Die stark basischen Alkaliverbindungen (Aetznatron, Äetzkali, gebrannter Kalk) wirken daher ebenso wie die Schwermetalle ätzend unter Bildung von Natrium-, Kalium-, Calciumalbuminat; der Aetzschorf ist weich. Andere Alkalien (Natronlauge, Kalilauge, Salmiakgeist, Soda, Pottasche) wirken reizend und die Epidermis lösend (erweichend). Frtthner, Arzneimittellehre, i. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Ij
|
Einleitung.
|
||
|
|
|||
|
Eine austrocknende, adstringirende Wirkung besitzt der Kalk (Kalkwasser).
2)nbsp; nbsp;Die antiseptische Wirkung ist im Allgemeinen schwächer, als bei den Schwermetallen. Insbesondere ist die vielfach überschätzte desinficirende Kraft des Kochsalzes sehr gering. Am relativ stärksten wirkt der gebrannte Kalk, welcher in einer Verdünnung von 1:220 (dicke dünne Kalkmilch) die meisten pathogenen Spaltpilze tödtet mit Ausnahme der Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen. Sehr wh'k-sam sind ferner heisse Laugen; eine l1^ 0/oige Sodalosung tödtet z. B. bei einer Temperatur von 80deg; C. nach 10 Minuten sogar die Milz-brandsporen. Aehnlich verhält sich die antiparasitäre Wirkung; dieselbe ist nicht sehr bedeutend (Soda und Pottasche als Zusatz zu Eäudebädern).
3)nbsp; Die Alkalien sind normale Bestandtheile des Thier-körpers. Sie besitzen daher eine grosso Bedeutung als Plastica, indem sie zum Aufbau und Ersatz der Gewebe dienen. Das circu-lirende Eiweiss ist ein Alkalialbuminat. Der Hauptbestandthoil der Knochensalze ist phosphorsaurer Kalk. Die Reaction des Blutes ist ferner eine alkalische; der gesammte Stoffwechsel des Blutes kann nur in alkalischer Lösung vor sich gehen. Die Alkalien sind als Träger der Blutkohlensäure die Vermittler der Athmung, sie bedingen durch ihren Gegensatz zu den in den Körperzellen gebildeten Säuren die Vorgänge der Diffusion und Osmose, sie neutralisiren die bei der Zellthätigkeit entstehenden Säuren (Kohlensäure, Milchsäure, Phosphorsäure). Sie liefern endlich die Salzsäure des Magens. Entziehung der Alkalien in der Nahrung hat tödtlichc Inanition zur Eolge. Besonders wichtig sind in dieser Beziehung Kochsalz, phos-phorsaurer Kalk und Kalium bicarbonicum.
4)nbsp; Die Magen Verdauung wird durch die Alkalien in der AVeise gebessert, dass sie die Drüsensecretion im Magen anregen, den Apjietit heben, die Peptonisirung befördern, abnorme Schleimansammlung verflüssigen, abnorme Säuren binden, die Peristaltik vermehren. Die Secretion der Leber wird gesteigert (cholagoge Wirkung) , desgleichen die der Milchdrüse (Milchraittel) und der Nieren (harntreibende, diuretischo Wirkung); gleichzeitig nimmt die Alkalescenz des Harns zu (Lösung von Säuresedimenten); die Harn-stoffmenge ist vermehrt, die Harnsäuremenge vermindert. Im Darm wirken manche Alkalien als Abführmittel (Glaubersalz, Bittersalz, Karlsbadersalz), indem sie eine vermehrte Diffusion von Flüssigkeit aus dem Blute in das Darmlumen veranlassen, die Secretion der Darm-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19
drüsen anregen und durch Reizung der Schleimhaut die Peristaltik reflectorisch heschleunigen.
6) Auf der Respirationsschleimhaut wird durch die Alkalien die Drüsensecretion angeregt, der katarrhalische Schleim verflüssigt und die Thätigkeit des Plimmerepithels gesteigert. Diese antikatarrhalische, expectorirende Wirkung kommt namentlich dem Salmiak, Kochsalz und Natrium bicarbonicum zu. Auch auf andere Schleimhäute wirken die Alkalien antikatarrbalisch (Blase, Uterus).
G) Die Resorption fester Exsudate im Körper wird durch die auflösende, rosorbirende Wirkung der Alkalien eingeleitet.
VTII. Die Halogene (Chlor, Brom, Jod).
Chemisches. Mit dem Namen Halogene bezeichnet die Chemie die zu den Nichtmetallen (Metalloiden) gehörige Gruppe: Chlor, Brom und Jod. Diese eigentbümlicho Gruppe der Halogene ist durch ihre Neigung charakterisirt, Wasserstoff aufzunehmen und mit demselben Säuren darzustellen (z. B. C1H), welche mit Metallen Salze bilden (Halogen = Salzbildner).
Pharmakologische Wirkung. 1) Die Halogene wirken ätzend bezw. reizend dadurch, dass sie unter Bildung von Säuren (C1H, Salzsäure) den Grewehen WasserstofT entziehen, wobei gleichzeitig Sauerstoff in statu nascendi frei wird, nach der Formel: Cl2-f H20 = 2ClH-|-0. Während Chlor und Brom ätzen, wirkt Jod stark reizend (Jodtinctur).
2)nbsp; Da sie ähnlich auch auf Bacterien wirken, sind sie starke Antiseptica. So wirkt Chlor noch entwicklungshemmend auf die Bacterien in einer Verdünnung von 1 : 25,000, Jod 1: 5000, Brom 1 : 3000. Chlor wird als Chlorkalk oder Chlorwasser, Jod als Jodtinctur, Jodoform, Jodtrichlorid u. s. w. angewandt. Auch eine antiparasitäre Wirkung kommt ihnen zu (Jodtinctur gegen Herpes, Acarus, Sarcoptes).
3)nbsp; Ihre innerliche Wirkung ist verschieden. Im Allgemeinen wirken sie, namentlich Brom (Bromkalium), narkotisirend auf das Nervensystem. Das Jod (Jodkalium) besitzt ausserdem eine speeifische resorbirende Wirkung gegen Kropf und Aktinomykose. Eine gewisse Aehnlichkeit zeigen sie auch als Gifte (Bromismus, Jodismus).
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
2raquo;raquo;
|
Einleitung.
|
||
|
|
|||
|
FX. Säuren.
Chemisches. Die Chemie unterscheidet anorganische und organische Säuren. Von anorganischen Säuren haben als Arznoi-inittcl Bedeutung die Salzsäure OUT, die Schwefelsäure S04Hj, die Salpetersäure NO,,]! und die Phosphorsäure P04H8. Organische Säuren sind die Essigsäure CH8.0OOH, die Trichlor-essigsäure 0018.COOH, die Ameisensäure H.COOH, die Milchsäure CsHjOj,, die Weinsäure 04H404(OH)i,, die Oitronen-säure u. a.
Pharmakologische Wirkung. 1) Die Säuren bilden mit dem Eiweiss des Körpers ein Säurealhuminat und wirken aus diesem Grunde in concontrirtem Zustand ätzend bezw. reizend. Dabei erzeugen die anorganischen Säuren (Salzsäure, Salpetersäure, Sclnvefel-säurc) einen mehr festen, die organischen Säuren (Essigsäure) einen mehr flüssigen Aetzschorf. Die Schwefelsäure wirkt ausserdem ätzend durch Wasserentziehung,
2)nbsp; nbsp;Da sich die Bactericn in sauren Flüssigkeiten nicht vermehren können, wirken alle Säuren entwicklungshemmend (kolyseptisch) auf Spaltpilze. Die eigentliche antiseptische (bacterientödtende) Wirkung der Säuren ist jedoch schwach. Die Cholerahacillen werden zwar durch verdünnte Essigsäure (Essig) und Citronensäurc rasch ge-tödtet. Dagegen vernichtet B0/oige Salzsäure das Wuthcontagium erst nach 5 Minuten, concentrirte Schwefelsäure desgleichen erst nach 10 Minuten. Auch die antiparasitäre Wirkung ist eine geringe (Essig gegen Läuse und Oxyuren).
3)nbsp; Die meisten Säuren wirken verdauungsbessernd als Ersatzmittel der physiologischen Salzsäure des Magens (Salzsäure, Phosphorsäure, Milchsäure, Essigsäure). Ausserdem dienen sie als Gegengifte gegen Alkalien.
4)nbsp; Durch Herabsetzung der Blutalkalescenz wirken alle Säuren indirekt fieberwidrig. Gelangt eine zu grosse Menge von Säuren ins Blut, so geht die alkalische Reaction des Blutes in eine saure über (Tod in Folge von Hämoglobinämie etc.).
|
|||
|
|
|||
|
X. Eiwcisskörper, Fette, Kohlehydrate u. s. w.
Die Arzneimittel dieser Gruppe bilden die sog. diätetischen oder indifferenten Mittel. Sie dienen theils als Nahrungsmittel,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Einleitung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;21
tlieils als einlüillende und (lockende Mittel. Hire Wirkung ist somit entweder eine rein physiologische (vergl. die .Diätetik) oder eine rein niechfinische. Von Eiweisssubstanzen kommen in Betracht Pepsin, l'epton, Keratin und Hühnereiweiss; (die eiweissartigen Stoffwechsel-produete der Baoterien, Tubei'oulin und Mallein, gehören nicht hieher). Von Fetten werden medicinisch verwendet sowohl feste (Sehweinefett, Talg, Cacaohutter u. 8. w.) als flüssige (Olivenöl, Mohnöl, Leher-thran u. s. w.). Von Kohlehydraten sind endlich zu erwähnen die verschiedenen Zuckerarten (Rohrzucker, Rübenzucker, Milchzucker, Syrupe), Stärkmehl und zahlreiche Pflanzenschleime (Gummi arabi-cum, Leinsamen, Eibisch wurzel, Mulvcnbliitter, Bockshornsamcn, Tragant u. s. w. Auch die Verhandmittel gehören zu dieser Gruppe der indifferenten Arzneimittel.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Fiebermittel. Antipyretica.
|
||
|
|
||
|
Cortex Chiuae. Chinariude.
Stamm pflanzen: Cinchona succirubra, C, Calisai/a, C. mikmntha, C. lanci-folia, C. offwinalis. Familie: Rubiacem (Cinchonaceen).
Geschichtliches. Der Name China'-Rinde stammt aus dem peruanischen Wort quinaquot; oder kinaquot; = Einde. Die Familie der Cincho-naceenquot; ist nach der Gräfin Chinchon benannt, der Gemahlin des Vicekönigs in Peru, welche im Jahre 1638 durch die Rinde vom Wechselfieber geheilt wurde. Die Ableitung des Namens Calisayaquot; ist unsicher (Quichua-Sprache?); succirubraquot; bedeutet rothsaftig. Als Fiebermittel ist die Chinarinde seit dem Jahre 1682 durch die Jesuiten bekannt geworden, welche dieselbe von Peru nach Europa brachten (Jouan de Canizares, Jouan de Lugo), wo sie seitdem als Fiebermittel, namentlich bei Malaria, allenthalben angewandt wird. In der inedicinischen Literatur wird sie zuerst 1642 von Barba, Professor in Valladolid erwähnt (Vera praxis ad curationem Ter-tianae). 1669 findet sich die Rinde in den deutschen Apothokertaxon von Leipzig und Frankfurt. Auch dichterisch wurde die Entdeckung verwerthet (Lafontaine 1682, Madame de Genlis 1800). Im Jahre 1811 entdeckte Gomez die Chinaalkaloide, 1820 wurde das Chinin von Pelletier und Caven-ton dargestellt. 1854 verpflanzte Hasskarl den Chinabaum von Südamerika nach Batavia. Die wichtigsten pharmakologischen Arbeiten sowie eine Monographie über Chinin verdanken wir Binz (1875). Der Consum an Chinarinde beträgt jährlich 6 Millionen Kilo; derselbe geht jedoch in Folge der Anwendung neuer Fiebermittel allmählich zurück (die englischen Pflanzungen auf Ceylon und in Vorderindien bauen neuerdings statt Chinarinde Thee). Auch der Preis des Chinins ist erheblich zurückgegangen ; das Kilogramm kostet heute 40 Mark gegen 500 Mark früher.
Pharmakognosie. Die Chinarinde stammt von verschiedenen Cinchonenarten ab, welche häufig hohe, schlanke Bäume hilden. Die am meisten bevorzugte und daher auch in erster Linie officinelle Chinarinde ist die von Cinchona sueeiruhra. Das Vaterland der Cinchonen ist der Ostabhang der südamerikanischen Cordilleren vom
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Cliinariudc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
10. nördlichen bis zum 20. südlichen Breitegrade, umfassend die Staaten Columbia, Equador, Peru und Bolivia. Auf Veranlassung der holländischen Regierung wurde die Oinchonenkultur durch Hasskarl im Jahre 1854 auf den ostindischen Inseln (Java) eingeführt. Auch auf der Südspitze Vorderindiens (Aligiri-Gebirge), auf der Insel Ceylon und am Südabhange des Himalaya werden seit 1860 von der englischen Kegierung Cinchonenwälder gepflegt, welche zur Zeit den Hauptbedarf an Chinarinde decken, nachdem in Südamerika die dortige Ginchonenkultur durch unvernünftigen Raubbau zu Grunde gerichtet wurde. Die grösste Menge der Chinarinde kommt deshalb jetzt über England und Holland aus Ostindien nach Europa.
Die Hauptbestandtheile der Chinarinde sind:
1)nbsp; Die Alkaloide Chinin, CMnidin, Cinchonin und Clnchonidin.
2)nbsp; nbsp;Das amorphe Chinoidin.
3)nbsp; nbsp;Die Chinagerbsäure.
4)nbsp; nbsp;Das Chinovln und die CMnovasäure.
5)nbsp; Die Chinasäure und das Chinarotb.
Der Gebalt an Alkaloiden ist bei den einzelnen Rinden ein sehr wechselnder und schwankt zwischen 3 und 11 {,/o. Das deutsche Arzneibuch verlangt einen Alkaloidgehalt von mindestens 50/o. Die ostindischen Rinden sind im Allgemeinen reicher an Alkaloiden als die südamerikanischen. Der Gehalt schwankt je nach Klima, Alter der Bäume, Sammelzcit etc.; ältere Rinden enthalten mehr Alkaloide als jüngere, Stammrinden mehr als Zweigrinden. Der Sitz der Alkaloide ist namentlich die Mittelrinde.
Das Charakteristische der 25 mm dicken, röhren- oder halb-röhrenförmigen Chinarinden besteht darin, dass sie aussen einen dünnen, grau bräun lieben Kork mit groben Längsrunzeln und kurzen Querrissen, sowie eine braunrothe, faserige Innenfläche zeigen. Alle echten Cinchonenrinden brechen ferner mürbe und ihr Bruch ist kurz- und steifsplitterig, niemals bandfaserig oder höckerig; niemals zeigen sie concentrische Schichten oder radiale Strahlen. Mikroskopisch sind die Cinchonenrinden durch den charakteristischen Bau der 1 mm langen, spindelförmigen, radial angeordneten Bastzellen gekennzeichnet. Die Bastzellen der Chinarinden sind die dicksten aller officinellen Rinden. Ausserdem geht die Bastschicht ohne scharfe Grenzlinie in die Mittelrinde über. Der Geschmack der Rinde ist ein bitterer, zusammenziehender. A.P. 100,0 = 90 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
24
|
Ohinarinde.
|
||
|
|
|||
|
Tinctura Chinae, Chinatinctur, eino rotbbnuiiio Tinctur von selir bitterem Geschmaeke aus 1 Tbeil Chinarinde und 5 Theilen verdünntem Weingeist bereitet. Nur für die Hundepraxis, zai 525 Tropfen.
Tinctura Chinae composita, /, u s a in m e n g e s e t z t e C h i n a t i n e t u r, bereitet ans (i Theilen Chinarinde, 2 Theilen Ponieranzenscbale, 2 Theilen Enzianwurzel, 1 Theil Zimmt und 50 Theilen verdünntem Weingeist. Eine Tinctur von rothbrauner Farbe, aromatischem, stark bitterem Geschmaeke und dem Gerüche nach Zimmt und Pomeranzenschale. Für die feinere Hundepraxis, zu 1050 Tropfen.
Extractum Chinae aquosum, wässeriges Chinaextract. 1 Theil Chinarinde wird mit 10 Theilen Wasser 48 Stunden macerirt. Der nach dem Abpressen bleibende Rückstand wird nochmals mit 10 Theilen Wasser 48 Stunden macerirt. Beide Flüssigkeiten werden zu einem dünnen Extracte eingedampft; derselbe ist rothbraun und enthält hauptsächlich die Chinagerbsäure und das Chinaroth, nur '/a der Alkaloide. Dosis für Hunde 0,251,0.
Extractum Chinae spirituosum, weiugeistiges Chinaextract. Aehnlich, aber mit verdünntem Weingeist ausgezogenes, trockenes Extract von rotlibrauner Farbe, die Chinabasen an Chinasäure gebunden, sowie Chinagerbsäure und Chinaroth enthaltend.
|
|||
|
|
|||
|
Vinum Chinae, China wein, jetzt nur noch in Oesterreich offlcinell; wird dort dargestellt aus zorstossener Chinarinde und Cognac ää 25, sowie Malaga 500, welche Theile 8 Tage lang unter öfterem Schütteln macerirt, dann colirt, gepresst und filtrirt werden.
Wirkung. Bei der grossen Anzahl von Stoffen, welche in der Chinarinde enthalten sind, ist deren Wirkung keine einheitliche. In der Hauptsache kommen jedoch nur 2 Bestandtheile liiebei in Betracht* das Chinin und die Chinagerbsäure. Erstcres hat eine anti-pyretische und antiseptische, letztere eine adstringirende Wirkung. In früheren Zeiten, als das Chinin aus der Chinarinde noch nicht dargestellt war, bediente man sich der Ohinarinde seihst als Fiebermittel; dies geschieht heute nicht mehr, vielmehr wird gegenwärtig ansschliesslich das Chinin zur Antipyrese verwandt. Die Chininwirkung der Chinarinde wird daher ausführlicher bei den Chininsalzen besprochen werden. Die adstringirende Gerbsäurewir-kung der Chinarinde hat an sich vor derjenigen der Eichenrinde und anderer tanninhaltiger Drogen nichts voraus; es kann daher auch hier auf die eingehendere Besprechung der Gerbsäure-Wirkung heiin Tannin verwiesen worden.
Anwendung. 1) Die Chinarinde gilt als Stomachicum hei Störungen der Verdauung; gewöhnlich wird sie nur bei kleineren
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Chinariiulc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
Hausthieren in Form des Decocts und in Verbindung mit Salzsäure angewandt.
2)nbsp; nbsp;Sie ist ein Stypticum bei Diarrhöen und wird auch gegen innere Blutungen, sowie bei Nephritis und Cystitis empfohlen.
3)nbsp; nbsp;Aeusserlich kann man die Rinde in Form von Pulvern oder Decocten zur Austrocknung von Geschwüren und stark secerni-renden Flächen (Otorrhöe) verwenden.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 1025,0.
Kind 2550,0.
Schaf, Ziege und Schwein 510,0. Hund 25.0. Katze 12,0.
Form. Pferden gibt man das Pulver in Latwergen- oder Pillenform, Rindern und Schafen als Schüttelmixtur (Einguss), Hunden verschreibt man aussei' dem Pulver entweder ein Decoct oder eine Maceration. In letzterer Beziehung ist zu bemerken, dass durch das Abkochen der Chinarinde die Chinagerbsiiure in das nicht mehr adstringirend wirkende Chinaroth umgewandelt wird. In Folge dessen eignet sich ein Decoct als stopfendes Mittel gegen Durchfall sowie als Adstringens gegen Nephritis etc. wegen des Fehlens der Gerbsäure weniger, als eine Maceration oder das Pulver selbst. Dagegen empfehlen sich Abkochungen der Kinde als Magenraittel, weil hiebei nur das Chinin zur Wirkung gelangt, und die auf die Verdauung unter Umständen nachtheilig einwirkende Gerbsäure durch das Kochen zersetzt wird. Häufig verschreibt man unrichtigerweise zur Chinarinde noch Eisen; man hat sich hiebei zu erinnern, dass beim Einwirken der Gerbsäure auf Eisen T inte entsteht! Auch Metallsalze werden durch die Chinagerbsäure zersetzt, so Bleizucker und Höllenstein.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Pulv. Cort. Ohinae 50,0.
Pulv. Rad. Althaeac 100,0. Aquae qu. s. f. Electuarium. D. S. Für ein Pferd mit Diarrhöe, täglich die Hälfte zu geben.
2)nbsp; Rp. Decocti Cort. Ohinae 5,0:150,0.
Acid, hydrochlor. 2,0. M. D. S. Täglich 3 Theo- resp. Esslöffel für einen Hund mit chronischem Magenkatarrh.
o) Rp. Tinct. Ohinae
Tiuct. Rhei vinos, ää 25,0. M. D. S. Täglich 3mal 10 Tropfen für eine Katze mit chronischem Darmkatarrh.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
26nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chininsalze.
Die ( liiiiiiisiilzc. ( liiiiiiiuia hydrochloricuni und Kiilfurivuiii.
CjoH^NjOu. HC1 1 '/j aqua und (C^H^Cty 2 . 804^ 7 aqua.
Pharmaceutische Chemie. 1) CMuinum hydrocMoricum, das salzsaure Chinin, bildet weisse, seidenglänz ende Kry stallnadeln von bitterem Geschniacke, welche sich in 34 Theilen Wasser und in 3 Theilen Weingeist farblos lösen. Es wird durch 2 Reactionen charakterisirt: a) Als Chininverbindung durch die Thal-leiochinreaktion, indem sich seine verdünnte Lösung nach Zugabe von ein Viertel Chlorwassor mit Ammoniak schön grün färbt; b) durch die Chlorreaction, indem seine Lösungen mit Silbernitrat einen weissen Niederschlag von Chlorsilber bilden. A.P. 1,0 = Iß Pfennig.
2) Chininum sulfuricum, das schwefelsaure Chinin, bildet zarte, weisse, biegsame Krystallnadeln von bitterem Geschniacke, welche sich in etwa 800 Theilen kaltem Wassor, in 25 Theilen heissem Wasser und in G Theilen siedendem Weingeist lösen. Die Krystalle verwittern an trockener Luft und nehmen an feuchter Wasser auf. Die Lösung soll neutral, nicht sauer reagiren (Chininum bisulfuricum); mit einem Tropfen verdünnter Schwefelsäure zeigt sie blaue Pluorescenz. Das Salz, welches 10 (,/o weniger Chinin enthält, als das Chininum hydrochloricum (nämlich nur 74 0/o gegenüber 84 0/o beim letzteren), ist ebenfalls durch die Thalleio-chinroaction, andererseits durch die Sehwefelsäurereaction (Fällung der wässerigen Lösung durch Baryumnitrat) als solches zu erkennen. A.P. 1,0 = 15 Pfennig.
Chininum tannicum, gerbsaures Tannin (officinell), wird aus Chininsulfat und Gerbsäure hergestellt. Es bildet ein grauweisses oder gelblichweisses, amorphes Pulver von schwachem Gerüche und weniger bitterem Geschmacke als die andern Chininpräparate, welches in kaltem Wasser kaum und auch in Alkohol schwer löslich ist. Das Präparat wird wegen seiner relativen Geschmacklosigkeit in der Kinderheilkunde (Keuchhusten) angewandt. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Chininum ferro-citricum, Eisenchinincitrat (officinell), bildet glänzende, durchscheinende, dunkelrothbraune Blättchen von bitterem und eisenartigem Geschmacke, in Wasser in jedem Verhältniss löslich. Es besteht aas citronen-saurem Eisenoxyduloxyd mit citronensaurem Eisenoxydulchinin, enthält etwa 100/o Chinin und zeigt die Reactionen der Eisenoxyduloxydsalze (dunkelblauer Niederschlag mit Ferro- und mit Ferridcyankalium) und des Chinins. Vereinigt die Wirkung des Chinins mit der des Eisens. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Nicht-offlcinelle Chininpräparate. Als solche sind zu erwähnen Chininum bisulfuricum, früher in Deutschland und jetzt noch in Oester-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chininwirkung;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
reich officinell, Chininuin tannicum, salicylicum, bromalum, valerianicum, hydrobromicuin, acetiuum, arsenioicum und arsenicosum (gegen Malaria), benzoicum, citricum, boricum, lacticum, hydrojodicura, phosphoricum, liypo-phosphorosuin, ferrohydrocyanicum, ferrohydrojodicum, ferrohydrolacticum, lerrohydi-ovalerianicum , sulfoaethylicum (subcutan), sulfophenylicum , bi-muriaticum carbamidatum (Chininharrstoff, subcutan), chinioum (subcutan), jodohydrojodicuni. Ferner Chinidinum sulfuricum, Cinchoninum sul-furicum, hydrochloricum, tannicum, Cinchonidinum sulfuricum, salicylicum, tannicum, Chinoidin, eine schwarzbraune harzige Masse von geringem Chiningehalt, früher officinell, Chinioidinum boracicuin , citricum, sulfuricum und tannicum. Nicht ennpfehlenswerth ist der Gebrauch des schwerlöslichen und unreinen (und deshalb sehr billigen) sog. Chininuin amorphum.
#9632; II
Darstellung der Chininsalze. Bei der fabrikmässigen Darstellung
der Chininsalze ims der Chinarinde wird das Chinin immer in Form des
Chininsulfates gewonnen; aus dem Chininsulfat werden dann die übrigen
Chininsalze und das Chinin selbst hergestellt. Der gewöhnliche Gang der
Darstellung in den Chininfabriken ist folgender; die in der Rinde an die
Chinagerbsäure gebundenen Alkaloide werden in dieser Verbindung durch
kaltes, mit Schwefelsäure schwach angesäuertes Wasser der
Rinde entzogen. Die sauren, wässerigen Auszüge werden mit Kalkmilch
übersättigt, wodurch die Alkaloide frei gemacht werden (es bildet sich
gleichzeitig chinagerbsaures und chinovasaures Calcium, Gyps und Calcium-
bydroxyd). Der getrocknete Niederschlag wird dann öfters mit reinem
Alkohol ausgekocht, um das beim Erkalten desselben auskrystallisirende
Cincbonin zu entfernen. Dann wird die alkoholische Chininlösung mit
Schwefelsäure fast völlig neutralisirt, worauf nach dem Abdestilliren
des Alkohols das schwefelsaure Chinin auskrystallisirt und zur absoluten
Reindarstollung noch mehrmals umkrystallisirt und mit Thierkohle entfärbt
wird. Neben dieser gewöhnlichen Darstellungsmethode kann man das Chinin
auch durch Kohlenwasserstoffe oder durch Amylalkohol ausziehen
und mittelst Schwefelsäure in Sulfat überführen. Das salz saure
Chinin wird entweder durch Umsetzung von Chininsulfat mit Chlor-
baryum oder durch Neutralisation von Salzsäure mit Chinin dargestellt.
Wirkung des Chinins. Die wichtigste Eigenschaft des Chinins besteht darin, dass es ein sehr starkes Protoplasmagift ist mit lähmender und nekrotisirender Wirkung. Das Chinin lähmt nicht nur die Lebensbewegungen der niedersten amöboiden Gebilde, sondern auch die Thätigkeit der Muskel- und Nervenzellen. Infusorien, Bactericn und weisse Blutkörperchen sind der Chinin-narkosc obenso unterworfen wie Herz, Athmungscentrum, Stoffwechsel und nervöse Centralorgane. Im Einzelnen und genauer betrachtet äussert sich die lähmende Wirkung des Chinins auf alles und jedes Protoplasma folgendermassen:
1) Das Chinin hemmt die Thätigkeit der fäulniss- und gäh-rungserrogenden Mikroorganismen. Gegen die Fäulnissbacterien
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
28
|
Chinimvirkung.
|
||
|
|
|||
|
besitzt das Chinin etwa die quot;VVivlumgsstili'ke der Oarholsiiure; von Gilhningsfennentcn werden z, B. diejenigen der Milchsäure-, Buttersäure-, Alkohol- und Harngährung unterdrückt; ebenso werden abnorme Gährungen des Mageninhaltes sistirt. Nach Buohholtz hindert das Chinin die Entwicklung von Mikrooocous und Mikrobactcrium Billroth in einer Verdünnung von 1 :200 (Carholsäure ebenfalls 1 : 200, Borsäure 1 : 130, Salicylsäure 1 :Ö60, Kreosot 1 : 1000, Creolin 1 :5000, Sublimat 1 : 20,000). Der Grad der antiseptischen Wirkung gegenüber dem Cholerabacillus wird durch eine hacteriologische Untersuchung von Koch illustrirt. Darnach hören die Kommabacillen der Cliolera auf sich zu vermehren bei einer Verdünnung von Chininsulfat von 1 :Ö000 (Alaun 1 :100, Eisenvitriol 1 :200, Campher 1 : 300, Carholsäure 1:400, Creolin 1:5000, Sublimat 1:100,000). Nach Bin/. lässt sich ferner die Vergiftung von Warmblütern mit gewissen putriden Flüssigkeiten durch gleichzeitiges Einführen von Chinin ganz oder theilweise verhüten; auch sistirt ein Tropfen Chininlösung zu einem Tropfen Jauche gesetzt die lebhafte Bewegung der darin enthaltenen zahlreichen Bacterien und Infusorien sofort. Phosphorescirende Seelische verlieren das Leuchten schon bei einer Verdünnung des Chinins von 1 : 14,000; die Phosphorescenz rührt hier bekanntlich von der Anwesenheit niederster Organismen (Bacillen) mit sehr lebhaftem Stoffwechsel her. Doch sind nicht alle Spaltpilze für das Chinin gleich empfindlich; die llecurrensspirille wird z. B. gar nicht beeintlusst. Auch das Ptyalin und Pepsin werden in ihrer Function wenig oder gar nicht beeinträchtigt. Schimmelpilze gedeihen ebenfalls wie in Arsenik- so auch in Chininlösungen.
2) Ein speeifisches Gift ist das Chinin für die Amöbe der Malaria, welche nach Laveran die Ursache des Wechselfiebers bildet. Bas Chinin scheint eine direkte nekrotisirende Wirkung auf die in den rothen Blutkörperchen parasitirenden Protozoen auszuüben.
.'5) Auf die weissen Blutkörperchen wirkt Chinin stark lähmend ein; die Zahl derselben wird (bis auf ein Viertel) vermindert und ihre active, amöboide Beweglichkeit gehemmt. Die Auswanderung der farblosen Blutzellen aus den Cefässen heim Process der Eiterung wird dadurch eingeschränkt (Binz). Nach neueren Untersuchungen von Disselhorst wirkt das Chinin hiehei in erster Linie auf die Cefässwand selbst ein. Ebenso werden die Lymphdrüsen und die Milz hei Anwendung des Chinins kleiner, die Milz zeigt eine faltige Oberfläche und vermehrte Resistenz. Noch eine Verdünnung von 1 :20,000 wirkt lähmend auf die weissen Blut-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Cliiuinwirkuiif,'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
körperohen. Milzansohwellungen und Hyperplasie der Lymphapparate können daher durch Chinin beseitigt werden.
-1) Die rothen Blutkürpcrchon halten unter der Einwirkung des Chinins den Sauerstoff fester an sich gehundeii; sie erscheinen, da sie denselben nicht abgehen, grosser. Chininhaltiges Blut lässt sich z. B. durch i'cnicillium den Sauerstoff ausserhalb des Körpers nicht entziehen im Gegensatz zu gewölinlichein. Auch anderes Protoplasma, so frischer Eiter oder frische Pflanzcnsäf'te, binden bei Anwesenheit von Chinin den Sauerstoff fester und geben in Folge dessen nicht mehr mit Indigo oder Cuayaktinctur die Reaktion des nascirenden Sauerstoffes (Ozonreaktion).
5)nbsp; Die Bluttemperatur wird schon heim gesunden Warmblüter, noch mehr aber bei gewissen fieberhaften Krankheiten durch mittlere Chiningaben erniedrigt. Dabei werden eigonthümlicherweise von Fiebernden viel grössere Dosen ohne unangenehme Nebenwirkungen ertragen, als von Gesunden (ähnlich wie beim Alkohol). Die Temperaturerniedrigung ist theils die Folge einer Vernichtung resp. Hemmung der fiebererregenden Stoffe, theils, wie Versuche gelehrt haben, einer Verminderung des Stoffwechsels, indem durch das Chinin die im Fieber abnorm gesteigerte wärmeproducirende Zelltbätigkeit herabgesetzt wird. Man findet demnach die Ausschei-
'dung des Stickstoffs und der Schwefelsäure im Harn, sowie diejenige der Kohlensäure durch die Lungen, und dem entsprechend die Aufnahme von Sauerstoff ganz erheblich vermindert unter dem Einflüsse des Chinins. Die Ersparung im Eiweissumsatzc ist durch v. Bock an Hunden nachgewiesen worden; seine Versuchsthicre schieden in 5 Tagen zusammen 10 g Stickstoff weniger aus, als in der verabreichten Nahrung enthalten war. Mit der Wirkung des Chinins auf das Nervensystem, das Herz und den Blutdruck hängt die antipyretische Wirkung nicht zusammen (Binz).
6)nbsp; Die Säurebildung in den inneren Körperorganen wird verzögert, so namentlich im Blute, in der Niere, in der Milz; auch die synthetische Fähigkeit der Niere, aus Benzoesäurc und Glykokoll Hippursäure zu bilden, nimmt bei Anwesenheit von Chinin ab. Die Blutgerinnung wird verlangsamt.
7)nbsp; Im Nervensystem wird durch Chinin die Erregbarkeit herabgesetzt; grössere Gaben bedingen Narkose (Chininrausch), selbst plötzlichen Collaps und Liihmungserscheinungen. In speeifischer Weise werden durch grosse Chiniugaben, ganz im Gegensatz zur Wirkung des Strychnins, die Endorganc des N. Opticus
|
||
|
|
||
|
|
||
|
30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chiniuwirkung.
und Acusticus afflöirt. Die Sehschärfe nimmt ab, die erweiterten Pupillen sind für Lichtwechsel unempfindlich, und es kann selbst bei sehr grossen Dosen wochcnlange Blindheit (Amblyopie, Amaurose) eintreten; hiebei zeigen sich die Blutgefässe der Retina bei der Untersuchung mit dem Augenspiegel sehr anämisch. Im Gehörorgan entsteht schon nach mittleren Dosen Klingen und Sausen, nach grösseren vorübergehende Taubheit. In einzelnen Fällen hat man ferner Sprachstörungen (Aphasie) beobachtet. Auch das Gefühls- und Tastvermögen der Haut wird vermindert. Nach alledem charakterisirt sich das Chinin als ein narkotisches Nervengift.
8)nbsp; Die Kreislaufsorgane werden durch kleine Mengen von Chinin leicht erregt; es steigt die Zahl der Pulse etwas, ebenso der Blutdruck (Lähmung des Vaguscentrums). Grrossere Gaben schwächen und lähmen jedoch das Herz (Verlangsamung und scbliesslich Stillstand der Herzthätigkeit) und das vasomotorische Centrum (starkes Sinken des Blutdrucks), scbliesslich auch das Ath-mungscentrum.
9)nbsp; Im Magen wirkt Chinin als Bittermittel. Diese Wirkung ist jedoch eine sehr nebensächliche. Es regt wie in der Maulhöhle die Speichelsecretion, so auch in geringer Menge die Magensccretion an (Stomachicum amarum) und befördert dadurch die Verdauung. Auch die glatten Muskeln des Darmkanals werden erregt, was eine lebhaftere Peristaltik zur Folge hat (Lähmung des Darmhemmungs-nerven Splanchnicus). Die Ausscheidung der Chininsalze erfolgt in der Hauptsache durch den Harn in der Form des Dihydroxyl-chinins, zum Theil auch durch den Darmkanal.
10)nbsp; Lokal wird das Chinin leicht reizend. Nach subcutaner Injection concentrirter Lösungen entstehen daher zuweilen Abscesse. Auch auf Schleimhäuten macht sich unter Umständen die reizende Wirkung geltend. So stören grössere Dosen, schwerlösliche Präparate und länger fortgesetzte kleine Dosen von Chinin die Verdauung. Hunde und Katzen erbrechen ausserdem häufig die gereichten Chininpulver. Sehr grosse Gaben können auch eine Reizung der Nieren und der Blasenschleimhaut bei der Ausscheidung durch den Harn bedingen. Manche Menschen zeigen endlich nach dem Einnehmen von Chinin Hautausschläge der verschiedensten Art (sog. Ciiininkrätze).
Anwendung. 1) Als Fiebermittel gegen hohe und anhaltende Temperatursteigcrungon. Nicht alle Fieber reagiren indessen gleichmässig darauf, namentlich nicht die typisch verlaufenden
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chinin Wirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 31
der acuten Infectionskrankhciten, wie z. B. das der Influenza und Brustseuclie der Pferde oder der Staupe der Hunde. Derartige Infectionstieber mit eyklischem Cliarakter bedürfen überhaupt in der Regel keiner besonderen antipyretischen Behandlung, wofern nicht eine direkte Gefahr Seitens des Gehirns oder Herzens in Folge excessiv hoher oder anhaltender Temperatursteigerung droht. Dabei leisten in sehr vielen Fällen andere Fiebermittel wesentlich bessere Dienste als Chinin, welches gegenüber dem Antifebrin, Antipyrin und anderen neueren Mitteln mit Kecht in den Hintergrund gedrängt worden ist. So sicher und rasch sich beispielsweise das Fieber der Brustseuche oder Hundestaupe durch die genannten neueren Mittel herabsetzen lässt, so häufig lässt uns das Chinin in noch so grossen Dosen hiebei im Stiche. Bei der Influenza bleiben unter Umständen 100 g salzsaures Chinin, innerhalb zweier Tage einem Pferde eingegeben, völlig wirkungslos (Friedberger). Am ehesten scheint das Chinin noch beim Fieber der Soptikämie und Pyämie wirksam zu sein, was sich auch bei den bekannten Beziehungen des Chinins zu den septischen Infectionsstoffen leicht erklären lässt. Von specifischer Wirkung sodann ist das Chinin bei den allerdings sehr seltenen Fällen von Wechselfieber (Malaria) bei unseren Hauthieren. Da das Texasfieher des Rindes ebenfalls durch protozoische Blutparasiten erzeugt wird, so könnte auch bei dieser Krankheit ein Versuch mit der Anwendung von Chinin gemacht werden. Beim Menschen ist das Chinin das souveränste Mittel gegen die Malaria; daneben wird es bei Septikämie, Typhus und croupöser Pneumonie wirksam angewandt. Wirkungslos ist es dagegen bei Gelenkrheumatismus, den acuten Exanthemen, bei Erysipelas und Recurrens.
2)nbsp; Als Stomachicum in ganz kleinen Gaben in Lösung mit Salzsäure, insbesondere bei Verdauungsstörungen, welche auf abnormen Gährungsprocessen beruhen. Jedoch ist die gleichzeitige Verordnung von Natrium bicarbonium zu vermeiden, weil letzteres das Chinin aus seiner Salzverbindung ausfällt und das reine Chinin wegen seiner schweren Löslichkeit in Wasser (1 :1700) weniger zur Wirkung kommt, als das leichter lösliche salzsaure Chinin (1:40).
3)nbsp; Bei Leukämie zur Verminderung der Zahl der weissen Blutkörperchen und zur Beseitigung der Schwellung der Milz und der Lymphdrüsen.
4)nbsp; Zur Einschränkung beginnender Eiterungen, namentlich im zweiten Stadium der Pneumonie (Auswanderung der weissen Blutkörperchen).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
;J2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohininwirkung.
5)nbsp; Als Narootiouw bei Keuclihusten und Neuralgien, uui die Nervenerregbarkeit herabzusetzen (in der Menschenheillamde).
6)nbsp; Aeusserlich in Substanz auf faulige Geschwüre, in 1- bis 20/oiger Lösung gegen infectiöse Cunjunctiviten und Keratiten, sowie gegen Corneageschwüre,
Dosis. Die Dosis des salzsauren und schwefelsauren Chinins als Fiebermittel beträgt für
Pferde 1020,0.
Kinder 1525,0.
Schafe und Ziegen 25,0,
Schweine 1,02,0.
Hunde 0,251,0.
Katzen 0,10,25. Die Dosis des Chinins als Stomachicum beträgt 1.) l/io der Fieberdosis.
Form, Als Eegel für die Anwendung der Clüninsalze gilt, dass man g rosse Dosen in leicht löslicher Form (am besten das Chin in um hy drochl oricum in Lösung, Pferden und Hunden als Pille) womöglich Morgens zur Zeit des Pieberminimums per os verabreicht; die subuutanen Injectionen sind nicht empfehlenswerth, weil zu grosse Plüssigkeitsmengen gebraucht werden. Das Ohininuin hydroohlorioum ist dem schwefelsauren Chinin ausseiquot; wegen seiner leichteren Löslichkeit auch desshalb vorzuziehen, weil es bei gleichem Preise mehr Chinin enthält (vergl. die Molekularformel) und weil das schwefelsaure Salz an der Luft leicht verwittert, indem es bei seinem grösseren Gehalte an Krystallwasser letzteres leicht abgibt. Das reine Chinin wird wegen seiner Schwerlöslichkeit in Wasser (1 : 1700) nicht angewandt. Contr ain dicirt sind grössere Chiningaben bei deutlicher Herzschwäche; sie können hier geradezu tödtlich werden.
Recepte.
1)nbsp; Bp. Chinini hydrochlorici 25,0.
l'ulv. Rad. Althacae 100,0.
Mucilag. öummi arab. qu. s. f. inassa Pilularum, e qua formentur Pilulae Nr. IV. D. S. Täglich 2 Pillen für ein Pferd mit Wcchselfieber.
2)nbsp; Rp, Chinini hydroohlorioi 5,0.
Acidi arsenicosi 0,05.
Gkunmi arabioi et Saoohari qu. s. f. maasa Pilularum, e qua formentur Pilulae Nr. XX. TäglichJl2 Pillen für einen Huud mit Leukämie.
3)nbsp; Rp. Chinini sulfurioi 5,0.
Acidi hydroohlorioi diluti qu. b. ad Solut, Syrupi comm. 20,0. Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Tiiglicli 3 4 Esslöfi'el für einen Hund mit Pyäinic.
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Sulicylsäure.
|
33
|
||||
|
|
|||||
|
4) Up. Ohinini hydroohlorloi 1,0. Afjuae dest, 100,0. M. f. Sol. D. S. Aeusserlioli. A ugo uwasser gegvn Hornliautge-scliwüre.
|
|||||
|
|
|||||
|
Salloylsfture und salloylsaures Natrium.
06H4(OH)OOOH und Cr)H4(OH)CÜÜXa.
Geschichtliches. Uie Salicylsäure leitet ihren Namen von dem Salioin ab, einem in der Weidenrinde (cortex salicis) enthaltenen Glykosid, aus welchem sie dargestellt werden kann. Die Woidenrinde selbst ist schon im Altertimm als Heilmittel im Gebrauch gewesen (Dioscorides); das Salicin hat im Anfang des !!. Jahrhunderts zur Zeit der Napoleomsehen Continental-sperre als Ersatz der Chinarinde gedient. Auch im Stiefmütterchen (Herba Violae tricoloris), einem im Mittelalter viel benützten Heilmittel, ist Salicylsäure enthalten. Die Salicylsäure ist im Jahre 1839 durch Piria entdeckt und aus ihrem Aldehyd dargestellt worden; 1840 hat sie Löwig in den Blüthen von Spiraea ulmaria, 1843 Cahours im Wintergrünöl nachgewiesen. Während sie jedoch bis zum Jahre 1873 nur in kleineren Mengen aus Salicin dargestellt wurde, hat Xolbo in Leipzig in diesem Jahre sein Verfahren der Darstellung im Grossen (aus Carbolsäure) veröffentlicht, welches für die Dauer der Jahre 18741888 patontirt war. Seit Aufhebung des .Patents ist die Salicylsäure billiger geworden, was zur Herstellung zahlreicher neuer Salicylpräparate Veranlassung gegeben hat.
Pharmaceutische Chemie. 1) Acidum salicylicum, die Salloy 1-
säu ro (Spirsiiure, Acidum spiricum), ist chemisch als Ortlio-Hydrox y-benzüösäure aufzufassen. Sie bildet leichte, weis so, nadel-fönaige Krystalle oder ein lockeres, zartes, weisses, geruchloses, krystallinisches Pulver von süsslich saurem, kratzendem Geschmacke, welches heim Einathmen Niesen und Husten hervorruft. Sie löst sich in 53 8 Theilen kaltem und in 15 Theilen heissem quot;Wasser, ebenso in warmem Glycerin, sehr leicht ferner in Weingeist und Aether, schmilzt bei 157deg; und ist beim Erhitzen flüchtig, und zwar bei vorsichtigem Erhitzen ohne Zersetzung, bei schnellem unter Verbreitung von Carbolsäuregeruch, indem sie zu Carbolsäure und Kohlensäure zcrrällt. Charakteristische Reaktion: ihre wässerige Lösung wird durch Eisenchlorid dauernd blau violett, in starker Verdünnung violettroth gefärbt. Ausscrdem gibt Salicylsäure mit einigen Tropfen concontrirter Schwefelsäure versetzt und erwärmt nach einigem Stehen beim abermaligen Erwärmen den charakteristischen Geruch des Wintergrünöls (Methyl-Salicylat). A.P. 10,0= 20 Pfennig; 100,0 == 1 Mark 35 Pfennig.
2) Natrium salicylicum, das salicylsäure Natrium, bildet weisse, süss-salzig schmeckende, geruchlose, krystallinische
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Friilinci'. Arziiciiiiittollrliro. 1. Aufl
|
|
|||
|
3
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||||||
|
84
|
Sal icy Isaures Natrium.
|
||||||
|
|
|||||||
|
SohUppohen, odor ein weisses Pulver, welche sieh in 0,9 Theileii Wasser und in (J Theilen Weingeist lösen. Die coneentrirte wässerige Lösung förbt sieh durch Eiscnchlorid rothbraun, die verdünnte (1 ; 1000) violett. Salzsäure scheidet aus der conccntrirten wässerigen Lösung weisse Krystalle von Salicylsäure aus, welche in Aether leicht löslich sind. Beim Glühen hinterlässt das Salz einen kohligen Rückstand von kohlensaurem Natron, der stark alkalisch reagirt, mit Säuren aufbraust und die Flamme gelb färbt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig; 100,0 = 1 Mark 50 Pfennig.
Darstellung der Salicylsäure. Nach Kolbe wird die Salicylsäure aus Carbolsiiure durch Einwirkung von Kohlensäure und Aetz-natron dargestellt, indem mögliehst conoentrirte Natronlauge mit Carbol-säure zur Pulverform eingedampft, auf 100deg; erwärmt und einem Strome trockener Kohlensäure ausgesetzt wird. Bei Erhitzung auf 250deg; bildet sich Dinatriumsalicylat nach folgender Formel:
|
|||||||
|
|
|||||||
|
1.
|
OeHsOH
Carbolsaure
|
NaOH
Xdtronlaugii
00, = Kohlensäure
|
CHjONa
riienolnatiiuni
bfgt;H4C00Na
Diiiatriiiinsalicylat
|
H.,0
Wasser.
|
|||
|
II.
|
20flH6ONa
Pliciioliialriuni
|
CtiH5OH
Carbolsäuve.
|
|||||
|
|
|||||||
|
Aus dem Natriumsal/. wird die Salicylsäure durch Salzsäure frei gemacht, sodann an Calcium gebunden, mit Thierkohle entfärbt, wieder frei gemacht und umkrystiillisirt (Acid, salicylicum erystallisatum) oder sublimirt (Acid, salicylicum sublimatmn) oder mittelst verdünntem Alkohol dialysirt (Acid, salicylicuni dialysatuin).
Das salicylsäure Natrium wird aus Salicylsäure und Natrium-carbonat dargestellt. Man trägt in eine Lösung der Salicylsäure in verdünntem Weingeist trockenes einfach- oder doppeltkohlensaures Natron ein und verdunstet langsam zur Trockene. Jeder Ueberschuss des Alkalis ist wegen der folgenden Braunfärbung, desgleichen sind eiserne Gegenstände wegen der Rothfärbung des Salzes zu vermeiden. Zur Krystallisation löst man das Salz in siedendem Alkohol und lässt letzteren dann erkalten.
Wirkung. Die Salicylsäure und ihr Natriumsalz zeigen in ihrer Wirkung, welche namentlich von P e s e r und Friedberg er (Arohiv für Thierheilkunde 1875 und 1876) einer eingehenden Untersuchung unterworfen worden ist, viel Aehnlichkeit mit dem Chinin. In der Hauptsache haben dieSalicylsäureund das salicylsäure Natrium dieselbe Bedeutung für den Organismus; es ist insbesondere die antipyretische Kraft hei beiden dieselbe und sie müssen daher beide zusammen besprochen werden. Ein Unterschied besteht lediglich insofern, als eine fäulniss- und gährungswidrige Wirkung wesentlich nur der Salicylsäure, nicht aber dem Natriumsalze zukommt.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
||
|
Salicylsäuro.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;35
1) l)iu Salicylsäuro (aber nicht das Xatriuiusalz) besitzt fäul-niss- und gährungswidrige Eigenschaften. Sie unterdrückt die Fäulniss organischer Stoffe, des Fleisches, Harnes durch Vernichtung der Füulnissbacterien und verhindert G-ährungsprocesse wie Zuckergährung, Biergährung, Milohgerinnung, indem sie die Entwicklung der (j ä brun gsfennonte stört. Auch Schimmelbildung sowie die Tliätigkeit des Emulsins und My rosins werden durch Salicylsäuro gehemmt. Von Wichtigkeit ist hiebei, dass in Gährungs-flüssigkeiten, welche reich an kohlensauren und phosphorsauren Alkalien sind, die Säure allmählich an gährungswidriger Wirkung verliert, indem sie sich, genau wie im Blute, zu salicylsaurem Natrium umwandelt. Durch ihre pilztödtende Eigenschaft wirkt sie auch gegen manche patho-gene Pilze, namentlich gegen Trichophyton tonsurans (GHatzfleohte) a ntiparasit ä r.
Manchen Bacterien gegenüber erweist sich die antiseptische Wirkung der Salicylsäure stärker als die der Carbolsäure. So wurde nach Buchholtz die Entwicklung von Mikrococcus und Mi k rob a cter i um Bil 1 r oth gehindert durch eine Verdünnung der Salicylsäure von 1 : 600 (Carbolsäure und Chinin 1 : 200, Borsäure 1 : 130, Henzoesäure und Kreosot 1 : 1000, Sublimat 1 : 20,000) und das Fortpflanzungsvermögen ganz vernichtet durch eine Salicylsäure-lösung von 1:300 (Carbolsäure 1:20, Brom 1 : 3000, Jod 1 : 5000, (Jhlor 1 : 25,000). Das Wuthgift wird durch eine 5 quot;oige Lösung von Salicylsäure schon nach 5 Minuten vernichtet, während die Carbolsäure in derselben Concentration 50 Minuten hiezu braucht (De Blasi und Ru8s0-Travoll). Dagegen hat Samter durch hacteriologische Untersuchungen nachgewiesen, dass die Salicylsäure gegenüber den Milzbrandbacillen und Milzbrandsporen, sowie dem Staphylo-COCCUS aureus, Mikrococcus prodigiosus und Streptococcus Erysipelatis eine schwächere antiseptische Wirkung zeigt, als die Carbolsäure. Speciell gegen Milzbrandsporen zeigte sie sich fast ohnmächtig. Nur an coly septisch er (entwicklungshemmender) Wirkung zeigte sich die Salicylsäure der Carbolsäure überlegen, indem sie noch in einer Verdünnung von 1 : 1000 und l : 1160 die Entwicklung der Milzbrandsporen und des Staphylococeus aureus hemmte, während die Carbolsäure dies erst bei einer Verdünnung von I : 850 vermochte. Die antiseptische und colyseptische Wirkung kommt jedoch der Salicylsäure nur in wässeriger Lösung zu; die Verbindung mit Alkohol und Grlycerin ist nahezu unwirksam. Eigenthüm-lichenveise ist die Paraoxybenzoösäure nicht antisoptisch.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
3(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salioylsfiure.
2)nbsp; Sowohl die Salioylsfiure ;ils ihr Natriumsalz Ijesitzcn in hohem Grade tlie Fiihigkcit, fieberhafte Temperaturen herabzu-setzen. Die Körperwärme gesunder Thiere wird jedoüh im Gegensatze zum Cliiniu in keiner Weise, aueh hei noch so hohen Dosen, erniedrigt, desgleichen nicht die Fiebertemperatur hui septischen und pvämischen Krankheiten; die Unwirksamkeit der Salioylsfiure für diese Fälle ist durch sehr eingehende Versuche von Fes er und Fried-berger unzweifelhaft erwiesen. Die Ursache der anüpyretischen Wirkung ist offenbar wie heim Chinin im Wesentlichen in der Einwirkung der freien Salicylsäure auf die fiebererregenden Stoffe im Blute zu suchen. Daneben scheint auch eine lähmende Wirkung auf das AVärmecentrum im Gehirn (calorigenes Centrum) einherzugehen. Das Fehlen der Temperaturerniedriguug bei gesunden Tliieren erklärt mau sieb daraus, dass wegen der zu geringen Kohlensäurespanuung des gesunden Blutes aus dem Natriumsalz keine freie Salicylsäure abgespalten wird.
3)nbsp; Eine sp eci l'i sc h e Wirkung besitzt die Salicylsäure gegenüber dem Gelenk- und Muskelrheumatismus. Beim Gelenkrheumatismus beruht diese Wirkung vielleicht auf einer specitischen antiseptischen Beeinflussung der dieser Infectionskrankheit zu Grunde liegenden Mikroorganismen. Uebei die genaueren Vorgänge bei der Einwirkung der Salicylsäure auf den Muskelrheumatismus ist zur Zeit nichts Sicheres bekannt.
4)nbsp; Die Salicylsäure wirkt stark harntreibend. Ausserdem wirkt die Salicylsäure, namentlich beim Menschen, seh weis 8 trei bend. Das Natrium salicylioum wirkt ferner galletreibend (oholagog). Vielleicht beruht auf der diuretisehen und diaphoretischen Eigenschaft zum Thcil ihre günstige Wirkung gegen Muskelrheumatismus.
n) Auf der Haut äussert die Salicylsäure eine koratoly tische, d. h. epidermislösende Wirkung, indem sie die oberflächlichen, verhornten Epidermiszellen erweicht und schliesslicb zur Auflösung bringt. Bis in die tieferen Schichten des Bete Malpighi dringt indessen die keratolytische Wirkung der Salicylsäure nicht vor.
(i) Eine ähnliche, aber stärkere, ätzende Wirkung äussert die freie Salicylsäure auf Schleimhäuten, insbesondere reizt sie bei der Aufnahme in den Körper in Substanz und in conceutrirten Lösungen die Schleimhaut der Maulhöble, des Pharynx, Magens und Darmes ziemlich stark, so dass eine oberflächliche Anätzung und Entzündung mit weisslicher Schorfbildun g und Epithelverlust stattfindet, und die betreffenden Thiere (namentlich Pferde
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Sulioylsäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;37
nach der Voniln-eiclumg von Latwergen) mehrere Tage liindureli das Flitter verweigern. Eiiiathmen der Salieylsäure erzeugt Niesen und Husten. Anch bei dor Ausscheidung durch die Nieren wirkt sie in grösseren Dosen reizend (Nephritis, Cystitis).
7)nbsp; nbsp;Von A llgemein wirkun gen ist eine Verlangsamung der Pulsfrequenz und der Atlini ung, sowie eine Herabsetzung des Blutdrucks und der Stickstoffausscheidung im Harn hervorzuheben. Bei sehr grossen Dosen steigert sich diese Wirkung bis zu Vergiftungscrscheinungen.
8)nbsp; nbsp;Im gesunden Blute ist die Säure nicht als solche, sondern in der Form des salicylsauren Natriums enthalten. Nur bei starker Kohlensäurespannung des Blutes, so im Fieber, in entzündeten Geweben, namentlich in rheumatisch erkrankten Gelenken und Muskeln, im Erstickungshlute, scheint eine Abspaltung der Säure stattzuiinden. Beispielsweise kann man auch aus einer alkalischen Lösung von sali-cylsaurem Natrium die Salioylsäure durch eingeleitßte Kohlensäure frei machen und durch Aether gewinnen, wenn die Menge der letzteren etwa 200/o beträgt; in entzündeten Geweben und im Erstickungshlute hat man in der That eine dem entsprechende Menge von Kohlensäure (16 bis 17 quot;/o) gefunden.
9)nbsp; Die Ausscheidung der Salieylsäure geschieht in der Hauptsache durch den Harn und zwar am raschesten beim Pflanzenfresser; sie ist im Harn theils als sal icylsaures Natrium, theils als Salicylursäure (eine Verbindung mit Glykokoll) enthalten.
Toxikologie der Salieylsäure. Die in gewöhn liehen Dosen völlig ungiftige Salicylsdure erscheint in grösseren Gaben als Herzgift und Athmungsgift. Pulsfrequenz und Blutdruck sinken sehr stark (grossere Dosen sind daher hei heruntergekommenen Thieren und vorhandener Herzschwäche zu vermeiden). Der niedere Blutdruck hat eine Anämie des Gehirns und Kückenmarks zur Folge, welche sich in Collaps und Lähmungserschoi nuugen, sowie in Athmungskrämpfen und allgemeinen Convulsionen äussert; der Tod tritt schliesslich in Folge von Erstickung (Respirationslähmung) ein. Beim Menschen zeigt sich eine Andeutung dieser Giftwirkung häufig schon nach etwas grossen oder länger fortgesetzton niedikamentellen Gaben; dieselhe hestoht in Eingenommenheit des Sensoriums (Delirien), Dyspnoö, Schweissausbruch, Erhrechen, Ohrensausen und seihst in vorübergoliendon Sehstörungen (Anämie des Sehnerven); ausserdem sieht man wie heim Chinin zuweilen Urticaria und Erythome auf der Haut. Auch Albuminurie, Nierenentzündung und Urämie wurden heobachtet.
Das Verbalten der Thiere gegenüber der Salieylsäure ist nach den Untersuchungen von Feser und Friedherger folgendes. Es wird zunächst das Allgemeinbefinden von Thieren durch kleinere Dosen Salieylsäure auch hei anhaltender Verabreichung nicht gestört.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salicylsilurc.
i-io zeigten Hunde, Sehale, Kühe und Pferde nach dein 14 Tuge hlndureh fortgesetzten Kingeben kleinerer Mengen (0,5 g pro die für Hundo, Üfi g für Schafe, 10,0 g für Rinder und Pferde) nicht, einmal irgend welche Appetitstöl'Ungen, Auch sehr grosse einmalige und wiederholte Dosen wurden von l.'llanzenfressern gut ertragen. Ein '' Centner schweres Pferd zeigte nach 300 g Salicylsiiure, innerhalb 8 Tagen eingegeben, nur eine längere Verdauungsstörung auf (Jrund lokaler Anätzung der Maulhöhlen-und .Magenschleimhaut, dagegen keinerlei Vergiftungserscheinungen. Ein 32 Kilo schweres Schaf blieb nach 'iU g Salicylsäure, innerhalb 3 Tagen verabreicht, ganz gesund, desgleichen ein anderes, 80 Kilo schweres, nach ti5 g salicylsaurem Natrium, welche in der kurzen Zeit von 2 Tagen eingegeben wurden. Dagegen zeigten sich Fleischfresser, namentlich Hunde, ziemlich wenig widerstandsfähig. Wenn es auch wegen des bald nach der Aufnahme eintretenden Erbrechens nie gelang, einem Hunde per os eine tödtlicho Dosis Salicylsäure beizubringen, so waren doch bei der Anwendung von circa 1 g Salicylsäure pro f) Kilo Körpergewicht charakteristische Vergiftungserscheinungen wahrzunehmen. So zeigte ein kleiner -1' 2 Kilo schwerer Hund nach der Aufnahme von 0,8 g Salicylsäure (innerhalb (i Stunden gegeben) Erbrechen, Muskelzittern, Schwäche im Hintertheil und steifen Gang; ein anderer 27 Kilo schwerer Hund war nach 4 g in der hinteren Körperhälfte gelähmt, die hinteren (Hiedmassen waren völlig gebrauchsuni'ähig und dabei krampfhaft gestreckt. Auch das salicylsäure Natrium erwies sich in grösseren Dosen, namentlich subeutan. als ein starkes Gift. Bei einem 41|2 Kilo schweren Hunde trat nämlich nach der subeutanen Einspritzung von B g Natrium salicylicum der Tod ein. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in Dyspnoe, unregelmässigem, aussetzendem Pulse, Pupillenerwoiterung, Traurigkeit, Erbrechen, Lähmung der Nachhand, Convulsionen, Kaukrämpfen, allgemeinem Starrkrampf, sowie ausserordentlich erhöhter Eollexerregbarkoit. Ein anderer 8'fj Kilo schwerer Hund verendete nach Injection von 8 g des Salzes in die Bauchhöhle an Erstickung, nachdem Erbrechen, Dyspnoe und Ijähinungserscheinungen vorausgegangen waren,
Anwendung. 1) Als Fiebermittel mit Ausnalime der sep-ti sehen und pyämischen Fieber. Sowohl die Salicylsäure, als das salicylsäure Natrium sind in einer Eeihe von Fiebern aussorordentlieh werthvolle Antipyretica; es empfiehlt sich jedoch, wie überhaupt bei innerlicher Anwendung, mit Ausnahme der unten erwähnten inf'ectiösen Erkrankungen der Magen- und Darmschleimhaut (Kälberruhr etc.), ausscldiesslich die Verabreichung des Natriumsalzes, weil die Salioyl-säure die Schleimhaut des Digeationsapparates zu stark reizt. Am wirksamsten ist das salicylsäure Natrium bei den fieberhaften Krankheiten der Pflanzenfresser; es können liier auch üiine Gefahr zieinlicli grosse Dosen gegeben werden.
Die Unwirksamkeit der Salicylsäure gegen septische und py-iiinische Fieber ist durch zahlreiche Versuche von Fes er und Friedberg er erwiesen worden. Dieselben haben im Gegensätze zu den Angaben Kolhe's auch experimentell gezeigt, dass der Salicylsäure
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Siilicylsiimv.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
ii u f s e ]) t i s c h e Krankheiten ii b e r h a u j) t k e i n o r 1 e i günstige Wirkungen zukommen. Von 10 mit putridem Stott'e inficirten Schafen wurde die eine Hälfte gleichzeitig mit Salioylsiiure (in Dosen von zusammen 2050 g), die andere Hälfte dagegen gar nicht behandelt. Das überraschende Resultat war. dass von den 8 mit Salicyl-säure behandelten 7=870/o, von den nicht behandelten dagegen nur 4 = 600/o starben! Die Salicylsäure ist demnach ebensowenig für alle Fieber ein Antipyretioum, als es ein Desinfeotionsmittel gibt, das gegen alle Spaltpilze gleich wirksam wäre.
2)nbsp; Als Specificum gegen acuton Muskel- und Gelenkrheumatismus. Die Heilwirkung der Salicylsäure ist bei diesen Krankheiten oft eine überraschend schnelle und erfolgreiche. Auch der chronische Muskelrheumatismus kann bei längerer Anwendung #9632;des Mittels geheilt werden. Ebenso lässt sich die im Verlaufe des acuten Gelenkrheumatismus als Complication auftretende Endocarditis, namentlich im rechten Herzen, wirksam durch Salicylsäure behandeln.
3)nbsp; Gegen Gährungs- und infectiöse Processe im Magen und Darm, insbesondere gegen Kälberruhr. Die Salicylsäure gehört zu den werthvollsten, sichersten Mitteln speciell gegen die Ruhr der Kälber und der Säuglinge Oberhaupt, Im Gegensatze zu allen anderen Fällen innerlicher Verabreichung ist jedoch hiebei nur die freie Säure, nicht aber das Natriumsalz wirksam. Auch gegen manche Milchfehler beim Rind, gegen die Rothlaufseuche der Schweine und gegen die Huhnercholera hat man die Säure innerlich empfohlen.
4)nbsp; Gegen Blasenkatarrh und Blasenentzündung innerlich, zur Desinfection der Blasenschleimhaut durch den salicylsäure-haltigen Harn und zur Erhöhung der Acidität des Harns.
quot;)) Aeusserlich als Antiseptic um und Desinfections-mittel bei Operationen und Wunden in Form des Streupulvers, der wässerigen concentrirten oder stärkeren wässerig-weingeistigen Lösung, der Salicyljute, Salicylbauimvolle u. s. w. Die concentrirte wässerige Lösung, das Salicylwasser (1 : 538, nicht wie häufig geglaubt wird 1 :300), empfiehlt sich namentlich statt des Oarbolwassers als völlig ungiftiges und reizloses chirurgisches Desinfectionsmittel für Katzen und Kaninchen, in der Augenheilkunde, sowie zur Ausspülung des Uterus beim Rinde. Im Uebrigen erweist sich das Salicylwasser für gewöhnlich als ein zu schwaches Wunddesinfections-mittel; auch greift es die Instrumente etwas an (Bildung von salicyl-saurem Eisen).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .Salioylsäiire.
6)nbsp; Aeusserlich in Sulbeiüorm oder Liniinentiürm als ent-z ü n d n 11 g s w i dri g e 8 Mittel bei E u t e r e n t z ü n d u n g e n des Hindus an Stelle der leicht in die Milch übergehenden Carbolsiluro, sowie in der Form des Salicylspiritus (13 0/o) hei der Otorrhöe der Hunde. Auch als keratolytisches ^Eittel wird die Salicylsäure namentlich bei Schwielen, Hormiiirben und sonstigen chronischen Verdickungen der Epidermis angewandt (Hühneraugen beim Menschen).
7)nbsp; Aeusserlich in weingeistiger Lösung gegen Herpes ton-surans und Eavns (1 : 1020 Spiritus); die Salicylsiiure (nicht aber ihr Natriumsalz) ist hier wie auch gegen So or von ganz vorzüglicher Wirkung. In öliger Lösung soll die Salicylsäure nach Müller ausser-dem ein gutes Mittel gegen die Sarcoptesräude und den Acarus-ausschlag der Hunde sein (von Eriedberger nicht bestätigt).
8)nbsp; nbsp;In wässeriger Lösung dient die Säure zur Inhalation gegen faulige Proces so in der Lung e (Bronchiektasien, Lungen-cavernen).
9)nbsp; nbsp;Als Zusatz zur Milch verwendet man Salicylsäure, um das frühzeitige Gerinnen derselben zu verhüten (0,25 pro Liter). Die Milch gerinnt nach Zusatz von 0,2 Salicylsäure pro Liter erst nach G0 Stunden, bei einem Zusatz von 0,1 erst nach 80 Stunden und endlich bei einem Zusatz von 0,0 selbst nach 8 Tagen noch nicht. Für die Handolsmilch ist dieser Zusatz indessen nicht erlaubt.
10)nbsp; Gegen die tödtliche Eaulbrut der jungen Bienen (von innen heraus wuchernde Spaltpilze; sog. Brutpestquot;) wird Salicylsäure von den Bienenzüchtern in Form von salicylhaltigem Futter (^e'/oige Salicylsäure in Syrup) mit Erfolg angewandt.
11)nbsp; Endlich dient die Säure zur Darstellung des officinellen Pul-v i s s a 1 i c y 1 i c u s cum T a 1 c o. Dieses Präparat wird in der Menschen-heilkunde als Streupulver gegen Eussschwciss benützt und kann auch in der Thieiheilkundc als austrocknendes und zugleich de8in-ficirendes Pulver beispielsweise gegen Otorrhöe der Hunde, eitrige Dermatitis, Geschwüre, Intertrigo etc. angewandt werden. Das Pulver ist zusammengesetzt aus 3 Theilen Salicylsäure, 10 Theilen Weizenstärke und 87 Theilen Talk (Magnesiumsilicat). Einem ähnlichen Zwecke dient das ebenfalls ofticinelle Sebum salicylatum, der Sali-cyltalg, eine Mischung von Salicylsäure (2) und Hammeltalg (98).
Dosis der Salicylsäure und des salicylsauren Natriums:
Pferde . . . . Einzeldosis 25 bis 50,0; Tagesdosis 100,0. Binder ... .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25 ,, 75,0;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;150,0.
|
||
|
|
||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Form. Mit Ausnahme der Kälberruhr, wo die freie Salicyl-säure angezeigt ist, gibt man innerlich das salicylsaure Natrium oder (bei kleineren Hausthieren) das Salol. Im Allgemeinen verschreibt man zur Bekämpfung des Fiebers wenige (12) und grösserc Gaben, gegen R h e u m a t i s m u s, 11 u h r, B1 asenk a t a r r h etc. kleinere und öftere (25). Das salicylsaure Natrium kann hei Pferden in Pillenoder Latwergenform gereicht werden; Rindern, Schafen und Hunden gibt man dasselbe am besten in Lösung, Hunden auch in Pulverform. Die Salicylsaure wird dagegen Pferden nur in Pillenform, den AVieder-käuern und Hunden als Schüttelmixtur (Hunden wohl auch in Pillen) verabreicht.
Zur Herstellung concentrirterer wässeriger Lösung als 1 ; 538 gibt man einen Zusatz von Spiritus, z. B. 2 Salicylsaure, 10 Spiritus. 100 Wasser = 2 u/o Salicylsäurelösung. Auch ein Zusatz von Borsäure oder Borax erleichtert die Löslichkeit der Säure in Wasser. Je nach Bedarf kann man die Salicylsaure auch in Collodium und Glycerin aufnehmen. Endlich dient die Salicylsaure zur Herstellung der Salicyl-Baumwolle, -Gaze, -Jute etc.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Natrii salioylici 150,0.
l'ulv. Cort. Cliinaü Pulv. Rad, Licjuirit, im 25,0.
Aqu. commun. et Farin. sec. (ju. s. f. Electuar. spiss. I). S. Taglich den 3. Theil für ein Pferd mit Brustseuche.
2)nbsp; Rp. Natrii salicyliei 100,0.
Divid. in part, acqual. Nr. IV. Di S. Alle 3 Stunden ein Pulver in einer Flasche Wasser gelöst einzuschütten. Für ein Rind mit acutem Gelenkrheumatismus.
3)nbsp; Rp. Acidi salicyliei
Aoidi tannici ää 2,5. Infusi Flor. Chamomill. 10,0 : 250,0. M. D. S. Auf 2mal nach 4stiindigor Pause einzugehen für ein Kalb mit Ruhr.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||
|
42
|
Saliciu.
|
||
|
|
|||
|
4)nbsp; Up. Natrii ealioylioi 10,0.
A(|u. dest. 250,0. M. f. Soli Täglich 86 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit fieberhaftem Gt-elenkrheumatismas,
5)nbsp; Bp. Aoidi salioylioi 5,0.
Spiritus 100,0. M. f. Sol. D. S. Aeusserlich für einen Hund mit (ilatzfleelite.
6)nbsp; Bp. Aoidi sfilicylici 5,0.
Solve in Spiritu qu. s, Adipis suilli 100,0. M. f. Unguent. D. S. Aeusserlich. Eutei'salbe.
7)nbsp; Bp. Aoidi salioylioi 5,0.
Acidi borioi 10,0. Aqu. destill, 1000,0. M. f. Sol. I). S. raquo;/raquo;quot;/raquo;iges Salioylwasser.
Salicin. Das Salicin (n. o.) ist der bittere Bostandtheil der Weiden-rinde, der auch in den Knospen der Pappeln vorkommt. Dasselbe ist seiner Natur nach ein Glykosid, welches aus der Weidenrinde durch Extraction mit kochendem Wasser, Digerireu der Colatur mit Bleiglätte und Eindampfung der vom Niederschlage getrennten Flüssigkeit krystallinisch dargestellt wird. Das Salicin bildet glänzende weisse Nadeln, die sich in 1 :80 Wasser, sehr leicht ferner in Alkohol lösen. Es hat die chemische Formel C|;)H1H07 und zerfällt durch Ptyalin und Emulsin zu Saligenin und Zucker, beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in Saliretin und Zucker, bei Einwirkung von Kali dichromicum und Schwefelsäure zu Sali-cylaldehyd und Ameisensäure. Das Saligenin geht im Körper unter der Einwirkung des Speichels in Salic3rlsäure über. Ein charakteristisches Keagens bildet die purpurrothe Färbung der Lösung in Schwefelsäure. Auch das Salicin und das Saligenin werden als Antipyreticum und Antirheumaticum, ausserdem als Stomachicum beim Menschen (in Dosen von 0,51 als Stomachicum; 26,0 als Fiebermittel) gegeben. Die Mittel sollen dieselbe Wirkung wie die Salic3'lsäure, ohne deren unangenehme Nebenwirkung besitzen; im Harn worden sie theils als Salicin, theils als Saligenin, Salicylaldehyd, Salicylsäure und Salicylursäure ausgeschieden. Populin, das Glykosid der Pappelrinde, ist Benzoyl-Salicin.
|
|||
|
|
|||
|
Salolum. Snlol.
r tt 'ÜH
^quot;ncooc^Hs.
Pharmaceutische Chemie. Das Salol stellt eine chemische Verbindung von Salicylsäure und Carholsäure dar, es ist nämlich Salicyl-säure-Phcnyläther (Phenylsalicylat). Das von Nencky im .Jahre 1886 neu entdeckte und zuerst von Salili empfohlene Mittel bildet ein weisses, krystallinisches, schwach aromatisch riechendes und schmeckendes Pulver, das mikroskopisch betrachtet
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Salol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 43
aus tafülf'önuigeu Krystallen besteht und in Wasser nahezu unlöslich ist. Dagegen ist es leicht löslich in Alkohol (I ! 10), Aether und Fetten. Die alkoholische Lösung gibt mit Wasser eine emulsion-artige Flüssigkeit und wird durch verdünnte Eisenchloridlösung violett gefärbt. Werden 0,2lt;V5 Salol mit wenig Natronlauge unter Erwärmen in Lösung gebracht und darauf mit Salzsäure übersättigt, so scheidet sich Salicylsäure bei gleichzeitig auftretendem Phenolgeruch e aus.
Das Salol wird durch Erhitzen von salic v Isaurem Natrium und Phenolnatrium mit Phosphoroxychlorid dargestellt. Es kann auch aus den beiden erstgenannten Verbindungen durch Einwirkung von Phosgengas (COCI.,) hergestellt werden. A.P. 1,0= 10 Pfennig; 10,0 = 65 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Aeusserlich wirkt das Salol als Desinficiens und An tisep ticum auf Wunden und Geschwüren der Haut und auf Schleimhäuten (Stomatitis, Otorrhöe) in Form des Pulvers oder der Spirituosen Lösung, desgleichen als Salbe.
2) Innerlicli ist Salol ein Fiebermittel und Specific um gegen Muskel- und (i elenkrheumatisnius, welches vor der Salicylsäure den Vorzug haben soll, class es keine üblen Nebenwirkungen besitzt, geschmacklos ist, den Magen nicht reizt und angeblich gegen Muskel- und (i elenkrheumatisnius noch bessere Wirkungen besitzt, als die Salicylsäure. Es wird daher von manchen der Salicylsäure und auch dem Natrium salicylicum vorgezogen. Neuere Beobachtungen beim Menschen haben übrigens gelehrt, class das Salol keineswegs immer frei von üblen Nebenwirkungen ist, indem es unter Umständen die Erscheinungen der Carbol- und Salicylvergiftung herbeiführen kann. Es zersetzt sich nämlich schon in dem alkalisch reagirenden Dünndarminhalte zu Salicylsäure und Phenol und wird im Harn theils als Salicylsäure und Salicylursäure, theils als Phenolsulfonsäure ausgeschieden. Der Urin zeigt daher auch die braungrüne Verfärbung des Carbolurins (Hydrochinon). Darnach wirkt das Salol im Körper als maskirte Salicylsäure. In Folge der Ausscheidung des Salols als Salicylsäure wird dasselbe auch gegen Pyelitis und Cystitis, sowie gegen Milebfehier des Rindes angewandt. Ausserdem dient es als D arm de sin fici ens.
Nach meinen eigenen Erfahrungen an Hunden ist das Salol in der That ein ganz vorzügliches Antirheumaticum, welches sowohl den acuten Gelenkrheumatismus, als auch die zahlreichen Fälle
|
||
|
|
||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
44nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salipyrin.
Ton acutem und ohronisoheni Muskelrheumatismus sehr günstig beeiigt; Husst. Ich habe nauiontlicli sehr gute Resultate mit Salolbehaiullung bei Lumbago rheumatioa golial)t. Auch Husserlioh hat mir Salol in Verbindung mit Alkohol gegen Otorrhöe gute Dienste geleistet. Für grosse Haust liiere ist es indessen wegen seines hohen Preises nur bedingungsweise anwendbar. Das .'inial billigere Natrium salicylicum leistet hier vollständigen Ersatz.
Dosis und Form. Die innerliche Verabreichung geschieht bei Hunden in Pulverform, beim Pferde in Latwergen* oder Pillenform. Gegen Rheumatismus gibt man öfters im Tage (85mal) kleinere, zu antipyretischen Zwecken einmalige grosse Dosen. Die betreffenden Dosen betragen für
Pferde und Rinder 1525,05 Tages- resp. Fieberdosis 50100,0.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Schafe und Ziegen 5l'V; Schweinenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2 5,0;
Grosse Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5 1,0;
Kleine Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,25 0,5;
Katzennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0.1 0,2;
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
..I
|
Recepte.
1)nbsp; Rp, Saloli 0,5.
D. tal. dos. X. S. Alle 3 Stunden ein Pulver für einen ETund mit Lumbago rheumatioa.
2)nbsp; Rp. Saloli 5,0. Spiritus 200,0.
M, f. Sol. D. S. Olirenllüssigkoit für einen Hund mit Otorrhöe.
3)nbsp; Rp. Saloli 4,0. Spiritus 100,0. Olei Month, pip. Tinot. Vanill. ää 1,0. Tinct. Oumarini Saooharini äa 0,05.
M. D. S. 0 d o 1 (antisepüsohes Mundwasser).
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
: ;
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Neuere, nicht offlclnelle Sallcylpräparate.
1) Salipyrin. Dasselbe ist als eine Verbindung von Salicylstlure und Antipyrin, nämlich als salicy Isaures Antipyrin (Antipyrinsalicylat) aufzufassen. Es bildet sechsseitige Tafeln von weisser Farbe, welche in Wasser sehr schwer (1 : 250), dagegen im Alkohol leicht löslich sind und beim Erwärmen mit Schwefelsäure Salicylsäure, beim Erwärmen mit Natron-
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
Sulophen. Salacclol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;45
lauge Autipyrin liot'eni. Die Darstellung gcscliieht in der Weise, dass man eine wässerige Antipyrinlusung mit einer Lösung von Salicylsäure in Aether zusainmenschüttolt. Das Salipyrin soll die günstigen Wirkungen des Anti-pyrins und der Sulu'ylsiluro mit einander vereinigen und namentlich ein sehr emplehlenswerthos Mittel gegen den acuton Gelenk- und Muskel-rheum atismus sein. A. 1*. 1,0 = 20 Pfennig. Ein iilmliches Präparat ist das Salifebrin, eine Mischung von Salicylsäure und Antifebrin.
2) Salophen. Dasselbe soll ein nngiftiges Ersatzmittel des Salol darstellen. Cheiniscb ist es Salol, in welchem ein Wasserstoff durch die Acetylamido-Gruppe ersetzt ist:
rH^OHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;en.-'011
U6quot;4lt;^00006]knbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8 #9632;ilt;-COO(,l;U,. NH(C2H:)0)
Salolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salophen
Das Salophen bildet feine, weisse, geruoh- und geschmacklose lilättchen, fast unlöslicb in kaltem Wasser, etwas löslich in heissera Wasser, leicht löslich in Alkohol und Aether, besonders in der Wärme. Die Verbindung enthält 51 quot;ju Salicylsäure und schmilzt bei 187188deg; C. Beim Erhitzen mit Natronlauge zerfällt die Substanz in salicylsaures Natron und Aeet-paraamidophenol. Auch im thierischon Organismus tritt diese Spaltung ein. und beide Körper können im Harne nachgewiesen werden.
8) Salacetol. Dasselbe soll ebenfalls als Ersatzmittel des Saids dienen. Es ist chemisch aufzufassen als eine Verbindung des Salicylsäure-methylesters mit Essigsäure. Seine Beziehungen zum Salol (Salicylsäure-phenylester) ergeben sieh aus nachstehenden Formeln;
fj H ^Ollnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,, r, .OH
^ quot;i^COOHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^quot;^OOOCuHü
Snliojrlsäurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salioylsäureplienjrleater = Salol.
r ^OHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;MW
blaquo;u i^OOOCHjnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^^OOGOEj. C2H3O
öalii'ylsäiii'miictliylersternbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aretol-Salioylsiiuremetliylestftr = Salacetol.
Das Salacetol enthält somit statt der Carbolgruppo (C,;!!-,) im Salol eine Methylessiggruppe, nämlich das Acetol (OHj.öjHoO). Das Salacetol kann somit aufgef'asst werden als Salol, in welchem der Component Phenol durch Acetol ersetzt ist. Das Salacetol soll als Antisepticum für den Digestions-apparat alle Vorzüge des Salols besitzen, ohne dass es jedoch wie dieses durch Abspaltung von Phenol im Darm giftig wirkt. Während das Salol sich im Darmoanal unter der Einwirkung der alkalischen Darmsäfte (Pankreassaft, Galle, Darmsaft) in Salicylsäure und Phenol (Carbolsäure) spaltet, zersetzt sich das Salacetol zu Salicylsäure und dem unschädlichen Acetol. Das Salacetol bildet leine, leichte, etwas bitter schmeckende, in kaltem Wasser schwer lösliche Schuppen oder Nadeln. Es wird dargestellt durch Erhitzen von salicvlsaurem Natrium mit Monochloraceton. Eoim Schütteln mit Laugen zerfällt es in seine Componenten. Es soll sieb beim Menschen mit Eioinnsöl zusammen gegeben (;i,0 Salacetol, y0,0 Ricinusöl) sehr gut bewährt haben bei Ruhr, Sommerdiarrhöon, Cholera nostras, als Antirbeumaticuin, sowie als Dosinficions für die Harnwege.
4) Dithiosalicylsaures Natrium. Durch Behandlung von Salicylsäure mit Chlorschwofel wird die DithiosalicyIsäure gewonnen. Dieselbe be-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
1 i
|
||
|
|
||
|
4ßnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Benzoi'säuro.
|
||
|
|
||
|
sitzt eine iihnliche Wirkung wie die Salicylsiiure. Ihr Xatriumsalz von der Formel S.,(0(iH.,OHCÜONa)., tödtet nach liueppe in 20quot;.'oiger Lösung nach 45 Minuten die Milzbrandsporen; ferner soll es bezüglich der Einwirkung auf die Bucterien des Typhus, der Cholera und des Eiters der Salicylsiiure überlegen sein. Das Salz soll auch gegen acuten Gelenkrheuinatismus stärker wirken, als das Natrium salicylicum (Dosis für den Menschen 0,2) und sich vor dem letzteren ausserdem mit Vortheil durch das Fehlen jeder unangenehmen Nebenwirkung auszeichnen. Von Kenner ist das Präparat als Heilmittel gegen Maul- und Klauenseuche empfohlen worden. Wie vorauszusehen hat es sich jedoch nach dieser Richtung nicht bewährt. (Vergl. die -Mittheilungen von Köder, Schneider und Hartenstein im Sachs. Jahresbericht pro 1891 u. 1892.)
5) Dithiosalicylsaures Wismuth (Thioform). Das Wisrnutbsalz der
Dithiosalicylsäure ist unter dem Namen Thioformquot; als Ersatzra ittel des Jodoforms von Hoffmann wegen seiner Geruchlosigkeit, Ungiftigkeit, desinticirenden, austrocknenden, blutstillenden, schmerzstillenden und des-odorisiremlen Wirkung empfohlen worden. Vergl. auch die Wismuthsalze.
Von den zahlreichen anderen neueren Ersatzmitteln der Salicylsäure, des salicylsauren Natriums und des Salols sind zu nennen: Phenyl-Salicyl-säure von der Formel C|;H.t. ('nU,.OH.COÜH, Salicylamld von der Formel C(1H4. OH.OONHj, Amidosalicylsäure von der Formel C^Hj.NH;. OH.COOH, Natrium sulfosalicylicum (sulfosalicylsaures Natrium) von der Formel C6H3 . SO:)Nii. OH . COOH, Salocoll (salicylsaures Phenoeoll), Calcium salicylicum, Cadmium salicylicum, Tribromsalol, Salithymol, Salactol, Naphthalol, Ki'esalol, Chlorsalol, Benzacetin, Tolysal, Agathin, Malakin u, s. w.
|
||
|
|
||
|
Acidmn benzolcam. Benzoösiiure.
06H8.COOH,
Geschichtliches. Das Benzoeharz ist im 14. Jahrhundert als Luban djawi (Weihrauch von Java) durch den arabischen Reisenden Hatuta bekannt geworden. Aus Luban djawi ist später das Wort bandjavi, benjui, benzui und schliesslich benzoO entstanden. 1401 schenkte der egyptische Sultan dem Dogen von Venedig unter anderen Kostbarkeiten '30 Rotoli BenzoS. 1671 findet sich das Harz in der Esslinger Arzneitaxe unter dem Namen Asa dulcis. Um das Jahr 1000 stellten Genfer Chemiker zuerst die I3enzoi;siiure durch Sublimiren der Benzoö dar. 1775 gewann Scheele die Benzoesäure auch auf nassem Wege durch Ausziehen mit Kalkwasser und Ausfällen des benzoesauren Kalks mittelst Salzsäure. In neuerer Zeit wird Benzoesäure auch aus Harn (Hippursäure), Toluol, Phthalsäure, Bittermandelöl n. s. w. dargestellt.
Pharmakognosie und pharmaceutische Chemie. 1) Die in Deutschland officinelle Benzoei (Besina Bonzoös, Benzoeharz) ist ein aus Slam kommendes Harz. Dasselbe stellt Hache oder gerundete, braune, innen weisse Stücke von angenehmem, vanilleartigem Q-eruche dar, welche sich in 5 Theilen Weingeist lösen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Beiizoesiiure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;47
(Tlnotura Benzoös). Dio in Oesterreioh offioinelle Benzoö stammt
aus Sumatra und ist das Harz von Styrax Eenzoin, eines Baumes aus der Familie der Sty racoon, dessen Heimat dio ost-indischen Inseln sind, welches durcli Einschnitte! in den Stamm ge-WOnnen wird. Es stellt eine grauh raun liehe, löcherige, auf dem Bruche milchweisse, angenehm nach Vanille riechende, leicht zerreibbare Masse mit helle ron, flachen laquo;der gerundet-kantigen, ungleich grossen Körnchen oder Klümpchen dar, die sich im fünffachen Gewichte Weingeist fast ganz löst. Die Hauptbestand-theilo der Bcnzöe sind Benzoösäure (1218 gt;) und Harz (SO0,..), ausserdem ist in den geringeren Sorten Zi mint säure enthalten. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
2) Die Benzoesäure (A ci du m h enz o i c u m, PI or es Benzoö s)
ist, wie die Salicylsäure, ihrer chemischen Zusammensetzung nach ein Abkömmling des Benzols. Ihre chemische Formel = (^11-.COOK steht in der Mitte zwischen der Formel der Carholsäure = CaH5 . OH und derjenigen der Salicylsäure == 06H4. OH. COOH. Sie bildet anfangs weisse, später gelblichbraune, dünne, atlasglänzende Kry-stallblättehen oder Nadeln von vanilleartigem und zugleich brenz-lichem Gerüche, welche in kaltem Wasser schwer (1 : 870), leichter in heissem Wasser (I : 15), sehr leicht in Weingeist und Aether löslich sind. Beim Erhitzen im Reagensglase schmilzt die Benzoösäure und sublimirt ohne wägbaren Rückstand an die Wandung. Ihre kaltgesättigte wässerige Lösung gibt mit Eisenchlorid einen fleisch farhigon, isabollgelben Niederschi a g von benzoesaurem Eisen (charakteristisches Reagens). A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Darstellung der Benzoösäure. 1) Durch Sublimation aus dem Siaiu-Benzoiihar/.e. Diese sublhuirtequot; DenzoiisiUire ist allein officinell. örobgepulverte Siam-Benzoö wird dabei mit grobkörnigem Sande gemischt und in einem besonderen Apparate mehrere Stunden vorsichtig auf etwa 180deg; C. erhitzt. Die an sich weisse und geruchlose Benzoesäure erhält hiebei durch die Beimengung von Brundölen eine gelbe Farbe und den charakteristischen brenzlichen Geruch.
2)nbsp; Die krystallisirte Benzoösäure, auf nassem Wege aus dem Benzocharze dargestellt; weiss, von benzoöilhnlichem Gerüche.
3)nbsp; Die Benzoösäure ex urina, Harnbenzorsäure, aus der Hippur-säure des Pflanzenfresserharns dargestellt, vveiss, von urinösem Gerüche (Hippursäure = Benzoesäure plus Glykokoll).
4)nbsp; Die künstlich aus Toluol (O9H5.OH3) dargestellte, geruchlos oder nach Bittermandelöl riechend, weiss.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
-tgnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Benzoesäure.
quot;Wirkung und Anwendung. 1) Die Ben/oesiuue und das Beiizoüharz besitzen ihrer chemischen Verwandtschaft entsprechend in der Wirkung viel AehnUohkeit mit der Salicylsäure. Auch die Benzoüsäure ist ein füulniss- und gilhrungswidriges Mittel, welches gegen numche Mikroorganismen stärker wirkt als die Salicyl-säure, Carbolsäure und das Chinin. So wird nach Buchholtz die Entwicklung von Mikrococcus und Mikrohacterium Billroth durch Benzoesäure schon in einer Verdünnung von 1 : 1000, durch Salicyl-säure erst hei 1 : 6G0, durch Carbolsäure und Chinin 1 : 200 gehemmt. Auch das Natriumsalz soll antiseptisohe Wirkungen, im Gegensatz zum salicylsauren Natrium, insbesondere dem Jnfectionsstoft'e der Diphtherie des Menschen gegenüber besitzen. Die Benzoesäure wird äusserlich in der Wundbehandlung als Desinhciens in wässerig-spirituöser Lösung, als Salbe und als Benzoesäure-Watte angewandt. Ausscrdem wird sie dem Schweinefette zur Verhinderung des Ranzigwerdens beigemischt (ln,o); dieses Fett ist officinell unter dem Namen Adeps benzoatus.
2) Sie gilt innerlich verabreicht als Fiebermittel und wird namentlich als Specificum gegen das Fieber des acuten Gelenkrheumatismus und der Diphtherie augewandt. Dabei soll sie besser ertragen werden, als die Salicylsäure, indem sie den Magen-und Darmkanal, sowie die Nieren und die Blase weniger reizt und in den gewöhnlichen Dosen keine unangenehmen Allgemeinwirkungen erzeugt. Früher wurde innerlich das Natriumsalz verabreicht. Die angebliche Wirkung gegen Tuberkulose hat sich nicht bewährt. Ausserdem wird die Benzoesäure innerlich gegen Blasenkatarrh und Pyelitis gegeben.
15) Die Säure und namentlich das Benzoeharz werden ferner innerlich als reizende Expectorantien gegen chronische Bronchialkatarrhe, Bronohiektasien und Lungenentzündung bei schwächlichen Thieren angewandt. Ich kann diese Wirkung bezüglich des Hundes (Staupe) bestätigen. Die Benzoesäure ist auch ein Bestandtheil der expectorirend wirkenden Tinctura Opii benzoiea.
|
||
|
|
||
|
Dosis der Benzoesäure. 1) Als Fiebermittel stimmt sie in der Dosis mit der Salicylsäure überein.
Pferde Einzeldosis 25 50,0; Tagesdosis 100,0. Bindernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2575,0;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 150,0.
Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,252,0;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 28,0 u. s. w.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Antipyrin.
|
49
|
|||
|
|
||||
|
2) Als Expectorans beträgt die Einzeldosis der Benzoesüure für Pferde und Hinder 35,0, Hunde 0,10,5. Die Dosis des Harzes beträgt etwa das Vierfache der Bcnzoe-
|
||||
|
|
||||
|
sauro.
|
||||
|
|
||||
|
Reoepte.
|
||||
|
|
||||
|
1). S.
|
1) Rp, Ackli benzoiei 10,0.
l'ulv. Rad. Althaeao
Aqu. conuuuii. (ju. s. f. Eluct. Für ein Pferd mit Blasenkatarrh.
|
|||
|
|
||||
|
2) Rp. Acidi benzoiei 2,0. Saocliari 10,0.
M. f. Pulv. Divide in partes Nr. X. D, S. Tiiglich ein Pulver für einen Hund mit Rronchitis.
f Kresotinsäure. Die Kresotinsäure ist ein Derivat der Salicylsäure, nämlich methylisirte Salicylsäure, von der Ponuel C6Hj(OH).CH3. COOH. Die kiystallisirte Kresotinsäure bildet fe inst e, farblose und geru chlose Krystallnad ein von schwach süsslichem Geschmacke, welche sich sehr schwer in kaltem Wasser (1 :8000), leicht in siedendem Wasser, Weingeist und Aether lösen, beim Erhitzen schmelzen und ohne Zersetzung sublimiren. Die wässerige Lösung der Säure wird durch Eisenchlorid violett gefärbt. Das kresotinsäure Natrium bildet glänzende Schuppen und Blättchen von deutlich süssem und dabei etwas stechendem Geschmacke, welche sehr leicht und geruchlos sind und sich in Wasser sehr leicht lösen. Bezüglich der Wirkung und Anwendung der Kresotinsäure ist zu bemerken, dass sie in ihrer Wirkung mit der Salicylsäure und Benzoesäure übereinstimmt. Dasselbe gilt von ihrem Natrium-salze, dem kresotinsauren Natrium. Sie wirkt stark gährungs- und fäulnisswidrig und setzt fieberhafte Temperaturen sehr prompt herab, wenn sie in Form des Natriumsalzes gegeben wird. Die S'äure selbst eignet sich nach meinen Versuchen wegen ihrer Schwerlöslichkeit (1 : 3000), ihrer Ungiftigkeit und Geruchlosigkeit vorzüglich als anti-septisches Streupulver auf Wunden aller Art. Das kresotinsäure Natrium ist ein sehr kräftiges Antipyreticum, wie ich dies ebenfalls aus einer Reihe von Versuchen ersehen habe und wie dies schon früher von Buss und Gatti für den Menschen festgestellt worden ist. Eine unangenehme Nebenwirkung ist hiebei nur insoferne zuweilen zu beobachten, als manche Thiere nach Application des Salzes Erbrechen und Durchfall zeigten. Das Salz scheint demnach die Schleimhaut des Magens und Darmes stärker zu irritiren, als das Natrium salicylicum und benzoieum.
|
||||
|
|
||||
|
Antipyrinuiu. Antipyrin.
OaHuNjO.
Pharmaceutische Chemie. Das Antipyrin ist im Jahre 1884 von Knorr zuerst dargestellt und von Pilehne therapeutisch als
Fröhnor, Arznciinittclli'lire. 4. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Antlpyrln.
Antipyreticum erkannt worden. Dasselbe ist ein Derivat des Pyr-azols (0BH4Na), eines Abkömmlings des Pyrrols (C^Hr.N), nämlich Phenyl-Dimethylpyrazolon. Die nachstehende Formel erläutert die chemische Zusammensetzung des Antipyrins:
OA
N
|
||
|
|
||
|
CHoNr XC0
CH3-C!-------CH
Das Antipyrin bildet tafelförmige, farblose Krystallo von-kaum wahrnehmbarem Gerüche und milde bitterem Geschmacke, bei llo0 schmelzend. Das Antipyrin löst sich in weniger als 1 Theile kaltem AVasser, in etwa 1 Theile Weingeist, in 1 Theile Chloroform und in etwa 50 Tbeilon Aethyläther. Die wässerige Lösung des Antipyrins (1 = 100) gibt mit Gerbsäurelösung eine reichliche weisse Fällung. 2 ccm der wässerigen Antipyrinlösung (1 = 100) werden durch 2 Tropfen rauchender Salpetersäure grün und durch einen, nach dem Erhitzen zum Sieden zugesetzten weiteren Tropfen dieser Säure roth gefärbt. 2 ccm wässerige Antipyrinlösung (1 = 100) geben mit 1 Tropfen Eisencbloridlösung eine ticfrotlie Färbung, welche auf Zusatz von 10 Tropfen Schwefelsäure in Hellgelb übergeht (Identitiitsreactionen).
Darstellung. Durch Erhitzen von PhenyIhydrazin und Acet-essigäther. Dabei entsteht y.unilchst Phenylhydmzinacetessigester, und daraus unter Abspaltung von Alkohol das Phenylmethylpyrazolon. Aus-dem letzteren entsteht unter Einwirkung von Methylalkohol und Jod-raethyl das I'henvldimethvlpvrazolon = Antipyrin. A.P. 1,0 = 25 Pfennig. 10,0 = 2 Mark.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Antipy rin gehört zu den b es t en Fiebermitteln der Neuzeit, welches fast alle Fieber sicher, rasch und anhaltend herabsetzt, während es die Körpertemperatur gesunder Thiere weniger oder gar nicht beeinflusst. Die antipyretische Wirkung, welche wohl im Wesentlichen in einer lähmenden Beeinflussung des Wärmecentrums im Gehirn bestehen dürfte, dauert durcbsclmitt-lich 12 Stunden und noch länger an und verläuft ohne jede unangenehme Nebenwirkung. Gewöhnlich genügt pro Tag eine einmalige grössere Dosis, welche bei Hunden und Wiederkäuern am besten in Lösung, beim Pferde in Form der Latwerge oder Pille gegeben wird. Andere empfehlen kleinere stündliche Dosen bis zur Erreichung des-
|
||
|
|
||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Antlpyrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;51
Temperaturabfalls. Das Antipyrin hat mich in einer sehr grossen Anzahl fieberhafter Erkrankungen beim Hunde nur ausnahmsweise im Stiche gelassen; auch Frick hat die Sicherheit der Wirkung beim Hunde erprobt. Beim Pferde ist Antipyrin in Dosen von 20 g ebenfalls ein sicheres Fiebermittel, so z. B. bei der Influenza (Schindelka). Nach Kaufmann sind für die Hausthiore am meisten subcutane Injectionen zu empfehlen (pro Stunde Hunden 1,0, Pferden 10,0). Ira Uebrigen muss hervorgehoben werden, dass das Antipyrin für die grösseren Hausthiere vielfach zu theuer ist. 20 g Antipyrin, die gewöhnliche Fieberdosis für Pferde, kosten nicht weniger als 4 Mark, während für dieselbe Menge Antifebrin der Preis nur 20 Pfennig beträgt! Aus diesem Grunde muss man sich bei der Anwendung des Antipyrins in der Regel auf die kleineren Hausthiere, namentlich auf den Hund, beschränken.
2) Als ein Specificum gegen Muskel- und Gelenkrheumatismus ist das Antipyrin ebenfalls sehr zu beachten. Meine diesbezüglichen Erfahrungen bei Hunden sind sehr günstig. Endlich wird es beim Menschen gegen eine Reihe von Nervenkrankheiten (Migräne, Neuralgien, Seekrankheit, Veitstanz, Keuchhusten u. s. w.) mit ziemlich gutem Erfolge angewandt.
8) Das Antipyrin hat äusserlich antiseptische Eigenschaften und soll ausserdem bei lokaler Anwendung noch stärker als Eisen-Chlorid und Ergotin hämos tatisch wirken. Es wird ferner in neuerer Zeit in der Form der subcutanen Injection an Stelle der Morphiuminjectionen als lokales Anästheticum benützt (Anal-gesinquot;).
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Toxikologie des Antipyrins. Ueber den Grad der Giftigkeit und die Art der Giftwirkung des Antipyrins bei den Hausthieren habe ich eine Reihe von Versuchen angestellt (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde Y, S. 399). Darnach sind Hunde auch gegen sehr grosse Dosen ziemlich unempfindlich. Ein 42 kg schwerer Hund ertrug die zweimalige innerliehe Verabreichung von 50 g Antipyrin ohne auffallende Störungen des Allgemeinbef i nd ens. Ein anderer 20 kg
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Antipyrin.
schwerer Hund blieb gesund, trotzdem er im Verlauf von 14 Tilgen ins-gesammt 80 g Antipyrin innerlich erhalton hatte. 10 g Antipyrin erzeugten bei subcutaner Injection lokale Abscesse, dagegen keine neunens-werthen Allgemoinstörungcn. Pferde, Rinder und Schafe zeigten nach Uosen von 0,50,8 g Antipyrin pro Kilograniin Körpergewicht zwar eine deutliche Vergiftung, blieben aber am Loben. Ein 'MO kg schweres Pferd blieb z. 13. nach der innerlichen Verabreichung von 30U g Antipyrin am Leben, desgleichen ein 480 kg schweres Eind nach 250 g und ein 37 kg schweres Schaf nach 25 g Antipyrin. Die t ö d11 i ch e Dosis d es A n ti py rin s beträgt für Binder un d Sch afe lg pro Kilogramm Körpergewicht. Beispielsweise starb ein 480 kg schweres llind nach dem Eingeben von 500 g Antipyrin.
Das Antipyrin wirkt auf die Haustbiere als A thmun gsgif t und Krampfgift, sowie als leichtes lokales Acre, nicht aber als Blutgift. Die von mir beobachteten Vergiftungserscheinungen sind folgende;
Ij Die Antipyrinvergiftung beginnt mit Zittern, Aufregung, Unruhe, Schreckhaftigkeit und A t h m u u g s s t ö r u n g e n. Die letzteren aussern sich in einer zunächst periodischen, an falls weisen, später continuir-lichen Dyspnoe, welche wohl auf eine Erregung des in der Modulla ob-longata gelegenen Athmungscentrums durch das Antipyrin zurückzuführen ist. Daneben sind Herzklopfen, Pulsbeschleunigung, leichte Kolikerscheinungen (Kind, Schaf), Erbrechen bezw. Blut brechen (Hund), verzögerter Kothabs atz, leichte Conjunctivitis und Rhinitis, sowie Schweissausbruch (Pferd) zu constatiren. Die Körpertemperatur gesunder Thiere scheint durch Antipyrin sehr verschiedenartig beeinflusst zu werden. Während beim Pferd und Rind ein Temperaturabfall um ca. 1quot; beobachtet wurde, zeigten die übrigen Versuchsthiere (Hund, Schaf) eine Temperatur Steigerung, welche bei den Hunden 0,82,5, beim Schaf sogar 3,8 u betrug.
2) Der Höhepunkt der Antipyrinvergiftung ist durch das Auftreten von Krämpfen charakterisirt. Dieselben stellen zunächst klonische Krämpfe bezw. Con v ulsi o n e n dar, welche aber bald in einen to nischen Krampi' bezw. in Tetanus (Orthotonus, Opisthotonus) übergehen. Dieser Starrkrampf hielt beim Rind nicht weniger als 17 Minuten lang an; er ist als die indirecte Todesursache (Erstickung) anzusehen.
o) Der Harn der Versuchsthiere zeigte aussei- der bei Zusatz von Eisenchlorid eintretenden Rothfärbung (Antipyrinreaction) und aussei' der zuweilen ziemlich lange anhaltenden Polyurie (Pferd, Rind, Hund) keinerlei Voränderungen, namentlich keine Verfärbung, keine Hämo-globinurie, keine Albuminurie; nicht einmal die Reaction wurde geändert. Wie die speotroskopischo Untersuchung des Blutes der beiden gestorbenen Thiere in zweifelloser Weise ergab, lag auch keine Metbämo-globinämie vor. Das Antipyrin darf mithin als ein Blutgift nicht bezeichnet werden. Interessant war es, dass bei dem Versuchspferde nach der Verabreichung von -300 g Antipyrin der Harn noch 14 Tage lang die Antipyrinreaction zeigte, wodurch die bekannte langsame Ausscheidung des Antipyrins bestätigt und illustrirt wird.
4) Eine lokale, reizende Wirkung des Antipyrins hat sich sowohl bei der subeutanen Injection, wie bei der stomachicalen Application gezeigt. Obwohl das Antipyrin im ersteren Fall in sterilisirtem Wasser gelöst und in einer Verdünnung von 1 : 5 eingespritzt wurde, kam es doch bei dem Versuchs-hund zu grossen Abscossen, welche als das Product einer aseptischen Entzündung aufzufassen sind. Aus diesem Grunde kann ich für meine Person
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Antipyrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;03
die subcutane Injection des Antipyrins nicht befürworten. Hei der innerlichen Verabreichung documentirte sich die reizende Wirkung des Antipyrins durch das Eintreten einer leichten hihnorrhagischen Magenentzündung bei verschiedenen Versuchsthieren. Dieselbe war allerdings in keinem Fall sehr erheblich und bei den angewandten hohen Dosen auch begreiflich.
6) Die Section der durch Antipyrin vergifteten Thiere ergab im Allgemeinen wenig greifbare A'eränderungen. Neben leichten entzündlichen Erscheinungen im Magen und Dann sowie in der Blase wurden in der Hauptsache su f fco atori sehe Ve rän derungen (Lungenödem, Blutungen unter dem Epicardium bezw. Endocardium) sowie sub-mucüse Blutungen im Larynx und in der Trachea vorgefunden. Veränderungen des Blutes waren nicht nachzuweisen.
Form. Das Antipyrin soll womöglich für sich allein verschrieben werden, weil es mit einer grossen Anzahl von Arzneimitteln Verbindungen eingeht, welche theils als Niederschläge ausfallen, theils sich durch das Auftreten einer intensiven Färbung kundgeben. Mit Tannin und sämmtlichen gerbstoffhaltigen Mitteln bildet es z. B. einen weissen, unlöslichen Niederschlag, mit Ferrum sulfuricum färbt es sich unter Bildung eines Bodensatzes braungelb und später roth, mit Tinctura Rhei gibt es ebenfalls einen Niederschlag, Calomel reducirt es zu freiem Quecksilber, Natrium salicylicum wird beim trockenen Zusammentreten flüssig und zersetzt u. s. w.
Recepto.
1)nbsp; Rp. Antipyrini 15,0.
Pulv. Rad. Althacac 25,0. A([u. destill, qu, s. f. Massa Bolii I). S. Für ein Pferd mit Influenza.
2)nbsp; Rp. Antipyrini 2,0.
Aq. dcstill. 50,0. M. f. Sol. D. 8. Auf einmal für einen Hund mit Staupe.
8) Rp. Antipyrini .'^O.
Aqu. destill, qu. s. ad com VI. D. S. Zur subcutauen Injection. Eine Grammspritzo enthält hiebei genau 0,5 Antipyrin, während bei der .Schreibweise: Antipyrin und Wasser aa 3,0 die Gtesammtmengc der Injectiunsflüssigkoit nur 5,2, nicht C cem beträgt.
Neuere nicht offlcinelle Antipyrinverbindungen. Als solche sind zu nennen: Salipyrin, eine Verbindung von Salieylsäure und Antipyrin (vergl. S. 44); Tolypyrin, eine Methylverbindung des Antipyrins; To'lysal, eine Methylverbindung des Salipyrins (die beiden letzteren sollen billigere Ersatzmittel für Antipyrin und Salipyrin darstellen); Jodopyrin, d. h. jodirtes Antipyrin; Ferripyrin, eine blutstillende, angeblich nicht ätzende Verbindung von Eisenchlorid und Antipyrin; Tussol, mandelsaures Antipyrin, angeblich ein Specificum gegen Keuchhusten; Bromopyrin, ein Gemenge von Antipyrin, Bromnatrium und Coffein; Migränin, ein Gemenge von Antipyrin, Coffefn und Citronensäure,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
54
|
A.ntifebrin.
|
|||
|
|
||||
|
|
Acetaiiilidiiui. AnIilVhrin. OöHsNHCOjHaO),
Pharmaceutische Chemie. Das Antifebrin ist obemisoh aufzufassen als Acetanilid, d. h. als ein Derivat des Anilins (C(;H5 .NH.,), in dem ein H durch das Radikal der Essigsäure (Cl)H30) ersetzt ist, daher die Formel CöH5NH(0,H8O) für das Antifehrin. Es bildet farblose, glänzende Krystallblättchen, ohne Geruch, von schwach brennendem Geschmacke, bei 113n schmelzend, bei 295deg; siedend. Sie lösen sich in 194 Theilen kaltem und etwa 18 Theilen siedendem Wasser, sowie in 3,5 Theilen Weingeist, In Aether und in Chloroform sind sie leicht löslich. Die Lösungen sind neutral.
Die kalte gesättigte wässerige Lösung des Antifebrins, mit Eisenchloridlösung versetzt, verändert die Farbe der letzteren nicht. Mit alkoholischer Kalilauge erhitzt, entwickelt Antifebrin aromatisch riechende Dämpfe; auf Zusatz einiger Tropfen Chloroform und erneutes Erhitzen tritt der widerliche Isonitrilgeruch auf (C(iHr)C]ST). 0,1 g Antifebrin mit 1 com Salzsäure eine Minute lang gekocht, gebe eine klare Lösung, welche, nach Zusatz von 3 cem Carbolsäurelösung, durch Ohlorkalklösung zwiebelroth getrübt und nach hierauf folgender Uebersättigung mit Ammoniakflüssigkeit sehr beständig indigblau gefärbt werde (Identitätsreactioncn).
Darstellung. Durch Erhitzen von Anilin mit Essigsäure (Eisessig) nach der Formel:
OeHjjNELj C^H^H = OeHsNHCOjHsO) H20
Anilinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Essigsäurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Antücluinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wasser.
|
|||
|
|
||||
|
Prüfung. Das Antifebrin soll in wässeriger Lösung nicht sauer reagiren (Essigsäure), färb- und geruchlos sein (Anilin), bei 113deg; C. zu einer farblosen Flüssigkeit sehmelzen und beim Erhitzen auf dem Platinblech keinen Rückstand hinterlassen (anorganische Beim engunge n). A.P. 10,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 Kilo =plusmn; 34 Mark.
Wirkung und Anwendung. 1) Als A n t i p y r e t i c u m ist das Antifebrin zuerst beim Menschen im Jahre 1887 untersucht worden. Das Antifebrin soll viermal so stark f i e b e r-widrig wirken als das Antipyrin. Die Dauer der Anti-pyrese beträgt 510 Stunden. Nach zahlreichen Untersuchungen, welche ich bei fiebernden Hunden mit Antifehrin gemacht habe, ist dasselbe in entsprechender Dosis ein ganz vorzügliches und un-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Antifobrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55
laquo;chädliches Antipyreticum, das ausserdem noch don grossen Vorzug vor den anderen Fiebermitteln, namentlich vor dem Antipyrin hat, dass es sehr billig ist ^20,0 = 20 Pfg.)- Es eignet sich daher vor Allem für die Pferde- und Rinderpraxis. Speciell beim Pferde ist es nach Hoffmann, Bietsch, Labhart, Priedberger, Luchhau u. A. ein ausserordentlich zuverlässiges und ungefährliches Antipyreticum bei den verschiedensten fieberhaften Affectionen. Nach den Erfahrungen von Priedberger lässt sich beispielsweise das Fieber der Brustseuche bezw. der Pneumonic regelmässig durch Tagesdosen von 90100 g, zuweilen auch schon durch solche von GO g Antifebrin erheblich, und zwar im Maximum um 22,5quot; C, herabdrücken; auch bei der Influenza hat derselbe Aelmliches constatirt. Wird hier das Antifebrin auf der Höhe des Initialfiebers gegeben, so setzt es in weitaus den meisten Fällen die Temperatur rasch herab, so dass die Pferde im weiteren Verlaufe der Krankheit ganz oder nahezu fieberlos bleiben. Nur in einer Minderzahl von Fällen besonders schwerer Erkrankung ist die Wirkung des Antifebrins eine unsichere. Auch Luch hau (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI, S. 337) spricht sich auf Grund eines grossen Erfahrungsmaterials für die Anwendung des Antifebrins bei der Brustseuche und Influenza aus-, er empfiehlt Dosen von 3045 g, welche im Bedürfnissfalle innerhalb eines Tages zu wiederholen sind, und weist namentlich auf die ungefährliche und zuvorlässige antipyretischc Wirkung hin, welche gleichzeitig eine Besserung der Futteraufnahme, Verhütung zu starker Abmagerung sowie eine Abkürzung der Ileconvalescenzdauer mit sich bringt.
2)nbsp; Als specifisches Antirbeumaticum sowie als Narcoticum bei Neuralgien und Krampfzuständen wird das Antifebrin ähnlich wie das Antipyrin ausserdem empfohlen.
3)nbsp; Im Blute wird das Antifebrin zum Theil zu Acetylpara-amidophenol == CnH, . NH . CLH^O . OH oxydirt und im Harn als Sulfonverbindung des letzteren ausgeschieden, wodurch ähnlich wie beim Phenol (Carbolsäure) eine Braun- bezw. Schwarzfärbung des Harns bedingt wird.
4)nbsp; Das Antifebrin hat äusscrlich eine fäulniss- und gährungs-widrige Wirkung und wird daher als Antisepticum in der Wundbehandlung angewandt, namentlich als Streupulver, Es soll reizlos und ungiftig sein und die Eiterung beschränken.
Dosis und Form. Man verschreibt das Acetanilid innerlich in Pulver-, Pillen- und Latwergenform oder als Schüttelmixtur in
|
||
|
|
||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
5(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Autifübrin.
einmaligen grössercn oder 2Smal wiederholten kleineren (halben) Dosen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
I
|
Pferd und Rind ]
Hund ....
Schaf und Ziege
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Schwein Katze .
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Toxikologie des Antifebrins. Um die Giftwirkung des Antifebrins bei den Hausthieren kennen zu lernen, habe ich Versuche bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Hunden gemacht (Monatshefte für prakt, Thierheilkunde V, S. 145). Dieselben haben ergeben, dass das Antifebrin für die Hausthiere ein sehr wenig giftiges Mittel ist. Mit Ausnahme eines einzigen, von Ehrle beschriebenen Falles ist daher bisher auch keine Antifebrinvergiftung nach dem Gebrauch des Mittels bei Haus-thieren vorgekommen. Pferde ertragen 300 g, Binder 250 g, grosse Hunde und Schafe 10 g Antifebrin, ohne zu sterben. Die tüdtliche Dosis betrügt durchschnittlich 1 g pro Kilogramm Körpergewicht; nur der Hund scheint etwas empfindlicher zu sein (tüdtliche Dosis = '/s g pro Kilogramm Körpergewicht). Die Vergiftungserscheinungen bestehen im Wesentlichen in motorischer Lähmung, cerebraler Depression mit Schlafsucht, Sinken der Körpertemperatur, Herzklopfen und leichten gastrischen Störungen. Im Einzelnen ist Folgendes zu bemerken:
1)nbsp; Motorische Lähmung ist das erste von allen durch Antifebrin erzeugten Vergiftungssymptomen. Dieselbe tritt beim Pferde schon nach 0075 g ein. Sie äussert sich in unsicherem Gange, Schwäche im Hinterthei 1, Schwanken, Taumeln, Einknicken in den Gelenken, U eher greifen der Schwäche auf die Vorderbeine, Zusammenfallen, Unvermögen aufzustehen und schliesslich in allgemeiner Muskellä hmun g. Bei grossen Dosen treten diese Lähmungserscheinungen bereits wenige Minuten nach dem Eingeben des Antifebrins auf. Berücksichtigt man die Thatsache, dass das Antifebrin in Wasser schwer löslich ist (1 : 200), so muss diese ausserordentlich rasche Resorption des Mittels vom Magen aus merkwürdig erscheinen. Damit hängt auch die auffallende Erscheinung zusammen, dass gewöhnlich schon l/a 1 Stunde nach dem Eingeben der Höhepunkt der motorischen Lähmung, welche sich sogar auf den Sphincter ani ausdehnt, erreicht ist.
2)nbsp; nbsp;Cerebrale Depression und Schlafsucht ist nicht bei allen Thieren und nicht immer in gleicher Intensität wahrzunehmen. Bald zeigt sich nur eine gewisse Mattigkeit und psychische Benommenheit (Pferd), bald beobachtet man einen kurzen, vorübergehenden, schlafsüchtigen Zustand bezw. Schlafsucht (Hund), bald tritt ein stundenlanger, tiefer, ruhiger Schlaf ein (Rind und Kalb), bald ist endlich ein rauschartiger Zustand wahrzunehmen, der an das Bild der Alkohol- oder Chloroformnarkose erinnert (Ziege, Schaf). Während der Hypnose ist gleichzeitig auch die sensible Erregbarkeit herabgesetzt.
3)nbsp; nbsp;Ein Sinken der Körpertemperatur lässt sich constant bei allen Thieren nachweisen. Dasselbe tritt aber in der Regel erst nach erfolgter motorischer und psychischer Depression und zwar synchron mit dem Höhepunkt derselben ein. Die Temperatur beginnt durchschnittlich etwa 1 Stunde nach Verabreichung des Antifebrins deutlich zu sinken.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
AutiCobriii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 57
Die tiefste Temperatur ist nach ca. 410 Stunden zu constatiren. Der Temperaturabfall beträgt im Maximum 310C. Starkes Herzklopfen mit erheblicher Pul sb eschleun igung ist gleichzeitig mit der Abnahme der Körpertemperatur wahrzunehmen. Die Athmung ist hei manchen Thieren sehr beschleunigt, bei anderen normal.
4)nbsp; nbsp;Von gastrischen Störungen wurden im späteren Verlaufe, der Vergiftung wahrgenommen Speichelf luss, Si stiren der Futteraufnahme und des Wiederkauens, Verstopfung, Tympanitis, leichte Kolikerscheinun gen (Stöhnen, Unruhe, Meckern, Brüllen), sowie beim Kind eine croupöse hilmo r rhagisch e Enteritis.
5)nbsp; Besonders auffallende Veränderungen zeigt der Harn. Während derselbe am 1. Tage gewöhnlich eine normale Farbe aufweist, selbst in einigen tödtlich verlaufenden Fällen, ist vom 2. Tage ab eine zunehmende Dunkelfärbung desselben wahrzunehmen, welche meist mehrere Tage, mitunter sogar eine Woche, anhält. Der Harn zeigt eine dunkel bernsteingelbe, rothgelbe, dunkelbraun roth e, schwarzbraune, ja selbst eine tin ten seh warze Farbe, sowie alle Nuancen zwischen den genannten Farben.
(i) Die Section der an AntifebrinVergiftung gefallenen Thiere ergibt mit Ausnahme entzündlicher Veränderungen im Digestionsapparat einen ziemlich negativen Befund. Der Tod erfolgt unter dem Bilde der Erstickung (Lungenödem, suffocatorische Hämorrhagien im Herzen). Die spectroskopische Untersuchung des Blutes ergab niemals das Vorhandensein von Hämoglobinämie. Darnach wirkt das Antifebrin bei den Hausthieren nicht als Blutgift.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Antifebrini 75,0.
Pulv. Rad. Althaeae Aipi. oomnmn. q. 8. f. Bolus. Di S. Morgens, Mittags und Abends den dritten Theil für ein Pferd mit Influenza.
2)nbsp; Rp. Acctanilidi 100,0.
Sirupi 200,0. M. f. Electuarium. D. S. Auf drei Mal innerhalb eines Tages einzugeben für ein Pferd mit Brustseuche.
3)nbsp; Rp. Antifebrini .quot;),0.
Pulv. C'ort. Qucrcus 10,0. M, f. Pulv. D. S. Aeusserlich als Streupulver auf Geschwüre.
4)nbsp; Rp. Antifebrini
Sacchari öii 0,5. M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. V. S. Täglich 12 Pulver für einen Hund mit Staupe. ;quot;i) Rp. Antifebrini 5,0.
(Tummi arabici et Sacoliari albi qu. s. f. Pilul. Xr. X, D. S. Täglich 1 2 Pillen für einen Hund mit acutem Gelenkrheumatismus.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Phenacetiu.
ii
Pheimcotiuiini. rhenacotin.
Pharmaceutische Chemie. Das P lien ace tin ist verwandt mit dem Acetanilid (Antifebrin). Chemisch ist es als Acet-Phene-tidin zu bezeichnen, indem es aus Phenetidin und Essigsäure dargestellt wird. Das Phonacetin bildet farblose, glänzende, ge-ruch- und geschmacklose Kryställchen, die in Wasser nahezu unlöslich sind (1 ; 1400 kaltes, 1 : 70 siedendes). Leichter löslich ist dasselbe in heissem Alkohol (1 : 20). 0,1 Phenacetin mit 1 cem Salzsäure eine Minute lang gekocht, die Lösung hierauf mit 10 cem Wasser verdünnt und nach dem Erkalten filtrirt, gibt auf Zusatz von 8 Tropfen Chromsäurelösung (3=100) allmählich eine rubin-rothe Färbung (Identitätsreaction). Es ist zuerst im Jahre 1887 von Käst und Hinsberg als Antipyreticum empfohlen worden. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Phenacetin ist eines der neueren Antipyretica, welches dem Antipyrin und Antifebrin gleich kommen und frei von schädlichen Nebenwirkungen sein soll. Es wird beim Menschen in einmaligen Dosen von 0,5-0,7 verabreicht. Meine Untersuchungen des Mittels an fiebernden Hunden haben eine sehr rasch eintretende und lange anhaltende antipyretische Wirkung ergeben. Für Pferde und Binder ist das Phenacetin zu theuer (20,0 = 1 Mark 20 Pfennig).
2) Wie die anderen neuen Fiebermittel dieser Gruppe wird auch das Phenacetin als ein sehr gutes Ant incur algicum für die Neuralgien des Menschen empfohlen. Dass im Uebrigen auch das Phenacetin kein indifferentes Fiehermittel ist, beweist der Umstand, dass es in grösseren Dosen Vergiftungserscheinungen und zwar Cyanose mit Hämoglobinä,mie erzeugt. Die Maximal-Tagesdosis soll daher beim Menseben nicht über 5 g betragen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hund 0,251,0.
Katze 0,10,2.
Eocepte.
1) Rp. Phenacctini
Saoohari aa 0,5.
M. f. Pulv. D. tal, dos. Nr. IV. S. Tiiglich 12 Pulver für einen Hund mit fieberhafter Enteritis.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Tlmllin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;59
2) Rp. Phenaoetini 2,0. Sacchari
Guunni araliici ä7i 1,0. Aqu. ck'still. qu. s. f. Pilulae Nr, X. D. S. Täglich 12 Pillen für einen kleinen Hund mit Staiqio.
|
||
|
|
||
|
Thalliiuun. Thallin.
C,,HHN.H4.(OCH;i).
Pharmaceutische Chemie. Das Thallin ist ein Ciiinolin-clerivat, nämlich Tetrahydroparamothyloxychinolin oderTetru-bydroparaoxychinanisol (Methyläther des Tetraliydroparaoxyobinolaquo; lins), Zum Verständnisse seiner Zusammensetzung dienen nachstehende Formeln:
Cliinolin = G,,H7X.
Anisol = OaHjO . CH3.
Thallin = C^H.N . OCH., . H,.
Das Thallin ist 1885 von Skraup zuerst dargestellt und von v. Jaksch als Fiebermittel eingeführt worden. Der Name Thallinquot; ist ihm nach seiner wichtigsten Reaction, nämlich seiner Grünfärbung durch Eisenchlorid, gegeben worden. Ofhcinell in Deutschland ist das Thallinum sull'uricum, ein gelblich-weisses, krystallinisches Pulver von cumarinartigem Gerüche und säuerlich-salzigem, dabei bitterlich-gcwürzigem Geschmacke, 1 :7 kaltem quot;Wasser löslich. Die wässerige, sauer reagirende Lösung bräunt sich am Lichte und gibt mit Eisenchlorid eine tief smaragdgrüne Farbe, welche nach einigen Stunden in ein tiefes Roth übergeht.
Darstellung. Das Thallin hat nach Skraup eine analoge Darstellungs-weise, wie das Cliinolin. Es wird gewonnen durch Erhitzen eines Genienges von Par aamidoanisol, P aranitroanisol, Glj^eerin und Schwefelsäure. Das hieduroh zunächst gewonnene Parachinanisol geht unter Aufnahme von 4 H in Tetrahydroparachinanisol = Thallin über. Das Thallin ist eine ölig-flüssige, nach Cumarin riechende Base, welche mit Säuren Salze bildet. Das Thallinsulfat enthält 77 Oo, das Thallintartrat 52 0|o Thallin. A.P. 0,1 = 6 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Tlmllinsalze besitzen ziemlich starke gäbrungshemmende und antiseptische Eigenschaften und können daher äusserlich in wässeriger Lösung als Antiseptica (25 0;o) angewandt werden. Eine aseptische, entwicklungshemmende Wirkung kommt ihnen noch in einer Yerdünnunar von 1:1000 zu.
|
||
|
|
||
|
|
|||||||
|
00
|
Phoiiocoll.
|
||||||
|
|
|||||||
|
2) Innerlich setzen sic im Fieber die Temperatur sehr stark herab und gehören datier zu den besten neueren antipyretischcn Mitteln, welche in den gewöhnlichen Dosen angeblich ohne jede unangenehme Nebenwirkung bleiben und die Temperatur bei Fiebern aller Art sehr rasch (nach 23 Stunden) und ziemlich anhaltend erniedrigen. Nur in sehr hohen Dosen erzeugen sie hämorrhagischen Papilleninfarot der Nieren, Nekrose der Speicheldrüsen und Herzverfettung, weshalb sie bei Herzfehlern und Nierenentzündung contralaquo; indicirt sind. Der Harn der Fleischfresser färbt sich auf Thallin-gebrauch braungrün und gibt mit Eisenchlorid eine purpurrothe Farbe. Man gibt die Thallinsalzo gewöhnlich in einmaliger Dosis; von anderer Seite werden kleinere, einstündige Dosen vorgeschlagen und zwar theils gleichbleibende (continuirliche Thallinisation), theils allmählich steigende (progressive Thalhnisation). Nach Fried-berger braucht man beim Pferde täglich 2Smal 10lögrammige Dosen.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
;i
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Für Pferde 1015,0.
Rinder 1020,0. Schafe und Schweine 12,0. Katzen 0,10,2.
Recepte.
1)nbsp; Ilp. Thaliini ralfurioi 0,5.
Saoohari 1,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. VI, gt;S. Täglich 12 Pulver für einen Hund mit Wundfleber.
2)nbsp; Bp. Thallini sulfuriei 30,0.
Pulv. Rad. Althaeau Aqu. oommun. qu, s. f. Bolus. D. S. Kür ein Pferd mit Bnintsoucho.
|
||||||
|
|
|||||||
|
Neuere^ nicht offlcinelle Antipyretlca.
1) Phenocoll. Das Phenocoll ist ein mit dem Phenacetin chemisch und pharmakologisch nah verwandtes neues Antipyretißum, das als Amido-Phenacetin bezeichnet werden kann. Da das Phenacetin in Wasser unlöslich, Phenocoll dagegen sehr leicht löslich ist, wird das Phenocoll wohl auch als wasserlösliches Phenacetin bezeichnet.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
rt tt ^-
|
NH. C.,H30
|
|
|||||
|
|
NH.GjH,(NH)40
|
||||||
|
06li4lt;O.C,H5
|
C,Jf,lt;
|
-O. OjHe
|
|||||
|
|
|||||||
|
I'hi'iiacetiunbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I'lieuocoll.
Zur Anwendung als Fiebermittel wird empfohlen das salzsaure Phenocoll, Phenocollum liy droch 1 o ricum. Dasselbe soll sich beim Menschen
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Laotophenln. Mulakiu.
|
01
|
||||||
|
|
|||||||
|
als gutes Antipyrüticum, Antirheuinatiuum, Nervinuni und Antiiieuralgicum bewährt haben. Nach Versuchen, welche ich bei lieherkranken Hunden vorgenommen habe, kann ich die gute antipyretisehe Wirkung des Mittels in Dosen von 0,51,0 bestätigen. Von den übrigen Salzen des l'henocolls werden zur therapeutischen Verwendung noch das Acetat und das Carbonat empfohlen, und zwar ersteres wegen seiner leichten Löslichkeit (1 : 8,6), letzteres zur Darreichung in Pulverform, da es fast geschmacklos ist. Eine Verbindung des l'henocolls mit Salicylsäuro wird Salocoll benannt.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
2) Lactophenin. Mit diesem Namen wird ein neues Fiebermittel bezeichnet, welches hinsichtlich seiner chemischen Zusammensetzung dem
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Phenacetin dung von eine solche der Name ergibt sich
|
ebenfalls nahe stellt. Während das Phenacetin eine Verbin-Phenetidin und Essigsäure darstellt, ist das Lactophenin aus Phenetidin und Milchsäure. Hieraus erklärt sich auch des neuen Antipyreticums. Seine chemische Zusammensetzung aus den nachstehenden Formeln:
|
||||||
|
|
|||||||
|
0 H ^NH(CoHäO)
|
|
NH(C:tH50,)
|
|||||
|
^^O.C.Ha
Lactophenin.
|
|||||||
|
Plicnacetiu
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Das Radical der Essigsäure (O^H^O) im Phenacetin ist mithin im Lactophenin durch das Kadical der Milchsäure (C3H5O2) ersetzt. Das Lactophenin bildet färb- und geruchlose, leicht bitter schmeckende, in Wasser schwer lösliche (1 ; 500) Krystalle und besitzt angeblich noch eine stärkere antipyretisehe Wirkung als das Phenacetin, vor welchem es ausserdom den Vorzug besitzen soll, dass es hypnotisch wirkt. Aehnliche Mittel sind das Citrophen und Apolysin (Phenetidin mit Citronensäure).
8) Malakin. Mit diesem Namen ist von Schweizer Aerzten ein dem Phenacetin analoges neues Antipyreticum, nämlich eine Verbindung von Phenetidin und Salicylsäure empfohlen worden. Während das Phenacetin eine Verbindung des Phenetidins mit Essigsäure (Acetphenetidin) bildet, ist das Malakin als Salicylphenetidin aufzufassen:
|
|||||||
|
|
|||||||
|
c H^NHfOjHgO)
|
NH(C7H30)
|
||||||
|
|
|||||||
|
I'lienacetin
|
Malakin.
|
||||||
|
|
|||||||
|
Das Mittel bildet kleine, hellgelbe, feine Nadeln, welche in Wasser unlöslich sind. Es soll ein mildes Antirheumaticum, Antipyreticum und Analgeticum sein. Die Einzeldosis beträgt für den Menschen 1 g, Tagesdosis bis zu 6 g. Engrospreis: 100 Gramm = 10 Mark!
|
|||||||
|
|
|||||||
|
4) Methacetin. Dasselbe ist mit dem Phenacetin ebenfalls nah verwandt. Während Phenacetin identisch ist mit dem acetylirten Aethyläther des Paramidophenols, ist Methacetin identisch mit dem acetylirten Me thy 1-äther des Paramidophenols:
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
prr^NH. 0,11,0
c'iHllt;o.(;H.;
|
|
|||||
|
|
|||||||
|
Methacotinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Phenacetin.
Das Methacetin bildet schwach röthliche, leicht salzig bitter schmeckende, geruchlose Krystallblättchen, welche in heissem Wasser leicht löslich sind. Es wirkt in Dosen von 0,20,3 bei Kindern antipyretiscli. Nach meinen
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
|||||
|
öl
|
Fornianilid. Exalgin. Tlicrmodiu. Neurotlin.
|
||||
|
|
|||||
|
JQrfabrungQn ist es auch bei Hunden in Dosen von 0,21,0 ein gutes Fiebermittel.
6)nbsp; nbsp;Formanilid. Das Formanilid bildet das Analogon des Acetanilid (Antif'ebrin). Wahrend letzteres eine Verbindung' des Anilins, C(iH5NH2, mit Essigsilure darstellt, ist Formanilid eine Verbindung des Anilins mit A m e i s e n s ii u r e :
C(;H5NH.C2H;tOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CfiH3;NH.CHO
Acetanilidnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Formanilid.
Das von ungarischen Aerzten zuerst untersuchte neue Fiebermittel bildet farblose, lange, in Wasser und Alkohol lösliche Krystalle. Es soll wie das Antifebrin ein sehr kräftiges Antipyreticum, sowie ausserdem ein Analgeticum und locales Anästheticum sein. Die Einzeldosis für den Mensehen beträgt 0,10,25, die maximale Tagesdosis ü,.1quot;). Das Formanilid ist übrigens wesentlich theurer als das Acetanilid (Antifebrin). Das Kilogramm kostet nämlich 3(j M. (Antifebrin 34 M.).
(gt;) Exalgin. Dieses neue Fiebermittel ist als Methyl-Acetanilid (methylisirtes Antifebrin) aufzufassen:
Ci;H5NH(Cl,H;tO)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; OeHjN. (CH.^C^H^O)
Antifclirinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Exalgin.
Es bildet nadelförmige Krystalle, welche in heissem Wasser leicht löslich sind und antiseptische, an tipy retisch e und schmerzlindernde (Exalginquot;) Eigenschaften haben. Dosis für den Menschen 0,25, ein- bis dreimal täglich. Ich habe auch das Exalgin bei Hunden als Fiebermittel mit sehr gutem Erfolge in Dosen von 0,21,0 angewandt.
7)nbsp; nbsp;Thermodin. Unter diesem Namen ist ein Derivat des Urethans, nämlieh das Ace tylä t hoxypheny lureth an, als ein sicheres und milde wirkendes Antipyreticum in 23maligen täglichen Dosen von 0,50,7 für den Menschen empfohlen worden. Das Thermodin bildet geruchlose, in Wasser unlösliche Krystalle.
8)nbsp; Neurodin. Das Neurodin ist mit dem Thermodin ganz nahe verwandt; es kann als Thermodin minus Aethyl (C^Hj) aufgefasst werden. Wie das Thermodin ist es ein ürethanderivat, welches die Eadicale des Fhcnyls und der Essigsäure enthält. Es ist somit seiner chemischen Zu-Siinimensetzung nach als Acetyloxypheny lureth an zu bezeichnen. Sein Verhältniss zum Thermodin ergibt sich aus nachstehenden Formeln:
|
|||||
|
|
|||||
|
TlHTinodin
|
Neurodin.
|
||||
|
|
|||||
|
I
|
Wie das Thermodin besitzt es, was bei seiner nahen chemischen Verwandtschaft mit diesem Körper zu erwarten war, antipyretische Wirkung. Es soll indessen auch in hohem Masse antineuralgische Eigenschafton besitzen (daher der Name). Die Wirkung soll schon quot;2 Stunde nach der Verabreichung beginnen. Dosis für den Menschen 1,0. Das Neurodin bildet färb- und geruchlose, in Wasser unlösliche Krystalle.
9) Hydracetin. Das H3rdracetin ist chemisch als Acetylphony 1-hydrazin aufzufassen und hat demnach die Formel: CgHgNH - NH-COCH).
|
||||
|
|
|||||
|
|
||
|
Chinoliii. Kairin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (jjj
Wie es scheint, ist es in der Hauptsache identisch mit dem als Pyrodin bezeichneten Fiebermittel. Das Hydracetin bildet ein weisses, krystal-linisches, geruchloses und fast geschmackloses Pulver, welches sich schwer in Wasser (1 : 50), dagegen leicht in Alkohol löst. Es ist durch seine ausserordentliche Giftigkeit (HämoglobinUmie) ausgezeichnet. Seine antipyretische Wirkung ist eine bedeutende; die Einzeldosen betragen für den Menschen 0,050,1, die Tagesdosen 0,0r)0,2. Um Intoxicationen bei der innerlichen Verabreichung des Hydracetins zu vermeiden, soll für den Menschen die Tagesdosis von 0,1 nicht länger als 3 Tage hinter einander gegeben werden. Aeusserlich wird das Hydracetin in Form einer 100oigen Salbe gegen Psoriasis empfohlen (reducirende Wirkung ähnlich wie beim Chrysarobin, Anthrarobin und Hyclroxylamin).
10)nbsp; Aethoxyderivate des Hydracetins und Antipyrins. Durch neuere Untersuchungen ist es wahrscheinlich geworden, dass die Wirkung eines Fiebermittels eine mildere wird, wenn dasselbe die Aethoxygruppe = O.O5H5 enthält. So wirkt beispielsweise das Phenacetin (Aethoxyacetanilid) milder als das Antifebrin (Acetanilid). Auf Grund dieser Erwägungen hat man je ein Aethoxyderivat des Hydracetins und Antipyrins, und von letzterem ausserdem noch das Salicylat (Aethoxy-salipyrin) hergestellt. Ein ähnliches Präparat ist das Anaigen (Aethoxy-benzoyl-Amidochinolin).
11)nbsp; Chinolin, Dasselbe bat die Formel O9H7N und ist eine organische Base, welche zur Benzolgruppe gehört und mit Pyridin und Naphthalin verwandt ist. Es bildet analog dem Pyridin und den Pyridinbasen den Ausgangspunkt einer Reihe von Chinolinbasen und ist von Bedeutung, weil es wahrscheinlich die Grundhase des Chinins darstellt. Es bildet eine etwas gelbliche, ö lige Flüssigkeit von unangenehmem Gerüche nach Bittermandelöl und alkalischer Reaction, unlöslich in Wasser, leicht in Alkohol, Aether, Chloroform und Benzin löslich. Als Base verbindet es sich mit Säuren zu leicht löslichen Salzen, von welchen das Chinolinum tartaricum und Ch. salicylicum als Fiebermittel therapeutisch angewandt worden sind. Das Chinolin ist ein starkes fäulniss- und gilhrungs-widriges, antiseptisches Mittel, welches in 0,20|oiger Lösung die Harnfäulniss, in 0,4%iger die Blutfaulniss und in l0;oiger die Milchsäure-gährung verhindert. Es kann daher äusserlich als Antisepticum in der Chirurgie benützt werden. Innerlich setzt es namentlich in der Form seiner Salze die Temperatur beim Menschen herab, man hat es daher früher in der Menschenheilkunrle statt des Chinins in derselben Dosis als Anti-pyreticum angewandt, l'olansky hat jedoch gefunden, dass Temperaturherabsetzungen bei Hunden und Pferden mit Chinolin nicht zu erzielen waren.
12)nbsp; Kairin, Das Kairin ist ein Derivat des Chinolins, nämlich Oxy-chinolin-Aethylhydrür, von der Formel 0()H()N . O0H5. H^.O. Das Kairin war das erste der neueren Fiebermittel, welches bei seinem Erscheinen im Jahre 1882 die bis dorthin bekannten Fiebermittel im grossen Ganzen an antipyretischer Wir k ung weit übertraf. Ich habe dies namentlich bezüglich des Chinins bei Hunden und Pferden nachgewiesen (Repertorinm für Thierheilkmule 1884). Das Kairin wurde aber bald durch noch bessere Fiebermittel (Antipyrin, Antifebrin) verdrängt. Ausserdem zeigte es sich, dass das Kairin giftige
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
64
|
Ivairiu.
|
||
|
|
|||
|
Nebenwirkungen besass, indem es in grossen Dosen Collaps und z. B. bei Staupekrauken Hunden klonlsob-tonisobe Krämpfe erzeugte.
Von sonstigen neuen Fiebermitteln sind zu erwilhnen; Dihydro-methylphenylpyrazin, ein aus Pbenylhydra/.in und Propionsäure dargestelltes Präparat von der Formel OeHlaquo;.NoH.00.(OHJ^a; Thymacetin, ein dem riienacetin analoges Mittel; Acettoluid, methylisirtes Antifebrin; Antinei-vin, ein Gemenge von Antifebrin, Salicylsiiure und Ammonium bromatum; Anti-thermin, eine Verbindung von l'benylbydrazin mit Lilvulinsilure; Benz-anilid, eine Verbindung des Anilins mit Benzoesilure; Phenylurethan, ebenfalls ein Anilinderivat; Amygdopheniu, eine Verbindung des Amido-pbenols mit Mandelsäure,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Herzmittel. Cardiaca.
|
||
|
|
||
|
Folia Digitalis. Fingerhutbliltter.
Stamm pflanze: Digitalis 2gt;urpurea. Familie: Skrophularineeii.
Geschichtliches. Der im Alterthmn unbekannte Fingerhut hat den Namen Digitalis von dem Tübinger Arzt und Botaniker L. Fuchs erhalten. In England ist die Pflanze seit dem 11. Jahrhundert als Arzneimittel im Gebrauch. Gegen Wassersucht ist sie zuerst von dem englischen Arzt Withering 1775 angewandt worden.
Pharmakognosie. Die Fingerhutblätter, Folia Digitalis, stammen vom rothen Fingerhut, Digitalis purpurea, ab, einer in west- und mitteldeutschen Q-ebirgswäldern wild wachsenden Skrophularinee mit rothen, glockigen Blüthen in langer Traube. Sie enthalten als wirksame Substanzen mehrere Glykositle und Bitterstoft'e:
1)nbsp; Das Digitoxin (081Hj807), wichtigster Bestandtheil, beim Kochen mit verdünnten Säuren in Toxiresin sicli umwandelnd. Haupt-bestandtheil des französischen Digitalinquot;. Das Digitalin ist im Gegensatz zu den drei übrigen wirksamen Bestandtheilen kein Glykosid.
2)nbsp; Das Digitalin, das sich heim Kochen mit verdünnten Säuren in Zucker und Digitalresin zersetzt.
:i) Das Digitalein, Hauptbestandtheil des deutschen Digitalinquot;.
4) Das Digitonin, der am wenigsten giftige Körper. Ausser-dein ist in den Digitalisblättern Gerbsäure enthalten.
Das Aussehen der Blätter ist ein sehr charakteristisches. Ihre Unterseite ist weichfilzig, sammetartig behaart, von einem graufilzigen Adern etze durchzogen, das sich beim Hindurchsehen in ein noch feineres, durchscheinendes Adernetz auflöst. Die Blätter sind dünn, am Bande ungleich gekerbt, auf der Oberfläche runzelig, von eiförmig-länglicher Gestalt, in den Blattstiel verschmälert,
Friilincr, Arznoimittcllehre. 1. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
#9632;
|
60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Folia Digitalis.
von graugrüner, sjjäter b r a u n g r ü n e r Farbe. Der G escbinack ist widerlich bitter. Die Fingerlmtbliitter werden im Juni und Juli zur Blütbczeit der Digitalis gesammelt, und zwar soll nur die wildwachsende Pflanze verwendet werden (die Blätter der kulti-virten sind ohne Behaarung). Sie werden im Schatten getrocknet, wobei sie 80 0/o an Gewicht verlieren. Sie sollen in wohlverschlossenen Blechgefässen und nicht über ein Jahr aufbewahrt werden. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Tinctura Digitalis, 1'ingerhuttinetur, bereitet aus 5 Theilen frischem Fingerlmtkraiit mit ti Theilen quot;Weingeist. Eine Tinctur von braungrüner Farbe, vom Gerüche der Blätter und bitterem Geschmacke. Dosis das Sfaehe der Digitalisblütter (Pferden und Rindern kleinere Dosen von 1025,0; Schafen und Ziegen 510,0; Schweinen 25,0; Hunden 0,51,0 oder 10-25 Tropfen; Katzen 0,1-0,2 oder 25 Tropfen). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. fn Oesterreich wird die Tinctur aus trockenen Blättern dargestellt (früher auch in Deutschland). Ex tract um und Acetum Digitalis sind nicht mehr officinell.
Digitalin. In Frankreich, Belgien und anderen Ländern werden statt der obigen offieinellen Digitulispräparate vielfach die Digitalisglykoside benützt und in Form verschiedener ,Digitalinequot; in den Handel gebracht, so als Digitalinum amorphum, verum oder germanicum, Digitnlinum galli-cum amorphum (Homolle et Quevenne) und crystallisatum (Nativelle) u. a. Diese Digitaline sind jedoch keine Präparate von constanter Zusammensetzung, sondern variable Gemenge der verschiedenen Digitalisglykoside und ihrer Zersetz.ungsproducte, welche in ihrer Wirkung unsicher und daher nicht zu empfehlen sind, fn Deutschland werden sie deshalb fast gar nicht angewandt.
|
|||
|
|
||||
|
!
|
Wirkung. 1) Die Hauptwirkung der Digitalis ist auf das Herz gerichtet. Sie besteht einerseits in einer Reizung und späteren L ä h m u n g des N er v u s V ag us, des Hemmungsnorven für das Herz, in seinem Centrum und seinen cardialen Endorganen. Andererseits wird durch die Digitalis der Herzmuskel selbst gereizt, so dass er 4Ornal stärkere Contractionen ausführt; bei fortgesetzter Einwirkung wird das Herz schliesslich ganz starr und hart und zeigt eine eckige, krampfhaft contrahirte Form. Man unterscheidet je nach der Dosis drei Stadien der Digitaliswirkung. Das erste Stadium, welches allein zu therapeutischen Zwecken benützt wird, ist durch eine Verlangsamung der Pulsfrequenz mit gleichzeitiger Steigerung der Her zthätigkeit und Erhöhung des arteriellen Blutdrucks gekennzeichnet. Das zweite Stadium (nach giftigen, aber nicht tödtlichen Dosen in den Vordergrund tretend) erscheint als das gerade Gegontheil des erstcren: die Pulsfrequenz ist in
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Folia Digitalis,
|
laquo;7
|
||
|
|
|||
|
Folge beginnender H o r z a c h w ii c h e u u s s e r o r d o n 11 i c h vermehrt, der Blutdruck weit unter der Norm. Im dritten, nur bei tödtlichen Dosen zu beobachtenden Stadium befindet sich sowohl Pulsfrequenz als Blutdruck unter der Norm; der Herzschlag ist sehr unregelmässig und wird immer langsamer. Zuletzt steht das Herz in Folge motorischer Lähmung in Diastole still. Die drei verschiedenen Stadien äussern sich auch durch eine charakteristische Verschiedenheit der während derselben aufgenommenen Pulskurven, auf welche namentlich von Kaufmann und Chauveau (Revue de medecine 1804) aufmerksam gemacht worden ist.
'2) Der eben geschilderte Einlluss der Digitalis auf den Blutdruck (Steigerung bei kleinen, Depression bei grossen Gaben) ist unabhängig von der erhöhten Horzthätigkeit zum Theil auch auf eine direkt erregende Einwirkung auf die Gefässmuskulatur mit nachfolgender Gefässcontraction, sowie auf eine Erregung bezw. Lähmung des vasomoto risclien Centrums mit Verengerung bezw. Erweiterung der arteriellen Gefilsse zurückzuführen.
;{) Die Körpertemperatur wird während des ersten Stadiums im Innern des Körpers erniedrigt, weil in Folge des gesteigerten Blutdrucks das Blut mehr nach der Aussenliäche des Körpers, der Haut, gedrängt wird, woselbst eine messhare Zunahme der Temperatur, gleichzeitig aber auch eine raschere Abkühlung mit entsprechendem Sinken der Körperwärme stattfindet. Die Ursachen der Temperaturherabsetzung sind also rein mechanischer Natur.
#9632;I) Die Harnabsonderung wird in Folge der Steigerung des Blutdrucks bei herzkranken Individuen vermehrt (diuretische Wirkung).
5) Neben der Wirkung der Digitalis auf den Circulationsapparat hat diejenige auf andere Organe nur eine nebensächliche Bedeutung. So werden Gehirn und Rückenmark nicht einmal direkt, sondern lediglich seeundär durch die Vermittlung der Circulation, d. h. durch die Veränderung der Blutdruckverhältnisse beeintlusst. Es wirkt beispielsweise der gesteigerte Blutdruck als Reiz für das Gehirn. Die Verdauung wird ferner leicht durch grössere Gaben oder bei längerer Verabreichung kleinerer Dosen gestört, indem dabei Magendarmkatarrh mit Erbrechen und Durchfall auftritt. Eigenthümlich ist endlich, dass die Digitaliswirkung eine cumulative werden, d. h. auch nach dem Aussetzen des Mittels andauern und fortschreiten kann. Man führt dies theils auf eine gewisse Persistenz des Digitalins im Kreislauf, theils auf die langsame Löslichkeit des Digitoxins im
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
f
|
(33nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Folia Digitalis.
Magen und Darm, theils auf das langsame Zustandekommeu der ehe mis ehe n Organ Veränderungen im Herzen durch die Digitalisglykoside und die ohenso lange Nachwirkung, das langsame Verschwinden jener chemischen Muskelveränderungen des Herzens sowie der Herzstarre zurück.
Toxikologie der Digitalis. Die gü'tige Wirkung der Digitalisblätter ist sowohl experimentell, als durch die klinische Erfahrung festgestellt. Die Todesdosis der Folia Digitalis beträgt für Pferde durchschnittlich 25 g (= 100 bis 200 g der frischen Blätter), für Hunde 5 g. D e r T o d t r i 11 auch ein, wenn diese Dosis innerhalb weniger Tage in Form kleinerer Gaben verabreicht wurde. Das Digitoxin wirkt schon tödtlich für die Katze bei 0,4 mg pro Kilo Körpergewicht, für den Hund bei 1,7 mg pro Kilo und das Kaninchen bei 3,5 mg pro Kilo. Die Erscheinungen der Digitalisvergiftung sind bei Aufnahme der frischen oder getrockneten Blätter zunächst gastro-enteritischcr Natur (Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik, heftiger Durchfall); es tritt jedoch bald die speeifische Herzwirkung deutlich in den Vordergrund. Die anfangs verlangsamte Herzthätigkeit wird schnell hochgradig beschleunigt, das Herz pocht stark an die Rippenwandungen, die Herztöne sind laut, von metallischem Klange, der anfangs übervolle Puls wird klein, unregel-mässig, dikrot und zuletzt unfühlbar. Die im Anfang zuweilen beobachtete Aufregung (Gehirnhyperämio) macht später den Erscheinungen der Gehirnanämie (Blutdruckerniedrigung); Betäubung, Mattigkeit, Schwanken und selbst Lähmungszustänclen Platz. Daneben beobachtet man Krampf-zufalle, sowie Erscheinungen der Nierenreizung (Polyurie, Albuminurie, Strangurie). Bei der Sektion findet man Gastro-Enteritis, Endocarditis, Myocarditis, diastolische Herzlähmung, Lungenhyperämie, Ecchymosirungen und suffocatorisches Blut.
Anwendung. 1) Als Oardiaoum bei Herzkrankheiten verschiedener Art, namentlich bei Schwäche der Herzmuskulatur in Folge von Klappenfehlern, Myocarditis, Pericarditis, Endocarditis und fettiger Entartung des Herzens. Die beginnende Erschlaffung des Herzmuskels ist durch sehr frequenten und pochenden Herzschlag bei sehr schwachem Pulse charaktorisirt; die Digitalis verlangsamt die Herzthätigkeit, verschafft dem Herzmuskelapparatc längere Erholungspausen, kräftigt die Contractionen und regulirt dieselben; dadurch wird gleichzeitig der Blutdruck in allen Körperorganen gesteigert und die Blutstauung mit ihren Folgen gehoben. Bei Herzverfettung wirkt Digitalis ausserdem durch die Erhöhung der Arbeitsleistung des Herzens stoffwecbselanregend und daher entfettend.
Von Wichtigkeit ist ferner, dass es bei der Anwendung der Digitalis nicht sowohl auf den Ort und die Art der Klappenaft'ection resp. der Herzfehler (rechts, links, Stenose, Insufficienz, Pulmonal-, Aortenostium), sondern lediglich auf das Stadium des Krankheits-
|
||
|
#9632; #9632;
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Folia Digitalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;G9
processes ankommt. Die Digitalis ist ausschliesslich angezeigt im Stadium der noch nicht eingetretenen oder wieder verloren gegangenen Compensation, also im Stadium der Herzschwäche. Ist eine Compensation (Herzhypertrophie) vorhanden, so ist die Digitalis von schädlicher Wirkung.
Eine Contraindication gegen die Anwendung des Fingerhutkrauts bilden ferner primäre, reine Herzhypertrophion, hohe Blutdruckverhältnisse, sowie acute Nierenentzündung. Ausserdem muss sofort mit dem Mit tel ausgesetzt wer d en, wenn sich Störungen der Herzthätigkeit darnach einstellen.
2)nbsp; Als Diure ticum durch Vermittlung des gesteigerten Blutdrucks, nicht etwa durch directc Beeinflussung der Niere. Aus diesem Grunde hat Digitalis lediglich bei cardialer, d. h. durch Herzkrankheiten erzeugter Wassersucht eine harntreibende Wirkung; l)ei anderweitigen Hydropsien, insbesondere bei AVassersuchten im Verlaufe von Leber- und Nierenkrankheiten wird die Harnmenge ebenso wenig durch Digitalis vermehrt, wie bei gesunden Thieren. Aus diesem Grunde wird auch die chronische Gehirnwassersucht, wie dies schon von Hertwig hervorgehoben worden ist, durch das Fingerhutkraut nicht beeinflusst, desgleichen nicht die Resorption pleuritischer, peri-tonitischer oder arthritischer Exsudate.
3)nbsp; Albuminurie lässt sich, wofern sie auf ein Sinken des Blutdrucks zurückzuführen ist, durch Digitalis wirksam bekämpfen, wie ich dies vielfach beobachten konnte.
4)nbsp; Als Antipyretic um wird Digitalis zwar von den neueren Fiebermitteln, sowie vom Chinin und der Salicylsäure übertrott'en und ist daher nach dieser Kichtung seltener mehr im Gebrauche. Man kann jedoch schwere, mit Herzschwäche verlaufende Tnfections-fieber durch grosse Dosen des Fiugerhutkrauts sehr wirksam bekämpfen, wie ich dies namentlich in zahlreichen Fällen von Brustseuche beim Pferde verfolgt habe. Einmalige Dosen der Folia Digitalis von 1012 g setzen hiebei innerhalb 1224 Stunden nicht nur die Fiebertemperatur stark herab, sondern äussern auch gleichzeitig eine ganz vorzügliche kräftigende und regulirende Wirkung auf das Herz und bessern dadurch das Allgemeinbefinden und den Krankheitsverlauf. Die fortgesetzte Verabreichung des Mittels ist jedoch als gefährlich zu vermeiden. Bei kleinen Pferden, z. B. bei ungarischen, muss die Dosis entsprechend niedriger genommen werden (5 8 g).
5)nbsp; nbsp;Gegen Lungenentzündung ist die Digitalis namentlich früher vielfach angewandt worden und zwar in kräftigen (mittleren)
|
||
|
|
||
|
|
||||||
|
70
|
Folia Digitalis.
|
|||||
|
|
||||||
|
Dosen, so z. B. für Hunde in Ttigesclosen von 0,51,5 g. Man erklärt sich die günstige Wirkung durch eine stärkere Füllung der Arterien und die dadurch hedingte Hegelung des gestörten, zum Theil unterdrückten Lungenkreislaufes.
6) Endlich wird Digitalis in kleinen Dosen gegen Lungenblutungen (gefässverengernde Wirkung) und in grossen gegen acutes Lungenödem (Traube) angewandt.
|
||||||
|
|
||||||
|
|
Dosis und Form der Folia Digitalis. Die Digitalisblätter werden pulverisirt entweder in Form von Pulvern, Pillen, Latwergen, Schlecken, Schüttelinixturen oder im In'fuse (1 :100) verabreicht. Pferden gibt man das Mittel gewöhnlich in Pillen-, Latwergen- oder Schleckenfonn, Hunden als Pulver und im Infus, Rindern, Schafen und Ziegen als Schüttclmixtur. Am stärksten wirkt die Verabreichung der Blätter selbst. Die quot;Wirkung des Digitalispulvers ist eine 3mal so starke wie die des Infuses. Bei der schweren Löslichkeit des Digitoxins in Wasser wird dasselbe nämlich durch Infuse nur zum Theil ausgezogen. Decocte sollen wegen Zersetzung der Glykoside beim Kochen vermieden werden. Man gibt die Digitalisblätter gegen chronische Herzkrankheiten in kleinen, wiederholten Dosen höchstens 1 Woche hinter einander und setzt dann wieder ebenso lange aus (cumulative Wirkung!), Dasselbe gilt für die übrigen Digitalispräparate. Dagegen muss die Digitalis, um einen antipyretischen Effect damit zu erzielen, in grosser einmaliger Dosis verabreicht werden. Auch behufs Erzielung einer kräftigen diuretischen Wirkung gibt man grössere Dosen (grossen Hunden 12 g in 23 Tagen). Zu bemerken ist noch, dass die Digitalisblätter nicht immer gleich stark wirken (wechselnder Glykosid-gehalt). Eigenthümlich ist das Gelatiniren der Digitalisinfuse bei längerem Stehen (Pektingehalt).
Die Dosis der Digitalisblätter beträgt 1) Als Cardiac um: für Pferde und Rinder 25,0.
Schafe,Ziegen und Schweine 0,5 1,0,
Hunde 0,10,3.
Katzen 0,050,1,
Geflügel 0,020,05,
|
|||||
|
|
||||||
|
2) Als Antipyreticum:
|
Pferd und Rind 1012,0,
|
|||||
|
|
||||||
|
Schafe, Schweine etc, 1-
Hunde 0,20,5,
Katzen 0,10,2.
|
-2,0.
|
|||||
|
|
||||||
|
|
|||
|
Semen Strophantin.
|
71
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
|
|||
|
|
|||
|
1)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
Vini rubri 500,0. M. D. S. Auf einmal zu geben für ein Pferd mit Brustseueho.
2)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
Syrupi 150,0. M. f. Linetus. D. S. Täglieh einen Esslöftel auf die Zunge zu streichen für ein Pferd mit Klappenfehler.
3)nbsp; Rp. Pulv. Folior, Digital. 12,0.
Pulv. Fruct. .Tnniperi 100,0. M. f. oum Pulv. Rad, Altbaeae et Aqu. qUi s. Pilulae Nr. IV. D. S. Täglich 1 Pille für ein Pferd mit Myocarditis.
4)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
M. D. S. Mit einer Flasche Wasser einzuschütten für ein Rind mit Pericarditis.
5)nbsp; Rp. Infusi Folior. Digital. 1,0:100,0.
D. S. Täglich zwei Esslöftel (Theoliiflel) für einen grossen (kleinen) Hund mit chronischer Endocarditis und Wassersucht.
6)nbsp; Rp. Infus. Folior, Digital. 2,01 250,0.
Liquor. Kalii acotici Succi Juniper! inspissati äa 20,0. M, D. S. Täglich 12 Esslöftel (Theeloffel) für einen Hund mit Wassersucht.
7)nbsp; Rp. Tinctur. Digital. 150,0.
I). S. Täglich einen Esslöftel mit '/laquo; Flasche Wasser einzuschütten für ein Rind mit Wassersucht.
8)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 0,1.
Sacchari 0,5.
M. f. Pulv. 1). tal. dos. Nr. X. S, Täglich ein Pulver für einen Hund mit Klappenfehler,
|
|||
|
|
|||
|
Seinen Strophantin. Strophanthussamen.
S t a m m p fl a h x e ii : Struphantlius htspidus und Kombi, Familie: Apocynetn,
Geschichtliches. Die Strophanthussamen (Strophanthus Band-bliithe1') linden sich einerseits in Westafrika, woselbst sie unter dem Namen Kombisamen oder Kombufrüuhte bekannt sind (Senegambien, Neuguinea), andererseits kommen sie in dem äquatorialen Ostafrika (in der Gegend des Zambesi und der Victoriafillle) vor. Die Strophanthuspllanzen sind straucli- oder schlingartige Gewächse, welche in nicht weniger als 18 Arten vorgefunden werden, von welchen hauptsächlich Strophanthus Kombe zum medicinischen Gebrauche verwendet wird. Die eingeborenen Neger bereiten daraus ihr Pfeil gift, indem sie die Samen zerquetschen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Semen Strophantin.
und mit Wasser zu einer Paste verreiben, welche sie einige Tage stehen lassen. Dieses Pfeilgift (Kombe, Ines, Onaye, Onage) war schon 18(J5 Livingstone bekannt und wurde 18(j7 auf der Pariser Weltausstellung als neuestes Herzgift ausgestellt. 1872 isolirte Fräser daraus das wirksame Princip; das Glykosid Strophanthin und empfahl 1885 die Stro-phan t hustinctur als Cardiacum.
t
Pharmakognosie. Die Stroplianthussamen luiben etwa die Grosse
eines Hafcrkorns (1,52,5 cm lang, 45 nun breit), sind platt-
|
|||||
|
|
|||||
|
|
il'.]
|
|
|||
|
gedrückt, flachlanzettlich, an der Basis abgerundet, oben zugespitzt, grünlicbbraun, mit feinen, seidenglänzenden, weichen
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Härchen besetzt, auf der einen Seite mit einem deutlich vorspringen-
|
||||
|
den Kiel versehen, von sehr bitterem Geschmacke. In Wasser aufgeweicht lässt sich die behaarte Samenschale abziehen. Ursprünglich laufen die Samen in einen langen, mit einer Federkrone gezierten Pappus aus. 100200 dieser Samen sitzen in einer bis fusslangen Hülse zusammen.
|
|||||
|
|
|||||
|
#9632; ^t
|
|
||||
|
Die Tinctura Strophantin wird in der Weise bereitet^ dass die von dem fetten Oele durch Pressen (oder wie in Oesterreich durch Aether) befreiten pulverisirten Samen mit verdünntem Alkohol im Verhältnisse 1 :10 extrabirt werden. Vorerst wird nur die verdünnte Strophanthustinctur, nicht die concentrirte, auch nicht das Strophanthin (Strophanthinum tannicum, schwer rein darzustellen) gebraucht, In Oesterreich wird die Tinctur 1:20 durch Percolation dargestellt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Strophanthustinctur verstärkt in kleineren, medikamentellen Dosen die systolische Zusammenziehung dos Herzmuskels, wobei die Herzthätigkeit gleichzeitig verlangsamt wird; grosse Dosen führen zu Stillstand des Herzens in Systole. Das Strophanthin scheint das stärkste Herz gift zu sein, welches wir besitzen. Nach Fräser wird beispielsweise das Froschhcrz durch Strophanthin noch in einer Verdünnung von 1:6,000,000 gelähmt, während die Digitalisglykoside schon bei 1:4000 dies nicht mehr zu thun im Stande sind. Das Strophanthin wirkt mithin 1500mal stärker als das Digitalin.
Darnach gehört die Stropbanthustinctur als Cardiacum in die vorderste Reihe der Herzmittel. Sie wirkt ähnlich, aber stärker und schneller als die Digitalis auf Schwächezustände des Herzens im Verlauf von Klappenfehlern und anderen Herzkrankheiten, indem sie die Herzthätigkeit verlangsamt und regulirt, die Herzmuskulatur
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
Semen Strophanthi.
|
73
|
|||
|
|
||||
|
kräftigt, den Blutdruck erhöht und die Diurese ganz aussorordentlich steigert. Dabei scheint sie ausserdem den Vorzug zu haben, dass sie nicht cumulativ wirkt und ohne Schaden längere Zeit hindurch angewandt werden kann; allerdings ist in Folge dessen die cardialo Wirkung keine so nachhaltige, wie bei der Digitalis.
Nach meinen an einer grösseren Anzahl herzkranker Hunde angestellten Versuchen mit Stroplianthustinctur (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887) kann ich das neue Herzmittel angelegentlichst empfehlen. Dasselbe erwies sich bei Klappenfehlern mit seeundärem Hydrothorax, Hydropericardium und Ascites, sowie den hiebei auftretenden Athmungsbeschwerden und Schwindelanfällen als ein der Digitalis nahezu gleichkommendes Cardiacum. Auch chro-nisch-interstitielle Nierenentzündungen wurden insoferne günstig be-einfiusst, als die Albuminurie vermindert und das Körpergewicht gehoben wurde; in einem Falle sank beispielsweise der Eiweissgehalt des Harns alsbald von b1^ auf 20/o. Meist liess sich auch die Pulsfrequenz ganz erheblich herabsetzen.
Form. Man gibt die Stroplianthustinctur nur innerlich, und zwar Pferden als Bolus, Latwerge, Pille oder Einguss, Hunden als Mixtur, Lösung oder Schlecke. Vor der subeutanen Anwendung der Stroplianthustinctur ist zu warnen, da sie stark reizt und selbst ein brandiges Absterben der Haut veranlassen kann.
Toxikologie. Toxikologische Versuche mit Strophanthustinctur ergaben bezüglich des Pulses und der Temperatur ein ähnliches Verhalten wie bei Digitalis. Ich konnte namentlich zwei Stadien der Vergiftung genau unterscheiden: ein erstes mit Sinken der Pulszahl und Steigen der Temperatur, sowie ein zweites mit Erhöhung der Pulsfrequenz und Abnahme der Temperatur. Die Todesdosis betrug durchschnittlich 0,5 g der Tinctur pro Kilogramm Körpergewicht. Daneben zeigten sich die Erscheinungen einer schweren Gastroenteritis haemorrhagica (Erbrechen, lilutbreehen, Kolik, Diarrhöe, Krumpfe) und zuweilen die einer rauschartigen Betäubung. Das Mittel ist also ein Acre-Narcoticum. Pferde ertrugen 100,0 der Tinctur ohne jedes Vergiftungssymptom. Aehn-liehe Resultate hat Müller bei seinen Versuchsthieren constatirt.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Hunde 1025 Tropfen. Pferde 1025 Gramm.
|
|||
|
|
||||
|
Kecepte.
1) Rp. Tinctur. Strophantin 5,0. Sacchari 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. D. S. Täglich einen Esslöffel (Theelöffel) für einen H u n d mit Klappenfehler.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
74
|
Bulbus Scillac.
|
|||
|
|
||||
|
i).
|
2) Rp. Tinotup. Strophanthi 20,0, Pulv. Fruct. .Tuniperi 50,0. Pulv. Rad. Althaeao 30,0. Aim. qn. s. f. Bleotuar. S. Auf 2iual für ein Pferd mit Brustseuclio.
|
|||
|
|
||||
|
1
|
||||
|
|
||||
|
i
fi
1
|
Bulbus Stilliie. Meerzwiebel.
Stamtnpflanee! Urgineamaritima (Sollla marHima), Familie: Liliaceen.
Geschichtliches. Die Meerzwiebel ist ein uraltes, schon bei den Griechen, Römern und Arabern, vielleicht auch schon bei den Egyptern gebräuchliches Heihnittel. Pythagoras (540 v. Chr.) soll sein Leben durch den Gebrauch des Meerzwiebelessigs auf 170 Jahre gebracht haben (!). Die Griechen pflanzten Scilla auf den Griibern und hingen sie als Amulette an den Thüren auf, um sich vor Unheil zu schützen. Sie glaubten ferner, ähnlich wie heute noch die Landleute an der Riviera, die zwischen Feigenbäumen wachsende Scilla halte die Würmer von den Feigen ab. Karl der Grosse nahm die Scilla in sein Arzneiverzeichniss (Capitulare) auf; auch die Schule von Salerno empfahl das Mittel. Im Mittelalter wurde die Zwiebel vielfach als Ratten- und Mäusegift verwandt.
|
|||
|
|
||||
|
li1'
|
Pharmakognosie. Der Bulbus Scillae stammt von Ui-ginea maritima, einem mannshohen Zwiebelgewächse an den Gestaden des Mittelineers aus der Familie der Liliaceen. Man verwendet nur die mittleren weissen Schalen der faust- bis kopt'grossen, aussen roth-braunen, bis 5 Pfund schweren Zwiebel, indem man sie der Länge nach zerschneidet. Das ofticinelle Präparat stellt daher gelblich-weisse, durchscheinende, 3 mm dicke, geschnittene Streifen von hornartiger Consistenz und widerlich bitterem Geschmacke dar, welche von starken (Querstreifen durchzogen sind und leicht brechen. Hauptbestandtheile sind wie bei der Digitalis mehrere Glykoside: 1) das Scillain oder Scillitoxin, mit stark giftiger Wirkung auf das Herz (tödtliche Dosis pro Kilo Hund = 1 mg), 2) das Scillin (scharf reizender Stoff) und 3) Scillipikrin; ausserdem enthält die Meerzwiebel Sinistrin (ein Kohlehydrat), ein flüchtiges, senfölartiges Ocl, Oxalsäuren Kalk und Schleim. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
|||
|
J
|
||||
|
I
|
||||
|
|
||||
|
Tinctura Scillae, Meerzwiebeltinctur (1 :ß verdünnten Weingeist), von gelber Farbe, schwachein Gerüche und widerlich bitterem Geschmacke. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Dosis 515 Tropfen für Hunde, oft zusammen mit Digitalistinctur, Succus Juniperi, Weinstein, Salpeter etc. In Oester-reich ist statt der Tinctur das Extracturn Scillae officinell. Acetum Scillae, Meerzwiebelessig, wie der Fingerhutessig dargestellt aus Meer-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Coffe'm und Theobromin.
|
75
|
||
|
|
|||
|
zwiebel (6 Theileu), Weingeist (5), verdünnter Essigsäure (9) und Wasser (36). Dosis das 3fache der Tinctur. A.P. 10,0 = 5 Pfennig. Oxymel Scillae, Meerzwiebelhonig, eine klare, gellilich-braune Masse, durch Abdampfen von 5 Theilen Meerzwiebelessig und 10 Theilen gereinigtem Honig dargestellt. Ueberttüssiges Präparat. A.P. 10,0 =15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Scillu hat eine mit der Digitalis fast identische Wirkung und wurde früher häufig als Oardiaoum und Diuroticum, ausserdem auch als Expectorans angewandt; sie verlangsamt die Herzthätigkeit und steigert den Blutdruck wie das Fingerhutkraut. Ihr Unterschied vom letzteren besteht darin, dass sie Magen und Darm, sowie die Nieren stärker reizt, daher in grösseren Dosen Erbrechen, Durchfall, Hämaturie, Polyurie und selbst Darm- und Nierenentzündung erzeugt. Aus diesem Grunde wird die Scilla nur noch selten und höchstens bei kleineren Haus-thieren therapeutisch angewandt; sie darf nie gegeben werden, wenn bereits eine Erkrankung der Magen- und Darmschleimhaut oder der Niere vorliegt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Bind 510,0.
Schaf, Ziege, Schwein 12,0. Hund 0,20,5. Katze 0,1.
Recept.
Rp. lufusi Bulbi Scillae 2,0 : 200,0. Suoci Janlperi 20,0. M. D. S. Täglich 12 Essloft'el (Theolöffel) für einen Hund mit Wassersucht.
|
|||
|
|
|||
|
Coffeia und Theobromin.
C5H(CH3)3N40.2 und OjE^OH^Oj.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Coffein ist ein Alkaloid, welches aussei- in den Caffeebohnen (Ooffea arabica) auch in den The6laquo; blättern (Thea chinensis), im P a r a g u a y t h e e (Ilex paraguayensis), in den Colanüssen und in der Guaranapaste (Paullinea sorbilis) enthalten ist. Coffein, Thein und G-uaranin sind also identische Körper. Auch mit dem Theobromin, dem Alkaloid der Kakaobohnen, ist das Coffein nahe verwandt, es kann nämlich als Met by 1-Theobromin aufgefasst werden, d. b. als Theobromin, in welchem 1 Wasserstoff durch die Methyl-Gruppe (CH^) ersetzt
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
7(3
|
Coffe'm und Theobromin.
|
|||
|
|
||||
|
u .
|
ist. Der chemischen Zusammensetzung nach ist Coffei'n eine Xantliin-verbindung, nämlich T rime thylxan thin. Die Verwandtschaft von Xantliin, Coffei'n und Theobromin illustriren die nachstehenden Formeln:
08H4N4Oiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; C.HL,(CH;I)2N,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; C5H(CH;t):iN,02
Xanthinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theobroininnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Coll'om.
Das Coffei'n bildet weisse, glänzende, biegsame, eine wollige Masse darstellende Nadeln von schwach bitterem Geschmackc, welche sich in 80 Theilen kaltem und 2 Theilen heissem Wasser lösen. Wird die Lösung des Coffei'ns in Chlorwasser (1 : 10) auf dem Wasserbade eingedampft, so bleibt ein gelbrother Rückstand, der sich beim Befeuchten mit Salmiakgeist schön purpur-roth färbt (I d e n t i t ä t s r e a c t i o n ; M u r e x i d r e a c t i o n). Mit benzoe-saurem Natrium bildet das Coffei'n ein leicht lösliches und daher zum praktischen Gebrauche besser geeignetes Coffei'n salz, das oftici-nellc Coffeinum natrio-benzolcum, eine Auflösung von Coffei'n in benzoösaurem Natron (keine chemische Verbindung). Dasselbe bildet ein weisses, amorphes, geruchloses Pulver von bitterem Geschmackc, welches schon in 2 Theilen AVasser löslich ist (wichtig für subcutane Injectionen). Das Salz gibt neben der Coffei'nreaction die Benzoesäurcreaction, es färbt sich nämlich mit Eisenchloridlösung hellbraun. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
2) Das Theobromin, das Alkaloid der Kakaobohnen (Theobroma Cacao) und der Colanüsse, ist officinell als Theobrominum Datrio-sali-cylicum oder Diuretin. Dieses dem Coffeinum natrio-benzoicum analoge Doppelsalz bildet ein weisses, geruchloses, süsssalzig bezw. laugen-haft schmeckendes Pulver, das sich in der Hälfte seines Gewichts Wasser löst. Die Lösung wird durch Eisenchlorid violett gefärbt (Salicylreaction); durch Zusatz von Salzsäure wird zuerst Salicylsäure, später auch Theobromin als weisser, in Natronlauge wieder löslicher Niederschlag ausgeschieden (Thcobrominreaction). A.P. 10,0 = 2 Mark 30 Pfennig.
Darstellung. 1) Das Coffefn wird aus dem chinesischen Thee (Theestaub, Theekehricht) dargestellt. Derselbe enthält im Maximum 1,7 0/o Coffefn und wird mit heissem Wasser ausgezogen , der Auszug eingeengt, zur Entfernung der Gerbsäure mit Bleiessig gefällt, und das überschüssige Blei durch Einleiten von Schwefelwasserstoff entfernt, worauf das Coffefn durch Einengung des Filtrates zur Krystallisation gebracht wird. Die frischen Theeblätter enthalten 2 li0/o, der Gaffe 0,510/o, die Colanüsse 20jlo, die Guaranapaste B 0/o Coffein.
2) Das Theobromin ist in den Cacaobohnen zu 0,5l0/o enthalten. Es wird in ähnlicher Weise dargestellt, wie Coffe'i'n,
|
|||
|
m
|
||||
|
|
||||
|
9
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
CoBeiii und Theobromin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 77
Wirkung des Coffe'ins und Theobromins. 1) Dan Coü'e'in und Theobromin ist in massigen Dosen ein Erregungsmittel fttr das Herz und das vasomotorisclie Centrum, jedoch niciit für den Vagus. Der Blutdruck steigt in Folge Verengerung der Arterien und intensiverer Herzthätigkeit, desgleichen die Pulsfrequenz. Nach sehr grossen Dosen sinkt der Blutdruck und die Pulsfrequenz, die Herzactionen werden arliythmisch; todtlicho Gaben führen zu Lähmung und Stillstand des Herzens in Diastole.
2)nbsp; Das Bückenmark bildet bei den Tliieren den Haupt-angritfspunkt für das Coffein, wenn dasselbe in giftigen Graben angewandt wird. Die Wirkung äussert sich dann in hochgestoigerter Beflexerregbarkeit und strychninartigem Tetanus, welcher z. B. bei Katzen und Hunden schon durch eine intravenöse Injection von 0,2 g Cort'e'in ausgelöst werden kann. Nach tödtlichen Dosen tritt zuletzt Lähmung ein.
3)nbsp; Das Gehirn wird bei den Thieren, im Gegensätze zum Menschen, in seinen psychischen Centren fast gar nicht beeinflusst. Beim Menschen dagegen steht die anfangs erregende, später berauschende und betäubende Einwirkung des CotfeTns auf das Gehirn im Vordergrunde der Gesamintwirkung. Das Coffem erzeugt nämlich beim Menschen in grossen Dosen anfangs starke Aufregung, Schlaflosigkeit, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Kopfschmerz, Delirien, später einen rauschartigen Zustand mit starker sensorieller Depression. Sehr grosse Dosen CoftVin erregen jedoch auch bei den Thieren die motorischen llindencentren (Krämpfe).
4)nbsp; Die Körpenuuskulatur verfällt bei director Einwirkung des Coffe'ins in einen Zustand der Starre in Folge Myosingerin-nung. Die Muskeln erscheinen makroskopisch weiss und blutleer, sowie verkürzt und starr; mikroskopisch sieht man Verlust der Querstreifung, Abhebung des Sarkolemms und Verkürzung der Faser um die Hälfte. Auch die motorischen Nerven werden nach der innerlichen Aufnahme von Coffein erregt.
5)nbsp; nbsp;In den Nieren werden die secretorischen Zellen durch Coffein, besonders stark aller durch Theobromin gereizt, was eine vermehrte Harnausscheidung zur Folge hat (Diurctin). Diese Polyuric hängt also nicht bloss lediglich von einem häufigeren Entleeren in Folge Blasenreizung ab.
(3) Von Allgemein Wirkungen des Coffe'ins und Theobromins sind noch hervorzuheben, dass durch mittlere Gaben die Temperatur um etwa einen halben Grad, durch grosse in kurzer Zeit um 11,5deg; C.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Coffe'in und Thoobromin.
gesteigert wird. Auch der Stoffwechsel und die Athmungs-thätigkeit wird etwas angeregt. Endlich führen sehr grosse Dosen zuweilen zu Erhrechen.
Toxikologie. Um die giftige Wirkung des Cofreuis bei den Haus-,'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; thieren genau kennen zu lernen, habe ich bei Pferden, Rindern, Schweinen,
Ziegen und Hunden eine Reihe von Versuchen angestellt (Monatshefte für praktische Thierheilkunde III, S. 529), deren Resultat folgendes ist: Das Coffe'in ist für unsere Hausthiere ein verhältnissmilssig wenig giftiges Arzneimittel. Für Pferd und Rind wirken erst 100 g, für Ziege und Schwein 10 g, für Hunde 5 g tüdtlich. Die tödtliche Dosis pro Kilogramm Kürpergewicht beträgt beim Pferde 0,2, beim Kinde, hei der Ziege und heim Schwein 0,3, beim Hunde 0,5. Die Vergiftungs-ersuhein un gen bestehen im Wesentlichen in Reizung und später Lähmung des Herzens und der Athmung, in Steigerung der Körpertemperatur (im Maximum von 2,2deg; C), in Reizungserscheinungen im Gebiete des Digestions- und Harnapparates (Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harndrang), sowie in tet an isch en Krämpfen. Darnach ist das Cofl'e'in ein Herz- und Athmungsgift, eine Acre für die Digestionsschleimhaut, ausserdem ein Tetanicum. An der Injectionsstelle äussert das Coffe'in eine reizende, entzündungserregende Wirkung. Su beut an wirkt das Coffe'in wesentlich stärker, als per os. Das reine Coffe'in wirkt ferner stärker, als das Coffeimim natrio-salicylicum. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als Pferde. Der Tod tritt bei tödt-lichen Coffe'in dosen durchschnittlich nach 3 Stunden ein. Das Fleisch von Thieren, welche mit Coffe'in vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann also beispielsweise rnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;bei Rindern, welche nach vorausgegangener Coffe'i'iibehandlung nothge-
schlachtet werden, der Genuss des Fleisches, ohne Besorgniss wegen des CoffeTns, zugegeben werden.
Anwendung. 1) Das Coffe'in ist neuerdings wieder als exci-tirendes Herzmittel an Stelle der Digitalis in allen Seh wache zu ständen des Herzens (nicht compensirte Klappenfehler, Pericarditis, Myocarditis, Herzschwäche im Verlaufe fieberhafter Infectionskrankheiten etc.) wann empfohlen worden. Namentlich ersetzt das Coffein die Digitalis in manchen Fällen, in welchen letztere unwirksam ist. Die Herzkraft und der Blutdruck liehen sich unter der Einwirkung des Coffei'ns. Als Vortheile des Coffei'ns vor der Digitalis werden hervorgehoben, dass Coffei'n nicht cunmlativ wirkt, namentlich hei suheutaner Anwendung einen schnelleren Effekt hervorbringt und die Diurese stärker anregt; es soll endlich die Magen-und Darmschleimhaut weniger reizen.
2) Als Diureticum ist das Coffei'n und namentlich das Theo-hromin (Diuretin) der Digitalis dann vorzuziehen, wenn es sich um Hydropsien unabhängig von Herzkrankheiten handelt, also
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Coffoiii uud Tlieobromin.
|
70
|
||
|
|
|||
|
bei Wassersuchten im Verlaufe von Leber- und Nierenkrank-b ei ten. Es erklärt sieb dies daraus, dass Coffe'in und Tbcobromin niebt lediglich durch Steigerung des Blutdrucks, sondern hauptsiieh-lich auch durch directe Beeinflussung der Nierensecretion diuretisch wirken. Aber auch bei cardialer Hydropsie leisten beide Mittel nicht selten noch bessere Dienste, als die Digitalis, wie ich dies in zahlreichen Fällen bei herzkranken Hunden beobachten konnte (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887).
3)nbsp; Das CoffeTn ist in grossen subeutanen Dosen ein kräftiges Excitans für das Nervensystem, insbesondere für das Rückenmark, welches ähnlich wie das Veratrin und Strychnin bei allen Schwäche- und Läbmungszuständen anzuwenden und auch als ein sehr gutes Mittel gegen Collaps zu empfehlen ist. Vermöge seiner speeiiischen Einwirkung auf die Muskulatur ist es ferner ein Belebungsmittel für Pferde auf anstrengenden Märschen sowie ein Excitans bei myopathischen Lähmungen (Hämoglobinämie des Pferdes). In Folge seiner excitirenden Wirkung auf das Herz und die nervösen Centralorgane kann es ferner als Antidot bei einer Beihe von Intoxicationen mit narkotischen, die Herz-tbätigkeit lähmenden Giften, wie Morphin, Chloroform, Alkohol angewandt werden. Nach den experimentellen Beobachtungen von Binz lassen sieb junge, durch Alkohol betäubte Hunde durch eine Injection von 0,1 Coffe'in schon nach Verlauf von 5 Minuten wieder auf die Beine bringen; die gesunkene Blutwärme erhebt sieb ebenfalls sofort wieder zur Norm, Von Langgaard wird es ferner gegen Curarelähmung und Vergiftung mit curareartig wirkenden Substanzen empfohlen. Da zu letzteren auch gewisse Gruppen der Toxine (Toxalbumine) gehören, so zweifellos der Intoxicationsstoff mancher mykotiseber Darmentzündungen und wahrscheinlich auch der Gebär-parese (paralytische Form des Kalbefiebers), so ist speciell bei diesen Krankheiten eine Coffe'inbebandlung angezeigt, um so mehr, als das Mittel leicht, nämlich subeutan, applicirbar ist. Dass das Coffein tbatsächlich bei der Gebärparese der Kühe als Excitans gute Dienste leistet, ist durch diesbezügliche Erfahrungen von Hink u. A. erwiesen.
4)nbsp; Als Herzmittel ist Coffe'in auch im Stande, ein im Anschluss an Herz- oder Lungenlähmung auftretendes Lungenödem wirksam zu bekämpfen. In der Menschenbeilkunde wird endlich vom Coffem noch Gebrauch gemacht bei manchen Neuralgien, Herzneurosen? Hemikranie, nervösem Asthma u, s. w.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
#9632;laquo;.
|
80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oaffe.
Caffo. Derselbe ist die Frucht von Coffea arabica und wird in gebranntem Zustande als Coffea usta' ebenfalls therapeutisch angewandt. Die physiologisch e Wirkung des Cafi'einfuses ist aber mit der Coffefiiwirkung nicht ganz identisch. Es sind vielmehr im Caffe eine Reihe anderer Stoffe neben dem Coffequot;!!! enthalten, wodurch die Wirkung complieirt wird. Aussei- Coffein, welches im rohen Caffe durchschnittlich zu 0,5 quot;jo, im gebrannten zu 1 0/o enthalten ist, finden sich in demselben verschiedene brenzliche Stoffe, so namentlich das Caffeol, ein ätherisches Oel von der Formel CHH1(10,), ferner Pyrrol, Methylamin und Hydro-chinon. Diese brenzlichen Stoffe kommen bei der Caffewirkung neben dem Coffefn wesentlich in Betracht und herrschen in derselben möglicherweise vor. Endlich enthält der gebrannte Caffe Gerbsäure (50/o), wodurch sich die adstringirende und schwach desinficirende Nebenwirkung desselben erklären lässt. Wie das Coffefn erregt der Cafte Gehirn, Athmung und Herz; die Gefässe jedoch werden nicht wie beim Coffefn verengert, sondern erweitert. Die im Caffe enthaltenen Salze (Kalium, Natrium, Magnesium, Eisen gebunden an Chlor und Phosphorsäure) kommen bei der Caffewirkung nicht in Betracht. Anwendung findet der Caffe in Form des Infusum Coffeae hauptsächlich als Excitans bei Collapszus tän den, so häufig bei der Staupe der Hunde, bei schweren septischen Zuständen des Eindes etc., ausserdern als Gegenmittel gegen narkotische Vergiftungen (Alkohol, Chloroform). Durch seinen Gerbsäuregehalt eignet er sich überhaupt als Antidot für alle Alkaloide. Sodann wird er in leichteren Fällen von Diarrhöe alsStypticum und gegen anhaltendes Erbrechen (Hy perem esis) verabreicht. Aeusserlich ist er neuerdings als Antisepticum in Form des Streupulvers und als Geruchs-corrigens für das Jodoform empfohlen worden.
Pasta Guarana. Die Guaranapaste wird aus den zerstossenon Samen von Paullina sorbilis, einer brasilianischen Sapindacee, dargestellt. Sie bildet harte, braunschwarze, stäbchenförmige Massen von oigenthümlichem Gerüche und enthält bis 5n;o Coffefn, ausserdern noch als wichtigsten Be-standtheil Tannin (50|o). In Brasilien wird sie als Genussmittel und Arzneimittel gegen Ruhr benützt. Die Guaranapaste hat wie der Caffe eine com-plicirte Wirkung, nämlich Coffefn 4- Tannin Wirkung. Sie wird in der Menschenheilkunde als Excitans und Adstringens zu 15,0 angewandt. Aehnlich wirken die Colanüsse (von Eugen Wolff auf Madagaskar bei Pferden als Belebungsmittel erprobt).
Neuere Coffein- und Theobrominpräparate. Als Diuretica werden empfohlen: Uropherin (Theobrominum Lithio-benzoicum), Symphorole
raquo;
(Salze der Coffeinsulfosäurc), Jodocoffeln und Jodotheobromin; als beruhigende Mittel: Migränin (Coffein, Antipyrin und Citronensäure), Coffeln-chloral und Aethoxycoffeln.
Dosis des Coffems und Theobromins. Pferd und Rind 510,0. Grosse Hunde 0,52,0. Kleine Hunde 0.10,5.
Recepte.
1) Rji. CoffeYni natrio-ben/.oVci Saccliari aa 0,5. M. f. Pulv. D, tal. dos. Nr. V. S. Täglich ein Pulver für einen Hund mit allgemeiner Wnssersuclit.
|
||
|
i #9632;
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Spartu'mum. Convallaria. Adonis vernalis.
|
81
|
||
|
|
|||
|
2) Rp. Cofi'eVni natrio-bunzoici 2,0. Ctuiuiiu arabici et Saochari qu. s. f, Pilul. Nr. X. D. S. Täglich 12 Pillen für einen Hund mit Asciles.
8) lip. Ooffo'ini natrio-salicylioi 5,0. Aqu. destiilatac 10,0. M. f. S. 1). S. Zur suboutanen Injection für ein 11 i u d mit Grebärparese.
4)nbsp; Rp. Diuretini 5,0.
Aqn. destillatae 150,0. Mi Di S. östündlich 12 Esslöffel für einen Hund mit Ascites.
5)nbsp; Rp. Infusi Folior. Digitalis 2,0 : 250,0.
Diuretini
Tinctur. Stroplianthi ää 5,0. Liquor. Kalii acetici Sucoi Juniperi inspissati ää 25,0. D. S. Für einen grossenHund mit Wassersucht, in 3 Tagen zu geben.
|
|||
|
|
|||
|
Neuere, nicht officiuelle Herzmittel.
1)nbsp; nbsp;Spartelnum sulfuricum. Das Spartein ist das Alkaloid des Besen-ginsters (Spartium scopariuni. Genista scop aria), der bekannten und überall verbreiteten, gelbblühenden Papilionacee, deren bitterer Saft von Alters her als Heilmittel angewandt worden ist. Das Spartein selbst ist eine sehr leicht zersetzliche, farblose Flüssigkeit von der Formel CijHjßN), welche mit Schwefelsäure zusammen das krystallinische, farblose, in Wasser leicht lösliche Sparteinsulfat bildet. Neuerdings wird auch das Oxyspartefn von der Formel CuH^N^O dargestellt. Das Spartein und Oxysparte'in ist wie Digitalis, Coffein und Strophanthus ein Cardiacum, welches die Pulsfrequenz verlangsamt, die Systole verlängert und die Herz-contractionen kräftigt. Aus diesem Grunde wurde es gegen krankhafte Affectionen des Herzmuskels mit Erschlaffung der Herzthätigkeit sowie arhythnüschem, aussetzendem Pulse, ausserdem als Diuretic um empfohlen. Ich kann nach meinen Versuchen beide Wirkungen bestätigen (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887). Die Dosis beträgt für Hunde 0,1-0,5, für Pferde 15,0. A.P. 0,1 = 5 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Convallaria majalis. Die Maiblume (Maiglöckchen) von der Stammpflanze Convallaria majalis (Smilaceen) enthält sowohl in den Blüthen. als in den Blättern und im Stengel 2 (ilykoside: das Con vaIlamarin und Convallarin. Während das Convallarin reizend auf die Schleimhaut des Magens und Darmes wirkt, ist das Convallamarin ein Cardiacum und Diuretic um, welches ähnlich wie die Digitalis Herz und Blutdruck be-eittflusst. Man hat es daher an Stelle der Digitalis gegen Herzfehler, Morbus Brightii, Hydrops etc. empfohlen. Nach den bisher beim Menschen gewonnenen Erfahrungen scheint das Mittel indess unsicher zu sein.
8) Herba Adonis vernalis. Das Adonis kraut von der Stammpflanze Adonis vernalis (Ranunkulaceen) enthält ein Glykosid Adonidin, welches auf Herz- und Blutdruck ähnlich wirken soll, wie
Fröhner, Arzneiiiüttelleliro. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ß
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
82
|
Cytisin.
|
|||
|
|
||||
|
i;
|
Digitalis. Es wurde daher sowohl die Mutterpflanze alsnbsp; nbsp;das Adonidin
gegen Herzkrankheiten namentlich dann empfohlen, wennnbsp; nbsp; Digitalis im
Stiche lilsst. Die diuretischo Wirkung soll im Allgemeinennbsp; nbsp;stärker sein, und auch die der Scilla übertreffen.
|
|||
|
|
||||
|
|
4) Cytisin, das Alkaloid des Goldregens, Cytisus laburnum (Pupi-lionaceen) wirkt ge fäl ssver enge rnd und wird daher beim Menschen angeblich mit Erfolg gegen die auf abnormer Gefässerweiterung beruhende sogenannte paralytische Form der Migräne als Cytisin um muria-ticum in Dosen von 85 mg angewandt. Sonstige Wirkungen des Cytisins sind; Curare-ähnliche Lähmung der peripherischen Endigungen der motorischen Nerven, verminderte Pulsfrequenz, Arhythmie des Pulses, Schwindel, Somnolenz sowie local die Erscheinungen der Gastroenteritis (Acre-Narcoticum). Nach neueren Untersuchungen bildet das Cytisin auch ein Zersetzungsproduct des Pilocarpins.
Weitere Glykoside mit Digitaliswirkung sind Oleandrin (auch als Tinctura Nerii Oleandri angewandt; Dosis wie bei Strophanthustinctur), Helleborin, Coronillin, Apocynin, Evonymin, Antiarin und Thevetin. Aehnlich wirkt ferner das Alkaloid Carpaln (Carica Papaia) und das Fluid-extract von Cactus grandiflorus.
|
|||
|
:
|
||||
|
M
|
||||
|
|
||||
|
.1
|
||||
|
|
||||
|
fr
|
||||
|
|
||||
|
I
i l
|
||||
|
|
||||
|
?
I
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Beruliiß-ende Nervenmittel. Sedativa.
|
||
|
|
||
|
0phi in. Moliiisiil'l.
Slammpflanze: Pupacer somniferum. Familie: Papaperaceen.
Geschichtliches. Das Opium ist eines der illtesten Arzneimittel. Es findet sich schon in der alten indischen Heilkunde (Ayur-Veda) unter dem Hamen Aiphenaquot;, hei den alten Egyptern unter dem Namen Kyphiquot;, sowie hei den Griechen (Homer, Hippokratos) als schmerzstillendes Mittel im allgemeinen Gebrauch. Eine besondere Bedeutung erlangte es später als Bestandtheil des sogenannten Theriaks (Mithridates von Pontus), der das ganze Mittelalter hindurch, ja selbst bis zum Jahre 1787 in den Apotheken eine grosse Rolle spielte. In ähnlicher Weise war zur römischen Kaiserzeit (Galen) eine Opiumlatwerge unter dem Namen Antidotum Phi-lonis ein sehr gesuchtes Heilmittel. Der Opium verbrauch nahm damals so überhand, dass die römischen Provinzen zur Deckung des Bedarfes nicht mehr ausreichten, weshalb dasselbe aus Indien bezogen wurde (Pandekten, Titel von den Zöllen). Von der römisch-griechischen hat sodann die arabische Schule (Avicenna, Salerno) das Opium übernommen. Im Mittelalter ist durch Paracelsus das Opium in Deutschland sehr bekannt geworden. Die wissenschaftliche Grundlage für die Anwendung des Opiums in der Medicin ist durch den englischen Arzt Sydenham (16241689) gelegt worden. Die Alkaloide des Opiums, insbesondere das Morphium, sind 1816 von Sertürner entdeckt worden.
Pharmakognosie. Das Opium (Laudanum, Meconium, Mohnsaft) ist der freiwillig eingetrocknete Milchsaft des Mohns, Papaver somniferum, aus der Familie der Papaveraceen. Die Mohnpflanze wird zum Zwecke der Opiumgewinnung namentlich in Kleinasien (Yerli und Karahissar), ausserdem in Egypton, Porsien und Ostindien (bei uns lediglich als Oelpflanze zur Darstellung des Mohnöls, Oleum Papaveris) gebaut. Die Gewinnung erfolgt in der Weise, dass die unreifen Mohnkapseln der Quere nach angeritzt, der ansquellende Milchsaft gesammelt, an der Luft getrocknet und zu Kuchen geknetet wird; die Opiumkuchen werden dann mit Mohnblättern um-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
84nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Opium.
hüllt, welche mit den Früchten einer Rumexart bestreut zu sein pflegen.
Das Opium stellt eine trockene, braune, innen gleichmässige und oft noch knetbare, cbarakteristisch eigenartig riechende, sowie scharf bitter und brennend schmeckende Masse dar. Dieselbe enthält eine grosso Anzahl von Alkaloiden. Das wichtigste derselben ist das Morphin, welches nach der Vorschrift des deutschen Arzneibuchs mindestens zu 10 0/o im Opium vorhanden sein soll.
|
||||
|
|
||||
|
-.raquo;#9632;
|
(Der Morphingehalt des Opiums schwankt zwischen 10 und 20 0/o.)
|
|||
|
|
||||
|
Andere therapeutisch verwerthete Alkaloide sind Narcotin (4100/o), Codein, Thebain, Narcein und Papaverin. Sonstige Bestandtheile sind Rhöadin, Opianin, Laudanin, Laudanosin, Metamorphin, Pseudomorphin. Mekonin, Mekonidin, Mekonoisin, Crypto-pin, Lanthopin, Gnoskopin, Protopin, Porphyroxin, Co-tarnin, Hydrocotarnin, Codamin; daneben kommen vor die Mekousäure, Opiansäure und Thebolaktinsäure, endlich Wachs, Harz, Kautschuk. Gummi, Pectin, P^iweiss, Sulfate des Kaliums, Calciums, Magnesiums. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Tinctura Opii simplex, einfache Opiumtinctur (Tinctura the-baica), eine rö thli ch braun e Tinctur mit dem charakteristischen Opium-geruche und von bitterem Geschmacke, bereitet aus 1 Theil gepulvertem Opium und je 5 Theilen verdünntem Weingeiste und Wasser. Sie enthält in 100 g nahezu das Lösliche aus 10 g Opium, also annähernd lg Morphin. Ihr speeifisches Gewicht beträgt 0,i)740,978.
|
||||
|
|
||||
|
V'j
|
Dosis für Pferde 5Ü-150,0; Rinder 75200,0; Schafe und Ziegen
|
|||
|
|
2550,0; Schweine 1025,0; Fohlen und Kälber 520,0; Lämmer 1-2,0; Hunde 15,0; Katzen 0,21,0; Hühner 10 Tropfen; Tauben 5 Tropfen. A.P. 1,0 = 5 Pfennig, 10,0 = 20 Pfennig.
V
Tinctura Opii benzoica, benzoesäurehaltige Opiumtin ctur
'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(Elixir paregoricum Paracelsi), in Deutschland officinell, bereitet aus 1 Theil
gepulvertem Opium, 1 Theil Anisöl, 2 Theilen Campher, 4 Theilen Benzoe-säure und 192 Theilen verdünntem Weingeist. Ist 20mal schwächer als die einfache Tinctur und wird hauptsächlich als Expectorans (Benzoe-säure, Camphor) bei Ansammlung zäher Schleimmassen in den Bronchien und starkem Hustenreize (Opium) angewandt, jedoch nur beim Hunde in Gaben von 13,0. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
|
|||
|
I
|
Tinctura Opii crocata, safranhaltige Opiumtinctur (Laudanum liquidum Sydenharai), eine dunkelgolbrothe, nach Safran riechende Tinctur, speeifisches Gewicht 0,9800,984, bereitet aus 15 Theilen gepulvertem Opium, 5 Theilen Safran, 1 Theil Nelken, 1 Theil Zimmt und je 75 Theilen verdünntem Weingeist und Wasser. Dosis und Morphingehalt dieselben wie bei der einfachen Tinctur. Eignet sich in der Hundepraxis bei schwächlichen , feineren Thieren als Magen- und Darmmittel bei atonischer Ver-dauungsschwiiehe mit Durchfall (2040 Tropfen). A.P. 1,0 = B Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Opium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;85
Extractum Opii, Opiumextract, ein trockenes, rothbraunes Extract, dargestellt durch Maceriren von 2 Theilen gepulvertem Opium rait 10 Theilen Wasser 24 Stunden lang, nochmaliges ebenso langes Maceriren des Rückstandes mit irgt; Theilen Wasser und Eindampfen des Auszugs. Soll mindestens 17 n/o Morphin enthalten; es fehlt in demselben Narkotin (Tetanicum!), weshalb die Wirkung eine reinere ist, als die des Opiums. Dosis: die Hälfte des Opiums. A.P. 1,0 = 35 Pfennig.
Pulvis Ipecacuanhae opiatus. Pul vis Do wer i, Dower'sches Pulver, besteht aus 1 Theil Opium, 1 Theil Ipecacuanhawur/.el und 8 Theilen Milchzucker, ein hellbräu n lieh es Pulver vom Gerüche und Geschmacke des Opiums, vereinigt die Wirkung des Opiums (Stypticum, hustenlindernd) mit derjenigen der Ipecacuanha (Expectorans) und eignet sich insbesondere in der Hundepraxis für die Behandlung von Diarrhöe mit gleichzeitiger Bronchitis (Staupe). Dosis 0,52,0 für Hunde, 0,11,0 für Katzen und Geflügel. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Fructus Papaveris immaturi, unreife Mohnköpfe (Capita Pa-paveris). Sie enthalten Spuren von Opiumalkuloiden (etwa 0,03quot;o Morphin und 0,0-l0;o Narkotin) und sind wegen ihres unsicheren Gehaltes an Morphin zum medicinischen Ciebrauehe nicht geeignet.
Handelssorten. 1) Das offlcinelle kleinasiatische oder Smyrna-Opium ist die beste Sorte; es bildet flache, scheibenförmige Kuchen von 50750 g Gewicht, mit Mohnblilttern umwickelt und mit liumexfrüchten bestreut. Die innere, häufig noch knetbare Masse zeigt in der gelbbraunen Grundsuhstanz viele gleichfarbige Körnchen oder ,Thränenquot; (Thränen-o p i u m).
2)nbsp; Das egyptische Opium (Opium thebaicum), geringer werthig. Die Kuchen sind nur mit Mohnblättern bestreut.
3)nbsp; Persisches Opium, in Stangen-, Kegel- oder Ziegelform.
4)nbsp; Ostindisches Opium in Kugeln (nach China gegen Thee verkauft).
Wirkung. Die Opiumwirkung stimmt im Allgemeinen mit der Morphiumwirkung überein. Das Alkaloid Morphium ist nämlich der wichtigste Bestandtheil und in einer über die andern Alkaloide überwiegenden Menge (102()n/o) im Opium enthalten. Es kann daher auf die beim Morphium näher besprochenen Einzelwirkungen hingewiesen werden. Als einziger Unterschied zwischen Opium und Morphium wird hervorgehoben, dass das Opium stärker auf den Darm einwirkt. Im Uebrigen haben nicht alle im Opium ent-haltenen Alkaloide eine mit dem Opium identische Wirkung. So besitzen namentlich Thebain und Narkotin ganz entgegengesetzte, nämlich tetanische Eigenschaften, indem sie in grösseren Dosen nicht etwa Schlaf erzeugen, sondern spinale Krämpfe hervorrufen. Das Papaverin ferner ist nur in sehr grossen Gaben ein Hypnoticum. Dagegen kommen das ebenfalls officinclle Code'in und das Narcein
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
86nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Opium.
|
|||||
|
|
|||||
|
der Morphium Wirkung sehr nahe. Die übrigen Alkaloide sind noch nicht genauer untersucht.
|
|||||
|
|
|||||
|
.4''
|
|||||
|
|
|||||
|
i
|
Anwendung. Das Opium kann in allen beim Morphium genannten Fällen angewendet werden (vcrgl. S. 92), Für gewöhnlich wird jedoch das Opium nur als Narcoticum für den Darm gegen Durchfälle gebraucht, oder wenn die Darmperistaltik vermindert werden soll (Darmkatarrh, Darmentzündung, Euhr, Peritonitis, Dysenterie, Darmblutung). Von besonderer Bedeutung ist das Opium für die Behandlung der Fohlen- und Kälberruhr, gegen welche es, in kräftigen Dosen gegeben, ein fast souveränes Mittel darstellt (520 g Opiumtinetur, 23mal pro die gegeben). Auch bei Magen-krankheiten, namentlich bei anhaltendem Erbrechen ist Opium wirksamer als Morphium, weil es besser ertragen wird. Das Genauere über die Anwendung vergleiche beim Morphium.
|
||||
|
|
|||||
|
1
|
Dosis. Die Dosis des Opiums ist bei innerlicher Application im Allgemeinen die 5 lOfachc des Morphiums. Sehr häufig wird statt des Opiums die Opiumtinetur angewandt; dieselbe wird dann in einer lOmal stärkeren Dosis verschrieben als das Opium. Es entspricht nämlich durchschnittlich 1 g Morphium 10 g Opium und 100 g Opiumtinetur. Bei Pferden wird Opium am besten in Pillen, beim Bind als iSchüttclmixtur. beim Hund als Pulver oder in Pillen verabreicht. Die äusserliche Anwendung des Opiums zu Salben und Augenwässern, wie sie früher bei schmerzhaften Wunden, Geschwüren und Augenontzündungen gebräuchlich war, empfiehlt sich nicht; das Cocain ist hier entschieden vorzuziehen. Die Dosis des Opiums beträgt:
für Pferde 5,020,0.
Rinder 10,025,0.
,, Schafe, Ziegen, Fohlen, Kälber und Schweine 1,03.0.
|
||||
|
|
|||||
|
|
a
|
|
|||
|
Hunde 0,10,5.
Katzen 0,05 0,2.
,, Hühner 0,1.
Tauben 0,05.
Recepte.
1) Rp. Opii pulverati 10,0. gt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pulv. Rad. Althaeae 25,0.
laquo;:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aqu. qu. s. f. Pilula.
D. S, Für ein Pferd mit Diarrhöe.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
Opium.
|
87
|
|||
|
|
||||
|
D. S.
|
2) Rp. Opii pulvcrati 8,0.
Hydrarg. elilorat. mit. 2,0.
l'ulv. Rad. Althaeao et
Muoilagin. Gummi arab. qu. s. 1'. Pilula. Für ein Pferd mit infectiösom Danakatarrh (n.
|
B. Influenza).
|
||
|
|
||||
|
3)nbsp; Rp. Opii pulvcrati 5,0.
l'ulv. Rad. Althaeao 25,0. Aqu. qu. s. f. ope Gummi arab. Pilul. Nr. V. D. S. Sstttndlioh eine Pille für ein Fohlen mit Ruhr.
4)nbsp; Rp. Tinctur. Opii simpl.
Tinctur. Rhei vinos, ää 25,0. Infus. Flor. Chamomill. 250,0. IM. D. S. 2stündlicli einen Esslöffel für ein Kalb mit Ruhr.
5)nbsp; Rp. Opii pulverati
Acid, salicylioi ää 2,0. M. f. PulVi D. S. Auf 2mal mit je einem Weinglas Pfefferminzthee einzuschiitton für ein Kalb mit Ruhr.
(j) Rp. Opii pulverati 0,2.
Hydrargyr. ehlorat. mit. 0,1. Saoohari 0,5. M. f. Pulv, D.S. Für einen Hund mit infeetiösem Darmkatarrh (Staupe).
7)nbsp; Rp. Opii pulverati 1,0.
Pulv. Rad. Liquirit.
Suoc. Liquirit, dcpur. qu. s. f. Pilulao Nr. V. D. S. Täglich 2 Pillen für einen Hund mit Diarrhöe.
8)nbsp; Rp. Tinctur. Opii spl. 100,0.
Maceration. Sem. Lini 25,0:500,0. M. D, S. Auf 2mal oinzusohütton innerhalb eines Tages für ein Rind mit Diarrhöe (Ruhr).
9)nbsp; Rp. Opii pulverati
Rad. Rhei pulv. ää 2,0. M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. III. S. Täglich 1 Pulver mit je einem Weinglas Kamillenthee einznscliütten für ein Kalb mit Ruhr.
10)nbsp; Rp. Tinctur. Opii spl. 10,0.
Gummi arabici 20,0. Aqu. dostillat. 300,0. M, D, S. östündlich einen Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Darmentzündung.
11)nbsp; Rp. Opii pulverati
Bismuthi subnitr. ää 0,2. Filaeo-Sacchari Menthao 0,5. M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. V. D. S. Pulver gegen starkes Erbrechen beim Hund.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Morphium.
|
|||
|
|
|||
|
|
12) Ep. Opii pulvcrati 0,1. Saoohari 0,5,
M. f. l'ulv. D. till. dos. Nr. X. S. THglicli 2'i Pulver für einen Hund mit Ruhr. IS) Rp. Opii pulverati 0,2.
Pulv. Had. Althaeae 2,0.
Aqu. qu. s. f. massa Boli. üivid. in part, aeijual. Nr. IV. D.. 8. Täglich 2 (1) Pillen für ein Huhn (Taube) mit Diarrhöe. 14) Rp. Tinct. Opii spl. 5,0. Aqu. Foeniculi 150,0. M. D. S. Sstttndlioh einen Esslöfl'el (Tlieelöfl'el) für ein Huhn (Taube) mit Enteritis.
|
||
|
|
|||
|
m
|
Morpliiimm hydrocliloricimi. Salzsiiurcs Moridiimn.
01TH1()Nü;). HC1 ;m.,().
Pharmaceutische Chemie. Das salzsaure Morphium bildet w e i s s e, s e i d e n g 1 ä n z e n d e K r y s t a 11 n a d e 1 n oder (gewöhnliche Handelssorte) weissc, würfelförmige Stücke von mikrokrystallini-scher Beschaffenheit. Es lost sich in 25 Theilen Wasser und in 50 Theilen Weingeist; die Lösung schmeckt sehr bitter. Iden-titätsreactionen sind: 1) Als Morphinsalz gibt seine Lösung in concentrirter Schwefelsäure, welche Lösung farblos sein muss, bei Zusatz von etwas Wi s m u t h s u h n i t r a t eine d u n k e 1 b r a u n e Farbe. Ferner wird das Salz beim Befeuchten mit Salpetersäure roth und die wässerige Salzlösung bei Zusatz eines Tropfens einer verdünnten Lösung von Eisenchlorid blau. Die wässerige Lösung wird durch Pottasche schwach getrübt (freies Morphin); Ammoniak erzeugt einen Niederschlag (freies Morphin), der sich in Natronlauge und Kalkwasser leicht, in überschüssigem Ammoniak oder Aether nicht lost. 2) Die wässerige Lösung gibt mit Silbernitrat einen weissen, in Ammoniak leicht löslichen Niederschlag (Chloridreaction). A.P. 1,0 = 45 Pfennig.
Das früher officinelle Morphinum aceticum ist wegen seiner geringen Haltbarkeit nicht mehr im Gebrauche; wird es verschrieben, so darf vom Apotheker Morphinum hydrochloricum verabreicht werden. Auch Morphinum sulfuricum ist nicht mehr officinell.
Darstellung des Morphiums. Das Morphin wird aus dem wässerigen Opiumauszuge durch Fällung mittelst Aetzammoniak, Lösung des Niederschlags in verdünnter Salzsäure, Entfärbung durch Thierkohle und Krystallisirung, oder nach folgendein Verfahren dargestellt: Opium wird Smal mit der Sfachen Menge Wasser extrahirt, der wässerige Auszug auf
|
||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Morphium.
|
81)
|
||
|
|
|||
|
die Hälfte eingeengt und mit Kalkmilch gekocht. Hierauf colirt man, engt die Flüssigkeit bis auf das Doppelte der angewandten Opiununengo ein und versetzt sie mit '/io Salmiak. Das ausgeschiedene Morphin wird nach einigen Tagen gesammelt, in saksaures bezw. schwefelsaures Morphin mittelst Salzsäure bezw. Schwefelsäure übergeführt und durch Isoliren der Base mittelst Kalk und Salmiak gereinigt. Prüfung-. 1) Die Morphinsalze sollen sich in Schwefelsäure farblos lösen (Braunfärbung = Zucker). 2) Sie sollen auf dem Platinblech ohne Rückstand verbrennen (anorganische Beimengungen). 3) Bei überschüssigem Zusätze von Kalilauge muss die wässerige Lösung klar bleiben (Narkotin und andere Alkaloide).
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung des Morphiums. Die Hauptwirkung des Morphiums
ist gegen das Gehirn gerichtet. Es betiiuht und lähmt nach einem vorausgegangenen Erregungsstadium (Manegebewegungen, sogenannte Laufwuth bei Pferden, starke Unruhe bei Rindern und Katzen), welches nur bei sehr grossen Dosen ausfällt, die Empfindungs-imd Eewegungscentren des Gehirns und erzeugt in Folge einer directen Einwirkung auf die Ganglienzellen des Gehirns Schlaf Dass die Ganglienzellen hierbei direct und nicht indirect durch Vermittlung der Blutvertheilung (Anämie, Hyperämie) betroffen werden, hat Binz durch Einlegen von Gehirnschnitten in eine Morphiumlösung gezeigt. Bei der mikroskopischen Untersuchung derselben fand sich nämlich das Protoplasma der Ganglienzellen durch das Morphium getrübt, in gerinnungsartigem Zustande, ganz wie bei Chloroform und Cbloralhydrat. Darnach muss bei der Morphiumnarkose die Entstehung einer Morphium-Protoplasmaverbindung der Gehirnganglien angenommen werden, welche für die gewöhnlichen Nervenreize nicht mehr irritabel ist. Bezüglich der Circulationsverhiiltnisse im Gehirn während der Morphiumnarkose ist festgestellt, dass der Hirnblutdruck sinkt, und in der Binde Anämie, in der Hirnhasis dagegen Hyperämie besteht.
Die Morphiummenge, welche zur Herbeiführung einer Narkose noting ist, zeigt sich bei den verschiedenen Thiergattungen ausserordentlich verschieden. Es ist ein Gesetz, dass man zur Hypnose um so weniger Morphium benöthigt, je höher or-ganisirt das Nervensystem des betreffenden Thieres ist. Deshalb bedarf der Mensch mit seinem hochentwickelten Gehirn die geringste Morphiummenge (niederste Schlafdosis für einen Erwachsenen 0,015 Morphium, niederste tödtliche Dosis 0,06). Der Hund bedarf durchschnittlich einer lOmal grösseren Dosis als der Mensch; am wenigsten empfindlich von den Warmblütern sind die Vögel. So ertragen Tauben eine sehr viel grössere Dosis als der Mensch; sie
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Morphium.
*
ertragen bis 0,1 Morphin snbcutan und bis 0,5 per os, demnach pro Kilogramm Körpergewicht 3 500inal mehr als der Mensch. Am indifferentesten sind die Kaltblüter; Frösche reagiren nicht auf eine Dosis Morphium, welche den Menschen rasch einschläfert; sie ertragen somit pro Kilogramm Körpergewicht etwa lOOOmal mehr Morphium als der Mensch! Diese Verhältnisse sind hei der Dosirung des Morphiums und Opiums in der Thierlieilkunde (im Gegensatze zur Menschenheilkunde) wohl zu berücksichtigen. Dazu kommt, dass auch unter den warmblütigen Thierspecies grosse Unterschiede bezüglich der Heaction auf Morphium bestehen. Während Hunde, Kaninchen, Meerschweinchen, Tauben u. s. w. relativ leicht in Narkose verfallen, sind Pferde, Binder, Katzen, Schafe, Ziegen und Schweine viel weniger empfindlich bezw. reagiren auf Morphium mit Erregungserscheinungen.
2) Im Darmkanal vermindert das Morphium die Sensibilität und die Peristaltik, und zwar ist nach Nothnagel die Erregung des Splanchnicus, des Hemmungsnerven des Darmes, nach Andern die Reizung hemmender Darmganglien als die Hauptursache der Verstopfung anzusehen. Die lähmende Wirkung des Morphins auf den Darm wäre also analog der Digitaliswirkung auf den Vagus im Wesentlichen auf eine Nervenerregung zurückzufiüiren. Daneben findet jedoch offenbar auch eine directe anästhesirende Einwirkung ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;auf die Nerven der Darmschleimhaut bezw. eine lähmende Wirkung
auf die Reflexerregbarkeit der Darmmuskulatur statt.
8) Das im verlängerten Mark gelegene Athmungscentrum erfährt durch Morphium in seiner Thätigkeit insofern eine Hemmung, als die Athemzüge nach Frequenz und Intensität abnehmen. Ausser-dem wird die Erregbarkeit der sensiblen Nerven der Luftwege herabgesetzt; dadurch ist das Morphium ein sehr gutes Mittel gegen
|
||||
|
|
|
|
||
|
Husten.
4)nbsp; Das llüc ken mark wird durch giftige Dosen, wie das Grehirn, aber erst viel später gelähmt. Das primäre Erregungsstadium fehlt hier öfters bei den Warmblütern, doch beobachtet man auch nicht selten zuerst eine gesteigerte Reflexerregbarkeit und selbst Krämpfe als Folge der Einwirkung des Morphins auf das Rückenmark (Katzen, Rinder). Am ausgesprochensten ist das Excitations-stadium bei Fröschen, welche auf Morphin durch Tetanus reagiren. Sehr starke Tetanica sind Thebain und Narkotin.
5)nbsp; nbsp; Die sensiblen peripheren Nerven werden mit Ausnahme der sensiblen Athmungsnerven von der allgemeinen Morphin-
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Morphium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
Wirkung nur indirect (ünen^findlichkeit äussercr Theilo in Folge aufgehobener Perceptionsfähigkeit im Gehirn) betroffen. Sie -werden dagegen gelähmt, wenn sie mit dem Morphin direct in Berührung kommen. Deshalb findet nach Hubcutanen Injcctionon eine locale Anästhesie statt.
6)nbsp; Das Herz wird in grossen Gaben vom Morphium gelähmt, durch mittlere oder kleinere jedoch gar nicht boeinilusst. Bei grosseren Dosen sinkt der Blutdruck, gleichzeitig auch die Temperatur in Folge einer Lähmung des wärmeregulirenden Centrums. Die Ge-fässe werden beim Menschen schon durch kleinere Dosen von Morphium stark erweitert, bei Thieren tritt jedoch diese Erweiterung erst im Vergiftungsstadium ein.
7)nbsp; Die Pupille verengert sich in der Narkose, und zwar bei Vergiftungen bis auf ein Minimum; die Myose ist daher für die Morphiumvergiftung von diagnostischer Bedeutung. Der Umstand, dass die directe Injection des Morphiums ins Auge keine Bupillenver-engerung, wie bei Eserin und Pilocarpin, nach sich zieht, beweist, dass die Myose durch eine centrale Lälimung psychischer Centren herbeigeführt wird (Myosis paralytica contralis). Bei der Katze tritt umgekehrt die Erweiterung der Pupille ein (Mydriasis spastica contralis).
8)nbsp; Die Blasenmuskulatur wird bei grossen Dosen in ihrer Thätigkeit gelähmt (Innervationsstörungen), wodurch der Harnabsatz gehindert oder erschwert wird. Nach fortgesetzter Morphium-verabreichung beobachtet man ferner Melliturie.
9)nbsp; Die Secretionen im Körper werden theils gesteigert (Salivation besonders beim Hunde, vermehrte Sclnveissabsonderung), theils vermindert (Bronchialsecrot).
10)nbsp; Auf die Magenschleimhaut endlich wirkt Morphium, wie andere Alkaloide, leicht reizend ein, so dass es nicht selten, namentlich in concontrirten Lösungen, wieder erbrochen wird.
11)nbsp; lieber die Schicksale des Morphiums im Körper herrscht noch nicht die wünschenswerthe Klarheit. Wie es scheint, wird ein erheblicher Theil des Morphiums durch den Magen und Darm ausgeschieden (Nachweis im Mageninhalt und Koth bei subcutaner Application). Speciell beim Hunde beginnt die Aus-scheidung des Morphiums durch die Magenschleimhaut in der 3. Minute nach der Einspritzung (Erbrechen) und dauert ^a1 Stunde an. Ueber die Schicksale des Morphiums im Blute und in den übrigen Organen ist nichts Sicheres bekannt. Das Morphium scheint eines
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
|
92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morphium,
|
|||
|
|
||||
|
der am leichtesten zersetzlichen Alkaloide zu sein und besonders dann eine Zersetzung zu erleiden, wenn es in kleineren Dosen gegeben wird; in diesen Fällen wird es dalier auch in der Milch und im Harn nicht wieder als solches vorgefunden. Bei der chronischen Morphiumvergiftung des Menschen soll es sich in das erregende Oxydimorphin umwandeln und als solches im Harn ausgeschieden werden (Marnie). Die chemischen Untersuchungen des Harns und der Milch auf Morphium haben widersprechende, bald positive, bald negative Resultate ergeben. Da die Frage des Uebergangs des Morphins in die Milch unserer Hausthiere (beim Menschen wird nach klinischen Beobachtungen an Säuglingen eine solche angenommen) eine grosse Bedeutung bat, wäre eine endgültige Entscheidung hierüber wünschenswerth. Meine eigenen Versuche, das Morphium in der Milch eines Versuchsrindes chemisch nachzuweisen, sind in Uebereinstimmung mit den Beobachtungen von Lewald u. A. negativ ausgefallen.
Anwendung. 1) Das Morphium emptiehlt sich als Narcoticum namentlich bei Operationen am Hunde. Es ist hier dem nicht ungefährlichen Chloroform entschieden vorzuziehen, weil der Hund gegen Morphium ziemlich indifferent ist, und weil die Narkose viel länger (128G Stunden) anhält, was mit Ilücksicht auf die Erhaltung der nach der Operation angelegten Verbände von ganz wesentlichem Vortheile ist. Eine vollständige Empfindungslosigkeit wird zwar durch das Morphium nicht herbeigeführt, die Sensibilität jedoch ganz erheblich abgestumpft. Ich habe beim Hunde das Morphium aus-
|
||||
|
|
||||
|
wlt;
|
|
|||
|
schliesslich vor jeder grösseren Operation verwendet, und zwar sub-cutan in Dosen von 0,ii20,15 g, die erstere Gabe für ganz kleine, ?nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;die letztere für sehr grosse, kräftige und relativ junge Hunde. Nur
bei vorhandener Herzschwäche in Folge von Klappenfehlern oder
|
||||
|
|
||||
|
|
Herzverfettung sind die Dosen niedriger zu bemessen (0,020,05).
|
|||
|
|
||||
|
;*
|
Gleiciizeitig mit der Narkose geht immer ein Sinken der Temperatur und der Pulsfrequenz einher. Erweist sich die Dosis als eine zu grosse, indem eine Herzlähmung einzutreten droht, so muss als Antidot Atropin oder Hyoscin gegeben werden subeutan (lji bis einige Centigramme).
Beim Pferde ist das Morphium als Narcoticum für operative Zwecke weniger geeignet, weil eine ausreichende Narkose in der Regel nicht eintritt. Im Gegentheil erzeugt das Morphium in Dosen von 1 2,0 bei vielen Pferden starke Aufregung,
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Morjjliium.
|
93
|
||
|
|
|||
|
Wiehern, stundenlange Manegebewegung (Laufwutli), ja selbst tobsüchtige Anfälle. Besser scheint eine combinirte Morphium-Chloroform- oder Morphium-Chloralhydratnar-kose zu wirken (Morphium 0,5 1,0; Chloroform und Cbloral-hydrat die Hälfte der gewöhnlichen Dosis). Weiter empfiehlt es sich bei bösartigen Pferden, welche sich nicht abwerfen lassen wollen, vorher zur Ermöglichung des Abwerfens eine Morphium-injection (0,51,0 g) zu machen, desgleichen bei solchen Pferden, welche während der Castration die Hoden zu stark hinaufziehen oder sich nach der Castration die Kluppen nicht abnehmen lassen wollen. Beim Rinde ist das Morphium wogen seiner stark erregenden Wirkung als Betäubungsmittel nicht anwendbar. Binder zeigen nach der subeutanen Injection von 12,0 Morphium stundenlange hochgradige Aufregung, anhaltendes Brüllen bis zur Heiserkeit, sehr starkes Drängen auf den Koth und Harn, völlige Unterdrückung der Futteraufnahme und Peri-staltik, intensive Tympanitis, mehrtägige Verstopfung, erhebliche Verringerung der Milchsecretion, sowie schleimige, dickliche Beschaffenheit und leichtes Gerinnen der Milch. Auch für Schafe, Ziegen und Katzen eignet sich Morphium nicht als Narcoticum, weil sie durch Morphium stark aufgeregt werden.
2) Als schmerzstillendes Mittel ist das Morphium namentlich bei schmerzhaften Koliken (Krampfkoliken) der Pferde in subeutanen Dosen von 0,40,0 g sehr zu empfehlen. Es wäre im Interesse der Humanität wünschenswerth, wenn die Thierärzte von dem Morphium bei Kolik einen viel ausgedehnteren Gebrauch machen würden, als es bisher geschieht.
8) Bei starker psychischer Aufregung im Verlaufe von Gehirnkrankheiton (Gehirnhyperämie, Gehirnentzündung, nervöse Staupe) ist das Morphium bei Hunden ein wirksames Sedativum.
4)nbsp; nbsp;Gegen Husten ist es eines der besten Narcotica, namentlich im Verlaufe der chronischen Laryngitis und Bronchitis der Hunde, wo es gewöhnlich in Verbindung mit Blausäure (Aqua Amygdal. amar.) oder Apomorphin, seltener als Morphiumpulver oder Morphiumeinblasung bezw. Bepinsclung angewendet wird.
5)nbsp; nbsp;Bei schmerzhaften Muskelrheumatismen lilsst sich durch eine subeutano Morpiiiuminjection in der Nähe der erkrankten Muskeln häufig eine ganz ausserordentliche Wirkung erzielen, so bei rheumatischer Schulterlahmheit der Pferde, Lumbago rheumatica des Hundes (Albrecht). Allerdings sind die Injcctionen dabei zu wiederholen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
94
|
Morphium.
|
|||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
:i'
|
6)nbsp; Von den verschiedenen Krampfformen wird am günstigsten und augenfälligsten die Eklampsie der säugenden Hündinnen durch Morphium beeintlusst (Siedamgrotzky); eine Morphium-injeetion (0,020,1) wirkt hier geradezu lebensrettend. Dagegen liisst das Mittel beim Starrkrampf gewöhnlich im Stiche und auch gegen Strychninvergiftung ist Bromkalium oder Chloralhydrat entschieden wirksamer.
7)nbsp; Innerlich kann ferner Morphium wie Opium gegen starkes Erbrechen, Durchfall, Ruhr, Darmblutung, Darmentzündung, insbesondere toxischer Natur, angewandt werden. Die Jugend der betreffenden Thiere (Säuglingsalter) bildet hiebei durchaus keine Contraindication für die Anwendung der Opiate, wie beim Menschen, Im Gegentheil sind Opium und Morphium gerade bei den Durchfällen des Säuglingsalters, speciell bei der Diarrhöe der Saugkälber und Saugfüllen (Kälherruhr, Fohlenruhr) ganz unentbehrliche Arzneimittel, welche nie in zu kleinen, sondern auch bei ganz jungen Thieren in herzhaften, grossen und wiederholten Dosen gegeben werden sollen (vergl. die beim Opium und der Opiumtinctur angegebenen Dosen). Auch die Peritonitis wird besser mit Morphium statt mit Abführmitteln behandelt, weil das Morphium die Peristaltik hemmt und damit die Ausbreitung des Entzündungsprocesses auf andere Stellen des Peritoneums verhindert.
9) Erwähnenswerth ist endlich noch die Anwendung des Morphiums als Gegenmittel bei Atropin-, Hyoscin- und Strychninvergiftung, gegen abnormen Geschlechtstrieb, Singultus (Zwerchfellskrampf), Herzklopfen, Uteruskrämpfe (abnorme Wehen), Diabetes mellitus und Hahnentritt beim Pferde. Aeusserlich hat man Morphium hei schmerzhaften Augenentzündungen als Zusatz zu Augenwässern (120/o) angewandt; Coca'in ist indess hier entschieden empfehlenswerther.
|
|||
|
|
||||
|
Dosis und Form. Die gewöhnliche Applicationsmethode des Morphiums ist die subeutane. Man bedient sich dabei des Morphin u m h y d r o c h 1 o r i c u m in Form der concentrirten Lösung (1 : 25). Da dieselbe 4ft/oig ist, so ist jeder Cubikcentimeter derselben ss 0,04 g. Nimmt man die Lösung 1 : 50, was sich namentlich für die Hundepraxis empfiehlt, dann entspricht 1 cem = 0,02 g Morphium. Zur Herstellung von frischen Morphiumlösungen eignen sich namentlich sehr gut die Morphiumtabletten.
Innerlich gibt man Morphium in Pulverform oder in Lö-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Morphium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 95
sung, wobei indess zu bemerken ist, dass das Morphium Ton Hunden häufig erbrochen wird und dass die Resorption vom Magen und Darme aus eine sehr langsame ist. Hunde erbrechen sich auch häufig nach der subeutanen Einverleibung des Morphiums, weil nämlich das Alkaloid vom Blute her durch den Magensaft ausgeschieden wird und die Magenschleimhaut reizt. Die intralaryngeale Einspritzung von Morphiumlösungen kann nöthig werden bei sehr hartnäckigen La-ryngiten. Die intratracheale Injection zum Zwecke einer Allgemeinwirkung ist zum mindesten überflüssig,
Zu vermeiden ist in den Morphiumrecepten die gleichzeitige Ordination von Tannin und gerbsäurehaltigen Stoffen (Bildung von unlöslichem Morphiumtannat; Tannin ist deshalb auch ein Gegengift gegen Morphiumvergiftung), ferner von Aetzalkalien, kohlensauren Alkalien und Metallsalzen (Abspaltung von freiem, schwerlöslichem Morphin). Auch das vielfach zusammen mit Morphin verschriebene Bittermandelwasser zersetzt das Morphin theilweise zu Oxydimorphin bei längerem Stehen der Lösung (Trübung der Mixtur).
Die Dosis des Morphiums in Form der subeutanen Injection
beträgt:
p.. -,-,,. tnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\ 0,40.G bei Kolik;
fur Pferde......... nr i nnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;v i
' 0,51,0 zur JNarkose;
Hunde.........0,020,15 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Recepte.
1)nbsp; Rp, Morphini hydroohlorioi 0,4.
Aqu. destill. 10,0. M, f. Sol. D. S. Suboutanc Injection für ein Pferd mit Kolik.
2)nbsp; Rp. Morphin, hydrooblor, 0,2.
Aqu. Amygdal. amar. 15,0. Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Sstündlich einen Esslöftel für einen Hund mit Husten.
8) Rp. Morphin, hydroohlor. 0,1. Aqu. Amygdal. amar. 10,0. M. D. S. 3mal 10 Tropfen täglich für einen Hund mit Husten.
4)nbsp; Rp. Morphin, hydroohlor. 0,2.
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. D. S. 15 Grammspritzen (0,02 0,1) für einenHund (klein gross) zur subeutanen Injection bei Operationen.
5)nbsp; Rp. Morphin, hydroohlor. 0,02.
Sacchar. 0,5.
M. f. Pulv, D, tal. dos. Nr. V. S. Morphiumpulver für einen Hund.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
96nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Morphiuihi
(j) Rp. Morpliin. liydrochlor. 0,2.
Apotnorphin. liydrochlor. OjÜ.1). Acid, liydrochlor. 1,0. Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Sstundlich einen Ksslöfl'el für einen Hund mit Staupe oder Bronchitis.
|
||
|
|
||
|
'
|
||
|
|
||
|
Codelnum phosphoricum. Das Codein, das in der Form des phos-phorsauren Salzes neben dem Morphin allein noch offiein eile Opium-alkaloid, welches zu 0,5 bis 0,75 quot;Jn im Opium enthalten ist und aus den vom Morphin befreiten Mutterlaugen desselben, neuerdings auch auf künstlichem Wege, gewonnen wird, ist chemisch als Methylmorphin von der Formel CnHiH(ClI;l)NO:j aufzufassen, d.h. alraquo;Morphin, O^HigNOg, in welchem ein Wasserstoff H durch die Metbylgruppe CH3 ersetzt ist. Charakteristisches Eeagens gegenüber dem Morphin: 10mg Codequot;insalz geben mit 10 ccm Schwefelsäure eine farblose Lösung, welche gelinde erwärmt, nach
;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zusatz von 2 Tropfen einer sehr verdünnten Eisenchloridlösung eine dunkel-
blaue Färbung gibt (Eisenchlorid bläut nur neutrale, nicht saure Morphinlösungen). Das Code'in wird statt des Morphins als milderes, angenehmeres Narcoticum (Hypnoticum und Sedativuni) besonders für solche 'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fälle empfohlen, in denen Morphium nichts leistet. Es soll ausserdem
namentlich ein sehr wirksames Mittel gegen Ahdominalschm er zen (Ovarialschmerz, Uteruskolik) sein und vor dem Morphin den Vorzug haben, dass es weder den Appetit noch die regelmässige Darmentleerung stört, und dass vor Allem keine Gewöhnung an das Mittel, wie beim Morphinismus, zu Stande kommt. Meine Versuche mit Code'in bei Pferden, Bindern, Ziegen und Hunden haben Folgendes ergeben (Monatshefte für prakt. Thierbeilkunde IV S. 240);
'nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1) Das Code'in wirkt etwa 5lOmal schwächer als das Morphium,
mit dem es in seinen Wirkungen ziemlich übereinstimmt. Gaben von 0,05 sind für Hunde, 0,5 für Kälber, 1,0 für Pferde indifferente Dosen; ohne Nachtheil ertragen Pfei'de 5,0, Kälber und Ziegen 2,5, Hunde 0,5 Code'in subcutan. Die tödtliche Dosis des Codei'ns beträgt für den Hund subcutau 0,2 pro Kilogramm Körpergewicht.
2)nbsp; nbsp;Grosse Code'i'ndosen erzeugen Unruhe und Aufregung, dagegen keine Narkose. Das Code'in eignet sich daher bei den Hausthieren nicht
fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;als Narcoticum vor Operationen. Auch die styptische Wirkung auf den
Darm ist viel schwächer als beim Morphium.
3)nbsp; nbsp;Das Code'in ist dagegen in manchen Fällen beim Hund ein besseres Hustenmittel als das Morphium. Man gibt es Hunden in der dreifachen Dosis des Morphiums (0,3 : 150300; esslöffel- bezw. thee-löffelweise). Auch gegen Lecksucht kann Code'in versuchsweise angewendet werden, da es ähnlich wie das Apomorphin bei Pferden und Wiederkäuern die Erscheinungen der Lecksucht und Nagesucht erzeugt. Im Uebrigen ist die Codefntherapie wesentlich theurer als die Morphinbohandlung; A.P. 0,1 = 15 Pfennig; 1,0 = 1 Mark 10 Pfennig.
Recept.
Rp. Cüdoi'ni phospborioi 0,3. Syrupi Althaeae 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. Di S. Sstflndlioh einen Esslöffel für einen Hund mit Husten.
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Cocain.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;97
Papaverin. Dasselbe ist in Form der salzsauren Verbindung ebenfalls als milderes Ersatzmittel des Morphiums (mildere Darmwirkuug) #9632;empfohlen worden.
Antispasmin. Unter diesem Namen wird eine Verbindung von Narce'j'n mit Natrium salicylicum als Mittel gegen Keuchhusten, Hypnotioum und Sedativum empfohlen.
Cotarnin. Das salzsaure Cotarnin oder Stypticin' ist ein Derivat #9632;des Narcotins, und soll ähnlich wie Hydrastinin gefässverengend und sedativ wirken (üterusblutung).
|
||
|
|
||
|
Cocainuiii hydrochloricum. Salzsaures Coeain.
Stammpflanze: Eri/fhroxijlon Coca. Familie: Erythroxi/leen.
Geschichtliches. Die Cocablatter dienen einigen südamerikanischen Völkerschaften (Peru) seit vielen Jahrhunderten als G-enussmittel. Das Alkaloid Coca'in ist im Jahre 1860 zuerst von Wöhler dargestellt und seine anilsthesirende Wirkung auch damals schon entdeckt worden. Erst im Jahre 1884 ist es indessen von Koller in die Therapie eingeführt worden.
Pharmaceutische Chemie. Das in den Cocablättern, einer südamerikanischen (Peru, Bolivia) Erythroxylee zu 0,10,2 quot;/o enthaltene Coca'm ist ein Alkaloid von der Formel CjjH^NO.,. Dasselbe ist als Benzoyl-Ekgonin-Methylester aufzufassen, indem es bei seiner Zersetzung Benzoesäure, Ekgonin und Methylalkohol liefert. Aus dem Ekgonin, der Grundsubstanz aller festen Coca-basen, lässt sich das Cocain auch synthetisch darstellen. Das Ekgonin hat die Formel 09H15NO8. Aussei- dem Cocain enthalten die Blätter noch einige amorphe Nebenalkaloide (Cinnamyl-coca'in, Cocamin, Isococamin, Homococamin, Homoisococamin etc.), welche ebenfalls das Ekgonin als Grundlage besitzen; die Benzoesäure ist in denselben jedoch durch die Zimmtsäure und Tsatropasäure (Truxillsäuro) ersetzt. Ausserdem enthalten die Blätter Cocagerbsäure.
Das Cocaiimm muriaticum oder salzsaure Cocain (017H81N04 . HOl) bildet farblose, durchscheinende, geruchlose Krystallc, welche sich in Wasser und Weingeist leicht lösen (ca. 1: 5). Die Lösungen besitzen bitteren Geschmack und hinterlassen auf der Zunge ein eigonthümliches vorübergehendes Gefühl von Polzigkeit (Lähmung der Geschmacksnerven). A.P. 0,1 15 Pfennig, 1,0 = 1 Mark 25 Pfennig.
Folia Coca, die Cocablatter (in Oesterreich officinell), sind getrocknet, gestielt, eirund, eiförmig oder länglich, 5(5 cm lang,
Fröhner, Arzneimittellehre. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
|
||
|
|
||
|
:
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
98
|
Coca'm.
|
|||
|
|
||||
|
|
stachelspitzig, dünn, steif, zerbrechlich, ganzrandig, oben schmutziggrün, iinten blilsser und besitzen einen schwachen aromatischen Geruch, sowie etwas bitterlich-scharfen Geschmack. Da sie meist schon ausgezogen in den Handel gebracht werden, sind sie in Deutschland nicht officinell. Darstellung des Cocalns. 1) Durch Extrahiren der Blätter mit schwefelsaurem Alkohol; 2) durch Extrahiren der zerkleinerten Cocabliitter mit Wasser bei 70deg; C., Füllen mit Bleizucker, Entbleien mit Aether, Verdunsten des Aethers und Auflösen des Rückstandes (Cocain) mit Salzsäure. Neuere Coea'insalze sind Coca'inum lacticum und phenylicum, sowie das Tropacocainum hydrochloricum (Benzoyl-Pseudotrope'fn).
Wirkung. 1) Auf Schleimhäuten erzeugt das Cocain bei directer Application cine locale Anästhesie der mit der Coca'in-lösung (2200,n) in Berührung gekommenen Fläche. Die lleflex-erregbarkeit, Empfindlichkeit, das Schmerzgefühl, Tastgefühl, Temperaturgefühl, Geruchs- und Greschmacksgefühl der Schleimhäute wird vermindert und aufgehoben. Es kommen hiebei von Schleimhäuten namentlich in Betracht die Conjunctiva, Maulschleimhaut, Bachen-, Kehlkopf-, Nasen-, Scheiden-, Mastdarm-, Harnröhren-, Blasenschleimhaut.
2)nbsp; Von besonderer Wichtigkeit ist die Einwirkung des Coca'ins auf das Auge. Nach Einträuflung einer 5 0/oigen Coca'inlösung in den Lidsack entsteht nach 28 Minuten in Folge Lähmung der Trigeminusendigungen eine Unempfindlichkeit der Cornea und Conjunctiva gegen äussere Beize, operative Eingrifl'e etc. Dieselbe dauert 510 Minuten an. Die Lidspalte erscheint vergrössert, die Nickhaut wird zurückgezogen. Gleichzeitig entsteht eine Anämie der Conjunctiva und Iris; die Pupille wird dadurch erweitert (mit Ausnahme beim Pferd und Bind), bleibt aber durch Eserin verengerungsfähig. Die Ursachen der Pupillenerweiterung sind nicht sicher festgestellt; nach neueren Untersuchungen soll das Cocain die Sympathicusenden des Erweiterungsapparates der Pupille reizen. Con-centrirte Lösungen wirken auf die Cornea oberflächlich ätzend. Der innere Augendruck sinkt.
3)nbsp; nbsp;Bei subcutaner Einspritzung des Cocai'ns entsteht gleichfalls lokale Anästhesie der Haut in der Umgebung der Injectionsstelle. In Berührung mit einem freigelegten Nerven erzeugt das Cocain Lähmung dieses Nerven mit peripherer (centrifugaler) Verbreitung. Auf der unverletzten Haut ist das Cocain ohne Wirkung, dagegen anästhesirt es die Haut nach Entfernung der Epidermis.
4)nbsp; nbsp;Innerlich gegeben wirkt Cocain in kleinen Dosen erregend auf die seelischen und motorischen Centren der
|
|||
|
li
|
||||
|
I
#9632; I
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Cocain.
|
99
|
||
|
|
|||
|
Grosshirnrinde. Beim Menschen wird das Kraftgefühl gesteigert und das Hungergefühl beseitigt. Hunde zeigen (nach 0,010,015 g Coca'in pro Kilo Kürpergewicht) freudige Erregung, ausgelassene Munterkeit sowie eine rastlose Thätigkeit aller Muskeln, welche sich in planlosem Hin- und Herlaufen, Springen, Hüpfen, tänzelnden Bewegungen, beständigem Umherlaufen im Kreise, Schweifwedeln, pendelnden Kopfbewegungen u. s. w. äussern (v. Anrep, Rossbach, eigene Beobachtungen). Eine ähnliche psychische Erregung zeigen Pferde und Einder sowie Katzen. Grleichzeitig wird in Folge Einwirkung auf das Rückenmark die Reflexerregbarkeit gesteigert, die Thiere sind schreckhaft, zittern; die Pulsfrequenz, der Blutdruck, die Atliemfrequenz, die Körpertemperatur sind gesteigert, die Pupille ist erweitert. Die Pcristaltik ist vermehrt; es besteht Speicheln.
Mittlere Dosen (von 0,0150,02 pro kg ab beim Hund) bewirken hochgradige psychische Aufregung sowie krampfhafte Unruhe aller Körper musk ein. Es treten rhythmische Contractionen aller Skoletmuskeln sowie tetanische und tonisch-klonische Krämpfe mit Opisthotonus, epileptiformen Anfällen, Roll- und Schwimmbewegungen und den verschiedensten Coordi-nationsstörungen auf; die Athmung wird dyspnoisch. Diese Coca'in-krämpfe treten nicht auf, wenn Bromkalium, Aether, Amylnitrit etc. vorher verabreicht wurden.
Grosse Dosen (von 0,02 pro kg ab beim Hund) lähmen die nervösen Centralorgane und zwar zuerst das Grosshirn, dann die Vierhügel, das verlängerte Mark und das Rückenmark und tödten durch Lähmung des Athmungscentrums.
Beim Menschen beobachtet man endlich nach lange fortgesetztem Cocaingcbrauche ähnlich wie beim Morphium schwere und bleibende psychische Störungen (Epilepsie, Paranoia), so dass man analog dem Morphinismus von einem Cocainismus spricht.
Cocalnwirkung bei den verschiedenen Hausthieren. Die innerliche Cocainwirkung beim Hunde ist offenbar grossen individuellen Verschiedenheiten unterworfen. Ich habe z. B. in einem Falle einem Hunde von 10 kg Körpergewicht 0,15 g Coca'inum muriaticum (0,015 pro kg) ohne irgend welche auffällige Erscheinungen subcutan injicirt. Dagegen zeigte ein anderer 32 kg schwerer Hund nach der Injection von 0,5 g Cocainum muriat. (ebenfalls 0,015 pro kg) das deutliche Bild der Cocainerregung, desgleichen ein 8 kg schwerer nach 0,12 Cocai'n. Nach 1 Stunde waren jedoch die Erscheinungen wieder vorüber. Bei Pferden beobachtete ich nach subcutaner Injection von 2,0g Cocaln (0,005 pro kg) Unruhe-
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
IQOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Cocam.
|
|||
|
|
|||
|
i
|
erscheinungen, Scharren mit den Vorderfüssen, Wiehern, Schreckhaftigkeit, Aufregung, sogenanntes Leineweben, Pulssteigerung bis auf 90, Speicheln, sehr häufigen Kothabsatz, laut kollernde Peristal-tik, Mydriasis, und nach 50 Minuten tobsuchtähnliche Zufälle (Hochsteigen, Vorwärtsdrängen, Versuche, die Halfterkette loszureisson. Seitwärts-und Eückwärtsspringen) mit einer aufs höchste gesteigerten Reflexerregbarkeit, Erst nach ca. 2 Stunden war das Allgemeinbefinden wieder ein normales. Kühen gab ich 4, (gt;, 10 und 16 mg Cocaln pro Kilo Körpergewicht. Eine 5jährige Kuh zeigte nach der Injection von 1,0 g Cocalnum muriatum (0,004 pro Kilo Körpergewicht) sehr lebhaften Blick, unruhiges Benehmen, Schütteln mit dem Kopfe, grosse Empfindlich
|
||
|
I
|
|||
|
keit gegen Fliegen, lebhaftes Wedeln mit dem Schweife, Schreckhaftigkeit, starke Vermehrung der Peristaltik mit wiederholtem Ab
|
|||
|
satz dünnflüssigen Kothes, häufigen Harnabsatz, Temperatur- und Pulssteigerung. Die Wirkung hatte etwa nach ^ Stunden ihre Höhe erreicht. Von da ab Hessen die Unruheerscheinungen nach und das Thier hatte sich l'/a Stunden nach dem Beginn des Versuchs wieder vollkommen beruhigt. Dieselbe Kuh zeigte nach der Injection von 1,5 g Cocal'n ähnliche, aber hochgradigere Erscheinungen, namentlich starke Aufregung und Schreckhaftigkeit, fortgesetzten diarrhoischen Kothabgang, Harndrang mit tropfenweisem Harnabsatz, Speicheln, sowie leichtes Schwanken. Vja Stunden nach Beginn des Versuches waren auch hier- die Erscheinungen wieder zurückgegangen, das Thier zeigte aber noch eine mehrstündige Mattigkeit. 2,5 g Cocain erzeugten ähnliche, noch stärkere Erregungserscheinungen. 4,0 g Cocafn endlich (0,010 pro Kilo Körpergewicht) riefen bei einer Kuh ein 4 Stunden andauerndes Excitationsstadium hervor mit tobsuchtartiger Aufregung, äusserster Schreckhaftigkeit, Absatz dünnflüssigen, diarrhoischen Kothes, anhaltendem Drängen auf den Harn, Speicheln, Rülpsen, Temperatursteigerung bis um 1quot; C, Pulsbeschleunigung, Mydriasis, Schwanken etc. Nach dem Verschwinden dieser Symptome war das Allgemeinbefinden wieder ein ganz normales. Aehnliche Beobachtungen hat N ego tin bei seinen Versuchen am Hund gemacht (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI S. 215).
Anwendung. 1) Das Cocain ist zur Zeit als das werthvollstc fnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;locale Anästheticum für die Augenheilkunde zu botracliten.
!nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Es eignet sich in der Thierheilkunde insbesondere zur Anästhe-
sii'ung für operative Z wecke (Staphylomoperationen, Exstir-patio bulbi, Staaroperationen) sowie zur Extraction von Fremdlaquo; körpern (Passer), kann jedoch auch bei allen schmerzhaften Conjunc-tiviten und Keratiten nicht bloss als anästbesirendes, sondern aucli als secretionsbesebränkendes und in Folge der Contraction der Gre-fiisse als direct entzündungswidriges Mittel angewandt werden, welcher die entziindliclic Schwelhing der Conjunctiva vermindert. Für gewöhnlich reicht eine 5-10 0/oigo wässerige Lösung aus; die Anwendung derselben muss jedoch zum Zweck der Anästhesirung von 5 zu 5 Minuten erneuert werden, Die Application erfolgt einfach in der Weise, dass die Lösung tropfenweise in den Lidsack
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
CocaVn.
|
101
|
|||
|
|
||||
|
gebracht und etwa V2 Minute darin belassen wird, Die beabsichtigte Wirkung ergibt sich aus der Unompiindlichkcit der Cornea gegen das Botasten. Nach Schlampp tritt bei Pferden und Rindern schon nach 50 Tropfen, bei der Ziege nach 34 und beim Hunde nach 2 3 Tropfen Anästhesie ein; meist ist jedoch eine grössere Anzahl Tropfen nöthig. Auch zur Anilsthesirung anderer Schleimhäute, namentlich der Mastdarm- und Schcidonschleimhaut, wird Cocain verwendet. Ich habe durch dasselbe mehrmals nach der Reposition von Mastdarmvorfällen beim Hunde das Wiedervordrängen des Mastdarms verhütet.
2)nbsp; Das Cocain wird ferner in der Form der sub cu tan on Injection einer 5100/oigen wässerigen Lösung zur schmerzlosen Vornahme gewisser Operationen empfohlen. Es soll sich namentlich als Anästheticum bei der Neurotomie, beim Spatbrennen, bei der Castration des Pferdes etc. empfehlen (Schindelka, De Jong, Labat u. A.). Die subeutano Dosis für Pferde beträgt hiebei etwa 0,1, für Hunde 0,05. Zur Erzielung einer localen Anästhesie hat Schleich neuerdings sein Verfahren der sog. Infiltrationsanästhesie empfohlen, welches in der künstlichen Durchtränkung bezw. cutanen Injection des ganzen Operationsgebietes mit einer combinirten sehr verdünnten und sterilisirten Cocain-Morphiumlösung besteht und nach Bayer auch in der Thiorheilkunde mit Vorthoil angewendet wird. Ausserdem werden subeutano Cocai'ninjectionen erfolgreich zu diagnostischen Zwecken bei gewissen Lahmheiton des Pferdes angewandt in der Weise, dass man zur Bestätigung der Diagnose die Lahmheit durch eine an dem vermuthlich leidenden Tlieile gemachte suheutane Coca'ininjection zum Verschwinden bringt (Penn wick, Hoffmann U.A.).
3)nbsp; nbsp;Gegen Euterentzündungen und schmerzhafte Affec-tionen der Striche beim Rinde wird Cocai'n ebenfalls empfohlen. Das Mittel soll eine überraschende Wirkung haben, indem nach Application dessolbon auf den erkrankten Strich das Thier schon nach wenigen Minuten sich nicht mehr widerspenstig zeigt und sich melken lässt. Am einfachsten ist wohl das Einreiben einer Coca'insalbe. Hürlimann empfiehlt eine Auflösung von 0,10,2 Coca'inum muria-ticum in 30,0 Aqua Calcis; ausserdem benützt er ein Liniment aus der vorigen Lösung und 20,0 01. Olivarum.
4)nbsp; Gegen stark juckende Eczeme, insbesondere aber gegen das oft sehr lästige Afterjucken (Pruritus ani) der Hunde ist Cocain in Form einer 510n/oigen Salbe ebenfalls sehr wirksam (Hoffmann, eigene Beobachtungen).
|
; .
|
|||
|
#9632;
|
||||
|
|
||||
|
,
|
||||
|
|
||||
|
#9632;
|
102
|
Folia Belladonnau.
|
||
|
5) Innerlich hat man Cocain in der Menschenheilkunde als Anästheticnra für die Magenschleimhaut bei abnormem Erbrechen, Seekrankheit etc., sowie als Excitans bei narkotischen Vergiftungen (0,05) empfohlen. Hoff mann hat auch bei Hunden gute Erfolge bei chronischem Erbrechen von der Anwendung einer 50/oigen Cocainlösung in 3n/niger Salzsäurelösung (esslöffelweise) beobachtet.
|
||||
|
|
||||
|
'
|
Form. Am häufigsten verwendet man das Cocafn in Form von wässerigen Lösungen. Zum Selbstdispensiren eignen sich am besten dosirte Cocaintabletten. Schindelka empfiehlt zu demselben Zwecke sogenannte Cocafn phiolen, d.h. mit 0,05 Coeai'n. muriat. gefüllte Gläschen, welche 1 cem Wasser aufnehmen, so dass also bei halber Füllung eine 100|'oige, bei ganzer Füllung eine r)0|oige Cocamlösung gewonnen wird. Von Wich tigkeit ist, dass nicht zu grosse Mengen vonCoca'in-lösungen auf einmal verschrieben be zw. angefertigt werden, weil das Mittel sehr theuer ist (1 (Iramm kostet 1 Mark 25 Pfennig), und die Lösungen wenig haltbar sind. Sie sollen daher nur zur Dispensation dargestellt und nie vorräthig gehalten werden. Die Aufbewahrung geschieht am besten an einem kalten Orte.
Rocepte.
1)nbsp; Rp. Coca'mi hydrochlor. 0,5.
Aqu. destill. 10,0. M. D. S. 60/oig6 Cocainlösung.
2)nbsp; Rp. Cooft'ini hydrochlor 0,5.
Aqu. destill. 5,0. INI. D. S. 100/oigo Cocainlösung.
3)nbsp; Rp. Coca'ini hydrochlor. 0,5.
Adipis suilli 10,0. M. f. Ugt. D. S. Cocainsalbe (50/o).
4) Rp. Cocaini hydrochlor. 0,2.
Morphin! hydrochlor. 0,025. Nfttr. chlorat, steril. 0,2. Aqu. destill, steril. 100,0. Acid, carbol. (57o) gutt. II. Mi D. 8. Sohlcich's Flüssigkeit zur Infiltrations-Anilsthosie.
|
|||
|
1
|
||||
|
|
||||
|
Folia Bclladoimac. Belladonnablätter.
Stnmmpflanze: Atropa Belladonna, Tollkirsche. Familie: Solanaceeraquo;.
Geschichtliches. Die Tollkirsche (Toll, gothisoh dwala == wahnsinnig) hat ihren Namen von den der Tollwuth ähnlichen Vergiftungserscheinungen beim Menschen. Der Name Belladonna stammt angeblich aus dem l(i. Jahr-
|
||||
|
|
||||
|
i
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Atropin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 103
hundert (pupillenerweiternde, kosmetische Anwendung bei Frauen in Italien); der Name Atropa ist von Linne im Hinweis auf die den Lebensfaden abschneidende Parze Atropos hinzugefügt. Aus dem Alterthuin sind über die Pflanze keine Nachrichten erhalten. Zum ersten Male wird sie im Mittelalter (15. Jahrhundert) als Solatrum furiale oder Solanum mortale erwähnt. Aus dem IG. Jahrhundert sind Experimente von Matthiolus am Menschen überliefert. Von Münch wurde die Pflanze 1785 gegen Hundswuth em-pfoblen. Das Atropin ist im Jahre 1832 von Geiger und Hesse dargestellt worden.
Pharmakognosie. 1) Die Folia Belladonnae oder Tollkirschenblätter stammen von Atropa Belladonna, einem in den Waldungen Deutschlands vorkommenden Kraute mit glockigen, braunvioletteu Blumen und kirschähnlichen, glänzend schwarzen Beeren aus der Familie der Solanaceen ab. Sie werden im Juni oder Juli, wenn die Pflanze blüht, gesammelt und vorsichtig getrocknet. Sie sind elliptisch, ganzrandig, in den Blattstiel verschmälert, vorn spitz, oben grünbräunlicb, unten mehr grau und auf beiden Flächen mit weisslichen Pünktchen (oxalsaurer Kalk) besetzt; ihr Geschmack ist widerlich, schwach bitter.
Als wichtigstes Alkaloid der Belladonnapflanze hat lange Zeit das Atropin gegolten. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass der Hauptbestandtheil der Belladonna das Hyoscyamin ist. Ausgewachsene Wurzeln und Pflanzentheile der Belladonna enthalten nämlich gar kein Atropin, sondern nur Hyoscyamin; nur die jungen Wurzeln enthalten neben Hyoscyamin etwas Atropin. Atropin bildet sich erst bei der Darstellung der Belladonnaalkaloide durch Zersetzung aus dem Hyoscyamin. Das im Handel vorkommende Atropin ist daher ein je nach der Darstellung sehr variables Gemenge von Hyoscyamin und Atropin. Andere Bestandtheile der Belladonna sind das Metatropin, Belladonnin, ausserdem Asparagin und oxalsaurer Kalk.
2) Das Atropinum sulfuricum, das officinelle schwefelsaure Atropin des Handels, ist ein weisses, krystallinisches, in gleichen Theilen Wasser lösliches, anhaltend kratzend und zugleich bitter schmeckendes Pulver. Das Atropin besitzt zwei wichtige Identitätsreactionen: a. Mit rauchender Salpetersäure und weingeistiger Aetzkalilösung färbt es sich schön rothviolett. b. Beim Erwärmen von concentrirter Schwefelsäure entwickelt sich ein charakteristischer Blumengeruch. Die chemische Zusammensetzung des Atropins, welches zum Unterschiede von dem ihm isomeren Hyoscyamin optisch inactiv ist. lässt als Grundkern
|
|
||
|
|
|||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
104
|
Atropiu.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
desselben das Tropin erkennen. Das Atropin spaltet sich nämlich beim Erhitzen mit Säuren oder stai-ken Basen, wie auch das Hyos-cyaniin, in Tropin und Tropasäure, aus welchen es sich auch synthetisch wieder darstellen lässt. Darnach ist Atropin = tropa-saures Tropin mit der Formel 017Hj8N081 Das Tropin hat die Formel C.H^NO, die Tropasäure C^ . CH .quot;CH2OH . COOK. A.P. 0,1 = 10 Pfennig.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Extractum Belladonnae, Belladonnaextract; ein dickes, dunkel-braunes Extract, aus frischem Belladonnakraut (in Oesterreicb aus den getrockneten Blättern) durch Ausziehen mit Wasser und Weingeist und nachheriges Eindampfen gewonnen. Ausbeute 2,54,50|o. A.P. 1,0 ss 20 Pfennig. Eine Tinctura Belladonnae ist in Oesterreicb officinell.
Darstellung des Atropins. Zu vermeiden sind bei der Darstellung des Atropins starke Säuren und starke Basen, weil das Alkaloid dadurch leicht Zersetzungen erleidet. Auch höbe Temperaturen sind von schädlicher Wirkung; man dampfe vielmehr im Vacuum bei möglichst niedriger Temperatur ab. 1) Das Atropin wird meist aus der Wurzel, den Blättern und Samen von Atropa Belladonna durch Extraction mit angesäuertem Wasser, Fällung durch Kalilauge, Lösung des Niederschlags in Chloroform, Sättigung mit verdünnter Schwefelsäure und Krystallisirung aus weingeistiger Lösung dargestellt. 2) Eine andere Darstellung besteht in der Extraction der Wurzeln mit Alkohol, Versetzen des Filtrats mit gelöschtem Kalk, Neutralisiren mit verdünnter Schwefelsäure, Abdestilliren des Alkohols, Aufnahme des Rückstandes mit schwach schwefelsaurem Wasser und scbliess-licher Extraction mit Chloroform in alkalischer Lösung. Andere, nicht officinelle Atropinpräparate sind das Atropinum salicylicum, vale-rianicum und santonicum.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Wirkung des Atropins. 1) In den Vordergrund zu stellen ist die Wirkung des Atropins auf das Auge. Dieselbe bestellt in einer Erweiterung der Pupille in Folge Lähmung der Oculo-motoriusenden in der Iris, welche sowohl bei innerlicher, als bei localer Anwendung des Atropins oder der Belladonnablätter zu Stande kommt. Gleichzeitig ist eine Zunahme des intraoeulären Drucks und eine Accommodationslähmung vorhanden. Die Erweiterung der Pupille (Mydriasis) tritt bei allen Hausthieren mit Ausnahme der Vögel ein,, bei denen die Irisbewegung unter dem Einflüsse des Willens stellt. Angeblich sollen selbst minimale Mengen Atropin (0,000,005 g) noch eine mydriatische Wirkung ausüben.
2) Das Herz wird schon durch kleine Dosen Atropin (Milligramme) stark erregt, indem der Herzschlag um das Doppelte und Dreifache beschleunigt und der Blutdruck gleichzeitig gesteigert wird.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
Atropin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 105
Die Steigerung der Herzthätigkeit hat ihren Grund in einer Lähmung der Vagusendi gungen im Herzen; von anderer Seite wird eine muskuläre Wirkung angenommen.
3)nbsp; nbsp;Die Speiche 1 absonder ung sistirt in Folge einer Lähmung der secretorischen Chordafasern. Man beobachtet deshalb im Verlaufe der Atropinwirkuug Trockenheit der Maul- und Rachenhöhle sowie erschwertes Schlingen. Auch die Schweiss-secretion wird aufgehoben, indem die schweisserregenden Nerven eine Lähmung erleiden. In ähnlicher Weise soll ferner die Milch-secretion sowie die Absonderung der Pankreasdrüse und der bronchialen Schleimdrüsen vermindert werden. Nach meinen eigenen Versuchen habe ich übrigens eine die Milchsccrction beschränkende Wirkung des Atropins nicht constatircn können.
4)nbsp; Die Darmperistaltik wird durch kleine Gaben Atropin beschleunigt in Folge einer Lähmung der Nervi splanchnic!, der Hemmungsnerven für die Darmbewegung. Grössere Dosen lähmen den Darmkanal und bedingen Tympanitis und Verstopfung.
5)nbsp; Das Gehirn wird durch Atropin im Gegensatze zu Morphium sehr stark erregt. In Folge Reizung der psychischen und motorischen Rindencentren treten nach grösseren Dosen Erscheinungen der Aufregung und Unruhe hervor, welche sich bis zu tobsucbtartigen Anfällen steigern können und häufig mit allgemeinen Muskelkrämpfen verbunden sind. Auch im verlängerten Mark wird namentlich das Athmungscentrum im Gegensatz zum Morphium stark erregt, so dass die Athmung erheblich beschleunigt wird. Erst nach diesem sehr heftigen Excitationsstadium folgt Ge-birnnarkose mit Bewusstlosigkeit und Schlaf soM'ie bei grossen Dosen Lähmung der Athmung.
Die Ausscheidung des Atropins aus dem Körper ist eine sehr rasche im Gegensatz zu anderen Giften, z. B. zu Digitalin; am schnellsten scheint dieselbe bei den Pflanzenfressern vor sich zu gehen.
|
||
|
|
||
|
Empfindlichkeit der einzelnen Thiergattungen gegen das Atropin.
Dieselbe ist ilhnlich wie beim Morphium eine sehr verschiedene. Die Haus-thiere ertragen durchschnittlich viel grössere Dosen als der Mensch; namentlich die Pflanzenfresser sind gegen Atropin sehr wenig empfindlich (vergl. die rasche Ausscheidung des Atropins aus dorn Körper der Pflanzenfresser) und es gilt auch hier der Satz, dass die Atropin-wirkung eine um so schwilchere ist, je weniger entwickelt das Gehirn des betreffenden Thieres ist. Aus diesem Grunde ertragen auch jüngere Thiere mehr Atropin als ältere.
Kaninchen sind besonders indifferent gegen Atropin. Hertwig hat
|
||
|
|
||
|
ii
|
||
|
|
||
|
|
||
|
106nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Atropin.
Kaninchen Wochen lang nur mit Bellaclonnablattern gefüttert, wobei dieselben ausser Pupillenerweiterung keinerlei abnorme Erscheinungen zeigten, vielmehr ganz munter blieben; im Urine derselben liess sich Atropin nachweisen. Die tödtliche Dosis des Atropins für Kaninchen liegt erst bei 1,0 g (beim Menschen wirken schon 0,1 g sicher tödtlich und schon 5 mg bedingen eine schwere Vergiftung).
Hunde ertragen im Verhilltniss zum Menschen und zu anderen Thieren, z. B. zum Pferd, ebenfalls sehr grosse Atropingaben und können sich allmählich an das Gift gewöhnen. Ich habe beispielsweise einem 25 Kilo schweren Hunde im Verlaufe eines Nachmittags (innerhalb (i Stunden) 1,0 g Atropin. sulfuric. auf 2mal eingegeben; derselbe zeigte zwar jedesmal starke Unruheerscheinungen und hochgradige Aufregung, verbunden mit Krampfanfällen, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder vollständig. Grosse Hunde ertragen annähernd dieselbe Dosis wie ein Pferd.
Schafe ertrugen nach den Versuchen von Ger lach i'0,0 g trockene Blätter, 120,0 g getrocknete Wurzel und selbst 60,0 Belladonnaextract.
Ziegen zeigten nach Gerlach nach der Verfütterung von l'ja Pfd. frisch getrockneter Belladonnablätter nur eine starke Mydriasis ohne jede andere auffällige Erscheinung. Die Unempfindlichkeit der Schafe und Ziegen gegen Belladonna ist übrigens schon sehr lange bekannt. Schon Münch bemerkt in seiner Praktischen Anweisung, wie Belladonna bei den Thieren anzuwenden ist, Stendal 1787quot;, dass Ziegen die Belladonna pfundweise, und Schafe die Blätter mit Begierde fressen.
Pferde scheinen nach den Versuchen Hertwig's gegen die Belladonna viel empfindlicher zu sein. Hertwig verabreichte an 20 Pferde je 120 bis 180 g getrocknetes Belladonnakraut und beobachtete biebei deutliche Vergiftungserscheinungen, in mehreren Fällen auch einen tödtlichen Ausgang. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in Pupillenerweiterung, Trockenheit im Maul, Tympanitis, Verstopfung, Kolik, sehr beschleunigter Herzthätigkeit und Pulszahl, Mattigkeit und Schwäche; eigen-thümlicherweise fehlten cerebrale Erregungszustände. Aehnliche Symptome wurden nach 0090,0 trockener Wurzel beobachtet; 180,0 g derselben tödteten. Klystiere von 150,0 trockenem Kraut auf 180,0 Colatur 34mal an einem Tage wiederholt riefen leichte Vergiftungserscheinungen und eine Lähmung des Sphincter ani hervor. 816,0 der Belladonnatinetur (8,0 : 45,0 Spiritus) intravenös applicirt hatten eine schwere Vergiftung zur Folge, welche sich in Unruheerscheinungen, Angst, Athemnoth, starker Pulsbeschleunigung, Mydriasis, Zittern, Zuckungen, Kolik, Betäubung und Taumeln äusserte. Einzelne Pferde tobten auch und gingen wie blind auf die Wände zu. 240 g der Tinctur intravenös gegeben tödteten. Auf Atropin reagiren Pferde schon bei 0,10,15 subcutan ziemlich stark.
Kühe werden nach Hertwig von der Belladonnawirkung noch stärker betroffen. 30 g der Wurzel und 60 g der Blätter erzeugten Tympanitis und Pulsbeschleanigung; 6090 g der Wurzel eine 2tägige starke Vergiftung; 120 g der Wurzel hält Hertwig beim Rind für die tödtliche Dosis.
Anwendung. 1) Die Augenheilkunde ist die Hauptdomäne für die Anwendung des Atropins; dabei lässt man das Mittel aus-schliesslich local in Form der wässerigen Lösung (Instillation ins Auge) einwirken. Man benutzt die künstliche Atropinmydriase zunächst zu
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Atropin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1()7'
Untersuchungszwecken, um in das innere des Auges einen besseren ophthalmoskopischen Einblick zu erhalten, so zur genaueren Diagnose von Mondblindheit, Glaskörpertrübungen, Netzhautablösungen, Katarakt U. s. w. Therapeutisch braucht man dann das Atropin als Hauptmittel gegen Iriten mit dem Zwecke, Anlöthungen der Iris an die vordere Linsenkapsel zu lösen oder das Zustandekommen derselben zu verhüten. Auch bei parenchymatöser Keratitis sowie bei oberHächlichen Conjunctiviten mit starker Lichtscheu ist Atropin sehr wirksam. Endlich bedient man sich der Atropinisirung bei manchen Augenoperationen, so namentlich bei der Staar-operation, bei Iridoctomien etc. Contraindicirt ist die Anwendung des Atropins bei Corneageschwüren.
Die Concentration der Atropinlösung ist je nach der bezweckten quot;Wirkung eine verschiedene. Zu Untersuchungszwecken wähltman möglichst schwache Lösungen, und zwar 1300/noige (0,05 : 2030,0), damit die durch die Pupillenerweiterung und Aufhebung der Accommodation bedingte Sehstörung möglichst bald wieder vorübergeht, was namentlich für Arbeitspferde von grosser Wichtigkeit ist. Für die Behandlung von Keratiten und Conjunctiviten benutzt man gewöhnlich eine 7laquo; quot;/oige Lösung (0,1:20,0). Dagegen müssen bei Iritis und zu operativen Zwecken sehr starke, 120/oige Lösungen angewandt werden (0,10,2:10,0), um eine maximale Pupillenerweiterung und eventuelle kräftige Losreissung der angewachsenen Iris zu erzielen. Die Dauer der Pupillenerweiterung beträgt bei schwachen Atropinlösungen (1300/oo) 12 bis 24 Stunden, bei stärkeren (0,5 2 0/o) mehrere Tage, selbst wohl über eine Woche. Nach den Untersuchungen von Peser kann eine Atropin-mydriasis nur dann durch Physostigmin aufgehoben werden, wenn die verwandte Atropinlösung nicht stärker als ^ 0/oig war. Dagegen lässt sich umgekehrt eine Physostigminmyose durch Atropin beseitigen. Der Eintritt der Atropinmydriasis erfolgt durchschnittlich nach 515 Minuten; es kommt auch hier wesentlich auf die Stärke der Lösung an; am spätesten tritt sie beim Pferde ein. Die zuweilen nach der Anwendung von Atropin auftretende Conjunctivitis (Atro-pinconjunetivitisquot;) wird lediglich durch unreine oder zu alte Lösungen verursacht. Bei Katzen beobachtet man häufig nach der Instillation von Atropin ins Auge eigenthümlicherweise starkes Speicheln.
2) Innerlich wird Atropin hauptsächlich als starkes Erregungsmittel für das Nervensystem angewandt. Es ist ein sehr
|
||
|
|
||
|
J
|
||
|
|
||
|
|
||
|
108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Atropin.
wirksames Antidot gegen Morphium-, Eserin-, Pilocarpin-, Arecolin- und Chloroform Vergiftung, indem es die durch die genannten Herzgifte bedingte Lähmung des Herzens und der Athmung aufhebt. Das Atropin muss ferner in allen Fällen von drohender Herz- und Athemlähmung als eines der werthvollsten Excitan-tien empfohlen werden, welches leider immer noch viel zu wenig angewandt wird. Am besten wird es in Form der subcutanen Injection applicirt. Es eignet sich namentlich auch zur Beseitigung des Lungenödems, wie es zuweilen nach Verabreichung grosser Dosen von Eserin und P i 1 o c a r p i n beobachtet wird (E 11 e n b e r g e r). Ausserdem ist es ein wirksames Mittel gegen abnorme Speichel-und Schweisssecretion, und in kleinen Dosen auch gegen Verstopfung und darniederliegende Darmperistaltik.
3) Herkömmlicherweise wird endlich das Atropin in Form der Belladonnablätter und deren Präparaten gegen Krampfzustände (Kolik, Starrkrampf, Uteruskrämpfe, Krampf des Sphincter ani und vesicae, bei Verschluss des Cervix uteri, Epilepsie), ferner als Hustenmittel angewandt. Nach neueren experimentellen Untersuchungen soll thatsächlich das Atropin bei Krampfzuständen des Darmkanals, des Uterus und der Blase, speciell beim Pilocarpin-krampf der glatten Muskulatur der Baucheingeweide, eine krampfstillende, erschlaffende Wirkung äussern.
Dosis und Form. Bei der Inconstanz der Belladonnablätter und des Belladonnaextractes empfiehlt sich ausschliesslich die Anwendung des Atropinum sulfuricum. Dasselbe wird äusserlich in Form von 0,12quot;,'oigen wässerigen, frischbereiteten Lösungen als Augenwasser, innerlich meist in der Form der subcutanen Injection, seltener in Pillenform angewandt. Die subeutane Dosis des Atropinum sulfuricum beträgt für
Pferde und Rinder 0,050,1.
Schafe und Ziegen 0,010,05.
Schweine 0,010,03.
Hunde 0,0050,05.
Katzen und Geflügel 0,0020,005.
Reoepte.
1) Rp. Atropin. sulfur. 0,05. Aqu. destillat. 20,0. Mi f. Sol. D. S. Aeusserlich zur Augenuntcrsuoliuiig.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Horba Hyoscyami.
|
109
|
||
|
|
|||
|
2)nbsp; Bp. Atropin. sulfur. 0,1-
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. D. S. Augenwassor für ein Pferd mit Moudblindheit..
3)nbsp; Rp. Atropin. sulfur. 0,2.
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. D. S. Zu suboutanen Tiijectioncn gegen Morphium* oder Bserinvergiftung (Pferden auf 2mal, Hunden je eine Qrammspritze).
4)nbsp; Rp. Atrojtin. sullur. 0,2.
Succ. Liquirit.
Pulv. Bad. Liquirit. qu. s. f. Pilul. Nr. XX. D. S. Täglieh 12 Pillen für einen Hund mit abnormer Speichel-secretion.
5)nbsp; Rp. Atropin. sulfur. 0,1.
Gummi arabici et Sncoliari qu. s. f. Pilul. Nr. X. D. S. Täglich 1 Pille für einen Hund mit Herzschwäche.
Homatropinum hydrobromicum. Das bromwasserstoffsaure Hom-atropin ist als Ersatzmittel des Atropins in der Augenheilkunde empfohlen worden. Es ist mit dem Atropin (O^jHmSQa) nah verwandt, indem Homatropin (OialljiNOg) = Atropin minus CH, aufzufassen ist. Das bromwasserstoffsaure Homatropin, welches in Deutschland officinell ist, bildet ein weisses, geruchloses, krystallinisches Pulver, welches leicht in Wasser neutral löslich ist. Das Homatropin wird dargestellt aus mandelsaurem Tropin mit verdünnter Sal-zsilure. A.P.0,01 20 Pfennig; 0,1 = 1 Mark 50 Pfennig. Das sehr theure Homatropin hat im Allgemeinen dieselbe Wirkung wie Atropin. Es soll aber weniger giftig sein und die mydriatische Wirkung soll nicht so lange anhalten. Nach Arnold (Hannoverscher Jahresbericht 1880/82) verschwindet die Hom-atropinmydriasis schon nach 12 Tagen, während die durch eine gleich starke Atropinlösung erzeugte Pupillenerweiterung bis zu 9 Tagen anhielt; er empfiehlt daher zu Augenspiegeluntersuchungen Homatropin, zu therapeutischen Zwecken Atropin. Hyoscin und Hyoscyamin sollen in der Mitte liegen. Eine Combination von Homatropin und Ephedrin wird neuerdings unter dem Namen My drin als Mydriaticum empfohlen, dessen pupillenerweiternde Wirkung nur einige Stunden andauern soll.
Recept.
Rp. Homatropini hydrobromici 0,02. Aqu. dostill. 5,0. M. f. Sol. D. S. Augonwasser.
|
|||
|
|
|||
|
Herba Hyoscyami. Bilsenkraut.
Stammpflanze: Ilyoscijamus niger. Familie: Solanaceen.
Geschichtliches. Das Wort Bilsenquot;, althochdeutsch bilisaquot;, keltisch bilinuntiaquot; wird abgeleitet von dem Keltengott Belenus, dem das Kraut geweiht war. Das griechische Wort Hyoscyamusquot; bedeutet Schweinsbohne.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
110nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ilyoscin.
Das Bilsenkraut ist eine alte Arzneipflanze (Dioscorides, Plinius), welche bei den Eömern Apollinaris, bei den Arabern Altercum hiess.
Pharmakognosie. 1) Das Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, ist eine bekannte, auf unbebautein Lande, Kirchhöfen u. s. w. vorkommende Giftpflanze aus der Familie der Solanaceen. Die bodenständigen Blätter sind gestielt, die Stengelblätter sitzend, den Stengel balb umfassend, buchtig gezahnt, eiförmig bis länglich; im getrockneten Zustande sind die Blätter stark runzelig. Die IHüthc ist trichtcrig, schmutziggelb, violett geädert, fünflappig. Die Kapseln sind Icrugförmig und besitzen einen Deckel. Die Farbe des getrockneten Krautes ist graugrün; auf den trockenen Blättern tritt die Mittelrispe weisslich hervor. Der Geruch des frischen Krautes ist stark betäubend; in getrocknetem Zustande riecht und schmeckt dasselbe nur unbedeutend salzig bitter. Einsammlung: Juni und Juli. Das Bilsenkraut enthält 2 Alkaloide: das Hyoscin oder Scopolamin und das Hyoscyamin.
2) Das Hyoscinum oder Scopolaminum hydrobromicum, in Deutschland officinell, kommt ausser im Bilsenkraut auch in der quot;Wurzel von Scopoliaatropoides vor und bildet ansehnliche, farblose, rhombische Krystalle von bitterem und zugleich kratzendem Ge-schmacke. Die wässerige Lösung wird durch Silbernitratlösung gelblich gefällt, durch Natronlauge weisslich getrübt, durch Ammoniakflüssigkeit dagegen nicht verändert. Die wichtigste Identitäts-re act ion ist folgende: 0,01 g Hyoscinhydrobromid, mit 6 Tropfen rauchender Salpetersäure in einem Porzollanschälchen im Wasserbade eingedampft, hinterlässt einen kaum gelblich gefärbten Rückstand, welcher, nach dem Erkalten mit weingeistiger Kalilauge übergössen, eine violette Färbung annimmt.
Extractum Hyoscyami, Bilsenkrautextract, ein wässerig weingeistiger Auszug von grün lichb raun er Farbe mit dicker Consistenz. Früher innerlich Hunden zu 0,050,2 und Uusserlich gegen entzündliche Zustünde gegeben, üeberflüssig. A.P. 1,0 = 20 Pfennig. Oleum Hyoscyami, Bilsenkrautül, aus 1 Theil Bilsenkraut, 3 Theilen Weingeist und 40 Theilen Olivenöl dargestellt, von bräunlich grüner Farbe. Früher innerlich als reizmilderndes Mittel gegen Husten, Kolik u. s. w. (Pferden 90120; Hunden 815,0), sowie uusserlich bei schmerzhaften Affectionen angewandt. Entbehrlich. 100,0 1 Mark 20 Pfennig. In Oesterreich heisst das Präparat 01, Hyoscyami coctura.
Wirkung und Anwendung, Das Hyoscin (Scopolamin) stimmt nach den Untersuchungen von Kobert in seiner Wirkung mit dem Atropin in vielen Stücken uberein. Es ist ein Mydriaticum, or-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Hyoscin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ill
regt die Herzthätigkoit in Folge Vfvgusläliniung, setzt die Speichel- und Schweisssecretion herab und lähmt in grossen Dosen die Peristaltik. Das Rückenmark, die Respiration, das vasomotorische Centrum werden durch Hyoscin (Scopolamin) nicht beein-fiusst. Das Hyoscin (Scopolamin) unterscheidet sich jedoch vom Atropin dadurch, dass es beim Menschen angeblich in allen Krankheitsformen, welche mit A ufregungszustiinden einhergohen, schon in geringen Dosen ('/s1J2 mg) Schlaf erzeugt. Es wird daher namentlich als Narcoticum in der psychiatrischen Praxis anempfohlen. Auf das Gehirn gesunder Menschen soll es nur als schwaches Narcoticum einwirken. Sodann soll die mydriatische quot;Wirkung eine viel intensivere und schneller vorübergehende sein; eine l,,0/noige Hyoscinlösung wirkt stärker und rascher als eine '/a quot;(0^Se Atropinlösung. Endlich wirkt es auf die Gcfässe erweiternd, insbesondere auf die Nierengefässe.
Bei Thieren ist die Hyoscinwirkung im Vergleiche zum Menschen eine wesentlich verschiedene. Während man nämlich beim Menschen 1 mg als Maximaldosis ansehen kann, deren üeberschrei-tung Vergiftungserscheinungen hervorruft, ertragen Hunde und Katzen das 100SOOfache dieser Dosis. Nach Kobert blieb eine kleine Katze nach 0,(3 g Hyoscin am Leben. Sodann ist es mir in zahlreichen Versuchen (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887) nie gelungen, bei kranken oder gesunden Thieren durch Hyoscin eine Hypnose zu erzeugen. Das Hyoscin istdaher inderThier-heilkunde als Hypnoti cum nicht zu gebrauchen. Dagegen ist es als Mydriaticum und Herzexcitans in allen Schwächezuständen des Herzens von ganz vorzüglicher Wirkung; es regt die Herzthätigkoit sehr lebhaft an und steigert gleichzeitig die Pulsfrequenz und den Blutdruck, während die Innentemperatur sinkt. Sehr grosse Dosen erzeugen heim Pferde und Hunde Krämpfe. Z u r Pupillenerweiterung genügt eine lon/ooige Lösung; auch zur Erzielung der herzerregenden Wirkung sind nur sehr kleine Dosen noting.
Dosis und Form. Statt des früher verordneten Herba Hyos-cyami (Pferd und Rind 1590,0; Hunde 0,54,0) empfiehlt sich ausschliesslich die Verabreichung des Hyoscin um (Scopolaminmn) hydrobromicum. Man verschreibt dasselbe äusserlich in 0,1- bis 1 quot;/oiger wässeriger Lösung als Mydriaticum, innerlich in Form der subeutanen Injection. Die innerliche Dosis beträgt für
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
112nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Herba Conii.
Pferd und Rind 0,01. Hunde 0,005.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Hyoseiui hydrobroiuiei 0,01.
Aqu. destill, 10,0. M. f. Sol. D. S. Augenwasser.
2)nbsp; nbsp;Rp. Seopoliimini liydrobromioi 0,02.
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. D. S. Zu subcutanon Injoctioiien gegen Herzsobwäobe (Pferden eine 5 Grammspritze, Hunden eine 1 Grammspritze pro dosi).
Folia Stramonii. Stechapfelblätter. Die Blätter des Stechapfels, Datura Stramonium, einer auf unbebautem Lande vorkommenden Sola-nacee, sind handgross, langgostielt, eiförmig zugespitzt, am Rande buchtig gezähnt und spitzlappig, ohne Behaarung, von dunkelgrüner Farbe; ihr Geschmack ist unangenehm bitter, etwas salzig, ihr Geruch schwach narkotisch. Zuweilen sind ihnen die sehr charakteristischen Stechapfelfrüchte beigemengt. Die Stechapfelblätter enthalten 2 Al-kaloide: Atropin und Hyoscyamin; das früher als Daturinquot; bezeichnete Präparat ist nichts anderes, als ein Gemenge der beiden genannten Al-kaloide. Die Folia Stramonii kommen in ihrer Wirkung den Folia Belladonnae so ziemlich gleich, sie werden aus diesem Grunde, trotzdem sie officinell sind, selten oder nie angewandt. Sie wurden früher empirisch gegen Krämpfe, Starrkrampf, Rheumatismus, Koller etc., sowie äusserlich gegen Augenentzündungen und zu Kataplasmen verwandt.
f Duboisin. Die in Noukaledonien einheimische Solanacee Duboisia myroporoides enthält dieses Alkaloid, welches nach Laden bürg mit Hyoscyamin identisch ist. Die Wirkung und Anwendung ist dieselbe wie die des Atropins und Hyoscins (Schlafmittel).
|
||
|
|
||
|
Hevba Conii. Scliierlingskraut.
Stammpflanxe: Conium maeulatum, Familie: ümbettiferen.
Geschichtliches. Der Schierling ist bereits bei den Griechen als Heilmittel und Gift bekannt gewesen (Hinrichtung, des Sokrates). Das Wort Conium stammt von dem Griechischen xujvjiov (Giftrank). Das deutsche Wort Schierling leitet sich ab von dem althochdeutschen scarno = Mist (Mistpflanze). Im 12. Jahrhundert ist die Pflanze als Wundmittel angewendet worden (Aebtissin Hildegard). Das Coniin ist 1831 von Geiger rein dargestellt worden.
Pharmäkognosie. Der Landschierling (Fleckschierling), Conium maculatum, ist ein einheimisches, 1 l1^ ni hohes Kraut aus der Familie der Umbolliferen, welches an unbebauten Orten vorkommt und nicht zu verwechseln ist mit dem Wasserschierling
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Coniin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 113
(Cicuta virosa) und Gartenschierling (Aethusa Oynapium). Der Fleckschierling hat einen stielrunden, kahlen, am Grunde gefleckten Stengel und eben solche Blattstiele. Die Blätter sind mattgrau, kahl und tief eingeschnitten. Die Dolden sind durch eine vielblätterige Hülle unterstützt. Der Geschmack ist widerlich scharf und bitter. Der Geruch ist ebenfalls widerlich, an Mäuseurin erinnernd, und zwar tritt dieser widerliche Geruch namentlich nach dem Befeuchten mit Aetzalkalien (Zerreiben mit Kalkwasser) stark hervor. Dieser Geruch und die Kahlheit aller Theile lassen den Schierling leicht von andern ähnlichen Pflanzen unterscheiden.
Der Schierling enthält als wichtigsten Bestandtboil ein olartiges flüchtiges Alkaloid, das Coniin von der Formel CH17N, ausserdem Conhydrin (C8H]7NO) und Metbylconiin. Das Coniin, der Träger der Schierimgswirkung, bildet eine ölige Flüsssigkeit von betäubendem Gerüche, welche sich an der Luft leicht zersetzt und sich dunkler färbt. Es bildet mit Säuren Salze, welche beständiger sind, als das Coniin und sich daher für die Anwendung besser eignen (Coniinum hydrobromicum). Die österreichische Pharmakopöe enthält noch ein Extractum und Emplastrum Conii.
Wirkung des Coniins. 1) Das Coniin lähmt die sensiblen Nervenendigungen der Haut und Schleimhäute, wenn es direkt mit ihnen in Berührung kommt; es erzeugt beim Menschen auf der Haut das Gefühl von Pelzigsein und Unempfindlichkeit. Unverdünnt auf Schleimhäute gebracht, ätzt Coniin und bedingt auch noch in verdünntem Zustande anfangs Brennen. Innerlich in reinem Zustande verabreicht, erzeugt es zunächst Speichelfluss und Erbrechen.
2) Das Coniin lähmt innerlich verabreicht zuerst die Bewegungsnerven in den quergestreiften Muskeln, später auch die Gehirn- und Eückenmarkscentren. Dabei gehört es zu den stärksten Giften; der Tod erfolgt durch Zwerchfellslähmung (Athmungsläbmung) unter Krämpfen. Die Lähmung beginnt in den peripheren Nerven mit Erschlaffung des Orbicularis und der Augenmuskeln, der Kau- und Schlingmuskeln sowie der Kehlkopfmuskeln; dazu kommt allgemeine Muskolschwäche, unsicherer Gang, Ameisenkriechen auf der Haut, Verlust der Tastemptindlichkeit, Schwindel, Seh- und Gehörstörungen, Betäubung und zuletzt Erstickungstod unter Cyanose und Krämpfen. Die Muskelsubstanz selbst bleibt jedoch intact, reizbar. Das Herz wird von der Coniiuwirkung nicht betroffen. Das Coniin ist lediglich ein Nervengift. Hunde sind nach
Fröhner, Arzncimittellolire. i. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
#9632;#9632;
|
|||
|
|
|||
|
114
|
Amygdalae amarue.
|
||
|
|
|||
|
meinen Untersuchungen gegen Coniin ziemlich wenig empfindlich (Todesdosis suhcutan pro Kilo Körpergewicht = 0,05 g).
Anwendung. Das Schierlingkraut ist früher empirisch gegen eine Reihe von Krankheitszustilnden ohne genauere Indicationsstellung angewandt worden (Pferde 3090 g, Schafe und Ziegen 45 g, Hunde 14 g). Neuerdings wird statt des Krautes das Coniinum hydrobromicum insbesondere gegen Krampfzustände (Tetanus, Strychninvergiftung) sowie beim Menschen gegen Keuchhusten, Asthma, Neuralgien, Erbrechen empfohlen. Ich habe in einigen Fällen von Staupekrämpfen beim Hunde keinen Nach-lass derselben nach subcutaner Injection von Coniinum hydrobromicum (0,1 g) beobachtet. Die lähmende Coniinwirkung scheint erst bei sehr hohen und daher giftigen bezw. lebensgefäbrlichen Dosen einzutreten, weshalb sich das Mittel für die therapeutische Anwendung wohl kaum eignen dürfte.
|
|||
|
|
|||
|
Amygdalae amarac. Bittere Maudeln.
Stammpflanze: Prtmus amygdalus; Var. amara. Familie: Amygdalcen.
Geschichtliches. Der Mandelbaum ist eine der ältesten Kulturpflanzen ; schon die Bücher Mose führen Mandeln als Erzeugnisse Palästinas auf. Das deutsche Wort Mandel, althochdeutsch mandala, leitet sich aus dem lateinischen amygdalus bezw. aus dem griechischen 'd\M-[\t.o. ab. Die bitteren Mandel waren schon im Alterthum als Gift und als Arzneimittel bekannt (Dioscorides). Die Blausäure ist 1782 von Scheele in Stralsund, das Berliner Blau 1803 von Schradcr in Berlin entdeckt worden. Eine phar-makologiscbe Monographie über Blausäure hat Preyer (1870) verüffentlicht.
Pharmakognosie. Die bitteren Mandeln stammen vom Mandelbaum (Prunua amygdalus; früher wohl auch Amygdalus communis benannt), einer Abart der kultivirten, die süsscn Mandeln liefernden Pflanze aus den Ländern am Mittelmcer. Die Samen sind glatt, eiförmig, etwa 2 cm lang und 1 '/ü cm breit, von einer braunen, schil-ferigen Samenhaut umgeben; ihr G-eschmack ist stark bitter. Ausser fettem Oel enthalten die bitteren Mandeln zwei Hauptbestandtheile; 1) Das Amygdalin, ein bitteres, in Wasser leicht lösliches Glykosid, das auch in den Fruchtkernen der Kirschen, PHaumcn, Pfirsiche und Aepfcl enthalten ist, und 2) das Emulsin (Synaptase), ein eiweiss-artiges Ferment. Bei massiger Wärme (z. B. im Magen) wird das Amygdalin durch das Emulsin zerlegt zu Blausäure, Bittermandelöl und Zucker nach der Formel:
CsoH^NOn 2HB0 - ONH 0,H80 -|- 2(09H180e)
Amygdalinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blausiiure Bitterraamlelölnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Zucker.
Das Aqua Amygdalarum amararum, Bittermandelwasser, ist das gewöhnliche Bittermandel- bezw. Blausäurepräparat, welches thera-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Bittermanilelwassci'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
peutisch verwerthet wird und auch allein ofticinell ist. Es enthält l00/oo Blausäure, welches zu einem kleinen Theile frei, in der Hauptsache jedoch an Bittermandelöl (Benzaldehyd) gehunden ist = B en z a 1 d e h y d c y a n h y d r in von der Formel C(.H- . COH . CNH ; concentrirtere Losungen sind für die klinische Anwendung zu gefährlich. Das Bittermandelwasser ist eine klare oder nur wenig getrübte, farblose Flüssigkeit von angenehmem, charakteristischem Gerüche, dem speeifischen Gewicht 0,970,98 und der charakteristischen Blausäurereaction (Bildung von Berliner Blau beim Versetzen mit Kalilauge, Eisenvitriol, Eisenchlorid und Salzsäure). Das früher als Blausäurepräparat vorgeschriebene und in Oesterreich noch officinelle Aqua Laurocerasi, Kirschlorbcerwasser, welches aus den Blättern von Prunus Laurocorasus gewonnen wurde, ist in Deutschland nicht mehr officinell; es hatte denselben Blausäuregohalt wie das Bittermandelwasser, welch letzteres in Deutschland vom Apotheker dispensirt werden darf, wenn Kirschlorbeerwasser verordnet wird. A. P. 10,0=15 Pfennig.
Darstellung des Bittermandelwassers. 12 Theile bittere Mandeln werden zerstossen, durch Pressen vom fetten Oele befreit, fein gepulvert und in einer Destillirblase mit 20 Theilen Wasser versetzt. Hievon werden, am besten mittelst Dampfdestillation, 9 Theile abdestillirt in eine Vorlage, welche 3 Theile Weingeist erhalt. Nach der Prüfung auf den Gehalt an Blausäure wird das Destillat mit einem Gemenge von 1 Theil Weingeist und 8 Theilen Wasser so weit verdünnt, class in 1000 Theilen 1 Theil Blausäure enthalten ist. Das Bittermandelwasser muss vorsichtig und vor Licht geschützt in ganz gefüllten, wohlverschlossenen Gefässen aufbewahrt werden, da sich die Blausäure allmählich in ameisensaures Ammonium zersetzt. Nach längerer Aufbewahrung nimmt daher der Blausäuregehalt des Präparates immer ab, so dass gewöhnlich nicht ganz l00|oo Blausäure darin nachgewiesen werden kann. Es bilden sich nämlich aus dem Benzalde-hydeyanhydrin Ammoniak, Cyanammonium, ameisensaures Ammonium, Benz-hydramid und Benzoin als Zersetzungsproducte. Die österreichische Pharmakopöe schreibt neben dem mit dem deutschen Präparate übereinstimmenden l00/(ioigen Aqua Amygdalarum amararum concentrata noch ein zweites, zwanzigmal schwächeres Präparat vor, nämlich Aqua Amygdalarum amararum dilnta.
quot;Wirkung der Blausäure. 1) Die Blausäure wirkt in concen-trirter Lösung und bei lokaler Application anästhesirend auf die peripheren Nerven der Haut und Schleimhäute; in verdünnten Lösungen setzt sie die Einpfi ndlichkeit der Schleimhäute h e r a b.
2) Innerlich erzeugt sie in giftigen Dosen zuerst eine Erregung und dann eine Lähm u n g des A t h m u n g s c e n t r u m s; die Athmung
|
||
|
|
||
|
|
||
|
HOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Blausäure.
wird zunächst krampfhaft angestrengt und dann bei tödtlichen Gaben ganz gelähmt (Erstickungstod).
8) Gleichzeitig erfahren die motorischen Krampf'centrcn im Gehirn eine starke Erregung, welche sich beim Warmblüter in starrkrampfähnlichcn Krampfanfällen der gesammten Körpermuskulatur äussert.
4)nbsp; nbsp;Das vasomotorisebo Centrum in der Medulla oblongata wird ähnlich wie durch Digitalis anfangs erregt (Steigen des Blutdrucks; Vorminderung der Pulsfrequenz), später gelähmt (starkes Sinken des Blutdrucks). Charakteristisch für die Blausäurevergiftung ist hiehei die hellrothe, arterielle Farbe des Venenblutos.
5)nbsp; nbsp;Das Grosshirn wird durch Blausäure gelähmt und in Narkose versetzt.
tgt;) Die Körpertemperatur sinkt schon nach kleinen, medi-camentellen Blausäuregahen, wahrscheinlich in Folge einer Herabsetzung der inneren Gewebsathmung, indem die Gewebszellen die Fälligkeit verlieren, den Sauerstolf zu binden und zu verbrauchen; sog. innere Erstickungquot; trotz Gegenwart von sehr viel Sauerstoff. Man nimmt an, dass unter der Einwirkung der Blausäure der Sauerstoff fester an die rothen Blutkörperchen gebunden und die Abgabe desselben vermindert wird. Darnach ist die Blausäure als ein speeifisches Stoffwechselgift zu bezeichnen. Die rotben Blutkörperchen erscheinen nämlich nach Anwendung der Blausäure beträchtlich vergrössert (grösseror Sauerstoft'gehalt, der nicht abgegeben wird); man führt hierauf auch die hellrothe Farbe des Venen-blutes zurück. Es ist ferner gleichzeitig mit dem Absinken der Körpertemperatur auch die Sauerstoffaufnahme und die Kohlensäureausscheidung durch die Lunge vermindert gefunden worden (Verminderung des Stoffwechsels). Endlich hat blausäurehaltiges Blut die Fähigkeit verloren, Guajak zu bläuen, d. h. den hiezu nöthigen Sauerstoff abzugeben. Mit dem Blutfarbstoff verbindet sich die Blausäure zu einer besonderen Hämoglohinform, dem blausauren Hämoglobin. Diese Cyanwasserstoff-Hämoglobinverbindung wurde früher als die eigentliche Vermittlerin der giftigen Blausäurcwirkung betrachtet; sie scheint jedoch nach neueren Untersuchungen damit nichts zu thun zu haben. Als letztes und widerstandsfähigstes von allen Körperorganen wird das Herz gelähmt.
7) Die Blausäure ist endlich ein starkes Antisepticum. In einer Verdünnung von 1 : 400,000 hemmt sie die Entwicklung der Milzbrandbacillen und tödtet dieselben bei 1 : 8000. Die Buttersäure-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Blausäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
und Alkoholgähmng verhindert sie bei 1: 10,000. Auch die weissen Blutkörperchen verlieren unter der Einwirkung der Blausäure ihre Con-tractilität. Ziemlich unempfindlich sind dagegen die physiologischen Körperfermente: Ptyalin, Pepsin etc.
8) Die Aufnahme der Blausäure erfolgt von allen Körperstellen, auch von der unverletzten Haut aus, sehr rasch. Die Ausscheidung geschieht im unzcrsetzten Zustande vorwiegend durch die Lunge und die Haut.
Toxikologie der Blausäure. Die Giftigkeit der Blausäure ist eine ausser-ordentliche. 0,05 g der reinen, wasserfreien Blausäure (= 1 Tropfen) tüdten einen grossen Hund; 0,51,0 g (12 bis 20 Tropfen) ein Pferd. Die tödtlicheDosis des officinellen Bittermandelwassers berechnet sich darnach für den Hund im Mittel auf etwa 50 g, für das Pferd auf 5U01000 g. Die tödtliche Dosis des Cyankaliums für den Hund beträgt 0,250,5 g; für das Pferd 48,0 g. Kleinere Thiere, wie Vögel, Meerschweinchen etc. sterben schon nach Verabreichung unwägbarer Mengen chemisch reiner Blausäure (0,1 mg). Die Erscheinungen der Blausäurevergiftung sind etwas verschieden je nach der aufgenommenen Menge. Grosse Dosen haben oft einen blitzähnlich schnellen, schlagartigen, apo-plectiformen Tod zur Polge: die Thiere stürzen unter einem lautem Schrei resp. Gebeul zusammen und verenden unter zunehmender Athmungsbe-schwerde, Erbrechen und tetanischen Krämpfen innerhalb weniger Minuten. Bei mittleren Dosen lassen sich drei Stadien der Blausäurevergiftung unterscheiden :
1)nbsp; Ein dyspnoiscbes Stadium, beginnend mit Schwindel, Taumeln, Erbrechen; die Athmung wird sehr beschleunigt und angestrengt, bei Pferden stöhnend und röchelnd; die Thiere sind sehr unruhig und ängstlich; die sichtbaren Schleimhäute sind hellroth gefärbt.
2)nbsp; Ein convulsives Stadium, in welchem die Thiere zusammenstürzen und in starrkrampfähnliche (Orthotonus, Opisthotonus, Trismus) Krämpfe und epileptiforme Zuckungen verfallen; dabei findet unwillkürliche Koth- und Harnentleerung statt; die Athmung wird allmählich langsamer.
;i) Ein asphyktisches Stadium mit schliesslichem Aufhören der Athmungsbewegungen, starkem Sinken der Temperatur, Verlangsamung des Herzschlages, Anästhesie, Cyanose, Coma und Tod.
|
r
|
||
|
|
|||
|
Anwendung. Die Blausäure ist früher in der Thierhoil künde viel häufiger angewandt worden, als dies heutzutage geschieht. Mau gab sie innerlich bei Krämpfen aller Art: Starrkrampf, Epilepsie, Eklampsie, Uteruskrämpfen, Kolik, gegen Erbrechen, als Narcoticum bei allen Erregungszuständen des Gehirns, bei Dampf, als Fiebermittel (Lustig), sowie äusserlich gegen Hautjucken und Flechten. Gegenwärtig wird die Blausäure in Form des Bittermandelwassers eigentlich nur noch nach zwei Richtungen angewandt:
]) Als Sedativ um für die sensiblen Nerv en der Kehl-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chloroform.
k opfs eh leim haut, also uls Hustenmittel und zwar gewöhnlich in Verbindung mit Morphium, Namentlich bei der sehr hartnäckigen chronisch en Laryngitis älterer Hunde ist die Blausäure einsehr geschätztes Palliativum. Jelkmann hat auch günstige Resultate nach der intralaryngealen Injection einer Lösung von Morphium in Bittermandelwftsser bei Laryngo-Pharyngitis der Pferde beobachtet.
2) Die Blausäure kann ausserdem auch als Antipy reticu m gegeben werden, da sie die Temperatur zwar langsam, aber sicher und erheblich herabsetzt! Vereinzelt konnte ich selbst beobachten, dass die Blausäure das Antipyrin au antipyretischer Wirkung übertraf (Berliner Archiv 1886).
Dosis des Bittermandelwassers.
Pferd und Rind 50,0. Schafe und Ziegen 10,0. Schweine 25,0. Hunde 0,53,0. Katzen 0,25 1,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Aqu. Amygdal. amar. 20,0.
Morphin, muriat. 0,2. Aqu. destill. 300,0. M. f. Sol. D. in vitro nigro. S. Täglich 23mal einen Esslöft'el (Thee-lüil'el) für einen Hund mit chronischer Laryngitis.
2)nbsp; Rp. Aqu. Amygdal. amar.
Aqu. Cinnamomi ää 25,0. M. f. Sol. D. iS. Tiiglieh Sinai 20 Tropfen für einen kleinen Hund mit Krampfhusten.
|
||
|
|
||
|
Cliloroformiuin. Chloroform.
CHOI3.
Geschichtliches. Das Chloroform ist im Jahre 1831 von Liebig entdeckt und im Jahre 1847 von Simpson in Edinburg zum ersten Male beim Menschen angewendet worden.
Pharmaceutische Chemie. Das Chloroform (Formylchlorid, Trichlormethan)ist chemisch aufzufassen als ein ge chlor te r Kohlenwasserstoff, nämlich als Methan, CH,, in welchem 3 H durch 3 Cl ersetzt sind. Es bildet eine klare, farblose, flüchtige
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chloroform.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 119
Flüssigkeit von oigenthümlichcm Gerüche und süsslichem Gesehmacke, von einem specifischen Gewichte = 1,4851,489. In Wasser ist es nahezu unlöslich; dagegen löst es sich leicht in Alkohol, Aether, ätherischen und fetten Oelen. Der Siedepunkt liegt bei 61deg; C. Wegen der leichten Zersetzlichkeit muss das Chloroform im Dunkeln aufbewahrt werden; auch gestattet das von der Pharma-kopöe vorgeschriebene speeifische Gewicht einen Zusatz von 10/o Alkohol zum reinen Chloroform, welcher die Zersetzung verhindert.
Wird Chloroform mit alkoholischer Kalilauge unter Zusatz von Anilinsulfat erwärmt, so entsteht ein sehr widerlicher Geruch nach Isocyanhenzol = CyH^CN (Identitätsreaction). Diese sehr wichtige Reaction des Chloroforms, welche auch zum Nachweise desselben in gerichtlichen Fällen dient, verläuft nach der Formel: OH018 OgHgNHg -|- 3 KHO = OgHjON 3KC1 -1- 3 H80.
Darstellung-. 1) Aus sehr verdünntem Weingeist und Chlorkalk durch Destillation bei 65deg; C. (Methode Soubeiran). Aus dem Weingeiste (CH,. CtLjOH) entsteht zunächst Aldehyd (CH3. CÜH), aus diesem Chloral (CCl;,.COH) und daraus Chloroform (CHOlg).
2) Aus dem Chloralhydrat durch Zersetzung mittelst Aetz-kalium (Chloralchloroform; englisches Chloroform; Methode Liebig).
Prüfung. Eine Beimengung des stark giftigen Aethylidencblorids #9632;(Cjl^Cl^), des aus den Fuselölen im Alkohol entstehenden Amylchlorids (OjHnCl), des Methylenchlorids (CH.2C1.2) und Tetrachlormethans (CC14) wird daran erkannt, dass sich Chloroform beim Schütteln mit Schwefelsäure gelb oder bräunlich färbt. Phosgengas (COCLj), welches sich aus dem Chloroform bei der Aufbewahrung an der Luft und am Lichte bildet, wird an seinem scharfen, erstickenden, zum Husten reizenden Gerüche erkannt, der beim Schütteln des Chloroforms mit Wasser verschwindet. Mit Chloroform geschütteltes Wasser soll ferner blaues Lakmuspapier nicht röthen und bei vorsichtigem Aufschichten von Silbernitratlösung keine weisse Trübung zeigen (freie Salzsäure). Endlich dürfen Chloroformtropfen, welche mit Jodzinkstärkelösung geschüttelt werden, sich nicht färben (freies Chlor). Von sonstigen Verunreinigungen des Chloroforms sind zu nennen: Aldehyd, Allylchlorid und flüchtige Arsenverbindungen. A.P. 10 == 15 Pfennig; 100,0 = 1 Mark 35 Pfennige; 200,0 = 2 Mark 5 Pfennig.
Wirkung des Chloroforms. Das Chloroform ist ein sehr starkes Nerven- und Muskelgift mit ausgesprochen 1 ähmender Wirkung, ausserdem ein Blut gift und allgemeines Protoplasmagift. Die einzelnen Organe werden folgendermassen hecinflusst:
1) Das Gehirn wird durch Chloroform zuerst erregt in Folge Lähmung cerebraler Hemmungscentren (Excitationsstadium); die Thiere werden sehr aufgeregt, Hunde bellen, Pferde wiehern. Die Er-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chloroform.
regung geht sodann über in cine Lähmung, namentlich der grauen Grosshirnsubstanz, von welcher hauptsächlich die sensiblen Apparate botrotfen werden, und welche sich als Empfindungslosigkeit und Bewusstlosigkeit kundgibt; erst in zweiter Linie findet dann auch eine Lähmung der reflexvermittelndcn Centra statt (Depressionsstadium). Auf der Höhe der Narkose tritt eine Erschlaffung a 11 e r K ö r p e r m u s k o 1 n mit Schlatt'werden namentlich der Extremitäten ein. Die Cornea ist für ßeflexreize unempfindlich geworden. Die Pupillen sind während der Narkose verengt und reactionslos (centrale Myose wie bei Morphium), Die Dauer der Narkose ist bei den verschiedenen Thiergattungen und je nach dem Individuum eine verschiedene; sie ist jedoch bei den Thieren niemals so intensive wie beim Menschen. Die Chloroformnarkose muss auf eine directe Beeinflussung der contralen Ganglienzellen durch das Chloroform aufgefasst werden. Die tödtliche Wirkung grosser Dosen ist auf eine Lähmung des Athmungscentrums zurückzuführen (nicht, wie früher in erster Linie angenommen wurde, auf Herzlähmung).
2) Die lähmende Wirkung des Chloroforms auf die gesammte Muskulatur äussert sich vor Allem in einer Schwächung und schliesslichen Lähmung des Herzmuskels. Damit hängt auch zusammen, dass Pulsfrequenz und Blutdruck ebenfalls während der Chloroformnarkose eine Depression zeigen, desgleichen die Innentemperatur, welche oft um mehrere Grade sinkt. Anhaltendes Chloroformiren oder giftige Chloroformmcngcn führen zu fettiger Entartung des Herzens, desgleichen der Skeletmuskulatur und der Gefässe, sowie der Leber und Nieren. Eigenthümlich hiebei ist der Umstand, dass das Chloroform zuweilen nach vorübergegangener Narkose noch nachträglich eine tödtliche Nachwirkung auszuüben im Stande ist. Die Nachwirkung dos Chloroforms besteht nach den Untersuchungen von Ungar, Strassmann und Ostertag in der Erzeugung von Verfettungen in den verschiedensten Organen, hauptsächlich aber in einer Fettmetamorphose der Herz- und Skeletmuskulatur und einer seeundären Fettinfiltration der Leber. Die Fettmetamorphose resultirt aus einer Einwirkung des Chloroforms auf das Blut (Auflösung der rothen Blutkörperchen) und auf die Gewebszellen selbst (Ertödtung). Der nachträgliche Tod nach Chloro-formverwendung erfolgt durch Lähmung des Herzens. Die Herzlähmung selbst wird herbeigeführt durch eine bisweilen nur wenig in die Augen tretende anatomische Schädigung des Myocardium
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Chlorolbrm.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;121
und eine gleichzeitig sich geltend machende allmähliche Suffocation (Oligocythämie und mangelhafte Respiration in Folge Verfettung der Athmungsmuskeln).
3)nbsp; Bringt man Blut und Ohloroform ausserhalh des Körpers zusammen, so beobachtet man eine Auflösung der rothen Blutkörperchen mit Freiwerden des Hämoglobins (Hämoglobinämie). Das Chloroform geht hiebe! mit dem Hämoglobin eine chemische Verbindung ein (Schmiedeberg). Derselbe Zerfall der rothen Blutkörperchen tritt innerhalb des Thierkörpers nach subeutanen In-jeetionen von Chloroform ein; es bildet sich Hämoglobinurie und Bilirubinurie (Nothnagel, Ostertag). Bilirubinurie, d. h. Ausscheidung von Gallefarbstoffen durch den Harn tritt ausserdem im Anschlüsse an mehrstündiges Chloroformiren hei Hunden als Folge der zerstörenden Einwirkung des Chloroforms auf die rothen Blutkörperchen auf (Ostertag). Auch Albuminurie und Cylindruric wird häutig nach dem Chloroformiren beim Menschen beobachtet.
4)nbsp; Das Chloroform besitzt starke antiseptische Wirkungen. So lassen sich durch Chloroformwasser anatomische Präparate, Harn, Exsudate, Arzneilösungen, ja selbst der Darmkanal conservieren bezw. desinficiren (Salkowski). Ausserdem ist Chloroform ein starkes Anthelmiuthicum für Bandwürmer.
5)nbsp; Direct auf die Haut oder auf Schleimhäute gebracht wirkt Chloroform reizend; auf der Haut entsteht, wenn die Verdunstung gehemmt ist. Brennen, Röthung, Quaddel- und Bläschenbildung, zuletzt Excoriation. AehnlicheVeränderungen beobachtet man auf Schleimhäuten; aus diesem Grunde soll man das Chloroform nicht intratracheal injiciren. Gelangt Chloroform in grösserer Menge in den Magen, so sind Appetitstörungen, Erbrechen, Kolikerscheinungen sowie gastro-enteritische Symptome die Folge. Verdunstet Chloroform auf der Haut, so entstellt zunächst ein Kältegefühl und dann Anästhesie.
Die Aufnahme des Chloroforms erfolgt schon, wie bei allen gasförmigen Körpern, von der unversehrten Haut; noch leichter als von den Schleimhäuten wird es sodann von der Lunge aufgenommen, üeber die Schicksale im Körper und die Ausscheidungsverhältnisse gehen die Angaben aus einander; möglicherweise zersetzt es sich im Blute zu Salzsäure oder Ameisensäure und wird im Harn als Chlorid (Chlornatrium, Chlorkalium) ausgeschieden.
Wirkung des Chloroforms bei den einzelnen Hausthieren. Beim Pferde sind die Erscheinungen der Chloroformnarkose nach den klinischen
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
|||
|
122
|
Ohlorofonui
|
||
|
|
|||
|
und fxperimentellen ]3eobachtungen von Möller, Hirzel, Hoffmann, Negotin u. A. sowie nach meinen eigenen Erführungen folgende: 1) Das Erregungsstadium dauert durchschnittlicli 510 Minuten. Die am Boden liegenden Pferde werden unruhig, machen mit den Beinen und dem Kopfe heftige Bewegungen und zeigen eine beschleunigte Athmung. Die Körpertemperatur und die Pulsfrequenz sind gesteigert, die Pupillen erweitert. Vereinzelt sieht man vorübergehendes Aussetzen der Athmung, dem dann meist eine tiefe Inspiration folgt. Erscheinungen und Dauer des Erregungs-stadiums sind sehr verschieden je nach Kasse, Alter, Geschlecht und Individuum sowie je nach der schnelleren oder langsameren Inhalation des Chloroforms. 2) Das Depressionsstadium entwickelt sich in der Regel allmählich aus dem vorigen. Die Pferde werden ruhiger, sträuben sich nicht mehr gegen die Fesseln, athmen wieder regelmiissig. der Puls ist wieder langsamer, die Pupillen verengern sich. Die Sensibilität der Haut ist vermindert, die Thiere zeigen eine zunehmende allgemeine Muskelerschlaffung und liegen ziemlich ruhig am Boden oder führen schwimmende Bewegungen mit den Beinen aus. Zuweilen, wenn auch nicht häufig, wiehern die Thiere. Manchmal wird die Athmung in Folge Erschlaffung des Gaumensegels röchelnd. #9632;gt;) Das Stadium der Empfindungslosigkeit ist gekennzeichnet durch totale Muskelerschlaftüng, ünempfindlichkeit der Haut- und Schleimhäute sowie der Cornea, ausserdem durch tiefen Schlaf. Die Pupille ist gewöhnlich stark verengt, der Bulbus macht zuweilen rotierende Bewegungen, Puls und Herzschlag werden schwächer, die Pulsfrequenz ist bis zur Hälfte vermindert, die Innentemperatur sinkt um mehrere Grade, die Athmung ist verlangsamt und zuweilen röchelnd. Vereinzelt beobachtet man Schweissausbruch namentlich an der Vorderhand; sehr selten sind krampfhafte Muskelzuckungen. Zuweilen sistirt die Athmung vorübergehend. In der Kegel tritt nach dem Aussetzen des Chloroforms baldiges Erwachen aus der Narkose ein, so dass die Thiere sich wieder erheben können. In einzelnen Fällen bestellt noch längere Zeit hindurch (1030 Minuten) ein Zustand von Betäubung, während dessen die Thiere am Boden liegen bleiben. Nach dem Aufstehen zeigen manche Pferde bei längerer Dauer der Narkose einen schwankenden Gang, der sich indessen meist bald verliert. Innerlich gesunde Pferde ertragen auch eine lang andauernde Narkose durchaus gut. Zur Erzielung einer tiefen Narkose ist '/a g Chloroform pro Kilogramm Körpergewicht erforderlich. Die entsprechende toxische Dosis beträgt 'is g (Negotin).
2)nbsp; nbsp;Für Hunde ist das Chloroform im Allgemeinen sehr gefährlich, da es leicht zu Lähmung des A thm ungscen trums und Herzens führt (Negotin , eigene lleobachtungen). Einzelne Hunde ertragen allerdings grössere Chlorofornimengen gut (Ostertag). Das Exeitationstadinni ist meistens kurz, indem die Thiere einige Minuten hindurch sehr unruhig werden und bellen oder heulen. Während der Narkose besteht Speichelfluss. Sehr häufig sistirt die Athmung dann plötzlich unter starker Erweiterung der Pupillen und Cyanose der Schleimhäute, während das Herz noch einige Zeit lang fortschlägt. Bei 7 Hunden trat nach Verbrauch von 25-40 g Chloroform nach 622 Minuten Stillstand der Athmung ein , so dass das Leben nur durch künstliche Kespiration erhalten werden konnte; 20 Hunde starben nach 122 Minuten und nach einem Chloroformverbrauch von 165 g in Folge von Athmungslähmung (13), gleichzeitiger Athmungs- und Herzlähmung (4) bezw. Herzlähmung (3) (Negotin).
3)nbsp; Für Katzen ist das Chloroform nach Negotin ein noch viel gefährlicheres Mittel, als für Hunde. Das Excitationsstadium ist kurz und sehr ausgeprägt und geht rasch in tiefe Anästhesie über. Der Tod
|
|||
|
|
|||
|
i
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Chloroform.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 123
trat in allen Fällen unter den Erscheinungen der Atliinungslilhmung in einem Zeitraum von l'/s20 Minuten und nach einem Verbrauche von 0,6 7 g Chloroform ein. Auch nach Guinard sind Katzen gegen Chloroform ausserordentlich einpfindlich, indem sie hilufig verenden. Müller sah bei einer kräftigen Katze den Tod nach 8 g Chloroform in 7 Minuten, bei einer anderen nach (3 g in 4 Minuten eintreten. Im Uebrigen scheinen auch bei der Katze Ausnahmen von dieser Kegel vorzukommen. So hat Oster tag bei seinen Versuchen gefunden, dass sich eine tiefe Narkose bei den Katzen lange unterhalten lässt. Nach Versuchen von Kappler starben die in einem Sacke betäubten Thiere erst nach '('B/4 stÜUCliger Chloro-formirung und nach einem Verbrauche von 100300 g Chloroform. Offenbar kommt bei Katzen auch die Methode des Chlorofonnirens wesentlich mit in Betracht.
4)nbsp; nbsp;Beim Kinde treten während der Narkose Krampfanfälle einzelner Muskelgruppen in Form von Tetanus und Opisthotonus auf. Das Erregungsstadium ist sehr kurz (1-5 Minuten) und stark ausgesprochen; nach weiteren 24 Minuten stellt sich Schlaf ein, dem complete Empfindungslosigkeit folgt. Nebenerscheinungen hiebei sind Speichelfluss, Thränen, Erbrechen, Sistiren der Pansenthätigkeit sowie T y m p a n i t i s. Nach Ablauf der Narkose zeigen die Thiere mehrere Stunden hindurch einen schwankenden Gang. Die Dauer der Narkose beträgt bei einem Verbrauch von 50140,0 Chloroform 40 60 Minuten (Negotin). Bei innerlicher Verabreichung von 5075 g Chloroform beobachtete ich bei einer Kuh Schwanken in der Hinterhand ohne wesentliche Benommenheit des Sen-soriums.
5)nbsp; nbsp;Bei Schafen und Ziegen sind während der rasch eintretenden Narkose lebensgefährliche Complicationen zu beobachten: krampfartiges Athmen, Stillstand der Respiration, Tympanitis, Erbrechen, Aspiration von erbrochenen Pu ttermassen in di e Luf tr Öhr e, acute Bronchopneumonie, Cyanose der Schleimhäute, Opisthotonus. Die Äuftreibung des Abdomens erklärt sich aus der Lähmung der Magen- und Daimiwandung. In der Regel erfolgt der Tod, auch nach überstandener Narkose, unter Erstickungserscheinungen. Die Section ergibt als Todesursache eine acute Bronchopneumonie. Auch schwere Gehirnstörungen, z. B. Drehbewegungen sowie andere Erscheinungen von Gehirnödem werden nach der Narkose beobachtet. Der Tod trat in der Regel 1214 Stunden nach Beendigung des Chlorofonnirens ein. Während von den chloro-formirten Schafen alle starben, starben von 9narkoüsirten Ziegen 2 (Negotin).
6)nbsp; nbsp;Bei Schweinen erweist sich das Chloroformireu ungefährlich. Nach kurzer, heftiger Erregung tritt Schlaf und vollkommene Empfindungslosigkeit ein. Nach der Narkose erholen sich die Thiere rasch. Zu einer tiefen 25136 Minuten dauernden Narkose wurden 22100 g Chloroform verbraucht (Negotin).
7)nbsp; nbsp;Für Hühner scheint das Chloroform ebenfalls ein unschädliches Narcoticum zu sein. Das Excitationsstadium fehlt oft ganz oder ist sehr kurz; nach ,/laquo;8 Minuten tritt Schlaf, nach '/laquo;10 Minaten vollständige Empfindungslosigkeit ein. 18105 Tropfen erzeugten eine 57137 Minuten lange Narkose; 1 Thier starb an Bronchopneumonie (Negotin).
Nach Versuchen, welche neuerdings Preipitseh-Frey berg (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VII) mit dem sogenannten PictePschen Chloroform, einem durch Ausfrierenlassen gereinigten Chloroform, angestellt hat, ist dasselbe durch ein milderes Erregungsstadium und eine trleichmässige tiefe Anästhesie beim Pferde ausgezeichnet. Für Hunde und
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
124nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chloroform.
Katzen soll es im Gegensatz zum gewöhnlichen Chloroform ein durchaus xingefährliches Narcoticum darstellen. Dagegen soll es für Schafe ebenso gefährlich sein. Ein anderes neueres Prilparat ist das A nschütz'sche Chloroform (Salicylid-Chloroform), welches aus der krystallinischen Verbindung des Salicylids (Salicylsäureanhydi'id) mit Chloroform dargestellt wird und sich ebenfalls durch absolute Reinheit auszeichnen soll. Nach Preipitsch-rreyberg (I.e.) soll es für Pferde ein noch milderes Narcoticum sein, als das Pictet'sche, wegen seines hohen Preises jedoch sich zur Anwendung in der Praxis nicht empfehlen.
Anwendung. 1) Das Chloroform ist eines der wichtigsten und
das am häufigsten benützte Narcoticum zur Herbeiführung einer zu Operationen geeigneten Inhalationsnarkose. Während es beim Mensehen jedoch fast ausschliesslich zu diesem Zwecke angewendet wird, eignen sicli von den Hausthieren in der Hauptsache nur Pferde zur Chloroformnarkose. Das Chloroformiren bei Hunden, Rindern, Schafen, Ziegen und Katzen ist wegen der lebensgef cäli rlichenComplicati on en(Athmungslähmung, Tympanitis, Krämpfe, Erbrochen, Fremclkorperpneumonie) nicht empfehlenswerth. Beim Pferde empfiehlt sich die Chloroformnarkose für alle schmerzhaften Operationen, insbesondere für schwere Hufoperationen, schmerzhafte Operationen an den Extremitäten, Herniotomien, Kehlkopfoperationen u. s. w. Im Interesse der Sicherheit bei Ausführung dieser Operationen sowohl, als auch vom rein humanen Standpunkt aus betrachtet, muss die Notwendigkeit einer allgemeinen Anwendung des Chloroforms als Betäubungsmittel für Pferde nachdrücklich hervorgehoben werden. Die bisherigen Erfahrungen haben ergeben (vergl. die Statistik S. 12()), dass das Chloroform für Pferde ein ziemlich ungefährliches Narcoticum ist.
2) Bei bösartigen Pferden kann zum Zweck des Be-schlagens das Chloroform, ähnlich wie Morphium, im Stehen der Tliiere in Form der Inhalation Anwendung finden (Lungwitz).
8) Das Chloroform ist ein krampfstillendes Mittel (Anti-spasmodicum) bei allen tetanischen und anderen Krampfzuständen. Q-egen die Eklampsie der säugenden Hündinnen kann es geradezu als ein Speciticum angesehen werden, welches sowohl in Form der Inhalation, als auch bei innerlicher Verabreichung wie das Morphium sehr häufig von direct lebensrettender Bedeutung ist. Ausserdem wird es bei Starrkrampf, Strychninvergiftung, starkem Drängen nach Uterus- und Mastdarmvorfällen, Krampfkoliken, abnormem Erbrechen u. s. w. angewandt.
4) Innerlich (per os) wird das Chloroform neuerdings als Band-
|
||
|
|
||
|
1
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ohlorofonn.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 125
#9632;Wurmmittel in Verbindung mit einem Laxans und zwar Hunden grmnnnveise, Pferden und Kindern zu 2050 g in Verbindung mit llicinusöl gegeben.
5) Aeusserlicb verwendet man Cbloroform in Verbindung mit Fett und öligen Mitteln als sebm erzstillendes Liniment bei schmerzhaften Anschwellungen, Rheumatismen und Entzündungen, so z. B. bei Orchitis; ausserdem in der Form des Chloroformwassers als Anti-septicum und Oonservans.
ü) Pharmaceutisch wird das Chloroform endlich angewandt zum Auflösen von Alkaloiden, Jod, Schwefel, Phosphor, Fetten, Harzen, Paraffin, Kautschuk, Guttapercha (Traumaticin) etc.
|
||
|
|
||
|
Regeln beim Chloroformiren. 1) Die Anwendung des Chloroforms ist zu vermeiden bei allen herzkranken, schw ilchlichen, anämischen Pferden, bei welchen das Chloroform leicht eine acute Herzverfettung und Herzlilhmung erzeugt. 2) Beim C hloro fo rmir en der Pferde muss neben der mit Chloroform gemischten Luft des einen Nasenloches mindestens die Hälfte frischer Luft durch das andere freie Nasenloch mit eingeathmet werden. Man lässt daher gewöhnlich beim Pferde das Cbloroform nur durch ein Nasenloch einathmen, indem man einen mit Chloroform getränkten Schwamm (Tuch, Maskd) vor dasselbe bringt; das andere Nasenloch bleibt für den Zutritt frischer Luft frei. Lässt man das Chloroform durch beide Nasenöifnungen einathmen, so soll der Gesammtgehult der eingeathmeten Luft an Chloroform 31|241|2 0|o nicht übersteigen. 8) Während des Chloro-formirens muss jedes Athmungshinderniss entfernt werden (Kelil-gangsriemen, Trensen, Gurten etc.); es darf namentlich nicht am liegenden Thiere der Thorax belastet werden (durch Daraufsitzen). 4) Während der Narkose müssen Puls, Athmung und Pupille, sowie die Farbe des aus der Operationswunde abfliessend en Blutes genau überwacht werden, und zwar erstere womöglich durch einen besonderen Assistenten. Sohwäcberwerden und Unregelmässigkeit des Pulses, Verlangsamung oder plötzliches Aussetzen der Athmung, plötzliche Erweiterung der Pupille, sowie venöse dunkle Verfärbung des aus der Wunde stammenden arteriellen Blutes erfordern sofortiges Aussetzen des Chloroforms und Anwendung von Excitantien (kaltes Wasser, hautreizende Mittel, suboutane Campher-, Aether-, Hyoscin- oder Atropininjectionen, Schläge mit der flachen Hand auf die Bauebdecken, künstliche llespiration). Auch auf die Zunge ist zu achten, damit sie nicht zurückgeschlagen wird. 5) Ist eine vollkommene Narkose eingetreten, so muss mit dem Ein a thmenlassen des Chloroforms so lange ausgesetzt werden, bis das Thier wieder Spuren von Empfindlichkeit zeigt; die vollkommene Narkose ist an der Unempfindlichkeit der Cornea gegen Berührung zu erkennen. 6) Bei Operationen in der Maulhöhle vermeidet man das Chloroformiren, weil Blut in die Luftwege eindringen kann (wofern man nicht die Operation am hängenden Kopfequot; macht). 7) Es darf nur ganz reines Cbloroform verwendet werden. Man prüfe deshalb das Chloroform vor der Anwendung durch den Geruch, indem man einige Tropfen zwischen den Händen zerreibt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
126
|
Chloroform.
|
||
|
|
|||
|
Dosis. AVie beim Menschen, so beobachtet man auch bei den verschiedenen Hausthieren ganz auffallende individuelle Differenzen bezüglich der zur Herbeiführung einer Narkose nöthigen Chloroformmenge. Manche Pferde werden schon nach verhilltniss-mässig geringen Dosen innerhalb ganz kurzer Zeit betäubt, andere bedürfen sehr grosser Dosen (bis zu 250,0) und einer sehr langen Inhalationszeit (bis zu einer Stunde). Auch die Dauer der Narkose ist eine sehr verschieden lange. Es können daher nur allgemeine Mittelzahlen aufgestellt werden, und es ist in praxi dringend zu empfehlen, immer die doppelte zum Chloroformiren nötbige Chloroformmenge vorräthig zu haben. Zu einer tiefen, kurzen Chloroformnarkose sind für Pferde durchschnittlich nöthig 50 bis 100 g. In der Regel lässt man das Chloroform in reinem Zustande einathmen. Von andern wird eine Verdünnung mit Aether (1 : 15) oder eine combinirte Morphium-Chloroformnarkose empfohlen, indem man der Chloroforminhalation eine subcutane Moi^phiuminjection (0,5) vorausgehen lässt. Nicht zu empfehlen, wenn auch wirksam, sind wegen der reizenden Wirkung des Chloroforms auf Schleimhäute intra-tracheale Injectionen desselben. Auch die Chloroformirung vom Mastdarm aus mittelst Einführens von gasförmigem Chloroform in das Rectum ist nach den Erfahrungen von Hoffmann (Vortrag über allgemeine Narkose und lokale Anästhesie in der Thierheilkunde, 1888) nicht räthlich, weil das Excitationsstadium sehr stark und lange andauernd , das Depressionsstadium dagegen schwer zu erzeugen, und ausserdem das Eintreten einer Darmentzündung zu befürchten ist.
Bei der innerlichen Anwendung des Chloroforms gegen Kolik, Eklampsie, Würmer etc. gibt man:
Pferden und Rindern 2550,0.
Schafen, Ziegen und Schweinen 510,0.
Hunden 0,54,0.
Katzen 0,251,0.
Statistisches. Nach dem Vorgange der Menschenheilkunde beginnt man seit einigen Jahren auch in der Thierheilkunde eine Statistik über die Zahl der chloroformirten Thiere aufzustellen. Möller hat 126 Pferde chloroformirt; durchschnittlich waren hiezu 110 g Chloroform und 20 Minuten nothwendig; die Dauer der Narkose betrug 20 Minuten. Bei erwachsenen Pferden schwankte die Menge des verbrauchten Chloroforms zwischen 35 und 240 g. Bei 12jährigen Füllen genügten 1520 g sowie 78 minutenlanges Einathmen. Bei 28 Pferden wurde eine halbe Stunde vor dem Chloroformiren 0,5 Morphium subeutan eingespritzt; es waren hierauf durchschnittlich 94 ff Chloroform und 15 Minuten Einathmung nöthig. Bei Anwendung gleicher Theile von Chloroform und Aether waren 30 Minuten
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Chloralhydrat.
|
127
|
|||
|
|
||||
|
zur Narkotisirung erforderlich. Möller verwirft wegen dieser langen Dauer die gleichzeitige Anwendung des Aethers und räth auch von der vorhergehenden Anwendung des Morphiums ab, weil er zuweilen excitirendc Wirkungen beobachtete. Bei keinem der 126 chloroformirten Pferde sind durch die Narkose nachtheilige Folgen eingetreten (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde I, S. 483). Hirzel hat über 700 Pferde chloroformirt. Meist genügten 3050 g Chloroform, zuweilen brauchte er auch 100 g und darüber. Die Narkose trat nach durchschnittlich 6 bis 8 Minuten ein. Nachtheilige Folgen sind in keinem Falle beobachtet worden (Schweizer Archiv für Thierheilkunde 1891, S. 109). Unter 91 Chlorofornmarkosen bei Pferden, wobei durchschnittlich 60 g pro Pferd gebraucht wurden (20225 g), ist mir bisher ein Fall von tödtlicher C hlor of orm ve rgi ftung vorgekommen. Derselbe betraf ein Pferd, welches längere Zeit vor der Operation an Hitzschlag erkrankt im Stalle gestanden hatte. Der Tod trat schon nach Verbrauch von 55 g Chloroform unter den Erscheinungen von Athmungslähmung ein (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VII, S. 51).
|
||||
|
|
||||
|
Recepte. D. S.
|
1) Rp. Ohloroformii 200,0.
Zum Chlorofomriren eines Pferdes.
|
|||
|
|
||||
|
2)nbsp; Rp. Ohloroformii
Aethcris ää 150,0. M. D. S. Zum Ohloroformiren eines Pferdes.
3)nbsp; Rp. Ohloroformii 4,0.
Syrupi 40,0. M. D. S. EssUiffehvcise gegen Eklampsie einer Hündin.
4)nbsp; Rp. Ohloroformii
01. camphornt. ää 50,0. M. D. S. Aeusserlich zur Einreibung gegen Rheumatismus.
5)nbsp; Rp. Ohloroformii 4,0.
01. Ricini 50,0. M. D. S. Auf 2mal für einen Hund mit Bandwurm.
6)nbsp; Rp. Ohloroformii 10,0.
Adip. suilli 30,0. M. f. Liniment. D. S. Aeusserlich zur Einreibung bei Orcbitis.
|
||||
|
|
||||
|
Cliloraliim hydratum. Chloralhydrat.
COla
coH. H20.
Geschichtliches. Das von Liebig 1832 zuerst dargestellte Choralhydrat ist 1869 durch Liebreich in die Therapie eingeführt worden.
Pharmaceutische Chemie. Das Chloralhydrat, Chlor alum hydratum, Hydratum Chlorali, entsteht durch Aufnahme von Wasser aus dem Chloral, dem Aldehyd der Trichloressigsäure = CCl,. COH, einer ätzenden, ölartigen Flüssigkeit. Es bildet trockene
|
||||
|
|
||||
|
I
|
||||
|
|
|||
|
128
|
Chloralliydrat.
|
||
|
|
|||
|
farblose,durchsichtige, luftbestänclige Krystallevon stechen-(lomGeruche und ))itterlicliem, ätzendem Goschmacke, welche in Wasser, Weingeist und Aether leicht löslich sind und hei 58deg; C. schmelzen. Beim Erwärmen mit Natronlauge bildet sich eine trübe Lösung, indem das Chloralliydrat zu Chloroform und Ameisensäure gespalten wird; diese Lösung klärt sich unter Abscheidung von Chloroform. Das Chloralliydrat ist in gut verschlossenen und dunklen Gefässen aufzubewahren, weil es an der Luft verdunstet und im Lichte sich leicht zersetzt (Bildung von Salzsäure und Uichlor-aldehyd). A. P. 10,0 = 20 Pfennig.
Darstellung. Durch Einl oiten von Chlorgas in wasserfreien Alkohol. Es entsteht hiebei zuerst aus dem Weingeiste = (njj'oH/
Trichloralkoholat = (ohOh) l;m(i daraus Chloral = (cOh) ' we^ies
(
CGInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; \
COH H o) llluwandelt.
Wirkung. 1) Die Wirkung des Chloralhydrats auf das Gehirn ist eine hypnotische: es bedingt in Folge directer Einwirkung auf die Gehirnganglienzellen Schlaf. Gi'össere Dosen bewirken auch ein Erlöschen der Reflexe und der Sensibilität; Blutdruck und Herzthätig-keit sind dabei vermindert; auch die Temperatur sinkt. Giftige Dosen tödten durch Lähmung des Herzens und des Athmungscentrums. Das beim Chloroform gewöhnlich vorhandene Erregungsstadium fehlt beim Chloralliydrat gewöhnlich; nur bei Hunden ist es zuweilen zu beobachten.
2)nbsp; Das Chloralliydrat besitzt wie das Chloroform fäulniss- und gährungswidrige Wirkung.
3)nbsp; Das Ghloralhydrat wirkt in Substanz und in concentrirten Lösungen auf Haut, Wundon und Schleimhäute ätzend und kann bei innerlicher Verabreichung Erbrechen und Durchfall (Gastroenteritis) , bei rectaler Application Proctitis erzeugen. Aus diesem Grunde muss es entweder stark verdünnt oder mit schleimigen Mitteln zusammen gegeben werden. Bei intravenöser Injection entsteht leicht Thrombosirung der Jugularis.
Die Schicksale des Chloralhydrats im Körper sind nicht genauer gekannt. Im Harne erscheint dasselbe zum Theil als Urochloral-säure wieder. Die von Liebreich angenommene Zersetzung des Chloralhydrats im Blute zu Chloroform und Ameisensäure ist fraglich.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Chloralhydrat.
|
129
|
|||
|
|
||||
|
|
Die Wirkung des Chloralhydrats bei den einzelnen Hausthieren. 1) Pferde /.eigen nach Verabreichung von 100150 g Chloralhydrat per os oder per clysma, sowie nach einer intravenösen Injection von 2540 g einen rauschartigen Zustand, Schwanken und Taumeln, fallen schliesslich um und liegen mehrere Stunden unter allgemeiner Muskelerschlaffung und stark verminderter Sensibilität in einem tiefen Schlafe, aus dem sie allmählich ohne anderweitige Nachtheilo wieder erwachen. Sie können in diesem Chloralschlafo durch fortgesetzte Anwendung kleinerer Gaben Tage und Wochen erhalten werden. Nocard hielt z. B. ein an Starrkrampf erkranktes Pferd 30 Tage lang im Chloralschlummer, indem er demselben durch Klystiero täglich 6075 g Chloralhydrat beibrachte. Die tödtliche Dosis des Chloralhydrats beträgt bei Pferden 150200 g bei innerlicher oder rectaler Anwendung, 5075 g bei intravenöser. Neuere Versuche von Negotin ergaben Folgendes; Bei rectaler Application (1 : 1220) erzeugten Dosen von 0,5 g Chloralhydrat pro Kilo Körpergewicht schwankenden Gang, Zusammenstürzen der Thiere nach '^'/a Stunde, sowie die Erscheinungen der Proctitis. 0,6 g pro Kilo Körpergewicht hatten 4- bis östündigen Schlaf sowie noch 12 Stunden Anästhesie zur Folge. Bei der Section erschien die Mastdarmschleimhaut dunkelroth, ödematös goschwollen, blutunterlaufen und stollenweise desquamirt; die abgestossene Epithelschicht bildete einen membranartigen Ueberzug über die Kothballen. Die Submucosa enthielt eine gelatinös sulzige, orangegelbe Flüssigkeit. Bei intravenöser Injection (1 ; 2) trat sehr rasch, zuweilen noch während der Injection, Zusammenstürzen, Anästhesie und 2stündiger Schlaf ein. Die Dosis betrug 90120 g. Bei der Section war ausgebreitete Thrombose der Jugularis, sowie in zwei Fällen heftige Phlebitis nachzuweisen. (Monatshefte f. prakt. Thierheilk. VI. Bd.)
2)nbsp; nbsp;Bei Rindern beobachtete ich nach Klystieren von 25, 40 und 50 g Chloralhydrat keinerlei Wirkung. Per os hatten 25, 35 und 40 g Schwanken in der Hinterhand nach etwa einer Viertelstunde, 50 und 75 g Schwanken im Kreuz nach 10 Minuten und Zusammenstürzen nach 20 Minuten zur Folge. Erst bei diesen letzteren Dosen trat gleichzeitig auch Bewusstlosigkeit und Un empf in dlichkeit auf, welche ca. 3 Stunden dauerten und an das Bild des Kalbefiebers erinnerten.
3)nbsp; nbsp;Hunde werden durch narkotische Chloraldosen (25 g bei kleinen, 510 bei grossen) häufig stark aufgeregt, rennen im Zimmer hin und her und sind gegen Berührung sehr empfindlich. Auf dieses Excitationsstadium folgt Schwankon und Taumeln, Umfallen, zunehmende Theilnahinslosigkeit gegen die Umgebung, Betäubung und Schlaf mit starker Unempfindlichkeit, welcher mehrere Stunden andauert. Während desselben sinkt die Temperatur, wie ich in einem Falle beobachten konnte, bis um 2 Grade. Die tödtliche Chloraldosis für Hunde beträgt 1025 g. Negotin fand bei seinen Versuchen Folgendes. Bei der innerlichen Verabreichung des Chloralhydrats (1 : 47) wurden die Thiere zunächst zum Theil traurig, betäubt, schwankten, fielen zu Boden, theils wurden sie unruhig und aufgeregt und winselten kläglich. Zuweilen gesellte sich hiezu bald Durchfall. Nach 0,25 g Chloralhydrat pro Kilo Körpergewicht trat innerhalb 40 Minuten sodann ein leichter, kurzdauernder Schlaf ein. Nach Dosen von 0,40,5 pro Kilo Körpergewicht trat ein 11'^ stündiger Schlaf nach durchschnittlich 20 Minuten ein; nach dem Erwachen beobachtete man starkes Zittern, der Appetit und das allgemeine Wohlbefinden kehrten jedoch bald wieder zurück. Bei Dosen von 0,50,!) pro Kilo Körpergewicht trat nach 18 Minuten Schlaf und hierauf nach einigen Minuten völlige Empfindungslosigkeit ein, welche
Fröhncr, Arzuoimittellclire. 4. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; y
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
130
|
Chloralhydrat.
|
||
|
|
|||
|
25 Stunden anhielt; wilhrend der Narkose und nach dem Erwachen litteraquo; die Hunde an Durchfall. 1,01,6 pro Kilo Körpergewicht erzeugten Speichelfluss, Erbrechen, Durchfall, sowie nach 10 Minuten langer Narkose Tod in Folge von Herz- und Athmungslilhmung.
4) Für Katzen beträgt nach Müller die niederste rectale Dosis 3 g.
Anwendung. 1) Als Hypnoticum und Scdativum in allen Zuständen der Unruhe und Aufregung im Verlaufe von Geliirn-krankheiten (Grehirnliyporämie, Gelnrnentzündung, Hundestaupe etc.) oder schmerzhaften Leiden. Das Chloralhydrat ist auch als Sedativum für widerspenstige Pferde vor dem Beschläge oder vor dem Abwerfen zu empfehlen. In einem derartigen Falle sah Pröger bei einem Pferde auf (50 g Chloralhydrat nach 5 Minuten bereits Scliwanken, Niedersinken, Bewusst- und Gefühllosigkeit eintreten; welche während des 20 Minuten dauernden Beschlags und ausserdem noch weitere 20 Minuten anhielt. Zur Herbeiführung einer Narkose-bei Operationen wird Chloralhydrat für sich allein nicht, sondern nur in Verbindung mit Morphium angewandt.
2)nbsp; nbsp;Bei Starrkrampf, Eklampsie, Staupekrämpfen, starkem Drängen bei Uterus- und Mastdarmvorfall, sowie zur Verhinderung des Wiedervorfallens nach der Reposition.
3)nbsp; Als Hauptgegengift des Strychnintetanus. Versucbs-thiere ertragen beispielsweise die (ifache tödtlicbe Strychnindosis, wenn verlier grosse Gaben Chloralhydrat verabreicht werden.
4)nbsp;Gegen Stiersucht, Satyriasis, Keuchhusten, Erbrechen (1 : 100 in schleimiger Lösung) und andere Erregungszustände.
5)nbsp; Seltener äusserlich als Antisepticum in der Wundbehandlung (1 : 100). Contraindicirt ist die stomachicale Anwendung des Mittels bei Ulcerationen und entzündlichen Zuständen der Magen-und Darmschleimhaut; man kann es in diesem Falle nur per clysma anwenden. Es empfiehlt sich jedoch, auch bei normalem Digestionsapparat das Chloralhydrat immer mit viel Schleim und Flüssigkeit zusammen zu verabreichen. Subcutan darf C'hloralliydrat wegen der ätzenden Wirkung niemals angewandt werden. Auch bei der rectalen und intravenösen Application sind wegen der reizenden bezw, Thrombose erzeugenden Wirkung sehr starke Verdünnungen nothwendig.
Dosis. Als Sedativum
für Pferd und Bind 2550,0. ., kleine Hunde 0,52,0. grosso Hunde 25,0.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Cliloralhyili'iit.
|
131
|
||
|
|
|||
|
für Schafe, Ziegen und Schweine 5 10,0. Katzen und Geflügel 0,252,0. Diese Dosen, welche tiiglich mehrmals nach Bedarf wiederholt werden können, gelten sowohl für die Anwendung per os als per clysma; die Wirkung dabei ist jedoch keine so tief narkotische, dass sie sich zur Vornahme von Operationen eignen könnte, sondern nur eine beruhigende (sedative). Zur Erzeugung einer tieferen Narkose resp. Hypnose sind die doppelten und dreifachen Dosen noting. Pro Kilogramm Körpergewicht berechnet, beträgt die Schlafdosis für Pferde (rectal) und Hunde (innerlich) durchschnittlich 0,5 g (Negotin). Zum Zwecke der Narkose wird aber das Chloral allein seltener angewandt (Pferde 100 150,0, Hunde 510,0). Die Narkose hält nämlich viel zu lange an, indem Pferde erst mehrere Stunden nach der Operation sich zu erheben im Stande sind, was ein sehr langes Verbleiben des Thierarztes bei dem betreffenden Patienten nothwendig macht (Sand). Eher verbindet man eine mittelgrossc Chloraldose (Pferde und Rinder 5075,0, Hunde 36,0) mit einer mittleren Morphiumdosis (Pferde 0,5, Hunde 0,05).
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp, Ohlorali hydrati 100,0.
I). S. Täglich 2mal den 4. Theil in 1 1 Wasser (odor Leinsamen-abkocliung) gelöst in den Mastdarm zu infimdiren für ein Pferd mit Starrkrampf,
2)nbsp; Rp. Chlorali hydrati 10,0,
Grunimi arabici 20,0. Aqu, comnuin. 250,0. M. D. S, Innerhalb 1 Stunde auf 2mal zu geben als Klystior für einen grossen Hund mit Stryclininvcrgiftung.
3)nbsp; Rp, Chlorali hydrati 25,0.
D. tal. Dos. Nr. II, S. Auf 2inal innerhalb 6 Stunden in '/' 1 Leinsamenabkoohung gelöst einzusehiitten für eine Kuh mit starkem Drängen auf den Uterus,
4)nbsp; Rp. Chlorali hydrati 5,0,
Gummi arabici Syrup. Oort. Aurant, ää 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. D. S, Stttndlioh 1 Esslüffel für einen Hund mit starker Aufregung (nächtlichem Heulen).
5)nbsp; Rp. Chlorali hydrati 5,0,
Macerat, Sem, Lini 5,0 I 100,0, M, D, S. Als Klystier für ein Schwein mit Gehirnkrämpfen.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
132
|
(Jhlürali'onuamid. Spiritus.
|
||
|
|
|||
|
Chloralum formamidatum. Das Chloralformamid, welches wohl auch abgekürzt als Chloral amid bezeichnet wird, ist eine Verbindung von Chloral, CCljCHO, und Form a mid, OHONHj, welche in Deutschland officinell ist. Es bildet weisse, glänzende, geruchlose Krystalle von schwach bitterem Geschmacke, welche langsam in kaltem Wasser (1:9) löslich sind und bei 1150 schmelzen. Beim Erwärmen mit Natronlauge geben die Krystalle eine trübe, unter Abscheidung von Chloroform sich klärende Lösung. Das Chloralformamid ist als Ersatzmittel des Chloral-hydrats empfohlen worden. Das Mittel wirkt im Wesentlichen durch seinen Chloralcomponenton, welcher im Blute abgespalten wird. Neben seiner milderen Schlafwirkung soll es noch den Vorzug haben, dass es den Digestionsapparat sowie den Circulationsapparat intact lässt. Neuere Untersuchungen von Langgaard haben übrigens nachgewiesen, dass der Blutdruck wesentlich alterirt wird. Die Dosis des Chloralformamids beträgt das l'/afache des Chloralhydrats. Ich habe das Mittel mehrfach mit Erfolg in der Hundepraxis bei verschiedenen Krampf- und Erregungs-zuständen, namentlich bei der Staupe, in wiederholten Dosen von 13,0 angewandt. Aehnliche neuere Chloralverbindungen sind: Hypnal, eine Verbindung von Chloral und An tipy rin , Chloralose, eine Verbindung von Chloral und Glykose, Uralium, eine Verbindung von Chloral mit Urethan.
|
|||
|
|
|||
|
Spiritus. Weingeist.
C2H5. OH.
Geschichtliches. Der Name Alkohol stammt aus dem Arabischen (Kohol' = fein; pulvls alkoholisatus = feines Pulver; Alkohol vini = der feine, verdunstende Bestandtheil des Weines). Der Alkohol ist zuerst im 8. Jahrhundert als Product der Weindestillation erkannt (Marcus Graecus) und als Aqua vitae bezeichnet worden (Geber). Unter diesem Namen wurde er lange Zeit hindurch als Geheimmittel zur Verlängerung des Lebens empfohlen. Um das Jahr 1400 wurde er zum ersten Mal fast wasserfrei durch Behandlung mit Pottasche dargestellt (Basilius Valentinus). Völlig wasserfrei wurde er indessen erst im Jahre 1796 hergestellt (Lowitsch und Richter). 1790 entdeckte Lavoisier seine Zusammensetzung aus C. 11 und 0. 1830 hat Seh wann den Hefepilz entdeckt. Neuerdings ist es auch gelungen, den Weingeist synthetisch aus Kohlenstoff und Wasserstoff durch Vermittlung des elektrischen Stromes, Hydratation und Behandlung durch Schwefelsäure herzustellen {C^H-y, C.,Hi; CjHj.GH).
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Der Weingeist bildet sich neben Kohlensäure und geringen Mengen von Glycerin und Bernsteinsäure bei der Einwirkung des Hefepilzes auf Kohlenhydrate-, er wird gewöhnlich dargestellt durch Destillation der gegohrenen Kartoffehuaische. Der chemische Vorgang hiebe! bestellt darin, dass der Zucker zu Alkohol und Kohlensäure zerfällt, nach der Formel: 06H1jOe = 2 (OgHg . OH) 2 C02. In völlig wasserfreiem Zustande (100 n/o ig er Alkohol) hat er ein specitisches Grewicht von 0,705 bei 15quot;. Der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Spiritus.
|
133
|
||
|
|
|||
|
im Handel vorkommende Spiritus vini absolutus ist 990/oig und hat ein specifisclies Grewicht von 0,8. Der officinolle AVeingeist (Spiritus, Spiritus Vini, Spiritus Vini rectificatissimus, höclist recti-ficirter Weingeist) ist 910/oig, hat ein specifisclies Gewicht von 0,8300,834 und siedet bei 79 0. Der ebenfalls ofticinclle verdünnte Weingeist (Spiritus dilutus, Spiritus Vini rectificatus, roctificirter Weingeist) ist 880/oig, vom speeifischen Grewicht 0,89 und stellt eine Miscliung von 7 Theilen Weingeist und 3 Theilen Wasser dar. Der Cognac endlich, officinell als Spiritus e vino (Spiritus Vini Cognac, Spiritus Vini gallici, Franzbranntwein, Weinbranntwein), stellt einen etwa 600/oigen Alkohol dar, welcher durch Destillation des Weines gewonnen wird.
Von weingeisthaltigen Flüssigkeiten ist vor Allem der Wein (officinell) mit einem Gehalte von 810 Volumprocent Alkohol (die süssen südlichen Weine enthalten 14200/o), sowie das Bier (350/o) ZU erwähnen. Die verschiedenen Branntweine enthalten 4050 0/o Alkohol neben Fuselöl (Propyl-, Butyl- und Amylalkohol), Aldehyd, Metaldehyd und Paraldehyd. Früher war ein 480/oiger Branntwein (Spiritus Frumenti) officinell, welcher aus 10 Theilen Spiritus und 14 Theilen Wasser hergestellt wurde. Als alkoholhaltige Getränke für den Menschen sind ferner zu erwähnen der Kumys, ein aus der Milch kirgisischer Steppenstuten durch Gährung des Milchzuckers gewonnenes Getränke (Diäteticum namentlich bei Schwindsucht), sowie der Kofyr, ein aus Kuhmilch dargestelltes Getränke, welches aus Kuhmilch durch die fermentartig wirkenden Kefyrkörner dargestellt wird. Die gummiähnlichen Körner enthalten ein Ferment resp. einen Bacillus (Dispora caucasica). Der denaturirte Spiritus ist mit Pyridin versetzt.
Das Arzneibuch charakterisirt den Weingeist als eine farblose, klare, flüchtige, leicht entzündliche, mit wenig leuchtender Flamme brennende, neutrale Flüssigkeit von eigenartigem Gerüche und brennendem Geschmacke, welche sich mit Wasser in allen Verhältnissen ohne Trübung mischen muss. Der Siedepunkt des Alkohols liegt bei 79quot; C, das speeifische Gewicht beträgt 0,83. Eine Losung von Kaliumdichromat in Schwefelsäure wird durch Alkohol entfärbt; mit Jod und Natronlauge bildet Alkohol Krystalle von Jodoform (Identitätsreaction). A. P. 100,0 = 25 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Der Alkohol erregt in kleinen Dosen das Gehirn und die Herzthätigkeit; die sensoriellen Functionen werden
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
134
|
Spiritus.
|
||
|
|
|||
|
lebhafter, Pulsfrequenz und Temperatur steigen, desgleichen der Blutdruck. Auch die Magonsocretion wird durch kleine Gaben Alkobol angeregt, die Entleerung des Magens wird beschleunigt. In Folge Reizung der vasodilatatorischon Nerven sind die Gefässe erweitert. Auch die secretorische Tbätigkeit der Nieren (Diurese) und der Geschlechtsdrüsen (Geschlecbtstrieb) sowie die Athem-grösse werden vermehrt.
2)nbsp; Ocfters wiederholte kleine Dosen wirken als Sparmittel für das Körpereiweiss, das Körperfett und die Kohlehydrate und bedingen Fettansatz und Vermehrung des Körpergewichts. Der Alkobol wird nämlich im Blute zu Kohlensäure und Wasser verbrannt und schützt so die übrigen wärmelaquo; erzeugenden Stoffe vor Zersetzung: 08H(lO-(-6O==2C!Oj,-|-3H!1O. Dabei wird jedoch die Oxydation bezw. der Stoffwechsel im Körper nicht gesteigert, sondern eher vermindert, desgleichen die Temperatur.
3)nbsp; Grosse Gaben berauschen und betäuben das Gehirn (Alkoholnarkose) in Folge einer directen Einwirkung auf die Gehirn-ganglienzellen, nachdem eine starke Erregung vorausgegangen ist. Hiebei ist die Empfindung abgestumpft, die Kellexthätigkeit vermindert und dasBewusstsein vollkommen erloschen. Gleichzeitig sinkt die Körpertemperatur um mehrere Grade inFolge einer Lähmung des Wärmecentrums bezw. einer gesteigerten Verdunstung und Abkühlung an der Körperoberiläche sowie einer Ver mind erung des Stoff wechse 1 s. Man findet nämlich während der Alkoholnarkose die Ausscheidung der Kohlensäure, des Harnstoffs, der Harnsäure, Phosphorsäure und Schwefelsäure vermindert. Die M a g o n v e rdau u n g wird durch grössere Mengen Alkohol gestört und die Secretion der Pankreasdrüse unterdrückt. In diesen grossen Gaben circulirt der Alkohol unzersetzt zu 0.1O,?0/1' im Blute und in den Geweben, wo er wahrscheinlich durch seine Anwesenheit die Zellthätigkeit herabsetzt. Fortgesetzte grössere Gaben führen daher zu Sclerose der Leber in Folge Beizung des Bindegewebes (Säuferleber beim Menschen); der Stoffwechsel ist hiebei sehr stark gesteigert. Ob sich auch bei Thieren chronische Lebercirrhose durch Alkohol experimentell erzeugen lässt, ist fraglich.
^1) Giftige Gaben wirken tödtlich durch Lähmung des Gehirns. Dabei wird zuerst das Grosshirn, dann das Kleinhirn und verlängerte Mark und zuletzt das A thmungscentrum . gelähmt. Der Herzschlag wird langsamer und schwächer, der Blutdruck stark
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Spiritus.
|
135
|
|||
|
|
||||
|
herabgesetzt, und auch die Innentemperatur sinkt dabei immer mehr, selbst bis auf 25deg; C. und darunter.
5) Im Fiel)er setzt der Alkohol die Temperatur in grosson Dosen noch stärker herab als bei gesunden Tbieren. Die antipyre-tische Wirkung ist das Resultat zunächst der StollVechselverminderung und der vermehrten Wärmeabgabe auf der Haut; wahrscheinlich werden aber auch die iiebercrregenden Stoffe direct durch den Alkohol bekämpft. Dazu kommt, dass Alkohol ein starkes Erregungsmittel für die während des Fiebers gesunkene Herztliätigkeit ist, was einer Regulirung der gestörten Blutvertheilung gleichkommt. Endlich nützt der Alkohol im Fieber als Sparmittel.
(i) Der Alkohol ist ferner ein starkes fäulniss- und gährungs-widriges Mittel (vergl. die Weingeistpräparate); dabei ist nicht etwa die wasserentziehende Kraft des AVeingeistes die Ursache der anti-soptischen Wirkung, es wirkt vielmehr der Alkohol auch in starker wässeriger Verdünnung fäulnisswidrig. Ein mit Jauche inficirtes Thier wird bei gleichzeitiger Anwendung von Alkohol unter starker Temperaturherabsetzung gerettet, während das Controlthier, das nicht mit Alkohol behandelt wird, zu Grunde geht (Binz).
7)nbsp; Aeusserlich auf der Haut wirkt der Alkohol durch Verdunstung kälteerzeugend, auf Schleimhäuten und auf Wunden, sowie in Gewebe injicirt, durch Wasserentziebung und Eiweissfällung stark reizend und adstringirend. Bei concentrirter innerlicher Anwendung entsteht sogar Gastroenteritis.
8)nbsp; nbsp;Die Aufnahme des Alkohols erfolgt von verschiedenen Körperstellen aus, am leichtesten vom leeren Magen. Die Ausscheidung des nicht oxydirten Alkohols erfolgt in erster Linie durch Nieren und Lunge, weniger durch die Haut. Bezüglich der Ausscheidung des Alkohols durch die Milch ist festgestellt, dass bei mittleren Dosen Alkohol in die Milch (Ziegen) nicht übergeht, und dass auch bei sehr grossen Alkoholmengen nur ein verschwindend
|
||||
|
|
||||
|
kleiner Bruchtheil, höchstens wird (Klingemann).
|
'0,
|
durch die Milch ausgeschieden
|
||
|
|
||||
|
Alkoholnarkose bei den einzelnen Hausthieren. Ihre Intensität hangt aussei- von der Menge wesentlich auch von der Concentration des verabreiciiton Alkohols sowie davon ab, ob die Thiere fieberhaft erkrankt sind oder nicht. Sehr concentrirter Alkohol ist viel giftiger als 'ein verdünnter Weingeist in Quantitiiten, welche bezüglich des Alkoholgehaltes ersterem gleichkommen. Der con centrir t e Alkohol wirkt nämlich aussei- als Narcoticum auch noch ontzündungserregend auf die Schleimhaut des Marens und Darmes ein. Von ver-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
130
|
Spiritus.
|
||
|
|
|||
|
dünntera Alkohol wird, wenn man denselben auf eoncentrirten Alkohol berechnet, von fieberlosen Thieren das Doppelte der tüdtlichen Dosis des eoncentrirten Alkohols ortragen, lieberhaft erkrankte ertragen das 4- und öfache.
1)nbsp; nbsp;Gesunde Pferde werden nach 250,0 absolutem (990/oigein) unverdünntem Alkohol sehr unruhig und aufgeregt, steigen in die Höhe, fallen nach 2 Minuten nieder, schlagen heftig mit den Püssen und mit dem Kopfe, verdrehen die Augen, werden unempfindlich und bewusstlos und verenden nach 10 Minuten. 120180,0 absoluter Alkohol bedingen ähnliche Zufalle, die Thiere bleiben jedoch am Leben (Hertwig). Nach intravenöser Einspritzung von 3000 g absolutem Alkohol sterben Pferde schon nach 13 Minuten. Dagegen ertragen gesunde Pferde von dem Spiritus dilutus (ÖS'/oiger Alkohol) einmalige Dosen bis zu 500 g und mehr, ohne zu sterben, indem sie nur nach vorausgegangener Erregung berauscht und betäubt werden. Fiebernde Pferde ertragen, ohne berauscht zu werden, 1l'/a 1 absoluten Alkohol pro Tag in verdünntem Zustande.
2)nbsp; Hunde sterben nach 30GO g absolutem Alkohol, wenn derselbe in unverdünntein Zustande eingegeben wird, nachdem starke Aufregung, Erbrechen, Taumeln und Betäubung vorausgegangen sind; bei der Section, findet man die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis. Dieselbe Dosis tödtet Hunde bei subeutaner Application. Dagegen ertragen fiebernde Hunde leicht 100-200 g absoluten Alkohol, wenn derselbe mit viel Wasser eingegeben wird.
8) Rinder erkranken namentlich nach dem Genüsse alkoholhaltiger Schlempe oder Maische an Alkoholvergiftung. Sie zeigen dabei zuerst allgemeine Aufregung und Unruhe, aufgeregten Geschlechtstrieb, selbst tobsüchtige und wuthähnlicbe Erscheinungen, hochgerüthete Kopfschleimhäute, pochenden Herzschlag; daraufhin Schwanken, Taumeln, allgemeine Körperschwäche, Bewusstlosigkeit und Betäubung, schliesslich Collaps und Atbmungs-lähmung. Yerdünnten Alkohol ertragen Kinder bis zu 400 g.
4) Schweine verfallen während der Alkoholnarkose häufig in epilepti-forme Krämpfe , ausserdem zeigen sie Erbrechen und Durchfall, Schwäche und Muskelzittern und zuletzt allgemeine Lähmung und Betäubung.
6) Ziegen und Schafe können sich an verdünnten Alkohol allmählich so gewöhnen, dass sie bis zu 180 und 300 g Branntwein ertragen (Hertwig).
6) Katzen sterben nach 25 g absolutem unverdünntem Alhohol unter denselben Erscheinungen wie Hunde.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Der Weingeist ist in kleineren Dosen ein Bxoitans für cille Scliwächezustäiide des Herzens, des Nervensystems und der Verdauung. Er eignet sich namentlich als belebendes Mittel bei allen mit Depression und Verfall der Kräfte verlaufenden Infectionskrankheiten, bei Collaps, Ohnmacht, Inanitionszu-ständen, bei allen narkotischen Vergiftungen, nach Schlangenbissen, nach starken Blutverlusten, schweren Operationen, lang andauernden Geburten, bei drohender Gehirn- und Herzlähmimg. Häufig benützt man hieboi die subeutane Application wegen der raschen und intensiven Wirkung.
2) Er ist ferner ein Stomachicum, d.h. ein gutes Reizmittel für die sogenannte atonische Vcrdauungsschwäche im Verlaufe
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Spiritus!
|
137
|
||
|
|
|||
|
chronischer Magenkatarrhe, bei Pflanzenfressern (Rind) sowohl, als beim Fleischfresser (Hund), und zwar dadurch, dass er in kleinen Dosen die Magensecretion anregt, die Verdauungsdauer verkürzt und die Magenentleerung befördert.
8) Der Alkohol ist bei vielen fieberhaften Krankheiten ein werth-volles Antipyreticum, namentlich aber ist er ein sehr wirksames Fiebermittel bei dem septikilmiseben und pyamisehen Fieber. Er ist hier fast ebenso ein Specificum, wie die Salicylsäure gegen das Fieber des acuten Gelenkrheumatismus. Man gibt ihn zur Herabsetzung der Körpertemperatur immer in grösseren Dosen, da bei kleineren auf die Verabreichung des Alkohols gewöhnlich zunächst eine Temperatursteigerung auftritt, welche selbst über 2deg; C. betragen kann. Gleichzeitig ist er ein Analepticnm (Wirkung auf Gehirn und Herz) und .Sparmittel (Herabsetzung des Stoffwechsels).
1) Als Narcoticum wird der Weingeist seltener und eigentlich nur in der Geburtshilfe bei abnormem Drängen angewandt.
5)nbsp; Als Aphrodisiacum kann er in kleineren Dosen gegen verminderten Geschlechtstrieb versucht werden.
6)nbsp; Als Roborans und Diäteticum dient er namentlich in der Reconvalescenz nach schweren Krankheiten, bei kacbektischen und phthisischen Zuständen. Sein Xilhrwerth ist hauptsächlich ein respi-ratorischer.
7)nbsp; Aeusscrlich wird Alkohol allein oder in Verbindung mit anderen Medikamenten zur Aus t r o c k n u n g und D e s in f e c t i o n eiteriger Gesclnvüre, zur Anregung schlaffer Granulationen, gegen Otorrhöe (als Specificum), zur Einspritzung in Fistelkanäle, zur parenehymatösen Injection in Neubildungen, zur subeutanen Injection in die Umgebung von Hernion, zur Einspritzung in Varicen und Aneurysmen, Hydrocelcn, sowie zu zertheilenden Einreibungen gegen chronische Entzündungen der Haut, Unterhaut, Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenke und Muskeln (Muskelrheumatismus), Quetschungen, Oedeme etc. angewandt (Bestandtheil der sogenannten Restitutionsfluide).
8)nbsp; nbsp;Endlich dient der Alkohol zur Darstellung der verschiedensten pharmaceutischen Präparate (Tincturen, Extracte und Lösungen), sowie als C o n s e r v i r u n g s m i 11 e 1 für anatomische Präparate.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis und Form. Man gibt den Alkohol, sei es als Spiritus rectificatissimns, rectificatus oder als Branntwein, innerlich immer
|
|||
|
|
|||
|
|
||||||
|
138
|
Spiritus.
|
|||||
|
|
||||||
|
mit viel Wasser verdünnt oder in der Form des Weines resp. Ei er es. Die Dosis des Weines, den icli in zahlreichen Fällen beim Pferde als vorzügliches Fiebermittel benutzt habe, beträgt etwa das lOfache, die des Bieres das 20SOfaohe des reinen Alkohols. Sehr häufig benützt man, insbesondere beim Rind, das sogenannte Warmbier. Als Excitans kann man den Weingeist auch subcutan in Form des Spiritus dilutus anwenden. Die Dosis des Alkohols ist je nach der beabsichtigten Wirkung eine sehr verschiedene. Man gibt ihn zunächst als anregendos Mittel in Schwächezuständen in kleinen einmaligen Dosen, desgleichen als Stomachicum. Als Fiebermittel muss der Alkohol dagegen in viel grösseren Dosen gegeben werden, weil nur diese die Temperatur gleich von vornherein herabsetzen.
Die Dosen für den Alkohol sind hienach wie folgt festzustellen:
I.nbsp; nbsp;Als Excitans gibt man einmalige Dosen von
|
||||||
|
|
||||||
|
Spiritusnbsp; nbsp; Spirit, dilutus B
für Pferde und Rinder 2550.0nbsp; nbsp;50100,0. 5
Schafe und Ziegen 1020,0nbsp; nbsp; 20 50,0 2
Schweine . . . 5-10,0nbsp; nbsp; 10- 25,0 2
Hunde .... 2 5,0nbsp; nbsp; nbsp;5 10.0
Katzen u.Geflügel 1- 2,0nbsp; nbsp; nbsp;2 5,0
|
Wein
Vraquo;l 1.
1/11. v, i.
5 15,0 esslöffelweise, 2 5,0 tlieelflffelweise,
|
|||||
|
|
||||||
|
II.nbsp; nbsp;Zur Herabsetzung des Fiebers gibt man 2stündlich
Spiritusnbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Spirit, dilutus Branntweinnbsp; nbsp; nbsp;Wein
fürPfordeu. Rinder 100-200,0nbsp; nbsp;200400,0 300500,0nbsp; nbsp;12 1. Schafe, Ziegen
und Schweine 25-100,0nbsp; nbsp; nbsp;50-200,0 100-300,0nbsp; nbsp;V*gt; 1.
|
||||||
|
|
||||||
|
Hunde
|
25
|
50,0
|
50100,0
5 10,0
|
50150,0 V* 1.
|
||
|
Katzen . . . 2 5,0
|
5 15,0 essWffelwelse.
|
|||||
|
|
||||||
|
III. Als Narcoticum sind (durchschnittlich) zu verabreichen
Branntwein fieberfreien Pferden und Rindern 5001000,0.
Casuistik. Nach den Untersuchungen von Grebo (Archiv für Thier-heilk. 1882) erhöht der Alkohol bei fiebernden Thieron die Temperatur um 2 und mehr Grade, wenn or nicht in sehr bedeutender Menge gegeben wird. So stieg beispielsweise bei einem Pferde mit hochgradigem Fieber, trotzdem dasselbe 2stündlicli die Dosis von 40 g absolutem Alkohol mit Wasser erhielt, die Temperatur nach dor jedesmaligen Verabreichung dos Alkohols um 0,52,5quot;. Dieselbe Beobachtung wurde bei einem anderen fiebernden Pferde gemacht, das Sstündlioh je 90 g absoluten Alkohol, innerhalb 24 Stunden also 720 g absoluten Alkohol erhalten hatte. Erst die Üstündlicbe Verabreichung von je 200 g absolutem Alkohol (800 g absolutem Alkohol in 12 Stunden, lOOO g in 24 Stunden) setzte bei einem weiteren fieberhaft erkrankten
|
||||||
|
|
||||||
|
|
|||
|
Aother.
|
139
|
||
|
|
|||
|
Pferde die Temperatur sofort und anhaltend herab und zwar um 3,4 0 innerhalb 24 Stunden. Von einer toxischen Wirkung war trotz dieser hohen Dosen niemals etwas zu bemerken, es Hess sich nicht einmal eine Einwirkung auf das Sensorium constatiren. Hieboi scheinen indessen individuelle Verschiedenheiten vorzukommen; Friedberger hat nämlich (Münchener Jahresbericht 1882/83) nach grossen Dosen Alkohol sehr unangenehme und gefährliche Nebenwirkungen bei einem Pferde beobachtet. Auch Hunde bedürfen im Fieber grosser Dosen; nach Grebe sank bei einem septisch erkrankten Pudel die Temperatur nach 50 g absolutem Alkohol innerhalb 1 Stunde um 1quot;, nach 100 g um 1,6 0. Bei einem Jagdhund erzeugten 160g absoluter Alkohol, auf einmal gegeben, innerhalb 8 Stunden einen Temperaturabfall von 1,8quot;; toxische Erscheinungen wurden auch hier nicht beobachtet.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Spiritus diluti 500,0.
I). S. Auf 2inal mit je '/s 1 Kamillenthee einzusohütten für ein Rind mit fieberhafter Metritis,
2)nbsp; Rp. Spiritus 300,0.
Oreolini angliei 3,0. M. D. S. Ohrenflüssigkeit für einen Hund mit Otorrhöe.
8) Rp. Spiritus 800,0.
01. Terebinth. 10,0. M. D. S. Aeusserlioh für ein Pferd mit Rheumatismus.
4)nbsp; Rp. Spiritus Fmmonti 250,0.
D. S. Ins Trinkwasser für ein Pferd mit Brustseuohe,
5)nbsp; Rp. Vini rubri 150,0.
Liquor. Ammnii. auisat. 5,0. M. D. Esslöffelweise für einen H u n d mit Staupe.
6)nbsp; Rp. Spiritus diluti 10,0.
Hyoscin. hydrojod. 0,02. M. D, S. Zu subeutanen Injcctiouou (auf 2mal) für einen Hund mit Horzscliwiiclio (Oollaps).
|
|||
|
|
|||
|
Aetlier. Aether.
C2H5gt;a
Geschichtliches. Der Aether ist im Jahr 1515 von Valerius Oordus, Lehrer der Pharmakologie an der Universität Wittenberg, entdockt worden, als derselbe Weingeist und Schwefelsäure erhitzte (Oleum Vitrioli dulce verum). Paid darauf ist seine narkotisirende Wirkung durch Versuche an Gänsen festgestellt worden (Paracelsus). Der Name Schwefel-iither stammt aus dem Jahre 1731 (Stahl in Berlin). Als Narooticum beim Menschen ist er zuerst 1842 (Long in Athen), und sodann 184G (Morton, Warren in Amerika) angewandt worden.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||
|
140
|
Aether.
|
||||||
|
|
|||||||
|
Pharmaceutische Chemie. Der Aether (Sohwefeläthe r,
Aether sulfuricus) entsteht bei der Destillation von AVeingeist und Schwefelsäure. Es bildet sich hiebei zuerst Aotherschwefel-siiure und aus dieser dann der reine Aether in folgender Weise:
|
|||||||
|
|
|||||||
|
an,. OH SO,H2 =
AVeingeist Schwcfelsäuro
|
0i,HsHSO4 H20
|
||||||
|
Aether-
|
AVasser
|
||||||
|
schwofelsäurc
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
4- so.h,
Sclnvcfelsiiuro.
|
||||||
|
11.
|
C8H6HS04 C2H5. OH
|
C.H,
|
gt;o
|
||||
|
c;h:
Aether
|
|||||||
|
Aether-
schwefelsaure
|
AVeinffoist
|
||||||
|
|
|||||||
|
Der Aether bildet eine klare, farblose, leichte, eigenthüm-lich riechende und schmeckende, sehr flüchtige Flüssigkeit, welche bei 35deg; C. siedet, ein specitisches Gewicht von 0,720 hat und mit AVeingeist und fetten Oelen in jedem Verhilltniss mischbar ist. AYegen der leichten Brennbarkeit des Aethers ist grosso Vorsicht nöthig; derselbe ist in nicht ganz gefüllten, wohlgeschlossenen Flaschen im Keller aufzubewahren und darf nicht in die Nähe eines Lichtes oder einer Flamme gebracht werden. Ist der Aether chemisch rein, so darf damit getränktes Fliesspapier nach dem Verdunsten desselben nicht mehr riechen (Fuselöl) und befeuchtetes Lakmuspapier nicht geröthet werden (Schwefelsäure und andere Säuren). Endlich darf, wenn man gleiche Volumina Aether und AVasser schüttelt, das Volumen des quot;Wassers höchstens um den zehnten Theil zunehmen (Beimengung von AVeingeist). A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Aether aceticus. Der ebenfalls officinelle Essigäther, welcher mit dem Schwefeläther in seinen Wirkungen vollkommen übereinstimmt, hat die
Formel rCu ngt;0. Er wird aus Weingeist, Schwefelsäure und essig-U01I3U
saurem Natrium dargestellt. Er bildet eine klare, farblose, flüchtige Flüssigkeit von eigenthümlichem, angenehmem, erfrischendem, essigartigem Gerüche, welche mit Weingeist und Aether in allen Arerhält-nissen mischbar ist, bei 75deg; siedet und ein specitisches Gewicht von 0,9 besitzt. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Spiritus aethereus. Der Aetherweingeist (officinell) ist eine Mischung von 1 Theil Aether und 3 Theilen AVeingeist, welche unter dem Namen Hoffmann's Tropfenquot; (Liquor anodyntis Hoffmanni) bekannt ist. Er bildet eine farblose, neutrale, völlig flüchtige Flüssigkeit mit dem speeifischen Gewichte 0,81. Dosis als innerliches Excitans = Aether. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Collodium (siehe dieses) ist eine Auflösung von Schiessbaum woll e in Aether.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
|||
|
Aether.
|
141
|
||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Auf der Haut erzeugt Aether in Folge seiner i'iischen Verdunstung Kälte und Empfindungslosigkeit; diese Eigenschaft kann zur Erzeugung einer lokalen Anästhesirung für operative Zwecke verwerthet werden (Aetherspray). Bei kleinen Thieren kann man sogar mittelst Aether das Gehirn durch die Schädeldocke hindurch oberflächlich zum Gefrieren bringen (ähnlich wie beim Mikrotom). Eine zweite physikalische Wirkung des Aethers auf der Haut besteht in dem Auflösen des Fettes.
2)nbsp; Das Gehirn wird durch Aether genau so narkotisirt, wie durch Chloroform. Der Narkose geht auch hier ein Excitations-stadium voraus, in welchem die cerebralen Nervencentren, sowie Herz und Athmung lebhaft erregt sind. Dabei soll Aether für das Herz und die Athmung weniger gefährlich sein. Die Hypnose tritt etwas langsamer ein, als beim Chloroform (längeres Excitations-stadium) und geht auch rascher vorüber; sie lässt sich aussei- durch Inhalation auch durch Aetherisation vom llectum aus hervorrufen. Eigenthümlicherweise sind während der Aethernarkose die Reflexe (Sehnen- und Hautreflexe) gesteigert im Gegensatze zur Chloroformnarkose. Die Erscheinungen der Aethernarkose bei den Haus-thieren sind: Unruhe, Aufregung, Athniungsboschleunigung, Speicheln, Zittern, Pulsbeschleunigung, Taumeln, Hin- und Herschieben, Einknicken in den Gelenken, Starrheit des Bulbus, Pupillenerweiterung, Unempfindlichkeit der Cornea und Haut gegen Berührung, plötzliches Zusammensinken, Schlaf, allgemeine Anästhesie.
3)nbsp; In kleinen Dosen wirkt dor Aether erregend auf das Gehirn und Herz. Auch im Riagen wird durch kleine Dosen die Secretion des Magensaftes, im Darin die des Pankreas- und Darmlaquo; saftes gesteigert; die Chylusgefässe sind stärker gefüllt und der Gebalt des Blutes an weissen Blutkörperchen vorübergehend um das 2 3fache vermehrt, wahrscheinlich in Folge gesteigerter Darm-resorption. Grössere Dosen oder länger fortgesetzte kleinere führen jedoch zu Verdauungsstörungen. In Folge der Verdunstung des Aethers im Magen und Darm wird eine anästliesirendc Wirkung auf die Magen- und Darmwandung namentlich bei schmerzhaften Krampfzuständen derselben (Kolik) ausgeübt. Sehr grosse Dosen Aether können jedoch bei rascher Verdampfung im Magen das Zwerchfell so stark nach vorne drängen, dass Erstickung eintritt.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Excitans bei allen Schwäcbezuständen dos Herzens und des Nervensystems, im Verlaufe schwerer In-
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
142
|
Aether.
|
|||
|
|
||||
|
i
|
fectionskrankheiten, Gehirnlaquo; und Herzleiden etc., namentlich in der Form der subcutiinen Injection oder inuerlicli als Spiritus aethereus (sehr kleinen Thieren wohl auch als liiechmittcl).
2)nbsp; nbsp;Als lokales Aniisthoticuni für die Haut und zur allgemeinen Narkose vor Operationen. Dor Aether eignet sich jedoch als Narcoticum nur für Katzen (Negotin).
3)nbsp; Als krampfstillendes Mittel bei Krampfkoliken und schmerzhaften Leiden der Bauch- und Beckenorgaue. Dagegen ist der Aether contraindicirt bei Windkolik, weil er bei seiner Ver-dampfung die Menge der Gase vermehrt.
4)nbsp; Aeusserlich zu erregenden Einreibungen (Bestandtheil der sogenannten Restitutionslluide) und zur Entfettung der Hufe (vor Anlegung des Hufkittes).
5)nbsp; Pharmaceutisch benützt man den Aether als Lösungsmittel für Jodoform, Jod, die Alkaloide etc. Besonders einpfehlens-werth für die Desinfection von Wunden ist der Jodoformäther (1 : 5). Contraindication. Die Anwendung des Aethers ist wegen seines ins Fleisch übergehenden Geruches contraindicirt bei den schlachtbaren Hausthieren.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung des Aethers bei den einzelnen Thiergattungen. 1) Beim Pferde bleibt die Aetherinhalation nacli Negotin (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI S. 132) resultatlos. 18 Stunden fortgesetztes, ununterbrochenes Aetherisiren mit 820 720 g hatte bei (i Pferden kein einziges Mal irgend welche narkotische Wirkung, weder Anästhesie, noch Schlaf zur Po Ige. Ebenso erfolglos blieb die reetalo und intratracheale Application. Auch Seifert konnte weder bei rectaler, noch bei stomaehicaler Anwendung von 120 g Aether bei Pferden Narkose erzielen. Hering beobachtete nach der wiederholten intravenösen Injection von 15 g Aether ebenfalls keine Narkose beim Pferd (im Gegensatz zu den Angaben von Bouley). Cagny empfiehlt die rectale Aetherisation in Verbindung mit Morphium oder Chloralhydrat (Lösung von Chloralhydrat in Aether 1 ; 5). In einem von Seifert mit-getheilten Falle starb ein Pferd nach einer Istündigen Inhalation von 750 g.
2)nbsp; Bei Hunden eignet sieb der Aether nach Negotin ebenfalls nicht zur Narkose. Das Excitationsstadium ist sehr lang (1060 Minuten) und sehr stürmisch, so dass die Thiero kaum gehalten werden können. Der nach Inhalation von 30120 g eintretende kurze Schlaf war immer von Tetanus und Opithotonus begleitet. Thiernesse (1843) hat die rectale Aetherisation empfohlen, die sich nach Cagny bewähren soll; die Dosis beträgt 5060 g, das Excitationsstadium soll kurz sein.
3)nbsp; Bei Katzen tritt nach einer kurzen (Vlaquo;1 Minute) aber heftigen Erregung tiefer Schlaf und vollständige Anästhesie ein. Opisthotonus und tetanische Muskclcontractionen fohlen aber auch hier nicht. Mit 2030 g Aether gelang es, Katzen 2545 Minuten in Narkose zu halten
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Aether.
|
143
|
||
|
|
|||
|
(Negotin). Nach Müller sind Katzen durch Aether schwer zu tödten; eine Katze starb selbst nicht nach Inhalation von 80 g Aether.
4)nbsp; nbsp;Bei Schafen beobachtete Negotin bei einem Verbrauch von 6075 g Aether nach 5 Minuten langer Erregung eine ziemlich volle 'Jj1 Stunde anhaltende Narkose. Mit der Tiefe und Dauer der Narkose nahm indessen die Gefahr für das Leben der Thiere zu (hochgradige Tympanitis in Folge l'ansenlähniung; oberflächliche, aussetzende Athmung). Die ausgeathmete Luft zeigte noch 15 Stunden nach dem Inhaliren den charakteristischen Aethergemch.
5)nbsp; nbsp;Bei Schweinen soll nach Cagny die Combination von rcctaler A etherisation (30 Gramm Chloraläther im Verhiiltniss 1 ; 5) mit Morphium (0,2) eine gute Narkose erzeugen.
Dosis und Form. Man kann den Aether auf verschiedene Applicationsweise und in verschiedenen Dosen verabreichen: innerlich, subeutan, als Inhalation und per rectum, sodann in grossen und kleinen Dosen. Subeutan wird er in kleinen Dosen am häufigsten als Excitans angewandt, gegen Kolik gibt man ihn in mittleren Dosen per os; zur Narkose wird er als Inhalation oder per rectum in grossen Dosen gebraucht.
T. Als Excitans gibt man vom Aether subeutan für Pferde und Rinder 1025,0. Schafe, Ziegen und Schweine 510,0. Hunde 0,52,0. Katzen 0,51,0. Geflügel 0,251,0. II. Gegen Kolik gibt man innerlich für Pferde 2550,0. Hunde 25,0. III. Zur Narkose braucht man in Form der Inhalation für Katzen 2030,0.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Aetheris 20,0.
D. S. Zur subeutauen Injection für ein Pferd mit Herzschwiiche.
2)nbsp; Rp. Spiritus aetherei 25,0.
M. D. S. Sstümllich 20 Tropfen in einem Esslöffel Wein odor Cafie für eineu H n n d mit nervöser Staupe (Collaps).
3)nbsp; Rp. Acthena 50,0.
Olei Ricini 500,0. Mi 1). S. Einzuscliütten für ein Pferd mit Krampfkolik.
4)nbsp; Rp. Aetheris
01. Terebinth, ää 25,0. Spirit, camplior. 250,0. M. D. S. Acussorlich zum Einreiben bei Rheumatismus.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
144
|
Bromäther.
|
||
|
|
|||
|
Aether bromatus. Der Aether bromatus (Aethylum bromatum, Aetliylbromi d, Bromätliyl, Bromilther) hat die Formel C^Hj.Br und ist in Deutschland offlcinoll. Er wird durch Destillation eines Gemisches von Bromkalium (12), Alkohol (7) und Schwefelsäure (12) dargestellt. Er bildet eine klare, farblose, flüchtige, stark lichtbrechende, angenehm iitherisch riechende, neutrale Flüssigkeit, welche in Wasser unlöslich, dagegen in Weingeist und Aether löslich ist, bei 39 0 siedet und ein specifisches Gewicht von 1,4681,457 besitzt. Das Brornilthyl darf nicht verwechselt werden mit dem sehr gefährlichen Aethy len bromid, OjIfyBrjj, mit welchem es zuweilen auch verunreinigt ist. Die Beimengung von Aethylenbromid zu Bromäthyl bedingt eine Färbung des letzteren und einen unangenehmen, stechenden Geruch. Nach dem deutschen Arzneibuch dürfen 5 com Bromäthyl mit 6 ccm Schwefelsäure geschüttelt letztere binnen einer Stunde nicht gelb färben. A.P. 10,0 = 30 Pfennig.
Das Bromäthyl wird beim Menschen als lokales Anästheticum sowie zur Inhalationsnarkose in der Zahnheilkunde, bei chirurgischen Operationen, sowie in der menschlichen Geburtshilfe an Stelle des Chloroforms angewandt und soll eine vollkommene Anästhesie bei ungetrübtem Bewusstsein hervorrufen. Nach Müller ist das Bromäthyl auch zur Narkotisirung von Hunden wegen seiner Ungefährlichkeit ein sehr empfehlenswerthes Mittel. Die Inhalation erfolgt in derselben Weise, wie beim Chloroform; die Dosis schwankt zwischen 10 und 40 g. Das Excitationsstadium soll sehr kurz, die Narkose dagegen sehr tief sein, jedoch nur wenige Minuten andauern, so dass es bei grösseren Operationen nicht gerathen ist, mit den Inhalationen zu pausiron. Durch eine vorherige Morphiumeinspritzung lässt sich nach M. das Excitationsstadium auf ein Minimum reduciren. Nach P r eipi tsch-Freyber g (Monatshefte f. prakt. Thierheilk. VII. Bd., S. 299) zeichnet sich dagegen der Bromilther bei erwachsenen und grossen Hunden durch einen sehr stürmischen Verlauf des Excitationsstadiums (intensive Muskelkrämpfe , hochgradige Gereiztheit und Bissigkeit, anhaltendes Bellen und Heulen bis zur Heiserkeit), sowie durch eine nur geringe Tiefe der Narkose unvortheilhaft aus.
|
|||
|
|
|||
|
Die Bromsalze (Kalium, Natrium, Ammonium bromatum).
KBr. NaBr. NHjBr.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Kalium bromatum, Brom-kaliuin, bildet gliinzende, weisse, würfelförmige, luftbeständigo, geruchlose Kry stalle von salzig unangenehmem (are seh mache, welche in 2 Theilon Wasser und 200 Theilcn Weingeist löslich sind. Als Kaliumverbiudung färben sie die Flamme violett, und überschüssige Weinsäure fällt Weinstein als krystallinischen Niederschlag. Als Bromverbindung färbt ihre wässerige Lösung mit wenig Chlorwasser versetzt und mit Chloroform oder Aether geschüttelt letztere gelb (freies Brom); mit concentrirter Schwefelsäure erwärmt liefern
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Bromsalze.
|
Ul
|
||
|
|
|||
|
die Krystalle gelbrotlie Bromdilmpfe; mit Silbernitrat gibt Bromkalium einen gelbweissen Niederschlag von Bromsilber, der in verdünnter Salpetersäure unlöslich und in Aetzammoniak schwer löslich ist (Iden-titätsreactionen). A.P. 10,0 15 Pfennig.
2)nbsp; Bas Bromnatrium bildet ein weisses, krystallinisches. an trockener Luft nicht feucht werdendes Pulver, das sich in 2 Theilen Wasser und 5 Theilen Weingeist löst und als Xatriumsalz durch die Gelbfärbung der Flamme, als Bromverbindung durch die beim Bromkalium erwähnten Bromreactioncn idcntiticirt werden kann. Vom Bromkalium ist es leicht durch das Fehlen der dort erwähnten Kalium-reactionen zu unterscheiden.
3)nbsp; Das Ammonium bromatum ist ein weisses, krystallinisches, in Wasser leicht, in Weingeist schwer lösliches Pulver, das als Ammoniumverbindung beim Erhitzen flüchtig ist. Als Brom Verbindung besitzt es dieselben Reactionen wie Bromkalium und Bromnatrium. AlsAmmo-niumrerbindung entwickelt es beim Erhitzen mit Natronlauge Ammoniak.
Darstellung des Bromkaliums. Man stellt Bromkalium dar durob Einleiten von Brom dämpfen in Kalilauge und nachheriges Glühen des entstandenen bromsauren Kaliums mit Kolile nach der Formel; I) 6Br 6KH0 = 6BrK BrO;iK -f 3H.p. II) Br03K C, = BrK 3 CO. In ilhnlieher Weise wird Bromnatrium durch Einleiten von Brom-dämpfen in Natronlauge dargestellt. Bromammonium endlich wird durch Eintragen von Brom in Ammoniak (oder durch Sublimation von Bromkalium mit schwefelsaurem Ammoniak) gewonnen.
Neuere Bromverbindungen sind: Bromcalcium, Rubidium und Caesium bromatum, Bromkampher, Bromäthyl, Bromalhydrat, Bromoform, Bromalin (Bromäthyl mit Hexamethylentetramin), Gallobrom o 1 (Dibromgallussäure).
Wirkung der Bromsalze. Die genannten Bromsalze haben eine gemeinsame Brom Wirkung, welche auch im Wesentlichen ihre Hauptwirkung ausmacht. Sie unterscheiden sich nur dadurch, dass das Bromkalium als Nebenwirkung in grossen Dosen noch eine lähmende Kaliumwirkung auf das Herz (Yerlangsamung der Herz* thätigkeit, Sinken des Blutdrucks und der Temperatur) und die Körpermuskulatur besitzt, während das Bromnatrium als Natrium salz milder wirkt und dem Bromammonium noch gewisse schwache Am-moniu m wir k an g e n sowie eine ziemlich leichte Zersotzbarkeit eigen ist. Diese Unterschiede haben aber in praxi nur bei sehr grossen Dosen oder hei sehr langer Verabreichung einige Bedeutung; die weitaus wichtigste Wirkung ist die im Folgenden näher zu erörternde Bromwirkung.
Frohner, Arzneimittellehre, i, Auü.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;IQ
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
146
|
Bromsalze.
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp;Das Wesentliche der Bromwirkung in mittleren Dosen besteht in einer Verminderung aller Reflexe. Zuerst wird die Leitung zwischen den sensiblen Gehirnnerven und den psy-chomotorischen Rindencentren des Grosshirns aufgehoben; die Folge davon ist die Unempfindlichkeit der Schleimhaut der Nase, des Rachens, Gaumens, Kehldeckels, der Conjunctiva und Cornea. In sehr grossen Dosen entsteht auch eine Unempfindlichkeit der Harnröhrenschleimhiiut, Scheidenschleimhaut und zuletzt der äusseren Haut. Eine eigentliche Hypnose wird durch die Bromsalze nicht erzeugt, sondern nur psychische Depression, Abstumpfung und Mattigkeit.
2)nbsp; Die elektrische Reizbarkeit des Grosshirns wird stark herabgesetzt, wenn Versuchsthieren Bromsalze längere Zeit hindurch verabreicht werden. Elektrische Reizung der motorischen Centren der Grosshirnrinde bei Hunden laquo;nach vorausgegangener Trepanation erzeugt dann keine epiloptiformen Krämpfe mehr. Dieses Experiment stimmt mit der Thatsache überein. dass Epilepsie durch Bromsalze beilbar ist. Man führt dies, wie auch die Herabsetzung der Reflexerregbarkeit, auf eine Abscheidung von freiem Brom innerhalb der Nervenzellen zurück, wodurch die Leitungsfähigkeit derselben vermindert wird.
3)nbsp; Auch im Genitalapparat lässt sich eine Abnahme und selbst völlige Aufhebung des Geschlechtstriebes in Folge Lähmung der sensiblen, reflexleitenden Nerven durch die Bromsalze nachweisen.
4)nbsp; Nach fortgesetzter Aufnahme grösserer Brommengen entsteht eine chronische Brom Vergiftung, der sogenannte Bromismus. Dieselbe äussert sich in psychischer Depression, Abmagerung, lähmungsartiger Schwäche, Impotenz, Zittern, Conjunctivitis, Laryngitis, Bronchialkatarrh, Magendarmkatarrh, sowie in Ekzem-bildung auf der Haut (Urticaria, Furunculosis, Acne, Geschwüre in Folge Ausscheidung freien, reizenden Broms in die Talgdrüsen und Schweissdrüsen der Haut; Bromexantbem). Die Section er-giht ausgebreitete parenchymatöse Myelitis sowie stellenweise Sklerosirung des Rückenmarks, parenchy matöse Veränderungen der cerebralen Ganglienzellen (Volumsvergrosserung) neben fettiger M u s k e 1 e n t a r t u n g.
B) Die Ausscheidung der Bromsalze geschieht durch alle Secrete; dieselbe ist aber eine ziemlich langsame, weshalb bei längerer Bromverabreichung in Folge der Anhäufung der Bromsalzo im Körper namentlich im Gehirne, eine cumulirende Wirkung eintritt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bromsalze.
|
147
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
Anwendung. 1) Die Bromsalze sind zur Zeit als die zuvorlässigsten Mittel gegen Epilepsie und epiloptiforme Krämpfe zu bezeichnen. Sie müssen jedoch längere Zeit hindurch und in grösseren Dosen gegeben werden. Beim Menschen beträgt der Procentsatz der durch Brompräparate geheilten Fälle von Epilepsie bis zu 40 (1(n; ebensoviel dürften dieselben beim Hunde betragen. Beim Hunde werden ausserdem auch die im Verlaufe der Staupe auftretenden epileptiformen Anfälle sowie die als Nachkrankheit zurückbleibenden Muskel Zuckungen wirksam durch Brom Verbindungen bekämpft. Das Bronjnatrium ist hiebei seiner milderen quot;Wirkung halber dem Bromkalium vorzuziehen oder wenigstens mit demselben zu combiniren.
2)nbsp; nbsp;Bei Starrkrampf, Strychninvorgiftung, Eklampsie und anderen Krampfformen.
3)nbsp; Als Sedativuni bei allen Errogungszuständen des G-ehirns, ferner bei Herzklopfen, abnormem Erbrechen, Krampfhusten.
4)nbsp; Gegen abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb besonders beim Kind (Stiersucht).
5)nbsp; nbsp;Als Narcoticum zu Operationen im Rachen und Kehlkopf.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis und Form. AVegcn der Zersetzliclikeit der Brompräparate bei längerer Aufbewahrung an feuchter Luft und dein Freiwerden von Brom, welches die Magenschleimhaut stark reizt, verschreibt man die Bromsalze womöglich nicht in Pulverform, sondern in wässeriger Lösung (Pferden wohl auch in frisch bereiteten Latwergen). Die Einzeldosen betragen für
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Pferde und Rinder . Schafe und Schweine Grosse Hunde . . . Kleine Hunde .
Katzen......
Hühner.....
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Tauben ..... 0,1
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Bei Epilepsie gibt man die genannten Einzeldosen Sstündlich 8 bis 14 Tage hinter einander fort; bei Starrkrampf, Strychnintctanus etc. gibt man wohl auch einmalige, grössere Gaben (das Doppelte der einfachen Dosis).
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||
|
148
|
Sulfonnl.
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Kalii bromati 30,0.
Aqu. destill, 300,0. M. 1). S. Täglich 4 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Epilepsie.
2)nbsp; Rp. Kalii bromati 100,0.
Pulv, Rad, Liquirit. 25,0. Pulv. Bad. Althaeae .r)0,0. Aqu. qu. s. i'. Bleotuar.
M. D. S. Auf 2mnl für ein Pferd mit Krilmpfen.
3)nbsp; Rp, Kalii bromati 100,0.
Infusi Hail. Valerian. 1000,0 (ex 50,0 parati). M. D. S. Die Hälfte täglich einem Rinde einzuschütten gegen Stiersucht.
4)nbsp; nbsp;Rp, Kalii bromati 25,0.
Aqu. commuii. 250,0. M. D. S. Zu Klystieren für ein Schwein mit Krämpfen,
5)nbsp; Rp. Kalii bromati 150,0.
Divid. in part, aeqnal, Nr. III. D. S. Sstündlioh ein Pulver mit '/raquo; 1 Wasser ZU einem Klystier für ein Pferd mit Starrkrampf.
(I) Rp. Kalii bromati 10,0.
Morphin, hydroohlorio. 0,1. Aqu. destillat. 150,0. M. D. S. 4 Esslöffel (Theelöffel) täglich für einen II u n d mit Krampfhusten.
7)nbsp; Rp. Kalii bromati 5,0.
Aqu, destill. 250,0. M, 1gt;. S. Täglich 2 Bsslöffel (Theelöffel) für ein Huhn (Taube) mit Epilepsie.
8)nbsp; Rp. Natrii bromati
Kalii bromati ää 5,0.
Ammonii bromati 2,5.
Aqu. destill. 150,0. M. D. S. Sstündlioh einen Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Epilepsie; (sogenanntes Bromwasser, Aqua bromata, besser: Aqna salium Bromi).
|
|||
|
|
|||
|
Siilfonaluin. Sulfonnl.
OHa^, JSOj. CjHs OH3gt;ult;S0.4.0jH8,
Pharmaceutische Chemie. Das Sulfonal ist eine ,ius Aceton = 00(011,), und Aot]iylmercii|)tiiii = C,H.SH dargestellte Verbindung, welche chemisch einerseits zu den Acetaleu, d. li. aldehyd-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Sulfonal,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; M9
artigen Köx'pern, andererseits zu den Sulfonen, d, b. sohwefellaquo; baltigen organischen Verbindungen zu rechnen ist, wie dies auch im Namen Sulfonalquot; ausgedrückt ist. Es ist genauer als DiätliylsuH'on-DimethyImethan aufzufassen. Das Sulfonal bildet farblose, geruchlose und geschmacklose prismatische Krystalle, welche in kaltem Wasser sehr schwer löslich sind (l : 500). In heissem Wasser lösen sie sich 1 : 15, ferner sehr leicht in heissein Alkohol (1 : 2). Der Schmelzpunkt liegt zwischen 125 und 12(j quot;. Wird 0,1 g Sulfonal mit gepulverter Holzkohle im Probirrohre erhitzt, so tritt der charakteristische Mercaptangeruch auf. A.P. ],() = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Sulfonal ist von Käst (1888) als vorzügliches Hypnoticum für den Menschen empfohlen worden, welches das natürliche Schlafhedürfniss unterstützen und da, wo es fehlt, hervorrufen soll. Das Sulfonal soll ferner wegen seiner absoluten Geruch- und Geschmacklosigkeit sowie wegen seiner Un-gefährlichkeit (?) und der Sicherheit seiner Wirkung den anderen Schlafmitteln Überlegen sein. Die Dosis für den Menschen beträgt 1 3 g. Aehnlich wirken Trional (3 Aethylgruppen) und Tetronal (4 Aethylgruppen).
Meine eigenen Untersuchungen mit Sulfonal bei den Hausthieren (Berliner Archiv 1889) haben zunächst ergehen, dass das Mittel offenbar nicht für alle Thiere geruch- und geschmacklos ist, namentlich nicht für Pferde und Schafe. Am besten bewährt sich das Sulfonal als Hypnoticum für Hunde. Gesunde Hunde lassen sich ebenso wie kranke durch Sulfonal (0,54,0) in einen tiefen, ü12stündigen Schlaf vorsetzen, ohne eine schädliche Nebenwirkung des Mittels erkennen zu lassen. Therapeutisch erwies sich nach meinen Beobachtungen das Sulfonal insbesondere als ein sehr gutes Sedativum und Hypnoticum bei epileptiformen und eklamptischen Krämpfen, Aufregungszuständen, Gehirnhyperämie, Zwangsbewegungen, chronischen Muskelzuckungen etc. Bei Pferden, Rindern und Schafen scheint das Sulfonal keine ausgesprochene hypnotische, sondern nur eine lähmende Wirkung auf das Rückenmark und die Körpcrinuskulatur zu besitzen, weshalb es gegen Starrkrampf versucht werden kann.
Toxikologie. Die tödtliche Dosis des Sulfonals betrügt nach meinen Untersuchungen für Pferde und Kinder 150200 g (0,5 pro Kilo Kürpergewicht), während Hunde 1,0 Sulfonal pro Kilo Körpergewicht
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
150
|
Paraldehyd.
|
|||
|
|
||||
|
und selbst darüber ertragen. Klein ere Dos en (2575,0) erzeugen beim Pferd und Kind Schwäche und Schwanken in der Nachhand ohne Schlaf Wirkung; grosse, tödtliche Dosen bewirken auch bei diesen Thieren einen Tage lang andauernden, schlafartigen Zustand, welcher mit hochgradig gesteigerter Reflexerregbarkeit und selbst mit Krämpfen abwechselt. Nach dem Ueberstehen der Vergiftung bleiben wochenlange Lähmungszustände zurück. Eigenthümlich ist, dass bei den mit Sulfonal vergifteten Thieren (Pferden, Kindern und Hunden) regelmässig eine hämor-rhagische resp. ulcerose Gastroenteritis zu constatiren ist, welche offenbar mit die Todesursache darstellt. Beim Menschen sind in den Jahren 188894 insgesammt 18 Sulfonal Vergiftungen beobachtet worden. Hiebei bat sich das Sulfonal als ein Blut- und Nieren gift erwiesen. Die wichtigsten Symptome der Vergiftung waren: Hämatoporphyrinurie (kirschrother, granatrother, blaurother Harn), Albuminurie, Oligocythämie, Oligochromämie, parenchymatoso Nephritis (Epithelnekrose), Oligurie.
Dosis und Form. Man gibt das Sulfonal Hunden einfach in Pulverform mit oder ohne Zusatz von Zucker. Die Dosis beträgt für grosse Hunde 24,0. kleine Hunde 0,52,0.
Recept.
Rp. Sulfonali pulv. 1,0. D. tal. dos. Nr. X. S. Täglich 12 Pulver für einen Hund mit nervöser Staupe.
|
||||
|
|
||||
|
Paraldehydnni. Paraldehyd.
0flH12O3.
Pharmaceutische Chemie. Der Paraldehyd ist eine polymere Modification des Aldehyds, er ist 3mal Aldehyd = SXCjH^O. Die Aldehyde sind Oxydationsproducte der Alkohole, welche sich bei weiterer Sauerstofl'aufnahme in Säuren umwandeln. Die Stellung der Aldehyde zu den Alkoholen und Säuren veranschaulicht die nachstehende Formel:
|
||||
|
|
||||
|
GH,
|
CH,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CH,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; o /
|
'CH, \
|
||
|
|
||||
|
OHjOH
Alkohol
|
chö coöhnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;icoh;
Aldehydnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Essigsäurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Paraldehyd.
|
|||
|
|
||||
|
Alle Aldehyde sind stark reducirende Körper, welche sich schon an der Luft zu Säuren oxydiren und Metalloxydlösungen (Silbernitrat, Kupfervitriol, Wismuthnitrat) unter Bildung des sogenannten Aldehydspiegelsquot; durch Sauerstoffentziehung zu Metallen reduciren.
Der Paraldehyd bildet eine farblose, klare, eigenthümlich aromatisch riechende, in Verdünnung pfefferminzartig, con-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Paraldehyd.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 151
centrirt brennend scluneckende Flüssigkeit, welche 1 : 8,6 quot;Wasser löslich ist; speeifisches Gewicht 0,998. In Alkohol und Aether ist Paraldehyd sehr leicht in jedem Verhältnisse löslich. Bei starker Abkühlung erstarrt er zu einer krystallinischen Masse, welche erst wieder bei -f- 10quot; schmilzt.
Darstellung. Aldehyd wird dargestellt aus Weingeist, indem man denselben durch ein Gemenge von Braunstein und Schwefelsäure oxydirt. Paraldehyd wird aus Aldehyd durch Behandlung mit gasförmiger Salzsäure dargestellt. A.B. 10,0 = 40 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. Der Paraldehyd ist von Cervello als ein Hypnotioum und Sedativum in die medicinische Praxis eingeführt worden, welches angeblich frei von unangenehmen Nebenwirkungen sein soll. Seine hypnotisirenden Eigenschaften waren schon lange bekannt. Die intensiv berauschende Wirkung des neuen, noch gährenden Weines (des sogenannten Mostes) beruht nämlich auf dessen Gehalt an Aldehyd und Paraldehyd. Beim Hunde ist die hypnoti-sirende Kraft des Paraldehyds eine sehr bedeutende; dieselbe scheint nach meinen Beobachtungen selbst die des Hypnons und Urethans noch zu übertreffen. Beim Pferde dagegen erzeugt der Paraldehyd nach meinen Versuchen (Berliner klinische Wochenschrift und Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887) keine Hypnose, sondern er bedingt wie das Kali chloricum eine Auflösung der rothen Blutkörperchen mit nachfolgender Hiimoglobinämie und Hämoglobin-urie. Diese blutauflösende Wirkung des Paraldehyds erklärt sich aus seinen reducirenden, Sauerstoff entziehenden Eigenschaften. Die letzteren lassen sich experimentell auch noch auf andere Weise de-monstriren. Bringt man frisches Blut mit Paraldehyd zusammen, so verwandelt sich die blutrothe Farbe alsbald in eine schwarzbraune, theerähnliche, und die so veränderte Flüssigkeit zeigt spectroskopisch den Resorptionsstreilen des reducirten Hämoglobins. Versetzt man ferner einen Tropfen Blut mit einein Tropfen Paraldehyd und untersucht die Mischung mikroskopisch, so sieht man, dass die rothen Blutkörperchen zackig und sternförmig werden und zu einem formlosen Detritus zerfallen. Die letzteren Blutveränderungen (Poikilo-cytose) habe ich ebenfalls bei Hunden intra vitam bei gewöhnlichen narkotischen Dosen wahrgenommen. Nach Popow verursachen auch beim Hunde grosse Gaben Paraldehyd Hämoglobinurie in Folge Auflösung der rothen Blutkörperchen. Aus diesen Gründen ist für alle Fälle vor der Anwendung des Paraldehyds beim Pferde zu
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Amylnitrit.
warnen. Aber auch beim Hunde, bei welcbeni ich selbst in zahlreichen Fällen von Erregungs- und Krampfzuständen eine sehr gute narkotische Wirkung constatiren konnte (in Dosen von 10 25,0 per os), ist wegen der Einwirkung des Mittels auf die Blutkörperchen die Anwendung besser zu unterlassen.
Nach Popow bat der Paraldebyd auch antiseptisebe und antifennentative Eigenschaften. 2 quot;/quot;ige Lösungen halten die Fäul-niss des Fleisches 2 Monate, V- V'S0 ^ Wochen auf; die letzteren verhindern auch die Zersetzung des Harns und die weingeistige Gährung.
Toxikologie. ]3ei Pferden, welchen 200 g Panxldehyd eingeschüttet wurden, konnte ich ausser leichtem Schwanken nichts Besonderes wahrnehmen. Dagegen trat nach einer Gabe von 450 g sehr starkes Sehwanken und Taumeln, sowie eine gelbrotho Verfärbung der sichtbaren Schleimhäute ein; im Harn fand sich Hämoglobin. Der Eintritt von Schlaf wurde jedoch nach dieser Dosis nicht beobachtet, das betreuende Pferd blieb vielmehr stehen, und das Schwanken und Taumeln war nach etwa einer Stunde wieder verschwunden. 500 g Paraldehyd (1,5 g pro Kilo Kürpergewicht) auf einmal verabreicht, riefen bei einem andern Pferde plötzliches Taumeln und jähes Zusammenstürzen noch während des Einschüttens hervor. Das am Boden liegende Thier war zunächst sehr aufgeregt, athmete angestrengt und strampelte mit den Fassen; darauf folgte ein Zustand grosser Apathie, Schwäche und Empfindungslosigkeit, und 10 Minuten nach Beginn des Versuchs gelbe Verfärbung der Schleimhäute. Der Harn enthielt grosse Mengen (bis zu 50o) Hämoglobin neben Hämoglobincylindern. Die hochgradige Schwäche des Thieres hielt 12 Stunden an; aber auch noch in den darauffolgenden Tagen (lauerte eine gewisse Mattigkeit an und das Pferd zeigte in den nächsten Wochen eine auffallende Abmagerung xmd Anämie. Hunde zeigten bei tödtlichem stomachicalen Dosen (84,0 pro Kilo Kürpergewicht) zunächst Gleichgewichtsstörungen bei völlig erhaltenem Bewusstsein; die Narkose des Grosshirns trat erst später ein. Medicamentelle Dosen riefen nach einem kurzen Aufregungsstadiuin einen bis zu 8 Stunden andauernden Schlaf hervor.
|
||
|
|
||
|
Arnylium mtrosum. Amylnitrit.
Pharmaceutische Chemie. Das Amylnitrit ist eine klare, gelbliche, flüchtige, angenehm fruchtartig riechende und gewürzhaft brennend schmeckende Flüssigkeit, welche in AVassor kaum löslich, dagegen mit Alkohol und Aether in allen Verhältnissen mischbar ist und angezündet mit gelber, leuchtender und russender Flamme verbrennt. Mit Eisenvitriol und etwas Salzsäure versetzt entsteht Braunfärbung (Nitritreaction.) Am Lichte zersetzt sich
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Nitroglycei-in.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 153
das Aniylnitrit leicht. Es wird dargestellt durch Einleiten von salpetriger Säure (N08) in erhitzten Amylalkohol (06HuOH). A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung. 1) .Das Amylnitrit ruft heim Menschen schon in wenigen Tropfen eingeathmet starke Röthung des Gesichtes, Heisswerdeu des Kopfes, Erweiterung der Arterien und Klopfen der Carotiden hervor; die Ursache davon ist in einer vorühergehenden Lähmung des vasomotorischen Centrums in der Medulla ohlongata in Verbindung mit einer directen Erregung der poripheren Geiassnerven (Vaso-dilatatoren) zu suchen. quot;Weiterhin führt das Amylnitrit zu einer Narkose des Gehirns mit starkem Sinken des Blutdrucks, an welche sich bei Thieren tetanische Krämpfe und zuletzt Athmungslähmung anschliessen.
2) Die rothen Blutkörperchen werden durch grössere Gaben von Amylnitrit zersetzt und es entstehtHämoglobinämie (Nitritwirkung); die Sauei'stotfaufnahme im Blute ist stark vermindert. Bei Kaninchen entsteht nach Anwendung von Amylnitrit Glykosurie (Gcfässerweite-rung in den Lebergefässen oder im verlängerten Mark?). Beim Menschen hat man ausserdem vorübergehend Gelbsehen (Xanthopsie) eintreten sehen.
Anwendung. Die erweiternde Einwirkung des Amylnitrits auf die Gefässc hat zu der Anwendung des Mittels bei gewissen auf Gefässvercngerungen resp. Gefässkrampf beruhenden Krankheiten, so namentlich bei der als Angina pectoris bezeichneten Herzneuralgie des Menschen geführt. Auch bei Epilepsie, Eklampsie, Starrkrampf, epileptiformen Krämpfen sowie bei allen Collaps-zuständen und bei Chloroformvergiftung u. s. w. wird Amylnitrit in Form der Inhalation oder innerlich resp. subeutan angewandt. Die Dosis des Amylnitrits beträgt beim Menschen 15 Tropfen zur Inhalation. Bei Hunden habe ich das Mittel gegen verschiedene Krampfzustände ohne wesentlichen Erfolg angewandt.
f Nitroglycermum. DasNitroglycerin, OsB^NOlaquo;)raquo; wird aus Glycerin und Salpetersäure dargestellt und ist ehemisch als Glycerinnitrat oder salpetersaures Glycerin, nicht aber als Nitroverbindung aufzufassen. (Ein Gemenge von Nitroglycerin und Kieseiguhr ist als Dynamitquot; bekannt.) Es bildet eine farblose, ölige, geruchlose Flüssigkeit, welche auf Stoss oder Schlag mit grosser Vehemenz explodirt (Sprengöl); die Aufbewahrung ist daher eine gefährliche und muss in verdünntem Zustande (mit Spiritus oder Oel) geschehen. Das Nitroglycerin löst sich 1 : 4 Alkohol, ausserdem in Aether und Chloroform. Das Nitroglycerin zersetzt sich im
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
|||
|
154
|
Amylenliyilrat.
|
||
|
|
|||
|
Körper zu salpetriger Säure. Es besitzt daher dieselbe Nitritwirkung wie Aniylnitrit: es lähmt die Sensibilität und Ileflexerreg-barkeit, verlangsamt die Athmung und den Herzschlag, setzt den Blutdruck herab und erniedrigt die Temperatur; ausserdein erzeugt es in giftigen Dosen Hämoglobinilmie. Auch Cllykosurie hat man nach seiner Anwendung bei Thieren beobachtet. Das Nitroglycerin wird beim Menschen in Dosen von '/j1 mg in alkoholischer Lösung bei allen Angioneurosen, so bei Asthma, Angina pectoris, Hemikranie, sowie als Excitans bei ürämie etc. gegeben.
f Natrium nitrosum. Natriumnitrit. Das Natriumnitrit, NaNO^ (salpetrigsaures Natrium) wird durch Glühen von Chilisalpeter mit Kohle gewonnen: NaN03 -|- 0 NaNO^ -f- CO. Es bildet ein weisses, krystal-linisches Pulver von kühlend-salzigem Geschmucke, welches in Wasser leicht löslich ist. Die Lösung wird auf Zusatz von Jodkalium-Stärkekleister und einigen Tropfen verdünnter Schwefelsäure unter Freiwerden von Jod blau gefärbt (Nitritreaction). Als Nitritverbindung stimmt das Natriumnitrit in seinen Wirkungen mit dem Nitroglycerin und Amylnitrit überein. Es erzeugt beim Menschen in kleinen Dosen Erweiterung der Arterien, llöthung des Gesichtes und Klopfen der Carotiden, späterhin Schwindel, Schwäche und Cyanose; in giftigen Dosen bei Thieren Hämoglobin am ie, Lähmung des Centralnervensystems und namentlich Lähmung der Vasomotoren. Man wendet es neuerdings beim Menschen in Dosen von 0,52,0 bei Epilepsie und Angina pectoris an. Nach Hinz und Barth sind die nach Vergiftung mit Chilisalpeter bei den Hausthieren häufig beobachteten plötzlichen Todesfälle auf einen Gehalt des Chilisalpeters an N atrium n itrit zurückzuführen. Auch bei jenen Vergiftungen erfolgt der Tod oft unter Erscheinungen der Narkose (Taumeln) und man findet bei der Section eine hämorrhugische Gastroenteritis, wie bei der experimentellen Natriumnitritvergiftung. In sehr vielen Fällen sind übrigens die betreffenden Chilisalpetervergiftungen auf eine wirkliche Salpetervergiftung zurückzuführen, worauf ich schon früher mit Hücksicht auf die zuweilen aufgenommenen grossen Salpetermengen hingewiesen habe (Repertorium für Thierheilkunde 1880).
Amylenhydrat. Dasselbe wird aus Amylen (Pental) und Schwefelsäure dargestellt. Es hat die Formel OgHio.HijO und bildet eine klare, farblose, flüchtige, neutrale Flüssigkeit von eigenthümlichem, ätherisch gewürzhaftem Gerüche und brennendem Geschmacke, welche in 8 T heil on Wasser löslich, sowie mit Weingeist, Aether, Chloroform, Glycerin und fetten Gelen klar mischbar ist, bei circa 100deg; siedet und ein specitisches Gewicht von 0,8150,820 besitzt. Das Präparat ist in Deutschland officinell. Es ist vorsichtig und vor Licht geschützt aufzubewahren. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. Das Amylenhydrat ist vonMering als ein sehr gutes Hypnoticum empfohlen worden, welches das Herz,quot; den Blutdruck und die Athmung nicht beeinflussen und keine unangenehmen Nebenwirkungen besitzen soll. Die Dosis beträgt für den Menschen 35,0, innerlich oder per elysma. Nach Nogotin (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI S. 212) ist es wegen seiner stark reizenden und ätzenden Eigenschaften in der Thierheilkunde als Narcoticum nicht verwendbar.
|
|||
|
|
|||
|
Benzlnum Petrolei.
bei der Rectification des
|
Das Petroleumbenzin wird als Nebenproduct amerikanischen Petroleums durch fractionirte
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Petroleumbenzin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;155
Destillation gewonnen, indem es bei 6076deg; übergeht. Es ist ein Gemenge von Kohlen Wasserstoffen der Formel (JH(2x 2) und besteht in der Hauptsache aus CßHi, (Capronyhvasserstofl'oder Hex an) neben Hep tan (C;H|f,). Es bildet eine farblose, klare, nicht f 1 uorescir en de, leicht entzündliche Flüssigkeit (Vorsicht wegen Feuergei'ilhrlichkeit!) von starkem, n i c h t u n an g e n e b in c m Gerüche, vom specifischen Qewichte 0,C40,67, welche Fette und Harze leicht löst, mit Wasser nicht mischbar ist, dagegen leicht mit Alkohol (1:56), Aether, fetten Oelen etc. Die Wirkung des Petroleumbenzins 111101 -Aethers ist im grossen Ganzen dieselbe, wie die des Schw ef el il t h ers und Essigilt hers. Auf der Haut entsteht Kältegefühl und lokale Anilsthesie, eingeathmet erzeugen beide Narkose und allgemeine Anästhesie. Wegen der gleichzeitigen tetani-schen Wirkung auf das liückenmark sind indessen beide für die thier-ärztliche Praxis unbrauchbar (Mü Her). Die Anwendung ist nur eine äusser-liehe zur Erzeugung einer lokalen Anästhesie (1 : 4 Aether), und als reizende Einreibung gegen Rheuiuatismus. Ausserdem kann man auch das Petroleumbenzin zum E n tfet ten z. B. der Hufe'anwenden. Bekannt ist seine Verwendung im Hausgebrauche als sogenanntes Fleckwasserquot;. Endlich dient es als Reagens und Extractionsmittel namentlich für Alkaloide. A.P. 100,0 = 35 Pfennig.
Aether Petrolei. Der P e t r 01 e u m ä t h e r (LigroYne, Kerosolen) ist fast identisch mit Petroleumbenzin, weshalb häutig Petroleumbenzin und Petroleumäther für gleichbedeutend genommen werden. Der Petroleumäther (Petroleumnaphtha) wird ebenfalls als Nebenproduct bei der Rectification des amerikanischen Petroleums gewonnen, und zwar geht er über bei 45OO0; er ist also ein niedriger siedender Bestandtheil des Petroleums, als das Bonzin. Auch er bildet ein Gemenge von Kohlenwasserstoffen der Formel CxH(2x 2) und besteht hauptsächlich aus P en tan (CjH^, Amj'lWasserstoff) neben Hexan (ObH^). Er bildet eine wasserhelle, leicht flüchtige, schwach nach Petroleum riechende und sehr leicht brennbare Flüssigkeit vom specifischen Gewichte 0,(J70,675.
t Benzol. Das Benzol oder Steinkohlen be nzin hat die Formel CnH,! und wird durch Destillation aus dem Steinkohlentheer gewonnen. Es hat demnach mit Petroleumbenzin und Petroleumäther gar nichts zu thun, wird aber häufig mit diesen beiden verwechselt. Es gehört nicht in die Gruppe der Nareotica, ist vielmehr ein starkes Anti-septicum und An tiscabios u in, das wohl auch innerlich gegen Eingeweidewürmer gegeben wird. Das Petroleumbenzin ist weder ein Antisepticum noch ein starkes Antiparasiticum; wo über diesbezügliche Wirkungen berichtet wird, hat sicher eine Verwechslung mit Benzol (Steinkohlenbenzin) stattgefunden.
t Petroleum. Das Brennpetroleum (raffinirtes Petroleum, Steinöl) ist ein Gemenge von sehr zahlreichen Kohlenwasserstoffen der Formel 0xHss-|-2 und zwar besteht es namentlich aus Getan, Nonan, Dekan und den folgenden Homologen bis zum Heptadekan (C1tH:j6). Es hat keine starken antiparasitären, sondern in der Hauptsache nur anästhesirende und reizende Eigenschaften; sein Nutzen als Räudemittel ist fraglich. Nach den Untersuchungen von Müller starben Acarusmilben in Petroleum erst nach 1 Stunde, Sarcoptesmilben in einer l/j, Dermatoryktesmilbon In '/' Stunden. Auch die Giftigkeit des Petroleums ist keine so starke, wie gewöhnlich
|
||
|
|
||
|
|
||
|
150nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Urcthan. Hypnou.
angenomiuou wird; es wirkt, innerlich gegeben, erst in grossen Dosen tüdt-lich durch Gastroenteritis. Kaninchen ertragen bis 15 cem ohne Reaction (Lassar).
f Urethan, Dasselbe ist seiner chemischen Zusammensetzung nach Carbaminsilurc-Aethy lilthe r. Es bildet färb- und geruchlose Krystalle von kühlendem, s alpoteräh nlich em Geschmaoke. Es wird dargestellt durch Erhitzen von salpetersaurem Harnstoff und Alkohol. Das Urethan ist von Robert als Hypnoticum bei allen Er-regungszuständen des Gehirns empfohlen worden. Nach meinen Untersuchungen (Deutsche Zeitschrift für Tliiermedicin 1887) ist das Mittel für Hunde ein ganz vorzügliches Sedativum und Hypnoticum, welches sich insbesondere bei nervöser Staupe, Gehirn krumpfen, Epilepsie, Rollkrankheit sowie in allen Erregungszuständen des Gehirns sehr bewährt hat. Grosse Dosen erzeugen in allen Fällen und zwar durchschnittlich nach einer halben Stunde tiefen, bis zu 7 Stunden anhaltenden Schlaf. Dagegen eignet sich das Urethan als Hypnoticum zur Anwendung für Pferde nicht. Dieselben zeigen nämlich auf 50100g Urethan keine sichtbare Reaction. 2UU g erzeugen nur vorübergehende Eingenommenheit des Sensoriums sowie leichte Gleichgewichtsstörungen; 400 g hatten unsicheren Gang, Schwanken, starke Mattigkeit sowie Abnahme des Gefühlsvermögens zur Folge. Dagegen konnte ich trotz dieser grossen Dosis (dieselbe beträgt das 100200fache der Dosis für den Menschen) keine hypnotische Wirkung beim Pferde constatiren. Dio tödtliohe Dosis des ürethans für Hu n d e beträgt 2,5 g pro Kilo Körpergewicht (50 g für einen mittelgrossen Hund). Die Thiere verfallen in tiefen Schlaf, die sensiblen Nerven der Körperoberfläche (Haut, Cornea) sind gelähmt und der Tod erfolgt unter den Erscheinungen der Athmungs- und Herzlähmung. Einzelne Thiere zeigen auch starke Lähmungserschcinungen in der Hinterhand.
t Hypnon. Dasselbe ist in der Chemie auch als Acetoph enonquot; bekannt und ist als Methy Iph e n y lac e t o n aufzufassen. Es bildet eine farblose oder schwach gelbliche, c h 1 o r o f o r m a r t i g e Flüssigkeit von aromatischem, j asm in artigem Gerüche und scharfem, kreosot-artigoin Geschmacke, welche in Wasser nur wenig, leicht dagegen in Alkohol, Aether und i'ctten Gelen löslich ist. Das von Dujardin-Beaumet'z als Hypnoticum empfohlene Mittel ist in Dosen von 0,2-0,5 bei Hunden wirkungslos. Dagegen konnte ich durch grössere Dosen (0,52,0) bei Hunden eine starke hypnotische und die functionelle Erregbarkeit des Gehirns namentlich auch in motorischer Beziehung stark herabsetzende Wirkung insbesondere bei Zwangsbewegungen und Zwangshaltungen, speciell bei Drehbewegungen und bei Rollkrankheit beobachten (Deutsche Zeitschrift für Tliiermedicin 1887). Bei Pferden ist die Wirkung selbst sehr grosser Dosen (200g) eine viel zu schwache. Es hatten nämlich nach meinen Untersuchungen Dosen von 1050 g keine besondere Wirkung, davon abgesehen, dass die ausgeathmete Luft eine Stunde lang nach Hypnon roch. Dieser Hypnongcruch Hess sich auch bei der Section von mit Hypnon vergifteten Thieren (tödtliche Dosis für Hunde 1,0 pro Kilo Körpergewicht) in allen Organen nachweisen u n d e s m u s s daher v or d e r A n we n d u n g des Hypnons bei allen Schlac htth ieren gewarnt wer den. Nach der Verabreichung von 80 g Hypnon sah ich beim Pferde Schwankon im Vorder- und Hintertheil, welches sich nach einer halben Stunde so steigerte,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Agarioin. Krytlirophloein.
|
157
|
||
|
|
|||
|
dass eines der Versuclistlucre umfiel, sowie Zusiiminenknieken in den Gelenken; nach 8 Stunden hatten sich jedoch die Thiere wieder vollstitiidig erholt, der Appetit blieb normal. 200 g Hypnon (als Schüttelmixtur mit 100g (iummi arabicum eingegeben) hatten ebenfalls nur Schwanken, Zusammenknicken und Thoilnahmslosigkeit gegen die Umgebung zur Folge ; eine eigentliche Narkose liess sieh nicht constatiren. Bei subcutaner Anwendung wirkt Hypnon nach Böhm reizend.
Agaricin. Dasselbe ist der im Lärchenschwamm, Fungus oder Boletus Laricis enthaltene wirksame Stoft' von der Pormol OioHboOj, welcher nicht verwechselt worden darf mit dem Muskarin, dem Alkaloid dos Fliegenpilzes (Amanita Muscaria). Das Agaricin ist wahrscheinlich identisch mit der Agaricinsäure. Das wegen seiner seh weissbeschränkenden Wirkung in Deutschland officinelle Präparat bildet ein weisses Pulver von schwachem Gerüche und Geschmacke. Es löst sich in 130 Theilen kaltem und 10 Theilen heissem Weingeist, noch leichter in heisser Essigsäure, nur wenig in Aether, kaum in Chloroform. Kalilauge nimmt es zu einer beim Schütteln stark schäumenden Flüssigkeit auf. Das Agaricin ist in seiner Wirkung identisch mit rler Agaricinsäure. Die Agaricinsäure wirkt örtlich reizend, subeutan erzeugt sie sogar Ab-scesse, desgleichen bei innerlicher Verabreichung grösserer Dosen (0,51,0) beim Menschen Erbrechen und Durchfall. Bei Kaltblütern bewirkt die Säure eine allmählich zunehmende Schwäche und Lähmung der llerzthätigkeit mit Herabsetzung resp. gänzlicher Unterdrückung der Haut-secretion. Bei Warmblütern treten nach stomachicaler Application wegen der schweren Löslichkeit keine Vergiftungserscheinungen auf. Subeutan oder intravenös wird dagegen das Vaguscentrum und Gefässcentrum zuerst erregt, dann gelähmt (anfangs Pulsverla.ngsanmng mit Blutdrucksteigerung, später Sinken des Blutdrucks). Der Tod tritt unter Convulsionen in Folge von Athmu ngss tills tan d ein. Die Schweisssecretion wird durch eine directe Einwirkung auf den sece rn ir enden Apparat, nicht auf das Centrum, beschränkt resp. aufgehoben. Mydriatische Wirkung besitzt die Agaricinsäure nicht; sie ist also hierin dem Atropin nicht ähnlich. Die innerliche Dosis der reinen Agaricinsäure als schweissbeschränken dos Mittel beträgt 0,020,05 für den Menschen.
f Erythrophloe'lnum hydi^ochloricum. Das Erythrophloe'in ist das Alkaloid der Erythrophloeum-Rinde, welche von einem im Westen und Osten des äquatorialen Afrika vorkommenden Baume; Erythrophloeum guineense (Kothwasserbaum, Mancone oder Teil) aus der Familie der Cäsalpiniaceen abstammt und daselbst als Sassy- oder N'cassarinde von den Eingeborenen zu Gottesurtheilen benutzt wird. Die im Handel vorkommende Binde ist rothbraun, sehr hart, geruchlos. Innerlich oder subeutan bewirkt Erythrophloe'in nach Liebreich zunächst Würg- und Brechbewogungen und tödtet dann sehr rasch durch Herzlähmung (digitalis-ähnliche Wirkung). Hunde werden durch 0,02 Erythrophloe'in getödtet. Von Lewin ist das Erythrophloe'in als ein locales Änäst h eticu m namentlich für das Auge empfohlen worden, welches an Intensität die Wirkung des Cocafus weit übertreffen soll. Auch bei snbeutanen Injectionen soll nach Lewin eine starke locale Unempfindlichkoit eintreten, welche sich für operative Zwecke verwerthen lasse. Diese Angaben Lewin's sind vielseitig bestritten worden. Nach Liebreich hann dem Erythrophloe'in eine
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
158nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Piperldln. Fyridln.
Bedeutung als locales Aniistlieticum weder für die Haut, noch für das Auge zuerkannt werden. Es erzeugt zunilchst nicht eine locale Anilsthesie des gesammten Auges, sondern in erster Linie nur eine Empfindungslosigkeit der Cornea, wilhrend die Conjunctiva stark gereizt wird (Anaestheticum dolorosura). Es beruht ferner die Aniisthesirung der Cornea lediglich auf* einer oberflilchlichen Aetzung des Cornea-Epithels, welches selbst bei sehr verdünnten Lösungen getrübt wird; stärkere Losungen erzeugen tiefere Anätzung und Geschwüre. Dementsprechend ist die Anwendung des E)'3'tbrophloeins auch immer von starken Keizerscheinungen und Schtnerz-emptindungen begleitet. Aus diesem Grunde haben sich Liebreich, Tweedy, Koller, Beuss, Königstein, Hirschberg, Welcker U.A. gegen die Einführung des Erythrophloe'ins in die Augenheilkunde erklärt und wegen seiner gefährlichen Wirkungen sehr davor gewarnt. Auch die sub-cutane Applicationsmethode als locales Anäslheticum für operative Zwecke ist nach Liebreich, Kaposi u. A. bedeutungslos. Selbst bei toxischen Dosen tritt nur an einer ganz kloinen Stelle Unempfindlichkeit ein, wie sie beispielsweise auch nach Einspritzungen von Liquor Ferri und anderen kaustischen Mitteln zu beobachten ist. Das Eucafn, ein künstliches Alkaloid von der Formel OjqH^NOj soll ebenfalls wie Cocain wirken.
f Piperidin. Das l'iperidin, OjHuN, ist chemisch und physiologisch dem C'oniin sehr nahe verwandt; Coniin ist nämlich identisch mit Propyl-Piperidin. Auf der anderen Seite ist das Piperidin sehr nahe verwandt mit dem Pyridin, C-,H5N, aus welchem es sich auch darstellen lässt durch Aufnahme von 6 Wasserstoff. Das Piperidin kann ferner auch aus dem Alkaloid des Pfeffers, dem Pip er in, dargestellt werden. Das Piperidin ist eine flüssige Base, welche mit Säuren Salze bildet. Seine Wirkung ist der Coniinwirkung sehr ähnlieh: es lähmt nur die peri-phoren Endungen sensibler Nerven und macht daher an der In-jectionsstelle Unempfindlichkeit. Therapeutisch wird es wie Coniin gegen Krämpfe verwerthet. Dosis für den Menschen 0,02 subcutan.
f Pyridin. Das Pyridin, CjH5N, ist ebenfalls chemisch und physiologisch mit Piperidin und Coniin verwandt. Das Pyridin ist neben anderen Pyridinbasenquot; (Picolin, Lutidin, Collidin) das Product der trockenen Destillation thierischer und pflanzlicher Stoffe, und daher im stinkenden Thierül, im Steinkohlentheeröl und Tabaksrauch enthalten; es bildet ausserdem ein Zersetzungsproduct mehrerer Alkaloide und kann als die Muttersubstanz der Alkaloide angesehen werden. Das Pyridin ist eine klare, alkalische, flüchtige Flüssigkeit von eigenthümlich brenzlichem Gerüche (vergl. den mit Pyridin denaturirten Spiritus) und scharfem, brennendem Geschmacke, welche mit Wasser, Alkohol, Oelen etc. sehr leicht mischbar ist. Es wird dargestellt durch trockene Destillation von Knochen, Mischen mit Schwefelsäure, Trennung der schwefelsauren Lösung von den theerartigen Producten, Abscheiden der Pyridinbasen aus der sauren Flüssigkeit mittelst Natronlauge und Fractioniren des erhaltenen öligen l'roductes. Die Pyridinwirkung besteht in einer Herabsetzung der IJ e f 1 e x e r r e g b a r k e i t und Verminderung der Erregbarkeit des Respirationscentrums. Es wird beim Menschen in Form der Pyridindämpfe gegen Asthma eingeathmet. Aussei' als Lun genanästhe-ticum soll Pyridin auch durch antipyretische Eigenschaften wirken.
t Curare. Das Curare (Woorara, Urara), das Pfeilgift der südamerikanischen Indianer am Orinoco und Amazonenstrom, bildet ein Extract
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Curare. Herba Cannabis iudicao.
|
159
|
||
|
|
|||
|
aus verschiedenen Strychnos-, Cocculns- nnd Paullinia.arten Südamerikas, von denen namentlich Strychnos toxifera genauer bekannt ist. (Als animalischesquot; Curare wird ein von einer Kröte stammendes ebenfalls südamerikanisches Pfeilgift bezeichnet.) Es bildet eine braune, opiumilhnliehe Masse von bitterem Geschmacke, welche in Wasser leicht löslich ist; dieselbe wird durch Eindickung des wässerigen Auszuges jener Pflanzen gewonnen. Die Indianer bringen das Pfeilgift in Pflanzen-schalen (Calebassen) oder in irdenen Töpfen (Topf'curare) in den Handel. H aup tbest andtheil des amerikanischen Pfeilgiftes ist das Curarin, ein sauerstofl'freies Alkaloid. Das Curare lähmt wie das Co nun die Endigungen der motorischen Nerven in den quergestreiften Muskeln, wenn es snbeutan injicirt wird. Die Muskelsubstanz selbst wird dabei nicht betroffen. Der Tod erfolgt ebenso wie bei Coniin durch Athmungslälimung. Curarinisirte Thiore sinken ermüdet zusammen und werden nach vergeblichen Versuchen aufzustehen bewegungslos; beim Warmblüter hört ferner die Athmungsthätigkeit auf und es tritt Erstickung ein. Kaltblüter (Frösche) jedoch, welche aussei- durch die Lungen auch durch die Haut athmen, zeigen nur die motorische Lähmung und können daher viel längere Zeit am Leben bleiben als die Warmblüter. Beim Menschen hat man ausserdem auch noch eine Wirkung des Curare auf das Gehirn in Form von Schläfrigkeit, Kopfschmerz und rauschälinlichem Gefühl von Wohlbehagen beobachtet. Vom Magen aus ist Curare angeblich wirkungslos; die Ursachen hievon sind vielleicht in Zersetzungen, langsamer Resorption oder in rascher Ausscheidung des Curarins zu suchen. Das Curare wurde subeutan empfohlen gegen Starrkrampf, Strychnin-vergiftung, Hundswuth, Epilepsie u. a. Krampfformen. Bei der Unzuverlässigkeit der Präparate und dem raschen Verderben der Lösungen ist jedoch die Anwendung sehr erschwert und das Pesultat ein fragliches. Ich habe selbst Curare mehrere Male beim Starrkrampf des Pferdes in Dosen von Ü,51,0 ohne Erfolg angewandt; ähnliche negative Befunde sind auch anderweitig gemacht worden. Die angeblich durch Curare geheilten Fälle von Hundswutb beim Menschen sind mit grösster Vorsicht aufzunehmen.
|
|||
|
|
|||
|
f Herba Cannabis indicae, der indische Hanf (Cannabis saliva), ist ein einjähriges, in Ostindien einheimisches, auch bei uns kultivirtes Kraut aus der Familie der Urticaceen. Während nun aber der europäische und indische Hanf von einer und derselben Pflanze abstammen, enthält der letztere wesentlich verschiedene Bestandiheile. Die weibliche Pflanze des indischen Hanfes scheidet nämlich ein narkotisches Harz aus, welches in Ostindien und im Orient als Borauschungsmittel gebraucht wird (Churrus, Gunjah, Bang, Haschisch). Das in Deutschland nicht mehr, dagegen in Oesterreich officinelle Präparat stellt die zu Anfang der Pruchtreife gesammelten Zweigspitzen der weiblichen Stengel und die davon abgestreiften rauhhaarigen, sägezähnigen Blätter dar; dieselben sind gewöhnlich durch das ausgeschwitzte Harz zu einem dichten Knäuel verklebt. Die Farbe des indischen Hanfs ist grün braun, der Geruch angenehm und kräftig aromatisch. Die Haup tbes tan d theile des indischen Hanfs sind: 1) Das Cannabin (Haschischin), eine braune harzartige Masse von hypnotischer Wirkung, 2) das Tetanocannabin (Tetanin), ein krampf-erzeugendes Alkaloid, 3) das Cannabinon und 4) das aus den Kohlenwasserstoffen Cannabeen (C|SHW) und Cannabeenwasserstoff (C|SHW) zusammengesetzte Hanföl (ein ätherisches Oel). Frühere Präparate des indischen Hanfs waren Herba Cannabis indicae, Cannabinonum, Cannabinum tannicuin,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
1(30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Lactucarium. Loboliakraut. Gclscminin.
gerbsaures Camiabin. Der indische Hanf wirkt durch seinen (iohalt an Cannabin (nach Anderen an Hanföl) beim Menschen narkotisirend auf das Gebim; dem eigentlichen Schlafe geht dabei immer ein mehr oder weniger intensives Erregungsstadium voraus (Hallucinationen, angenehme Trilume, geschlechtlicho Erregung; aber auch hochgradige Unruherscheinungen, Tobsucht, Krämpfe sind schon beobachtet worden). Man hat ihn daher als Hypnotic um (namentlich in der Form des Cannabinum tannicum), sowie als Sedativuni bei Hysterie, Tetanus, Strychninvergiftung, Chorea, nervösen Aufregungen, Neuralgien etc. beim Menschen angewandt. Die Angaben widersprechen sich jedoch, auch ist die Wirkung häufig mit unangenehmen und selbst toxischen Nebenerscheinungen verknüpft (Tetanin-gehalt der Mutterdrogue und der officinellen Präparate; Unsicherheit der im Handel vorkommenden Präparate). Ich habe das Cannabinum tannicum in mehreren Fällen von nervöser Staupe beim Hunde versuchsweise angewandt, jedoch niemals trotz sehr grosser Dosen (ich stieg bis zur 30fachen Dosis des Menschen) den geringsten sedativen oder hypnotischen Erfolg constatiren können. Ein 5 Kilo schwerer, 3 Monate alter Mops bekam beispielsweise Dosen bis zu 6,0 und 0,0 und innerhalb 5 Tagen zusammon 18,5 g Cannabinum tannicum ohne alle therapeutische oder toxische quot;Wirkung. Darnach dürfte von der Anwendung dieses Mittels in der Thierhoilkundo wohl kaum etwas zu hoffen sein.
f Cortex Piscidiae, die Piscidiarinde, von Piscidia erythrina, einer Leguminoso auf den Antillen, welche in ihrer Heimath zum Betäuben und Fangen von Fischen benützt wird, ist als Hypnoticum an Stelle des Opiums in Form des Extractes (Extractum Piscidiae orythrinae fluidum) empfohlen worden. Die Kinde soll ein Cilykosid, das Piscidin, enthalten. Ich habe das Piscidiaextract in verschiedenen Fällen beim Hunde ohne jeden Erfolg in Dosen von 1, 2, 4, 5 und 10 g (bis zum lOfachen der Dosis für den Menschen) angewandt.
f Lactucarium, G i f 11 a 11 i c h s a f t, ist der Milchsaft von L a c t u c a v i r o s a, einer Cichoriacee, welche in Deutschland, Frankreich und England kultivirt wird (Lactuca sativa = Kopfsalat). Das Präparat bildet gelbbraune, innen weissliche Klumpen von eigenthümlich narkotischem Gerüche und zäher Consistenz, welche als wirksamen Bestandtheil das Lactuoin enthalten sollen, das als solches ebenfalls angewandt wird. Man unterscheidet deutsches, französisches und englisches Lactucarium. Die Wirkung ist die eines Hypnoticums (für den Menschen 0,52,0). Grössere Dosen lähmen das Rückenmark und die motorischen Nerven. Tödtliche Dosis für den Hund 12 g (Hertwig).
f Herba Lobeliae, Lobelienkraut, von Lobelia inflata, einer Lobe-liacee Nordamerikas, enthält das flüchtige Alkaloid Lobelin, ausserdem Lobelacrin (ein Glykosid) und ätherisches Oel. Das Kraut besitzt einen scharfen, tabakühnlichen Geschmack und wirkt als Acre-Nar c o ticum ; grössere Dosen tödten durch AthinungsUlhmung. Das Kraut wird beim Menschen gegen Asthma geraucht oder innerlich in Form der Tinctura Lobeliao eingenommen.
f Gelseminin, das Alkaloid von Gelsemium sempervirens (gelber Jasmin), einer Kletterpflanze (Loganiacee) Amerikas, ist gegen llheuma-tismus, Zahnsohmerz und Neuralgien beim Menschen empfohlen worden.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Gymnomiisäui-i.'. Solanui. Chloriiiothyl
|
161
|
||
|
|
|||
|
Das Alkaloid ist sehr giftig; die tödtliche Dosis i'ür den Menschen beträgt 0,05, für ein Kaninchen '(j mg. Die Wirkung besteht in Schwilchung der Motilitilt, Ata.vie der Extremitilton, Mydriasis, Herabsetzung der Athmungsthiltigkeit, der Herzthiitigkeit und der Temperatur, Sinken der Sensibilität und schliesslich in Athmungslähniung. Neuerdings wird in Deutschland die aus der Wurzel bereitete Tinctura Gelsemii vielfach als Antineuralgicum angewandt.
t Piper methysticum, ein mehrere Meter hoher Strauch, dessen Wurzel Kawa-Kawaquot; heisst und nach Lewin einen harzartigen Stoff enthält, der viel Aehnlichkeit mit Coca^in hat, indem er örtlich Anästhesie und innerlich angenehme Erregung erzeugt. Giftige Dosen sollen Betäubung und Somnolenz hervorrufen.
Gymnemasäure. Die aus den Blättern von Gymnema silvestre dargestellte Gymnemasäuro (Acidum gymnemicum) hat eine speeifische sedative Wirkung auf den Gosohmacksnerven (ageustische Wirkung gegenüber Bitter und Süss) und dient zur Bekiiinpfang abnormer Geschmacks-empflndüngen bei Diabetikern.
t Aspidosperma Quebracho ist ein Baum in Santiago (Apocynee), dessen liinde (Quebracborinde) daselbst als Fiebermittel, in Europa als Gerbmittel benutzt wird und zwei Alkaloide enthält: das Aspidospermin und Qnebrachin. Die letzteren erzeugen Muskel- und Athmungsläbmung und werden als Aspidosperminum hydrochloricum und Quebrachinum hydro-chloricum zur Herabsetzung der Athemnoth bei Emphysem, Klappenfehlern etc., gewissem!assen als Specificum gegen Dyspnoö, erstores zu 1 bis 2 mg, letzteres zu 510 cg beim Menschen angewandt. In ähnlicher Weise wird auch die Rinde selbst (10,0) und ein Extract derselben (0,2) gegeben.
Solanin findet sich als alkaloidartiger Körper in verschiedenen Solaneen, so z. B. auch in der keimenden Kartoffel, im Kartoffelkraut und den Kartoffelfrüchten, ferner in den früher offieinellen Stipites Dulca-marae, den Bittorsüssstengeln. Das Solanin lähmt die nervösen Centralorgane und tödtet durch Athmungsläbmung. Es wird beim Menschen empfohlen gegen Neuralgien, Tremor, gesteigerte Eellexerregbar-keit, Neuritis etc. in Tagesdoson von 0,0250,0;i. Auch ein Extract von Solanum carolinense wird beim Menschen gegen Epilepsie angewandt. Eine Solaninvergiftung nach Aufnahme keimender Kartoffel kommt zuweilen bei den Wiederkäuern vor.
t Chlormethyl. Das Chlormetbyl oder Methylchlorid, 0H801, ist mit dem Chloroform, ÖHOI3, nah verwandt. Es bildet ein gasförmiges Arzneimittel. welches durch Atmosphärendruck zu einer Flüssigkeit com-primirt wird. Beim Zerstäuben dieser Flüssigkeit entsteht in Folge Ueber-gangs derselben in den gasförmigen Zustand starke Kälte ( 21deg; C), welche schmerzstillend bei Neuralgien wirkt. Der Chlormethylspray wirkt mithin ähnlich, aber viel stärker, als der Aetherspray. Ein Gemisch von Methyl- und Aetbylchlorid ist als Coryl oder Liquor antihidror-rhoieus bezeichnet worden.
|
|||
|
|
|||
|
t Mothylenura bichloratum, Methylenbichlorid = CH2C1.2, dargestellt durch Einwirken von Chlorgas auf Chlonnethyl; eine klare, farb-FrObner, Avzuciinittollchre. I. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
1(32nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aethylohlorid. Bromoformi
lose, angenehm riechende Elüssigkeit. Wirku n g = C hlorofor in. Von Spencer Wells in England statt des Chloroforms wegen des fehlenden Excitationsstadiunis empfohlen. Das Mittel ist jedoch, wie neuere) Untersuchungen gezeigt haben, ein sehr starkes Krarnpfgift. Auch Nogotin (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI) hat hei seinen Versuchen an Pferden, Hunden und Katzen gefunden, dass sich das Mittel wegen des sehr stürmischen Erregungsstadiums und des auftretenden Opisthotonus für die Hausthiere als Narcoticum nicht eignet.
f Aether chloratus (Aethylchlorid, dielen). Das Aethylchlorid, O0H5OI, ist bei gewöhnlicher Temperatur gasförmig, lässt sich jedoch leicht condensiren und stellt dann eine farblose Flüssigkeit von angenehmem ätherischem Gerüche dar, welche schon bei 1012quot; 0. siedet. In Folge dieses niedrigen Siedepunktes und der bei dein Verdampfen entstehenden Verdunstungskälte wird das Aethylchlorid zur schnellen Erzeugung von localer Emfindungslosigkeit an schmerzenden oder zu ope-rirenden Stellen, insbesondere in der Zahnheilkunde beim Menschen, sehr empfohlen.
t Aethylenum chloratum, Aethylenchlorid (Liquor liollandicus), aus Aethylengas und Chlor dargestellt, eine farblose, chloroformiihnliclie Flüssigkeit von der Formel (OH-jJjOIj. Wirkung = Chloroform, aber gefährlicher; äusserlich gegen Rheumatismus in Form von Einreibungen. Dubois und Houx beobachteten bei ihren Versuchsthieren nach der Inhalation von Aethylenchlorid eine Trübung der Cornea, ohne dass hiebe! eine Berührung der Augen mit den Dämpfen des Mittels stattgefunden hatte.
t Aethylidenum chloratum, Aothylidenchlorid, eine farblose,, chloroformähnliche Flüssigkeit, von Liebreich als Ersatzmittel des Chloroforms wegen des schnelleren Nachlasses der Narkose und der geringeren Giftigkeit empfohlen.
t Bromoformium, Bromoform, CHBrj, aus Biomalhydrat durch Behandeln mit Kalilauge dargestellt, eine schwach gelblich gefärbte, chloro-formähiiliche Flüssigkeit von der Wirkung des Chloroforms. Das Bromoform wird in der Menschenheilkundo als Anästheticum beim Keuchhusten empfohlen. Im Uebrigen besitzt es eine stark reizende örtliche Wirkung. Versuche von Negotin (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde VI) bei Hunden und Katzen ergaben bezüglich der narkotischen Wirkung ungünstige Resultate.
t Bromalum hydratum, Bromalhydrat, durch Destillation von Brom mit Alkohol dargestellt; bildet nadclförmige, in Wasser leicht lösliche Krystalle, welche mit Kalilauge behandelt in Bromoform und Ameisensäure zerfallen. Ein chlo ralähnlich wirkendes Hypno ti cum, jedoch mit stärkerer Einwirkung auf das Herz. Dosis für den Menschen 0,5.
f Camphora monobromata, Monobromcamphcr = C|0H|-,OBr, durch Einwirken von Brom auf gepulverten Campher dargestellt, bildet farblose prismatische Nadeln oder Schuppen von schwachem, campher-ähnlichem Gerüche, welche in Wasser fast unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether und Chloroform löslich sind. Der Monobromcampher ist subeutan
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Methylal. Aeeton. Sclnvelelkolilenstofr.
|
163
|
||
|
|
|||
|
und innerlich alsSedati vum boi Epilepsie, Tetanus, Strychninvcrgiftung etc. empfohlen worden. Ich habe denselben beim Starrkrampf des Pferdes ohne besonderen Erfolg angewandt.
f Aethylum jodatum, Aether jodatus, Jodäthyl, .lodilther = CjHjJ, durch Eintragen von Phosphor in verdünnte alkoholische Jodlösung dargestellt, eine farblose, eigenthümlich riechende Flüssigkeit, örtlich und allgemein an ästhesir end, wegen der leichten Zersetzlichkeit aber nicht zu empfehlen.
f Somnalum, Somnal, ein neues Hypnoticum, soll angeblich eine ftthy 11 sirte Verbindung von Chloral und Urethan sein. Die chemische Einheit wird jedoch bestritten.
t Butylchloral soll nach Liebreich beim Menschen in Dosen von 13,0 Anästhesie im Gebiete des N, trigeminns (Neuralgien), in grüsseren Dosen Schlaf erzeugen.
t Methylalum, Methylal, von der Formel CH^OCHj)., = Methylen-dimetbyläther, dargestellt durch Destillation von Methylalkohol, Schwefelsäure und Braunstein, eine farblose, Hüchtige, nach Chloroform und Essigäther riechende Flüssigkeit, auf der Haut und auf der Zunge ein Gefühl von Kälte erzeugend. Das Methylal ist von 1*ersonali als ein mildes, aber sicheres Hypn oticum in Dosen von 1,0 für den Menschen (innerlich oder per clysma) empfohlen worden.
f Acetalum, Acetal, Diilthylacetal von der Formel OjH^O. OjHj)}
= Aethylidendiäthyläther, durch Destillation von Alkohol, Braunstein und Schwefelsäure dargestellt, eine iltherartig riechende, schwach bitter, pfefferminzähnlich schmeckende, 1 ! 18 Theilen Wasser, in Alkohol sehr leicht lösliche Flüssigkeit, von v. Me ring als Hypnoticum an Stelle des Chlorals empfohlen. Dosis für den Menschen 815,0.
t Dimethylacetal von der Formel G,H4(OCH;j)2 = Aethylidendimethyl-äther, aus Aldehyd, Holzgeist und Eisessig dargestellt, eine farblose Flüssigkeit von 0,85 speeifischem Gewicht, von v. Mering in einer Verbindung mit '/a Chloroform in allen denjenigen Fällen als Inhalationsnarcoticum empfohlen, in denen Chloroform zu gefährlich ist.
f Acetonum, Aceton, von der Formel 0H8.00.OHraquo;, dargestellt aus
essigsauren Salzen durch trockene Destillation (auch im diabetischen Harn vorkommend), eine farblose, brennende Flüssigkeit von eigenthümlichem Gerüche, leicht löslich in Wasser, Alkohol, Aether, von alkoholähnlicher Wirkung, jedoch nur äusserlich als Reizmittel gegen Rheumatismus mit anderen Flüssigkeiten und zur Herstellung von Collodium verwendet.
f Schwefelkohlenstoff, Carboneum sulfuratum, von der Formel 0So, hergestellt durch Leiten von Schwefeldärnpfon über glühende Kohlen, bildet eine farblose, stark lichtbrechende, eigenthümlich ätherisch riechende Flüssigkeit, welche in Gaben von 20 g als wirksames Mittel gegen die Bremsenlarven beim Pferd empfohlen wird (Perroncito und Bosse). Beim Menschen entsteht nach dem fortgesetzten Einatbmen von Schwefelkohlenstoffdämpfen (Kantschukarboiter) eine Chronische Vergiftung, welche sich in schweren psychischen Störungen äussert.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
1(34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; rental. Piperazin. Sponnin.
t Stickstoffoxydul, Lustgas, Lachgas, N^jO, erzeugt eine kurze, ungefährliche Allgemeinnarkose heim Menschen (Zahnhoilkunde). Neuerdings wird es mit 20 0/o Sauerstofi' zusammen angewandt, wobei nur die Empfindlichkeit, nicht aber das Bewusstsein aufgehoben wird.
f Propylamin, C:iH7. NIL,, wird als Sedativum gegen Krampfzustände (Chorea) empfohlen.
f Pental. Dieses neue Schlafmittel ist ein Kohlenwasserstoff von der Formel CjH|0, und ist chemisch als Amylen aufzufassen (vergl. Amylen-hydrat). Es wird aus Amylalkohol dargestellt und bildet eine farblose Flüssigkeit von senfolartigem (ieruch und geringem speeifischem Gewicht (0,67); der Siedepunkt liegt ähnlich wie beim Aether bei 38deg; C. Die Anwendung erfolgt durch Inhulation. Die Mehrzahl der Beobachter hat sich gegen dasPental erklärt, nachdem eini ge V ergiftungs-f äl le beim Men sehen durch dasselbe v erurs acht worden sind.
Spiritus Aetheris nitrosi, versüsster Salp et ergeist, in Deutschland offloinell, aus Salpetersäure und Weingeist hergestellt, hauptsächlich Aethylnitrit enhaltend, eine gelbliche, flüchtige Flüssigkeit von angenehmem Obstgeruch (nach Borsdorfer Aepfeln) und süsslichem, brennendem Geschmack, mit Wasser klar mischbar, mit Eiscnchlorür sich tiefbraun färbend (Nitrit-Reaction), als anregendes Mittel (Excitans) wie der Aether an ge w a n dt.
f Spmtus Aetheris chlorati, versüsster Salzgeist, früher
officinell, aus Chlor und Weingeist dargestellt, enthält wechselnde Mengen von Chloral, Aethylchlorid, Aldehyd und Weingeist. Wirkung wie Spiritus aethereus.
t Pellotiu. Das Alkaloid Pellotin von der Formel C1:,H|,|NO;, ist der wirksame Bestandtheil der Pelotte, einer mexikanischen Droge, die aus dem Milchsaft von Cacteen, namentlich von Anhulouium Williamsi, bestellt. Das in der Form des Pe Hot in um hydr ochl oricum therapeutisch benutzte Cacteenalkaloid wird neuerdings in Dosen von 0,05 als Schlafmittel für den Menschen empfohlen (Hofftor. Jolly). Eigenthüm-lich ist seine gleichzeitig pulsverlangsamende Wirkung.
f Piperazin. Dasselbe ist aufzufassen als Diäthylondiamin = (O^H^j (NH).^ und soll eine harnsäurelösende Wirkung besitzen, weshalb es gegen G icht empfohlen wird. A.P. 1,0 = 80 Pfennige (!). Aehnliche Gicht-jnittel sind Lycetol und Lupetacin (Dim o thy Ipiperazin), Lysidin (A et h y 1 e n ii t h c n y 1 d i a m i n), Urotropin (Hexamethylentetramin. Formin) u. a. Die Angaben über den Werth dieser Mittel sind sehr widersprechend.
f Spermin, Im Jahre 1885 will Brown-Sequard die Entdeckung gemacht haben, dass der Hodensaft junger Thiere beim Menschen nach der sübeutanen Injection eine Steigerung des Wohlbefindens und der Zeugungsfähigkoit bedinge. Als Grundlage dieser Wirkung hat man das S p e r m i n bezeichnet. Nach neueren Untersuchungen ist dasselbe identisch mit dem Aethylenimin (sogen. Schroiner'sche Base). Die geschlechtserregende bezw. tonisirende Wirkung dieses Körpers ist im Uebrigen wissenschaftlich noch nicht dargethan.
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Thyreoiiliii.
|
105
|
|||
|
|
||||
|
|
t Thyreoidin, Die Gowobss.ifttherapioquot;, d.h. die Behandlung verschiedener Organerhranknngen durch die Verabreichung der entsprechen' tlen gesunden Organe von Thieren, hat ihren Ausgangspunkt von dem Spennin genommen. Aehnliob wie das Spermin hat man auch andere K'örporsilf'te als Organbeilmittel versucht. So benützt man den Saft der Schilddrüse (Thyreoidin) gegen verschiedene Erkrankungen, namentlich gegen das My x öd ein und gegen den Kropf, ausserdem gegen Hautkrankheiten, gegen Fettsucht, gegen die Basedow'sehe Krankheit u. s. w. Es kann nach den bisherigen Erfahrungen heim Menschen und Hunde nicht bezweifelt werden, dass jene eigentbümhchen, bei pathologischen Veränderungen der Schilddrüse, sowie nach Entfernung der kropfig entarteten Schilddrüse auftretenden, als Myxödem hezw. als Cachexia strumipriva bezeichneten Krankheitserscheinungen, welche durch OdematOse Schwellung (Aufgedunsenheit) der Haut am Kopf und Körper tiberbaupt, sowie durch eine Abnahme der geistigen Fähigkeiten gekennzeichnet sind, durch die Verabreichung thiorischer Schilddrüsen per os oder durch subeutane Injection von Scliilddrüsenpräparaten (Thyreoidin) in manchen Füllen mit Erfolg behandelt worden sind. Die wissenschaftliche Erklärung dieser empirisch festgestellten Thatsaclie ist deshalb so schwierig, weil über die physiologischen Functionen der Schilddrüse zur Zeit so gut wie gar nichts bekannt ist. Es kann sich daher auch nur um mehr oder weniger proble-matisohe Erklärungsversuche handeln. Nach der einen Theorie (Brieger-Wassermann) ist die normale Schilddrüse ein Entgiftungsorgan für den Körper in der Weise, dass sie fort und fort antitoxischo Substanzen (Thyreoidin) in die Blutbahn sendet, um die in jedem gesunden Körper circulirenden Selbstgifte, bozw. die dadurch bedingte Selbstvergiftung (Autointoxication) zu bekämpfen. 1st jedoch die. Schilddrüse krank oder exstir-pirt, so fehlen die für den Selbstschutz des Körpers nüthigen Antitoxine, und die Selbstgifte des Blutes führen zu einer Autointoxication, welche sich als Myxödem bezw. als Cachexia strumipriva äussert. Von anderer Seite (Niolssen) wird behauptet, die physiologische Aufgabe der Schilddrüse bestehe darin, das Schleimgewebe des Körpers in leimgebendes Bindegewebe umzuwandeln. Beim Fehlen bezw. bei operativer Entfernung der Schilddrüse komme das Bindegewebe des Körpers nicht über sein Anfangs-stadiuin , nämlich über das Seideimgewebe hinaus, woraus sich die ausser-ordentliohe Schleimanhäufung beim Myxödem erkläre. Eigenthümlioherweise treten bei der Tliyreoidinbohandlung ähnliche unangenehme Nebenwirkungen auf, wie man sie nach der Injection von Malle'fn und Tuberculin beobachtet hat (Fieber, Herzklopfen, Dyspnoö, Schwellungen und Exantheme der Haut u. s. W.). Von Schil d d rüsenp rilp a raten sind zur Zeit die nachstellenden im Gebrauch:
1)nbsp; Die Schilddrüse selbst in roher oder gekochter Form als Nahrungsmittel genossen. Man benützt hiezu die Schilddrüse von Kühen. Kälbern oder Schafen und lässt sie roh mit Salz auf Brot oder gekocht in Form von Fleischbrühe oder als Pastete mit Wein gemessen und zwar 'i.i bis 2 Drüsen pro Tag. Häufig soll schon ein Heilerfolg eintreten, wenn nur einmal in der Woche Schilddrüse genossen wird.
2)nbsp; nbsp;Ein flüssiges Schilddrüsenextract (Extractum ghmdulae thyreoideae liquidum), durch Verreiben der Drüsen frisch geschlachteter Schafe mit Glycerin unter Zusatz von '/raquo;0Jlt;gt;igem C/arbolwasser und Filtriren hergestellt. Dosis B15 Tropfen für den Menschen.
3)nbsp; Ein trockenes Scliilddrüsenextract (Extractum ghindulao thyreoideae sicenm, Thyreoidhmtn siccatum). Die frischen Schilddrüsen des Schafes
|
|||
|
|
||||
|
i
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
1()(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thlerisulio Org'aupriiparato.
werden mit WaSSSl* und Glycerin zu gfleiobon Theilcn extraliirt, filtrirt und mit Phospliorsäurc angesäuert, worauf das Extract mit Aotzkalk bis zur alkalischen Reaction versetzt wird. Nachdem schnell filtrirt und der Niederschlag auf dorn Filter ausgewaschen ist, wird derselbe ohne Erwärmung über Schwefelsäure getrocknet und pulverisirt. Nach einer anderen Darstellung werden die von Fett und Bindegowebe sorgfaltig gereinigten Drüsen fein zerbackt und in einem Mörser zu Brei zerrieben, mit der doppelten Menge Glycerin 24 Stunden stehen gelassen und mehrere Male durch hj-drophile Baumwolle filtrirt. Man erhält dann als Filtrat eine röthlicho, nicht ganz klare Flüssigkeit, in welcher durch absoluten Alkohol ein dicker, graugelber Bodensatz ausgefallt wird, welchen man im Vacuum filtrirt und durch Alkohol auswäscht, worauf er hei ganz gelinder Wärme (höchstens 30 quot;) getrocknet und pulverisirt wird. Das Präparat bildet dann ein graubraunes Pulver, welches in Pillen- oder Pastillenfbrm verabreicht wird. Dosis 0,10.3. Aohnliche Präparate sind das Thyreoidinum depuratum, Thyro-proteid, Thyreojodin (Jodverbindung) u. a.
f Andere thierische Organpräparato. Analog der isopathischen Verwendung der Schilddrüsenpräparate gegen Krankheiten der Schilddrüse werden neuerdings ganz wie in den alten Zeiten der Isopathie und Homöopathie zahlreiche Präparate aus thierischen Organen als Heilmittel angewandt. Zu erwähnen sind Cerebrum exsiccatum. getrocknetes Kälberhirn (gegen Neurasthenie), Glandulae sup rar enales siccatao, getrocknete Nebennieren von Hindern und Schafen (gegen die Addison'sche Krankheit), Hypophysis cerobri siccata, getrockneter Hiruanhang von Bindern (gegen Akromegalie), Medulla ossium rubra siccata, getrocknetes rothos Knochenmark von Bindern gegen Anämie, pernieiöse Anämie, Bachitis u. s. w.j, Ovariinum siccatum, Prostata siccata, E o n e s s i c c a t i u. s. w.
t Cancroin. Nach Adamkiewicz (Untersuchungen über den Krebs und das Princip seiner Behandlung 1893) ist der Krebs eine parasitäre Infection in der Weise, dass die Krebszellen selber die speeifischen Parasiten darstellen. Er bezeichnet daher die Krebszellen als eine Coccidienart und rennt sie Coccidium sarcolytus. Diese Krebszellen bezw. Coccidien sondern nach Adamkiewicz ein dem Tuberculin und Mallein analoges giftiges Stofl'weehselproduct, das Cancro'iii, ab. Dieses Cancroin soll nahe verwandt bezw. identisch sein mit Ncurin. Adamkiewicz benutzt daher das Ncurin unter dem Namen Cancro'inquot; in Form von subeutanen In-jeetionen als Heilmittel gegen Krebs. Die Neurininjectionen sollen ein Absterben nur der Krebszellen zur Folge haben. Eine Bestätigung dieser Antraben ist bisher nicht erfolgt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Erregende Nervenmittel. Excitantia.
|
|||
|
|
|||
|
Semen Strychnl. Brechnusssameii.
|
|||
|
|
|||
|
Slam mpflanxo; Stri/chnos mix romica. ganiaceen).
|
Familie: Stri/clmaceen (Lo-
|
||
|
|
|||
|
Geschichtliches. Die Strychnossamen sind erst im 15. Jahrhundert nach Baropa eingeführt und zunächst zum Vergiften von Thieren vorwendet worden. Als Heilmittel wurden sie zuerst im Jahre 1770 benutzt. Im Jahre 1818 hat Pelletier das Strychnin entdeckt.
Pharmakognosie. 1) Die Stryclmossamen (Nux vomioa, Krähenaugen, Brechnuss) stammen von Strychnos mix vomioa, einem Baume Ostindiens (Ceylon, Coromandel), dessen goldgelbe, orangenähnliche Aepfel die Samen in einem weissen Muse enthalten. Die Samen sind flach Scheiben- oder münzenförmig, kreisrund, häufig verbogen, sehr hart und von einem grünlichgrauen, seidenglänzenden, anliegenden Filze bedeckt, 21/raquo; cinDurch-messer und etwa '/* C1U Dicke erreichend. Am Hantle verläuft eine feine Leiste mit einem warzig vorspringenden Nabel. Der Kern ist hornartig, weisslicli, eiweissreich und in der Mitte parallel mit den Samenflächen gespalten; in dieser Spalte liegt der Keim. Die Samen sind geruchlos, schmecken aber äusserst bitter. Sie enthalten 2 Alkaloide: das Strychnin (0,52,0n/o), welches die charak-teristischo Wirkung der Stryclmossamen bedingt, und das Brucin (1 0/o), gebunden an die Igasursäure; ausserdem Eiweiss, Fett, Zucker, Gerbsäure.
2) Das Strychnin ist ein krystallinisches Alkaloid von der Formel O^HggNgOg, welches ausser in der Brechnuss auch in der Ignatius-bohne (Strychnos Ignatii s. amara) und im javanischen Pfeilgift enthalten ist. Offlcinell ist das Strychnimm nitricum; dasselbe stellt
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
108nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Stryclmin.
farblose, scidcng 1 ilnzcnde Krysta 11 nade 1 n dar, welche noch in einer Verdünnung von 1 : '2, Millionen Wasser bitter schmecken und sich in 00 Theilen kaltem (in 3 Theilen siedendem) Wasser, ferner in 70 Theilen kaltem Alkohol lösen. Beim Kochen eines Körnchens Strychninnitrat mit Salzsäure tritt llothfärbung ein. Die Lösung des Strychninnitrats in Schwefelsäure färbt sich mit doppelt chromsaurem Kali violettblau, dann roth und grün (Strych-ninchromat; Identitätsrcaction). Bei der trockenen Destillation oder beim Erhitzen mit Natronkalk wird aus dem Strychnin das mit dem Indol verwandte Carbazol, ausserdem Skatol und Mothylpyridin abgespalten, Products, welche für die Kcnntniss der Constitution des Strychnins von Bedeutung sind. A.P. 0,1 = 5 Pfennig.
Darstellung des Strychnins. Die nach Einwirkung heisser Wasserlaquo; dämpfe erweichten und pulvorisirten Samen werden mit wässerigem Alkohol ausgekocht, von dem Auszüge der Alkohol abdestillirt und der Eückstand mit Hleiacetat versetzt. Das erhaltene Filtrat wird mit .Schwefelwasserstoff entbleit und mit Magnesia versetzt. Der Niederschlag wird mit Alkohol ausgekocht. Aus dieser alkoholischen Lösung krystallisirt das Strychnin aus und wird mit Salpetersäure in Strychninnitrat übergeführt; Brucin bleibt in der Losung.
Tinctura Strychni, eine gelbe Tinctur von sehr bitterem Geschmacke (strychnin- und brucinhaltig), bereitet uns 1:10 verdünntem Alkohol. 10,0 = 15 Pfennig. Extractum Strychni (spirituosum), ein wässerig-weingeistiges, trockenes, braunes Extract mit etwa 10 quot;o Ausbeute. 1,0 = 45 Pfennig.
Wirkung des Strychnins. 1) Das Rückenmark bildet den Hauptangriffspunkt für das Strychnin. Die Reflexerregbarkeit, desselben wird ausaerordentlich gesteigert und die gesammte Körpermuskulatur in tetanische Krämpfe versetzt (Strychnintetanus). Besonders gesteigert ist die Erregbarkeit durch tactile, acustische und optische Reize.
2) In Folge starker Erregung des Athmungscentrums wird die Athmung erschwert; ausserdem besteht Tetanus der Respirationsmus k e 1 n sowie G1 o 11 i s k r a m p f mit 0 y a n o s e und Unterbrechung der Athmung. Der Strychnintod ist gewöhnlich die Eolge von Erstickung resp. von Lähmung des Athmungscentrums.
'{) Das vasomotorische Centrum wird ebenfalls heftig erregt; diese Erregung äussert sich in tonischem Arterienkrampf, starker Blutdrucksteigerung und Temperaturerhöhung (bis um 00 C). Die Hcr/thätigkeit ist beschleunigt, wird aber erst später als die Athmung gelähmt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Strychnia.
|
1(30
|
||
|
|
|||
|
4)nbsp; Die Grosshirnfunctioncn bleiben vom Strychnin tin* bceinflusst, es ist namentlich das Bewusstsein frei mit Ausnahme der Erstiokungsanfälle.
5)nbsp;Die sensitiven p e r i p h e r e n Nerven werden durcdi Strychnin beim Menschen in eigenthümlichcr Weise irritirt. DasStrycli-nin steigert nämlich die Feinheit des Gcruchsinns, die Sehschärfe und die Tastempfindung der Hautnerven.
6)nbsp; nbsp;Das Strychnin besitzt starke fäulniss- und gährungs-widrige Eigenschaften.
7)nbsp; Es wirkt in sehr kleinen -Dosen als Bittermittel verdau u n g s b o s s e r n d.
Die Ausscheidung des Strychnins durch den Harn, Schweiss, Speichel, etc. erfolgt erst einige Tage nach der Einverleibung; aus diesem (laquo;runde #9632;wirkt das Strychnin bei fortgesetzter Anwendung cumulati v. Das B r u c i n, welches in seiner Wirkung mit dem Strychnin ziemlich übereinstimmt, wird rascher ausgeschieden und wirkt deshalb milder.
Toxikologie. Die Stryohninvergiftung iiussert sich bei den vor-sohiedenen Haustbieren und beim Menschen übereinstimmend in hochgradiger Schreckhaftigkeit und blitzartig über den ganzen Körper sich ausbreitenden Starrkrampfanfallen von sekunden-bis minutenlanger Dauer. Dabei werden die Deine, der Hals, die Wirbelsäule, der Schweif steif gestreckt; die Athmung ist krampfhaft angestrengt. Die tödtliche Dosis des Strychnins bei subeutanor Anwendung ist eine sehr niedrige; nach den zahlreichen Untersuelunigen von Peser (Mtinohener Jahresbericht 1878) und nach den Zusammenstellungen von Palk beträgt sie durchschnittlich pro Kilogramm Körpergewicht 0,51 mg. Speciell bei den einzelnen Haustbieren betragen die niedersten subeutanen tödtliehen Dosen beim Rind 300400, P ferd 200300, Schwein 50, Menseben 30, Hund 520, Katze 25, Kaninchen 0,51, Hahn 0,75 mg; Frösche sterben schon nach 0,05 mg, weisse Mäuse nach 0,02 mg Strychnin. Bei intratrachealor Injection sterlien Pferde nach meiner Beobachtung schon nach der Einverleibung von 150 mg. Lösungen von Strychnin in Alkohol werden vom Magen viel rascher resorbirt, als wässerige Lösungen; alkoholische Stry ohnin 1 ösungen sind somit giftiger, a 1 s wässerige. Wirbellose Tbiere (Schnecken, Krebse, Käfer, Blutegel etc.) sind gegenüber Strychnin unempfindlich. Die Strychnossamen selbst zeigen je nach der Zubereitung und dem Gehalte an Strychnin und Brucin ganz verschiedene toxische Wirkung. Die ganzen Samen werden wegen ihrer Härte und schweren Lüslichkeit oft in auffallend grossen Dosen ertragen, namentlich vom Geflügel; ein Halm zeigte z. B. nach 65 g Krähenaugen, welche innerhalb 20 Tagen in steigender Dosis gegeben wurden, erst vom 13. Tage ab bei Einzelndosen von 10 g die Erscheinungen der Strychnin Vergiftung (Desportes). Nach Hertwig ertrug ein Pferd 40 g Strychnossamen in l'illenform, starb aber, als dieselbe Dosis im Decoct gegeben wurde. Schafe starben nach 80 ff der Samen, dai'ejjen zeigten Schweine nach 12g keine,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
170
|
Stryohnin.
|
||
|
|
|||
|
nach 14 g nur eine mittelstarke Strjcbninwirkung. Einer Ziege wurden innerhalb 11 Tagen 26 g Erähenailgenpulver ohne Wirkung verabreicht (Genzken). Hunde starben nach 0/)1,0 Strychnossamenpulver.
Anwendung. 1) Gegen spinale und cerebrule motorische Lähmungen, vorausgesetzt, dass die Nervenleitung nicht ganz unterbrochen ist. Man wendet das Strychnin insbesondere gegen Paresen und Paralysen der Nach hand (Kreuzlahme) an, wie sie im Anschlüsse an Traumen und entzündliche Veränderungen des Ilückcn-niarks und seiner Häute sowie als Folgeerscheinung allgemeiner Krankheiten (Staupe der Hunde, Brustseuche, Beschälseuche etc) sich ausbilden. Bei Lähmungen, welche durch centrale Neubildungen bedingt sind, ist Strychnin selbstverständlich nutzlos.
2) Gegen Lähmungen poripherer motorischer Nerven, insbesondere gegen Pacialis-, Trigeminus-, Radialis-, Tibialis- u, B. w. Lähmung. Auch im Anfangsstadium des Kohlkopfpfeifens beim Pferde (Lähmung der Stimmritzenerweiterer) wird empfohlen. Strychnin intratr acheal zu injiciren (v. Chelcho wski). Man beginnt gewöhnlich mit 0,03, injicirt am li. Tage 0,01, setzt am 3. Tage aus, gibt am 4. Tage 0,05 und am 0. Tage 0,06 Strychnin. Da sich bei höheren Dosen sehr leicht Vergiftungsersoheinungen einstellen, ist eine erhebliche Ilebersehreitnng der genannten Dosen (0,0J?0,06) bei der intratrachealen Injection nicht räthlich. Endlich kann Strychnin hei Blasenlähmung (Incontinentiaurinae), bei Schwäche des Sphincter ani mit Neigung zu Mastdarmvorfall sowie bei Bleilfthmung angewandt werden.
8) Gegen die Lähmung sensitiver Nerven, namentlich gegen Amblyopic und beginnende Amaurose, subeutan in der Schläfengegend injicirt. Strychnin ist jedoch nutzlos, wenn sich mit dem Augenspiegel bereits hochgradige Veränderungen der Papille (totale Atrophie) nachweisen lassen. In einem Fall von Amaurose heim Hunde mit beginnender Atrophie der Gefässe in der Papille konnte ich nach 3tägiger Anwendung von Strychnin (2 mg pro dosi) eine Besserung des Sehvermögens sowie eine ophthalmoskopisch nachweisbare stärkere Gefässinjection der Papille herbeiführen (Monatshefte f. prakt. Thierheilk. V, S. 206). Ein ähnlicher Fall von Heilung ist beim Pferde beobachtet worden (Bayer. Mil.-Vet. Bericht 1894).
4) Gegen chronische Magen- und Darmkatarrhe, nament-licli bei der sogenannten Ruhr der jüngeren Thiere in Form der Tinc-tura Strychni und in Verbindung mit Opium als Stomachicum und tonisches Stypticum (früher auch gegen Hclminthiasis).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Strycluiiii.
|
171
|
||
|
|
|||
|
5) Als Ant idot bei Chloroform- und (üiloralhydrat ve r-giftungen, sowie bei allen anderen narkotischen Vergiftungen (starke Erregung des Athmungscentrums).
Dosis und Form. Es empfiehlt sich, von allen Strychnospräpa-raten ansschliesslich das Stryclminum nitricum anzuwenden, da die Semina Stryohni, die Tinetura und das Extractum einen ganz inconstanten Strychningehalt aufweisen. Nur die Tinetura Stryelmi wird lierköinmlieiiei'weise als Stomaehicum und Stypticum noch angewandt und zwar bei Hunden, Kälbern und Lämmern tropfenweise (510 Tropfen), bei Pferden zu 610 g. Die medikamcntell e innerliche und subeutane Dosis des Strychninum nitricum beträgt durchschni111 ich Vo nig proKiloKörpergewioht (Feser). Wendet man dagegen das Strychnin intratrach ea 1 an, no muss wegen der rascheren und intensiveren Wirkung die Dosis vermindert werden, sie beträgt in diesem Falle nur 1^o mg pro Kilo Körpergewicht. Vor jeder Strychninanwendung bestimme man womöglich genau das Körpergewicht des Thieres, um eine sichere Grundlage für die Dosirung zu besitzen. Man verschreibe ferner womöglich Einzeldosen, setze jeden 3. Tag mit der Application aus und halte keine Strychninlösungen vorräthig. Die Dosen des Stryclminum nitricum betragen bei innerlicher und subeutauer Application für
Pferde 0,050,1.
Kinder 0,050,15.
Schafe und Ziegen 0,005.
Schweine 0,0020,005.
Hunde 0,0010,003.
Katzen 0,0005 0,0(11.
Geflügel 0,00020,0005.
Eeoepte.
1)nbsp; Kp. Stryohnini nitrioi 0,0quot;).
Aqu. destill. 5,0. M. D. S. Zur suboutiuiuu Injection für ein Pferd mit Kreuzlahme oder Pfeiferdampf.
2)nbsp; Rp. Stryohnini nitrioi 0,002.
Aqu. dostill. 5,0. M. D. S. Subcutan für einen Hund mit spinaler l'arese.
8) Rp. Tinctur. Opii 10,0.
Tinctur. Stryclini 2,0. M. 1). .S. 1020 Tropfen gegen starkes Erbrechen beim Hund.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Akonitin.
4) Rp. Tinctur. Opil spl. 50,0. Tiuct. Stryohnl 10,0.
Sjiirit. Frumcnti :!00,0. M. D. S. SstUndlioh einen Esslöifel ffegen Kälborruhr.
|
||
|
|
||
|
Tubora Aconiti. ElsenhutknoUeu.
Stamnipflanzi': Aconltum Napelltis. Familie: Huniinculucecn.
Geschichtliches. Der Sturmhut ist eine solion im Alterthum bekannte Giftpflanze (Aconitum = h ä/.ow.;; d. h. auf Felsen wachsend; Napellus =a Kleine Rübe). Nach der griechischen Sage spie Cerberus, von Hercules auf die Oberwelt geschleppt, Geifer, aus welchem Sturmhut, das Gift der Medea, wuchs (Ovid). Im Mittelalter wurden mit Aconit Versuche an Verbrechern gemacht (Matthiolus). 1762 hut Stoerck in Wien die Pflanze medicinisch verwendet.
Pharmakognosie. Die Eisen- oder Sturmlmtknollen stammen von Aconitum Napellus, einer auf den höheren Q-ehirgen Europas vorkommenden und als Zierpflanze in den Gärten häullg eultivirten Ranunculacee ab. Die getrockneten Knollen sind rübenförmig, in eine einfache Spitze auslaufend, fingerlang, paarig, ungefähr 6 g schwer, ausson schwärzlich braun, stark längsrunzelig, innen weiss, von mehligem oder körnigem Bruche und zeigen auf dem Querschnitt ein sternförmiges Mark, Sie schmecken anfangs schwach, später scharf würgend, die Mund- und Zungenschleimliaut betäubend. Die frischen Knollen sind fleischig und liaben einen Rettig-geruch. Am wirksamsten sind die vor der Blüte von der wildwachsenden Pflanze gesammelten Knollen. quot;Die Tubera Aconiti enthalten zu 0,2 0,80,o das Akouitin, eines der giftigsten Alkaloide von der Formel 088H48N01S) welches beim Kochen mit Kalilauge in Akonin und Benzoesäure zerfällt. Ausserdem enthalten die Wurzeln das Alkaloid Nap ell in (Isakonitin).
|
||
|
|
||
|
Akonitinsorten. Man unterschied früher im Handel ein deutsches, französisches und englisches Akonitin. Wegen der grossen Verschiedenheit dieser Handelssorten, welche sehr häufig nur aus Zersetzungsproducten des Akonitins bestanden, hat man in neuerer Zeit chemisch reinere Producte hergestellt, von welchen jedoch keines officinell ist. 1) Aconitinum cry s tallisatum , aus Aconitum Napellus gewonnenes, krystallisirtes und daher chemisch absolut reines Akonitin, mit den in Wasser leichter löslichen salpetersauren, salzsauren und schwefelsauren Salzen: dem Aconitinum nitricum, hydrochloricum und sulfuricum cry-stallisatura. 2) Aconitinum amorphum, ein je nach der Darstellung ziemlich verschiedenes und daher nicht empfehlenswerthes Präparat.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
AkDiiitin.
|
173
|
||
|
|
|||
|
3) 1'seu daco n it i n um (Nei)iilin, Napollin, Acrakonitin), aus den Knollen #9632;von Aconitum ferox, einer in Indien vorkommenden und dort Bikh genannten Akonitart, von der Formel O^HjdNO,.,). Das Pseudakonitin zerfällt beim Kochen mit alkoholischer Kalilauge in Pseudakonin und Dimethyl-Protokatechvisilure und wirkt etwas schwächer als das krystallisirte Akonitin, welch letzteres ihm vorzuziehen ist. 4) J ap aeon i t inura , aus den japanischen Akonitknollen dargestellt; mit Aconitinum crystallisatum in der Wirkung übereinstimmend.
Tinctura Aconiti, E isenhuttinetur (1:10 verdünnter Alkohol); A.P. 10,0= 15 Pfennig. Extractum Aconiti, Akonitextract, mit einem Alkaloidgehalt von 1,52,r)0'o, ist nur in Oesterreich officinell.
Wirkung des Akonitins. 1) Auf der Haut und auf Schleimhäuten erzeugt Akonitin zuerst Reizung und Hyperämie, später Anästhesie; auf die Magen- und Darmschleimhaut wirkt es ähnlich wie Veratrin als scharfes, entzündungserregendes Mittel, indem es in grösscren Dosen Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik und Diarrhöe hervorruft. Auch die Nieren werden gereizt (vermehrte Diurese).
2)nbsp; Pulsfrequenz, Blutdruck und Temperatur werden vermindert. Auch die Athmung wird verlangsamt und zuletzt die Erregbarkeit des Athmungsccntrums vernichtet.
3)nbsp; Das Krampfcentrum wird durch giftige Gaben erregt, es entstehen Starrkrampf ähnliche Krämpfe, an welche sich später allgemeine Lähmung anschliesst. Die Pupille ist erweitert. Der Tod erfolgt durch Athmungs- und Herzlähmung; das Bewusst-scin dabei bleibt bis zum Ende frei.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. Der Sturmhut findet wegen seiner Giftigkeit in Deutschland nur selten Anwendung und wird von verschiedenen Seiten als therapeutisch überflüssig erklärt. Seine Präparate wurden nach drei Richtungen hin angewandt:
1)nbsp; Zur Herabsetzung von Temperatur und Puls im Fieber (digitalisähnliche Wirkung). Ich selbst habe bei Hunden durch sub-cutane Akonitingaben (Va2 mg) günstige antipyretischo Erfolge erzielt.
2)nbsp; Zur Herabsetzung erhöhter Sensibilität in peri-pheren Nerven, so bei Rheumatismus, Ischias, Neuralgien des Trigeminus beim Menschen (Homöopathie).
!?) Gegen Ungeziefer der Haut als Streupulver oder Waschung mit einem Decoct (für kleinere Thiere zu gefährlich).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
174
|
Veratrin.
|
||
|
|
|||
|
Dosis und Form. Statt dei' offidnellen Präparate (Dosis der Tubera Aconiti für Pferde 25,0, für Rinder 510,0, für Hundo 0,1--0,5; des Extractum Aconiti für Pferde und Hinder 1 2,0, für Hunde 0,020,05; der Tinctura Aconiti für Pferde und Rinder 1025,0, für Hände 0,61,0) sollte ausschliesslich das Aconitinum crystallisatum oder ein Salz desselben verschrieben werden. Die Anwendung ist eine innerliche, subeutane, intratracheale (Levy bei Pferden) und üusscrliclio (bei letzterer in Verbindung mit Alkohol, Fett, Chloroform, Lanolin etc. als Salbe gegen Rheumatismus und Neuralgien beim Menschen für Thiere wegen des Ableckens zu gefährlich). Die Dosis des Akonitins beträgt für
Pferde und Rinder 0,0050,02.
Schafe und Ziegen 0,0050,01.
Schweine 0,0010,02.
Hunde 0,0005 0,002.
t Pikrotoxin. Das Pikrotoxin, der Bitterstoff der Kokkelskörner
(Samen von Menispermum Cocculus), von der Formel OsqHuOjq, in farblosen, glänzenden, sternförmig gruppirten Nadeln krystallisirend, ist ein sehr heftiges Krampfgift, welches aber nicht wie Strychnin ausschliesslich durch Reizung des Rückenmarks, sondern vor Allem durch Erregung des Krampfeen tru ms im Gehirn tetanisch wirkt. Das Pikrotoxin wird beim Menschen zur Unterdrückung starker Schweisssecretion in Dosen von 810 mg an Stelle des Atropins gegeben.
t Semina Staphisagriae, die Stephanskörner oder Läusekörner, welche gepulvert früher allein oder mit Sabadillsamen, Rhizoma Veratri etc. zur Vernichtung von Läusen etc. angewandt wurden, stammen von Delphinium Staphisagria und enthalten vier Alkaloido: 1) das Delphin in (C^lhjjNOii), welches spinale Krämpfe (ähnlich dem Strychnin) mit nachfolgender Lähmung erzeugt; 2) das Staphisagrin (von coniin-und cui'are-ähnlicher lähmender Wirkung); 8) das Delphinoidin; 4) das Delphisin.
|
|||
|
|
|||
|
IMiizoma Veratri. Weisse Nieswurzcl.
stammpflanze: Veratrum album. Familiei Colchicaceen,
|
|||
|
|
|||
|
Geschichtliches. 1) Die Nieswurz ist eine schon im Alterthum berühmte Arzneipllanze. Sie hat ihren Namen von der Niesen erzeugenden Wirkung. Der Name Veratrum kommt her von verare, wahrsprechen (Niesen s= Bestätigung der Wahrheit). Das Wort Germer leitet sich von dem alten Stammwort hram (Marterwerkzeug) ab. 2) Die Sabadillsamen (von dem spanischen Wort: cevadilla = Gerste) sind den Spaniern 1570 in Mexiko bekannt geworden, wo sie als Läusesamen in Gebrauch waren. 1726 bilden sie einen Destandtheil des französischen Kapuzinerpulversquot;.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Veratri
|
17laquo;
|
||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. 1) Das Rhizoma Veratri (Radix Voratri albi, Radix Helleborl albi) stammt ber von Veratrum album, der weissen Nieswur/, (Germer), einem auf Alpenwiesen vorkommenden, peren-niremlen, meterhohen Kraute. Der bis 8 cm lange und 2,5 cm dicke Wurzelstock ist verkehrt kegelig, knollig, dunkelbraun, oben gescbopft und ringsum mit langen, dünnen, gelbbraunen ISTeben-wurzeln besetzt. Der Querschnitt ist weiss und zeigt eine braune Kernscheide zwischen Binde und Holzkern, welch letzterer von zahlreichen gelblichen Gefässbündeln durchzogen ist. Der G e-scbmack ist anhaltend scharf und bitter. Das Rbizoma Veratri enthält nach neueren Untersuchungen fünf Alkaloide: Pseudo-jervin (Hauptbestandtheil), Jervln, Rubij ervin, Veratralbin und Veratrin (in sehr geringen Mengen).
2) Das officinello Veratrinum, Veratrin, wird nicht aus dem Rhizoma Veratri, sondern aus den Sabadillsamen (Läusosamen) von Sabadilla offioinarum (Veratrum offlcinale), einer in Mexiko vorkommenden Liliacee (Golchicacee) dargestellt und zwar durch Auskochen derselben mit schwefelsiiurehaltigem Wasser. Das Veratrin ist kein chemisch reiner Körper, sondern ein Gemenge verschiedener Alkaloide, so von Cevadin (Hauptalkaloid), Veratrin und Cevadillin. Das käufliche Veratrin bildet ein weisses, lockeres Pulver, welches in Wasser fast unlöslich, dagegen in 4 Tbeilen Weingeist und 2 Tbeilen Chloroform mit stark alkalischer Reaction löslich ist und mit Schwefelsäure und Salzsäure bitter und scharf schmeckende Lösungen gibt. Das Einathmen von Veratrin erzeugt Niesen und Husten. Veratrin mit concentrirter Schwefelsäure auf einem Porzellantiegeldeckel gibt mit etwas Zucker bestreut einen Farbenwcchsel von Carminroth zu Grün und Blau (Identi-tätsreaction).
Tinotura Veratri, die Nies würz eltin otur (1:10 verdünnter Alkohol), ist von dunkelrötlilichhrauner Farbe und bitterem, kratzendem Gesehmacke. A.P. Rhizoma Veratri 10,0 = 5 Pfennig; Veratrinum 0,1 = 5 Pfennig; Tinotura Veratri 100,0 = 90 Pfennig. Das Veratrinum sul-furicum ist ein überflüssiges Präparat.
|
|||
|
|
|||
|
t Semen Sabadillae, Sabadillsamen (in Oesterreich officinell), stammen von Sabadilla offioinarum, einem auf den Anden von Mexiko, in Guatemala und Venezuela einheimischen Zwiebelgewächse. Die Samen sind länglich oder 1 an ze111 ich, unrcgelmässig kantig, ungefähr 8 mm lang, mit glänzend braunschwarzer, runzeliger, dünner Samen-hant bedeckt, ihr Geschmack ist bitter und scharf.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
176nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ycni triii.
t Helleborus niger (schwarze Nieswurz, Christwuiv.) und Helleborus viridis (grüne Nieswurz), zwei llanunculacee n, sind früher sehr häufig in der Thierheilkunde an Stelle der weissen Nieswurz innerlich und äusserlich angewandt worden (namentlich in der Chirurgie zum sogenannten Nieswurzstecken). Sie enthalten zwei Glykoside, das Helloborin und H oll ebore'in, wovon ersteres deprinürond und lähmend auf Gehirn und Rückenmark, letzteres äusserlich reizend, innerlich digitalinartig auf das Herz wirkt, weshalb es gegen Herzkrankheiten versucht wurde. Die schwai'ze Nieswurz wird wegen ihrer viel grösseren Giftigkeit therapeutisch nicht mehr verwerthet.
Wirkung des Veratrins. Da das liliizoma Vomtri und das Yeratrin im Allgemeinen bezüglich ihrer Wirkungen Übereinstimmen,
auch in neuerer Zeit das Yeratrin mehr und mehr an die Stelle der weissen Nieswurz tritt, sollen liier nur die physiologischen Wirkungen des Veratrins besprochen werden.
1)nbsp;Das Yeratrin ist ein scharf reizendes, entzündungserregendes Mittel für die Haut, Subcutis und die Schleimhäute; es erzeugt namentlich durch Reizung der Digestionsschleimhaut in grösseren Dosen Gastroenteritis mit Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik und Darmblutung, sowie auf der Respirationsschleimhaut heim Einathmen Katarrh mit Niesen und Husten. Auch hei subeutaner Anwendung therapeutischer Dosen treten fast constant, namentlich beim Pferd und Rind, Unruheerscheinungen auf, welche auf eine starke Erregung der peripheren und sensiblen Haut- und Schleimraquo; hautnerven zu beziehen sind. Die Thiero scharren und stampfen, treten und trippeln hin und her, schlagen aus, steigen selbst in die Höhe, wedeln mit dem Schweife, legen oder werfen sich nieder, wiehern, stöhnen und ächzen, zeigen Sclnvcissausbruch, Zittern und Muskelzuckungen, Speicheln, Erecbbewegungen, vermehrte Peristaltik, vermehrten Koth- und Harnabsatz. Diese heroische Wirkung des Veratrins, welche auch schon nach mittleren, nicht etwa giftigen Dosen zu erwarten steht, ist bei der praktischen Anwendung des Mittels wohl zu beachten.
2)nbsp; nbsp;Das Yeratrin hat eine ganz speeifische Wirkung auf die quergestrei ften Muskeln und das Herz. Es steigert und Ver 1 änger t niimilch in k 1 einen 13oso,n di e Zu0kungskur ve des Muskels. Es wird sowohl die Zuckungskraft (die Höhe der aufsteigenden Zuckungskurve) um das 2Sfaclie des Normalen gesteigert, als auch der Uebergang aus der Contraction in die Erschlaffung und Ruhe, mithin das Stadium der Wie der a US de h-n im g des Muskels (die absteigende Zuckungskurve) um das 50faclie verlängert; deswegen erholen sich stark ermüdete Muskeln
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Veratrin.
|
177
|
||
|
|
|||
|
unter der Einwirkung des Verutrins und führen 4mal stärkere und längere Zusammenziehungen uns (Rossbach). Grosse Dosen lähmen die Muskulatur.
3)nbsp; Die Herzthätigkeit wird in Folge einer ähnlichen Einwirkung auf die Herzmuskulatur durch therapeutische Dosen anfangs etwas beschleunigt, dann verlangsamt, der Blutdruck gesteigert, und die Körpertemperatur nach einer anfanglichen Steigerung, insbesondere im Fieber um mehrere Grade herabgesetzt (digitalisähnliche Wirkung). Die zuerst etwas beschleunigte Athmung wird verlangsamt.
4)nbsp; Das Bewusstsein bleibt sehr lange frei; der Tod erfolgt unter Krämpfen in Folge von Herzläbmung. In wie weit die durch das Veratrin verursachte psychische bezw. psychomotorische Erregung auch cerebralen oder nur peripheren Ursprung hat, lässt sich schwer entscheiden.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung bei den einzelnen Hausthieren. 1) Pferde zeigen von 0,2 Veratrin ab deutliche Vergiftungserscheinungen (gastroenteritische Symptome, hochgradige Aufregung, Muskelzuckungen, Krämpfe, Lahmungs-zustände) und sterben im Mittel von 0,51,0 V er atri n. Es kommen jedoch beim Pferde auch bedeutende individuelle Verschiedenheiten im Verhalten gegen Veratrin vor, die indess zum Theil auch wahrscheinlich auf eine Verschiedenheit in den Präparaten zurückzuführen sein dürfen. So beobachtete Martens bei zwei noch jungen Pferden nach der Verabreichung von 0,1 Veratrin innerhalb 16 resp. 20 Stunden eine tödtlich verlaufende Vergiftung, was um so auffallender ist, als diese Dosis allgemein ohne irgend welchen Schaden bei Pferden als Normaldosis gegeben wird. Albrecht hat Pferden selbst bis zu 0,4 Veratrin ohne schwere Zufälle gegeben; auch ich habe beim Pferde häufig 0,10,2 Veratrin ohne alle Gefahr angewandt. Das IlhizomaVeratri ruft in Dosen von 1530 g bei Pferden nur geringe Wirkung hervor; selbst 120 g erzeugten nur Kolik und Brechbewegungen 4 Stunden hindurch (Waldinger). Dagegen ist nach Her twig die intravenöse Injectio n der Tin ctura Veratri von sehr starker und rascher Wirkung; 215 g derselben bedingen sofort Athembeschwerden, Kothentleerung, Kolik, Brechbewegungen, Contractionen des Schlundes, der Hals- und Bauchmuskeln, Rülpsen, Schluchzen, Speicheln, ThrUnenfiuss, vermehrtes Uriniren und zuweilen ganz abundanten Sshweissausbruch; 15 bis 30 g der Tinctur hatten bei intravenöser Anwendung nach wenigen Minuten den Tod unter Schwindel, Zusammenstürzen, Athembeschwerden und Con-vulsionen zur Folge. Ein 1 Quadratzoll grosses und etwa ljt cm dickes Stück Nieswurz erzeugte, subcutan applicirt, Muskelzittern, DyspnoS nach 12 Stunden, Würgen, Brechneigung, Speicheln, vermehrte Peristaltik, Diarrhöe, sowie lokale Entzündung und Geschwulstbildung.
2) Rinder starben schon nach 0,25 Veratrin; für gewöhnlich werden aber noch Dosen bis zu 0,2 gut ertragen (C a g n y , Alb recht). Die Nieswurz bedingt in Gaben von 2030 g nur schwache Erscheinungen; 90 g erzeugten Kolik und 180 g den Tod unter Erscheinungen der Magendarm-
Fröhner, Amiuimittellclire. 4, Aull,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ]2
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
178nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Veratrin.
entzündung (Lyoner Thierarztieisolmle). 125 a im Decoct riefen starke Aufregung und Kolik hervor; das Rind blieb aber am Leben (Ithen).
3)nbsp; Katzen starben auf 510 mg Veratrin; Hunde auf 210 cg. Das Uhizonia Veratri tüdtet die letzteren schon von 0,6 g ab, wenn das Erbrechen durch Unterbinden des Schlundes verhindert wird; können die Thiere jedoch erbrechen, so ertragen sie sogar bis zu 8 g (Hertwig). Intravenös tödton schon 1520 Tropfen.
4)nbsp; nbsp;Schafe und Ziegen zeigten nach 815 g des Rhi/.oma Veratri Würgen, Erbrechen und Diarrhöe. Frösche zeigen auf 0,5 mg Veratrin Brechbewegungen und Verlangsamung des Herzschlages von G0 auf 30 und 10; auf 2 mg sofort Brechbewegungen und 15 Minuten darauf Tetanus, worauf der Tod nach etwa einer Stunde eintritt (physiologischer Nachweis des Veratrins).
Anwendung des Veratrins und des Rhizoma Veratri. 1) Als Breclimittel namentlich für Schweine sehr zu empfohlen. Man giht am häufigsten Schweinen das Veratrin su heu tan in Dosen von 20 30 mg, in 34 g Spiritus gelöst, oder das Rhizoma Veratri in Dosen von 0,52,0 (am besten als Decoct und Klystier). Hunden gibt man das Veratrin subeutan zu 25 mg, das Rhizom gepulvert, als Lecke oder Schüttelmixtur zu 0,05 0,2; Katzen zu 0,03 bis 0,00.
2)nbsp;Als Stomachicum für chronische Verdauungsstörungen der Wiederkäuer. Das Rhizoma Veratri ist als Emeticum auch ein ganz vorzügliches Ruminatorium, das häufig von sofortiger auffallend günstiger Wirkung begleitet ist. Man gibt es Rindern in Form des Eingusses (Schüttelmixtur oder Dccoct) zu 510 g (oder 1020 g der Tinctur), Schafen und Ziegen zu 5 g (5 g der Tinctur). Auch das Veratrin kann angewandt werden.
3)nbsp; Als Excitans für das Nervensystem und gegen Ermü-dungs- resp. Lähmungszustände der Muskulatur; so nach erschöpfenden Geburten, bei Depressionszuständen des Gehirns, Gebär-parese, Muskellähmung nach Hämoglobinämic beim Pferde, Herzschwäche, Collaps, Goma, Paresen und Paralysen, Pestliegen der Kühe vor der Geburt, Intoxicationen. Man benützt hiebei die Perm der subeutanen Veratrininjection oder der innerlichen Anwendung des Rhizoma. bezw. der Tinctura Veratri. Die Wirkung des Veratrins deckt sicli mit derjenigen des Atropins, Hyoscins und Coffems.
4)nbsp; Als Antirheumaticum bei chronischem Muskelrbeumatis-mus (Schultcrlabmbeit, Hüftlahmheit des Pferdes) und zwar das Veratrin subeutan in der Nähe der erkrankten Muskelpartien injicirt (Pferden 0,050,15 : 5,0 Spiritus). Tu der Regel beginnt man mit kleinen Dosen (0,05) und steigt täglich um 1 cg.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Veratrin.
|
179
|
||
|
|
|||
|
5)nbsp; Als Äntipyreticum bei kräftigen Individuen, so bei der Pneumonie der Pferde (Cagny) und anderen fieberhaften Krankheiten, welche mit Herzschwäche verlaufen (das Rhizoma Veratri Pferden und Bindern täglich zu 20 50 g oder das Veratrin subeutan zu 0,1 bis 0,15 pro dosi).
6)nbsp; nbsp;Aeusserlich gegen Hautparasiten (Läuse, Flöhe, Haar-lingo, Federlinge); das Rhizom im Dococt oder als Pulver allein oder in Verbindung mit gepulvertem Sabadillsamen, Stephanskörnern etc. in die Haare eingestreut; früher wohl auch als Räudemittel benützt.
7)nbsp; In der alten Chirurgie zu Fontanellen, zum sogenannten Nies wurzelstecken (neben Eadix Hellebori nigri) als ableitendes Mittel und als Veratrinsalbe zu scharfen Einreibungen.
Bei der innerlichen Anwendung der Nieswurz und des Veratrins hat man, wie schon erwähnt, immer starke Neben Wirkungen zu erwarten, welche oft mehrere Stunden andauern. Diese heroische Wirkung darf nicht aussei1 Acht gelassen werden; Pferde werden deshalb am besten nach der Application des Veratrins eine Zeitlang steführt.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis und Form. Das Veratrin wird am besten in weingeistiger Lösung subeutan angewandt; Abscesse sind hiebe! sehr selten. Das Rhizoma Veratri wendet man bei Wiederkäuern am besten als Schüttelmixtur und Deooct oder in der Form der Tinctur an, bei Pferden als Pille oder Latwerge. Die Dosis beträgt
vom Veratrin:
für Pferde und Binder .nbsp; nbsp; 0.050,2,
,, Schweine (Brechmittel)nbsp; nbsp; 0,20,03,
Schafe und Ziegen .nbsp; nbsp; 0,010,02,
Hunde......nbsp; nbsp; 0,0010,005,
., Katzen......nbsp; nbsp; 0,001;
vom Rliizoma Veratri und der Tinctura Veratri:
für Pferde......nbsp; nbsp; 515,0,
Binder......nbsp; nbsp; nbsp;1020,0,
Schafe und Ziegen .nbsp; nbsp; 2 5,0,
Schweine.....nbsp; nbsp; 0,52,0,
Hunde......nbsp; nbsp; 0,010,03,
Katzen und Geflügelnbsp; nbsp; 0,0050,01.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Apomorphin.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;ßp. Voratrini 0,5.
Spiritus 50,0. M. D. S. Tiiglicli 2 Fünfgrammspritzen snboutan für ein Pferd mit Schul terrlieiimatismus.
2)nbsp; nbsp;Rp. Veratrini 0,2.
Spiritus 10,0. M. D. S. Die Hälfte suboutan zu iiijioircn für ein Rind mit Festliegen (oder das Ganze suboutan als Brechmittel für ein (Schwein).
3)nbsp; nbsp;Rp. Tinctur. Veratri 15,0.
Spiritus Frumenti 250,0. M, D. S. Für ein Rind mit Gebiirfleber.
4)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Rhizom. Veratri 10,0.
Rulv. Radio. Valerian. 25,0. Natrii sull'urici 250,0. M. D. S. Mit '/ 1 licinsamenabkocbung auf Imal einzuschütten für ein Rind mit Panseusohwiiohe.
5)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Rhizom. Veratri
Tartar, stibiat. ää 10,0. M, I). S. Mit einer Flasche Kamillenthec einzuschütten für ein Rind mit Verstopfung.
6)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Rhizom. Veratri 5,0.
Pulv. Sem. Anisi 25,0. M. Igt;. S. Zum Einstreuen ins Geüeder für Vögel gegen Ungeziefer.
|
||
|
|
||
|
Apomorphinum hydrochlorlcum. Salzsaures Apomorplmi.
C17H17N02.HC1.
Pharmaceutische Chemie. Das Apomorphin wird durch E r-hitzen von Morphin mit concentrirter Salzsäure his auf 150quot; C. in zugeschmolzenem Glasrohr dargestellt. Das Morphin (017H19NO8) geht dabei unter Abgabe von einem Molekül Wasser (H20) in Apomorphin (017H17N09) über. Das salzsaure Apomorphin bildet ein weisses oder grauweisses, trockenes, krystallinisehes, 1:40 Wasser lösliches Pulver, dessen Lösung anfangs farblos ist, mit der Zeit aber sich schwarzgrün verfärbt. Auch das Salz färbt sich an feuchter Luft dem Licht ausgesetzt bald grün und gibt mit Wasser dann sofort eine smaragdgrüne Färbung (ein so verfärbtes Salz ist, weil zersetzt, zu verwerfen). Eine mit Salzsäure versetzte Lösung halt sich an der Luft längere Zeit farblos. Identitätsreactionen sind: 1) Grünfärhung der wässerigen Salzlösung und des mit Natriumbicarbonat in derselben gebildeten Niederschlags an der Luft;
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Apomorpbin,
|
181
|
||
|
|
|||
|
2) blu trot he Lösung des Salzes in Salpetersäure; 3) purpurrotlie Lösung in überschüssiger Natronlauge; 4) aniethystrothe Färbung durch Eisenchlorid. A.P. 0,1 = 15 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Apomorphin wirkt brechenerregend durch Reizung des Brechcentrums in der Medulla oblongata; grösserc Gaben lähmen das Brechcentruin, so dass kein Erbrechen mehr möglich ist. Die Brechwirkung erfolgt bei subcutaner Anwendung schneller, als bei stomachicaler.
2)nbsp; Die Secretion der Speicheldrüsen und der Schleimdrüsen der R e s p i r a t i o n s s c h 1 e i m h a u t wird durch kleinste Apomorphin-gaben gesteigert und die in den Luftwegen angesammelten Schleim-massen verflüssigt.
3)nbsp; Grosse Gaben rufen eine starke Aufregung des centralen Nervensystems hervor, von der namentlich das Sensorium, die motorischen und sensiblen Centren des Grosshirns, die locomotorischen Kleinhirncentren, sowie das vasomotorische und Athmungscentnim in der Medulla oblongata betroffen werden. Grosse Schreckhaftigkeit, heftige Unruhe, selbst tobsuchtähnliche Anfälle wechseln mit Zwangsbewegungen aller Art (Kreis-, Manege-, Zeigerbewegungen, Springen, Hüpfen, Tanzen). Hiezu treten die Erscheinungen der Lecksucht und Nagesucht, Speicheln, Pupillenerweiterung, beschleunigte Herzthätigkeit und Athnuing sowie zuletzt selbst ausgedehnte Muskelkrämpfe.
4)nbsp; nbsp;Tödtliche Dosen erzeugen scbliesslich Betäubung und allgemeine Narkose, Schwäche und Lähmung der Muskeln (zuerst der Hinterextremitäten), allgemeine Reflexlosigkeit und unter Convul-sionen Tod durch Lähmung des Athmungscentrums.
Wirkung des Apomorphins auf die einzelnen Hausthiergattungen.
1) Hunde erbrechen nach Peser(Zeitschr. f. prakt. Veterinilnvissen-schaften 187375) auf 0,1 lOmg Apomorphin subeutan durchschnittlich nach 3B Minuten ; die geeignetsten Brech dosen liegen zwischen 2 und 10mg. Kranke Hunde, namentlich staupekranke, bedürfen oft grösserer Dosen als gesunde. Das Erbrechen wiederholt sich gewöhnlich mehrere Male. Gewöhnlich ist nach einer Viertelstunde wieder vollkommenes Wohlbefinden eingetreten; wochenlang fortgesetzte Apomorphingaben schädigen die Ernährung nicht. Die Brechdosis per os beträgt 820 mg, die per an um 50100 mg. Von 0,2 g Apomorphin ab (subeutan) tritt beim Hunde kein Erbrechen mehr auf; auch stark mor-phinisirte Hunde erbrechen sich nicht. Subcutane Dosen von 0,52,0 sind nicht tödtlich, erzeugen aber ein charakteristisches Vergiftungsbild: Schreckhaftigkeit, Angst, unruhiges Umherlaufen, stundenlanges Herumtrahen, Mandgebewegungen und grosse Mattigkeit; späterhin
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
182nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Apomorphin.
Stolpern mit den Vorderfüssen, Zusammensinken mit dein Hintortheil, förmliche Lillinmng; dabei bestellen noch, während das Thier am Boden liegt, Soliwimmbüwegungeii. Diese Erscheinungen lassen sich schon bei 0,02 g subcutan beobachten. Dosen von 1,0 g ab erzeugen häufig schon von Anfang OU Lähmung. Nach 2,0 g subcutan trat eine zweistündige tiefe Narkose ein, aufweiche eine 12 Stunden lange Manegebewegung folgte; nach 18 Stunden hatte sich der Hund bis auf eine zurückgebliebene Mattigkeit wieder erholt. Intravenös tritt auf 0,2 Apomorphin tiefe Narkose mit starkem Sinken der Körpertemperatur (um 3deg; 0.) auf; eine üble Nachwirkung fehlt jedoch; 0,5 g intravenös tödteten einen Hund nach 5 Stunden, nachdem Narkose, starke Sprungbewegungen und zuletzt Schwäche und Lähinurig vorausgegangen waren. Häufig ergaben sich bei den einzelnen Hunden starke individuelle Verschiedenheiten.
2)nbsp; nbsp;Katzen brauchen zum Erbrechen eine lOmal grössere Dosis als der Hund, nämlich 20 50 rag subcutan. Per os bleiben 80-120 mg meist wirkungslos. Die Erechdosis per an um beträgt 0,1 bis 0,2 g Apomorphin; nach Fes er ist diese Applicationsniethode für Katzen die geeignetste (0,10,2 in 2,55,0 Wasser). Von 0,1 subcutan tritt kein Erbrechen mehr auf, dagegen Schreckhaftigkeit, Fluchtversuche, Krämpfe, Speichelfluss, Pupillenerweiterung; 0,li subcutan haben Stumpfsimiigkeit, Lähmungserscheinungen, Streckkrämpfe, sowie stundenlangen Speichelfluss zur Folge; nach 25 Stunden ist das Normalbefinden wieder zurückgekehrt. 1,0 vom Kectum aus tödteten eine Katze nach 38 Minuten, nachdem Un-ruheersehoinungen, Kreisbewegungen, Speicheln, wildes Umherspringen, Con-vulsionon, völlige Narkose und allgemeine Lähmung vorausgegangen waren.
3)nbsp; Schweine sind nach Feser durch Apomorphin überhaupt nicht zum Erbrechen zu bringen; die kleinsten und die grössten Dosen, die verschiedensten Applicationsmetboden, die verschiedensten Lösungen waren bei jungen und alten, mageren und fetten Thieren, vollem und leerem Magen und verschiedener Erniilirungsweise wirkungslos (von Edelmann bestätigt). Die Schweine ertragen überhaupt ganz e n o r m e D o s e n ohne Nachtheil. 0,01 bei jungen, 0,1 bei ausgewachsenen Schweinen subcutan injicirt, blieben ohne jeden Erfolg. Subcutane Dosen von 0,025 ab bei halbgewachsenen, von 0,1 ab bei ausgewachsenen Schweinen erzeugten erhöhte Munterkeit, lebhaftes Springen, sowie die Sucht, fremde Körper, Steine etc. zu kauen, auch starke Empfindlichkeit der Haut gegen Erkältung. Nach 0,10,5 subcutan bei halbgewacbseuen Schweinen war starke Aufregung, unausgesetzte Unruhe, sowie beständiges Hin- und Hertrippeln, auch begieriges Beschnüffeln und Benagen des Bodens und der Wand zu beobachten. Sogar 1,02,0 wurden subcutan noch gut ertragen; die Thiere zeigten darnach Mattigkeit, Stumpfsinn, schleppenden, unsicheren Gang, Zusammenknicken, erschwertes Aufstehen, sowie ausgesprochene Bohrwuth, d. h. heftiges, anhaltendes Bohren im Boden, selbst während des Liegens. Nach 27 Stunden trat bereits wieder Futter-aufnahme ein. Einen ganzen Monat lang täglich fortgesetzte Apomorphin-versuche mit sehr hohen Dosen schadeten nicht nur nichts, sondern die Thiere nahmen auch noch bedeutend an öewicht zu. Per os erzeugten die doppelten Dosen der subeutanen Anwendung ähnliche Erscheinungen; in einem Falle wurden 5 g Apomorphin verabreicht.
4)nbsp; nbsp;Beim Rinde sind nach Feser subcutan zur Erzielung einer Allgemeinwirkung nöthig: bei Kälbern 0,030,05, bei halberwachsenen Thieren 0,1, bei älteren 0,30,4. Individuelle Verschiedenheiten abgerechnet bestand die Wirkung des Apomorphins bei erwachsenen Kühen in Dosen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Apomorpbin.
|
183
|
||
|
|
|||
|
von 0,10,5 subcutan darin, class dieselben das ausgeprägte Bild der Leck- und Nagesucht zeigten und von lecksüchtigen Thieren gar nicht zu unterscheiden waren. Brechbewegungen und Erbrechen wurden nur ein einziges Mal beobachtet. Jüngere Thiere verfielen erst bei 1,0 subcutan in Lecksucht; kleinere Dosen hatten nur lebhafte Aufregung, Umherspringen, Schreckhaftigkeit und scheues Wesen zur Folge. Intravenös entstanden bei der Hiilfte der subcutanen Dosis dieselben Erscheinungen; 0,8 0,5 g intravenös erzeugten eine ausserordentlich hochgradige Locksucht, so dass die Thiere sogar die An binde Vorrichtungen zu verschlingen suchten, neben starker Aufregung, Angst und Schreckhaftigkeit. Per os hatten selbst sehr bedeutende Dosen (5 10 g) keine wahrnehmbare Wirkung; die Milch dieser Thiere wurde von Hunden ohne Nachtheil verzehrt, weshalb nach Feser auch das Fleisch unbedenklich zu gemessen ist. Nach diesen Versuchen kann Apomorphin beim Rind als Brechmittel oder Ruminatorium nicht verwendet werden; es liess sich nur eine Verstärkung der Magenperistaltik nachweisen.
5)nbsp; Beim Geflügel (Tauben, Hühner, Enten) hat Fes er ebenfalls Versuche angestellt. Tauben zeigen nach 1 mg Apomorphin subcutan eine Stunde lang andauerndes Picken mit dem Schnabel auf den Boden; dabei nehmen sie alle möglichen Fremdkörper (Federn, Silgespähne etc.) auf, während sie das Futter liegen lassen. 5 mg hatten dieselben Erscheinungen zur Folge; nach 25 mg subcutan entstand ausserdem unsicherer Gang und Schwanken. 200 mg vom Mastdarm aus riefen Picken, Zusammensinken, Krämpfe und Drehung um die vertikale Axe, Lähmung und nach 8 Stunden den Tod hervor. Hühner zeigten bei Dosen bis zu 0,2 subcutan und bis zu 2,0 per os ähnliche Erscheinungen, wie die Tauben, namentlich aber Bepicken der eigenen Krallen und Ausreissen der eigenen Federn. Enten zeigten nach ganz kleinen Dosen ungeheure Aufregung und Schreckhaftigkeit (in geringem Grade schon von '/io mg ab), daneben Pep pern und Schluttern an der Wand. Von 0,1 ab traten Lähmungserschei-nungen, von 0,2 ab Erbrechen auf; der Tod erfolgte jedoch erst nach 0,5 g von der Cloake aus eingespritzt.
6)nbsp; nbsp;Pferde zeigten nach meinen eigenen Versuchen auf 0,25 Apomorphin subcutan etwa eine halbe Stunde lang geringe Unruhe und leichte Schreckhaftigkeit. 0,5 subcutan erzeugten eine 23stündige hochgradige Aufregung, Gleichgewichtsstörungen und Schreckhaftigkeit, welche sich bis zu tobsüchtigen Anfällen (Bäumen, wildes Nachvornedrängen, Versuche, die Kette zu zerreissen) steigerten; gleichzeitig wurde Belecken und Benagen der Krippe, sowie gieriges Fressen beobachtet.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Brechmittel, namentlich für den Hundraquo; in Form der subcutanen Injection zu 210 mg (Katzen 2050 mg).
2) Als Expectorans zur Verflüssigung zäher Sclileimmassen in den Bronchien bei Bronchialkatarrh und katarrhalischer Pneumonie; von ganz vorzügliciier Wirkung. Man gibt biebei das Mittel per os in kleinsten Dosen (Hunden 13 mg pro dosi bis zu 0,03 pro die; Pferden 0,020,05 pro dosi bis zu 0,3 pro die). Das Apomorphin ist namentlich bei der Staupe der Hunde sehr em-pfehlenswertb.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
184nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Apomorphin.
IV) Als Specificum gegen die Lecksucht des Rindes und das Wollefressen der Schafe, zuerst von Feser empfohlen und von Hackl, Reindl, Ostertag, Väth, Gassner, Wagenheuser und namentlich von Lemke erprobt. Die Dosis beträgt nach Lemke für Rind und Schaf 0,10,2. Diese Dosis wird 3 Tage hinter einander subcutan gegeben. Als Nebenerscheinungen treten bei grossen Dosen Schreckhaftigkeit, Unruhe, Tobsucht, Aufblähen, Erbrechen, Nasenbluten, Lecken und Benagen der Krippen, Wollzupfen etc. auf. Diese Zufälle sind zuweilen sehr erheblich und beunruhigend; Schumacher beobachtete sogar bei zwei sehr abgemagerten, lecksüchtigen Kühen nach Anwendung von 0,15 Apomorphin eine tödtliche Vergiftung unter den Erscheinungen hochgradiger Aufregung und starker Krampfanfälle. In anderen Fällen hat das Mittel bei Lecksucht im Stich gelassen (Röder, Hafner, Flum u. A.). Im Uebrigen ist zu bemerken, dass sich sehr heruntergekommene, abgemagerte Kühe für die Anwendung des Mittels nicht eignen, weil die Lecksucht in einem so vorgeschrittenen Stadium unheilbar ist. In ähnlicher Weise kann Apomorphin beim sogenannten Sandfressen der Remonten sowie gegen das Federnausziehen des Geflügels, das sogenannte Federnfressen, versucht werden. Ich habe in einigen Fällen bei Papageien recht gute Erfolge gegen das Federnausziehen beobachtet. Endlich hat das Apomorphin in einzelnen Fällen von chronischem Magenkatarrh beim Pferd (Lemke) gute Dienste geleistet.
Dosis und Form. Man verschreibt das Apomorphin gewöhnlich in wässeriger Lösung und fügt derselben zur besseren Haltbarkeit etwas Salzsäure hinzu-, die Lösungen sind ferner in dunklen Gläsern aufzubewahren. Im Uebrigen vorfärben sich alle Apomorphinlösungeu bald, ohne ihre Wirksamkeit dabei zu verlieren; nach Feser waren selbst ganz schwarzgrün gewordene, 2 Jahre alte Apomorphinlösungcn noch wirksam. Zur Selbst-Dispensation eignet sich namentlich für die Herstellung frischer Lösungen die Tablettenform am besten.
Die Brechdosis beträgt für Hunde 210 mg subcutan,
Katzen 2050 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Als Expectorans beträgt die Einzeldosis
für Pferde und Rinder 0,020,05,
|
|||
|
|
|||
|
i
|
Schafe und Ziegen 0,005-0,01,
|
||
|
|
|||
|
n
|
Schweine .... 0,01-0,02, Hunde und Katzen 0,001-0,003.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Radix Ipecacuanliae.
|
185
|
||
|
|
|||
|
Becepte.
1)nbsp; Rp, Apomorpliin. liydrochloric. 0,1
Aqu. destill. 20,0. M. D. in vitro nigro. S. 12 Grammsi)ritzen subcutan als Brechmittel für den H u n d.
2)nbsp; Rp. Apomorpbin. hydroohloriolaquo; 0,5.
A(iu. destill. 25,0. M. D. in vitro nigro. S. Täglich eine 5 Grammspritze subcutan für ein Rind mit Lecksucht.
3)nbsp; Rp. Apomorpliin. hydrochloric. 0,05.
Acid, hydrochloric. 1,0. Aqu. destill. 250,0. M. D. in vitro nigro. S. 2stündlich einen Esslöll'el (Tlieelöffel) für einen Hund mit Rronchitis.
4)nbsp; Rp, Apomorpliin. hydrochloric. 0,05.
Succ. et Pulv. Liquirit. qu. s. f. Pilul. Nr. XX. D. S. 2stüudlich eine Pille für einen Hund mit Bronchitis.
t Apocodelnum hydrochloricum. Ein Analogen des Apomor-phins, welches aus Code'in dargestellt wird und ein krilftiges Expectorans ohne unangenehme Nebenwirkungen sein soll. Es bildet ein amorphes, gelblichgraues, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches namentlich gegen chronische Bronchitis wirksam ist und beim Menschen in Dosen von 0,10,2 pro die innerlich oder subcutan (1 cem einer 20/oigen Lösung) angewandt wird. Meine mit Apocodein bei Pferden und Hunden angestellten Versuche (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde IV, S. 244) haben ergeben, dass dasselbe wesentlich schwächer wirkt, als Apomorphin, und als 'Brechmittel nicht verwerthet werden kann. 0,5 sind für Pferde eine durchaus indifferente Dosis; 2,0 erzeugen nur leichte lecksüchtige Erscheinungen. Bei Hunden bedingen 0,250,5 einen sohlafähnlichen Zustand. Auf Grund dieser Versuche und in Anbetracht des hohen Preises des Apoeodel'ns (1 g = 6 Mai-k) ist das Mittel für thierärztliche Zwecke nicht geeignet.
|
|||
|
|
|||
|
Kadix Ipecacuauhae. Breclnvurzel.
Stammpflanze: l'sychotria Ipecacuanha (Cephai'lis Ipecacuanha). Familie: Bubiaceen.
|
|||
|
|
|||
|
Geschichtliches. Die Brechwurzcl wird unter dem Namen Igpecayaquot; zum ersten Mal erwähnt im Jahr 1590 von dem in Brasilien lebenden portugiesischen Mönch M. Tristram. Der Name Psychotriaquot; ist von der lebensrettendenquot; Wirkung bei der Ruhr, der Name Cephaclisquot; von dem zusammengedrängten Blüthenkopfo' abgeleitet. 1072 ist das Mittel nach Paris gebracht worden. Die Wirkung gegen die Ruhr ist 1080 von Hel-vetius entdeckt worden, der die Wurzel als Geheimmittel um 1000 Louisdor an Ludwig XIV. verkaufte. 109(3 schrieb der Philosoph Leibnitz eine Schrift über die BrechWurzel (de novo antidysenterico americano). Im 18. Jahrhundert kostete 1 Dosis des Mittels 1 Louisdor. Neuerdings werden in Indien Kulturversuche mit der Pflanze gemacht. Dieselbe scheint that-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
18(5
|
Rndix Ipecaouanlme.
|
||
|
|
|||
|
silchlich ein Specificum gegen die Ruhr zu sein. Am besten ist die sogenannte brasilianische Bohandlungsniethode {h la Bresilienne): Ein Infus gepulverter Ipecacuanha (2 8,0 ; 250500,0) liisst man 12 Stunden stehen; dieses erste Infus, auf ein oder mehrere Male genommen, erzeugt Erbrechen und Durchfall. Der zweite Aufguss aus dem bereits infundirten Pulver ebenso bereitet und genommen wirkt schwilcher, der dritte sogar umgekehrt stopfend.
Pharmakognosie. Die Brechwurzel stammt von einem kleinen Strauche in den Wäldern Brasiliens (Provinz Matte Grosso im Thale des Paraguay). Sie ist w u r m f ö r in i g g e k r ü in m t und zeigt r i n g e 1-förmige Querwülste, zwischen welchen sich Einschnitte befinden; ihre Rinde ist von bräunli ch grauer .Farbe und von hör n artig er Consistenz und liisst sich von dem hellgelben centralen Holz-cylinder leicht trennen. Die Kinde riecht dumpf und schinockt widerlich bitter. (Vorsicht beim Pulverisiren.) Hauptbestandtheil der Brechwurzel ist das Emetin, ein Alkaloid you sehr scharfer, entzündungserregender Wirkung (circa lquot;/o); ausserdem enthält dieselbe ein zweites Alkaloid, das Cephalein, Ipecacuanha säure und Stärkmehl. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Präparate. 1) Vinum Ipeciicuanhae (Vinum emeticum) (1:10 Xereswein), von klarer, gelblichbrauner Farbe. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; Syruptft Ipecacuanhae (aus 1 Theil Ipecacuanha, 5 Theilen AVein-geist, 40 Theilen Wasser und 60 Theilen Zucker). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
3)nbsp; nbsp;Pulvis Ipecacuanbae opiatus (Pulvis Doweri) aus 1 Theil Ipecacuanha, 1 Theil Opium und 8 Theilen Milchzucker bestehend. Ein hellbräunliches Pulver vom Gerüche und Geschniacke des Opiums. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. In Oesterreich sind ausserdem officinell die Tinctura und die Troohisci Ipec. Neuerdings wird auch eine von Emetin befreite Brechwurzel (Radix Ipecacuanhae deemetin isata angewandt.
Handelssorten. 1) Die brasilianische Brechwurzel (officinell). 2) Die Brech wurzel von Neugran ad a oder Carthagena (rosenkranzartig geringelt, röthlichgrau, ernetinilrmer). Verwechslungen kommen vor mit emetiniirraeren Sorten, namentlich mit Radix Ipecacuanhae un-dulata (schwach geringelt, mit mehliger, nicht bitterer Rinde), striata (grauschwarz, ohne Stärkemehl, walzenförmig, von süsslichem Geschniacke) und flava (ohne Querwülsto und Stärkmehl).
Wirkung. 1) Die Brechwurzel bezw. das Emetin wirken stark reizend auf Haut und Schleimhäute; sie erzeugen Dermatitis, Conjunctivitis, Gastroenteritis, Laryngitis und Bronchitis.
2) Innerlich gegeben ruft .die Brechwurzel in Folge von Heizung der Magenschleimhaut, sowie einer directen Erregung des Brech-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Radix Ipecaouauhao.
|
187
|
||
|
|
|||
|
centrums in der Medulla oblongata Erbrechen hervor. Bei stärkeren Dosen entsteht uusserdem auch Durchfall.
8) Die Schleimsecretion in den Bronchien wird gesteigert, wie dies an tracheotomirten Hunden zu beobachten ist; ausser-dem scheint die Expectoration durch einen directen Eeiz auf die Schleimhaut angeregt zu werden.
4) Die Gallensecretion wird in Folge einer directen erregenden Wirkung auf die Leberzellen gesteigert.
Wirkung bei den einzelnen Thiergattungen. Die Brechwurzel erregt beim V f e r d e in Dosen von 3045 g mehrstündige Unruheersehei-nungen und zuweilen Neigung zum Erbrechen ; gewühnlioh tritt auf diese Gabe der Tod ein (Bracy-Cl ark). Die Erscheinungen beim Rind und Schaf sind ähnlich (Hertwig). Das Emetin ist ein sehr giftiges, scharfes Alkaloid, welches Katzen von 0,025 ab, Hunde.in Dosen von 0,10,3 tüdtet und zwar unter den Erscheinungen der Magondarmentzündung und des Collapses; es ist deshalb bei seiner Anwendung die grösste Vorsicht geboten.
Anwendung. 1) Als mildes Brechmittel für Schweine, Katzen und Hunde und zwar als Pulver oder Schiittelmixtur, Schweinen und Hunden zu 13,0, Katzen zu 0,250,75 für sich allein oder in Verbindung mit Brechweiustein. Man kann auch den Brechwein (Vinum Ipecacuanhae) Hunden csslötfel- bezw. theelöffelweiso eingeben.
2)nbsp; Als Expect or ans bei allen Bronchialkatarrhen mit zähem, stockendem Auswurf, sowie im 3. Stadium der Pneumonic, besonders auch bei der katarrhalischen Pneumonie in kleinen Dosen; meist in Form des Infuses oder als Pulver, häufig mit Morphium oder Opium zusammen, um das Erbrechen zu verhüten (cf. Pulvis Doweri). Dosis für Hunde 0,01 0,05, für Schweine 0,1 0,3.
3)nbsp; nbsp; Als Ruminatorium für Wiederkäuer bei chronischem Magenkatarrh und Pansenüberfüllung in Dosen von 510 g (Trasbot).
4)nbsp; Als Ch o la g o g u m bei I k t c r us und L e b er 1 eid e n. Beim Menschen ist die Wurzel ferner ein Specific um gegen die Ruhr (Radix antidysentorica).
|
|||
|
|
|||
|
Dosis. Als Emeticum
für Schweine und Hunde 1,0- Katzen 0,250,75. Als Expectorans
für Hunde 0,010,05. Schweine 0,10,3. Katzen 0,01.
|
-3,0.
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Senegac.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Ipecaouanh. pulv. 2,0.
Tartar, stibiat. 0,2. Sacchari 1,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. II. S. Brechpulver für einen grossen Hund.
2)nbsp; Rp. Infusi Rad. Ipecacuauh. 1,0 : 150,0.
Syrupi Althaeao 20,0. M. D. S. Sstündlich einen Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit Bronchialkatarrh.
8) Rp. Rad. Ipeeacuanh. pulv. 2,0. Rhizom. Veratri pulv. 1,0. M. f. l'ulv. D. tal. dos. Nr. II. S. Brechpulver für ein Schwein.
4) Rp. Infusi Rad. Ij^ecacuauh. 2,0 :250,0. Morphin, hydrochlor. 0,2. Suco. Liquiritiae 20,0. M. D. S. Sstündlich einen Esslöffol (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) H u n d mit Staupe (Brouchopneunionio).
|
||
|
|
||
|
Uadix Seuegae. Senegawurzel.
Stammpflanze: Polygala Senega, Familie: rolygaleen.
Geschichtliches. Die Senega hat ihren Namen von den Senega-Inclianern (Irokesen), welche diese Wurzel gegen den Biss der Klapperschlange (snake) anwenden. 1738 wurde das Mittel zuerst wissenschaftlich von Tennent in Philadelphia untersucht.
Pharmakognosie. Die Senegawurzel stammt aus den Wäldern Nordamerikas (Minnesota und Iowa). Die Wurzel ist einfach, fingerlang, spiralig gedreht, federkieldick, hat einen knorrigen K o p f, eine kielartig und spiralig an der Seite herunter laufende Leiste und eine gelbbraune Farbe; auf der dem Kiele gegenüberliegenden Seite /eigen sich Querwülste. Die Wurzel riecht etwas ranzig und schmeckt scharf kratzend; sie enthält kein Stärkemehl. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Der Hauptbcstandtheil der Senegawurzel ist ein Grlykosid von scharf irritirender Wirkung; das Senegin. Dasselbe ist chemisch verwandt mit Saponin, Sapotoxin und Quillajasäure, ist jedoch etwa lOmal schwächer wirksam, als die genannten Körper. Ein zweiter wirksamer Bestandtheil ist die Polygalasäure. Daneben enthält die Wurzel Spuren eines ätherischen Oels (Ester der Salicyl-und Baldriansäure), fettes Oel, Harz, Zucker, einen gelben Farbstoif,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Radix Senegao.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1B9
sowie äpfelsaure Salze. Ausser der Wurzel ist noch officinell der Syrupus Senegae.
Cortex Quillajae, Seilen rinde, Panamarinde, die innere Rinde der Quillaja Saponaria, einer südamerikanischen Rosacee (Chile, Peru, Bolivia) ist als Ersatzmittel der Senegawurzel in Deutschland officinell. Die in Chile seit alten Zeiten statt Seife zum Waschen (Quillaf chilenisch Waschen) benützte Seifenrinde, welche als wirksamen Bestandtheil etwa i)0/o Saponin enthält, bildet vorwiegend flache, oft 1 dm breite und gegen Im lange, bis Im dicke Stücke von ziemlich rein weisser Farbe (abgesehen von den Ueberresten des abgeschälten rothen , äusseren Rindengewebes), mit zähem, spl i tter igem Bruche. Der Geschmack ist schleimig, kratzend; das Pulver reizt zum Niesen. Mit der Lupe sieht man auf dem Bruche überall glänzende Prismen von oxalsaurem Kalke. Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Senegae. Ebenfalls saponinhaltig ist Radix Saponariae, die Seifenwurzel, von Saponaria ol'ticinalis, einer Caryophyllee.
f Saponin. Unter diesem Namen ist im Handel ein aus Quillaja-rinde dargestelltes Präparat vorhanden, welches nach Robert kein reiner chemischer Körper ist, sondern ein Gemenge von 4 verschiedenen Stoffen darstellt. Es enthält 1) die Q uillaj asäur e als Hauptbestand-theil. Diese stark giftige Säure von der Formel O^HsoOin ist ein Glykosid, welches zu Sapogenin und Zucker zerfällt. Sie ist in Wasser und Alkohol leicht löslich, dagegen unlöslich in Aether und Chloroform. Eiweiss wird von ihr gefällt. 2) Das Sapotoxin, ein ebenfalls giftiger, neutraler, in heissem absolutem Alkohol löslicher Körper. C) Das reine Saponin, wahrscheinlich eine ungiftige Modification der Quillajasäure. 4) Das Lactosin, ein ungiftiges Kohlehydrat. Das Saponin des Handels wird wohl auch als Extractum Quillajae siecumquot; oder als Roh-Saponinquot; bezeichnet.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Senegawurzel hat vermöge ihres Gehaltes an Senegin eine reizende Einwirkung auf Schleimhäute und erzeugt, in grösseren Gahen oder längere Zeit fortgegeben, Magendarmkatarrh. Ausserdem regt sie in kleinen Dosen die Secretion der Respirationsschleimhaut an und wird daher als reizendes Expectorans, ähnlich wie die Ipecacuanhawurzel, hei allen Bronchialkatarrhen mit zähem katarrhalischem Secrete, sowie bei Pncumonien angewandt. Die Dosis beträgt für Schafe, Ziegen und Schweine 25,0, für Hunde 0,5'-1,5, für Katzen 0,20,5; gewöhnlich wird das Infus verordnet.
2) Die Quillajarinde und die übrigen saponinhaltigen Drogen besitzen dieselbe expectorirende Wirkung, jedoch in erhöhtem Masse. Wogen der stärkeren Wirkung des Saponins im Vergleich zum Senegin ist ersteres auch wesentlich giftiger. Es wirkt in grossen Dosen tödtlich durch Lähmung der Muskeln und des Herzens.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
190nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Semen Oolobioii
Recepte.
1)nbsp; Rp, Infusi Had. S(.'iiOfgt;ae (Quillajae) 15,0:250,0.
Aiuinonii dilorati SuoOi Liquii'it. aa 10,0, M. D, S. Sätündlich einen Ksslöflel (Tlicelüffel) für einen Hund mit Limgenentzündung'.
2)nbsp; Rp. Infusi Rad. Senegao (Quillajae) 20,0 : 300,0.
Ammonii carbonici 10,0. Mlt; D. S. Sstündlieh einen Esslöfl'cl für ein Schaf mit katarrhalischer Pncumonie.
|
||
|
|
||
|
Semen Colcliici. /eitlosenisamen.
Stannnpflanze: Colchicum autwnnale, Familie: Colokieaeeen (l.Uiaceen).
Geschichtliches. Der Name Zeltlose wird abgeleitet von dem italienischen Cittola osa, dreistes Mädchenquot;, vergl. die nackte, blätterlose Blüthe, sowie die in manchen Gegenden liir die Pflanze jetzt noch übliche Bezeichnung nackte Jungferquot;. Der Name Colchicum stammt von der Stadt Colchis in Kleinasien, wo nach Diosoorides die Zeitlose häufig vorkam. Im Mittelalter ist die Pflanze nur als Giftpflanze in Deutschland bekannt gewesen ; ihre medicinische Anwendung datirt erst vom 18. Jahrhundert.
|
||
|
|
||
|
Pharmakognosie. Die Herbstzeitlose ist ein auf nassen Wiesen vorkommendes Zwiebelgewächs, das im Herbste blüht und im darauffolgenden Frühjahr Samenkapseln ansetzt. Die Samen sind, wenn sie im Juni gesammelt werden, weiss und werden späster braun; sie sind kugelig, klein, etwas zugespitzt und sehr fein punktirt, ohne Geruch, von sehr bitterem Greschmacke. Aeltero Samen haften beim Druck in der Hand klebrig zusammen.
Die Zeitlosensamen enthalten zu 0/20,3 0/o zwei Alkaloide, das sehr giftige Colclncin von der Formel 08aH85HO8 und das ziemlich unwirksame Colchicein von der Formel C^H^NO,;. Das Colchicin ist amorph, gelblich und in Wasser langsam löslich. Man stellt es durch Ausziehen der Samen mittelst Alkohol und Wasser und Fällen durch Tannin dar, Ausserdem enthalten die Samen in ihrem weissen Centrum fettes Oel und Eiweiss,
Präparate: 1) Tinctura Colohici, eine gelbe, bitter schmeckende Tinctur (1:10 verdünnter Alkohol), A.P. 10,0 15 Pfennig. 2) Vinum Colcbici, eine klare, gelbbraune Flüssigkeit, durch Maceration von 1 Theil Zeitlosensamen mit 10 Theilen Xereswein hergestellt, k.V. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Colchicin gehört zu den schärfsten Giften, dessen Wirkung bei der langsamen Löslichkeit in
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Folia Nicotinnnc.
|
191
|
||
|
|
|||
|
Wasser erst einige Zeit nach der Verabreichung beginnt. Es verwandelt sich allmählich im Darmkanal zu dem sehr stark reizenden Oxydicolchicin, als welches es im Körper circulirt. Das Colchicin und die Semina Colchici wirken demzufolge in grösseren Gaben entziindungserregend auf die Digestionsschleimhaut und erzeugen das klinische Bild der toxischen Gastroenteritis (Erbrechen, Kolik, sehr heftiger Durchfall); auch die Nieren werden gereizt (Nierenhyperämie, hämorrliagischc Nephritis). Therapeutisch kann man die reizende Wirkung des Colchicins gegen Verstopfung und Tympanitis verwerthen. Man hat namentlich die Colchicum-tinotur gegen das Aufblähen der Wiederkäuer empfohlen. (Dosis für Kinder 5 g, für Schafe und Kälber 5 Tropfen.
2) Die Wirkung auf das (Jen train er v ens y stem ist eine lähmende (Betäubung, Anästhesie, Lähmung des Athmungscentrums, Lähmung der peripheren Endigungen der sensiblen Nerven).
8) Die Zeitlosensamen werden herkömmlicherweise, namentlich in der Menschenheilkunde, in der Form der Tinctur gegen Gicht und Rheumatismus angewandt (Hunden 0,5 1,0 Tinctura Colchici). Die Art der Wirkung ist nicht näher bekannt. Beim Menschen ist ausserdem der cholchicinhaltige Liqueur de Laville als Gicbtmittel im Gebrauche.
|
|||
|
|
|||
|
Folia Nlcotlanae. Tabakblätter.
Stammpflamc: Xicotiana Tabaoum, Familie: Solcmaeeen,
Geschichtliches. Der Tabak ist erst mit der Entdeckung Amerikas bekannt geworden. Das Wort Nicotiana rührt von dem franzüsisclien Gesandten Jean Nicot in Lissabon her, der 1560 in Europa zuerst Tabak anpflanzte. Das Nikotin ist 1828 von Reimann und Posselt zuerst dargestellt worden. Eine Geschichte des Tabaks hat Tiedemann (1854) geschrieben.
Pharmakognosie. Die in Deutschland officinellen Tabakblätter sollen unpräparirt sein und von Nicotiana Tabacum, dem Virginischen Tabak (Virginischer Rollenkanaster), genommen werden (längliche, ganzrandige, vorn zugespitzte, in den kurzen Blattstiel verschmälerte Blätter). In der Veterinärpraxis bedient man sich indess der billigen Tabaksorten, namentlich des Bauerntabaks (Nicotiana rustica) und des Mary land tabaks (Nicotiana makrophylla).
Haupthestandtheil aller Tabaksorten ist das Nikotin, ein flüchtiges, sauerstofffreies Alkaloid von ursprünglich wasscrheller, später
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
192
|
Nikotin.
|
||
|
|
|||
|
gelber und brauner Farbe, dickflüssiger Consistenz und betäubendem Tabakgeruch, leicht löslich in Wasser, von der Formel C10HUN2. Dasselbe ist zu 0,58 0/o in dem Tabak enthalten und zwar in den gewöhnlichen Sorten in grösserer Menge als in den feineren. Ausserdem enthält der Tabak das Nikotianin (Tabaks-campher) sowie Gerbsäure und Salze.
Im Tabak rauch ist nur wenig Nikotin mehr enthalten, weil dasselbe beim Hauchen zum grössten Thcil zerstört wird. Dagegen enthält der liauch eine Reihe sogenannter Pyridinbasen, welche in ihrer Wirkung viel Aelmlichkeit mit dem Nikotin besitzen, so namentlich das Pyridin = 04H8N, Pikolin = C(;H7N, Lutidin = C^N, Oollidin = OgHuN, Parvolin = C.H^N und Coridin = O]0H18N. Ausserdem sind im Rauche Ammoniak, Ammoniumsalze, Cyanverbindungen, Cyanwasserstoff, Schwefelammonium, Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, sowie Kohlenwasserstoffe (CHt) enthalten.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung des Nikotins und Tabaks. 1) Auf Schleimhäute wirken beide reizend; auf der Digestionsscbleimhaut entsteht durch kleine Dosen vermehrte Absonderung der Yerdauungssecrete, durch grössere Gastroenteritis mit Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik und Durchfall.
2) Das Nikotin ist ein Krampfmittel für die glatte Muskulatur. Insbesondere wird die Darmmusk ulatur in Folge Reizung der Darmganglicn zu lebhaften Contractionen mit starker Steigerung der Peristaltik angeregt und selbst in einen Zustand von Darm tetanus versetzt. Aehnlich wird auch die Blasen-uml Utemsmusculatur sowie der Sphincter pupillae (Myosis) erregt.
8) Das Nikotin ist ein sehr starkes Rückenmarks gift. Im Rückenmark wird nämlich die Reflexerregbarkeit erhöht; giftige Gaben erzeugen Tetanus aller Skelettmuskeln. Die Muskelsubstanz verfällt dabei in einen Zustand der Muskelstarre, wie bei Katalepsie. Später tritt an die Stelle des Tetanus allgemeine Lähmung.
4) In der Medulla oblongata werden sämmtlicbe wichtige Lebenscentren durch Nikotin stark erregt. Namentlich sehr stark wird das Athmungscentrum gereizt (Krämpfe der Inspirationsmuskel, Glottiskrampf, dyspnoische Athmung); die Erregung geht später in Lähmung über. Auch das Vaguscent rum wird erregt und daher die Herzaction verlangsamt. Desgleichen findet eine Blutdrucksteigerung in Folge Reizung des vasomotorischen (Jentrums statt.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Nikotin.
|
103
|
||
|
|
|||
|
Später werden beide Centren gelähmt (die Pulsfrequenz steigt, der Blutdruck sinkt).
5)nbsp; Die Herzthätigkelt wird in Folge Erregung der periplieren Vagusendigungen verlangsamt und arhythmisoh, wobei selbst vorübergehend Herzstillstand eintreten kann; s))üter geht die Verlang-samung der Herzaotion ins Q-egentheil iil)er.
6)nbsp; Das Geliim wird im Anfang erregt, später gelähmt.
7)nbsp; nbsp;Das Nikotin ist endlich ein sehr starkes antiparasitäres Mittel, welches Milben, Läuse, Flöhe etc. in kurzer Zeit sieher tüdtet.
8)nbsp; Die Aufnahme des Nikotins findet bei seiner Flüchtigkeit schon von der unverletzten Haut, ferner von allen Schleimhäuten, sowie von Wunden aus statt. Im Körper circulirt es unverändert.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Am häufigsten wird der Tabak als Anti-parasiticum angewendet und zwar in erster Linie gegen Schafräude als Abkochung, meist in Form der Tabak-Carbolsäurebäder. Die Tabaksbäder sind sehr wirksam, aber auch sehr giftig und daher mit grosser Vorsicht anzuwenden; das Tabaksdeco et sollte die Concentration von 50/o nicht überschreiten, Das früher in Preussen amtlich empfohlene Tabaksräudebad hatte folgende Zusammensetzung : 7 #9632;'/s kg Landtabak werden mit 50 1 Wasser gekocht, nach dem Kochen werden noch 200 1 Wasser, sowie 1 kg reiner Carbolsäure und 1 kg Pottasche hinzugefügt. Der Preis dieses für 100 Schafe berechneten Bades beträgt circa 12 Mark (pro Stück 12 Pfennig). Der Tabak ist darin zu 30/o, die Carbolsäure zu 0,4 0/o angewandt. In ähnlicher Weise wird der Tabak auch zur Vertilgung von Läusen. Flöhen und anderen Parasiten (Waschung mit einem 15 0/oigen Tabaksdecoct) angewandt.
2)nbsp; Der Tabak dient ausserdem hauptsächlich in der Eindvieh-praxis als verdauungsbesserndes Mittel, indem er eine Anregung auf die Magen- und Darmbewegungen ausübt. Er eignet sich für alle chronischen, mit Trägheit der Peristaltik einhergehenden Katarrhe der Mägen und des Darmes hei den Wiederkäuern (Rind, Schaf, Ziege) und kann als kräftiges Ruminatorium angesehen werden. Man gibt die Blätter Rindern zu 2550,0, Pferden zu 1025,0, Schafen und Ziegen zu 25,0 gepulvert mit Kochsalz, Glaubersalz etc, oder in zerschnittenem Zustande mit dem Futter, seltener als Decoct.
3)nbsp; Gegen Verstopfung endlich wird der Tabak innerlieh in
etwas grösseren Dosen (aber Vorsicht!) oder in Form von K lystier en und
Mastdarminfusionen (dieselben Dosen wie innerlich verabreicht, Fröhner, Arzneimittellehre, 4, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lü
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
'
|
|||
|
|
|||
|
194
|
Nikotiu.
|
||
|
|
|||
|
mit dem üSOfaohen Wasser abgekooht) sowie in Form der sogenannten T a bakrauohk 17b tiere ungewandt (Tabakrauohkly8tierinasobine)i
Das reine Nikotin eignet sich wogen seines unangenehmen Geruches und seiner hochgradigen Giftigkeit nicht als Abführmittel; auch konnte Ellenberg er nach der suhcutanen Anwendung des-selhen sogar hei giftig wirkenden Dosen (0,05) beim Pferde keine Darm Wirkung beobachten.
Vorschrift für die Anwendung der Tabaks-Käudebader. Womiiy lieh sollen die Schafe vor dem Baden geschoren werden. Nach der Schur werden die als räudig befundenen Hautstellen zunächst mehrere Tage hindurch gehörig mit Carbolöl (1! 15) eingerieben. Darauf folgt das erste Käudebad. Dasselbe soll eine Temperatur von 00deg; B. haben; die Dauer des Badens betrügt 2 Minuten. Das Baden wird in der Weise ausgeführt, class ein Arbeiter mit der linken Hand die Vorder- und mit der rechten Hand die Hinterfüsse des Schafes fasst und das Schaf mit dem Kücken nach abwärts ins Bad taucht. Ein zweiter Arbeiter umfasst mit beiden Händen die Seiten des Kopfes, bedeckt mit den Daumen die Augen des Schafes, hält Maul und Nase hoch und senkt das (ienick ins Bad. Nach dem Bad kommt das Schaf in einen leeren Bottich, wo es von drei Arbeitern in Empfang genommen wird. Der erste fasst den Kopf und hält das Schaf fest; er drückt gleichzeitig und knetet mit beiden Händen die Haut am (tenick, an den Ohren, am Unterkiefer und Kehlkopf. Die beiden anderen Arbeiter reiben das Schaf an je einer Kürperhälfte mit einer guten harten Kardätsche, welche mit Ledersteg versehen ist, namentlich auch am Steiss und Schwanz gründlich durch. Die Dauer des Abreibens beträgt ebenfalls 2 Minuten. Nachdem alle Schafe, die räudigen zuerst, gebadet sind, werden die wirklich räudigen noch einmal ins Bad eingetaucht, nochmals an d.en räudigen Stellen gerieben und hier nochmals mit Carbolöl eingesalbt. Nach 56 Tagen folgt das zweite Bad, welches genau so wie das erste vorgenommen wird. Darauf werden die Schafe ö8 Wochen lang genau beobachtet. Erfolgt dabei ein Wiederausbruch der Räude, so wird graue Quecksilbersalbe eingerieben, oder die Schafe werden geschlachtet. (Dr. Stein bach, Amtsblatt der K. Regierung zu Münster vom 28. April 1883.) Zu der der Badekur als Einleitung vorausgehenden Schmierkur wird vielfach auch die in den Tabaksfabriken käufliche Tabaksbeize oder eine stärkere Tabakabkochung verwendet. Von Kaiser (Hannovor'scher Jahresbericht 1883;84) ist eine Art Tabaksbeize unter dem Namen Niootinaquot; zu Räudebädern empfohlen worden, welche etwa 4quot; n Nikotin enthält. Die Schafe werden hiebe! 3 Minuten lang in einer Auflösung von 2 1 Nicotina in 300 I Wasser gebadet und nachher ebensolang überall mit Bürsten frottirt. Nach 8 Tagen erfolgt das zweite Bad.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis des Tabaks.
|
|||
|
|
|||
|
F
|
.... 25,050,0.
.......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; . . . . 10,025,0.
,, Schafe und Ziegen . 2,0 5,0. ,, Schweine .... 1,0 2,0.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
l'liysostigmin.
Für Hunde.....0,250,5.
Xat/cii und Geflügel 0,10,2.
|
10laquo;
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
|
|||
|
|
|||
|
1)nbsp; Rp. Foli Niootian. mst. pulv.
Xatrii sult'uric. Xatrii clilor. crud. ää 2.50,0. Mi D. S. Einen EsslölM auf jedes Futter für ein Rind mit chron. ludigestion.
2)nbsp; Rp. Pol. Niootiau. rust, pulv, 50,0.
Natrii sulfur. 500,0. M. D. S. Mit einer Flasche Lcinsamenabkoelmug einzuseliüttcn für ein Rind mit Verstopfung'.
3)nbsp; Rp. Deeoet. Folior. Nicotian. 50,0 : 1000,0 D. S. Zu Waschungen für ein Rind mit Läusen.
#9632;t) Nimm: Elohe Oarbolstoe 1,5 kg. Gebrannten Kalk 1 kg. Soda 3 kg. Schmierseife 8 kg,
Landtabak 515 kg (gekocht mit 50 1 Wasser). Gesnmiutilüssigkeit 250300 1. Bestandtheile des modifioirten Zündel'sohen Räudebades.
5)nbsp; Nimm: Landtabak 7,5kg (zunächst mit 501 Wasser gekocht).
Reine Oarbolstlure 1 kg. Pottasche 1 kg. Gesanuntflüssigkeit 250 1. Bestandtheile des Roloff'scheu Räudebades.
6)nbsp; Nimm: Pottasche 10 kg.
Gebrannten Kalk 5 kg.
Wasser 250 1. Als erstes Vorbereitungsbad.
Landtabak 12,5 kg.
Gekocht mit Wasser 250 1. Als zweites Bad. (i-erlack's Räudebad,
|
|||
|
|
|||
|
Semen Pliysofstigmatis. Calabarbohne.
Stamnipflaute: Fhysoatigma venmosuin. Familie: I'ajiiliunacccii.
Geschichtliches. Die Calabarbohne ist benannt nach den Calabar-Negern, Sie wurde 1845 von Afrikareisendon nach England gebracht und 1803 von Fräser genauer pharmakologisch untersucht. Die Einführung des Eserins in die Thierheilkunde ist durch Dieckerhoff (1882) erfolgt.
Pharmakognosie. Die Calabarbohne, Faba Oalabarioa, Semen Pliysostigmatis, stammt von Physostigma venenosum, einem mit unserer Q-emüsebohne verwandten Kletterstrauohe Westafrikas (Niger, Biafrabaij Camenin); sie wird von den eingeborenen Negern zu Gottes-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
19(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;riiysostigmiu.
urtheilen gebraucht (Escre-Niise). Die grossen, nierenforniigen, schwarzbraunen Bohnen enthalten als Hauptbestandtbeil ein sehr giftiges Alkaloid von röthlicher Farbe und harzartiger Consistenz, das Physostigmiu oder Eserin von der Formel (^.H^N-jO^, neben dem strychuinähnlieh wirkenden Calaharin und dem eserinähnlich wirkenden Es er idin. Offloinell sind in Deutschland 2 Salze des Physostigmius:
1)nbsp; Physostigminum sulfuricum, das schwefelsaure Physostigmiu, speoiell für die Zwecke der Tlnorheilkundo in die Pharina-kopöe aufgenommen. Dasselbe bildet ein woisses, krystallinisches. an feuchter Luft zerflicssendes Pulver, welches sich sehr leicht in Wasser löst. Die Lösungen färben sich am Lichte sehr bald röthlich (Bildung von Rubreserin). In erwärmter Ammoniak-Jlüssigkeit löst sich das kleinste Kryställchen des Salzes zu einer gelblichrothen Flüssigkeit, welche beim Eindampfen im quot;Wasserbade einen blauen oder blau grauen, in Weingeist mit blauer Farbe löslichen Rückstand hinterlilsst (Eserinblau; Identitätsreactionen). Beim Uebersiittigen mit Essigsäure wird diese weingeistige Lösung roth gefärbt und zeigt starke Muorescenz. Der oben genannte Verdampfungsrückstand löst sich in einem Tropfen Schwefelsäure mit grüner Farbe, welche hei allmählicher Verdünnung mit Weingeist in Roth übergeht und heim Verdunsten des Weingeistes von Neuem grün wird. Ansserdem gibt die wässerige Lösung des schwefelsauren Eserins mit Baryumnitrat einen weissenNiederschlag (Sulfatreaction). Bei Luftzutritt erhitzt soll das Salz keinen Rückstand hinterlassen (Verunreinigung). Wegen der leichten Zersetzlichkcit des Eserin-sulfates sollen keine Lösungen desselben vorräthig gehalten werden. Das Salz selbst ist sehr vorsichtig, vor Licht und Feuchtigkeit geschützt, am besten in geschmolzenen Glasröhrchen, aufzubewahren. A.P. 0,1 = 30 Pfennig; 1,0 = 2 Mark 55 Pfennig.
2)nbsp; Physostigminum salicylicum, das sal icy 1 saure Eserin ist zwar beständiger als das schwefelsaure, eignet sich aber wegen seiner Schwerlöslichkeit in Wasser (1 ; 150) nicht für die in der Thierheil-kunde gebräuchlichen suboutanen Injectionen. Dagegen kann es, wie in der Menschenheilkunde, zu Augenwässern benutzt worden. Es stimmt in seinen Reactionen mit dem Sulfat üherein, fäi'ht sich aber zum Unterschiede mit Eisenchlorid violett (Salicylrcaction). A.P. 0,1 = 30 Pfennig.
Darstellung dos Physostigmins. Man zieht die gepulverten Calalmr-bohnen mit Alkoliol aus, verjagt den Alkohol, entzieht dorn Bückstand
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
I'liysostifjinin.
|
197
|
||
|
|
|||
|
das Eserin mit Soda und Aether, und nimmt es dann aus der ätherischen Lösung mit verdünnter Schwefelsäure auf. Das so gebildete schwefelsaure Eserin wird wieder mit Soda zersetzt, das Eserin mit Aether ausgeschüttelt und nach dem Verdunsten des Aethers rein erhalten. Das so hergestellte und im Handel vorkommende Eserin ist ein sehr un best 11 n dig es und, wie es scheint, je nach der Darstellungsmothod e verschieden zusammengesetztes Präparat. Es haben wenigstens klinische Erfahrungen gezeigt, dass die im Handel vorkommenden, oft schon äusserlich sehr verschiedenen Präparate bei gleicher Dosis ganz verschiedene Wirkungen äussern können und sogar vereinzelt ganz wirkungslos bleiben, üfl'enbar ist das Eserinquot; zur Zeit noch kein einheitlicher chemischer Körper, sondern wahrscheinlich wie das Veratrin, Atropin und Pilocarpin ein C4e-menge verschiedenartiger Substanzen. (Vergl. auch die Preisdifferenz der Handelspräparate!)
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. Die Hauptwirkung des Physostigmins besteht in einer Erregung siimmtlicher glatter Körpermuskeln; daneben hat dasselbe einen erregenden Einfbiss auf die Drüsensecretion.
1)nbsp; Die Musoulatur des Darmkanals wird vom Magen beginnend bis zum Mastdarm in einen tetanisehen Erregungszustand versetzt, welcher eine vermehrte Magen- und Darmperistaltik, lebhafte Rumination, Brecbbewegnngen, Kolikerscheinungen sowie starken Durchfall zur Folge hat, Während der Contractionen ist der Darm blass, blutleer (Bauer).
2)nbsp; nbsp;Der Scbliessmuskel der Pupille (Sphincter iridis) con-trahirt sich nach vorausgegangener Heizung der Oculomotorius-endigungen, so dass Pupillenverengerung (Myosis) eintritt. Auch der Ciliarmuskel contrabirt sicli (Accommodationskiampf); der intra-oculare Druck ist anfangs erhöht, später vermindert. Diese Wirkung auf das Auge tritt jedoch nur bei director Application, nicht bei innerlicher Anwendung des Physostigmins ein,
3)nbsp; In ähnlicher Weise werden die Uterus- und Blascnmus-oulatur sowie die glatten Muskeln in den Bronchien und in der Milz zur Contraction gebracht. Die quergestreifte Musoulatur wird nur bei toxischen Dosen stärker erregt und dann gelähmt; bei gewöhnlichen Dosen werden nur fibrilläre Muskelzuckungen beobachtet. Die Herz contractionen werden anfangs verlangsamt und verstärkt, der Blutdruck dadurch erhöbt; grossere Dosen lähmen das Herz.
4)nbsp; nbsp;Von den Secretionen werden insbesondere gesteigert die der Speicheldrüsen, Darmdrüson, Scbweissdrüsen, Tbriinen-drtisen und der in der Respirationsschleimhaut befindlichen Schleimdrüsen. In Folge starker Erregung der Scbleimsecrction in den
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
198nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'liysostigmiii.
Lungen können grosse Gaben in Verbindung mit der sieb einstellenden Herzschwäche selbst zur Ausbildung eines Lungenödems und zur Erstickung führen.
5) Die nervösen Oentralorgane werden von therapeutischen Dosen nicht beeintlusst, durch sehr grosse jedoch meist rasch gelähmt. Zuweilen gehen der Lähmung psychische Erregungserscheinungen voraus; es scheint dies zum Theil auf individuellen Verhältnissen zu beruhen!
Die Wirkungen dos Physostigmins bei den einzelnen Hausthiereu,
wie sie von Dieckerhoff (Ad. Wochenschrift 1882), Möller (Tageblatt der Eisenaoher Naturforseherversammluiig 1882), Feser (Münclien. Jahresbericht 1885) u, A. untersucht wurden, sind folgende:
1) Pferde zeigen nach einer subcutanen Injection von 0,040,12 Pbv.so-stigminuiti sulfuricum nach Ablauf von etwa '/.i Stunde Speicheln und Lecken, Gähnen, Vermehrung der D a r m p e r i s t a 11 i k, hörbares Kollern im Hauche, Abgang von Flatus durch den After, Unruhe- und Kolik-ersoheinungen sowie KothabSatz. Der im Anfange noch geballte Kotb wird bald wreiclier v;nd zuletzt ganz dünnbreiig; die Kotbentloerungen erfolgen sehr häufig hinter einander und die Menge des abgesetzten Kothes ist oft eine ganz bedeutende (bis zu 50 Pfund und mehr), Gleichzeitig beobachtet man Zittern, lokalen Sehweissausbruch, tibrilläre Muskel-Zuckungen, leichtes Schwanken und eine mehr oder minder hochgradige Atbnmngsbescbleunigung, welche selbst den Charakter der Dyspnöe annehmen kann. Die Dauer der Wirkung beträgt durchschnittlich 12 Stundet, Intravenös erzeugt das Physostigmin dieselben Erscheinungen, jedoch schon nach 2;! Minuten (Dieckerhoff). Grüssere Dosen als die genannten bedingen beim Pferde Vor gif tungserschoinun gen. So beobachtete ich bei einem Pferde nach der Injection von 0,5 g Physostigmin sehr heftige und mehrere Stunden anhaltende Kolikerscheinungen, starke Schreckhaftigkeit, über den ganzen Körper verbreitete Muskelzuckungen, sehr starkes Speicheln , Ausfluss aus Nase und Augen, tropfen-weisen Harnabsatz, grosse Athemnoth und schliesslich eine ausserordent-liche Hinfälligkeit und Schwäche mit anhaltendem Liegen; gleichzeitig trat Puinllenverengerung und Temperatursteigerung (um 2 Grade) ein. Die Vergiftungserscheinungen, namentlich die grosse Schwäche, dauerten mehrere Tage an; eigenthümlich war ferner, dass das Thier noch 4 Tage nach der Injection nach jeder Putteraufnahme Kolikerscheinungen zeigte. Das Ge-sammtgewicht des Körpers war im Verlaufe des Versuchs um 00 Pfund zurückgegangen. Die vollständige Wiederherstellung trat erst nach 8 Tagen ein. Aus diesem Versuche ergibt sich ausserdem, dass 0,5 g Physostigmin beim Pferde unter U mständon nicht tödtlich wirken. Im Uebrigen scheinen auch, abgesehen von der wechselnden Zusammensetzung der l'hysostigminpräparate, bei einzelnen Pferden starke individuelle Verschiedenheiten bezüglich der Einwirkung des Eserins vorzukommen. So sind nach Gadiot 0,2 intravenös für .jedes Pferd tödtlich, während nach Klemm subeutane Dosen von 0,2 fünfmal hinter einander ohne Bedenken ungewandt werden können, wenn mehrstündige Pausen dazwischen liegen. Priedberger beobachtete andererseits in einem Falle nach der subcutanen injection von 0.1 Physostigniin bei einem ISjähl'igen, 0 Centner schweren
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
riiysostigmin.
|
199
|
||
|
|
|||
|
Pferde neben einer sehr starken Einwirkung auf den Dann hochgradige Aufregung und Vorwärtsdrängen sowie maniakalisobe Ersoheinungea und BeisSSUOht, forner eine 3 Tage anhaltende aussorordentliche Mattigkeit und raschen Krüfteverfall, Drängen nacli vorwärts und unsicheren Gang, weshalb das Thier getüdtet worden musste. Die rüthliche Verfärbung der Eserinlüsungon nach längerem Stehen hat nicht, wie man allgemein annahm, eine Wirkungslosigkeit derselben zur Folge. Nach den Beobachtungen von Priedberger (Mündi. Jahresbericht 1882/Ö8) zeigten Eserinb'isungen, welche
4nbsp; Wochen und länger aufbewahrt wurden, eine gleich starke Wirkung wie frisch bereitete. Zuweilen scheinen ältere Lösungen sogar stärker zu wirken als frische. So beobachtete Albrecht nach der Injection von 0,1 Eserin in einer ü Monate alten Lösung bei einem schweren Bauernpferde deutliche Vergiftungserscheinungen, bestehend in heftigem Muskelzittern, Schwanken, Zusammenknicken in den Gelenken, starke Pupillenerweiterung, Benommenheit, Puls- und Athmungsboschlounigung, sowie Herzschwäche; der krankhafte Zustand dauerte im Ganzen 10 Tage!
2) Beim Rinde sind die Erscheinungen der Eserinwirkung ähnlich wie beim Pferde. Kleinere Dosen bewirken: Steigerung der Magen-und Darm-peristaltik, Vermehrung und Beschleunigung der Darmentleerungen bis zum flüssigen Purgiren, Anregung der Speichelsecretion, häufiges Uülpsen, ständigen Drang zur Kothentloerung unter Krümmung des Rückens und Strecken des Schweifes. Bei höheren Dosen treten hiezu noch Kolikerscheinungen, starkes Speicheln, Muskelzittern, Blasenzwang, ständiges Harntröpfelu, Unruhe, beschleunigte und erschwerte Athmung, trockener Husten, Peniserectionon und selbst. Pollutionen (Peser), Es werden nach Poser vom ßind verhältnissmässig hohe Dosen ohne Nachtheil ertragen, so subcutau 1 mg Physostigmin pro Kilo Körpergewicht = 0,8 pro dosi, stomachical das lOfache; nur in einem Fall trat nach der subcutanen Injection von 0,17 bei heftigem Husten und Rülpsen in Folge Eindringens von Futterbrei in die Bronchien Erstickung auf. Subcutan sind 0,03 ohne sichtbare Wirkung, 0,06 von geringer, 0,1 von kräftiger Wirkung; 0,15 bis 0,17 erzeugen heftiges Purgiren; nach 0,3 tritt die Wirkung schon nach
5nbsp; nbsp; Minuten unter starkor Dyspnöe, Muskelzittern etc. auf. Innerlich gegeben wirkt Physostigmin beim Rinde auffallend schnell in relativ geringen Dosen; so rufen 0,15 schwaches Purgiren, 0,8 starkos Purgiren, 0,7 dasselbe mit deutlichen Kolikerschoinungcn, 0,9 1,0 Purgiren unter Stöhnen und Aechzen, 1,5 sehr heftiges Purgiren, 3,0 ebenfalls sehr heftiges Purgiren unter Zittern und Athemnoth hervor. Dieselbe Wirkung hat nach Feser die Einspritzung in den Wanst. Auch beim Rinde scheint nicht selten starke individuelle Verschiedenheit im Verhalten zum Eserin vorzukommen. So beobachtete Ripke in einem Falle schon nach einer Dosis von 0,1 Eserin Athemnoth, Schäumen, Unvermögen aufzustehen; in einem anderen Falle erfolgte sogar der Tod nach Ablauf von (i Stunden. Albrecht sah bei einem Binde nach 0,15 Eserin hochgradige Erregungs-ei'scheinungen. Abbrechen eines Horns sowie Abortus.
8) Hunde und Katzen sind gegen Physostigmin am empfindlichsten; ich habe kleine Hunde schon auf 5 mg, sowie mittelgrosse auf 10 mg sterben sehen. Katzen vorenden nach 28 mg. Die Dosen für Hunde und Katzen sind in den meisten Lehrbüchern falsch, d. h. viel zu hoch angegeben.
-1) Schweine zeigen selbst auf 0,1 Physostigmin subcutan keine sichtbare Wirkung (Frank).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pliysostigmin.
Anwendung. 1) Als subcutanos Laxans namentlich bei der Kolik der Pferde (Anschoppungs- und Jndigestionskolik), von Dieckerhoi'l' 1882 in die thierärztliclio Praxis eingeführt. Das Mittel zeichnet sich neben seiner bequemen Applioationsmethode vor allem durch die Schnelligkeit und Sicherheit seiner Wirkung ausr welche nur in wenigen Fällen im Stiche lässt. Dasselbe kann auch bei Verstopfung des Rindes und der übrigen Hausthiere vielfach mit Vortheil angewandt worden (Vorsicht bei Hunden und Katzen).
2) Bei chronischen Magen- und Darmkatarrhen des Pferdes als tonisches, die Peristaltik anregendes Mittel.
.quot;) In der Augenheilkunde als Myoticum zur Verengerung der Pupille behufs Zerreissung von Iris-Syneohien (Verwachsungen der Iris mit der Linsenkapsel oder Cornea), z. B. im Verlaufe der Mondblindheit, bei Iritis adhaesiva, Irisvorfällen, Staphylomen. Man benutzt eine l/81 ^oige wässerige Lösung und träufelt dieselbe tropfenweise in den Lidsack ein. Die Myose tritt bei gesunden Augen nach etwa 10 Minuten ein und dauert circa 1 Tag. Atropin hebt die Physostigminmyose auf, aber nicht umgekehrt.
4) Von manchen wird das Pliysostigmin ausserdcm empfohlen gegen Kalbefieber. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint es übrigens bei dieser Krankheit sehr häufig wirkungslos zu sein. Das Fleisch und die Milch von Thieren, welche mit Physostigmin behandelt worden sind, ist ohne Schaden für die menschliche Gesundheit geniessbar (Feser; eigene Untersuchungen).
Contraindicationen. Das Physostigmin darf als Kolikmittel nicht schablonenartig angewendet werden. Es ist nicht bloss nutzlos, sondern direct gefährlich:
1)nbsp; In allen Fällen von Lähmung und starker Ausdehnung des Magens und Darms durch angeschopptes Futter oder Gase (Windkolik, Tympanitis) beim Pferd, ferner bei mechanischen Hindernissen, indem es hiebei eine Zerreissung des Magens und Darms sowie eine Axendrehung des Darmes herbeiführen kann.
2)nbsp; nbsp;Bei Krampfkolik, indem es hier die krampfhafte Contraction des Darmrohrs und damit den Schmerz sowie die Gefahr der Entstehung von Axendrehungen und Darmverschlingungen steigert.
3)nbsp; Bei trächtigen Thieren wegen der Gefahr des Abortus. Wenn auch das Eserin in manchen Fällen während der Trächtigkeit
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||||
|
Pliysüstigmin,
|
J01
|
|||
|
|
||||
|
ohne Gel'alir angewandt worden ist (Sehwai'znieier, Feiiner U.A.). so ist doch von verschiedenen Beobachtern sowohl bei Stuten, wie bei Kühen und Hunden der Eintritt von Abortus im unmittelbaren Anschluss un eine Escrininjeetion eonstutirt worden (Albreeiit, Mö-bius, Hörner u. A.).
I) Bei gleichzeitigem Vorhandensein von Emphysem oder chronischem Bronchial katiirrh. Ein dämpfiges, kolikkrankes Pferd starb beispielsweise schon nach einer Dosis von 0,1 Eserin an Lungenödem ( F r iedber ge r).
6) Bei der Tympanitis des Rindes sowie bei chronischen Indigestionen und Löserverstopfungen desselben ist das Eserin wegen seiner üblen Nebenwirkungen ebenfalls nicht empfehlenswerth (Albrecht, llipke).
Als Gegengift gegen eine etwaige Eserinvergiftung dient Atropin (Pferden und Rindern 0,05 0,1 suboutan).
|
||||
|
|
||||
|
Zusammenhang der Magen- und Darmrupturen mit der Eserin-
|
||||
|
|
||||
|
behandlung-.
|
quot;Tierüber ergibt sich aus den bisherigen Beobachtungen
|
|||
|
folgendes. Siodmngrotzky (Dresdener Jahresbericht pro 1889) hat bei den mit Eserin behandelten Kolikpferden seiner Klinik gegenüber den mit anderen Arzneimitteln behandelten eine auffällige Zahl von Axendrohungen beobachtet und gibt daher den Rath, dem Eserin trotz seiner vielen Vorzüge in Zukunft etwas Zurückhaltung entgegen zu bringen. Zschokke (Schweizer Archiv 1891) bemerkt, dass seine Beobachtungen an der Züricher Spitalklinik eine Vermehrung der Magenrupturen um 3040 0/o seit der Benützung des Eserins ergeben. Aehnlicbe Erfahrungen sind von Rust (Preussischer Statist. Veter.-Sanitäts-Bericbt pro 1889) gemacht worden; darnach hat sich die Zahl der Magenrupturen beidemPferdebestando des lö. Armeelaquo; corps seit der Anwendung des Eserins wesentlich gesteigert. Auch von verschiedenen anderen Berichterstattern des genannten Berichtes wurde ein Zusammenhang der Eserininjectionen mit den Magcnzerreissungen behauptet. Corpsrossarzt Rust führt nicht nur die Magenzerreissungen, sondern auch die viel häufigeren Verschlingungen des Dünndarmes und die Axendrehungen des Dünndarmes zum Theil wenigstens auf die Wirkung des Eserins zurück. Der Sanitätsbericht hält bezüglich der Magenrupturen in Anbetracht der grossen Häufigkeit derselben in den letzten Jahren gegen früher ebenfalls die Annahme für zulässig, dass die Zerreissungen des Magens mit der Eserin-behandlung in Zusammenhang stehen. Der Preussische Veterinär-Sanitätsbericht pro 189 0 oonstatirt, dass wegen der Gefährlichkeit des Eserins die Zahl der Gegner dieses Mittels im Grossen und Ganzen zugenommen habe. Im Preussisehen Veterinär-Sanitätsberichte pro 1801 führt Corpsrossarzt Haase die Magen-und Darmrupturen nicht auf das Eserin selbst, sondern auf die zu hohe Dosirung desselben zurück. Es wird in dem Berichte angenommen, dass das Eserin in grossen Dosen eine ZU stürmische Peristaltik erzeugt, die namentlich bei schon bestehender Gasbildung in Polge der tetanischon Contraction der Darmmuskulatur dann zur Zerreissung des Darmes führt, wenn das llinderniss stärker als die Darmwand ist. bezw. welche bei festsitzenden Hindernissen durch die anti-
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
202nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Physüstigmui,
porislaltischo Bewegung den Darminhalt in den Magen treibt, wo durcli die starke Contraction der Magenwandung die Zerreissung der letzteren erfolgt. Der Bericht empfiehlt daher zur Vernünderung der vorliegenden Gefahr eine Herabset'/Aing der Eserindosis in der AYeise, dass nur für Kürassierund Artilleriezugpferde die grossen Dosen von 0,080,1 Eserin angewandt werden dürfen, während für alle anderen Truppenpferde die kleinen Dosen yen 0,040,07 zu empfehlen seien. Aussei- den genannten haben auch vielfach andere Beobachter nach der Anwendung von Eserin Magenberstungen bezw. Axendrelmngon eintreten sehen (Roegener, Frank, Fenn er, Utz u. A.).
Dosis und Form. Man gibt lt;las Pbysostigmin Pferden immer subeutan in einer 150/oigen Lösung (0,1:10,0; 0,1:5,0; 0,1:2,0 kaltes Wasser). Bindern gibt man es ebenfalls subeutan oder spritzt os nach Feser direct in den Wanst ein. Gowölmlicli wird nur eine Dosis verabreicht; ist eine zweite nötliig, so soll dieselbe wegen der cumulativen Wirkung des Mittels nicht zu rasch hinter der ersten, sondern erst nach mehreren Stunden gegeben werden. Die innerliche Dosis beträgt das Doppelte der subeutanen. Wegen der leichten Zersetzlichkeit und Inconstanz der Präparate halte man sich mehr an die mittleren als an die grossen Dosen, beziehe das Eserin immer aus derselben guten Quelle, lasse es nicht zu alt werden und erwärme die Lösungen nicht! Namentlich das Sterilisiren der Eserinlösungen ist sehr verwerflich, indem das Kochen auf das Eserin ebenso zersetzend einwirkt, wie das Erhitzen mit Laugen (abgesehen von dorn fraglichen Worth dos Sterilisirens bei Arzneimitteln). In sehr hartnäckigen Fällen von Verstopfungskolik müssen neben dem Eserin noch andere Laxantien, namentlich die salinischen Mittel gegeben werden. Ellenberger hat für diese Fälle Combinationen von Eserin mit Pilocarpin (siehe dieses) vorgeschlagen. Man injicirt von Physostigminum sulfuricum subeutan als Laxans:
Pferden 0.05 0,1,
Rindern 0,10,2.
Schafen und Ziegen 0,020.05.
Schweinen 0,0050.02,
Hunden '/sü mg,
Katzen 1li '/a mg.
Recepte.
1) Rp, Pliysostigiuin. sulfur. 0,1. Aqu. destill. 5,0. M. D, S. Zur subeutanen Injection für ein Pferd mit Kolik.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Escridin.
|
203
|
||
|
|
|||
|
2) Ep. Eaorini sull'ur. 0,15. Aqu. destill. 5,0. Mi I). iS. Zup suboutanen Injeotion für ein Rind rait Verstopfang. o) Ep. Escrini sulfur. 0,05 0,1. Aqu. destill. 10,0. M. 1). S. Augen was 86rlt;
4) Ep. Fhysostigmin. sulfur. 0,1. Filooarp. muriat. 0,3. Aqu. deetill, 10,0. 1\I. D. 8. Zur suboutanen Injeotion für ein Pferd mit ITäkalstase.
|
|||
|
|
|||
|
t Eseridin, Das von Böhringer in der Calabarbohne als Neliou-aikaloid gefundene Eseridin, welches nach W. Eber auch unter den Zersetzangsproduoten des Eserins vorkommt, indem es z. B. nach längerem Aufbewahren einer neutralen Eserinlösnng sich abspaltet (andere Zerset/.ungs-producte sind Kub reseri n , das sogenannte Phy sostigminbi au, eine flüchtige Base, sowie inactives Physostigmin), hat die Formel OtgUogNsOa und bildet nach W. E b e r luftbestiindige, durchsichtige, farblose, in Wasser schwer lösliche, in Chloroform, Aether etc. leicht lösliche Krystalle, welche mit Säuren, /,. B. mit Schwefelsäure in Wasser leicht lösliche und in ihren Lösungen sehr beständige Salze bilden (Eseridinnm sulfuricum). Die physiologische Untersuchung des Eseridins ergab eine grosse Uebereinstim-mung mit der EserinWirkung. Eber empfahl daher das Mittel als sub-cutanes Laxans, als Errcgungsmittel für Magen und Darm, sowie als Ex-citans für Gehirn und iiückenmark. Das Mittel schien bei diesen Untersuchungen bei gleich wirksamer Dosis wesentlich ungiftiger zu sein als Eserin. Nach Oster tag ist die therapeutische Wirkung des Eseridins bei Pferd und Rind ungefähr 6mal schwächer als diejenige des Eserins, indem Durchfall beim Pferde erst nach Dosen von 0,5, beim Rinde nach 0,6 Eseridin eintritt. Aehnliche Resultate haben die Untersuchungen von Fes er ergeben. Darnach wirkt das Eseridin dem Eserin gegenüber bei subcutaner Anwendung schwächer, das Eserin ist somit als s u b c u t a n e s P u r g a n s dem Eseridin vorzuziehen. Per os oder direct in den Wanst gespritzt steht dagegen das Eseridin dem Eserin mindestens nicht nach. Peser ist der Ansicht, dass das Eseridin in kleinen internen Dosen von 0,10,2 als Rnmiiiatorium in der Bujairik eine Zukunft besitzt. Ausführlicheres über die Fesor'schen Untersuchungen vorgl. im Münchener Jahresbericht 1889/90.
Neuerdings ompliehlt W. Eber an Stelle des schwefelsauren das weinsaure Eseridin (Monatshefte für prakt. Thierheilk. V, 2, Heft; Deutsche Zeitschr. für Thierraed. XXI, S. 177). Dasselbe wirkt in Dosen von 0,15 0,3 hervorragend bei darniederliegender Pansenthätigkeit des Rindes. Ueber seine Wirkung bei der Kolik der Pferde spricht sich W, Eber folgendermassen aus: 1) Durch seine Gmal geringere Giftigkeit ist das Eseridin als subcutan den Darm erregendes Mittel bei Tympanitis dem Physostigmin entschieden vorzuziehen. Bei einer Dosis von 0,8 Eseridin. tartaric. ist die Gefahr, das bedrohte Athmungscentrum zu lähmen, 'in so gross wie beim Physostigmin. 2) Die Anschoppungskoliken verlaufen unter dem Einflüsse der Eseridintherapie wesentlich ruhiger. Die sichtbare Darmwirkung des Eseridins tritt oft später in die Erscheinung, hält aber länger an als die Physostigminerregung. Der therapeutische
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
204nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'ilocarpiii.
Ei'folg steht demjenigen des Pbj-sostigmins mindestens nicht naob, sondern tritt unabhängig von der Darmentleerung oft in überraschend kurzer Zeit ein. Dosis für Pferde 0,150,3 g Eseridinum tariariciun. 8) Die Ese-ridinwirkung lediglich als eine abgesohwäohte Physostigminwirkung anzusprechen, entbehrt der thatsiichlichen Begründung.
|
||
|
|
||
|
Folia Jaboriindi. Jahoraiidlblilttor.
Stantinpflanze: Pllocarpus pennatifolius, Familie: Rutaceen.
Geschichtliches. Die Jaborandiblütter sind im Jahre 1874 durch den brasilianischen Ar/.t Cutinho in Paris bekannt geworden. Das Pilo-earpin wurde 1875 von Hardy dargestellt.
Pharmakognosie. Die Jaborandiblätter stammen von Pilo-oarpus pennatifolius, einem in Brasilien wachsenden Strauche aus der Familie der Rutaceen, dessen Blätter als Pernamlmco- oder Para-Jaborandi im Handel sind. Die in Deutschland officinellen Blätter (Fiederblätter) sind langgestielt, kahl, oval bis lanzettförmig, an der Spitze ausgerundet, von loderartiger Consistenz, brüchig, von blassgrüner Farbe sowie eigentliiimlich gowürzliaftem Geruch und scharfem Q-eschmack. Hält man ein Blatt gegen das Licht, so sieht es wie von zahllosen Punkten perforirt aus; diese Punkte stellen durchscheinende Oelräume dar.
Die Folia Jaborandi enthalten neben ätherischem Oel und dem weniger wichtigen Jaborin als Hauptbestandtheil zu 0,1l0/o das Alkaloid Pilocarpin von der Formel CuHlt)Nä02, welches als Pilocarpimm hydrochloricum (CnH1(.N2().,. OIH) offlcinell ist und allgemein statt der Blätter angewandt wird. Dieses salzsaure Pilocarpin bildet weisse, hygroskopische Krystalle von bitterem Ge-schmacke, welche sich in Wasser und Weingeist sehr leicht lösen. In rauchender Salpetersäure lösen sich die Krystalle mit blassgrtinlicher Färbung; mit Silbernitrat geben sie als Chlorverbindung einen weissen Niederschlag (Identitätsreactionen). A.P. 0,1 = 1 Mark 70 Pfennig.
Darstellung des Pilocarpins. Die gepulverten Jaborandiblätter werden mit verdünnter Salzsäure ausgezogen, der Auszug langsam zu einem dünnen Extracte eingedampft, mit Wasser aufgenommen, filtrirt, das Filtrat mit Ammoniak (oder Natr, bicarbon.) versetzt und mit Chloroform ausgeschüttelt. Nach der Verdunstung des Chloroforms bleibt Pilocarpin zurück und wird behufs Peinigung nochmals in verdünnter Säure gelöst,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Filooarpin.
|
205
|
||
|
|
|||
|
mit Ammoniak iiusgefällt und mit Chloroform ausgosehiittolt. Wie das Eserin, so scheint auch das Pilocarpin des Handels kein einheitlicher chemischer Körper /,u sein. Klinische Erfahrungen haben nämlich gezeigt, dass das Pilocarpin in denselben Dosen bald stärker, bald schwächer wirkt, ja zuweilen ganz unwirksam ist. Es ist deshalb anzunehmen, dass der IJegriff Pilocarpinquot; je nach der Darstellung eine Peihe verschiedener Einzelkörper resp. Zersetzungsproducte einschliesst, wie dies /.. B, auch beim Atropin und Vcratrin iiachgowieson ist. Weitere Untersuchungen von chemischer Seite hierüber wären sehr erwünscht. (Vergl. auch die Preis-diii'orenz der Handelspräparate.) #9632; Neuerdings hat man als Zersetzungs-product des Pilocarpins Cytisin nachgewiesen.
Wirkung des Pilocarpins. Die Hauptwirkung des Pilocarpins 1)ostelit in einer Anregung sämmtlioher Drüsenseoretionen; daneben wirkt es erregend auf die glatte Körpermuskulatur,
1)nbsp; Die Speichelabsonderung wird schon durch kleine Dosen mehrere Stunden liindurcli stark v er mehrt in Folge einer peripheren Reizung der secretorischen Nervenfasern der Speicheldrüsen und einer gleichzeitigen Erregung des Speichelcentrums in der Medulla ob-longata.
2)nbsp; In gleicher Weise wird die Secretion der Tliräncndrüsen, der Schleimdrüsen des Respirationstractus (Nasenhöhle, Trachea und Bronchien), der Magen- und Darmdrüsen, der Bauchspeicheldrüse und Leber, sowie der 0 h r s c h m a 1 z d r ü s e n gesteigert; auch die Milch- und Harnsecretion scheint gesteigert zu sein.
3)nbsp; Grosse Dosen bedingen ferner eine Vermehrung der Scliweiss-secretion in Folge peripherer Reizung der secretorischen Fasern der ydiweissdrüsen und Erregung des Schweisscentrums in der Medulla, oblongata. Alle diese durch Pilocarpin gesteigerten Secretionen werden durch Atropin unterdrückt; Atropin ist das Antidot gegen Pilocarpin.
4)nbsp; Der Stoffwechsel und die Oxydationsvorgänge im Körper werden durch diese allseitig erhöhte Drüsenthätigkeit mächtig angeregt; die Harnstoffausscheidung ist gesteigert. Dabei findet durch die Abgabe von Speichel und Schwciss eine starke Wasserentziehung und ein erheblicbcr Gewichtsverlust des Gesainintkörpers statt, bei Pferden beispielsweise bis zu .'50 Kilogramm. Das Haarwaclis-tlium soll durch Pilocarpin gefördert werden.
5)nbsp; Die Athmung wird nach sehr grossen Dosen erschwert und dyspnoiscb, indem in Folge der starken wässerigen Secretion der bronchialen Schleimdrüsen sich Lungenödem einstellt,
6)nbsp; Im Auge findet bei director und innerlicher Application
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
200nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pilocarpin.
Pupillenverengerung durch Erregung des Oculomotorius und Bürampf des Sphincter pupillao statt.
7)nbsp; nbsp;Die Magen- und Darmmuskulatur wird in Folge Heizung der Ganglienzellen zu Contractionen angeregt. Die hiedurch bedingte Vermehrung der Darmperistaltik ist in Gemeinscliaft mit der gesteigerten Drüsensecretion im Darm die Ursache der nach der Application raittelgrosser Pilocarpingaben eintretenden Diarrhöe. In ähnlicher AVeise werden auch in der glatten Muskulatur des Uterus und der Blase Contractionen ausgelöst.
8)nbsp; Im Herzen werden anfangs die Vagusendigungen gereizt und der Herzschlag dadurch verlangsamt; giftige Dosen erzeugen Herzschwäche (welche mit die Ursache des Lungenödems ist) und zuletzt Herzlähmung. Ebenso wird das vasomotorische Centrum zunächst erregt (poriphere GefässerWeiterung), später gelähmt.
Die Wirkungen dos Pilocarpins bei den einzelnen Hausthieren sind von Möller (Tageblatt der EisenaclKn-Naturforsdierversiimiulnng 1882), L u s t i g -M a 1 k m ii s (Harmover'scher Jahresbericht 1880/82), E11 e n be r g e r-Edelmann (Berliner Archiv 1883 und 1887), Eeser (Munch. Jahresber. lJ-i8t)(87) u. A. untersucht worden.
1)nbsp; nbsp;Pferde zeigen nach Ellenberger nach kleinen subeutanen Dosen Pilocarpin (0,Ü50,15) Sp eichelf'luss und Pupillen Verengerung; der abtiiessende Speichel ist sehr wässerig, speeifisch leicht und fermentann. Sohweissausbruoh findet nicht statt; die Wirkung auf den Parmkanal und die Drüsen ist gering. Cirössero Dosen (0,2) haben Speie h elfluss, vermehrte D a r m p e r i s t a 11 i k, Vermehrung der Secretion d e r Respir atio ns Schleimhaut, aber keinen Scbvveissausbruch zur Folge. Erst in Dosen von 0,50,8 (nach Cloetta schon bei 0,4) findet allgemeiner Schweissausbruch statt; daneben treten Kolik und Diarrhöe, schleimige, zähe Speichelsecretion, Thränen, Easselgeräusch e in den Bronchien und mitunter selbst die Erscheinungen des Lungenödems auf. Die Harn stoff'ausscheidung stieg in einem Falle binnen 24 Stunden um 50 g; das Körpergewicht nahm um 40 und GO Pfund (bei 0,5 und 0,7) in einem Zeitraum von 24 Stunden ab. Die Leber zeigt bei der mikroskopischen Untersuchung das Bild der stark thätigen Loberzelle. Zuweilen tritt beim Pferde nach sehr grossen Dosen auch Erbrochen auf, wie ich dies in einigen Fällen beobachten konnte.
2)nbsp; Rinder zeigen nach Feser auf kleine subeutane Dosen (0,20,0; '/a1 mg pro Kilo Körpergewicht) 2 4 Stunden lang dauernden, leichten Speichelfluss, Thränen, lebhaftere Wanstthätigkeit, kurzen Husten, Harnzwang und empfindliche Thiero auch leichte Kolik und Diarrhöe. Mittlere Dosen (0,01,0; l'/j mg pro Kilo Körpergewicht) erzeugen ausgiebige Diarrhöe, leichte Kolik, sowie leichtes, örtlich begrenztes Schwitzen. Hohe Dosen (3 mg pro Kilo Körpergewicht) bewirken die Absonderung eines mehr zähen Speichels, starke, erschwerte Atlnnung, zeitweise unterdrückte Wanstthätigkeit und dadurch Aufblähung, deutliche Kolikerscheinungen und hoch-gradige Diarrhöe, sowie vorübergehenden Schweissausbruch. Noch höhere Dosen (mehr als 8 mg pro Kilo) sind wegen der eintretenden Herzschwäche
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
l'ilo
|
carpin.
|
2U7
|
||
|
|
||||
|
und Athcmnotli (Lun^enöclein) gel'iihrlicli. Als Laxans sind nach Pcser sichere Dosen beim ßind nicht festzustellen. Es empfehlen sich in der Imjatrischen Praxis überhaupt nur mittlere Dosen, und auch diese erfordern Vorsicht und Bereithaltung von Atropin als Gegenmittel. Als schweisstreibendes Mittel ist Pilocarpin für das Bind nicht zu empfehlen. Die Milch secret ion erleidet weder durch kleine noch durch grosso Gaben eine Verminderung; sie scheint eher begünstigt zu werden. Per os sind zur Erzielung einer Pilocarpin Wirkung viel grössere Dosen nüthig, als von der Subcutis aus. Dosen von 0,81,5 veranlassen nur leichte Kolikerscheinungen, lebhaftes Külpsen, sehr starke Steigerung der Wansttlültigkeit, sowie reichlichere Kothentleerungen, aber keine eigentliche Diarrhöe. Zur Förderung der Rumination und Magenperistaltik sind Dosen von 0,81,5 am geeignetsten; bei grösseren Dosen sistirt die Pansenbewegung. Gegenüber demEsorin ist das P il oearpin beim Rind offenbar ein sehr viel schwächer wirkendes Laxans, weshalb er st er es den Vorzug verdient.
8) Hunde sind auf Pilocarpin sehr empfindlich. Zur Erzielung von Speichelfluss genügen #9632;r)20 mg. Nach 50 mg (0,05) sah ich bei einem (50 kg schweren herzkranken Hunde den Tod in Folge von Lungenödem eintreten.
4) Katzen zeigen nach 3 mg Pilocarpin Schweissausbruch an deraquo; Pfoten.
Anwendung. 1) Symptomatisch zur Resorption von tlüssigen Exsudaten und Transsiidaton. So bei Hydropsien im Verlaufe von chronischen Herz-. Nieren-, Leber- und Lungenkrankheiten (Vorsicht!), bei Uriimie, hei pleuritisclien und peritonitischen Exsudaten, bei exsudativen Gelenkentzündungen, hei Plüssigkeits-ansammlungen im Gehirn und llückonmark, namentlich bei exsu-dativer Meningitis, bei Hydrocephalus acutus und Cere-hrospinalmeningitis. Ausserdem ist das Pilocarpin gegen Gehär-parese empfohlen worden.
Auf eine Anregung von Ellenhcrger ist das Pilocarpin vielfach gegen den Hydrocephalus der Pferde versuchsweise angewandt worden. Klemm (Berliner Archiv 1885) hat das Pilocarpin zuerst sowohl gegen Hydrocephalus acutus (acute Gelnrnwassersucht, subacute Gehirnentzündung) als auch gegen Hydrocephalus chronicus (Dummkoller) sobr wirksam gefunden. Nach ihm genügt heim acuten Hydrocephalus in der Hegel eine Einspritzung von 0,8 Pilocarpin, um das Pferd nach 24 Stunden gesund zu machen und vor Dummkoller zu bewahren. Gegen den Dummkoller gab er das Pilocarpin ebenfalls mit sehr gutem Erfolge und zwar mittelgrossen Thieren in subeutanen Dosen von 1/), besonders grossen und starken Thieren in Dosen von 1.2. Im Anfangsstadium des Duramkollers soll dadurch immer wirkliche Heilung er-
|
||||
|
|
||||
|
.
|
||||
|
|
|||
|
208
|
l'ilocarpin.
|
||
|
|
|||
|
zielt worden sein; in mittelhoeligracligen Fällen und bei längerem Bestehen des Leidens soll der erste Erfolg ein ähnlicher gewesen und das später gewöhnlich eintretende Hceidiv ebenfalls fast immer vollkommen beseitigt worden sein. Aoltero und selbst hochgradige Fälle von Dummkoller sollen sich ferner noch manchmal auf Pilo-carpin unerwartet bedeutend gebessert haben.
Diese Angaben sind, soweit sie sich auf den acuten Hydro-cephalus beziehen, zum Theil bestätigt worden durch weitere Beobachtungen von Hoffmann, Dieckerhoff, Frank, Humann, Heuchlinger, Friedberger u. A. Letzterer hat namentlich günstige Erfolge nach grösseren Pilocarpindosen (1,0) im Depressionsstadium der acuten Gehirnentzündung gesehen, macht jedoch darauf aufmerksam, dass die Gehirndepression nach derartig grossen Gaben mitunter einen sehr bedeutenden und geradezu beängstigenden Grad erreiche, bevor Besserung eintrete; auch war in allen günstig verlaufenden Fällen nur eine Besserung, niemals aber eine vollständige Genesung zu constatiren; endlich wurde in anderen Fällen von Gehirnentzündung derselbe Grad der Besserung erreicht auch ohne Zuhilfenahme von Pilocavpin (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin Bd. 14). Weniger günstige Resultate bezüglich der Anwendung des Pilocarpina gegen acute Gehirnentzündung hat Siedamgrotzky veröffentlicht (Sächsischer Jahresbericht 188(5). Darnach blieben von 10 mit Pilocarpin behandelten Pferden 7 ungebeilt. Auch Xagel hatte nur einen vereinzelten Erfolg. Ohne nemienswerthen Erfolg haben l'ilocarpin ferner angewandt Put scher, Engel, Tbum, Köcken-berger u. A. Auch in der preussischen Armee sind nur sehr schwache Erfolge mit Pilocarpin erzielt worden; in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle war das Mittel wirkungslos, in einzelnen Fällen äussertc es sogar geradezu eine schädliche Wirkung, indem es den tödtlichen Ausgang beschleunigte (Preuss. Vct.-Sanitätsberichte pro 18891891). Daraus ergibt sieb vorerst die Thatsache, dass das Pilocarpin zwar in einzelnen Fällen von acuter Gehirnentzündung sehr gute Dienste zu leisten scheint, dass es aber ein zuverlässiges Mittel gegen diese Krankheit durchaus nicht ist.
Die von Klemm publicirte günstige Wirkung des Pilocarpins gegen Dummkoller haben u. A. Scbneidemühl, Maximilian, Walthor, Philipp, Steuert, Bessert, Hauck u. A, bestätigt gefunden; auch nach Dieckerhoff soll das Mittel hiebe! mit Vor-theil zu gebrauchen sein. Dagegen hatten Siedamgrotzky, Scbleg,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pilocarpiu.
|
209
|
||
|
|
|||
|
Nagel, Köster, Imminger, Esser u. A. rein negative Resultate. Auch die in der preussischen Armee mit Pilocarpin angestellten Versuche sind entweder erfolglos gewesen (1889 und 1891) oder sie haben selbst eine regelmässige Verschlimmerung des Dummkollers ergeben (Preuss. Stat. Vet.-Bericht pro 1890). Wenn in dieser Angelegenheit auch weitere Beobachtungen abzuwarten sind, so kann doch jetzt schon behauptet werden, dass zwar ein vorübergehendes Freierwerden des Sensoriums und eine dadurch bedingte bessere Brauchbarkeit sich zuweilen beim Dummkoller durch Pilocarpin erzielen lässt, dass aber der Dummkoller (chronischer Hydrolaquo; cephalus) durch Pilocarpin höchstens dann zu heilen ist, wenn es noch nicht zu Druckatrophie und zu chronischen Veränderungen im Gehirn gekommen ist, also im Ueber-gang von der acuten zur chronischen Grehirnwassersucht.
2)nbsp; Als Antirheumaticum namentlich gegen Hufrehe der Pferde. Priis (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887) hat damit ganz vorzügliche Erfolge erzielt. Es genügte im Anfange der Krankheit gewöhnlich eine einmalige Injection von 0,40,7 oder eine nach Ablauf von 24 Stunden wiederholte Injection, um die Exsudation so zurückzubringen, dass nach 23 Tagen Heilung eintrat. Wal-ther u. A. haben diese Angaben bestätigt. Auch gegen Muskelrheumatismus hat sich Pilocarpin bewährt. Siedaragrotzky erzielte beim Pferde durch Dosen von 0,20,4, welche 45 Tage lang fortgesetzt wurden, Heilung.
3)nbsp; Als Peristalticum für die Vormägen der Wiederkäuer bei Parese der Pansenmuskulatur, Tympanitis, chronischen Indigestionen etc. (Eggeling, Möller).
4)nbsp; Als Laxans bei Verstopfung des Darmes und bei Kolik (Ellenberger). Das Pilocarpin wird jedoch hiebei vom Physostigmin entschieden übertroffen und ist wegen des drohenden Lungenödems, das bei den hier nothwendig werdenden grösseren Dosen häufig eintritt, zu gefährlich, auch in Folge des anhaltenden Speicbelns von unangenehmer Wirkung. Dagegen scheint eine Complication kleinerer Dosen von Pilocarpin und Eserin (Ellenberger) offenbar sehr zweck-mässig zu sein, da hiedurch sowohl eine kräftige Darmcontraction (Eserin), als eine starke Darmsecretion (Pilocarpin) erzielt wird. Von verschiedenen Seiten ist über eine günstige Wirkung dieser Combination bei Ueberfütterungs- und Verstopfungskoliken berichtet worden (Edelmann, Bass, Storch u. A.).
Endlich hat man das Pilocarpin als Expectorans, gegen Fett-
Kröhner, Arzneimittellehre. 1, Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 14
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
210
|
Pilocarpin.
|
||
|
|
|||
|
sucht sowie als uteruscontrahirendes Mittel empfohlen; dasselbe hat sich jedoch hiebe! nicht bewährt,
Contraindicationen. 1) Das Pilocarpin darf nur in kleinen Dosen und lediglich als speicheltreibendes Mittel gegeben werden bei Thieren, welche mit chronischen Herzfehlern und chronischen Lungenkrankheiten behaftet sind, da dieselben leicht an Lungenödem zu Grunde gehen. Es ist Eegel, biebei immer Atropin als Gegengift in Bereitschaft zu halten. Pferden soll man unter diesen Umständen nicht über 0,3 (Gautier), Hunden nicht über 0,0050,01 Pilocarpin verabreichen.
2)nbsp; Eine weitere Contraindication bildet das Vorhandensein von Pharyngitis und Tetanus, insofern die Thiere bei diesen Krank-lieitcn wegen des Unvermögens abzuschlingen durch den massenhaft auftretenden Speichel sehr belästigt bezw. gefährdet werden und sogar im eigenen Speichel ersticken können (llust). Nach den klinischen Beobachtungen von Friedberger wirkt das Pilocarpin beim Starrkrampf ausserdem schädlich durch die Erzeugung von Lungenödem und durch die nach der Injection eintretende starke Aufregung der Thiere. Aebnliche Beobachtungen hat Hutyra gemacht.
3)nbsp; Zur Zeit ist die Anwendung des Pilocarpins wegen des sehr hohen Preises bei den grossen Haustbieren überhaupt nicht zu empfehlen. Nach der preussischen Aiv.neitaxe pro 189(3 kostet nämlich 0,1 Gramm 1 Mark 70 Pfennig. Darnach berechnet sich die mittlere Dosis des Pilocarpins von 0,5 für ein Pferd auf 8 Mark 50 Pfennig! Als Ersatzmittel für Pilocarpin dient das Arecolin.
|
|||
|
|
|||
|
Form. Man gibt das Pilocarpin immer subeutan in wässeriger (5100|oiger) Lösung. Diese Lösungen sollen wegen der leichten Zersetz-lichkeit des Pilocarpins nicht zu lange vorräthig gehalten, sondern womöglich frisch bereitet werden. Sehr gut eignet sich hiefür die Tablettenform. Die leichte Zersetzlichkeit des Alkaloids einerseits, die verschiedene individuelle Empfindlichkeit gewisser Thiere, namentlich der Pferde, andererseits bedingen zuweilen eine Unsicherheit in der Wirkung des Pilocarpins, welches ausserdem noch zuweilen je nach Herkunft und Darstellung des Präparats in der Intensität seiner Wirkung, wie auch andere Alkaloido, sehr starke Differenzen aufweist. Aus allen diesen .Erwägungen ist es räthlich, im Allgemeinen sich mehr an die mittleren, als an die grüsseren therapeutischen Dosen zu halten. Die Fälle, in welchen grössere, aber immer noch therapeutische Dosen eine ganz unberechenbare Wirkung ausüben, haben sich in der neueren Zeit gemehrt. 8o warnt Lies vor zu grossen Dosen Pilocarpin beim Hydrocephalus acutus, nachdem ihm ein Pferd auf die Injection von 1,0 Pilo-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Pilocarpin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;211
carpin apoplectisch verendete. Hoffmann beobachtete nach 0,8 Pilocarpin gefahrdrohende Dyspnoe, nach der Verabreichung von 1,1 ferner bei cinein Pferde Tod nach 3 Tagen unter zunehmender Abmagerung. Dagegen konnten von Hoffmann einem anderen Pferde innerhalb eines Tages drei Dosen von je 1,1 Pilocarpin subcutan ohne jeden Nachtheil injicirt werden. Dette sah nach der Injection von 0,7 Pilocarpin ein Pferd innerhalb 8 Minuten wie vom Schlage gerührt zusammenstürzen, worauf sich eine so hochgradige Allgemein affection verbunden mit tobsuchtartigen Anfilllen einstellte, dass das Pferd getödtet werden musste. Dieser Fall hat sehr viel Aehnlichkeit mit den von Friedberger nach einer gewöhnlichen Dosis von Eserin beobachteten (vergl. S. li'S). Siedamgrotzky hat ebenfalls nach grossen Dosen Pilocarpin (bis 1,0) gefahrdrohende Erscheinungen beobachtet. Nach Friedberger veranlassten bei einigen Pferden sogar kleine Dosen ungewöhnlich hochgradige Erscheinungen; bei grösseren wurde eine sehr ungleich starke Wirkung beobachtet. Aehnlicho Beobachtungen sind auch von verschiedenen anderen Seiten gemacht worden.
Dosis. Die Einzeldosen des Filooarpins richten sich ganz nach dem beabsichtigten Effecte; die niedersten Gaben sind zur Erzeugung lediglich von Speichelsecretion, die mittleren von Laxirwirkung, die höchsten von Sohweissausbruch noting. Man gibt:
1)nbsp; Zur Erzeugung von Speichelfluss und als Expectorans:
Pferden 0,10,2, Rindern 0,20,4, Schafen und Ziegen 0,02, Hunden 0,0050,02, Katzen 0,0010,003.
2)nbsp; Zur Anregung des Wiederkauens:
Eindern 0,20,5, Schafen und Ziegen 0,05.
3)nbsp; Als Laxans:
Pferden 0,5, Rindern 0,51,0 (!).
4)nbsp; Als schweisstreibendes Mittel (bei Hufrehe etc.):
Pferden 0,50,8 (I).
Recepte.
1)nbsp; Rp. Pilocarpini hydrochlor. 1,0.
Aqu. dustill. 510,0. M. D. 8. Auf 2mal mit 243tündigcr Pause zu injiciron für ein Pferd mit Hufrehe.
2)nbsp; Rp. Pilocarpin. hydrochlor. 0,8.
Aqu. destill. 10,0. M. D. S. Auf Imal zur subciitanou Injection für ein Pferd mit sub-acuter Gehirnentzündung.
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Arccoliii.
3) Rp. Filooarpln. hydrooblor. 0,3. Eserini sulfuric. 0,06. Aqu. dostill. 10,0. M. D. S. Zur subcutancn Injoctiou gegen Verstopl'ungskolik beim Pferd (sog. I'ilooarpin-Esorin).
|
||
|
|
||
|
Arecoliiuuu Iiydrobromieum. Bromwasserstoffsaurcs Arecolin.
OgHjsNOj.BrH.
Pharmaceutische Chemie. Das Arecolin ist das Alkaloid der Arekanuss; vergl. dieselbe im Abschnitt über pflanzliche Wurmmittel. Das etwa zu 1 pro Mille in der Arekanuss enthaltene Arecolin bildet eine farblose ölige Flüssigkeit, welche mit Säuren leicht lösliche Salze bildet. Das am besten charakterisirte, luftbeständige, nicht hygroskopische Salz ist das bromwasserstoffsaure Arecolin, Arecolinum hydro-bromicum. Dasselbe gibt mit Kaliumwismuthjodid einen granatrothen, krystallinischen Niederschlag und schmilzt bei 167 168 quot;. D.P. 1,0 = 12 Mark.
|
||
|
|
||
|
Wirkung. Dieselbe stimmt in vielen Punkten mit der des Es er ins und Pile car pins überein (Manne, eigene Untersuchungen). Meine beim Pferd und Rind angestellten Versuche haben Folgendes ergeben (Monatshefte für prakt. Thierheilkdc. V, S. 353):
1)nbsp; Das Arecolin ist ein starkes speicheltreibendes Mittel, welches schon in Dosen von 0,010,05 bei Pferden Speichelfluss hervorruft. Das Speicheln tritt etwa 5 Minuten nach der Injection ein, erreicht nach etwa V* Stunde seinen Höhepunkt und dauert etwa 1 Stunde.
2)nbsp; Das Arecolin wirkt abführend in Folge tetanischer Contraction der Darmmuskulatur und Anregung der Darmdrüsen. Das Arecolin wirkt somit wie eine Combination von Eserin und Pilo-oarpin. Pferde laxiren durchschnittlich bei Dosen von 0,050,1 3lOmal; der erste Kothabsatz tritt V4V2 Stunde nach der Injection ein. Die Laxirwirkung ist in der Regel von leichten Kolikerscheinungen begleitet; vereinzelt werden auch Brechbewegungen und Rülpsen beobachtet.
8) Grosse Dosen von Arecolin bedingen Schweissausbruch in Folge Erregung der Schweissdrüsen. Ausserdem beobachtet man Nasenausfluss (Erregung der Drüsen der Nasenschleimhaut) und Harndrang.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Arecolin.
|
213
|
|||
|
|
||||
|
4) Das Einträufeln einer Arecolinlösung ins Auge wirkt stark pupillenverengernd; die Myose Mit mehrere Stunden an. Bei subeutaner Injection findet keine myotische Wirkung statt.
6) Die Herzthiltigkeit wird verlangsamt (Vaguserregung). Giftige Dosen erzeugen aussordem Arhythmie des Herzens, Sinken des Blutdruckes und der Temperatur sowie schliesslich starke Beschleunigung des Pulses (Vaguslähmung).
(5) Grosso Dosen wirken tödtlich durch Athniungslähmung unter tetanischen Krämpfen. Dosen von 0,25 wirken für Pferde stark giftig, solche von 0,6 tödtlich.
Anwendung. 1) Das Arecolin ist ein Ersatzmittel für Es er in und Pilocarpin bei der Kolik der Pferde. Ich habe dasselbe wegen seiner gleichzeitig die Darmmuskulatur und die Driisen-thiitigkeit anregenden Wirkung, der Constanz und Unzersetzlichkeit des Präparates, der kleinen Dosis und Billigkeit empfohlen. Die gute Wirkung namentlich bei Verstopfungskolik ist von verschiedenen Seiten bestätigt worden (Graefe, Ehling, Preussischer Militär-Voter inär be rieht pro 189 4). Im Uebrigen gelten für das Arecolin dieselben Contraindicationen, wie für Eserin und Pilocarpin (vergl. S. 200 u. 210) i ausserdem eignet es sich für Rinder wegen seiner starken Wirkung auf die Athmungsorgane nicht so gut wie für Pferde.
2) Das Arecolin hat sich mir in zahlreichen Fällen als vorzügliches Mittel bei Hufrehe der Pferde bewährt. Es ist hier dem Pilocarpin wegen seiner Billigkeit entschieden vorzuziehen. Dasselbe gilt für die Anwendung als ableitendes Mittel bei exsudativen und transsudativen Krankheitsprocessen innerer Organe.
8) Als Myoticum kann es in Form einer '/-1 n/oigen Lösung bei Iritis ins Auge eingeträufelt werden.
4) Beim Bind soll das Arecolin sich gegen Gebärparese sehr wirksam erwiesen haben (Ehrhardt); man beachte indessen die heroi'sche Wirkung des Mittels und halte sich mehr an kleinere Dosen.
Dosis. Dieselbe beträgt (subeutan) für Pferde 0,050,080,1.
|
||||
|
|
||||
|
Rinder 0,04-
|
-0,06-
|
-0,08.
|
||
|
|
||||
|
Recept.
|
||||
|
|
||||
|
Rp. Arocolini hydrobromici 0,08. Aquae destill. 2,0. M. D. S. Zur subeutanen Injection für ein Pferd mit Kolik oder Hufrehe.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
214
|
Mutterkorn.
|
||
|
|
|||
|
f Muscarin. Fliegenschwammgift. Im Fliegensohwamm (Amanita muscaria) sind 2 Alkaloide enthalten: das Muscarin und Amanitin. Das Muscarin hat die chemische Formel TS . (CH3);t. Og^jOo . OH. (Tri-mcthyldioxilthylammoniumhydroxyd), ist also eine Trimethylammonium-base, welche auch als Oxycholin aufgefasst werden kann; dasselbe ist isomer mit dem Beta'in (in den Rüben) und Oxyneurin (in der Nervensubstanz). Dem entsprechend kann Muscarin auch aus Neurin und Cholin dargestellt werden; beim Erhitzen zerfüllt es zu Trimethylamin = N. (CH^. Wahrscheinlich ist das Muscarin ein Derivat des Eiweisses (ein ptomalneartiger Körper). Das Muscarin hat in seiner Wirkung die grösste Aehnlichkeit mit dem Physostigmin, Pilocarpin und Arecolin. Es erregt die Secretion aller Drüsen (Speicheldrüsen, Thriinendrüsen, Schleimdrüsen der Luftwege, Magen-Darmdrüsen, Pankreas, Leber; Antidot ist ebenfalls das Atropin) und erzeugt Contraction der glatten Muskeln (Sphincter Pupillae, Darmmuskulatur). Ueber die Anwendung des Muscarins ist noch wonig bokaimt. Ellenberger hat dasselbe auf Grund von Versuchen an Pferden und Schafen als ein gutes subeutanes Laxans empfohlen (Berliner Archiv 1887), Die hiezu verwandten Präparats waren in Bezug auf die Stärke der Wirkung sehr verschieden. Das von Gehe (Dresden) bezogene Muscarin erzeugte bei Pferden in Dosen von 0,01 Speicheln, bei 0,02 etwas weicheren Koth, bei 0,030,04 lebhafte Peristaltik, Kolik, Diarrhöe, geringe Diaphorese, vermehrte Thränen- und Schleimsecretion, in der Leber, Pankreasdrüse und den Darmdrüsen das mikroskopische Bild stark thätiger Drüsenzellen. Bei 0,04 traten Lungenödem und beängstigende Erscheinungen auf. Das von Merck (Darmstadt) bezogene Präparat war erst in doppelt so grossen Dosen wirksam. Bei Schafen wirkte das Gehe'sche Präparat in Dosen von 38 mg sehr heftig, namentlich auch auf die Pansenthätigkeit.
|
|||
|
|
|||
|
Secalo cornutuin. Mutterkorn.
Siaminpflanmoi Claviceps purpurea, Familie: Pyrenomycetcs.
Geschichtliches. Das in China seit alten Zeiten als Arzneimittel benützte Mutterkorn ist wahrend des Mittelalters (9. bis 13. Jahrhundert) in Deutschland, Frankreich und Spanien die Ursache seuchenartiger Vergiftungen beim Menschen geworden (Ergotismus nach Brotgenuss). Seine arzneiliche Verwendung in Deutschland datirt aus dem 16. Jahrhundert.
Pharmakognosie, Das Mutterkorn stellt das Dauer my cel (Sklcrotium) eines Pilzes, Claviceps purpurea, aus der Familie der Pyrenomyceten (Kernpilze) dar. Dieses Dauer my cel bildet die Raheperiode der Entwicklung des Pilzes mit der Aufgabe, den Pilz zu überwintern. Im darauffolgenden Frühjahr beginnt dann das Mutterkorn zu keimen; diese Keime bestehen aus scblankgesticltcn, purpurrotben Köpfchen mit Höhlungen (Peritbecien), welche mit Sporen gefüllt sind. Gelangen solche Sporen auf junge lloggenblüthen (auch auf Weizen- und (Jersten-blütben können sie sieb ansiedeln), so vorwandelt sich der Frucht-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Mutterkorn.
|
215
|
||
|
|
|||
|
knoten dieser Blütlien in ein Pilzlager (Sphacelia segetum), an dessen Grunde sich das eigentliche Mutterkorn entwickelt.
Das Mutterkorn stellt walzonartige Körper von 2 4 cm Länge und bis zu l/i cm Dicke dar, von gerundet dreikantiger Form und schwarz violett er Farbe, welche schwach bläulich bereift und an beiden Enden verscbmiilert sind. Sie haben eine derbtieisebige, im trockenen Zustande fast hornartige Consistenz und sind innen weiss; ihr Geschmack ist fade. Das Mutterkorn muss gut verschlossen aufbewahrt und nach der Vorschrift der österreichischen Pharnuxkopöe alle Jahre erneuert werden. Gepulvertes Mutterkorn darf nach der Vorschrift des deutschen Arzneibuchs nicht vorräthig gehalten, sondern muss in jedem Einzelfalle frisch bereitet in grobgepulverter Form abgegeben werden. A.P. 10,0 = 50 Pfennig.
Aus dem Mutterkorn werden verschiedene Extracte dargestellt, von welchen in Deutschland zwei oftizinell sind:
1)nbsp; Extractum Secalls cornuti, Mutterkornextract, ein rothbraunes, in Wasser klar lösliches, dickes Extract. Dasselbe wird dargestellt durch Gstündiges Maceriren von grob gepulvertem Mutterkorn (2) mit Wasser (4), Abpressen, nochmaliges Maceriren, Coliren und Eindampfen (auf 1 Theil). Dieser eingedampfte wässerige Auszug wird mit verdünntem Weingeist (1) gemischt, 3 Tage bei Seite gestellt, filtrirt und zu einem dicken Extracte eingedampft. A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Extractum Secalls cornuti fluidum, Mutter körn-Flu id-extract, wird aus dem Mutterkorn vermittelst des Percolations-verfahrens (Verdrängungsverfahrens) dargestellt aus Mutterkorn (100), verdünnter Salzsäure (6), Weingeist (2) und Wasser (8). In ähnlicher Weise wird das in Oesterreich officinelle Extract bereitet. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Nicht officinelle Extracte sind das sehr wirksame Extractum Seealis cornuti dialysatum, von welchem verschiedene Präparate im Handel sind, sowie das von Kobert dargestellte Extractum cornutino-sphacelinicum. Ausserdem sind im Gebrauche Extractum S. c. Denzel, Bombeion, Yvon, Bonjean und andere. Einzelne dieser Extracte werden wohl auch kurz mit dem Namen ^Ergotinquot; bezeichnet.
Bestandtheile des Mutterkorns. Ueber die Bestandtheile des Mutterkorns ist noch keine Einigung erzielt; es stehen sich namentlich die Untersuchungen von Tan ret, l)r agendorff, Kobert, Jakob j' und Freund
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
21G
|
Mutterkorn.
|
||
|
|
|||
|
gegenüber. Nach den Untersuchungen von Kobert sind im Mutterkorn als wichtigste chemische Körper die nachfolgenden enthalten:
1)nbsp; Das Cornutin, ein Alkaloid, der Trälger der specifischen Wirkung des Mutterkorns auf den Uterus. Das Cornutin bewirkt in Folge Reizung des im Lendenmark gelegenen üteruscentrums Uterus-con t rae tio nen bei trächtigen und nichtträchtigen Thieren. Bei nichtträchtigen Thieren tritt eine deutliche Verstärkung der rhythmischen Uterus-contractionen schon nach der subcutanen Injection von ljt mg Cornutinum hydrocliloricum pro Kilo Körpergewicht ein. Trächtige Thiere reagiren auf Cornutin im Beginne der Schwangerschaft nicht, in der Mitte nur nach sehr grossen Dosen, dagegen bewirken am Ende der Trächtigkeit die kleinsten Dosen eine Austreibung dos Fötus. Nach Lewitzky ist auch beim Menschen das Cornutin zu 510 mg per os gegeben eines der sichersten Mittel zur Erregung von Uteruscontraction sowohl des trächtigen Uterus während der Geburt, als auch des nach der Geburt oder durch chronische Metritis gereizten Uterus, Kobert räth deshalb das Cornutin als ausschliessliches Mutterkornpräparat zu benützen. Die weiteren Wirkungen des Cornutins bestehen in Erregung des K r a m p f c e n t r u m s mit tonisch-klonischen allgemeinen Muskelkrämpfon, in einer veratrinähnlichen Einwirkung auf die Muskelfasern mit Muskelsteifheit, in einer Erregung des Vaguscentrums mit Pulsverlangsamung und nachheriger Vaguslähmung, in Erregung des vasomotorischen Centrums mit starkor Blutdrucksteigerung und Gefä ssver enge rung, und bei grossen Dosen in einer Lähmung des Athmungscontrums. Nach Kobert wird bei der von der früheren Pharmakopöe vorgeschriebenen Entfettung des Mutterkorns mit Aether demselben theilwoise das Cornutin entzogen.
2)nbsp; Die Sphacelinsaure, eine stickstofffreie, harzartige, nicht krystal-linische Substanz, welche in Wasser und verdünnten Säuren unlöslich, in Alkohol dagegen löslich ist und mit Alkalien Salze bildet, welche in Wasser löslich sind. Die Sphacelinsaure wirkt gangr an er zeugend (Sphacelus = trockener Brand) in Folge einer h y a 1 i n e n Thrombose der p e r i p h e r e n Arterienäste. Sie ist die eigentliche Ursache der Mutterkorn Vergiftung. Nach experimentellen Vei'suchen erzeugt sie bei Schweinen und Hähnen Gangrän, insbesondere an der Zungenspitze, am Kamm, Kehllappen, am Gaumen, Kehldeckel, an den Flügeln, auf der Haut sowie auf der Darm-schleimhaut (Geschwüre und Nekrose); in sehr kleinen Dosen längere Zeit verabreicht führt sie zu ähnlichen Veränderungen auch im Rückenmarke mit Ataxie. In sehr grossen Dosen erzeugt sie strychninartige Krämpfe und U t e r u s - T e t a n u s. Beim Entfetten des Mutterkorns mit Aether wird demselben auch Sphacelinsaure entzogen.
3)nbsp; nbsp;Die Ergotinsäure, ein stickstoffhaltiges, leicht zersetzliches Gly-kosid, ohne Wirkung auf den Uterus. Dasselbe ist lediglich ein Nar-coticum, welches die Reflexerregbarkeit vermindert und zuletzt aufhebt. Nach Kobert ist die Sklerotinsäurequot; Dragendorftquot;s nichts anderes als stark verunreinigte Ergotinsäure; auch die Ergotinequot; des Handels, sowie das früher officinelle Extractum Seealis cornuti sind inconstante Gemenge der wirksamen Mutterkornbestandtheile, welche in der Hauptsache die wirkungslose Ergotinsävire enthalten. Auch das Ergotinquot; und Ekbolinquot; sind zweifelhafte Gemenge; das Ergotin inquot; ist ein ungiftiges, den Uterus nicht beeinflussendes Alkaloid.
4)nbsp; Als indifferente Bestandtheile des Mutterkorns sind dann noch zu nennen das Skleromucin (ein Schleimstoff), Mykose (Schleimzucker),, fettes Oel, Sklei'erythrin und Sklerojodin (Farbstoffe). Pikro-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Mutterkorn.
|
217
|
||
|
|
|||
|
skle rotin (Bitterstoff) und Tri methyl am in (Zorsetzungsproduct in alten, verdorbenen Pritparaten).
Sphacelotoxin (Spasmotoxin). Während nach Kobort als die therapeutisch wichtigsten Bestandtheile des Mutterkorns das Cornutin (Krampfgift) und die Sphacelinsilure (gangrilnerzeugend) anzusehen sind, soll nach neueren Untersuchungen von Jakoby und Freund im Mutterkorn nur ein wirksamer Körper, nilmlich das Sphacelotoxin oder, wie es im Handel bezeichnet wird, das Spasmotoxin enthalten sein. Dasselbe soll sowohl heftige Uteruscontractionen bewirken, als auch in giftigen Dosen bei Versuchsthieren (Hilhnen) Gangrän erzeugen. Es soll sich als Ersatzmittel des Mutterkorns gut bewährt haben. Angeblich hat es vor dem Mutterkorn den Vorzug, dass es keinerlei Zersetzung erleidet. Das Spasmotoxin wird aus frischem, mit Petroleumäther entfettetem (!) Mutterkorn durch Extraction mittelst Aether gewonnen und aus der concentrirten ätherischen Lösung durch Petroleumäther als amorphes, gelblichweisses Pulver ausgefällt. Es soll in krystallisirbarer Form erhältlich sein und eine stickstofffreie, schwache Säure darstellen, welche ein in Wasser leicht lösliches Natriumsal'z bildet.
Wirkung. Die Wirkung des Mutterkorns setzt sich aus derjenigen seiner einzelnen Bestandtheile, wie sie oben besprochen worden sind, zusammen. Von besonderer Wichtigkeit ist die Uterus-con-trahirende und die Gefässe-verengernde resp. Gefässe-verseil liessende Wirkung; die übrigen Eigenschaften des Mutterkorns werden therapeutisch nicht verwerthet.
Eigenthümliche Erscheinungen bietet das Bild der Mutterkornlaquo; Vergiftung, des sogenannten Ergotismus, wie derselbe bei unseren Hausthieren (und beim Menschen) in Folge des Genusses mutterkorn-haltigen Getreides auftritt. Das Krankheitsbild des Ergotismus ist ein ziemlich wechselndes. Man beobachtet zunächst gastroenteritis ehe Erscheinungen (Speicheln, Stomatitis ulcerosa, Erbrechen. Kolik, Diarrhöe), welche oft Aehnlichkeit mit Maul- und Klauenseuche oder Rinderpest aufweisen (Law), sodann bei trächtigen Thieren Wehen, Abortus und selbst Gebärmuttervorfall. Zuweilen sieht man klonisch-tonische Krämpfe insbesondere der Beugemuskeln (Ergotismus spasmo-dicus), ferner Schwindel, Schwanken und Schlafsucht, Cataract sowie lähmungsartige Zustände. In chronischen Vergiftungsfällen kommt es zur Mumification extremitaler Theile (Ergotismus gangrae-nosus; Kriebelkrankheit), so der Klauen, Ohren, Schweifspitze, Zitzen etc.; dabei schwillt zunächst die Haut, z. B. zwischen den Klauen bis zum Fessel und darüber an, wird trocken und rissig, unempfindlich und bläulich grau, zuletzt nekrotisch, so dass das abgestorbene Stück durch Eiterung abgestossen wird. Endlich beobachtet man in solchen Fällen Sterilität und enzootischen Abortus.
|
|||
|
|
|||
|
,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mutterkorn.
Anwendung. 1) Zur Anregung der Wehenthätigkeit liei sclnveren Geburten (Wehenselnviiche).
2)nbsp; Zur Contraction des erschlafften puerperalen Uterus, bei zurückgebliebener Nachgeburt und septikäinisclier Metritis. Nach Albrecht reagiren die Wiederkäuer, namentlich das llind, nur in geringem Grade auf das Mutterkorn.
3)nbsp; Gegen Uterusblutungen und Uterusneubildungen.
4)nbsp; Gegen Blutungen innerer Organe als Stypticum, so bei Lungen-, Magen-, Darm-, Nieren-, Elasenblutungen, bei hämor-rhagisoher Diathese, Hilmophilie.
5)nbsp; Bei Blasen- und Darmlähmung, Mastdarm vorfallen etc.
6)nbsp; Zur örtlichen Injection bei Aneurysmen, Varicen und laquo;einstigen (J ofässektasien.
7)nbsp; Bei Eiverhaltung des Geflügels.
Dosis und Form. Zur Zeit ist das beste Präparat möglichst frisches Mutterkorn in Substanz, welches höchstens lji'/' Jahr nach der Einsammlung (einige Wochen vor der Ernte, also Juni bis .luli) gelegen hat. Darnach wäre allerdings nur in den Monaten .Juli bis December wirksames Mutterkorn zu haben. Dieses Mutterkorn soll im reinen, nicht entölten Zustande und immer frisch gepulvert angewandt werden. Man gibt dasselbe meist in Pulverform, zuweilen auch im Infuse; Decocte sind wegen der Zersetzung der wirksamen Mutterkornbcstandtheile zu vermeiden. Das Mutterkornextract kann entweder innerlich (Lösung, Pille, Latwerge etc.) oder subeutan angewandt werden.
Dosis des Mutterkorns: Dosis des Extractes:
Binder.....2550,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;510,0.
Pferde.....1525,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5-10,0.
Schafe und Ziegen 510,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2 5,0.
Schweine .... 2 5,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5 2.0.
Hunde.....0,5 2,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,2 1,0.
Katzen .... 0,2 1,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1 0,5.
Geflügel .... 0,2 0,5,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1 0,2.
Recepte.
1)nbsp; Jip. Seoal. oomut. reoenter pulv. 50,0.
D. S, Auf 2mal mit je einem Liter Warmbier (Glüliwein) einzuschütten für ein ßind mit sehwerer Geburt.
2)nbsp; Rp. Seoal. cornut. recent, pulv.
Sacchari äü 1,0. I). tal. dos. Nr. V. S, '/quot;tündlicli ein Pulver für einen Hund mit Scluvcrgeburt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Khizoma Hydrastis.
|
210
|
||
|
|
|||
|
13) Rp. Ini'usi Socal. cornut. roc. pulVi 5,0: 150,0. Syrup. Cinnanioiu. 10,0. M, D. Si Sstttndlloh oineaEssliSffel für einen Hund mitMetrorrhagie.
4) Rp, Extrauti Seoal. coruut. 2,0. Aqu. C'innainom. 100,0. M. D. Slt; Tägliob 8 Esslölifel für einen H u n d mit Uterusblutungen,
|
|||
|
|
|||
|
Ithizoma Hydrasiis. Hydrasliswurzel.
Staiiniipfllaquo;use: Hi/drastis t'anadensis. Fumilie: Raminculuceen.
Pharmakognosie. Die Hydrasliswurzel, aucli kanadische Gelbwurzel benannt, ist das bewurzelte Rbizom von Hydrastis Canadensis, einer ausdauernden llanunculacee Nordamerikas. Sie ist bis 4 cm lang, etwa '/- cm dick, hin und her gebogen, wenig verzweigt, mit kurzen dicken Stengelresten besetzt, längs runzelig, dicht quer geringelt, und stellenweise beinahe knollig verdickt. Die Ausscniiäche (Korkschicht) ist braun, das Innengewebe schön gelb. Der wässerige Auszug der Wurzel 1:100 ist gelb, bitter schmeckend und gibt mit der Hälfte Schwefelsäure und einigen Tropfen Chlorwasser eine dunkelrothe Schicht. In einem 100/oigen Infuse bilden sich ferner bei Zusatz von Salpetersäure (Vio) im Laufe eines halben Tages kleine gelbe Krystalle (Identitätreao-tionen). Officinell ist ausserdem das Extractum Hydrastis fluidum, das Hydrastis-Fluidextract, welches aus der Wurzel (100) nach dem Percolationsverfahren mit Weingeist (18) und Wasser (5) dargestellt wird. A.P. 10,0 = 35 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Die Hydrastiswurzel enthält drei Alkaloide, das Hydrastin, Berberin und Canadin. Ersteres verengt die Grefasse des Uterus und wird daher gegen Blutungen, Anschwellungen und Entzündungen der Gebärmutter empfohlen. Auch die Gefässe der übrigen Bauche ingeweide sollen verengert werden. Die Dosis des Extractum Hydrastis beträgt für Pferde 5 10,0. Von Hutyra ist das Hydrastisextract beim Petechialfieber der Pferde versuchsweise angewandt worden; in allen Fällen verminderten sich nach der Injection die Infiltrationen. Hohen leitner empfiehlt das Eluidextract in täglichen Dosen von 3040 g beim Zurückbleiben der Nachgeburt des Bindes, bei Uterus-blutungen, Hämaturie u. s. w. Er glaubt, durch die innerliche Anwendung von Hydrastis einen rascheren Abgang der Nachgeburt er-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
220nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rhizoma Hydrastis.
zielt zu haben, als durch die manuelle Ablösung derselben bezw. durch Uterusausspülungen. Auch Walther, Notz u. A. haben das Extract in Dosen von 2050 g mit gutem Erfolg zum Austreiben der Nachgeburt angewandt. Von anderen Seiten sind entgegengesetzte Beobachtungen gemacht worden. Insbesondere konnte sich Alb recht von der Wirksamkeit des Extractes bei der Retention der Eibäute nicht überzeugen.
f Hydrastininum hydrochloricum. Das aus dem Hydrastin dargestellte Hydrastinin soll bei gleich guten hämostatisch en Wirkungen im Gebiete des Uterus und der lieckenorgane vor dem Hydrastin den Vorzug haben, dass es kein Herzgift ist. Ausserdem soll es ein Mittel gegen Epilepsie sein. Es wird beim Menschen in Dosen von 0,025 insbesondere gegen üterusblutungen und Endometriten angewandt; die Blutung soll schon nach Ablauf eines Tages mit Sicherheit zum Stehen gebracht werden.
f Cortex Eadicis Gtossipii, die Rinde der Baumwollwurzel (von (lossipium herbaceum , Baumwollstaude, Malvacee). Die frische Wurzelrinde der in Amerika, Egypten, Asien etc. angebauten Baumwollpflanze soll wie Muttorkorn üteruscontraetionen hervorrufen; ältere getrocknete Rinde ist wirkungslos. Die wirksamen Bestandtheile sind nicht näher gekannt. Angewandt wird ein Extractum fluidum und spissum (ersteres beim Menschen theelöftel-, letzteres grammweise) oder ein Infus (10:150,0). Das im Handel vorkommende Gossipiinquot; ist eine Concentration, welche die wirksamen Bestandtheile der Drogue enthält; Dosis für den Menschen 0,060,8.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Antiseptica.
|
|||
|
|
|||
|
Acidum carbolicum. Carbolsäure.
CBH5.0H.
Geschichtliches. Die Carbolsllure ist 1834 von Runge im Tboer entdeckt und 1867 durcb List er in die Chirurgie eingeführt worden.
Pharmaceutische Chemie. Die Carbolsäure (Plienylsiiure, Phenol, krystallisirte Oarbolsänre) wird aus dem Steinkohleu-theer dargestellt. Man gewinnt sie durch fractionirte Destillation des schweren Steinkohlenthecröls bei 180220deg;; die bei dieser Temperatur überdestillirenden Theile desselben werden an Kalilauge gebunden (C,;!!;; . OK) und die reine Carbolsäure durch Schwefelsäure frei gemacht und rectificirt.
Die Carbolsäure bildet im reinen Zustande eine farblose oder kaum röthliche, eigenthümlich, aber nicht unangenehm riechende, flüchtige, ätzende, schwach saure, aus dünnen, langen, spitzen Krystallen, oder einem weisscn, krystallinischen Gemenge bestehende Masse. Sie löst sich in 15 Theilen Wasser sowie in jeder Menge Weingeist, Aether, Glycerin und Natronlauge; bei 40 bis 50 quot; schmilzt sie zu einer stark lichtbrechenden Flüssigkeit von dem speeifisehen Gewicht 1000, siedet bei 178182quot; und verbreimt schliesslich mit weisser Elamme ohne Rückstand. Die wässerige Lösung wird durch Eiscnchlorid schön violett gefärbt; Bromwasser scheidet weisse Flocken vom Tribromplieno! (C.H^Br^.OH) aus (Idcntitätsreactionen).
Acidum carbolicum liquefactum. Verflüssigte Carbolsäure. Dieselbe stellt eine Mischung von 100 Theilen Carbolsäure mit 10 Theilen Wasser dar und wird durch Schmelzen der krystallisirten Carbolsäure bei gelinder Wärme und Beimengung des Wassers dargestellt. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit vom speeifisehen Gewicht 1,0581,059, welche
|
in
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
222
|
Carbolsäure.
|
|||
|
|
||||
|
sich in 18 Theilen Wasser klar löst, von Carbollösanlt;ren verschrieben.
|
Sie wird gewöhnlich zur Darstellung
|
|||
|
|
||||
|
Aqua carbolisata, Carbolwasser, ist eine 30/oige Carbolsäurelösung, welche aus 33 Theilen Acid, carbol. liquefact. und 967 Theilen Wasser dargestellt wird.
Acidum carbolicum orudum. Rohe Carbolsäure. Dieselbe stellte früher das llohproduot der krystallisirten Carbolsäure dar, welches aus dem bei 180220deg; übergehenden Theile des Steinkohlentheeröls durch fractionirte Destillation gewonnen wurde. Neuerdings bringt man jedoch als rohe Carbolsäurequot; oder Eohkresolquot; nur die von reiner Carbolsäure möglichst befreiten höheren Hornologo der Carbolsäure, also namentlich Kresolver bin düngen in den Handel, welche meist nur noch Spuren von wirklicher Carbolsäure enthalten. Dieses Eohkresol ist in Deutschland offieinell unter dem Namen Cresolum orudum (vergl. Creolin). Dasselbe bildet eine gelbliche bis gelbbraune, unangenehm brenzlich riechende Flüssigkeit, welche sich in Wasser unvollständig, in Aether und Weingeist leicht löst und in der Hauptsache aus Kresolen (Ortho-, Meta-, Parakresol) besteht.
|
||||
|
|
||||
|
Wirkung der Carbolsäure. 1) Von pathogenen Bacterien werden durch die Carbolsäure bei einer Concentration von 12 ft/n (1 : 50100) getödtet und zwar bereits im Verlaufe einer Minute: die Milzbrandbacillen, die Rotzbacillen, das Pockencontagium, der Streptococcus pyogenes, der Erysipelcoccus, die Cholera- und Diphtheriebacillen. Die Stapliylokokken des Eiters (Stapbylococcus pyogenes aureus) bedürfen zur Tödtung einer 23n/oigen, die Tuberkelbacillen sogar einer 5quot;/oigen Carbol-lösung. Das Wuthgift wird durch eine 5 0/oige Carbollösung erst nach etwa einer Stunde vernichtet. Die Sporen der Tetanusbacillen werden durch die lOstündige Einwirkung einer 5 0/oigen Carbollösung nicht getödtet; gebrauchte Castrirkluppen erzeugten bei Pferden noch nach 18 Monaten Starrkrampf, obgleich sie 5 Minuten lang in 4 quot;/oigem Carbolwasser gelegen hatten (Nocard). Die Milzbrandsporen endlich lassen sich durch eine 5 quot;/oige Carbollösung selbst nach 20tägiger Einwirkung nicht mit Sicherheit vernichten. Eine antiseptische und desinücircnde Wirkung kommt jedoch nur wässerigen Carbollösungen zu. Lösungen in Ool oder Alkohol sind nach Koch gänzlich unwirksam, desgleichen Carbol-dämpfe. Koch hielt z. B. Milzbrandbacillen 1 ^2 Monate unausgesetzt in starken Carboldünsten, ohne dass dieselben an Lebensfähigkeit eingebüsst hatten. Dagegen wird die antiseptische Wirkung der Carbolsäure durch einen Säurezusatz, namentlich durch Salzsäure,
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Carbolsüure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 223
erheblich gesteigert. Dassclhe beobachtet man nach dem Erwärmen der Carbollösungen.
2)nbsp; Gegen Parasiten (Mühen namentlich) ist die Carholsäure ein starkes Gift.
3)nbsp; Die Carholsäure ist ein fäulniss widrig es Mittel. Die Fäul-niss dos Fleisches, Blutes und eiweisshaltiger Flüssigkeiten wird aufgehoben durch eine 2f'/(iige C'arhollosung (2:100), und verhindert durch eine O^/olge (1 : 200).
4)nbsp; Die Carholsäure ist ein gährungswidriges Mittel. Von Gährungen werden'verhindert die Hefegährung durch 0,2 0/o Carholsäure (1 : 500) nach 26 Stunden, die Buttersäuregilhrung durch 0,3 0/n (1 : 300), die Milchgährung durch 0,4 0/o (1 : 250), die Zucker-gährung durch 0,5 (,/o (1 : 200), die Harngährung durch 10;o (1 : 100). Schimmelpilze werden durch 10/o keimunfähig gemacht, Infusorien durch dieselbe Concentration getödtet. Am unempfindlichsten gegen Carholsäure sind die Fermente; so werden Ptyalin, Pepsin, Emulsin, Myrosin etc. erst nach langer Einwirkung sehr concentrirter Lösungen getödtet.
5)nbsp; Haut und Schleimhäute werden durch concentrirtc Carholsäure angeätzt; der Aetzschorf ist weiss und trocken. Auf Schleimhäute wirken auch ganz verdünnte Carbollösungen (z. B. l0/o) reizend, während die Haut erst von 5100/n an stärker gereizt wird. Dabei entsteht Hyperämie und Brennen, späterhin jedoch Anästhesie.
(J) Innerlich wirkt Carholsäure als centrales Nervengift. Sie erzeugt zunächst Gehirnnarkoso mit Betäubung und rauseb-artigem Zustande, sodann hei allen Thieren (im Gegensatz zum Menschen) tonisch-klonische Krämpfe und Lähmungszustände. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung (oft shockartig) oder Athmungs-lähmung.
7) Die Aufnahme der Carholsäure erfolgt schon von der unverletzten Haut aus, sehr leicht ferner von Wunden, Schleimhäuten und von der Subcutis. Die Ausscheidung durch den Harn erfolgt sehr rasch; dabei färbt sich der Harn d u n k e 1 g r ü n bis dunkelbraun (Hydrochinon und dessen Oxydationsproducte). Die Carholsäure wird im Körper einerseits zu Phenolschwefelsäure (phenolsulfonsaures Kalium) und Phenolglykuronsäure umgewandelt, andererseits zu Hydrochinon (08H60,), Oxalsäure (OjHjOJ und Kohlensäure oxydirt; freie Carholsäure wird im Harn nicht ausgeschieden.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
224nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Carbolsäure.
Anwendung. 1) Als Antibepticum bei Operationen; als Desinficiens und entzündungswidriges Mittel bei allen Wunden, Q-esohwüren, Fisteln, Hautentzündungen, Pblegmone, Ekzemen, Verbrennungen, Strahlkrebs, Klauenleiden, eiterigen Kiefer-höhlenkatarrben, Blasenkaturrben, Otorrhöen etc.; in der Geburtshilfe zur Ausspülung des Uterus bei fauligen und septischen Pro-cessen; in Form der parenchy matösen Injection bei Entzündungen tiefgelegener Organe (Drüsen, Gelenke, Bauchfell); als Inhalation bei Erkrankungen des R e s p i r a t i o n s a p p a r a t e s: Broncbialkatarrh Bronchiektasien, katarrhalischer Pneumonie, Lungengangrän, Lungen-würmern, Lungenmykose, Hundestaupe.
2)nbsp; Als Antiparasiticum bei Baude, namentlich gegen Schaf-räude in Form des Zündel'schen Räude bads. Dasselbe besteht aus 1,5 kg roher ('arbolsäure, 1kg gebranntem Kalk, je 3 kg Soda-und Schmierseife sowie 260 1 Wasser. Am häufigsten wird jedoch die Carbolsäure in Verbindung mit Tabak (siehe diesen) bei Scliaf-räude angewandt. Innerlich wurde Carbolsäure gegen die Magen-w u r m seuche des Schafes, ausserdem i n t r a t r a c h e a 1 gegen Würmer in den Bronchien empfohlen. Auch gegen Haut my kosen, besonders Trichophyton tonsurans, sowie gegen Stomatitis gregari-nosa wird Carbolsäure angewandt.
3)nbsp; Als Aetzmittel bei Strahlkrebs und kleineren Hautneubildungen.
4)nbsp; nbsp;Zur Desinfection von Stallungen, Eisenbahnwagen, Düngergruben u. s. w.
5)nbsp; Innerlich zur Beliandlung von I n f e c ti ons k r a n k h e i t c n, indess mit sehr fraglichem Erfolge, so beim Milzbrande (nach Pe8er gänzlich wirkungslos), bei Lungenseuche, Tuberkulose, Schweinerotb-lauf, Wildseuche etc. Am ehesten kann Carbolsäure noch angewandt werden in Form der Inhalation bei der pneumonischen Form der Staupe (Rabe). Von Bräuer u. A. wird sie ausserdem suboutan und innerlich empfohlen zur Verhütung des enzootischen Abortus beim Rinde. Contraindicirt ist die Anwendung der Carbolsäure bei Katzen, bei grosser Herzschwäche, bei sehr jungen Thieren sowie bei Schlachttbioren. Bei letzteren nimmt nämlich das Fleisch häufig einen intensiven Carbolgeruch an, z. B. nach Ausspülungen des Uterus mit Carbolsäure. Dieser Carbolgeruch tbeilt sich dem Fleische selbst dann mit, wenn Schlachtthierc in Stallungen oder Eisen-babmvaggons eingestellt werden, welche frisch mit Carbolsäure des-infleirt sind. Auch Carbolsäurovergiftungen beim Menschen sind schon
|
||
|
|
||
|
1
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Carbolsäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 225
durch don Gcnuss eines solchen Fleisches bedingt worden. Aus demselben G-runde eignet sich die Carbolsäure nicht zur Desinfection von Milchhallen, Milchkammern etc.
Form und Dosis. Chirurgisch wird die reine Carbolsäure am häutigsten in Form des officinellen 8 quot;/oigen Carbol wassers angewandt. Beim Gebrauche wässeriger Lösungen der Carbolsäure hat man darauf zu achten, dass eine vollständige Lösung der Carbolsäure im Wasser stattfindet; ist dies nicht der Fall, so kann durch die ungelöste Carbolsäure eine schwere Verätzung insbesondere von Schleimhäuten (Uterusscbloiinhaut) hervorgerufen werden. Ausserdem verwendet man Carbolsalbe (5100/o), Carbolseife (110('/o), Carbolglycerin (Vs6 0/o). Das früher häufig benutzte Carbolöl ist nicht cnipfeldenswerth. Zum Aetzen verwendet man die verflüssigte Carbolsäure oder verschreibt gleiche Theile verflüssigte Carbolsäure und Alkohol. Von antiseptischem Verband- und Nähmaterial sind zu nennen: Carbol-Baumwolle, -Holzwolle, -Jute, -Gaze, -Seide, Catgut, Protective etc. Zu Inhalationen benützt man Vlaquo; ln/oige Lösungen, zu subeutanon Injectionen 250/oige. Auch zu Priessnitz'schen Umschlägen lässt sich das Carbolwasser mit Vortheil bei Haut-, Sehnen-, Muskel-. Gelenks- etc. Entzündungen verwenden. Neuerdings bat man zur bequemeren Herstellung von Carbollösungen in der Praxis die sogenannten Carbolpastillen, also Carbolsäure in fester Form, empfohlen.
Die innerliche Dosis der Carbolsäure beträgt: für Pferde 510,0.
Rinder 5 15,0.
Schafe 12.0.
Hunde 0,05-0,2.
Becepte.
1)nbsp; Rp. Aqu. carbol. 500,0. D. S. Wundwasscr. Aeusserlicli.
2)nbsp; Rp. Acid, carbol. 3,0.
Spiritus 300,0. M. D. S. Aeusserlicli gegen Otorrlioo.
8) Rp. Aeid. carbol. 5,0. Glycerini
Aqu. dostill. ää 100,0. M. D. S. Aeusserlicli zum Bepinseln (.Stomatitis diphtheritica des Geflügels). Fröhner, Arzneiinittellelire. i. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Jg
|
||
|
|
||
|
|
||
|
22ünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kreosot.
4)nbsp; lip. Acid, carbol. liquefacti 2,0.
Adipis suilli 20,0. M. f. Ugt. D. S. Oarbolsalbe.
5)nbsp; lip. Acid, carbol. liquefacti
Spiritus äli 50,0 M. D. S. Mit 5 1 Wasser verdünnt zu Infusionen bei Endometritis. ü) Rp. Acid, carbol. liquefacti
Spiritus ää 5,0.
Sapon. virid. 50,0. M. D. S. Aeusserlich gegen Räude.
Greosotniu. Kreosot.
Geschichtliches. Das Kreosot ist 1832 aus dem Buchenhol/.theer von Beiohenbaoh dargestellt worden. Der Name ist abgeleitet aus ^peac, Fleisch, und aiüjsiv, bewahren (im geräucherten Fleisch enthalten). Neuerdings (1889) ist es namentlich durch Sommerbrodt als Mittel gegen Tuberkulose bekannt geworden.
Pharmaceutische Chemie. Das Kreosot ist ein inconstantes Gemenge phenolartiger Körper, welches aus dem Buchenholz-theer durch fractionirte Destillation dargestellt wird. Das bei 200 bis 220deg; übergehende Kreosot wird durch Auflösen in Aetznatron von den öligen, nicht phenolartigen Substanzen getrennt und dann mittelst Schwefelsäure wieder frei gemacht und rectiricirt. Es bildet eine neutrale, k lare, schwach gelbliche (aber nicht braune!), ölige, stark lichtbrechende Flüssigkeit von durchdringendem, rauchartigem Gerüche und brennendem Gescbmacke, vom speeihschen Gewicht nicht unter 1070, welche sich in 120 Tbeilen heissem Wasser löst, beim Erkalten aber wieder in öligen Tropfen abscheidet-, dagegen lässt es sich mit Weingeist und Aether klar mischen. Die wässerige Lösung (Aqua Creosoti) wird (lurch Eisenchlorid sehr vorübergehend blau, dann graugrün und zuletzt schmutzigbraun gefärbt. Die weingeistige Lösung färbt sich mit einer geringen Menge Eisenchloridlösung tiefblau, mit einer grösseren dunkelgrün (Identi tätsreaction). Das officinelle Kreosot soll im Wesentlichen nur aus Guajakol = C(iH4. OCH.,. OH und Kreosol = C^H,. GH.,. OCH;) . OH bestehen. Officinell sind ferner in Deutschland die Pilulae Creosoti, Kreosotpillen für den Menschen mit einem Gehalt von 0,05 Kreosot (1 Tropfen).
Wirkung. 1) Das Kreosot hat eine noch stärkere antiseptische, gährungs- und fäulnisswidrige, sowie antiparasitäre Wirkung, als die Carbolsäure.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kreosot.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 227
2)nbsp; Es wirkt stark ätzend auf Haut und Schleimhäute; der Aetzschorf ist weisslich und trocken. Innerlich erzeugt es in con-centrirten Lösungen Gastroenteritis.
3)nbsp; Durch seine coagulirenden Wirkungen auf Eiweisslösungen ist es ein hlutstillendes Mittel bei parenchyinatösen Blutungen.
Anwendung. 1) Als Antisepticum äusserlich an Stelle der Carholsäure. Wegen seiner schweren Löslichkeit in AVasser ist jedoch das Kreosot weniger geeignet und wird seltener angewandt. Es dient insbesondere als austrocknendes, granulationsbefordernd es Mittel auf stark secernirenden Geschwüren und Fisteln, sowie zur Beförderung der Abstossung nekrotischer Gewebe (Knochen, Sehnen).
2) Gegen G ährungsprocesse im Magen und Darm, anhaltendes Erbrechen, Diarrhöe, Ruhr, Geflügelcholera; ferner gegen M a g e n w ü r m e r.
Gegen Tuberkulose, putride Lungen- und Bronchial-affectionen, namentlich gegen jauchige Bronchitis, Bronchiektasien und Lungengangrän in Form der Inhalation, intratrachealen Injection und per os (Kreosotpillen); desgleichen gegen Lungenwürmer.
4)nbsp; nbsp;Gegen Parasiten der Haut, namentlich Räudemilben, Läuse, Trichophyton tonsurans.
5)nbsp; Als Aetzmittel z. B. bei Strahlkrebs.
6)nbsp; Als blutstillendes Mittel bei parenehymatösen Blutungen.
Form und Dosis. Man verwendet das Kreosot äusserlich in Verbindung mit Wasser (Aqua Creosoti, etwa ln/oig), Spiritus, Oel, Glycerin, Fett, Paraffinsalbe etc.; innerlich als Emulsion, in Kapseln, Pillen, Latwergen. Die innerliche Dosis ist dieselbe wie die der Carholsäure:
für Pferde und Kinder 515,0. Schafe, Ziegen und Schweine 1 2,0. Hunde 0,050,2. ., Geflügel 0,010,05.
|
||
|
|
||
|
Recepte.
|
||
|
|
||
|
1) Up. Creosoti 0,5.
Gummi arab. 5,0. Aqu. destill. 150,0. M. D. S. Sstttndlioh einen Esslöffcl gegen Brechdurchfall beim Hund.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Thoer.
2) Rp. Pilulas Creosoti Xr. XXV. 1). S. Täglich 12 l'illon für einen Hund mit Tuberkulose.
8) Rp. Creosoti 15,0.
Pulv. Kild. Liquirit. 50,0. Pulv. Rad. Althaene et Aqu. commuu. qu. s. f, Pilul. Nr. III. D. S, Täglich eine Pille für ein Pferd mit Bronchitis.
4)nbsp; Rp. Creosoti 25,0.
Spiritus 250,0. M. f. Sol. D. S. Aeussorlich für ein Pferd mit Mauke.
5)nbsp; Rp. Creosoti
01. Terebinth, äi 10,0. 01. Olivarum 250,0. M. D. S. 2stUiidlicli einen Essläflel für ein Sc h af mit Magenwürmseuohe.
0) Rp. Creosoti 10.0.
Spirit. Frumenti 300,0. M, D. S. 2stündlicli einen Esslöffol für ein Schaf mit Magemvurmseuche.
7)nbsp; Rp. Creosoti 20,0.
Sapon. virid. 100,0. Spirit. 50,0. M. D. S, Aousserlich gegen Pferderäude.
8)nbsp; Rp. Creosoti 10,0.
Olei Olivarum 100,0. M. D. S. Aousserlich gegen H u n d e r ä u d e.
Neuere Kreosotpräparate. Als Ersatzmittel des Kreosots werden empfohlen; Guayakol, Creosotum carbonicum (Kreosotol), Guaya-colum carbonicum, benzoieum (Benzosol) und cinn araylicum (Styra-kol), Oreosotuiu oleinicum u. a.
|
||
|
|
||
|
iMx liqulda. Uolztheer.
Stammpflanzeni 1) Pinm sUmsMs, Kiefer. 3) Larix deoidm und sibirica, Lärche, Familie: Abieliurcji.
Pharmakognosie. Der Holztlieer (Fichtenliolztheer, Pix liqnida picea) ist das Product der trockenen Destillation des Holzes von Abietineen, namentlich von Pinus silvestris und Larix sibi-rica. Er wird im Grossen als Nebenproduct der Hol/kohlenberei-tung gewonnen beim Schwelen des Holzes, indem Holzhaufen angezündet und dann mit Erde bedeckt werden (Kohlenmeiler). Der Holztheer bildet eine dickflüssige, braunschwarze Masse von eigenartigem Gerüche, welche durch mikroskopische Kry-ställchen meist etwas krümlich ist. Mit AVasscr geschüttelt sinkt
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Theer.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;229
der Theer unter, wobei das Wasser sicli schwach gelblich färht, Geruch und Geschmack des Theers annimmt und sauer reagirt. Der wässerige Auszug des Theers nimmt bei Zusatz von sehr verdünnter Eisenchloridlösung eine vorübergehend grüne, bei Zusatz von Kalk-wasser dauernd eine braimrothe Farbe an (Kreosot-Carbol-reaction).
Der Holz theer ist ein variables, sehr inconstantes Gemenge der verschiedensten, namentlich aromatischen Bestand-theile. Er enthält: Holz essigsaure, Kreosot, Carbolsäure, Naphthalin, Brenzkatechin, Phlorol, Kresol, Benzol, Toluol, Xylol, Paraffin, Pyrokatechin, Pseudocumol, Styrol u. s. w.
Theersorten. 1) Pix liquida picea, der in Deutschland officinelle Holzt beer (Resina empyreumatica liquida), durch trockene Destillation von Pichtenho 1z gewonnen. 2) Pix liquida fagea, der Buchenholz-tlieer, in Oesterreich officinell, aus Buchenholz dargestellt. 3) Oleum Juniperi empyreumaticuni, Kadeöl, Oleum cadinum, aus dem Holze von Juniperus oxycedrus gewonnen; nicht zu verwechseln mit dem ätherischen Wachholderöl, Oleum Juniperi aethereum. Das Kadeöl hat einen angenehmeren Oeruch als der gewöhnliehe Holztheer. Es ist in Oesterreich officinell. 4) Oleum betulinum (Oleum Rusci), Birken-holztheer, früher angewandt. 5) Oleum Lithanthracis, Steinkohlen-theer. Die bei der Destillation des Theers zurückbleibenden festen, harzigen, schwarzen Massen werden als Pix n avails (Pix solida, Pix nigra) oder Schiffspoeh (Sclmsterpech) bezeichnet. Dieses Pix solida ist also nicht zu verwechseln mit Pix liquida. dem Thecr. Es wird zu Pflastern verwendet und enthält das Raten (OigHjjj),
Aqua picis, Theer wasser, enthält die Holzessigsäure des Theers, Carbolsäure etc., also die in Wasser löslichen Thcerbestandtheile. Es wird officinell dargestellt durch Mischen von Theer mit Bimsstein (1 : 3), 5 Minuten langes Schütteln dieser Mischung mit Wasser (2 : 5) und Filtriren. Es bildet eine klare, gelbliche oder bräunlichgelbe, nach Theer riechende Flüssigkeit, welche frisch bereitet oder doch nur für kurze Zeit vorräthig gebalten werden soll.
Wirkung. 1) Der Theer wirkt durch einen Gehalt an Carbolsäure, Kreosot und anderen aromatischen Körpern gährungs- und fäulnisswidrig und ist ein starkes Gift gegen Hautparasiten, insbesondere Eäuclemilben, Die Desinfectionskraft des Theers ist nach Jäger eine sehr bedeutende. So tödtet namentlich der Holztheer auch bei kurzer Einwirkung die meisten Spaltpilze, sogar die Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen. Der Steinko hlontheer ist ein gutes Dosinficiens gegen sporenfreie und auch sonst wenig Widerstands-fähige Bacillen, so namentlich gegen H ii Im er cholera, Schweine-
|
||
|
|
||
|
,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
230
|
Theer,
|
||
|
|
|||
|
rothlauf, Schweinepest, Schweineseuche, Rotz, sowie sporenfreie Milzhrauclbacill cn; dagegen ist der Steinkohlentheer unwirksam gegen Milzbrandsporen und Taberkelbaoillen.
2)nbsp; Oertlich erzeugt er auf Haut und Schleimhäuten Röthung, Schwellung und Entzündung; dabei wirkt er adstringirend und austrocknend.
3)nbsp; Innerlich gegeben regt er in kleinen Dosen die Secretion der Verdauungsdrüsen an und desinfloirt den Magen- und Darminhalt. In grösseren Dosen erzeugt er Nierenhjperämie und Nierenentzündung, sowie die Erscheinungen der Carbolsäure- und Kreosotvergiftung: Schwindel, Taumeln, Zittern, Schwäche, Lähmung, Abfall der Innentemperatur, k 1 o n i s c h -1 o n i s c h e Krämpfe sowie dunkelbraune oder dunkelgrüne Harn Verfärbung mit Tlieergeruch des Harns. Katzen sind auch hier am empfindlichsten.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als billigstes Antisepticum und Desin-ficiens namentlich in der Eindviehpraxis bei Klauen leiden zu Dauerverbänden (Panaritium, Klauenseuche, Wunden), sowie bei Hufkrankheiten (Steiiigallen, Homspalten, Kronentritte etc.); ausser-dem zur Anregung der Granulation, Austrocknung und Beförderung der Vernarbung bei schlatfen und jauchigen Geschwüren. Man verwendet ihn entweder rein oder mit Spiritus und Fett (1 : 110) oder in Pulverform mit Gyps (1 : 1020) und Borsäure (1:2050); früher wurde auch das allerdings ziemlich schwache Theenvasser verwendet.
2)nbsp; Zur Desinfection von Gegenständen in Seuchenställen (The er an strich), so von Balken, Brettern, Stangen etc., ferner des Bodens in Form von Streupulvern (mit Kalk, Eisenvitriol etc.).
3)nbsp; Gegen chronische Ekzeme, insbesondere Eczema impetigi-nosum (grindartiges Ekzem) und squamosum. Hierher gehört namentlich auch das chronische Ekzem des Rückens beim Hunde und die Mauke der Pferde. Der Theer macht hier die chronische Entzündung zu einer acuten, schneller abheilenden, beseitigt den Juckreiz und wirkt austrocknend, deckend und desinficirend, Er eignet sich aber nur für chronische, nicht für acute Ekzeme. Man reibt ihn rein oder in Verbindung mit Fett, Spiritus und Seife ein, wobei immer nur '/gt; ^ev Körperoberlläche auf einmal eingerieben werden darf, und lässt die Einreibung 46 Tage liegen. Sehr em-pfehlenswerth ist ein Liniment aus Theer und grüner Seife äa und Spiritus die Hälfte.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Theer.
|
231
|
||
|
|
|||
|
4)nbsp; nbsp;Gegen Milbenräude in beliebiger Form, beim Pferde liiiufig zusammen mit Scbwefel, Seife und Spiritus in der Form des Wiener Theerlinimentsquot;, beim Schafe als Walz'scbe Lauge. Ferner gegen pflanzliche Parasiten.
5)nbsp; Als leichtes Aetzmittel gegen Strahl krebs. Früher wohl auch als Vehikel für Scharfsalben statt Fett.
G) Als reizendes und dcsinficirendes Expectorans bei chronischen Bronchiten, Broncbiektasien, Lungengangrän, Lungenwurmseuche in Form der Inhalation (Theerdämpfe) oder innerlichen Verabreichung. Desgleichen gegen chronische Nasen- und Sinuskatarrhe, Oestrus-larven etc.
7)nbsp; Als Stomachicum für Wiederkäuer, besonders Schafe, sowie bei abnormen Magengähr un gen, Diarrhöe, lluhr etc. Man benutzt gegen Durchfälle namentlich das Theerwasser, theils innerlich, theils in Form von Klystieren. Filiiatre empfiehlt gegen die Kälberruhr halbstündige Klystiero von je 1J3 Liter Theerwasser am ersten Tag; hiernach soll gewöhnlich der Durchfall aufhören; am zweiten und dritten Tag erhalten die Kälber Milch mit einem Quart Theerwasser als Nahrung.
8)nbsp; Als Diureticum bei eiterigen Nieren- und Blasenleiden.
Dosis und Form. Aeusserlich verwendet man den Theer entweder rein oder als Salbe, Liniment, spirituöse Lösung und als Pulver. Innerlich gibt man ihn meistens in Pillen oder Kapseln, oder man verordnet das Theerwasser. Die Theer Inhalationen (Theerräucherungen, Theerdämpfe) werden in der Weise erzeugt, dass man ein heisses (aber nicht glühendes) Eisen in einen mit Theer gefüllten Topf steckt oder den Theer auf erhitzte Steine resp. Eisen träufeln lässt. Auch Verdampfen des Theers in einer Schale über massigem Feuer ist eine sehr geeignete Käucherungsmethode. Will man die reizende Wirkung der Theerdämpfe mildern, so kann man durch vorhergehende Beimengung von Soda zum Theer die Essigsäure abstumpfen. Innerlich gibt man für
Pferde und Rinder 10,025,0.
Schafe, Ziegen und Schweine 2 6,0.
Hunde 0,11,0.
Geflügel 0,10,2. Recepte.
1) Rp. Picis lin|uiil, 5,0. Adlpia suill. 50,0. M. f. Ugt. D. S. Theer salbe gegen Ekzeme, Räuile etc.
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
232
|
Holzessig.
|
||
|
|
|||
|
2) Rp, Pieis liquid. 5,0. Glycorini 25,0. M. D. S. Acusserlich gegen Fussrilude beim Cirefliigel. 8) Rp. Pieis liquid. 10,0. Spiritus 100,0. M. D. S. Aeusscrlich gegen Eczema squamosum.
4)nbsp; Rp. Pieis liquid.
Sapon. virid. ää 50,0. Spiritus 25,0. M, U. S. Tbeorliniment gegen chronische Ekzeme.
5)nbsp; Rp. Pieis liquid,
Flor. Sulfur. Si 100,0. Sapon. virid. Spiritus ää 200,0. M. D. S. Wiener Theorlin iment gegen Pf'erderilude.
6)nbsp; Rp. Pieis liquid. 0,5.
D. tal. dos. in capsul. gelatinös. Nr. X. S. Täglich eine Kapsel für einen Hund mit Bronchialkatarrh.
7)nbsp; Rp. Pieis liquid.
Flor. Sulf'uris ää 50,0. Pulv. Rad. Liquirit. 100,0. Fariu. secalin. et
Aqua foutan. qu. s. f. Boli Nr. X. D. S. Täglich 24 Boli für ein Pferd mit Limgengangrän.
|
|||
|
|
|||
|
Aeetum pyroliguosum cnulum. Hoher Holzessig.
Pharmakognosie. Dor rohe Holzessig (die rolio Holzsäure) bildet sich nehon dem Theor als wässeriges Destillat hei der trockenen Destillation des Holzes. Er stellt eine braune, nach Theer und Essigsäure riechende, in ihren Bestandtheilen sehr inconstanto Flüssigkeit dar, aus der sich beim Aufbewahren theerartige Substanzen abscheiden. Seine Hauptbestandtheile sind Essigsäure (6100/o)) Holzgeist (Methylalkohol), Aceton, Essigsäure-Methyläther, niedere Fettsäuren bis zur Capronsäure, Kreosot, Carholsäure, Brenzkatechin, Cürulignon, Purfurol etc. Nach der deutschon Pharmakopöe soll er frei von Sclnvefelsäure (Prüfung mit Baryumnitrat) und von Sclnvermetallen sein (Prüfung mit Schwefelwasserstoff) und mindestens 6n/o Essigsäure enthalten. Der rectificirte Holzgeist, Aeetum pyrolignosum rectificatum, wird durch Destillation des .rohen gewonnen. Er bildet eine gelbliche, klare Flüssigkeit von brenzlichem und saurem Geruch und Geschmack, welche weniger brenzliche Producte und Essigsäure (50/o) enthält als der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Stinkendes Thieröl
|
233
|
||
|
|
|||
|
rohe Holzessig, dagegen mehr Methylalkohol; seine Wirkung ist eine schwächere.
Wirkung und Anwendung. 1) Dur Holzessig wirkt durch seinen Gehalt an Kreosot und Oarholsäurc fäulnisswidrig und anti-septisch. Er wurde in früheren Zeiten rein oder mit Wasser verdünnt (1:610) zum Verbinden oder Bepinseln schlaffer, jauchiger Greschwüre angewandt, auf welche er gleichzeitig adstringirend und secretionsbeschränkend, einwirkt, am häutigsten bei Mauke, Brandmauke, Klauenleiden, Hautgangrän, Hufknorpeltisteln, Widerristraquo; tisteln und Strahlkrebs. Auch gegen Milbenräude und pflanzlich parasitäre Hautkrankheiten wurde er mit Erfolg angewandt.
2) Früher wurde der Holzessig häufig zur Desinfection von Seuchenstallungen angewandt. Er ist ein ziemlich stark wirkendes Desinticiens. Nach Koch kommt seine desinlicirende Kraft derjenigen einer 5 quot;nigen Carbolsäurelösung gleich.
8) Innerlich wurde der Holzessig früher gegen Tympanitis und Infectionskrankheitcn gegeben. In grossen Dosen erzeugt er namentlich bei kleineren Thieren das Bild der Carbolsäure v er-giftung. Frühere Dosis: Pferde und Rinder 50100,0; Hunde 0,5 1,0.
t Oleum animalo foetidum. Stinkendes Thieröl. Das stinkende Thieröl (Oleum an im ale foetidum; Oleum animalo empyreu-m a tic um; Oleum Cornu Cervi, Hirschhorn öl) ist ein durch trockene Destillation thierischer Abfalle, wie Knochen, Horn, Hirschhorn, Leder etc. gewonnener Theer. Es bildet eine dicke, schwarzbraune, ölige oder theer-artige Masse von ilusserst üblem Gerüche und besteht aus einem wechselnden, sehr inconstanten Gemenge von Aminbasen, Am monium Verbindungen, Pyridinbasen, Kohlenwasserstoffen und l'henolver-bindungen. Seine Hestandtheile sind: Methylamin (CHj.NH^), Propyhunin (C;jHT.]SlH2), Pyridin (CäH-jN), Pikolin (06HTN), Pyrrol (C^N), Cyan-ammonium, Carbolsäure, Kreosot, Essigsilure etc. Oleum an im ale aethereum (Oleum animale rectificatum, Oleum animalo Dippelii, ätherisches oder rectificirtes Thieröl) hat im Wesentlichen dieselbe Zusammensetzung wie das stinkende Thieröl; seine Farbe ist bellbraun; es wird aus dem stinkenden Thieröl durch wiederholte Destillation gewonnen. Früher war ausserdem das durch Destillation mit Terpentinöl dargestellte Oleum Chaberti (Chabert/sches Oel) im Gebrauch.
Das stinkende Thieröl, welches früher sehr häufig angewandt wurde, wird heutzutage wegen seines üblen Geruches, welcher sich dem Fleische und der Milch mittheilt, seiner Giftigkeit und Inconstanz nur selten mehr gehraucht. Früher wurde das Oel nach folgenden Richtungen hin ver-werthet: 1) Als Antisepticum bei üblen Geschwüren, Klauenseuche etc.; namentlich im Sommer auf Wunden, um die Fliegen abzuhalten. 2) Als Ex ci tans innerlich hei Schwäche- und Lähmungsznstäiulen des Herzens und
|
|||
|
|
|||
|
,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
234nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ßohkroaol.
Gehirns (Gehalt an AnamoniiuuTerbindaogen). 3) Als Anthelminthicum gegen Eingeweidewürmer. 4) Als krampfstillendes Mittel bei Krampfkolik u.s.w. (PyridingeLalt). 5) Als Kiludemittel, namentlich zur Behandlung der Schafräude. Das älteste liäudebad, die Walz'scho Lauge, enthält als Hauptbestandtheil das stinkende Thioröl (1,5 kg stinkendes Thieröl, je 1kg Theer, frisch gebrannten Kalk und Pottasche, 501 ßinder-harn und 200 1 Wasser). Die Walz'sehe Lauge ist jedoch in dieser Zusammensetzung zu schwach und muss mindestens 3mal nach einander angewandt werden. Nevierdings ist das Dippel'sche Oel auch gegen die Acarusräude der Hunde empfohlen worden. Die innerliche Anwendung geschah gewöhnlich in Pillenform oder als Einguss (Pferde 525,0; Binder 1050,0; Schafe 210,0). Das Mittel ist im Uebrigen sehr giftig (tödtliche Dosis für Pferde 150 g, für Hunde 25 g), In ähnlicher Weise wurde früher auch der Puss (Fuligo) angewandt.
|
||
|
|
||
|
Crosolum crudum. Uohkresol.
Pharmaceutische Chemie. Die bei der Destillation des Stein-kohlentheers entstehenden sog. schweren Theeröle (Steinkohlen-krcosot) liefern, wenn ihnen durch fraotionirte Destillation die Carbol-säure entzogen ist, das in Deutschland nunmehr oflicinelle Rohkresol, welches schon früher unter dem unzutreffenden Kamen Hohe Carbol-säurequot;, Acidum carbolicum crudum, officinell gewesen ist. Das Rohkresol ist im Wesentlichen aus Kresolen (08H4 . OH8. OH) zusammengesetzt, und zwar ist es ein inconstantes Gemenge von Ortho-, Meta- und Parakresol; ausserdem enthält es voi'schiedone Tlieerkohlenwasserstotfe, namentlich Naphthalin. Es bildet nach dem Arzneibuch eine gelbliche bis gelbbraune, klare, brcnzlich-riechende, neutrale Flüssigkeit, welche sich in Wasser nicht völlig, dagegen leicht in Weingeist und Aether löst und schwerer ist als Wasser (Schweresquot; Steinkohlentheeröl), Eine Lösung dieses Rohkrosols in gleichen Thcilen Kaliseife ist ferner officinell unter dem Namen Liquor Cresoli saponatus (Kresolseifenlösung); das Präparat bildet eine klare, gelbbraune Flüssigkeit. Eine Mischung dieser Cresolseifenlösung mit 9 Thcilen Wasser ist ebenfalls officinell unter dem Namen Aqua cresolica, Kresolwasser; dasselbe stellt eine ö0ivige Lösung von Rohkresol in Wasser unter Beihilfe von Seife dar.
Wirkung und Anwendung. Der Liquor Cresoli saponatus und Aqna cresolica sollen als Ersatz des Lysols, Creolins, Solute 1s bezw. des Creolinwassers, Lysolwassers u. s. w. dienen.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Crcolin.
|
235
|
||
|
|
|||
|
Die neueren medicinischen Kresolpräparate. Das wegen seiner Schwerlöslichkeit in Wasser zu Desinfeetionszweeken früher wenig benützte Rohkresol ist im letzten Jalirzebnt durch den Zusatz verschiedener emulgirender, aufsehliessender Stoffe wasserlöslich gemacht und dadurch zum wichtigsten Antisepticum der Neuzeit geworden. Es kommen insbesondere die nachstehendon chemisch und pharmakologisch nah mit einander verwandten Handelspriiparato in Betracht:
1)nbsp; Das englische Creolin, das Desinfectol, Izal und Sapocarbol II sind Rohkresole oder kresolhaltigo Theeröle, aufgeschlossen durch Zusatz von Harzsoifen.
2)nbsp; Das Lysol, der Liquor Cresoli saponatus, das Sapocarbol I, das Kresolin, Kresapol, Kresolsaponat, Kresol-Unschig, Crelium, Phenolin sind rohe oder reine Kresole, aufgeschlossen durch Zusatz von Kali seifen.
3)nbsp; Das deutsche Creolin und Sanatol sind Kohkresole, aufgeschlossen durch Zusatz von Schwefelsäure.
4)nbsp; Das Solutol, Solved und Kr es in sind Rohkresole, aufgeschlossen durch Zusatz von A1 k a 1 i s a 1 z e n.
6) Das Saprol ist eine Auflösung von Rohkresol in hochsiedenden 0 e 1 e n.
6) Das Cresolum crudum, das Trikresol, das Cresolum pur um lic|uefactuin , Enterol u. s. w. sind Roh- oder Reinkresole ((iemenge von Ortho-, Meta- und Parakresol oder reines Orthokresol).
Der officinelle Liquor Cresoli saponatus ist identisch mit Lysol.
|
|||
|
|
|||
|
t Creolinmn. Creolin.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakogaosie. Das Creoliu (Creolinum anglicum, Creo-linum Pearson) ist ein Nebenproduot der Oarbolfabrikation. Es wird aus Steinkohlenkreosot nacli Entfernung aller Carbolsäure duroh Zusatz von Harz und Soda tiargestellt. Der genauere Vorgang liiebei ist der, dass die im Kreosot enthaltenen, im Wasser an sich unlöslichen höheren Homologe des Phenols, besonders die Kresole, durch Soda in lösliche Natronsalze (Kresolnatrium) bezw. durch Natronharzseife in eine emulsionsl'ähigo Form übergeführt werden.
Das Creolin bildet eine dunkelbraune, syrupöse. tlieer-artige, klare Flüssigkeit von theerälmlicbem bezw. rauchartigem Gerüche und aromatischem, später brennendem Geschmacke. T r o p f e n-weise ins Wasser geträufelt bildet es zuerst weisslicho Wolken, welche sicli bald zu einer milchigen, gleichförmigen Emulsion vereinigen; diese Lösung bezw. Emulsion in Wasser reagirt schwach alkalisch und klärt sicli selbst nach Wochen nicht. Die möglichst vollkommene Emulsion des Creolins in Wasser liegt bei SV^/o. In Weingeist löst sich Creolin in jedem
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
23G
|
Creolin,
|
||
|
|
|||
|
Verhältniss zu einer braunen, je nach der Concentration Huorescirenden, #9632;klaren Flüssigkeit. Das specifische Gewicht beträgt 10401080. Das Löslichkeitsverhältniss des Creolins zu verschiedenen Flüssigkeiten ist genauer folgendes. Es löst sich klar in absolutem und 95quot;/oigem Alkohol in jedem Verhältnisse, in verdünntem Alkohol 1:7, in Aether in jedem Verhältnisse, in Petroleumäther nur theil-weise, in Chloroform und Schwefelkohlenstoff sehr leicht, dagegen ist es unlöslich in Holzgeist. Die Emulsion in angesäuertem Wasser ist bräunlich (Störung der Emulsion durch die Säure), in alkalisch gemachtem AVasser lehmgelb und sehr lange anhaltend. Mit Glycerin gibt Creolin eine bräunliche, lehmartige Emulsion. Beim Erhitzen im Glasrohre gibt Creolin Dämpfe aus, welche Lackmuspapier blau färben (alkalische Reaktion).
Die wichtigsten B e s t an d t h e i 1 e des Creolins sind folgende: 0 r t h o-undMetakresol (0(JH(t.OH.CH8), Xylenol (C,;H,1.OH.CH3.CH,,), Phlorol (C(iHl.OH.C,H5), Chinolin (C9H7N), Naphthalin (C10H8), Anthracen (CUH10), und diverse andere Kohlenwasserstoffe sowie Harz (Abietinsäure); die Ascbebestandtheile besteben wesentlich aus kohlensaurem Natron und Spuren von schwefelsaurem Natrium und Chlornatrium. Carbolsäure ist im Creolin nicht oder nur in minimalen Spuren vorhanden. Quantitative Analysen haben ergeben: Kresole 10 130/o, Kohlenwasserstoffe (Naphthalin etc.) 45550/o, Harz 25300/o, Basen (zur Chinolin-gruppe gehörig) circa 30/o, Ascbebestandtheile (Natrium etc.) circa 2n/o , Wasser circa 50/o. A.P. 500,0 = 1 Mark 65 Pfennig.
Die Creolinsorten des Handels. Das englische Creolin ist Mitte der siebziger Jahre von Jeyres in London entdeckt und im Jahro 1887 von Pearson in Hamburg eingeführt worden. Die ersten wissenschaftlichen Untersuchungen über dieses Creolin sind in Deutsehland von mir in demselben Jahro angestellt worden (Berliner thierärztliches Archiv 1887). In den letzten Jahren sind zahlreiche andere Creolinsorten in den Handel gelangt. Als solche sind zu bezeichnen das Artmann'scho Creolin (Braunschweig), das Hauff'sche (Peuerbach), das Franok'sohe (Brandenburg), das Wiener Creolin (Creolinum Yiennense), das holländische Creolin (Maatschappij voor chemische Industrio in Amsterdam) und andere. Von diesen Creolinen seheinen nur das holländische und ungarische Creolin dem englischen an Zusammensetzung und Wirkung gleich zu kommen (Forster, Münch. med, Wochenschr. 188!); Preisz, Veterinarius 1891). Dagegen muss das Artmann'sche Creolin als eine minderwerthige Waare bezeichnet werden. Weyl (Berliner hygieinisches Institut) hat bei einer vergleichenden Untersuchung des englischen und Artmaiin'schen Creolins gefunden, dass beide sich in Zusammensetzung und Wirkung aufs wesentlichste unterscheiden und nicht viel weiteres gemein haben, als den Namen. Henlo (Göttinger hygieinisches Institut) ist auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Re-
|
|||
|
|
|||
|
M
|
|||
|
|
|||
|
Ci'L'olin.
|
237
|
||
|
|
|||
|
sultate gekommen, class die desinfioironde Kraft des Artmanu'schen Creolins eine höchst geringe ist, eine so geringe, dass man dieses Präparat zu den desinficirenden Mitteln gnr nicht zählen darf. 15 eh ring (Zeitschrift für Hygieine 1890) ist bei seinen Untersuchungen zu dem Schlüsse gelangt, dass das Artmann'sche Greolin im Vergleiche zum englischen eine nennens-werthe Desinfectionswirkung nicht besitzt. Preisz endlich hat ebenfalls gefunden, dass von allen untersuchten Croolinsorten des Handels (6) das Artmann'scbe die schwächste desinficirendo Wirkung zeigt. Nach Lies soll es jedoch dem englischen als Kiludemittel gleichkommen.
Die vielfach erörterte Frage, welches die wirksamen Bestandtheile im englischen Creolin sind, ist durch eine Untersuchung von Jlenle aufgeklärt worden. Darnach ist festgestellt, dass die desinficirendo Kraft des Croolins auf der Anwesenheit von drei Körpern in demselben beruht: 1) den höheren Homologen des 1*benols (Kresolen), 2) dem Creolin öl (Kohlenwasserstoffen), 'S) der Harzseife. Diese drei wirken jedes für sich antiseptisch; merkwürdigerweise wird aber die antiseptische Kraft des Creolins von der Gesammtwirkung der genannten Körper nicht erreicht. Es liegt beim Creolin also ein Fall von sogenannter combinirter Arznei Wirkung vor, d. h. die betroffenden Körper bringen durch gegenseitige Steigerung ihrer antiseptischen Wirkung einen viel grösseren Gesanimtefl'ect zu Stande, als sich aus der einfachen Addition der Wirkung der einzelnen ergeben würde.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Das englische Creolin ist ein Antisepticum und Desinficiens ersten Hanges. Es ist zunächst ein Speoifioum gegen die Tuherkelbacillen, welche durch eine ;3n/oigeCreolinlösiing sofort vernichtet werden. Hierin sowohl, wie auch als Desinficiens für die Oberfläche des thierischen Körpers, ist das Creolin der Carholsäure und dem Sublimate weit überlegen. Das Wuthgift wird durch eine l0/oige Creolinlösung nach 3 Minuten vernichtet (durch eine 20/oige Carhollosung erst nach 2 Stunden). Die Bakterien des Rotzes, des Schweinerothlaufes, der Hühnercholera, die Milzbrand-bacillen, die Eiterkokken etc. werden durch eine 80/oige Creolinlösung rasch getödtet. Die Milzbrandsporen sterben in derselben Lösung nach 2 Tagen ab (eine 50/oige Carhollosung tödtet sie selbst nach 20tägiger Einwirkung nicht mit Sicherheit). Die entwicklungshemmende Wirkung des Creolins auf Bakterien beginnt schon hei einer Verdünnung wie 1 : 15,000. (Bakteriologische Untersuchungen von v. Esmarch, Eisenberg, Jäger, Behring, Baumgarten, Henle, Weyl, Büchner, Boer, Peuch, de Blasi und Eusso-Travoli u. A.)
2) Das Creolin gehört zu den stärksten antiparasitären Mitteln. Es ist zunächst ein vorzügliches Räudemittel und zwar sowohl gegen die Dermatodektes-lläude der Schafe, als auch gegen die Sarcoptes- und Acarus-Räude der Hunde, die Dermatophagus-Räude der Kaninchen und die Dermatoryktes-Räudc des Geflügels
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
238nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Creolin.
(Fröhnor). Nach den Beobachtungen von Müller (Sächsischer Veterinärbericht pro 1888), welcher eine grössore Anzahl (18) neuerer und älterer lläudemittel mikroskopisch auf ihre Wirksamkeit gegen Acarus, Sarcoptes und Derrnutoryktes untersucht hat, wirken nur Kreosot, Creolin, Tiieer, Tbieröl und Perubalsam auf sämmtliche 3 Arten in nahezu gleich kürzester Zeit tödt-lich ein; Carbolsäure, Arsenik, Sublimat, Tabak, Schwefelleber, Ichthyol, Naphthol, Üxynaphthoesäure, Petroleum etc. wirken ganz wesentlich schwächer und nur auf einzelne der genannten Käudearten ein, Naphthalin und Quecksilborsalicylat sind ganz wirkungslos gegen sämmtliche derselben. Ein sehr wirksames Mittel ist Creolin ferner gegen Gregarinen (Hühnerdiphtheric), sowie gegen Ungeziefer der Haut, namentlich Zecken, Läuse, Lausfliegen, Haarlinge, Federlinge, Flöhe, Fliegen.
3) Bei parenehymatösen Blutungen wirkt Creolin blutstillend in Folge seiner Eiweiss-coagulirenden Eigenschaft. Auf letzterer beruht auch seine adstringirende und secretionsbesebränkende Wirkung. Auf Schleimhäuten wirkt es ferner reizend, jedoch nicht ätzend. Erwähnonswerth ist endlich seine hervorragende desodorisirende Wirkung.
Anwendung. 1) Das Creolin ist neben dem Lysol das zur Zeit am häufigsten angewandte chirurgische Antisepticum in der thierärztlichon Praxis. Man benützt zur Desinfection von Wunden eine 20(oige, während der Operation eine I/raquo;0/0^8e) wässerige, möglichst frisch dargestellte Creolinlösung; als Streupulver auf Wunden und Geschwüre eine 2quot;/üige Mischung von Creolin und Borsäure.
2) Das Creolin ist ferner ein wichtiges Desinficiens und Desodorans in der Geburtshilfe zur Ausspülung des Uterus und der Geburtswege nach Geburten, bei zurückgebliebener Nachquot; gehurt, gegen Endometritis catarrhalis und purulenta, jauchige Me-tritis etc.; insbesondere eignet es sich wegen der Gefährlichkeit des Sublimats für die Rindviehpraxis. Es wird in 1j2 bis l0/oiger Lösung zur Ausspülung des Uterus angewandt. Nach den mitge-theilten Erfahrungen zahlreicher Thierärzte (Bayer, thierärztl. Wochenschrift 18891895; Sächsischer Jahresbericht 18891895 u. a. 0.) ersetzt das Creolin bei den Ausspülungen der Geburtswege während und nach geburtshilflichen Leistungen, sowie bei Ausspülungen des Uterus vor und während der Abnahme der Nachgebart den Sublimat nicht nur vollständig, sondern hat neben seiner Ungiftigkeit einen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Creolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;239
entschiedenen Vorzug vor demselben wegen seiner stark des cd o-risirenden Wirkung. Ein weiterer Vorzug der Creolinlösungen liegt darin, dass dieselben die Geburtswege schlüpfrig machen, so dass die Entwicklung des Fötus leichter vor sich geht.
8) PürdieDesinfection verseuchter Stallungen und Gegenstände aller Art, sjjeciell zur Desinfection bei Tuberkulose ist das Creolin in Form einer 2 6%igen wässerigen, frisch hergestellten Lösung sehr wirksam. Das Creolin hat vor der Carbolsäure und dem Sublimate aussei- seiner Nichtgiftigkeit noch den grossen Vorzug voraus, dass es in concentrirtem Zustande nicht ätzend wirkt, so dass es also dem Laien unbedenklich in die Hand gegeben werden kann.
4) Das Creolin ist ein sehr wirksames, billiges, einfaches und dabei ungiftiges Räudemittel namentlich gegen Sarcoptes-, Der-matodektes-, Dermatoryktes- und Acarus-lläude.
a. Gegen Schafräude (Dennatodektes und Sarcoptes) empfiehlt sich nach meinen Versuchen das nachfolgende Verfahren: Die Schafe werden womöglich geschoren. Nach der Schur werden die sichtbar räudigen Körperstellen, namentlich die Kreuz-, Rücken- und Halsgegend einige Tage (35) hindurch bis zur Aufweichung der Borken mit einem Creolinliniment eingerieben. Das Creolinliniment besteht aus einem Theil Creolin, einem Theil Spiritus und acht Theilen grüner Seife. Diese Einreibung bildet einen wesentlichen, integrirenden Bestandthcil des Kurverfahrens (vorbereitende Schmiorkur). Die auf diese Weise vorbereiteten Schafe werden nun zweimal mit einer wässerigen Lösung von Creolin gebadet; zwischen dem ersten und zweiten Bad liegt ein Zwischenraum von sieben Tagen. Die Badeflüssigkeit ist eine 21/ä0/nige Creolinlösung in Wasser (6,5 Liter Creolin auf 250 Liter AVasser für 10 0 Schafe); sie wird durch einfaches Zugiessen des Creolins zum warmen Wasser (30deg; R.) und Umrühren desselben hergestellt. Die Badeflüssigkeit darf weder zu kalt noch zu heiss sein. Sehr hartes AVasser ist wegen Störung der Emulsion hiebei womöglich zu vermeiden. Jedes Bad dauert 3 Minuten; nach jedem Bade wird das betreffende Schaf mindestens 3 Minuten nachdrücklich mit Bürsten am ganzen Körper gerieben und schliesslich noch einmal kurze Zeit ins Bad eingetaucht. Das Halten des Schafes im Bade, sowie die übrigen Manipulationen sind dieselben wie bei den anderen Räudebädern. Während der Behandlung hat man sich vor jeder Ucbereilung zu hüten, und es sind namentlich die ausführenden Arbeiter immer
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
240
|
Crooliu.
|
||
|
|
|||
|
bezüglich der richtigen Ausführung oben genannter Massregeln zu controliren. Durchschnittlich lassen sich nach dieser Methode etwa 100 Schale in einer Zeit von 8 Stunden baden. Die Kosten eines Bades betragen 8 10 Mark. Ein drittes Räudebad wird nur bei ungenügender Durchführung der beschriebenen Massregeln nothwendig werden. Das Creolinbad unterscheidet sich von den anderen Eäude-hadern (Tabak-, Carbol-. Sublimat-, Arsenikbäder) hauptsächlich vortheilhaft durch seine U n g i ft i g k e i t. einfache B e r e i t u n g s w e i s e und Billigkeit. Auch die Wolle wird durch Creolin weder verfärbt , noch schädlich beeintlusst, wie dies beim Tabak. Arsenik etc. immer der Pali ist.
Statistik der Creolinbäder. Nach dem beschriebenen Verfahren sind im Jahre 1888 in den verseuchten Kreisen Preussens auf Verfügung des Landwirthscbafts-Ministeriums vom (J. Juni 1888 versuchsweise 20,000 Schafe mit gute m Erfolge und ohne jeden Verlust gebadet worden, weshalb die Creolinbäder durch ministeriellen Erlass vom 20. Februar 1880 für l'reussen allgemein angeordnet worden sind. In den Jahren 1888 1894 sind inPreussen insgesammt 137,8114 räudekranke Schaf e mit Creolin gebadet worden; davon sind nachgewiesen enn ass en geheilt 760/o, nicht geheilt 0 f'|n, bei den übrigen ist der Erfolg unbekannt. Dieselben günstigen Erfahrungen sind auch anderwärts mit Creolin erzielt worden. So hat Uozirksthierarzt Hohenleitner 2000 Schafe im Bayerischen gebadet und rühmt neben der guten Wirkung vor Allem die Ungiftigkeit des Creolins, indem selbst hoohträchtige Mutterschafe und 23 Tage alte Lämmer die Creolinbäder ohne jeglichen Nachtheil ertrugen. Aehnliche günstige Resultate haben Elemming, Prietsch, Ritz, Heller, Schilfarth u. A. beobachtet.
b. Die Sarcoptesräude der Hunde wird ebenso sicher und ungefährlich wie die Schafräude durch Creolin gebeilt. Es empfiehlt sich nach meinen Erfahrungen, welche ein Material von mehreren Tausenden geheilter Fälle umfassen, am besten ein Creolinliniment, welches aus gleichen Theilen Creolin und grüner Seife und 10 Theilen Spiritus zusammengesetzt ist. Dieses Liniment wird täglich an den räudigen Stellen eingerieben; bei ausgebreiteter Eäude wird täglich nur ein Drittel der Körperoberfläche behandelt und der ganze Körper dreimal hinter einander damit durchgerieben. Nach laquo;twa 14 Tagen wird das Liniment sodann abgebadet, am besten mit 2 ^g quot;/oigein Creolinwasser. in welches sehr stark räudige Hunde womöglich mit dem ganzen Körper eingetaucht und einige (23) Minuten darin belassen werden. Bei sehr feinhäutigen Hunden empfiehlt es sich, statt der reizenden grünen Seife den mehr neutralen Sapo kalinus zu verschreiben. Durchschnittlich genügt eine 28wöchentliche Behandlung,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Creolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;241
c. Der Acarusausschlag der Hunde ist bei noch nicht allzu ausgedehnter Verbreitung durch Creolin heilbar, wenn dasselbe sehr conccntrirt zur Anwendung gelangt. Es ist nach meinen Erfahrungen zu empfehlen, die erkrankten Stellen täglich mehrere Male entweder mit reinem Creolin oder mit einer Mischung von Creolin und Spiritus ää so stark einzureiben, dass eine leichte Entzündung an der eingeriebenen Stelle auftritt. Die so behandelten Stellen sollen pro Tag die Grosse eines Handtellers nicht übersteigen. Audi andere Beobachter (Heller, Keul) heben die Wirksamkeit des Creolins gegen Acarusräude hervor.
Von sonstigen Parasiten, welche durch Gieolin wirksam bekämpft werden, sind zu erwähnen; Läuse, Haarlinge, Zecken, Flöhe und Bremsen; das Creolin wird gegen dieselben in Form von Bädern (13 quot;jo) oder von wiederholten Waschungen mit 3 quot;/oiger Lösung angewandt. Nach Gross gehört das Creolin zu den besten Mitteln gegen Läuse; er empfiehlt beim Pferde die Auftragung einer 50/oigen Lösung mittelst Bürsten; nach 6 Tagen wird die Waschung mit der Creolinlösung wiederholt, nach abermaligen (gt; Tagen eine dritte Waschung vorgenommen. Jedesmal ist besonders darauf zu achten, class die Creolinlösung auch mit der inneren Ohrfläche, dem Kehlgange, Schopf, Sehweif, der Köthe, Mähne u. s. w. hinreichend in Berührung kommt. Soll die Kur von anhaltendem Erfolge sein, so muss mit jeder Waschung eine gründliche Reinigung der Ställe verbunden werden. Bökmann (Allgemeine deutsche Geflügelzeitung) empfiehlt auch gegen Ungeziefer beim Geflügel ein kurzes, etwa 1 Minute dauerndes Bad in 20/oigem Creolinwasser, nach welchem die Hühner unter massigem Andrücken der Federn sofort in reinem, lauwarmem Wasser abzuwaschen und mit einem Tuche zu trocknen sind. Auch zur Behandlung der Geflügel-Diphtherie empfiehlt sich Creolin in Form einer 250|oigen wässerigen Lösung, mit welcher die erkrankten Stellen der Maul- und Kehlkopfschleimhaut täglich mehrere Male bepinselt werden. Gleichzeitig ist eine Desinfection des Stalles mit einer 1S'/oigen Creolinlösung anzuordnen.
5) Gegen chronische Ekzeme besitzt das Creolin dieselbe günstige Wirkung wie der Theer. Ich empfehle es beim Hunde und Pferde in Form des Creolinliniments (Creolin und grüne Seife ää, Spiritus die Hälfte) oder des Creolinspiritus (1 :510) bezw. der Creolinsalbe (1 : 1050). Albrecht benützt ebenfalls das Creolin mit günstigem Erfolge beim chronischen Ekzem und bei der Pett-rftude der Hunde, beim Hitzausschlago des Pferdes und Rindes, beim Mähnen- und Schweifgrind, bei Juckreiz, bei Schrunden-niauke und Raspe, bei Pechräude (Russ) der Ferkel; er empfiehlt ferner Waschungen mit 350/oigem Creolinwasser gegen Strahlfäule, verbunden mit dem Einführen von Creolintampons in die Strahlspalte, sowie Waschungen mit 50/oigem Creolinspiritus gegen
Pröhncr, Arzneiiiiittellclu-e. I. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
24i
|
Creolin.
|
|||
|
|
||||
|
h
|
den Einschuss der Pferde. Möller und Griesecke empfehlen das Oreolül gegen die Pferdemauke. Auch als desinficirendes Adstringens bei Maul- und Klauenseuche, bei der ulcerösenr übelriechenden Stomatitis der Hunde (2n/oiges Creolimvasser), bei Otorrhöe (120/oige spirituöse Lösung), zur Herstellung sogenannter antiseptischer Cataplasmen bei Hufkrankheiten (Griesecke) wird Creolin empfohlen.
G) Gegen abnorme Gährungsprocesse im Magen und Darm, anhaltendes Erbrechen, Durchfälle, lluhr, infectiöse Darmleiden , Darmwürmer etc., bei Wiederkäuern und Pferden auch als Stomachicum. Nach Dr. Albrecht (Berlin) ist das Creolin beim chronischen Magenkatarrh der Pferde allen anderen Mitteln vorzuziehen, indem es in täglichen Dosen von 1015 g sofort Appetit und Verdauung regulirt und den Fäces den üblen Geruch benimmt. Dieselbe Beobachtung hat Trueisen beim chronischen Durchfall des Rindes gemacht. Nach Prof. Albrecht (München) wirkte Creolin günstig namentlich auch bei der Kälberdiarrhöe (dreimal täglich 23 g mit je lli 1 kaltem Wasser), sowie gegen die Diarrhöe der Ferkel (5 g Creolin in 1 1 Wasser, pro Stück täglich 2 Esslöffel). Nach Beul lässt sich ferner die gastrische Form der Hundestaupe erfolgreich mit 20/oiger wässeriger Creolinlösung (Sstündlich einen Esslöffel) behandeln. Auch gegen Milzbrand wird Creolin von Meier empfohlen. Derselbe hat in 3 Fällen beim Bind nach der Verabreichung von 50200 g Creolin sofortige Besserung und rasche Genesung beobachtet. Auch Schneider constatirte in 1 Falle Heilung durch 250 g Creolin.
7)nbsp; In Form von Creolininhalationen (l0/oige Lösungen) ist das Creolin bei allen Bronchiten, Bronchiektasien, Bronchopneu-monien, Lungencavernen etc. wegen seiner Ungiftigkeit der Carbol-säure vorzuziehen. Diese Creolininhalationen sind namentlich bei der bronchitischen und pneumonischen Form der Hundestaupe und Tuberkulose sehr zu empfehlen. Nach Hink sind Creolininhalationen auch wirksam bei dem bösartigen Katarrhalfieber des Rindes.
8)nbsp; In der Augenheilkunde ist Creolin ein gutes Mittel gegen Conjunctiviten, Keratiten, Hornhautgeschwüre etc. Namentlich in allen Keratitisformen, wo es sich um Geschwürsbildung handelt, empfiehlt sich seine Anwendung in '/nln/oiger wässeriger Lösung.
Als Nachtheile des Creolins sind zu bezeichnen, 1) dass die Lösungen undurchsichtig sind, so dass man die Instrumente darin nicht sehen
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Creolin.
|
243
|
||
|
|
|||
|
kann. 2) Das ebenfalls als Naehtheil hervorgehobene Schlüpfrigwerden der Hilnde durch das Creolin findet nur bei concentrirteren Lösungen statt. 3) Es muss weiter als Nachtheil erwähnt werden, dass das Creolin in Ei-weisslösungen, also z. B. im Blute, eine wesentlich geringere antiseptische Wirkung besitzt, als in eiweissfreien Plüssigkeiten; diesen Uebelstand hat es auch mit anderen Desinficientien, insbesondere mit dem Sublimat gemein.
Form. Das Creolin wird am häufigsten als Creolin was s er angewandt; zur Herstellung desselben kann gewöhnliches Brunnenwasser cre-nommen werden. Zu empfehlen ist es, die Lösung womöglich frisch zu bereiten und vor Killte zu schützen. Jeder Zusatz zur Lösung, insbesondere ein Zusatz von Säuren, ist zu vermeiden. Am meisten empfiehlt sich eine 3quot;'oige wässerige Lösung (wofern schwächere Lösungen nicht etwa ausreichen); bei stärkeren Concentrationen, namentlich solchen über 5 0/n, wird die Emulsion und damit die Wirkung gestört. Neben wässerigen Lösungen gebraucht man spirituöse, besonders für Räude- und Ekzembehandlung. Auch Creolinsalben (1: 1050 Fett resp. Unguentum Faraffini) sind gegen die genannten Zustände im Gebrauche. Zur Desinfection der Hände ist die Creolinseife der Sublimatseife vorzuziehen. Zu Verbänden dient Creolinbaumwolle, -Holzwolle, -Jute, -Gaze. Endlich ist ein Creolinanstrich zum Anstreichen von Brettern, Balken, Wänden etc., sowie eine Conservirungsflüssigkeit für Holz, Schwellen, Dielen etc. in Verwendung. Auch Creolincementkalk zum Bestreichen der Stallwände und Creolinhufschmiere werden benützt. Innerlich gibt man das Creolin bei Wiederkäuern in Lösung, sonst womöglich immer in Pillenform.
Dosis. Dieselbe beträgt für
Pferde und Rinder 1025,0. Schafe, Ziegen, Schweine 510,0. Hunde 0,52,0. Geflügel 0,10,25.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Creolini anglici 10,0.
Aqu. commun. 500,0. M. D. S. Aeusserlich (20/o Creolinwasser).
2)nbsp; Rp. Creolini 3,0.
Spiritus 300,0. M. D. 8. Aeusserlich gegen Otorrhöe.
8) Rp. Creolini 2,0. (rlycerini
Aqu. destill, aä 50,0. M. D. S. Zum Bepinseln der Maulliöhle gegen H ii li nerdiph theritis.
4) Rp. Creolini
Sapon. virid. üä 50,0. Spiritus 500,0. M. D. S. Aeusserlich gegen Räude beim Hunde.
|
|||
|
|
|||
|
w
|
|||
|
|
|||
|
244
|
Lysol.
|
||
|
|
|||
|
5)nbsp; lip. Crcolini anglici
Spiritus ää 100,0. Sapon. virid. 800,0. M. f. Liuhu. 1). S. Räudeliniment gegen Sohafrftude (vorbereitende Sehniiorkur).
6)nbsp; Up. Creolini 1,0.
Acid, borici 50,0. M. f. Pulv. D. S. Aeusscrlich, Streupulver für Wunden.
7)nbsp; Rp. Creolini 2,0.
Ungt. Paraffin. 20,0. Mi D. S. Creolinsalbe.
8)nbsp; Rp. Creolini
Sapon. virid. aa 100,0. Spiritus 50,0. Mi f. Liniment. D. S. Aeussurlich gegen chronisches Ekzem des Rückens beim Hund e.
9)nbsp; Rp. Creolini
Extract. Liquirit. Pulv. Rad. Liquiritiae Cerao ilavae ää 2,5.
M. f. Pilul. Nr. X. übduce Bals. tolut. D. S. Creolinpillcn für einen Hund mit Staupe oder Tuberkulose.
10)nbsp; Rp. Creolini 50,0.
Pulv. Rad. Liquirit. 100,0. Extract. Liquirit. Cerae flavae qu. s. f. massa, e qua formentur Pilul. Nr. V. D. S. Täglich 12 Pillen für ein Pferd mit Darmkatarrh.
|
|||
|
|
|||
|
f Lysolum. Lysol.
Pharmaceutische Chemie. Das Lysol ist eine Auflösung von Eolikresol in Kalis eifc. Es ist somit identisch mit dem offlcinellen Liquor Oresoli saponatus (vergl. S. 234). Das Lysol stellt eine dunkelbraune, tlicerartige, syrupöse, jedoch klare Flüssigkeit von eigenartigem, am meisten an Carbolsäure erinnernden Geruch dar. A.P. 500,0 = 2 Mark.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Die bacteriologischen Untersuchungen des Lysols haben ergeben, dass die Milzbrandbacillen, die Eiterkokken, sowie die Bacterien der Hühnercholera, des Schweine-rothlaufs und des Erysipels durch eine 13on/ooige Lösung getödtet werden (Schottclius, Gcrlach, Foth, Beer). Die Tetanusbacillcn
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Naphthalin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;245
werden durch eine 30/oige Lösung nach 30 Minuten getödtet (Foth). Milzbrandsporen werden dagegen , nach .'?B Tagen durch eine 6100/oige Lysollösung nicht gotödtet (E eh ring).
Das Lysol wird in der Thierheilkumle vielfach statt des (Jreolins empfohlen in 0,5l0/oigen Lösungen zur Dcsinfection der Wunden, Instrumente, Hände, des Uterus etc., sowie als Räudemittel (Foth, Straube, Imminger, Lemke, Sosna, Reuter, Maisei u. A.).
f Solveol und Solutol. Unter diesen Namen sind zwei neuere Kresol-priiparate in den Handel gebracht worden, welche als Ersatzmittel des Creolins und Lysols dienen sollen, mit weloben sie ihrer chcniischon Zusammensetzung nach verwandt sind (vergl. S. 235). Das Solveol Inldet eine neutrale, durch k rosotinsaur es N atr i u m bewirkte, coucen-trirte Kr esoll ö sun g, während das Solutol ein durch Kresol-natrium löslich gem achtes Krosol darstellt. Letzteres soll constant 600)o Kresol enthalten, und zwar '/.i freies und ;lj4 gebundenes (Kresol-natrium). Nach den Untersuchungen von Hammer (Archiv für Hygieine, Bd. 12) soll das Solutol in 0,50|oiger Lösung schon nach 5 Minuten alle untersuchten Boiiillonculturen tödten. Die Milzbrandsporen werden durch 100'oige Lösungen nach 4 Tagen, die Tuberkelbacillen durch 12o:oige Lösungen nach 2 Minuten getödtet. Das liohsolutol wird besonders zur groben Desinfection empfohlen. Dagegen soll das Solveol als chirurgisches Antisepticum dienen, und zwar soll eine 0,50|oige Lösung genügen. Die Lösungen des Solveols sollen klar (auch mit kalkhaltigem Wasser) und neutral sein. Die Anpreisung des Rohsolutols als Heilmittel (!) gegen Maul-und Klauenseuche hat sich bei der praktischen Anwendung nicht bewährt (Haubold, Röder).
|
||
|
|
||
|
Nnphtlialinnin. Naplithnliii.
CuiHs-
Pharmakognosie. Das Naphthalin ist ein Kohlenwasserstoff, welcher aus dem schweren Stcinkohlentheeröl durch Abpressen des bei 180220deg; C. überdestillirenden Antheiles, Waschen desselben mit Natronlauge und Schwefelsäure, sowie Destilliren mit Wasserdämpfen gewonnen wird. Das so dargestellte, rohe Naphthalin wird für den medicinischen Gehrauch erst gereinigt, indem man es mit Alkohol wäscht und dann sublimirt (Naphthalinum purissimum).
Das Naphthalin bildet glänzende, farblose Blättchen von starkem, theerähnlichem, unangenehmem Gerüche und brennendem Geschmack c, welche schon hei 15deg; langsam verdampfen, bei 80deg; schmelzen und bei 218deg; sieden. Die entzündeten Dämpfe brennen mit leuchtender und russender Flamme. Es ist in \¥asser nahezu unlöslich, dagegen leicht löslich in Aether,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
246
|
Naphthaliu.
|
||
|
|
|||
|
Chloroform, fetten Oelen, Benzol, kochendem Alkohol, flüssigem Paraffin. A.P. 10,0= 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Naphthalin ist ein starkes Antisepticum und Uesinficiens. Nach den Untersuchungen von E. Fischer ist es ein heftiges Gift gegen Hefepilze, Penicillium glaucum, Aspergillus glaucus, Mucor Mucedo, Oidium lactis u. a. Aehnlich wirkt es gegen Fäulnissorganismen.
2)nbsp; Es ist ein sehr wirksames antiparasitäres Mittel, welches namentlich Räudemilhen, Läuse, Haarlinge, Flöhe, Wanzen, Motten etc. sicher tödtet.
3)nbsp; Innerlich gegehen soll es für grössere Hausthiere, wie auch für den Menschen wegen seiner schweren Löslichkeit ungiftig sein. Hunde zeigen nach Baumann auf Dosen von 25 g nur Diarrhöe.
|
|||
|
|
|||
|
Naphthaliustaar. Eigenthümliche Veränderungen sind nach längerer Verabreichung von Naphthalin bei Kaninchen zuerst von französischen Forschern beobachtet worden (Bouchard, Dor, Pannas U.A.). Füttert man Kaninchen längere Zeit hindurch (23 Monate) täglich mit kleinen Naphthalingaben (1,0), so zeigt sich neben auffälliger allgemeiner Abmagerung eine eigenthümliche Veränderung im Innern der Augen. Es wird die Linse getrübt (Naphthaliustaar), wahrscheinlich in Folge einer Veränderung ihrer Ernährungsflüssigkeit durch das Naphthalin (Magnus). Sodann zeigt die Retina theils zahllose, glänzend weisse Fleckchen, theils grosse, gelblich-weisse Plaques; bei sehr grossen Dosen erfolgt selbst Netzhautablösung. Vereinzelte helle Fleckchen findet man auch im Glaskörper; die Sehnervenpapille ist häufig atrophisch. Daneben findet man parenchymatöse Nephritis.
Anwendung. 1) Als Antiparasiticum gegen Räude und Haut-ungoziefer. Es eignet sich auch sehr gut zum Gonserviren von zoologischen, hotanischen und pharmakologischen Sammlungen. Gegen Sarcoptesräude der Hunde ist es zwar ein billiges und ungefährliches, aber in älteren und ausgebreiteteren Räudefällen ein zu schwaches Mittel (Friedberger, Siedamgrotzky). Gegen Herpes tonsurans soll es sehr wirksam sein (Popow). Beim Weidevieh soll es im Sommer alle Insccten von Wunden und Geschwüren abhalten.
2)nbsp; Als Antisepticum und granulationanregendes Mittel bei älteren und schlaffen Wunden, Geschwüren, Fisteln, nekrotischen Processon etc., so namentlich hei Kronentritten, Widerristfisteln und Mauke (Schadrin, Popow).
3)nbsp; Innerlich als Antizymoticum bei ahn or men Gährungs-processen im Magen und Darm, Diarrhöe, Ruhr etc. (Rosshach).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Naphthol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;247
Popow, Uupuis u. A. haben auch gute Erfolge bei Kälberruhr beobachtet. Unangenehme Nebenwirkungen sind hiebei die zuweilen eintretende Blasen- und Nierenreizung, Harndrang, sowie Ulcerationen der äusseren Genitalien durch die Einwirkung des Naphthalinharns. Ausserdem hat man das Naphthalin gegen chronische Ekzeme, Blascnkatarrhe, als Antipyreticum, Expectorans und Anthel-minthicum empfohlen.
Form und Dosis. Man wendet das Naphthalin äusserlich auf Wunden als Pulver (1 : 1020 Borsäure, Alaun, Zucker) oder in Salbenform (1 : 1020 Fett oder ünguentum Parafflni rcsp. Lanolin) an. Gegen Räude braucht man ebenfalls Salben (1:1020) oder Lösungen in Oel (1:35). In Seife ist es unlöslich. Innerlich gibt man es in Pulverform, in Pillen (mit einem Ueberzuge von Keratin als keratinirto Pillen), mit Oel, als Schüttelmixtur mit Syrup, als Paste mit Glycerin. Geruchscorrigens ist Oleum Bergamottae. Innerlich gibt man für
Pferde und Rinder 515,0.
Schweine, Schafe, Ziegen und Kälber 25,0.
Hunde 0,11,0.
Katzen und Geflügel 0,050,2.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Naphthalin! 5,0.
Acid, borici 25,0. M. f. Pulv. D. S. Streupulver gegen Kronentritt.
2)nbsp; Rp. Naphthalin! 5,0.
Adipis suilli 50,0. Mi f. Ugt. D. S. Aeusserlich gegen Räude.
3)nbsp; Rp. Naphthalin! purissim!, 5,0.
Sacchar! 10,0-
M. f. Pulv. Divide in partes aequai. Nr. 20. D.S. Täglich 12 Pulver für einen Hund mit infectüisem Darmkatarrh.
|
|
||
|
|
|||
|
N aphl hol n in. Beta- Naphthol.
C10Hr. OH.
Pharmaceutische Chemie. Das Naphthol oder ,3-Naphthol ist ein Derivat des Naphthalins, nämlich Naphthalinhydroxyd, welches durch mehrstündiges Erhitzen von Naphthalin mit Schwefelsäure und Behandeln der dabei entstehenden ß-Naphthalinsulfonsäure mit Aetz-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
248
|
Naphthol.
|
||
|
|
|||
|
kali dargestellt wird. Koine therapeutische Verwerthung findet wegen seiner starken Giftigkeit das a-Naphthol, sowie das im Handel vorkommende Naphtholum crudum, eine Mischung von a- und ß-Naplithol. Das reine ß-Naphthol bildet farblose, seidenglänzende Krystallblättchcn oder ein weisses krystallinisches Pulver von schwachem carbolähnlichem Gerüche und brennend scharfem Ge-schmacke, welches bei 1220 schmilzt und bei 286 0 siedet. Es ist in Wasser fast unlöslich (1 : 1000), leicht dagegen in fetten Oelen, Chloroform, Alkohol, Aether. Mit concentrirter Kalilauge und einigen Tropfen Chloroform gibt es eine blaue, mit tropfenweise hinzugefügter concentrirter Salpetersäure erwärmt eine intensiv rosarothe bis kirschrothe Farbe. Die wässerige Naphthollösung zeigt auf Zusatz von Amraoniakflüssigkeit eine violette Fluorescenz, auf Zusatz von Chlorwasser eine weisse Trübung, auf Zusatz von Eisenchloridlösung eine grünliche Farbe (rdentitätsreactionen). Verfälschungen mit a-Naphthol lassen sich durch Eisenchlorid (Blaufärbung der heiss gesättigten Lösung) erkennen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Das Naphthol ist ein kräftiges Antisepticum. Nach Versuchen von Bouchard unterdrückt es in einer Verdünnung von 1 : 3000 die Entwicklung der Bacterien des Rotzes, Milzbrandes, der Hühnercholera, der Pneumonic und des Eiters gänzlich und hemmt die Entwicklung der Tuberkulose- and Typhusbacillen. Nach Willenz verhindert eine V2 0/nige Lösung die Filulniss dos Fleisches und Harns, sowie die Säuerung der Milch.
2) Das Naphthol ist ein starkes Antiparasiticum, namentlich gegen Räudemilben (Kaposi).
Anwendung. 1) Bei HaU t k r a n k h e i t e n, insbesondere bei chronischem Ekzem statt des Thcers in Salbenform oder mit Spiritus. 2) Gegen Milbenräude mit Ausnahme der Katzenräude.
|
|||
|
|
|||
|
Die Wirkungen des Naphthols auf den thiorisclien Organismus sind von Willenz (Russisches Archiv der Veterinärkunde 1887) genauer untersucht worden. Darnach erzeugt dasselbe auch bei subeutaner Anwendung schon in massigen Dosen zunächst eine starke Reizung der Schleimhäute, welche sich in Niesen, Speicheln, Husten, Thränen, Erbrechen, starkem Durchfall, Harndrang etc. äussert. Grössern Dosen rufen bei Katzen und Pferden lange andauernde epileptiforme Krämpfe hervor, welche bei Hunden fehlen; letztere reagiren auf sehr hohe Dosen nur durch Benommenheit und Temperaturabfall. Besonders empfindlich gegen Naphthol sind Katzen; dieselben zeigen bei relativ geringen Dosen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Oxynaphthoesiiure.
|
249
|
||
|
|
|||
|
(0,15) tödtliche Nephritis, Albuminurie und Hiimoglobinurie. Auch beim Menschen ist schon früher nach der äusseren Anwendung des Naphthols Nephritis (Lesser) und Hiimoglobinurie (Neisser) beobachtet worden. Die Ausscheidung durch den Harn erfolgt als Naphthol-sulfonsilure.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. ß-Naphtholi 5,0.
Adipis suilli 50,0. M, f. Ugt. D. S. Ran do salbe.
2)nbsp; Rp. ß-Naphtholi 10,0.
Spiritus 100,0. M. D. S. Acusscrlich gegen chronisches Ekzem bei Hundcu.
t Oxynaphtho6säure. In demselben Verhältniss wie die Salicylsilure zur Carbolsiiuresteht die Oxynaphthoösäure (Aoidum oxynaphthoieum) #9632;mm Naphthol; sie hat die Formel; OjqHb . OH. 0OOH. Darnach ist sie aufzufassen als Naphthol-Carbonsiiure. Die Chemie unterscheidet zwei isomere Oxynaphthoi:säuren: Die laquo;-. und /i'-Naphthocsilure. Die Oxj'-napbthoesäuren sind von Willen z (Eussisches Archiv der Veterinärlaquo; künde 1887), Ellenberger und Hofmeister (Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1887) u. A. genauer auf ihre pharma-kologische Bedeutung untersucht worden, wobei sich Folgendes festsetzen liess: 1) Beide Säuren wirken stark fäulnisswidr ig. 2) Gegen Eäude-milben zeigten sich die Oxynaphthoesäuren als gutes An tipar asiticum (Ellenberger und Hofmeister). 3) Innerlich haben die OxynaphthoB-säuren eine dem Naphthol sehr ähnliche Wirkung (Willenz). Sie wirken stark reizend auf alle Schleimhäute. Ellenberger und Hofmeister empfehlen die Oxynaphthoesäuren und ihre Salze als Anti-scabiosum, speciell bei Hunderäude, als An t ipy reticum , als Mittel gegen Gährungs- und Fäulnissprocesse im Darm, gegen Trichinen, Blasenkrankheiten und Gelenkrheumatismus. Willenz glaubt dagegen, dass die Oxynaphthoösäure keine grosso Rolle in der Therapie spielen wird, weil sie in Wasser ganz unlöslich ist und die Schleimhäute noch stärker reizt als das Naphthol, ohne dessen vorzügliche Eigenschaften zu besitzen. Auf Wunden wirkt die reine Oxynaphthoesiiure nach Müller sehr stark reizend. Andererseits hatten Verdünnungen, welche nicht mehr reizten, auf Wunden keine secretionsbeschränkende und austrocknende Wirkung.
t Mikrocidin (Natrium /gt;'-naphtholicuni). Ein weisses Pulver, das etwa 750|o Naphtholnatrium von der Formel C10H7. ONa und 25% andere Naphthol- und Phenolverbindungen enthält. Die Mikrocidinlösungen sollen eine lOmal stärkere antiseptische Wirkung besitzen als Carbolsiiure.
t Benzonaphthol. Eine Verbindung von /i'-Naphthol und Benzoö-säure von der Formel CuH^COO^mH;). Das Präparat wird als inner-tiches Antisepticum und starkes Diureticum empfohlen. Aehn-liche Präparate sind Abrastol (sulfonsaures Salz des Naphthols) und Asaprol (naphtholsulfonsaures Calcium).
|
|||
|
|
|||
|
|
mi^mm
|
|||
|
|
||||
|
250
|
Ichthyol.
|
|||
|
|
||||
|
t Ichthyoluni. Ichthyol.
Pharmakogaosie. Das Ichthyol ist eine Art Schieferöl, d. h. ein tiieerartiges Prociuct der trockenen Destillation fossiler Mineralien von unbekannter Zusammensetzung, welches ausschliesslich aus einem in Tirol (Seefehl) vorkommenden, bituminösen Scbiefcr dargestellt wird, in dem Ueberreste vorweltlicher Fische und Seethiere enthalten sein sollen. Das gereinigte Ichthyol bildet ein klares, schwefelhaltiges ü e 1 von e i g e n t h ü m 1 i c h e m Gerüche und meergrüner Fluorescenz. Durch Bebandeln des Ichthyols mit concentrirter Schwefelsäure entstellt die Ichthyolsäure {Ichthyol-sulfonsäure oder Sulfoichthyolsäure), angeblicb von der Formel OjgHgaSgOgHg, eine theerartige, schwarzbraune, trübe, unangenehm riechende, tluorescirende Flüssigkeit, welcbe in Wasser, Alkohol, Aether löslich und mit Fett, Unguentum Paraflini, namentlich aber mit Lanolin mischbar ist. Die Ichthyolsäure bildet eine Reihe von Salzen, von welchem das Ammonium-, Natrium; Zincum-, Hydrargyrum s ti 1 f o - i c h t h y o 1 i c u m verwendet werden. Speciell das Ammonium sulfo-ichthyolicum wird häufig wohl auch als Ichthyolquot; bezeichnet; es ist eine dickliche, schwarzbraune Masse von eigenthümlicbem Gerüche, welche in Wasser und einem Gemische von gleichen Theilen Alkohol und Aether am besten löslich ist. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 kg = 30 Mark.
f Thiol ist ein auf künstlichem Wege aus Gasöl (Product der Braunkohlendestillation) dargestelltes, angeblich mit dem Ichthyol chemisch und therapeutisch identisches Präparat (Deutsches Ichthyolquot;), welches wesentlich billiger sein soll. Mit dem Namen Tumenol bezeichnet man ein aus bituminösen Gesteinen gewonnenes^ öliges, sulfonirtes ichthyol-iibnliches Product.
|
||||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. Das Ichthyol ist von Unna gegen Hautkrankheiten und Ekzeme, gegen Gclenkverstauchungen, sowie innerlich gegen rheumatische und gicbtiscbe Leiden beim Menschen empfohlen worden. In der Tbierheilkunde ist das Ichthyol von Fried-bcrger, Perroncito, Rabe, Wolff u. A. angewandt worden. Nach Rödor ist es jedoch für die Tbierheilkunde entbehrlich und zu theuer (1 Kilo kostet im Engros-Preis HO Mark!). Es wird empfohlen:
1) Gegen Sarcoptesräude der Hunde (Rabe) in Form .eines 100/oigen Linimentes von Ammonium sulfo-ichthyolicum gelöst in gleichen Theilen Aether, Weingeist und Wasser. Diese Mischung
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Benzol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 251
wird an 28 hinter einander folgenden Tagen eingerieben, am B, Tage abgebadet und die Einreibung wiederholt, Friedberg er hat die günstige Wirkung des Ichthyols bestätigt. Gegen Acarusausschlag ist die Wirkung nur eine relative.
2)nbsp; nbsp;Gegen chronische Ekzeme an Stelle des Tbeers in Salbenlaquo; und Liniinentlbrm (Friodberger, Rabe).
3)nbsp; Gegen chronische Gelenksentzündungen (Rabe), Quetschungen, Panaritien, erysipelatöse Euterentzündungen (Wolff) in Salbenform; gegen Keratiten (Rabe) in Form 2- bis 40/oiger wässeriger Lösungen.
4)nbsp; Innerlich gegen Magendarmkatarrhe, Staupe (Rabe) theelöffelweise, sowie gegen Petechialfieber der Pferde (Lustig) in täglichen Dosen von 50 g.
Recepte.
1)nbsp; Rp. lohthyoli 10,0.
Spiritus Acthei'is
Aqu. destill, ää 30,0. M, f. Liniment. D. S. ßü udeli n im en t.
2)nbsp; Rp, lohthyoli 5,0.
Adipis suilli 50,0. M. f. ügt. D. S. Ichtliyolsalbe.
3)nbsp; Rp, lohthyoli 4,0.
Aqu. destill. 100,0. M. D. S. Täglich 8 Esslöfl'el für einen Hund mit Staupe.
t Benzol. Das früher wohl auch als Steinkohlenbeuziu'- im (jegen-satz zum Benzin oder Petroleumbenzinquot; bezeichnete und häufig mit Benzin verwechselte Benzol hat die Formel CfiH(i und wird durch Destillation aus dem Steinkohlentheer gewonnen. Es ist eine farblose, eigen-thümlich riechende, nicht fluorescirende Flüssigkeit, welche in Wasser unlöslich, dagegen in Alkohol und Aether löslich ist, mit rauchender Salpetersäure einen Geruch nach bitteren Mandeln erzeugt (Nitrobenzol) und Fette, Harze und Kautschuk löst. Das Benzol hat starke an ti parasitär o Eigenschaften. Es wurde früher äusserlich gegen Ungeziefer der Haut (Räudemilben, Läuse, Zecken, Flöhe etc.), sowie innerlich gegen Spulwürmer, Bandwürmer, Darmtrichinen, Gastrns-larven etc. als Anthelmin thicum angewandt. Da es ausserdem stark gährungs- und fäulnisswidrig ist, hat man es gegen Gährungsprocesse im Magen und Darm versucht (innerliche Dosis für Pferde und Rinder 3090,0; Schafe, Ziegen und Schweine 215,0; Hunde 14,0). In grossen Dosen wirkt Benzol stark giftig; es erzeugt nach vorausgegangener Aufregung Betäubung, Schwäche, Taumeln, Muskelstarre, Zittern, Empfindungslosigkeit und Tod unter Convulsionen. Nach Versuchen von Hertwig sterben Pferde bei innerlicher Verabreichung auf 750 g, Hunde von 10 g ab. Hunde sterben auch nach Eimitbmung von Benzoldämpfen (bei Ver-
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
|
252
|
Resorcin. Hydroehinon. Sozojodol.
|
||
|
|
||||
|
dampfuug von 50 g) und nach ausgedehnter Einreibung des Ben/ols auf die Haut, z. 13. gegen Kilude; die iiusserliche Anwendung des Benzols bei Katzen ist fast immer tödtlich. In der Chemie wird Benzol unter anderem zur Auflösung (Extraction) der Alkaloide bei der Dragendorff'schen Methode des Nachweises derselben benützt.
f Resorcin. Dasselbe ist Metadioxybenzol = CßH^OEJ und wird durch Sclnnolzen von verschiedenen Harzen (Galbanum, Asa foetida, Ammo-niacum) mit Kalilauge dargestellt. Es bildet farblose, an der Luft röthlich werdende Krystalle, welche in Wasser und Alkohol leicht löslich sind und schwach nach Carholsilure riechen. Die wässerige Lösung färbt sich mit Eisenchlorid violett, mit Chlorkalk rothviolett, mit Ammoniak rosenroth. Dicopy; Wirkung des Resoroins ist eine fäulniss- und gährungswidrige sowie an tipyr e tisch e ; in conccntrirtem Zustande wirkt es auf Schleimhäuten ätzend. Grössere Dosen ei-zeugen eine Resorcin Vergiftung, welche sich in Sopor, Anästhesie, Convulsionen und Collaps äussert. Anwendung findet Resorcin als An tisep ticum in der Wundbehandlung, als Antipyrcticum (Dosis für den Hund 0,51,5), als leichtes Aetzmittel, als Räude mittel, als Desinficions zur Ausspülung der Blase bei Blasen katarrh, bei infectiösen Conj u nc ti viten, bei Hautkrankheiten, G äh rungsprocessen im Magen und Darm, Ruhr etc. Von Imminger wird Resorcin auch als Mittel gegen die Kälberdiarrhöe in täglichen Dosen von 812 g empfohlen. Nach Ehrhardt ist das Resorcin in der Klinik der Züricher Thicrarzneischule mit Erfolg als Antisepticum in der Wundbehandlung (l0/oige Lösung; 1050quot;'oige Salbe), gegen Strahlkrebs (Streupulver), Mauke (510 quot;/n ige Salbe), Erysipel, Euterkrankheiten, zur Ausspülung des Uterus (P/o) etc. sowie innerlich als Antipyroticum (Pferden 15,0 pro dosi), gegen Dannkatarrh und endlich gegen Kälberdiarrhöe (24,0) angewandt worden. Der allgemeinen Anwendung dürfte übrigens der hohe Preis des Mittels entgegenstehen (1,0 = 10 Pfennig). Durch Einwirkung von Schwefel ist das ebenfalls antiseptisch wirkende Thioresorcin dargestellt worden. Mit dem Namen Resorcinol wird ein Gemenge von Resorcin und Jodoform bezeichnet.
t Hydroehinon. Dasselbe ist = Paradioxybenzol = 06H4(OH)j und wird aus dem Anilin durch Vermittlung des Chinons dargestellt. Es lässt sich auch aus der Chinasäure sowie aus dem Arbutin herstellen. Es bildet farblose Prismen, welche in 20 Theilen kaltem Wasser, sowie sehr leicht in heissem Wasser, Alkohol etc. löslich sind. Das Hydroehinon stimmt bezüglich seiner Wirkung mit dem Resorcin (und Brenzkatechin) überein. A.P. 1,0 c= 10 Pfennig.
t Sozolsäure (Acidum sozolioum, Aseptol) stellt eine Verbindung von Oarbolsäure und Schwefelsäure, nämlich die Orthophenol-sulf on säure dar = Cr,H| . 011 . SO^OH. Sie wird bereitet durch Mischen gleicher Theile von Carbolsäure und Schwefelsäure. In Folge der rasch eintretenden Umwandlung in die Paraphenolsulfonsäuro verliert das Präparat an antiseptisoher Wirkung und ist als wenig zuverlässlich für die therapeutische Anwendung nicht geeignet, wie dies Samter durch bacteriologische Versuche bewiesen hat.
|
||||
|
|
||||
|
j Sozojodol (Acidum sozojod olicum) ist jodirtes Aseptol, also Or t h o ph en o 1 sul f ons äur e - .1 o d id = CflH3 . ,1 . ÖH . SO,OH. Es bildet
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Pikrinsäure
|
258
|
||
|
|
|||
|
weisso, schuppenförruige Krystallbliittcben ohne Geruch, mit antisei)-ti scher Wirkung, und ist gegen verschiedene Hautkrankheiten empfohlen worden. Ausserdem sind als antiseptische Salze des Sozojodols empfohlen worden das SozojodolZin k (Zincuiu sozojodolicuiu), Sozojodo 1 n at r i um und S o z o j o d o 1 k a 1 i u m. Nach L a n g g a a r d hindert eine 2 0/o ige Lüsung des Sozojodols und seiner Salze die Entwicklung der Eiterkokken. Müller hält auf Grund seiner Untersuchungen bei Pferden und Hunden das Fril-parat für geeignet, in der antiseptischen Wundbehandlung mit Ausnahme von Dauerverbilnden wegen seiner Unschädlichkeit Sublimat und Carbol-säure zu ersetzen. A.P. 1,0 ss 25 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
f Acidum picronitricum, Pikrinsäure, 0flHj(NOj)gOH, ist chemisch = Tri uitrophenol und wird aus roher Garbolsiiure und Salpetersäure dargestellt. Sie bildet gelbe, glänzende, sehr bittere Blättchen, welche Haut und Wolle intensiv gelb färben, in Wasser schwer, in Alkohol, Aether und Ghlorofonn leicht löslich sind und Eiweiss aus seinen Lösungen ausfällen. Die Wirkungen der Pikrinsäure sind folgende: 1) Sie ist ein ziemlich starkes Antisepticum, welches als solches nach den Untersuchungen von Sozewitsch (Petersburger Archiv für Veterinärwissen-sehaften) höher steht als Carbolsäure, Salicylsäure, Chinin etc. Die antiseptische AVirkung der pikrinsauren Salze ist schwächer. 2) Sie ist ein starkes Gift für Eingeweidewürmer, desgleichen ihre Salze. 3) Sie setzt die Körpertemperatur herab (S o ze w i t sc h). 4) [nnerlicli wirkt sie schon in relativ kleinen Dosen ontzündungserregend (Gastroenteritis) und blutauflösend (Hämoglob i n ämie). Bei der Section findet man alle Organe gelb gefärbt. Hunde sterben schon nach 0,6 g Pikrinsäure unter Erbrechen, Durchfall und Convulsionen; die pikrinsauren Salze sind weniger giftig (Kalium, Natrium, Ammonium picronitricum). Anwendung findet die Pikrinsäure und ihre Salze hauptsächlich bei der Band-wurmseuche der Lämmer. Man gibt hier die Säure zu 0,10,2 oder das pikrinsaure Kali zu 0,51,0 g.
f Oxychinaseptol (Diaphtherin). Das Oxychinaseptol ist eine Verbindung von Oxychinolin mit phenolsulfonsauremOxychinolin. Es stellt in reinem Zustande bernsteingelbe, durchsichtige, sechseckige Säulen dar, welche gepulvert sich in fast jedem Verhältniss in Wasser lösen. Das Oxyclünascptol 1st von Emmerich bacteriologisch und von Kronacher klinisch geprüft worden, wobei sich ergab, dass diesem Mittel eine bedeutende bacterientödtende Kraft zukommt. Als Uebelstand bei der Anwendung des Diaphtherins ist hervorzuheben, dass die Instrumente schwarz anlaufen, so dass also nebenher zur Desinfection derselben doch ein anderes Antisepticum noth wendig erscheint. Ein ähnliches Präparat ist das Diaphthol Oxychinolinsulfonsäure und Chlnosol == Oxychinolin pyrosulfat.
t Loretin. Diesen Namen führt ein jodirtes Chinolinderivat, nämlich die Jodoxychinolinsulfonsäure und ihre Salze. Das Loretin ist demnach jodirtes Diaphthol. Es ist ein gelbes, geruchloses, krystallinisches, in Wasser und Alkohol wenig lösliches Pulver, welches als Streupulver, rein oder mit Talk, Magnesia usta, Amylum gemischt, als Loretincollodium, -Salbe, -Gaze angewandt wird. Es soll als E r s a t z m i11 e 1 d es Jo d o f o r m s dienen. Nach Penzling und Metz (Deutsche thierärztl. Wocbenschr., 1898) soll das Loretin eiternde Wunden und Geschwüre weit besser und schneller
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
254
|
Pyoktanin.
|
||
|
|
|||
|
austrocknen, als ilas Jodoform, vor welchem es ausserdem den Vorzug absoluter Geruchlosigkeit und Ungiftigkeit besitzen soll. Auch AI brecht (Deutsche Zeitschrift für Thiormedicin XX, S. 358) erachtet auf Grund seiner klinischen Erfahrungen als Loretin dem Jodoform als gleichwerthig und zieht es demselben wegen seiner relativen Ungiftigkeit und Geruchlosigkeit sogar vor; er empfiehlt es ausserdem auch gegen Hautkrankheiten, speciell gegen Ekzeme. Es ist im Uebrigen ebenso theuer, wie Jodoform (D.P. 1 Kilo = 40 Mark).
t Phenylessigsäure und Phenylpropionsäure, Aciduni phenylo-aceticum und Acidum phenylo-propionicum, sind zwei Siluren von stark desinficirender Wirkung, die eine weisse, glänzende Blättchen, die andere weisse, feine Nadeln bildend. Tuberkulöses Sputum wird durch beide .Säuren, und zwar schon durch '^quot;/oige Lösungen vollständig unwirksam.
t Acidum asepticum (Borkresolwasserstoffperoxyd). Eine klare, in Jedem Verhältnisse mit Wasser mischbare, wenig riechende und laugen-artig schmeckende Flüssigkeit (die frühere Aseptinsäure enthielt kein Kresol); die Aseptinsäure soll ein werthvolles Antisepticum sein, das neben seiner Ungiftigkeit noch den Vorzug einer blutstillenden Wirkung besitzt.
t Sulfaminol. Eine Verbindung von Schwefel mit Oxydiphenyl-amin (Thiooxydiphenylamin). Hellgelbes, geruch- und geschmackloses, in Wasser unlösliches, leicht in Alkalien lösliches Pulver, welches bei der Berührung mit dem Körper in Carbolsäure und Schwefel zerfällt. Wird aus letzterem Grunde als unschädliches Ersatzmittel des Jodoforms empfohlen.
f Antinonnin (Dinitrokrosolnatrium). Gegen die in den bayrischen Forsten grassirende Nonnenkrankheit haben Harz und v. Miller das ,Antinonninquot;, eine Nitroverbindung dos Kresolnatriums, empfohlen. Dasselbe hat die Formel CcH^NO.^ . CH^ . ONa, und bildet ein leicht explo-dirbares, helles, ziegelrothes, amorphes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches wegen seiner Feuergefährlichkeit in feuchter Form als Paste versandt wird. Schianipp hat das Antinonnin auch als Räudemittel empfohlen.
|
|||
|
|
|||
|
t Pyoktanin (Methylviolett). Die Anilinfarben besitzen nach Schilling starke antiseptische Wirkung. Das Methyl violett wirkt noch antiseptisch in einer Verdünnung 1:30,000; die Rotzbacillen werden durch 1: 200 nach 2 Minuten, die Milzbrandbacillen durch 1; 1000 nach 30 Minuten getödtet. Das Pyoktanin ist auch in der Thierheilkundo in 0,1l0/oigen Lösungen oder als Streupulver (1:50) zur Wundbehandlung, bei Maul- und Klauenseuche, Mauke, Ekzemen, Conjunctivitis u. s. w. empfohlen worden (Voss, Mehrdorf, Schlampp u. A.), Innerlich scheint es nahezu unschädlich zu sein (Müller). Unangenehm sind die intensiv färbenden Eigenschaften. Aehnlich wirken Malachitgrün, Methylenblau, Auramin u. a. Anilinfarbstoffe.
Von sonstigen Ersatzmitteln der Carbolsäure sind zu nennen Chlorphenol, Bromphenol, Tribromphenol (Bromol), phenolsulfosaures Calcium, Phenolum sulforicinicum, Phenosalyl (Geraenge von Carbolsäure, Salicyl-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Chlorkalk.
|
||
|
|
||
|
säure, Milchsilure und Menthol), Ghinolinrhodanid (sulfocyansauros Chinolin), Anilinum sulfuricum, Acidum sulfanilicum (Sulfanilsiiure), Nosophen (Tetrajodphenolpbthalein) sowie dessen Natron- und Wismuthsalz (Antinosin und Eudoxin) u. a.
|
||
|
|
||
|
Calcaria chlorata. Chlorkalk.
01, 0a(001)j CaCOHh OaOlj.
Pharmaceutische Chemie. Der Chlorkalk, Calcaria chlorata. Calcium hypochlorosuiu, wird dargestellt durch Einleiten von Chlorgas in Kalkhydrat; er ist nach der einen Ansicht ein chemisches, nach der andern ein rein mechanisches Gremenge von Chlor, unterchlorigsaurem Kalk, Kalkhydrat und Chlorcalcium. Er bildet ein weissliches, nach Chlorgas riechendos Pulver von unangenehmem, zusammenziehendem Geschmacke, welches an der Luft schmierig wird und organische Farbstoffe bleicht. Er soll mindestens 25 0/o wirksames Chlor enthalten (nach der österreichischen Pharmakopöe 20 quot;/o). In Wasser löst sich Chlorkalk nur zum Theil auf; mit Essigsäure gibt er unter starker Chlorentwicklung eine Lösung, welche durch oxalsaures Ammoniak weiss gefällt wird (Kalkreaction). Wegen seiner leichten Zersetzlichkeit muss der Chlorkalk vor Licht und Wärme geschützt aufbewahrt werden (Abgabe von freiem, gasförmigem Sauerstoff und Chlor). Wegen der bei seiner Zersetzung frei werdenden Gase dürfen die Chlorkalkgefässe nicht allzu dicht verschlossen werden (Grefahr der Explosion). Zu vermeiden sind Mischungen des Chlorkalks mit Schwefel, Salmiak, ätherischen Gelen, Benzin, Petroleum (Bildung von explosiblem Cl-N).
Das ebenfalls officinelle Chlorwasser (Aqua chlorata) wird durch Einleiten von Chlorgas in Wasser dargestellt; es enthält 0,4quot;o Chlor und ist eine gelbgrüne, klare Flüssigkeit von erstickendem Chlorgeruche, welche sich am Lichte bald in Salzsäure zersetzt und daher unzuverlässig ist. Es muss vor Licht geschützt aufbewahrt werden.
Das Chlorgas, welches zur Bereitung des Chlorkalks und Chlorwassers, sowie zu den Chlorräucherungen (Fumigationes Chlori) verwendet wird, ist ein grüngelbes, erstickend riechendes Gas, welches speciell für Desinfectionszwecke auf dreierlei Weise dargestellt werden kann: 1) Aus Chlorkalk und Salzsäure (2:3). 2) Aus Chlornatrium (3), Schwefelsäure (1), Braunstein (1) und Wasser (1); Chlorräucherung nach Morveau. 3) Aus Salzsäure und Braunstein. 4) Neuerdings wird Chlor durch electrolytischo Zerlegung von Chlornatrium und Chlorkalium dargestellt.
|
||
|
|
||
|
m
|
wmmmmam
|
|||
|
|
||||
|
256
|
Chlor.
|
|||
|
|
||||
|
Prüfung des Chlorkalks. Ein guter Chlorkalk soll zunächst pulver-fönnig sein und keine schmierige oder steinharte Masse bilden. Der von dem Arzneibuch vorgeschriebene Procentgehalt des Chlorkalks an Chlor (260/o) wird durch Titriren festgestellt. Werden nilmlich 0,5 g Chlorkalk mit 20 com Wasser angerieben und hiezu 1,0 g Jodkalium und 20 Tropfen Salzsäure hinzugesetzt, so müssen zur Bindung des vom Chlor aus dem Jodkaliuni vordrängten Jods (Entfärbung der rothbraunen Mischung) mindestens 35,7 com Zehntolnonmil-Natriumthiosulfatlösung (24,8 unterschweflig-saures Natron in 1 1 Wasser gelöst) verbraucht werden. Wird weniger verbraucht, dann würde weniger Jod abgeschieden und der Chlorkalk enthält auch weniger Chlor. Die Entfärbung des freien Jods durch die Natrium-thiosulfatlösung wird durch die Bildung von Jodnatrium bedingt. A.P. 500,0 = 40 Pfennig.
t Liquor Natrii hypochlorosi, die sogenannte Labarraque'sche Lauge ist eine wässerige Lösung von unterchlorigsaurem Natron (NaOCl), welche nach Chlor riecht und aus Chlorkalk und Soda dargestellt wird. Diese Flüssigkeit ist statt des Chlorkalks als Desinficiens empfohlen worden.
Wirkung des Chlors. 1) Durch seine Affinität zum Wasserstoff und dadurch, class es mit Wasser zusammen nascirenden Sauerstoff frei macht (Cl2 H20 = 2C1H-)-O), wirkt Chlor auf alles thierische und pflanzliche Gewehe ätzend und zerstörend ein. Deswegen ist das Chlor auch ein scharfes Grift gegen alle Infectionsstoffe und Fäulnisserreger. Der Chlorkalk wirkt ebenfalls antiseptisch durch seinen Gehalt an Chlor und an unterchlorigsaurem Kalke, welch letzterer sehr leicht zu freiem Chlor und Kalk zerfällt; ausserdem enthält der Chlorkalk das ebenfalls desinfi-cirend wirkende Kalkhydrat.
2)nbsp; Auch auf Haut und Schleimhäuten erzeugt Chlor Entzündung und Aetzung und führt zu Dermatitis, Conjunctivitis (Thränen), Rhinitis (Niesen), Laryngitis (Husten), Bronchitis, Pncu-monie und Lungenblutung. Innerlich gegeben erzeugt es Gastroenteritis.
3)nbsp; Auf das Gehirn wirkt Chlor nach Binz als Narcoticum. Frösche verfallen nach Einathmung von Chlordämpfen in Narkose, Kaninchen werden gelähmt. Auch beim Menschen ist schon schwere Betäubung nach Cblorgasvergiftungen beobachtet worden.
|
||||
|
|
||||
|
Anwendung. 1) Das Chlor dient zur Desinfection von inficirten Stallräumcn, Eisenbahn waggons, Milchkammern etc. in Form der Clilorräuclierung. Wie bacteriologisebe Untersachungen ergeben haben, tödtet Chlor bei entsprechender Concentration alle ünfectionsstoffe. Selbst die Milzbrandsporen werden durch Chlor
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Chlor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 257
nach 24 Stunden gotödtet. Ebenso wird frisches Rauschbrandgift durch Chlor vernichtet. Das Yerhältniss des Chlors zu anderen Des-inficiention geht aus einer Zusammenstellung von Buchholtz hervor. Darnach wurde die Fortpflanzung von Bacterien in künstlichen .Nährlösungen vernichtet durch Chlor 1 : 25,000, Jod 1 : 5000, Brom 1 : 3000, Salicylsäure 1 :300 und Carbolsäure 1 :25. Die früher viel angewandten Chlorgasräucherungen sind zwar im Stande, hei genügender Luftfeuchtigkeit und starker Concentration (1 l/a Volumprocent) innerhalb 24 Stunden alle im lufttrockenen Zustande befindlichen Mikroorganismen zu vernichten, sie besitzen aber für die praktische Desinfection keine Bedeutung, weil die genannte Concentration sehr schwer herzustellen und sehr kostspielig ist. Auch ist die Ausführung der Chlordesinfection sehr umständlich und gefährlich, und der Chlorgeruch ein lange anhaftender.
2)nbsp; Der Chlorkalk nimmt ebenfalls, wie das Chlor, hinsichtlich seiner Desinfectionswirkung eine der ersten Stellen ein. In einer Concentration wie 1:3 tödtet er selbst Milzbrandsporen. Eine l0/oige wässerige Chlorkalklösung tödtet ferner schon nach einer Minute die Milzbrandbacillen, die Bacterien der Hühnercholera, des Sohweinerothlaufs, der Schweineseuche und die meisten anderen sporenfreien Bacterien. Dagegen ist der Chlorkalk auch in starken Concentrationen gegenüber den Rotzbacillen und Tuborkel-bacillen ein unsicheres Mittel (Jäger). Chlor und Chlorkalk verlieren ferner in eiweisshaltigen Flüssigkeiten sehr an desinficirender Wirkung, indem dieselben vom Eiweiss absorbirt werden (Behring).
Man benutzt den Chlorkalk aussei- zur Desinfection inficirter Stallräume, wo er am besten als Chlorkalkmilch (1:310) zum Anstreichen der Wände, sowie zum Abschlämmen des Bodens verwendet wird. Auch zur Desinfection von Wunden (Bisswunden bei Tollwuth), Greschwüren, Fisteln, nekrotischen Theilen sowie bei infectiösen Augenentzündungen, Schlangenbissen, In-sectenstichen, Klauenseuche etc. in Form von wässerigen Lösungen (15n/o) oder der Chlorkalkmilch (1:10) kann er angewandt werden. Gegen Strahlkrebs wird er gepulvert oder als Brei aufgetragen.
3)nbsp; Das Chlorwasser ist gleichfalls ein sehr starkes Antisepticum. Mit gleichen Theilen Wasser verdünnt (0,20/oig). tödtet es nach 15 Sekunden die Milzbrandsporen. Es findet namentlich Anwendung in der Augenheilkunde (1 : 1020 Wasser) sowie als Des-
Fröhner, Arznoimittellchre. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Brom.
|
|||
|
|
|||
|
infectionsmittel für Tollwuth).
|
specifisch inficirte Wunden (Schlangenbisseraquo;
|
||
|
|
|||
|
Chlorraucherung. Sollen die Chlorrliuelierungcii in Stallriluraen wirksam sein, so sind nach den diesbezüglichen Untersuchungen von Fischer und Proskauer (Mittheilungen des kaiserlichen Gesundheitsaints II. Bd. 1884) verschiedene in praxi sehr schwer oder gar nicht durchtührhare quot;Vorbedingungen zu erfüllen. Zu n liehst muss die Luft l'/a Volum-procent Chlor gas enthalten. Zur Erreichung dieses Procentsatzes sind viel grössere Chlormengen nöthig, als man sie früher anwendete; es waren namentlich die Bestimmungen der Anlage zum Uesinfeetionsverfahren im Seuchengesetze viel zu niedrig angesetzt. Zur Desin f ecti on sind pro Cubikmeter Luft 250 g Chlorkalk und 350 g Salzsäure nöthig (das Seuchengesetz bestimmte nur 5 g Chlorkalk). Wendet man die Morveau'sche Chlorrilucherung an, so braucht man für einen mittel-grossen Stall 500 g Braunstein, 1000 g Schwefelsäure und 1500 g Kochsalz. Da ferner das Chlor nur bei gleichzeitiger Anwesenheit von Feuchtigkeit desinticirend wirkt, so sind vor der Chlorr auch eru ng in dem betreffenden Baume Wasserdämpfe zu entwickeln. Die lläucherung selt)st erfolgt bei geschlossenen Stallräumen; die Dauer der Chlorentwicklung muss mindestens 24 Stunden betragen. Am besten vertheilt mau den Chlorkalk auf mehrere tiefe Schalen a 0,5 kg Chlorkalk, welche an einem möglichst hohen Orte aufzustellen sind. Kleider, Lederzeug, Decken etc. sind vor der Käucherung aus dem Stalle zu entfernen, weil sie durch Chlor angegriffen werden. Nach der Bäucherung muss der betreifende Baum mehrere Tage hindurch gut gelüftet werden. Es ist dies namentlich für Schlachthallen und Milchräume sehr wichtig, weil sonst das Fleisch und die Milch den Geruch des Chlors annehmen und ungeniessbar werden. Der zur Verwendung gelangende Chlorkalk muss ferner immer ganz frisch sein.
|
|||
|
|
|||
|
Brom u in. Ei'Otu. Br.
Pharmaceutische Chemie. Das Brom kommt in der Natur immer an Magnesium, Natrium etc. gebunden vor als Brommagnesium. Bromnatrium (Meenvasser, Chilisalpeter, Stassfurter Salzbergwerke). Es wird neuerdings in grossen Mengen aus der Mutterlauge des Stassfurter Salzes dargestellt, welche reich an Brommagnesium ist, indem die Mutterlauge mit Braunstein und Schwefelsäure destillirt wird. Das Brom bildet eine dunkelrothbraune,. flüchtige Flüssigkeit, welche an der Luft schon bei gewöhnlicher Temperatur chlorartige, erstickend riechende, gelbrothe Dämpfe abgibt. Das Brom löst sich in 150 Theilen Wasser, leicht in Aether, Weingeist und Chloroform mit tief rothgelber Farbe. Es soll in Natronlauge klar löslich sein (ölige Trübung bedeutet die Anwesenheit von Bromoform). Die wässerige Lösung soll mit Eisen-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Brom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;259
pulver geschüttelt bei Zusatz von etwas Eisenelilorid und Chloroform letztere nicht violett färben (Jodgehalt). Das Brom ist ausserordent-lich schwer aufzubewahren, indem es trotz guten Vorschlusses der Gefässe bald spurlos verdunstet und alle in dem Aufbewahrungsraum befindlichen Stoffe bleicht. A.P. 1,0 = 6 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Brom ist ein sehr stark wirkendes Anti-septicum und Desinficiens, welches wie das Chlor durch seine Affinität zum Wasserstoff antiseptische Eigenschaften besitzt, Nach Buchholtz wird durch Brom das Fortpthinzungsvennögen von Bac-terien in künstlichen Nährlösungen schon hei einer Verdünnung wie 1 :15000 vernichtet. Nach Koch tödten Bromdümpfe die Milzbrandlaquo; bacillen schon bei 1 : 1500, die Milzbrandsporen dagegen erst nach 24stündiger Einwirkung einer Verdünnung von 1 : 50, Sodann wird durch Brom frisches und getrocknetes Rauschbrandcontagium vernichtet (Arloing, Cornovin und Thomas); nach Fischer und Proskauer werden überhaupt alle Spaltpilze, mit Ausnahme der Milzbrandsporen, durch einen Bromgebalt von 0,2 0/o in feuchter Luft getödtet.
2)nbsp; Das Brom wirkt wie das Chlor reizend und ätzend auf alle Schleimhäute und in concentrirter Form auch auf die Haut. Beim Einathmen wird namentlich die liespirationsschleimhaut angegriffen.
3)nbsp; Auf Gehirn und Bückenmark wirkt Brom als Narcoti-cum, indem es Schläfrigkeit, Betäubung sowie Abnahme der Empfindlaquo; lichkeit und Reflexerregbarkeit erzeugt.
Anwendung. 1) Zur Desinfection geschlossener Räume in Form der Bromräuchorung. Die Luft muss hieboi vorher feucht gemacht werden und mindestens 2 Volumprocent Brom enthalten. Nach der 24 Stunden andauernden Bromräucherung sind die hetreft'enden Räume mehrere Tage hindurch gut zu lüften. Die Anwendung des Broms erfordert Vorsicht. Sie geschieht entweder in der Weise, dass mit flüssigem Brom gefüllte Flaschen in Schalen gestellt werden, welche erhöht liegen und Sand enthalten, worauf die Brom-Haschen rasch geöffnet und umgestossen werden, oder nach der Methode von Frank. Hiehei werden Kiesolguhrcylinder mit Brom (1 : B) im-prägnirt und in geschlossenen Gefässen aufbewahrt (Bromum solidi-ficatum); zum Zwecke der Bromräucherung werden die Gläser einfach geöffnet. Im Vergleiche zu den Chlorräncherungen sind die
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
260
|
Jod.
|
||
|
|
|||
|
Eromräucherungen sehr theuer und beschädigen auch die in dem hotrcffenden Eaumo befindlichen Gegenstände mehr als das Chlor. Sie sind namentlich auch für den Menschen sehr gefährlich. Ausserdcm ist der notlnvendige Bromgehalt der Luft (20/o) auch nach der Frank'schen Methode sehr schwer zu erreichen; selbst 36 g Brom pro Cubikmcter Luft sind hiezu nicht ganz ausreichend (Fischer und Proskauer). Aus allen diesen Gründen besitzt die Brom-dosinfection für die Praxis keinen Werth.
2) Als Antisepticum in der Wundbehandlung zur Desin-i'ection inficirter Wunden, zur Inhalation bei Diphtherie und als Aetz-mittel. Von Galtliier ist das Brom speciell als Präventivmittel gegen Tollwuth empfohlen worden; die Bisswunden sollen hiebei desinficirt und verbunden werden mit einer 0,4 quot;/oigen Bromlüsung (Bromum 4,0; Glycerin 250,0; Aqua destillata 750,0). Diese Flüssigkeit soll ausser-dem auch subcutan in der Umgebung der gebissenen Stelle eingespritzt werden.
|
|||
|
|
|||
|
Jodum. Jod.
J.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Das Jod kommt in der Natur an Natrium oder Magnesium gebunden hauptsächlich im Chilisalpeter als NaJOg, ferner in gewissen Seetangen an der französischen und englischen Küste (Kelp, Varec genannt), sowie im Meerwasser (1 : 300,000) vor. Die Hauptmenge des Jods wird gegenwärtig aus den Mutterlaugen des Chilisalpeters gewonnen; nur ein kleiner Theil wird noch durch Einleiten von Chlor und Resublimiren des frei gewordenen Jod aus der Asche obiger Seetange, welche 4 50/o Jodnatrium und Jodmagnesium enthält, dargestellt. Das Jod bildet schwarzgraue, metallisch glänzende, trockene Blättchen oder Tafeln von eigenthüm-lichem Gerüche, welche beim Erwärmen flüchtig sind, schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunsten, beim Erhitzen violette Dämpfe bilden und Stärkemehllösung blau färben. Es löst sich in 5000 Theilen Wasser und in 10 Theilen Weingeist. Die Lösung in Weingeist (1:10) ist von dunkelrothbrauncr Farbe und ofticinell als Tinctura Jodi. Das Jod löst sich ferner mit brauner Farbe in Jodkaliumlösung (sogenannte Lugol'sche Lösung, KJa und KJa enthaltend; und zwar lösen 4 Theile Jodkalium 3 Theile Jod), in Aether, sodann mit violettblauer Farbe in Chloroform und Schwefel-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Jod.
|
2G1
|
||
|
|
|||
|
kohlenstoff, mit hiniljeerrothor in Benzol. Das Jod ist vorsichtig an einem kühlen Ort und in Gläsern mit Glasstopfen aufzubewahren; eine Mischung mit Ammoniak ist wegen der Gefahr einer Explosion (.T.,N) zu vermeiden. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Das Jod ist wie Chlor und Brom ein starkes Antisepticum. Nach Buchholtz vernichtet es die Entwicklung von Bacterien in künstlichen Nührflüssigkeiten schon hei 1:5000 Wasser; in derselben Verdünnung wirkt es nach Koch hemmend auf die Milz-hrandbacillen. Milzbrandsporen werden durch Jodwasser nach 24 Stunden getödtet (Koch). Joddämpfe und .lodwasser (1 : 100400) zerstören ferner getrocknetes t u b erkulöses Sputum nach dem Anfeuchten, sowie das Rauschbr an dcon tagium, Eiterkokken werden schon bei einer Verdünnung von 1 : 10,000 sicher getödtet (Martens). Ein speci fisch es Antisepticum scheint Jod gegenüber dem Aktinom y ces- und Bo tr y omy ces-Pilz zu sein.
2)nbsp; nbsp;Das Jod ist ein starkes Antiparasiticum, besonders gegen pflanzliche Parasiten (Trichophyton), aber auch gegen thierischc (Sarcoptes, Acarus). Seine Milben tödtende Kraft war nach experimentellen Versuchen (Käppel) folgende: Sarcoptes minor starb durch eine Jod-Jodkaliumlösung 1 : 2 : 80 nach (i Minuten, durch eine solche von 1 : 2 : HO nach 1 Minute; Acarus folliculorum durch eine Lösung 1 : 2 : 40 in 5 Minuten; Dermatocoptes cuniculi durch eine solche von 1:2: 30 nach 2 Minuten.
3)nbsp; nbsp; Theils durch seine Affinität zum Wasserstoff, theils zum Körpereiweiss wirkt .lod reizend und entzündungserregend auf Haut und Schleimhäute, sowie ätzend auf Wunden und seröse Häute. Die Haut wird zunächst intensiv gelb gefärbt, dann hvperämisch und entzündet. Die an der Haut nach Bepinselung mit Jodtinctur auftretenden Veränderungen haben nach Volk mann viel Achnlich-keit mit dem Erysipel. Es findet in und unter der Haut eine erhebliche Auswanderang weisser Blutkörperchen statt, welche seihst das Zwischenmuskelgewebe, das Periost und das Knochenmark durchsetzen. Diese ausgewanderten B1 u t k ö r p er ehe n wirken theils dadurch resorbirend auf vorhandene entzündliche Exsudate, dass sie dieselben in sich aufnehmen (Phagocytose), theils dadurch, dass sie zerfallen und Fermente (Enzyme) liefern, durch welche die festen Entzündungsproducto unter Bildung von Propepton (Albumosc) verdaut, erweicht und verflüssigt werden (Histolyse). im Magen und
|
|||
|
|
|||
|
Pf
|
|||
|
|
|||
|
202
|
Jod.
|
||
|
|
|||
|
Dann erzeugt Jod Gastroenteritis, ausserdem beim Einathmen Rhinitis, Laryngitis und Bronchitis.
4)nbsp; Die Aufnahme des Jods erfolgt schon von der unverletzten Haut aus. Im Blute verbindet sich das Jod mit den Alkalien desselben zu Jodnatrium und jodsaurem Natrium. Die Ausscheidung erfolgt durch alle Secrete und Excrete.
5)nbsp; nbsp;Das Jod ist ein starkes Gift, das je nach der Dosis ver-sohiedene Vergiftungserscheimmgen hervorruft. Länger fortgesetzte kleine Dosen bedingen den chronischen Jodismus, der sich durch allgemeine Abmagerung, Schwund des Körperfetts und der Drüsen (namentlich der Schilddrüse und Milchdrüse), Haut-exantheme sowie chronischo Katarrhe (Nasenkatarrh, sogenannter Jodschnupfen; Magendarmkatarrh) kennzeichnet. G rosse einmalige Dosen erzeugen den acuten Jodismus. Derselbe äussert sich in Magendarmentzündung (bei stomaohicaler Application), allgemeiner Schwäche, HerzläInnung und Betäubung; bei der Section findet man neben Gastroenteritis Verfettung aller drüsigen Organe, des Herzens und der Skelettmuskulatur. Führt man das Jod endlich direct in die Blutbahn ein, so entstehen Auflösung der rothen Blutkörperchen (Hämoglobinämie), starke Reizung und hämorrhagische Entzündung der Pleura und des Peritoneums mit blutigen Exsudaten in den Körperhöhlen, Nierenblutung, Nierenentzündung sowie Lungenödem.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Antisepticum wird das Jod äusserlich in Form der Lugol'schen Lösung (1 : 100200) oder der Jodtinctur (1 : 10) angewandt. Ausserdem dient es als Antiparasiticum zur Vernichtung von pflanzlichen Parasiten (Trichophyton tonsurans, P n o u m o m y k o s e n), als Mittel gegen A c a r u s r ä u d e, als Specificum gegen A k t i n o m y k o s e und B o t r y o m y k o s e, sowie als Mittel gegen Erysipel.
2) Als entzündungserregendes Mittel äusserlich in Form der Jodtinctur oder dodsalbe zur Z er the i lung von Neubildungen, chronischen Periostiten, Tendiniton , Tendovaginitcn, Periarthritcn, Ar-thriten; in Form dor Lugol'schen Lösung bezw. der Jodtinctur zur Einspritzung in Tumoren (Struma, Lymphomc), Cysten, Fisteln, Gallen, Gelenke, Hydrocelen, in die Brust- und Bauchhöhle bei chronischen und eiterigen Entzündungen, in Echinokokkenblasen etc. Einspritzungen von reiner Jodtinctur in Gelenke können unter Umständen lebensgefährlich werden (Verätzung der Gelenkskapsel); man
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Jod.
|
2Ö8
|
||
|
|
|||
|
!)etlient sich daher hesser einer schwächeren Concentration oder der Lugol'schen Lösung.
3)nbsp; Als Aetzmittel gegen Strahlkrehs, chronische Ekzeme, Pa-pillomc etc. Die Jodtinctur ist inshesondere hei leichten Formen des Strahlkrebses ein sehr werthvolles, mildes Oausticum.
4)nbsp; nbsp;Als austrocknendes Mittel in Form der Jodtinctur hei D ecubitus (his zur Schorfbildung aufgepinselt), ferner gegen eiterige Ekzeme in Verbindung mit G-lycerin (Trasbot); dieses sogenannte Jodglycerin besteht aus Jodtinctur (1) und Glycerin (4).
.r))|Innerlich, d. h. per os, wird Jod selten oder gar nicht ungewandt. Man benutzt statt seiner zur Herbeiführung einer resor-birenden Wirkung immer das Jodkalium. Nur als Antidot gegen Alkaloide sowie in einigen Fällen von unstillbarem Erbrechen (Jodtinctur tropfenweise) hat man es zuweilen angewandt. Die früher gebräuchliche Anwendung des Jods als Entfettungsmittel ist durchaus irrationell.
6) Von Dieckerhoff ist das Jod als Lugol'sche Lösung (Rp. Jodi 1,0; Kalii jodati 5,0; Aqu. destill. 100200,0) in Form der intratraohealen Injection zur Behandlung des Petechialfiebers (der Blutfleckenkrankheit) beim Pferde empfohlen worden. Ob diese Behandlungsmethode einen wirklich günstigen Eiufluss auf die genannte Krankheit auszuüben vermag, lässt sich bei dem Widerspruche in den Resultaten der einzelnen Beobachter in einwandsfreier Weise nicht entscheiden.
|
|||
|
|
|||
|
Jodinjection beim Petechialfieber. Die casuistischen Mittlieilungen über den Erfolg der Jodinjection lauten sehr widersprechend. Eine grüssere Zahl von Beobachtern will nach der Anwendung des Jods gute Heilerfolge erzielt haben (Adam, Gröning, Dobesch, Schröter, Heuberger, Wosnesenki, Münch, Notz, Thomas, Martin n. A.). Auch von Seiten der in den Remontedepots befindlichen Rossiirzte ist ein günstiges Urtheil über den Werth der Behandlung des Petechialfiebers mit Lugol'.scher Lösung abgegeben worden (Zeitschrift für Veterinärkunde 1889). Diesen günstigen Resultaten stehen jedoch andere weniger günstige und selbst ungünstige gegenüber. Nach dem statistischen Voterinär-Sanitiits-be rieht über die preussische Armee pro 1889 kamen die intratraohealen Injectionen bei 48 kranken Pferden in Anwendung; es wurden geheilt 30 = 69,8 0/o, es starben 13 = 80,2 quot;/o. Von den auf andern Weislaquo; behandelten 17 Pferden genasen 12 = 70,6 0/o, und starben 6 = 29,4quot;/o. Der Bericht sagt über das Resultat dieser Beobachtungen: Nach dieser Gegenüberstellung würde die Behandlung des Typhus der Pferde mittelst intratrachealer Jod-Jodkaliumlüsungon keine Vortheile bieten und den anderen Behandlungsmethoden eher nachstellenquot; und fügt hinzu, dass sich bei der zu geringen Zahl der behandelten Pferde der Werth der Dieckerhoff-sehen Behandlungsmethode vorerst noch nicht bourtheilen lasse. Zschokke
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
204
|
Jod.
|
||
|
|
|||
|
in Zürich (Schweizer Archiv für Thierheilkunde 1888), welcher über ein Dutzend Fülle von Petechialfieber nach der Dieckerhoffsehen Methode behandelte, bezeichnet den damit erzielten Erfolg als einen womöglich noch geringeren im Vergleiche zu seiner früheren Behandlungsweise. In Dresden starben nach Johne (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1888) siimmt-liche 3 mit Jodinjectionen behandelten Patienten; von 2 anderen mit Jod und Calomel gleichzeitig behandelten starb einer, ein anderer, nur mit Calomel behandelter, kam durch. Johne hat auch zweimal die Thatsache constatirt, dass den Jodinjectionen eine nekrotis i rende TracheVtis und Lungengangriln folgte. Siedamgrotzky beobachtete unter 18 mit Jod behandelten Pferden einen Verlust von 70 quot;ja und eonstatirte mehrfach eine reizende Einwirkung der Jodinjectionen auf die Trachealscbleimhaut in Form von croupöser Entzündung und oberüächlicher Nekrose (Sächsischer Jahresbericht 1889). Friedberger (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1888) konnte von der Trachealinjeetion ebenfalls keine günstigen llesultate verzeichnen; auch er hat schädliche Folgen der Injection, nämlich eine granulöse Tracheftis und Bronchitis constatirt. Die intratracheale Injection kann darnach als eine ungefährliche Operation nicht bezeichnet werden. Hutyra (Ungar. Veter.-Bericht pro 1888) beobachtete bei 10 mit Jod behandelten Pferden eine Mortalitätszifl'er von 50 quot;o. Nach Dusehanek (Oesterreichische Vereinsmonatsschrift 1889) ist den Jodinjectionen ein besonderer Werlb nicht beizulegen, es muss vielmehr zu grosser Vorsicht bei Anwendung derselben in der Praxis dringend gerathen werden. Bessert (Deutsche Zeitschi'ift für Thiermedicin 1890) sah gerade bei solchen mit Petechialfieber behafteten Pferden einen todtlichen Verlauf, bei denen die intratracheale Methode der Behandlung in Anwendung gekommen war. Steuert (ibid.) behandelte ein Pferd mit Jodinjectionen; eine günstige Wirkung war hiebei nicht zu constatiren, dagegen stellten sich sehr bald Symptome des Jodismus ein; Steuert hält die intratracheale Anwendung der Lugol'schen Lösung nicht für ganz gefahrlos. Ohne Erfolg haben ferner Jod bei Petechialfieber angewandt Schlake, Kläber, Feil, Ammer-schlilger u. A. Storch (Oesterr. Zeitschrift für Veterinärkunde 1889) hat an der AViener Klinik 11 Fälle von Petechialfieber mit Jod intratracheal, sowie eine grössere Anzahl (20) nach der bisherigen Methode behandelt. Er kommt zu dem Schlüsse, dass man durchaus noch nicht zu der Behauptung berechtigt sei, dass wir in den intratrachealen Jodinjectionen ein besseres Mittel gegen Petechialfieber besitzen, als in den bisherigen. Es kann vielmehr nach Storch vorderhand der Jodbehandlung der Vorzug vor anderen Heilmethoden nicht eingeräumt werden. Das von Dieckerhoff behauptete rasche Verschwinden der Hautanschwellungen hat Storch auf Grund seiner Untersuchungen nicht bestätigen können. Er hält auch die Diecker-hoff'sche Conclusion einer Entgiftung des Körpers durch das Jod für unberechtigt, indem er auf seine eigenen Misserfolge und auf den Umstand hinweist, dass die eingespritzten Mengen von Jod viel zu klein sind, um eine derartige Wirkung, noch dazu in so rascher Zeit, auszuüben. Zu allen diesen negativen Beobachtungen kommt noch der Umstand, dass die Mortalitätsziffer des Petechialfiebers zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten eine ganz verschiedene ist, und dass durchschnittlich 50 quot;o aller Fälle von Petechialfieber ohne Behandlung heilen. Es ist deshalb im gegebenen Falle ganz ausserordentlich schwer, den Einfluss der Jodinjection wissenschaftlich zu präoisiren und mit Verzicht auf jede Speculation objeetiv festzustellen, wie viel auf Kechnung des Jods oder der Naturheilkraft kommt.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Jod.
|
205-
|
||
|
|
|||
|
Die Angaben Levi's, welcher durch intratracheale Injectionen von Lugorscher Lösung den Rotz der Pferde geheilt haben will (Manuel des injections tracheales chez le cheval 1883. Clinica veterinaria 188(J), sind, wie nicht anders zu erwarten, durch negative Resultate von Tr inch era, Tretjakow u. A. widerlegt worden. Trinchera hat sogar nachgewiesen, dass intratraeheale .lodinjectionen die Entwicklung des Rotzes beschleunigen! Auch hat er hiebei in Uebereinstimnmng mit den Beobachtungen von Johne und Eriedb erger die Erfahrung gemacht, dass Tracheal-injectionen überhaupt nicht sehr lange fortgesetzt werden können, ohne eine heftige Tracheobronchitis und eine sehr intensive Peritracheitis zu erzeugen.
Die innerliche Anwendung des Jods gegen Inf'ections-krankheiten ist schon sehr alt. Es wurde schon im Anfange dieses Jahrhunderts gegen Rotz und Wurm als intravenöse Injection (Patu, Journal de Lyon 18o5) sowie gegen Lungenseuche, Druse etc. versucht. Am bekanntesten ist die Empfehlung des Jods gegen den Milzbrand von Davaine (1880). Davaine verdünnte das Blut von milzbrandkranken Hühnern auf das 1000lOjOOOfache und versetzte es dann mit einer schwachen Jodlösung. Bei Impfung mit dieser Flüssigkeit (14 Tropfen) blieben Meerschweinchen am Leben. Weitere Experimente ergaben, dass der Jodgehalt des Hühnerbluts noch bei einer Verdünnung von 1 : 10,000 sich wirksam zeigte. Davaine empfahl daher das Jod in Form der Lugol'schen Lösung (Jodi 0,25; Kalii jodati 0,5; Aqu. destill. 1000,0) zum Trinken, zu subcutanen Einspritzungen, Bepinselungen etc. gegen Milzbrand. Die Jodbehandlung des Milzbrands hat sich aber nach zahlreichen diesbezüglichen Versuchen als durchaus nutzlos erwiesen. Zur Erklärung dieser Thatsaehe hat Koch darauf hingewiesen, dass das im Blute circulirende freie Jod alsbald an die Blutalkalien gebunden und dadurch unwirksam wird, und dass zur Vernichtung aller Milzbrandbacillen in einem Thierkörper entsprechend der Verdünnung des Jods 1 : 5000 so grosse Jodmengen im Bhite circuliren müssten, dass die Folge acuter Jodismus wäre. (Für ein 500 kg schweres Rind wäre eine Dosis von 10U g Jod nöthig!)
Form. Das Jod wird am häufigsten in Form der Jodtinctnr (1 :10) als Einpinselnng, ferner als Lugol'sche Lösung (Jod 1, Jodkalium 25, Wasser 50200), sowie als Jod salbe (1:1025) reap. Jod-Jodkalisalbe (Jod 1, Jodkali 2 5. Fett 1025) angewandt. Das reine Jod wird nur selten benutzt. Will man eine stärkere Concentration anwenden, so verschreibt man es mit 2 bis 5 Theilon Glycerin.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Jodi puri 1,0.
Kalii jodati 5,0. Aqu. destill. 100,0. M. D. S. Lugo l'sche Lösung.
2)nbsp; nbsp;Rp. Jodi puri 1,0.
Adip. suill. 25,0. M. f. ügt. D. S. Jod sal he.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
2(5(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Jodoform.
3) Rp. Jodi purl 5,0.
Glycerini 1015,0. M. D. S. Aeussorlich zum Aotzeu.
|
||
|
|
||
|
Jodoforiiiiuni. Jodoform.
CH.I;,.
Geschichtliches. Das Jodoform ist im Jahre 1822 zuerst von Serullas dargestellt und im Jahre 1880 von Mosetig und Bouchardat in die Cbimrgie eingeführt worden.
Pharmaceutische Chemie. Das Jodoform ist seiner cheimschen Formel nach als Trijodmethan aufzufassen. Es wird dargestellt durch Erhitzen von Jod und Weingeist bei Anwesenheit von Alkalien und Wasser, als Jodoforiniuin praeeipitatum oder crystallisatum. Es bildet kleine citronengelbe. glänzende, fettig anzufühlende, hexagonale Elättchen oder Täfeichen von durchdringend s a f r a n a r t i g e m Gerüche, welche in Wasser fast unlöslich sind (1 : 14,000), dagegen löslich in 5 Theilen Aether, 7 Theilen Ool-1 odium, 10 Theilen siedendem und 50 Theilen kaltem Alkohol, ausserdem in fetten und ätherischen Gelen, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Beim E r h i t z e n ist es ohne Rückstand flüchtig (Rückstand = Verunreinigung mit fremden, feuerbeständigen Substanzen). Sein Gehalt an Jod beträgt 97 0/n. Der Schmelzpunkt liegt bei 120deg; C. Mit Wasser geschüttelt soll es ein farbloses Eiltrat liefern (Gelbfärbung = Pikrinsäure), welches weder durch Silbernitrat (Jod m et alle) noch durch Baryumnitrat getrübt werden darf (kohlensaures Alkali). Die Lösungen des Jodoforms in Aether, (Jollodium. Alkohol etc. färben sich im Sonnenlichte unter Jodabscheidung bald braun. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
f Jodoformium bituminatum ist ein mit Theer imprägnirtes Jodoform, welches m etallgliln zen de Schüppchen bildet (bitumen = Schiefer), welche in Folge der Theerbehnengung ihren unangenehmen Jodofonngeruch völlig verloren haben. Statt Theer empfiehlt J ak seh einen 20[nigen Zusatz von Creolin als Desodorans zum Jodoform. Mit dem Namen Jodoformium farinosum bezeichnet man fein gepulvertes, mehlartiges Jodofor.m.
t Jodol, Jodolum, ist angeblich wogen seiner geringeren Giftigkeit an Stelle des Jodoforms empfohlen worden (Mazzoni). Das Jodol ist chemisch = Tetr ajo dpy r rol = O4J4HN und wird dargestellt aus Pyrrol und Jod. (Pyrrol = CjH.-jN ist ein Product der trockenen Destillation thierisehor Stoffe wie Knochen, Horn, Federn, Wolle etc., daher auch im stinkenden Thieröl enthalten.) Das Jodol ist ein graugelbes, fein kry-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Jodoform,
|
267
|
||
|
|
|||
|
stallinisches, specifisch leichtos Pulver, das sich zwischen den Fingern wie Talk anfühlt und leicht wie Puder auf der Haut haftet. Es ist vollkommen geruch- und geschmacklos und löst sieh 1 : I Aether, 1 : 8 Alkohol, 1 : 16 Ool, dagegen nur 1 : 5000 Wasser. Wegen seiner Geruchlosigkeit und angeblichen Ungiftigkeit (?) hat man das Jodol äusserlich statt des Jodoforms als Pulver, Salbe, mitCollodium, Aether, Spiritus, Oel, Glycerin etc. in der Wundbehandlung empfohlen. Es ist jedoch 2 quot;2mal theurer als das Jodoform. A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
f Jodtrichlorid = JCl), Joduin trichloratum, soll die desinficironde Wirkung des Jods und Chlors in sich vereinigen, ohne giftig zu sein. Es bildet ein pom oranzengelbes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches sohr flüchtig ist und stechend riecht. Seine Lösung in Wasser enthält sowohl freies Jod als Clilor. Eine l00'ooige .Jodtrichlorid-lösung in Wasser soll an desinficirender Kraft einer Saigon Carbolsiiure-lösung gleichkonimon. Das Jodtrichlorid tödtet in l0/o iger Lösung die M ilz b rand sporen momentan, die leichter zerstörbaren ßacterien sicher schon in einer Verdünnung von 1 : 500 (Behring). Von Pass ist es als Mittel gegen den Roth lauf der Schweine, von de Bruin gegen die Hundestaupe empfohlen worden. Seiner praktischen Anwendung steht die leichte Zersetzlicbkeit der Lösungen und der hohe Preis entgegen. D.P. 100,0 = 5(i Mark. Ein ähnliches Präparat ist Jodtribromid, JBrß.
f Jodoformin. Mit diesem Namen bezeichnet man eine geruchlose Verbindung des Jodoforms (mitHexamethylentetramin?), welche auf Wunden 75 0/o Jodoform abgibt. D.P. 1 Kilo =6070 Mark. Eine ähnliche Verbindung ist das Dijodoform (Aothylenperjodid) in der Formel C^.
t Aristol. Unter diesem Namen ist als Ersatz des Jodoforms eine Thy m ol-Jod Verbindung in den Handel gebracht worden. Es bildet ein hell rüthlich-braunes, zartes, geruchloses Pulver, welches in Wasser unlöslich, dagegen in Aetber und fetten Oelen löslich ist und durch Versetzen von Lugol'scher Lösung mit alkalischer Thymollösung dargestellt wird. Seiner chemischen Zusammensetzung nach ist es Dit hy moldij odid. Es soll, weil in Wasser unlöslich, von der Haut nicht resorbirt werden und daher ungiftig sein. Vor dem Jodoform soll es sich ausserdem vorthoilhaft durch seine Geruchlosigkeit auszeichnen. Die Anwendung erfolgt in 3- Ins 100/oiger Salbe oder als Streupulver auf Wunden. Seiner Anwendung in der Thierheilkunde steht sein hoher Preis entgegen. A.P. 1,0 = 40 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
t Europhen. Unter diesem Namen wird ein Jodpräparat des Cresols (Isobutyl-Grthocresyl.jodid als Ersatzmittel des Jodoforms empfohlen. Das Europhen bildet ein gelbes, amorphes, sehr leichtes, aromatisch, jodoformähnlich riechendes Pulver, welches in Wasser unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether, Chloroform und fetten Oelen löslich ist. Es besitzt einen Jodgehalt von 280/o. Ich habe das Präparat klinisch geprüft. Wenn demselben auch zweifellos kräftige antiseptische Wirkung zukommt, so kann es doch als Ersatzmittel des Jodoforms nicht bezeichnet werden. Es besitzt ausserdem zwei unangenehme Eigenschaften, welche seiner Einführung in der Thierheilkunde im Wege stehen. Einmal verklebt es nämlich die Haare in der Umgebung der Wunde so stark. dass man die Verklebung mit Wasser oder Seilenwasser nicht lösen kann. Sodann ist der
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
208
|
Jodoform.
|
||
|
|
|||
|
Preis (1 g = 40 Pfennig) ein abschreckend hoher, auch wenn es 4mal leichter ist, als Jodoform.
f Thiophendijodid. Ebenfalls als Ersatz des Jodoforms empfohlen. Es hat die Formel C^J^S und bildet tafelförmige, leicht flüchtige, aromatisch riechende Krystalle, welche in Wasser xinlöslich, dagegen in Aether, warmem Alkohol und Chloroform leicht löslich sind. Der Jodgehalt beträgt 750jo, Ein ähnliches Präparat ist das Jodophen oder Nosophen (Tetrajodphenolphthalefn und seine Derviate Antinosin und E u d o x i n. D.P.' 10,0 = 23 Mark.
|
|||
|
|
|||
|
f Dijodthioresorcin. Soll ähnlich wie Jodoform und Aristol ein gutes Trocken an tisepticum und ein Ersatz für beide sein. Es hat die Formel CcHjO^J^ und bildet ein braunes, amorphes, in Wasser unlösliches , in Alkohol lösliches Pulver. Ein ähnliches Präparat ist das Dijod-resorcinsulfonsäurekalium (Picrol).
|
|||
|
|
|||
|
t Jodcyan. Ein starkes Antisepticum, welches gleichzeitig sehr giftig ist, und zum Vergiften der niederen Thiere (Insecten) empfohlen wird.
f Antiseptol. Mit diesem Namen hat man eine Jodverbindung des schwefelsauren Cinchonins bezeichnet (Cinehoninjodosulfat). In seiner Wirkung soll es mit dem Jodoform und Aristol, sowie mit den Jodverbindungen des Phenols, Resorcins und der Salicylsüure übereinstimmen. Ein ähnliches Präparat ist Chroatol (jodirtes Terpinhy drat).
t Losophan. Unter diesem Namen wird eine neue Jodverbindung als Mittel gegen Plautkrankheiten, Herpes tonsurans, Ekzeme etc., sowie als Antiscabiosum und Antisepticum empfohlen. Dieselbe ist chemisch = Trij odkresol von der Formel CuHJ, .CH^.OH. Es bildet weisse, in Alkohol schwer lösliche, in AVasser unlösliche Nadeln und enthält 80quot;/o Jod. D.P. 10,0 = 2 Mark.
t Jodsäure. Dieselbe wird als solche und in Form der jodsauren Salze als Antisepticum bei Cystitis, sowie gegen verschiedene andere infectiöse Processe (W.Eber) empfohlen. Sie hat die Formel HJO;j. Nach lluhemann spalten die Jodsäure und ihre Salze im Körper sehr leicht Jod ab, weshalb sie als Ersatz der organischen Jodverbindungen empfohlen werden.
f Sozojodol. Vergl. Genaueres über dieses Ersatzmittel des Jodoforms S. 252. Desgleichen über Loretin S. 253.
Wirkung des Jodoforms. 1) Das Jodoform wirkt ausserlialb des Thiorkörpcrs nicht desinticirend. Dagegen besitzt es in Berührung in it dem T h i e r k ö r per, also auf Wundon, antiseptischo Kraft, indem theils durch die Tliätigkeit der lebenden Zellen, theils durch welchselseitige Zersetzung hei der Berührung mit den Pto-ma'inen des Eiters aus dem Jodoform anhaltend kleine Mengen freien nascirenden Jods abgespalten werden, welche vorhandene Infectionsstofle vernichten. Die Jodoform Wirkung ist also im Wesentlichen eine Jod Wirkung in statu nascendi. Das
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Judo form.
|
260
|
||
|
|
|||
|
Jodoform besitzt ausserdem nachBruns eine speeifische antituberkulöse AVirkung.
2)nbsp; Auf Wunden wirkt Jodoform ferner (durch seine schwere Lösliclikeit resp. als Fremdkörper) granulationsanregend, sowie die Eiterung behindernd, austrocknend und anästhesirend.
3)nbsp; Innerlich erzeugt das Jodoform im grossen (ranzen die Erscheinungen der Jodvergiftung mit dem Unterschiede, dass in Folge der allmählichen Abspaltung von Jod aus dem Jodoform keine Aetzwirkung zu Stande kommt. G-rosse einmalige dodoformgahen bedingen deshalh auch nur verbaltnissmilssig leichte gastrische Störungen: Appetitverlust, Verstopfung, Erbrechen; weiterhin erzeugen sie Schläfrigkeit und Coma, welche bei den Hausthieren von Krampfanfällen unterbrochen werden. Hunde zeigen zuweilen schon im Anfang starke Aufregung und selbst wuthähnliche Zufälle (Poljäkow). Gleichzeitig sinkt die Innen temp era tur und es stellen sich die Anzeichen der Herzschwäche ein: frequenter, kleiner Puls, pochender Herzschlag, Oligurie, Albuminurie. Beim Menschen kommt es nicht selten zum Ausbruche eines Jodexanthems. Dauert die Vergiftung länger, so tritt rasch hochgradige Ab-m a g e r u n g mit Schwund der Drüsen ein. Bei der Section findet man Verfettung der Körperdrüsen (Leberepithel, Nierenepithel), des Herzmuskels und der Skelettmuskeln, sowie zuweilen Glomerulonephritis. Die ebronische Jodoformvergiftung äussert sich ähnlich wie der chronische Jodismus in starker Abmagerung. Jodekzemen und katarrhalischen Atfectionen (Rhinitis, Conjunctivitis, Laryngitis, Bronchitis). Beim Menseben beobachtet man ausserdem zuweilen schwere psychische Störungen, so Gedächtnissschwäche, Melancholie, Hallucinationen, Wahnvorstellungen, Verfolgungswahnsinn, Tobsucht. Bei der Section findet man dann im Gehirn die Veränderungen einer chronischen Leptomeningitis oder ein Piaödem.
Die Aufnahme des Jodoforms in den Thierkörper erfolgt nicht durch die unvorletzte Haut, dagegen leicht von Wunden und Scbleimbäuten sowie vom sübcutauen Bindegewebe aus. Die Resorption im Darmkanale findet wahrscheinlich in der AVeise statt, dass das Jodoform von dem in der Nahrung enthaltenen Eett gelöst und mit demselben in die Chylusgefässe aufgenommen wird. Auf diesem Wege und bei der weiteren Circulation im Körper wird das Jodoform zum Theil zu freiem Jod zersetzt, welches sich mit den Alkalien des Blutes zu Jodkaliura, Jodnatrium und zu jodsauren Salzen verbindet. Die letzteren werden allmählich zu Jodiden re-
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
270
|
.Jodoform.
|
||
|
|
|||
|
ducirt. Im Harn erscheint es (leinnaeh zum Theil als Jodid uiid Jodat; die übrigen Ausscheidungsproducte sind nicht näher bekannt. Die Ausscheidung ist eine sehr langsame; man kann in einzelnen Fällen noch nach 6 Monaten Jod im Harn antreffen.
Anwendung. 1) Als Asepticum bei der trockenen Wundbehandlung, um die Wunde keimfrei und trocken zu erhalten. Die Wunde wird hiebei mit Jodoformimlver bestreut und mit Jodoform-baumwolle und.lodoformgazc verbunden. Ausserdem dient Jodoform zur Desinfection und Granulationsanregung bei G eschwüren und Fisteln, bei Strahl krebs, bei Verbrennungen etc. und als Anti-phlogisticum bei äusseren Entzündungen in Salbenform. Auch gegen pflanzliche Parasiten, chronische Ekzeme etc. kann es als Salbe verwendet werden.
2) Innerlich wird das Jodoform nur selten angewandt. Man kann es wie das Jodkalium als ßosolvens für Drüsentumoren sowie gegen fieberhafte Infectionskrankheiten, z. B. gegen Influenza der Pferde in Dosen von 25 g (Siedamgrotz ky) anwenden. Für Hunde beträgt die innerliche Dosis 0,050,2. Beim Menschen hat man es gegen Syphilis und Tuberkulose angewandt.
|
|||
|
|
|||
|
Bacteriologisches. Die antiseptische Wirkung des Jodoforms ist von zwei dänischen Baoteriologen, Heyn und Rovsing (1887), bestritten worden. Kulturen von grauem Schimmelpilz, Mikrococcus, Stapliylococcus pyogenes aureus, l'neumoniecoccus und Bacillus subtilis mit .Jodolbnnpulver oder mit 4quot;/oiger öliger Jodof'ormlösung versetzt, blieben ganz intact und zeigten keinerlei Störung in ihrer Vegetation. Auch erzeugte ein Lungen-tuberkel mit der öfachen Menge Jodoform verrieben und in die vordere Augenkammer von Kaninchen verimpft frische Iristuberkulose. Diese Versuche können die allseitig in praxi erprobte antibacterielle Wirkung des Jodoforms nicht umstossen. Dnss Jodoform ausserhalb des Körpers nicht antisepfisch wirkt, ist schon früher bekannt gewesen; ans diesem Grunde ist auch verständlich, dass Jodoform auf isolirte Cnlturen von Spaltpilzen nicht einwirkt. Das Jodoform wirkt nicht als solches, sondern nur dann, wenn sich von ihm freies Jod abspaltet. Oelige Lösungen des Jodoforms sind überhaupt ohne aufiseptische Wirkung. Die hervorragende antiseptische Wirkung dos Jodoforms ist ferner durch neuere baoteriologisohe Untersuchungen aussor Zweifel gestellt worden. Die im Anschlüsse an obige Vorsuche von verschiedenen Seiten vorgenommenen bacteriologischen Nachprüfungen des Jodoforms haben zunilchst ergeben, dass das Jodoform die isolirten Eitorbacterien allerdings nicht bemerkens-werth zu beeinflussen scheint (Wagn er, Behring,Lübbert, Schnirer u. A.). Dagegen ist durch Behring und de liuyter nachgewiesen worden, dass sich das Jodoform schon ansserhalb des Thierkörpers mit Eitorptomainon gegenseitig zersetzt und dass giftige Wirkung von überinipftem Eiter durch einen Zusatz von Jodo-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Jodoform.
|
271
|
||
|
|
|||
|
form avifgehoben wird. Diese Beobachtung steht mit der allgemein anerkannten klinischen Thatsache im Einklang, dass das Jodoform auf Wunden die Eiterung beschränkt und den vorhandenen Eiter desinficirt. Sodann hat Sattler gezeigt, dass das Jodoform die Entwicklung verschiedener Mikroorganismen zu hemmen im Stande ist. Weitere Versuche von Buchner und Bitter haben ergeben, dass Jodoformdilrnpfe einen starken entwicklungshemmenden Einfluss auch auf die Chol erabacillen ausüben. Aehnliche Eeobachtungen hat Til an us bezüglich der Einwirkung des Jodoforms auf Tuberkelbaeill en constatirt. Es haben ferner im Gegensatz zu Heyn und Rovsing neuere Experimentatoren (Chante-messo und vonStockum) gefunden, dass tuberkulöser Eiter keine Impf-tuberkulöse mehr erzeugte, wenn derselbe mit Jodoform versetzt war. Es entspricht dies vollkommen den grossen Erfolgen, welche die Chirurgie bei der lokalen Tuberkulose des Menschen durch das Jodoform erzielt hat. Alle diese Umstünde beweisen, dass in Sachen der Pharmakologie die bacterio-logischen Resultate gegenüber der praktischen klinischen Erfahrung vorerst weniger Vortrauen verdienen, und dass es ein grosses Glück genannt werden muss, dass das Jodoform in die Chirurgie eingeführt wurde, ehe man seine antibacterielle Wirkungslosigkeit bactoriologisch festzustellen versuchte (Bu ebner).
|
|||
|
|
|||
|
Form. Am häufigsten wird das Jodoform als Pulver angewandt^ indem man dasselbe einfach auf die Wunden und Gesclnvüre aufstreut. Hiebei kann man es rein, und zwar als gröberes (mehr reizendes) oder feineres (mehr desinficirendes) Pulver, oder in Verbindung mit Borsäure, Eichenrindenpulver, Tannin, Talk etc. anwenden. Auch als Jodoformäther (1:510) und Jodoformcollodium 1: 10) kann es zurDesinfection von Wunden und zum Bedecken von Geschwüren benutzt werden. Bezüglich des Jodoformätliers ist zu bemerken, dass sich die Lösung sehr bald zersetzt unter Abscheidung von freiem Jod, wodurch sie eine braune Farbe annimmt. Man kann diese Zersetzung, welche angeblich weder durch das Licht noch durch den Einfluss der Luft bedingt sein soll, durch einen schwachen Zusatz von Alkohol verzögern. Will man der braun gewordenen Lösung das frei gewordene Jod entziehen, so schüttelt man sie einfach mit einigen Kügelchen Quecksilber (Hg J = HgJ). Zum Verbände verwendet man Jodoformwollc- und Gaze. Salben kann man mit Un-guentum Paraffini, Fett oder Lanolin herstellen. Subcutan wählt man die Verbindung mit Oel. Endlich bedient man sich zum Einführen des Jodoforms in Fisteln der Jodoformstäbchen (Cereoli), welche aus Cacaobutter, Gelatine etc. hergestellt werden. Zur Beseitigung des unangenehmen Jodoformgeruches hat man einen Zusatz von Creolin, Menthol, Perubalsam, Lavendelöl, Cumarin, Caffee etc. empfohlen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jodkalium.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Jodofomii 10,0.
D. S. Aeussorlioh für ein P fe r d mit Hautwunde.
2)nbsp; Rp. Jodoformii 10,0.
Aetheris 50,0. M. f. Sol. D. S. Zur #9632;Wundbehandlung.
3)nbsp; Rp. Jodoformii 2,0.
Collodii 20,0. M. D. S. Aeusserlioli gegen ührgeschwür beim Hunde.
4)nbsp; Rp. Jodoformii 2,0.
Acid, boiioi 20,0. M. f. Pulv. D. S. Aeusserlioh für ein Rind mit Wunde.
5)nbsp; Rp. Jodoformii 2,0.
Adipis suilli 20,0. M. f. Ugt. D. S. Ac uss erli eh gegen Drüsenentzündung.
6)nbsp; Rp. Jodoformii 5,0.
Butyri Caoao 20,0.
Olei Ricini qu. s. M. f. Massa e qua formentur Cereoli longitudine = 5, crassitudine = '/s cm.
|
||
|
|
||
|
Kalium und Natrium jodatum. Jodkalium und Joduatrium.
KJ. NaJ.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Jodkalium wird dargestellt durch Auflösen von Jod in Aetzkalilauge und nachlieriges Glühen mit Kohle nach der Formel: 6JJ- GKHO = 5 JK JO.K SR.O (das nachherige Glühen dient zur Umwandlung von JOBK in JK). Es bildet weisse, würfelförmige, an der Luft nicht feucht werdende Krystalle von scharfsalzigem, hinterher bitterem Geschmacke, welche sich sehr leicht in Wasser (4:3) sowie 1:12 Weingeist lösen. Die wässerige Lösung mit Chlorwasser versetzt und mit Chloroform geschüttelt, färbt letzteres violett (Freiwerden von Jod durch das Chlor); mit überschüssiger Weinsäure vermischt gibt sie nach einigem Stehen einen woissen, krystallinischen Niederschlag von Weinstein (Identitätsreactionen). 4 Theile wässeriger Jodkaliumlösung lösen 8 Theile Jod auf (Lugol'sohe Lösung). Ausser durch Chlorwasser wird Jod aus dem Jodkalium abgeschieden durch Bromwasser, salpetrige Säure, rauchende Salpetersäure und Eisenchloridlösung; das freie Jod wird nachgewiesen durch die violettrothe Färbung des Chloroforms oder Schwefelkohlenstoffs, sowie durch die Bläuung von Stärkelösung,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Jodkalium.
|
273
|
||
|
|
|||
|
2) Das Jodnatrium wird in analoger Weise dargestellt durch Auflösen von Jod in Natronlauge. Es bildet ein trockenes, weisses, an der Luft feucht werdendes Pulver, welches sich sehr leicht in Wasser (1 : 0,9) und Weingeist (1: 3) löst. Als Natronsalz färbt es die Flamme gelb; als Jodvorbindung färbt seine Lösung, mit Chlor-wasser geschüttelt, Chloroform violett, A.P, 1,0 = 10 Pfennig.
Unguentum Kalii jodati, die in Deutschland officinelle Jodkalisalbe wird dargestellt aus Jodkali (20), Wasser (15), Natriumthiosulfat (lU) und Schweineschmalz (165). A.P. 10,0 =s 20 Pfennig.
Wirkung. Das Jodkalium stimmt in seinen Wirkungen mit dem Jodnatrium zwar in sofern überein, als bei den Salzen die Jodwirkung die Hauptsache ist. Das Jodnatrium kann indessen als Jodpräparat das Jodkalium erfahrungsgemäss nicht ganz ersetzen, da das Jod in Form der Kaliverbindung eine wesentlich kräftigere Jodwirkung äussert, als in der Natriumverbindung. Die beiden Walzen gemeinschaftliche Jodwirkung ist folgende.
1)nbsp; Die Jodsalze wirken im Allgemeinen schwach antiseptisch, indem sich erst bei längerer Einwirkung auf organische Substrate aus denselben Jod abspaltet. So wurde nach Schill und Fischer tuberkulöses Sputum durch eine 5 quot;joige Jodkalilösung nach 24 Stunden unwirksam. Sie besitzen jedoch eine sehr starke speeifische antiseptische bezw. antiparasitäre Wirkung gegenüber dem Aktino-mycespilz und Botryomycespilz.
2)nbsp; Die Jodsalze haben innerlich gegeben resorbirende Wirkungen; sie bringen pathologische Zcllanhäufungen im Körper zur llesorption. Nach Binz wird aus den Jodsalzen Jod frei, wenn es mit Protoplasma, Kohlensäure und Wasser zusammenkommt. Dieser Vorgang findet im Körper statt; das frei werdende Jod verbindet sich dann mit den Zellen der pathologischen Producte, wodurch dieselben in ihrer Lebensfähigkeit geschwächt und leichter resorbirbar werden,
3)nbsp; Das Jodkalium bewirkt durch Schwächung der Herzmuskulatur eine Verminderung des Blutdrucks.
4)nbsp; Grössere Gaben der Jodsalze erzeugen in Folge Freiwerdens von Jod in den thätigen Körperzellen (Drüsenzellen, Muskelzellen) die Erscheinungen des Jodismus. Derselbe ist meist ein chronischer, da am häufigsten kleinere Dosen längere Zeit hindurch fortgegeben werden. Er äussert sich wie beim Jodoform in allgemeiner Abmagerung, Schwinden des Fettes, der Lymphdrüsen, der Schilddrüse,
Fröhuei', Arzneiniittcllelire. 1. Auti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
274
|
.Todkaliurn.
|
|||
|
|
||||
|
der Milchdrüse, sowie im Auftreten chronischer Katarrhe-(.lodschnupfen, Jodconjimctivitis) und Hautausschläge.
Im Körper circuliren die Jodsalze theils als solche, theils als jodsaure Salze; ihre Ausscheidung findet durch alle Secrete, namcnt-durch den Harn und die Milch statt.
|
||||
|
|
||||
|
^
|
Anwendung. 1) Als Specific um gegen die Aktinomykose namentlich heim Rind. Nach Thomassen, der im Jahre 1885 die innerliche Jodbehandlung zuerst empfahl, erhalten die aktinomykotischen Rinder 14 Tage hindurch je 6 g Jodkalium in einem halben Liter Wasser gelöst-, mit dem Beginn der Besserung wird die Dosis auf 45 g verringert. Schon nach 8 Tagen soll sichtliche Besserung, durchschnittlich nach 14 Tagen Heilung eintreten, wenn die Erkrankung sich auf die Zunge und die benachbarten Weiohtheile beschränkte. Zahlreiche Nachprüfungen haben die specifische Heilwirkung des Jod-kaliums mit wenigen Ausnahmen bestätigt (Pürthmeyer, Bass, de Jong, Nocard, Ostertag, Doslex, Recks, Perinni, Havasr Soucail, Gooch, Hohenleitner, Krug, Schwäbel, Walther, Salmon, Ehrhardt, Bang u. A.). Aehnlich scheint das Jodkalium gegen die Botryomykose beim Perde zu wirken.
2)nbsp; Innerlich zur Resorption entzündlicher oder nooplasti-scher Krankheitsproducte. Am wirksamsten zeigen sich die Jodsalze hiebei gegen den einfachen Kropf (Struma hyperplastica simplex), welcher durch fortgesetzte kleine Gaben von Jodkalium oder Jodnatrium ganz wesentlich zum Schwinden gebracht werden kann. In ähnlicher Weise gibt man die Jodide gegen Lymphome, zur Resorption von Blutaustritten, sowie zur Aufsaugung entzündlicher Exsudate in den serösen Körperhöhlen und in der Lunge..
3)nbsp; Als Gegengift gegen chronische Metallvergiftungen (Quecksilber-, Bleiintoxication). Das Jod verbindet sich hiebei mit den unlöslichen Metallalbuminaten zu löslichen und daher eliminirbaren Metalljodiden. Annuschat hat diese Art der Wirkung der Jodsalze experimentell festgestellt, indem er bei Hunden, welche täglich eine bestimmte Menge Bleizucker erhielten, eine Steigerung der Bleiausscheidung durch den Harn nach Verabreichung von Jodkalium nachwies. Es hat ferner Binz gezeigt, dass eine Lösung von Hühner-eiweiss in Wasser, welche durch Bleicssig getrübt wird (Bildung von Bleialbuminat), bei Zusatz von Jodkalium nach dem Erwärmen wieder durchsichtig wird.
4)nbsp; Als Mittel gegen Herzhypertrophie und Herzklopfen,,
|
|||
|
|
||||
|
|
|||||
|
Chlorsaures Kali.
|
27:
|
||||
|
|
|||||
|
überhaupt bei übermiissiger Arbeit und Aufregung des Herzens (Hyper-kinese) zur Herabsetzung des Blutdrucks und zur Beruhigung der Herzthätigkeit.
5) Ausserdem hat man die -lodsalze als Antipyretica und Nervina (gegen Husten und Krämpfe), gegen Rohren, sowie in der Menschenheilkunde als Spezifica gegen tertiäre Syphilis angewandt. Hie Behandlung der Fettsucht durch die Jodsalze ist verwerflich, Contraindicirt sind die Jodsalze ferner bei Milchkühen wegen ihres beschränkenden Einflusses auf die Milchsecretion.
Die äusserliche Anwendung der reinen Jodkalisalbe ist wirkungslos, wofern derselben nicht freies Jod zugesetzt wird.
Dosis.
Pferd und Rind 510,0.
Schaf, Ziege und Schwein 25,0.
Hund 0,251,0.
|
|||||
|
|
|||||
|
Katze und Geflügel 0,1-
|
-0,2.
|
||||
|
|
|||||
|
Reoepte.
1)nbsp; Kalii jodati 50,0. Div. in part, acqual. Nr. X.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
S,
|
|
|||
|
Täglich ein Pulver in l/laquo; 1 Wasser gelöst einzuschütten für ein Rind mit Aktinomykose. (A.P. 1,0= 10 Pfennig; 10,0 = 60 Pfennig.)
2)nbsp; Rp. Kalii jodati 5,0. Aqu. destill. 150,0.
M. D. S. Täglich einen Esslöffel (Theelöffol) für einen grossen (kleinen) H u n d mit Kropf.
|
|||||
|
|
|||||
|
Kalium chloricum. Chlorsaures Kali.
KCIO3.
Pharmaceutische Chemie. Das cMorsaure Kali wird im Grossen dargestellt durch Einleiten von Chlor in ein Gemenge von Chlorkalium und Kalkhydrat; auch bei directem Einleiten von Chlor in Kalilauge entsteht neben Chlorkaliuni chlorsaures Kalium (G Cl 0 KOH == 5 KC1 -f KClOa 3 H20). Das chlorsaure Kali bildet glänzende, blätterige, farblose Krystalle von salpeterähnlichem, kühlendem Geschmacke, welche sich in 10 Theilen kaltem, in 3 Theilen siedendem Wasser und in 130 Theilen Weingeist lösen. Auf glühenden Kohlen verpufft es mit blauvioletter Flamme. Die wässerige Lösung mit Salzsäure erwärmt färbt sich grüngelb, indem Chlor und etwas Chlordioxyd (CIO,,) frei werden;
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
27G
|
Chlorsaures Kali.
|
|||
|
|
||||
|
|
mit überschüssiger Weinsäure bildet sich ein weisser, krystallinischer Niederschlug von Weinstein (Identitätsreactionen). Beim Glühen im Platintiegel hinterlftsst es weisses Chlorkalium. Das Chlorsäure Kali darf nicht mit brennbaren Stoffen (Schwefel, Schwefel-antimon, Kohle, Zucker und anderen organischen Körpern) zusammen-gerieben werden, weil es hiebei explodirt (Vorsicht!). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung. 1) Das chlorsaure Kali wirkt in Berührung mit dem Körper fäulnisswidrig und dcsinficirend, indem es Sauerstoff und Chlorsäure abgibt; es wird nämlich durch organische Körper, z. B. durch Eiter, namentlich aber durch faulende organische Massen reducirt (Binz). Ausserhalb des Thierkörpers ist Kalium chloricum ebenso wenig ein Antisepticum, als Jodoform. Ausserdem regt es auf Wunden und Granulationen die Neubildung des Epithels an.
2) Innerlich gegeben hat es in kleineren Dosen keine wesentliche andere Wirkung, als die Alkalien überhaupt. Es wird zum grössten Theilo unzersetzt und sehr rasch durch den Harn, Speichel, die Milch etc. ausgeschieden. Hiebei kommt es zu einer leichten Vermehrung der Harnmengo, ausserdem wird die Acidität des Harns gesteigert und der Harn selbst durch seinen Gehalt an unzer-setztem chlorsaurem Kali mitsammt der Blasenschleimhaut desinficirt. Grössere Gaben des Salzes bedingen jedoch eine charakteristische Vergiftung. In Folge Zersetzung des Chlorsäuren Kalis im Blute zu Chlorkalium und Freiwerden von Sauerstoff und Chlorsäure werden die rothen Blutkörperchen zerstört und es bildet sich Methämoglohin-ämio mit ihren Folgezutänden (Marchand). Von letzteren sind namentlich Hämoglohinurie, Hämoglobininfarct der Nieren, Nierenentzündung und Urämie zu erwähnen.
Anwendung. 1) Als speeiüsches Antisepticum bei Geschwüren in der Maulhöhle (Stomatitis ulcerosa; Stomatitis mercurialis) in Form der 14quot;oigen Lösung.
2) Als leichtes Diureticum sowie als Mittel gegen Blasenkatarrhe zur Desinfection des Harns und der Blasenschleimhaut.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd und Kind 510,0, Schaf und Ziege 2-5,0. Hund 0,1 1,0.
|
|||
|
|
||||
|
i.
|
||||
|
|
|||
|
Borsäure.
|
277
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Kalii chlorici 8,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Mundwasser für einen H u n d mit Stomatitis ulccrosa.
2)nbsp; Rp. Kalii chlorici 10,0.
Aqu. destill. 300,0. M. D. S. Tiiglich 2mal einen Esslöfi'ol (Theelöliel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Blascnkatarrli.
|
|||
|
|
|||
|
Acidum boricum. Borsäure. B.(OH)8,
Pharmaceutische Chemie. Die Borsäure kommt in der Natur frei vor in den Maremmen Toscamis, wo sie mit AVasserdampf dem Erdinnern entströmt (Fumarolen), ausserdem in den Kratern einiger Vulkane als Sassolin; gebunden findet sie sich im Boracit (z. B. in Stassfurth) und im natürlichen Borax (Tinkal). Die officinelle Borsäure wird dargestellt aus Borax und Salzsäure. Neuerdings ist der italienischen Borsäure eine starke Concurrenz durch die Entdeckung der Borax-Kalklager in Chile auf den Hocliiläclien von Oopiapo und Antof'agasta entstanden.
Die Borsäure bildet farblose, glänzende, schuppenförmige, sich fettig anfühlende, fast geschmacklose Krystalle, welche in 25 Theilen kaltem Wasser, in 3 Thcilen siedendem Wasser, in 15 Theilen Weingeist und in Glycerin löslich sind. Beim Erhitzen schmilzt sie und bildet nach dem Erhalten eine glasartige Masse. Ihre wässerige Lösung, mit wenig Salzsäure versetzt, färbt Kurkumapapier braun; ihre weingeistige Lösung verbrennt mit grüner Flamme (Identitätsreactionen). A.P. 10 = 5 Pfennig.
Unguentum aeidi borici, die in Ueutschland officinelle Borsalbe wird aus Borsäure (1) und Paraffinsalbe (9) dargestellt. A.P. 10 = 15 Pfennig.
Wirkung. Die Borsäure ist ein mildes Antisepticum; ihre desinlicirende Kraft ist etwas schwächer als die der Carbolsäure, von welcher sie jedoch die Geruchlosigkcit und Ungiftigkeit voraus hat. Unwirksam ist sie dagegen auf Schimmelpilze. Innerlich gegeben desinficirt sie in kleinen Dosen, ohne zu reizen, den Magen- und Darminhalt; in sehr grossen Dosen erzeugt sie (lastroenteritis, Muskel- und Nervenlähmung.
Anwendung. 1) Aeusscrlich als mildes, ungiftiges Anti-gepticum in der Wundbehandlung, namentlich in der Augenheil-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
278nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Borax.
künde, Ohrenheilkunde und bei Katzen (welche gegen Carbol-säure sehr empfindlich sind). Die Borsäure wird liiebei in Pulverform, namentlich mit Creolin zusammen als Borcreolin, in wässeriger (24 0/oiger) Lösung, als Borlint, in Salbenform etc. angewandt.
2)nbsp; Zum Conserviren von Fleisch und Milch in Form zahlreicher Conserve- und Präservesalze und Lösungen (ungiftig für den Menschen V)
3)nbsp; Innerlich gegen Grährungen im Magen und Darm, in-f ectiöse Gastroenteriten, Inl'ectionskrankheiten, Cystitis etc.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Bind 1025,0.
Schaf und Ziege 5 10,0. Hund 18,0. Katze und Geflügel 0,51,0.
Recepte.
1)nbsp; Kp. Acidi borioi 5,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Augemvasser für einen Hund mit Vulnus corucac.
2)nbsp; Rp. Acid, borioi 25,0.
Creolini 0,5. M. f. Pulv. D. S. Streupulver auf Wunden, gegen Otorrhöe etc.
|
||
|
|
||
|
Borax. Natriumborat.
Na^O; 10 aqua.
Pharmaceutische Chemie. Der Borax (Borax, Natrium bi-boricum, Natrium biboracicum) ist seiner chemischen Zusammensetzung nach tetraborsaures Natrium. Er wird aus der tos-canischen Borsäure durch Sättigung mit Soda und Krystallisirung dargestellt. Er bildet harte, weissc Krystalle oder krystalli-nische Stücke von mildem, süsslichem, kühlendem, etwas laugen-haftem Geschmacke, welche sich in 17 Theilen kaltem Wasser, sowie sehr leicht in Glycerin lösen. Die wässerige Boraxlösung färbt Kurkumapapier auf Zusatz von etwas Salzsäure braun. Die Flamme wird durch reinen Borax gelb (Natriumflamme), durch mit Schwefelsäure angefeuchteten Borax grün (Borsäureflamme) gefärbt (Iden-titätsreactionen). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Borax hat wie die Borsäure antiseptische Wirkungen und wird seit lange deshalb auch zum
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Borax.
|
279
|
||
|
|
|||
|
#9632;Conserviren von Nahrungsmitteln verwendet, Man benützt ihn in Form von 250/oigen wässerigen Lösungen als Wundwasser und hei Schleimhauterkrankungen als Desinliciens (nicht als Adstringens). Ausserdem soll er diuretische Wirkung besitzen und Harn- und Blasensteine zur Auflösung bringen. Eine adstrin-girende Wirkung kommt ihm dagegen nicht zu. Man gibt ihn innerlich in Dosen von 1025,0 für Pferd und Rind, 510,0 für Schafe und Ziegen, 25,0 für Schweine, 13,0 für Hunde, 0,51,0 für Katzen und Geflügel.
Recepte.
1)nbsp; Ep, Boracis 5,0.
Aqu. destill, 250,0. M. D, 8. Mundwasser gegen Stumatitis beim Hund.
2)nbsp; nbsp;Rp. Natrii biboracici pulv. 50,0.
Pulv. Fruet. Juniperi 250,0, M. f, Pulv, D, S. Den 5. Theil auf jedes Futter zu streuen für ein Pferd mit Brustwassersucht.
t Natrium tetraboricum neutrale, tetraborsaures Natrium (Antipyonin) wird aus einem Gemenge von Borsäure und Borax durch Erhitzen dargestellt und wird als gutes Antisepticum in der Augenheilkunde enipfohlen.
|
|||
|
|
|||
|
t Phenyl-Borsäure = Cr,H5.B(OH).a soll bei geringerer Giftigkeit bedeutend stärkere antiseptische Wirkung besitzen als die Carbolsäure, Innerlich gegeben soll sie keinerlei Reizwirkung ausüben, dagegen den Magen und Darm desinficiren und die Temperatur herabsetzen. Sie bildet büschelförmige, in Wasser schwer lösliche Krystalle.
|
|||
|
|
|||
|
f Natrium chloro-borosum, eine Mischung von Kochsalz, Borax, B o r s il u r e und u n t e r c h 1 o r i g s a u r e m Natron wird als Oonservirungs-mittel unter dem Namen Barmenit empfohlen. Nach Koch (Hagen) ist Barmenit ein vorzügliches Fleisch-Conservirungsmittel, welches Fleisch, Nieren, Schellfische etc. bis zu 6 Wochen so frisch erhält, dass dieselben noch gut geniessbar sind, Koch empfiehlt 5100/oige Losungen auch statt Spiritus zum Aufbewahren von Präparaten, weil die letzteren weniger angegriffen werden und das Verfahren billiger ist.
|
|||
|
|
|||
|
t Retterin ss Rotter'sche Pastillen. Dieselben bestehen aus einer Mischung von Borsäure, Salicy Isäure, Ci tronensäure, Thymol, Chlor zink und Zinc um sulfocarbolicum und dienen zur Herstellung von ungiftiger antiseptischer Flüssigkeit (1 Pastille in '^ 1 Wasser gelöst). Aehnliche Gemenge sind Antiseptin, Borol und Solphinol. Neuere Borsäureverbindungen sind ferner: Calcium boricum, Magnesium boricum (Antifungin), Bora! (Aluminium boro-tartarieum), Boroglycerid.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Carho Ligtii.
|
|||
|
|
|||
|
Garbo Ligni puheratiis. Gepulverte Holzkolile.
c,
Pharmaceutische Chemie. Die Holzkohle (Oarbo ligni pul-veratus, Carbo ligni depuratus) wird aus käuflicher Meilerkohle durch Glühen derselben dargestellt. Sie bildet ein schwarzes Pulver, welches an Weingeist weder färbende noch riechende Bestandtheile abgeben darf und auf Platinblech erhitzt bis auf eine geringe Menge Asche ohne Flamme verbrennen muss. Die früher officinelle Thier-kohle, Carbo animalis, Carbo ossium, wurde durch Glühen von feingeschnittenem Kalbfleisch mit einem Drittel der Knochen bereitet; sie enthält in Folge dessen phosphorsauren Kalk. Ausserdem wurden früher benützt die Schwammkohle (Carbo Spongiae, Spongia usta, Jod-haltig) und die Brotkohle (Carbo panis).
Wirkung. 1) Die trockene, frisch geglühte Kohle hat ein starkes Absorptionsvermögen für Gase, und daher eine antiseptische und desodorisirende Wirkung. Ein Tlieil Kohle bindet und verdichtet 10 Theilc Sauerstoff, 35 Theile Kohlensäure, 55 Theile Schwefelwasserstoff, 90 Theile Ammoniak. Wahrscheinlich wird der Sauerstoft' von der Kohle (ähnlich wie vom Platinmohr) auch ozonisirt, wodurch sich die antiseptischen Eigenschaften der Kohle erklären lassen. Es ist bekannt, dass fauliges Wasser durch Kohlentilter gereinigt wird, dass Leichen in Kohlepulver gelegt nicht faulen, sondern nur verwesen, und dass man die Innenwand von Fässern ankohlt, damit ihr Inhalt sich länger hält.
2)nbsp; Die Kohle absorbirt ausserdem eine grosse Anzahl fester Stoffe, so namentlich Farbstoffe, Bitterstoffe, Gifte (Alkaloide, Phosphor, Metalloide, Metallsalze, Schlangengift) und zerlegt eine Anzahl von Salzen (Jodsalze, essigsaure Salze, fettsaure Salze, schwefelsaure Metallsalzo, phosphorsaure Alkalien etc.). Für gewisse Stoffe, z. B. für Phosphor, besitzt die Thierkohle ein grösseres Aufsaugungsvermögen, als die Holzkohle.
3)nbsp; Innerlich gegeben verliert die Kohle alsbald, weil sie angefeuchtet wird, ihre absorbirende Wirkung. Sie wirkt dann lediglich mechanisch reizend auf die Schleimhaut des Magens und Darmes. Eingeathmet dringt die Kohle in das Gewebe der Lunge ein (Anthracosis pulmonum).
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Formaldehyd.
|
281
|
||
|
|
|||
|
Anwendung. Die Kohle ist ausserlich, im trockenen, frischen Zustande angewandt, ein desodorisirendes und leicht antiseptiquot; sches Mittel auf Geschwüren, fauligen Wunden, bei übelriechenden Ausflüssen im Gehörgange etc.
Zur innerlichen Anwendung eignet sie sich nicht, weil sie sofort sich mit Wasser etc. imprägnirt. Früher wurde sie innerlich gegen Gährungen im Magen und Darm, Atonie der Magenwandungen, Tympanitis, Infectionskrankheiten, Vergiftungen etc., ja selbst in Form der Inhalation gegen Rotz, Lungencavernen, Druse etc. angewandt.
|
|||
|
|
|||
|
Formaldeliydum solutnni. Formaldeliydlösnug.
H , COH.
Pharmaceutische Chemie. Der Formaldeliyd (Methylaldehyd) hat die Formel H. COH und wird dargestellt aus Methylalkohol (Holzgeist)'durch Oxydation, indem derselbe mit Luft gemischt über erhitztes Kupferoxyd geleitet wird. Der gasförmige Formaldehyd ist in Deutschland officinell in Form einer 35n/oigen wässerigen Lösung, als Formaldehydum solutum (Formalin, Formol). Das Arzneibuch charakterisirt dieselbe folgendermassen: Klare, farblose, stechend riechende, neutral oder doch nur sehr schwach sauer rcagirende, wässerige Flüssigkeit vom spec, Gewicht 1,0791,081, in 100 Theilen etwa 85 Theile Formaldehyd enthaltend. Mit Wasser und mit Weingeist mischt sich dieselbe in jedem Mengenverhältnisse, nicht dagegen mit Aether. Vorsichtig und vor Licht geschützt aufzubewahren.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Der Formaldehyd wird nach Aronson in Folge Verdunstung des gasförmigen Mittels rasch von den thierischen Geweben, so namentlich von der Haut aufgenommen, wodurch dieselben sterilisirt werden. Das Formalin wird daher insbesondere als Hautantisepticum empfohlen. Ausserdem soll es als unschädliches C o n s e r v i r u n g s m i 11 e 1 für AVein, Bier und Früchte dienen, wobei angeblich für die erstgenannten Flüssigkeiten ein Zusatz von Y2 1 mg pro Liter genügt. Nach Miquel sollen ferner die Formaldehyddämpfc das einzige rasch und sicher wirkende gasförmige Desinfectionsmittel für grössere Räume sein. Krause (Zur Kenntniss des Formaldehyds, Monatshefte für prakt. Thierheil-kunde 1890, VTI. Bd., S. 200) hat Versuche über die Wirkung nach
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
282nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pormaldehydi
dieser llicbtung angestellt mit verscliiedenen Bacterien und Räude-milben, welche er der Einwirkung von Formaldehyddämpfen (Barthel-sche Lampe) aussetzte. Das Resultat war ein sehr günstiges; Sporen, Bacillen und Mühen wurden in verhältnissmässig kurzer Zeit ahgetödtet. Aohnliche Resultate hat Dieudonne erzielt. Eine Formaldehydgelatino ist unter dem Namen Glutol von Schleich empfohlen worden. Das Glutol ist geraspelte, üher Formaldehyd-dümpfen getrocknete Gelatine, welche in Pulverform auf die Wunden gestreut wird, wo sich aus derselben continuirlich das antiseptisch wirkende Formaldehyd entwickeln soll. In Folge dessen soll jede Wunde aseptisch, ohne Eiterung heilen. Das Glutol ist auch von Thierärzten als Wundmittel empfohlen worden (Jess, Wagen-lieuser u. A.). Ich kann mich auf Grund meiner eigenen Versuche hei Pferden dieser Empfehlung vorerst nicht anschliessen; in einigen Fällen schien das Glutol ein gutes Wundmittel zu sein, in anderen hat es ganz versagt. Der Höllenstein ist dem Glutol nach meinen Erfahrungen als antiseptisches Deckmittel entschieden überlegen. Es kommt hiezu, class bei grosseren Wunden das Glutol sich wegen seines hohen Preises für die thierärztliche Praxis im Allgemeinen nicht eignet (D.P. 100,0 = 7 Mark; A.P. 10,0 = 1 Mark 50 Pfennig).
t 'Wasserstoffsuperoxyd. Dasselbe hat die Formel H./).^ und wird in Form einer ätherischen Lösung unter dem Namen P y r o z o n als oxydiren-des Antisepticum empfohlen (theuer, leicht zersetzlich, antiseptische Wirkung deshalb fraglich).
t Natrium hyperoxydatum. Das Natriumsuperoxyd oder Natriumperoxyd von der Formel NajO^ bildet das Analogon des Wasserstoffsuperoxyds, H^O.j, und wirkt in Folge der Abgabe von n a s c i r e n d e m Sauerstoff wie dieses antiseptisch. Es wird neuerdings in der Zabuheilkunde ungewandt (weisses, leicht lösliches, stark ätzendes Pulver).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Metalle und Metalloide.
|
||
|
|
||
|
Argentmii nitricum. Höllenstein.
AgNO;,.
Geschichtliches. Silbersalze soheinen schon im Alterthum bekannt gewesen zu sein (Schriftzeichen auf egyptischen Mumien). Die chemische Darstellung des Höllensteins aus Silber und Salpetersäure stammt aus dem 8. Jahrhundert (Geber), die erste medicinische Anwendung aus dem 11. Jahrhundert (Avicenna). Auch Paracelsus (16. Jahrhundert) hat sich des Höllensteins als innerlichen Arzneimittels bedient. Bei Thieren (Pferden) ist Höllenstein früher namentlich zum Färben der Haare verwandt worden.
Pharmaceutische Chemie. Das salpetersaure Silber (Lapis infornalls, Höllenstein) wird aus chemisch reinem Silber und Salpetersäure dargestellt. Man löst 2 Tlieile Silber in 8 Tbeilen Salpetersäure und verdampft zum Trocknen. Die hiebei entstellenden Höllensteinkrystalle (Argentum nitricum crystallisatum) werden sodann geschmolzen und in Stangenform gegossen (Argentum nitricum fusum).
Der Höllenstein bildet weisse, glänzende oder grauweisse, transparente, schmelzbare Stäbchen oder Stängeichen mit strahlig - krystallinischem Bruche, welche in 0,6 Tbeilen Wasser, sowie in 10 Tbeilen Weingeist löslich sind und einen unangenehmen metallisch adstringirenden Geschmack besitzen. Die Lösungen werden durch Salzsäure gefällt (Chlorsilber). Der üoekige Niederschlag ist in Salmiakgeist leicht löslich, in Salpetersäure unlöslich (Identitätsreaction). Am Liebte färbt sich Höllenstein bald grau unter theilweiser Reduction zu Silbermetall. Er muss daher wie seine Lösungen in schwarzen oder gelben Gläsern aufbewahrt werden. A.P. 1,0 = 20 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
284
|
Höllenstein.
|
||
|
|
|||
|
Argentum nitvicum cum Ealio nitrico (Aigentuin nitiicum miti-gatuiu; Argentum nitricum nitratuin), salpeterhaltiger Höllenstein, wird dargestellt durch Zusammenschmelzen von 1 Theil Hüllenstein und 2 Theilen Salpeter. Eildet grauweisse, harte, porze 11 an artige Stäbchen ohne strahligen Bruch und ist weniger zerbrechlich als der Höllenstein. A.P. 1,0 = 15 Pfennig, Ausserdem werden, zu innerlichem Gebrauche, verwandt; Argentum oxydatum, A. chloratum, A. chloratum a mm oniatiim, A. eyanatum, A. jodatum, Silberpepton etc. Offirinell ist ferner zum Versilbern von Pillen Argentum foliatum, Blattsilber.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Aeusserlioh wirkt der Höllenstein in conecn-trirter Form iitzend auf Haut, Schleimhäute und Wunden. Die Aetzwirkung ist eine umscliriobene und beruht auf dor grossen Affinität dos Körporoiwoisses zum Silber und der Bildung eines Silberalbuniinat-Aetzschorfes. Dor genauere Vorgang hiebei besteht darin, dass sich zunächst ein Niederschlag aus Silberoxyd, Salpetersäure und Eiweiss bildet, der sich bald in Silberalbuiuinat und Salpetersäure sclieidot, welch letztere ebenfalls ätzend auf die thieri-schen Gewehe einwirkt. Der anfangs weisse Aetzschorf der Haut wird allmählich schwarz in Folge Reduction des Silbersalzes zu metallischem Silber durch die Thätigkeit der lebenden Zolle. Auf Wunden entsteht durch Höllenstein Coagulirung des Secretes, im Blute Gerinnung. Verdünnte Höllensteinlösungen haben eine adstrin-girendo, secrotionshoschränkende, austrocknende Wirkung auf Schleimhäute und Wunden. Dieselbe beruht auf einer directen Verengerung der Blutgefässe (Capillaren, Arterien, Venen), welche schon nach 15 Sekunden eintritt und eine Vorlangsamung sowie selbst Stillstand der Circulation horbeiführt. Diese adstringirende Gefäss-wil'kung ist am stärksten bei Hyperämien der Haut und Schleimhäute; sie hat eine Verengerung der Gcfässe bis zur Hälfte ihres Lumens zur Folge und übertrifft die des Bleiessigs bedeutend.
2) Der Höllenstein hat sehr starke antiseptischc Wirkung. BrOtzbaoillen werden schon durch eine Lösung von 1 : 75,000, Milz-brandhacillen durch eine solche von 1:30,000 in ihrer Entwicklung gehemmt. Die Eiterkokken werden getödtot nach 2 Minuten durch eine Lösung von 1 : 1000, nach '/a Minute durch eine solche von 1 : 100. Dagegen ist der Höllenstein dem AVuthgift gegenüber von sehr schwacher Wirkung; eine 500/oige Höllensteinlösung tödtet dasselbe erst nach 5 Minuten.
l5)) Innerlich wird der Höllenstein im Magen zunächst zu Silberalbuminat und, wenn alles Eiweiss gesättigt ist, zu Chlor-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Höllenstein.
|
285
|
||
|
|
|||
|
silbor umgewandelt. Das Silberalbuminat and Clilorsilljer löst sich in Kochsalz sowie im Verdauungsgemische auf. Ob unzersetzter Höllenstein bei den gewöhnlichen medikamcntellen Dosen in den Dann gelangt, ist fraglich. Im Darme wird der in Silberalbuminat und Ohlor-silber umgewandelte Höllenstein resorbirt und zwar oinestheils in der löslichen Albuminatverbindung, anderentheils als von der Darm-sobleimhaut reduoirtes metallisches Silber in Form feinster Silberlaquo; körnchen, analog der Fettresorption. Man findet nämlich die untere Epithelschicht des Darmes durch zahlreiche Silberkörnclien pigmontirt (Argyrosis des Verdauungskanals). Eine Ausscheidung des Silbers durch den Harn scheint nur bei subeutaner Injection löslicher Silberpräparate stattzufinden; die innige Verbindung des Silbers mit dem Eiweisse und die Imprägnirung der Gewebe mit metallischem Silber erschwert die Ausscheidung wesentlich.
4) Eine allgemeine Silber Wirkung oder Ar gyriasis tritt ein, wenn der Höllenstein längere Zeit hindurch verabreicht wird. Beim Menschen färbt sich hiebei die Haut grauschwarz in Folge Ablagerung feinster Körnchen von reducirtem metallischem Silber in die oberste Schichte des Ceriums, ins Bindegewebe und in die Schweiss-drüsenknäuel. Diese Schwarzfärbimg der Haut findet man nur beim Menschen nach Verabreichung von ca. 30 g Höllenstein, nicht bei Versuchsthieren (Hunden, Ratten). Dagegen beobachtet man bei Menschen und Thiercn eine Silberablagerung in inneren Organen, namentlich in den Mesenterialdrüsen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, auf den serösen Häuten, in der Glisson'schen Scheide der Leber und in den Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz frei.
Fortgesetzte Fütterung von Versuchsthieren mit Silberpräparaten erzeugt eine chronische Silber Vergiftung. Dieselbe äussert sich in Abnahme des Körpergewichts, Atrophie des Fettgewebes, chlorotiscber Blutbeschaffenheit, degenerativen Processen in den Muskeln und Körperdrüsen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des Digestions- und Respirationsapparates mit profuser Secretion der Schleimhäute, endlich in einer Rückenmarksaffection mit Muskel- und Gcfühlslälnnung, welche im Hinterthcil beginnt und anatomisch in Vacuolonbildung der Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen beobachtet man auch Gehirndepressionsorscheinungen nach längerer Höllensteinanwendung.
Anwendung. 1) Als relativ schwaches Aetzmittel bei abnorm starker Granulation, kleineren Warzen und in der Augenheilkunde.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Höllejistein.
2)nbsp; Als iiussorliclies Adstringens und secretionsbeschrän-k end es sowie gleichzeitig desinficirendes Mittel bei Schleimhaut-entzündungen, nässenden Ekzemen (Eczema impetiginosum und madi-dans) und Geschwüren, ferner als entzündungswidriges, deckendes, die Epidermisneubildung auf Wunden und Geschwüren anregendes Mittel, namentlich zur Regulining der Wundheilung in der Chirurgie. Der Höllenstein ist ferner eines der besten Mittel bei Verbrennungen und wird endlich als Antisepticum bei Ery-sipel angewandt.
3)nbsp; Als innerliches Stypticum bei Diarrhöe sowie zur Behandlung der Magen- und Darmgeschwüre.
4)nbsp; Als Nervinum bei Epilepsie, epileptiformen Krämpfen und chronischen Rilckenniarkskrankheiten; (früher auch bei der Beschälseuche angewandt).
Form. Zum Aetzen verwendet man den reinen oder mitigirten Höllensteinstift. Zum Adstringiren und Austrocknen bei nässenden Ekzemen oder eiterigen Dermatiten und Geschwüren, sowie bei Verbrennungen benützt man Einpinselungen von 5100/oigen wässerigen Lösungen oder Einreibungen einer ebenso starken Salbe (mit Unguentum Paraffini); auch spirituöse Lösungen können gebraucht werden. Gegen Otorrhöe verschreibt man 1r)0/oige wässerige oder spirituöse Lösungen. In der Augenheilkunde bedient man sich wässeriger Lösungen und zwar je nach dem Grade der vorhandenen Conjunctivitis '/a20/oiger. Um hier eine Aetzung der Cornea zu vermeiden, kann man nach der Höllenstein-Instillation den Lidsack mit einer 120/oigen Kochsalzlösung ausspülen (Bildung von Chlorsilber). Zur Anregung von granulirenden Wunden überfährt man dieselben besonders am Rande leicht mit dem Höllensteinstifte (Bildung einer Silberdecke). Innerlich gibt man den Höllenstein in viel destillirtem Wasser gelöst oder in Pillenform mit Argilla oder Talk. Bei Diarrhöen und Darmgeschwüren ist wenigstens bei den kleineren Hausthieren, namentlich beim Hunde, die Infusion wässeriger Höllensteinlösungen durch den Mastdarm viel wirksamer, als die Verabreichung per os, weil der Höllenstein im Magen zersetzt wird. Zu vermeiden ist die gleichzeitige Verabreichung von Chloriden, Phosphaten, Jodiden, Bronüden, sowie von Gerbsäure. Höllensteinflecken lassen sich mit Cyankalium entfernen.
Dosis. Pferd und Rind 0,52,0.
Schaf, Ziege und Schwein 0,10,5.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Höllenstein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;287
Hund 0,010,05. Katze 0,0050,02. Geflügel 0,01-0,02.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Argent] nitric! 0,10,4.
Äqu. destill. 20,0. M. f. Sol. D. in vitro nigm S. Augenwasser.
2)nbsp; Rp. Argenti nitrici 8,0. Aqu. destill. 50,0.
M. f. Sol. 1). Si Aensserlich gegen nässendes Ekzem (eiterige Dermatitis).
3)nbsp; Rp. Argenti nitrici 2,0.
Unguent. Paraffini 20,0. M. f. Ugt. D. 8, Aensserlich. Brandsalbe. 4) Rp. Argenti nitrici 5,0.
Spiritus 250,0. M. f. Sol. D. S. Aeusserlioh gegen Otorrhöe.
5)nbsp; Rp. Argenti nitrici pulv. 0,5.
Saoohar. Lactis 10,0. M. f. Pulv. D. S. Zum Einblasen in den Kehlkopf bei Laryngitis ulcerosa.
6)nbsp; Rp. Argenti nitrici 0,1.
Aqu. destill. 150,0. (#9632;rlycorini 10,0. M. f. Sol. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel für einen H und {für ein Kalb) mit Diarrhöe.
7)nbsp; Rp. Argenti nitrici 0,5.
Argillae 20,0,
Aqu. destill, qu. s. f. Pil. D. tal. dos. Nr, X. S. Täglich 2 Pillen für ein Pferd mit Durchfall.
8)nbsp; Rp. Argenti nitrici 0,5.
Boli 5,0.
Aqu. destill, qu. s. f. massa e qua formentur Pil. Nr. XX. D. S. Täglich 1 Pille für einen Hund mit Diarrhöe.
|
||
|
|
||
|
t Argentamln. Unter diesem Namen wird eine Verbindung von Silberphosphat mit Methylendiamin als Ersatzmittel für den Höllenstein in den Handel gebracht. Die genannte organische Silberverbindung soll bei gleich starker antiseptischer Wirkung vor dem Höllenstein den Vorzug besitzen, dass sie das Eiweiss nicht zur Gerinnung bringt und sich daher namentlich zu Ausspülungen enger Canäle (Harnröhre) eignen. Es soll ausserdem schleimlösend, also antikatarrhalisch wirken. Ein ähnliches organisches Silberprilparat ist das Argonin, eine Verbindung von Höllenstein mit Case'in.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
288nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Quecksilber.
|
||
|
|
||
|
ll.vdrargjTiiiu. (Juccksilbor.
Hg.
Geschichtliches. Die Gil'twirkung des Quecksilbers ist schon im Alterthum bekannt gewesen (Ausonius). Versuche an Affen mit metallischem Quecksilber sind bereits im 10. Jahrhundert gemacht worden (Rhazes). Die graue Salbe ist namentlich im 15. und IG. Jahrhundert als Mittel gegen die Syphilis, zuerst in Neapel, benützt worden (ünguentum Neapolitanum). Auch Calomel ist schon im 1(3. Jahrhundert allgemein medicinisch verwendet worden.
Pharmaceutische Chemie. Das Quecksilber (Hydrargyrum, M or cur ins) wird thcils durch Eösten des Zinnobers (HgS CX^ Hg-(-SO.,), theils aus dem natürlich vorkommenden Metall dargestellt. Fundorte sind Spanien, Californien, Peru, Idria, Toscana, Böhmen, Rheinbayern etc. Es ist ein flüssiges und beim Erhitzen flücb-tiges, graues Metall mit stark glänzender, spiegelnder über-lläclie, welches sich leicbt in Kugeln zertheilen lässt. Das specifische Gewicht beträgt 13,5. Unreines Quecksilber ist mit einem grauen Häutchen bedeckt und hinterlässt beim Schütteln in einer Porzellan-schale schwarze Spuren. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Allgemeine Wirkung des Quecksilbers und seiner Präparate.
Das Quecksilber ist in Form seiner löslichen Verbindungen (Sublimat) das stärkste Protoplasmagift, indem es von allen Metallen die grösste Affinität zum Eiweiss besitzt. Oertlich wirken daher die löslichen Quecksilberpräparate in Folge der Bildung von Queoksilber-oxydalbuminat stärker als die anderen Metalle, nämlich bei verdünnter Anwendung adstringirend, concentrirt ätzend. Mit dieser starken Einwirkung auf das Eiweiss der Körperzellen hängt es auch zusammen, dass die löslichen Quecksilberpräparate (Sublimat) die stärksten Antiseptica sind.
Die innerliche Wirkungsweise des Quecksilbers ist je nach der Dosis sehr verschieden: kleinste Dosen wirken ganz anders, als mittlere und grosse. Kleinste Dosen der Quecksilberpräparate haben nämlich, wie experimentelle und klinische Erfahrungen gelehrt haben (Sohlesinger u. A.), eine Anregung des Stoffwechsels, eine Vermehrung des Körpergewichts, Zunahme des Fettansatzes, sowie eine gesteigerte Bildung der rothen Blutkörperchen zur Folge. Danach ist Quecksilber in kleinsten Dosen (z. B. der Sublimat für Hunde in
hen Dosen von V1 mg) ein Excitans für die Zellen-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Merourialismus.
|
289
|
||
|
|
|||
|
thätigkoit. Dasselbe hat H. Schulz für die Hefezellen nachgewiesen. Er fand nämlich, dass Sublimat (ähnlich wie Arsenik, Jod, Salicylsäure u. dergl. Antiseptica) im Stande ist, bei genügend weit getriebener Verdünnung (1 : 500,000700,000) die Thätigkeit der Hefezellen mif kürzere oder längere Zeit bedeutend über die Norm zu steigern. Gerade das Gegentheil wird durch gross ere Gaben erzielt. Dieselben vermindern den Stoffwechsel und die Zahl der rothen Blutkörperchen, schädigen die Ernährung, erzeugen Verfettung der wichtigsten Körperorgane, lähmen die nervösen Ccntralorgane und bedingen entzündliche und g es ch w ür ige Veränderungen auf der Haut und den S c h 1 e i m h ä u t e n. Die Erschei-nung dieser Quecksilbervergiftung (Merourialismus) sind im Allgemeinen folgende:
1)nbsp; Salivation, Stomatitis ulcerosa, Auflockerung dos Zahnfleisches, Lookerwerden und Ausfallen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch aus dem Maule.
2)nbsp; Magendarmkatarrh, später profuse, selbst blutige Diarrhöe mit graugrünem, dünnflüssigem, faulig bis aashaft riechendem Kotbe.
8) Husten, eiteriger Nasenausfluss, Bronchoblennorrhöe, selbst Bronchopneumonie, angestrengte, selbst dyspnoisohe Athmung, übelriechendes Exspirium, Stöhnen, Nasenbluten.
4)nbsp; Hautekzeme, in der Hauptsache Eczema impetiginosum und squamosum, beginnend mit starkem Jucken, in Folge dessen Nagen und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und Borkenbildung neben bedeutender Hautverdickung und Anschwellung der Subcutis, Bildung von Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle, welche mit der Pockenseuche viel Aehnlichkeit haben und beim üeberimpfen wieder ein vesico-pustulöses Ekzem erzeugen. Lieblingsstellen: Umgebung der eingeriebenen Salbe, der Augen, des Flotzmaules, Afters, Euters, der Scheide, Trielfalte, der Beugeflächen der Gelenke.
5)nbsp; Lähmungsartige Schwäche, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, Zittern (Tremor mercurialis), starke Schreckhaftigkeit (Erethismus mercurialis), Lähmung einzelner Muskeln, Abmagerung, Tod oft unter dem Bilde des Einschlafens, seltener Con-vulsionen.
0) Die Erscheinungen der Nephritis, namentlich Anurie, Albu-minurie, Cylindrurie, Kalkincrustation der Nieren.
7) Temperatur normal oder kaum erhöht, dagegen der Puls sehr beschleunigt und schwach, Blutungen in den verschiedensten
Fröhner, Arzueiinittellelue. 4. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ji)
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Graue Quecksilbersalbe.
Organen, besonders den Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus), zuweilen Tod durch innere Verblutung. Die Aufnahme der meisten Quecksilberpräparate erfolgt von der Haut, den Schleimhäuten, der Lunge, der Subcutis in der Form des Quecksilberoxyd-Albuminats, -welches in Kochsalzlösung und Eiwoiss löslich ist. Die Ausscheidung erfolgt durch alle Secrete, geschieht aber sehr langsam. Am emptindlicbsten gegen Quecksilber sind die Wiederkäuer, am wenigsten emptindlich Pferde und Schweine.
Anwendung des Quecksilbers. Dasselbe dient gewöhnlich nur zur Darstellung der officinellen Quecksilberpräparate, so namentlich zur Bereitung der grauen Quecksilbersalbe. Ausserdem hat man die Schwere des Metalls (es ist 13','2 mal schwerer als Wasser) benützt, um durch die innerliche Verabreichung desselben mechanische Darmverschlingungen und Darmverstopfungen zu heben. Hiobei ist das Quecksilber, weil es durch den Magen aufgenommen wird und sich nicht lösen kann, gänzlich ungiftig, im Gegensatz zur Einatbmung von Quecksilberdämpfen, welche das Bild der Quecksilbervergiftung erzeugen. Man hat namentlich beim Menschen sehr gute Erfolge von der innerlichen Verabreichung des reinen Quecksilbers bei ünwegsamkeit des Darmkanals erzielt. Die angewandte Dosis betrug 200300 g. Nach einer Statistik von Bettelheim (Archiv für klinische Medicin 1882) wurden unter 70 Fällen von Darmstenose 57 geheilt 1 In fein zerriebenem Zustande (exstinguirtquot;) wird das Quecksilber in Amerika, England und Trank-reich auch als Purgans angewandt.
|
||
|
|
||
|
Uuguentuin Hydrargyri cmeremn. Graue Quecksilbersalbe.
Pharmaceutische Chemie. Die graue Quecksilbersalbe (Un-guentum Hydrargyri cinereum, Unguontum mercuriale, IJn-guentum Ncapolitanum) ist eine Verreibung von Quecksilbermetall mit der doppelten Gewichtsmenge Fett und Talg. Durch anhaltendes Verreiben des Quecksilbers mit dem Fett wird ersteres so fein ver-theilt, dass sich aus einem Gramm Quecksilber über 150 Millionen kleinste Kügelchcn bilden. Die ganz frisch bereitete Quecksilbersalbe besteht nur aus reinem mctallinischem Quecksilber und Fett; ältere Salbe enthält ausserdem noch in Folge Verseifung des Fettes durch das Quecksilber fettsaures Quocksilberoxydul, Die graue Quecksilbersalbe ist, wie ihr Name besagt, eine bläulich-graue Salbe von charakteristischem Gerüche, in welcher Quecksilber-kügelchen mit blossem Auge nicht mehr zu erkennen sind.
Darstellung. 13 Theile Schweineschmalz und 7 Theile Hammeltalg werden bei gelinder Wärme zusammengeschmolzen. Von der erkalteten
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Graue Quecksilbersalbe.
|
291
|
||
|
|
|||
|
Mischung werden 3 Theile mit 10 Theilen Quecksilber in einer eisernen Schule portionenweise ununterbrochen niebrere Stunden lang verrieben, bis für das unbewaffnete Auge kein Quecksilber mehr sichtbar ist, und sodann der Rest des Fettes beigemengt und ebenfalls genau verrieben. Wesentlich erleichtert wird die Bereitung, wenn man statt der 3 Theile obiger Fett-mischung 3 Theile alte Quecksilbersalbe oder altes Terpentinöl oder Lanolin resp. Vaseline nimmt. Beim Entfetten der Salbe mit Aether soll '/a Quecksilber zurückbleiben. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Die in Oesterreich officinelle Quecksilbersalbe wird durch Verreiben gleicher Theile Quecksilber und Lanolin und Beimengung eines Theils der sogenannten einfachen Salbe (Schweinefett und Wachs) dargestellt.
Wirkung. Die Einreibung von Quecksilbersalbe in die Haut hat sowohl eine örtliche als eine allgemeine Wirkung zur Folge. Wenn auch über die Art und Weise des Eindringens des Quecksilbers in den Körper zahlreiche sich widersprechende Untersuchungsresultate vorliegen, so ist doch sicher, dass dasselbe auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen kann. Der Haupt Vorgang dürfte der sein, dass die Queoksilberkügeloben mechanisch durch den Druck der reibenden Hand in die Talgdrüsenkanäle und Haartaschen hineingepresst und daselbst in eine lösliche, resorbirbare Oxyd- bezvv. Oxydulverbindimg umgewandelt werden. Aus diesem Processe würde also zunächst eine örtliche desin-ficirende, eiterungs- und entzündungshemmende Sublimat- und späterhin eine allgemeineQuecksilberwirkung resultiren. Daneben ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch das in der älteren Salbe vorhandene fettsaureQuecksilberoxydul direct resorbirt wird. Endlich ist sicher unzunebmen, dass bei dem leichten Verdunsten des eingeriebenen Quecksilbers letzteres auch ein g eat hm et und von den Schleimhäuten des Respirationsapparates aufgenommen wird. Hiebei können sich in Folge Liegenbleibens einzelner Queck-silberkügelchen in der Maulhöhle Erscheinungen der mercuriellen Stomatitis ausbilden. Wird alte, ranzige Quecksilbersalbe stark in die Haut eingerieben, so entsteht häufig ein Ekzem. Ausserdem ist die graue Quecksilbersalbe ein starkes Gift für Ungeziefer, namentlich Läuse.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Antiparasiticum gegen Läuse, Haar-linge, Lausfliegen, Trichophyton tonsurans, Räudemilben etc. Am empfindlichsten gegen die Salbe sind Läuse. Dieselben werden, auch ohne mit der Salbe direct in Beziehung zu kommen, getödtet. Gewöhnlich reibt man nämlich die Quecksilbersalbe entfernt von den
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
992nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sublimat.
Läusen an einer Kürporstelle ein. wo die Thiere sicli nicht lecken können, also heim Rinde am Grunde der Hörner. beim Hunde unter das Halsband. Das Queoksilber verdunstet dann allmählich und hüllt den Körper des eingeriebenen Thiercs in einen Dunstkreis von Quecksilber, welch letzteres von den Läusen eingeathmet wird. Die früher und theilweise auch jetzt noch übliche Quecksilberschmierkur gegen öchafräude ist bei der Empfindlichkeit der Wiederkäuer gegen Quecksilber viel zu gefährlich und daher zu widerrathen.
2)nbsp; Als Antiphlogisticum gegen Drüsen- und Lymphdriisen-entzündung, Peritonitis, Erysipel, Phlegmone. Die entzündungswidrige Wirkung erklärt sich aus dem Eindringen des Quecksilbers und der Umwandlung in ein lösliches Quecksilbersalz mit antiseptischer Wirkung, Öontraindioirt ist die Salbe bei der Mastitis des R i n d e s.
3)nbsp; In der Menschenheilkunde als Specificum gegen das zweite Stadium der Syphilis und gegen Lupus. Man unterscheidet eine grosse und kleine antisyphilitische Schmierkur; bei der letzteren werden etwa ein Monat lang tiiglich 12,5 g Salbe 1015 Minuten lang in verschiedene Stellen der Haut eingerieben.
Dosis. Es ist Hegel, von der grauen Quecksilbersalbe immer nur kleinere Mengen auf einmal und mit grösseren Zwischenräumen anzuwenden. Pferden und Rindern reibt man etwa 5 g, Hunden 0,5 1 g (erhsen- bis bolmengrosse Mengen) ein.
|
||
|
|
||
|
Hydrargyrum bicliloratuui. Suhlimat.
HgCl,.
Pharmaceutische Chemie. Der Sublimat oder das Quecksilberchlorid; HgOl,, wird wohl auch Hydrargyrum bichloratum corrosivuin, ätzender Quecksilbersublimat, im Gegensatz zum Calomel, HgjOlj, dem Quecksilberchlorür oder Hydrargyrum chloratum mite benannt. Er wird dargestellt durch Sublimiren von schwefelsaurem Q u e c k s i 1 b e r o x y d mit C h 1 o r n a t r i u m nach der Formel: HgSO,-|-2ClNa=HgCl24-SO,1Naä. Er bildet weisse, durchscheinende, strah lig-kry stallinische Stücke, welche beim Ritzen einen rein weis sen Strich und beim Zerreiben ein rein weisses, schweres (S = 5,3) Pulver von scharfem, widerlich metallischem Geschmackc geben, das sich beim Erhitzen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Sublimat.
|
293
|
||
|
|
|||
|
unter 8climelzen verflüchtigt und in 16 Thei 1 en kaltem und üTheilen siedendem AVasser mit saurer Reaction, sowie in 3 Theilen Weingeist und 4 Theilen Aether löst (Calomel ist im Gegensatze hiezu unlöslich und hat eine gelhlicli-weisse Fai'be), Am Lichte werden Sublimatlösungen allmählich zu Calomel reducirt, sie sind daher vorsichtig, vor Lieht geschützt, aufzubewahren. Charakterist i sehe lieacti on en sind: 1) Seh war zfürhung der wässerigen Lösung durch Schwefelwasserstoff (SHg); 2) quot;Wei ssfärhung derselben durcli Höllenstein (ClAg) und Aetzammoniak (HgClNH2); 3) Gelbrothfärbung durch Alkalien (HgO); 4) Scharlachrothfärbung durch Jodkalium (HgJa); 5) Amalgamirung metallischen Kupfers (CuHg); G) Niederschlag bei Zusatz von neutraler und alkalischer Eiweisslösung oder Gerbsäure. Der Eiweissnieder-schlag löst sich im Ueberschixsse von Eiweiss, sowie in Cidornatrium und bei schwacher Ansäuerung; saure Eiweisslösungen geben mit Sublimat keinen Niederschlag. A.P. 1,0 = ,5 Pfennig; 10,0 = 15 Pfennig.
Pastilli Hydrargyri bichlorati (Sublimatpastillen). Die in Deutschland ol'ficinellen Sublinintpnstillen bilden harte, walzenförmige, lebhaft rotho Stücke, in Wasser sehr leicht, in Weingeist und Aether nur theilweise löslich. Eine Mischung aus gleichen Theilen feingepulvertem Quecksilberchlorid und Natriumchlorid wird mit einer wässerigen Lösung einer rothen Anilinfarbe lebhaft gefilrbt und dann durch Druck in Cylinder von 1 oder 2 g Gewicht geformt, von denen jeder einzelne doppelt so lang, als dick sein und die Aufpressung Gift' tragen muss. Sublitnatpastillen dürfen nur in verschlossenen Glasbehiiltern mit der Aufschrift Giftquot; und derart abgegeben werden, dass jede einzelne Pastille in schwarzes Papier eingewickelt ist, welches die Aufschrift Giftquot; in weisser Farbe trägt. Sehr vorsichtig und vor Licht geschützt aufzubewahren.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Der Sublimatist das stärkste und schnellste Desinficiens für alle, insbesondere auch sporenhaltige Mikroorganismen (Milzbrandsporen) mit Ausnahme der Tubcrkelbacillen. Er besitzt für sporenfreie Eacterien entwicklungshemmende Wirkungen noch bei einer Verdünnung von 1 : 1 Million und tödtet dieselben in der Mehrzahl bei einer Verdünnung von 1 : 100,000500,000.
|
|||
|
|
|||
|
Milzbrandbacillen werden getödtet bei einer Verdünnung ..............
Milzbrandsporen werden getödtet bei einer Ver-
|
1 : 50,000 1 : 1000
|
||
|
dünnung
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
294nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sublimat.
Rotzbaoillen werden getödtet bei einer Verdünnung ...............1 : 510,000.
Dagegen werden die Tuberkel!)aeillen durcb Sublimat 1 ! 1000 erst nach einer mindestens eintägigen Einwirkung getödtet. Besonders stark ist die Desinfectionskraft dos Sublimats, wenn er bei höherer Temperatur einwirkt; bei Blut wärme werden die Milzbraudbacillen schon durch eine Verdiinnung wie 1 : 100,000 getödtet. In eiweiss-haltigen Flüssigkeiten sind wegen der Ausfällung des Sublimats wesentlich stärkere Concentrationen nöthig; so werden die Milzhrand-bacillen im Blutserum erst bei einer Concentration von 1 : 1000 vernichtet, weil durch die Bildung des Niederschlags von Eiweiss-Sublimat das Eindringen des letzteren in die BlutHüssigkoit gebindert wird. Ein Zusatz von Kochsalz verhütet die Ausfüllung des Ei-weisses. Das Kochsalz verbindert ausserdem die Zersetzung des Sublimats im gewöhnlichen Wasser. Im Uebrigen stört nach Beb ring die Bildung von Zersetzungsjn'odueten (Oxychloriden, Quecksilber-albuminat) den Desinfoctionswertb des Sublimats nicht im Mindesten, wofern dieselben nur in Lösung bleiben.
2)nbsp; Der Sublimat gehört zu den stärksten A e tz m i 11 e 1 n. In Substanz und in concentrirten Lösungen (bis 10 0/o) erzeugt er auf der Haut, auf Schleimhäuten und Wunden einen schwarzen A etz seh or f. Die Aetzwirkung des Sublimats ist sowohl eine Quecksilber- als eine Chlorwirkung. Der zunächst gebildete Niederschlag besteht aus Quecksilberoxyd, Eiweiss und Chlor; die beiden ersteren verbinden sich rasch zu Quecksilbcralbuminat. Schwächere Lösungen (B0/o) wirken ent-zündungserregend, verdünnte (l0/o) reizend, sehr stark verdünnte (Vquot;10/o) adstringirend, Innerlich concentrirt oder in grösseren Dosen gegeben bedingt er eine blutige, d i p lithe ritisc be Gastroenteritis. Pferde und Rinder sterben nach 5 10 g unter schweren Kolikerscheinungen, Speicheln, Recken, Rülpsen, blutigen Durchfällen und hochgradiger Schwäche; Hunde nach 0,1 0,3 g oft schon nach wenigen Stunden. Auch bei Resorption von Wunden oder von der Uterusschleimhaut kommt es zu diphtheritischer Darmentzündung, sowie zu starken Kalkinfarkten in den Nieren.
3)nbsp; Die Aufnahme ins Blut findet in der Form des Quecksilberoxyd-Albumi nates, wie bei allen Quecksilherpräparaten, statt, nachdem der Sublimat sieb im Magen zum Theil in die Doppelverbindung Quecksilberchlorid-Chlornatrium umgewandelt hat (Voit). Dabei werden durch medicinellc (laben weder das Pepsin
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
.Sublimat.
|
295
|
||
|
|
|||
|
nocli die Pcptono im Magen gefüllt; im sauren Mageninhalte erzeugt Sublimat überhaupt keinen Niederschlag (Marie). Bei subcutaner Application ist zur Vermeidung eines Niederschlages ein Zusatz von Chlornatrium nöthig. In der Form des Quecksilberoxyd-Albuminates wird der Sublimat von allen Körperorganen, namentlich aber von der Leber, aufgenommen und sehr lange Zeit festgehalten. Die Ausscheidung erfolgt durch alle Secrete, am reichlichsten durch die Galle, wobei sich das Quecksilber im Darm zu schwarzem Schwefelquecksilber umwandelt.
4) Die anhaltende Verabreichung kleinster Sublim at gaben erhöht den Stoffwechsel, vermehrt die Zahl der rothen Blutkörperchen und bat selbst Fettansatz zur Folge. Offenbar ist das Quecksilber in kleinsten Mengen ein formativer Reiz für die Stoffwechselorgane, die Drüsen und die blutbildenden Gewebe. Liegeois injicirte z. B. 2 Kaninchen 2 Monate lang täglich je 1 mg Sublimat und fand als Effect eine Gewichtszunahme von 1000 resp. 650 g. Dieselben Beobachtungen machte Ben nett bei Hunden, Schle-singer, der die Sublimatfütterung ein ganzes Jahr hindurch fortsetzte, bei Hunden und Kaninchen, Key es endlich am Menschen.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Antiseptic um in der Chirurgie und Geburtshilfe in der Form des Sublimatwassers 1 : 10005000, vor, während und nach der Operation, zur Desinfection des Operationsfeldes, der Wunde, der Hände und Instrumente, sowie zur Herstellung eines aseptischen Sublimatverbandes; desgleichen zur Ausspülung des Uterus, der Blase etc. Das lno/laquo;oige Sublimatwasser übertrifft das 30/oige Carbolwasser weitaus an antiseptischer Wirkung.
2)nbsp; Zur Desinfection von Stallungen und sonstigen Räumlichkeiten in 1l2 lon/ooigen Lösungen bei allen Seuchen, insbesondere beim Milzbrand. Die Anwendung von Seife, Lauge, Soda, Pottasche, Kalk und Chlorkalk während und nach der Desinfection ist wegen der Zersetzung des Sublimats zu Quocksilberoxyd zu vermeiden.
3)nbsp; Als Antiparasiticum gegen Läuse, Trichophyton tonsurans, Sarcoptes-, Dermatocoptes- und Acarusmilben, Gregarinose etc. Dabei hat man sich jedoch der starken Giftigkeit des Mittels, sowie der Gefahr des Ableckens zu erinnern. Im Allgemeinen sollen Concen-trationen von 1 : 100 nicht überschritten worden. Lies empfiehlt gegen Schafräude ein Suhlimathad 1 : 500 Flusswasser mit 1 Minute Dauer.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
29Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sublimat.
4)nbsp; Als Aetziu ittel gegen Stralilkrebs, Brustbeulen, Stollbeulen, Plephaoken, Hcisenbacken, Ueberbeine, Gallen, Hufknorpcllisteln, chronische hartniiekigo Ekzeme, zum Verscbluss von Gelenkwunden etc.
5)nbsp; Als Conservirungsmittel für Arzneilösungen (Augenwässer, Injectionstlüssigkeiten) und Präparate. Als gutes Conservirungs-mittel für letztere gilt u. a. eine Mischung von 2 Theilen Sublimat, 2 Theilen Campher, 1 Theil Kreosot und 40 Theilen Alkohol.
6)nbsp; nbsp; Innerlich und sub cut an wird der Sublimat in der Menschenheilkunde gegen die Syphilis, beim Puerperalfieber sowie gegen die Entzündung der serösen Häute angewandt. Die von Einigen vorgeschlagene Behandlung der Beschälseuche und des Pferderotzes mit Sublimat hat sich nicht bewährt.
7)nbsp; Zur Darstellung anderer Quecksilberpräparate, so des Hydrargyrum bijodatum, oxydatum flavum und praedpitatnm album.
Nachtheile der Sublimat-Antiseptik. Obgleich der Sublimat das zur Zeit gebräuchlichste Antisepticum ist und an Wirkung von keinem anderen Mittel übertroffen wird, ist seine Anwendung doch mit Nachtheilen und (ielahren verknüpft. Dieselben sind im Wesentlichen nachfolgende:
1)nbsp; Der Sublimat ist das giftigste aller Antiseptica. Vergiftungen ereignen sich namentlich bei Uterusausspülungen, wenn eine grössere Menge Sublimatwasser im Uterus zurückbleibt odor die Uterusschlcimhaut Verwundungen aufweist. Aus diesem Grunde ist namentlich vor der Anwendung des Sublimatwassers beim Ein de trotz gegentheiliger Angaben zu warnen, da selbst Verdünnungen wie 1 : 5000 acuten Mercurialismus, sowie ausser-dem sehr lästiges Drängen zur Folge haben können (Lydtin, Eggeling). Dagegen sind bei genügender Vorsicht Vergiftungen bei der Anwendung des Sublimats als Desinfectionsmittel für Stallungen nicht zu befürchten.
2)nbsp; Die wässerigen Sublimatlüsungen sind leicht zersetzlich. Ge-wühnliches Brunnenwasser zerlegt den Sublimat durch seinen Gehalt an kohlensauren Erdsalzen, namentlich an Kalk, zu Quecksilberoxyd, Queck-silberdi-tri-tetraoxychlorid. Calomel etc. Aber auch Losungen des Sublimats in destillirtem Wasser zersetzen sich mit der Zeit durch das Sonnenlicht zu Calomel. Dazu kommt, dass bei der Berührung des Sublimatwassers mit dem Wundsecrete und den Geweben des Körpers das Eiweiss der letzteren durch Sublimat gefällt und das Quecksilberchlorid zersetzt wird. Diese Zersetzung des Suhlimatwassers lässt sich allerdings bis zu einem gewissen Grade durch einen Zusatz von Kochsalz oder Salmiak, sowie von Säuren (Weinsäure, Salicylsäure, Essigsäure) aufhalten, so dass man zur Herstellung des Sublimatwassers selbst gewöhnliches Brunnenwasser verwenden kann. Auch halten sich Sublimatlösungen ziemlich lange in dunkelgelben Gläsern.
3)nbsp; Das Sublimatwasser amalgamirt die Instrumente und benimmt ihnen dadurch die Schärfe. Dieselben werden ausserdem mit der Zeit stark angegriffen.
4)nbsp; Sublimatlösungen sind auch bei starker Verdünnung noch sehr schmerzhaft, insbesondere bei Anwendung auf Schleimhäuten (Auge, Blase, Uterus); namentlich Rinder zeigen nach Sublimatinfusionen anhaltendes, starkes Drängen auf den Uterus.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Sublimat.
|
297
|
||
|
|
|||
|
Form. Das am häufigsten verwandte S u b 1 i m a t w a s s e r 1:1000 bis 5000) wird am besten unter einem Zusätze von Chlornatrium oder Ammonium chloratum mittelst destillirtem Wasser hergestellt und in dunkelgelben Flaschen aufbewahrt. Man verschreibe: Sublimat 1 Theil, Kochsalz oder Salmiak 2 Theile, destillirtes Wasser 10005000 Theile. Ein Zusatz von Weinsäure soll nach neueren Untersuchungen die Zersetzung des Sublimats nicht vollständig verhindern. Vielmehr ist Kochsalz vorzuziehen, welches ausserdem noch die vortbeilhafte Eigenschaft besitzt, dass es das Ausfallen eines Niederschlags von Quecksilberoxyd-Albuminat bei der Eerührung des Sublimatwassers mit der Wunde verhindert. AVenn irgend möglich, soll jedoch auch bei Kochsalzzusatz destillirtes Wasser genommen werden, um die Zersetzung um so sicherer zu vermeiden. Die dunkelgelbe Farbe der Sublimatflaschen soll die Zersetzung des Sublimates durch das Licht verhüten, welches denselben zu Calomel reducirt nach der Formel: 2HgOlj, H20 = Hg8018 2C1H O. Sehr empfehlenswerth für die Landpraxis sind ferner die officinellen Sublimatpastillen, welche 0,5 bezw. 1 g Sublimat und Kochsalz enthalten und in 1 1 Wasser gelöst ein 0,5l00/ooiges Sublimatwasser liefern. Dieselben eignen sich namentlich auch für Desinfectionszwecke. Zur schnelleren Losung des Sublimats in Wasser bei Desinfectionen kann man entweder spirituöse Lösungen verwenden oder denselben kochen. Sublimatwolle resp. -Gaze wird nach v. Bergmann am besten in der Weise dargestellt, dass man die im Dampfbade sterilisirten Stoffe direct mit einer Sublimatlösung tränkt, welche aus 10 Theilen Sublimat, 500 Theilen Glycerin, 1000 Theilen Alkohol und 1500 Theilen Wasser besteht und dann trocknet. Zum Waschen der Hände benützt man eine l00/ooige Sublimatseife.
Zu A e t z zwecke n benützt man entweder Sublimat in Stücken resp. Pulverform (rein oder mit Gummi als Streupulver), oder eine Paste (1:15 Mehl mit AVasser angerührt), ferner spirituöse Lösungen (1 :;310), Aetzcollodium (1 : 10) = Collodium causti-cum, Salben (1:110 Fett, Cantharidensalbo etc.). Bougies (gummirte Darmsaiten mit Sublimat bestreut) zum Einführen in Fisteln, endlich sogenannte Aetzligaturen zum Castriren männlicher Rinder, Abbinden von Stollbeulen etc. Zu diesen Aetzligaturen benützt man dicken Bindfaden, welchen man mit einer Mischung von Sublimat, Gummi arabicum (gleiche Theile) und Wasser (doppelte Theile) überzieht (Cereoli sublimati corrosiviquot;). Die früher viel benützte sogenannte Vivier'sche Aetzflüssigkeit (Sublimat, Antimonchlorid, Salz-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Calomel.
säure, Wasser), sowie das phagedänisclie Wasser, Aqua phagedaenica lutea (1 Sublimat in 300 Kulkwasser) sind überflüssige und zum Theile unchemiscbe Arzneimischimgon.
Zum Tödten von Parasiten bedient man sich der Waschungen mit ljt ln/oigom Sublimatwasser oder Einreibungen von l0/oiger Sublimatsalbe. Augenwässer nimmt man 1 : 20005000. Innerlich gibt man den Sublimat mit viel Eiweiss oder Pepton in wässeriger, stark verdünnter Lösung (nicht in Pillenform); subcutan in Verbindung mit Kochsalz als Doppelsalz: HgCU-f CINa, um die Entstehung eines Eiweissniederschlags zu verhüten, oder als Albuminat bezw. Peptonat.
Dosis. Pferd und Rind 0,10,2 (Maximum 0,5).
Schaf und Schwein 0,010,02 (Maximum 0,1). Hund 0,0050,01 (Maximum 0,05). Katzen und Geflügel 0,0020,005.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Hydrargyr. biclilor. oorros. 0,5.
Aqu. destill. 500,0. M, D. in vitr. flav. S, Wundwasser.
2)nbsp; Rp. Hydrargyr. biclilor. 1,0.
Unguent. Parafl'. 100,0. M, f. Ugt. D. S. Aeusserlich gegen Räude. 8) Rp. Hydrargyr. biohlor, 5,0.
Spiritus 50,0. M. D. S. Aeusserlich. Actzmittel gegen Strahlkrebs.
4)nbsp; nbsp;Rp. Hydrargyr. bichlor. 2,5.
Collodii elast. 25,0. M. D. S. Aotzcollodium.
5)nbsp; nbsp;Rp. Hydrargyr. bichlor. 5,0.
Farin. seoal. 10,0. Aqu. destill, qu. s. f. Pasta. D. S. Aotzpaste.
6)nbsp; nbsp;Rp. Hydrargyr. bichlor. 0,2.
Glycerini 20,0.
D. 8. M. Zum Bepinseln von Geschwüren.
Hydrargyrum chlorattim. Calomel.
HgüOlj.
Pharmaceutische Chemie. Das Quecksilberchlorür oder Calomel, Hydrargyrum chloratum mite, Mercurius dulcis, Calo-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Calomel.
|
299
|
||
|
|
|||
|
melasetc. wird aus Sublim at und motalliscliem Que cksilber durch Sublimiren derselben nach vorherigem Zusainmenreiben dargestellt: HgCl2-j-Hg = HgjjClj,. Es bildet ein gelblich-weisses, schweres (S = 7), feines, bei lOOfacher Vergrösserung deutlich krystallinisches, in Wasser und Alkohol unlösliches, geschmack-und geruchloses Pulver, welches heim Erhitzen, ohne zu schmelzen, flüchtig ist. Identitiitsreaction: Schwarzfärbung mit starken Alkalien (Sublimat färbt sich roth; der weisse Präoipitat liefert Ammoniak). Blankes Kupfer oder Eisen wird im Gegensatze zum Sublimat vom Calomel nicht iimalgamirt. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 20 Pfennig.
Hydrargyrum chloratum vapore paratum wird dargestellt durch Abkühlen des sublimirenden Calomeldampfes in kaltem Wasser damp f. Es bildet ein reinweisses, sehr fein vertheiltes, bei lOOfacher Vergrösserung nur vereinzelte Krystlillchen zeigendes und daher wirksameres Pulver (Augenheilkunde) mit den übrigen Eigenschaften des Calomels. In Deutschland officinell. In Oesterreich ist aussei- dem sublimirten Calomel noch officinell der prücipitirte: Hydrargyrum chloratum mite praecipi-tatione paratum (Calomel via humid a), welcher aus dem Sublimat dui-ch Reduction mittelst schwefliger Säure dargestellt wird.
Wirkung. I) Auf Schleimhäuten, Wunden und Geschwüren wirkt Calomel reizend und bei längerer Einwirkimg leicht ätzend in Folge einer tlieilweisen Umwandlung zu Sublimat (Proust, Mialhe, Orfila, Buchbeim, Voit). Die Sublimatbildung erfolgt auch ausser-balb des Körpers bei Berührung des Calomels mit Eiweisslösung. In Folge dieser Reizwirkung erbrechen sich namentlich Hunde häufig nach der Anwendung des Mittels. Grössere Dosen erzeugen hämorrhagische Gastroenteritis. Die einzelnen Thiergattungen und Individuen zeigen eine verschiedene Empfindlichkeit gegen Calomel; am meisten ertragen Schweine, am wonigsten die Wiederkäuer (langes Verweilen im Magendarmkanal und daher reichliche Sublimatbildung). Binder sterben auf 10 g Calomel pro die, Schafe und Ziegen auf 5 g, Pferde auf 20 g, Hunde auf 1 2 g, Schweine auf 510 g. Kleinere Dosen, längere Zeit verabreicht, haben schon sehr frühe allgemeinen Mercurialismus zur Folge.
2) Im Darmkanal wird durch Calomel die Peristaltik stark angeregt, wodurch Diarrhöe entsteht. Dabei zeigen die Fäces beim Fleischfresser eine grüne Farbe. Diese Farbe rührt von der raschen Entleerung der Galle her, welche unter der Einwirkung des aus dem Calomel gebildeten Sublimates sicli nicht zersetzen kann. Physiologisch
|
|||
|
|
|||
|
,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
300nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Calomel.
wird nämlich durcli die Filulnissprocesse im Dickdarm das Biliverdin und Bilirubin in das farblose Hydrobilirubin umgewandelt. Das Calomel hindert diese Filulnissprocesse im Darme, ist also gleichzeitig auch ein Antisepticum für den Darm (Wassilieff). Die grüne Farbe des Calomelkothes von dessen Gehalt an Schwefelquecksilber abzuleiten, ist unrichtig, weil das Quecksilbersultid bekanntlich nicht grün, sondern schwarz ist. Die Secretion der Galle wird durch Calomel nicht vermehrt, sondern vermindert (Eutherford u. A.). 3) Nach neueren Untersuchungen ist Calomel in grösseren Dosen ein sehr kräftiges Diureticum, jedoch nur bei cardialem Hydrops. Die diuretische Wirkung ist schon früher von Her twig (Thierärztl. Arzneimittellehre) hervorgehoben worden. Man erklärt sich dieselbe aus einer directen Reizung der secretorischen Nierenzeilen (ähnlich wie bei der mercuriellen Salivation)- andere weisen auf die in Folge der Diarrhöe gesteigerte Resorption der hydropischen Flüssigkeiten als Ursache der darauffolgenden stärkeren Diärese hin. Die letztere Erklärungsweise hat die Thatsache für sich, dass die Diurese erst am 3. und 4. Tage nach der Einverleibung des Calomels auftritt.
Anwendung. 1) Als Laxans namentlich in der Hunde- und Schweinepraxis bei Verstopfung, Trägheit der Peristaltik, Ikterus, Leberleiden, sowie zur Ableitung bei Gehirn-, Lungen-, Nierenkrank-heiten, septischem Gebärfieber etc. Das Calomel hat den grossen Vorzug vor anderen Laxantien, dass es auch bei Entzündungszuständen und Geschwüren im Darm gegeben werden kann. Beim Rinde und den übrigen Wiederkäuern ist Calomel womöglich zu vermeiden, auch beim Pferde sind nicht zu grosse Dosen zu verabreichen.
2)nbsp; nbsp;Als Darmdesinficiens und Stypticum bei infectiösen Darmkatarrhen, mykotiscber Darmentzündung, Ruhr, Influenza und Petechialfieber der Pferde, Stäbchenrothlauf der Schweine, Schweinepest , Brechdurchfällen der Säuglinge, Staupe der Hunde, Hühnercholera etc. Das Calomel ermöglicht hier eine causale Behandlung von Infectionskrankheiten, deren erster Angriffspunkt der Verdauungsapparat ist. Ich habe dies namentlich bezüglich der gastrischen Form der Hundestaupe in einer grösseren Versuchsreihe festgestellt (Berliner Archiv 1889). Derselben ist zu entnehmen, dass eine möglichst frühzeitige Calomelbchandlung mit kleinen, aber öfteren Dosen (0,030,05) als die erfolgreichste Methode bei der genannten Staupeform anzusehen ist.
3)nbsp; Als Diureticum bei cardialer Wassersucht. Ich habe bei
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Calomel.
|
801
|
||
|
|
|||
|
Hunden sehr gute Resultate beobachtet. Man gibt mittelgrossen Hunden dreimal täglich 0,1 g. Das Calomel ist namentlich dann zu empfehlen, wenn Digitalis, Coffein, Strophanthus etc. im Stiche lassen.
4)nbsp; Aeusserlich als leichtes Aetzmittel in der Augenheilkunde Ixii Hornhautgeschwiiren, chronischen Keratiten, nicht zu alten Horn-hautintiltrationen, in Form eines feinen Pulvers zum Einstäuben.
5)nbsp; In der Menschenheilkunde als gebräuchlichstes Präparat gegen secundäre Syphilis, sowie beim Abdominaltyphus und Pebris recurrens.
Form. Man gibt das Calomel innerlich Hunden und Schweinen in Pulverform mit Zucker, Pferden als Pille oder Latwerge, zuweilen auch als Lecke. In der Augenheilkunde benutzt man gewöhnlich das Hydrargyrum chloratum vapore paratum als Pulver allein oder mit Milchzucker verdünnt, seltener als Salbe. Wegen der theilweisen Umwandlung des Calomels in Sublimat halte man keine Calomelpulvcr vorräthig.
Dosis. Die Laxirdosis des Calomels, welche für gewöhnlich als einmalige (seltener als doppelte) verabreicht wird, beträgt für
Pferde :28,0. Hinder 15,0. Schafe 0,250,5. Schweine 14,0. Hunde 0,030,1. Katzen 0,01 0,05. Hühner 0,1. Tauben 0,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Hydrargyr. chlorat. mit. 0,05.
Sacchari 0,2.
M. f. Pulv. D. tal. Dos. Nr. VI. S. Täglich 3 Pulver für einen Hund mit Staupe.
2)nbsp; Rp. Hydrargyr. chlorat. mit. 0,1.
Sacchari 0,5. M. D. S. Für einen Hund (oder Huhn) mit Verstopfung.
3)nbsp; Rp. Hydrargyr. chlorat. mit. 4,0.
Syrupi 25,0. M. D. S. Für ein Schwein mit Verstopfung.
|
|||
|
|
|||
|
.
|
|||
|
|
||
|
302nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bother Präcipitat.
4) Ep. Hydrargyr. chlorat. mit. 5,0. Pulv. Rad. Althaeae 100,0. Aqu. destill. qu. s. f. Electuar. D. S. Für ein Pferd mit Influenza.
6)nbsp; Rp. Hydrargyr. ohiorat. mit. 4,0.
Opii pulverati 8,0. Pulv. ßad. Althaeae 50,0. Aqu. destill, qu. 8, f. Pil. Nr. II. D. S. Für ein Pferd mit Magendarmentzündung.
(i) Rp. Hydrargyr. chlorat. mit. 0,05. Opii pulverati 0,1. Saochari 0,5. M. f. Pulv. D. S. Für einen Hund mit hiunorrhagischein Darmkatarrh.
7)nbsp; Rp. Hydrargyr. ehlorat. mit. vaporc parati
Sacchari Lactis ää 5,0. M. f. Pulv. subtil. D. S. Augenpulver.
|
||
|
|
||
|
Hydrargyrum oxydatum. Rother Präcipitat.
HgO.
Pharmaceutische Chemie. Das Quecksilberoxyd ist in Deutschland in 2 Formen oiücinell:
1)nbsp; Hydrargyrum oxydatum rub rum, der rothe Quecksilbe r-prftcipitat, wird auf pyrochemischem Wege dargestellt durch Erhitzen von Quecksilber mit Salpetersäure, Mischen mit Quecksilber und naebberiges Glüben. Es bildet ein gelblicb rot lies, k rystalli nisch es, fein gesell lemmtes, sehr schwer es (8=11) Pulver, welches in Wasser unlöslich ist, dagegen leiebt lös-licb in verdünnter Salzsäure oder Salpetersäure, und sieb beim Erhitzen unter Absoheidung von Quecksilber vollständig verflüchtig t. A.P. 1,0 == 5 Pfennig; 10,0 = 35 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Hydrargyrum oxydatum flavum oder Hydrargyrum oxydatum via humida paratum, der gel be Quecksilber präcipitat wird durch Ausfällen von Sublimatlösung mit verdünnter Natronlauge dargestellt nach der Formel: HgCl, 2 NaOH = HgO -f 2 NaCl H20. Es bildet ein gelbes, amorphes, sebr fein zertheiltes Pulver mit den Eigenschaften des rotben Präcipitats, von welcbem es sich nur dadurch unterscheidet, dass es mit Oxalsäure sofort einen Aveissen Niederschlag von Quecksilberoxalat gibt. (In Oesterreich allein officinell.)
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
llother Präoipitat.
|
303
|
||
|
|
|||
|
Unguentum Hydrargyri rubrum, die in Deutschland officinelle rothe Prilcipitatsalbe ist eine rothe Salbe, welche aus einem Theile Quecksilberoxyd und neun Theilen Paraffinsalbe dargestellt wird.
Wirkung. Das Quecksilberoxyd besitzt eine örtlich reizende und leicht ätzende Wirkung auf Schleimhäute, Wunden und Geschwüre. Innerlich erzeugt es daher selbst in kleinen Dosen hämor-rhagische Gastroenteritis, indem es sich im Magen zu Sublimat umwandelt nach der Formel: HgO -f- 2C1H = HgOI, H,,0. Beim Hunde entstellt schon nach der Aufnahme von 0,10,2 g (Ablecken der Salbe) das Bild einer Magendarmentzündung; 0,51,0 g (=510 g Salbe) sind für den Hund, 510 g Quecksilberoxyd für das Pferd tüdtlich. Am giftigsten ist wegen seiner feinen Vertheilung der gelbe Präcipitat. Kleinere Dosen längere Zeit gegeben erzeugen das Bild der allgemeinen Quecksilbervergiftung.
Anwendung. 1) In der Augenheilkunde als leichtes Aetz-mittel bei chronischer Conjunctivitis, chronischer Blepharitis, Ekzem des Lidrandes, Keratitis ulcerosa und pannosa, Hornhautinfiltrationen, frischen Leukomen. Man verwendet hier ausschliesslich den gelben Präcipitat in Form der Salbe, und zwar 1 : 1550 Unguentum Pa-raffini, seltener als Pulver mit Zucker (1 : 1020).
2)nbsp; In der Chirurgie zur oberflächlichen Aetzung und Umstim-mung von Geschwüren und Fisteln, Beschränkung der Granulation und Eitersecretion, sowie zur Desinfection in Form der officinellen Salbe (1 : 9); seltener als leichtes Aetzmittel bei Strahlkrebs, oberflächlichen Wucherungen etc. Die Anwendung der Salbe bei Hunden ist jedoch wegen des Ableckens sehr gefährlich. Das Quecksilberoxyd war früher auch ein Bestandtheil des Castrationspulvers zum Bestreichen der Kluppen. Das sogenannte llobertson'sche Castrirpulver (Pulvis ad castrandum) bestand nämlich aus gleichen Theilen Sublimat und rothern Präcipitat und 2 Theilen Bolus.
3)nbsp; Gegen chronische Ekzeme ist die rothe Präcipitatsalbe. wie die weisse, zwar sehr wirksam, aber wogen des möglichen Ableckens auch sehr gefährlich. Dasselbe gilt für die Behandlung der Glatzflechte.
Form. Das Quecksilberoxyd wird nur äusserlioh angewandt und zwar am häufigsten als Salbe (in der Augenheilkunde 1:1550, in der Chirurgie 1 -.9), seltener als Pul vor; allein oder mit Zucker, Zinkoxyd, Kohle etc. Zur Behandlung von Fisteln bedient man sich wohl auch der Bougies.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
304nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Queoksilberjodid.
Reoepte.
1)nbsp; Rp, Hydrargyr. oxydati tlavi 0,-r).
Unguent. Paraflini 10,0. M. f. Ugt. D. S. Augensalbe.
2)nbsp; Rp. Unguent. HyJrargyr. i'ubr. 20,0.
D. S. Wundealbe.
Hydrargyrum bijodatuiu. (Juecksilberjodid. HgJj.
Pharmaceutische Chemie. Das Queoksilberjodid odor Hydrargyrum bijodatum rubrum wird aus Lösungen von Sublimat und Jodkali um dargestellt: HgCl, 2JK = Hg.L 2C1K. Es ist ein scharlachrothes Pulver, das sich in Jodkaliumlösung und Spiritus farblos auflöst, beim Erllitzen verflüchtigt und in Wasser unlöslich ist. A..P. 1,0 = 10 Pfennig.
t Hydrargyrum jodatum, Quecksilberjodür, HgjXj, wird durch Verreiben von Jod mit Queeksilb er dargestellt. Es ist ein grüngelbes, schweres (S = 7,0), amorphes, unlösliches Pulver, das beim Erwärmen flüchtig ist und beim Erhitzen mit Braunstein und Schwefelsäure Joddämpfe entwickelt. Wirkt schwächer als Queeksilborjodid und ist in der Thierheil-kunde überflüssig. (Nur in Oesterreich officinell.)
Wirkung und Anwendung. Das Queeksilborjodid ist wie der Sublimat ein starkes Aetzmittel für Haut und Schleimhäute, welches nur äusserlich zu scharfen Einreibungen, insbesondere gegen chronische Sohnenentzündungen. Spat, Schale, Unterbeine, (lallen etc.. in Form der sogenannten rothen Salbequot; Anwendung findet. Con-centrirt erzeugt die letztere Blasen und Schorfbildung. Man verwendet sie je nach dem Zwecke in einem Verhilltniss wie 1 : 35 (sogenanntes Blisternquot;) allein oder zusammen mit anderen Scharf-salben.
Eecepte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^
1)nbsp; Rp. Hydrargyr, bijodat. 2,0.
Unguent. Paraffin. 10,0. M. f. Ugt. D. S. Spatsalbe, Scharfsalbe gegen Sehnenontzündiing.
2)nbsp; Rp. Hydrargyr. bijodat. 2,0.
Unguent. Cantharid. 20,0. M. f. Ugt. D. S. Oombinirte Scharfsalbe.
3)nbsp; Rp. Hydrargyr. bijodat. 30,0.
01. Crotonis gutt. XXX. Unguent, basil. 120,0. M. f. Ugt. M. S. Englische rotlic Spatealbe,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Weisser Präcipitiit.
|
305
|
||
|
|
|||
|
Hydrargyriini pracciititatum album.
HgOlNBj.
|
Weisser Priioipitat.
|
||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Das Hydrargyrum praecipitatum album (Hydrargyrum ,'imiclato-biclilorutum, Hydrargyrum blohlo-ratum ammonia turn) oder der weisse Präcipitat wird aus einer Lösung von Sublimat und Ammoniak dargestellt: HgOl., -|- 2(iSTH.1) = HgClNH2 -f NH401. Es bildet ein rein weisses. amorphes Pulver, Avelches mit Natronlauge erwärmt freies Ammoniak und gelbes Quecksilberoxyd liefert. In Wasser und Alkohol ist es unlöslich, dagegen leicht löslich in warmer Salpetersäure (im Gegensatze zu Calomel); beim Erhitzen verflüchtigt es sich. Mit Chlor, Brom, Jod, namentlich auch mit Jodtinctur, explodirt das Salz. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 20 Pfennig. Officinell ist ferner in Deutschland das Unguentum Hydrargyri album (1 : 9 Unguent. Paraffini). A.P. 10,0=15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der weisse Präcipitat hat leicht reizende sowie antiparasitäre Wirkung. Er wird nur äusserlich in Form der Salbe angewandt:
1)nbsp; gegen parasitäre Hautausschläge (Herpes, Favus, Sar-coptes, Acarus), sowie gegen Läuse (sogenannte Läusesalbequot;);
2)nbsp; gegen chronische, grindartige Ekzeme;
3)nbsp; in der Augenheilkunde gegen chronische Keratiten etc.
Hydrargyrum cyanatum, HgCy.^, dargestellt durch Auflösen von Quecksilberoxyd in Blausäure. In Deutschland officinell. In Wasser leicht lösliche, farblose Krystalle, welche das Eiweiss nicht coaguliren. Subcutanes Syphilispräparat.
t Hydrargyrum tannicum oxydulatum, gerbsaures Quecksilber-
oxydul, dargestellt aus salpetersaurem Quecksilberoxydul und Tanninlösung, braungrüne Schuppen bildend, innerliches mildes Syphilispräparat (.innere Inunctionskurquot;). In Oesterreich officinell.
t Hydrargyrum salicylicum, ein weisses, geschmackloses, in Wasser und Alkohol unlösliches, in Kochsalzwasser lösliches Pulver, von Aranjo u. A. als Antisyphiliticum empfohlen, ist nach Ellenberger und Hofmeister ein sehr gutes antiseptisches und antizymotisches Mittel, welches namentlich den Eintritt der Fäulniss schon in einer Verdünnung wie 1 : 10,000 verhindert, gegen bereits bestehende Fäulniss dagegen weniger wirksam ist (in Lösung 1 : 1000, als Pulver erst 1 : 10). Demnach wäre dasselbe in erster Linie ein Colysepticum. Auch Käudemilben sollen dadurch getödtet werden. Nach den Untersuchungen von Müller steht das Krölmer, Arzneimittellehre. I. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
SOGnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;E'8''11'
Präparat den übrigen Quecksilbersalben an Giftigkeit bedeutend nueli, auch wird es von der Haut aus nicht resorbirt. Ein altes Anatomiepferd erhielt ohne Schaden innerhalb 4 Tagen 30 g Hydrargyrum salicylicuni. Auf Räudemilben übte das Mittel jedoch nach Müller's Untersuchungen weder gelöst noch in Salbenform eine nennenswerthe Einwirkung aus.
Von weiteren Präparaten sind zu nennen: Hydrargyrum peptona-t u m, f o r mam i d a t u m, o 1 tHn i c u m, a e t h y 1 o c h 1 o r a t u m, a sp ar a gi n i-cum, pyroborienm, ga 11 icum d ipheny licum , nitricum oxy-dulatum, oxydulatum nigruiu, sulfur at um nigrum und rub-rum, sulfuricum und subsulfuricum, Sublim at-Ha ms to ff, ftly kok oll-Quecksilber, Succ in imid -Quecksilber, H. naphtoli-cum flavum,alaninicum, citric um, gynocardicum, oxycyana-tum, thymolo-aceticum, thy m olo-sulf u r icum, thy m olo-ni tri-cum, benzoicum oxy datum, sozojodoli cum u. a. Das letztere Präparat, das S o zo jodol-Qixecksilber. ist nach Müller in Form einer 2quot;(oigen Lanolinsnlbe ein sehr gutes Mittel gegen nässende Ekzeme des Hundes; wegen der starken Giftigkeit desselben ist jedoch das Ablecken #9632;zu verhindern.
|
||
|
|
||
|
Femun pnlveratnm. Eisenpulver.
Fo.
Pharmaceutische Chemie. Das Eisen ist in der Natur ausser-ordentlioh vorbreitet, kommt jedoch seiton gediegen, vielmelir ineist an Sauerstoff und Schwefel sowie an Arsen und Kupfer gebunden vor. Gediegen findet man es vereinzelt im Basalt, in der Lava, in Eisenmeteoriten. Sauerstoffverbindungen sind der llotheisen-stein, FegOg*, der Brauneisenstein, Po203-j- Fe2(OH)a; der Magnoteisenstein, Fe-.O,; der Spatheisenstein, PeCO,; ferner die Eisonsilicate und Phosphate. Schwefelverbindungen sind der Schwefelkies oder Eisenkies, PeS,/, der Magnetkies, Fe2S8. Endlich sind als Schwefelverbindungen zu nennen der Arsenkios und Kupferkies. Aus den oxydischen Eisenerzen wird das Eisen gewonnen durch Eeduction derselben (Sauerstoffentziehung) mittelst Kohle bei hoher Temperatur in sogenannten Hochöfen. Man unterscheidet für technische Zwecke drei Arten von Eisen: a) Gusseisen, das in den Hochöfen durch Reduction zunächst gewonnene sehr unreine, Kohlenstoff (bis 60;n), Schwefel, Phosphor, Arsen etc. enthaltende Eisen, b) Schmiede- oder Stabeisen, aus dem Gusseison dargestellt durch Entziehung des Kohlenstoffs, Phosphors etc. mittelst eines Oxydations-processes (Puddlingsprocoss, Prischprocess). c) Stahl, im Kohlen-stoffgehalt in der Mitte zwischen Guss- und Schmiedeeisen stehend (0,61,6 n/o)) dargestellt entweder aus Gusseisen (Entkohlung) oder Stabeison (Kohluug). Das Eisen ist in zwei Pormen officinell:
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Eisen.
|
307
|
||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp;Ferrum pulveratum, das gepulverte Eisen, wird dargestellt durch Zerstampfen von Stabeisen und Reiben des gebeutelten Pulvers unter Druck (Tirol). Es bildet ein glänzend graues, schweres, feines Pulver, welches vom Magnet angezogen wird, sich in verdünnter Salzsäure oder Schwefelsäure unter Wasserstoffentwicklung (gemischt mit Kohlenwasserstoff', Schwefel- und Phos-phorwasserstofi') löst, und in einer solchen stark verdünnten Lösung mit Ferridcyankalium einen blauen Niederschlag von Berliner blau bildet. An der Luft geglüht verglimmt es zu rothem Eisenoxyd. Es soll mindestens 980/o Eisen enthalten. A.P. 10 = 5 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Ferrum reductum, das reducirte Eisen, ist chemisch reines, durch Eeduction des Eisenoxydbydrates mit Wasserstoff (Hydrogenio reductumquot;) gewonnenes Eisen, ohne Schwefel, Phosphor, Kohlenstoff, Arsen, Kupfer: Fe2(HO)(1 6H=2Fe4-GH20. Es ist im Gregensatze zum Ferrum pulveratum ein glanzloses, graues Pulver, welches aus reinem Eisen und Eisenoxyduloxyd bestellt. Mit verdünnter Salzsäure versetzt, soll es chemisch reinen AVasserstoff entwickeln. 10,0 = 20 Pfennig.
f Ferrum hydricum in aqua = Antidotum Arsenici, das Gegengift der ursenigen Säure, re2(OH)6, ist eine braune Schüttelmixtur, welche zum jedesmaligen Gebrauche frisch darzustellen ist. Es werden 100 Theile Perrisulfatlösung mit 250 Theilen Wasser vermischt und dieser Flüssigkeit eine Mischung aus IT) Theilen gebrannter Magnesia mit 250 Theilen Wasser hinzugefügt. (Es mussten daher früher in der Apotheke mindestens 500 g der Eisenlösung und 150 g gebrannter Magnesia vorriithig gehalten werden.) Die Mischung besteht dann aus Eisenhydroxyd und Bittersalz. Das Eisenhydroxyd bildet mit dem Arsenik eine schwer lösliche und daher un gift ige Eisenverbindung. Das gleichzeitig entstandene Bittersalz wirkt abführend: Man gibt das Antidotum Arsenici Hunden viertelstündlich esslöffelweise, Katzen und Geflügel thee-löffelweise, mittelgrossen Thieren zu einem Viertelliter, Pferden und Rindern halbliterweise.
|
|||
|
|
|||
|
Physiologische Bedeutung und Wirkung des Eisens und seiner Präparate. 1) Das Eisen ist in erster Linie ein Plasticum, d. h. es gehört zu den physiologisch wichtigsten Nährstoffen des Tbierkörpers, wenn es in demselben auch nur in verhältnissmässig kleinen Mengen enthalten ist. Der Gresammteisengehalt eines 500 Kilo schweren Pferdes beträgt z. B. nicht viel mehr als 20 g, der eines erwachsenen Menschen 8 g, der eines 50 Kilo schweren Hundes oder Schafes 1 g (nach dem Eisengehalt des Blutes = 0,05 0/o berechnet). Auch die Nahrung enthält im Allgemeinen nicht sehr
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
308nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; EiHen-
viel Eisen; so nimmt Z. B. ein Pferd pro Tag 11,5 g. ein Hund 0,050,1 g mit dem Gutter auf.
1 Kilo Hafernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;enthält 0,1 0.15 g Eisen.
1 ., Oclisenileiseh 0,05nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
1 Brotnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,05nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; g
1 Milchnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,02-0,1 g
1 Kartoffelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,010,02 g
In der Nahrung ist das Eisen wahrscheinlich in der Form com-plioirter organischer (Albuininat-) Verbindungen enthalten, wie dies namentlich bei der Milch und dem Eidotter nachgewiesen ist; in Folge dessen kann dasselbe leicht resorbirt und assimilirt werden. Die Ausscheidung des Eisens geht hauptsächlich in der Leber vor sich, deren Secret, die Galle, neben anderen Zerfallsproduoten des Blutes auch das Eisen enthält. Aussei- der Galle resp. den Fäces hetheiligt sich noch die Milch an der Ausscheidung des Eisens aus dem Körper. Dagegen werden durch den Harn nur äusserst geringe Mengen von Eisen ausgeschieden (wenige Procente). Eine sehr eisenarme Nahrung erzeugt eine Eiseninanition des Körpers; dieselbe äussert sich nach den einschlägigen Versuchen an Hunden in Mattigkeit, rascher Ermüdung, Blässe der Schleimhäute, Beschleunigung der Pulsfrequenz, sowie Leber- und Muskclverfettung. Umgekehrt hat eine an Eisen reiche Nahrung einen sehr g ü n s t i g e n E i n f 1 u s s auf d i e G e s a m m t e r n ä h r u n g. So fütterte z. B. H. Nasse einen 8 Kilo schweren Hund 87 Tage hindurch mit Brot und Kartoffeln unter einer täglichen Beigabe von etwa 1 g Eisen. Das Körpergewicht nahm hiebei auffallend zu, der Eisengehalt des Blutes stieg von 0,047 0,o auf 0,075 0/o. Aehnliches beobachtete er bei 7 anderen A'ersuchshunden. v. Hösslin fütterte von zwei 6 Tage alten Kätzchen, die mit dem Mutterthier im gleichen Käfig gehalten wurden, das eine 54 Tage lang mit 11,5 cem verdünntem Eisen-ulbuminat. Hiebei wuchs dasselbe von 147 g auf 495 g, während das andere von 154 g nur auf 415 g stieg; das erstere zeigte 9,6 0/o Hämoglobin, das letztere nur 6,2deg;/raquo;.
Die Hauptwirkung des Eisens hiebei ist im Blute zu suchen. Das Eisen ist der wichtigste Bestandtheil der rothen Blutkörperchen, resp. des Hämoglobins. Eisengehalt, Hämoglobingehalt und Sauerstoffgehalt des Blutes sind für Stoffwechsel und Athmung gleichbedeutende Begriffe; das Eisen ist sowohl eine Hauptgruudlage des Stoffwechsels und der Ernährung, als der Athmung. Dabei ist das Eisen organisch mit dem Hämoglobin, viel-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kiseii.
|
809
|
||
|
|
|||
|
leicht in der Oxydull'orm, verbundei]. Die Beziehungen des Eisens zum Hämoglobin erklären auch seine günstigen Wirkungen auf gewisse Blut k rankheit en, wie Anämie, Chloroso und Leukämie. Das Wesen dieser Krankheiten besteht in einem Mangel an rothen Blut-körpcrehen, oder an Hämoglobin, d. h, an Eisen. Während z. R. der Eisengehalt des Blutes beim gesunden Menschen durchschnittlich 0,05 n/n beträgt, sinkt er, wie diesbezügliche Analysen gezeigt haben, bei den genannten Blutkrankheiten auf 0,03 und selbst 0,02 0/o. Die therapeutische Wirkung des Eisens bei Eisenmangel des Blutes hat man sich in der Weise vorzustellen, dass dadurch eine vermehrte Neubildung rother Blutkörperchen aus den weissen in der Milz, den Lymphdrüsen und dem rothen Knochenmarke ermöglicht wird. So berichtet ßabuteau über einen Fall von Chloroso beim Menschen, in dem nach einer täglichen Verabreichung von 0,05 g Eisen die Zahl der rothen Blutkörperchen innerhalb 3 Wochen um3ö0/o stieg; dabei hatte pro 1 cem Blut durchschnittlich eine tägliche Vermehrung von fast 100,000 rothen Blutkörperchen stattgefunden. Quinoke sah unter Eisengebrauch den Hämoglobingehalt des Blutes nach 10 Wochen fast verdoppelt. Mit der Zunahme der rothen Blutkörperchen steigt dann auch der allgemeine Stoffwechsel, die Ernährung hobt sich und die einzelnen Organe können wieder regelmässig funetioniren.
2) Die löslichen arzneilichen Eisenpräparate zeigen aussei1 dieser Allgemeinwirkung noch locale adstringirende und selbst ätzende Einwirkungen auf Schleimhäute und Wunden, indem sie einen Niederschlag von Eiscnalbuminat bilden und eine Gefässcontraction herbeiführen. Auf der Maul seh leim haut erzeugen sie einen zusammenziehenden Geschmack (Tintengeschmack). Die Schleimhaut des Magens wird durch kleine Mengen nicht angegriffen, die Eisenmittel wandeln sich vielmehr unter dem Einflüsse des Magensaftes in Chlorverbindungen (FeClJ und zum Theil auch in inilcli-saures Eisen um. Dagegen wird die Magen Verdauung durch grössere Dosen der Eisenpräparate gestört und die Magenschleimhaut angegriffen, so dass selbst eine Magenentzündung entstehen kann; die Eisensalze sind daher auch bei etwa vorhandenem Magenkatarrhe contraindicirt. Im Darme, wo sie ebenfalls zum Theil resorbirt und als Eisenalkalialbuminate ins Blut übergeführt werden, wirken die Eisenmittel auf die Schleimhaut leicht adstringi rend ein, sie erzeugen daher Verstopfung; in grösseren Mengen führen sie selbst Darmentzündung herbei. Der nicht lösliche Rest verwandelt sich in schwarzes Schwefeleisen. Ein Zusatz von Kochsalz befördert
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
yiOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eisen.
die Aul'iiiiliiue der Eisenpräparate im Magen und Darm. Kommen Eisensalze in Berührung mit Gefässen, so contrahiren sicli letztere in der Richtung ihrer Längsaxe.
3) Vom U n t e r h a u t z e 11 g e \v e 1) e aus werden die leichtlöslichen und indifferenten Eisenpräparate resorbirt, so namentlich die Eisen-albuminate und -Peptone, das citronensaure, phosphorsaure Eisen etc. Nicht resorbirt wird Ferrum pulveratum. Aetzend wirkt der Liquor Eerri sesquichlorati u. a. quot;Werden subeutane Injectionen leicht resorbir-barcr Eisensalze (neutrale oder schwach alkalische Doppelverbindungen) lange fortgesetzt, so entstehen wie bei Einverleibung grösserer Gaben per os Erbrechen und Durchfall, nach grossen Dosen selbst Magen-darmentzündung, grosse Schwäche, Leber- und Nierenentzündung. Hunde sterben so an 2050 mg Eisen pro Kilo Körpergewicht; die ersten Vergiftungserscheinungen treten schon nach 12 mg Eisen pro Kilo ein. Wird einem Thier eine Eisenlösung direct ins Blut gespritzt, so bemächtigen sich die weissen Blutkörperchen des Metalls, und dasselbe kann leicht auf Schleimhäuten und anderen absondernden Flächen nachgewiesen werden. Von der unverletzten Haut aus findet keine Aufnahme statt.
Eintheilung. Man tbeilt die grosse Zahl der Eisenpräparate am besten nach ihrer Wirkung ein in;
1)nbsp; Mildwirkende mit reiner Eisen Wirkung, Martialia mitiorn: Ferrum pulveratum und reduetum, Ferrum hydricum, Ferrum oxydatum saccharatum solubile, Syrupus Ferri oxydati solubilis, Ferrum carbonicum saccharatum, Ferrum lacticum, Extractum Ferri ponatum, Tino-tura Ferri pomata, Liquor Ferri oxyehlorati, Eisenalbuminat, Eisenpep-ton u. a,
2)nbsp; Stark wirkende Eisenpräparate, welche concentrirt örtlich ätzen, verdünnt örtlich adstringiren ; styptische Eisenmittel, Martialia fortiora. Hierher gehört namentlich der Eisenvitriol und der Liquor Ferri sesquichlorati.
8) Eisenpräparate mit Doppel wi rkun g: Ferrum jodatum, Ammonium chloratum ferratum, Tinctura Ferri chloratl aetherea, Tinctura Ferri acetici aetherea, Chininum ferro-citricum.
Anwendung des Ferrum pulveratum. 1) Zur Aufbesserung der Blutbild ung bei chronischen Blutkrankheiten (Anämie, Chlorose, Leukämie, pernieiöse Anämie), constitutionellen Knochenkrankheiten (Itachitis), nach starken Blutverlusten, in allen Schwächezuständen, nach schweren Krankheiten. Regel ist hiebei, dass man das Eisen in kleinen Dosen und in möglichst leicht verdaulicher Form längere Zeit hindurch im Stadium der stärksten Magensecretion gibt. Con traindicirt ist die Eisentherapie beim Vorhandensein
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Eisonvitriol.
|
.'ill
|
||
|
|
|||
|
eines Magendarmkatarrhs. Zu vermeiden ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Gerbsäure mit einem Eisenpräparate (Tinte), sowie von Schwefel (S^.Fe) und Arsenik (FeAsO;().
2) Als Antidot gegen Arsenik und Metallv ergiftungen (Quecksilber, Kupfer).
Dosis. Pferd und Rind 1,05,0.
Schaf, Zkje und Schwein 0,51,0. Hund 0,02-02. Katze 0,010,05. Geflügel 0,020,1.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Perrl pulverati 20,0.
Natrii clilorati crudi 250,0. Pulv. Fruot. Carvi 50,0. M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Futter einen Esslüffel für ein Pferd mit Anämie.
2)nbsp; Rp. Forri pulverati 100,0.
Natrii clilorati crudi 1000,0. Pulv. Fruct. .Tuniperi 500,0. M. f. Pulv. D. S. Als Lecke für 100 Schafe gegen Fäule.
3)nbsp; Rp. Fcrri reduoti 0,05.
Saochari 0,1.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. XX. S. Täglich ein Pulver für einen Hund mit Leukämie.
|
|||
|
|
|||
|
Fernim sulfurlcum. Eisenvitriol.
FeSOi 7H20.
Pharmaceutische Chemie. Das schwefelsaure Eisenoxydul (Ferro-sulfat) ist in Deutschland in 3 Formen officinell:
1) Ferrum sulfuricum crudum, der Eisenvitriol des Handels (Vitriolum Martis, grüner Vitriol), wird als Nebenproduct verschiedener chemischer Operationen (Alaun-, Schwefelsäure-, Schwefelwasserstoft-, Schwefel-Fabrikation), sowie aus geröstetem Schwefelkiese (FeS2) dargestellt, wenn der letztere sich längere Zeit in feuchter Luft befindet und dabei oxydirt. Auch aus verwitterten Eisenkiesen sowie durch Auflösung von Eisenabfällen in roher Schwefelsäure kann roher Eisenvitriol gewonnen werden. Derselbe enthält immer mehr oder weniger Kupfer,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
3J2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bisenvitriol.
Zink, Aluminium, Magaesium und Mangan! Der Eisenvitriol bildet grüne Krystalle mit ockergelben Flecken (basisches Oxydsalz) and feuchter, zuweilen weisslich bestäubter Oberfläche (Verwitterung). Er löst sich in 2 Theilen Wasser mit blau grün er Farbe, mit saurer Reaction und tintenartigem, zusammenziehendem Geschmacke. Mit rothem Blutlaugensalz (Ferridcyan-kalium) gibt seine Lösung Turnbull's Blau, mit Barytsalzen weissen schwefelsauren Baryt (Identitätsreactionen).
2)nbsp; Ferrum sulfurlcum purum, das chemisch reine Ferro-sulfat, wird durch Auflösen von überschüssigem Eisen in roher Schwefelsäure oder von Eisendraht in reiner Schwefelsäure dargestellt: Fe S04H8 = FeS04 #9632; 2 H. Es bildet ein bläulich-grünes Salzpulver, welches sich als Oxydulsalz leicht oxydirt und zunächst grasgrün, später gelblich wird und an der Luft verwittert. Die Identitätsreactionen sind dieselben wie beim rohen Ferro-sulfat.
3)nbsp; Ferrum sulfuricum siecum, entwässertes Ferrosulfat, FeSO, -f-l^'aHgO, durch allmähliches Erwärmen des reinen Ferrosulfats dargestellt (theilweiser Verlust des Krystallwassers). Ein feines, weisses Pulver. A.P. Ferrum sulfuricum crudum 200,0= 15 Pfennig.
Wirkung. 1) Der Eisenvitriol wirkt concentrirt ätzend (Bildung von Eisenalbuminat, Freiwerden von Schwefelsäure), verdünnt adstringirend auf Schleimhäute, Wunden und Geschwüre. Grosse Gaben innerlich verabreicht wirken daher tödtlich durch Magcn-d a r m e n t z ü n d u n g.
2)nbsp; Er hat als Eisensalz dieselbe plastische, hämatopoetische Wirkung wie das Ferrum pulveratum.
3)nbsp; Vermöge der sauren Reaction der wässerigen Lösung wirkt der Eisenvitriol schwach antiseptisch. Diese Wirkung wird jedoch gemeinhin überschätzt. Er vermag z. B. sporenfreie Bacillen erst bei einer Concentration wie 1 : 3 zu tödten und besitzt eine entwicklungshemmende Wirkung auf dieselben erst bei einer Concentration, von 1 : 50. Gegen Milzbrandsporen ist er durchaus wirkungslos. Ausserdem wirkt er desodorisirend, indem er die übelriechenden Gase, namentlich den Schwefel Wasserstoffquot; bindet (Bildung von Schwefeleisen). Auch eine präeipitirende (ausfällende) Wirkung kommt ihm in Flüssigkeiten (Jauche) zu.
Anwendung. 1) Als ein äuss er liebes mildes Causticum und Adstringens bei Schleimhautkatarrhon, Blennorrhöen, Haut-
|
|||
|
|
|||
|
#9632;
|
.
|
||
|
|
|||
|
Eisenvitriol
|
313
|
||
|
|
|||
|
gcsclnvüren, Strahlkrebs, Strahlfäule, Klauenfftule, Klauenseuche, Maulseuohe. Will man leicht ätzen (z. B. bei Stralilkrebs), so bedient man sich der Pulverform oder concentrirter Lösungen; auf Schleimhäuten dagegen benutzt man zum Adstringiren die wässerigen 15deg;eigen Lösungen.
2)nbsp; Als innerliches Stypticum und schwaches Desinficiens bei Diarrhöe, Hühnercholera, Ruhr, Darmblutungen etc.
3)nbsp; Als Blutplasticum bei anämischen Zuständen.
4)nbsp; Als schwaches Desinficiens und Desodorans zur Dcsinfection der Ställe und Gruben (bei Seuchen ganz ungenügend).
Dosis. 1) Als Blutplasticum für
Pferd und Eind 25,0. Schaf und Schwein 0,6 1,0. Hund 0,05 0,2. Katze 0,010,02. Geflügel 0,020,05. 2) Als Stypticum für
Pferd und Rind 1025,0. Schaf und Schwein 15,0. Hund 0,10,5. Katze 0,020,05. Hühner 0,050,2. Tauben o,05.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Ep. Perri sulfurioi orudi 15,0.
Pulv. Rad. Altliaeao 100,0. Aqu. (|u. s. f. Elcctuar. D. 8. Für ein Pferd mit Diarrhöe.
2)nbsp; Ep. Ferri sulfurici crudi 25,0.
Xatrii clilorati crudi 500,0. Pulv. Sem. Anisi 50,0. M. f. Pulv. D. S. Aufjedes Putter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Leukämie.
8) Ep. Fcrri sulfurici
Kalii oarbonici aä 5,0.
Tragacantli. et Aqu. destill, qu. s. f. Pil. Nr. XXV. D. S. Taglich 1 Pille für einen Hund mit Anämie (Klaude'scho Pillen).
4) Rp. Ferri sulfurici crudi 100,0. Xatrii sulfurici 500,0. Pulv. Pruot. .Tunip. 250,0. M. f. Pulv. D. S. Als Lecke für 100 Schafe gegen Fäule.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eiseiichlorrd.
6) Rp. Fcrri sulfurici 5,0. Aqu. destill. 500,0. M. f. Sol. D. S. Täglich 1-2 Esslöftol (Theelöffel) für Hü Im er (T a u b e n).
Liquor Perrl sesqulohloratli Elseuchloridlösungi
FftjOlj in H.^O.
Pharmaceutische Chemie. Die Eisenchloridlösung (Forrinn sosquichlorfitum solutum) stollt eino Auflösung von Eisen-chlorid (Pe8018) in AVassor dar, mit einem Gelialte von 100/o Eisen. Sie bildet eine braune, klare Flüssigkeit von saurer Reaction und vom specifischen Gewicht 1280, deren Verdünnungen mit gelbem Blutlaugensalze (Ferrooyankalium) einen blauen (Berlinerblau), mit Silbernitrat einen weissen Niederschlag (Chlorsilbor) bilden. A et z alle alien scheiden gelatinöses braunes Eisenhydroxyd aus. Der Liquor Ferri wird dargestellt durch Auflösen von Schmiedeeisen (Draht, Nägel) in Salzsäure (Bildung von FeCl2, Eisen-chlorür) und Ueberführen des Chlorürs in Chlorid (Fe^Cl,;) durch Salpetersäure. Die Eisenchloridlösung soll keine freie Salzsäure und kein freies Chlor enthalten. Erstore weist man nach durch den weissen Nebel, der entsteht, wenn ein mit Ammoniak befeuchteter Grlasstab in den Hals der Flasche eingeführt wird (Bildung von Salmiak); letzteres durch Blaufärbung eines angefeuchteten Jodzinkstärkepapiers. A.P. 100,0 = 30 Pfennig. Die im Wasserbade abgedampfte Eisenchloridlösung liefert das gelbe, krystallinische, trockene, aber sehr hygroskopische Ferrum sesquichloratum.
Wirkung. 1) Auf Schleimhäuten, Wunden und Geschwüren wirkt das Eisenchlorid concentrirt leicht ätzend (Eisen- und Chlor-wirkung), in verdünntem Zustande adstringirend.
2) Parenchymatöse Blutungen werden gestillt in Folge von Coagulation des Bluteiweisses in den Gefässen und Contraction der Gefäss wandung.
8) Die Eisenchloridlösung wirkt in Folge der Abgabe von Chlor desinficirend. Nach Koch tödtet eino 5n/oige Lösung von Liquor Ferri die Milzbrandsporen nach 6 Tagen. Die Eiterkokken werden durch eine l0/oige Lösung nach 15 Sekunden gotödtet (Martens). Eine 2n/oige Lösung tödtet das Wuthgift nach 2 Minuten (de Blasi und Russo-Travoli). Auch das Schlangengift wird durch Eisenchloridlösung rasch und sicher vernichtet.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Fcrruiu oxydatum. Liquor Ferri albuminati.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.'JlT)
Anwendung. 1) Als Styptic um bei piircnchymatöscn Blutungen, unvonliinnt oder mit Collodium und als styptischoquot; Baumwolle auf Wunden; auf Schleimliäuten (Nasenhölde, Scheiden-kanal, Präputialsack, Mastdarm, Blase etc.) in 150/oiger wässeriger Lösung. Der liiquor Ferri ist namentlich für Operationen am Geflügel zu empfehlen. Auch gegen Lungenhlutungen hat man das Inhaliren einer l/80/oigen Lösung empfohlen.
2) Als Aetzmittel für kleinere, weiche Neubildungen, Strahlkrebs etc., ferner zur Injection in Aneurysmen, Varices undAn-giome (Vorsicht!).
8) Als Speoifioum gegen vergiftete Wunden (Wuth, Schlangcnbiss).
4) Innerlich gegen Magen- und Darmblutungen, jedoch nur in sehr verdünnten schleimigen Lösungen und in kleinen Dosen.
Dosis. Pferd und Rind 25,0.
Schaf und Schwein 0,2-0,5.
Hund 0,10,5.
Katze und Q-eflügel 0,10,2.
Becepte.
1)nbsp; Ri). Liquor. Ferri sosquicliloi'. 5,0.
Collodii 50,0. M. D. S. Aeusserlioh zum Bepinseln der Q-esohwüre an der Schweif-spitze, am Ohr etc.
2)nbsp; Rp. Liquor. Ferri sesqulohlor. 10,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Aoussorlieh zum Einspritzen in die Scheide (Nasenhöhle etc.).
|
||
|
|
||
|
Die übrigen officinellen Eisenpräparate.
Ferrum oxydatum saccharatum solubile, Eisen zu cker (Eisengehalt
30|ü), dargestellt aus Eisenchlorid und Rohrzucker bei Gegenwart von Aetz-alkalien. Ein rotlibrauues, süsses, schwach nach Eisen schmeckendes Pulver, leicht verdaulich, in der Hundepraxis zu 0,1 1,0.
Syrupus Ferri oxydati solubilis, Eisensyrup (Eisengehalt P/o), aus gleichen Theilen Eisenzucker, Syrup und Wasser dargestellt. Ein rothbrauner Syrup, in der Hundepraxis zu '/s1 Theelöftel. Der Eisensyrup darf nicht mit Wasser verdünnt werden, weil sonst das in dem Zucker suspendirte Eisenoxyd ausfällt.
Perrum citricum oxydatum, citrone nsaures Eisen, aus Eisen-chlorid, Ammoniak, Citronensäure und Wasser dargestellt. Rubinrothe, dünne, durchscheinende Bltlttchen von schwachem Eisengeschmacke.
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
81(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;FeiTiim aocticuin, lacticuni, pomatum, jodatimi.
Liquor Ferri albuminati, Eisenalbuminatlösung, aus Eiweiss, Wasser- und Eisenoxychloricllüsung dargestellt und mit aromatischen Stoffen (Zirnrnt) versetzt. Eine rotlibraune, im durehselieinenden Lichte klare, kaum alkalische Flüssigkeit mit schwachem Zimmtgeschmack, aber fast ohne Eisengeschm ack.
Ferrum carbonicum saccharatum, z u c k e r h a 11 i g e s F e r r o c a r b o n a t:
(Eisengehalt lOo/o), dargestellt aus Ferrum sulfuricmn und Natriumbicarbonat. Ein grünlichgraues, süsses, schwach nach Eisen schmeckendes l'ulver (Zucker macht Eisoncnrbonat haltbarer). Dosis in der Hundepraxis 0,22,0.
Ferrum lacticum, milch sau res Eisenoxydul. Darstellung weingeistige Natriunilactatlösung (aus saurer Milch und doppelkohlensaurem Natrium gewonnen) wird mit einer salzsauren Eisenlosung versetzt. Es bildet ein grünlichweisses, krystallinisches Pulver von eigenthümlichem Gerüche. Dosis für Hunde 0,020,1.
Liquor Ferri acetici, Ferriacetatlö sung (Eisengehalt !3u,'o)i dargestellt aus Eisenchlorid, Ammoniak und Essigsäure, eine rothbraune Flüssigkeit. Dosis für Hunde 1020 Tropfen.
Tinctura Ferri acetici aetherea, iltherischeEisenacetattinctur (Eisengehalt -D'.'o), eine Mischung von Liquor Ferri acetici, Essig-Aether und Spiritus. Klare, dun kelbraunrothe, nach Essigsäure riechende Flüssigkeit. Dosis für Hunde 1580 Tropfen.
Extractum Ferri pomatum, ilpfeisaures Eisenextract (Eisengehalt 5$quot;'.11)1 dargestellt durch Kochen von Eisenpulver mit dem Safte saurer Aepfel. Ein grünschwarzer Syrup. Dosis für Hunde 0,10,5.
Tinctura Ferri pomata, äpfelsaure Eisentinctur, eine Auflösung des Extractum Ferri pomatum in Aqua Cinnamomi spirituosa. Eine schwarzbraune, nach Zimmt riechende Flüssigkeit von mildem Eisengesclunacke, mit Wasser ohne Trübung mischbar. Em pf ehl en swerthes Präparat für die Hundepraxis. Dosis 1020 Tropfen.
Tinctura Ferri chlorati aetherea, ä t h e r i s c h e 0 h 1 o r e i s e n t i n c t u r (Tinctura nervina Eestuscheffii), Eisengehalt 1 0/o. Dargestellt durch Mischen einer Eisenchloridlösung mit Aether und Weingeist. Eine klare, gelbe Flüssigkeit von ätherischem Gerüche. Dosis für Hunde 1020 Tropfen.
Liquor Ferri oxychlorati, flüssiges Eisenoxychlorid (Eisengehalt 3,50/o), bildet eine neutrale Lösung von Eisenoxydhydrat in wässerigem Eisenchlorid. 1st leicht verdaulich und nicht ät/.end. Dosis für Hunde lO-od Tropfen.
Ammonium chloratum ferratum, Eisensalmiak (Eisengebalt 2,5o/o), dargestellt durch Erwärmen von Salmiak und Eisenchloridlösung. Ein rothgelbes, hygroskopisches, in Wasser leicht lösliches Pulver; zersetzt sich an der Luft zu schwer löslichen Oxydverbindungen. Dosis für Pferde 510,0, Hunde 0,10,2.
Ferrum jodatum, Eisenjodür, FeJ.^, dargestellt durch Verreiben von Eisen mit Jod, eine grünliche wässerige Lösung. Vereinigt in
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bleizuekcr.
|
817
|
||
|
|
|||
|
sich die Wirkungen dos Eisens und Jods und wird besonders bei Anämie in Verbindung mit Drüsenschwellungen, Leukämie, Scrophulose etc. gegeben. Es wird lediglich angewandt in der Form des Syrupus Ferri jodati, Jod-eisensyrup (Eisengehalt l0/o), ein farbloser bis gelblicher, schlecht schmeckender Syrup (rothbraune Farbe besagt eine Zersetzung zu Eisenoxyd und Jod). Dosis für Hunde 510 Tropfen.
Von nicht officinellen Eisenpräparaten sind endlich zu nennen : Liquor Ferri p e p t o n a t i, Liquor Ferri a 1 b u m i n a t i s a c c h a r a-tus, Ferrum oxydatum fuscum, oxydulatum uigrum, oxyda-tum galac tosaccharatum , man n asacch ar atum, dex tri n atum, sulfuratum, Gelatina Ferri oxydati. Liquor Ferri glyceri-natus, Far r o-Magnes ium sulfur icum, Ferrum chlor at um. Liquor Ferri chlorati, Ferrum citric um ammoniatum (in Oesterreich officinell), Ferrum pho sph olacticum, Ferrum nitri-cum, Ferrum phosphoric um oxydatum, Ferrum pyro phosphor icum oxydatum, Ferrum py ro pho s pho r icum oxydatum cum Ammonio citric o, cum Kalio citrico, cum Natrio c i t r i c o, cum Natrio p y r o p h o s p h o r i c o, Ferrum h y d r o o x y d a-tum dialysatum liquidum (dialysirte Eisenflüssigkeit, in Oesterreich officinell), F e r r u m s u c c i n i c u m , t a n n i c u rn, v a 1 e r i a n i c u m, t a r t a r i-cum, oleinicum, stearinicum, salicylicum, benzoicum, bru-m a t u m, a r s e n i c o s u m , a r s e n i c i cu m , c h r o m i c u m, s u 1 f o - p h e n y 1 i-cum u. a. Als Trefusia bezeichnet man ein aus Ochsenblut dargestelltes Hämoglobinpräparat. Ein ähnliches Präparat ist das H am albumin, F er rat in und Gar n i ferri n. Ueber Hämol und Hämogallol vergl. das Kapitel Pyrogallolquot;; über Ferripyrin vergl. Antipyrin.
|
|||
|
|
|||
|
Pliimbiiiu acetlcnm. Bleizucker.
Pb(QjH:8Oj)j 3H20.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Das Blei findet sich in der Natur sehr vorbreitet vor, namentlich in der Form des Schwefelbleis als Bleiglanz, PbS, aus welchem das Blei hüttenmännisch dargestellt wird. Bei Luftzutritt geschmolzen verwandelt sich das Blei zu gelber Blei glätte (Litbargyrum), d. b. Bleioxyd, PbO. Durch Auflösen von Blei glätte in gereinigtem Holzessig wird der rohe Bleizucker, Plumbum aceticum crudum, dargestellt-, derselbe bildet farblose Krystallmassen, welche durch Verwitterung weisslich bestäubt sind. Der reine Bleizucker, Plumbum aceticum (Bleiacetat, neutrales essigsaures Blei, Saccbarum Saturni), wird durch Umkrystallisiren des rohen dargestellt. Er bildet farblose, durchscheinende, verwitternde oder weisse Krystallmassen von anfangs süsslichem, später widerlich metallischem, zusammenziehendem Grescbmacke, nach Essigsäure riechend, welche sich in 28 Tbeilen Wasser und 30 Tbeilcn Weingeist lösen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
318nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;üluisalzc.
Die wässerige Bleizuckerlösung wird durch Schwefelwasserstoff' schwarz (SPb), durch Schwefelsäure weiss (S04Pb), ebenso durch kohlensaure Alkalien (weisses CO./Pb), endlich durch Jodkaliura gelb (PbJ8) gefärbt (Identitätsreactioncn). Beim Erhitzen auf Kohle vor dem Löthrohr entsteht eine Bleiperlc mit gelblichem Besclilage, welclie unter dem Hammer dehnbar ist. Die wässerige Lösung des Bleizuckers wird an der Luft woisslich getrübt in Folge der Aufnahme von Kohlensäure (kohlensaures Blei). Aus diesem Grunde darf zum Lösen des Bleizuekers kein Brunnenwasser verwendet werden, weil dasselbe Carbonate enthält. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Liquor Plumbi subacetici, Plumbum acetic um basicum solu-tura, Bleiessig, ist basisch-essigsaure Bleioxydlüsung (Acetum saturniimm oder plumbicum) von der Formel Pb^C^H^O^.^OH^. Es wird dargestellt aus Bleizucker, Bleioxyd (Bleiglätto) und Wasser. Der Bleiessig bildet eine klare, farblose Flüssigkeit von süssem, zusammenziehen dem Geschm acke und alkalischer Reaction, welche bald aus der Luft Kohlensäure anzieht und dann einen weissen Bodensatz von kohlensaurem Blei (Bleiweiss) entbillt. Der Bleiessig hat dieselben [dentitätsreactionen wie der Bleizueker. Er dient nur zu ilusserlichem Gebrauche. A.P. 100,0 = 30 Pfennig. Aqua Plumbi, Bleiwasser, ist eine 2'gt;ige Auflösung von Bleiessig in Wasser (1 :4!)) A.P. 500,0 = 20 Pfennig. Es bildet eine etwas trübe Flüssigkeit, welche vor der Abgabe zu schütteln ist. (Das früher officinelle Aqua Goulardi, Goulard'sches Wasser, bestand aus 1 Theil Bleiessig, 4 Theilen Weingeist und 45 Theilen Brunnenwasser.) Das sogen. Villate'sche Wasser, Liquor Villatii (Liquor corrosivus), ist eine durchaus unchemische Mischung von Bleiessig, Zinkvitriol und Kupfervitriol, in welcher sich die betreffenden Metallsalze zu Bleisulfat zersetzen. ünguentum Plumbi, Bleisalbe (Bleicerat), wird aus Bleiessig und Paraffinsalbe (2:19) dargestellt. Sie ist eine weisse Salbe. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Ünguentum Plumbi tannici, Tannin-Bleisalbe, wird bereitet aus Bleiessig (2 Theile), Gerbiiure (1 Theil) und Schweineschmalz (17 Theile). Sie war früher bekannt unter dem Namen Plumbum tannicum pultiforme oder Katapsasma ad deeubitum und wurde durch Ausfallen einer Eichenrindenabkochung mit Bleiessig dargestellt.
Lithargyrum, Bleiglätte, ist Bleioxyd, PbO, Plumbum oxy-datum. Sie wird hüttenmännisch durch Oxydation des Bleies mittelst Gebläseluft und Schmelzen desselben dargestellt und kommt als Silberglätte (hellgelb) und Goldglätte (rothgelb) in den Handel. Die Bleiglätte bildet ein gelbliches oder röthlichgelbes, schweres Pulver (S = 9.25), welches in Wasser unlöslich, dagegen in verdünnter Salpetersäure und Essigsäure farblos löslich ist. Sie dient zur Darstellung des Bleiessigs und der Bleipflaster resp. Salben. Von letzteren sind zu nennen: Emplastrum Lithargyri, Bleipflaster, dargestellt aus gleichen Theilen Bleiglätte, Olivenöl und Schweineschmalz durch Kochen; ein weisses, zähes, nicht fettes Pflaster; Ünguentum diachylon, Diachylon-salbe (Hebra'sche Salbe; ünguentum ad deeubitum), drrrch Zusammenschmelzen von gleichen Theilen Bleipflaster und Olivenöl dargestellt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bleisal/.e.
|
810
|
||
|
|
|||
|
eine fast weisse Salbe. Ausserdem Emplastrum Lithargyri compositum, Gummipflastcr, dargestellt aus Bleipflaster, Wachs, Ammoniakgummi, Galbanum und Terpentin, ein gelbes, dunkler werdendes Pflaster; Emplastrum saponatum, Seifenpi'laster, dargestellt aus Bleipflaster, Wachs, Seife und Campher, ein gelblichweisses Pflaster,
Minium, Mennige, ist eine Verbindung von Bleioxyd mit Bleisuperoxyd = PbßO.!, Plumbum oxydatum rubrum. Es bildet ein schweres, orangerothes Pulver (S = 9,0), welches in Wasser unlöslich ist. Mit Salzsäure bildet es weisses Chlorblei.
|
|||
|
|
|||
|
Cerussa, Bleiweiss, Plumbum carbonicuin ist kohlensaures Blei = CC^Pb. Es wird dargestellt durch Einwirken von Kohlensäure auf Bleiessig oder auf mit Essig benetzte Bleiplatten. Ein weisses, schweres, stark abfärbendes Pulver, unlöslich in Wasser, löslich in Säuron. Dient zur Darstellung folgender Pflaster und Salben: ünguentum Cerussae, Bleiwcisssalbe, aus Bleiweiss (8 Theile) und Paraffinsalbe (7 Theile) bestehend, eine weisse Salbe; ünguentum Cerussae camphoratum (die vorige mit etwas Campher); Emplastrum Cerussae, Bleiweisspflaster, aus Bleipflaster und Olivenöl; ein weisses, hartes Pflaster.
f Plumbum jodatum. Jodblei, PbJ.^, dargestellt aus Bleizucker und Jodkalium, ein hochgelbes, schweres Pulver, in Wasser fast unlöslich (1 : 2000), leicht dagegen in warmer Salmiaklösung und Aetzlaugen. Erhitzt schmilzt es unter Freiwerden violetter Dämpfe. Das Präparat vereinigt die Wirkung des Bleies mit der des Jods, (ünzweckmässiges Präparat.)
t Plumbum nitricum, salpetersaures Blei, Pb(NO;jX), wird dargestellt durch Auflösen von Bleioxyd (Bleiglätte) in Salpetersäure. Ein farbloses, krystallimsches, nicht officinelles Salz, in 2 Theilen Wasser vollkommen klar löslich. Wirkt äusserlich stark austrocknend (Anwendung gegen Strahlkrebs). Von anderen nicht officinellen Bleipräparaten sind zu nennen; Plumbum chloratum, chromicum, hypophosphorosum, hyposul-furosum, olel'nicum, salicylicum, sulf'ophenylioum, tannicum, sulfuricum. Als Plumbum causticum bezeichnet man ein zum Aetzen von Warzen dienendes Gemenge von Bleioxyd (3,3) und SS^/niger Kalilauge (100),
Wirkung der Bleisalze. 1) Die Salze des Bleies haben, wie alle schweren Metalle, eine grosse Affinität zum Eiweiss, indem sie mit demselben Blei albumin ate bilden. Aus diesem Grunde wirkt der Bleizucker und Bloicssig bei concentrirter Anwendung ätzend auf Schleimhäute und Wunden, und erzeugt auf denselben einen weissen, derben, pflasterartigen Aetzscliorf von Blei-albuminat. In verdünnten Lösungen wirken die Bleisalze auf Schleimhäute und Geschwüre adstringirend, austrocknend und secretions-beschränkend, indem sie Niederschläge von Bleialbuminaten auf der Oberfläche, Eiweisscoagulation in den secernirenden Schleimhnutzellen sowie Schrumpfung derselben bedingen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
1\oqnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bleiwirkung.
2)nbsp; nbsp;Uie kleinen Arterien und Venen der Schleimhäute, Geschwüre etc. (nicht aber die kapillaren) werden bei directer örtlicher Application von Eleilösungen bis zur Hälfte ihres Volums verengert, so dass die Circulation stockt und innerhalb der Gefässe Coagulation auftritt.
3)nbsp; Im Verdauungsapparate führen kleinere Dosen nur zu Verstopfung, grosse dagegen erzeugen Verätzung der Schleimhaut undeine schwere Gastroenteritis. Die Bleisalze sind ausser-dem in grossen Dosen starke Erregungsmittel für die motorischen Darm gang lie n und erzeugen verstärkte Peristaltik sowie krampfartige Contractionen des Darmrohrs mit heftigen Kolik-schmerzen (Bleikolikquot;) und Durchfällen.
4)nbsp; Das centrale Nervensystem wird durch grosse Gaben der Bleisalze stark erregt. Es treten namentlich in Folge Heizung gewisser central er motorischer Apparate im Mittel- und Kleinhirn eigenthümliche epileptiforme, ataktische oder chorea-artige Bewegungen auf (Eklampsia saturnina, Encephalopathia saturnina), bestehend in Zittern, Zuckungen, Krämpfen, welche schliesslich in eine Lähmung der betreffenden motorischen Centren mit Tod übergehen. Die Empfindlichkeit ist hiebe! vollkommen intact; dagegen ist das Bewusstsein namentlich beim Rinde in Folge Reizung der psychischen Grosshirncentren gestört (Anfälle von Tobsucht).
5)nbsp; Die q u e r g e s t r e i f t e n K ö r p e r m u s k e 1 n werden durch die Bleisalze zunächst in der Weise afficirt, dass der thätige Muskel rasch ermüdet und erschöpft wird-, später verlieren die Muskeln ihre Erregbarkeit und werden gelähmt (Paralysis saturnina). Man findet sie dann blass und atrophisch; ihre Muskelfasern zeigen Verschmälerung, Kernwucherung und Verfettung. Beim Pferde entsteht so unter anderem in Folge Atrophie der Kehlkopfmuskeln Rohren.
(3) Im Circulationsapparatc entsteht wahrscheinlich in Folge directer Erregung der vasomotorischen Nerven eine starke Contraction der Arterien mit hartem, drahtartigem Pulse und Herzklopfen. Amylnitrit hebt diese Wirkung auf.
7) Die Körperdrüsen werden durch grosse Dosen von Blei ebenfalls in einen Reizzustand versetzt, welcher mikroskopisch in Form der veränderten Drüsenzellen nachweisbar ist (Darmdrüsen, Leber, Niere etc.). Der Stoffwechsel ist in Folge der Erregung der Drüsen, des Darmkanals, des Gehirns etc. stark gesteigert.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Satumiämus,
|
321
|
||
|
|
|||
|
wobei im quot;Weiteren selbst eine Verfettung der Drüsen hinzukommt. Später ist der Stoffwechsel herabgesetzt.
8)nbsp; Das Körperbindegewebe erfahrt durch die Bleisalze ebenfalls zuerst eine starke Reizung. Bei chronischer Bleivergiftung führt diese Reizung zur Wucherung und Neubildung von Bindegewebe in allen wichtigen Organen (Darm, Leber, Nieren, Gehirn, Rückenmark, Retina, Sympathicus). Diese Bindegewebswucherung beginnt in der Umgebung der Gefässwandungon. Im Darmkanal findet namentlich eine Bindegewebswucherung in der Umgebung der Darmganglien mit Compression und späterer Degeneration derselben statt (Maier). In der Niere hat die Zunahme des Bindegewebes beim Menschen die Ausbildung einer Schrumpfniere zur Folge.
9)nbsp; Die Aufnahme der Bleisalze erfolgt in jeder Form von allen Schleimhäuten, von Wunden und Geschwüren aus; auch das reine metallische Blei sowie das in Wasser unlösliche schwefelsaure Blei werden vom Körper resorbirt. Im Wesentlichen erfolgt die Resorption als Bleialbuminat im Dünndarme (als sogenannte metallorganische Verbindung); zu einem kleineren Theile vom Magen aus als Chlorblei. Im Dickdarm verwandelt sich das nicht resorhirte Blei in Schwefelblei. Alle Körperorgane sind bleihaltig, so die Leber, Nieren, Drüsen, das Gehirn, die Muskeln, Knochen etc. Die Ausscheidung des Bleies ist eine sehr langsame (feste Verbindung mit dem Organoiweiss); sie erfolgt durch die Galle, den Harn und Speichel; durch .Todkalium wird sie wesentlich beschleunigt.
Bleivergiftung, Saturnismus. Man hat bei der Vergiftung mit Blei eine acute und chronische Vergiftung zu untorscheiden.
Die acute Bleivergiftung setzt sich bezüglich ihrer Erscheinungen wesentlich zusammen aus der ätzenden Wirkung auf die Digestionsschleimhaut und der erregenden auf die Darm wan dung und das Gehirn. Demnach treten in den Vordergrund die Symptome der Gastroenteritis (Erbrechen. Durchfall, Verstopfung), der Darmkolik (Bleikolik) und der motorischen Gehirnreizung (Zittern. Zuckungen. Krämpfe. Convul-sionen, epileptiforme und choreailhnliche Zufälle, Aufregung, Tobsucht). Dabei ist starke Arterienoontraction und selbst Pulsverlangsamung vorhanden. Der Tod tritt ein in Folge von Gehirn- und Muskellähmung (Bleilähmung). Bei der Section findet man entzündliche Veränderungen auf der Schleimhaut des Digestionsapiiarates.
Die chronische Bleivergiftung zeigt nicht bei allen Thier-gattungen constante und übereinstimmende Symptome, Im Allgemeinen äussert sie sich in V erdauungsstör ungen (Verstopfung abwechselnd mit Durchfall, Stomatitis, Bleisaum); zunehmender Abmagerung und Schwäche, chronischem Bronchialkatarrh, Abortus, Sterilität, Hautausschlägen, sowie in Affectionen des Nervensystems: Bleikolik (Colica saturnina), motorischen Gehirnreizungserscheinungen (Eklampsia
Fröhner, ArziieiinitMlcln-e. 1. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 21
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bleizucker.
saturnina, Encephalopathia .saturnina), Gelenkschmerzen (Arthral-gia saturnina), Zittern und Muskellähinung (Tremor saturninus, Paralysis saturnina). Hieher gehört beim Pferde auch das saturnine Kehlkopf pfeifen. Ferner bilden sich Sehstörungen aus, selbst Erblindung (Amblyopia und Amaurosis saturnina). Endlich kommen nicht selten die Symptome einer chronischen interstitiellen Nephritis hinzu. Der Tod erfolgt unter hochgradiger Abmagerung und Erschöpfung. Bei der Section findet man chronischen Magendarmkatarrh, Atrophie der Darmschleimhaut, Verfettung der Darmwandungen, Verfettung der Leber, Schrumpfniere sowie Entartungszustilnde der Nierenzellen. In einem Falle fand man beim Menschen Wucherung und Sklerotisirung des Bindegewebes mehrerer Sympathicusganglien (Ganglion coeliacum und cer-vicale supremum).
Die einzelnen Thiergattungen verhalten sich dem Blei gegenüber verschieden.
1)nbsp; Das Rind besitzt von allen Thieren dem Blei gegenüber die grösste Empfindlichkeit. Vergiftungen ereignen sich am hilufigsten in Folge der Aufnahme von Schrotkürnern, Bleifarben, Bleiessig, Bleizucker. Unter den Vergiftungssymptomen treten die ce rebralen Erscheinungen (Tobsucht, Kaukrälmpfe, sogenannte Haukrankheit; epileptiforme Anfülle, sogenannten Jammer) in den Vordergrund. Gewöhnlich besteht ferner Speicheln. Vereinzelt beobachtet man auch das Auftreten eines pustu-lösen Exanthems. Die Todesdosis, speciell des Bleizuckers, scheint eine sehr niedere zu sein; sie liegt bei circa 50 g. So sah Ritter
2nbsp; nbsp;Kühe sterben nach der Aufnahme von zusammen 100 g Bleizucker. Fischer sah eine Kuh auf 48 g Bleizucker sterben, eine andere auf 62 g schwer erkranken. Nach Prinz starben von 10 Kühen, welche zusammen 500 g Bleizucker aufgenommen hatten, 6; die anderen erkrankten schwer.
2)nbsp; Pferde zeigen auf 500 g Bleizucker zwar schwere Vergiftungserscheinungen, sterben aber nicht (Hertwig). Die tödtliche Dosis liegt erst zwischen 500 und 750 g. Die Ursache dieser grossen Verschiedenheit zwischen Pferd und Rind ist offenbar wie beim Calomel darin zu suchen, dass das Blei beim Rinde längere Zeit im Verdauungstractus bleibt und daher ausgiebiger resorbirt werden kann. Ein besonders charakteristisches Symptom der Bleivergiftung beim Pferde ist dasKnhlkopf-pfeifen (Lähmung der Kehlkopfmuskeln). Giftiger als der Bleizucker scheint das Bleioxyd zu sein; nach Dominik starb ein Pferd auf 300 g Bleiglätte. Intravenös hatten 2 g Bleizucker bei mehreren kräftigen Pferden innerhalb 58 Minuten den Tod zur Folge. (Die Ursache ist hier wohl in Coagulation des Blutes und in Lungenembolie zu suchen.) Das unter dem Namen Anticolicumquot; gegen die Kolik der Pferde und des Rindes angepriesene Geheimmittel enthält als Hauptmittel Blei/ucker (in 2G5 g 15 g) lind ist in Folge dessen sehr gefährlich und durchaus verwerflich.
3)nbsp; Schafe sterben auf die einmalige Verabreichung von 50 g Bleizucker nach 8 Tagen (Gerlach). Ellenberger und Hofmeister (Berliner Archiv 1884) fütterten 2 Schafe mit kleinen Dosen Bleizucker (0,53,0 pro die). Das eine starb nach der Verabreichung von zusammen 150 g nach
3nbsp; Monaton, das andere bei einer Gesammtmenge von 104 g nach 4 Monaten an chronischer Bleivergiftung. Die Symptome derselben waren nicht sehr charakteristisch: Abnehmende Fresslust, Traurigkeit, gestörtes Wiederkauen, trockene Wolle, grosse Muskelschwäche, Unruheerscheinungen, verzögerter Kothabsatz, Durchfall, Verringerung der Harnsecretion, Abnahme der Harn-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Bloizucker.
|
823
|
||
|
|
|||
|
Stoffausscheidung, zuweilen Albuminurie, jedoch keine Symptome von En-cephnlopathie, Arthralgie und Bleililhnmng. Bei der Section war u. a. eine eigenthümliche Kerndegeneration der Nierenepithelien zu constatiren. Die chemische Untersuchung ergab, dass am meisten Blei enthielten die Leber, die Nieren, die Speicheldrüsen, die Milz, die Knochen und das Centralnervensystem.
4)nbsp; nbsp;Schweine zeigten nach der Verabreichung von 8 g Bleizucker schwere Vergiftungserscheinungen, genasen aber wieder nach 4 Tagen.
5)nbsp; Hunde sterben von 102r)g Bleizucker ab an acuter Bleivergiftung. Ein Hund starb beispielsweise auf 14 g innerhalb 28 Stunden (Orfila); ein anderer starb auf 8 g Bleifeilo nach 18 Tagen. Ferner starben Hunde bei tilglieher Verabreichung von 0,20,5 Bleizucker nach 58 Wochen Q.n chronischer Bleivergiftung (Gesammtverbrauch 1030 g). Die Erscheinungen der chronischen Bleivergiftung bei Hunden sind nach den experimentellen Untersuchungen von He übel und Mai er: Apetitlosigkeit, Erbrechen, Speichelfluss, Durchfall, hochgradige Abmagerung, namentlich Muskelatrophie am Rücken und an den Hinterschenkeln, vorübergehende Kolikanfalle, Schwäche der hinteren Extremitäten, Zittern (eigentliche Muskellähmung fehlte), ausgeprägte Eklampsia saturnina (in der 4. oder 5, Woche), verzögerter Kothabsatz und Verstopfung. Bei der Section fand sich in allen Organen (Darm, Leber, Nieren, Gehirn, llückenmark) eine starke Bindegewebswucherung, zunächst in den Gefilsswandungen mit consecutiver Compression der Gefässe, Atrophie der Darmdrüsen, Darm-follikel und Darmzotten, sowie Atrophie der Darmganglien. Intravenös sterben Hunde augenblicklich auf 0,() g Bleizucker.
6)nbsp; Das Geflügel ist, gegen Blei ähnlich empfindlich wie das Rind. Tauben starben auf 4 g Schrotkörner am 3. Tage; Hühner zeigen nach dieser Dosis eine vorübergehende Vergiftung.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Innerlich als Stypticum bei hartnackigem Durchfällen. Diese rein locale Wirkung des Bleiacetats wird zur Zeit in praxi am häufigsten benutzt.
2)nbsp; Gegen Magen- und Darmblutungen; ausserdem wird der Bleizucker auch empirisch gegen Lungen-, Nieren-, Blasen- und Uterusblutungen angewandt.
3)nbsp; Gegen acute Nephritis und nicht zu weit vorgeschrittenen Morbus Brigthii. Beim Menselicn fand man unter der Einwirkung des Bleizuckers eine Verminderung des Eiweisses, gesteigerte Ausfuhr der die Harnkanälchen verstopfenden Eibrincylinder und vermehrte Diurese.
4)nbsp; Bei hochgradiger Dyspnoe und Lungenödem (Gefässcon-traction), sowie hei Bronchoblennorrhöc und Lungenbrand.
5)nbsp; Aeusserlich wird der Bleizucker als Aetzmittel (z. B. bei Strahlkrobs) sowie als Adstringens hei Conjunctiviten, Cystiten, Metriten, Vaginiten, Proctiten, als Mastdarminfusion gegen Diarrhöe, in Eorm der Inhalation hei profusem Bronchialkatarrh, in Form der intratrachealen und intralaryngealen Injection etc. angewandt. Contra-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
324nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bleizuoker.
indicirt ist derselbe jedoch in der Augenpraxis bei gleichzeitigem Vorhandensein von Corneagesclnvüren, weil dieselben das Blei chemisch binden (Bleialbuminat), und so Hornhautflecken zurückbleiben. Endlich dient der Bleizucker zur Bereitung der essigsauren Thon-erde in Form der Burow'schen Lösung. Die letztere wird dargestellt aus 2 Theilen Bleizuoker, 1 Theil Alaun und 50 Theilen Wasser.
6)nbsp; Der Blei ess ig wird ausschliesslich äusserlich angewandt als Adstringens bei Hautentzündungen, Verbrennungen, Quetschungen, Decubitus, eiterigen Ekzemen, Cleschwüren, Strahlkrebs, Blutungen sowie bei öchleimhautkatarrhen, (Conjunctivitis, Metritis, Eluor albus, Vaginitis, Stomatitis etc.).
7)nbsp; nbsp;Das Bleinitrat in Pulverform eingestreut ist nach Pütz ein gutes Mittel gegen Strahlkrebs.
Form. Man gibt den Bleizucker innerlich in Pillen, Latwergen, Lösungen und Pulvern. Hiebe! soll man wegen der eintretenden Zersetzung des Bleizuckers die gleichzeitige Verabreichung von Alkalien, kohlensauren und schwefelsauren Salzen, Salzsäure und Schwefelsäure sowie von Gerbsäure vermeiden. Den Bleiessig verwendet man entweder concentrirt (leichte Aetzwirkung) oder verdünnt zu Waschungen in Form des 2 0/oigen Aqua Plumbi, ferner in Vlaquo;20/oigen Lösungen gegen Schleimhautkatarrhe. Gegen Ekzeme, Verbrennungen, eiterige Dormatiten, Decubitus (z. B. bei Kolik) kann man auch die Bleisalbe, die Tanninbleisalbe (letztere namentlich als vorzügliche Decubitussalbe) oder die Diachylonsalbe anwenden. Die verschiedenen Bleipflaster worden in der Thierheilkunde fast gar nicht oder nur zur Bereitung der scharfen Pflaster angewandt.
Dosis des Bleizuckers, Dieselbe beträgt für Pferde 2-12,0. Rinder 14,0.
Schafe, Ziegen und Schweine 0,31,0. Hunde 0,05-0,3. Katzen und Geflügel 0,010,05.
Becepte.
1) llp. Plumbi acetioi 10,0. Opii pulv. 5,0.
Pulv. Rad. Althaeao qu. s. f. Pil. D. S. Für ein Pferd mit Diarrhöe.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kupfervitriol.
2)nbsp; Rp. Plumbi acctici 0,05.
Opü jjulver. 0,1. Sacchar. 1,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. X. S. Sstündlich 1 Pulver für einen Hund mit Durchfall.
3)nbsp; Rp. Plumbi acetici 5,0.
Aluminis crudi 2,5. Aqu. destill. 100,0. M. D. 8. Burow'schc Lösung.
|
||
|
|
||
|
Cuprum sulfuricum. Kupfervitriol.
CuS04 5H.p.
Fharmaceutische Chemie. Das Kupfer kommt in der Natur vor in metallischem Zustande (am Lake superior in Nordamerika, in Chile, Bolivia, Spanien, Ungarn, im Erzgebirge), als Oxyd (Roth-kupfererz = Cu20; Sclnvarzkupfererz = CuO), als Sulfid (Kupferglanz = Cu2S; Kupferkies = Cu2S -\- Fe^S.j etc.) sowie in verschiedener Form in mehreren Mineralerzen (Silbererze, Eisenerze), endlich in geringen Mengen im pflanzlichen und thierischen Organismus. Der Kupfer vitriol (blauer Vitriol, Vitriolum Cupri, Kupfersulfat, Cuprum sulfuricum) ist in zwei Formen officinell:
1)nbsp; nbsp; Der rohe Kupfervitriol (Cuprum sulfuricum crudum) bildet blaue, grosse, durchsichtige Krystalle oder krystallinische Krusten von widrigem, metallisch-adstrin girendem Gre-schmache, löslich in 3,5 Theilen kaltem und 1 Theil siedendem Wasser. Seine Lösung reagirt sauer und gibt mit überschüssigem Ammoniak eine klare tiefblaue Flüssigkeit. Der rohe Kupfervitriol des Handels ist ziemlich rein und enthält nur eine kleine Menge Eisenvitriol (seltener Zinkvitriol); er genügt daher für die Zwecke der Thierheilkunde, speciell für den äusserlicben Gebrauch. Die Darstellung des rohen Kupfervitriols ist eine verschiedene! aus schwefelhaltigen Kupfererzen durch Rösten und Auslaugen mit Wasser oder durch A u s 1 au g e n v e r w i tte r te r K u p fe r k i e se , aus den Kupfersulfat enthaltenden Grubenwässern durch Eindampfen und Krystallisiren; bei der Silbergewinnung aus silberhaltigem metallischem Kupfer und Schwefelsäure; aus kupferoxyd-haltigen Abfällen mit Schwofelsäure.
2)nbsp; Der reine Kupfervitriol (C u p r u m a u 1 fu ri c u m) bildet lasurblaue, durchsichtige Krystalle (rhomboidische Säulen) von unangenehmem, me tal lisch-ad string! rend em Geschmacke, in
|
||
|
|
||
|
|
||
|
320nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kupferaalze.
3,5 Theilen kaltem und in 1 Theil siedendem Wasser löslich. I dent i-tätsroactionen sind: tiefblaue Färbung mit überschüssigem Ammoniak; Seh w a r z f ä r b u n g durch Schwefelwasserstoff (SCu); Mutrothe r Niederschlag mitEerrocyankalium; b 1 augr üner Niederschlag mit Aetzalkalieu (Kupferreactionen); weisser Niederschlag mit Baryumnitrat (Sulfatreaction). Der reine Kupfervitriol wird aus reinem K up f e r m e ta 11 und Schwefelsäure dargestellt (zur Beschleunigung der Auflösung dient ein Zusatz von Salpetersäure). A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Cuprum aluminatum (Kupferalaun, Kupferstift, Blaustift; Lapis divinus, Lapis o pbthalmicus) wird durch Zusanunenschmelzen gleicher Theile Kupfervitriol, Alaun und Kalisalpeter dargestellt mit Zusatz von etwas Campher. Er bildet grünlichblaue, nach Campher riechende Stücke, welche in Wasser leicht löslich sind und zu Aetzzwecken in der Augenheilkunde dienen. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Cuprum oxydatum, das officinelle Kupferoxyd, CuO, wird durch Fällen von Kupfersulfat mit Natriumcarbonat dargestellt. Es bildet ein schwarzes, schweres Pulver, welches in Wasser unlöslich, aber in Säuren löslich ist. Anwendung innerlich gegen Bandwürmer; äusserlich als zertheilendes Mittel in Salben. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Cuprum sulfuricum ammoniatum, Kupferammoniumsulfat, N^HcXCuSOJ, dargestellt aus Kupfervitriol und Salmiakgeist, ein dunkelblaues, schwach alkalisch riechendes Krystallpulver, früher statt Cuprum sulfuricum angewandt. Ueberflüssiges, leicht zersetzliches Präparat.
f Cuprum aceticum, Grünspan, Aerugo, Cu^hTjO.^-j-IJ'/X dargestellt durch Auflösen von Kupferoxyd in Essigsäure, bildet dunkelgrüne, 1 : 15 Wasser lösliche Krystalle (Grünspanvergiftung = Aeru-ginismus). Früher als Aetzmittel und Adstringens benützt, hauptsächlich in Salbenform in der Wundbehandlung sowie in wässeriger Lösung. Die früher officinelle ägyptische Salbe (Unguentum aegyptiacum, Aegy ptiacsalbe, Oxymel oder Linimentum Aeruginis, Grünspan-Sauerhonig) wurde aus Grünspan, Essig und Honig dargestellt. Andere ähnliche Wundsalben wurden aus Grünspan, Schweinefett und Honig bereitet. Das früher angewandte grüne Wasser (Aqua viridis) bestand aus Grünspan, Alaun, Honig und Franzbranntwein. Andere (überflüssige) Kupferpräparate sind der nicht mehr officinelle Liquor corrosivus (Liquor Villatii), bestehend aus Kupfervitriol (1 Theil), Zinkvitriol (1 Theil), Bleiessig (2 Theile) und Essig (12 Theile), vergleiche auch S. 318, sowie das Blauwasser (Aqua coerulea), bestehend aus Kupfervitriol, Salmiak, Kalkwasser etc. Von sonstigen Kupferpräparaten sind dem Namen nach zu nennen: Cuprum arsenicicum, bichl oratum, carbonicum, chromicum, cyanatum, nitroprussicum, oleünicum, oxalicum, sulfo-phenylicum , tartaricum etc.
Wirkung der Kupfersalze. 1) Wie Silber, Blei und Eisen, so hat auch das Kupfer eine starke Affinität zum Körp er ei weiss
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Kupfervitriol.
|
827
|
|||
|
|
||||
|
|
und wirkt daher unter Bildung von Ku pf er albumin at concentrirt ätzend auf Schleimhäute und Wunden, in verdünnten Lösungen ad-stringirend (austrocknend, entzündungswidrig, secretionsbeschrän-kend). Mit Blut zusammengebracht coagulirt es dasselbe.
2) Innerlich erzeugt der Kupfervitriol Erb rechen in Folge einer reflectorischen Erregung des Brechcentrums, Appetitstörung und Verstopfung. Grössere Dosen haben eine heftige Gastroenteritis zur Folge (Erbrechen, Kolik, Durchfall).
8) Die allgemeine Kupferwirkung ist hauptsächlich auf die quergestreiftenSkeletmuskeln und das Herz gerichtet; dieselben werden gelähmt (Unsicherheit im Gehen/Schwäche, Zittern, vollständige Bewegungslähmung). Bei Schafen beobachteten Ellenberger und Hofmeister nach längerer Verabreichung von Kupfer ausser-dem Hämoglobinämie, Ikterus, Nephritis und Albuminurie.
4)nbsp; Der Kupfervitriol hat ferner eine wenn auch schwache antiseptische Wirkung; er hemmt in einer Verdünnung von 1 : 300 die Entwicklung der Bacterien.
5)nbsp; nbsp;Das Kupferoxyd ist ein starkes Gift für Bandwürmer. Früher wurden die Kupferverbindungen auch gegen Räude gebraucht.
Die Aufnahme der Kupfersalze ins Blut findet in Form des Kupferalbuminates statt. Alle Organe sind dann kupferhaltig, namentlich aber die Leber, die Nieren, die Pankreasdrüse, die Nerven, Muskel etc. Da das Kupfer lange Zeit im Körper zurückgehalten wird, ist seine Ausscheidung eine verzögerte; dieselbe geschieht durch die Galle und den Harn.
Anwendung. Aeusserlich als Aetzmittel in der Augenheilkunde bei granulösen, follikulären, pannösen Wucherungen auf der Conjunctiva und Cornea, sowie bei Hornhautgeschwüren. Sodann in der Chirurgie als Aetzmittel und Adstringens bei Fisteln und Geschwüren (Hufknorpelfistel, Hufgeschwür, Strahlkrebs), als Aetzmittel für Kluppen. Ausserdem als austrocknendes und desinficiren-des Mittel bei Klauenseuche. Schleimhautkatarrhen (Fluor albus, Conjunctivitis catarrhalis) etc. Trasbot empfiehlt den Kupfervitriol auch als ganz unschädliches Mittel gegen Herpes in 24quot;,oigen Lösungen.
2)nbsp; Innerlich als Brechmittel für Hunde, Schweine und Katzen.
3)nbsp; Innerlich als Antidot gegen Phosphorvorgiftung. Der
|
|||
|
|
||||
|
.
|
||||
|
|
||
|
328nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kupfervitriol.
Phosphor beschliigt sich mit einer Schichte metallischen Kupfers unter Bildung von Phosphor-Kupfer.
4) Innerlich gegen Bandwürmer in Form des Kupferoxyds.
Form. Zum Aetzen bedient man sich in der Augenheilkunde des Kupferalaunstiftes (Lapis ophthalmicus s. divinus) oder einei' concentrirten (100/nigen) Lösung; in der Chirurgie des Pulvers oder starker Lösungen. Zum Adstringiren und Desinficiren benützt man 0,52 0/oige wässerige Lösungen. Innerlich gibt man die Kupfersalze in Pulvern mit Zucker etc. oder in verdünnter Lösung.
I Dosis. 1) Als Brechmittel:
Schweine 0,51,0. Hunde 0,10,5. Katzen 0,050,2. 2) Als Antidot resp. Bandwurmmittel: Pferd 215,0. Rind 28,0.
Schaf, Ziege und Schwein 0,51,0. Hund 0,050,1. Katze und Geflügel 0,020,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Oupri sulfurici 1,0.
Aqu. destill. 50,0. M. f. Sol. D. S. '^stündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) voll bis zur Wirkung. Brechmittel für Hunde (Katzen).
2)nbsp; Rp. Cupri sulfurici 1,0.
Sacchari 5,0. M. f. Pulv. D. S. Auf die Zunge zu streuen. Brechmittel für Schweine.
3)nbsp; Rp. Cupri sulfurici 2,0.
Aqu. destill. 200,0. M. f. Sol. D. S. Augemvasser.
4)nbsp; Rp. Cupri sulfurici crud. 50,0.
Aqu. commun. 500,0. M. f. Sol. D. S. Acusserlich zum Einspritzen gegen Hufknorpelfistel.
5)nbsp; Rp. Cupri sulfurici crud. pulv.
Ferri sulfurici crud. pulv. ää 100,0. M. D. S. Streupulver gegen Strahlkrebs.
6)nbsp; Rp. Cupri oxydati 0,05.
Amyli 0,2.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. III. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit Bandwurm.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Zinkvitriol.
|
329
|
||
|
|
|||
|
Zincum snlfuricum. Zinkvitriol.
ZnS044-7H20.
Pharmaceutische Chemie. Das Zink kommt in der Natur immer gebunden vor, so als Carbonat, ZnCO,, im Guhnei und Zink-spath, als Sulfid, ZnS in der Zinkblende, als Oxyd, ZnO im Rothzinkerz und als Silicat im Kieselzinkerz. Der Zinkvitriol (Zincum sulfuricum, Zinksulfat) wird entweder aus rohem Zinkoxyd und Schwefelsäure, oder aus metallischem Zink und Schwefelsäure dargestellt. Er bildet farblose, n ade 1 form ige, an der Luft verwitternde Krystalle von scharfmetallischem, ekelhaftem Ge-schmacke, welche sich 0,6 Theilen Wasser mit saurer Reaction lösen, dagegen in Weingeist unlöslich sind. Identitiltsreactionen: 1) weis8er Niederschlag von Zinkhydroxyd durch Aetzalkalien (Zinkreaction). Dieser letztere Niederschlag verschwindet im üeber-schusse der Aetzalkalien wieder; durch Einleiten von Schwefelwasserstoff entsteht jedoch ein neuer weisser Niederschlag von Schwefelzink; 2) weisser Niederschlag von schwefelsaurem Baryt mit Baryumnitrat (Sulfatreaction). A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Zincum oxydatum, Zinkoxyd, ZnO (Plores Zinci, Zinkweiss), ist als rohes und reines Präparat officinell. 1) Das Zincum oxydatum crudum (Zincum oxydatum venale, Z. o. ad nsum externum) wird f'abrikmässig durch Verbrennen von Zinkdilmpfen dargestellt und bildet ein feines, weisses, in Wasser unlösliches Pulver. Es genügt für die äusserliche Anwendung. A.P. 10,0 = 5 Pfennig. 2) Das Zincum oxydatum purum wird durch Glühen des kohlensauren Zinkoxyds dargestellt. Es bildet ein zartes, weisses, amorphes, in Wasser unlösliches, in der Hitze vorübergehend gelbliches Pulver, das sich in 10 Theilen Essigsäure ohne Aufbrausen löst, ebenso in überschüssigem Ammoniak; Schwefelwasserstoff scheidet aus dieser Lösung weisses Schwefelzink. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. 1 Theil rohes Zinkoxyd mit 9 Theilen Schweineschmal/, gibt die officinelle Zinksalbe, Unguentum Zinci, eine weisse Salbe. In Oesterreich wird die Zinksalbe aus Adeps benzoinatus (10), Wachs (2), Zinkoxyd (2) und Mandelöl (1) officinell dargestellt.
Zincum aceticum, essigsaures Zinkoxyd, Zn(0gt;iHgOo)o (officinell), wird aus rohem Zinkoxyd und Essigsäure dargestellt. Es bildet weisse, glänzende Blättchen, in 23 Theilen Wasser löslich. Eisenchlorid färbt die Lösung roth (essigsaures Eisenoxyd); Kalilauge fallt weisses Zinkhydroxyd.
Von nicht-officinellen Zinkpräparaten sind endlich zu erwähnen: Zincum sulfocarbolicum, carbolschwefelsaures Zinkoxyd, durch Mischen von Carbolsäure, Schwefelsäure und Zinkvitriol dargestellt, farblose, durchsichtige, leicht verwitternde Tafeln oder Säulen
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zinksalze.
darstellend, 1 ; 2 Wasser oder Alkohol löslich, mit Eisenchlorid sich violett färbend (Carbolreaction). Ferner: Zincum lacticum, boricum, vale rianicum, cyanatum, f errocy anatum, permanganicum, phos-phoratum (mit Phosphorwirkung), phosph oricum, bromatum, jodatum, carbonicum, olel'nicum, tannicum, salicylieuni, benzoicum, sulfoichthyoli cum u. a. Das Zinkchlorid wird im Folgenden besonders besprochen.
Wirkung der Zinksalze. 1) Die Zinksalze haben eine mit den Kupfersalzen übereinstimmende, nur etwas schwächere Wirkung. Con-centrirt ätzen sie unter Bildung eines trockenen Schorfes von Zink-albuminat; in verdünnten Lösungen wirken sie adstringirond auf Schleimbiiute und Geschwüre.
2)nbsp; Alle Zinksalze wirken antiseptisch, wenn auch die meisten nur schwach, so der Zinkvitriol erst bei einer Verdünnung von 1 : 50. Am stärksten antiseptisch wirkt Chlorzink.
3)nbsp; Innerlich erzeugt der Zinkvitriol Erbrochen; in grossen Dosen Gastroenteritis. Subcutan eingespritzt verursacht er acute Nephritis.
4)nbsp; AYie beim Kupfer ist die Allgemoinwirkung der Zinksalze hauptsächlich eine lähmende auf die quergestreiften Skelet-muskeln und das Herz; das Nervensystem scheint unberührt zu bleiben. Die Aufnahme des Zinks in das Blut erfolgt in der Form des Zinkalbuminats.
Anwendung. 1) Der Zink vitriol wird hauptsächlich äusser-lich als Adstringens in der Augenheilkunde gegen katarrhalische und eiterige Conj unetivitis verwendet (0,52 0/oige Lösung). Ausser-dem benützt man ihn in 15 n/oiger Lösung zu Einspritzungen gegen Präputialkatarrh, Vaginitis, Fluor albus, Otorrhöe etc. (beim Menschen Spocificum gegen Tripper). Innerlich wird er wie der Kupfervitriol als Brechmittel angewandt.
2) Das Zinkoxyd wird als Adstringens äusserlich in Pulverform oder als Zinksalbe gegen eiterige Ekzeme, Dermatiten, Inter-trigo, sowie als leichtes Aetzinittel gegen chronische Conjunctiviten und Keratiten angewandt. Innerlich wird es als Stypticum gegen chronische Diarrhöen, sowie als Adstringens bei chronischem Magen-darmkatarrh gebraucht.
Dosis des Zinkvitriols:
Schweine 0,51,0, Hunde 0,10,8. Katzen 0,050,1.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Zinkvitriol.
|
331
|
||
|
|
|||
|
des Zinkoxyds:
Pferde 510,0.
Rinder 25,0.
Schafe und Schweine 0,51,0.
Hunde 0,10,2.
Katzen 0,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Zinci sulfurici 1,0.
Aqu. destill. 100,0. M. f. Sol. D. S. Augenwasser.
2)nbsp; Ri). Zinci sulfurici 525,0.
Aqu. destill. 500,0. M. f. Sol. D. S. Zum Einspritzen gegen Präputialkatarrh beim Hunde. 8) Rp. Zinci sulfurici 1,0.
Sacchari 5,0. M. D. S. Breclimittel für ein Schwein.
4)nbsp; Rp. Zinci sulfurici 1,0.
Aqu. destill. 150,0. M. f. Sol. D. S. Stündlich 1 EsshJftel (Theelöffel) als Brechmittel für einen Hund (K a t z e).
5)nbsp; Rp. Zinci oxydati crudi 5,0.
Talci 50,0. M. f. Pulv. S. Streupulver gegen Mauke.
6)nbsp; Rp. Zinci oxydati 0,1.
Sacchari 0,5.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. XX. S. Täglich 23 Pulver für einen Hund mit Epilepsie.
7)nbsp; Rp. Unguent. Zinci 50,0.
Creolini 5,0. M. f. Unguent. S. Aeusserlich gegen eiteriges Ekzem.
|
|||
|
|
|||
|
Ziiicniii cliloratum. Chlorziuk.
ZnCl2.
Fbarmaceutische Chemie. Das Chlorzink wird aus rohem Zinkoxyd und Salzsäure dargestellt. Es hildet ein weisses, ausserordentlich leicht an der Luft zerfliessendes Pulver (oder weisse Stängelchen), welches in Wasser und Weingeist leicht löslich ist und sich heim Erhitzen in weissen Dämpfen verflüchtigt. Aus der sauer reagirenden Lösung fällt Schwefelwasserstoff weisses Schwefelzink, Silbernitrat weisses Chlorsilber (Iden-titätsreactionen). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
332
|
Chlorzink.
|
||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Das Chlorzink ist eines der stärksten Aetz-mittel; es erzeugt unter Abgabe von Chlor einen tiefgehenden und schmerzhaften Aetzschorf. Die ätzende Chlorwirkung äussert sich auch ausserhalb des Thierkörpers; es verkohlt nämlich Holz und verwandelt Stärkemehl und Papier in eine zuckerartige Verbindung.
2)nbsp; In schwächeren Lösungen hat Clilorzink eine adstringirende, austrocknende, die Granulationen anregende, die Wunden umstimmende Wirkung.
3)nbsp; Das Chlorzink wirkt antiseptisch; diese Wirkung wird aber gemeinhin überschätzt. Nach Koch vermochte z. B. eine 5ft/oige Chlorzinklösung Milzbrandsporen selbst nach einmonatlicher Einwirkung nicht in der Entwicklungsfähigkeit zu hemmen. Eiterkokken werden durch eine 5 quot;jnige Lösung etwa nach 1 Minute getödtet (M arten s).
Anwendung. 1) Als Aetzmittel entweder in Substanz, oder in Pastenform (1 : 1 3 Mehl), als Aetzstift, in concentrirten Lösungen (10200/oige) gegen Strahlkrebs, Carcinom, Fisteln, Geschwüre etc. Bekannt ist die Canquoin'scho Aetzpaste. Dieselbe besteht aus gleichen Theilen Chlorzink und Mehl (oder auch aus 2 Theilen Chlorzink, 1 Theil Antimonchlorid und 5 Theilen Mehl). Zum Einführen in Fisteln bedient man sich der Köbner'schen Chlorzinkstifte, welche aus Clilorzink und Salpeter zusammengeschmolzen werden.
2) Als schwaches Antisepticuin und umstimmendes Mittel für Wunden, Geschwüre, Fisteln in 280oiger Lösung; ferner als Chlorzinkwerg und -Jute. Ausserdem als Conservirungsmittel für anatomische Präparate (Gehirne), zum Imprägniren des Holzes etc.
Eecepte.
1)nbsp; Rp. Zinci chlorati
Farinae secal. aä 100,0. Aqu. dostill. qu. s. f. Pasta. D. S. Aetzpaste.
2)nbsp; Rp. Zinci chlorati 40,0.
Aqu. destill. 500,0. M. f. Sol. D. S. Zur Desinfcction jauchiger Wunden.
8) Rp. Zinci chlorati 5,0. Aqu. destill. 250,0. M. f. Sol. D. S. 'Wimdwasser.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Breehweinstoiu.
|
888
|
||
|
|
|||
|
Tartarus. Brechweinstein.
C4HAlt;gKiSb0 1/2H,0.
Fharmaceutische Chemie. Der Brechweinstein (Tartarus stibiatus, Tartarus eraeticus, Stibium Kalium-tartaricum) ist ehemisch als weinsaures Antimonoxyd-Kalium aufzufassen. Er wird dargestellt durch Digestion von reinem Antimonoxyd (4 Tlieile) mit Weinstein (5 Theile) und Wasser (10 Theile). Er bildet ein weisses, krystallinisches, etwas verwitterndes Pulver, welches in 17 Theilen kaltem und 3 Theilen siedendem Wasser löslich, dagegen in Weingeist unlöslich ist und beim Erhitzen verkohlt. Die Löslichkeit in Wasser wird durch einen Zusatz von Kochsalz (ää) auf 1 : 4 erhöht. Die wässerige Lösung reagirt schwach sauer und hat einen widerlichen, süssuchen Geschmack. Identitätsreactionen sind: orangorotlier Niederschlag mit Schwefelwasserstoff (Schwefelantimon), w e i s s e r Niederschlag in der wässerigen Lösung mit Kalkwasser (weinsaurer Kalk). Ausserdem erzeugen Tannin und gerbsäurehaltige Aufgüsse Niederschläge von gerbsaurem Antimonoxyd. A.P. 10 == 10 Pfennig.
Unguentum Tartari stibiatl, Brechweinsteinsalbe, Pockensalbe, in Deutschland officinell, wird dargestellt aus 1 Theil Brechweinstein und 4 Theilen Paraffinsalbo; eine weisse Salbe. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Vinum stibiatum, Breohwein, ist eine Auflösung von 1 Theil Brechweinstein in 250 Theilen Xereswein; eine klare, braun gelbe Plüssig-keit. Dosis als Expectorans für Katzen und Hunde 510 Tropfen, als Brechmittel thee- bis esslöffelweise. A.P. 10,0 == 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Der Brechweinstein besitzt äusserlich auf Haut und Schleimhäute als leicht lösliches Antimonsalz eine ätzende Antimonwirkung. Wird er in Lösung oder Salbenform eingerieben, so erzeugt er Pusteln auf der Haut, Diese Pusteln entsprechen dem Sitze der Hautdrüsen, in welchen der Brechweinstein durch das saure Drüsensecret zersetzt und in ein einfaches ätzendes Antimonsalz übergeführt wird. In höheren Graden der Aetzung entsteht selbst Nekrose der Haut und Schleimhäute.
2) Innerlich erregt der BrechWeinstein Erbrechen. Dasselbe ist die Folge einer directen Heizung der Magenschleimhaut und tritt auch nach subeutaner und intravenöser Application sofort ein. wenn
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
334nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Brechweinstein.
der Brechweinstein zur Ausscheidung auf die Magenschleimhaut gelangt (keine directe Erregung des Brechcentrums).
3)nbsp; Im Darmkanal bewirkt der Brechweinstein in kleinen Dosen Durchfall, in grossen heftige Gastroenteritis. Bei letzteren sinkt der Blutdruck in Folge Gefässerweiterung, so dass namentlich die Lunge und die Bronchialschleimhaut stark hyperämisch ist.
4)nbsp; nbsp;Wie alle Äntimonsalze steigert der Brechweinstein die Secretion der Körperdriisen (Schleimdrüsen, Speicheldrüsen, Schweissdrüsen, Nieren). Bei fortgesetzter Verabreichung kleiner Gaben äussert sich die Antimonwirkung (ganz ähnlich der Arsenwirkung) in gesteigertem Eiweissumsatze und in Verfettung der Drüsen und des Herzmuskels (Herzschwäche und Herzlähmung). Der Kalicomponent kommt im Brechweinstein gegenüber dem Antimon nicht zur Wirkung; Natronbrechweinstein wirkt wie KalibrechWeinstein.
5)nbsp; Der Brechweinstein ist ein starkes Gift für Eingeweidewürmer (Spul- und Bandwürmer).
6)nbsp; Die Resorption des Brechweinsteins ist Avegen der^Schwer-löslichkoit des im Magen entstehenden Antimonoxyds eine langsame, desgleichen die Ausscheidung aus dem Körper.
Anwendung. 1) Als Brechmittel für Schweine, Hunde und Katzen. Unangenehm ist die besonders bei schwächlichen Thieren auftretende starke Collapswirkung und das nachherige Laxiren.
2)nbsp; Als gutes Ruminatorium gegen unterdrücktes AVieder-käuen bei den Verdanungskrankheiten des Rindes in mittleren Dosen.
3)nbsp; Als Laxans bei Kolik, Verstopfung, Magenüberfüllung, zur Ableitung auf den Darm bei Gehirn-, Lungen-, Rippfcllontzün-dungen etc.
4)nbsp; Als Expectorans bei acuten und chronischen Bronchial-katarrben sowie bei Broncbopneuraonie in kleineren Dosen.
5)nbsp; Als Anthelminthicum gegen Spulwürmer und Bandwürmer beim Pferde in grossen Dosen; am besten 1015 g pi'o die im Trinkwasser gelöst.
G) Als Antipyreticum und Antiphlogisticum bei Pneumonic, Entzündung der serösen Häute, Kheumatismus etc. in grösseren Dosen (Vorsicht! Nur bei kräftigen Individuen!).
7)nbsp; Als Diuretic um und Diaphoreticum gegen Hydrops (grössere Dosen).
8)nbsp; Aeusserlich zu scharfen, ableitenden Einreibungen bei inneren Entzündungen, namentlich beim Rinde und Schweine (Me-
|
||
|
|
||
|
_L
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Brechweinstein.
|
331
|
||
|
|
|||
|
ningitis, Pleuritis, Pncumonie, Laryngitis) in Form der officinellen Salbe; seltener als zertheilendes Mittel gegen HürnhautHecken ('/g- bis 10/oige Salbe).
Form. Als Brechmittel gibt man den BrechWeinstein gepulvert mit viel Amylum oder Zucker, sowie in stark verdünnter wässeriger Lösung; auch der Brechwein ist ein empfehlenswerthes Präparat. Bei sonstigem innerlichem Gebrauche verabreicht man ihn Pferden in Pillen oder Latwergen (bei Wurmleiden nach vorhergehender vollständiger Lösung im Trinkwasser), Rindern, Hunden und Katzen in Lösung. Es empfiehlt sich, die Lösung immer mit destillirtem Wasser anzufertigen, sowie in Latwergen den Brechweinstein vor der Mischung (wenn noting in hoissem Wasser) zu lösen, um An-ätzungen in der Maulhöhle zu vermeiden. Contraindicirt ist der Brechweinstein bei Magen- und Darmentzündung, sowie bei allen schwächlichen, anämischen, sehr alten oder sehr jungen Thieren, bei welchen er leicht Collaps in Folge starken Sinkens des Blutdruckes (Herzschwäche und Herzlähmung) erzeugt. Zu vermeiden wegen der Zersetzung des Brech weinst eins ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Gerbsäure, tannin haltigen Mitteln, cans tischen und kohlensauren Alkalien, Säuren Metallsalzen, Alkaloiden. Selbst gewöhnliches Brunnenwasser zersetzt den Brechweinstein theilweise durch seinen Gehalt an Car-bonaten.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis. 1) Brechdosis:
Schweine 12,0.
Hunde 0,10,3.
Katzen und Geflügel 0,050,1.
2)nbsp; Laxirende und anthelminthische Dosis:
Pferd 210,0.
Rind 1020,0.
Schaf und Schwein 0,52,0.
Hund 0,050,1.
Katzen und Geflügel 0,02-0,05.
3)nbsp; Kleinero, expectorirende Dosis:
Pferd 0,52,0.
Rind 25,0.
Schaf und Schwein 0,20,5.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
33(i
|
Brechweinsteiu.
Hund 0,010,05. Katzen 0,0050,01.
|
||
|
|
|||
|
Recepte,
1)nbsp; Up. Tartari stibiati 1,0.
Aqu. destill. 100,0. M. f. Sol. D. S. Viortelstündlich 1 Esslöflel (Theelöftel) als Brechmittel für einen HJu n d (K a t z e).
2)nbsp; Rp. Tartari stibiati pulv. 1,0.
Had. Tpocacuanh. pulv. 3,0. M. f. Pulv. D. S. Mit 1 Esslöffel Honig gut gemischt auf die Zunge zu streichen. Brechmittel für Schweine.
3)nbsp; nbsp;Rp, Vini stibiati
Vini Ipooaouauhae ää 25,0. M. D. S. 1 Essloffel (Theelöffel) als Brechmittel für Hunde (Katzen).
4)nbsp; Rp. Tartari stibiati 8,0.
Solve in Aqu. dcstill. qu. s. Natrii sulfurio. 200,0. Pulv, Rad. Liquirit. 50,0. Pulv. Rad. Althaeao qu. s. f. Electuar. D. S, Für ein Pferd mit Kolik auf 2mal.
5)nbsp; Rp. Tartari stibiati 10,0.
Aqu. destill. 200,0. M. f, Sol, D. S. Mit 1 Flasche Leiusamenabkochuug einzuschütten für ein Rind mit Indigestion.
8) Rp. Tartari stibiati 10,0. Aqu. destill, 200,0. M. f. Sol. D. S. Ins Trinkwasser für ein Pferd mit Spulwürmern.
7)nbsp; Rp. Tartari stibiati 0,5.
Ammonii chlorati 5,0. Succi Liquiritiae 10,0. Aqu. dcstill. 300,0. M. f. Sol, D. S. 3stündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit acuter Bronchitis; sog. Mixtura solvens.
8)nbsp; Rp. Tartari stibiati 0,1.
Aqu. dcstill. 150,0. Syrup. Althaeae 20,0. M. D. S. Sstündlich 1 Essloffel. Expectorans für kleine Hunde.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Spiessglanz.
|
337
|
||
|
|
|||
|
Stibium .snlfuratiini nigruiii. Spiessglanz.
Sbj88.
|
|||
|
|
|||
|
Stibiuin sulfiiratum aurnntiacum.
|
Goldsohwefel.
|
||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. 1) Der Spiessglanz (Schwefel-spiossghmz, Grauspiessgliinz, Stibium sulfiiratum nigrum, Autimonium crudum, schwarzes Sclnvefelantimon) kommt natürlich als Graiispiessglanzerz in den Gängen des Ur- und lTe1)cr-gangsgebirges vor (Ungarn, Siebenbürgen, Böhmen, Harz, Prankreich, England). Er wird dargestellt entweder durch Ausschmelzen dos natürlich vorkommenden Erzes (Saigerungsvorfahren) oder durch Zusammenschmelzen von Antimon und Schwefel. Der Spiessglanz bildet glänzend grauschwarze, abfärbende, schwere, strahlig-krystallinische, geruch- und geschmacklose, leicht schmelzbare Stücke (Unterschied vom Braunstein) vom speeifischen Gewichte 4,64,7, welche in Wasser unlöslich sind, sich aber in erwärmter Salzsäure unter Entwicklung von Schwefelwasserstoff lösen. A.P. 100,0 = 20 Pfennig.
2) Der Goldschwefel (Stibium sulfiiratum aurantiacum) wird durch Zerlegung des Schlippe'schen Salzes (Natriumsulfanti-moniat, Na^bSJ mit Schwefelsäure dargestellt. Das Schlippe-sche Salz selbst wird dargestellt durch Kochen von Spiessglanz mit Schwefel, Actzkalk und Soda. Der Goldschwefel bildet ein orangegelbes, feines, geruch- und geschmackloses Pulver, das sich beim Erhitzen in Spiessglanz und Schwefel zerlegt: Sb8S8 = Sb2S.! S2. Er ist in Wasser unlöslich, wird aber durch feuchte Luft allmählich zu Antimonoxyd oxydirt. Dagegen löst er sich leicht in Schwefel, alkalicn zu Sulfantimoniaten, ferner in Aetzalkalien. Heisse Salzsäure löst ihn zu Antimonchlorür unter Freiwerden von Schwefelwasserstoff und Schwefel: Sb8S6 601H = Sl^Cl,. -f- 3SH9 S2. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung. 1) Beide Antimonpräparate haben wie der Brechweinstein eine die Secretion der Drüsen anregende Antimonwirkung (Schleimdrüsen der Bronchien, Milchdrüse). Sie sollen ferner angeblich einoDepression derästhesodischen Theile des Rückenmarkes in der Weise erzeugen, dass die Portlcitung einer Hyper-
Fröhner, Arzneiinittellehre. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 22
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
338nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Goldaobwefel.
Ksthesie peripherer sensibler Nerven (z. B. beim Husten) durch das Rückenmark erschwert wird. Bei längerer Anwendung fuhren sie zu chronischer Antimonvergiftung, welche sich wie beim Arsenik in Steigerung des Eiweissumsatzes und in Verfettung der Drüsen und des Herzmuskels äussert. Beide Präparate werden wegen ihrer Un-lüslichkeit in Wasser nur zum kleinsten Theile resorbirt, indem sie durch die Salzsäure des Magens in Antimonchlürid und Schwefelwasserstoff übergeführt werden. Da ausserdem der graue Spiessglanz meist etwas arsenikhaltig ist, so setzt sich die Wirkung eigentlich zusammen aus Antimon-, Schwefel- und Arsenwirkung.
Anwendung. 1) Als Expectorantien bei Katarrhen des Respirationsapparates, Druse der Pferde, Staupe der Hunde.
2)nbsp; nbsp;Als Plastica empirisch zur Besserung der Ernährung (Schwefel- und Arsenwirkung).
3)nbsp; Als Milchmittel zur Steigerung der Milchsecretion.
Form. In der Thierhcilkunde bedient man sich gewöhnlich des billigeren und (weil arsenhaltig) wirksameren Spicssglanzes. Im Allgemeinen soll man wegen der Schwcrlöslichkeit der Präparate nur kleine Dosen geben. Man hüte sich ferner, das Schwefelantimon mit chlorsaurem Kali zusammen zu reiben (Explosion!).
Dosis beider Präparate.
Pferd und Rind 1025,0. Schaf und Schwein 25,0. Hund 0,050,5. Katzen und Geflügel 0,010,05.
Recepte.
1)nbsp; Kp, Stibii sulfurati nigri 50)0.
Natril Bulfurid 250,0. Pulv. Fruct. .Tuniperi 100,0. M, f. Pulv. D, 8, Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Druse.
2)nbsp; Kp. Stibii sulfurati nigri
Sulfur, subl. ää 100,0. Pulv. Fruot. Fooniculi Pulv. Fruct. Carvi Pulv. Fruct. .lunipori ää 50,0. Natrii ohlorati orudi 500,0. M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel (Theelöffel) für eine Kuh (Ziege). Milcbpulver.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Hisniutiim subnitrioum.
|
339
|
||
|
|
|||
|
3) Rp. Stibii sulf'urati aurant. 0,05. Saccliari 0,5.
M, f. Pulv. D. tal. dos. Nr. V. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit katarrhalischer Pneumonic.
|
|||
|
|
|||
|
Bismutum subnitricuin. Baslsehes salpetersaures Wismutb.
BiO(N03) Bi.A. Bismutum subsalicylicum. Basisches salicylsaures Wismuth.
(Cßl^OH . COO^Bi BiO . OH.
Pharmaceutische Chemie. Officincllc Wismuthsalze sind:
1)nbsp; Bismutum subnitricum, das basische Wismuthnitrat (Magi-storium Bismuti), aus dem krystallisirten salpetersauren Wismuth durch Auswaschen mit siedendem Wasser dargestellt. Es bildet ein schneeweisses, feinkrystallinisches Pulver von saurer Reaction welches in Wasser unlöslich ist. Die Lösung In Säuren wird von Schwefelwasserstoff scliwarz gefällt (Bi8S8). A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Das Bismutum subsalicylicum (basisches Wismuthsali-cylat), ein weisses, amorphes, geruch- und geschmackloses Pulver, in Wasser und Weingeist fast unlöslich, beim Erhitzen, ohne zu schmelzen, unter Hinterlassung eines gelben Rückstandes verkohlend. Beim Ucbergiessen mit einer verdünnten Eisenchlorid-iösung entsteht eine violette Färbung, beim Uobergiessen mit Schwefelwasserstoffwasser eine braunschwarze Färbung. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Wismuthsalze haben antiseptische und leicht adstringirende Wirkungen und werden sowohl äusserlich als Streupulver in der Wundbehandlung, als auch innerlich bei Magengeschwüren, Darmgeschwüren, Erbrechen, chronischen Darmkatarrhen, Diarrhöe, sowie abnormen Gäh-rungsprocessen angewandt. Wahrscheinlich werden sie durch die Salzsäure des Magens etwas gelöst. Der grösste Theil geht jedoch ungelöst oder als schwarzes Schwefehvismuth wieder ab.
t Dermatol (Bismutum gallicum). Unter dem Namen Dermatolquot; hat man das basisch gallussaure Wismuth von der Formel C(;H)(OH)3.C02Bi(GH)2, ein gelbes, geruchloses, unlösliches Pulver, als Trockendesinficiens für die Haut in Form von Streupulver, entweder allein oder in Verbindung mit Talk etc. empfohlen. Das 55 0/o Wismuth enthaltende, ziemlich theure Präparat (A.P. 1,0 sa 10 Pfennig) soll ähnlich
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
840
|
Alaun.
|
||
|
|
|||
|
wie das oflieinelle Bismutum subnitricum starke antiseptische Wirkung besitzen und ein Ersatzmittel des Jodoforms darstellen. Die angeblich ungiftige Wirkung wird indessen von manchen geleugnet. In der Thierheilkunde ist das Dermatol von Hoffmann, Bass, Puntigam u. A. empfohlen worden als Wundmittel, bei Dermatitis, Mauke, Verbrennungen, Ekzemen u. s. w. (Geruchlosigkeit, üngiftigkeit, austrocknende Wirkung), sowie innerlich als Antidiarrhoicum (Hunden 12,0). Zuweilen wirkt indessen die austrocknende und adstringirende Wirkung des Dermatols auch nachtheilig, namentlich bei Krankheitsprocessen der Huflederhaut, welche dadurch förmlich gegerbt wird (Puntigam). Eine ähnliche schädliche Wirkung ist auch auf Wunden beobachtet worden (Cadeac und Guinard). Das jodirte Dermatol wird ebenfalls als geruchloses Ersatzmittel des Jodoforms unter dem Namen Airol empfohlen. Aehnliche Wismuthpräparate sind Thioform (dithiosalicylsaures Wismuth; vergl. die Salicylverbindungen), Bismal (methylendigallussaures Wismuth). Xeroform (Tribromphenol-Wismuth) , Bismutum tannicum, sulfuricum, valerianicum, pyrogallicum, chrysophanicum (Dermol), loretinicum, naphtholicum u. a.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis.
|
Bind 1025,0.
Pferd 515,0.
Sohaf und Ziege 510,0.
Schwein 25,0.
Hunde 0,252,0.
Katzen 0.25-0,5.
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Bismut. subnitr.
Sacohari äa 0,5. M. f. Pulv. Ü. S. Für einen Hund mit Magenkatarrh.
2)nbsp; Rp. Bismuthi subsalicylici 6,0.
Taloi 50,0. M. D. S. Streupulver gegen Mauke.
8) Rp. Bismuthi subsalicylici 20,0.
Aqu. Hydrarg, biohlor. l00/raquo;quot; qu. s. f. Pasta. D. S. Wismutbpastc für Wunden.
|
|||
|
|
|||
|
Alumni. Aliiuu.
K2S04 Al./SÜ.Oa 24 aqua.
Pharmaceutische Chemie. Der Alaun ist eine Doppelverbindung
von schwefelsaurem Kalium und schwefelsaurem Aluminium, welche fabrikmässig aus den Alaunerzen (Alaunschiefer, Alaunstein, Alaunerde) dargestellt wird. Die meist eisenhaltigen Alaunerze werden dabei geröstet, das Köstproduct ausgelaugt, der entstandene Eisenvitriol durch Auskrystallisiren entfernt, und die Lauge sodann mit
|
|||
|
|
|||
|
l
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Alaun.
|
341
|
||
|
|
|||
|
Chlorkalium versetzt. Der Alaun bildet farblose, durclischei-uonde, harte, krystallinischo Stücke, welche oberflächlich bestäubt sind und sich in 1015 Theilen Wasser, nicht aber in Weingeist lösen. Krystallform: reguläre Oktaeder. Der Greschniack des Alauns ist süsslich, stark zusammenziehend. Die wässerige Alaunlösung gibt mit Ammoniak einen gelatinösen weissen Niederschlag von Aluminiumhydroxyd (Idontitätsreaction). Beim Erhitzen auf 150deg; verliert der Alaun sein Krystalhvasser, indem er sich aufbläht, und heisst dann Alumen ustum, gebrannter Alaun; derselbe bildet ein weisses, poröses, sebwammiges Pulver, welches sich in 30 Theilen Wasser langsam, aber klar lösen soll.
Wirkung. 1) Der Alaun wirkt desinficirend wie alle Alu-miniumsalze.
2)nbsp; Auf Schleimhäuten und Wunden wirkt er ei weissgerinnend, secretionsbeschränkend, contrahirend und austrocknend; ausserdem ist er, örtlich angewandt, ein blutstillendes Mittel bei parenehymatösen Blutungen, indem er eine Coagulation des Blutes und eine Contraction der Gefässwände erzeugt. In concen-trirten Lösungen wirkt er ätzend, und zwar am meisten der gebrannte Alaun.
3)nbsp; nbsp;Innerlich bedingt der Alaun in grösseren Dosen Verdauungsstörungen und Verstopfung; sehr grosso Gaben führen zu Gastroenteritis mit weisslicher Verschorfung der Schleimhaut. Die Aufnahme des Alauns ins Blut erfolgt in der Form des Alaun-Albuminates; demselben kommen keine contrahirenden Wirkungen mehr zu. Nach Orfila starben Hunde, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden, nach 3550 g Alaun, Katzen nach 510 g.
Anwendung. 1) Der Alaun wird äusserlich als adstringirendes und gleichzeitig desinficirendes Mittel angewandt bei allen Schleimhauterkrankungen, so der Augen, der Maulhöhle, der Luftwege, des Mastdarms, der Scheide, des Uterus, des Präputial-sackes. Man verwendet ihn in Form der 250/oigen wässerigen Lösung als Ausspülung, Bad, Bepinselung, Instillation, Inhalation, intralaryngeale und intratracheale Injection, gegen Stomatitis, Pharyngitis, Conjunctivitis, Laryngitis, Bronchitis, Vaginitis, Endometritis, Fluor albus, Proctitis, Präputialkatarrh.
2) Als Antisopticum in der Wundbehandlung für sich allein oder zusammen mit Bleizucker als sogenannte Burow'scho Lösung (Bildung von essigsaurer Thonerde).
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
342
|
Liquor Aluminii acotici.
|
|||
|
|
||||
|
3)nbsp; Als Aetzmittel client namentlich der gebrannte Alaun in Pulverform bei G-csclnvüren, übermilssigen Granulationen, Stralil-krebs u. s. w. Aussertlem bedient man sich in der Augenheilkunde des Alaunstiftes zum oberflächlichen Aetzen chronischer Con-junctiviten.
4)nbsp; Als blutstillendes Mittel bei äusserlichen parenchymatosen Blutungen.
5)nbsp; Innerlich gibt man ihn als Stypticum gegen Diarrhöe und Darmblutungen.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd und Eind 1025,0. Schaf, Ziege und Schwein 2 Hund 0,52,0. Katze und Golliigel 0,251,0.
|
5,0.
|
||
|
|
||||
|
Recepte.
|
||||
|
|
||||
|
1)nbsp; Rp. Ahiminis 5,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Acusscrlich gegen Präputialkatarrh beim Hund.
2)nbsp; Rp. Alumiuis pulv. 5,0.
Plumb, acotici pulv. 10,0. Aqu. destill. 500,0. M. D. S. B u r o w'scho Lösung.
3)nbsp; Rp. Alumiuis subtil, pulv.
Pulv. Gort. Quercus iia 25,0. M. D. S. Aeusserlioh als Streupulver gegen Blutung.
4)nbsp; Rp. Aluminis pulv. 15,0.
Pulv. Rad. Althaoae 100,0. Aqu. destill, qu. s. f. Electuar. molle. D. S. Für ein Pferd mit Uurolifall,
5)nbsp; Rp. Aluminis pulv.
Gort. Querous pulv. ää 25,0. M. D. S. Mit einer Flasche Leinsamonabkochung einzuschütton für ein Rind mit Ruhr.
|
||||
|
|
||||
|
Liciuor Aluminii acetici. Essigsaure ThonerdelösHiig.
Pharmaceutische Chemie. Der ofticinellc Liquor Aluminii acetici (Aluminium aceticum solutum) ist eine etwa 80;oige Lösung von essigsaurer Thonerde in Wasser, welche aus Aluminiumsulfat (3Q0), verdünnter Essigsäure (360), Oaloiumoarbonat (130)
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Aluminiumsalze.
|
343
|
||
|
|
|||
|
und AVasser (1000 Theile) dargestellt wird. Auch aus Alaun und Bleizucker, Alaun und essigsaurem Kalk, Aluminiumliydroxyd und Essigsäure etc. lässt sich die essigsaure Thonerde darstellen (vergl. die Burow'sche Lösung). Sie bildet eine wassorklare, nach Essigsäure riechende Flüssigkeit, welche mit Laugen einen gelatinösen Niederschlag von Thonerdehydrat gibt. Beim Erhitzen bildet sich weisse, steife Gallerte. A.P. 500,0 = 1 Mark.
Wirkung und Anwendung. Die von Burow zuerst angewandte essigsaure Thonerde ist ein vorzügliches und ungiftiges Anti-septicum in der Wundbehandlung. Dieselbe eignet sich in 240/raquo;iger wässeriger Lösung insbesondere zur Desinfection von Geschwüren, inficirten Wunden, von Wundon in der Maulböhle und zur Anregung von Granulationen. Ich habe die essigsaure Thonerde seit einer lleihe von Jahren (Repertorium für Thierbeilkunde 1883) als Antisepticum im Gebrauche und habe immer vorzügliche Wirkungen von ihr gesehen.
Reoepte.
1)nbsp; Rp. Liquor. Alumin. acetici
Aqu. desüll. ai 100,0. M. D. S. 40/oigo essigsaure Thouerdclüsung.
2)nbsp; Rp. Liquor. Alumin. acet. 100,0.
Aqu. destill. 300,0. M. D. S. 27oige essigsaure Thonerdclösung.
|
|||
|
|
|||
|
t Neuere Aluminiumsalze. Von solchen sind zu nennen: Aluminium acetico-tartarieum, e s s i g w e i n s a u r e Thonerde, dargestellt aus essigsaurer Thonerde und Weinsäure. Sie soll noch stärkere desinficirende Wirkungen haben, als die essigsaure Thonerde. Aluminium sulfuricum, officinell zur Darstellung der essigsauren Thonerde. Die schwefelsaure Thonerde bildet weisse, krystallinische Stücke, welche in Wasser leicht löslich sind. Sie wird dargestellt aus dem Kryolith (Natrium-Aluminium-Fluorid) durch Glühen mit Kreide und Behandlung mit Schwefelsäure. Die schwefelsaure Thonerde hat desinficirende und adstringi-rende Eigenschaften. Aluminium chloratum = Al^Cl,;, dargestellt aus schwefelsaurer Thonerde und Chlorbaryum, in 100/oiger Lösung sowie in Pulverform im Handel. Das Alurainiumchlorid heisst in England Chloral' (nicht zu verwechseln mit dem deutschen Chloral = CC1.). COH) und wird daselbst in 1S^oigen Lösungen zur Desinfection von Stallungen, Schlachthäusern, Senkgruben etc. benützt. Alumina hydrata = Al2(OH),;, Thonerde, dargestellt aus Alaunlösung und Pottasche, ein weisses, lockeres, der Zunge anhaftendes, in Wasser unlösliches Pulver, löslich in verdünnten Säuren und oonoentrirten Alkalien. Es wird angewandt als Exsiccans, Desinticiens, Adstringens, Stypticum und Antacidum, ausserdem zur Darstellung der essigsauren Thonerde. Alunmol (naphtholsulfosaures Aluminium),
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
344nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Uebermangausaures Kali.
Tannal (gerbsaures uiul weinsaures Aluminium), Gallal (gallussaures Aluminium), Sozal (phenolsulfbsaures Aluminium), Saluminum (salieyl-saures Alviminium), Cutol (gerbsaures und borsaures Aluminium), Boral (borsaures und weinsaures Aluminium) u. a. Von filteren Thonerde-präparaten ist scliliesslich noch zu nennen der Thon, Argilla, Bolus alba, eine mit Kieselerde vermengte kieselsaure Thonerde =s AljSi^O;. Ein eisenhaltiger Then war früher in Gebrauch als rother oder armenischer Bolus. Man benützt den weissen Thon zuweilen noch als Constituens für Pillen mit leicht zersetzbaren Stoffen, z.B. mit Höllenstein. Der rothe Bolus ist ausserdem ein Bestandtheil des Robertson'schen Castrirpulvers und mancher Viehpulver. Auch der Thon besitzt schwache desinficirende Eigenschaften. Hierauf bezieht sich die bekannte günstige Einwirkung des Lehms (eine Mischung von Thon, Sand und Eisenoxyd) auf Wunden, bei Strahlkrebs etc.
|
||
|
|
||
|
Knlium permauganicuui. Uebermaiigausaures Kali.
KMn04.
Pharmaceutische Chemie. Das übermangansaure Kalium wird dargestellt durch Zusammenschmelzen von Braunstein (MnO.,), mit chlorsaurem Kali (oder Salpeter) und Actzkali. Es bildet dunkelviolette, fast schwarze Prismen von stahlblauem Glänze, welche sich in 20 Theilen Wasser mit blaurother Farbe lösen. Mit leicht verbrennlichen Substanzen zusammengerieben explodirt das Salz; quot;Weingeist, Benzin, Schwefelkohlenstoff entzünden sich schon bei Berührung mit dem trockenen Salze. Die wässerige Lösung färbt sich bei Zusatz von Kalilauge und Weingeist grün (Chamäleonquot; = KgMnO,)-, sie entfärbt sich ausserdem bei Zusatz von Eisenvitriol und Schwefelsäure (Identitätsreactionen). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das übermangansaure Kali hat vermöge seines hohen Gehaltes an Sauerstoff wie das chlorsaure Kali fäulnisswidrige, antiseptische Wirkungen, ausserdem wirkt es etwas desodorisirend. Eine speeiiische, besonders stark antiseptische Wirkung besitzt das Mittel gegen Schlangengift. Auch das Wuthgift wird durch eine Innige Lösung nach 20 Minuten getödtet. Eine 50/oige Lösung tödtet die Milzbrandsporen in einem Tage, die Milzbrandbacillen sofort, eine 100/oige macht das Schaf p ecken con tagi um unwirksam. Die Rotzbacillen gehen in einer 50joigen Lösung sofort zu Grunde, die Eiterkokken werden durch eine l0/oige Lösung nach 10 Minuten vernichtet.
Das übermangansaure Kali wird innerlich im Allgemeinen selten (als speeifisches Gegengift bei Phosphorvergiftung), sondern meist
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Doppeltchromsaures Kali.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 345
nur äusserlich angewandt z. B. in Form der 60/oigen wässerigen Lösung zum Desinficiron der Hände und in ^220/oiger Lösung gegen Stomatitis ulcerosa. Abgesehen von dem sehr unangenehmen Ge-schmacke hat das Salz auch in stärkeren Lösungen adstringirende und e n tz ü n d u n g s e r r e g e n d e Einwirkungen auf Haut und Schleimhäute und wirkt in concentrirtem Zustande selbst ätzend auf dieselben (M e t a 11 w i r k u n g).
Becept.
Ep. Kalii pcrmanganioi 2,0. Aqu. destill. 200,0. M, D. 81 Aoussorlich als Mundwasser für einen II u n d mit Stomatitis,
t Manganum sulfuricum. Schwefelsaures Manganoxyd. Das schwefelsaure Mangan von der Formel MnSC^ -|- TH.^O (niolit zu verwechseln mit der schwefelsauren Magnesia!) wird aus Braunstein (MnO^) und Eisenvitriol (oder Schwefelsäure) dargestellt. Es bildet rosenrothe, rhombische, verwitternde Krystalle, welche in 0,8 Theilen löslich, in Weingeist unlöslich sind. Das früher officinelle Mangansulfat ist als Ersatzmittel des Eisens bei der Behandlung der Chlorose, Anämie, Leukämie etc. in derselben Dosis vorgeschlagen worden, weil es in der Natur regelmässig mit dem Eisen so auch im Blute zusammen vorkommt und demselben chemisch und physiologisch nahe steht. (Erfolg?) Die Wirkung der Mangansalze ist in grossen Dosen eine ebenso giftige wie die der anderen Metallsalze. Sie erzeugen Muskellähm un g, Herzlähmung, centrale Lähmung, Abnahme der Reflexerregbarkeit, Sinken des Blutdrucks und der Körperwärme, Erbrechen, Durchfall, parenchymatöse Nephritis, starke Stoifwechselsteigerung etc. Als Ersatzmittel des Kalium per-manganicum werden neuerdings empfohlen das Calcium und Magnesium permanganicum.
|
||
|
|
||
|
Kalium (lichromicuiu. Doppeltchromsaures Kali.
^CrjOj.
Acnlum cliromicum. Chromsiiure.
OrOg.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Kalium dichromicum (Ka-liumdichromat) wird aus dem Chrom eisenstcin (Feü . Cr203, in Pennsylvanien, Norwegen, im Banat, im Ural, in Neucaledonien, Nordgriechenland und Ile-ü-Vaches vorkommend) durch Schmelzen mit Salpeter (oder mit Aetzkalk oder Pottasche), Auslaugen und Auskrystallisiren dargestellt. Es bildet grosse, dunkelgelbrothe Säulenkrystalle, welche in 10 Theilen Wasser löslich sind. Die wässerige, sauer reagirende Lösung (1: 20) färbt sich beim Erhitzen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
340nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chromsiiure.
mit einem gleichen Volum Weingeist unter Zugabe von Salzsäure grün (Reduction zu grünem Chromoxydsalz). Silbernitrat fällt blutroth es Silberdicbromat, Bleizucker gelbes Bleichromat (Iden-titätsreactionen). A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
2) Die Ohromsäure (Acitlum chromicum) wird dargestellt aus doppelt oh rouisauremKali und Schwefelsäure. Sie bildet scharlachrothe, glänzende, an der Luft zerfliessende Krystall e (oder eine hellrothe Masse), welche in Wasser und Weingeist leicht löslich sind. Mit Salzsäure erhitzt entwickelt sie Chlor unter Grünfärbung der Flüssigkeit (Cr^Cl,;). Die Lösungen geben mit Bleiacetat gelbes Cbromblei. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung. 1) Ohromsäure und ihr saures Kaliumsalz wirken concentrirt ätzend. Die Aetzwirkung ist theils auf die Bildung von C hr o m a 1 b u m i n a t, theils auf die Abgabe von Sauerstoff zurückzuführen (vergl. den Sauurstoflfreichthum beider Präparate). Der Aetzsclio rf ist braungelb, hart, trocken und sebr tief gehend, Die Ohromsäure zerstört auch andere organische Stoffe (Papier, Kork), indem sie sich dabei zu Ohromoxyd reducirt. In verdünnten Lösungen wirken sie adstringirend, stark austrocknend und antiseptisch (Müller'sche Flüssigkeit).
2) Innerlich erzeugen sie schon in relativ kleinen Dosen heftige Gastroenteritis, Nephritis und allgemeine Lähmung. Hunde sterben nach 0,5 g, Pferde auf 1530 g Ohromsäure oder Chromsalz.
Anwendung. 1) Die Ohromsäure wird ausscbliesslich äusserlich als Aetzmittel gegen Krebs, Strahlkrebs, Mauke, Neubildungen etc. in Form von concentrirten Lösungen, Salben oder Pasten angewandt (1 : 10). Sehr bequem zum Aetzen ist ferner Acidum chromicum in bacillis (Stäbchenform, Aetzbougie), Um eine stark adstringirende Wirkung zu erzielen, bedient man sich schwächerer Lösungen (1:10 bis 25). Auch zum Oonserviren und Härten anatomischer Präparate wird die Ohromsäure gebraucht. Neuerdings wird in der Menschonheilkumle eine 5 IC/oigo Ohromsäurelösung gegen den Fussschweiss sehr gerühmt. Unter 18,000 mit diesem Leiden behafteten Soldaten der preussischen Armee sind 42n/o dadurch geheilt, 600/o ferner gebessert worden. Oft genügte schon eine linalige, meist eine 2nialige Bestreichung der Sohle mit Stägigem Zwischenräume, um eine Besserung herbeizuführen. In der Physik dient die Ohromsäure zum Füllen elektrischer Batterien (vergl. unten).
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
Chroinsäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 347
2) Das doppelt cliromsaure Kali wird ebenfalls ausschliesslich iiusscrlicli zu scharfen Einreibungen (Scbiirfsalben) gebraucht. In der Concentration 1 : 10 erzeugt das Salz Hautnekrose; 1: 1020 wirkt es wie Cantharidensalbe. In der Mcnschenheilkunclc wird das Kaliumdichroniat innerlich als Chromwasserquot; gegen Syphilis angewandt.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Kalii diohroinici 25,0.
Natrii sulfurici 10,0. Aquae dostillatae 1000,0. M. D. S. Miiller'sclie Flüssigkeit.
2)nbsp; Rp, Acidi cliromici 100,0.
Acidi sulfurici 120,0. Hydrargyri sulfurici 10,0. Aquae dostillatae 1000,0. M. D. S. Flüssigkeit zur Füllung clo ctri scher Apparate.
f Acidum osmicum, die Osmium säure oder Ueberosmiumsäure (Osmiumsilureanliydrid; Acidum hyperosmicum), von der Formel OsOj, wird durch Erhitzen von metallischem Osmium an der Luft oder durch Auflösen desselben in Königswasser oder rauchender Salpetersilure dargestellt. Sie bildet gelbe, durchsichtige, glänzende Nadeln von stechendem, chlor äh n lichem Gerüche, ist flüchtig, in Wasser leicht löslich. Die farblose Lösung bräunt sich rasch am Liebte (D. in vitro nigro). Die Osmiumsilure wird in 1100/oigen Lösungen zu pare n chym atösen Injectionen gegen Sarkome, Carcinome, Struma, Lymphome sowie gegen Rheumatismus und Neuralgien empfohlen (Aetzwirkung, Abgabe von Sauerstoff). Innerlich wurde sie gegen Epilepsie versucht. Der Preis der Säure ist ein sehr hoher (D.P. 1,0 = 3 Mark). Sodann erfordert ihre Anwendung wegen der reizenden Einwirkung ihrer Dämpfe auf die Schleimhaut der Augen und Bronchien grosse Vorsicht.
t Cerium oxalicum, ox als au res Cerium, ist in der Menschenheilkunde als Beruhigungsmittel gegen starkes Erbrechen, Seekrankheit, Husten, Epilepsie etc. in Dosen von 0,0 empfohlen worden. Es bildet ein weisses, körniges, in Wasser und Weingeist unlösliches Pulver.
Auro-Natrium chloratum, Natriumgold oh lorid (A u r u m c h 1 o-ratum natron atum, Chlor gold n atrium), wird dargestellt aus reinem Gold, Salpetersäure und Kochsalz. Es hat die chemische Formel NaCl. AuCl^-f-211.^0. Das Präparat, welches officinell ist, bildet ein goldgelbes Pulver, das sieh in 2 Theilen Wasser vollständig löst und mit Eisenvitriol versetzt metallisches Gold abscheidet; Zinkchlorür erzeugt eine Purpurfarbe. Wie alle Metalle, so bewirkt auch das Gold in löslichen Präparaten Lähmung des Ccntralnervcnsystems, der Skeletmuskeln, des Herzens, der Athmung, ausserdern Durchfall, Appetitverminderung sowie Abmagerung. Die Goldpräparate wurden früher als umstimmende Mittel sowie gegen chronische 11 ückenmarkskrankheiten, ähnlich wie das Silber, angewendet. A.P. 0,1 = 25 Pfennig. Präparate waren
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
348nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Arsenik.
noch: Aurum chloratum, Auro-Kalium chloratum. DasAurum foliatum (Blattgold) dient zum Vergolden der Pillen.
f Strontiumsalze. Von f'ran/.üsisclien Aerzten ist das Strontium bromatum und lacticum gegen Epilepsi e, ferner gegen schmerzhafte Magenaff ectionen, sowie gegen Nierenkrankheiten empfohlen worden. Neben der narkotischen Wirkung sollen die Strontiumsalze die Eiweissausscheidung bei Nephritis beschränken. Die Dosis gegen Epilepsie beträgt beim Menschen 8'10 g täglich.
t Uranium nitricum, das salpetersaure Uran, wird neuerdings wieder als Mittel gegen Zuckerharnruhr in Dosen von 0,11,0 beim Menschen empfohlen.
f Natrium telluricum. Das tellursaure Natrium besitzt wie das Atropin und Agaricin eine hemmende, lähm ende Wirkung auf die Schweisssecretion. Es wird sogar von Manchen als das beste Anti-hidroticum erklärt und beim Menschen in Dosen von 0,05 mit grossem Erfolge gegen die Nacbtschweisse der Phtbisiker angewendet.
|
||
|
|
||
|
Acidum arsenicosum. Arsenik. AsjOg.
Pharmaceutische Chemie. Der Arsenik (Acidum arsenicosum, arsenige Säure, Arsenicum album) ist als Arsentrioxyd, As,2Oa, aufzufassen. Er wird hüttenmännisch als Nebenproduct dargestellt beim Abrösten arsenhaltiger Erze durch Verdichten der Arsenikdämpfe in langen Kanälen (Giftfängen) als sogenanntes Giftmehl und Umsublimiren. In der Natur findet sich das Arsen theils rein, theils in Verbindung mit Sauerstoff und Schwefel. Die wichtigsten Verbindungen sind: der Schorbenkobalt (natiiiquot;lich vorkommendes Arsenmetall, welches sublimirt den Fliegenstein liefert), die Arsenik-blüthc (natürlich vorkommende arsenige Säure), das Realgar (ASjSg) und das Oper men t (As2S:)).
Der oflicinelle Arsenik bildet weisse, porzellanartige oder durchsichtige, glasartige, amorphe Stücke von muscheligem Bruche oder ein weisses Pulver von süsslichem metallischem Geschmacke, welche auf Kohle erhitzt sich unter Knoblauch-geruch verflüchtigen. In einem Glasröhrchen erhitzt, verflüchtigt sich der Arsenik vollständig unter Bildung eines weissen, krystal-linischen Anfluges (Sublimats). Der officinelle Arsenik löst sich langsam in etwa 60 Theilen kaltem und 16 Theilcn siedendem AVasser, sehr leicht in ätzenden und kohlensauren Alkalien und in Säuren (Salzsäure, Essigsäure). Die salzsaure Lösung
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Arsenik.
|
340
|
||
|
|
|||
|
wird durch Schwefelwasserstoff gelh gefiirht (gelbes Schwefelarsen). Im Glasrohre mit Kohle geglüht bildet der Arsenik in Folge Reduction einen schwarzen Arsenmetallspiegel. Sublimirt krystal-lisirt er in Oktaedern und Tetraedern. A.P. 10,0=10 Pfennig. D.P. 1 Kilo gewöhnlichen Arseniks = 50 Pfennig.
Gepulverter Arsenik soll wegen häufiger Verfälschung mit Kreide, Schwerspat und Gips nicht gekauft werden. Diese Körper werden nachgewiesen durch ihre Nichtflüchtigkeit und Unlöslichkeit. Der undurchsichtige, krystallinische Arsenik löst sich erst in 500 bis 1000 Theilen kaltem und 500 Thcilen kochendem Wasser.
Liquor Kalii arsenicosi, die sog. Fow 1 er'sclie Lösung (So 1 utio arsenicalis Fowleri), ist eine Aui'lösaug der arsenigen Siiure in Pottasche (1:1) und destillirteni Wasser (l^O). Arsenikgoh alt = 1 quot;o. Zur Vermeidung der Schimmelbildung ist Spiritus Lavandulae und Weingeist zugesetzt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Der Arsenik wirkt ätzend auf die Haut, auf Schleimhäute, Wunden und tiefere Gewebe (Subcutis, Organparen-chyme). Am stärksten ist die Aetzwirkung auf der Magenschloim-liaut, deren Salzsäure den Arsenik löst. Die unverletzte, trockene Haut wird durch Arsenikpulver nicht angegriffen. Dagegen tritt bei längerem Einreiben desselben in die Haut, sowie bei der Anwendung von Ar-seniksalbcn, Arsenikpasten und concentrirten Arseniklösungen eine Entzündung der Haut mit Blasenbildung und Verschorfung auf. Unter die Haut oder in Gewebe gebracht, bedingt der Arsenik unter dem Einflüsse der Körperwärme und des Contactes mit lebendem Protoplasma heftige Entzündung und Nekrose der ihm zunächstliegenden Theile mit eiteriger Abstossung.
2) Innerlich gegeben hat der Arsenik je nach der angewandten Dosis eine sehr verschiedene Wirkung. Grosse Gaben erzeugen eine acute Arsenikvergiftung unter dem Bilde einer schweren Magendarmentzündung mit hervorragender Betheiligung der Drüsen (Gastroenteritis glandularis), croupösen Auflagerungen, starker venöser Hyperämie, hämorrhagischer Infiltration und Geschwürsbildung, ja selbst mit Perforation des Labmagens bei den Wiederkäuern, Die Gastroenteritis hat eine dreifache Ursache: die locale Aetzwirkung des Arseniks, seine Ausscheidung in den Darm durch die Darm-drüsen und die vasomotorische Lähmung der Darmschleimhaut mit nachfolgender hochgradiger venöser Hyperämie. Ausserdem findet man als Ausdruck einer schweren allgemeinen Stoffwechselstörung der
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
850nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Arsenik.
wichtigsten Organe Verfettung der Leber, Nieren, des Herzmuskels (Her/lälimung), sowie der Gefässo mit Ruptur der Ge-fiisswandung und ausgebreiteter E k c b y m o s e n b i 1 d u n g. Dazu kommen von Seite des Nervensystems schwere L ä b m u n g s z u s t än d o. Kleine (laben bedingen bei wiederholter Aufnahme eine Steigerung des gesammten AYachsthums sowie Fettansatz, intensivere Ernährung und Dickenzunahme der Knochen, Vermehrung des Appetits, glänzendes Haarkleid, erhöhte Muskel- und Nerventhätigkeit.
?)) Im Circulationsapparate erzeugt der Arsenik eine Erweiterung der Arterien mit Verlangsamung der Circulation namentlich in den Gelassen der Bauchhöhle (vasomotorische Lähmung der Endnerven des Splanchnicus). Diese Hyperämie geht schliesslich in Stillstand des Blutkreislaufes mit starkem Sinken des arteriellen Blutdruckes sowie Herzlähmung über.
4)nbsp; Der Arsenik ist ein starkes Gift gegen Hantparasiten, namentlich Räudemilben, Läuse, Haarlinge etc., sowie gegen Eingeweidewürmer. Er ist ferner ein Antisepticum, indem er die Harnfäulniss, Blutfäulniss, Eleischfäulniss und das Milchsäureferment in der Entwicklung hemmt. Die Leichen von Thieren und Menschen, welche mit Arsenik vergiftet wurden, faulen nicht, sondern mumiiieiren. Schimmelpilze und manche Spaltpilze (Bacterium termo) scheinen dagegen mehr oder weniger immun gegen Arsenik zu sein. Die Salze des Arseniks, insbesondere das arseniksaure Kalium (Powler'sche Lösung) haben keine oder nur geringe antiseptische Wirkung.
5)nbsp; Die Ausscheidung des Arseniks, welcher sich in allen Organen nachweisen lässt, erfolgt im Gegensatz zu den anderen Metallen sehr rasch innerhalb weniger Tage durch die Galle, den Harn, die Milch, den Speichel, Schweiss etc.
Theorie der Arsenikwirkung. Nach Binz und H. Schulz ist die Wirkung des Arseniks als eine Sauer sto ff Wirkung aufzufassen. Dieselben haben nachgewiesen, dass frisches Körperprotoplasma die arsenige Säure zuerst in Arsensilure und diese wieder zu arseniger Säure umwandelt nach der Formel: As^O;) -|- O2 = AS2O5; As^O, O2 = A82O3, Ebenso soll nun in der im Körper als arsenigsaures Kalium resp. Natrium circulirende Arsenik bald Sauerstoff aufnehmen, bald in activer Form abgeben. Darnach wäi-e wie beim Phosphor das Metall Arsen nur der Sauerstoffträger, welcher bald reducirende, bald oxy dir ende (activer, freigewordener Sauerstoff) Wirkungen auf das Protoplasma der Körperzellen ausübt. Die abweichenden Wirkungen verschiedener Dosen des Arseniks würden sich dann so erklären, dass kleine Arsenikgaben auch nur kleine Mengen activen Sauerstoffs in Bewegung setzen, wodurch ein formativer Eeiz für alle W a c h s t h u m s- und E r n ä h r u n g s v 0 r g ä n g o
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Arsenik.
|
351
|
||
|
|
|||
|
geschaflen wird, während mittlere und grosse Gaben entsprechend grössere Sauerstoffmengen umsetzen, welche eine Steigerung der Oxy-dationsvorgUnge bis zum fettigen Zerfall des Körpereiweisses und zur Geschwürsbildung hervorrufen. Im Gegensätze zu dieser Theorie führt Schmiedeberg die Arsenikwirkung auf die Beeinflussung des Circulationsapparatos zurück. Nach ihm sollen kleine Arsenikdosen nur eine massige Gefilssorweiterung mit Hyperilmie und vermehrter Nahrungszufuhr, grössere dagegen eine starke Dilatation der Geflisse mit Stagnation der Blutsilule und entsprechenden Ernährungsstörungen zur Folge haben.
Toxikologie. Die To des dos is des gepulverten reinen Arseniks beträgt bei innerlicher Verabreichung für Rinder 1530 g, für Pferde und kleinere Wiederkäuer 1015 g, für Hunde 0,10,2 g, für Schweine 0,51,0 g, für Hühner 0,10,15 g, für Tauben 0,05 g (tödtliche Dosis für den Menschen 0,1 g). Von Wunden aus sind viel kleinere Dosen tödtlieh: für Pferde 2,0 g, für Hunde 0,02 g, für Schafe 0,2 g etc.
Anwendung. 1) Als Antiparasiticum gegen Räudemilben, Läuse und sonstiges Hautungeziefer in Form von Arsenikwascliungen und Arsenikbädern. Am häufigsten wird der Arsenik bei der Dcr-matocoptesräude der Schafe und der Sarcoptesräude der Pferde angewandt. Bei letzteren verwendet man gewöhnlich auf einmal nicht über 500 g einer P/n igen Lösung.
2)nbsp; Als Anthelminthioum, namentlich gegen Spulwürmer beim Pferde, gepulvert in Dosen von 13,0.
3)nbsp; nbsp;Als Conservirungsmittel wissenschaftlicher Präparate, z, B. in Form der Wickersheimer'schen Flüssigkeit.
4)nbsp; Als Aetzmittel gegen Warzen, Brustbeulen, Stollbeulen, Strahlkrebs, Carcinome etc.
5)nbsp; nbsp;Innerlich in kleinen Dosen als Mastmi11e 1, bei chronischen Ekzemen, als Plasticum bei chronischen Ernährungsstörungen und Inanitionsz uständen, Anämie, Leukämie, Ohio-rose, allgemeiner Carcinomatose und Papillomatose, als for-matives Reizmittel bei Rachitis und Osteomalacie, als Speoifioum gegen Malaria (Wechselliebcr), endlich als Nervenmittel bei Epilepsie, nervösen Zuckungen, Tremor, Rohren etc. In den meisten dieser Fälle muss wohl eine indirecte Einwirkung in Form einer Besserung der Stoffwechsel- und Ernährungsverbältnisse angenommen werden. Der Arsenik wirkt hier offenbar in der Hauptsache durch Kräftigung der Constitution.
|
|||
|
|
|||
|
Form. Gegen Räude und Hautparasiten verwendet man Auflösungen von Arsenik in Wasser oder Essig. Von Bädern gegen Schaf-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
352nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Arsenik.
riludo sind zu nennen das Matthieu'sche Arsenik-Alaunbad ('/ü Kilo Arsenik, 6 Kilo Alaun, 100 Liter Wasser für 100 Schafe); das Tossior'sche Arsenik-Eisenvitriolbad (1'/ä Kilo Arsenik, 10 Kilo Eisenvitriol; 100 Liter Wasser); das Trasbot'sche Arsonik-Zink-vitriolbad (1 Kilo Arsenik, 5 Kilo Zinkvitriol, V2 Kilo Aloe, 100 Liter Wasser); das Viborg'selie Bad (1 Kilo Arsenik, 1 Kilo Pottasclie, je 100 Liter Wasser und Essig); das Fowlor'sche Bad (1 Kilo Arsenik, 1 Kilo Pottasche, 100 Liter Wasser). Zu Waschungen (gegen Bände, Läuse etc.) benützt man meist den Viborg'schen Arsenikessig (eine l0/nige Lösung in Essig).
Die als Conservirungsmittol dienende AVickcrsheimer'sche Flüssigkeit wird nach der vom Eeiche angekauften und veröffentlichten Vorschrift folgcndermassen zubereitet: In 300 g kochenden Wassers werden 100 g Alaun, 25 g Kochsalz, 12 g salpetersaures Kali, 60 g kohlensaures Kali (Pottasche) und 10 g arsenige Säure (weisser Arsenik) aufgelöst. Die Flüssigkeit muss dann neutral, färb- und geruchlos sein. Zu je 1 Liter derselben, nachdem sie erkaltet und Hltrirt worden, werden noch 0,4 Liter Glycerin und 0,1 Liter Methylalkohol zugesetzt. Zur Haltbarmachung von Nahrungs- und Grenuss-mitteln ist diese Flüssigkeit selbstverständlich nicht verwendbar.
Als Aetzmittel wird der Arsenik entweder in Stücken in der Weise angewandt, dass man in die Mitte der betreffenden Greschwulst (Brustbeule, Stollbeule etc.) .nach vorausgegangenem Einstiche mit dem Messer oder Trocart ein 12 g schweres Stückchen Arsenik einschiebt und liegen lässt, worauf eine nekrotisirende Entzündung mit starker Schwellung entsteht, so dass das abgestorbene Centrum nach 8 bis 14 Tagen herausgenommen werden kann, oder in der Form der Aetz-salbe und Aetzpastc mit Fett bezw. Mehl und Wasser (1 : 15). Die früher gegen Strahlkrebs viel gerühmte BaboInaer Krcbs-tinetur war eine Auflösung von Arsenik (1) und Aetzkali (15) in destillirtem Wasser (120) mit etwas Aloepulver (15).
Innerlich gibt man den Arsenik zur Aufbesserung der Constitution bei chronischen Hautkrankheiten etc. meist gelöst in Form des Liquor Kalii arsenicosi in kleinen Dosen, welche man herkömmlich täglich etwas steigert und dann wieder vermindert. So gibt man z. B. Hunden anfangs 5 Tropfen, steigt täglich mit der Dosis um 1 Tropfen bis zu 10 Tropfen und geht dann in gleicher Weise wieder zurück auf 5 Tropfen. Pferden gibt man am ersten Tage 5 g der Lösung, am zweiten 10, am dritten 15 u. s. w. bis zur Maximaldosis von 50 g. Gegen Ein ge weide w Urin er gibt man den
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
I'llOSpllOl'.
|
353
|
||
|
|
|||
|
Arsenik immer gepulvert in Pillenform, allein oder in Verbindung mit Aloe.
Dosis. 1) Die innerliche Dosis des Arseniks als Plasticum beträgt für
Pferde und Rinder 0,10,5,
Schafe und Schweine 0,010,05,
Hunde 0,0010,005,
Hühner 0,00050,0002. 2) Die Dosis der Fowler'schen Lösung (1 : 100) beträgt für
Pferde und Rinder 1050,0,
Schafe und Schweine 15,0,
Hunde 0,1-0,5 (210 Tropfen),
Katzen und Geflügel 0,050,2 (15 Tropfen).
Recepte.
1)nbsp; Kp. Liquor. Kalii arsenicosi 150,0.
D. S. Täglich 1 Esslöffcl für ein Pferd mit Anämie.
2)nbsp; Ep. Liquor. Kalii arsenicosi 10,0.
Aqu. Cinnamom. 25,0. M. D. 8. Täglich 1015 Tropfen für einen Hund mit Ekzem. .'!) Rp. Acid, arsenicos. pulv. 2,0.
Aloös pulv. 20,0.
Sapon. virid, qu. s. f. Pil. ü. tal. dos. Nr. IL. 8. Für ein Pferd mit Spulwürmern. 4) Kp. Acid, arsenicos. pulv. 2,0.
Hydrargyr. chlorat. 4,0.
Pulv. Rad. Althaeao
Aqu. dostill. qu. s. f. Pil. D. tal. dos. Nr. II. S. Für ein Pferd mit Bandwürmern.
|
|||
|
|
|||
|
riiosphoms. Phosphori
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Der Pliosphor kommt in der Natur nie frei, sondern immer an Sauerstoff oder an Metalle gebunden vor. Er wird dargestellt aus dem Calciumphosphat der Knochen oder aus dem in der Natur vorkommenden Phosphorit = Ca^PO,)^ der sich in mächtigen Gesteinslagern an der Lahn und in Estremadura vorfindet. In kleinen Mengen ist Phosphor sodann als phosphorsaurer Kalk in der Ackererde enthalten, von wo er in die Pflanzen und Thiere (Skelett, Muskel, Gehirn, Nerven, Harn) gelangt. Ausscrdem Fröhnor, Arzneimittellehre. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
354nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Phosphor.
findet sich Phosphor im Apatit = Ca.^PO,),,-f FICa, im Wawelit (plus Aluminium), im Vivianit (plus Eisen), im Grünbleierz (plus Blei).
Der in Deutschland officinelle Phosphor bildet weisse bis gelbliche, wachsglänzende, durchscheinende, cylinderformige Stangen, welche an der Luft unter knoblauchähnlichem Gerüche rauchen, im Dunkeln leuchten und sich leicht entzünden. Unter Wasser schmilzt er bei 44 nC. Er ist unlöslich in Wasser (ein Theil warmes Wasser löst nur 0,000.0027 Theile Phosphor auf), dagegen löslich in fetten und ätherischen Oelen, Weingeist und Aether, und sehr leicht in Schwofelkohlenstoff. Bei sehr langem Stehen wird er allmählich roth (amorphe ungiftige Form). Salpetersaures Silber wird durch Phosphor zu metallischem Silber reducirt (Phosphornachweis nach Schcrer). Der Phosphor ist sehr vorsichtig unter Wasser vor Licht geschlitzt aufzubewahren. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Dai'stellung. 1) Der Phosphor wird aus dem Calcuimphosphat der Knochen durch ein complicirtes Verfahren dargestellt. Die Knochen werden weissgebrannt und zerkleinert, nachdem sie von Pott (durch Schwefelkohlenstoff) und von Leim (durch überhitzten Wasserdampf) befreit sind. Die Knochenasche enthält dann 860/o CajlPOj)^. Das neutrale Ca^PO.)).) wird mittelst Schwefelsäure durch Digeriren in saures Calciumphos-phat, das sog. aufgeschlossene Knochenmohlquot; umgewandelt: Gw^PO/^ -f- 2S04H.) = CaH.^PO.j)^ -f- 'iCaSOj. Das saure Calciumphosphat wird nach dem Entfernen des Gypses geglüht und in Calciummetaphosphat umgewandelt; CaHjlPf),)^ = Ca(PO;)).2 -|-2H,0. Das Metaphosphat wird mit Kohle ireglüht (Weissgluth) und der Phosphor über des tillirt: 80a(PO3)j -|- 100 = 4P -|- 10CO -f- Oas^OÄ. Der Rohphosphor wird dann durch nochmalige Destillation oder durch Pressen gereinigt und in Rühren geschmolzen, wodurch er die Stangenform erhält.
2)nbsp; Aus dem Phosphorit wird Phosphor gewonnen, indem zuerst daraus die Phosphorsäure frei gemacht, concentrirt, von Gyps befreit, und derselben sodann durch Erhitzen mit Kohle der Sauerstoff entzogen wird.
3)nbsp; Auch elektrolytisch kann Phosphor aus Phosphaten dargestellt werden.
Handhabung, Der Phosphor ist unter Wasser in einem Glasgefässlaquo; aufzubewahren, das von einer Büchse aus Weissblech eingeschlossen ist. Am besten stellt man ihn im Keller auf. Beim Dispensiren soll er immer mit Pincette und Scheere angefasst und unter Wasser zerschnitten werden. Behufs Abtrocknens wird er auf Pliesspapier gelegt und damit vorsichtig abgetupft; behufs Schmelzens wird er in heisses Wasser gebracht. Das Pulverisiren geschieht in der Weise, dass man ihn in einer mit heissem Wasser oder besser mit heisser concentrirter Kochsalz- oder Zuckerlosung völlig angefüllten Flasche auf dem Wasserbade schmilzt und die wohl verschlossene und mit einem Tuche umwickelte Flasche bis zum Erkalten anhaltend schüttelt, worauf die Flüssigkeit abgegossen wird. Oeligo
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Phosphor,
|
355
|
||
|
|
|||
|
Lösungen werden in der Weise hergestellt, dass man das Glas rait dem Oel und Phosphor in heisses Wasser stellt, bis der Phosphor schmilzt und dann, nachdem zugekorkt ist, bis zum Erkalten schüttelt.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Aeusserüoh wirkt der Phosphor auf Haut, Schleimhäute und Wunden ätzend; wie der Arsenik ist er ein starkes Eiweissgift. Eingeathmot führen die reizenden Phosphordämpfe zu Bronchitis und Pneumonio. Ausserdem entstehen bei längerer Einwirkung der Dämpfe Schwellungen am Ober- und Unterkiefer, Knociienauftreibungen, Kieferperiostitis und Kiefernekrose (klinische Beobachtungen beim Menschen, experimentelle beim Kaninchen).
2) Innerlich erzeugen grosse Gaben das Bild der acuten Phosphorvergiftung. Zunächst entsteht locale Entzündung und Verätzung im Digestionsapparate mit gastroenteritisohen Erscheinungen (Erbrechen, Kolik, Durchfall). Vom Magendarmkanale aus wird der Phosphor sodann in Folge Auflösung durch die Darmfette und die Galle (0,10,2on/oo) resorbirt und erzeugt so eine Allgemein Vergiftung. Die wesentlichsten Erscheinungen derselben sind, wie beim Arsenik, die eines heftigen Stoffwechselgiftes mit hochgradiger Steigerung des Eiweisszerfalls (fettige Degeneration): Verfettung der Magendrüsenzellen (Gastritis glandularis), der Maskalatur des Magens und Darmes; Leberschwellung, Leberverfettung, Ikterus und Cholämie (die körnig getrübten und fettig degenerirten ver grosser ten Leberzeil en comprimiren die feinsten Gallengänge und bedingen so Gallenstauung); Nierenverfettung mit Albuminurie (der Harn enthält ausserdem Lcucin, Tyrosin, Milchsäure, Pepton, Gallenfarbstoffe, Gallensäuren, selbst Hämoglobin); Herzverfettung, Herzschwäche, Herzlähmung; Verfettung der Extremitätenmuskeln mit Schwäche und allgemeiner Lähmung; Verfettung der Blutgefässe mit Hämorrhagien in allen Organen, namentlich in den Schleimhäuten (Magen, Darm, Nasenhöhle), unter den serösen Häuten und in der Subcutis. Nach Binz beruhen diese Wirkungen des Phosphors wie beim Arsenik auf einer Activirung und zwar Ozoni-sirung des Sauerstoffes mit Beductionsvorgängen. Der Phosphor hat starke Affinitäten zum Sauerstoff, welchen er den Gewebszellen entzieht (Reduction), um Ozon (O,,) zu bilden und dann unter Abgabe von Sauerstoff stark oxydirend auf die Zellen einzuwirken. Dabei wird er zur ungiftigen Phosphorsäure umgewandelt. Bekanntlich erzeugt der Phosphor auch ausserhalb des Körpers mit
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
3 50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Phosphor.
Wasser und Luft das stark oxydirendc (und daher auch antiseptisch wirkende) Ozon.
.'{) Mittlere, andauernd verabreichte Phosphoi'gaben haben eine entz und liehe Reizung des inter stitiellen Bindegewebes der inneren Organe, wie beim Alkohol, zur Folge. Es entsteht chronische indurative Gastritis, chronische interstitielle Hepatitis und Nephritis mit Lebercirrhose und Schrumpfniere. Dazu kommen ausgesprochene Erscheinungen von Knochenent-zündung: Erweiterung und Sprossung der Gefässe mit starker Ein-Schmelzung des Knochengewebes, so dass es selbst zur Ablösung der Epiphysen kommt, ferner Entzündung des Markes und Periostes: Osteomyelitis und Periostitis ossificans.
4) Sehr kleine, andauernd verabreichte Phosphorgaben bilden einen speeifischen formativon Reiz für das Knochengewebe, welcher eine Steigerung des Knochen-wachsthums zur Folge hat; ausserdem steigern sie das Gesammt-w a c h s t h u m des Körpers. Die genaueren Vorgänge hiebei hat Wegener (Virchow's Archiv 1872) experimentell durch Monate hindurch fortgesetzte milligrammweise Verfütterung von Phosphor an junge Kaninchen, Hühner, Katzen, Hunde und Kälber^ sowie an ausgewachsene Thiere festgestellt. Die einzelnen Vorgänge hiebei sind folgende:
a.nbsp; nbsp;An Stelle der aus dem Knorpel normal sich entwickelnden weitmaschigen spongiösen Substanz mit viel rothem Markgewebe und zahlreichen Gefässen entsteht compactos, gleichmässig festes und derbes Knochengewebe mit rascher Umwandlung der Knorpelzellen zu Knochenzellen, namentlich an den liöhrcnknochcn, Wirbeln, Rippen, am Becken, an den Carpal- und Tarsalknochen. Die Ursache ist in einer Verengerung (Sklcrosirung) der feinsten Knochenkanäle zu suchen; die Folge ist eine dickere, festere, sklerosirte Knochenrinde.
b.nbsp; nbsp;Auch das periostale Dickemvachsthum ist ein gesteigertes, das Product ein ebenso festes, sklerosirtes.
c.nbsp; nbsp;Die intermediären Epiphysenknorpel ossificiren rascher.
d.nbsp; nbsp;Die Markhöhle wird enger und kann ganz verschwinden.
Toxikologie. Die Giftigkeit des Phosphors ist eine ausserordent-liehe; sie übertrifft seihst die des Arseniks. Pferde und Rinder sterben auf 0,52,0 g, Schweine auf 0,10,2 g, Hunde auf 0,05 g, Hühner auf 0,01 bis 0,02 g. (Tödtliche Dosis für den Monsehen, 0,050,1 g.) Sehr viel kommt dabei allerdings auf den Füllungs/.ustand des Magens an. Die
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Phosphor.
|
357
|
||
|
|
|||
|
hilufigste Vergiftungsursache ist die Einverleibung von Mäuse- und Rattengift sowie von Zündbolzkuppen.
Anwendung. 1) Als Speciticum gegen Kachitis und Ostco-malacie in kleinen, anhaltend verabreichten Dosen (die von den thierärztlichen Autoren bisher angegebenen Dosen sind entschieden zu hoch). Am besten verschreibt man den Phosphor mit Ool zusammen und gibt die Lösung thee- bis esslöft'elvollweise, Pferden mit der Kleie, Sehweinen aufs Futter. Ich habe S2)eciell bei der Rachitis der Hunde in einer sehr grossen Anzahl von Füllen die vorzügliche Wirkung des Phosphors kennen gelernt. DieExperimente Wegener's haben ferner gezeigt, dass bei Phosphorverabreichung auch Fracturen, Resec-tionen und Transplantationen besser heilten, indem die neugebildete Knochensubstanz reichlicher und fester war; der Calhis zeigte nicht selten eine elfenbeinerne Consistenz.
2)nbsp; Als Antisepticum gegen Infectionskrankheiten sowie typhöse Krankheiten mit asthenischem Verlaufe (Degive). Die von Del-wart, Causse u. A. angeblich beobachteten günstigen Wirkungen gegen Milzbrand müssen bezweifelt werden.
3)nbsp; Als Hatten-und Mäusegift in Form der Phosphorpaste. Dieselbe wird am einfachsten in der Weise bereitet, dass 1 g Phosphor mit 30 g heissem Wasser Übergossen wird, wobei er schmilzt; dann werden 30 g Weizenmehl hinzugerührt. Besser, weil gefahrloser ist es, den Phosphor zuvor in der oben beschriebenen Weise zu pulverisiren.
Form. Innerlich wird der Phosphor am besten in Form einer öligen Lösung verschrieben. Bei der Dispensation bedient man sich vortheilhaft vorräthiger, concentrirter, öliger Lösungen von genau bekanntem Phosphorgehalt (1 : 100 500), welche jedoch immer nur in kleinen Mengen vorräthig zu halten und vor Licht geschützt in kleinen, gut verschlossenen Gläsern an einem kühlen Orte aufzubewahren sind. Das genaue Abwägen eines Centigramms oder Milligramms Phosphor für jeden einzelnen Fall ist ausserordentlich schwierig.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis. Pferd und Rind 0,010,05.
Schaf und Schwein 0,0020,005.
Hund 0,00050,002.
Katze und Geflügel 0,00050,001.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
358nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schwefel.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Phosphorl 0,5.
01. l'apav. 800,0. M. f. Sol. D. S. Täglich einen Esslöffel für ein Fohlen mit Rachitis.
2)nbsp; Rp. Phosphorl 0,05.
01. Jeoor. Asolli 300,0. M. f. Sol. D. 8. Tiiglich 1 Theo- resp. Essloffol für einen (kleinen grossen) Hund mit Rachitis.
|
||
|
|
||
|
Sulfur. Schwefel.
s.
Pharmaceutische Chemie. Dor Schwefel ist in der Natur sehr verbreitet. In gediegenem Zustande findet man ihn in der Nähe von Vulkanen, besonders in Sicilien und in der Romagna in Form von ausgedehnten Schwefellagern (Schwefelerzen) in Verbindung mit Gyps, Kalkstein und Mergel. Der Eolischwefel wird auf Sicilien (Caltanisetta, Catania, Girgenti) und in derEomagna(Scrofano, Latero) tlieils aus offenen Schwefellagern (Solfatarequot;), theils aus tieferen bergmännisch (Solfarequot;) gewonnen. In der Romagna wird der Schwefel aus gusseisernen Apparaten (Doppioni) Uberdestillirt. Das primitivere sicilianiscbo Verfahren besteht darin, dass man das Schwefelerz früher in Erdlöcliern (Calcarelle), neuerdings in ausgegypsten Gruben (Calcaroni) anzündet und den Schwefel so ausschmelzt, wobei er sich an der tiefsten Stelle der Grube ansammelt; scbliesslich wird er dann in Stangenform umgeschmolzen, sogenannter sicilianischer Stangenschwefel. Ausser in Sicilien findet sich Schwefel in gediegenem Zustande in Spanien, Griechenland, Kalifornien, Südamerika, Teneriffa etc.
In Form der schwefligen Säure (S02) und des Schwefelwasserstoffes (SH2) ist der Schwefel in den vulkanischen Gasen enthalten. Aus dem Zusammenwirken beider entstellt der vulkanische Schwefel: SÜä 2SH, = 3S !-2H0. Als Sulfid kommt der Schwefel hauptsächlich im Schwefelkies (FeS2) vor, aus welchem er auch mittelst Destillation dargestellt wird; schwedischer Schwefel: 2FeSj = FeaS4.-|-S8. Aussordem ist Schwefel im Spicssglanz (SboS.,). Bleiglanz (PbS), Realgar und Operment (As^, und As2S..), sowie im Kupferkies enthalten (Cu2S Fe.^). Als Sulfat findet man den Schwefel im Glaubersalz (Na8S04), Bittersalz (MgSO,), im Gyps (CaS044-2HjO), Anhydrit (CaSO,), Schwerspath (BaSO,), Kieserit
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Schwefel.
|
359
|
||
|
|
|||
|
(MgSO, -j- HgO) und Cölestin (SrSO,). Er wird ferner dargestellt aus den Abfällen der S o d a f a b r i k e n (CaS) und aus der zur Reinigung des Leuchtgases vorwendeten Laming'schen Masse.
Endlich ist der Schwefel ein wichtiger Bcstandtheil des Ei-wcisscs bei Thieren und Pflanzen und kommt auch in einigen ätherischen Oelen vor (Senföl, Knoblauchol, Oel von Asa foetida).
Officinelle Präparate sind 1) Sulfur sublimatum (Flor es Sulfur is, Schwefelblumen). Dieser für gewöhnlich angewandte Schwefel wird entweder durch Sublimiren des sicil ianischen Schwefels oder des Schwefelkieses dargestellt. Er ist ein Gemenge von krystallinischem und amorphem Schwefel. Die Schwefelblumen bilden ein gelbes Pulver von schwach säuerlichem Geschmacke, etwas klümpernd, unlöslich in Wasser, Alkohol und Aether, löslich in siedender Kali- und Natronlauge, sowie sehr leicht in Schwefelkohlenstoff. In Folge anhaftender Schwefelsäure röthet der Schwefel Lakmuspapier. Er verbrennt mit blauer Flamme zu S(X; dabei soll er höchstens l0/o Rückstand (erdige Beimengungen) hinterlassen. A.P. 100,0 = 15 Pfennig. 2) Sulfur depuratum, gereinigter Schwefel (Flores Sulfuris loti), d. h. von Schwefelsäure und Schwefelarsen durch Auswaschen mit einer Ammoniaklösung befreiter Schwefel. Soll Lakmuspapier nicht röthen und beim Erhitzen nur einen geringen Rückstand hinterlassen. 8) Sulfur praecipitatum, Schwefelmilch (Lac Sulfuris), stellt ein gelblichweisses, höchst feines, chemisch reines Pulver dar, welches durch Ueberführen des sublimirten Schwefels mittelst gebranntem Kalke in Schwefelcalcium und Ausfällen dieser Sulfobase mittelst Salzsäure dargestellt wird. In Oesterreich ist ausserdem officinell die Schwefelsalbe, ünguentum sulfuratum, eine Mischung von Sulfur sublimatum (8), Calciumcarbonat (2), Theer (8), Kaliseife ((5) und Schweinefett (6).
Wirkung. 1) Aeusserlich an der Luft bildet der Schwefel in fein vertheiltem Zustande kleine Mengen von schwefliger Säure nach der Formol: S-|-0B = S08. Er wirkt daher unter gewissen Umständen als Antisepticum.
2) Auf der Haut geht der Schwefel namentlich bei gleichzeitiger Anwesenheit von Alkalien (Seife, kohlensauren Alkalien) und in Berührung mit organischen Stoffen zum Theil in Schwofelwasserstoff über, indem er das Wasser zersetzt: S-j-H20 = SI1,-f 0. Auf diese Weise kann er als Antiparasiticum wirken.
S) Innerlich verabreicht geht der Schwefel zum grössten Theile ungelöst mit den Paces wieder ab, wobei er die Darmschloimhaut mechanisch reizt. Eine theilweise Lösung findet nur im Dünndarm statt, dessen alkalische Secrete den Schwefel in Natriumsulfhydrat (NaSH) und Schwefelwasserstoff (SHä) überführen. Diese Körper, welche im Wesentlichen die Wirkungen des Schwefels repräsentiron, bedingen ebenfalls eine Reizung der Darmschleimhaut, vermehrte
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
300
|
Schwefel.
|
|||
|
|
||||
|
P er is tu Itik und Diarrhöe. Sie gehen auch ins Blut üher, wohei ein Theil des Schwefelwasserstoffes durch die Lungen und durch die Haut ausgeathmet wird; hiebei erfährt sowohl das Lungengewebe und die Bronchialschleimhaut als die Haut eine Erregung (Hyperämie). Die Ausscheidung des Schwefel Wasserstoffs durch Haut und Lungen ist bei den Thieren deutlich durch den Geruch wahrzunehmen; bei Schlachtthieren zeigt das Fleisch ferner einen deutlichen Schwefelwasserstoffgeruch, so dass das Fleisch selbst ungeniessbar werden kann. Der andere Theil wird im Blute zu unterschwefligsaurem und schwefelsaurem Natrium oxydirt und als solches durch den Harn ausgeschieden. Nach seiner Aufnahme ins Blut wirkt der Schwefel ausserdom nach H. Schulz ähnlich wie der Arsenik stoffwochsel-erregend, indem er namentlich die Secretion der Drüsen (Leber, Darmdrüsen, Hautdrüsen, Bronchialdrüsen etc.) steigert; die Ausscheidung der Stoffwechselproducte im Harn ist dementsprechend yer-mehrt. Endlich wirkt der Schwefel als Pias tic um, da er ein zum chemischen Aufbau des Körpereiweisses unentbehrliches Element darstellt (Schwefelgehalt des Eiweissmoleküls).
Anwendung. 1) Als Plasticum in kleinen Dosen bei chronischen Ernährungsstörungen, Blutkrankheiten (Anämie, Leukämie, Ghlorose) und constitutionellen Leiden; ferner als umstimmendes, den Stoffwechsel und die Hautthätigkeit anregendes Mittel bei chronischen Krankheiten.
2)nbsp; Als Expectorans bei Katarrhen des Respirationsapparates.
3)nbsp; Als Milchmittel bei unterdrückter Milchsecretion.
4)nbsp; Als Laxans (selten). Dosis für Hunde .r) 10,0.
5)nbsp; Als Antidot gegen acute Metall- (Quecksilber-, Blei-) Vergiftungen (Bildung von unlöslichen, daher ungiftigen Sulfiden im Darmkanal); ausserdem gegen chronische Me tall Vergiftungen (Steigerung des Stoffwechsels und der Drüsensecretion).
6)nbsp; Aeusserlich als Antiparasiticum gegen Räude namentlich für Katzen (Giftigkeit der Garbolpräparate) in Verbindung mit Seife oder Pottasche (SH,) als Helmerich'sche Räudcsalbe, sowie zu anderen Räudelinimenton. Auch als Antisepticum kann er als Streupulver oder in Form der Inhalation feingepulverten Schwefels (SO.,) auf Schleimhäute angewandt werden. Contraindicirt ist der Schwefel in grösseren Dosen bei Schlachtthieren.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 25,0.
Schaf und Schwein 0,5-
|
#9632;1,0.
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
iSchwefel.
|
3(Jl
|
||
|
|
|||
|
Hund 0,050,2.
Katze und GcHiigel 0,050,1.
Recepte.
1)nbsp; Bp, Sulfur. Sublimat. 50,0.
Kalii bioarbon. 25,0. Natrii chlorati crudi 500,0. M. f. Sol. 1). S. Auf jedes Futter 1 Esslöflel für ein Pferd mit Anämie.
2)nbsp; Bp. Flor. Sulfur.
Stibii sulfur, crud. all 25,0.
Natrii sulfuric. 250,0.
Pulv. Rad, Liquirit.
Pulv. Sem. Foeuugracci ää 100,0. M. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Bronchitis. 8) Rp. Flor. Sulfur. 50,0.
Kalii jodati 10,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. III. S. Täglich 1 Pulver für ein Rind mit chronischer Bleivergiftung-,
4)nbsp; Rp. Flor. Sulfur. 5,0.
Sapon. virld. 15,0. M. f. Ugt. D. S. Riludesalbe.
5)nbsp; Rp. Sulfur, sublimat. 15,0.
Kalii carbonici 7,0.
Adip. suill. 60,0. M. f. Ugt. D. S. Helmerich'sobe Räudesalbo. ß) Rp. Piois liquid.
Flor. Sulfur, ää 100,0.
Sapon. virid.
Spiritus ää 200,0. M. f. Linim. D. S. Wiener Theerliniment gegen Pferderäude.
t Schweflige Säure. Die schweflige Säure, SOj, Aoidum sulfuro-sum, entsteht beim Verbrennen des Schwefels als farbloses, in Wasser leicht lösliches, bleichendes, stark reizendes Gas. Nach den älteren Anschauungen sollte sie eines der stärksten Desinticientien sein. Nach den Untersuchungen von Koch, Wolffhügel u. A. hat sie sich aber als ein äusserst unsicheres Desinficiens erwiesen. Aus diesen Gründen hat die schweflige Säure ihre Bedeutung für die Desinfoction verloren. Dasselbe gilt für die innerliche Anwendung als Antizymoticum bei Daringährungen, In-fectionskrankheiten und für die äusserliche als Antisepticuin in der Wundbehandlung. Auch die unterschwefligsauren Salze, so das Natrium sub-sulfurosum und der unterschwefligsaure Kalk (Calcium subsulfurosum, sulfurosum und bisulfurosum), welche von Plant u. A. empfohlen wurden, sind für die oben genannten Zwecke zu schwach, l'erroncito hat sogar BO'/oige Lösungen von Natrium subsulfurosum nach 48stündigor Einwirkung wirkungslos gefunden gegen die sehr leicht zerstörbaren Baoterien der Htihnercholera. Mit dem Namen Lignosulfit wird eine SOo-haltige Flüssigkeit bezeichnet, welche bei der Cellulosefabrication durch die Einwirkung
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
3G2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schwefelleber.
schwefliger Silure ant Holz gewonnen wird und neben SO^ iltheriscbe Oele und balsamische Substanzen enthält (Anwendung in Porni der Inhalation gegen Tuberkulose).
|
||
|
|
||
|
Kalium sulfuratum. Sclnvefolleber.
K,S;j KaSjOs.
Pharmaceutische Chomie. Das Kalium sulfuratum (Seinvefel-leber, Hepar sulfuris, Schwefelkalium, Kalium sulfuratum pro balneo) wird durch Zusammenschmelzen von Schwefel (l) mit Pottasche (2) dargestellt. Es ist chemisch ein Gremonge von Dreifacli-Schwefelkalium (K^S.,) und Kalium-thiosulfat {KoS.,0.,); häufig entliält das Präparat aucli noch Kaliumsulfat (KoSOJ, wenn nämlich stärker erhitzt wird. Die Schwefelleber bildet frisch leber braune, später gelb grüne Bruchstücke, welche nach Schwefelwasserstoff riechen und an der Luft zer-fliessen. Sie lösen sich in 2 Theilen Wasser zu einer opales-cirenden, gelbgrünen, ätzenden, stark alkalisch reagirenden Flüssigkeit, welche durch verdünnte Säuren milchig getrübt wird (Schwefel-milch); gleichzeitig entwickelt sich Schwefelwasserstoff. Bei längerem Stehen an der Luft zersetzt sich die Schwefelleber zu imterschwef'lig-saurem und kohlensaurem Kali. Im Gegensätze zu dem gewöhnlichen, für den äussorlichen Gebrauch, namentlich zu Bädern dienenden Kalium sulfuratum pro balneo hat man früher ein reineres Präparat zu innerlichem Gebrauche: Kalium sulfuratum pro usu interne unterschieden. In Üesterreich sind beide Präparate offieinell. A.P. 200,0 = 45 Pfennig.
Wirkung. 1) Aeusserlich wirkt die Schwefellebor auf Haut, Schleimhäute und Wunden in concentrirtem Zustande (bis 100/oig) ätzend in Folge ihres Kaligehaltes, in verdünnter Lösung (5100/oig) reizend und erweichend.
2) Wegen gleichzeitiger Entwicklung von giftigem Schwefelwasserstoff hat sie starke antiparasitäre Eigenschaften; dieselben worden unterstützt durch die chitinauflösende Kraft des Kaliums.
8) Innerlich entstehen nach kleinen Dosen (Pferden 5 10 g, Hunden 0,25 g) aussei- einer Vermehrung der Secrete und einem Schwefelwasserstoffgeruche der ausgeathmeten Luft keine wesentlichen Veränderungen. Grössere Gaben (Pferd und Rind 3000 g, Hund 24 g) erzeugen zunächst eine durch das Kalium bedingte
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Schwefelleber.
|
;jg3
|
|||
|
|
||||
|
corrosive Gastroenteritis (Speicheln, Erbrechen, Kolik). Hiezu kommt das Bild einer Sclnvefolwasscrstoffvergiftung, welches bei sehr grossen Dosen in den Vordergrund tritt. Die Erscheinungen der letzteren bestehen in Krämpfen, Athmungslühmung. Lähmung des ganzen Nervensystems, Bewusstlosigkeit, Verlust der Sensibilität und Motilität (an der Nacbhand beginnend); der Tod erfolgt unter Convulsionen, zuweilen auch apoplektisch.
Anwendung. Während früher die Schwefelleber auch innerlich sehr häufig angewandt wurde (bei Kolik, Tympanitis, Danngährung, Starrkrampf, als Expectorans, Diapnoicum), wird ihr Gebrauch in der neueren Zeit auf die nachfolgenden Fälle beschränkt:
1) Innerlich als Antidot gegen acute Metallvergiftungen (Blei, Quecksilber, Brechweinstein) zur Bildung unlöslicher Sulfide. Wogen der rascheren Wirkung ist hier die Schwefelleber dem Schwefel vorzuziehen.
2)Aeusserlichgegen Hautparasiten (Räudemilben, Läuse etc.). Namentlich der schwer zu heilende Acarusausschlag wird mit Schwefellober behandelt. Man verwendet entweder 5 10n,nige Waschungen oder 0,520/oige Bäder (50200 g Kalium sulfuratum auf ein Vollbad von 100 Liter für einen Hund). Nach Brusasco lässt man zwischen den Bädern ausserdem Cantharidensalbe einreiben.
3) Acusserlich als reizendes, erweichendes Mittel gegen chronische, squamöse Ekzeme, sowie als zertheilende Salbe gegen Verdickungen der Haut, der Suhcutis etc.; sogenannte Thermensalbe. Contraindicirt ist die innerliche Anwendung der Schwefelleber bei Schlachtthieren wegen des ins Fleisch übergehenden Schwefelwasserstoffgeruches. Ausserdem ist bei der äusserlichen Anwendung zu bedenken, class die Wolle sowie helle Haare sich grüngelb färben, und dass eine starke Abschuppung der Epidermis mit vorübergehendem Ausfall der Haare eintritt.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd und Rind 515,0. Schaf und Schwein 0,50,2. Hund 0,050,2.
|
|||
|
|
||||
|
Recepte.
|
||||
|
|
||||
|
1) Rp. Kalii sulfurati 15,0. Aloes pulv. 40,0. Decoet. Semin. Lini 50,0 : 500,0.
|
||||
|
|
||||
|
V
|
||
|
|
||
|
^04nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sobwefelleber.
2) Rp, Kalii sulfurati 10,0. Atju. destill. 200,0. Mi i'. Sol. D. S, Zu Hiiiidewascluiiigeii. 8) Rp. Kalii sulfurati 2,0. Adipis suilli 30,0. M. f. Ugt. M. D. Thenneusalbo.
f Selenium. Das mit dem Schwefel nahe verwandte Selen wird in Form des Selenium praecipitatum als Ersatzmittel des Schwefels bei der Behandlung von Hautkrankheiten empfohlen. Selen ist im Uebrigen wesentlich giftiger als der Schwefel.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Pflanzliche Adstringentien.
|
||
|
|
||
|
Aeidum taniiicuiu. Gerbsäure.
OgHj. (OH)3.000. OaHj. (OH)3.00.
Pharmakognosie. Die Gerbsäure oder das Tannin (G-ullus-gerbsäure, Aciduin gallotannicum) ist der Hauptbestandtlieil der pflanzlichen Adstringentien (Eichenrinde, Chinarinde, Weidenrinde, Q-alläpfel, Katechu, Eatanhia, Tormentill, Salbei, Uva Ursi, quot;NValnussblätter, Kino, Campecliienholz u. s. w.). Sie wird dargestellt aus den Galläpfeln durch Ausziehen derselben mit wasser-und alkoholhaltigem Aether (Ausbeute ca. 6ü0/o). Ihrer chemischen Constitution nach gehört sie zu den Benzolverbindungcn; sie ist nämlich chemisch betrachtet 2mal Gallussäure minus H20:
2C11H2. (OH)8. 0OOH-H2O = C(!H2. (OHB). COO. C.H,. (OH),. 00.
Gallussäure,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gerbsäure.
Demnach ist die Gerbsäure chemiscli als Digallussäure aufzufassen.
Das Tannin bildet ein weisses oder gelbliches, geruchloses, amorphes Pulver von bittersüsslichem, adstringirendom Ge-schmacke, welches sich in gleichen Theilen Wasser, sowie in 2 Theilen Alkohol klar mit gelblicher Farbe löst, ausserdem leicht löslich in Glycerin, dagegen unlöslich in reinem Aether ist. Die Lösung reagirt sauer; Eisenchlorid erzeugt in derselben einen blauschwarzen Niederschlag (gerbsaures Bisen, Tinte), der auf Zusatz von Schwefelsäure wieder verschwindet. Ausserdem coagulirt die Tanninlösung Eiweiss- und Leimlösungen. Beim Einäschern im Platintiegel verbrennt das Tannin nahezu ganz (auf 1 g soll nicht mehr als 0,005 Rückstand bleiben). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
t Tannigen. Acetylirtes Tannin (Diacetyltannin). Ersatzmittel für Tannin bei infeotiösen Durchfällen, soll erst im alkalischen Dünn-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
3ÜÜnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Taunin.
darmsaft zur Wirkung komm,en und somit den Magen schonen. Gelblichgraues, geruch- und geschmackloses Pulver. Eine Verbindxuig von Tannin und Formaldehyd wird unter dem Namen Tannoform gegen Deeubitus empfohlen. Tannalbin ist eine Verbindung von Tannin und Eiweiss.
Wirkung des Tannins und der pflanzlichen Adstringentien. 1) Die Hauptwirkimg der Gerbsiiuro bestellt darin, dass sie das Eiweiss und den Leim aus ihren Lösungen ausfällt; darauf beruht ihre adstringirende und hämostatische Wirkung auf Schleimhäute und Wunden.
2)nbsp; Die Gerbsäure hat fäulniss- und gii h r un gs w i dr ig e Kraft.
3)nbsp; nbsp; Die Gefässe werden hei director Einwirkung verengert und der G e f ä s s t o n u s gesteigert (von Anderen bestritten).
4)nbsp; Innerlich wird die Verdauung durch kleine Dosen nicht gestört; es tritt im Magen weder eine Fällung des Pepsins noch ein Niederschlag von Tamhnalhuininat ein. Grössere Gaben erzeugen Appetitstörung und Verstopfung, letztere namentlich bei vorhandener Diarrhöe; sehr grosse Gaben haben eine ulceröse Gastroenteritis zur Folge. Von entfernteren Wirkungen des Tannins nach seiner Aufnahme ins Blut sind zu erwähnen: die Verminderung der Harnsecretion und die des Eiweisses bei Albuminurie; ferner wird von Manchen eine gefässcontrahirende Wirkung auf das Parenchym der inneren Organe (Nieren, Leber, Uterus, Scbleim-häute etc.) angenommen.
5)nbsp; nbsp;Die Resorption der Gerbsäure geschieht in der Weise, dass sich zunächst im Darme ein Niederschlag von Eiweiss- bozw. Leimtannat bildet. Dieser Niederschlag löst sicli jedoch im Ueber-schusse des Eiweisses oder Leims, sowie in Alkalicarbonaten auf. Das Tannin kann daher in dem eiweissreichen, alkalisch reagirenden Blute als Eiweisstannat bezw. Natriumtannat circuliren und so in entfernte Organe gelangen, wo es möglicherweise unter dem Einflüsse der daselbst bei der Thätigkeit entstehenden Säuren wieder frei wird und seine Wirkung ausübt. Die Ausscheidung durch den Harn geschieht grossentheils in unzersetztem Zustande als Tannin; aus diesem Grunde findet sicher eine adstringirende und desinficirende Einwirkung des tanninhaltigen Harns auf das Nieronparcnchym, die Harn kanälchen und die Blase statt. Ein anderer Theil hat sich in der ^Niere zu Gallussäure und P yrogallussäure zersetzt.
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
|||
|
Tannin.
|
367
|
||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als Styptioum bei Diarrhöen hauptsächlich
infectiösen Ursprungs, sowie gegen Magen- und Darmblutungen, abnormes Erbrechen etc.
2)nbsp; nbsp;Als innerliches Adstringens bei Nephritis, Nierenblutung, Cystitis.
3)nbsp; In Form der Inhalation oder intratrachoalcn Injection gegen Laryngitis, Bronchitis und Pneumonia catarrhalis.
4)nbsp; Als Antidot bei Vergiftungen mit Alkaloiden, Metallsalzen, BrechWeinstein (Bildung schwer löslicher Tannate).
5)nbsp; Aeusserlich als Hämostaticum bei parenchymatösen Blutungen, sowie als Adstringens bei Schleimhautkatarrhen (Conjunctivitis, Cystitis, Stomatitis, Proctitis), eiterigen Dermatiten, Otorrhöo, nässenden Ekzemen und Geschwüren.
Form. Man gibt das Tannin innerlich in Form von Pillen und Latwergen für Pferde, in Lösung für Wiederkäuer, als Pulver, in Pillen und Lösungen für Hunde. Um zu verhüten, dass das Tannin im Magen vollständig gebunden und so für den Darm unwirksam gemacht wird, empfiehlt es sich, bei Diarrhöen das Tannin mit Schleim zu verschreiben, welcher das Tannin vor der Einwirkung des Mageninhaltes schützt (Schmiedeberg). Zu vermeiden ist die gleichzeitige Verabreichung von Metallsalzen (namentlich Eisenvitriol = Tinte), Bleizucker, Brechweinstein, Alkaloiden. Aus diesem Grunde soll man beispielsweise Tannin nicht, wie es oft geschieht, mit Morphium oder Opium zusammen verschreiben. Aeusserlich wird das Tannin in Pulverform (auf blutende Wunden), in Lösung (Wasser, Glycerin), als Salbe, mit Collodium etc. angewandt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 515,0.
Rind 1025,0. Schaf und Ziege 25,0. Kälber, Schweine 12,0. Hund 0,10,5. Katze 0,050,2. Geflügel 0,010,5.
Recepte.
1) Rp, Aciili tannioi 30,0.
Pulv. Rad. Althaeao 50,0.
Acju, destill, qu. s. f. massa, e qua fonncntiu' Boli Nr. III. D. S. Täglich 1 Pille für ein Pferd mit Diarrlioo.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
||
|
3lJ8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eichenrinde.
2) Rp. Acidi taunici 5,0.
Decoct. Sem. Linl 20,0 : 250,0. M. f. Sol. I). S. Für ein Kalb mit Ruhr auf 2mal ciuzusohiitten.
8) Kp. Acidi tannici 0,25. Pulv. gummosi 0,5. M. f, Pul. 1). tal. dos. Nr. V. S. ystündiicli 1 Pulver für einen Hund mit Diarrhöe.
4)nbsp; Rp. Acidi tannici 2,0.
Aqu. destill. 150,0. Gummi arabioi 5,0. M. f. Sol. D. S. Täglich 2 Bsslöfiel (Theelöffel) für einen Hund (K atze) mit Nephritis.
5)nbsp; nbsp;Rp. Acidi tannici 2,0.
Gummi arahici 5,0. A(|U. destill, qu. s. f. Pilul, Nr. X. D. S. Tanninpillen für Hunde.
tl) Rp. Acidi tannici 2,0.
Unguenti Paraff. 20,0. M. f. Ugt. D. 8. Tanninsalbe gegen Eozema impetiginosum.
7)nbsp; nbsp;Rp, Acidi tannici 5,0.
Spiritus 250,0. M. f, Sol. D. 8. Ohrenflüssigkeit gegen Otorrhöe der Hunde.
8)nbsp; Rp. Acidi tannici 5,0.
Oollodii elast. 50,0. M. D. S. Collodium stypticum,
9)nbsp; Rp. Acidi tannici 5,0.
GHyoerini 50,0. M. f. Sol. D. 8. Acusscrlich gegen Eczema crustosum.
10)nbsp; Rp. Acidi tannici 10,0.
.lodoformii 5,0. M. f. Pulv. I). S. Streupulver auf Wunden.
|
||
|
|
||
|
Cortex Qaercus. Eichenrinde.
Stammpfl(inze: Quet'OUS Bobur L, a.. peduneulata, $. nessili/lora. Familii': ('upidiferae.
Geschichtliches. Die Eiche, der geheiligte europäische Urlmum (Quercus leitet sich ab ans dem keltischen quer = schön, cuez = Baum), ist schon im Alterthuni in Form der Rinde gegen Blutspeien und Kolik angewandt worden (Dioscoridos).
Pharmakognosie. Die Eicltenrinde wird von den beiden genannten Varietäten in der quot;Weise gewonnen, class man im Frühling
|
||
|
|
||
|
i
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Eichenrinde.
|
860
|
|||
|
|
||||
|
die jüngeren Stämme (Spiegelrinde) oder die noch nicht alten Aeste (Grobrinde) schält. Die Spiegelrinde ist die beste Sorte; sie ist glatt und silbergrau glänzend, 13 mm dick, 13 cm im Durchmesser haltend, mit 10150/o Gerbsäure; die Grobrinde ist braun, an der Oberfläche rissig und uneben (Borkenbildung) und enthält nur 5100/o Gerbsäure. Charakteristisch für die Eichenrinde sind die Längsstreifen an der Innenfläche, der bandfaserige Bruch und der herbe Geschmack; chemisch ist sie durch den schwarzblauen Niederschlag zu erkennen, welcher Eisenchloridlösung im wässerigen Auszuge erzeugt. A.P. 100.0 = 30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Eichenrinde stimmt in ihrer Wirkung vollkommen mit dem Tannin überein (vergleiche dieses). Sie wird sowohl innerlich (Pulver, Latwerge, Decoct) als äusserlich (Decoct, Fussbäder, Pulver) angewandt als Adstringens, Hämo-staticum, Stypticum, Antisepticum, sowie als Antidot gegen Alkaloid- und Mctallvergiftungen. Vielfach wird in der thierärzt-lichon Praxis statt der officinollen Eichenrinde die viel billigere Gerberlohe angewandt, namentlich zu Pussbädern, sowie als Streumaterial bei Klauenseuche, Strahlkrebs etc.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferde und Binder 2550,0.
Schafe und Schweine 510.0. Hunde und Katzen 15,0. Geflügel 12,0.
|
||||
|
|
||||
|
Recepte.
|
||||
|
|
||||
|
D. S.
|
1) Rp, Pulv. Cort. Quercus.
Pulv. Sem. Lini.
Pulv. Rad. Althaeae ää 50,0.
Aqu. qu. s. f. Elect. Auf 2iual für ein Pferd mit Diarrhöe.
|
|||
|
|
||||
|
2)nbsp; Rp. Decocti Cortic. Quercus 20,0 : 250,0.
Gummi arabiei 10,0. M. D. S. 3stündlich 1 Esslöflcl für einen Hund mit (rastroentcritis.
3)nbsp; Rp. Pulv. Cortic. Quercus 20,0.
Jodofonuii 2,0. M. f. Pulv. D. Si Streupulver auf Wunden, gegen Ütorrhöo, Strahl-krehs. eiternde Ekzeme etc.
|
||||
|
|
||||
|
i'röhner. Arzneiniittellelire. 4. Aufl.
|
24
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
370nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; öftllöpfel,
dlallae. (laquo;alläpfel.
Sfammpflanze: QtUfCUS Lusitanlea, reif. Infectoriu. Familie: Cujmliferen.
Geschichtliches. Das altdeutsche Wort Gallequot; bedeutet einen krankhaften rundlichen Auswuchs (vergl. Chirurgie). iJie Gallen sind schon im Alterthum medicinisch gebraucht worden (Hippokrates). Seit den Kreu/,-zügen bilden sie einen Ausfuhrartikel aus der Türkei.
Pharmakognosie. Die Galläpfel (Ctaliae Turoioae, Levanti-cae, Halepenses) sind Auswüchse dor in Kleinasien und Syrien wachsenden strauchartigen lusitanischen Eiche, welche durch den Stich der Gallwespe (Oynips Gallae) hervorgerufen worden sind. Die Gallwespe bohrt nämlich die jungen Zweige und Knospen dieser Eiche mit ihrem Legestachel an, indem sie in die Stichöl'liumg ein Ei legt, um welches sich sodann die Galle entwickelt; die Larven verlassen später die Galle, nachdem sie sich ein Flugloch gebohrt haben. Die türkischen Galläpfel (Gallen) sind haselnussgross, kugelig oder hirnfomig, warzig-stachelig, höckerig, olivengrün oder röth-lichgelb, bald hart und schwer, ohne Flugloch, bald leichter, von einem Flugloche durchbohrt, Das Innengewebe ist dicht und zeigt eine kleine Höhlung für das Insekt. Der Geschmack der (geruchlosen) Aepfel ist stark zusammenziehend. Sie enthalten 8565quot;/o Tannin (Gallusgerbsäure, eisenbläuende Gerbsäure), sowie 2 quot;/o Gallussäure. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Die Tinctura Gallarum wird durch Extraction der Galläpfel mit verdünntem Weingeist dargestellt (1 : 6). Sie ist gelblichbraun, von herbem, stark zusammenziehendem Geschmacke, saurer Reaction und wird durch Eisenoxydsalzc blauschwarz gefällt.
Handelssorten. Am werthvollsten sind die schwarzen Mossul-Gall-iipfel; überhaupt sind die Galläpfel um so theurer, je dunkelfarbiger sie sind. Andere Sorten sind die oliveugrünen bis gelblichen Aleppo'schen, sowie die etwas kleineren Smyrnaor Aepfel. Die kleinsten, ausgelesenen Gallen heissen Sorian-Gallen. Die nicht officinellen europäischen Galläpfel sind zum Unterschiede von den türkischen tanninärmer, leichter, heller, ohne Höcker, glatt (deutsche, ungarische, istrianische, Morea-Galläpfel). Die chinesischen Galläpfel sind Auswüchse einer Sumacluirt (Rhus semialata), welche durch den Stich einer Blattlaus (Aphis chinensis) hervorgerufen werden. Sie enthalten 70 quot;o Tannin.
Wirkung und Anwendung. Die Galläpfel wirken wegen ihres liehen Tanningehaltes (85650/o) viel stärker als die Eichenrinde und kommen daher fast der Wirkung des Tannins gleich. Sie werden
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Catechu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 371
wie das Tannin als Adstringens, Stypticum, Hämostaticum, Tonicum äusscrlich und innerlich angewandt und zwar in der halben Dosis der Eichenrinde oder der doppelten dos Tannins. Für gewöhnlich dienen sie jedoch nur zur Darstellung des Tannins.
|
||
|
|
||
|
Gateohu.
Stammpflanmeni U l'ncaria Orouparla Oamhir (Btibiacee), 'Jj Acacia Catecli a (Mimosaoee).
Geschichtliches, Der Name Catechu stammt aus dem indischen Wort cat-chu s= Pflanzen-saft. Das Mittel, welches von den malayischen Völkerschaften herkömmlich zum Betelkauen gebraucht wird, ist im IG. Jahrhundert zuerst nach Europa gelangt und im 17. Jahrhundert eine der theuersten Drogen der deutschen Apothekertaxen gewesen. Noch im Jahre 1770 kostete ein Centner in London 300 Pfund. Dor französische Name ist Cachou.
Pharmakognosie. Catechu (Terra japonica, Cachou) ist ein indisches Pflanzonextraet, welches in Ostindien aus zwei verschiedenen Pflanzen gewonnen wird:
1)nbsp; Aus Uno aria Orouparla Q-ambir, einem Kletterstrauche auf Sumatra und in der Umgebung von Singapore, aus dessen Blättern durch Auskochen und Eindampfen ein Extract gewonnen wird. Dieses Extract lieisst Q-ambir und kommt in Würfeln oder harten, festen, geruchlosen, mattbraunen, auf dem Bruche erdfarbigen, gepulvert lehmgelben Massen von zusammenziehendem, bitterstiss-liebem Geschmacke in den Handel, welche unter dem Mikroskop sich als ein Haufenwerk kleinster Krystallnadeln von Catechin (Catechusäure) erweisen.
2)nbsp; Aus Acacia Catechu, einem hohem Baume Hinderindiens (Pegu) mit dornigen Aesten, aus dessen dhnkelrotbem Kernbolze durch Auskochen und Eindicken ebenfalls ein Extract gewonnen wird, das als Catechu oder Pegu-Catechu in grossen Blöcken in den Handel kommt. Das Catechu bildet dunkelbraune, oft mit Blättern durchsetzte, spröde Massen, welche auf dem Bruche porös und glänzend sind, adstringirend schmecken und mikroskopisch nur wenig Krystalle zeigen. Das Pcgu-Catechu enthält amorphes Catechin und Catechugerbsäure,
Catechu enthält bis B00/o eisengrünende Gerbsäure (Catechin und Catechugerbsäure), Beim Verbrennen soll es nicht über 0 0/o Asche hinterlassen. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
#9632;#9632;
|
||
|
|
||
|
;{72nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Rataniiiae.
Die Tinctura Cateclm, Catechutinetur, wird aus Catechu und verdünntem Weingeist dargestellt (1 ; 5). Sie hat eine dunkelroth-braune Farbe, zusammenziehenden Geschmack und dient als Zusatz zu Mundwässern.
Wirkung und Anwendung. Dieselbe wie beim Tannin; die Dosis ist die doppelte des Tannins.
Recept.
Rp, Tiuct. Oateohu 10,0.
Aquae Month, pip. 150,0. M. D. S. 1 Esslöffel zu 1 Glas Wasser (Mundwasser).
|
||
|
|
||
|
Uadix Uatauhiiie. Peruanische llatanhia.
Stammpflanze: Crameria triandra. Familie: Leguminosen (Ciisul-liiniaceen).
Geschichtliches. Das Wort Ratanhia stanmit aus der alten peruanischen Quicliuiispraulie. Das Wort Crameria'' leitet sich von dem österreichischen Militärarzt Gramer ab (1744 in Temeswar). Die Rinde ist ein altes peruanisches Zahnmittel. Die Pflanze selbst ist 1770 von Ruiz in Peru entdeckt und 1818 in Deutschland eingeführt worden.
Pharmakognosie. Die RatanMawurzel stammt von einem kleinen Strauche der peruanischen Gebirge und wird über Payta und Callao ausgeführt (Payta-Ratanbia). Sie bildet theils kurze, knollige (kurze oder knollige Ratanhia), theils lange, schlanke Stücke (lange Ratanhia) von dunkelrothhrauner Farbe mit dünner, sich abblätternder Rinde, deren Dicke nur Vlaquo; d*38 inneren Heizkörpers ausmacht; letzterer ist blassröthlich, sehr holzig und fast geschmacklos. Dagegen hat die Rinde einen sehr herben Geschmack; sie enthält nämlich 20400/o eisengrüuendc Ratanhiagerbsäure. Ausserdem enthält die Rinde einen Farbstoff: das Ratanhiaroth; sie gibt daher auf Papier einen braunen Strich. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Die Tinctura Eatanhiae wird dargestellt aus 1 Thcil Ratanhia-wurzel und 5 Theilen verdünntem Weingeist. Eine dunkelwein-rothe Tinctur, verdünnt himbeerroth, geruchlos, von herbem, zusammenziehendem Geschmackc. A.P. 10,0 = 15 Pfennig, Ihre Dosis betrügt die Hälfte der Rinde, Sie wird mit Wasser verdünnt als Mundwasser angewandt,
Wirkung und Anwendung. Dieselbe ist die der Eichenrinde resp. des Tannins; Dosis = Cortex QuerouSi
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Folia Uvac Ursi.
|
878
|
||
|
|
|||
|
Reoepte.
1)nbsp; Rp. Deoooti Had. Ratanliiae 10,0 ; 150,0.
Tinet. aromat, 5,0. Syrupi 10,0. M. D. S. Sstiimllich 1 Esslöffol (Tbeelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Magen-Darmkatarrh.
2)nbsp; Rp, Pulv. Rad. Ratanhiae 20,0.
D. S. Mit '/a 1 Leinsamenabkoeliuug auf 2mal einzugeben für ein Kalb mit Ruhr.
|
|||
|
|
|||
|
Folia Uvae Ursi. Ililroiitraiibenbliltter.
Sta inmji/'lunzc: Arctosta/ihylos L'm L'rsl (A. of/iciiialis). Fitmilie.: Ericaceen.
Geschichtliches. Die Bärentraube (^qxxolaquo;, ursus = Riir; oxaipuXö;, nva = Traube) ist ein uraltes, nordisches Heilmittel, das schon im 18. Jahrhundert in einem alten englischen Arzneibuch erwähnt wird. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts ist es in Deutschland officinell.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. Die Blätter der Bärentraube, eines auf norddeutschen Halden und kalkigen Bergen Europas wachsenden Halblaquo; Strauches mit rothen Beeren und kleinen fleisclirotlien Blüthen sind starr lederartig, verkehrt eiförmig, ganzrandig, beiderseits glänzend und netzadrig, im Maximum 2 cm lang und 0,8 cm breit, geruchlos, von sehr herbem, bitterlichem Geschmacke. (Nicht zu verwechseln mit den am schwach gesägten Rande unigerollten und unterseits mit braunen Punkten besetzten Preiselbeerblättern und den ovalen, nicht netzadrigen Buchsbaumblättern.) Die Folia Uvae Ursi enthalten; 1) eisenbläuende Gerbsäure (800/o); 2) das Gly-kosid Arbutin (8,5 0/o), ein auch in anderen Pflanzen, z. B. im Wintergrün vorkommender Körper, welcher sicli mit Verdauungsfermenten zu HydrocMnon und Zucker zersetzt und im Harn als Hydrochinon-Sulfonsäure ausgeschieden wird; ;5) das Glykosid Ericolin, welches im Körper zu Ericinol und Zucker zerfällt; endlich das Ursen.
012H1()O7 H80 = 08H4(OH)s C.H.A,
Arbutin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hydrochinon. Zucker.
Wirkung und Anwendung. Die Bärentraubenblätter sind von jeher als Specificum gegen Nieren- und Blasenkrankbeiten angewandt worden. Sie verdanken diese Wirkung zum Tlieil ihrem Gebalte an Gerbsäure, zum Theil an Arbutin, welches im Körper zu dem stark antiseptisch wirkenden Hydrochinon umgesetzt und durch
|
|||
|
|
|||
|
r
|
||||
|
|
||||
|
874
|
Folia Salviiio.
|
|||
|
|
||||
|
die Niere ausgeschieden wird. Das Nierengewebe und die Blase er-ialirt so eine doppelte Desinf'ection; durch die Gerbsäure und das Hydrocliinon. Auch das Arbutin als solches ist neuerdings gegen Blasenkatarrhe und Nierenentzündungen sowie Nierenhlutun-gen empfohlen worden (Dosis für Hunde 25 g).
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd und Kind 2050,0, Schaf, Ziege und Schwein #9632; Hund 2 5,0. Katze und Grellügel 12.0.
|
-15.0.
|
||
|
|
||||
|
Rccepte.
|
||||
|
|
||||
|
1)nbsp; nbsp;Rp, Pulv. Polior. Uvae Ursi 50,0.
Natrii sulfurioi 200,0. Pulv. Rad. Althaeae 100,0. A(|u. destill, qu, s. f, Eleotuar. I). S. Auf 2mi\l für ein Pferd mit Nephritis.
2)nbsp; nbsp;Bp. Pulv. Fol. Uvae Ursi
Pulv. Rhizom. Tormentillae ää 50,0. M. i*. S. IMit 1 Flasche Leinsamenabkoohung einzusohütten für ein Rind mit Hämaturie (hämorrhagisohe Nephritis).
8) Rp, Deooot. Pol, üvae Ursi 10,0 i 150,0. D, S, Sstündlioh 1 Esslöffel für einen Hund mit Cystitis.
|
||||
|
|
||||
|
Folia Siilviac. Salbelblfttter.
Stammjgt;flauze: Salvia officlnatis. Familie: Labiaten.
Geschichtliches. Das Wort Salbeiquot; stammt aus dem lateinischen salvaro, heilen. Die Pflanze ist ein altes, griechisches und römisches Heilmittel , das auch in Deutschland seit alten Zeiten oultivirt wird (Kloster Sanct Gallen). Die medicinische Schule in Salerno hat sich besonders ein-gehend mit der Salbei beschäftigt. (Cur moritur homo, cui crescit salvia in hortisV)
Pharmakognosie. Die Salbei ist ein in Südeuropa wild wachsender (Salvia italica) und bei uns in zwei Arten (angustil'olia und latifolia) eultivirter Halhstrauch (Salvia hortensis). Die Salbeiblätter sind bis 10 cm lang, eiförmig, langgestielt, am Bande fein gekerbt, auf der Fläche sehr runzelig, graufilzig behaart, mit engmaschigem Adernetze. Der Geruch ist eigenthümlich aromatisch, der Geschmack bitterlich-gewürzhaft. (Nicht zu verwechseln mit der grünen, am Rande doppelt gekerbten Wiesensalbei und der wolligen Muskatollersalbei.) Sammelzeit Mai. Bestand-
|
||||
|
|
||||
|
\
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Folia Juglandis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;375
theilesind: Gerbsäure, ätherisches Oel und ein Bitterstofl'. A.P. 100,0 = 60 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Als leichtes Adstringens in Form des Infuses bei raquo;Stomatitis, Pharyngitis. Diarrhöe, Nephritis; äussorlich ferner zu Kataylasmen. Dosis für Pferd und Kind 25 bis 50,0, Schaf, Ziege und Schwein 510,0. Hund 2 5.0, Katze und Geflügel 12,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Infos. Fol. Salviae .r)0,0 ; 500,0.
Natrii biborao. Syrupi ää 25,0. M. I). S. Mundwasser für ein Kalb mit Aphthenseuche.
2)nbsp; Rp. Fol. Salviae coneis.
Pol. Malvae coneis. ää 100,0. l'iilv. Sem. Lini 250.0. M, f. Species. D. S. Zu Kutaplasmen.
|
||
|
|
||
|
Folia Juglandis. Walnnssbltttter.
Staiiimpflcinzc: Jttglans reijiu. Familie: Juglcoideen.
Goschichtliches. Der Name Juglans stammt von Jovis glans, d. h. Eichel des Jupiter, dem der Baum im Alterthum beilig war. Das Wort Walquot; bedeutet welschquot; = ausländisch. Die ursprüngliche Heimat des Baumes ist Vorderasien. Tu Deutschland ist der Baum durch Karl den Grossen eingeführt worden (812).
Pharmakognosie. quot;Die Walnussblätter (der ursprünglich aus dem Orient stammende Walnussbaum wird bei uns allenthalben cul-tivirt) sind mehrpaarige Fiederblätter mit fusslangem Blattstiele, bis zu 15 cm lang, ganzrandig, eiförmig, kahl, getrocknet sehr brüchig, im durchfallenden Lichte nicht punktirt; mit starken Mittelnerven, von welchen Seitennerven sehr regelmässig bogenförmig verlaufen und mit parallelen Adern verbunden sind. Geruch balsamisch, Geschmack kratzend, herbe und bitter. Die Walnussblätter sind in Deutschland officincll. Pestandtlieile: Gerbsäure, ein ätherisches Oel, ein Alkaloid: Juglandin, und eine Zuckerart: das iSucit. Einsammlung Juni. A.P. lOU.O = 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Walnussblätter wurden früher als innerliches und äusserliches Adstringens, ausserdem gegen Eingeweidewürmer, als Antiparasiticum gegen Hautungeziefer und
|
||
|
|
||
|
|
||
|
37tjnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tormentillwurzel. Campocliienliolz. Draclienblut.
entllicli als Specificum gegen Druse angewandt. Dosis: Pferd und Rind 50 100,0, Schaf und Ziege 1025,0, Schwein 510,0, Hund 15,0, Katze und Geflügel 12,0.
t Semen (Glandes) Quercus, die Eicheln, werden wegen ihres Tannin-gehaltes, namentlich im gerüsteten Zustande, hei Schafen und Schweinen als diiltetisches Adstringens und Tonicum gegen Durchfall und Ver-dammgsstürungen angewandt (12 Hände voll). Die Semina Quercus sind in Oesterreich officinell.
f Cortex Salicis, Weidenrinde, von Salix alba, fraxilis und andern Weidenarten, eine biegsame, zähe, circa 1 mm dicke, glatte, glänzende, aussen braune oder grüne, innen bleich zimmthraune oder gelbe, im Bruche blätterig-faserige ßinde von bitterem, zusammenziehendem GJeschmacke. Sie enthält 515'/o eisengrünende Gerbsäure, sowie das Salicin. Anwendung = Eichenrinde. In Oesterreich officinell.
f Rhizoma Tormentillae, Tormentillwurzel, von Potentilla Tormen-tilla, einer auf Waldwiesen wachsenden Kosacee, früher officinell, enthält 20 quot;o eisenbläuende Gerbsäure.
t Lignum Campechianum, Campechienholz (Blauholz, Lignum Haematoxyli) ist das von der ßinde befreite Stammholz einer mexikanischen Cäsalpiniacee: Haematoxylon Campechianum. Es ist ein schweres, hartes, aussen blauschwarzes, innen dunkelbraunrothes Holz von schwachem, eigenthümlichem Gerüche, welches in Späne geschnitten im Handel vorkommt; die Späne haben oft einen goldgrünlichen Glanz. Bestandtheile sind; Gerbsäure, der Farbstoff Hämatoxylin, Harz und ätherisches Oel. Anwendung: mildes Adstringens bei chronischen Diarrhöen als Decoct (Hunden 10:150,0). Auch ein Extractum Ligni Campechiani wird verwendet.
t Kino (Gummi oder Res in a Kino) ist der eingedickte Milchsaft von Pterocarpus Marsupium, einer Papilionaeee auf Malabar. Es bildet schwarzbraune, glänzende, am Ilande rubinroth durchscheinende, geruchlose Stückchen, welche ein röthliches Pulver liefern und das Wasser roth färben. Bestandtheile: Kinogerbsäure und Pektin. Wirkung: äusserliches und innerliches Adstringens und Hämostaticum; Anwendung in Perm von Streupulvern, Decooten, Pillen, Pulvern. Dosis für Hunde 0,52,0 g. Auch eine Tinetura Kino wurde früher benutzt.
t Resina Draconis, Drachenblut, ist das Harz aus den Früchten einer ostindischen Palme, Daemonorops Draco. Es enthält dasDraconin, ein adstringirendes, rothes Harz, Benzoüsäure und Fett. Es bildet ein b raxinrothes, sprödes, undurchsichtiges, geschmack- und geruchloses Harz in Stäbchen- oder Kuchen form, gepulvert ist es zinnober-roth. Anwendung: früher als Adstringens und Styptieum, als Zusatz zu Seharfpflästern, Färbemittel (Farbencorrigens) etc.
t Hamamelis ist ein neues Adstringens, welches aus Nordamerika vom ,virginischen Zauberstrauchquot;, Hamamelis virginica, einer Hamame-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Chrysarobin.
|
877
|
||
|
|
|||
|
lidee, stammt (der Strauch hat zu gleicher Zeit, Blätter im Absterben, Blüthen und Früchte). Es enthält grüssere Mengen von Tannin und wird als Pluidextract (-i8,0), als eingedicktes Extract (12,0) und als Hamamelinequot; (0,050,2) gegen Diarrhöe und innere Blutungen (Lungenblutungen) beim Menschen empfohlen. Ein alkoholisches Destillat wird Hftzeline genannt.
t Folia Matico, Matikohlätter, stammen von einer südamerikanischen Piperaoee, Piper angustifolium, ab und enthalten Tannin, Harz und ätherisches Oel. Sie sind beim Menschen als Adstringens empfohlen worden und zwar äusserlich in Pulverform auf AVunden, im Infuse gegen äusserliche Schleimhautkatarrhe sowie innerlich gegen Diarrhöe und Ruhr (0,052,0). Aehnlich wirken die Blätter von Psidium pyriferum (Djamboü), einer javanischen Myrtacee.
Von älteren Adstringentien sind endlich noch zu erwähnen die Heidelbeeren (Pructus Myrtilli), deren Extract neuerdings auch bei Hautkrankheiten (Ekzem, Verbrennung) angewandt wird, die Preiselbeeren (Pructus Vitis idaeae), die Vogelbeeren (Pructus Sorbi aucupariae), die Schlehen (Pructus Acaciae germanicae), clie Krappwurzel oder Färberröthe (Radix Eubae tinctoriae), die Rosskastanienrinde (Cortex Hippocastani, enthält das Aesculin, aus welchem das Aescorcin, ein diagnostisches Färbemittel für Hornhautdefecte, dargestellt wird), die Pappel rinde (Cortex Populi), die Ulmen rinde (Cortex Ulmi), die Grindwurzel (Radix Lapathi), die Hauhechel (Herba Ononidis spinosae), das Haidekraut (Herba Ericae vulgaris), das H irte nt äschchen (Bursa Pastoris) eto.
|
|||
|
|
|||
|
Chvj'sarolmunn. Chrysarobin.
Stammpflanzei Andlra Araroha. Familie: Papiltonaceen (Jjeyuminosen).
Pharmakognosie. Das Chrysarobin (Q-oapulver, Araroba)
ist ein gelbes, leichtes, krystallinisches Pulver, welches in den Höblungen der Stämme von Andira Araroba vorkommt, eines hohen Baumes in der brasilianischen Provinz Bahia. Dieses Pulver stellt ein von jenem Baume ausgeschiedenes Secret dar und gelangt als (ioaiiulverquot; in den Handel, eine tiefbraungelbe, erdige, voluminöse, stark abfärbende, mit Holztheilen verunreinigte Masse, aus welcher durch Reinigung mittelst heissem Benzol das krystalliniscbe Chrysarobin gewonnen wird (Ausbeute 80 0/o). Das Chrysarobin bat chemisch die Formel C.)0H2l.O7. Bei Gegenwart von ätzenden Alkalien oxydirt es sich zu Chrysopbansäure. Es löst sich sehr leicht in Benzol, Chloroform, Aether, Schwefelkohlenstoff, schwierig in Weingeist, kaum in Wasser (1 : 2000 heissem). In Kalilauge sowie beim Schütteln mit Ammoniak löst es sich allmählich, im Vorlaufe eines Tages, mit schöner purpurner, karminrotber Farbe (rebergang in Chrysopbansäure. A.P. 1,0 = 10 Pfennig,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
;578
|
(Jhrysarobin.
|
||
|
|
|||
|
f Acidumchrysophanicum, Obrysopbansäure (Khel'nsäure, Paritin-siiure) ist nicht, wie man früher meinte, identisch mit Chysarobin, sondern ein Oxydationsproduct desselben. Die Chrysophansäure kommt als solche vor im lihabarber sowie in Parmeliu parietina, aus welchen sie durch Extraction mit Benzol dargestellt werden kann. Chemisch hat sie die ronnel CijH^O.i (isomer mit dem Methylalizarin); demnach ist sie aufzufassen als Dioxychinon-Methylanthracen. Die Chrysophansilure bildet bronzegelbe, goldglänzende, feine Krystallnadeln mit denselben Lösliohkeitsverhaltnissen wie das Ohrysarobin. Mit Schwefelsilure und mit Alkalien färbt sie sich schön roth. Wirkung und Anwendung ist dieselbe, wie die des Chrysarobins. Eine ähnliche Substanz ist das aus dem Alizarin dargestellte Anthrarobin.
Wirkung des Chrysarobins. 1) Äeusserlioh auf Haut und Schleimhäuten wirkt Ohrysarobin reizend und entzündungs-errogend; die Haut wird dabei rothbraun, bei Anwendung von Seife violett. Die entzündungserregende Wirkung ist auf die reducirende (Sauerstoff absorbirende) Wirkung des Ohrysarobins zurückzuführen; dasselbe wird bei diesem Proeesse zu Chrysopliansäure zersetzt. Das Anthrarobin soll ähnlich, aber schwächer, und nicht entzündungserregend wirken. Das Ohrysarobin wird von der Haut ans resorhirt und kann daher bei ausgedehnter Anwendung eine innere Vergiftung herbeiführen.
2) Innerlieh gegeben erzeugt das Ohrysarobin Erbrechen, Durchfall, Gastroenteritis sowie Nephritis und Albuininurie; letztere wird auch bei ausgedehnter äusserheher Anwendung beobachtet, Die Ausscheidung erfolgt durch den Harn als Chrysopliansäure, nachdem es im Körper zersetzt wurde; der alkalische Harn färbt sich deshalb roth (wie auch nach Rheum).
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. Nur äusserlich in Salbenfom gegen chronische, squamöse Ekzeme (theerähnliche Wirkung), Herpes tonsurans, Pavus etc. Man beobachtet namentlich bei dem so häufigen chronischen Ekzem des Rückens beim Hunde gute Erfolge von der Einreibung einer 10200/oigen Ohrysarobinsalbe,
Recepte.
1)nbsp; Rp. Chrysarobini 5,0.
ünguent. Paraff. 25,0. M. f. Ugt.' 1). S. Äeusserlioh,
2)nbsp; Rp. Anthrarobini 5,0.
Spiritus 50,0. M. D. S. Äeusserlioh.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Pyrogallol.
|
370
|
||
|
|
|||
|
Pyrogalloliiiii. Pyrogallol.
C^lafOH);,.
Pharmaceutische Chemie. Das Pyrogallol (Pyrogallussäure, Brenzgallussäure) ist cheniisch = I1 r i o x y Ij o n z o 1. Es wird d Q r-gestollt (lurch Erhitzen von (Jallussiiure im Kohlensäurestrom. Es bildet sehr leichte, woisse, glänzende Blatt oben oder Nadeln, welche in Wasser, Alkohol und Aether löslich sind. Die wässerigen Lösungen werden durch Alkalien bei Luftzutritt unter Sauerstoffaufnahme braun gefärbt, reduoiren Silberlösung und werden durch Eisenvitriol schwarzblau, durch Eisou-chlorid braunroth gefärbt. A.P. 1,0= 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Pyrogallol hat eine stark reduoiren de, Sauerstoff entziehende Wirkung, weshalb es auf die kranke Haut reizend und zertheilend (nicht entzündungserregend) einwirkt.
2) Es ist ein ziemlich kräftiges Antisepticum, indem es in 1 2nl'oiger Lösung die Päulniss thierischor Gewebe vollständig verhindert und stark faulende, stinkende Stoffe desodorisirt und des-inficirt.
;5) Innerlich erzeugt es in Folge Auflösung der rothen Blutkörperchen Hämoglobin ä m i e. Diese Reduction des Blutes tritt auch ein, wenn Pyrogallol in grosser Ausdehnung auf die Haut eingerieben wird.
Anwendung. Nur äusserlich in 5100/oigen Salben odor Lösungen gegen chronisches, squamöses Ekzem, Glatzflechte, Trichorrhexis nodosa etc.
t Acidum gallicum, die Gallussäure, Cf,H.,(OH);)COOH, ist chemisch als Tri oxybenzo ii säure oder Dioxysalicylsäurc aufzufassen. Sie wird aus Tannin ( Digallussäure') dargestellt durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure. Sie bildet färb- und geruchlose, seidenglänzende Nadeln von adstrin girendem Geschmackc und löst sich leicht in Alkalien und Glycerin, schwerer in Wasser (1 : 100). Sie reducirt Metall-lösutigen, fällt aber Eiweiss, Leim und Alkaloide nicht. Mit Eisen-chlorid färbt sie sich blauschwarz, mit Alkalien braun. Anwendung! als äusserliches und innerliches Adstringens, welches namentlich bei innerlichem Gebrauche viel milder wirkt und besser ertragen wird als das Tannin (gegen Diarrhöe, Nephriten, Blasenkatarrh), Dosis = Tannin. #9632; Neuere Derivate der Gallussäure mit antiseptischer Wirkung sind: Gallobromol (Tribromgallussäre), Gallanol (Anilid der Gallussäure), Gallal (gallussaures Aluminium, Bismal (methylendigallussaures Wismuth). Der-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
380nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gallussiüirc.
matol (gallussaures Wismuth), Gallicin (Methylilther der Gallussäure), Gallacetophenon, Gallussulfosäure u. a.
t Hydroxylaminum, Hydroxylamin von der Formel NH^OH ist eine animoniakähnliche Base, welche durch ihre stark reducirenden Eigenschaften ausgezeichnet ist. Mit Säuren bildet sie Salze, von welchen das Hydroxy lam in um hydro chlor i cum therapeutisch verwendet wird. Das Hydroxylamin erzeugt bei Thieren in grüsseren Dosen Methämo-glohinäniie, ist ferner ein sehr energisches Gift für niedere Organismen und wirkt lähmend auf die Nervencentren ein. Wegen seiner sehr starken reducirenden Wirkung ist es von Binz an Stelle des Chrys-arobins, Anthrarobins und der Pyrogallussäure als Mittel gegen Hautkrankheiten empfohlen worden. Das Hydroxylamin eignet sich nach Eich hörst sehr gut zur Behandlung der Psoriasis; es ist etwa gleich wirksam wie die oben genannten Mittel, färbt aber den Körper und die Wäsche nicht. Nachtheile sind seine grosse Giftigkeit, sowie, class seine Anwendung zuweilen schmerzhaft ist.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Bittermittel. Amara.
|
||
|
|
||
|
Wadix Goutiaunc. Kiizianwurzel.
Stammpflanse: Oentiana tittea, purpurea,punctata, l'annonicn. Familie; Oentianeen.
Geschichtliches. Die Enzianwurzel soll angeblich nach dem König Gentius von Illyrien (11)7 v. Chr.) benannt sein, der sie gegen die Pest anwandte. Im Alterthum ist sie rielfach medicinisch verwerthel worden (Spulwürmer, Wechselfieber etc.).
Pharmakognosie. Die Enzianwurzel wird von verschiedenen Gentianeen der scliwoizcrischen und österreichischen Alpen gewonnen. Sie ist auf dem glatten, nicht holzigen Bruche gelbbraun oder röthlichbraun und ihre braune Rinde ist vom Centrum durch einen dunklen Cambiumring gaschieden. Der Geruch ist charakteristisch süsslich, gewürzhaft, der Geschmack sehr bitter. Die Wurzel von Gontiana lutea wird über 1jt m lang und oben 4 cm dick; die anderen Wurzeln sind schwächer. Alle Enzianwurzeln sind stark längsrunzelig, oben quer gor ingelt, mehr-köpfig, nur schwach verästelt. Ihre Bestandthcile sind: das Gentiopikrin (Enzianbitter), ein krystallinischer, glykosidischer Bitterstoff, welcher bei Einwirkung von Fermenten oder Alkalien zu Gentiogenin und Zucker zerfällt, die Gentiansäure (=Gen-tisin), ein Farbstoff, Pectin (Pflanzenschlcim), Zucker (=Gen-tianose), fettes Oel, jedoch kein Stärkmehl. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Tinctura Gentianae, Enziantinctur, von gelblich braunrother Farbe, bitterem Geschmacke und dem charakteristischen Enziangeruche (1 : 5 Spirit, dilut.). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Extractum Gentianae, Enzian ex tract, enthält hauptsächlich das Gentiopikrin und den Zucker. Es wird dargestellt durch Maceriren der
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
882
|
Radix Gentianae.
|
||
|
|
|||
|
Wurzel mit Wasser (1 : 10) und Eindiimpfen des Filtrates zu einem dicken Extnicte. Ein braunes, sehr bitteres Extract. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Tinctura amara, bittereTinotur, von grün 1 ichbrauner Farbe, aromatiscbem Gerüche und gewürzhaftem, bitterem Geschmacke. Sie wird dargestellt aus Enzianwurzel (8 Theile), Tausendgüldenkraut (3), P omeran zen seh al e n (2J, unreifen Pomeranzen (1), Zitwerwurzel und Spiritus dilutus (50). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Elixir amarum, bitteres Elixir, eine dunkelbraune Flüssigkeit, dargestellt suis Tinctura amara (5), Tinctura aromatica (5), Extract um Absinthii (10), Elaeosaccharum Piper itae (5) und
Wasser (25).
Wirkung der Enzianwurzel und der Amara überhaupt. Die
Bittermittel aus der Gruppe der Glykoside, wie sie im Nachfolgenden besprochen werden, haben das G-emoinsame, class sie bei innerlicher Verabreichung mit wenigen Ausnahmen (Quassia) keine Wirkung auf das Centralnervonsystem und Muskelsystem, sondern nur eine locale Wirkung auf den Verdauung sap parat besitzen.
1)nbsp; Sie regen in kleinen Dosen die Secretion der Speicheldrüsen, der Magen- und Darmdrüsen, die Muskelthiitig-keit der Magen wandungen, sowie; das 11 ungergefühl namentlich dann an, wenn die Verdauung gestört ist (Verdauungssclnviicbe). Grosso re Gaben wirken verdauungsstörend, indem sie eine abnorme Reizung der Magenschleimhaut erzeugen.
2)nbsp; Alle Amara haben eine antiseptische Wirkung, indem sie namentlich auf Gäbrungs'pilze hemmend einwirken (Buchheim). Aus diesem Grunde wirken sie als Stomacbica und Darmmittel bei allen Magen - Darmkatarrhen, welche durch abnorme Gährungs-und Zersetzungsvorgänge hervorgerufen sind.
Anwendung der Bittermittel. In kleinen Dosen als Sto-machica und verdauungsbessernde Mittel hei Verdauungs-sebwäche (Atonie der Darmwandung), Dyspepsie, chronischen Magen-Darmkatarrhen, Gährungen im Magen und Darm; namentlich bei den Wiederkäuern und Pflanzenfressern. #9632; Man verwendet die Bittermittel gepulvert zu Fresspulvern, Latwergen und Schüttelmixturen, im Infus und Decoct, sowie in Form der Tincturen und Extracte.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis der Bittermittel. 1) Die Dosis der officinellen Roii-droguen (Radix Gentianae, Folia Trifolii etc.) beträgt für
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Uadix Geiitiaime.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33;}
liin dor 2550,0. Pferde 10 25,0. Schafe, Sehweine 510,0. H 1111 de 0,52,0.
Katzen und Geflügel 0,21,0. 2) Die Dosis der T ine tu reu beträgt für Hunde 510 Tropfen.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Pulv. üoiitianao 50,0.
Pulv, b'i'uct. Carvi 100,0. Xatrii ohlorati cnidi 250,0. M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel (Theelöffcl) für ein Pferd (Fohlen) mit VerdaaungBsohwftohe.
2)nbsp; Ep, Pulv, Rad, öentianae 25,0.
Xnti'ü sulfui'iei 250,0. Karin, sooalis 100,0. Aqu. couunuii. qu, s. f. Eleotuar. D. S, Auf 2nial für ein Pferd mit Magenkatarrh,
3)nbsp; Rp. Pulv, Rad. öentianae 80,0.
Magnesiae sulfurioae 300,0. M, D, S. In 1 Liter Wasser gelöst einzuschütten für ein Rind nii( Indigestion,
4)nbsp; Rp, Tinotur. Gentian.
Auitl. hydroohl, dil. ää 25,0. M, D, S, Mit 1 Flasche Wasser auf hnal einzusohtttten für ein Rind mit Indigestion,
5)nbsp; Rp, Rad. (ientian. conc. et gr. modo pulv.
EVuot, Juniperi gr. modo pulv. ää 500,0. Fern snlfurici crudi pulv. 100,0. Xatrii ohlorati crudi 1000,0. M. D. 8. ^Nlit Hafersohrot vermengt als Locke für 100 Schafe gegen Bleiohsuoht,
6)nbsp; Rp. Decoct. Rad. Gentian. 10,0 : 150,0.
Acid, hydroohlor. dil. 10,0. M. D. S. Sstündlioh einen EsslöflPel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Magenkatarrh,
7)nbsp; Rp. Tinotur. (ientian. 10,0.
Acid, hydroohlor. dil, 20,0. Aqu. destill. 300,0. M, D. S. 3stüudlich 1 Esslöffel für einen Hund mit Dyspepsie.
8)nbsp; Rp. Tinotur. amar. 5,0.
Vini Xerensis 100,0. M. D, S, Sstündlioh 1 Theelöffel für feinere Hunde mit Indigestion.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
384nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Folia Trif'olii fibrini.
Folia Trifoüi flbrlni. Bitterklee.
Stammpflanze: Meni/anthes frifoliata. Familie: Genlianeen.
Geschichtliches. Der Bitterklee führt seinen Namen von seinem bitteren Geschmack; das Wort Menyanthes bedeutet Monatsblume (kurze Blütho). Die Pllanze ist erst seit dem Mittelalter in Deutschland als Arzneimittel bekannt.
Pharmakognosie. Der Bitterklee ist ein perennirendes Kraut auf sumpfigen Wiesen mit langgestielten (bis 10 cm langer Stiel), hellgrünen, kahlen, dicklichen Blättern, welche aus 3 ovalen, stumpfen, fast ganzrandigen, 8 cm langen und 4 cm breiten Theilblättern bestellen. Die Blätter haben einen rein bitteren Geschmack, jedoch keinen Geruch. Der Bitterklee enthält als Bitterstoff das Glykosid Menyanthin. Dasselbe zerfällt zu Menyanthol von der Formel CsHsO und Glykose. E x t r ac t u m T r i f o 1 i i f i b r i n i, Bitterklee ex tract, ist ein schwarzbraunes, in Wasser klar lösliches Extract, welches durch Ini'undiren und Digeriren der Folia Trifolii (1) mit Wasser (10) und Eindampfen dargestellt wird.
Wirkung. Anwendung und Dosis = Radix Geutianae.
|
||
|
|
||
|
Herba Centaurei. Tausendgüldenkraut.
Stammpflanee: Enjthraeu Ceniuureum. Familie: Gentiaiieen.
Geschichtliches. Das Tausendgüldenkraut ist eine uralte Arznei-pflanze (germanisch Erdgalle). Das Wort Oentaureum ist wohl eine falsche Uebersotzung von Tausend Gulden.
Pharmakognosie. Das Tausendgüldenkraut ist ein fusshohes Kraut auf Waldwiesen mit über 20 cm langem, kantigem, aulrechtem Stengel, der sich nach oben doldenartig verzweigt. Die Blätter sind o v a 1 -1 ä n g 1 i c h, kahl, ganzrandig und paarweise, gegenständig; die Blut hen roth, trieb ter ig. Die ganze PHanze ist kahl, von bitterem Geschmacke. Das Tausendgüldenkraut enthält als Bitterstoff ein bitteres Glykosid, das Erythrocentaurin. Das Tausendgüldenkraut bildet einen Hauptbestandtheil der in Oester-reich officinellen Species amaricantes (Bitterthee), welche ausser-dem noch Absinth, Orangenschalen, Fieberkleeblätter, Enzian, Kalmus und Zimmt enthalten.
Wirkung, Anwendung, Dosirung = Radix Gentianae.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Hcrba Curdui bciiodicti,
|
385
|
|||
|
|
||||
|
Horba (quot;unlui benedicti. Kardobcnedikteukraut.
Stammpflanze: Cnictis henedidus (Carbenia henedicta). Familie: Com-positcn.
Geschichtliches. Der Name Carduus benediotus bedeutet gesegnete Distelquot;. Die Pflanze war schon bei den alten Griechen als Arzneimittel im Gebrauch (Theophrast, 370 v. Chr.) und wurde besonders im Mittelalter in Deutschland viel angewandt (Herba sancta).
Pharmakognosie. Das Kardobenediktenkraut hat fusslange,
länglicli-lanzettliche, buchtig fiedei-spaltige , stachelig gezähnte, spinnwebig zottige Blätter. Die Blüthen-kopfclien sind gross, endständig, ganz eingehüllt in spinnwebig behaarte Deckblätter; die Blätter des Hüllkelches endigen in einen gefiederten Dorn. Die Blüthen sind gelb, röhrig, zwitterig. Das Kraut hat einen bitteren Geschmack. Der Ha up tb es tan d-theil des Kardobenediktenkrautes ist das bittere Cnicin. Ausser-dem enthält dasselbe Kalisalze, Kalksalze und äpfelsaure Magnesia. A.P. 100,0=50 Pfennig.
Das Ex tract um Cardui benedicti ist ein braunes, in Wasser trübe lösliches Extract, durch Infundiren und Digeriren mit Wasser (1 : 10) und Eindampfen dargestellt. A.P. 10,0 = 55 Pfennig.
Wirkung, Anwendung, Dosis = Radix Gentianae.
|
||||
|
|
||||
|
Liguum ({nassine. Bittorholz.
|
||||
|
|
||||
|
ö' t a in m p f I a n z i Simaruhcen.
|
1) Quassia amara, 3) Pieraena excelsa. Familie:
|
|||
|
|
||||
|
Geschichtliches. Der Name wird abgeleitet von einem Neger Quassi, der die Heilkraft des Holzes in Westindien angeblich entdeckt haben scll(?). Von den Eingeborenen wird das Holz als Fiebermittel angewandt. In Europa ist es als Ersatzmittel der Chinarinde eingeführt worden.
Pharmakognosie. Das Quassiaholz (Bitterholz) stammt:
1)nbsp; Von Quassia amara, einem strauchartigen Bäumchen in den Wäldern Surinams (Südamerika). Es bildet zolldicke Ast-und a rm s d i c k e Stammstücke mit dünner, g e 1 b 1 i c h g r a u e r, sich abblätternder Rinde.
2)nbsp; Von Pieraena excelsa, einem hohen, mächtigen Baume auf Jamaika (westindische Inseln). Dieses Holz besteht aus fuss-
Fröhnor, Arzneimittollohre. l. Anll.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
3g(;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Radix Colombo.
dicken Stammstücken und dicker (1 cm), harter, bolziger Rinde. Das Bitterholz beider Biiiuno ist weisslich, gut spaltbar und zeigt auf dem Querschnitte unter der Lupe Jahresringe und Mark strahlen. Der Geschmack ist rein bitter. Das Quassiaholz enthält das bittere Glykosid: Quassiin. A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Wirkung. Das im Bitterholze enthaltene Quassiin hat im Allgemeinen eine stärkere Wirkung, als die Übrigen bitteren Glykoside. Es besitzt nämlich aussei' seiner bitteren und antiseptischen quot;Wirkung noch eine antiparasitäre, indem es ein starkes (lift für Spulwürmer darstellt. Bekannt ist es ferner als Eliegengift, indem das sogenannte Fliegenpapierquot; aus Quassiaholz fabricirt wird. Endlich können durch grosse Dosen des Bitterholzes beim Menschen und den kleineren Hausthieren sogar Vergiftungserscheinungen hervorgerufen werden (Betäubung, Athmungs- und Herzlähmung).
Anwendung; und Dosis = Radix Q-entianae.
|
||
|
|
||
|
Radix Colombo. Columbowurzel.
Staminpflanze.' Jateorrhina Cahtmba, Familie: Menispei'meen.
Geschichtliches. Der Name Colombo soll von dem ostafrikaniseben Wort Calumb abstammen; Jateovrhi/.a bedeutet heüsame Wurzel' (latpwoc = heilsam ; v.'Jia = Wurzel). Die Wurzel ist zuerst von den Portugiesen in Mozambique entdeckt und 1075 zuerst in Italien als Arzneimittel angewandt worden.
Pharmakognosie. Die Columbowurzel (Galumbaw urzel, Radix Calumbae) wird von einem Kletterstrauche Ostindiens (Columbo auf Ceylon, Malabarküste gegenüber von Ceylon) und der ostafrikanischen Küstenländer gewonnen. Sie ist charakterisirt durch kreisrunde, grünlich- bis bräunlicbgelbe Querscheiben (5 cm im Durchmesser, 2 cm dick), von markig-mehliger Con-sistenz und stark bitterem (xeschniacke. Die '/' cm breite von einem runzeligen, braungrünen Korke bedeckte Rinde wird durch eine dunkle. Cambium zone vom Centrum abgegrenzt. Mit Jod-tinetur bläut sich die Wurzel in Folge ihres Stärkcmehlgehaltes (zum Unterschiede von der amerikanischen, stärkmohlfreicn, dagegen tannmhaltigen Columbowurzel). Die Hauptbestandtheile sind das bittere Glykosid: Columbin (Columbobitter), ein auch in an-.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Liehen IslandiotiB,
|
387
|
||
|
|
|||
|
deren Pflanzen, z. B. den Berberideen, vorkommendes Alkaloid Berber in, die Colunibosiiure, sowie Stärk me hl. Dagegen enthält die oftieinelle Wurzel keine Gerbsäure. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung, Anwendung und Dosis Radix Gentianae. Die Columbowurzel ist ein sehr geschätztes Bittermittel, das sich namentlich zu längerem Gebrauche und bei gleichzeitigem Durchfalle, sowie gegen Erbrechen eignet.
Eecepte.
1)nbsp; Rp, Dccocti Rad. C'olomljo 10,0 i löO/J.
Tinet. Opii spl. 5,0. M. D. S. Bstündlloh 1 Esslöffol (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Diarrhöe.
2)nbsp; nbsp;Rp, Pulv, Rad. Colombo 10,0.
rjulv. Rad. Rliei 2,0. M, D. tal. Dos. Nr. V. 8. Bstündlieli 1 Pulver mit '/' 1 Camillonthee für ein Ivalb mit Diarrhöe.
|
|||
|
|
|||
|
Liehen Islandiens. Isländisches Moos.
Stamm pflanzen: Cetraria Mandica. Familie: LicJienes,
Geschichtliches. Das isländische Moos ist ein altes germanisches Arznei- und Nahrungsmittel.
Pharmakognosie. Das isländische Moos ist eine auf den mitteleuropäischen Gebirgen sowie in den nordischen Ebenen massenhaft wachsende Flechte, deren ganzes Trioblager gesammelt wird. Das Moos hat eine knorpelige Beschaffenheit und bildet eine hand-grosse, lji cm dicke, blattartige Fläche, welche in breitere und schmälere, bald krause, bald rinnig gebogene, gabelige Lappen gespalten ist. Die kahle Oberfläche ist bräunlichgrün oder kastanienbraun gefleckt, am Grunde blutroth angelaufen, die unterlaquo; tläche hellfarbig. Eine Abkochung der Flechte mit Wasser (1 : 20) bildet beim Erkalten eine steife, bittere Gallerte (Gelatina Lichenis Islaudici, ofticinell). Hauptbestandtheilo sind das bittere Cetrarin (Cetrarsäure) von der Formel 018H1()O1(), welches in der Rinde sitzt und neuerdings auch in reinem Zustand arzneilich verwendet wird (Cetrarinuin purissimum), und das Lichonin (Moosstärke), ein Jod nicht bläuendes, celluloseähnliches Kohlehydrat (700/o). Daneben
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
388
|
Radix Taraxaci cum Herba.
|
||
|
|
|||
|
enthält das Moos Jod bläuendes Dextrolichenin (-10raquo;. A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Q-entiahae,
Radix Taraxaci cum Herba. Löwcnzalin.
Slum mpflauze: Taraxacum offlolmh. Familie; Compositen.
Geschichtliches. Der Löwenzahn ist ein altos arabisches Heilmittel (Taraxacum stammt aus dem arabischen Tarakshaganquot;), das namentlich im Mittelalter vielfach als beruhigendes Mittel gebraucht wurde.
Pharmakognosie. Der Löwenzahn ist ein bekanntes Wiesenkraut mit fingerhohen Schäften (Pfaffenröhrchenquot;) und Köpfchen gelber Zungenblüthen; die Wurzel ist braun, fleischig, trocken, brüchig, unverzweigt und besitzt im frischen Zustande einen bläulich-weissen, bitteren Milchsaft; die Blätter sind schrotsägezähnig-fiederspaltig. Der Hauptbestandtheil des Löwenzahns (im Frühling vor der Blüthe gesammelt) ist der Bitterstoff Taraxacin; ausserdem enthält er besonders im Herbste Inulin und Laevulin (Kohlenhydrate) sowie Zucker. A.P. 10(),()=40 Pfennig. Das Extractum Taraxaci ist ein braunes, dickes Extract, durch Maceration des getrockneten, im Frühling gesammelten Löwenzahnkrautes dargestellt. A.P. 10,0 = 40 Pfennig. Pillenconstituens.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Gentiamie.
|
|||
|
|
|||
|
Cortex Cascarillae. Kaskarillvimle.
Si a m m pfl a u ae : Croton EluUvia. Fa m ill e: Euphorbiaceen,
Geschichtliches. Der Name (Jascarilla stammt aus dem Spanischen (Cascara = Rinde, Cascarilla = kleine Rinde). Man hielt sie im Anfang (1640) für eine kleine Form der Chinarinde. Eluteria ist der Name einer der Bahamainseln.
Pharmakognosie. Die Kaskarillenrinde stammt von einem strauchartigen Bäumchen Westindiens (Bahamainseln). Sie bildet harte Röhren von 10 cm Länge und 1 cm Durchmesser, welche mit einer weisslichgrauen, dünnen Korkschichte bedeckt sind; auch in 12 mm dicken Rinnen kommt die Rinde vor. Der Bruch der Kaskarillrinde ist hornartig. ölglänzend, kurz. Geruch und Geschmack sind bitter aromatisch. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Cortex OondurangOinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;389
Bestandtheilo sind das Cascarillin, ein bitteres Glykosid von der Formel 01gH1804, ferner ätherisches Oel (lt;','r) quot;,'gt;) und Harz. Ex-tractum Cascarillae, ein dunkelbraunes, dickes Extract, wird durch Digeriren und Eindampfen des wässerigen Auszugs dargestellt. Pillen-constituens.
Wirkung, Anwendung und Dosis s= Radix (.Tontianae.
|
||
|
|
||
|
Cortex Conduraiigo. Coiuluraiigorinde.
Sia in mpfla uze: (Imwlnbus Condurunyo. Familie: Ankiepiadcen.
Geschichtliches. Oondurango ist ein peruanisches Wort. Die Kinde ist 1871 durch Garcia Morena, den Präsidenten von Ecuador, nach Europa versandt und demselben anfangs, als Krehsinittel, sehr theuer hezahlt worden (1 Kilo = 2000 Franken!).
Pharmakognosie. Die Condurangorinde stammt von einem Sohlingstrauohe der südamerikanischen Cordilleren (Ecuador). Sie stellt rinnenförmige Stücke oder verbogene Röhren von 10 cm Länge mit braungrauer, etwas höckeriger und längsrunzeliger Oberfläche und lie 11g ran er Innenfläche dar. Der Bruch ist g roh-körnig, aussen hastfaserig. Die Rinde lässt sich leicht schneiden. Der Geschmack ist bitterlich, schwach kratzend. Die Rinde enthält mehrere stark giftige Glykoside (Condurangin) und ein Harz. Officinelle Präparate sind ferner das Extractum Conduraiigo fluiduni und Vinuni Condurango; letzterer wird durch Maceration fein zerschnittener Condurangorinde mit Xeres-Wein (1: 10) dargestellt. A.P. der Rinde 10,0= 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Condurangorinde ist ein Sto-maohioum amarum, welches ausserdem ein Specificum gegen Magenkrebs sein soll. Man verschreibt sie beim Menschen gewöhnlich in der Form des Macerationsdecoetes: Rp. Cort. Condurango 15,0; macera per horas XII cum Aquae destill. 860,0; coque ad roinanentiam 180,0. Cola. D. S. 3mal täglich einen Esslöffel. Dieses Recept eignet sich in der Dosis auch für Hunde. Der Con-du ran go wein wird ebenso dosirt.
t Glandulae Lupuli. Hopfendrüsen. DieHopfendrttsen(Hopfenmehl,
Lupulin) werden von den Hopfcnblüthen (früher officinell als Strobuli Lupuli), an deren innerem Grunde sie als feine, grüngelbe Drüschen sitzen, durch Absieben getrennt (Ausbeute 10%). In Öesterreich officinell. Das Hopfenmehl oder Lupulin besteht aus mikroskopisch kleinen, halb-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
890
|
Glaiidulau LupulL Qerba Millefolii.
|
||
|
|
|||
|
kugeligen, kreiselförmigen, von untt'ii eingestülpten Drüsen, welche In frlsehem Zustande goldgelb und später brilunlie hgel b und selbst rot lib raun werden. Aus diesem Grunde sollen sie vor Licht geschützt und nicht über ein Jahr aufbewahrt werden. Der Geruch ist angenehm aromatisch, der Geschmack bitter. Aeltere Präparate riechen käse-artig wegen der Zersetzung des Valerols zu Baldriansäure. H auptbest and-theile sind die bittere Lupulinsäure (Hopl'enbittersäure, Lupulit) und das ätherische Hopfen öl fValerol) j aussordem enthalten die Drüsen Harz und Wachs. Die Hopfondrüsen wirken in erster Linie verdauungs-bessernd (Stomachicum amarum). Ausserdem hat die Lupulinsäure, direct ins lilut gespritzt, eine Lähmung der Centren des verlängerten Markes zur Folge; vom Magen aus ist sie dagegen fast unwirksam. Die früher behauptete hypnotische Wirkung des Hopfenmchls (Hoppefn = Morphin!) besteht nicht. Zweifelhaft ist die diuretisch e, antispas-modische und an t a p h r o d i s i r e n d e (sedative) Wirkung. Anwendung und Dosis = Had ix (Jentianae.
t Herba Millefolii, Schafgarben k raut, von Achillea Millefolium, einer Composite, ist eine bekannte einheimische, krautartige Pflanze mit graubehaarten, doppeltfiederspaltigen Stengelblättern und bittersalzigem Ge-schmacke. Sie enthält ein bitteres Glykosid; Achille'in, Achilleasäure, Gerbsäure, Harz und ätherisches Gel (in Oesterreich oflicinell). Die Schafgarben sind ein altes, in Deutschland nicht mehr officinelles Volksmittel, welches namentlich bei den Wiederkäuern (Schaf, Kind) als St omachicu m amarum gegen Indigestionen wie die Enzianwurzel angewandt wird.
t Cortex Angosturae, Angosturarinde, stammt von Cusparia tri-foliata, einer Rutacee Columbiens, am Orinoco etc. Sie bildet flache, rinnen-fiirmige, bis 20 cm lange und 5 cm breite, sowie 13 mm dicke Stücke mit blassem, kleienartigem Korke, der sich leicht abreiben lässt. Aussei! ist die Kinde ockergelb, innen röthlich braungelb. Der Geruch ist widerlich aromatisch, der Geschmack angenehm bitter, beissond-gewürzhaft. Die Kinde enthält das Alkaloid Angosturin, ferner Cu spar in und ätherisches Oel (2 0|o). Sie wird beim Menschen in verschiedenen Zubereitungsformen als Stomachicum amarum verwendet (Pulver, Latwerge. Decoct, Infus, Syrup, Tinctur, Liqueur).
f Herba Polygalae, Kreuzblumenkraut, von Polygala amara, einer Polygalee. Enthält einen Bitterstoff und wurde früher als Amarum und Expect or an 8 angewandt.
t Fei Tauri, Ochsen gallo, wurde früher wegen ihres bitteren Geschmackes als Stomachicum angewandt. U nz we ckmässiges, die Verdauung störendes, pepsinfiillendos Mittel.
f Berberis aquifolium, eine nordamerikanische Berberidee (Californien), ist ein Amarum. welches Her her in, Mabonin und Oxyacanthin enthält.
|
|||
|
|
|||
|
f Orexin. Unter diesem Namen ist das Phenyldih y drochin-azolin = CsH^CcH-jN^H^ als Stomachicum empfohlen worden.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Alkali e n u n cl 8 ä u r e n.
|
||
|
|
||
|
Natrium cliloratuin. Kochsalz.
NaOl.
Pharmaceutische Chemie. Das Kochsalz kommt in der Natur in grosser Menge und Ausbreitung vor und zwar grösstentlieils als Steinsalz oder als Seesalz. 1) Das Steinsalz (Sal gemmae) wird in mächtigen Lagern unter der Erde angetroffen, welche offenbar durch Austrocknen von Salzseen entstanden sind (Stassfurth, Hall, Eerchtesgadcn, Erfurt, Wielic/.ka u, a.). Es besteht nahezu aus reinem Chlornatrium (99 quot;;o); daneben linden sich kleinere Mengen von Cal-ciumsulfat, Calciumcarbonat, Chlorcalcium, Cblorkalium, Chlormag-nesium etc. Durch Auflösen des Steinsalzes in Wasser und Eindampfen oder durch Eindampfen der natürlich vorkommenden Salzwässer (Soolon) wird das gewöhnliche Kochsalz (Sal culinare, Sal commune, Natrium chloratum crudum) dargestellt. Sehr dünne Soolen müssen vor dem Eindampfen durch Gradirenquot;, d. h. durch eine feine, regenartige Yertheilung der Soole in sog. Oradir-werken, wobei dieselbe aus der Höhe über Dorn wände, Leinwanddächer etc. unter starkem Luftzug im Sommer herabrieselt, concen-trirter gemacht werden. 2) Das Seesalz findet sich im Meerwasser zu 2,42,80/n, Es enthält stets Chlormagnesium. Magnesiumsulfat und Calciumsulfat. Man stellt es aus dem Meerwasser durch Gefrierenlassen desselben im Norden, oder durch freiwilliges Verdunsten in Becken dar, welche zur Flutzeit gefüllt werden (Südwestfrankreich, Portugal). Ausserdem ist Chlornatrium enthalten in allen pflanzlichen und thierischen Organismen.
Das offlcinelle Cliloraatrhim wird durch Reinigung des gewöhn-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
802
|
Kochsalz.
|
||
|
|
|||
|
lichen Kochsalzes dargestellt (Auflösen in Wasser, Ausfällen dos Calciums und Magnesiums durch kohlensaures Natron). Es hildet weisse, würfelförmige Krystallo oder ein krystallinisches Pulver von salzigem Greschmacke, welche sich in 2,7 Theilen AVasser lösen. Chemisch ist Chlornatrium durch die Gelhfärhung der Flamme (Natriumreaction) und den weissen, käsigen, in Ammoniak löslichen Niederschlag mit Silbernitrat (Cldorreaction) zu erkennen. Das beim Erhitzen des Chlornatriums entstehende Knistern rührt nicht von Krystallwasser, sondern von eingeschlossener Mutterlauge her. A.P. Natrium chloratum 10,0 = 5 Pfennig; Natrium chloratum crudum 100,0 = 5 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Physiologische Bedeutung und Wirkung. 1) Das Kochsalz gehört zu den wichtigsten plastischen Mitteln; es ist ein sehr noth-wendiger, absolut unentbehrlicher Nährstoff für den Körper, in welchem es sowohl in den Elüssigkeiten, als auch in den Geweben und Organen überall vorkommt. Den grössten Kochsalzgehalt besitzt das Blut, und zwar das Blutplasma; derselbe betrügt nämlich 57 0/o sämmtlicher Blutsalzo. Der Kochsalzgehalt des Blutes ist constant, er ändert sich auch nach längerer Kochsalzentziehung nicht, wie Versuche von Kemmerich zeigen, welcher einem Hunde 17 Tage lang-alles Chlornatrium entzog.
2) Ein Zusatz von Kochsalz zur Nahrung bessert in Folge Steigerung des Stoffwechsels die Ernährungsverhältnisse. So beobachtete Boussingault bei 3 jungen Stieren, welche eine tägliche Zulage von 84 g Kochsalz zur Nahrung erhielten, im Gegensätze zu 8 anderen nach 18 Monaten ein besseres Aussehen, glatteres Haarkleid, weichere Haut, grössere Munterkeit und stärkeren Geschlechtstrieb. Diese Stoffwechselsteigerung resultirt aus einer Beschleunigung des Diffusionsstromes zwischen Blut und Gewebszellen, sowie auf einer nutritiven Reizung aller Körperzellen durch das Kochsalz, vorwiegend der Drüsen- und Muskelzellen. Dadurch wird die Leistungsfähigkeit aller Organe, namentlich auch der Körpermuskulatur, erhöht.
8) Kleine Caben von Kochsalz erregen Appetit und Durst und bessern die Verdauung. Insbesondere für die Pflanzenfresser ist Kochsalz das werthvollste aller Gewürze. Es vermehrt die Secretion der Speicheldrüsen, der Magen- und Darmdrüsen, befördert die Peptonbildung, regt die Peristaltik an und steigert durch seinen Gehalt an Chlor die Bildung der Salzsäure. Sehr grosso-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Kochsalz.
|
893
|
||
|
|
|||
|
Kochsalzgaben bewirken starke Reizung der Magenschleimluiut und Gastroenteritis.
4)nbsp; nbsp;Das Kochsalz wirkt gährungs- und filulnisswidrig. Es verhindert und bekämpft abnorme ÖRhrungaprooesse im Magen und Darm, und schützt thierischo Organe (Fleisch etc.) vor Fäulniss (Ein-pöckeln), Ausserdem vernichtet es Infcctionsstoft'o. Die (losinticironde Wirkung des Kochsalzes ist indessen nach den Versuchen von Forster eine sehr ungleiche und im Allgemeinen schwache. Die Cholera-hacillen gehen zwar beim Bestreuen ihrer Culturen mit Kochsalz sehr bald zu Grunde. Dagegen bleiben trotz der Einwirkung gesättigter Kochsalzlösungen Typhusbacillen, pyogene Staphylokokken, Streptokokken des Erysipels, die Bacterien des Schweincrothlaufs u. s. w. quot;Wochen und Monate am Leben. Tuberkelbacillen in Culturen bleiben sogar 2 Monate lang entwickliingslahig. Tuberkulöse Organstücke, welche fein zerhackt 18 Tage lang in Salzlacke gelogen hatten, erwiesen sich trotzdem bei der Impfung noch infectiös. Milzbrandbacillen gehen in etwa 1824 Stunden zu Grunde; Sporen enthaltende Milz-brandculturen dagegen erweisen sich trotz der Behandlung mit Kochsalz noch nach Monaten virulent. Das Einsalzen dos Fleisches von kranken Thieron bietet demnach keineswegs einen sicheren Schutz gegen die Ansteckung resp. Weiterverbreitung infectiöser Krankheiten, wie dies bisher irrthümlicher AVeise angenommen worden ist. Auch Trichinen sterben erst nach mebr-wöchentlichem Einpöckeln, ebenso werden Finnen erst nach gründlichem Durchpöckoln getödtet.
5)nbsp; Es wirkt vermöge seiner grossen Diifusionsfiihigkeit schleimlösend und die Schleimsecretion anregend bei chronischen Magen-, Darm-, Bronchial-, Kehlkopf-, Uterus-, Blasenkatarrhen etc. Ausserdem befördert es die Neubildung von Epithel bei Katarrhen, Magengeschwüren etc.
(i) Es führt feste entzündliche Exsudate in den Körperraquo; höhlen, in der Lunge, in den Nieren, in der Leber etc. vermöge seiner hohen Diffusionskraft in Lösung über.
7) Es vermehrt die Harnabsonderung. Diese diuretische Wirkung erklärt sich zum Theil aus dem gesteigerten Durste, zum Theil aus einer directen Reizung der Nierenzellen. Dabei macht es bei längerer Verabreichung oder nach grösseren Dosen den sauren Fleischfresserharn alkalisch, wie dies experimentell an Hunden nachgewiesen worden ist. Gleichzeitig wird die Harnstoffausscheidung erhöht.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
394nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Koohsalz.
8) Aeusserlioh reizt das Koohsalz in Bädern, ooncentrirten Lüsiiiigen und flüssigen Einreibungen die sensiblen Hautnerven und ruft dadurch die bekannten innerlichen Wirkungen äusserer Hautreize (Stoffweohselsteigerung, Aenderung der Blutvertheilung, Beeinflussung des Nervensystems etc.) hervor.
Anwendung. 1) Als Diäteticum und Plasticum bei allen chronischen Ernährungsstörungen, Anämie. Lecksucht. Bleichsucht der Schafe u. s. w,
2)nbsp; nbsp;Als Stomachicum bei acuten und chronischen Magendarm-katarrheii namentlich der Bilanzenfresser.
3)nbsp; Als antikatarrhalisches, schleimlösendes Mittel bei chronischen Magen-, Darm-, Kehlkopf-, Bronchial-, Lungen-, Uterus-, Blasenkatarrhen.
4)nbsp; Als llesolvens zur Auflösung geronnener Exsudate in den Körperhöhlen und inneren Organen.
5)nbsp; Als Diureticum bei wassersüchtigen Zuständen, Nierenlaquo; krankheiten, Blasenleiden, sauren Harncoucrementen (Uratsteine).
G) Als Stoffwechsel anregendes Mittel bei Fettsucht etc.
7)nbsp; nbsp;Als Antidot gegen Höllenstein vor giftung; äusserlich zum Ausfällen von überschüssiger Höllensteinlösung im Lidsacke nach dem Gebrauche derselben.
8)nbsp; Früher als Anthelminthicum zur Unterstützung der Cur. Nach Perroncito und Ercolani soll ein Zusatz von 0,60/o Kochsalz zum Trinkwasser die Ccrkarien (Distomatose) in demselben tödten.
!) Als Brechmittel für Hunde und Katzen (210,0), wenn kein anderes zur Hand ist.
10)nbsp; Als Hämostaticum bei innerlichen Blutungen, namentlich Lungenblutungen (Hunden 28 Theelölfel). Die Wirkung erklärt man sich aus einer rellectorischen Gefässverengung, ausgelöst durch die starke Reizung der Magenschleimhaut,
11)nbsp; Aeusserlioh als antikatarrhalisches Mittel zu Inhalationen bei Nasen-, Kehlkopf- und Bronchialkatarrhen, zu Einspritzungen bei Conjunctivitis, Stomatitis, Vaginitis, Endometritis, Cystitis.
12)nbsp; Aeusserlioh als hautreizendes Mittel in Form reizender Einreibungen (concentrirtc Lösungen, Bestandtheil sogenannter liesti-tutionslluide), zu reizenden Klystieren. suboutan in concentrirten Lösungen als entzflndungserregendes Mittel in der I'm-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Koclisalz.
|
89£
|
||
|
|
|||
|
gebung von Herniun, .sowie gegen veraltete Lahmheiten (Bug-lahmheit).
13) Als Conservirungsmittol thierisoher Organe sowie zur Desinfection des Fleisches, der Häute etc. (Eiupöckeln). Sehr schwaches Antisepticum.
1-1) Zu Kältemischungen. uni besten in Verbindung mit Eis, Salpeter, Q-laubersalz etc.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis und Form. Am häutigsten wird das Kochsalz den grös-seren HaustUeren mit dem Futter gereicht, entweder allein oder mit anderen gewürzhaften resp. salinischen Mitteln. Kleineren Haus-thieren gibt man es in Lösung. Für alle Fälle genügt bei den Haus-thieren das gewöhnliche Kochsalz (Natrium ohloratum crudum, Sal oulinare, Sal commune); das ofticinelle Natrium ohloratum ist für die Zwecke der Thierheilkumle viel zu theuer. Die Dosis beträgt für
Kinder 50100,0.
Pferde 2560,0.
Schafe, Ziegen 10 25,0.
Schweine 510,0.
Hunde 12,0.
Katzen und Geflügel 0,5 1,0,
Recopte,
lj K)gt;. Xiitrii chlorati orudi 250.0. Pulv. Fruct. Carvi 50,0. M. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Magenkatarrh.
2) I{[). Natrii chlorati orudi 250,0. Kalii bioai'bouioi 100,0. Ferri pulverati 10,0. M. 1), S, Auf jedes Futter l Esslöffel für ein Pferd mit ohronisoher Ernährungsstörung,
8) Rp, Sal. culinar. 500,0.
Stilui sulfur, nigr. 100.0. Pulv. Sem. Foenngraeoi Pulv. Rad. Liquirit. iTä 50,0. M. D. 8, Auf jedes Futter 1 Ksslöft'el für ein Pferd mit Bronchial-katarrli.
4) Rp. Sal. culinar. 100,0.
Natrii sulfurioi 250,0. M. D. S. Mit 1 Flasche Leinsamenabkoohung einzugeben für ein Rind mit Indigestion,
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
896
|
Soda.
4) Rp. Natrii ohlorati -quot;^O. Aqu. destill, 2.r)0.0. M. D. S. Zum Iiihalirai für Bunde.
6)nbsp; Rp. Natrii olilorati 2,0.
Aqu. destill. 100,0. M. I). S. Augenwasser.
7)nbsp; Rp. Natrii ehlorati cnuli
Spirit, oamphor. ää 50,0. Tinotur, Arnioae 100,0. Aqu. destill, 300,0. M. D. 8. Hestitutionsfluid für Pferde.
8)nbsp; Rp. Sal. culinar. 100,0.
Aceti 500,0. M. D. H. In 1 Stalleimer Wasser gelöst zum Ausspritzen der Maul-liölile für ein Pferd mit Stomatitis.
|
||
|
|
|||
|
Natrium cavhonmiiu. Soda. NajCOa lOHjO.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Natrium ist in
Deutschland in ?gt; Formen officinell:
1) Natrium carbonicum crudum (Soda, Rohsoda, Sal Sodae, rohes kohlensaures Natron). Die Rohsoda kann auf verschiedene Weise dargestellt werden:
a. Die grösste Menge Soda wird gegenwärtig dargestellt nach dem Solvay'schen Ammoniaksodaverfahren, wobei Kochsalz durch Kohlensäure und Ammoniak in Natriumhicarhonat umgewandelt und letzteres durch Erhitzen in Natriumcarhonat (Soda) übergeführt wird:
I. NaCl COj NH., H2() = C08HNa NH,,C1. II. 20O8HNa = OOgNaj CO, -|- H.O.
1). Nach dem Leblanc'schen Verfahren wird Soda aus Kochsalz und Schwefelsäure dargestellt. Hierbei wird zunächst schwefelsaures Natron gebildet, welches mit Kohle und kohlensaurem Kalke geglüht die Rohsoda liefert. Die rohe Masse wird ausgelaugt, die Lauge eingedampft und das Sodasalz ausgesoggtquot;, indem die an der Oberfläche der Lauge entstehende Salzhaut abgenommen wird. Die ausgesoggte Soda wird sodann massig geglüht = calcinirte Soda.
c. Aus Kryolith (Al.Fl,.-fONaFl) durch Schmelzen mit Actz-kalk und Behandeln mit Kohlensäure (Grönland, Island).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Sock.
|
397
|
||
|
|
|||
|
d.nbsp; Aus der Asche von Strand- und Seepflanz on, wenn dieselben auf stark koclisalzhaltigom Boden aufgewachsen sind: Salsola-, Salicornia-, Clienopodium-, Fuc us-Arten (atlantische Küsten Europas, am Mittelmeer, Salzsteppen Syriens und Mittelasiens). Die Asche der genannten Pflanzen enthält 530% Soda und wird einfach ausgelaugt. Frühere Handelssorten waren: die Varecsoda (Frankreich), Kelpsoda (Schottland), Barilla-, Alicante-, Malaga-soda (Spanion).
e.nbsp; nbsp;Aus der natürlich vorkommenden Soda (durch Austrocknung von Natronseen oder durch Auswitterung in regenarmen Gegenden entstanden); hierher gehört die Szeksoda (Szegedin), die Trona-soda (Wadi Natrun hei Kairo), die Uraosoda (Mexiko) und die Gcollpasoda (Oatamarka in Argentinien).
f.nbsp; Endlich ist Soda ein Eestandtheil vieler Mineralwässer. Die Eohsoda bildet grosse, farblose Krystalle oder krystal-
linische, an der Luft verwitternde Massen von stark alkalischer Reaction und scharfem, laugenartigern Geschmacke, welche mit Säuren stark aufbrausen und die Flamme gelb färben. An der Luft verwittert sie: sie löst sich in 8 Theilen Wasser. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
2)nbsp; Natrium carbonicum depuratum (reines kohlensaures Natron, gereinigte Soda), wird dargestellt durch Umkrystallisiren der rohen Soda. Lasselbe bildet farblose, durchscheinende, an der Luft verwitternde und daher weiss bestäubte Krystalle von scharf laugenhaftem Geschmacke und stark alkalischer Reaction, mit Säuren aufbrausend, die Flamme gelb färbend, in 1,6 Theilen kaltem und 0,2 Theilen siedendem Wasser löslich. Es enthält (J30/o Krystallwasser und gibt im Gegensätze zum Natrium bicarbonicum mit Sublimatlösung einen rothen Niederschlag (HgO). Es soll frei sein von Metallen (Kupfer, Blei, Eisen), Schwofelsäure und Chlornatrium. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; Natrium carbonicum siecum (Natr. carb. dilapsum, entwässerte Soda) wird durch Verwitterung der reinen Soda bei 25deg; und Trocknen bei 50deg; dargestellt. Es ist Soda minus 8 Mol. Krystallwasser und hat die Formel 0OgNag-|-211^0. Es bildet ein weisses, feines, hygroskopisches Pulver mit den Eigenschaften der reinen Soda. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Natrium bicarbonicum, d o p p e 11 k o h 1 e n s a u r e s N a t r i u m, COjHNa. Darstellung: 1) Nach dem Solvav'schen Ammoniaksodaverfaiiren: NaCl CO,, NH8 Eß = COjHNa -j- NH401.
|
|||
|
|
|||
|
I
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
;i98nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Matriuni bicarbonicum.
2) Durch Einleiten von Koh len silure in Sod alö sung: CO:tNa.2 OO.j HoO = 20O8HNa.
Eigenschaften: Das Natriumbicarbonat bildet weisse, luft-bestiindige K ry st al 1 krust e n oder ein weisses kristallinisches Pulver von schwach 1 äugenhaftom Geschmacke und schwacher alkalischer Reaction, welche mit Säuren aufbrausen und beim Erhitzen Kohlensäure abgeben (Uebergang in Soda). Die Flamme wird gelb gefärbt. Mit Sublimat gibt es einen woissen Niederschlag (keinen rotlien wie Soda). Es löst sich in 12 Theilen Wasser, nicht in Weingeist. Das rohe, zum Ueinigen benützte Natriumbicarbonat ist auch bekannt unter dem Namen Dullrich'sches Salz. A.P. 100,0 = 25 Pfennig.
Wirkung und Anwendung des Natrium carbonicum. 1) Die
Soda wirkt auf Haut und Schleimhäuten in verdünntem Zustande reinigend, die Fette verseifend, den Schleim lösend, in con-oentrirter Lösung dagegen ätzend, indem sie die Epithelzellen auflöst (Dermatitis, Gastroenteritis etc.). 2) Innerlich noutralisirt das Natriuraoarbonat die Magensäuren, indem es hiebei theilweise zu Chlornatrium umgewandelt wird. Das übrige kohlensaure Natrium geht im Blute über in doppeltkohlensaures Natrium; seine innere Wirkung ist daher auch identisch mit derjenigen des Natrium bi-carbonioum. 3) Räudemilben werden durch concentrirte Sodalösungen getödtet, weil ihr Chitinpanzer dadurch aufgelöst wird. 4) Die antiseptische Wirkung der Soda ist hei Anwendung kalter Lösungen eine schwache; nach .Tager wirken dieselben zwar desinlicirend, aber nur in starken Concentrationen und nur gegenüber sporeni'reien Bacillen. Dagegen ist die desiniieirende Wirkung warmer Sodalösungen eine bedeutende; eine l^V'S0 Sodalösung tödtet die Milzbrandsporen hei einer Temperatur von 80quot; C. schon nach 10 Minuten (Bell ring).
Die Anwendung der Soda ist meist eine äusserliehe. Sie wird äusserlich als Hautreinigungsmittel, zum Aufweichen von Krusten, Schuppen und Räudeborken, als Beizmittel für chronische Ekzeme, als zertheilendes, auflösendes Mittel gegen Epi-dermiswucherungen und chronische Hautentzündungen, sowie als directes und indirectes Räudemittel in Form von Bädern, Waschungen und Salben angewandt. Innerlich wird statt der Soda wegen ihrer stark reizenden Wirkung fast allgemein das Natrium bicarbonicum verabreicht; vergl. dieses. Nur bei Vergiftungen mit Säuren ist die Soda wegen ihrer stärkeren Alkalescenz vorzuziehen.
Wirkung und Anwendung des Natrium bicarbonicum. 1) Das
doppeltkohlensaure Natrium ist wie das Kochsalz ein sehr wirksames
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Natrium bicarboiiicum
|
009
|
|||
|
|
||||
|
S to mach i cum bei allen Magonloiden. Es steigert die Tliiitigkeit des gesammten JMgestionsapparates. Es vermeint die Secretion des Magensaftes, des Pankreassaftes, der (lalle, des Darni-saftes, in Folge einer directen Erregung der seceniirondcn Drüsen-zellen. beschleunigt die Peptonisining des Ehveisses und verstärkt die peri staltischen Bewegungen der Wandungen des Verdauungs-kanales. Der Erhöbung der digestiven Arheitstliiltigkeit geht eine Steigerung der Innen temper atur parallel. Es wirkt ferner stoffwechselanregend, vermehrt die Harnstofl'aiisscheiduiig und vermindert die klarnsäureproduetion; Anwendnng gegen Fettsucht, (rieht und Diabetes mellitus.
2)nbsp; Es wirkt als mildes Antacid um bei abnormer Säuerung des Magens in Folge von Gährungs- und Zersetzungsvorgäiigen im Mageninhalte (Bildung von Chloriiatriuin, milchsaurein, essigsaurem, buttersaurem Natrium). In solchen Fällen ist es daher auch ein Antemeticum und Styptic um bei Q-ährungsdiarrhöen. Ebenso kann es als Antidot gegenSäurevergiftungen angewandt werden.
3)nbsp; Es ist ein an ti katarrhalisches, schleim verflüssigendes Mittel, namentlich bei chronischen Katarrhen des Magens und Darmes, der Luftwege, Harnwege, öallengänge (Cholelithiasis) und Genitalien.
1) Wie das Kochsalz wirkt es res or hi rend auf geronnene, fibrin Öse Exsudate der Pleura, des Peritoneum, der Lunge etc.
ö) Es ist ein Diureticum, welches den sauren Harn der Fleischfresser ausserdem alkalisch macht und daher bei Nierenkrankheiten und Harnsedimenten im Nierenbecken, in der Blase etc. angewendet wird.'
6)nbsp; Es steigert die Milchsccretion und erhöht den Alkali-gehalt derselben, weshalb es nicht nur gegen Milchmangel im Allgemeinen, sondern auch gegen abnorme Säuerung der Milch (sogenannte schlickerige Milch) angewandt wird.
7)nbsp; Von Di eck er hoff ward es in grossen Dosen (500,0 pro die und mehr) gegen die Hämoglobin urie (Lumbago) der Pferde empfohlen.
Natriumnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; N a t ri u m
bioarbonioum. oarbonioum.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis. Rind......50100,0
|
1025,0
510,0
1 5,0
1 2,0
0,1- 0.2
0,1 0,2
|
|||
|
Pferd.....
Schaf, Ziege Schwein
Hund.....
Katze und Geflügel
|
25 50,0
|
|||
|
5nbsp; 10,0
2-nbsp; nbsp; 5,0
0,5nbsp; nbsp; nbsp;1,0
0,2nbsp; nbsp; nbsp;1.0
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kalium cai'btmicum.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Xatrii biearbouiei
Natrii chlorati crudi ää 100,U. I'ulv. Fruoti Junip. 50,0, M. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöft'el voll für ein P f e rd mit Magenkatarrh.
2)nbsp; nbsp;Rp, Xatrii bioarbou.
Pulv. Fruot. Koeuicul. ää 100,0. M. D. S. Älit 1 Flasobe Leinsamenabkoobung für eine Kuh mit schliokc-riger Milch.
8) Rp. Xatrii biearbun. 20,0. Pulv. Rad. Rhei 5,0. M. D. S. Auf 2mal mit je 1 Tasse Kamillenthee einzugeben für ein Kalb mit Indigestion.
4)nbsp; Rp. Xatrii biearbon.
Sacchari Laotis ää 0,5. M. D. tal. dos. Nr. VI. S. Täglich 2 Pulver für eineu Hund mit Magenkatarrh.
5)nbsp; Rp. Xatrii carbonici crudi 50,0.
Aqu. eommun. 600,0. M. D. S. Aeusserlich für einen Kund mit Ekzem.
(i) Rp. Xatrii carbon. 5,0. Adipis suill. 50,0. M. f. Ugt. D. S. Aeusserlich gegen .Schwielenbildung.
|
||
|
|
||
|
Kalium ciirboiiifiiin. Pottasche. KjOOa.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Kali ist in zwei Formen officinell:
1) Kalium carbonicum cruduin (Pottasche), ein weisses, an der Luft zerfliessendes, körniges Pulver von stark alkalischer Reaction und scharfem laugenhaftem G-eschmacke. in gleichen Theilen Wasser fast vollständig löslich, mit Weinsäure unter Aufbrausen einen weissen, krystallinischen Niederschlag von Weinstein gebend, die Flaiume violett färbend. Die Pottasche wird meist dargestellt nach dorn Leblanc'schen Soda-processe aus Chlorkalium (Abraumsalze von Stassfurth) und Schwefelsäure:
I, CIK S04Hj = S04Kj 4- 2C1H. 11. SO^Kg 2C = SK2 2C()r III. SK, 4- OaOO. = KjÖO. OaS.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kalium uarbouicum.
|
401
|
||
|
|
|||
|
Früher wurde die Pottasche aus der Holzasche von Land-pflanzen gewonnen (Seepflanzen enthalten Natrium). Beim Verbrennen derselben bildet sich aus dem in ihnen enthaltenen pflanzensauren und salpetersauren Kalium kohlensaures Kalium. Gre-trocknetes Holz liefert z. B. 14 pro Mille, Wermuthkraut 70 pro Mille Pottasche. Je nach der Abstammung unterschied man russische, ill yr is ehe, amerikanische Pottasche. Die veraschten Bäume, Hölzer, Sträucher wurden mit Wasser ausgelaugt, eingedampft und wieder geglüht (ealcinirt), um alle organischen Bestandtheile zu zerstören. Has Calciniren wurde früher in Töpfen, sogenannten Pöttenquot;, vorgenommen, daher der Name Pottaschequot;. Auch aus verkohlter liübenmelassen-Schlempe (sehr kalireich) und aus Wo 11 schwel88 (Sammeln der Wollwaschwässer. Eindampfen und Verkohlen; ein Schafvliess liefert etwa 150 g Pottasche, welche in demselben als fett säur es Kali enthalten ist) wurde früher Pottasche gewonnen. A.P. 100,0 = 25 Pfennig.
2) Kalium carbonicum purum, das reine Kaliumcarbonat. hat dieselben Eigenschaften wie das rohe Präparat: es ist ein woisses, hygroskopisches, an der Luft schliesslich zerf Hess ende s, stark alkalisch reagirendes und schmeckendes, mit Säuren aufbrausendes, in gleichen Theilen Wasser lösliches Salz mit violetter Flammen-reaction. Es wird dargestellt durch Erhitzen von Kaliumbicarbonat: 2CO,,HK= 0O8K8 0O3 H2O. Aus diesem Präparate wird dargestellt mit dem doppelten Gewichtstheil Wasser der ebenfalls offi-cinelle Liquor Kalii carbonici (Kalium carbonicum solutum). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Kalium bioarbonicum, doppeltkohlensaures Kali, CO3HK, wird dargestellt durch Einleiten von Kohlensäure in Pottasche: CO3K., CO.,-f H20 = 2CO3HK. Es bildet klare, trockene, luftbestän-digo Krystalle von schwach alkalischer Iteaction, in Säuren aufbrausend, mit überschüssiger Weinsäure einen weissen Niederschlag von Weinstein bildend, die Elamnie violett filrbend, in 4 Theilen Wasser lüslioh, in Weinstein unlöslich. A.P. 10,0 s= 5 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. Die Pottasche stimmt in ihrer äusseren Wirkung mit der Soda, und das Kalium bioarbonicum in seiner innerlichen Wirkung mit dem Natrium bicarbonicum vollkommen überein. Ein Unterschied liegt nur darin:
1) Dass die Pottasche noch stärkere A 1 k a 1 e s c e n z besitzt
als die Soda und daher auch äusserlicb auf Haut und Schleimhäuten
stärker ätzt bezw. erweicht.
Frühner, Arzneimittellehre, 4. Auti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;26
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium sulfuricum.
2)nbsp; Dass das Kalium bicarbonicum, welches allein innerlich angewandt wird, als Kalisalz mehr Beziehung ZU den rothen Blutkörperchen hat und daher als eigentliches Blutplasticum anzusehen ist.
3)nbsp; Dass beide als Kalisalze in sehr grossert Dosen und direct ins Blut eingespritzt eine specitische Kali Wirkung (Herzgifte) besitzen. Im üebrigen wird in praxi iiusserlich häufiger das Kaliu in carbonicum, innerlich das Natrium bicarbonicum angewandt.
|
||
|
|
||
|
Natrium sulfiiricuin. Glaubersalz^
Xa.SO.i-flOlM).
Pharmaceutische Chemie. Das schwefelsaure Natrium (Natrium sulfuricum, Sal mirabile (ilauheri) bildet farblose, verwitterndeKrystalle von kühlend-salzigem Gesohmaoke, welche die Flamme gelb färben (Xatriumreaction) und mit Baryum-nitrat in Lösungen einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt bilden (Sulfatreaction). Es löst sich in :i Theilen kaltem, 0,3 Theilen warmem und 0,1 Theilen siedendem Wasser; in Alkohol ist es unlöslich. Von dem Bittersalze unterscheidet sich das Glaubersalz durch seinen kühlenden, nicht bitteren Geschmack und dadurch, dass es nicht wie jenes beim Kauen zwischen den Zähnen knirscht. Wird das Glaubersalz bei 25 quot; der Verwitterung ausgesetzt, so verliert es fast alles Krystallwassor und bildet dann ein weisses, feines, lockeres Pulver, das Natrium sulfuricum siecum (di lap sum), das getrocknete Glaubersalz von der Formel Xa2S(|1-j-H^O. Die Darstellung des Glaubersalzes ist eine verschiedene;
1)nbsp; nbsp;Aus Kochsalz und Schwefelsäure fabrikmässig bei der Sodafabrikation: 201Na 80,11, = SO.Na, 2C1H.
2)nbsp; In Stassfurth aus Kochsalz und schwefelsaurer Magnesia (Kieser it): 2 OINa SO.Mg = SO lNa8 MgCl2.
?)) Ausserdem kommt schwefelsaures Natrium als ein Bestand-theil vieler Mineralquellen (Karlsbad, Marienbad, Friedrichshall, RippoldsaU U. S. W.), dos Meerwassers, vieler Salzsoolen und gediegen als Mineral vor = Thenardit (wasserfrei) und Mirabilit (wasserhaltig). Mit Gyps zusammen bildet es das Glauhcrit, mit Bittersalz das Astra k an it. A.P. 500,0 = 50 Pfennig.
Kalium sulfuricum, Kaliumsxalfat, Dop pel salz, 1^804, wird ganz analog dem Natriumsulfat aus C h lo rkalium und Schwefelsäure
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Natrium snlfuriuum.
|
40:5
|
|||
|
|
||||
|
bezw. schwefelsciurer Magnesia dargestellt. Ausserdem kommt es im Mineral- und Meerwasser, in Salzlagern, als vulkanisches Product und in der Asche der Pflanzen vor. Es bildet harte, weisse Krystallkrusten, welcke nicht verwittern, in 10 Theilen kaltem und i Theilen heissem Wasser löslich sind, die Flamme blau ftlrben und mit überschüssiger Weins äu re allmählich einen weissen Niederschlag von Weinstein (Kalireaction), mit Bary umn itr at sofort einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt liefern (Sull'atreaction). A.P. 100,0 = 45 Pfennig.
Sal Carolinum factitium, künstliches Karlsbader Sal/, (Sal ther-marum Carolinarum fnctitiumj, wird officinell dargestellt durch Mischen von 22 Theilen Natrium sulf'uricum siccum,
|
||||
|
|
||||
|
1
18 9 Es bildet ein Liter Wasser ein
|
, Kalium sulfuricum,
, Natrium b icar bon icu m ,
, Natrium chlor a turn, weisses. feines, trockenes Pulver; 6 g davon geben mit
|
|||
|
1 Liter Wasser ein dem natürlichen Karlsbader Brunnen ähnliches Wasser. A.P. 200,0 = 25 Pfennig. Ü.P. 1 Kilo = 30 Pfennig. Das im Handel befindliche sehr theure Karlsbader Sprudelsalz (D.P. 1 Kilo = 11 Mark!) enthält in der Hauptsache nur Natrium sulfuricum mit geringen Mengen von Kochsalz und Soda und entspricht daher in keiner Weise der Zusammensetzung des Karlsbader Wassers. Besser ist das im Handel vorkommende Karlsbader Quellsalz, welches alle Bestandtheile des Karlsbader Wassers enthält (Natriumsulfat 42, Natriumbicarbonat 56, Chlornatrium 18, Kaliumsulfat :t, LithiumbioarbonatO,^ NatriumHuorid 0,1, Natriumborat 0,07, Kieselsüureanhydrid 0,0.'i, Eisenoxyd 0,01). Das officinelle Sal Carolinum factitium entspricht in seinen wesentlichen Bestandtheilen vollkommen diesem Quellsalze.
Wirkung. 1) Das Glaubersalz regt in kleinen Dosen die Secretion der Verdauungssäfte an. Im Darmkanal wird es zum Theil zu Schwefelwasserstoff reducirt; der grösste Tlicil geht jedoch unverändert durch den Körper hinduroh,
2)nbsp; Grosse Gaben erzeugen Durchfall, indem sie nach dem Gesetze der Diosmose eine Transsudation von Flüssigkeit aus dem salzärmeren Blute in die concentrirte Salzlösung des Darminhaltes hervorrufen und ausserdem die Peristaltik der Darmwandungen reflectorisoh erregen.
3)nbsp; Alle katarrhalisch erkrankten Schleimhäute (Magen, Darm, Respirationsapparat etc.) werden durch Glaubersalz in der Weise beeinliusst, dass der auf ihnen befindliche zähe Schleim verflüssigt und ihre Secretion in normaler Weise angeregt wird.
4)nbsp; nbsp;Das Glaubersalz steigert den Gesammtstoffwechsel des Körpers, erhöht den Sauerstoffverbrauch und vermehrt die Harnstoffausscheidung.
6) Die Gallenabsonderung wird stark vermehrt (Cliol-agogum).
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
4.()4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium sulfuricuui.
(i) Groronnene, feste Exsudate im Körper werden in Lösung übergeführt.
Kalium sullurieum und Natrium sulfuricum siccum wirken im Allgemeinen eLenso, nur um das Doppel te stärker (Doppel-salzquot;); die Dosis dieser beiden Präparate beträgt daher nur die Hälfte von der Dosis des Glaubersalzes. Das Karlshadersalz vereinigt die Wirkung des Glaubersalzes, Kochsalzes und doppeltkohlensauren Natriums in sich; seine Dosis ist dieselbe, wie die des Glaubersalzes.
Anwendung. 1) Als Laxans bei Verstopfung, Kolik, IJeber-fütterung, sowie zur Ableitung bei Gelürn-, Lungen-, Pleura-, Leber-, Nieren-, Utorusent/.ündungen etc. Bei Pflanzenfressern tritt die Wirkung erst nach 12 Tagen ein.
2) Als Stoniacbicum, Diäteticum und Stoffwechsel-erregendes Mittel bei suhlechten ErnährungsVerhältnissen, Verdauungsstörungen, Magendarmkatarrhen, Fettsucht, Diabetes mellitus.
;3) Als Antikatarrhalicuin bei chronischen Katarrhen des Magens, Darmes, der Bronchien, der Lunge, der Blase etc.
4)nbsp; Als Resorbens bei entzündlichen Affectioneu der serösen Häute, der Lunge, Leber, Niere etc.
5)nbsp; Als Cholagogum bei Ikterus und Leberleiden, namentlich gegen Cholelithiasis.
6)nbsp; nbsp;Als Gegengift gegen Carbolvergiftung; Bildung von ungiftigem phenolsulfonsaurem Natrium.
Dosis. 1) Als Laxans für
Rinder 5001000,0.
Pferde 250500,0.
Schafe. Ziegen 50100,0.
Schweine 2550,0.
Hunde 1025,0.
Katzen und Geflügel 25,0. 2) Als Stomachicum, Antikatarrhalicum, Resorbens für
Pferde und Rinder 2550100,0.
Schafe und Ziegen 1025.0.
Schweine 25,0.
Hunde 12,0.
Katzen und Geflügel 0.20,5.
Recepte.
1) Rp, Natril sulfuriol ^OO.O.
Pulv. Rad. Althacao 200,0. A(jii. qu. k. i'. Electuar. Di 81 Auf '2mal nh Laxans für ein Pferd mit Kolik.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
!
|
||
|
|
||
|
Kalium acuticuiu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40quot;)
2) Rp. Natrii sulfurioi 750,0. Aloes pulv. 30,0. M, D. S. Auf Imnl mit 1 Flasohe Leinsamenabkoohung einzusohtttteo
für ein R i n il mit Verstopi'mig.
8) Rp. Natrii sulfurioi 75,0.
Decoct. Sem. Lini 10,0 : 250,0. M. D. S. Für ein Sohaf (Ziege) mit Verstopfung einzusohtttten.
4)nbsp; Rp. Natrii sulfurioi
Natrii chlorati orudi ää 250,0. Pulv, Rad. Liquirit. 100,0.
M. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit elironisohem ßronchialkatarrh.
5)nbsp; Rp. Sal. Carol, faotitii 500,0.
Di gt;S. Auf jedes Futter 1 Esslölfel für ein Pferd mit elironisohem Magendarmkatarrh.
6)nbsp; Rp. Sal. Carol, faotitii 15,0.
Aqu, destill. 300,0. M. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit ohronisclier Ernährungsstörung.
7)nbsp; Rp. Natrii sulfurioi 20,0.
Aqu. destill. 250,0. M. 1). iS. '/#9632;'stündlich 1 Esslöffel für einen 11 u n d mit Carbolsäure-vergiftuug.
Natrium phosphoricum. Natriumphosphat. Na^HPOj-j-^H.jO. Das pbosphorsaure Natrium bildet i'arhlose, durchscheinende, verwitternde Krystalle von schwach salzigem Geschmacke und alkalischer Reaction, welche sich in 6 Theilen Wasser lösen. Es färbt die Flamme gelb (Natrium-reaction) und seine Lösung gibt mit Silbernitrat einen gelben Niederschlag von phosphorsaurem Silber (Phosphatreaction). Es wird dargestellt aus Phosphor säure und Soda. Wirkung, Anwendung und Dosivung = Natrium sulfuricum.
|
||
|
|
||
|
Kalium iicetlcum. Essigsaures Kali.
CFI3 . COOK.
Pharmaceutische Chemie. Das Kalium aceticum bildet ein weisses, glänzendes, schwach alkalisches, an der Luft schnell zerfliessendes, in 0,4 Theilen Wasser und 1,5 Theilen Weingeist lösliches Salz, dessen wässerige Lösung durch Eiscnchlorid dunkel-roth gefärbt wird (Acetatreaction) und mit überschüssiger Weinsäure einen weissen Niederschlag von Weinstein gibt (Kalireaction). Ausserdem färbt es als Kalisalz die Flamme violett. Es wird dargestellt aus Essigsäure und doppeltkohlensaurem Kali. Der
|
||
|
|
||
|
|
||
|
40t)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kalium aceticum.
Liquor Kalii acetici (Kai in in aoetioum solutum) stellt eine ;i3quot;/(iige Lösung des Kalium aoetioum in Wasser dar. welche aus v e V d ü n n t e r Essigs ä u V e und K a 1 i u m c a r b o n a t dargestellt wird. Es ist eine klare, farblose Flüssigkeit mit den Reactionen des Kalium aoetioum. Es ist das gebräuchlichere Präparat. A.P. 10,0 =
10 Pfennig.
Natrium aceticum, essigsaures Natron, (JH3.COOXa,-f-tiH.p, bildet farblose, durchsieht ige, verwitternde Krystalle (Nadeln oder Spiesso), welche mit 1' _ Thoilen Wasser eine alkalische Lösung geben und in 2li Theilen Alkohol löslich sind. Sie färben die Flamme gelb (Natronsalz) und hinterlassen in der Glühhitze unter Verbreitung eines Ace t ongeru ch es kohlensaures Natron als stark alkalischen Uück-stand; die wässerige Lösung färbt sich mit Eisen chlor id b hi troth (essigsaures Eisenoxyd). Es wird dargestellt durch Umkrystallisiren des Rothsalzes (aus Holzessig und Soda dargestellt) oder aus Holzessig, kohlensaurem Kalk und Glaubersalz. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die essigsauren Alkalien werden zum Theil schon im Darmkanal. vollständig aber im Blute zu kohlensauren Akalien (Natrium und Kalium hiearbonieum) umgewandelt und als solche durch den Harn ausgeschieden, welcher bei den Fleischfressern gleichzeitig alkalisch wird. Ihre Wirkung ist daher identisch mit derjenigen des Natrium und Kalium hiearbonieum (vergl. diese). In der Praxis werden sie hauptsächlich als harntreibende und lösende Salze verschrieben. Die Dosis ist die des Natrium hiearbonieum-, die Dosis des Liquor Kalii acetici betrügt das Dreifache.
Recepte.
1)nbsp; R\gt;. Natrii acetici
Natrii chlorajp crud. aa '200.0. I'ulv. Kniet. Junip. 100,0. M. D. S. Auf jedes Futter 1 Bsslöffel für ein Pferd mit clironischer Brustwasser.-uclit.
2)nbsp; Rp. Liquor. Kalii acetici
Sucoi Juni]), inspissat. aa 20,0. Aqu, Foeniculi 500.0. M. D. S. Sstttndlioh 1 Esslöffel für einen Hun d mit chronischer Lungen-entzünduiifj.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Turtanis dupiirutiis.
|
407
|
||
|
|
|||
|
Tartarus depuratos. Welusteln.
04H,04lt;|]k.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Der Weiuslein (Kalium bitartari-cum, Creinor Tartar!) ist chemiscli saures, weinsaures Kalium. Er wird dargestellt durch Umkrystallisiren des in Weinfässern vorkommenden rohen Weinsteins, welcher 50800/o Kalium bitartaricum neben weiusaurem Kalk enthält, Der Weinstein bildet ein weisses, krystallinisebes. zwischen den Zähnen knirschendes Pulver von säuerlichem Geschmacke und saurer Reaction, welches in Wasser schwer löslich ist (in 200 Theilen kaltem und 20 Theilen siedendem), gar nicht in Weingeist, dagegen in Aetzalkalien. Beim Erhitzen verkohlt er unter Verbreitung eines Geruches nach verbranntem Zucker (Caramelgerucli= Weinsäurereaction) zu einer grauschwarzen Masse (kohlensaures Kali), welche stark alkalisch reagirt, mit Säuren aufbraust, die Flamme violett färbt und mit Weinsäure wieder Weinstein gibt. A.P. 100,0 = 80 Pfennig.
Kalium tartaricum, neutrales, weinsaures Kali, C^ILO^OIOj, wird dargestellt aus Weinstein und K a Hum bicarb on at. Es bildet farblose, in Wasser leicht lösliche (2:3), n eutr ale Kry stalle mit den charakteristischen Keactionen des Weinsteins (Verkohlen, Caramelgemch).
Tartarus natronatus, Seignettesal/, (Natro-Kali tartaricum, Kalium-natriumtartrat, Natron-Weinstein) = C.1HiOl(ONa)(OK), wird dargestellt aus Weinstein und Soda. Es bildet grosse, durchsichtige, wasser-helle, rhombische Säulen. Der Geschmack ist milde salzig. Es löst sich leicht in Wasser (2:3) mit neutraler Reaction.
Tartarus boraxatus, Borax-Weinstein (Kali tartaricum boraxatum, Creinor Tartar! solubilis), wird aus Borax und Weinstein dargestellt. Er bildet ein weisses, amorphes, hygroskopisches, sauer schmeckendes und reagirendes, in gleichen Theilen Wasser lösliches Pulver.
Tartarus stibiatus, Brach Weinstein (StibioKali tartaricum 04Hj04(OK). (O. SbO), vergl. bei den Antimonsalzen.
Wirkung und Anwendung. Sämmtliche weinsaure Alkalien (mit Ausnahme dos Brechweinsteins) haben wie die essigsauren Alkalien eine mit den kohlensauren Alkalien übereinstimmende Wirkung, indem sie sich ebenfalls im Körper in Carbonate resp. Bicarbonate umwandeln. Insbesondere vermehren sie die Harn-secretion und machen den sauren Flcischfresserharn alkalisch.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
408nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kalium nitricum.
Sodann wirken sie alk', namentlich der schwerlüsliche Weinstein, abführend. Sie werden angewandt als milde Laxantien (in Weingegenden wird wohl auch der rohe Weinstein vorwiegend in der Rinderpraxis gegeben), als Diuretica, gegen Nieren- und Blasen-gries, sowie als resolvirende Mittel.
Dosis. 1) Als harntreibende und resolvirende Mittel
Pferd und Rind 25100,0.
Schaf und Ziege 1025.0.
Schwein 5 10,0.
Hund 12,0.
Katze und Geflügel 0,51. 2) Als mildes Laxans:
Schaf und Ziege 50100,0.
Schwein 5 10,O.
Hund 210,0.
Katze und Geflügel 14,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Tartar, depurat. 50,0.
Extract. Aloes 10,0. M. D. S. Mit l/s Flasche Leinsamenabkoohung auf einmal einzuschütteii für ein Kalb mit Verstopfung.
2)nbsp; Rp. Tartar, depurat.
Pulv. Pol. Sennae Sulfur, subl. aä 10,0. Mellis 40,0. M. D. 8. Abführmittel für ein Schwein.
'S) Rp. Tartar, natron.
Liquor, Kalii acetic! üä 15,0. Aqu. destill. 300,0. Mi D. S. Sstttndlioh 1 Esslöffel für einen Hund mit Harngries.
4) Rp. Tartar, boraxati 5,0. Mannae 10,0. Aqu. destill. 100,0. M. U. S. ^stündlich für eine Katze mit Verstopfung.
|
||
|
|
||
|
Kalium nitricuiu. Kalisalpeter.
KNO3.
Pharmaceutische Chemie. Der Kalisalpeter (Nitrum, prismatischer Salpeter) bildet farblose, durchsichtige, luftbeständige,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Salpotei-.
|
409
|
||
|
|
|||
|
prismatische Krystalle von kühlend-salzigcm Geschinacke, welche in 4 Theilen Wasser löslich, in Weingeist unlöslich sind. Auf glühenden Kohlen verpufft der Salpeter mit violetter Flamme; Weinsäure scheidet aus seiner Lösung weissen quot;Weinstein aus (Kali-reactionen); mit Schwefelsäure und Eisenvitriol gemischt färbt sich seine Lösung braunschwarz (Nitratreaction),
Das Vorkommen des Kalisalpeters in der Natur ist ein verbreitetes, Er bildet als Product der Zersetzung stiekstoifhaltiger Massen in kleinen Mengen mit salpetersaurcm Kalke zusammen einen normalen Bestandtheil der Ackererde. Sodann findet er sich in feuchten Ställen zusammen mit salpetersaurem Kalk als Mauersalpeter. Als natürlichen Salpeter trifft man ihn in Ostindien (Bengalen), Aegypten, Persien, Ungarn, Spanien, Ceylon, Südamerika. Endlich ist er in manchen Pflanzen (Nicotiana, Datura Stramonium, Rheum, Folia Farfarae) und in vielen Mineralwässern enthalten.
Seine Darstellung erfolgt gewöhnlich als sogenannter Con-versionssalpeter in den Salzwerken von Stassfurth und Kaluscz (Q-alizien) aus Natronsalpeter und Chlorkalium: NaNO,,-f-KOI = KNO,.-j-NaOl. Früher wurde er als Plantagensalpeter in sogenannten Salpeteranlagen, sowie als indischer Salpeter in der Landschaft Tirhul in Bongalen, wo viele Menschen und Hausthiere zusammen wohnen (stickstoffhaltige Abfälle), durch Auslaugen des salpeterreichen Erdbodens dargestellt. A.P. 100 = 40 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Natrium nitricum, Natronsalpeter, Chilisalpeter, NaN08, bildet farblose, durchsichtige, rhomboedrische (würfelähnliche, daher früher = Würfelsalpeter, Nitrum cnbicum) Krystalle von salzig kühlendem, bitterlichem Geschmacke, in 1,2 Theilen quot;Wasser und 50 Theilen Weingeist löslich. Auf glühenden Kohlen verpufft er mit gelber Flamme (Natriumreaction). Mit Schwefelsäure und Eisenvitriol färbt sich seine Lösung braunschwarz (Nitratreaction). A.P. 100,0 = 45 Pfennig. Der Natronsalpeter kommt in ausgedehnten, etwa Im dicken und etwa 30 Meilen langen Lagern an der Westküste Südamerikas im Küstengebiete der Staaten Chile, Peru und Bolivia vor. Besonders ausgedehnte Salpeterfelder (Salitreras) finden sich in den Districten von Atakam a und Tarapaka, regenlose Wüsten (Costa secca), in welchen die Salpeterorde (Caliche) bergmännisch gewonnen wird, worauf sie in eisernen Kesseln oder in Fabriken ausgelaugt und der Salpeter durch Eindampfen auskrystiillisirt wird; schliesslich kommt er in Säcken in den Handel. Der Jodgehalt der Mutterlauge der Caliche weist darauf hin, dass die Salpeterfelder wahrscheinlich von angeschwemmten Seepflanzen herrühren, und dass sich ein ähnlicher Process wie in den Salpeterplantagen vollzogen hat, indem sich wahrscheinlich zuerst Caloiumnitrat und aus diesem mit Chlornatrium Natriumnitrat bildete, Jährliche Ausfuhr Südamerikas = 500,000,000 kg.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
41(jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ivalilaugo.
Wirkung. Kalisalpeter und Natronsalpeter hüben im Wesentlichen dioselben Wirkungen, nur dass der Erstere als Kalisalz in grossen Dosen giftiger wirkt als der Natronsalpeter. Neben ihrer Allgemeinwirkung als Alkalien kommen ihnen die nachstehenden Eigenschaften zu:
1)nbsp; nbsp;Beide vermehren in kleineren Gaben die Diurese in Folge einer direeten Reizung der Nierenepithelien; die Vermehrung des Harns lässt sich experimentell bei Hunden nachweisen.
2)nbsp; nbsp;Grösserc Gaben erzeugen Durchfall, abwechselnd mit Verstopfung.
3)nbsp; Sehr grosse Dosen wirken tödtlich durch eine hiimorrhagische Clastroen t erit is.
Anwendung. Der Salpeter ist früher viel häutiger angewandt worden als heute, wo er von vielen Seiten als überflüssiges Präparat angesehen wird. Es wird namentlich bestritten, dass über seine anti-phlogistisohe und fieberwidrige, kühlende Wirkung beweiskräftige Untersuchungen vorliegen und darauf hingewiesen, dass der Salpeter schablonenhaft gegen jede entzündliche Erkrankung, welche mit Fieber verlief, mit anderen wirksamen Mitteln zusammen (Natrium sulfuricum, Digitalis, Opium) gegeben wurde. Zur Zeit gelten als [ndicationen für die Anwendung des Kali- und Natronsalpeters:
1)nbsp; nbsp;Die Erzeugung einer gesteigerten Diures e bei Nieren- und Blasenleiden und allgemeiner Wassersucht. Damit mag die früher hervorgehobene resolvirende Wirkung in Verbindung gebracht werden.
2)nbsp; Leichte Verstopfungen, sowie die Absicht, auf den Darm abzuleiten.
3)nbsp; nbsp;Acuter Gelenkrheumatismus (Gerhardt, Leube).
4)nbsp; nbsp;Die Oonservirung von Körperpräparaten, namentlich auch von Fleisch (leicht antiseptische Wirkung).
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 1025,0.
Pferd 815,0. Schaf, Schwein 2 5,11. Hund 0,20,5. Katze und Geflügel 0,10,2.
|
||
|
|
||
|
I
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Kalilauge^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;411
|
||
|
|
||
|
Liquor Kali caustici. Kalilaugo.
KHO (150/V, in H-P).
Pharmaceutische Chemie. Die Kalilauge (Kalium li\ diicuni solutum) stellt eint! wasserklare, farblose oder schwach gelb' liehe, ätzende, stark alkalische Flüssigkeit dar, welche 15 0/o Kaliumhydroxyd enthält; specitisches Gewicht = 1,127 1,129. Ihre Lösung in Wasser gibt mit Weinsäure einen weisseu Niederschlag von Weinsteiu, ausserdem färbt sie die Flamme violett (Kalireac-tion). Mit einem Tropfen Phenolphtalelnlösung färbt sie sich prächtig roth, mit Coohenilletinotur violett. Sie zieht aus der Luft Kohlensäure an (CO..K2), weshalb sie, wenn sie älter ist, mit Säuren aufbraust. Die Kalilauge wird dargestellt aus Pottasche und Aetzkalk:
C08 K, -|- CaO HjO = 2 KOH -f C08Ca,
Wird Kalilauge zur Trockene verdampft, geschmolzen und in Stäbchenform gegossen, so erhält man das ebenfalls officinelle trockene Kali causticum fusum (Aetzkali, Kalium hydrooxydatum, Lapis causticus chirurgorum). Es ist reines Kaliumhydroxyd, KHO, in Form weisser, schwer zerbrechUcher, auf dem Bruche krystallinischer, an der Luft zerfliessender, ätzender Stäbchen mit den Reactionen der Kalilauge, Letztere kann auch aus dem Aetzkali durch Verdünnen mit Wasser dargestellt werden.
Liquor Natri caustici, Natronlauge, wird aus Soda und Aetzkalk dargestellt, enthält 15 0/o NaOH, hat ein specitisches Gewicht von 1,168 bis 1,172 und stimmt in allen Punkten mit der Kalilauge überein, nur dass sie die Flamme der Natronverbindung gelb färbt. Leim Eindampfen liefert sie Natrum causticum, Aet/.natron, mit denselben Eigenschaften wie das Aetzkali; im Handel mit etwa 60 0/o C4elialt vorkommend als Sodastein oder Seifenstein.
Wirkung, 1) Beide Aetzalkalien wirken aussei-lieh in verdünntem Zustande erweichend, auflösend, concentrirt ätzend, indem sie den (iewehen Wasser entziehen. Der Aetzschorf ist weich und feucht, sehr schmerzhaft und lässt sich nicht streng begrenzen (Diffusion in der Umgebung).
2) Innerlich ne u tralisiren sie die Magensäuren und machen den Harn der Fleischfresser alka lisch. In grösseren Gaben erzeugen sie eine tödtliche (i astroen teritis. Pferde sterben auf 8 g, Bunde auf 2 g Aetzkali.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
412nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gebräunter Kalk.
8) In couoentrirten Lösungen (bis 1 : 10) wirken sie ausserdem antiseptisch sowie antiparasitär, naineiitlich gegenüber von Riiiuleniilben, deren Cbitinpanzer sie zur Auflösung bringen. Ihre antiseptische quot;Wirkung ist trüber überschätzt worden; ihr Desin-fectionswerth ist etwa der des Kalks. Natronlauge. Kalilauge, Soda, Pottasche sind im Allgemeinen gleichwerthig. Concen-trirte Lösungen der genannten Stoffe tödten die Bacterien der Hühner oh ol e ra, des 8 o h w ein er o t hlau f s, die Bo t z- und M ilz-brandbaoillen; Milzbrandsporen und Tuberkelbaoillen bleiben dagegen intact. Die Milzbrandsporen werden jedoch ziemlich rasch und schon durch verdünnte Lösungen getödtet, wenn die Lösungen erwärmt werden. Eine 1's quot;quot;ige Lösung von Kalilauge tödtet bei einer Temperatur von 80 nC. die Milzbrandporen schon nach 10 Minuten.
Anwendung. 1) Als Aetzmittel gegen Strahlkrebs, Oaroi-
nom etc. in Substanz oder als Aetzpaste. Am häutigsten wurde früher die Wiener Aetzpaste (Pasta caustica Viennensis) angewandt; sie besteht ans gleichen Theilun Aetzkali und Aetzkalk, mit etwas Wasser zur Paste gemacht.
2)nbsp; Gegen chronische, squamöse Ekzeme und alte Hautverdickungen, welche entweder einmal mit der reinen Lauge oder mehrere Male mit einer verdünnten (1 : 25) eingepinselt werden.
3)nbsp; Zur Desinfection von Seuchestallungen, Geräthschaften etc. in Form heisser Lösungen.
4)nbsp; nbsp;Als Antidot gegen Säurevergiftungen (verdünnt. 1 : 100).
5)nbsp; nbsp;Als Zusatz zu Räudebädern.
Galcaiia usta. (Gebrannter Kalk, OaO.
Pbarmaceutiscbe Chemie. Der gebrannte Kalk (Calcium oxy-datum, Aetzkalk) wird dargestellt in den Kalkbrennereien durch Erhitzen des kohlensauren Kalks: Ca008 = CaO -)- 00g. Er bildet dichte weisse Massen, welche mit dem halben Gewichte Wasser besprengt, sich stark erhitzen, indem sich dabei Calcium-hydroxyd = Oa(OH)9 (gelöschter Kalk) bildet. Hiebei zerfällt der Aetzkalk zu pulverigem Kalkhydrat. An der Luft zieht der gebrannte Kalk bald Wasser und Kohlensäure an und zerfällt unter starker Volumzunahine zu Kalkstaub == Oa(OH)a -f- CaCO... Mit 8 bis 1 Theilen Wasser bildet der Aetzkalk einen dicken, gleichmässigen
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kalkwasser.
|
413
|
||
|
|
|||
|
Brei (Kalkmilch). Seine wässerige Lösung, mit Natriumacetat versetzt, gibt mit oxalsaurem Ammonium einen weissen Niederschlag von oxalsaurem Kalk (Kalkreaction).
Aqua Calcariae. Aqua Oalois, Kalkwasser, ist eine Auflösung von Aetzkalk in Wasser (1 : 600). Es bildet eine klare, farblose, stark alkalische Flüssigkeit, welche sich an der Luft (und beim Hineinblasen) trübt unter Bildung von kohlensaurem Kalk, und mit oxalsaurem Ammoniak einen weissen Niederschlag gibt. Zum Q-ebrauohe werde das Kalkwasser liltrirt.
Wirkung. 1) Der gebrannte Kalk wirkt auf Haut und Schleimhäuten als stark basischer Körper unter Wasserentziehung ätzend, jedoch weniger stark als das Aetzkali, weil er rasch in Folge Umwandlung zu unlöslichem Kalkhydrat am Eindringen in die Gewebe verhindert wird. Innerlich erzeugt er Stomatitis und Gastroenteritis ulcerosa. Ausserdem wirkt er wie die übrigen Aetzalkalien als Anti-parasiticum und in nicht zu verdünnten Lösungen als Antiseptic um. Der frisch gelöste Kalk ist ein gutes, billiges und bequemes, leicht zu beschattendes Desinfectionsmittel für sporenfreie Bacterien. Milzbrandsporen und Tuherkelbacillen werden d u r 0 ii Kalk niohtgetödt e t. Man verwendet ihn als Pulver, dicke Kalkmilch (1 : 2) und dünne Kalkmilch (1 : 20), erstere zu Kalkanstrichen, letztere zum Abschwemmen des Pussbodens, sowie als Zusatz zur Jauche. Ein einmaliger dünner Kalkanstrich (1 : 2*1) tödlet die Bacterien der Hühner cholera, ein dreimaliger (1 : 20) die llotzbacillen; ein einmaliger dicker Kalkanstrich (1 : 2) tödtet die Rothlaufbacillen, die Bacterien der Schweineseuche, die Milzbrandbacillen. Ty p husbacillen etc. Der Kalk verliert seine desinficir ende Eigenschaft sofort, wenn er sich mit Säuren bindet; kohlensaurer, phosphorsaurer, schwefelsaurer, salpetersaurer Kalk ist unwirksam. Der Kalk muss ferner den zu desinficirenden Flüssigkeiten (Jauche) immer in grössern Mengen bis zur stark alkalischen Reaction zugesetzt werden, weil er unter Umständen das Wachsthum der Mikroorganismen befördert, wenn er nämlich die Reaction einer sauren Flüssigkeit neutral oder nur schwach alkalisch macht.
Der gebrannte Kalk wird ausserdem trocken* oder'in Pasten-form als Aetzmittel gegen Strahlkrebs, Geschwüre. Carcinome, Neubildungen etc. angewandt (früher am häufigsten mit gleichen Theilen Aetzkali als Wiener Aetzpaste). Endlich dient er als Zusatz zu
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
414nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kalkwasscr.
Hitudcbiidern. Er kann auch zum Vortreiben des Ungeziefers beim Geflügel in gepulvertem Zustande ins Gefieder eingestreut werden. Innerlich wird der Aetzkalk nicht angewandt.
2) Das Kalkwasser hat auf Schleimhäute und Geschwüre eine adstringirendc, secretionsmindorndo Wirkung. Ausserdom löst es fibrinöse Membranen, macht innerlich gegeben den Harn alkalisch und neutralisirt resp. absorbirt die im Digestionsapparate vorhandenen Säuren (Gifte, Milchsäure, Kohlensäure), Es dient äusserlicli als austrocknendes Mittel bei Hautverbrennungen, nässenden Ekzemen, Hautgesohwüren, indem es mit dem quot;Wund-secrete eine trockene, schützende Decke von Kalkalbuminat und Kalkseifen bildet; in ähnlicher Weise wird es äusserlich zu Inhalationen gegen Katarrh der Respirationsschleimhaut sowie zur Auflösung croupöser Membranen angewandt. Innerlich wird es als Stypticum gegen die Diarrhöe namentlich der Säuglinge (mit gleichen Theilen Milch), gegen Ruhr und Darmgeschwüre gegeben, auf welch letzteren es eine schützende Kalkhülle bildet. Sodann ist es eines der besten Antidote gegen Säur ever giftungen, speciell gegen Oxalsäurevergiftung, und wird wohl auch als gasbindendes, absorbirendes Mittel beim acuten Aufblähen der Wiederkäuer benutzt. Endlich wird es innerlich gegen liachitis und Osteoma-lacie als Plasticum, sowie beim Fleischfresser gegen Säuresedimente in den Harnwegen gegeben.
Dosis des Kalkwassers.
Pferde und Kinder 12 Liter.
Kälber, Schafe und Schweine 'i ll2 Liter.
Hunde 1 Esslöffel.
K atze n und Geflügel 1 Theelöffel.
Recepte.
1)nbsp; J{p. Aqu. Caloariae
01. Lini ää 100,0. M. D. iS. Vor dem Gebrauche um/uschüttehi. Stabl'sclio Brandsalbe,
2)nbsp; Kp. Caloariae ustae
Pic. liquid, üi 200,0. M. D. Slaquo; Aeusserlicli gojieu Strahlkrebs.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Caloiuro oarbonioum.
|
415
|
||
|
|
|||
|
Galolam cavbonlounii Kohlensaurer Kalk.
OaCOg.
Pharmaceutische Chemie. Das in Deutschland allein offloinelle Calcium carbonicum praecipitatum bildet ein weisaes, mikrokry-stullinisclies, in Wasser fast unlösliches Pulver, welcli(gt;K sicli in Essigsäure unter Aufbrausen zu einer Flüssigkeit löst, die mit Ammoniuraoxalat einen weissen Niederschlag gibt. Es wird dargestellt durch üeberführen des natürlich vorkommenden Cal-ciumearhonats mittelst Salzsäure in Chlorcalciura und Ausfällen mittelt Sodalösung.
In der Natur ist der kohlensaure Kalk ausserordentlicb verbreitet. Er kommt vor amorph als Kreide (Kalksclmlen niederster Tliiere), Muschelkalk und Kalkstein, körnig krystallinisch als Marmor, in Hhomlioedern krystallisirt als Kalkspath, in rhombischen Säulen als Arragonit, in Form von Ablagerungen aus kalkhaltigen Gewässern als Tropfstein, Kalk tu ff, Kalk sinter, Oolithen-külk. Mit Thon gemischt bildet er den Mergel. Sodann findet er sieh als Eestandthe.il des thicrischen Organismus in den Eierschalen, Schneckenschalen, Austernschalen, Korallen, in den Sepiasteinen, Krebssteinen, in den Knochen und Zähnen (Haupt-bestandtheil ist hier jedoch der phosphorsaure Kalk), im Pflanzenfresserharn, in Speichelsteinen, Harnsteinen, Tuberkeln etc.
Aeltere Präparate des kohlensauren Kalkes waren: Or et a alba = Calcium carbonicum cruduin, Kreide (in Oesterreich ofliciuell); Concbae praeparatae, gemahlene Austernschalen; Testae ovorum, Eierschalen; Ossa Sepiae, Knochenschuppen des Tintenfisches (8epia officinalis); Lapides cancrorum, Kalkconcremente am Magen des Fluss-krebses: Lapides Spongiarum, Kalkconcremente der Badeschwämme, Corallia rubra, zerstossene Korallen. In Oesterreich ist ausserdem officinell das durch Fällung aus salpetersaurem Kalke dargestellte chemisch durchaus reine Calcium carbonicum pur um.
Wirkung und Anwendung. 1) Der kohlensaure Kalk dient als Plasticum bei allen auf Kalkmangel beruhenden Krankheiten, namentlich bei der Rachitis und Ostcomalacie, sowie bei der Lecksucbt. Ausserdem gibt man ihn bei Eracturen und Lungentuberkulose zur Beschleunigung der Verkalkung sowie bei abnorm weichen Eierschalen des Geflügels. Wichtiger für die erstgenannten Krankheiten ist der phosphorsaure Kalk.
2) Er ist ein Stypticum bei chronischen Durchfällen und
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
416
|
Fhosphorsaurer Knlk.
|
||
|
|
|||
|
Darmgeschwüren, indem er auf letzteren mit den Fetten des Darminhaltes eine schützende Decke von Kalkseifen hildet,
:)) Er wird gegen abnorme Säuerung im Verdauungs-apparato sowie gegen Sänrointoxicationen angewandt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind '2.quot;)50.0.
Pferd 1025,0.
Schaf, Ziege und Schwein 510,0. Hund 0,52,0. Katze 0,2-0,5. Geflügel 0,51,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Calc. carbon, orad.
Calc. phosphor, orud, ää 100,0. Kalii bicarboii. Pulv. Fruct. Foenio. ää 50,0. M. D. S. Auf jedes Patter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Rachitis.
2)nbsp; Rp. Cretae albae
Natrii chlorati crud. ää 150,0. Pulv. Had. Grontiai]. Pulv. Fruct. Anisi ää 50.0. M. D. 8, Auf jedes Putter 1 Esslöfl'el für ein Pferd mit Magen-darmkatarrh.
|
|||
|
|
|||
|
Calcium pliosphoricum. Pliosphorsaiiror Kalk.
CaHPOj 2H|iO.
Pharmaceutische Chemie. Dur pliosphorsaure Kalk bildet ein leichtes, weisses, krystallinisches, in Wasser unlösliches Pulver, welches in Salzsäure und Salpetersäure leicht löslich ist. Die salpetersaure Lösung gibt mit Silbernitrat nach vorsichtiger Neutralisirung mit verdünntem Ammoniak einen gelben Niederschlag von Silberphusphat, nach Versetzen mit viel Natriumacetat mit Amin oniumoxalat einen weissen Niederschlag von oxalsau rem Kalke. Der üfficinellc 2 basische phosphor saure Kalk wird dargestellt aus natürlichem kohlensaurem Kalk (Marmor, Kalkstein), welcher mit Salzsäure in Chlorcalcium übergeführt und durch Nutriumphosphat gefällt wird.
In der Natur kommt der phosphorsaure Kalk vor: 1) Als neutrales oder ^basisches Oalciumphosphat = Calciumtri-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
rhosphorsaurer Kalk.
|
417
|
||
|
|
|||
|
phosphat Oa8(P04)8 als Hauptbestaildtbeil der Knochen, Hörner, Zähne, Fischschuppen, des Elfenbeins etc., sowie tils Bestandtheil des Organoiweisses; ausserdem ist er in kleinen Mengen ein Bestandtheil der Ackererde und aller Pi'lanzen. Im Mineralreich findet er sich als Phosphorit oder Osteolith in grossen Lagern hei Limhurg a. d. Lahn, Amherg in Bayern, in Spanien, Frankreich, auf den Antillen (als Sombrcrit), ferner in Verbindung mit Fluorcalcium-chlorid als Apatit. Endlich ist er ein werthvoller Bestandtheil der bei der Entphosphorung des Eisens gebildeten Thomasscblacke.
2)nbsp; Als 2basisches Calciumphosphat = OaHPO, 2H20 findet er sich als Brushit im Gruano.
3)nbsp; nbsp;Als Ibasisches oder saures Calciumphosphat = üaH.ii(POt)2 kommt er als Hauptbestandtheil der Superphosphate, des aufgeschlossenen Guanos und des mit Schwefelsäure aufgeschlossenen Knochenmehls vor.
f Calcium phosphoricum crudum, r o h e s C a 1 e i u m p h o s p h a t, war früher von der Pharrnakopöe ebenfalls als officinell (für Veterinärzwecke) aufgenommen worden. Es gehören hierher die meist aus Sbasischem Calciumphosphat mit einigen Proeenten Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat und Fluoroaloium bestehenden Präparate: Ossa usta alha, weissge-brannte, gepulverte Knochen; Ebur us turn album oder Spodium, weissgebranntes Elfenbein; CornuCervi ustum album, weissgebranntes Hirschhorn. Alle diese Präparate bilden weisse bis grauweisse Pulver, welche sich in Salzsäure unter schwachem Aufbrausen fast ganz lösen und sich mit H öllenst einl Osung Übergossen gelb färben. Da diese Präparate sämmtlich aus Triphosphat CWPO^j bestehen, welches äusserst schwer resorbirbar ist, so sind sie nicht als em p fehl ens-werth zu betrachten. Da andererseits der officinelle, chemisch reine 2basische phosphorsaure Kalk zu Fütterungszwecken zu theuer ist (D.P. 1 Kilo = 2 Mark), so empfiehlt sich in der Thierheilkunde die Verfütte-rung des sogenannten aufgeschlossenen Knochenmehls, welches in Folge der Behandlung des Triphosphats mit Schwefelsäure (oder Salzsäure) Ibasisches oder saures Calciumphosphat enthält, das leichter vom Verdauungsapparat resorbirt wird. Dieses aufgeschlossene Knochenmehl enthält, weil keine chemisch reine Schwefelsäure und Salzsäure verwandt wird, Spuren von Arsenik (0,020,2 0|o). So fand Fresenius (Zeitsohr, für analyt. Chemie 1889) in 25 Proben zwischen 0,028 und 0,17 quot;/o Arsenik. Diese Arsenikspuren schaden indessen nicht, da z. B. ein Ochse bei einer Tagesdosis von 50 g Knochenmehl täglich dann nur 0,010,1 g Arsenik aufnimmt, Gevvichtsmengen, welche auch bei anhaltender Verabreichung keine schädliche Wirkung ausüben können. Der Centner aufgeschlossenen Knochenmehls (phosphorsanrer Kalk für Futterzweckequot;) kostet im Handel nur etwa 10 Mark, das Kilo demnach nur 20 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Die physiologische Bedeutung des Calciumphosphats. Da der phosphorsaure Kalk der Hauptbestandtheil der Knochen und
|
|||
|
|
|||
|
Fröluicr, ArzneimittelleliiT, 4, Aull.
|
27
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rhospliursaurcT Kalk.
Zähne ist, wclcho über '/a ihres Gewichtes an Triphospluit enthalten, und da er ausserdem einen unentl)o]irliehen Eestandtlieil des organi-sirten Körpereiweisses bildet, so ist derselbe einer der wichtigsten Nährstoffe für den thierisehen Organismus und zwar speciell ein Plasticum für das Knochengerüste. Der phosphorsaure Kalk vermittelt durch seine Verbindung mit der Leimsubstanz des Knochens die Festigkeit des letzteren.
Das im Körper in den Knochen abgelagerte (Jalciumphosphat stammt in erster Linie von dem pbosphorsauren Kalke der Nahrung ab. Die einzelnen Nahrungsmittel und Futterstoffe enthalten verschiedene Mengen, deren Kenntniss namentlich in diätetischer Beziehung sehr wichtig ist. In 1000 Gewichtstlieilon der nachfolgenden wichtigsten Futtermittel sind enthalten:
I.nbsp; nbsp;Körner und deren Rllokstände,
Kalk. Phusphorsiiuiv.
Mais.........nbsp; nbsp; nbsp; 0,14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5,5
Gerste........nbsp; nbsp; nbsp; 0,-10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,0
Roggen........nbsp; nbsp; nbsp; 0,40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9,8
Weizen........nbsp; nbsp; nbsp; 0,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9,8
Hafer........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7,0
Enthülster Hafer ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,8
Bohnen........nbsp; nbsp; nbsp; 1,38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11,1
Erbsen........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,1
Wicken........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,8
Feuchte Bierträber.....1,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4,3
Lufttrockene Bierträber . .nbsp; nbsp; nbsp; 4,00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,6
Kleie........nbsp; nbsp; nbsp; 2,25nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,0
Rapskuchen......nbsp; nbsp; nbsp; 4,90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18,0
Leinkuchen......nbsp; nbsp; nbsp; 4,90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20,0
II.nbsp; nbsp;Knollen und Wurzeln.
Kartoffeln.......nbsp; nbsp; nbsp; 0,1(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,0
Runkelrüben......nbsp; nbsp; nbsp; 0,54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5
Weisse Rüben.....nbsp; nbsp; nbsp; 0,78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,8
Gelbe Rüben......nbsp; nbsp; nbsp; 0,79nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,8
HL Grünfutter.
Spörgel........2,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,8
Rothklee.......3,45nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,9
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Phosplinrsaurer Kalk.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;419
IV.nbsp; nbsp;Heu.
Kalk.nbsp; nbsp; nbsp; Phosphorstture.
Wiesenheu......10,01nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8,8
Esparsettheu......10,80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4,0
Rothkleeheu......18,08nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4,0
Weisskleeheu......20,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,8
V.nbsp; nbsp;Stroll.
Gerstenstroh......nbsp; nbsp; nbsp; 2,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,4
Weizenstruli......nbsp; nbsp; nbsp; 3,10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,5
Roggenstroh......nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0
Haferstroh.......nbsp; nbsp; nbsp; 4,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,9
Bohnenstroh......nbsp; nbsp; nbsp;12,00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4.1
Erbsenstroh......nbsp; nbsp; 25,10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0
VI.nbsp; Milch ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l,7i)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,2
Ein anderer Theil des Oalciumphosphats der Knochen wird im Körper erst gebildet und zwar aus dorn kohlensauren Kalk und phosphorsauren Kali resp, Natron der Nahrung, wahrscheinlich auch zum Theil aus der bei der Zersetzung des Lecithins im Körper gebildeten Phosphorsäure. Mangel an Oaloiumphosphat führt, wie die Fütterungsversuche mit kalkarmer Nahrung von Roloff und Voit bewiesen haben, zu Erkrankungen des Skelets, zu Rachitis und Osteomalaoie; beide Krankheiten sind als Kalkinanition aufzufassen. Daraus ergibt sich die grosse Bedeutung des phosphorsauren Kalkes vom pathologischen Standpunkte aus. Umgekehrt fördern fortgesetzte kleine Zugaben von Oaloiumphosphat sowohl das Knochenwachs-thum, wie das allgemeine Gedeihen der Thiere, namentlich aber dasjenige trächtiger und säugender Thiere. Die Aufnahme des verabreichten Oalciumphosphates, welches in Wasser unlöslich ist, erfolgt in der Weise, class es hei gleichzeitig vorhandener Kohlensäure, sowie in einer Lösung von Kochsalz und sauren phosphorsauren Salzen zum Theil gelöst wird. Ausserdem wird angenommen, dass es auch durch eine mit dem Körperciwoiss eingegangene chemische Verbindung löslich gemacht wird.
|
||
|
|
||
|
Anwendung. 1) Als Speciticum hei Rachitis und Osteomalaoie, sowie zur Beschleunigung der Oallusbildnng bei Fracturen; am besten in der Form des aufgeschlossenenquot; Knochenmehls.
2) Gegen Lecksucht, chronische Ernährungsstörungen,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
|
420nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magnesia usta.
Abmagerung, Anämie, abnorme Säuerung im Magendarm-kanal etc.
8) Als Diäteticum für trächtige Thicre und Säuglinge, als Plastic um in der Greflügelzucht sowie als Zusatz zu kalkarmem Futter. Die Art der Anwendung besteht einfach in der Beimengung zum Futter.
Dosis des aufgeschlossenen Knochenmehls:
Rinder 25 50,0.
Pferde 1025,0.
Kälber, Fohlen, Schafe, Ziegen,
Schweine 515,0.
Hunde 0,55,0.
Katzen 0,52,0.
Hühner 1-5,0.
Tauben 0,51,0.
f Calcium chloratum. Das C h 1 o r c a 1 o i u m (OaOlj) wird neuerdings als Antiseiiticum gerühmt und mit gepulvertem Torf gemischt unter dem Namen Inolin' in den Handel gebracht. Ausserdom wird es ebenso^ wie Calcium bromatiim und jodatum als leicht resorbirbares Calcium-prftparat an Stelle der officinellen, schwer resorbirbaren Kalksalze empfohlen.
|
||
|
|
|||
|
Magnesia usta. Gebrannte Magnesia.
MgO.
Pharmaceutische Chemie. Die gebrannte Magnesia (Magnesium oxydatum, Talkerde) ist Magnesiumoxyd, MgO, welches durch Glühen der kohlensauren Magnesia dargestellt wird nach der Formel: Mg008 = MgO OOa. Sie bildet ein sehr leichtes (5iual leichter als Zucker), weisses, feines, lockeres, in Wasser unlösliches Pulver (es löst sich erst 1 : 55368 Wasser), das sich in Wasser allmählich in Magnesiumhydrat, Mg(OH)g, umwandelt und dann dem Wasser eine schwache alkalische Reaction verleiht. An der Luft geht das Magnesiumoxyd in Folge Absorption der Kohlensäure bald in Mügncsiumcarbonat über. In verdünnten Säuron löst sich die gebrannte Magnesia leicht; die verdünnte schwefelsaure Lösung gibt übersättigt mit Chlorammonium und Ammoniak mit Natriumphosphat einen weissen krystallini-schen Niederschlag von phosphorsaurer Ammoniak magnesia (Magnesiumreaction).
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Gebrannte Magnesia.
|
421
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. 1) Die gebrannte Magnesia ist wegen ihres bedeutenden Absorptionsvermögens für Kohlensäure lg absorbirt 1091 ccm Kohlensäure ein Mittel gegen acutes Aufblähen beim Rinde, wofern dasselbe durch Kohlensäure hervorgerufen wird (ineist sind es jedoch vorwiegend Kohlemvasser-stotte).
2)nbsp; Als basischer Körper neutralisirt sie ferner überschüssige Magen säuren (Dyspepsia ab aoido; Pyrosis) und dient als wichtigstes Antidot gegen Säurovergiftungen.
3)nbsp; nbsp;triftige Metallsalze (Quecksilber, Kupfer, Zink, Blei) werden durch die gebrannte Magnesia als unlösliche Hydroxyde resp. Oxyde ausgefällt. Es verbindet sich namentlich auch der Arsenik mit Magnesia usta im Magen und Darm zu einem weniger leicht löslichen Salze = Mg^AsOj),. Vergl. Antidotum Arsenici S. 807.
4)nbsp; In grösseren (öfachen der gewöhnlichen) oder wiederholten kleineren Dosen wirkt Magnesiumoxyd als Abführmittel. Auch aus diesem Grunde ist es das beste Antidot für die genannten Vergütungen.
5)nbsp; Aeusserlich hat das Magnesiumoxyd eine austrocknende Wirkung, weshalb es als Streupulver ähnlich wie Talcum (kieselsaure Magnesia) gegen nässende Ekzeme, Intertrigo etc. angewandt wird.
ö) Die desinficirende Kraft der Magnesia usta ist wegen der Unlöslicbkeit in Wasser eine geringe (nicht zu verwechseln mit der Kohlensäure absorbirenden). In Pferdestallungen ist sie ausserdem als Desinfectionsmittel nicht zu gebrauchen, weil sie, wenn auch in geringen Mengen aufgenommen, der Bildung von Darmsteinen (phosphorsaure Ammoniakmagnesia) Vorschub leistet.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 10-
|
25,0.
|
|||
|
|
||||
|
Kälber, Fohlen, Schafe, Ziegen 510,0. Schweine 25,0. Hunde 0,21,0. Katzen und Geflügel 0,10,2.
Reoepte,
1) Rp. Magriesiao ustae
Pulv. Rhiz. Veratri ää 20,0. M. D. S. Mit 1 Flasche Branntwein einzuschütten für ein Rind mit acutem Anfhläheii.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
422
|
Kohlensaure Magnesia.
|
|||
|
|
||||
|
|
2) Bpi Maguesiae ustao 30,0.
Infiis, VUn: Chamomill. 25,0 : 250,0. Mlt; D. y. Sohüttelmixtur. Stiimllicli 1 Esslöffel für ein Kali) mit al)-iionner Samp;uregährung im Magen. I!) Up. Magnesiae ustae
C'alcii oarbonioi iüi 1,0. I\I. f. I'nlv. I). tal. dös. Nr. VI, S. ViertelstUudlioh 1 Pulver für einen Hund mit .Siiurevergil'tung. 4) Rp. Magnesiae ustae Lykopodil iüi 10,0. M, D. S. Streupulver gegen Intertrigo.
|
|||
|
|
||||
|
Magnesium carbonlcum. Eolileusaure Magnesia!
4 MgCO;1 Mg{011).2 -|- 6 H.^O.
Pharmaceutische Chemie. JJic kohlensaure Magnesia (Magnesia alba, weisso Magnesia) l)il(let sein- leichte, wcisse, loso zusammenhängende und leicht zerreibliohe, parallelepipedische Massen, oder ein lockeres, weisses Pulver ((iiual leichter als Zucker), das in Wasser fast unlöslich ist (1 ; 2500 kaltem, 1:9000 heissem), demselben jedoch schwach alkalische Reaction verleiht. Es löst sich in verdünnter Schwefelsäure (und anderen Säuren) unter Aufbrausen zu einer farblosen Flüssigkeit, welche mit Ammoniak übersättigt nach Zusatz von Chlorammonium und wenig Natriumphosphat einen vveissen krystallinischen Niederschlag von phosphorsaurer Ammoniakmagnesia gibt (Magnesiumreaction). Chemisch ist das Präparat als basisches Magnesiumcarbonat aufzufassen. Die kohlensaure Magnesia wird dargestellt;
a.nbsp; nbsp;Aus Dolomit (Mg008 -|- OaOOH) nach dem Verfahren von Pattinson, wobei der Dolomit so geglüht wird, dass nur die kohlensaure Magnesia (MgCO.,) ihre Kohlensäure abgibt und zu MgO wird, worauf sie unter Behandlung mit Kohlensäure sich in basisches Magnesiumcarbonat um wandelt.
b.nbsp; nbsp;Durch Ausfällen einer heissen Bittersalzlösung mit Soda. In der Natur findet sich Magnesiumcarbonat in neutraler Form
als Bitterspath, Talkspath oder Magnesits path, ferner in grössoren Lagen als Magnesit. In Verbindung mit Calcium-carbonat bildet es den Dolomit, den Bestandtheil mächtiger Gebirge = MgCO., -f OaCOg. Das offlcinelle basische Magnesiumcarbonat findet sich als Hydromagnesit am Vesuv. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Kohlensaure Mamiesia.
|
423
|
||
|
|
|||
|
Pulvis Magnesiae cum Rheo (Pul vis antacid us, Pul vis infan-tum, Ribke's Kinderpulver) ist eine Mischung von Magnesium carbon icum (\2 Theile), Rhabarber (3 Theile) und Elaeosaccharum Poeniculi (8 Theile). Es bildet ein trockenes, anfangs gelbliches, später röthlichweisses, nach Fenchelöl riechendes Pulver. Dosis für säugende Katzen und Hunde: 0,10,5g (messerspitzenweise), Ferkel und Lämmer 25,0, Kälber und Fohlen 5-10,0. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Magnesium citricum effervescens, Brausemagnesia, eine Mischung von Magnesiunicarbon at, Natriumbicarbonat, Cltronensäuro und Zucker. Ein weisses, grobkörniges, zu Brauselimonaden dienendes Pulver. Ausserdem sind von nicht officineilen Magnesiumpräparaten im Gebrauche: Magnesium aoetioum, tartaricum, citricum (in Oester-reich officinell), benzoieum, salicylieum, borocitricum, chloratum, bromatum, lacticum, nitricum, phosphoricum, ricinicum etc.
Wirkung und Anwendung. Die kohlensaure Magnesia wirkt als basisches Salz neutralisirend auf Säuren im Verdauungsapparate, wenn auch nicht so stark wie die gebrannte Magnesia. Man gibt sie daher als Antacidum hei abnormen Säuerungs- und Gährungsprocessen (Milchsäuregährung) im Magen und Darme, sowie als Antidot hei Vergiftungen mit Säuren. Arsenik und Metallsalzen. Q-rosse Dosen wirken abführend,
|
|||
|
|
|||
|
Dosis = Magnesia usta:
Pferd und Bind 1025,0. Kälber, Schafe 510.0. Schweine 25,0. Hunde 0.20,1. Katzen und Gleflügel 0,1
|
0,2.
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Kp. Magnesiae carbon.
Pulv. Rliiz. Calami ää 15,0. Xatrii chlorati crudi 50,0. M. D. 8. Auf 2mal für ein Pferd mit Magenkatarrh.
2)nbsp; Rp, Magnesiae carbon. 5,0.
Opii pulverat. 2,0. Pulv. gummos. 10,0. M, D. 8, .lo die Hälfte mit 1 Tasse Camillentliec einzuschütten für ein Kalb mit Ruhr.
8) Rp. Magnesiae carbon.
Sacchar. Lact. aa 1.0. M. 1). tal. dos. Nr. V. S. Sstündlicli 1 Pulver für einen Hund mit Magendarmkatarrh.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
424nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Magnesium sulfuricum.
4) Rp. Pulv. Magncsiae cum Rlieo 10,0. M. D. 8. Stündlich 1 Messerspitze voll mit 1 Löffel Milch für saugende Hunde (Katzen) mit Breclidurchfall.
|
||
|
|
||
|
lUagnesium sulfuricum. Bittersalz.
MgS04 7II.A
Pharmaceutische Chemie. Das Bittersalz (schwefelsaure Magnesia, Magncsiumsulfat, Sal amarum, Sal anglicum) bildet kleine, farblose, prismatische Nadeln von bitterem, salzigem Grescbmacke, welcbe an der Luft langsam verwittern, beim Kauen knirschen (Unterschied vom Glaubersalz) und in gleichen Theilen Wasser löslich sind. Die wässerige Lösung gibt mit Natriumphosphat bei Gegenwart von Chlorammonium und Ammoniak einen weissen krystallinischen Niederschlag von phosphor-sau rer Amm oni ak m agn e sia (Magnesiumreaction), mit B aryum-nitrat einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt (Sulfat-reaction). Die Darstellung des Bittersalzes ist eine verschiedene:
a.nbsp; Aus Kieserit (MgSO, -|- H20); dieses in den Abraumsalzen des Stassfurter Steinsalzlagers enthaltene Magnesiumsalz nimmt bei längerem Liegen an feuchter Luft oder beim Kochen mit Wasser noch 6H,0 auf:
MgSO, H20 6H2Ü = MgSO, -j- 7H20.
Kieseritnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bittersalz
b.nbsp; Aus der Mutterlauge Chlor magnesium enthaltender Salz-soolen durch Zusatz von seh wef els a urem Natron und Abdampfen:
MgClj S(3,Naä 7 H/) = MgS04 -f 7 HaO 2 CINa.
c.nbsp; Aus dem Dolomit (MgOOg CaCOj) oder Magnesit (MgCO.,) durch Behandeln mit Schwefelsäure.
d.nbsp; nbsp;Aus den Bitterwässern (Hunyadi Janos, Friedrichshall, Kissingen, Saidschütz, Sedlitz, Püllna, Espom), welche 120/o Bittersalz enthalten. Ausser im Kieserit und in den Bitterwässern findet sich in der Natur Magnesiumsulfat auch noch als Beichardtit (MgSO, 711,0) im Stassfurter Abrauinsalz, ferner im Ka'init (MgSO., -f-MgOlj Sb1K2 GH20),imPolyhalit(MgSO, CaSO, K,S01 2H20), im Schönit (MgSO, 1^0, 8HsO) und Astracanit (MgSO, Na2S0, 4H;!0). Endlich ist das Bittersalz ein constanter Bestand-theil des Meerwassers (0,3n;o). A.P. 200,0 = 15 Pfennig.
Magnesium sulfuricum siecum, getrocknetes Bittersalz, ist Bittersalz, welchem durch Erhitzen im Wasserbade 5 Krystallwasser ent-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Magnesium sulfuricum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 425
zogen sind (Clewichtsverlust = '/j), das demnach die Formel MgSO^ ^H^O besitzt. Es bildet ein feines, lockeres, weisses Pulver, welches in gut verschlossenen Glasern aufzubewahren ist, da es sich an der Luft unter Wiederaufnahme von SH.^O in Bittersalz umwandelt. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Bittersalz wirkt wie das Glaubersalz durch Diosmose von Flüssigkeit in das Darmlumcn, sowie in Folge directer Erregung der Darmperistaltik abführend und wird daher als mildes Laxans in denselhen Krankheitsfällen angewandt wie das Glaubersalz (Kolik, Verstopfung, Ueberfütterung, zur Ableitung auf den Darmkanal). Die von verschiedenen Seiten empfohlene Anwendung des Bittorwassers (Hunyadi Janos) ist für die Zwecke der Thierheilkundc theils zu umständlich, theils zu theuer.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rinder 5001000,0.
Pferde 250500,0. Schafe, Ziegen 50100,0. Schweine 2550,0, Hunde 10-25,0. Katzen 2-5,0. Geflügel 12,0.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
|
|||
|
|
|||
|
]). S.
|
1)nbsp; nbsp;Rp. Magnesiae sulfur. 500,0.
Pulv. Rad. Licjuirit. 50,0. Pulv. Rad. Althaeae 200,0. Aqu. coinmun. cju. s. f. Eloctuar. Koliklatwergo für ein Pferd.
2)nbsp; Rp. Magnesiae sulfur. 1000,0.
Aloes pulv. 50,0. 8. Mit 1 Flasche Leinsamenabkochung auf Imal einzuschütten #9632; ein Rind mit Verstopfung.
|
||
|
M. D.
für
|
|||
|
|
|||
|
3)nbsp; Rp. Magnesiae sulfur. 30,0.
Mcllis 50,0. M. D. S. Abfiihrlatwergo für ein Schwein.
4)nbsp; Rp. Magnesiae sulfur. 15,0.
Aqu. destill. 150,0. Succ. Junip. inspiss. 20,0. M. D. S, Auf 2mal einzuschütten für einen Hund mit Verstopfung.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
426
|
Salmiakareist,
|
||
|
|
|||
|
liiquor Aiuinonii caustiei. Salminkgeist.
10% NH3 in HjO.
Pharmaceutische Chemie. Der Salmiakgeist (Ammonia, Ammoniak) bildet eine klare, farblose, stechend riechende, flüchtige, dieHaut ätzende, brennend urinös schmeckende und stark alkalisch reagirende Flüssigkeit, welche bei Annäherung von Salzsäure dichte weisse Nebel bildet (Einführen eines mit Salzsäure befeuchteten Glasstabes über die Flüssigkeit). Sie enthält 100/o Ammoniak (NH8) und hat ein specitischos Gewicht von 0,960. Der Salmiakgeist, welcher in Oesterreich unter dem Namen Ammonia ofticinell ist, wird dargestellt aus gleichen Theilen Salmiak, Kalkhydrat und Wasser durch Erhitzen in eisernen Cylindern nach der Formel: 2KH4Cl Ga(OH)., = 2NH. CaCl., 2H90.
Liquor Ammonii anisatus ist eine Mischung von A m m o n i a k
(5 Theile), Weingeist (24 Theile) und Anisül (1 Theil) und bildet eine klare, gelbe Flüssigkeit, welche als Excitans und Expectorans in der Hundepraxis tropfenweise gegeben wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Linimentum ammoniatum, Lini mentum volatile, flüchtiges Liniment, ist eine Mischung von Ammoniak in Oel (1 : 4), von weisser Farbe und dickflüssiger Consistenz mit dem charakteristischen Am-moniakgeruche. Es besteht aus Ammoniakseifen und freiem Ammoniak und wird nach dem deutschen Arzneibuch aus 1 Theil Ammoniak, 3 Theilen Olivenöl und 1 Theil Mohnöl dargestellt. Der Zusatz von Mohnöl bezweckt eine bessere, dichtere Consistenz. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Linimentum ammoniato-camphoratum, flüchtiges Campherlin i men t, ist eine Mischung von Ammoniak mit Camp hero 1 (1:4).
Wirkung. 1) Auf der Haut erzeugt der Salmiakgeist in con-centrirtem Zustande (1 ; 1 5) Aetzung unter Blasenbildung und Haarausfall; in schwächeren Lösungen (1 : 520) bewirkt er Hauthyperämie, verdünnt (15 0/o) löst er die Epidermis auf. Diese Wirkungen beruhen theils auf einer Lösung der Hornsubstanz in den Epidermiszellen, theils auf der Bildung von Ammoniakalbuminat und der Verseifung der Hautfette.
2) Auf Schleimhäuten wirkt er ebenfalls entzündungserregend und ätzend und zwar noch in einer Verdünnung von 1 :10. Deshalb ruft er innerlich in concentrirtem Zustande Stomatitis, Pharyngitis und Gastroenteritis und beim Einathmen croupöse
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Salmiakgeist.
|
427
|
||
|
|
|||
|
Laryngitis, Traulioitis, Bronchitis und Pneumonic hervor. Kleinere Gaben regen die Secretion der Verdaiuings- und Schleimdrüsen, sowie die Thätigkeit des Flimmerepithels an. ü) Als wichtigste Allgemeinwirkung sind bei grösseren Gahcn tetanische Muskelkrämpfe vom Charakter des Strychnintotanus mit hoohgesteigerter Reflexerregbarkeit hervorzuheben. Die Wirkung auf das Muskel- und Nervensystem ist demnach eine excitirende; dasselbe gilt für das Herz, den Circulationsapparat und das G-rossbirn.
4)nbsp; Als starke Base neutralisirt der Salmiakgeist im Magen und Darm überschüssige Säuremengen (Kohlensäure namentlich).
5)nbsp; Die Ausscheidung des Ammoniaks im Harn erfolgt als Harnstoff, welcher schon in der Leber gebildet wird.
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) InnerUch als Excitans bei allen Schwächezuständen (mit der 50lOOfachen Menge kalten Wassers oder einer kalten schleimigen Abkochung); er wird jedoch wegen des stechenden Geruches und der nicht ungefährlichen Application selten benützt.
2)nbsp; Innerlich als St omachic um und Ab sorb ens beim acuten Aufblähen des Rindes (1030 g im 50lOOfachen des kalten Wassers gelöst); Nutzen fraglich, Anwendung nicht ungefährlich.
3)nbsp; Als Expeotorans in der Form des Liquor Ammonii anisatus bei Bronohialkatarrhen, Lungenentzündung, Staupe; jedoch nur bei kleineren Hausthieren. Es wirkt hier gleichzeitig auch als Excitans.
4)nbsp; Aeusserlich als Aetzmittelgegen Zungenaktinomykom, Strahlkrebs, Papillome, zur Einspritzung in Speichelfisteln etc., sowie in der Form des Linimentum ammoniatum (volatile) zu scharfen Einreibungen bei chronischen Rheumatismen, Arthriten. Drüsenentzündungen, Sehnenentzündungen etc. Die zuerst ausfallenden Haare wachsen später wieder nach. Endlich in stärkeren Verdünnungen als antiseptisches und zertheilendes Mittel bei Schlangenbissen und Insektenstichen, chronischen Hautentzündungen, Muskelrbeumatis-men, Anschwellungen der Extremitäten etc. undalsHautrubefaciens in Verbindung mit anderen Mitteln (sogenannte Restitutionslluide). Die antiseptische Wirkung des Salmiakgeistes ist 8mal schwächer als die der Kalilauge, mithin sehr schwach. Das Wutligift wird beispielsweise erst nach 10 Minuten langer Einwirkung getödtet. Seine Dämpfe sollen sporenfreie Milzbrandculturen nach 85 Stunden, sporenhaltigeFäden nach :i S Stunden unwirksam machen (v. Rigler).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
428nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Annnoniuiu uarbonicum.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 1030,0.
Pferd 816,0.
Schaf, Schwein 1-2,0.
Hund 25 Tropfen.
Katze und Geflügel 12 Tropfen. (Dosis des Liquor Ammonii anisatus für Hunde 6 bis 10 Tropfen, für Katzen 25 Tropfen,)
Recepte.
1)nbsp; Rp. Liquor. Ammonii caust. 20,0.
M. D. S. Mit 1 Flasche kaltem Wasser gut gemischt einzuschütten für ein Rind mit acutem Aufblähen.
2)nbsp; Rp. Liquor. Ammonii anisati 5,0.
Vini rubri 100,0. M. D. S. Sstümllich 1 Essloffcl (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Staupe.
3)nbsp; Rp. Decoct. Rad. Sencgac 10,0 : 150,0.
Liquor. Ammon. anisat. 5,0. M. D. S. ostündlich 1 Esslöffel für einen Hund mit chronischem Bron-ohialkatarrh.
4)nbsp; Rp. Linimenti ammoniati 250,0.
01. Terebinth. 50,0. M. D. S. Acusserlich zum Einreiben gegen Sclmlterrheumatismus bei einem Pferde.
5)nbsp; Rp. Liquor. Ammonii caust.
Spiritus camphor.
Spiritus aotherei iiä 50,0.
Spiritus dilut. 500,0. M. D. S. Restitutiousfluid.
(!) Rp. Liquor. Ammon. caust.
Tinct. Cantharid. ää 50,0.
Spiritus 200,0. M, D. S. Soharfe Einreibung für ein Pferd.
|
||
|
|
||
|
Ammonium earbonicum. Kolilcusaurcs Ammoniak.
008H(NH4) C'O . XH.2. OXHj.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Ammoniak (Am-moniumearbonat, flüchtiges Laugensalz, Sal volatile siecum, gereinigtes Hirschhornsalz, Sal Cornu Corvi dejjuratum) bildet farblose, weisslich bestäubte, dichte, harte, durchscheinende, faserig-krystallinische Massen von stark ain-inoniakalischem Gerüche, welche mit Säuren aufbrausen, beim
|
||
|
|
||
|
1
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Ammonium carboiucum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;429
Erhitzen flüchtig sind, einen laugenartigen Geschmack haben und sich in 5 Theilen Wasser langsam, aber vollständig lösen. Das an der Luft entweichende Gas ist carbaminsaures Ammonium = CO . NHg . ONH4, das zurückbleibende ist das geruchlose, schwerlösliche Ammoniumbicarbonat = CO,1H . NH,. Die Darstellung des kohlensauren Ammoniaks geschieht duroli Sublimation von schwefelsaurem oder salzsaurem Ammoniak mit kohlensaurem Kalk. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Ammonium carbonicum pyro-oleosum, Hirschhornsalz (Sal Cornu Cervi), wurde früher durch trockene Destillation thiorischer Stoffe (Hirsch-horn, Hörner anderer Thiere, Knochen, Klauen, Hufe etc.) gewonnen. Es ist ein Gemenge von Ammonium carbonicum und Oleuni animale foetidum, als Arzneimittel jedoch vollkommen überflüssig. Wo es gewünscht wird, stellt man es durch Zusammenreiben von 1 Theil stinkendem Thieröl und 82 Theilen Animoniumcarbonat dar. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das kohlensaure Ammonium stimmt in seiner Wirkung im Allgemeinen mit dem Salmiakgeist überein; es ist jedoch wesentlich milder. Man benutzt das Salz, welches im Körper freies Ammoniak entwickelt, nur innerlich und zwar womöglich in Pillenform oder in viel Wasser gelöst:
1)nbsp; Als Excitans in allen Schwächezuständen zur Belebung der Gehirn- und Hcrzthätigkeit, so namentlich im Verlaufe schwerer In-fectionskrankheiten, nach starken Blutverlusten, bei narkotischen Vergiftungen, bei Collaps, sowie bei Parese des Pansens und Darmkanals (Aufblähung, Kolik); endlich angeblich als Speciticum gegen Schlangenbisse und Insektenstiche.
2)nbsp; Als reizendes Expect orans bei chronischen Bronchial-katarrhen mit Erschlaffung der Schleimhaut, sowie im dritten Stadium der Pneumonie.
3)nbsp; Als Diureticum und Diaphoreticum. Grosse Gaben wirken giftig und selbst tödtlich durch Gastroenteritis und tetanusartige Krämpfe; Hunde sterben so auf 10 g innerhalb 12 Minuten (Orfila). Dagegen ertragen Pferde und Rinder G0 g ohne üble Polgen (Hertwig).
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind 2050,0.
Pferd 1025,0. Schafe, Schweine 25,0. Hunde 0,21,0. Katzen und Geflügel 0.1 0,5.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
4oünbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ammonium chloratum.
Recepte.
1) Kp. Ammmiii oarbon.
l'ulv. üliiz. Veratri ää 20,0. AI. D. S. Mit 1 Flasche Leinsamenabkoohung einzusohütten für ein
Rind mit iicutem Aiil'l)liili('ii.
#9632;2) Bp. Infus, Rad. Ipeoaouanhae '20,0:260,0. Ammonii carbonici 5,0. Succi Liquirit, 20,0. M. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen k''0880'1 (kleinen) H u n il mit Staupe.
Auiiuoiiiiiiii diloraluiii. Siilmiiik.
NH4OI.
Pharmaceutische Chemie. Der Salmiak bildet weisse, harte, färb- und geruchlose, faserig-krystallinische Kuchen, reap, ein weisses Pulver von stechendem, scharfem Geschmacke; er ist beim Erhitzen flüchtig und löst sich in 3 Theilen kaltem Wasser, während er in Weingeist fast unlöslich ist. Seine Lösung gibt mit Silbernitrat einen weissen. käsigen Niederschlag (Ohlor-reaction) und entwickelt, mit Natronlauge erwärmt, Ammoniak,
Die gebräuchlichste Darstellung des Salmiaks ist die aus den ammoniumhaltigen Nebenproducten der Gasfabrikation. In den Steinkohlen sind stickstofl'reiclie Körper als Ueberreste vorweltlicher Pflanzen enthalten, welche sich bei der trockenen [Destillation der Steinkohlen (Gasbereitung) in Ammonium Verbindungen umwandeln und im sogenannten Gaswasserquot; neben dem Theer als kohlensaures Cyan- und Sclnvel'elammonium enthalten sind. Wird das Gaswasser direct mit Salzsäure behandelt, so erhält man den Ilohsalmiak. Gewöhnlich wird aber der Salmiak nach vorhergehendem Ncutralisiren des Gaswassers durch Schwefelsäure, also aus schwefelsaurem Ammonium und Chlornatrium dargestellt:
804(NH4)a 2ClNa = 201NHd S04Na,.
Je nach der Darstellung unterscheidet man hiebei den subli-mirtenquot; und krystallisirtenquot; Salmiak, in ähnlicher Weise können auch kleine Mengen Salmiak als Nebenproducte bei der Knochcn-kolde- und Plutlaugensalzfabrikation dargestellt werden. Früher wurde Salmiak durch Verbrennen des Kameelmistes in Aegypten (Tempel des Jupiter Ammon in Lybien) und Sublimation des dabei entstellenden Husses gewonnen. Endlich kann man den Salmiak
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Ammonium ohloratuic
|
431
|
|||
|
|
||||
|
rein oheinisoh aus Ammoniak und Salzsäure darstellen; NH..-|-
|
||||
|
|
||||
|
C1H = C1NH4. A.P. 10.0
|
gt; Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
Ammonium chloratum ferratum, Eiseiisiilmiuk, wird dargestellt durch Eindampfen von Salmiak (82 Theile) mit Eis enohloridlösung (9 Theile). Er bildet ein rothgelbes, au der Luft feucht werdendes Pulver, welches die Wirkung des Salmiaks mit der des Eisens vereinigt.
Wirkung. 1) Der Salmiak ist ein Reizmittel für die Schleimhäute; er regt die Sclilcimsecretion an und steigert die Thiltig-keit des Flimmerepithels auf der Broncliialschleinduuit. Grössere Gaben oder länger fortgesetzte kleinere erzeugen Magen darm-katarrh.
2)nbsp; nbsp;Er vermehrt die Harnsecretion in Folge einer direoten Reizung der Nierenepithelien. Im Harne wird er als Harnstoff ausgeschieden.
3)nbsp; Die Allgemeinwirkung des Salmiaks ist die des Ammoniaks und kohlensauren Ammoniums. Audi der Salmiak erzeugt in giftigen Dosen Tetanus und psychische Erregungszustände.
Anwendung. 1) Als Expeotorans in den späteren Stadien von Bronohialkatarrh, Lungenentzündung, Druse, Staupe etc. Der Salmiak erregt die Plimmerbewegung, verflüssigt den angesammelten zähen Schleim und vermehrt die Secretion der Schleimdrüsen. Man gibt ihn innerlich in Pillen, Latwergen und in Lösung, am besten mit Liquiritia, seinem Geschmackscorrigens (nicht in Fresspulvern!); er kann indessen auch in der Form der Inhalation (1 20/oige Lösung) oder in Substanz über massiger Flamme erhitzt, sowie der intra-laryngealen Injection angewandt werden, Ausserdem wird der Salmiak, wenn auch seltener, gebraucht gegen Verschleimung der Magendarmschleimhaut, als Diuretioum und als liesolvens zur Lösung fester Exsudate (Alkaliwirkung).
2) Aeusserlioh dient er als erregendes, zertheilendcs Mittel gegen chronische Hautentzündung; Quetschungen etc., namentlich früher als Oxycratum simplex (Auflösung von Salmiak in Essig und Wasser) und Oxycratum compositum (das einfache Oxycrat und Spiritus camphoratus), sowie zu Kältemischungen (Sc ii m uck er'sclie Fomentationen).
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rinder 1025,0.
Pferde 815,0.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
482
|
Salmiak.
|
||
|
|
|||
|
Schafe, Schweine 25,0. Hunde 0,21,0. Katzen 0,10,3. Geflügel 0,050,2.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Ep. Ammonii chlorati 30,0.
Pulv. Sem. Foeuugraeoi Pulv. Fruct. Fooniouli ää 25,0. Pulv. Rad. Althaeae 100.0. Aqu. qu. s. f. Electuar. D. S. Auf 2mal für ein Pferd mit Bronchitis.
2)nbsp; Rp. Ammonii clilomti 50,0.
Tartar, stibiat. 10,0. Pulv. Rad. Liquirit. 150,0. M. f. Pulv. Divide in part, aequal. Nr. III. D. S. Täglich 1 Pulver mit 1 Flasche Leinsaraenabkochung für ein Rind mit Lungenkatarrh.
8) Rp. Ammonii chlorati 10,0. Natrii sulfurici 100,0. Pulv. Fruct. Anisi 25,0. M. f. Pulv. Divide in part, aequal. Nr. III. D. 8. Täglich 1 Pulver für ein Schaf (Kalb, Ziege) mit '/a Flasche Tjeinsameuabkoclumg gegen Bronchitis.
4) Rp. Ammonii chlorati 10,0.
Pulv. Rad. Liquirit. 50,0. Mellis qu, s. f. Elect. D. S. Täglich 2mal 1 Esslöffel für ein Schwein mit Katarrh der oberen Luftwege.
6) Rp. Ammonii chlorati 10,0. Succi Liquirit. 20,0. Aqu. destill. 800,0. M. D. S. Sstündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) H u n d mit Staupe.
6)nbsp; Rp. Ammonii chlorati 10,0.
Tartari stibiati 0,5. Succi Liquirit. 20,0. Aqu. destill. 300,0. M. D. S. SstUndlloh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit katarrhalischer Pneumonie; sog. Mixtura solvens.
7)nbsp; Rp. Ammonii chlorati' 2,0.
Natrii chlorati 5,0. Aqu. destill. 500,0. M. D. Si Trinkwasser für einen Papagei mit ßronchialkatarrh.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Lithiumsalze.
|
433
|
||
|
|
|||
|
8) Rp. Ammonii chlorati Natrii sulfunci Natrii bioarbon. aä 2,0. M. D. S. 1 Messerspitze ins Trinkwiisscr für einen Kanarienvogel gegen Heiserkeit.
Liquor Ammonii acetici. Das essigsaure Ammonium (Ammonium aceticum solutum, Spiritus Mindereri) wird dargestellt aus Ammoniak und verdünnter Essigsäure. Es bildet eine 15raquo;i'oige, klare, farblose, völlig tlüchtige, geruchlose, neutrale oder kaum saure Flüssigkeit von stechend salzigem Geschmacke, welche mit Eisenchloridlösung eine blutrot he Farbe (essigsaures Eisenoxyd; Acetatreaction) gibt und mit Natronlauge Ammoniak entwickelt. Das essigsaure Ammonium besitzt eine ausgesprochene schweisstreibende Wirkung, wie dies von Manne experimentell an Katzenpfoten nachgewiesen worden ist. Ausserdem hat es wie der Salmiak eine reizende, schleim-verfltissigende Wirkung auf die Schleimhaut des llespirationsapparates, weshalb es als E xpectorans angewandt werden kann. Aeusserlich eingerieben wirkt es leicht reizend auf die Haut. Grosse Dosen wirken giftig, indem sie Tetanus erzeugen (Ammoniakwirkung). Im Körper wird das Acetat zu Carbonat verbrannt. Das Präparat wird im Uebrigen nur sehr selten angewandt. Die Dosis ist die des Salmiaks. Von nicht officinell en Ammonitiksalzen sind zu nennen : Ammonium aceticum crystallisatum, Ammonium bicarbonicum, sulfuricum, nitricum, phosphoricum, nitricum, valerianicum, fluoratum, succinicum, benzoicum, salicylieum etc. Eine ausgesprochene Ammoniumwirkung besitzt auch das Trimethylamin = N(CH3);j, ein in der Häringslake enthaltenes Ptomain, welches in toxischen Gaben Krämpfe erzeugt und beim Menschen in Igrammigen Dosen gegen fieberhaften quot;Rheumatismus angewandt wurde, sowie das Guanidin = (XNH/^NH.
|
|||
|
|
|||
|
Lilliiimisalzlaquo;'. Lithium carboiiicum und salicylieum.
Li.jCOj und CBH4. OH . COOLi.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Lithiumcarbonat wird durch Fällen des Chlorlithiums mit kohlensaurem Ammoniak dargestellt. Es bildet ein weisses, in Wasser schwer lösliches (1 i 80), alkalisches Pulver, welches mit Salzsäure befeuchtet die Flamme intensiv karminroth färbt (Lithiumreaction) und mit Säuren aufbraust (Kohlcnsäurercaction).
2) Das Lithium salicylieum ist ein weisses, geruchloses, süsslich schmeckendes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches aus Lithiumcarbonat und Salicylsäure dargestellt wird und ausser der Lithiumreaction die der Salicylsäure gibt (Violettfärbung mit Eisenchlorid), Das Lithiummetall ist in der Natur in kleinen Mengen weit verbreitet, so in der Ackererde, in der Pflan/enasche, in vielen Mineral-
Fvölinflr, Arziii'imittollelire. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;28
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
434
|
Chlorbaryum.
|
|||
|
|
||||
|
quellen (Assnmimshausen, Karlsbad, Kmiznacl), Kissingen, Salzbrunn,. Baden-Baden). Von Mineralien findet es sich im Lepidolith, Lithionglirame r, Potalith, Triphyllin, Spodumen. A.P.
|
||||
|
|
||||
|
1,0:
|
5 Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. Die Lithiumsalze haben eine spe-cilisch lösende Wirkung auf Harnsäure, welche die der Kalium-und Natriumsalze übertreffen soll. Aus Q-ichtknorpeln; welche mit
Harnsäure inkrnstirt sind, wird letztere durch kohlensaures Lithium viel rascher ausgezogen, als durch kohlensaures Natrium oder Kalium. Deshalb werden die Lithiumsalze in der Menschenheilkunde als Speci-ticum gegen (xicht in Dosen von 0,10,2 angewandt. In der Thier-
|
||||
|
|
||||
|
heilkunde können sie gegen die Gicht des Getlügels C'ä Lösungen als Trinkwasser) gebraucht werden.
|
-l0/oige
|
|||
|
|
||||
|
Nicht officinelle Lithiunipriiparato (Gichtmittel) sind: Lithium benzoieum, bicarbonicum, borocitricum, broinatum, citricum (Hauptbestandtheil des sog. Uricedins), hippuricum, jodatum, oxali-cum. oxydatum, phosphoricum, sulfuricum, sulfo-ichthyolicuni.
|
||||
|
|
||||
|
t Chlorbaryum. Baryum chloraluni.
Bamp;0k 2HjO.
Pharmaceutische Chemie. Das Chlorbaryum wird dargestellt aus dem Baryumcarbonat durch Zersetzung mit Salzsäure, Abdampfen und Umkrystallisiren. Es bildet farblose, rhombische Tafeln von salzigem, unangenehm scharfem Geschmack, welche sich in 2,5 Theilen kaltem und 1,5 Theilen heissem Wasser lösen. Bei Zusatz von Schwefelsäure entsteht weisser (Baryumsulfat), mit Kalium-ohromat gelber Niederschlag (Baryumchromat), die nicht leuchtende Gasflamme wird hellgrün gefärbt (Baryumreactionen); mit Höllenstein entsteht ein weisser Niederschlag (Chlorreaction). In der Natur findet sich das Baryum an Kohlensäure gebunden im Witherit (BaCO.) sowie an Schwefelsäure im Schwerspath (BaSO,). D.P. 1 Kilo 55 Pfennige.
|
||||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. Das Chlorbaryum ist von Dieckerhoff (Berl. thierärztl. Wochenschr. 1895) wegen seiner eserinähn-lichen erregenden Wirkung auf die Darmmuskulatur in Form der intravenösen Injection gegen die Kolik der Pferde empfohlen worden. Bei dieser Art der Application stellt sich die darmentleorende
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Chlorbnryuin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;435
Wirkung augeablioklioh ein; bei gefülltem Mastdarm werden die darin vorhandenen Kotlimassen gewöhnlieh schon innerhalb ilei- ersten Minute abgesetzt, bei leerem Mastdarm werden nach 85 Minuten geballte oder breiförmige Kothmassen ausgeschieden. Die Dauer der entleerenden Darmwirkung beträgt 2G Stunden. Dagegen erfolgt bei innerlicher Anwendung des (Jhlorbaryums in flüssiger Form die Koth-entleerung erst nach 1545 Minuten, bei Verabreichung in liolus-oder Latwergenform erst nach l1-'2 Stunden.
Wichtig für die Dosirung des Chlorbaryums ist nach Dieoker-hoff die Beschaffenheit des Pulses bo/.w. der Herzthätigkeit. Besteht bereits Herzschwäche mit erheblicher Pulsfrequenz und Kräfteverfall, so muss die Dosis wegen der Gefahr einer durch das C'hlorbaryum herbeigeführten Herzlähmung um die Hälfte vermindert weiden. Bei fieberhaft erkrankten Pferden empfiehlt sich ferner die Verabreichung in fractionirten Dosen (zuerst 0,5, dann 0,25 u. s. w.).
In der Dieckerhoffsehen Klinik sind im Jahre 1895 insge-sammt 190 kolikkranke Pferde mit Ohlorbaryum behandelt worden; davon wurden 172 geheilt, 18 sind gestorben (Brass), lieber günstige Resultate mit dem ausserdem sehr billigen Mittel haben ferner berichtet Zschokke, Loos, Ehlers, Russ, Möhring, Nagler, Flook, Oadiot u. A. Nach Zschokke regt bei intravenöser Injection das C'hlorbaryum die Darmperistaltik ohne Vermehrung der Driisensecretion so zuverlässig und prompt an, wie kein zweites Mittel.
Von anderer Seite hat das Ohlorbaryum eine abweichende Beurtheilung erfahren. Insbesondere sind die Ansichten über seinen Werth in der preussischen Armee, wo es eine ausgedehnte Verwendung gefunden hat, verschieden (Zeitschr. für Vetkde. IH'.Hi). Im Gardecorps sind die Ansichten über die Wirkung des Mittels sehr getheilt. In einem Eegiment wurden unter 7 Fällen 3mal unangenehme Nebenwirkungen (Herzschwäche, Gehirnreizung) bei gleichzeitigem Fehlen einer abführenden Wirkung nach einer intravenösen Dosis von 0,5 beobachtet. In einem anderen Regiment war die Wirkung sehr verschieden; einige Male trat die Wirkung gar nicht, in anderen Fällen erst nach 812 Stunden ein. Als anangenehme Nebenwirkung wurde in einem weiteren Regiment eine 34 Tage anhaltende Appetitverminderung bemerkt. Im I. Armee corps wird von einigen Berichterstattern über die Wirkung des Chlorbaryums nichts Nachtheiliges gemeldet; andere hoben hervor, dass die Nebenwirkungen oft recht erheblich und andauernd seien. In einem Regiment führte das Mittel in 4 Fällen den Tod der kolikkranken Fferde herbei. Ein Pferd begann fast unmittelbar nach der Einspritzung zu taumeln und stürzte wenige Minuten später todt zusammen; auch in 8 anderen Fällen stürzten die Pferde gleich nach der Einspritzung todt nieder. Ein anderes Pferd stürzte wenige Minuten nach der Einspritzung von 0,7 Ohlorbaryum unter Krämpfen zu-
|
||
|
|
||
|
|
||
|
436nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;C'hlorbarytim.
s a m in en und verendete bald darauf. Angesichts dieser Todesfalle resumirt sich dieser Bericht dahin; es dränge sich die Frage auf, ob es überhaupt gerechtfertigt ist, ein so gefährliches Mittel zu benützen. Beim II. Armee corps wird das Eserin vorgezogen, da das Chlorharyuni den gehegten Erwartungen nicht immer entsprochen hat, indem die Wirkung oft zu heftig auftrat, zuweilen aber auch ausblieb. Beim III. Armee-corps sind die Ansichten der einzelnen Berichterstatter über den Werth des Mittels sehr verschieden, indem einige dasselbe empfehlen, andere wegen mangelhafter und schlechter Erfolge zur Vorsicht mahnen. Ein grosses, kräftiges, n u r 1 e i c h t an K o 1 i k e r k r a n k t e s P f e r d mit ^gleich-massigen und kräftigen Pulsschlägen fing ungefähr 10 Minuten nach der Injection von 1,0 Chlorbaryum an zu taumeln, stürzte nieder und verendete. Bei 6 anderen Pferden hatten Dosen von 0,70,0 keine abführende Wirkung. Beim IV. Armeecorps kam das Chlorbaryum meist mit Erfolg zur Anwendung. Beim V. Armee corps wurde mehrmals die Beobachtung gemacht, dass intravenöse Dosen von 0,50,7 hartnäckige Verstopfungen nicht zu lösen vermochten, so dass noch andere Abführmittel verabreicht werden mussten. In einigen Pällen trat wenige Minuten nach der Injection plötzlich tödtliche Chlorbaryum Vergiftung (Herzlähmung) ein. Im VI. Armeecorps lauten die Berichte nicht günstig. Bei der Gefährlichkeit des Mittels wird seine Anwendung nicht als opportun bezeichnet. In mehreren Pällen trat nämlich nach intravenöser Injection dos Mittels ganz plötzlich und in unmittelbarer Folge der Application der Tod ein. Im VII. Armee corps sprechen sich alle Berichterstatter günstig aus. Vom VIII. Armeecorps wird ein bestimmtes Urtheil noch nicht abgegeben. Im IX. Armeecorps wird wegen der nicht selten lebensgefährlichen Wirkung die allgemeine Einführung des Chlorbaryums nicht für angezeigt erachtet, da sonst die Todesfälle bei Kolik voraussichtlich mehr zu- als abnehmen. Im X. Armeecorps ist das Chlorbaryum mehrfach angewandt worden, jedoch ohne den erwarteten Erfolg. Im XI. Armeecorps sind die Ansichten verschieden. Im XIV. Armeecorps sprechen sich die Berichterstatter im Allgemeinen günstig aus. Ein Pferd zeigte jedoch 2 Minuten nach der intravenösen Injection von 0,8 Chlorbaryum Schwanken der Hinterhand, worauf es niederstürzte und unter den Erscheinungen der Herzlähmung verendete. Aus dem XV. Armeecorps liegen be-merkenswerthe Berichte nicht vor. Im XVI. Armeecorps sind die Versuche in 4 Regimentern günstig ausgefallen, dagegen lauten die Berichte eines anderen Regiments wegen der vielfach beobachteten schweren Nebenwirkungen (Eingenommenheit, grosse Mattigkeit und schwankender Gang während mehrerer Tage) durchaus ungünstig. Im XVII. Armeecorps sind nennensworthe Erfolge nicht erzielt worden.
Dosis und Form. Wiihrend bei innerlicher Verabreichung in Bolusfonn die Dosis des Chlorbaryums für grosse Pferde 612 g, für kleine Ponypforde 3(i g beträgt, werden nach Dieckerhoff intravenös injicirt:
G-rossen Pferden 0,51,25. Ponypferden 0,3,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Salzsäure,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4;57
Recept.
Rp. Baryi clilorati 0,5.
Aijuao destillatae 10,0. AI. I). S. Zur intravenösen Injection für ein kolikkrankes Pferd.
Acidiuu liydroehloricum. Salzsäure.
26% CllI in H20.
Pharmaceutische Chemie. Die Salzsäure ist in drei Formen of'fioinell:
1)nbsp; Die rohe Salzsäure, Aeidum hydroohlorioum crudum, wird als Nebenproduct der Sodafabrikation aus Schwefelsäure und Kochsalz gewonnen: liCINa SO.H, = 2C1H-f SO^Na,- Sie bildet eine gelbliche, an der Luft rauchende, sauer reagirendo Flüssigkeit vom specifischen Gewicht 1,158 und entbält 'M330/o Cblorwasserstoft' in Wasser gelöst. Sie ist als Chlorverbindung durch den weissen Niederschlag mit Höllenstein charakterisirt. Sie enthält alsNebenbestandtheile Eisen, Schwefelsäure, Chlor, organische Stoffe, soll aber arsenfrei sein. Die Prüfung auf Arsen wird in der Weise vorgenommen, dass die Säure mit einigen Krystallen Zinn-chlortir erhitzt wird; tritt keine helle Lösung ein, sondern bildet sich eine braune Trübung (Reduction zu Arsen), so ist die Säure arsenhaltig. A.P. 200,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; Die reine Salzsäure, Aeidum liydroehloricum pur um (concentratum), bildet eine klare, farblose, in der Wärme flücli-tige, sauer reagirendo Flüssigkeit vom specifischen Gewichte 1,124, welche 25n,n Chlorwasserstoff in Wasser aufgelöst enthält. Mit Silbernitrat gibt sie einen weissen, käsigen Niederschlag (Chlorsilber). Beim Erwärmen mit Braunstein entwickelt sie Chlor. Sie wird dargestellt durch Rectification der rohen, arsenfreien Salzsäure. Sie soll frei sein von Arsen (Verfärbung mit Zinnchlornr), Schwefelsäure, schwefliger Säure, Eisenchlorid und Chlor. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; Die verdünnte Salzsäure, Aeidum hydrochloric um dilu-tum, ist eine Mischung von gleichen Theilen Wasser und Salzsäure. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit vom specifischen Gewicht 1,001 mit 12,5 quot;/o C1H.
Wirkung. 1) Concentrirt wirkt die Salzsäure als starkes Actz-mittol auf Haut und Schleimhäute. Der Aotzscho rf ist trocken,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
438nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salzsäure.
umschrieben, gi'auweisa (Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, Gastritis, Enteritis ulcerosa).
2)nbsp; Innerlich gegeben steigert sie in kleinen Gaben die physiologische Verdauungskraft des Magensaftes. Bekanntlich ist Salzsäure allein schon im Stande, bei Körpertemperatur gekochtes Fibrin allmählich in Pepton überzuführen. Die Pepsinwirkung wird durch die Salzsäure wesentlich unterstützt; am günstigsten ist hiebei ein Säuregehalt von 0,10,30/o.
3)nbsp; nbsp;Wie alle Säuren ist die Salzsäure in wässeriger Lösung ein, Avenn auch schwaches Antiseptic um. Das Wuthgift wird beispielsweise durch eine 5 quot;raquo;ige Salzsäurelösung nach 6 Minuten vernichtet.
4)nbsp; Grrössere Dosen Salzsäure, Kaninchen innerlich in verdünntem Zustande gereicht, entziehen dem Blute Alkali. Der Tod erfolgt im Momente der Xcutrali sirung des Blutes in Folge Lähmung der Athmung und der vasomotorischen Centra. Wird in diesem Stadium eine Sodalösung dem Blute zugeführt, so bleibt das Thier am Leben (Walter). Bei Hunden und anderen Hausthieren kommt es jedoch zu keiner vollständigen Neutralisirnng des Blutes.
Anwendung. Die Salzsäure wird ausschliesslich innerlich als Stomachicum angewandt. Sie eignet sich insbesondere für alle Fälle von Magenkatarrhen, welche auf einer verminderten oder gänzlich aufgehobenen Absonderung der physiologischen Magensalzsäure sowie auf der Ansammlung abnormer Grährungssäuren beruhen. Sehr gute Erfolge werden namentlich mit der Salzsäure bei den chronischen Verdauungsstörungen der Wiederkäuer und des Geflügels erzielt. Auch bei fieberhaften Allgemeinkrank-beiten ist die Absonderung des Magensaftes unterdrückt und die Verdauung deshalb gestört. Dabei soll die Salzsäure aber nur in kleinen Dosen gegeben werden, da zu viel Säure, z. B. mehr als 0,5 0/o beim Pferde, die Pepsinwirkung stört. Auch soll die Salzsäure beim Pferde nicht unmittelbar nach der Futteraufnahme, sondern erst 23 Stunden nachher gereicht werden, weil sonst die im Beginne der Verdauung vorwaltende Milchsäurewirkung aufgehoben wird (Ellenberger und Hofmeister).
Bezüglich der früher üblichen Anwendung der Salzsäure als Prophylacticum gegen Seuchen ist zu bemerken, dass allerdings die Salzsäure dem Magensäfte eine antiseptische Wirkung gegenüber den pathogenen Mikroorganismen (Tuberkel-, Cholera-Bacillen etc.) verleiht, dass sie aber auf andere Eintrittsstellen der Krankheitserreger,
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Salzsäure.
|
439
|
||
|
|
|||
|
mimentlich auf die Lungen, selbstvei'Btändlioh keinerlei schützende Einwirkung ausüben kann. Sie könnte also höchstens als Prophy-lacticum gegen die 11 u h r, den S t ä b c h e n r o t h 1 a u f der Schweine, die Hühnercholera, die Darmtuberkulose etc. versucht werden.
Grewölmlich reicht man die Salzsäure im Trinkwasser oder mit viel Wasser verdünnt als Einguss; wegen der ätzenden Wirkung der reinen Säure verschreibt man entweder die verdünnte Salzsäure oder wässerige Lösungen der reinen.
Contraindicirt ist Salzsäure heim Magengeschwür.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind 1530,0.
Pferd 1020,0. Kälber, Schafe, Ziegen, Schweine 2r),0. Hunde 0,10,5. Katzen 0,10,2. Q eflügel 0,10,5.
Eecepte.
1)nbsp; Rp, Aeidi hydroohlor. 50,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Den 3. Theil in jedes Trinkwasser für ein Pferd mit Magenkatarrh,
2)nbsp; Rp. Acidi hydroohlor. dilut. 100,0.
D. S. Bstüiullieh 2 Esslöffcl mit 1 Flasehe Wasser einzugeben für ein Rind mit ehronischer Verdanungsstürung.
8) Rp. Infos. Flor. Chamomill, 5,0 : 100,0. Acidi hydroohlor. 5,0. M. D, S. Auf 2mal für ein Kalb mit abnormer Magonsi'iuerung.
4) Rp. Acidi hydroohlor. 5,0. Aqu. destill, ;)00,0. M. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Staupe.
Acidum hydrobromicum. Die in Deutschland officinelle Brom-wasserstoffsäure von der Formel BrH bildet eine klare, farblose, in der Wärme flüchtige Flüssigkeit von 1,208 spec. Gewicht, in 100 Theilen 25 Tlieile Bromwasserstoff enthaltend. Sie wird dargestellt aus Brom-kalinm und Schwefelsäure oder Phos])horsiiure. Mit Clilorwasser versetzt und hierauf mit Chloroform geschüttelt, färbt sie letzteres braungelb. Mit Silbernitratlösung gibt sie einen gelblichweissen, in Ammoniakflüssigkeit wenig löslichen Niederschlag. Vorsichtig und vor Licht geschützt aufzubewahren. Die Bromwasserstoffsäure, BrH, ist das Analogen der Salzsäure, C1H, mit deren Wirkungen sie vielfach übereinstimmt. Sie wird iiusserlich im unverdünnten Zustande als Aet/.mittel, im verdünnten Zustande
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
440
|
Phosphorsiuirc.
|
||
|
|
|||
|
(1 : 4 Wasser) als d esin f icirendes und gleichzeitig leicht ätzendes Mittel für inficirte Wunden, Geschwüre etc. angewandt. Innerlich dient sie theils als Ersatz der Salzsäure, theils als Mittel gegen Epilepsie (Brom-wirkung wie bei Bronikalium).
|
|||
|
|
|||
|
Aeidum pliosplioricum. Phosphorsfturelaquo;
26% PO4H3 in H,0.
Pharmaceutische Chemie. Die Phosphorsäure wird durch Oxydation des Phosphors mittelst Salpetersäure dargestellt nach der Formel: 3P r.NO:,H 2H20 = SPO.H..-(-5NO. Sie bildet eine klare, färb- und geruchlose Flüssigkeit vom speoiflsohen Gewichte 1,154 und enthält 250/o PO.,!!,, in Wasser (die Phosplior-säure der österreichischen Pliarmakopöo enthält nur 10 0/o PO^Hj). Sie gibt nach der Neutralisirung mit Soda mit Silbernitrat einen gelben Niederschlag von Silberphosphat; ausserdem gibt sie mit Ammoniak, Salmiak und schwefelsaurer Magnesia einen weissen Niederschlag von phosphorsaurer Ammoniakmagnesia. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Die Phosphorsäure wirkt in Verdünnung angenehm kühlend und verdauungsbessernd (kann die Salzsäure ersetzen). Ins Blut aufgenommen, setzt sie wie alle Säuren die Blutalkalescenz und damit den Stoffwechsel und die Körpertemperatur herab und wird daher als kühlendes Antipyretioum und Stomachicum bei acuten fieberhaften Krankheiten, namentlich im Sommer, in denselben Dosen wie die Salzsäure angewandt. Sie ist die mildeste aller Mineralsäuren und unterscheidet sich vor allen anderen dadurch, dass sie das Eiwciss nicht coagulirt. Von manchen wird sie auch als Heilmittel gegen liachitis und Osteomalacie empfohlen. Dosis = Salzsäure.
t Aeidum glycerino-phosphoricum. Das Lecithin, die wichtigste phos-phorhaltige Substanz desThierkürpers, zerfällt zu Glycerinphosphorsäure von der Formel; OsHj.(OH^O.POoHj, Die letztere wird deshalb als Ersatz des Phosphors, sowie überhaupt als Plasticum und Sparmittel für das Nervensystem neuerdings therapeutisch angewandt. Sie bildet eine gelbliche, geruchlose, Olartige, in Wasser lösliche Flüssigkeit, welche mit Säuron Salze bildet; es wird z. B. statt der Säure auch das Calcium, Perrum, Lithium, Magnesium glycerino-phosphoricum benützt, D.P. 100,0 = 8 Mark 60 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Schwefelsäure.
|
441
|
||
|
|
|||
|
Acidum sulfuvicum. Schwefelsäure. 8O4H,.
Pharmaceutische Chemie. Die Scliwefelsiiure ist in 3 Formen
ofiicinell:
1)nbsp; Acidum sulfuricum crudum, die rohe Schwefelsaure (englische Schwefelsäure, Vitriolöl, Oleum Vitrioli), eine klare, farblose bis bräunliche, ölartige, schwere Flüssigkeit vom specifischen Gewichte 1,830, sauer reagirend, mit Baryumnitrat in wässeriger Lösung einen wcissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt bildend, 91 quot;n Schwefelsäure enthaltend. Die rohe Schwefelsäure wird fabrik-mässig durch Verbrennen von Schwefel oder Hosten von Schwefelkies und Oxydation der gebildeten schwefligen Säure mittelst Salpetersäure in Bleikammern dargestellt: S02 -f 2NO;1H = S04H, -j- 2N08. Sie enthält stets Salpetersäure, Bleisulfat, Arsen, organische Verbindungen, Wasser. A.P. 200,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Acidum sulfuricum purum, die reine oder roctificirte Schwefelsäure, wird durch 11 ectifi cation der rohenSchwe f e 1-säure dargestellt. Sie bildet eine färb- und geruchlose, ölige Flüssigkeit vom spoeifischen Gewichte 1,83(3-1,840 und saurer lleac-tion, welche 9498 n/n Schwefelsäure enthält; ihre wässerige Lösung gibt mit Baryumnitrat einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt. Sie soll frei sein von Blcisulfat, Salpetersäure, salpetriger und schwefliger Säure, Salzsäure, Eisen, Kupfer und Arsen (Prüfung auf Arsengehalt wie bei Acidum hydrochloricum). A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; Acidum sulfuricum dilutum, die verdünnte Schwefelsäure (1:6 Wasser), vom specifischen Gewichte 1,1101,114, lGn/'o Schwefelsäure enthaltend. Die Verdünnung wird in der Weise hergestellt, dass die Säure langsam in kleinen Portionen ins Wasser gebracht wird (nicht umgekehrt!). A.P. 100,0= 15 Pfennig.
t Acidum sulfuricum fumans, rauchende Schwefelsäure, Nord-hiiuser Vitriolöl, ist Schwefelsäure, welche SO;) = Schwefelsäureanhydrid enthält. Sie wird durch trockene Destillation von Eisenvitriol dargestellt. Sie bildet eine bräunliche, an der Luft rauchende (S03), ölige Flüssigkeit.
t Mixtura sulfurica aeida, Haller'sches Sauer, ist eine Mischung von Schwefelsäure und Weingeist (1 : 3), welche neben diesen Bestand-theilen Aetherschwefelsäure enthält (OjHjHSOj). Früher innerlich statt der Schwefelsäure cfesreben,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
442nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schwefelsaure.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Sohwefelstture ist wegen ihrer bedeutenden wasserentziehenden und eiweisszerstörenden
Wirkung eines der stärksten Actzniittol, welclies auf Haut und Schleimhäuten einen braunen Aetzsohorf erzeugt und innerlich im unverdünnten Zustande gegeben eine diphtherisohe Gastroenteritis hervorruft, Sie wird, wenn auch selten, äusserlieh als Aet/.mittel gegen Neubildungen, Strahlkrebs, Hernien, Stollbe ulen etc. angewandt, indem die betreffenden Theile damit bepinselt werden (Vorsicht bei Hernien).
2)nbsp; Innerlich wird die Schwefelsäure (oder das Haller'sche Sauer) stark verdünnt, grosseu Thieren grummweise (das Haller'sche Sauer esslöffelweiso), kleinen Thieren tropfenweise (das Haller'sche Sauer grammweise) als Antipyreticum besonders bei fieberhaften Infections-krankheiten angewandt, indem sie wie die anderen Säuren die Alkales-cenz des Blutes und damit den Stoffwechsel und die Innentemperatur herabsetzt. Hie Verminderung der Blutalkalesconz ist durch Lassar experimentell nachgewiesen.
3)nbsp; nbsp; Als Mineralsäure besitzt die Schwefelsäure antiseptische Wirkung. Dieselbe ist jedoch nicht sehr bedeutend; Koch sah von einer l0/oigen wässerigen Lösung nach 20tägiger Einwirkung auf Milzbrandsporen nur relativ geringen Erfolg. Das Wuthgift wird erst durch ganz concentrirtc Schwefelsäure nach 10 Minuten vernichtet. Neuerdings benutzt man Schwefelsäure, wie auch andere Säuren, in Verbindung mit Streumaterial als Desinfectionsmittel bei Thierseuchen (sogenannte saure Torfstreu; Wirkung?).
4)nbsp; Innerlich ist die Schwefelsäure in verdünntem Zustande ein Gegengift gegen Oarbolsfturevergiftung (Bildung von Phenolsulfonsäure) und Bleivergiftung (Bildung von Bleisulfat).
ö) In der Technik dient die Schwefelsäure zur Darstellung vieler anderer Säuron, z. B. der Salpetersäure, des Phosphors, Glaubersalzes, Bittersalzes, des Zink-. Kupferraquo;, Eisenvitriols, des Chlors, der Thecrfarbstoffe u. s. w.
Recepte.
1} Rp. Aoidi sulfur, orud, 25,0. Acidi nitr. fum. 10.0. Hydrarg. biohlor. 5,0. I'ulv. Ciintliiiricl. Res. Euphorb. iiä 10,0. M. D. S. Hertwig'sohes Aetzmittel gegen Stollbeulen,
|
||
|
|
||
|
L
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Salpetersäure.
2) Rp. Mixtur, sulfur, acid. 5,0. Syrupi 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. D. S. ostündlidi 1 Esslöffel für einen II und mit .Staupe.
|
443
|
||
|
|
|||
|
Acidum nitriciini. Salpetersäure.
25raquo;/o NOsH in HjO,
Pharmaceutische Chemie. Die Salpetersäure ist in 3 Formen offioinell;
1)nbsp; Acidum nitricum fumans, die rauchende Salpetersäure, eine rothbraune, klare Flüssigkeit, welche gelbrothe, erstickende Dämpfe von NOj, (Untersalpetersäure) ausstösst, vom speeifischen Gewichte 1,4501,500. Sie wird dargestellt durch Destillation von Salpeter und Schwefelsäure. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Acidum nitricum purum, die reine Salpetersäure, dargestellt durch Rectilication der rohen Salpetersäure. Sie bildet eine klare, farblose, sauer reagirende Flüssigkeit vom speeifischen Gewicht 1,153, welche 25 0/o Salpetersäure enthält. Die Salpetersäure löst metallisches Kupfer in der Wärme unter Entwicklung gelb-rother Dämpfe (N08) zu einer blauen Flüssigkeit; ferner entfärbt sie beim Aufkochen einige Tropfen Indigolösung (Oxydation) und färbt sich mit Schwefelsäure und Eisenvitriollösung schwarz (Xitratreaction). In Oesterreich ist eine Mischung der reinen Salpetersäure mit gleichen Theilcn Wasser offioinell als Acidum nitricum dilu turn.
3)nbsp; Acidum nitricum crudum, rohe Salpetersäure, Scheide-wasser (Aqua fortis), wird durch Destillation von Natronsalpeter mit Schwefelsäure gewonnen. Sie enthält 50 0/o Salpetersäure (S= 1400), ist also stärker als die ofticinelle reine; ausserdem enthält sie Untersalpetersäure, freies Chlor, Schwefelsäure etc. Sie bildet eine farblose, etwas gelblich gefärbte, stark saure Flüssigkeit.
Wirkung und Anwendung. Die Salpetersäure bildet das von allen Säuren am häutigsten angewandte Aetzmittel. welches sich vor den anderen auszeichnet durch seine enorgische Coagulation des Eiweisses und seinen trockenen, scharf begrenzten, gelben Aetzschorf (Bildung von Xanthoproteuisäure)- Sie eignet sich insbesondere zur Behandlung des Strahlkrebses und der unblutigen Entfernung von Warzen und kleineren Neubildungen; früher wurde
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
444nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Essigsäure.
sie iiucli zum Bepinseln der Haut in der Umgebung von Hernien benutzt (Vorsicht wegen Perforation). Am stärksten wirkt die rohe und rauchende, schwächer die reine Säure.
Innerlich wird sie in der Menschenheilkunde als Cholagogum gegen Ikterus und Leherleiden, sowie gegen Nierenentzündungen gegeben; Dosis tropfenweise,
t Acidum chloro-nitrosum, Salpeter-Salzsäure, Königswasser (Aqua regia) bildet eine Mischung von Salzsäure (;3 Theile) und Salpetersäure (1 Theil) und stellt eine gelbe Flüssigkeit dar, welche aussei- Salpetersäure und Salzsäure freies Chlor, Untersalpetersäure (NOi) sowie Verbindungen des Chlors mit Stickoxyd (NOjOl und NOCli enthält. Stärkstes Aetzmittel (Wirkung zweier Säuren und freien Chlors). Innerlich gibt man das Mittel gegen Ikterus (Cholagogum) zu 0,10,2 in starker Verdünnung für Hunde.
|
||
|
|
||
|
Acidum aeeticum. Essigsäure.
0H8. 0OOH,
Pharmaceutische Chemie. Die Essigsäure ist in 3 Formen offlein eil;
1)nbsp; nbsp;Acidum aeeticum concentratum, Essigsäure, Eisessig (Ace-tum glaoiale oder radicale), officinell 960/oig, bildet eine klare, farblose, ätzende, stechend sauer riechende und stark sauer reagirende und schmeckende, flüchtige, bei 2 bis 4deg; C. zu einer eisartigen, faserigen Masse erstarrende Flüssigkeit (chemisch reine, 1000/oige erstarrt schon bei -|-1G0 C), welche sich in jedem Verhältnisse mit Wasser, Weingeist und Aether mischt. Sie siedet hei 117quot; C. und hat ein specitisches (lewicht von 1,064. Bei Zusatz von Alkali wird die Essigsäure durch Eisenchlorid geröthet (Acetat-reaction). Die Essigsäure wird aus essigsaurem Natrium und roher Schwefelsäure dargestellt:
2CH;1COONa SO,H2 = 2CH8OOOH -f SO.Na...
2)nbsp; nbsp;Acidum aeeticum dilutum, verdünnte Essigsäure (Acetum concentratum), oflicincll 30%ig, wird durch Verdünnen der reinen Essigsäure (1 ! 8) dargestellt. Sie ist die gewöhnliche Essigsäure des Handels, hat ein specitisches Gewicht von 1,041 und bildet eine klare, farblose, sauer reagirende Flüssigkeit, welche sich mit Eisencblorid bei Zusatz von Sodalösung rothet. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; nbsp;Acetum, Essig (Acetum crudum, Acetum vini), enthält officinell ()n,''i Essigsäure. Er wird entweder dargestellt aus ver-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Essigsäure.
|
|||
|
|
|||
|
dünn tern Branntwein durch die Sobnellessigfabrikation oder durcli die Säuerung von Wein, Bier. Malz etc. Der Vorgang dabei ist der, dass der Essiggälirungspil/, Mykoderma aceti, den Alkohol unter Sauerstoffaufnahme zu Aldehyd und Essigsäure zersetzt:
|
|||
|
|
|||
|
CM.OH U2
|
:C()ÜH Haa
|
||
|
|
|||
|
Weingeist.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Essigsäure.
Der Essig ist eine klare, farblose oder gelbe Flüssigkeit von Essigsäuregeruch und saurem Geschmacke; er färbt sich mit einem Tropfen Eisenchlorid und einigen Tropfen Sodalösung roth. Er soll frei sein von Blei und Kupfer (Trübung mit Schwefelwasserstoff), Sulfaten und Chloriden (Trübung mit Baryumnitrat und Silbernitrat), von Nitraten (Bräunung mit Schwefelsäure und Eisenvitriol), von Pflanzenstoffen und Extractivstoffen (soll beim Verdampfen nicht mehr als 1,5 0/o Rückstand hinterlassen) und namentlich von Mineralsäuren (die Asche reagirt nicht mehr alkalisch; ein Tropfen Methylviolett färbt den mineralsäurehaltigen Essig grün). Acetum aromaticum, aromatischer Essig (Berliner Essig, Vier-räuberessig, Bestessig), ist eine Mischung von Essig mit ätherischen Oelen (Lavendel-, Pfefferminz-, Rosmarin-, Wacholder-, Zimmt-, Citronen-, Nelkenöl).
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Die Essigsäure (und noch mehr die gechlorte Essigsäure) wirkt in concentrirtem Zustande als Aetzmittel auf Haut und Schleimhäute (Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, Gastroenteritis); der Aetzschorf ist weiss und trocken. In Verdünnung wirkt sie als hautreizendes Mittel (in Form des Essigs) und erzeugt in mittleren Concentrationen eine Lockerung, Quellung und theil-weise Auflösung der Epidermis und des Bindegewebes der Haut. Fleisch in verdünnte Essigsäure (Essig) gelegt, zeigt eine weichere, mürbe Beschaffenheit in Folge theilweiser Auflösung des Organ-eiweisses und Förderung der Umwandlung des Collagcns im Bindegewebe zu Leim.
2) Wie alle Säuren wirkt auch die Essigsäure antiseptisch, weil die pathogenen Mikroorganismen sich in sauren Lösungen nicht weiter entwickeln können.
8) Innerlich werden kleinere Dosen zu Kohlensäure verbrannt. In Folge einer Verminderung der Alkalescenz des Blutes wird durch Essigsäure (wie durch die übrigen Säuren) der Stoffwechsel und damit die Innentemperatur herabgesetzt.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4.10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Essigsäure.
4)nbsp; nbsp;Q-rössere Mengen verdttnnter Essigsäure anhaltend rerabreioht führen zur Ausbildung eines chronischen Magondarmkatarrhs; sein- grosse einmalige Dosen erzeugen eine acute Essigvergiftung, welche sich in Schwäche und Lähmung der Athmung sowie des ge-saramten Ciroulationsapparates äussert, Essigsäure direct ins Blut gespritzt hat Hämoglohinämie zur Folge.
Anwendung. 1) Als Aetzraittel gegen Strahl krebs, Warzen, üppige Granulationen etc. Namentlich die Trichloressigsäure gehört zu den besten Aetzmitteln, welche wir besitzen, und ist der Salpetersäure als ebenbürtig an die Seite zu stellen, wie ich dies in zahlreichen Fällen erfahren habe (llopertorium 1883), Sie ist indessen sehr theuer und daher für gewöhnlich in der thierärztlichen Praxis nicht anwendbar.
2) Als Antidot gegen die innerliche Vergiftung mit Aetz-alkalien (Hausmittel: Essig).
#9632; gt;) Ah kühlendes, durstlöschendes, erfrischendes und antipyreti-sohesMittel in fieberhaften Allgemeinkrankheiten (im Trinkwasser verabreicht).
I) Als innerliches Antisopticum bei Tympanitis, Magen-und Darmgfihrung etc.
5)nbsp; Als äusserliches kühlendes Mittel bei Wunden, Oontu-sionen, äusserliclien Entzündungen in Form von Essigumschlägen, Essigwaschungen, Lehmanstrichen mit Essig, in Verbindung mit Salmiak und Wasser (Schmucker'sche Fomentationen).
6)nbsp; Als hautreizeudes und diaphoretisches Mittel in Form warmer Essigwaschungen mit nachfolgendem Priessnitz'schem Umschlage. Die warmen Essigwaschungen dienen namentlich auch als Unterstützungsmittel für die schweisstreibende Wirkung des Pilo-carpins und Arecolins.
7)nbsp; Als Dcsinficions bei Stomatitis catarrhalis und ulccrosa in Verbindung mit Kochsalz.
8)nbsp; nbsp;Als Antiparasiticum gegen Läuse (tödtet als Waschung die Nisse, indem sie ihre Kalkschalen auflöst) und im Klysticr gegen Oxyuren im Mastdarm.
i)) Als Oonsorvans für animalische und pflanzliche Producte.
Dosis des Essigs.
Pferd und Rind 1 HO250,0. Schaf und Schwein 2550,0. Hund 520,0.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Amuisi'.iisUurt'. Citronensäuru. Wuinsäuic.
|
447
|
||
|
|
|||
|
Acidum monochloraceticum, bichloraceticum und trichloraceticum sind gechlorto Essigsauren, welche durch Einwirkung von Chlor auf Essigsiiure im Sonnenlichte erhalten werden. Sie hahen die chemische Eormel 1) OHoOl.OOOH; 2) CHCl.^.COOH; 3) OOlgCOOH. Alle Ohlor-essigsauren wirken viel starker ätzend, als die Essigsäure. Ol'ficinell in Dexitscliland ist Acidum trichloraceticum, Trichloressigsäure, 001,00011, welche farblose, leicht zerfliessende, stark ätzende Kiystalle von schwach stechendem Gerüche bildet, die in Wasser leicht löslich sind und mit Soda Ohloroform entwickeln. D.P. 100,0 = 2 Mark.
Acidum formicicum, Ameisensäure, ist eine Auflösung von 250|o H.COOH in Wasser. Sie wird dargestellt entweder aus Stärkemehl durch Destillation mit Braunstein und verdünnter Schwefelsäure oder durch Erhitzen von Oxalsäure und Glycerin. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit von stechendem Geruch und stark saurem Geschmack, welche Silbernitrat und Queeksilberoxyd reducirt, durch Eisenchlorid wie die Essigsäure bei Sodazusatz blutroth gefärbt wird und mit concentrirtor Schwefelsäure und Weingeist erhitzt einen A rak geruch verbreitet. Mit Bleiessig vermischt gibt sie einen krystallinischen Salzbrei . von ameisensaurem Blei. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Die Ameisensäure wird verwendet zur Darstellung des Spiritus For mica rum, des Ameisenspiritus (4 Theile Ameisensäure, 70 Spiritus und 26 Wasser), welcher zu reizenden Eiurei bungon auf die Haut benützt wird (wurde früher aus Ameisen dargestellt). A.P. 100,0 80 Pfennig.
Acidum citricum, Oitronensäure, O^HjlOH) . (0OOH):1 H20, wird aus dem Oitronensafte durch Binden an Kalk und Zerlegen mit verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Sie bildet grosse, farblose, luftbeständige Krystalle, welche beim Glühen verkohlen und intensiv nach Oitronensaft schmecken. Die Lösung mit Wasser gibt mit Kalkwasser in der Kälte keinen Niederschlag (im Gegensatz zur Weinsäure), sondern erst beim Erhitzen. A.P. 10,0 = 25 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Essigsäure. Sie wird im Körper zu Kohlensäure verbrannt und steigert etwas die Diurese (Gichtmittel). Mit Soda zusammen bildet sie verschiedene Saturationen, von denen der Ri v e r'sch e T r an k, Potio Kiveri, eine Mischung von Oitronensäure (4), Soda (9) und Wasser (100), ufficinell ist. Ausserdem wirkt die Oitronensäure antiseptisch. Oitronensaft tödtet z. B. das Wuthcontagium schon nach 3 Minuten.
Acidum tartaricum, Weinsäure, AVein st einsäure, OjHjO^OH^ = (OH.OB .OOOH)^, wird aus dem gereinigten Weinstein durch Ausziehen als Kalkverbindung und Zerlegen derselben mit verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Sie bildet grosse, farblose, säulenförmige, durchscheinende, oft in Krusten zusammenhängende Krystalle, welche in Wasser leicht löslich sind und beim Verbrennen unter Oaramelgeruch verkohlen. Die wässerige Lösung scheidet mit essigsaurem Kali krystallinischen Weinstein und mit Kalkwasser Weinsäuren Kalk ab. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Oitronensäure resp. Essigsäure. Sie wird beim Menschen zu Saturationen und Brausepulvern verwendet. Das gewöhnliche Brausepulver, Pulvis aero-phorus, besteht aus Natriumcarbonat (10 Theile), Weinsäure (9) und Zucker (10); das englische Brausepulver, Pulvis acrophorus anglicus. bestellt aus einem Pulver von Natriumbicarbonat (2,0) und einem zweiten von Weinsäure (1,5).
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
448
|
Milclisiiuro. Kohlensäure.
|
||
|
|
|||
|
Acidum lacticum, Milchsäure (G-iihrungs- oder Aethyliden-Mileh-säure) CEj.CH.OH.COOH, wird durch Gilhrung des Milchzuckers gewonnen und bildet eine farblose bis gelbliche, geruchlose, syrupose, sauer reagirende und schuieckende Flüssigkeit, welche beim Erhitzen verkohlt, in Wasser, Alkohol, Aether und Glycerin leicht löslich ist. A.P. 10,0 = 35 Pfennig. Die Wirkung der Milchsilure ist eine antiseptische und eiweisscoagulirende, weshalb sie als leichtes Aetzmittel bei Geschwüren des Kehlkopfes (Tuberkulose, Syphilis) und gegen Group beim Menschen angewandt wird. Greiner empfiehlt sie beim Pferd zu Einspritzungen gegen Knoch e n fis teln. Innerlich wird sie gegen Dyspepsie als Stomachicum, ferner gegen tuberkulöse Darmgeschwüre, ausser-dem als Hyp no tic um sowie gegen Gicht empfohlen. Dosis für den Menschen 5-10,0 pro die. Vielleicht lässt sich die nicht zu bezweifelnde günstige Heilwirkung des früher zu Wundverbänden benützten Sauerkohls zum Theil auf seinen Gehalt an Milchsäure zurückführen (zum anderen Theil auf seinen Gehalt an Salzen?).
|
|||
|
|
|||
|
t Acidum carbonicum, die Kohlensäure, wird beim Menschen in Form der Saturationen (Pflanzensäuren -|- Alkalicarbonaten) als erfrischendes, kühlendes Getränk zur Anregung der Verdauung, als Mittel gegen Erbrechen, im Fieber, sowie als Diureticura angewandt. Wirkung = Essigsäure. In Bädern wirkt sie hautreizend. Im Darm begünstigt sie die Resorption des Wassers und wirkt dadurch wahrscheinlich diuretisch.
f Acidum fluoricum. Die Fluorwasserstoffsäure (Flusssäure) wird aus Flussspath (OaFlj) und Schwefelsäure dargestellt und bildet eine intensiv ätzende, stark antis optische Flüssigkeit, welche die Tuberkel-bacillen noch in einer Verdünnung von 1 ; 20,000 tödtet (Inhalation gegen Lungentuberkulose beim Menschen). Als Antisepticum wird ferner empfohlen Methylfluorid (OH3FI) und Fluornatrium ('(2 lnjoige Lösungen), als Conservans F luor am monium (Zusatz zum Wein).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Aethereo-Oleosa. Aetlieriscli-ölig-e Mittel.
|
||
|
|
||
|
Campliora. Kamphor.
OioHjjO.
Staminpflanget Cimumomum Camphora, Familie: Laurineen (Lauraceen).
Geschichtliches. Der Kampher ist ein altes chinesisches Heilmittel, das durch die Araber zuerst nach Europa gebracht wurde (arabisch: Kafurquot; ; Sanskrit: Karpuraquot;). Schon sehr früh ist der Kampher als Mittel gegen Rheumatismus vmd Gicht angewandt worden (Aötius, 550 n. Chr.). In Deutschland ist der Kampher um 1150 bekannt geworden (Schriften der heiligen Hildegard); es war der sehr theure Sumatra- und Borneo-Kampher. Vom 16. Jahrhundert ab ist dann der chinesische und japanische Kampher in Gebrauch gekommen.
Pharmakognosie. Der Kampher ist ein festes ätherisches Oel, welches durch Sublimation aus dem Kampherbaume, Cinnamomum Campbora, gewonnen wird. Der Rohkampher, aus welchem der officinelle Kampher durch wiederbolte Sublimation dargestellt (raffmirt) wird, ist eine körnig-krystallinische, rötblicbe, in Kisten oder Cylindern verpackte Masse, welche in 2 Sorten nach Europa gelangt:
1)nbsp; Als Chinakamplier, von der Insel Formosa stammend. Die klein zerschnittenen Tiieile des Kampherbaumes werden dort auf einem durchlöcherten Deckel über Tröge mit siedendem Wasser gelegt, so dass der Wasserdampf durchstreicht und den Kampher mit übersublimirt, worauf er in irdenen Töpfen aufgefangen und ge-presst wird.
2)nbsp; Als Japankamj)her, welcher namentlich in der japane-sischen Provinz Tosa auf Shikoku in der Weise gewonnen wird, dass die Holzstücke des Kampherbaumes in hölzerne Tonnen gefüllt werden, worauf durch diese Tonnen Wasserdämpfe hindurchgetrieben werden. #9632;
Kröhner, Arzuoiraittellehre. 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
|
||
|
|
||
|
|
||
|
450nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kampher.
Eine dritte, uicht ot'ticinelle Sorte ist der Borneokampher von der abweichenden Formol CinHJK0.
Der offloinelle Kampher bildet grössere, convex-concave, in der Mitte durchbohrte Kuchen von etwa 1 kg Gewicht, welche in blät-terig-krystallinische, weisse, glänzende, mürbe, bröckelige Stücke von charakteristischem (icruche und Geschmackc zerschlagen werden. Aus oft'ener Schale verdampft der Kampher in kurzer Zeit ohne Rückstand; in halbgefüllten Flaschen bedeckt er die Innenwand mit glänzenden Krystallen. Im Wasser ist er fast unlöslich (1 : 1000), dagegen löst er sich in Weingeist, Aether, Chloroform, sowie in ätherischen und fetten Oelen (3:8). Mit Weingeist oder Aether besprengt lässt er sich pulvern (Camphora trita). A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Spiritus camphoratus, Kampherspiritus, ist eine 100/oige Mischung von Kampher (1), Spiritus (7) und Wusser (2) von wasserklarer Beschaffenheit, stark nach Kampher und Alkohol riechend und schmeckend. Bei Zusatz von Wasser wird der Kampher in weissen Flocken ausgefällt. Die österreichische Pharmakopöe stellt das Präparat nur aus Kampher (1) und Weingeist (9) dar. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Oleum camphoratum, Kampheröl, ist eine Auflösung von Kampher
(1) in Olivenöl (9). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Linimentum saponato-camphoratum, Opodeldok, ist eine farblose, leicht opalescirendo, weingeistige Seifenlüsung mit Zusatz von Kampher, iitherischen Oelen und Salmiakgeist, welche beim Erkalten gelatinirt, jedoch in Berührung mit dem Körper leicht schmilzt. Sie ist zusammengesetzt aus Kampher (20), medicinischer Seife (00), Weingeist (810), Glycerin (60), Thymianöl (4), Rosmarinöl (6) und Ammoniak (50). A.P. 100,0 = Pfennig.
Linimentum saponato-camphoratum liquidum, flüssiger Opo-deldock, ist ein gelbliches, flüssiges Gemenge von Kampherspiritus (120), Seifenspiritus (o50), Ammoniak (24), Thymianöl (2), Rosmarinöl (4).
Linimentum ammoniato - camphoratum, flüchtiges Kampher-liniment, ist ein weisses, dickflüssiges Gemenge von Kampheröl (3), Mohnöl und Liquor Amnion. caust. (aä 1). A.P. 100,0 = 85 Pfennig.
Unguentum Cerusaae camphoratum ist Blei weis ssalbe (05) mit Kampher (6). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Vinum camphoratum, Kampherwein, ist eine Emulsion von Kampher (1), Weingeist (1), Gummischleim (3), Weisswein (45).
Acidum camphoricum, Kamphersäure, in Deutschland officinell, bildet farblose Krystallblättohen oder ein weisses Pulver von säuerlichem und hinterher etwas bitterem Geschmacke, hei etwa 178180 0 schmelzend, im Prohirrohre stärker erhitzt, stechend riechende, dicke, weisse Dämpfe
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kampher.
|
451
|
||
|
|
|||
|
ausgebend und unter Bildung eines weissen Sublimates vollständig flüchtig. Kamphersäure löst sich in ungefilhr 140 Theilen kaltem, in 8 Theilen siedendem Wasser, in 1,3 Theilen Weingeist, in 1,8 Theilen Aether und in etwa 1000 Theilen Chloroform. Die Kamphersäure hat die Formel C10Hi6O4 ss CyittlOOOH)]) ist also als Oxydationsproduct des Kamphers (C^HnjO), d. h. als Karapher ^0 aufzufassen. Sie wird äusserlich als Antisepti-cum und Adstringens in '/a20/oigen Spirituosen Lösungen namentlich in der Ohrenheilkunde, innerlich als geschätztes Expectorans, Anticysti-cum und Antihydroticum angewandt. Ihr Preis ist der des Jodoforms (1 g kostet 10 Pfennig).
t Nicht offlcinelle Kampherpräparate. Camphora monobromata, Monobromkampher, CLHjijBrO, durch Einwirken von Brom auf gepulverten Kampher dargestellt, bildet farblose Nadeln oder Schuppen von schwachem kampherähnlichem Gerüche, welche luftbeständig sind. Wird als Sedativ um bei Tetanus, Epilepsie, Chorea, Herzklopfen, Nymphomanie etc. empfohlen. Camphora phenylica, Carbolkampher, eine ölige Flüssigkeit von aromatischem Gerüche, gegen juckende Ekzeme und als Anti-septicum in der Wundbehandlung empfohlen. CamphocarbonsUure, eine Verbindung von Kampher und Kohlensäure. Thiocamf, durch Einwirkung von schwefliger Säure auf Kampher dargestellt; Laifan, ein chinesisches, aus Borneol bestehendes Heilmittel.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Der Kampher wirkt reizend auf Haut, Schleimhäute und Wunden. Innerlich gegeben erzeugt er daher in grösseren Gaben Verdauungsstörungen, Magenkatarrh und selbst Magenentzündung und kann ferner hei seiner Ausscheidung durch die Nieren eine Nieren- und Blasenentzündung bctlingen.
2)nbsp; Das Nervensystem, namentlich das Gehirn, wird durch den Kampher ebenfalls erregt und zwar wirken kleine Dosen im Allgemeinen leicht anregend, excitirend auf die Gehirnthätigkeit, während grosse Gaben einerseits hochgradige psychische Unruhe und Aufregung, andererseits in Folge Erregung des Krampfcentrums im Gehirn Krampfanfälle auslösen, welche einen tetanischen oder epileptiformen Charakter haben und zuletzt in Lähmung übergehen.
3)nbsp; Die Herzthätigkeit wird durch kleine Kamphergaben gesteigert und dadurch der Luftdruck vermehrt, was sich schon äusserlich durch die höhere Röthung der sichtbaren Schleimhäute; z. B. der Conjunctiva, kundgibt. Die Wirkung herzlähmender Gifte lässt sich durch Kampher experimentell paralysiren.
4)nbsp; Die Körpertemperatur sinkt schon bei gesunden, noch stärker aber bei hebernden Thicren nach mittelgrossen Gaben. Eine specitische fieberwidrige Wirkung besitzt der Kampher gegenüber dem septischen Fieber.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
452nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kampher.
5)nbsp; Der Kampher besitzt endlich hervorragende untisep tische Eigenschaften. Er ist ein starkes Gift für alle Fäulniss-, Gährungs-und Entzündungserreger, speciell für die Infectionsstoffe der Septikämie und Pyiinüe. Versuchsthiere, welchen vorher Kampher beigebracht ist, bekommen nach Einspritzung von Jauche kein Fieber mehr (Binz). Auch die weissen Blutkörperchen werden durch Kampher ähnlich wie durch Chinin gelähmt.
6)nbsp; Die Aufnahme dos Kamphers erfolgt wegen seiner Flüchtigkeit sowohl von der unverletzten Haut, als von den Schleimhäuten, von der Subcutis und von Wunden aus. Die Ausscheidung geschieht theils im unzersetzten Zustande durch die Exspirationsluft und Hautausdünstung, zum Theil nach einer vorausgegangenen Zersetzung durch den Harn als Camphoglykuronsäure und Uramido-Camphogly-kuronsäure.
Anwendung. 1) Innerlich in kleinen Dosen alsExcitaus für Gehirn und Herz in allen Zuständen von Schwäche, Betäubung, Collaps, Erschöpfung im Verlaufe fieberhafter Infcctionskrankheiten, acuter und chronischer Herzleiden, schwerer Vergiftungen u. s. w.
2)nbsp; Innerlich in kleinen Dosen als Fiebermittel, namentlich bei allen septischen und mit starker Herzschwäche verlaufenden Fiebern.
3)nbsp; innerlich in grösseren Dosen als reizendes und desinficirendes Expeotorans bei chronischen Katarrhen der Luftwege, Bronchi-ektasien etc. (Kamphergeruch der ausgeathmeten Luft!)
4)nbsp; Aeusserlich als hautreizendes Mittel bei Rheumatismus, chronischen Entzündungen der Haut, der Unterhaut, der Sehnenscheiden, Sehnen, des Periosts, der Gelenke, bei Stauungsödemen.
B) Aeusserlich als entzündungswidriges und desinficirendes Mittel gegen Euter- und Lymphdrüsenentzündung, Ery-sipel, Phlegmone, schlecht granulirende Wunden, Geschwüre, Fisteln. Oontraindicirt ist der Kampher bei Schlacht-thicren, weil sich der Geruch dem Fleische mittheilt.
Form. Inn er lieh gibt man den Kampher Pferden in Pillen-form. Hunden als Emulsion. Im Uebrigen empfiehlt sich wegen der ungünstigen Einwirkung des Kamphers auf die Verdauung, namentlich bei der Anwendung des Kamphers als Excitans, mehr die süben tane Application in der Form des Kampheröls. Die Dosis des Kampheröls beträgt die 5fache des Kamphers (Dosis excitans für
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Karnphsr.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45ü
Pferd und Rind 525,0; Schaf, Ziege und Schwein 5 10,0; Hund 2 bis 5,0; Katze 0,51,0). Auch den Kampherspiritus kann man ohne Nachtheil subcutan injiciren; derselbe vereinigt die excitirenden Eigenschaften des Karaphers und des Alkohols und wird in denselben Dosen wie das Kampheröl ordinirt.
Aeusserlich applicirt man den Kampher entweder rein als Camphora trita (z. B. zum Frottiren), oder in Form der Salbe, des Kampherspiritus und Oels sowie der Linimente. Eine sehr feine Vor-theilung des Kamphers für Salben erzielt man durch Ausfällen desselben aus concentrirten ätherischen oder alkoholischen Lösungen mittelst Wasser.
Dosis. I) Als Excitans:
Pferd und Rind 15,0. Schaf, Ziege und Schwein 0,52,0, Hund 0,20,5. Katze und Geflügel 0,1 0,2. 2) Als Antipyreticum: Pferd 5-15,0. Hund 0,52,0. Katze 0,10,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Camphorae tritae ;J0,0.
Pulv. Rad. Althaeae 150,0. Aqu. qu. s. f. Pilul. Nr. III. D. S. Täglich 1 Pille für ein Pferd mit septischem Fieber.
2)nbsp; Rp. ülei camphorati 50,0.
D. S. Stündlich eine 5-Grammspritze (1-Grammspritze) für ein Pferd, Hund) mit Herzschwäche subcutan zu injiciren.
8) Rp. Camphorae tritae 25,0. D. in Charta cerata. S. Aeusserlich zum Frottiren.
4) Rp. Camphor, trit. 2,0. Adip. suill. 20,0. M. f. Ugt. D. S. Aeusserlich gegen Phlegmone.
6) Rp. Spiritus camphorati 300,0. 01. Terehinth. 10,0. M. D.S. Aeusserlich für einen Hund mit Rheumatismus (Pferd mit Kolik).
|
||
|
|
||
|
|
||
|
454nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Terpentinöl.
|
||
|
|
||
|
Oleum Terebinthinae. Terpentinöl.
Stammpfluuze: Pinus I'inaster, austral is, Taeda. Familie: Coniferen (Ahietineen).
Geschichtliches. Das Wort Terpentin stammt aus dem persischen Termentinquot; oder Turmentinquot;. Colophonium soll von der jonischen Stadt Kolophon als Exportstadt für Fichten harz stammen (Pinus wird abgeleitet von Pix, Pech; Föhre von Feuer; Kiefer von Kien- Führe, Tanne von tan = Feuer, Lärche von Larix).
Pharmakognosie. Das Terpentinöl ist das im Harze der Coniferen (Ahietineen) enthaltene ätherische Oel, ein Kohlenwasserstoff von der Formel O10O18. Es wird aus den Harzsäften (Terpentinen) verschiedener Coniferen durch Destillation dargestellt, so in Nordamerika aus den Terpentinen von Pinus australis und Pinus Taeda (Weibrauchkiefer), indem dieselben ohne Zusatz von Wasser in kupfernen Blasen erhitzt werden, ferner in Stidfrankreich aus dem Terpentin von Pinus Pinaster, der Strandkiefer, indem in den erhitzten Terpentin Wasserdämpfe geleitet werden. Ausserdem unterscheidet man österreichisches, deutsches, schwedisches, v enetianisches Terpentinöl.
Das Terpentinöl bildet ein dünnflüssiges, farbloses bis blassgelbliches, ätherisches Oel von charakteristischem Gerüche, welches in Wasser unlöslich, in Weingeist zum Tbeil löslich ist. Sein speeifisches Gewicht beträgt 0,8550,865. Es besteht chemisch fast nur aus O10H18 = Pinen. Während es im frischen Zustande neutral ist, oxydirt es sich bei längerem Stehen an der Luft und reagirt dann sauer (Bildung von Ameisensäure, Essigsäure, Kamphersäure und Wasserstoffsuperoxyd); gleichzeitig wird es dicker, schwerer und mehr gelblich (Verharzung). Ob das alte Terpentinöl Ozon (0.,) enthält, ist nicht sicher entschieden. Das Terpentinöl löst Phosphor, Schwefel, Harze etc. auf; mit Jod zusammengebracht verpufft es. Sein Siedepunkt liegt zwischen 150 und 160deg; C. Das Oleum Terebinthinae rectifleatum ist rectificirtes, d. h. nochmals und zwar nach vorausgegangenem Schütteln mit Kalkwasser (zur Bindung etwaiger Säuren) destillirtes und daher ganz neutrales Terpentinöl. A.P. 500,0 = 1 Mark.
Terebinthina, gemeiner Terpentin (Terebinthiua communis), der officinelle Harzsaft der Abietineen, ist ein Gemenge von Harz (70 bis
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Terpentinöl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 455
SS0/raquo;) mit Terpentinöl (15300|o). Das Harz ist als ein Oxydations-protluct des Terpentinöls aufzufassen, das wahrscheinlich identisch mit Abietinsäure (Pininsäure, Sylvinsäure) ist. Der Terpentin wird im Sommer gewonnen durch Anhauen der Bilume und Ablösung der Rinde und zwar von Pinus Pinaster (Strandkiefer; französischer Terpentin), Pin us Laricis (Schwarzföhre; Niederösterreich), Pinus silvestr is (gemeine Kiefer; Deutschland und Russland), Pinus australis und Taeda (amerikanischer Terpentin). Der Terpentin bildet einen dickflüssigen, körnig-trüben, schwachgelblichen Balsam von eigenthümlichem Gerüche und bitterem Geschmacke, welcher in der Ruhe einen krystallini-schen Bodensatz von Abietinsäure bildet, der sich jedoch in der Wärme wieder auflöst. Mit dem öfachen Gewichte Weingeist gibt der Terpentin eine klare, sauer reagirende Lösung. Als Tere b inthina Veneta oder laricina, venetianischen oder Lärchenterpentin bezeichnet man im Gegensatze zum gemeinen Terpentin eine feinere, klarere und reinere, sowie besser riechende, aber auch theurere Sorte, welche in Südtirol aus Pinus Larix und Pinus deeidua hergestellt wird (Meran, Bozen, Trient) und in Oester-reich offlcinoll ist. Durch theilweises Abdestilliren des Terpentinöls erhält man die Terebinth in a coot a. 0 fficin eile Präparate des Terpentins sind ausserdem Unguentum Terebinthinae, die Harz- oder Terpentinsalbe, welche aus gleichen Theilen Terpentin, Terpentinöl und Wachs, ferner das Unguentum basiliqum, die Königs sal be, welche aus Olivenöl (45), Wachs, Colophonium und Talg (ää 15) und Terpentin (10) besteht und von gelbbrauner Farbe ist, sowie das Linimentum tere-binthinatum, das Terpentinlinim ent, welches aus Terpentinöl (40), Schmierseife (54) und Pottasche (6) dargestellt wird.
f Resina Pini, Pichtenharz (nicht officinell), stammt von Pinus Abies und unterscheidet sich vom Terpentin nur durch seinen geringeren Gehalt an ätherischem Oel. Es war früher in zwei Sorten im Gebrauch: als Resina Pini communis und als Resina Pini alba oder Bur-gundica (weisses oder Burgunderharz; Pix alba). Sein ätherisches Oel ist bekannt unter dem Namen Kien öl). Pinol ist das ätherische Oel von Pinus Pumilo (Latschenkiefernöl).
Colophonium, Geigenharz, ist das vom ätherischen Oele und Wasser ganz befreite reine Harz der Abietineen, welches meist aus Pinus australis und Taeda in Nordamerika gewonnen wird und in der Hauptsache aus amorpher Abietinsäure besteht. Dient zur Herstellung von Pflastern.
t Pix navalis (nigra, solida; Schiffspech, Schusterpech) ist kein Harz, sondern der Rückstand bei der Destillation des Theers und besteht hauptsächlich aus Reten, C1UH1H. Dient zur Herstellung von Pflastern.
Emplastrum adhaesivum, Heftpflaster, wird officinell aus Bleipflaster (500), gelbem Wachs, Dammarharz, Geigenharz (je 50) und Terpentin dargestellt. Nach Her twig gibt nachstehendes Recept ein gutes Heftpflaster: Rp. Plumbi oxydati subtil, pulver., Olei Lini ää 150,0. Coque diligenter agitando per horam dimid. Admisce Resin. Burgund., Colophon, aa 30,0. Wird erwärmt auf Leder oder Leinwand gestrichen.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
45Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Terpentinöl.
Resina Dammar, Dammar harz, von Dammara alba und orientalis (Coniferen), Hoppea micrantha und splendida (Dipterocarpea), ein farbloses, durchscheinendes, hartes Harz südindischer Bäume (Molukken, Philippinen). Dient als Zusatz zum Heftpflaster.
t Resina Mastix, Mastixharz, von Pistacia lentiscus auf der Insel Chios. (Cap Mastiko), bildet rundliche oder lilngliche, aussen bestäubte, anfangs grünliche, später gelbliche oder farblose Körner, welche im Munde gekaut (Mastixquot;) eine zähe Masse bilden. Dient als Zusatz zum Safran-und englischen Scharfpflaster (ist in Oesterreich officinell).
t Elemi, das Harz verschiedener Burseraceen der Tropenländer, dient zur Lack- und Pflasterfahrikation. In Oesterreich ebenfalls officinell.
|
||
|
|
||
|
Wirkung. 1) Das Terpentinöl und der Terpentin wirken reizend auf Haut und Schleimhäute, sowie auf die übrigen Gewebe-des Thierkörpers, wenn sie mit ihnen in Berührung kommen (Wunden, Suboutis, Nieren). Auf der Haut entsteht zunächst Brennen und Hyperämie, unter Umständen auch eine starke Schwellung und selbst Entzündung der Haut mit Exsudation und Haarausfall. In Folge dessen werden die Hausthiere nach dem Einreiben von Terpentinöl in die Haut je nach der Menge und Concentration mehr oder weniger stark aufgeregt; Pferde schütteln und reiben sich, sind sehr unruhig, werfen sich nieder und wälzen sich, scharren und schlagen mit den Vorderbeinen und gerathen in Schweiss, Hunde schreien oft sogar, Rinder erheben sich vom Boden. Innerlich erzeugt das Terpentinöl in kleinen Dosen eine Hyperämie der Schleimhaut des Verdauungsapparates mit gesteigerter Secretion aller Verdauungsdrüsen und vermehrter Peristaltik; die Absonderung des Harns ist vermehrt. Grössere Dosen bedingen Erbrechen und die Erscheinungen einer Magendarmentzündung, insbesondere Kolik und Durchfall; ausserdem entsteht bei wiederholten grösseren Gaben eine hämorrhagische Nephritis mit Hämaturie.
2) Das Centrain ervensy stem wird, und zwar namentlich das vasomotorische Centrum, durch kleine Gaben von Terpentinöl erregt; in Folge dessen steigt der Blutdruck, die Puls- und Athmungs-frequenz und die Beflexerregbarkeit. Grössere Dosen erzeugen Narkose und Lähmung. Es entsteht hiebei zunächst Eingenommenheit des Sensoriuras, Schwindel, Taumeln, Betäubung, Sinken des-Blutdrucks, der Pulsfrequenz und Temperatur, sodann Verlangsamung und zuletzt Lähmung der Athmung und allgemeine Lähmung. Nach Binz lässt sich ferner experimentell toxischer Tetanus (Brucin) durch
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Terpentinöl.
|
457
|
||
|
|
|||
|
gleichzeitige Anwendung von Terpentinöl verhindern (krampfstillende Wirkung der ätherischen Oele).
3)nbsp; Das Terpentinöl hat fäulnisswidrige, gährungswidrige und antiparasitäre Wirkungen. Es ist ein starkes Gift für Eingeweidewürmer (Spulwürmer, Bandwürmer), ferner für Hautparasiten (Zecken, Läuse, Räudemilben). Die antiseptische Wirkung des Terpentinöls ist eine sehr starke. Nach Koch tödtet Terpentinöl trockene Milzbrandsporen nach 510 Tagen. Nach Gra-witz und de Bary soll das Terpentinöl ein keimtödtendes Mittel ersten Ranges sein, welches noch 1 : 75,000 entwicklungshemmend auf Milzhrandbacillen wirkt und in mancher Beziehung dem Sublimat und der Carholsäure vorzuziehen ist, auch namentlich Instrumente in wenigen Minuten sicher steril macht. Eiterkokken werden durch reines Terpentinöl sofort, Rotzhacillen nach 12 Tagen vernichtet (Martens, Cadöac).
4)nbsp; nbsp;Das Terpentinöl wirkt secretionsheschränkend auf die Schleimhaut des Respirationsapparates (Rossbach) und wahrscheinlich auch auf die der Blase.
5)nbsp; Das Terpentinöl zeigt zuweilen eine auffallend starke styp-tische, blutstillende Localwirkung bei Blutungen aus Wunden und Schleimhäuten.
Die Aufnahme des Terpentinöls erfolgt schon von der unverletzten Haut aus. Die Ausscheidung geschieht theils im unzersetzten Zustande durch die Lungen (Terpentingeruch der ausgeathmeten Luft), die Hautdrüsen, die Milch (Kicnölgeruch), theils im zersetzten durch die Nieren. Charakteristisch ist hiebei insbesondere der schon nach kleinen Gaben auftretende intensive Veilchengeruch des Harns (gepaarte Glykuronsäuren).
|
|||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) Als reizendes Stomachicum ist das Terpentinöl insbesonders in der Rinderpraxis in kleineren Gaben zu empfehlen gegen chronische Verdauungsstörungen, indem es die Rumination stark anregt.
2) Grössere Dosen erweisen sich als kräftiges Wurmmittel (Spulwürmer beim Pferde).
8) In kleinen Dosen ist das Terpentinöl ein starkes Diureticum (Anwendung bei Hydrops).
4) Bei chronischen Katarrhen des Respirationsapparates und der Blase wird es ferner in kleinen Dosen als secretions-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
458nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Terpentinöl.
beschränkendes und desinticirendes Mittel gegeben; gleichzeitig besitzt es eine reizende, expectorirende Wirkung.
5) Das alte oxydirte, ozonhaltige Terpentinöl ist ein werthvolles Gegengift gegen Phosphor, indem es denselben zu phosphoriger und untcrphosphoriger Säure oxydirt, welche ungiftig sind. Der Phosphor verliert daher auch nach der Befeuchtung mit altem Terpentinöl the Fähigkeit im Dunkeln zu leuchten.
Ö) Wie viele ätherische Oele kann auch das Terpentinöl innerlich bei Krampfkolik als krampfstillendes Mittel verabreicht werden. (In der Menschenheilkunde wird es ausserdem als Specificum gegen die Diphtherie innerlich angewandt.)
7)nbsp; nbsp;Aeusserlich wird das Terpentinöl als hautreizendes, erregendes und ableitendes Mittel angewandt bei chronischem Muskelrheumatismus, Stauungaödemen der Haut, Schwäche- und Lähmungszuständen, Muskolatrophie, chronischen Gelenks- undSehnen-lahmheiten, Kolik, beim sogenannten Festliegen hochträchtiger Rinder etc. Oagny empfiehlt bei rotzverdächtigen Pferden als diagnostisches Hilfsmittel subeutane Terpentinölinjectionen (an der rechten und linken Brustwand in je 2 Intercostalräumen zu je 1 Gramm), um durch die starke Revulsivwirkung des Terpentinöls den chronischen Rotz acut und dadurch wahrnehmbar zu machen. Er will in einem Falle bei einem verdächtigen Pferde schon innerhalb 48 Stunden den acuten Rotz auf diese Weise herbeigeführt haben.
8)nbsp; Ebenfalls äusserlich als antiphlogistisches Mittel gegen Peritonitis und Pleuritis in Form der Einreibung auf die Bauchdecken resp. Brustwandungen- ferner gegen Erysipel und Phlegmone.
9)nbsp; Als Antisepticum und Desinficiens wird das Terpentinöl und der Terpentin angewandt namentlich bei älteren, schlecht granulirenden Wunden, um die Granulation anzuregen und die Abstossung abgestorbener Theile (Sehnen, Knorpel, Knochen) zu befördern (Digestivsalbe, Hufsalbe); ferner als Inhalation gegenLungen-cavernen, putride Bronchitis und Bronchiektasien.
10)nbsp; Als äusserliches Antiparasiticum dient Terpentinöl namentlich zum Tod ten der Zecken und als Zusatz zu Räudebädern, ferner intratracheul oder inhalirt zur Vernichtung der Lungenwürmer und in Form von Klystieren (1 : 510 Oel) gegen Mastdarm würmer.
11)nbsp; nbsp;Als locales Stypticum kann es in verzweifelten Fällen von Blutungen aus Wunden und Schleimhäuten versucht werden.
|
||
|
|
||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Terpentinöl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;459
12) Endlich wird der Terpentin als Constituens zur Herstellung verschiedener Pflaster benützt.
Contraindicirt ist die innerliche Verwendung des Terpentinöls in grössoren Dosen bei allen Schlachtthieren und bei Mi loh* thieren (Geruch des Fleisches und der Milch), ferner bei bestehender Grastroenteritis und acuter Nephritis.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Form. Innerlich gibt nnin das Terpentinöl entweder in Pillen (Pferd) oder als Emulsion mit Oel, Gummi arabicum, schleimigen Abkochungen (Wiederkäuer, Hund); Hunden wird es auch zweckmässig in Gelatinekapseln verabreicht. Aeusserlich verdünnt man das Terpentinöl zu reizenden Einreibiingen mit Oel, Spiritus, Kampherspiritus etc. (1: 1020) oder spritzt es subcutan in unverdünntem Zustande oder mit gleichen Theilen Spiritus resp. Oel ein (15,0 bei Muskelrheumatismus der Pferde, 510,0 um Rinder zum Aufstehen zu bewegen). Zu Inhalationen benützt man 15,,/oige Mischungen mit Wasser, zu intratrachealen Injectionen Mischungen mit Olivenöl (1 : 110). In der Wundbehandlung endlich benützt man spirituöse Mischungen (1 : 120) oder Salben (Digestivsalbe). Den Terpentin benützt man zur Herstellung von Pflastern (z. B. Lund-sches Pflaster gegen Widerristschäden).
Recepte.
1)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 50,0.
Decoct. Sem. Lini 26,0 : 300,0. M. D. S. Auf 2mal einzuschütten für ein Riud mit chronischer Indigestion.
2)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 100,0.
Oloi Ricini .ri00,0. M. D. S. Für ein Pferd mit Spulwürmern auf Imal einzusdiiitteu.
3)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 10,0.
Ouinmi arabici 20,0. Aqu. destill. 300,0. M. f. Emulsio. D. S. 3mal täglich 1 Esslöffel für einen Hund mit fötider Bronchitis.
4)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 0,25.
Olei Olivar. 0,5.
M. D. tal. dos. in oapsul. gelatin. Xr. X. S. Täglicii 1 Kapsel einzugeben für einen Hund mit Blasenkatarrh.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sabiuakraut.
6) Rp. Olei Terebinth. 10,0.
Spiritus camphorlaquo; 300,0. Mi D. S. Aeusserlich für einen Hund mit Rheumatismus (Pferd mit Kolik).
6)nbsp; Rp. Olei Terebinth.
Olei Olivar. iTS 100,0. M. D. S. Zu subcutanen und intratrachealen Injoctionen.
7)nbsp; Rp. Terebinth, eommun.
Pieis nigrao ää 250,0. Liquefac et misoo in leni ealore. M. D. S. Auf ein Stück Leder zu streichen (Lund'schcs Pflaster).
Terpinum hydratum, Terpinhydrat, von der Formel C10Hlf,, 2H2O -f-H.jO, bildet sich, wenn man das Terpentinöl mit Wasser zusammen sich selber überlässt. Es wird künstlich aus rectificirtem Terpentinöl, Alkohol und Salpetersäure (4:3:1) dargestellt. Es bildet grosse, far found geruchlose rhombische Krystalle von schwach aromatischem 6e-schmacke, welche in heissem Wasser, Alkohol und Aether leicht löslich sind und sich bei 117deg; C. zu Terpin = CidHi^UHjC verwandeln. Das in Deutschland officinelle Präparat vermehrt in kleinen Dosen die Secretion der Bronchialschleimhaut, während es dieselbe in grösseren Dosen umgekehrt beschränkt; avisserdem wirkt es diuretisch und schmerzstillend. Man gibt es beim Menschen in Dosen von 0,20,5 entweder in Pillen oder in Lösung. Ep. Terpini hydrati 3,0; Sacchari, Gummi arabici ää 1,0; f. Pil. Nr. 30 oder: Kp. Terpini hydrati 2,0; Spiritus, Aquae destill., Syrupi Menth. piper, ää 50,0. A.P. 10,0 = 40 Pfennig.
t Summitates Sabinae, S ab inakrau t. Der Sadebaum oder Seven-baum, Juniperus Sabina, ist ein immergrünender niedriger Strauch (Conifere), welcher im südlichen Europa wild wacht und bei uns cultivirt wird. Die alten Sabiner (Seviner) benützten die Pflanze schon als Abor-tivum; als Thierheilmittel ist sie ferner empfohlen schon von Columella (De re rustica, 1. Jahrh. n. Chr.). Seine Zweige oder Spitzen, die Summitates Sabinae (Herba Sabinae), in Oesterreich officinell, haben Aehnlichkeit mit Cypressonz weigen; dieselben sind nämlich dicht besetzt oder schuppig eingehüllt von grünen, rautenförmigen Nadelblättchen, welche vierzeilig geordnet und bald angedrückt und stumpf, bald etwas abstehend und zugespitzt sind und stets auf dem Rücken eine längliche, vertiefte Oeldrüse tragen. Die Zweigspitzen haben einen eigenartigen, kräftig aromatischen Geruch und einen bitteren herben Geschmack; bisweilen sitzen an ihnen kleine, dunkelblaue oder braungraue eingeschrumpfte Beeren. Die Sadebaumspitzen enthalten das mit dem Terpentinöl isomere ätherische Sabinaol von der Formel OjoHui, welches in den frischen Spitzen zu 22,5 0/o, in den Beeren bis zu lOn/o enthalten ist, ferner einen stark toxischen Bestandtheil, welcher nach Buchheim zu den Säureanhydriden gehört, ausserdem Gerbsäure, Harz und Zucker.
Das die Wirkung des Sabinakrautes im Allgemeinen bedingende ätherische Sablnaöl wirkt ähnlich, aber wesentlich stärker als das Terpentinöl, reizend und entzündungserregend auf Haut, Schleimhäute und Nieren; in grösseren Dosen erzeugt es selbst eine hämorrhagisehe Gastroenteritis, Nephritis und Cystitis. Kleine Gaben regen
|
||
|
|
||
|
l
|
||
|
|
||||
|
Wacholderbeeren.
|
4Ö1
|
|||
|
|
||||
|
die Verdauung und die Nierensecretion an. Nach den Versuchen von Röhrig an Kaninchen hat die Sabina ausserdera eine specifische tetanische Einwirkung auf den Uterus und die Blasenmuskulatur. Auf Wunden wirken die Sadebaumspitzen desinficirend und anregend. Das Sabinu-kraut wird angewandt als Stomachicum bei chronischen Verdauungsstörungen der Wiederkäuer; als Diureticum bei Wassersucht; als uterus-contrahirendes Mittel bei schwachen Wehen, fehlender Contraction des Uterus nach der Geburt, Endometritis, Zurückbleiben der Nachgeburt (dagegen eignet sich die Sabina wegen ihrer giftigen Wirkung nicht als Abortivum); äusserlich als Reizmittel und Desinf iciens für Wunde n, Geschwüre, Fisteln, als Einspritzung in den puerperalen Uterus und gegen Endometritis, sowie zu reizenden Haut ein re ibun gen gegen Rheumatismus. Die Dosis beträgt für Pferde und Rinder 2550,0, Schafe und Ziegen 510,U. Innerlich gibt man die Sadebaumspitzen in Latwergen, Schüttelmixturen sowie im Infus, äusserlich wendet man sie als Streupulver, als Infus, Extract und Salbe im.
|
||||
|
|
||||
|
Fruotns Juniperi. Wacholderbeeren.
Stlaquo; in iiipfl(i)ize: Juniperus communis. Familie: Coniferen (Cujiren-einten),
Qeschichtliclies. Die Wacholder (wach = immergrün, der = Baum) ist schon im Mittelalter ein vielbenütztes Arzneimittel gewesen; im 13. Jahrhundert findet er sich auch schon in dem alten Arzneibuch von Wales.
Pharmakognosie. Dio Wacholderbeeren sind ku g elig e, s oh war z-
braune, bläulich bereifte Beeren, welche am Scheitel drei Nähte und am Grunde 2 Wirtel brauner Deckblättchen zeigen. Das kräftig gewiirzhafte und süss schmeckende Fruchtfleisch um-scbliesst 3 harte, kantige, aufrechte Samen, welche mit Oeldrüsen besetzt sind. Die Samen enthalten das ätherische Waoholderöl zu 12quot;/o, während das Fruchtfleisch Zucker und zwar bis zu 30o/n, ausser-
|
||||
|
|
||||
|
dem organische Säuren,
|
J u n i p e r i n und Harz enthält. A.P.
|
|||
|
|
||||
|
200,0 = 45 Pfennig.
|
||||
|
|
||||
|
Oleum Juniperi, Wacholder öl, wird durch Dampfdestillation aus den AVaoholderbeeren dargestellt. Es ist ein farbloses bis hellgelbes, dem Terpentinöl sehr ähnliches ätherisches Oel, welches aus Pinen (CjoH,,;) und Sesquiterpen (CiäiL^) besteht, in Weingeist wenig löslich ist, aber mit Jod sich nicht erhitzt (Gegensatz zum Terpentinöl). Es besitzt einen angenehmen Wacholdergeruch und Geschmack; 1 Tropfen mit Zucker verrieben und mit 500,0 Wasser geschüttelt darf keinen scharfen Geschmack mittheilen. An der Luft wird das Wacholderöl dickflüssig und gelblich, indem es verharzt. Das vorstehende Oleum Juniperi aethereum darf nicht verwechselt werden mit dem Oleum Juniperi empyreu-maticum, dem Wachholderholzölquot;, d. h. dem aus Wacholderholz durch trockene Destillation dargestellten Theer, dem sogenannten Kadeölquot;. A.P. 1,0 = 6 Pfennig.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wacholderbeerelaquo;.
Succus Juniperi inspissatus, Wacholdermus (Roob Juniperi), ist ein eingedickter, dunkelbrauner Fruchtsaft von süssem, gewürz-haftem, nicht bren/.lichem Geschmacke, welcher ans den frischen Wacholderbeeren durch Zerquetschen, Uebergiessen mit heissem Wasser, Abpressen und Eindicken des Saftes dargestellt wird. Es enthält Zucker und wenig Wacholderöl. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Spiritus Juniperi, Wacholderspiritus, wird durch Zerquetschen der Wacholderbeeren, Maceriren mit Weingeist und Destillation dargestellt. Lignum Juniperi, Wacholderholz, ist in Oesterreich officinell als Bestandtheil der Species Lignorum.
Wirkung und Anwendung. Das Wacholderöl ist dem Terpentinöl in seinen Wirkungen nahe vor wandt.
1)nbsp; Es ist vor Allem ein Diureticum, welches milder wirkt als das Terpentinöl. Die Wacholderbeeren sind daher ein viel benutztes harntreibendes Mittel gegen entzündliche und mechanische Wassersüchten. Insbesondere wird auch der Succus Juniperi inspissatus als Zusatz zu diuretischen Mixturen benützt.
2)nbsp; Ausserdem werden die Wacholderbeeren als Stomachicum, Carminativum, Expectorans, Milchmittel, als Bandwurm-mittel bei Lämmern (Trasbot). sowie endlich als innerliches Anti-septicum namentlich gegen Blasenkatarrh gegeben.
3)nbsp; Das ätherische Wacholderöl wird äusserlich wie das Terpentinöl zu reizenden Einreibungen gegen Rheumatismus etc. sowie als Desinficiens in der Wundbehandlung angewandt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rinder 50100,0.
Pferde 2550,0.
Schafe, Ziegen, Schweine 510,0. Hunde 15,0. Katzen und Geflügel 0,52,0.
Form. Man gibt die Wacholderbeeren entweder als Fresspulver oder als Zusatz zu Latwergen; den Saft ebenfalls in Latwergen oder Mixturen, das Wacholderöl als Schüttelmixtur oder Emulsion, oder mit Spiritus verdünnt. Die früher üblichen Rilucherungen mit Wacholderbeeren zum Zwecke der Desinfection sind nutzlos; auch haben sich dieselben gegen Lungenwürmer unwirksam erwiesen.
Recepte.
1) Rp. Fruct. .Tunip. pnlv. 100,0. Natrii chlorati orudi 250,0. Natrii nitrici 50,0. M. D. S. Auf jodea Futter 1 Esslüffel für ein Pferd mit Wassersucht.
|
||
|
|
||
|
.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Lorbeeren.
|
403
|
||
|
|
|||
|
2) R\gt;. Fl'UOti Juniperi pulv. 250,0. Natrii sulfurioi 500,0. Ammonii chlorati 50,0. M. D. S. Tätlich den 3. Theil mit 1 Flasche Leiusainonabkoehuiig- einzuschütten für ein Riud mit Lungenkatarrh.
8) Rp. Succi Juniperi inspissati
Liquor. Kalii acetici ää 25,0. Ini'usi Fol. Digital. 2,0:250,0. M. D. S. Täglicli 2 EsslöiVel (TheelöfTel) für einen grossen (kleinen) Hund mit allgemeiner AVassersucht. 4) Rp. 01. Juniper, aether. 5,0. Spiritus 100,0. M. D. S. Innerlich listüudlich 10 Tropfen für einen Hund mit Blascn-katarrh.
|
|||
|
|
|||
|
Fructus Lauri. Lorbeeren.
Stamtnjif tanze: LetWUS nobilis. Fainillc: Laurineen (Lauraceen).
Geschichtliches. Der Lorbeer (lor = laurus) ist eine alte, schon bei den Griechen als Seuchenmittel benützte Arzneipflanze. Im Tegernseeer Arzneibuch (13. Jahrhundert) werden die Lorbeeren gegen Nierenkrankheiten empfohlen.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. Die Lorbeeren sind braunschwarze, länglichrunde oder kugelige, bis l1/laquo; cm dicke, stark runzelige Beeren mit dünnem, leicht zerbrechlichem Fruchtgehäuse und fleischigem, bräunlichem Samenkerne, Sie haben einen aromatischen und gleichzeitig bitteren und herben Geschmack. Sie enthalten zu 10(o ein ätherisches, dem Terpentinöl verwandtes Oel, ein fettes Oei sowie Laurin, Zucker und Gummi. A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Oleum Lauri, Lorbeer öl, wird durch Auspressen der Lorbeeren in Italien und Griechenland dargestellt und bildet ein grünes, salbenartiges, körnig-krystallinisches Fett von starkem, aromatischem Gerüche. Dasselbe besteht 1) aus iltherischem Ool, Lorbeerkampher und Nelkensäure, 2) aus einem fetten Oel, dem Laurostearin (Glycerid der Laurinsäure, Oelsilure und anderer Fettsäuren), 3) aus Chlorophyll (grüner Pflanzenfarbstoff). Bei hoher Aussentemperatur wird es flüssig, in der Kälte butterartig fest. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Lorbeeren werden in Folge ihres Gehaltes an ätherischem Oel als gewürzhaftes Sto-machicum und als Diureticum benützt. Dosis für Pferd und Rind 20,050,0, für Schafe und Ziegen 510,0, für Schweine 25,0. für Hunde 0,52,0, Katzen und Geflügel 0,20,5.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4(34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Anis.
2) Das Lorbeeröl wird äusserlich zu reizenden Einreibungen, ähnlich wie Terpentinöl, gegen Rheumatismus, chronische Sehnen-, Gelenks- und Knochenentzündungen, Drüsen- und Euterentzündungen, zur Abhaltung von Fliegen, sowie zur Beförderung des Hufwachsthums als Einreibung auf die Krone angewandt.
|
||
|
|
||
|
Fructus Anisi. Anis.
Stu m m pflu u ze : PlmpintUa Anisum. Familie: Umbelliferen. Ein sehr altes Heilmittel (Egypten, Kreta).
Pharmakognosie. Der Anis (Fructus Anisi vulgar is) ist ein einjähriges, ursprünglich aus dem Oriente stammendes Kraut, welches in Spanien, Russland, Frankreich, Italien und Deutschland (Thüringen, Franken, Magdeburg) eultivirt wird. Seine Früchte sind gegen 5 mm lang, von matter, grünlichgrauer Form, breit-eiförmig, von feinen Börstchen dicht besetzt, von 10 geraden, glatten, etwas helleren Rippen durchzogen und aus zwei zusammenhängenden Theilfrüchtchen bestehend. Der Geruch und Geschmack der Früchte ist in hohem Grade gewürzhaft süsslich. Sie enthalten in den unter der Oberfläche gelegenen Oelstriemen das ätherische Anisöl (23 0/o), im Kern Sameneiweiss und fettes Oel. Die beste Handelssorte ist der spanische Anis. A.P. 100,0 = 55 Pfennig.
Die Anissamen dürfen nicht verwechselt werden mit den ähnlich wirkenden Fructus Anethi, den Dillsamcn, von Anethum graveolens, einer Umbellifere, sowie mit den Fructus Anisi stel-lati, dem Sternanis, von lllicium anisatum, einer Magnoliacee Oochinchinas (in Oesterreich officinell).
Oleum Anisi, Anisöl, das ätherische Oel der Anisfrüchte, wird aus denselben durch Dampfdestillation dargestellt. Es bildet bei 10deg; C. eine weisse, blätterige Krystallmasse von sehr aromatischem Gerüche und süsslichem Geschmacke, welche bei 15deg; C. weicher wird und bei 17deg; C. zu einer farblosen, stark lichtbrochenden Flüssigkeit vom speeifischen Gewicht 0,980,99 schmilzt. Das Anisöl ist klar mit Weingeist mischbar; diese Lösung ist neutral und soll durch Eisenchlorid nicht violett gefärbt werden (Carbolsäure!). 1 Tropfen Anisöl mit Zucker verrieben und mit 500 g Wasser geschüttelt, soll demselben einen süsslichen angenehmen Anisgeschmack ertheilen. Das Anisöl besteht aus über 900/o krystallini-schem Anethol = Aniskampher von der Formel CmH^O, ausserdem aus flüssigem Anethol und Spuren eines mit dem Terpentinöl isomeren Terpens. An der Luft verharzt es allmählich, weshalb es vor Licht geschützt und an einem kühlen Orte in wohlverscblossenen Gefässen aufzubewahren ist. A.P. 10,0 = 5 Pfennig. Liquor Ammonii anisatus ist eine Mischung von Anisöl
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
AniSi
|
465
|
||
|
|
|||
|
(1), Weingeist (24) und Ammoniak (quot;gt;). A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Elaeo-saccharum Anisi, Anisülzuoker, ist eine Mischung von 1 Tropren Anisöl mit 2 g Zuckerpulver. Ausserdom ist Anis ein Bestandthoil der Species laxantes St. Germain und der T. Opii benzoica.
Wirkung und Anwendung. 1) Das ätherische Anisöl regt in kleinen Dosen die Secretion der Verdauungsdrüsen an, deswegen wird der Anis in kleinen Mengen als ein g e w ü rzhaftes Stomachicum bei den Verdauungskrankheitcn namentlich der Pflanzenfresser sowie als (leschmackscorrigens für schlecht schmeckende Arzneien angewandt. Grössere Dosen von Anisöl erzeugen Magendarmkatarrh. {Dosis des Anisöls für Hunde 1 5 Tropfen.)
2)nbsp; nbsp;Das Anisöl besitzt gährungs- und fäulnisswidrige Wirkungen. Man gibt daher den Anis innerlich als Antizymoticum bei abnormen (t! ährungspr ocessen im Magen und Darmkanal, so insbesondere bei den durch Zersetzung der Milch bedingten Darmkatarrhen der säugenden Tbiere,
3)nbsp; Das Anisöl steigert, wie alle ätherischen Oele, die Secretion der Schleimdrüsen der Bronchialschleimbaut. Darauf bezieht sich die Anwendung des Anis sowie des Liquor Ammonii anisatus als Ex-pectorans bei Katarrhen der Respirationsschleunhaut.
4)nbsp; nbsp;AVegen der krampfstillenden und anästhesirenden Wirkung des Anisöls wird der Anis bei Krampfkolik, Husten u. s. w. angewandt.
5)nbsp; Der Anis ist ferner von jeher empirisch als Milchmittel benutzt worden, da man eine anregende Einwirkung des Anisöls auf die Milchsecretion annahm. Untersuchungen von Hess. Schaffer und Bondzynski (Landwirthschaftliches Jahrbuch der Schweiz 1888) haben indess bezüglich der Steigerung der Milchsecretion durch Anis (wie auch durch Fenchel, Kümmel, Calmus, Wacholderbeeren und Enzian) bei gesunden Thieren ein negatives Resultat gehabt. Zu demselben Ergebnisse haben meine eigenen Untersuchungen geführt (Monats-hefte für prakt. Thierheilkunde 1891).
6)nbsp; Aeusserlich ist das Anisöl ein kräftiges Antiparasiticum gegen Ungeziefer der Haut, namentlich gegen Yogelmüben, Feder-lingo, Läuse, Flohe. Es darf jedoch bei Vögeln mir in sehr verdünntem Zustande (1 : 50100 Spiritus) oder mit fetten (Men verdünnt (Olivenöl, Leinöl) oder in Form schwacher Anisinfuse und als gepulverter Anis zur Anwendung gelangen, da es unverdünnt und in grösseren Mengen aufgetragen bei Kanarienvögeln und Tauben stark hautreizend und giftig wirkt.
Froliner, Arzneimittellehre. 1. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 30
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fenohel.
Dosis der Fructus Anisi.
Rind 25.'.0,0.
Pferd 1025,0.
Schaf. Ziege, Schwein 510,0.
Hund 0,52,0.
Katze und UeHiigel 0,20,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Kniet. Anisi pulv.
Sal. Carolin, factitii ää 150,0. M. D. S. Auf jedes Futter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Magenkatarrh, Broueliialkatarrli, Druse etc.
2)nbsp; Rp. I'Vuetus Anisi pulv.
Fruct. FoeniouU pulv. ITä 100,0. Stibii sulfur, nigri Xatr. chlorat. crml. ää 200,0. M, D. S. Milohpulvor für Kiilic; auf jedes Futter 2 Esslöffel.
8) Rp. Olei Anisi 1,0. Spiritus 100,0. M. D. S. Aeusserlieh zum Besprengen dos Geflügels gegen Ungeziefer.
4) Bp. Olei Anisi 2,0. Spiritus 20,0. M. D. S. Bstündlioll 5 10 Tropfen für einen Hund mit Enteritis.
|
||
|
|
||
|
Fruotas Foeulonli. Fenchel.
Starnmpflanget Foeniculum capülaoeum (ruhjare). Familie: um-bellifcrcH.
Geschichtliches. Dor Fenchel (aus Foeniculumquot; entstanden) ist eine alte Arzneipflanze (Hippokrates), die schon im 11. Jahrhundert als Expecto-rans und Carminativum empfohlen (Avicenna), und in Deutschland seit Karl dem Grossen (Capitulare) angebaut worden ist.
Pharmakognosie. Der Fenchel ist eine im südlichen Europa vorkommende und auf Feldern sowie in Gärten überall in Deutschland angebaute Umbelliferc, deren bräunlichgrünc, längliche Früchte etwa 8 mm lang und 3 nun breit sind, und 5 stark hervortretende, hello, strohgelbe, gekielte Rippen besitzen, zwischen denen je ein Oolgang durchschimmert. Der Geruch und Geschmack ist gewürzhaft und süss. Gewöhnlich ist die Frucht in ihren beiden Hälften zerfallen. Der Fenchel enthält das ätherische Fenchelöl (23,5quot;/o), fettes Gel und Zucker. A.P. 100,0 g = 53 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kümmel.
|
4ü7
|
||
|
|
|||
|
Oleum Foeniculi, Fenchelül, wird aus tlen Fenchelfrücliten dui-ch Dampfdestillation dargestellt. Das Fenclielül ist im Wesentlichen identisch mit Anis öl, es bestellt nilmlich aus Aue t hol, welches sieh wie beim Anisül in der Killte kry stallin isch ausscheidet, Fineu und Dipenten; ausserdem enthält es Fenchon, ein Keton von der Formel OjoHirO. Auch im Geruch und Geschmack stimmt es mit dem Anisül überein. Es ist lern er farblos, vom speeifischen Gewichte 0,1)6. A.F. 1,0 = 5 Pfennig. Aqua Foeniculi, Fenchelwasser, wird dargestellt . indem 1 Theil zerstossener Fenchel mit Wasser übergössen und 'iO Theile ubde-stillirt werden. A.F. 100,0 = 16 Pfennig. Ausserdem bilden die Penohel-samen einen Bestandtheil der Species laxantos St, Germain, des Pulvis Liqniritiae oompositus und des Syrupus Sennae,
Wirkung und Anwendung. Bei der fast vollständigen Identität des Oleum Foeniculi mit dem Oleum Anisi stimmt der Fenchel in seinen Wirkungen mit dem Anis vollkommen überein. Wie der Anis ist er ein Stomacliicum und Geschmackscorrigens. ein blähunga- und gährungswidriges, krampfstillendes (Versuche von Binz) sowie expectorirendes und hustonlinderndes Mittel, welches ebenfalls herkömmlich einen Bestandtheil der Milchpulver bildet. Endlich wird der Fenchel im Infus äusserlich gegen Augenont/ündungou angewandt (Romershausen's Augenwasser). Dosis und Form = Frnctus Anisi.
|
|||
|
|
|||
|
t Fructus Phellandrii, Wasserfenchel. Der Wasserfenchel (Boss-fenchel; Stammpflanze: Oenanthe Phellandrium; Familie: Umbelli-feren) bildet braune, unangenehm würzig riechende und schmek-kende, eiförmige Früchte von ß nun Länge mit amp; stumpfen, wenig hervortretenden Rippen, zwischen denen schmale Thälchen mit je einem Oelgang liegen. Sie enthalten ein ätherisches Oel (l0/o), ferner das Phel-iandriol, sowie fettes Oel. Der früher officinelle Wasserfenchel wirkt etwas schärfer als Anis und Fenchel, mit denen er im Uebrigen in der Wirkung vollkommen übereinstimmt. Er wird namentlich als Expect or ans und leichtes D iureticura angewandt. Wie Hertwig gezeigt hat, haben auch sehr grosse Dosen des Mittels (300540,0 bei Pferden und Kühen; 30 bis 60,0 bei Hunden) keine schädlichen Folgen. Dosis und Form = Fructus Anisi. Fructus Coriandri, Koriander, von Coriandrnm sativum, ist in Oesterreich officinell.
|
|||
|
|
|||
|
Fructus Carvi. Kttmmellaquo;
Stammpflanze: Carum Carvi. Familiei Umhdlifercn.
Geschichtliches. Das Wort Kümmel stammt aus dem arabischen Kamunquot; (Gewürz); der Name Carum weist auf Karlen (Kleinasien) hin, von wo der Kümmel im Alterthum bezogen wurde. Das Wort Carvum wird vom arabischen Karawaja' abgeleitet.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
4(38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I'otersilicnsiuucn.
Pharmakognosie. Der Kümmel bildet läugliclio, siohel-förmige, braune Früchte von sein- kräftigem, eigenartigem Gerüche und Geschmacke, welche his 5 mm lang und 1 mm breit sind und je 5 hellere Rippen mit entsprechenden Tliälclien besitzen, -welche mit je einem Oelgange versehen sind, Sie enthalten das ätherische Kiimmelöl (46 0/o) und ausserdem fettes Oel. A.P. 100,0 = 45 Pfennig.
Oleum Carvi, das äthorische Kiimmelöl (Carvol), wird durch Dampfdestillation der Kümmelfrtiobte dargestellt. Es besteht in der Hauptsache aus Carvol = OjoH^O, welches dem Kiimmelöl den charakteristischen Geruch verleiht, und Spuren von Carven (Limonen), einem Terpen, und bildet eine farblose oder bl assgelbliche Flüssigkeit vom speci-fischen Gewicht 0,91, welche sich mit Weingeist in jedem Verhältniss leicht löst und bei 224deg; siedet. Mit gleichviel Weingeist verdünnt, wird das Kümmelöl durch einen Tropfen Eisenchlorid schwach violett oder röthlich gefärbt. Das Kümmelöl unterscheidet sich von anderen ätherischen Oelen dadurch, dass 10 Theile desselben mit 8 Theilen Weingeist und 1 Theil Ammoniak vermischt und mit Schwefelwasserstoff gesättigt, zu einer weissen Krjstallmasse erstarren. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Kümmel ist der Hauptlaquo; repräsentant der sogenannten Carminativaquot;. d. h. bliiluings-treibenden, krampfstillenden und gährungswidrigen Mittel, und findet deshalb hauptsächlich hei Kolik, Tympanitis, sowie bei abnormen Gährungen im Darme Anwendung. Ausserdem ist er wie Anis und Fenchel ein Stomuchicum und Goschmackscorrigens, sowie ein Expectorans und Milchmittel. Das Kümmelöl wird wie das Anisöl innerlich gegen Krampfkolik, z. B, beim Hunde zu 1 5 Tropfen angewandt. Dosis und Form = Fructus Anisi.
f Fructus Petroselini. Petersiliensamen. Die Petersiliensamen (S t a m m p f'l a n z e : Petroselinum sativum | Apium Petroselinum |; Familie: Umbelliferen) sind graugrüne, eiförmige, 2 mm lange Spaltfrüchte mit 5 fadenförmigen Hippen und eigenthümlich aromatischem Gerüche. Sie enthalten das ätherische Fetersilienöl, welches aus dem festen Apiol (dem Petorsilienkampher) und einem flüchtigen Terpen bestellt, sowie fettes Oel. Das Apiol (Petersilienkampher) hat die Formel C^H^Ci, und wird aus den Petersiliensamen durch Extraction mittelst Alkohol und Aether dargestellt. Es bildet weisse Krystallnadeln, welche schwach nach Petersilie riechen und in Wasser fast unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether, Fetten und ätherischen Gelen leicht löslich sind. Das Apiol ist ein Anti-septicum, welches ausserdem eine chininähnliche Wirkung besitzt und daher in der Menschenheilkunde in Dosen von 0,2r)1,0 gegen Wechsel-fieber angewandt wird.Die Petersiliensamen wurden früher hauptsächlich als harntreibendes Mittel und zwar Pferden in Dosen von 1025.ü, Rindern zu 2550,0, Schafen , Ziegen und Schweinen zu 510,0, Hunden zu 25,0, Katzen zu 12,0 gegeben, ausserdem innerlich wie Anis und Fenchel als Stomachicum und Garmin a ti vu m. Aousserlich können
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kiuiiilk'ii.
|
4Ö9
|
||
|
|
|||
|
sie gepulvert oder im AufgUBS gegen liäuse sowie iianieiitlicli gegen die Jiautparasiten des (leflügels angewandt werden. Auch die Wurzel und das Kraut der Petersilie sind früher ähnlich benützt worden.
|
|||
|
|
|||
|
Florcs Chamomillae. Kniuillen.
Sl ti in m pfla n ~ c: Malrican'a (Jliiiiiioinilhi. Familiti Vom posit cn.
Geschichtliches. Die Kamillen sind ein altes Volksniittel. Der Name Kamillen stammt aus dem griechischen #9632;//./.l'i.a;'iJ.-f;gt;.ov (kleiner Apfelquot;); der Name Matricaria (mater = Gebilrmutter) weist auf die altgebräuchliche Anwendung bei Uterusleiden hin.
Pharmakognosie. Die Kamillen bilden kahle Blüthenköpflaquo;
chen mit kegeligem, nacktem, innen hohlem Blüthenboden von 5 mm Hohe und l1^ mm Breite. Sie haben 12 18 weisse Rand-hliitlien und zahlreiche gelbe Scheibenblüthen und sind durch Ihren kräftig aromatischen Greruch und bitterlichen Q-esohmack oharakterisirt. Die ecliten Kamillen, von welchen in Deutschland die gewöhnliche oder deutsche Kamille (Flor. Chamomillae vul-garis), in Oesterreicli ausserdem noch die römische oder edle Kamille (Flor. Chamomillae Romanae, die BlUthen von Anthemis nobilis) (jfficinell sind, unterscheiden sicli von der sogenannten Hundskamille (Anthemis arvensis und Cotula) sowie von Chrysanthemum ino-dorum durch ihren hohlen, hügeligen Blüthenboden, welcher ausserdem nicht, wie bei der Hundskamille, mit Spreublättchen besetzt ist. A.D. 200,0 = 85 Pfennig.
Die frischen Kamillen enthalten das ätherische Kamüleuöl zu etwa 0,250/o (A.D. 0,1 = 10 Pfennig), einen blauen Kampher (Cörulein, Azulen) von der Formel C^H^O, ausserdem Bitterstoff und Harz.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Kamillenöl hat vor allem eine krampfstillende Wirkung auf den Magen und Dann, sowie auf den Uterus und die Blase. Experimentelle quot;Versuche von Binz haben gezeigt, dass sogar der Strychnintetanus durch gleichzeitige Verabreichung kräftiger Gaben von Kamillenöl bei den betreffenden Versuchsthieren paralysirt wird. Deshalb werden die Kamillen innerlich hauptsächlich als Oarminativum und Antispasmodicum bei Krampfkolik, schmerzhaften Darmkatarrhen, Uterus- und Blasenkrämpfen in der Form des Infuses angewandt. Auch zur Unterstützung des diaphoretischen Kurverfahrens hat man sie innerlich in der Form des wannen Kamillenthces verabreicht.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
170nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;PfefferminablStter.
2) Aeusscrlicli verwendet man sie herkömmlich zur Herstellung von Kataplasmen, Klystieren, Augenwftssern, Wund-
wässcrn etc.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Kind 2550,0.
Schaf, Ziege 510,0. Schwein 2 5,0. Hund 15,0. Katze und Geflügel 0,20,5.
Rccepto.
1)nbsp; Rp. Infuai Flor. Ohamomillae 25,0 : 500,0.
Spiritus aetherei 20,0. M. D. S. Kinguss für ein I'ford mit Krampfkolik.
2)nbsp; Rp. I'ulv. Flor. Cliamomill. 100,0.
Chlorall bydrati 50,0. M. igt;. S. Auf 2iiial mit je 1 Flasche Leinsamonabkoohung oiuzusohütten für ein Rind mit Knunpfweheu.
3)nbsp; Rp, Infnsi Flor. Ohamomillae 10,0 1150,0.
Tiuctur. Ojiii spl. 5,0. M, D. S. Sstundlich 1 Esslöffel für einen Hund mit schmerzhafter Diarrhöe.
|
||
|
|
||
|
Folia Mcuthae piperltao. Pfeffermlnzblätter.
Stammpflanze: Mentha plperlla, Familie: Labiatoi.
Geschichtliches. Die Pfefferminze ist eine alte chinesische Pflanze und eine der ältesten Arzneiplliur/.en überhaupt (grieoh. juvHyj, altind. Manth). Schon l'linius empfiehlt die Schläfen damit gegen Kopfschmerz einzureiben. Im Klostergarten zu St. Gallen wurden drei verschiedene Minzen gebaut (Be-standtheil des Pulvers; contra omnes i'ebres).
Pharmakognosie. Die Pfefferminzblätter sind scharfgesägte, kurzgestielte, spitzeiförmige, kahle Blätter mit starkem Mittelnerv von kräftig aromatischem Glerucli und Geschmack, welche auf der Zunge ein Oiel'ühl von Kälte hinterlassen. Die in England wild wachsende Pflanze wird in Deutschland in Gärten eultivirt. Die Blätter enthalten das äthensclie PleffernÜBZÖl ZU etwa 1 0/o. ausserdem Q-erbsäure. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Oloum Menthae piperitae, das ätherische P fefform i nzii 1, wird von den Blättern und blühenden Zweigspitzen durch Dampfdestillation dargestellt. Man unterscheidet im Handel deutsches, englisches, französisches, amerikanisches und japanisches Oel. Hie Jahrcsprodnction beträgt in Amerika und Japan je tiö70,000 kg, in England und Frankreich 5000 bis
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
rfeffcTminzbliittcr.
|
471
|
||
|
|
|||
|
7000 kg, in Deutschland 400 kg. Es ist ein farbloses Oel von külilendom, kamplienu'tigeui Gcsclnnacke, vom specifisuhen Gewichte 0,ilO0,91, welches sich mit Weingeist klar mischt und bei längerem Stehen verharzt, indem es dabei eine terpentinartige Consistenz annimmt. Mit Jod erhitzt sich das Pfefferminzöl nicht; 1 g Essigsäure wird durch 1 Tropfen Pfefferminzül grünblau gefdrbt. Das Pfefferminzül besteht aus Menthol (Mentha-kampher), Menthon und flüssigen Terpenon (Men then, Lim on en, Sesquiterpen). A.P. 1,0 = 15 Pfennig.
Menthol, der Pfofferminzkamphor oder Menthakanipher (auch Pip-Menthol' genannt) von der Formel OjoHjqO, scheidet sich aus dem deutschen und amerikanischen Pfefferminzöl bei starker Abkühlung desselben ab; aus dem in Japan und China gewonnenen Oele, welches fast ausschliesslich aus Menthol besteht, scheidet sich das Menthol schon bei gewöhnlicher Temperatur ab. Es bildet farblose Krystalln adeln von stark }if e ff er min zartigem Gerüche und kühlendem, aromatischem Geschmacke, welche in Wasser nahezu unlöslich, dagegen im Alkohol und Aether leicht löslich sind. Das Montliol wird der Hauptmasse nach in Japan und China dargestellt, wo es seit langer Zeit im Gebrauche ist. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. Das Menthol ist in Deutschland officinell.
Spiritus Menthae piperitae, Pfefferminzspiritus, ist eine Auflösung von Pfefferminzöl (1) in Spiritus (9), A.P. 10,0 = 30 Pfennig. Aqua Menthae piperitae, Pfefferminzwasser, wird durch Destillation von Pfefferminzblättern mit Wasser dargestellt. In Oesterreich ist ferner officinell das Aqua carminativa (Windwasser), welches aussei' Pfefferminz noch Kamillen, Kümmel, Koriander, Fenchel etc. enthält. A.P. 100.0 = 2;quot;) Pfennig. Syrupus Menthae piperitae, Pfeffe rminzsyrup, ist ein grünlichbrauner Syrup, der durch Maceriren der Blätter mit Weingeist und Wasser unter Zusatz von Zucker dargestellt wird. Rotulae Menthae piperitae, Pfefferminzplätzchen, werden durch Benetzen von Zucker-plätzcben mit einer weingeistigen Pfefferminzlösung dargestellt. Species aromaticae, eine Mischung von Pfefferminzblättern, Quendel, Thymian. Lavendel (2), Nelken und Kubeben (1).
t Folia Menthae crispae. Krauseminzblätter. Die Krauseminz-blätter (Stammpflanzon: Mentha aquatica, viridis. arvensis und sil-vestris; Familie: Labiaten) haben einen gekräuselten Band mit scharf eingesclinittenen, verbogenen Sägezähnen, sowie eine runzelige, wellenförmige Oberfläche; dabei sind sie kurzgestielt oder sitzend, zugespitzt und von herzförmigem oder rundlich eiförmigem Umrisse. Sie haben einen ähnlichen aromatischen Geruch und Geschmack wie die Pfefferminz-blatter. Sie enthalten das ätherische Krauseminzöl, welches aus einem Kohlenwasserstoff und einem carvolähnlichen Körper besteht. Sie waren früher in Deutschland und sind Jetzt noch in Oesterreich officinell. Wirkung, Anwendung und Dosis = Folia Menthae piperitae.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. 1) Wie das Kamillenöl hat auch das Pfefferminzöl eine krampfstillende Wirkung. Die Pfefferminzblätter werden daher innerlich gegen Krampfkolik, Uterus- und Blasenkrämpfe angewandt. In fihnlicher Weise wird das Menthol
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
472nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Melissehblätter.
äusserlich als Aniistlioticuin, i. E, gegen Neuralgien des Menschen in Form des sogenannten Migränestiftes, empfohlen.
2) Das Pfefferminzöl und Menthol sind starke Antisoptica, welche angeblich noch bei einer Verdiinnung von 1 : 300,000 des-inticirend wirken und z. B, in Form der Inhalation gegen Lungentuberkulose versucht werden können. Nach Koch tödtet Menthol 1 :2000 die CholerabaoiUen.
quot;) Grosse Dosen Menthol wirken lähmend auf das Rückenmark, indem sie die Reflexerregbarkeit herabsetzen und die Sensibilität vernichten, ausscrdein lähmen sie das Athmungscentrum.
4) AVie die Kamillen, so können auch die Pfeffenninzblötter wegen ihrer antiseptischen und schmerzlindernden Wirkung als Zusatz zu Kataplasmen verwendet werden.
Dosis and Form--Flores Chamomillae.
|
||
|
|
||
|
Folia Melissae. Melis.senblilttei*.
Stammpflanise: Melissa offlotnalls. Familie.' Labiaten.
Geschichtliches. Die Melisse ([ilXt = Honig, |j,tXi4eot = Biene) ist ein altes Heilmittel, das von den Arabern in Spanien angebaut wurde. Iquot;i21 findet sie sich in einem Verzeiohniss der Braunschweiger Bathsapotheke,
Pharmakognosie. Die Melissenblätter stammen von der Citronen-melisse, einem bei uns in Gärten cultivirten Kraute. Sie sind lang-gestielt, breiteiförmig oder herzförmig, am Rande mit rundlichen Kerbzähnen besetzt, dünn, kahl oder nur unterseits etwas flaumig, höchstens 4 cm lang und 3 cm breit. Ihr Geruch ist oitronenähnlich. Sie enthalten das ätherische Mellssenöl sowie Gerbsäure. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Officinell ist ferner der Spiritus Melissae compositus, der Karmelitergeist, welcher aus Melissen,. Citronensebalen, Muskatnüssen, Zimmt, Nelken, Weingeist und Wasser durch Destillation gewonnen wird. A.P. 10,0=10 Pfennig.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Folia Menthae piperitae.
Herba Thyml. Thymian.
Stammpflauzc: Thymus Vtllgaris, Fumilic: Labialen.
Geschichtliches. Der Thymian {Mpoi = Kraft, stärkende Wirkung) ist ein altes Heilmittel (Theophrast, Dioscorides), welches bei den Kömern auch als Gewürz diente (Caehns).
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Thymoli
|
47:1
|
||
|
|
|||
|
Pharniakognosie. 1) Das Thymiankraut bestellt aus dick-liehen, am Rande um gerollten, nadelt'örmigen, behaarten, bis 9 mm langen und bis :gt; mm breiton Blättern, welche auf diiniien. ästigen Stengeln sitzen. Die Blumen sind blass violett, zweilippig. Geruch und Gesehmack sind sehr gewürzhaft, Das Thymiankraut enthält das ätherische Thymianöl sowie das Thymol. A.l'. 10,0 = 5 Pfennig.
2) Thymohm, Thymol (Thymiankampher), offloinell, wird aus Thymianöl sowie aus anderen Pflanzen (Monarda punetata; Ptychotis coptica = Ajowan) durch Ausziehen mit Natronlauge und Ausfällen mit Salzsäure gewonnen. Es hat die Zusammensetzung C10HwO = C.H,. Cm,. OH . C:1H7 = Me thy 1 - Prop y 1-P h enol und bildet grosse, farblose, nach Thymian riechende, aromatisch schmeckende Krystallo, welche bei 51quot; G. schmelzen und sich sehr leicht in Weingeist, Aether, Chloroform und Natronlauge (1: 12), weniger leicht in Glycerin, fetten und ätherischen Oelen lösen (1 :100). In Wasser löst sich Thymol 1:1100. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Oleum Thymi, Thymianöl, wird aus Blattern und blühenden
Trieben des Thymians durch Dampfdestillation dargestellt. Es ist ein fast farbloses oder nur scliwacli röthliohes, dünnflüssiges, ätherisches Oel von stark aromatischem Geruch und Gesehmack, welches aus Thymol = 0;0Hult;). dem isomeren Carvacrol, Thymen = OioHm und Oymen = O10H14 besteht. A.P. 1,0 5 Pfennig. Ueber Thymoljodid (Aristoll vergl. S. 2(17.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Thymol wirkt stark fäul-niss- und gährungs widri g, wobei es die Garbolsäure etwa um das lOfache übertrifft. Nach neueren Untersuchungen ist das Thymöl weniger ein antiseptisches (keimtödtendes), als ein kolyseptisches (entwicklungshemmendes, den Nährboden für die Bacterien immun machendes) Mittel. Es behindert das Waclisthum der Eiterkokken (Staphylococcus aureus) und das der Milzbrandbacillen schon bei 1 : 10,000 und hebt es vollständig auf bei 1 : 3000. Rotzbacillen werden durch Thymol nach 15 Minuten vernichtet. Es ist ferner noch in einer Verdünnung von 1 : 1000 ein gährungs- und fäul-nisswidriges Mittel, welches wegen seiner relativen l'ngiftigkeit als Ersatzmittel der Garbolsäure in der antiseptischen Wundbehandlung empfohlen worden ist. Ausserdem hates desodori-sirende Eigenschaften, beschränkt die Eiterung und befördert die Vernarbung. Nachtheile sind der hohe Preis, die etwas schwache antiseptische Wirkung, das Stumpfwerden der Instrumente und Rauhlaquo; werden der Hände. Das Thymol wird ferner angewandt als Gon-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
471
|
Herba Serpylll.
|
||
|
|
|||
|
servii'ungsmittel für Lymphe und anatomische Präparate, ferner äusscrlicli gegen Verbrennung. Ekzeme, Stomatitis ulco-rosrt, Zahnoaries u. s, w.
Innerlich wirkt Thymol antipyretisch und ist ein Anti-z y mo tioum gegen abnorme Qährungs- und Fäulnissprooesse im Magen und Uarm. Aueh als An thelminthicum ist es unter Anderem gegen Oxyuren empfohlen worden. Die innerliche Dosis des Thymols für Hunde beträgt Q,S2,0. Grosse Gaben Thymol erzeugen Gastroenteritis. Nephritis. Albuminurie, Hämaturic, cercbralc Lähmung, Sinken des Pulses und der Temperatur, Collaps, sowie fettige Degeneration der drüsigen Organe.
2) Das Thymiankraut wird herkömmlich innerlich als Carmi-nati vum und äusserlich als Zusatz zu Kataplasmen benützt; Dosis = Kamillen. Nach den Untersuchungen von Cadeac und Meunier wirkt das Thymusöl (und Quendelöl) thatsächlich in kleinen Dosen sedativ, kram pf st ill end, in grösseren Dosen erzeugt es Schlaf mit totaler Anästhesie. Ausserdem besitzt es stark antiseptische Wirkung (Anwendung bei Maul- und Klauenseuche).
|
|||
|
|
|||
|
Rccepte.
1)nbsp; nbsp;Uji. Thymoli 0,5.
Aqu. destill. 500,0. M. 1gt;. S. Wundwasser,
2)nbsp; Up. Herbae Thymi
Herbao Serpylli Fol. Mal vac ää 100,0. (.'dug. M. f. SjieciL's. D. S. Zu Kataplasmen.
3)nbsp; Rp, Thymoli 0,25.
Acid, benzoioi 15,0. Tinct. Eucalyjili 15,0. ()1. Menth. pip. 0,75. Spiritus 100,0. M, D. S. Tropfenweise in ein Glas Wasser bis zur Trübung (antiseptisohes Mundwasser nach Miller),
Herba Serpylli. Quendel. Das Quendelkraut (Stammpflanze! Thyimis Serpyllum, Familie: Labiaten) besteht aus beblätterten, blühenden, 1 mm starken Zweigen. Die rundlich eiförmigen Ins schmal lancett-lichen Blätter sind d Vüsig \) u n k t i r t und am Grunde 1 angge wim p e r t. Die kleinen weisslichen oder röthlichen Lippenbltttben stehen in Scheinquirlen in endständigen Köpfchen. Geruch und Geschmack sind sehr ge-würzhaft, letzterer etwas bitter. Das Quendelkraiit enthält das ätherische Quendelöl, welches aus Thymol, Cymen und Carvacrol besteht, Gerbsäure und Bitterstoff. A.P. 10,0=5 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Herba Thymi.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
ITlores Lavandulaei
|
47.r
|
||
|
|
|||
|
Flures Lavnnduliie. Lavendelblttthen.
Slu in hi jgt; fl(t n z i1: Lavanditla vera (ofßci nails). Familie: LablattH,
Geschichtliches. Die Lavendelblütheii wurden schon im Altorthum zu Bädern gebraucht (lavare = waschen, baden). Im Mittelalter dienten sie als Augenmittel und zur Vortreibung von Ungeziefer (Aebtissin Hildegard).
Pharmakognosie. Die Lavendelblüthen haben einen walzigglockigen, stahlblauen, zottigen, gestreiften Kelch mit rgt; Zähnen, von welchen der fünfte durch seine Grosse und schwarz-blaue Farbe auffällt. Die Blumenrohre ist bräunlich oder bläulich und zweiUppig, Der Gieruch ist angenehm würzig, der Geschmack bitter. Sie enthalten das ätherisclie Lavendelöl zu 180/o.
|
|||
|
|
|||
|
Oleum Lavandulae, das ätherische Lavendelöl, wird aus den Blüthen durch Dampfdestillation dargestellt. Es bildolt ein farbloses oder schwach gelbliches, angenehm riechendes Oel, welches an der Luft schnell verharzt. Es besteht aus flüssigem Terpen = C|(|H|tl und festem Lavendelkampher. Aussei-dem enthält es Ameisensäure und Essigsäure. A.P. 1,0 = ß Pfennig. Spiritus Lavandulae, Lavendelspiritus, wird durch Destillation von Lavendelblüthen mit Weingeist und Wasser dargestellt. Es dient als Zusatz zum [jiquor Kalii arsenicosi. A.P, 100,0 = 55 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Lavendelöl wirkt örtlich reizend, innerlich krampfstillend and wird daher äusserlich zu reizenden Einreibungen, innerlich in Form der Blüthen gegen Krampf-kolik etc. angewandt. Ausserdem dient es zur Herstellung von Par-fUmerien (Geruchscorrigens). Die Lavendelblüthen werden ferner zu Kataplasmen sowie als Hausmittel gegen Insekten benutzt.
Dosis und Form = Floi-cs Ohamomillae.
Reoepto.
1)nbsp; Rp. Infusi Flor. Lavandul.
Herb. Serpyll. SB 26,01 500,0. Aetheris 25,0. M. I). S. Einguss gegen Krampfkoli]lt; der Pferde.
2)nbsp; Rp. 01, Lnviuidul. 5,0.
.Spiritus camphor. 150,0. M, 1gt;. S. 'Au Einreibungen für einen Hund mit Rhcumalismus,
Floras Tiliae. Lindenblüthen. Die Linden blüthen (Stammpflanzen: Tilia parvifolia und graudifolia; Familie: Tiliaeeen) sind durch die Verwachsung des Blüthenstiels mit einem papier dünnen,
häutigen, d u r c h s c h e i n e n d e n, netzartigen, 111a s s g o 1 b ar ü neu
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
.17(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oleum Rosmarini.
Deckblatts obavakterisirt. Die StaubgelUsso sind unverbunden und zahlreich, die Kelch- und Blumenblätter /u je 6, Die Lindonblüthen enthalten Spuren von iltherischem Lindenblüthonöl, ausserdem Zucker, Schleim und Gei'bsänre, Sie werden herküminlich als schweisst.reihendes Mittel in Form dos Infuses angewandt. Ausserdem dienen sie als Zusiltze zu Kataplasmen. Dosis = El or. (J h a m o millae.
Flores Sambuci. Hollunderblüthen. Die Hol lunderblüthen oder Fliederblüthen (Stamm pflanze: Sainbucus nigra; Familie: Capri-foliaceen) sind kleine, weisse, beim Trocknen gelblich werdende und einschrumpfende, radfürmig ausgebreitete Dlüthen, welche in einer flachen 5zweigigen Trugdolde stehen und je 5 Staubfäden, Kron-lappen und Kelchzähne besitzen. Sie haben einen schwachen eigenartigen Geruch, welcher durch das in geringen Mengen ('/i quot;quot;'oo) vorhandene ätherische Hollunderül bedingt wird. quot;Wirkung und Anwendung s= Flores Tiliae.
Oleum Rosae. Rosenöl. Das Rosenöl wird aus den Eosonblättern von Rosa Damascena, moschata und anderen Rosaceen (die offieinellen Flores Rosae stammen von der gewöhnlichen Rosa centifolia) durch Destillation mit Wasser dargestellt. Die namentlich an den Südabhängen des Balkangebirgs in Bulgarien (Kisanlik) cultivirten damascenischen Rosen liefern etwa 0,04 quot;o Rosenöl. Ausserdem wird in Persien und neuerdings auch in Deutschland (Leipzig) Rosenöl producirt. Das Rosenöl besteht aus Rhodinol, einem riechenden, flüssigen Alkohol von der Formel OjoHtgO und aus einem nicht riechenden, festen Stearopten. Es bildet eine blassgelbliche, dickliche Flüssigkeit von angenehmem Kosengeruche, welche bei 12deg; krystallisirt und in der Kälte Krystall-blättchen ausscheidet. 1 Theil Rosenöl mit 5 Theilen Chloroform verdünnt, scheidet bei Zusatz von 20 Theilen Weingeist Krystallblättchen aus. In Weingeist löst sich Rosenöl 1 :100. A.P. 1 Tropfen = 10 Pfennig. Eine Miscbnng von 4 Tropfen Rosenöl mit 1000,0 lauwarmem Wasser gibt das Rosenwasser, Aqua Rosae. A.P. 100,0= 10 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Gosmeticum.
Oleum Rosmarini. Rosmai-inöl. Das ätherische Rosmarin öl wird aus den Rosmarin blättern (Stammpflanze: Rosinarinus officinalis; Familie: Labiaten) durch Dampfdestillation dargestellt. Es bildet ein farbloses oder schwach grü ngel bl iches, dünnflüssiges Gel von kamphorartigom Geruch, das sich mit Weingeist in jedem Verhältnisse mischt. Es bestellt aus Pinen (OmHia), Cineol = Eukalyptol ((J|(,HisO) und Uorneol. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Officinell sind: Unguentum Rosmarini compositum, Rosmarinsalbe (Unguentum nervinum), dargestellt aus Kosmarinöl und Wacholderöl (je 1 Theil), Schweineschmalz (10), Hammeltalg (8), gelbem Wachs (2) und Muskatbutter (2), und Acetum aromaticum, aromatischer Essig (Vierräuber- oder Pestessig), eine Mischung von Rosmarinöl, Wacholderöl, Lavendelöl, PfeiTerminzöl, Zimintöl (je 1 Theil), Citronenöl, Nelkenöl (je 2 Theile) mit verdünnter Essigsäure (450), Weingeist (300) und Wasser (1200).
Das Rosmarinöl wirkt äusserlich auf die Haut stark reizend und wird daher als hautreizendes Mittel (mit Spiritus oder als Salbe 1:1020) gegen Eheuni atismus und Lähmungen angewandt. Es ist ferner ein Bestandtheil des Opodeldok. Fn manchen (legenden wird es ausserdem
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
BacUx Valerianae.
|
All
|
||
|
|
|||
|
#9632;/u Einreibungen auf das Eutev beiuit/t, um die Mi lull zu vei'tt'6 ibetl (private Mittheiluny von Niebuhr); die Wirkung hiebei erklärt sioh wohl aus einer dadurch erzeugten Mastitis mit Versiegen der Milch. Es kann ferner wegen seiner antiparasitären Wirkung gegen Hautungeziefer und Räad6 verwendet werden. Innerlich wirkt es reizend auf die Schleiiuhaut des Magens und Darmes und erzeugt in grossen Dosen Gastroenteritis und Nephritis. Nach Cadeac und Meunier wirkt das Rosinarinöl auf das Nervensystem in kleinen Dosen reizend, in grösseren berauschend. Die höchsten Grade der Vergiftung äussern sich durch epileptische Anfälle.
t Oleum Eucalypti. Eukalyptusöl. Das ä th o ri sc h o Eu k a 1 y p t u s ü 1 wird durch Destillation aus den Eukalyplusblättern (St a mm pflanzen! Eucalyptus globulus und amygdalina; Familie: Myi taeeen) dargestellt. Es bildet ein fast farbloses, dünnflüssiges, stechend kampher-artig riechendes und kühlend-brennend schmeckendes Oel, welches chemisch ein Gemenge von Eukalyptol = C|nHlsO und Eukalypten = OjoHig ist. Das Eukalyptusöl wirkt wie die meisten ätherischen Oele reizend auf die Haut und kann daher als hautrei/.endes Mittel gegen Rheumatismus etc. angewandt werden. Es besitzt ferner d e sinficir ende Eigenschaften und verhindert die Auswanderung der weissen Blutkörperchen, weshalb es in der antiseptischen Wundbehandlung zur Herstellung anti-septischer Verbände bezw. Verbandmaterialien in Form der wässerig-Spirituosen Lösung, sowie zu desinficirendon Inhalationen bei Lungen-gangrän, chronischer Bronchitis, Bronchiektasien etc. Verwendung findet. Neuerdings wird auch das reine Ellkalyptol, eine wasserhelle Flüssigkeit, subeutan in Verbindung mit Vaseline (120|'oig) oder in Form der Inhalation gegen die Lungentuberkulose beim Menschen empfohlen. Innerlich ist es in kleinen Dosen ein Excitans für den Circulationsapparat und das Gehirn. Mittlere Dosen wirken krampfstillend (Binz), anti-pyretisch sowie anticystitisch. Grosse Dosen tödten durch Gelürn-und Eückenmarkslähmung. Die innerliche Dosis beträgt für den Hund .r)15 Tropfen, beim Pferde ebensoviel Gramm. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
t Myi'tolum. Myrtol. Das My r toi (St am mpflanze: Myrtus comnmnis; Familie: Myrtaceen) ist der bei etwa 170deg; C. siedende Be-standtheil des ätherischen Myrtenöls (= rectificirtes Myrtenöl) und stellt eine wasserklare Flüssigkeit von nicht unangenehmem Gerüche dar, welche aus dem mit Eukalyptol identischen Cineol bestellt. Das Myrtol ist neuerdings als wirksames Desinficiens für die Luftwege bei Lungengangrän, Bronchiektasien etc., sowie als Anthelmintliicum gegen Bandwürmer zu 0,15 pro die in Gelatinekapseln beim Menschen empfohlen worden. A.P. 1,0 = 15 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Itiidix Yalerlanae. Baldrianwurzel.
Slammpflanget VaUrlana offleinalls, Familie: Valerlmuen.
Geschichtliches. Die Baldrianpflanze ist ein altes nordisches Heilmittel, das im Alterthum unter dem Namen Deneniarcha'quot; oder grosses Dänemarkquot; bekannt war (Ableitung von BaldurV).
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
478nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Valevianao.
Pharmakognosie. Die Baldrianwurzel bildet einen knolligen, kurzen, ovalen, bis 2 em dicken und 4 cm langen, dunkelgmu-braunenWurzelstook, welolierringsum mit zahlreichen fingerlangen, dünnen Neben würz ein von graubrauner bis bräunlich-gelber Farbe und höchstens 2 mm Dicke besetzt ist. Der Gerucii der trockenen Wurzel ist eigenartig aromatisch, der Gescbnuick gewürzhaft, süsslicli und etwas bitter. Die Baldrianwurzel enthält zu l0/o das ätherische Baldrianöl, in welchem Terpen, Borneol, BaIdriansäure, Essigsäure und Ameisensäure enthalten sind, ausserdem Zucker. A.P. 100,0 = 75 Pfennig.
Tinctura Valerianae, Bahlriautiuctur, von röthliobbrauner Farbe und kräftigem ISaldriangeruclio, wird bereitet aus Baldrianwurzel (1) und verdünntem Weingeiste (#9632;quot;gt;). A.P. 10,0 = IB Pfennig. Tinctura Valeiianae aetherea, ätherische Baldrian tinetur, wird aus Baldrianwurzel (1) und Aetherweingeist (ö) bereitet. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Neuerdings wird'auch der 13 aldr ianilther angewandt.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Baldrianwurzel wirkt durch ihren Gehalt an ätherischem Baldrianöl in kleinen Gaben anregend auf das Nervensystem und wird daher angewandt als Excitans bei Oollapszuständen, allgemeiner Schwäche, Betäubung, Lähmung, öehirndepression, Herzschwäche, Gebärparese etc.
2)nbsp; In etwas grösseren (doppelten) Gaben wirkt die Baldrianwurzel krampfstillend. Nach Binz lässt sich bei Versuchsthieren durch gleichzeitige Einverleibung von Baldrianöl die tetanische Wirkung einer tödtlichon Strychnindosis aufheben. Deshalb wird die Baldrianwurzel herkömmlich gegen Krampf kolik, Star r kra mp i, Epilepsie und epileptiforme Krämpfe angewandt.
3)nbsp; Auch als Stornacliicum bei den chronischen Verdauungsstörungen der Wiederkäuer eignet sich die Wurzel wegen ihrer erregenden Einwirkung auf die Verdauungsdriisen. Ausserdem wird sie empirisch angewandt gegen Diabetes mellitus und insipidus und ist auch als Wurmmittel empfohlen worden.
4)nbsp; Aeusserlich dient sie in der Form der Tinetur als Zusatz zu reizenden Hau t ein roi bun gen bei Rheumatismus, (Quetschungen u. s. w.
Dosis und Form. Man gibt die Baldrianwurzel meist im Infus oder als Tinctura Valerianae, und zwar beträgt die gewöhnliche, einfaclie Dosis der Wurzel für
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Flores Arnicac.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;479
Rinder 50100,0.
Pferde 2550,0.
Schnfe, biegen S15,0.
Schweine 510,0.
Hunde 15,0.
Katzen und Geflügel ,51,0. Von der Tinetur gibt man Pferden und Rindern 2050,0, Schafen 510,0, Schweinen 25,0, Hunden 0,5 -2,0, Katzen und Geflügel 0,10,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Infusi Rad. Valerian. 50,0 i 500,0.
Spirit, dilut. 100,0. M. Igt;. S. Für ein Rind als Excitans.
2)nbsp; nbsp;Rp. Infusi Rad. Valerian. 50,0:500,0.
Aetheris 25,0. M. D. S. Für ein l'f'ord mit Krampfkülik.
8) Rp. Tinotur. Valerian, aether. 20,0. D. S. Sstttndlioh 20 Tropfen in Caffo zu geben für einen Hund mit nervöser Staupe.
|
||
|
|
||
|
Flores Arnicae. Aruikablüilien.
St a in in p fl a n z lt;: Arnica moutuna. Familie: ('omiiosilfii.
Geschichtliches. Die Arnika ist ein altes germanisches Volkslieil-mittel. Der Name Wolferlei hängt mit Wolf zusammen (, Wolfsgelb'), der Name Arnika stammt von nxip^wa, (Nieskrautquot;).
Pharmakognosie. Die Arnlkablütlien (Wolferleiblüthen) sind orangegelbe Blüthenköpfoben mit weiblioben zungenförmigen, zehnnervigen Strablblüthen, zwitterigen, röhrenförmigen Selieiben-bltitben und borstigen, fürifkantigen Früchtchen, welchen eine haar-förmige Pederkrone (Pappus) aufsitzt. Ihr Geruch ist schwach aromatisch, der Geschmack zugleich bitterlich. Sie enthalten zu etwa 0,04 quot;/o das ätherische Arnikaöl, den Bitterstoff Ar nioin, Gerbsäure und Harz. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
Tinctura Arnicae, Arnikatinctur, ist eine bräunlichgelbe Tinetur vom Gernche der Arnikablüthen und bitterlichem Goschmacke, welche in Deutschland aus 1 Theil Arnikablüthen und 10 Theilen verdünntem Weingeist dargestellt wird. In Oesterreich wird auch die Wurzel zur Darstellung mitbenutzt. A.P. 100,0 = 85 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
.]g()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; I''l(ires Arnicae.
Wirkung. 1) Das ätlierische üel der Arnikablllthen hat cine sehr scharfe, entz üiulun^serregende Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Die Blttthen und die daraus bereitete Tinctur erzeugen sclion iiusserlich auf der Haut Röthung und Entzündung, innerlich rufen sie in grösscren Gaben eine Magendarmcntzündung hervor, welche bei kleineren Hausthieren selbst tiidtlieh werden kann. Nach Her twig's Versuchen zeigen Hunde auf 24,0, Pferde auf .1090,0 Arnikablllthen Steigerung der Aussenwärme. Erhöhung der Pulsfrequenz, Speicheln, vermehrte Peristaltik und reichlichere Harnabsonderung. Von 5,0 ab erbrechen sich Hunde; bei Pferden äussert sich die Wirkung höherer Gaben (120500,0) in starkem Zittern, Speicheln, Kolik. Diarrhöe, Polyurie und Pulssteigerung während (i 8 Stunden.
2) Das Nervensystem wird durch kleine Gaben erregt, durch grosse gelähmt. Letzteres beobachtet man namentlich nach intravenöser Application der Anükatinctur. Nach den Versuchen von Viborg und Hertwig sind Pferde hiebei anfangs etwas munterer, aufgeregt, unruhig und zeigen zuweilen starkes Zittern, später werden sie matt und betäubt, taumeln, liegen schlaff und wie gelähmt am Boden und sind gegen Nadelstiche unempfindlich.
Anwendung. 1) Innerlich als Narcoticum excitans bei Collaps, Schwächezuständen, (iehirndepression, Lähmung, Gebärparese, Lungenödem, Bronchiolitis, Herzschwäche etc. gewöhnlich in Porin des Infuses.
2) Aeusserlioh in Form der Tinctur zu reizenden, zer-t heil enden Einreibungen gegen .Rheumatismus. Quetschungen, Gelenkscontusionen. Contraindicirt ist die Arnikatinctur wegen ihrer reizenden Wirkung bei Wunden (irrthümliche Anwendung der Laien).
Dosis der Floras Arnicae,
Pferde und Kinder 2550,0.
Schafe und Ziegen 515,0.
Schweine 25,0.
Hunde 0,25 1,0.
Katzen und Geflügel 0,10,2.
Recepte,
1) Rp, Infasi Flor. Arnicae 50,0:500,0. Tinctur. Veratri 10,0. M. I). S. Für ein Rind mit allgemeiner Schwäche.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Herba Absintliii,
|
481
|
||
|
|
|||
|
8) Rp. Infusi Flor. Arnicac 5,0 : 150,0. ijiquor. Aniiuoii. suiisat. .Succi Ijiquiritiae ää 5,0. 31. D. S. Setllndlloh 1 Esalöfifel (Tbeelöffel) fttr einen grosssn (kleinen)
Hund mit nervöser Staupe oder Broiichiolitis.
|
|||
|
|
|||
|
Herba Abslnthll. Wermut.
S/am inp/'la uze: Artemisia Absinthium. Familie! Contpositen,
Geschichtliches. Dor Absinth ist ein altes Wurmmittel (Wermut kommt von vermis, Wurm). Der Name Absinth ist aus dem grieohisohen äitivamp;iov = untrinkbar abzuleiten (Wermutwein). Im Alterthum wurde das Kraut namentlich gegen Insekten und Mäuse angewandt (Dioscorides). Im 1-. Jahrhundert findet es sich im Züricher Ar/neibuch erwähnt. Das ätherische Absinthül ist seit 1700 bekannt.
Pharmakognosie. Das Wermutkraut hat grauseideuhaarige Stengel und Blätter; die Blätter sind gefiedert mit zungen- oder spateiförmigen Endzipfeln; die kugeligen, nickenden Elütlionkörh-clicn enthalten gelbe RöhrenblUthen. Der Geruch ist sehr aromatisch, der Geschmack zugleich bitter. Das Wermutkraut enthält das ätlierisclie Absintliöl, eine Verbindung von Absinthol (O10H1(,O) und einem Terpen (CinH1B) zu 1J220/o, den Bitterstoff Absinthiiii, Gerbsäure, Harz. Salpeter und organische Säuren. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
Tinctura Absinthii, Wermuttinctur, ist eine dunkelbraungrüne Flüssigkeit von sehr bitterem Geschmacke, welche aus 1 Theil Kraut und 5 Theilen Spiritus dargestellt wird. Dosis für den Hund 510 Tropfen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Extractum Absinthii, Wermutes tract, wird durch Maceration des Krautes mit Weingeist und Wasser und Eindampfen der abgepressten Flüssigkeit dargestellt. Das Extract enthält das ätherische Oel und den Bitterstoff. Dosis für den Hund 0,10,5. A.P. 1,0 = 20 Pf.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Der Wermut vereinigt die Eigenschaften eines Bittermittels mit denen der ätherischen Oele.
1)nbsp; Durch seinen Gehalt an Absinthiin ist das Wermutkraut ein Stumacliicum amarum, welches herkömmlich namentlich bei Schafen angewandt wird gegen acute und chronische Verdauungsstörungen, anämische, hydropisohe und kachektisohe Zustände.
2)nbsp; Das ätherische Absinthol ist in kleinen Dosen ein Erregungsmittel für das Nervensystem, weshalb das Wermutkraut als Nar-coticum exoitans älmlicli wie das Arnikakraut angewandt werden
|
|||
|
|
|||
|
Fröhner, Arzupimittellelire. 1, Aufl.
|
81
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
4S'2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Angelicae.
kann. Grössere Dosen des Absinthöls erzeugen dagegen Schwindel, Eewusstlosigkeit und Krämpfe. So beobachtete Magnan bei einem 14 Kilo schweren Hunde nach der Einverleibung von 5 g Absinthöl starke psychische Benommenheit, epileptiforme Krämpfe und Hallucinationen (chronischer Absinthismus beim Menschen),
3) Ausserdem hat man früher den Wermut als Antipnnisi ticu in gegen Entozoen (Oxyuris) und Hautparasiten angewandt; seine Wirkung hiebei ist jedoch eine nur schwache.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Kind 2050,0.
Schafe und Ziegen 510,0. Schweine 25,0. Hunde 0,51,0. Katzen und Geflügel 0,10,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp. lufiisi Herb. Absinth. 10,0 : 200,0.
Xatrii bioarbouioi 25,0. M. I). S. Auf 2mal für ein Schaf mit Indigestion.
2)nbsp; Rp. Pulv. Herb, Absiuthii
Pulv, Rhiz, Calami ää 100,0. Xatrii chlorati crudi 50,0. (raquo;ei Terobinthinau 10,0. Parinae 750,0. M, I). S. Altes W a 1 d i ii g e r'sclies Rocopt gegen Fäule der Schafe (für 10 Schafe).
3)nbsp; Rp. Tinotur. Absinth.
Acid, liydrochlor. ää 5,0. Aqu. dostill. 300,0. M. D, S. ästündlich 1 Esslöffel (Theclöffel) für einen grossen (kleinen) H u n d mit Magenkatarrh,
|
||
|
|
||
|
Uadix Angolicae. Eugehvurzel.
Stammpflaneei Arohangelica ofjlcinalis. Familie: Umbelliferm.
Geschichtliches. Die Engelwurzel ist ein altes nordisches Heilmittel, das schon im 10. Jahrhundert in Norwegen (Drontheim) einen Handelsartikel bildete. Seit dem 14. Jahrhundert ist die Pflanze besonders von den München angebaut worden (Karthiiuser, Chartreuse). Der Name Angelica kommt von Angelus, Engel (Archangelus = Erzengel).
Pharmakognosie. Die Engelwurzel bildet einen graubraunen,
tingerlangen, bis faustdicken Wurzelstock, von wachsartig wei-
,eher, schwammiger, nicht bolziger Consistonz, von welchem
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Rhizoma Calami.
|
483
|
|||
|
|
||||
|
zahlreiche zopfartig Tersohlungene Aesto ausgehen. Die Wurzel riecht und schmeckt sehr aromatisch. Sie enthält das ätherische Angelikaöl, Angelikasäure, das kampherähnlicheAngelicin,Zucker und (iiunmi. A.P. 10,010 Pfennig. Spiritus Angelicae compositus, Angelikaspiritus, wird aus Engelwurzel, Baldrianwurzel, Wach-holderbeeren, Kampher, Weingeist und Wasser dargestellt. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Angelikawurzel dient wogen ihres angenehmen, gewürzhaften Grcschmackes als Stomachicum.
2)nbsp; Innerlich wird sie ausserdem als Reizmittel für das Nervenlaquo; system (Narcoticum excitans) in kleinen, sowie als krampfstillenlaquo; des Mittel in grösseren Dosen angewandt.
3)nbsp; Aeusserlich dient der Angolikaspiritus zu reizenden, he-lehenden Einreibungen auf die Haut.
Dosis und Porm = Herba Absinthii.
t Radix Helenii. Alantwurzel. Die Alantwuvzel (Stammpflanze:
inula Helenium; Familie: Compositen) ist ein hellgrünes, faustdickes Khizoiu, welches meist der Länge nach zerschnitten ist und in trockenem Zustande eine hornartige, spröde Consistenz hat. Sie hat einen eigen-thümlich aromatischen Geruch und bitterlichen Geschmack. Ihre wirksamen Bestandthcilo sind Helenin (Alantkampher), AI an toi, Alant-Säure, Inulin (Kohlehydrat) und Schleim. Sie ist nicht mehr officinell. Helenin, Alantkampher, von der Formel CßH|(|0 bezw. Cf,HhO. wird durch Dampfdestillation der Alantwurzel dargestellt. Es bildet färb- und geruchlose Krystallnadeln, welche in Wasser nahezu unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether, Fetten und ätherischen Oelen leicht löslich sind. Das Helen in ist ein stark antiseptisch wirkender Körper, welcher noch in einer Verdünnung von 1 :10,000 die Fäulniss des Harns verhindert und angeblich die Tuberkelbacillen vernichtet. Das Helenin ist daher in der Menschenheilkunde als Antisepticum gegen die Tuberkulose, Malaria, den Keuchhusten etc. in Einzeldosen von 0,01 empfohlen worden. Noch stärker antiseptisch als das Helenin sollen das Alantol und die Alantsäure wirken. Das Helenin wirkt ferner günstig auf die erkrankte Bronchialschleimhaut; deshalb ist die Alantwurzel von jeher als Expectorans bei Bronchialkatarrhen empfohlen worden. Ausserdem hat man sie als Stomachicum, Diureticum, üterinum und äusserlich als A ntiparasiticum angewandt.
|
|
|||
|
|
||||
|
Rhizoma Calami. Kalnmswurzel.
Stammpflanze: Aeorus Calaiiin*. Familie: Aroideen (AraceenJ.
Geschichtliches. Der Kalmus ist ein altes, indisches Heilmittel (xciXauo; == Schilf). Die erste Beschreibung stammt von Plinius. Im 13. Jahrhundert ist die Pflanze durch Tartaren in Polen eingeführt worden, von wo sie im 17. Jahrhundert nach Deutschland gelangte.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
48 Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rhizoinii Calami.
Pharmakognosie. Die Kalmuswurzel (Radix Oalami ai'oraatiol) stamnit von einer iius Asien gebürtigen, in Europa, Asien und Nordamerika einheinüsehen, scliilfälinlielien Pflanze, welehe in Deutschland namentlich in Stettin, Danzig und Liehenwerda angebaut wird. Sie bildet ein fingerdickes, walzenförmiges, plattgedrücktes, schwammiges, leichtes, graubraunes, von Wurzeln, Blatt-scheiden und Stengeln befreites Hbizoni, dessen Oberseite durch Blattnarben in dreieckige, graubraune Felder getheilt ist, welche mit der eigentlichen rothgelben Rinde abwechseln. Auf der unteren Seite sind die Narben der Nebenwurzeln in Zickzacklinie geordnet; der Querschnitt des Rhizoms ist blassröthlich bis bräunlieh. Die Wurzel hat ein eigenthündielics Aroma und einen gleichzeitig bitteren Geschmack. Das Rhizom enthält das ätlierisclie Kalmusöl zu etwa y0/n, ausserdem das (ilykosid Akorin und das Alkaloid Calamlii, welches mit Methylamin (CHaNH2) identisch ist, endlich Stärkmehl. Das Q-lykosid hat die Formel C.ii^O; es zerfällt bei Behandlung mit verdünnten Säuren und Alkalien in das ätherische Kalmusöl und Zucker, oxydirt liefert es ein Harz, das A köre tin. A.P. 100,0 a= 30 Pfennilaquo;.
|
||
|
|
||
|
Oleum Calami, das ätherische Kalmusöl, wird durch Dampf-destination aus dorn Kalniusrhizom gewonnen. Es ist eine gelbbräunliche, dickliche, stark aromatische, bitterlich schmeckende Flüssigkeit, deren wein-geistige Lösung (1 :1) sich mit einem Tropfen Eisenchlorid dunkelrothbraun larbt. A.P. 1,0 = ö Pfennig. Tinctura Calami, Kalmustinctur, von bräunlichgelber Farbe, wird aus Kalmuswurzel (1) und verdünntem Weingeist (10) dargestellt. Extractum Calami, Kalmus ex tract, von rothbrauner Farbe, wird durch Extraction mittelst Weingeist und Wasser und Eindampfen dargestellt.
Wirkung und Anwendung. Die Kalmuswurzel ist ein gewürzhaftes Stomachicum (aromatisches Bittennittel), welches zu den werthvollsten Magenmitteln, namentlich für die Pflanzenfresser, zu
zählen ist. Sie wird Pferden in Pulverform. Wiederkäuern im Infuse oder als Schüttelniixtur verordnet.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 2550,0.
Pferd 1025,0.
Schaf, Ziege und Schwein 5 10,0. Hund 0.52,0. Katze und Geflügel 0.20.5.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Uailix Levistici. IJadix Onoiiidis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4^5
Recepte.
1) R]i. Pnlv. Bhlzora. Calami 60,0. Natrii ohlorati orudi 200,0. Natrii bioarbonioi 100,0. .M. ü. S, Auf jedos Futter 1 Bsslöffe] für ein Pferd mit Magenlaquo; katarrhi
#9632;_gt;) Rp. Infusi Rhizom. Calami 50,0:000,0. Acidi hydroohlor. 20,0. AI. I). ,s. Eingasa für ein Rind mit Indigestion.
t Rhizoma Imperatoriae. Meisterwurzel. Die Meiste r w u r #9632;/. e 1 (Stammpflanze: Imperatoria Ostrutbium; Familie: ümbellii'eren) bildet einen schwärzlich brau n en, flachgedrückten, geringelten , warzigen Wurzelstock mit zahlreichen dünneren Nebenwurzeln und Auslilufern; ihr Geruch und Geschmack ist sehr stark gewürzhaft. Sie enthält das ätherische Imperatoriaöl, ausserdem einige harzartige krystallinische Körper: das Imperatorin, Ostruthin und Peuoedanin, endlich Stärkmehl. Die Wurzel ist nicht mehr offloinell, Sie ist wie die Kalmuswurzel ein ge-würzhaf'tes Stomachicum und wurde früher ausserdem als nervines Stimulans angewandt. Dosis und Form = Kalmus Wurzel.
Radix Lovistici. Liebstöckelwurzel, Die Liebstöckel würz el (Stammpflanze: Levisticum officinale [Angelica Levistioum]; Familie: Umbelliferen) bildet eine spindelförmige, 3040 cm lange und 4 cm dicke, hell braun graue, längsrunzelige, fleischige, etwas schwammige, oben quer geringelte, meist der Länge nach gespaltene Wurzel mit eigenthümlichem Aroma und bittersüssem Geschmacke. Sie enthält äth erisches Ool, Harz, Balsam, Angelikasäure, Zucker und Gummi. Die Liehstöokelwurzel wird wegen ihres ätherischen Oeles als Diureticum (Bestandtheil der Species diüreticae), A ntispasmodi-cum, Stomachicum und Narcoticum excitans benützt. Die Dosis beträgt für Binder 50100,0, für Pferde 25-50,0.
Radix Ononidis. Hauheclielwurzel. Die H auh e 0h e 1 w u r /. e 1 (Stammpflanze; Ononis spinosa; Familie: Fapilionaceen) ist eine mehrlaquo; köpf ige, fusslange, um ihre Axe gedrehte, 12 cm dicke, der Länge nach zerklüftete und zerfaserte, aussen graubraune, innen w'eisse Wurzel von zäher, holziger Beschaffenheit, welche sich nach oben in zahlreiche Stengeltriebe auflöst. Sie schmeckt kratzend, etwas herbe und snsslich, und hat einen süssholzäbnlichen Geruch, Sie enthält Harz, ein lilykosid On on in, einen glycyrrhizinartigen Körper On on id, Gerbsäure und Stärkmehl. Die Hauhechelwurzel wirkt vorwiegend als Diureticum und wird in derselben Dosis und Form wie die Liehstöokelwurzel angewandt. Sie ist ein Bestandtheil der Species diüreticae (zusammen mit Radix Levistici, Wacholderbeeren und Süssholz).
Radix Pimpinellae. Bibernellwurzel. Die Bibernellw u r z e 1 (Stammpflanzen! Pimpinella Saxiftaga und tnagna; Familie: Umbelliferen) bildet, einen braunen, leicht schneidbaren, mehrköpfigcn Wurzelstock von fleischiger Consistenz, bockartigem Gerüche und brennend scharfem, gewürzartigem Geschmack, welcher sich nach unten in die runzeligen und höckerigen, bis 20 cm langen und lquot;j cm dicken Wurzeln
|
||
|
|
||
|
|
||
|
48(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Semen Sinapis.
fortsetzt. Sie entliillt ein Utherisclios Oel, Harz, Zucker und Gerbsäure. Die Tinctura Pimpinellae, liibernelltinctur, ist bräunlichgell), von widerlichem, kratzendem Geschinacke und wird aus 1 :5 Spirit, dilut. bereitet. Die Bibernellwurzel ist ein volksthümliches Mittel, welches herkömmlich als Stomachicum und Expectorans angewandt wird. Dosis und Form 3= Radix Levistici.
Rhizoma Iridis. Veilchenwurzel. Die Veilohenwu r z e 1 oder Schwertlilie (St a m mpflanzen: Iris Germanica, pallida und Florentina; Familie: Irideen) bildet einen 12 cm langen, 4cm dicken, weissen, grob geringelten, braun punktirten, flachgedrückten, oben gabelig verzweigten Wurzelstock, welch er aus 2 5 durch Einschnürung getrennten Jahrestrieben besteht und durch seinen Veilchengeruch leicht erkennbar ist. Sie enthält ätherisches Oel, Myristin-säure, V e i 1 c h e n k a m p h e r , Harz und Stärkmehl und wird als G e-r u c h s- und G e s c h m a c k s c o r r i ge n s, sowie als Expectorans angewendet (Bestandtheil der Species pectorales, welche aus Süssholz, Eibischwurzel, Veilchenwurzel, Anis, Wollblumen und Huflattichbliittern bestehen. Dosis und Form = Radix Levistici.
Herba Meliloti. Steinklee. Der Steinklee oder Honigklee (Stamm-pflanzen: Melilotus officinalis und altissimus; Familie: Papilionaceen) hat SJzählige, längliche, scharf gezähnte Blätter und gel be Schmetter-lingsblüthen, welche in gestreckten Trauben einseitig herabhängen. Sein Geruch ist kräftig aromatisch, an Waldmeister erinnernd. Er enthält das Cumarin, eine Kampherart von der Formel C,|HH02, welche ausserdem auch im Waldmeister (Asperula odorata), Ruchgras (Anthoxanthum odoratum) und in den Tonkabohnen (Dipterix odorata) enthalten ist, ferner die Melilotsäure. Das Cumarin hat im Allgemeinen die Wirkungen der ätherischen Ocle; der Steinklee wird jedoch nur äusserlich zu Kataplasmen angewandt. Er ist deshalb auch ein Bestandtheil der Species emollientes (Fol. Althacae, Fol. Malvac. Herb. Meliloti, Flor. Chamomillae, Sem. Lini iiä).
|
||
|
|
||
|
Semen Slnapls. Senfsamen.
Stamtnpflanze: Brasnica nit/ra. Familie: Cntciferen.
Geschichtliches. Der Senf (aus dem griechischen atvam abgeleitet) ist schon im Alterthum als egyptischer Senf bekannt gewesen. Das Senföl ist im 18. Jahrhundert entdeckt und im Jahre 1865 synthetisch aus Allyl-alkohol dargestellt worden (Will).
Pharmakognosie. 1) Die Senfsamen sind sehr kleine, etwa 1 mm dicke, fast kugelige, dunkelrothbraune, feinnetzig grubige, oft grausohilferige Samen, welche beim Kauen anfangs mild ölig und schwach säuerlich, bald aber brennend scharf schmecken. Sie enthalten aussei-330/o fettem Oel das Sinigrin oder myronsaure Kalium, ein Q-lykosid, sowie das Myrosin, ein eiweissartiges Ferment. Bei Körpei'temperatui' und Anwesenheit von Wasser wirkt das Myrosin
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Sciiföl.
|
487
|
||||
|
|
|||||
|
4iuf das myronsauro Kalium zersetzend ein, indem es dasselbe in Senföl, Zucker und saures schwefelsaures Kali spaltet nach der Formel:
O.oHmO^jNK H80 = S . ON . 08H8 C^H^O,, SÜ.HK.
|
|||||
|
|
|||||
|
Mj'ronsaurcs Kali.
|
Senföl.
|
Zucker.
|
saures scliwefel-saures Kali.
|
||
|
|
|||||
|
2) Oleum Sinapis, Senföl, wird dargestellt durch Destillation des in kaltem Wasser eingeweiohten und vorher durch Auspressen von fettem Oel befreiten Senfsamens. Es bildet ein anfangs farbloses, späterhin jedoch gelbliches Oel von sehr scharfem Gerüche, welches die Augen zu T h rän e n reizt und auf der Haut Blasen zieht. Das Senföl löst sich leicht in AVeingeist, dagegen sinkt es in Wasser unter; Siedepunkt 148quot; C. Spccifisches Gewicht =3 1,0161,022. Mit concentrirter Schwefelsäure (1 : 2) unter Ab-küblung gemischt, verliert das Senföl seinen scharfen Geruch unter Bildung einer klaren, gelben Lösung, indem schwefelsaures Al-lylamin entsteht. MitAetzammoniak erwärmt, verwandelt sieb das Senföl in farbloses, krystallinisches Thiosinamin = (JS. NH, .NH^C.H.,), von lauchartigem Gerüche (Identitätsreactionen). A.P. 1,0 = 15 Pfennig; 10,0 = 1 Mark 5 Pfennig.
Der officinellc Spiritus Sinapis, Senfspiritus, ist eine 20/oige Lösung von Senföl in AVeingeist, (Für die Zwecke der Thierheil-kunde meist zu schwach.)
Prüfung des Senföls. Bei dem grossen Verbrauche des Senföls seitens der Thierilrzte ist es sehr wichtig, eine genaue Prüfung desselben auf etwaige Verfälschungen vorzunehmen, um so mehr als das Oel sehr theuer ist. Das deutsche Arzneibuch schreibt Folgendes vor: Unterwirft man das Senföl der Destillation, so muss es zwischen 148 und 150 0 sieden; sowohl die zuerst übergehenden, als auch die zuletzt aufgefangenen Antheile müssen das gleiche spec. Gewicht zeigen, wie das ursprüngliche Oel. Giesst man zu 3 g Senföl nach und nach unter guter Abkühlung 6 g Schwefelsäure, so tritt beim Uraschütteln Gasentwicklung ein, die Mischung bleibt hellgelb, zunächst vollkommen klar, wird dann zähflüssig, bisweilen krystallinisch und verliert den scharfen Geruch des Senföles (Nelkenöl, Schwefelkohlenstoff, Petroleum). Mit 5 Raumtheilen Weingeist verdünntes Senföl wird durch Zutröpfeln von Eisenchloridlösung nicht verändert (Wintergrünöl). Schüttelt man 3 g Senföl und 3 g Weingeist mit Og Ammoniakfllissigkeit in einem Külbchen zusammen, so klärt sich das Gemisch nach einigen Stunden in der Kälte (rasch bei 50deg;) und gibt gewöhnlich ohne Färbung Krystalle von Thiosinamin. Von den Krystallen giesse man die gelbe Mutterlauge ab und dampfe letztere nach und nach auf dem Wasserbade ein, indem man erst dann wieder eine neue Menge Flüssigkeit zugibt, wenn der Ammoniakgeruch verschwunden ist. Alsdann werfe man auch die Krystalle in das Abdampfschälchcn und erwärme dasselbe, nachdem man auch den letzten Inhalt des Kölbcbens noch mit Weingeist in
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||
|
488nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Senföl.
dasselbe gespült hat, im Wasserlnule, bis sieb keine (ilewiebtsabiiahme mehr zeigt. Das in dieser Weise erhaltene, 8,25 bis höchstens 0,50 g betragende Thiosinamin ist nach dem Erkalten eine bräunliche, bei 70deg; schmelzende Krystalhuasse mit lauchartigem, durchaus nicht scharfem Gerüche. In 2 Theilen warmem Wasser löst sich die Masse zu einer Lakmuspapier nicht verändernden Flüssigkeit von etwas bitterem, aber nicht nachhaltigem Geschmacko auf.
Wirkung. 1) Aousserlich auf der Haut wirkt das Senföl und das mit warmem Wasser angefeuchtete Senfsainenpulver reizend und entzündung8erregend. Unter grosser Unruhe und Aufregung der Tlnere entsteht nach 23 Stunden eine starke Schwellung der Cutis und Subcutis mit Bildung von Blasen auf der Oberfläche der Haut, welche bei fortgesetzter Anwendung des Senföls in Eiterung und schliesslich in Hautnekrose übergehen können. Die durch das Senföl hervorgerufene exsudative Hautentzündung bildet sich nach Entfernung desselben relativ rasch wieder zurück.
'!) Innerlich ist der Senf in kleinen Dosen ein Gewürz, welches die Secretion der Verdauungssäfte anregt. Gleichzeitig wird auch die Harnabsonderung vermehrt. In grossen Dosen erzeugt namentlich das Senföl Q-astroenteritis; die Senfsamen selbst werden auch in gepulvertem Zustande in relativ grossen Gaben ohne schädliche Wirkung ertragen. Xach Her twig äussern Pferde auf 2500, Kinder auf 700 g Senfsamenpulver keine auffälligen Krankheitserscheinungen.
:5) Das Senföl ist endlich ein starkes Antisepticum. welches bei seiner Einreibimg in die Haut ausserdem auch antipyretisch wirkt, weil es unter Anderem hiebei resorbirt wird und die üeber-erregenden Mikroorganismen im Innern des Körpers bekämpft.
Anwendung. 1) Die Senfsamen werden innerlich als Storn achicum und leichtes Diureticum angewandt. Man gibt Rindern 50100,0, Pferden 2050.0, Schafen und Ziegen 510,0. Sehweinen 25,0, Hunden 0,5-2,0. Katzen und Geflügel 0,10,5.
2) Aeusserlich benützt man den Senfteig (Sinapismus) oder das ätherische Senföl als Epispasticum zur Ableitung auf die Haut bei Entzündungen innerer Organe, so namentlich bei Brustseuclie, Lungenentzündung, Pleuritis, Meningitis u. s. w. Der Sinapismus wird in der Weise bereitet, dass man den pulverisirten Senfsamen mit warmem (aber nicht heissem) Wasser zu einem Brei anrührt und denselben entweder direct auf die Haut in einer Dicke von 12 cm aufträgt, oder zunächst eine Leinwanddecke mit einer 23 cm dicken Schiebte
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Hei'ha Coohleariao.
|
489
|
|||
|
|
||||
|
bestreicht und die Decke dann mit der bestrichenen Fläche nach innen auf die Haut auflegt. Je nach dem tirade der gewünschten Wirkung bleibt der Sinapismus 26 Stunden liegen und wird dann wieder abgewaschen. Einfacher, wenn auch theurer, ist die Einreibung einer Spirituosen Lösung dos Senföls auf die Haut ( Her twig. Dieokerhoff). Man benützt liiezu bei Pferden eine 580/oige,
|
||||
|
|
||||
|
beim Rinde eine 10200/oige,
|
beim Hunde eine 2-
|
lice Lösunt
|
||
|
|
||||
|
welche man z. B. bei Brustseucho einfach auf beide Brustwandunnen einreibt. Die von französischen Thierärzten empfohlene subcutane Injection von Senfspiritus ist wegen des Auftretens von Hautgangrän verwerflich. Zu vermeiden ist die gleichzeitige Anwendung von Salmiakgeist, weil hiedureh das Senföl unwirksam gemacht wird (Bildung von Thiosinamin, einem neuerdings gegen Neubildungen als Resorbens empfohlenen Mittel).
Recepte.
1)nbsp; Rp, Olel Sinapis 10,0.
Spiritus 150,0. IM. I). S. Zur scharfen Einreibung; für ein Pferd mit Brustsouclio.
2)nbsp; Rp. Pulv. Sein. Sinapis 50,0.
Pulv. Rhizom. Calami 25,0. Xatrii ohlorati orudi 250,0. M. 1). S. Auf jedes Futter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Magenkatarrh.
|
||||
|
|
||||
|
Herba Cochleariae. Löffelkraut. Das L ö f f e 1 k r a u t (81 a m m p f 1 a n z e: Cochlearia officinalis; Familie: Cruciferen) hat hinggestielte, eiförmige oder herzförmige, stumpfe, 23 cm breite Wurzelblätter; der 20 cm hohe Stengel trägt woisse, kleine Blüthen in Trauben und eiförmige stengelumfassende Blätter. Beim Zerdrücken riecht das frische Kraut scharf sen f artig, sein Geschmack ist scharf und salzig. Es enthält Sulfo-cyanbutyl, ein schwefelhaltiges ätherisches Oel von der Formel S . CN .C.,!!,!, welches mit dem Senföl nahe verwandt ist und wahrscheinlich analog der Senfölbildung aus einem Glykosid unter Einwirkung eines inyrosin-artigen Fermentes entstellt. Officmell ist ferner der Spiritus Cochleariae, Löffelkrautspiritus. Das Löffelkraut wird innerlich als Stomachicuni und Diuroticum in denselben Gaben wie der Senf angewandt. Der Spiritus (Jocbleariae hat reizende und d esin fio irende AVirkung und wird unter Anderem zur Bepinselung von schlecht heilenden lieschwüren der Maulschleimhaut bei Stomatitis ulcerosa benutzt. f Radix Annoraciae, der Meerrettig, von Cochlearia armoracia, besitzt ebenfalls ein schwefelhaltiges ätherisches Oel von ähnlicher Wirkung (Allylsenföl). Dasselbe gilt für das im Knoblauch enthaltene Allylsulfid, das als Mittel gegen Tuberkulose empfohlen worden ist.
f Piper nigrum. Schwarzer Pfeffer, Der nicht officinelle schwarze Pfeffer (St ammpfl an ze: Piper nigrum; Familie: Piperaceen ) enthält
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Spanischer Pfeffsr.
in seinen unreifen Früehten neben iltli erischem Pfefferöl, Harz, fettem Oel, Bessoi'in und Stärkmehl das Pip er in. ein scharf reizendes Alkaloid von der Formel OnHjgNOa sowie das harzartige Chavicin. Dieses Piperin /.erfällt beim Erhitzen mit alkoholischer Kalilauge in Piperidin und Piper in säure. Ferner erhält man als Oxydationsprodnct der Piperin-silure das Piperonal (in der Pa,rfümerio als Heliotropin' angewandt). Der Pfeffer ist innerlich ein gewürzhaftes, scharf reizendes Stoma-chicum. welches in kleinen Dosen (Pferden 1025,0, Rindern 515,0) insbesondere gegen chronische Indigestionen der Pflanzenfresser angewendet werden kann. Gleichzeitig soll er als D iur eticum und Aphr odisiacum wirken. Gl'OSSe Gaben erzeugen Magendarmentzündung. Aeusserlich wurde er früher in Form der Tinctur zu reizenden Einroibungen benützt. Das Piperonal ist ein stark fäulniss- und gährungswidriges Mittel, welches ausserdom beim Hunde in Dosen von 0,52,0 antipyretische Wirkungen hat, wie dies Wimmer bei seinen Versuchen im Berliner Hundespitale nachgewiesen hat (Untersuchungen über das Piperonal. Inaug.-Dissert. Berlin 1887).
|
||
|
|
||
|
Frnctus Capslollaquo; Spanischer Pfeifer.
stiiinmpflanzen: Capsicum annuum und lonyum. Familie: Solanaoeen,
Geschichtliches. Der spanische Pfeffer ist 1493 von den Spaniern in Amerika entdeckt worden (Capsicum = kapseiförmig).
Pharmakognosie. Der spanische Pfeffer (Guineapfeffer, türkischer Pfeffer, angarischer Pfeffer oder Paprika) bildet kegelförmige, fingerlange, rothgelbe, glänzende, scliotenähn-liche, gestielte Früchte mit lederartiger, glatter, dünner Pruchtschale, welche hohl sind und nur in der unteren Hälfte zahlreiche scheibenförmige, gelbliche Samen von 0,5 cm Durchmesser enthalten, Die Früchte haben einen scharfen, brennenden Gesell mack; sie enthalten zu 0,2 pro Mille einen scharfen, kampher-artigen Stoff, das Capsaicin von der Formel 00HuO8 und das Cap-sicumroth. Die Tinctura Capsici, Spanisch-Pfeffertinotur ist eine röthlichgelbe Flüssigkeit von brennend scharfem Geschmacke. welche aus spanischem Pfeffer und Weingeist (l : 10) bereitet wird. A.P. I0.i) = 15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der spanische Pfeffer wirkt wie der schwarze Pfeffer innerlich als reizendes Stomachicum, Di-ureticum und Aphrodisiacum. Aeusserlich wird er in Form der Tinctur als liubefaciens zu scharfen, ableitenden Einreibungen auf der Haut, allein oder in Verbindung mit anderen bautreizenden Mitteln, bei Rheumatismus, Staiumgsödcmon. chronischen Sehnen-,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Kubeben.
|
491
|
|||
|
|
||||
|
Gelenk* und Knoohenkrankheiten eto. verwendet. Ks ist ein Bestandlaquo;
tlieil der sogen. Restitutionsfluide. Pain-Expeller's etc.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
llind 1020,0.
Pferd 510,0.
Schaf und Ziege 25,0.
Schweine 12.0.
Hund 0,10,2.
Katze und Geflügel 0,050.1.
|
|||
|
|
||||
|
Recept.
|
||||
|
|
||||
|
R[). Tiuctur. Capsici 60,0. Liquor. Anunon. caustic. Spirit, cainphorat. .Sjiirit. actlieroi Spiritus ää 120,0. Natrii chlorati 100,0. Aqu. font. 500,0. M. D. S. Restitutionsfluid naoh Her twig-.
|
||||
|
|
||||
|
Cnbebaelaquo; Kubeben.
Stammpflame: Cubeba offtolnalis. Familie: Plperaceen.
Geschichtliches. Die Kubeben sind ein altes indisches und arabisches Gewürz (Kababah), dessen AVirkung auf Nieren und Blase schon im !. Jahrhundert den arabischen Aerzten bekannt war. Uas im Mittelalter in Deutschland allenthalben angewandte Mittel war später wieder in Vergessenheit gerathen. bis es 1818 durch englische Acrzte wieder eingeführt wurde (Crawford auf .lava).
|
||||
|
|
||||
|
Pharmakogaosie. Die Kubeben (Kubebenpfeffer) stammen von einem Kletterstrauche auf Java. Es sind unreife, kugelige, graubraune, 0,5 cm dicke, runzelige Steinfrüchte, welche sich in ein etwa 1 cm langes, dünnes Stielchen verschmälern, das länger als die Frucht und nicht abzulösen ist (Unterschied von den Fructus llhamni catharticae). Sie schmecken durchdringend gewürzhaft, nicht scharf, aber zugleich etwas bitterlich. Sie enthalten 10160/o ätlierisches Gel = Kubebeu, 30/o Kuhebensäure, Kubebeukampher und das dem Piperin ähnliche Kubebiu. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Officinell ist ferner das Extractum Cubebarum, Kuh eben ex tract, ein dünner, spirituös-iltherischer Auszug der wirksamen Bestamltheiie. A.P. 1,0 = 30 Pfennig.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
492nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ingwofi
Wirkung und Anwendung. ])io Kubeben können als gewür/,-bai'tes Stoniacliiciim und Stimulans, ferner als reizendes Expec-torans, endlich gegen Blasen- und Harnrübrenkatarrh angewandt werden in Dosen von 2050,0 beim Pferd und Rind, von 1025,0 bei Schafen, von 15,0 bei Hunden, 510,0 beim Sehwein, 0,251,0 bei Katzen und Getliigel. Sehr grosso Gaben erzeugen Gastroenteritis. Her therapeutisch wirksamste Körper ist die Ku-bebensiiure.
Rhlzoma ZlngibeiiSi Ingwer.
Stanunpflernte! Zingiber of/icinah. Familie: Soitumineen,
Geschichtliches. Der Ingwer ist ein altindisehes Gewürz (..Iringa-weraquot;), das auch von den Römern vielfach benützt wurde. Im II. Jahrhundert findet man es in den angelsächsischen Thierar/.neibüchern aufge-ü'ihrt. Im 16. Jahrhundert ist es von Ostindien nach Westindien verpflanzt worden.
Pharmakognosie. Der Ingwer ist eine schilfähnlielie Gewürzlilie, welche in Ostindien, Westindien, China und Südamerika culti-virt wird. Seine Nebenrhizome werden ausgegraben und entweder in geschältem oder ungeschältem Zustande getrocknet. Er bildet meist bandförmig verzweigte oder zweizeilig verästelte Stücke, welche mit einer gelblichen, grobrunzeligen Korkschichte bedeckt und an den geschälten Flächen grau sind. Die grau weis se, körnige Bruchfläche zeigt zahlreiche braune Oelräume. Die Stücke haben ein sehr kräftiges Aroma. Sie enthalten zu 20/o ätherisclies Gel von der Formel C16HB(| und ein scharfes Harz, ausserdem Stärkmehl und Gummi. Ofliciuell ist ferner die Tinctiira Ziugiberis, I ng wertinetur, eine braungclbe Tinctur (1 :5 verdünnter Alkohol) vom Gerüche dos Ingwers und von brennendem Geschmacke. Ingwer ist ausserdem ein Bestandtheil der Tinctura aromatica.
W i rk u n g, A n w e n dung und Dosis = F r u c t u s C a p s i c i.
Rhizoma Zedoariae. Zitwerwurzel. Der Z i t w e r (S t a m m p f 1 a n z e:
Curcuma Zodoaria; Familie: Scitamineen) ist eine sohilfartige Gewürzlilie Ostindiens, deren knolliger Wurzelstock in Querschoiben oder Lilngs-vierteln in den Handel kommt. Seine Rinde ist hellgrau, 'jt cm dick, der centrale Holzkern ist r ö t hli chgrau , von hornartig harter Consistenz. Der Gern c h und Geschmack erinnert an K a m p h e r. Die Wurzel enthält ätherisches Gel und Harz. Sie ist ein Bestandtheil der Tinctura amnra \ind Tinctura Aloes compositn. Wirkung, Anwendung und Dosis V r u etU S 0 ap s i c i.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Fructus Cardamomi. Kardamom. L)er Kardamoni (Stainin-pflanze: Elettaria Oardamonium; I'1 amilie: Scitamineen) ist eino schilf-ai'tige Pflanze dor Malabarküste (Vorderindien) und wird daher auch als Malabar-Kardamom (kleiner Kardamom) bozeic-lmet. Seine Frttobte bilden strohgelbe, dreikantige, ovale Kapseln von 12 cm Länge und 1 cm Breite, welche in 3 Längsreihen 20 braune, runzelige, kantige Samen einschliessen von kräftigem, milde k amph er artigem Geruch und (reselmiaek. Die Samen enthalten ätherisches Oel und Harz. Der Kardamom ist ein Stomachicum und Oarminativum und als solches ein Bestandtheil der Tinotura aromatioa und Tinotura Bhei vinosa. Dosis = P r u c t u s C ap sioi,
Rhizoma Galangae. Galgantwurzel. Der G a 1 g a n t (S t a m m pflanze: Alpinia officinarum; Familie: Scitamineen) ist eine schilfartige Gewürzlilie, welche in China und auf der Insel Hainan eultivirt wird. Das rothbraune, cylindrischc, derbholzige Rhizom ist knioförmig gebogen und durch ringsumlaufonde Blattnarben quergeringelt. Der Querschnitt ist zimmtbraun. Geruch und (I eschmack sind sehr gewürzhaft. Die Wurzel enthält ätherisches Oel, Galangin, Alpinin, Kämpferid, Harz und Stärkmehl. Sie ist ein Bestandtheil der Tinotura aromatica. Wirkung, Anwendung und Dosis = Fructus Capsici.
|
||
|
|
||
|
Cortex Ciunamomi. Ghlneslsclier Zimmt.
Stammpflanze: (Mmtamomum Cassia (C. aromaticum), Familie.'
Lituiinccn (iMWaceeii).
Geschichtliches. Der Name Zimmt stammt von Cinnamomum (griech. v.ivw.[).ci)i).ov aus Ktvtlv = rollen, amp;-{mu(i,o{ = ohne Tadel; gerolltes, edles Gewürz). Der Name Cassia (hebräisch kesioth, egypt. kisith, chines, keischi) weist auf das hohe Alter der Pflanze hin, die schon in den ersten Jahrtausenden vor Christus in China (2700 v. Chr.) und Egypten (1500 v. Chr.) als Heil mittel im Gebrauch war.
Pharmakognosie. Der Zimmt stammt von dein in China und Coohinchina eultivirten Zimmtbaume, dessen Zweig- und Stamrarinda braunrothe, fusslange Röhren oder Halbröhren von 1'lt3 era Dui'chmesser und 13 mm Dicke, ebenem Bruche, aromatischem Gerüche und süsslioh gewürzhaftem, herbem (raquo;e-schmacke bilden. Sie enthalten das ätherische Zimmtöl, Harz, Gerbsäure und Stärkmehl. Das officinelle OleumCinuamomi, Zimmtöl, wird aus dem chinesischen Zimmt durch Destillation gewonnen. Es bildet ein gelbbraunes, dickliches, nach Zimmt riechendes Oel vom.speeiflschen Gewichte 1,0651,065, welches sich in jedem Verhältnisse mit Weingeist klar mischt. Mit rauchender Salpetersäure bilden sich Kryställclien von Zimmt säure. Das Zimmtöl bestellt
|
||
|
|
||
|
|
||
|
494nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Zimmt.
aus Zimmtaldehyd a O0E[8O mit Spuren von Zimmt säure und einem Terpen. A.P. 1,0 ss 5 Pfennig.
Aqua Cinuamomi, Zimmtwassor, wird durch Destillation von Zimmt mit Wasser und Weingeist dargestellt. Tinctura Cinnamomi, Zimmttinc-tur, ist eine rothbraune Tinctur, welche aus Zimmt (1) und verdünntem Weingeist (6) dargestellt wird. Syrupus Cmnamomi, Zimmtsyrup, ist eine Maceration von Zimmt mit Zimmtwasser unter Zusatz von Zucker und Syrup, von rothbrauner Farbe. Tinctura aromatica, aromatische Tinctur, ist eine braunrothe Tinctur, mit stark gewürzhaftem Geruch und (Jeschmack, welche aus Zimmt, Nelken, Ingwer, Cardamom, Galgant und verdünntem Weingeist dargestellt wird.
Wirkung und Anwendung. Der Zimmt ist vermöge seines (lelialtes an Zimmtöl ein gewürzhaftes Stomachicum und Gre-schmackscorrigens und wird wold auch als krainpfst ill ende s Mittel bei Uterus-, Darm- und Blasenkrämpfen angewandt. Ausserdem besitzt der Zimmt starke antiseptische Wirkung; er vernichtet das Wuthgift schon nach ,quot;gt; Minuten, die ßotzbacillon nach 15 Minuten. Auch die Zimmtsilure wird als starkes Antisepticum namentlich gegen Tuberkulose empfohlen; ausserdem dient er als Zusatz exoitirender Arzneien hei Schwächezuständen im Vorlaufe von Q-ebnrten beim Rinde (Glühwein, Warmbier etc. mit Zimmt). Von Schindelka wird ein Gemisch von Zimmtpulver und Pfefferminzöl (1 : 1) innerlich in Dosen von 1 5 g gegen Ekzeme beim Hund empfohlen (Zusammenhang mit Verdauungsstörungen). Die Dosis des Zimmts beträgt für Pferde und Rinder 1020,0, für Schafe. Ziegen und Schweine 510,0, für Hunde 0,2-1,0, für Katzen 0,10,25.
Recepte.
1)nbsp; Up. Extmcti SeoaL cornuti 2,0.
Syrupi 5,0.
Aquao Cinnamonii 150,0. M. Di S. ^stüiullicli 1 Essliiffel für einen Hund mit üterusblutungi
2)nbsp; Rp. Syrupi Cinnamomi 25,0.
Aqu. Cinnam. 100,0. Spirit, vini Cognac 50,0. M. I). S. Mit 2 Bigelb verriilirt esslölTelweisc zu geben für einen 11 im i.l mit allgemeiner Sclnvilche (Stockes Bnimly-egg Mixtur).
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Nelken.
|
4 or,
|
||
|
|
|||
|
GaryophyUllaquo; Oewürznelkeii.
Stanimpfliutzen: Mugenia OdfyophyUata (('ari/ojilii/llu* aromatlctis), /lt;'(( in 11 i e : Miirtaeecii.
Geschichtliches. Die Nelko (von Nägelein; vergl. die Nagelform des (lewürzes; der Name Eugenia ist zur Erinnerung an den Prinzen Eugen von Savoyen gewählt worden) ist ein altes chinesisches und egyptisches Cie-WÜrzmittel, das schon im (i. Jahrhundert als Magemnittel benutzt wurde.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. Die Nelken stellen die noch nicht geöffneten Blüthen von Eugenia caryophyllat.i. einer in Ostafrika (Sansibar) und Brasilien cultivirten Myrtacee, dar. Dieselben bestehen aus einem 1 l1/raquo; cm langen, bis 4 mm dicken, braunen, go rund et vierkantigen Fruchtknoten, welcher sich in 4 Kelchzipfel ausbreitet, über welche sich die 4 kugelig z u sum monschliessenden, helleren Blumenblätter erheben. Die Blüthen haben einen kräftigen Nelkengeruch und -Geschmack. Sie enthalten 15180/o ätherisches Nelkenöl (Oleum Caryophyllormn). Dasselbe wird durch Dampf destination aus den Gewürznelken dargestellt. Es ist ein dickliches, gelbbraunes, scharf aromatisch riechendes und schmeckendes ätherisches Oel vom specitischen Gewichte 1,041 1,060, welches sich mit jeder Menge Weingeist mischt. Es besteht aus Eugenol (Nelkensäure, phenolartiger Körper), Caryophyllin (Nelkenkampher) und einem Tor pen, Mit Aetzalkalien (NtL) krystallisirt es zu einer gelben Krystallmassc von nelkensaurem Alkali; mit Bromdampf färbt es sich blauviolett; endlich färbt sich die verdünnte weingeistige Lösung mit einem Tropfen Eisenchloridlösung (1:20) blau (Identity tsre act ion en). Wirkung, Anwendung und Dosis der Nelken = Cortex Cinnamomi.
Fructus Vanillae. Vanille. Die Vanille (Stammpflanze: Vanilla planifblia; Familie: Orchideen) ist die noch nicht ausgereifte Schoten-fraoht von Vanilla planifolia, einer in Mexiko auf Bäumen parasitirenden krautartigen Orchidee, welche in Mexiko und auf den Inseln Bourbon. Mauritius und Java eultivirt wird. Die Früchte bestehen aus 2080 cm langen, tief längsfurchigen, geschlossenen Schoten, welche sich am unteren Ende in den gekrümmten Stiel verschmälern. Die fettglänzende, schwarzbraune Oberfläche ist häufig mit weissen Kryställchen von Vanillin besetzt. Die Innenfläche ist mit zahllosen winzigen Samen ausgefüllt. Die Vanille enthält bis -'5 raquo;/o Vanillin (Vanillekampher) von der Formel OjHj.OH . 0(CH;,). COH = Methylprotocatechu-Aldehyd, neben fettem Oel und Wachs. Dieses Vanillin kann auch künstlich aus Coniferin, einem Glykosid der Coniferen, dargestellt werden. Wirkung und A n wen dun g = Oor t o x Ci n n amomi.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
400
|
Safran. Muskatmiss.
|
||
|
|
|||
|
Crocus. Safran. J)cr Safran (Stamm pflanz e; Crocus sativus; Familie: Irideen) ist ein orientalisches Zwiebelgewiichs, welches auch in Frankreich (Uätinais hei Orleans) und Spanien (Valencia, Alicante) eultivirt wird. Die blassvioletten Blüthen tragen auf dem Griffel 3 scharlacb-rothe Narben, welche in getrocknetem Zustande das officinelle Präparat darstellen. Im Wasser aufgeweicht erscheinen sie als ü5 cm lange, br aun - oranger o the, am oberen verbreiterten Kando abgestutzte und gezähnte P ä de n von kräftigem Gerüche und gewürzhaftem, bitterem Gesi'hmacke, welche das Wasser noch 1:100,000, Aether und Alkohol noch 1 : 200,000 gelb färben. Die blassgelben Griffel (Fominell) sollen nur in geringer Menge darunter enthalten sein, ferner soll der Safran beim Verbrennen nicht über 8quot;,o Asche hinterlassen. Der Safran enthiilt wenig ätherisches Gel und den Farbstoff P o 1 y ch r o i t (C r o c i n). A.P. 1,0= 20 Pfennig. DieTinctura Croci, Safrantinctur, wird aus 1 Theil Safran mit 10 Theilen verdünntem Spiritus bereitet und stellt eine dunkel-pomeranzengelbe Flüssigkeit vom Gerüche und Geschimu-ke des Safrans dar. Der Safran ist ein gewürzhaftes Stomachic um und wird auch als Anti-spasmodicum gegen üteruskrämpfe angewandt. Er ist ausserdem ein Bestandtheil der Tinotara Opii orocata. In grossen. giftigen Dosen erzeugt er Narkose, Abortus und Temperatursteigerung.
|
|||
|
|
|||
|
Semen Myristicae. Muskatnuss. Die Muskatnuss. Nux moschata (Stammpflanze: Myristica fragrans; Familie: Myristicaceon) stammt von einem in Sumatra und Westindien eultivirten. auf den Molukken einheimischen Baume mit gelben Beeren. Die Beeren enthalten einen Samenkern, die Muskatnuss, welcher von einem rothen Samenmantcl. der sogenannten Muskatblüthe (Macis), umgeben ist und nach Ablösung dieser Samenschale in Form eirunder oder kugeliger Kerne von bräunlicher, runzeliger, hellgrau bestäubter (Kalk) Oberfläche und braun marmorirter Schnittfläche in den Handel kommt. Sie enthalten ätherisches Gel und fettes Oel. Wirkung und Anwendung = Zimmt. Nach den Vorsuchen von Cadeac und Meunier wirkt das ätherische Muskatnussöl in kleinen Dosen erregend, in grüsseren betäubend auf das Nervensystem. Oleum Macidis, Macis öl. ist das ätherische Oel des Samenmantels (Macis) von Myristica fragrans. Es bildet ein farbloses oder blass röthlichgelbes Oel, welches aus Macen, Myristicol und anderen Terpencn besteht. Es wird innerlich als Oarminativnm, äusserlich zu reizenden Einreibungen angewandt und bildet einen Bestandtheil der Mixtlira oleoso-balsani ica, des sog. Hotfrnann'schen Lebensbalsams (mit Zimmtöl, Lavendelöl, Citroiienöl, Nelkenöl, Thymianöl, Pomeranzenblüthenöl, Perubalsam und Spiritus zusammen). Die Macis selbst ist in Oesterreich of'ficinell. Olcum Nucistae, Muskatnussbutter. ist ein talgartiges, roth braun es Fett, welches durch Auspressen der Muskatnüsse dargestellt wird und den aromatischen Geruch der Muskatnuss besitzt. Es enthält ätherisches Muskatnussöl, Myristicin (ein festes Fett) und einen Farbstoff, Es wird äusserlich zu Einreibungen (z. B. gegen Kolik beim Menschen) angewandt, f Oleum Cajeputi. Cajeputöl. Das Cajeputöl wird aus den Blättern eines auf den Molukken voi'kommenden Baumes: Melaleuca Leucadendron, Familie der Myrtaceen, mit woisser Kinde (Caju Puti = weisser Baum) durch Destillation dargestellt. Das Oel hat durch Beimengung von Kupfer eine grünliche Farbe; der Geschmack ist kampher-artig. Es besteht aus Cajeputöl = CjoHisO. Das sehr selten angewandte Cajeputöl wirkt innerlich als Antispasmodicum, Expectorans. Anti-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Insektenpulver.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 497
cystiticum und Antholmintliicuni und wird iiusserlich zu reizenden Einreibungen gegen Khcumatismus etc. benützt.
Cortex Fructus Citri. Citronenschale. Der Oitronenbaum (Stamm-pflanze: Citrus Limonum; Familie: Aurantiaueen) wird in den Mittel-meerliliidern cultivirt. Die gelben Schalen seiner Früchte werden in Spiralbänder geschnitten und getrocknet. Sie enthalten das ätherische Citronenül und das Hesperidin, einen Bitterstofl'. Oleum Citri, Citronenöl, wird durch Auspressen der frischen Citrononschalen dargestellt. Es ist ein blassgelbes ätherisches Gel von feinem Citronengeruche. Es besteht aus Citren und Citronenkampher. Man kann die Citronenscbalen als aromatisches Bittermittel benützen. Nach den Versucben von Cadöac und Meunier wirkt das Oel in kleinen Dosen erregend, in grossen betäubend auf das Nervensystem. Seine antiseptische Wirkung übertrifft
|
||
|
|
||
|
Cortex Fructus Aurantü. Pomeranzenschale. Der Pomeranzenbaum (Stamm p f 1 a n z e: Citrus vulgaris; Familie: Aurantiaceen), welcher in den Mittelmeerländern cultivirt wird, trägt bittere Früchte (bittere Orange, im Gegensatz zu der süssen Apfelsine), deren Schalen nach der Reife in Längs vier teln abgezogen und getrocknet werden. Sie zeigen eine gelbbraune, höckerige Aussenfläche von bitterem, aromatischem Geschmacke. Sie enthalten ätherisches Pomeranzenöl, Aurantiamarin, Auran-tiamarinsäure, Hesperidin und Hesperinsäure. Fructus Aurautii immaturi, unreife Pomeranzen, sind kugelige, grünbraune, harte, '/al'/a cm messende Früchte von aromatischem Gerüche und bitter aromatischem Greschmacke, welche ebenfalls ätherisches Pomeranzenöl enthalten. Syrupus Aurantü Corticis, Pomeranzenschalensyrup, wird aus P.-S., Weisswein und Zucker dargestellt. Tinctura Aurautii, Pomeranzen-tinctur, wird aus P.-S. und verdünntem Weingeist dargestellt (1! 6), Elixir Aurantiorum compositum, Pomeranzen elixir, wird aus P.-S., Zimmt, Pottasche, Xereswoin, Bitterklee-Extract, Enzianextract, Kaskarill-extract und Wermutextract dargestellt. Oleum Aurautii Plorum. Pome-ranzenblüthenöl. Das Pomeranzenblüthenöl (Oleum Neroli) wird durch Destillation mit Wasser aus den frischen Blüthen von Citrus vulgaris gewonnen. Es bildet eine bräunliche Flüssigkeit von feinstem Wohl-geruche, welche, mit gleichviel Weingeist überschichtet, beim langsamen Neigen des Glases mit schön violetter Farbe fluoroscirt. Es ist sehr theuer. A.P. 0,1 = 15 Pfennig. Aqua Florum Aurautii, Orangeblüthen-wasser, wird durch Ueberdestillatiun der Blüthen mit Wasser oder durch Mischen des ätherischen Oels mit Wasser dargestellt. Syrupus Aurautii Florum, Orangeblüthensyrup, wird durch Mischen des vorigen mit Zuckersyrup dargestellt. Wirkung und Anwendung = Geschmacks-und Geruchscorrigontion.
t Floi'cs Pyrethri. Insektenpulver.
Stanunpflanxeni Pyretlirum roseum, carneum, caucaskum und cine-rariai'foliuin. Familie: Compositen.
Pharmakognosie. Das Insektenpulver (Pulvis Persious, Pulvis contra Insecta) besteht aus den getrockneten und fein gemahlenen
Fröhnor, Arzneimittellehre, i, Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 32
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
1!)8
|
J'crubalsain.
|
||
|
|
|||
|
Blüthcnkörbchon verschicdoner Pyretlirum- (as Chrysuiitliemum-) Arten und bildet ein graugelbos, ziemlich feines, eigentliiimlich aronui-tisch riechendes Pulver. Man unterscheidet ein persisches (P. roseum, carneum und caucasicum) und ein dalmatinisches (P. cinerariae-t'olium) Insektenpulver. Die Bliithen enthalten in den am Fruchtknoten sitzenden Haardrüsen ätherisch-ölige Substanzen, welche als Oleum Florum Persici oder Persichi, Persicoi'n und Persiretin bezeichnet worden sind. Nach anderen ist die wirksame Substanz der Bliithen die Pyrothrotoxinsiiure. Das Insektenpulver wird zuweilen verfälscht mit Gänseblümchen (dieselben sind ohne Pappus und Behaarung).
Wirkung und Anwendung. Das Insektenpulver wirkt durch seinen Gehalt an ätherisch-öligen Stollen bezw. Pyrethrotoxinsäure antiparasitär und ist namentlich ein specitisches Gift gegen Flöhe, weniger für Läuse. Man streut es gewöhnlich zwischen die Haare und Federn ein, kann es aber auch in Form eines Infuses oder einer weingeistigen Tinctur anwenden. Ausserdem wirkt das ätherische Ocl local reizend und erzeugt innerlich Nephritis und Narkose.
|
|||
|
|
|||
|
Biilsanuim roriivlammi. Perubalsam.
Stammpflanzc: Toluifera l'ereirac. Familie: Papilionuceen (Legur minosen).
|
|||
|
|
|||
|
Geschichtliches, Der Perubalsam stammt aus San Salvador, nicht aus Peru, wie man anfangs glaubte (er kam nur über den pemvianischen Hafen Oallao nach Europa). Toluquot; ist der einheimische Name für Balsam; der Name Pereira stammt von dem gleichnamigen Professor der Pharmacie in London (f 185:i). Bei der Eroberung Centralamerikas wurde der Perubalsam als Wundheilmittel im Gebrauch vorgefunden. Die Eingeborenen bewahrten ihn in Thongefässen auf, welche den Kopf des mexikanischen Fasans darstellen, der sich hauptsächlich von den Samen des Perubalsainbaumes nährt. Solche Töpfe mussten den Indianerhäuptlingen als Tribut geliefert werden. (Die Dorfruinen an der Balsamküsto sind heute noch reich an diesen Töpfen.) Philipp II. erhielt 157G einen genauen Bericht von Don Diego über die Gewinnung des Balsams. Papst Pius V. gestattete durch Bulle vom 2. August 1571 die Verwendung des Perubalsams in Amerika zu geweihtem Salböl an Stelle des dort fehlenden Weihrauchs. Anfangs kosteten 30 Gramm (1 Unze) 100 Dukaten. Gegenwärtig liefern 9 kleine Indianerdörfer in Salvador mit etwa 10,000 Bäumen jährlich etwa 25,000 Kilogramm Perubalsam. Ein Baum kann 30 Jahre lang bei sorgfältiger Behandlung (Lehmverband und Ruhepausen von 5 6 Jahren) benützt werden. Die Bäume werden vom G. Jahr ab herangezogen; sie sind gruppenweise eingefriedigt.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
I'erubalsani.
|
499
|
||
|
|
|||
|
Die Gewinnung erfolgt im November und December. Die liindo wird mit einem Hammer weich geklopft, so dass sie sich vom Holze ablöst. 6(gt; Tage spilter werden die geklopften Stellen mit Fackeln angebrannt. Die Kinde iUllt hierauf ab und es quillt reichlich Saft aus, der in Lumpen aufgefangen wird, die um die verwundeten Stellen gelegt werden. Die Lumpen werden dann in Wasser ausgekocht, wobei der Balsam zu Doden sinkt. Nach dem Abgiesson des Wassers wird der Balsam in flasohenfömige Fruchtschalen gefüllt. Die Ausfuhr erfolgt in Blechbüchsen von 25100 Pfund. Hamburg erhält jährlich etwa 20,000 Pfund. Der Preis für Pcrubalsam ist neuerdings stark in die Höhe gegangen.
Pharmakognosie, Dor Perubalsam ist ein durch Anbrennen der Stammrinde von Toluifera (Myxoxylon) Pereirae, eines im Staate San Salvador in Centralamerika vorkommenden Baumes, gewonnener Balsam oder Harzsaft von braunrother bis dunkelbrauner Farbe, sehr angenehmem Q-eruohe, scharf kratzendem, bitterlichem (xe-schmaoke mit dem speoiflschen Gewichte 1,1351,145. In dünner Schicht soll er klar durchsichtig sein, nicht kleben, nicht fadenziehend sein und an der Luft nicht trocknen. Der Pcrubalsam löst sich k 1 a r in gleichen Theilen Weingeist und Aether; bei Zufügung grösscrer Mengen von Weingeist trübt sicli die Lösung unter Ausscheidung von Harz. A.P. 10,0 = 50 Pfennig; 100,0 = 4 Mark.
Die wichtigsten Bestandtheile des Perubalsams sind: 1) das Cinuamem (zimmtsaures Benzyl), welches die Hälfte des Perubalsams bildet; 2) das Styracin (zimmtsaures Clnnamyl); o) Zlmmtsäure (6 bis 80/o), 4) ßenzoesäure.
|
|||
|
|
|||
|
Prüfung. Der sehr theure Perubalsam wird mit einer lleihe minder-werthiger Stolle verfälscht, so namentlich mit Styrax, Gurjunbalsam, Uopaivbalsam, Ricinusöl, Terpentin, Ben zo6, Colophonium. Alle diese Zusatzproducte bedingen zunächst ein abnorm niedriges speeifisehes Gewicht (unter 1,137). Ausserdem schreibt das Arzneibuch nachstehende Prüfungen vor: 1) Ein Theil Perubalsam wird mit 3 Theilen Schwefelkohlenstoff gemischt, worauf sich ein braunschwarzes Harz abscheidet. Die davon abgegossene klare Flüssigkeit darf nicht grünlich lluoresciren (Gurjunbalsam). 2) lg Perubalsam wird mit Bg Petroleumbenzin kräftig geschüttelt. Von der Mischung lässt man 30 Tropfen in einem Porcellanschälchen freiwillig verdunsten. Hiebei bleibt ein ölartiger, gelblich gefärbter Rückstand, welcher auch beim gelinden Erwärmen keinen Geruch nach Styrax, Terpentin oder Copaivbalsam zeigen und beim Erwärmen mit 5 Trojjfen Salpetersäure keine blaue, violette oder blaugrüne Färbung annehmen soll (Styrax, Gurjunbalsam). Werden ferner 2 g Balsam mit 8 g Petroleumbenzin kräftig durchgeschüttelt und das Piltrat auf dem Wasserbade von dem Petroleumbenzin vollständig befreit, so muss der erkaltete Rückstand durch einige Tropfen concentrirter Salpetersäure von 1,88 specif. Gewicht rein gelb gefärbt werden. 3) Werden 0 Tropfen Perubalsam mit 3 cem Ammoniak kräftig durchgeschüttelt, so darf nur
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
soo
|
Perubalsam.
|
||
|
|
|||
|
ein geringer, bald zerfallender Schaum sich bilden und die Mischung selbst nach 24 Stunden nicht gelatinlren (Oolopbonium, Terpentin). 4) Reibt man 1U Tropfen Balsam mit 30 Tropfen Schwefelsäure zusammen, so muss eine gleiohmftssige, zähe, kirschrothe Mischung entstehen, welche, nach einigen Minuten mit kaltem Wasser ausgewaschen, einen harzartigen, in der Kälte brüchigen Rückstand hinterlilsst (schmieriger Rückstand^ Ricinusöl).
quot;Wirkung und Anwendung. Der Perubalsam hat eine ähnliche Wirkung wie das Terpentinöl. Er wird deshalb angewandt:
1)nbsp; Als Antiparasiticum namentlich bei der Behandlung der Bünde und des Acarusausschlags.
2)nbsp; Als Antiseptioum bei der Wundbehandlung (Wundsalbe) zur Beförderung der Vernarbung auf schlecht granulironden Wundon.
3)nbsp; Als haarwuchsbeförderndes Mittel bei Alopecie.
4)nbsp; Innerlich als Expect or ans, Diuretic Um und Antl-cystiticum. Cxrosse Dosen erzeugen jedoch Nephritis, welche zu weilen auch bei iiusserlicher Einreibung beobachtet wird.
5)nbsp; Neuerdings wird der Perubalsam beim Menschen innerlich auch gegen die Tuberkulose empfohlen.
Dosis und Form, Aeusserlich wird der Perubalsam als Antiscabiosum entweder rein oder mit Spiritus verdünnt, sowie in Verbindung mit Fett resp. Ilnguentum Paraffini oder Lanolin als Salbe angewandt. Innerlich gibt man ihn in Emulsion, in Pillen oder in Kapseln. Die innerliche Dosis beträgt für
Pferde und Rinder 10-25,0.
Schweine 13,0.
Schafe und Ziegen 25,0,
Hunde 0,1-1,0.
Katzen und Gellügel 0,10,5.
|
|||
|
|
|||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Baisami Peruvian.
Sapon. kal. ää 25,0. Spiritus 2.r)0,0. M. D. 8. Aeusserlich gegen Räude.
2)nbsp; Rp. Balsam. Peruvian. 2,0.
Unguent. Paraffin. 20,0. M. f. Ugt. D. S. Wundsalbo.
3)nbsp; Rp. Balsam. Peruvian. 0,5.
D. tal. dos. in capsul. gelatin. Nr. X. 8. Täglich 1 Kapsel für einen Hund mit Bronchitis oder Cystitis.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||
|
Styrax.
|
|||||
|
|
|||||
|
M
|
4) Rp, Ealsam. Peruvian. 5,0. Syrupi
Gummi arabici ilii 10,0. Aqu. destill. 150,0. D. S. Sstündlioh 1 Theelöffel für lironeliitis.
|
einen H u n d mit ohronisoher
|
|||
|
|
|||||
|
Stammpflanz fluae, llamamelideiH).
|
Styrax liquidns. Styrax.
.- Liquidamhar orienlalis. Fa in Hii': I'latancen (lUihumi-
|
||||
|
|
|||||
|
Geschichtliches. Der Styrax (arab. stiria = Tropfen) ist ein uraltes Arznei- und Räuchoi-mittel, welches schon einen Handelsartikel der Phünicier bildete (Herodot). Als Räudomittel wird es erst seit dem Jahre 18(15 angewandt.
Pharmakognosie. Der Styrax (Balsamum Styracis, Storax)
stammt von einem platanenülmlichen Baume Kleinasiens, aus dessen Rinde er durch Auskochen und Auspressen gewonnen wird. Er bildet einen mausgrauen, sehr zähen, klebrigen, trüben, wohlriechenden Balsam, welcher mit gleichen Theilon AVeingeist eine trübe, graubraune Lösung von saurer Reaction gibt. Er löst sich fast ganz in heissem AVeingeist, Aether und Benzol, dagegen nur etwa zu einem Drittel in Petroleumbenzin. Der Styrax enthält Styrol (C8H8), Storesin (C.^H.^O.,), Styracin (zimmtsaures Cinnamyl), Zimmt-säure und Cinnameiu (zimmtsaures Benzyl). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Balsamum Peruvianum.
Balsamum Tolutanum, B a 1 s a m u m d e T o 1 u, T o 1 u b a 1 s a m, stammt von Toluifera Balsamum (Myroxylon toluiferum), einer südamerikanischen Papilionacee, aus deren Stamm er durch Einschnitte gewonnen wird. Er bildet eine anfangs dickflüssige, gelbe, später feste, rothbraune Har/.masse von angenehmem Gerüche. Er enthält Tolen (OioHje), Zimmtsäure und Harze. Wirkt ähnlich, aber viel schwächer als Styrax. 1st in Deutschland und Oesterreich offioinell und dient namentlich zum II eher ziehen der Pillen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
|
|||||
|
|
|||||
|
Balsaimun Copaivae. Copairabalsam.
Stammpflanze: Copaifera ofßchialis, Guianeims, multijuyu. Familie: Cäsalpiniaceen.
Geschichtliches. Der Copaivbalsam ist um 1000 von einem portugiesischen Mönch in Brasilien entdeckt worden, wo er seit alten Zeiten als Wundbalsam angewendet wird.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
502
|
Ammouiakguinmi.
|
||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. Uer Copaivbalsam ist der Harzsaft südameri-kauiaoher Oopaiferaarten (Westindien, Venezuela, Guyana, Brasilien). Er bildet eine klare, gelbbriiunliehe Flüssigkeit von eigenlaquo; thüinlich aromatisehcin Gerüche und scharfem, bitterem Gcschmacke, welche sich in Alkohol, Aether, fetten und ätherischen Oelen, Schwefelkohlenstoff und Aetzalkalien löst. Er enthält ätherisches Oel und Copaivasäure. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Copaivbalsam wirkt in kleinen Dosen als Diuretioum, Expeotorans, Anticystiticum und wird in der Menschenheilkundc namentlich gegen die Blcnnorrhöe der Urethra (Tripper) innerlich angewandt. Dosis für Pferd 1025,0, Rind 2550,0, Schaf und Ziege 510,0, Schwein 25,0, Katzen 0,251,0, Hund 0,52,0. Sehr grosse Gaben erzeugen wie das Terpentinöl, mit welchem der Copaivbalsam viel Aehnlichkcit in der Wirkung hat. Gastroenteritis und Nephritis.
f Balsamum Gurjunae, Gurjunbalsam, stammt von ostindiseben Dipterocarpusarten ab. Er bildet eine dickliche, fluorescirende, grünlich-braune bis rüthlichbraune Flüssigkeit von balsamischem Geruch, welche Gurjunsäure und ätherisches Oel enthält. Wirkung = Copaivabalsam.
|
|||
|
|
|||
|
Ammoniacuni. Ainmoiiiakgumini.
Stammpflaneet Dorema Ammoniaoum. Familie: Umbelliferen.
Geschichtliches. Das Ammoniakharz ist ein uraltes Arzneimittel, das seinen Namen von der Oase dos Jupiter Ammon in der libyschen Wüste hat, wo es als Käuehermittcl zu Tempelzwecken verwendet wurde (Plinius).
Pharmakognosie. Das Ammoniakgummi ist ein Gummiharz, welches von einer Staude Persiens und Turkestans durch Anlegen von Einschnitten und Austrocknen des ausfliessenden Milchsaftes gewonnen wird. Er bildet lose zusammenhängende Körner und Klumpen von bellbrauner Farbe und milciiweissem Bruche. Der Geruch ist eigenartig aromatisch, der Geschmack bitter und unangenehm. Mit Salzsäure übergössen soll es sich nicht violett färben (Beimengung von Galbanum). Es enthält ätherisches Oel, Xylol, Harz und Gummi. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 1 Mark 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Ammoniakgummi hat ähnliche Wirkung wie der Terpentin und wird daher innerlich angewandt als
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
iMyiTlio.
|
5015
|
||
|
|
|||
|
Expoctorans, Diurcticuni und krampfstillendes Mittel, Aeusser-lieh wird es zur Darstellung von Pflastern und zur Bereitung des Dei'ays'schen Hufkittes verwandt. Der letztere bildet ein Ersatzmittel für defectes Hufliorn und wird durch Zusammenschmelzen von Ammoniakgurami (1) mit Ghlttapercha (12) gewonnen. Behufs Anwendung wird dieser Hufkitt zunächst wieder über gelindem Feuer geschmolzen und sodann auf die vorher entfettete (Seife, Aether) und getrocknete Hufstelle aufgetragen. Vergl, das Recept zum Hufkitt beim Guttapercha.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Bind 1025,0.
Schaf und Ziege 510,0. Schwein 25,0. Hund 0,11,0. Katze und Gellügel 0,10,5,
|
|||
|
|
|||
|
Myrrlia. Myrrhe.
Stammpflanze: lin/samea Mf/rrlia (Bahamodendron Myrrlta). Familie: liurseracccn.
Geschichtliches. Die Myrrhe (arabisch mur = bitter) ist ein sehr altes, in der Bibel oft erwähntes Kilucbermittel, das in Egypten zum Ein-balsanüren der Leichen verwendet und auch beim altgriechischen Cultus benützt wurde.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmakognosie. Die Myrrhe ist der getrocknete Milchsaft eines in Arabien und an der Somaliküste einhoimischen Bäumchens. Sie bildet Körner oder löcherige Klumpen von gelhröthlicher oder brauner, innen zum Theil weisser Farbe und cigenthümlich aromatischem Gerüche. Dampft man den alkoholischen Myrrhenauszug ab und behandelt den Harzrückstand mit Aether und Bromdampf, so filrbt er sich roth oder violett; eine ähnliche Reaction bekommt man durch Betupfen der Myrrhe zuerst mit Alkohol und dann mit Salpetersäure. Sie enthält ätherisches Oel == Myrrhol, Harz, Gummi, Bitterstoff. Tiuctura Myrrhae, My rrhentinetur, ist eine Auflösung der Myrrhe in Spiritus (1:5) von röthlicher, klarer Farbe. A.P. 10,0 = 15 Pfennig; 100,0 = 1 Mark.
Wirkung und Anwendung. Die Myrrhe wirkt durch ihren Gehalt an ätherischem Oel ähnlich wie das Ammoniakgummi innerlich expectorirend und wurde früher auch als Stomachicum an-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
504nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Euphorbiumliarz.
gewandt. Dosis Ammoniacum. Aeusscrlich wird sie in gepulvertem Zustande oder in Form der Myrrlientinctur, allein oder zusammen mit Aloetinctur, als E, e i z m i 11 c 1 für s c h 1 e c h t g r a n u 1 i r e n d e W u n d e n und als Antisepticum sowie als Zusatz zu Mundwässern angewandt.
Galbauum. Mutterharz. Das Galbanum ist das (iummibarz nordpersischer Doldengewilchse. Stammpflanze: Ferula galbaniflua (Peuce-danum galbanifluum); Familie: Umbelliferen. Es bildet Körner von grünlichgelber oder grün lieh brauner Farbe mit gelbem (nicht weissem) Bruche, oder eine gleichartige braune Masse. Der Geruch ist sehr aromatisch. Es färbt sich zum Unterschiede von anderen Harzen mit Salzsäure violettroth, mit Schwefelsäure blutroth und gibt mit Wasser und einem Tropfen Ammoniak eine bläuliche Fluorescenz. Es enthält ätherisches Oel, Umbelliferon, Harz und Gummi. Wirkung = Ammoniacum. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Olibanum, Weihrauch, ist das Gummiharz von ]?oswellia papyrifera, Carteri und Bhau-Dajiana, arabischer Burseraceen. Wirkung = Galbanum. In Oesterreich officinell.
|
|||
|
|
|||
|
|
Euphorblunit EnphorMumharz.
Stammpflame: Euphorbia resinifera. Familie: Kuphorhiuceen.
Geschichtliches. Der Name wird abgeleitet von Eupborbos, dem Leibarzt des Königs Juba II. von Mauritanien (30 v. Chr. bis 42 n. Chr.), dem Juba eine Schrift über die Pflanze gewidmet haben soll.
Pharmakognosie. Das Euphorbiumliarz stammt von einer kaktusartigen, 2 m hohen Wolfsmilch Marokkos (Atlasgebirge). Der Milchsaft iliesst aus der angeritzten Rinde in Tropfen ab, welche an den Stacheln, Blüthen und Früchten derselben eintrocknen und dadurch die Formen der letzteren annehmen. Das Euphorbiumliarz bildet daher hellgelbe, tropfonähnliche, ästige, hörnige, ausgehöhlte, oft noch mit einem Doppelstachel versehene, Lei chtz er reibliche Massen, welchen B1 ü t h e n t h e i 1 e, Früchte und Stacheln beigemischt sind. Das Harz ist geruchlos, schmeckt aber brennend scharf; es löst sich zur Hälfte in Weingeist. Bestand* theile sind: ein scharfes Harz (Euphorbinsäureanhydrid) von der Formel O^H^O., (400/o) und das Euphorbon von der Formel 08flHa0a (200/o, ohne scharfe Wirkung); ausserdem Gummi, apfelsaure und anorganische Salze. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
quot;Wirkung. Das Euphorbiumharz wirkt auf Haut und Schleimhaut heftig reizend, entziindungserrogend (Vorsicht beim Pulveri-siren). Innerlich erzeugt es in grösseren Dosen Erbrechen. Kolik
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Asa lootulfi.
|
505
|
||
|
|
|||
|
und Diarrhöe (Gastroenteritis); Pferde sterben nach 3060 g, Hunde nach 412g. Beim Pulvorisiren entstellt leicht Conjunctivitis und Rhinitis (Niesen). Aeussorlich erzeugt es eine tiefgehende Dermatitis mit Ausfall der Haare, Pustel- und Geschwiirshildung und bei concentrirter Anwendung Hautnekrose.
Anwendung. Nur äusserlich zu scharfen Einreibungen 1:1015 oder als Zusatz zur Cantharidensalbo (1:1020) und zum Cantharidenpflastor, jedoch nur bei dicker, wenig empfindlicher Haut (Rind, gemeine Pferderassen). Das sogenannte Emplastrum acre (scharfes, englisches scharfes, schwarzes Pflaster), welches herkömmlich gegen Spat, Exostosen, Sehnenverdickungen etc. angewandt wird, hat folgende Zusammensetzung: Oanthariden 13 Theile, Euphorbium ;i, Burgunderharz 11, Colophonium, Mastix, Terpentin, Pech, Safranpflaster, armenischer Bolus je ß Theile. Vergl. auch das officinelle Emplastrum Cantharidum.
|
|||
|
|
|||
|
Asa foetida. Stinkasaiit.
Stammpflanzen: Ferula Scorodosma und Xartlicx, Familie: Um-
heUiferen.
Geschichtliclies. Der Asant (laquo;afj = Ekel) war ein bei Persern und Griechen beliebtes Speisegewürz (!).
Pharmakognosie. Der Stinkasant(Teufelsdreck) ist das Glummi-harz von Ferulaarten des westlichen Hochasions (Persien, Turkestan, Afghanistan), welches durch Ausscheiden der Wurzel und Eintrocknen des ausfliessemlen Milchsaftes gewonnen wird. Es bildet Körner oder Klumpen von graubrauner oder grau violett er Farbe und sehr unangenehmem, knoblauchartigem Gerüche, welche auf dem Bruche zuerst roth anlaufen und dann ins Braune übergehen. Im Handel unterscheidet man zwei Sorten: 1) Asa foetida in granis, eine bessere, aus Körnern bestehende Sorte, und 2) Asa foetida in massis, die gewöhnliche, aus Klumpen bestehende Asa foetida. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Der Stinkasant enthält ein schwefelhaltiges, ätherisches Oel, welches nah verwandt mit dem im Knoblauch vorkommenden Seh w ef el-allyl = S(08H6)3 ist, ausserdem Ferulastture, Um belliferon, Harz und Gummi. Die nicht officinelle Tinctura Asae foetidae,
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
oOGnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Canthariden.
Asiinttinctur, ist ciuo gelblicli-braunrothc Auflösung von Asant in Weingeist (I : B).
Wirkung und Anwendung. 1) Das scliwci'elhaltige ätherische Oel des Asants hat vor Allem krampl'stillende Wirkungen. Der Stinkasant wurde daher früher insbesondere gegen Krampfkolik der Pferde und Krämpfe aller Art, sowie gegen Polyurie angewandt und /war entweder in Pillen oder als Emulsion. Das Mittel ist jedoch y.n vermeiden bei Schlachtthieren, weil sich der unangenehme Geruch desselben dem Fleische mittheilt.
2)nbsp; Das Mittel bat ausserdem eine an thelminthis ehe Wirkung und kann #9632;/,. B. in Klystierform gegen Oxyuren angewandt werden.
3)nbsp; nbsp;Von T r a 8 b 01 wird Asa foetida als S t y p t i c u m gegen Diarrhöen beim Pferd empfohlen.
4)nbsp; Aeusserlich dient die Asanttinctur wegen ihrer Ekel erregenden Eigenschaften als Mittel, um das Abreissen und Belecken der Verbände, sowie das Ausziehen der Federn zu verhindern.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 1025,0.
Schaf und Ziege 510,0. Schwein 25.0. Hund 0,52,0. Katze 0,10,25.
Recept.
Rp, Asae foetidae 20,0.
Vitollum ovorum duoruin. Misce iiat Enmlsiü. Adde Infusi Flor. Ohamomill. 50,0 : 500,0. M. D. S. Einguss für ein Pferd mit Erampfkolik,
|
||
|
|
||
|
Canlliarides. Spanische Fliegen.
Speoiesi Lijtta resicatoria. Ordnung! Colcoptera vesieuniht.
Pharmakognosie. Die Canthariden sind Käfer, welche in Süd-i'rankreich, Spanien, Ungarn, Südrussland u. S. w. auf Liguster, Flieder, Eschen und Pappeln loben. Sie werden in der Morgenfrühe in erstarrtem Zustande herabgescliüttelt, mit Aether oder Chloroform getödtet und rasch getrocknet. Es sind 1 Vraquo;8 cm lange und 68 mm breite Käfer mit intensiv grünen, metallisch glänzenden, blaulaquo;
|
||
|
|
||
|
|
|||||
|
Crtiitliiiridoii.
|
607
|
||||
|
|
|||||
|
schimmernden, oblongeu Flügeldecken. Sie enthalten ZU etwa 0,50/o das Cantharidin von der Formel 2 (C-Hßüjj), einen kampherartigen Körper von Säurecharakter, welcher auch als das Anhydrid der Caiitharidinsäuro = OgHuO^OOH), aul'gefasst werden kann, ausserdem fettes üel, Ameisensäure und Salze. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Unguentum Cantharidum pro usu veterinario, Oantharidensalbe für t hier ärztliche n Gebrauch, in Deutschland offlcinell, wird durch lOstündiges Digeriren von Cantharidenpulver (2) mit Olivenül (4), mit folgender Beimengung von Wachs (1) und Terpentin (2) sowie von Euphor-bium (1) behufs Verstärkung der Salbe dargestellt. A.P, 10,0 = 15 Pfennig.
Emplastrum Cantharidum pro usu veterinario, Canthariden-pflaster für thier ärztl ich en Gebrauch. Das in Deutschland offici-iielle Pflaster wird in der Weise dargestellt, dass (i Theile Colophonium im Dampfbade mit 6 Theilen Terpentin zusammengeschmolzen und der halb erkalteten Mischung 3 Theile grob gepulverte Canthariden und 1 Theil mittelfein gepulvertes Euphorbium gleichmilssig beigemengt werden. Statt dieses officinellen Pflasters kann man auch das sogenannte englische scharfe oder schwarze Pflaster benützen. Dasselbe wird durch Zusammenschmelzen von Canthariden (IJJ Theile), Euphorium (3), Burgunder-iiarz (11), Mastixgummi, Colophonium, Safranpflaster, gemeinem Terpentin, schwarzem Pech, armenischem Bolus (je 0 Theile) hergestellt.
Tinctura Cantharidum, Cantharidentinotur, wird aus Canthariden und Weingeist 1 : 10 dargestellt. Sie bildet eine grüngelbe Flüssigkeit, von brennendem Geschmacke und dem Gerüche der Canthariden. A.P. 100,0 = 1 Mark.
Oleum cantharidatum, Cantbaridenöl, von grünlicher Farbe, wird durch lOstündiges Digeriren von grobgepulverten Canthariden mit Olivenöl (3 : 10), Auspressen und Piltriren hergestellt. A.P. 100,0 = 1 Mark 50 Pfennig.
Collodium cantharidatum, Cantharidencollodium, bildet eine olivengrüne, syrupdicke, klare Flüssigkeit, welche zu einem grünen Häut-chen eintrocknet. Es wird dargestellt dlirob Ausziehen der Canthariden mit Aether und Hinzufügen von Collodium. A.P. 10,0 = 25 Pfennige; 100.0 = 1 Mark 80 Pfenniff.
|
|||||
|
|
|||||
|
Cantharidinum, Cantharidin (n. o.), wird dargestellt durch Extra-hiren der gepulverten Canthariden mit Chloroform oder mit verdünnter Kalilauge (als cantharidinsaures Kali, aus welchem das Cantharidin durch
|
|||||
|
|
|||||
|
|
Das Cantharidin ist statt Salben und Pflastern em-
das Cantharidencollodium 50,0 (2 :1000). Versuche,
|
||||
|
Zusatz einer Säure der Canthariden pfohlen worden, folgendermassen:
|
wieder frei gemacht wird).
zur Darstellung von scharfen
Dietrich verschreibt z. B.
Cantharidini 0,1; Collod. elast.
|
||||
|
|
|||||
|
welche ich beim
|
Pferde mit Concentrationen bis zu 1
|
10 in Salbenform = 30 Pfennisre.
|
|||
|
anstellte, lieferten kein befriedigendes Resultat. A.P. 0,1
|
|||||
|
|
|||||
|
|
|||
|
508
|
Oanth ariden.
|
||
|
|
|||
|
Wirkung. 1) Aeusserlich auf tier Haut wirken die Cantliariden durch ihren Gehalt an Cantharidin entzündungserregend und zwar speciell blasenziehend. Am empfindlichsten sind feinhäutige Pferde, weniger Hunde; am schwächsten ist die Wirkung heim Rind und Schwein. Hühner sollen angeblich gegen (Janthariden ganz unem-pflndlioh sein; so soll das Fleisch von Hühnern, welche ohne zu erkranken mit Canthariden gefüttert wurden, Katzen nach der Aufnahme tüdten. Audi Igel und Frösche sollen unempfindlich sein. Auf der höher gerötheten Haut bilden sich häufig schon nach 1 Stunde, zuweilen aber auch erst nach 612 Stunden und noch später (schwache Salben, leichtes Einreiben, harte, unempfindliche Haut, fieberhaftes Allgemeinleiden etc. vermindern und vorzögern die Wirkung) Blasen, welche bald platzen, worauf die eingeriebene, von der Oberhaupt ent-blösste Hautstelle sich mit einem gelblichen, zähflüssigen, lymphatischen Exsudate bedeckt, welches später zu Schorfen vertrocknet. Gleichzeitig findet ein Ausfallen der Haare statt, welche indessen später wieder nachwachsen. Bei sehr concentrirter oder bei öfters wiederholter Anwendung der Canthariden auf eine und dieselbe Stelle kaiui Hautnekroso eintreten. Beim Einreiben der Canthariden auf sehr grosse Hautflächen kann ferner in Folge der Resorption des Cantharidins eine innerliche Cantharidenvergiftung entstehen.
2) Innerlich bewirken die Canthariden in kleinsten Gaben eine Steigerung der Harnsecretion und des Geschlechtstriebs. Grösscre Gaben erzeugen bei der innerlichen Verabreichung zunächst die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis und Stomatitis: Speicheln, Schlingbeschwerden, Erbrechen, Kolik, blutige Diarrhöe, Tenesmus, Hiezutritt eine entzündliche Reizung der Nieron, der Blasen- und Harnröhrenschleimhaut, welche sicli in Polyurie, Harndrang, Blutharnen, Eiweissharnen, Röthung und Schwellung der Vaginal- und Präputialschleimhaut und selbst Anschwellung des Präputiums und der Eichel äussert. Diese Wirkung auf den Urogenitalapparat beobachtet man auch bei ausgedehnter äusserlicher Anwendung der Canthariden oder beim Einstreuen derselben in Wunden; die entzündliche Reizung der Digestionsschleimhaut fehlt aber in diesen Fällen. Der Tod erfolgt unter den Erscheinungen einer allgemeinen Schwäche durch Athmungslähmung. Die tüdtlichen Dosen des Cantbaridenpulvers betragen bei innerlicher Anwendung für Pferde und Rinder 2530 g, für Schafe 5 g, für Hunde 0,52 g.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Oantliaridou.
|
509
|
||
|
|
|||
|
Anwendung. 1) In der Chirurgie zu Boharfen Einreibungen meist in der Form der Oiintharidonsalbe, und zwar am häufigsten heim Pferd und Bind, gegen chronisehe Sehnen- und Sehnenscheiden-ontüinulungcn (Solinenklapp), chronische Grelenkentzündungen, Gallen, chronische rheumatische Lahmheiten (Schulterrheuma-tismus, rheumatische Hüftlahmheit), ehr on is die Phlegmon on, (J u e t s c h u n g s g e s c h w U1 s t e ((I enickbeulen, Brustheulen, Stollbeulen, Piephaoken, Widerrist- und Satteldrücke), chronische entzündliche Neubildungen, chronische Knoohenanftreibungen (Spat, Schale, llehhein, lleherbeinc an der Innenfläche des Metacarpus etc.), Lymphadeniten (Druse), gegen Par esen und Paralysen (namentlich Lähmung der Nachhand), Muskelatrophic, sowie endlich hergebrachterweisc in der Umgebung von frischen Gelenk wunden, um durch die entstehende starke Schwellung der Haut die Wunde zum Verschluss zu bringen (Vorsicht!). Zu ableitenden Einreibungen gegen Pneumonie, Pleuritis, Brustseuche, Meningitis, Peritonitis etc. benützt man in der neueren Zeit wegen der Gefährlichkeit der Anwendung der Canthariden auf grössere Hautflächen und der Langsamkeit der Wirkung vortheilliafter das Senföl.
-) Als hautreizendes Mittel in Form der Cantlmridentinctur zur Beförderung des Haarwachsthums hei Alopecie (1:510 Spiritus) sowie als Einreibung auf die Krone zur Anregung des Wachs-thums des Hufhorns nach Hufoperationen (Hornspalten, Hufknorpel-tisteln).
3) Alsliäudemittel namentlich bei der Behandlung des Akarus-ausschlages in Form der Cantharidensalbe, abwechselnd mit Schwofelleberbädern (B r u s a s c o).
i)Innerlich alsAphrodisiacum bei vermindertemGoscldechts-triebe; seltener als Diureticum und Beizmittel bei Schwächezuständen der Blase; in Form von Pillen oder als Einguss, Kühen wohl auch als Pulver zwischen Brotschnitten. Die Anwendung des Oanthari-dins gegen die Tuberkulose des Menschen (Liebreich) ist wieder verlassen worden.
|
|||
|
|
|||
|
Form. Die gebräuchlichste Form bei der äusserlichen Anwendung der Canthariden ist dieSalbenform. Bei Application der Cantharidensalbe sind jedoch verschiedene Punkte wohl zu berücksichtigen. Vor dem Einroiben sind zunächst die Haare an der betreffenden Stelle ab-zuscheeren. Das Einreiben selbst soll in der Regel nur einmal, aber gründlich und zwar 510 Minuten lang geschehen. Man kann
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
no
|
Cantliaritlen.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
liiozu die blosse Hand benutzen; besser ist es, nur anfangs mit der blosscn Hand, später jedoch mit einem Handschuh, Lederlappen, Tuchlappen etc. einzureiben. Hat die Salbe nach Ablauf von 612 Stunden nur schwach oder gar nicht gewirkt, so wird nachgerieben';, d.h. die auf der Haut befindliche Salbe wird von Neuem eingerieben. Erst wenn nach Ablauf von 24 Stunden gar keine Wirkung eingetreten ist, darf ein neues Quantum Salbe eingerieben werden (wiederholte Einreibung). Die unter der eingeriebenen Stelle betindlicho Haut muss durch Wachssalbe oder Paraffinsalbe vor der Anätzung durch etwa abfliessende Salbe resp. cantharidinhaltiges Secret geschützt werden. Endlich ist ein Ablecken oder Abscheuern der Salbe seitens der eingeriebenen Tbiore zu verhüten. Zu diesem Zwecke werden sie einige Stunden nach dem Einreiben beaufsichtigt; Pferde werden ferner über Nacht aufgebunden und mit dem Kopfe kurz angebunden oder sie erhalten eine Seitenstange, nöthigenfalls auch einen Maulkorb. Ist die blasenziehende Wirkung eingetreten, so lässt man das Secret eintrocknen und löst dann die Borken nach vorhergegangener Erweichung mit Glycerin, Seife etc. ab.
Das Oantharidenpflaster muss vor der Anwendung in einem irdenen oder metallenen Gefässe über schwachem Feuer geschmolzen werden. Dann wird es auf die abgeschorene Hautstelle mittelst eines Spatels in der Dicke eines halben Centimeters aufgetragen, und so lange es noch warm ist, mit kurzgeschnittenem Werg bestreut, um ein zu frühes Bersten zu verhüten. Ein gut angelegtes Oantharidenpflaster soll erst nach circa 14 Tagen abfallen.
Das Cantharidencollodinm wird auf die betreffenden Hautstellen einfach aufgepinselt. Es eignet sich namentlich für Hunde, weil es nicht leicht abgeleckt werden kann.
Die Cantharidentinctur und das Cantharidenöl werden wie die Salbe eingerieben.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Recepte.
1) Rp, Ungnenti Cantharid. pro usu veter. 25,0. D. S. Aeusserlioli gegen Sehnonentzttndnng.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||
|
Moschus.
|
ill
|
||
|
|
|||
|
'2) Rp, Emplastri ('aiitliarid. pro usu vot. 50,0. D. 'S. Aüusserlioli gesell Spat.
|
|||
|
|
|||
|
} Anhang zu den Aethcveo-Oleosa.
Moschus. Der Moschus (off.) findet sich in den Moschusbeuteln der milnnlichen Moschusthiere (Moschus moschiferus), rehartiger Wiederkäuer auf den Hochgebirgen von China und Tibet, zwischen Nabel und Kuthe und ist als ein Product von Geschlechtsdrüsen aufzufassen. Er bildet eine dunkelbraune, kr um lie he, ganz intensiv riechende Masse, welche in den Beuteln eingeschlossen als tonkinesischer oder tibetanischer Moschus über Kanton, sowie als russischer oder kabardinischer Moschus über Sibirien in den Handel gelangt. Der Moschus enthalt ätherische Riechstoffe, welche in ihrer Zusammensetzung noch nicht genau gekannt sind, ausserdem Fett, Wachs, Ammoniumcarbonat etc. A.P. 0,01 s= 10 Pfennig. Die TincturaJMoschi wird aus Moschus (1) und verdünntem Alkohol sowie Wasser (aa 25) dargestellt. A.P. 1,0 = 15 Pfennig. Moschus und Castoreum sind erregende Mittel für das Nervensystem, welche ausserdem kr ampfs till ende Wirkung haben. Sie können beim Hunde (wie beim Menschen) als Excitantien bei Collaps sowie als Anti-spasmodica bei Krampfzuständen in Dosen von 0,10,2 angewandt werden, sind aber sehr theuere Präparate. Z. B. Rp. Moschi ^1; Sacchari 0,5. M. f. Pul vis.
Castoreum, Bibergeil, ein Product der Geschlechtsdrüsen des kanadischen Bibers, Castor am eric anus, eines rait Schwimmhäuten an den Hinterfüssen versehenen Nagethieres. Das Castoreum ist eine in Beuteln enthaltene erdige, braune, trockene Masse von sehr kräftigem Gerüche. Es enthält ein sternförmig krystallisirendes Glykosid als wirksame Substanz, ausserdem Harz, Fett (Castorin), Cholestearin und Spuren von Carbolsänro (Trocknen im Rauche).
Lignum Sassafras, Sassafrasholz (Fcnchelholz), ist das zerschnittene Holz der Wurzel von Sassafras officinalis, einer nordamerikanischen Laurinee. Es ist ein leichtes, weiches, schwammiges, fahlröthliches Holz von fenchelartigem Gerüche und süsslichem Geschraacke, welches ätherisches Gel ('/laquo;quot;/o), Harz und Gerbsäure enthält. Es wird in der Menschen-heilknnde als Diureticum und sehweisstreibendes Mittel in Form von Species und Infusen angewandt. Das Holz ist officinell.
|
|||
|
|
|||
|
Lignum Guajaci, Guajakholz (Lignum sanctum, Franzosenbolz. Pookholz), officinell, stammt von Guajacum officinale, einer westindischen Zygophyllee. Das Holz ist geschnitten oder geraspelt, schwer, grünlichbraun und hat einen benzoöähnlichen Geruch. Es enthält Guajak-harz (Resina Guajaci), Guajacin, Guajaksäure und Benzoiisäure und wird als Diureticum und schweis st reiben des Mittel in Abkochung angewandt; ausserdem bildet es einen Bestandtheil der Species Lignorum (Holzthee), welche aus Guajakholz, Süssholz, Sassafrasholz und Hauhechelwurzel bestehen. Resina Guajaci soll ein gutes innerliches Mittel gegen Pharyngitis beim Menschen sein.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
512
|
Ootoriudo.
|
||
|
|
|||
|
Radix Sarsaparillae, Sarsaparille, ist die Wurzel einer unbekannten Smilaxart aus Honduras (Üstküsto Centralamorikas). Sie bildet iederkieldicko, hellliriiunlielio l)is rüthlioho, innen weisse, längsstreifige Wurzeln von sobleimigem, kratzendem Geschniacke, welche in 3 Sorten, als Veracruz-, Caracas- und Para-Sarsaparille im Handel vorkoramon. Sie enthalten das Smilacin (Parillin), P arillin säure (Salsoparin), ein scharfes bitteres Harz und Stärkemehl. Sie werden beim Menschen angewandt gegen Syphilis als Abkochung und zwar 1) als Decoctum Sarsaparillae c o m p o s i t u m f o r t i u s (stärkeres Decoct) und 2) D. S. c. mitius (schwächer), welche beide officinell sind.
|
|||
|
|
|||
|
Cardoleum, C a r d o 1, ist tract der Samen von Anacar Terebinthacee, welche als Eleph o cm lange, glatte, hellbraun
|
ein alkoholisch-ätherisches, theerartiges Ex-dium Occident ale, einer westindischen imtenläusequot; bekannt sind und nieronf'iirmige, 3 Samen bilden; dieselben enthalten das
|
||
|
|
|||
|
kampherartige Cardol von der Pormel C^iHaoO;, ausserdem Anakardsäure
|
|||
|
Das Cardol bildet eine braune, unlösliche, dagegen in Alkohol Flüssigkeit, welche als V e s i c a und angeblich ungefährlich ist,
|
dicke, oigenthümlich riechende, in Wasser , Aether, Benzin und fetten Oelen lösliche ns an Stelle der Canthariden benützt wird weil es nicht resorbirt wird. Nicht officinell.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Oleum Santali, Santalol, ist das ätherische Oel des Holzes von Sant alum album, einer Santalacee. Es hat einen sehr aromatischen Geruch \uid gewürzhaften Geschmack und wird als Expectorans und Anticystiticum in Dosen von 20 Tropfen beim Menschen empfohlen. In Oesterreich officinell. Ebendaselbst ist officinell Lignum Santali rubrum, rothes Santelholz, von Pterocarpus santalinus, einer Papilionaeee Ostindiens, als Bcstandtheil dor Species Lignorum.
Oleum Pini Pumilionis, das ätherische Oel von Pintis Pumilio, von aromatischem Geruch, ist in Oesterreich officinell.
|
|||
|
|
|||
|
Radix Pyrethri, Bertramwurzel, von Anacyclus Pyrethrum, einer Composite des Mittelmeers, in Oesterreich officinell, wurde früher in der Thierheilkunde als Stomachicum und Excitans nervinum, gegen Zungenlähmung sowie zu reizenden Maulwässern (sogenanntes Kaumittel) angewandt. Die innerliche Dosis betrug für Pferde und Rinder 1530,0.
Cortex Goto verus und Para, Cotorinden, stammen von 2 unbekannten Laurineen Boliviens. Es sind chinarindenähnliche Rinden, welche neben ätherischem Oel und Gerbsäure das Coto^'n und Paracotoin enthalten. Diese Glykoside haben antizymotische, antiseptische und antidiarrhoische Eigenschaften und werden gegen acute und chronische Darmkatarrhe, Brechdurchfälle und Ruhr angewandt, wobei sie die Pankreasfäulniss verhindern und deshalb die Bildung der aromatischen Pankreasfäulnissproducto (Indol, Skatol) vermindern. Man gibt das Coto'in und Paracotoin beim Hunde in Dosen von 0,10,2. A.P. Coto'in. verum 0,1 = 20 Pfennig (n. o.).
Radix Asari, llasclwurzel, ist der Wurzelstock von Asarum Euro-paeum, einer Aristolochie (n. o.). Der Wui'zelstock hat einen kampher-artigen Geruch. Er enthält ein ätherisches Oel, Asarumkampher (Asaron) und einen Bitterstoff (Asarin). Das Pulver wirkt auf Schleim-
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Damiaua, ßoldo.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
häute reizend, erzeugt Niesen, Erbrechen und Durchfall. Beim Rinde entstehen auf !'0 g Gastroenteritis. Das Mittel wurde früher als Niesmittel gegen Oestmslarvenkrankheit der Schafe angewandt und ist ausserdem ein volksthümliches Brechmittel.
Folia Rutae, R a u t o n b 1 il 11 e r, von Ruta graveolens, einer Rutacee (n. o.), enthalten ein ätherisches Oel, und wurden früher gegen Uteruskrämpfe sowie als Emmenagogum angewandt.
Damiaua, eine mexikanische Droge, welche aus den Blättern und Zweigspitzen von Turnera aphrodisiaca, einer Turneracee, besteht und ein ätherisches Oel enthält, das als Aphrodisiacum und Ex-citans aethereo-oleosum bei Schwächezuständen des Nervensystems beim Menschen empfohlen wird.
Boldo, eine neuere südamerikanische Droge, besteht aus den Blättern von Boldo a frag ans, einer Monimiacee. Die Blätter enthalten ätherisches Oel, Harz und Alkaloid, das Boldin. Sie werden beim Menschen als Excitans, Antisepticum und Anthelmintliicum, gegen Dyspepsie, Leberleiden und Cystitis angewandt (n. o.). Boldol ist ein Destillationsproduet aus Boldoöl.
Caroba, Karai'benblätter, stammen von Jacaranda procera, einer Bignomiacee Brasiliens und Guianas (n. o.). Sie enthalten ein ätherisches Harz (Carabon), ein Alkaloid (Carobin), Carobasäure und Gerbsäure. Sie dienen als Diureticum und schweisstreibendes Mittel.
Alstonia constricta, eine Apocynee Australiens, enthält das bittere Alkaloid Alstonin, welches als Excitans, Antisepticum und Storn ach i cum angewandt wird. Die Rinde dient als Ersatz, des Hopfenbitters im Pale Ale (n. o.).
Muira puama, eine brasilianische Droge (Liriosma ovata, Ole'inee?), wird beim Menschen gegen Rheumatismus empfohlen (n. o.).
Pichi-pichi, ein Fluidextract von Fabiana imbricata, einer Solanee, wird beim Menschen gegen Nierenleiden und Cystitis angewandt (n. o.).
Euphorbia pilulifera, eine Euphorbiacec des tropischen Amerikas und Afrikas, enthält ein Gummiharz und Glykoside und wird beim Mensehen als Expectorans empfohlen (n. o.).
Lippia Mexikana, eine Verbenacee Mexikos, enthält ätherisches Oel, Li ppiakamphe r (Lippiol) und Gerbsäure und dient als Expectorans in Form einer concentrirten Tinctur beim Menschen (n. o.).
Grindelia, von Grindelia robusta, einer mexikanischen Composite, enthält ätherisches Oel und Harz und dient als Expectorans und Speoifioum gegen Asthma beim Menschen (n. o.).
Cheken, von Eugenia Choken, einer Myrtacee in Chile; Mittel gegen chronische Bronchitis.
Fröhuor, Arzneimittellehre. 1. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
514
|
Yerba Santa. Simulo.
|
||
|
|
|||
|
Simaruba, die Wurzel von Ailanthns glandulosa, altes Euhrraittel in China und Japan.
Mirobaianus, ein in der Türkei gegen Euhr angewendetes tannin-haltiges Aethereo-Oleosum (Bestandtheil der sog. Thüringer Pillen).
Extractum Alkekengi, von Physalis Alkekengi (Judenkirsche), besitzt diurotische Wirkung (Bestandtheil des Laville'schen Geheimmittels gegen Gicht),
Teukrin, ein Extract von Teucrium Scordium (Wasserknoblauch), subcutan als Reizmittel für chronische Entzündungsprocesse empfohlen (Mosetig).
Galega offlcinalis, die Gaisraute (Leguminose), ein altes, volks-thümliches Milchmittel, soll nach neueren Untersuchungen bei Kühen schon nach 24 Stunden die Milchmenge um 3050 0/o erhöhen (Grinie-witsch).
Solidago virgaurea, die Goldruthe, besitzt eine stark diuretische Wirkung (Tinctur).
Yerba Santa, die Blätter von Eriodictyon glutinosum, einer Hydrophyllacee Mexikos und Californiens, enthält ein dem Tolubalsam verwandtes Harz. Es dient als Expect or ans beim Menschen (n. o.).
Virga aurea, die Blätter von Solidago virga aurea, besitzen ziemlich starke diuretische Wirkung (Volksmittel gegen Wassersucht).
Simulo (Tinctura Simulo), eine aus den Früchten von Capparis coriacca (Capland) dargestellte Tinctur wird gegen Epilepsie gerühmt.
Endlich sind noch in Oesterreicb officinell nachstehende Aethereo-Oleosa; Herba Capilli Veneris, Frauenhaar, von Adiantum Capillus Veneris (Filices); Herba Chenopodii, mexikanisches Trauben kraut, von Chenopodium ambrosioides, einer amerikanischen ChenopodiaceG; Herba Galeopsidis, Höh 1z ah n kraut, von Galeopsis oohroleuca (Labiaten); Herba Hernariae, Bruch kraut, von Hernarin glabra (Caryophyllaceen); Herba Origani, Dostenkraut, von Origanum vulgäre (Labiate) und Herba Spilanthis, Parakressenkraut, von Spilanthes oleracea (Com-positen). Diese Drogen sind Bestandtheile der Species aromaticao oder dienen zur Herstellung ätherisch-öliger Tincturen etc.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
Pllanzliehe Ablührmittel.
|
||
|
|
||
|
Aloe, Capaloc.
Stammpflansen: Alo'C j'erox und Aloe Africana. Familie: Liliaceen.
Geschichtliches. Die Aloii (hebräisch halalquot; = glänzend, bitter) ist ein uraltes, in Egypten schon im 2.8. Jahrtausend vor Chr. benutztes Arzneimittel (Papyrus Ebers), das auch im griechischen und römischen Alterthum viel angewandt wurde. Im 10. Jahrhundert nach Chr. wird sie in den angelsächsischen Thierarzneibüchern aufgeführt.
Pharmakognosie. Die Aloe (Aloö cap ens is, A. lucid a) ist der eingekochte Milchsaft der Blätter verschiedener Alocarten des Caplandes, vorzüglich von Aloii ferox und A. Africana, ausser-dem von Aloe spicata, vulgaris und A. Lingua. Sie bildet eine harte, dunkelbraune, ins Grünliche schillernde Masse von bitterem Gesellmacke und eigenthiimlicheiu Gerüche, welche in gross-muschelige, glasglänzende, harte, grünhestäubte, scharfkantige, an den Kanten und Splittern rothlich oder gelblichhraun durchscheinende, in retlectirtem Lichte grünlichschwarze Stücke bricht und gepulvert eine citrongelbe Farbe besitzt. Die Aloe löst sich klar in Weingeist (1:5) und siedendem AVasser (1:2), ausserdem in Alkalien und in Galle, dagegen nicht in Aether und Chloroform. Unter dem Mikroskop ist die Aloe amorph. Sie enthält Aloeharz (350/0) sowie als Hauptbestandtheil das amorphe Aloetin (G00/o) = Aloebitter, welches in anderen Aloiiarten krystallinisch als Aloi'n vorkommt (Nataloin, Barbalo'in, Sansibaraloin, Soc-aloi'n), endlich Spuren eines ätherischen Oels. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Neben der zur Zeit allein officinellen Capaloe waren früher noch im Gebrauche: 1) Die Leberaloe, Aloe hepatica, von leberbrauner, undurchsichtiger, matter Überfläche, von Ostindien, Ostafrika
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
il(j
|
Aloö.
|
||
|
|
|||
|
und Westindien stammend und als Barbados-Aloe, Sansibar-Aloö und Bombay-Aloe im Handel. Diese Leberaloti enthält kein amorphes Aloötin, sondern krystallinisches Aloin (Barbalo'i'n). 2) Die Natal-Aloe, von Südostafrika, mit dem krystallinischen Nataloin. 3) Die Socotora-Aloe, von der Insel Socotora, sehr werthvolle, aber seltene Handelssorte mit dem krystallinischen Socalo'in. 4) Als Aloe caballina, llossaloö, wurden früher minderwerthige Abfälle verschiedener Aloesorten bezeichnet. Officinelle Präparate sind:
Extractum Aloös, Aloeextract, ist ein gelbbrauner, trockener, wässeriger Auszug der Aloe. 1 Thoil Alo^ wird in B Theilen siedendem Wasser gelöst; die erkaltete Losung wird nach 2 Tagen vom Harze abgegossen und zu einem trockenen Extmcte eingedampft, welcher bei einer Ausbeute von 50 0|o ausschliesslich aus A1 o quot;i n bezw. A1 o e t i n besteht. Er wirkt daher doppelt so stark als die Aloe. A.P. 10,0 = 35 Pfennig.
Tinctura Aloös, AloPtinctur, eine dunkelgrünbraunc Flüssigkeit von sehr bitterem Geschmacke, welche aus Alo6 und Weingeist (1 : 5) dargestellt wird. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Tinctura Aloös composita wird aus Aloe, Rhabarber, Enzian, Zitwer, Safran und Spiritus dilutus dargestellt.
Pilulae aloöticae ferratae, eisenhaltige Aloöpillen, werden officinell aus Aloepulver und Ferrum sulfuricum siccum dargestellt.
Aloinum, Alo'i'n (n. o.), wird durch Ausziehen der Barbadosaloß mittelst kochendem, mit Salzsäure angesäuertem Wasser dargestellt. Dieses Barbalo'in hat die Formel C34Ha(.,0|4 -f- H^O und bildet gelbe, in heissem Wasser und Glycerin sowie in Alkohol lösliche Kvystalle. Es wird innerlich und subcutan angewandt, eignet sich aber nach Ellenberger hei Pferden und Wiederkäuern nicht zur subcutanen Injection (Berliner Archiv 1887).
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. 1) In kleinen Dosen wirkt die Aloe vermöge ihres bitteren Geschmackes als Stomachicum amarum und wird daher namentlich bei den chronischen Verdauungsstörungen der Pferde und Wiederkäuer angewandt.
2) Grosso Dosen der Aloe erzeugen Laxiren. Diese abführende Wirkung ist bei den einzelnen Thiergattungen eine verschiedene. Pferde laxiren auf 2550 g Aloö nach Ablauf von 1836 Stunden (524 Stunden lang; der Koth wird hiebei gewöhnlich mehr oder weniger dünnflüssig, so dass er selbst im Bogen abgesetzt wird. Beim llindc sind grössero Dosen nothwendig und es bleiben in einzelnen Fällen selbst auffallend grosso Dosen ohne Laxir-wirkung (nach Gilbert in einem Falle sogar 180 g). Durchschnittlich sind beim Rinde 4060 g Aloö zur Erzeugung einer diarrhoischen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Aloü.
|
r.i?
|
||
|
|
|||
|
Wirkung notlnventlig. Die Kothmassen werden jedoch niemals so dünnilüssig wie beim Pferde, Scliweino und Schafe purgiren von 8 resp. 15 g ab. Am wenigsten emptindlich sind Hunde; dieselben brauchen 5lOmal mehr Alcii zum Laxiren als der Mensch, nämlich durchschnittlich 25 g. Die laxirendo Wirkung der Aloe beruht in der Hauptsache auf einer Erregung der Dannnerven durch das Alo'in resp. Aloetin. Diese Erregung findet auch bei subcutaner Application des Alo'ins, also vom Blute aus, statt.
Die Aloii ist eines der wichtigsten Abführmittel für Pferde. Sie wird namentlich bei Verstopfungskoliken, chronischen Darmcatarrhen, als Ableitungsmittel bei Entzündungen innerer Organe (Leptomeningitis), bei Huf-rhebe sowie als Prophylacticum gegen G-ebKrparese des Rindes und Hämoglobinämie des Pferdes angewandt. Hei den Wiederkäuern wird sie mit anderen Laxantien zusammen gegeben. Beim Hunde wird sie bosser durch wirksamere Abführmittel (Calomel etc.) ersetzt.
8) Die Aloi1 ist forner in grossen Dosen ein Cholagogum, d. h. ein die Secretionsthätigkeit der Leberzellen anregendes Mittel (Rutherford). Nach ihrer Verabreichung findet man deshalb bei der mikroskopischen Untersuchung der Leber die Leberzellen im Zustande der Thätigkeit (Ellenberger). Wegen ihrer cholagogen Wirkung ist die Aloe von Alters her gegen Leber krank hei ten (Ikterus, Hepatitis) im Gebrauche.
4) Aeusserlich hat die Aloe auf Wunden und (leschwüre eine anregende, reizende Wirkung. Sie wird daher gepulvert oder in Verbindung mit Weingeist in Form der Aloetinctur als granu-lationsbefördernd es Mittel bei schlaffen Wunden, Geschwüren und Fisteln angewandt.
|
|||
|
|
|||
|
Form. Die Aloe wird beim Pferde als Laxinnittel gewöhnlich in einmaliger Dosis in Pillenform als sogenannte Aloepille angewandt; diese Pillen werden aus Aloepulver und grüner Seife hergestellt. Ausserdem wird das Extractum Aloes mit salinischen Mitteln zusammen in Latwergenform verabreicht. Bindern und Schafen gibt man die Aloe gepulvert als Einguss oder in einer Lösung mit Seifen-wasser. Von grosser Wichtigkeit ist bei der Anwendung der Aloe als Laxans das gleichzeitige Einhalten eines bestimmten diätetischen Verfahrens. Zunächst sind die Tbiere womöglich schon einen Tag vor der Verabreichung der Aloe auf halbe Ration zu setzen und mit ilüssigen Futterstoffen, Pferde namentlich mit Kleientrank, zu füttern;
|
|||
|
|
|||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
518
|
Aloö.
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
0 bis 12 Stunden vor dem Eingeben der Aloe ist die Fütterung über-haupt auszusetzen. Sodann müssen dieselben nach dem Eingeben der Aloe vor Erkältung gescluitzt im Stalle stehen, bis die Wirkung vorüber ist, und es muss während dieser Zeit jede anstrengende Arbeitsleistung streng vermieden werden. Nur ein massiges Bewegen der Thiere im Schritt kann dann vorgenommen werden, wenn sich die Wirkung verzögert. Da ferner eine ausgiebige Laxirwirkung nur dann eintritt, wenn der Körper hinreichend mit Wasser versehen ist, reicht man dem Thiere öfters Trinkwasser in grösseror Menge.
Contraindicirt ist die Anwendung der Aloe in grösseren Dosen bei Magendarmentzündung und vorgeschrittener Trächtigkeit, sowie bei Milchkühen, indem bei letzteren die Milch einen bitteren Geschmack erhält.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Kleine Dosis (Amarum). Grosse, Laxirdosis.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis.
|
|
10,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 40 60,0
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
nbsp; 5,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25 50,0
nbsp; nbsp;5^0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15 30,0 - 2,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5 10,0
0,1 0,5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2 5,0
0,05 0,2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,2 1,0
0,2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5 2.0
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Die Laxirdosis für Fohlen beträgt bei einem Alter von 1 Woche 0,51,0, von 4 Wochen 25,0, von ^ Jahr 510,0, von ^ J'^1' 1015,0, von 1 Jahr 1520,0, von 2 Jahren 2025,0, von 3 Jahren 2530,0, von 4 Jahren 2540,0. Die Dosis des Extractum Aloes beträgt etwa die Hälfte der Aloedosis.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
Rocepte.
1)nbsp; Rp. Alocs pulv. 45,0.
Sspon. virid. qu. s. f. Pilula (Bolus). D. S. Aloepille für ein Pferd mit Kolik.
2)nbsp; Rp. Extracti Aloes 30,0,
Xatrii sulfurici 250,0. Farin. secal.
Aqu. fontan. (ju. s. f. Eleotuar. D. 8. Auf 2mal für ein Pferd mit Verstopfung.
3)nbsp; Rp. Aloes pulv.
Pulv. Rhiz. Veratri albi ää 10,0. M. f. Pulv. D. S. Mit 1 Flasche Leinsaraenabkochung einzuschütten für einen Ochsen mit chronischer Indigestion.
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||
|
Rhabarber.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;519
4) Jlp. Tiuotur. Aloelaquo;
Tinotur. Myrrhae ilä 50,0. M. D. gt;S. Aeusserlicli zum Ausspritzen einer Fistel.
|
||||
|
|
||||
|
Uadix Rhei. Rhabarber.
Stamm]) flameii: liheum offiohtalf und pul mat um. Fumilic: I'oli/i/oiieen.
Geschichtliches. Der Rhabarber ist ein uraltes, chinesisches Heilmittel, das bereits im chinesischen Kriluterbuche Penking (2700 v. Chr.) genannt wird. Auch hei den Griechen und Römern ist er bekannt gewesen. Die chinesische Heimath des Rhabarbers (Kansu) ist zuerst von Marco Polo (1208) besucht worden. 1704 wurde in Kiachta ein russisches Rhabarber-Monopol errichtet (russischer Kronrhabarber, über Sibirien befördert), das bis 1800 dauerte. Von da ab erfolgt der Export auch auf dem Seewege nach Deutschland, England, Frankreich u. s. w. Die Jahresausfuhr in China beträgt '/a Million Kilo.
|
||||
|
|
||||
|
Pharmakognosie. Der Rhabarber ist ein Bhizom, welches von zwei Rlieumarten Hochasiens (Tibet, chinesische Provinz Kansu) abstammt und zur Zeit ausschliesslicli über China (Schanghai, Kanton, Tientsin) nach Europa versandt wird. Die Wurzel kommt gesell alt (mundirt) und in unregelmässige Stücke zerschnitten in den Handel. Die Stücke haben eine gelbbraune Farbe und eine markige, harte, dichte, aber nicht holzige Consistanz. Die Bruch-flache ist körnig und marmorirt; die glänzend weisse Grundmasse ist nämlich durchzogen von orangegelben bis braunrothen Markstrahlen. In der Nähe der Oberfläche bilden die Markstrahlen Strahlenkreise in Form liainmiger Zeichnungen, die sogenannten M a S 6 r n, Geruch und Geschmack sind sehr eigenartig; beim Kauen knirscht die Wurzel unter den Zähnen und färbt den Speichel gelb.
Der Rhabarber enthält als wichtigste Bestandtheile zwei Säuren: 1) die Cathartlnsäure mit purgirender Wirkung (bis 50/o); 2) die Rheum-gerbsäure mit styptischer Wirkung (eisengrünende Gerbsäure). Ausser-dem enthält er das Chrysophan, einen orangerothen glykosidischen Farbstoff, welcher sich in Zucker und Ohrysophansäure zerlegen lässt, ferner Emodin, Phäoretin, Erythroretin, Aporetin (Harze), Spuren von R h e i n s ä u r e (= Chrysophansäure), Stärke m e h 1 und
|
||||
|
|
||||
|
Oxalsäuren Kalk. A.P
|
10,0
|
40 Pfennig.
|
||
|
|
||||
|
Tinctura Rhei aquosa, wässerige Rhabarbertinctur, ist eine dunkelrothbraune Flüssigkeit, welche durch Infundiren von Rhabarber (10), Borax (1) und Pottasche (1) mit heissem Wasser (90) und Bei-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
520
|
Rhabarber.
|
||
|
|
|||
|
mengung von Weingeist (9) und Zimm twasser (15) zur Colatur dargestellt wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Tinctura Rhei vinosa, weinige Rhabarbertinctur, ist eine gelbbraune Tinctur von aromatischem Gerüche und süssem, gewürzhaftem (xe-schmacke, welche aus Rhabarber (8), Pomeranzenschalen (2), Cardamom (1) und Xereswein (100) mit Zucker (15) bereitet wird. A.P 10,0 = 25 Pfennig.
Extractum Rhei, Rhabarberextract, ist ein wiisserig-weingoistiges, trockenes Extract von gelblichbrauner Farbe (Ausbeute 3040 quot;(o). A.P. 1,0 = 20 Pfennig. Dosis = '/laquo;Vlaquo; äes Rhabarber.
Extractum Rhei compositum (E. catholicum), das vorige mit Aloß-extract, Jalapenharz und medicinischer Seife. Abführdosis für Hunde 25,0.
Syrupus Rhei, R h a b a r b e r s y r u p , ist ein wässeriger Auszug von Rhabarber, Zimmt, Pottasche mit Zucker.
Pulvis Magnesiae cum Rheo (Pulvis antaoidus,Pulvis infan-tum), ist ein gelbliches his röthlichweisses Pulver, welches aus Rhabarber (3), Magnesiumcarbonat (12) und Penchelölzuoker (8) besteht. Dosis für Hunde und Katzen messerspitzenweise. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Der Rhabarber wirkt in kleinen Dosen ids gewürzhaftes Stomacliicum, indem er die Secretion des Magensaftes anregt. Er ist insbesondere bei allen Verdauungsstörungen der Pferde und Hunde eines der wertlivollsten Magenmittel.
2)nbsp; Durch seinen Gehalt an Gerbsäure wirkt der Rhabarber in etwas grösseren Dosen stopfend, adstringirend und wird daher als Styptioum und Antidiarrho'icum namentlich bei Durchfällen der Säuglinge (Kälber, Lämmer, Fohlen, Hunde), vor Allem aber bei der sogenannten weissen Ruhr der Kälber und Lämmer angewandt.
3)nbsp; In grossen Dosen wirkt der Rhabarber abführend durch seinen Gehalt an Oathartinsäure. Er gehört jedoch zu den schwächsten Laxantien, auch folgt auf die Abführwirkung gewölmlich eine langanhaltende Verstopfung (Wirkung der Rheumgerbsäure). Rinder sind durch Rhabarber Überhaupt nicht zum Laxiren zubringen-, auch hei Pferden gelingt dies nur selten und in geringem Masse nach Gaben von .3500 g. Schweine bedürfen 100 g und mehr, Hunde 515 g, Katzen 25 g. Deshalb wird Rhabarber gewöhnlich mit anderen Abführmitteln zusammen verschrieben.
4)nbsp; Wie die Aloe regt auch der Rhabarber die Grallensecretion in mittleren Dosen an und wird daher von jeher als Cholagogum bei
|
|||
|
|
|||
|
|
|||||||
|
Rhabarber.
|
521
|
||||||
|
|
|||||||
|
Fkterus und Hepatitis angewandt. Das im Rhabarber enthaltene Ohrysophan zerfällt im Körper zu Chrysophansäure, dieselbe färbt alle So- und Excrete (Milch, Scbweiss etc.) gelb. Der Harn wird je nach seiner Reaction (alkalisch, sauer) gelbrotb oder grünlich gefärbt.
Dosis und Form. Am häufigsten gibt man Rhabarber als Sto-machicum und Stypticum in kleinen Dosen. Bei Pferden und Wiederkäuern wird er meist gepulvert als Latwerge oder Einguss, bei Hunden und Katzen dagegen in Form der Tinotaren angewandt. Dabei kann er entweder für sich allein oder mit anderen Mitteln wie Opium, Oalmus, Ingwer, kohlensaurer Magnesia, Oarlsbader Salz etc. angewandt werden.
1) Die Dosis des Rhabarbers beträgt für
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Pferde und Rinder.....
Schweine, Kälber, Fohlen, Schafe
|
iStomachicuin, Stypticum, 1025,0 2550,0
|
Laxans.
|
|||||
|
|
-100,0
|
||||||
|
2- 5,0 510,0 nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
|
|||||||
|
|
|||||||
|
Hunde
Lämm
|
0,5 1,0 1 2,0 5 15,0 0,1 0,5 0,5 1,0 2 5,0 2) Diü Dosis der Tinctura Rhei aquosa und vinosa beträgt für als Stoinaohieum,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; als Laxans.
|
||||||
|
|
|||||||
|
Hunde Katzen
|
Vs 1 Theelöffelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25 EssM'el
|
||||||
|
1020 Tropfennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7raquo;2 ,,
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Rad. Rhei 50,0.
Sal. Carol, factit. 500,0. M. D. S. Auf jedes Futter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Indigestion.
2)nbsp; Rp. Pulv. Rad. Rhei 30,0.
Extract! Aloes 15,0. Natrii bicarbon. 50,0. Natrii sulfuric. 200,0.
M. c. Pulv. Rad. Alth. et Aqu. qu. s. f. Massa Boli. D. S. Für ein Pferd mit Kolik (Di eck erhoff).
3)nbsp; Rp. Pulv. Rad. Rhei 10,0.
Opii pulv. 2,0. Magnes. carb. 5,0. M. D. S. Auf 2mal mit je 1 Tasse Kamillenthee für ein Kalb mit weisser Ruhr (modificirtes llertwig'sches Recept).
4)nbsp; Rp. Tinctur. Rhei vinos. 25,0.
Tinct. Opii spl. 5,0. M. D. S. Sstündlich '/laquo; Theelöffel für einen Hund mit Magcndarm-katarrh.
|
|||||||
|
|
|||||||
|
|
||
|
522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Folia Sennac.
5) Bp. Had. Khei pulv.
Natrii bioarbonici iiä 5,0. M. t I'ulv. 1). S. Messers])itzeiiweise für Hunde (Katzen) mit Magonkatarrli.
|
||
|
|
||
|
Folia Sennac. Seimesblätfer.
Stammpflanzen: Cassia angmtifolia und acuUfolia, Familie: Caesal-piniaoeen.
Geschichtliches. IJie Sennabläiter (arab. sannä) sind erst seit dem 9, Jahrhundert n. Chr. durch arabische Aorzte in Europa bekannt geworden. In den Jahren 18081828 waren sie in Egypten nionopolisirt (Mehmed Ali). Seit den malidistischen Unruhen im Sudan ist auch Cassia angustifolia (die indische Sorte) oi'fiemell zugelassen.
Pharmakognosie. Die Semiesblätter sind die grünliobgrauen, papierartig dünnen, lanzettförmigen oder ovalen Fieder-blättchen zweier strauchartiger Gewächse des nordöstlichen Afrikas und Vorderindiens, welche in verschiedenen Sorten im Handel sind.
1)nbsp; Die Cassia angustifolia liefert die indische oder Tine-velly-Senna; dieselbe wird an der Südspitze Vorderindiens in der Landschaft Tinevelly cultivirt und kommt ausserdem in Arabien wild wachsend vor (Mekka-Senna). Die indische Senna ist durch ihre lanzettförmig zugespitzten Blätter ausgezeichnet, welche am Grunde am breitesten sind.
2)nbsp; nbsp;Die Cassia acutifolia liefert die alexandrinischen Sennesblätter, welche aus Nubien und Sennaar stammen und über Egypten in den Handel kommen. Ein anderer Theil kommt aus dem Sudan über Tripolis in den Verkehr (tripolitauische Senna). Die Cassia acutifolia hat ovale Blätter, welche in der Mitte am breitesten sind; die alexandrinische Senna ist gewöhnlich mit Argheiblättern (von dicker, steifer Consistenz), die tripolitanische mit den verkehrt ovalen Blättern der Cassia obovata vermischt.
Die Sennesblätter enthalten als wesentlichen Bestandtheil die Cathartinsäure theils in freiem Zustande, theils an Calcium und Magnesium gebunden, ausserdem Cathartomannit, Sennapikrin und Sennacrol (Harze), ferner einen der Clirysophansäure ähnlichen Farbstoff, Schleim und pflanzensaure Salze. A.B. 10,0 = 20 Pfennig.
Infusum Sennae compositum, Wiener Trank (Haustus s. Potus Viennensis) ist ein Sennainfus (1:7) mit Zusatz von Tartarus natro-natus (1) und Manna (3). Syrupus Sennae, Sennasyrup, wird aus
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Fruotus Illianini catlmrticac.
|
628
|
|||
|
|
||||
|
Soiinesblilttcrii, Fonoliol, Weingeist, Wasser und Syrup dargestellt. Electu-arium o Sonua, Seuaalatwerge, ist eine grttnliohoraune Misilmng von Seimesblättern (10), Tiimarincloninus (50) nnd Syrup (40). Acidum cathar-tinicum e Senna, Cathartinsüure, eine gesohmaeldose, pulverfiinnige, in Wasser leicht lösliche Substanz, wird neuerdings beim Menschen innerlich zu 0,20,4 angewandt. Nach Ellenbergor waren subeutane Injectionen von 0,10,5 bei Hunden und 0,50,7 bei Schafen erfolglos; 2,0 hatten beim Pferde eine leichte diarrhoische Wirkung, erzeugten jedoch eine starke locale Anschwellung.
Wirkung und Anwendung. Die Sennesblatter wirken durch ihren Gehalt an Oathartinsäurc abführend, jedoch nur bei den kleineren Hausthieren (Schwein, Hund, Katze, Greliügel). Man gibt sie gewöhnlich als Maceration resp. Infus oder gepulvert mit Honig, Manna, Syrup etc. als Latwerge. Auch die Sennesblätter färben den Harn gelb durch einen der Chrysopbansäure ähnlichen Farbstoff.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Schweine 1025,0. Hunde 515,0. Katzen 25,0. GeHügel 12,0.
|
|||
|
|
||||
|
Keoepte.
1)nbsp; Rp. Pulv. Fol. Sennae
Mellis Sä 15,0. M. D. S. Für ein S oh wein mit Verstopfung,
2)nbsp; Bp, Iiifusi .Sennao C()iiij)os. 100,0.
D. S. Auf 2ma1 für einen Hund mit Verstopfung.
|
||||
|
|
||||
|
Fructus Rliainui catharticae. Kreuzdornbeeren.
Stammpflanze: Hliamnus calliartica. Familie: Rhnmneen.
Geschichtliches. Die Kreuzdornbeeren sind schon in den alten angelsächsischen Thierarzneibüchern des 11. Jahrhunderts aufaeführt.
|
||||
|
|
||||
|
Pharmakognosie. Die Kreuzdornbeeren (Baccae spinac cer-vinae) stammen von dem in Hecken und Wäldern vorkommenden strauchartigen Kreuzdorn. Sie sind kugelig, glänzend schwarz, erbsengross, vierknöpfig, und besitzen in einem schwarzen (in frischem Zustande violett griinsaftigon) Fruchtfleische vier Stein-kernc. Sie enthalten als purgirenden Bestandtheil das Rhamno-
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
524
|
Cortex Frangulae.
|
||
|
|
|||
|
cathartin, einen gelben Farbstoff, das Rliamnin, ausserdem Zucker und organische Säuren.
Der SyrupusEhamnicatharticae(Syrupiis spinae cervinae; S. dornesticus) wird aus frischen Kreuzdornbeeren durch Abpressen und Beimengen von Zucker dargestellt. Es bildet einen violett-rothen, dicken Saft, welcher durch Alkalien gelbgrün, durch Säuren roth gefärbt wird. A.P. 10,0= 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kreuzdornbeeren sind für kleine Hausthiere, namentlich für Hunde, in Form des Syrups ein ziemlich stark wirkendes Abführmittel. Nach Hertwig purgiren frische Beeren Hunde in einer Dosis von 16 g; nach Popow sollen die getrockneten Beeren auch für Pferde in Dosen von 100500 g (als Tnfus) ein wirksames Laxans sein. Grössere Gaben können bei Hunden eine hämorrhagische Gastroenteritis mit tödtlichem Ausgange erzeugen, wie ich dies in einigen Füllen beobachtet habe, in welchen von Laien der Kreuzdornsaft Hunden in Gaben von 5 bis 10 Esslöffeln verabreicht worden war. Das Mittel ist daher vorsichtig zu do siren. Man gibt gewöhnlich den Synipus Ebamni catharticae und zwar Hunden zu 1 2 Esslöffel, Katzen zu 1 bis 2 Theelöffeln.
|
|||
|
|
|||
|
Cortex Frangulae. Fanlbaiimrinde.
Stammpflunze: lihamnus Frant/tila. Familie: lilnimnceii.
Geschichtliches. Die Faulbaumrinde ist seit dem Mittelalter als Abführmittel im Gebrauch und ursprünglich als Ersatz, des Ehabarbers bestiinmt gewesen (Rhabarberum plebejorum).
Pharmakognosie. Die Faulbaumrinde bildet braungrauo, mit weissen Korkwärzchen besprengte, l1/laquo; mm dicke Röhren von braunrotber Innenfläche und gelbem, faserigem Längsbruche. Die Rinde besitzt einen schleimigen, etwas süsslicben und bitterlichen Geschmack; beim Kauen färbt sie den Speichel gelb. Sie enthält das Glykosid Prangulin (Rhamnoxantbin, Avornin), ein Harz (Emo-din) und die Frangulasänre. A.P. 100,0 = 35 Pfennig. Officinoll ist ferner in Deutschland das Extractum Frangulae fluidum (Faulbaumfluidextract). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
tJummigutt.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;525
Wirkung und Anwendung. Die Faulbauimindc wirkt durch ihron Gehalt an Frangulin abführend, Sie kann z. B. beim Hunde in Form eines Decoctes 1025,0:250,0 esslöffelweise bis zum Eintritt der Purgirwirkung angewandt werden. Da sie im frischen Zustande brechenerregend wirkt, soll nach der Vorschrift des Arzneibuchs nur eine mindestens 2jährige, abgelagerte Rinde benützt werden.
(jntti. Guniinigutt.
Stamm/iflanze: Garcinia Morelln. Familie: (Jidliferen (Cluseaceoi).
Geschichtliches. Gutti (malajisch Gutall Balsam) ist 1295 zuerst von Keisenden in China gefunden worden. Der erste medicinische Gebrauch in Deutschland stammt aus dem 17. Jahrhundert (Bamberg, Frankfurt). Der Name Garcinia ist nach dem englischen Botaniker Garcin (18. Jahrhundert) gewählt.
Pharmakognosie. Das Guttl ist das Grummibarz einer hinterindischen Guttifere, welches namentlich im Königreich Siain (Kam-bodja) durch Einschnitte in die Rinde und Auffangen des ausfliessenden Harzes in Bambusröhren gewonnen wird. Es bildet cylindrische oder walzenförmige, bis 7 cm dicke, pomeranzengelbe, harte und spröde, bestäubte, geruchlose Stücke mit wachsglänzendem, glattem Bruche; im gepulverten Zustande ist es citronengelb (Malerfarbe). Es enthält als Hauptbestandtheil (bis zu 80n/ü) die purgirende Cambogiasäure, ausserdem Gummi. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Gutti gehört zu den drastisch wirkenden Abführmitteln, welche herkömmlich gegen wassersüchtige Zustände angewandt werden. Die Cambogiasäure löst sich im Dünndarm unter der Einwirkung der Galle und des alkalischen Darmsaftes, sowie des Darmfettes. Nach Her twig lassen sich alle Thiergattungen durch Gutti zum Laxiren bringen. Hunde und Schweine erbrechen das Mittel leicht und ertragen daher relativ grosse Dosen ohne Nachtheil, z. B. Hunde 48 g. Bei unterbundenem Schlünde sterben jedoch Hunde nach 8 g an Gastroenteritis; dieselbe Dosis tödtet von Wunden aus. Im Allgemeinen wird Gutti nur bei Seh weinen und Hunden in Form von Pillen und Latwergen angewandt. Beim Menschen bilden sie neben Aloe etc. einen Hauptbestandtheil der Morrison'sohen Pillen.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis.
|
Rind 8045,0. Pferd 15-30,0.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
m
|
Tubera .Talapae.
Schaf und Ziege 510,0.
Schwein 24,0.
Hund 0,21,0.
Katzen und Geflügel 0,020,1.
|
||
|
|
|||
|
Tubera .lulapae. Jalapeiikuollm.
S tatti in pflanze: Ipomoea l'urga. Familie: Conrulvulnceoi.
Geschichtliches. Die Jalape ist ir)30 in Spanien, 1G34 in Deutschland eingefülirt, wo die medicinische Pacultät in Leipzig das Mittel empfahl. Ipomöa leitet sich ab von ty, Wurm, bpolo^ ähnlich (wurmilhnlich gewundener Stamm).
Pharmakognosie. Die Jalapenknollen stammen von einer Schlingpflanze der mexikanischen Anden; sie kommen, nachdem sie über Feuer getrocknet sind, üher Jalapa nach Veracruz in den Handel. Sie bilden birnförmige oder kugelige, zum Theilauch spiiulclfönnige, dunkelbraune, sehr schwere und kornartig harte Knollen mit runzeliger, höckeriger Oberfläche ohne Nebenwurzeln. Der Bruch ist muschelig und zeigt concentrische, dunkelbraune Zonen. Die Knollen schmecken zuerst fade, dann kratzend und riechen oft rauchartig. Sie enthalten als Hauptbostandtheil das purgirende Harz Convolvulin (10200/o), das Anhydrid der Convolvulinsäure, von der Formel C8]H6n0.1(,, ferner das Jalapin (Gammaharz), Zucker, Stärkemehl und Farbstoff. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Resina Jalapae, Julapenharz, wird durch Ausziehen der gepulverten Jalapenknollen mit Weingeist dargestellt. Es bildet ein graubraunes, sprödes, leicht zerreibliches, an den Brucbrändern dunkelbraun durchseheinendes Harz (Convolvulin -|- Jalapin), welches sich leicht in Weingeist und Aetzkalien löst. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. Sapo jalapinus, Jalapen-seife, von braungelber Farbe, wird durch Eindampfen von Jalapenbarz (4), medicinischer Seife (4) und verdünntem Weingeist (8) dargestellt. Pilulae Jalapae werden aus .lalapenpulver und Jalapenseife dargestellt.
Wirkung und Anwendung. Die Jalape gehört zu den stärksten drastischen Mitteln, welches ausserdem die Lobersecretion anregt und daher namentlich gegen Wassersucht und Leberleiden angewandt wird. Sie eignet sich nur für kleinere Hausthicre (Schweine, Hunde, Katzen) und wird auch hier selten benützt. Hertwig beobachtete auf 90120,0 Jalapenpulver bei Pferden zwar Kolikerscheinungen, aber kein Purgiren; Viborg u. A. konnten beim Pferde selbst durch Gaben von 180 und 240 g keine laxirende Wirkung erzielen.
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
Crotonül.
|
527
|
|||
|
|
||||
|
Ebenso erzeugen grösserc Gilben beim Schaf Gastroenteritis ohne Purgirwirkung. Bei Schweinen und Hunden können grössere Dosen der Jalape eine tödtliche Magendarmentzündung bedingen (Vorsiciit bei der Dosirung). Die Dosis des Jalapenbarzes und der Jalapenseife beträgt ein Zehntel der Dosis der Jalapenknollen.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Sehweine 515,0. Hunde 0,54,0. GeHügel 0,52,0. Katzen 0,20,5.
|
|||
|
|
||||
|
Oleum Crotonls. Crotouöl.
Slam mpfln u: c: Croton 'TigUum. Familie: Euphorbiaceen.
Geschichtliches, Das Crotonöl ist im 13. Jahrhundert in Europa eingeführt worden. Der Name Croton stammt aus dem Griechischen xpeutov, Zecke (Form der Samen), das Wort Tiglium von t;').raquo;?, Durchfall.
Pharmakognosie. Das Crotonöl ist ein dickflüssiges, fettes Oel von brauner Farbe und saurer Reaction, welches durch Auspressen der Crotonsamen dargestellt wird. Die Crotonsamen (Grana Tiglii) stammen von einem Bäumchcn der ostindischen Inseln und der Malabarküste, sie sind eiförmig, glänzend braun, catfeebohnen-gross, stellenweise abgeschabt, 1 1,5 cm lang, durch eine Randleiste fast zweischneidig. Das Crotonöl enthält als wichtigsten Bestandtheil die stark purgirende Crotonolsäure von der Formel OjH^Oj,, welche thcils in freiem Zustande, theils in Verbindung mit Glycerin als Fett darin enthalten ist, ferner Glyceride der Stearin-, Pal mit in-, Ole'in-, Laurin- und Myristinsäure, endlich freie Fettsäuren: Essigsäure, Buttersäure, Baldriansäure, Tiglinsäure.
|
||||
|
|
||||
|
A.P. 1,0
|
Pfennig; 10,0 = 20 Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. 1) Das Crotonöl wirkt äusserlich auf der Haut stark entzündungserregend. Unter Röthung und bedeutender Schwellung der Haut entstehen Blasen und Pusteln, welche bersten und die Haut in eine eiternde WunclHäche umwandeln; nach etwa 24 Stunden trocknen die Pusteln zu Borken ein, welche unter Zuriicklassung haarloser Hautstcllen abfallen. Die Haare wachsen späterhin wieder nach, wenn das Crotonöl hinreichend verdünnt angewendet wurde; concentrirte Lösungen haben jedoch Hautnekrose
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
528nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Crotonöl.
mit bleibendem Haiiniusfall zur Folge. Diese aussürliche Wirkung des Crotonöls als BpispastiouMl pustulans wird zu scharfen Einreibungen bei chronischen rheumatischen Lahmheiten, chronischen Gelenk-, Helmen-, Knochenentzündungen, Paresen und Paralysen, sowie zur Ableitung innerer Entzündungen (Meningitis) benützt.
2) Innerlich wirkt Crotonöl ähnlich reizend auf die Digestions-schleimhaut, weshalb es als das stärkste Drasticum zu bezeichnen ist. Man gibt es namentlich beim Rinde und Pferde und zwar vorwiegend bei robusten, phlegmatischen Thieren, sowie dann, wenn ein durchschlagender und rascher Laxireffect erzielt werden soll, Im Uebrigen ist das Crotonöl als Abführmittel sehr in den Hintergrund getreten. Pferde und Rinder laxiren durchschnittlich nach 1824 Stunden; die Dauer des oft sehr starken Durchfalls beträgt meist mehrere Tage. Contraindicirt ist Crotonöl bei entzündlichen Processen im Darmkanal.
Bezüglich der abführenden Wirkung des Crotonöls ist noch folgendes zu bemerken. Die Crotonolsäure ist im Crotonöl ursprünglich an Glycerin gebunden als Crotonolsäure-Triglycerid enthalten. Dieser Körper besitzt an und für sich keine reizende abführende Wirkung, er ist vielmehr ein ebenso indifferentes Eett wie andere Triglyceride, z.B. die der Stearinsäure, Palmitinsäure, Olemsäure. Nur die freie Crotonolsäure, sowie ihre Salze (crotonolsaures Natrium und Kalium) sind stark reizende, ätzende Stoffe. Eine Abspaltung freier Crotonolsäure findet im Crotonöl unter der Einwirkung der Luft bei längerem Stehen statt; älteres Crotonöl ist daher wirksamer bezw. giftiger als frisch ausgepresstes. Dieser Umstand, die verschiedene Giftigkeit der käuflichen Crotonölpräpa-rate, erklärt die vielfach gemachte Beobachtung, dass das Crotonöl namentlich hei Pferden in einer und derselben Dosis bald sehr giftig^ bald nur wenig wirksam erfunden worden ist. Im Darmkanal findet ferner eine Verseifung des Crotonolsäure-Triglycerids statt, indem dasselbe zu Glycerin und crotonolsauren Alkalien zerlegt wird. Die letzteren besitzen eine ebenso starke ätzende Wirkung wie die freie Crotonolsäure, auf ihre Abspaltung ist daher die drastische Wirkung des Crotonöls zurückzuführen. Die Verseifung des Crotonöls im Darm ist aber bei den einzelnen Thiergattungen eine verschieden intensive. Am intensivsten und raschesten erfolgt die Verseifung bezw. die Bildung von ätzenden crotonolsauren Alkalien (Kalium, Natrium) beim Pferd und Rind. Aus diesem Grunde ist das Crotonöl für Pferde und Rinder ein viel stärkeres
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Crotouöl,
|
529
|
|||
|
|
||||
|
Gift, cils für die übrigen Hausthierc. Am spärlichsten und langsamsten geschieht die Verseilung beim Hunde, bei welchem ausser-dem noch die Möglichkeit des Erbrechens die Gefahr einer Vergiftung vermindert. Hiedurch erklärt sich die Thatsache, dass Hunde auffallend grosse Gaben von Crotonöl ohne Schaden ertragen. Am empfindlichsten gegenüber dem Crotonöl ist der Mensch.
Form. Bei äusserlicher Anwendung des Grotonöls mischt man dasselbe mit Terpentinöl, Gel, Spiritus, Kampherspiri-tus, Oantharidensalbe, Oollodium etc. Dabei benützt man beim Pferde Concentrationen von 1 : IJU, beim Hunde von 1 : 50100, beim Rinde von 1:5 10, beim Schweine von 1 :2 5. Regel ist, nur kleine Mengen von Crotonöl auf einmal einzureihen, so beim Pferde nicht über 30, beim Rinde nicht über 60 Tropfen. Man benützt z. B. zum Einreiben der seitlichen Brustwand circa 20 Tropfen Crotonöl, welche mit 3050 g Oel, Terpentinöl etc. verdünnt werden (1 : 30 bis 50), zum Einreiben auf das Buggelenk 5 10 Tropfen mit 15 bis 20,0 Oel. Mit Cantharidensalbe wird es im Verhältniss 1 : 30 50 vermischt. Es empfiehlt sich, das Crotonöl nicht mit der blossen Hand, sondern mit einem Leder oder Tuchlappen aufzutragen.
Innerlich soll das Crotonöl womöglich stark mit Oel, Ri-cinusöl oder schleimigen Flüssigkeiten verdünnt eingegeben werden. Pillen und Latwergen sind nicht zu empfehlen, weil die örtliche Einwirkung eine zu starke ist. Will man eine Aloöpille beim Pferde durch Crotonöl verstärken, so dürfen höchstens 5 10 Tropfen beigegeben werden, welche mit der Pillenmasse gut gemischt werden müssen. Am besten gibt man Crotonöl zusammen mit Ricinusöl. AVic bei her Aloe gibt man nur eine Dosis, deren Wirkung abgewartet werden muss. Gleichzeitig ist dasselbe diätetische Verfahren einzuleiten, wie bei der Aloe.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Rind 1580 Tropfen.
Pferd 1020
Schaf 812
Schwein 510
Hund 15nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Katze und Geflügel 0,251 Tropfen,
|
|||
|
|
||||
|
Recepto.
|
||||
|
|
||||
|
1) Rp. Olei Orotonls giM. XV. Olei Hioini 500,0. Mi exaete. D. S. Für ein Pferd mit Verstopfungskolik. FlOhner, Arzneimiltolleliri'. 1, Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 34
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
330nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ricinusöl.
2) Rp. Olei Crotonis gutt. XXV. Olei Lini 500,0. M. D- S. Für ein Iliml mit Verstopfung. 8) Rp, Olei Crotonis gutt. V. Olei Ricini 20,0. Grummi arabici 10,0. Aqu. destill. 200,0. M. D. S. Für einen grossen Hund mit Verstopfung auf Imal zu geben.
4)nbsp; Rp. Olei Crotonis 1,0.
Olei Terebinthin.'SO.O. M. D. S. Aeusserlieli für ein Pferd zum Einreiben gegen Scliulter-rhcumatismus.
5)nbsp; Rp. Pulv. Cantharid. 10,0.
01. Croton. 1,0. Adip. suill. 30,0. M. f. Ugt. D. S. Verstärkte Scharfsalbe für ein Pferd.
6)nbsp; Rp. Olei Crotonis 4,0.
Olei Tercbinthin. Sapon. virid. aä 15,0. Mi D. S. Sehr scharfe Einreibung für ein Rind (Hertwig).
|
||
|
|
||
|
Oleum Ricini. Uicinusöl.
Stammpflanzc: Ricinus communis. Familie: Kuphorbiaceen.
Geschichtliches. Der llicinusbaum ist eine uralte Oelpflanze der Egypter (Herodot). Der Name Wunderbaumquot; stammt aus dem alten Testament (der Prophet Jonas pflanzte einen Kürbisquot; zum Schütze gegen die Sonne). Wegen ihrer Aehnlichkeit mit dem Ricinussamen hat die Zecke den Namen Ixocles Ricinus erhalten.
Pharmakognosie. Das Ricinusöl (Kastoröl) wird durch Auspressen der enthülsten Samen von Ricinus communis, eines in Ostindien, Westindien und Norditalien angebauten, hei uns als Zierpflanze cultivirten Strauches gewonnen. Es ist ein fettes, hlassgelbliches, fadenziehendes, in dünner Schicht langsam eintrocknendes Oel von eigenartigem Gerüche und Geschmacke und dem speeifischen Gewichte 0,950,97, welches sich in Weingeist leicht löst (1:3). Bei
00nbsp;C. wird es durch A.bscheidung krystallinischer Elocken trübe. Schüttelt man 3 cem Ricinusöl mit 3 cem Schwefelkohlenstoff und
1nbsp; nbsp;cem Schwefelsäure während einiger Minuten, so darf sich das Gemenge nicht schwarzbraun färben (Verfälschung). Das Ricinusöl besteht im AVesentlichen aus Ricinolein, dem Triglyceride der Ricinol-säure (018H84C8)5 daneben enthält esPalmitin und Stearin. Das
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Podophyllin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;531
in den Schalen dor Ricinussamen enthaltene sehr giftige Ferment Ricin hat rait der Wirkung des Ricimisöls nichts zu tliun. A.P. 100,0 =a 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Glycerid der Ricinolsäure (Ricinolein) wird im Dünndarm zu ricinolsaurem Natrium zerlegt, welches eine leicht reizende und daher abführende Wirkung besitzt. Das Ricinusöl wird daher als mildes Laxans namentlich bei kleinen Thieren angewandt. Wegen seiner milden Wirkung kann es auch bei Magemlarmentzümlung und bei Ruhr gegeben werden. Hunde erbrechen das Ricinusöl häufig, weshalb es hier besser nicht in reinem Zustande, sondern in Form der Emulsion oder mit Fleischbrühe geschüttelt angewandt wird. Gewöhnlich wird auch vom Ricinusöl nur eine Dosis verabreicht, da bei öfterer Wiederholung Verdauungsstörungen eintreten.
|
|||
|
|
|||
|
Dosis.
|
Rinder 5001000,0. Pferde 250500,0. Fohlen, Kälber, laquo;chafe, Ziegen 50250,0. Schweine 50100,0. Hunde 1560,0. Geflügel 1580,0. Katzen 10-20,0.
|
||
|
|
|||
|
Recepte.
|
|||
|
|
|||
|
1)nbsp; nbsp;Rp. Olei Ricini 50,0.
(riiinmi arabici 10,0. Aqu. destill. 300,0. M. D. 8. Für einen grossen Hund mit Verstopfung.
2)nbsp; Rp. Olei Ricini 500,0.
Aetheris 50,0. M. D. S. Vür ein Pferd mit Krampfkolik als Einguss.
|
|||
|
|
|||
|
Podopliyllimun. Podophyllin.
Stammpflanze: Podophyllum peltatum, Familie: lierheriileen.
Geschichtliches. Podophyllin wurde von nordamerikanisohen Aerzten zuerst empfohlen. Seit ltj(i4 wird die PHanze auch in England kultivirt.
Pharmakognosie. Das Podophyllin (vegetabilischer Calomel) ist ein gelbes, harzartiges, amorphes Pulver, welches aus dem
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
532nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Podophyllin.
weingeistigen Extraote des Wurzelstookes von Podophyllum peltatuna,
einem nordiinierikiiniselicu Kniuto, durch Ausfällen mit Wasser dargestellt wird. Es löst sich leicht in Weingeist und Aetzalkalien zu einer dunkelbraunen Flüssigkeit. Das Podophyllin enthält als wirksame Harze das Podophyllotoxln und Pikropodophyllin, ausserdem Podophylloquei'cetin, Podophyllinsäure und Pikropodophyl-linsäure. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Podophyllin wirkt wie das Jalapenbarz reizend auf Schleimhäute und ist daher ein starkes Urasticum, welches ausserdem die Lehersecretion anregt und daher auch gegen Leberleiden angewandt wird. Wegen seiner Giftigkeit ist es mit Vorsicht und nur in sehr kleinen Dosen anzuwenden; es erzeugt nämlicli schon in relativ kleinen Gaben eine tödtliche hämorrhagische Gastroenteritis. So beobachtete ich bei einem kleinen, 0,5 kg schweren Hunde nach innerlicher Verabreichung von 0,5 Podophyllin starkes Erbrechen, blutige Diarrhöe, Sinken der Temperatur, Collaps und nach 10 Stunden den Tod. Auch Wirtz sah einen Hund nach 0,(3 g sterben. Ein kräftiges Versuchspferd, welchem ich 25 g Podophyllin eingab, zeigte nach 18 Stunden Laxiren und eine sehr heftige Kolik und starb nach 24 Stunden. Die Section ergab diph-theritische Schloimhautentzündung im Colon, Darmblutung, starken Leberikterus, sowie parenehymatöse Entzündung der Nieren und Milz. Die therapeutischen Dosen betragen nach meinen Untersuchungen in Uebereinstimnuing mit den Angaben von Wirtz und Howell für
Rinder 8 15,0.
Pferde 510,0.
Hunde 0,10,25.
Form. Man r;ibl das Podophyllin in einmaliger Dosis kleineren Thioren in Pulverform mit Zucker, grüsseren als Pille, Latwerge oder Einguss. Die subeutano .Injection ist. nicht zu empfehlen; Ellenherger hatte neben starken örtlichen Reizerscheinungen bezüglich einer Purgir-wirkung immer nur negative Erfolge. Dagegen starben 2 Pferde nach der Injection von 12,0 Podophyllin unter den Erscheinungen einer Lähmung des Darmes und der Blase, sowie der Extremitäten und der Vasomotoren des Hinterleibs; ausserdem starb ein kleiner Hund nach der subeutanen Injection von 1 mg Podophyllotoxin unter Lähmungsorschemungen.
Recept.
Rp. Podophyllini 0,1.
Saoohari 0,5.
M. D. S. Pur einen Hund mit IUterus.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Koloquititen.
|
583
|
||
|
|
|||
|
Frnctus Colocyntliidis. Koloquinteu.
Stummpflunzc: Citrullits Culvcynthis. Fumilie: Cucnrhitnceen.
Geschichtliches. Die Koloquinteu sind ein uraltes Abführmittel (xoXov rs Grimmdarm, xtveiv = bewegen). Man findet sie im alten Testament (Buch der Könige), bei Hippokrates, Dioscorides, Plinius u. A. erwähnt. Im 11. Jahrhundert n, Chr. findet man sie in den angelsächsischen Thierarznei-büehern aufgeführt.
Pharmakognosie. Die Koloquinten stammen aus Syrien, Cypern und Nordafrika von einem kürbisartigen, rankenden Kraute. Es sind apfelgrosse, geschälte, runde, sehr leichte Früchte mit weissem, schwammigem, äusserst bitter schmeckendem Fleische, welches in 3 Fächer getheilt ist und zahlreiche bräunlicligelhe Samen enthält. Man unterscheidet egyptische, syrische und cyprische Koloquinten. Sie enthalten im Fruchtfleische das harzartige, stark drastisch wirkende ColocyntMn, ein gelbes, sprödes, in Wasser und Alkohol lösliches Harz von intensiv bitterem Gesclnnacke, welches auch für sich innerlich und subcutan angewandt wird. A.P. der Fruct. Colo-cynth. 1,0= 10 Pfennig.
Tinctura Colocynthidis, Koloquintentinctur, ist ein weingeistiger, gelber, sehr bitterer Auszug. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Extractum Colocynthidis, Koloquinten ex tract, ist ein gelbbraunes, trockenes, weingeist-wiisseriges Extract; Ausbeute: 10 0/o. A.P. 1,0 = 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Koloquinten haben eine stark drastische und die Lebersecretion anregende Wirkung, sie eignen sich jedoch nur für Schweine, Hunde und Katzen, und werden, wenn auch selten, in kleinen (laben als Abführmittel bei Verstopfung, Wassersucht etc., sowie als Cholagogum bei Leberkrankheiten angewandt. Grosse Gaben erzeugen hämorrhagische Gastroenteritis. Pferde zeigen selbst auf 180 g, Schafe auf lö g keine sichere Purgir-wirkung (Viborg). Die Dosis beträgt nach Hartwig für
Schweine 8,0.
Katzen und Hunde 0,52,0.
t Colocynthin. Dasselbe erzeugt nach E11 e n b e r g e r in Dosen von 0,050,1 innerlich und subcutan bei kleinen Hunden nach 68 Stunden Diarrhöe. Pferde zeigten nach der subeutanen Injection von 0,050,25 keine Wirkung, nach 0,80,4 grosse Aufregung, Drang zum Uriniren, sowie
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Manna.
jjerin^es Laxiren; an der Slichstelle trat bei dieser Dosis eine bedeutende Schwellung mit tiefer Eiterung auf. Schafe laxirten nach 0,10,2 per clysma angewandt, desgleichen nach 0,05 bei subcutaner Injection. Das Colocy nth idi n (Citrullin) erwies sich in Form der subcutanen Injection nahezu wirkungslos, dagegen local stark reizend. Nach Versuchen von Baum empfiehlt sich das Colocynthidin bei habitueller Verstopfung der Pferde rectal in Dosen von 1,0 mit der 200fachen Menge Glycerin und Alkohol; die Dosis für Hunde beträgt 0,0250,05 mit je 4060 g Glycerin und Alkohol. In ähnlicher Weise ist auch das Colocynthin nach Baum rectal in Dosen von 0,025 für Hunde ein kräftiges Abführmittel. Grössere Dosen haben hämorrhagische Enteritis bezw. chronischen Durchfall #9632;zur Folge.
|
||
|
|
||
|
Mannalaquo;
Ktammpflanze: h'ixtxinus Ornu.s. Familie: Olcaceen.
Geschichtliches. Der Name Manna ist hebräisch (man, Gabe des Himmels). Die biblische Manna war indessen nicht die offlcinelle, sondern die heute noch am Sinai vorkommende Tamarisken-Manna.
Pharmakognosie. Die Manna ist der durch Einschnitte in die Manna-Esche namentlich auf Sicilien (Genice) gewonnene, freiwillig eingetrocknete Saft. Derselbe ist theils als sogenannte Röhrenmanna (M. oannulata) in gerundet dreikantigen, rinnenför-migen, weisslichen, trockenen, süsssclnneckenden, fingerdicken und fingerlangen Stücken, theils als sogenannte gemeine Manna (M. conununis) in Klumpen im Handel, welche aus Körnern und Stücken von obiger Beschaffenheit bestehen, die durch eine b räunliche, klebrige M a s s e mit einander verklebt sind und einen süss kratzenden Geschmack haben. Die sohlechteste Sorte ist die fette Manna (M. pinguis). Die Manna enthält als Hauptbestand-theil 30800/o Mannit, ein Kohlehydrat von der Formel OöHuOB, ausserdem Fraxin, Zucker und Gummi. A.P. 10,0 = 16 Pfennig. Offlcinell ist ferner Syrupus Mannae, Mannasyrup, eine flltrirte Auflösung von Manna in AVasser (10 : 40) mit Zucker (50). A.l'. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Manna ist das schwächste Abführmittel, welches nur als versüssender Zusatz zu Laxirflüssig-keiten bei kleineren Thieren Anwendung findet. Es wirkt im Darm reizend und laxirend durch eine theilweise Zersetzung zu Butter-säure und Metacetonsäure. Pferde zeigen nach 360 g keine Laxir-wirkung (Hertwig), dagegen Schafe auf 100150 g (Daubenton)
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Tamarindenmus.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schafe 100150,0.
Schweine 50-100,0. Hunde 1050,0. Katzen 5-20,0. Geflügel 510,0.
|
||
|
|
||
|
I'uipa Tamarindorum cruda. Tamarindeimuis.
Stammpflanze: Tamarlndus Imlica. Familie: Cäsalpiniaceen.
Pharmakognosie, Das Tamarindenmus ist als braunschwarze, zälic, weiche, stark sauer schmeckende Masse in den sichelförmigen Hülsen der Tamarinde enthalten, eines hohen Baumes in Ostindien, Aegypten, Arabien, Westindien und Brasilien. Man unterscheidet im Handel ostindische, ägyptische (levantinische) und westindische Tamarinden. Das Mus entliält Zucker, Weinsäure, Zitronensäure, Aepfelsäure, Weinstein, Gummi, Pectin etc. Wird das rohe Mus durch ein Haarsieh getrieben und mit Zucker versetzt, so heisst das Präparat Pulpa Tamarindorum depurata. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Tamarindenmus wirkt theils durch seinen Gehalt an Weinstein, theils an organischen Säuren und Zucker leicht abführend, wird aber in der Thierheilkunde nicht benutzt', Dosis für den Menschen 2030,0.
t Fructus Cassiae Fistulae (Röhrenkassie) und die daraus bereitete Pulpa Cassiae sind in Oesterreich officinell (desgleichen in einer Reihe anderer Länder). Die Cassia fistula ist eine ostindische Cäsalpiniacee mit 36 Decimeter langen schwarzbraunen, cylindrischen Hülsen, welche im Innern ein zähes, süsses, leicht abführendes Mus enthalten.
|
||
|
|
||
|
f Neuere pflanzliche Abführmittel.
Cascara Sagrada, die Rinde von Rhamnus Purshiana (in Oesterreich officinell), einer nordamerikanischen Rhamnee aus der Gegend des Stillen Ozeans, von charakteristischem Gerüche und anfangs süsslichem, später bitterem Geschmacke, enthält ein rothes, braunes und helles Harz, welche als Cascarin oder Rhamnin bezeichnet werden, ausserdem ätherisches Oel, Chrysophansäure, Oxalsäure etc. Sie wird in der Menschenheilkunde in der Form des Fluidextractes (14,0) als mildes Abführmittel angewandt (Bestandtheil der neuen Schweizerpillen). Nach meinen Erfahrungen ist das Fluidextract in Dosen von 210 g ein mildes Laxans
|
||
|
|
||
|
|
||
|
53Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Neuere pllaiulicliü Abführmittel.
für Hunde. EU an berger fand von 14,0 beim Hunde nur schwache Wirkung; die subcutane Application ist nach ihm nicht empfehlenswerth. A.P. des Extractum fluidum 10,0 = 20 Pfennig.
Evonymin ist ein harzartiger Auszug der Rinde von Evonymus atropurpurea, einer nordamerikanischen Gelastrinee, welche Evonymin, Evonymit, Mannit, ätherisches Oel sowie Asparagin enthält. Das Evonymin ist ein Drasticum von der Stärke des Podophyllins (Dosis für den Menschen 0,03-0,3), sowie ausserdem ein Gholagogum. 13ei Hunden, Schafen und Pferden ist das Mittel bis zu 4,0 per clysma, sowie subcutan nach Ellenberger wirkungslos.
Baptisin, das Glykosid von Baptisia tinctoria (wilder Indigo), einer nordamerikanischen Papilionacee, in welcher es neben Baptin und Baptitosin enthalten ist, soll antiseptische, emetische und namentlich purgirende Wirkung haben (Dosis beim Menschen 0,020,04), Nach Ellenberger trat bei einem Hunde erst nach Anwendung von 2,0 per clysma Laxiren ein.
Leptandrin, ein harzartiges Extract des Rhi-zorns von L e p t a n d r a virginica, einer nordamerikanischen Scrophularinee, wird beim Menschen in Dosen von 0,1 0,3 als Laxans und Gholagogum angewandt. Ellenberger sah beim Hunde bei rectaler Application von 0,52,0, beim Schafe von G10,0 nur geringe Wirkung.
Apocynum cannabinum (amerikanischer Hanf), mit den Glykosidon Apocynin und Apocyne'in, wh-d beim Menschen als Laxans in Form eines Fluidextractes (0,:gt;1,2) empfohlen.
Elaterium, der eingedickte Saft der Früchte von Momordica Elater! um (Springgurke, Eselsgurke), einer südeuropäischen Guourbitacee, ist durch seinen Gehalt an Elaterin eines der stärksten Drastica, welches namentlich in England angewandt wird. Dosis für den Menschen vom Elaterium nigrum = 0,010,05, vom Elaterium album (anglicum) 0,0050,03.
Manaca, ist das Fluidextract von Franciscea uniflora, einer brasilianischen Scrophularinee. Es enthält ein Alkaloid und wird beim Menschen als Purgans und Diureticum zu 520 Tropfen angewandt.
Oleum Anda-Assu, ein gelbes, klares, fast geschmack- und geruchloses Oel, stammt von den Samen der Johannesia princeps, einer brasilianischen Euphorbiaeee. Es ist ein mildes Laxans, ähnlich dem Ricinusöl. Dosis für den Menschen 50 Tropfen.
Scammonium, das Gummiharz von Gonvolvulus Scammoniae, einer kleinasiatischen Convolvulacee, enthält Jala pin und wird in Dosen von 0,050,1 als Abführmittel beim Menschen angewandt.
Herba Qratiolae, Gottesgnaden kraut (Purgirkraut), von Gratiola o f f i c i n a 1 i s , einer Scrophularinee, enthält das Gratiolin, Gratiosolin und Gratiolacrin und wurde früher als Drasticum gegen Hydrops
|
||
|
|
||
|
quot;#9632;
|
||||
|
|
||||
|
Neuere pflanzliche Abfülirmittel
|
537
|
|||
|
|
||||
|
und Leberleiden Hunde 0,8-0,6).
|
angewandt (Pferd und Kind 815,0, Schafe 12,5, Es wird neuerdings wieder als Abführmittel empfohlen.
|
|||
|
|
||||
|
Herba Chelidonii, Schöllkraut, von Chelidonium majus, einer Papaveracee, enthillt in seinem gelben Milchsaft 2 Alkaloide mit pnrgirentler Wirkung; das Chelidonin und Chelerythrin (Pyrrhopin, Sanguinarin), ausserdem Chelidoxanthin, Chelidonsäure und Chelidoninsiiure. Es wurde früher als Purgans, C hol agog um und Diureticum namentlich in Form des frischen Milchsaftes gegeben (Pferd und Rind 30120,0, Schafen 3090,0, Schweinen 15 00,0, Hunden 24,0) und wird neuerdings beim Mensehen wieder angewandt. Das Chelidonin soll übrigens nach neueren Untersuchungen von H. Meyer eine morphiumähnliehe Wirkung besitzen.
Jurubeba werden von den Eingeborenen Brasiliens verschiedene Sola-numarten genannt, welche stark drastische und diure tisch e Wirkung besitzen sollen und auch gegen Blasenkatarrh verwendet werden.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Pflanzlidie Wurmmittel.
|
||
|
|
||
|
Flore)laquo;! Cinae. Wurmsaiuen.
Stammpflanze: Artemisia maritlma, rar. Stechmanniana. Familie: Compositen.
Geschichtliches. Der Name Oina wird abgeleitet von China, das früher für die Heimath der Pflanze gehalten wurde. Santonin ist von sanctus abgeleitet (Semen sanctum, aus Palästina, dem heiligen Lande stammend). Die wurmtreibende Wirkung der Wurmsamen war schon im Alterthum bekannt. Das Santonin wird gegenwärtig meist in Taschkent (russisch-asiatisches Sir-Darjagebiet) dargestellt. Die Jahresproduction beträgt OOUOO Kilo,
Pharmakognosie. Die Wurmsanien (Semen Cinne, Semen San-tonici, Semen sanctum, Zitwersamen, Zitwerblüthen) sind die Blütlien-köpfchen der kahlen turkestanischen Form von Artemisia mari-tima, welche als sogenannter levantinischer Wurmsamen aus den Kirgisensteppen Turkestans über Russland in den Handel kommen. Die Bltithenköpfchen sind stumpfeiförmig, länglich, kantig, glänzend-braun grün, kahl, gegen I mm lang und 1,5 mm breit, von eigenartigem Gerüche und widerlich bitterem, kühlend gewürzhaftem, kampherälinlichem (Jescbinacke, Sie enthalten durchschnittlich 20/o Santonin, sowie 11'/laquo;quot;/o ätherisches Oel, ausserdem Harz und Bitterstoff. A.P. 10,0 = 5 Pfennig,
Santoninum, 0^11^0;,, ist das Anhydrid der San tonsäure. Es bildet farblose Blättchen oder Tafeln, welche im Sonnenlichte gelb werden, in Wasser fast unlöslich sind (1:5000), dagegen sieh in Weingeist (1:44) sowie in fetten und ätherischen Oelen unter bitterem Geschmacke lösen. In Aetzalkalien löst sich Santonin leicht zu santonsauren Alkalien. Kocht man Santonin mit Weingeist und kohlensauren Alkalien, so tritt vorübergehend eine gelbrothe Farbe auf. Das Santonin wird aus dem Wurmsamen dargestellt durch Ausziehen mit verdünntem Wein-
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Santonin.
|
189
|
||
|
|
|||
|
geist unter Zusatz von Kalkhydmt. A.P. 1,0 5 Pfennig. D.P. 100,0 = 2 Mark. Dio offlcinellen T rochisci San toni n i, Santoninpastillen, enthalten je 0,02') Santonin. Das aus dorn Santonin dargestellte Santin-oxin von der Formel C^H^O^NOH soll dieselben anthelmintliischen Wirkungen besitzen, wie das Santonin, ohne giftig zu sein.
|
|||
|
|
|||
|
quot;Wirkung. 1) Die Wunnsauicn wirken durch ihren Gehalt an Santonin wurmtreibond namentlich auf Spulwürmer (Ascariden), schwächer auf Bandwürmer und Oxyuron. Nach der einen Ansicht werden die Spulwürmer gelähmt oder getödtet, nach der anderen verscheucht (convulsivischo Bewegungen). Das Santonin wirkt ausserdem antiseptisch.
2) Im Dünndarm wandelt sich das unlösliche Santonin in leicht lösliches santonsaures Natrium um und wird als solclics resorhirt. Qrössere Gaben können hiebei eine Santoninvergiftung bedingen. Dieselbe äussert sich beim Menschen (nach 0,30,5 Santonin) zunächst in Verwirrung des Farbensinns, indem anfangs Blausehen, dann Gelbsehen (Xanthopsic) und zuletzt Verwirrung aller Farben auftritt, sowie in sonstigen Störungen des Gesichtssinns (Flimmern vor den Augen, Mydriasis). Dazu kommen Störungen des Geruch- und Geschmacksinns, sowie der Sprache (Apliasie). Das Bewusstsein ist benommen. Endlich ist das Santonin auch ein Krampi'gift, welches epileptiforme Krämpfe namentlich im Gebiete des 3, 7. Gebirnnerven sowie tetanische Krämpfe der geflammten Körpermuskulatur erzeugt; der Tod erfolgt durch Ath-mungslälimung unter Betäubung und Bewusstlosigkeit.
Wirkung des Santonins bei den Hausthieren. Meine Versuche bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Hunden haben Folgendes ergeben (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde IV, S. 535):
1)nbsp; .lunge Thiere, namentlich Säuglinge, sind viel mehr (etwa lÜÜnial) empfindlicher, als erwachsene Thiere. Ein ß Wochen alter, 3 Kilo schwerer Hund zeigte nach 0,00 Santonin eine schwere Vergiftung, während ein lüjähriger, ö Kilo schwerer Hund selbst nach 10 g Santonin keine erheblichen Störungen zeigte. Erwachsene Thiere können sich sogar so an Santonin gewöhnen, dass es schwer hält, sie zu tödton; eine Kuh erhielt beispielsweise 100, 250, 500 und 1000 g Santonin (zusammen nahezu 2 Kilo), ohne zu sterben. Aus diesem Grunde können die therapeutischen Dosen für erwachsene Thiere sehr hoch genommen werden. Die tödtliche Dosis des Santonins für erwachsene Schafe beträgt 2 g pro Kilo Körpergewicht (die des Strychnins 1 Milligramm pro Kilo!).
2)nbsp; Die wichtigsten Erscheinungen der Santoninvergiftung bei den Hausthieren sind epileptiforme Krämpfe, Schlafsucht, psychische Benommenheit, Taumeln, Lähmung, Sehstörungen, Myosis, gelbrothe Verfärbung des Harns, Polyurie, Strangurie, erhöhter Geschlechtstrieb, Speicheln, N a s e n a u s f 1 u s s, leichte
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
540nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Santonin.
Kolikorscheinuii^en, Durchfall bezw. Verstopfung, sowie Störungen des Appetits und d e r l1' u 11 e r a u f n a h in e. Der Sections-befund ist ein negativer.
3) Im Speciellen ist über die genannten Vergiftungssyniptomo Fol-gendes zu sagen. Die San t on in kr ilm p f e haben den Charakter der eklaiiiptischen (epileptiformen) Krämpfe. Sie bestehen zunächst in blitzartigen libriliäRMi Muskelzuokungen in der Umgebung des Maules, besonders an den Maulwinkeln, an der Ober- und Unterlippe, in der Umgebung der Nasenlöcher, im Gesichte, in der Backengegend, an den Augenlidern und an den Ohren, sowie in rotirenden Bewegungen der Bulbi (Nervengebiet des Facialis, Oculomotorius, Trochlearis und Ahducens). Hiezu gesellen sieh bei intensiverer Wirkung Kaukrämpfe (NTervengebiet des Tri-geminus), kloniseh - tonisehe Krämpfe der Halsmuskeln (Halsmark); der lluinpf- und Kxtremitiitenmuskeln (llückenmark), allgemeines Muskelzittern, sowie gesteigerte Reflexerregbarkeit, welche sich in hochgradiger Schreckhaftigkeit ilusscrt. Das Santonin erweist sich mithin wie beim Menschen zunächst als ein Krampfgift für die motorischen Gehirnnerven, insbesondere für den VII., III., IV., VI. und V., sodann aber auch als ein spinales Iteizmittel.
Das Sensorium zeigt sich bei den leichten Graden der Vergiftung intact. In den höheren Graden sind starke psychische Depression, ein dummkollerartiges Benehmen, sowie ausgesprochene und anhaltende Schlafsucht zu constatiren. Namentlich beim Rind, Kalb und Pferd ist ein 1224stündiger ununterbrochener Schlaf, ja selbst ein Tage lang andauernder schlafsüchtiger Zustand zu beobachten. Diese intensive hypnotische Wirkung ist sehr bemerkenswerth. Nur vereinzelt gehen ihr starke psychische Erregungserschoinungen voraus (Brüllen, Vorwärtsstürzen, gegen die Wand Rennen beim Kalb). Die höchsten bezw. letalen Grade der Vergiftung äussern sieh in einer allgemeinen Lähmung. Der lähmungsartige Zustand erinnert an das Bild der Coniin- oder Morphinlähmung, dauert bei der tödtlichen Vergiftung mehrere Tage an und führt durch Ausbildung eines Lungenödems zum Tode.
Sehr charakteristisch und von hervorragender diagnostischer Bedeutung für die Santoninvergiftung ist die regelmässige li o thgel bfiirbun g des Harns. Der Harn zeigt die Farbe des doppeltchromsauren Kalis bezw. einer concentrirten Müller sehen Flüssigkeit. Diese rothgelbe Farbe des Harns ist bei allen Thieren; Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Hund in gleich intensiver Weise vorhanden. Grünfärbung des Harns habe ich niemals beobachtet; nur nach längerem Stehen an der Luft zeigte der rothgolbe Harn zuweilen einen grünlichen Schimmer. Von diagnostischer Bedeutung ist ferner die auf Zusatz von Laugen eintretende schöne Farbenreaction (Uebergang des Chromgelb in Karminroth). Die Rothfärbung des Harns lässt sich bereits eine Stunde nach dem Eingeben des Santonins nachweisen. Aus diesem Urnstando ergibt sich, dass das an sich unlösliche und daher ungiftige Santonin im Magendarmkanal sehr rasch in eine leicht lösliche, giftige und resorbirbare Verbindung umgewandelt wird.
Mit besonderer Aufmerksamkeit wurde die Wirkung des Santonins auf das Auge verfolgt. Da sich die subjective Erscheinung der Xanthopsie naturgemäss bei Thieren nicht nachweisen lässt, musste sich die Untersuchung auf Vornahme von Sehproben, wie sie z. B. in der forensischen Thierheilkunde üblich sind, sowie auf die Anwendung des Augenspiegels beschränken. In ersterer Beziehung Hess sich sowohl beim Pferd, als beim Rind und Kalb eine erhebliche Beeinträchtigung des Sehvermögens consta-
|
||
|
|
||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
Santonin
|
11
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
tiren. Dagegen konnten mil dem Augenspiegel iiieinais irgend welche Veränderungen im Innern des Auges entdeckt werden. Speciell eine Gelbfärbung der Medien oder der Conjunctiva odor der Retina war niemals vorbanden, auch die Sehnervenpapille zeigte in ihrem Blutgehalte keinerlei Abweichung von der Norm. Die vorliegenden Versuche sind geeignet, jene Theorie als unbegründet erscheinen zu lassen, nach welcher die Santonin-xanthopsio durch eine Gelbfärbung des Glaskörpers oder anderer Tbeile des Auges bedingt sein soll. Es ist vielmehr nur die Annahme zuliissig, dass das Santonin in specilischer Weise auf den Nervus opticus einwirkt. Die Pupille fand ich im Gegensatz zu anderweitigen Angaben stets verengert, nie erweitert; bei höheren Graden der Vergiftung war die Pupille in einen engen, schlitzfürmigen Spalt umgewandelt. Diese Myosc dürfte wohl, ähnlich wie beim Morphium, centralen Ursprungs sein.
Von den übrigen Symptomen sind noch erwähnenswerth die Steigerung des Geschlechtstriebs bei den männlichen sowohl, wie bei den weiblichen Versuchsthieren. Da sowohl eine Kuh, als auch ein Hüllen-kalb und eine Ziege ganz deutliche, unverkennbare Aeusserungen eines gesteigerten Geschlechtstriebes zeigten, indem die Kuh auf 50 g Santonin plötzlich rinderte und Vorsuche machte, das nebenstehende Bullenkalb zu bespringen , da ferner das bisher geschlechtlich niemals aufgeregt gewesene Bullenkalb nach einer Dosis von 35 g Santonin wiederholt die Kuh zu bespringen versuchte, und dass endlich die bisher niemals sexuell erregte Ziege nach der Verabreichung von 25 g Santonin plötzlich unzweifelhafte Erscheinungen der Brunst darbot, möchte ich den Schluss ziehen, dass das Santonin ein speeifisches Aph rod isiacu in ist und als solches in kleinen Dosen therapeutisch versuchsweise angewandt zu werden vordient.
Anwendung. Die Wurmsamen sind in der Form des Santonins das wichtigste Anthelminthioum gegen die Spulwürmer bei den kleineren Hausthieren; für grössere Hanstliiere sind sie jedoch in den bisherigen kleinen Dosen zu schwach. Am besten gibt man das Santonin in Pulverform oder mit Oel; die santonsauren Salze (Natrium und Calcium santonicum) sind nicht zu empfehlen, weil sie bei ihrer leichten Löshchkeit schon im Magen resorhirt werden und daher einerseits nicht in den Darm gelangen, andererseits leicht eine Santoninvergiftuug veranlassen. Sehr wirksam ist das Santonin in Verbindung mit Oel (Ricinusöl), weil es hiehei im Magen Überhaupt nicht zur Resorption gelangt. Da die Ascariden durch das Santonin häutig nicht getödtet, sondern nur vorübergehend gelähmt werden, so muss mit dem Santonin oder ;5ü Stunden nach der letzten Suntonindosis ein Abführmittel gereicht werden (Calomel, Ricinusöl).
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
Dosis.
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||
|
542nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rhizoiaa Filicis.
|
||
|
|
||
|
Semen Cinae.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Santonin.
Schweinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10--25,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5 1,0.
Hundnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 210,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,050,2.
Katze und Geflügel 1 2,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,020,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Santonini 0,1.
Sacohari 0,5. M. D. tal. Dos. Nr. II1. S. Für einen Hnnd mit Helmintliiasis. Sstttndlioh 1 Pulver zu geben.
2)nbsp; Rp. Santonini 0,3.
Olei Rioini 50,0. Solve leni calore. M, D. S. Sstündlloh 1 Esslöß'el (Theelöflel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Spulwürmern.
3)nbsp; Rp. Santonini 25,0.
Olei Rioini 500,0. M. D. S. Wurmmittel für ein Pferd.
4)nbsp; Rp. Santonini 10,0.
Hydrarg. chlorati 5,0. Succi Juniperi 50,0. M. f. Electuarium. D. S. Wurmmittel für ein Pferd.
|
||
|
|
||
|
Rhizomn Filicis. Wurmfarnwurzel.
Stummpflanze: Aspidium Filix mas. Familie: Filices.
Geschichtliches. Der Wurmfarn ist schon im Alterthum bei den Griechen und Römern als Wurmmittel im Gebrauch gewesen (Plinius, Dioscorides, Galen). Ludwig XV. von Frankreich kaufte ein aus Wurmfarn hei'gestelltes Geheimrnittel gegen Bandwurm von dem Schweizer Wundarzt Nuffler um IS 000 Frank. Friedrich der Grosse erwarb ein ähnliches Geheimmittel von dem Schweizer Mutthieu um 200 Thaler Jahresrente. 1825 wurde das Extract dargestellt.
Pharmakognosie. Die Wurmfarnwurzel stammt von einem bekannten einheimischen Farnkraute und ist ein ungeschälter, dunkelbrauner, horizontal verlaufender Wurzelstock mit rostfarbigen Spreusohuppen, welcher dicht mit dunkelbraunen Wedelresten besetzt ist und auf dem Querschnitte ein hellgrünes, fleischiges oder mehliges Gewebe zeigt. Der Geschmack ist süsslich, etwas herb und kratzend. Da das Rhizona allmählich die grüne Innenfarbe verliert und zimmtbraun wird, muss es jährlich erneuert werden. Die Farnwurzel enthält als wirksamen Bestandtheil die Filixsäure (Filicin) von der Formel Oj4H180B, ausserdem die
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Rbizoma Filicis.
|
5413
|
||
|
|
|||
|
Filixgerbsäuro, iitlierisches und fettes Oel, Harz, Zucker und Stärk inehl.
Das Extractum Filicis, Wurmfarnextraot, ist ein ätherisches, /- braungrüuliches, in Wasser unlösliches, dünnes Extract (die Fiiixsäure löst sich nur in Aether), welches im October durch Maceriren der frisch getrockneten Farnwurzel mit Aether und Eindampfen gewonnen wird. In Oesterreich wird das Extract im Percolationsapparate dargestellt. A.P. 1,0 = 15 Pfennig; 10,0 = 1 Mark 30 Pfennig. DP. 1 Kilo= 12 Mark!
Wirkung und Anwendung. Die Wurmfarnwurzel ist das älteste und beste Band Wurmmittel, welches grösseren Thieren in Form des llhizoms, kleineren am besten in Form des ätherischen Extracts verabreicht wird. Wie hei den meisten Wurmmitteln kann der eigentlichen Wurmcur eine sogenannte Vorhereitungscur, d, h. ein eintägiges Fasten vorhergeben; bei Verabreichung des Filixextractes ist dieselbe jedoch wegen der im Hungerzustande gesteigerten Resorption resp. Giftigkeit des Extractes besser zu unterlassen. Ferner muss der B1arnwurzel 36 Stunden nach der Verabreichung ein Abführmittel nachgeschickt werden, weil die Bandwürmer häufig nur vorühergehend betäubt werden und sich dann später wieder an die Schleimhaut ansaugen können. Endlich darf nicht aussei' Acht gelassen werden, dass das Extractum Filicis in grösserer Dosis sehr giftig ist. Auch aus diesem Grunde empfiehlt es sich, um ein längeres Verweilen des Mittels im Darmcanale zu vermeiden, immer ein Abführmittel nachzugeben. Wegen seiner die Fiiixsäure lösenden und dadurch die Resorption derselben begünstigenden Wirkung ist Jedoch Ricinusöl hiebei zu vermeiden.
|
|||
|
|
|||
|
Giftwirkung des Filixextractes bei den Hausthieren. Meine Versuche beim Rind, Schaf und Hund haben Folgendes ergeben (Monatsbefte für praktische Thierheilkunde I, S. 1C1); Das Filixextract wirkt in grossen Dosen zunächst ent/.ündungser regend auf die Magend armschleim-h a u t. Nach seiner Resorption wirkt es lähmend auf Gehirn und Rückenmark (psychische Benommenheit, Manegebewegungen, Amaurosis, motorische Lähmung). Endlich erzeugt es bei der Ausscheidung der Fiiixsäure durch die Nieren eine parenchyma tose Nephritis. Das Krankheitsbild ist folgendes. Die ersten Krankheitserscheinungen sind die einer entzündlichen Reizung der Magen- und Darm seh leim haut: Erbrechen, Speichelfluss, Futteraufnabme und Wiederkauen unterdrückt, vermehrter Kothabsatz, Durchfall, Schmerzen bei der Palpation des Magens und Darmes. Nur bei peracutem Krankheitsverlaufe fehlen gastroente-ritische Symptome. Von Allgemeinerscheinungen tritt zunächst eine Affection des Gehirns in den Vordergrund. In der Hauptsache äussert
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
544nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hliizom Filicis.
sich dieselbe in Form einer zuiiehmendeii Lähmung des Grosshirns unter dem Bilde der psychischen Benommenheit und schwerer Deprosskmserscheinungen, welche schliesslich in vollständige Apathie und Bewusstlosigkoit übergehen. Diese cerebralen Liihnmngserschoinungen com-biniren sich zeitweise mit Erregungssymptomen, welche sich in Zwangsbewegungen ilussern: Manegebewegungen, automatenhafte, pendelnde Bewegungen des Kopfes und Halses. Vereinzelt treten auch psychische Erregungserscheinungen auf. Im Zusanimenhange mit den genannten cerebralen Erscheinungen zeigen sich eigeiithümliche Vorgänge an den Augen, welche im Wesentlichen auf eine Lähmung der Eetina (Amau-rosis) bezogen werden müssen: Pupillenerweiterung, Blindheit, Aniuuie der Papille. Aber auch hier sind die Erscheinungen der Lähmung zuweilen mit derjenigen der Erregung untermischt (Nystagmus, Pupillenverengerung). Die lähmende Wirkung des Filixoxtractes auf die Retina ist wenigstens in Form einer Mydriasis meist sehr früh wahrnehmbar. Die Herzthätig-keit wird durch das Filixextract in allen Fällen anfangs erregt, was sich in verstärkter Herzaction und vermehrter Pulsfrequenz äussert, später gelähmt. Zu den augenfälligsten Symptomen des Vergiftungsbildes gehört die lähmende Wirkung auf den Bewegungsapparat; dieselbe äussert sich in unsicherem, schwankendem, taumelndem Gange, allmählich zunehmender Körperschwäche und schliesslicher allgemeiner Lähmung. Die Athmung wird anfangs erregt, später gelähmt (Erstickung).
Form und Dosis. Man gibt grösseren Hausthicren das Rhizoni in Pillen oder Latwergenform, kleineren das Extract in Pillen oder Cxelatinekapseln. Letztere sind naraentlicli auch deshalb vorzuziehen, weil sich Pillen aus dem ätherischen Extracte schwer formiren lassen.
1)nbsp; nbsp;Die Dosis des Rhizoma Eilicis beträgt für
Pferde und Rinder 100250,0.
Schafe und Ziegen 50100,0.
Schweine 2050,0.
Hunde 5 15,0.
Katzen und GeHügel 25,0.
2)nbsp; nbsp;Die Dosis des Extractum Eilicis beträgt für
Grosse Hunde 26,0. Kleine Hunde 0,61,0. Katzen 0,2-0,5.
Recepte.
Rp. 1) Extract. Eilicis 0,5.
D. tal. dos. in capsul. gelatin. Nr, X. S. Auf liual zu geben für einen grossen Hund mit Bandwurm, 2) Rp. Extract. Eilicis 2,5.
Pulv. Rhizoni. Eilicis 5,0. Cerao ilav. qu. f. Pilul. Nr, X. U. S. Für einen mittelgrossen Hund mit Bandwurm.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Kamala.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;545
Kaniala.
Stammpflanze: Mallotus Pliilippinemis. Familie: Kuphorhiaceen.
Geschichtliches. Kamala (indisches Wort) ist ein uraltes indisches Färbemittel, das schon im 5. Jahrhundert v. Chr. zur Seidenfilrberei benützt worden ist. Seine anthelminthische Wirkung ist erst im Jahre 1841 erkannt worden (Irvine).
Pharmakognosie. Mit dem Namen Kamala (Glandulae Rottlerae) bezeichnet man den von den Früchten von Mallotus Philippinensis, einem ostindischen Baume, abgebürsteten Ueberzug, welcher aus Drüsen und Härcben besteht. Derselbe bildet ein ziegelrot has, leichtes, geruch- und geschmackloses Pulver, welches mikroskopisch aus plattkugeligen Drüsen und sternförmig verästelten Haaren zusammengesetzt ist. Die Drüsen werden aus circa 00 keulenförmigen, strablenartig geordneten Zellen gebildet. Weingeist, Aether und wässerige alkalische Lösungen nehmen aus der Kamala unter Roth-färbung Harz auf. Die bei der Verbrennung der Kamala zurückbleibende Asche soll On/o nicht übersteigen (Verfälschung mit Sand, Bolus oder Ziegclmehl).
Die Kamala enthält das Rottleraharz (ßottleraroth), ferner das Mallotoxin (Kamalin, Rottlerin). Diese Bestandtheile finden sich auch in dem alkoholischen Auszuge, der früher als Tiuctura Kamala bezeichnet wurde. A.P. 10,0 = '.i0 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kamala ist ein vorzügliches Antitänicum, welches gleichzeitig drastisch wirkt, so dass bei ihrer Anwendung die spätere Verabreichung eines Abführmittels erspart wird. Sie hat ausserdem den Vorzug, dass sie nicht so häubg wie andere Bandwunnmittel erbrochen wird. Auch gegen Spulwürmer kann sie gegeben werden. Der Abgang der Bandwürmer erfolgt durchschnittlich nach B Stunden. Sie wird gewöhnlich mit Milch angerührt eingegeben.
Dosis. Grosse Hunde 515,0. Kleine Hunde 25,0. Katzen und grosses Geflügel 12,0. Kleineres Geflügel (Tauben, Papageien) 0,51,0.
|
|
||
|
|
|||
|
Fröhncv, Arzneimittellehre, 1. Auii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;35
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
54(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Floras Koso.
Flores Koso. Kosobliithen.
Sltimmpflanze: Huyeiiia Ahyssinka. Familie: Hosaccen.
Geschichtliches. Die Eosoblüthen sind ein uraltes abessynisches Wurmmittel (Koso = abessynisuhes Wort; Hagenia leitet sich ab von Professor Hagen in Königsberg, f 1829), das seit 1(jO0 in Europa bekannt, 1834 in Deutschland eingeführt wurde. In den Jahren 18471850 kostete 1 Gramm 1 Mark (das hundertfache des heutigen Preises).
Pharmakognosie. Die Kosoblüthen (Kussoblütlien, Flores Brayerae) stammen von einem abessynischen Baume und bilden rötli-licho, weibliche Blütbenrispen, welche dicht gedrängt an zottigen, viel verzweigten Stielen sitzen. Die Kelchblätter und Deckblätter sind häutig, netzartig und röthlich. Sie enthalten das Kussin, einen harzartigen, gelben, bitter schmeckenden Körper, welcher durch Alkohol unter Zusatz von Kalkhydrat extrahirt und wohl auch in reinem Zustande angewandt wird (1-2,0 beim Menschen und Hunde, 0,10,2 für Lämmer), ein ätherisches Gel, sowie Gerbsäure. A.P. 10,0 = 15 Pfennig; 100,0 = 1 Mark.
Wirkung und Anwendung. Die Kosobliithen sind in frischem Zustande (abgeblasste oder braungefärbte Blüthen sind wirkungslos) ein sehr geschätztes Band Wurmmittel. Vergleichende Untersuchungen von Küchenmeister haben gezeigt, dass die Bandwürmer ausserhalb des Körpers getödtet wurden durch Kosoblüthen nach Vlaquo; lraquo;8 1 Stunde, Kamala nach 12 Stunden, Granatwurzel und Rhizoma Filiois nach 34 Stunden. Man gibt sie als Schüttelmixtur, im Infus oder als Latwerge und reicht nach 3G Stunden ein Abführmittel (Calomel, llicinusöl).
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Schafe und Schweine 2050,0.
Lämmer 510,0. Hunde 1025,0. Katzen 25,0.
|
||
|
|
||
|
GefUigel 1-2,0.
|
||
|
|
||
|
Recepte.
|
||
|
|
||
|
1)nbsp; Rp. Flor. Koso pulv. 20,0.
Mellis 50,0. M. f. Linotus. D. S. Füv einen Hund mit Bandwurm.
2)nbsp; Rp. Kosini 0,2.
Sacchari 0,5. M. D. S. Für ein Lamm mit Bandwurm.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Cortex Oranati.
|
547
|
|||
|
|
||||
|
Cortex Granati. Granatrimlc.
Stammpflanze; l'unica Granatum, Familie; Myrtaceen.
Geschichtliches, Der Granatbaum ist eines der ältesten Arznei-gewilcli.se (Egypten, Assyrien, altes Testament, China). Der Name Punica weist auf Punien (Carthago) hin, woher die Römer die Frucht bezogen (Malotn punicum). Auch die wurrntreibende Wirkung der Rinde ist schon im Alterthum bekannt gewesen.
|
||||
|
|
||||
|
Pharmakognosie. Die Granatrinde stammt von dem am Mittel-meer wachsenden Granatbaume und ist theils Stammrinde, theils Wurzelrinde. Sie ist ausgezeichnet durch die gclbgriine Farbe der Timenrinde und des Bruches, sowie die mattgraue Obertiäclie, welche von hellen Korkleistchen der Länge nach durchzogen und gewöhnlich mit schwarzen Flechten (Arthonia- und Arthopyrenia-Arten) besetzt ist. Der Geschmack ist herb, aber nicht bitter; beim Kauen färbt sie den Speichel gelb.
Sie enthält das Pelletierin oder Punicin, ein flüchtiges, gelbes, ölartiges Alkaloid von der Formel 08HX5NO, ferner das Isopelle-tierin, Gerbsäure und Mannit. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
t Pelletierinum sulfuricum und tannicum werden als Salze des Alkaloids Pelletierin namentlich in Frankreich als Antitänicum beim Menschen (0,30,4 pro dosi) angewandt. Sie sollen milder wirken als die Granatwurzel, sind aber in grosen Dosen giftig, indem sie Lähmung des Central-nervensystems bedingen. Nach Schröder stirbt Taenia serrata in einer
|
||||
|
0,1 O0'ooigen l'elletierinlösung nach 10 Minuten. A.P. 0,1
|
Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. Die Granatrindc ist ein bei uns seltener benutztes Band wu rmmitte 1, welches entweder für sich allein in der Form des Macerationsdecoctes, häutiger jedoch mit anderen Wurmmitteln zusammen verschrieben wird. Sie wird relativ häufig erbrochen.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Grosse Hunde 2050,0. Kleine Hunde 5 20,0. Katzen 510,0.
|
|||
|
|
||||
|
Recepte.
|
||||
|
|
||||
|
1) Rp. Corti Granat, concis. 50,0. Aqu. destill. 2.r)0,0. Macera per horas XU. Coque usque ad reman. 100,0. D. S. Für einen Hund mit Bandwurm auf 2inal einzugeben.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
548nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Semen Arecao.
2) Bp. Pclletieriui tiinnici 0,:i Sacehari 0,5. Mi l^- Si Für einen II u n d nut Bundwunu.
|
||
|
|
||
|
Semen Arecae. Arekanuss.
Stammpflanze: Arcca Catechu. Familie.- ralinae.
Geschichtliches. Die Arekanuss ist ein bei den malayischen Völkerschaften weit verbreitetes Genussmittel (Betelkauen). Sie wurde 1862 von Hanley als Wurmmittel nach Europa gebracht. Das Arecolin ist von Jahns und Manne (1888 und 1880) entdeckt bezw. zuerst untersucht und von mir in die thierärztliche Therapie eingeführt worden (1894).
Pharmakognosie. Die Arekanüsse (Botelniisse) sind die taubeneigrosscn, kreiselrunden, stumpfspitzigen, braunen, harten und schweren Fruchtkerne der Arekapalme (Ostindien, Philippinen), welche von den Eingeborenen als Genussmittel gekaut werden. Sie enthalten das Arecolin, einen mit dem Pelletierin verwandten stark giftigen Körper, die Ursache der wurmtreibondon Wirkung (vergl. S. 212), sowie andere indifferente Arekabasen: Ärecai'n, Arecai'din, Guvacin, Cholin etc. Sie sind in Deutschland speciell für die Zwecke der Tbierheilkunde ofiicinell geworden. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Arekanuss ist 18(52 von Hanley als Wurmmittel in Europa eingeführt worden, welches sich sowohl gegen Bandwürmer als gegen Rundwürmer bewährt. In der Tbierheilkunde ist die Arekanuss u. A. von Zürn, Doutl, Mark-graff und Friedbevger empfohlen worden. Die Würmer gehen nach 15 Stunden ab; erfolgt nach 15 Stunden kein Kotbabsatz, so wird ein Abführmittel gegeben. Wie Friedberger mit Recht hervorhebt, wird jedoch die Arekanuss noch viel häufiger erbrochen, als die übrigen Wurmmittel. Man gibt daher die geraspelto Arekanuss beim Hunde am besten in mit Butter bereiteten Bissen, welche kera-tinirt sind, wobei sie besser ertragen wird. Fuchs empfiehlt die Arekanuss bei Bandwürmern des Pferdes; er verschreibt 1000 g und liisst tflglich 3nuü 2 Esslöffel voll im Kleienscblapp geben. Olaussen hat die Arekanuss mit sehr gutem Erfolg gegen Ascariden bei halbjährigen Fohlen in Dosen von 1520 g gegeben. Nach nieinen Versuchen sind selbst Tagesdosen von 250 g Arekanuss für das Pferd, sowie von 500 g für das Rind nicht gefährlich. Genaueres über Arecolin vergl. S. 212.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Arecolin.
|
549
|
|||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferde und Rinder 100-Fohlen 1050,0. Hunde 1020,0. Schweine 515,0. Lämmer 510. Katzen 25,0. Hühner 23,0. Tauben 1,0.
|
-250,0.
|
||
|
|
||||
|
Recept.
|
||||
|
|
||||
|
D. S.
|
Rp. Pulv. Sem. Arecae 15,0. Butyr. Cacao et
Cerae flavae qu. s. f. Boli Nr. XX. Obduce Koratino, Auf einmal zu ffeben für einen Hund mit Bandwurm.
|
|||
|
|
||||
|
Herba Tanaceti. Rainfarnkraut. Das Rainfarnkraut (Stammpflanze: Tanacetum vulgäre; Familie: Corapositen) ist eine bekannte, 45 Puss hohe Pflanze mit goldgelben Bliithen von unangenehm aromatischem Gerüche und Geschmacke. Es enthält das iltherische Rain-farnöl, Oleum Tanaceti aethereum, Das Rainfarnkraut ist durch seinen Gehalt, an ätherischem Oel ein starkes Gift gegen Spulwürmer und Oxyuren, und wurde von Alters her als Wurmmittel thierärztlich und als Hausmittel angewandt. Es bildete z. B. einen Bestandtheil der S p i n o I a-schen Wurmkuchen (Rainfarnkraut, Kalmuswurzel, Theer je 1 Kilo, Kochsalz 'ji Kilo, mit Wasser und Mehl zu Kuchen gemacht; für 100 Schafe). Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Tanacetumöl ausserdem starkes Krampf gift für höhere Thiere ist und namentlich Krämpfe der Rückenmuskeln sowie des Kehlkopfes und Schlundkopfes mit gleichzeitiger starker psychischer Aufregung hervorruft. Diese auch bei anderen Wurmmitteln und ätherischen Oelen zu beobachtenden Erscheinungen sind von Peyraud als Tanacetumwuthquot; beschrieben worden. Die hierauf sich stützende Empfehlung des Eainfarnkrauts als Präventivmittel gegen Lyssa ist wohl kaum ernst zu nehmen. Die Dosis für Pferde und Rinder beträgt 50100,0, für Schafe und Ziegen 1025,0.
f Embelia Ribes, das neuerdings beim Menschen empfohlene Bandwurmmittel, hat sich nach meinen Beobachtungen beim Hunde in Dosen von 1025 g nicht bewährt. Neuerdings wird das daraus dargestellte Ammonium embelicum empfohlen (Dosis für den Menschen 0.4). Ob endlich die Gocosnüsse ein gutes Bandwurmmittel sind (Parisi), bleibt abzuwarten.
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
Diagnostica. Diagnostische Mittel.
|
||
|
|
||
|
t Tuberculiiumi. Tuberculin.
Pharmaceutische Chemie. ])as von Koch im Jahre 1890 entdeckte Tuberculin ist ein sterilisirtes Decoct tius künstlich gezüchteten Tubei'kelbacillenculturen. Die in ihm enthaltenen wirksamen Stoffe sind als Bacterienprote'lne, d. h. gelöste Bacterien-zellsubstanz aufzufassen. Sie gehören somit zur Gruppe der Ei weis 8-kör per, sind jedoch chemisch noch nicht ganz genau bekannt. Festgestellt ist bisher nur, dass das Tuberculin alle Eiweissreactionen gibt. Von den Toxinen (Toxalbuminen, Albumoscn) unterscheidet sich das Tuberculin sehr wesentlich durch seine Beständigkeit gegenüber hohen Temperaturen, desgleichen von den Peptouen durch seine Fällbarkeit mittelst Eisenacetat.
Das Tuberculin bildet eine syrupdicke Flüssigkeit von brauner Farbe, welche in verdünnten Lösungen gelblich wird und schwach grünliche Fluorcscenz zeigt. Der Geruch ist süsslich-aromatisch, hefeartig. Die Reaction der Flüssigkeit ist neutral. Man bezieht es in Deutschland entweder von der Fabrik Farbwerke in Höchst a. M.quot; oder durch die thierärztlichen Hochschulen (Berlin, Hannover, Dresden, München). Der früher sehr hohe Preis (1,0 = 0 Mark) ist erheblich herabgesetzt worden (1,0 = 80 Pfennig).
Wirkung und Anwendung. Während sich das Tuberculin in der Mensche nh eil künde weder als Heilmittel noch als Dia-gnosticum für die Tuberculoso bewährt hat, ist durch die zahlreichen von thierärztlieber Seite beim Kinde vorgenommenen Tuber-culin-Impfungen als Gesammtresultat festgestellt worden, dass das
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Tuberculin.
|
551
|
|||
|
|
||||
|
Tuberculin für die Rindertub er culose ein sehr scbiitx-bares, wenn auch nicht a 1) s o 1 u t sicheres 1) i a g n o s t i c u m darstellt. Es lassen sich für die Rindcrtuberculoso aus den an zahlreichen Orten vorgenoinmenen impfversuchen die nachstehenden Iinp fnonnen ableiten. Die Dosis des Tuberculins beträgt für Kühe und Bullen 0,5, für Kälber 0,1. Das Tuberculin wird dabei mit der lOfachen Menge einer '/s quot;/oigen wässerigen Carbol-löung verdünnt unter die Haut gespritzt. Kleinere Dosen sind zwar zuweilen ebenfalls ausreichend, in manchen Fällen aber entsteht darnach eine zu schwache und zu kurz andauernde Reaction. Die Reaction der tuberculösen Thiere gegenüber dein Tuberculin ätissert sich hauptsächlich in einer Temperatursteigerung (Impffieber, Reactionslieber), welche 1215 Stunden nach der Tuberkulininjection eintritt. Wird bei einem Impft hier nach der Impfung eine mindestens 1,5 n C. betragende Ten^eratursteigerung constatirt, so ist das Vorhandensein von Tuberculose mit Wahrscheinlichkeit anzunehmen. Dagegen eignen sich Rinder mit schon an sich hoher Eigenwärme, insbesondere solche mit einer Mastdarmtemperatur von 39,5deg; 0. und darüber, nicht zu diagnostischen Versuchen. Ausserdem ist zu beachten, dass die Reaction der tuberculösen Tliiere auf das Tuberculin meist im umgekehrten Verhältnisse zur Ausbreitung und zum Alter der Tuberculose steht, dass also hochgradig tuberculose Rinder eine geringere Temperatarsteigerung zeigen, als Thiere mit geringgradiger localisirter Tuberculose. Bei hochgradiger und alter Tuberculose ist daher das Tuberculin weniger zuverlässig. Für gewöhnlich genügt eine einmalige Impfung; in zweifelhaften Fällen wird nach Ablauf einiger AVochen eine zweite Impfung vorgenommen. Als empfehlenswertbeste Tageszeit für die Vornahme der Impfungen ist der Abend zu bezeichnen, weil dann am darauffolgenden Tage die Temperatur bequem abgenommen werden kann. Es sind nach der Impfung mindestens 4 Temperaturmessungen erforderlich, nämlich 9, 12, 15 und 18 Stunden nach der Einspritzung, Vor der Einspritzung sind mindestens 2 Messungen vorzunehmen, die eine 6 Stunden, die andere unmittelbar vor der Anwendung des Tuberculins. Als Impfstelle ist mit Vortheil die seitliche Halsfläche zu benützen. Eine Schädigung der Impfthicre durch das Tuberculin ist bisher nur vereinzelt beobachtet worden (acute Miliartuberculose, tödtliche Darmblutung, Lungenödem, vorübergehende Sterilität, Uterus-contractionon); es verringert sich die Milchmenge jedoch während der Versuchstage um einige Liter in Folge der fieberhaften Tem-
|
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
|
552nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tuberculin.
peratursteigerung und der vorübergehend unterdrückten Futterauf-nahme. Die während der Impfreaction abgesonderte Milch ist vom menschlichen Genüsse aus/uschliessen.
In einer grösseren Anzahl von Fällen haben auf die Einspritzung von Tuberculin auch Rinder reagirt, welche sich bei der Schlachtung als tuberculosefrei zeigten. Die Summe dieser Fehldiagnosen ist in Deutschland auf 15 0/o, in Dänemark auf 4 0/o berechnet. Es reagiren hauptsächlich die nachstehenden Krankheiten zuweilen in derselben Weise auf Tuberculin wie die Tuberculose: Aktinomykose, Bo-tryomykose, Lungenabscesse, Leberabscesse, Abscesse im Anschluss an die traumatische Pericarditis, Enteren t z ü n d u n g e n, verkäste Echinokokken, D i s t o m a t o s e, L u n g e n w u r m k r a n k ii e i t, L u n g e n e m p h y s e m, chronische Diarrhöe. Als ein speci fisch es Diagnosticum für die Tuberculose kann es daher nicht bezeichnet werden. In forensischen Fällen insbesondere kann das Vorhandensein der Tuberculose auf Grund einer positiven Tuberculinreaction allein niemals mit Sicherheit festgestellt, sondern immer nur mit Wahrscheinlichkeit angenommen werden. Dagegen kann das Tuberculin bei der Auswahl von Zucht-thieren sowie bei der prophylaktischen Bekämpfung der Tuberculose in grösseren Viehbeständen als Diagnosticum mit Vortheil Verwendung finden.
Aussei' beim Rind hat sich das Tuberculin auch bei der Tuberculose des Pferdes, Hundes, der Ziegen, Affen und des Geflügels als gutes Diagnosticum erwiesen. Die Dosis für Pferde beträgt 0,5, für Schweine, Ziegen und Hunde 0,05. Bei gesunden Thieren wird weder die Temperatur, noch überhaupt das Allgemeinbefinden selbst durch sehr grosse Gaben Tuberculin beeinflusst; kleine, 1 Kilo schwere gesunde Hunde ertragen beispielsweise Injectionen von 1 g Tuberculin ohne jede sichtbare Störung der Gesundheit. Dagegen zeigen Hunde und Affen im vorgeschrittenen Stadium der Tuberculose nach meinen Erfahrungen eine erhebliche Verschlimmerung und selbst raschen tödtlichen Ausgang nach der Injection.
Literatur der Tuberculinimpfungen. Nachdem ß. Koch am 14. November 1890 in der deutschen raedicinischen Wochenschrift seine Entdeckung des Tuberculins veröffentlicht hatte, sind bald darauf die ersten Versuche mit Tuberculin beim Bind von Gutmann in Dorpat mit Erfolg gemacht worden (Baltische Wochenschrift 1890). Es folgten sodann in Deutschland ähnliche Versuche von Sticker, Eöckl und Schütz, Johne und Siedam-grotzky, Lydtin, Lothes, Delvos, Gensert, Krichels, Buch, Schwarz, Kitt, Fröhner, Malkmus, Fenner, A. und W. Eber,
|
||
|
|
|||
|
|
||
|
Mallein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55;i
Albrecht u. A. In Dänemark sind eingehende Impfversuche von Bang und Jensen, in Ungarn von Hutyra und Ujhelyi, in Frankreich von Arloing, Rodet, Courmont, Barrier, Nocard, in der Schweiz von Hess u. A., in Russland von Gutmann, in Belgien von Degive, Dessart und Stub be, in Schweden von Lin dquist. Malm, Nilsson, in England von Padyean u. s. w. vorgenommen worden. Bezüglich der Tuberculin-impf'ung grosser er Rind Viehbestände als Grundlage einer veterinärpolizeilichen Bekämpfung der Tuberculose macht Siedamgrotzky darauf aufmerksam, dass sich bei ausgebreiteter Tuberculose die mit Tuberculin erhaltenen diagnostischen Resultate für den Thier-züchter schwer verworthen lassen, da eine Abschlachtung aller tubcrculos befundener Rinder aus ökonomischen Rücksichten in der Regel doch nicht durchführbar ist. Es können höchstens die gefährlichsten tuberculösen Thiere als solche erkannt und möglichst frühzeitig geschlachtet werden. Bei derartig ausgedehnten Tuberculin versuchen kann ferner der Tbierarzt selbstverständlich nicht alle nothwendigen Handlungen, namentlich nicht die Temperaturabnahme vollziehen, er muss sich vielmehr auf die Injectionen und die Controlle des Ganzen beschränken.
Die von Bang in Dänemark eingeführte Methode der Tilgung der Tuberculose ist folgende. 1) Alle Killber werden am zweiten Tage nach der Geburt (am ersten Tage ist die Colostralmilch zum Leben unentbehrlich) separirt und nur mit gekochter Milch gefüttert. Einige Wochen nach der Geburt werden sie sodann mit Tuberculin geimpft, worauf die reagirenden ausgemerzt werden. 2) Alle Rinder eines Stalles werden mit Tuberculin geimpft. Nach vorgenommener Desinfection des Stalles wird derselbe durch Bretterwände in zwei Abtheilungen eingetheilt und die gesunden Thiere in die eine, die reagirenden (kranken) in die andere Abtheilung verbracht. Für jede Abtheilung sind besondere Wärter aufgestellt. Die tuberculösen Thiere sollen möglichst früh geschlachtet werden. Zweimal im Jahre wird eine Tuberculinimpfung sämmtlicher Rinder vorgenommen. Bang hat mit dieser Methode schon im zweiten Jahre einen tuberculosefreien Viehbestand erzielt.
Eecept.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; llp. Tubcrculini 0,5.
Aqua carbol. ('/a proc.) 5,0. M. D. S. Zur subcutancn Injection für ein Rind.
|
||
|
|
||
|
f Mallcinum. Mallein.
Pharmaceutische Chemie. Das von Kalning im Jahre 1891 entdeckte Mallein ist eine Abkochung aus künstlich gezüchteten Rotzbacillenculturen. Das Mallem bildet mithin das Analogen zum Tuberculin. Desshalb besitzt es auch ähnliche Bestandtheile und Reactionen (Eiweissreactionen). Im Gegensätze zum Tuberculin ist indessen zur Zeit ein einheitliches Präparat noch nicht vorhanden. Es existiren vielmehr je nach der Darstellung mehrere Präparate mit verschiedener Wirkung. Dieselben stellen zum Theil eine braune syrupöse Flüssigkeit (flüssiges Malle'in, Rohmalle'in,
|
||
|
|
||
|
|
||
|
554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tuberculin,
Miillein nach Preusse u. A.), zum Thcil eine trockene, amorphe, weissgelbliohe, durch Ausfällen mittelst Alkohol gewonnene Masse dar (trockenes Mullein, Mallem nach Foth u. A.).
Wirkung und Anwendung. Die Angaben über den diagnostischen Werth des Malle'i'ns bei der Rotzkrankheit lauten sehr widersprechend.
1)nbsp; ATacli Preusse, Heyne, Schilling, Peters, Pelisch, Dieckerlioff, Lotlies, Gutzeit, Foth, Schindelka, laquo;lohne, Kitt, Höflich, Hutyra, Proisz, Nocard, Laguerriere u. A. ist das Maliern für den Rotz ein ähnliches Diagnosticum, wie das Tuberculin für die Tuberculose. Werden einem Pferde 0,05 Malle'i-mim siccum bezw. 0,5 Kohmalle'in subcutan injicirt (Vornahme der Tnjoction Abends, Beginn der Temperaturabnahme am anderen Morgen), und findet hierauf eine Temperatursteigerung von über 2 0 C. mit typischer, zweigipfliger Fieberkurve statt, so soll das Pferd sicher rotzig sein und deshalb sofort getödtet werden. Umgekehrt soll das Pferd sicher frei von Rotz sein, wenn die Temperatur-Steigerung unter 1,2n C. beträgt. Bei Temperatursteigerungen zwischen 1,21,9 0 C. soll der Fall zweifelhaft bleiben, und nach 23 Wochen eine zweite bezw. dritte Injection vorgenommen werden. Voraussetzung hiebe! soll sein, dass die Körpertemperatur zur Zeit der Injection zwischen 37,5 und 38,5deg; C. beträgt; fiebernde Pferde sollen sich zur Vornahme der Malleininipfung nicht eignen; bei Temperaturen von 37,3 37,5 n C. muss angeblich eine viel höhere Reaction (2,53deg; C.) eintreten, wenn diagnostische Sicherheit geboten sein soll. Die nach der Injection eintretende locale Anschwellung sowie die an den Pferden zu beobachtenden Allgemeinstörungen sollen von untergeordneter bezw. von keinerlei Bedeutung sein (Foth).
2)nbsp; Nach Schütz u. A. besitzt das Mallem keine specifi-sche AVirkung beim Rotz und ist daher als Diagnosticum unbrauchbar. In dieser Hinsicht ist bisher folgendes festgestellt worden.
a. Zahlreiche gesunde, rotzfreie Pferde haben auf Mallein typisch und mit hohen Temperaturen reagirt. Von 52 der Ansteckung verdächtigen Pferden zeigten 15 eine Temperatur-Steigerung von 1,5deg; C. und darüber, 7 von 1 1,4n C., 30 von 01,0deg; 0. Keines von sämmtlichen getödteten Pferden erwies sich als rotzig (Schütz). Nicht unwahrscheinlich ist es, dass in zahlreichen Fällen Pferde bei der Section als rotzig erklärt worden sind.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Mallein
|
||
|
|
||
|
welche nicht-rotzige Knötchen in den Lungen zeigten (Schütz, Olt). Aohnliche Beobachtungen von Temperatursteigerungen bei ganz gesunden Pferden sind in der preussischen Armee, von Mehrdorf, Deppe, Walther, Peters u. A. gemacht worden.
b.nbsp; Thatsächlich rotzkranko Pferde reagiren nicht immer auf Malle'in (Sicdamgrotzky, Beobachtungen in Frankreich). Der Einwand, dass nach der injection die Rotzkrankheit zuweilen abheile, kann nicht als stichhaltig betrachtet werden.
c.nbsp; nbsp;Anderweitig kranke Pferde reagiren zu weilen genau ebenso auf Mallein, wie rotzkranke. Von Krankheiten, bei denen Maliern typische Temperatursteigerung erzeugt, sind bis jetzt festgestellt: Emphysem, Pneumonic, Bronchitis, Lymphadenitis, Zahnkaries, Alveolarperiostitis, Melanose.
Von einigen Seiten wird endlich auf die Gefahr der Rotz-infection für gesunde Pferde bei schlechten Malleinpräparaten aufmerksam gemacht (Mehrdorf, Hendrickx).
Literatur der Mallelnimpfung. Vergl. Fr iodb orger und Fr ohne r, Specielle Pathologie und Therapie, 4. Auflage, 1890, II. Bd. S. 572 und Lehrbuch der klinischen üntemichungsmethoden, 2. Auflage, 1896, S. 530 (Malle'indiagnosük, bearbeitet von Kitt). Da Raum und Zweck des vorliegenden Lehrbuchs die Aufzählung silirmitlicher mit Malle'in angestellter Versuche nicht zulassen, soll hier nur die ausführlichste, von Schindelka vorgenommene Malleinuntersuchung in ihren Ergebnissen kurz roferirt werden.
Schindelka (Oesterreich. Zeitschrift für wissenschaftliche \'etoi,inär-kunde, 1804) hält, trotzdem er über ein Material von 503 Impfungen und 148 Obductionsbcfunden verfügt, die Frage nach dem Werthe und Unwertho der Malleinirapfungen in Bezug auf ihre Ausübung im grossen Style für noch nicht vollkommen spruchreif. Er hat mit verschiedenen Malleinen geimpft, am meisten jedoch, nämlich 453 Pferde, mit dem Foth-schen trockenen Malle'in, welches wegen seiner Haltbarkeit und der Leichtigkeit des Transports den andern Malleinsorten vorzuziehen ist. Schindelka machte zunächst die Beobachtung, dass auch die Malle'inimpfung als diagnostische Methode an einem grossen Fehler leidet, nämlich daran, dass es unmöglich ist, den Einfluss des Individuums in Bezug auf din Höhe und den Verlauf der Ileaction, mithin auf die Beurtheilung des Falles selbst auszuschliessen, bezw. die Thatsache zu erklären, dass bei Pferden von anscheinend ganz gleicher Beschaffenheit das Mallein so verschieden wirkt. Aus den Ergebnissen der Impfversuche ist ferner hervorzuheben, dass aus der reactiven Temperatursteigerung allein sichere diagnostische Schlüsse iiicht gezogen werden können. 7 Pferde mit relativ hoher Teraperatursteigerung erwiesen sich als gesund, ein mit ganz niedriger Temperatur reagirendes dagegen als rotzig. Schindelka unterscheidet vielmehr zweierlei Arten von Fieberreaction, eine typische und atypische. Bei der typischen Fieberreaction stellt die Temperaturkurve eine gestreckte Bogenlinie dar, welche mit der Höhendarstellung eines zwei höchste Spitzen zeigenden Gebirgsstocks zu vergleichen ist. Dagegen
|
||
|
|
||
|
|
||
|
550nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mallein.
ist die Curve bei der atypischen Fieberreaction auffallend verschieden; sie zeigt ein jilhes Ansteigen und sehr rasches Abfallen. Schindelka kommt zu dein Schlüsse, dass alle jene Fillle, welche typisch über zwei Grad reagiren, sicher als rotzig, die atypisch reagirenden dagegen als nicht rotzig anzusehen sind. Bei Pferden mit Temperatursteigerungen zwischen 1,5 und 2 Grad sind sichere Schlüsse nicht zu ziehen (liotzverdacht). Pferde mit einer Temperaturerhöhung unter 1,5 Grad sind nicht rotzkrank. In 3 Filllen von Lun genemphy sem wurden übrigens ganz typische Fieberreaction on constatirt, ohne dass Rotz vorhanden war! Ausser der typischen Fieberreaction gibt es nach Schindelka keine absolut sicheren reactiven Erscheinungen; weder die bedeutenden Störungen im Allgemeinbefinden noch die hochgradige örtliche Reactionserscheinungen sind diagnostisch verwerthbar. Schindelka beobachtete sie auch bei nicht rotzigen Pferden. Die zweckmilssigste Basis des trockenen Malleins beträgt nach Schindelka 0,05. Nachimpfungen empfehlen sich nach Schindelka erst nach Ablauf eines lungeren Zeitraumes, etwa 12 Monate nach der ersten Impfung. Von bemerkenswerthen Einzelbeobachtungen ist zu erwähnen, dass die heftigsten reactiven Erscheinungen in jenen Fällen constatirt wurden, in welchen die Section oft nur ganz vereinzelte, jedoch ganz frische Rotzknötchen in den Lungen nachwies. Umgekehrt war die Reaction bei ausgedehnten älteren rotzigen Veränderungen oft sehr wenig ausgesprochen. Schindelka glaubt ferner auf Grund des günstigen Aussehens mancher Rotzgeschwüre nach der Malleinimpfung an die Möglichkeit einer Heilung gewisser Rotzfälle durch methodisch und längere Zeit fortgesetzte Mallefnin j ection en. Im Vergleich zur Tuberculinimpfung glaubt endlich Schindelka, dass die Malleinreaction immerhin wesentlich grössere diagnostische Sicherheit bietet.
|
||
|
|
||
|
1:
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Indifferente Arzneimittel.
|
|||
|
|
|||
|
Radix Altliacae. Eihischwurzel.
Slammpflanze: Althaea offkinali.i. Familie: Malvaccen.
Pharmakognosie. Die Eibischwurzel bildet gescbiilte, weiss-licbo, fingerdicke, walzenförmige, dureb abgelöste Bastbündel weiohfaserige, mit bräunlichen Narben besetzte, bis 20 cm lange Wurzeläste von fleischig-markiger Consistenz und schleimigem G eschmacke. Sie entliält Schleim (350/o), Stärkmehl (400|o), Pektin, Asparagin (=Althaein), Zucker und Salze. A.P. 100,0 = 60 Pfennig.
Folia Althaeae, Eibischbl ättor, sind dicke, durch einen graugrünen Pilz auf beiden Seiten sammtartig anzufühlende, eirunde, am Kande gekerbte oder gezähnte, 85-lappige Blätter, welche ebenfalls Schleim enthalten. Anwendung und Dosis = Radix Althaeae.
Syrupus Althaeae, Eibisohsyrup, ein gelber Syrup, wird durch Maceration der Eibischwurzel mit Weingeist und Wasser und Zusatz von Zucker dargestellt. A.P, 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Eibischwurzcl wirkt durch ihren Schleimgehalt einhüllend und wird daher innerlich als (leckendes Mittel bei entzündlichen Zuständen des Magens und Darmes, Vergiftungen, Durchfällen sowie zu Infusionen bei Proctitis angewandt.
2) Empirisch wird sie ferner als hustenmilderndes Expec-torans bei schmerzhaften Katarrhen der Luftwege gegeben.
8) Aeusserlich werden hauptsächlich die Eibischblätter zu Kata-plasmen benützt.
|
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Folia Malvae.
4) Endlich dient das Eibisdiwurzelpulver zur Herstellung von Latwergen, Pillen und Emulsionen.
Form. Man gibt die Eibischwur/el gepulvert als Schüttelmixtur, Infus oder Maceration (1 : 20). Die Decocte liefern in Eolge Umwandlung des Stärkmebls zu Kleister einen trüben Auszug, will man dies vermeiden, so darf man nur lauwarm infundiren. Am besten ist die Maceration; die Pharmakopoe schreibt dieselbe geradezu vor, wenn in einem Recepte ein Decoct verlangt wird.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 100-250,0.
Pferd 50100,0. Schaf und Ziege 2550,0. Schwein 1025,0. Hund 510,0. Katze 25,0. Geflügel 12,0.
|
|||
|
|
|||
|
|
Folia Malvae. Malveublätter.
Stammpflanzc: Malva nthjaris und süvestris. Familie: Malcaceen.
Pharmakognosie. Die Malveublätter sind grüne, kreisrunde oder nierenfönnige, am G-rundo ausgeschnittene, lang gestielte Blätter mit gelapptem und ungleich gekerbtem resp. gesägtem Rande. Der Ct e s c h m a c k ist s c h 1 e i m i g. Sie enthalten als Haupt-hestandtheil Schleim. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Flores Malvae, Malvenblüthen, von Malva süvestris (Käsepappel), sind blaue Blüthen mit 6 über 2 cm langen, vorn ausgerandeten Blumenblättern und einem '/a cm hohen, 5spaltig6n Kelche. Sie enthalten ebenfalls Pflanzenschleim. In Oesterreich sind ausserdem die Flores llhöados offieinell.
Species emollientes, erweichende Kräuter, bestehen aus Fol. Malvae, Fol. Althaeae, Herb. Meliloti, Flor. Chamomill. und Sem. Lini aa. Sie. werden zu Kataplasraen angewandt. A.P. 200,0 = 1 Mark.
Wirkung und An Wendung = Radix Althaeae.
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
Flores Vcrloasci.
|
.59
|
|||
|
|
||||
|
Flores Yerbasei. Wollblumoii.
Stamm/.if liiiize: \rcrb(isciim phtomo'ides und lluipsiftirmc, plmUirineen.
|
Farn Hie: Skro-
|
|||
|
|
||||
|
Fhcarmakognosie. Die Wollblumen (Königskerze) sind goldgelbe Bliithen von l1/laquo; cm Breite, mit weissen, wolligen Staubfäden. Sie haben einen fünflappigen Saum und 5 Staubgcfässe, von denen 3 kurz und wollig, 2 lang und kahl sind. Der Geruch ist kräftig, honigartig, der Geschmack ist schleimig. Sie enthalten ScMeim, Zucker, Gummi und Kalisalze. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und An Wendung = Kadix Althaeae.
Folia Farfarae. Huflattichblätter. Die Huflattich blatter (Stammpflanze: TussilagoParfara, Fami 1 ie: Oompositen) sind handgrosse, langgestielte, rundlich herzförmige, buchtig gezähnte, oben dunkelgrüne, unten w e i s s fi 1 z i g e Blätter von schleimigem, bitterem Geschmacke. Sie enthalten Schleim, Bitterstoff und Gerbsäure. Wirkung und Anwendung = Badix Althaeae.
Herba Violae tricoloris. Stiefmütterchen. Das Stiefmütterchen, Herba Jaceae, Freisamkraut, Dreifaltigkeitskraut (Stammpflanze: Viola tricolor; var. vulgaris und arvensis. Familie: Violaceen) hat einen kantigen, hohlen Stengel mit langgestielten, länglichen, gekerbten Blättern und iiederspaltigen, leierförmigen Nebenblättern. Die Blüthe ist dreifarbig: blassviolett, gelb und weiss. Der Geschmack ist schleimig, bitter salzig. Das Kraut enthält Schleim,, Spuren von Salicylsäure, einen emetinähnlichen Körper und Salze. Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
|
||||
|
|
||||
|
t Rhizoma Graminis. Queckenwurzel. Stammpflanze: Triticum repens. Familie; Gramineen. Die Queckenwurzel oder Gras würzet (nicht mehr of'fieinell) ist ein strohgelber, halmartiger, hohler, glatter, glänzender Wurzelstock von schleimig süsslichem Geschmacke, welcher im Frühjahr als Unkraut auf Aeckern gesammelt wird und in zerschnittenem Zustande in den Handel kommt. Sie enthalt Schleim, Triticin und Mann it (Kohlehydrate). Durch Ausziehen mit siedendem Wasser wird daraus ein dickes, rothbraunes, schleimzuckerhaltiges Extract, das Extractum Graminis dargestellt. Wirkung und Anwendung = Badix Althaeae.
|
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
560nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Semen Lini.
t Radix Bardanae, die Kletten wurzel, von Lappa vulgaris (Composite), enthält Inulin und ist in Oesterreich officinell als Bestandtheil der Species Lignorum.
|
|||
|
|
|||
|
|
Semen Liui. Leinsamen.
St am mp flame: Linum usitaiissimitni. Familie: Lineen.
Pharmakognosie. Die Leinsamen sind glänzend braune, platte, eiförmige, scharf randige, '/a cm lange Samen mit weissem Samenkern und brauner Schale. Sie enthalten in der Samenschale Schleim, im Samenkern fettes Oel und Eiweiss. A.P. 200,0 = 30 Pfennig. Die Pressriickstände der Leinsamen bilden harte graue Kuchen, welche ausschliesslich aus den schleimlialtenden Samenschalen bestehen und als Placenta Seininis Lini (Farina Lini, Leinkuchen, Leinsamenlaquo; mehl) officinell sind; ihr Pulver gibt mit kochendem Wasser eine schleimige Lösung. A.P. 200,0 = 30 Pfennig.
Semen Papaveris, Mohnsamen (officinell), von Papaver somniferum (Papaveracee), bildet kleine, nierenförmige, weissliche, 1 mm lange, netzrunzelige Samen, welche Spuren von Schleim, in der Hauptsache jedoch fettes Oel enthalten. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
t Semen Cydoniae, Quittensamen (Quittenkerne), von Oydonia vulgaris (Pomacee), sind kastanienbraune, keilförmige, kantige, '/s cm lange Samen, welche mit einem mattweissen, sehr schl eim reich e n Samenhäut-chen bedeckt sind; sie werden in Oesterreich, wo sie officinell sind, zur Bereitung des Quittenschleims (Mucilago Cydoniae) gegen Augenentzündungen angewandt. t SemenCannabis, Hanfsamen, von Cannabis sativa (Urticacee), enthalten in der Samenschale Schleim, im Innern fettes Del.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Leinsamen (Quitten-, Hanf-, Mohnsamen) wirken durch ihren Gehalt an Schleim einhüllend und werden am besten in der Form der Maceration (nicht des Decoctes) innerlich und rectal, namentlich beim Rinde, gegen Entzündung der Schleimhaut des Digestionstractus, empirisch auch gegen Nieren- und Blasenentzündungen angewandt. Die Maceration wird in der Weise vorgenommen, dass man die Leinsamen nach dem Zerquetschen ^ Stunde lang mit kaltem Wasser stehen lässt und dann den schleimigen Auszug trennt. Wird auf einem Pecepte ein Decoct verschrieben, so muss der Apotheker nach den Vorschriften des neuen Arzneibuchs cine Maceration bereiten.
2) Die gepulverten Leinsamen und Leinkuchen dienen mit
|
||
|
|
|||
|
|
||||
|
Soraen Foenugraeci.
|
561
|
|||
|
|
||||
|
anderen Mitteln zusammen äusserlich zur Bereitung von Kata-p las men (Bestandtheil der Species emollientes), Latwergen und Emulsionen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 50100,0.
Schaf und Ziege 2550,0. Schwein 1025,0. Hund 25,0. Katzen und Geflügel 12,0.
|
||||
|
|
||||
|
Semen Foenugraeci. liocksliorusamen.
Stammpflanze: Trigonella Foenum Graecum. Familie: l'apilioiiaceen.
Pharmakognosie. Die Bockshornsamen stammen von einem in Griechenland und im Oriente einheimischen, in Mitteldeutschland angebauten Kraute mit langen, sichelförmigen Hülsen. Es sind graugelbe oder bräunliche, flach rhombeuförmige oder unregelmässig rundliche, sehr harte, 85 mm lange und 1^2 mm dicke Samen, i welche durch eine oft diagonale Furche in zwei ungleiche Hälften getheilt sind, von eigenartig süsslicliem, melilotenähnlichem Gerüche und unangenehmem, schleimigem, bitterlichem Greschmacke. Sie enthalten Schleim, fettes Oel (cliolestearin- und lecithinhaltig), ätherisches Oel, Cholin und Trigonellin. A.P. 200,0 = 30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Bockshornsamen wirken durch ihren Gehalt an Schleim und ätherischem Oel expectorirend und werden namentlich beim Pferde als Mittel gegen Katarrhe des Larynx und der Bronchien, bei Druse etc. in Form von Fresspulvern oder Latwergen angewandt. Sie sind ein Bestandtheil der sogen. Viehpulverquot;.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd 1025,0. Bind 2550,0. Schaf, Ziege 515,0.
|
|||
|
|
||||
|
Recept.
Rp. Pulv. Sem. Foenugraeci
Pulv. Fruct. Anisi ää 100,0. Natrii chlorati erudi 250,0. M. D. S. Auf jedes Futter 2 Esslüfl'ol für ein Pferd mit Druse. Fröhner, Arzneiinittellehre. 4. Auti.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;3Q
|
||||
|
|
||||
|
|
||
|
562nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gummi arabicum.
|
||
|
|
||
|
|
||
|
|
||
|
Gummi arabicum. Arabisches Gummi.
Stamm pflanze: Acacia Senega? (Acacia Vcrek), Familie: Mimosaceen.
Pharmakognosie. Das Gummi arabicum (Gummi Acaciae) ist der eingetrocknete PHanzensaft verscliiedener Akazienarten Afrikas und Arabiens; das officinelle stammt speciell von den Ländern des oberen Nilgebietes (Kordofan). Es bildet farblose oder schwach gelbliche, durchsichtige, spröde, muschelig glänzende oder irisi-rende, rundliche oder eckige Stücke und Körner, welche sich mit 2 Theilen Wasser vollständig zu einem klebenden, geruchlosen, schwach gelblichen, fade schmeckenden Schleim auflösen, der durch Weingeist gefällt wird. Es besteht in der Hauptsache aus Arabia = arabinsaurem Kalke (Arabinsäure = Kohlehydrat) und Bassorin. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Mucilage Gummi arabici, Gummiscbleim, ist eine Auflösung von Gummi arabicum (1) in Wasser (2). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Pulvis gummoaus, zusammengesetztes Gummipulver, ist ein trockenes gelblichweisses Pulver, welches aus Gummi (3), Süssholz (2) und Zucker (1) besteht. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Gummi arabicum wirkt als Mucilaginosum deckend und wird innerlich in Lösung als einhüllendes Mittel gegen Gastroenteritis, Durchfälle und Vergiftungen, sowie als Expectorans bei Katarrhen der Respirationsschleimhäute angewandt. Sein Nutzen als Diäteticum ist fraglich, da es zum grössten Theile im Digestionsapparate nicht resorbirt wird.
2) Aeusserlich verwendet man das Mittel vor Allem zur Herstellung von Emulsionen, Pillen und Latwergen, ferner als Streupulver zur Blutstillung, auf Wunden und Geschwüre, zum Bestreichen der Kluppen und zu Contentivverbänden; endlich zu Infusionen in den Mastdarm bei Proctitis.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 25-50,0.
Schaf und Ziege 1025,0. Schwein 510,0. Hund 1 5,0. Katze 0,52,0.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Salep. Tragant.
|
503 #9632;
|
||
|
|
|||
|
Tubera Salcp. Salop.
St ummpf lumen: Orchis mascula, militaris, Morio, ustulata, Attaeamptls pyramiddlis, l'latanthera bifolia. Familie: Orchideen.
Fharmakoguosie. Die Salepknollen stammen von verschiedenen einheimisclion und orientalischen Orchideen. Es sind gepaarte, eirunde oder birnförmige, oft zolllango, hornartig harte, durchschein ende, schmutzig gelbAveisse oder blassbräunliche, geruchlose Knollen von fadem, schleimigem Geschmacke, welche ge-gulvert mit 50 Theilen Wasser gekocht einen nach dem Erkalten ziemlich steifen Schleim geben. Sie onthalten 500/o Bassorin (Schleim), 250/o Stärkmehl, Eiweiss und Zucker. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Officinell ist ferner Mucilago Salep, l0/()iger Salepschleim.
Wirkung und Anwendung = Grummi arabicum.
|
|||
|
|
|||
|
Tragacantha. Tragant.
St ammpf/amen : Astrayalus ascendens, leioclados, brachycalyx, pycttc-clado.i, yuinmifer, mikroeephalus, rerus. Familie: Papilionaceen.
Pharmakognosie. Der Tragant ist der erhärtete Schleimsaft der Stämmchen zahlreicher Astragalusarten Kleinasiens und Vorderasiens. Er bildet Aveisse, durchscheinende, 1 3 mm dicke und 0,5 cm breite bandartige oder sichelartige, sehr harte Streifen, welche mit Wasser Übergossen stark aufquellen und mit 50 Theilen Wasser einen schlüpferigen, farblosen, faden Schleim geben. Er besteht aus Schleim (Bassorin, Pektase), Gummi und Stärke. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung Gummi arabicum.
|
|||
|
|
|||
|
Carrageen. Irländisches Moos.
Stammpflanzen: 1) Chomlrus crisptis. 2) Oiyartina mamillosa. Familie: Algae (Florideue).
Pharmakognosie. Das irländische Moos stammt von Meeresalgen, welche an den Küsten Irlands und Nordamerikas ans Land geworfen werden. Es bildet handgrosse, laubartige, gabelspaltige.
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
M:
|
||
|
|
||
|
554nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Liquiritiac.
krause, rötliliche, bräunliche odor grünliche Trieblager, welche beim Kochen mit 30 Tbeilen Wasser einen in der Kälte ziemlich dicken Schleim geben. Hauptbestandtheil: Schleim = Carragin (Pararabin). A.P. 100,0 = 55 Pfennig. Offloinell ist ferner die Gelatina Carrageen, eine durch Eindampfen von Carrageenschleim bereitete Flüssigkeit.
Wirkung und Anwendung = Gummi arabicum.
|
||
|
|
||
|
Kadix Ll^ulritiaelaquo; Süssholz.
Slam in pflanzen: Gh/cijrrhiza glabra (ijhtndulifera). Familie: I'api-lionaceen.
Pharmakognosie. Das Süssholz ist in zwei Sorten im Handel.
1)nbsp; Das spanische Süssholz stammt von Glycyrrbiza glabra und wird in Spanien (Tortosa und Alicante), Italien, Frankreich und Deutschland (Bamberg, Schweinfurt) eultivirt. Es bildet ungeschälte, schwere, holzige, langgestielte, 0,52 cm dicke, aussen graubraune, lang runzelige, mit kleinen Knospen versehene, innen schön gelbe Stücke von süsslichem Geschmacke.
2)nbsp; Das russische Süssholz, welches in Deutschland nunmehr allein offloinell ist, bildet eine Abart des spanischen Süssholzes und stammt von Grlycyrrhiza glabra, var. glandulifera. Es ist zum Unterschiede vom spanischen geschält = Eadix Liquiritiae mundata und bildet dickere und leichtere, gelbe, faserige, sehr süss schmeckende Stücke. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Die Süssholzwurzel enthält das Glycyrrhizin (80/o), Asparagin, Aepfeisäure, einen Farbstoff, Stärkmehl etc.
Succus Liquiritiae, Lakriz (Extraotum Liquiritiae), ist ein durch Auskochen der Süssholzwurzel gewonnenes trockenes Extract in Form glänzend schwarzer Stangen oder Massen von sehr süssem Geschmacke. Das Präparat enthält 10 0/o Glycyrrhizin, 15 0/o Zucker, Gummi, Pektin, Stärkmehl. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Der Succus L iquiritiae dep u-ratus, gereinigter Lakriz, bildet ein braunes, dickes Extract, welches durch kalte Extraction des Succus Liquiritiae und Eindampfen gewonnen wird. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Syrupus Liquiritiae, Süssholzsyrup, wird aus russischem Süssholz durch Maceriren mit Ammoniak und Wasser, Eindampfen, Zusatz von Spiritus und Syrup dargestellt. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Elixir e Succo Liquiritiae, Brustellxir, ist eine Mischung von gereinigtem Lakriz, Liquor Ammonii anisatus und Fenchelwusser.
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Zuckv.r.
|
505
|
|||
|
|
||||
|
Pulvis Liquiritiae compositus, 13 r u s t p u 1 v e r, besteht aus Süss-holz (2), Zucker ((J), Sennesblilttern (öj, Fenchel und Schwefel (1). Das grüngelbe Pulver ist bekannt als Kurella'sches itrustpulver (Pulvis pectoralis).
Species pectorales, Brustthee, bestehen aus Süssholz (3), Eibischwurzel (8), Huflattichbhlttern (4), Wollblumen und Anis (2), Veilchenwurzel (1). A.P. 100,0 = 90 Pfennig.
f Glycyrrhizinum, das saure Ammoniumsalz der Glycyrrhizinsaure, eine in Lamellen ausgegossene schwarze Masse, wird neuerdings statt des Succus Liquiritiae insbesondere als Geschmackscorrigens gebraucht.
Wirkung und Anwendung. Die Wirkung des Süssholzes beruht auf seinem Grehalte an Q-lyoyrrhizin. Man benützt dasselbe:
1)nbsp; als Expeotorans bei Katarrhen der Luftwege;
2)nbsp; als G-eschmackscorrigens für schlecht schmeckende Arzneien, speciell für den Salmiak;
8) als Bindemittel für Pillen und Latwergen. Grosseren Thieren gibt man gewöhnlich das Pulvis lladicis Liquiritiae, Hunden und Katzen den Succus Liquiritiae. In grossen Gaben bat das Süssholz bei Hunden auch eine leicht abführende Wirkung.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 25-
|
-50,0.
|
|||
|
|
||||
|
Scbaf, Ziege und Schwein Hund (Succus) 0,52,0. Katze ( ) 0,51,0.
|
-10,0.
|
|||
|
|
||||
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Pulv. Rad. Liquirit. 100,0.
Stib. sulfur, nigr. 50,0. Natr. chlorat. orud. 250,0. M. D. S. Auf jedes Futter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Husten.
2)nbsp; Rp. Aminon. chlorati 5,0.
Sirupi Liquirit. 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. D. S. Sstündlich 1 Esslöffel (Tlieelöffel) für einen Hund mit Staupe.
|
||||
|
|
||||
|
Sacchariiin. Zucker.
CnK.nOn.
Pbarmaceutische Chemie. Her officinelle Zucker (Rohrzucker, Saccharose) stammt theils vom Zuckerrohr = Kolonialzucker, theils von der Runkelrübe = Rübenzucker. Das officinelle Präparat soll
|
||||
|
|
||||
|
|
|||||
|
566
|
Zucker.
|
||||
|
|
|||||
|
weisse, krystallinisclic Stücke oder ein weisses krystallinisches Pulver darstellen. Man benutzt entweder die Raffinade (erstes Krystalli-sationsprodiict in Hutform) oder den Melis (zweites, weicheres Krystal-lisationsproduct in Hutform). Xicht zu benützen sind der Kandis- und Krystallzucker (entstellen aus dünneren Lösungen durch langsame Krystallisation; geben unklare, schleimige Lösungen), der Parin- oder Lumpenzucker (aus der Mutterlauge des Melis) und der braune oder gemeine Syrup (Melasse, Syrupus comraunis), welcher den allerletzten Eückstand der Mutterlaugen darstellt. Ebenfalls nicht officinell ist der Traubenzucker (GUykose, Dextrose, Krilmelzuoker), welcher in süssen Prüchten, im Honig und im Thierkörper vorkommt und auch aus anderen Zuckerarten, Stärkmehl etc. dargestellt wird (Por-mel OgHtjO,,), ferner nicht der Fruchtzucker (Lävulose) von derselben Formel C'(iH12üi;, welcher im Safte süsser Prüchte und im Honig vorkommt. Dagegen ist aussei' dem Rohrzucker noch officinell der Milchzucker.
|
|||||
|
|
|||||
|
#9632;i;.
|
i
|
Saccharum Lactis, Milchzucker, Laktose, bildet weisse Kry-stalle oder ein weisses, krystallinisches Pulver von schwachem süssem Geschmacke, welches heim Kauen zwischen den Zähnen knirscht. Der Milchzucker ist in Wasser schwer löslich (1:7; gewöhnlicher Zucker 2:1), in Weingeist unlöslich und bildet keinen Syrup. Er ist in der Milch zu 4 quot;(o enthalten und wird durch Abdampfen der süssen Molken dargestellt. A.P. 10,0 = 10 Pfennig (Saccharum 10,0 = 5 Pfennig).
Syrupus simplex, weisser Syrup, ist eine farblose Auflösung von Zucker (3) in Wasser (2). Officinell sind ausserdem noch Syrupus Al-thaeae, S. Amygdala rum, S. Aurantii Corticis, S. Aurantii Florum, S. Cerasorum (Kir sehensy rup) , S. Cinnamomi, S. Ferri jodati, S. Ferri oxydati soluhilis, S. Ipecacuanhae, S. Liqui-ritiae, S. Mannae, S. Menthao, S. Papaveris, S. Rhamni cathar-ticae, S. Rhoi, S. Ruhi Idaei (Himbeersaft), S. Senegae, S. Sennae.
Mal crudum und depuratum, Honig, besteht aus Traubenzucker (der auskrystallisirende Theil des Honigs) und Fruchtzucker (der flüssigbleibende Theil); dient namentlich zur Bereitung von Latwergen und Schlecken. A.P. Mel crud. 100,0 = 50 Pfennig. Mit Rosenwasser zusammen entsteht der Rosenhonig, Mel rosatum. Der Honig ist früher vielfach in der Wundbehandlung angewandt worden. Vielleicht beruht seine desinficirende Wirkung z.Th. auf seinem Gehalte an Ameisensäure (100/oo).
f Fructus Ceratoniae, Johannisbrot (Siliqua dulcis, Carroba), sind die Früchte von Ceratonia Siliqua, einer Cäsalpiniacee; sie enthalten Zucker, Schleim und Puttersäure. Anwendung früher = Radix Liquiritiae.
Wirkung und Anwendung des Zuckers. 1) Innerlich wirkt der Zucker als Geschmackscorrigens für schlecht schmeckende
|
|||
|
|
|||||
|
|
|||
|
Saccharin.
|
567
|
||
|
|
|||
|
Arzneien, als Diäteticum und angeblich auch als Expect or ans. Dosis beliebig. Sehr grosso Dosen können indessen bei kleineren Thieren schwaches Laxieren hervorrufen.
2)nbsp; nbsp;Aeusserlich dient er in Pulverform als Reizmittel für Geschwüre, besonders der Cornea und des Kehlkopfes, indem er die Grranulationen anregt, als Antisepticum (Zuckervorband) und als Excipiens für Pulver.
3)nbsp; Der Milchzucker soll ferner ein ganz vorzügliches Diuro-ticum sein, insbesondere bei Herzkrankheiten (Germain-See). Beim Menschen soll nach 100,0 Milchzucker die Harnmenge nach einem Tage a,ui 2lh Liter, nach 2 Tagen auf 41/2 Liter steigen; auch soll die Milchkur bei Herzkrankheiten ihre Wirkung dem Milchzucker verdanken. Die Dosirung erfolgt beim Menschen in der Weise, dass etwa eine Woche lang hinter einander täglich 100,0 Milchzucker in 2 Liter Wasser getrunken werden, worauf einige Tage ausgesetzt und die Kur von Neuem begonnen wird.
|
|||
|
|
|||
|
t Siiccliarinuiu. Saccharin. 08H4lt;gg2gt;NH.
Pharmaceutische Chemie. Das Saccharin ist ein Abkömmling des Benzols, welcher als S u 1 f a m i n b e n z o e s ä u r e a n h y d r i d oder Benzoesäuresulfinid zu bezeichnen ist. Das von Fahlberg 188(3 entdeckte Mittel wird dargestellt aus Toluol (C(1H. . OH.,), Schwefelsäure und Ammoniak. Es bildet ein weisses, amorphes, leichtes, ganz schwach nach Bittermandelöl riechendes, in Wasser schwer lösliches (1:230) Pulver von intensiv süssem Ge-schmacke, welches sich leicht löst in heissem Wasser, Alkohol und Aether, und mit Alkalien und Alkaloiden ebenfalls süss schmeckende Salze bildet. Mit Natronlauge zusammengeschmolzen liefert es Salicyl-säure (Blaufärbung mit Eisenchlorid; Identitätsreaction). A.P. 1,0 = 25 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 100 Mark.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Das Saccharin schmeckt etwa 300mal so süss als der Rohrzucker und besitzt selbst in einer Verdünnung von 1 : 70,000 noch einen deutlichen süssen Geschmack. Es wird daher als Geschmackscorrigens und als Ersatzmittel für K o h 1 e h y d r a t e bei der Z u c k e r h a r n r u h r empfohlen; die Dosis
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
5(J8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stärkmohl.
für den Menschen (und Hund) beträgt 0,10,2. Das Saccharin wird nach der Aufnahme im Körper nicht verändert, sondern unzer setzt durch den Harn ausgeschieden, es besitzt daher auch keinen Nährlaquo; werth. In einigen Ländern hat sich bereits die Zuckerindustrie des Saccharins bemächtigt; in Amerika z. E. wird eine Verbindung von Traubenzucker mit Saccharin (1000 : 1) als Ersatz für Rohrzucker hergestellt. Wegen der Minderwerthigkeit dieses Saccharinzuckers ist jedoch die Herstellung desselben in manchen Ländern (England, Frankreich) gesetzlich verboten worden. Eine schädliche Nebenwirkung des Saccharins ist bisher nicht nachgewiesen worden; weitere Erfahrungen sind abzuwarten. Neuerdings wird eine 20/oige spiri-tuöse Lösung von Saccharin äußerlich gegen Soor empfohlen.
t Dulcin, Phenetolcarbamid, ein Ersatzmittel für Sacohcirin. Ci'ystallose, Saccharin-Natrium; desgleichen.
Amyluin Tritici. Stiirkmolil.
Stammpflanze: Triticum vulgäre. Familie: Gramineen.
Pharmaceutische Chemie. Das officinelle Stärkmehl wird durch Auswaschen der Weizenstärke dargestellt und bildet ein weisses, sehr feines Pulver ohne besonderen Geruch und Geschmack, welches bei lOOfachor Vergrösserung unter Wasser betrachtet aus sehr ungleich grossen, annähernd kreisrunden Körnern ohne Kern und ohne deutliche Schichtung zusammengesetzt ist. Beim Verbrennen soll die Weizenstärke nicht über l0/o Asche hinterlassen (Verfälschung mit Gyps etc.). Mit 50 Theilen kochendem Wasser gibt die Stärke einen dünnflüssigen, trüben Schleim (Kleister), der auf Zusatz eines Tropfens Jodlösung tiefblau gefärbt wird. Das Stärkmehl hat die chemische Formel (O8H10OB)x. A.P. 100,0 = 25 Pfennig.
t Amylum Marantae, Marantastftrke (Arrowroot, Pfeilwurzelmehl), wird aus den Wurzelstöcken von Maranta arundinacea und Indica, zweier Canaceen Westindiens und Brasiliens gewonnen. Es ist ein mattweisses, feines, geruchloses Pulver, welches mikroskopisch aus eiförmigen oder rundlichen, zart geschichteten, mit einer centralen Querspalte versehenen Körnern besteht. In Oesterreich officinell. t Amylum Manihot, Cassawastärke (brasilianisches Arrowroot), wird aus den Knollen von Manihot utilissima und Aipi (Euphorbiaceen) dargestellt. Zu Klümpchen geformt, bildet es die Tapioka des Handels.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Stärkmehl hat zunächst als Kohlehydrat die Bedeutung eines Nahrungsmittels und wird als Diäteticum hauptsächlich bei jugendlichen Thieren angewandt.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Lykopodlum.
|
560
|
||
|
|
|||
|
2)nbsp; nbsp;Die Eigenschaft des Stilrkmehls, mit AVasser schleimigen Kleister zu bilden, bedingt eine ein li Uli ende, deckende Wirkung, auf Grund deren es innerlich gegen entzündliche Aliectionen des Verdauungsapparates, sowie in Form von Klystieren gegen Proctitis angewandt wird. Dosis = (jlummi arabicum.
3)nbsp; Innerlich ist es ferner ein Antidot gegen Jodvergiftung.
4)nbsp; Ausserdem wird es äusserlich als austrocknendes Mittel gegen nässende Ekzeme, Intertrigo etc., in Pulverform allein oder mit Zinkoxyd (10:1), ferner zu Kleister verbänden und endlich zuweilen als Bindemittel für Pillen und Latwergen gebraucht.
|
|||
|
|
|||
|
Lykopodium. Biirlappsamcn.
St a in mp flaute: Lykopodium chivatuin. FamiHßl Lijkopodiuciwn.
Pharmakognosie. Das Lykopodlum (Semen Lykopodii, Streupulver) besteht aus den Sporen von Lykopodlum clavatum, eines mooseähnlichen Krautes Mittel- und Nordeuropas, und wird durch Ausdreschen und Absieben der Aehren derselben gewonnen. Es bildet ein blassgelbes, äusserst bewegliches, sehr feines Pulver ohne Greruch und Greschmack, welches auf dem Wasser ohne sich zu benetzen schwimmt und in eine Flamme geblasen prasselnd ohne Rauch und öeruch verbrennt, wobei es weniger als r)0/o Asche hinterlassen soll. Unter dem Mikroskope besteht es aus nahezu gleich-grossen, dreiseitigen, pyramidalen Zellen mit stark gewölbter Grund-lläche. Es enthält 500/o grüngelbes, fettes Oel (Myristinsäure sowie Decyl-Propylacrylsäuro enthaltend), 2n/o Rohrzucker und etwa l0/o Salze. Das früher sogen. Polleninquot; hat sich als Zellwandsubstanz erwiesen. A.P, 10,0 = lä Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. Meist äusserlich als austrocknendes Pulver allein oder mit Zinkoxyd zum Aufstreuen auf wunde Hautstellen, ferner zum Conspergiren (Bestreuen) der Pillen; seltener innerlich als deckendes Mittel bei Gastroenteritis, sowie empirisch gegen Blasenkatarrh. Dosis für Pferd und Rind 50100,0, Schaf und Ziege 2550,0, Schwein 510,0, Hund 25,0, Katze und Geflügel 1 2,0.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
570
|
Schweinesclimalz.
|
||
|
|
|||
|
Adeps suillus. Schwcinescliiiialz.
Pharmaceutische Chemie. Das Schweinesclimalz (AxungiaPoroi)
ist das aus dem frischen, ungesalzenen Zellgewebe des Netzes und der Nieren des gesunden Sclnveines, Sus Scrofa, ausgesclunolzene, gewaschene und vom Wasser befreite Fett. Es sei weich, von gleich-massiger Oonsistcnz und schmelze bei circa 40deg;C. zu einer farblosen, klaren Flüssigkeit von nicht ranzigem Q-eruohe. A.P. 100,0 = 60 Pfennig. Das Schweineschmalz besteht vorwiegend aus dem Triglycerid der Oleinsäure (G00/o), daneben enthält es in geringerer Menge das Triglycerid der Stearinsäure und P a 1 m i t i ns ä u r e; es hat demnach die Formel:
08H6(0 . C18R,;10):! 08H6(0 . 018H810)fl -| - 08H6(0 . Ol8H860)a
Trioleinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tripalmitinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tristcarin.
Sebum ovile, Hammeltalg, ist das weisse, feste, bei 47 0 C. klar scbmelzende Fett des gesunden Schafes, Ovis Aries. Er besteht vorwiegend aus Tristearin, ausserdem aus Tripalmitin und Triole'in. Er ist ein Bestandtheil der grauen Quecksilbersalbe. Sebum salicylatum , Salicyl-talg, enthält 2 0/o Salioylsäure (officinell).
Cetaceum, Walrat (Sperma Ceti), ist das aus den Kopfhöhlen der Pottwale, besonders von Pbyseter makrocepbalus (Mammalia), gewonnene Fett. Dasselbe ist eine weisse, bröckelige, festweiche, blättrig-krystallinische, perlmutterglänzende Masse, welche aus palm itin saurem Cetyl besteht. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. W, ist ein Bestandtheil des Unguentum leniens.
Oleum Cacao, Cacaobutter (Butyrum Cacao), ist das aus den geschälten Samen von Theobrom a Cacao ausgepresste blassgelbliche Oel von harter, fester Consistenz und angenehmem Caeaogeruche. Schmelzpunkt zwischen 30 und 35 0 C. Es besteht aus Tristearin, Tripalmitin und Triolefn. Pillenconstituens (Arekanuss). A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Oleum Cocos, Cocosnussöl, ist das weisse, butterartige Fett der Samenkerne von Cocos nueifera (Cocospalme): es besteht hauptsächlich aus Tripalmitin, neben Triole'in und Tristearin. A.P. 100,0 = 40 Pfennig. C o p r a o 1 ist festes Cocosnussöl.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Das Schweinefett ist das gebräuchlichste Constituens für Salben. Da es in älterem Zustande ranzig wird (Abspaltung reizender freier Fettsäuren), darf es nur in reinem, unzersetztem Zustande angewandt werden. Ein derartiges, nach den Vorschriften des Arzneibuchs bereitetes und unter Abschluss der Luft in Grlasgefässen aufbewahrtes Schweinefett hält sich Monate lang un-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Olivenöl.
|
571
|
||
|
|
|||
|
zersetzt und ist als indifferentes, sclir rcsorptionsfähiges, relativ gut mit Wasser mischbares (4mal besser als die Paraffinsalbe), ferner als sehr hilliges und in seiner Consistenz gleichbleibendes Mittel die beste Salbengrundlage. Nach den Versuchen von Böhm, welcher verschieden bereitete Stryclminsalbcn bei Mäusen einrieb, zeigte sich das Schweinefett sogar wirksamer als Lanolin und ülycerinsalbe. (Bei leicht zersetzlichen Präparaten wird statt des Fettes die gänzlich indifferente Paraffinsalbe verschrieben, so bei Herstellung des Unguentum Hydrargyri album und rubrum, Ugt. aeidi borici, Ugt. Plumbi und llgt. Tartari stibiati.) Sodann benützt man das Schweinefett zur Herstellung von Bissen (Boli) für Hunde und Geflügel.
Die anderen Fette haben dieselbe Verwendung. Wegen ihrer festeren Oonsistenz dienen sie auch zur Bereitung von Suppositorien und Stäbchen, z. B. das Oleum Cacao zur Darstellung der Jodo-formstäbchen. Das Cetaceum ist ein Bestandtheil des Unguentum leniens.
|
|||
|
|
|||
|
OIcuiu Olivaruni. Olivenöl.
Sta in m ji flan ze: Olea Europaea, Fa in {lie : Oleacecn.
Pharmakognosie. Das Olivenöl wird aus den Früchten (Oliven) des in Italien und Südfrankreich eultivirten Oelbaums durch Auspressen dargestellt. Je nach der Güte untei'scbeidet man verschiedene Handelssorten:
1)nbsp; nbsp;Oleum Olivarum optimum, das Provenceröl (Oleum Provinciale), wird durch kaltes Pressen der Oliven gewonnen, Es ist ein fettes Oel von gelber, oft beinahe grünlicher Farbe, schwachem, eigenthümlichem Gerüche und angenehmem Geschmacke. Bei 10deg; C. beginnt es sich durch krystalliniscbe Ausscheidungen zu trüben, bei 10quot; C. verdickt es sich zu einer salbenartigen Masse. Als feinstes Provenceröl (Oleuni Nizza) bezeichnet man ein blassgelbes, aus ganz frischen Oliven dargestelltes Oel; das erst nach einigen Tagen aus den Oliven ausgespresste Provenceröl ist mehr gell) und dient als sogenanntes Baumöl zu Speiseöl. A.P. 200 = 90 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Oleum Olivarum commune, gemeines Olivenöl, wird aus den Oelkuchen der ersten, kalten Pressung durch heisses Pressen oder Auskochen mit Wasser, ferner aus kalten Oliven dargestellt, welche in Gäbrung übergegangen sind. Es unterscheidet sich vom
|
|||
|
|
|||
|
|
||
|
572nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fette üele.
Provenceröle durch seine golbbräunliche oder grüne Farbe (Chlorophyll) und seinen unangenehmen Geruch und Geschmack. Das Olivenöl besteht zu 750/o aus T Hol ein = 0.^(0 . Ol8H8B0)8, daneben enthält es Tripalmitin. Es gehört zu den nicht trocknenden Oelen, welche jedoch durch Untersalpetersäure erstarren (El tu din pro be).
Oleum Raparum, Küböl, wird durch Auspressen der llapssanien, von Brassioa Napus und llapa (Cruciferen) gewonnen. Es ist ein dickflüssiges, braungelbes, etwas unangenehm riechendes und schmeckendes, nicht trocknendes fettes Oel, welches aus Triolein besteht und etwas schwefelhaltig ist. Bei 0 quot; C. erstarrt es zu einer gelben Krystallmasse (n. o.). A.P. 200,0 45 Pfennig.
Oleum Amygdalarum, Mandelöl, durch Auspressen der Samen von Prunus Amygdalus gewonnen, ist ein hellgelbes, milde schmeckendes, dünnflüssiges, geruchloses, nicht trocknendes, fettes Oel, welches bei 10deg; C. flüssig bleibt und erst bei 20quot; C. erstarrt. Es besteht aus Triole'in. Es wird leicht ranzig und nimmt dann einen scharfen Geruch und Geschmack an. A.P. 100,0 = 90 Pfennig. Officinell sind auch die süssen Mandeln, Amygdalae dulces, die Samen von Prunus Amygdalus (Amygdalee), welche fettes Oel (50 0|o), Zucker, Emulsiii und Gummi enthalten und zu Emulsionen benützt werden, sowie ein aus süssen und bittern Mandeln dargestellter Syrupus Amygdalarum. Endlich wird aus Mandelöl (32), Walrat (5), Wachs (4), Wasser (10) und Rosenöl das Unguentum leniens (Cold-Cream) dargestellt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Oleum Linl, Leinöl, wird durch kaltes Auspressen der Leinsamen (Linum usitatissi ra u m ) dargestellt. Es ist ein hellgelbes, trocknendes, fettes Oel von mildem Gerüche und Geschmacke, welches bei 2ii 0 noch flüssig ist und durch Untorsalpetersäure (rauchende Salpetersäure) nicht fest wird (negative Ela'idinprobe). Es besteht hauptsächlich aus Linole'i'n (Triglycerid der Leinölsäure) neben Triole'in und Tripal-mitin. A.P. 200,0 = 45 Pfennig.
Oleum Papaveris, Mohnöl, ist das aus dem Samen von Papaver somniferum gepresste blassgelbe, dünnflüssige, trocknende, angenehm süsslich schmeckende fette Oel. welches bei 0 0 C. klar bleibt. Es besteht vorwiegend aus Linole'i'n (Triglycerid der Leinölsäure) neben wenig Laurostearin. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Wirkung der fetten Oele. 1) Im reinen Zustande wirken die Fette und fetten Oele auf der Haut einhüllend, deckend und durch Verhinderung der Wasserverdunstung erweichend, erschlaffend.
Ranzig gewordene fette Oele wirken durch ihren Gehalt an freien Fettsäuren reizend auf die Haut und bedingen Röthung, Exsudation und Haarausfall.
2) Innerlich werden die fetten Oele im Darmkanal emulgirt,
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
Fette Oole
|
5713
|
|||
|
|
||||
|
verseift und resorbirt, wenn kleinere Mengen verabreicht werden. Bei grösseren Gaben wird durch den unverseift bleibenden Tbcil die Schleimhaut des Darmes eingehüllt und sobltlpfrig gemacht, gleichzeitig wird die Resorption des flüssigen Danninhaltes vermindert. Dadurch, sowie durch eine schwach reizende Wirkung der bei der Verdauung aus den Fetten abgespaltenen Fettsäuren entsteht ein leichter diurrhoischer Effect.
Ob eine erweichende, einhüllende Einwirkung der Eette auch auf entfernte Organe (Lunge, Respirationsschleimhäute. Blase, Nieren etc.) stattfindet, ist zweifelhaft.
8) Intravenös bedingen die fetten Oele eine Eettembolie der Lungen mit nachfolgendem Erstickungstode.
Anwendung. 1) Aeusserlich als roizmildernde, deckende und erweichende Mittel bei Hautentzündung, Ekzemen, Verbrennungen, Euterentzündungen, Wunden der Zitzen, Otitis, als Clysma bei Proc-titis etc. Bekannt ist namentlich die Verbindung des Leinöls mit gleichen Theilen Kalkwasser als Liniment gegen Verbrennung (Lini-mentum contra combustiones). Ferner zur Darstellung von Halben, Linimenten und anderen pharmaceutischen Präparaten als Consti-tuentien und die Resorption befördernde Mittel; endlich als mechanische Antiparasitica speciell gegen Zecken (Verstopfung der Luftwege).
2) Innerlich als einhüllende Mittel für sich allein oder als Emulsion bei Magendarmentzündungen und Vergiftungen mit ätzenden Metallsalzen, kaustischen Alkalien, Säuren etc. Contra-indicirt sind jedoch die Oele speciell bei Phosphor- und Canthariden-vergiftung, weil sie Lösungsmittel für den Phosphor und das Cantha-ridin darstellen. Ausserdem können die Oele als schwache Abführmittel bei Verstopfung, sowie zum Zwecke des Schlüpfrigmachens von Fremdkörpern im Digestionstractus angewandt werden. Endlich haben sie die Bedeutung von diätetischen Mitteln, sie wirken jedoch bei längerer Anwendung bald störend auf die Verdauung.
|
||||
|
|
||||
|
Dosis.
|
Pferd und Hind 100-500,0. Schafe, Ziegen. Schweine 50150.0, Hunde 1050,0. Katzen 510,0. Geflügel 2-5,0. .
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
|
574nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Lebertliran.
Oleum Jecoris Asclli. Lebertliran.
Abstammung: Oaclus Morrhua. Gattung: J'isces, Oadoidei.
Pharmakognosie, Der Leberthran ist ein fettes Oel, welches mis den Lebern von Gadus Morrbiiix (Kabeljau, Schellfisch, Stockfisch) gewonnen wird. Uerselbe wird gegenwärtig gewöhnlich dargestellt durch Erhitzen der zerschnittenen Lebern im Wasserbade oder mittelst eingeleiteten Dampfes. Officinell ist zur Zeit nur der bei gelindester Wärme gewonnene, bellblanke, weisse oder blassgelhe, klare, schwach aber nicht ranzig riechende, milde schmeckende Dampfleberthran. Der durch stärkeres Erhitzen und Auspressen gewonnene braunblanke, dunkelbraune, stärker riechende und etwas bitter, kratzend schmeckende, sowie der durch Auskochen der rückständigen Lebern mit Wasser gewonnene braune Leherthran von dunkelbrauner, früher, beim Durchsehen grünlicher Farbe und unangenehmem, brenzlichem Gerüche und Geschmacke ist nicht officinell. Früher wurde der Leberthran durch Aufschichten der zerschnittenen Lebern in hohen Fässern gewonnen; das oben angesammelte Fett lieferte den hellblanken Leberthran, während das nach eingetretener Päulniss und Gährung und längerem Lagern ausfliessende Oel den braunblanken Leberthran lieferte.
Der Leberthran enthält verschiedene Fette, vorwiegend Triole'in neben Tripalinitin und Tristearin, freie Fettsäuren, namentlich Oleinsäure, Gallehestandtheile, Cholestearin, Spuren von Brom, Jod und Eisen (0,05 0/o im Maximum), 2 Basen: das As ellin (OjjHjgNJ und das Morrhuin (0lflH27N:i), sowie das Morrhuol, ein durch Extraction mit Alkohol gewonnenes bitteres, scharfes, aromatisches Oel, welches Phosphor, Jod und Brom enthält und neuerdings als Morrhuinsäure hezeichnet und als lecithinartige Substanz aufgefasst wird; endlich einige alkaloidartige Stoffe (Butylamin, Amylamin, Hexylamin etc.). Der Gehalt an Fettsäuren bedingt die saure lleac-tion des Leherthrans; derselhe ist in den dunklen Sorten grosser als im hellblanken Leherthran, welch letzterer deshalb auch nur schwach sauer reagirt. Der Gehalt an Gallehestandtheilen (Lipochromen) bedingt charakteristische Farhenreactionen. Ein Tropfen Leberthran, in 20 Tropfen Schwefelkohlenstoff gelöst, wird beim Schütteln mit einem Tropfen Schwefelsäure vorübergehend schön violettroth; auch rauchende Salpetersäure gibt mit Leberthran eine Rosafärbung. Als trocknendes Oel gibt der Leberthran die Elaidinprobe nicht (Nachweis nicht trocknender Oele in demselben). A.P. 200,0 = 55 Pfennig.
|
||
|
|
|||
|
|
|||
|
Wachs.
|
#9632;gt;76
|
||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Der Leberthran hat die Bedeutung eines leicht verdaubaren Fettes. Diese im Gegensatze zu den anderen Fetten grössere Verdaubarkeit beruht auf seinem Gehalte an freien Fettsäuren, welche sich im Dünndarm zu Seifen umwandeln und dadurch eine Emulsion und leichtere Resorption der im Leberthran enthaltenen Neutralfette bewirken. Ob dem Leberthran ausserdem noch eine specitische Wirkung zukommt (Gallebestand-theile, Jod, Cholestearin, Asellin, Morrhuin, Morrhuol), ist fraglich. Da der officinelle hellblanke Leberthran nur geringe Mengen von Fettsäuren enthält, wird der braunblanke, an freien Fettsäuren in Folge des Eintritts von Fäulniss reichere von vielen vorgezogen.
Anwendung findet der Leberthran fast ausschliesslich als Diäteticum bei chronischen Ernährungsstörungen, wie sie im Verlaufe von Rachitis, Anämie , Tuberculose, Carcinomatose, nach erschöpfenden, schwächenden Krankheiten etc auftreten. Häufig wird er innerlich in Verbindung mit Phosphor, namentlich gegen Rachitis gegeben. Regel ist hiebet, ihn nur bei intacter Verdauung zu verabreichen. Die früher übliche äusserliche Anwendung gegen Hautkrankheiten, Hornhauttrübungen etc. findet selten mehr statt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 100600,0.
Schaf, Ziege 50-150,0. Schwein 50100,0. Hunde 1050,0. Katzen 510,0. Geflügel 25,0.
t Lipanin, ein Gemenge von feinem Olivenöl mit 6 quot;/o freier Fettsäure (Oelsäure), Ersatzmittel des Leberthrans.
|
|||
|
|
|||
|
Cera flava. Gelbes Wachs.
Abstammung: Apis raquo;lellifica. Gattung: Jlymenoptereii.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Das Wachs, das von der Honigbiene gelieferte Secret, ist eine gelbe, feste Masse mit körniger, matter Bruchfiäche, welche bei (38 64 0C. zu einer klaren, angenehm riechenden, gelbrothen Flüssigkeit schmilzt und nach dem Erstarren unter dem Mikroskop verworren krystallinisch erscheint. Das in der Sonne gebleichte Wachs gibt das ebenfalls officinelle weisse Wachs,
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
)713
|
Seife.
|
|||
|
|
||||
|
Cera alba. Das Wachs besteht aus Cerin (Cerotinsäure) und Myricin (palmitinsaures Melissyl). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Durch Zusammenschmelzen mit Olivenöl (3:7) entsteht die Wachssalbe, Unguentum cereum, Die österreichische Pharmakopöe enthält statt derselben eine Mischung von Schweinefett und Wachs, die sogenannte einfache Salbe, Unguentum simplex.
Wirkung und Anwendung. Das Wachs dient äusserlich in der Form der AVachssalbe als deckendes Mittel, welches /.. B. in der Umgebung einer Scharfsalbe zum Schütze der Haut eingerieben wird, ferner zur Bereitung von Salben, Pflastern (Geraten), Pillen etc.
|
||||
|
|
||||
|
|
8apo kalinus. Kaliseife.
CmH,30K.
Pharmaceutische Chemie. Die Kaliseife ist eine weiche Seife (Sapo mollis) von brilunlichgelber Farbe und schlüpfriger Consistenz, welche durch Erhitzen von Leinöl mit Kalilauge und Wasser unter Zusatz von AVeingeist vom Apotheker dargestellt wird. Chemisch besteht sie im Wesentlichen aus ölsaurem Kalium; durch das Kochen mit Kalilauge wird nämlich das im Leinöl enthaltene Linole'in und Triole'i'n gespalten in Glycerin und fettsaures Kali (Process der Verseifung). Die Kaliseife, welche etwas freies Alkali enthält, lost sich in Wasser und AVeingeist. A.P. 100,0 = 85 Pfennig.
Neben der in der Apotheke aus Leinöl und Kalilauge dargestellten Kaliseife ist ferner officinell die im Handel befindliche gewöhnliche Schmierseife unter dem Namen Sapo kalinus venalis (Sapo viridis, Sapo niger, Schmierseife, grüne oder schwarze Seife). Auch die Schmierseife ist eine Kaliseife und besteht im AVesentlichen aus fettsaurem Kali. Sie wird jedoch nur aus geringworthigen, theil-weise ranzigen Gelen und Fetten, aus billigen Thranen, Harzen, Abfallstoffen etc. dargestellt und bildet daher ein ganz verschiedenartiges, unreines Product, welches häufig noch grössere Mengen überschüssigen Kalis enthält und daher oft reizend wirkt. Aus diesem Grunde ist sie bei feinhäutigen Thicren zu vermeiden. Sie ist etwas, allerdings nicht bedeutend billiger als die Kaliseife. Ausserdem hatte man früher noch eine venetianische und spanische Seife (Sapo venetus und hispanicus), sowie die ausProvenceröl hergestellte Sapo, oleaceus. A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
|
|||
|
|
||||
|
|
|||
|
Seife.
|
577
|
||
|
|
|||
|
Sapo medicatus, medicinische Seife, ist eine weisse, neutrale, feste Natronseife, welche aus Natronlauge, Schwoinesehnialz und Olivenöl, Wasser und Weingeist durch Erhitzen dargestellt und durch einen Zusatz von Kochsalz und Soda gereinigt (ausgesalzen) wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Der früher officiiielle Sapo domesticus war die gewöhnliche Haus- oder Kernseife des Handels, eine Natronseife, welche aus Talg und Natronlauge gewonnen wird. Neuerdings benützt man zur Darstellung möglichst neutraler Seifen Centrifugirmaschinen, welche den Korn von der Lauge trennen, sogenannte centrifugirte Seife. Die centrifugirte Seife eignet sich allein wegen ihrer Neutralität zur Aufnahme von Arzneimitteln, also zur Herstellung der sogenannten medi ein ischen Seifen; Jodkalium-, weisse Priloipitat-, Katnpher-, Theer-, Creolin-, Kreosot-, Schwefel-, Naphthol-, Ichthyol-, Zink-, Tannin-, Bonzoe-, Borax-, Perubalsam-, Styrax-, Glycerin-, Chrysarohin-, Quecksilber-, Terpentinöl-, Salicylsäure-, Jod-, Brom-, Chlorkalk-, Veratrin-, Cocafn-, Lanolin-Seife etc.
|
|||
|
|
|||
|
Spiritus saponatus, Seifenspiritus, wird nach der Pharmakopöe durch Verseifung von Olivenöl ((50) mit Kalilauge (70), Weingeist (300) und Wasser (170) dargestellt. Für thierilrztliche Zwecke genügt indess eine einfache Seifenauflösung in Spiritus (1: 15). A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
f Mollinum, Mollin, ist eine Mischung von Kaliseife mit Fett (ÖOOOSÖl) und zwar eine um 17 0/n überfettete Kaliseife. Diese Salbenseifequot; soll sich namentlich zur Aufnahme von Medicamenten eignen, weil sie sich nicht zersetzt und auch die Medicamente unzersetzt lässt. Solvin oder Poly-solve, wird aus Schwefelsilure und Ricinusöl (Büböl, Mandelöl etc.) dargestellt und besteht in der Hauptsache aus Ricinoläthersch wefelsäure. UebersöJuerte Seifen (Sapo superaeidosus) sind Neutralseifon mit einem Zusätze freier Fettsäuren. Sie dienen zur Darstellung der Sublimat seife, weil die gewöhnlichen Neutralseifen mit viel Wasser trotzdem alkalisch reagiren (Bildung basischer fettsaurer Salze) und so den Sublimat zerlegen, was durch den Zusatz der freien Fettsäure verhindert wird (Geissler). Thiosapole sind Schwefelseifen, welche den Schwefel an die Fettsäuren chemisch gebunden enthalten.
|
|||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. 1) Die Seife wirkt tlicils durch ihren (lelialt an freiem Alkali (grüne Seile), theils durcli ihre Zerlegung im Wasser zu freiem Alkali und sauren fettsauren Alkalien, endlich durch ihre Fähigkeit, Fette zu enuügiren, reinigend und auflösend auf die EpidermisoberHäche der Haut. Sie dient dalier zur Reinigung, Erweichung und Zerthei 1 ung bei Hautkrankheiten, namentlich bei Ekzemen und chronischen Dermatiten, in Form des Liniments, der Salbe, der Bäder, sowie von Waschungen. Ausser-dem dient die Seife in Verbindung mit Massage als Resorbens bei Schwellungen der Sehnonscbeiden, Sehnen, Gelenke, Lymphdrüsen, und wird selbst zur Beförderung der Resorption pleuritischer und peri-tonitischer Exsudate äusserlich angewandt.
2) Bei längerem Liegen auf der Haut wirkt auch die neutrale
Fiöhner, Arzuoimittellehre, 4. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
QYI
|
Seife.
|
||
|
|
|||
|
Seile in Folge Auflösung der Epidernis reizend und entzündungs-erregend; die grüne Seife kann je nach ihrem Gehalte an freiem Alkali schon sehr bald nach dem Einreiben eine Hautentzündung mit Haarausfall und oberflächlicher Exudation zur Folge haben, sie ist daher bei feinhäutigen Thieren überhaupt zu vermeiden. Diese reizende Wirkung beobachtet man auch auf Schleimhäuten; die Seife -wird daher als reizender Zusatz zu Klystieren gegen Verstopfung henützt. Früher diente sie auch innerlich als leichtes Laxans.
8) Die Seife hat antiseptische und antiparasitäre Eigenschaften. Sie hemmt noch in einer Verdünnung von 1 : 5000 die Entwickelung der Milzbrandsporen und hebt dieselbe 1 : 1000 auf (Koch). Ihr d esinficironder Werth hängt von ihrem Alkaligehalt c ab; am stärksten wirkt daher die gewöhnliche Schmierseife. Die Wirkung wird gesteigert durch Anwendung heissen Seifenwassers. Dasselbe tödtet die leicht zerstörbaren Infectionsstoffe sicher und wirkt gleichzeitig reinigend und dadurch die Wirkung der stärkeren Antiseptica unterstützend. 10quot;/oige Lösungen der gewöhnlichen Schmierseife (oder die gewöhnliche Seifensieder-Wasohlauge) tödten Milzbrandsporen innerhalb 10 Minuten, wenn sie auf 8r)0C. erhitzt werden. Die Seife wird daher als Hauptreinigungsmittel und vorbereitendes Desinficiens hei der Des-infection fester Gegenstände verwendet. Die antiparasitäre Einwirkung der Seife auf Räudemilben etc. beruht auf der chitinauflösenden Wirkung der freien Alkalien; gleichzeitig erleichtert sie das Eindringen anderer Rtlademittel. Aus diesen Gründen ist sie ein wichtiger Zusatz vieler Räudemittel, insbesondere der vorbereitenden.
4)nbsp; Dadurch, dass sie sich sowohl mit Wasser als mit Fetten mischen lässt, befördert sie die Resorption von Arzneimitteln durch die Haut und dient daher als Constituens für Salben und Linimente (Saponimente). Ausserdem ist sie ein gutes Lösungsmittel für Harze, welche sich mit Seife leicht zu Pillen machen lassen (Aloepille).
5)nbsp; nbsp;Innerlich wird die Seife als Antidot gegen Säurevergiftungen und Carbolvergiftungcn angewandt (Gehalt an Alkali). Man gibt sie gewöhnlich in der Form des Seifenwassers, Pferden und Rindern 50100,0:5001000,0, Hunden 5,0:100.0.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Q-lyoerin.
|
.79
|
||
|
|
|||
|
(il.vccrinuiii. Glycerin. (%H8(OH)8.
Pharmaceutische Chemie. Das Glycerin wird entweder als Nebenproduct bei der Verseilung der Fette gewonnen, welche durch Einwirkung von Laugen in fettsaurc Alkalien (Seiten) und (ilycerin zerfallen, oder durch Einwirkung von überhitztem Wasserdampf auf Fette unter Druck nach der Formel:
08H6(0 . 018HB5O) SHgO = C8H8(OH)8 3HO . C18H8B0.
Stearinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (ilycerinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Stearinsäure.
Es bildet eine klare, neutrale, färb- und geruchlose, süsse, syrupartigo Flüssigkeit, welche sich in jedem Verhältnisse in Wasser, Weingeist und Aetherweingeist, nicht aber in Aether, Chloroform und fetten Oelen löst. Es soll frei sein von Metallsalzen, namentlich von Blei (Trübung durch Schwefelwasserstoff), von Salzsäure und Chlornatrium (Höllensteinreaction), von Schwefelsäure (weisse Trübung durch Baryunmitrat), Oxalsäure (weisse Trübung durch Chlor-calcium), von Kalk (Trübung durch Ammoniumoxalat), von Zucker (verkohlt; reines Glycerin soll ohne Rückstand verbrennen), von Aldehyden und Akrole'in (reducirt und bräunt ammoniakalische Silberlösung innerhalb 5 Minuten beim Erhitzen auf GOn 0). A.F. 100,0 = 60 Pfennig.
Unguentum Glycerini, Glycerinsalbe, wird durch Erwärmen von Glycerin (100), Wei/.enstiirke (10), Tragant (2), Wasser (15) und Weingeist, (5) im Dampfbade dargestellt. A.P. 100,0 = 1 Mark 30 Pfennig. Sehr gutes Pillenconstituens und Salbengrundlage.
Wirkung und Anwendung. 1) Das reine Glycerin ist ein stark hygroskopisches Mittel. Es wirkt daher in Folge Wasserentziehung auf Wunden und Schleimhäuten reizend und wird als austrocknendes Mittel bei der chirurgischen Behandlung von Schleim-hautkatarrhen (Uterus, Scheide) benützt. Bei Wunden und Verbrennungen ist das Glycerin wegen seiner reizenden Wirkung nicht angezeigt. Da auch das Hufhorn durch Glycerin ausgetrocknet wird, eignet es sich ebenfalls nicht als Hufsalbe (Zschokke).
2) Das Glycerin besitzt gährungs- und fäulnisswidrige, sowie antiparasitäre Eigenschaften. Die ersteren verwerthet man z. B. bei der Conservirung der Pockenlymphe; antiparasitär wirkt
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
580
|
Glycerin.
|
|||
|
|
||||
|
11,:!
|
Glycerin namentlich gegen (Ti-egtirinen. weshalb es ein Hauptmittel bei der Behaiullung der Gctliigeldiphthorie (Grogarinose) ist.
3)nbsp; Als erweichendes Mittel verwendet man Glycerin ferner zur Auflösung und Erweichung von Borken und Schuppen auf der Haut. Ausserdem dient es als Lösungsmittel für sehr viele Arzneikörper: Sublimat, Jod, Brom. Jodsalze, Bromsalze, Borsäure, Tannin, Alaun, Brech weinstein, Borax, Bleizucker, Chlorzink etc., sowie für alle Alkaloide.
4)nbsp; In Klystierform reizt das Glycerin ähnlich wie die Seife die Mastdarmschleimhaut und regt dadurch roflectorisch die Peri-staltik an. Diese Wirkung hat man schon früher und neuerdings wieder in der Menschenheilkunde (Hansen, Oidtmann, Anacker) in der Form der sogenannten Glycerinklystiere gegen Verstopfung benützt. Schindelka, Kattner, Vogel u. A. haben die Glycerin-klystiere auch als evaeuirendes Mittel gegen die Kolik der Pferde, die Verstopfung der Hinder und Hunde etc. empfohlen; Pferden werden 35 g Glycerin, Rindern ein Esslöffel, Hunden 0,51 g in das Rectum gespritzt. Die nach 5 Minuten erfolgende ekkoprotisohe Wirkung des Glycerins entspricht hiebei etwa der eines Seifcnklystiers, für schwerere Verstopfungszustände ist es jedoch zu schwach. Ich habe wenigstens nach zahlreichen Versuchen bei Hunden, welche an Kop-rostase litten, für gewöhnlich mit den Glycerinklysticren keine Wirkung erzielt. Bezüglich der Application der Glycerinklystiere ist zu bemerken, dass man bei Pferden das lange Ende des Ansatzstückes einer besonders construirten Spritze über den Sphincter ani externus in den Mastdarm einführt. Es genügt indessen beim Pferd und Rind eine einfache Wundspritze. Bei Hunden bedient man sich am einfachsten der Pravaz'schen Spritze.
5)nbsp; Innerlich kann das Glycerin wegen seiner Süssigkeit als Geschmackscorrigens für schlecht schmeckende Arzneien verwendet werden. Ob das Glycerin einen Nährwerth besitzt, ist fraglich (Munk, L e w i n). In mittleren Dosen mit Wasser verdünnt wirkt es schwach abführend, indem es die Dannschleimhaut reizt; reines Glycerin in denselben Dosen erzeugt Gastroenteritis.
Grössere Dosen Glycerin vom Magen aus, sowie nach subeutaner Application bedingen eine characteristische Vergiftung. Dieselbe äussert sich nach Luchsinger in Polyurie und Hämoglobinurie in Folge einer Auflösung der rothen Blutkörperchen.
|
|||
|
|
||||
|
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 100250,0.
Pferd 50-100,0.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Pnraffiiisalbo.
|
)81
|
||
|
|
|||
|
Sdiaf und Ziege 2550,0. Schwein 2550,0. Hund 10-25,0. Katze 510,0. Geflügel 2-5,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. (ilycerini
Aqu. destillati ää 100,0. M. D. S. Aeusserlieh geoel1 Stomatitis oregarinosa beim Geflügel.
2)nbsp; nbsp;Rp. (Ilycerini 15,0.
Kalii elilorici 7,ö. Acid, salicyl. 1,5. Aquae sucoo viridi tinetae 180,0. M. D. S. Richardsou'schea Geheimmitte] gegen Hiilinerdiplitlierie.
|
|||
|
|
|||
|
Unguentuui rarafflni. l'araffinsalbe.
Pharmaceutische Chemie. Die Parafflnsalbe ist eine weisse, durchscheinende, indifferente Salbe, welche aus festem und flüssigem Paraffin (1 : 4) durch Zusammenschmelzen dargestellt wird.
Paraffiuum solidum, festes Paraffin (Ceresin, Belmontin), ist eine feste, weisse, geruchlose, mikrokrystullinische, bei 74800C1. schmelzende Masse, welche theils aus Petroleum, theils aus Erdwachs (Ozo-kerit), einem in den Karpathen vorkommenden Mineral dargestellt wird. Es besteht aus festen Kohlenwasserstoffen der Methan-reihe (CnHan-t-a) und Aethylenreihe (OnHjn)'
Paraffinum liquidum, flüssiges Paraffin (Paraffinöl, Vaselinöl), ist eine farblose, wasserhelle, ölige Flüssigkeit von 0,84 speeifischem Gewicht, welche aus den Rückständen des Petroleums gewonnen wird. Es besteht aus flüssigen, hochsiedenden Kohlenwasserstoffen der Methanreihe (OnHgn a)-
Die Paraffinsalbe ist an Stelle der früher angewandten Vaseline eingeführt worden. Letztere ist eine weiche, gelbliche oder weisse Masse, welche ebenfalls aus den Rückständen des Petroleums dargestellt wird und ein Gemenge verschiedener hochatomiger Kohlen-wasserstofl'e von der Formel OnHsn g bildet. Eine gute Vaseline ist ebenso indifferent wie die Paraffinsalbe und derselben gleichwerthig; schlechte Sorten wirken aber reizend und bedingen namentlich beim Pferde nach der Einreihung Haarausfall. Die Vaseline ist in Oester-reich officinell. A.P. 100,0 = 80 Pfennig.
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
582
|
Lanolin.
|
||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Die Paraffinsalbe dient als deckendes Mittel für die Hiiut, sowie als indifferentes, nicht reizendes, niemals sich zersetzendes oder ranzig werdendes Constituens für Salben an Stolle des Schweinefettes. Als Salbenconstituens hat sie jedoch den Hauptnachtheil, dass sie fast gar nicht resorbirt wird, wesentlich thourer ist, als das gut resorbirbare Schweinefett, und dass sie wegen ihres sehr geringen Aufnahmevermögens für Wasser Salzlösungen wieder ausscheidet. Officinell wird Paraffinsalbe statt Schweinefett verwendet zur Bereitung der rothen und weissen Prä-oipitatsalbe, der Bor-, Elei- und Erechwoinsteinsalhc.
Wie Versuche von Meunier u. A. gezeigt haben, kann Pferden das flüssige Paraffin in sehr grossen Mengen, nämlich bis zu 1 Kilo, ohne jede sichtbare Reaction unter die Haut gespritzt werden.
f Vasogen. Unter diesem Namen werden mit Sauerstoff angereicherte Kohlenwasserstoffe (oxygenirte Vaseline) in Vorm von Montholvasogen, .Todolbrmvasogon, Creolin vasogen, Kreosot vasogen, Terpentin* vasogen und Kainphervasogen empfohlen. Die Vasogene werden zu Einreibungen auf die Haut und auf die Sohleimhäiite, innerlich, sowie in der Cliirurrne angewandt.
|
|||
|
|
|||
|
t Lanoliiutm. Lanolin.
Pharmaceutische Chemie. Das Lanoliu ist ein 0 hole stearinfett (Cholesteariniitber der höheren fetten Säuren), welches aus dem Wollschweisse der Schafe gewonnen wird. Nach Liebreich wird es aus dem rohen Wollfett (Oesypum, Anaspalm) durch Verseifen der fetten Säuren desselben mit Alkalien und nachheriges Oentrifugiren in rahmartigem Zustande abgetrennt. Aus dem so erhaltenen wasserfreien Lanolin (Lanolinuni anhydricum) wird durch Einkneten von etwa 25 0/o Wasser das Lanolin hergestellt. Es bildet eine fast weisse, salbenartige, indifferente Masse, welche im Gegensatze zu den Glycerinfetten sein- beständig und ausserdem keimfrei ist. Beim Veraschen soll es nicht mehr als Vjoo Asche hinterlassen. A.P. 100,0= 1 Mark 30 Pfennig; 10,0= 15 Pfennig.
f Adeps lanae. Unter diesem Namen wird ein billigeres Wollfett empfohlen, welches mit dem Lanolin in seiner Wirkung und seinen übrigen Eigenschaften vollkommen übereinstimmt. Nicht empfehlenswerth ist wegen Unreinheit die unter dem Namen Adeps lanae pro usu veteri-narioquot; angebotene Marke.
Wirkung und Anwendung. Das Lanolin ist 1885 von Liebreich als Salbeng rund läge eingeführt worden. Die damit bereiteten Salben werden wohl auch Lanolimente genannt. Die An-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Lanoliii
|
5 SB
|
||
|
|
|||
|
gaben über den Worth dieses neueren (Jonstituens gehen in einzelnen Punkten sehr aus einander. Nach Liebreich unterscheidet sich das Lanolin von den Glycerint'etten vor allem dadurch, dass es nicht ranzig wird und sich sehr leicht mit Wasser mischen lässt, indem nämlich 100 Thcile Lanolin 105 Theile Wasser aufnehmen. Diese Eigenschaften sind unbestreitbar. Audi ist das Lanolin, wie übrigens alle Eette, keimfrei. Die weitere Eigenschaft des Lanolins, die nahe chemische Verwandtschaft mit den natürlichen Fetten der thierisclien und menschlichen Haut, hat dem Entdecker die Annahme nahe gelegt, dass es in Folge dessen auch eine grössere Resorptionsfähigkeit für die Haut besitze als andere Fette und Salbengrundlagen. Diese Annahme schien durch weitere Untersuchungen von Liebreich, Lassar und Baciimann bestätigt zu werden. Dagegen gelang es Kitt er in 17 Versuchen nicht, nach Einreiben von Jodkalium und Natriumsalicylatsalben im Harne der betreffenden Thiere .Jod oder Salicylsäure nachzuweisen. P, Guttmann fand bei seinen Versuchen mit Jodkalium-, .lod-.Jodkalium-, Salicylsäure- und Natriumsalicylatsalben, dass die Resorption dieselbe oder sogar noch eine grössere war, wenn statt Lanolin Schweinefett als Excipiens genommen werde.
Böhm, welcher das Lanolin bei seinen Versuchen ohne Zusatz von Fett oder Gel, der wegen der starken Klebrigkeit des reinen Lanolins in einer Menge von 2530 u/o üblich und nothwendig ist, angewandt hat ein Umstand, der möglicherweise die Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen in Frage stellt und eine Nachprüfung em-pliehlt , berichtet über folgende Resultate der von ihm an Mäusen vorgenommenen Einreibungen. Das Lanolin verzögerte zunächst bei der subeutanen Injection von Lanolin-Strychninsalbe die Resorption des Strychninsalzes im Vergleiche zum Schweinefett, zur Paraftin-salbe und Glycerinsalbe. Bei der epidermatischen Application von Strychnin-Lanolinsalben auf die unversehrte Haut verhielt sich das Lanolin in Bezug auf die Allgemein Wirkung des ihm beigemischten Arzneikörpers ebenso ungünstig als die Paraftinsalbe und noch viel ungünstiger als Schweinefett und Glycerinsalbe. Versuche mit Cantha-ridensalbe ergaben, dass die massige resorbirende Wirkung des Lanolins auch vom Schweinefett und der Glycerinsalbe erreicht wurde. Nur die Lanolin*Veratrinsalbe wirkt etwas stärker, als die mit anderen Constituentien bereiteten A'eratrinsalben; doch war der Unterschied nicht sehr gross. Böhm ist der Ansicht, dass das Lanolin in etwas höherem Grade als die genannten übrigen Grund-
|
|||
|
|
|||
|
i^
|
||
|
|
||
|
5g4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Collodiuiu.
lagen die Fähigkeit besitzt, in die Haarbiilgc einzudringen und so die reizenden Stoffe mit lebenden Zellen und nervösen Organen der Cutis in Berührung zu bringen, womit nicht nothwendig ein Uebergang ins Blut verbunden ist. Er sucht die Ursache der relativ guten Localvvirkung der Lanolinsalben nicht in der Absorption von Wasser, sondern in der Fähigkeit und Klebrigkeit des Lanolins, wodurch beim Einreiben die Haut und die Haare stärker irritirt werden. Böhm hält das Lanolin nur als ein vorzüglichesExcipiensfiir Decksalben und reizende Salben, wenn namentlich ein Ablaufen der letzteren sicher vermieden werden soll, und weisst schliesslich auf den im Verhältnisse zu anderen Salbon-grundlagen theuren Preis des Lanolins hin.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Aoidi salioylici 2,0.
Adipis suilli 4,0. Lanolini 16,0. M. f. Unguentum.
2)nbsp; Rp. Balsam Peruviani 2,0.
Adipis Lanae 20,0. M. f. Unguentum.
Collodimn.
Pharmaceutische Chemie. Das Collodium ist eine Auflösung von Dinitrocellulosc oder Collodiumwolle, O0H8(]SrO8)9O(,, in Aether. Schiessbaumwolle ist Trinitrocellulose, 08H7(N08)gOB. Man stellt zunächst aus Baumwolle (55), roher Salpetersäure (400) und roher Schwefelsäure (1000) die Collodiumwolle dar, und löst die letztere (2) dann in Aether (42) und Weingeist (6). Das Collodium bildet eine farblose oder nur schwach gelblich gefärbte, neutrale, syrupartige Flüssigkeit, welche in dünner Schichte verdunstet und ein farbloses, fest zusammenhängendes Häutchen zurücklässt. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Collodium elasticum, elastisches Collodium, ist eine Mischung von Collodium (94), Terpentin (5) und Ricinusöl (1). Beim Eintrocknen übt es keine Contraction aus wie das gewöhnliche Collodium, sondern wirkt nur deckend. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Collodium cantharidatum, Cantharidencollodium, wird aus einem ätherischen Auszüge der Canthariden unter Zusatz von Collodium dargestellt und bildet eine klare, olivengrüne, syrupöse Flüssigkeit, welche ein grünes Häutchen hinterlässt. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
|
||
|
|
||
|
|
|||
|
Guttapercha.
|
585
|
||
|
|
|||
|
Wirkung und Anwendung. Das Oollodium wirkt deckend und zusammenziehend und wird daher einerseits als indifferentes Deckmittel auf Wunden und Geschwüre (Olirgeschwür, Geschwür an der Schweifspitze), andererseits als Constringens hei Mastitis, Orchitis, Lymphadenitis, Erysipel etc. angewandt. Ausserdem dient es als Lösungsmittel für eine Reihe von Arzneikörpern, so namentlich Jodoform, Tannin, Liquor Ferri, Creolin, Sublimat, Carbolsäure etc.
Becepte.
1)nbsp; Rp. Liquor. Ferri sesquichlor. 5,0.
Collodii 50,0. M. D. S. Collod. stypticum.
2)nbsp; Kp. Oreolini 2,0.
Oollod. elast. 20,0. M. D. 8. Creoliiieollodium.
I Krystallin. Eine Auflösung von Schiessbaumwolle in Methylalkohol (Holzgeist), zum Ersatz des Collodiums, von welchem es sich durch die langsamere Verdunstung des Lösungsmittels unterscheiden soll.
|
|||
|
|
|||
|
Guttapercha.
Stammpflditzi1: Dichopsis Gitttn. Familie: Sapotaccen.
Pharmakognosie. Die Guttapercha ist der eingetrocknete Milchsaft verschiedener Sapotaceen der ostindischen Inseln (Sumatra, Borneo, Malacca) und zwar von verschiedenen Arten der Gattungen Dichopsis, Ceratophorus, Bassia, Ochrosia, Palaquium, Isonandra, Cocosmanthus, Sideroxylon und Payena. Die rohe Guttapercha, welche für thierärztliche Zwecke (Hufkitt) in die neue deutsche Pharmakopöe aufgenommen worden ist, bildet dunkelbraune, lederartig elastische, feste Massen oder Stücke^ welche in Chloroform, Benzol, Schwefelkohlenstoif und Terpentinöl löslich sind und bei 100deg; G. weich und plastisch werden. Die Guttapercha erweicht in heissem Wasser und wird dann knetbar; nach dem Erkalten erhärtet sie wieder. In heissem Wasser umgeschmolzen und gereinigt, sodann papierdiinn ausgewalzt, bildet sie die Percha lamellata, das Guttaperchapapier, rothbraune, durchscheinende, glatte, glänzende, weiche, elastische Blätter. Guttapercha depurata, gereinigte Guttapercha, bildet spröde, gelblichweisse Stangen oder Stengelchen (Zahnkitt). Eine Auflösung von Guttapercha in Chloroform (1:6) war früher als Traumaticin in Verwendung (Ersatz für Collodium). Chemisch
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
58G
|
CTiittaperclia.
|
|||
|
|
||||
|
ist die mit dem Kautschuk verwandte Guttapercha als Kohlenwasserstoff Guttaquot; von der Formel (O10Hj8)j aufzufassen. A.P. Guttapercha dopur. 10,0 = 85 Pfennig. D.P. 1 Kilo Guttapercha = 89 Mark.
f Kautschuk (Gummi elasticum) besteht aus den Milchsäften verschiedener tropischer Pflanzen, welche durch Einschnitte in den Stamm derselben gewonnen werden. Der amerikanische Kautschuk stammt hauptsilchlich von Siphonia-, Hevea-, Castilloa- und Hancornia-Arten, der asiatische von Ficus und Urceola-Arten, der afrikanische von Vahea-, Landolphia- und Ficus-Arten. Ausserdom unterscheidet man den Para-k a u t s c h u k, P1 a s c h e n k a u t s c h u k , M a n g a b e i r a k a u t s c h u k, Rpeckguui mi, ]3orn eo kaut seh uk , Java-, Sumatra-, sowie den cliinesischen Kautschuk. Der Kautschuk ist eine elastische, eigenthümlich riechende Masse, welche sich am besten in Terpentinöl und Steinkohlenben/in löst und bei der trockenen Destillation das K autsch u ein (Kaut-schuköl) liefert, ein Gemenge von Kohlenwasserstoffen, welches unter anderen das Kaut seh in von der Formel CmH;,;, ausserdem Isopren und Heven enthält. Die Einführung von Schwefel in den Kautschuk nennt man Vulkanisiren; hie/u gehört auch der Hartkautschuk und Ebonit. Das K autschuklede r besteht aus einem Gemenge von Kautschuk und Korkpulver. Balenit (künstliches Fischbein) ist ein Gemenge von Kautschuk, Schellack, gebrannter Magnesia, Schwefel, Goldschwefel und wird unter anderem zu elastischen Schienen in der Chirurgie verwendet. Der Hartkautschuk dient zur Herstellung verschiedener chirurgischer Instrumente und Schalen.
Wirkung und Anwendung. Das Guttapercliapapier dient zur Herstellung undurchlässiger Verbände, Priessnitz'scher Umschläge und Eisbeutel. Die rohe Guttapercha bildet in Verbindung mit Ammoniakgummi (2:1) den Defays'schcn Hufkitt, welcher durch Zusammenschmelzen beider Harze über gelindem Feuer dargestellt wird. Endlich dient die rohe Guttapercha zu Einlagen gegen Strahlkrebs und zur Herstellung anschliessender Schienen bei Knochen-brüchen.
|
||||
|
|
||||
|
1
|
Recepte.
1)nbsp; Rp. Resin. (Juttaperohae 100,0.
Disseca in frustul., adiniscc Gummi ammonlaoi 50,0. Liquefao leni igne diligentei' agitamlo, usque massa perfeeta uuita sit. D. S. Hufkitt nach Defays.
2)nbsp; Rp. Guttapcrchac 500,0.
Adipis suilli 200,0. Resin. Pini 150,0. Liquefac igne et misce. D. S. Masse zu anscliliessenden Sohienen bei Knochcnbi'üchoii, auf Leinwand aufzutragen (Fricker).
|
|||
|
|
||||
|
|
||
|
Wasserglaa.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 587
t Huflederkitt. An Stelle des Defays'sohen Hufkitts hat Dominik (Auszug aus den Rapporten über die Krankheiten bei den Dienstpferden der preussischen Armee 1887, IV. Quartal) einen Huflederkitt empfohlen, welcher als Patentartikel im Handel zu beziehen ist (Hauptner, Berlin, Luisenstrasse 68) und wahrscheinlich in der Hauptsache aus Guttapercha (oder Balatagurami) besteht ( (1 eissl e r). Seine genauere Zusammensetzung und Darstellung wird geheim gehalten. Dieser Huflederkitt hat eine dunkelbraune Farbe und eine lederartige, elastische Beschaffenheit. In hoissem Wasser erweicht er zu einer zähen, elastischen, klebrigen Masse, welche in kaltem Wasser nach '/lt; ~'/' Stunde wieder lederartig wird. Beim Schmelzen über gelindem Feuer wird er wie der Defays'sche Hufkitt dicklltissig und sehr klebrig; in dieser Form wird er auf den vorher entfetteten Huf als Ersatz fehlender Wandtheile, zur Herstellung eines geeigneten Tragrandes bei losen und hohlen Wänden, als Hufeisen- und Hufeinlage zur Verhütung des Ausgleitens etc. angewandt (aufgostrichen oder eingegossen). Der Huflederkitt soll sich vor dem Defays-sclien Hufkitt durch schnelleres Erkalten, festere und innigere Verbindung mit der Hornwand, grössere Elastieität, sowie wesentlich billigeren Preis auszeichnen (?). Der einmal benützte Hufkitt kann mittelst Einschmelzens wieder verwendet worden. Grabensee (Zeitschr. für Veterinärkunde 1889) empfiehlt den Huflederkitt als Schutzmittel für verschiedene Hufkrankheiten, und liisst, um Sohle und Strahl mit in die Belastung hereinzuziehen, die ganze Sohlenfliiche damit ausgiessen.
|
||
|
|
||
|
Liquor Natrll silicici. Natroinvasscrglsis.
NajSiOa,
Pharmaceutische Chemie. Das Natronwasserglas ist kieselsaures Natron, welches durch Zusammenschmelzen von Quarzsand (45), caloinirter Soda (23) und Holzkohle ((gt;) bereitet wird. Es bildet somit eigentlich flüssiges Glas. Es stellt eine klare, farhlose oder schwach gelbliche, in der Killte dickliche, in der Wärme dünnflüssige, stark alkalisch reagirende Flüssigkeit dar, vom specifisohen Gewichte 1,31,4, welche durch Säuren gallertig gefallt wird (Kiesel-säurcliydrat). An der Luft zieht das Wasserglas Kohlensäure an und scheidet Kieselsäure ab (Erhärtung). Durch Schmelzen von Quarzsand, Pottasche und Kohle erhält man das Kaliwasscrglas, KdSi04, ein Gemenge von Polysilioaten,
Calcium sulfuricum ustum, gebrannter Gyps, ist der durch Erhitzen auf 150160raquo; 0. von Krystallwasser (2H.,0) befreite Gyps = CaSO,. Er bildet ein weisses, amorphes Pulver, welches die Fähigkeit hat, beim Anrühren mit der Hillfte Wasser das verlorene Krystallwasser wieder aufzunehmen und dadurch zu erstarren. Ueber 200deg; C. erhitzter todt-gobrannterquot;, sowie feuchter Gyps verlieren die Fähigkeit des Erstarrens.
f Tripolith ist eine Verbindung von Gyps (75 0/o), kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, Kohle, Sand elc. Er soll schneller erstarren und leichter sein als Gyps (?).
|
||
|
|
||
|
|
||||
|
588
|
Talk.
|
|||
|
|
||||
|
Wirkung und Anwendung. Wasserglas und Gyps dienen zur Herstellung fester Verbände bei Knoclicnbrüchen. Der AVasser-glasverband ist leicbter, erstarrt aber erst im Verlauf von 12 bis 24 Stunden, der Gypsverband ist schwerer, erstarrt jedoch schon nach 1020 Minuten. Das Erstarren wird beschleunigt durch Zusatz von warmem, alaunhaltigem Wasser. Früher wurde Wasserglas auch innerlich als liarnsäurelösendes Mittel gegeben.
|
||||
|
|
||||
|
|
Talcum. Talk.
8MgSi08 HjSlOä.
Pharmaceutische Chemie. Der Talk (Magnesium silicieuni, Talcum venetum) ist gepulvertes Magnesiumsilicat und bildet ein weisses, fettig anzufühlendes, krystallinisches Pulver vom speeifischen Gewichte 2,7, welches in Säuren unlöslich ist. Mit Salicyl-säure (3) und Stärkmehl (10) zusammen gibt Talk (87) das Pulvis salicylicus cum Talco.
Wirkung und Anwendung. Als Streupulver allein oder in Verbindung mit anderen austrocknenden Pulvern, z. B. Zinkoxyd, Dermatol, Magnesia usta, Lykopodium, Stärkmehl etc. Neuerdings wird der Talk ferner in der Menschenhoilkundo als Stypticum gegen die Diarrhöen der Phthisiker empfohlen (200,0 pro die mit Milch).
Laminaria. Laminariastiele, Die Lamina riastiele (Stammpflanze i Laminaria Oloustoni; Familie: Algae) sind die graubraunen, '/s1 in langen, bis 1 cm dicken, cylindriscben, längsrunzeligen, hornartig harten Stiele des blattartigen Trieblagers von Laminaria Cloustoni, des in allen Meeren an felsigen Orten wachsenden Ki einen tan gs. Man drechselt aus ihnen Stifte von #9632;r)10 cm Lilnge und 210 mm Dicke, welche in Berührung mit den Geweben des Körpers aufquellen und daher zur blutlosen Erweiterung von Kanälen, Fisteln etc. dienen.
Die Tupelostifte (Quellstifte), welche ebenfalls zur Erweiterung von Kanälen, des Cervix uteri etc. dienen, werden aus dem Holze eines amerikanischen Baumes, Nyssa aquatica, durch Compression gewonnen.
|
|||
|
#9632;(:,:'
|
||||
|
|
||||
|
Gossypium depurntuin. Gereinigte Baumwolle.
Slammpflamen: Gossypium herbacemn, arhoreum etc. Familie: Malvaceeu.
Pharmakognosie. Die Baumwolle besteht aus den Haaren der Samen der in den Tropenländern kultivirtcn Baumwollstaude. Sie
|
||||
|
|
||||
|
|
|||
|
Kfratin.
|
.81)
|
||
|
|
|||
|
dient mit Soda entfettet und von Heimeiigungen gereinigt als Verbandwolle. Im Unterschiede zu der nicht entfetteten Wolle nimmt sie, auf Wasser gelegt, dasselbe sofort auf und sinkt unter. Man imprägnirt sie mit den verschiedensten Düsinfectionsmitteln.
|
|||
|
|
|||
|
Kerutiu. Homstoff.
Pharmaceutische Chemie und Anwendung. Das Keratin (Homstoff) wird aus den verliornten Epidermiszellen der Nägel, Klauen, Hufe, Federn, Hörner, Haare etc. gewonnen, indem dieselben mit geeigneten Lösungsmitteln: verdünnten Säuren, siedendem Wasser, Alkohol oder Aether behandelt werden. Der in diesen Flüssigkeiten als unlöslich zurückbleibende Rückstand heisst Keratin. Dasselbe bildet hornartig harte, glasartige oder hellgelbe Lamellen oder SchUppohen ohne Geruch und Geschmack, unlöslich in den gewöhnlichen Lösungsmitteln, beim Verbrennen nach verbranntem Horn riechend. Pillen, welche mit diesem Keratin überzogen werden, lösen sich im Magen nicht auf, sondern erst im alkalisch reagirenden Darmsafte; man benützt daher die keratinirton Pillenquot;, um Arzneistoli'e, welche den Magen reizen, oder in demselben zersetzt werden, mit Uehergehung des Magens direkt auf den Darm einwirken zu lassen (Unua). Zum Zwecke des Ueherziehens der Pillen mit Keratin wird dasselbe entweder in Essigsäure oder in Salmiakgeist gelöst; die Pillen werden dann mit der Lösung unter fortwährendem Rollen so lange befeuchtet, bis der Ueberzug stark genug und das Lösungsmittel verdunstet ist. Bei zu schwachem Keratinüberzuge lösen sich die Pillen schon im Magen, bei zu dichtem bleiben sie auch im Darm ungelöst. Bei der Herstellung der Pillenmasse sind wässerige Zusätze womöglich zu vermeiden; am besten bedient man sich als Pillonconstituens eines geschmolzenen Gemisches von AVachs und Cacaobutter (1 : 10).
Zur Anwendung in keratinirton Pillen eignen sich namentlich Wurmmittel (Arecanuss), Abführmittel, Quecksilberpräparate, Creolin, Tannin, Opium etc.
|
|||
|
|
|||
|
Pepslnnm. Pepsin.
Pharmaceutische Chemie. Das Pepsin ist ein feines, fast weisses, nicht hygroskopisches Pulver von cigenthümlichem, brot-
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
590
|
Pepsin.
|
||
|
|
|||
|
artigem Gerüche und süsslichom, hinterher etwas bitterem G e-schmacke, welches mit Wasser eine trübe, auf Zusatz von Salzsäure jedoch eine etwas klarere Lösung gibt. 0,1 g Pepsin in 100 g Wasser und 0,5 g Salzsäure gelöst muss 1Ü g gekochtes und fein zerriebenes Eiweiss bei oft wiederholtem, kräftigem Schütteln in einer Stunde bei 45 0 C. zu einer schwach opalescirenden Klüssigkeit lösen (100 quot;/o Pepsin). A.P. 10,0 = 35 Pfennig.
Das Pepsin wird nach verschiedenen Methoden aus der Magenschleimhaut dargestellt. Man unterscheidet deutsches, französisches, englisches, amerikanisches Pepsin. Das deutsche Pepsin wird gewonnen durch Abschaben der Schleimhaut des Kälberlabmagens, Extraction mit Wasser und Ausfällung mit Kochsalz (Aussulzen). Nach wiederholtem Lösen in Wasser und Aussalzen wird es vorsichtig getrocknet und mit Milchzucker verrieben (leicht süsser Geschmack). Das französische Pepsin wird aus der Magenschleimhaut der Schweine durch Ausziehen mit Wasser und Ausfällen mit Bleiessig dargestellt; nach dem Trocknen wird es mit Stärkmehl verrieben. Auch Glycerin-auszüge der Labschlcimbaut wurden früher als Pepsin bezeichnet. Jngluvin ist Pepsin aus der Schleimhaut des Hühnerkropfes.
Vlnum Pepsini, Pepsinwein, wird aus Pepsin, Glycerin, Wasser, Xereswein, Syrup, Pomeranzentinctur und Salzsäure dargestellt.
f Peptonum, P e p t o n, entsteht durch Verdauung von Eiweiss mittelst Pepsin oder Pankreatin. Je nach der Darstellung bildet es eine syrupüse Flüssigkeit (Kemmerich, Koch, Sandorsct) oder ein amorphes gelbliches Pulver (Adam ki e wiez). Pepton ist ein Ersatz für Eiweiss. Dosis für Hunde 1025,0, für Katzen r) 10,1). Somatose ist eine ilhn-liche aus Fleisch dargestellte Albumose.
|
|||
|
|
|||
|
t Pankreatinum, Pankreatin, das Ferment des Pankreassaftes, kommt theils in festen (eingetrocknete wässerige oder mit Alkohol ausgefällte Extracte der frischen Bauchfelldrüse des Schweines und Rindes), theils in flüssigen (Glycerinauszüge) Präparaten im Handel vor.
t Papalnum ist ein ei we iss verdauendes Ferment des Milchsaftes (Papayotin) eines südamerikanischen Melonenbaumes, Carica Papaya. 5 quot;'oige Lösungen von Papayotin sollen Muskelfleisch und Croupmembranen in 2 Stunden zu einem Drei verdauen. Anwendung: als Stomachicum und Anthelmintbicum, als Auflösungsmittel für diphtheritische und erou-pöse Membranen, subeutan und parenehymatös zur Auflösung von Neubildungen (5n|oige Papayotinlösungen).
f Jequiritin (Abrin), das Ferment der Paternostererbsen (Jequi-rity), einer in allen Tropenländern als Zierpflanze kultivirten Papilionacee: Abras precatorius, deren scharlachrothe, kugelige, etwa erbsengrosse Samen
|
|||
|
|
|||
|
|
|||
|
Hühnereiweiss.
|
i91
|
||
|
|
|||
|
zu Rosenkränzen, Papparbeiten etc. benutzt werden. Das Jequiritin ist ein Ferment mit blutgerinnender und daher stark entzündungserregender Wirkung, welches namentlich gegen chronische Con-junctiviten empfohlen worden ist, in Form eines '/raquo;quot;/oigen Infuses der enthülsten Samen mit 24stündiger Maceration. Das Infus wird so lange auf die erkrankte Sfheimhaut aufgepinselt, bis eine starke glasige Schwellung derselben entsteht. Ich habe bei der Conjunctivitis follicullaris der Hunde relativ günstige Wirkungen durch Jequirity erzielt (Berliner Archiv 1888).
Wirkung und Anwendung des Pepsins. Das Pepsin ist vermöge seiner Fälligkeit, bei Anwesenheit von Säuren Eiweiss zu leicht resorbirbarem Pepton zu verwandeln, ein sehr wichtiges Stomachi-cum bei den Verdauungsstörungen namentlich der Fleischfresser, Man gibt es entweder in Pulverform oder als Lösung mit Salzsäure. Die Dosis beträgt für Pferde 510,0, Schweine 25,0, für Hunde 0,1 bis 1,0, Katzen 0,10,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Pepsin! 0,5.
Saochar. Lactis 1,0. M. D. tal. dos. Nr. V. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit Magenkatarrh.
2)nbsp; Ep. Pepsini
Acidi hydrochlor. ää 5,0. Aqu. destill. 800,0. M. D. S. Sstüiullich 1 Esslöffcl für einen Hund mit Indigestion.
|
|||
|
|
|||
|
Albumen ovi siecum. Trockenes Hülmereiweiss.
|
|||
|
|
|||
|
Pharmaceutische Chemie. Das Hülmereiweiss bildet durchscheinende, hornartige, dem arabischen Gummi ähnliche Massen oder ein gelbliches, geruch- und geschmackloses Pulver. Mit Wasser gibt es eine trübe neutrale Lösung, in AVcingeist und Aether ist es unlöslich. Aus 5 cem einer wässerigen Lösung (1 = 1000), welche mit 10 Tropfen Salpetersäure versetzt sind, scheiden sich bei vorsichtigen Erwärmen reichlich Flocken von geronnenem Eiweiss ab.
Anwendung. Das Hülmereiweiss dient zur Darstellung des Liquor Perri albuminati und anderer Metallalbuminate. In Oesterreich ist ausserdem officinell die Hausenblase, Ichthyocolla, die getrocknete Schwimmblase verschiedener Accipenserarten (Bereitung des englischen Pflasters); ferner Serum Lactis, die Molken
|
|||
|
|
|||
|
|
||||
|
592
|
Fleischcxtract.
|
|||
|
|
||||
|
|
(Diiiteticiun). Ein neues Diäteticum ist das Casein-Natrium (Natrium caseinatum).
Extractum Ciirnis. Fleischextract.
Pharmaceutische Chemie. Das Fleischextract wird in Südamerika aus Büffeltieiscli, in Australien aus Hammelfleisch nach Entfernung des Eiweisses, Fettes und Leimes auf verschiedene Weise dargestellt. Es hildct eine körnige, braune, festweiche, nach gebratenem Fleische riechende, in Wasser leicht lösliche Masse, welche namentlich Kalisalze (78 n/o), Phosphate und Kreatinin (230/o) enthält. Daneben findet man Kreatin, Sarcosin, Xanthin, Hypoxanthin, Carnin, Inosit, Milchsäure, suwie geringe Mengen von Natrium, Magnesium, Kalk, Eisen, Chlor und Schwefelsäure. Im Handel sind verschiedene Sorten vorhanden (Liebig, Kemmerich, Buschenthal, Buenos Ayres, australisches Extract).
Wirkung und Anwendung. Das Fleischextract bildet durch seinen Gehalt an Blutsalzen (phosphorsaures Kali) ein Blutplasticum, welches bei chronischen Blutkrankheiten (Anämie, Leukämie) und allgemeinen Ernährungsstörungen Anwendung findet; sonstigen Nährwerth besitzt es bei dem vollständigen Mangel an Eiweiss, Fett und Kohlehydraten nicht. Ausserdem hat das Fleischextract erregende Wirkungen auf die Verdauung, auf Herz und Gehirn (Kalisalze, Kreatinin) und wird daher als Stomachicum und Excitans bei Sclnvächozuständen der Fleischfresser angewandt. In grossen Dosen wirkt es durch seinen Gehalt an Kalisalzen tödtlich durch Herzlähmung.
Die Dosis beträgt für Hunde 210 g, mit warmem Wasser (50150,0) gelöst oder der Fleischbrühe beigemengt.
|
|||
|
|
||||
|
Aqua destillata. Destillirtes Wasser.
II20.
Pharmaceutische Chemie. Das destillirte Wasser ist eine klare Flüssigkeit ohne Geschmack, Geruch und Farbe, welche ohne Rückstand verdampft (Fehlen fester Bestandtheile) und sich weder trüben soll mit Sublimat (Ammoniakgehalt), noch durch Silbernitrat (Chlornatrium; organische Körper), noch durch Kalkwasser (kohlensaurer Kalk). A.P. 100,0 = 5 Pfennig.
Anwendung: Als Lösungsmittel für Arzneipräparate.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Alphabetisches raquo;Sachregister.
|
||||
|
|
||||
|
A.
Abietinsilure 454. Abrastol 249. Abrin 590. Absinth 481. Acetal 163. Acetanilid 54. Aceton 163. Aoetplienetidin 58. Acettoluid 64. Acetum 444.
nbsp; nbsp;aromaticum 445. 476.
nbsp; nbsp;Digitalis 66.
nbsp; nbsp;glaciale 444.
nbsp; nbsp;plumbicum 318.
nbsp; nbsp;pyrolignosum crudum 232.
nbsp; saturninum 318.
nbsp; nbsp;Scillae 74. Achillein 390. Acidum acoticum 444.
nbsp; nbsp;#9632; avoraaticum 445.
nbsp; monoohloratutn 447
nbsp; nbsp;anisicum 464.
nbsp; nbsp;arsenicosum 348.
nbsp; nbsp;aseptioum 254.
nbsp; nbsp;l)enzoicum 46.
nbsp; biohloraceticum 447.
nbsp; boricum 277.
nbsp; borussicum 114.
nbsp; nbsp;camphoricum 450.
nbsp; nbsp;earbolicum 221.
nbsp; nbsp;earbonicum 448.
nbsp; nbsp;catluirtinicum 520. 523.
nbsp; nbsp;ohloro-nitrosum 443.
nbsp; chromicum 345.
nbsp; nbsp;chrysophanicum 378. Fröhner, Arzneimittellehre
|
Acidum citricum 447.
nbsp; nbsp;cresotinioum 49.
nbsp; nbsp;cyanicum 114.
nbsp; nbsp;fluoricum 448.
nbsp; nbsp;formicicum 447.
nbsp; nbsp;gallicum 379.
nbsp; gallotannicum 365.
nbsp; glycerinophosplioricum 440.
nbsp; nbsp;gymnemieum 161.
nbsp; nbsp;hydrobromicum 439.
nbsp; nbsp;hydrochloricum 437.
nbsp; nbsp;hydrocyanatum 114.
nbsp; nbsp;liydrofluoricum 272.
nbsp; nbsp;hyperosraicum 347.
nbsp; nbsp;lacticum 448.
nbsp; nbsp;iuonochloraceticum447. #9632; niuriaticum 437.
nbsp; nbsp;nitricnm 443.
nbsp; nbsp;olei'nicum 571.
nbsp; nbsp;osmicum 347.
nbsp; nbsp;oxynaphtholicum 249.
nbsp; nbsp;phenylicum 221.
nbsp; nbsp;plienylo-acetioum 254.
nbsp; nbsp;phenylo-propionioum 254.
nbsp; nbsp;phoaphorioum 440.
nbsp; nbsp;picrinicum 253.
nbsp; nbsp;picronitricum 253.
nbsp; nbsp;pyrogallicum 379.
nbsp; nbsp;aalicylicum 33.
nbsp; nbsp;sklerotinicum 214.
nbsp; nbsp;sozo.jodolicum 252.
nbsp; nbsp;sozolicum 252.
nbsp; nbsp;spiricum 33.
nbsp; nbsp;sulfanilinioum 255.
nbsp; nbsp;sulfuricum 441.
nbsp; nbsp;sulfurosum 361. 4. Aufl.
|
Acidum tannicum 365.
nbsp; tartaricum 447.
nbsp; tfichloraeeticum 447. Aconitin 172.
Acorin 484.
Adeps benzoatus 48.
nbsp; nbsp;lanae 582.
nbsp; nbsp;suillus 570. Adonidin 81, Adoniskraut 81. Aegyptiacsalbe 326. Aeruginismus 327. Aerugo 326. Aescorcin 377. Aesculin 377. Aether 139.
nbsp; aoeticus 140.
nbsp; bromatus 144.
nbsp; nbsp;chloratus 162.
nbsp; nbsp;jodatus 163.
nbsp; nbsp;l'etrolei 155.
nbsp; sulfuricua 140. Aethereo-Olcosa 12. 449. A ätherische Oele 12. 449. Aetherweingeist 140. Aethoxycoft'ei'n 80. Aethylalkohol 132. Aethylbromid 144. Aothylchlorid 162. Aethylenbromid 144. Aethylenehlorid 162. Aethylidenchlorid 162. Aethyljodid 163. Aethylum bromatum 144.
nbsp; jodatum 163. Aotzammoniak 426. Aetzkali 411. Aetzkalk 412.
38
|
||
|
|
||||
|
|
||||
|
394
|
Alphabetisches Sachregister,
|
|||
|
|
||||
|
Aetznatron 411. Aetzpaste, Canquoin'schi' 332.
nbsp; Wiener 413. Aetzsublimat 289. Agaricin 157. Agaricinsäure 157. Agathin 46. Airol 340. Akonitin 172. Akonitknollen 172. Akonittinctur 173. Akorin 484 Alantol 483. Alantwurzel 483. Alaun 340. Albumen ovi 591. Aldehyd 150. Aldehyde 8. Alkalien 16. Alkaloide 2. Alkohol 132. Alkohole 8. Allylsenföl 487. Aloe 515. Aloecxtract 510. Aloetinctur 510. Aloetin 516. Aloin 516.
Alstonia constricta 513. Althiiabliltter 557. Altluiawurzel 557. Alumen 340. Alumina hydrata 343. Aluminium acelioum 343.
nbsp; acetico-tartaricum 343.
nbsp; chloratum 343.
nbsp; nbsp;sulfuricum 343. Alumnol 343. Amanita muscaria 214. Amanitin 214. Ameisensäure 447. Ameisenspiritus 447. Amerikan. Pfeilgift 159. Amidosalioylsilure 46. Ammonia 426. Ammoniacum 502. Ammoniak 426. Ammoniakgummi 502. Ammonium aceticum 433.
nbsp; benzoicum 433.
nbsp; bicarbonicum 483.
nbsp; bromatum 144.
nbsp; carbonicum 428.
nbsp; causticum 426.
nbsp; chloratum 430.
nbsp; ferratum 431.
nbsp; citricum 433.
nbsp; fluoratum 433.
nbsp; nitricum 433.
|
Ammonium phoBphoricum 433.
nbsp; salicylicum 433.
nbsp; nbsp;succinicum 433.
nbsp; sulfoichthyolicum 250.
nbsp; sulfuricum 483.
nbsp; nbsp;valerianicum 438. Amygdalae amarae 114.
nbsp; dulces 572. Amygdalin 114. Amygdophenin 64. Amylenhydrat 154. Amylenum hydratum 154. Amylium nitrosutn 152. Amylnitrit 152. Araylum 568.
nbsp; Manihot 568.
nbsp; Marantae 568.
nbsp; Tritici 568. Anaigen 63. Anethol 464. Angelicawurzcl 482. Angerer'sche Pastillen 293. Angosturabitter 390. Anhalonium 164. Anilinfarben 254. Anilinum sulfuricum 255. Anis 464.
Anisöl 464. Anissäure 464. Antlirarobin 378. Antiarin 82.
Antidotum Arsenici 807. Antifebrin 54. Antifungin 279. Antimonium crudum 337. Antincrvin 64. Antinonnin 254. Antinosin 255. 268. Antipyretica 22. Antipyrin 49. Antiseptica 220. Antiseptin 279. Antiaeptol 268. Antispasmin 97. Antithermin 64. Apiol 468. Apocodein 185. Apooynin 82. Apomorphin 180. Aqua Amygdalarum ama-rarum 114.
nbsp; Aurantii Florum 497.
nbsp; Brorai 148.
nbsp; Caloariae 413.
nbsp; carbolisata 222.
nbsp; chlorata 255.
nbsp; Cinnamomi 494.
nbsp; coerulea 326.
nbsp; Creosoti 226.
|
Aqua cresolica 284.
nbsp; destillata 592.
nbsp; Foeniculi 467.
nbsp; fortis 448.
nbsp; Goulnrdi 817.
nbsp; Kreosoti 226.
nbsp; Laurocerasi 115.
nbsp; Menthae piperitae 471.
nbsp; nbsp;phagodaenica 298.
nbsp; nbsp;Picis 229.
nbsp; Plumbi 318.
nbsp; regia 444.
nbsp; Rosae 470.
nbsp; salium Bromi 148.
nbsp; viridis 826. Arabinsilure 506. Arabischer Gummi 562. Araroba 377. Arbutin 373. Arecanuss 548. Arecolin 212. Argentamin 287.
Argentum chloratum 284.
nbsp; cyanatum 284.
nbsp; foliatum 284.
nbsp; nitricum 283.
nbsp; nbsp; crystallisatum 283.
nbsp; cumkalionitrico284.
-------fusum 283.
Argilla 844.
Argonin 287. Argyriasis 282. Aristol 267.
Armenischer Bolus 344. Armoracia 489. Arnikablüthen 479. Arnikatinctur 479. Aromatische Tinctur 494.
nbsp; Verbindungen 10. Aromatischer Kssig 445. Arrowroot 568. Arsenik 848.
Asa dulcis 46.
nbsp; nbsp;foetida 505. Asant 515. Asaprol 249. Asarumkampher 512. Aseptinsäure 254. Aseptol 252. Aspidospermin 161. Atropa Belladonna 102. Atropin 102. Augenstein 326. Auramin 254. Arantiamarin 497. Auronatrium chloratum
347. Aurum chloratum 347.
nbsp; foliatum 350. Axungia porci 570.
|
||
|
|
||||
|
|
|||||
|
Alphabetisches Sachregister.
|
595
|
||||
|
|
|||||
|
B.
13al)olnaerKrebstiiictur852 Baccae Spinae cervinae 523. Bärentraubenbliltter 373. Bilrlappsamen 669. Baldviantinctur 478. Baldrianwurzel 478. Balsamum Copilivae 501. Balsatnum de Tolu 501.
nbsp; Gurjunae 501.
nbsp; Peruvianum 498.
nbsp; Styracis 501.
nbsp; Tolutanum 601. Baptisin 536. Barmenit 270. Baryum chloratum 434. Baumwolle 588. Bauinwolhvurzel 220. Belladonnablätter 102. Belmontin 581. Benzacetin 46. Benzanilid 64. Benzinum Petrolei 154. Benzoe 46. Benzoesäure 46. Benzoösaures Natrium 48. Benzol 155. 251.
' Benzolderivate 10. Benzonaphthol 249. Benzosol 228. Berberin 390. Borberis aquifolium 390. Bertramwurzel 512. Beruhigende Mittel 83. Besenginster 81. Beta-Naphthol 247. Betelnuss 548. Betol 46. Bibergeil 511. Bibernellwurzel 485. Bier 133. Bijodatsalbo iJ04. Bilsenkraut 109. Bilsenkrautöl 110. Birkenholztheer 228. Bismal 340. Bismuthum gallioum 339.
nbsp; loretinicum 340.
nbsp; naphtholicum 340.
nbsp; pyrogallicum 340.
nbsp; subnitricum 339.
nbsp; subsalicylicum 339.
nbsp; sulfuricum 340. i tannicutn 340.
nbsp; subnitricum 339. Bitterholz 385. Bitterklee 384. Bittere Mandeln 114. Bittermandelöl 114.
|
Bittermandelwasser 114. Bittersalz 424. Bittersüssstengel lül. Bitterthee 384. Blausäure 114. Blaustift 326. Blauwasser 320. Bleiacetat 317. Bleicarbonat 319. Bleicerat 318. Bleiessig 318. Bleiglätte 318. Bleioxyd 318. Bleipffaster 318. Bleisalbe 318. Blei, salpetersaures 319. Bleivergiftung 321. Bleiwassor 318. Bleiweiss 319. Bleizucker 317. Blistern 304. Hockshornsamen 561. Boldo 513. Boletus Larioia 157. Bolus 344. Boral 279. 344. Borax 278. Borogiycerid 279. Borol 279. Borsäure 277. Borsalbe 277. Branntwein 133. Brausemagnesia 423. Brausepulver 447. Brechnuss 107. Brechwein 333. Brechweinstein 333. Brechweinsteinsalbo 333. Brechwurzel 185. Brenzgallussäure 379. Brenzkatochin 252. Brom 258. ßromäther 144. Bromäthyl 144. Bromalhydrat 145. 102. Bromalin 145. Bromammonium 144. Bromcalcium 145. Bromchlorid 255. Bromismus 146, Bromkalium 144. Bromkampher 145. Bromnatrium 144, Bromoform 145. 162. Bromol 254. Bromphenol 254. Bromopyrin 53. Bromsalze 144. Bromum chloratum 259. solidifleatum 258.
|
Bromwasser 148. Brom wasserstoffsäure 439. Brucin 167. Brustelixir 564. Brustthee 565. Buchenholzthcer 229. Bulbus Soillae 74. Bullrich'sches 8alz 397. Burow'sehe Lösung324.341. Bursa 1'astori.s 377. Butylchloral 163. Butyrum Cacao 570.
|
|||
|
0.
Cacaobohnen 76.
Cacaobutter 570.
Cactus grandiflorus 82.
Cadeöl 229.
Cadmium salicylicum 46.
Caesium bromatum 145.
Caffee 80.
Caffeol 80.
Cajeputol 496.
Calabarbohne 195.
Calamin 484.
Calcaria carbonica 415.
nbsp; ohlorata 255.
nbsp; phosphorica 416.
nbsp; sulfurica 596.
nbsp; usta 412. Calcium boricum 279.
nbsp; bromatum 420.
nbsp; carbonicum 415.
nbsp; chloratum 255. 420.
nbsp; hypochlorosum 255.
nbsp; jodatum 420.
nbsp; oxydatum 412.
nbsp; phosphoricum 416.
nbsp; nbsp;salicylicum 46.
nbsp; subsulfurosum 361.
nbsp; sulfuricum 587. Calmuswurzel 483. Calomel 298. Calx ohlorata 255.
nbsp; viva 412. Cambogiasäure 525. Camillen 469. Campechienholz 376. Campher 449. Camphcröl 450. Caraphersäure 450. Campherspiritus 450. Camphora monobromata
162.
nbsp; phenylica 451.
nbsp; trita 450. Canadin 208.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
59(gt;
|
Alphabetisches .Sachregister.
|
|||
|
|
||||
|
Canoroin 1*36. Cannaben 159. Cannabin 159. Cannabinon 159. Cannabia sativn 159. Canquoin'scho Aetzpastc
333. Cantharidon 506. Cantharidencollodium 507. C'antharidenol 507. Cantharidenpflaster 507. Cantharidensalbe 507. Cantharidin 507. Capaloe 515. Capita Papaveris 85. Capsicin 490. Capsicol 490. Capsicum 490. Garbo anitaalis 280. Ligni 280. Carbolsäure 221. Carboneum sulf'uratum 163. Cardamom 493. Cardiaca 65.
Cardobenedictenkraut 385. Cardol 512. Carlsbadersalz 403. Caroba 518. Carpa'in 82. Carrageen 566. Carroba 563. Carven 468. Carvol 468. Caryophylli 495. Cascara sacrada 535. Cascarillenrinde 388. Cassawaatärke 508. Cassia fistula 535. Castoreum 511. Cataplaama ad decubitum
317. Catechu 371. CatlHirtinsäure 519. 523. Cayennepfeffer 490. Cera 575.
Cerebrum exsiccatum 166 Cereoli sublimati 293. Ceresin 581. Cerium oxalicum 347. Cerussa 319. Cetaceum 570. Cetrarin 387. Cevadin 175. Chabert'sches Gel 233. Charta sinapisata 487. Cheken 513. Chelen 162. Chelidonium 536. Chilisalpoter 409. Chinacxtraot 24.
|
Chinagerbs'aure 23. Chinarinde 22. (/'hinasilure 23. Chinatinctui' 24. Chinawein 24. Chinidinum 23. Chinidinura sulfuricum 27. Chininsalze 26. Chinhunn 23.
nbsp; nbsp;aceticum 27.
nbsp; nbsp;arsenicicum 27.
nbsp; nbsp;arsenicosura 27.
nbsp; bimnriaticum carbami-datura 27.
nbsp; bisulfuricum 27.
nbsp; boricum 27.
nbsp; nbsp;bromatum 27.
nbsp; nbsp;chinicum 27.
-nbsp; nbsp;citricum 27.
nbsp; nbsp;fenocitricum 26.
nbsp; nbsp;ferrohydroeyanicum 27.
nbsp; ferrohydrqiodiouni 27.
nbsp; nbsp;ferrohydrolacticum 27. ferrohydrovalerianicum
27.
nbsp; nbsp;hydrochloricum 27.
-nbsp; nbsp;hydrojodicum 27.
-nbsp; nbsp;hypophosphoricum 27.
nbsp; nbsp;jodohydrojodicum 27.
nbsp; nbsp;lacticum 27.
nbsp; nbsp;muriaticum 26. phosphoricum 27.
nbsp; nbsp;salicylicum 27.
nbsp; sulfoaethylicum 27.
nbsp; sulfophenylicnm 27.
nbsp; nbsp;sulfuricum 20.
nbsp; nbsp;tannicum 26.
nbsp; nbsp;valerianicum 27. Chinioldinum 27.
nbsp; nbsp;boracicum 27.
nbsp; nbsp;citricum 27.
nbsp; sulfuricum 27.
nbsp; nbsp;tannicum 27. Cbinolin 68. Chinoliurhodanid 255. Chinolinuin 63.
nbsp; salicylicum 03.
nbsp; tartaricum 63. Chiuosol 253. Chinovasäure 23. Chinovin 23. Chlor 255. Chloral 127. Chloralamid 132. Chloralformamid 132. i Moralhydrat 127. Chloraloso 132. Chlorammonium 430. Chlorbaryum 434. Chlorbrom 258.
|
Chlorcalcium 420. Chlorcssigsäure 447. (quot;hlorgas 255. Chlorgold 347. Chlorkalk 255. Chlormethyl 101. Chlornatrium 391. Chloroform 118. Chlorphonol 254. Chlorsalol 46. Chlorsaures Kali 275. Chlorsilber 285. Chlorwassor 255. Chlorwasserstoffsäure 437. Chlorzink 331. Chromsäure 345. Chrorasaures Kali 345. Chrysophansäure 378. Chrysarobin 377. Cinchona Calisaya 22.
nbsp; succirubra 22. Cinohonidinum 22.
nbsp; salicylicum 27.
nbsp; nbsp;sulfuricum 27.
nbsp; tannicum 27. Cinchoninum 22.
nbsp; nbsp;hydrochloricum 27.
nbsp; nbsp;sulfuricum 27.
nbsp; nbsp;tannicum 27. Cinname'in 498. Cinnaraomum 493. Citronenöl 497. Citronenschale 497. Citronensäure 447. Citrullin 534. Cnicin 385. Cocabasen 97. Cocablätter 97. Coca'in 97.
Cocainum muriaticum 97. Cocamin 97. Cochleariakraut 487. Cocosnüsse 549. Cocosnussöl 570. Codamin 84. Codein 84. Codc'inum phosphoricum
96. Coffea usta 80. Coffein 75. Coffeinchloral 80.
nbsp; nbsp;hydrochloricum 76.
nbsp; natriobenzoieum 76. Coffein um natriosalicyli-
cum 76. ColTein-Sulfosäure 80. Cognac 133. Colanüsse 75. Colchicin 190. Colchicumtinctur 190.
|
||
|
|
||||
|
|
||||
|
Alphabntisches Sachregister.
|
597
|
|||
|
|
||||
|
Cold-Cream 572. Collodium 584.
nbsp; nbsp;eantharidatum 507.
nbsp; nbsp;elasticum 584.
nbsp; nbsp;stypticum 315. Colocynthin 533. Colombowurzdl 380. Colophonium 455. Coloquinthen 533. Columbin 38(!. Conohae praeparatae 415 Condurangin 389. Condurangorinde 389. Conhydrin 113.
Coniin 112.
Conium maculatum 112. Convallamarin 81. Convallaria majalis 81. Convallarin 81. Convolvulin 536. Copaivbalsam 501. Corallia rubra 415. Coriander 467. Cornu Cervi ustum 417. Cormitin 216. Coronillin 82. Cortex Aurantii 497.
nbsp; Angosturas 390.
nbsp; nbsp;Cascarillao 388.
nbsp; nbsp;Chinae 22.
nbsp; nbsp;Cirmamomi 502.
nbsp; nbsp;Condurango 389.
nbsp; nbsp;Coto 512.
nbsp; nbsp;Frangulae 525.
nbsp; nbsp;Fructus Aurantii 497. --------Citri 497.
nbsp; nbsp;Granati 547.
nbsp; nbsp;Hippooastani 377. - Piscidiae 160.
nbsp; nbsp;Populi 377.
nbsp; nbsp;Quebracho 154.
nbsp; nbsp;Quercus 368.
nbsp; nbsp;Quillajae 189.
nbsp; nbsp;Radicis Gossipii 220.
nbsp; nbsp; Granati 552.
nbsp; nbsp;Salicis 376.
nbsp; nbsp;Ulmi 377. Cotarnin 84. 97. Cotoin 512. Cotorinde 512. Cremor Tartari 407. Creolin 235. Creosot 226. Cresol 234.
Cresolum crudum 234. Cresotinsäure 49. Greta alba 419. Cretium 235.
Crocus 490. Crotonöl 527.
|
Cryptopin 84. Crystallin 585. Crystallose 508. Cubebae 491. Cumarin 486. Cuprum aceticum 320.
nbsp; nbsp;aluminatum 326.
nbsp; arsenicicum 320.
nbsp; bichloratum 320.
nbsp; nbsp;carbonicum 320.
nbsp; nbsp;chromicum 326.
nbsp; nbsp;cyanatum 326.
nbsp; nitroprussioum 320.
nbsp; nbsp;oloinicum 320.
nbsp; nbsp;oxalicum 320.
nbsp; nbsp;oxydaturn 320.
nbsp; nbsp;sulfophenylicum 320.
nbsp; sulfuricum 325.
nbsp; nbsp; amraoniatum 320.
nbsp; nbsp;tartaricum 320. Curare 159. Cusso 540.
Cutol 344. Cyankalium 117. Cyanwasserstoff 114. Cystisin 82.
|
Doppeltkohlensaures Natron 397. Dower'sches Pulver 85. Drachonblut 376. Duboisin 112. Dulcamara 161. Dukin 568. Dynamit 153.
|
||
|
E.
Ebur ustum 417. Eibischbliltter 557. Kibischwurzel 557. Eicheln 370. Eichenrinde 368. Eisen 300. Eisonacetat 316. Eisen, iipfclsaures 316. Eisenalbuminat 310. Eisenchlorid 314. Eisen, essigsaures 316. Eisenfeile 806. Eisenhutknollen 172. Eisenjodür 310. Eisenkarbonat 315. Eisen, milchsaures 316. Eisenoxyohlorid 310. Eisenoxyd, äpfelsaures 316. Eisenpeptonat 316. Eisenpulver 306. Kisen, reducirtes 306. Eisensalmiak 431. Eisensyrup 315. Eisenvitriol 311. Eisenzucker 315. Eisessig 444. Ehveiss 591. Ekgonin 97. Elaeosaccharum 465. Elaterium 536. Electuarium o Senna 523. Elemiharz 456. Elixir amarum 382. #9632; Aurantiorum 497. Embelia Kibes 549. Emetin 186.
Kmplastrum acre anglicum 507.
nbsp; nbsp;adhaesivmn 455.
nbsp; nbsp;Cantharidum 507.
nbsp; nbsp;Cerussae 319.
nbsp; nbsp;Conii 113.
nbsp; nbsp;ad decubitum 818.
nbsp; nbsp;Lithargyri 318.
nbsp; nbsp;saponatum 318. vesicatorium 507. Emulsin 114. Engelwurzel 482.
|
||||
|
J).
Daraiana 513. Dammarlmrz 450. Datura Stramonium 112. Daturin 112.
Defays'scher Hufkitt 50.quot;.. Delphinin 174. Dermatol 339. Dermol 340. Desinfeetol 235. Diachylonsalbe 318. Diaphtherin 253. Diaphthol 253. Digital in 65. Digitalisblätter 05. Digitalistinctur 06. Digitoxin 65. Dijodthioresorcin 208. Dillsamen 464. Dimethylacetal 103. Dinitrokresolnatrium 254. Dippelsches Gel 233. DithiosalicylsauresNatrium
45. Wismuth 46. Diuretin 76. Doppelsak 402. Doppeltehromsaures Kali
345. #9632; Doppeltkohlensaures Kali
401.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
598
|
Alpliabetisches Sachregister.
|
|||
|
|
||||
|
Enterol 235. Enziantinctur 381. Enziimwurzel 381. Ephedrin 109.
Ergotin 21(i. Ergotinsilure 216. Ergotismus 217. Erythrocentaurin 384. Erythiophlöin 157. Erytliroxylon Coca 97. Esercniisso 190. Eaeridin 208. Eserin 190. Essig 444.
nbsp; aromatischer 445. Essigäther 140. Essigsäure 444. Essigsaures Kali 405.
nbsp; Natron 400.
nbsp; Thonerde 342. EucaTn 158. Eudoxiu 255. 268. Eugenol 495. Eukalyptol 477. Eukalyptusöl 477. Euphorbia pilulifera 513. Euphorbiumharz 504. Eupliorbon 504. Europhen 267. Evonymin 82. 536. Exalgin 62. Excitantia 167. Extractura Absinthii 481.
nbsp; Aconiti 173.
nbsp; nbsp;Alkekengi 514.
nbsp; Aloes 516.
nbsp; Belladonnao 104.
nbsp; nbsp;Cacti grandiflori 82.
nbsp; nbsp;Calami 484.
nbsp; Cannabis Indicae 159.
nbsp; Carnis laebig 592.
nbsp; catholicum 520.
nbsp; Chinae 24.
nbsp; Colocynthidis 533.
nbsp; Condurangofluidum389.
nbsp; Conii 113.
nbsp; Cornutino-sphacolini-cum 215.
nbsp; Cubebarum 491.
nbsp; Digitalis 66.
nbsp; nbsp;Perri pomatum 315.
nbsp; nbsp;Filicis 543.
nbsp; Frangulae fluidum 525.
nbsp; Gentianae 381.
nbsp; glandulao thyieoidcae 165.
. Glycyrrhizae 564.
nbsp; nbsp;Gossipii 220.
nbsp; nbsp;Graminis 659.
nbsp; nbsp;Hydrastis fluidum 219.
|
Kxtraotum Hyoscyami 110.
nbsp; Liquiritiae 564.
nbsp; Opii 85.
nbsp; Rhei 520.
nbsp; Scillae 74.
nbsp; Seealis eornuti 215. -----------fluidum 215.
nbsp; Stryehni 168.
nbsp; nbsp;Taraxaci 388.
nbsp; Trifolii 384.
|
Ferrum valerianicum 316. Kichtenharz 455. Fieberklee 384. Fiebermittel 22. Filioin 542. Filixsäure 542. Fingerhutblätter 65. Fiugerhutextract 66. Fingerhuttinctur 66. Fleckschieiding 132, Fleischextract 592. Fliederthee 476. Fliegenschwaram 214. Flores Arnicae 479.
nbsp; Benzoes 47.
nbsp; Chamomillae 469.
nbsp; Cinae 538.
nbsp; Convallariae Majalis 81.
-nbsp; Koso 546.
nbsp; Kusso 546.
nbsp; Lavandulae 475.
nbsp; Malvae 558.
nbsp; nbsp;Pyrethri 497.
nbsp; Hhoeados 566.
nbsp; Rosao 476.
nbsp; Sambuci 476.
nbsp; Sulfuris 359.
nbsp; Tiliae 475.
nbsp; Verbasci 559.
nbsp; Zinci 329. Flüchtiges Laugensalz 428.
-nbsp; Liniment 426. Fluorammonium 448. Fluornatrium 448. Fluorwasserstoft'silure 448. Flusssäure 448. Foenum graecum 661. Folia Althaeae 557.
nbsp; Belladonnao 102.
nbsp; Cooa 97.
nbsp; Digitalis 65.
nbsp; Farfarao 559.
nbsp; Jaborandi 204.
nbsp; Juglandis 375.
nbsp; Malvae 558.
nbsp; Matico 377.
nbsp; Melissae 472.
nbsp; Menthae erispao 472.
nbsp; piperitae 471.
nbsp; Nicotianae 191.
nbsp; Rutae 513.
nbsp; Salviae 371.
nbsp; Sennae 522.
nbsp; Stramonii 112.
nbsp; Trifolii fibrini 384.
nbsp; Uvae Ursi 373. Formaldehyd 281. Formalin 281. Formanilid 62. Formin 164.
|
||
|
F.
Faba Calabarica 155.
nbsp; Ignatii 167. Karberwurzel 377. Kaulbaumrindo 525. I^el Tauri 390. Fenchel 466. Kenchelöl 467. Fenchelwasser 467. Ferripyrin 53. Perrum 306.
nbsp; nbsp;aceticum 316.
nbsp; nbsp;albuminatum 315.
nbsp; arsenicosum 316.
nbsp; benzoieum 316.
nbsp; bromatum 316.
nbsp; carbonicum sacchara-tum 316.
nbsp; chromicum 316.
nbsp; citric um 315.
nbsp; glycorinatum 316.
nbsp; hydricum in aqua 307.
nbsp; hydrooxydat. dialysa-tum 316.
nbsp; jodatum 316.
nbsp; lactioum 316.
nbsp; oleinicum 316.
nbsp; oxydatum fuscum 310.
nbsp; oxydatum saccharatum 315.
nbsp; oxydulatumnigrum316.
nbsp; peptonatum 316.
nbsp; phosphoricum 316.
nbsp; pomatum 316.
nbsp; pulveratum 307.
nbsp; pyrophosphoricum 316.
nbsp; reduetum 307.
nbsp; salicylicum 316.
nbsp; sesquichloratum 314.
nbsp; stearinicum 316.
nbsp; succinicum 316.
nbsp; sulfuratum 316.
nbsp; sulfuricum 311.
nbsp; sulfophenylicuni 316.
nbsp; lannicum 816.
nbsp; tartaricum 316.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
Alphabetisches Sachregister.
|
599
|
|||
|
|
||||
|
Formol 281.
i'owler'sche Lösung 349. Frangularinde 525. Fructus Acaciae Germani-cae 377.
nbsp; Anethi 4G4.
nbsp; Anisi 404. -------stellati 464.
nbsp; Aurantii immaturi 497.
nbsp; Capsioi 490.
nbsp; Cardamomi 493.
nbsp; Carvi 467.
nbsp; Cassiao Fistulae 535.
nbsp; Ceratoniao 566.
nbsp; Oolooyutbidia 533.
nbsp; Coriandri 467.
nbsp; Foeniculi 466.
nbsp; Junipoii 461.
nbsp; Lauri 463.
nbsp; Myrtilli 377.
nbsp; Papaveris immaturi 85.
nbsp; Petroselini 4(i8.
nbsp; Phellandrii 467.
nbsp; Rhamnicatharticae523.
nbsp; Sorbi aucupariae 377.
nbsp; Vanillac 495.
nbsp; Vitis idaeae 377. Fuligo 234.
Pumigationes Ohlori 255. Fungus Laricis 157. Fuselöl 133.
|
Gentiopikrin 381. Gerbsäure 365. Gewürznelken 495. Giftlattichsaft 160. (lips, gebrannter 587. tiithagin 189. Glandes Quercus 376. Glandulao Lupuli 389. suprarenales siccatae
166. Glanzruss 234. Glaubersalz 402. Glukoside 5. Glutol 282. Glycerin 579. Glycerinsalbe 579. Glyoyrrhizin 564. Glykoside 5. Gnoskopin 84. Goapulver 377. Gold 347. Goldregen 82. Goldschwefel 337. Gossypiin 220. Gossypiura depuratuni 588. Gottesgnadenkraut 385. Goulard'sches Wasser 317. Grana Tiglii 527. Granatrindo 547. Gratiolin 530. GraueQuecksilbersalhe 290. Grauspiessglanz 337. Grindelia 513. Grindwurzel 377. Grünspan 326. Guaranapaste 75. Guajakholz 511. Guayakol 226. Guineapfeffer 490. Gummi Amraoniacum 502. Gummi, arabisches 562. Gummi elasticura 586. Gummigutti 525. Gurjunbalsam 501. Guttapercha 585. Gutti 525. Gymnemasäure 161. Gyps, gebrannter 587.
|
Hammeltalg 570. Hanf, indischer 159. Hanfsamen 560. Haschisch 150. Haselwurzel 512. Hauhechelkruut 877. Hauhechclwurz 485. Haustus Viennensis 523. Hebra'sche Salbe 318. Heftpflaster 455. Heidelbeeren 377. Helenin 484. Helleborein 176. Helleborin 82. 176. Helleborus 170. Helmerich'sche Salbe 360. Hepar Sulfuris 362. Heptan 155. Heiba Absinthii 481.
nbsp; Adonis vernalis 81.
nbsp; Cannabis Indicae 159.
nbsp; Capilli Veneris 514.
nbsp; Cardui benedicti 385.
nbsp; Centaurei 384.
nbsp; Cholidonii 536.
nbsp; Chenopodii 514.
nbsp; Chochleariae 489.
nbsp; Conii 112.
nbsp; Ericae vulgaris 377.
nbsp; Galeopsidia 514.
nbsp; Gratiolae 536.
#9632; Hernariae 514.
nbsp; Hyoscyami 109.
nbsp; Lobeliae 160.
nbsp; Moliloti 486.
nbsp; Millefolii 390.
nbsp; Ononidis 377.
nbsp; Origani 514.
nbsp; l'olygalae 390.
nbsp; Serpylli 474.
nbsp; Spilanthis 514.
nbsp; Tanaceti 549.
nbsp; Thymi 472.
nbsp; Violae tricoloris 559. Herbstzeitlose 190. Herzmittel 65. Hesperidin 495.
Hexan 155. Himbeersyrup 566. Hirschhornöl 233. Hirschhornsalz 428. Hirtentäschchen 377. Höllenstein 283. Hoffmann's Tropfen 140. Hollunderblüthen 476. Holzessig 232. Holzkohle 280. Holztheer 228. Homatropin 109. Honig 566.
|
||
|
G.
Galbanum 504. Galega officinalis 514. Galgantwurzel 493. Galitzenstein 329. Gallacetophenon 380. Gallae 370. Galläpfel 870. Gallal 379. Gallanol 379. Gallicin 380. Gallobromol 145. Gallusgerbsäure 364. Gallussäure 379. Gallussulfbsäuro 380. Gartenschierling 112. Gaultheria prooumbens 33. Gebrannter Kalk 413.
nbsp; Knochen 417.
nbsp; Magnesia 420. Geigenharz 455. Gelatina Carrageen 563. Gelber Präcipitat 302. Gelseminin 160. Gentiana 381.
|
||||
|
H.
Hämatoxylin 376. Hämogallol 317. Hämol 317. Haidekraut 377. Haller'sches Sauer 441. Halogene 19. Hamamelis 376.
|
||||
|
|
||||
|
|
|||||
|
600
|
Alphabetisches Sachregister.
|
||||
|
|
|||||
|
|
Hopfen 389. Hopfenbitter 389. Hul'kitt, Defays'scher 586 Hufluttich 559. Huflederkitt 587. Hydracetin 62. Hydrargyrum 288.
nbsp; aethylochloratum 30ü.
nbsp; alaninicum 300.
nbsp; amidato-bichloratum 306.
nbsp; bichloratum 292.
nbsp; bichloratum earbamida turn 306.
nbsp; bijodatum 304.
nbsp; chloratum 298.
nbsp; citricum 306.
nbsp; cyanatum 305.
nbsp; diphenylicum 306.
nbsp; formamidatum 306.
nbsp; gynokardicum 300.
nbsp; jodatum 304.
nbsp; naphtholicum 306.
nbsp; nitricum 306.
nbsp; oleinicum 306.
nbsp; oxycyanatum 306.
nbsp; oxydatum 302.
nbsp; oxydulatum 306.
nbsp; peptonatum 306.
nbsp; praccipitatum album 305.
nbsp; rubrum 302.
nbsp; salicylicum 305.
nbsp; aulfuratum 306.
nbsp; sulfuricum 306.
nbsp; tannicum 305.
nbsp; thymolo-acetioum 300.
nbsp; -nitricum 306.
nbsp; -sulfuricum 306. Hydras Chlorali 127. Hydrastin 219. Hydrastinin 220. Hydrastiswurzcl 219. Hydratara Chlorali 127. Hydrochinon 252. 373. Hydrocotarnin 84. Hydroxylamin 380. Hyoscin 110. Hyoseyarain 110. Hypermangansaures Kali
344. Hyperosmiumsilure 347. Hypnal 132. Hypnon 156. Hypophysis cercbri 166.
I.
Ichthyol 250. Igasursäure 167.
|
Ignatiusbohne 167. Imperatoria 485. Indifferente Mittel 20. Indischer Hanf 159. Infusum Sennae compos.
523. Ingwer 492. luolin 420. Insektenpulver 497. Ipecacuanha 185. Iriswurzel 486. Irländisches Moos 563. Isaconitin 172. Isländisches Moos 387. Izal 235.
|
Kajeputöl 496. Kakaobutter 570. Kalabarbohne 195. Kalilauge 411. Kalium aceticum 405.
nbsp; bicarbonicura 401.
nbsp; bichromicum 345.
nbsp; bitartaricum 410.
nbsp; bromatum 144.
nbsp; nbsp;carbonicum 400.
nbsp; nbsp;causticum 411.
nbsp; chloricum 275.
nbsp; nbsp;cyanatum 105.
nbsp; dicliromicum 345.
nbsp; jodatum 272.
nbsp; natrio-tartaricum 411.
nbsp; nitricum 408.
nbsp; permanganicum 344.
nbsp; nbsp;sulfuratum 362.
nbsp; sulfuricum 402.
nbsp; tartaricum 407. Kalk, gebrannter 412.
nbsp; kohlensaurer 415.
nbsp; phosphorsaurer 416.
nbsp; schwefelsaurer 587. Kalkmilch 413. Kalkwasser 413. Kalmuswurzel 483. Kamala 545. Kamillen 469. Kamillenöl 409. Kampechienholz 376. Kampher 449. Kampherliniment 450. Kampheröl 450. Kamphersalbe 450. Kamphersäure 450. Kampherspiritus 450. Kamphocarbonsäure 451. Kanadische Gelbwurzel
219. Kanthariden 506. Karbolsäure 221. Kardamom 493. Kardobenedictenkraut 385. Kardol 512. Karlsbadersalz 403. Karmelitergeist 472. Kaskarillrinde 388. Kastoreum 511. Kastoröl 530. Kataplasma ad decubitura
317. Katechu 371. Kautschuk 586. Kawa-Kawa 161. Kefir 138. Keratin 589. Kerosolen 155. Kinderpulver 423.
|
||
|
J.
Jaborandiblatter 204. Jalapenharz 526. Jalapenknollen 526. Japakonitin 173. Javanisches Pfeilgift 167. Jequirity 590. .Tervin 175. Jod 260. Jodäther 162. Jodäthyl 163. Jodblei 319. Jodeyan 268. Jodeisen 316. Jodismus 262. Jodkalium 272. Jodnatrium 273. Jodocoffein 80. Jodoform 266. Jodoformin 267. Jodol 266. Jodopyrin 53. Jodotheobromin 80. Jodquecksilber 304. Jodsäure 268. Jodtinctur 260. Jodtrichlorid 267. Jodum 260.
nbsp; tribromatum 267.
nbsp; trichloratum 267. Johannisbrot 566. Judenkirsche 514. Juglandin 375. Juniperin 461. Jurubeba 536.
|
|||||
|
Kadeöl 229. Kairin 63.
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
Alphabetisches Sachregister.
|
001
|
|||
|
|
||||
|
Kino 376.
Kirschlorbeerwasser 115. Klettenwurzel 560. Knoblauch 489. Knochenmehl, aufgeschlo.s
senes 417. Kochsalz 391. Königswasser 444. Kohle 280. Kohlensäure 448. Kohlensaurer Kalk 415. Kohlensaures Ammonium
428.
nbsp; nbsp;Blei 319.
nbsp; Calcium 415.
nbsp; nbsp;Kalium 400.
nbsp; nbsp;Lithium 433.
nbsp; nbsp;Magnesium 422.
nbsp; nbsp;Natrium 896. Kohlenwasserstoffe 8. Kokkelskörner 174. Kokosnussöl 570. Kolanüsse 75. Kollodium 584. Kolombowurzel 386. Kolophonium 455. Koloqninthen 533. Kopaivbalsam 501. Koriander 467. Kosin 546. Kosoblüthen 546. Kotorinde 512. Krilhenaugen 167. Krappwurzel 377. Krauseminze 471. Kreide 415. Kreolin 235. Kreosol 226. Kreosot 226. Kreosotol 228. Kresalol 46. Kresapol 235. Kresin 235.
Kresol 234. Kresolin 235. Kresotinsilure 49. Kreuzdornbeeren 523. Krotonöl 527. Krystallin 585. Krystallose 668. Kubeben 491. Kümmel 467. Kumys 133. Kupferalaun 326. Kupfer ammo n iumsul fat
320. Kupferoxyd 326. Kupfersti'ft 826. Kupfersulfat 325. Kupfervitriol 325.
|
Kussin 546. Kussoblilthen 546.
|
Linimentum camphoratum
450. #9632; saponato-amraoniatum
426.
nbsp; -camphoratum 450.
nbsp; terebinthinatum 455.
nbsp; volatile 426. Lipanin 575. Lippia Mcxicana 518. Liquiritia 564.
Liquor Aluiuiiiii acetici 842.
nbsp; Ammonii acetici 483.
nbsp; anisatus 42Ü. 464.
nbsp; nbsp; caustici 426.
nbsp; nbsp;corrosivus 817.
nbsp; nbsp;Cresoli saponatus 284.
nbsp; Ferri acetici 816.
nbsp; nbsp; albuminati 815.
nbsp; nbsp; oxychlorati 316.
nbsp; nbsp; peptonati 816.
nbsp; nbsp; sesquichlorati 814.
nbsp; nbsp;hollandicus 162.
nbsp; nbsp;Kalii acetici 406.
nbsp; nbsp; arsenicosi 849. --------carbonici 400.
nbsp; nbsp; caustici 411.
nbsp; nbsp;Natrii caustici 411.
nbsp; nbsp; hypochlorosi 255. silicici 587.
nbsp; nbsp;Plumbl subauetici 818.
nbsp; nbsp;Stibii chlorati 334.
nbsp; nbsp;Villati 820. Lithargyrum 818. Lithium carbonicum 433.
nbsp; nbsp;citricum 434.
nbsp; nbsp;salicylicum 438. Lobelienkraut 160. Lobelin 160. Löffelkraut 489. Löwenzahn 888. Lorbeeren 468. Lorbeeröl 463. Loretin 253. Losophan 268. Lugol'scho Lösung 260. Lupetacin 164. Lupulinsäure 889. Lupulit 389.
Lustgas 168. Lycetol 104. Lykopodium 569. Lysidin 104. Lysol 235. 244.
|
||
|
L.
Labarraque'sche Flüssigkeit 255.
Lachgas 163.
Lao Sulfuris 859. Lactophenin 61. Lactose 566. Lactucarium 160. Lactucin 160. Lärchenschwanun 157. Lärchenterpentin 454. Läusekörner 174. Läusesamen 174. Laifan 452. Lakritzensaft 564. Laminaria 588. Landschierling 112. Lanolin 582. Lantliopin 84. Lapides cancrorum 415.
nbsp; nbsp;spongiarum 415. Lapis causticus ehirurgor.
411.
nbsp; nbsp;divinus 826.
nbsp; inf'ernalis 283.
nbsp; nbsp;ophthalmicus 326. Laudanin 84. Laudanum 83.
nbsp; liquidum 84. Laugensalz, flüchtiges 428. Laurin 463. Laurostearin 463. Lavendelblüthen 475. Leberthran 574.
Leichte Metalle 16. Leinöl 572. Leinsamen 500. Leptandrin 536. Levisticum 485. Liehen Irlandicus 563.
nbsp; Islandicus 387. Liebstöckelwurzel 485. Lignosulfit 361. Lignum Campeohianum
876.
nbsp; nbsp;Guajaci 511.
nbsp; Haematoxyli 870.
nbsp; Quassiae 885.
nbsp; sanctum 511.
nbsp; nbsp;Sassafras 511. Ligroine 155. Limatura Ferri 305. Lindenblüthen 475. Linimentum ammoniatum
426.
|
||||
|
M.
|
||||
|
Macis 496. Macisöl 496.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
602
|
Alphabetisches Sachregister.
|
|||
|
|
||||
|
Magisterium Bismuthi 339. Magnesia caibonica 422.
nbsp; gebrannte 420.
nbsp; nbsp;schwefelsaure 424.
nbsp; nbsp;usta 420. Magnesium boricum 279.
nbsp; carbonicum 422.
nbsp; nbsp;citricum 423.
nbsp; sulfuricum 424. Maiblume 81. Malachitgrün 254. Malakin 46. 61. Mallem 553. Mallotoxin 545. Malvenbliittcr 558. Malvonblüthen 558. Manaca 536. Mandeln, bittere 114.
nbsp; süsse 572. Mandelöl 572. Manganum sulfuricum 345. Manna 534.
Mannit 534. Marantastilrke 566. Martialia fortiora 309. #9632; mitiora 309. Mastix 456. Maticoblätter 377. Meconium 83. Medulla ossium 166. Meerrettig 489. Meerzwiebel 74. Meisterwurzel 485. Mekonidin 84. Mekonin 84. Mekonium 83. Mekonoisin 84. Mekonsilure 84. Mel 566. Melilotus 486. Melissen 472. Mennige 319. Menthol 471. Monyanthin 384. Merkurialismus 289. Merkurius 288.
nbsp; nbsp;dulcis 298. Metalle, schwere 14.
nbsp; nbsp;leichte 16. Metamorphin 84. Methacetin 61. Methylal 163. Methylchlorid 161. Methylenbichlorid 161. Methylenblau 254. Methylfluorid 448. Methylsaccharin 574. Methylviolett 254. Migränin 53. 80. Mikrocidin 249.
|
Milchsäure 448. Milchzucker 566. Millefolium 390. Minium 319. Mirobaianus 514. Mixtura oleoso-balsaraioa 495.
nbsp; sulfurica acida 441. Mohnköpfo, unreife 85. Mohnöl 572. Mohnsaft 83. Mohnsamen 560. Mollin 577.
Monobronikampher 162. Monotropa Hypopitys 33. Moos, irländisches 563.
nbsp; isländisches 387. Morphin 84. Morphinum nceticum 88.
nbsp; hydrochloricum 88.
nbsp; nbsp;muriaticum 88.
nbsp; nbsp;sulfuricum 88. Morphiumreactionen 88. Morrhuol 574. Morrison'sche Pillen 525. Morveau'sche Chlorräuche-
rungen 255. Moschus 511. MudlagO Cydoniae 660.
nbsp; nbsp;Gummi arabici 562.
nbsp; nbsp;Salep 563.
--- Tragacanthae 563. Muira puama 513. Muskarin 214. Muskatnuss 496. Muskatnussbutter 496. Mutterharz 504. Mutterkorn 214. Mydrin 109. Myristicin 496. Myrosin 487. Myrrhe 503. llyrrhcntinctur 503. Myrrhol 503. Myrtol 477.
|
Natrium benzoieum 46.
nbsp; nbsp;biboraoieum 277.
nbsp; bicarbonicura 397.
nbsp; nbsp;bromatum 144.
nbsp; nbsp;carbonicum 396.
nbsp; nbsp;causticum 411.
nbsp; nbsp;chloratum 391.
nbsp; nbsp;chloroborosum 279.
nbsp; dithiosalieylicum 45.
nbsp; hyperoxydatum 282.
nbsp; jodatum 273.
nbsp; jodicum 268.
nbsp; nbsp;kresotiniemn 49.
nbsp; nbsp;Ji-naphtholicum 247.
nbsp; nbsp;nitricum 409.
nbsp; nbsp;nitrosum 154.
#9632; oxynaphthoieum 249.
nbsp; phosphoricum 405.
nbsp; salicylicum 33.
nbsp; sozojodolicum 253.
nbsp; nbsp;subsulfurosum 361.
nbsp; snlfo-ichthyolicum 250.
nbsp; sulfosalicylioum 46.
nbsp; sulfuricum 402.
nbsp; nbsp;tartarieum 411.
nbsp; telluricum 348.
nbsp; nbsp;tetraboricum 279. Natronlauge 411. Natronsalpeter 409. Natronseife 570. Natronwasserglas 587. Nelken 495. Nelkenöl 495. Neurin 166. Neurodin 62. Nicotin 191. Nicswurzel 174. Nikotin 191. Nitroglycerin 153. Nitrum 408.
Nordhäuser Vitriolöl 441. Nosophen 255. 268. Nuces Colae 75.
Nux Arecao 548.
nbsp; nbsp;moschata 496.
nbsp; vomica 167.
|
||
|
N.
Napellin 172. Naphthalin 245. Naphthalol 46. Naphthoesäuron 249. Naphthol 247. Naroein 84. Narcotica 88. Narkotin 84. Nataloin 516. Natrium aceticum 406.
|
O.
Oohsengalle 390.
Odol 44.
Oele, ätherische 12.
nbsp; fette 571. Oleandrin 82. Olein 571.
Oleum Absinthii 481.
nbsp; nbsp;Amygdalarum 572
nbsp; Anda-Assu 536.
|
|||
|
|
||||
|
|
||||
|
Alphabetisches Sachregister.
|
603
|
|||
|
|
||||
|
Oleum Angelicae 483.
nbsp; animalo aethereum 233.
nbsp; foetidum 233.
nbsp; Anisi 404.
nbsp; Aurantii 497.
nbsp; betulinum 229.
nbsp; Cacao 570.
nbsp; cadinum 229.
nbsp; Cajeputi 49ü. - Calami 484.
camphoratum 450.
nbsp; Cantharidum 507.
nbsp; Carvi 408.
nbsp; Caryophyllorum 495.
nbsp; Chaberti 224.
nbsp; Chamomillae 409.
nbsp; nbsp;cinereum 290.
nbsp; Cinnamomi 493.
nbsp; Oitri 497.
nbsp; Coeos 570.
nbsp; contra Taeniam 233.
nbsp; Cornu Cervi 233.
nbsp; Crotonis 527.
nbsp; Dippolii 233.
nbsp; Kukalypti 477.
nbsp; Floi'um Fersioi 498.
nbsp; Foeniculi 467.
nbsp; Hyoscyami 110.
nbsp; Jecoris Aselli 674.
nbsp; Imperatoriae 485.
nbsp; Iridis 486.
nbsp; Junipcri aethereum 401. -------empyreumaticum
229.
nbsp; Lauri 463.
nbsp; Lavandulae 475.
nbsp; Lini 572.
nbsp; Lithanthracis 229.
nbsp; Macidis 496.
nbsp; Melissae 472.
nbsp; Menthae crispao 471.
nbsp; Menthae piperitao 470.
nbsp; Myrti 477.
nbsp; Neroli 497.
nbsp; Nucistae 496.
nbsp; Olivarum 571.
nbsp; l'apaveris 572.
nbsp; l'etrae 155.
nbsp; phosphoratum 853.
nbsp; i'impinellae 485.
nbsp; Pini Piunilion. 512.
nbsp; provinciale 571.
nbsp; Hapae 572.
nbsp; Ricini 530.
nbsp; llosae 476.
nbsp; Rosmarin! 476.
nbsp; Husci 229.
nbsp; Sambuci 476.
nbsp; Santali 512.
nbsp; laquo;erpylli 474.
|
Oleum Sinapis 487.
nbsp; Tanaceti 554. Terebinthinae 454.
nbsp; Thymi 472.
nbsp; Tiliao 476.
nbsp; Valerianao 478. - Vitrioli 441.
Olibanum 504. Olivenöl 571. Ononis 485. Opianin 84. Opiansäure 84. Opium 83. Opiumtinctur 84. Opodeldok 450. Orangenbliithenöl 497. Orexin 390. Osmiumsäure 347. Ossa Sepiae 415. usta alba 417. Ovariinuni 160. Oxychinaseptol 253. Oxvkrat 427. Oxymel Soillae 74. OxynaiDhthocsiiure 249. Oxynaphthoesaures Natrium 249. Oxysparte'i'n 81.
|
Persicin 498.
Pcraisches Insektenpulver
498. Perubalsam 498. Pütersiliensamen 468. Petroläther 155. Petroleum 155. L'etrolcumiither 155. I'etroleumbenzin 154. l'etroleumnaphtha 155. Pfeffer, schwarzer 489.
nbsp; spanischer 490. l'fefferminzblätter 470. Pfefferminzöl 470. Pfeilgift, afrikanisches 71.
nbsp; amerikanisches 159.
nbsp; javanisches 107. Phagedänisches Wasser
300. Phenacetin 58. Phenocoll 60. Phenol 221. Phenolin 235. I'henosalyl 254. Phenylborsiuire 279. Phcnylessigsilure 254. Phonylpropionsiluro 254. f'henylsilure 221. Phonylsalicylsäure 46. Phenylurethan 64. Phosphor 353. Phosphoröl 353. Phosphorsiluro 440. Phosphorsaures Eisen 316.
nbsp; Kalk 410.
nbsp; Natron 405. Pbysostigmin 196. Pichi-Pichi 513. Picrol 268. Pikrinsäure 253. Pikrotoxin 174. Pilocarpin 204.
Pilulae aloeticae ferratac 516.
nbsp; .Talapae 537.
nbsp; Kreosoti 226. Pimpinollwurzel 485. Pininsäure 457. Piper hispanicum 490.
nbsp; methysticum 161.
nbsp; nigrum 489. Piporazin 104. l'iperidin 158. Piperin 490. Piperonal 490. Piscidiarinde 160. Pix liquida 228.
nbsp; navalis 229. 455.
nbsp; solida 229. 455. Placenta Scminis Lini 560
|
||
|
P.
Palmitinsäure 570.
Panamarinde 189.
Pankreatin 590.
Papain 590.
Papaverin 84. 97.
Pa paver somniferum 83.
Pnpayotin 590.
Pappclrindo 377.
Paprika 494.
Paraootoin 512.
Paraffin 581.
Paraffinsalbe 581.
Paraguaythee 75.
Paraldehyd 150.
l'asta caustica viennensis
413. Guarana 80. Pastilli Hydrargyri bi-
chlorati 293. Paternostererbsen 590. Pech 229. Pellotierin 547. Pellotin 164. Pontal 164. Pepsin 589. Pepton 590. I'ercha lamellata 585.
|
||||
|
|
||||
|
|
||||
|
(]04
|
Alphabetisches Sachregister.
|
|||
|
|
||||
|
Plumbum aceticum 317.
nbsp; cnrbonicuni 319.
nbsp; causticum 319.
nbsp; chloratum 319.
nbsp; nbsp;ehromicum 319.
nbsp; jodatum 319.
nbsp; nitricum 319.
nbsp; nbsp;oleinicum 319.
nbsp; salicylicum 319.
nbsp; subacetieum 318.
nbsp; sulfo-phonylicum 319.
nbsp; sulfuricnin 319.
nbsp; tannieum pultif'onno 318.
Pockensalbe 334. Podophyllin 581. Polygala amara 390. Polygalasilure 188. Polysove 577. l'omerauzenblütlienöl 497. Pomeranzenschale 497. I'orphyroxin 84. l'otio Riveri 447. Pottasche 400. Potus Viennensis 523. Präcipitat, rother 302,
nbsp; weisser 305. Preiselbeeren 377. Propylamin 164. Prostata siccata 106. Protopin 84. Provenceröl 571. Pseudoaconitin 172. Pseudojervin 175. Pseudomorphin 84. Pulpa Tamarindorum
635. Pulvis aerophorus 447.
nbsp; antacidus 423.
nbsp; contra insecta 497.
nbsp; Doweri 85.
nbsp; gummosus 502.
nbsp; ini'antum 423.
nbsp; Ipecaouanhae opiatus 85. 186.
nbsp; Liquiritiae compositus 505.
nbsp; Magnesiae cum Rhco 423. 520.
nbsp; Persicus 497.
nbsp; salicylicus cum Talco 40.
Punicin 547. Pyoktanin 254. Pyrethrum 497. Pyridin 158. Pyridinbasen 158. 192. Pyrogallol 379. Pvrogallussilure 379. Pyrozon 282.
|
Quassia amara 385. Qu assiin 385. Quebraohiu 161. Quebrachorinde 161. Queckenwurzel 559. Quecksilber 288.
nbsp; -Chlorid 292.
nbsp; -chlorur 298.
nbsp; -cyanid 306.
nbsp; -fonnamid 306.
nbsp; -glykokoll 306.
nbsp; -jodid 304.
nbsp; -jodür 804.
nbsp; -oxyd 302. Quecksilborpepton 300.
nbsp; -präcipitat, rother 302.
nbsp; -präcipitat, weisser 305.
nbsp; -salbe, graue 290.
nbsp; -salbe, rothe 302.
nbsp; -salbe, weisse 305.
nbsp; -sublimat 292.
nbsp; -Vergiftung 292. Quendel 474. Qnillajarindo 189. Quillajasäure 188. Quittenschleim 500.
R.
Radix Althaeae 557.
nbsp; Angelicae 482. #9632; Annoraciae 489.
nbsp; Asari 511.
nbsp; Bardanae 560.
nbsp; Colombo 886. -- Enulae 483.
nbsp; Gentian ae 381.
nbsp; Glycyrrhizae 564.
nbsp; Helenii 483.
nbsp; Hcllebori albi 175.
nbsp; nigri 176. -------viridis 176.
nbsp; Ipecacuanhae 185.
nbsp; Lapathi 377.
nbsp; Levistici 485.
nbsp; Liquiritiae 564.
nbsp; Ononidis 485.
nbsp; Pimpinellne 485.
nbsp; Pyrcthri 511.
nbsp; Ratanhiae 372.
nbsp; Rhei 519.
nbsp; Rubiao tinctoriae 377. Saponariae 189.
nbsp; Sarsaparillae 511.
nbsp; Senegae 188.
nbsp; Taraxaci 388.
nbsp; Valerianae 477.
nbsp; Veratri albi 175.
|
Rainfarnkraut 549. Rapsöl 572. Ratanbiawurzel 372. Rautenblätter 513. Renes siccati 160. Repsöl 572. Resina Penzoes 46.
nbsp; Dammar 456.
nbsp; Draconis 876.
nbsp; Elemi 456.
nbsp; Euphorbii 504.
nbsp; .lalapao 526.
nbsp; Mastix 450.
nbsp; Pini 455. Resorcin 252. Rhabarber 519. Rhabarbertinctur 519. Rhamnokathartin 523. Rhcumgerbsäuro 519. Rhizoma Calami 483.
nbsp; Filicis 542.
nbsp; Galangat; 493.
nbsp; Graminis 559. - Hydrastis 219.
nbsp; nbsp;Impcratoriae 485.
nbsp; Iridis 486.
nbsp; Tormentillae 376.
nbsp; Veratri 174.
nbsp; Zedoariae 492.
nbsp; Zingibcris 492. Rhodinol 476. Rhöadin 84. Ricinolei'n 530. Ricinusöl 530. Rivcr'scher Trank 447. Roho Karbolsäure 222. Roher Holzessig 232. Rohkrosol 234. Rohrzucker 566. Romershausen's Augenwasser 467.
Roob Juniperi 462. Rosenöl 476. Rosmari n öl 470. Rosskastanie 377. Rother Präcipitat 302. Retterin 279. Rotter'sche Pastillen 279. Rottleraharz 545. Rotulae Menthae piperitae
471. Rubidium bromatum 145. Rubijervin 175. Rüböl 572. Russ 234.
S.
Sabadillsamen 175. Sabinakraut 460.
|
||
|
|
||||
|
|
||||
|
Alphabetisches .Sachregister.
|
(JOE
|
|||
|
|
||||
|
Saccharitlo 5. Saccharin 567. Saccharum S6.5.
nbsp; nbsp;lactis 560.
nbsp; nbsp;Saturni 817. Sadebaumspitzen 460. Säuren 20.
Safran 490. Salacetol 45. Salactol 46. Sal amarum 424.
nbsp; nbsp;ammoniacum 428.
nbsp; nbsp;anglicum 424.
nbsp; nbsp;Carolinura f'aetitium 403.
nbsp; nbsp;commune 391.
nbsp; nbsp;Oornu Cervi 428.
nbsp; culinaie 891.
nbsp; nbsp;inirabile Glauberi 402.
nbsp; nbsp;volatile 428. Salbeiblätter 374. Salepknollen 563. Salepschleim 563. Salicin 42. Salicylaldehyd 42. Salicylamid 46. Salicylsäure 83. Salicylsaures Natrium 33. Salifebrin 45. Saligenin 42. Salipyrin 44. 53. Saliretin 42. Salithymol 46.
Sallal 344. Salmiak 430. Salmiakgeist 426. Salocoll 46. Said 42. Salophen 45. Salpeter 408. Satpetergeist, versüsster
164. Salpetersäure 443. Salpetersaures Silber 288. Saluminum 344. Salzgeist, versüsster 164. Salzsäure 437. Sanatol 235. Santelöl 512. Santonin 538. Santoninoxin 539. Sapocarbol 235. Sapo domesticus 576.
nbsp; nbsp;liispanicus 576.
nbsp; jalapinus 526.
nbsp; kalinus 576.
nbsp; nbsp; venalis 576.
nbsp; nbsp;niger 576.
nbsp; nbsp;venetus 576.
nbsp; nbsp;viridis 576.
|
Saponaria officinal. 189. Saponin 189. #9632;Sapotoxin 189. Saprol 235. Sarsaparille 512. Sassafrasholz 511. Saturationen 447. Saturnismus 321. Sauerkohl 448. Scammonium 536. Schaf'garbenkraut 390. Scheidewasser 443. Schierlingskraut 112. Schiesspulver 408. Schiffspech 229. Schilddrüsenpräparate 165. Schlehen 377. Schmierseife 576. Schöllkraut 536. Schreiner'sche Base 164. Schwefel 358.
nbsp; nbsp;-äther 140.
nbsp; nbsp; antimon 837.
nbsp; -blumen 359.
nbsp; nbsp;-kalium 364.
nbsp; nbsp;-leber 362.
nbsp; nbsp;-milch 359.
nbsp; nbsp;-salbe 360. ~ -säure 441.
nbsp; nbsp;-spiessglanz 337.
nbsp; nbsp;-Wasserstoff 362. Schweflige Säure 361. Schweinefett 570. Schwere Metalle 14.
nbsp; nbsp;Steinkolilentheeröle234. Scilla maritima 74. Scilla'in 74. Scillipikrin 74. Scillitoxin 74. Sclerotinsäure 206. Scopolamin 110.
Sebum ovile 570.
nbsp; salioylatum 40. Seeale comutum 214. Sedativa 83.
Seife 576. Seifenpflaster 318. Seifenspiritus 577. Seifenrinde 189. Seifenstein 411. Seifenwurzel 189. Seignettesalz 407. Selenium 364. Semen Abri precatorii 590.
nbsp; nbsp;Arecae 548.
nbsp; nbsp;C'annabis 560.
nbsp; nbsp;Cinae 538.
nbsp; nbsp;Colchici 190.
nbsp; Cydoniao 560.
nbsp; Foenugraeci 560.
|
Semen Lini 561.
nbsp; nbsp;Lykopodii S69.
nbsp; nbsp;Myristicae 495.
nbsp; nbsp;l'apaveris 560.
nbsp; nbsp;Physostigmatis 195. ...... (Juercus 37f).
nbsp; nbsp;Sabadillae 175.
nbsp; nbsp;sanctum 538.
nbsp; nbsp;Santonici 538.
nbsp; nbsp;Sinapis 486.
nbsp; nbsp;Staphisagriae 174.
nbsp; nbsp;Strophantin 71.
nbsp; nbsp;Strychni 167. Sonegawurzel 188. Senegin 188. Senf 486.
Senföl 487.
Senfsamen 487.
Senfspiritus 487.
Sennesblätter 522.
Sopiasteine 415.
Silber, salpetersaures 283.
Siliqua dulcis 566.
Simaruba 514.
Sitnulo 514.
Sinapismus 488.
Sinigrin 486.
Sklerotinsäure 214.
Soda 396.
Solanin 161.
Solidago virgaurea 514.
Solphinol 279.
Solutio arsenicalis Fowleri
349. Solutol 235. 245. Solveol 235. 245. Solvin 577. Somatose 590. Somnal 103. Sozal 844. Sozojodol 252. Sozolsäure 252. Spanische Fliegen 506. Spanischer Pfeffer 490. Sparte'in 81. Spasmotoxin 217. Species amaricantes 384.
nbsp; nbsp;aromaticao 471.
nbsp; nbsp;diureticae 485.
nbsp; nbsp;emollientes 558.
nbsp; nbsp;pectorales 565. Sperma Ceti 570. Spei'min 164. Sphacelinsäure 216. Sphacelotoxin 217. Spiessglanz 337. Spiessglanzbutter 334. Spiraea Ulmaria 33. Spiritus 132.
nbsp; nbsp;aethereus 140.
|
||
|
|
||||
|
|
|||||
|
GOO
|
Alphabetisches Sachregister.
|
||||
|
|
|||||
|
|
Spiritus Aetheris chlorati 164.
nbsp; nbsp; nitrosi 164.
#9632; Angelicae compos. 4815. camphoratus 450.
nbsp; Cochleariao 487.
nbsp; e vino 133.
nbsp; Formicarum 447.
nbsp; Frumenti 133.
nbsp; Juniperi 462.
nbsp; Lavandulae 475.
nbsp; nbsp;Melissae 472.
nbsp; Menthae piperitae 471.
nbsp; saponatus 577.
nbsp; Sinapis 487. Spiritus Vini 133. Spirsilure 33. Spodium 417. Springgurke 536. Stärkmehl 568. Staphisagrin 174. Stechapfelblätter 112. Steinklee 486. Steinkohlenbenzin 155. Steinkohlentheer 229. Stephanskörner 174. Sternanis 464. Stibium kaliotartaricum
333.
nbsp; sulfuratum aurantiacum 337.
nbsp; orudum 337.
nbsp; nigrum 337. Stickstotfoxydul 163. Stiefmütterchen 33. 559. Stinkasant 505. Stinkendes Thioröl 233. Stipites Dulcamarae 161. Storax 501. Stramonium 112. Strontiumsalze 348. Strophanthin 72. Strophanthussamen 71. Strophanthustinctur 72. Strychnin 167. Strychnossamen 167. Sturmhut 172. Stypticin 97.
Styracin 501. Styrakol 228. Styrax 501. Sublimat 292. Sublimatpastillen 293. Succus Juniperi inspissatus 462.
nbsp; Liquiritiae 504. SOsstiolz 564. Sulfaminol 254. Sulfanilsiiure 255. Sulfonal 148.
|
Sulfur 358. Sulphur 358. Summitatcs Sabinae 400. Sylvinsäure 454. Syinphorolo 80. Syrupus Altheae 557.
nbsp; Amygdalarum 566.
nbsp; Aurantii corticis 497. -------florura 497.
nbsp; Cerasorum 566.
nbsp; Cinnamomi 493.
nbsp; nbsp;domesticus 424.
nbsp; Ferri jodati 310.
nbsp; nbsp; oxydati sol. 315.
nbsp; nbsp;Ipecacuanhae 180.
nbsp; nbsp;Liquiritiae 564.
nbsp; Mannae 566.
nbsp; Menthao piperitae 471.
nbsp; nbsp;Fapaveris 566.
nbsp; Rhamni cartharticae 524.
nbsp; Rhei 520.
nbsp; Rubi Idaei 566.
nbsp; Sencgao 188.
nbsp; nbsp;Sennae 523.
nbsp; simplex 566.
nbsp; Spinae cervinae 524.
|
Teukrin 514. Thalleiochinreaction 26. Thaliin 59.
Thallinum sulfuricum 59. ThebaVn 84. Thebolactinsilure 84. Thee 75. Thein 75. Theer 228. Theerwasser 229. Theobroma Cacao 76. Theobromin 76. Theobrominum lithio-ben-
zoicum 80. Theobrominum natrio-sali-
cylicum 76. Thermensalbe 366. Thermodin 62. Thevetin 82. Thierische Organprilparate
166. Thierkohle 280. Thieröl, stinkendes 233. Thiocampf 451. Thioform 46. 340. Thiol 250.
Thiophendijodid 208. Thiosapole 577. Thon 344. Thonerde 344.
nbsp; essigsaure 343. Thüringer Pillen 514. Thyinacetin 64. Thymian 472. Thymol 473. Thyreoidin 105. Thyroojodin 165. Tinctura Absinthii 481.
nbsp; Aconiti 173.
nbsp; Aloes 516.
nbsp; amara 382.
nbsp; Arnicae 479.
nbsp; aromatioa 494.
nbsp; Asae foetidae 505.
nbsp; Aurantii 497.
nbsp; Benzoes 47.
nbsp; Calami 484.
nbsp; Cannabis Indicae 159.
nbsp; Cantharidum 507.
nbsp; Capsici 490.
nbsp; Castorei 511.
nbsp; Catechu 371.
nbsp; Chinae 24.
nbsp; Cinnamomi 494. Colchici 190.
nbsp; Colocynthidis 533.
nbsp; Croci 496.
nbsp; Digitalis 66.
nbsp; Ferri chlorati aetherea 315.
|
||
|
|
T.
Tabak 191. Talcum 588. Talg 570. Talk 588. Talkerde 420. Tamarindenmus 535. Tanacetum 549. Tannal 344. Tannalbin 366. Tannigen 364. Tannin 364. Tannoform 367. Tapioka 568. Taraxacin 388. Tartarus boraxatus 407.
nbsp; depuratus 407.
nbsp; ometicus 333.
nbsp; natronatus 407.
nbsp; stibiatus 333. Tausendgüldenkraut 384. Tellursaures Natrium 348. Terebinthina 454. Terpentin 454. Terpentinöl 454. Terpinhydrat 460. Testae ovorum 415. Tetronal 149. Teufelsdreck 505.
|
||||
|
#9632;
|
|||||
|
|
|||||
|
|
||||
|
Alphabetisches Sachregister.
|
607
|
|||
|
|
||||
|
Tinctura Ferri oxychlorati aetheroa 315.
nbsp; nbsp; pomata 315.
nbsp; Giillarum 370.
nbsp; Gentianae 381.
nbsp; Jodi 260.
nbsp; Ipecacuanhae 186.
nbsp; Katechu 371.
nbsp; Moschi 511.
nbsp; Myrrhao 503.
nbsp; Nerii Oleandri 82.
nbsp; Opii benzoica 84.
nbsp; crocata 84.
nbsp; simplex 84.
nbsp; Pimpinellao 485.
nbsp; Ratanhiae 372.
nbsp; Rhei aquosa 519.
nbsp; nbsp; vinosa 520.
nbsp; Scillae 74.
nbsp; Simulo 514.
nbsp; Strophanthi 72.
nbsp; Strychni 168.
nbsp; thebaica 84.
nbsp; nbsp;Valcrianae 478.
nbsp; Veratri 175.
nbsp; Zingiberis 492. Tollkirsche 102. Tolubalsam 501. Tolypyrin 58. Tolysal 46. 53. Tormentillwurzel 876. Traganth 563. Traumaticin 585. Trefusia 316. Tribromphenol 254. Tribromsalol 46. Trichloreasigsiluro 447. Trigonellin 561. Trikreaol 235. Trimethylamin 433. Trional 149. Tripolith 587. Tropacocain 98. Tubera Aconiti 172.
nbsp; Jalapae 526.
nbsp; Salep 563. Tuberculin 550. Türkischer Pfeffer 494. Tumenol 250. Tupelostifte 588. Tussol 53.
|
Umbelliferon 504. Ungarischer Pfeffer 490. Unguentum acidi borici 277.
nbsp; acre 507.
nbsp; ad decubitum 318.
nbsp; aegyptiacum 326. basilicum 455.
nbsp; camphoratura 450.
nbsp; Cantharidum 507.
nbsp; ceratura 576.
nbsp; Cerussae 319.
nbsp; camphoratum 450.
nbsp; cinereum 290.
nbsp; diachylon 318. digestivum 455.
nbsp; Glycerini 579.
nbsp; Hydrargyri 290. -------#9632; album 305.
nbsp; cinereum 290. -------rubrum 303.
nbsp; Kalii jodati 272.
nbsp; leniens 572.
nbsp; merouriale 200.
nbsp; Neapolitanum 290.
nbsp; nbsp;Paraffini 581.
nbsp; Plumbi 318.
nbsp; tannici 318.
nbsp; Rosmarini 476.
nbsp; Tnrtari stibiati 383.
nbsp; Terebinthinae 455.
nbsp; Zinci 330 Uralium 132. Uranium nitricum 348. Urethan 156. Urioedin 434. Uropheiin 80. Urotropin 164.
Ursen 373. Uva Ursi 373.
|
Vinum Colchici 190.
nbsp; Condurango 389.
nbsp; emeticum 186.
nbsp; Ipecacuanhae 186.
nbsp; Pepsini 590.
nbsp; stibiatum 333. Virga aurea 514. Vitriol, blauer 325.
nbsp; nbsp;weisser 829. Vitriolöl 441. Vogelbeeren 337.
|
||
|
TV.
Wacholderbeeren 461.
Wachs 575.
Wallnussbliltter 375.
Wallrath 570.
Wasser, destillirtes 592.
Wasserfenchel 467.
Wasserglas 587.
Wasserschierling 112.
Wasserstoffsuperoxyd 282.
Weidenrinde 376.
Weihrauch 504.
Wein 133.
Weingeist 132.
Weinsäure 447.
Weinsaure Alkalien 407.
Weinstein 407.
Weinsteinsäure 447.
Weisse Nieswurz 174.
Präoipitatsalbe 305.
Weisser Präcipitat 305.
Weizenstärke 568.
Wermuth 481.
Wickersheimer'sche Flüssigkeit 862.
Wiener Aetzpaste 417.
~ Trank 523.
Wintergrünöl 33.
Wismuth, salpetersaures 339.
Wismuthsalze 839. 340.
Wohlverleihblumen 475.
Wollblumen 559.
Wurmfarn 542.
Wurmfarnextract 543.
Wurmsamen 588.
|
||||
|
V.
Valeriana 478. Valerol 390. Vanille 495. Vanillin 495. Vaseline 581. Vasogen 582. Veilchenkampher 486. Veilchenwurzel 486. Vcratralbin 175. Veratrin 175. Veratrum album 175. Villate'sche Flüssigkeit 317. Vinum 183.
nbsp; camphoratum 450.
nbsp; Chinae 24.
|
||||
|
U.
Uebermangansaures Kali
344. üeberosmiumsäure 347. Ulmenrinde 877.
|
X.
Xeroform 340.
Y.
Yerba Santa 514.
|
|||
|
|
||||
|
|
|||||
|
608
|
Alphabetisches Sachregister.
Zincum chloratum 331.
nbsp; oxydatum 329.
nbsp; salicylicum 330.
nbsp; sozojodolicum 253.
nbsp; sulfocarbolicum 329.
nbsp; sulfeich thy olicum 246.
nbsp; sulfuricum 329.
nbsp; tannicum 330.
nbsp; valerianicum 330.
|
Zingiber 492. Zinkblumen 329. Zinkoxyd 329. Zinksalbe 330. Zinkvitriol 329. Zinkweiss 329. Zitwersamen 638. Zitwerwurzel 492. Zucker 566.
|
|||
|
Z.
|
|||||
|
Zedoaria 492. Zoitlosensanifn 190. Zimmt 493. Zimmtöl 493. Zimmtwasaer 494. Zincum aceticum 329. bromatum 330.
|
|||||
|
|
|||||
|
J.
|
, V
|
||||
|
|
|||||
|
|
||
|
|
||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
4 gt; f
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
^ - - ^ m ^
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
v3 '*
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
i i^-^
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
;#9632;*/
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
r-.^, #9632;#9632;;-^
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
/ t-
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
lt;#9632;-:. ..
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
l^'
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
X^
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
j
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
gt;, \
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
J^r^Ci'-r
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
^'^titi''
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
r A
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
L:^ -^rquot;
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
#9632;nss.
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
|
y-lt;amp;-jf--y-
|
|||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
^^*xm.
|
|
^^
|
|
|||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
j ^
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
|
|
||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||