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LEHRBUCH
1)EI{
ARZNEIMITTELLEHRE FÜR THIERARZTE.
DRITTE AUF LAUE.
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BIBLIOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 298 8
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LEHRBUCH
DER
ARZNEIMITTELLEHRE
PUB
THIERÄRZTE
VON
Dr. med. EUGEN FRÖHNER.
PROFESSOR AN DER K. THIBEÄRZTLIOHEN HOCHSCHULE ZU BERLIN.
Dritte, verbesserte und vermehrte Auflage.
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STUTTGART. VERLAG VON FERDINAND ENKE.
1898.
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Diis Recht der üebersetzung bleibt vorbehalten,
DtUoU der Union Deutsdie VerlaKSgesellsoliaft in Stnttgarl.
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Vorwort zur dritten Aüfla'
b'
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trotz des kurzen Zeitraums von nicht ganz drei Jahren, der zwischen dem Erscheinen der zweiten und der jetzigen dritten Auf­lage der Arzneimittellehre gelegen ist, hat die Pharmakologie doch ganz erhebliche Fortschritte und Neuerungen zu verzeichnen, welche neben vielfachen Verbesserungen bei der Neubearbeitung des Buches auch eine nicht unbeträchtliche Vermehrung des Inhaltes bedingten. Es mussten unter anderem, um dem Lehrbucbe seine Vollständigkeit und seine Bedeutung als Nacbschlagebuch zu bewahren, nicht weniger als 00 neue Arzneimittel berücksichtigt werden. Darunter befinden sich einige, welche speciell für die Thierheilkunde schon jetzt unent­behrlich geworden sind, nämlich das Tuberculin und das Mallem. Ich habe diesen Mitteln unter der Bezeichnung „Diagnosticaquot; eine besondere Abtbeilung zugewiesen. Um eine allzustarke Umfangs-vermebrung der neuen Auflage zu verhüten, habe ich die übrigen neuen Arzneimittel möglichst kurz in Kleindruck aufgenommen. Als die wichtigsten derselben dürften zu bezeichnen sein, soweit sich dies jetzt schon bestimmen lässt: üiuretin, Salipyrin, Salophen, Phenocoll, Trional, Tetronal, Lysol, Solved, Solutol, Aristol, Dermatol, Pyoktanin.
Auch der vorliegenden Auflage ist neben dem neuesten deutschen Arzneibuch die österreichische Phannakopoe mit zu Grunde gelegt worden, nachdem das Lehrbuch in Oesterreich eingeführt ist.
Schliesslicb sei erwähnt, dass zwei üebersetzungen meiner Arzneimittellehre, eine ins Ungarische, eine andere ins Russische, erschienen sind. Die ungarische Uebersetzung hat Herr Professor Dr. von Ratz in Budapest, die russische haben die Herren Nadel und Q-ordjeff in Charkow besorgt.
Berlin, den 1. December 1892.
E. Fröhner.
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Vorwort zur ersten Auflage.
Mit dem vorliegenden Ldirbuche habe ich den Versuch gemacht, den Studirenden der Thierheilkunde und den Oollegen in der Praxis in möglichster Kürze und Ucbersichtliclikeit den wesentlichen Inhalt der thierärztlichen Arzneimittellehre nach dem derzeitigen Standpunkte der Wissenschaft zugänglich zu machen. Das Lehrbuch entspricht genau der Durchschnittssumme von Kenntnissen, welche heutzutage im Examen von einem Oandidaten der Yeterinäriuedicin in Pharma­kologie. Pharmakognosie und pbarmaceutischer Chemie verlangt wer­den muss und darf. Die beiden letzten Fächer habe ich in genau bemessener Ausdehnung mit hereingenommen, weil ich an unserer Hoch­schule neben dem Lehrfache der Pharmakologie auch das der Pharma-kognosie innehabe und weil ich aus eigener Erfabmng weiss, dass namentlich im Gebiete der Pliarmakognosic zuweilen bei der thier­ärztlichen Staatsprüfung an die Examinanden allzu grosse Anforde­rungen gestellt werden. Man soll allerdings auch nicht zu wenig verlangen. Das den Thierärzten eingeräumte Recht des Selbstdispen-sirens verpflichtet dieselben, ganz speciell auch im Gebiete der Pbarma-kognosie und pharmaceutischen Chemie sich Kenntnisse zu erwerben, an welche ein höherer Massstab zu legen ist, als beispielsweise an die eines Arztes. Aus diesem Grunde babe ich auch die wichtigsten Prüfungsmetboden etwas ausführlicher in den Rahmen des Lehrbuchs mit hereingezogen (Chinin. Morphin, Chloroform, Perubalsam etc.).
Wie eine unbefangene Prüfung ergeben wird, habe ich ein blosses Compendium mit dem vorliegenden Buche nicht schreiben wollen. Der Leser wird finden, dass ich in demselben zahlreiche selbständige Ver­suche eingefügt und bei aller Objoctivität doch eine eigene Auffassung vertreten habe. Ich war unter anderem auch bemüht, soweit dies in der kurzen Zeit möglich gewesen ist, die oft arg willkürlich bebandelte
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Vorwort.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;VJI
Dosenlehre dureli eigene Oontrolversuohe zu reotiticii-en. Hiebei ist mir der Besitz eines mit den modernen Hilfsmitteln ausgerüsteten plifiruiiikologischen Instituts sein- zu Statten gekommen.
Freilich darf und soll nicht verschwiegen werden, dass unsere thierilrztliche pliarmakologische Wissenschaft sich noch in sehr be­scheidenen Anfängen befindet, und dass wir gerade in diesem Fache angestrengter und gemeinschaftlicher Arbeit benöthigen. um später auch nur bis zu einem gewissen Grade mit der humanen Medicin Schritt üu halten. Im Anfange und in der Mitte dieses Jahrhunderts, als die Menschenheilkunde selbst noch mit primitiven Mitteln auch in der Pharmakologie arbeitete, war das Verhältniss ein anderes. Damals nahm die thierärztliche Arzneimittellehre neben der menschenärztlichen eine geachtete, ebenbürtige Stellung ein. Es gilt dies ganz besonders von dem ausgezeichneten Hertwig'scben Leiirbucbe der thierärztlichen Arzneimittellehre, das sich auch in der humanen Medicin eines sehr guten Rufes erfreut hat. Seitdem ist aber in der Thierheilkunde gegenüber den grossartigen Portschritten in der Menschenheilkunde wenig mehr geschehen. Man begnügte sich vielfach, die menschen­ärztlichen Lehrbücher der Arzneimittellehre kritiklos, aber gründlich zu compiliren. Aus dieser unfruchtbaren Periode ragen nur einzelne, allerdings sehr gediegene, thierärztliche pliarmakologische Arbeiten hervor, um welche sieh vor Allem die Münchener Schule verdient gemacht hat.
Diese Umstände bedingen es, dass das vorliegende Lehrbuch weit entfernt ist, etwas Fertiges und Selbständiges zu bieten. Aber es ist mein ehrliches Bestreben gewesen, wenigstens von vornherein genau die Grenzen festzustellen, was thierärztliche und was menschen* ärztliche pliarmakologische Leistungen sind.
Von menschenmedicinischen Lehrbüchern der Pharmakologie, welche ich speciell meinem Studium der Arzneimittellehre zu Grunde gelegt und bei Abfassung des vorliegenden Werkes mitbenutzt habe, nenne ich in erster Linie die Binz'schen Vorlesungen über Pharma­kologie. Ich muss gestehen, dass sie mich von allen einschlägigen Werken am meisten angesprochen und angeregt haben. Ausserdem habe ich zu erwähnen die Lehrbücher von Nothnagel und Ross­bach, Liebreich und Langgaard, Schmiedeberg, Schultz und Fischer (Neuere Arzneimittel). Von pharmaceutischen Werken nenne ich hauptsächlich Plückiger und Schmidt (Marburg).
Die casuistische thierärztliche Literatur habe ich nur dann, wenn sie einigermassen brauchbare und hinreichend zuverlässige Be-
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VIII
Vorwort.
obaohtungen enthielt, berüoksiohtlgt, Sie vollständig wiederzugeben,, war durchaus niciit meine Absicht; dies ist Sache der speciellen Pa­thologie und Therapie. Wer sie sucht, findet sie vollständig in dem von Priedberger und mir herausgegebenen Lohrbuche der speciellen Pathologie. Ein Lehrbuch der Pharmakologie hat sich in erster Linie auf pharmakologische Untersuchungen und erst in zweiter Reihe auf klinische Beobachtungen zu stützen. Gerade bei der Verwerthung der Oasuistik kann man nicbt vorsichtig genug sein, da sie reich an Irrthümern ist. Wie oft berichtet sie über Fälle von Heilung durch Arzneimittel, denen in Wirklichkeit nur die Heilkraft der Natur zu Grunde lag. Man behandelt z. B. versuchsweise einzelne Krankheits­fälle mit einem bestimmten Arzneimittel, wobei die eine Hälfte der­selben ihren Ausgang in Genesung nimmt, und verkündet dann urbi et orbi, dass jenes Mittel in 500/o aller Fälle Heilung zu erbringen im Stande ist. Bei dieser Logik vergisst man aber ganz, dass die Mortalitätsziffer der fraglichen Krankheit überhaupt nur 50 quot;/o beträgt. Die klinische Tliierheilkunde der letzten Zeit ist nicht arm an der­artigen Trugschlüssen.
Die von mir gewählte Eintheilung der Arzneimittel ist auf praktische Erwägungen gestützt. Ich glaube nämlich, dasraquo; der Stu-dirende die Hauptwirkimg eines Arzneimittels besser würdigt und leichter im Gedächtnisse behält, wenn er das Mittel mit anderen, gleicbwirkenden zusammen in einer Gruppe findet; auch für den Prak­tiker dürfte diese Eintheilungsmethode die bequemste sein. Ausserdem konnte ich mir nicht verhehlen, dass für eine rein chemische Classi-tication die Zeit noch lange nicht gekommen ist. Es haben z. B. die chemisch verwandten Verbindungen Chlor, Chlornatrium, Chloroform,. Chloressigsäure oder Natrium causticum, Natrium chloratum, Natrium Jodatum, Natrium bromatum, Natrium salicylicum pharmakologisch absolut nichts mit einander gemein. Dazu kommt, dass wir bei sehr vielen Arzneikörpern die chemische Zusammensetzung überhaupt noch nicht keimen.
Bezüglich der Werthberaessung der einzelnen Arzneimittel habe ich mich mit Beflissenheit auf den conservativen Standpunkt gestellt und daher auch ältere Mittel beibehalten. Die nihilistische Richtung der letzten 25 Jahre, wie sie in der Menschenheilkunde namentlich von Nothnagel und Rossbach vertreten und in Anlehnung an diese Autoren auch in die Tliierheilkunde eingeführt worden ist, befindet sich glücklicherweise wieder im Rückgänge. Viele ältere, nicht mehr „modernequot; Arzneimittel sind neuerdings wieder zu verdienten Ehren
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Vorwort.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IX
gelangt; ich will nur an einen Fall, an die tief in Vergessenheit ge-rathenen Folia Uvae Ursi erinnern.
Ein Eingehen auf alle die vielen Theorien und Hypothesen, welche sich, wie in anderen Wissenschaften, so auch in der Pharma­kologie immer noch üppig breit machen, habe ich nach Tlmnlichkeit vermieden, da in den meisten Fällen weder dem Studirenden noch dem praktischen Thierarzte damit gedient ist. Vielmehr war es mein Bestreben, ein möglichst nüchternes, reelles, objectives Bild von der Wirkung der einzelnen Mittel zu entwerfen. Auch die subtilen Be­ziehungen der Narootioa zu einzelnen untergeordneten Organen habe ich nur dann berücksichtigt, wenn sie im Zusammenhang mit irgend einer therapeutischen Verwerthung standen.
Die vielen Arzneimitteln angeschlossenen Recepte sind wesent­lich im Interesse der Praxis beigefügt. Es ist mir aus Erfahrung bekannt, dass besonders das Verschreibon der neueren Arzneimittel und Arzneiformen auf Schwierigkeiten stösst und dass häufig die aller-einf.Tquot;hstcn Recepte nicht richtig abgefasst werden. Man sollte bei­spielsweise glauben, dass es etwas Selbstverständliches wäre, ein .lodofornireeept für äusserlichen Gebrauch zu verschreiben. Die Praxis hat mich eines anderen belehrt. Ich habe aus nächster Anschauung erlebt, wie von einem nicht etwa frisch approbirten Thierarzte für eine kleine Wunde verschrieben wurde: Rp. Jodoformii 500,0. Dieses Jodoformrecept kostete eine so erkleckliche Summe, dass eine lebhafte Interpellation des betreffenden Eigenthümers die Folge war. Aus diesem Grunde habe ich es für zweckdienlich erachtet, auch derlei einfache Recepte, wie: Rp, Jodoformii 10,0 etc. mit aufzunehmen. Zuschriften praktischer Collegen haben mich belehrt, dass ich recht daran gethan habe. Eine Receptirkundo sollen diese Recepte keines­wegs ersetzen. Ich beabsichtige vielmehr, in einem besonderen Bande dem Lehrbuche der Arzneimittellehre eine thierärztliche Verord­nung sichre folgen zu lassen.
Indem ich schliesslich noch bemerke, dass die mit quot;Jquot; oder n. o. bezeichneten Präparate nicht officinelle Arzneimittel sind, und dass die Buchstaben D.P. und A.P. Droguisten- resp. Apothekerpreise bedeuten sollen, übergebe ich somit das Buch der Oeffentlichkeit. Es wird mir jede berufene Kritik willkommen sein.
Berlin, tlcn 1. Mamp;rz 1889.
E. Fröhner.
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[nhaltsverzeicliniss.
Seite
Vorwort........................nbsp; nbsp; nbsp; V
Fiebermittel. Antipyretica.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Cortex Chinae. Chinarinde...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1
Die Chininsalze, Cliininuin hydroohlorioum und Bulftu'icum ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;G
Salioylsäure und salioylsaures Xati'ium...........nbsp; nbsp; nbsp; 14
Saloliiin. Salol....................nbsp; nbsp; nbsp; 28
Neuere, nicht offieinelle Sahoylprä^jarate......,. . . .nbsp; nbsp; nbsp;25
Aoidum benzoiontnlt; Benzoäsünro.............nbsp; nbsp; nbsp;28
Tliallin.......................nbsp; nbsp; nbsp;82
Antipyrin......................nbsp; nbsp; nbsp;84
Acetanilidum. Antifebrin................nbsp; nbsp; nbsp;87
Plieiiacetiiiuni. Phenacetin...............nbsp; nbsp; nbsp;40
Kcucrc, iiicht offieinelle Antipyretica............nbsp; nbsp; nbsp;42
Herzmittel. Cnrdiaca...................nbsp; nbsp; nbsp;47
Folia Digitalis. Fingerhutbliitter.............nbsp; nbsp; nbsp;47
Bulbus Seillae. Meerzwiebel...............nbsp; nbsp; nbsp;54
Coft'eYimni. Cofi'ein..................nbsp; nbsp; nbsp;55
Semen Strophanthii Strophanthussamen ..........nbsp; nbsp; nbsp;62
Neuere, nicbt offtcinelle Herzmittel ............nbsp; nbsp; nbsp;64
Beruhigciide Xcrveninitlel. Sedativa.............nbsp; nbsp; nbsp;67
Opium. Mohnsaft...................nbsp; nbsp; nbsp; 67
Morphinum hydroohlorioum. Salzsaures Morphium.......nbsp; nbsp; nbsp; 72
CoenYniim hydroohlorioum. Salzsaures OooaYn ........nbsp; nbsp; nbsp; 82
Folia Belladonnae...................nbsp; nbsp; nbsp;87
Homatropinum hydrobromioum..............nbsp; nbsp; nbsp;94
Herba Hyosoyami. Bilsenkraut..............nbsp; nbsp; nbsp;95
Folia Stramonii. SteohapfelblStter............nbsp; nbsp; nbsp;98
Herba Oonii. Sohierlingskraut..............nbsp; nbsp; nbsp; 99
Amygdalae amarae. Bittere Mandeln...........nbsp; nbsp; 101
Ohloroform.....................nbsp; nbsp; 106
Ohloralhydrat............ '........nbsp; nbsp; 118
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[nlialtsverzeiohniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XI
Seite
Ohlorftlformamid...................nbsp; nbsp; 119
Spiritus. Weingeist..................nbsp; nbsp; 119
Aether.......................nbsp; nbsp; 12(i
Broniäthyl .....................nbsp; nbsp; 131
Die Bromsalze i ICiiliinn, Natrium, Ammonium bromatum ....nbsp; nbsp; 132
Sulfonal......................nbsp; nbsp; 137
Paraldebyd.....................nbsp; nbsp; 139
Amylnitrlt.....................nbsp; nbsp; 141
Amylenhydrat....................nbsp; nbsp; 143
Benzinum Petrolei. Petroleumbenzin............nbsp; nbsp; 144
ürethan......................nbsp; nbsp; 145
HyiHion.......................nbsp; nbsp; 147
Diverse andere, nicht offloinelle Nervenmittel.........nbsp; nbsp; 149
Erregende Nerven in ittellaquo; Gxcitnntia.............nbsp; nbsp; 158
Semen Strychni ...................nbsp; nbsp; nbsp;158
Tubera Aooniti. Eisenhutknollen.............nbsp; nbsp; 163
Rhizoma Vcratri. Weisse Nieswurzol ...........nbsp; nbsp; 16G
Apomorphinum hydroohlorioum..............nbsp; nbsp; 172
Jiadix Ii)eeaciuuiliae. Brecliwürze! ............nbsp; nbsp; nbsp;17(5
Radix Senegae....................nbsp; nbsp; nbsp;179
Semen (Jololiiei. lierbstzeitlosensamen...........nbsp; nbsp; nbsp;181
Folia jMieotianae. Tabak................nbsp; nbsp; nbsp;182
Semen Physostiginatis. Oalabarbohne...........nbsp; nbsp; nbsp;186
Folia Jaborandi. Pilooarpin...............nbsp; nbsp; 195
Seeale cornutiun. Mutterkorn..............nbsp; nbsp; 203
Rhizoma Hydrastislaquo; Hydrastiswurzel............nbsp; nbsp; 208
Antiscptica.......................nbsp; nbsp; nbsp;210
Aeidum earliolicuin. Oarbolsäure.............nbsp; nbsp; nbsp;210
Kreosot......................nbsp; nbsp; 215
Fix liquida. Solztheer.................nbsp; nbsp; 218
Aoetum pyrolignosum orudum ..............nbsp; nbsp; 222
Oleum animale foetidnm................nbsp; nbsp; 223
Oreolin.......................nbsp; nbsp;,225
Naphthalin.....................nbsp; nbsp; 240
Naphthol......................nbsp; nbsp; 242
Ichthyol......................nbsp; nbsp; 245
Oaloaria ohlorata. Chlorkalk...............nbsp; nbsp; 251
Brom.......................nbsp; nbsp; 255
Jod........................nbsp; nbsp; 257
Jodoform . . •....................nbsp; nbsp; 263
Kalium und Natrium jodatum..............nbsp; nbsp; 269
Kalium chlorieum. Chlorsaures Kali............nbsp; nbsp; nbsp;272
Aeidum horienm...................nbsp; nbsp; nbsp;274
Borax.......................nbsp; nbsp; nbsp;276
Carbo Ligni pnlveratus.................nbsp; nbsp; 277
Helalle und Metalloide..................nbsp; nbsp; nbsp;280
Argeiitmn nitricum. .Höllenstein.............nbsp; nbsp; 280
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XIInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Inlialtsverzeiuhiiiss.
Seite
Hydrargyrum ....................nbsp; nbsp; 284
Unguentum Hydrargyri cinercmn.............nbsp; nbsp; 287
Hydrargyrum bichloratuin. Sublimat ...........nbsp; nbsp; 289
Hydrargyrum chloratinn. Calomel.............nbsp; nbsp; 296
Hydrargyrum oxydatum. Bother Prftoipitat.........nbsp; nbsp; 300
Hydrargyrum bijodatum ................nbsp; nbsp; 302
i Hydrargyrum praeolpitatum album ............nbsp; nbsp; 303
Anhang. Neuere Quecksilborprüparate...........nbsp; nbsp; 303
Ferrum pulveratum..................nbsp; nbsp; 304
Ferrum sult'uricum. Eiseuvitriol..............nbsp; nbsp; 310
Liquor Perri sesciuiehlorati................nbsp; nbsp; 312
Die übrigen offloinellen Eisenpräparate...........nbsp; nbsp; 314
Plumbum aceticum. Hleizucker und Bleiessig........nbsp; nbsp; 316
Cuprum sidfurieum. Kupfervitriol.............nbsp; nbsp; 325
Zincum sidfurieum. Zinkvitriol..............nbsp; nbsp; 329
Zineuin chloratum. Chlorzink..............nbsp; nbsp; 332
Tartarus stibiatus. Brechweinstein.............nbsp; nbsp; 333
Stibium sulfuratum nigrum und aurantiacum.........nbsp; nbsp; 338
Bismutum subnitrieum. Salpctersauros Wismutb.......nbsp; nbsp; 340
Alumen. Alaun...................nbsp; nbsp; 341
Liquor Aluminii acctiei. Essigsaure Thonerde........nbsp; nbsp; 344
Kalium permanganiciun. Uebennangansaures Kali.......nbsp; nbsp; 346
Kalium diohromieum und Chromsäure...........nbsp; nbsp; 347
Aeidum arsenicosum. Arsenik..........' . . .nbsp; nbsp; 350
Phosphor......................nbsp; nbsp; 355
Sulfur. Schwefel...................nbsp; nbsp; 360
Kalium sulfuratum. Schwefelleber ............nbsp; nbsp; 364
Pflanzliche Adstrlngentieu.................nbsp; nbsp; 368
Aeidum tannicum. Gerbsäure..............nbsp; nbsp; 308
Cortex Qucreus. Eichenrinde...............nbsp; nbsp; 371
(iallne. Galläpfel...................nbsp; nbsp; 372
Catechu......................nbsp; nbsp; 374
Radix Ratanhiae...................nbsp; nbsp; 375
Folia Uvae Ursi. Bärentraubenblätter...........nbsp; nbsp; 376
Folia Salviae. Salboiblätter...............nbsp; nbsp; 377
Folia Juglaudis. Wallnussblätter.............nbsp; nbsp; 378
Chrysarobinum....................nbsp; nbsp; 380
Pyrogallolum. Pyrogallol................nbsp; nbsp; 382
Bittermittol. Ainnra...................nbsp; nbsp; 384
Radix (Tontianac. Enzianvvur/.el.............nbsp; nbsp; 384
Polia Trifolii flbrini. Bitterklee .............nbsp; nbsp; 387
Herba Centaurei. Tausendgüldenkraut...........nbsp; nbsp; 387
Herba Cardui benedicti. Kardobencdiktonkraut........nbsp; nbsp; 388
Lignum Quassiae. Bitterholz ..............nbsp; nbsp; 388
Radix Colombo....................nbsp; nbsp; 389
Liehen Islandieus. Isländisches Moos...........nbsp; nbsp; 390
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lulialtsverzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; XIII
Seite
Radix Taraxaci cum Herlm. Löwenzahn..........nbsp; nbsp; 3i'0
Cortex Cascarillao...................nbsp; nbsp; 801
Cortex Condurango..................nbsp; nbsp; 891
Alkalien und Säuren...................nbsp; nbsp; 894
Natrium chloratum. Kochsalz..............nbsp; nbsp; 394
Natrium carbonicum. Soda...............nbsp; nbsp; 399
Kalium oarbonioum. Pottaschi;..............nbsp; nbsp; 401$
Natrium sulfuricum. Glaubersalz.............nbsp; nbsp; 40.r)
Natrium phosphoricum.................nbsp; nbsp; 409
Kalium aceticum...................nbsp; nbsp; 409
Tartarus depuratus. Weinstein..............nbsp; nbsp; 410
Kalium nitricum. Salpeter...............nbsp; nbsp; 413
Liquor Kalii caustioi. Kalilauge.............nbsp; nbsp; 415
Calcaria usta.....................nbsp; nbsp; 417
Calcium carbonicum..................nbsp; nbsp; 419
Calcium phosphorieum.................nbsp; nbsp; 421
Magnesia usta....................nbsp; nbsp; 425
Magnesium carbonicum.................nbsp; nbsp; 427
Magnesium sulfuricum. Bittersalz.............nbsp; nbsp; 429
Liquor Ammonii caustioi. Salmiakgeist...........nbsp; nbsp; 431
Ammonium carbonicum.................nbsp; nbsp; 434
Ammonium chloratum. Salmiak.............nbsp; nbsp; 435
Liquor Ammonii ucetici.................nbsp; nbsp; 439
Lithium carbonicum..................nbsp; nbsp; 439
Acidum hydroohloricum. Salzsäure............nbsp; nbsp; 440
Acidum phosphorieum. Phosphorsäure...........nbsp; nbsp; 443
Acidum sulfuricum. Schwefelsäure ............nbsp; nbsp; 444
Acidum nitricum. Salpetersäure.............nbsp; nbsp; 440
Acidum aceticum. Essigsäure..............nbsp; nbsp; 447
Äethereo-Oleosa. Aetherisch-ölige Mittel...........nbsp; nbsp;452
Kampher......................nbsp; nbsp; 452
Oleum Terebiuthinae..................nbsp; nbsp; 457
Summitates Sabiuae. Sabinakraut.............nbsp; nbsp; 464
Fructus Juniperi. Wacholderbeeren............nbsp; nbsp; 4(30
Fructus Lauri. Lorbeeren................nbsp; nbsp; 468
Fructus Anisi. Anis..................nbsp; nbsp; 468
Fructus Pocniculi. Fenchel...............nbsp; nbsp; 471
Fructus Carvi. Kümmel................nbsp; nbsp; 472
Fructus Petroselini. Petersiliensamen............nbsp; nbsp; 473
Flores Chamomillac. Kamillen..............nbsp; nbsp; 474
Folia Mcnthae piporitae. Pfefterminzblätter.........nbsp; nbsp; 475
Folia Melissae. Melissenbliittor..............nbsp; nbsp; 477
Hcrba Thymi. Thymian................nbsp; nbsp; 477
Herba Serpylli. Quendel................nbsp; nbsp; 479
Flores Lavandulae. Lavendelblüthcn............nbsp; nbsp; 480
Flores Tiliac. Lindenblüthen...............nbsp; nbsp; 481
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XIVnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;liilialtsvor/eiehiiiss.
Seite
Floros Sambuoii Hollunderblttthen ............nbsp; nbsp;481
Oleum Rosae. Rosenöl.................nbsp; nbsp; 4^1
Oleum Rosiuarini. Rosuiariuöl..............nbsp; nbsp; 482
Radix Valerianae. Baklriainvurzel.............nbsp; nbsp; 4g4
Flures Arnieao. Aniikabliithou..............nbsp; nbsp; 485
Herba Absiutlui. Wermutb...............nbsp; nbsp; 437
Radix Augelicae. Engelwurz...............nbsp; nbsp; 4^9
Rhizoma Calami. Kalmuswurzel.............nbsp; nbsp; 499
Radix Levistici. Liebstiickelwurzel ............nbsp; nbsp; 491
Radix Onoiiidis. llauhecliehvurzel.............nbsp; nbsp; 492
Radix Pimpinellae. Bibemellwurzel............nbsp; nbsp;493
Rhizoma Iridis. Veilchouwui'zol.............nbsp; nbsp; 493
Herba Moliloti. Steinklees................nbsp; nbsp; 494
Semen Sinapis. Sonlsameu..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;494
Herba Coclileariae. Löffelkraut..............nbsp; nbsp; 497
Piper uigrum. Schwarzer Pfeffer.............nbsp; nbsp; 498
Fructus Capsioi. Spanischer Pfeffer............nbsp; nbsp; 499
Cubebae. Kuboben..................nbsp; nbsp; 500
Rhizoma Ziugiberis. Ingwer.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,nbsp; nbsp; 500
Rhizoma Zedoariae. Zitwerwurzel.............nbsp; nbsp; 501
Fmctus Cardamomi. Kardamom...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 501
Rhizoma Galangae. Galgantwmzel...........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;502
Cortex Cinuamomi. Zimmt............Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gAo
Caryophylli. Nelken................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^03
Fructus Vanillae. Vanille..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 504
Crocus. Safran.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^04
Semen Myristicao. Mnskatnuss............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 505
(,'ortex Fructus Citri..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
Cortex Fructus Aurantii..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^07
Flores Pyrctbri. Insektenpulver............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 508
Balsamnm Peruvianum..............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i-qq
Styrax.......................nbsp; nbsp;r)j0
Copaivabalsam.................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;rjj
Ammoniacum...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;cio
Myrrhe.......................nbsp; nbsp;^^
Galbamim. Mutterharz...............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;513
Buphorbium....................nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5J4
Asa foetida. Stinkasaut............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 555
('antharides. Spanische Fliegen..............nbsp; nbsp; nbsp;510
Anhang zu den Aothereo-Oleosa.............nbsp; nbsp; nbsp;522
Pflanzliche Abfllhrniittel..................nbsp; nbsp; 526
Alo';........................nbsp; nbsp; 526
Radix Rhei. Rhabarber................nbsp; nbsp; 539
Kolia Sennae. Sennesblätter...............nbsp; nbsp; 532
Fructus Rhamni catharticac. Kreuzdornbeeren........nbsp; nbsp; 534
Cortex Frangnlae, Paulbaurarinde.............nbsp; nbsp; 585
Gutti.......................nbsp; nbsp; 535
r
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Inhaltsverzeichniss.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;XV
Seit*
Tubcia .lalapac ...................nbsp; nbsp; 53(5
Oleum Crotonis. C'rotonöl................nbsp; nbsp; 537
Oleum Rioinl. Rioinusöl................nbsp; nbsp; 040
Podophyllin.....................nbsp; nbsp; 541
Fructua Oolooynthidis. Koloquinten............nbsp; nbsp; 542
Manna.......................nbsp; nbsp; 543
Tamarimlenmus....................nbsp; nbsp; 544
Neuen; pflanzliche Abfulinnittel..............nbsp; nbsp; 545
PHanzIlche Anthelminthica.................nbsp; nbsp; 547
Flores Cinae. Wurmsämen...............nbsp; nbsp; 547
lihizoma Filicis....................nbsp; nbsp; 549
Kamala......................nbsp; nbsp; 550
Kloi-es Koso. Kosobliitheu................nbsp; nbsp; 551
Cortex Granati. Granatrimle ..............nbsp; nbsp; 552
Herba Tanaceti. Rainfarnkraut..............nbsp; nbsp; 553
.Seinen Arecae. Arekanuss...............nbsp; nbsp; 554
Diagnostische Mittel...................nbsp; nbsp; 556
Tuberculin.....................nbsp; nbsp; 556
Mallein ......................nbsp; nbsp; 559
Indifferente Arzneimittel..................nbsp; nbsp; 564
Radix Althaeae. Eibisohwurzel..............nbsp; nbsp; 564
Folia Malvae. Malvenblatter ..............nbsp; nbsp; 565
Flores Verbasci. Woliblunien..............nbsp; nbsp; 565
Folia Farfarae. Huflattiohblfitter.............nbsp; nbsp; 566
Herba Violae tricoloris. Stiel'niiitterchen..........nbsp; nbsp; 566
Semen Lini. Leinsamen................nbsp; nbsp; 567
Semen Foenugraeci. Boekshornsamen...........nbsp; nbsp; 568
Qummi arabiouni...................nbsp; nbsp; 569
Tnbera Salep....................nbsp; nbsp; 570
Tragant......................nbsp; nbsp; 570
Carrageen. Trliindisohes Moos..............nbsp; nbsp; 570
Radix Liquiritiae. Siisshol/................nbsp; nbsp; 571
Saceliaruni. Zucker............'......nbsp; nbsp; 572
Saccliarin......................nbsp; nbsp; 574
Amylum Tritici. Stärkmebl...............nbsp; nbsp; 575
Lykopodinm. Bärlappsamen...............nbsp; nbsp; 576
Adeps suillus. Sclnveineschmalz.............nbsp; nbsp; 577
Oleum Olivarum. Olivenöl...............nbsp; nbsp; 578
Oleum Jecoris Aselli. Leberthran.............nbsp; nbsp; 581
('era tlava. (iclbes Wachs...............nbsp; nbsp; 582
Sapo Kaliims. Kaliseif'o................nbsp; nbsp; 583
Glycerin......................nbsp; nbsp; 586
Ungnentmn l'aralfini. l'aiaftinsalbe............nbsp; nbsp; 589
Lanolin.......................nbsp; nbsp; 590
Kollodium .....................nbsp; nbsp; 592
Guttapercha. Kautschuk................nbsp; nbsp; 593
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XVInbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[nhaltsverzeichiiiss.
Seite
Jjiqiior Natl'ii siliuici. Wassei'glas.............nbsp; nbsp; 595
Talk........................nbsp; nbsp; 590
Liuniuai'iii .....................nbsp; nbsp; ,59(i
Uossypium. Baumwolls ................nbsp; nbsp; 607
Keratin......................nbsp; nbsp; 597
Pepsin.......................nbsp; nbsp; 598
Albumen Ovi siocum. Trockenes Huhnereiweiss........nbsp; nbsp; 600
Extrnctum Cnrnis. Flcisohoxtract.............nbsp; nbsp; 001
Aqua destillata....................nbsp; nbsp; 002
Register........................nbsp; nbsp; 003
/
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Pi ebermitte I. Antipyretica.
Cortex (Jhiiiiie. Chin.ariiule.
Stariimj)flanzeii: Oinohotia snccirubra. „ Callsaya. „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; mikraiitlui.
„ lanoifolia. ,. offloinalis. Familie: Ruhiaceen (Oinohonaoeen).
Pharmakognosie. Dio Chinarinde stammt von verschiedenen Cinohonenarten ab, welche meist hohe, schlanke Bäume bilden (Cin­chona suooirubra, Oalisaya, mikrantha, lancifolia, officinalis und andere). Die am meisten bevorzugte und daher auch in erster Linie oflicinelle Chinarinde ist die von Cinchona suooirubra. Das Vaterland der Cinchonen ist der Ostabhang der südamerikanischen Cordilleren vom 10. nördlichen bis zum 20. südlicben Breitegrade, umfassend die Staaten Columbia, Equador, Peru und Bolivia. Die Haupt­ausfuhrplätze der Binde befanden sich früher in den Städten Kartha-gena, Ghmyaquil, Payta, Oallao und Arica. Auf Veranlassung der holländischen Regierung wurde die Oinohonenkultur durch Hasskarl im Jahre 1854 auf den ostindischen Inseln (Java) eingeführt. Auch auf der Südspit/e Vorderindiens (Aligiri-Gebirge), auf der Insel Ceylon und am Südabhange des Himalaya werden seit 1800 von der englischen Regierung Cinchonenwälder gepflegt, welche zur Zeit den Hauptbedarf an Chinarinde decken, nachdem in Südamerika die dortige Oinohonenkultur durch unvernünftigen Raubbau zu Grunde gerichtet wurde. Die Hauptmasse der in den letzten Jahren durch
das Aufkommen neuerer Fiebermittel sehr stark entwertheten China-Fr öhn er, Arzuoiinittpllplir.?. J. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; |
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UM
Cliinarimlo.
rinde kommt deshalb jetzt über England und Holland aus Ostindion nach Europa. Die Hauptbestandtheilc der Cbinarinde sind:
1)nbsp; nbsp;-I Alkaloidc: Chinin, Chinidin, Cinchonin und Cinchonidin.
2)nbsp; nbsp;Das amorphe Chinoidin. ;i) Die Chinagerbsäure.
I) Das Chinovin, ein bitteres Glykosid und dessen Spaltungs-
product, die Chinovasänre. .'gt;) Die Chinasäure und das Cbinarotli.
Aussei' diesen pharmakologisoh wichtigsten Stoffen sind in der Chinarinde sodann eine grosse Anzahl vonNebonalkaloiden gefunden worden, über deren chemische Bedeutung die Ansichten zur Zeit noch nicht ganz geklärt sind. Es sind Chinamin, Apochinamin, Chinamidin. Chinamicin, Cheiramin, Cheiranüdin, Aricin, Cinchamidin, Cinchocerotin. Oincholin, Cinchonamin, Cinchotin, (Joncheiramin, Concheiramidin. Conchinin, (Jonchinainin, Concusconin, Capre'in, Cuscamin, Cuscamidin. Cusoonin, Ousconidin, Dicinchonin, Diconchinin, Dibomocinchonin. Homocinchonin, Homocinchonidin, Homocbinin, Hydrocbhhdiii, Hydro-chiniu, Hydrocinchonidin, Javanin, Paricin, Paytin, Paytamin.
Der Gehalt der einzelnen Rinden an Alkaloiden ist ein sehr wechselnder und schwankt zwischen 3 und 11 0/o ; die ostindischen Rinden sind im Allgemeinen reicher an Alkaloiden als die südameri­kanischen. Der Gebalt schwankt je nach Klima, Alter der Bäume, Sammelzeit etc.; ältere Rinden enthalten mehr Alkaloidc als jüngere, Stammrinden mehr als Zweigrinden. Der Sitz der Alkaloidc ist nament­lich die Mittelrinde.
Das Charakteristische der 2—ö nun dicken, röhren- oder halb­röhrenförmigen Chinarinden besteht darin, dass sie aussen einen dünnen, graubräunlichen Kork mit groben Längsrunzeln und kurzen Querrissen, sowie eine braunrothe, faserige Innenfläche zeigen. Alle echten Cinchononrinden brechen ferner mürbe und ihr Bruch ist kurz- und steifsplitterig, niemals bandfaserig oder höckerig; niemals zeigen sie conccntrische Schiebten oder radiale Strahlen. Mikroskopisch sind die Cinchonenrinden durch den charakteristischen Bau der 1 mm langen, spindel-fönnigen, radial angeordneten Bastzellen gekennzeichnet. Die Bastzellen der Chinarinden sind die dicksten aller officinellen Rinden. Ausserdem gebt die Bastschioht ohne scharfe Grenzlinie in die Mittelrinde über.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Der Geschmack der Binde ist ein
bitterer, zusammenziehender. A.P. 10.0 = 15 Pfennig. D.P. 1 kg = 2 Mark.
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Obinarindeinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
Tinctura Chinae, Chinatinctur, eine rothbi-uune Tinctur von sehr bitterem Gesclnuacke ans 1 Theil Chinarinde und B Theiler verdünnteni Weingeist bereitet. Nur für die Hundepraxis, zu 6—2B Tropfen. A.P. 10,0 s= 15 Pfennig.
Tinctura Chinae composita, zusammengesetzte Chinatinctur, bereitet ans 6 Theilen Chinarinde, 2 Theilen Pomeranzenschale, 2 Theilen Enzianwurzel, 1 Theil Zimmt und 50 Theilen verdünntem Weingeist. Eine Tinctur von rothbrauner Farbe, aromatischem , stark bitterem Geschrnacke und dem Ceruche nach Zimmt und Pomeranzenschale. Für die feinere Hundepraxis, zii 10—50 Tropfen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Extractum Chinae aquosum. Wässeriges Chinaextract. 1 Theil Chinarinde wird mit 10 Theilen Wasser 48 Stunden macerirt. Der nach dem Abpressen bleibende Rückstand wird nochmals mit 10 Theilen Wasser 48 Stunden macerirt. Beide Flüssigkeiten werden zu einem dünnen Extracte eingedampft; derselbe ist rothbraun und enthält hauptsächlich die China­gerbsäure und das Chinaroth, nur '/s der Alkaloide. Dosis für Hunde 0,25-1,0. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Extractum Chinae spirituosum. Weingeistiges Chinaextract. Aehnlich, aber mit verdünntem Weingeist ausgezogenes, trockenes Extract von rothbrauner Farbe, die Chinabasen an Chinasäure gebunden, sowie Chinagerbsäure und Chinaroth enthaltend. A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
Vinum Chinae, Chinawein, jetzt nur noch in Oesterreich officinell; wird dort dargestellt aus zerstossener Chinarinde und Cognac iiä 25, sowie Malaga 500, welche Theile 8 Tage lang unter öfterem Schütteln macerirt, dann colirt, gepresst und filtrirt werden.
Prüfung. 1) Eine chininhaltige Chinarinde wird nach der Pharma-kopöe mittelst der Grahe'schen Probe nachgewiesen. Erhitzt man näm­lich eine Messerspitze (0,1 g) grob gepulverter Chinarinde in einem schräg gehaltenen Reagensröhrehen langsam bis zur Verkohlung, so schlägt sich an der Wandung ein schöner karmin rother Theer nieder. Cinchonin-haltige Rinden liefern nur einen braunen Theer, werthlose überhaupt keinen.
2) Die Menge des Alkaloidgehaltes ist von der neuen deutschen Pharmakopöe auf mindestens 50/o festgesetzt. Die Bestimmung des Alkaloid-gehalts geschieht folgendennassen: 20 g feingepulverte Chinarinde werden mit 20 cem Weingeist und 10 cem Aetzammoniak sowie 170 cem Aether wiederholt geschüttelt und einen Tag lang macerirt. Die Alkaloide werden dadurch aus der Rinde extrahirt und gehen in Lösung über. Nach Zusatz von 3 cem Normalsalzsäure und 27 cem Wasser entferne man den Aetbyl-äther und Weingeist durch Destillation und füge nöthigenfalls noch so viel Normalsalzsäure zu, als erforderlich ist, um die Lösung anzusäuern. Hier­auf werde dieselbe filtrirt und in der Kälte mit 3,5 cem oder so viel Nor­malkalilauge unter Umrühren vermischt, bis Phenolphthaleiiilösung geröthet wird. Der auf einem Filter gesammelte Niederschlag werde nach und nach mit wenig Wasser ausgewaschen, bis die abfliessenden Tropfen Phenol-phthale'inlösung nicht mehr röthen. Nach dem Abtropfen presse man die Alka­loide gelinde zwischen Filtrirpapier, trockne sie zunächst über Schwefelsäure und schliesslich im Wasserbade vollkommen aus. Das Gewicht der in dieser Weise erhaltenen Alkaloide darf nicht weniger als 0,5 g betragen, was einem Gehalte von mindestens 5 Theilen Alkaloiden in 100 Theilen entspricht.
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I
Obinarinde.
8) Der nach dem vorigen Verfuhren ermittelte Alkaloidgehalt ist schliesslich dui'ch die sogen. Thall eiochi n reaktion auf Chinin zu prüfen. Man kocht 0,01 g der Alkaloide mit 3 g Wasser, liisst das Filtrat erkalten, wobei dasselbe weissliche Flocken zeigt, und versetzt es dann mit etwas Chlorwasser und einigen Tropfen Salmiakgeist; die Probe rnuss sich schön grün färben.
Handelssorten. Während die neuere Fhaiinakopöe die ostindischen Chinarinden, namentlich die von Cinchona succirubra bevorzugt, im Uebrigen jede Rinde mit einem Mitmnalgehalt von 6 quot;/o Alkaloiden zulässt, waren früher die nachstehenden südamerikanischen Handelssorten offieinell:
1)nbsp; nbsp;Die gelbe oder Cal isay arinde, auch Königs-Chinarinde ge­nannt. Cortex Chinae iiavus, sive Calisayae, sivelt; regius. Stammpflanze: Cinchona Calisaya.
2)nbsp; nbsp;Die rothe Chinarinde, Cortex Chinae rubel', Stammpflanze: Cin­chona succirubra.
8) Die braune Chinarinde, Cortex Chinae fuscus, von verschiedenen Cmchoneu abstammend und in zwei Sorten früher im Handel, nämlich als H u a n u c o china und L o x a china.
Wirkung. Bei der grossen Anzahl von Stollen, welche in der Chinarinde enthalten sind, ist ihre Wirkung keine einheitliche. In der Hauptsache kommen jedoch nur 2 Bestandtheile hiebei in Betracht: das Ohinin und die Chinagerbsäure, ersteres mit antipyretiseber und antiseptischer, letztere mit adstriugirender Wirkung. In früheren Zeiten, als das Ohinin aus der Chinarinde noch nicht dar­gestellt war, bediente man sieh der Chinarinde selbst als Fiebermittel; dies geschieht beute nicht mehr, vielmehr wird gegenwärtig aus-seliliesslich das Chinin zur Antipyrese verwandt. Die Cbininwirkung der Chinarinde wird daher ausführlicher bei den Chininsalzen be­sprochen werden.
Die adstringirende Gerbsäurewirkung der Chinarinde hat an sich vor derjenigen der Eichenrinde und anderer tanninhaltiger Droguen nichts voraus; es kann daher auch bezüglich dieser Wirkungs­richtung auf die speciellere, eingehendere Besprechung der Gerbsäure-Wirkung beim Tannin verwiesen werden. Es ist hervorzuheben, dass die Chinarinde heutzutage fast nur als Adstringens und nur sehr selten mehr als Antipyreticum angewandt wird. Hiebei sucht man allerdings womöglich gleichzeitig die anti-pyretiseben und antiseptiseben Wirkungen des Mittels zu verwertben; will man lediglich adstringiren, so sind der Billigkeit halber andere gerbsäurebaltige Stoffe vorzuziehen.
M
i -i
Anwendung.
keil des Mittels eine
Dieselbe ist im Allgemeinen trotz der Vielseitig-• ziemlich beschränkte.
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Ohinarinde.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ö
1)nbsp; Die Ohinarinde gilt als Stomaohioum bei Störungen diT Magentbätigkeiti gewöbnliob wird sie jedoch nur bei kleineren Haus-thieren in Form des Decocts und in Verbindung mit Salzsäure an­gewandt.
2)nbsp; Sie ist ein Stypticum für Diarrhöen, wenn dieselben namentlich die Folgen secundärer chronischer Darmkatarrhe nach er­schöpfenden allgemeinen, oonstitutionellen Krankheiten sind.
3)nbsp; Sie wird gegen innere Blutungen, bei hämorrhagischer Diathese, Hämaturie, Petechialfieber etc. angewandt.
4)nbsp; Sie dient als Adstringens bei Nephritis und Cystitis.
5)nbsp; Man gibt sie endlich als Tonicum bei Hydrämie.
6)nbsp; Aeusserlich kann man die Rinde in Form von Pulvern oder Decocten zur Austrocknnng schlaffer Geschwüre und stark secernirender Flächen (Otnrrhöe) verwenden; die Eichenrinde leistet jedoch denselben Dienst.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 10—25,0.
Rind 20—50,0.
Schaf, Ziege und Schwein 5—10,0. Hund 2—5,0. Katze 1—2,0.
Form. Pferden gibt man das Pulver in Latwergen- oder Pillen­form, Rindern und Schafen als Schüttelmixtur (Einguss), Hunden ver­schreibt man aussei1 dem Pulver entweder ein Decoct oder cine Mace­ration. In letzterer Beziehung ist zu bemerken, dass durch das Ab­kochen der Chinarinde die Chinagerbsäure in das nicht mehr ad-stringirend wirkende Chinaroth umgewandelt wird. In Folge dessen eignet sich ein Decoct als stopfendes Mittel gegen Durchfall sowie als Adstringens gegen Nephritis etc. wegen des Fehlens der Gerb­säure weniger, als eine Maceration oder das Pulver selbst. Dagegen empfehlen sich Abkochungen der Rinde als Magenmittel, weil hiebei nur das Chinin zur Wirkung gelangt, und die auf die Yerdammg unter Umständen nachtheilig einwirkende Gerbsäure durch das Kochen zersetzt wird. — Häufig verschreibt man unrichtigerweise zur China­rinde noch Eisen; man hat sich indess hiebei zu erinnern, dass beim Einwirken der Gerbsäure auf Eisen Tinte entsteht! Auch Metall­salze werden durch die Chinagerbsäure zersetzt, so Bleizucker und Höllenstein.
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#9632;
•
Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohininsalze.
Reoepte.
1)nbsp; Rp, Pulv. Oort. Chinae 50,0.
i'lilv. Rad. Althueao 100,0. Aquae qUi s. t'. Eloetuarinm. ü. gt;S. Für ein Pferd mit Diiirrhöe, täglich die Hälfte zu geben.
2)nbsp; Rp. üecocti Gort. Chiuae 5,0 : 150,0.
Aciil. liydrochlor. 2,0. W. 1raquo;. S. Täglich 3 Theo- rosp, Esslötlol für einen Hund mit ohroni-schem Magenkatarrh, 8) ßi). Tinct. Chinac
Tiuet. Rhei vinos, ää 25,0. M, L), 8. Täglich Smal 10 Tropfen für eine Ivatzc mit chronischem Darmkatarrh.
4) Rp. Cort. Chinae subt. pulv.
Carbon. Ligui pulv. ää 10,0. M. f. Pulv. 1). S. Acusserlich zum Bestreuen eines Goschwüros.
'
l.
i
Die Chiuiiisalze. riiinimun liydrocliloriciim und sulfuricum.
OjoH^NjOj . HCl -\- V/t aqua und (Ojo^NjOj) 2 , SO.jH.j -f- 7 aqua.
Pharmaceutische Chemie. 1) Clüninum hydrochloricum, das balzsaure Cliinin, bildet weisse, seidenglänzende Krystall-nadeln von bitterem Geschmacke, welcbe sieb in 84 Theilen Wasser und in '4 Theilen Weingeist farblos lösen. Es wird durch 2 Reaktionen cbarakterisirt: 1) Als Cbininverbindung durch die Thal-leiocbinreaktion, indem sieb seine verdünnte Lösung nacb Zu­gabc von ein Viertel Cblorwasser mit Ammoniak schön grün färbt-, 2) durcli die Chlorreaktion, indem seine Lösungen mit Silbernitrat einen weissen Niederschlag von Chlorsilber bilden. A.P. 1,0 = 15 Pfen­nig. D.P. 1 Kilo 40—50 Mark.
2) Chininum sulfuricum, das schwefelsaure Chinin, bildet zarte, weisse, biegsame Krystallnadcln von bitterem Ge-sebmacke, welcbe sieb in etwa 800 Theilen kaltem Wasser, in 25 Theilen heissem Wasser und in (i Theilen siedendem AVeingeist lösen. Die Krystalle verwittern an trockener Luft und nehmen an feuchter Wasser auf. Die Lösung soll neutral, nicht sauer reagiren (Chininum bisulfuricum); mit einem Tropfen verdünnter Schwefel­säure zeigt sie blaue Pluorescenz. Das Salz, welchelaquo; 10 0/o weniger Chinin enthält, als das Chininum hydrochloricum (nämlich nur 74 0/o gegenüber 84% beim letzteren), ist ebenfalls durch die Thalleio-chininreaktion. andererseits durch die Schwefelsäurcreaktion
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Ohininsalzeinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7
(Fällung der wässerigen Lösung durch Bariumnitrat) als solches zu erkennen. A.P. 1,0 == 15 Pfennig. D. P. 1 Kilo 27—36 Mark.
Darstellung der Chininsalze. Bei der fabrikmässigen Darsteüuug der Chininsalze aus der Chinarinde wird das Chinin immer in Form des Chininsulfates gewonnen; aus dem Chininsulfat werden dann die übrigen Chininsalze und das Chinin selbst hergestellt. Der gewöhnliche Gang der Darstellung in den Chininfabriken ist folgender: die in der Kinde an die Chinagerbsäure gebundenen Alkuloidc werden in dieser Verbindung durch kaltes, mit Schwofelsäure schwach angesäuertes Wasser der Rinde entzogen. Die sauren, wässerigen Auszüge werden mit Kalkmilch übersättigt, wodurch die Alkaloide frei gemacht werden (es bildet sich gleichzeitig chinagerbsaures und chinovasaures Calcium, Gyps und Calcium-hydroxyd). Der getrocknete Niederschlag wird dann Otters mit reinem Alkohol ausgekocht, um das beim Erkalten desselben auskrystallisirende Cinchonin zu entfernen. Dann wird die alkoholische Chininlösung mit Schwefelsäure fast völlig neutralisirt, worauf nach dem Abdestilliren des Alkohols das schwefelsaure Chinin auskrystallisirt und zur absoluten lieindnrstellung noch mehrmals umkrystallisirt und mit Thiorkohle ent-ftlrbt wird.
Neben dieser gewöhnlichen Darstellungsmethode kann man das Chinin auch durch Kohlenwasserstoffe oder durch Amylalkohol ausziehen und mittelst Schwefelsäure in Sulfat überführen.
Das salzsaure Chinin wird entweder durch Umsetzung von Chi-ninsulfat mit Chlorbarium oder durch Neutralisation von Salzsäure mit Chinin dargestellt.
Prüfung der Chininsalze. Auf Feuchtigkeit wird durch Aus­trocknen bei 100deg; C. geprüft; dabei sollen von 100 Theilen (1,0) salzsaurem Chinin 91 Theile (0,91), von 1,0 schwefelsaurem Chinin 0,85 g übrig bleiben; bleibt weniger übrig, dann war das Salz feucht, bleibt mehr, dann war schon Verwitterung eingetreten.
Auf Zucker, Mannit, Stärkemehl, Salicin, Gyps, gebrannte Magnesia, Ammoniumsulfat u. a. Beimengungen wird nach der Pharmakopöe in der Weise geprüft, dass die Chininsalze bei Luftzutritt erhitzt ohne Kückstand verbrennen sollen. Ferner soll 1 g Chininsulfat sich in 7 com einer Mischung von 2 Volum Chloroform und 1 Volum wasserfreiem Weingeist nach kurzem Erwärmen auf 40—50 quot;C. vollständig lösen und die Lösung auch nach dem Erkalten vollkommen klar bleiben.
Auf Schwefelsäure wird durch Bariumnitrat) auf beigemengte Barytsalze durch Schwefelsäure geprüft; in beiden Fällen soll eine loloige Chininsalzlösung nicht getrübt werden.
Eine Beimengung von Morphin wird durch die bei Salpetersäure­zusatz eintretende Rothfärbung erkannt; desgleichen durch die Bildung von Berlinerblau beim Einbringen eines Tropfens Eisenchloridlösung und eines Körnchens Ferridcyankalium in die Chininlösung.
Auf Chinidin, Cinchonin und Cinclionidin prüft man das schwefelsaure Chinin direkt, das salzsaure, indem man es zuerst in schwefel­saures überführt (2 g des Salzes werden mit 1 g Natriumsulfat und 20 g Wasser angerührt und !|s Stunde stehen gelassen). Von der Chinin-sulfatlösung (2 g auf 20 ccm Wasser bei mittlerer Temperatur) werden 5 ccm abliltrirt und mit 7 ccm Aetzammoniak versetzt; die Lösung soll
4M
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8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chminwii'kuiig.
hierauf eine klare sein (Cliimdin etc. lösen sich erst bei stiirkerem Ammo-niakzusatze).
Chininum tannicum, gerb sau res Tannin (officinell), wird aus Chininsulfat und Gerbsäure Hergestellt. Es bildet ein grauwoisses oder gelbliobwelsses, amorphes Pulver von schwachem (Seruche und weniger bitterem Geschmacke als die andern Ohininprttparate, welches in kaltem Wasser kaum und auch in Alkohol schwer löslich ist. Das Präparat wird wegen seiner relativen Geschmucklosigkeit in der Kinderheilkunde (Keuch­husten) angewandt.
Chininum ferro-citricum, Eisenchinincitrat (officinell), bildet glänzende, durchscheinende, dunkelrothbraune Blättchen von bitterem und eisenartigem Geschmacke, in Wasser in jedem Verhältnisse löslich. Es besteht aus citronen-saurem Eisonoxyduloxyd mit citronensaurem Eisenoxydulchinin, enthält etwa 10 quot;io Chinin und zeigt die Reaktionen der Eisenoxyduloxydsalze (dunkel­blauer Niederschlag mit Ferro- und mit Ferridcyankalium) und des Chinins. Vereinigt die Wirkung des Chinins mit der des Eisens. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Nicht-offlcinelle Chininpräparate. Als solche sind zu erwähnen Chininum hisulfuricum, früher in Deutschland und jetzt noch in Oester-reich officinell, Chininum tannicum, salicylicum, bromatum , valerianicum, hydrobromicum, aeeticum, arsenicicum und arsenicosum (gegen Malaria), benzoicum, citricum, boricum, lacticum, hydrojodicum, phosphoricum, hypo-phosphorosum, ferrolrvdrocyanicum, ferrohydrojodicum, ferrohydrolacticum, ferrohydrovalerianicum, sulfoaethylicum (subcutan), sulfophenylicum, bi-muriaiicum carbamidatum (Ohininuarnstoff, subcutan), chinicum (subcutan), joclohydrojodicum. Ferner Chi nidinum sulfurieum, Cinchoninum sul-furicum, hydrochloricum, tannicum, Cinchonid inum sulfurieum, salicy­licum, tannicum, C h i n o i d i n , eine schwarzbraune harzige Masse von geringem Chiningehalt, früher officinell, Chinioidinum boracicum, citricum, sul­furieum und tannicum.
Wirkung des Chinins. Die wichtigste Eigenschaft des Chinins besteht darin, class es ein sehr starkes Protoplasmagift ist mit vor­wiegend lähmender Wirkung, Das Chinin lähmt nicht nur die Lebensbewegungen der niedersten amöboiden Gebilde, sondern auch die Tliätigkeit der Muskel- und Nervenzelle. Infusorien, Bacte-rien und weisse Blutkörperchen sind der Chininnarkose ebenso unterworfen wie Herz, Atbmungscentruni, Stoffwechsel und nervöse Centralorgane. Im Einzelnen und genauer betrachtet äussert sich die lähmende Wirkung des Chinins auf alles und jedes Protoplasma folgendermassen:
1) Das Chinin hemmt die Tliätigkeit der fäulniss- und gäb-rungserregenden Mikroorganismen. Gegen die Fäulnissbacterien besitzt das Chinin etwa die Wirkungsstärke der Carbolsäure; von Gährungsfermenten werden z. B. diejenigen der Milchsäure-, Butter-
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Obininwirkunginbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; !(
säure-, Alkoliol- und Qarngährung unterdrückt; ebenso werden al)-nonno Giihrungen des Mageninhaltes sistirt. Madi Buohholtz bindert das Chinin die Entwicklung von Mikrococcus und M ikrobucteriuni Billrotb in einer Verdünnung von 1:200 (Oarbolsäure ebenfalls 1:200, Borsäure 1j180, Salioylsäure 1:000, Kreosot 1:1000, Creolin 1:5000, Sublimat 1:20,000). Der Grad der antiseptischen Wirkung gegenüber dem Cliolerabacillus wird durch eine bacteriologische Unter­suchung von Koch illustrirt. Darnach hören die Konimabacillen der Cholera auf sich zu vermehren bei einer Verdünnung von Chinm-sulfat von 1:5000 (Alaun 1:100, Eisenvitriol 1:200, Camphor 1:300, Oarbolsäure 1:400, Creolin 1:5000, Sublimat 1:100,000). Nach Bin/, lässt sich ferner die Vergiftung von Warmblütern mit gewissen putriden Flüssigkeiten durch gleichzeitiges Einfuhren von Chinin ganz oder thoilweise verhüten; auch sistirt ein Tropfen Chininlösung zu einem Tropfen -Jauche gesetzt die lebhafte Bewegung der darin enthaltenen zahlreichen Bactericn und Infusorien sofort. Phosphorescirende See­lische verlieren das Leuchten schon bei einer Verdünnung des Chinins von 1:14,000; die Phosphorescenz rührt hier bekanntlich von der Anwesenheit niederster Organismen (Bacillen) mit sehr lebhaftem Stoffwechsel her. Doch sind nicht alle Spaltpilze für das Chinin gleich empfindlich; die Itecurrensspirille wird z. B. gar nicht beeinliusst. Audi das Ptyalin und Pepsin werden in ihrer Funktion wenig oder gar nicht beeinträchtigt. Schimmelpilze gedeihen ebenfalls wie in Arsenik- so auch in Chininlösungen.
2) Ein speeifisches Gift ist das Chinin für die Amöbe der Malaria, welche nach Laveran die Ursache des Wechselfiebers bildet.
8) Auf die weissen Blutkörperchen wirkt Chinin stark lähmend ein; die Zahl derselben wird (bis auf ein Viertel) ver­mindert und ihre active, amöboido Beweglichkeit gehemmt. Die Aus­wanderung der farblosen Blutzellen aus den Gefiissen beim Process der Eiterung wird dadurch eingeschränkt (Binz), Nach neueren Untersuchungen von Disselhorst wirkt das Chinin hiebei in erster Linie auf die Gefilsswand selbst ein. Ebenso werden die Lymph­drüsen und die Milz bei Anwendung des Chinins kleiner, die Milz zeigt eine faltige Oberfläche und vermehrte Resistenz. Noch eine Verdünnung von 1:20,000 wirkt lähmend auf die weissen Blut­körperchen. Milzanschwellungen und Hyperplasie der Lymphapparate können daher durch Chinin beseitigt werden.
4) Die Blutteinperatur wird schon beim gesunden Warm-
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OhiniuwirkuDS
I
MiitcT, nooh mehr aber l)ei gewissen fieberhaften Krankheiten durch mittlere Chiningaben erniedrigt. Dabei werden eigenthiimlichcrweise von Fiebernden viel grössere Dosen ohne unangenehme Nebenwir­kungen ertragen, als von Gesunden (ähnlich wie beim Alkohol). Die Temperaturemiedrigung ist theils die Folge einer Vernichtung resp. Hemmung der fiebererregenden Stoffe, theils, wie Versuche gelehrt haben, einer Verminderung des Stoffwechsels, indem durch das Chinin die im Fieber abnorm gesteigerte wärmeproducirende Zellthätigkeit herabgesetzt wird. Man findet demnach die Ausschei­dung des Stickstoffs und der Schwefelsäure im Harn, sowie diejenige der Kohlensäure durch die Lungen ganz erheblieh vermindert unter dem Einflüsse des Chinins. Die Ersparung im Eiweissumsatze ist von v. Bück an Hunden nachgewiesen worden; seine Versuchsthiere schieden in ä Tagen zusammsn 10 g Stickstoff weniger aus, als in der verabreichten Nahrung enthalten war. Mit der Wirkung des Chinins auf das Nervensystem, das Herz und den Blutdruck hängt die antipyretische Wirkung nicht zusammen (Hinz).
5) Die rothen Blutkörperchen halten unter der Einwirkung des Chinins den Sauerstoff fester an sich gebunden; sie erscheinen, da sie denselben nicht abgeben, grosser. Chininhaltiges Blut lässt sich z. B. durch Penicillium den Sauerstoff ausserhalb des Körpers nicht entziehen im Gegensatze zu gewöhnlichem. Auch anderes Proto­plasma, so frischer Eiter oder frische Pflanzensäfte, binden hei An­wesenheit von Chinin den Sauerstoff fester und geben in Folge dessen nicht mehr mit Indigo oder Guayaktinctur die Reaktion des nascirenden Sauerstoffes (Ozonreaktion),
(i) Die Säurebildung in den inneren Körperorganen wird ver­zögert, so namentlich im Blute, in der Niere, in der Milz; auch die synthetische Fähigkeit der Niere, aus Bcnzoesäure und Glykokoll Hippursäure zu bilden, nimmt bei Anwesenheit von Chinin ab. Die Blutgerinnung wird verlangsamt.
7) Im Nervensystem wird durch Chinin die Erregbarkeit herabgesetzt; grössere Gaben bedingen Narkose (Chininrausch), selbst plötzlichen Collaps und Lähmungserscheinungen. In eigenthtimlioher Weise werden durch grosse Chiningahen beim Men­schen die Endorgane des N. Opticus und Acusticus afficirt. Die Sehschärfe nimmt ab, die erweiterten Pupillen sind für Lichtwechsel unempfindlich und es kann selbst bei sehr grossen Dosen wochenlange Blindheit (Amblyopie, Amaurose) eintreten; hiebei zeigen sich die Blutgefässe der Retina bei der Untersuchung mit dem Augenspiegel
1 ;
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(lliininwirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1 1
sehr anämisch. Im Gehörorgan entsteht schon nach mittleren Dosen Klingen und Sausen, nach grösseron vorübergehende Taubheit. In einzelnen Fällen hat man selbst Sprachstörungen (Aphasie) beob­achtet. Auch das (iefühls- und Tastvermögen der Haut wird ver­mindert. Manche Menschen zeigen endlich nach dem Einnehmen von Chinin Hautausschläge der verschiedensten Art (sog. Ohininkl'ätze). Nach alledem charakterisirt sich das Chinin als ein narkotisches Nervengift.
8)nbsp; Die Kreislaufsorgane werden durch kleine Mengen von Chinin leicht erregt; es steigt die Zahl der Pulse etwas, ebenso der Blutdruck (Lähmung des Vaguscentrums). Grössorc Gaben schwächen und lähmen jedoch das Herz (Verlangsamung und schliesslich Stillstand der Herzthätigkeit) und das vasomotorische Centrum (starkes Sinken des Blutdrucks), schliesslich auch das Atb-mungscentrum.
9)nbsp; Im Magen wirkt Ohinin als Bittermittel. Diese Wirkung ist jedoch eine sehr nebensächliche. Es regt wie in der Maulhöhle die Speichelseoretion, so auch in geringer Menge die Magensecretion an (Stomachicum amarum) und befördert dadurch die Verdauung. Auch die glatten Muskeln des Darmkanals werden erregt, was eine lebhaftere Pcristaltik zur Folge hat (Lähmung des Darmhemmungs­nerven Splanchnicus). Grössere Dosen, schwerlösliche Präparate und länger fortgesetzte kleine Dosen stören indess die Verdauung. Namentlich erbrechen Hunde und Katzen häufig die gereichten Chininpulver; viel besser werden Chininlösungen ertragen. — Die Aus­scheidung der Ohininsalze erfolgt in der Hauptsache durch den Harn in der Form des Dibydrnxylcbinins, zum Theil auch durch den Darmkanal. Sehr grosse Gaben können hiebei eine Reizung der Nieren und der Blasenschleimhaut bedingen.
Anwendung, 1) Als Fiebermittel gegen hohe und anhal­tende Temperatursteigerungen. Aber nicht alle Fieber reagireo darauf, namentlich nicht die typisch verlaufenden der acuten in-fectionskrankheiten, wie /. B. das der Influenza und Brustseuche der Pferde oder der Staupe der Hunde. Derartige Infectionsfieher mit cyklischem Charakter bedürfen überhaupt, wie die moderne Therapie bewiesen hat, keiner besonderen antipyretiseben Behandlung, wofern nicht eine direkte Gefahr Seitens des Gehirns oder Herzens in Folge excessiv hoher oder anhaltender Tempcratursteigernng droht. Dabei leisten in sehr vielen Fällen andere Fiebermittel wesentlich bessere
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(Jliiiiin.
Dienste als Ohinin, welches in der letzten Zeit gegenüber dem Antipyrin, Antifebrin und anderen neueren Mitteln mit Recht in den Hintergrund gedrängt worden ist. So sicher und rasch sich beispielsweise das Fieber der Hundestaupe durch die genannten neueren Mittel herabsetzen lässt, so hiiulig lässt uns das Chinin in noch so grossen Dosen hiebei im Stiche. Bei der Influenza bleiben unter Umständen 100 g salzsaures Ohinin, innerhalb zweier Tage einem Pferde eingegeben, völlig wirkungslos (Friedberger). Am ehesten scheint das Chinin noch beim Fieber der Septikämie und Pyämie wirksam zu sein, was sich auch bei den bekannten Beziehungen des Chinins zu den septischen Tnt'ectionsstoffen leicht erklären lässt. Von specifischer Wirkung sodann ist das Chinin bei den allerdings sehr seltenen Fällen von AVechselfieber (Malaria) bei unseren Haus-thieren. Beim Menschen ist das Ohinin das souveränste Mittel gegen die Malaria; daneben wird es bei Septikämie, Typhus und croupöser Pneumonie wirksam angewandt. Wirkungslos ist es dagegen bei G-elenkrheumatismus, den aoutenExanthemen, Erysipelas und Recurrens.
2)nbsp; Als Stomachieum in ganz kleinen Gaben in Lösung mit Salzsäure insbesondere bei Verdauungsstörungen, welche auf abnormen C ährungsprocessen beruhen. Jedoch ist die gleichzeitige. Verordnung von Natrium bicarbonicum zu vermeiden, weil letzteres das Chinin aus seiner Salzverbindung ausfällt und das reine Chinin wegen seiner schweren Löslichkeit in Wasser (1:1700) weniger zur Wirkung kommt, als das leichter lösliche salzsaure Chinin (1 : 40).
3)nbsp; Bei Leukämie zur Verminderung der Zahl der weissen Blutkörperchen und Beseitigung der Schwellung der Milz und Lymph­drüsen.
4)nbsp; Zur Einschränkung beginnender Eiterungen, nament­lich im zweiten Stadium der Pneumonie (Auswanderung der weissen Blutkörperchen).
6) Als Narcotioum bei Keuchhusten und Neuralgien, um die Nervenerregbarkeit herabzusetzen (in der Menschenheilkunde).
G) Aeusserlich in Substanz auf faulige (resebwüre, in 1- l)is 20/oiger Lösung gegen infectiöse Conjunctiviten und Eeratiten, sowie gegen Corneagescliwüre.
Dosis und Form. Die Dosis des salzsauren und schwefelsauren Chinins als Fiebermittel beträgt für
Pferde 10—20,0.
H i nder 15-
-25,0.
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Chinin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;13
Sohafe und Ziegen 2—5,0. Scli weine 1,0—2,0. H mule 0,25—1,0. Katzen 0,1—0,26.
Die Dosis des Chinins uls Stoinaehieum betrügt V' —llquot; der Pieberdosis.
Als Kegel für die Anwendung der Chiniimlze gilt, dass man grosse Dosen in leicht löslicher Form (am besten das Cluninuin bydrochloricum in Lösung, Pferden und Hunden als Pille) womöglich Morgens zur Zeit des Pieberininimums per os verabreicht; die subcutanen Injectionen sind nicht empfehlenswerth, weil zu grosse KlüKsigkeitsmengen gebraucht werden. Das reine Chinin wird wegen seiner 8chwerlöslichkeit in Wasser (1:1700) nicht angewandt.
Oontraindioirt sind grössere Chiningaben bei deutlicher Herz­schwäche; sie können hier geradezu tödtlich werden.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Ohinini hydroclilorici '25,0.
I'ulv. Rad. Althaeae 100,0. Muoilag. Gummi arab. qu. f. massa Pilularutn, e ((im formentur Pilulae Nr. IV. Iraquo;. s. Täglich 2 Pillen für ein Pferd mit Weohselfieber.
2)nbsp; nbsp;Itp. Ohinini hydroohlorioi 5,0.
Aoidi arseiiicosi 0,05.
Q-ummi arabioi et Saoohari qu. s, f. massa Pilularum, e qua formentur Pilulae Nr. XX. Tägliob 1—2 Pillen für einen Hund mit Leukämie. ;',) Rp. Ohinini sulfurioi 5,0.
Aoidi hydroohlorioi diluti. qu. s. ad Solut. Syrupi oomm. 20.0. Aqu. destill. 250,0. I\l. 1). 8. Täglich 3—4 Esslöffel für einen Hund mit Pyämie.
4)nbsp; Rp. Cliinini sulfurioi 5,0.
Natrii sulfurioi 100,0. !\i. D. S. Auf 2uial im Verlaufe eines Tages mit je einer Tasse Oamillenthee, einzugeben für ein Schaf mit septischer Metritis.
5)nbsp; Rp. Ohinini hydroohlorioi 1,0.
Aquae dest. 100,0. M. f. Sol. D. S. Aeusserlich. Augenwasser gegen ilomhantge-scluvüre.
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Salicylsäure.
Salicylsünro und sallcylsaures Natrimn.
(VH.,(()H)('(M)II mid ('„ll^OHK'OONa.
Pharmaceutische Chemie. 1) Acidum salicylicum, die Salioyl-säure (Spirsiiure, Aoidum spirioum), ist cheiuiscli als Ortlio-Hy droxy-benzoösäure aufzufassen. Sie bildet leichte, weisse, uadel-fünuige Krystallo oder ein leckeres, zartes, weisses, geruchloses, krystallinisches Pulver von süsslich saurem, kratzendemGesobmaoke, welches beim Einatlunen Niesen und Husten hervorruft. Sie löst sich in 538 Theilen kaltem und in 15 Theilen heissem Wasser, ebenso in warmem Glycerin, sehr leicht ferner in Weingeist und Aether, schmilzt bei 157quot; und ist beim Erhitzen flüchtig, und zwar hei vorsichtigem Erhitzen ohne Zersetzung, bei schnellem unter Ver­breitung von Oarbolsäuregeruoh, indem sie zu Oarbolsäure und Kohlensäure zerfällt. Charakteristische Reaktion: ihre wässerige Lösung wird durch Eisenchlorid dauernd blauviolett, in starker Verdünnung violettroth gefärbt. Ausserdem gibt Salicylsäure mit einigen Tropfen concentrirter Schwefelsäure versetzt und erwärmt nach einigem Stehen beim abermaligen Erwärmen den charakteristischen Geruch des Wintergrünöls (Methyl-Salicylat). A.P. 10,0 = 35 Pfen­nig. D. P. 1 Kilo = 15 Mark; 100,0 = 2 Mark.
2) Natrium salicylicum, das salicylsäure Natrium, bildet weisse, süss-salzig schmeckende, geruchlose, krystallinische Schüppchen, oder ein weisses Pulver, welche sich in 0,0 Theilen Wasser und in (gt; Theilen Weingeist lösen. Die concentrirte wässerige Lösung färbt sich durch Eisenchlorid rothbraun, die verdünnte (1:1000) violett. Salzsäure scheidet aus der concentrirten wäs­serigen Lösung weisse Krystalle von Salicylsäure aus, welche in Aether leicht löslich sind. Beim Glühen hinterlässt das Salz einen kohligen Rückstand von kohlensaurem Natron, der stark alkalisch reagirt, mit Säuren aufbraust und die Flamme gelb färbt. A.P. 10,0 = 40 Pfennig. D.P. 1 Kilo 10 Mark; 100,0 = 2 Mark.
Darstellung der Salicylsäure. Nach Kolbe wird die Salicylsäure aus Carbolsäure durch Einwirkung von Kohlensäure und Aetz-natron dargestellt, indem möglichst concentrirte Natronlauge mit Oarbol­säure zur Pulverform eingedampft, auf 100deg; erwärmt und einem Strome trockener Kohlensäure ausgesetzt wird. Bei Erhitzung auf 250', bildet sich Dinatriumsalicylat nach folgender Formel:
I. OflHjOH -j- Nll0H = C6H5üNa j 1^0 Oarbolsäure Natronlauge Fhenolnatrium Wasser.
\: ]'
#9632; muWHi #9632;raquo;*#9632;#9632;
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Siilicylsainx's Natrium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; IT)
IF. 206H50Na CO, = C.H^JoNa CA0H Pheuoluatrium Kohlensäure Dinatriumsalioylatnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oarbolsttore.
Aus dem Natriumsalz wird die SalicyLsiiure durch Salzsäure frei gemacht, sodann an Calcium gebunden, mit Thierkohle onttarbt, wieder l'rei gemacht und umkrystallisirt (Acid, salicylicum erystallisatum) oder sublimirt (Acid, salicylicum sublimatum) oder mittelst verdünntem Alkohol dialysirt (Acid, salicylicum dialysatum).
Die Salicylsäure kann auch aus iliren in der Natur vorkommenden Verbindungen dargestellt werden. Man findet sie nämlich in den Blüthen von Spiraea ülmaria (Wiesenspirstaude), in dem ätherischen Gele von Gaultheria procumbens (nordamerikanisches Wintergrünöl) und in den Blüthen vonMonotropa Hypopitys (Waldwurz) und Viola tricolor (Stiefmütterchen) und einigen anderen Pflanzen. Auch aus dem Sallein, dem Glykosid der Weidenrinde, kann Salicylsäure dargestellt werden.
Das salicylsäure Natrium wird aus Salicylsäure und Natrium-carbonat dargestellt. Man trägt in eine Lösung der Salicylsäure in ver­dünntem Weingeist trockenes einfach- oder doppeltkohlensaures Natron ein und verdunstet langsam zur Trockene. Jeder Ueberschuss des Alkalis ist wegen der folgenden Braunfärbung, desgleichen sind eiserne Clegenstände wegen der ßothfärbung des Salzes zu vermeiden. Zur Krystallisation löst man das Salz in siedendem Alkohol und lässt letzteren dann erkalten.
Prüfung. Ij Die Salicylsäure soll von dem Gfachen Gewichte kalter Schwefelsäure fast ohne Färbung aufgenommen werden (Braunfärbung = fremde o r ga n i sc h e S t o f f e). Wird ihre Lösung ferner in überschüssiger Soda mit Aether geschüttelt, so darf der Aether beim Verdunsten nur einen unbedeutenden, nicht nach Carbolsäure riechenden Rückstand hinterlassen (Prüfung auf Carbolsäure; der Aether hinterlässt nach dem Verdunsten einen Carbolgeruch). Beim freiwilligen Verdunsten der weingeistigen Lösung sollen vollständig weisse Krystallo ansohiessen mit moosartiger Verzweigung (braune Krystallspitzen = Carbolsäuregehalt; lichtgelbe = Farbstoff-gehalt; rosa oder violette = Eisengehalt). Die Lösung in 10 Theilen Weingeist soll nach dem Zusätze von wenig Salpetersäure durch Silber­nitrat nicht getrübt worden (Salzsäure).
2) Die concentrirte wässerige Lösung des s a 1 i c y 1 s a u r e n Natriums reagire schwach sauer, sei farblos und färbe sich nach einigem Stehen höchstens schwach röthlich (alkalische lieaktion und Braunfärbung = über­schüssiges Natron). Eine röthliche Farbe des Salzes verräth eine Zer­setzung zu Carbolsäure oder einen Eisengehalt. Concentrirte Schwefel­säure soll das Salz vollständig ohne Aufbrausen (kohl ensau res Natron) und ohne Färbung (organische Verunreinigungen) lösen. Bariuni-nitrat darf in der wässerigen Lösung keine Trübung erzeugen (kohlen­saures und schwefelsaures Natron). Fügt man der mit Salpeter­säure versetzten Salzlösung so viel Weingeist zu, dass die ausgeschiedene Salicylsäure wieder gelöst wird, so darf auf Zusatz von Silbernitrat keine Trübung entstehen (Chi or natriumgehalt).
Wirkung. Dfe Salicylsäure und ihr Natriumsalz zeigen in ihrer Wirkung, welche namentlich von Feser und Priedberger (Archiv für Thierheilkunde 1875 und 1870) einer eingehenden Untersuchung unterworfen worden ist, viel Aelmlichkeit mit dem Cliinin. In der
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Salicylsiiurc.
Hauptsache haben die Salioylsäure und das salioylsaure Natrium dieselbe Bedeutung für den Organismus; es ist ins-liosondere die antipyretische Kraft bei beiden dieselbe und sie müssen daher beide zusammen besprochen werden. Ein Unterschied bestellt lediglich insofern, als eine fäulniss- und gährungswidrigc Wirkung Avesentlich nur der Salioylsäure, nicht aber dem Natriumsalze zukommt. 1) Die Salioylsäure (aber nicht das Natriumsalz) besitzt fäul­niss- und gährungswidrige Eigenschaften. Sie unterdrückt die Fäulniss organischer Stoffe, des Fleisches, Harnes durch Vernichtung der Fäulnissbacterien und verhindert Gährungsprocesse wie Zucker-gährung, Hiergährimg, Milchgerinnung u. a., indem sie die Entwick­lung der (jrährungsfermente stört. Auch Schimmelbildung sowie die Thätigkeit des Emulsins und My rosins werden durch Salioylsäure gehemmt. Von Wichtigkeit ist hiebei, dass in Gährungs-Hüssigkeiten, welche reich an kohlensauren und phosphorsauren Alka­lien sind, die Säure allmählich an gährungswidriger Wirkung verliert, indem sie sich, genau wie im Blute, zu salicylsaurem Natrium umwandelt. Der Process lässt sich durch nachfolgende Formeln veranschaulichen:
T 0,;Ht(()H) OOOH
Salicylsiiure
Xa.HPO, =
Diimtriuin-
phosphat
GMA03) OOONa
salit-ylsaures Natrium
OJLTOH) COONa
salicylsuurcs Natrium
NaHjOP,,
Uononatrluin-Phosphat.
NaHCO,
Natrium-bioarbonat
COOHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;' iNa2^w.,
Salioylsäure
Natrium-oarbouat
: I
Manchen Bacterien gegenüber erweist sich die antiseptische Wirkung der Salicylsiiure stärker als die der Carbolsäure. So wurde nach Buchholtz die Entwicklung von Mikrococcus und Mikrobacterium Billroth gehindert durch eine Verdünnung der Salioylsäure von 1 : (3(30 (Oarbolsäure und Ohinin 1 i 200, Borsäure 1 : 130, Bcnzoesäure und Kreosot 1 : 1000, Sublimat 1 : 20,000) und das Portpflanzungsvermögen ganz vernichtet durch eine Salicylsäure-lösung von 1:300 (Oarbolsäure 1:20, Brom 1:3000, Jod 1:6000, Chlor 1:25,000). Das Wuthgift wird durch eine Bprocentige Lösung von Salioylsäure schon nach B Minuten vernichtet, während die Oarbol­säure in derselben Concentration .^O Minuten hiezu braucht (De Blasi und Russo-Travoli). Dagegen hat Samter durch bacteriologische Untersuchungen nachgewiesen, dass die Salicylsäure gegenüber den Milzbrandbacillen und Milzbrandsporen, sowie dem Staphylo-oocous aureus, Mikrocoocus prodigiosus und Strepto-
1 [I I
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#9632;•
Salicylsäure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;] 7
OOOOUB Erysipelatis eine schwächere nntiseptisclie Wirkung zeigt, als die Carbolsäure, Speciell gegen MUzbrandsporen zeigte sie sich fast ohnmitclitig. Nur an colyseptischer (eiit\vicldungshemmender) Wirkung zeigte sich die Salicylsüure der Oarbolsäure überlegen, indem sie noch in einer Verdünnung von 1 : 1000 und 1 : 1150 die Ent­wicklung der Milzbrandsporen und des Staphyiooocous aureus hemmte, während die Carbolsäure dies erst bei einer Verdünnung von 1 : 850 vermochte. Diese antiseptische und colyseptisciie Wirkung kommt Jedoch der Salicylsäure nur in wässeriger Lösung zu; die Verbin­dung mit Alkohol und (ilycerin ist nahezu unwirksam. — lOigenthüm-licherweise ist die Paraoxyhenzoesäure nicht antiseptisch.
2) Sowohl die Salicylsäure als ihr Natriumsalz besitzen in hohem Grade die Fähigkeit, fieberhafte Temperaturen herabzusetzen. Die Körperwärme gesunder Thiere wird jedoch im Gegensatze zum Cbinin in keiner Weise, auch bei noch so hohen Dosen, erniedrigt, desgleichen nicht die Kiebertemperatur bei septischen und pyämischen Krankheiten; die Unwirksamkeit der Salicylsäure für diese Fälle ist durch sehr eingehende Vorsuche von Feser und Friedberger un­zweifelhaft erwiesen. Die Ursache der antipyretisclien Wirkung ist offenbar wie beim Chinin im wesentlichen in der Einwirkung der freien Salicylsäure auf die fieberorregenclen Stoffe im Blute zu suchen. Daneben scheint auch eine lähmende Wirkung auf das Wärmecentrum im Gehirn (calorigenos Centrum) einherzugehen. Das Fehlen der Temperaturerniedrigung bei gesunden Thioren erklärt man sicii daraus, dass wegen der zu geringen Kohlensäurespannung des gesunden Blutes aus dem Natriumsalz keine freie Salicylsäure abgespalten wird.
;i) Eine speeifische Wirkung besitzt die Salicylsäure gegen­über dem Gelenk- und Muskel rheumatism us. Beim Gelenk­rheumatismus beruht diese Wirkung offenbar auf einer antiseptischen Beeinflussung der dieser Infectionskrankheit zu Grunde liegenden Mikroorganismen. Ueber die genaueren Vorgänge bei der Einwirkung der Salicylsäure auf den Muskelrheumatismus ist zur Zeit nichts Sicheres bekannt.
4) Die Salicylsäure wirkt stark harntreibend. Ausserdem wirkt die Salicylsäure, namentlich beim Menschen, schweisstreibend. Vielleicht beruht auf der diurotiseben und diaphoretischen Eigenschaft zum Thcil ihre günstige Wirkung gegen Muskelrheumatismus.
B) Auf der Haut äussert die Salicylsäure eine keratolytisclie, d. h. epidermislösende Wirkung, indem sie die oberflächlichen, ver­hornten Epidermiszellen erweicht und scliliesslich zur Auflösung bringt.
Fiöhnor, ArzneimittpUehiT. 3. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2
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iSalioylsiluro.
I
Bis in die tieferen Sohiohten lt;les llete Malpighi dringt indessen die keratolytisohe Wirkung der Salicylsäure niclit vor.
ü) Eine ähnliche, über stärkere, ätzende Wirkung äussert die Hulicylsäure auf 8 e hie im hau ten. Insbesondere reizt sie bei der Aufnahme in den Körper in Substanz und in coneentrirten Lösungen die Schleimhaut der Maulböble, des Pharynx, Magens und Darmes ziemlich stark, so dass eine oberflächliche Anätzung und Ent­zündung mit weisslicher Schorfbildung und Epithel­verlust stattfindet, und die betreffenden Tliiere (namentlich Pferde nach der Verabreichung von Latwergen) mehrere Tage hindurch das Futter verweigern. Einathmen der Salicylsäure erzeugt Niesen und Husten. Im Gegensätze hiezu ist das Natriumsalz ohne jede reizende Nebenwirkung.
7)nbsp; Von Allgemeinwirkungen ist eine Verlangsamung der Pulsfrequenz und der Athmung, sowie eine Herabsetzung des Blutdrucks und der Stickstoffausscheidung im Harn hervorzuheben. Bei sehr grossen Dosen steigert sich diese Wirkung bis zu Vergiftungserscheinungen.
8)nbsp; Im gesunden Blute ist die Säure nicht als solche, sondern in tier Form des salicylsauren Natriums enthalten; nur' bei starker Kohlensäurespannung des Blutes, wie z. B. im Fieber, in entzündeten (jreweben, namentlich in rheumatisch erkrankten Gelenken und Muskeln, im Erstickungsblute, scheint eine Abspaltung der Säure stattzufinden. So kann man beispielsweise auch aus einer alkalischen Lösung von salicylsaurem Natrium die Salicylsäure durch eingeleitete Kohlensäure frei machen und durch Aether gewinnen, wenn die Menge der letzteren etwa 20 0/o beträgt; in entzündeten Geweben und im Erstickungsblute hat man in der That eine dem entsprechende Menge von Kohlensäure (IG bis 17 0/o) gefunden.
9)nbsp; nbsp;Die Ausscheidung der Salicylsäure geschieht in der Haupt­sache durch den Harn und zwar am raschesten beim Pflanzenfresser; sie ist im Harn theils als salicylsaures Natrium, theils als Salicylur-säure (eine Verbindung mit Glykokoll) enthalten.
#9632;: M
Toxikologie der Salicylsäure. Die in gewöhnlichen Dosen völlig ungiftige Salicylsäure erscheint in grösseren Gaben als Herzgift und Athmungsgift. Pulsfrequenz und Blutdruck sinken sehr stark (grössere Dosen sind daher bei heruntergekommenen Thieren und vorhandener Herz­schwäche zu vermeiden). Der niedere Blutdruck hat eine Anämie des Ge­hirns und Eücken marks zur Folge, welche sich in Collaps und fjähmungserschoinungen, sowie in Athinungskr äm pfen und all­gemeinen Convulsionen äussert; der Tod tritt schliesslich in Folge von
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Siilicylsaurc.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;19
Erstickung (Respirationslilhmung) ein. Beim Menschen zeigt sich eine Andeutung dieser Giftwirkung hilufig schon nach etwas grossen medikamen-tellen Gaben; dieselbe besteht in Eiugenomnionheit des Sensoriums, Schweiss-ausbruch, Erbrechen, Ohrensausen und selbst in vorübergehenden Seh­störungen (Anilmie des Sehnerven); ausserdem sieht man wie beim Chinin zuweilen Urticaria und Erytheme auf der Haut. Auch iSTieren entzün dung und Urilmie wurden beobachtet.
Das Verhalten der T hi ere gegenüber der Salicylsiiure ist nach den Untersuchungen von Eeser und Friedberger folgendes. Es wird zu­nächst das Allgemeinbefinden von Thieren durch kleinere Dosen Salicylsiiure auch bei anhaltender Verabreichung nicht gestört. So zeigten Hunde, Schafe, Kühe und Pferde nach dem 14 Tage hindurch fortgesetzten Eingeben kleinerer Mengen (0,5 g pro die für Hunde, 3,0 g für Schafe, 10,0 g für Rinder und Pferde) nicht einmal irgend welche Appetitstörungen. Auch sehr grosse einmalige und wiederholte Dosen wurden von Pflanzenfressern gut ertragen. Ein ü Centner schweres Pferd zeigte nach 300 g Salicylsiiure, innerhalb 3 Tagen eingegeben, nur eine längere Verdauungsstörung auf Grund lokaler Aniltzung der Maulhöhlen-und Magenschleimhaut, dagegen keinerlei Vergiftungserscheinungen. Ein 32 Kilo schweres Schaf blieb nach 50 g Salicylsiiure, innerhalb 3 Tagen verabreicht, ganz gesund, desgleichen ein anderes, 30 Kilo schweres, nach 65 g salieylsaurem Natrium, welche in der kurzen Zeit von 2 Tagen ein­gegeben wurden. Dagegen zeigten sich Fleischfresser, namentlich Hunde, ziemlich wenig widerstandsfähig. Wenn es auch wegen des bald nach der Aufnahme eintretenden Erbrechens nie gelang, einem Hunde per es eine tödtliche Dosis Salicylsäure beizubringen, so waren doch bei der Anwendung von circa 1 g Salicylsiiure pro 5 Kilo Körpergewicht charakteristische Vergiftungserscheinungen wahrzunehmen. So zeigte ein kleiner 41/2 Kilo schwerer Hund nach der Aufnahme von 0,8 g Salicyl­siiure (innerhalb 0 Stunden gegeben) Erbrechen , Muskelzittern, Schwäche im Hintertheil und steifen Gang; ein anderer 27 Kilo schwerer Hund war nach 4 g in der hinteren Körperhälfte gelähmt, die hinteren Gliedmassen waren völlig gebrauchsunfähig und dabei krampfhaft gestreckt. Auch das salicylsäure Natrium erwies sich in grösseren Dosen, namentlich subeutan, als ein starkes Gift. Bei einem 41J2 Kilo schweren Hunde trat nämlich nach der subeutanen Einspritzung von 5 g Natrium salicylicum der Tod ein. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in Dyspnoö, unregelmässigem, aussetzendem Pulse, Pupillenerweiterung, Traurigkeit, Erbrechen, Lähmung der Nachhand, Convulsionen, Kaukrämpfen, allgemeinem Starrkrampf, sowie ausserordeutlich erhöhter Reflexerregbarkeit. Ein anderer S'/a Kilo schwerer Hund verendete nach Injection von 8 g des Salzes in die Bauchhöhle an Erstickung, nachdem Erbrechen. Dyspnoi1 und Lähmungserscheinungen vorausgegangen waren.
Anwendung. 1) Als Fiebermittel mit Ausnahme der sep-tisclien und pyämischen Fieber. Sowohl die Salicylsäure, als das salicylsäure Natrium sind in einer Ileihe von Fiebern ausserordentlich werthvolle Antipyretica; es empfiehlt sich jedoch, wie überhaupt bei innerlicher Anwendung mit Ausnahme der unten erwähnten ini'ectiösen Erkrankungen der Magen- und Darmschlcimhaut (Kälberruhr etc.), ausschliesslich die Verabreichung des Natriumsalzes, weil die Salicvl-
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Siilicylsiiui'i
säure die Schleimhaut des Digestionsappiirutes zu stark reizt. Am wirksamsten ist das salicylsaure Natrium bei den fieberhaften Krank­heiten der Pflanzenfresser; es können hier auch ohne Gefahr ziemlich grosse Dosen gegeben werden.
l)ie Unwirksamkeit der Salicylsaure gegen septische und py-ämisohe Fieber ist durch zahlreiche Versuche vonPeser und Fried-berger erwiesen worden. Dieselben haben im Gegensätze zu den Angaben Kolbe's auch experimentell gezeigt, dass der Salicylsaure auf septische Krankheiten überhaupt keinerlei günstige Wirkungen zukommen. Von 16 mit putridem Stoffe inticirten Schafen wurde die eine Hälfte gleichzeitig mit Salicylsaure (in Dosen von zusammen 20—50 g), die andere Hälfte dagegen gar nicht be­handelt. Das überraschende Resultat war, dass von den 8 mit Salicyl­saure behandelten 7 = 870/0j von den nicht behandelten dagegen nur 4 = 500/o starben! Die Salicylsaure ist demnach ebensowenig für alle Fieber ein Antipyreticum, als es ein Desinfectionsmittel gibt, das gegen alle Spaltpilze gleich wirksam wäre.
2) Als Specificum gegen acuten Muskel- und Gelenk­rheumatismus. Audi der chronische Muskelrheumatismus kann bei längerer Anwendung des Mittels geheilt werden. Ebenso lässt sich die im Verlaufe des acuten Gelenkrheumatismus als Oomplication auf­tretende Endocarditis, namentlich im rechten Herzen, erfolgreich durch Salicylsaure behandeln.
'S) Gegen Gährungs- und infectiöse Processe im Magen und Darm, insbesondere gegen Kälberruhr. Die Salicylsaure ge­hört zu den werthvollsten, sichersten Mitteln specioll gegen die Ruhr der Kälber und der Säuglinge überhaupt. Im Gegensatze zu allen anderen Fällen innerlicher Verabreichung ist jedoch hierbei nur die freie Säure, nicht aber das Natriumsalz wirksam. Audi gegen die Rothlaufseuche der Schweine und gegen die Hühnercholera hat man die Säure innerlich empfohlen.
4)nbsp; nbsp;Gegen Blasenkatarrh und Blasenentzündung innerlich, zur Desinfection der Blasenschleimhaut durch den salicylsäurebaltigeu Harn und zur Erhöhung der Acidität des Harns.
5)nbsp; nbsp;Aeusserlich als Antisepticum und Desinfectionsmittel bei Operationen und Wunden in Form des Streupulvers, der wässerigen concentrirten oder stärkeren wässerig-weingeistigen Lösung, der Salicyl-jute, Salicylhaumwolle u. s. w. Die concentrirtc wässerige Lösung, das Salicylwasser (1 : 538, nicht wie häufig geglaubt wird 1 : 300), em­pfiehlt sich namentlich statt des Carbolwassers als völlig ungiftiges
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Salicylsiüire.
'21
und rei/loses chirurgisches Desinfoctionsinittcl für Katzen und Kaninchen, in der Augenheilkunde, sowie zur Ausspülung des Uterus beim Rinde. Im Uehrigen erweist sich das Salicylwasser für gewöhnlich als ein zu schwaches Wunddesinfectionsmittel; auch greift es die Instrumente etwas an (Bildung von salicylsaurem Eisen).
0) Aeusserlich in Salbenform resp. Linimentfonn als ont-zündungs widrig es Mittel bei Enteren tzündun gen des Rindes an Stelle der leicht in die Milch übergehenden Carbolsäure, sowie in der Eorm des Salicylspiritus (1—3n/o) bei der Otorrhöe der Hunde.
7)nbsp; nbsp;Aeusserlich in weingeistiger Lösung gegen Herpes ton-surans und Pavus (1 : 10—^20 Spiritus); die Salicylsäure (nicht aber ihr Natriumsalz) ist hier wie auch gegen Soor von ganz vorzüglicher Wirkung. In öliger Lösung soll die Salicylsäure nach Müller ausser-doin ein gutes Mittel gegen die Sarcoptesräude und den Acarus-ausschlag der Hunde sein (von Friedberger nicht bestätigt).
8)nbsp; In wässeriger Lösung dient die Säure als Inhalation gegen faulige Processe in der Lunge (Bronchiektasien, Lungen-cavernen).
9)nbsp; Als Zusatz zur Milch verwendet man Salicylsäure, um das frühzeitige Gerinnen derselben zu verhüten (0,25 pro Liter), Die Milch gerinnt nach Zusatz von 0,2 Salicylsäure pro Liter erst nach (30 Stunden, bei einem Zusatz von 0,4 erst nach 80 Stunden und endlich bei einem Zusatz von 0,6 selbst nach 8 Tagen noch nicht. Für die Handelsmilch ist dieser Znsatz indessen nicht erlaubt.
10)nbsp; nbsp;Gegen die tödtliche Paulbrut der jungen Bienen (von innen heraus wuchernde Spaltpilze; sog. „Brustpestquot;) wird Snlicyl-säure von den Bienenzüchtern in Form von salicylhaltigem Putter (Vu 0|nige Salicylsäure in Syrup) mit Erfolg angewandt.
11)nbsp; Endlieh dient die Säure zur Darstellung des officinellen Pul-vis salicylicus cum Talco. Dieses Präparat wird in der Menschen­heilkunde als Streupulver gegen Fussschweiss benützt und kann auch in der Thierheilknnde als austrocknendes und zugleich desin-ficirendes Pulver beispielsweise gegen Otorrhöe der Hunde, eitrige Dermatitis, Geschwüre, Intertrigo etc. angewandt werden. Das Pulver ist zusammengesetzt aus 3 Theilen Salicylsäure, 10 Theilen Weizen­stärke und 87 Theilen Talk (Magnesiumsilicat). Einem ähnlichen Zwecke dient das ebenfalls officinelle Sebum salicylatum, der Sali-oyltalg, eine Mischung von Salicylsäure (2) und Hammeltalg (98).
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22nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salioylsäure,
Dosis der Salicylsäure und des salicylsauren Natriums;
Pferd.' . . . .
Ej
nzeldosia
25
bis
50.0;
T.
igesdo
sis 100,0.
Rinder ....
i)
25
ii
75,0;
ii
150,0.
Kälber . . . .
H
1
ii
5,0;
ji
10,0.
Schafe u. Ziegen
n
5
ii
10.0;
?i
25,0.
Lämmer . . .
n
0,5
ii
1,0;
ii
2,0.
Schweine
n
2
ii
5,0;
laquo;
10,0.
Kleine Hunde
ji
0,25
ii
1,0;
ji
2—4,0.'
Grosse Hunde
n
1
ii
2,0;
ii
4—8,0.
Katzen ....
11
0,1
ii
0,25
ii
0
5—2.0.
Q-eflügel . . .
ii
0,1
ii
0,2;
ii
0
5-1,0.
Form. Mit Ausnahme der Käibemihr, wo die freie Salicyl­säure angezeigt ist, gibt man innerlich das salicylsäure Natrium oder (bei kleineren Haustbioren) das Salol. Im Allgemeinen verschreibt man zur Bekämpfung des Fiebers wenige (1—2) und grössere Gaben, gegen Rheumatismus, Ruhr, Blasenkatarrh etc. kleinere und öftere (2—5). Das salicylsäure Natrium kann bei Pferden in Pillen­oder Latwergenform gereicht werden; Rindern, Schafen und Hunden gibt man dasselbe am besten in Lösung, Kunden auch in Pulverform. Die Salicylsäure wird dagegen Pferden nur in Pillenform, den quot;Wieder­käuern und Hunden als Sclüittelmixtur (Hunden wohl auch in Pillen) verabreicht.
Zur Herstellung concentrirtercr wässeriger Lösung als 1 : 538 gibt man einen Zusatz von Spiritus, z. B. 2 Salicylsäure, 10 Spiritus, 100 Wasser —2 0(o Salicylsäurclösung. Auch ein Zusatz von Borax erleichtert die Löslichkeit der Säure in Wasser. Je nach Bedarf kann man die Salicylsäure auch in Collodium und Glycerin aufnehmen. Endlich dient die Salicylsäure zur Herstellung der Salicyl-Baumwolle, -Gaze, -Jute etc.
Recepte.
1) Rp. NatrÜ salicylioi 150,0. Pulv. dort. Chinae Pulv. Rad. Liquirit. aa 25,0.
Aqu. oommuu. et Farin. sec. qu. s. f. Eleotuar. spiss. U. 8. Täglich den 8gt; Theil für ein Pferd mit hooliiieberhafter Liiiigeu-ontziiudung.
2| Rp. Natrii salioylici 100,0.
Divid. in part, aequal. Nr. IV. D. S. Alle '] Stunden ein Pulver in einer Flasche Wasser gelöst ein­zuschütten. Für ein Rind mit acutem Gelenkrheumatismus.
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Salioin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 23
3)nbsp; Rp. Acidi salicylioi
Acidi tamiici 'iiä 2,5.
Inftwi Klor. Ohamomill. 10,0 : 260,0. M. D. S. A.uf2iaalnaoh48tündi|orer Pause einzugeben für ein Kalli tnitBuhr,
4)nbsp; Rp. Natrii salicylioi 10,0.
Aqu. (lest. 250,0. M. f, Sol, Tilglich 8—8 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit fiel)erliaf'tem Gelenki'lieumatismus.
B) Rp. Aoidi snlicylici 5,0. Spiritus 100,0. M. f. Sol. 1). S. Acussorlieli fiir einen Hund mit (xlatzfleclite.
6) Rp. Acidi salieyliei 5,0.
Solve in Spiritn qu, s. Adipis suilli 100,0. AI. f. Unguent. 1). S. Aeusserlioh, Butersalbe.
Salicin. Das Salioin ist der bittere Bestandthcil der Weiden-rinde, der auch in den Knospen der Pappeln vorkommt. Dasselbe ist seiner Natur nach ein Glykosid, welches aus der Weidenrinde durch Ex­traction mit kochendem Wasser, Digeriren der Colatur mit Bleigllltte und Eindampfung der vom Niederschlage getrennten Flüssigkeit kiystallinisch dargestellt wird. Das Salicin bildet glänzende weisse Nadeln, die sich in 1 : 30 Wasser, sehr leicht ferner in Alkohol lösen. Es hat die chemische Formel O^HjoOj und zerfällt durch Ptyalin und Emulsin zu Saligenin und Zucker, beim Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in Saliretin und Zucker, bei Einwirkung von Kali dichromicum und Schwefelsäure zu Sali-cylaldehyd und Ameisensäure. Das Saligenin geht im Körper unter der Einwirkung des Speichels in Salicylsäure über. Ein charak­teristisches Reagens bildet die purpurrothe Färbung der Lösung in Schwefel­säure. Die Weidenrinde ist schon im Alterthum als Fiebermittel bekannt gewesen und hat zur Zeit der Napoleonischen Continentalsperre das Chinin ersetzt. Neuerdings wird das Salicin wieder als Antipyreticum und Antirheumaticum, ausserdem als Stomachicum beim Menschen (in Dosen von 0,5—1 als Stomachicum; 2—(i.O als Fiebermittel) gegeben. A.P. 1.0 = 10 Pfennig. Das Mittel soll dieselbe Wirkung wie die Salicylsäure, ohne deren unangenehme Nebenwirkung besitzen; im Harn wird es theils als Salicin, theils als Saligenin, Salicylaldehyd. Salicylsäure und Salicylur-säure ausgeschieden.
Siiloluni. Siilol. quot;laquo;^OOOOeHj,.
Pharmaceutische Chemie. Das Salol stellt eine chemische Ver­bindung von Salicylsäure und Carholsäure dar, es ist nämlich Salicyl-säure-Phenyläther (Phenylsalicylat). Das von Nencky neu ent­deckte und zuerst von Sahli empfohlene Mittel bildet ein weisses.
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24:nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salol.
krysla 11 inisches, schwach aromatisch riechendes und sohmeokendes Pulver, das mikroskopisch betrachtet aus tafelförmigen
Krystallon besteht und inAVasser nahezu unlöslicli ist. Dagegen ist es leicht löslich in Alkohol (1 : 10), Aether und Fetten. Die alkoho­lische Lösung gibt mit Wasser eine emulsionartige Flüssigkeit und wird durch verdünnte Eisenchloridlösung violett gefärbt. Werden 0,2—0,3 Salol mit wenig Natronlauge unter Erwärmen in Lösung gebracht und darauf mit Salzsäure übersättigt, so scheidet sich Salicyl-säure bei gleichzeitig auftretendem Phenolger nebe aus.
Darstellung. 1) Das Salol wird durch Erhitzen von salicylsaurem Natrium und Phenolnatrium mit Phosphoroxychlorid dargestellt. 2) Es kann auch aus den beiden erstgenannten Verbindungen durch Einwirkung von Phosgengas (COClo) hergestellt werden.
Prüfung. Das Salol soll farblos und geschmacklos sein und bei 42 bis 43deg; C. schmelzen. Es soll ferner blaues Lakmuspapier nicht röthen und sich mit Eisenchlorid in alkoholisch-wässeriger Lösung nicht violett färben (freie Salicylsäure oder Carbolsäure). A.P. 1,0 = 10 Pfennig. D.P. 100,0 = 3 Mark 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Aeusserlich wirkt das Salol als Uesinficiens und Antisepticum auf Wunden und Geschwüren der Haut und auf Schleimhäuten (Stomatitis, Otorrhöe) in Fo'rm des Pulvers oder der Spirituosen Lösung, desgleichen als Salbe.
2) Innerlich ist Salol ein Fiebermittel und Specificum gegen M n s k e 1 - und G e 1 e n k r h e u m a t i s m u s, welches vor der Salicylsäure den Vorzug haben soll, dass es keine üblen Nebenwir­kungen besitzt, geschmacklos ist, den Magen nicht reizt und angeb­lich gegen Muskel- und Gelenkrheumatismus noch bessere Wirkungen besitzt, als die Salicylsäure. Es wird daher von manchen der Salicyl­säure und auch dem Natrium salicylicum vorgezogen. Neuere Be­obachtungen beim Menschen haben übrigens gelehrt, dass das Salol keineswegs immer frei von üblen Nebenwirkungen ist, indem es unter Umständen die Erscheinungen der Carbolvergiftung herbeiführen kann. Es zersetzt sich nämlich schon in dem alkalisch reagiren-den Dünndarminhalte zu Salicylsäure und Phenol und wird im Harn theils als Salicylsäure und Salicylursäure, theils als Piienol-sulfonsäure ausgeschieden. Der Urin zeigt daher auch die braun­grüne Verfärbung des Carbolurins (Hydrochinon), Darnach wirkt das Salol im Körper als maskirte Salicylsäure. In Folge der Ausscheidung des Salols als Salicylsäure wird dasselbe auch gegen
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Naphthalol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25
Pyelitis und Cystitis angewandt. Ausserdem dient es als Darm-
desinficiens.
Nach meinen eigenen Erfahrungen an Hunden ist das Salol in der That ein ganz vorzügliches Antirheumati cum , welches sowohl den acnten Gelenkrheumatisnius, als auch die zahlreichen Fälle von acutem und chronischem Muskelrheumatismus sein- günstig beeinflusst. Icli habe namentlich sehr gute Resultate mit Salolhehandlung bei Lumbago rheumatica gehabt. Auch äusserlioh hat mir Salol in Ver­bindung mit Alkohol gegen Otorrhöe gute Dienste geleistet.
Dosis und Form. Die innerliche Verabreichung geschieht bei Hunden in Pulverform, heim Pferde in Latwergen oder Pillenform, (xegen Rheumatismus gibt man öfters im Tage (3—omal) kleinere, zu antipyretischeu Zwecken einmalige grosse Dosen. Die betreffenden Dosen betragen für
Pferde und Rinder 15—25,0-, Tages- resp. Fieberdosis 50—100,0. Schafe und Ziegen 5 —10,0; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25,0.
Schweinenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2— 5,0; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10,0.
Grosse Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,5— 1,0; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2—4,0.
Kleine Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,25— 0,5; ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 — 2,0.
Katzennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,1— 0,2; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5—1,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Saloli 0,5.
D. tal. dos. Nr. X. S. Alle 3 Stunden ein Pulver für einen Hund mit Lumbago rhemnatica.
2)nbsp; Rp. Saloli 5,0.
Spiritus 200,0. INI. f. Sol. L). S. Ohremvasscr für einou H u n il mit Otorrhöe.
Neuere, nicht officinelle Salicylpräparate.
1) Naphthalol = Betel. Das Naphthalol oder Betel ist mit dem Salol chemisch und pharmakologisch sehr nahe verwandt; es hat die Formel
/ATT
ffÄlcOOCC H 1 -^•ucl1 ^as Naphthalol ist eine Salicylsilureverbindung, nämlich der Salicyl säure-Naphthyläther. Das Naphthalol unterscheidet sich daher von dem Salol nur dadurch, dass statt der Phenylgruppe (CfiH,-) im Salol die Naphthylgruppe (G10HT) in die Salicylsiiure eingetreten ist. Andere Bezeichnungen für Naphthalol oder Betol sind ^Naphthosalolquot; und „Salinaphtholquot;. Der Name Betol stammt davon her, dass das Präparat eine /i'-Naphthylverbindung der Salicylsiiure ist (Iso- = ^-Naphthyl im Gegensatze zum laquo;-Naphthyl). Das zuerst von Nencky dargestellte Naph­thalol oder Betol ist ein weisses, glänzend krystallinisches Pulver ohne
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2()
Krcsalol. Salipyrin. SalophSDi
Geschmack und Clei-uch, unlöslicli in Wasser, leicht löslich in siedendem Alkohol, in Aether und warmem Leinöl. Seine Darstellung (Mitspricht ganz derjenigen des Salols. Es wird 1) aus salicyIsauram Natrium und /^-N aph tho Inatrium durch Erhitzen mit Phosphor-oxychlorid und 2) aus den beiden erstgenannten Verbindungen durch Ein­wirkung von Phosgen (COOl^) dargestellt. Bezüglich seiner Wirkung und Anwendung ist zu bemerken, dass das Betol in seiner Wirkung mit dem Salol sehr nahe verwandt ist, indem es innerhalb des Körpers in Salicylsiiure und Xaphtbol gespalten wird (das Salol in Salicylsäuro und Phenol). Es wurde daher von Kobert an Stelle des Salols als Fieber­mittel, gegen Muskel- und Gelenkrheumatismus und gegen Cystitis empfohlen, indem es noch unschädlicher wirken soll, als das Salol, welches im Blute immerhin nicht unbetrilchtliche Mengen von Phenol abspalten und daher in sehr grossen Dosen unter Umstünden eine giftige Carbolwirkung ilussern soll. Auch gegen Pilulnissprocesse im Darm­kanal wird Betol empfohlen (Abspaltung von Naphthol durch die Ein­wirkung des Pankreasaftes). Meine eigenen, mit Naphthalol bei Hunden angestellten therapeutischen Versuche stimmen bezüglich ihres Resultates mit den beim Salol gemachten Erfahruns'en üborein.
2) Kresalol. Dasselbe bildet ein Analogem Es besteht nemlich aus sali cy Isaur em Kresol Formel:
zum Salol und Betol. und hat demnach die
0BH
,0H
'^0OO.(06H4.OH.0H8).
Es wird äusserlich als Ersatzmittel des Jodoforms empfohlen,
indem es die antiseptische Wirkung des Salicylsäure mit einander verbinden soll.
Kresols (0BH4. OH . OH,) und der
'S) Salipyrin. Dieses neuere Fiebermittel ist, wie schon sein Name andeutet, eine Zusammensetzung von Salicylsiiure und Antipyrin, nämlich salicy Isaur es Antipyrin (Antip3Tinsalicylat). Es bildet sechsseitige Tafeln von weisser Farbe, welche in Wasser sehr schwer (1 : 250), dagegen im Alkohol leicht löslich sind und beim Erwarmen mit Schwefelsäure Salicylsäure, beim Erwärmen mit Natronlauge Antipyrin liefern. Die Dar­stellung geschieht in der Weise, dass man eine wässerige Antipyrinlösung mit einer Lösung von Salicylsäure in Aether zusaramenschtittelt. Das Salipyrin soll die günstigen Wirkungen des Antipyrins und der Salicyl­säure mit einander vereinigen und namentlich ein sehr empfehlenswerthes Mittel gegen den acuten Gelenk- und Muskelrheumatismus sein.
4. Salophen. Das Salol, welches anfangs für ungiftig gehalten worden ist, hat sich nach neueren Beobachtungen beim Menschen als ein ziemlich giftiges Präparat erwiesen, welches durch die Abspaltung von Carbolsäure im Körper in mehreren Fällen eine Carbolintoxication herbeigeführt hat. Derartige Fälle sind von Herrlich (Deutsche medic. Wochenschr., 1887, S. 400), Josefowitsch (Berl. klin. Wochenschr., 1889, S. 171), Hessel­ba ch (Fortschritte der Medicin, 1890, S. 453) beim Menschen beschrieben worden. Aus diesem Grunde suchte man statt des Phenols (Carbolsäure) einen anderen, unschädlichen Componenten, nämlich das Acetylamido-Phenol einzuschieben. Salophen ist darnach = Acetylamido-Salol:
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Salioylamid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 27
(Jlaquo;HJlt;COOCliH0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^'^^COOCfiH, . NH(C,H30)
s ii 1 o 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;S al o p h en
Das Saloplien bildet feine, weisse, gorueh- und geschmacklose Blitttchen, fast unlöslich in kultem Wasser, etwas löslich in heissem Wasser, leicht löslich in Alkohol und Aether, besonders in der Wärme. Die Verbindung enthält öl0/laquo; Salicylsäure und schmilzt bei 187—188deg; C. Beim Erhitzen mit Natronlauge zerfällt die Substanz in salicylsaures Natron und Acet-paraamidophonol. Auch im thierischen Organismus tritt diese Spaltung ein, und beide Körper können im Harne nachgewiesen werden. P, Gutt-mann (Deutsche med. Wochenschr., 1891, S. 1859) hat diese neue Salicyl-säureverbindung beim Menschen klinisch untersucht und gefunden, dass sie bei acutem Gelenkrheumatismus, in Dosen von 4—ö g täglich angewendet, eine sehr günstige Wirkung ausübt, die sich durch Verminderung der Schmerzen und Abschwollung der Gelenke kund gibt. Bei chronischem Gelenkrheumatismus ist eine besondere Wirkung des Salophens nicht zu bemerken; auch bei Neuralgien wirkt das Präparat nicht sicher genug.
6)nbsp; nbsp;Salicylamid. Statt der Salicylsäure wird wegen der leichteren Löslichkeit, der Geschmacklosigkeit und der stärkeren und rascheren Wir­kung von Nesbitt (Semaine medic, 1891, Nr. .r)4) das Salicylamid em­pfohlen. Dasselbe hat die Formel:
^u* -CONH-inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^laquo;^OOOH
Salicylamidnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salicylsiiure
(i) Agathin. Mit diesem Namen (a-flaquo;^ = gut) wird das Salicyl-uld ehy d-Methy 1p hony Ipy r azolon, ein neues Aiitirheumaticum und Antip3rreticum, bezeichnet. Die Wirkung desselben soll eine mit der Salicylsäure übereinstimmende, indessen etwas langsamere sein. Die Formel des Mittels ist: C^Hj . OH . ONH . N . GH, . OßHjj.
7)nbsp; Dithiosalicylsaures Natrium. Durch Behandlung von Salicyl­säure mit Chlorschwefel wird die Dithiosalicylsäure gewonnen. Ihr Natriumsalz von der Formel SjCCcHjOHCOONa)^ tödtet nach Hüppe in 200|oiger Lösung nach 45 Minuten die Milzbrandsporon ; ferner soll es be­züglich der Einwirkung auf die Bacterien des Typhus, der Cholera und des Eiters der Salicylsäure überlegen sein. Nach Linden born soll das Salz auch gegen acuten Gelenkrheumatismus stärker wirken, als das Natrium salicylicum (Dosis für den Menschen 0,2) und sich vor dem letzteren ausser-dem mit Vortheil durch das Fehlen jeder unangenehmen Nebenwirkung auszeichnen. — Von Renner ist das Präparat als Heilmittel gegen Maul-und Klauenseuche empfohlen worden. Wie vorauszusehen hat es sich jedoch nach dieser Eichtung nicht bewährt. (Vergl. die Mittheiluugen von Röder und Hartenstein im Sachs. Jahresbericht pro 1891).
8)nbsp; nbsp;Calcium salicylicum. Ein aus salicylsaurem Natrium und Cal-ciumearbonat dargestelltes, in 2000 Theilen kaltem Wasser lösliches Mittel, welches als innerliches Antiseptic um und A ntidiarrhoieum empfohlen wird.
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28nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ßenzoüsiiiirt'.
Aciduiii beuzolounii BouxoesiuiiT.
CßH5. OOOH,
Pharmakognosie und pharmaceutische Chemie. 1) Die in Deutschland offioinelle Benzoe (Resina Benzoiis, Benzoöharz) ist ein aus Slam kommendes Harz. Dasselbe stellt flache oder gerundete, braune, innen weisse Stücke von angenehmem vanilleartigem Gerüche dar, welche sich in 5 Theilen Weingeist lösen (Tinctura Benzoös). Die in Oesterreioh offioinelle Benzol stammt aus Su­matra und ist das Harz von Styrax Benzoin, eines Baumes aus der Familie der Styraceen, dessen Heimat die ostindischen Inseln sind, welches durch Einschnitte in den Stamm gewonnen wird. Es stellt eine graubräunliche, löcherige, auf dem Bruche milchweisse, angenehm nach Vanille riechende, leicht zerreibbare Masse mit helleren, flachen oder gerundet-kantigen, ungleich grossen Ivörn-chen oder Klümpchen dar, die sich im fünffachen Gewichte Wein­geist fast ganz löst. Die Hauptbestandtheile der Benzoe sind Benzoesäure (12—180/o) und Harz (800/o), ausserdem ist in den geringeren Sorten Zimmtsäure enthalten. A.P. 1,0 = 5 Pfennig-, 10,0 = 35 Pfennig.
2) Die Benzoesäure (Acidum benzoieum, Flores Benzoes) ist, wie die Salicylsäure, ihrer chemischen Zusammensetzung nach ein Ab­kömmling des Benzols. Ihre chemische Formel = 06H6 . OOOH steht in der Mitte zwischen der Formel der Carbolsäure — CJ(.H. . OH und derjenigen der Salicylsäure = C^H^ . OH . COOH. Sie bildet anfangs weisse, später gelblichbraune, dünne, atlasglänzende Krystallblätt-chen oder Nadeln von vanilleartigem und zugleich brenzlichem Gerüche, welche in kaltem Wasser schwer (1 : 370), leichter in heissem Wasser (1 : 15), sehr leicht in Weingeist und Aether löslich sind. Beim Erhitzen im Reagensglase schmilzt die Benzoesäure und subli-mirt ohne wägbaren Rückstand an die Wandung. Ihre kalt­gesättigte wässerige Lösung gibt mit Eisenchlorid einen fleischfarbigen, isabellgelben Niederschlag von henzoö-saurem Eisen (charakteristisches Reagens). A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Früher war ausserdem das Natrium benzoieum ofticinell.
Darstellung der Benzoesäure. 1) Durch Sublimation aus dem Siam-Benzoeharze. Diese „sublimirtequot; Benzoösiiure ist allein officinell. Grobgepulverte Siam-Benzoö wird dabei mit grobkörnigem Sande gemischt und in einem besonderen Apparate mehrere Stunden vorsichtig auf etwa
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Bciiizoiisiiuro.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 29
180deg; 0. erhitzt. Die an sich weisse und geruchlose Ikmzoösiluro erhiilt hiebei durch die Beimengung von lirundülen eine gelbe Farbe und den charakteristischen brenzlichen Geruch.
2)nbsp; nbsp;Die kry stallis ir te Henzocsiluro, auf nassem Wege aus dem IJcnzocharzo dargestellt; weiss, von bonzoWlhnlicheni Gerüche.
3)nbsp; nbsp;Die Ben zocsilure ex urina, ilarnbenzocsäure, aus der Hippur-silure des Pilanzenfresserharns dargestellt, weiss, von urinösom Gerüche (Hippursäure = Benzocsilure plus Glykokoll).
4)nbsp; nbsp;Die künstlich aus Toluol (CijHj . CH:t) dargestellte, geruchlos oder nach Bittermandelöl riechend, weiss.
Prüfung. Die subliinirte Benzocsiiuro wird als solche im Gegen­satze zur krystaliisirten, künstlichen und Harnbenzocsäuro durch die Sclmcht-scho Probe erkannt: 0,1 echte Benzocsilure, in 5 ccm siedendem Wasser gelost, müssen nach dem Erkalten mit 16 Tropfen Kaliumpermanganat-lösung (1 : 200) nach Verlauf von 8 Stunden fast farblos erscheinen. Tritt keine Entfärbung ein, so liegt eine unechte Benzo(!siiure vor. Aussordem darf die in einem lose verschlossenen Papierröhrchen mit dem gleichen Gewichte Kaliumpermanganat und 10 Theilen Wasser einige Zeit gelinde erwärmte Benzoesäure beim Oeffnen des Riihrchens nach dem Erkalten keinen Geruch nach Bittermandelöl zeigen.
Wirkung und Anwendung. Die BenzoBsäure und ihre Mutter-
drogue, das Bonzoühnrz, besitzt wie nach chemischer Zusammensetzung so auch nach Wirkung viel Aehnlichkeit mit der SalicyIsäure.
1)nbsp; nbsp;Sie ist ein fäulniss- und gührungswidriges Mittel, welches gegen manche Mikroorganismen stärker wirkt als die Salioylsäure, Oarbolsäure und das Chinin. So wird nach Buohholtz die Entwicklung von Mikrococous und Mikrobaoterium Billroth durch Benzoesäure schon in einer Verdünnung von 1 : 1000, durch Salicy Isäure erst hei 1 : 060, durch Oarbolsäure und Chinin bei 1 :200 gehemmt. Auch das Natrium­salz soll antiseptische quot;Wirkungen, im Gegensatz zum salicyIsauren Natrium, insbesondere dem Infectionsstoffe der Diphtherie des Men­schen gegenüber besitzen. Die Benzoesäure wird äusserlich in der Wundbehandlung als Desinticiens in wässerig-spirituöser Lösung, als Salbe und als Benzoesäure-quot;Watte angewandt. Ausserdem wird sie dem Schweinefette zur Verhinderung des Ranzigwerdens beigemischt (ln/o); dieses Fett ist ofticincll unter dem Namen Adeps benzoatus.
2)nbsp; Sie gilt innerlich verabreicht als Fiebermittel und wird namentlich als Specificum gegen das Fieber des acuten (lelenk-rheumatismus und der Diphtherie angewandt. Dabei soll sie besser ertragen werden, als die Salicy Isäure. indem sie den Magen und Darmkanal, sowie die Nieren und die Blase weniger reizt und in den gewöhnlichen Dosen keine unangenehmen Allgemeinwir­kungen erzeugt. Früher wurde innerlich das Natrininsalz verab-
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30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Benzoesäuro.
reicht. Die angebllobeWirkung gegen Tuberkulose hat sicli nicht bewährt.
8) Die Eenzoesäure wird, obgleich sie im Harn /.um grössten Theil in Verbindung mit Q-lykokoll als Hippursäure ausgeschieden wird, innerlich gegen Blasenkatarrh und Pyelltis gegeben, eben­falls früher in der Form des Natriumsalzes.
4)nbsp; nbsp;Die Säure und namentlich das Benzoeharz werden ferner innerlich als reizende Expoctorantien gegen chronische Bronchial-katarrhe, Bronchiektasien, Lungenentzündung etc. hei schwächlichen Thieren angewandt. Die AVirkung ist, wie icli dies bezüglich des Hundes (Staupe) bestätigen kann, oft eine sehr gute. Die Benzoe-säure ist deshalb auch ein Bestandtheil der expectorirend wirkenden Tinotura Opii benzoioa.
5)nbsp; Früher wurde; die Benzoesäure wohl auch in der Form der Tinotura BenzoSs gegen Ekzeme verschrieben.
6)nbsp; Sehr grosso Dosen von Benzoesäure (mehr als 2 on/no des Körpergewichts) rufen bei Warmblütern Vergiftungserscheinungen hervor. Dieselben bestehen in Erbrechen, Convulsionen mit späterer Lähmung, starkem Temperaturabfall, Athmungslähmung, (Äehnlich-keit mit Salicylsäure.) Im Allgemeinen aber wirkt die Benzoesäure milder als die Salicylsäure.
Dosis der Benzoesäure. 1) Als Fiebermittel stimmt sie in der Dosis mit der Salicylsäure überein.
Pferde Einzeldosis 25—50,0; Tagesdosis 100,0. Bindernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 25—75,0;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 150,0.
Hundenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ 0,25—2,0;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„ 2 — 8,0 u. s. w.
2) Als Expectorans beträgt die Einzeldosis der Benzoesäure in Pulver- oder Pillenform für
Pferde und Binder 2—5,0, Hunde 0,1 — 0,5. Die Dosis des Harzes beträgt etwa das Vierfache der Benzoe­säure.
Becepte.
1) Rp. Aokli benzoioi 100,0. Natrii sulfurici 250,0. l'ulv. Had. Althaeao 100,0. Aqu. commun. qu. s. f. Elect. 1). iS. Für ein Pferd mit. fieberhaftem Gelenkrheumatismus; alle :i Stunden den 4. Theil einzugeben.
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KresotinsauvL'.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;31
2)nbsp; Rp. Acidi Ijonzoici 2,0.
Saoobari 10,0.
M. f. I'ulv. Divide in partea Nr. X. 1). 8. Tiiglicli ein Pulver für einen HtniJ mit Bronohitis.
3)nbsp; Rp. Aeidi benzoioi 2,0.
Adipis suilli 20,0. M. f, Ugt. D. S. Wundsalbe,
4)nbsp; Rp. Bcnzues subtil, pulv. .^,0.
Adipis suilli Oerae Havao sTä 80,0. M. f. Ugt. D. S. Yerbandsalbe auf Leinwand zu Btreiohen (Wob-kresenski).
t Aeidum cresotinicum. Kresotinsaure. Die Kresotinsäure ist ein Derivat der Salicylsäure, niimlich methylisirte SalicyIsilure, von der Formel Cf,H;j(OH) . 0H8 . COOK. Wird in der Salicylsiiure = C(jH4(OH) COOH ein H durch die Methylgruppe CH;, ersetzt, so ergibt sieh die Formel C^H^OH) . CH3 . COOH für die Kresotinsäure. Von den verschiedenen vor­kommenden isomeren Kresotinstvuren, welche auch als Oxytoluylsäuren be­zeichnet werden (Toluylsilure = Methylbenzocsäure = Cf,H4. CH3. COOH), ist die vorliegende die Metaoxyparatoluylsäure. Die krystallisirte Kresotinsäure bildet feinste, farblose und geruchlose Krystallnadeln von schwach süssli chem Geschmacke, welche sich sehr schwer in kaltem Wasser (1 : 3000), leicht in siedendem Wasser, Weingeist und Aether lösen, beim Erhitzen schmelzen und ohne Zersetzung sublimiren. Die wässerige Lösung der Säure wird durch Ei s encblorid violett gefärbt. Das kresotin­saure Natrium bildet glänzende Schuppen und Blättchen von deutlich süssem und dabei etwas stechendem Geschmacke, welche sehr leicht und geruchlos sind und sich in Wasser sehr leicht lösen.
Man stellt es dar aus dem K r e s o 1 durch gleichzeitige Einwirkung von Natrium und Kohlensäure, also ganz analog der Salicylsäure-bildung aus Phenol:
C6H4(OH)CH:l Naj -f 003 = C(,H;)(ONa)OH;1COONa -f B, Kresolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;kresotinsaures Natrium.
Bezüglich der Wirkung und Anwendung der Kresotinsäure ist zu bemerken, dass sie in ihrer Wirkung mit der Salicylsäure und Benzoesäure übereinstimmt. Dasselbe gilt von ibrem Natriumsalze, dem kresotinsauren Natrium. Sie wirkt stark gäbrungs- und fäulnisswidrig und setzt fieberhafte Temperaturen sehr prompt herab, wenn sie in Form des Natriumsalzes gegeben wird.
1)nbsp; Die Säure selbst eignet sich wegen ihrer Schwerlöslichkeit (1 -.3000), ihrer Ungiftigkeit und Geruchlosigkeit vorzüglich als an tiseptisches Streupulver auf Wunden aller Art, Eingebende klinische Versuche, welche ich mit ihr nach dieser Richtung angestellt habe, namentlich auch Controlversuche mit Jodoform haben gezeigt, dass die Kresotinsäure das Jodoform vollkommen ersetzen kann, und demselben wegen ihrer Ungiftig­keit entschieden vorzuziehen ist. Auch die Kosten der Kresotinsäure-Wund-behandlung stellen sich erheblich niedriger, als die der Jodoformbehandlung; sie betragen durchschnittlich nur '/laquo; der letzteren.
2)nbsp; Das kresotinsaure Natrium ist ein sehr kräftiges Antipy-reticum, wie ich dies ebenfalls aus einer Reihe von Versuchen ersehen
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Thaliin.
habe und wie dies schon früher von Buss und Gatti für den Mensclien festgestellt worden ist. Eine unangenehme Nebenwirkung ist luebei nur insoferne zuweilen zu beobachten , als manche Thiere nach Application des Salzes Erbrechen und Durchfall zeigten. Das Salz scheint demnach die Schleimhaut des Magens und Darmes stärker zu irritiren, als das Natrium salicylicum und ben/.oicum.
Die Kresotiusilure ist dem Jodoform gegenüber, wie ich dies experi­mentell gefunden habe, ungiftig. Es ist dies für die Trockenbehandlung der Wunden von Wichtigkeit. Das Jodoform ist namentlich für Hunde wegen des Ableokens ein ziemlich goiUhrliches Mittel, welches selbst bei noch so grosser Vorsicht, eine tödtlicho Vergiftung zur Folge haben kann. Aus diesem Grunde kann die Kresotinsäure als Ersatzmittel für das Jodo­form empfohlen werden. Die Säure dürfte sich ferner zur antiseptischen Behandlung von Magen-und Davmgeschwüron, Corneageschwüren etc. eignen. Die Dosis und der Preis des kresotinsauren Natriums sind die gleichen, wie die des Natrium salicylicum. Die Dosis der Kresotinsäure zu innerlichem Gebrauche (Magen-, Darmgeschwüre) beträgt für Pferde 10 bis 25,0, Hunde 0,25—1,0.
Thallinum. Thaliin.
OftHeN . Hj. (OOHa),
Pharmaceutische Chemie. Das Tiallin ist ebenso, wie das Kairin ein Ohinolinderivat, nämlich Tetrahydroparamethyl-oxyehinolin oder Tetrahydroparaoxyohinanisbl (Methyläther des Tetrahydroparaoxychinolins). Zum Verständnisse seiner Zusammen­setzung dienen nachstehende Formeln:
Phenolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= C(iH5(3H.
Anisolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; = C,;H50 . CH3.
Chinolinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;=09H7N.
Paraoxychinoliu = C^HuNOH.
Paraohinanisol == 09H6NO . OH3.
T hall innbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;= U.H^N . OOHa . H,.
Das Thaliin ist 1885 von Skraup zuerst dargestellt und von v. Jaksoh als Fiebermittel eingeführt worden. Der Name „Thallinquot; ist ihm nach seiner wichtigsten Reaktion, nämlich seiner Grünfärhung durch Eisenchlorid, gegeben worden. Officinoll in Deutschland ist das Thallinum sulfuricum, ein gelblich-weisses, krystallinisches Pulver von cumarinartigem Gerüche und säuerlich-salzigem dabei hitterlich-gewürzigeni Geschmackes, 1:7 kaltem Wasser, löslich. Die wässerige, sauer roagirende Lösung bräunt sich am Lichte und gibt mit Eisenchlorid eine tief smaragdgrüne Farbe, welche nach einigen Stunden in ein tiefes Roth übergeht.
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Tlinllin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;33
Darstellung. Das Tballin hat nach Skraup eine analoge Darstellun^s-weise, wie das Cliinolin. Es wird gewonnen durch Erhitzen eines Gemenges von Paraamidoanisol, Paranitroanisol, Glycerin und Schwefel­säure. Das hiedurch zunächst gewonnene Parachinanisol geht unter Auf­nahme von 4 H in Tetrahydroparachinanisol = Thallin über. Das Tballin ist eine ölig-flüssige, nach Cumarin riechende Hase, welche mit Säuren Salze bildet. Das Thallinsulfat enthält 77quot;',,, das Thallintartrat 620/o Thallin. A.P. 0,1 = 5 Pfennig. D.P. 10,0 = 2 Mark 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Thallinsalze besitzen ziemlich starke gährungshemmencle und antiseptische Eigenschaften und können daher äusserlich in wässeriger Lösung als Antiseptica (2—5 0/o) angewandt werden. Eine aseptische, entwicklungshemmende Wirkung kommt ihnen noch in einer Verdünnung von 1:1000 zu. Man benutzt sie z. B. durch Vermittlung elastischer Drahtbougies zur Desinfection von Eistelkanälen, gegen infectiöse Entzündungen der männlichen Harnröhre (Thallin-Antrophore gegen Tripper des Menschen.)
Innerlich setzen sie im Fieber die Temperatur sein- stark herab und gehören daher zu den besten neueren antipyretischen Mitteln, welche in den gewöhnlichen Dosen angeblich ohne jede unangenehme Nebenwirkung bleiben und die Temperatur bei Fiebern aller Art sehr rasch (nach 2—3 Stunden) und ziemlich anhaltend erniedrigen, Nur in sehr hohen Dosen erzeugen sie liämorrhagischen Papilleninfarct der Nieren, Nekrose der Speicheldrüsen und Herzverfettung, weshalb sie bei Herzfehlern und Nierenentzündung contraindicirt sind. Der Harn der Fleischfresser färbt sich auf Thallingebrauch braungrün und gibt mit Eisenchlorid eine purpurrothe Farbe. Man gibt die Thallinsalze gewöhnlich in einmaliger Dosis; von anderer Seite werden kleinere, einstündige Dosen vorgeschlagen und zwar theils gleich­bleibende (continuirliche Thallinisation), theils allmählich steigende (progressive Thallinisation). — Nach Friedherger braucht man beim Pferde täglich 2—3mal 10 —15grammige Dosen.
Dosis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Für Pferde 10—15,0.
Kinder 10—20,0. Schafe und Schweine 1—2.0. Hunde 0,2—0,5. Katzen 0,1—0,2.
Recepte.
1) Rp. Thaliini sulfurioi 0,5. Sacchari 1,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos Xr. VI. S. Täglich 1—2 Pulver für einen Hund mit hohem Wundfleber.
Krohner, Avzuehmttellohri'. a, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3
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Atitipyrin.
2) Rp. Thallini sulfurioi 2,0. Syrupi 5,0. Aqu, destill. 150,0. j\r. f, Sol. D. S. Täglich 2-8 Theelöffel für eine Katzt hnf'ter LungeiRMitziiiuluiig'.
8) Rp. Thallini sulfurioi 80,0.
Pulv. Rad. Althaeae 75,0. Aqu. commun. qu, s. f. Filulao Nr. III. D. S. Pur ein Pferd mit Brustseuohe.
mit fieber-
Aiitip.vriinnii. Antiiraquo;yi'iii.
OaHuNaO.
Pharmaceutische Chemie. Das Antipyrin ist im Jahre 1884 von Knorr zuerst dargestellt und von Filehne therapeutisch als Antipyreticum erkannt worden. Dasselbe ist ein Derivat des Pyr-azols (= C3H|N2, eines Abköiuinlings des Pyrrols = OjHjN), näui-lieh Phenyl-Dimethylpyrazolon, und ist also nicht, wie früher angenommen wurde, als Dimethyloxyohinicin aufzufassen. Die nach­stehenden Formeln mögen die chemische Abstammung des Antipyrins erläutern:
Pyridin = CjH.N.
Pyrrol = C4H5X.
Pyrazol = C,H4N2.
Pyrazolon = 08H4N80.
Phenylmethylpyrazolon = C,,H2((J(iHj){CH:1)^20.
Phenyldimethylpyrazolon = C8H(C6H6)(OH8)2N20 (Antipyrin). Das Antipyrin bildet tafelförmige, farblose Krystalle von kaum wahrnehmbarem Gerüche und milde bitterem Geschmacke, bei 113deg; schmelzend. Das Antipyrin löst sich in weniger als 1 Theile kaltem Wasser, in etwa 1 Theile Weingeist, in 1 Theile Chloroform und in etwa 50 Tlieilen Aethyläther.
Die wässerige Lösung des Antipyrins (1 = 100) gibt mit Gerb­säurelösung eine reichliche weisse Fällung. 2 cem der wässerigen Antipyrinlösung (1 = 100) werden durch 2 Tropfen rauchender Sal­petersäure grün und durch einen, nach dem Erhitzen zum Sieden zugesetzten weiteren Tropfen dieser Säure roth gefärbt. 2 com wässerige Antipyrinlösung (1 = 100) geben mit 1 Tropfen Eisen­chloridlösung eine tiefrothe Färbung, welche auf Zusatz von 10 Tro­pfen Schwefelsäure in Hellgelb übergebt (T dentitätsreaktione n).
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Autipyriii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 35
Darstellung. Durch Erhitzen von Pheny 1h vdrazin und Ace. t-essigätbor. Dabei entsteht zunächst Phenylhydrazinacetessigestev, und daraus unter Abspaltung von Alkohol das Fhenylmethylpyrazoloii. Aus dem letzteren entsteht unter Einwirkung von Methylalkohol und .lodinethyl das PhenyIdimethvlpyrazolon = Antipyrin. A.P. 1,0 26 Pfennig. 10,0 = 2 Mark. D.P.quot; 25,0 = 3 Mark.
Prüfung. Das Antipyrin soll sich rasch und vollständig in 2 Theilen kaltem, destillirtem Wasser zu einer neutral reagirenden, farblosen oder schwach gelblichen Elüssigkeit lösen, welche durch Schwefelwasserstoff nicht verändert wird (Metalle). 0,6 Antipyrin, auf dem Platinblech erhitzt, sollen ohne Rückstand verbrennen (an organ i sehe'Beim eng ungen).
Wirkung und Anwendung. 1) Das Antipyrin hat wie Kairin und Thallin äusserlioh antiseptisohe Mgensohaften und soll ausser-deni bei lokaler Anwendung noch stärker als Eüsenchlorid und Er-gotin liiimostiitisch wirken. Es wird ferner in neuerer Zeit in der Form der suboutanen injection an Stelle der Morphhnninjectionen als lokales Anästhetieuni benützt.
2) innerlicli verabreicht gehört das Antipyrin zu den besten Fiebermitteln der Neuzeit, welches fast alle Fieber sicher, rasch und anhaltend herabsetzt, während es die Körpertemperatur gesunder Tiiiere weniger oder gar nicht beeindusst. Die antipyretische Wir­kung, welche wohl im Wesentlichen in einer lähmenden Beeinflussung des Wärmecentrums im Gehirn bestellen dürfte, dauert du reli schnitt-lieh 12 Stunden und noch länger an und verläuft ohne .jode unan­genehme Nebenwirkung. Gewöhnlich genügt pro Tag eine einmalige grössere Dosis, welche bei Hunden und Wiederkäuern am besten in Lösung, beim Pferde in Form der Latwerge oder Pille gegeben wird. Andere empfehlen kleinere stündliche Dosen bis zur Erreichung des Temperaturabfalls. Das Mittel kann ausserdem auch auf subeutanem Woge in wässerigen Lösungen (1:1 — B) beigebracht werden. Das Antipyrin bat mich in einer sehr grossen Anzahl fieberhafter Er­krankungen beim Hunde nur ausnahmsweise im Sticke gelassen; auch Prick hat die Sicherheit der Wirkung beim Hunde erprobt. Beim Pferde ist Antipyrin in Dosen von 20 g ebenfalls ein sicheres Fieber­mittel, so z. B. bei der Influenza (Sohindelka). Nach Kaufmann sind für die Haustbiere am meisten subeutane Injectionen zu empfehlen (pro Stunde Hunden 1,0, Pferden 10,0). Im Uebrigen muss hervor­gehoben werden, dass das Antipyrin für die grösseren Haus­tbiere vielfach zu theuer ist. 20 g Antipyrin, die gewöhnliche Fieberdosis für Pferde, kosten nicht weniger als 4 Mark, während für dieselbe Menge Antifebrin der Preis nur .'50 Pfennig beträgt!
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Aiitijiyriu.
Aus diesem Grunde muss man sich bei der Anwendung des Anti-pyrins in der Regel tiuf die kleineren Haustliiere, niunentlich auf den Hund, beschriinken.
:!) Als ein Speoifioum gegen Muskel- und Gelenkrheumatis­mus ist das Antipyrin ebenfalls sehr zu beachten. Meine diesbe­züglichen Erfahrungen bei Hunden sind sehr günstig. Endlich wird es beim Menschen gegen eine Eeihe von Nervenkrankheiten (Mi­gräne, Neuralgien, Seekrankheit, Veitstanz. Keuchhusten u. s. w.) mit ziemlich gutem Erfolge angewandt.
In sehr grossen Dosen, bei Hunden von 5 g ab, wirkt das Antipyrin toxisch, indem es die nervösen Oentren zuerst reizt und dann lähmt. Die Vergiftungserscheinungen besteben in teta-nischen oder epileptiformen Krämpfen, Cyanose, Muskel-scliwäche, Lähmung, im Hintertheil beginnend, starkem Sinken der Temperatur etc. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung. Beim Menschen beobachtet man zuweilen auch nach gewöhnlichen Dosen Erbrechen und verschiedene Exantheme. Der Harn färbt sich auf Zusatz von Eisenchlorid rothbraun. Diese Reaktion erhält sich beim Hunde nach einer einzigen medikamenteilen Injection mehrere Tage lang, weil das Antipyrin aus dem Körper sehr langsam ausge­schieden wird.
Dosis.
Pferde 15—20,0.
Rinder 15—25,0.
Schafe und Ziegen 5—10,0.
Grosse Hunde 2—4,0.
Mittelgrosse Hunde 1—2,0.
Kleine Hunde 0,25—1.0.
Katzen 0,2—0,5.
Form. Das Antipyrin soll womöglich für sich allein ver­schrieben werden, weil es mit einer grossen Anzahl von Arzneimitteln Verbimlungen eingebt, welche theils als Niederschläge ausfallen, theils sich durch das Auftreten einer intensiven Färbung kundgeben. Mit Tannin und sämmtlichen gerbstoft'haltigen Mitteln bildet es z. B. einen weissen, unlöslichen Niederschlag, mit Ferum sulfuricum färbt es sich unter Bildung eines Bodensatzes braungell) und später roth, mit Tinctura Rhei gibt es ebenfalls einen Niederschlag, Calomel re-ducirt es zu freiem Quecksilber, Natrium salicylicum wird beim trockenen Zusammentreten flüssig und zersetzt u. s. w.
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Aiitil'ebrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,quot;,7
Becepte.
1)nbsp; Up. Antipyrini 16,0.
Pulv. Had. Althaeae 25,0. A(jn, dcstill. qu. Blt; f. Massii Jioli. 1). S. Für ein Pferd mit septiscliem Fieber oder [nfluenzalt;
2)nbsp; nbsp;Kp. Antipyrini 2,0.
Aqu. dostill. 50,0. M. l. Sol. D. S. Auf einmal für einen Hund mit Staupe.
3)nbsp; Tip. Antipyrini 6,0.
Aqu. destill, 10,0, M, f. Sol. D, S. Täglich 2 Spritzen (ä 2 com) suboutan für einen Hund mit Staupe.
4)nbsp; nbsp;Kp. Antipyrini ;!,0.
Aqu. dostill. qu, s. nd com VI. I). S. Zu subontanen Injeotiouen. — Eine Orammspritze eTithält liiebei genau 0,5 Antipyrin, während bei der Schreibweise: Antipyrin und Wasser äa 8,0 die Q-esammtmenge der Injeotionsflüssigkeit nur 5,2, nicht 6 0OIU beträgt (Qnincke).
f Salipyrin (Antipyrin-salicylat). Genaueres über das salicylsaure Antipyrin vergl, S, 26.
f Jodopyrln (Jodantipyrin). Dasselbe ist j 0dir t es Antipy r in. Es
bildet farblose, glänzende, prismatische Nadeln, ohne Geschmack und be­sonderen Geruch, ist schwer löslich in kaltem Wasser und Alkohol, leichter löslich in heissem Wasser. Seine Formel ist: OuHijJNjO. Das Jodantipyrin ist von Münz er (Prager medicin. Wochenschr., 1891, Nr.-I und 5) gegen Typhus abdominalis und Lungentuberculose beim Menschm angewendet worden und bewährte sich hier in Dosen von 0,5—1,5 g als gutes Anti-pyreticum, das eine Verminderung der Temperatur herbeiführte ohne (Jollaps. Ausserdem wird es gegen Gelenkrheumatismus und Syphilis empfohlen.
Acotanilidum. Antifebrin.
OeHoNHCCljHaO).
Pharmaceutische Chemie, uns Antifebrin ist chemisch aufzu­fassen als Acetanilid, d. h. als ein Derivat des Anilins (08Hö.NHB), in dem ein H durch das Radikal der Essigsäure (C2H.)0) ersetzt ist, daher die Formel 0(,H6NH(C8H80) für das Antifehrin.
Das Antifebrin bildet farblose, glänzende Krystallblätt-chen, ohne Grerucii, von schwach brennendem Gesclimacke, l)ei 113deg; schmelzend, bei 295deg; siedend. Sie lösen sicli in 194 Theilen kaltem und etwa 18 Theilen siedendem Wasser, sowie in 3,5 Theilen Weingeist. In Aether und in Chloroform sind sie leicht löslich. Die Lösungen sind neutral.
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Aiitifebrin
Die kalte gesättigte wässerige Lösung des A.utifebi'in8, mit
Eisoiiclilovidlösung versetzt, verändert die Farbe der letzteren nicht. Mit Kalilauge erhitzt, entwickelt Autit'eln-in aromatisch riechende Dämpfe; auf Zusatz einiger Tropfen (Chloroform und erneutes Er­hitzen tritt der widerliehe Isonitrilgeruch auf,
0,1 g Antifebrin mit 1 ccm Salzsäure eine Minute lang gekocht, gehe eine klare Lösung, welche, nach Zusatz von 8 ccm Oarholsäure-lösung, durch Ohlorkalklösung zwiebelrotli getrül)t und nach hierauf folgender üehersättigung mit Ammouiakflüssigkeit sehr beständig indigblau gefärbt werde (Identitätsreaktionen).
Darstellung. Durch Erhitzen von Anilin mit Essigsäure
(Eisessig) nach der Formel:
OgHjjNEj -|- (^H:10.,H = OdHjsNHCO^HsO) 11^0 Anilinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Essigsiiurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Antifebrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Wasser.
Prüfung. Das Antifebrin soll in wässeriger Lösung nicht sauer reagiren (Essigsiiure), färb- und geruchlos sein (Anilin), bei 112quot; C. zu einer farblosen Flüssigkeit schmelzen und beim Erhitzen auf dem Platin-blech keinen Bückstand hinterlassen (anorganische Beimengungen). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 4 Mark.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Antifebrin hat aussei-lieh eine fäulniss- und gährungswidrige Wirkung und wird daher als Anti-septicum in der Wundbehandlung angewandt, nameiftlich als Streu­pulver. Es soll reizlos und ungiftig sein und die Eiterung beschränken.
2) Als Antipyretioum ist das Mittel zuerst beim Menschen im Jahre 1887 untersucht worden. Das Antifebrin soll viermal so stark fieberwidrig wirken als das Antipyrin. Die Dauer der Antipyrese beträgt 5—10 Stunden. Nach zahlreichen Unter­suchungen, welche ich bei fiebernden Hunden mit Antifebrin gemacht habe, ist dasselbe in entsprechender Dosis ein ganz vorzügliches und unschädliches Antijiyreticum, das ausserdem noch den grossen Vorzug vor den anderen Fiebermitteln, namentlich vor dem Antipyrin hat, dass es sehr hillig ist (20,0 = 30 Pfg.). Es eignet sich daher vor Allem für die Pferde- und Binderpraxis. Speciell beim Pferde ist es nach Hoffmann, Bietsch, Labhart, Friedherger u. A. ein ausserordentlich zuverlässiges und ungefährliches Antipyreticum hei den verschiedensten fieberhaften Affectionen. Nach den Erfahrungen von Friedberger lässt sich beispielsweise das Fieber der Brustscuche bezw. der Pneumonie regelmässig durch Tagesdosen von 90—100 g, zuweilen auch schon durch solche von 60 g Antifebrin erheblich, und zwar im Maximum um 2—2,5deg; C. herabdriieken. Auch hei der In-
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Aiitifeljriii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;39
Muonza hat derselbe Aelmliehes konstatirt. Wird liier das Autifehriu auf der Höhe des Initialliebers gegeben, so setzt es in weitaus den meisten Fällen die Temperatur rasch herab, so dass die Pferde im weiteren Verlaufe der Krankheit ganz oder nahezu tioberlos bleiben. Nur in einer Minderzahl von Fällen besonders schwerer Erkrankung ist die Wirkung des Antifebrins eine unsichere.
3) Als specifisches Antirheuinaticum sowie als Narcoticum bei Neuralgien und Krampfzuständen wird das Antifebrin ähnlich wie das Antipyrin ausserdem empfohlen.
Die weitere Angabe, dass das Antifebrin auch in sehr grossen Dosen ganz ungiftig sein und dass jede üble Nebenwirkung nach seiner Anwendung fehlen solle, bat sich nicht bestätigt. Wenn das Mittel auch in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle sehr gut er­tragen wird, so haben doch grössere Dosen (2—5,0) beim Menschen Vergiftungserscheinungen zur Folge. Die Antifebrinvergiftung äussert sich in Uehelkeit, Erbrechen. Durchfall, allgemeiner Haut-cyanose, sehr beschleunigter Herzaktion, Schüttelfrost, star­kem Kältegefühl, Muskelzuckungen, Starrheit, Kopfschmerz. Sehwindel, Delirien, Mydriasis, Doppelsehen, starkem Sinken der Innentemperatur, — Zuweilen soll auch die antipyretische Wirkung des Antifebrins beim Menschen ausbleiben. — Bei Thicren sind üble Zufälle nach der Anwendung von Antifebrin bisher nicht beobachtet worden; nach Limanow sollen grössere Dosen bei Hunden einennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; -j
rausohartigeh Zustand erzeugen.
Dosis und Form. Man verschreibt das Acetanilid innerlich in Pulver-, Pillen- und Latwergenform oder als Schiittelmixtur in einmaligen grösseren oder 2 —3mal wiederholten kleineren (halben) Dosen.
Pferd und Rind
Ei
nzeldosis
Hund ....
n
Schaf und Ziege
raquo;i
Schwein .
ii
Katze ....
i)
15—30,0. Tagesdosis 50—100,0.
0,25-1,0.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,5—2,0.
2—5.0.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5—15,0.
1—2,0.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2—5,0.
0.1—0,25.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;0,25—1,0.
f: Recepte,
1) Rp. Autilbbriui 50,0.
Pulv. Rad. Althaeae 100,0.
A(|u. commun. (JU. s. f, Pilul. Nr. III.
ü. S. Morgens, Mittags und Abends je eine Pille für ein Pferd mit,
Influenza.
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i'lionacetiii.
•2) Rp, Acctaiiilidi 100,0. Slrupi 200,0. M. f. Kloctuariimi, D. S. Auf drei Mal iunorlmlb eines Tages einzugeben für ein Pferd mit Bnistsuuclii'.
8) Rp. Antifehrini 6,0.
I'nlv. Oort. Querons 10,0. M. f. l'ulv. U. S. Aeusserlioli als Streupulver auf Geschwüre.
4)nbsp; ßp. Antifebrini
Saoohari äli 0,5.
M. f. l'idv. D. tal. dos. Nr. V. S. Täglich 1—2 Pulver für einen Hund mit Staupe.
5)nbsp; Rp. Antifebrini 5,0.
Chunini arabici et .Sacehari albi qn. s. f. Pilnl. Nr. X. D. S. Täglich 1—2 Pillen für einen Hund mit acutem Gelenkrheu-niatisnuis.
IMieiiacetinum. l'henacetin.
( ,NII(C,H30)
Pharmaceutische Chemie. Das Phenacetin ist seiner chemi­schen Zusammensetzung nach ein Abkömmling des Aeetanilids (Anti-febrins), indem es als Oxäthyl-Acetanilid aui'gefasst werden kann. Anderseits kann es chemisch als Acet-Phenetidin bezeichnet werden. Das einfache Phenetidin ist identisch mit dem Aethyläther des Amidophenols. Wird in diesem Phenetidin ein Wasserstoff durch die Acetylgruppe (CIHLO) ersetzt, so entsteht das Acet-Phenetidin oder Phenacetin.
Phenol = (J,H,OH
Amidophenol = 08H4lt;[i-)TT2 .NIL
Phenetidin = C(.H ^^ K, „
Phenacetin = Acet-Phenetidin = OaH^^SWraquo;0^
Das Phenacetin bildet farblose, glänzende, geruch- und geschmacklose Kryställchen, die in Wasser nahezu unlöslich sind (1 : 1400 kaltes, 1 : 70 siedendes). Leichter löslich ist dasselbe in heissem Alkohol (1 : 20). 0,1 Phenacetin mit 1 ccm Salzsäure eine Minute lang gekocht, die Lösung hierauf mit 10 ccm Wasser verdünnt und nach dem Erkalten Hltrirt, gibt auf Zusatz von 3 Tropfen Chrom­säurelösung (3=100) allmählich eine rubinrothe Färbung. Es ist
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IMionacetin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;41
zuerst im Jahre 1887 von Kust und Hinsberg als Antipyretiouui empfohlen worden. A.l3. 1,0 = 16 Pfennig.
Darstellung. Man stellt zunächst aus Salpetersäure und Phenol Nitroplienol (C'i;H1lt;C(-)tj'!) und aus diesem durch Einwirken von Natron­lauge Nitrophenolnatrium (QHilt;ONa-' ^ar' ^usNitrophenoliiatriuiii bildet sich unter Zusatz von Jodilthyl Nitroplicnetol (OjH4lt;!a hu.)- Nitro-phenetol gibt mit Wasserstoff reducirt Plienetidin (ChII^q AttJuikI dieses durch Kochen mit Essigsäure Aoet-Phenetidin (C^Hj-Cq A tt_ 3 j.
Prüfung. Das Phenacetin soll bei 135quot; C. schmelzen und beim Er­hitzen ohne Rückstand verbrennen. Seine Lösung in Wasser soll neutral reagiren. In Schwefelsäure soll es sich ohne Färbung auflösen.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Phenaoetin ist eines der neueren Antipyretica, welches den anderen /um mindesten gleich kommen und frei von schädlichen Nebenwirkungen sein soll. Es wird heim Menschen in einmaligen Dosen von 0,5—0,7 verabreicht. Meine Untersuchungen des Mittels an fiebernden Hunden haben eine ausser-ordentlioh rasch eintretende und lange anhaltende antipyretische Wir­kung ergehen. Für Pferde und Rinder ist das Phenacetin zu theuer (20,0 = 3 Mark).
2) Wie die anderem neuen Fiebermittel dieser Gruppe wird auch das Phenacetin als ein sehr gutes Antineuralgicum für die Neur­algien des Menschen empfohlen.
Dass im IJehrigen auch das Phenacetin kein indifferentes Fieber­mittel ist, beweist der (Jmstand, dass es in grösseren Dosen Ver-giftungsersoheinungen und zwar Cyanose mit Hämoglobinlaquo; ämie erzeugt. Die Maximal-Tagesdosis soll daher heim Menschen betragen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 10—20,0,
Schaf und Ziege 2—5,0. Schwein 1 — 2,0. Hund 0,25—0,5—1,0. Katze 0,1—0,2.
Eecepte.
1) Rp. Phenaoetini
Saccliari ää 0,5.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. IV. Täquot;licli 1 — 2 Pulver für einen Hund mit fieberhafter Enteritis.
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Phonooolli
2) Rp. Phenaootini 3,0. Saoohari
OiiMiiiii arabioi aii 1,0. Aqu. dcstill. i|ii. s. f. Pilulae Xi1. X.. D. Slt; 'LYijjflifh 1—2 Pillen für einen kleinen lluml mit Staupe.
Neuere, nicht oflicinelle Antipyreticii.
Olli
1) Phenocoll. Das Phenoooll ist
und plmrmakologisch nah verwandtes
mit dorn l'henacetin chemisoli neues Antipyreticum, es kann als
Amid o-Ph en acetin bezeiclmet werden. Der wesentliclie Unterschied zwischen beiden liegt darin, dass Phenacetin in Wasser unlöslich, Pheno­coll dagegen sehr leicht löslich ist. Das Phenocoll wird daher wohl au cli als wasser lösliches Ph en ace tin bezeichnet. Die chemische Zusammensetzung des Phenocolls ergibt sich aus der des Phenacetins:
Phenacetin ist = Acot-Phenetidin.
Phenocoll ist = Am id o-Acet-Phenetidin.
,NH.aHa(NHj)0
Phenacetin
06H4lt;O.0aB^
Phenocoll
Zur Anwendung als Fiebermittel wird empfoblen das salzsaure Pheno­coll, Phenocoll um hydrochloricum. Dieses Phenocollhydrochlorat hat sich nach den Mittheilungen Hertel's (Deutsch, med. Wochenschrift, 1891, Nr. 15) und Herzog's (Deutsch, med. Wochenschr. 1891 Nr. 31) beim Menschen als gutes Antipyreticum, Antii'heiunaticum, Nervinum und Antineuralgicum bewilhrt. Nach Kobert und v. Me ring ist das Pheno­coll selbst in grossen Dosen ungiftig; es erzeugt weder' Collaps, noch Cya-nose und Blutzersetzung. Die antifebrile Wirkung tritt nach Gaben von 1 g sicher ein; mit 5 g über den Tag vertheilt, gelingt es ab und zu fast völlige Entfieberung herbeizuführen. In denselben Dosen wirkt das Pheno­collhydrochlorat auch bei Gelenkrheumatismus günstig, indem es die Gelenk-schmerzen zum Verschwinden bringt. Nach Versuchen, welche ich in meiner Klinik bei fieberkranken Hunden vorgenommen habe, kann ich die gute antipyretische Wirkung des Mittels in Dosen von O/i—1,0 bestätigen. Von den übrigen Salzen des Phenocolls werden zur therapeutischen Verwendung noch das Acetat und das Carhonat empfohlen, und zwar ersteres wegen seiner leichten Lüslichkeit (1:3,5), letzteres zur Darreichung in Pulverfonu, da es fast geschmacklos ist.
2) Methacetin. Dasselbe ist seiner chemischen Zusammensetzung nach als Ace t-para-Anisid in aufzufassen und mit dem Phenacetin ebenfalls nah verwandt. Während nämlich Phenacetin identisch ist mit dem acetjr-lirten Aothyläther des Paramidophenols, ist Methacetin identisch mit dem acetylirten M et hy läther desselben Paramidophenols:
0„H,lt;
OHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
C.iHilt;N^
E9nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; „rr -0.0,H-,
NH^
CJI
i --NH,
Paramidophenol Methyläther des vorigen Aethyltlther des vorigen = Pava-Anisidinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; = l'lienetidin
CHlt;ro.cii3
Acet-para-Anisidin = Methacetin
Aoet-Phenetidin = Phenaoetin.
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Kxaluin. Hydracotii;.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;48
Das Jlethacetin bildet Bobwaoh röthliche, leiclit salzig bitter scbmeokende, geruchlose Krystallbliittohon, welche in heissem Wasser leicht löslich sind. Es wirkt in Dosen von 0,2—0,3 bei Kindern aiitipyretisch. Nach meinen Erfahrungen ist es auch bei Hunden in Dosen von 0,2—1,0 ein gutes Fiebermittel.
li) Exalgin. Dieses von Duj ardin - Jieaum et/, empfoblene Mittel ist als M ethy 1-A c etan ilid dnethylisirtes Antifebrin) aufzufassen;
OeHsNECOAO)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;O^N. (Ciy (0,^,0)
Aeetnnilid = Antif'obrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Mi'thyl-Aeelanilid - - Exalgin.
Es bildet nadelfönuige Krystalle, welche in heissem Wasser leicht löslich sind und antiseptische, antipyretische und schmerzlindernde („Exalginquot;) Eigenschaften haben. Dosis für den Menschen 0,25, ein- bis dreimal täglich. Ich habe auch das Exalgin bei Hunden als Fiebermittel mit sehr gutem Erfolge in Dosen von 0,2—1,0 angewandt.
4) Hydracetin. Das Hydracetin ist chemisch als Ac.ety Iph eny I-hydracin aufzufassen und hat demnacli die Formel: OgHsNE—NH—(JÜ(JH;l. Wie es scheint, ist es in der Hauptsache identisch mit dem als Pyrodin bezeichneten neuen Fiebermittel, welches ein Gemenge verschiedener nicht genau bekannter Substanzen mit einem (lehalte von ca. 250/n Aoetylphenyl-hydracin darstellte; das l'yrodin ist deshalb auch durch das Hydracetin ver­drängt und ersetzt worden. Das Hydracetin bildet ein weisses, krystal-linisches, geruchloses und fast geschmackloses Pulver, welches sich schwer in Wasser (1:50), dagegen leicht in Alkohol löst. Es besitzt eine charakteristische Reaktion: mit einer Mischung von concentrirter Schwefelsäure (08) und Salpetersäure (2) färbt es sich tief kanninroth. Charakteristisch und wichtig sind ferner seine stark reducirenden Eigenschaften, indem es z. B. schon in der Kälte aus alkalischer Kupfer­lösung rothes Kupferoxydul, aus alkalischer Silberlösung metallisches Silber ausscheidet und Oxydsalze zu Oxydulsalzen reducirt. Das Hydracetin ist durch seine ausserordentliche Giftigkeit ausgezeichnet. Beim Menschen treten schon nach wiederholten Dosen von 0,1 Vergiftungserschoinungen auf: Kaninchen sterben auf 0,5 in Folge von Häm oglobin ämie. Die antipyretische Wirkung des Mittels ist eine bedeutende; die Einzel­dosen betragen für den Menschen 0,Uquot;)—0,1, die Tagesdosen 0,05—0,2. Ausserdem zeigte sich das Hydracetin wirksam gegen acuten Gelenkrheu­matismus. Um jedoch Intoxicationen bei der innerlichen Verabreichung des Hydracetins zu vermeiden, soll für den Menschen die Tagesdosis von 0,1 nicht länger als 8 Tage hinter einander gegeben werden. Aeusserlich empfiehlt Guttmann das Hydracetin in Form einer 10quot;folgen Salbe gegen Psoriasis (redvicirende Wirkung ähnlich wie beim Chrvsarobin, Anthrarobin und Hydroxylamin).
6) Thymacetin. Ein dem Phenacetin analoges neues Fiebermittel, welches im Allgemeinen eine ähnliche antipyretische Wirkung besitzt, nach Jolly (Berl. klin. Wochenschrift, 1802, S. 848) indessen gleichzeitig auch Schlaf erzeugt.
6) Aethoxyderivate des Hydracetins und Antipyrins. Durch neuere Untersuchungen ist es wahrscheinlich geworden, dass die Wirkung eines Fiebermittels eine mi 1 dere wird, wenn dasselbe die
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AiititluTmin. ('liiiiulin.
A etlioxygrup po =s O.OjHg enthält. So wirkt beispielsweise das Fheiiacetin (Aethoxyacetaiiilid) milder als das Antifebrin (Aeetanilid). C,;BU.NH(C.,H.)0)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,, ,, ^,NH.(O0H3O)
Antifebrinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ^'^'lt;(). (!.,U;
1'henacetin. Auf Grund dieser Erwägungen hat man je ein Aethoxyderivat dos Hydra-i;et,ins und Antipyrias, und vom letzteren ausserdem noch das Salicylat (Aethoxysalipyrin) liergestellt. Ein ähnliches Präparat ist das Analgen.
1887
die Fieber-
7)nbsp; nbsp;Antithermin. Das von Nikot im Jahre 18S( in
therapie eingeführte Antithermin ist chemisch als Fh e ny Ihy dr acin-1j ilvulinsäure aufzufassen. Das Fhenylhydracin (OjHj.NH.NHj) bildet mit der Lilvulinsäure oder Acetpropionsäure (C^H.j. CyH:)0 . COOH) zusammen unter Absobeidung von HoO die Phenylhydracin-Liävulinsiinre, welche leicht in Lävulinsäureanhydrid (OkHjjNijO) überzugehen scheint. Das Antithermin bildet farblose, glänzende, harte, zwischen den Zähnen knirschende Krystalle von schwach brennendem Geschmacke beim Kauen, welche in kaltem Wasser fast unlöslich sind, leichter dagegen in heissem und in siedendem Alkohol. Mineralsäuren spalten das Antithermin wieder zu Fhenylhydracin und Lilvulinsäure. Es wird in Pulverform als Anti-pyreticum angewandt.
8)nbsp; Chinolin. Dasselbe hat die Formel OnHjN und ist eine organische Fase, welche zur Benzolgruppe gehört und mit Pyridin und Naphthalin verwandt ist, wie dies aus nachstehenden Formeln hervorgeht:
Benzolnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; =
Pyridinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; =
Naphthalin = Chinolin =
OH. OH. OH. OH. OH. CH.
OH. OH. OH. OH. OH.N.
CH. CH. CH . CH. OH. CH. OH. 0.0. CH.
CH. CH. CH. CH. CH. CH. CH. C. C. N. Das Chinolin ist analog dem Pyridin und den Pyridinbasen der Aus­gangspunkt einer iteihe von Chinolinbasen. Es kann chemisch als Naph­thalin aufgefasst werden, in welchem eine CH-Gruppe durch N ersetzt ist. Das Chinolin ist von grösster wissenschaftlicher Bedeutung, weil es wahr­scheinlich die Grundbase des Chinins darstellt. Es bildet eine etwas gelbliche, ölige Flüssigkeit von unangenehmem Gerüche nach Bitter­mandelöl und alkalischer Reaktion, unlöslich in Wasser, leicht in vVlkohol, Aether, Chloroform und Benzin löslich. Als Base verbindet es sich mit .Säuren zu leicht löslichen Salzen, von welchen das Chinolmum tartari-cum (weinsaures Chinolin) und Gh. salicyllcum therapeutisch angewandt werden. A.P. 1,0 = 6 Pfennig. Das Chinolin wird synthetisch durch Er­hitzen eines Gemisches von Anilin, Nitrobenzol und Glycerin mit Schwefelsäure oder aus Hydrocarbostyril dargestellt. Früher wurde es aus Chinin, ferner aus Steink ohlen theer und 01. animate foetidum gewonnen. Chemisch werden Chinolin und seine Salze nach­gewiesen durch die milchige Trübung bei Zusatz von Kalilauge, den rotlibrannen Niederschlag bei Zusatz von Jodjodkalmm, den gelben bei Zusatz von Pikrinsäure oder Kalium-Quecksilberjodid. Der letztere Nieder­schlag verwandelt sieb charakteristischerweise bei Zusatz von Salzsäure in zarte, bernsteingelbe Krystalle (Identitätsreaktionen). Das Chinolin ist ein starkes fäulniss- und g ährungs widriges, an tisop tisches Mittel, welches in 0,20/oiger Lösung die Harnfäulniss, in 0,40/oiger die Blut-fänlniss und lquot;!oiger die Milchsäuregährung verhindert. Es kann daher in Form der alkoholisch-wiisserigen Lösung äusserlich als Antisepticum in der
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Kairiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 45
Obimrgis angewandt werden (]!p. Cliinolini 6,0; Spiritus et Aquae destillatue ilä 50,0), Inuerlioh setzt dus (Jhinolin namentlich in der Form seiner Sal/.e die Temperatur beim Menschen herab, man hat es daher früher in der Menschenheilkunde statt des Chinins in derselben Dosis als Antipyreti-cum angewandt. Es wirkl jedoch wesentlich schwächer als Chinin und stört die Verdauung. Polansky (Oestorr. Vierteljahresschrift 1882) hat ferner gefunden, dass die bei Kaiiinchen nach der Anwendung von Chinulin-salzon beobachteten Temperaturherabsetzungen bei Hunden und Pferden überhaupt nicht zu erzielen waren. Das Chinolin und seine Salze sind daher in der Thierheilkunde aus der Liste der Fiebermittel am besten ganz zu streichen.
!•) Eairinum, Eairin. Das Kairin ist ein Derivat der Chinolins, näm­lich Oxychinolin-Aethylhydrür, von der Formel OgHgN . 0.,H- . Hj . 0, d. h. Chinolin (C^N) plus Aethyl (G2ll-a) plus 4 H plus 0. Es wird im Gegensatze zu der Methylverbindung des Chinolins (Kairin M) auch als Kairiii A bezeichnet (Aethylverbindung). Das Kairin ist also chomisch verwandt mit dem Chinolin und Chinin. Es ist von 0. Irischer zuerst auf synthetischem Wege dargestellt und von Filebue 1882 als Fiebermittel in der Form des Kairinum muriaticum empfohlen worden. Es wird dar­gestellt aus Chinolin durch Behandlung desselben mit Schwefelsäure! (= Chinolinsulfonsäure), Aetznatron (== Oxychinolin), nascirendem Wasserstoff (= Oxychinolintetrahydrtir) und Jodäthyl (Oxychinolin-äthyltetrahydrür, d, h. Kairin). Mit Salzsäure bildet sich daraus das Kairi­num muriaticum, welches wohl auch schlechtweg als Kairin bezeichnet wird. Das Kairin des Handels bildet ein geruchloses weisses Pulver von stechend salzigem und zugleich camphorartig kühlendem Greschmacke, das sich in 6 Theilen Wasser löst; die Lösung färbt sich am Lichte allmählich bräunlich, wird in sein- verdünntem Eisenchlorid dnnkelbraunrotb und durch rauchende Salpetersäure blutroth gefärbt und gibt mit Silbernitrat die Chlorreaktion. Das Kairin war das erste der neueren Fieber­mittel, welches bei seinem Erscheinen im Jahre 1882 die bis dorthin bekannten Fiebermittel im grossen Ganzen an anti-pyretischer Wirkung weit übertraf. Ich habe dies namentlich be­züglich des Chinins bei Hunden und Pferden nachgewiesen (llepertorium für Thierheilkunde 1884). Das Kairin wurde aber bald durch noch bessere Fiebermittel (Antipyrin, Thallin, Antifebrin) verdrängt. Ausserdem zeigte es sich, dass das Kairin giftige Nebenwirkungen besass, indem es in grossen Dosen Collaps erzeugte und z. B, bei staupekranken Hunden zur Zeit des Fieberminimums gesteigerte Beflexerregbarkeit und selbst ausge­breitete klonisch-tonische Krämpfe zur Folge hatte. Da ausserdem der Temperaturabfall nicht lange anhielt und das Mittel daher stündlich gegeben werden sollte, musste es bald in den Hintergrund treten. Seine Dosis betrug für Hunde stündlich 0,25—1,0, für Pferde 5 — 10,0. A.P. 1,0 = 40 Pfennig.
10) Benzanilidum, Benzanilid. Das Benzanilid hat die chemische Formel OgHgNH . OgHgOO und ist mit Acetanilid (Antifebrin) insofern nahe verwandt, weil es als Acetanilid aufgefasst werden kann, in welchem das Radikal Acetyl (C.)11.,0) durch das Radikal der Benzoesäure (C|;H0. CG) ersetzt ist;
Cill-^'Hinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CuH-.NIi . (mOnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; • C.jH-.NH . G.HjCO
Anilinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Acetanilid (Antifebrin)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Benzanilid.
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I'lieuyUnrthiui.
Es bildet ein weisses, krystallinisclies, in Wasser schwer lösliches Pulver und ist ein kräftiges, dem Antii'ebriii gleichwerthiges Fiebermittel, welches in der doppelten Dosis des letzteren gegeben wird.
11) Phenylurethan (Euphorine). Dieses von Sans on i (Tberapeuti-sehe Monatshefte 1890 S. 452) empfohlene neue Fiebermittel wird wie das Antifebrin aus Anilin durch Einwirkung von chlorkohlensaurem Aethyl-iither dargestellt. Seine Formel ergibt sich aus Nachstehendem :
colt;-
0 . OoHs
C0lt;NH . OÄ
Urethannbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Phenylurethan (Kupiiorine).
Das Mittel bildet ein weisses, krystallinisches Pulver von schwachem aromatischem Geruch und nelkenartigem Geschmack, welches in kaltem Wasser sehr schwer, in Alkohol sehr leicht löslich ist. Die Euphorine soll ein allsgezeichnetes an tipy r e ti sches, an tiseptisches, antirheumati­sches und analgetisches Mittel sein. Die Herabsetzung der Temperatur entsteht in Folge der Erweiterung der peripheren Gefässe. Dabei soll das Mittel trotz seiner Verwandtschaft mit dem Antifebrin keine blutauflösende Wirkung besitzen und beinahe keine Cyanose verursachen. Das Maximum der Temperaturabnahme erfolgt nach '2 Stunden, die Wirkung dauert durch-sclmittlich 5—7 Stunden. Das Wiederansteigen der Temperatur erfolgt meist plötzlich unter Schüttelfrost. Die Tagesdosis beträgt für den Men­schen 1—1,5 g. 0,5 Euphorine entspricht 1 g Antipyrin. Als Antirheu-maticum gibt man das Mittel in Tagesdosen von 1,6—2,0,
12) Dihydromethylphenylpyrazin. Ein neues, aus Phenylbydrazin und Propionsäure dargestelltes und patentirtes Fiebermittel 'von angeblich ausgezeichneter Wirkung. Es hat die chemische Formel C(iH5. N.2H. CG . (CH.j.^.
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11 erzmitte]. Cardiaca.
Folia Digitalis. Fiiigerhnlblätter.
Stammpflauzei Uigitalls purpnrea. Familie: Skrophularineen.
Pharmakognosie. Die Fingerhutblätter, Polia Digitalis, stammen vom rothen Fingerhut, Digitalis purpurea, ab, einer in west- und mitteldeutschen Q-ebirgswäldem wild wachsenden Skrophtdarinee mit rothen, glockigen Blüthen in langer Traube. Sie enthalten als wirk­same Substanzen mehrere Q-lykoside und Bitterstoffe;
1)nbsp; nbsp;Das Digitoxin (081H88O7), in reinem Zustande krystallisirend in perlmutterglänzenden Nadeln, wichtigster Bestandtheil, beim Kochen mit verdünnten Säuren in Toxiresin sich umwandelnd. Hauptbestand-theil des französischen „Digitalinquot;. Das Digitoxin ist im Gegensatz zu den drei übrigen wirksamen Bestandtheilen kein Glykosid.
2)nbsp; Das Digitalin, das sieb beim Kochen mit verdünnten Säuren in Zucker und Digitalresin zersetzt.
3)nbsp; nbsp;Das Digitalem, Hauptbestandtheil des deutschen „Digitalinquot;.
4)nbsp; nbsp;Das Digitonin, das bei Einwirkung von Säuren in Zucker und Digitoresin, sowie DigitoneYn, und bei der Gfährnng in Paradigitogemn zerfällt. Das Digitonin ist unter den genannten Körpern der am wenigsten giftige. — Ausserdem ist in den Digitalisblättern G erb­säure enthalten.
Das Aussehen der Blätter ist ein sehr charakteristisches. Ihre Unterseite ist weichfilzig, sammetartig behaart, von einem graufilzigen Adernetze durchzogen, das sich beim Hindurohsehen in ein noch feineres, durchscheinendes Adernetz auflöst. Die Blätter sind dünn, am Rande ungleich gekerbt, auf der Oberfläche run­zelig, von eiförmig-länglicher Gestalt, in den Blattstiel verschmälert,
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Kuliii niifitiilis
von graugrüner, später Lraungriincr Farbe. Der Gresdiiuaek ist widerlich bitter. Die Fingerhutblätter geben mit dem lOfaoben Ge­wichte siedendem Wasser einen bräunlichen, Lakmus röthenden, widerlich bitteren, nicht aromatischen Auszug von eigenartigem Ge­rüche, welcher durch Eisenchlorid zunächst ohne Trübung dunkel gefärbt wird; nach einigen Stunden entsteht ein brauner Absatz (Gerbsäure). Wird dieser Auszug mit dem 3faclien Gewichte Wasser verdünnt, so muss beim Zutröpfeln von Gerbsäurelösung eine Trübung, in dem unverdünnten Auszuge aber ein reichlicher Nieder­schlag entstehen, welcher von überschüssiger Gerbsäure nur schwierig gelöst wird (Digitoxin).
Die Fingerhutblätter werden im Juni und Juli zur Blüthezeit der Digitalis gesammelt, und zwar soll nur die wildwachsende Ptianze verwendet werden (die Blätter der kultivirten sind ohne Behaarung). 8ie werden im Schatten getrocknet, wobei sie 80quot;/quot; an Gewicht ver­lieren. Sie sollen in wohlverschlossenen Blecbgefässen und nicht über ein Jahr aufbewahrt werden A.P. 10,0 — .') Pfennig.
Tinctura Digitalis, Pingerhutt in ctur, bereitet aus 5 Theilen frischem Pingerhutkraut mit lt;J Theilen Weingeist. Eine Tinctur von braun grün er Farbe, vom Gerüche der Blätter und bitterem Geschinacke. Dosis das öfache der Digitalisblätter (Pferden und /Rindern kleinere Dosen von 10—26,0; Schafen und Ziegen 5—10,0; Schweinen 2-5,0; Hunden 0,5-1,0 oder 10—25 Tropfen; Katzen 0,1-0,2 oder 2—5 Tropfen). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. — In Oesterreich wird die Tinctur aus trockenen Blättern dargestellt (früher auch in Deutschland). — Extractum und Acetum Digitalis sind nicht mehr officinell.
Digitalin, Man hat schon öfter vorgeschlagen und versucht, die officinellen Digitalispräparate durch die rein dargestellten Digitalis-glykoside zu ersetzen und hat auch verschiedene „Digitalinequot; in den Handel gebracht, so das Digitalinum amorphum oder germanicum, das Digitalinum gallicum amorphum (Homolle et Quevenne) und crystal!isatum (Nativelle) u. a. Diese Digitaline sind jedoch durchaus keine Präparate von constanter Zusammensetzung, sondern ausserordentlich variable Gemenge der verschiedenen Digitalisglykoside und ihrer Zersetzungsproducte, welche in ihrer Wirkung ilusserst unsicher und daher nicht zu empfehlen sind. In der That werden sie auch in Deutschland fast gar nicht angewandt.
Wirkung. 1) Die Hauptwirkung der Digitalis ist auf das Herz gerichtet. Sie besteht einerseits in einer Reizung und späteren Lähmung des Nervus Vagus, des Hemmungsnerven für das Herz, in seinem Oentrum und seinen cardialen Endorganen. Andererseits wird durch die Digitalis der Herzmuskel selbst gereizt, so class er 4 — (inial stärkere Contractionen ausführt; bei fortgesetzter Ein-
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Koliit Digitalis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 49
Wirkung wird das Hör/ scliliessliuli ganz .starr und hart und zeigt eine eckige, krampf'liat't eontraliirte Foi'm. Man unterseheidot je nacii der Dosis drei Stadien der Digitaliswirkuug. Das erste Stadium, welches allein /.n tlierapeutisciicn Zwecken benützt wird, ist durch eine Yerlangsamung der Pulsfrequenz mit gleichzeitiger Steigerung der Herztliätigkeit und Erhöhung des arteriel­len Blutdrucks gekennzeichnet. Das zweite Stadium (nach giftigen, aber nicht tödtlichen Dosen in den Vordergrund tretend) erscheint als das gerade Gegentlieil des ersteren: die Pulsfrequenz ist in Folge beginnender Herzschwäche au ss er or dent lieh ver­mehrt, der Blutdruck weit unter der Norm. Im dritten, nur bei tödtlicben Dosen zu beobuchtenden Studium befindet sich sowohl Pulsfrequenz als Blutdruck unter der Norm; der Herzschlag ist sehr unregelmässig und wird immer langsamer. Zu­letzt steht das Herz in Folge motorischer Lähmung in Diastole still. Die drei verschiedenen Stadien äussern sich auch durch eine cha­rakteristische Verschiedenheit der während derselben aufgenommenen Pulskurven, auf welche namentlich von Kaufmann undOhauveau (Revue de medicine 1884) aufmerksam gemacht worden ist.
2)nbsp; Der eben geschilderte EinHuss der Digitalis auf den Blut­druck (Steigerung bei kleinen, Depression bei grossen Gaben) ist unabhängig von der erhöhten Herztliätigkeit zum Theil auch auf eine Erregung resp. Lähmung dos vasomotorischen (Jentrums mit Verengerung resp. Erweiterung der arteriellen Gefässe zurückzuführen.
3)nbsp; Die Körpertemperatur wird während des ersten Stadiums im Innern des Körpers erniedrigt, weil in Folge des gesteigerten Blutdrucks das Blut mehr nach der Aussentiäche des Körpers, der Haut, gedrängt wird, woselbst eine messbare Zunahme der Temperatur, gleichzeitig aber auch eine raschere Abkühlung mit entsprechen­dem Sinken der Körperwärme stattfindet. Die Ursachen der Tem­peraturherabsetzung sind also rein mechanischer Natur.
4)nbsp; Neben der Wirkung der Digitalis auf den Oirculationsapparat hat diejenige auf andere Organe nur eine nebensächliche Bedeutung. So werden Gehirn und Rückenmark nicht einmal direkt, sondern lediglich seenndär durch die Vermittlung der Circulation, d. h. durch die Veränderung der Blutdruckverhältnisse beeinilusst. Es wirkt bei­spielsweise der gesteigerte Blutdruck als Reiz für das Grehirn. Die Verdauung wird ferner leicht durch grössere Gaben oder bei längerer Verabreichung kleinerer Dosen gestört, indem dabei Magendannkatarrh mit Erbrechen und Durchfall auftritt. Eigentbümlich ist endlich, dass
Kröhuer, Araneimittcllelnc. :). Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4
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Folia Digitalis.
die Digittiliswii'laing eine cumulative wmlcn, d. 1raquo;. auch nach dein Aussetzen des Mittels andauern und fortschreiten kann. Man führt dies theils auf eine gewisse Persistenz des Digitalins im Kreislauf, theils auf die langsame Löslichkeit des Digitoxins im Magen und Darm, theils auf das langsame Zustandekommen der ehemi­schen Organveränderungen im Herzen durch die Digitalisglykoside und die ebenso lange Nachwirkung, das langsame Verschwinden jener chemischen Muskelveränderungen des Herzens sowie der Herz starre zurück.
Toxikologie der Digitalis. Die giftige Wirkung der Digitalisblätter ist sowohl experimentell, als durch die klinische Erfahrung festgestellt. Die Erscheinungen der Digitalisvergiftung sind bei Aufnahme der frischen oder getrockneten Blätter zunächst gastro-enteritischer Natur (Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik, heftiger Durchfall); es tritt jedoch bald die specifische Herzwirkung deutlich in den Vordergrund. Die anfangs ver­langsamte Herzthiltigkeit wird schnell hochgradig beschleunigt, das Herz pocht stark an die llippenwandüngen, die Herztöne sind laut, von metallischem Klange, der anfangs übervolle Puls wird klein, unregel-111 ässig, dikrot und zuletzt unfühlbar. Die im Anfang zuweilen beob­achtete Aufregung (Gehirnhyperämie) macht später den Erscheinungen der Gehirnanämie (Blutdruckerniedrigung): Eetäubung, Mattigkeit, Sehwanken und selbst Lähmungszuständon Platz. Cluiraktoristisch ist zuweilen für die Digitalisvergiftung beim Pferde die Lähmung der Unterlippe. Daneben beobachtet man Krampfzufalle, sowie Erscheinungen der Nieren­reizung (Polyurie, Albiminurip, Strangarie). Bei der Sektion findet man Gastro-Enteritis, Endocarditis, Myocarditis, diastolische Herzlähmung, f/ungenhyperämie, Ecchymosirungen und suft'ocatorisches Blut.
Die Todesdosis der Polia Digitalis beträgt für Pferde durchschnitt­lich 25 g (= 100-200 g der frischen Blätter), für Hunde 5 g. Der Tod tritt auch ein, wenn diese Dosis innerhalb weniger Tage in Form kleinerer Gaben verabreicht wurde! Das Digitoxin wirkt schon tödt-lich für die Katze bei 0,4 mg pro Kilo Körpergewicht, für den Hund bei 1,7 mg pro Kilo und das Kaninchen bei 8,0 mg pro Kilo.
Anwendung. 1) Als Cardiacum bei Herzkrankheiten ver­schiedener Art, namentlich hei Scli wache der Herzmuskulatur in Folge von Klappenfehlem, Myocarditis, Pericarditis, Endocarditis und fettiger Entartung des Herzens. Die beginnende Erschlafl'ung des Herzmuskels ist durch sehr frequenten und pochenden Herzschlag bei sehr schwachem Pulse charakterisirt; die Digitalis verlangsamt die Herzthätigkeit, verschafft dem Herzmuskelapparate längere Er­holungspausen, kräftigt die ('ontractionen und regulirt dieselben; dadurch wird gleichzeitig der Blutdruck in allen Körperorganen ge­steigert und die Blutstauung mit ihren Folgen gehoben. Bei Herz­verfettung wirkt Digitalis ausserdem durch die Erhöhung der Arbeits­leistung des Herzens stoffwechselanregend und daher entfettend.
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Folia DifritaÜH.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;51
Von Wichtigkeit ist ferner, class es bei der Anwendung der Digitalis nicht sowohl auf den Ort und die Art der Klappenaffeotion resp. der Herzfehler (rechts, links, Stenose, Insuf'ticienz, Pulmonal-, Aortenostiuin), sondern lediglich auf das Stadium des Kranklieits-processes ankommt. Die Digitalis ist ausschliesslich an­gezeigt im Stadium der noch nicht eingetretenen oder wieder verloren gegangenen (Kompensation, also im Stadium der Herzschwäche. Ist eine Compensation (Herzhypertrophie) vor­handen, so ist die Digitalis von schädlicher Wirkung.
Eine Contraindication gegen die Anwendung des Fingerhutkrauts bilden ferner primäre, reine Herzhypertrophien, hohe Blutdruck Ver­hältnisse, sowie acute Nierenentzündung, Ausserdem muss sofort mit dem Mittel ausgesetzt werden, wenn sich Störungen der Herzthätigk eit darnach einstellen.
2)nbsp; Als Diuretioum durch Vermittlung des gesteigerten Blut­drucks, nicht etwa durch direkte Beeinflussung der Niere. Aus diesem Q-runde hat Digitalis lediglich bei oardialer, d. h. durch Herzkrank­heiten erzeugter Wassersucht eine harntreibende Wirkung; hei ander­weitigen Hydropsien, insbesondere bei Wassersuchten im Verlaufe von Leher- und Nierenkrankheiten wird die Hammenge ebenso wenig durch Digitalis vermehrt, wie hei gesunden Thieren. Aus diesem Q-runde wird auch die chronische Gehirnwassersucht, wie dies schon von Her twig hervorgehoben worden ist. durch das Fingerhutkraut nicht bceinflusst, desgleichen nicht die Resorption pleuritischer, peri-tonitischer oder arthritischer Exsudate.
3)nbsp; Album in urie lässt sich, wofern sie auf ein Sinken des Blutdrucks zurückzuführen ist, durch Digitalis wirksam bekämpfen, wie ich dies vielfach beobachten konnte.
4)nbsp; Als Antipyretioum wird Digitalis zwar von den neueren Fiebermitteln, sowie vom Chinin und der Salicylsäure ühertroti'en und ist daher nach dieser Richtung seltener mehr im Gebrauche. Man kann jedoch schwere, mit Herzschwäche verlaufende Infections-fieber durch grosse Dosen des Fingerhutkrauts sehr wirksam be­kämpfen, wie ich dies namentlich in zahlreichen Fällen von Brust­seuche beim Pferde verfolgt habe. Einmalige Dosen der Folia. Digitalis von 10—12 g setzen hiebei innerhalb 12—24 Stunden nicht nur die Fiebertemperatur stark herab, sondern äussern auch gleichzeitig eine ganz vorzügliche kräftigende und regulirende Wirkung auf das Herz und bessern dadurch das Allgemeinbefinden und den Krankheitsverlauf. Die fortgesetzte Verabreichung des Mittels ist jedoch als gefährlich
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raquo;',2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Külia Digitalis.
ZU vermeiden. Bei kleinem Pferden, z. B. bei nngarisclion. inuss die Dosis entsprechend niedriger genommen werden (5—8 g).
5)nbsp; Gegen Lungenentzündung ist die Digitalis namentlicli früher vielfach angewandt worden und zwar in kräftigen (mittleren) Dosen, so z. B. für Hunde in Tagesdosen von 0,5—1,6 g, Man erklärt sich die günstige Wirkung durch eine stärkere Füllung der Arterien und die dadurch bedingte Regelung des gestörten, zum Theil unterdrückten Lungenkreislaufes.
6)nbsp; Endlich wird Digitalis in kleinen Dosen gegen Lnngen-1) in tun gen (gefäss verengernde Wirkung) und in grossen gegen acutes Lungenödem (Traube) angewandt.
Dosis und Form der Folia Digitalis. Die Digitalisblätter werden pulverisirt entweder in Form von Pulvern, Pillen, Lat­wergen, Schlecken, Schnttelmixtnren oder im Infuse (1:100) verabreicht. Pferden gibt man das Mittel gewöhnlich in Pillen-, Lat­wergen- oder Schleckenform, Hunden als Pulver und im Infus, Rändern, Schafen und Ziegen als Schüttelmixtur, Am stärksten wirkt die Ver­abreichung der Blätter selbst; die Wirkung des Digitalispulvers ist eine 3mal so starke wie die des Infuses. Bei der schweren Löslichkeit des Digitoxins in Wasser wird dasselbe nämlich durch Infuse nur zum Theil ausgezogen. Decocte sollen wegen Zersetzung der Glykoside beim Kochen vermieden werden. Man gibt die Digitalis­blätter gegen chronische Herzkrankheiten, Herzschwäche; Wassersucht. Alhnminurie, Lungenblutungen etc. in kleinen, wiederholten Dosen höchstens 1 Woche hintereinander und setzt dann wieder ebenso lange aus (cumulative Wirkung!). Dasselbe gilt für die übrigen Digitalis­präparate. Dagegen muss die Digitalis, um einen antipyretischen Effekt damit zu erzielen, in grosser einmaliger Dosis verabreicht werden. Zu bemerken ist noch, dass die Digitalisblätter nicht immer gleich stark wirken (wechselnder Q-lykosidgehalt). Eigenthümlich ist das Gelatiniren der Digitalisinfuse bei längerem Stehen (Pektin­gehalt).
Die Dosis der Digitalisblätter beträgt
1) Als Oardiacum: für Pferde und Rinder 2—5,0.
Schafe, Ziegen und Schweine 0,5—1,0. Hunde 0,1—0,3. Katzen 0,05-0,1. Geflügel 0,02—0,05.
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Kolia Digitalistnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 53
2) Als Antipyretioum: Pferd und Rind 10—12,0.
Schilfe, Schweine etc. 1-2,0. Hunde (1,2—0,5. Katzen 0,1—0,2,
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Polior. Digital. 10,0.
Viiii rubi 500,0. M. D. S. Auf oininal y.u geben für ein Pferd mit Brustseuohe (liolilaquo;s Fieber mit Myocarditis).
2)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
Syrupi 160,0. M. f. Linotus. D. S. Tägliob einen EssIc'ilM auf die Zunge zu streichen für ein Pferd mit EUappenfehler.
3)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
Hydrargyr. ohlorati mitis 5,0. Pulv. Fruot, Juniperi 100,0. Pulv. Had. Althaeae 50,0. A(iu. cioiniu. qu. s. f. Eleet. I). S. Auf einmal für ein Pferd mit liochlieberliafter Endocarditis.
4)nbsp; Hi). Pulv. Folior. Digital. 12,0.
Pulv. Kniet. Juniperi 100,0. M. f. cum Pulv. Pad. Althaeae et A(ju. qu. s. Pilulae Nr. IV. lt. S. Täglich 1 Pille für ein Pferd mit Pericarditis.
5)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Folior. Digital. 10,0.
Kalii nitrici 20,0. M. D. S. Mit einer Flasche Wasser einzuschütten bei fieberhafter Endo­carditis oder Pericarditis des Rindes.
6)nbsp; Rp, Infusi Folior. Digital. 1,0 : 100,0.
Di S. Täglich einen Fsslöfifel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit chronischer Endocarditis und Wassersucht.
7)nbsp; Rp. Jnfns. Folior. Digital. 2,0 : 250,0.
Liquor. Kalii acetici Suoci Juniperi inspissati ää 20,0. M. 1). S. Täglich 1—2 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit ex-sudativer Pericarditis (oder cardialer Wassersucht).
8)nbsp; Rp. Tinctur. Digital. 150,0.
D. S. Täglich einen Esslöffel mit '2 Flasche Wasser einzuschütten für ein R i n d mit cardialer Wassersucht.
9)nbsp; Rp. Pulv. Folior. Digital. 0,1.
Sacchari 0,5.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr, X. S. Täglich ein Pulver für einen Hund mit starker Alhiimiuurie in Folge eines Klappenfehlers,
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54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bulbus Scillae.
10) \iigt;. Infus. Pollor. Digital. 0,6 : 100,0. Tartar, natron. 5,0. M. D. 8. Täglich 1—2 Thcolöftol für eine Katzo mit oai'dialera Hydrops.
BulbiiN Sciilac. Meerzwiebel.
gt;S taimupl'lan zc: ürglnea niaritima (Soilla luaritima). Pa in ili e : Liliacueii.
Pharmakognosie. Der Bulbus Scillae stammt von ürginea maritima, einem luamisliolicn Zwiebelgewächse an den Gestaden des Mittelmeers aus der Familie der Liliaoeen. Man verwendet nur die mittleren weissen Schalen der laust- bis kopfgrossen, aussei! rotli-braunen, bis 5 Pfund schweren Zwiebel, indem man sie der Länge nach zerschneidet. Das ot'ficinelle Präparat stellt daher gelblich-weisse, d urchsclieinende, 3 mm dicke, geschnittene Strei­fen von hornartiger Cnnsistenz und widerlich bitterem Oeschmacke dar, welche von starken Querst reifen durchzogen sind und leicht brechen.
Hauptbestandtheile sind wie bei der Digitalis mehrere Grly-koside: 1) das Scillain oder Scillitoxin, mit stark giftiger Wirkung auf das Herz (tödtliche Dosis pro Kilo Hund = 1 mg). 2) das Scillin (scharf reizender Stoff) und 3) ScilUpikrin; ausserdem enthalten die Meerzwiebel Sinistrin (ein Kohlehydrat), ein tlüchtiges, senfölartiges Oel, Oxalsäuren Kalk und Schleim. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Tinctura Scillae, Meerzwiebeltinctur (1 : 5 verdünnten Weingeist), von gelber Farbe, schwachem Gerüche und widerlich bitterem Geschmacke. A.P 10,0 = 15 Pfennig. Dosis 5—15 Tropfen für Hunde, oft zusammen mit Digitaiistinetur, Succus Juniperi, Weinstein, Salpeter etc. In Oester-reich ist statt der Tinctur das Extractum Scillae officinell.
Acetum Scillae, M eorzwieb elessig, wie der Pingerhutessig dar­gestellt aus Meerzwiebel (5 Theilen), Weingeist (5), verdünnter Essigsäure (9) und Wasser (3laquo;). Dosis das Sfache der Tinctur. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Oxymel Scillae, Meerzwiebelhonig, eine klare, gelblich-braune Masse durch Abdampfen von 5 Theilen Meerzwiebelessig und 10 Theilen gereinigtem Honig dargestellt. I reberflüssiges Präparat. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Scilla hat eine mit der Di­gitalis fast identische Wirkung und wurde früher häufig als Cardiacum und Diureticum, ausserdem auch als Expectorans angewandt; sie verlangsamt die Herzthätigkeit und steigert den Blut-
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Oollein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55
druck wie das Fingerhutkraut, Ihr (Jntersohled vom letzteren besteht darin, dass sio Magen und Darm, sowie die Nieren stärker reizt, daher in grösseren Dosen Erbrechen, Durchfall, Hämaturie, Polyurie und selbst Darm- und Nierenentzündung erzeugt. Aus diesem Grunde wird die Scilla nur noch selten und höchstens bei kleineren Haus-thieren therapeutisch augewandt; sie darf nie gegeben werden, wenn bereits eine Erkrankung der Magen- und Darmschleimhaut oder der Niere vorliegt.
Toxikologie. Nach Hartwig tritt bei Schweiiieii, Hunden und Katzen nach 0,25 bis 2,0 Bulbus Soillae Erbrechen, Laxiren und vermehrter Harn­absatz, nach 45,0 der Tod in Folge von Darm- und Nierenentzündung sehr rasch ein. 2 Pferde starben nach 60,0 am 4. Tage; 80,0 erzengten beim Pferd und Pind starkes Laxiren. — Im Hausgebrauche wird die Scilla als Ratten- und Mäusegift benutzt.
Dosis und Form. Der Bulbus Scillae wird als Pulver, Pille. Latwerge, im Infuse und Decocte ähnlich wie die Digitalis in kleinen Dosen täglich mehrmals als Oardiaoum, allein oder zusammen mit Digitalis, Juniperus, Kalium aceticum etc. gegeben. Die Dosis be-
trägt für
Pferd und Rind 5—10,0. Schaf, Ziege, Schwein 1—2,0. Hund 0.2—0.5. Kat ze 0,1.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Infusi Bulbi Soillae 2,0 : 200,0.
Suooi Juniperi Tartar, natronat. ää 20,0. M. D. S. Tttglioli 1—2 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit all­gemeiner Wassersucht.
2)nbsp; Rp. l'ulv. Bulbi Soillae
l'nlv. Fol. Digital, ffä 1,0. Pulv. Rad. Liquirit. 5,0. M. f. Pulv. Divide in partes acqual. Xr. X. D. S. Täglich ein Pulver für einen Hund mit oardialem Sydrops.
Coffeüiium. CoffeXn.
OüITOhNiOj HaO.
Pharmaceutische Chemie. Das Coffein ist ein Alkaloid, welches aussei- in den Caffehöhnen (Ooffea arabioa) auch in den Thee-hlättern (Thea chinensis). im Paraguaythee (Ilcx paraguayensis).
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56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ooffei'n.
in den Colanüsaen und in der Griummapaste (Piiullineii sorbilis) enthalten ist. Ooffeln, Thetn und Q-uaranin sind iilso identische Körper. Audi mit dein Tlieobromin. dem Alkaloid der Kakaobohnen, ist das CotfeTn nahe verwandt, es kann nänilich als Methyl-Theo-bromin aui'gefasst werden, d.h. als Theobromin, in welchem 1 Wasser­stoff durch die Methyl-Gruppe (OH8) ersetzt ist. 'Der chemischen Zusammensetzung nach ist Ooffeln eine Xanthinverbindung, nämhch Trimethylxanthin. Mit Barytwasser gekocht liefert Coft'e'in als Zersetzungsproducte Coffeidin, Methylamin, A-meisensäure und Am­moniak. Die Verwandtschaft von Xanthin, Ooffeün und Theobromin illustriren die nachstehenden Formeln:
OÄN.O,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; n6H2(CH:1)2N,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; C.HCCH^NA
Xanthinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Theobrominnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CoftVin-ThcYn
Das Coffem l)ildet weisse, glänzende, biegsame, eine wollige Masse darstellende Nade 1 n von schwach bitterem Geschmacke, welches sich in 80 Th eilen kaltem und '1 Theilen heissem Wasser, ferner in 50 Theilen Alkohol und 9 Theilen Chloro­form lösen. Die heisse wässerige Lösung erstarrt heim Erkalten zu einein Krystallbrei. Wird die Lösung des Coffeins in Cblorwasser (1 : 10) auf dem Wasserbade eingedampft, so bleibt ein gelbrother Kückstand, der sich beim Befeuchten mit Salmiakgeist schön pnrjuir-rotb färbt (Identitätsreaktiou; Coli'ein gibt wie die Harnsäure die Murexidreaktion). Mit Säuren bildet das Coffein leicht lös­liche und daher zum praktischen Gebrauche hesser geeignete Coffein-salze. Am meisten werden benützt das Coffeinum natrio-beiizoicum und natrio-salicylicum, welche eine Auflösung von Coffein in benzoS-saurem bezw. salicylsaurem Natron (keine chemische Verbindung) bilden und ein weisses, amorphes, geruchloses Pulver von bit­terem, gewürzhaftem bezw, süssem Geschmacke darstellen, welches schon in 2 Theilen Wasser löslich ist (wichtig für sub-cutane Injectionen). Die Salze gehen neben der Cott'einreaktion die Benzoesäure bezw. Salicylsäurereaktion, sie färben sich nämlich mit Eisenchloridlösung isabellfarben bezw. violett. Andere nicht officine'de Ooffei'nverbindungen sind das Ooffefnum benzoioum, hydrobromioum, hydroohloricum, citrioum, salicylicum, tannicum, lacticum, sulfuricum, nitrienm. valerianicnni, natrio-broniatum, natrio-cinnamylicum. Alle diese Salze des Coffeins sind äusserst leicht zersetzliche Verbindungen, weil das Cort'ein nur eine sehr schwache Base bildet.
Darstellung. Das Colfein wird in der Hauptsache am dem chine­sischen Thee (Theestaub, Tlieekehricht) dargestellt. Derselbe enthält im
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Cotluin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;57
Maximum 1,7 quot;/o Cofl'e'in und wird mit heissem Wussei' ausgezogen, der Auszug eingeengt, zur Entfernung der Gerbsäure mit Bleiessig gefüllt und das überschüssige Blei durch Einleiten von Schwefelwasserstoff entfernt, worauf das Coffo'm durch Einengung des Filtrates zur Krystallisation ge­bracht wird. Die frischen Theeblätter enthalten -—3 0/o, der Caffe 0,5—1 '/o, die Colanüsse 2%, die Guaranapaste 6 0/o Coffe'ui.
Prüfung. 1) Die kaltgesättigte wässerige Lösung soll durch Chlor­wasser oder Jodlüsung nicht getrübt werden; eine braune Trübung zeigt eine Beimengung fremder Alkaloide an. Letzteres ist auch der Fall, wenn ein Ueberscliuss von Gerbsäure den anfangs auftretenden Niederschlag nicht wieder auflöst. 2) Beim Erhitzen soll sich Coffe'm verflüchtigen; ein Rückstand beweist die Beimengung anorganischer Stoffe. 3) CoffeTn mit Schwefelsäure übergössen soll sich nicht braun oder schwarz (Zucker), auch nicht roth färben (Salicin). A.P. Coffe'inum natrio-benzoicum und natrio-salicylicnm 1,0 = 10 Pfennig. D.P. 100.0 = 2 Mark; 1 Kilo = Hi Mark.
Wirkung des Coffems und seiner Salze. 1) Das Coffcin ist in müssigen Dosen ein Erregungsmittel für d;is Herz und das vasomotorische (Jentrum: der Blutdruek steigt in Folge Ver­engerung der Arterien und intensiverer Herztliätigkcit, des­gleichen die Pulsfrequenz, Nach sehr grosseu Dosen sinkt der Blutdruck und die Pulsfrequenz, die Herzaktionen werden arhythmiseli; tödtliche (xaben führen zu Lähmung und Stillstand des Herzens in Diastole.
2)nbsp; nbsp;Das Rückenmark bildet hei den Thieren den Haupt-angriffspunkt für das Ooffeto, wenn dasselbe in giftigen (daben an­gewandt wird. Die quot;Wirkung äussert sich dann in hochgesteigerter Reflexerregbarkeit und stryohninartigem Tetanus, welcher z. B. bei Katzen und Hunden schon durch eine intravenöse Injection von 0,2 g Ooffe'in ausgelöst werden kann. Nach tödtlichen Dosen tritt zuletzt Lähmung ein.
3)nbsp; nbsp;Das Gehirn wird bei den Thieren, im Gegensatze zum Menschen, in seinen psychischen Gentron fast gar nicht beeinflusst. Heim Menschen dagegen steht die anfangs erregende, später be­rauschende und betäubende Einwirkung des Gotfe'ins auf das Gehirn im Vordergründe der Gcsamintwirkung. Das Goffein erzeugt nämlich beim Menschen in grosscn Dosen anfangs starke Aufregung, Schlaflosigkeit, Ohrensausen, Flimmern vor den Augen, Kopfschmerz, Delirien, später einen rauschartigen Zustand mit starker sensorieller Depression. Sehr grosse Dosen Gol'l'e'in erregen jedoch auch bei den Thieren die motorischen Bindencentren (Krämpfe).
1) Die periphercn Nerven werden bei direkter Berührung durch Goll'ei'n gelähmt, wie man dies bei suhcutaner Einspritzung
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.r)8
OoMn.
des Mittels mi den benachbarten sensiblen Nerven oder beim Ein­legen motorischer Nerven in eine Ooffeinlösung beobaobtei) kann.
6)nbsp; nbsp;Die Körp ermusk ulatur vorfallt bei direkter Einwirkung
des Cof'f'e'ins in einen Zustand der Starre in Folge Myosingerin-iiung. Die Muskeln erscheinen makroskopisch weiss und blutleer, sowie verkürzt und starr; mikroskopisch sieht man Verlust der Quer­streifung, Abhebung des Sarkolenims und Verkürzung der Faser um die Hälfte, Auch die in o to rise heu Nerven werden nach der innerlichen Aufnahme von Ooffeün erregt.
(j) In den Nieren werden die seeretorischen Elemente direkt beeintlusst, was eine vermehrte Harnausscheidung zur Folge hat (Lau ggaard). Die nach Coft'ei'uverabreichung beobachtete Polyurie hängt also nicht bloss lediglich von einem häufigeren Entleeren in Folge Blasenreizung ab.
7)nbsp; nbsp;Von Allgemeinwirkungen des Coff'eins sind noch hervor­zuheben, dass durch mittlere Gaben die Temperatur um etwa einen halben Grad, durch grosse in kurzer Zeit um 1—1,50C. gesteigert wird. Auch der Stoffwechsel und die Atlimungsthätigkeit wird etwas angeregt. Endlich führen sehr grosse Dosen zuweilen zu Er­brechen,
Toxikologie. Um die giftige Wirkung des Coffei'ns bei den Haus-thieren genau kennen zu lernen, habe ich bei Pferden, Kindern, Schweinen, Ziegen und Hunden eine Reihe von Versuchen angestellt (Monatshefte für praktische Thierbeilkunde ffl, S. 529), deren Resultat folgendes ist: Das Coffefn ist für unsere Hausthiere ein verhilltnissmässig wenig giftiges Arzneimittel. Für Pferd und Rind wirken erst 100 g, für Ziege und Schwein 10 g, für Hunde .r) g tödtlich. Die tödtliehe Dosis pro Kilogramm Körpergewicht beträgt beim Pferde 0,2, beim Rinde, bei der Ziege und beim Schwein 0,-'!, beim Hunde 0,5. Die Ver gift un gs-erscheinungen bestehen im Wesentlichen in Reizung und später Läh­mung des Herzens und der Afhmung, in Steigerung der Körper­temperatur (im Maximum von 2,2quot; C.), in Reizungserscheinungen im (iebiete des Digestions- und Harnapp a rat es (Speicheln, Erbrechen, Durch­fall, Kolik, Harndrang), sowie in tetani sehen Krämpfen. Darnach ist das CoffeVn ein Herz- und Athmungsgift, eine Acre für die Digestionsschleim­haut, ausserdem ein Tetanicum. An der Injectionsstelle äussert das Cofle'in eine reizende, entzündungserregende Wirkung. Suhcutan wirkt das Coffel'n wesentlich stärker, als per os. Das reine CoffeTn wirkt ferner stärker, als das Coffeinmn natrio- salicylicum. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als Pferde. Der Tod tritt bei tödtliohen Coffein-dosen durchschnittlich nach 8 Stunden ein. Das Fleisch von Thieren, welche mit Coffein vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann also beispielsweise bei Rindern, welche nach vorausgegangener Coffeinbehandlung notligeschlachtet werden, der Ge-nuss des Fleisches, ohne Resorgniss wegen des Coffefns, zubegeben werden.
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OoffeKn
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Anwendung. 1) Das Ooffefn ist neuerdings wieder als exoi-tirendes Herzmittel an Stelle der Digitalis in allen Sehwäehezuständeu des Herzens (nieht oompensirte Klappen-fehler, Perioarditis, Myocarditis, Herzschwäohe im Verlaufe fieberhafter Infeotionskrankheiten ete.) warm empfohlen worden. NamentUch ersetzt das Cotte'in die Digitalis in manchen Fällen, in welchen letztere un­wirksam ist. Die Herzkraft und der Blutdruck heben sich unten' der Hinwirkung des Coffei'ns, die Zaid der Herzaktionen wird vermindert. Als Vortheile des Ooffe'i'ns vor der Digitalis werden hervorgehoben, dass Ooffe'in nieht cumulativ wirkt, namentlich bei suheutaner An­wendung einen schnelleren Effekt hervorbringt und die Diurese stärker anregt; es soll endlich die Magen-und Darmschleimhaut weniger reizen,
2) Als Diureticum ist das Ooffefn der Digitalis dann vorzu­ziehen, wenn es sich um Hydropsien unabhängig von Kerz­krankheiten handelt, also bei Wassersuchten im Verlaufe von Leber- und Nierenkrankheiten, Hydrämie etc. Es erklärt sich dies daraus, dass Coffein nicht lediglich durch Steigerung des Blutdrucks, sondern hauptsächlich auch durch direkte Beeinflussung der Nierensecretion diuretisoh wirkt. Aber auch hei cardialer Hy-dropsie leistet des Coffein nicht selten noch bessere Dienste, als die Digitalis, indem die Wasseransammlungen in den verschiedenen Körper­höhlen relativ rascher zurückgehen, wie ich dies in zahlreichen Fällen bei herzkranken Hunden beobochten konnte (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887).
M) Das Coffein ist in grossen subciitanen Dosen ein kräftiges Kxcitans für das Nervensystem, insbesondere für das Rücken­mark, welches ähnlich wie das Veratrin und Strychnin hei allen Schwäche- und Lähmungszuständen anzuwenden und auch als ein sehr gutes Mittel gegen Collaps zu empfehlen ist.
4) Vermöge der excitirenden Wirkung des Coffe'i'us auf das Herz und die nervösen Centralorgane kann dasselbe auch als Antidot bei einer Reihe von Intoxicationen mit narkotischen, die Herz-thätigkeit lähmenden Giften, wie Morphin, Chloroform, Alkohol angewandt werden. Nach den experimentellen Beobachtungen von Hinz lassen sich junge, durch Alkohol betäubte Hunde durch eine Injection von 0,1 Coffe'in schon nach Verlauf von 5 Minuten wieder auf die Beine bringen; die gesunkene Blutwärme erhebt sich eben­falls sofort wieder zur Norm. Von Langgaard wird es ferner gegen Curarelähnumg und Vergiftung mit curareartig wirkenden Substanzen empfohlen. Da zu letzteren auch gewisse Gruppen dor Toxine
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Diuretiui
iTi)\nll)umiiie) gehören, so zweifellos der rntoxioationsstoff mancher mykotischer DanQentzUndnngeit und wahrsoheinlioh auch der Gebftr-parese (paralytische Form des Kalbeflebers), so ist spedell bei diesen Krankheiten eine Coffelnbehandlung angezeigt, um so mehr, als ilas Mittel leicht, näiniicli suboutan, apphcirbar ist. Dass das Cofl'oin thatsäohhoh bei der Qebärparese der Külie als Excitans gute Dienste leistet, ist dureli diesbezügliche Erfahrungen von Hink erwiesen.
5) Als Herzmittel ist Coffeni auch im Stande, ein im Anschluss an Her/.- oder Lungenlähmung auftretendes Lungenödem wirksam zu bekämpfen,
Jn der Menschenheilkunde wird endlich vom (quot;ollem noch {ie-brauch gemacht bei manchen Neuralgien, Herzneurosen, He-mikranie, nervösem Asthma u. s, w. (Dosis 0,5, maximale Tages­dosis 1,5.)
Theobromin. Das Alkaloid der Kakaobohnen (Theobroma Cacao) = CäH'/CH^NjO^ (üimetliylxanthin) wirkt ähnlich, jedoch wesentlich stärker diaretisch wio Coü'ei'n, mit dem es auch chemisch nahe verwandt ist (Coffein = Trimethylxanthin). Das Theobromin ist in den Kakaobohnen zu 0,5—Iquot;,'laquo; enthalten. Die Colanüsse, Nuces Colae, die Samen von Sterculia acuminata, enthalten ebenfalls ziemlich bedeutende Mengen von Theobromin und Coft'e'fn. Wegen der ansserordentlich starken und sehr lange anhaltenden diuretischen Wirkung des Theobromins wird dasselbe neuer­dings als harntreibendes Mittel dem Coffe'fn vorgezogen und in der leicht löslichen Doppelverbindung Theobrominnatrium -f- Natrium sali-cylicum unter dem Namen Diuretin angewandt. Besonders wirksam erweist sieh das Diuretin bei cardialen und renalen Wassersüchten; es soll sich ferner vor dem Cofle'in dadurch auszeichnen, dass es keine unangenehmen Nebenwirkungen besitzt. Man gibt es in der doppelten Dosis des Coffeins, mittelgrossen Hunden also beispielsweise 3—4stündlich 1 g (D.i'. 10,0 = 1 Mark 50 Pfennig). Das Diuretin bildet ein weisses, geruchloses Pulver von süss-salzigem, etwas laugenhaftem Gesclmiacke, in der Hälfte seines Gewichts in Wasser löslich. Seine Lösung reagirt alkalisch und gibt die Salioylreaktion; durch Zusatz von Salzsäure werden aus der Lösung sowohl Salioylsäure als später auch Theobromin in Form eines weissen Nieder­schlags abgeschieden, der sich bei Zusatz von Natronlauge wieder löst.
Caffe. Derselbe ist die Frucht von Cotl'ea arabiea und wird in ge-branntem Zustande als „Coffea ustaquot; ebenfalls therapeutisch angewandt. Die physiologische Wirkung des Caffeinfuses ist aber mit der Coffe'inwirkung nicht etwa identisch. Es sind vielmehr im Catfe eine Reihe anderer Stoffe neben dem Cofl'e'i'n enthalten, wodurch die Wirkung complicirt wird. Aussei- Colfc'fn, welches im rohen Caft'e durolisclmittlich zu 0,5quot;'o, im gebrannten zu l0/o enthalten ist, finden sich in demselben ver­schiedene brenzliche Stoffe, so namentlich das Caffeol, ein ätherisches Gel von der Formel CsHkiG^, ferner Pyrrol, Methylamin und Hydrochinon. Diese brenzlichen Stoffe kommen bei der Calfowirkung neben dem Coft'e'i'n wesentlich in Betracht und herrsehen in derselben müglicherweise vor. End­lich enthält der gebrannte Caffe Gerbsäure (50/'i), wodurch sich die
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Oaffe
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adstringireude und schwach dssinfloirende Nebenwirkung desselben erklären
lilsst. Wie das CofFoYu erregt der Caffe Gehirn, Athmung und Herz; die Gefasse jedoch werden nicht wie beim Coft'e'in verengert, sondern erweitert. Die im Cati'c enthaltenen Salze (Kalium, Natrium, Magne­sium, Eisen gebunden au Ohlor und l'hosphorsiiure) kommen bei der Cafl'e-wirkung- nicht in Ilotracht.
Anwendung findet der Caft'e in Form des ini'usum Ooffeae baupl-sächlich als Excitans bei Collapszuständen, so häufig bei der Staupe der Hunde, bei schweren septischen Zuständen des Rindes etc. Ausserdem als Gegenmittel gegen narkotische Vergiftungen (Alkohol, Chloro­form). Durch seinen Gorbsäuregehalt eignet er sich überhaupt als Antidot für alle Alkaloide. Sodann wird er in leichteren Fällen von Diarrhöe als Styptioum und gegen anhaltendes Erbrechen (Hy per erne sis) ver­abreicht. Aeusserlich ist er neuerdings als Antisepticum in Form des Streupulvers (Oppolzer) und als Geruchsco rrigens für das Jodoform empfohlen worden.
Pasta Guarana. Die Gaaranapaste wird aus den zerstosseneu Samen von Paullinia sorbilis. einer brasilianischen Sapindacee, dargestellt. Sie bildet harte, braunschwarze, stäbchenförmige Massen von eigenthümlicheni Gerüche und enthält bis 50/0 Coffein, ausserdem noch als wichtigsten Be-staudtheil Tannin ('rgt;0/o). In Brasilien wird sie als Genussmittel und Arznei­mittel gegen llulir benutzt. Die Guaranapaste hat wie der Caffe eine com-l)licirte Wirkung, nämlich Coffe'in -f- Tan nin Wirkung. Sie wird in der Menschenheilkunde als Excitans und Adstringens zu 1—5,0 angewandt.
Dosis des Coffeins und seiner Salze. Pferd und Rind 5—10,0. Grosse Bunde 0,5—1,0—2,0. Kleine Hunde 0,1—0,8—06.
Becepte.
11 Ivp. Cotl'e'iiii imtrio-suiicyliei Saoohari ää 0,5. M. f. Pulv. D. tiil. dos. Nr. V s. Täglich ein Pulver für einen Mund mit allgemeiner Wassersucht.
2)nbsp; nbsp;Rp. Coileini 2,0.
Gummi arabioi et Saoohari qu. s. f. PUul, Nr. X. D. 8. Tftglioh 1—2 Pillen für einen Hund mit Asoites.
3)nbsp; nbsp;Rp. Coffcini natrio-salicylioi 5,0.
Aqu. destillatae 10,0. M. f. S. I). S. Zur subeutanen Injeotion für ein Kind mit Gehärparese,
4)nbsp; nbsp;Rp. Diuretini 5,0.
Aqu. destillatae 150,0. M. D. iS. :!stündfich 1—2 Esslöffel für einen 11 u nil rait Ascites.
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Semen Stropbanthi.
Schumi SIlopliuiillii. Strophanthus.saincii.
Stiiiiuiipfliinzün: Strophauthus hispidus und Kombi'', Fiunilie: Apooyueeu.
Pharmakognosie. T^ieStropliantlmssamen (Strophanthus=,, Band-blüÜiequot;) finden sich einerseits in Westafrika, woselbst sie unter dem Namen Kombisamen oder Komböfrüchte bekannt sind (Senegambien, Neuguinea), andererseits kommen sie in dem äquatorialen Ostafrika (in der (legend des Zambesi und der Yiotoriafälle) vor. Die Strophan* tliuspHanzen sind straueh- oder sclilingartige Gewäelise, welche in nicht weniger als 18 Arten vorgefunden werden, von welchen haupt-sächlicli Strophanthus Komhe zum mediciiiisclien Gebrauche verwendet wird. Die eingeborenen Neger bereiten daraus ihr Pfeilgift, indem sie die Samen zerquetschen und mit Wasser zu einer Paste verreiben, welche sie einige. Tage stehen lassen. Dieses Pfeilgift (Kombe', Inee, Onaye, Onage) war schon 1865 Livingstone bekannt und wurde 1867 auf der Pariser Weltausstellung als neuestes Herzgift ausgestellt. 1872 isolirte Fräser daraus das wirksame Prinoip: das Glykosid Stropbanthin und empfahl 188.') die Strophanthus-tinotur als Oardiacum.
Die Strophanthussamen haben etwa die Grosse eines Hafer­korns (1,5—2,5 cm lang, 4—5 mm breit), sind plattgedrückt, flach-lanzettlich, an der Basis abgerundet, oben zugespitzt, griinlieh-braun, mit feinen, seidenglänzenden, weichen Härchen besetzt, auf der einen Seite mit einem deutlich vorspringenden Kiel versehen, von sislir bitterem Geschmacke. In Wasser aufgeweicht lässt sich die behaarte Samenschale abziehen, ursprünglich laufen die Samen in einen sein- langen, mit einer Federkrone gezierten Pappus aus, 100—200 dieser Samen sitzen in einer bis fusslangen Hülse zu­sammen.
Die Tinctura Strophantin wird in der Weise dargestellt, dass die von dem fetten Gele durch Pressen (oder wie in Oesterreich durch Aether) befreiten pulverisirten Samen mit verdünntem Alkohol im Verhältnisse 1 : 10 extrahirt werden. Vorerst wird nach dem Vor­gange von Präs er nur die verdünnte Strophantbustinctur, nicht die concentrirte, auch nicht das Strophanthin (weil schwer rein darzustellen) gebraucht, in Oesterreich wird die Tinetur 1:20 durch Percolation dargestellt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
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Semen Stropbautbiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(ill
Wirkung und Anwendung. Die Sfcrophanthustinotur verstärkt in kleineren, medikainentellen Dosen die systolisohe Zusammen* zielmng des Herzmuskels, wobei die Herzthätigkeit gleiobzeitig verlangsamt wird; grosso Dosen führen /u Stillstand des Herzens in Systole. Das Stroplianthin sclieint das stärkste Herzgift zu sein, welches wir besitzen. Nach Fräser wird beispielsweise das Froschherz durch Stroplianthin noch in einerVerdiinnung von 1; 6,000,000 gelähmt, während die Digitalisglvkoside schon bei 1:1000 dies nicht mehr zu thun im Stande sind. Das Stroplianthin wirkt mithin 1500 mal stärker als das Digitalin.
Darnach gehört die Stropliantliustinctur als (Jardiacum in die vorderste Reihe der Herzmittel. Sie wirkt ähnlich, aber stärker und schneller als die Digitalis auf Seh wach ezustände des Herzens im Verlaufe von Klappenfehlern und anderen Herzkrankheiten, indem sie die Herzthätigkeit verlangsamt und regulirt. die Herzmuskulatur kräftigt, den Blutdruck erhöht und die Diurese ganz ausserordentlich steigert. Dabei scheint sie ausserdem den Vorzug zu haben, dass sie nicht cumulativ wirkt und ohne Schaden längere Zeit hindurch angewandt werden kann; allerdings ist in Folge dessen die cardiale Wirkung keine so nachhaltige, wie bei der Digitalis.
Nach meinen an einer grösseren Anzahl herzkranker Hunde an­gestellten Versuchen mit Strophanthustinctur (Deutsche Zeitschrift für Tbiermedicin 1887) kann ich das neue Herzmittel angelegentlichst empfehlen. Dasselbe erwies sich bei Klappenfehlern mit secundäreni Hydrothorax, Hydropericardium und Ascites, sowie den hiebei auf­tretenden Athmungsbeschwerden und Schwindelfällen als ein der Digitalis nahezu gleichkommendes Oardiacum. Auch chro-nisch-interstitielle Nierenentzündungen wurden insoferne günstig he-einflusst, als die Allmminurie vermindert und das Körpergewicht ge­hoben wurde; in einem Falle sank beispielsweise der Eiweissgehalt des Harns alsbald von 51/8 auf 2 0/o. Meist hess sich auch die Puls­frequenz ganz erheblich herabsetzen.
Form. Man gibt die Strophanthustinctur nur innerlich, und zwar Pferden als Bolus, Latwerge, Pille oder Einguss, Hunden als Mixtur, Lösung oder Schlecke. Vor der suheutanen Anwendung der Strophanthustinctur ist zu warnen, da sie stark reizt und selbst ein brandiges Absterben der Haut veranlassen kann.
Toxikologie. Toxikologische Versuche mit Stropliautlmstinctur er­gaben bezüglich des Pulses und der Temperatur ein ähnliches Verhalten
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(34nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;.Spartcin.
wie bei Digitalis. Ich konnte namentlich zwei Stadien der Vergiftung geiniu unterscheiden: ein erstes mit Sinken der Tulszahl und Steigen der Temperatur, sowie ein zweites mit Erhöhung der Pulsfrequenz und Ab-nuhnie der Temperatur. Die Todesdosis betrug durchschnittlich 0,5 g der Tinctur pro Kilogramm Körpergewicht. Daneben zeigten sich die Er­scheinungen einer schweren Gastroenteritis haemorrhagica (Er­brechen, Hlutbrechen, Kolik, Diarrhöe, Krilmpf'e) und zuweilen die einer rauschartigen Betäubung. Das Mittel ist also ein Acr e-Narcoticum. Pferde ertrugen 100,0 der Tinotur ohne jedes Vergiftungssyraptom. Aehn-liche Resultate hat Müller bei seinen Versuchsthieren constatirt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hunde 10—25 Tropfen.
Pferde 10—25 Gramm.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Tiuotur, Strophauthi -VO.
Saoohari 10,0. Aqu. destill, 150,0. M, D. S. Tiiglieli einen KsslötVel (TheelöfFel) fillquot; einen Sund mit, EClappenfebler,
2)nbsp; Rp. Tinot. Strophanthi gfutt. XXV.
Amu. destill. 50,0. M. 1). S. Sstündlioh einen Tiieeiölfcl für einen kloinen Hund mit ohronisoher Nephritis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
3)nbsp; Rp. Tinctur. Strophanthi 20,0.
Pulv. ETruot. Juniperi 50.0. Pulv. Rad. Althaeae 80.0. Aqu. qu. s. f. Bleotuar.
I'. S. Auf 2nial für ein Pferd mit Hrnstseuehe.
Neuere, nicht offidnelle Herzmittel.
1) Spartelnum sulfuricum. Schwefelsaures Sparteln. Das SparteKn
ist das Alkaloid des Besenginsters (Spartium seoparium, Genista scoparia), der bekannten und überall verbreiteten, gelbblühenden Pa-pilionacee, deren bitterer Saft von Alters her als Heilmittel angewandt worden ist. Das Spartem selbst ist eine sehr leicht zersetzliche, farblose Flüssigkeit von der Formel C^H^No, welche mit Schwefelsilure zusammen das krystallinische, farblose, in Wasser leicht lösliche Sp arte'insulf at bildet. Das Sparteln wird aus dem Besenginster durch Behandeln mit Alkohol, Weinsäure, kohlensaurem Kali und Aether dargestellt. Der Preis ist bei der geringen Ausbeute ein ziemlich hoher. A.P. 0,1 = 5 Pfennig. Das Sparte'in ist wie Digitalis, Ooffe'in und Strophanthus ein Cardiacum. welches die Pulsfrequenz verlangsamt, die Systole verlängert und die Herz-contractionen kräftigt. Aus diesem Grunde wurde es von Germain-Seo
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Oonvallaria. Adonis venialis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; (JT)
gegen krankhafte Afi'cf.tioiien des Herzmuskels mit Erschlaffung der Herzthätigkeit sowie arhythmiseheni, aussetzendem Pulse, ausserdein als Di-ureticum empfohlen. Ich kann nach meinen Versuchen beide Wirkungen bestätigen (Deutsche Zeitschrift für Thiormedicin 1887), ohne dass ich jedoch dem Sparte'in einen Vorzug vor der Digitalis einräumen miielite. Die Dosis beträgt für Hunde 0,1—0,5, für Pferde 1 -6,0.
2)nbsp; Convallaria majalis. Maiblume, Die Maiblume (Maiglückchen) von der Stammpflanze Convallaria majalis (Smilaceen) enthält sowohl in den Blüthen, als in den Blättern und im Stengel 2 Glykoside: das Con-vall amarin und Convallarin. Das erstere zerfällt beim quot;Kochen mit verdünnter Schwefelsäure in Convallamaretin und Zucker; es wird dargestellt aus der ganzen Pflanze durch Behandeln mit Alkohol, Bleiessig, Tannin und Zinkoxyd, Man hat neben der Mutterdrogue auch das Convallamarin, ein weisses, in Wasser und Alkohol, nicht in Aether lösliches Pulver sub-cutan und innerlich angewandt. In den Stengeln und Blüthen ist vorwiegend Convallamarin, in den Wurzeln und Blättern Convallarin enthalten. Wäh­rend das Convallarin reizend auf die Schleimhaut des Magens und Darmes wirkt, ist das Convallamarin ein Cardiaoum und Diuretioum, welches ähnlich wie die Digitalis Herz und Blutdruck beeinflusst. Man hat es daher in den letzten Jahren an Stelle der Digitalis gegen Herzfehler, Morbus Brightii, Hydrops etc. einpfohlon. Nach den bisher beim Menschen ge­wonnenen Erfahrungen scheint das Mittel indess unsicher zu sein. Gewöhn­lich wurde ein Infusum Flor. Convallariae majal. (10 : 200,0) esslöffelweisc oder im sogenannten Fluidextract (Extract. Convallariae Herb, fluid, zu 0,5—1,0) angewandt. Die Dosis für das Convallamarin betrug subcutan 0,01; innerlich 0,1 bis zu 1,0 pro die. Der Benützung des reinen Con-vallamarins stehen dieselben Bedenken entgegen, wie der der reinen Digitalis-glykoside (Verschiedenheit der käuflichen Präparate).
3)nbsp; Herba Adonis vernalis, Adoniskraut. Das Adonis kraut von der Stammpflanze Adonis vernalis (lianunkulaceen) enthält ein stlck-stoft'freies Gdykosid: A d o n i d i n , welches auf H er z- und Blutdruck ähnlich wirken soll, wie Digitalis, Es wurde daher sowohl die Mutterpflanze als das Adonidin neuerdings gegen Herzkrankheiten nament­lich dann empfohlen, wenn Digitalis im Stiche lässt. Die diuretische Wir­kung soll im Allgemeinen stärker sein, und auch die der Scilla übertreffen. Das Kraut wurde beim Menschen in Form des Infuses (5 : 150,0 esslöffel-weise), das Adonidin in innerlichen Dosen von 5 mg angewandt; grössere Dosen erzeugen Magendannreizung,
4)nbsp; Cytisin, das Alkaloid des Goldregens, Cytisus laburnum (Papi-lionaoeen) wirkt gef äss v er enger n d und wird daher neuerdings beim Menschen angeblich mit Erfolg gegen die auf abnormer Gefässerweiterung beruhende sogenannte paralytische Form der Migräne als Cytisinum muriaticum in Dosen von 3 5 mg angewandt. Sonstige Wirkungen des Cytisins sind: Curare-ähnliche Lähmung der peripherischen Endigungen der motorischen Nerven, verminderte Pulsfrequenz, Arhythmie des Pulses, Schwindel, Somnolenz sowie lokal die Erscheinungen der Gastroenteritis (Acre-Narcoticum). Die Todesdosis des Cytisins beträgt für Kaninchen 0,03—0,OS: für Katzen 0.03 0.05: für junge Ziegen 0,3.
FrOhner, Arznelmittellelire. 8. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;,
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aniiumim.
5) Extractum Cacti grandiflori fluidum. Das Fluldextraot von Cui/tus gnuuliflorus, der bekannten Zierptlanze, soll ein Ersatzmittel der Digitalis und ein Speeificum gegen Angina pectoris sein. Das Mittel wird auch in der Form der alkoliolischen Tinctur verwandt.
t!) Carpainum hydrochloricum. Ein in den Ulilttern von Carica Papaia enthaltenes Alkaloid von der Formel OiiHjjNOo, welches neuerdings als Ersatzmittel der Digitalis in subcutanen Dosen von 0,01 beim Menschen empfohlen wird. Die günstige Wirkung anf das Herz soll schon wenige Minuten nach der Injection zu constatiren sein.
Weitere Glykoside mit Digitaliswirkung (sogenannte Digitalisgruppe) sind aussei- den bisher aufgeführten Digitalin, SoiUaln, Strophanthin, Spartel'n Convallainarin, Adonidin etc., die vorerst meist nur wissenschaftliches In­teresse besitzenden; üleandrin, Helleborin, Apocynin, Evonymin, Antinrin und The vet in.
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Beruhiß'ende Nervenmittel. Sedativa.
Opium. Mohnsiii'l.
Stamnipi'lanzc: Papaver Bomniferum,
Kii nülio: l'iipavoraoeen.
Pharmakognosie. Das Opium (Laudanum, Meoonium, Mohn-saft) ist der freiwillig eingetrocknete Milchsaft des Mohns, Papaver 90mniferum, aus der Familie der Papaveraceen. Die Mohnpflanze wird zum Zwecke der Opiumgewinnung namentlich in Kloinasien (Yerli und Karahissar), ausserdem in Egyptcn, Persien und Ostindien (bei uns lediglich als Oelpflanze zur Darstellung des Mohnöls, Oleum Papaveris) geltaut. Die Q-ewinnung erfolgt in der Weise, dass die unreifen Mohnkapseln der Quere nach angeritzt, der ausquellende Milchsaft gesammelt, an der Luft getrocknet und zu Kuchen ge­knetet wird; die Opiumkuchen werden dann mit Mohnblättern um­hüllt, welche mit den Früchten einer Jlumexart hestreut zu sein pflegen.
Das Opium stellt eine trockene, braune, innen gleichmässige und oft noch knetbare, charakteristisch eigenartig riechende, so­wie scharf bitter und brennend schmeckende Masse dar. Dieselbe enthält eine grosse Anzahl von Alkaloiden. Das wichtigste der­selben ist das Morphin, welches nach der Pharmakopöe mindestens zu 100/o im Opium vorhanden sein soll. Die Menge dessell)en schwankt zwischen 10 und 20n/n. Das Morphin ist dabei an Schwefelsäure gebunden. Da es in Wasser sehr wenig löslich ist, werden mir seine leichter löslichen Salze therapeutisch angewandt. Andere Alkaloide sind Narcotin (4—10 n/o). Codein, Theba'in, Narcein, ferner die weniger wichtigen: Papaverin, Rhöadin, Opianin, Laudanin, Lauda-nosin, Metamorphin, Pseudomorphin, Mekonin, Mekonidin,
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(58nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Opium,
Mekonoisin, Oryptopin, LcinthopiQ, Gnoskopin. Protopin, Porpbyroxin, Ootarnin, Hydroootarnin, Oodarain; daneben kommen vor die Mekonsäure, Opiansäuve und Tbebolaktin* säure, endlioli Wacbs, Harz, Kuutschuk, Gummi, Pectin, Eiweisa, Sulfate des Kaliums. Calciums, Magnesiums, A.P. 1,0= 10 Pfennig.
Tinctura Opii simplex, einfache Opiumtinotur (Tinctura the-baioa), eine rOthliohbraune Tinotui' mit dem ebarakteristisclien Opium-geruche und von bitterem (iesclimaeke, bereitet aus 1 Theil gepulvertem Opium und je 5 Theilen verdünntem Weingeiste und Wasser. Sie ent­hält in 100 g nahe'/U das Lösliobe ans 10 g Opium oder an-nähenid 1 g Morphin. Ihr speeitisclios Gewicht beträgt 0,974—0,978. A.P. 1,0 == 5 Pfennig, 10,0 = 20 Pfennig. Dosis für Pferde 50—150,0; Rinder 75 200,0; Schafe und Ziegen 25—60,0; Schweine 10—25,0: Fohle]! und Kälber 5 quot;2(gt;,lt;|: Lämmer 1—2,0; Hunde 1—5,0; Katzen 0,2—1,0; Hühner 10 Tropfen: Tauben 5 Tropfen.
Tinctura Opii benzoica, benzoösäurehaltige Opiumtinotur (Elixir paregorioum), in Deutschland officinell, bereitet aus 1 Theil ge­pulvertem Opium. 1 Theil Anisöl, 2 Theilen Campher, 4 Theilen Benzoe-säure und 192 Theilen verdünntem Weingeist. Ist 20ma] schwächer als die einfache Tinctur und wird hauptsächlich als Expectorans (Benzoiv säure, Campher) bei Ansammlung zäher Schleimmassen in den Bronchien und starkem 1 Instenreize (Opium) angewandt, jedoch nur beim Hunde in traben von 1 -3,0, und auch hier selten. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Tinctura Opii crocata, safranhaltige OpiumtinC/tnr (Laudanum liquidum Sydenlmmi), eine dnnkelgolbrothe, nach Safran riechende Tinctur, specitisches Gewicht 0.980—0,984, bereitet aus 15 Theilen gepulvertem Opium, 5 Theilen Safran, 1 Theil Nelken, 1 Theil Zinirnt und je 75 Theilen verdünntem Weingeist und Wasser. Tgt;osis und Morphingehalt dieselben wie bei der einfachen Tinctur. Eignet sich in der Hundepraxis bei schwäch­lichen, feineren Thieren als Magen- und Darmmittel bei atonisohor Ver­dauungsschwäche mit Durchfall (20 40 Tropfen). A.P. 1,0 = 5 Pfennig: 10,0 = 30 Pfennig.
Extractum Opii, Opiumextract, ein trockenes, rothbraunes Extract, dargestellt durch Maceriren von 2 Theilen gepulvertem Opium mit 10 Theilen Wasser 24 Stunden lang, nochmaliges ebenso langes Mace­riren des Rückstandes mit 5 Theilen Wasser und- Eindampfen dos Auszugs. Soll mindestens 17 quot;/o Morphin enthalten: es fehlt in demselben Narkotin (TetanicumI), weshalb die Wirkung eine reinere ist als die des Opiums. Dosis: die Hälfte des Opiums. A.P. 1,0 = 30 Pfennig.
Pulvis Ipecacuanhae opiatus, 1' u 1 v i s D o w e r i, D o w e r'sohes Pulver; besteht aus 1 Theil Opium, 1 Theil Ipecacuanhawurzel und 8 Theilen Milchzucker, ein hellbräunliches Pulver vom Gerüche und (leschmacke des Opiums, vereinigt die Wirkung des Opiums (Stypticum, hustcnlindernd) mit derjenigen dor Ipecacuanha (Expectorans) und eignet sich insbesondere in der Hundepraxis für die Behandlung von Diarrhöe mit gleichzeitiger Bronchitis (Staupe). Dosis 0,5 2,0 für Hunde, 0,1-1,0 für Katzen und Geflügel. A.B. 1.0 = 5 Pfenniff.
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Opium.
(ill
Fructus Papaveris immaturi, unreife M ohnköpfe (Capita Pa-paveris). Dieses für die Thierheilkumlo Überflüssige offloinelle Präparat stellt die vor der Reife gesammelten und getrockneten Früchte von Pa­pa ver somniforu m dar, wallnussgrosse, eirunde bis kugelige Kapseln mit graugrüner, kahler Kmchtschale, von der vielstrabiigen llaclien Narben­scheibe gekrönt, am Grunde wulstig in den Stiel übergehend, von bitterein Geschmacke. Sie enthalten Spuren von Opiuinalkaloiden (etwa 0,03quot;.. Morphin und 0,04 quot;o Narkotin) und wurden früher innerlich in Form der Abkochung als Sedativuni sowie äusserlich zu Kataplasmen verwendet. Sie sind wegen ihres unsicheren (iehaltes an Morphin /.um medicinIschen 're-brauobe nicht geeignet.
Prüfung- des Opiums. I) Der vorgeschriebene (leb alt von 100/ii Morphin wird dadurch nachgewiesen, dass man aus einer beliebigen gewogenen Menge Opium das Morphium durch Wasser, Aether und Ammoniak auszieht und wiegt. Die deutsche Pharmakopöe schreibt folgendes Verfahren vor (Plückiger): (ig feines Opiumpulver reibt man mit (ig Wasser an, verdünnt, spült die Mischung mit Wasser in ein ge­wogenes Kölbchen und bringt den Inhalt durch weiteren Wasserzusatz auf 54 g Gesammtgewicht. Man lässt unter öfterem Schütteln 1 Stunde lang stehen und tiltrirt dann durch ein Paltenfiltor von 10 om Durchmesser.
4-gt; g des Piltrats versetzt man mit
Mischling aus 17 a Ammoniak-
flüssigkeit und 8:! g Wasser, mischt gut, aber unter Vermeidung über­flüssigen Schütteins und filtrirt sofort durch ein Palten filter von 10 cm Durchmesser. 36 g dieses Filtrats mischt man in einem genau gewogenen Kölbchen durch Schwenken mit 10 g Aether, fügt 4 g der obigen ver­dünnten Ammoniakflüssigkeit hinzu, setzt das Schwenken fort, bis sich die Flüssigkeit geklärt hat, verschliesst und überlässt nun der Ruhe. Nach 6stündigem Stehen bringt man zuerst die Aetherschicht möglichst voll­ständig auf ein glattes Filter von 8 cm Durchmesser, gibt zu der im Kölb­chen zurückbleibenden wässerigen Flüssigkeit nochmals 10 g Aether, be­wegt die Mischung einige Augenblicke und bringt vorerst wieder die Aether­schicht aufs Filter. Nach Ablaufen derselben giesst man die wässerige Lösung ohne Rücksicht auf die an den Wänden des Kölbchens haftenden Kiystalle a\if das Filter und spült dieses sowie das Kölbchen zweimal mit je 5 g äthergesättigtem Wasser nach. Nachdem man das Kölbchen gut hat aus­tropfen lassen und das Filter ebenfalls vollständig abgelaufen ist, trocknet man beide bei 100deg;, bringt den Filterinhalt in das Kölbchen und setzt das Trocknen bis zum gleichbleibenden Gewicht fort. Das Gewicht des erhaltenen Morphins darf nicht weniger als 0,4 g betragen.
Dieses Morphin muss beim Schütteln mit 100 Theilen Kalkwasser nach einigen Stunden in eine gelbliche Lösung übergehen, welche durch allmählichen Znsatz von Chlorwasser dauernd braunroth. durch Eisenchlorid-lösung blan oder grün gefärbt wird.
Das letztere Verfahren bezweckt die Prüfung des ausgeschiedenen Morphiums auf seine Identität und Reinheit.
2) Verfälschungen mit Mehl, Honig, Zucker etc. werden mikroskopisch (Stärkmehlkörner) und durch Austrocknen nach­gewiesen: der Gewichtsverlust darf beim Trocknen nicht mehr als l(in.gt; betragen.
Handelssorten. Man unterscheidet 1) das officinelle klein asiatische oder Smyrna-Opium, flache, scheibenförmige Kuchen von 50 750 g
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70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Opiuiu.
(iewiclit, mit Mohiibliitteni mmvk'kelt und mit liumexfrüchton bestreut. Die innere, hftllfig noch knetbare Masse zeigt in der gelbbraunen Grund-Bubstanz viele gleiehlarbige Körnchen oder „Thränenquot; (Thr ilnenopium). #9632;J) Das egyptische Oiiium (Opium thebaicum), geringer werthig. Die Kuchen sind nur mit MohnbUlttern bestreut.
3)nbsp; Persisches Opium, in Stangen, Kegel- oder Ziegellbrm.
4)nbsp; Ostindisches Opium in Kugeln (nach Ühina gegen Thoe vorkauft).
Wirkung. Die Opium Wirkung stimmt im Ganzen mit der Morphiumwirkung iibcroin, weil das Alkaloid Morphium der wichtigste Bestaiultlieil und in einer über die andern Alkaloide über­wiegenden Menge (10—20 0/o) im Opium enthalten ist. Es kann da­her im Allgemeinen auf die beim Morphium näher besprochenen Einzelwirkungen hingewiesen werden. Als einziger Unterschied zwi­schen Opium und Morphium wird hervorgehoben, dass das Opium stärker auf den Darm einwirkt. Im liebrigen haben nicht alle im Opium enthaltenen Alkaloide eine mit dem Opium identische Wirkung. So besitzen namentlich T heb am und Nar kotin ganz entgegengesetzte, nämlich t et an i sehe Eigenschaften, indem sie in grösseren Dosen nicht etwa Schlaf erzeugen, sondern spinale Krämpfe hervorrufen. Das Papaverin ferner ist nur in sehr grossen Gaben ein Hypnotioum, Dagegen kommen das ebenfalls ofticinelle Code'in und das Narcein der Morphiumwirkung sehr nahe. Die übrigen Al­kaloide sind noch nicht genauer untersucht.
Anwendung. Das Opium kann in allen beim Morphium ge­nannten Fällen angewendet werden (vergl. S. 7(i). Für gewöhnlich wird jedoch das Opium nur als Narcoticum für den Darm gegen Durchfälle etc. gebraucht, überhaupt dann, wenn die Darmporistaltik vermindert werden soll (Darmkatarrh, Darmentzündung, Ruhr, Peri­tonitis, Dysenterie, Darmblutung). Von besonderer Bedeutung ist das Opium für die Behandlung der Fohlen- und Kälberruhr, gegen welche es, in kräftigen Dosen gegeben, ein fast souveränes Mittel darstellt (5—20 g Opiumtinetur, 2-—3 mal pro die gegeben). Auch bei Magenkrankheiten, namentlich bei Hypereinesis ist Opium wirksamer als Morphium, weil es hesser ertragen wird. Das Genauere über die Anwendung vergleiche heim Morphium.
Dosis. Die Dosis des Opiums ist im Allgemeinen die 5 bis lOfache des Morphiums bei innerlicher Application*, subeutan sind vom Morphium natürlich viel geringere Dosen noting. Sehr häufig wird statt des Opiums die Opiumtinetur angewandt; dieselbe wird
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(raquo;iiiiim.
71
dann in einer etwa lOnuil stärkeren Dosis verschrieben als das Opium. Es entspricht nämlich d urclischnittlich 1 g Morphium 10 g Opium und 100 Opiumtinctur. Bei Pferden wird Opium am hesten in Pillen, heim Rind als Schiittelmixtur. beim Hund als Pulver oder in Pillen verabreicht. Die äusserliche Anwendimg des Opiums zu Salben und vVngenwiissern, wie sie früher bei schmerz­haften Wunden, Geschwüren und Augenent/.ündungen gebräuchlich war, empfiehlt sich nicht; das Oocain ist hier entschieden vorzu­ziehen.
Die Dosis des Opiums beträgt: für Pferde 5,0—20,0. „ Rinder 10,0-25,0. „ Schafe, Ziegen, Fohlen. Kälber und
Schweine 1,0—3,0. „ Hunde 0,1—0,5.
„ Katzen 0,05-., Hühner 0,1. „ Tau hen 0,05. Die Dosis der Opiumtinctur beträgt das lOfache.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp, Opii pulverati 10,0.
I'ulv. Rad. Althaeae 26,0. A(|u. iju. s. f. Pilula. D. S. Für ein I'lord mit Diarrhöe.
2)nbsp; Rp. Opii pulverati 8,0.
Hydrarg. cldorat. mit. 2,0. Pulv. Rad. Althaeae et Mucilagin. Ghimmi arab. qu, s. f. I'ilida. D. 8. Für ein Pferd mit infeotiösem Darmkatarrh (z. B. Influenza).
13) Rp, Opii pulverati 5,0.
Pulv. Rad. Althaeae 25,0. Aqu. qu. s. f, ope Ghimmi arab. Pilul. Nr. V. 1). S. Sstttndlioh eine Pille für ein Fohlen mit Ruhr.
4)nbsp; nbsp;Rp. Tinctur. Opii sinipl.
Tiuetur. Rhei vinos, öä 25,0. Infus. Flor. Ohamomill, 250,0. IM. 1). S. 2stündlich einen EsslölTel für ein Kalb mit weisser Ruhr.
5)nbsp; nbsp;Rp. Opii pulverati
Aoid. aalioylioi nä 2,0. M. f. Pulv. 1). S. Auf 2mal mit je einem Weinglas Pfell'enninzthoc einzusehütteu für ein Kalb mit Ruhr.
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72
M
1 I
0) Rp. Opii pulvei'ati 0,2.
Hydl'amp;TgyVi chlorat. mil. 0,1. Sacchari 0,5. 51. f. I'ulv. 1). iS. Kür einen Hund mit inl'eetiösem Darnikatarrh (Staupe).
7) Rp. Opii pulverati 1,0.
I'ulv. Rad. Liquirit. et
SuoOi Liquirit. depur. qu. s. I'. I'ilulae Nr. V. 1). S. Täglieh 2 Pillen für einen Hund mit Diarrhöe. S) Rp. Tkotur. Opii spl. 1(10,0.
Maoeratlou. Sem. Lini 25,0 ; 500,0. M. D. S. Auf 2nml einzusohütten innerhalb eines Tages für ein Rind mit Diarrhöe (Ruin'), y) Up. Opii pulverati
Rad. Khei pulv. ää 2,0. M. C. Pulv. D. tal. dos. Nr. Ill, S. Tilglieh 1 Pulver mit je einem Wein­glas Kamillentliee einzuseliütten für ein Kalb mit Ruin'.
10)nbsp; nbsp;Rp, Tinotur. Opii spl. 10,0.
(iumini nraliici 20,0. A.pi. destillat. 300,0. M. 1). S. Sstündlioh einenEsslöiFel (Theeloffel) für einen Hund (Katze) mit Darmentzündung.
11)nbsp; nbsp;Rp. Opii pulverati
Bismutlii suliiiitr. ää 0,2. Blaeo-Saoohari Menthae 0,5. M. f. Pulv. 1raquo;. tal. dos. Nr. V. D. S. Pulver gegen starkes Erbrechen beim Rund.
12)nbsp; Rp. Opii pulverati 0,1.
Sacelniri 0.5.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr, X. S. Tiiglieli 2—8 Pulver für einen Hund mit Ruhr. 18) Rp. Opii pulverati 0,2.
Pulv, Rad, Althaeae 2,0.
Aqu. qu. s. f. massa Boll. Divid. in part, aeipial. Nr. IV. Ii. S. Täglich 2 (I) Pillen für laquo;#9632;in Huhn (Taube) mit Diarrhöe. 14) Rp. Tinct. Opii spl, 5,0. Aqu. Focniouli 150,0. M, D, S. Sstündlioh einen EsslöH'el (Theeloffel) für ein Huhn (Taube) mit Kntcritis.
Morphhium hydrochlorlcnm. Salzsaures Morphium.
017H19N08 .HC1 -|-8H30.
Pharmaceutische Chemie. Das salzsaure Morphium bildet weisse, seiclengliiu/.encle Krystallnudeln odor (gewöhnliche Handelssorte) weisse, würfelförmige Stücke von mikrokrystallini-
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MorpbiuiDi
7;{
schcM' Besohaffenheit. Es löst sich in 25 Theilen Wasser und in 50 Theilen Weingeist*, laquo;lio Lösung sohmeokt sehr bitter, [den-titätsreaktionen sind: a) Dilaquo;' wässerige; Lösung gibt mit Silberlaquo; nitrat einen weissen, in Ammoniak leicht löslichen Niederschlag (Ohioridreukti on), b) Als Morphinsalz gibt seine Lösung in concentrirter Schwefelsäure, welöhe Lösung farblos sein muss, bei Zusatz von etwas Wismuthsübnitr at eine dun k e 1 b r a u n e Farbe. Ferner wird das Salz beim Befeuchten mit Salpetersäure reih und die wässerige Salzlösung bei Zusatz eines Tropfens einer ver­dünnten Lösung von Eisenchlorid blau. Die wässerige Lösung wird durch Pottasch e schwach getrübt (freies Morphin); Ammo­niak erzeugt einen Niederschlag (freies Morphin), der sich in Natronlauge und Ivalkwasser leicht, in überschüssigem Ammoniak oder Aether nicht löst.
Das früher oi'licinelle Morplii n u m aeeticiim ist wegen seiner geringen Haltbarkeit nicht mehr im (jiebrauche; wird es verschrieben, so darf vom Apotheker nach der Pharmakopöe Morph. hydrochlor. verabreicht werden. Auch Morphin um sulfnricum ist nicht mehr ofticinell.
Darstellung des Morphiums. Das Morphin wird aus dem wässe­rigen Opinmauazuge durch Füllung mittelst Aetzammoniak, Lösung des Niederschlags in verdünnter Salzsäure, Entfärbung durch Thierkohle und Krystallisirung, oder nach folgendem Verfahren dargestellt: Opium wird Smal mit dor Sfacheo Menge Wasser extrahirt, der wässerige Auszug auf die Hälfte eingeengt und mit Kalkmilch gekocht. Hierauf colirt man, engt die Flüssigkeit bis auf das Doppelte der angewandten Opium-menge ein und versetzt sie mit V1quot; Salmiak. Das ausgeschiedene Mor­phin wird nach einigen Tagen gesammelt, in salzsauves, resp. schwefelsaures Morphin mittelst Salzsäure, resp. Schwefelsäure übergeführt und durch Isoliren der Base mittelst Kalk und Salmiak gereinigt.
Prüfung. 1) Die Morpliinsalze sollen sich in Schwefelsäure farblos lösen (Braunfärbung = Zucker). 2) Sie sollen auf dem Platinblech ohne Rückstand verbrennen (anorganische Beimengungen). 3) Bei über­schüssigem Zusätze von Kalilauge muss die wässerige Lösung klar bleiben (Narkothi und andere Alkaloide). A.P. 0,1 = 5 Pfennig; D.P, 10,0 = 1 Mark 70 Pfennilaquo;; 1 Kilo = 140 Mark,
Sonstige Morphiumreaktionen. 1) Die Husemann'schc Reaktion: Morphin mit concentrirter Schwefelsäure leicht erwärmt, dann abgekühlt und mit einigen Tropfen Salpetersäure versetzt, färbt sich purpurroth. 2) Das Fröhde'sche Reagens: Concentrirte Schwefelsäure, welche pro Cubik-centimeter 1—5 mg molybdänsaures Natron enthält, färbt eine Morphin­lösung nach einander violett, grün, braungrün, gelb und nach 24 Stunden blauviolett. 8) Ein Krystall von schwofelsaurem Eiseno x'37d-Ammen
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74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morpliinm.
umgibt sich in einer Moi'pbiamlOsUQg mit einer blauen Zone. 4) J o d-siluro wird durch Morplun zu freiem Jod reducirt, deshalb gibt eine Mischung von einer Morpbimnlösung, Jodsäurelösung und Chloroform eine purpurrothe Färbung des Chloroforms.
Wirkung des Morphiums. 1) Die Hauptwirkung des Morphiums ist gegen das Q-ehirn gerichtet. Es botiiuht und lähmt nach einem rorausgegangeneu Erregungszustande (Manögebewegungen, sogenannte Laufwuth bei Pferden. starke Unruhe bei Bindern und Katzen), welcher nur bei sehr grossen Dosen ausfällt, die Empfindungs­und Bewegungsoentren des Gehirns und erzeugt in Folge einer direkten Einwirkung auf die Ganglienzellen des Geliirns Schlaf, Dass die Ganglienzellen hierbei direkt und nicht indirekt durch Ver­mittlung der Blutvertheilung (Anämie, Hyperämie) betroffen werden, hat Binz durch Einlegen von Gehirnschnitten in eine Morphiumlösung gezeigt. Bei der mikroskopischen Untersuchung derselben zeigte sich nämlich das Protoplasma der Ganglienzellen durch das Morphium getrübt, in gerinnungsartigem Zustande, ganz wie bei Ohloroform und Gliloralbydrat. Darnach muss bei der Morpbiumnarkose die Ent­stellung einer Morphium- Protoplasmaverbindung der Gelurnganglien an­genommen werden, welche für die gewöhnlichen Nervenreize nicht mehr irritabel ist.
Die Morphiummenge, welche zur Herheiführung einer Narkose nötbig ist, zeigt sich bei den verschiedenen Thiergattungon ausserordentlioh verschieden. Es ist ein Gesetz, dass m an zur Hypnose um so wenige)' Morphium benöthigt. je höher or-ganisirt das Nervensystem des betreffenden Thieres ist. Deshalb bedarf der Mensch mit seinem hochentwickelten Gehirn die geringste Morpbiummenge (niederste Schlafdosis für einen Erwach­senen 0,015 Morphium, niederste tödtliche Dosis 0,06). Der Hund bedarf durchschnittlich einer lOmal grösseren Dosis als der Mensch; am wenigsten empfindlich von den Warmblütern sind die Vögel. So ertragen z. B. Tauben eine sehr viel grössere Dosis als der Mensch (sie ertragen bis 0,1 Morphin subeutan und bis 0,5 per os; demnach pro Kilogramm Körpergewicht 3—500mal mehr als der Mensch). Am indifferentestem sind die Kaltblüter; Frösche reagiren nicht auf eine Dosis Morphium, welche den Menschen rasch einschläfert; sie ertragen daher pro Kilogramm Körpergewicht etwa 1000mal mehr Morphium als der Mensch! Diese Verhältnisse sind bei der Dosirung des Morphiums und Opiums in der Thierheilkunde (im Gegensatze zur Menschenheilkunde) wohl zu berücksichtigen.
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Morjihimi
75
2) Im Darmkanal vernündert das MorphiutQ die Sensibilität und die Peristaltik und /war ist nach Nothnagel die Erregung des Splanohnious, des Hemmungsnerven des Darmes, als die Haupt-Ursache der Verstopfung anzusehen. Die lähmende Wirkung des Morphins auf den Darm wäre also analog der Digitaliswirkung auf den Vagus im Wesentlichen auf eine Nervenerregung /u rück zuführen. Daneben findet jedoch offenbar auch eine direkte anästhesirende Ein­wirkung auf die Nerven der Darmschleinihaiit statt.
;gt;) Das im verlängerten Mark gelegene Athmungscentrum
erfährt durch Morphium in seiner Thätigkeit insofern eine Hemmung, als die Athemzüge nach Frequenz und Intensität abnehmen. Ausser-dem wird die Erregbarkeit der sensiblen Nerven der Luftwege herabgesetzt; dadurch ist das Morphium ein sehr gutes Mittel gegen Husten.
4)nbsp; nbsp;Das Rückenmark wird durch giftige Dosen, wie das Gehirn, aber erst viel später gelähmt. Das primäre Erregungsstadium fehlt hier öfters bei den Warmblütern, doch beobachtet man auch nicht selten zuerst eine, gesteigerte Reflexerregbarkeit und seihst Krämpfe als Folge der Einwirkung des Morphins auf das Rücken­mark (Katzen, Rinder). Am ausgesprochensten ist das Excitations-stadium hei Fröschen, welche auf Morphin durch Tetanus reagiren. — Sehr starke Tetanica sind Theha'in und Narkotin.
5)nbsp; nbsp;Die sensiblen peripheren Nerven werden mit Aus­nahme der sensiblen Athmungsnerven von der allgemeinen Morphin-wirkung nur indirekt (Unemptindlichkeit äusserer Theile in Folge aufgehobener Perceptionsfähigkeit im Gehirn) betroffen. Sie werden dagegen gelähmt, wenn sie mit dem Morphin direkt in Berührung kommen. Deshalb findet nach subentanen injeetionen eine lokale Anästhesie statt.
6)nbsp; Das Herz wird in grossen Gaben vom Morphium gelähmt, durch mittlere oder kleinere jedoch gar nicht heeinflusst. Bei grösseren Dosen sinkt der Blutdruck, gleichzeitig auch die Temperatur in Folge einer Lähmung des wärmeregulirenden Centrums. Die Ge-fässc werden beim Menschen schon durch kleinere Dosen von Mor­phium stark erweitert, bei Thieren tritt jedoch diese Erweiterung erst im Vergiftungsstadium ein.
7) Die Pupille verengert sie
i in
der Narkose und zwar bei
Vergiftungen his auf ein Minimum (die Myose ist daher für die Mor-pbiumvergiftung von diagnostischer Bedeutung). Dor Umstand, dass die direkte Injection des Morphiums ins Auge keine Pupillen verenge-
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70
Morp
,':'l
rung (wie etwa bei Eseiüu, Pilooai'piu eto.) naoli sicli zieht) beweist, diiss die Myose duvoh eine oenti'ale Lälunung psychischer Oentren herbeigeführt wird.
8) Die Blasenmuskulatur wird bei grossen Dosen in ihrer Thätigkeit gelähmt (Innervationsstörungen), wodurch der Harn-absatz gehindert oder erschwert wird. Nach fortgesetzter Morphium-verahreichung beobachtet man ferner Melliturie.
!)) Die Secretionen im Körper werden theils gesteigert (Sali­vation besonders heim Hunde, vermehrte! Schweissabsondcrung). theils vermindert (Bronchialseeret).
10)nbsp; Auf die Magenschleimhaut endlich wirkt Morphium, wie andere Alkaloide, leicht reizend sein, so dass es nicht selten, nament­lich in ooncentrirten Lösungen, wieder erbrochen wird.
11)nbsp; nbsp;Teher die Schicksale des Morphiums im Körper herrscht noch nicht die wünschenswerthe Klarheit. Jedenfalls ist das Morphium eines der am leichtesten zersetz liehen Alkaloide, welches auch im Körper besonders dann eine Zersetzung zu erleiden scheint, wenn es in kleineren Dosen gegeben wird; in diesen Fällen wird es daher auch in der Milch und im Harn nicht wieder als solches vor­gefunden. Bei der chronischen Morphiumvergiftung des Menschen soll es sich in das erregende Oxydimorphin umwandeln und als solches im Harn ausgeschieden werden (Marino), Dagegen soll hei grossen Einzeldosen und bei längerer Verabreichung kleiner Dosen das Morphium unzersetzt in den Se- und Excreten nachzuweisen sein. Die diesbezüglichen chemischen Untersuchungen des Harns und der Milch auf Morphium haben jedoch widersprechende, bald positive, bald negative Resultate ergeben. Da die Frage des Uebergangs des Morphins in die Milch unserer Hausthiere (heim Menschen wird nach klinischen Beobachtungen an Säuglingen eine solche an­genommen) eine grosse Bedeutung hat, nicht hloss nach der wissen­schaftlichen, sondern auch nach der sanitären Seite, wäre eine end­gültige sichere Entscheidung derselben sehr wünschenswerth. Meine eigenen Versuche, das Morpliium in der Milch eines Versuchsrindes chemisch nachzuweisen, sind in Uebereinstimmung mit den Beobach­tungen von Lewald U. A. negativ ausgefallen.
Anwendung. 1) Das Morphium empfiehlt sich als Narootioum
zu schmerzlosen Ausführungen von Operationen am meisten heim Hunde. Es ist hier dem nicht ungefährlichen Chloroform ent­schieden vorzuziehen, weil der Hund gegen Morphium ziemlich in-
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Ill'llljllllll
77
different Ist und weil die Narkose viel Iftngev (12—lt;i*i Stunden) an­hält, was mit Rücksicht auf die Erhaltung der oaoh der Operation angelegten Verbände von ganz wesentlichem Vortheile ist. [oh ver­wende beim Hunde das Morphium aussohUesslioh vor jeder grüsseren
Operation und /war siibcutan in Dosen von 0,02—0,15 g, die erstere
(labe für ganz kloine, die letztere für sehr grosse, kräftige und relativ junge Hunde. Xur bei vorhandener Herzschwäche in Folge von Klapjieufehlern oder Herzverfettung sind die Dosen niedriger zu be­messen (0,02—0,05), (gleichzeitig mit der Narkose geht immer ein Sinken der Temperatur und der Pulsfrequenz einher. Erweist sich die Dosis als eine zu grosse, indem eine Herzlähmung einzutreten droht, so muss als Autidot Atropin oder Hyoscin gegeben werden (subeutan '/s bis einige Centigramme).
Beim Pf
erde win
1 die Morphiumnar
Kose alien
seltener ange-
wandt, weil die Wirkung des Morphiums eine langsame, gewöhnlich auch nicht ausreichende und nicht bei allen Pferden die gleiche ist. Nicht wonige Pferde zeigen nämlich unangenehme Nebenwirkungen: starke Aufregung, selbst tobsüchtige Anfälle, stundenlange Manege-
bewegung, sogenannte Laufwuth u.
s. w.
Dagegen empfiehlt sich eine
oombinirte Morphium-Chloroform- oder Morphium-Chloral-hydratnarkose (Morphium 0,5—1,0; Chloroform und Chloralliydrat
die Hälfte der gewöhnlichen Dosis). Weiter empfiehlt es sich nach Abbt, bei bösartigen Pferden, welche sich nicht abwerfen lassen wollen, vorher zur Ermöglichung des Abwerfens eine Morphiuminjec-tion (1,0—1,5 g) zu machen, desgleichen bei solchen Pferden, welche während der Castration die Hoden zu stark hinaufziehen oder sich nach der Castration die Kluppen nicht abnehmen lassen wollen.
Beim Rinde wird eine subeutane Morpbiuininjection gegen das heftige Drängen bei Uterus- und Mastdarnivorf'ällen angorathen. Ich kann jedoch die behaupteten sedativen Wirkungen der vorgeschlagenen Morphiumgaben (1,0—1,5 g) nach eigenen Erfahrungen nicht bestä­tigen. Im (legentheile habe ich zuweilen sehr unliebsame Erregungs-zustände und eine Steigerung des Drängens als Folge der Morphium-injeotion beobachtet. Offenbar erzeugen beim Rinde nur sehr grosso, giftig wirkende Dosen (2,0—2,5) einen ausge­sprochenen narkotischen Zustand. Kino mittelgrosse Kuh zeigte beispielsweise nach einer subeutanen Injection von 1,0 Morpll. muriat. eine stundenlange hochgradige Aufregung, anhaltendes Brüllen bis zur Heiserkeit, sehr starkes Drängen auf den Koth- und Harn­absatz (!), völlige Unterdrückung der Putteraxifnahme und Peristaltik
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78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Morphium.
während eines ganzen Tages, intensive Tympanitis, Verringerung der Milohseoretion bis auf ein Viertel, sowie schleimige, cüokliohe Be­schaffenheit und leichtes Gemmen der Milch.
#9632;_*) Als schmerzstillendes Mittel eignet sich das Morphium sehr gut hei allen Entzündungskrankheiten, namentlich hei schmerz­haften Koliken (Krampfkoliken) der Pferde in puhoutanen Dosen von 0,4—0,6 g. Ks wäre im Interesse der Humanität wünschenswerth, wenn die Thierärzte von dem Morphium bei Kolik einen viel aus­gedehnteren (rehrauch machen würden, als es bisher geschieht.
:i) Bei starker Aufregung und Anlallen von Tobsucht im Verlaute von (lehirnkrankhciten (Glehirnlivperämie, Geliirnentziindung, nervöse Staupe etc.) ist das Morphium ein wirksames Sedativum.
4) Es ist ferner eines der hosten Narcotica gegen Husten, namentlich im Verlaufe der chronischen Laryngitis und Bronchitis heim Hunde, wo es gewöhnlich in Verhindung mit Blausäure (Aqua Amygdal. amar.) oder Apomorphin, seltener als Morphiumpulver oder Morphiumeinblasung resp. Bepinselung angewendet wird. Vergl. die llecepte.
ö) Hei schmerzhaften Muskelrheumatismen liisst sich durch eine suheutane Morphiuminjeetion in der Nähe der erkrankten Muskeln häutig eine ganz ausseronlentliche Wirkung erzielen, so hei rheuma­tischer Schulterlahmheit der Pferde, Lumbago rheumfttica des Hundes (Albrecht). Allerdings sind die Injectioneu dabei zu wiederholen.
ü) Von den verschiedenen Krampfformen wird am günstigsten und augenfälligsten die Eklampsie der säugenden Hündinnen durch Morphium beeinflusst (Siedamgrotzky); eine Morphiuminjee­tion (0,02—0,1) wirkt hier geradezu lehensrettend. Dagegen lässt das Mittel bei Starrkrampf gewöhnlich im Stiche und auch gegen Strychnin-vergiftung ist Bromkalium oder Ohloralhydrat entschieden wirksamer.
7) Innerlich kann ferner Morphium wie Opium gegen starkes Erbrechen, Durchfall, Ruhr, Darmblutung, Darmentzün­dung, insbesondere toxischer Natur, angewandt werden, Die Jugend der betreffenden Thiere (Säuglingsalter) bildet hiehei durchaus keine Contraindication für die Anwendung der Opiate, wie beim Menschen; im Gegentheil sind Opium und Morphium gerade bei den Durchfällen des Säuglingsalters, speciell bei der Diarrhöe der Saugkälber und Saugfüllen (Kälberruhr, Pohlenruhr) ganz unentbehrliche Arznei­mittel, welche jedoch nie in zu kleinen, sondern auch bei ganz jungen Thieren in herzhaften, grosson und wiederholten Dosen gegeben wer­den sollen (vergl. die beim Opium und der Opiumtinctur angegebenen
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Uoi'phii
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Dosen). Die Peritonitis wird in neuerer Zeit ebenfalls mit Morlaquo; pliimn statt wie früher mit Abführmitteln behandelt, weil dasMorphlum die Peristaltik hemmt und damit die Ansbreitung dos Ehitzündungs-
processes auf andere Stellen des Feritoneums verhindert. Zu ver­meiden ist die gleichzeitige Yerabreiobung von Tannin, weil das hiebe) sich bildende tanninsaure Morphium fast unlöslich und daher
nahezu wirkungslos ist.
8) Die Verabreichung des Morphiums in kleineren Dosen gegen abnormen Q-esohlechtstrieb lässt häufig bezüglich des Erfolges zu wünschen übrig.
it) Als Gegenmittel hei Atropin-, Eyoscin- und Strychnin-vergiftung ist Morphin zwar nicht unfehlbar, immerhin aber zu versuchen.
10) Aeusserlich hat man Morphium hei schmerzhaften Augen­entzündungen als Zusatz zu Augenwässern (1—20/o) angewandt; Coc.a'hi ist indess hier wesentlich empfehlenswerther. Einreibungen von Morphiumsalben auf die unverletzte Kaut sind unwirksam.
Erwäbnenswerth ist endlich noch die Anwendung des Morphiums gegen Singultus (Zwerohfellskrampf), Herzklopfen, üterus-kräinpfe (abnorme Wehen), Diabetes mellitus und Hahnen­tritt heim Pferde.
Dosis und Form. Die gewöhnliche Applicationsmethode des Morphiums ist die subeutane. Man bedient sich dabei des Mor­phium hydroohlorioum in Form der concentrirten Lösung
(1 : 25). Da dieselbe 1
ist, so ist jeder Cuhikcontimeter der-
selben = 0,04 g. Nimmt man die Lösung 1 : 50, was sich nament­lich für die Hundepraxis empfiehlt, dann entspricht 1 cem = 0,02 g Morphium. Zur Herstellung von frischen Morphiumlösungen eignen sich namentlich sehr gut die Morphiumtabletten.
Innerlich gibt man Morphium in Pulverform oder in Lö­sung, wobei indess zu bemerken ist, dass das Morphium von Hunden häutig erbrochen wird und dass die Resorption vom Magen und Darme aus eine sehr langsame ist. Hunde erbrechen sich sogar nicht selten nach der subeutanen Einverleibung des Morphiums, weil nämlich das Alkaloid vom Plute her durch den Magensaft ausgeschieden wird und die Magenschleimhaut reizt. Die intralaryngeale Einspritzung von Morphiumlösungen kann nöthig werden hei sehr hartnäckigen La-ryngiten. Die intratracheale Injection zum Zwecke einer Allgemein­wirkung ist zum mindesten iiberflüssiff.
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I I
#{)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morphium.
Zu vermeiden ist in den Morphiumreoepten dit' gleichzeitige
Ordination von Tannin und gerbsäuroliidtigeu Stoffen (Bildung von unlösliclieia Älorpliitimtannat; Tannin ist deshalb auch ein Gegengift gegen Morphiumvergit'tung). ferner von Aet/alkaiien, kohlensauren Alkalien und Metallsalzen (Abspaltung von freiem, schwerlöslichem Morphin), Aueli das vielfach zusammen mit Morphin verschriebene Bittertnandelwasser zersetzt das Morphin theilweise zu Oxydimorphin bei längerem Stehen der Lösung (Trübung der Mixtur).
Die mittlere Dosis des Morphiums in Form der suboutanen In­jection (bei innerlicher Verabreichung kann das Doppelte und mehr genommen werden) beträgt!
,.. ,,,. ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;( 0,4—0.6 bei Kolik:
tür PI erde......... ., , Anbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^, ,
1 1,0—1,5 zur Narkose;
,, Schafe, Ziegen und Schweine 0,2—0,5
„ Hunde.........0,02—0,15
.. Katzen.........0,01—0,03
*.
Toxikologie. Die toxikologischen Versuche mit Morphium und Opium
bei den verschiedenen Thiergattungen haben, wie schon erwähnt, wesent­lich andere Resultate als beim Menschen ergeben. Pferde zeigen auf grössere Dosen Morpliium (von 1,0 ab) zuweilen eigenthümliche Zwangs-b e weg ungen (Mam'gebowegung: Laufwutli). starke Aufregung, Schweiss-ausbruch und selbst manialkaliscbe Erscheinungen, sie sterben aber erst auf 10—20 g Morphium. 60 g Opium riefen bei einem Pferde keine beson-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; deren Erscheinungen hervor (Vitet), 30 g erzeugten nach einer halben
iHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Stunde nur Erregung, welche eine Stunde andauerte, Verstopfung, Drängen
und Schwanken, erst 7~gt; g Opium führten nach 20 Stunden bei einem Pferde den Tod unter heftigen Krämpfen herbei (Hertwig). Bei Kühen beobachtet man nach 1—2,0 Morphium ebenfalls zuweilen starke Aufregung. Nach 30 g Opium stellte sich lediglich leichte Verstopfung ein (Hertwig, Gilbert). Schafe reagirten auf 15 g Opium (Hertwig) und selbst auf 30 g (Vitet) gar nicht oder nur gering. Schweine zeigten nach 8 g Opium nur etwas Mattigkeit (Viborg).
Bei Hunden kommen starke individuelle Schwankungen vor; die Todesdosis des Morphiums differirt nach meinen eigenen Erfahrungen 1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; zwischen 0,1 bei kleinen und 2,0 bei grossen Hunden. Ich möchte nament-
lich im Gegensatze zu anderweitigen allgemein gehaltenen Angaben auf specielle Fälle verweisen, in denen eine zum Zwecke der Operation subcutan injicirte Dosis von 0,1 g Morphium bei kleinen Hunden den Tod zur Folge hatte: andere Hunde ertragen dann allerdings auch wieder das lOfache. Auch Hertwig beobachtete beim Hunde nach Gaben von 1—4 g Opium oft nur geringe, oft dagegen auch eine sehr starke Wirkung; nach 8 —12 g
I
Opium sah er unter starker Betäubung, Convulsionen und schliesslicher
Lähmung den Tod eintreten. Katzen werden durch Morphium anfangs stark erregt.
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Codt'in.
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Recepte.
1)nbsp; Rp, Morpliini liydroclilorici 1,0.
Aqu. dcstill, 25,0. Mi 1'. Sol. D, S. Die Hüllte zur sulicutanou Injectiuii für ein Pferd mit Kolik,
2)nbsp; Rp, Morphin, bydroohlor, 0,2.
Aqu. Amygcial, amor, 16,0. Aqu. ilestill, 250,0. M. D. S. SBtündlioh einen Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit Husten.
3)nbsp; Rp. Morphin, hydroohlor. 0,1.
Aqu. Amytidal. iiiiuu'. 10,0. M. D. S. Sinai 10 Tropfen tiiglicli für einen H u u d mil ohronisoher
Laryngitis.
4)nbsp; Rp. Morphin, hydroohlor. 0,2.
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. D. S. 1—6 Grammspritzen ,(0,02—0,1) für einen Hund (klein—gross) zur sulteutauen Injection,
5)nbsp; Rp. Morphin, hydroohlor. 0,02.
Saoohar. 0,5.
M. f. Pulv. I). tal. dos. Nr. V. S. Morphiumpulvor für einen Hund mit Diarrhöe oder Husten.
li) Rp. Morphin, hydroohlor. 0,2.
Apomorphin. hydrochlor. 0,05. Aeid. hydrochlor. 1,0. Aqu, destill. 250,0. M. 1). S. 3mal einenBsslöffel (Theelöffel) für einen Mund (Katze) mit Bronchitis,
Codelnum phosphoricum. Phosphorsaures Codein. Das Code'in, das neben dem Morphin allein noch officinelle Opiumalkaloid, welches zu 0,5 bis 0,75 quot;jo im Opium enthalten ist und aus den vom Morphin befreiten Mutterlaugen desselben gewonnen wird, ist chemisch als Methylmorphin von der Forme] 0nHi8(0H8)NO3 aufzufassen, d. h. als Morphin, O^HigNOlaquo;, in welchem ein Wasserstoff H durch die Methylgruppe CH;j ersetzt ist. Charakteristisches Reagens gegenüber dem Morphin; 10 mg Codefu-salz geben mit 10 cem Schwefelsäure eine farblose Lösung, welche gelinde erwärmt, nach Zusatz von 2 Tropfen einer sehr verdünnten Eisenchlorid­lösung eine dunkelblaue Färbung gibt (Eisenchlorid bläut nur neutrale, nicht saure Morphinlösungen). Das Code'in wird neuerdings wieder statt des Morphins als milderes, angenehmeresNarootioum (Hypnoticum und Sedativum) namentlich für solche Fälle empfohlen, in denen Morphium nichts leistet. Es soll ausserdem namentlich ein sehr wirksames Mittel gegen Abdominalschmerzen (Ovarialschmorz, Uteruskolik) sein und vor dem Morphin den Vorzug haben, dass es weder den Appetit noch die regel-mässige Darmentleerung stört, und dass vor Allem keine Gewöhnung an das Mittel, wie beim Morphinismus, ZU Stande kommt. Die Reflexerregbar­keit wird jedoch durch Codein in grossen Dosen mehr gesteigert, als durch Morphin. Die Dosis ist dieselbe wie die des Morphins. A.P. 0,1 = 15 Pfg.
Kröhuer, Arziu'üiiitlollcluv, ;;. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;6
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Ooeaiiinin liydrochloricum. Siilzsaures Cocain.
*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Staumpflanzei Brythroxylon Coca.
Kaiiiilie: Erythroxyleen.
Pharmaceutische Chemie. Das in don Oocablättern, einer siul-anievikanisclien (Peru, Bolivia) Erythroxylee zu 0,1—0,20/o enthaltene Cocain ist ein Alkaloid von der Formel 017H21NO4. Neuere Unter­suchungen über die cliemisclie Zusammensetzung des Oocafns haben ergeben, dass dasselbe als Eeu zoy l-Ekgonin - Alethylcster aufzufassen ist, weil es bei seiner Zersetzung Eenzoesäuro, Ek-gonin und Methylalkohol liefert. Aus dem Ekgonin, der Q-rundsubstanz aller festen Oooabasen, lässt sich das Coea'in nunmehr auch synthetisch darstellen (sog. Iso-eoca'in). Das Ekgonin selbst ist mit dem Pyridin, 04H8N nah verwandt, indem es als hydrirtes Pyridin (Pyridin -( H) aufzufassen ist, Daraus geilt hervor, dass das Cocain, ähnlich wie das Chinin
und Atropin, der „Pyridingruppequot; zugehört.
Aussei' dem Cocain enthalten die Blätter noch einige amorphe
N ebenalkaloide (Cinnamylcoca'i'n, Cocamin, Isococainin, Homo-cocamin, Homoisococamin etc.), welche ebenfalls das Ekgonin als Grundlage besitzen; die Benzoesäure ist in denselben 'jedoch durch die Zimmtsäure und Isatropasäure (Truxillsäure) ersetzt. Ausserdem enthalten die Blätter Cocagerbsäure.
Das Cocainummuriaticum oder salz saure Cocaii^CjjH^^Oj.HCl) bildet farblose, durchscheinende, geruchlose Krystalle, welclie sich in Wasser und Weingeist leicht lösen (ca. 1 : 5). Die Lö­sungen besitzen bitteren Geschmack und hinterlassen auf der Zunge ein eigentluim liclies vorübergehendos Gefühl von Pelzigkeit (Lähmung der Geschmacksnerven). A.P. 0,1 = 20 Pfennig, 1,0 = 1 Mark 70 Pfennig. D.P. 1,0 = 90 Pfennig.
Folia Coca, die Coc ab lütter (in Oestorreich officinell), sind ge­trocknet, gestielt, eirund, eiförmig oder liinglich, 5—Gern lang, stachelspitzig, dünn, steif, zerbrechlich, ganzrandig, oben schmutziggrün, unten blässer und besitzen einen schwachen aromati­schen Geruch, sowie etwas bitterlioh-sobarfen Geschmack. Da sie moist schon ausgezogen in den Handel gebracht werden, sind sie in Deutschland nicht officinell.
Darstellung des Cocalns. 1) Durch Extrahiren der Blätter mit schwefelsaurem Alkohol; 2) durch Extrahiren der zerkleinerten Coca-blätter mit Wasser bei 70deg; C, Fällen mit Bleizucker, Entbleien, mit
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Cociiii].
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Aether, Verdunsten des Aethers und Auflösen des Rückstandes (Cocafn) mit Salzsilure.
Prüfung. Die LOsUDg in Scliwcf'elsänre, Salpetersäure oder Salzsilure (1:10) soll farblos sein (Morphium u. a. Alkaloide). Beim Erhitzen auf dem Platinblech soll das salzsaure Coca'in keinen Rückstand hinter­lassen (anorganische Pei m en gungen). U, I Coca'inum hydrochlor. in 6 ccm Wasser unter Zusatz von 3 Tropfen verdünnter Rchwefelsiluro ge­löst, soll eine Flüssigkeit liefern, die durch einen Tropfen einer Lösung von 1 Theil Kuliumpermanganatlösung in 100 Theilen Wasser violett gefärbt wird. Bei Ausschluss von Staub soll diese Färbung im Laufe einer halben Stunde kaum eine Abnahme zeigen (organische Verunreinigungen).
Wirkung. 1) Auf Schleimhäuten erzeugt das Oocalta bei direkter Application eine lokale Anästhesie der mit der Cocafn-lösung (2—20 0/o) in Berührung gekommenen Fläche. Die Beflex-erregharkeit, Empfindlichkeit, das Schmerzgefühl, Tast-gefiihl, Temperaturgefühl, Geruchs- und Geschmaoksgefühl der Schleimhäute wird vermindert und aufgehoben. Ks kommen biebei von Schleimhäuten namentlich in Betracht die Conjunctiva, Maul­schleimhaut, Rachen-, Kehlkopf-, Nasen-, Scheiden-. Mastdarm-, Harnröhren-, Blasenschleimhaut.
2) Von besonderer Wichtigkeit ist die Einwirkung des Coca'ins auf das Auge. Nach Einträufhmg einer 5 0/oigen Ooeai'nlösung in den Lidsack entstellt nach 2—3 Minuten in Folge Lähmung der Trigeminusendigungen eine ünempfindliohkeit der Cornea und Conjunctiva gegen äussere Reize, operative Eingriffe etc. Dieselbe dauert etwa 10 Minuten an. Die Lidspalte erscheint vergrössert, die Nickhaut wird zurückgezogen. Gleichzeitig entsteht eine Anämie der Conjunctiva und Tris; die Pupille wird dadurch erweitert (mit Ausnahme beim Pferd und Kind), bleibt aber durch Eserin verengerungsfähig, Der innere Angendruck sinkt.
'S) Bei subeutaner Einspritzung des Cocains entsteht gleichfalls lokale Anästhesie der Haut in der Umgebung der [njectionsstelle. In Berührung mit einem freigelegten Nerven erzeugt das Coca'in Lähmung dieses Nerven mit peripherer (centrifugaler) Verbreitung. Auf der unverletzten Haut ist das Coca'in ohne Wir­kung, dagegen anästhesirt es die Haut nach Entfernung der Epidermis.
4) Innerlich gegeben wirkt Cocaün in kleinen Dosen er­regend auf die seelischen und motorischen Centren der Crosshirnrinde. Beim Menschen wird das Kraftgefühl gesteigert und das Hungergefühl beseitigt. Hunde zeigen (nach 0,01 — 0,015 g Coca'in pro kg Körpergewicht) freudige Erregung, ausgelassene
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OooaYiii
I
Munterkeit sowie oino rastlose Tbätigkeit aller Muskeln, welche sicli in planlosem Hin- und Herlaufen, Springen, Hüpfen, tänzelnden Be­wegungen, beständigem umherlaufen im Kreise, Sohweifwedeln, pen­delnden Kopfbewegungen a, s. w. äussern (v. A.ni'ep, Ross hu eh, eigene Beobachtungen). Eine ähnliche psychische Erregung zeigen Pferde und Rinder sowie Katzen. (Ileichzeitig wird in Folge Ein­wirkung auf das Rückenmark die Reflexerregbarkeit gesteigert, die Thiere sind schreckhaft, zittern; die Pulsfrequenz, der Blut­druck, die Athemfrequenz, die Körpertemperatur sind gesteigert, die Pupille ist erweitert. Die Peristaltik ist vermehrt; es besteht Speicheln.
Mittlere Dosen (von 0.015—0.02 pro kg ab heim Hund) be­wirken hochgradige psychische Aufregung sowie krampf­hafte Unruhe aller Körpermuskeln, Es treten rhythmische Contraktionen aller Skeletmuskeln sowie tetanische und tonisch-k ionische Krämpfe mit Opisthotonus, epileptiformen Anfällen, Roll- und Schwimmbewegungen und den verschiedensten Ooordi-nationsstörungen auf; die Athmung wird dyspnoisch. Diese Coca'in-krämpfe treten nicht auf, wenn Bromkalium, Aether, Amylnitrit etc, vorher verabreicht wurden.
Grosse 'Dosen (von 0,02 pro kg ah beim Hund) lähmen die nervösen Oentralorgane und zwar zuerst das Ghfosshirn, dann die Vierhügel, das verlängerte Mark und das Rückenmark und tödten durch Lähmung des Athmung so entrums,
Beim Menschen beobachtet man endlich nach lange fort­gesetztem (Jocaingebrauche ähnlich wie beim Morphium schwere und bleibende psychische Störungen (Epilepsie, Paranoia), so dass man analog dem Morphinismus von einem Ooca'inismus spricht.
i
Cocalnwirkung bei den verschiedenen Hausthieren. Die innerliche Coeiü'nwirknng beim Hunde ist offenbar grossen individuellen Ver­schiedenheiten unterworfen. Ich habe Z. B. in einem Falle einem Hnndo von 10 kg Körpergewicht 0,15 g Cocalnum muriaticuin (0,015 pro kg) ohne irgend welche auffällige Erscheinungen subeutun injicirt. Dagegen zeigte ein anderer 32 kg schwerer Hund nach der Injection von 0,5 g Cocainum muriat. (ebenfalls 0,015 pro kg) das deutliche Bild der Cocafnerrogung. desgleichen ein 8 kg schwerer nach 0,12 Coca'in. Nach 1 Stunde waren jedoch die Erscheinungen wieder vorüber.
Bei Pferden beobachtete ich nach subeutaner Injection von 2,0 g Coeain (0,005 pro kg) Unruheerscheinungen, Scharren mit den Vorder-füssen. Wiehern, Schreckhaftigkeit, Aufregung, sogenanntes Leine­weben, Pulssteigerung bis auf !H!, Speicheln, sehr häufigen Koth­abs atz, laut kollernde Peristaltik, Mydriasis, und nach 50 Minuten tob­such tähn 1 ich e Zufälle (Hochsteigen, Vovwörtsdrängen, Versuche, die
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('ociü'h.
8.quot;
Halfterkette loszureissen, Seitwärts- und Bückwftl'tsspi'ingen) mit einer aufs höchste gesteigerten Reflexerregbarkeit. Erst nach circa 2 Stunden war das Allgemeinbefinden wieder ein normales.
Kühen gab ich 4, (i, 10 und 1(5 mg Coca'ln pro kg Kürpergewicht. Eine 5jährige Kuh zeigte nach der Injection von 1,0 g Coca'i'num inuria-ticum (0,00-1 pro kg Kürpergewicht) sehr lebhaften ülick, unruhiges Benehmen, Schütteln mit dem Kopfe, grosse Empfindlichkeit gegen Fliegen, lobhaftes Wedeln mit dem Schweife, Schreckhaftigkeit, starke Vermehrung der Poristaltik mit wiederholtem Absatz dünnflüssigen Kothos, häufigen Harnabsatz, Temperatur- und Pulssteigerung. Die Wirkung hatte etwa nach quot;/j Stunden ihre Hübe erreicht. Von da ab Hessen die ünruhoerscheinungen nach und das Thielquot; hatte sich 1 '/a Stunden nach dem Beginn des Versuchs wieder vollkommen beruhigt. Dieselbe Kuh zeigte nach der Injection von 1,5 g Coca'i'n ähnliche, aber hochgradigere Erschei­nungen, namentlich starke Aufregung und Schreckhaftigkeit, fortgesetzten diarrhoischen Kothabgang, Harndrang mit tropfenweisem Harnabsatz, Speicheln, sowie leichtes Schwanken. 1 '/a Stunden nach Beginn des Ver­suches waren auch hier die Erscheinungen wieder zurückgegangen, das Thier zeigte aber noch eine mehrstündige Mattigkeit. 2,6 g Coca'i'n er­zeugten ähnliche, noch stärkere Erregungserscheinungen. 4,0 g Coca'i'n end­lich (0,010 pro kg Körpergewicht) riefen bei einer Kuh ein 4 Stunden an­dauerndes Excitationsstadium hervor mit tobsuch t artiger Aufregung, äusserster Schreckhaftigkeit, Absatz dünnflüssigen, diar rhoisch o u Kothes, anhalte n dem D r an gen auf denHarn, Speicheln, Rülpsen, Temperatursteigerang bis um 10C., Pulsbeschleunigung, Mydriasis, Schwan­ken etc. Nach dem Verschwinden dieser Symptome war das Allgemein­befinden wieder ein ganz normales.
Anwendung. 1) Dan Oocuin ist zur Zeit, nachdem es 1884 von Koller in die Therapie eingeftlhrt worden, als das werthvoUste lokale Anästhetioum für die AugenLei 1 kunde zu 1 )etraohten. Es eignet sich iu der Thierheilkunde insbesondere zur Anästhe-sirung. für operative Zwecke (Staaroperationen, Staphylom-operationen, Exstirpatio bulbi) sowie zur Extraction von Fremd­körpern (Esser), kann jedoch auch hei allen schmerzhaften Con-junetiviten und Keratiten nicht bloss als anasthesirendes, sondern auch als secretionsbeschränkendes und in Folge der Oontraktion der Gefässe als direkt entzündungswidriges Mittel angewandt werden, welches die entzündliche Schwellung der Conjunctiva ver­mindert. Für gewöhnlich reicht eine 5—10 0/oige wässerige Lö­sung aus; die Anwendung derselben muss jedoch zum Zweck der Anästhosirung von 5 zu ö Minuten erneuert werden. Die Application erfolgt einfach in der Weise, dass die Lösung tropfenweise in den Lidsack gebracht und etwa '/s Minute darin belassen wird. Die be­absichtigte Wirkung ergibt sich aus der Unemplindlichkeit der Cornea gegen das Betasten. Nach Schlampp tritt hei Pferden und Hindern schon nach 5—6 Tropfen, hei der Ziege nach 3—4 und beim Hunde
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Ouciün.
H ,1
nncli 2 3 Tropt'ou Aniisthcsie ein; meist ist jedocli eine grössero Anzahl Tropfen nöthig.
Auch zur Anästiiesirung anderer Schleimhäute, ntunentlicli der Maulsohleimhaut, Eiaoben- und Soheidensohleimhaut etc. wird ('oca'i'n verwendet.
2) J)iis (Joca'i'n wird ferner in der Eoriu der subcutauen In­jection einer ö —10 quot;/oigen wässerigen Lösung zur schmerzlosen Vornahme gewisser Operationen empfohlen. Es soll sich nament­lich als Anästheticum bei der Neurotomie, beim Spatbrennen, bei der Castration des Pferdes etc. empfehlen (Sehindellca, De Jong, Labat u. A.). Die suhoutane Dosis für Pferde beträgt hiebei etwa 0,1, für Hunde 0,05, Ausserdem werden subeutane Cocai'n-injeetiouen neuerdings erfolgreich zu diagnostischen Zwecken bei gewissen Lahmheiten des Pferdes angewandt in der AVeise, dass man zur Bestätigung der Diagnose die Lahmheit durch eine an dem vermuthlich leidenden Theile gemachte subeutane Cocai'ninjection zum Verschwinden bringt (Fennwick, Hoffmann u. A.).
;{) Gegen Euterentzündungen und schmerzhafte Affec­tion en der Striche beim Rinde wird Cocam von Hürlimann empfohlen. Das Mittel soll eine überraschende Wirkung haben, indem nach Application desselben auf den erkrankten Strich das Thier schon nach wenigen Minuten sich nicht mehr widerspenstig zeigt und sich
i
melken lässt. 11 ü r 1 i m a n n
emptieli
1t eine Auflösunfl von 0.1—0,2
(Jocainum muriaticum in 80,0 Aqua Calcis; ausserdem benützt er ein Liniment aus der vorigen Lösung und 20,0 01, Olivarum.
4) Gegen stark juckende Eczeme, insbesondere aber gegen das oft sehr lästige Äfterjucken (Pruritus ani) der Hunde ist Ooca'in in Form einer 100/oigen Salbe ebenfalls sehr wirksam (Hoffmann, eigene Beobachtungen).
ö) Dinerlich hat man Ooca'in in der Menschenheilkunde als Anästheticum für dieMagenschleimhaut bei abnormem Erbrechen, Seekrankheit etc., sowie als Excitans bei narkotischen Vergiftungen (0,05) empfohlen. Hoffmann hat auch bei Hunden gute Erfolge bei chronischem Erbrechen von der Anwendung einer 50/oigen Coca'üi-lösung in ;i quot;/oiger Salzsäurelösung (esslöffelweise) beobachtet.
Zur Herstellung beliebig starker (Joca'inlösungen empfehlen sich um meisten dosirte Gocai'ntabletten. Schindelka empfiehlt zu demselben Zwecke sogenannte Goca'i'nphiolen, d. h, mit 0.05 Cocam. muriat. gefüllte (ilaschen, welche 1 ccin Wasser aufnehmen, so dass also bei halber Füllunff eine 10 0/oiffe, bei laquo;anzer Fülluna eine 50/oiffe
I
m
amp;
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Folia IMIiuldinuii'.
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Cocainlüsung gewonnen wird. Von Wichtigkeit ist, dass nicht zu grosso Mengen von Oooafolösungeu auf einmal angefertigt werden, weil das Mittel sehr theuer ist und die Lösungen wenig haltbar sind. Sie sollen daher nur zur Dispensatiou dargestellt und nie vorräthig gehalten werden; die Aufbewahrung geschieht am besten an einem kalten Orte.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Cocnini hydruchlor. 0)6.
Aqu. destill. 10,0. M. D. S. 50ln\lt;fi'. Oocainlösung.
2)nbsp; Rp. Oooal'ni hydroohlor, 0,-r).
Aqu. clestill. 5,0. I\I. D. S. 100/oige OooaMösung.
3)nbsp; Rp. Cociuiii hydrooMor. 0,5.
Adipia suilli 10,0. M. f. Ugt. D. S. OooaYnsalbe (5raquo;.
rolia Jtolliuloitnae. Belladoiinabliittor.
Stammpflanze; Atropa Belladonna, Tollkirscbc. Familie: Solanaoeen.
Pharmakognosie. 1) Die Folia Belladonnae oder Tolikirscben-blätter stammen von Atropa Belladonna, einem in den Waldungen Deutschlands vorkommenden Kraute mit glockigen, braunvioletten Blumen und kirscbähnlichen, glänzend schwarzen Beeren aus der Familie der Solanaceen ab. Sie werden im Juni oder Juli, wenn die Pflanze blüht, gesammelt und vorsichtig getrocknet. Sie sind elliptisch, ganzrandig, in den Blattstiel verschmälert, vorn spitz, oben grünbräunlich, unten mehr grau und auf beiden Flächen mit weisslichen Pünktchen (oxalsaurer Kalk) besetzt; ihr Gle-sebmack ist widerlich, schwach bitter.
Als wichtigstes Alkaloid der Belladonnaptlanze hat lange Zeit das Atropin gegolten. Neuere Untersuchungen (Ladenburg, Schering, Finzelberg, Schmidt) haben jedoch gezeigt, dass der Haupt-bestandtheil der Belladonna das Hyoscyamin ist. Ausgewachsene Wur­zeln und PHanzentbeile der Belladonna enthalten nämlich gar kein Atropin, sondern nur Hyoscyamin; nur die jungen Wurzeln ent­halten neben Hyoscyamin etwas Atropin. Atropin bildet sich erst bei der Darstellung der Belladounaalkaloide durch Zersetzung aus dem Hyoscyamin. Das im Handel vorkom-
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88nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Atropiu.
tuende Atropin ist daher ein je naoh der Darstellung sehr variables Gemenge von Hyoseyamin und Atropin. Heines, d. h. atro-pinfreies Hyoscyamin oder reines, il. h. liyoseyaininl'reies Atropin ist zur Zeit noch nicht dargestellt worden. Alle bisher mit „Atropinquot; angestellten Untersuelmngen beziehen sich daher auf ein Gemenge von Atropin und Hyoscyamin-, welches von beiden der wichtigste, wirksamste Körper ist, lässt sich zur Zeit nicht entscheiden, Andere Bestandtheile der Belladonna sind das Metatropin, Belladonnin, ausserdem Asparagin und oxalsaurer Kalk.
2) Das Atroplnum sulfuricum, das offioinelle schwefelsaure Atropin des Handels, ist ein weisses, krystallinisches, in glei­chen Theilen Wasser lösliohos, anhaltend kratzend und zugleich bitter schmeckendes Pulver. Das Atropin besitzt zwei sehr wich­tige Identitätsreaktionen!
a.nbsp; nbsp;Mit rauchender Salpetersäure und weingeistiger Aetz-kalilösung färbt es sich schön rothviolett, 0,01 g Atropinsnlfat, mit 5 Tropfen rauchender Salpetersäure im Wasserbade in einem Porzellanschälchen eingetrocknet, hinterlässt einen kaum gelblich ge­färbten Rückstand, welcher erkaltet beim LTebergiessen mit wein­geistiger Kalilauge eine violette Farbe annimmt.
b.nbsp; nbsp;Beim Erwärmen von concentrirter Schwefelsäure ent­wickelt sich ein charakteristischer Blumengeruch.' Die letztere Reaktion wird genauer folgendennassen angestellt. Zu 0,01 g Atro-pinsulfat, welches im Probirröhrchen bis zum Auftreten weisser Nebel erhitzt wird, gebe man 1,5 com Schwefelsäure und erwärme bis zur beginnenden Bräunung. Sofortiger vorsichtiger Znsatz von 2 ccm Wasser ruft die Entwicklung eines angenehmen, eigenthümlich aroma­tischen öeruchs hervor; ein Zusatz eines Kryställchens Kaliumper-manganat bewirkt alsdann das Auftreten eines Geruchs nach Bitter­mandelöl.
Die chemische Zusammensetzung des Atropins, welches zum Unterschieden von dem ihm isomeren Hyoscyamin optisch inaktiv ist, lässt als Grundkern desselben das Tropin erkennen. Das Atropin spaltet sich nämlich beim Erhitzen mit Säuren oder starken Basen, wie auch das Hyoscyamin, in Tropin und Tropasänre, aus welchen es sich auch synthetisch wieder darstellen lässt. Darnach wäre Atro­pin = tropasaures Tropin mit der Formel 017Hg8N08. Das Tropin hat die Formel OgH16NO, die Tropasänre C(1Hri. GH . CH2OH. GOGH. A.P. 0,1 = 10 Pfennig; D.P. 10,0 = 4 Mark 50 Pfennig.
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Atropiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 89
Extractum Belladonnae, Ijelladonnaextract; ein dickes, dunkel­braunes Extract, aus frischem Belladonuakraut (in Oesterreich aus den getrockneten Blättern) durch Ausziehen mit Wasser und Weingeist und nachheriges Eindampfen gewonnen. Ausbeute 2,5—4,ö0/o. A.P. 1,0 ss 20 Pfennig. — Eine Tinctura Belladonnae ist in Oesterreich officinell.
Darstellung des Atropins. Zu vermeiden sind bei der Darstellung des Atropins starke Säuren und starke Basen, weil das Alkaloid dadurch leicht Zersetz.ungen erleidet. Auch hohe Temperaturen sind von schädlicher Wirkung; man dampfe vielmehr im Vacuum bei möglichst niedriger Tem­peratur ab. 1) Das Atropin wird meist aus der Wurzel, den Blättern und Samen von Atropa Belladonna durch Extraction mit angesäuertem Wasser, Fällung durch K alilauge, Lösung des Niederschlags in Chloroform, Sätti­gung mit verdünnter Schwefelsäure und Krystallisirung aus weingeistiger Lösung dargestellt, 2| Eine andere Darstellung besteht in der Extraction der Wurzeln mit Alkohol, Versetzen des Piltrats mit gelöschtem Kalk, Neutralisiren mit verdünnter Schwefelsäure, Abdestilliren des Alkohols, Aufnahme des Rückstandes mit schwach schwefelsaurem Wasser und schliess-licher Extraction mit Chloroform in alkalischer Lösung. Andere, nicht o fficinelle Atropinpräparate sind das Atropin um s a Hey lie um, vale-rianicum und santonicum; dieselben sollen, namentlich das santonin-saure Atropin, haltbarere Lösungen geben, indem das Santonin neben seiner wnrmtödteiiden angeblich auch noch eine antiseptische Wirkung besitzt.
Pi'üfung. Das Atropin soll auf Platinblech ohne Rückstand ver­brennen (Kückstand = Beimengung anorganischer Stoffe); seine Lösung in Wasser soll ferner neutral sein (saure Reaktion = freie Säure) und sich mit Ammoniak nicht trüben (fremde Alkaloide).
Wirkung des Atropins. 1) Als besonders charakteristisch und in den Vordergrund zu stellen ist die Wirkung des Atropins auf das Auge. Dasselbe besteht in einer Erweiterung der Pupille in Folge Lähmung der Oculomotoriusenden in der Iris, welche sowohl bei innerlicher^ als bei lokaler Anwendung des Atropins oder der Belladonnablätter zu Stande kommt; gleichzeitig ist eine Zunahme des intraooulären Drucks und eine Acconnnodationslälunung vorhanden. Die Erweiterung der Pupille (Mydriasis) tritt hei allen Hausthieren mit Ausnahme der Vögel ein, bei denen die Irisbewegung unter dem Einflüsse des Willens steht. Nach de Itui'ter sollen selbst minimale Mengen Atropin (0,000,008 g) noch eine mydriatische Wirkung ausüben.
2) Das Herz wird schon durch kleine Dosen Atropin (Milli­gramme) stark erregt, indem der Herzschlag um das Doppelte und Dreifache beschleunigt und der Blutdruck gleichzeitig gesteigert wird. Die Steigerung der Herzthätigkeit hat ihren Q-rund in einer Läh­mung der Vagusendigungen im Herzen.
Ü) Die Speichelabsonderung sistirt in Folge einer Läh-
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90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Atropißi
niung der secretorischen Cliordufiisern. Man beobachtet des­halb im Verlaufe der Atropinwirkung Ti'ookenheit der Maul- und Baohenhöhle sowie erschwertes Sohlingen, Audi die Sclnvoiss-seoretlon wird aufgehoben, indem die sclnveisserregenden Nerven eine Lähmung erleitlen. In ähnlicher Weise soll ferner die Milchlaquo; secretion sowie die Absonderung der Pankreasdrüse und der bron­chialen Schleimdrüsen vermindert werden. Nach meinen eigenen Ver­suchen habe ich übrigens eine die Milohsecretion beschränkende Wir­kung des Atropins nieht constatiren können.
4)nbsp; nbsp;Die Darm per istal ti k wird durch kleine Gaben Atropin beschleunigt in Folge einer Lähmung der Xervi splaneh-nici, der Hemmungsnerven für die Darmbewegung. Grössere Dosen lähmen den Darmkanal und bedingen Tympanitis und Verstopfung.
5)nbsp; Das Gehirn wird durch Atropin im Gegensätze zu Mor-plnuni sehr stark erregt; es treten nach grösseren Dosen Er­scheinungen der Aufregung und Unruhe hervor, welche sich bis zu tobsuchtartigen Anfällen steigern können („Tollkirschequot;) und häutig mit allgemeinen Muskelkrämpfen verbunden sind. Erst nach diesem sehr heftigen Excitationsstadium folgt (jehirmiarkose mit Be-wusstlosigkeit und Schlaf. — Ueber das Verhalten des Rücken­markes ist nichts Sicheres bekannt; die früher angenommene und vielfach therapeutisch verwerthete anästhesirende 'Einwirkung des Atropins auf die sensiblen peripheren Nerven des Darmes, Uterus, der Blase, der Respirationsschleimhaut und der Outis, sowie die erschlaffende Einwirkung auf alle kreisförmigen Muskelfasern, d. h. Sphinkteren (nach Analogie des Sphincter pupillae) ist unerwiesen und daher auch die Anwendung des Atropins nach dieser Richtung (schmerzhafte Koliken, Uterus-, Blasenkrämpfe, Husten) problematisch.
6)nbsp; nbsp;Die Athmung wird nach einer anfänglichen, rasch vorüber­gehenden Verlangsamung stark beschleunigt; sehr grosse Atropin-gaben lähmen die Athmung.
Die Ausscheidung des Atropins aus dem Körper ist eine sehr rasche im (legensatz zu anderen Giften, •/.. B. ZU Digitalin; am schnellsten scheint dieselbe bei den Pflanzenfressern vor sich zu gehen.
Empfindlichkeit der einzelnen Thiergattungen gegen das Atropin.
Dieselbe ist ähnlich wie beim Morpliiuin eine sehr verschiedene. Die Haus-thiere ertragen durchschnittlich viel grössere Dosen als der Mensch; namentlich die Pflanzenfresser sind gegen Atropin sehr wenig empfindlich (vergl. die rasche Ausscheidung des Atropins aus dem Körper der Pflanzenfresser) und es gilt auch hier der Satz, dass die Atropin-wirkung eine um so schwächere ist, Je weniger entwickelt das
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Atiopiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 91
Uehirn des betreffenden Tliieres ist. Aus diesem Grunde ertragen auch jüngere Thiere mehr Atropin als ältere.
Kaninchen sind besonders indifferent gegen Atropin. ff ertwig hat Kaninchen Wochen lang nur mit Belladonnabliittern gefüttert, wobei die­selben aussei- Pupillenerweitorung keinerlei abnorme Erscheinungen zeigten, vielmehr ganz munter blieben; im Urine derselben Hess sieh Atropin nach­weisen. Die tödtliche Dosis des Atropins für Kaninchen liegt erst bei 1,0 g (beim Menschen wirken schon 0,1 g sicher tödtlich und schon 5 mg be­dingen eine schwere Vergiftung).
Hunde ertragen im Verhiiltniss /.um Menschen und zu anderen Thieren, z. B. zum Pferd, ebenfalls sehr grosse Atropingaben und können sieh allmilhlich an das Gift gewöhnen. Ich habe beispielsweise einem 25 Kilo schweren Hunde im Verlaufe eines Nachmittags (innerhalb 0 Stunden) 1,0 g Atropin. sulfuric. auf 2mal eingegeben ; derselbe zeigte zwar jedesmal starke Unruheerschemungen und hochgradige Aufregung, verbunden mit Krampf­an füllen, erholte sich aber nach kurzer Zeit wieder vollständig. Grosse Hunde ertragen annähernd dieselbe Dosis wie ein Pferd.
Schafe ertrugen nach den Vorsuchen von Ger lach 90,0 g trockene Blätter, 120,0 g getrocknete Wurzel und selbst 00,0 Belladonnaextract.
Ziegen zeigten nach Ger lach nach der Verfütterung von 1'|raquo; Pfd. frisch getrockneter Belladonnablätter nur eine starke Mydriasis ohne jede andere auffällige Erscheinung. Die Unempfindlichkeit der Schafe und Ziegen gegen Belladonna ist übrigens schon sehr lange bekannt. Schon Münch bemerkt in seiner „Praktischen Anweisung, wie Belladonna bei den Thieren anzuwenden ist, Stendal 1787quot;, dass Ziegen die Belladonna pfundweise und 'Schafe die Blätter mit Begierde fressen.
Pferde scheinen nach den Versuchen Hertwig's gegen die Belladonna viel empfindlicher zu sein. Hertwig verabreichte an 20 Pferde je 120 bis 180 g trockenes, pulverisirtes Belladonnakraut und beobachtete hiebei deutliche Vorgiftungserscheinungen, in mehreren Fällen auch einen tödt-lichen Ausgang. Die Erscheinungen während des Lebens bestanden in Pupillenerweiterung, Trockenheit im Maul, Tympanitis, Verstopfung, Kolik, sehr beschleunigter llerzthätigkeit und Pulszahl, Mattigkeit und Schwäche; eigenthümlicherweise fehlten cerebrale Erregungszustände. Aohnliche Sym­ptome wurden nach 00—90,0 trockener Wurzel beobachtet; 180,0 g der­selben tödtcten. Klystiere von 15,0 trockenem Kraut auf 180,0 Colatur 8—4nial an einem Tage wiederholt riefen leichte Vergif'tungserscheinungen und eine Lähmung des Sphincter ani hervor. 8—10,0 der Bolladonna-tinctur (8,0 : -15,0 Spiritus) intravenös applicirt hatten eine schwere Ver­giftung zur folge, welche sich in Unruheerscheinungen, Angst, Athemnoth, starker Pulsbeschleunigung, Mydriasis, Zittern, Zuckungen. Kolik, Be­täubung und Taumeln äusserte. Einzelne Pferde tobten auch und gingen wie blind auf die Wände zu. 240 g der Tinctur intravenös gegeben tödteten. Auf Atropin reagiren Pferde schon bei 0,1—0,15 subcutan ziem­lich stark.
Kühe werden nach Hertwig von der Belladonnawirkung noch stärker betroffen. 30 g der Wurzel und 60 g der Blätter erzeugten Tympanitis und Pulsbeschleunigung, 00—90 g der Wurzel eine 2tägige starke Ver­giftung; 120 g der Wurzel hält Hertwig beim Rind für die tödtliche Dosis.
Anwendung. 1) Die Augenheilkunde ist die Eauptdomäne
für die Anwendung des Atropins; dabei lässt man das Mittel iius-
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92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Atropiii.
Bohliesslioh lokal in Form der wässerigen Lösung (Instillation ins Auge) einwirken. Man benützt tlic künstliche Atropinmydriase zxniiiclist zu Untersuohungszweoken, um in das Innere des Auges einen besseren ophtbalmoskopisohen EHnbliok zu erhalten, so zur genaueren Diagnose von Q-laskörpertl'übungen, Netzhautablösungen, Kataraot, Mondblind­heit u, s. w. Therapeutisch braucht man dann das Atropin als Hauptmittel gegen [riten mit dem Zwecke, Anh'ithungen der Iris an die vordere Linsenkapsel zu lösen oder das Zustandekommen der­selben zu verhüten. Auch bei parenehymatöscr Keratitis so­wie bei oberflächlichen Conjunotiviten mit starker Licht­scheu ist Atropin sein' wirksam. Endlich bedient man sich der Atropinisirung bei manchen Augenoperationen, so namentlich bei der Staaroperation, bei Irideotomien etc.
Contraindicirt ist die Anwendung des Atropins bei OorneageschwUren; erfahrungsgemäss vergrössern sich dieselben gerne bei einer Atropinbebandlung und zeigen Neigung zur Perlbra-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;tion. Ich selbst habe bei den zahlreichen, beim Hunde vorkommenden
Oorneageschwüren mit Atropin anfangs sehr ungünstige Resultate ge­habt; seit ich das Atropiii hier vermeide, sind dieselben viel besser geworden. Es hat den Anschein, als ob unter der Einwirkung des Atropins die gesunden, an der Peripherie des Geschwürs gelegenen Corneazellen „narkotisirtquot; und dadurch gegen die ulfceröse Einsobmel-zung weniger widerstandsfähig gemacht würden. Auch bei erhöhtem intraoculäreii Drucke, z. B. bei Hydrophthahmis. ist das Atropin contraindicirt, da dasselbe nicht, wie man früher annahm; den inneren Druck herabsetzt, sondern noch mehr steigert.
Die Concentration der Atropinlösung ist je nach der be­zweckten Wirkung eine verschiedene. Zu llntersuchungszwecken wählt man möglichst schwache Lösungen, und zwar 1—300/ooige (0,05:20—;i0,0), damit die durch die Pupillenerweiterung und Auf­hebung dor Accommodation bedingte Sehstörung möglichst bald wieder vorübergeht, was namentlich für Arbeitspferde von grosser Wichtig­keit ist. Für die Behandlung von Keratiteu und Conjunotiviten be­nutzt man gewöhnlich eine '2 quot;/raquo;ige Lösung (0,1:20,0). Dagegen müssen bei Iritis und zu operativen Zwecken sehr starke, 1—20/o ige Lösungen angewandt werden (0,1—0,2 : 10,0), um eine maximale Pupillenerweiterung und eventuelle kräftige Losreissung der angewachsenen Iris zu erzielen. Die Dauer der Pnpillenerwei-terung beträgt bei schwachen Atropinlösungen (1—:lnft/no) 12 bis 24 Stunden, bei stärkeren (0,6—20/o) mehrere Tage, selbst wohl über
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Atropitiinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 015
eine Woobö. Naoh den Untersuchungen von Feser kann eine Atropin-mydriasia nur dann durch Pbysostiginin aufgehoben werden, wenn die verwandte Atropinlösung nicht stärker als 1li0laig war. Dagegen lässt sieli umgekehrt eine Physostigminmyose durch Atropü] beseitigen. Der Eintritt der Atropinniydriasis erfolgt durchschnittUoh nach 5 —15 Minuten; es kommt auch hier wesentlich auf die Stärke der Lösung an; am spätesten tritt sie heim Pferde ein. Die zuweilen nach der Anwendung von Atropin auftretende Conjunctivitis („Atro-pinconjunetivitisquot;) wird lediglich durch unreine oder zu alte Lö­sungen verursacht. — Bei Katzen beobachtet man häutig nach der Instillation von Atropin ins Auge eigenthüiulicherweise starkes Speichel u.
2) [nnerlich wird Atropin hauptsächlich als starkes Er-regungmittcl für das Nervensystem angewandt. Es ist ein sehr wirksames Antidot gegen Morphium Vergiftung, indem es die durch das Morphium und andere Herzgifte (Digitalis, Chloroform, Kalisalze etc.) bedingte Lähmung des Herzens und der Athmung auf­hebt. Das Atropin muss ferner in allen Fällen von drohender Herz-und A themlähmung als eines der werthvollsten Excitantien em­pfohlen werden, welches leider immer noch viel zu wenig angewandt wird. Am besten wird es in Form der suboutanen Injection applioirt. Es eignet sich namentlich auch zur Beseitigung des Lungenödems, wie es zuweilen nach Verabreichung grosser Dosen von Eserin und Pilooarpin beobachtet wird (Ellenberger). Ausserdem ist es ein wirksames Mittel gegen abnorme Speichel- und Schweiss-secretiou, und in kleinen Dosen auch gegen Verstopfung und darniederliegende Darmperistaltik.
Herkömmlicherweise wird sodann das Atropin in Form der Bella-donnablätter und deren Präparaten gegen eine Reihe von Krampf­zuständen, namentlich gegen Epilepsie, epileptiforme Krämpfe, z. B. bei der Hundestaupe, üteruskrämpfe, Kolik, Starrkrampf, Krampf des Sphincter ani und vesicae (Harnverhaltung), bei Verschluss des Cervix uteri (Schwergeburten) etc., ferner als Hustenmittel und gegen abnorme Milchsecretion angewandt. Die Wirkung ist jedoch hier eine fragliche. Entschieden wirkungslos ist Atropin bei Koller, Schwindel, Pharyngitis, Drehkrankheit etc.
Dosis und Form. lJ.ei der Inconstanz der Belladonnablätter und des Helladoniuiextractes empfiehlt sich ausschliesslich die An­wendung des Atropinum sulfuricum. Dasselbe wird äusserlich
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9-1
Somati'opin.
in Form von 0,1—20/oigen wiisserigen. tVisclibcreitetcn Lösungen als Aiigenwiisscr, innerlich meist in dor Form der subcutfuii'ii Injoc-tion, seltener in I'ilicnl'orm angewandt, Bei dieser innerlichen (sub-outanen) Verahreiohung des A.tropius als Eixoitans für das Herz, als si)oicliel- und scliweissbeschränkendes und als peristaltisohes Mittel sind nicht etwa, wie i'illschliclierweise angenommen wird, grosso Dosen niitliig, sondern es genügen vollkommen kleinere. Dio subeutane rosp. innerliche Dosis des Atropinum sulfuricum beträgt nämlich für
Pferde und Hinder 0,05—0,1.
Schafe und Ziegen 0,01—0,05,
Schweine 0,01—0,0;'..
Hunde 0,005 — 0,0.quot;).
Katzen und Geflügel 0,002—0,005. Die Dosis der Belladonnablätter betrug für Pferde und Rinder 12—30 g, für Schafe und Schweine 2—12 g, für Hunde 0,2—1,0 g.
#9632;
Recepte.
1)nbsp; nbsp;\i\). Atnipin. sulfur. 0,05.
Aqu, destillat. 20,0. M. f Sol, D, S. Aousscrlicli y.nv Angennnterauohnng.
2)nbsp; Rp. Atropiu. sull'iir. 0,1.
Aqu, destill. 10,0.
M. f, Sol. D. S. Augenwasser für ein Pferd mit'Mondblindheit. 8) Rp, Atropin, sulfur. 0,2. Aqu, destill, 10,0. M. f. Sol, D. S. Zu suboutanen Injoctiouün gegen MorphiumTergiftung (Pferden auf 2iniil, Hunden je eine Grammspritze),
4)nbsp; Rp. Atropin. sulfur. 0,2.
Snoo, Liquirit, et
Pulv, Rad, Liquirit, qu, s. f, Püul, Nr. X. D. S. Täglich 1—2 Pillen für einen Hund mit abnormer Spoiehel-secretion.
5)nbsp; Rp. Atropin. sulfur. 0,1.
Ghunmi arabioi et Saeeliiiri qu, s, f. Pilnl, Xr. X. D, S, Täfflioh 1 Pille für einen Hund mit Her/.scliwilolie.
Homatroplniun hydrobromienm. Bromwasserstoftsaurcs
Uomatropln.
O^H^NOg . BrH,
Pharmaceutische Chemie. Das Homatropinum hydrobromicum oder bromwasserstoffsaure Homatropin ist als Ersatzmittel des
mit' ¥1 I
(i
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#9632;rim Hyciscvaim.
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Atropins in der Augenheilkunde empfohlen worden. Es ist mit dorn Atropin (Ol7Hg8N08) nah verwandt, indem Homatropin (OjjHgiNOg) = Atropin minus OH8 aufzufassen ist. Das bromwasser-stoffsaure Homatropin, welches in Deutsobland nunmehr of'ficinell ist, l)ild('t ein weisses, geruchloses, krystallinisches Pulver, welches leicht in Wasser neutral löslieli ist. Die wässerige, mit Salz­säure angesäuerte Lösung (1 = 2(1) wird durch Gerbsäure und durch Flatincbloridlösung nicht gelallt; Jodlösung bewirkt eine braune, Kali­lauge, in geringem üeberschusse zugesetzt, eine weisse Fällung. Silbernitratlösung ruft in der wässerigen Lösung des Salzes eine gelb-liebe Fällung hervor. 0,01 g Homatropinbydrobromid, mit ä Tropfen rauchender Salpetersäure im Wasserbade in einem Porzollansebäleben eingedampft, hinterlasse einen kaum gelblich gefärbten Rückstand, welcber, erkaltet, beim Uebergiessen mit weingeistiger Kalilauge eine bald wieder verschwindende Violettfärbung annimmt.
Das Homatropin'wird dargestellt aus mandelsaurem Tropin mit
verdünnter Salzsäure. A.P. 0,01
Pfennig. J) P. 1,0 = 8 Mark.
Wirkung. Das Homatropin hat im Allgemeinen dieselbe Wir­kung wie Atropin, soll aber weniger giftig sein und die raydriatische Wirkung soll nicht so lange anhalten. Nach Arnold (Hanno­verscher Jahresbericht 1880/82) verschwindet die Homatropinmydriasis schon nach 1—2 Tagen, während die durch eine gleieb starke Atropin-lösung erzeugte Pupillenerweiterung bis zu 0 Tagen anhielt; er empfiehlt daher zu Augenspiegeluntersuohungen Homatropin, zu therapeutischen Zwecken Atropin. Hyoscin und Hyoscyamin sollen in der Mitte liegen.
Recept.
Rp. Hoinatropini hyilrobromici 0,02. Aqu. destill. 5,0. M. f. Sol. Igt;. S. Ancrenwasser.
Herba Hyoscyami. Bilsenkraut.
Stanunpflanze: Hyosoyamns niger.
Familie: Solanaeocn.
Pharmakognosie. 1) Das Bilsenkraut, Hyoscyamus niger, ist eine bekannte, auf anbebautem Lande. Kirchhöfen u. s. w. vorkom­mende (Jiftptlanze aus der Familie der Solanaceen. Die boden­ständigen Blätter sind gestielt, die Stengelblätter sitzend, den Stengel halb umfassend, buebtig gezahnt, eiförmig bis läng-
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Hyoscin.
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lieh; im getrookneten Zustande sind die Blätter stark runzelig. Die BlUthe ist triohterig, sobmutziggelb, violett geädert, fünf* lappig. Die Kapseln sind krugförmig und besitzen einen Deckel. Die Farbe des getrockneten Krautes ist graugrün; auf den trockenen Blättern tritt die Mittelrispe weisslich hervor. Der Geruch des frischen Krautes ist stark betäubend; in getrocknetem Zustande riecht und schmeckt dasselbe nur unbedeutend salzig bitter. Einsainndung: Juni und Juli. A.P. 10,0 = 10 Pfennig; 100,0 = 70 Pfennig.
Das Bilsenkraut enthält 2 Alkaloide: das Hyoscyamiu und Hyoscin. Beide Alkaloide; sind mit sich und mit dem Atropin isomer = 017H88NO8, aber nicht gleichwirkeiul.
2)nbsp; Hyosciimm liydrobroniicum, in Deutschland nunmebr officinell, wird aus dem Hyoscyamin des Handels durch Salzsäure und Gold-eidorid dargestellt („Hyoscingoldquot;). Es bildet ansehnliciie, farb­lose, rhombische Krystalle. Hundert Theile verlieren bei 100n etwa 12,: gt; Tbeile an Gewicht. In Wasser und in Weingeist löst sich das Salz leicht zu einer farblosen, blaues Lakmuspapier schwach röthenden Flüssigkeit von bitterem und zugleich kratzendem Gc-schmacke auf. in Aether und in Obloroformist Hyosoinhydrobromid nur wenig löslich. Die wässerige Lösung des Hvoscinhydrobromids (1 --- 00) wird durch Silbernitratlösung gelblich gefällt, (lurch Natron­lauge weisslioh getrübt, durch Ammoniakflüssigkeit dagegen nicht verändert. Die wichtigste Identitätsreaktion ist folgende: 0,01 g Hyoscinbydrobromid, mit 5 Tropfen rauchender Salpetersäure in einem Porzellansobälohen im Wasserbade eingedampft, hinterlässt einen kaum gelblich gefärbten llückstand, welcher, nach dem Erkalten mit wein­geistiger Kalilauge übergössen, eine violette Färbung annimmt. Durch Kochen mit Barytwasser zerfällt das Hyoscin in Tropasäure und Pseudatropin. D.P. 1,0 = 5 Mark 60 Pfennig.
3)nbsp; Das nicht offlcinelle Hyoscyamin (die im Handel vorkommenden Präparate sind meist Gemenge von Hyoscamin, Hyoscin und deren Zersetzungsproducten) wird in zwei Formen dargestellt: als amorphes und krystallisirtes Hyoscyamin. Ersteres ist flüssig, letzteres bildet seidenglänzende Krystalle. Beim Kochen mit Barytwasser spaltet sich das Hyoscyamin in Tropin und Tropasäure. Nach Ladenburg bildet Hyoscyamin keine Salze. A.P. 0,01 = 25 Pfennig. D.P. 1,0 = 2 Mark 40 Pfennm.
Extractum Hyoscyami, Bilseiikrautextract, ein wässerig-weingeistiger Auszug von grttnliohbrauner Farbe und aioker Consistenz. Früher
iiigt;
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Hyosciu.
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iniiorliuli Hunden zu 0,05 -0,2 und ilusserlich gegen ontzündliuhe Zustilnde gegeben, Ueberflüssigi A.P. 1,0 = 20 Pfennig.
Oleum Hyoscyami, Bilsenkrautöl, uns 1 Theil Bilsenkraut, ;l Theilen Weingeist und 40 Thoilon Olivenöl dargestellt, von brilunlieb-grüner IVirbe. Früher innerlich als rei/jniklerndes Mittel gegen Husten, Kolik etc. (Pferden 90—120,0; Hunden 8—16,0), sowie ilusserlich bei schmerzhaften Affeotionen angewandt, Entbehrlich. A.P. 10,0 — 15 i'i'onnig; 100,0 = 1 Mark 20 Pfennig. In Oesterreich heisst das Präparat: 01. Hyoscyami coctuin.
Wirkung und Anwendung. Das Bilsenkraut und seine Prä­parate wurden bisher als in ihrer Wirkung mit den Belladuunu-blättern übereinstimmend gegen dieselben Krankheitsprooesse angewandt, wie die Folia Heliadoiinae resp. das Atropin. In neuerer Zeit unterscheidet man jedoch genauer die .HyoscyaniinWirkung von der HvoscinWirkung.
1) Das Hyoscin stimmt nach den Untersuchungen von Robert in seiner Wirkung mit dem Atropin in vielen Stücken überein; es ist ein Mydriäticum, erregt die Herzthätigkeit in Folge Vagus-lälimung, setzt die Speichel- und Scliweisssecretion herab und lähmt in grossen Dosen die i'eristaltik. Das Rückenmark, die Respiration, das vasomotorische Centrum werden durch Hyoscin nicht heeintiusst. Das Hyoscin unterscheidet sich jedoch vom Atropin da­durch, dass es beim Menschen angeblich in allen Krankheits-rormen, welche mit Aufregungs/uständen einhergehen, schon in geringen Dosen ('.-, — 1ii mg) Schlaf erzeugt. Es wird daher namentlich als Narcotioum in der psychiatrischen Praxis anempfohlen. Auf das Gehirn gesunder Menschen soll es nur als schwaches Nar-coticum einwirken. Sodann soll die mydriatisclie Wirkung eine viel intensivere und schneller vorübergehende sein; eine D'^ooige Hyoscinlösung wirkt stärker und rascher als eine ^quot;/oige Atropin-lösung. Endlich wirkt Hyoscin auf die Gelasse erweiternd, ins­besondere auf die Nierengefässe.
Bei Thieren ist die Hyosoinwirkung im Vergleiche zum Men­schen eine wesentlich verschiedene. Während man nämlich beim Mensehen 1 mg als Maximaldosis ansehen kann, deren üebersohrei-tung Vergiftungserscheinungen hervorruft, ertragen Hunde und Katzen das 100—SOOfaohe dieser Dosis. Nach Robert blieb z. B. eine kleine Ratze nach 0,6 g Hyoscin am Leben. Sodann ist es mir in zahlreichen Versuchen (Deutsche Zeitschrift für Thier-medicin 1887) nie gelungen, bei kranken oder gesunden Thieren Fröhnsv, Avsaislmlttellehre. b. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;7
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Folia Stramonii.
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durch Hyoscin cino Hypnose zu erzeugen. Das Hyoscin ist dalier in der Thierheilkunde als Hypnoticinu niclit zu gohrauchen. Dagegen ist es als Mydriaticum und Herzexeitans in allen .Schwächezuständen des Herzens von ganz vorzüglicher Wirkung; es regt die Herzthätigkeit selir lebhaft an und steigert gleichzeitig die Pulsfrequenz und den Blutdruck, während die Innentemperatur sinkt. Sehr grosse Dosen erzeugen beim Pferde und Hunde Krämpfe. Zur Pupillenerweiterung genügt eine l00/ooige Lösung; auch zur Erzielung der herzerregenden Wirkung sind nur sehr kleine Dosen nöthig.
2) Das Hyoscyaniln soll dem Atropin an Giftigkeit nachstehen und sich von dem im Allgemeinen gleichwirkenden Atropin haupt­sächlich dadurch unterscheiden, dass es in kleinen Dosen ein gutes Hypnoticum ist, weshalb es subeutan als Schlafmittel bei Geistes­krankheiten des Menschen angewandt wurde. Bei der Unreinheit der Handelspräparate, namentlich aber wegen der häutigen Beimengung von Hyoscin, ist das Mittel jedoch nicht als hinreichend zuverlässig zu erachten.
Dosis und Form. Auch beim Bilsenkraut empfiehlt sich statt des bisher verordneten Herba Hyoscyami (Pferd und Rind 15—00,0; Hunde 0,5—4,0) ausschliesslich die Verabreichung des Hyoscins in Form des Hyoscinum hydrojodicum oder liydrobromicum. Man verschreibt diese Salze aus ser lich in 0,1—l0/oiger wässeriger Lösung als Mydriaticum, innerlich in Form der subeutanen Injection. Die innerliche Dosis des in neuerer Zeit wesentlich billiger gewordenen Hyoscins (1,0 = 0 Mark, statt wie früher 30 Mark) beträgt für Pferd und Bind 0,01. Hunde 0,005.
Recepte,
1)nbsp; Rp. Hyoscini hydrojodioi 0,01.
Aqu. destill. 10,0. M. f. Sol. 1). S, Angenwasser.
2)nbsp; Kp. Hyoscini hydrojodioi 0,02.
Aqu. destill. 10,0. M. f. 8ol. D. S. '/ju suboutanen Injectionen frcH't1quot; HerzsohwHohe (Pferden eine •r) övaramspritze, Hunden ciiiL' 1 Qrammspritze pro dosi).
Folia Stramonii. Stechapfelblätter. Die Blätter des Stechapfels, Datura Stramonium, einer auf unbebautem Lande vorkommenden Solalaquo; nacee, sind handgross, langgestielt, eiförmig zugespitzt, am Rande
Vquot; l' :
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Herba Conii.
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ljuclitig gezähnt und spitzlappig, ohne Bebaaioing, von dunkelgrüner Farbe; ihr Gesohmaok ist unangenehm bitter, etwas sal/ig, ihr Gtaruoh gohwaoh narkotisch. Zuweilen sind ihnen die sehr charakteristischen Steohapfelfrüohte beigemengt. Die Steohapftlblätter enthalten 2 Al-kaloide: Atropin und Hyoscyamin; das früher als „Daturinquot; bezeichnetlaquo;' Präparat ist nichts anderes, als eine Gemenge der beiden genannten Al-kaloide. Die Folia Stramonii komnien in ihrer Wirkung den Folia Belladonnae so /.ieralioh gleich, sie werden aus diesem Grunde, trotz­dem sie oi'licinell sind, auch selten oder nie ungewandt. Heim Menschen dienen sie als liauchmittel gegen Asthma und Krampfhusten (Cigarettes antispasrnodiques), in der Thierheilkunde sind sie überflüssig. Sie wurden früher empirisch gegen Krtlmpfe, Starrkrampf, Rheumatismus, Koller etc., sowie äusserlich gegen Augenentzündungen und zu [Cataplasmen verwandt. Dosis für Pferdei 00 g.
t Duboisinum. Duboisin. Die in Neukaledonien einheimische Solanacee Duboisia myroporoides entbiilt ein Alkaloid: Duboisin, welches nach Ladenburg mit Jlyoscyamin identisch ist. Es kommt im Handel als bräunliche, hygroskopische -Masse vor, aus welcher das Duboisinum sulfuricum dargestellt wird. Die Wirkung und Anwendung ist diesolbo wie die des Alropius und llvoscins (Schlaftnittel). A..P. 0,01 = 10 Pfennis?.
Herba Conii. Sohterllngskrant.
.Stamuipl'lanzc: Oonium maoulatum. Kami 1 ie: DmbelHferen.
Pharmakognosie. Der Landschiorling (Pleokschierling), Gouium maoulatum, ist ein einheimisches, 1 —l1^' m holies Kraut ans der Familie der ümbelliferen, welches an unbebauten Orten vor­kommt und nicht zu verwechseln ist mit dem Wasserschierling (Oicuta virosa) und Q-artenschierling (Aethusn Oynapium). Der Pleckschierling hat einen stielrunden, kahlen, am Q-runde ge­fleckten Stengel und eben solche Blattstiele. Die Blätter sind mattgrau, kahl und tief eingeschnitten. Die Dolden sind durcli eine vielblätterige Hülle unterstützt. Der Q-eschmack ist widerlich scharf und bitter. Der Geruch ist ebenfalls widerlich, an Mäuse-lirin erinnernd, und zwar tritt dieser widerliche Q-eruch namentlich nach dem Befeuchten mit Aetzalkalien (Zerreiben mit Kalkwasser) stark hervor. Dieser Q-eruoh und die Kahlheit aller Theile lassen den Schierling leicht von andern ähnlichen Pflanzen unterscheiden, A. P. 10,0=10 Pfennig.
Der Schierling enthält als wichtigsten Hestandtiieil ein ölartiges flüchtiges Alkaloid, das Couiiu von der Formel C8H17N, ausserdem Oonhydrin (C8H]7NO) und Mothylconiin. DnsOoniin, der Träger
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Coniiu.
delquot; Scliiorlingswirkung. bildet eine ölige Pltlssigkeit von betäu­bendem Greruche, welche sicli an der Luft leicht zersetzt und sich dunkler färbt. Es bildet mit Säuren Sülze, welche beständiger sind, als das Ooniin und sich dabei' für die Anwendung besser eignen; ge­wöhnlich findet das Oouiinum hydrobromicum Anwendung, welches nadelfönnige, in Wasser und Alkohol leicht lösliche ivrvstalle bildet. Das Ooniin wird aus dein Schierlingssanicn durch Behandlung mit schwefelsäurehaltigem Alkohol, Natronlauge, Oxalsäure und Aether dargestellt. A.l'. I Tropfen Ooniin = •quot;gt; Pfennig. D.P. 10,0 Coniinum hvdrobromicuin --I Mark 25 Pfennig, — Die österreichische Phanna-kopöe enthält noch ein Extraotura und Emplastrum Oonii.
Wirkung des Coniins. li Das Ooniin lähral die sensiblen Nervenendigungen der Haut und Schleimhäute, wenn es direkt mit ihnen in Berührung kommt; es erzeugt beim Menschen auf der Haut das Oefühl von Pelzigsein und ünempflndlichkeit, Unverdünnt auf Schleimhäute gebracht, ätzt Ooniin und bedingt auch noch in verdünntem Zustande anfangs Brennen. Innerlich in reinem Zustande verabreicht, erzeugt es zunächst Speichelfluss und Erbrechen.
2) Das Ooniin lähmt innerlich verabreicht zuerst die Be­wegungsnerven in den quergestreiften Muskeln, später auch die Q-ehirn- und Rtickenmarkscentren. Dabei- gehört es zu den stärksten Giften; der Tod erfolgt durch Zwerchfellslähmung (d. h. Athmungslähmung) unter Krämpfen. Die Lähmung beginnt in den peripheren Nerven mit Erschlaffung des Orbicularis und der Augen­muskeln, der Kau- und Schlingmuskeln sowie der Kehlkopfmuskeln; dazu kommt allgemeine Muskelschwäche, unsicherer Gang, Ameisen-kriochen auf der Haut, Verlust der Tastempflndliohkeit, Schwindel, Seh- und Gehörstörungen, Betäubung und zuletzt Erstickungstod unter Oyanose und Krämpfen, Die Muskelsubstanz selbst bleibt jedoch intact, reizbar. Das Herz wird von der Coniinwirkung nicht betroffen. Das Ooniin ist lediglich ein Nervengift. Hunde sind nach meinen Untersuchungen gegen Ooniin ziemlich wenig empfindlich (Todesdosis suheutan pro Kilogramm Körpergewicht = 0,05 g).
Anwendung. Das Schierlingskraut ist früher empirisch gegen eine Reihe von Kranklieitszuständcn ohne genauere Indicationsstcllung angewandt worden (Pferde 30—90 g, Schafe und Ziegen 4rgt; g, Hunde 1—4 g). Neuerdings wird statt des Krautes das Ooniinum hydrobromicum insbesondere gegen Krampfzustände (Tetanus,
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Ainygdiilixe aiiuirno.
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Stryohninvergiftling) Bowie beim Menschen gegen Keuclilnisten, Asthma, Neuralgien. Erbrechen empfohlen, loh hahe in einigen Fällen von Staiipekränipf'en beim Hunde keinen Xaehlass derselben nach snh-cutaner Injection von Coniimiin hydrobromicum (0,1 g) beobachtet; ein absolut siclici'es Sedativum ist also das Ooniin hier ebensowenig, wie das demselben in seiner Wirkung sehr öhnliohe Curare. -Die Coniinwirkung scheint vielmehr erst bei sehr hohen und daher giftigen resp, lebensgefährhohen Dosen einzutreten, weshalb sieh das Mittel für die therapeutische Anwendung wohl kaum eignen dürfte.
Recept.
K|i. Ooniini hydrobromioi 0,1- 0,2. Aqu. destill. 5,0. M. f. Sol. D. S. Zur suboutanen [njeotion für einen Hund mit Krtttnpfon.
Amygdalae amaraelaquo; Bittere Mandelnlaquo;
St anim j) fl mize,: T'rniins amvgdalns. \'ar. Hiniu'a.
Pa in i I i e: Amyffdaloen.
Pharmakognosie. Die bitteren Mandeln stammen vom Mandel­baum (Pi'uims amygdalus; früher wohl auch Amygdalus communis be­nannt), einer Abart der kultivirten, die süssen Mandeln liefernden Pflanze aus den Ländern am Mittelmeer. Die Samen sind glatt. eiförmig, etwa 2 cm lang und 11:-gt; cm breit, von einer braunen, schil-ferigen Samenhaut umgeben; ihr Q-eschmack ist stark bitter. Ausser fettem Oel enthalten die bitteren Mandeln 2 Hauptbestandtheile: 1) Das Amygdalin, ein bitteres, in Wasser leicht lösliches GHykosid, das auch in den Fruchtkernen der Kirschen, Pflaumen, Pfirsiche und Aepfel enthalten ist, und 2) das Enmlsin (Synaptase), ein eiweiss-artiges Ferment. Bei massiger Wärme (/. B. im Magen) wird das Amygdalin durch das Emulsin zerlegt/u Blausäwe, Bittermandelöl und Zucker nach der Formel:
r!;,()H27NOn SHjO = CNH -f (J,H.-.0
2(OÄ208)
Zuckur.
Amygdalinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Blausäure Bittermandelöl
Die Blausäure ist demnach in den bitteren Mandeln nicht als solche, sondern nur indirekt als Bestandtheil des Amvgdalins ent­halten, und wird aus letzterem nur unter bestimmten Bedingungen frei gemacht.
Das Aqua Amygdalanmi amararum, Bittermandelwasser, ist
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Bittermaudol wasser.
das gewöhnliche Bitteruandel- resp. Blaustturepräparat, welches thera-peutisoh vei'woi'thct wird und auch offloinell ist. Es enthält lon/no
Blausäure, welche ZU einem kleinen Tiieiic IVei, in der Hauptsache
jedoch an Bittermandelöl (Benzaldehyd) gehunden ist = Benzal-dehydcyanhydrin von der Formel OjHg, OOH.ONH; concen-trirtere Lösungen wind für die klinische Anwendung zu gefährlich. Das Bittermandelwasser ist eine klare oder nur wenig getrübte, farb­lose Flüssigkeit von angenehmem, charakteristischem Gerüche und der specitischen Blausäurereaktion (Bildung von Berliner Blau heim Versetzen mit Kalilauge, Eisenvitriol, Eisenohlorid und Salz­säure). Das früher als Blausäurepräparat vorgeschriebene und in Oesterreich noch offlcinelle Aqua Laurpcerasi, Kirschlorbeerwasser, welches aus den Blättern von Prunus Laurocerasus gewonnen wurde, ist in Deutschland nicht mehr ofticinell; es hatte denselben Blau-säuregehalt wie das Bitterraandelwasser, welch letzteres in Deutsch­land vom Apotheker dispensirt werden darf, wenn Kirschlorheerwasser verordnet wird. A.l*. 10,0 = 15 Pfennig.
•laquo;
Darstellung des Bittermaudelwassers. 12 Theilo bittere Mandeln werden zerstossen, durch Pressen vom fetten Oole befreit, fein gepulvert und in einer Destillirbluse mit 20 Theilen Wasser versetzt. Hieven werden, am besten mittelst Dampfdestillation, 9 Tboile abdestillirt in eine Vor­lage, welche 8 Tboile Weingeist erhält. Nach der Prüfung auf den Gebalt an Blausäure wird das Destillat, mit einem Gemenge von 1 Theil Wein­geist und 3 Theilen Wasser so weit verdünnt, dass in 1000 Theilen 1 Theil Blausäure enthalten ist. — Die österreichische Pharmakopöe schreibt neben dem mit dem deutschen Präparate überoinstiminonden 1 quot;quot;i'noigen Aqua Amy gd alarum amararum con centrat a noch ein zweites, zwanzigmal schwächeres Präparat vor, nämlich Aqua Amygdalarum amararum diluta.
Prüfung des Bittermandolwassers auf seinen Blausäuregehalt. Der Blausäuregehalt des Bittermandelwassers kann sowohl auf massana-lytiscliem (Titriren) als gewichtsanalytischem Woge bestimmt werden.
1)nbsp; nbsp;Massanalytisch wird der Blausäuregehalt nach der Vorschrift der deutschen Pharmakopöe l'olgendermassen bestimmt:
10 cem Bittermandolwasser mit 90 cem Wasser verdünnt, versetze man mit 'r) Tropfen Kalilauge und mit einer Spur Natriumohlorid und füge unter fortwährendem Umrühren so lange Zehntel-Normalsilberlösung hinzu, bis eine bleibende weisslicho Trübung eingetreten ist. Es müssen minde­stens 1,8 cem Zehntel-Normalsilberlösung erforderlich sein.
2)nbsp; nbsp;G e wichtsanalytische Bestimmung der Blausäure. 20 g Bittermandelwasser werden mit etwas Aet/.ammoniak versetzt, darauf mit Salpetersäure übersäuert und mit Silbernitratlösung völlig ausgefüllt. Den Niederschlag sammelt man auf zwei gleichschweren, in einander gestockten Filtorchen, die man darauf bei 100deg; trocknet. Das nunmehrige Uober-gewiclit des inneren Piltcrchens stellt die Menge des gebildeten Cyansilbers
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Blausiiiire.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 103
#9632;dar; ein Fünftel desselben bildet die Men^e der Blansiiure. Bei normalem Gehalte muss man 0,1 Cyansilber = 0,02 Blausäure aus 20 g Bittermandel-wasser erhalten.
Aufbewahrung des Bittermandelwassers. Bas Bittermandehvasser nmss vorsichtig und vor Licht geschützt in ganz gefüllten, wohlverschlossenen Qetassen aufbewahrt worden, da sich die Blausäure allmählich in amoisen-saures Ammonium /.ersetzt. Nach längerer Aufbewahrung nimmt daher der Blausäuregehalt des Präparates immer ab, so class gowöhnlich nicht ganz 1 on(oo Blausäure darin nachgewiesen werden kann. Es bilden sich nämlich aus dem Benzaldohydcyanhydrin Ammoniak, Cyanammonium, ameisensaures Ammonium, Bon/.liydramid und Benzoin als Zerset/.ungsproducte.
Wirkung der Blausäure. 1) Die Blausäure wirkt in concen-trirter Lösung und bei lokaler Application anästhesircml auf die peripheren Nerven der Haut und Schleimhäute; in verdiinnten Lösungen setzt sie die Empfindlichkeit der Schleimhäute herab.
2) Innerlich erzeugt sie in giftigen Dosen zuerst eine Erregung und dann eine Lähmung des Athmungscentrums; die Athmung wird zunächst krampfhaft angestrengt und dann bei tödtlicbea Gaben ganz gelähmt (Erstickungstod).
8) Gleicbzeitig erfahren die motorischen Krampfcentren im Gehirn eine starke Erregung, welche sich beim Warmblüter in starrkrampfäbnlichen Krampfanfällen der gesammten Körpermusku­latur äussert.
4)nbsp; Das vasomotorische Centrum in der Medulla oblongata wird anfangs erregt (Steigen des Blutdrucks; Verminderung der Pulsfrequenz), später gelähmt (starkesSinken des Blutdrucks). Charak­teristisch für die Blausäurevergiftung ist liiebei die bellrothe, ar­terielle Farbe des Venenblutes.
5)nbsp; nbsp;Das Grossbirn wird durch Blausäure gelähmt und in Narkose versetzt.
6)nbsp; Die Körpertemperatur sinkt schon nach kleinen, niedi-camentellen Blausäuregaben, wahrscheinlich in Folge einer Herab­setzung der inneren Gewebsathmung, indem die Gewebszellen die Fähigkeit verlieren, den Sauerstoff zu binden; sog. „innere Er­stickungquot; trotz Gegenwart von sehr viel Sauerstott'. Man nimmt an, dass unter der Einwirkung der Blausäure der Sauerstoff fester an die rothen Blutkörperchen gebunden und die Abgabe desselben vermindert wird. Die rothen Blutkörperchen erscheinen nämlich nach An­wendung der Blausäure beträchtlich vergrössert (grösserer Saucr-stott'gebalt, der nicht abgegeben wird); man führt hierauf auch die
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Hlaiisünro.
hellrothe Farbe des Venenblutes zurtioki Es ist fei'ner gleichzeitig mit dem Absinken der Körpertemperiitur mucIi die Kohlensiiurciuis-scheidang durch die Lunge vermindert gefunden worden (Verminde­rung des Stott'weclisels). Endlich hat blausäurehaltiges Blut die Fähig­keit verloren, Gunyak zu bläuen, d. h. den hiezu nöthigen Sauerstoff abzugeben. — Mit dem Blutfarbstoff verbindet sieh die Blausäure zu einer besonderen Hiinioglobinform, dem blausauren Hämoglobin. Diese Cyanwasserstoff-Hämoglobinverbindung wurde früher uls die eigentliche Vermittlerin der giftigen Blausäure Wirkung betrachtet; sie scheint jedoch nach neueren Untersuchungen damit nichts zu thun zu haben,
7)nbsp; Als letztes und widerstandsfähigstes von allen ivörperorgamn wird das Herz gelähmt,
8)nbsp; Die Blausäure ist endlich ein starkes Antisepticum. In einer Verdiinnung von 1 : 400,000 hemmt sie die Entwicklung der Milzbrandbacillen und tödtet dieselben bei 1 : 8000. Die Buttersäure-und Alkoholgährung verhindert sie bei 1 : 10,000. Auch die weissen Blutkörperchen verlieren unter Einwirkung der Blausäure ihre Con-traktilität. Ziemlich uneniptindlich sind dagegen die physiologischen Körperfermente: Ptyalin, Pepsin etc.
I
Toxikologie der Blausäure. Die Giftigkeit, der' Blausäure ist eine aussei-ordentliche. 0,05 g der reinen, wasserfreien Blausäure (= 1 Tropfen) tödten einen grossen Hund; 0,5—1,0 g (12 bis 20 Tropfen) ein Pferd. Die tödtliche Dosis des officinellen Bitter-mandelwassers berechnet sieh darnach für den Hund im Mittel auf etwa 50 g, für das Pferd auf 500—1000 g. Die tödtliche Dosis des Cyankaliums für den Hund beträgt 0,25—0,5 g: für das Pferd 4—8,0 g. Kleinere Thiere, wie Vögel, Meerschweinchen etc. sterben schon nach Verabreichung unwäg­barer Mengen chemisch reiner Blausäure (0,1 mg). Die Aufnahme der Blausäure erfolgt auch durch die unverletzte Haut und durch die A t h m u n g s 1 u ft.
Die Erscheinungen der Blausäurevergiftung sind etwas verschieden je nach der aufgenommenen Menge. Grosse Dosen haben oft einen blitz­ähnlich schnellen, schlagartigen, apoplectiformen Tod zur Folge: die Thiere stürzen unter einem lauten Schrei resp. Geheul zusammen und verenden unter zunehmender Athmungsbeschwerde, Erbrechen und teianisclien Kräm­pfen innerhalb weniger Minuten. Bei mittleren Dosen lassen sich drei Stadien der Blausäure Vergiftung unterscheiden:
1)nbsp; nbsp;Ein dyspnoisches Stadium, beginnend mit Schwindel, Taumeln, Erbrechen; die Athmung wird sehr beschleunigt und angestrengt, bei Pfer­den stöhnend und röchelnd; die Thiere sind sehr unruhig und ängstlich; die sichtbaren Schleimhäute sind hellroth gefärbt.
2)nbsp; Ein convnlsives Stadium, in welchem die Thiere zusammen­stürzen und in starrkrampfähnliche (Orthotonus, Opisthotonus. Trismus) Krämpfe und ppileptifonne Zuckungen verfallen; dabei findet unwillkür-
i^ff
L
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Blausäure
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liehe Koth- mul Hnrnontleftrung statt: die Athmung wird allmählich langsamer.
• !) Ein iisphyk tisch es Stadium mit schliesslichcm Aufhören der Athmungfibewegungen, starkem Sinkcüi der Temperatur, Verlangsamung des Herzsohlasres, Anästhesie, Oyasose, Coma und Tod.
Anwendung. Die Blausäure ist früher in der Thierheilkunde viel häufiger angewandt worden, als dies heutzutage gesc]ii(;lit; man gab sie innerlich bei Krämpfen aller Art; Starrkrampf, Epilepsie, Eklampsie, CJteruskrämpfen, Kolik, gegen Erbrechen, als Narootioum bei allen Erregungszuständen des Q-ehirns, bei Dampf, als Fieber­mittel (Lustig) etc., sowie äusscrlieb gegen Hautjucken und Flechten, (iegenwiirtig wird die Blausäure in Form des Bittermandelwassers eigentlich nur noch nach zwei liichtuugen angewandt:
1)nbsp; als Sedativuni für die sensiblen Nerven der Ivehlkopf-sohleimhaut, also als Hustenmittel und zwar gewöhnlich in Ver­bindung mit Morphium. Namentlich bei der sehr hartnäckigen chro­nischen Laryngitis älterer Hunde ist die Blausäure ein sehr geschätztes l'alliativum. d elk mann bat ferner neuerdings sehr gün­stige Resultate nach der intralarvngealen Injection einer Lösung von Morphium in Bittermandelwasser bei Laryngo-Pharyngitis der Pferde beobachtet.
2)nbsp; nbsp;Die Blausäure kann ausserdem auch als Antipyretioum gegeben werden, da sie die Temperatur zwar langsam, aber sicher und erheblich herabsetzt. In einzelnen Fällen konnte ich selbst be­obachten, dass die Blausäure das Antipyrin an antipyretischer Wir­kung übertraf (Berliner Archiv 1886). Die fieberwidrige Wirkung ist wahrscheinlich auf die Herabsetzung des Stoffwechsels zurückzuführen.
Nicht offleinelle Blausäurepräparate. Da das offieinelle 100|o0'ge Blausäurepräparat, das Bittermandelwasser, wegen der darin auftretenden Zersetzungen einen sehr interessanten Blausäuregehalt aufweist, der den vorgeschriebenen (= 1 00/oo) meist nicht erreicht, hat man andere Blau-Säurepräparate zur Anwendung vorgeschlagen. Die früher offieinelle 2 quot;joige Blausäure, Acidum oyanioum, A. borussicum (Dosis für das Pferd 0,5, für den Hund 1—2 Tropfen), hat sich in dieser Concentration als für den praktischen Gebrauch zu giftig und ebenfalls als leicht zersetzlich erwiesen. Auch das Cyankalium, welches gegenwärtig neben der genannten 20(oigen Blausäure das gebräuchlichste Präparat zum Vergiften der Hunde und Katzen ist, zeigt keine grosso Beständigkeit, indem es sich an der Luft sehr bald zum Theil in Kaliumcarbonat zersetzt; eine genaue Dosirung ist daher auch hier unmöglich (die gewöhnliche arznoiliche Dosis des Cyankaliums beträgt für Pferde und Rinder 0,5—1,0 g, für Schafe, Ziegen und Schweine 0,05--0,2, für Hunde 0,02-0,05, für Katzen 0,01—0,025). Aus diesem Grunde ist das Chloralcyanhydrat, eine Verbindung von Chloral und Blau­säure, als ein constantes und leicht dosirbares Blausäurepräparat an Stelle
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Ohlorofornii
i1.
des Hittenuaiulelwassers onipfohlen worden. Das ühloralcyanhydrat hat die Forme] OOI3.OOH.ONH und stellt ein krystallinisches, in Wasser leichtlös­liches Pulver dar. Eine Lösung von 0,00 Ohloraicyanhydrat in 10,0 Wasser würde der Concentration des Bittorniandelwassers entsprechen. Ich habe das Chloralcyanhydrat toxikologisch und klinisch in Form der subcutanon Injection untersucht. Die Gil'tWirkung ist eine reine lilausäurewirkuny, der Chloralconiponont kommt bei der anzuwendenden geringen Dosis nicht in Jietracht; die tödtliche Dosis des Chloralcyanhydrats beträgt für mittel-grosse Hunde 0,5 g bei subcutaner Injection (0,1 Chloralcyanhydrat ent­spricht 0,04 Cyankalium — 0,015 reiner Blausäure = 15,0 Aqua Atnyg-dalar. amar.). Als A n tipyreticum habe ich Dosen von 0,02 Chloral­cyanhydrat für kleine und 0,1 für grosse Hunde angewandt; die Wirkung war eine zufriedenstellende. Das Mittel wurde in 100/oiger wässeriger Lösung ('.•, —1 ccm) ohne jede örtliche Keaktion subcntan injicirt. Diese Lösung zeigte sich noch nach einem Jahre gleich wirksam: ich kann daher auch meinerseits das Chloralcyanhydrat als Ersatz des Bittermandelwassers empfehlen.
Dosis des Bittermandelwassers.
Pferd und Rind 50,0. Schafe und Ziegen 10,0. Schweine 2—5,0. Hunde 0,5—3,0. Katzen 0,25—1,0.
U i1
#9632;
m
Recepto.
1)nbsp; Ep, Aqu. Araygdal. amar. 20,0.
Morphin, muriat. 0,2. Aqu. destill. 300,0. M. f. So). D. in vitro nigro S. Täglich 2—Binal einen Esslöfl'cl (Thoc-loflel) für einen Hand mit ohronisoher Laryngitis.
2)nbsp; Rp. Aqu. Amygdal. amar.
Aqu. Cinnamomi ää 25,0. M. f. Sol. D. S. Täglich :jinal 20 Tropfen für einen kleinen Hund mit Erampfhusten.
Chloroformium. Chloroform.
CHCl;,.
Pharmaceutische Chemie. Bas Chloroform (Formyleldorid, Trichlormethan) ist cliemissch aufzufassen als ein gechlorter Koh­len Wasserstoff, nämlich als Methan, CH,, in welchem 3 H durch 3 Cl ersetzt sind. Es bildet eine klare, farblose, flüchtige Flüssigkeit von eigcnthümlichom Gerüche und süsslichem Geschmacke, von einem spoeifischen Gewichte = 1,485—1,480. In
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Chlorolbriii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1()7
Wasser ist es nahezu unlöslich; dagegen IM es sieh leicht in Alkohol, Aether, ätherischen und fetten Oelen. Der Siedepunkt liegt bei 01quot; 0. Wegen der leichten Zersetzlichkeit nuiBS das Chloroform im Dunkeln aufbewahrt werden; auch gestattet das von der Pharma-
kopöe vorgeschriebene speeitisehe Gewicht einen Zusatz von 1 0/o Alkohol zum reinen Ohlorofom, welcher die Zersetzung verhindert. Wird Chloroform mit alkoholischer Kalilauge unter Zu­satz von Anilinsulfat erwärmt, su entstellt ein sehr widerlicher Geruch nach 1 soevanbenzol = C(.H.CN (Identitätsreaktion). Diese sehr wichtige Reaktion des Chloroforms, welche auch zum Nach­weise desselben in gerichtlichen Fällen dient, verläuft nach der Formel: CHCL -[- OaHgNHg f 3 KHO = C0H6CN -f 3 KOI 3H2().
Darstellung. 1) Aus sein- verdünntem Weingeist und Chlor­kalk durch Destillation bei 66deg; 0. (Methode Soubeiran), Aus dem Wein-geiste (OH3.OH0OH) entsteht /uniiehst Aldehyd (0H8.0OH), aus diesem Chloral (OOlj.OOH) und daraus Chloroform (0H01L).
-) Aus dem Chlor a Uiy drat durch Zersetzung mittelst Aetzkalium (Ohloralohloroformi englisches Chloroform; Methode Liebig).
Chloroformium medicinale Pictet. Das gewöhnliche Chloroform ent­hält gewisse schwer abzuscheidende Veruni'einigungen, wodurch es im Sonnen­lichte rasch zersetzt wird. Auf diese Beimengungen wird auch ein Theil der beim Clilorofornnron beobachteten Vergiftungen zurückgeführt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, hat Pictet versucht, das Chloroform durch Ausfrierealasson bei - 7Uquot; und unter — 100quot; C. von den flüssig bleibenden verunreinigenden Antheilen zu trennen. Das so gereinigte Chloro­form bildet eine klare, sehr haltbare Flüssigkeit vom spec. Gew. 1,51, welche nach E. du Bois-Eeymond bei der praktischen Verwendung grosse Vor­züge . vor dem gewöhnlichen Chloroform bieten soll. Soweit sich bis jetzt übersehen liisst, kommen Erbrechen, Excitation und sonstige üble Neben­erscheinungen bei den durch Chloroform Pictet erzielten Narkosen seltener vor, während die Anästhesie sehr bald bei noch vorhandenen Reflexen ein­zutreten und nach dem Aussetzen der Inhalationen noch lauge bestehen zu bleiben pflegt. Versuche, welche mit den abgescliiedenen unreinen Sub­stanzen bei Thieren vorgenommen warden, ergaben eine hochgradige Giftig­keit derselben.
Prüfung, Eine Beimengung des stark giftigen Aethylidenchlorids
(CjHjCl^), des aus den Fuselölen im Alkohol entstellenden Amylchlorids (CjHnCy oder des Methylenchlorids (Cli^Ch) wird daran erkannt, dass sich Chloroform beim Schütteln mit Schwefelsäure jfolb oder bräunlich färbt. Phosgen gas (OOOlj), welches sich aus dem Chloroform bei der Auf­bewahrung an der Luft und am Lichte bildet, wird an seinem scharfen, erstickenden, zum Husten reizenden Gerüche erkannt, der beim Schütteln des Chloroforms mit Wasser verschwindet. Mit Chloroform geschütteltes Wasser soll forner blaues Lakmuspapier nicht röthen und bei vorsichtigem Aufschichten von Silbernitratlösung keine weisse Trübung zeigen (freie Salzsäure). Endlich dürfen Chloroformtropfen, welche mit dodzinkstärke-
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Chloroform.
lösunj,' gesoliüttelt werden, sich nicht färben (freies Chlor). A.!'. 10 =
Wirkung des Chloroforms. Das Chloroform ist ein sehr starkes Nerven- und Muskelgift mit ausgesprochen lähmender Wirkung, ausserdem ein Blutgift, Die einzelnen Organe werden folgenderlaquo; maason heeiullusst:
1) Das Gehirn wird durch Ohloroform zuerst erregt in Folge Lähmung cerebraler Hemmungsoentren (Excitationsstadiura); die Thiere werden sehr aufgeregt, Hunde hellen, Pferde wiehern. Die Erregung geht sodann über in eine Lähmung, namentlich der grauen Grosshirnsubstanz, von welcher hauptsächlich die sensiblen Apparate betroffen werden, und welche sich als Empfindungslosigkeit und Bewusstlosigkeit kundgibt; erst in zweiter Linie findet dann auch eine Lähmung der reflexvermittelnden Centra statt (Depressions­stadium), Auf der Höhe der Narkose tritt eine Erschlaffung aller Körpermuskeln mit Schlaffwerden namentlich der Extremi­täten ein. Die Cornea ist für Reflexreize unempfindlich geworden. Sehr spät erst wird auch das Respirationscentrum gelähmt. Die Pupillen sind während der Narkose verengt und reaktionslos. Die Dauer der Narkose ist bei den verschiedenen Thiergattungen und je nach dem Individuum eine verschiedene; sie ist jedoch bei den Thieren niemals eine so intensive wie heim Menschen. Die Chloro­formnarkose muss auf eine direkte Beeinflussung der centralen Ganglien­zellen durch das Ohloroform aufgefasst werden (Freiwerden von Chlor im Gehirn?), Lässt man auf frische Gehirnsubstanz Chloro­form einwirken, so bemerkt man durch das Mikroskop, dass die Ganglienzellen dunkler werden.
2) Die lähmende Wirkung des Chloroform;-
aul
die gesamrate
Muskulatur äussert sich vor Allem in einer Schwächung und schliesslichen Lähmung des Herzmuskels. Damit hängt auch zusammen, dass Pulsfrequenz und Blutdruck ebenfalls während der Ohloroformnarkose eine Depression zeigen, desgleichen die Innentemperatur, welche oft um mehrere Grade sinkt. Anhaltendes Chloroformiren oder giftige Ohloroforramengen führen zu fettiger Entartung des Herzens, desgleichen der Skeletmuskulatur und der Gefiisse, sowie der Leber und Nieren.
Eigenthümlich hiebei ist der Umstand, dass das Chloroform zu­weilen nach vorübergegangener Narkose noch nachträglich eine tödtliche Nachwirkung auszuüben im Stande ist. Ostortag hat hierüber im Anschlüsse an die Untersuchungen von Ungar und
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*nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohlorofom.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 10lgt;
Strassmann sehr interessante Versuche an Thieren angestellt. Has Resultat derselben ist folgendes: Das Chloroform ist, per inhalationeni angewandt, im Stande bei längerer Anwendung nachträglich zum Tode zu führen. Bei dieser tödtlichen Nachwirkung treten aber gelaquo; wisse unterschiede hinsichtlich der untersuchten Thierarton (Taubon, Halten, Kaninchen, Meerschweinchen, Katzen und Hunde) hervor, Sehr empfänglich für die tödthehe Nachwirkung zeigen sich Katzen und Hunde. Innerhalb der Thierart fällt es auf, class bei einzelnen Individuen nachträglicher Tod schon nach kurzer (z. B. 2stiiiuliger) Narkose ohne andere nachweisbare Ursache eintritt, während andere eine bedeutend länger fortgesetzte Ohloroformirung ohne grössereu Nachtheil ertragen. Es ist mithin eine individuelle Prädisposition für die schädigende Nachwirkung des Chloroforms anzunehmen, Die Nachwirkung des Chloroforms besteht in der Erzeugung von Ver­fettungen in den verschiedensten Organen, hauptsächlich aber einer Fettmetamorphose der Herz- und Skeletmuskulatur und einer seeundären Fettintiltratioii der Leber. Die Fettmetamorphose resultirt aus einer Einwirkung des Chloroforms auf das .Blut (Auflösung der rothen Blutkörperchen) und auf die Gewebszellen seihst (Ertödtung). Der nachträgliche Tod nach Chloroformverwendung erfolgt durch Lähmung des Herzens. Die Herzlähmung seihst wird herbeigeführt durch eine bisweilen nur wenig in die Augen tretende anatomische Schädigung des Myocardium und eine gleichzeitig sich geltend machende allmähliche Suffocation (Oligocythämie und mangelhafte Respiration in Folge Verfettung der Athmungsmuskeln).
3) Bringt man Blut und Chloroform ausserhalb des Körpers zusammen, su beobachtet man eine Auflösung der rothon Blutkörper­chen mit Freiwerden dos Hämoglobins (Hämoglobinämie). Der­selbe Zerfall der rothen Blutkörperchen tritt innerhall) des Thierkörpors nach subeutanen Injeotionen von Chloroform ein; es bildet sich Hämogloh intirie und Hili ruhinurie (Nothnagel, Ostertag). Bilirubinurie, d, h. Ausscheidung von Gallefarbstoffen durch den Harn tritt auch im Anschlüsse an mehrstündiges Chloi'O-formiren bei Hunden als Folge der zerstörenden Einwirkung des Chloroforms auf die rothen Blutkörperchen auf (Ostertag).
#9632;1) Das Chloroform besitzt stark antiseptische Wirkungen. So lassen sich durch Ohloroformwasser anatomische Präparate, Harn. Exsudate, Arzneilüsungen, ja seihst der Darmkanal conserviren resp. desinfloireu (Salkowski), Ausserdem ist Chloroform ein starkes Anthelmiuthicum für Bandwürmer,
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Cliloroforni.
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5) Direkt auf die Haut oder auf Sobleimhttute gobmoht wirkt Ohloroform reizend; auf der Haut ent8t.eht, wenn die Verraquo; dunstung gehemmt ist, Bronnen, Röthung, Quaddel- und IMiisclion-bildung, zuletzt Excoriation. Aehnliohe Veränderungen beobachtet man auf Sohleimhäuten. Gelangt Ohloroform in grössei'er Menge In den Magen, so sind Appetitstörungen, Erbrechen, Eolikerscheilaquo; nungen sowie gastro-enteritische Symptome die Folge, Verdunstet Chloroform avtf der Haut, so entsteht zunftohst ein Kältegefühl und dann Anästhesie,
Die Aufnahme des Chloroforms erfolgt schon, wie bei allen gasförmigen Körpern, von der unversehrten Haut; noch leichter als von den Schleimhäuten wird es sodann von der Lunge aufgenommen. Ueber die Schicksale im Körper und die Ausscheidungsverhältnisso gehen die Angaben aus einander; möglicherweise zersetzt es sicli im Blute zu Salzsäure oder Ameisensäure und wird im Harn als Chlorid ((/hlornatrium, (/hlorkalium) ausgeschieden,
Wirkung-des Chloroforms bei den einzelnen Hausthieren. Im All­gemeinen ist die Wirkung des Ohloroforras bei den einzelnen ITaustliieren dieselbe. Im Verhältnisse zum Menschen erfolgt die Narkose bei stimmt-liehen Hausthieren jedoch langsamer, Am rasohesten tritt sie bei Katzen, Hindern und heim Hunde, am langsamsten beim Pferde ein. Die ersten Erscheinungen nach dem Einatbmen des Chloroforms bestehen in heftiger Unruhe, Versuchen sich los /.n machen, bis mv Wildheit und Beisssttoht gesteigerter Aufregung, sowie allseitig gesteigerter Muskeltbtltigkeit, in h'olge deren Puls, Blutdruck und Temperatur steigen. Dabei speicheln die Thiere stark; die Pupille ist erweitert. Der Debergang dieses Excitationsstadiums in das Depressionsstadium kündigt sieh durch Ruhigerwerden und eigenthümliohe Laute an: Pferde wiehern, Hunde hellen oder heulen traumhaft, Katzen stossen eigenthümliche, langgezogene Laute aus (llallucinationen). Blutdruck und Puls sinken, die (leiasso sind erweitert, die Pupille beginnt sieh zu verengern, zuweilen findet unwill­kürlicher Abgang von Koth und Harn statt. Das ausgesprochene De­pressionsstadium, welches heim Pferd nach durchschnittlich 5 10 Minuten eintritt, ilussert sich in Soinnolen/,, Schlaf, Bewusstlosigkeit, Aufhören der Reflexe (UneinpKndlichkeit der Cornea gegen Berührung, der Haut gegen Nadelstiche), sowie vollständiger Empfindungslosigkeit und Erschlaffung aller Muskeln. Der Puls ist dabei schwächer geworden, die Temperatur um circa 1quot; gesunken; die Pupille ist stark verengert. 5 10 .Minuten nach dem Einathmen der letzten Chlorolbrinmenge beginnt wieder das Be-wusstsein: die Thiere sind noch halb betäubt, versuchen aufzustehen, taumeln und erlangen allmählich nach 10 20 Minuten die volle Bewegquot; lichkeit wieder.
Die tödtliche Dosis des Chloroforms bei den einzelnen Hausthieren ist sehr verschieden. Nach Ost er tag ertragen Hunde grosso Ohloroform-mengen; so wurden z. B. bei einem mittelgrossea Schäferhund zu einer zwei­stündigen Narkose 8 Tage lang je 200 g Chloroform verbraucht, ohne dass ein tödtlicher Ausgang eingetreten wäre. Auch Katzen ertragen nach
it:
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Chloroform.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;11 [
neueren Untersuchungen von Kappler relativ viel Clilorofbrni. Die in einem Sacke durch einen darin befindlichen (Jhlorofbrmschwamm betäubten Thiere starben erst nach einem weiteren Verbrauche von 100—300 g Chloro­form und nach vorausgegangener '/i—:'(islündiger Chloroformirung. Oster-tag hat bei seinen Versuchen gefunden, dass Kat/.en zwar ein sehr starkes und langandauerndes Excitationsstadium /.eigen, dass aber nachher eine tiefe Narkose leicht herbeizuführen und lange zu unterhalten ist. Nach Ouinard ist im Widerspruche hie/.u die Katze gegen die Chloroformnarkose un­gemein empfindlich und ein tödtlicher Ausgang ist häufig; (1. empfiehlt daher 15 Minuten vor der Chloroformirung eine Morphiumeinspritzung. Das Chloroformiren wird nach (1. bei Katzen am besten in der Weise vor­genommen, dass man die Katze und das Chloroform unter eine Glasglocke bringt und letzteres verdunsten liisst; bei den ersten Zeichen von Schwäche ist das Thier heraus zu nehmen, [n vereinzelten Fällen tritt bei Thieren, insbesondere bei kleinen, verzärtelten oder älteren Hunden schon nach minimalen Chloroformmengen Collaps mit tödtlichem Ausgange ein. — Bei der subeutanen Injection führen schon sehr kleine Mengen, z.B. bei Katzen 5—10 g, bei Hunden 10—80 g den Tod unter den Erscheinungen der Hämoglobinämie herbei. Hei Rindern, welchen innerlich 50 75 g Chloroform eingegeben wurden, beobachtete ich Schütteln des Kopfes, leichte Aufregung und Schreckhaftigkeit, Hustenreiz, sowie 5 10 Minuten nach dem Eingeben Schwanken in der Hinterhand und selbst Zusammen­brechen im Kreuze. Dabei war das Sensor ium nicht oder nur wenig benommen. Die Dauer dieser Wirkung betrug etwa '/j Stunde. Nach den Versuchen war eine 12 —24stüiidige Appetitvermiuderung zu con-statiren. Nach den Untersuchungen von Nigotin ist das Chloroformiren sehr gefährlich für Schafe und Ziegen, weil es Bronchopneumonie erzeugt; auch für Hunde, Katzen und die übrigen Wiederkäuer ist es gefährlich, indem es bei letzteren Blähung und Athemnoth erzeugt. Bei Hühnern ist es nach N. anwendbar, soll aber zuweilen Pneumonie verursachen. Dagegen ist es für Pferde und Schweine sehr brauchbar,
Anwendung. I) Das Chloroform ist eines der wichtigsten und das am häufigsten benutzte Narcotioum zur Herboiftihrtmg einer zu Operationen geeigneten vollen Inhalationsnarkose. Während es heim Menschen jedoch fast iiusscliliesslicli zu diesem Zwecke an­gewendet wird, eignen sich von den Hsuisthieren in der Hauptsache nur Pferde und Hinder zur Chloroformnarkose. Hunde und Katzen lassen sich zwar ebenfalls sehr leicht ohloroformiren. Es ist jedoch wegen der Häufigkeit der Herzfehler bei ersteren das Morpliimii vor­zuziehen; Katzen können ferner während des Chloroforrairens durch zu festes Halten an Erstickung sterben. Die Chloroformnarkose em­pfiehlt sich für alle schmerzhaften Operationen am Pferde, insbesondere für schwerere Hufoperationen, schmerzhafte Operationen an den Extremi­täten, Herniotomien, Augen- und Kehlkopfoperationen. Im Interesse der Sicherheit bei Ausführung dieser Operationen sowohl, als auch vom rein humanen Standpunkl aus betrachtet, muss die Nothwendig-
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Obloroform.
keit einer allgemeinen Anwendung des Ohlorofonns als Betäubungs­mittel für Pferde naohdi'Uoklioh hervorgehoben werden.
2)nbsp; Das Ohloroform ist ferner ein kraui])t'stilleiules Mittel (Antispusniodieuin) bei allen tetuniselien und anderen Krampf zuständen. Gegen die Eklampsie der säugenden Hündinnen kann es geradezu als ein Speeirteum angesehen werden, welches sowohl in Form der Inhalation, als aneh bei innerlicher Verabreichung wie das Morphium sehr häutig von direkt lehensrettender Bedeutung ist. Ausserdem wird es hei Starrkrampf. Strvehninvergiftung, starkem Drängen nach Uterus- und Mastdarmvorfällen, Krampfkoliken, abnormem Erbrechen u. s. w. angewandt.
3)nbsp; Innerlich (per os) wird das Chloroform neuerdings als Band­wurmmittel in Verbindung mit einem Laxans und zwar Hunden grammweise, Pferden und Kindern zu 20—50 g in Verbindung mit Bicinusöl gegeben.
4)nbsp; nbsp;Aeusserlioh verwendet man Chloroform in Verbindung mit Fett und öligen Mitteln als schmerzstillendes Liniment bei schmerz­haften Anschwellungen,, Rheumatismen und Entzündungen, so z. 15. bei Orchitis; ausserdem in der Form des Ohloroformwassers als Auti-septieum und (Jonservans.
5)nbsp; nbsp;Pharmaoeutiscb wird das Chloroform endlich angewandt zum Auflösen von Alkaloiden, Jod, Schwefel, Phosphor. Fetten, Harzen. Paraffin, Kautschuk, Guttapercha (Traumaticin) etc,
Regeln beim Chloroformiren. 1) Die Anwendung des Chloroforms ist überhaupt zu vermeiden bei allen sehr sobwäohliohen, anämi-sclien, sehr fetten und herzkranken Thieren, bei welchen das Chloro­form leicht eine acute Herzverfettung und llerzlähinung erzeugt. Es gilt dies namentlich für Hunde; Pferde sind viel widerstandsfähiger. Ausser­dem ist bei Sehlachttbieron kurz vor einer eventuellen Nothschhichtung das Chloroformiren wegen des in das Fleisch übergehenden Geruches zu vermeiden. quot;J) Beim Chloroformiren der Pferde muss neben der mit Chloroform gemischten Luft des einen Nasenloches minde­stens die Hälfte frischer Luft durch das andere freie Nasenloch mit eingeathmet werden. Man lässt daher gewöhnlieh beim Pferde das Chloroform nur durch ein Nasenloch einathmen, indem man einen mit Chloroform getränkten Schwamm vor oder in dasselbe bringt; das andere Nasenloch bleibt für den Zutritt frischer Luft frei. Lässt man das Chloro­form durch beide Nasenöifnungen einathmen, so soll der Gesammtgehalt der eingeathmeten Luft an Chloroform 3'/s —4'/aquot;/o nicht über­steigen. :i) Während des Chloroformirens muss jedes Athmuugshinder-niss entfernt wer den (Kehlgangsriemen, Trensen, Gurten etc.); os darf namentlich nicht am liegenden Thiere der Thorax belastet werden (durch Daraufsitzen). 4) Während der Narkose müssen Puls, Athmung und Pupille, sowie die Farbe des aus der Operations wunde ab-fliessenden Blutes genau überwacht werden, und zwar erstere
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Chlorofonu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;[\;]
womöglich durch einen besonderen Assistenten. Schwilchorvverden des Pulses, Verlangsamung der Athmung, plOtzllobe Erweiterung der Pupille, sowie venöse dunkle Verülrlmiig des aus der Wunde stammenden arteriellen Blutes erfordern sofortiges Aussetzen dos Chloroforms und Anwendung von Ex-citantien (kaltes Wasser, hautrei/.ende Mittel, subcotano Canipberinjectionen, subeutano Hyoscin- oder Atropiiiinjectionon, künstliche Respiration). Auch , auf die Zunge ist zu achten, damit sie nicht zuriickgoschlagen wird. 5) 1st eine vo 11 ko m in on e Narkose eingetreten, so muss mit dem Einathmenlasson des Chloroforms so lange ausgesetzt werden, bis das Thier wieder Spuren von Empfindlichkeit zeigt; die vollkommene Narkose ist an der Unemptindlichkeit der Cornea gegen Berührung zu erkennen, (i) Bei Ten o to mien operirt man besser ohne Chloroformnarkose, weil die hiobei auftretende Erschlaffung der Sehne das subeutane Durchschneiden erschwert. Auch bei Operationen in der Maulhöhlo vermeidet man das Chloroformiren, weil Blut in die Luftwege eindringen kann (wofern man nicht die Operation „am hängen­den Kopfequot; macht). 7) Es darf nur ganz reines Chloroform ver­wendet werden. Man prüfe deshalb das Chloroform vor der Anwen­dung durch den Geruch, indem man einige Tropfen zwischen den Händen zerreibt.
Dosis. Wie heim Menschen, so beobachtet man auch bei den verschiedenen Hausthieren ganz auffallende individuelle Diffe­renzen bezüglich der zur Herbeiführung einer Narkose nötbigen (Ihloroformmenge. Manche Pferde werden schon nach verhiiltniss-mässig gelungen Dosen innerhalb ganz kurzer Zeit betäubt, andere bedürfen sobr grosser Dosen (bis zu 250,0) und einer sehr langen Inhalationszeit (bis zu einer Stunde). Auch die Dauer der Narkose ist eine sehr verschieden lange. Es können daher nur allgemeine Mittelzahleu aufgestellt werden, und es ist in praxi dringend zu em­pfehlen, immer die doppelte zum Chloroformiren nöthige Ohloroform-menge vorräthig zu haben. Zu einer tiefen, kurzen Cbloroform-narkose sind durchschnittlich nüthig:
für Pferd und Rind 100—200,0. ,, Schaf, Ziege und Schwein lö—80,0. „ für Hunde 10-20,0,
Dabei kann man das Chloroform in reinem Zustande oder mit Aether (1 : 1—5) verdünnt einatlunen lassen. Beim Pferde empfiehlt sich wohl auch zur rascheren Herbeiführung und zur Verlängerung der Narkose eine combinirte Morphium-Chloroformnarkose, indem man der Ohloroforminhalation eine subeutane Morphiuminjection (0,5) vor­ausgehen lässt. Nicht zu empfehlen, wenn auch wirksam, sind wegen der reizenden Wirkung des Chloroforms auf Schleimhäute intra-tracheale Injectionen desselben. Auch die vonPirogoff empfohlene Chloroformirung vom Mastdarm aus mittelst Einfübrons von gasfür-
Fröhner, Arznoimittellplinquot;. 0, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8
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Ill
Chloroform.
uiigeni Ohlorofoi'in in ilas Reotiun ist naoli den Erfahrungen von Hot'fiuauii (Voi'trag titer allgemeine Narkose und lokale Anäatliesie
in der Tliierheilkundc, 1888) nieht rätldicli, weil das Exeitations-stadiiun sclir stark und lange andauernd, das Depressionsstadium da­gegen schwer ZU erzeugen, und ausserdein das Eintreten einer Danu-
entzündung zu befürchten ist.
Bei der innerlichen Anwendung des Chloroforms gegen Kolik, Eklampsie, Würmer etc. gibt man:
Pferden und Hindern 2igt;—50,0, Schafen, Ziegen und Schweinen ö Hunden 0,5—4,0. Katzen 0,25—1,0.
-lo.o.
Statistisches. Nach dem Vorgange der Mensoheuheilkonde beginnt
man seit einigen Jahren auch in der Tliierheilknnde eine Statistik über die Zahl der chloroformirten Tliiere aufzustellen. Möller hat 126 Pferde chloroforrairt; durcbschnittlich waren hiezu 110 g (Jblorofonu und 2t) Minuten nothwendig; die Dauer der Narkose betrug 20 Minuten. Bei erwachsenen Pferden schwankte die Menge des verbrauchton Chloroforms zwischen 85 und 240 g. Bei 1 —2jabrigen Fidlen genügten 15—20 g sowie 7—8 minuten­langes Einathmen. Bei 28 Pferden wurde eine halbe Stunde vor dem Chloroforrairen 0,5 Morphium subeutan eingespritzt; es waren hierauf durch­schnittlich 94 g Chloroform und 1quot;gt; Minuten Einathmnng nöthig. Bei An­wendung gleicher Theile von Chloroform und Aether waren 30 Minuten zur Narkotisirung erforderlich. Möller verwirft wegen dieser langen Dauer die gleichzeitige Anwendung des Aethers und räth auch von der vorher­gehenden Anwendung des Morphiums ab, weil er zuweilen excitironde Wir­kungen beobachtete. Bei keinem der 126 chloroformirten Pferdi sind durch dieNarkoso nach theilige Folgen ein getreten (Monats­hefte für prakt. Thierheilkunde 1, 8.488). — Hirzel hat über 700 Pferde cldoroformirt. Meist genügten 30—50 g Chloroform, zuweilen brauchte er auch 100 g und darüber. Die Narkose trat nach durchschnittlich 0 bis 8 Minuten ein. Nachtheilige Polgen sind in keinem Falle be­obachtet worden (Schweizer Archiv für Thierheilkunde 1891, S. 109).
Reoepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Clilorofonnii 800,0.
I). S. /um Ohlorofonniren eines Pferdes.
2)nbsp; Rp. Ohloroformii
Ä.etheris iTn 260,0.
M. I'. S. Zinn Ohloroformiron eines Pferdes.
8) K|gt;. Ohloroformii 4)0. Syrupi UM). M. 1gt;. S. Ksslöi'fclweise gegen Bklampsie einer Hflndin.
4) Rp. Ohloroformii
01. camphorat. ää .^OjO. M. D, .S A ensserl ich zur Binteibuna' gegen Rhonmatismus.
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Ohloralbydrat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;115
5) Kp. Enfus. Klur. Ohamomill, 85,0 i 500,0. Ohloroformll 25,0. ÖL Crotun. gutt. x y. jNI. D. 8, Auf 2miil für ein Pferd mil WarmkoUllaquo; einausohütten. (I) Rjj. Ohloroformll 4,0. 01, Ricini 50,0. M. Iraquo;. S, Auf 2iiml für einen Hund mit Bandwurm. 7) Rp, Ohloroformll 10,0. Adip, sullli 30,0. M. f. Uniment. Iraquo;. S, Aeusserlloh zur Einreibung bei Orohltls,
Cliloialiini li.vdratiiin. Cbloralhydrat.
GUI.
(Oll . ||,l).
Pharmaceutische Chomie. Das Chloralhydrat, Ohloralum hydratum s. Eydratum Olilorali; entöteht duroh Ä.ufhahme von Wasser aus dem Chloral; dem Aliluhyd der Trichloressigsäure == CCl8.OOH, einer ätzenden, ölartigen Flüssigkeit. Es bildet trockene farblose, durchsichtige, luftheständigeKrystalle von stechen­den! Q-eruche und bitterlichem, ätzendem Q-eschmaoke, welche in Wasser. Weingeist und Aether leicht löslich sind und bei 58deg; 0. schmelzen. Beim Erwärmen mit Natronlauge bildet sich eine trübe Lösung, indem das Chloralhydrat zu Chloroform und Ameisen­säure gespalten wird; diese Lösung klärt sich unter Abselieidung von Chloroform. Bas Chloralhydrat ist in gut verschlossenen und dunklen Q-efftssen aufzubewahren, weil es an der Luft verdunstet und im Lichte sich leicht zersetzt (Bildung von Salzsflure und Diohlor-aldohyd),
Darstellung. Durch Binleiten von Ghlorgas in wasserfreien Alkohol. Es entsteht hiebei zuerst aus dem Weingeiste = (fip3Atr)
CGI \nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CC1 \
Triohloralkoholat = (mj3Qjjj and daraus Chloral = (nn^ji welches
sich unter Wasseraufnahme in Chloralhydrat = (/irm u n) um wandelt.
Piüfung. Die Lösung In 1U 'L'heileu Weingeist darf blaues Lakmus-papier kaum rütiieu und nach dem Ansäuren mit Salpetersäure durch 8ilber-nitrat nur ganz schwach opalescirend getrübt werden (freie Salzsäure). Die wässerige Lösung reagirt fast stets sauer. Beim Erhitzen auf Platin-blech soll das Chloralhydrat nicht mit Flamme verbrennen (Obloralkoholat), sondern sich ohne brennbare Dämpfe verflüchtigen. A.F. 10,0 = 20 Pfennig. D.P. 1 b? 3 Mark 40 Pfenniff.
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lli;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chloralhydrat.
Wirkung. 1) Die Wirkung des Ohloralbydrats auf das Gehirn ist eine hypnotische: es bedingt in Folge direkter Einwirkung auf die Q-ehirnganglienzellen Schlaf, Qrössere Dosen bewirken auch ein Erlöschen der Reflexe und der Sensibilität; Blutdruck und Her/thätig-keit sind dabei vermindert; auch die Temperatur sinkt. Giftige Dosen tödten durch Lftlimung des Herzens und des Athniungscentrums. Das heim Chloroform gewöhnlich vorhandene Erregungs-stadium fehlt beim Chloralhydrat gewöhnlich; nur hei Hun­den ist es zuweilen zu beobachten.
2) Das Chloralhydrat besitzt wie das Chloroform fftulniss- und gährungsw'id lüge Wirkung.
'A) Das Chloralhydrat wirkt in Substanz und in concentrirten Lösungen auf Haut. Wunden und Schleimhäute etwas kaustisch ein und kann, innerlich gegeben, Erbrechen, sowie Gastroenteritis erzeugen. Aus diesem Grunde muss es entweder stark verdünnt und mit schleimigen Mitteln zusammen oder als Klysma gegeben werden.
Die Schicksale des Chloralhydrats im Körper sind nicht genauer gekannt. Im Harne erscheint dasselbe zum Theil als Urchloral-säure wieder. Die von Liebreich angenommene Zersetzung des Chloralhydrats im Blute zu Chloroform und Ameisensäure erscheint fraglich.
Die Wirkung des Chloralhydrats bei den einzelnen Hausthieren
ist eine verschiedene; wie beim Chloroform kommen auch hier zuweilen auffällige individuelle Differenzen vor. Pferde zeigen nach quot;Verabreichung von 100—150 g Chloralhydrat per os oder per clysma, sowie nach einer intravenösen injection von 25 — 40 g einen rauschartigen Zustand, Schwanken und Taumeln, fallen scbliesslich um und liegen mehrere Stunden unter allgemeiner Muskelerschlaffung und stark verminderter Sensibilitilt in einem tiefen Schlafe, aus dem sie allmählich ohne anderweitige Nachtheile wieder erwachen. Sie können in diesem Chloralschlafe durch fortgesetzte Anwen­dung kleinerer Gaben Tage und Wochen erhalten werden. Nocard hielt z. B. ein an Starrkrampf erkranktes Pferd 30 Tage lang im Chloralschlummer. indem er demselben durch Klystiere täglich 50—75 g Chloralhydrat bei­brachte. Die tödtliche Dosis des Chloralhydrats beträgt bei Pferden 150 bis 200 g boi innerlicher oder rectaler Anwendung, 50-75 g hei intra­venöser. Bei Rindern beobachtete ich nach Klystieren von 25, 40 und 50 g Chloralhydrat keinerlei Wirkung. Per os hatten 26, 35 und 40 g Schwanken in der Hinterhand nach etwa einer Viertelstunde, 50 und 75 g Schwanken im Kreuz nach 10 Minuten und Zusammenstürzen nach 20 Minuten zur Folge. Erst hei diesen letzteren Dosen trat gleichzeitig auch Bewusst-losigkeit und Unernpfindlichkeit auf, welche circa 8 Stunden dauerten und an das Bild des Kalbefiebers erinnerten. Hunde werden durch narko­tische Chloraldosen (2—5 g bei kleinen, 5—10 g bei grossen) häufig starTlt; aufgeregt, rennen im Zimmer hin und her und sind gegen Berührung sehr empfindlich. Auf dieses Excitationsstadium folgt Schwanken und Taumeln, Umfallen, zunehmende Theilnahmslosigkeit gegen die Umgebung, Betäubung
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Ohloralhydrat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;117
und Schlaf mit starker Uuempflndliobkeit, welcher mehrere Stumlen an­dauert. Wilhreiul desselben sinkt die Temperatur, wie ich in einem Falle beobachten konnte, bis um 2 Grade. Die tOdtliobe Ohloraldosis für Hundt! betrugt 10—25 g.
Anwendung. 1) Ais Hypnoticum und Sedatirum In allen Zuständen der Unruhe und Aufregung im Verlaufe von Gehirn­krankheiten (Q-ehirnhyperämie, Qehirnentzündung, Hundestaupe etc.) oder schmerzhaften Leiden. Das Chloi'alhydrat ist uucli als Sedativuni für widerspenstige Pferde vor dem Beschläge oder vor dem Abwerfen zu empfehlen. In einem derartigen Falle sah Pröger bei einem Pferde auf 60 g Ohloralhydrat nach 5 Minuten bereits Schwanken. Niedersinken,, BewilSSt- und Gefühllosigkeit eintreten, welche während des 20 Minuten dauernden Beschlags und ausserdem noch weitere 25 Minuten anhielt. Zur Herbeiführung einer Narkose bei Operationen wird Ohloralhydrat für sich allein nicht, sondern nur in Verbindung mit Morphium angewandt.
2)nbsp; nbsp;Bei Starrkrampf, Eklampsie, Staupekrämpfen, star­kem Drängen bei Uterus- und Mastdarmvorfall, sowie zur Verhinderung des Wiedervorfallens nach der Reposition; insbesondere auch als Hauptgegengift des Strychnintetanus.
3)nbsp; Gegen Stiersucht, Satyriasis, Keuchhusten und andere Erregungszustände.
4)nbsp; Seltener äusserlicb als Antisepticuin in der Wundbehand­lung (1 : 100).
Contraindicirt ist die stomachikale Anwendung des Mittels bei ülcerationen und entzündlichen Zuständen der Magen- und Darm­schleimhaut; man kann es in diesem Falle nur per clysma anwenden. Es empfiehlt sich jedoch, auch bei normalem Digestionsapparat das Ohloralhydrat immer mit Schleim zusammen zu verabreichen. Sub-CUtan darf Ohloralhydrat wegen der ätzenden Wirkung nie­mals angewandt werden.
Dosis. Als Sedativum
für Pferd und Rind 25—50,0. „ kleine Hunde 0,5—2,0. ., grosse Hunde 2—5,0, „ Schafe, Ziegen und Schweine 5—10,0. „ Katzen und Geflügel 0,25—2,0, Diese Dosen, welche täglich mehrmals nach Bedarf wiederholt werden können, gelten sowohl für die Anwendung per os als per
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Ohloralbydrat.
dysma; die Wirkung dabei ist jedoch keine so tief imvkotisohe, dass sie sich zur Vornahme von Operationen eignen Könnte, sondern nur eine beruhigende (sedative). Zur Erzeugung einer tieferen Narkose resp. Hypnose sind die doppelten und dreifachen Hosen noting. Zu letzterem Zwecke wird aber das Ohloi'al allein seltener angewandt (Pferde 100—150,0, Munde 5—10,0), Die Narkose hält nämlich viel ZU lange an. indem Pferde ersi mehrere Stunden nach der Operation sich zu erheben im Stande sind, was ein sehr langes Verbleiben des Thierarztes bei dem betreifenden Patienten nothwendig macht (Sand). Eher verbindet man eine mittelgrosse Chloraldose (Pferde und Rinder 50—75,0, Hunde 8—6,0) mit einer mittleren Morphiumdosis (Pferde 0,5, Hunde 0.05).
Recepte.
1)nbsp; nbsp;R|). Ohlorali hydrati 100,0.
D, S, Tiiglk'li '„'mill den 1. Thcil in I 1 Wasser (oder Leinsamen-abkoohung) gelöst in den Mastdarm zu infnndiren für ein Pferd mit Starrkrampf.
2)nbsp; Rp. Ohlorali hydrati 10,0.
Gionini arabioi 20,0. Aqu. eonniuui. 250,0. .AI. I). 8, innerhalb 1 Stunde auf 2mal 'zu geben als Klystier für einen gi'ossen .Hund mit Sirychniiivergiftnug.
3)nbsp; nbsp;Kigt;. Ohlorali hydrati 10,0.
Morphin, muriat, 0,2. Gummi arabioi 10,0. Aqu. destill. 250,0. M, D. S. Sstündliob 1 Esslüll'el (Theelöffelj für einen grossen (kleinen) I-lund mit Keuchhusten,
4)nbsp; nbsp;Rp, Ohlorali hydrati 25,0.
D, fcal. Dos. Nr. II. S. Auf 2inal innerhalb (i Stunden in '/s 1 Leinsamenabkoohung gelöst. oinzusohütten i für eine Kuh mit starkem Drängen auf den Uterus.
5)nbsp; Rp, Ohlorali hydrati 6,0,
Gummi arabioi
Syrup, Cort, Aurant. ää \\},i). Aqu. destill, 150,0. M, D. S. Stündlich 1 Esslöffel für einen II u u d mit Starker Aufregung (näohtliohem Heulen),
6)nbsp; nbsp;Rp, Chlorali hydrati 5,0,
Maoerat, Sem. Lini 5,0 : 100,0. M. D. S. Als Klystier für ein S oh wein mit Gehirnkrämpfen,
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Ohloralformamid. Spiritus.
119
(liloraluin foniiiiiiiidaüiin. ('iiloriiU'orniuinid.
0013OHO . OHONHj.
Pharmaceutische Chemie. Das Chloralfomaiuid, welches wohl auch ahgektU'zt ids Chloralamid bezeichnet wird, ist, eine Verbin­dung von Chloral, CCL/ÜK). und Formamid, CHONH8. Es bildet
weis so,
ii uzende.
teruohlose Krystalle von schwach bitterem
Q-eschmaoke, welche langsam in kaltem Wasser (1 : !•) löslich sind und bei 115deg; schmelzen. Heim Erwärmen mit Natronlauge geben die Krystalle eine trübe, unter Abscheidung von Chloroform sich klärende Lösung. Die Prüfung erfolgt wie beim Ohloralhydrat, D.P, 100,0 = 3 MnrU.
Wirkung und Anwendung. Das Ohloralformamid ist von Kny als Ersatzmittel des Chloralhydrats empfohlen worden. Das Mittel wirkt im Wesentlichen durch seinen Chloralcomponenten, welcher im Blute abgespalten wird. Neben seiner milderen Schlafwirkung soll es noch den Vorzug haben, dass es den .Digestionsapparat sowie den Oirculationsapparat intact lässt. Neuere Untersuchungen von Langgaard haben übrigens nachgewiesen, duss der Blutdruck wesent­lich alterirt wird. Die Dosis des Chloralformamids beträgt das l '/raquo;faiclie des Chloralhydrats. Ich habe das Mittel mehrfach mit Erfolg in der Hundepraxis bei verschiedenen Krampt- und Erregungszuständen, namentlich bei derStaupe in wiederholten Dosen von 1—3,0 angewandt.
Spiritus, Weingeist. C.)Hä.OH.
Pharmaceutische Chemie. Der Weingeist bildet sich nehen Kohlensäure und geringen Mengen von Glycerin und Bernsteinsäure bei der Einwirkung des Hefepilzes auf Kohlenhydrate; er wird gewöhn­lich dargestellt durch Destillation der gegohrenen Kartoffelmaische. In völlig wasserfreiem Zustande (1000/oiger Alkohol) hat er ein speeifisches Gewicht von O,?1.raquo;.quot;. bei 15deg;, Der im Handel vorkommende Spiritus Vini absolutus ist 990/nig und hat ein speeifisches Q-ewioht von 0,8. Der officinelle Weingeist (Spiritus, Spiritus Vini, Spiritus Vini rectifleatissimus, höchst rectificirter Weingeist) ist 91 0/oig, hat ein speeifisches Gewicht von 0,830—0,884 und siedet bei 79deg;. Der
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Spiritual
ebenfalls offloinelle verdünnte Weingeist (Spiritus dilutus, Spiritus Vini rectiflcatus, rectificirter Weingeist) ist ()Hquot;/oig, vom speuitiselion Gewiclit 0,89 und stellt eine Miseliung von 7 Theilen Weingeist und ;} Theilen Wasser dar. Der Cognac endlich, officinell als Spiritus e vino (Spiritus Vini Cognac, Spiritus Vini gallici. Franzlaquo; hranntwein, Weinbranntwein), stellt einen etwa 500/oigen Alkohol dar, welcher durch Destillation des Weines gewonnen wird.
Von weiiigeisthaltigen Flüssigkeiten ist vor Allem der Wein (officinell) unt einem Gehalte von 8—10 Volumprocent Alkohol (die süssen südlichen Weine enthalten 15—180/o), sowie das Bier (3—50/o) zu erwähnen. Die verschiedenen Branntweine enthalten 40 — 500/o Alkohol neben Fuselöl (Propyl-, Butyl- und Amylalkohol), Aldehyd, Metaldehyd und Panildehyd. Früher war ein 430/oiger Branntwein (Spiritus Frumenti) officinell, welcher aus 10 Theilen Spiritus und 14 Theilen Wasser hergestellt wurde.
Als alkoholhaltige Getränke für den Menschen sind ferner noch zu erwähnen der Kumys, ein aus der Milch kirgisischer Steppen­stuten durch Gähiung des Milchzuckers gewonnenes Getränke (Diä-teticum namentlich hei Schwindsucht), sowie der Kefyr, ein aus Kuhmilch dargestelltes Getränke, welches aus Kuhmilch durch die fermentartig wirkenden Kefyrkörner dargestellt wird. Die gummi­ähnlichen Körner enthalten ein Ferment resp, einen,Bacillus (Dispora caucasica). — Der denaturirte Spiritus ist mit Pyridin versetzt.
Die Pharmakopöe charakterisirt den Weingeist als eine farb­lose, klare, flüchtige, leicht entzündliche, mit wenig leuch­tenden' Flamme brennende, neutrale Flüssigkeit von eigenartigem Gerüche und brennendem Geschmacke, welche sich mit Wasser in allen Verhältnissen ohne Trübung mischen muss. Der Siedepunkt des Alkohols liegt bei 79deg; C,, das speeifische Gewicht beträgt 0,8^3. Eine Lösung von Kaliumdichromat in Schwefelsäure wird durch Al­kohol entfärbt; mit Jod und Natronlauge bildet Alkohol Krystalle von Jodoform (Identitätsreaktion).
Prüfung. Der Weingeist soll sich bei dem Verdünnen mit Wasser nicht trüben (Fuselöl). Werden 50 g Weingeist unter Zusatz von 10 Tropfen Kalilauge auf dem Wasserbade bis auf etwa 5 g verdampft und der Rück­stand mit verdünnter Schwefelsäure übersättigt, so soll sich kein Geruch nach Fuselöl bemerklich machen. Schichtet man gleiche Volumina Wein­geist und Schwefelsäure im Reagensglas auf einander, so soll sich an der Grenze beider Flüssigkeiten keine rothe Zone bilden (Spiritus von Rüben-melasse stammend, mit widrigem Gerüche). Werden 10 g Weingeist mit 20 Tropfen Kaliumpermanganatlösung vermischt, so soll die rothe Farbe
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ti|)iritus.
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der Mischung erst nach circu 20 Minuten in Gelb übergehen (bei Abwesen­heit von Methylalkohol ss Holzgeist tritt dies früher ein). Endlich soll der Weingeist weder durch Schwelelwussorstoffwasser (schwere Me­talle) noch durch Ammoniak (Gerbstoff aus dein Fasse) gefilrbt worden und beim Verdunsten keinen Rückstand hinterlassen (feste Bestand-theile), 10 cem Weingeist dürfen sich mit 5 Tropfen Silbornitratlösung versetzt selbst beim Erwärmen weder trüben, noch färben (chlorhaltige Bestandtheile, Aldehyd). A.P. Spiritus 100,0 = 25 Pfennig, 200,0 = 40 Pfennig; Spiritus absolutus 10,0 s=s 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Der Alkohol erregt in kleinen Dosen das Gehirn und die Eerztbätigkeit; die sensoriellen Funotionen werden lebhafter. Pulsfrequenz und Temperatur steigen, desgleichen der Blut­druck. Auch die Magensecretion wird durcli kleine Gaben Alkohol angeregt, die Entleerung des Magens wird beschleunigt. In Folge Heizung der vasodilatatorisehen Nerven sind die (lef'ässe erweitert. Auch die secretorische Thätigkeit der Nieren (Diurese) und der Geschlechtsdrilsen (Geschlechtstrieb) sowie die Atliem-grosse werden vermehrt.
2) Oefters wiederholte kleine Dosen wirken als Sparlaquo; mittel für das K ö r perei w e iss, das Körperfett und die Kohlehydrate und bedingen Fettansatz und Vermehrung des Körpergewichts. Der Alkohol wird nämlich im Blute zu Kohlensäure und Wasser verbrannt und schützt so die übrigen wärme­erzeugenden Stoffe vor Zersetzung: CaHB0 6O = 2002-f 3H90. Dabei wird jedoch die Oxydation bezw. der Stoffwechsel im Körper nicht gesteigert, sondern eher vermindert, desgleichen die Temperatur.
8) Grosse Gaben berauschen und betäuben das Gehirn (Alkoholnarkose) in Folge einer direkten Einwirkung auf die Gehirn­ganglienzellen), nachdem eine starke Erregung vorausgegangen ist. Hiebei ist die Empfindung abgestumpft, die Reflexthätigkeit ver­mindert und das Bewusstsein vollkommen erloschen. Gleichzeitig sinkt die Körpertemperatur um mehrere Grade in Folge einer gestei­gerten Verdunstung und Abkühlung an der Körperoberfläche und einer Verminderung des Stoffwechsels. Man findet nämlich während der Alkoholnarkose die Ausscheidung der Kohlensäure, des Harnstoffs, der Harnsäure, Phosphorsäure und Schwefelsäure ver­mindert. Die Magenverdanung wird durch grössere Mengen Al­kohol gestört und die Secretion der Pankreasdrüse unterdrückt. In diesen grossen Gaben circulirt der Alkohol unzersetzt im Blute und in den Geweben, wo er wahrscheinlich durch seine Anwesenheit die Zellthätigkeit herabsetzt. Fortgesetzte grössere Gaben führen
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Spiritus.
daher zu Solerose der Lsbsr in Polgö Reizung des Bindegewebes (Sättferleber beim Menschen); der Stoffwechsöl ist hiebei sehr stark gesteigert.
#9632;1) Giftige Gaben wirken tödtiiob durch Lähmung des (jrehirns. Dabei wird zuerst das Grosshirn, dann das Kleinhirn und verlängerte Mark und zuletzt das Atlumingscentruiu gelähmt. Der Herzschlag wird laugsamer und schwächer, der Blutdruck stark herab­gesetzt, und auch die Iimenteiuperatur sinkt dabei immer mehr, selbst liis auf 2.V' 0. und darunter.
5)nbsp; nbsp;Im Fieber setzt der Alkohol die Temperatur in grossen Dosen noch stärker herab als bei gesunden Thieren. Die autip.vre-tische Wirkung ist das Resultat zunächst der Stoffweohselverminderung und der vermehrten Wärnieabgabe auf der Haut; wahrscheinlich werden aber auch die fiebererregenden Stoffe direkt durch den Alkohol bekämpft. Dazu kommt, dass Alkohol ein starkes Erregungsmittel l'iir die während des Fiebers gesunkene Herztliätigkeit ist, was einer Elegulirung der gestörten Blutvertheilung gleichkommt. Endlich nützt der Alkohol im Fieber als Sparmitted.
6)nbsp; Der Alkohol ist ferner ein starkes l'äulniss- und gährungs-v, idriges Mittel (vergl. die Weingeistpräparate); dabei ist nicht etwa die wasserentziehende Kraft des Weingeistes die Ursache der ahti-septischen Wirkung, es wirkt vielmehr der Alkohol auch in starker wässeriger Verdünnung fäulnisswidrig. Ein mit Jauche inticirtos Thier wird bei gleichzeitiger Anwendung von Alkohol unter starker Tem­peraturherabsetzung gerettet, während das Oontrolthier, das nicht mit .Alkohol behandelt wird, zu Grunde geht (Bin/.).
7)nbsp; nbsp;Aeusserlirh auf der Haut wirkt der Alkohol durch Ver­dunstung kälteerzeugend, auf Schleimhäuten und auf Wunden, sowie in Gewebe injicirt. durch Wasserentziehung und Eiweissfällung stark reizend und adstringirend. Bei concentrirter innerlicher An­wendung entsteht sogar G a s t r o e n t e r i t i s.
8)nbsp; Die Ausscheidung des nicht oxydirten Alkohols erfolgt in erster Linie durch Nieren und Lunge, weniger durch die Haut.
Alkoholnarkose bei den eluzuiuen Hausthieren, Ihre Intensitilt hängt aussei- von der Menge wesentlich auch von der Concentration des verabreich ton Alkohols, sowie davon ab, ob die Thiere fieberhaft erkrankt sind oder nicht. Sehr concentrirter Alkohol ist viel giftiger als ein verdünnter Weingeist in Quantitäten, welche bezüglich des Alkohol­gehaltes ersterein gleichkommen. Der concontrirte Alkohol wirkt nämlich aussei- als Narcoticum auch noch ont/.ündungserregend auf die Schleimhaut des Maare HS und Darmes ein. Von ver-
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Spiritus,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12;J
düimtem Alkoliol win], woim man denselben auf oonoentrirteu Alkohol be-reohuet, von fleberlosen Thieren das Doppelte der todtlichen Dosis des con-centrirten Alkohols ertragen, fieberhaft erkrankte ertragen das -1- und 5faohe dieser Dosis.
Qesunde Pferde werden nach 250,0 absolutem (900/oigein) unver­dünntem Alkohol sehr unruhig und aufgeregt, steigen in die Höhe, fallen nach 2 Minuten nieder, schlagen heftig mit den Füssen und mit dem Kopfe, verdrehen die Augen, werden unempHudlioh und bewusstlos und verenden nach 10 Minuten. 120—180,0 absoluter Alkohol bedingen ähnliche Zu-fftlle, die Thiere bleiben jedoch am Leben (Hertwig). Nach intravenöser Einspritzung von ;i() —(iO g absolutem Alkohol sterben Pferde schon nach 1 —ö Minuten. Dagegen ertragen gesunde Pferde von dem Spiritus dilutus (680/oiger Alkohol) einmalige Dosen bis zu 500 g und mehr, ohne zu sterben, indem sie nur nach vorausgegangener Erregung berauscht und betäubt werden. Fiebernde Pferde ertragen, ohne berauscht ZU werden, 1—l1/-) 1 absoluten Alkohol pro Pag in vordünntom Zustande.
Hunde sterben nach 30—60 g absolutem Alkohol, wenn derselbe in unverdünntem Zustande eingegeben wird, nachdem starke Aufregung, Er­brechen, Taumeln und Betäubung vorausgegangen sind; bei der Section findet man die Erscheinungen einer hämorrhagischen Gastroenteritis. Die­selbe Dosis tödtet Hunde bei subcutaner Application. Dagegen ertragen fiebernde Hunde leicht 100—200 g absoluten Alkohol, wenn derselbe mit viel Wasser eingegeben wird. Rinder erkranken namentlich nach dem Uenusse alkoholhaltiger Schlempe oder Maische an Alkoholvergiftung. Sie •/eigen dabei zuerst allgemeine Aufregung und Unruhe, aulgeregten Ge­schlechtstrieb, selbst tobsüchtige und wuthähnliche Erscheinungen, hoch-geröthete Kopfsohleimhtlute, pochenden Herzschlag: daraufhin Schwanken, Taumeln, allgemeine Körperschwäche, Bewusstlosigkeit und Betäubung, schliesslich Gollaps und Athmungslähmung. Verdünnten Alkohol ertragen Kinder bis zu 500 g.
Schweine verfallen während der Alkoholnarkose häufig in epilepti-forme Krämpfe, ausserdem /eigen sie Erbrechen und Durchfall, Schwäche und Muskelzittern und zuletzt allgemeine Lähmung und Betäubung.
Ziegen und Schafe können sich an verdünnten Alkohol allmählich so gewöhnen, dass sie bis zu 180 und 800 g Branntwein ertragen (Hertwig).
Katzen sterben nach 25 g absolutem unverdünntem Alkohol unter denselben Erscheinungen wie Hunde.
Anwendung. 1) Der Weingeist ist in kleineren Dosen ein E x c i t a n s für alle 8 o h w ä o h e z u s fän d e des Herzens, dos N e r v e u-8 y st ems und der Verdauung. Er eignet sich namentlich als belebendes Mittel bei allen mit Depression und Verfall der Kräfte verlaufenden Infecti onskrankhei t en , bei Oollaps, Ohnmacht, Inanitionszu-ständen, bei allen nark o tisch en Vergi f tun gen, nach Schlangen­bissen, nach starken Blutverlusten, schweren Operationen, lang andauernden Geburten, bei drohender Q-ehim- und Herzlähmung. Häufig benutzt man hiebei die subeutane Application wegen der raschen und intensiven Wirkung.
2) Ei' ist ferner ein Stoinaclucum, d, ii. ein gutes Reizmittel
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Spiritus.
#9632; i
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für die sogenannte atonisohe Vei'dauungssohwäohe im Veigt; laufe ohronisoher Magenkatarrhe, bei Pflanzenfressern (Rind) sowohl, als beim Fleischfresser (Hund), und zwar dadurch, class er in kleinen Dosen die Magenseoretion anregt, die Verdauungsdauer verkürzt und die Magenentleerung befördert.
3) 13er Alkohol ist bei vielen fieberhaften Krankheiten ein werth-volles Antipyretioum, namentlioh aber ist er ein sehr wirksames Fiebermittel bei dem septikämisohen und pyämisohen Fieber. Er ist hier fast ebenso ein Speciticum, wie die Salieylsäurc gegen das Fieber des aeuten Gelenkrheumatismus, Man gibt ihn zur Herab­setzung der Körpertemperatur immer in grösseren Dosen, da bei kleineren auf die Verabreichung des Alkohols gewöhnlich zunächst eine Temperatursteigerung auftritt, welche nach Grebe (Archiv für Thierheilkunde 1882) selbst über 2deg; 0. betragen kann. Gleichzeitig ist er ein Analeptioum (Wirkung auf Gehirn und Herz) und Spar­mittel (Herabsetzung des Stoffwechsels).
I) Als Narcotioum wird der Weingeist seltener und eigent­lich nur in der Geburtshilfe bei abnormem Drängen angewandt.
ö) Als Apbrodisiacum kann er in kleineren Dosen gegen verminderten Geschlechtstrieb versucht werden.
G) Als Roborans und Diäteticum dient er namentlich in der Reconvalesoenz nach schweren Krankheiten, bei kaohektischen und phthisischen Zuständen. Sein Nährwerth ist hauptsächlich ein respi-ratorischer.
7)nbsp; Aeusserlich wird Alkohol zur Austrocknung und Des-infection eiteriger Geschwüre, zur Anregung schlaffer Granu­lationen, gegen Otorrhöe (als Specirtciim), zur Einspritzung in Fistel­kanäle, zur parenchymatösen Injection in Neubildungen, zur subcutanen Injection in die Umgebung von Hernien, zur Ein­spritzung in Varicen und Aneurysmen, Hydrocelen, sowie zu zer-theilenden Einreibungen allein oder in Verbindung mit anderen Medikamenten gegen chronische Entzündungen der Haut, unterbaut, Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenke und Muskeln (Muskelrheumatismus), Quetschungen, Ocdeme etc. angewandt (Bestandtlieil der sogenannten Restitutionslluide).
8)nbsp; Endlich dient der Alkohol zur Darstellung der verschiedensten pharmaceutischen Präparate (Tincturen, Extracte und Lö­sungen) , sowie als (' o n s e r v i r u n g s m i 11 e l für anatomische Präparate.
#9632;
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Spiritus,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;125
Dosis und Form. Man gibt den Alkohol, sei es als Spiritus rectificatissimus, reotificatus oder als Branntwein, inner lieh imnier mit viel Wasser verdünnt oder in der Korm des Weines resj). Bieres. Die Dosis des Weines, den ich in zahlreichen Fällen beim Pferde als vorzügliohes Fiebermittel benutzt babe, beträgt etwa das LOfaohe, die des Bieres das 20—SOfaohe des reinen Alkohols, Sehr häufig benützt man, insbesondere beim Rind, das sogenannte Warm­bier. Als Exoitans kann man den Weingeist auch su heu tan in Form des Spiritus dilutus anwenden. Die, Dosis des Alkohols ist je nach der beabsichtigten Wirkung eine sein- verschiedene. Man K'bt ihn zunächst als anregendes Mittel in Sohwäohezuständen in kleinen einmaligen Dosen, desgleichen als Stomacbicum. Als Fiebermittel muss der Alkohol dagegen in viel grösseren Dosen gegeben wei'den, weil nur diese die Temperatur gleich von vornherein herabsetzen.
Die Dosen für den Alkohol sind hienach wie folgt festzustellen:
I,nbsp; nbsp;Als Excitans gibt man einmalige Dosen von
Spiritus
für Pferde und Rinder25—50,0 „ Schafe und Ziegen 10—20,0 „ Schweine . . .5 10,0 „ Hunde .... 2— 5,0 „ Katzenu.Geflügel 1— 2,0
•ipirit. dilutus
Branntwein
Wein
50-100,0
50—150,0
i'a-l 1.
20- 50,0
25- 75.0
v* i.
10— 25,0
20- 50,0
V4 1,
5— 10,0
5— 15.0
eBslöffelwelse.
2- 5,0
2- 5,0
theelült'clwoise
II,nbsp; Zur Herabsetzung des Fiebers gibt man 2stündlich
Spiritus Spirit, dilutus Branntweinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Wein
fürPferdeu. Rinder 100-200,0 200—400,0 300—500,0nbsp; nbsp; 1—2 1. ,, Schafe, Ziegen
und Schweine 25—100,0 50—200,0 100—300,0nbsp; nbsp; V-i —'/^ '•
„Hunde . . . 25—50,0 50—100,0 50—150,0nbsp; nbsp; ^ 1,
„ Katzen . . . 2— 5,0 5— 10,0 5— 15,0nbsp; esslöffalwelse.
III,nbsp; Als Narcoticum wären zu verabreichen
Branntwein
fieberfreien Pferden und Kindern 500—1000,0.
Casuistik. Nach den Untersuchungen von Grebe erhöht der Alkohol bei Hebernden Thieren die Temperatur um 2 und mehr Grade, wenn er nicht in sehr bedeutender Menge gegeben wird. So stieg beispielsweise bei einem Pferde mit hochgradigem Fieber, trotzdem dasselbe 2stündlicli die Dosis von 40 g absolutem Alkohol mit Wasser verdünnt, innerhalb 24 Stunden also zusammen 480 g absoluten Alkohol erhielt, die Temperatur nach der jedes­maligen Verabreichung des Alkohols um 0,5—2,5 Grade. Dieselbe Be­obachtung wurde bei einem anderen fiebernden Pferde gemacht, das
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120nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Spiritus.
•'istüiullicli je HU ^ absoluten Alkohol, Innerhalb 24 Stünden also 720 g ubsoluten Alkohol erhalten hatte. Erst die ostüiulliclie Verabreichung voii je 200 g absolutem Alkohol (800 g absolutem Alkohol in 12 Stunden, 1000 g in 21- Stunden) setzte bei einem weiteren (ieberlmft erkrankten Pferde die Temperatur sofort und anhaltend herab und /.war um ;!,40 inner­halb 24 Stunden. Von einer toxischen Wirkung war trotz dieser hohen Dosen niemals etwas zu bemerken, es Hess sich nit-ht einmal eine Ein­wirkung auf das Hensorium c-onstatiren. Hiebei scheinen indessen in­dividuelle Verschiedenheiten vorzukommen; l1'ried berge r hat uäiulich (Münchenor Jahresbericht 1882/83) nach grossen Dosen Alkohol sehr un-angenehine und gefährliche Nebenwirkungen bei einem Pferde beobachtet. — Auch Hunde bedürfen im Fieber grosser Doseti; nach Grebe sank bei einem septisch erkrankten Pudel die Temperatur nach 50 g absolutem Alkohol innerhalb 1 Stunde um 1deg;, nach 100 g um 1,5quot;. Bei einem Jagd­hund erzeugten 150 g absoluter Alkohol, auf einmal gegeben, innerhalb •'! Stunden einen Temperaturabfall von 1,8quot;: toxische Erscheinungen wurden auch hier nicht beobachtet.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Spiritus diluti 500,0.
1raquo;. s. Auf iiinal mit jo '/s 1 Kamillenthea einzuschütten für ein Kind mit fieberhafter Metritis,
2)nbsp; nbsp;Rp. Spiritus 300,0.
Creolini anglioi 8,0. M, D. S. Ohrenwasser für einen llunil mit Otorrhöo.
3)nbsp; nbsp;Rp. Spiritus 300,0.
01. Terebinth. 10,0. M. H. S. Acusserlich für ein Pferd rail Rheumatismus.
4)nbsp; nbsp;Rp, Spiritus Frumenti 250,0.
D. S. Fns Trinkwasser Inr ein Pferd mit Brustseuche,
5)nbsp; nbsp;Kp. Vini rubri 150,0.
Liquor. Ammon. anisat. 5,0. M, Igt;. Elsslöffelweise für einen Hund mit Staupe.
6)nbsp; Rp. Spiritus diluti 10,0.
Hyuscin. hyclrojüd. 0,02. M. D. S. Zu subeutanen Injeotionen (auf 2mal) für einen Hund mit Herzsohwäohe (Collaps).
Aether. Aether.
Pharmaceutische Chemie. Der Aether (Sohwefeläther, Aether sulfuricus) entsteht l)ui der Destillation von Weingeist und Schwefelsäure. Ks bildet sicli \no\m zuerst Aetherschwefel-säure und aus dieser dann der reine Aether in folgender Weise:
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Aütlier.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 127
II.
lt;'.,1-1, . OH
#9632;f SO^Hj =
C,I1,HS(),
HgO
Woingeist
Sohwefelsäurs
Aetlier-Bohwefelsäure
Wasser
CJt.HSO,
r (IM,. OH
......l$:gt;o
1 S()|HL,
Aether-
sell wctVlsii uiv
Weingeist
Aether
Sohwefelsäurlaquo;
Der Actlicr bildet eine klare, farblose, leichte, eigentliiiin-lioh rieclieiule und schmeckende, sehr flüchtige Flüssigkeit, welche bei ;gt;.quot;)quot;(,'. siedet, ein speeitisches Gewicht von 0,720 lint und mit Weingeist und fetten Oelen in jedem Verhältniss mischbar ist. Wegen der leichten Brennbarkeit des Aethers ist grosso Vor­sicht nöthig; derselbe ist in nicht ganz gefüllten, wohlgeschlossenen Flaschen im Keller aufzubewahren und darf nicht in die Nähe eines Lichtes oder einer Flamme gebracht werden. Ist der Aether chemisch rein, so darf damit getränktes Fliesspapier nach dem Verdunsten desselben nicht mehr riechen (Fuselöl) und beleuchtetes Lakmuspapier nicht geröthet worden (Schwefelsäure und andere Säuren). Endlich darf, wenn man gleiche Volumina Aether und Wasser schüttelt, das Volumen des Wassers höchstens um den zehnten Theil zunehmen (Beimengung von Weingeist). A.P. 10,0 -— 5 Pfennig.
Aether aceticus. Der ebenfalls offloiuelle Essigäther, welcher mit dem Sohwefeläther in seinen Wirkungen vollkoinineu übereinstimmt, hat die
0 H Formel r,-ii''Qgt;0. Er wird aus Weingeist, Schwefelsäure x\nd essig­saurem Natrium dargestellt. Er bildet eine klare, farblose, flüchtige Flüssigkeit von oigentliüinliehem. angenehmem, erfrischendem, essig-artigem G-eruche, welche mit Weingeist und Aether in allen Verhält­nissen mischbar ist, bei 75quot; siedet und ein speeiflsohes Gewicht von 0,fgt; besitzt. Die Pharmakopöe schreibt vor, dass eingetauchtes blaues Lakmus-papier nicht sofort geröthet werde (freie Essigsäure), und dass Wasser, mit dem gleichen Volumen Essigäther kräftig geschüttelt, sein Volumen nicht über den zehnten Theil vermehre (Weingeistgebalt). A.P, 10,0 = 10 Pfennig.
Spiritus aethereus. Der Aetherweingeist ist eine Mischung von 1 Theil Aether und 8 Theilen Weingeist, welche unter dem Namen „Hoffmann's Tropfen^ (Liquor anodynus Hoffmann!) bekannt ist. Er bildet eine farblose, neutrale, völlig liüchtige Flüssigkeit mit dem speci-fischen Gewichte 0,81. Dosis als innerliches Excitans = Aether. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Collodium (siehe dieses) ist eine Auflösung von Rchiessbaum wolle in Aether.
Wirkung. 1) Auf der Haut erzeugt Aether ill Folge seiner raschen Verdunstung Kälte und Empfindungslosigkeit; diese
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128nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aether.
Eigenschaft kiinn zur Erzeugung einer lokalen Aiiästhosirung für operative Zwecke venverthet werden (Aetherspray). Bei kleinen Thieren kann man sogar mittelst Aether das Gehirn (lurch die Schädel­decke hindurch oberflächlich zum Gefrieren bringen. — Eine zweite
physikalische Wirkung des Aethers auf der Haut besteht in dem Auflösen des Fettes.
'2) Das Gehirn wird durch Aether genau so uarkotisirt. wie durch Chloroform. Der Narkose geht auch liier ein Excitations-stadinm voraus, in welchem die centralen K e r vencontren, sowie Herz und Athmung lebhaft erregt sind. Dabei soll Aether für das Herz und die Athimmg weniger gefährlich sein. Die Hypnose tritt etwas langsamer ein, als beim Chloroform (längeres Excitations-stadium) und geht auch rascher voriiher; sie lässt sich ausser durch Inhalation auch durch Actherisation vom Rectum aus hervorrufen. — Eigenthümlicherweise sind während der Aethernarkose die Reflexe (Sehnen- und HautreHexe) gesteigert im Gegensatze zur (üdoroform-narkose.
Die Erscheinungen der Aethernarkose hei den Haus thieren sind: CJnruho, Aufregung. Athmungsheschleunigung, Speicheln, Zittern, Pulsheschleunigung, Taumeln, Hin- und Herschieben, Ein­knicken in den (i denken, Starrheit des Bulhus, Pupillenerweiterung, ünempfindlichkeit der Cornea und Haut gegen Berührung, plötzliches Zusammensinken, Schlaf, allgemeine Anästhesie.
3)nbsp; In kleinen Dosen wirkt der Aether erregend auf das Gehirn und Herz.
4)nbsp; nbsp;Im Magen wird durch kleine Dosen die Secretion des Magensaftes, im Darm die des Pankreas- und Darmsaftes gesteigert; die Chylusgefässe sind stärker gefüllt und der Gehalt des Blutes an weissen Blutkörperchen vorübergehend um das 2—8faohe vermehrt, wahrscheinlich in Folge gesteigerter Darmresorption. Grössere Dosen oder länger fortgesetzte kleinere führen jedoch zu Verdauungsstö­rungen. — In Folge der Verdunstung des Aethers im Magen und Darm wird eine anästhesirende Wirkung auf die Magen- und Darmwandung namentlich bei schmerzhaften Krampfzuständen der­selben (Kolik) ausgeübt. Sehr grosse Dosen Aether können jedoch bei rascher Verdampfung im Magen das Zwerchfell so stark nach vorne drängen, dass Erstickung eintritt.
Anwendung. I) Als Excitans bei allen Schwiichezuständen des Herzens und dos Nervensystems, im Verlaufe schwerer in-
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Aether,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12!raquo;
feotionskrankheiten, tluhirn- und Heraleiden etc., namentUoh in der Form der suboatanen [njeotion oder innerlich ids Spiritus jietiiereus (sehr kleinen Thieren wold auch als Rieohmittel).
2)nbsp; nbsp;Als lokales Aniistheticuiu für die Hunt und zur iill-genieinen Narkose vor Operationen! Der Aether eignet sich na­mentlich für solche Fälle, in denen Chloroform zu getahrlich ist (fette, herzkranke, blutai'me Thiere); häufig werden auch Aether und Chloro­form mit einander gemischt (5—l : 1).
3)nbsp;Als kr ampfstUlend es Mittel bei Krampf koliken und schmerz­haften Leiden der Bauch- und Heckenorgane. Dagegen ist der Aether oontraindioirt bei Windkolik, weil er bei seiner Verdampfung die Menge der Gase vermehrt.
1) Aeusserlioh zu erregenden Einreibungen (Bestandtheil der sogenannten Kestitutioiistluide) und zur Entfettung der Hufe, z, B. vor Anlegung des Defay'schen Hufkittes.
5) Pharmaceutisch benützt man den Aether als Lösungs­mittel für Jodoform, Jod, die Alkaloide etc. Besonders empfehlens-werth für die Desinfection von Wunden ist der .Jodoformäther (1:5).
, Contraindication. Die Anwendung des Aether ist wegen seines ins Fleisch übergehenden (Geruches contraiuilicirt bei den schlacht-baren Hausthieren.
Reg-eln beim Aetherisiren. Die bei der Aethernarkose anzuwenden­den Vo rsich ts m ass regel n sind im Allgemeinen dieselben wie beim Chloroform (vergl, 8. 112). Wegen der Feuergefährliohkeit des Aethers kommt jedoch noch die weitere hinzu, dass beim Aetherisiren kein ofi'enes Feuer in der Nilbo brennen darf. Die Technik der Narkose ist dieselbe wie beim Chlorolbrmiren; gewöhnlich träufelt man den Aether auf einen Schwamm oder auf ein Tuch. Die nothwondige Inhalationsdauer beträgt beim Pferde und Hunde durchschnittlich 5—15 Minuten. Grosse indivi­duelle Verschiedenheiten beobachtet man auch hier. So werden manche Pferde schon auf 50 lü0,O, manche Hunde auf #9632;r) 10,0 Aether narkotisirt. Vögel und Hunde verfallen zuweilen schon nach 1 Minute, Katzen schon nach einigen Sekunden in Narkose, Die Dauer der Narkose beträgt 3—5—10 Minuten; man muss daher je nach der Länge der Ope­ration von Zeit zu Zeit neuen Aether zuführen. Für Wiederkäuer ist die Aethernarkose gefährlich (Nigotin),
Die rectale Aetherisation, d. h. die Aetherisation vom Mastdarm aus durch gasförmig eingeführten Aether ist zuerst von Thiernesse (184!5j bei Hunden angewendet und neuerdings wieder von Oagny bei den Haus­thieren, namentlich beim Pferde, empfohlen worden. Cagny benutzt ein gewöhnliches Iteagensgläschen, das mit Aether gefüllt und mittelst eines Kautscbukschlauches mit einer in den Mastdarm eingeführten Cauüle ver-
Frölniei-, ArznoiraittelliOire. B, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9
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180nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aether.
luiiideii wird. Eiittatichen des BeagensglQsobens in eine Schale mit beissem
Wasser bringt den Actiior /um Kochen und Verdanipl'en. Oagny verbindet mit dem Aether gewöhnlich eine Morphiuniinjection, oder er benutzt eine Lösung von Choralhydrat in Aether (1 : 5), Vnv ein Pferd werden etwa (SO g Aether angewandt; die Aetherisation soll im Stehen des Pferdes vor­genommen werden können. Nach Seifert war übrigens weder bei rectaler noch bei stomaclükaler Verabreichung von 120 g Aether bei Pferden Nar­kose zu erzielen. Auch bei Hunden soll sich das Verfahren nach Cagny bewährt haben (Dosis: 50- -60 g Aether, kurzes Erregungsstadinm). Ausser-dem hat Oagny das Verfahren bei Schweinen mit Erfolg angewandt (Dosis: 80g Ohioraliither und 0,2 Morphium).
Die intravenöse Injection ist nicht empfol^enswerth. Nach Bouley hatten zwar 1() g Aether nach wenigen Sekunden Niederstürzen und Ein­schlafen bei einem Pferde zur Folge, so dass dasselbe operationsfähig war. Dagegen beobachtete Hering auf 15 g Aether nach fi Minuten zwar Ge­fühllosigkeit, aber eine eigentliche Narkose trat nicht ein, trotzdem nach Ablauf von 8 Minuten nochmals 15 g intravenös injicirt wurden.
Die Todesdosis des Aethers betrug in einem Falle beim Pferde 750 g nach fast einstündiger Inhalation (Seifert).
Dosis und Form. Mau kann den Acthcr auf verschiedene Applicationswoise und in verschiedenen Dosen verabreichen: inner­lich, aubcutan, als Inhalation undper rectum, sodann in grossen und kleinen Dosen. Suboutan wird er in kleinen Dosen am häutigsten als Exoitans angewandt, gegen Kolik gibt man ihn in mittleren Dosen per OS; zur Narkose wird er als Inhalation und per rectum in grossen Dosen gebraucht.
I.nbsp; nbsp;Als Excitans gibt man vom Aether suboutan für
Pferde und Hinder 10—25,0.
Schafe, Ziegen und Schweine 5—10,0.
Hunde 0,5—2,0.
Katzen 0,5—1,0.
Geflügel 0,25—1.0.
II.nbsp; nbsp;Gegen Kolik gibt man innerlich für
Pferde 25 — 50,0. Hunde 2—5,0.
III.nbsp; Zur Narkose braucht man in Form der Inhalation für
Pferde 200-500,0. Hunde 20—50,0.
Recepte.
ll Rp. Aetheria 20,0. Di S. '/mv suboutanen Injection für ein Pferd mit Brustseuohe (Herz-
scliwiiche).
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Bromätbylinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 131
•2) Bp, Spirit, BBtherel 25,0. M, 1raquo;. S, SatUndlioli 20 Tropfen In einem Esslöffel Wein oder Gaffe für einen II und mit nervöser Staupe (Oollaps),
:i) Rp, Infiisi Flor. Clininoinill. 2.r(,lt;J : 000,0. Aetheris 50,0. M. Iraquo;. s. Auf 3ma] einzusohütten für ein Pferd mit Krampfkolik,
•I) Rp, Aetheris 50,0.
Olei EUoini 600,0, M, D. s. Einzusohütten für ein Pferd mit Krampfkolik,
5) Rp, Aetheris
01, Terebinth, ää 25,0, Spirit, camphor. 250,0. M. I). iS. Aeusserlioh zum Einroiben bei Rheumatismus,
Aether bromatus. Bromtltliyl.
('#9632;,11,-, . Br,
Pharnmceutische Chemie. Der Aetlier bromatus (Aothylum bromatum, Aethylbromid, Bromäthyl, Bromäthor) wird durch Destillation eines Gemisches von Bromkalium (12), Alkohol (7) und Schwefelsäure (12) dargestellt. Er bildet eine klare, farblose, flüchtige, stark lichtbrechende, angenehm ätherisch rie­chende, neutrale Flüssigkeit, welche in Wasser unlöslich, dagegen in Weingeist and Aether löslich ist. bei 39deg; siedet und ein speei-Hsohes Q-ewicht von 1,445—1,450 besitzt.
Das Bromäthyl darf nicht verwechselt werden mit dem sehr ge­fährlichen Aothylenbromid, (VHJJr.,, mit welchem es zuweilen auch verunreinigt ist. Die Beimengung von Aothylenbromid zu Brom­äthyl bedingt eine Färbung des letzteren und einen unangenehmen, stechenden Geruch. Nach der deutschen Pharmakopöe dürfen #9632;gt; cem Bromäthyl mit 5 cem Schwefelsäure geschüttelt letztere binnen einer Stunde nicht gelb färben. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 35 Pfennig,
Wirkung und Anwendung. Das Bromäthyl wird beim Men­schen als lokales Anästhcticuni sowie zur Inhalationsnarkose in der Zahnheilkunde, bei chirurgischen Operationen, sowie in dor menschlichen Geburtshilfe an Stelle des Chloroforms an­gewandt und soll eine vollkommene Anästhesie bei ungetrübtem Be-wusstsein hervorrufen. Nach Müller ist das Bromäthyl auch zur Nnrkotisirung von Hunden wegen seiner üngefährlichkeit ein sehr
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132nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bromsalze.
empfeblenswerthea Mittel. Die Inhalation erfolgt in derselben Weise, wie beim Chlorotorin, die Dosis schwankt zwisohen 10 und 40 Grannn. Das Excitationsstadimii soll sehr kurz, die Narkose dagegen sehr tief sein, jedoch nur wenige Minuten andauern, so dass es bei grösseren
Operationen nioht gei'atheu ist, mit den Inhalationen zu paueiren. Durch eine vorherige Morphiumeinspritzung lässl sich nach M, das Excitationsstadium auf ein Minimum reduciren.
Die Bromsalze (Kalium, Xiitriuiu, Ammonium Itromaünn).
KBr.NaBr. Nll4Br.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Kalium bromatum, Brom­kalium, bildet glänzende, weisse, würfelförmige, luftbeständige, geruchlose Krystalle von salzig unangenehmem Gescbmacke. welche in 2 Theilen Wasser und 200 Theilen Weingeist löslich sind. Als Kalium Verbindung färben sie die Flamme violett, und liber-schUssige Weinsäure fällt Weinstein als krystallinischen Niederschlag. Als Brom v erbindu ng iärbt ihre wässerige Lösung mit wenig Chlor­wasser versetzt und mit Chloroform oder Aether geschüttelt letztere gelb (freies Brom); mit concentrirter Schwefelsäure erwärmt liefern die Krystalle gelbrothc Bromdämpfe; mit Silbernitrat gibt Bromkalium einen gelbweissen Niederschlag von Bromsilber, der in verdünnter Salpetersäure unlöslich und in Aetzammoniak schwer löslich ist (Iden­titätsreaktionen). A.B. 10,0 = 15 Pfennig; 100,0 = 1 Mark 10 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Bas Broinnatrium bildet ein weisses, krystallinisches, an trockener Luft nicht feucht werdendes Pulver, das sich in 2 Theilen Wasser und ö Theilen Weingeist löst und als Natriumsalz durch die Gelbfärbung der Klamme, als Brom Verbindung durch die beim Bromkalium erwähnten Bromreaktionen identiticirt werden kann. Vom Bromkalium ist es leicht durch das Fehlen der dort erwähnten Kaliunireaktionen zu unterscheiden. A.P. = Bromkalium.
3)nbsp; nbsp;Das Ammonium bromatum ist ein weisses, krystallinisches, in Wasser leicht, in Weingeist schwer lösliches Pulver, das als Ammoniumverbindung beim Erhitzen flüchtig ist. Als Brom­verbindung besitzt es dieselben Reaktionen wie Bromkalium und Brom­natrium. Als Ammoniumverbindung entwickelt es beim Erhitzen mit Natronlauge Amnumiak.
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Bromsulzcnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 138
Darstellung des Bromkaliums. Man stellt. Broiukiilhiiii dar durch Einleiten von Broindilmpfen in Kulilauge und naehheriges (llühen des entstandenen bromsauren Kaliums mit Kohle nach der Formel: I) 6Br -• lt;1KH0 = 6BrK Br03K BHoO. 11) BrOgK Oj, = BrK -|- 300. In ähnlicher Weise wird Brom natrium durch Einleiten von iirom-dümpf'en in Natronlauge dargestellt. Bromammoniuin endlich wird durch Eintragen von Brom in Amnioniak (oder durch Sublimation von Bromkalium mit schwefelsaurem Ammoniak] gewonnen.
Prüfung des Bromkaliums. Auf Brom natrium durch anfilng-iiche Gelbfärbung der Flamme; auf bromsaures Kali durch sofortiges üelbfilrben des auf weissem Porzellan ausgebreiteten, zerriebenen Brom-kaliums bei Zusatz, eines Tropfens verdünnter Schwefelsäure: auf kohlen­saures Kalium durch Blauen von rothom Lackinuspapier; auf Jod­kalium durch Violettfärbung von Chloroform, welches einer Lösung von 1 g Bromkalium in 10 ccm Wasser nach Zusatz von einigen Tropfen Eisen-cbloridlösung hinzugefügt wird; auf Schwefelsäure durch Trübung von 20 g einer 5quot;/oigen Lösung mit 4 Tropfen Biiryumnitratlösung: aufOhlor-kalium durch massanalytisohe Methode mittelst Silbernitrat. In ähnlicher Weise erfolgt die Prüfung des Natrium und Ammonium bromatum. — Eine neue liroinVerbindung ist das Bro m cal ciu m und Bubidium-Ammonium bromatum. Vergl. ausserdera B ro m k amph er, Brom-äthyl, Bromalhydrat und Bromoform.
Wirkung der Bromsalze. Die genannten Bromsalze haben eine gemeinsame Brom Wirkung, welche auch im Wesentliohen ihre Hauptwirkung ausmacht. Sie unterscheiden sich nur dadurch, (hiss das Bromkalium als Nebenwirkung in grossen Dosen noch eine läh-mende Kaliumwirkung auf das Her/ (Verlangsamung der Herz-tliätigkeit, Sinken des Blutdrucks und der Temperatur) und die Körper­muskulatur besitzt, während das Bromnatrium als Natriumsalz milder wirkt und dem Bromammonium noch gewisse schwache Am­moniumwirkungen sowie eine ziemlich leichte Zersetzharkeit eigen ist. Diese Unterschiede haben aber in praxi nur bei sehr grossen Dosen oder bei sein- langer Verabreichung einige Bedeutung; die weitaus wichtigste Wirkung ist die im Folgenden näher zu er­örternde Brom Wirkung.
1) Das Wesentliche der Bromwirkimg in mittleren Dosen be­stellt in einer Verminderung aller Reflexe;. Zuerst wird die Leitung zwischen den sensiblen Gohirnneiven und den psy-chomotorischen Rindencentren des Q-rosshirns aufgehoben; die Folge davon ist die Unempfhulliclikeit der Schleimhaut der Nase, dos Rachens, Gaumens, Kehldeckels, der Conjunctiva und Cornea. In sehr grossen Dosen entsteht auch eine Unemplind-lichkeit der Barnröhrenschleimhaut, Sohddenschleünhaut und zuletzt
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131nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Brüinsalzc.
dor ttusseren Haut. Eine eigentUohe Hypnose wird durch die Brom-salze niciit erzeugt, sondern nur psyohisolie Depression, A-bstumpfung und Mattigkeit.
2)nbsp; nbsp;Die elektrische Reizbarkeit des Grosshirns wird stark herabgesetzt, wenn Versuohstbieren Bromsalze längere Zeit binduroh verabreicht werden. Elektrische Reizung (lc;r motorischen Oentren der Q-rossbirnrinde bei Hunden nach vorausgegangener Trepanation er­zeugt dann keine epilepti formen Krämpfe mehr. Dieses Ex­periment stimmt mit der Thatsache llberein, class Epilepsie durch Bromsalze beilbar ist. Man führt dies, wie auch die Herabsetzung der Reflexerregbarkeit, auf eine Äbscheidung von freiem Brom inner­halb der Nervenzellen zurück, wodurch die Leitungsfähigkeit der­selben vermindert wird.
3)nbsp; nbsp;Auch im Genitalapparat lässt sich eine Abnahme und seihst völlige Aufhebung des Q-eschlechtstriebes in Folge Lähmung der sensiblen, reilexleitenden Nerven durch die Bromsalze nach­weisen.
4)nbsp; nbsp;Nach fortgesetzter Aufnahme grösserer Brommengen entsteht eine chronische Bromvergiftung, der sogenannte Hromismus. Dieselbe äussert sich in psychischer Depression, Abmagerung, lilh-nuingsa rtiger Schwäche. Impotenz. Zittern. Conjunctivitis, La­ryngitis, Bronchialkatarrh, Magendarmkatarrh, sowie in Ekzem-bildung auf der Haut (Urticaria, Furunculosis, Acne, Gresohwüre etc. in Folge Ausscheidung freien, reizenden Broms in die Talgdrüsen und Sohweissdrüsen der Haut; Bromexantbem), Die Section er­gibt ausgebreitete parenehymatöse Myelitis sowie stellenweise Sklerosh'ung des Rückenmarks, parenehymatöse Veränderungen der cerebralen Ganglienzellen (Volumsvergrösserung) neben fettige r M u s k e 1 e n t a r t u n g.
ö) Die Ausscheidung der Bromsalze geschieht durch alle Secrete; dieselbe ist aber eine ziemlich langsame, weshalb bei längerer Hromverabreicbung in Folge der Anhäufung der Bromsalze im Körper, namentlich im Gehirne, eine cumulirende quot;Wirkung eintritt.
Toxikologie. Giftige Gaben der Bromsalze wirken tödtlicb durch Lilhni u n g des Herzens und der Athmnng. Hunde sterben iiitch einmaligen Dosen von 20—50 g, Pferde nach 250^800 g. in einem Fidle konnte ich hei einem an Starrkrampf erkrankten Pferde, welches innerhalb 4 Tagen 600g Broinkalinm erhalten hatte, ein über den ganzen Körper verbreitetes Broniexantlieni mit starker Schwellung und t.heilwoiser Nc-krose der Haut beobachten.
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lirumsalzi',
131
Anwendung. 1) Die Bromsalze sind zur Zeit als laquo;lie zuver­lässigsten Mittel gegen Epilepsie und epileptiforme Kränij)!'e zu bezeichnen. Sie müssen jedoch längere Zeit hinduroh und in grösseren Dosen gegeben weiden. Heim Menschen beträgt tier Pro-centsiitz der dureb Brompräparate geheilten Fälle von Epilepsie bis zu 10quot; o; ebensoviel dürften dieselben beim Hunde betragen. Beim Hunde werden misserdem uueh die im Verlaufe der Staupe auftre­tenden epilepti formen Anfälle sowie die als -Xachkmnkheit zu­rückbleibenden M uskelzuckungen wirksam durch Hromverbindun-gen bekämpft. Das Hroinnatrium ist biebei seiner milderen Wirkung halber dem Bromkalium vorzuziehen oder wenigstens mit demselben zu coinbiniren.
-) Bei Starrkrampf, StrychninVergiftung, Eklampsie und anderen Krampfformen.
3) Als Sedativ um bei allen Erregungszustilnden des Q-ehirns, ferner bei Herzklopfen, abnormem Erbrechen, Krampf-h usten.
1) Gegen abnorm gesteigerten Geschlechtstrieb besonders beim Kind (Stiersucht).
5) Als Narcoticum zu Operationen im Rachen und K ehl köpf.
Dosis und Form. Wegen der Zersetzlichkeit der Brompräpa­rate bei längerer Aufbewahrung an feuchter Luft und dem Frei­werden von Brom, welches die Magenschleimhaut stark reizt, ver­schreibt man die Bromsalze womöglich nicht in Pulverform, sondern in wässeriger Lösung (Pferden wohl auch in frisch bereiteten Latwergen). Die Einzeldosen betragen für
Pferde und Rinder Schafe und Schweine Grosse Hunde . Kleine Hunde .
Katzen......
Hühner.....
Tauben .....
20—50,0
bis
zu
150,0
pro die.
5-10,0
w
raquo;
25,0
n n
1— 2,0
!1
;i
10,0
ii ii
0,25— 1,0
n
raquo;
3,0
n ii
0,2.quot;)— 0,5
n
n
2,0
n ii
0,2
•i
n
1,0
1! 11
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n
51
0,5
11 11
Hei Epilepsie gibt man die genannten Einzeldosen Sstündlich 8 bis 14 Tage hinter einander fort; bei Starrkrampf. Strychnintetanus etc. gibt man wohl auch einmalige, grössere Gaben (das Doppelte der ein­fachen Dosis).
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136nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Brontwalae.
Recepte. ,
1)nbsp; Up. Nutrii bromati 80,0.
Aqu, ik'still. ;!00,0. M, I). S. Tiiglich 4 HsalöiVcl (Theelöffel) für einen ^rossen (kleinen) Hund mit Qpilepsie.
2)nbsp; nbsp;H|gt;. Xntrii bromati 100,0.
I'ulv. Rad. Liquirit, 26,0, l'ulv. Rad, Althaeae 50,0. Aqu. qu. B, f, lOlootuar. M, 1gt;. 8. Auf 2inal für ein Pferd mit Etttokenmarksentztiudung,
8) Rp. Kalii bromati 100,0.
Infiisi Rad, Valerian. 1000,0 (ex 50,0 parati). M.D. S. Die Hälfte tiiglieh einem Kinde einzuschütten gegen Stiersuoht,
4)nbsp; Rp. Kalii bromati 25,0.
Gummi arabio. pulv. 10,0. Aqu. oommun. 250,0. M. 1). S. Zu Klystieren für ein Schwein mit Krumpfen.
5)nbsp; Rp. Kalii bromati 150,0.
Divid. in part, aecpial. jSTr. I1J. D. S. Sstündlioh ein Pulver mit '/' 1 Wasser zu einem Klystier für ein Pferd mit Starrkrampf.
(i) Rp. Natrii bromati 10,0. Chloral, liydrat. 5,0.
Maoerat, Scmin. Lini 300,0 (ex 25,0 parat.). M. D. S. Auf 2mal innerhalb 6 Stunden einzuschütten für ein Schaf mit Qehirnkrämpfen,
7)nbsp; Rp. Natrii bromati 10,0.
Morphin, hydrochloric. 0,1. Aqu. destillat. 150,0. M. D. S. 4 Essliill'el (Theelöll'el) täglich für einen Hun d mit Krampflmsten.
8)nbsp; Rp. Kalii bromati 5,0.
Aqu. destill. 250,0. M. D. S. Tiiglieh 2 Esslöffel Theelöfl'cl) für ein Hu Im (Taube) mit Epilepsie.
9)nbsp; Rp. Natrii bromati
Kalii bromati aa 5,0. Ammonii bromati 2,5. Aqu. destill. 150,0. M. D. S. Sstündlioh einen Esslöffel (Tlieelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Epilepsie (sogenanntes Bromwasser, Aqua bromata, besser: Aqua salium liromi).
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Sulfonel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 137
Sul t'oiiiilu in. Siili'onul.
ch, ,^su2. cvns
Cll;,-^ -SO,. C2H5.
Pharmaceutische Chemie. Das Suli'oual ist eine mis Aceton = CO(OH8)9 und Aetliylmorcaptiui = 08H6SH dargestellte Verbin­dung, welche chemisch einerseits zu den Acetalen, d, b. aldehyd-artigen Körpern, andererseits zu den Sulfonen, d. li. schwefel­haltigen organischen Verbindungen zu rechnen ist, wie dies auch im Namen „Sulfonalquot; ausgedrückt ist. Es ist genauer m.1s Diäthylsulfon-Dimethy 1 in etha n aufzulassen.
Methannbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Acotalnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Sulfonal.
Dan Sulfonal bildet farblose, geruchlose und geschmack­lose prismatische Krystalle, wclclie in kaltem Wasser sehr schwer löslich sind (1 : 500), In heissem Wasser lösen sie sieh 1 : 15, femer sehr leicht in heissem Alkohol (1 : 2), Der Schmelzpunkt liegt zwi­schen 125 und 126deg;, Wird 0.1 g Sulfonal mit gepulverter Holz­kohle im Probirrohre erhitzt, so tritt der charakteristische Mercap-tangeruch auf. A.P. 1,0 = 10 Pfennig; D.P. 100,0 = 3 Mark 50 Pfennig.
Prüfung'. Das in Deutschland ofHcinelle Sulfonal soll beim Lösen in siedendem Wasser keinen (Jeruch entwickeln. Diese wilsserige Lösung soll ferner, nach dem Erkalten filtrirt, weder durch Baryumnitrat- noch Silbernitratlösung verändert werden. 1 Tropfen Kaliumpennanganatlösung darf durch 10 ccm jener Lösung nicht sofort entfärbt werden.
Wirkung und Anwendung. Das Sulfonal ist von Käst (1888) als vorzügliches Hypnoticum für dem Menschen empfohlen worden, welches das natürliche Schlafbedürl'niss unterstützen und da, wo es fehlt, hervorrufen soll. Das Sulfonal soll ferner wegen seiner abso­luten Q-eruoh- und Q-eschmaoklosigkeit sowie wegen seiner ün-gefährlichkeit und der Sicherheit seiner Wirkung den anderen Schlafmitteln überlegen sein. Die Dosis für den Menschen be­trägt 1-3 g.
Meine eigenen Untersuchungen mit Sulfonal bei den Hausthieren (Berliner Archiv 1889) haben zunächst ergeben, dass das Mittel offenbar nicht für alle Thiere gerucli- und geschmacklos ist, namentlich nicht
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188nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sulfonal.
für Pferde und Schafe. Am hosten bewährt sich das Sulfonal als Hypnoticuun für Hunde. Gesunde Hunde lassen sich ebenso wie kranke durch Sulfonal (0,5—1,0) in einen tiefen, 15—IQstündigen
Schlaf versetzen, ohne eine schädliche Nebenwirkung des Mittels er­kennen zu lassen. Therapeutisch erwies sich nach meinen Beobach­tungen das Sulfonal insbesondere als ein sehr gutes Sedativum und Hypnoticum bei epileptiformen und eklamptisohen Krämpfen, A ufregungszuständen,Q ehirnhyp er ämie, Zwangsbewegungen, chronischen Muskelzuckungen etc. Bei Pferden, Rindern und Schafen scheint das Sulfonal keine ausgesprochene hypnotische, sondern nur eine lähmende Wirkung auf das Rückenmark und die Körpermuskulatur zu besitzen, weshalb es gegen Starrkrampf ver­sucht werden kann. — Bezüglich der Ausscheidung des Sulfonals aus dem Körper wird angegeben, dass es in zersetztem Zustande als Sulfosäure im Harne auftrete. Meine eigenen Untersuchungen haben ergeben, dass heim Pflanzenfresser (Pferd und Rind) nach grossen Gaben theilweise unzersetztes, reines Sulfonal durch den Harn ausgeschieden wird.
Toxikologie. Die tö dt liehe Dosis des Sulfonals beträgt nach meinen üntersuchnngen für Pferde und Hinder 150—200 g (0,5 pro Kilo Körpergewicht), während Hunde 1,0 Sulfonal pro Kilo Körpergewicht und selbst darüber ertragen. Kleinere Dosen (25—75,0) erzeugen beim Pferd und Kind Schwäche und Schwanken in der Nachhand ohne Schlafwirkung; grosse, tödtliohe Dosen bewirken auch bei diesen Thieren einen Tage lang andauernden, schlaf artigen Zustand, welcher mit hoch­gradig gesteigerter Ket'lexerregbarkeit und selbst mit Krämpfen abwechselt. Nach dem Ueberstehen der Vergiftung bleiben wochenlange Lähmungszustände zurück. Eigenthümlich ist, dass bei den mit Sulfonal vergifteten Thieren (Pferden, Kindern und Hunden) regelmässig eine hämor-rhagische resp. ulceröse Gastroenteritis zu constatiren ist, welche oöenbar mit die Todesursache darstellt.
Dosis und Form. Man gibt das Sulfonal Hunden einfach in Pulverform mit oder ohne Zusatz von Zucker. Die Dosis beträgt für grosse Hunde 2—4,0. „ kleine Hunde 0,5 — 2,0.
Recept.
Rp. Sulfouali pulv. 1,0. J). tal. dos. Nr. X. S. 'füglich 1—2 l'ulvei' für einen Hund mit nervöser Staupe.
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I'aralilcjliyil.
130
Paraldehydum^ Paraldehyd.
Pharmaceutische Chemie. Der Paraldehyd ist cine polymere Mocliflcation des Aldehyds, er ist 3mal Aldehyd ===8 CH.O. Die Aldehyde sind Oxydationsproduote der Alkohole, welche sich bei weiterer Sauerstoffaufnahme in Säuren umwandeln. Die Stellung- der Aldehyde zu den Alkoholen und Säuren veransohaidioht die nach­stehende Formel:
CH.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; CH,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;OK
CHjOHnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; COilnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;OOOH
Alkolinlnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aldehydnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ejssigsäure
0 \ook'
Paraldehyd,
Alle Aldehyde sind stark leducireude Körpei', welche sich schon an der Luft zu Säuren oxydiren und Metalloxydlösungen (Silbernitrat, Kupfervitriol, Wismuthnitrat) unter Bildung des sogenannten „Alde­hydspiegelsquot; durch Sauerstoffentziehung zu Metallen reduciren.
Der Paraldehyd bildet eine farblose, klare, eigenthümlich aromatisch riechende, in Verdünnung pfefferminzartig, con-centrirt brennend schmeckende Flüssigkeit, welche ] : 8,5 quot;Wasser löslich ist; specilisches Oewicht 0,998. In Alkohol und Aether ist Paraldehyd sehr leicht in jedem Verhältnisse löslich. Hei starker Abkühlung erstarrt er zu einer krystallinischen Masse, welche erst wieder bei -|- 10deg; schmilzt.
Darstellung. Aldehyd wird dargestellt aus Weingeist, indem man denselben durch ein Q-emenge von Braunstein und Schwefelsäure oxydirt, Paraldehyd wird aus Aldehyd durch Behandlung mit gasförmiger Salz­säure dargestellt. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 35 Pfennig.
Prüfung, Der in Deutschland offioinelle Paraldehyd soll sich in der lOfaohen Menge kaltem Wasser zu einer klaren, auch beim Stoben koine Oeltrüpfclien abscheidenden Flüssigkeit lösen, welche nach dem Ansäuern mit Salpetersäure weder durch Silbernitrat- noch durch Paryuiniiitratlösung verändert wird. Er soll ferner im Wasserbade erhitzt flüchtig sein , ohne einen unangenehmen Geruch zu hinterlassen. Endlich soll 1 cem Paraldehyd mit 1 cem Weingeist gemischt nach Zusatz eines Tropfens Normalalkalilauge keine saure Reaktion zeigen.
Wirkung und Anwendung. Der Paraldehyd ist von Cervello als ein Hypnotioum und Sedativuni in die medicinische Praxis eingeführt worden, welches angeblich frei von unangenehmen Neben-wirkungen sein soll. Seine hypnotisirenden Eigenschaften waren schon
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140nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ParaldeUyd.
lange bekannti Die intensiv berausobeade Wirkung des neuen, nodi giihreiulen Weines (des sogenannten Mostes) beruht nündieli auf dessen
Gehalt an Aldehyd und Paraldehyd. Beim Hunde ist die bypnoti-
sirende Kraft des Paraldehyds eine sehr bedeutende; dieselbe scheint nach meinen Beobachtungen selbst die des Ihpnons und lTrethans noch zu übertreffen. Heim Pferde dagegen erzeugt der Paraldehyd nach meinen Versuchen (Berliner klinische Wochenschrift und'Doutsche Zeitschrift für Tbiermedicin ISST) keine Hypnose, sondern er bedingt wie das Kali chloricum eine Auflösung der rotheu Blutkörper­chen mit nachfolgender Häinoglobinämie und Hämoglobin-urie. Diese hlutaul'lösende Wirkung des Paraldehvds erklärt sich aus seineu reducirenden. Sauerstott' entziehenden Eigenschaften, Die letzteren lassen sich experimentell auch noch auf andere Weise do-monstriren. Bringt man frisches Blut mit Paraldehyd zusammen, so verwandelt sich die blutrothe Farbe alsbald in eine schwarzbraune, theerähnliche, und die so veränderte Flüssigkeit zeigt spectroskopisch den Resorptionsstreifen des reducirten Hämoglobins. Versetzt man ferner einen Tropfen Blut mit einem Tropfen Paraldehyd und unter­sucht die Mischung mikroskopisch, so sieht man. dass die rothen Blutkörperchen zackig und sternförmig werden und zu einem form­losen Detritus zerfallen. Die letzteren Blutveränderungen (Poikilo-cytose) habe ich auch bei Hunden intra vitam bei gewöhnlichen narkotischen Dosen wahrgenommen. Nach Popow verursachen auch beim Hunde grosso Q-aben Paraldehyd Hämoglobinurie in Folge Auf­lösung der rothen Blutkörperchen. Aus diesen Gründen ist für alle Fälle vor der Anwendung des Paraldehvds heim Pferde zu warnen. Aber auch beim Hunde, bei welchem ich selbst in zahl­reichen Fällen von Erregungs- und Krampfzuständen eine sehr gute narkotische Wirkung constatiren konnte (in Dosen von 10—25,0 per os), ist wegen der Einwirkung des Mittels auf die Blutkörperchen die Anwendung besser zu unterlassen.
Nach Popow hat der Paraldehyd auch antiseptische und antifermentative Eigenschaften. 20/oige Lösungen halten die Päul-niss des Fleisches 2 Monate, 1J2 0/oige 2 Wochen auf; die letzteren verhindern auch die Zersetzung des Harns und die weingeistige (lährung.
Toxikologie. Hei Pferden, welchen 200 g Paraldehyd eingesobtittet wurden, konnte ich aussei1 leichtem Schwanken nichts Besonderes wahr­nehmen. Dagegen trat nach einer Gabe von 450 g sehr starkes Schwanken und Taumeln, sowie eine gelbrothe Verfilrbung der sichtbaren Schleim-
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Amylnitrit.
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liilute f;iii: im Hani land sieli EälQOglobin. Der Kintritt von Schlaf wurdo jedoch nach dieser Dosis nicht beobaohtet, das betreffende Pferd hlieb vielmehr stehen, und das Schwanken und Taumeln war mich etwa einer Stunde wieder verschwunden. 500 g Paraldehyd (1,5 g pro kg Körper­gewicht) auf einmal verabreicht riefen hei einem andern Pferde plötzliches
Taumeln und Jiihes Zusammenstürzen noch während des Einschüttens hervor. Das am Boden liegende Thier war /.uniiclist sehr aufgeregt, athmete angestrengt und strampelte mit den Füssen; darauf folgte ein Zustand grosser Apathie, Schwäche und Empfindungslosigkeit, und 10 Minuten nach Beginn des Versuchs gelbe Verfärbung der Schleimhäute. Der Harn ent­hielt grosse Mengen (bis zu ^quot;lraquo;) Hämoglobin neben Ilämoglobincylindern. Die hochgradige Schwäche des Thieres hielt 1-Stunden an; aber auch noch in den darauffolgenden Tagen dauerte eine gewisse Mattigkeit an und das Pferd zeigte in den nächsten Wochen eine auffallende Abmagerung und Anämie. Hunde zeigten bei tOdtüoben stomaohikalen Dosen (3—4,0 pro kg Körpergewicht) zunächst Gleichgewichtsstörungen bei völlig erhaltenem Bewusstsein; die Narkose des Grosshirns trat erst später ein. Medikamen­telle Dosen riefen nach einem kurzen Aufregungsstadium einen bis zu s Stunden andauernden Schlaf hervor,
Amyliiuu iiilrosmii. Amylnitrit.
OsHn . XO,.
Pharmaceutische Chemie. Das Amylnitrit ist eine klare, gelb­liche, flüchtige, angenehm fruchtartig riechende und gewürz­haft brennend sohmeokende Flüssigkeit, welche in Wasser kaum löslich, dagegen mit Alkohol mul Aether in allen Verhältnissen mischbar ist und angezündet mit gelber, leuchtender und russender Flamme verbrennt. Mit Eisenvitriol und etwas Salzsäure vorsetzt entsteht Brannfärlumg (Nitritreaktion). Am Lichte zersetzt sich das Amylnitrit leicht.
Darstellung. Durch Einleiten von salpetriger Säure (NCK,) in er­hitzten Amylalkohol (CjHnOH).
Prüfling. Auf grössere Mengen freier Säure, durch Röthung blauen Lackmuspapiers durch eine Mischung von 5 Theilen Amylnitrit und 1 Thoil aufs Zehnfache verdünnten Salmiakgeist: auf Valaldehyd (Aldehyd des Amylalkohols) durch Silbovreduction (Bräunung resp. Schwärzung) beim Erwärmen von 1 Theil Amylnitrit mit !i Theilen einer Mischung von Am­moniak und Weingeist aa. A.P. 1,0 = •) Pfennig.
Wirkung. 1) Das Amylnitrit ruft heim Menschen schon in wenigen Tropfen eingeathraet starke Röthung des Gesichtes, Heisswerden des Kopfes, Erweiterung dor Arterien und Klopfen der Carotiden hervor; die Ursache hievon ist in einer vornhergehenden Lähmung des
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142nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Nitroglyoorin,
vasoraotorisohen Oentx'ums in der Medulla oblongata in Verbindung mit einer dü'ekten Erregung der peripheren Q-efäsanerven (Vasodilatatoren) zu suchen. Weiterhin führt das Amylnitrit zu einer Narkose des Q-ehirna mit atax'kem Sinkendes Blutdrucks, an welche sich beiThiei'en tetanisohe Krämpfe und zuletzt A.thmungslähmung anaohlieasen.
2) l)i(^ i'othen Blutkörperchen werden durch gi'öaaere Gaben von Amylnitrit zersetzt und es entatehtHftraoglobinftraie (Nitritwirkung); die Saueratoffaufnahme im Blute ist stark vermindert. Bei Kaninchen entsteht nach Anwendung von Amylnitrit Glykosurie (Gefftsaerweite-rung in den Lebergelasscn oder im verlängerten Mai'k?), quot;Heim Menschen hat man ausaerdem vorübergehend Gelbsehen (Xanthopsie) eintreten sehen.
Anwendung. Die erweiternde Einwirkung des Annlnitrits auf die Gefäsae hat y.n der Anwendung des Mittels bei gewissen auf Ge-ftesverengerungen fesp, Geßlsskrampf beruhenden Krankheiten, so namentlich bei der als Angina peotoria bezeichneten Eerzneuralgie des Menschen geführt. Auch bei Epilepsie, Eklampsie. Starr­krampf, epileptiformen Krämpfen sowie bei allen Oollaps-zuständen und bei Chloroform Vergiftung u. a. w, wird Amyl­nitrit in Form der Inhalation oder innerlich resp. suheutan angewandt.
Die Dosis des Amylnitrits beträgt heim Menschen 1—5 Tropfen zur Inhalation. Bei Thieren (Hunden) habe ich das Mittel gegen verschiedene Krampfzustände ohne wesentlichen Erfolg angewandt.
t Nitrogiycerinum. 1 las Nitroglycerin, C;)ll;,(NO:,);) wird aus G lycer i a und Salpetersäure dargestellt und ist chemisch als Glrcerinnitrat oder Siilpetersaures Glycerin, nicht aber als NitroVerbindung aufzufassen, (Ein Gemenge von Nitroglycerin und Kieselgubr ist als „Dynamitquot; bekannt). Es bildet eine farblose, ölige, geruchlose Flüssigkeit, welche auf Stoss oder Schlag mit grosser Vehemenz explodirt („Sprengölquot;); die Aufbewahrung ist daher eine gefährliche und muss in verdünntem Zustande (mit Spiritus oder Oel) geschehen'. Das Nitroglycerin löst sich 1:4 Alkohol, ausserdem in Aether und Chloroform. Das Nitroglycerin zersetzt sich im Körper zu salpetriger Siiure, Es besitzt daher dieselbe Nitritwirkung wie Amylnitrit: es lähmt die Sensibilitllt und Reflexerregbar­keit, verlangsamt die Athmung und den Herzschlag, setzt den Blutdruck herab und erniedrigt die Temperatur; ausserdem erzeugt es in giftigen Dosen Ilänioglobiniim ie. Auch Glykosurie hat man nach seiner An­wendung bei Thieren beobachtet. Das Nitroglycerin wird beim Menschen in Dosen von '/a 1 mg in alkoholischer Lösung bei allen Angioneurosen, so bei Asthma, Angina pectoris, Homikranie, sowie als Excitans bei [Trilmie etc. gegeben. - - In der Thierbeilkundo sind über das Mittel noch keine Erfahrungen gewonnen.
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Aiiiylcüiliydrat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\lt;\;\
f Natrium nitrosum. Natriumnitrit. Das Natriuiiiiiitrit, NaNOj (salpetrigsaures Natrium) wird durch (ilülien von Ohilisalpeter mit Kohle gewonnen: NaNOg -| C = NaNO.; -|~ CO. Es bildet ein woisses, krystal-linisclies Pulver von ki'ililend-sal/.igom Gesclunafke, welches in Wasser loielit löslich ist. Die Lösung wird auf Zusatz von .Jodkalinin-Stiirkekloister und einigem Tropfen verdünnter Schwefelsäure unter Freiwerden von Jod blau gef'ilrbt (Nitrit reactionl. Als Nitritverbindung stimmt das Natrium­nitrit in seinen Wirkungen mit dem Nitroglycerin und Amylnitrit überein. Eh erzengt beim Menschen in kleinen Dosen Erweiterung der Arterien, Reit hung des Gesichtes und Klopfen der Carotid en. späterhin Schwindel, Schwäche und Gyanose; in giftigen Dosen bei Tliieren Hämo-globinämie, Lähmung des Oentralnervensystems und namentlich Liih-muug der Vasomotoren. Mau wendet es neuerdings beim Menschen in Dosen von 0,5 — 2,0 bei Epilepsie und Angina pectoris an. — Nach Binz und Barth sind die nach Vergiftung mit Chilisalpeter bei den Hausthieren häufig beobachteten plötzlichen Todesfälle auf einen Gehalt des Chilisalpeters an Natriumnitrit zurückzuführen. Auch bei jenen Vergiftungen erfolgt der Tod oft unter Erscheinungen der Narkose (Tau-inelu) und man findet bei der Sektion eine hilmorrhagische Gastroenteritis, wie bei der experimentellen Natriumnitritvergiftung, in sein- vielen Fällen sind übrigens die betreffenden Chilisalpetervergiftungen auf eine wirkliche Salpetervergiftuug zurückzuführen, worauf ich schon früher mit Btioksicht auf die zuweilen aufgenommenen grossen Salpetermengen hingewiesen habe (llepertorium für Tliierheilkunde 1880). Vergl. auch Näheres beim Chili­salpeter.
Amylenum hydratnm. Ain.vlciilijdrat.
ÖüHjo . HjO.
Pharmaceutische Chemie. Das Amylenhydrat wird aus Amylen und Schwefelsäure (largostellt und bildet eine klare, farblose, flüchtige, neutrale Flüssigkeit von cigentlumdidieni, ätherisch gewürzhaftem Q-eruche und brennendem Geschmacke, welche in 8 Theilen Wasser löslich, sowie mit Weingeist, Aetlier, Chloro­form, Q-lycerin und fetten Oelen klar mischbar ist, bei circa 100deg; siedet und ein spccilisclies Gewicht von 0,815—0,820 besitzt. Das in Deutschland oflicinelle Präparat wird in der Weise geprüft, dass 20 com der wässerigen Lösung (1 : 20) nach Znsatz von 2 Tropfen Kaliumpermanganatlösung innerhalb 10 Minuten letztere; nicht ent­färben dürfen. Das Amylenliydrat ist vorsichtig und vor Dicht ge­schützt aufzubewahren, A.P. 1,0 10 Pfennig.
Wirkung und AnwenduHg. Das Amylenliydrat ist von Mering als ein sehr gutes Hypnoticum empfohlen worden, welches das Herz, den Blutdruck und die Atlimung nicht beeinflussen und keine
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14-1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;l'oti'oleumbenzin.
unangeaebmen Nebenwirkungen besitzen soll. Die Dosis betrügt für den Menschen 3—5,0, innerlich oder per olysma, NachNigotin
ist es wegen seiner stark reizenden und ätzenden Eigenschaften in der Thierheilkunde als Narooticum nicht verwendbar.
Benzlnum Petrolel. Petroleombeuzlii.
Pharmaceutische Chemie. Das Petroleumbenziii wird als Nehen-produot bei der .Rectification des amerikanischen Petroleums durch fi'actionii'te Destillation gewonnen, indem es bei 60—75quot; übergebt. Es ist ein Gemenge von Kohlenwasserstoffen der Formel C H(2x-i-l'i und bestellt in der Hauptsache aus O,,!!,. (Oapronylwasser-stoff oder Hexan) neben Heptan (p7HjU). Es bildet eim; farb­lose, klare, nicht fluorescirende, leichtentzündliche inüssig-keit (Vorsicht wegen Peuergefähi'lichkeit!) von starkem, nicht unangenehmem Gerüche, vom speeiflschen Gewichte (U)4—0,G7, welche Fette und Harze leicht löst, mit Wasser nicht mischbar ist, dagegen leicht mit Alkohol (1: 5—(gt;), Aether, fetten Oelen etc. Nach der deutschen Phanaakopoe darf eine Mischung von '2 Theilen Petroleumbenzin mit einer erkalteten Mischung von 1 /Theil Schwefel­säure und 4 Theilen rauchender Salpetersäure sich nicht färben oder nach Bittermandelöl riechen (Steinkohlenbenzin, das in Nitrobenzol übergeht und fremde Brandöle).
Aether Petrolel. Der Petroleumäther (Ligroftie, Kerosolen), ist
fast identisch mit 1'e troloumb o n z in, weshalb häufig Petroleum-bonzin und l'etroIounuUher für gleichbedeuteud .genommen werden. Der Petroloumäther (Petroleuiniiaplitha) wird ebenfalls als Nebenproduot bei der Bectifioation des amerikanischen Petroleums gewonnen, und zwar geht er über bei 45—HOquot;: er ist also ein niedriger siedender Bestandtheil des Pe­troleums, als das Benzin. Auch or bildet oiu Gemenge von Kohlenwasser­stoffen der Formel CxH(8x-t-8) und besteht hauptsächlich aus Fentan (OgH^, Amylwasserstott') neben Hexan (C|;H|,|). Er bildet eine wasserhelle, leicht flüchtige, sehwach nach Petroleum riechende und sehr leicht brennbare Plüssigkeit vom speeifischen Gewichte 0,(37—0,t)75.
Benzol. Das Benzol oder St einkohlen benzin hat die Formel (Jj^Hu und wird durch Destillation aus dem Stoinkohlentheer gewonnen. Es hat demnach mit Petroleumbenziii und Petroleumäther gar nichts zu thun, w i r d a 1) e r h ä u fig mit diesen beiden v e r w e c h s e 11. Es gehört nicht in die Gruppe der Narcotioa, ist vielmehr ein starkes Anti-septicum und A n t iscabiosu m , das wohl auch innerlich gegen Ein­geweidewürmer gegeben wird. Das Petroleumbenzin ist weder ein
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rretlinn.
Ul
Antiseptioum nodi ein starkes Antiporasitioutn: wo iiher cllosbezügliobe Wirkungen berichtet wird, hat sicher eine Verwechslung mit Benzol (Stein-kohlenbenzin) stattgefunden,
Petroleum. Das Brennpetroleum (rafänirtes Petroleum, Steinöl) ist ein Gemenge von sehr zahlreichen Kohlenwasserstoffen der Formel CxHax-t-a und zwar besteht es namentlich ans Oetan, Nonan, Dekan und den folgenden Homologen bis zum Hoptadekan (O17H3B). Es hat keine starken antiparasitären, sondern in der Hauptsache nur anästhesirendo und reizende Eigenschaften ; sein Nutzen als Päudemittel ist folglich. Nach den Unter-SUchungen von Müller starben Aearnsinilben in Petroleum erst nach 1 Stunde, Sarcoptesniilben in einer '/j, Derniatoryktesmilben in ^'i Stunden. Auch die Giftigkeit des Petroleums ist keine so starke, wie gewöhnlich angenommen wird j es wirkt, innerlich gegeben, erst in grossen Dosen tiidt-lich durch Gastroenteritis. Kaninchen ertragen bis 15 ccm ohne Reaktion (Lassar).
Wirkung und Anwendung des Petroleumbenzins. Die Wirkung des Petroleumbenzins und -Aethers ist im grossen Ganzen dieselbe, wie die dos Sohwefeläthers und Elssigäthers. Auf der Qaut entsteht Kältegefühl und lokale Anästhesie, eingeathmet erzeugen beide .Narkose und allgemeine Anästhesie. Die Anwendung ist nur eine äusserliohe zur Erzeugung einer lokalen Anästhesie (1 :4 Aether) und als reizende Einreibung gegen Rheumatismus. Ausserdem kann man auch das Petroleumbenzin zum Entfetten z. B. der Hufe an­wenden. Bekannt isl seine Verwendung im Hausgebräuche als so­genanntes „Heckwasserquot;. Endlich dient es als Reagens and Ex-tractionsmittel namentlich für Alkaloide. A.P. 100,0 = 35 Pfennig.
t Urethaniun. Drethau.
t,()^NH,
Pharmaceutische Chemie. Das Urethau ist ein Derivat des Harnstoffs resp, der Oarbaminsäure:
uu^OH
00
.NH,
^0 . 08H(
Harnstoff
Oarbaminsäurenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Urethan.
Es ist seiner cheiuisclienZusanunensctzungnacli( 'ar])aminsäure-Aethyläther. Das Urethan bildet färb- und geruchlose Krystalle von kühlendem, salpeterähnlichem Geschmacke, welche angezündet ohne Rückstand verbrennen und in Wasser, Al­kohol etc. leicht löslich sind. Mit concentrirter Schwefelsäure geben sie eine farblose Lösung, welche beim Erhitzen aufschäumt und ein
Frühnor , Arznpimitti'llclire. 3. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10
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146nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Uretlian.
färblaquo; und geruoliloses Gas (KohlenBäure) entweichen lässt. Mit K:ili-lauge erhitzt entwickelt sich gasförmiges Ammoniak neben Alkohol (Identitätsreiiktion). Es wird dargestellt durch Erhitzen von sillpotcrsiui re m Harnstoff und Alkohol nach der Kormol:
C0NH, H0.0A = C0^H58Hs NH8 Harnstonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Weingeistnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Urothan Aüunoniak.
A.P. 1,0 = 10 Pfennig; D.P. 100,0 = 4 Mark.
Wirkung und Anwendung. Das Urethan ist von Kohert als Hypnotioum bei allen ErregungSZUStänden lies Gehirns empfohlen worden; die Urethanhypnose soll dabei dem physiologischen Schlafe am näclistcii kommen. Nach meinen Untersuchungen (Deutsehe Zeit­schrift für Thiermedicin 1887) ist das Mittel für Hunde ein ganz vorzügliches Sedativum und H.vpnoticum. welches sieh ins­besondere bei nervöser Staupe, (i eh irnkräm pl'en, Epilepsie,. Rollkrankheit sowie in allen Erregungszuständen des Q-ehirns sehr bewährt hat. Q-rosse Dosen erzeugen in allen Fällen und zwar durchschnittlich nach einer halben Stunde tiefen, bis zu 7 Stunden anhaltenden Schlaf. Dagegen eignet sich das Urethan als Hvpnotieum zur Anwendung für Pferde nicht. Dieselben zeigen nämlich auf 50—100 g Urethan keine sichtbare Reaktion. 200 g erzeugen nur vorübergehende Eingenommenheit des Sensoriums sowie leichte Gleich­gewichtsstörungen; 400 g hatten unsicheren Gang, Schwanken, starke Mattigkeit sowie Abnahme des Gefühlvermögens zur Folge. Dagegen konnte ich trotz dieser grossen Dosis (dieselbe beträgt das 100—200faohe der Dosis für den Menschen) keine hypnotische Wirkung beim Pferde constatiren.
Toxikologie. Die tOdtliehe Dosis des Urethans für Hunde be­trügt 2,5 g pro kg Körpergewicht (50 g für einen mittelgrossen Hund). Die Thiere verfallen in tiefen Schlaf, die sensiblen Nerven der Körperober­fläche (Haut, Cornea) sind gelilhmt und der Tod erfolgt unter den Er­scheinungen der Athmungs- und Herzliihmung. Einzelne Thiere zeigen auch starke Lilhrnungserscheinungen in der Hinterhand.
Dosis und Form. Man kann das'Urethan sowohl in Pulver­form, als in wässeriger Lösung in Verbindung mit einem Qe-schmackscorrigens verabreichen. Die Dosen betragen für grosse Hunde 5—20,0. ., kleine Hunde 2,5—5,0.
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lypnoHi
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Recepto.
1) Rp. ürethani 3,6,
I), tul, dos, Nr. W. s. ;!sUiiKllicli ein Pulver mit oinom Beslöffel Wasser für einen kleinen iriiml mit Rollkrankbeit.
3) Rp, ürethani 8,0, Vini 50,0. M. Igt;. S. QstUncIlioh einen Esslöffol für einen Hund mil nervöser Staupe, :'.) Rp. ürethani 20,0. Syrapi 10,0, Aqu, destill, 160,0, M. I). S. Auf 2mal in 2stündiger Pause für einen grossen II und mit Staupekrämpfen.
t Hypnonam. Hypuon.
Pharmaceutische Chemie. Das Hypuon, in der Chemie auch als „Acetophenonquot; bekannt, ist als Methylphenylaoeton auf­zufassen :
CH8gt;OUnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;(',H.^(,)
Aoetonnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hypuon,
Es bildet eine farblose oder schwach gelbliche, chloro-formartige Flüssigkeit von aromatischem, jasminartigern Q-eruohe und scharfem, kreosotartigem Geschraaoke, welche in Wasser nur wonig, leicht dagegen in Alkohol, Aether und fetten Oelen löslich ist. Es wird dargestellt durch trockene Destillation von essigsaurem und hen/oesa urem Kalk nach folgender Formel:
(cöögt; ^ (ofl(?d)2Ca=2c55gt;co #9632;2 CaC0laquo;
essigsanrev Kalk benzoSsanrer Kulknbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hypnon
A.P. 1,0= 25 Pfennig: D.P. 10,0 = 1 Mark
kohlensauroi' Kalk.
Wirkung und Anwendung. Das von Dujardin-Beaumetü als Hypnoticuni empfohlene Mittel wird seit Kurzem in der Menschen-heilkunde namentlich bei Alkoholikern in Dosen von 0,2—0,5 ange­wandt. Diese Dosen sind hei Hunden wirkungslos. Dagegen konnte ich durch grüssere Dosen (0,5 — 2,0) bei Hunden eine starke hyp­notische und die funktionelle Ei'rogbarkeit des Gehirns namentlich
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118nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hypnon.
auoh in motorisolier Beziehung stark herabsetzende Wirkung inslaquo; besondere boi Zwangsbewegungen und Zwangshaltungen, speoiell bei Drehbewegungen und bei Elollkrankheit beobachten (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887). Bei Pferden ist die Wirkung selbst sl'Iu' grosser Dosen (200 g) eine viel zu schwache. Es hatten uämlicli nach meinen Untersuchungen Dosen von llt;t 60 g keine be­sondere Wirkung, davon abgesehen, dass die ausgeathmete Luft eine Stunde lang nach Hypnon roch. Dieser Hypnongerucb liess sicli auch bei der Section von mit Hypnon vergifteten Thieren in allen Organen nachweisen und es inuss daher vor der Anwendung des Hyp-nons bei allen Seil lacht tli ieren gewarnt werden. Nach der Verabreichung von Sii g Hypnon sah ich heim Pferde Schwanken im Vorder- und Hintertheil, welches sich nach einer halben Stunde so steigerte, class eines der Versuchsthiore umfiel, sowie Zusammen­knicken in den Gelenken; nach -'i Stunden hatten sich jedoch die Thiere wieder vollständig erholt, der Appetit, blieb normal. 200 g Hypnon (als SchUttelmixtur mil 100 g Gummi arahicuin eingegehenl hatten ehenfalls nur Scdnvanlcen, Zusammenknicken und Theilnahms-losigkeit gegen die Umgebung zur Folge; eine eigentliche Nar­kose liess sich nicht constatiren. — Bei subeutaner Anwendung wirkt Hypnon nach Böhm reizend.
Toxikologische Versnobe mit Hunden ergaben, dass jüngere 'fhicre grössere Dosen als illtero ertragen, und dass sich Hunde in einem gewissen Q-rade an das Hypnon gewöhnen können. Eigenthümlicb war ferner die Beobachtung, dass hei einigen Versuohsthieren der Tod momentan noch während der Verabreichung des Mittels, wahrscheinlich in Folge von Herzlähmung eintrat, während andere Fälle erst nach Ahlauf dos hypnotischen Stadiums tödtlioh endeten, wenn bereits die Wiedergenesung sicher er­schien. Die tödtliche Dosis betrug durchsclniittlich 1,0 pro kg Körper­gewicht.
Dosis und Form. Man gibt das Hypnon entweder in Emul­sion, oder in Gelatinekapseln resp, Pillen. Die Dosis beträgt für grosse Hunde 0,5—2,0. „ kleine Hunde 0.20—0,5.
Recepte.
1) Rp. Hypnoni 2,0.
Gummi arabioi 5,0. Aqu, destill. 50,0. M. D. S. Sstündlioh oinon Bsslöfifol (Thoelöffel) für oinon Hund mil
Rollkrankliüit.
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3) Kp. Ilypnoni 0,25.
I •. lul. dos in oapsul. gslatinoBi Xr. V. S. 2stiiii(llidi oino Kii|)scl für einon lluml mit nervöser Staupei 8) Ftp, Hypnoni 0,25- 1,0.
Pulv. et Siicci Rad. Liquirit^ qu, s. f. Pilula, n. tal. lies. \r. V. S. Sstiindlioh 1 Pille für einen lluml mil Gehirnkrttmpfen.
•jquot; Diverslaquo; aiultM'e, nicht offloinelle Norveinnittcl.
1)nbsp; nbsp;Agaricin. Dasselbe ist der im LUrobensobwamm, Fungus oder Boletus Laricis entbultone wirksame Stoll' von der Formel OmHijoOj, welcber nicht verwechselt werden darf mit dem Muskarin, dem Alkaloid des Fliegen' pilzes (Amaiiita Musearia). Das Agarioin ist wahrscheinlich identisch mit der Agaricinsäure. Das wegen seiner se h wei sshesehr änke nden Wir­kung in Deutschland offlcinelle Präparat bildet ein weisses Pulver von schwach ein Gerüche nncl Gesofamaoke, gegen 140quot; zu einer gelblichen Flüssigkeit schmelzend, bei stärkerem Erhitzen weisse Dämpfe ausstossend und mit Caramelgeruch verkohlend, in der Glühhitze ohiic Rückstand ver­brennend. Es löst sich wenig in kaltem Wasser: in heissem Wasser quillt es auf und löst sich heim Sieden zu einer stark schäumenden, nicht völlig klaren Flüssigkeit, welche Lackmuspapier schwach röthet und heim Erkalten sich stark trübt. Das Agaricin löst sich in 130 Theilen kaltem und 10 Theilen heissem Weingeist, noch leichter in heisser Essigsäure, nur wenig in Aether, kaum in Chloroform. Kalilange nimmt es zu einer beim Schütteln stark schäumenden Flüssigkeit auf.
Das Agaricin ist in seiner Wirkung identisch mit der Agaricinsäure. Die Agaricinsäure wirkt örtlich reizend, subeutan erzeugt sie sogar Absoesse, desgleichen bei innerlicher Verabreichung grüsserer Dosen (0,5—1,0) beim Menschen Erbrechen und Durchfall. Dei Kaltblütern bewirkt die Säure eine allmählich zunehmende Schwäche und Lähmung der Herzthtttigkeit mit Herabsetzung resp. gänzlicher Unterdrückung der Haut-secretion. Bei Warmblütern treten nach stomachicaler Application wegen der schworen Löslichkeit keine Vergil'tungserscheinungen auf. Sub­eutan oder intravenös wird dagegen das Vaguscentrum und (lefiiss-oentrum zuerst erregt, dann gelähmt (anfangs l'ulsverlangsamung mit Blutdruoksteigerung, später Sinken des Blutdrucks). Der Tod tritt unter Convulsionen in Folge von Athniungsstil Istand ein. Die Schweiss-secretion wird durch eine direkte Einwirkung auf den secerni-ronden Apparat, nicht auf das Centrum, beschränkt resp. imf­gehoben. Mydriatische Wirkung besitzt, die Agaricinsäure nicht: sie ist also hierin dem Atropin nicht ähnlich.
Die innerliche Dosis der reinen Agaricinsäure als schwoiss-beschränkendes Mittel beträgt 0,02—0,(15 für den Menschen.
2)nbsp; nbsp;Erythrophloeinum hydrochloricum. Das Erythrophlooin ist das Alkaloid der Ery th rophloeum-Rin de, welche von einem im Westen und Osten des äquatorialen Afrika vorkommenden Räume: Erythrophlooum guineense (Rothwasserbaum, Mancone oder Telij aus der Familie der Cäsalpiniaceen abstammt und daselbst als Sassy- oder N'cassarindo von
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Erythropl
Fiperldiii
Jen Eingeborenen zu Qottesui'theilen benutzt wird. Die im Handel vor­kommende Hindo ist roth braun, sohr hart, gemoblos, Das Erythro-phlöin ist oin bernsteingelbes Alkaloid, wolcbes mit Stlnren krystallisirende Salze liefert, von welchen das salzsaure in Wasser leiobt löslich ist und nach dem Beleuchten mit Schu-el'elsiiuro und vorsichtigem Erwärmen eine schöne hellrosarothe Farbe liefert. Innerliob oder suboutan bewirkt Erytbropblöin naoh Liebreich zunächst Würg- und Brechbewegungen und tödtet dann sein- rasch durch Herzlfthmung (digitalisähuliobe Wirkung). Hunde werden durch quot;,02 Erythrophliün getödtet, In neuerer Zeit ist das Erytbropblöin vonLewin als ein lokales Aniistheticum namentlich für das Auge empfohlen worden, welches an Intensität die Wirkung des Coca'uis weit Übertreffen soll. Wenige Tropfen einer '/a—200/ooigen Lösung sollen Thiercn in das Auge geträufelt nach etwa 15 — 20 Minuten Anästhesie der Cornea und Cnnjunctiva erzeugen, welche bis zu 2 Tagen anhält und ohne Beizungserscheinungen verläuft, dagegen sollen stärkere (2lgt;|oige) Lösungen das Auge bedeutend reizen und selbst öesohwüre erzeugen. Auch bei sub-cutanen Injeotionen soll nach Lew in eine starke lokale l'nenipfindlichkeit eintreten, welche sich für operative Zwecke verwerthen lasse.
Diese Angaben Le win's sind vielseitig bestritten worden. Nach Liebreich (Therapeutische Monatshefte 1888) kann dem Erythrophlöin eine Bedeutung als lokales Anästheticum weder für die Haut, noch für das Auge zuerkannt werden. Es erzeugt zunächst nicht eine lokale Anästhesie des gesammten Auges, sondern in erster Linie nur eine Empfindungslosig­keit der Cornea, während die Conjunctiva stark gereizt wird (Anaestheticum dolorosum). Es beruht ferner die Anästhesirung der Cornea lediglich auf einer oberllächlichen Aetzung des Co r n ea-Epith eis , welches selbst bei sehr verdünnten Lösungen getrübt wird; stärkere Lösungen erzeugen tiefere Anätzung und Geschwüre. Dementsprechend ist die Anwendung des Erytbrophlöins auch immer von starken Beizerscheinungeu und Sohmerz-empfindungen begleitet. Aus diesem (irunde haben sich Lieb reich , Tweodj-, Koller, Beuss, Königstein, Hirschberg, Welker u. A. gegen die Einführung des Erythrophlöins in die Augenheilkunde erklärt und wegen seiner gefährlichen Wirkungen sein' davor gewarnt. Auch die subeutane Applicationsmethode als lokales Anästheticum für operative Zwecke ist nach Liebreich, Kaposi u. A. bedeutungslos. Selbst bei toxischen Dosen tritt nur an einer ganz kleinen Stelle Uneniplindlichkeit ein, wie sie beispiels­weise auch nach Einspritzungen von Liquor Perri und anderen kaustischen Mitteln zu beobachten ist.
3) Piperidiuum. Piperidin. Das l'iperidin, C;,]IMN, ist chemisch und physiologisch dem Coniin sehr nahe verwandt; Ooniin ist nämlich identisch mit Propyl-Piperidin;
C-,H||N -|- O3H, = CsHr,N |- .1.1.
l'iperidinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Propylnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Conin.
Auf der anderen Seite ist das l'iperidin sein- nahe verwandt mit dem Pyridin, C-Jl.-.N, aus welchem es sich auch darstellen lässt durch Auf-nähme von 6 Wasserstoff.
CjHjN 6H = OjHuN.
Pyridinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Piperidin.
Das Piperidin kann ferner auch aus dem Alkaloid des Pfeilers, dem Pi­perin, dargestellt werden. Das Piperidin ist eine flüssige Base, welche mit Säuren Salze bildet. Seine Wirlcunff ist der OoniinwirkunK sehr ahn-
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I'viidin. Curai'i;.
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liohl os liilunt nur die peripheron EudigUUgen sensibler Nerven und macht ilrtlier an der Injeetionsstclle Unenipfindliclikcit. Tlierapeutisch wird es wie Coniin gegen Krämpfe verwerthet. Dosis für den Menschen 0,02 subcntan.
1) Pyridinum. Pyridin. Das Pyridin, OsHjN, ist ebenfalls chemisch und physiologisch mit l'iperidin und Coniin verwandt. Das Pyridin ist neben anderen ,, L'yridinbasen'' (Piooliu, Lutidin, Collidin) das Product der trockenen Destillation thierischer und pflanzlicher Stoffe, und daher im stinkenden Thieröl, im iSteinkohlentheeriJl und Tabaksrauch enthalten; es bildet ausserdem ein Zersetzungsprodaot mehrerer Alkaloide und kann als die Muttersubstan/, der Alkaloide angesehen werden. Das Pyridin ist eine klare, alkalische, flüchtige Klüssigkeit von eigenthümlich brenzUoliem Gerüche Ivergl. den mit Pyridin denaturirten Spiritus) und scharfem, brennendem Gesohmaoke, welche mit Wasser, Alkohol, Oelen etc. sehr leicht mischbar ist. Es wird dargestellt durch trockene Destillation von Knochen, Mischen mit Schwefelsäure, Trennung der schwefelsauren Lösung von den theorarligen Producten, Abscheiden der Pyridinbasen aus der sauren Flüssigkeit mittelst Natronlauge und Practioniren des erhaltenen öligen Produotes. Die Pyridinwirkung besteht in einer Herabsetzung der Reflexorregbarkeit und Verminderung d er Erregbarkeit des Kespi rat ions cent rums. Es wird beim Mensehen in Form der Pyridin-dämpfe gegen Asthma öingeathmet (5 g Pyridin werden auf einen üaehen Teller gegossen und in einem abgeschlossenen Zimmer der Verdunstung überlassen). Aussei- als Lungenanästheticum soll Pyridin auch durch nntipyretische Eigenschaften wirken.
5) Curare. Das Curare (Woorara, ürara). das Pfeilgift der süd­amerikanischen Indianer am Orinoco und Amazonenstrom, bildet ein Extract aus verschiedenen Stryc Im o s-, Cocculus- und P aulli n iaart e n Süd­amerikas, von denen namentlich Strychnos toxifera genauer bekannt ist, Es bildet eine braune, opiumilhnliche Masse von bitterem Ge-schinacke. welche in Wasser leicht löslich ist: dieselbe wird durch Einw dickung des wässerigen Auszugs Jener Pflanzen gewonnen. Die Indianer bringen das Pfeilgift in Pfianzenschnlen (Calebassen) oder in irdenen Töpfen (Topfcurare) in den Handel. Hauptbestandtheil des amerikanischen Pfeilgiftes ist das Curarin, ein schön gelb gefärbtes, in wässeriger Lösung grünlich fluoresoirendes, sauerstofffreies Alkaloid. Das daraus dargestellte Curarinum sulfuricum ist jedoch nicht brauchbar. Das in einigen Handels­sorten vorkommende Curin hat mit der Wirkung des Curare nichts ge­mein. — Als „animalischesquot; Cui'are wird ein von einer Kröte stammendes ebenfalls südamerikanisches Pfeilgift bezeichnet. D.P. Curare 10,0 = 2 Mark 60 Pfennig.
.Das Curare lähmt wie das Coniin die Endigungen der moto­rischen Nerven in den quergestreiften Muskeln, wenn es subcntan injioirt wird. Die Muskelsubstanz selbst wird dabei nicht betroffen. Der Tod erfolgt ebenso wie bei Coniin durch Athmnngslähinung. Cnrarinisirte Tbiere sinken ermüdet zusammen und werden nach vergeblichen Versuchen aufzustehen bewegungslos; beim Warmblüter hört ferner die Athmungs-thütigkeit auf und es tritt Erstickung ein. Kaltblüter (Frösche) jedoch, welche aussei- durch die Lungen auch durch die Haut athmen, zeigen nur die motorische Lähmung und können daher viel längere Zeit am Leben bleiben als die Warmblüter. Beim Menschen hat man ausserdem auch noch
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152nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ilerlm C'auiiabis iiidicac.
eine Wirkung clos Curare aul' das tiohirn in Form von SchliU'rigkeit, Kopfsobmerz und rauscliiihnlichoni Gefühl von Wohlbshagen beobachtet. Yom Magen aus ist Ouraro angeblich wirkungslos; die Ursaclien liievon siiul vielleicht in Zersetzungen, langsamer Resorption oder in rascher Ausscheidung des Curarins zu suchen.
Das Curare wurde subeutan empfohlen gegen S t a r r k r a m p f, 8 try ohnin-Vergiftung, Hundswiath, Epilepsie n. a. Kranipi't'onnen. Bei der Un-zuverlilssigkeit der l'räparate und dem raschen Verderben der Lösungen ist jedoch die Anwendung sehr erschwert und das Resultat ein fragliches. Ich habe selbst Curare mehrere Male beim Starrkrampf des Pferdes in Dosen von 0,5—1,0 ohne Erfolg angewandt; ähnliche negative Befunde sind auch anderweitig gemacht worden. Die angeblich durch Curare geheilten Fälle von Hundswuth beim Menschen sind mit griisster Vorsicht aufzunehmen. Die Dosis des Curare betrügt für Hunde quot;j—5 mg, für Pferde und Binder 1—6 Og. Man wendet es in 1—60/oiger Lösung subeutan an, nachdem nmn sich vorher durch einen Controlversucb beim Kaninchen oder Erosch von seiner Wirksamkeit überzeugt hat.
6) Herba Cannabis indicae. Indischer Hanf. Der indische Hanf (Stammpfl a nze: Cannabis sativa) ist ein einjähriges, in Ostindien ein­heimisches, auch bei uns kultivirtes Kraut aus der Familie der Urticaceen. Während nun aber der europäische und indische Hanf von einer und der­selben Pflanze abstammen, enthält der letztere wesentlich verschiedene Be-standtheile. Die weibliche Pflanze des indischen Hanfes scheidet nämlich ein narkotisches Harz aus, welches in Ostindien und im Orient als Berauschungsinittel gebraucht wird (Churrus, Ounjah, Bang, Haschisch). Das in Deutschland nicht mehr, dagegen in Oesterreich ofticinello Präparat stellt die zu Anfang der Fruchtreife gesammelten Zweigspitzen der weib­lichen Stengel und die davon abgestreiften rauhhaarigen', sägez ähnigen Blätter dar; dieselben sind gewöhnlich durch das ausgeschwitzte Harz zu einem dichten Knäuel verklebt. Die Farbe des indischen Hanfs ist grünbraun, der üerueb angenehm und kräftig aromatisch. Die Hauptquot; ^bestandtheile des indischen Hanfs sind; 1) das Cannabin (Haschi­schin), eine braune harzartige Masse von hypnotischer Wirkung, 2) das Tetanocannabin (Tetanin), ein krampferzeugendes Alkaloid, t!) das Cannabinon und 4) das aus den Kohlenwasserstoffen Cannabeen (C1SH)U) und Cannabeenwasserstotf (C|SH.W) zusammengesetzte Hanföl (ein ätherisches Oel). Frühere Präparate des indischen Hanfs waren Herba Cannabis indicae, Extractum Cannabis indicae, Tinctura Cannabis indicae, Cannabinonum, Cannabinum tannicum, gerbsaures Cannabin.
Der indische Hanf wirkt durch seinen Gehalt an Cannabin (nach Anderen an Hanföl) beim Menschen narkotisirend auf das Cehirn; dem eigentlichen Schlafe geht dabei immer ein mehr oder weniger inten­sives Erregungsstadium voraus (Hallucinationen, angenehme Träume, geschlechtliche Erregung; aber auch hochgradige Unruherscheinungen, Tob­sucht, Krämpfe sind schon beobachtet worden). Man hat ihn daher als Hypnoticum (namentlich in der Form des Cannabinum tannicum), sowie als Sedativ um bei Hysterie, Tetanus, Strychnin Vergiftung, Chorea, ner­vösen Aufregungen , Nomralgien etc. heim Menschen angewandt. Die An­gaben widersprechen sich jedoch, auch ist die Wirkung häufig mit unan­genehmen und selbst toxischen Nebenerscheinungen verknüpft (Tetaningehalt der Mutterdrogue und der officinollen Präparate; Unsicherheit der im Handel vorkommenden l'räparate). Ich habe das Cannabinum tamii-
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Lactiifiiriiim. Lolu'liaki'aut. (Jilsciniiiiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ITjlJ
cum in mehreren Füllen von nervöser Staupe beim Hunde versuchs­weise angewandt, jedoch niemals trotz sehr grosser Dosen (ich stieg bis zur SOfachen Dosis des Menschen) den geringsten sedativen oder hvpnotischon Erfolg constatiren können. Ein 5 kg schwerer, :! Monate alter Mops bekam beispielsweise Dosen bis zu 6,0 und !*,0 und innerhalb 5 Tagen zusammen 18,5 g Cannabinum taiiiiicum ohne alle therapeutische oder toxische Wir­kung. Darnach dürfte von der Anwendung dieses Mittels in der Thier-heilkunde wohl kaum etwas zu helfen sein.
7)nbsp; nbsp;Cortex Piscidiae, l'iscidiarinde, von Piscidia erythrina, einer Leguminose auf den Antillen, welche in ihrer Heimath zum Betäuben und Fangen von Fischen benutzt wird, ist neuerdings als Hypnoticum an Stelle des Opiums in Form des Extractes (Extractum Piscidiae orjthrinae tluidum) empfohlen worden. Die Kinde soll ein (Jlykosid. das Piscidin enthalten. Ich habe das Piscidiaextract in verschiedenen Fällen beim Hunde ohne jeden Erfolg in Dosen von 1, 2, 4, 5 und 10 g (bis/.um lOfachen der Dosis für den Menschen) angewandt.
8)nbsp; Lactucarium, Giftlattichsaft, der Milchsaft vonLactuca virosa, einer Cichoriacee, welche in Deutschland, Frankreich und England kultivirt wird (Lactuca sativa = Kopfsalat). Das officinelle Präparat bildet gelb­braune, innen weissliche Klumpen von eigenthümlich narkotischem Gerüche und zäher Consistenz, welche als wirksamen Bestandtheil das Laotucin enthalten sollen, das als solches ebenfalls angewandt wird. Man unter­
scheidet deutsches, französisches und englisches Lactucarium. Die Wirkun
Iff
ist die eines Hypnoticums (für den Menschen 0,5—2,0). Grössere Dosen Lähmen das Rückenmark und die motorischen Nerven. Tödlliche Dosis für den Hund 12 g (Hertwig). A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
9)nbsp; nbsp;Herba Lobeliae, Lobelienkraut, von Lobelia indata, einer Lobe-liacee Nordamerikas, enthält das flüchtige Alkaloid Lobelin, ausserdem Lobelacrin (ein Gilykosid) und ätherisches Gel. Das Kraut besitzt einen scharfen, tabakälinlichen Geschmack und wirkt als Acr e-Narco tiou m ; grössere Dosen tödten durch Athmungslähmung, Das Kraut wird beim Menschen gegen Asthma geraucht oder innerlich in Form der Tinctura Lobeliae eingenommen.
lU) Gelseminin, das Alkaloid von GJelsemium sempervirens (gelber Jasmin), einer Kletterpflanze (Loganiaoee) Amerikas, ist gegen Rheuma­tismus, Zahnschmerz und Neuralgien beim Menschen empfohlen worden. Das Alkaloid ist sehr giftig; die tödtliehe Dosis für den -.Menschen beträgt 0,05, für ein Kaninchen '/ä mg. Die Wirkung besteht in Schwächung der Motilität, Ataxie der Extremitäten, Mydriasis. Herabsetzung der Athniungsthätigkeit, der Herzthätigkeit und der Temperatur, Sinken der Sensibilität und schliesslich in Athinungslähmung. Neuerdings wird in Deutschland die aus der Wurzel bereitete Tinctura Gelsomii vielfach als Antinenralgicum angewandt.
11) Piper methysticum, ein mehrere Meter hoher Strauch, dessen Wurzel „Kawa-Kawaquot; heisst und nach Lewin einen harzartigen Stoff enthält, der viel Aehnlichkeit mit Cocnin hat, indem er örtlich An ilsthesie und innerlich angenehme Erregung erzeugt. Giftige Dosen sollen Betäubung und Somnolenz hervorrufen.
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154nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;iSoliuiin. Aotliyluhlorid.
12)nbsp; nbsp;Aspidosperma Quebracho ist mn Baum in Santiago (Apocynee), dossen Binds (Quebraoborinds) dasolbst als Fioborniitiol, in Europa als (ierbinltt-el benutzt wird und zwei Alkaloidc enthält; das Asi)i dospenn in und Quobracbin. Die letzteren erzeugen Muskel- and AtbfnungslHtunung und werden als Aspidospenninuin liydrocbloricuin und Quebraobinum liydro-chloricum zur Herabsetzung der Athomnoth bei Emphysem, Klappen-tbhlern etc., gewissermassen als Speoifloum gegen Dyspnoö, ersteres zu 1 bis 2 nij,', letzteres zu 6—10 Og beim Mensclien angewandt, fn ähnlielier Weise wird auoli die Kinde selbst (10,0) und ein Extract derselben (0,2) gegeben,
13)nbsp; nbsp;Solanin findet sieh als alkaloidartiger Körper in versohiedenen Solaneen, so z. 15. aueli in der keimenden Kartoffel, im Kartoffelkraut und den KartoffelIVürhton, ferner in den l'riiher offieinellen Stipites Dulca­mara e, den Bittersüssstengeln, Das Solanin lähmt die nervösen Centralorgane und tödtet durch Athmungslfthmnng, Es wird leim Menschen empfohlen gegen Neuralgien, Tremor, gesteigerte Kellexerregbar-keit, Neuritis etc. in Tagesdosen von 0,025—0,03, Eine Solaninvergiftung nach Aufnahme keimender Kartoffel kommt zuweilen bei den Wieder­käuern vor; die Erscheinungen bestehen in Taumeln, Betäubung, Lähmung und Athmungsverlangsamung, Zu der Pathogenese der Sohlempemauke steht Solanin in keiner Beziehung.
14)nbsp; nbsp;Eschscholtzia californica, eine strauchartige Papavoracee Nord­amerikas, soll in o rph i n äh nliohe Alkaloide enthalten und daher stark hypnotisch und analgetisob wirken (Extractuin E. c).
1quot;)) Chlormethyl. Das Chlorinothyl, CH3C1, ist mit dem Chloroform, UllCL), nah verwandt. Es bildet ein gasförmiges Arzneimittel, welches durch Atmosphärendruck zu einer Flüssigkeit eomprimirt/wird. Beim Zer­stäuben dieser Flüssigkeit entsteht in Folge Uebergangs derselben in den gasförmigen Zustand starke Kälte ( — 21deg; C), welche schmerzstillend bei N euralgien wirkt. Der Chlormethylsprny wirkt mithin ähnlich, aber viel stärker, als der Aetherspray.
l(i) Methylenum bichloratum, Methylenbichlorid = OH^OI^, dar­gestellt durch Einwirken von Ohlorgas auf Chlormethyl; eine klare, farb­lose, angenehm riechende Flüssigkeit, Wirkung = Chloroform. Von Spencer Wells in England statt des Chloroforms wegen des fehlenden Excitationsstadiums empfohlen. Das Mittel ist jedoch, wie neuere Unter­suchungen gezeigt haben, ein sehr starkes Krampfgift,
17)nbsp; nbsp;Aether cbloratus(Acthylclilorid). Das Aethylchlorid, OjHjClist
bei gewöhnlicher Temperatur gasförmig, lässt sich jedoch leicht conden-siren und stellt dann eine farblose Flüssigkeit von angenehmem ätherischem Gerüche dar, welche schon bei 10 — 12deg; C. siedet. In Eolge dieses nied­rigen Siedepunktes und der bei dem Verdampfen entstehenden VerdunstungS-kälte wird das Aethylchlorid zur schnellen Erzeugung von lokaler Empfindungslosigkeit an schmerzenden oder zu operirenden Stellen, insbesondere in der Zahnheilkunde heim Menschen, sehr empfohlen.
18)nbsp; Aethylenum chloratum, Aetbylenchlorid (Liquor hollandl-
OH Cl cus) = fjtiVji) quot;WS Aethylengas und Chlor dargestellt, eine farblose, chloro-
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lii'umol'orm
JromoEiinpuori
lodiitlnl
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t'oi'mtthnliohe Flüssigkeit. Wirkung = Ohloroform, aber gefährlicher; äusserlioh gogm BheumBtismus in Form von Einreihungen, Dubois und Doux beobaohteten bei ihren Yersuohsthieren nach der [uhalation von Aethylenohlorid eine Trübung dor Cornea, ohne dass hiebei eine Be-rtthrung der Augen mit den Dämpfen des Mittels stattgefunden hatte. A.P. 10,0 = 50 Pfennilaquo;.
19) Aothylidenum chloratum, Aetliylidenchlorid = miQi , eine
farblose, ohloroformähnliohe Flüssigkeit, durch Einwirken von fünffachem Ohlorphosphor auf Aldehyd dargestellt, von Liebreich als Ersatzmittel den Ohloroforms wegen des schnelleren Naohlassens der Narkose und der geringeren Giftigkeit empfohlen.
20) Bromofonnium, Bromoform = OHBi's, aus Bromalhydrat durch Behandeln mit Kalilauge dargestellt, eine schwach gelblich gefärbte, chloro-formfthnliohe Flüssigkeit von der Wirkung des Ohloroforms, Das Bromoform wird neuerdings in der Menschenheilkunde als Anaestheticum beim Keuchhusten empfohlen. Im üebrigen besitzt es eine stark reizende örtliche Wirkung. A.P. 1,0 = 10 Pfg.; 10,0 = 66 Pfg,
OBr
21) Bromalura hydratum, Bromalhydrat =coM H Oraquo; ^U1'c''1 'J('quot; stillation von Brom mit Alkohol dargestellt; bildet nadeiförmige, in Wasser leicht Uisliche Krystalle, welche mit Kalilauge behandelt in Bromoibrm und Aiiieisensiiure zerfallen. Ein ohloralähnlioh wirkendes Hypno-ticum. Jedoch mit stärkerer Einwirkung auf das Herz. Dosis für den Menschen 0.5,
22)nbsp; nbsp;Camphora monobromata, Monobromcampher = C|„H|:,OBr, durch Einwirken von Brom aufgepulverten Campher dargestellt, bildet farb­lose prismatische Nadeln oder .Schuppen von schwachem, campherähnlichem Gerüche, welche in Wasser fast unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether und Chloroform löslich sind. Der Monobromcampher ist suboutan und innerlich als Sedativuni bei Epilepsie, Tetanus, Strychninvergiftung etc. empfohlen worden. Ich habe denselben beim Starrkrampf des Pferdes ohne besonderen Erfolg angewandt. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
23)nbsp; nbsp;Aethylum jodatum, Aether jodatus, Jodäthyl, Jodäther = (JdljJ, durch Eintragen von Phosphor in verdünnte alkoholische Jodlösung dargestellt, eine farblose, eigenthümlich riechende Flüssigkeit, örtlich und allgemein a näs thesirond, wegen der leichten Zerset/.lichkeit aber nicht zu empfehlen. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
24)nbsp; nbsp;Somnalum, Somnal, ein neues Hypnoticum, soll angeblich eine äthylisirte Verbindung von Chloral und Urethan sein von der Formel
CCljCOH .COlt;q (j u #9632; Die chemische Einheit wird jedoch bestritten. Dosis für den Menschen 2,0.
25) Butylchloral soll nach Liebreich beim Menschen in Dosen von 1 o,0 Anästhesie im Gebiete des N. trigeminus (Neuralgien), in grösseren Dosen Schlaf erzeugen.
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\'i(]nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Mi'tliylal. Irionali Tstrouali
26)nbsp; nbsp;Methylalum, Mothylal, von der Formel 0H.j(OOH3)a = Methylenquot; diuiotliyliitlu'r, dargestellt durch Destillation von Metuylalkobol, Schwefelquot; siiui'o und Jirauiistüin, nino farblose, flüchtige, nach CluorofoiMn und Essig' ilther riechende Flüssigkeit, auf der Haut und auf der Zunge ein Gel'üli! von Kälte erzeugend. Das Mothylal ist neuerdings von Personali als ein mildes, aber sicheres llypnotieum in Dosen von 1,0 für den Menschen (innerlich oder per clysnm) eiuplbhlen worden.
27)nbsp; nbsp;Acetalum, Acetal, Diäthylacetal von der lAmmd Cjll./O. C,,H:,)., = Aethylidendiäthyläther, durch Destillation von Alkohol, Braunstein und Schwefelsäure dargestellt, eine tltherartig riechende, schwach bitter, pfeffer-miu/ähnlich schmeckende, 1:18 Theilen Wasser, in Alkoliol sehr leiclit lös­liche Flüssigkeit, von v. Mering als Hypnotioura an Stelle dos Chlorals empfohlen. Dosis für den Menschen 8—16,0,
28)nbsp; Dimethylacetal von der Formel OjH^OOHs)^ = Aethylidou-dimethyläther, aus Aldehyd, ilolzgeist und Eisessig dargestellt, eine farb­lose Flüssigkeit von 0,85 specilischeni Gewicht, von v. Mering in einer Verbindung mit l}i Chloroform in allen denjenigen Fällen als Inbalations-narcoticum empfohlen, in denen Chloroform zu gefährlich ist.
29)nbsp; nbsp;Acetonum, Aceton, von der Formel C]l;lCO. Clij, dargestellt aus essigsauren Salzen durch trockene Destillation (auch im diabetischen Harn vorkommend), eine farblose, brennbare Flüssigkeit von eigenthüm-liohem Gerüche, leicht löslich in Wasser, Alkohol, Aether etc., Fette und Harze sowie Schiessbaumwollo lösend, von alkoholähnlicher Wirkung, je­doch nur äusserlich als Reizmittel gegen Bheumatismus mit anderen Flüssig­keiten und zur Herstellung von Collodiuni verwendet. A.P, 10,0 =3 15 Pfennig. Innerliche Dosis für den Menschen 5—15 gutt.
30)nbsp; nbsp;Trional und Tetronal. Die Kenntnisraquo; der schlafmachenden Wir­kung des Sulfonals hat zur chemischen Darstellung einiger anderer, mit dem Sulfonal nah verwandter Körper, des Trional und Tetronal, geführt. Das Sulfonal (vergl. S. D57) ist eine Sulfonverbindung, welche ausserdem 2 Aethyl- und 2 Methylgruppen enthält (Diäthylsulfon-Dimetbylmetlian). Es lag die Frage nahe, auf welchen Destandtbeilon des Sulfonals seine hyp-notisirende Wirkung beruht, auf der Snlfongruppe (SQ.j) oder auf dem Aethyl (GjHj) resp. Methyl (CH;)). Die neueren chemisch-physiologischen Untersuchungen babou nun dargethan, dass die SO^Gruppe mit der narkoti­schen Wirkung des Sulfonals nichts zu thun hat, dass vielmehr die Hypnose ausschliesslich auf die Anwesenheit von C^Hj im Sulfonal zurückzuführen ist. Ferner Hess sich feststellen, dass mit der Anzahl der eingeführten CdlyGruppen die Wirkung des Sulfonals gesteigert wird. Sulfone mit einer einzigen OjHj-öruppe wirken ganz schwach, Sulfone mit 2 Aethylgruppen (= Sulfonal) stark, Sulfone mit •) Aethylgruppen (= Trional) noch stärker, und endlich Sulfone mit 4 Aethylgruppen (= Tetronal) am stärksten hypnotisch. Die Beziehungen des Trionals und Tetronais zum Sulfonal ergeben sich aus nachstehenden Formeln:
q ir 1 CHW, SCMMIj Sulfonal = 0Higt;Clt;S0o0H
Trional - 0#^0^S(5*Me inonal _ 0Ha;gt;ult;SO.AH8
retronal= ^hP^SO^hJ
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PoultvL Pipei'azin. Speraiiiii
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SI) Pental. Dieses neuo Sohlafinittel ist. ein Kolilenwasserstoff von der Formel C:H|,|, und ist oliomisch als'J'ri niothy 1-A et hy len oder Amy len aufzufassen. Es wird aus Amylalkohol dargestellt und bildet eine farblose Flüssigkeit von senfölartigein Qeruoh und geringem speoiflsobem Qewioht (ü,(i7); der Siedepunkt liegt ähnlioh wii^ beim Aether bei 88deg; 0. Die An-wendung erfolgt durch liilnilation. Anfangs schien es, als ob das Pental das Chloroform oder jedenfalls das Broniiitbyl ersetzen könnte. Neuer­dings hat sioli indessen die Mehrzahl der Beobachter gegen das Pental erklärt, naohdem zwei Vergiftungsfälle beim Menschen durch dasselbe verursacht worden sind.
32) Hypnal. Antipyrin und
empfohlen.
Unter diesem Namen bat man eine Verbindung von (Jh 1 o ralh y d rat (Ohloralanlipyrin) als Schlafmittel
3:)) Spiritus Aethoris nitrosi, verstisster Salpetergeist, in Deutschland offioinell, aus Salpetersäure und Weingeist hergestellt, haupt­sächlich Aethylnitrit enthaltend, eine gelbliche, flüchtige Flüssigkeit von angenehmem Obstgeruohe (nach Borsdorfer Aepfeln) und süssliohera, brennendem Geschmack, mit Wasser klar mischbar, mit Eisenchlorür sieh tiefbraun färbend (Nitrit-Reaktion), als anregendes Mittel (Excitans) wie der Aether angewandt.
31) Spiritus Aetheris chlorati, versüsster Salzgeist, früher offioinell, aus Chlor und Weingeist dargestellt, enthält wechselnde Mengen von Chloral, Aelhylchlorid, Aldehyd und Weingeist. Wirkung wie Spiritus aeth e reus.
35) Piperazin. Dieses früher als ein erregendes Narcoticum für den
Sexualapparat angeschene und mit dem Spermin (siehe unten) idontificirte Präparat ist nach neueren Untersuchungen Diäthylend i amin == (C.,!!^ (NH).) und besitzt keim; narkotische, sondern eine harnsäurelösende
W
W.öP
. . #9632;
eblich soll diese
•en Lithium. Das
'iperazin wird daher neuerdings gegen Gicht empfohlen. A.P. 1,0 = 1 Mark
50 Pfennig.
36) Spermin. [m Jahre 1885 will Brown-Sequard die Entdeckung gemacht haben, dass der Hodensaft junger Thiere beim .Menschen nach der subcutanen Injection eine Steigerung dos Wohlbefindens und der Zeugungsfähigkeil bedinge. Als Grundlage dieser Wirkung hat man dasSpermin bezeichnet. Nach neueren Untersuchungen ist dasselbe identisch mit dem A e thy len im in (sogen. Schreiner'sche Hase). Die geschleclits-erregende Wirkung dieses Körpers ist im üebrigen wissenschaftlich noch nicht dargetlian.
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Erreffende Nervenmittel. Excitantia.
Seinen Strycluü. Breolinusssamen.
Stammpflauzei Stryohnos mix vniiiicu. Familie: Stryohnaoeen (Logauiaooen)!
Pharmakognosie. 1) Die Strycliuossamen (Nux vomioa, Krähonaugon. Breohnuss) stammen von Strychnos nux vomica, einem Baume Ostindiens (Ceylon, Coromanclel), dessen goldgelbe, orangenähnliohe Aepfel die Samen in einem weissen Muse enthalten,
Die Samen sind flaeliselieil)cn - oder münzenförmig, kreis­rund, liäutii;' verbogen, sehr hart und von einem grünlichgrauen, seidenglänzenden, anliegenden Filze bedeckt, 2i/b cm Durch­messer und etwa '/* ('ni Dicke erreichend. Am Rande verläuft eine feine Leiste mit einem warzig vorspringenden Nabel. Der Kern ist hornartig, weisslich, eiweissreich und in der Mitte parallel mit den Samenflächen gespalten; in dieser Spalte liegt der Keim. Die Samen sind geruchlos, schmecken aber äusserst bitter. Sie enthalten 2 Alkaloide: das Stryclinin Hl'gt;—2quot;t)), welches im Wesentlichen die charakteristische Wirkung der Strychnossamen bedingt, und das Bmeiu (l0/u), gebunden an die Ig as ur säure, ausserdem Biweiss, Fett. Zucker, Gerbsäure. A, P. 10,0 = 10 Pfennig.
2) Das Strychnin ist ein krystallinisches Alkaloid von der Formel CglHg2N8Nj, welches aussei- in der Breohnuss auch in der [gnatius-bohne (Strychnos Ignatii s. amara) und im javanischen Pfeilgift ent­halten ist. Offlcinell ist das Strychninum nitricum; dasselbe stellt farblose, seidenglänzende Ivrystallnadcln dar, welche noeli in einer Verdünnung von 1 :60,000 Wasser bitter schmecken und sieb in 90 Theilen kaltem (inSTheilen siedendem) Wasser, ferner in 70 Thoilen kaltem Alkohol lösen. Heim Kochen eines Kömchens IStrvelininnitrat
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Strycliniii.
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mit Salzsäure tritt Rothftlrbung ein. Die Lösung dos Stryobnin-nitrats in Sohwefelsäure färbt Kidi mit doppelt ohrom* saurem Kali violettblau, dann roth und grün(Strychninobromat; Identitätsreaktion). Bei der trockenen Destillation oder beim Brbitzen mit Natronkalk wird aus dem Sti'yohnin das mit dem Indol verwandte Oarbazol, ausserdem Skatol und Methylpyridin abgespalten, Produote, welche für die Kenntniss der Constitution dus Stryohnins von Bedeutung sind. A.P. 0,1 = 5 Pfennig.
Darstellung des Strychnins. Die mich Einwirkung heisser Wasser-dämpfe erweichten und piüverisirton Samen werden mit witsserigem Al­kohol ausgekocht, von dem Auszüge der Alkohol abdestillirt und der Rückstand mit Bleiaoetat versetzt. Das erhaltene Filtrat wird mit Sohwefel-wasserstoff entbleit und mit .Magnesia versetzt. Der Niederschlag wird mit Alkohol ausgekocht. Aus dieser alkoholischen Lögung krystallisirt das Strychnin aus und wird mit Salpetersäure in Stryohninnitrat übergeführt: Bruoin bleibt in der Lösung.
Prüfung dos Strychninnitrats. Auf Morphin: die wässerige Stryohninlösung wird durch Aetzalkalien und kohlensaure Alkalien weiss gefallt (Strychnin); dieser Niederschlag löst sich zum unterschied von Morphin nicht im Ueberschuss des Filiiungsmittels, löst sich auch nicht in Aether, dagegen in Chloroform. Auf Chinin: die mit Salpetersäure angesäuerte Stryohninlösung wird durch doppeltkohlensaures Natron nicht gefällt, dagegen eine Chininlösung. Auf Bruein: brucinhaltiges Strychnin röthet sich beim Zerreiben mit Salpetersäure (desgleichen morphinhaltiges). Auf fremde Alkaloide und Zucker: die Stryehninlösung in Schwefel­säure soll farblos sein.
Präparate. Tinctura Strychni, eine gelbe Tinctur von sehr bitterem Geschmaoke (strychnin- und brucinhaltig), bereitet aus 1:10 verdünntem Alkohol. 10,0 = 15 Pfennig. Extractum Strychni (spirituosum), ein wässerig-weingeistiges, trockenes, braunes Extract mit etwa 100/o Ausbeute. 1,0 = 45 Pfennig.
Wirkung des Strychnins. 1) Das Rückenmark bildet den Hauptangriffspunkt für das Strychnin. Die Reflexerregbarkeit desselben wird aussorordontlicli gesteigert und die gesamnite Körper­muskulatur in tetanische Krämpfe versetzt (Strychnintetanus).
2) In Folge starker Erregung des Atlnnungseeutrums wird die Atlimung erschwert; ausserdem bestellt Tetanus der Respirations­muskeln sowie Q-lottiskrampf mit Oyanose und Unterbrechung der Atlimung. Der Stryelmintod ist gewöhnlich die Folge von Er­stickung resp. von Lähmung des Atliimmgseentruins.
'•gt;) Das vasomotorische Centrum wird ebenfalls heftig er­regt; diese Erregung äussert sich in tonischem Arterienkram pf. starker Blutdruoksteigerung und Temperaturerhöhung (Ins um
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Stryohnin,
t)n 0.). Die Herzthätigkeit ist beschleunigt, wird aber erst spHtei1
jils die Alluniing gelähmt.
I) Die (J rossliirnl'unktioncn bleiben vom Strychnin un-beeinflusst, es ist aamentUcb this Bewusstsein frei mit Ans-nalnno der Ex'stiokungsanftille.
5) Die sensitiven peripheren Nerven wei'den durch Strychnin beim Menschen in eigenthümlicher Weise Irritirt. Das Strychnin steigert nämlich die Feinheit des Q-ernohsinns, die Seh­schärfe und die Tastempfindung der llautnevven.
(gt;) Das Stryohnin besitzt starke fäulniss- und gährungs-A\i(l rige Eigenschaften.
7) Es wirkt in sehr kleinen Dosen als Bittermittel ver-d a u u ngs besse rn d,
Die Ausscheidung des Strychnins durch den Harn etc. er­folgt erst einige Tage nach der Einverleibung; ans diesem Grunde wirkt das Stryelmin bei fortgesetzter iV'iwendiing cunmlativ. Das Brucin, welches in seiner Wirkung mit denn Strychnin ziemlicb übereinstimmt, wird rascher ausgeschieden und wirkt deshalb milder.
Toxikologie. Die Strycbninvergiftung ftussert sicli hol den ver­schiedenen Hansthiereu und beim Menschen übereinstimmend in hoch­gradiger Schreckhaftigkeit und blitzartig über den ganzen Körper sich ausbreitenden Starrkrampfanta llen von sekunden-bis minutenlanger Dauer. Dabei werden die Beine, der Hals, die Wirbel-Säule, der Schweif steif gestreckt und die Athmung ist krampfhaft an­gestrengt. Die tödtliche Dosis des Strychnins bei subeutaner Anwendung ist eine sehr niedrige; nach den zahlreichen Untersuchungen von Feser (Münchener Jahresbericht 1878) und nach den Zusammen­stellungen von Palk beträgt s'w durchschnittlich pro Kilogramm Körpergewicht 0,5 — 1 mg. Speeiell bei den einzelnen Hausthioren be­tragen die niedersten subeutanen tödtlichen Dosen beim Kind 800—JdO, IM'erd 200—300, Schwein 50. Menschen 30, Hund 5—20, Katze 2 — 5, Kaninchen 0 5—1, Hahn 0,75 mg; Frösche sterben schon nach 0,05 mg. weissc .Mäuse nach 0,02 mg Stryelmin. Bei in tra 1 räch e a ler in­jection sterben Pferde nach meiner Beobachtung schon nach der Einver­leibung von 150mg. Wirbellose Tbioro (Schnecken, Krebse, Käfer, Blutegel etc.) sind gegenüber Strychnin unempfindlich.
Die Stry chnossa men selbst zeigen je nach der Zubereitung und dem Gehalte an Strychnin und Brucin ganz verschiedene toxische Wirkung. Die ganzen Samen werden wegen ihrer Härte und schweren Löslichkeit oft in auffallend grossen Dosen ertragen, namentlich vom Geflügel; ein Hahn zeigte z. B, nach 66 g Krähenaugen, welche innerhalb 20 Tagen in steigen­der Dosis gegeben wurden, erst vom 13. Tage ah bei Einzeldosen von 10 g die Erscheinungen der Stryohninvergiftung (Desportes). Nach Hertwig ertrug ein Pferd 40 g Stryehuossamcn in i'illenforin, starb aber, als die­selbe Dosis als Decoct gegeben wurde. Schafe starben nach 30 g der Samen, dagegen zeigten Schweine nach 12 g keine, nach 14 g nur eine mittelstarke
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Stryclniin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 101
Strychninwirkung. Einer Ziego wurden innerhalb 11 Tagen 2(i g Krähen-augenpulver oline Wirkung verabreicht (Genzkon). Hunde starben nach 0,5—1,0 Strychnossamenpulver.
Anwendung, 1) Gegen spinale und oerebrale motorische Lähmungen) vorausgesetzt, dasa die Nervenleitung nicht ganz unter­brochen ist. Man wendet das Strychnin insbesondere gegen Pare sen und Paralysen der Nachhand (Kreuzlahme) an, wie sie im Anschlüsse an Traumen und entzündliche Veränderungen des Pücken-marks und seiner Häute sowie als Folgeerscheinung allgemeiner Krankheiten (Staupe der Hunde, Brustseuche, Beschälseuche etc.) sich ausbilden. Bei Lähmungen, welche durch centrale Neubildungen be­dingt sind, ist Strychnin selbstverständlich nutzlos.
2)nbsp; Im Anfangsstadium des Kehlkopfpfeifens beim Pferde (v. Chelchowski), wofern dasselbe auf einer Lähmung der Stimm-ritzenerweiterer beruht. Es wird empfohlen, das Strychnin hiebei intratracheal zu injiciren und täglich die Dosis um ein Centigramm zu steigern. Man beginnt gewöhnlich mit 0,03, injicirt am'2. Tage 0,04, setzt am .'gt;. Tage aus, gibt am 4. Tage 0,05 und am (i. Tage 0,00 Strychnin. Da sich bei höheren Dosen sehr leicht Vergiftungs­erscheinungen einstellen, ist eine erhebliche Ueherschreitung der ge­nannten Dosen (0,03—0,06) bei der intratraehealen Injection nicht räthlich.
3)nbsp; Bei Blasenlähmung (Incontiuentia urinae) und Schwäche des Sphincter ani mit Neigung zu Mastdarmvorfall; ferner bei Bleiläbmung.
4)nbsp; Gegen die Parese sensitiver Nerven, namentlich gegen Am-blyopie und beginnende Amaurose, suboutan in der Sohläfengegend injicirt. Strychnin ist jedoch nutzlos, wenn sich mit dem Augen­spiegel bereits Veränderungen der Papille (Atrophie) nachweisen lassen.
5)nbsp; Gegen chronische Magen- und Darmkatarrhe, nament­lich bei der sogenannten Ruhr der jüngeren Thiere in Form der Tinctura Stryclmi und in Verbindung mit Opium als Stomachicum und tonisches Stypticum.
(i) Als Antidot bei Chloroform- und (.'hloralhydratver-giftungen, sowie bei allen anderen narkotischen Vergiftungen (starke Erregung des Athnuingscontrums).
Dosis und Forni. Es empfiehlt sich, von allen Strychnos-präparaten ausschliesslich das Strychiiinum nitricum anzu­wenden, da die Semina Strychni, die Tinctura und das Bxtractum Frtfhnei, Arzneimittellehre, a. Auii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H
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1(52nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Strychnin.
liinon ganz inconstauten Stryclmingehfilt iiut'weisen. Nur die Tinctura Stryclmi wird lierköinnilicherweise als Stoniachicuiu und Stypticum nocli angewandt und zwar bei Hunden, Kälbern und Lämmern tropfenlaquo; weise (5—10 Tropfen), Pferden 6—10 g. Die medikamenteile innerliche und suboutane Dosis des Strychninum uitricum beträgt durchscbnittlich V10 ni8' P1'0 Kilogramm Körper­gewicht (Feser). Wendet mau dagegen das Strychnin intra-traoheal an, so muss Avegen der rascheren und intensiveren Wir­kung die Dosis vermindert werden, sie beträgt in diesem Falle nur '/go Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht. Man verschreibe ferner womöglich Einzeldosen, setze jeden 3. Tag mit der Application aus und halte keine Stryclminlösungen vorräthig. Die Dosen des Strychuinum uitricum betragen bei innerlicher und suh-cutaner Application für
Pferde 0,05—0,1.
Rinder 0,05—0,15.
Schafe und Ziegen 0,005.
Schweine 0,002 — 0,005.
Hunde 0,001—0,003.
Katzen 0,0005—0,001,
Geflügel 0,0002—0.0005.
Kecepte.
1)nbsp; Rp. Stryohnini nitrioi 0,U5.
Aqu. destill. 5,0. M, 1gt;. S. Zur suboutanen Injection für ein Pferd mit Kreuzlähme oder Pfeifferdampf.
2)nbsp; Rp. Tmctur. Opii oroo. 10,0.
Tinotur. Strychui 2,0. M. 1). S. 10—20 Tropfen gegen starkes Erbrechen beim Hund.
3)nbsp; Rp, Stryohnini nitrici 0,002.
Aqu. destill. 5,0. M. 1). S. Subcutan für einen Hund mit spinaler l'arese.
4)nbsp; Rp, Tinotur, Opii apl. 50,0.
'rinet, Stryohni 10,0, Sjiirit. Frumenti 300,0, M. I), 8. Sstündlioh einen Esslöffel gegen Kälberruhr.
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Akonitin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l(;;5
Tubeni Aconiti. EiseiihulkiioIhMi.
Stanimp fliuize: Alt;!(iiiit,uiii Ifapellus. Fainilie; Hammculaoecn.
Pharmakognosie. Die Eisen- oder Stumhutknollen stammen von Aconitiuu Napcllus, einer auf den höheren Gebirgen Europas vorkommenden und als Zierpflanze in den (.laquo;arten häufig kultivirten Ranunculacee ab. Die getrockneten Knollen sind riibenförmig, in eine einfache Spitze auslaufend, fingerlange paarig, ungefähr (i g schwer, aussen schwärzlich braun, stark längsrunzelig, innen weiss, von mehligem oder körnigem Bruche und zeigen auf dem Quer­schnitt ein sternförmiges Mark. Sie schmecken anfangs schwach, später scharf würgend, die Mund- und Zungcnsclileimhaut betäu­bend. Die frischen Knollen sind fleischig und haben einen Rettig-geruch. Am wirksamsten sind die vor der Blüte von der wild­wachsenden Pflanze gesammelten Knollen.
Die Tubera Aconiti enthalten zu 0,2—0,8 0/o das Akonitin, eines der giftigsten Alkaloide von der Formel C,i.)H1,,N()12, welches beim Kochen mit Kalilauge in Akonin und Benzocsiiure zerfällt und
daher die Zusammensetzung Oa6H86N07lt;gt;wQ 'X q-, hat. Man unter­schied früher im Handel ein deutsches, französisches und englisches Akonitin. Wegen der grossen Verschiedenheit dieser Handelssorten, welche sehr häutig nur aus Zersetzungsprodncton des Akonitins be­standen, hat man in neuerer Zeit chemisch reinere Producte her­gestellt, von welchen jedoch keines ofticinell ist. Man unterscheidet nämlich: 1) Aconitinum crystallisatum, aus Aconitum Napellus gewonnenes, krystallisirtes und daher chemisch absolut reines Akonitin, mit den in Wasser leichter löslichen Salpetersäuren, salzsauren und schwefelsauren Salzen: dem Aconitinum nitricum, hydrochloricum und sulfurioum crystallisatum. 2) Aconi­tinum amorphum, ein je nach der Darstellung ziemlich verschiedenes und daher nicht empfehlenswerthes Präparat. 3) Pseudaconitinum (Nepalin, NapelUn, Acrakonitin), aus den Knollen von Aconitum ferox, einer in Indien vorkommenden und dort Bikh genannten Akonit-art, von der Formel O88H40NO12. Das Pseudukonitin zerfällt beim Kochen mit alkoholischer Kalilauge in Psendakonin und Dimethyl-Protokateohusäure und wirkt etwas schwächer als das krystallisirte Akonitin, welch letzteres ihm vorzuziehen ist. 4) d apaconitinum,
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] (j4nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Akonitin.
iius den japauisclion Akonitknollen durgostollt; mit Aconitinuui cry-stallisjitum in der Wirkung übereinstimmend.
Tinctura Aconiti, Eiseuhuttinctur (1:10 verdünnter Alkohol): A.P. 10,Ü = 16 Pfennig. Extractum Aconiti, Akonitextract, mit einem Alkaloidgehalt von 1,5—2,5n/o, ist nur in Oesterreich officinell.
quot;Wirkung des Akonitins. 1) Auf der Haut und auf Schleim-liäuten erzeugt Akonitin zuerst Heizung und Hyperämie, später Anästhesie; auf die Magen- und Darmschleimhaut wirkt es ähnlich wie Veratrin als scharfes, entzündungserregendes Mittel, indem es in grösseren Hosen Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik und Diarrhöe hervorruft. Auch die Nieren werden gereizt (vermehrte Diurese).
2)nbsp; Pulsfrequenz, Blutdruck und Temperatur werden ver­mindert.
3)nbsp; nbsp;Die Athmung wird verlangsamt und zuletzt die Erreg­barkeit des Athmungscenti'uins vernichtet.
4)nbsp; Das Krampf centrinn wird durch giftige Gaben erregt, es entstehen starrkrampfähnliche Krämpfe, an welche sich später allgemeine Lähmung anschliesst. Die Pupille ist erweitert. Der Tod erfolgt durch Athmungs- und Herzlähnuing; das Bewusst-sein bleibt dabei bis zum Ende frei.
Toxikologie. Die Erscheinungen der Akonitvergiftung bei unseren Hausthieren bestehen in Speicheln, Eecken, Aufstossen, Erbrechen, Zähne-knirschen, schmerzhafter Kolik, Durchfall, Aufblähung. Hiezu treten Krämpfe, zunehmende Schwäche, Mydriasis und zuletzt allgemeine Lähmung. Das Akonitin gehört zu den all e rst ärksten Giften: 5 —10 mg sollen einen mittelgrossen Hund todten. Im Uebrigen kommt es beim Akonitin sehr viel auf die Beschaffenheit der Präparate an. Ich gab beispielsweise Aconitinum nitricum (Merck) einem Schafe suheutan zu 0,1 ohne tödtliche Wirkung. Von den Tubera Aconiti sind 5 g für Hunde tödtlich, vom Extract 0,5—1,0 g. Von der frischen Wurzel tüdteten 375 g ein Pferd (Viborg).
Anwendung. Her Sturmhut findet wegen seiner Giftigkeit in Deutschland nur selten Amveiidung und wird von verschiedenen Seiten als therapeutisch liberflüssig erklärt. Seine Präparate werden nach drei Eichtungen hin angewandt:
I) Zur Herabsetzung von Temperatur und Puls im Fieber (digitalisähnliche Wirkung). Ich selbst habe bei Hunden durch sub-cutane Akouitingaben ('/s—2 mg) sehr günstige antipyretische Erfolge erzielt.
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Akoiiitin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1(}5
2) Zur Herabsetzung erhöhter Sensibilität in peri-pheren Nerven, so bei Uliemnatismus, Iseliias, Neuralgien des Trigeminus beim Menschen etc.
;5) Gegen Ungeziefer der Haut als Streupulver oder Waschung mit einem Decoct (für kleinere Tbiere /u gei'äbrlicb).
Dosis und Form. Statt der ofticinellen Präparate (Dosis der Tubera Aconiti für Pferde 2—5,0, für Rinder 5—10,0, für Hunde 0,1—0,5; des Extraotum Aconiti für Pferde und Hinder l—2,0, für Hunde 0,02 — 0,00; der Tinctura Aconiti für Pferde und Rinder 10—25,0, für Hunde 0,5—1,0) wird neuerdings ausseblicsslicb das Aconitinum crystallisatum oder ein Salz desselben verschrieben. Die Anwendung ist eine innerliche, suboutane, intratracbeale (Levy bei Pferden) und äusserlicbe (bei letzterer in Verbindung mit Alkohol, Pett, Chloroform, Lanolin etc. als Salbe gegen Rheumatismus und Neuralgien beim Menschen - für Tbiere wegen des Ableckons zu gefährlich). Die Dosis des Akonitins beträgt innerlich für
Pferde und Rinder 0,005—0,02.
Schafe und Ziegen 0,005—0,01.
Schweine 0,001—0,02.
Hunde 0,0005 — 0,002.
t Pikrotoxin. Das Pikrotoxin, der Bitterstoff der Kokkelskörnor (Samen von Menispermum cooculus), von der Formel OuoILmOjo, in farblosen, glänzenden, sternförmig gruppirten Nadeln krystallisirend, ist ein sehr heftiges Krampfgift, welches aber nicht wie Stryofinin durch Heizung des Eücken-marks, sondern durch Erregung des Krampf centrum s tetanisch wirkt. Das Pikrotoxin wird beim Menschen zur Unterdrückung starker 8cliweisssecretion in Dosen von 8—10 mg an Stelle des Atropins gegeben.
f Semina Staphisagriae, die Stephanskörner oder Lilusekörner, welche in gepulvertem Zustande früher allein oder mit Sabadillsamen, llliizoma Veratri etc. zur Vernichtung von Läusen etc. angewandt wurden, stammen von Delphinium Staphisagria und enthalten vier Alkaloide: Ij das Delphin in (OjoHgjjNOj), welches spinale Krämpfe (ähnlich dem Akonit) mit nachfolgender Lähmung und Unempfindlichkeit, sowie Herz­stillstand und Asphyxie erzeugt; 2) das Staphisagrin (von eoniin- und eurareähnlicher lähmender Wirkung); :i) das Delphin oidin und 4) das Delphisi n.
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16()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vera triu.
itiii/oma Teratrl. Welsse Nleswurzel.
Stammpflanze: Veratrum album. KainiIic: Oolobioaoeetii
Fharmakognosie. 1) Das Rliizoma Veratri (Radix Veratri albi,
Radix Hellebori albi) stammt har von Veratrum album, der weissen Nieswurz oder Germer, einem auf Alpenwiesen vorkommenden, peren-nirenden, meterhohen Kraute. Der bis 8 cm lange und 2,5 cm dicke Wurzelstock ist verkehrt kegelig, knollig, dunkelbraun, oben geschöpft und ringsum mit langen, dünnen, gelbbraunen Noben-wurzeln besetzt. Der Querschnitt ist weiss und zeigt eine braune Kernscheide zwischen Rinde und Holzkern, welch letzterer von zahlreichen gelblichen Gefässbündeln durchzogen ist. Der Ge­schmack ist anhaltend scharf und bitter.
Das Rhizoma Veratri enthält nach neueren Untersuchungen fünf Alkaloide:
a.nbsp; nbsp;Das Pseudojcrvin als Hauptbestandtheil.
b.nbsp; Das .Tervin.
c.nbsp; nbsp;Das Rubijervin.
d.nbsp; nbsp;Das Veratralbin.
e.nbsp; nbsp;Das Veratrin (in sebr geringen Mengen).
2) Das officinelle Veratrümm, Veratrin, wird nicht aus dem Rhizoma Veratri, sondern aus den Sabadillsamen (Läusesamen) von Sahadilla officinarum (Veratrum offlcinale), einer in Mexiko vor­kommenden Liliacee (Colcbicacee) dargestellt und zwar durch Aus­kochen derselben mit schwefelsäurehaltigem Wasser. Das Veratrin ist kein chemisch reiner Körper, sondern ein Gemenge ver­schiedener Alkaloide, so von Cevadin (Hauptalkaloid), Veratrin und Cevadillin. Das käufliche Veratrin bildet ein weisses, lockeres Pulver, welches in AVasser fast unlöslich, dagegen in 4 Theilen Weingeist und 2 Theilen Chloroform mit stark alkalischer Reaktion löslich ist und mit Schwefelsäure und Salzsäure bitter und scharf schmeckende Lösungen gibt. Das Eiuathmen von Veratrin erzeugt Niesen und Husten. Veratrin mit concentrirter Schwefelsäure auf einem Porzellantiegeldeckel gibt mit etwas Zucker bestreut einen Farbenwechsel von Carminrotb zu Grün und Blau (Identi­tätsreaktion).
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Vcratrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1G7
Tinctura Veratri, die Nieswurzoltinctui- (1:10 verdünnter Al­kohol), ist von dunkolröthliehbrauner Farbe und bitterem, kratnondem Ge-schmacke. A.P. llhizoina Veratri 10,0 = 6 Pfennig; Veratrinnm 0,1 = 5 Pfennig; Tinctura Veratri 100,0 = 90 Pfennig. Das Veratrinum sul-lüricum ist überflüssig.
t Semen Sabadiilae, Sabadillsamen (in Oesterreichofficinell), stam­men von Sabadilla officinarum, einem auf den Anden von Mexiko, in Guatemala und Venezuela einlieimischen Zwiebelgewächse. Die Samen sind lilnglich oder lanzettlich, unregelmilssig kantig, ungefähr 8mm lang, mit glänzend braunschwarzer, runzeliger, dünner Ramen-liaut bedeckt. Ihr Geschmack ist bitter und scharf.
Die Wurzeln von Hellebonis niger (schwarze Nieswurz, Christwurz) und von Helleboi'us viridis (grüne Nieswurz), zweier R a n u n c u 1 a c e e n, sind früher sehr häufig in der Thierheilkunde an Stelle der weissen Nies­wurz innerlich und äusserlich angewandt worden (namentlich in der Chirurgie zum sogenannten Nieswurzstecken). Sie enthalten zwei Glykoside: das Hellebor in und Hellebore fn, wovon ersteres depri-mirend und lähmend auf Gehirn und Rückenmark, letzteres ilusserlich reizend, innerlich digitalinartig auf das Herz wirkt, weshalb es gegen Herz­krankheiten versucht wurde. Die schwarze Nieswurz wird wegen ihrer viel grösseren Giftigkeit therapeutisch nicht mehr verwerthet.
Wirkung des Veratrins. Da das Bhizotna Veratri und das Veratrin im Allgemeinen bezüglich ihrer Wirkungen übereinstimmen, und in neuerer Zeit das Vcratrin mehr und mehr an die Stelle der weissen Nieswurz tritt, sollen hier nur die physiologischen Wirkungen des Veratrins besprochen werden.
1) Veratrin ist ein scharfreizendes, entzündungserregendes Mittel für die Haut, Subcutis und die Schleimhäute; es erzeugt namentlich durch Reizung der Digestionsschleimhaut in grösseren Dosen Gastroenteritis mit Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik und Darmblutung, sowie auf der ßespirationsschleimhaut heim Einathmen Katarrh mit Niesen und Husten. Auch bei suheutaner Anwendung therapeutischer Dosen treten fast constant, namentlich beim Pferd und Hind, Un ruh eerseh einung en auf, welche auf eine starke Er­regung der peripheren und sensiblen Haut- und Schleim-hautnerven zu bezichen sind: die Tiiierc scharren und stampfen, treten und trippeln hin und her, schlagen aus, steigen selbst in die Höbe, wedeln mit dem Schweife, legen oder werfen sich nieder, wiehern, stöhnen und ächzen, zeigen Schweissausbruch, Zittern und Muskelzuckungen, Speicheln, Brechbewegungen, vermehrte Peristaltik, vermehrten Koth- und Harnahsatz. Diese heroische Wirkung des Veratrins, welche auch schon nach mittleren, nicht etwa giftigen Dosen y,u erwarten steht, ist bei der praktischen Anwendung des Mittels wohl zu beachten.
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] (38nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Verntnn.
2) Das Vemtiiii hat cine ganz speoiflsohe Wirkung auf die quergestreiften Muskeln und das Herz. Es steigert und verlängert nämlicli in kleinen Dosen die Zuckungskurve des Muskels. Es wird sowohl die Zuckungskraft (die Höhe der aufsteigenden Zuckungskurve) um das 2—.'Mache des Normalen gesteigert, als auch der Uehergang aus der Contraction in die Er­schlaffung und Ruhe, mithin das Stadium der W iederausdeh-nung des Muskels (die absteigende Zuckungskurve) um das 50fache verlängert; deswegen erholen sich stark ermüdete Muskeln unter der Einwirkung des Veratrins und führen Imal stärkere und längere Zusammenziehungen aus (Rossbach). (Trosse Dosen lähmen die Muskulatur.
;i) Die Herzthätigkei t wird in Folge einer ähnlichen Ein­wirkung auf die Herzmuskulatur durch therapeutische Dosen anfangs etwas beschleunigt, dann verlangsamt, der Blutdruck gesteigert, und die Körpertemperatur nach einer anfänglichen Steigerung, insbesondere im Fieber, um mehrere Grade herabgesetzt (digitalis-ähnlicbe Wirkung). Die zuerst etwas beschleunigte Athmung wird verlangsamt.
4) Das Bewusstsein bleibt frei; der Tod erfolgt unter Krämpfen in Folge von Herzlähmung.
Toxikologisches. Veratrin sowohl, wio Rhizoma Veratri sind starke Gifte und zwar ohne Uterschied für alle Hausthiere.
Pferde zeigen von 0,2 Veratrin ab deutliche Yergiftungserschei-nungen (gastroenteritische Symptome, hochgradige Aufregung, Muskel-zuckungen, Krämpfe, Lillmiungszustände) und sterben im Mittel von 0,5 — 1,0 Veratrin. Es kommen jedoch beim Pferde auch bedeutende individuolle Verschiedenheiten im Verhalten gegen Veratrin vor, die indess zum Theil auch wahrscheinlich auf eine Verschiedenheit in den Präparaten zurückzuführen sein dürften. So beobachtete Mart ens bei zwei noch jungen Pferden nach der Verabreichung von 0,1 Veratrin inner­halb 10 resp. 20 Stunden eine tödtlich verlaufende Vergiftung, was um so auffallender ist, als diese Dosis allgemein ohne irgend welchen Schaden bei Pferden als Normaldosis gegeben wird. Alb recht hat Pferden selbst bis zu 0,4 Veratrin ohne schwere Zufälle gegeben; auch ich habe beim Pferde häufig 0,1—0,2 Veratrin ohne alle Gefahr angewandt. Das Rhi­zoma Veratri ruft in Dosen von 15—30 g bei Pferden nur geringe Wirkung hervor: selbst 120 g erzeugten nur Kolik und Prechbewegungen 4 Stunden liindurch (Waldinger). Dagegen ist nach Her twig die intravenöse Injection der Tinetura. Veratri von sehr starker und rascher Wirkung; 2—15 g derselben bedingen sofort. Athembeschwerden, Kothentleerung, Kolik, Brechbewegungen, Contractionen des Schlundes, der Hals- und Bauchmuskeln, llülpsen, Schluchzen, Speicheln, Thränenfiuss, ver­mehrtes Uriniren und zuweilen ganz abundanten Schweissausbruch; 15 bis :!0 g der Tinctur hatten bei intravenöser Anwendung nach wenigen Minuten
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Vuratrin.
w.gt;
den Tod unter Schwindel, Zusammenstürzen, Atbembesobwerden und Con-vulsionen zur Folge. Ein 1 Quadratzoll lt;{rossos und etwa '/j cm dickes Stück Nieswurz erzeugte, subcutan applioirt, Muskelzittern, DyspnoS nach 1—2 Stunden, Würgen, Breclmoigung, Speicheln, vermehrte Peristaltik, Diarrhöe, sowie lokale Eiitzündung und GesobwuIstbildllUg.
Binder starben schon nach 0,25 Veratrin; für gewöhnlich werden aber noch Dosen bis zu 0,2 gut ertragen (Cagny, Albrecht). Die Nies­wurz bedingt in Gaben von 20—30 g nur schwache Erscheinungen; 00 g erzeugten Kolik und 180 g den Tod unter Erscheinungen der Magendarm­entzündung (Lyoner Thierarzneisuhulej. 125 g im Decoct riefen starke Aufregung und Kolik hervor; das betreffende Kind blich aber am Leben (Ithon).
Katzen starben auf 5—10 mg Veratrin; Hunde auf 2—10 cg. Das Rbizoma Veratri tödtet die letzteren schon von 0,6 g ab, wenn das Er­brechen durch Unterbinden des Schlundes verhindert wird; können die Thiere jedoch erbrechen, so ertragen sie sogar bis zu 8 g (Hertwig). Intravenös tödten schon 15 — 20 Tropfen.
Schafe und Ziegen zeigten nach 8—15 g des Rbizoma Veratri Würgen, Erbrechen und Diarrhöe.
Frösche zeigen auf 0,5 mg Veratrin Drecbbewegungen und Ver-langsamung des Herzschlages von 00 auf ;i0 und 10; auf 2 mg sofort Brechbewegungen und 15 Minuten darauf Totanus, worauf der Tod nach etwa einer Stunde eintritt (physiologischer Nachweis des Veratrins).
Anwendung des Veratrins und des Rhizoma Veratri. 1) Als Brechmittel, miuentlicli für Schweine sehr zu empfehlen. Man gibt am häufigsten Schweinen das Veratrin siibcutiin in Dosen von 20—30 mg, in .'i—4 g Spiritus gelöst, oder das Rhizoma Veratri in Dosen von 0,5—2,0 (am hasten als Decoct im Klystier). Hunden gibt man das Veratrin subcutan zu 2 — 5 mg, das .Hliizom gepulvert, als Lecke odor Schüttelniixtur zu 0,05—0,2; Katzen zu 0,03 bis 0,06.
2)nbsp; Als Stomaohioum für chronische Verdauungsstörungen der Wiederkäuer. Das Rhizoma Veratri ist als Emeticum auch ein ganz vorzügliches Ruminatorium, das häufig von sofortiger auf­fallend günstiger Wirkung begleitet ist. Man gibt es Rindern in Form des Eingusses (Schüttelmixtur odor Decoct) zu 5 —10 g (oder 10 — 20 g der Tinetur), Schafen und Ziegen zu 5 g (5 g der Tinctur). Auch das Veratrin kann angewandt werden.
3)nbsp; Als Excitans für das Nervensystem und gegen Ermü-dungs- resp, Lälimungszuständc der Muskulatur; so nach er­schöpfenden Geburten, bei Depressionszuständen des Q-ehirns, Gebär-parese, Herzschwäche, Collaps, Coma, Paresen und Paralysen, Festliegen der Kühe vor der Geburt (Kürthmcier), Intoxicationen. Man benützt hiebei die Form der suheutaneu Veratrininjection oder der innerlichen Anwendimg des Rbizoma resp. der Tinctura Veratri. Die Wirkung
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170
Vcratriu.
des Veratrins deckt sich mit derjenigen des Atropins, Hyoscins und CoiFe'ins.
4)nbsp; Als Antirlieiinuiticum bei chrtmischeni Muskelrheumatisnms (Scliulterlahmheit, Hüftlahmheit des Pferdes etc.) und zwar das Yeratrin suboutan in der Nühe der erkrankten Muskelpartien injicirt (Pferden 0,05—0,15 : 5,0 Spiritus). In der Hegel beginnt man mit kleinen Dosen (0,05) und steigt täglich um 1 cg.
5)nbsp; Als Antipyreticum bei kräftigen Individuen, so bei der Pneumunie der Pferde (Cagny) und anderen lieberhaften Krankheiten, welche mit Herzschwäche verlaufen (das Hbizoma Veratri Pferden und Hindern täglich zu 20—50 g oder das Veratrin subeutan zu 0,1—0,15 pro dosi).
6)nbsp; nbsp;Aeusserlich gegen Hautparasiten (Läuse, Flöhe, Haarlinge, Federlinge); das Bhizom im Decoct oder als Pulver allein oder in Ver­bindung mit gepulvertem Sabadillsamen, Stephanskörnern etc. in die Haare eingestreut; früher wohl auch als Itäudemittel benützt.
7)nbsp; In der alten Chirurgie zu Fontanellen, zum sogenannten Nieswurzelsteckcn (neben Hadix Hellebori nigri) als ableitendes Mittel und als Veratrinsalbe zu scharfen Einreibungen.
Bei der innerlichen Anwendung der Nieswurz und des Veratrins bat man, wie schon erwähnt, immer starke Nebenwirkungen zu erwarten, welche oft mehrere Stunden andauern. Diese heroische Wirkung darf nicht ausser Acht gelassen werden; Pferde werden deshalb am besten nach der Application des Veratrins eine Zeitlang geführt.
Dosis und Form. Das Veratrin wird immer in weingeistiger Lösung subeutan angewandt; Abscesse sind sehr selten. Das Rhizoma Veratri wendet man bei Wiederkäuern am besten als Schüttelmixtur und Decoct oder in der Form der Tinctur an; bei Pferden als Pille oder Latwerge. Die Dosis beträgt vom Veratrin:
für Pferde und Hinder . 0,05-0,2, „ Schweine (Brechmittel) 0,02—0,03, „ Schafe und Ziegen . 0,01 — 0,02,
„ Hunde......0,001—0.005,
„ Katzen......0,001 ;
vom Rhizoma Veratri und der Tinctura Veratri:
für Pferde......5—15.0,
„ Hinder......10—20,0,
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Vcratrin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;\ 7 1
für Schafe und Ziegen .nbsp; nbsp; 2—5,0,
„ raquo;Schweine.....nbsp; nbsp; 0,5—2,0,
„ Hunde......nbsp; nbsp; 0,01—0,03.
„ Katzen und Geflügelnbsp; nbsp; 0,005—0,01.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Voratrim 0,5.
Spiritus 25,0. M. D. S. Täglich 2 Fünfgrammspritzeti subontan für ein Pferd mit
Scliiiltei'i'lieimiutisiuus.
2)nbsp; nbsp;Bp. Decoot, Kliizoin. Oalaml 500,0 (ex 25,0 parati).
Tiuctur. Veratri albi 25,0. M. 1). S. Auf 2mal oiuzusoluittoii für ein U i u d mit ohrouisober Uu-verdauliobkeiti
3)nbsp; Rp. Veratrini 0,2.
Spiritus 10,0. M. D. S. Die Hälfte sitlicutan zu injioiren für ein liinil mit Festliegen.
4)nbsp; Rp, Decoct. Rbizom. Veratri 2,0 : 50,0.
Di S. Zum Klystior für ein Schwein mit Magenkatarrh.
5)nbsp; Rp. Pulv. Rhizom. Veratri 10,0.
Pulv. Radie. Valerian. 25,0. Natrii sulfurioi 250,0. M. D. S. Mit '/' 1 Leinsamenabkoobung auf Imal einznsohtttten für ein Rind mit Pansensohwäohe.
6)nbsp; Rp. Tinetur. Veratri 15,0.
Spiritus Frumenti 250,0. M. D. S. Für ein Rind mit Gehiirtieber,.
7)nbsp; Rp. Pulv. Rhizom. Veratri 1,0.
Pulv. Radio. Tpecacuanh. 2,0. M. f. Pulv. D. S. Mit einem Löffel Honig angerührt als Brechmittel für ein Schwein einzugeben.
8)nbsp; Rp. Pulv. Rhizom. Veratri 10,0.
Tartar, stibiat. 5,0. M. D. S. Mit einer Flasche Kiimillcuthee einzuschütten für ein Rind mit Verstopfung.
9)nbsp; nbsp;Rp. Decoot. Khizom. Veratri 5,0 : 250,0.
Natrii sulfur. 50,0. M. D. S. Auf 2mal für eine Ziege mit Magemiarmkatarrh.
10)nbsp; Rp. Pulv. Khizom. Veratri 5,0.
Pulv. Sem. Anisi 25,0. M. D. S. Zum Einstreuen ins Q-efieder für Vögel gegen ünaeziefer.
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172nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Apomorpliin.
Apomorpliiiiuin liydrot'hloricum. Salzsaiurcs Apoiuorphin.
C1THnN()., . HOI.
Pharmaceutische Chemie. Das Apomorphin wird durch Er­hitzen von Morphin mit oonoentrirter Salzsäure bis auf 160deg; 0. In ZUgesohmolzenem Q-lasrohx' dargestellt; das Morphin (017Hj9NO8) geht dabei unter Abgabe von einem Molekül Wasser (H20) in Apo­morphin (C17H,7NO„) über. Das salzsaure Apomorphin bildet ein weisses oder grauwoisses, trockenes, krystallinisehes, 1 : 40 Wasser lösliches Pulver, dessen Lösung anfangs farblos ist, mit der Zeit aber sich sohwarzgrün verfärbt. Auch das Salz färbt sich an feuchter Luft dem Licht ausgesetzt bald grün und gibt mit Wasser dann sofort eine smaragdgrüne Färbung (ein so verfärhtes Salz ist, weil zersetzt, zu verwerfen). Mine mit Salzsäure vorsetzte Lösung hält sieh an der Luft längere Zeit farblos. Identitätsreaktionen sind: 1) G rünfärbun g der wässerigen Salzlösung und des mit ^Natriumbicarbouat in derselben gebildeten Niederschlags an der Luft; 2) blutrothe Lösung des Salzos in Salpetersäure; 3) purpurrothe Lösung in überschüssiger Matronlauge; 4) amethystrothe Färbung durch Eisenchlorid. Das Apomorphin soll endlich'bei Luftzutritt er­hitzt verbrennen, ohne einen Rückstand zu hinterlassen. A.P. 0,1 = 20 Pfennig. D.P. 10,0 = 8 Mark.
Wirkung. 1) Das Apomorphin wirkt brechenerrcgencl durch Reizung des Brechcentrums in der Medulla oblongata; grössere (iahen lähmen das Prechcentruni, so dass kein Erbrechen mehr mög­lich ist. Die Brechwirkung erfolgt bei suheutaner Anwendung schneller, als bei stomachikaler.
2)nbsp; nbsp;Die Secretion der Speicheldrüsen und der Schleimdrüsen der Respirationsschleimhaut wird durch kleinste Apomorphin-gaben gesteigert und die in den Luftwegen angesammelten Schleim­massen verflüssigt.
3)nbsp; Grosse Gaben rufen eine starke Aufregung des centralen Nervensystems hervor, von der namentlich das Sensorium, die motorischen und sensiblen Centren des Grosshirns, die locomotorischen Kleinhirncentren, sowie das vasomotorische und Athmungscentrum in der Medulla oblongata betroffen werden. Grosse Schreckhaftigkeit, heftige Unruhe, selbst tobsuchtähnliche Anfälle wechseln mit Zwangsbewegungen aller Art (Kreis-, Manege-, Zeigorbewegungen,
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Apomoriihiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17o
Springen, Hüpfen, Tanzen); dazu treten die Eraoheinungen der Lock­sucht und Nagosucht, Speicheln, Pupillenerweiterung, beschleunigte Her/thiitigkeit und Atlunung sowie zuletzt sel))st ausgedehnte Muskel-kriünpfe.
4) Tödtliche Dosen erzeugen sohliesslioh Betäubung und allge­meine Narkose, Schwäche und Lähmung der Muskeln (zuerst der Hinterextremitäten), allgemeine llel'lexlosigkeit und unter Convul-sionen Tod dui'ch Lähmung des Athmungscentruins.
Verhalten der einzelnen Hausthiergattungen zum Apomorphin. Dasselbe ist durch zahlreiche Untersuchungen von Fes er (Zeitschrift für praktische Veterinilrwissenschnften 187;} —75) festgestellt worden.
1)nbsp; nbsp;Hunde erbrechen nach Peser nach 0,1—10mg Apomorphin subeutan durchschnittlich nach 3—5 Minuten; die geeignetsten Brechdosen liegen zwischen 2 und 10 mg. Kranke Hnnde, nament­lich staupekranke, bedürfen oft grösserer Dosen als gesunde. Das Erbrechen wiederholt sich gewöhnlich mehrere Male. Gewöhnlich ist nach einer Viertel­stunde wieder vollkommenes Wohlbefinden eingetreten; wochenlang fort­gesetzte Apomorphin gaben schädigen die Ernährung nicht. Die Breeh-dosis per os beträgt 8—20 mg, die per anuni 50—100 mg. Von 0,2 g Morphium ab (subeutan) tritt beim Hunde kein Erbrechen mehr auf; auch stark morphinisirte Hunde erbrechen sich nicht.
Subcutane Dosen von 0,5—2,0 sind nicht todtlich, er­zeugen aber ein charakteristisches Vergiftungsbild; Schreckhaftigkeit, Angst, unruhiges Umherlaufen, stundenlanges flerumtrahen, Manegebewe­gungen und grosse Mattigkeit; späterhin Stolpern mit den Vorderfüssen, Zusammensinken mit dem Hintortheil, förmliche Lähmung; dabei bestehen noch, während das Thier am Boden liegt, Schwimmbewegungen. Diese Erscheinungen lassen sich schon bei 0,02 g subeutan beobachten. Dosen von 1,0 g ab erzeugen häufig schon von Anfang an Lähmung. Nach 2,0 g subeutan trat eine zweistündige tiefe Narkose ein, aufweiche eine 12 Stunden lange Manegebewegung folgte; nach 18 Stunden hatte sich der Hund bis auf eine zurückgebliebene Mattigkeit wieder erholt. — Intravenös tritt auf 0,2 Apomorphin tiefe Narkose mit starkem Sinken der Körpertemperatur (um 3deg; C.) auf; eine üble Nachwirkung fehlt jedoch; 0,5 g intravenös tödteten einen Hund nach 6 Stunden, nachdem Narkose, starke Sprung­bewegungen und zuletzt Schwäche und Lähmung vorausgegangen waren. — Häufig ergaben sich bei den einzelnen Hunden starke individuelle Ver­schiedenheiten.
2)nbsp; Katzen brauchen zum Erbrechen eine 10mal grössere Dosis als der Hund, nämlich 20—50 mg subeutan. Per os bleiben 80—120 mg meist wirkungslos. Die Brechdosis per an um beträgt 0,1 bis 0,2 g Apomorphin; nach Peser ist diese Applicationsmethode für Katzen die geeignetste (0,1—0,2 in 2,5—5,0 Wasser). Von 0,1 subeutan tritt kein Erbrechen mehr auf. dagegen Schreckhaftigkeit, Fluchtversuche, Krämpfe, Speichelfluss, Pupillenerwoiterung; 0,3 subeutan haben Stumpfsinnigkeit, Lähmungserscheinungen, Streckkrämpfe, sowie stundenlangen Speichelfluss zur Polge; nach 25 Stunden ist das Normalbefinden wieder zurückgekehrt. 1,0 vom Rectum aus tödteten eine Katze nach 88 Minuten, nachdem Un-ruheerscheiimngen, Kreisbewegungen, Speicheln, wildes Umherspringen, Con-vulsionen, völlige Narkose und allgemeine Lähmung vorausgegangen waren.
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174nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aporaorphini
3)nbsp; Schweine sind nach Faser durch Apomorphiii überhaupt nicht zum Erbrechen zu bringen; die kleinsten und die grössten Dosen, die verschiedensten Applicationsmethoden, die verschiedensten Lösungen waren bei jungen und alten, mageren und fetten Thieren, vollem und leerem Magen und verschiedener Ernährungsweise wirkungslos (von Edelmann bestätigt). Die Schweine ertragen überhaupt ganz enorme Dosen ohne Nachtheil. 0,01 bei jungen, Ü,l bei ausgewachsenen Schweinen subcutan injicirt, blieben ohne jeden Erfolg. Subcutane Dosen von 0,025 ab bei halbgewachsenen, von 0,1 ab bei ausgewachsenen Schweinen er­zeugten erhöhte Munterkeit, lebhaftes Springen, sowie die Sucht, fremde Körper, Steine etc. zu kauen, auch starke Empfindlichkeit der Haut gegen Erkältung. Nach 0,1—0,5 subcutan bei halbgewachsenen Schweinen war starke Aufregung, unausgesetzte Unruhe, sowie beständiges Hin- und Hertrippeln, uuch begieriges Beschnüffeln und Benagen des Bodens und der Wand zu beobachten. Sogar 1,0—2,0 wurden subcutan noch gut ertragen; die Thiere zeigten darnach Mattigkeit, Stumpfsinn, schleppen­den unsicheren Gang, Zusammenknicken, erschwertes Aufstehen, sowie aus­gesprochene Bohrwuth, d. h. heftiges, anhaltendes Bohren im Boden, selbst wähi-end des Liegens. Nach 2 — 7 Stunden trat bereits wieder Futter­aufnahme ein. Einen ganzen Monat lang täglich fortgesetzte Apomorphin-versuche mit sehr hohen Dosen schadeten nicht nur nichts, sondern die Thiere nahmen auch noch bedeutend an Gewicht zu. Per os erzeugten die doppelten Dosen der subcutanen Anwendung ähnliche Erscheinungen: in einem Falle wurden 5 g Apomorphin verabreicht.
4)nbsp; nbsp;Beim Rinde sind nach F e s e r subcutan zur Erzielung einer Allgemeinwirkung nöthig: bei Killbern 0,03—0,05, bei halberwachsenen Thieren 0,1, bei älteren 0,3—0,4. Individuelle A^erschiedenheiten abgerechnet bestand die Wirkung des Apomorphins bei erwachsenen Kühen in Dosen von 0,1—0,5 subcutan darin, dass dieselben das ausgeprägte Bild der Leck- und Nagesucht zeigten und von lecksüehtigen Thieren gar nicht zu unterscheiden waren. Brechbewegungen und Erbrechen wurden nur ein einziges Mal beobachtet. Jüngere Thiere verfielen erst bei 1,0 subcutan in Lecksucht; kleinere Dosen hatten nur lebhafte Aufregung, Umherspringen, Schreckhaftigkeit und scheues Wesen zur Folge. Intra­venös entstanden bei der Hälfte der subcutanen Dosis dieselben Erschei­nungen; 0,3—0,5 g intravenös erzeugten eine ausserordentlich hochgradige Lecksucht, so dass die Thiere sogar die Anbindevorrichtungen zu ver­schlingen suchten, neben starker Aufregung, Angst und Schreckhaftigkeit. Per os hatten sell)st sehr bedeutende Dosen (5—10 g) keine wahrnehmbare Wirkung; die Milch dieser Thiere wurde von Hunden ohne Nachtheil ver­zehrt, weshalb nach Fes er auch das Fleisch unbedenklich zu geniessen ist.
Nach diesen Versuchen kann Apomorphin beim Bind als Brechmittel oder Ruminatorium nicht verwendet werden; es Hess sich nur eine Ver­stärkung der Mngenperistaltik nachweisen.
5)nbsp; nbsp;Beim Geflügel (Tauben, Hühner, Enten) hat Fes er eben­falls Versuche angestellt. Tauben zeigen nach 1 mg Apomorphin sub­cutan eine Stunde lang andauerndes Picken mit dem Schnabel auf den Boden; dabei nehmen sie alle möglichen Fremdkörper (Federn, Säge­späne etc.) auf, während sie das Futter liegen lassen. 5 mg hatten dieselben Erscheinungen zur Folge; nach 25 mg subcutan entstand ausserdem un­sicherer Gang und Schwanken. 200 mg vom Mastdarm aus riefen Picken, Zusammensinken, Krämpfe und Drehung um die vertikale Axe, Lähmung und nach 8 Stunden den Tod hervor. Hühner zeigten bei Dosen bis zu
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Ajiomoi'phiu.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;17rraquo;
0,2 subcutan und bis zu 2,0 per os iilniliche Ei-suheinungeii, wie die Tauben, namentlich aber Bepicken der eigenen Krallen und Ausreissen der eigenen Federn. Enten zeigten nach ganz kleinen Dosen un­geheure Aufregung und Sehreokhaftigkeit (in geringem Grade schon von ',10 mg ab), daneben Peppern und Sehluttorn an der Wand. Von 0,1 ab traten Lilhinungserscheinungen, von 0,2 ab Erbrechen auf; der Tod erfolgte jedoch erst nach 0,5 g von der Cloake aus eingespritzt.
6) Pferde zeigten nach meinen eigenen Versuchen auf 0,25 Apo-morphin subcutan etwa eine halbe Stunde lang geringe Unruhe und leichte Schreckhaftigkeit. 0,5 subcutan erzeugten eine 2—tistündige hochgradige Au f r e gu n g, (H e i chge wi c h t s s t ö r u n ge n u nd S ch r e c k h af t igk o i t, welche sich bis zu t obsü ch tige n Auf illlen (Uilumen, wildes Nachvorne-drängen , Versuche, die Kette zu zerroissen) steigerten; gleichzeitig wurde Belecken und Benagen der Krippe, sowie gieriges Fressen beobachtet.
Anwendung. 1) Als Brechmittel, namentlich für den Hund, in Form der subcutanen Injection zu 2-—10mg (Katzen 20—50 mg).
2) Als Bxpectorans zur Verflüssigung ziiher Schleimmassen in den Bronchien bei Bronohialkatarrh und katarrhalischer Pneumonie; von gana vorzüglicher Wirkung. Man gibt liiebei das Mittel per os in kleinsten Dosen (Hunden 1—3 mg pro dosi bis zu 0,03 pro die; Pferden 0,02—0,05 pro dosi bis zu 0,3 pro die). Das Apomorphin ist namentlich bei der Staupe der Hunde geradezu un­ersetzlich.
8) Als Speciflcum gegen die Lecksucht des Rindes und das Wollefressen der Schafe, zuerst von Peser empfohlen und von Hackl, ßeindl, Ostertag und namentlich von Lemke erprobt. Die Dosis beträgt nach Lemke für Rind und Schaf 0,1 — 0,2. Diese Dosis wird 3 Tage hinter einander subcutan gegeben; als Neben-
e at
scheinungen treten Schreckhaftigkeit, Unruhe, Lecken und Benagen
r Krippen, Wollzupfen etc. auf. In ähnlicher Weise dürfte Apo­morphin wohl auch gegen Ndas Federnausziehen des GreHügels, das so­genannte Federfressen, zu versuchen sein.
4) In einzelnen Fallen von chronischem Magenkatarrh beim Pferd (Lemke).
Dosis und Form. Man verschreibt das Apomorphin fast immer in wässeriger Lösung und fügt derselben zur besseren Haltbarkeit etwas Salzsäure hinzu; die Lösungen sind ferner in dunklen GHäsem aufzubewahren. Im Uebrigen verfärben sich alle Apomorpbinlösungen bald, ohne ihre Wirksamkeit dabei zu verlieren; nach Feser waren selbst ganz schwarzgrün gewordene, 2 Jahre alte Apomorphinlösungen
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Itiulix Ipccaciiaiihiu'.
noch wirksiun. Zur Selbst - Dispcnsiitiou eignet sich nainentlicli für
die Herstellung Irischer Lösungen die Tablettenform am besten.
Die BrecMosis beträgt für Hunde 2—10 mg subeutan,
„ Katzen 20—50 „nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Die Einzel dos is als Expectorans beträgt
für Pferde und Kinder 0,02—-0,06.
0,005—0,01.
J7
„ Schweine .... 0,01 — 0,02. „ Hunde und Katzen 0,001—0,003.
Kecepte.
1)nbsp; nbsp;Itji. Apomorphin. bydroohlorio. 0,1.
Acid, hydroohlorioi gutt. I. A()ii. destill. 20,0. M. 1). in vitro uigTo. S. 1 — 2 Orammspritzen subeutan als Brechmittel für den Hund.
2)nbsp; nbsp;Rp. Äpomorphin. hydroohlorio. 0,5.
Aqu. destill. 25,0. M. D. in vitro uigro. S. Täglich eine 5 Orammspritze subeutan für ein Kind mit Lceksucht.
B) Rp. Äpomorphin. hydroohlorio. 0,05. Acid, hydrochloric. 1,0. Aqu. destill. 250,0. M. Igt;. in vitro nigro. S. 2stündlich einen Esslöll'el (Theclöflcl) für einen Hund mit Bronchitis.
4) Rp. Äpomorphin. hydrochloric. 0,05.
Succ. et Pulv. Liquirit. qu. s. f. I'ilid. Nr. XX. I). S. 2.stündlich eine Pille für einen Hund mit Bronchitis.
t Apocodelnum hydrochloricum. Ein Analogen dos Äpomor­phin s, welches ein kräftiges Expectorans ohne unangenehme Nebenwirkungen sein soll. Es bildet ein amorphes, gelblichgraues, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches namentlich gegen chronische Bronchitis wirksam ist und beim Menschen in Dosen von 0,1—0,2 pro die innerlich oder subeutan fl com einer 2procentigen Lösung) angewandt wird.
liiidix [pecaenanhae. Brechwurzel.
Stammpflanze: l'sychotria Ipeoaouanha (OephaSlis Ipeoaouanha).
Familie: Kubiacecn.
Pharmakognosie. Die Brechwurzel stammt von einem kleinen Strauche in den Wäldern Brasiliens (Provinz Matto Grosso im Thalc dos Paraguay). Sie ist wurmförmig gekrümmt und zeigt ringei­förmige Querwülste, zwischen welchen sich Einschnitte befinden;
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Kudix Ipecacuanliao.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 177
ihre llinde ist von bräunliobgrauer Farbe und von homartigor Oonsistenz und lässt sich von dem hellgelben centralen Holz-oylinder leicht trennen. Die Rinde riecht dumpf und schmeckt widerlich bitter. (Vorsicht beim Pulvern!) Hauptbestandtheil der Breohwurzel ist das Emetin, ein Alkaloid von sehr schai'fer, ent-ZÜndungserregender Wirkung (circa l0/o)-, ausserdeiU enthält dieselbe
[pecaouanbasäure und Stärkmebl. A.P. 1,0 = .r) Pfennig.
Präparate. 1) Vtnum I pe cacuanhae (Vinuin emeticum) (1 : 10 Xereswein), von klarer, gelbliohbraunor Farbe. A.P. 10,0 = 25 Pfennig. 2) Syrupus Ipecaouanliae (aus 1 Thoil Ipecacuanha, 5 Theilen Weingeist, 40 Theilen Wasser und 60 Theilen Zucker). A.P. 10,0 -^ 10 Pfennig. 8) Pulvis Ipecacuanbae opiatus (Pulvis Do wer i) aus 1 Tbeil Ipecacuanlia, 1 Theil Opium und 8 Theilen Milch­zucker bestehend. Ein hellbräunlicbes Pulver vom Cierucbe und (xescbinacke des Opiums. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. In Oesterreich sind ausserdem offi-dnell die Tiuotura und die Trocbisci Ipee.
Prüfung der Brechwurzel. In Folge ihres Gehaltes an Emetin gibt ihr wässeriger Auszug (1 : 5) mit Kalium-Quecksilherjodid einen reichlichon, weissen Niederschlag ; auch filrbt sich ihr Auszug mit .Salzsäure (0,2 ; 10) heim Daraulstreuen mit Chlorkalk feurigroth. Wegen ihres Stärkemehl-gehaltes wird ferner der salzsaure Auszug durch Jodlösung (1 Tropfen Jodtinctur auf 10,0 Wasser) blau gefärbt. Verwechslungen kommen vor mit emetinänneren Sorten, namentlich mit Radix Ipecacuanhae undulata (sebwaeb geringelt, mit mehliger, nicht bitterer Kinde), striata (grauschwarz, ohne Stärkemehl, walzenförmig, von süssliehem Geschmacke) und flava (ohne Querwülste und Stärkemehl).
Handelssorten. 1) Die brasilianische Brechwurzel (offloinell). 2) Die Brechwurzel von Neugranada oder Carthagena (rosenkranzartig geringelt, röthlichgrau. emitinärmer).
Wirkung. 1) Die Brechwurzel resp. das Emetin wirken stark-reizend auf die Haut und die Schleimhäute; sie erzeugen Der­matitis, Conjunctivitis, Gastroenteritis, Laryngitis und Bronchitis.
2) Innerlich gegeben ruft die Brechwurzel in Folge von Rei­zung der Magenschleimhaut, sowie einer direkten Erregung des Brecb-centrums in der Medulla oblongata Erbrechen hervor. Bei stärkeren Dosen entsteht ausserdem auch Durchfall.
8) Die Schlcimsecretion in den Bronchien wird gestei­gert, wie dies au tracbeotomirten Hunden zu beobachten ist; ausser­dem scheint die Expectoration durch einen direkten Reiz auf die Schleimhaut angeregt zu werden.
Kröhner, Aizuelmlttellehre. 8. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; J2
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Radix Ipeoaouanbae.
4) Die Uallunsecretion wird in Folge einer direkten 01-rogenden Wirkung mit' die Loberzellen gesteigert.
Das Emetin besitzt dieselben reizenden Eigenschaften, nur noch in viel hölierem Gmde und wird daher in neuerer Zeit statt der Ipeoaouanbawurzel als reineres Präparat angewandt. Das Emetin ist jedoch ein sehr giftiges, scharfes Alkaloid, welches Katzen von 0,025 ab, Hunde in Dosen von 0,1—0,3 tödtet und zwar unter den Erscheinungen der Mageiularmentzündung und des Collapses; es ist deshalb bei seiner Anwendung die grösste Vorsicht geboten.
Toxikologisches. Die Breuhwurzel erregt beim Pferde in Dosen von 30—45 g mehrstündige Uiiruheerscheinuugen und zuweilen Neigung zum Erbrechen, in Dosen von 90 g starke Kolik mit Diarrhöe, sowie Zuckungen; gewöhnlich tritt auf diese Gabe der Tod ein (Br aey - Cl ark). Die Erscheinungen beim Rind und Schaf sind ähnlich (Hertwig).
Anwendung. 1) Als mildes Brechmittel für Schweine, Katzen und Hunde und zwar als Pulver oder Scbüttelniixtur, Schweinen und Hunden zu 1—15,0, Katzen zu 0,25—0,75 für sich allein oder in Verbindung mit Breclnveinstein. Man kann auch den Brechwoin (Vinum rpecacuanhae) Hunden csslöffel- resp. theelötfelwcise eingeben.
2) Als Expectorans bei allen Bronchialkatarrhen mit zähem, stockendem Auswurf, sowie im 8, Stadium der Pneumonic, besonders auch bei der katarrhalischen Pneumonie in kleinen Dosen; meist in Form des Infuses oder als Pulver, häutig mit Morphium oder Opium zusammen, um das Erbrechen zu verhüten (cf. Pulvia Doweri). Dosis für Hunde 0,01—0,05, für Schweine 0,1—0,3.
8) Als Rumina tori um für Wiederkäuer bei chronischem Magenkatarrh und Pansemiberfüllung in Dosen von 5 10 g (Trasbot).
4) Als Cholagogum bei Ikterus und anderen Leber-leiden.
Ausserdem wurde die Brechwurzel früher als krampfstillendes und schweisstreibendes Mittel, sowie als Speciticum gegen die Kuhr angewandt (Radix antidysenterica).
Dosis. Als Emetioum
für Schweine und Hunde 1,0-„ Katzen 0,25—0,75, Als Expectorans für Hunde 0,01—0,05. „ Schweine 0,1—0,3. „ Katzen 0,01.
#9632;3,0.
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Itmlix Sen6gaelt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;| 71 gt;
Recepte.
li Kp. [peoaouanh. imlv. 2,0. Tartar, stibiat. 0,2. Saoohari 1,0.
M. f. I'ulv. I), tul. dos. \r. II. s, Breohpulver für sinen grossen Hund.
2)nbsp; nbsp;Up. Int'usi Rad. [peoaouanb. 1,0; 150,0. Syrupi Altlmeac 20,0.
M. I). S. iistüudlioli einen Esslöffel (TlieeliiHol) für einen II 11 nil mit BronoMalkatarrli.
3)nbsp; nbsp;Rp. Pnlv. Had. Ipeuacuaidi. 0,02. Pulv. üpii 0,1. Saoohari 0,5. M. f. I'ulv. D. tal. dos. Nr. VI.
8. Täglioli 2—;? Pulver für einen Mund mit Diarrhöe.
4)nbsp; nbsp;Rp. Mad. Ipeoaouanh. jiulv. 2,0.
Rhizom. Veratri pulv. 1,0. M. f. Pulv. I). tal. dos. Nr, II.
S. Breohpulver für ein S oh wein.
5)nbsp; nbsp;Rp. Iiil'usi Rad. Ipeoaouanh. 2,0 : 250,0. Morphin, hydroehlor. 0,2. Sncc. Liquiritiae 20,0.
M. D. S. Sstündliol) einen Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) ^nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;H 11 n d mit Staupe (Bronohopneumonie).
Hadix Senegae. Senegawurzol.
Stammpflanze: Folygala Senega. Familie: Polygaleon.
Pharmakognosie. Die Senegawurzel stammt aus den Wäldern Nordamerikas (Minnesota und Iowa); die Senegaindianer benützten sie früher gegen den Biss der Klapperschlange. Die quot;Wurzel ist einfach, tingerlang, spiralig gedreht, federkieldiek, hat einen knorrigen Kopf, eine kielartig und spiralig an der Seite herunter lau­fende Leiste und eine gelbbraune Farbe; auf der dem Kiele gegenüberliegenden Seite zeigen sich Querwülste. Die Wurzel riecht etwas ranzig und schmeckt scharf kratzend; sie enthält kein Stärkemehl. A.P. 10,0 = 25 Pfennig.
Der Hauptbestandtheil der Senegawurzel ist ein (llvkosid von scharf irritirender Wii-kung; das Senegin. Dasselbe ist chemisch ver­wandt mit Saponin, Sapotoxin und Quillajasäurc, ist jedoch etwa lOmal schwächer wirksam, als die genannton Körper, Ein zweiter wirksamer Bestaudtheil ist die Polygalasäure. Daneben ent-
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Cortex Quillajae.
Iiiilt dio Wurzel Spuren eines ätlierisclien Oels (Ester der Salicyl-nnd IJaldriansäuro), l'ettes Gel, Harz, Zucker, einen gelben Farbstoff sowie äpfelsaure Salze. Aussei' der Wurzel ist nocli officinell der Syrupus Senegae.
Cortex Quillajae, Seifen rindu, Funaniarinde, die innere Rinde der Quillaja Saponaria, einer südamerikanischen Rosacee (Chili, Peru, Bolivia) ist als Ersatzmittel der Senegawnrzel in Deutschland officinell. Die Seifenrinde, welche als wirksamen Bestandthoil etwa 90/o Saponin enthält, bildet vorwiegend flache, oft 1 dm breite und gegen 1 m lange, bis 1 cm dicke Stücke von ziemlich rein weisser Farbe (abgesehen von den Ucberresten des abgeschälten rothen, äusseren llindengewebes), mit zähem, splitterigem Bruche. Der Geschmack ist schleimig, kratzend; das Pulver reizt zum Niesen. Mit der Lupe sieht man auf dem Bruche überall glänzende Prismen von oxalsaurem Kalke. Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Senegae.
t Saponin. Unter diesem Namen ist im Handel ein aus Quillaja-rinde dargestelltes Präparat vorhanden, welches nach Kobert kein reiner chemischer Körper ist, sondern ein Gemenge von 4 verschiedenen Stoffen darstellt. Es enthält 1) die Quillajasäure als Hauptbestandtheil. Diese stark giftige Säure von der Formel O^HaoOin ist ein Glykosid, welches zu Sapogenin und Zucker zerfällt. Sie ist in Wasser und Alkohol leicht lös­lich, dagegen unlöslich in Aether und Chloroform. Eiweiss wird von ihr gefällt. 2) Das Sapotoxin, ein ebenfalls giftiger, neutraler, in heissem absolutem Alkohol löslicher Körper. 3) Das reine Saponin, wahrscheinlich eine ungiftige Modification der Quillajasäure. 4) Das L'aetosin, ein un­giftiges Kohlehydrat. Das Saponin des Handels wird wohl auch als „Ex-tractum Quillajae siecumquot; oder als „Roh-Saponinquot; bezeichnet.
Ebenfalls sap oninhaltig und daher in der Wirkung mit der Senega-wurzel übereinstimmend, ist Radix Saponariae, die Seifenwurzel, von Saponaria officinalis, einer Caryophyllee. Ausserdem enthalten Saponin die Radesamen (Githagin), die Wurzel von Gypsopbila Struthium (Silenee) und die Monesia-Rinde (von Chrysophyl lurn glycyphlaeum, einer Sapotee). Aus letzterer wird neuerdings ein saponinhaltiges Extract, das Monesiaextr act (Extractum Monesiae aquosum) dargestellt und als mildes Expectorans empfohlen.
Wirkung und Anwendung. I) Die Senegawurzol hat ver­möge ihres (äehaltes an Senegin eine reizende Einwirkung auf Schleim­häute und erzeugt, in grösseren Gaben oder längere Zeit fortgegeben, Magendarmkatarrh. Ausserdem regt sie in kleinen Dosen die Secretion der Respirationsschleimhaut an und wird daher als reizendes Expectorans, ähnlich wie die Ipecaouanhawurzel, bei allen Bronchialkatarrhcn mit zähem katarrhalischem Secrete, sowie bei Pueumonien angewandt. Die Dosis beträgt für Schafe, Ziegen und Schweine 2—5,0, für Hunde 0,5—1,5, für Katzen 0,2—0,5; ffewöhnlioh wird das Infus verordnet.
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Semen Oolohioi.
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2) Die Quillujarindo und die übrigen suponinhaltigen Droguen besitzen dieselbe oxpectorirendo Wirkung, jedoch in er-böhtem Masse. Wegen der stärkeren Wirkung des Haponins im Ver­gleich zum Senegin ist ersteres auch wesentlich giftiger. Es wirkt in grossen Dosen tödtlicb durch Lähmung der Muskeln und des Herzens.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Infusi Rad. Sonegae (Quillajae) 15,0 : 250,0.
Ammonii clilorati Suoc. Licjuirit. äa 10,0. M. D. S. Sstündlioh einen Ksslöffel (Theelöflel) für einen Hund mit Langeaentzttndung.
2)nbsp; nbsp;Hp. Infus. Rad. Senegae (Quillajae) 10,0 i 150,0.
Liquor. Ainmon. anisat. 5,0. Syrupi 10,0. M. 1). 8. Sstüudlioh einen Ksslöll'el (Theelöfifel) für einen Hund mit Staupe.
3)nbsp; Rp. Infusi Rad. Senegae (Quillajae) 20,0 : 300,0.
Ammonii carboniei 10,0. M. D, S. Sstttndlioh einen EsslöH'el für ein Sohaf mit katarrhalisoher Pneumotiie.
Semen ColchlcL Zeltlosensameu.
Stammpflanze: Oolohioum autumnale,
Familie: Colcliicaeeen (Liliaeeen).
Pharmakognosie. Die Herbstzeitlose ist ein auf nassen Wiesen vorkommendes Zwiebelgewächs, das im Herbste blüht und im darauf­folgenden Frühjahr Samenkapseln ansetzt. Die Samen sind, wenn sie im Juni gesammelt werden, weiss und werden später braun; sie sind kugelig, klein, etwas zugespitzt und sehr fein punktirt, ohne Geruch, von sehr bitterem G es oh mack e. Aeltere Samen haften beim Druck in der Hand klebrig zusammen.
Die Zeitlosensamen enthalten zu 0,2—0,30/o ein sebr giftiges Alkaloid, das Colchiciu von der Formel C.jH^NO,; dasselbe ist amorph, gelblich und in Wasser langsam löslich. Man stellt es durch Ausziehen der Samen mittelst Alkohol und Wasser und Fällen durch Tannin dar. Ausserdem enthalten die Samen in ihrem weissen Centrum fettes Ocl und Eiweiss.
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Kolin Nicotiiuuir.
Präpai'ate; 1) Tinctura Colchici, eine gelbe, bitter schmeckende Tinctur (1 ; 10 verdünnter Alkohol). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. 2) Vinum Colchici, eine klare, gelbbraune Flüssigkeit, durch Maceration von 1 Theil Zeitlosensamen mit 10 Theilen Xereswein hergestellt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Colchicin gehört zu den schürfsten narkotischen Giften, dessen Wirkungen bei der langsamen Lösliohkeit in Wasser erst einige Zeit nach der Verabreichung be­ginnen. Es verwandelt sich allmählich im Darmkanal zu dem sehr stark reizenden Oxy dicolchicin, als welches es im Körper eirculirt.
1)nbsp; nbsp;Das Oolchioin und die Semina Colchici wirken zunächst reizend und entzündungserregend auf dieDigestionssohleim* haut und erzeugen das klinische Bild der toxischen Gastroente­ritis (Erbrechen, Kolik, sehr heftiger Durchfall); auch die Nieren werden gereizt (Nierenhyperämie, hämorrhagische Nephritis).
2)nbsp; nbsp;Die Wirkung auf das Centralnervensystem ist eine lähmende (Betäubung, Anästhesie, Lähmung des Athmungscentnuns, Lähmung der periphereu Endigungen der sensiblen Nerven),
Die Zeitlosensamen werden herkömmlicherweise, namentlich in der Menschenheilknnde, in der Form der Tinctur gegen Gicht und Rheumatismus angewandt (Hunden 0,5 — 1,0 Tinctura Colchici). Die Art der Wirkung ist nicht näher bekannt. (Anästhesirung der periphereu sensiblen Nerven? Ableitung auf den Darm resp. die Nieren? Vermehrte Ausscheidung der HarnsäureV) Beim Menschen ist ausserdem der colchicinhaltige Liqueur de Laville als Gichtinittel im Gebrauche.
Folia Nicotianac. Tabakblätter.
Stammpflauze: Nicotifina Tabaoum. Familie: Solanaceen.
Pharmakognosie. Die in Deutschkind ofticinellen Tabakblätter sollen unpräparirt sein und von Nicotiana Tabacum, demVirgi-n isehen Tabak (Virginischer Kollenkanaster), genommen werden (längliche ganzrandige, vorn zugespitzte, in den kurzen Blattstiel ver-schmälerte Blätter). In der Veterinärpraxis bedient man sich indess gewöhnlich der billigeren Tabaksorten, namentlich des Bauern­tabaks (Nicotiana rustica) und des Mary land tab aks (Nicotiana makrophylla).
Bauptbestandtheil aller Tabaksorten ist das Nikotin, ein flüch­tiges, sauerstotl'f'reies Alkaloid von brauner Farbe., dickflüssiger
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Nikotin.
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Oonsistenz und betäubendem Tabakgeruob, leicht löslioli in Wasser, von der Formel O10H1lt;jN8. Dasselbe ist zu 0,5^—8 0/o in dem Tabak enthalten und zwar in den gewöbnlloben Sorten in grösserer Menge als in den feineren. Ausserdem enthält der Tabak das Nikotianin (Tabakscampher), sowie Q-erbsäure und Salze.
Im Tabak rauch ist nur wenig Nikotin mehr enthalten, weil
dasselbe beim Rauchen zum grössten Theil zerstört wird. Dagegen
enthält der Rauch eine Reihe sogenannter Fy rid in base n, welche in ihrer
Wirkung viel Aehnlichkeit mit dem Nikotin besitzen, so namentlich
das Pyridin = 0BH8N,
Pikolin=C(!H7N,
Lutidin = 07H9N,
Colliding C8HUN,
Parvolin = 09H1BN,
Ooridin==010Hi8N,
Nikotin = CinHuN2. Ausserdem sind im Rauche Ammoniak, Am moniumsalze, (Jy an verbin dun gen. Cyan Wasserstoff, Schwefelammoninm, Kohlenoxyd, Schwefelwasserstoff, sowie Kohlenwasserstoffe (OHJ enthalten.
Wirkung des Nikotins und Tabaks. 1) Auf Schleimhäute wirken beide reizend; auf der Digestionsschleimhaut entsteht durch kleine Dosen vermehrte Absonderung der Verdauungssecrete, durch grössere Gastroenteritis mit Speicheln, Würgen, Erbrechen, Kolik und Durchfall.
2)nbsp; nbsp;Die Darmmuskulatur wird in Folge Reizung der Darm-ganglien zu lebhaften Contractionen mit starker Steigerung der Peristaltik angeregt und selbst in einen Zustand von Darmtetanns versetzt. Aehnlich wird auch die Blasen- und Uterusmuskulatur erregt.
3)nbsp; nbsp;Das Nikotin ist ein sehr starkes Rückenmarksgift. Im Rückenmark wird nämlich die Reflexerregbarkeit erhöht; giftige Gaben erzeugen Tetanus aller Skelettmuskeln. Die Muskelsubstanz ver­fällt dabei in einen Zustand der Muskelstarro, wie bei Katalepsie. Audi die peripheren Nerven werden erregt; so der Oculomotorius (Myose). Später tritt an die Stelle des Tetanus allgemeine Lähmung,
4)nbsp; nbsp;In der Medulla oblongata werden sämmtliche wichtige Lebenscentren durch Nikotin stark erregt. Namentlich sehr stark wird
#9632;das Athmungscentrum gereizt (Krämpfe der Inspirationsmuskel,
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Nikotin.
Glottiskrampf, dyspnoisclie Atlinuuig); die Erregung sel't später iit Lähmung über. Aucli das Viignscentrum wird erregt und daher die Herzaction verlangsamt. Desgleichen findet eine Elutdrucksteige-rung in Folge Beizung des vasomotorischen Centrums statt. Später werden beide Centren gelähmt (die Pulsfrequenz steigt, der Blut­druck sinkt).
5) Das Gehirn wird ebenfalls im Anlang erregt, später gelähmt.
(i) Das Nikotin ist endlich ein sehr starkes antiparasitäres Mittel, welches Milben, Läuse, Flöhe etc. in kurzer Zeit sicher tödtet.
Die Aufnahme des Nikotins findet hei seiner Flüchtigkeit schon von der unverletzten Haut, ferner von allen Schleiniliäuten, sowie; von Wunden aus statt, hu Körper circulirt es unverändert.
r
Anwendung. 1) Am häufigsten wird der Tabak als Anti-parasiticum angewendet und zwar in erster Linie gegen Schaf­räude als Abkochung, meist in Form der Tabak-Carbolsäurebäder. Die Tabaksbäder sind sehr wirksam, aber auch sehr giftig und daher mit grosser Vorsicht anzuwenden; das Tabaksdecoct sollte die Con­centration von .V/n nicht überschreiten. Das in Preussen und Bayern amtlich empfohlene Tabaksräudebad hat folgende Zusammen­setzung: 71/raquo; kg Landtabak werden mit öO 1 Wasser gekocht, nach dem Kochen werden noch 200 1 Wasser, sowie 1 kg reiner Carbol-säure und 1 kg Pottasche hinzugefügt. Der Preis dieses für 100 Schafe berechneten Bades beträgt circa 12 Mark (pro Stück 12 Pfennig). Der Tabak ist darin zu 30/o, die Carholsiiure zu 0,40angewandt. In ähnlicher Weise wird der Tabak auch zur Vertilgung von Läusen, Flöhen und anderen Parasiten (Waschung mit einem l—5 quot;/laquo;igen Tabaksdecoct) angewandt.
2)nbsp; nbsp;Der Tabak dient ausserdem hauptsächlich in der Rindvieh­praxis als verdauungsbesserndes Mittel, indem er eine Anregung auf die Magen- und Darmbewegungen ausübt. Er eignet sich für alle chronischen, mit Trägheit der Peristaltik einhergehenden Katarrhe der Mägen und des Darmes bei den Wiederkäuern (Bind, Schaf, Ziege) und kann als kräftiges Ruminatorium angesehen werden. Man gibt die Blätter Hindern zu 25—50,0, Pferden zu 10 — 25,0, Schafen und Ziegen zu 2—5,0 gepulvert mit Kochsalz, Glaubersalz etc. oder in zerschnittenem Zustande mit dem Futter, seltener als Decoct.
3)nbsp; Gegen Verstopfung endlich wird der Tabak innerlich in etwas grösseren Dosen (aber Vorsicht!) oder in Form von Klystieren
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Nikotin.
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und Mastdarnünfusionen (dieselben Dosen wie innerlich vorabreicht, mit dem 20i'achen Wasser abgekocht) sowie in Form der sogeminnten Tabakrauohklystiere angewandt (Tabakrauchklystiermasohine).
Das reine Nikotin eignet ssieii wegen seines unangenehmen (ieruches imtl seiner iiociigradigeii Giftigkeit nicht als Ahriihrmittel; auch konnte Ellonherger nacli der subcutanen Anwendung des­selben sogar bei giftig wirkenden Dosen (0,05) beim Pferde keine Darmwirkung beobachten.
Die amtliche Vorschrift für die. Anwendung der Tahaks Räude-bäder ist folgende. Womöglich .sollen die Schafe vor dem Baden geschoren werden. Nach der Schur werden die als räudig befundenen Hautstellen zunächst mehrere Tage hindurch gehörig mitOarbolOl (1 ; 15) eingerieben. Darauf folgt das erste Bändebad. Dasselbe soll eine Temperatur von 30deg; R. haben; die Dauer des Badens betrügt 2 Minuten. Das Baden wird in der Weise ausgeführt, dass ein Arbeiter mit der linken Hand die Vorder-und mit der rechten Hand die Hinterfüsse des Schafes fasst und das Schaf mit dem Kücken nach abwärts ins Bad taucht. Ein zweiter Arbeiter um-fasst mit beiden Händen die Seiten des Kopfes, bedeckt mit den Daumen die Augen dos Schafes, lullt Maul und Nase hoch und senkt das Genick ins Bad. Nach dein Bad kommt das Schaf in einen leeren Botlieh, wo es von drei Arbeitern in Empfang genommen wird. Der erste fasst den Kopf und hält das Schaf fest; er druckt gleichzeitig und knetet mit beiden Händen die Haut am Genick, an den Ohren, am Unterkiefer und Kehlkopf. Die; beiden anderen Arbeiter reihen das Schaf an je einer Körperhälfte mit einer guten harten Kardätsche, welche mit Ledersteg versehen ist, namentlich auch am Steiss und Schwanz gründlich durch. Die Dauer des Abreibens beträgt ebenfalls 2 Minuten. Nachdem alle Schafe, die räudigen zuerst, gebadet sind, werden die wirklich räudigen noch einmal ins Bad eingetaucht, nochmals au den räudigen Stellen gerieben und hier nochmals mitCarbolöl eingesalbt. Nach 5—(i Tagen folgt das zweite Bad, welches genau so wie das erste vorgenommen wird. Darauf werden die Schafe 6—8 Wochen lang genau beobachtet. Erfolgt dabei ein Wiederausbruch der Räude, so wird graue Quecksilbersalbe eingerieben, oder die Schafe werden geschlachtet. (Dr. Steinbach. Amtsblatt der K. Re­gierung zu Münster vom 28. April 1888.)
Zu der der Badekur als Einleitung vorausgehenden Sclunierkur wird vielfach auch die in den Tabaksfabriken käufliche Tabaksbeize oder eine stärkere Tabakabkochung verwendet.
Von Kaiser (Hannover'scher Jahresbericht 18^8j84) ist ferner eine Art Tabaksbeize unter dem Namen „Nicotinaquot; zu Uäudebädern empfohlen worden, welche etwa 4 0/o Nikotin enthält. Die Schafe werden hiebei 8 Minuten lang in einer Auflösung von 2 1 Nicotina in 1500 1 Wasser ge­badet und nachher ebensolang überall mit Bürsten frottirt. Nach 8 Tagen erfolgt das zweite Bad.
Dosis des Tabaks.
Für Rinder „ Pferde
2.r),(,)-10,0-
-50,0. -26.0,
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Oalabarbobne.
Kür Schafe und Ziegen .nbsp; nbsp; 2,0—5,0.
„ Soh weine ....nbsp; nbsp; 1,0—2,0.
„ Hunde.....nbsp; 0,25—0,5.
„ Katzen und Geflügelnbsp; 0,1—0,2.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Pol. Nicotian, rust. pulv.
Nntrii sulfurio. Natrü clilor. orud. äü 250,0. M.D. S. Einen EsslölVelaufjfdus Futter füieiu Rind mit cliroii.Indigostiou.
2)nbsp; Hp. Fol. Nicotian, rast, pulv. 100,0.
Natrü sulfur. 500,0. M. I). S. Mit einer Flasche Leinsamenabkochung einzuschütten für ein Kind mit Verstopfung.
8) Rp. Deooot. Folior. Nicotian. 50,0 i 1000,0. D. S. Zu Waschungen für ein Rind mit Läusen,
4)nbsp; Xiinni: Rohe Oarbolsfture 1,5 kg.
Gebrannten Kalk 1 kg. Soda 8 kg. Sehmierseife 8 kg.
Landtabak 5-15 kg (gekocht mit 50 1 Wasser). Q-esammtflUssigkeit 250—800 1. Bestandtheile des modifioirten Züiulel'sehen Rftudebades.
5)nbsp; Nimm : Lamltabaok 7,5 kg (zunäclist mit 501 Wasser gekocht).
Keine Carbolsäure 1 kg. Pottasche 1 kg. Gesamnittlüssigkeit 250 1. Bestandtheile des Rolo ff sehen Räudebades.
(i) Nimm : Pottasche 10 kg.
Gebrannten Kalk 5 kg.
Wasser 250 l. Als erstes Vorbereitungsbad.
Landtabak 12,5 kg.
Oekoclit mit Wasser 250 1. Als zweites Bad. Gorlacb's Räudebad.
Seinen IMiysostignuitis. Culabsirbohue.
Stammpflanzc: Physostigma veuenosuiu. Kami lie: l'apilionaeeen.
Pharmakognosie. Die Calabarbohne, Faba Oalabarica, Semen Physostigmatis, stammt von Physostigma venenosum, einem mit unserer Gemüsebuhne verwandten Kletterstrauche WestaMkas (Niger.
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Pliysostigmiii.
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Biafrabai) Oamex*un)5 wie wird von den eingeborenen Negern zu Gottcs-urtlieilcn gebraucht (Esere'Nllsae). Die grossen, nierenförmigenj schwarzbraunen Bohnen enthalten als Hauptbestandtheil ein sehr gif­tiges Alkaloid von röthlicher Farbe und harzartiger Oousistenz, lt;las Physostigmiu oder Eserin von der Formel OjRH91N8Oa neben dem sti'ychninähnUoh wirkenden Oalabarin und dem eserinfthnlioh wir­kenden Eseridin.
Ot'Heinell sind in Deutschland 2 Salze des Physostigmins:
1)nbsp; nbsp;Physostigminum sulfuricum, das schwefelsaure Physo-stigmin, speciell für die Zwecke der Thierheilkunde in die Pliarma-kopöe aufgenommen. Dasselbe bildet ein weisses, krystallinisciies, an feuchter Luft zerfliessendes Pulver, welches sieh sehr leiclit in Wasser löst. Die Lösungen färben sieh am Lichte sehr bald röthlich (Bildung von Ruhreserin). In erwärmter Ammoniak-tlüssigkeit löst sich das kleinste Krvställchen des Salzes zu einer gelblichrothen Flüssigkeit, welche beim Findampl'en im Wasserbade einen blauen oder blaugrauen, in Weingeist mit blauer Farbe lös­lichen Rückstand hinterlässt (Eserinhlau; Identitätsreaktion). Beim Uebersättigen mit Essigsäure wird diese weingeistige Lösung roth gefärbt und zeigt starke Fluorescenz. Der oben genannte Ver­dampfungsrückstand löst sich in einem Tropfen Schwefelsäure mit grüner Farbe, welche bei allmählicher Verdünnung mit Weingeist in Roth Übergeht und beim Verdunsten des Weingeistes von Neuem grün wird. Ausserdem gibt die wässerige Lösung des schwefelsauren Fserins mit Baryumnitrat einenweissenNiederschlag (Sulfatreaktion). Bei Luftzutritt erhitzt soll das Salz keinen Rückstand hinterlassen (Verunreinigung). Wegen der leichten Zersetzlicbkeit des Eserin-sulfates sollen keine Lösungen desselben vorräthig gehalten werden. Das Salz selbst ist sehr vorsichtig, vor Lieht und Feuchtig­keit geschützt, am besten in zugeschmolzenen Q-lasröhrchen, aufzu­bewahren.
2)nbsp; Physostigminum salicylicum, das salioylsaure Eserin ist zwar beständiger als das schwefelsaure, eignet sich aber wegen seiner Schwerlöslichkeit in Wasser (1 : 150) nicht für die in der Thierbeil-kunde gebräuchlichen suheutanen Injeetionen. Dagegen kann es, wie in der Menschenheilkunde, zu Augenwässern benutzt werden. Es stimmt in seinen Reaktionen mit dem Sulfat überein, färbt sich aber zum Unterschiede mit Eisencblorid violett (Sa Hey 1-reaktion).
Der Engros-Preis des Physostigminum sulfuricum beträgt pro
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riiysostigmiii.
1 g 2 Mark 60 Pfennig bis 4 Murk 60 Pfennig, A.P. 0,1
1,0:
70 Pfennig;
Eserinreaktionen nach Ebor. Bei seineu Untersuchungen über die Zersetzungsproducte des Physostigmins hat Kreisthierarzt Eber noch fol­gende weitere Eserinreaktionen gefunden; 1) llöthung eines Tropfens Eserinlösung bei Berührung mit einem Tropfen .V'joiger Kali- oder Natron­lauge auf einer weissen Porzellanplatte an der Berührungsstelle (diese Reaktion gelingt noch bei Anwesenheit von '/iooo mg). 2) Dunkelblaue Färbung (.Pliysostigminblauquot;) beim Versetzen eines Tropfens der Eserin­lösung mit einem Tropfen öliger Barytlösung und Antrocknen. 8) Blau­färbung (Berlinerblau) einer Lösung von Eisenchlorid - Ferricyankaliuin nach Eserinzusatz. 1) Veilchenblaue Färbung bei Zusatz von Jodsäure zur Eserinlösung. 5) Violettfärbung beim Erwärmen von Eserin mit Traubenzucker in alkalischer Lösung unter Luftabschluss (z. B. unter Petroleumäther), Ansäuern und Zusatz von Jodsäure.
Darstellung des Physostigmins. Man zieht die gepulverten Calabar-hohnen mit Alkohol aus. verjagt den Alkohol, entzieht dem Rückstand das Eserin mit Soda und Aether, und nimmt es dann aus der ätheri­schen Lösung mit verdünnter Schwefelsäure auf. Das so gebildete schwefelsaure Eserin wird wieder mit Soda zersetzt, das Eserin mit Aether ausgeschüttelt und nach dem Verdunsten des Aethers rein erhalten. Das so hergestellte und im Handel vorkommende Eserin ist ein sehr unbe­ständiges und wie es scheint je nach der Darstellungsmethode verschieden zusammengesetztos Präparat. Es haben wenigstens klinische Erfahrungen gezeigt, dass die im Handel vorkommenden, oft schon äusserlich sehr verschiedenen Präparate bei gleicher Öosis ganz verschiedene Wirkungen Bussern können und sogar vereinzelt ganz wirkungslos bleiben. Offenbar ist das „Eserin'quot; zur Zeit noch kein einheitlicher chemischer Körper, sondern wahrscheinlich wie das Veratrin, Atropin und Pilocarpin ein Ge­menge verschiedenartiger Substanzen. (Vergl. auch die Preisdifferenz der Handelspräparato!)
Wirkung. Die Hauptwirkung des Physostigmins bestellt in einer Erregung sämmtlioher glatter Körpermuskeln; daneben hat dasselbe einen erregenden Einfluss auf die Driisenseeretion.
1)nbsp; nbsp;Die Muskulatur des Darmkanals wird vom Magen be­ginnend bis zum Mastdarm in einen tetani seilen Erregungs­znstand versetzt, weleber eine vermehrte Magen- und Darmperistaltik. lebhafte Rumination, Brechbewegungen, Kolikerscheinungen sowie starken Durchfall zur Folge hat. Während der Onntra.etionen ist der Dann blass, blutleer (Bauer).
2)nbsp; Der Sebliessni uskel der Pupille (Sphincter iridis) con-traliirt sieb nach vorausgegangener Heizung der Oeuloinotorms-endigungen, so dass Pupillenverengerung (Myosis) eintritt. Auch der Ciliarmuskel eontrabirt sieb (Accommodatkmskrainpf); der intra-ocnlare Druck ist anfangs erhöht, später vermindert. Diese Wirkung
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Pbysostigmiiii
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auf das Auge tritt jedocli nur bei direkter A.pplioation, nicht bei innerliober Anwendung dos Physostignüns ein,
3)nbsp; In ähnlicher Weise werden die Uterus- und Blasunnins-knlatur sowie die glatten Muskeln in den Bronchien und in dor Milz zur Contraction gebracht. Die quergestreifte Muskulatur wird nur bei toxischen Dosen stärker erregt und dann gelähmt; bei gewöhnliclien Dosen werden nur fibrilläre Muskelzuckungen beobachtet. Die Hcrzcontractionen werden anfangs verlangsamt und verstärkt, der Blutdruck dadurch erhöht; grössere Dosen lähmen das Herz.
4)nbsp; nbsp;Von den Secretionen werden insbesondere gesteigert die der Speicheldrüsen, Darmdrüsen, Scbweissdrüscn, Thränen-drtlsen und der in der Kespirationsschleimliaut befindhohen Schleim­drüsen. In Folge starker Erregung der Schleimsecretion in den Longen können grosse Gaben in Verbindung mit der sich einstellenden Herzschwäche selbst zur Ausbildung eines Lungenödems und zur Erstickung führen.
5)nbsp; Die nervösen Centralorgane werden von therapeutischen Dosen nicht beeinflusst, durch sehr grosse jedoch meist rasch ge­lähmt'. Zuweilen gehen der Lähmung psychische Erregungs-ersoheinungen voraus; es scheint dies zum Tbeil auf individuellen Verhältnissen zu beruhen!
Die Wirkungen des Physostigmins bei den einzelnen Hausthieren,
wie sie von Dieckorhoff (Ad. Wochenschrift 1882), Möller (Tageblatt der Eisenacher Naturibrscherversamnüuiig 1882), Feser (München. Jahres­bericht 1885) u. A. untersucht wurden, sind folgende:
Pferde zeigen nach einer subcutanen Injection von 0,04—0,12 Physo-stigminum sulfuricum nach Ablauf von etwa 'ji Stunde Speicheln und Lecken, Gäbneu, Vermehrung der Dannperistaltik, hörbares Kollern im Bauche, Abgang von Flatus durch den After, Unruhe- und Kolik­erscheinungen sowie Kothabsatz. Der im Anfange noch geballte Koth wird bald weicher und zuletzt ganz dünnbreiig; die Kothontleorungeu er­folgen sehr häufig hinter einander und die Menge des abgesetzten Kothes ist oft eine ganz bedeutende (bis zu 5U Pfand und mehr). Gleichzeitig beob­achtet man Zittern, lokalen Seh weissau sbruch. fibrilläre Muskel­zuckungen, leichtes Schwanken und eine mehr oder minder hochgradige Athmungsbeschleunigung, welche selbst den Charakter der Dyspnöe an­nehmenkann. Die Dauer der Wirkung beträgt durchschnittlich 1—2Stiinden. Intravenös erzeugt das Physostigrain dieselben Erscheinungen, jedoch schon nach 2—3 Minuten (Dieokerhoff). Grössere Dosen als die ge­nannten bedingen beim Pferde V e r g i f t u n g s e r s c h e i n u n g o n. So beobachtete ich bei einem Pferde nach der Injection von 0,5 g Physostig-min sehr heftige und mehrere Stunden anhaltende Kolikerscheinungen, starke Schreckhaftigkeit, über den ganzen Körper verbreitete Muskel­zuckungen, sehr starkes Speicheln, Ausiluss aus Nase und Augen, tropfen­weisen Harnabsatz, grosse Atbemnotb und schliesslich eine ausserordent-
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I'liysostifjiiiin.
licho Hinfälligkeit und Schwilcbe mit anhaltendem Liegen; gleichzeitig trat Pupillenverengerung und Temperatursteigerung (um 2 (!rade) ein. Die Vergiftungserscheinungen, namentlich die grosse Schwilche, dauerten mehrere Tage an; eigenthümlich war ferner, dass das Thier noch 4 Tage nach der Injection nach Jeder Futtoraufnahme Kolikorschoinungen zeigte. Das Ge-sammtgewicht des Körpers war im Vorlaufe des Versuchs um ()0 Pfund zurückgegangen. Die vollständige Wiederherstellung trat erst nach 8 Tagen ein. Aus diesem Versuche ergibt sich ausserdem, dass 0,5 g Physostig-min beim Pferde unter Umständen nicht tödtlich wirken. Im üebrigen scheinen auch, abgesehen von der wechselnden Zusammensetzung der Playsostigminpräparate, bei einzelnen Pferden starke individuelle Verschiedenheiten bezüglich der Einwirkung des Eserins vorzukommen. So sind nach Cadiot 0,2 intravenös für jedes Pferd tödtlich, während nach Klemm subeutane Dosen von 0,2 fünfmal hinter einander ohne Bedenken angewandt werden können, wenn mehrstündige Pausen dazwischen liegen. Friedberger beobachtete andererseits in einem Falle nach der subeutanen Injection von 0,1 Physostigmin bei einem l!-1 jährigen, (! Centner schweren Pferde neben einer sehr starken Einwirkung auf den Darm hochgradige Aufregung und Vorwärtsdrängen sowie maniakalische Erscheinungen und Beisssucht, ferner eine 3 Tage anhaltende ausserordentliche Mattigkeit und raschen Kräftoverfall, Drängen nach vorwärts und unsicheren Gang, weshalb das Thier getödtet werden musste. Die röthliche Verfärbung der Eserinlösungen nach längerem Stehen hat nicht, wie man allgemein annahm, eine Wirkungslosigkeit derselben zur Folge. Nach den Beobachtungen von Friedberger (Münch. Jahresbericht 1882/88) zeigten Eserinlösungen, welche
4nbsp; Wochen und länger aufbewahrt wurden, eine gleich starke Wirkung wie frisch bereitete. Zuweilen scheinen ältere Lösungen sogar stärker zu wirken als frische. So beobachtete Albrecht nach der Injection von 0,1 Eserin in einer 0 Monate alten Lösung hei einem schweren Bauernpferde deutliche Vergiftungserscheinungen, bestehend in heftigem Muakelzittern, Schwanken, Zusammenknicken in den Gelenken, starke Pupillonerweiterung, Bonommen-iieit, Puls- und Athmungsbesclüeunigung, sowie Herzschwäche; der krank­hafte Zustand dauerte im Ganzen 10 Tage!
Beim Rinde sind die Erscheinungen der Eserinwirkung ähnlich wie beim Pferde. Kleinere Dosen bewirken : Steigerung der Magen- und Darni-peristaltik, Vermehrung und Beschleunigung der Darmentleerungen bis zum flüssigen Purgiren, Anregung der Speichelsecretion, häufiges Rülpsen, ständigen Drang zur Kothentleerung unter Krümmung des Rückens und Strecken des Schweifes. Bei höheren Dosen treten hiezu noch Kolik­erscheinungen, starkes Speicheln, Muskelzittern, Blasenzwang, ständiges Harntröpfeln, Unruhe, beschleunigte und erschwerte Athmung, trockener Husten, Peniserectionen und selbst Pollutionen (Feser). Es werden nach Feser vom Rind verhältnissmässig hohe Dosen ohne Nachtheil ertragen, so subeutan 1 mg Physostigmin pro kg Körpergewicht = 0,3 pro dosi, stomachikal das lOfache; nur in einem Fall trat nach der subeutanen In­jection von 0,17 bei heftigem Husten und Rülpsen in Folge Eindringens von Futterbrei in die Bronchien Erstickung auf. Subeutan sind 0,03 ohne sichtbare Wirkung, 0,00 von geringer, 0,1 von kräftiger Wirkung; 0,15 bis 0,17 erzeugen heftiges Purgiren; nach 0,3 tritt die Wirkung schon nach
5nbsp; nbsp; Minuten unter starker Dyspnöe, Muskelzittern etc. auf. Innerlich gegeben wirkt Physostigmin beim Rinde auffallend schnell in relativ ge­ringen Dosen; so i'ufen 0,15 schwaches Purgiren, 0,3 starkes Purgiren, 0,7 dasselbe mit deutlichen Kolikersoheinungen , 0,9—1,0 Purgiren unter
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Stulinen und Aeobzeil, 1,6 sein- heftiges Purgiren, '6,0 ebenfalls sehr heftiges Purgiren unter Zittern und Athemnoth hervor. Dieselbe Wirkung hat nach Feser die Einspritzung in den Wanst. Auch beim Rinde scheint nicht selten starke individuelle Verschiedonheit im Verhalten/.um Eserin vomikonunen. So beobachtete Bipke in einem Falle schon nach einer Dosis von 0,1 Eserin Athemnoth, Schilumen, Unvermogon aufzustehen; in einem andern Falle erfolgte sogar der Tod nach Ablauf von (i Stunden. Albrecht sah bei einem Rinde nach 0,ir) Eserin hochgradige Erregungs­erscheinungen, Abbrechen eines Horns sowie Abortus.
Schweine zeigen selbst auf 0,1 l'hysostigrnin subcutan keine sicht­bare Wirkung (Frank).
Hunde und Katzen sind gegen Physostigmin am empfindlichsten; ich habe kleine Hunde schon auf 5 mg, sowie mittelgrosse auf 10 mg sterben sehen. Katzen verenden nach ü — 'i mg. Die Dosen für Hunde und Katzen sind in den meisten Lehrbüchern falsch, d. h. viel zu hoch angegeben.
Anwendung. 1) Als suboutanes Laxans namenÜioh bei der Kolik der Pferde (Ansohoppungs- und Indigestionskolik), von Dieckerhoff 1882 in die thierärztliohe Praxis eingeführt. Das Mittel zeichnet sich neben seiner bequemen Applicationsmothode vor allem durch die Schnelligkeit und Sicherheit seiner Wirkung aus, welche nur in wenigen Fällen im Stiche lässt. Dasselbe kann auch bei Verstopfung des Itindes und der übrigen Hansthiere viel­fach mit Vortheil angewandt werden (Vorsicht bei Hunden und Katzen).
2) Bei chronischen Magen- und Darmkatarrhen des Pferdes als tonisches, die Peristaitik anregendes Mittel.
8) In der Augenheilkunde als My otieuni zur Verengerung der Pupille behufs Zerreissung von Iris-Syneohien (Verwachsungen der Iris mit der Linsenkapsel oder Cornea), z. B. im Verlaufe der Mondblindheit, bei Iritis adhaesiva, Irisvorfällen, Staphylomen. Man benützt eine llt — l0/nige wässerige Lösung und träufelt dieselbe tropfenweise in den Lidsack ein. Die Myose tritt bei gesunden Augen nach etwa 10 Minuten ein und dauert circa 1 Tag. Atropin hebt die Physostigminmyose auf, aber nicht umgekehrt. Auch gegen Ke-ratitis ist Eserin angewandt worden.
4) Von Manchen wird das Physostigmin ausserdem empfohlen gegen Kalbefieber. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint es übrigens bei dieser Krankheit sehr häutig wirkungslos zu sein. — Das Fleisch und die Milch von Thioren, welche mit Physostigmin be­handelt worden sind, ist ohne Schaden für die menschliche Gesund­heit geniessbar (Feser; eigene Untersuchungen).
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l'hysostigmiii.
Contraindicationen. Dün l'hysostigmiii darf als KolikmiUel nicht Bohablonenartig angewandt werden. Es ist niclit hloss nutzlos, sondern direkt, gefälirlich:
1)nbsp; nbsp;In allen Fällen von Liih m ang und starker Ausdehnung des Magens und Darms beim Pferd durch angeschopptes Futter oder G-ase (Windkolik, Tympanitis), ferner hei mechanischen Hindernissen, indem es hiebei eine Zerreissung des Magens und Darms sowie eine Axendrehnng des Darmes herbei­führen kann.
2)nbsp; nbsp;Bei Krampfkolik, indem es hier die krampfhafte Con­traction des Dai'inrolirs und damit den Schmerz sowie die Gefahr der Entstehung von Axendrehnngen und Darmverschlingungen steigert.
•quot;i) Bei trächtigen Thieren wegen der Gefahr eines Abortus. Wenn auch das Eserin in manchen Fällen während der Trächtigkeit ohne Gefahr angewandt worden ist (Schwarzineier, Fenner u. A.), so ist doch von verschiedenen Beobachtern sowohl bei Stuten, wie bei Kühen und Hunden der Eintritt von Abortus im unmittelbaren Anschluss an eine Eserininjection constatirt worden (Albrecht, Mo­bil! s. Hörn er u. A.).
4) Bei gleichzeitigem Vorhandensein von Emphysem oder chronischem Bronchialkatarrh. Ein dämpfiges, kolikkrankes Pferd starb beispielsweise schon nach einer Dosis von 0,1 Eserin an Lungenödem (F r i e d b e r g e r).
•quot;)) Bei der Tympanitis des Rindes sowie bei chronischen Indigestionen und Löserverstopfungen desselben ist das Eserin wegen seiner üblen Nebenwirkungen ebenfalls nicht empfehlens-wertb (AIbrecht, Bipke).
Als Gegengift gegen eine etwaige Eserinvergiftung dient Atropin (Pferden und Bindern 0,05—0,1 subeutan).
lieber den Zusammenhang der Magen- und Darmrupturen mit der Eserinbehandlung ergibt sich uus den bisherigen Beobachtungen folgendes. S i e d am g r o t z ky (Dresdener Jahresbericht pro 188it) hat bei den mit Eserin Behandelten Kolikpferden seiner Klinik gegenüber den mit anderen Arzneimitteln behandelten eine auffällige Zahl von Axen­drehnngen beobaohtet und gibt daher den Rath, dem Eserin trotz seiner vielen Vorzüge in Zukunft etwas Zurückhaltung entgegen zu bringen. Zsehokke (Schweizer Archiv 1891) bemerkt, dass seine Beobachtungen an der Züricher Spitalklinik eine Vennehrung der Magenrupturen um 30—4001o seit der Benützung des Eserins ergeben. Aehnlicho Erfahrungen sind von llust (Preussischer Statist. Veter.-Sanitäts-Bericht pro 1889) gemacht worden: darnach hat sich die Zahl der Magenrupturen bei dem Pferdebestande des 15. Armeecorps seit der Anwendung des Eserins wesentlich gesteigert.
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l'liysostigmin.
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Auch von verschiedmiim anderen Beriobtei'Stattern des genannten Berichtos wurde ein Zusammenhang der Eserininjeotioneu mit den Mageuzerreissungen behauptet. Oorpsrossarzt Bust führt nicht nur die Magenzerreissungen, sondern auch die viel häufigeren Yersohlingungeti des Dünndarmes und die Axondrehungon des Dünndarmes zum Tlieil wenigstens auf die Wirkung des Eserius zurück, ücr SanittVtsberioht hält beztlguob der Magenrupturen in Anbetracht der grossen Häufigkeit derselben in den letzten Jahren gegen früher ebenfalls die Annahme für zulässig, dass die Zerroissungen des Magens mit der Escrinhehaiullung in Zusammenhang stehen.
Der Preussisohe Vetennär-Sanitätsberiobt pro 1890 con-statirt, dass wegen der Gefährlichkeit des Ksorins die Zahl der Gegner dieses Mittels im Grossen und Ganzen zugenommen habe, im Preussi-schen Veterinär• Sanitätsberiohte pro Dsul führt Corpsrossarzt Haase die Magen- und Darmrupturen nicht auf das Eserin selbst, sondern auf die HU hohe Dosirung desselben zurück. Es wird in dem Berichte an­genommen, dass das Eserin in grossen Dosen eine zu stürmische Poristaltik erzeugt, die namentlich bei schon bestehender (lasbildung in Folge der tetani-sehen Contraction der Darmmuskulatur dann zur Zerreissung des Darmes führt, wenn das Hinderniss stärker als die Darmwand ist, he/.w. welche bei festsitzenden Hindernissen durch die antiperistaltische Bewegung den Darminhalt in den Magen treibt, wo durch die starke Contraction der Magenwandung die Zerreissung der letzteren erfolgt. Der Bericht empfiehlt daher zur Verminderung der vorliegenden Gefahr eine Herabsetzung der l'^sorindosis in der Weise, dass nur für Kürassier- und Artilleriezugpferde die grossen Dosen von 0,08—0,1 Eserin angewandt werden dürfen, während für alle anderen Truppenpferde die kleinen Dosen von 0,04—0,07 zu em­pfohlen seien.
Aussei' den genannten haben auch vielfach anderraquo;; Beobachter nach der Anwendung von Eserin Magenberstungen bezw. Axendrehungen ein­treten sehen (Rogener, Krank, Fenner, Utz u. A.).
Dosis und Form. Man gibt das Physostigmin Pferden immer suboutan in einer 1—50/oigen Lösung (0,1 : 10,0; 0,1 :5,0; 0,1 : 2,0
kaltes Wasser). Rindern gibt man es ebenfalls suboutan oder spritzt es nach Feser direkt in den Wanst ein. (lewöhnlieli wird nur eine Dosis yerabreicbt; ist eine zweite nöthig, so soll dieselbe wogen der cumuLitiven Wirkung des Mittels nicht zu rasch hinter der ersten, sondern erst nach mehreren Stunden gegeben werden. Die inner­liche Dosis beträgt das Doppelte der subcutanen. Wegen der leichten Zersetzliohkeit und Inconstanz der Präparate halte man sich mehr an die mittleren als an die grossen Dosen, beziehe das Eserin immer aus derselben guten Quelle, lasse es nicht zu alt werden und erwärme die Lösungen nieiit! In sehr hartnäckigen Fällen von Verstopfungskolik müssen neben dem Eserin noch andere Laxantien, namentlich die salinischen Mittel ge­geben werden. Neuerdings hat Elienhorger für diese Fälle Com-binationen von Eserin mit Pilooarpin (siehe dieses) vorgeschlagen. Man injicirt von Physostigminum siiU'uricum suboutan als Laxans:
Krühuer, Ar/noimittellelire. 3. Au(l.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ilaquo;
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Bseridiiii
Pferden 0,05—0,1,
Rindern 0,1—0,2,
Schuren und Ziegen 0,02—0,05,
Scli weinen O.OO.quot;)—0,02, Hunden '/a-quot;3 mg, Iviitzen '/i —',-' niigt;'.
Recepte.
1) Kji. l'liysosli^iniii. sulfui'i 0.1. Aqu. destill, 5,0.
AI. I). 8. Zur siiliuutmu'ii Injection für
•Jl l!p. Kscrini sulfur. 0,15. Aqu. desfcill. 5,0. M. D. S. Zur suboutaneu Injeotiou für
3)nbsp; nbsp;Rp. Bserini sulfur. 0,05—0,1.
Aqu. destill. 10,0. M. 1). S. Augenwasser.
4)nbsp; nbsp;l!|). Physostigmin. sulfur. 0,1.
Pilocarp'. muriat. 0,;i. Aqu. destill. 10,0. M. D. y. Zur suboutaneu Injcciion für
ein Pferd mit Kolik,
ein Rind mit Verstopfung.
ein Pferd mit Kiikalstase. der Oalabarbohne als Nebei
t Eseridin.
Das von B ö h r i n ;
'er m
alkaloid gefundene Eseridin, welches nach Eli or auch unter den Zer-setzungsproducten des Eserins vorkommt, indem eg z. B, nach längerem Aufbewahren einer neutralen Eserinlösung sich abspaltet (andere Zersetzungs-producte sind li ubreserin , das sogenannte Physos tigminhlau , eine ftiichtige Base, sowie i n a c t i v e s P h y s o s t i g m i n), hat die Formel C13H.,:jNt;,ü;, und bildet nach Kb er luftbeständige, durchsichtige, farblose, in Wasser schwer lösliche, in Chloroform, Aether etc. leicht lösliche Krvstalle. welche mit Säuren, z. B, mit Schwefelsäure in Wasser leicht lösliehe und in ihren Lösungen sehr beständige Salze bilden (Eseridinum sulfuricuin). Die pbysioiogisobe Untersuchung des Eseridins ergab eine grosse Uebereinstim-mung mit der Eserinwirkung. Eber empfahl daher das Mittel als sub-cutane.s Laxans, als Erregungsmittel für Magen und Darm, sowie als Ex-citans für Gehirn und Kückeiimark. Das Mittel schien bei diesen Unter­suchungen bei gleich wirksamer Dosis wesentlich ungiftiger zu sein als Eserin. Wie jedoch Ost er tag gezeigt bat, ist die therapeutische Wirkung des Eseridins bei Pferd und Rind thatsächl ic h un­gefähr (imal schwächer als diejenige des E ser ins, indem Durch­fall beim Pferde erst nach Dosen von 0,5, beim Rinde nach 0,0 Eseridin eintritt. Aehnliche Resultate haben neuere Untersuchungen von Feser ergeben. Darnach wirkt das Eseridin dem Eserin gegenüber bei suhcutaner Anwendung schwächer, das Eserin ist somit als subcntanes Pur­gans dem Eseridin vorzuziehen. Per os oder direkt in den Wanst gespritzt steht dagegen das Eseridin dem Eserin mindestens nicht nach. Fes er ist der Ansicht, dass das Eseridin in kleinen internen Dosen von 0,1—0,2 als Ruminatorium in der Buiatrik eine Zukunft besitzt. Aus­führlicheres über die Keser'schen Untersuchungen vergl. im Mtinchener Jahresbericht 1 laquo;89190.
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Pilocarpin.
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Folia Jaborainii. Jaborandlblätter.
Staminp 1'lanzo: Pilooarpus penuatifolius. Familie: Rutaoeen.
Pharmakognosie. Die Jaboruiuliblättei' stammen von Pilo-carpus pennatifolius, einem in Brasilien wachsonden Strauche mis der Familie der Butaceen, dessen Blätter als Pernarabuco- oder Para-Jaborandi im Handel sind. Die in Deutschland offlcinellen Blätter (Fiederblätter) sind langgestielt, kahl, mad bis lanzettförmig, an der Spitze ausgerandet, von lederartiger Consistenz, brüchig, von blassgrüner Farbe sowie eigenthünilicb gewürzhaftem Geruch und scharfem Q-eschmack. Hält man ein Blatl gegen das Liclit, so sieht es wie von zahllosen Punkton perforirt aus; diese Punkte stellen durchscheinende Oelräume dar.
Die Folia Jaborandi enthalten neben ätherischem Oel und dem weniger wichtigen Jaborin (wahracheinlich einem Zer-setzungsproducte) als Bauptbestandtheil zu etwa !quot;„ das Alkaloid Pilocarpin von der Formel C'nH^AV.O,. welches als Pilocarpinuui hydroohlorioum (('nH^.N./), . (quot;HD offtcinel) ist und allgemein statt der Blätter angewandt wird. Dieses salzsaure Pilocarpin bildet weisse, hygroskopische Krystalle von bitterem Gesehinacke. welche sieh in Wasser und Weingeist sehr leicht lösen. In rauchender Salpetersäure lösen sich die Krystalle mit blassgrünlicher Fär­bung; mit Silbernitrat geben sie als Chlorverbindung einen weissen Niederschlag (Identitätsreaktionen), Die wässerige Lösung ties .Salzes (1 100) zeigt schwach saure Reaktion; sie wird durch Jod­lösung, Bromdampf und Sublimatlösung reichlich gelallt, dagegen durch Ammoniak und chromsaure Kalilösung nicht getrübt. Endlich bringt Natronlauge nur in conoentrirten Lösungen Trübung hervor. A.P. 0,1 = 20 Pfennig. D.P. 1,0 90 Pfennig bis 1 Mark SO Pfennig.
Darstellung- des Pilocarpins. Die gepulverten Jaborandiblfttter werden mit verdünnter Salzsäure ausgezogen, der Auszug langsam zu einem dünnen Extracte eingedampft, mit Wasser aufgenommen, filtrirt, das Filtrat mit Ammoniak (oder Natr. bicarbon.) vorsetzt und mit Chloroform aus­geschüttelt. Nach der Verdunstung des Chloroforms bleibt Pilocarpin zurück und wird behufs Keinigung nochmals in verdünnter Säure gelüsl, mit Ammoniak ausgefällt und mit Chloroform ausgeschüttelt. Wie das Eserin. so scheint auch das Pilocarpin des Handels kein einheitlicher chemischer Körper zu sein. Klinische Erfahrungen haben nämlich ge­zeigt, class das Pilocarpin in denselben Dosen bald stärker, bald schwächer
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Pilooarpini
wirkt, ja zuweilen ganz unwirksam ist. Es ist deshalb anzunehmen, duss der Begriff „Pilooarpin' je nach der Darstellung eine Reihe verschiedener Einzelkörper resp. Zersetzungsproduote einsobliesst, wie dies /,. B. auch beiiii Atropiu und veratrin naohgowiesen ist.. Weitere Untersuchungen von ohenuscher Seite hierüber wären sehr erwünscht. (Vergl. auch dio Preis­differenz dor Handelspräparate,)
Wirkung dos Pilocarpins. Die Hauptwirkung des Pilocarpina besteht iquot; einer A u regung siiin mtli oh er Drtl sen secret] one n ; daneben wirkl es erregend auf die glatte Körpermuskulatur.
1)nbsp; nbsp;Die Speichelabsonderung wird schon durch kleine Dosen mehrere Stunden hindurch star]lt; vermehrt in Folge einer peripheren Reizung der seoretorischeu Nervenfasern der Speicheldrüsen und einer gleichzeitigen Erregung des Speichelcontrums in der Medulla oblongata.
2)nbsp; nbsp;In gleicherweise wird die Secretion der Thrftnendr Use n, der Selilei uulrüsen des Respirationstractus (Nasenhöhle, Trachea und Bronchien), der Magen- und Darmdrüsen, der Bauchquot; Speicheldrüse und Leber, sowie der Ohrschmalzdrüsen gestei­gert; auch die Milch- und Barnsecretion scheint gesteigerl zu sein.
:gt;) (Jrosse Dosen bedingen femer eine Vermehrung der Schweiss-secretion in Folge peripherer Reizung der secretorischen Pasern der Schweissdrüsen und Erregung des Schweisscentrums in der Modulla oblongata. Alle diese durch Pilocarpin gesteigerten Seeretionen werden durch Atropin unterdrückt; Atropin ist das Antidot gegen Pilo-ea rpin.
I) Der Stoffwechsel und die Oxydationsvorgänge im Körper werden durch diese allseilig erhöhte Drüsenthätigkeit mächtig an­geregt; die Harnstoffaiisscheidung ist gesteigert. Dabei findet durch die Abgabe von Speichel und Schweiss eine starke Wasserentziehung und ein erheblicher Q-ewichtsverlust des Q-esammtkörpers statt, bei Pferden beispielsweise bis zu 30 Kilogramm. — Das Haarwaobs-ibuui soll dureli I'ilocarpin gefordert werden.
.quot;)) Die AI inn nng wird nach sehr grossen Dosen erschwert und dyspnoisch, indem in Polge der starken wässerigen Secretion der bronchialen Schleimdrüsen sich Lungenödem einstellt.
6)nbsp; nbsp;im Auge findet bei direkter und innerlicher Application Pupillenverengerung durch Erregung des Oculomotorius und Krampf des Sphincter pupillae statt.
7)nbsp; Die Magen- und Darmmuskulatur wird in Folge Beizung der Q-anglienzellen zu Oontractionen angeregt. Die hieduroh be­dingte Vermehrung der Darmperistaltik ist in Gemeinschaft mit der gesteigerten Drüsenseoretion im Darm die Ursache der nach der
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Pilooarpirii
HIT
Application mittelgi'OBser Pilocarpingaben eintretonden Diarrhöe. In fthnlioher Weise werden auch in der glatten Muskulatur des Uterus und der Blase ('outriietionoii ausgelöst,
8) Im Herzen werden anfangs die Vagusendigungen gereizt und der Herzschlag dadurch rerlangsamt; giftige Dosen erzeugen Herzschwäche (welche mil die Ursache des Lungenödems ist) und zuletzt Herzlühtnung. Ebenso wird das vasomotorische Centrum zunächst erregt (periphere Q-efftsserweiterung), später geltthmt.
Die quot;Wirkiuigeu des Pilocarpins boi deu einzelnen Hausthieron sind vonMö 11 er (Tageblatt der Eisenacher b^aturforsoherrersammlung 18is-j!, Lustig-Malkmus (Hannover'soher Jahresbericht 1880/82), Ellenberger-Edelmann (Berliner Archiv 1888 und 1887), l-'cser (Münoh. Jahresber. 1886/87) n. A. untersucht worden,
Pferde /.eigen nach Ellenberger aacli kleinen subeutanen Dosen Pilooarpin (0,05—0,15) Speichelfluss und Pupillenverengerungj der ab-fliessende Speichel ist sehr wässerig, speeifisch leicht und fennentarm. Schweiss-ansbruoh findet nicht statt; die Wirkung auf den Darmkanal und die Drüsen ist gering. Grössere Dosen (0,2) haben Speichelfluss, vermehrte Darmperistaltik, Ve rmehrungderSecretion derRespi ration s-Schleimhaut, aber keinen Schweissausbmch zur Folge. Erst in Dosen von 0,6—0,8 (nach Oloätta schon bei 0,4) findet allgemeiner Schweiss­ausbmch statt; daneben treten Kolik und Diarrhöe, schleimige, zähe Speichelseoretion, Thränen, Basselgeräusohe in den Bronchien und mitunter selbst die Erscheinungen des Lungenödems auf. Die Harn­st oi'i'aussch oidu ng stieg in einem Falle hinnen 2-1 Stunden um 50 g: das Körpergewicht nahm um 40 und 60 Pfund (bei 0,5 und 0,7) in einem Zeitraum von 2 4 Stunden ab. Die Leber zeigt bei der mikro­skopischen Untersuchung das Bild der stark thätigen Leberzelle, Zuweilen tritt beim Pferde nach sehr grosson Dosen auch Erbrechen auf, wie ich dies in einigen Fällen beobachten konnte.
Rinder zeigen nach Feser auf kloine subeutane Dosen (0,2—0,6; '/a -1 mg pro kg Körpergewicht) 2—4 Stunden lang dauernden , leichten Speichelfluss, Thränen, lebhaftere Wanstthütigkeit, kurzen Husten, .Harn­zwang und empfindliche Thiere auch leichte Kolik und Diarrhöe. Mittlere Dosen (0,6—1,0; 1'/a mg pro kg Körpergewicht) erzeugen ausgiebige Diar­rhöe, leichte Kolik, sowie leichtes, örtlich begrenztes Schwitzen. Hohe Dosen (3 mg pro kg Körpergewicht) bewirken die Absonderung eines mehr zäben Speichels, starke, erschwerte Athmung. zeitweise unterdrückte Wanst-thätigkeit und dadurch Aufblähung, deutliche Kolikerscheinungen und hoch­gradige Diarrhöe, sowie vorübergelienden Sohweissausbruch, Noch höhere Dosen (mehr als 3 rag pro kg) sind wegen der eintretenden Herzschwäche und Athemuoth (Lungenödem) gefährlich. Als Laxans sind nach Peser sichere Dosen beim Kind nicht festzustellen. Es empfehlen sich in der buiatrischen Praxis überhaupt nur mittlere Dosen, und auch diese er­fordern Vorsicht und Bereithaltung von Atropin als Gegenmittel. Als schweisstreibendes Mittel ist Filocarpin für das Bind nicht zu em­pfehlen. Die Milchsecretion erleidet weder durch kleine noch durch grosse Gaben eine Verminderung; sie scheint eher begünstigt zu werden.
Per os sind zur Erzielung einer Pilocarpinwirkung viel grössere
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Füooftrpinlt;
Dosen attthlff, als von der Snboutis aus. Dospii von 0,8 -1,6 veranlassen nur leichte KolikerBoheinuugen, lebhaftes ßülpsen, sehr starke Steigerung der Wanstthiiiigkeii, sowie reichlichere Kotbentleerungen, aber koine eigent­liche Diarrhöe. Zur Förderung der Uuiiiiiuition und Magenperistaltik sind Dosen von 0,8—1,5 atQ geeignetsten: bei grösseren ]quot;)osen sistirl die l'anson-bewegnng. (iegenüber dem Ksei'in ist das Pilooarpin beim Rind offenbar ein sehr viel sohwäohsr wirkendes Laxans, weshalb er stores den Vorzug verdient.
Hunde sind auf Pilooarpin sehr empfindlich. Zur Erzielung von Speiohelfluss genügen 5—20 mg. Naob 50 mg (0,05) sah ich hei einem tiO kg schweren herzkranken Hunde, den Tod in Folge von Lungenödem eintreten.
Katzen zeigen nach •! mg Pilooarpin Sohweissausbrucli an den Pfoten.
Anwendung. 1) Symptomatisch zur Resorption von flüssigen Exsudaten und Transsudaten, So bei Hydropsien im Verlaufe von chronischen Herz-, Nieren-, Leber- und Lungenkrankheiten (Vor­sicht!), bei Uriimie, bei pleuritischen und peritonitischen Exsudaten, bei exsudativen (i elenksent ziindniigen. bei Kliissigkeits-ansammlungen im G-ehirn und ßückenmark, namentlich bei exsu-dativer Meningitis, bei Hydrooephalus acutus und Cero-brospinalmeningitis. Ausserdem ist das Pilocarpin gegen Gl-ebär-parese empfohlen worden.
in den Letzten Jahren ist das Pilocarpin auf eine Anregung von Ellenberger vielfach gegen den H vdroccplia 1 its der Pferde ver­suchsweise angewandt worden. Klemm (Berliner Archiv 1880) hat das Pilocarpin zuerst sowohl gegen Hydrooephalus acutus (acute Gehirnwassersucht, subacute Q-ehirnentzündung) als auch gegen Hydrooephalus chronicus (Dummkoller) sehr wirksam ge­funden. Nach ihm genügt heim aeuten Hydrooephalus in der Regel eine Einspritzung von 0,8 Pilocarpin, um das Pferd nacli 21 Stunden gesund zu machen und vor Dummkoller zu bewahren, (fegen den Dummkoller gab er das Pilocarpin ebenfalls mit sehr gutem Er­folge und zwar mittelgrossen Tbieren in subeutanen Dosen von 1,0, besonders grossen und starken Tbieren in Dosen von 1,2. Im Anfangs-stadimn des Dummkollers soll dadurch immer wirkliche Heilung er­zielt worden sein; in mittelhochgradigen Fällen und bei längerem Bestellen des Leidens soll der erste. Erfolg ein ähnlicher gewesen und das später gewöhnlich (antretende ßecidiv ebenfalls last immer vollkommen beseitigt worden sein. Aeltere und selbst hochgradige Fälle von Dummkoller sollen sich ferner noch manchmal auf Pilo­carpin unerwartet bedeutend gebessert haben.
Diese Angaben sind, soweit sie sich auf den a.cutcn Hydro­oephalus beziehen, zum Theil bestätigt worden durch weitere Be-
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I'ilnciirpin.
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obaohtungen v(jii Hoffmann, Dieokerhoff, Prank, Humann, Heuchlinger, Friedberger a, A. Letzterer hat namentlich
gUnstige Erfolge oaob grösseren Pilocarpindosen (1,0) im Depressious-stadium der lu'utcn Gelurnentssündung gesehen, macht jedoch darauf aufmerksam, class die Gehirndepression nach derartig grossen (iahen mitunter einen sehr bedeutenden und geradezu beängstigenden Q-rad erreiche, bevor Besserung eintrete; auch war in allen günstig ver­laufenden Fällen nur eine Besserung, niemals aber eine vollständige Genesung /u constatiren; endlich wurde in anderen Fällen von Ge­hirnentzündung derselbe Grad der Besserung erreicht auch ohne Zuhilfenahme von Pilooarpiu (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin Bd. II). Weniger günstige Resultate bezüglich der Anwendung des Pilocarpins gegen acute Gehirnentzündung hat Siedamgrotzky ver­öffentlicht (Sächsischer Jahresbericht 1881)). Darnach blieben von 10 mit Pilocarpin behandelten Pferden 7 ungeheilt. Auch Nagel hatte nur einm vereinzelten Erfolg, Ohne nennenswerthen Erfolg haben Pilocarpin ferner angewandt Putscher, Engel, Timm, Köoken-berger u. A. Auch in der preussischen Armee sind innerhalb der let/ten 3 Jahre nur sehr schwache Erfolge mit Pilocarpin erzielt worden: in der Überwiegenden Mehrzahl der Fälle war das Mittel wirkungslos, in einzelnen Fällen äusserte es sogar geradezu eine schäd­liche Wirkung, indem es den tödtlichen Ausgang beschleunigte (Preuss, Vet.-Sanitätsbericht pro 1889—1891). Daraus ergibt sich vor­erst die Thatsache, class das Pilocarpin zwar in einzelnen Fällen von aouter Gehirnentzündung sehr gute Dienste zu leisten scheint, dass es aber ein zuverlässiges Mittel gegen diese Krankheit durchaus nicht ist.
Die von Klem in puhlicirte günstige Wirkung des Pilocarpins gegen Dummkoller haben u. A, Schneidemühl, Maximilian, Walther, Philippi, Steuert, Bossert, Hauck u. A. be­stätigt gefunden; auch nach Dieckerhoff seil das Mittel hiebe! mit Vortheil zu gehrauchen sein. Dagegen hatten Siedamgrotzky, Seh leg. Nagel. Koster, Imminger, Esser u. A. rein negative Resultate. Auch die in der preussischen Armee mit Pilocarpin an­gestellten Versuche sind entweder erfolglos gewesen (1889 und 1891) oder sie haben seihst eine regelmässige Verschlimmerung des Dumm­kollers ergehen (Preuss. Stat. Vet.-Bericht pro 1890). Wenn in dieser Angelegenheit auch weitere Beobachtungen abzuwarten sind, so kann doch jetzt schon behauptet werden, dass zwar ein vorübergehendes Preierwerden des Sensoriums und eine dadurch bedingte bessere Brauch-
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Pilooftrpüti
bai'kfit sich zuweilen beim Dunuukoller durob Pilooarpin erzielen liisst. dass aber der Dummkoller (ohronisober Hydro-oephalus) durch Pilooarpin liöobstens dann zu heilen ist, wenn es luuli uioht zu Druokatrophie und zu chronischen Veränderungen im Gehirn gekommen ist, also im üeber-gang von der acuten zur ohronisohen Q-ehirnwassersuoht.
2) Als A.ntirheumaticum aamentUch gegen Hufrehe dei* Pferde. Priis (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1887) hat damit ganz, vorzügliche Erfolge erzielt. Es genügte im Anfange der Krankheit gewöhnlich eine einmalige Injection von 0.' — 0,7 oder eine nach Ablauf von 24 Stunden wiederholte Injection, um die ICxsudation so zurückzubringen, dass nach 2—'A Tagen Heilung eintrat. Wal­ther u, A. haben diese Angaben bestätigt. Auch gegen Muskel-rheumatismus hat sich Pilocarpin bewährt. Siedamgrotzky erzielte beim Pferde durch Dosen von O.'J—0,4, welche 4 — 5 Tage lang fort­gesetzt wurden. Heilung.
;i) Als Peristalticum für die Vormägen der Wiederkäuer bei Parese der Pansenmuskulatur; Tympanitis, chronischen Indige­stionen etc. (IQggeling, Möller).
4) Als Laxans bei Verstopfung des Darmes und bei Kolik (Ellenberger). Das Pilocarpin wird jedoch hiebei vom Physostigmin entschieden übertroffen und ist wegen des drohenden Lungenödems, das hei den hier nothwendig werdenden grösseren Dosen häufig ein­tritt, zu gefährlich, auch in Folge des anhaltenden Speieheins von unangenehmer Wirkung. Dagegen scheint eine Complication kleinerer Dosen von Pilocarpin und Eserin (Ellenberger) offenbar sehr zweck-mässig zu sein, da hiedureh sowohl eine kräftige1 Darmcontraction (Eserin), als eine starke Darmsecretion (Pilocarpin) erzielt wird. Von verschiedenen Seiten ist über eine günstige Wirkung dieser Combi­nation bei Ueberfütterungs- und Verstopfungskoliken berichtet worden (Edelmann, Bass, Storch u. A.).
EndUoh hat man das Pilocarpin als Expectorans, gegen Fett­sucht sowie; als uteruscoutrahirendes Mittel empfohlen; dasselbe hat sich jedoch hiebei nicht bewährt.
t Pilocarpin-Eserin. Das angeblich durch ,Verankerungquot; von Eserin und Pilocarpin hergestellte sogenannte P11 o ca r pin- E serin (W a a s) dürfte wolil, wie auch von phimiiaeeutisclier Seite mit Itecht schon bemerkt worden ist, nichts anderes als eine innige Mischung beider Alkaloide darstellen. Die Wirkung von 0,4 g des sogenannten Pilooarpin-Eserins entspricht nilm-lich nach meinen Untersuchungen, mit denen die von Storch im Wesent­lichen übereinstimmen, etwa der Gesammtwirkung von 0,1 Eserin und
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Püooarphii
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0,8 Filooarpin. ,Verankerungen' zweier Alkuloidi' zu einer ohemisobeb Einlicit gibt elaquo; nicht.
Contrainclicationen. 1) Dos Pilooarpin darf nur in kleinen Doson und ledigliob als speicheltreibendes Mittel gegeben werden bei Tbieren, welche mil obronischen Serzfeblern und ebronisoben Lungenkrankheiten behaftet sind, da dieselben leiobt an Lungen-(idom zu Q-rundo geben. Ms ist Elegel, biebei iinmer Atropin als Gegengift in Bereitschaft zu halten. Pferden soll man unter diesen umständen nicht über 0,3 (Q-autier), Hunden nicht über 0,005—0,01 Pilooarpin verabreichen.
2) Eine weitere Contraindication bildet das Vorbandensein von Pharyngitis und Tetanus, insofern die Thiere bei diesen Krank­heiten wegen des Unvermögens abzuschlingen dureb den massenhaft auftretenden Speichel sehr belästigt bezw, gefilbrdel werden und sogar im eigenen Speiehel ersticken können (Rust). Xaeli den klinischen Beobachtungen von Friedberger wirkt das Pilooarpin heim Starr­krampf ausserdem sebädlicb durch die Erzeugung von Lungenödem und durch die nach der Injection eintretende starke Aufregung der Thiere. Aehnliche Beobachtungen hat Hntvra gemaoht,
Dosis und Form. Man gibl das Pilooarpin immer subeutan in wässeriger (5 — 100/oiger) Lösung. Diese Lösungen sollen wegen der leichten Zersetzhchkeit des Pilocarpins niebt zu lange vorräthig gehalten, sondern womöglich Irisch bereitet werden. Sehr gut eignet sich hiefür die Tabletten form. Die leichte / ersetz lieh k ei t des Alkaloids einerseits, die verschiedene indi v id u eile Empfindhch-keit gewisser Thiere, namentlich der Pferde, andererseits bedingen zuweilen eine Unsicherheit in der Wirkung des Pilocarpins, welches ausserdem noch zuweilen je nach Herkunft und Darstellung des Prä­parats in der Intensität seiner Wirkung, wie auch andere Alkaloide, sehr starke Differenzen aufweist. Aus allen diesen Erwägungen ist es räthlich, im Allgemeinen sich mehr an die mittleren, als an die grösseren therapeutischen Dosen zu halten. Die, Fälle, in welchen grössere, aber immer noch therapeutische Dosen eine ganz unberechenbare Wirkung ausüben, haben sich in der neueren Zeit vermehrt. So warnt Lies vor zu grossen Dosen Pilo­oarpin beim Hydrocephalus acutus, nachdem ihm ein Pferd auf die Injection von 1,0 Pilooarpin apopleotisob verendete. Hoffmann be­obachtete nach 0,8 Pilooarpin gefahrdrohende Dyspnoe, nach der Ver­abreichung von 1,1 ferner hei einem Pferde Tod nach 3 Tagen unter
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I'ilociirpin.
zunehmender Abmagerung. Dagegen konnten ron Hoffmann einem anderen Pferde innerhalb eines Tages drei Dosen von je 1.1 Pilo-carpin subcutan ohne joden Naohtheil injioirt weiden. Dette sah
nucli der Injection von 0,7 l'ilocarpin ein IM'eni innerhalb •'! Minuten wie vom Schlage gerührt zusammenstürzen, worauf sich eine so hoch­gradige AUgemeinaffection verbunden mit tobsuohtartigen Anfällen einstellte, dass das Pferd getödtet werden niusste. Dieser Fall hat sehr viel Aelmlichkeit mit den von Vr ied he rger nach einer ge­wöhnlichen Dosis von Eserin beobachteten (vergl. S. 100), Siedam-grotzky hat ebenfalls nach grossen Dosen Pilocarpin (his 1,0) ge-fahrdrohende Krscheinnngen beobachtet. Nach Friedherger ver­anlasston bei einigen Pferden sogar kleine Dosen ungewöhnlich hoch­gradige Erscheinungen; bei grösseren wurde eine sehr ungleich starke Wirkung beobachtet. Aehnliche Beobachtungen sind auch neuerdings wieder von verschiedenen Seiten gemacht worden.
Die Einzeldosen des Pilooarpins richten sich ganz, nach dem be­absichtigten Effeote; die niedersten Q-aben sind zur Erzeugung lediglich von Speiohelsecretion, die mittleren von Laxirwirkung, die höchsten von Seh weis saus bruch aötbig. Man giht:
1)nbsp; Zur Erzeugung von Speiclielfluss und als Expectorans:
Pferden 0,1—0,2, Kindern 0,2—0,1, Schafen und Ziegen 0,02, Hunden 0,005—0,02, Katzen 0,001—0,003.
2)nbsp; Zur Anregung des Wiederkauens:
Hindern 0,2—0,0, Schafen und Ziegen 0,05.
3)nbsp; nbsp;Als Laxans;
Pferden 0,5, Kindern 0,5—1,0 (!).
4)nbsp; Als schweisstreibendes Mittel (hei Hufrohe etc.):
Pferden 0,5—0,8 (!).
Recepte,
1) Rp, I'ilocarpiiii hydroohlor. 1,0. Äqu. destill. 5-10,0. M. D. S. Auf 2mal mit 248tttndiger Pause zu injioiren für ein Pferd mit Hufrehe.
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Mutterkorn,
20;?
21 Kp. Pilooarpin. hydroohlor. 0)8, A(|ij. destill, 10,0. M. I). S, Auf luiiil zur suboutanen rnjeotion fttr ein Pferd mfl sub-aouter GehirnentzUndunff,
#9632;)} K|j. Pilooarpiu. hydroohlor, o,:', Eserini eulfario. 0,00. Aqu, destill. 10,0. M. I). s. Zur subüutiiiioii Injection gegen Verstopfungskolik beim Pford.
i- Muscarin. Fliegenschwammgift. Im Pliegensohwamm (Amanita masoaria) sind '2 Alkaloide eutbalten: das Muscarin und Amanitin. Das Muscarin hat dip ohemisohe Formel N . (OH8)3. OjHjOa. OH. (Tri-methyldioxäthylammoniumhydroxyd), 1st also eine Trimethylammo-ni ii mbase, welclic auch als Oxycholin anfgefasst worden kann; dasselbe ist isomer mit dem Betain (in den Rüben) und Oxynenrin (in der Nerven-Substanz). Dem entsprechend kann Muscarin aneb ans Neurin und Cholin darffestellt werden; beim Erhitzen zerfällt, es zu Trimethylamin = N . (CHg),. Wahrscheinlich ist das Muscarin ein Derivat des Eiweisses (ein ptomafne-artiger Körper). Das Muscarin hat in seiner Wirkung die grösste Aehnlich-keit mit dem l'hysostigmin und Pilooarpin, Es erregt die Secretion aller Drüsen (Speicheldrüsen, Thrftnendrüsen, Schleimdrüsen der Luft­wege, Magen-Darmdrüsen, Pankreas, Leber; Antidot ist ebenfalls das Atropin) und erzeugt. Contraction der glatten Muskeln (Sphincter l'upillae, Darmmuskulatur), lieber die Anwendung des Muscarins ist noch wonig bekannt. Ellenberger hat dasselbe auf Grund von Versuchen an Pferden und Schafen als ein gutes subeutanes Laxans empfohlen (Ber­liner Archiv 1887). Die hiezu verwandten Präparate waren in Bezug auf die Stärke der Wirkung sehr verschieden. Das von Gehe (Dresden) be­zogene Muscarin erzeugte bei Pferden in Dosen von 0,01 Speicheln, bei 0,02 etwas weicheren Roth, bei 0,03—0,04 lebhafte Peristaltik, Kolik, Diarrhöe, geringe Diaphorese, vermehrte Thränen- und Scbleimseeretion, in der Leber, Pankreasdrüse und den Darmdrüsen das mikroskopische Bild stark thätiger Drüsenzellen. Bei 0,04 traten Lungenödem und beängstigende Erscheinungen auf. Das von Merk (Darmstadt) bezogene Präparat war
erst in doppelt so grossen Dosen wirksam. Bei ScGehe'sche Präparat in Dosen von 3—8 mg sehr heftü
wirkte das namentlich auch auf
die Pansenthätiffkeit.
Secalc cormitum. Mutterkoni.
Stammpflanze: Olavioepa purpurea,
Familie: l'yrenomycetes.
Pharmakognosie. Das Mutterkorn stellt das Dauermycel (Sklerotium) eines Pilzes, Olavioepa purpurea, aus der Familie der Pyrenomyceten (Kernpilze) dar. Dieses Dauermycel bildet die Ruheperiode der Entwicklung des Pilzes mit der Aufgabe, die Pilz zu überwintern. Im darauffolgenden
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Mutterktmi.
Kiiilijalir beginnt dann das Mutterkorn zu keimen; diese Keime be­istehen aus scklankgestielten, purpurrothen Köpfchen mit Höhlungen (Peritheoien), welche mit Sporen gefüllt sind. Gelangen solche Sporen auf junge Roggenblttthen (auch auf Weizen- und Gersten-
blüthen können sie sich ansiedeln), so verwandelt sich der Frucht­knoten dieser Hlüthen in ein Pilzlager (Sphaceliji segetum), an dessen Grunde sich das eigentliche Mutterkorn entwickelt.
l);egt; Mutterkorn stellt walzen artige Körper von 2- I cm Länge und his zu l/s cm Dicke dar, von gerundet dreikantiger. oft gebogener Form und schwarz violetter Fai'be, welche schwach bläulich bereift und an beiden Enden verschmälert sind. Sie hüben eine derbfleischige, im trockenen Zustande fast kornartige (Kon­sistenz und sind innen weiss; ihr Geschmack ist fade, Das Mutterkorn muss gut verschlossen aufbewahrt und nach der Forschrift der österreichischen Pharmakopöe alle Jahre erneuert werden. Ge­pulvertes Mutterkorn darf nach der Vorschrift der deutschen Pharmakopöe nicht vorräthig gehalten, son­dern iniisgt; in jedem Kinzelfalle frisch bereitet in grob-gepxxlverter Form abgegeben werden. A.P. 10,0= 15Pfennig.
Ans dem Mutterkorn werden verschiedene Extracte dargestellt, von welchen in Deutschland zwei ofticinell sind: ,
1)nbsp; Extractum Seealis eornuti, Mutterkornextract, ein roth-braunes, in Wasser klar lösliches, dickes Extract. Das­selbe wird dargestellt dureh tistündiges Maceriren von grob ge­pulvertem Mutterkorn (2) mit Wasser (4), Abpressen, nochmaliges Maceriren, Coliren und Eindampfen (auf 1 Tlieil). Dieser eingedampfte wässerige Auszug wird mit verdünntem Weingeist (1) gemischt, 3 Tage bei Seite gestellt, liltrirt und zu einem dicken Extracte ein­gedampft. Dieses Verfahren gibt eine wesentlich bessere Ausbeute an wirksamen Sestandtheilen als das der alten Pharmakopöe. A.P. 1,0 = ;)0 Pfennig.
2)nbsp; nbsp; Extractum Seealis eornuti lluidum, Mutterkorn- F 1 uid-extract, wird nach dem Muster der amerikanischen Pluidextracte aus dem Mutterkorn vermittelst des Per co la ti on s v erfah ren s (Verdrängungsverfahrens) dargestellt ans Mutterkorn (100), verdünnter Salzsäure (6), Weingeist. (2) und Wasser (8), In ähnlicher quot;Weise wird das in Oesterreich oflicinelle Extract bereitet. A.P. 10,0 := 30 Pfennig.
Nicht offi ein eile Extracte sind das sehr wirksame Extractum Seealis eornuti dialvsatum. von welchem verschiedene Prä-
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Mutterkorn.
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parate im Handel sind, sowie das von Kobert dargestellte Extractum oornutiiiO'Sphaoelinioum. A-usserdein sind im Gebrauche J(jx-traotum S, lt;#9632;. Deuzel, Boiabelon, Yvon, Bonjean und andere. Einzelne dieser Extraote werden wohl auoli Kurz mit dem Namen „Erffotinquot; bezeichnet.
Bestandtheilo des Mutterkorns, üeber die Bestandtheile des Mutter­korns ist noch keine Einigung erzielt; es stehen sich namentlich die unterlaquo; Buchungen von Tanret, Dragendorff und Kobert, gegenüber. Nach den neuesten Untersuchungen von Kobert sind im Mutterkorn ids wich-tigste chemische Körper die nachfolgenden enthalten:
1)nbsp; nbsp;Das Oornutin, ein Alkaloid, dn,r Träger der specifischen Wir­kung des Mutterkorns auf den Uterus. Das Oornutin bewirkt in Kolge Reizung dos im Leudenmark gelegenen üteruscentrums Uterus-oontraotionen bei trächtigen und niohtträchtigen Thieren. Hei nicht-trächtigen Thieren tritt eine deutliche Verstärkung der rhythmischen üterus-contractionen schon nach der subcutanen Injection von ' #9632; rag Oornutinum hvdrochloricum pro kg Körpergewicht ein. Trächtige Thiere reagiren auf Oornutin im Beginne der Schwangerschaft nicht, in der Mitte nur nach sehr grossen Dosen, dagegen bewirken am Ende der Träohtigkeit die kleinsten Dosen eine Austreibung des Fötus, Nach Lewilzky ist auch hßim Menschen das Oornutin zu 5 —10 mg per os gegeben eines der sichersten Mittel zur Erregung von Uteruscontraotion sowohl des trächtigen Uterus während der Geburt, als auch des nach der Geburt oder durch chronische Metritis gereizten Uterus. Kobert räth deshalb das Oornutin als ausschliessliohes Mutterkornprftparat zu benutzen. Die weiteren Wir­kungen des Oornutins bestehen in Erregung des Krampfcentrums mit tonisch-klonischen allgemeinen Muskelkrämpfen, in einer veratrintthnliohen Einwirkung auf die Muskelfasern mit Muskelsteifheit, in einer Erregung des Vaguscontrums mit Pulsverlangsamung und nachheriger Vagus­lähmung, in Erregung des vasomotorischen Centrums mit starker Blutdrucksteigerung und Gefä ssver enge rung, und bei grossen Dosen in einer Lähmung des Athmungsoentrums. Nach Kobert wird bei der von der früheren Pharmakopöe vorgeschriebenen Entfettung des Mutterkorns mit Aether demselben theiiweise das Oornutin entzogen.
2)nbsp; nbsp;Die Sphucelinsäure, eine stickstofffreie, harzartige, nicht krystal-linisohe Substanz, welche in Wasser und verdünnten Säuren unlöslich, in Alkohol dagegen löslich ist und mit Alkalien Salze bildet, welche in Wasser löslich sind. Die Sphacelinsäure wirkt, gangränerzeugend (Sphacelus = trockener Brand) in Folge einer hyalinen Thrombose der peripheren Arterienäste. Sie ist die eigentliche Ursache der Mutterkorn Vergiftung. Nach experimentellen Versuchen erzeugt- sie bei Schweinen und Hähnen Gangrän, insbesondere an der Zungenspitze, am Kamm. Kebllappen, am Gaumen, Kehldeckel, an den Elügeln, auf der Haut sowie; auf der Darm-schleimhaut (Geschwüre und Nekrose); in sehr kleinen Dosen längere Zeit verabreicht führt sie zu ähnlichen Veränderungen auch im Büokenmarke mit Ataxie. In sein- grossen Dosen erzeugt sie strvchninartige Krämpfe und Uterus-Tetanus. Heim Entfetten des Mutterkorns mit Aether wird demselben auch Sphacelinsäure entzogen.
8) Die Ergotiusäure, ein stickstoffhaltiges, leicht zersetzliches üly-kosid, ohne Wirkung auf den Uterus. Dasselbe ist, lediglich ein Nar-
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Mutterkorn!
coticum, welches diu lietioxerregbarkeil venuindert und zuletzt aufhebt. Nach Kobort ist die „Skierotiiisliiirequot; Dragendorlfs iiiulils arideres als stark verunreinigte Ergotinsäure; auch die .Krgotinequot; des Handels, sowie das l'rülier ofticinolle Ex t rae turn Seoalis ooruuti sind in eons taute Gemenge der wirksamen Mu t te r k o r n b es tan d t h eil e, welche in d er H a up t s a o he i! i (^ wirkungslose Brgotins ä u r e enthalten. Auch das „Ergotin'1 and „Ekbolinquot; sind zweifelhafte Gemenge: diis .Ergotininquot; ist ein ungil'tiges, den Uterus niobt beeinflussendes Alkaloid, 4) Als indifferente Bestandtheile des Mutterkorns sind dann noch /.n nennen das Skleroinucin (ein Schleimstotfj, Mykose (Schleimzucker), fettes Ool, Sklererythrin und Sklerojodin (Farbstoffe), Pikroskle-rotin (Bitterstoff) und Trimethy lam in (Zersetzungsproduct in alten, verdorbenen Präparaten).
Wirkung. Die Wirkung des Mutterkorns setzt sich aus der­jenigen seiner einzelnen Bestandtheile, wie sie oben besprochen worden sind, zusammen. Von besonderer Wichtigkeit ist die üterus-con-trahirende und die Q-efässe-verengernde resp, Q-efässe-ver-schliessende Wirkung; die übrigen Eigenschaften des Mutterkorns werden therapeutisch nicht verwertbet.
Eigenthtimhche Eracheinungen bietet das Bild der Mutterkorn-Vergiftung, des sogenannten Ergotismus, wie derselbe bei unseren Hausthieren (und beim Menschen) in Folge des Genusses mutterkorn-haltigen Getreides auftritt. Das Krankheitsbild ties Ergotismus ist ein ziemlich wechselndes. Man beobachtet zunächst gastroenteri-tische Erscheinungen (Speicheln, Stomatitis ulcerosa, Erbrechen, Kolik. Diarrhöe), welche oft Aehnlichkeit mit Maul- und Klauenseuche oder Rinderpest aufweisen (Law), sodann bei trächtigen Thicrcn Wehen. Abortus und selbst Gebärmuttervorfall. Zuweilen sieht man klonisch-touische Krämpfe insbesondere der Beugemuskeln (Ergotismus spasnio-dicus), lerner Schwindel. Schwanken und Schlafsucht. Cataract so­wie Ulhmungsartige Zustände. In chronischen Vergiftungsiallcu kommt es y.ur Mumification extremitaler Theile (Ergotismus gangrae-nosus; Kriebelkrankhcit), soder Klauen, Ohren, Schweifspitze, Zitzen etc.; dabei schwillt zunächst die Haut. z. B. zwischen den Klauen bis zum Fessel und darüber an. wird trocken und rissig, unempfindlich und bläulich grau, zuletzt nekrotisch. so dass das abgestorbene Stück durch Eiterung abgestossen wird. Endlich beobachtet man in solchen Fällen Sterilität und enzootischen Abortus.
Anwendung. 1) Zur Anregung der Wehenthätigkeit bei schweren Geburten.
2) Zur Contraction des erschlafften puerperalen Uterus, bei zurückgebliebener Nachgeburt, septikttmischer Metritis etc.
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MutUü'liurii.
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;{j Gegen üterusblutungen und Uterusneabildungen.
#9632;t) Q-egeil Blutungen innerer Organe als Styptieum, so bei Lungen-, Magen-, Dann-, Nieren-, Blasenblutungen, bei hämor-rhagischer Diathese, Häraopbilie,
5) Bei Blasen- und Darmlähmung, Mastdarm vorfallen etc.
ti) Zur örtlichen hijeetion bei Aneurysnien. Varicen und sonstigen (lel'ässektasion.
7) Bei Eiverhaltung d
s (leliügels.
Dosis und Form. Zur Zeit ist das beste Präparat möglichst frisches Mutterkorn in Substanz, welche höchstens '-i—1':i Jahr nach der Einsaimnhmg (einige Wochen vor der Ernte, also Juni his Juli) gelegen hat. Darnach wäre allerdings nur in den Monaten Juli bis December wirksames Mutterkorn ZU haben. Dieses Mutter­korn soll im reinen, nicht entölten Zustande und immer frisch gepulvert angewandt werden. Man gibt dasselbe meist in Pulverform, zuweilen auch im Infuse; Decoete sind wegen der Zersetzung der wirksamen Mutterkürnbestamltheile zu vermeiden. Das Mutterkorn ex tract kann entweder innerlieh (Lösung, Pille, Latwerge etc.) oder suhcutan angewandt werden.
Dosis des Mutterkorns: Dosis des Extractes:
Rinder.....nbsp; nbsp; nbsp; 25—50,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5—10,0.
Pferde.....nbsp; nbsp; nbsp; 15—25,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5—10,0.
Schafe und Ziegennbsp; nbsp; nbsp; nbsp;5—10,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2— 5,0.
Schweine. . . .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2—5,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5—2.0.
Hunde.....nbsp; nbsp; 0,5— 2,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,2— 1,0.
Katzen ....nbsp; nbsp; 0,2— 1,0,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1— 0,5.
Geflügel ....nbsp; nbsp; 0,2— 0,5,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1— 0.2.
Becepte.
1)nbsp; Rp. Sücal. oornut. rocenter pulv. 50,0.
1). S. Auf 2iiiiil mit jo einem Liter Warmbier (GHühwein) einzuschütten für ein Kind mit schwerer Q-eburt,
2)nbsp; nbsp;Rp. Seoal. oornnt. recent. |mlv.
Sacoliari ää 1,0. Iraquo;. tal. dos, Nr. V. S. V-stiindlicli L'in Pulver für einen II und mit Sohwergeburt.
:i) Rp. Inl'nsi .Seoul, oornut. reo. pulv. 5,0 : 150,0. Syrup. Cinnamoin. 10,0. M. D, S. Sstündlioh einen Esslöffel für einen Hund mit Metvorrhauie.
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2()Snbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rhizoma Hydrastie.
4) Rp. Seoal. oomut. feo. pulv. 26)0. Ferri sull'iirici 10,u. I'ulv. Rad. AlUi. 60,0. Aqu. font. qu. b. f. Eleotuai'. lt. S. Auf 'Jmal flu' ein Pferd mit itmorou Blutungen.
6) liigt;. Seoal. oornut. reo, pulv,
I'ulv. Cui't. Oinnamomi ää 6,0. [nfunde oum Aqu. fervid. 1.^0,0. Igt;. S. '.raquo;stiindlicli einen Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit Sohwergebuvt,
(i) Up. Extraoti Seoal. oornut. '-'.O. A(|u. GiniiaiiKmi. 100,0. M. Iraquo;. S. Tiiolicli 3 EsslöfFel für einen Hund mit Uterusblutungen.
Hlii/oiua Hjdi'iisüs. Hydrasiiswurzel.
Stammpflanze: Hydrastis Oanadensis. Fauiilie: Etanunoulaoeen.
Pharmakognosie. Die Hydrastiswnrzel, auch kanadische Gt-elbwurzel benannt, ist das bewurzelte Rliizom von Hydrastis Canadensis, einer ausdauernden Ixanuneul.icee Xordiunerikas. Sie ist bis 1 em lang, etwa V- om dick, hin und h6r gebogen, wenig v erz w eigl, mit kurzen, dicken 8tcngeh-esten besetzt, läng srunze lig, dicht quer geringelt, und stellenweise heinahe knollig ver­dickt. Die Ansseniläclie (Korksclucht) ist braun, das Innengewebe schön gelb. Der wässerige Auszug der Wurzel (1:100) ist gelb, bitter schmeckend und gibt mit der Haltte Schwefelsäure und einigen Tropfen Cldorwasser eine dunkelrothe Schicht. In einem 100/oigen Infuse bilden sieb ferner hei Zusatz von Salpetersäure (Vm) im Laufe eines halben Tages kleine gel he Krystalle (Identitätsreak-tio n en).
Oflicinell ist ausserdem das Extractum Hydrastis lluidum, das Hydrastis-Fluidextract, welches aus der Wurzel (100) nach dein Percolationsverfahren mit Weingeist (IS) und Wasser (r)) dar­gestellt wird. A..P. 10,0 = 35 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Hydrastiswurzel enthält drei Alkaloide, das Hydras tin, Berber in und Oanadin, Ersteres verengt die Oefässe des l'terus und wird daher gegen Blu­tungen, Anschwellungen und Entzündungen der Q-ebär-
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Uliizoma Hydrastis.
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mutter empfohlen. Auch die Cet'iisse der übrigen Baucheiu-geweido sollen verengert werden. Die Dosis des Extractum Hydrastis beträgt für Pferde 5 —10,(1. Von Hutyra ist das Hydrastisextract beim Petechialfieber der Pferde versuchsweise angewandt worden; in allen Fällen verminderten sich nach der Injection die Infiltrationen^
t Hydrastininum hydrochloricum. Das aus dem HyJrastin dar-ffestellte Hydrastiain soll bei lt;;lincli guten hftmostatischen Wirkungen im Gobido des Uterus und der Beokenorgane vor dem Hydrastin den Vorzug haben, dass es kein Herzgift ist (Falb). Es wird beim Menschen in Dosen von 0,025 insbesondere gegen Uterusblutungon und Endometriten angewandt; die Blutung soll schon nach Ablauf eines Tages mit Sicherheit zum Stehen gebracht werden. Das Mittel wird sowohl per os als auch subeutan angewandt.
t Cortex Radicis Gossipii, die Kinde der Baumwollwurzol (von Q-088ipium herbaceum, Baumwollstaude, Malvacee). Die frische Wurzel-rinde der in Amerika, Egypten, Asien etc. angebauten Baumwollpflanze soll wie Mutterkorn Uteruscontractionen hervorrufen; ältere getrocknete Rinde ist wirkungslos. Die wirksamen Bestandtheilo sind nicht naher gekannt. Angewandt wird ein Extractum Huiduni und spissum (ersteres beim Menschen theelöffel-, letzteres grammweise) oder ein lufus (10:150,0). Das im Handel vorkommende „Gossipiinquot; ist eine Concentration, welche die wirksamen Bestandtheile der Drogue enthält; Dosis für den Menschen 0,00—0,3.
Kroluier, Arzneimittellehre, a. Auii.
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Antiseptica.
Acidiiiu oarbolicmn. Carbolsiuire.
Pharmaceutische Chemie. Die Carbolsäure (Phenylsäure,. Phenol, krystallisirte Oarbolsäure) wird aus dem Steinkohlen-tlioer dargestellt. Man gewinnt sie durch fractionirte Destillation des schweren Steinkolüentheeröls bei 180—220deg;; die bei dieser Temperatur üherdestillirenden Theile desselben werden an Kalilauge gebunden (C(.H,-).()H) und die reine Carbolsäure durch Schwefelsäure frei ge­macht und rectiticirt. Neuerdings stellt man sie auch synthetisch wahrscheinlich ans Benzol, 0^, durch Vermittlung von Schwefel­säure dar; sogenannte synthetische Carbolsäure.
Die Carbolsäure bildet im reinen Zustande eine farblose oder kaum röthliche. eigenthümhch, aber nicht unangenehm rie­chende, flüchtige, ätzende, schwach saure, aus dünnen, langen, spitzen Krystallen oder einem weissen. krystallinischen (Jemenge bestehende Masse. Sie löst sich in 15 Theilen Wasser sowie in jeder Menge Weingeist, Aether, Glycerin und Natronlauge; bei 40 bis 42 quot; schmilzt sie zu einer stark lichtbrechenden Flüssigkeit von dem speoifischen Gewicht 10(30, siedet bei 178—182quot; und verbrennt schliesslich mit woisser Flamme ohne Rückstand. Die wässerige Lö­sung wird durch Eisenchlorid schön violett gefärbt; Hrom-wasser scheidet weisse Flocken vom Tribromphenol(OflHgBrj.OH) aus (Identitätsreaktionen).
Eine rothe Farbe und ein unreiner Geruch der Carbolsäure, sowie eine trübe Lösung in Wasser (1:20) beweist eine Verun­reinigung mit ihren höheren Homologen, so vor allem mit Kresol (CGHt.CH:i.()II) und Xylol (06H4.OH8.OHB); trübt sich die
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^
Ciirbolsiüire.
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^
Lösung in Natronlauge bei Wasserzusatz, so ist Naphthalin (O10H8) beigemengt. Die synthetisohe Carbolsäure soll farblos und von selir sohwaohem, angenehmem Q-eruohe sein.
D.P. 1 kg 1 Mark 40 Pfennig bis 2 Mark 30 Pfennig; A.P. 10,0 = 10 Pfennig, 200,0 = 1 .Mark 20 Pfennig.
Acidum carbolicum liquefactum. Verflüssigte Carbolsfture. Uioselbe stellt eine Mischung von 100 Theilen Carbolsäure mit 10 Theilen Wasser dnr und wird durch Selunelzen der krystallisirten Carbolsäure bei gelinder Wärme und Beimengung des Wassers dargestellt. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit, welche sieh in 18 Theilen Wasser klar löst. Sie wird gewöhnlich zur Darstellung von Carbollösungen verschrieben.
Aqua carbolisata, Oarbolwasser, ist eine :)quot;(nige Carbolsäurelösung, welche aus 3;! Theilen Acid, carbol. liquefact. und 9(17 Theilen Wasser dargestellt wird.
Acidum carbolicum crudum. Kobe Carbolsäure. Nicht mehr ol'ficinell. Dieselbe stellte früher das Rohproduct der krystallisirten Carbolsäure dar, welches aus dem bei 180- 220quot; übergehenden Theilo des Steinkohlen-theeröls durch fraotionirte Destillation gewonnen wird. Neuerdings hat man jedoch als „rohe Oarbolstturequot; auch die von reiner Carbolsäure mög­lichst befreiten höheren Homologe der Carbolsäure, also namentlich Kresol-verbindungen in den Handel gebracht, welche oft nur noch Spuren von wirklicher Carbolsäure enthalten. Die rohe Carbolsäure des Handels bildet eine gelbliche bis gelbbraune, unangenehm brenzlich riechende Flüssigkeit, welche sich in Wasser unvollständig, in Aether und Wein­geist leicht löst und aus Carbolsäure (0—800(o), Kresolen, Phlorol, Xy lol, Naphthalin un d anderen Kohlenwasserstoffen besteht.
Wirkung der Carbolsäure. 1) Die Carbolsäure ist ein f ii u I ni ss-widriges Mittel. Die Fäulniss des Fleisches, Blutes und eiweiss-
haltiger Flüssigkeiten wii
#9632;d aulee
hohen (lurch eine 20;i)ige Oarhollösiing
(2:100), und verhindert durch eine 0,50/oige (1:200).
2) Die Carbolsäure ist ein gährungs widrig es Mittel. Von (iälivungen werden verhindert die Hefegährung durch 0,2% Carbol­säure (1:500) nach 26 Stunden, die Buttersäuregährung durch 0,3 V (1:300), die Milchgährung durch 0,4 quot;A, (1:250), die Zucker-gährung durch 0,5 quot;(i (1:200), die Harngährung durch l 0/o (1:100). Schimmelpilze werden durch 1 quot;o keiinunl'ähig gemacht, Infusorien durch dieselbe (Joncentration getödtet. Am unempfindlichsten gegen Carbolsäure sind die Fermente; so werden Ptyalin. Pepsin, Fanulsin, Myrosin etc. erst nach langer Einwirkung sehr coneentrirter Lösungen getödtet.
8) Von pathogenen Bacterien werden durch die Carbol­säure bei einer Concentration von 1—2% (1:50—100) getödtet und
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212nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Carbolsilure.
zwar bereits im Verlaufe einer Minute: die Mil/,brandhaciHeu, die Rotzbacillen, das Pockoncontagiuni, der Streptococeus p t o g en es, der Er y si p el oo o ous, die Cholera - und Diphthe ri e-bacillen. Die Staphylokokken des Eiters (Staphylococous pyogenes aureus) bedürfen zur Tödtung einer 2—30/nigeii, die rl1u berkel-baoillen sogar einer 50/oigen Oarbollösung. Das Wuthgift wird durch eine ö'Voige Carbolliisung erst nach etwa einer Stunde ver­nichtet. Die Milzbrandsporen endlich lassen sich durch eine 50/oige Oarbollösung selbst nach 20tKgiger Einwirkung nicht mit Sicherheit vernichten, — Eine antiseptische und desinficirende Wir­kung kommt jedoch nur wässerigen Oarbollösungen zu. Lösungen in Oel oder Alkohol sind nach Koch gänzlich unwirksam, desgleichen Oarboldämpi'e. Koch hielt z. B. Milzhrandbacillen l' 2 Monate unausgesetzt in starken Carholdiinsten. ohne dass dieselben an Lebensfähigkeit eingehüsst hatten. Dagegen wird die nntiseptische Wirkung der Carbolsäure durch einen Säurezusatz, namentlich durch Salzsäure, erheblich gesteigert. .Dasselbe beobachtet man nach dem Erwärmen der Oarbollösungen.
4)nbsp; Gegen Parasiten (Milben namentlich) ist Carbolsäure ein starkes Gift.
5)nbsp; nbsp;Haut und Schleimhäute werden durch conoentrirte Carbol­säure angeätzt; der iVetzschorf ist weiss und trocken. Auf Schleimhäute wirken auch ganz verdünnte Oarbollösungen (z. B. I 0/o) reizend, während die Haut erst von 5—10 0/o ab stärker gereizt wird. Dabei entsteht Hyperämie und Brennen, späterhin jedoch Anästhesie.
6)nbsp; Innerlich wirkt Carbolsäure als centralesNervengift. Sie er­zeugt zunächst (! ehirnna.rkose mit Betäubung und rauschartigem Zustande, sodann bei allen Thieren (im Gegensatz zum Menschen) tonisch-klonische Krämpfe und Lähmungszustände. Der Tod erfolgt durch Herzlähmung (oft shokartig) oder Athmungslälimung.
Die Aufnahme der Carbolsäure erfolgt schon von der un­verletzten Haut aus, sehr leicht ferner von Wunden, Schleim­häuten und von der Subcutis. Die Ausscheidung durch den Harn erfolg! sehr rasch; dabei färbt sich der Harn dunkelgrün bis du ii kell) ran n (Hydrochinon und dessen Oxydationsproducte). Die Carbolsäure wird im Körper einerseits zu Pb enolsch wefelsäure (phenolsulfonsaures Kalium) umgewandelt, andererseits zu Hydro­chinon (C(iH(1Oa), Oxalsäure (02H8OJ und Kohlensäure oxy-dirt; freie Carbolsäure wird im Harn nicht ausgeschieden.
gt;
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Carbolstture.
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Anwendung. 1) Als Aseptioum und Antiseptiouin bei Operationenj von Lister 1807 bezw. 1875 in die Chirurgie ein­geführt,
2)nbsp; nbsp;Als Desinficiens und eatzündungswidrigos Mittel bei allen Wunden, Geschwüren, Fisteln, Hautentzündungen, Erysipel, Phlegmone, Carbunielbildung, Ekzemen, Verbrennungen, Strahlkrebs, Klauenleiden, eiterigen Kieferhöhlenkatarrhen, Blasenkatarrhen, Otor-rhöen etc.
3)nbsp; nbsp;In der Geburtshilfe ymi Ausspülung des Uterus bei fau­ligen und septischen Prooessen.
I) In Porin der parenchymatösen [njection bei Entzündungen tiefgelegener Organe (Drüsen, Gelenke, Bauchfell). Dosis für Pferde und Kinder 1 — 2,0; für Hunde (1,1— 0,2 mit der 10—20fachen Menge Wasser verdünnt.
5)nbsp; nbsp;Als Enhalation bei Erkrankungen des Respirations­apparates: Schnupfen, Bronchialkatarrh, Bronchiektasien, katarrha­lischer Pneumonic, Lungengangrän, Lungenwürmern, Lungenmykose, Hundestaupe; ferner intratracheal gegen Würmer in den Bronchien.
6)nbsp; Als Antiparasiticum bei Räude, namenthch gegen Schaf­räude in Form des Zündel'schen Räudebads. Dasselbe bestellt, aus 1,5 kg rober Carbolsäure, l kg gebranntem Kalk, je lt;i kg Soda und Selunierseife sowie 260 1 Wasser. Am häufigsten wird jedoch die Carbolsäure in Verbindung mit Tabak (siebe diesen) bei Schaf­räude angewandt. Innerlich wurde Carbolsäure gegen die Magen­wurmseuche des Schafes empfohlen (Gerlach).
7)nbsp; Gegen Hautmykosen, besonders Trichophyton tonsurans, sowie gegen Stomatitis gregarinosa.
8)nbsp; Als Aetzmittel bei Strahlkrebs und kleineren Haut­neubildungen.
!•) Zur Desinfection von Stallungen. Düngergruben u. s. w., wozu gewöhnlich die rohe Carbolsäure verwendet wird.
10) Innerlich zur Behandlung von Infectionskrankheiten, indess mit sehr fraglichem Erfolge, so beim Milzbrande (nach Feser gänzlich wirkungslos), bei Lungenseuche, Tuberkulose, Schweineroth-lauf, Wildseuche etc. Am ehesten kann Carbolsäure noch angewandt werden in Form der Inhalation bei der pneumonischen Form der Staupe (Rabe). Von Bräuer wird sie ausserdem subeutan em­pfohlen zur Verhütung des eiizootiscben Abortus beim Rinde.
Contraindicirt ist die Anwendung der Carbolsäure bei Katzen, bei grosser Herzschwäche, bei sehr jungen Thieren sowie bei Sohlaoht-
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214nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oarhnlsiinre.
thioren. I^pi letzteren nimmt nämlich das Fleisch häufig einen inten­siven Oarholgeruoh, z. B. nach Ausspülungen des Uterus mit Oarbol-silurc^ an. Dieser Oarbolgei'UOh theilt sich dem Fleische selbst dann mit, wenn Sclilachttiiiere in Slalliiniien laquo;der Eisenbahnwaggons ein­gestellt werden, welche frisch mit Carbolsäure desinticirt sind. Auch Oarbolsäurevergiftungen heim Menscben sind schon durch den (üenuss eines solchen Fleisches bedingt worden. Aus demselben Grunde eignet sich die Carholsiiure nicht zur Desinfection von Milclihallen, Milch­kammern etc.
Form und Dosis. Chirurgisch wird die reine Carbolsäure am häutigsten in Form des ofticinellen 30/oigen Oarbolwassers angewandt. Beim G-ebrauche wässeriger Lösungen der Carbolsäure hat man darauf zu achten, dass eine vollständige Lösung der Cafbol-säure im Wasser stattfindet; ist dies nicht der Fall, so kann durch die ungelöste Carbolsäure eine schwere Verätzung insbesondere von Schleimhäuten (Uterusschleimhaut) hervorgerufen werden. Ausserdem verwendet man Carholsalho (5 —100/o), Carbolseife (1—100/o), Carbolglycerin (Va—50/o), Das früher häulig benutzte (^arbolöl ist nicht empfehlenswerth. Von antiseptischem Verband- und Nähmaterial sind zu nennen: Carhol-Baumwolle, -Holzwolle, -Jute. -Gaze, -Seide. Catgut, Protektive etc. Zu Inhalationen benutzt man l/3 — ln/oige Lösungen, zu subeutanen Injectionen 2 — 50/nige. Auch zu Priessnitz'schen Umschlägen lässt si(;h das Carbohvasser mit Vortheil bei Haut-, Sehnen-, Muskel-, Gelenks- etc. Entzündungen verwenden. Neuerdings hat man zur bequemeren Herstellung von Carbollösungen in der Praxis die sogenannten Carbolpastillen, also Carbolsäure in fester Form empfohlen.
Die innerliche Dosis der Carbolsäure beträgt: für Pferde 5-10,0. „ Hinder 5—15,0. „ Schafe 1-2,0. ., Hunde 0,05—0,2.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Aqu. oarbol. 500,0. D. S. Wundwassar. Aeosserlioh.
2)nbsp; Rp. Acid, oarbol, 3,0.
Spiritus 300,0. M. D. S. Äensserlioh gegen Otorrhöe.
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Kreosot.
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;i) Rp, Aoid. carbol. 6,0. (ilycorini
Aqn. desüll. iüi 100,0. M. ü. S. Asusserlioh zum Bepinseln (Stomatitis diphtheritioa iles Ge-flügeh).
4)nbsp; it)). Acid, oarbol. orudi 600,0.
D. S. Mit lü 1 Wasser verdünnt zur Desiufeotion eines lliihnerstalls.
5)nbsp; nbsp;Rp. Acid, carbol. liquefaoti 2,0.
Adipis suilli 20,0. M. f, ügt, 1). S. GarboUalbe.
(i) Rp. Aeid. carbol. liquefaoti
Spiritus äTT 50,0. M. I). S. Mit 5 1 Wasser verdümil ZU Infusionen bei Eudometritis.
7)nbsp; nbsp;Rp. Aeid. carbol. liquefaoti
Spiritus ää 5,0. Sapon, virid. 50,0. M. D, S. Aeusserlioh gegen .Räude.
8)nbsp; nbsp;Rp. Aeid. oarbol. liquefaoti 100,0.
Spiritus Frumenti 1000,0. M. D. S. Täglich einen Esslöffel gegen Magenwurmseuohe der Schafe (üerlac li).
('reosotum. Kreosot.
Pharmaceutische Chemie. Das Kreosot ist ein inconstantes Ghe-menge plienolartiger Körper, welches aus dem Buchenholz-tiieer durch fraotionirte Destillation dargestellt wird. Das bei 200 bis 220deg; übergehende Kreosot wird durch Auflösen in Actznatron von den öligen, nicht phenolartigen Substanzen getrennt und dann mittelst Schwefelsäure wieder frei gemacht und rectificirt. Es bildet eine neutrale, klare, schwach gelbliche (aber nicht braune!), ölige, stark lichtbrecbende Flüssigkeit von durchdringendem, ranchartigem Gerüche und brennendem (ieschmacke, vom speci-tischen Gewicht nicht unter 1070, welche sich in 120 Theilen heissem Wasser löst, beim Erkalten aber wieder in öligen Tropfen abscheidet; dagegen lässt es sich mit Weingeist und Aether klar mischen. Die wässerige Lösung (Aqua Creosoti) wird durch Eisenchlorid sehr vorübergehend blau, dann graugrün und zuletzt schmutzigbraun ge­färbt. Die weingeistige Lösung färbt sich mit einer geringen Menge Eisenchloridlösung tiefblau, mit einer grösseren dunkelgrün (Identi­tätsreaktion).
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Kreosot.
Das ofiicinelle Kreosot soll im Wesentlichen nur aus Guajakol = C^H,. OCH3. OH und Kreosol = 0BHa. OH8. OCH,,. OH bestehen.
Prüfung. Das reine Kreosot, soll keine nachweisbaren Mengen von C a rb olsüur e enthalten. Eine ein fache M ethod e , um kleine Mengen derselben im Kreosot nachzuweisen, gibt es aber nicht; die diesbezüglichen Prüfungen können vielmehr nur Carbolsäure in grösseren Mengen nachweisen.
1)nbsp; nbsp;Kreosot soll mit gleichen Theilen Collodium in einem trockenen (ilase geschüttelt keine Gallerte bilden (Carbolsäure scheidet Nitrocellulose gallertig aus).
2)nbsp; nbsp;Wenn man 2 ccni Kreosot mit 20 cera Aetzammoniak schüttelt, so sollen nach längerem Stehen 1,5 cem Kreosot wieder ausgeschieden werden (wenn weniger, so ist dies Carbolsäure, welche sich in Ammoniak gelöst hat),
3)nbsp; nbsp;Das Kreosot soll im Stachen Volum einer Mischung aus 3 Theilen Glycerin und 1 Theil Wasser fast unlöslich sein (Carbolsäure löst sieh leicht darin). Ausserdem soll das Kreosot mit 10 Raumtheilen einer mit absolutem Weingeist dargestellten Kaliumhydroxydlösung (1 = 5) gemischt, nach einiger Zeit zu einer festen krystallinischen Masse erstarren.
Ferner soll sieb Kreosot mit 1 — 2 Theilen Natronlauge klar mischen (Trübung: fremde Thceröle); die Mischung soll beim Verdünnen mit Wasser keinen übelriechenden Theer abscheiden (Naphthalin). 1 Tröpfchen Kreosot auf Lackmuspapior gebracht darf letzteres nicht rötlien, auch wenn das Papier demnächst mit Wasser angefeuchtet wird (S/iuren; z. B. Holz­essigsäure). Endlich soll eine mit Petroleumbenzin hergestellte Kreosot-lösung mit Barythydratlösung sich nicht blau färben (Gehalt an Cilru-lignol, einem sehr scharfen Gifte). Die gewöhnlichen Kreosote des Handels werden von der Pharmakopöe nicht zugelassen, weil sie stark carbolsäure-haltig und daher viel giftiger sind. Sie stammen vom Fichten- und Stein-kohlentheer und enthalten aussei- sehr viel Carbolsäure auch Kresole = 06H4 . 0H8 . OH. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 25 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Kreosot hat eine noch stärkere gährungs-und fäulnisswidrige, sowie antiparasitäre Wirkung, als die Carbolsäure.
2) Es wirkt stark ätzend auf Haut und Schleimhäute; der Aetzschorf ist weisslicli und trocken. Innerlich erzeugt es in con-centrirten Lösungen Gastroenteritis.
-H) Durch seine coagulirenden Wirkungen auf Eiweisslösungen ist es ein blutstillendes Mittel bei parencliymatösen Blutungen.
Anwendung. 1) Als Antisepticum ftusserlich an Stelle der Carbolsäure. Wegen seiner schweren Lösliebkeit in Wasser ist je­doch das Kreosot weniger geeignet und wird seltener angewandt. Es dient insbesondere als austrocknendes, gmnulationsbel'ör-derndes Mittel auf stark secernirenden Geschwüren und Fisteln^
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Kreosot.
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sowie zur Befüi'derung der Abstossung nekrotisoher Gewebe (Knochen, Sehnen),
2)nbsp; Gegen Gährungsprooesse im Magen und Darm, anlaquo; haltendes Erbrechen, Diarrhöe, Ruhr; ferner gegen Magenwtirmer.
3)nbsp; nbsp;Gegen put ride Lungen- und Bronchialal'f'ectioncn, namentlich gegen jauchige Bronchitis, Bronohiektasien und Lungen-gangrfin in Form der Inhalation, intratraohealen Injection und per os;
desgleichen gegen Lungenwtirmer,
4)nbsp; nbsp;Innerlich gegen Tuhcrkulosc (beim Menschen früher und neuerdings wieder empfohlen). Statt Kreosot wird wohl auch reines Guajakol oder eine Verbindung mit Benzoösäure (Benzosol) angewandt,
5)nbsp; nbsp;Gegen Parasiten der Haut, namentlich Räudemilben, Läuse, Trichophyton tonsurans,
6)nbsp; Als A et/mitte 1, x. B, bei Strahlkrebs,
7)nbsp; nbsp;Als blutstillendes Mittel bei parenehymatösen Blutungen.
Form und Dosis. Man verwendet das Kreosot iiusserlicli in Verbindimg mit Wasser (Aqua Creosoti, etwa ln/nig), Spiritus, Oel, Glycerin, Fett, Paraffinsalbe etc.; innerlich als Emulsion, in Kapseln, Pillen, Latwergen. Die innerliche Dosis ist dieselbe wie die der Carbolsäure:
für Pferde und Kinder 5—15,0, „ Schafe, Ziegen und Schweine 1—2,0. „ Hunde 0,(10—0,2. ,, Geflügel 0,01—0,02, Recepte.
1)nbsp; Rp. Creosoti 0,5.
Gummi arab, r),0. Aqu, destill, 150,0. M. D. S. Bstündlioh einen Esslöffel gegen Breohdurohfall beim Hund.
2)nbsp; Rp, Creosoti gutt, II.
l\iiicilag. Ounnui arab, 5,0.
Aqu, destill, 60,0. M, 1). 8. Auf 2mal für einen Kund mit unstillbaren] Erbrechen. 8) Rp, Creosoti '2,5.
I'nlv. Rad. et Succ, (jiquirit, dopur,
lt;|u. s. f. o))e Cerae lluvao I'ilul. Nr, XXV. D. S. Täglioh 1—2 rillen für einen Hund mit fötider Bronchitis, 4) Rp, Creosoti 15,0.
i'nlv. Rad, Liquirit, 60,0,
Fulv. Rad, Althaeae et
Aqu. commun. ijn. s. f, I'ilul. Nr. ill. D, S. Tdglioh eine Pille für ein Pferd mit Lungenbrand,
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218nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Theer.
8) Rp. Oreosoti 25,0. Spiritus 250,0. M. f, Sol. Dlt; S. Acusscrlicli zum Binspritzen in Knoohenflsteln.
(i) Rp, Croosoli
01. Terebinth, ää 10,0. 01. Olivarura 250,0. M. D. S. 2stiiiKllich einen Esslöffel für ein Scliafniit IMagenwunnseuche.
7)nbsp; Rp. Oreosoti 10,0.
Spirit. Prumenti 800,0. M. D. S. 2stündlieli einen Esslöifel für ein Schaf mit Magenwurmseuohö.
8)nbsp; nbsp;Bp. Oreosoti 20,0.
Sapon. virid. 100,0. Spirit. 50,0. M. D. S. Aeusserlich gegen Pferderäude.
9)nbsp; Rp. Oreosoti 10,0.
Olei Olivarum 100,0. M. D. S. Aeusserlich gegen H umleriiude.
IMx Ilqulda. Ilolztheor.
Stammpflanzen: 1) Pinus silvestris, Kiefer!
2) Larix docidua und sibirica, Tjilrclic. Familie: Abietineen.
Pharmakognosie. Der Holztlieer (Tichtenholztheer, Pix liquida picea) ist das Product der trockenen Destillation des Holzes von Abietineen, namentlich von Pinus silvestris und Larix sibi­rica. Er wird im Grossen als Nebenproduot der Holzkohlenberei­tung gewonnen bei dem sogenannten Schwelen des Holzes, indem Holzhaufen angezündet und dann mit Erde bedeckt worden (Kohlen­meiler). Der Holztlieer bildet eine dickflüssige, braunschwarze Masse von eigenartigem Q-eruche, welche durch mikroskopische Kryställchen meist etwas krümlioh ist. Mit Wasser geschüttelt sinkt der Theer unter, wobei das Wasser sich schwach gelblich färbt, Geruch und Geschmack des Theers annimmt und sauer reagirt, Der wässerige Auszug des Theers nimmt bei Zusatz von sehr verdünnter Eisenchloridlösung eine vorübergehend grüne, bei Zusatz von Kalk­wasser dauernd eine braunrothe Farbe an (Carbolreaktion).
Her Holztlieer ist ein variables, sebr inconstantes Gcmengo der verschiedensten, namentlich aromatischen Bestandlaquo; theilc. Er cntbält: Holzessigsäure. Kreosot, Oarbolsäure,
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Theer,
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Naphthalin, Brenzkateohin, Phlorol, Kresol, Benzol, Toluol, Xylol, Paraffin, Pyrokateohin, Pseudooumol, Styrol a. 8. w.
Theersorten. 1) Pix liquid a pioea, dor in Deutschland offi-I'inello Hoi z the er (Resiua oinpyreumatiea li(juida), durch trockene Destillation von Fichtenholz gewonnen, A.P. 10,0 = 5 Pfennig; 100,0 s= 30 Pfennig.
2) Pix Liquida fagea, der Bnohenholztheer, in Oesterreioh offloinell, aus Buchen hol/, dai-gestellt.
;!) Oleuni Juniperi om py reuin a ticu m , Kadeöl, Oleum c adinu in , aus (loin Holze von Juniperus o xy oed r us gewonnen; nicht ZU verwechseln mit dem ätherisciien Wachholderöl, Oleum Juniperi aethe-renni. Das Kadeöl hat einen angenehmeren Geruch als der gewöhnliche Hol/theer. Es ist in Oesterreioh officinell.
4)nbsp; nbsp;Oleum betulinum (Oleum Busci), Birkenholztheer, früher angewandt.
5)nbsp; Oleuni Lithanthracis, Steinkohl ontheer.
Die bei der Destillation des Theers zurückbleibenden festen, harzigen, schwarzen Massen werden als Pix navalis (Pix solida, Pix nigra) oder Schiffspech (Schusterpech) bezeichnet. Dieses Pix solida ist also nicht zu verwechseln mit Pix liquida, dem Theer. Es wird zu Pflastern verwendet und enthält das Reten (C|KH|K).
Aqua picis, Theerwasser, enthält die Holzessigsäure des Theers, Carbolsäure etc, also die in Wasser löslichen Theerbestandtheile. Es wird officinell dargestellt durch Mischen von Theer mit Bimsstein (1 : 3), 5 Mi­nuten langes Schütteln dieser Mischung mit Wasser (2 : 5) und Filtriren. Es bildet eine klare, gelbliche oder bräunlichgelbe, nach Theer riechende Flüssigkeit, welche frisch bereitet oder doch nur für kurze Zeit vorräthig gehalten werden soll. A.P. 100,0 = 20 Pfennig; 200.0 = 30 Pfennig.
Wirkung. 1) Der Theer wirkt durcli seinen (iehalt an Carbol­säure, Kreosot und anderen aromatischen Körpern gährungs- und fäulnisswidrig und ist ein starkes Gift gegen Hautparasiten, insbesondere .Räiideinilben. Die Desinfectionskraft dos Theers ist nach .läger eine sehr bedeutende. So tödtet namentlich der Holztheer nuch bei kurzer Einwirkung die meisten Spaltpilze, sogar die Milz-brandsporen und Tuberkelbacillen, Der Steinkohlentheer ist ein gutes Desinflciens gegen sporenfreie und auch sonst wenig Widerstands-fähige Bacillen, so namentlich gegen H ü liner cholera , Sclnveine-rothlauf, Schweinepest, Sehwoinesenehe. llotz, sowie sporen­freie Milzhrandhacillon; dagegen ist der Steinkohlentheer nn-wirksam gegen Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen.
3) Oertlich erzeugt er auf Haut und Schleimhäuten Röthung, Schwellung und Entzündung; dabei wirkt er adstringirend und
austrocknend.
#9632;1gt;) Innerlich gegeben regt er in kleinen Dosen die Secretion
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Tbeer.
der Verdauungsdrüson an und desinflcirt den Magen- und Darminhalt. In grösseren Dosen erzeugt er Nieronhyperämie und Nierenent­zündung, sowie die Eisclieinungen der (Jai'boisjiure- und Kreosot-vergit'tung: Schwindel, Taumeln, Zittern, Schwäche, Lähmung, Ablall der Innentemperatur, klonisch-tonische Krämpfe sowie dunkelbraune oder dunkelgrüne H a in veri'ärbun g mit Theergerueli des Harns. Katzen sind auch hier am empliiullichsten.
Anwendung. 1) Als Antisepticum und Desinficiens namentlich in der Rindviehpraxia bei Klauenleiden zu Dauerver­bänden (Panaritium, Klauenseuche, Wunden), sowie bei Hufkrank­heiten (Steingalle, Hornspalten, Kronentritte etc.); ausserdem zur Anregung der Granulation, Austrooknung und Beförde­rung der Vernarbung bei schlaffen und jauchigen Geschwüren. Man verwendet ihn entweder rein oder mit Spiritus und Fett (1 :1—10) oder in Pulverform mit Gyps (1:10—20) und Borsäure (1:20—50)5 früher wurde auch das allerdings ziemlich schwache Theerwasser verwendet.
2) Zur Desinfection von Gegenständen hi Seuchenställen (Theeranstrich), so von Balken, Brettern, Stangen etc., ferner des Bodens in Form von Streupulvern (mit Kalk, Eisenvitriol etc.).
;{) Gegen chronische Ekzeme, insbesondere Ee/enia impetigi-nosum (grindartiges Ekzem) und squamosum. Hierher gehört nament­lich auch das chronische Ekzem des Rückens beim Hunde und die Mauke der Pferde. Der Theer macht hier die chronische Entzün­dung zu einer acuten, schneller abkeilenden, beseitigt den Juckreiz und wirkt austrocknend, deckend und dcsinlieirend. Er eignet sich aber nur für chronische, nicht für acute Ekzeme. Man reibt ihn rein oder in Verbindung mit Fett, Spiritus und Seife ein, wobei immer nur 'p der Körperoberfläche auf einmal eingerieben werden darf, und lässt die Einreibung 4—6 Tage liegen. Sehr em-pfehlenswerth ist ein Liniment aus Theer und grüner Seife ää und Spiritus die Hälfte.
4)nbsp; nbsp;(Jegen Milbenräude in beliebiger Form, beim Pferde hiiulig zusammen mit Schwefel, Seife und Spiritus in der Form des „Wiener Tbeerlinimentsquot;, beim Schafe als Walz'sohe Lauge. Ferner gegen pfhm z 1 i cb e Parasite n.
5)nbsp; nbsp;Als leichtes Aetzmittel gegen Strahlkrehs. Früher wohl auch als Vehikel für Scharfsalben statt Fett.
ti) Als reizendes und desinlicirendes Expectorans bei chroni-
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Theer.
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scheu Bronohiten, Bronohiektasien, Lungengangrän, Lungenwormseuobe in Form der Inhalation (Theerdämpfe) oder innerlichen Verabreichung. Desgleichen gegen chronische Nasen- und Sinuskatarrhe, Oestrus-larven etc,
7)nbsp; Als Stonmchicum fllr Wiederkäuer, besonders Schafe, sowie bei abnormen Magengfi-hrungen, Diarrhöe, Ruhr etc. Man benutzt gegen Durchfälle namentlioli das Theerwasser, theils innerlich, theils in Form von Klystieren. Filliatre ein))lle]dt gegen die Killher­ruhr halbstündige Klystiere von je V8 Liter Theerwasser am ersten Tag; hiernach soll gewöhnlich der Durchfall aufhören; am zweiten und dritten Tag erhalten die Kälber Milch mit einem Quart Theer­wasser als Nahrung.
8)nbsp; Als Diuretioum bei eiterigen Nieren- und Blasenleiden.
Dosis und Form. Äeusserlich verwendet man den Theer entweder rein oder als Salbe, Liniment, spirituöse Lösung und als Pulver. Innerlich gibt man ihn meistens in Pillen oder Kapseln, oder man verordnet das Theerwasser. Die Theerinhalationen (Theerräucherungen, Theerdämpfe) werden in der Weise erzeugt, dass man ein heisses (aber nicht glühendes) Eisen in einen mit Theer ge­lullten Topf steckt oder den Theer auf erhitzte Steine resp. Eisen träufeln lässt. Auch Verdampfen des Timers in einer Schale über massigem Keuer ist eine sehr geeignete Uäiicherungsmcthode. Will man die reizende Wirkung der Theerdämpfe mildern, so kann man durch vorhergehende Beimengung von Soda zum Theer die Essigsäure
abstumpfen, innerlich gibt man für
Pferde und Kinder 10,0 — 20,0. Schafe, Ziegen und Schweine 2—5,0. H unde 0,1 1,0. Geflügel 0,1—0,2.
Reoepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. l'icis liquid. 5,0.
Adipis suill. 50,0. M. f. ügt. D. S. Theersalbe gegen Ekzeme, EUude etc.
2)nbsp; nbsp;Rp. Piois liquid. 5,0,
GHycerini 'Ja,!). M. D. S. Aeusserlioh gegen li'ussräudo beiwi Geflügel.
8) Up. Picis liquid. 10,0.
Spiritus 100,0. M. D. iS. Aeusserlioh soj^ai Eozema squamosuni.
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HülzL'Msig.
4) Up. Picis liquid,
Siipmi. vivid, aii .50,0. Spiritus 2.r),0. M. D. S. Tlicerlinimont gegen ohronisohe Elkzeme.
6)nbsp; nbsp;Kp. Piois liquid.
Flor. Siilfm-. aa 100,0.
Sapoili virid,
Spiritus iTii 200,0. M. 1). S. Wiener Tlieerliuimout gegen Pferderäude, (i) Kp. i'icis liquid. 0,5.
D. tal. dos, in oapsul. gelatinös. Xr. X. S. Ttlglioh eine Kapsel für einen Hund mit Broneliialkatarrli.
7)nbsp; nbsp;11p. Piois liquid. 100,0.
I'nlv. Kniet. .Inniperi Xatrii eliloruti erndi ää 10ll0,0. M. f, I'ulv. I). S. Mit. Kcirnersehrut als Lecke gegen Bleiohsuoht für 100 Schafe.
8)nbsp; Kp. Piois liquid. 15,0.
Oerae Bavae 10,0. Sebi ovil, 120,0. M. f. ügt. D. S. Eufsalbe (Hertwig),
9)nbsp; Kp. Pieis liquid.
Plor. Sulfuris iTä 50,0. I'ulv. Rad, Liquirit. 100,0. Farin. seoalin. et
A(|ua fdiilan. qu, s. f. liuli Xr. X. 1'. 8. Tiiglicli 2—1 Kuli für ein l'fcrd mit lAingengangrün.
Acetum pyrolignosnm cnulmn. Hoher Holzessig.
Pharmakognosie. Der rohe Holzessig dliu rohe Holzsäure) bildet sicli neben dem Theer als wässeriges Destillat bei der trockenen Destillation des Holzes. Er stellt eine braune, nach Theer und Essigsäure riechende, in ihren Bestandtheilen sehr ineonstante Flüssigkeit dar. aus der sieh beim Aul'hewahren tbeerartige Sub­stanzen abscheiden. Seine Hauptbestandtheile sind Essigsäure (6—100/o), Holzgeist (Methylalkohol), Aoeton, Essigsäure-M e-thylftther, niedere Fettsäuren bis zur Oapronsäure, Kreosot, Carbolsäure, Brenzkatechin, Oörulignon, Furfurol otc. Nach der deutschen Pharmakopöe soll er frei von Schwefelsäure (Prüfung mit Baryuninitrat) und von iSelnvermetaiien sein (Prüfung mit Schwefel­wasserstoff) und mindestens (lo:o Essigsäure enthalten, A.P. 100,0 = 15 Pfenniff.
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Stinkendes Thierl
22^
Der rectificirte Holzgeist, Ac et um pyroliguosum rectifi-cfitum, wird (lurch Destillation dos rohen gewonnen. Er bildet eine farblose oder gelbliche, klare Flüssigkeit von brenzliclicm und saurem Geruch und Geschmack, welche weniger brenzliche Producte und Essigsäure (4,5quot;/u) enthält als der rohe Holzessig, dagegen mehr Methylalkohol; seine Wirkung ist eine schwächere. A.IJ. 100,0 = 25 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Der Holzessig wirkt durch seinen Gehaltan Kreosot und Carbolsäure fäulnisswidrig und anti-septisch. Er wurde in früheren Zeiten rein oder mit Wasser ver­dünnt (1 :5—10) zum Verbinden oder Bepinseln schlaffer, jauchiger Geschwüre angewandt, auf welche er gleichzeitig adstringirend und secretionsbeschränkend einwirkt, am häufigsten bei Mauke, Brandmauke, Klauenleiden, Hautgangrän, Hufknorpelflsteln, Widerrist-Ksteln und Strahlkrebs. Auch gegen Milbenräude und pflanzlich parasitäre Hautkrankheiten wurde er mit Erfolg angewandt,
2)nbsp; nbsp;Früher wurde der Holzessig häufig zur Desinfection von Seuchenstallungen angewandt. Er ist ein ziemlich stark wir­kendes Desinflciens. Nach Koch kommt seine desinticirende Kraft derjenigen einer 50/oigen Carbolsäurelösung gleich.
3)nbsp; nbsp;Innerlich wurde der Holzessig früher gegen Tympanitis und Infectionskrankbeiten gegeben. — In grossen Hosen erzeugt er namentlich bei kleineren Thieren das Bild der Carbolsäure-Vergiftung. Frühere Dosis: Pferde und Kinder 50—100,0; Hunde 0,5—1,0.
t Oleum animale foetldum. Stinkendes Thleröl.
Pharmakognosie. Das stinkende Tliieröl (Oleum animale foetidum-, Oleum animale emp v reuma.t ieu m ; Oleum Oornu Cervi, Hirschhornöl) ist ein durch trockene Destillation thie-ri'scher Abfälle, wie Knochen, Horn. Hirschhorn, Leder etc. ge­wonnener Theer. Es bildet eine dicke, seh war/braune, ölige oder theerartige Masse von äusserst üblem Q-eruche und besteht aus einem wechselnden, sehr inconstanten Gemenge von Aminhasen, Ammonium Verbindungen, Pyridinbasen, Kohlenwasser­stoffen und Phenolverbindungen. Seine Bestandtheile sind; Me­thylamin (OHg.NHj), Propylamin ((':ill7. NHJ. Pyridin (CgHjN),
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Stinkendes Thieröl
Pikolin (08H7N), Pyrrol (04HBN), Cyanammonium, Ooi'bolsäure, Kreosot, Essigsäure etc, A.P. 100,0 = 20 Pfennig.
Oleum animale aethereum (Oleum animale reotifioatum, Oleum animal e Dip pel ü, Cither is oh es oder reotif ioir tea Thieröl), Dasselbe hat im Wesentlichen dieselbe Zusammensetzung wie das stinkende Thieröl; seine Farbe ist hellbraun, Es wird aus dem stinkenden Thieröl durch wiederholte Destillation gewonnen. A,P, 1,0 = 5 Pfennig,
f Oleum Chaberti (Oleum contra taeniam Chaberti, Oleum anthelminthicnm, Ohabert'sohes Oel. Dasselbe wird dargestellt durch Destilliren einer Mischung von 1 Theil stinkendem Thieröl und 3 Theilen Terpentinöl. Es wurde früher als Wurmmittel Pferden und Kindern y,u 25—75 g, Kälbern, Füllen, Schweinen und Schafen zu 1,5 — 3,0, Hunden zu 1,0'—4,0 gegeben.
f Russ (Fuligo splendens, Glanzruss), Derselbe enthält die Be-standtheile des stinkenden Thieröls und Theers neben Kohle. Er wurde früher wie das stinkende Thieröl als Desinliciens, Antiscpticuin, Anthel-minthicum und Antiparasiticuin angewandt, sowohl äusserlich als innerlich (Pferden und Rindern zu 15—45 g, Schalen und Schweinen zu 5 -10 g).
Wirkung und Anwendung. Das stinkende Thieröl. welches früher sehr häufig angewandt wurde, wird heutzutage wegen seines ilblen Q-eruches, welcher sich dem Fleische und der Milch mittheilt, seiner Giftigkeit und Inconstanz nur selten mehr gebraucht. Früher wurde das Oel nach folgenden Richtungen hin verwerthot:
1)nbsp; Als Antisepticum bei Ilblen Geschwüren, Klauenseuche eto.; namentlich im Sommer auf Wunden, um die Fliegen abzuhalten.
2)nbsp; nbsp;Als Excitans innerlich bei Schwäche- und Lähmungszu-ständen des Herzens und Gehirns (Gehalt an Aramoniumverbindungen).
3)nbsp; nbsp;Als A ntlielmintii icu m gegen Eingeweidewürmer.
4)nbsp; nbsp;Als krampfsti llendes Mitte! bei Krampfkolik u, s. w. (Pyridingehalt),
5)nbsp; Als Räudemittel, namentlich zur Behandlung der Schaf­räude. Das älteste Räudebad, die Walz'sohe Lauge, enthält als Hauptbestandtheil das stinkende Thieröl (1,5 kg stinkendes Thieröl, je 1 kg Theer, frisch gebrannten Kalk und Pottasche, 50 I Rinder­harn und 200 1 Wasser). Die Walz'sche Lauge ist jedoch in dieser Zusammensetzung zu sehwach und muss mindestens 3mal nach einander angewandt werden. Neuerdings ist das Dippel'sohe Oel auch gegen die Aoarusräude der Munde empfohlen worden.
Die innerliche Anwendung geschah gewöhnlich in Pillenform oder als Kinguss (Pferde 5—25.0; Rinder 10—50,0; Schafe 2-10,0;
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Oreoliüi
Schweine 1—5,0; Hunde 0,05—1,0; Geflügel 0,05~=rO,2). Eine gif-tige Wirkung (Lähmungserscheinungen, Oonyulsionen) beohachtet man bei Pferden von 90 g, bei Hunden von 10 g ab. 150 g sind
für Pferd(
für Hunde tödtlicli.
Recepte.
Kj). 01. animal, foetid.
01, Terebinthin. iTTT 50,0.
Alors pulv. 30,0.
Pulv. Und. Älthaeae el Aqu. f'outau. qu. s. f, l'ilul. Nr. IV. 1gt;. S. Tamp;glioh 2 l'illcn für ein Pferd mit Spulwürmern.
•}• Oreollnum. Creolln.
Pharmakognosie. Das Creolin ((Jreoliiunn anglicum, Oreo­llnum Pearson) ist ein Nebenproduct der Carbolfabrikation. Es wird iius Steinkohlenkreosot nach Entfernung aller Oarbolsäure durch Zusut/ von Sarz und Soda dargestellt. Der genauere Vor­gang hiobei ist der, dass die im Kreosot enthaltenen, im Wasser an .sich unlöslichen höheren Homologe des Phenols, besonders die Kresole, durch Soda in lösliche Natronsalze (Kresolnatrium) resp. durch Natronharzseife in eine emulsionsfähige Form llbergeführt werden.
Das Creolin bildet eine dunkelbraune, syrupöse, tiieer-artige, klare Flüssigkeit von theerähnhchem resp. rauchartigem Gerüche quot;und aromatischem, später brennendem Gesohmaoke. Tropfen­weise ins Wasser geträufelt bildet es zuerst weissliche Wolken, welche sich bald ZU einer milchigen, gleichför­migen Emulsion vereinigen; diese Lösung resp. Emulsion in Wasser reagirt schwach alkalisch und klärt sich selbst nach Wochen nicht. Die möglichst vollkommene Emulsion des Creolins in Wasser liegt bei S1/laquo;0/laquo;). In Weingeist löst sich Creolin in jedem Verhältniss zu einer braunen, je nach der Concentration fluorescirenden, klaren Flüssigkeit. Das specifisohe Gewicht beträgt 1040—1080. Das Lösliehkeitsverhältniss des Creolins zu verschiedenen Flüssigkeiten ist genauer folgendes. Es löst sich klar in absolutem und 950/oigem Alkohol in jedem Verhältnisse, in verdünntem Alkohol 1:7, in Aether in jedem Verhältnisse, in Petroleumäther nur theil-weise, in Chloroform und Schwefelkohlenstoff sehr leicht,
Kriihuer, Arzncimittollclire. :). Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 .quot;i
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22(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oreolln.
dagegen ist es unlöslich in Holzgeist. Die Emulsion in angesäuertenlaquo;
Wasser ist bräunlich (Störung der Emulsion durch die Säure), in
alkalisch gemaohtem Wasser lehmgelb und sehr lange anhaltend. Mit Q-lycerin gibt Creolin eine brftunliohe, lehmai'tige Emulsion. Beim Erhitzen im Glasrohre gibt Oreolin Dämpfe ans, welche Lackmuspapier blau färben (alkalische Reaktion).
Die wichtigsten Bestandtheile des Oreolins sind folgende: Ort ho­und Metakresol (06H4.OH.CHa), Xylenol ((;,H;1.OH.CH.).CH.,), Phlorol (C\iH1.()H.CVlE1), Leukolin (09B:7N), Naphthalin (O10H8), Anthraoen (C^H^), und diverse andere Kohlenwasserstoffe sowie Harz (Ahietinsäure); die Aschehestamltheile bestehen wesent­lich aus kohlensaurem Natron und Spuren von schwefelsaurem Natrium und Chlornatrium. Oarbolsäure ist im Creolin nicht oder nur in minimalen Spuren vorhanden.
Die neueren quantitativen Analysen haben ergeben:
Kresole............10—130/o
Kohlenwasserstoffe (Naphthalin etc.) . 45—550/o
Harz.............25—300/o
Basen (zur Chinolingruppe gehörig) circa, 30/o Aschebestandtheile (Natrium etc.) circa, 2n/o
Wasser circa..........50/o
A.P. 10,0=10 Pfennig; 100,0 = 60 Pfennig. D.P. 1 Liter = 1 Mark 70 Pfennig; 5 Liter = 7 Mark; 25 Liter = 82 Mark 50 Pfennig.
Die wirksamen Bestandtheile des Oreolins. Die vielfach erörterte Frage, welches die wirksamen Bestandtheile im Creolin sind, ist durch eine üntprsuchung von Heule aufgeklärt worden. Darnach ist festgestellt, dass die desinficirende Kraft des Oreolins auf der Anwesenheit von drei Kör­pern in demselben beruht: 1) dem Oreolinöl (Kohlenwasserstoffen), 2) den höheren Homologen des Phenols (Kresolen), 55) der Harzseife. Diese drei wirken jedes für sich antiseptisch; merkwürdigerweise wird aber die antiseptische Kraft des Oreolins von der Gosammtwirkung der genannten Körper nicht erreicht. Es liegt beim Oreolin also ein Fall von sogenannter combinirter Arzneiwirkung vor, d. h. die betreffenden Körper bringen durch gegenseitige Steigerung ihrer antiseptischen Wirkung einen viel grösseren Gesainmtcffect zu Stande, als sich aus der einfachen Addition der Wirkung der einzelnen ergeben würde. Weiter ist es gelungen, durch Mischung der einzelnen (käuflichen) Bestandtheile künstliche Emulsionen herzustellen, welche an antisoptischor Kraft der Wirkung des englischen Oreolins vollkommen gleichkamen. Henle gibt zwei Recepto über die, Zu­sammenstellung derartiger Mischungen an: 1) Kresol, Oreolinöl und Harzseife äa., 2) Oreolinöl (indifferente aromatische Kohlenwasser­stoffe) 2,5, Oarbolsäure 0,.r), Harzseife 1,5.
Die Creolinsorten des Handels. Das englische Oreolin ist Mitte der siebziger Jahre von .leyes in London entdeckt und im Jahre 1887 von
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Crcoliii.
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Pearson in Hamburg eingeführt worden. Die ersten wissenschaftlichen Untersncliungen über dieses Croolin sind in Deutsebland von mir in dem­selben Jahre angestellt worden. In den lot/.ten .Jahren sind nun zahlreiche Nachahmungen in Deutschland, Oesterreieh, Holland etc. unter dem Namen „Oreolinquot; in den Handel gelangt. Als solche Nachahmungen sind ZU bezeichnen das Artmann'sche Creolin (Braunschweig), das Hauffsche (Feuerbach), das Franck'sche (Brandenburg), das Wiener Creolin (Creo-linum Viennense), das hollilndischo Creolin (Maatsohappij voor ohemisohe Industrie in Amsterdam) und andere. Von diesen Creolineii scheinen nur das holländische und ungarische Creolin dem englischen an Zusammensetzung und Wirkung gleich zu kommen (Forster, Münch. med. Wochenschr. 1889, Preisz, Veterinarius l^fll). Dagegen muss das Artmann'sche Creolin als eine minderworthigo Waare bezeichnet werden. Weyl (Berliner hygieinisches Institut) hat bei einer vergleichenden Untersuchung des eng­lischen und Artinann'schen Creolins gefunden, class beide sich in Zu-sammenset/.ung und Wirkung aufs wesentlichste unterscheiden und nicht viel weiteres gemein haben, als den Namen. Henle (Göttinger hygieinisches Institut) ist auf Grund seiner Untersuchungen zu dem Resultate gekommen, dass die desinfieirendc Kraft des Artmann'schen Creolins eine höchst ge­ringe ist, eine so geringe, dass man dieses Präparat mit gutem Gewissen zu den desinticirenden Mitteln gar nicht, zählen darf. Behring (Zeitschrift für Hygieine 1890) ist hei seinen Untersuchungen zu dem Schlüsse ge­langt, dass das Artmann'sche Creolin im Vergleiche zum englischen eine nennenswerthe üesinfectionswirknng nicht besitzt. Preisz endlich hat ebenfalls gefunden, dass von allen untersuchten Creolinsorten des Handels (5) das Artmann'sche die schwächste desinfieirendc Wirkung zeigt. Nach Lies kommt es jedoch dem englischen als Käudeinittel gleich.
Wirkung. 1) Das englische Creolin ist ein Antiseptioum und Desinficiens ersten Ranges. Ks ist zuniiclist ein Speoifioum gegen die Tuberkelbacillen, welche durch eine 30/oige Oreolinlösung sofort vernichtet werden. Hierin sowohl wie auch als Desinficiens für die Oberfläche des thierischen Körpers ist das Creolin der Carbolsäuro und dem Sublimate weit überlegen. Das Wuthgift wird durch eine l0/oige Oreolinlösung nach 3 Minuten vernichtet (durch eine 20/oige Oarbollösung erst nach 2 Stunden). Die Bakterien des Holzes, des Schweinerothlaufos, der ECtihnercholera, die Milzbrandbacil-len, die Eiterkokken etc. werden durch eine; 30/oige Oreolinlösung rasch getödtet. Die Milzbrandsporen sterben in derselben Lösung nach 2 Tagen ab (eine 50/oige Oarbollösung tödtet sie selbst nach SOtägiger Einwirkung nicht mit Sicherheit). Die entwicklungs­hemmende Wirkung des Oreolins auf Bakterien beginnt sohon bei einer Verdünnung wie i : 15,000. (Bakteriologische Untersuchungen von v. Esmarch, Eisenberg, Jäger, Behring, Baumgarten, Henle, Weyl, Büchner, Beer, Peuch, de Blasi und Russo-Travnli u. A).
2) Das Creolin ist das beste bisher bekannte Desodorans.
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228nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oreoliii,
Schon eine l00/ooige Oreolinlösung wirkt auf sehr üble Q-erüohe fast augenblioklioh desodorisü'end, während die Oarbolsfture erst bei 50/oiger Lösung eine desodorisirende Wirkung hat (Gerlach, v. Es mar oh, Eisenherg.)
3) Das Oreolin gehört zu den stärksten antiparasitären Mitteln, welches wegen seiner gleichzeitigen üngii'tigkeit den siimmtlichcn andern vorzuziehen ist. Es ist zunächst ein vorzügliches Riludemitlel und zwar sowohl gegen die Dermatodektes-Räude der Schafe, als auch gegen die Sarooptes- und A ear us-Räude der Hunde, die Dermatophagus-Eäude der Kaninchen und Derinatoryktes-Eiiudc des Geflügels (Fröhner), Nach den Beohachtungen von Müller (Sächsischer Veterinärbericht pro 1888), welcher eine grössere Anzahl (18) neuerer und älterer Rliudeniittel mikroskopisch auf ihre Wirk­samkeit gegen Acarus, Sareuptes und Dermatoryktes untersucht hat, wirken nur Kreosot, Oreolin, The er, Thieröl und Peru­balsam auf säinnitliche ;gt; Arten in nahezu gleich kürzester Zeit tödtlich ein; Carbolsäure, Arsenik, Sublimat, Tabak, Schwefelleber. Ichthyol, Naphthol, Oxynaphthoesäure, Petroleuni etc. wirken ganz wesentlich schwäclier und nur auf ejnzelne der genann­ten Räudearten ein, Naphthalin und Quecksilbersalicylat sind ganz wir­kungslos gegen sämmtliche derselben. — Ein sehr wirksames Mittel ist Oreolin gegen Gregarinen (Hülinerdiphtheritis). Endlich ist es ein sehr gutes Mittel gegen Ungeziefer der Haut, wie Zecken. Läuse, Lausfliegen, Eaarlinge, Federhnge, Flöhe, Fliegen. Es wäre namentlich auch als Prophylacticuin gegen die Dasselfliege des Rindes zu versuchen. Ich habe speciell mit der Schafzecke (Tecke, Schaflausfliege', Melophagus ovinus) eine. Reihe von Versuchen ange­stellt. Kräftige, ausgewachsene Zecken wurden durch einige Tropfen 30/oige Oreolinlösung nach 10 —12 Minuten, durch einige Tropfen 's- und [quot;/oige Oreolinlösung nach lquot;raquo;—20 Minuten getödtet. Räude-kranke, mit zahlreichen Zecken behaftete Schafe wurden durch ein einmaliges Creolinbad (21,a quot;,o'g) vollständig von den Zecken befreit.
4)nbsp; nbsp;Oegen parenchyma tose Blutungen wirkt Oreolin blutstillend in Folge seiner Eiweiss-coagulirenden Eigenschaft. Auf letzterer be­ruht auch seine adstringirende und secretionsbesc-hränkende Wirkung (Kortüm).
5)nbsp; Auf Schleimhäuten und innerlich verabreicht wirkt Oreolin selbst im unverdünnten Zustande durchaus nicht ätzend, vielmehr erzeuirt es nur einen brennenden Oeschmack. Im Harn wird es zum
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Creolin.
22tgt;
Theil als Naphthalin, zum Thcil in der Form von Sulfonsäuren der höheren Eomologe ilus Phenole auagesohieden, wobei sich der Harn zuweilen dunkelbraun l'iiibt.
8) Man kann Thieren vorhftltnissmässig sehr grosse Dosen englisches Oreolin ohne jede Intoxications-erscheinung innerlich verabreichen. Ich habe beispielsweise einer älteren, kleinen Versuchskuh 250 g Creolin auf einmal ein­gegeben, ohne irgend welche uuangenehme Nebenwirkung dabei zu beobachten; nur die Milch zeigte darnach einen leichten brenzlichen Geschmack. Pferde ertrugen 50 und 100 g ohne jede Reaktion. Ein mittelgrosser Hund bekam 50 g Creolin auf einmal einge­schüttet ; er zeigte nicht einmal ein Sistiren der Kutteraul'nahme. Andern Hunden gab ich 4 Wochen hindurch täglich je 2 g Creolin
ohne giftige Allgemeinwirkung. Ziei
en
ib ich 10 und
amp; K ein
ohne jede Reaktion. Schafen wurden 25 g (= 1 Liter einer i£lJ30lnigamp;n Lösung) ohne jede Spur einer sichtbaren Nachwirkung gegeben.
7) Ausgedehnte Einreibungen von Creolin auf die Haut werden ebenfalls in jeder Concentration immer sehr gut ertragen. Von etwa 2000 räudekranken Hunden, welche mit 100/oigem Creolin behandelt wurden, ist mir kein einziger erkrankt. Auch bei den zahlreichen Bade versuchen mit räudigen Schafen (es wurde im Ganzen 25mal gebadet) habe; ich niemals auch nur eine Andeutung von Vergiftung beobachtet. Unter den im Jahre 1888 mit englischem Creolin in Preussen gebadeten 20,000 Schafen ist eben­falls kein B1all von Vergiftung aufgetreten.
Auch andere experimentelle Beobachter haben die Ungiftig-keit des Creolins für grössere Hausthiere bestätigt (Schäfer, Eisenberg, Albrecht u. A.). Professor Albrecht gab Hunden innerlich80 g, Schafen 20 g, Pferden 00g, Rindern 150 g unverdünntes Creolin ohne üble Folgen ein und ist der Ansicht, dasa diese Thiere noch viel grössere Dosen ohne Nachtheil ertragen. A Ihr echt hat seine Erfahrungen dahin zusammengefasst; dass das Creolin sowohl bei der innerlichen, als bei der änsserlichen Benützung selbst in einer Concentration und Dosis, wie sie überhaupt je bei Krankheitsfällen in Q-ebrauch kommen dürften, absolut ungiftig ist. In derselben Weise haben sich sehr zahlreiche praktische Thierftrzte geäussert (Bayer. Wochenschrift für Thierbeilkunde 1889—1801; Sächsischer Jahresbericht 1880 —1801 n. a. ().).
Die Ungiftigkeit dos englischen Creolins ist mehrfach angefochten worden. Zuerst hat Neudörfer dieselbe in Frage gestellt, weil er nach
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280
Oeolin.
der intravenösen Injection von 2 g unverdünnten Oeolins in die Jugularis resp, Cruralvone bei einein Hunde plötzlichen Tod eintreten sah. Daraufhin habe ich gezeigt, dass dem Neudö r t'er'schen Versuche ofi'enbar keine echte, chemische Vergiftung, sondern eine rein physikalische Todesursache zu Grunde gelegen hat, niinilich die Verstopfung der Ijungencapillaren durch das in der Emulsion körperlich, in Form von Kügelchen vorhandene Creolin, und dass sich durch die Injection von Oel oder anderen Emulsionen, z. 13. von Milch, dasselbe Resultat erzielen lasse. Weiter habe ich ausgeführt, dass bei der direkten Injection ins Blut auch ganz unschuldige Körper giftig wirken können, wie die durch destillirtes Wasser, Glycerin etc. hervor­gerufenen Blutveränderungen mit tödtlichem Ausgange beweisen. Ich habe endlich daran erinnert, dass man nach dem gewöhnlichen wissenschaftlichen Sprachgebraucho unter Gift ein Mittel verstehe, das bei gewöhnlicher Anwendungsweise schon in v c r li ii 11 n i ssm ässig klei n en Dos en schädlich resp. tödtlich wirkt, und class, mit diesem Maassslabe gemessen, das Creolin nach meinen und anderweitigen vielseitigen Erfah­rungen als un giftig zu bezeichnen sei. In einem zweiten Fall einer an­geblichen Oreolinvergiftung bei Pferden nach dem Einreiben einer 7'/a0,'laquo;igen Creolinlösung habe ich den Eeweis für das Vorhandensein einer Vergiftung nicht als geliefert erachten können (Zeitschrift für Veterinärkunde 18iV,)).
Die Ungif'tigkeit des Creolins in praxi wird auch durch die Unter­suchungen von Pentzold (Lehrbuch der klinischen Arzneibehandlung 1889), Engel tibid.), Behring (Deutsche Militärärztliche Zeitsehr. 1888), Baum­garten (Oentralblatt für Bakteriologie und Parasitonkunde 1889), und Kaupe (Dissertation, Würzburg 1889) nicht widerlegt. Denn dieselben haben nur ergeben, dass das Creolin in relativ g rossen Gaben bei kleinen Thieren (Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten, Mäusen), und zwar insbesondere bei suboutaner und intr a peritonea ler Application ein Krampfgift ist. In grossen Gaben ist, aber bekanntlich z. B. auch das Kochsalz ein Gift, ohne dass man dasselbe deshalb im gewöhnlichen wissenschaftlichen Sprach-gebrauohe als laquo;Gift bezeichnen würde. Die gewöhnliche Applications-methode des Creolins bei der praotischen Verwendung desselben ist die epidermatische und stomachicale; hiebei ist es ganz ent­schieden un gif tig. Nach Behring ist. es sogar nach subeutaner Ap­plication schwer, grösseren Thieren in kürzerer Zeit die tödtliche Creolin-dosis beizubringen. Nach Pentzold ist das Creolin selbst für Kaninchen bei subeutaner Anwendung nur in geringem Grade giftig, indem die tödtliche Dosis erst bei ca. 0,:M pro Kilo Körpergewicht liegt.
Das an sich ungiftige Creolin kann inclcsson, wie neuere Beobach­tungen bei Pferden (Zeitschrift für Veterinärkunde 1890) gezeigt haben, giftige Wirkung erlangen, wenn es nämlich zersetzt wird, d. h. wenn die im Creolin gebunden enthaltenen Kresole frei werden. Während diese Kresole in ihrer Verbindung mit Natrium irn Creolin un­giftig sind, zeigen sie als freie Kresole starke Giftigkeit. Wenn beispiels­weise eine Creolinlösung mit Essigsäure zusammengebracht wird, so macht diese Säure die Kresole aus ihrer Verbindung frei, indem sie die Emulsion aufhebt. Thatsächlich hat man bei Pferden, welche gegen Läuse zuerst mit Essig und dann mit Creolinwasser gewaschen wurden, die Erscheinungen einer Kresolvergiftung beobachtet.
Anwendung. 1) Das Creolin ist das zur Zeit am häufigsten angewandte cliirurgische Antisepticum in der thierärztlichen Pra-
J,_______________
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ClTOÜll.
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xis, welches wegen scinor Niohtgiftigkeit und Billigkeit der Oarbollaquo; säure, dem Jodoform und Subliniiit entschieden vorzuziehen ist. Es wirkt ausserdem hervorragend grauulationsanregend und befördert namentlich die Abstossung nekrotisoher Q-ewebstheile, weshalb es sieh hauptsächlich auuh hei (^uetseiiwiinden eignet. Durch seine blut­stillende Wirkung' bedingt es bei Operationen einen geringeren Blutverlust aus den capiliaren tietassen und erleichtert das Aut'tinden der kleineren, spritzenden Arterien. Nach Neudörfer ist das Creolin „für die Land- wie für die FCriegspraxis das verlässlichste, bequemste, hilligste und unschädlichste Antise|iticuinquot;. Alan heniitzt zur Des-
infection von Wunden und Geschwüren eiiu
!raquo;ige, wäh-
rend der Operation eine l/20/oige, wässerige, möglichst frisch dargestellte Oreolinlösung; als Streupulver auf Wunden und Geschwüre eine 2n/0ige Mischung von Creolin und Borsäure.
2) Als ungiftiges Desinficiens und Desodorans in der Ge­burtshilfe zur Ausspülung des Uterus und der Geburtswege bei Geburten, hei zurückgebliebener Nachgeburt, gegen Endometritis catarrhalis und purulenta, jauchige; Metritis etc. für alle Thiere; insbesondere aber eignet sich das Creolin für die Rindviehpraxis wegen der Gefährlichkeit des Sublimats. Es wird in '/s bis l0/oiger Lösung zur Ausspülung des Uterus angewandt. Nach den mitge-theilten Erfahrungen zahlreicher Thierärzte (Bayer, thierärztl. Wochen­schrift 1889—1891; Sächsischer Jahresbericht 1889—1801 u. a. O.) ersetzt das Creolin bei den Ausspülungen der Geburtswege während und nach geburtshilflichen Leistungen, sowie bei Ausspülungen des Uterus vor und während der Ahnahme der Nachgeburt den Sublimat nicht nur vollständig, sondern hat neben seiner Ungiftigkeit einen entschiedenen Vorzug vor demselben wegen seiner eminent dosodo-risirenden Wirkung. Ein weiterer Vorzug der Creolinlösungen liegt darin, dass dieselben die Geburtswege schlüpfrig machen, so dass die Entwicklung des Fötus leichter vor sich geht.
8) Für die Desinfection verseuchter Stallungen und Gegen­stände aller Art, speciell zur Desinfection bei Tuberkulose ist das Creolin in Form einer 2—50/oigen wässerigen, frisch hergestellten Lösung sehr wirksam. Auch Greolindesinfectionspulver zum Ein­streuen in Stallungen, Jaucherinnen, Jauchebehälter etc. können ver­wendet werden. Zur Desinfection der Hände benützt mau Creolin-seife. Das Creolin hat vor anderen Desinficientien aussei1 seiner Niohtgiftigkeit auch noch den grossen Vorzug voraus, dass es in concentrirtein Zustande nicht ätzend wirkt, wie z. B. (Karbolsäure
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Cieolin.
oder Sublimat, straquo; ilnss os also dem Laien unbedenklich in die Hand
gegeben werden kann.
I) Als wirksamstes, hilligstes, einfachstes und dabei durchaus
ungiftiges Räudemittel namentlich gegen Sarcoptes-, Dermato* dektes-, Dermatoryktes- und Aoarus-Räude.
a. Gegen Sohafräude (Dermatodektes und Sarcoptes) empfiehlt sich nach meinen Versuchen das nachfolgende Verfahren: Die Schafe werden womöglich geschoren. Unumgänglich nothwendig ist die Schur vor der Creolinbeliiindluug jedoch nicht; ich habe vielmehr 8 räudige Schale mit gutem Erfolge und ohne Benachtheiligung des Wollstapels in der Wolle gebadet. Es ist indessen bei nicht ge­schorenen Schafen etwa die doppelte Menge der Badefltissigkeit nöthig. Nach der Schur werden die sichtbar räudigen Körper­stellen, namentlich die Kren/-, Rücken- und Halsgegend einige Tage (3—5) hindurch bis zur Aufweichung der Borken mit einem Creolinliniment eingerieben. Das Oreolinliniment besteht aus einem Tbeil Creolin, einem Theil Spiritus und acht Theilen grüner Seife. Diese Einreibung bildet einen wesentlichen, integrirenden Bestandtheil des Kurverfahrens (vorbereitende Schmier kur).
Die auf diese Weise vorbereiteten Schafe werden nun zweimal mit einer wässerigen Lösung von englischem Creolin gebadet; /wischen dem ersten und /weiten Bad liegt ein Zwischenraum von sieben Tagen. Die Badeflüssigkeit ist eine 2'.a gt; ige Creolin lösu ng in Wasser (6,5 Liter Creolin auf 200 Liter Wasser für 100 Schafe); sie wird durch einfaches Zugiessen des Creolins zum warmen Wasser (80quot; R.) und Umrühren desselben hergestellt. Die Bade­flüssigkeit darf weder zu kalt noch zu beiss sein. Selir hartes Wasser ist wegen Störung der Emulsion hiebei womöglich ZU vermeiden. Jedes Bad dauert ;i Minuten; nach jedem Bade wird das betreffende Schaf mindestens .quot;{Minuten nachdrücklich mit Bürsten am ganzen Körper gerieben und schliesslich noch einmal kurze Zeit ins Bad eingetaucht. Das Halten des Schafes im Bade, sowie die übrigen Manipulationen sind dieselben wie bei den anderen Räudebädern. Während der Behandlung hat man sich vor jeder llebereilung zu hüten, und es sind namentlich die ausfüh­renden Arbeiter immer bezüglich der richtigen Ausführung oben ge­nannter Massregeln zu controliren. Durchschnittlich lassen sich nach dieser Methode etwa 100 Schafe in einer Zeit von 8 Stunden baden. Die Kosten eines Bades betragen 8—10 Mark Ein drittes
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Oreolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ö33
Hiiiiilehiid wird nur bei ungenügender Durohführung der I)(3sclii,i(!-benen Massregeln notbwendig werden. Das Creoliulwd dürfte sich von den anderen Bäudebädern (Tabak-, Carbol-, Sublimat-, Arseniklaquo; bäder) hauptsächlich durch seine üngiftigkeit, einfache Berei­tungsweise und Billigkeit vortheilhaft unterscheiden. Auch die Wolle wird durch ( Veolin weder verfärht. noch schädlich beeintiusst, wie dies beim Tabak, Arsenik etc. immer der Fall ist.
Nach dem beschriebenen Verfahren sind im Jahre 1888 in den verseuchten Kreisen Preussens auf Anordnung des Landwirthschai'ts-Ministerinms circa 20,000 Schale mil gutem Erfolge und ohne Jeden Verlust gebadet worden, weshalb die Creolinbäder durch ministeriellen Erlass vom 20. Februar 1889 für Preussen allgemein angeordnet worden sind. Dieselben günstigen Erfahrungen sind auch anderwärts mit Creolin erzielt worden. So hat Hezirksthierarzt Holion-leitner 2OO0 Schafe im Bayerischen gebadet und rühmt neben der guten Wirkung vor Allem die üngiftigkeit des Oreolins, indem selbst hochträchtige Mutterschafe und 2 —;gt; Tage alte Lämmer die Creolin­bäder ohne jeglichen Nachtheil ertrugen. Aehnliche günstige Re­sultate haben Flemming, Ritz, Heller, Schilfarth u. A. beobachtet.
b.nbsp; nbsp;Die Sarcoptesrftude der Hunde wird ebenso sicher und ungefährlich wie die Schafräude durch Creolin geheilt. Es empfiehlt sich nach meinen Erfahrungen, welche ein Material von etwa 2000 ge­heilten Fällen umfassen, am besten ein Creolinlininient, welches aus gleichen Theilen Creolin und grüner Seife und 10 Theilen Spiritus zusammengesetzt ist. Dieses Liniment wird täglich an den räudigen Stellen eingerieben; bei ausgebreiteter Räude wird täglich nur ein Drittel der Körperoberfläche behandelt und der ganze Körper dreimal hinter einander damit durchgerieben. Nach etwa 14 Tagen wird das Liniment sodann abgebadet, am besten mit 21/20/nigem (Veolinwasser, in welches durchaus räudige Hunde womöglich mit dem ganzen Körper eingetaucht und einige (2—3) Minuten darin belassen werden. Bei sehr feinhäutigen Hunden empfiehlt es sich, statt der reizenden grünen Seife die mehr neutrale Sapo kalinus zu verschreiben. Durchschnitt­lich genügt eine 2—Swöchentliche Behandlung.
c.nbsp; nbsp;Der Acarusa nsschlag der Hunde ist bei noch nicht allzu ausgedehnter Verbreitung durch Creolin heilbar, wenn dasselbe sehr concentrirt zur Anwendung gelangt. Es ist nach meinen Erfahrungen zu empfehlen, die erkrankten Stellen täglich mehrere Male entweder mit reinem Creolin oder mit einer Mischung von Creolin und Spiritus ää
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Oreolin
SO stark einzureiben, dass cine leiohte Entzündung an der einge­riebenen Stelle auftritt. Die so behandelten Stellen sollen pro Tag die Grosse eines Handtellers nicht übersteigen. Auch andere Beob­achter (Heller, Real) hellen die Wirksamkeit des (h'eolins gegen Acarusräude hervor.
5) Zur Behandlung der Cil el'l ügel-Diphtheri t is in Kenn einer 2—50/oigen Wässerigen Lösung, mit welcher die erkrankten Stellen der Maul- und Kehlkopisehleiinhaut täglich mehrere Male bepinselt werden. (Jleiehzeitig ist eine Desinfection des Stalles mit einer 1—30/oigen Oreolinlösung anzuordnen. — Von sonstigen Parasiten, welche durch (Jreolin wirksam bekämpft werden, sind zu erwähnen: Läuse, Haarlinge, Zecken, Flöhe und Bremsen; das Creolin wird gegen dieselben in Form von Bädern (1—30/o) oder von wieder­holten Waschungen mit 30/oig6r Lösung angewandt. Nach Gross gehört das Creolin zu den besten Mitteln gegen Läuse; er empfiehlt beim Pferde die Auftragung einer 5quot;/laquo;igen Lösung mittelst Bürsten; nach 6 'Pagen wird die Waschung mit der Oreolinlösung wiederholt, nach abermaligen (i Tagen eine dritte Waschung vorgenommen. Jedes­mal ist besonders darauf zu achten, dass die Oreolinlösung auch mit der inneren Ohrfläohe, dem Kehlgange, Schopf, Schweif, der Köthe, Mähne U. S. W. hinreichend in Berührung kommt. Soll die Kar von anhaltendem Erfolge sein, so muss mit jeder Waschung eine gründ­liche Reinigung der Ställe verbunden werden. Bökmann (Allge­meine deutsche Geflügelzeitung) empfiehlt auch gegen Ungeziefer beim Geflügel ein kurzes, etwa 1 Minute dauerndes Bad in 20/oigem Creolinwasser, nach welchem die Hühner unter massigem Andrücken der .Federn sofort in reinem, lauwarmem Wasser abzuwaschen und mit einem Tuche zu trocknen sind.
(J) Gegen chronische Ekzeme besitzt das (Jreolin dieselbe günstige Wirkung wie der Theer, jedoch ohne dessen Giftigkeit. Ich verwende es beim Hunde in Form des Creolinliniments (Creolin und grüne Seife ää, Spiritus die Hälfte) oder des Creolinspiritus (1 :5-—10) resp. der Creolinsalbe (1 : 10—50). Albrecht benützt ebenfalls das Creolin mit günstigem Erfolge; beim chronischen Ekzem und bei der Fetträude der Hunde, beim Hitzausschlage des Pferdes und Rindes, beim Mähnen- und Seh wei f grind, bei Juckreiz, bei Schrundenmauke und Raspe, bei Pechräude (Russ) der Ferkel; er empfiehlt ferner Waschungen mit 8—5quot;/i)igem Creolinwasser gegen Strahlfäule, verbunden mit dem Einführen von Creolintampons in die Strahlspalte, sowie Waschungen mit 50/oigem Creolinspiritus gegen
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Creolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 235
den Einsclmss der Pferde. Möller und Gi68ecke empfehlen das Creolin gegen die Pferdemauke,
7)nbsp; nbsp;Gegen die parenobymatöse Buterentzündung des Bindes
empfiehlt AI brecht eine Creolin • Lanolinsalbe (5 : 80), welche die Zertheilung befördern und namentlich den Selnuerz lindern soll. Ich kann die gute Wirkung von Oreolinsalben (1 : 10) gegen die Mastitis nach meinen Erfahrungen beim Hunde bestätigen.
8)nbsp; nbsp;Als lokales Expectorans in Form von Creolininhalationen (1 n/oige Lösungen) ist das Creolin bei allen Bronchiten, Bronchi-ektasien, Bronohopneumonien, Lungencavernen etc. wegen seiner Ungiftigkeit der Carbolsäure entschieden vorzuziehen. Diese Oreolininhalationen sind namentlich bei der bronchitischon und pneu-monischen Form der Hundestaupe als die zur Zeit beste Behand­lungsmethode zu empfehlen. Nach Hink sind Oreolininhalationen auch wirksam hei dem bösartigen Katarrhalfieher des Rindes.
9)nbsp; nbsp;tiegen .Milzbrand wird Creolin neuerdings von Meier em­pfohlen. Derselbe hat in 8 Fällen heim Kind nach der Verabreichung von 50—200 g Creolin sofortige Besserung und rasche Genesung beobachtet. Auch Schneider oonstatirte in 1 Falle Heilung durch 250 g Creolin,
10)nbsp; nbsp;Gegen abnorme Gährungsprocesse im Magen und Darm, anhaltendes Erbrechen, Durchlalle, Ruhr, infectiöse Darm­leiden, Darmwürmer etc., bei Wiederkäuern und Pferden auch als Stomachic um. Nach Dr. AI brecht (Perlin) ist das Creolin beim chronischen Magenkatarrh der Pferde allen anderen Mitteln vorzuziehen, indem es in täglichen Dosen von 10—15 g sofort Appetit und Verdauung regulirt und den Faces den üblen Geruch benimmt. Dieselbe Beobachtung hat Truelsen beim chronischen Durch­fall des R i n d e s gemacht. Nach Prof, A1 b r ecli t (München) wirkte Creolin günstig namentlich auch bei der Kälberdiarrhöe (dreimal täglich 2—3 g mit je '/i 1 kaltem Wasser), sowie; gegen die Diarrhöe der Ferkel (5 g (Jreolin in 1 1 Wasser, pro Stück täglich 2 Ess­löffel). Nach Beul lässt sich ferner die gastrische Form der Hunde­staupe erfolgreich mit 20/oiger wässeriger Creolinlösung (Mstündlich einen Esslöffel) behandeln.
11)nbsp; Gegen Nieren- und Blasenleiden innerlieh zur Desinfection des Nierenparenchyms und der Blasensohleimbaut, Ich habe nament­lich bei Blasenkatarrhen und chronischen Nephriten der Hunde gute Erfolge mit einer länger fortgesetzten Oreolinbehandlung erzielt.
12)nbsp; Als desinficirendes Adstringens hei Maul- und Klauen­seuche, bei der ulcerösen, übelriechenden Stomatitis der Hunde
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Of eolith
(20/oiges Oreolmwasser), bei Sobleimhautkatarrhen, bei Otorrböe (1—20/(iigu spirituöse Lösung), Pluor albua (Neudörfer), gegen Sclileimhiuitblutuugeii, /,. Igt;. Blasenblutung (Jessner), zur Herstellung sogenannter antiseptisoher Oataplasmen bei Hufkrankheiten, Brandmauke eto, (Q-ies e o k e).
13)nbsp; nbsp;In der Aiigonlieilkunile ist Oreolin nach Purtsoher ein gun/ ausgezeichnetes Mittel gegen Conjunotiviten, Keratiten, Hornhautgesohwüre etc. Namentlich in allen Keratitisformen, wo es sieli inn Q-esobwürsbildung handelte, „leistete das Büttel Erstaun­lichesquot;, Purtscher gibt dem Oreolin den Vorrang vor Sublimat überall da, WO eine Heizung vermieden werden muss. Er empfiehlt die Anwendung einer L0/oigen Creolinlösung. Ich kann diese Angaben nach zahlreichen eigenen Erfahrungen bestätigen. Das Oreolin ist gegen Conjunctivitis punilenta, Hornhautgeschwüre und Conjunctivitis follicularis, wie sie beim Hunde so häutig vorkommen, in ',-'—l0/oiger wässeriger Lösung eines der besten Desinticientien und Adstringentien.
14)nbsp; Endlich ist das Oreolin heim Menschen mit Erfolg angewandt worden gegen Erysipel als Bepinselung und zwar im unverdünnten Zustande (Neudörfer), gegen Diphtherie ale Bepinselung (Neu­dörfer), gegen Tripper als Einspritzung in 1—500/ooigeil Lösungen (Kortüm und Neudörfer), gegen Pruritus (Klamann), gegen 0 h r e n k r an k b e i te n. namentheh eitrige Mittelohrentzündungen (Eitelborg), Ekzeme des äusseren Gehörgangs und der Ohrmuschel in 1—500/ooigen Lösungen, gegen Verbrennung und Erfrierung (als schmerzlinderndes, austrocknendes und eiterbeschränkendes Mittel), sowie innerlich in kleinen Dosen gegen Carcinomatose und Tuber­kulose an Stelle des Kreosot (Neudörfer).
Als Nachtheile dos Creolins sind zu büzeichnen, 1) dass die Lösungen undurchsichtig sind, so dass man die Instrumente darin nicht sehen kann. Es sind im Uebrigen jetzt Schüsseln von Hartgummi in Gebrauch, welche eine durchbrochene Einlage besitzen, auf der die instrumento nur zur Hälfte im Croolinwasser liegen und daher sichtbar sind (Fabrik H. Keiner in Wien). 2) Das ebenfalls als Nachtheil hervorgehobene Schlüpfrigwerden der Hilnde durch das Oreolin iindet nur bei concentrirteren Lösungen statt. 3) Es muss weiter als Naohtheil erwähnt werden, dass das Oreolin in Eiweiss-lösungen, also z. B. im Blute, eine wesentlich geringere antiseptische Wirkung besitzt, als in eiweissfreien Flüssigkeiten| diesen Uebolstand hat es übrigens auch mit anderen Desinficiontien, insbesondere mit dem Sublimat gemein.
Von verschiedenen Seiten, z. B. von Arnold, ist ferner eine Ver­wunderung darüber ausgesprochen worden, dass das Oreolin sich einbürgern konnte, ohne in seiner Zusammensetzung chemisch genau gekannt zu sein, und ohne dass wir rasch auszuführende Methoden besitzen, welche es er'
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Oreolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 287
möglichen, don Gehalt des Oreolins an wirksamen Stoffen genau festzustellen und so die Oon stanz des Präparates zu control iron. Hierauf ist zu er­widern, dass wir zur Zeit mehrere von der Pharmakopöe aooeptirte, also offioinelle Arzneimittel vielfach praktisch vorworthon, welche weder in ihrer Zusammensetzung ohemisoh genau bekannt, noch mittelst einer leicht und rasch anwendbaren Prüfungsmethode auf ihren Werth an wirksamen Stoffen zu untersuchen sind. Ks sei speoiell an zwei wichtige, mit dem Creolin nah verwandte Arzneistoffe, nämlioh den Tbeer und das Kreosot erinnert. Der Theer ist eine durchaus in co n stau te, in seinen Bestandtheilen je nach Herkunft quantitativ ausserordentlioh wechselnde Substanz, ,ein Ge­menge sehr verschiedener, zum Theil noch nicht näher bekannter Körperquot; (Liebreich), Und doch 1st diese inconstante, zum Theil noch nicht näher gekannte Substanz offloinelll Das Kreosot, ebenfalls ein wech­selndes Gemenge phenolartiger Körper, enthält gewöhnlich Carbolsilure, welche von der Pharmakopöe nicht zugelassen wird, „Es gibt aber kein sicheres Mittel, um kleine Mengen Phenol in einfacher Weise im Kreosote aufzufindenquot; (Flückiger). Wollte man also consequent sein, so müsste man auch den Theer und das Kreosot als „Gehoimmittelquot; aus dem Arzneischatze streichen, weil sie den an das Creolin gestellten Anforderungen nicht entsprechen.
Form und Dosis. Das Creolin wird am häufigsten als Creolin-wasscr angewandt; zur Eerstellung desselben kann gewöhnliches Brunnenwasser genommen worden. Zu empfehlen ist es, die Lösung womöglich frisch zu bereiten und vor Kälte zu schützen. Jeder Zusatz zur Lösung, insbesondere ein Zusatz von Säuren ist zu ver­meiden. Am meisten empfiehlt sich eine 30/oige wässerige Lösung twofern schwächere Lösungen nicht etwa ausreichen); bei stärkeren Concentrationen, namentlich solchen über 5quot;/o wird die Emulsion und damit die Wirkung gestört. Neben wässerigen Lösungen braucht man s pi r i t uöse, besonders für Räude- und Ekzembehandlung. Auch Croolinsalben (1:10—00 Fett resp. ünguentum Paraffini) sind gegen die genannten Zustände im Gebrauche. Zur Desinl'ection der Hände ist die Creolinseife der Sublimatseife vorzuziehen. Zu Ver­bänden dient C r e o 1 i n b a um WO 11 e, -Holzwolle, - J u t e, -G a z e. Endlich ist ein Creolinölans trieb zum Anstreichen von Brettern, Balken, Wänden etc., sowie eine ConscrvirungsHiissigkeit für Holz, Schwellen, Dielen etc. in Verwendung. Auch Creolincementkalk zum Bestreichen der Stallwände und Creolinhufschmiere werden benutzt. Innerlich gibt man das Creolin bei Wiederkäuern in Lösung, sonst womöglich immer in Pillenform. Die .Dosis beträgt für
Pferde und Rinder 10—20.0.
Schafe, Ziegen, Schweine 5—10,0,
Hunde 0,'t—2,0.
Geflügel 0,1—0,25.
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#9632;#9632;i
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Croolin.
Kecepte.
I)nbsp; Rp, Croolini iingliei 10,0.
Aqn. oomuuin. 500,0. IM. 1). S. Aeusserlioh (20/o Oreolinwasser).
•2) Bp. Oreolini 8,0.
Spiritus 300,0. M. 1). S. Aeussurlicli gegen Otorrliüe.
3)nbsp; nbsp;Rp. Croolini 2,0.
(ilyooriiii
Aqu. dostill. iHi 50,0. M. 1). S. Zum Bepinseln der Maulhöhle gegen Hühnerdiphtheritis.
4)nbsp; Rp. Oreolini
yiipoii. virid. iüi 50,0. Spiritus 500,0. M. D. S. Aeusserlioh gegen liiliuie beim Hunde.
5)nbsp; Kp. Croolini
Spiritus iüi 100,0. Sapon virid. 800,0. M. f. Linim. D. S. Kümlelininient gegen Soha fraud e (vorbereitende Seliniiorknr).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
8) Rp. Croolini 5,0. Collodii 25,0. M. 1). S. Gollodium styptiouin gegen Uhrgescbwüri'.
7)nbsp; Rp. Croolini 1,0.
Acid, borioi 50,0. M. f. l'ulv. 1). S. Aeusserlioh, Streupulver für Wundon.
8)nbsp; Rp. Croolini 2,0.
Ungt. Paraffin. 20,0. M. D. S. Oreoliusalbe.
9)nbsp; Rp. Oreolini
Sapon. virid. im 100,0. Spiritus 50,0. M. f. Liniment. D. S. Aeusserlioh gegen ohronisohes Ekzem des Rückens beim H im d o.
10) Rp, Croolini 0,5.
I), till. üos. in oapsul. gelatinös. Nr. X. S. Täglich 1—2 Pillen für einen Bund mit infeotiösem Magendarmkatarrh.
II)nbsp; nbsp;Rp. Oreolini
ESxtraot. Liqniritgt; l'ulv. Kad. Liquiritiae Corae Ilavae iiä 2,5.
M. f. Pilul. Xr. X. Übduce Bals. tolut. I). S. Oreolinpillen für einen Bund mit Staupe oder Tuberkulose.
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Lysol. Solveol. SolutoL
280
12) Rp, Creolini 10,0. Hol. raquo;Ib. 20,0. Estraot, Liquirit. Pulv. Und. Liquirit, ää 0,0. Gerae flavae 2,0.
M. f. I'il. Nr. XX. Obduoe Bals. tolut, D, S. Oreolinpillon für einen II und mit Oaroinomatose.
18) Rp. (Veolini
Extract. Liquirit. Pulv, Und. [.[((iiirit. ää 10,0. Cerae Qavae 2,0.
M. f. i'ilul. Nr. XX. Obduoe Hals, tolut. I). S. Creolinpillen für einen Hund mit Cystitis.
14) Rp. Creolini 00,0.
Pulv. Rad. Liquirit. 100,0. Extract. Liquirit. Corae Ilavae qu. s. f. massa, e qua formentur I'ilul. Nr. V. I). 8. Tftglioh 1—2 Pillen für ein Pferd mit Dannkatarrh.
f Lysol. Don Ausgangspunkt der Lysoldarstellung bildet das 0r e o lin.
Das Lysol ist als modificirtes Crcolin aufzulassen; es ist nichts anderes als wasserlüsliohes Oreolin. Leide Arzneimittel sind Verbindungen von Thoerölen (Cresolen) in Seife. Der Unterschied beider besteht darin, dass das Oreolin eine Lösung von Seife in Theerülen ist, während das Lysol umgekehrt eine Lösung von Theerölen in Seife dar­stellt. Während nun das Creolin sich im Wasser nur theilweisc, d. h. in Form einer Emulsion löst, wobei die Theeröle als feinste Tropfen im Wasser suspendirt dasselbe milohig trüben, bleiben die Lösungen des Lysols in Wasser, wenigstens in destillirtem Wasser, völlig klar. Das 'Lysol stellt wie das Creolin eine, dunkelbraune, theerartige, syrupöse, jedoch klare Flüssigkeit von eigenartigem, am meisten an Garbolsäure erinnerndem Ge­ruch dar. Seine Lösungen in destillirtem Wasser lassen im Gegensatz zum Creolin die eingelegten Instrumente so gut erkennen, wie etwa Garhol­oder Sublimatwasser. Es ist dies ein Vorzug vor dem Creolin. Die bac-toriologischen Untersuchungen des Lysols haben ergeben, dass die Milzbrand-bacillen, die Eiterkokken, sowie die Bacterien der Hühnercholera, des Schweinerothlaul's und des Erysipels durch eine 1—30,l|ooige Lösung getödtet werden (Schottelius, Gerlach, Foth, Boer). Die Tetanusbacillen werden durch eine 3quot;/nige Lösung nach 30 Minuten getödtet (Foth). Milzbrand­sporen werden dagegen nach 3—5 Tagen durch eine 5 —100|oige Lysol­lösung nicht getödtet (Behring). - Das Lysol wird in der Thierheil-kunde empfohlen in 0,5—ln/oigen Lösungen zur Desinfection der Wundon, Instrumente, Hände, des Uterus etc., sowie als Räudemittel (Foth, Straube, Imminger, Lemke, Sosna, Router, Maisöl U.A.). A.F. 10,0 =--10Pfennig; 100,0 = 80 Pfennig.
t Solveol und Solutol. Unter diesen Namen sind zwei neuere Kresol-präparate in den Handel gebracht worden, welche als Ersatzmittel des Creolins und Lysols dienen sollen, mit welchen sie ihrer chemischen Zu-
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Naphthalin^
Sammensetzuiig nach verwandt sind. Diese Verwandtsclmtt wird solion durch den Namen angedeutet (Lysol = lösliches Creolin; Solved und Solutol = lateinische Version des griechischen Lysol). Xach den Angaben der Fabrik, welche auf beide Präparate ein Patent genommen hat, bildet das Solveol eine neutrale, durch k r c sot i n sa ures Na t r iinn bewirkte, ooncen-trirte Kresollösuug, während das Solutol ein durch Kresol-natrium löslich gemachtes Kresol darstellt. Letzteres soll constant (iO quot;/n Kresol enthalten , und '/war ',' i freies und '(i gebundenes (Kresol-natrium). Nach den Untersnchungeii von Hammer (Archiv für Hygieiue, Bd. 12) soll das Solutol in (),#9632;quot;gt; quot;.niger Lösung schon nach 5 Minuten alle untersuchten Bouilloncultureii tödten; es wird besonders zur groben Des-infection empfohlen. Dagegen soll das Solveol als chirurgisches Antisepticmn dienen, und zwar soll eine lt;),r,quot;quot;igfgt; Dösung genügen. Die Lösungen des Solveols sollen klar (auch mit kalkhaltigem Wasser) und neutral sein.
t Desinfectol. Eine schwarzbraune, dickliche Flüssigkeit von creolin-artigem Geruch und alkalischer Reaction, welche mit Wasser eine weisse resp. weissgraue Emulsion gibt. Das Mittel ist ebenfalls eine Verbindung von Theerölen mit Seife, und dem Creolin sehr ähnlich. Es soll in 50/oiger Lösung ein gleiches Volumen dünnbreiiger Päcalmassen innerhalb 18 Stunden vollständig desinliciren.
t Saprol. Dasselbe bildet ein ölartiges, Eresole enthaltendes Mittel, welches für die (irossdesinfection empfohlen wird (Päkaliou).
Mit dem Creolin verwandte und als Desinfectionsuiittel empfohlene Körper sind endlich Sapocarbol und Kresolin.
Nap lil ha 11 im in. Naplil lialin. OioHg.
Pharmakognosie. Das Naphthalin ist ein Kohlenwasserstoff, welcher aus doiu schweren Steinkohlen theeröl durch Abpressen des bei 180—220deg; C. überdestillirenclen A ntlieiles, Waschen desselben mit Natronlauge und Schwefelsäure, sowie Destilliren mit Wasser-dämpfen gewonnen wird. Das so dargestellte, rohe Naphthalin wird für den inedicinisehen (jehrauch erst gereinigt, indem man es mit Alkohol wäscht und dann sublimirt (Xaphthiilinum pu rissinium).
Das Naphthalin bildet glänzende, farblose Blattchen von starkem, thcerähnli chem. unangenehmem Gerüche und brennendem Gesehmacke, welche schon hei 15deg; langsam verdampfen, hei 80quot; schmelzen und bei 218quot; sieden. Die entzündeten Dämpfe brennen mit leuchtender und russender Klamme. Es ist in Wasser nahezu unlöslich, dagegen leicht löslich in Aether, Chloroform, fetten Oelen. Benzol, kochenden) Alkohol, llüssigem Pa­raffin. Handelspreis des rohen Naphthalins 1 k =60Pfennig. A.P. des
Naphthalinum purissimum 10,0 = 10 Pfennig.
,
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Naplitlialin.
Ml
Wirkung. 1) Das Naphthalin ist ein starkes Antiscpticum uml Desinfioiens. Nach den Untersuchungen von E. Fischer ist es ein heftiges Gift gegen Hefepilze, Penioillium glauoum, As|)ergillus glancns, Mucor Muoedo, Oidium laetis u. a. Aelmlicli wirkt es gegen Fäulnissorganismen.
2)nbsp; Es ist ein sehr wirksames antiparasitäres Mittel, welches nanientlicli Räudemilben, Läuse, Haarlinge, Flöhe, Wanzen, Motten etc. sicher tödtet.
3)nbsp; Innerlich gegeben soll es füi* grössere Hausthiere, wie auch für den Menschen wegen seiner schweren Löslichkeit im giftig sein.
Hunde zeigen nach Haumann auf Dosen von
nur Diarrhöe.
Naphthalinstaar. EigenthlimlioheVerftnderungen sind nach längerer Verabreichung von Naphthalin hei Kaninchen zuerst von französischen Forschern beobachtet worden (Bouchard, Dor, Pannas u. A.). Füttert mau Kaninchen lungere Zeit hindurch (2 -8 Monate) tilglich mit kleinen Naphthalingaben (1,0), so zeigt sich neben auffälliger allgemeiner Abmage­rung eine eigenthüudiche Veränderung im Fnnern der Augen. Es wird die Linse getrübt (N aph thalin staar), wahrscheinlich in Folge einer Veränderung ihrer Ernilliruiigstiüssigkeit durch das Naphthalin (Magnus). Sodann zeigt die Betina theils zahllose, glänzend weisse Fleckchen, theils grosse, gelhlich-weisse Plaques; bei sehr grossen Dosen erfolgt selbst Netz-hautablösung. Vereinzelte hello Fleckchen findet man auch im Glas­körper; die Sehnervenpapille ist häufig atrophisch. Daneben findet man parenehymatöse Nephritis.
Anwendung. 1) Als Antiparasiticum gegen Räude und Haut-lingeziefer. Es eignet sich auch sehr gut zum Conserviren von zoo­logischen, botanischen und pharmakologischen Sammlungen, (legen Sarcoptesräude der Hunde ist es /war ein hilliges und imgefiihrliches, aber in älteren und aus g ehr ei toteren Räudefällen ein zu schwaches Mittel (Friedberger, Siedamgrotzky), (legen Herpes tonsurans soll es sehr wirksam sein (Popow). Beim Weidevieh soll es im Sommer alle Insecten von Wunden und Geschwüren abhalten.
2)nbsp; Als Antiseptioum und granulationanregendes Mittel bei älteren und schlaffen Wunden, Geschwüren, Fisteln, nekrotischen Processen etc., so namentlich bei Kronentritten, Widerristtisteln und Mauke (Schadrin, Popow).
3)nbsp; nbsp;Innerlich als Antizvmoticnm hei abnormen Gährungs-procossen im Magen und Darm. Diarrhöe, Ruhr etc. (Rossbach). Popow, Dupuis u. A. haben auch gute Erfolge bei Kälberruhr beobachtet. Unangenehme Nebenwirkungen sind hiebei die zuweilen eintretende Blasen- und Nierenreizung, Harndrang, sowie ülcerationen der äusseren Genitalien durch die Einwirkung des Naphthalinharns.
Fröhner, Arzneiinittellelirc. !3. Anil.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; KJ
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r
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Naphtbol.
Ausserdem hat man das Naphthalin gegen chronische Ekzeme, Blasenkatarrhe, als Antipyretionm, Expeotorans und Anthel-
minthicnm empfolilen.
Form und Dosis. Man wendet das Naphthalin äusserlich auf Wunden als Pulver (1:10—20 Borsäure, Alaun, Zucker) oder in Salbenform (1 : 10—20 Pett oder Unguentum Parafflni resp. Lanolin) an. Gegen Räude braucht man ebenfalls Salben (1 : 10—20) oder Lösungen in Oel (1:8—5), in Seife ist es unlöslich, Innerlich gibt man es in Pulverform, in Pillen (mit einem lleberzuge von Ke­ratin als keratinirte Pillen), mit Oel, als Scbüttelmixtur mit Syrup, als Paste mit Glycerin. Gerucliscorrigens ist Oleum Eergamottac. Innerlich gibt man für
Pferde und Rinder 5—15,0.
Schweine, Schafe, Ziegen und Kälber 2—5,0.
Hunde 0,1 — 1,0.
Katzen und Geflügel 0,05-0,2.
Eecepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Naphthalin! 5,0.
Acid, borioi 25,0. M. f. Pulv. 1). S. Streupulver gegen Kronentritt,
2)nbsp; Rp. Naphthalin! 5,0.
Ailipis snilli 50,0. M. f. ügt. D. S. Aeusserlioh gegen Räude.
M) Rp. Xaplitliiilini purissimi 5,0. Saoohari 10,0.
M. f. Pulv. Divide in partes aeqnah ^'r. 20. D. S, Täglich 1—2 Pulver für einen H u nd mit infectiosem Darmkatarrlu
Naphtliolum. Beta-Naphtliol.
f'|0H; . OH.
Pharmaceutische Chemie. Das Naphthol oder ß-Naphthol ist ein Derivat des Naphthalins, nämlich Naphthalinhydroxyd, welches durch mehrstündiges Erhitzen von Naphthalin mit Schwefelsäure und Behandeln der dabei entstehenden ß-Naphtbalinsulfonsäure mit Aetz-kali dargestellt wird. Keine therapeutische Verwerthung findet wegen seiner starken Giftigkeit das ot-Naphthol, sowie das im Handel vorkom­mende Naphtholum crudum, eine Mischung von a- und ß-Napbthol.
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Naphthol.
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Das reine ß-Naphthol bildet farblose, seidenglänzende Kry stall blättcbeu oder ein weisses krystidlinisclies Pulver von schwachem carbolähnlichem Gerüche und brennend scbarfeni Ge-schmacke, welches bei 122quot; schmilzt und hei 180quot; siedet. Ks ist in Wasser fast unlöslich (1:1000), leicht dagegen in fetten Oelen, Chloroform, Alkohol, Aether. Mit concentrirter Kalilauge und einigen Tropfen Chloroform gibt es eine blaue, mit tropfenweise hinzu­gefügter oonoentrirter Salpetersäure erwärmt eine intensiv rosarothe bis kirschrothe Farbe. Die wässerige Naphthollösung zeigt auf Zusatz von Ammoniakflüssigkeit eine violette Fluorescenz, auf Zu­satz von Chlorwasser eine weisse Trübung, auf Zusatz von Eisenlaquo; ohloridlösung eine grünliche Farbe (Identitätsreaktionen). Ver­fälschungen mit a-Naphthol lassen sieb durch Eisenchlorid (Blaufärbung der lieiss gesättigten Lösung) erkennen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig,
quot;Wirkung. 1) Das Naphthol ist ein kräftiges Antisepticum. Nach Versuchen von Bouchard unterdrückt es in einer Verdünnuna von 1 : 3000 die Entwicklung der Bacterien des Rotzes, Milzbrandes, der Hühnercholera, der Pneumonic und des Eiters gänzlich und hemmt die Entwicklung der Tuberkulose- und Typbusbacillen. Xach Willen/ verhindert eine ^ quot;/quot;ige Lösung die Fäulniss des Fleisches und Harns, sowie die Säuerung der Milch,
2)nbsp; Das Naphthol ist ein starkes Antiparasiticum, namentlich gegen Käudemilben (Kaposi).
3)nbsp; Die Wirkungen des Naphthols auf den thierischen Or­ganismus sind von Willen/ (Russisches Archiv der Veterinärkunde 1887) genauer untersucht worden. Darnach erzeugt dasselbe auch bei subeutaner Anwendung schon in massigen Dosen zunächst eine starke Reizung der .Schleimhäute, welche sicli in Niesen, Spei­cheln, Husten, Tbränen, Erbrechen, starkem Durchfall, Harndrang etc. iiussert. Q-rössere Dosen rufen bei Katzen und Pferden lange an­dauernde epileptiforme Krämpfe hervor, welche bei Hunden fehlen; letztere reagiren auf sehr hohe Dosen nur durch Benommenheit und Temperaturabfall, Besonders empfindlich gegen Naphthol sind Katzen; dieselben /eigen bei relativ geringen Dosen (0,15) tödtliche Nephritis, Albnminurie und Hämoglobinurie. Auch beim Menschen ist schon früher nach der äusseren Anwendung des Naphthols Nephritis (Lesser) und Hämoglobinurie (Neisser) beobachtet worden. — Die Ausschei­dung durch den Harn erfolgt als Niiphtholsulfonsäure.
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Oxy mi plitliocsäurt'ii.
Anwendung. 1) Bei Hautkranklieiten, namentlich bei ohro-nisohem Ekzem statt dos Theers in Salbenform oder juit Spiritus.
2) Gegen Milbenräude mit Ausnahnie dor Katzenräude.
;{) Als Anthol mi n tli icum gegen Asearulen und Tänien (Willen/.).
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Bp, ß-Naphtholi 5,0.
Adiiiis suilli 50,0. M. f, Ugt. 1raquo;. S. El 8 ii de sal be.
2)nbsp; nbsp;Hp. ^-Naphtholi 10,0.
Spiritus 100,0. JU. ]). S. Acussevlich gegen ohronisohes Kkzcni lici Hunden.
t Die Oxynaphthoösäuren und ihre Salze. In demselben Verhältniss
wie die Salicylsilure zur Oarbolsäure steht die Oxyuaphthoösäure (A oi dura f/-0x y n aphtoicum) /.um Naphthol.
I.
OflHs . OH CarbolsitiU'e
ObHj . OH . 000H.
Salicylsiiui'i'.
('
II.
0u)H, . OH
Niqilitliol
i0Hfl. OH . COOH. OsyuaphthoSgäure.
Darnach ist die Oxynaphtlioösiivire aufzufasseiv als Naph thol-üarhon-säurc. Die ChemiG unterscheidet 2 isomere Oxynaphthoesiiuren. 1) Die ß-Oxynaphthoösäure wird dargestellt durch Erhitzen von ß-Naphtholnatriura und Kohlensäure unter Druck (analog der Salicylsäuredarstellung). Sie liildet ein weisses. geseh m ack- und geruchloses Pulver, das i in Wasser unlöslich ist (1:500,000), sich dagegen leicht in Alkohol, Aether, kohlensauren und Aetzalkalien lost. Die alkoholische Lösung gibt mit Eisenchlorid eine seh w a rzblaue Farbe. Das Natriumsalz (OÄ . OH . COONa) bildet farblose Bliittchen , welche in 1 : 000 Wasser hislich sind und deren Lösung sich bei längerem Stehen an der Luft zer­setzt. Auch das Natrinnisalz färbt sich mit Eisenchlorid blau, mit rau­chender Salpetersäure violettblau. 2) Die /ANaphthoösäure wird durch Erhitzung von ,gt;,-Naphtliolnatrium mit Kohlensäure dargestellt. Sie hat einen bitteren Geschmack, ihr Natriumsalz löst sich im Wasser fl : 6) und gibt mit rauchender Salpetersäure keine lleaktion.
Die Oxynaphthoösäuren sind neuerdings von Wille uz (Bussischos Archiv der Vetorinärkunde 1887). Ellenberger und Hofmeister (Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmakologie 1887) u. A. genauer auf ihre pharmakologische Bedeutung untersucht worden, wobei sich Folgendes festsetzen Hess: 1) Beide Säuren wirken stark fäulniss­widrig. Die Entwicklung der Fäulnisspilze im Fleisch wurde gehemmt schon bei einer Verdünnung von 1:20,000 und sieher verhindert bei 1 : 1200; bestehende Fäulniss wurde vernichtet bei 1 : 800. Die Natrium-salze erwiesen sieh dagegen von sehr schwacher Wirkung. Die Körper­formente (Pepsin) wurden auch durch eine ln'oige Säurelösung nicht be-einflusst. Gegen Bäudemilben zeigten sieh die Oxynaphthoösäuren als gutes Antiparasiticum (Ellenberger und Hofmeister). 2) Innerlich haben die Oxynaphthoesäuren eine dem Naphthol sehr ähnliche Wir­kung (Willen/). Sie wirken stark reizend auf alle Schleimhäute
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Ichthyol.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;245
und erzeageu Speicheln, Niesen, Husten, Würgen, Erbrechen, Niisonuu.sliuss, Thrilnen, Diarrhöe; grosse Dosen tödten dnrch Hcr/.lilhmung. Die laquo;-Säure wirkt bedeutend stärker als die/?-Säure (Ellenborger und Hofmeister). Hunde starben nach den Versuchen von Willenz, wenn ihnen (bei 20 kg Körpergewicht) 10 g ^-Silure subcutan in öliger Lösung beigebracht wurden, Katzen schon mich 0,2 g. Ein 25 kg schwerer Hund zeigte auf :! g (V-Natriumsalz leichte Krankhoitscrscheinuiigen; ein 15 kg schwerer Hund nach 4 g leichte Stomatitis und Gtastro-Euteritis; Kaninchen starben nach 8 g laquo;-Saure. 1,6 g laquo;-Natriumsalz und 3,5 g /y-'Natriumsalz an Magen-darnientzündung. Nephritis und Lungenödem; Schafe zeigten nach 4 g u- und 3 g p'-Natriumsalz nur leichte Störungen (Ellonberger und Hof­meister).
Ellenberger und Hofmeistor empfehlen die Oxynaphthocsiluren und ihre Salze als A n tis cabiosu m, speoiell bei Hunderilude, als Anti-pyretienm, als Mittel gegen Gährnngs- und Fäulnissprocesso im Darm, gegen Trichinen, Binsenkrankheiten und Gelenkrheumatismus. Willenz glaubt dagegen, dass die Oxynaphthoesiiuro keine grosse l?oIle in der Therapie spielen wird, weil sie in Wasser ganz unlöslich ist und die Schleimhäute noch stärker reizt als das Naphthol, ohne dessen vorzügliche Eigenschaften zu besitzen. Auf Wunden wirkt die reine Oxynaphthoesäure nach Müller sehr stark reizend. Andererseits hatten Verdünnungen, welche nicht mehr reizten, auf Wunden keine secretionsbeschränkende und austrocknende Wirkung.
t Mikrocidin (Natrium ,gt;'-naplitholicum). Ein weisses, in li Theilen
Wasser lösliches Pulver, das etwa 75quot;',, Naphtholnatrimn von der Formel (J|(|HT. ONa und lt;!B0/o anderer Naphthol- und Phenolverbindungen ent­hält. Die Mikrooidinlösungen sollen nach Borlio?; eine lOmal stärkere antiseptische Wirkung besitzen als Carbolsäuro; ihre Giftigkeit soll sehr gering sein, sie sollen ferner weder ätzen, noch die Instrumente beschädigen. Er empfiehlt zu Verbänden von inficirten Wunden die Anwendung von 500;o()igen Mikrooidinlösungen; um der Infection von Wunden vorzubeugen genügen jedoch schon 8llo|ooige Lösungen. Diese Lösungen dienen auch zu Vaginal- und [Jterusausspülungen, ferner zur Ueinigung von Abscessen, sowie von eiternden Schleimhäuten und serösen Höhlen,
f Benzonaphthol. Eine Vorbindung von /i'-Naphtbol und Benzoe-säure von der Formel OflHjOOCKOioHj), Das Präparat ist ein Analogen zum Betol, einer Verbindung von /y-Naphthol und Salicylsäure, welchem es an antiseptischer Kraft mindestens gleichkommen soll. Ks wird als innerliches An tisep tieuni und starkes Diureticum empfohlen, Das Mittel bildet kleine, weisso Krystnlle, welche in Wasser nahezu un­löslich, dagegen in Alkohol und Chloroform löslich sind.
•}quot; Ichtliyolum. [chthyol.
Pharmakognosie. Das Ichthyol ist eine Art Sohieferöl, d, h. ein the erartiges Product dor trockenen Destillation fossiler Minera­lien von anbekannter Zusammensetzung, welches aussohliesslich uns einem in Tirol (Seefeld) vorkommenden, bituminösen Schiefer dar-
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Iclitliyol.
gostüllt wird, in dem Ueberretdo vorweitlicher Fisciio und Seothiere enthalten sein sollen. Das gereinigte Ichthyol bildet ein klares, schwefelhaltiges Oel von eigenthtimliohem Q-eruohe und meergrüner Flnoresoenz. Durch Behandeln des Ichthyols mit coneeutrirter Schwefelsäure entsteht die Ichthyolsäure (Ichthyol-sulfonsäure oder Sulfoiohthyolsäure), angeblich von der Formel OjgHjjjSuOoHj, eine theorartigo, schwarzbraune, trübe, unangenehm riechende, fluoresoirende Flüssigkeit, welche in Wasser, Alkohol. Aether löslich und mit Fett, ünguentum Parafflni, namentlich aber mit Lanolin mischbar ist. Die Ichthyolsäure bildet eine Reihe von Salzen, von welchem das Ammonium-, Natrium-, Zincum-, Hydrargyrum sull'o-ichthyolicum verwendet werden. JSpeciell das Ammouhim sulfo-ichthyolicum wird häutig wohl auch als „Ichthyolquot; bezeichnet; es ist eine dickliche, schwarzbraune Masse von eigenthündichem Gerüche, welche in Wasser und einem Gewichte von gleichen Thoilen Alkohol und Aether am besten löslich ist. A.P. 1,0= 10 Pfennig; 10,0 = 00 Pfennig. D.P. 1 kg = 30 Mark.
t Thiol ist ein auf künstlichem Wege aus- Gas ö 1 (Product der Bratmkohlendestillation) durch Erhitzen mit Schwefelsäure dargestelltes, an­geblich mit dem Ichthyol sowohl chemisch als therapeutisch identisches Prä­parat („Deutsches Ichthyolquot;), welches wesentlich billiger sein soll. Das Thiol, welches wasserlöslich gemachten Schwefel enthalten soll, kommt in 2 Formen in den Handel: als Thiol um 11 quid um von Syrupconsistenz, und als Thiol um sic cum in Form braunschwarzer, glänzender Lamellen von schwach bituminösem Gerüche und bitterlich adstringirendem Ge-schmacke. Das trockene Thiol wird sowohl innerlich, als zu Streupulvern zusammen mit Amyluni, Talk. Bismuthum subnitricum, Zinkoxyd etc. verschrieben.
t Tumenol. Mit diesem Namen bezeichnet man ein Concur reu z-prilparat des Ichthyols. Das ,,Tumenolum venalequot; ist ein aus bitumi­nösen Gesteinen gewonnenes, öliges, sulfonirtes Product. In domselbon sind das Tumeuolsvdfon oder Tumenolül und die pulvorige, wasserlösliche Tu menolsulf onsäurc enthalten, welche beide auf ihre Verwendbarkeit bei Hautkrankheiten des Menschen geprüft worden sind. Das Tumenol besitzt keine antiparasitäre Wirkung, es wirkt indessen sowohl austrocknend als auch gegen Hautjucken. Die Tumenolpräparate worden vorzugsweise bei nässendem Ekzem, Erosionen, Excoriationen, oberflächlichen Uloerationen und bei Pruritnsformen empfohlen. Das rohe Tumenol wird zu 100/o in Aetheralkohol, Wasser oder Glycerin gelöst aufgepinselt, oder man bedient sich 5—100|oiger Tumenol-Zinkamylnmpasten und dünner 2,5—50/oiger Tumenolsalben. Das Tumenolöl kann auf Ekzeinflächen in Substanz auf­getragen werden. Die pulverige Tuinenolsulfonsäure wird entweder allein, oder mit Zinkoxyd gemischt, auf die zuvor eingefetteten Gescbwürsllächon gestreut, ebenso können auch 2—60/oige wässerige Auflösungen in der Porm von feuchten Hinschlagen zur Anwendung gelangen.
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Ichthyol.
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Wirkung und Anwendung. Das Ichthyol ist von Unnu gegen Hautkrankheiten und Ekzeme, gegen Q-elenkverStauchungen, sowie innerlieh gegen rheumatische und gichtisohe Leiden beim Menschen empfohlen worden. In der Thierheilkunde ist das Ichthyol von Fried-berger, Perronoito, Rabe, Wolff u. A. ungewandt worden. Es wird empfohlen;
1)nbsp; nbsp;Gegen Sarooptesräude der Hunde (Rabe) in Form eines 100/oigen Linimentes von Acidum oder Ammonium sulfo-ichthyolioum gelöst in gleichen Theilen Aether, Weingeist und Wasser. Diese Mischung wird an 2—8 hinter einander folgenden Tagen eingerieben, am 5. Tage abgebadet und die Einreibung wiederholt. Eriedberger hat die günstige Wirkung des Ichthyols bestätigt. — Gegen Acarus-aussohlag ist wie bei andern Kiiudemitteln die Wirkung nur eine relative.
2)nbsp; nbsp;Gegen chronische Ekzeme an Stelle des Theers in Salben-und Linimcntform (Friedberger, Rabe).
;5) Gegen chronische Gelenksentzündungen (Habe), Quet­schungen, Panaritien, erysipelatöse Euterentzündungen (Wolff), in Salbenform; gegen Keratiten (Habe) in Form 2- bis 4quot;/oiger wässeriger Lösungen.
4) Innerlich gegen Magendarmkatarrhe, Staupe (Rabe) und zwar Hunden in 2—40/oiger wässeriger Lösung esslötfel- resp. theelöftelweise, sowie gegen Peteohialfieber der Pferde (Lustig) in täglichen Dosen von 50 g.
Recepte.
1)nbsp; Kp. lohthyoli 10,0.
Spiritus Aetheris
Aqu. destill, ää 80,0. M. f. Liniment. D. S. Räudeliniment.
2)nbsp; Ep. Iclithyoli
Aqu. destill. ää 10,0.
Lanolini 80,0. M. f. ügt. D. S. [ohthyolsalbe. 8) Up. lohthyoli 10,0.
Acid, salioyl. 2,0.
Lanolin.
Adipis. suill. üTi 50,0. M. f. ügt. ü. S. Ichthyolsalbe. 4) Kp. lohthyoli 4,0.
Aqu. destill. 100,0. M. I). S. Tttglioh 'A Easlöll'ol für einen Hund mit Staupe.
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Benzol. Kesoicin.
f Benzol. Das früher wohl auch als „Steinkohleiibenzin'quot; im Gegen­sat/ zum Benzin oder „I'etroloumbonzinquot; bezeichnete und liiluiig mit Benzin verwechselte Benzol hat die Formel CyrI,; und wird durch Destillation aus dem Steinkohlontheer gewonnen. Es ist mit der Carbolsäure sehr nahe verwandt, zu welcher es im Körper auch theilweise oxydirt wird:
06H8 = Benzol,
C(iHjOH = Carbolsäure (Phenol). Das Benzol ist eine farblose, eigen th um lieh riechende, nicht fluorescirende Flüssigkeit, welche in Wasser unlöslich, da­gegen in Alkohol und Aether löslich ist, mit rauchender Salpetersäure einen Geruch nach bitteren Mandeln erzeugt (Nitrobenzol) und Fette, Harze und Kautschuk löst. Das Benzol hat starke antiparasitäre Eigenschaften. Es wurde früher äusserlich gegen Ungeziefer der Haut (Käudemilben, Läuse, Zecken, Flöhe etc.) rein oder 1 :3 Oel, Fett, Spiritus, sowie innerlich gegen Spulwürmer, Bandwürmer, Darmtrichinen, Gastrus-larven etc. als Anthelminthicuni angewandt. Da es ausserdem stark gährungs- und fäulnisswidrig ist, hat man es gegen Gährungsprocesse im Magen und Darm versucht (innerliche Dosis für Pferde und Rinder 30—90,0; Schafe, Ziegen und Schweine 2—15,0; Hunde 1—4,0). In grossen Dosen wirkt Benzol stark giftig; es erzeugt nach vorausgegangener Auf­regung Betäubung. Schwäche, Taumeln, Muskelstarre, Zittern, Enipfindungs-losigkeit und Tod unter Convulsionen. Nach Versuchen von Hertwig sterben Pferde bei innerlicher Verabreichung auf 750 g, Hunde von 10 g ab. Hunde sterben auch nach Einathmung von Benzoldämpfeu (bei Ver­dampfung von 50 g) und nach ausgedehnter Einreibung des Benzols auf die Haut, z. B. gegen Häude; die ilusserlicho Anwendung des Benzols bei Katzen ist fast immer tüdtlich. — In der Chemie wird Benzol unter anderem zur Auflösung (Extraction) der Alkaloide bei der Dragendorff'schen Methode des Nachweises derselben benützt.
t Resorcin. Dasselbe ist = Motadioxybenzol = OgH^OHo) und wird durch Schmelzen von verschiedenen Harzen (Galbanum, Asa foeticla. Ammo-niacum etc.) mit Kalilauge dargestellt. Es bildet farblose, an der Luft röthlich werdende Krystalle, welche in Wasser und Alkohol leicht löslich sind und schwach nach Carbolsäure riechen. Die wässerige Lösung färbt sich mit Eisenchlorid violett, mit Chlorkalk rothviolett, mit Ammoniak rosenroth. Die Wirkung des ßesorcins ist eine fäulniss- und gährungs-widrige sowie antipyretische; in concentrirtem Zustande wirkt es auf Schleimhäuten ätzend. Grössere Dosen erzeugen eine KesorcinVergif­tung, welche sich in Sopor, Anästhesie, Convulsionen und Collaps äussert. Anwendung findet Kesorcin als Antisepticum in der Wundbehand­lung in Form von Resorcin-Wasser, -Watte, -Gaze, -Salbe etc., als Anti-pyreticum (Dosis für den Hund 0,5 — 1,5), als leichtes Aotzmittel, als Räudemittel, als Desinficiens zur Ausspülung der Blase bei Blasen­katarrh, der Harnröhre bei Tripper, bei infnetiösen Conjunc-tiviten, bei Hautkrankheiten, Erysipel, Diphtherie, Keuchhusten (lokale Behandlung der Kehlkopfschleimhaut), Gährungsprocessen im Magen und Darm, Ruhr etc. Von Imminger wird Resorcin auch als Mittel gegen die Killberdiarrhöe in täglichen Dosen von 8—12 g empfohlen. Nach Ehrbar dt ist das Resorcin in der Klinik der Züricher Thierar/.nei-schule mit Erfolg als Antisepticum in der Wundbehandlung (l0|nige Lösung; 10—50quot;/(iige Salbe), gegen Strahlkrebs (Streupulver), Mauke (8—lO'/oige
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Hydroohinoui Sozojodol.
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Salbe), Krysipel, Enterkrankheiten, zur Ausspülung des Uterus (lni'o) etc. sowie innerlieh ills Antipyreticum (l'i'erden ir),ü pro dosi), gegen Darm­katarrh und endlich gegen Killbordiarrhöe (2—4,0) angewandt worden. Uer allgemeinen Anwendung dürfte übrigens der hohe Preis des Mittels ent­gegenstehen (1,0 = 10 Pfennig). In neuerer Zeit ist durch Einwirkung von Schwefel das ebenfalls antiseptisch wirkende Th ioresorcin dargestellt worden.
f Hydrochinon. Dasselbe ist = Paradioxybenzol = (LH^OH).} und wird aus dem Anilin durch Vermittlung des Obinons dargestellt. Es lässt sich auch aus der Chinasäure sowie aus dem Arbutin herstellen. Es bildet farblose Prismen, welche in 20 Theilen kaltem Wasser, sowie sehr leicht In heissem Wasser, Alkohol etc. löslich sind. Das Hydrochinon stimmt bezüg­lich seiner Wirkung mit dem Resorcin (und liren/katechin) überein. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
f Sozolsäure (Acidum sozolicum, Aseptol) stellt eine Verbin­dung von Oarbolsäure und Schwefelsäure, nämlich die Orthophenol-sull'onsäure dar = Cullj . OH . SOoOH. Sie wird bereitet durch Mischen gleicher Thcile von Oarbolsäure und Schwefelsäure in der Killte und bildet in reinem Zustande eine farblose syrupöse Flüssigkeit, welche sich in Folge Zersetzung der Orthosänre in die Parasäure bald rothbraun färbt. Das im Handel vorkommende Präparat ist eine 8llquot;|i)ig,o wässerige Lösung der Ortho-phenolsulfonsäure, von saurer Reaktion, saurem Clcschmacke und schwachem, phenolartigem Gerüche. In ganz frischem Zustande wirkt es etwa so stark antiseptisch als die Oarbolsäure. in Folge der rasch eintretenden Umwand­lung in die l'araphonolsulfonsäure verliert das Präparat jedoch an anti­septischer Wirkung und ist als wenig zu v erlilsslich für die thera­peutische Anwendung nicht geeignet, wie dies neuerdings Samter durch bacteriologische versuche bewiesen hat. — Aseptol ist nicht mit einem als , Asept in silur equot; (Acidum asepticum) neuerdings aufgekom­menen, aus Borax, Wasserstoffsuperoxyd und Wasser bestehenden Präparat zu verwechseln; vergl, dasselbe beim Borax.
f Sozojodol ist jodirtes Aseptol, also O r t h o p h e n o 1 s u 1 f o n s ä u r o-,1 odid = C^thj. J . OH . SOjOH. Es bildet weisse, schuppenfünnige Krystall-blilttchen ohne Geruch, mit antiseptischer Wirkung, und ist von Lassar gegen verschiedene Hautkrankheiten empfohlen worden. Ausserdem sind als antiseptische Salze des Sozojodols neuerdings von Trommsdorf em­pfohlen worden das Sozoj odolzink (Zincuni sozojodolicum), Sozojodol-natrium und Sozoj o dolkalium. Nach Langgaard liindort eine20|oige Lösung des Sozojorlols und seiner Salze die Entwicklung der Eiterkokken. Müller hält auf Grund seiner Untersuchungen hei Pferden und Hunden das Präparat für geeignet, in der antiseptischen Wundbehandlung mit Aus­nahme von Dauerverbänden wegen seiner Unschädlichkeit Sublimat und Oarbolsäure zu ersetzen. A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
f Acidum picronitricum, Pikrinsäure, C(1i!^(NO,i):,OIl, ist chemisch = Trinitr ophe n ol und wird aus roher Oarbolsäure und Salpetersäure dargestellt. Sie bildet gelbe, glänzende, sehr bittere Blättohen, welche Haut und Wolle intensiv gelb färben, in Wasser schwer, in Alkohol, Aether und Chloroform leicht löslich sind und Eiweiss aus seinen Lösungen ausfällen. Die Wirkungen der Pikrinsäure sind folgende:
.1) Sie ist ein ziemlich starkes An tisopti cum, welches als solches
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250nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pikrinsi'iuro.
nach den Untersuchungen von Sozewitsch (Petersburger Archiv für Vete-riiuirwissenschal'ten) luiher steht als Carholsilure, Salicylsäure, Chinin etc. So hält sie die alkoholische fiillirung vollkoiumen auf bei 1 ; 400, die Bac-terien des faulenden Blutes werden in ihrem Wachstlmm gehindert durch 1 : 900, die Bacterien eines Heuinlüses und Pferdemistaufgnsses werden im Wachstlmm gehemmt durch 1 : 2000. die Bacterien eines frischen Fleisch' aufgusses durch 1 ; 1900 etc. Die antiseptische Wirkung der pikrinsauren Sal/.e ist schwächer.
2)nbsp; Sie ist ein starkes (lift für Eingeweidewürmer, desgleichen ihre Salze.
3)nbsp; nbsp;Sie setzt die Körpertemperatur herab (Sozewitsch).
-I) Innerlich wirkt sie schon in relativ kleinen Dosen entzündungs-errogend (Gastroenteritis) und blutauflösend (Hämoglobinttmie), Bei der Section findet man alle Organe gelb gefärbt. Hunde sterben schon nach 0,0 g Pikrinsäure unter Erbrechen. Durchfall und Convulsionen; die pikrinsauren Sal/.e sind weniger giftig (Kalium, Natrium, Ammonium pi or oni tricum).
Anwendung findet die Pikrinsäure und ihre Salze hauptsächlich bei der Ban d wurmseuche der Lümmer. Man gibt hier die Säure zu 0.1—0,2 oder das pikrinsaure Kali zu 0,5 — 1,0 g.
t Oxychinaseptol (Diaphtherin). Das Oxyohinaseptol oder Diaph-thorin (tiiayMpio = vernichten) ist eine Verbindung von Oxychinolin mit phen olsulfonsaurem Oxychinolin, besitzt also die Formel: HO—0?H6NH—O—SOa—06H.—O—NH.OdHfl—OH, Es stellt in reinem Zustande bernsteingelbe, durchsichtige, dem hexagonalen System angehörigo sechseckige Säulen dar, welche gepulvert sich in fast jedem Verhältniss in Wasser lösen. Das Oxychinaseptol ist von Emmerich bacteriologisch und von Krön ach er klinisch geprüft worden, wobei sich ergab, dass diesem Mittel eine bedeutende bacterientödtende Kraft zukommt. Während nach Emmerich andere Antisoptica, wie Phenol und Lysol etc. in 'J2quot;joigen Lösungen den Staphylococcus pyogenes aureus in 'jt Stunde nicht zu tüdten vermochten, genügte schon eine 0,Un/oige Lösung von Oxychinaseptol, um die Staphylokokken in dieser Zeit zu vernichten. Als Uebelstand bei der Anwendung des Diaphtherins ist hervorzuheben, dass die Instru­mente schwarz anlaufen, so dass also nebenher zur Desinfec-t i o n derselben doch ein anderes A n t i s e p t i c u in n o t h w e n d i g erscheint. Dagegen soll es andererseits relativ ungiftig (nicht reizend), in Wasser klar löslich, und schon in '/gt;—l0/oiger Lösung von hin­reichender Wirkung für chirurgische Zwecke sein.
t Phenylessigsaure und Phenylpropionsäure, Aeidum phenylo-aoeticum und Aeidum phenylo-propionicum, sind zwei Säuren von stark desinficirender Wirkung, die eine weisse, glänzende Blättchen, die andere weisse, feine Nadeln bildend. Tuberkulöses Sputum wird durch beide Säuren, und zwar schon durch '/j'/oige Lösungen vollständig unwirksam gemacht. Nach Williams empfiehlt sich bei Cavernenhildung in den Lungen mehr die Phenylpropionsäure, bei gewöhnlicher Tuberkulose die Phenylossigsäure. Nach Ali via hat sich die Phenylessigsäure auch bei Typhus als ein wirksames Darmdesinficiens und Antipyreticum erwiesen.
t Aeidum asepticum (Borkresolwasserstoffperoxyd). Eine klare, in Jedem Verhältnisse mit Wasser mischbare, wenig riechende und laugen-
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Ohlorkalk,
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artig schnieukonde Flüssigkeit (die frühere Aseptinsäure entlüolt kein Kresol). Nach liinde soll die Aseptinsäure ein werlhvolles Antisopticum sein, das neben seiner Ungiftigkeit noch den grossen Vorzug einer blutstillenden Wirkung besitzt. Die Wirkung der Aseptinsiiuro wurde bei Diphtherie, tuberkulösen Abseessen, eiternden Wunden, Phlegnione, kalten Abscessen, bei Ulcus molle und gangriinöscn Geschwüren erprobt, wobei sich schnell lieinigung der Geschwürsflilchon und Wunden zeigte, Granulationsbildung erfolgte und rasch Vernarbung eintrat. Zur Anwendung gelangten 10- bis SO^oige Lösungen. Für die Desinfection von Wunden und der Hände des Operateurs und seiner Instrumente genügen 50/oige Lösungen.
f Sulfaminol. Eine Verbindung von Schwefel mit Oxydiphenyl-amin ('rhiooxydiplienylamin). Hellgelbes, geruch- und geschnmckloses, in Wasser unlösliches, leicht in Alkalien lösliches Pulver, welches bei der Berührung mit dem Körper in Carbolsilure und Schwefel zerfällt. Wird aus letzterem Grunde als unschädliches Ersatzmittel des Jodoforms empfohlen.
f Antinonnin (Dinitrokresolnatrium). Gegen die in den bairischen Forsten grassirende Nonnenkrankheit haben Harz und v. Miller das „Antinonninquot;, eine Nitroverbindung des Kresolnatnums, empfohlen. Das­selbe hat die Formel C^H/NO.^ . CHj . ONa, und bildet ein leicht explo-dirbares helles, ziegelrothes, amorphes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches wegen seiner Eeuergefährlichkeit in feuchter Form als Paste ver­sandt wird. Neuerdings hat Sohlampp das Antinonnin auch als Bände-mittel empfohlen.
Calcarla ohlorata. Ohlorkalk.
Olj -|- Oa(OCl)., 4- Oa(OH)2 -4- OaOlj.
)
Pharmaceutische Chemie. Dor Chlorkalk, Calcaria ohlorata, Oalcium hypoohlorosum, wird dargestellt durch Einleiten von Ohlorgas in Kalkhydrat und ist nach der einen Ansicht ein chemi­sches, nach der andern ein rein mechanisches Gemenge von Chlor, unterehlorigsaurom Kalk, Kalkhydrat und Chlorcalcium. Er bildet ein weissliches, nach Chlorgas riechendes Pulver von unangenehmem, zusammenziehendem Q-esohmacke, welches an der Luft schmierig wird und organische Farbstoffe bleicht. Er soll mindestens 250/o wirksames Chlor enthalten (nach der österreichischen Phannakopöo 200/n). In Wasser löst sich Ohlorkalk nur zum Thoil auf; mit Essigsäure gibt er unter starker Chlorent-wicklung eine Lösung, welche durch oxalsaures Ammoniak weiss gefällt wird (Kalkreaktion). Wegen seiner leichten Zersetzlicbkeit muss der Chlorkalk vor Licht und Wärme, geschützt aufbewahrt werden (Abgabe von freiem, gasförmigem Sauerstoff und Chlor).
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252nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Chlor.
Wegen der hei seiner Zersetzung frei werdenden Gase dürfen die Chlorkalkgefässe nicht allzu dioht verschlossen werden (Gefahr der Explosion). Zu vermeiden sind Mischungen des Chlorkalks mit Schwefel, Salmiak, ätherischen Oelen, Benzin, Petroleum etc. (Bildung von explosiblem CljjN).
Das ebenfalls officinelle Chlorwasser (Aqua ohlorata) wird durch Einleiten von Ohlorgas in Wasser dargestellt; es enthält 0,40/o Ohlor und ist eine gelbgrüne, klare Flüssigkeit von erstickendem Ohlorgeruche, welche sich am Lichte sehr bald in Salzsäure zersetzt und daher unzuverlässig ist. Es muss vor Licht geschützt aufbe­wahrt werden.
Das Chlorgas, welches zur Bereitung des Chlorkalks und Chlor-wassers. sowie zu den ('hlorräiicherungen (Fumigutiones (Jhlori) ver­wendet wird, ist ein grüngelbes, erstickend riechendes Gas, welches speciell für Desinfectionszwecke auf dreierlei Weise dargestellt werden kann:
1)nbsp; nbsp;Aus Chlorkalk und Salzsäure (2:3).
2)nbsp; Aus Chlornatrium (3), Schwefelsäure (1). Braunstein(1) und Wasser (1); ('hlorräucherung nach Morveau.
.'i) Aus Salzsäure und Braunstein.
Prüfung- des Chlorkalks. Ein guter Chlorkalk soll zunächst pulver­für mig sein und keine sohmierige oder steinharte Masse bilden. Der von der Pharmakopöe vorgeschriebene Procentgehalt des Chlorkalks an Chlor
(#9632;Jquot;)0/laquo;) wird durch Titriren festgestellt. Werden niimlich 0,5 g Chlor­kalk mit 20 ccm Wasser angerieben und hiezu 1,0 g .lodkuUuni und 20 Tropfen Salzsäure hinzugesetzt, so müssen zur Bindung des vom Chlor aus dorn Jodkalium verdrängten Jods (Entfärbung der rothbraunen Mischung) mindestens 35,7 ccm Zehntelnormal•Natriumthiosulfatlösang (24,8 unter-schwefligsaures Natron in 1 1 Wasser gelöst) vorbraucht werden. Wird weniger verbraucht, dann würde weniger Jod abgeschioden und der Chlor­kalk enthält auch weniger Chlor. Die Entfärbung des freien Jods durch die Natriunithiosulfatlüsung wird durch die Bildung von Jodnatrium be­dingt. A.P. 200,0 = 30 Pfennig. D.P. 1 kg Chlorkalk = 85 Pfennig.
Liquor Natrii hypochlorosi, die sogenannte Labarraque'sche Lauge ist eine wässerige Lösung von unterchlorigsaurem Natron (NaOCl), welche nach Chlor riecht und aus Chlorkalk und Soda dargestellt wird. Diese Flüssigkeit ist neuerdings statt des Chlorkalks als Desinliciens em­pfohlen worden.
Wirkung des Chlors. 1) Durch seine Affinität zum Wasser­stoff und dadurch, dass es mit Wasser zusammen nascirenden Sauer­stoff frei macht (Cl2 H2Ü —2 C1H: Ü), wirkt Chlor auf alles thierische und pflanzliche Gewehe ätzend und zerstörend
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Chlor.
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ein. Deswegen isl das Chlor auch ein scharfes Gift gegen alle lul'ectionsstol'i'e und Fänlnisserreger. Der Chlorkalk wirkt ebenfalls ontiseptisoh durch seinen (jelialt an Chlor und an unter-ohlorigem ECalke, welch letzterer sehr leicht zu freiem Chlor und Kalk zei'l'iilll; aiisserdem enthält der Chlorkalk das ebenfalls desinfi-cirend wirkende Kalkhydrat,
2) Aiudi auf Haut und Schleimhäuten erzeugt Chlor Ent­zündung und Aetzung und führt zu Dermatitis, Conjunctivitis (Thränen), Rhinitis (Niesen). Laryngitis (Husten). Bronchitis, Pneu­monic und fjUngenblutung. Innerlich gegeben erzeugt es Gastro­enteritis.
;i) Auf das Gehirn wirkt Chlor nach Hinz als Narcoticuui. Frösche verfallen nach Einathmung von ('hlordämpfen in Narkose, Kaninchen werden gelähnil. Auch heim Menschen ist schon schwere Betäubung nach Chlorgasvergiftungen beobachtet worden.
Anwendung. I) Das Chlor dient zur Desinfection von infleirten Stallräumen, Eisenbahnwaggons, Milchkammern etc. in Form der Chlorräucherung, Wie bacteriologische Untersuchungen ergeben haben, tödtet Chlor bei entsprechender Concentration alle [nfectionsstoffe. Selbst die Milzbrandsporen werden durch Chlor nach 24 Stunden getödtet. Ebenso wird frisches ßauschbrandgift durch Chlor vernichtet. Das Vorhältniss des Chlors zu anderen Des-inficientien geht aus einer Zusammenstellung von Buchholtz hervor. Darnach wurde die Fortpflanzung von Bacterien in künstlichen Nähr­lösungenvernichtet durch Chlor 1 :25,000, Jod 1 : 5000. Brom 1 : 3000, Salicylsäüre 1 : 300 und Carbolsäure 1 : 25.
Die früher viel angewandten Chlorgasräucherungen sind zwar im Stande, bei genügender Luftfeuchtigkeit und starker Con­centration {1 Volumprocent) innerhalb 24 Stunden alle im lufttrockenen Zustande befindlichen Mikroorganismen zu vernichten, sie besitzen aber für die praktische Desinfection keine Bedeutung, weil die genannte Concentration sehr schwer herzustellen und sehr kost­spielig ist. Auch ist die Ausführung der Chlonlesinfection sehr um­ständlich und gefährlich.
2) Der Chlorkalk nimmt ebenfalls, wie das Chlor, hinsichtlich seiner Dosinfectionswirkung eine der ersten Stellen ein. In einer Concentration wie 1:3 tödtet er seihst Milzbrandsporen. Eine l0/oige wässerige Chlorkalklösung tödtet ferner schon nach einer Mi­nute die M ilzhrandhacillen. die Bacterien der II ühnercholem
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Ohl(
des Sohweinerothlaufs, der Sohweineseuohe und die meisten anderen sporenfreien Bacterien. Dagegen ist der Chlorkalk auch in starken C'oneentrationen gegenüber den Botzbaolllen und Tuberkellaquo; bacillen ein unsicheres Mittel (Jäger). (quot;Idor und Chlorkalk ver­lieren ferner in eiweisshaltigen Flüssigkeiten sehr an desintieirender Wirkung, indem dieselbe vom Hiweiss absorhii't wird (Bebring).
Man benutzt den Chlorkalk ausser zur Desinfection inficirter Stallräume, wo er am besten als Chlorkalkmiloh (l:;i—10) zum Anstreichen der Wände, sowie zum Abschlämmen des Hodens ver­wendet wird. Auch zur Desinfection von Wundon (Bisswunden bei Tollwuth), Geschwüren, Fisteln, nekrotisohen Theilen sowie bei infectiösen Augenentzündungen, Schlangenbissen, In-seotenstiohen, Klauenseuche etc. in Form von wässerigen Lösungen (1—.V/n) oder der Chlorkalkmiloh (1: 10) kann er ange­wandt werden. Cegen Strahlkrebs wird er gepulvert oder als Brei aufgetragen.
Chlorraucherung. Sollen die Chlorräueherungon in Stallräumen wirksam sein, so sind nach den diesbezüglichen Untersuehnngen von Fischer und Proskauer (Mittheilungen des kaiserlichen Gesundhoitsamts II. Bd. 1884) verschiedene in praxi sehr schwer oder gar nicht durchführbare Vorbedingungen zu erfüllen. Zunächst muss die Luft 1'^ Volum-procont Chlorgas enthalten. Zur Erreichung dieses Procontsatzes sind viel grössere Chlormengen nöthig, als man sie früher anwendete; es sind namentlich die Bestimmungen der Anlage zum Desinfectionsverfahren im Seuchengesetze viel zu niedrig angesetzt. Ziir Desinfection sind pro Cuhik meter Luft 250 g Chlorkalk und 350 g Salzsäure nöthig (das Seuchongesetz bestimmt nur 5 g Chlorkalk). Wendet man die Morveau'sohe Chlorraucherung an. so braucht man für einen mittel-grossen Stall 500 g Braunstein, 1000 g Schwefelsäure und 1500 g Kochsalz. Da ferner das Chlor nur bei gleichzeitiger Anwesenheit von Feuchtigkeit desinfleirend wirkt, so sind vor der Chlorraucherung in dem betref­fenden Baume Wasserdämpfe zu entwickeln. Die Räuchorung selbst er­folgt bei geschlossenen Staüräumen: die Dauer der Chlorentwicklung muss mindestens 24 Stunden betragen. Am besten vertheilt man den Chlor­kalk auf mehrere tiefe Schalen a 0,5 kg Chlorkalk, welche an einem mög­lichst hoben Orte aufzustellen sind. Kleider, Lederzeug, Decken etc. sind vor der Rilvxcherung aus dem Stalle zu entfernen, weil sie durch Chlor an­gegriffen werden. Nach der Räuchorung muss der betreffende Uaum mehrere Tage hindurch gut gelüftet werden. Es ist dies namentlich für Schlacht-hallen und Milchräume sehr wichtig, weil sonst das Fleisch und die Milch den Geruch des Chlors annehmen und ungenicssbar werden. Der zur Ver­wendung gelangende Chlorkalk muss ferner immer ganz frisch sein.
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Brom.
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Vromum. Brom.
Br.
Pharmaceutische Chemie. Das Brom kommt in der Natur immer an Magnesium, Natrium etc. gebunden vor als Brommagnesium, Bromnatrium (Meerwasser, Chilisalpeter, Stassfurter Salzbergwerke). Es wird neuerdings in grossen Mengen aus der Mutterlauge des
Stassfurter Salzes dargestellt, welche reich an Brommagnesium ist, indem die Muttorlauge mit Braunstein und Schwefel­säure destillirt wird. Das Brom bildet eine dunkelrothbraune, t'liichtige Flüssigkeit, welche an der Luft schon bei gewöhnlicher Temperatur chlorartige, erstickend riechende, gelbrothe Dämpfe abgibt. Das Brom löst sich in 80 Theilen Wasser, leicht in Aether, Weingeist und Chloroform mit tief rothgelber Farbe. Es soll in Natronlauge klar löslich sein (ölige Trübung bedeutet die Anwesenheit von Bromoform). Die wässerige Lösung soll mit Eisen-pulver geschüttelt bei Zusatz von etwas Eisenchlorid und Chloroform letztere nicht violett färben (Jodgehalt), Das Brom ist ausserordent-lich schwor aufzubewahren, indem es trotz guten Verschlusses der Cefässe bald spurlos verdunstet und alle in dem Aufbewahrungsraum befindlichen Stoffe bleicht.
A.P. 1,0 = 5 Pfennig. D.IJ. 1 kg = 4 Mark 50 Pfennig.
t Bromum chloratum, Ohlorbrom, ist ein neueres Brompräparat
von der Formel BrOlj, welches durch Einleiten von Chlor in kalt gehaltenes Brom gewonnen wird. Das Chlorbrom bildet eine dunkelgelbrothe, erstickend riechende Flüssigkeit, welche die Wirkungen des Broms und Chlors mit einander vereinigt. Es wird als Desinficiens und Aetzmittel gebraucht.
t Acidum hydrobromicum. Die Bromwassorstoifsiime, BrH wird neuer­dings wieder als Antisepticum und Aetzmittel, sowie gegen Epi­lepsie empfohlen. Sie bildet eine klare, färb- und geruchlose, sehr saure, in der Wärme vollkommen litichtige Flüssigkeit mit einem Gehalt von 250|o BrH. Sie wird aus Baryumbromid und Schwefelsäure, oder aus Brom­kalium und Weinsäure dargestellt. Mit Höllensteinlösung gibt sie einen gelblich-weissen, käsigen, in verdünnter Animoaiakflüssigkeit wonig löslichen Niederschlag von Bromsilber. Als Aetzmittel wird sie unverdünnt, zur Desinfection und Aetzung inficirter Wunden, Geschwüre, bei Diphtheritis etc. 1 : 4 Wasser angewandt.
Wirkung. 1) Das Brom ist ein sehr stark wirkendes Anti­septicum und Desinficiens, welches wie das Chlor durch seine Affinität zum Wasserstoff antiseptische Eigenschaften besitzt. Nach
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25(3
Brom.
Buohholtz wird durch Brom das KoitpHan/.migsverinügon von Bao-torien in kiinstliclien Nährlösungen schon hei einer Verdünnung wie 1 : .'iüOü vernichtet. Nach Koch tödten Bromdämpfe die Milzhrand-bacillon schon bei 1:1500, die Milzbrandsporen dagegen erst nacii iMstiindiger Einwirkung einer A'erdiinnung von 1 : 50. Sodann wird durch Brom frisches und getrocknetes Rauchbrandcontagium (Arloing, Cornevin und Thomas) vernichtet: mich Fischer und Proskauer werden llberhaupt alle Spaltpilze, mit Ausnahme der Milzbrandsporen, durch einen Broingehalt von 0,20/o in feuchter Luft
getödtet.
#9632;J) Das Brom wirkt wie das Chlor reizend und ätzend auf alle Schleimhäute und in concentrirter Form auch auf die Haut. Beim Einathmen wird namentlich die Hespirationssehleimliaut an­gegriffen.
;i) Auf Gehirn und Rückenmark wirkt Brom als Narcoti-cum, indem es Schläfrigkeit, Betäubung sowie Ahnahme der Empfind­lichkeit und lleilexerregharkeit erzeugt.
Anwendung. 1) Zur Desinfection geschlossener Räume in Form der Bromräucherung. Die Luft muss lüebei vorher feucht gemacht werden und mindestens 2 Volumprocent Brom enthalten. Nach der 24 Stunden andauernden Bromräucherung sind die betreffenden Räume mehrere Tage hindurch gut zu lüften. Die Anwendung des Broms erfordert Vorsicht. Sie geschieht entweder in der Weise, dass mit flüssigem Brom gefüllte Flaschen in Schalen gestellt werden, welche erhöht liegen und Sand enthalten, worauf die Brom­flaschen rasch geöffnet und unigestossen werden, oder nach der Methode von Frank. Hiebei werden Kieselguhrcylinder mit Brom (1 : 5) iiu-prägnirt und in geschlossenen Q-efässen aufbewahrt (Bromum solidi-ficatum); zum Zwecke der Bromräucherung werden die Gläser ein­fach geöffnet.
Im Vergleiche zu den Chlorräucherungen sind die Bromränche-mngen sehr theuer und heschüdigen auch die in dem betreffenden Räume betindliehen Gegenstände mehr als das Chlor. Sie sind nament­lich auch für den Menschen sehr gefährlich. Ausserdem ist der noth-wendige Bromgehalt der Luft (20/o) auch nach der Frank'schen Methode sehr schwer zu erreichen; seihst .'5(5 g Brom pro Cuhik-meter Luft sind hiezu nicht ganz ausreichend (Fischel' und Pros­kauer). Aus allen diesen Gründen besitzt die Brom-desinfection für die Praxis keinen Werth.
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Jod.
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2) Als Antiseptioüm iu der Wundbehandlung zur Desin* t'ection infloirter Wunden, zur [nhalation bei Diphtherie und als Aetz-
mittol. Von Galthicr ist das Hrom speoiell als Präventivmittel gegen Tollwuth empfohlen wurden; die Bisswunden sollen hiebei desinfioirt und verbunden werden mit einer 0,4 quot;/oigen Bromlösung (Bromum 4,0; Glycerin 250,0; A([iia destdlata 750,0). Diese Flüssigkeit soll ausser-dem auch subeuton in der Umgebung der gebissenen Steile einge-spritzt werden.
Joduui. Jod.
J.
Pharmaceutische Chemie. Das Jod kommt in der Natur an Natrium oder Magnesium gebunden hauptsächlich in gewissen See­tangen an der französischen und englischen Küste (Kelp, Varec ge­nannt), sowie im Meerwasser (1 : 300,000) und im Chilisalpeter als NaJO., vor und wird aus letzterem sowie aus der Asche jener See­tange, welche I—50/o Jodnatrium und Jodmagnesium enthält, dar­gestellt. Das Jod bildet schwarzgraue, metallisch glänzende, trockene Blättchen oder Tafeln von eigenthümlichem Ge­rüche, welche heim Erwärmen flüchtig sind, schon bei gewöhnlicher Temperatur verdunsten, beim Erhitzen violette Dämpfe bilden und Stärkmehllösung blau färben. Es löst sich in 5000 Theilen Wasser und in 10 Theilen Weingeist. Die Lösung in Weingeist (1:10) ist von dunkelrothbrauner Karl)e und offlcinell als Tinctura Jodi. Das Jod löst sich ferner mit brauner Farbe in Jodkalium­lösung (sogenannte Lugol'sche Lösung. KJ., und K.J., enthaltend; und zwar lösen 4 Theile Jodkalium 3 Theile Jod), in Aether, so­dann mit violettblauer Farbe in Chloroform, Benzol und Schwefel­kohlenstoff. Das Jod ist vorsichtig an einem kühlen Ort und in Gläsern mit Glasstopfen aufzubewahren; eine Mischung mit Am-moniak ist wegen der Gefahr einer Explosion (J8N) ZU vermeiden.
Darstellung. Das Jod wird aus dem (Jhilisalpetcr sowie aus der Asche der Seetange (Kelp und Varec) resp. dei-en Mutterlauge aus dem darin enthaltenen .lodnatrium und Jodmagnesium dargestellt. Man unter­scheidet 1) das französische oder resublimirte Jod, welches durch Ein­leiten von Chlor in die Mutterlaugen. Freimachen des Jods aus seinen Ver­bindungen und Besublimiren desselben gewonnen wird und allein officinell ist; 2) das englische Jod, welches durch Behandlung der Asche mit Braun­stein und Schwefelsäure gewonnen wird.
Fröhner, Arznoimittcllpliro. 3, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 17
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258nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Jod.
Prüfung. 1) Das Jod soll sich beim Erhitzen ohne Kückstand ver-flüelitigen (ein Rückstand beweist die Beimengung fremder feuerbeständiger Stoße, besonders von Q-raphiti Hainnierscbhig etc.). 2) Schüttelt man 0,5 g Jod mit 2U cem Wasser, versetzt die Hälfte davon mit einigen Tropfen Zehntelnormal-Natriuinthiosulfatlösung bis zur Entfärbung, fügt ein Körn­chen Eisenvitriol und einen Tropfen Eisenchlorid hinzu, erwärmt mit Natron­lauge und säuert darauf mit Salzsäure an, so soll die Probe nicht blan gefärbt werden (Blaufärbung | Berlinerblau | = Gehalt an sehr giftigem Jodcyan). Die andere Hallte der entfärbten Lösung gebe, mit überschüs­sigem Ammoniak versetzt und mit Silbernitrat ausgefällt und filtrirt, nach dem Uebersättigen mit Salpetersäure nur eine Trübung, aber keinen Nieder­schlag (Oh lorjod). 3) Der Gehalt an reinem Jod kann endlich durch Titri-rung festgestellt werden. 0,2 g Jod mit 1,0 Jodkalium in 20 com Wasser gelöst sollen zur Entfärbung 15,5 —15,7 cem Zehntelnormal-Natriumthio-sulfatlösung brauchen. A.T. 1,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 kg 32-85 Mark.
Wirkung. 1) Das Jod ist wie Chlor und Brom ein starkes Antiseptioum. Nach Buohholtz vernichtet es die Entwicklung von Bacterien in künstlichen Nahrfliissigkeiten schon hei 1: 5000 Wasser; in derselben Verdünnung wirkt es nach Koch hemmend auf die Milz-brandbacillen. Milzbrandsporen werden durch Jodwasser nach 24 Stunden getödtet (Koch). Joddämpfe und Jodwasser (1; 100—400) zerstören ferner getrocknetes tuberkulöses Sputum nach dem An­feuchten, sowie das Rausch hrandeont a gin m. Eiterkokken werden schon bei einer Verdünnung von 1:10.000 sicher getödtet (Martens).
2) Theils durch seine Affinität zum Wasserstoff, theils zum Körpereiweiss wirkt Jod reizend und entzündungserregend auf Haut und Schleimhäute, sowie ätz (nid auf Wunden und seröse Häute. Die Haut wird zunächst intensiv gelb gefärbt, dann hyperämisoh und entzündet; die an der Haut z. B. nach Bepinselung mit Jodtinotur auftretenden Veränderungen haben nach Volk mann viel Aelmlich-keit mit dem Erysipel. Es findet in und unter der Haut eine erheb­liche Ausschwitzung weisser Blutkörperchen statt, welche seihst das Zwischenmuskelgewebe, das Periost und das Knochenmark durchsetzen. Diese ausgewanderten Zellen verfetten allmählich und ziehen die umliegenden Gewehstheile mit in die Verfettung herein. Patho­logische Gewehe können so zur Einschmelzung und Resorption gebracht werden. Im Magen und Darm erzeugt Jod Gastroente­ritis, ausserdem heim Einathmen Rhinitis, Laryngitis und Bronchitis.
8) Die Aufnahme des Jods erfolgt schon von der unverletzten Haut aus. Im Blute verbindet sieb das Jod mit den Alkalien des-
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Jod.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 259
selben zu Jodnatriuni und jocUaurem Natrium. Die Aussoheidung
erfolgt (lurch alle Secrete und Excrete.
#9632;I) Das Jod ist (sin starkes Gift, das je nach der Dosis ver­schiedene Vergiftungserscheinungen hervorruft. Länger fortgesetzte kleine Dosen bedingen den chronischen Jodismus, der sieh durch allgemeine Abmagerung, Sehwund des Körperfetts und der Drüsen (namentlich der Schilddrüse und Milchdrüse), Huut-exantheme sowie chronische Katarrhe (Nasenkatarrh, so­genannter Jodsohnupfen, Magendarmkatarrh) kennzeichnet. Grosse einmalige Dosen erzeugen den aouten Jodismus. Derselbe äussert sich in Magendarmentzündung (hei stomachikaler Application), allgemeiner Schwäche, Herzlähmung und Betäuhung; bei der Section lindet man neben Gastroenteritis Verfettung idler drüsigen Organe, des Herzens und der Skelettmuskulatur. Führt man dus Jod endlicli direct in die Blut bahn ein, so entstehen Auf­lösung der rotheu Blutkörperchen (Hämoglobinämie), starke Reizung und hämorrhagische Entzündung der Pleura und des Peritoneums mit blutigen Exsudaten in den Körperhöhlen, Nierenblutung, Nierenent­zündung sowie; Lungenödem.
Anwendung. 1) Als Antisepticum äusserlich lindet das Jod. wegen seiner schweren Löslichkoit in Wasser und des theuren Preises selten Anwendung. Man benutzt es zur Vernichtung von pflanzlichen Parasiten, z. B. von Trichophyton tonsurans oder gegen Kry-sijjel in Form der Jodtdnotur sowie gegen Pneumomykosen in Ponn der Inhalation der Lugol'schen Lösung.
2) Als entzündungserregendes Mitted äusserlich in Form der Jodtinotur oder Jodsalhe zur Zertheilung von Neubildungen, chro­nischen Periostiten, Tendiniten. Tendovaginiten, Periarthriten, Ar-thriten etc.; in Form der Lugol'schen Lösung resp. der Jodtinotur zur Einspritzung in Tumoren (Struma, Lymphome), Cysten, Fisteln, Gallen. Gelenke, Hydrocelen, in die Brust- und Bauchhöhle (bei chro­nischen oder eiterigen Entzündungen), Kchinokokkenblasen etc. Die zertheilende, ableitende Wirkung erklärt man sich teils durch das entstehende künstliche Hauterysipel mit Auswanderung weisser Blut­körperchen in das darunter liegende kranke Gewebe, theils durch eine Lähmung resp. Ertödtung der kranken Gewebszellen durch das eingedrungene Jod. Einspritzungen von reiner Jodtinotur in Q-elenke können unter Umständen lebensgefährlich werden (Verätzung der
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aöo
Jod.
(ielenkskapsel); man bedient sieli daher besser einer scliwächoren Concentration oder der Lugol'schen Lösung.
:!) Als Aetzmittel gegen Strahlkrebs, ohronisohe Ekzeme, l'a-pillome etc. Die Jodtinctur ist insbesondere bei leichten Formen des Strablkrebses ein sehr wertbvolles, mildes Oaustioum.
4)nbsp; nbsp;Als austrocknendes Mittel gegen eiterige Ekzeme in Verbindung mit Glycerin (T ras bot); dieses sogenannte Jodglycerin besteht aus dodtinctur (1) und Glycerin (4).
5)nbsp; nbsp;Innerlich, d. h. per os, wird Jod selten oder gar nicht an­gewandt. Man benützt statt seiner zur HerbeiflÜU'ung einer resor-birenden Wirkung immer das Jodkalium. Nur als Antidot gegen Alkaloide sowie in einigen Fällen von unstillbarem Erbrechen (Jodtinctur tropfenweise) hat man es zuweilen angewandt. Die früher gebräuchliche Anwendung des Jods als Entfettungsmittel ist durchaus irrationell.
(3) Von Dieckerboff ist das Jod als Lugol'sche Lösung (Rp. Jodi 1,0; Kalii jodati 5,0; Ä.qu. destill. 100—200,0) in Form der intratracbealen Injection zur Behandlung des Peteohialfiebers (der Blutfleokenkrankheit) beim Pferde empföhlet] wurden. Ob diese Behandlungsmethode einen wirklich günstigen Einfluss auf die genannte Krankheit auszuüben vermag, lässt sich zur Zeit bei dem Wider­spruche in den Resultaten der einzelnen Beobachter in eiinvandsfreier Weise nicht entscheiden.
Die casuistischen Mittheilungeu über den Erfolg der Jodinjoction beim Petechialfieber lauten sehr widersprechend. Eine grössore Zahl von Be­obachtern will nach der Anwendung des Jods gute Heilerfolge erzielt haben (Adam, Gröning, Dobesch, Schröter. Heuberger, Wosne-sonki, Müncli, Notz, Thomas, Martin U.A.). Auch von Seiten dor in den Remontedepots befindlichen Eossärzte ist ein günstiges Urtheil über den Werth der Behandlung des Peteohialfiebers mit Lugol'scher Lösung abgegeben worden (Zeitschrift für Veterinärkunde 1889). Diesen günstigen Resultaten stehen jedoch andere weniger günstige und selbst ungünstige gegenüber. Nach dem statistischen Veterin är-Sanitiltsbericht über die preussische Armee pro 188!raquo; kamen die intratracbealen fnjeetionen bei -KJ kranken Pferden in Anwendung; es wurden geheilt 30 = ()!),80/(), es starben 18 = 30,2n|o. Von den auf andere Weise behandelten 17 Pferden genasen 12 = 70,60/o, und starben 5 = 29,40|o. Der Bericht sagt über das Resultat dieser Beobachtungen: „Nach dieser Gegenüberstellung würde die Behandlung des Typbus der Pferde mittelst intratrnohealer Jod-Jod-kaliurnlösungen keine Vortheile bieten und den anderen Behandlungs­methoden eher nachstehenquot; und fügt hinzu, dass sich bei der zu geringen Zahl der behandelten Pferde der Werth der Diecke rhoff chen Behand­lungsmethode vorerst noch nicht beurtheilen lasse. Zsohokke in Zürich (Schweizer Archiv für Thierheilkunde 1888), welcher über ein Dutzend Pftlle
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Jod.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;201
von Peteohialfieber mich der Dieokerhoffsohen Methode bebandelte, be­zeichnet den damit erzielten Erfolg als einen womöglich noch geringeren im Vergleiche zu seiner früheren Behandlungsweise, In Dresden starben' nach .lohne (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1888) säinintliche 3 mit Jocllnjeotionen behandelte Patienten : von 2 andern mit Jod und Calomel gleichzeitig behandelten starb einer. ein anderer, nur mit Calomel behan­delter, kam durch. Joline hat auch zweimal die Thntsache constatirt, class den Jodinjectionen eine nekvot isi rend e Trachequot;itis und Lungen-gangriin folgte. Siedamgrotzky constatirte unter 18 mit Jod behan­delten Pferden einen Verlust von 700/(i und constatirte mehrfach eine reizende Einwirkung der Jodinjectionen auf die Trachealsehleimhaut in Form von croupüser Entzündung und oberflächlicher Nekrose (SUchsichor Jahresbericht 188!gt;), Priedberger (Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin 1888) konnte von der Trachealinjection ebenfalls keine günstigen Resultate verzeichnen : auch er hat schädliche Kolgen der Injection, nämlich eine granulöse Trache'i'tis und Bronchitis constatirt. Die intratracheale Injection kann darnach als eine ungefährliche Operation n icht bezeichnet werden, Hutyra (Ungar. Voter. Bericht pro 1888) beobachtete bei 10 mit Jod behandelten Pferden eine Mortalitätsziffer von B00|o. Nach Duschanek (Oesterreiohische Vereinsmonatsschrift 1889) ist den Jodinjectionen ein besonderer Werth nicht beizulegen, es muss vielmehr zu grosser Vorsicht bei Anwendung der­selben in der Praxis dringend gerathen werden. Bessert (Deutsche Zeit­schrift für Thiermedicin 1890) sah gerade bei solchen mit Peteohialfieber behafteten Pferden einen tödtlichen Verlauf, bei denen die intratracheale Methode der Behandlung in Anwendung gekommen war. Steuert (ibid,i behandelte ein Pferd mit Jodinjectionen; eine günstige Wirkung war hiebei nicht zu oonstatiren, dagegen stellten sich sehr bald Symptome des Jodismus ein; Steuert hält die intratracheale Anwendung der Lugol'schen Lösung nicht für ganz gefahrlos. Ohne Erfolg haben ferner Jod bei Petechial-fieber angewandt Schlake, Kläber, Peil, Ammerschläger u, A. Storch (Oosterr, Zeitschrift für Veterinärkunde 188!raquo;) hat an der Wiener Klinik 11 Fälle von Peteohialfieber mit Jod intratracheal, sowie eine grüssere Anzahl (20) nach der bisherigen Methode behandelt. Er kommt zu dem Schlüsse, dass man durchaus noch nicht zu der Behauptung berechtigt sei, dass wir in den intratrachealen Jodinjectionen ein besseres Mittel gegen Peteohialfieber besitzen, als in den bisherigen. Es kann vielmehr nach Storch vorderhand der Jodbehandlung der Vorzug vor anderen Heil­methoden nicht eingeräumt werden. Das von Dieckerhoff behauptete rasche Verschwinden der Hautanschwellungen hat Storch auf Grund seiner Untersuchungen nicht bestätigen können. Er hält auch die Diecker-hoff'sche Conclusion einer Entgiftung des Körpers durch das Jod für un­berechtigt, indem er auf seine eigenen Misserfolge und auf den Umstand hinweist, dass die eingespritzten Mengen von Jod viel zu klein sind, um eine derartige Wirkung, noch dazu in so rascher Zeit, auszuüben.
Zu allen diesen negativen Beobachtungen kommt noch der Umstand, dass die Mortalitätsziffer des Petechialflebers zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten eine ganz verschiedene ist und dass durchschnittlich 5Ü0/o aller Fälle von Peteohialfieber ohne Behandlung heilen. Es ist des­halb im gegebenen Falle ganz ausserordentlich schwer, den Einfluss der Jodinjection wissenschaftlich zu priieisiren und mit Verzicht auf jede Speculation objeetiv festzustellen, wie viel auf Rechnung des Jods oder der Naturheilkraft kommt.
Die Angaben Levi's, welcher durch intratracheale Injectionen von
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2(32
Jod.
Lugol'soher Lösung den Rotz dor Pferde geheilt haben will (Manuel des injections triichoales ehe/, ie clieval 1883. Clinica veterinaria 188()), sind, wie nicht anders zu erwarten, durch negative Resultate von Trinchera, Tretjakow u. A. widerlegt worden. Trinohera hat sogar nachgewiesen, dass iiitratrachealo Jodinjectionen die Entwicklung des Rotzes beschlen-nigon! Auch hat er hiehei in üebereinstimmung mit den Beobachtungen von Johne und Fr i ed her ge r die Erl'alirung gomaeht, dass Tracheal-injeetionen Überhaupt nicht sehr lange fortgesetzt werden können, ohne eine heftige Tracheobroiichitis und eine sehr intensive Peritraclie'itis zu erzeugen.
Die innerliche Anwendung des Jods gegen Infections-Krankheiten ist schon sehr alt. Es wurde schon im Anfange dieses Jahr­hunderts gegen ilotz und Wurm als intravenöse Injection (Patu, Journal de Lyon 1835) sowie gegen Lungenseuche, Druse etc. versucht. Am bo-kanntesten ist die Empfehlung des Jods gegen den Milzbrand von Davaine (1880). Davaine verdünnte das Blut von milzbrandkranken Hühnern auf das 1000—10,000faohe und versetzte es dann mit einer schwachen Jodlösung. Bei Impfung mit dieser Flüssigkeit (1—4 Tropfen) blieben Meerschweinchen am Leben. Weitere Experimente ergaben, dass der Jodgehalt des Hühnerblnts noch bei einer Verdünnung von 1 : Hi,000 sich wirksam zeigte. Davaine empfahl daher das Jod in Form der Lugol-schon Lösung (Jodi 0,25 ; Kalii jodati 0,5 ; Aqu. destill. 100(1,0) zum Trinken, zu subeutanen Einspritzungen, Bepinselungen eto, gegen Milzbrand. Die Jodbohandlung des Milzbrands hat sich aber nach zahlreichen diesbezüg­lichen Versuchen als durchaus nutzlos erwiesen. /Zur Erklärung dieser Tbatsache hat Koch daraufhingewiesen, dass das im Blute circulirendo freie Jod alsbald an die Blutalkalien gebunden und dadurch unwirksam wird, und dass zur Vernichtung aller Milzbrandbacillen in einem Thier-körper entsprechend der Verdünnung des Jods 1 : 5000 so grosse Jodmengen im Blute circuliren müssten, dass die Folge acuter Jodismus wäre. (Für ein 500 kg schweres Bind wäre eine Dosis von 100 g Jod nöthig!)
Form. Das .Jod wird am häutigsten in Form der Jodtinotur (1:10) als Einpinselung, ferner als Lugol'sohe Lösung (Jod 1, Jod­kalium 2—5, Wasser 50—200), sowie als Jodsalbe (1:10—25) resp. Jod-Jodkalisalbe (Jod 1, Jodkali 2—5, Fett 10—25) an­gewandt. Das reine .Jod wird nur selten benutzt. Will man eine stärkere Concentration anwenden, so verschreibt man es mit 2 bis 5 Tlicilen Glycerin.
Recepte.
1) Rp, Jodi |uiri 1,0.
Kalii Jodati 5,0. Aqu. destill. 100,0. M. D. S. Lugol'sohe Lösung.
#9632;J) Rp. Jodi puri 1,0.
Kalii jodati 5,0. Adip. saill. 25,0. M. f. üflft, H. S, Jod salbe.
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Jodoform.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 26:J
8) Bp. Jodi puri 5,0.
Glyoerini 10—10,0. M. D. S, Aeasserlioh zum Aotzen.
Jodoformium. Jodoform. OHJ8.
Pharmaceutische Chemie. Das Jodoform ist seiner chemischen. Fennel nach als T rij o dm et li an aufzufassen. Es wird dargestellt durch Erhitzen von Jod und Weingeist hei Anwesenheit von Al­kalien und Wasser, als Jodoformium praeoipitatum oder orystallisatum. Es bildet kleine o i tr o n e n g e 1b e, gl an z e n d e, f e t ti g an zufühl ende, hexagonale Blättchen oder Täfelchen von durchdringend safranartigem Gerüche, welche in Wasser fast unlöslich sind (1:14,000), dagegen löslich in 5 Theilen Aether. 7 Theilen Col-lodium. Hl Theilen siedendem und .quot;)0 Theilen kaltem Alkohol. ausserdem in fetten und ätherischen Oelen, Chloroform und Schwefelkohlenstoff. Beim Erhitzen ist es ohne Rückstand flüchtig (Rückstand— Verunreinigimg mit fremden, feuerbeständigen Substanzen). Sein Gehalt an Jod beträgt 970/o, Der Schmelz­punkt liegt hei 120deg; C. Mit Wasser geschüttelt soll es ein farbloses Piltrat liefern (Gelbfärbung = Pikrinsäure), welches weder durch Silbernitrat (Jodmetalle) noch durch Baryumnitrat getrübt werden darf (kohlensaures Alkali). Die Lösungen des Jodoforms in Aether, Oollodium, Alkohol etc. färben sich im Sonnenlichte unter Jodabsoheidung braun. — AP. 1,0 = 10 Pfennig. D.l*. 1 kg 38 Mark 50 Pfennig.
Jodoformium bituminatum ist ein mit Theer imprftgnirtes Jodoform,
welches inetallglilnzende Schüppehou bildet (bitumen=Schiefer), welche in Folge der Theerbeiiuongung ihren unangenehmen Jodoformgeruoh völlig verloren haben. Statt Theer empfiehlt Jaksoh einen 2deg;laquo;igen Znsatz von Creolin als Desodorans zum Jodoform. Mit dem Namen Jodoformium fariuosum bezeichnet man fein gepulvertes, mehlartiges Jodoform,
t Bas Jodol ist neuerdings angeblich wegen seiner geringeren Giftig­keit an Stelle des Jodoforms empfohlen worden (Mazzoni). Das Jodol ist chemisch = Tetr aj o d pyrrol = C4J4HNquot; und wird dargestellt aus Pyrrol und Jod. (Pyrrol = CjHjN ist ein Product der trockenen Destil­lation thierischer Stoffe wie Knochen, Horn, Federn, Wolle etc., daher auch im stinkenden Thioröl enthalten.) Das Jodol ist ein grau gelbes, fein krystallinisches, specifisch leichtes Pulver, das sich zwischen den Fingern wie Talk anfühlt und leicht wie Puder auf der Haut haftet. Es ist voll­kommen gern oh- und geschmacklos und löst sich 1:1 Aether, 1:3
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lodoibrm.
Alkohol, 1:15 Oel, dagegen nur 1: .quot;iOOO Wasser. Wegen seiner Geruch-losigkeit vind an geblichen Ungiftigkeit (?) hat man das Jodol äusserlich statt des Jodoi'onns als Pulver, Salbe, mit Collodinm, Aether, Spiritus, Oel. Glycerin etc. in der Wundbehandlung empfohlen. Ks ist jedoch 21Jsmal theurer als das Jodoform. A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
t Das Jodtrichlorid = JOlg soll nach lliedel und Langenbuch die dosinfieirende Wirkung des Jods und Chlors in sich vereinigen, ohne gütig zu sein. Es bildet ein pomeranzengelbes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches sehr flüchtig ist und stechend riecht. Seine Lösung in Wasser enthält sowohl freies Jod- als Chlor. Eine l00/ooige Jodtrichlorid-lösung in Wasser soll an desinfloirender Kraft einer 30/oigen Carbolsäure-lösung gleichkommen. Das Jodtrichlorid tödtet in lquot;/oiger liösung die Milzbran dsp oren momentan, die leichter zerstörbaren Bacterien sicher schon in einer Verdünnung von 1:500 (Behring). Seiner prakti­schen A n wen du ng steht indessen die leichte Zersetzlichkoit der Lösungen und der hohe Preis entgegen. D.P. 100,0 = 6 Mark -10 Pfennig.
f Aristol. Unter diesem Namen ist als Ersatz, des Jodoforms eine Thymol-Jodverbindung' in den Handel gebracht worden. Es bildet ein hell röthlich-braunes. zartes, geruchloses Pulver, welches in Wasserunlöslich, dagegen in Aether und fetten Oelen löslieh ist und durch Versetzen von Lugol'scher Lösung mit alkalischer Thymollösung dargestellt wird. Seiner chemischen Zusammensetzung nach ist es Di thy m old ij o did:
08H,. CH8. OH = Thymol. (08H, . GH,. CtyJj = Aristol. Es soll, weil in Wasser unlöslich, von der Haut nicht resorbirt werden und daher ungiftig sein. Vor dem Jodoform soll es sich ausserdem vor-theilhaft durch seine Geruchlosigkeit auszeichnen. Nach Eich hoff ist bei Schenkelgeschwüren und tertiär syphilitischen Geschwüren ein schnellerer Erfolg damit zu erzielen, als mit irgend einem bisher bekannten Medicament, ausserdem soll es bei Lupus alle anderen, auch die besten Mittel, sowohl in Bezug auf die Ungefilhrlichkeit, als ai;ch die Energie der Wirkung über­treffen. Die Anwendung erfolgt in 3—100/iiigor Salbe oder als Streupulver auf Wunden. Seiner Anwendung in der Thiorheilkunde steht sein hoher Preis entgegen. A.P. 1,0 = 40 Pfennig.
f Europhen. Unter diesem Namen wird ein Jodprilparat des Cresols (Isobutyl-Orthoeresyljodid) von der Formel OgH2.O4Hg.OH3. OJ—C^H;). C4H1,. CH-j. O als Ersatzmittel des Jodoforms empfohlen. Das Europhen bildet ein gelbes, amorphes, sehr leichtes, aromatisch, jodo­formähnlich riechendes Pulver, welches in Wasser unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether, Chloroform und fetten Oelen löslich ist. Es besitzt einen Jodgehalt von 28 quot;o. Ich habe seiner Zeit das Präparat in meiner Klinik untersucht. Wenn demselben auch zweifellos kräftige antiseptische Wirkung zukommt, so kann es doch als Ersatzmittel des Jodoforms nicht bezeichnet werden. Es besitzt ausserdem zwei unangenehme Eigenschaften, welche seiner Einführung in der Thierhoilkunde im Wege stehen. Einmal ver­klebt es nämlich die Haare in der Umgebung der Wunde so stark, dass man die Verklebung mit Wasser oder Seifenwasser nicht lösen kann. So­dann ist der Preis (1 g = 50 Pfg.) ein abschreckend hoher, auch wenn es 4mal leichter ist, als Jodoform.
t Thiophendijodid. Ebenfalls als Ersatz des Jodoforms em­pfohlen. Es hat die Formel CjHiJ.)S und bildet tafelförmige, leicht flüchtige,
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JodoforiUi
aromatisch riechende Krystalle, welche in Wasser Aether, warmem Alkohol und Chlorofbnn, leicht srebalt betrftst 750/o.
unlöslich, dagegen in löslich sind. Der Jod-
t Dijodthioresorcin. Soll aluilich wie Jodoform und Aristol ein gutes Trockenantisepticuin und ein Ersatz für beide sein. Es hat die Eonncl OßP^OjJijamp;j und bildet ein braunes, amorphes, in Wasser unlös­liches, in Alkohol lösliches Pulver.
t Jodcyan. Ein starkes Antisopticum, welches gleichzeitig sehr giftig ist, und zum Vergiften der niederen Thiere (Insecten etc.) empfohlen wird.
t Antiseptol. Mit diesem Namen hat man in Frankreich eine Jod­verbindung des seh wof olsaur e n Cinchonins bezeichnet (Cin-choninjodosulfat). Das Mittel wird aus Cinchoninsulfat und Lugol'scher Lösung dargestellt und soll ein billigeres Ersatzmittel für Jodoform sein. Es bildet ein sehr leichtes, fast unfiihlbares, geruchloses, kermesbraunes, in Wasser unlösliches, dagegen in Alkohol und Chloroform lösliches Pulver mit einem .lodgehalt von 50quot;/laquo;. In seiner Wirkung soll es mit dem Jodo­form und Aristol (jodirtes Thymol) sowie mit den Jodverbindungen des Phenols, Besoroins und der Salioylsäure übereinstimmen.
f Losophan. Unter diesem Namen wird eine neue Jodverbindung als Mittel gegen Hautkrankheiten, Herpes tonsurans, Ekzeme etc., sowie als Antiscabiosum und Antisepticum empfohlen, Dieselbe ist chemisch = Trijodkresol von der Pormel C^HJ,. CH). OH. Es bildet weisse, in Alkohol schwer lösliche, in Wasser unlöslicho Nadeln und enthält 800|o Jod.
t Jodsäure. Dieselbe wird als solche, sowie als jodsaurer Kalk neuerdings als Antisepticum bei Cystitis etc. empfohlen. Sie hat die Formel HJO3.
t Sozojodol. Vergl. genaueres über dieses angebliche Ersatzmittel des Jodoforms S. 249,
Wirkung des Jodoforms. 1) Das Jodotorm wirkt ausserhalb des Thici'körpers nicht dcsinlicirend. Dagegen besitzt es in Berührung mit dem Thierkörper, also auf Wunden, antiseptische Kraft, indem theils durch die Thätigkeit der lebenden Zellen, theils durch wechsel­seitige Zersetzung hei der Berührung mit den Ptoniai'nen des Eiters aus dem Jodoform anhaltend kleine Mengen freien nascirenden Jods abgespalten werden, welche vorhandene Infeotionsstoffe ver­nichten. Die Jodoform Wirkung ist also im Wesentlichen eine Jodwirkung in statu nascendi. Das Jodoform besitzt ausserdem nach Bruns eine specitisclie antituberkulöse Wirkung.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; •
2) Auf Wunden wirkt .Jodoform ferner (durch seine schwere Löslichkeit resp. als Fremdkörper) granulationsanregend, sowie die Eiterung b e li i n d e r n d , a u s t r o c k n e n d und a 11 ä s t h e s i r e n d.
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.lodüf'orni.
;}) Inuerlioh erzeugt das .Jodoform im grossen Ganzen die Erscheinungen der Jod Vergiftung mit dem Unterschiede, dass in
Folge der idlmälilielien Abspaltung von Jod aus dem Jodoform keine
Aetzwirkung zu Stande kommt. Grosse einmalige Jodoformgaben bedingen deshalb aueh nur verhiiltnissmässig leichte gastrische Störungen: Appetitverlust, Verstopfung, Erbrechen! weiterhin er­zeugen sie Schläfrigkeit und Coma, welche bei den Hausthieren 70n Krampfanfällen unterbrochen werden. Hunde zeigen zuweilen schon im Anfang starke Aufregung und selbst wuthfthnliohe Zufälle (Poljäkow). Gleichzeitig sinkt die Innentemperatur und es stellen sieh die Anzeichen der Herzschwäche ein: frequenter, kleiner Puls, pochender Herzschlag, Oligurie, Albuminurie. Beim Menschen kommt es nicht selten zum Ausbruche eines Jodexanthems. Dauert die Vergiftung länger, so tritt rasch hochgradige Ab­magerung mit Schwund der Drüsen ein. Bei dor Section findet man Verfettung der Körperdrüsen (Leberepithel, Nierenepithel), des Herzmuskels und der Skelettmuskeln, sowie zuweilen Q-lomerulonephritis, Die ch ronische Jodoformvergiftungäussert sieh ähnlich wie der chronische Jodismus in Starker Abmagerung, Jodekzemen und katarrhalischen Affectionen (Rhinitis, Conjunctivitis, Laryngitis, Bronchitis), Beim Menschen beobachtet man ansserdem zuweilen schwere psychische Störungen, so Gedächtnissschwäche, Melancholie. Halluciiuitionen, Wahnvorstellungen, Verfolgungswahnsinn, Tobsucht. Bei der Section liudet man dann im Gehirn die Verände­rungen einer chronischen Leptomenhigitis oder Piaödem.
Die Aufnahme des Jodoforms in den Thierkörper erfolgt nicht durch die unverletzte Haut, dagegen leicht von Wunden und Schleimhäuten sowie vom snbentanen Bindegewebe ans. Die Resorption im Darmcanale findet wahrscheinlich in der Weise statt, dass das Jodoform von dem in der Nahrung enthaltenen Fett gelöst und mit demselben in die Chylusgefässe aufgenommen wird. Auf diesem Wege und bei der weiteren Circulation im Körper wird das Jodoform zum Theil zu freiem Jod zersetzt, welches sich mit den Alkalien des Blutes zn Jodkalium, Jodnatrium und zu jodsauren Salzen verbindet. Die letzteren werden allmählich zu Jodiden reducirt. Im Harn erscheint es demnach zum Theil als Jod id und Jodat; die übrigen Ausscheidungsproducte sind nicht näher bekannt. Lie Aus­scheidung ist eine sehr langsame; man kann so in einzelnen Fällen noch nach ö Monaten Jod im Harn antreffen.
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Jodoform.
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Anwendung. 1) Als Aseptioum bei der trockenen Wund­behandlung, um die Wunde keimfrei und trocken zu erhalten. Die Wunde wird hiebei mit Jodoformpulver bestreut und mit Jodoform-baumwolle und Jodoformgaze verbunden. Ausserdem dient Jodoform /.ur Desinfeotion und Q-ranulationsanregung bei Q-eschwüren, F istoln, bei Strahlkrebs, bei Verbrennungen etc. und als Anti-phlogistioum bei äusseren Entzündungen in Salbenform. Auch gegen pflanzliche Parasiten, chronische Ekzeme etc. kann es als Salbe verwendet wurden.
2) Inncrlieb wird das Jodoform nur selten angewandt. Man kann es wie das Jodkalium als Resolvens für Drtisentumoren sowie gegen fieberhafte [nfectionskrankheiten, /. B. gegen [nfluenza der Pferde in Dosen von 2—5 g (Siedamgrotzky) anwenden. Für Hunde beträgt die innerliehe Dosis 0,05 — 0,2. Heim Menschen hat man es gegen Syphilis und Tuberkulose angewandt.
Bacteriologisches. Die antisoptisclie Wirkung des Jodoforms ist von zwei dänischen Baoteriologeu, Heyn und Bovsing (1887), bestritten worden. Kulturen von grauem Seliimmelpilz, Mikrocoecus, Staphylococoos pyogenes aureus, l'neumoniecoccus und Bacillus subtilis mit .lodoformpulver oder mit 4quot;jniger öliger Jodoformlösung versetzt, blieben ganz intact und zeigten keinerlei Störung in ihrer Vegetation. Auch erzeugte ein Lungen­tuberkel mit der Bfachen Menge Jodoform verrieben und in die vordere Augenkammer von Kaninchen verimpft frische Iristuberkulose.
Diese Versuche können die allseitig in praxi erprobte antibactorielle Wirkung des Jodoforms nicht umstossen. Dass Jodoform ausserhalb des Körpers nicht antiseptisch wirkt, ist schon früher bekannt gewesen; aus diesem Grunde ist auch verständlich, dass Jodoform auf isolirte Kulturen von Spaltpilzen nicht einwirkt. Das Jodoform wirkt nicht als solches, sondern nur dann, wenn sich von ihm freies Jod ab­spaltet. Oelige Lösungen des Jodoforms sind überhaupt ohne antiseptische Wirkung. Die hervorragende antiseptischc Wirkung des Jodoforms ist ferner durch neuere bacteriologische Untersuchungen aussei' Zweifel gestellt worden. Die im Anschlüsse an obige Versuche von verschiedenen Seiten vorgenommenen bacteriologischen Nacbprüfungen des Jodoforms haben zu­nächst ergeben, dass das Jodoform die i solirten Eiterbactorien allerdings nicht bemerkenswerth zu beeinflussen scheint (Wagner, Dehring, Lub­ber t, Schnirer u. A.). Dagegen ist durch Bell ring und de Buy t er nachgewiesen worden, dass sich das Jodoform schon ausserhalb des Thierkörpers mit Eit erptom a 1'n en gegenseitig zersetzt und dass giftige Wirkung von überimpftem Eiter durch einen Zusatz von Jodoform aufgehoben wird. Diese Beobachtung steht mit der allgemein anerkannten klinischen Thatsache im Einklang, dass das Jodoform auf Wunden die Eiterung beschränkt und den vor­handenen Eiter desinfloirt. Sodann hat Sattler gezeigt, dass das Jodo­form die Entwicklung verschiedener Mikroorganismen zu hemmen im Stande ist. Weitere Versuche von Buch n er und Bitter haben ergeben, dass Jodoformdämpfe einen starken entwicklungshemmenden Einfluss auch auf
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.ludoi'uriu.
die Cholerab ac ill c n ausüben, Aelmlklie Beobachtungen liat Til anus bezüglich der Einwirkung des Jodoforms aul'Tub erk el bacillen constatirt. Es haben ferner im Gegensatz zu Heyn und llovsing neuere Experimenta­toren (Ch an tem esse und von Stockum) gefunden, dass tuberkulöser Eiter keine Impf tuberkulöse mehr erzeugte, wenn derselbe mit Jodoform versetzt war. Es entspricht dies vollkommen den grossen Erfolgen, welche die Chirurgie bei der lokalen Tuberkulose des Mensehen durch das Jodoform erzielt hat. Alle diese Umstände beweisen, dass in Sachen der Pharmako­logie die bacteriologischen Resultate gegenüber der praktischen klinischen Er­fahrung vorerst weniger Vertrauen verdienen, und dass es ein grosses Glück genannt werden muss, class das Jodoform in die Chirurgie eingeführt wurde, ehe man seine antibacteriello Wirkungslosigkeit bacteriologiscli festzustellen versuchte (B u o h n e r).
Form
Am häufigsten wird das Jodoform ;ils Pulver angewandt.
indem mau dasselbe einfach auf die Wunden und Geschwüre aufstreut. Hiebei kann man es rein und zwar als gröberes (mehr reizendes) oder feineres (mehr desinHeilendes) Pulver oder in Verbindung mit Bor­säure, Kiclienrindenpnlver. Tannin, Callee etc. anwenden. Auch als Jodoformäther (1:10) und Jodoformcollodium (1:10) kann es zur Desinfection von Wunden und Bedecken von Geschwüren benützt werden. Bezüglich des Jodoformäthers ist mi bemerken, dass sieh die Lösung sehr bald zersetzt unter A bselieidung von freiem Jod, wodurch sie; eine braune Farbe.' Einnimmt, Man kann diese Zer­setzung, welche angeblich weder durch das Licht noch durch den Einfluss der Luft bedingt sein soll, durch einen schwachen Zusatz von Alkohol verzögern. Will man der braun gewordenen Lösung das frei gewordene Jod entziehen, so schüttelt man sie einlach mit einigen
Kügelohen Quecksilber (Hg .1
BgJ). 7a
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wendet man Jodofornnvolie und -Gaze. Salben kann man mit l'n-guentuni Paraftini, Fett oder Lanolin herstellen. Suhcutan wählt man die Verbindung mit Oel, Endlich bedient man sich zum Einführen des Jodoforms in Fisteln der Jodoformstähchen (Bougies), welche aus Oacaobutter, Gelatine etc, hergestellt werden. — Zur Beseiti­gung des unangenehmen Jodoformgeruches hat man einen Zusatz von Creolin, Menthol, Perubalsam, Lavendelöl, Oumarin, Caffee etc, empfohlen,
Recepte.
1)nbsp; Ep, Jodoformii 10,o.
I). S. Aeusserlioll für ein Pferd mit Hautwunde.
2)nbsp; Rji. Jodoformii 5,0.
Aotlieris 50,0. M. 1'. Sei, D. S. Zum Einspritzen in eine Fistel.
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Jodkalium.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;260
8) Rp. Jodoformli '2,0. Oollodii 20,0. Mi I'- Si Aeussorlich gegen OhrgesohwUr beim Hunde.
4)nbsp; Rp. iTodoformii '2,0.
Aoid. boiioi 20^0. M. I. Pulv. Di S. Aeusssi'liob für ein Rind mil \\'iiii(lc.
5)nbsp; nbsp;Rp. Jodoformii 2,0.
Arlipis snilli 20,0. M. f, LTk'I. I'. S. Aouaeerlioh gegen Drüsenentzündungi
0) Rp. Jodoformii 4,0. Greolini 1,0.
Lanolini 10,0. M. f. Ugti I). S. Salbe gegen Erysipel. 7) Rpi Jodoformii 5,0i
Butyri Oacao 20,0.
Olei Kicini qu. s. M. f. I\Iassii e quo formentur Baoilli longitiuliuo = 5, orassitudine = ^iora, D. Si .1 odoformsti I'to.
Kalium und Natrium .jodutum. Jüdkaliuni und Jodnatvium.
K.I. Xa.l.
Pharmaceutische Chemie. 1) Diis Jodkalium wird dargestellt durch Auflösen von .Tod in Aetzkalilauge und naohheriges Glühen mit Kohle. Es hildcl weisse. würfelförmige, an der Luft nicht feucht werdende Krystalle von scharfsalzigem, hinterher bitterem Q-esohmaoke, welche sich sehr leicht in Wasser ('l:tf) sowie 1:12 Weingeist lösen. Die wässerige Lösung mit Chlorwasser versetzt und mit Chloroform geschüttelt, färbt letzteres violett (Freiwerden von Jod durch das Chlor); mit (iberschüssiger Weinsäure vermischt gibt sie nach einigem Stehen einen weissen, krystallinischen Nieder­schlag von Weinstein (Identitätsreaktionen). 4 Theile wässeriger Jodkaliumlösung lösen ;gt; Theile Jod auf (Lugol'sohe Lösung). Ausser durch Chlorwasser wird Jod aus dem JodkaUum abgeschieden durch Bromwasser, salpetrige Säure, rauchende Salpetersäure und Eisenchloridlösung; das freie Jod wird nachgewiesen durch die violettlaquo; rothe Färbung dos Chloroforms oder Schwefelkohlenstoffe, sowie durch die Bläuung von Stärkelösung.
2) Das Jodnatrium wird in analoger Weise dargestellt durch Auflösen von Jod in Natronlauge. Es bildet ein trockenes, weissos, an der Luft feucht werdendes Pulver, welches sich sehr leicht
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Jodkalium.
in Wasser (l'.Oft) mul Weingeist (1:3) löst. Ais Nutrunsalz larbt es die Flamme gelb; als JodYerbindung färbt seine Lösung, mit Ciilor-wasser geschüttelt, Chloroform violett. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Prüfung der Jodsalze. 1) Auf Natrium- resp. Kalium geh alt
durch die IMammeiireaktioii. 2) Auf kohlensaures Kali resp. Natron durch Bliiuung angefexichteten rothea Lakmuspapiers. y) Auf Schwer­metalle durch Schwefelwasserstoff. •!) Auf jodsaure Salze durch so­fortige Blaufärbung der wässerigen Lösung bei Zusatz von verdünnter Schwefelsäure und Stärkelösung. 6) Auf Sulfate durch Baryumnitrat (weisse Trübung), li) Auf Jodcyan durch die Cyanreaktion. Man bringt zu der wässerigen .lodkaliliisung etwas Eisenvitriol und Eisenchlorid, er­wärmt mit überschüssiger Natronlauge und säuert mit Salzsäure an; ist Jodcyan zugegen, so bildet sich eine blaue Farbe (lierlinerblau). 7) Aul' Chloride durch Silbernitrat: werden 0,2 g Jodkalium oder .lodnatrium in 2 ccm Ammoniak gelöst und unter üiuschütteln mit 18 ccm (14 ccm) Zehntelnormal-Silberlösung ausgefällt, so darf das Filtrat nach Ueber-sättigung mit Salpetersäure innerhalb 10 Minuten nicht bis zur Undurch-sichtigkeit getrübt werden.
ünguentum Zalii jodati, die in Deutschland officinelle Jodkalisalbe wird dargestellt aus .Todkali (20), Wasser (15), Natriumthiosulfat ('/i) und Schweineschmalz (105).
Wirkung Das Jodkalium stimmt in seinen Wirkungen mit dem .lodnatrium vollkommen iiberein, da bei beiden Salzen die Jodwirkung in den Vordergrund tritt. Nur bei längerer Verabreichung oder in sehr grossen Dosen konimt ansserdem auch beim Jodkalium die Kalium-Wirkung (Herzwirkung) in Betracht-, in solchen Fällen ist das mildere Jodnatrium vorzuziehen.
1)nbsp; Die Jodsalze wirken schwach antiseptisch, indem sich bei längerer Einwirkung auf organische Substrate aus denselben Jod abspaltet. So wurde nach Schill und Fischer tuberkulöses Sputum durch eine .V'/oige Jodkalilösung nach 24 Stunden unwirksam.
2)nbsp; nbsp;Die Jodsalze haben innerlich gegeben resorbirende Wir­kungen; sie bringen pathologische Zellenhäufungen im Körper zur Kesorption. Nach Einz wird aus den Jodsalzen Jod frei, wenn es mit Protoplasma, Kohlensäure und Wasser zusammenkommt. Dieser Vorgang findet im Körper statt; das frei werdende Jod verbindet sieh dann mit den Zellen der pathologischen Produote, wodurch dieselben in ihrer Lebensfähigkeit geschwächt und leichter resorbirbar werden.
3)nbsp; nbsp;Das Jodkalium bewirkt durch Schwächling der Herzinuskulatiir eine Verminderung des Blutdrucks.
4)nbsp; nbsp;tlrössere (laben der Jodsalze erzeugen in Folge Freiwerdens von Jod in den thätigen Körperzellen (Drüsenzellen, Muskelzellen) die
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Iiidkiilliini.
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ErsobehuiQgon dos Jodismus. Dei'selbe ist meist ein cbrouisober) da
am luiutigsteii kleinere Dosen lungere Zeit hindurch fortgegeben werden. Er änssert sich wi(^ beim Jodoform in allgemeiner Abmagerung^ Schwinden des Fettes, der Lymphdrüsen, der Schilddrüse, der Milchdrüse, sowie Im Auftreten chronischer Katarrhe (Jod­schnupfen, Jodoonjunotivitis) und Hautausschläge,
Im Körper oirouliren die Jodsalze theils als solche, tlieils als jodsaure Salze; ihre Ausscheidung findet durch alle Secrete, nament­lich durch den Harn und die JVlilch statt.
Anwendung. 1) Innerlieh zur Etesorption entzündlicher
oder neoplastischer Kvankheitsproducte. Am wirksamsten zeigen sich die Jodsalze hiehei gegen den einfachen Kropf (Struma hyper-plastica simplex), welcher durch fortgesetzte kleine Gaben von Jod-kalium oder -Jodnatrium ganz wesentlich zum Schwinden gebracht werden kann, in ähnlicher Weise gibt man die .Iodide gegen Lym-phome (z. B. bei der Leukämie), zur Resorption von Blutaustritten, z. B, hei Geliirnapoplexie, sowie zur Aufsaugung entzündlicher Exsudate in den serösen Körperhöhlen, in der Lunge etc.
2) Als Gegengift gegen chronische Metallvergiftungen (Quecksilber-, Bleiintoxication). Das Jod verbindet sich biebei mit den unlöslichen Metallalbnminaten zu löslichen und daher eliminirbaren Mctalljodiden. Annuschat hat diese Art der Wirkung der Jodsalze experimentell festgestellt, indem er bei Hunden, welche täglich eine bestimmte Menge Bleizucker erhielten, eine Steigerung der Bleiaus­scheidung durch den Harn nach Verabreichung von .Jodkalium nach­wies. Es bat ferner Binz gezeigt, dass eine Lösung von Hülmer-eiweiss in Wasser, welche durch Bleiessig getrübt wird (Bildung von Bleialbuminat), bei Zusatz von .Jodkalium nach dem Erwärmen wieder durchsichtig wird.
;i) Als Mittel gegen Herzhypertrophie und Herzklopfen, Uberhaupt bei Ubermässiger Arbeit und Aufregung des Herzens (Hyper-kinese) zur Herabsetzung des Blutdrucks und Beruhigung der Herz-tbätigkeit.
4) Als Speciticum gegen Bohren im Anfangsstadiuni. — In der Menschenheilkunde ist .Jodkalium und Jodnatrium ein Speciflcum gegen tertiäre Syphilis.
quot;)) Ausserdem hat man die .Jodsalze als Antipyretica und Nervina (gegen Husten, Krämpfe etc.) angewandt. — Die Behand­lung der Fettsucht durch .lodsalze ist verwerflich. (quot;ontraindicirt
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272nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohlorsaures Kali.
sind die Jodsalze ferner bei Milohkühen wegen ihres 1raquo;oscliriinkenden Einflusses auf die Milchsecrotion.
Die iinsserliclie Anwendung der reinen Jodkidisalhe ist wir­kungslos, wofern derselben nicht freies Jod zugesetzt wird.
Dosis.
Pferd und Rind .rIT).!).
Sohaf, Ziege und Schwein '1—5,U.
Hund 0,25—1,0.
Katze und Greflügel ii. 1—0.2.
Recepte.
1)nbsp; l!|i. Kalü jodati 5,0.
Aqu. destill. 150,0. M. I*. .S. 'riiglich einen Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) II u n lt;l mit Kropf.
2)nbsp; Rp. Kalü jodati 10.0.
I'niv. Ethizom. Calami 15,0. I'ulv. Bad. Althueae 20,0. Aqu. commun. qu. slt; f. Eleotuar. U. S. Auf 2inal für ein Pferd mit Leukämie.
Die Fluorwasserstoffsäure (Flusssilure) = FIH, welche aus i'luss-spath (CaFl.)) und Schwefelsiiuro dargestellt wird, bildet in concentrirtem Zustande eine intensiv ätzende Flüssigkeit. Neuerdinga ist dieselbe in starker Verdünnung (1 :5000) von französischen Aerzton als Inhalations­mittel gegen Lungentuberkulose empfohlen worden. Nach Martin werden die Tuberkolbaeilleu noch durch eine Verdünnung von 1 :20,000 getödtet. Die Anwendung erfolgt in besonderen Inhalationsrilumen. Die Möglichkeit der Verwerthung der Fluorwasserstoffsäure gegen die Tuber­kulose unserer llausthiere ist sehr zweifelhaft, da namentlich beim Rinde wesentlich andere anatomische Verhältnisse vorliegen, ids beim Menschen. Zn ähnlichen Zwecken wird M ethy Ifluorid (OH3FI) empfohlen.
Kalium chloriount. Chlorsaures Kali.
K0103.
Pharmaceutische Chemie. Das chlorsaure Kali wird im Q-rossen dargestellt durch Einleiten von Ohlor in ein Gemenge von Chlor-kalium und Kalkhydrat; auch bei direktem Einleiten von Ohlor in Kalilauge entsteht neben Ohlorkalium chlorsaures Kalium (liOl #9632;f 6KOH = 5KOI -f KOK), f SHgO). Das chlorsaure Kali bildet glänzende, blätterige, farblose Krystallc von salpeteräbnlichem, kühlendem G-esohmaoke. welche sich in 16 Theilen kaltem, in
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Ohlorsaurea Kali.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;273
8 Theilen siedendem Wasser und in 130 Theilcn Weingeist lösen. Auf glühenden Kohlen verpufft es mit blaarioletter Flamme. Die wässerige Lösung mit Salzsäure erwärmt färbt sieh grüngelb,
indem Ohlor und l'nterelilorsiiure frei werden; mit Übersollilssiger Weinsäure bildet sieb ein weisser, krystallinisoher Niederschlag von Weinstein (identitätsreactionen). Beim Gliilien im l'latin-tic^gel hinterlässt es weisses Cblorkaliutn. Das Chlorsäure Kali darf nicht mit brennbaren Störten (Schwefel, Sohwefelantimon, Kohle, Zucker und anderen organischen Körpern) zusammengerieben werden, weil •es hiebei explodirt (Vorsicht!). A.l'. 10,0 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Das chlorsaure Kali wirkt in Berührung mit dem Körper fäulnisswidrig und desinficirend, indem es Sauerstoff und Chlorsäure abgibt; es wird nämlich durch organische Körper, z, B. durch Eiter, namentlich aber durch faulende organische Massen reducirt (Binz). Ausserhalb des Tbierkörpers ist Kalium ebloricum ebenso wenig ein Antisepticuiu, als Jodoform.
2) Das Chlorsäure Kali regt auf Wunden und Granulationen die Neubildung des Epitliels an.
8) Mit Blut zusammengemischt löst es bald die rothen Blut­körperchen auf, unter Bildung von Metliämoglobin (Nachweis durch das Spectroskop).
4) Innerlieb gegeben hat es in kleineren Dosen keine wesent­liche andere Wirkung, als die Alkalien überhaupt. Es wird zum grössten Theile unzersetzt und sehr rasch durch den Harn, Speichel, die Milch etc, ausgeschieden, Hiebei kommt es zu einer leicbten Ver­mehrung der Harnmenge, ausserdem wird die A eidität des Harns gesteigert und der Harn seihst durch seinen Gehalt an unzersetztem chlorsaurem Kali mitsammt der Blasenschleimlmut. desinficirt,
Grössere Gaben des Salzes bedingen jedoch eine charakteristische Vergiftung. In Folge Zersetzung des Chlorsäuren Kalis im Blute zu Ohlorkalium und Freiwerden von Sauerstoff und Chlorsäure werden die rothen Blutkörperchen zerstört und es bildet sich Metbämoglobin-ämie mit ihren KVdgezuständen (Marchand), Von letztem sind namentlich Hämoglobinnrie, Eämoglobininfarot der Nieren, Nieren­entzündung und Uriimie zu erwähnen,
Anwendung, l) Als speoüisohes Antiseptioum bei Geschwüren in der Maulböhle (Stomatitis ulcerosa; Stomatitis mercurialis) in Form der 1—4 quot;/quot;igen Lösung, Auch zum Bestreuen von Krebs-
KriiInier, Arzneiinittcllchic. !l. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; j^
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274nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Borsäure.
goschwüren (Burow) und gegen Strahlkrebs (Trinchera) hat man eraquo; empfohlen.
2) Als leichtes Diureticum sowie als Mittel gegen Blusen­katarrhe zur Desiufection des Harns und der Blasenschleimhaut (Edlei'sen).
Der Nutzen der Anwendung gegen Diphtherie, (lährungsprocesse im Magen und Darm etc. ist sehr fraglich.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Bind 5—10,0.
Schaf und Ziege 2—5,0. Hund 0,1 — 1,0.
Reoepte.
1)nbsp; Up. Kalii chlorici 5,0.
Aqu. destill, 250,0. M. D. S. Mundwasser i'iir einen Hund mit Stomatitis ulcerosa.
2)nbsp; Rp. Kalii ohlorici 10,0.
A(iu. destill. 800,0. M. I). S. Tiiglioli 2mal einen Esslöffel (Tlioclöffel) für einen gTOSSen (kleinen) Hund mit Hlasenkatarrh.
Acidum borlcnm. Borsäure.
B . (OH)3.
Pharmaceutische Chemie. Die Borsäure kommt in der Natur frei vor in den Maremmen Toskanas, wo sie mit Wasserdampf dem Erdinnern entströmt (Fumarolen), ausserdem in den Kratern einiger Vulkane als Sassolin; gebunden iindet sie sich im Boracit und Borax (Tinkal). Die officinelle Borsäure wird dargestellt aus Borax und Salzsäure. Neuerdings ist der italienischen Borsäure eine starke Concurrenz durch die Entdeckung der Borax-Kalklager in Chile auf den Hochflächen von Copiapo und Antofagasta entstanden.
Die Borsäure bildet farblose, glänzende, schuppenförmige, sich fettig anfühlende, fast geschmacklose Krystalle, welche in 25 Tbeilen kaltem Wasser, in ',] Tlieilen siedendem Wasser, in 15 Tlieilen Weingeist und in Glycerin löslich sind. Beim Erhitzen schmilzt sie und bildet nach dem Erkalten eine glasartige Masse. Ihre wässerige Lösung, mit wenig Salzsäure versetzt, färbt Kurkuma-papler braun; ihre weingeistige Lösung verbrennt mit grüner Fhimme (IdiMiti tätsreactionen).
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Morsäurc.
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Unguentum acidi borici, die in Deutschland officinolle Borsalbe wird aus Borsäure (1) und Parai'iinsalbe (9) dargestellt.
Prüfung. Die wässerige Borsäurelüsung soll nicht getrübt werden durcb Schwefel Wasserstoffwasser (Schwer inet alle), durch Baryumnitrat (Schwefelsäure), Silbernitrat (Chloride), sie soll ferner nicht roth ge­färbt werden durch Sulfocyankalium (Eisen) und nicht blau durch Aetz-ammoniak (Kupfer). A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung. Die Borsäure ist ein mildes A.ntiseptioum; ihre dcsinficirendo Knif't ist etwas schwächer als die der Carbolsäure. von welcher sie jedoch die öeruohlosigkeit und Ungiftigkeit voraus liat. Unwirksam ist sie dagegen auf Schimmelpilze, innerlich gegeben desiniicirt sie in kleinen Dosen, ohne zu reizen, den Magen- und Darmlaquo; Inhalt; in sehr grossen Dosen erzeugt sie Gastroenteritis, Muskel- und Nervenlähmung.
Anwendung. 1) Aeusserlich als mildes, ungiftiges Anti-septicum in der Wundbehandlung, namentlich in der Augenheil­kunde, Ohrenheilkunde und bei Katzen (welche gegen Carbol­säure sehr empfindlich sind). Die Borsäure wird hiebei in Pulverform, namentlich mit Oreolin zusammen als Borcreolin, in wässeriger (2—40/oiger) Lösung, als Borlint, in Salbenform etc, angewandt.
2) Zum Conserviren von Fleisch und Milch.
8) innerlich gegen Gährungen im Magen und Darm, in-l'ectiöse Gastroentcriten, Infectionskrankheiten, Cystitis etc.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Kind 10
-26,0.
Schaf und Ziege 5 —10,0.
Hund 1—3,0.
Katze und Geflügel 0.5—1,0.
Recepte.
1)nbsp; 11]i. Acidi borici 5,0.
Aqu. destill. 250,0. M. I). S. Angcinvassor für einen Hund mit l'leus oomeae.
2)nbsp; Rp. Aeid. borici 25,0.
Crcolini 0,5. M. f. Pulvi D. S. Streupulver auf Wunden, ^f?611 OtoiThöe etc.
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w
270nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Borax.
Borax. Natriumborat.
Nii^B.,0; -|- 10 aqua.
Pharmaceutische Chemie. Der Borax (Borax, Natrium l)i-boricum, Natrium biboraoioum) ist seiner clunuisclum Zusammen­setzung nach tetraborsaures Natrium. Er wird aus der tos-kanisohen Borsäure durch Sättigung mit Soda und Krystallisirung dargestellt. Er bildet harte, weisse Ivrystalle oder krystalli-nisebe Stücke von mildem, siisslichem, kiihlendem; etwas laugen-liai'tem Gescluuaeko, welche sich in 17 Theilen kaltem Wasser, sowie sehr leicht in Glycerin lösen. Die wässerige Boraxlösung färbt Kur­kumapapier auf Zusatz von etwas Salzsäure braun. Die Flamme wird durch reinen Borax gelb (Natriumflamme), durch mit Schwefel­säure angefeuchteten Borax grün (Borsäureflamme) gefärbt (Iden-titätsreactionen). A.IJ. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Borax hat wie die Borsäure antiseptische Wirkungen und wird seit lange? deshalb auch zum Oonserviren von Nahrungsmitteln verwendet. Man benutzt ihn in Form von 2—50/oigen wässerigen Lösungen als Wundwasser und bei Sohleimhauterkrankungen als Desinficiens (nicht als Ad­stringens). Ausserdem soll er diuretische Wirkung besitzen und Harn- und Blasenstoine zur Auflösung bringen. Eine adstrin-girende Wirkung kommt ihm dagegen nicht zu. Man gibt ihn inner­lich in Dosen von 10—25,0 für Pferd und Rind, 5—10,0 für Schafe und Ziegen, 2—5,0 für Schweine, 1—.'),0 für Hunde, 0,5 — 1,0 für Katzen und GeHügel.
Recepte.
1)nbsp; Ri). Boraois 5,0.
Aqu. destill. 2r)0,0. M. D. S. Mundwasser gegen Stomatitis beim Hund.
2)nbsp; Rp. Nati-ii biboraoioi pulv. r)0,0.
Pulv. Fruct. .Tunipcri 250,0. M. f. l'ulv. 1). gt;S. Den 5. Tlieil auf jedes Futter zu streuen für ein Pferd mit Brustwassersuoht.
3)nbsp; Rp. Nittrii biborici
Tartar, depurati älT 50,0. Pulv. Fruct. Juniperi 100,0. Patin, seoalin. 50,0. Aqu. commun. qu. s. f. Klect.
I). S, Auf ;ima1 für ein Pferd mit Wassersucht.
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Oarbo Ligni.
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t Phenyl-Borsäure = ObHb . B(OH).2 soll bedeutend stärkere antiseptische Wirkung besitzen als die Carbolsilui'o, indem sie die Filulniss liSOOO ver­hindert und 1 ; 1ÜÜ0 aufhebt. Innerlich gegeben soll sie keinerlei Reiz­wirkungen ausüben, dagegen den Magen und Darm desinfieiren und die Temperatur herabsetzen. Sie bildet büschellonnige, in Wasser schwer lös­liche Krystalle.
f Natrium chloro-borosum, BOjNa^Cl, ist ein neueres Antisepticum, dessen Wirkung auf der Abspaltung von Chlor beruhen soll (?). Es bildet die Grundlage eines neuen Conservirungsmittels, welches als Barmenit im Handel zu beziehen ist und ein weisses, feines Pulver darstellt. Nach
Koch (Hagen) ist eine
liffe Lösunif von Natrium chloro-borosum und
eine 100/oige Lösung von Barmenit ein vorzügliches Pleisch-Conser-virun gsmittel, welches Fleisch, Nieren, Schellfische etc. bis zu 5 Wochen so frisch erhält, dass dieselben noch gut geniessbar sind. Koch empfiehlt diese Lösungen auch statt Spiritus zum Aufbewahren von Präparaten, weil die letzteren weniger angegriffen werden und das Verfahren billiger ist.
f Retterin = Rotter'sche Pastillen. Dieselben bestellen aus einer Mischung von Borsäure, Salicylsäure, Citrononsilure, Thymol, Chlorzink und Zincum sulfocarbolicum und dienen zur Herstellung von ungiftiger antiseptischer Flüssigkeit (1 Pastille in '/i 1 Wasser gelöst).
Garbo Ligni pulveratus. Oepulverto Holzkohle.
Pharmacoutische Chemie. Die Holzkohle (Carbo ligni pulveratus, Oarbo ligni depuratus) wird mis käuflicher Meilerkohle durch GHühen derselben dargestellt. Sie, bildet ein schwarzes Pulver, welches an Weingeist weder färbende noch riechende Bestandtheile abgeben darf und auf Platinbleoh erhitzt bis auf eine geringe Menge Asche ohne Flamme verbrennen muss. A.P. 10,0 — 5 Pfennig, Die früher officinelle Thierkohle, Oarbo aniinalis, Carbo ossium, wurde durch Gliilien von feingeschnittenem Kalbfleisch mit einem Drittel der Knochen bereitet; sie enthält in Folge dessen phosphorsauren Kalk. A.P. 1,0=5 Pfennig. Ausserdem wurden früher benutzt die Schwamm­kohle (Carbo Spongiae, Spongia usta, Jod-haltig) und die Brotkohle (Carbo panis).
Wirkung. 1) Die trockene, frisch geglühte Kohle hat ein starkes Absorptionsvermögen für Gase, und daher eine anti­septische und desodorisirende Wirkung. Ein Theil Kohle bindet und verdichtet 10 Theilc Sauerstoff, ii5 Theile Kohlensäure, 55 Theile Schwefelwasserstoff, 90 Theile Ammoniak. Wahr-
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Ourbo Lifiui.
sobeinlioh wird der Sauerstoff von dor Kohle (iilinlich wio vom Platin-molir) auch ozonisirt, wodurch sich die antiscptischün Eigenschaften der Kohle erklären lassen.
Es ist bekannt, dass fauliges Wasser durch Kohlentilter gereinigt wird, dass Leichen in Kohlepulver gelegt nicht faulen, sondern nur verwesen, und dass man die Innenwand von Fässern ankohlt, damit ihr Inhalt sich länger hält.
2)nbsp; nbsp;Die Kohle ahsorhirt ausserdem eine grosso Anzahl fester Stoffe, so namentlich Farbstoffe, Bitterstoffe, Gifte (Alkaloide, Phosphor, Metalloide, Metallsalze, Schlangengift) und zerlogt eine Anzahl von Salzen (Jodsalze, essigsaure Salze, fettsaure Salze, schwefel­saure! Metallsalze, phosphorsauro Alkalien etc.). Für gewisse Stoffe, z. B. für Phosphor, besitzt die Thierkohle ein grössores Auf­saugungsvermögen als die Holzkohle.
3)nbsp; Innerlich gegeben verliert die Kohle alsbald, weil sie an­gefeuchtet wird, ihre absorbirende Wirkung. Sie wirkt dann ledig­lich mechanisch reizend auf die Schleimhaut des Magens und Darmes. Eingcathmet dringt die Kohle in das Grcwebe der Lunge ein (Anthracosis pulmonum),
Anwendung. Die Kohle ist äusserlich, im trockenen, frischen Zustande angewandt, ein desodorisirendes und leicht antisepti-sches Mittel auf G-oschwüren, fauligen Wunden, bei übelriechenden Ausflüssen im tlehörgange etc.
Zur innerlichen Anwendung eignet sie sich nicht, weil sie sofort sich mit Wasser etc. impriignirt. Früher wurde sie innerlich gegen Gäbrungen im Magen und Darm, Atonie der Magenwandungen, Tym­panitis, Infectionskrankheiten, Vergiftungen etc., ja selbst in Form der Inhalation gegen Rotz, Lungencavernen, Druse etc. angewandt.
f Pyoktanin (Methylviolett). Eeim Färben von Bacterienpriiparaten hat man schon früher die Beobachtung gemacht, dass die Anilinfarben die Bacterien hlebei tödten. Stilling hat nun in neuerer Zeit das Methyl-violett unter dem Namen „Pyoktaninquot; als Antisepticum empfohlen, indem er nachwies, dass dasselbe starke entwicklungshemmende und bacterien-tödtende Wirkung besitzt und beispielsweise die F iluln issb acterien noch bei einer Verdünnung von 1 : 30,000 , die Eiterkokken bei einer solchen von 1 : 64,000 in ihrer Entwicklung beeinträchtigt. Die Milz-brandbacillen sterben bei einer Verdünnung von 1 : 1000 nach 30 Minuten, bei einer solchen 1:5—25,000 nach 2 Stunden (Jänike, Beer), Zur Todtung der Rotzbacillen bedarf es einer Concentration von 1 : 200 und einer 2stündigen Einwirkung.
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Fyoktanin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;279
In dor Thiorheilkunde ist das l'yoktanin von Voss, Melirdorf, Schlamp p u. A. zur Behandlung von Wunden, Mauke, Maul- und Klauenseuche, Conjunctivitis, Ekzemen, Geschwüren etc. empfohlen worden. Innerlich gegeben scheint es nahezu unschiidlicli zu sein (Müller). Man verwendet es in 0,1—Innigen wässerigen Lösungen oder als Streupulver (1 ; 50). Unangonehm sind die intensiv färbenden Eigenschaften dos Prä­parats.
Noch stärker wirkt nach B oh ring das Malachitgrün antiseptisch; dasselbe tödtet 1 : -5,00!) die Milzbrand- und Cholerabacillen und hemmt #9632;die Entwicklung der ersteren noch bei einer Verdünnung von I ; 40,000. Eine specitische Wirkung gegenüber den Amöben der Malaria besitzt das Methylenblau (Guttraann und Ehrlich). Nach der innerlichen Verabreichung desselben (5inal 0,1 täglich) blieb das Wechselfieber beim Menschen aus und •die Malaria-Plasmodien verschwanden aus dem Blute.
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Metalle und Metalloide.
Argentum nitricum.
AffNO;,.
Höllenstein.
Pharmaceutische Chemie. Das salpetersaure Silber (Lapis inl'crnalis, Höllenstein) wird aus chemisch reinem Silber und Salpetersäure dargestellt. Man löst 15 Theile Silber in 8 Theilen Salpetersäure und verdampft zum Trocknen. Die hiebei entstellenden Höllensteinkrystalle (Argentum nitricum crystallisatum) werden sodann geschmolzen und in Stangenform gegossen (Argentum nitricum fusum).
Der Höllenstein bildet so weis so, glänzende oder grauweisse, transparente, schmelzbare Stäbchen oder Stängelchen mit strahlig-krystallinischem Bruche, welche in 0,(3 Theilen Wasser, sowie in 10 Theilen Weingeist löslich sind und einen un­angenehmen metallisch adstringirenden Geschmack besitzen. Die Lösungen werden durch Salzsäure gciallt (Ohlorsüber). Der flockige Niederschlag ist in Salmiakgeist leicht löslich, in Salpeter­säure unlöslich (Identitätsreaotion). Am Lichte färbt sich Höllen­stein bald grau unter theilweiser Reduction zu Silbermetall. Er muss daher wie seine Lösungen in schwarzen oder gelben Gläsern auf­bewahrt werden. A.P. 1,0 — 25 Pfennig.
Prüfung: 1) auf Blei und Wismuth: die Höllensteinlösung iilrbt sich bei Zusatz von Ammoniak weisslich; 2) auf Kupfer: die Lösung färbt sich bei derselben Probe b 1 iiu 1 ich : 2) auf Cli 1 orsi 1 ber : die Höllen­steinlösung in 1:0,6 Wasser ist nicht klar, sondern weiss getrübt; 4) auf Salpeter: die alkoholische Lösung ist trübe. Ferner gibt das Piltrat einer mit Salzsäure ausgefällten Höllensteinlösung beim Verdampfen einen Rückstand von Salpeter.
Argentum nitricum cum Kalio nitrlco (Argentum nitricum miti-gatum; Argentum nitricum nitratum), salpeterhaltiger Höllenstein, wird
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Höllensluiii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;281
diirgestellt durcli Zusammenschinelzen von 1 Theil Höllenstein mit 2 Thoilen Salpeter. Bildet grau weise, harte, porz oll an artige Stäbchen ohne strahl igen Bruch und ist weniger zerbrechlich als der Höllenstein. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Ausserdem werden, zu innerlichem (Jebrauche, verwandt: Argentum oxydatum, A. chloratum, A. chloratum amnioniatuin, A. cya-uatniii, A. jodatum, Silberpepton etc. Of'ticinell ist ferner zum Ver­silbern von Pillen Argentum foliatum, Blattsilber.
Wirkung. 1) Aeusserlioh wirkt der Höllenstein in oonoen-trirter Form ätzend auf Hunt, Sohleimhäute und Wunden. Die Aetzwirkung ist eine umschriebene und beruht auf der grossen Affi­nität des Körpereiweisses zum Silber und der Bildung eines Silberalbuminat-Aetzsohorfes, Der anfangs weisse Aetzsohorf der Haut wird allmählich schwarz in Folge Reduction des Silbersalzes zu metallischem Silber (lurch die Thätigkeit der lebenden Zelle. Auf Wunden entsteht durch Höllenstein Coagulirung des Secretes, im Blute Gerinnung. Verdünnte Höllensteinlösungen haben eine adstrin-girende, seoretionsbeschränkende, austrocknende Wirkung auf Schleimhäute und Wunden. Dieselbe beruht auf einer direkten Ver­engerung der Blutgefässe (Oapillaren, Arterien, Venen), welche schon nach 15 Secunden eintritt und eine Verlangsamung sowie selbst Stillstand der Circulation herbeiführt. Diese adstringirende CJefiiss-wirkung ist am stärksten hei Hyperämien der Haut und Schleimhäute; sie hat eine Verengerung der Gefässe bis zur Hälfte ihres Lumens zur Folge; und ühertrifl't die des Bleiessigs bedeutend.
2)nbsp; Der Höllenstein hat sehr starke antiseptische Wirkung. Rotzbacillen werden schon durch eine Lösung von 1 : 75,000, Milz-brandbacil'len durch eine solche von 1 : 30,000 in ihrer Entwick­lung gehemmt. Die Fiterkokken werden getödtet nach 2 Minuten durch eine Lösung von 1 : 1000, nach '/ä Minute durch eine solche von 1 : 100. .Dagegen ist der Höllenstein dem Wuthgift gegenüber von sehr schwacher Wirkung; eine (W/oige Höllensteinlösung tödtet dasselbe erst nach ä Minuten,
3)nbsp; Innerlich wird der Höllenstein im Magen zunächst zu Silberalbuminat und, wenn alles Eiweiss gesättigt ist, zu Chlor-silber umgewandelt. Das Silberalbuminat und Chlorsilber löst sich in Kochsalz sowie im Verdauungsgemische auf. Ob unzersetzter Höllen­stein bei den gewöhnlichen medikamentellen Dosen in den Dann ge­langt, ist fraglich. Im Darme wird der in Silberalbuminat und Chlor­silber umgewandelte Höllenstein resorbirt und zwar einestheils in der löslichen Altnnninatverbindung, anderentheils als von der Darm-
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Höllonstein.
Bclileimluiut reduoirtes metallisches Silber in Form feinster Silber-kömclien, analog der Fottresorption. Man findet nämlich die untere Epithelsohiobt des Darmes durch zahlreiche Silberkörnchen pigmentirt (Argyrosis des Verdauungskanals), Eine Ausscheidung des Silbers durch den Harn scheint nur bei subeutaner Injection löslicher Silber­präparate stattzufinden 5 die innige Verbindung des Silbers mit dem Eiweisse und die Cmprägnirung der Gewebe mit metallischem Silber erschwert die Ausscheidung wesentlich.
-I) Eine allgemeine Silberwirkung oder Argyriasis tritt ein, wenn der Höllenstein längere Zeit hindurch verabreicht wird. Heim Menschen färbt sich hiebei die Ha ut grauschwarz in Eolge Ablage­rung feinster Körnchen von mlncirtem metallischem Silben- in die laquo;berste Schichte des Coriums, ins Bindegewebe und in die Schweiss-drttsenknäuel. Diese Sohwarzfärbung der Haut findet man nur beim Menschen nach Verabreichung von ca. 80 g Höllenstein, nicht bei Versuchstbieren (Hunden, Hatten). Dagegen beobachtet man bei Men­schen und Thieren eine Silberablagerung in inneren Organen, namentlich in den Mesenterialdriisen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, auf den serösen Häuten, in der Glisson'schen Scheide der Leber und in den Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz frei.
Fortgesetzte Fütterung von Versuchstbieren mit Silberpräparaten erzeugt eine chronische Silbervergiftung. Dieselbe äussert sich in Abnahme dos Körpergewichts, Atrophie des Fettgewebes, chlorotischer BlutbeschafFenheit, degenerativen Processen in den Muskeln und Körper-driisen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des Digestions- und Respirationsapparates mit profuser Secretion der Schleimhäute, endlich in einer Rückenmarksaffcction mit Muskel- und GefühlsiäInnung, welche im Hintertheil beginnt und anatomisch in Vacuolenbildung der Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen beobachtet man auch Gehirndepressionserscheinungen nach längerer Höllensteinanwendung.
Anwendung. 1) Als relativ schwaches Actzmitte 1 bei abnorm starker Granulation, kleineren Warzen und in der Augenheilkunde.
2) Als äusserliches Adstringens und secretionsbeschrän-kendes sowie gleichzeitig desinficirendes Mittel bei Schleimhaut-ent/.ündungen, nässenden Ekzemen (Eczema impetiginosuin und madi-duns) und Geschwüren, ferner als entzündungswidriges, decken­des; die Epidermisneubildung auf Wunden und Geschwüren anregendes
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Ilölloii.sleiii.
28;{
Mittel, namentlich zur Reguli run j,' der W undlioil uuy in der Chi­rurgie. Der Höllenstein ist ferner eines der besten Mittel bei Ver­brennungen und wird endlicli als Antiseptic um bei Erysipel
angewandt.
;i) Als innerliches Styptieum bei Diarrhöe sowie zur Behand­lung der Magen- und Durmgesellwüre.
4) Als Nervinum bei Epilepsie, epileptiformen Krämpfen und chronischen Rüokenmarkskrankheiten; •/.. B. auch bei der Beschäl­seuche.
Form. Zum Aetzen verwendet man den reinen oder mitigirten Höllensteinstift. Zum Adstringiren und Austrocknen bei nässenden Ekzemen oder eiterigen Dermatiten und Geschwüren, sowie bei Ver­brennungen benützt man Einpinselungen von 5—I00/oigen wässe­rigen Lösungen oder Einreibungen einer ebenso starkem Salbe (mit Onguentum Paraffini); auch spirituöse Lösungen können gebraucht werden, (legen Otorrböe verschreibt man 1—5quot;/laquo;ige wässerige oder spirituöse Lösungen. In der Augenheilkunde bedient man sieh wässeriger Lösungen und zwar je nach dem (ürade der vorhandenen Conjunctivitis Vraquo;—20/oiger. Um hier ('ine Aetzung der Cornea zu vermeiden, spült man nach der Höllenstein-Instillation den Lidsack mit einer 1—20/oigen Kochsalzlösung aus (Bildung von Chlorsilber). Zur Anregung von granulirenden Wunden überfährt man dieselben besonders am Rande leicht mit dem Höllensteinstifte (Bildung einer Silberdecke).
innerlich gibt man den Höllenstein in viel destillirtem Wasser gelöst oder in Pillenfonn mit Argilla oder Talk. Bei Diarrhöen und Darmgeschwüren ist wenigstens bei den kleineren Hausthieren, nament­lich beim Hunde, die Infusion wässeriger Höllensteinlösungen durch den Mastdarm viel wirksamer, als die Verabreichung per os, weil der Höllenstein im Magen zersetzt wird. — Zu vermeiden ist die gleich­zeitige Verabreichung von Chloriden, Phosphaten, Jodiden, Bromiden, sowie von Gerbsäure. — Höllensteinflecken lassen sich mit Cyankalium entfernen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 0,5—2,0.
Schaf, Ziege und Schwein 0,1-Huncl 0,01—0,05. Katze 0,005—0,02. Geflügel 0,01—0,02.
-0,5.
#9632;
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Quecksilber.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Arsrenti niWol 0,1—0,4.
Aqu. destill. 20,0. M. i'. Sol, II. in vitro uigro. S. Augomvassor.
2)nbsp; Rp, Argenti nitrioi 3,0.
Aqu. destill. 50,0. M. f, raquo;Sol. 1). S. Aeusserlieli gegen missomles Ekzem (eiterige Der' matitis).
3)nbsp; Rp, Argeuti Jiitrioi 2,0.
Unguent. Paraffini 20,0. M. 1'. Ugt. D. S. Aeusserlieli. Brandsalbe.
4)nbsp; Rp. Argenti nitriei ö,0.
Spiritna 2-50)0, M, i'. Sol, T). S. Aeusserlieli. Ohrenwasser bei Otorrhoe. 6) Rp, Argenti nitriei pulv, 0,5. Saechar. Lactis 10,0. M, f, Pulv. I). 8, Zum Einblasen in den Kehlkopf bei Laryngitis ideerosa.
6)nbsp; Rp. Argenti nitriei 0,1.
Aqu. destill. 150,0. Glyeerini 10,0. M. f, Sol, 1). S, Sstündlioh 1 Esslöffel für, einen Hund (für ein Kalb) mit Diarrhöe.
7)nbsp; Rp. Argenti nitriei 0,5.
Argillae 20,0.
Aqu. destill. qu. s. f. Pil, D, tal. dos. Nr, X. S. Täglich 2 Pillen für ein Pferd mit Darmgesehwüren.
8)nbsp; Rx-i. Argenti nitriei 0,5.
Boli 5,0.
Aqu. destill. qu. s. f. massa e qua formentur Pil. Nr, XX. 1gt;. S, Täglich 1 Pille für einen Hund mit Epilepsie oder Diarrhöe.
Hydrargynun. Quecksilber,
Hg.
Pharmaceutische Chemie. Das Quecksilber (Hydrargyrum, Mercurius) wird tlieils durcli Küsten des Zumobei'S (HgS-|-08 = Hg -j- SOj), theils aus dem natürlich vorkonunenden Metall dargestellt. Fundorte sind Spanien. CaUfornien, Peru, Idria, Toscana, Böhmen, Rheinbayern etc. Es ist ein flüssiges und beim Erhitzen flüch­tiges, graues Metall mit stark glänzender, spiegelnder Ober­fläche, welches sich leicht in Kugeln zertheilen lässt. Das speeifische
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Quecksilber.
28r
Gewicht beträgt 13,5. Unreines Quecksilber ist mit einem grauen Iliiutchen bedeckt und binterlässt beim Schütteln in einer Porzellan-sciiale schwarze Spuren. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Allgemeine Wirkung des Quecksilbers und seiner Präparate. Das Quecksilber ist in Form seiner lössliclien Verbindungen (Siiblimat) das stärkste Protoplasmagift, indem es von allen Metallen die grösste Affinität zum Eiweisa besitzt. Oertlioh wirken daher die löslichen Quecksilberpräparate in Folge der Bildung von Qucck-silberoxydalbuminat stärker als die anderen Metalle, nämlicli bei verdünnter Anwendung adstringi rend, concontrirt ätzend. Mit dieser starken Einwirkung auf das Biweiss der Körperzellen hängt es auch zusammen, dass die löslichen Quecksilberpräparate (Sublimat) die stärksten Antiseptica sind.
Die innerliche Wirkungsweise des Quecksilbers ist je nach der Dosis sehr verschieden: kleinste Dosen wirken ganz anders, als mittlere und grosse. Kleinste Dosen der Quecksilberpräparate haben nämlich, wie experimentelle und klinische Erfahrungen gelehrt haben (Sohlesinger), eine Anregung des Stoffwechsels, eine Vermeh­rung dos Körpergewichts, Zunahme des Fettansatzes, sowie eine ge­steigerte Bildung der rothen Blutkörperchen zur Folge. Danach ist Quecksilber in kleinsten Dosen (z. B. das Sublimat für Hunde in täglichen Dosen von l/a—1 mg) ein Excitans für die Zellenthätig-keit. Dasselbe hat H. Schulz für die Hefezellen nachgewiesen. Er fand nämlich, dass Sublimat (ähnlich wie Arsenik, Jod, Salicylsäure u. dergl. Antiseptica) im Stande ist, bei genügend weit getriebener Verdünnung (l : 500,000 bis 700,000) die Thätigkeit der Hefezellen auf kürzere oder längere Zeit bedeutend über die Norm zu steigern. Gerade das Gegentheil wird durch grossere Gaben erzielt. Die­selben vermindern den Stoffwechsel und die Zahl der rothen Blutkörperchen, schädigen die Ernährung, erzeugen Verfettung der wichtigsten Körperorgane, lähmen die nervösen Centralorgane und bedingen entzündliche und geschwürige Veränderungen auf der Haut und den Schleimhäuten.
Die Erscheinungen dieser Quecksilbervergiftung (Mercurialis-mus) sind im Allgemeinen folgende:
1)nbsp; nbsp;Salivation, Stomatiti s ulcerosa, Auflockerung des Zabn-fleisches, Lockerwerden und Ausfällen der Zähne bei den Wiederkäuern, übler Geruch aus dem Maule.
2)nbsp; nbsp;Magendarmkatarrh, später profuse, selbst blutige Diar-
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280nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Morcurialisnm.s.
rhöe mit graugrünem, dünnflüssigem, faulig bis aashaft riochendom Kothc.
'A) Husten, eiteriger Nasenausfluss, Bronclioblennorrhöe,. selbst Bronohopneamonie, angestrengte, selbst dyspnoisoheAthmung, übelriechendes EQxspirium, Stöhnen, Nasenbluten.
4)nbsp; Hautekzeme, in der Sauptsaohe Eczema impetiglnosum
und squamosum, beginnend mit starkem Jucken, in Folge dessen Nagen und Scheuern, Haarausfall, Nässen, Eiter- und Borkenbildung neben bedeutender Hautverdiekung und Anschwellung der Subcutis, Bildung von Bläschen und Pusteln, letztere aber ohne Delle, welche mit der Pockenseuche viel Aehnlichkeit haben und beim Ueberimpfen wieder ein vcsico-pustulöses Ekzem erzeugen. Lieblingsstellen: Umgebung der eingeriebenen Salbe, der Augen, des Klotzmaulos, Afters, Euters und der Scheide, Trielfalte, Beugefläohen der Gelenke.
5)nbsp; Lähmungsartige Schwäche, grosse Apathie, Stumpfsinn, Schwindel, Zittern (Tremor mercurialis), starke Schreckhaftigkeit (Eretbismus mercurialis), Lähmung einzelner Muskeln, Abmage­rung, Tod oft unter dem Bilde des Einschlafens, seltener Kon­vulsionen.
6)nbsp; nbsp;Temperatur normal oder kaum erhöht, dagegen der i'uls sehr beschleunigt und schwach, Blutungen in den verschiedensten Organen, besonders den Schleimhäuten der Nase, der Lunge, des Darmes, des Uterus (Abortus), zuweilen Tod durch innere Verblutung. Die Aufnahme der meisten Quecksilberpräparate erfolgt von der Haut, den Schleimhäuten, der Lunge, der Subcutis in der Form des Quecksilberoxyd-Albuminats, welches in Kochsalzlösung und Eiweiss löslich ist. Die Ausscheidung erfolgt durch alle Secrete, geschieht aber sehr langsam. Am emplindlichsten gegen Quecksilber sind die Wiederkäuer, am wenigsten empfindlich Pferde und Schweine.
Anwendung des Quecksilbers. Dasselbe dient gewöhnlich nur zur Darstellung der offioinellen Quecksilberprftparate, so namentlich zur Bereitung der grauen Quecksilbersalbe. Ausserdem hat man die Schwere des Metalls (es ist IS'jjinal schwerer als Wasser) benützt, um durch die innerliche Verabreichung desselben mechanische Darmverschlingungen und Darmverstopfungen zu heben. Hiebei ist das Quecksilber, weil es durch den Magen aufgenommen wird und sich nicht lösen kann, gänz­lich ungiftig, im Gegensatz zur Einatlimung von Quecksilberdiiinpfen, welche das Bild der Quecksilbervergiftung, des sogenannten Mercurialismus erzeugen. Man hat namentlich beim Menschen sehr gute Erfolge von der innerlichen Verabreichung des reinen Quecksilbers bei Unwegsamkeit des Darmkanals erzielt. Die angewandte Dosis betrug 200—300 g. Nach einer Statistik von Bettelheim (Archiv für klinische Medicin 1882) wurden unter 70 Fällen von Darmstenose #9632;r)7 geheilt!
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(Iniuo Queoksilbersalbs.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2H7
In fein zerriebenem Zustande („exstinguirtquot;) wird das Quecksilber in' Amerika, England und Frankreich auch als Purgans angewandt, z. B. nach, folgender Receptfonnel:
Rp, Hydrargyri depurati Mellis Sä 6,0.
Aloös pulv. ;!,0.
Türe, donec Hydriiriiyrinii cxtinctum sit; adde Aloes ;!,(). Piper nigr. 1,0. Pulv. Rad. Kliei 9,0. Scaninion. 2,0. M. f. Pilul. pond. 0,2. D. S. Täglich 5—10 Pillen zum Abführen.
Unguentum Hydrargyri cinemun. Grsiue Quecksilbersalbe.
Pharmaceutische Chemie. Die graue Quecksilbersalbe (Un­guentum Hydrargyri cinereum, Unguentum mercuriale, Un­guentum Neapolitanum) ist eine Ven-eihung von Quecksilbermetall mit der cloj)23clten öewichtsmenge Fett und Talg. Durch anhaltendes Verreiben des Quecksilbers mit dein Fett wird eisteres so fein ver-tlieilt, dass sich aus einem Gramm Quecksilber über 150 Millionen; kleinste Kügelchen bilden. Die ganz friscli bereitete (Quecksilbersalbe' besteht nur aus reinem metallinisohem Quecksilber und Fett; ältere Salbe enthält ausserdem noch in Folge Vorseifung des Fettes durch das Quecksilber fett saures Quccksilberoxydul.
Die graue Quecksilbersalbe ist, wie ihr Name besagt, eine bläulich - graue Salbe von charakteristischem Gerüche, in welcher Quecksilberkügeicheii mit blossem Auge nicht mehr zu erkennen sind.
Das ebenfalls officinelle Emplastrum Hydrargyri wird in der Tliierheilkunde nicht benutzt. Als Oleum cinereum, graues Oel, wird neuerdings eine ZU subeutanen Injectionen gegen Syphilis benutzte Quecksilber-Oelsuspension bezeichnet, welche eine Mischung von Queck­silber und Lanolin (TiiT ;i,0) mit Olivenöl (4,0) darstellt.
Darstellung. 18 Theile Schweineschmalz und 7 Theile Hammeltalg
werden bei gelinder Wärme zusammengeschmolzen. Von der erkalteten Mischung werden 8 Theile mit 10 Theilen Quecksilber in einer eisernen Schale portionenweise ununterbrochen mehrere Stunden lang verrieben, bis für das unbewaffnete Auge kein Quecksilber mehr siebtbar ist, und sodann der Rest dos Pettes beigemengt und ebenfalls genau vorrieben. Wesentlich
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288nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Graue Queoksilbersalhi'.
erleichtert wird die Bereitung, wenn man statt der 8 Theile obiger Pett-mischung ^i Theile alto Quecksilbersalbe oder altes Terpentinöl oder Lanolin resp. Vaseline nimmt. Beim Entfetten der Salbe mit Aether soll '/a Queck­silber zurückbleiben. A.P. 10,0 = 25 Pfennig: 100,0 = 2 Mark. D.P. 1 Kilo = 3 Mark 40 Pfennig.
Die in 0 estorrcich offieinelle Quecksilbersalbe wird durch Ver­reiben gleicher Theile Quecksilber und Lanolin und Beimengung eines Theils der sogenannten einfachen Salbe (Schweinefett und Wachs) dargestellt.
Wirkung, Die Einreibung von Quecksilbersalbe In dio Haut hat sowohl eine örtliche als eine allgemeine Wirkung zur Folge. Wenn auch über die Art und Weise des Eindringens des Queck­silbers in den Körper zahlreiche sich widersprechende Untersuchungs­resultate vorliegen, so ist doch sicher, dass dasselbe auf verschiedenen Wegen in den Körper gelangen kann. Der Hauptvorgang dürfte der sein, dass die Quecksilberkügclohen mechanisch durch den Druck der reibenden Hand in die Talgdrüsenkanäle und Haartaschen bineingepresst und daselbst in eine lösliche, resor-birbare Oxyd- resp. Oxydulverbindung, vielleicht in Sublimat, um­gewandelt werden, etwa nach der Formel;
Mg |- 2Na01 ()-|- CO, -f H20 = HgCl, ! 0O8Na9 H80.
Aus diesem Processe würde also zunächst eine örtliche desin-ficirende, eiterungs- und entzündungshemmende Sublimat- und später­hin eine allgemeine Quecksilberwirkung resultiren. Daneben ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch das in der älteren Salbe vor­handene fettsaure Quecksilberoxydul direkt resorbirt wird. End­lich ist sicher anzunehmen, dass bei dem leichten Verdunsten des eingeriebenen Quecksilbers letzteres auch eingeathmet und von den Schleimhäuten des Respirationsapparates aufgenommen wird. Hiebei können sich in Folge Liegenbleibens einzelner Quecksilberkügelohen in der Maulhöhle Erscheinungen der mercuriellen Stomatitis ausbilden. Wird alte, ranzige Quecksilbersalbe stark in die Haut eingerieben, so entsteht häufig ein Ekzem.
Ausserdem ist die graue Quecksilbersalbe ein starkes Gift für Ungeziefer, namentlich Läuse.
Anwendung. 1) Als Antiparasiticum gegen Läuse, Haar-linge, Lausfliegen, Triohophyton tonsurans, Räudemilben etc. Am em­pfindlichsten gegen die Salbe sind Läuse. Dieselben werden, ohne mit der Salbe direkt in Beziehung zu kommen, getödtet. Gewölmlich reiht man nämlich die Quecksilbersalbe entfernt von den Läusen an #9632;einer Körperstelle ein, wo die Thiere sich nicht lecken können, also
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Sublimat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 289
beim Binde am Qruude der Hörner, heim Hunde unter das HtUsbaml. Das Quecksilber verdunstet dann allmählich und hüllt den Körper des eingeriebenen Thierea In einen Dunstkreis von Quecksilber, welch
letzteres von den Läusen eingeatlimet wird.
Die früher und theilweise auch jetzt ooob (Ibhche Quecksilber­schmierkur gegen Schafräude ist bei der Empfindlichkeit der Wieder­käuer gegen Quecksilber viel zu gefährlich und daher zu widerrathen.
2)nbsp; nbsp;Als Antiphlogistioum gegen Drüsen- und Lymphdrüsen-entzündung, Peritonitis, Erysipel, Phlegmone etc. Die entzündungs­widrige Wirkung erklärt sich aus dem Eindringen des Quecksilbers und der Umwandlung in ein lösliches Quocksilbersalz mit antisepti-scher Wirkung. Oontraindioirt ist die Salbe bei der Mastitis des Rindes.
3)nbsp; nbsp;In der Menschenheilkundc als Speoifioiun gegen das zweite Stadium der Syphilis und gegen Lupus. Man unterscheidet eine grosse und kleine antisyphilitische Sclunierkur; bei der letzteren werden etwa ein Monat lang täglich 1—2,5 g Salbe 10 —15 Minuten lang in verschiedene Stellen der Haut eingerieben.
Dosis. Es ist Kegel, von der grauen Quecksilbersalbe immer nur kleinere Mengen auf einmal und mit grösseren Zwischenräumen anzuwenden. Pferden und Mindern reibt man etwa 5 g, Hunden 0,5 — 1. g (erbsen- ins hohnengrosse Mengen) ein.
Hydrargyi'uin bichloratnm. Sublimat.
HgOlj.
Pharmaceutische Chemie. Der Sublimat oder das Quecksilber­chlorid, Hg018, wird wohl auch Hydrargyrum biohloratum corro-
sivum, ätzender Quecksilbersublimat, im Q-egensatz zum Calomel. Hg2018, dem Quecksilberchlorür oder Hydrargyrum chloratum mite benannt. Er wird dargestellt durch Sublimiren von schwefelsaurem Quecksilberoxyd mit Chlornatrium nach der Formel;
HgSO., -f 2ClNa = HgOl, S( )1Nail, Er bildet weisse, durchscheinende, strahlig-krystallinisclie Stücke, welche beim Ritzen einen rein weissen Strich und beim Zerreiben ein rein weisses, schweres (S = 5,3) Pulver von schar­fem, widerlich metallischem Grescbmacke geben, das sich beim
Erhitzen unter Schmelzen verflüchtigt und in 18 Tbeilen kaltem Froiiner, AnsnelmlUellebre. a. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;io
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290nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sublimat.
und 3 Theilen siedendem Wasser mit saurer lleiiktion, sowie in 3 Theilen Weingeist und 4 Theilen Aether löst (Oalomel ist im Gegensatze hiezu unlöslich und hat eine gelblioh-weisse Farbe). Am Lichte werden Sublimatlösungen alhnfthlich zu Oalomel reducirt,
sie sind daher vorsichtig, vor Lieht geschtttzt, aufzubewahren.
Charakteristische Reaktionen sind: 1) Sohwarzfär-bung der wässerigen Lösung durch Schwefelwasserstoff (8.Hg): 2) Weissfärbung derselben durch Höllenstein (OlAg) und Aetzlaquo; ammoniak (HgOlNHj); 8) Gelbrothfärbung durch Alkalien (HgO); 4) Scharlachrothfärbung durch Jodkalium (HgJg); 5) Amalgamirung metallischen Kupfers (CuHg); 6) -Nieder­schlag bei Zusatz von neutraler und alkalischer Eiweisslösung oder Gerbsäure. Der Eiweissniederschlag löst sich im Oebersohusse von Eiweiss, sowie in Chlornatrium und bei schwacher Ansiiuerung; saure Eiweisslösungen geben mit Sublimat keinen Niederschlag. A. IJ. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 20 Pfennig. D.P. 1 Kilo 5 Mark 75 Pfennig.
Wirkung. I) Der Sublimat ist das stärkste und schnellste Desinficiens für alle, insbesondere auch sporenhaltigeMikro­organismen (Milzbrandsporen) mit Ausnahme der Tuberkel-baoillen. Er besitzt für sporenfreie Bacterien entwicklungs­hemmende Wirkungen noch bei einer Verdünnung von 1 : 1 Million und tödtet dieselben in der Mehrzahl bei einer Verdiinnung von 1: 100,000—500,000.
Milzbrandbacillen werden rasch getödtet bei einer
Verdünnung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1: 50,000
Milzbrandsporen werden rasch getödtet bei einer
Verdünnung.............nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1 : 1000
Rotzbacillen werden rasch getödtet bei einer Ver­dünnung ..............1:5—10,000.
Dagegen werden die Tuber k el hac ill en durch Sublimat 1:1000 erst nach einer mindestens eintägigen Einwirkung getödtet. Besonders stark ist die Desinfectionskraft des Sublimats, wenn er bei höherer Temperatur einwirkt; bei Blutwärme werden die Milzbrandbacillen schon durch eine Verdünnung wie 1 : 100,000 getödtet. In eiweiss-haltigen Flüssigkeiten sind wegen der Ausfüllung des Sublimats wesentlich stärkere Concentrationon noting; so werden die Milzbrand­bacillen im Blutserum erst bei einer Concentration von 1:1000 vernichtet, weil durch die Eildung des Niederschlags von Eiweiss-Sublimat das Eindringen des letzteren in die Blutflüssigkeit gehindert
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Sublimat.
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wird. Ein Zuscitz von Koch salz voriiütet die Avisfällung des Ei-weisses. Das Kochsalz verhindert ausserdem die Zersetzung des Subli­mats im gewöhnlichen Wasser. Im Uehrigen stört nach Bell ring die Bildung von Zersetzungsproducten (Oxychloriden. Quecksilber-idbuminat) den Desinfectionsweitli des Sublimats nicht im Mindesten, wofern dieselben nur in Lösung bleiben.
Die Ursache der antiseptischen Wirkung wird in einer Aeti-virung dos Chlors in der Weise gesucht, dass der Sublimat unter Zersetzung zu Calomel Ohlor frei gibt: 2Hg01j = Hg11C!l8 \-GL, Darnach wäre die Sublimatwirkung im Wesentlichen eine Ohlorwirkung. Dazu kommt jedoch die Giftigkeit aller Quecksilbersalze gegen Jedes Protoplasma, welche beim Sublimat wegen dessen leichter Lös­lichkeit am grössten ist.
2)nbsp; nbsp;Der Sublimat gehört zu den stärksten Aetzmitteln. In Sub­stanz und in ooncentrirten Lösungen (bis I00/o) erzeugt er auf der Haut, auf Schleimhäuten und Wunden einen schwarzen Aetzscborf. Schwächere Lösungen (50/o) wirken entzündungserregend, ver­dünnte (Iquot;raquo;) reizend, sehr stark verdünnte (Vio—l0/o) adstringi-rend. Innerlich gegeben bedingt er eine blutige, diphtheritische Gastroenteritis. Pferde und Rinder sterben nach 5—10 g unter schweren Kolikerscheinungen, Speicheln. Recken. Rülpsen, blutigen Durchfällen und hochgradiger Schwäche; Hunde nach 0,1—0,3 g oft schon nach wenigen Stunden. Auch bei Resorption von Wunden oder von der üterusschleimhaut kommt es zu diphtheritischer Darm­entzündung, sowie zu starker Kalkinfarktion der Nieren,
3)nbsp; nbsp;Die Aufnahme ins Blut findet in der Form des Queck-silberoxyd-Albuminates, wie bei allen QueoksilberprBparaten, statt, nachdem der Sublimat sich im Magen zum Theil in die Doppelverhiiuhing Quecksilberchlorid-Chlornatrium umgewandelt hat (Voit), Da­bei werden durch medicinelle Ciaben weder das Pepsin noch die Pep­tone im Magen gefällt; im sauren Mageninhalte erzeugt Sublimat über­haupt keinen Niederschlag (Marie). Bei subentaner Application ist zur Vermeidung eines Niederschlages ein Zusatz von Chlornatrium uöthig. In der Form des Quecksilberoxyd-Albuminates wird der Subli­mat von allen Körperorganen, namentlich aber von der Leber auf­genommen und sehr lange Zeit festgehalten. Die Ausscheidung erfolgt durch alle Secrete, am reichlichsten durch die Galle, wobei sich das Quecksilber im Darme zu schwarzem Schwefelquecksilber umwandelt.
1) Die anhaltende Verabreichung kleinster Sublimatgaben
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Sulilimat.
'i !l
erhöht don Stoffwechsel, venuelirt die Zahl der rotben Hlut-körperobeu und hat seihst Fettansatz zur Folge. Offenbar ist das Quecksilber in kleinsten Mengen ein formativer itri/. für die Stoff-weobselorgane, die Drüsen und die blutbildenden Gewebe. Liögeois injicirte z. B. - Kaninehen 2 Monate hing täglioli je 1 mg Sublimat, und fand als Effect eine Gewiobtszunabme von 1000 resp. 650 g. Dieselben Beobachtungen machte Bennett hei Hunden, Sohle-singer, der die Sublimatfütterung ein ganzes Jahr hindurch fortsetzte, bei Hunden und Kaninchen. Key es endlich am Menschen.
Anwendung. 1) Als Antisepticum in der Chirurgie und Geburtshilfe in der Perm des Sublimatwassers 1 : 1000—5000 vor, während und nach der Operation, zur Desinfeetion des Operations­feldes, der Wunde, der Hände und Instrumente, sowie zur Her­stellung eines aseptischen Subliraatverbandes; desgleichen zur Aus­spülung des Uterus, der Blase etc. Das l00/onige Sublimat­wasser übertrifft das 30/oige Carholwasser weitaus an anti-septischer Wirkung.
2)nbsp; Zur Desinfeetion von Stallungen und sonstigen Räumlich­keiten in '-gt;—l00/ooigen Lösungen bei allen Seuchen. Die Anwendung von Seife Lauge, Soda, Pottasche, Kalk und Chlorkalk während und nach der Desinfeetion ist wegen der Zersetzung des Sublimats zu Quecksilberoxyd zu vermeiden.
3)nbsp; nbsp;Als Antiparasiticum gegen Läuse, Triobophyton tonsurans, Sarcoptes-. Dennatocoptes- und Acarusmilben, (iregarinose etc. Dabei hat man sich jedoch der starken Giftigkeit des Mittels, sowie der Ge­fahr des Ableckens zu erinnern. Im Allgemeinen sollen Concentrationen von 1 : 100 nicht überschritten werden. Lies empfiehlt gegen Schaf­räude ein Sublimatbad in 1 : 500 Flusswasser mit 1 Minute Dauer-
1) Als Aetzmittel gegen Strahlkrebs, Brustbeulen, Stollbeulen,' Piephacken, Hasenbacken, Ueberbeine, Gallen, Hnfknorpelfisteln, chronische hartnäckige Ekzeme, zum Versohlusa von Gelenk­wunden etc.
5) Als Conservirnngsmittel für Arzneilösungen (Äugen-wässer, InjectionsHüssigkeiten) und Präparate. Als gutes Conscrvirungs-mittcl für letztere gilt u. a. eine Mischung von '2 Theilen Sublimat; 2 Theilen Campher, 1 Theil Kreosot und 40 Theilen Alkohol.
ü) Innerlich und subeutan wird der Sublimat Inder Menschen-keilkunde gegen die Syphilis, beim Pnerperalfieber sowie gegen die Entzündung der serösen Häute angewandt. Dje von Einigen
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Sublimat!
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vorgesohlagene Behandlung der Besohfilseuohe und des Pferderotzes mit Sublimat hat sicdi nicht bewährt.
1) Zur Darstellung anderer Queoksilberpräparate, so iles Hydrargymm bijodatura, oxydatum flavum und praeoipitatum album.
Nachtheile der Sublimat-Antiseptik. Obgleich der Sublimat das zur Zeit gebräuchlichste Autiseptieum ist und an Wirkung von keinem anderen Mittel ttbertroll'en wird, ist seine Anwendung doch mit gewissen Nach­theilen und tlei'abrcn verknüpft. Dieselben sind im Wesentlichen nach­folgende :
1) Der Sublimat ist das giftigste aller Antiseptioa. Vergiftungen ereignen sich namentlich bei üterusausspülungen, wenn eine grüssere Menge Sublimatwasser im Uterus zurückbleibt oder die Uterusschleimhaut Ver­wundungen aufweist. Aus diesem Grunde ist namentlich vor der Anwendung des Sublimatwassers beim Rinde trotz gegentheiliger Angaben zu warnen, da selbst Verdünnungen wie 1 ; 5000 acuten Mercurialismus, sowie ausser-dem sehr lästiges Drängen zur Folge haben können (L yd tin, Egge ling). — Dagegen sind Vergiftungen nicht zu befürchten bei der Anwendung des Sublimats als Desinfectionsmittel für Stallungen, Wohnräume etc. Trotz der überaus grossen Anzahl bisher vorgenommener Sublimatdesinfectionen ist noch niemals ein Fall von schädlicher Einwirkung des Sublimats auf Menschen und Thiere constatirt worden. Im Gegontheil ist bezüglich des Menschen durch verschiedene Beobachter festgestellt, dass die Desinfection der Wohnungen mit einer l00/ooigen Sublimatlösung ohne alle nach­theilige Folge für die Bewohner vorgenommen werden kann (Flügge, Kr up in u. A.). Auch bei den Hausthieron, insbesondere b6i dem für das Quecksilber so sehr einplindliclien Bind, ist noch niemals ein Fall von Quecksilbervergiftung im Anschlüsse an die Desinfection des Stalles beob­achtet worden; die bekannt gewordenen Fälle von Sublimatvergiftung beim Rind beziehen sich vielmehr sämnitlich auf Üterusausspülungen.
quot;2) Die wässerigen Sublimatlösungen sind leicht zersotzlich. Ge­wöhnliches Brunnenwasser zerlegt den Sublimat durch seinen Gebalt an kohlensauren Erdsalzen, namentlicli an Kalk, zu Quecksilberoxyd, Queck-silberdi-tri-tetraoxychlorid. Calomel etc. Aber auch Lösungen des Sublimats in destillirtem Wasser zersetzen sich mit der Zeit durch das Sonnenlicht zu Oalomel. Dazu kommt, dass bei der Berührung des Sublimatwassers mil dem AVundsecrete und den Ciewebon des Körpers das Eiweiss der letz­teren durch Sublimat gefällt und das Quecksilberchlorid zersetzt wird. Diese Zersetzung des Sublimatwassers lässt sich allerdings bis zu einem gewissen tirade durch einen Zusatz von Kochsalz oder Salmiak, sowie von Säuren (Weinsäure, Salicylsäure, Essigsäure) aufhalten, so dass man zur Herstellung des Sublimatwassers selbst gewöhnliches Brunnenwasser ver­wenden kann. Auch halten sich Sublimatlösungen ziemlich lange in dunkel­gelben Gläsern.
•!) Das Sublimatwasser amalgamirt die Instrumente und benimmt ihnen dadurch die Schärfe. Dieselben werden ausserdem mit der Zeit stark angegriffen.
4) Sublimatlösungen sind auch bei starker Verdünnung noch sehr schmerzhaft, insbesondere bei Anwendung auf Schleimhäuten (Auge, Blase, Uterus); Binder zeigen z. B. anhaltendes, starkes Drängen auf den Uterus nncli Sublimatinfusionen.
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Sublimatraquo;
Form, Das um häufigsten verwandte Subliinatwasser 1 11000 l)is 5000) wird um besten unter einem Zusätze von Ohlornatrium oder Ammonium chloratum mittelst destillirtem Wasser dargestellt und in dunkelgelben Maschen auf bewahrt. Man versohreibe; Sublimat 1 Theil, Kochsalz oder Salmiak 2 Theile, destillirtes Wasser 1000—B000 Theile. Ein Zusatz von Weinsäui'e soll nach neueren Untersuchungen die Zersetzung des Sublimats nicht vollständig verhindern. Vielmehr ist Kochsalz vorzuziehen, welches a.usserdem noch die vortbeilhafte Eigen­schaft besitzt, dass es das Ausfallen eines Niederschlags von Queck-silheroxyd-Alhuminat hei der Berührung des Sublimatwassers mit der Wunde verhindert. Wenn irgend möglich, soll jedoch mich hei Kochsalzzusatz destillirtes Wasser genommen werden, tun die Zer­setzung um so sicherer zu vermeiden. Die dunkelgelbe Farbe der Sublimattlasclien soll die Zersetzung des Sublimates durch das Licht verhüten, welches denselben zu Calomel reducirt nach der Formel: 2Hg01a -\- H.2 O = Hg2CI2 -J 2C1H i O, Sehr empfehlenswerth für die Landpraxis sind ferner die Angerer'schen Sublimatpastillen, welche je 1 g Sublimat und Kochsalz enthalten und in 1 1 Wasser gelöst ein l00/ooige8 Sublimatwasser liefern. Dieselben eignen sich namentlich auch für Desinfeotionszwecke. — Zur schnelleren Lösung des Sublimats in Wasser hei Desinfectionen kann man entweder spirituöse Lösungen verwenden oder denselben kochen. Sublimat­wolle resp. -Gaze wird nach v. Bergmann am besten in der Weise dargestellt, dass man die im Dampfbade sterilisirten Stoffe direkt mit einer Suhlimatlösung tränkt, welche aus 10 Tbeilen Sublimat, 500 Theilen Glycerin, 1000 Tbeilen Alkohol und 1500 Tbeilen Wasser besteht und dann trocknet. Zum Waschen der Hände benützt man eine l00/ooige Suhlimatseifc,
Zu Aetzzweoken benutzt man entweder Sublimat in Stücken resp. Pulverform (rein oder mit Gummi als Streupulver), oder eine Paste (1 : 1—5 Mehl mit Wasser angerührt), ferner spirituöse Lö­sungen (1 ::!—10), Aetzcollodium (1 : 10) = Oollodium causticum, Salben (1:1—10 Fett, Cantbaridensalbe etc), Bougies (gummirte Darmsaiten mit Sublimat bestreut) zum Einführen in Fisteln, endlich sogenannte Aetzligaturen zum Castriren männlicher Rinder, Ab­binden von Stollbeulen etc. Zu diesen Aetzligaturen benutzt man dicken Bindfaden, welchen man mit einer Mischung von Sublimat, Gummi arabicuin (gleiche Theile) und Wasser (doppelte Theile) über­zieht („Cerooli sublimati corrosiviquot;). Die früher viel benutzte soge­nannte Vivier'sohe Aetzflüssigkeit (Sublimat, Antimonchlorid, Salz-
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Sublimat.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;295
säure, Wasser), sowie; das phagedänisohe Wasser, Aqua phagedaeuioa lutea (1 Sublimat in 300 Kalkwasser) sind llberflüssige und zum Theile anohenüsohe Arzneimisobungeu.
Zum Tädten von Parasiten bedient man sich dor Waschungen mit lli—1 quot;/oigem Sublimatwasser oder BUnreibungen von l0/oiger Subli-matsalbe. Augenwässer nimmt man 1:2000—5000. Innerlich gibt man den Sublimat mit viel Eiweiss oder Pepton in wässeriger, stark verdünnter Lösung (nicht in Pillenform); suheutan in Ver­bindung mit Kochsalz als Doppelsalz: Eg018-)-CINa, um die Ent­stehung eines Eisenniederschlags zu verhüten, oder als Albuminat resp. Peptonat.
Dosis. Pferd und Rind 0,1—0,2 (Maximum 0,5).
Schaf und Schwein 0,01—0,02 (Maximum 0,1). Hund 0,005—0,01 (Maximum 0,05).
Katzen und Geflügel 0,002
0,005.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Hydrarn-yr. biolilor. oorros. 0,5.
Aqu. dostill. 500,0. jNI. D. in vitr. Hav. iS. Wundwasser,
2)nbsp; Rp. Hydrargyr. biohlor. oorros. 0,5.
Natrii ohlorati 1,0. Aqu. destill, 500,0. JL. D. ad vitr. Hav. gt;;. Wundwassur.
;i) Rp. Hydrargyr, bichlor. 1,0. Unguent. Paraff. 100,0. M. f. l'gt. II. iS. Acusserlicl] gegen Uiiude.
4)nbsp; Rp. Hydrargyr. bichlor. 5,0.
Spiritus 50,0. M. 1gt;. S. Aeusserlioh, Aetzmittel gegen Strahlkrebs.
5)nbsp; nbsp;Rp. Hydrargyr. biohlor. 2,5.
Oollodii elast. 25,0. M. D. S. Aetzcollodiimi.
6)nbsp; llp. Hydrargyr. bichlor. 5,0.
Farin. secal. 10,0. Aqu. destill, qu. s. f. Pasta, 1). S. Actzpaste.
7)nbsp; Rp, Hydrargyr. biohlor. 5,0.
Actheris 10,0. Collodii 25,0. M. D. S. Aeusserlioh zum Bepinselu chronischer Ek/eme.
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Calomel.
8) Bp, Hydrai'gyr. biohlor. 0,2. Q-lyoerini 20,0. M. D. Si Zum Bepinseln von Qesohwttren.
i)) Rp. Hydrargyr. biohlor, 0,1. Xntrii oblorati 1,0. Aipi. destill. 10,0. M. D. gt;S. Zu suboutanen [njeotionen.
10) Rp. Hydrargyr. biohlor, 0,1, Ammon. clilorati 3,0. Solve in Aqu. destill. 150,0. Adde Albumen ovis anias. D. S. Queoksilberalbuminat.
Hydrargyrum chloratum. Calomel.
Hga012.
Pharmaceutische Chemie. Das Quecksilberchloriir oder Calomel, Hydrargyrum chloratum mite, Hydrargyrum chloratum mite sublimatione paratum, Mercurius dulcis,'Calomelas etc. wird aus Sublimat und metallischem Quecksilber durch Sublimirou derselben nach vorherigem Zusaninienreiben dargestellt:
HgCl2 Hg- Hg2Cl2.
Es bildet ein gelblich - weisses, schweres (S = 7), feines, bei lOOfaoher Yergrösserung deutlich krystallinisches, in Wasser und Alkohol unlösliches, geschmack- und geruchloses Pulver, wel­ches heim Erhitzen ohne ZU schmelzen flüchtig ist,
Identitätsreaktion: Schwarzfärbung mit starken Alkalien (Sublimat färbt sich roth; der weisse Präcipitat liefert Ammoniak). Blankes Kupfer oder Eisen wird im Gegensätze zum Sublimat vom Ca­lomel nicht amalgamirt. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 25 Pfennig.
Hydrargyrum chloratum vapore paratum wird dargestellt durch Abkühlen des sublimirenden Calomeldampfcs in kaltem Wasser damp f. Es bildet ein reinweisses, sehr fein vertheiltes, bei lOOfacher Vergrösserung nur vereinzelte Kryställclien zeigendes und daher wirksameres Pulver (Augen­heilkunde) mit den übrigen Eigenschaften des Calomels. In Deutschland officinell. — In 0 ester reich ist aussei- dem subliinirten Calomel noch officinell der präeipitirte : H y d r a r g y r u m c h 1 o r a t u m m i t e p r a e c i p i-tatione paratum (Calomel via humida), welcher aus dem Sublimat durch Reduction mittelst schwefliger Säure dargestellt wird. Die letztere wird aus englischer Schwefelsäure und Kohle bereitet.
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Calomel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;297
Wirkung. I) Auf Schleimhäuten, Wunden und Geschwüren wirkt Calomel reizend und bei längerer Einwirkung leicht ätzend in Folge einer theilweisen Umwandlung zu Sublimat (Proust, Mialhe, Orfila, Buohheim, Voit). Die Suhlimathildung erfolgt auch ausser-halb des Körpers bei Berührung des Calomels mit Eiweisslösungi In Folge dieser Reizwirkung erbrechen sich namentiioh -Hunde hiliiii.n- nach der Anwendung des Mittels, (jlrössere Dosen erzeugen hämorrhagische Gastroenteritis. Die einzelnen Thiergattungen und Individuen zeigen eine verschiedene Empfindlichkeit gegen Calo­mel; am meisten ertragen Schweine, am wenigsten die Wiederkäuer (langes Verweilen im Magendarinkanal und daher reichliche Snhlimat-bildung), Rinder sterben auf 10 g Calomel |gt;rn die. Schal'e und Ziegen auf ö g, Pferde auf 20 g, Hunde auf 1—2 g, Schweine auf 'gt;—10 g. Kleinere Dosen längere! Zeit verabreicht, haben schon sehr frühe allgemeinen Mercurial ism us zur Folge.
2) Im Darmkanal wird durch Calomel die Peristaltik stark an­geregt, wodurch Diarrhöe entsteht. Dabei zeigen die Fäces beim Fleischfresser eine grüne Farbe. Diese Farbe rührt von der raschen Kntleernng der (lalle her, welche unter der Einwirkung des aus dem Calomel gebildeten Sublimates sich nicht zersetzen kann. Physiologisch wird nämlich durch die Fäulnissprocesse im Dickdarm das Biliverdin und Bilirubin in das farblose Hydrobiliruhin umgewandelt. Das Calo­mel hindert diese Fäulnissprocesse im Darme, ist also gleichzeitig auch ein Antisepticum für den Darm (Wassilieff). Die grüne Farbe lies Calomelkothes von dessen Gehalt an Schwefelquecksilber abzuleiten, ist unrichtig, weil das Quecksilbersulfid bekanntlich nicht grün, sondern schwarz ist. —#9632; Die Secretion der Galle wird durch Calomel nicht vermehrt, sondern vermindert (Rutherford u. A.). '#9632;'gt;) Nach neueren Untersuchungen ist Calomel in grösseren Dosen ein sehr kräftiges Diureticum, jedoch nur bei oardialera Hydrops (Jendrassik, Rosenheim, Mendelsohn, Meyjes, Stintzing, Nothnagel u. A.). Diese diuretische Wirkung ist schon früher von Hertwig (Thierärztl. Arzneimittellehre) hervorgehoben worden. Mau erklärt sich dieselbe aus einer direkten Reizung der secretoriseben .Nierenzellen (ähnlich wie hei der mercuriellen Salivation); andere weisen auf die in Folge der Diarrhöe gesteigerte Resorption der hydropischen Flüssigkeiten als Ursache der darauffolgenden stärkeren Diurese bin. Die letztere Frklärungsweise hat die Thatsache für sich, dass die Diurese erst am Ü. und 4. Tage nach der Einverleibung des Calomels auftritt.
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298nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Calomel.
Anwendung. 1) Als Laxans namentlioh in der Hunde* und Sobweinepraxia bei Verstopfung, Trägheit dor Peristaltik, Icterus, Leberleideu, sowie zur Ableitung bei Gebirn-, Lungen*, Nierenkrank-beiten, so})tiscli(.!iii Gfebärfleber eto. Das Calomel hat den grossen Vorzug vor anderen Laxantien. dass es auch bei Ehltzündungszuständen und (lesehwüriMi im Dann gegeben werden kann. Beim Kinde und den übrigen Wiederkäuern ist Calomel womöglieli zu vermeiden, auch beim Pferde sind nicbt zu grosse Dosen zu verabreichen.
2)nbsp; nbsp;Als Darmdesinfioiens und Styptioum bei int'ectiösen Darinkatarrhen. mycotiseher Darmentzündung, Ruhr, Inlluenza und Peteobialfleber der Pferde, Stäbohenrotblauf der Schweine, Schweine­pest, Brechdurchfällen der Säuglinge, Staupe der Hunde, Hühner-cholera etc. Das Calomel ermöglicht liier eine causale Behandlung von Infectionskrankbeiten. deren erster Angriffspunkt der Verdauungs­apparat ist. Ich habe dies namentlicb bezüglich der gastrischen Form der Hundestaupe in einer grösseren Versuchsreibe festgestellt (Berliner Archiv 1889). Derselben ist zu entnehmen, dass eine mög­liehst frühzeitige Calomelhebandlimg mit kleinen, aber öfteren Dosen (0,03—0,05) als die erfolgreichste Methode bei der genannten Staupe­form anzusehen ist.
3)nbsp; Als Diureticum bei cardialer Wassersucht. Ich bähe bei Hunden sehr gute Resultate beobachtet. Man gibt mittelgrossen Hunden dreimal täglich 0,1 g. Das Calomel ist namentlicb dann zu empfehlen, wenn Digitalis, Coffe'fn, Strophantbus etc. im Stiebe lassen.
4)nbsp; Aeusserlich als leichtes Aetzmittel in der Augenheilkunde bei Hombautgesobwüren, chronischen Keratiten, nicht zu alten Hom-bautintlltraten, in Form eines feinen Pulvers zum Einstäuben, (Calomel ist jedoch zu vermeiden hei gleichzeitiger innerlicher Jodkalium-bebandlung).
5)nbsp; In der Menscbenbeilkunde als gebräuchlichstes Präparat gegen seeundäre Syphilis, sowie beim Abdominaltyphus und Pebris recurrens.
Form. Man gibt das Calomel innerlich Hunden und Schweinen in Pulverform mit Zucker, Pferden als Pille oder Latwerge, zu­weilen auch als Lecke. In der Augenheilkunde benutzt man ge­wöhnlich das Hydrargyrum ebloratum vapore paratum als Pulver allein oder mit Milchzucker verdünnt, seltener als Salbe. Wegen der theil-weisen Umwandlung des Calomels in Sublimat halte man keine Calo-melpulver vorrätbig.
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Cnlumel.
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Dosis. Die Laxirdosis des Oalomels,
W(
deho
für
gewöhnlich
als einmalige (seltener als doppelte) verabrei
cht
wird,
beti
•ägt
für
Pferde 2-8,0,
Rinder 1 — 5,0.
Schafe 0,25—0,5,
Seh we;ine 1—4,0,
,
Hunde 0,03—0,1,
Katzen 0,01—0,05,
Hühner 0,1.
Tauben 0,05.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Hydrargyr. ohiorat, mit, 0,05.
Saccliari 0,2.
M. f. Pulv. 1). tal. Dos. Nr, VI. S. Täglicli ;i Pulver für einen Hund mit Staupe.
2)nbsp; Rp, Hydrargyr. ohiorat. mit. 0,1.
Saccliari 0,5. M. D. S. Für einen Hund (oder Huhn) mit Verstopfung,
3)nbsp; Rp. Hydrargyr. ohiorat, mit. 4,0.
Syrupi 25,0. M. D. S. Für ein Seliwein mit Verstopfung-.
4)nbsp; l!p. Eydrargyr. ohiorat. mit. 5,0.
Pulv. Rad, Althaeae 100,0. Aqu. destill, qu, s. f. Eleotuar. D. S. Für ein Pferd mit Influenza,
5)nbsp; Rp. .Hydrargyr. ohiorat, mit. 4,0.
()|gt;ii pulverati 8,0. Pulv. Rad. Althaeae 50,0. Aqu. destill, qu, s. f. Pil, Nr. IT. D. S. Für ein Pferd mit Magendarmentzflndung,
ü) Rp, Hydrargyr. ohiorat. mit. 0,05. Opii pulverati 0.1. Saccliari 0,5. M. f. Pulv. D. S. Für einen Hund mit infectiösem, bämorrhagischen Darinka tarrli.
7) Rp. Hydrargyr. chlorat. mit. vaporc parati Saccliari Lactis ää 5,0. M, f. Pulv. subtil. D. S. Augenpulver.
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Rother Präcipitat.
Hydrargyrum oxydatam. Bother Prttoipltat.
HgO.
Pharmaceutische Chemie. Das Queoksilberoxyd ist in Deutsch' land in 2 Formen ol'ficinoll:
1)nbsp; Hydrargyrum oxydatum rubrum, der rothe Queoksilber-präoipitat, wird auf pyrochenaisohem Wege dargestellt durch Erhitzen von Quecksilber mit Salpetersäure, Mischen mit Quecksilber und nachheriges Glühen nach der Formel: 1. Hg-j-2NO,)H = Hg(N08)a -|- Ea; 11. Hg(N08)2 | Hg = 2 HgO -f 2 NO,,. Es bildet ein gelblich rothes, krystallinisches, fein geschlemmtes, sehr schweres (S=ll) Pulver, welches iu Wasser unlöslich ist, dagegen leicht löslich in verdünnter Salzsäure oder Salpeter­säure und sich beim Erhitzen unter Abscheidung von Quecksilber vollständig verflüchtigt. (Ein Rückstand hiebei beweist eine Ver­fälschung mit Ocker, Chromroth, Mennige etc.) A.P. 1,0=5 Pfennig; 10,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; Hydrargyrum oxydatum flavum oder hydrargyrum oxydatum via humida paratum, der gelbe Queoksilberpräoipitat wird durch Ausfällen von Sublimatlösung mit verdünnter Natronlauge dargestellt nach der Kormel: Hg01a -) 2 NaOH=HgO 2 NaCl-f H20. Es bildet ein gelbes, amorphes, sehr fein zertheiltes Pulver mit den Eigenschaften des rothen Präcipitats, von welchem es sich nur dadurch unterscheidet, dass es mit Oxalsäure sofort einen weissen Niederschlag von Quecksilberoxalat gibt. (In Oesterreich allein ofiicinell.)
Unguentum Hydrargyri rubrum, die in Deutschland otücinelle rotbe Priicipitatsalbe ist eine rothe Salbe, welche aus einem Tlieile Queck­silberoxyd und neun Theilen Paraffinsalbe dargestellt wird.
t Aqua phagedaenica lutea, das gelbe p li aged an ische Wasser, ist ein altes überflüssiges Präparat, das im Wesentliehen aus Quecksilberoxyd besteht und aus Sublimat und Kalkwasser (1 ; 800) dargestellt wurde.
Wirkung. Das (^uecksilberoxyd besitzt eine örtlich reizende und leicht ätzende Wirkung auf Schleimhäute, Wunden und Ge­schwüre. Innerlich erzeugt es daher selbst in kleinen Dosen hämor-rhagische Gastroenteritis, indem es sich im Magen zu Sublimat umwandelt nach der Formel: EgO 2 01H=Hg013 H80. Beim Hunde entstellt schon nach der Aufnahme von 0,1—0,2 g (Ablecken
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Rotlior Präoipltat.
301
der Salbe) das Bild einerMagendarmentzündung; 0,6 —1,0 g (=5 —10 g Salbe) sind für den Kund, 5—10 g Queoksilberoxyd für das Pferd
tödtlicli. Am giftigsten ist wegen seiner feinen Vertheilnng der gelbe Prftoipitat, Kleine Dosen längere Zeit gegeben erzeugen das Bild der allgomciiien Queeksilborvergiltung.
Anwendung. 1) In der A.ugenheilkunde als leichtes Aetz-odttel boi ohronisoher Oonjunotivitis, chronischer Blepharitis, Ekzem des Lidrandes, Keratitis uloerosa und pannosa, Eornhaatinfiltrationen, frischen Leukomen. Mau verwendet hier aussohliesslich den gelben Präoipltat in Porin der Salbe, und zwar 1 : 1quot;)—50 Inguentiim Pa-raffini oder ünguontuni leniens, seltener als Pulver mit Zucker etc. (1 ; 10—20).
2)nbsp; nbsp;In der Chirurgie zur oberflächlichen Aetzung und Umstim-mnng von Q-eschwüren und Fisteln, Beschränkung der Granulation und Eitersecretion, sowie zur Desinfeotion in Form der offioinellen Salbe (1:9); seltener als leichtes Aetzmittel bei Strahlkrebs, ober­flächlichen Wucherungen etc. Die Amvenduug der Salbe bei Hunden ist jedoch wegen des Ableckens sehr gefährlich, — Das Quecksilber-oxyd war früher auch ein Bestandtheil des Castrationspulvers zum Bestreichen der Kluppen. Das sogenannte Robertson'sohe Castrirpulver (Pulvis ad castrandum) bestand nämlich aus gleichen Theilen Sublimat und rothem Präcipitat und 2 Theilen Bolus.
3)nbsp; nbsp;(legen ch ronisehe Ekzeme ist. die rotbc l'räcipitatsalbe, wie die weisse, zwar sehr wirksam, aber wegen des möglichen Ab­leckens auch sehr gefälirlicb. Dasselbe gilt für die Behandlung der
(1 latzfleohte.
Form. Das Queoksilberoxyd wird nur
dich angewandt und
zwar am häutigsten als Salbe (in der Augenheilkunde 1:15—r)0. in der Chirurgie 1 :'.•). seltener als Pulver, allein oder mit Zucker, Zinkoxyd, Kohle etc. Zur Behandlung von Fisteln bedient man sich wohl auch der Bouffies.
Recepte.
li Rp, Hydrargyr. oxydati flavi 0,.r). Ungiifiit. Icniontis 10,0. .M. f. CJgt. D. S. Augensalbe.
2) Rp. Unguent. Hydrargyr. rubr. 20,0. H. s. Wundsalbo.
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Queoksilberjodidi
Hydrargyrum bijodatuui. (^uecksilberjodid.
Hg-.l,.
Pharmaceutische Chemie. Das ftuecksilberjodid oder Hydrar-gyrum bijodatum rubrum wird aus Lösungen von Sublimat und Jod­kalium dargestellt: Hg018~j-2 JK = HgJ8-f 2 OIK. Es ist ein leb­haft soharlachrothes Pulver, das sich in Jodkaliumlösung und
Spiritus (1:130 kaltem, 1:20 siedendem) farblos auflöst, beim Erhitzen sich verflüchtigt und in Wasser unlöslich ist. A.P. 1,0 = 10 Pfennig; 10,0 = 65 Pfennig.
t Hydrargyrum jodatum, Quecksilberjudür, HgjJo, wird durch Ver­reiben von Jod mit Quecksilber dargestellt. Es ist ein grüngelbes, schweres (S = 7,0), amorphes, unlösliches Pulver, das beim Erwärmen flüchtig ist und beim Erhitzen mit Braunstein und Schwefelsäure Joddiimpfe ent­wickelt. Wirkt schwächer als Quocksilberjodid und ist in der Thierheil-kunde überflüssig. (Nur in Oesterreich ofticinell.)
quot;Wirkung und Anwendung. Das Queoksilberjodid ist wie das Sublimat ein starkes Aetzmittel für Haut und Schleimhäute, welches nur iiusserlich zu scharfen Einreibungen insbesondere gegen Spat, Schale, üeberbeine, Gt-allen, chronische Sehnenentzündungen etc. in Form der sogenannten „rothen Salbequot; Anwendung findet. Concen-trirt erzeugt die letztens Blasen- und Schorfbildung. JMan verwendet sie je nach dem Zwecke in einem Verhältniss wie 1:5—15 (soge­nannte „Blisternquot;) entweder allein oder in Verbindung mit anderen Scharfsalben.
Recepte.
1) Rp. Hydrarftyr. bijodat. 5,0. Unguent. Paraffin. 25,0. M. f. ügt. D. 8. Rothe Spatsalbe.
•gt;) Rp. Hydrargyr. bijodat. 2,0. Adipis suilli 20,0. M. f. Ugt. ,1). S. Soharfsalbe gegen Sehnsnentzündung, 8) Rp. Hydrargyr. bijodat. 2,0. ünguent. Oantharid, 20,0. M. f. ügt. D. S. Combinirte Soharfsalbe.
4) Rp. Hydrargyr. bijodat. 30,0. 01. Orotonls gutt. XXX. Unguent, basil. 120,0. M. f. Ugt. D. S. Englische rothe Spatsalbe.
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Weisser Präoipitat,
303
llydrargyrum iiraiMipiluliini album.
HgOlNHj,
Weisser I'rilcipitat.
Pharmaceutische Chemie. Das Hydrargyrum praecipitatum album
(Hydrargyrum
nnidatd-hichloiiitum. Hydrargyrum biohloraquo;
ratum ammoniatum) oder lt;lnr weisse Präcipitat wird aus einer Lösung von Sublimat und A iiiniuiiiak dargestellt: HgOL-f 2 (NH8) = Hg(JlNH2-(~ MU ,01. Es bildet ein rein weisscs, amorphes Pulver, welches mit Natronlauge erwärmt freies Ammoniak und gelbes Queoksilberoxyd liefert. In Wasser und Alkohol ist es unlöslich, dagegen leichtlöslich in warmer Salpetersäure (im Gegen­satze zu Calomel); heim Erhitzen verflüchtigt es sich. Mit Chlor, Brom, Jod, namentlich auch mit Jodtinotur, explodirt das Salz. A..P. 1,0 —5 Pfennig; 1(1,0 = 2.') Pfennig. Officinell ist ferner in Deutschland das Unguentum Hydrargyri album (1:9 Unguent. Parafflni), A.P. 10,() = 2.-) Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der weisse reizende sowie antiparasitäre Wirkung. Fu
räcipitat hat leicht wird nur äusserlich
in Form der Salbe angewandt:
1)nbsp; gegen parasitäre Hautausschläge (Herpes, Favus, Sar-coptes), sowie gegen Läuse (sogenannte „Läusesalbequot;);
2)nbsp; gegen chronische, grindartige .Ekzeme;
',{) in der Augenheilkunde (1 : 15—25) gegen chronische Con-junctiviten, Keratiten. Leukome etc.
Hydrargyrum cyanatum, HgOyj, dargestellt durch Auflösen von Quecksilberoxyd in Blausäure. In Deutschland officinell. [n Wasser loiidit lösliche, farblose, durchsclieinendc, säulenförmige Krystalle, welche sich zu snboutanen [njectionen eignen, weil sie das Eiweiss nicht coaguliren. Syphilis­präparat,
t Hydrargyrum tannicum oxydulatum, gerhsaures Quecksilberoxydul, dargestellt aus salpetersaurem Queoksilberoxydul und Tanninlösung, bi-aun-grüne Scbu})pen bildend, innerliches mildes Syphilispräparat, welches durch die alkalischen Darmsäfte in metallisches Quecksilber übergeführt wird („innere Inunctionskurquot;). In Oesterreich officinell.
t Hydrargyrum peptonatum, aus Sublimat, Pepton, Kochsalz und
Wasser dargestellt, eine salzige, metallisch schmeckende Flüssigkeit zur sub-cutanen Injection gegen Syphilis.
f Hydrargyrum bichloratum carbamidatum solutum, Sublimat-HarnstofTlösnng. Subcutanes Syphilispräparat.
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301nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Uselaquo;.
t Hydrargyrum formamidatum solutum, aus Sublimat, Fonnaniid
tt PONH (11 . COONH^) und Natronlauge dargestellt = -ß ' qqNH ^deg;- M'1,les SU'J'
cutanes Syphilispräparat.
f Hydrargyrum olelnicum, iilsauros QaeoksUberoxyd, aus Sublimat und Süii'e dargestellt. Wird in Verbindung mit Fett als Ersatzmittel der grauen Quecksilbersalbe empfohlen.
j- Hydrargyrum aethylochloratum, HgOKOjHj), als nicht äteondes, reizloses svxbciitanes Antisypiliticuin empfohlen.
f Hydrargyrum salicylioum, HgO . (JOO . C^Hj, ein weissos, ge-schniaekloses, in Wasser und Alkohol unlösliches, in Koclisalzwasser liis-liches Pulver, von Aranjo u. A. als Antisyplüliticum empfohlen, ist nach Ellenberger und Hofmeister ein sehr gates antiseptisches und anti-zymotisches Mittel, welches namentlich den Eintritt der Pilulniss schon in einer Verdünnung wie 1 : 10,000 verhindert, gegen bereits bestehende Pftul-niss dagegen weniger wirksam ist (in Lösung 1 : 1000, als Pulver erst 1 : 10), Demnach wilre dasselbe in erster Linie ein Colysepticum. Auch ßiiudemilben sollen dadurch gctüdtet werden. Nach den Untersuchungen von Müller steht das Präparat den übrigen Queoksilbersalzen an Giftig­keit bedeutend nach, auch wird es von der Haut aus nicht resorbirt. Ein altes Anatomiepferd erhielt ohne Schaden innerhalb 4 Tagen 30 g Hydrar­gyrum salicylicuin. Auf Bändemilben übte das Mittel jedoch nach Müller's Untersuchungen weder gelöst noch in Salbenform eine nennenswerthe Ein­wirkung aus.
Von weiteren Präparaten sind zu nennen: Hydrargyrum diphe-nylicum, H. nitrioum oxydulatum. 11. oxydulatum nigrum, H. sulfur at um nigrum und rub rum, 11. sulfuricum und sub-s u 1 f u r i c u m , GT y k o k o 11 - Q u e c k s i 1 b e r, S u c c i n i m i d - Q u e c k s i 1-ber, H. naphtholicum flavum (;)'-Naph thol-Que cksilher , H. alaninicum, oitrioum, gynocardicum, oxycyanatum, thymolo-aceticum, thy m olo - snl furicum, thy molo - nitric u m, benzoi-cum oxydatum, sozojodolicum u. a. Das letztere Präparat, das Sozojodol-Quecksilber, ist nach Müller in Form einer 20/oigen Lanolinsalbo ein sehr gutes Mittel gegen nässende Ekzeme des Hundes; wegen der starken Giftigkeit desselben ist jedoch das Ablecken zu ver­hindern.
Ferruin pulvoratum. Elsenpnlrer.
Fe.
Pharmaceutische Chemie. Das Elsen ist in der Natur ausser-ordentlich verbreitet, kommt jedoch seiton gediegen, vielmehr meist an Sauerstoff und Schwefel sowie an Arsen und Kupfer gebunden vor. Q-ediegen findet man es vereinzelt im Basalt, in der Lava, in Eisenmeteoriten. Sauerstoffverbindungen sind der Rotheisen­stein, Fe.,(),: der Brauneisenstein, Fes08 ires(OH)(,; der Magnet-
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sw
oisenstoin, Fe804; der Spatheisenstein I'VCO..; fei'ner die Eisensilioato und Phosphate, Sohwefelverbindungen sind der Schwefelkies oder Eisenkies, FeS,,; der Magnetkies. Fe7S8, Endlich sind als Schwefel-Verbindungen zu nennen der Arsenkies und Kupferkies. Aus den oxydischen Eisenerzen wird das Kisen gewonnen durch Re­duction derselben (Sauerstoffentziehung) mittelst Kohle bei hoher Temperatur in sogenannten Hochöfen. Man unterscheidet für tech­nische Zwecke drei Arten von Eisen: a) Gusseisen, das in den Hochöfen durch Reduction zunächst gewonnene sehr unreine. Kohlen­stoff (bis 60/o), Schwefel, Phosphor, Arsen etc. enthaltende Kisen. b) Schmiede- oder Stabeisen, aus dem Gusseisen dargestellt durch Entziehung des Kohlenstoffs, Phosphors etc. mittelst eines Oxydations-processes (Puddlingsprocess, Frischprocess). c) Stahl, im Kohlen­stoffgehalt in der Mitte zwischen Guss- und Schmiedeeisen stellend (0,6 — l.')'1,raquo;), dargestellt entweder aus Gusseisen (Entkohlung) oder Stabeisen (Kohlung).
Das Eisen ist in zwei Formen of'lieinell.
1)nbsp; Perrum pnlveratum, das gepulverte Eisen, wird dar­gestellt durch Zerstampfen von Stabeisen und Heiben des gebeutelten Pulvers unter Druck (Tirol). Ks bildet ein glänzend graues, schweres, feines Pulver, welches vom Magnet angezogen wird, sich in verdünnter Salzsäure oder Schwefelsäure unter Wasserstoff-entwieklung (gemischt mit Kohlenwasserstoff, Schwefel- und Phos­phorwasserstoff) löst, und in einer solchen stark verdünnten Lösung mit Perriclcyankalium einen blauen Niederschlag von Berlinerblau bildet. Au der Luft geglüht verglimmt es zu rothem Eisenoxyd. Ills sell mindestens ,.tSquot;n Eisen enthalten.
2)nbsp; FeiTiun mluctum, das r e c! n c i r t e Eisen, ist ehe m i s c b reines, durch Reduction des Eisenoxydhydrates mit Wasserstoff („Hydrogenio rednctumquot;) gewonnenes Kisen ohne Schwefel. Phos­phor. Kohlenstoff, Arsen, Kupfer: EeiOll),.-j (i H : 2Ee | (iHLO. Es ist im Gegensatze zum Ferrum pulveratum ein glanzloses, graues Pulver, welches aus reinem Eisen und Eisenoxyduloxyd besteht. Mit verdünnter Salzsäure versetzt, soll es chemisch reinen Wasserstoff entwickeln (heigemischter Arsen-, Schwefel-, Phosphorwasserstoff wird durch Gelb- oder Braunfärbung von Silberpapier nachgewiesen). Es soll mindestens IM) % Eisen enthalten. A.P. Ferrum pulveratum 10,0 = ö Pfennig; Perrum rednctum 10,0 = 20 Pfennig.
t Ferrum hydricum in aqua = Antidotum Arsenici, das Gegen­gift der arseuigen Säure, Pej(0H)j, ist eine braune Sohüttelmixtur, Fröhner, Arzneimittellehre, 3. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20
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30Gnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Eisen.
welche zum jedesmaligen Gebrauche frisch darzustellen ist. Es werden 100 Theile Perrisnlfatlösung mit 250 Theilen Wasser vermischt und dieser Flüssigkeit eine Mischung aus 15 Theilen gebrannter Magnesia mit 250 Theilen Wasser hinzugefügt. (Es mussten daher früher in der Apotheke mindestens 500 g der Eisenlüsung und 150 g gebrannter Magnesia vorrilthig gehalten werden.) Die Mischung besteht dann aus Eisenhydroxyd und Bittersalz;
Fe2(SO,);( -)- 8MgO 3HjO = Fei(0H)6 3MgS04. Das Eisenhydroxyd bildet mit dem Arsenik eine schwer lösliche und daher ungiftige Eisen Verbindung. Das gleichzeitig entstandene Bitter­salz wirkt abführend. Man gibt das Antidotum Arsenici Hunden viertel­stündlich esslöffelweise, Katzen und Geflügel theelüftelweise, mittelgrossen Thieren zu einem Viertelliter, Pferden und Bindern hulbliterweise.
Physiologische Bedeutung und Wirkung des Eisens und seiner Präparate. 1) Das Eisen ist in erster Linie ein Plastioum, (1. h. es gehört zu den physiologisch wichtigsten Nährstoffen des Thierkörpers, wenn es in demselben auch nur in verhftltnissmftssig kleinen Mengen enthalten ist. Der l-iesaniniteisengelifilt eines 500 Kilo schweren Pferdes beträgt z, B. nicht viel mehr als 20 g, der eines erwachsenen Menschen o g, der eines 50 Kilo schweren Hundes oder Schafes 1 g (nach dem Eisengehalt des Blutes = 0,05quot;/o berechnet). Auch die Nahrung enthält im Allgemeinen nicht sehr viel Eisen; so nimmt /. 15. ein Pferd pro Tag 1—1.5 g, ein Hund 0,05—0,1 g mit dem Futter auf.
1nbsp; nbsp;Kilo Hafernbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;
1 ., Ochsenfleisoh 1 ., Brot 1 ., Milch 1 „ Kartoffel
enthält 0,1 -
-0,15 g Eis(
„ 0,05 „ 0.05 ., 0.02-
g raquo;
g n
-0,1 g „
„ 0,01-
-0,02 g „
enthält 0,1 —0,15 g Eisen.
In der Nahrung ist das Eisen wahrscheinlich in der Form com-plidrter organischer (Albuminat-) Verbindungen enthalten, wie dies namentlich bei der Milch und dem Eidotter nachgewiesen ist; in Folgt; dessen kann dasselbe leicht resorhirt und assimilirt werden. Die Ausscheidung des Eisens geht hauptsächlich in der Leber vor sich, deren Secret, die Q-alle, neben anderen Zerfallsproducten des Blutes auch das Eisen enthält. Aussei' der Galle resp. den Paces betheiligt sich noch die Milch an der Ausscheidung des Eisens aus dein Körper, Dagegen werden durch den Harn nur äusserst geringe Mengen von Eisen ausgeschieden (wenige Procente), Eine sehr eisenarme Nahrung erzeugt eine Eiseninanition des Körpers; die­selbe äussert sich nach den einschlägigen Versuchen an Hunden in
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Mattigkeit, rasoher Ermüdung, Uliisso der Schleimhäute, Beschleuni­gung der Pulsfrequenz, sowie Leber- und Muskelverfettung. Um­gekehrt hat eine an Eisen reiche Nahrung einen sehr laquo;iiii-stigen Einfluss auf die Q-esammternährung, So fütterte z. I!. II. Nasse einen 8 Kilo schweren HihkI 87 Tage hindurch mit Brot und Kartoffeln unter einer täglichen Beigabe von etwa 1 g Eisen. Diis Körpergewicht nahm hiebei auffallend zu, der Eisengehalt des Blutes stieg von 0,0470/o auf 0,0750/o. A.ehnliches beobachtete er bei 7 anderen Versuohshunden. v. Ilösslin fütterte von zwei ö Tage alten Kätzchen, die mit dem Mutterthier im gleichen Käfig gehalten wurden, das eine öl Tage lang mit 1—1,5 ccni verdünntem Eisen-albuminat. Hiebei wuchs dasselbe von 117 g auf li'quot;) g, während
das andere von lö-l g nur auf 11 .'i g stieg; das erstere zeigte 9,5n/o Eämoglobin, das letztere nur Ü,20/o.
Die Hauptwirkung des Eisens hiebei ist im Blute zu suchen. Das Bisen ist der wichtigste Bestandtheil der rothen Blut­körperchen, resp, des Hämoglobins. Eisengehalt, Hämoglobin­gehalt und Sauerstoffgehalt des Blutes sind für Stoffwechsel und Athmung gleichbedeutende Begriffe; das Eisen ist sowohl eine Bauptgrundlage des Stoffwechsels und der Ernährung, als der Athmung. Dabei ist das Eisen organisch mit dem Hämoglobin, viel­leicht in der Oxydulform, verbunden. Die Beziehungen des Eisens zum Hämoglobin erklären auch seine günstigen Wirkungen auf gewisse Blutkrankheiten, wie Anämie, Chlorose und Leukämie. Das Wesen dieser Krankheiten besteht in einem Mangel an rothen Blutkörperchen, oder an Hämoglobin, d. h. an Bisen. Während z. 1!. der Eisengehalt des Blutes beim gesunden Menschen durchschnittlich 0,050/o beträgt, sinkt er, wie diesbezügliche Analysen gezeigt haben, bei den genannten Blutkrankheiten auf 0,08 und selbst 0,02%. Die tberapeutischo Wir­kung des Eisens bei Eisenmangel des Blutes hat man sich in der Weise vorzustellen, dass dadurch eine vermehrte Neubildung rother Blutkörperchen aus den weissen in der ^lilz, den Lymphdrüsen und dem rothen Knochenmarke ermöglicht wird. So berichtet Babuteau über einen Eall von Ohiorose beim Menschen, in dem nach einer täg­lichen Verabreichung von 0,05 g Eisen die Zahl der rothen Blut­körperchen innerhalb :i Wochen um 860/o stieg; dabei hatte pro 1 cem Blut durchschnittlich eine tägliche Vermehrung von fast 100,000 rothen Blutkörperchen stattgefunden. Quincke sah unter Eisengehrauch den Hämoglobingehalt des Blutes nach 10 Wochen fast vordoppelt. Mit der Zunahme der rothen Blutkörperchen steigt dann auch der allge-
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Eisen.
meine Stoffwechsel, die Ernährung liebt sieh und die einzelnen Organe können winder regehnässig funotioniren.
2) Die löslichen arzneiliohen Eisenpräparate zeigen ausser dieser Allgemeinwirkung nooli locale adstringirende Einwirkungen auf Schleimhäute und Wunden, indem sie einen Niederselilag von Eiscn-alhuminat bilden und eine Gefässcontraction herbeiführen. Auf der Maulschleimhaut erzeugen sie einen zusammenziehenden Ge-sohmiudv (Tintengeseliniaek). Die S(dileiinliau( des Magens wird durch kleine Mengen nicht angegriffen, die Eisenmittel wandeln sich vielmehr unter dem Einflüsse des Magensaftes in Chlorverbindungen (FeCl.,) und zum Theil aucli in milchsaures Eisen um. Dagegen wird die Magenverdauung durcli grössere Dosen der Eisenpräparate gestört und die Magenschleimhaut angegriffen, so dass selbst (due Magenentzündung entstellen kann; die Eisensalze sind daher auch hei etwa vorhandenem Magenkatarrhe oontraindicirt. Im Darme. wo sie ebenfalls zum Theil resorhirl und als Eisenalkalialbuminate ins Blut übergeführt werden, wirken die Eisenmittel auf die Schleim­haut leicht adstringirend ein, sie erzeugen daher Verstopfung; in grösseren Mengen führen sie seihst Darmentzündung herbei, Der nicht lösliche Rest verwandelt sich in schwarzes Schwefeleisen, Ein Zusatz von Kochsalz befördert die Aufnahme der Eisenpräparate im Magen und Dann. Kommen Eisensalze in Berührung mit Gt-efässen, so contrahiren sich letztere in der ßichtung ihrer Längsaxe.
8) Vom l'nt erhau tzellge w e he aus werden die leichtlöslichen und indifferenten Eisenpräparate resorbirt, so namentlich die Eisen-alburainate und -Peptone, das citronensaure, phosphorsaure Eisen etc. Nicht resorbirt wird Kerriun pulveratum, Aetzend wirkt der Liquor Eerri sesquichlorati u. a. Werden subeutane Injectionen leicht re-sorhirbarer Eisensalze (neutrale oder schwach alkalische Doppelver­bindungen) lange fortgesetzt, so entstehen wie bei Einverleibung grösserer (Jähen per os Erbrechen und Durchfall, nach grossen Dosen selbst Magendarmentzündung, grosse Seh wache, Leber- und Nierenentzündung, Hunde sterben so an 20—50 mg Eisen pro Kilo Körpergewicht; die ersten Vergiftungserscheinungen treten schon nach 1 his '2 mg Eisen pro Kilo ein. Wird einem Thier eine Eisen­lösung direct ins Blut gespritzt, so bemächtigen sich die weissen iilutkörperehen des Metalls und dasselbe kann leicht auf Schleim­häuten und anderen absondernden Flächen nachgewiesen werden. \ on der unverletzten Haut aus findet keim1 Aufnahme statt.
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Eisen.
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Eintheilung-, Man ( heilt die grosse Zahl der Eisenpräparate am besten nach ihrer Wirkung ein in :
1)nbsp; nbsp;Mildwirkende mit reiner Eisemvirkung, Martialia rnitiora: Perrnm pulveratum and reduotum, Perrum bydricum, Perrura oxydatum sacebaratum solubile, Syrupua Perri oxydati solubilia, Perrum carbonioum sacoharatum, Perrum lacticum, Extraotum Perri pomatum, Tinctura Perri pomata, Liquor Perri oxychlorati, Elisenalbnininat, Eisen-pepton u. a.
2)nbsp; Stu rk wirk en do Eisen prii pa ml e, weiche concentrirt örtlich iit/.eri, verdünnt örtlich adstringiren; styptisohe Eisenmittel, Martini in, fortiora, Hierher gehört namentlich der Eisenvitriol und der Liquor Ferri gesquicblorati,
3)nbsp; nbsp;Eisenpräparate mit Doppelwirkungi Perrum jodatum, Am-monium chloratum ferratum, Tincturn Ferri chlorati aetherea, Tinctura Perri acetici aetherea, Ohiainum ferro-citricum,
Anwendung des Ferrum pulveratum. 1) Zur A ufbesserung der Blutbildung bei chronischen Blutkronliheiten (Anämie, Chlqrose. Leukämie, pernieiöso Anämie), constitutionellen Knochenkrankheiten (Rhachitis), nach starken Blutverlusten, in allen Sclnvächezuständen, nach schweren Krankheiten. Regel ist hiebei, class man das Eisen in kleinen Dosen und in möglichst leicht vcrdaulieher Form längere Zeit hindurch im Stadium der stärksten Magensecretion gibt, Contraindicirt ist die Eisentherapie beim Vorhandensein eines Magendarmkatarrhs. Zu v e r m e i d e n ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Q-erbsäure mit einem Eisenpräparate (Tinte), sowie von Schwefel (S8Fe).
2) Als Antidot gegen Arsenik und Metallvergiftungen (Quecksilber, Kupfer etc.),
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 1,0—5,0,
Schaf, Ziege und Schwein 0,5-—1,0. Hund 0,02—0,2. Katze 0.01—ü,(iri. Geflügel 0,02—0,1,
Recepte.
i) Rp. Perri pülverati 20,0. Xutrii chlorati 250,0.
I'ulv. Kniet. Ciirvi 50,0, M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Futter einen Esslöffel für ein Pferd mit Aniimie.
2) Rp. ferri pülverati 100,0. Xutrii chlorati 1000,0. i'ulv. Kniet. Junlperi 500,0. M. f. Pulv. D. 8. Als Lecke für 100 Schafe gegen Kaule.
;
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310nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Elsenvitriol,
3) Rp. Perri reduoti 0,05. Saoohari 0,1-
M. f. I'ulv. 1). lal. dos. Nr. XX,. S. Täffllob uin Pulver für einen Ilinul mit Leuktlmie.
Ferrum salfaiicunilaquo; BlsonTltrloL
FcSO., ll.O.
Pharmaceutische Chemie. Das schwefelsaure Eisenoxydul (Forrosulfat) ist in Deutschland in !! Formen offlcinell;
1)nbsp; nbsp;Ferrum sulfuricum crudum, der Eisenvitriol des Handels (Vitriolum Martis, grüner Vitriol), wird als Nebenproduct verschie­dener chemischer Operationen (Alaun-, Schwefelsäure-, Schwefel­wasserstoff-, Schwefel-Fabrikation), sowie aus geröstetem Schwefel­kiese (FeS2) dargestellt, wenn der letztere siuli längere Zeit in feuchter Luft befindet und dabei oxydirt. Auch ;uis verwitterten Eisenkiesen sowie durch Aiit'losun^ von Eisenabfällen in roher Schwefelsäure kann roher Eisenvitriol gowonneu werden. Derselbe enthält immer mehr oder weniger Kupfer, Zink, Aluminium, Mag­nesium, Mangan etc.
Der Eisenvitriol bildet grüne Krvstalle mit ockergelben Flecken (basisches Oxydsalz) und feuchter, zuweilen weisslich be­stäubter Oberfläche (Verwitterung). Er löst sich in 2 Theilen Wasser mit blaugrüner Farbe, mit saurer Reaktion und tinten­artigem, zusammenziehendem Q-eschmacke. Mit rothein Blut­laugensalz (Ferridcyankalium) gibt seine Lösung Turnbulls' Blau. mit Barytsalzen weissen schwefelsauren Baryt (Identitäts­reaktionen).
2)nbsp; Ferrum sulfuricum purum, das chemisch reine Ferro-sulfat, wird durch Auflösen von überschüssigem Eisen in roher Schwefelsäure oder von Eisendraht in reiner Schwefelsäure dargestellt: Fe SOA = FeS04 2H. Es bildet ein bläulich-grün es Salzpulver (schief rhombische Prismen), welches sich als Oxydulsalz leicht oxydirt und zunächst grasgrün, später gelblich wird (basisch schwefelsaures Eisenoxyd) und an der Luft verwittert. Die Identitätsreaktionen sind dieselben wie beim rohen Perro-sul fat.
3)nbsp; Ferrum sulfuricum siecum, entwässertes Fcrrosultat, EeSO^-j 1 VüHjO, durch allmähliches Erwärmen des reinen Ferrosnlfats dar-
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Eisenvitriol
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gestellt (theihveiser Vorlust des Krystallwassers). Ein feines, weislaquo; ges Pulver, das sieli im quot;Wasser langsam löst. A.P. Ferrum sul-fiiriciini orudum 200,0 = 15 Pfennig, D.P. 1 Kilo = 20 Pfennigi
Wirkung. 1) Der Eisenvitriol wirkt concentrirt ätzend, ver­dünnt al)st ringiron d auf Schleimhäute, Wunden und Grcschwüre. Grosso Gaben innerlich verabreicht wirken daher tödtlich durch Magen­darmentzündung.
2) Er hat als Eisensalz dieselbe plastische, hämatopoötisohe Wirkimg wie das Ferrum reduetum,
lgt;) Vermöge der sauren Reaktion der wässerigen Lösung wirkt der Eisenvitriol schwach antiseptisch. Diese Wirkung wird jedoch gemeinhin überschätzt. Er vermag- v.. B. sporenfreie Bacillen erst bei einer Concentration wie 1 : 15 zu tödten und besitzt eine entwick­lungshemmende Wirkung auf dieselben erst bei einer Concentration von 1 : 50. Q-egen Milzbrandsporen ist er durchaus wirkungslos. Ausserdem wirkt er desodorisirend, indem er die übelriechenden Gase, namentlich den Schwefelwasserstoff bindet (Bildung von Schwefeleisen).
Anwendung. 1) Als ein äusserliches mildes Oausticum und
Adstringens bei Schleiinhautkatarrhen, Blennorrhöen, Hautge­schwüren, Strahlkrebs. Strabllaule. Klauenfäule, Klauenseuche, Maul-seuche. Will man leicht ätzen (z. Vgt;, bei Strahlkrebs), so bedient man sich der Pulverform oder concentrirter Lösungen; auf Schleim­häuten dagegen benutzt man zum Adstringiren die wässerigen 1- bis 50/oigen Lösungen.
2)nbsp; Als innerliches Stypticum und schwaches Desinficiens bei Diarrhöe, Hübnercholera, Ruhr, Magen- und Darm­blutungen etc.
3)nbsp; Als Blutplasticum bei anämischen und kachektischen Zu­ständen, allgemeiner bäniorrhagisclier Diathese etc.
1) Als schwach es Desinficiens und Desodorans zur Desinfection der Ställe. Gruben und Kanäle (bei Seuchen gänzlich ungenügend).
Früher wurde der Eisenvitriol ferner gegen Nephritis, Nieren-und Blasenblutungen, Lungenblutung etc. angewandt. Der Erfolg hieboi ist jedoch sehr fraglich.
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Liquor Perri Bosquiohloratii
Dosis. 1) Als ßlutplasticum l'ür
Pferd und Kind 2—5,0. Schaf und Sclnvcin lt;•,.quot;)—1,0. Hund 0,05—0,2. Katze U,01—o.()2. Geflügel 0,02—0,05. 2) Als innerliches Stypticum für Pferd und Kind 10—25,0. Scluit' und Sclnvcin 1 -5,0. Hund 0,1—0,5. Katze 0,02—0,05. Hühner 0,05—0,2. Tauben 0^05.
Eecepte.
1)nbsp; Kp. Ferri sulfurioi orudi 15,0.
Pulv. Rad. Althaeae 100,0. Aqu. qu. s. f. Eleotuar, 1). S. Für ein Pferd mit Diarrhöe.
2)nbsp; Rp. Ferri sulfurioi orudi 25,0.
Natrii ohlorati orudi 500,0. I'ulv. Sein. AnisL 50,0. M. f. Pulv. D. S. Auf jedes Kutter 1 Esslüll'el für ein Pferd mit Leukämie.
3)nbsp; Rp. Ferri sulfurioi
KiOii oarbonioi üä 5,0.
Tragaoantli. et Aqu. destill, qu. 3. f. Pil. Nr. XXV. D. S. Täglioh 1 Pille für einen liuml mit Anämie (Blaude'sohe rillen).
-1) Rp. Ferri sulfurioi orudi 100,0. Natrii sulfurioi 500,0.
Pulv. Kniet. .Inuip. 250,0. M. f. Pulv. Iraquo;. S, Als Lecke für 100 Schafe gegen Fäule.
5)nbsp; Kp. Ferri sulfurioi orudi 5,0.
Aqu. destill. 500,0. M. f. Sol. D. S. Trinkwasser l'ür das (relliigel bei llülmereholcra.
6)nbsp; Rp. Ferri sulfurioi orudi 250,0.
Aoeti pyruliguosi orudi 1000,0. M. 1). S. Flüssigkeit gegen Strahlkrebs (nach Niebuhr),
Liquor Ferri scsquichlorati. Eisenchlorldlösung.
PejClo in H./J.
Pharmaceutische Chemie. Die Eisencliloridlösung (F er rum sesquicliloratum solutum) stellt eine Auflösung von Eisenchlorid
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Eisenohlorid.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 313
(Ftv.Cl,,) in Wiwser dar, mit einem Q-ehalte von 100/o Eisen, Sie bildet eine braune, klare Flüssigkeit von saurer Reaktion und vom speeiliselien Gowiclit 1280, deren Verdünnungen mit gelbem Blutlaugensalze (Ferrooyankalium) einen blauen (Berlinerblau), mit Silbernitrat einen weissen Niederscblag (Ohlorsilber) bilden. Aetz-alkalien sobeiden gelatinöses braunes Eisenhydroxycl aus.
Der Liquor Ferri wird dargestellt durch A.uflösen von Schmiedeeisen (Draht, Nägel) in Salzsäure (Bildung von PeCL, Eisenchlortir) und üeberfühx'en des Chlorürs in Chlorid (Fe.X'l,.) durch Salpetersalzsäure nach der Formel:
1. JAlaquo; |-2HCl = FeCl2 2H; II. eFeClj | (i E01H-2N03H = 3Fe!iCl() | 4 Hj) ; 2 NO. Für je 100 Theile gelöstes Eisen werden 260 Theile Salzsäure und 112 Theile Salpetersäure hinzugefügt. Die Eisenchloridlösung soll keine freie Salzsäure und kein freies Chlor enthalten. Erstere weist mau nach durch den weissen Nebel, der entsteht, wenn ein mit Ammoniak befeuchteter Q-lasstab in den Hals der Flasche eingeführt wird (Bildung von Salmiak); letzteres durch Blaufärbung eines angefeuchteten Jodzinkstärkepapiers. — Die im Wasserbade abgedampfte Eisenchloridlösung liefert das gelbe, krystalliniscbe, trockene, aber sehr hygroskopische Ferrum sesquicliloratum. A.B. des Liquor Ferri 100,0 = 30 Pfennig, D.B. I Kilo = 45 Pfennig.
Wirkung. 1) Auf Schleimhäuten, Wunden und Geschwüren wirkt das Eisenohlorid concentrirt leicht ätzend, in verdünntem Zustande adstringirend.
2)nbsp; Parenchymatöse Blutungen werden gestillt in Folge von Coagulation des Hluteiweisses in den Gelassen und Contraction der Grefässwandung,
3)nbsp; nbsp;Die Eisenchloridlösung wirkt in Folge der Abgabe von Chlor desinficirend. Nach Koch tödtet eine .V'oige Lösung von Liquor Ferri die Milzbrandsporen nach 6 Tagen. Die Eiterkokken werden durch eine l0/oige Lösung nach 15 Sekunden getödtet (Mar­tens). Eine 20/oige Lösung tödtet das Wuthgift nach 2 Minuten (deBlasi undRusso-Travoli). Auch das Schlangengift wird durch Eisenchloridlösung vernichtet.
Anwendung. 1) Als Styptioum bei parenchy matösen Blutungen, unverdünnt oder mit Cullodium und als „styptischequot; Baumwolle auf Wunden; auf Schleimhäuten (Nasenhöhle, Scheiden-
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314nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Eomim liicticuni. Tinctura Fcrri pomata,
kaual, Prftputialsaok, Mastdarm, Blustraquo; etc) in 1—50/(iig6r wässexüger Lösung. Der Liquor Ferri ist namentlich für Operationen am öe-flügel zu empfehlen. Auch gegen Lungenblutungen hat man das Inhaliren eüaer 1li0iaigQii Lösung empfohlen.
2)nbsp; Als Aetzmittel für kleinere, weiche Neubildungen, Strahl­krebs etc., ferner /aw Injection in Aneurysmen, Varices und An-giome (Vorsicht!).
3)nbsp; nbsp;Innerlich gegen Magen- und Darmblutungen, jedoch nur in sehr verdünnten schleimigen Lösungen und in kleinen Dosen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Bind '2—5,0.
Schaf und Schwein 0,2—0,5.
Hund 0,1—0,5.
Katze und Geflügel 0,1—0,2.
Keoepte.
1)nbsp; Rp. Liquor. Fern sesquiohlor. 5,0.
Oollodii 50,0. M. D. S. Aeussorlioh zum BepinselD ilcr Gtasohwlire au der Schweifquot;
s])it/,e, am Ohr eto.
2)nbsp; Rp. Liquor. Fcrri sesquiohlor. 10,0.
Aqu. destill. 250,0. M, 1). S. Acusserlich zum Einspritzen in die Soheide (Nasenhöhle etc.).
Die übrigen offlclnellen Elsenprilparate.
FeiTura oxydatum saccharatum solubile, Eiseuzuoker (Eisengehalt 3quot;/o, dargestellt aus Eisenchlorid und Rohrzucker bei (legenwart von Aet/.-alkalien (Soda, Natriumbicarhonat, Natronlange). Ein rotlibraunes, süsses, schwach nach Eisen schmeckend e s Pulver, leicht verdaulich, in der Hundepraxis zu 0,1—1,0. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Syrupus Ferri oxydati solubilis, Eisensyrup (Eisengelialt l0/o), ar;s gleichen Theilen Eisou/.ucker, Syrup und Wasser dargestellt. Ein roth­brauner Syrup, in der Hundepraxis zu '/laquo;— 1 Theolöffel. Der Eisensyrup darf nicht mit Wasser vordünnt werden, weil sonst das in dem Zucker suspendirte Eisenoxyd ausfüllt. A.P. 10,0 = llraquo; Pfennig.
Ferrum citricura oxydatum, citronensaures Eisen, aus Eisen-Chlorid, Ammoniak, Citronensilure und Wasser dargestellt. Rubinrothe, dünne, durchscheinende Blättchen von schwachem Eisengeschmacke.
Liquor Ferri albuminati, Eisenalbuminatlösung, aus Eiweiss, Wasser- und Eisenoxychloridlösung dargestellt und mit aromatischen Stoffen (Zitnmt etc.) versetzt. Eine rothbraune, im durchscheinenden Lichte
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Ferrum oarbouioum. Liquor Ferri,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;315
klare, kaum alkalische Flüssigkeit mit sohwaohem Zimmtgesohmaok, aber fast ohne Eisengesohnaaok, A.P. 100,0 = ßO J'f'ennif,'-.
Ferrum ca rbonicum saccharatum, /. n c k e r li a 11 i g e s F o r r o i: a r 1) o n a t (Eisengehalt 10quot; o), dargestellt aus Perruin sulfariouin und Natriumbioavbonat nach der Formel: FoSOj 2NaHCO;) = FeCO;t -j~ Na.SO., -|- H./J CO^. Ein grünlichgraues, si'issns, schwach nacli Eisen schmeckendes Pulver (Zucker macht Eisenoarbonat haltbarer). Dosis in der Hundepraxis 0,2—2,0. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Ferrum lacticum, milch säur es Eisenoxydul, Darstellung! wein­geistige Natriumiaotatlösung (aus saurer Milch und doppeltkohlensaurem Natrium gewonnen) wird mit einer Salzsäuren Eisenlösung versetzt. Es bildet ein grünlichweisses, krystallinisohesPulver von eigenthümUchem Gerüche, 1 : 40 Wasser mit grüngelber Farbe löslich, Dosis für Hunde (),o2—o.l. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Liquor Ferri acetici, Ferriaoetatlösung (Eisengehalt 50o), dar­gestellt aus Eisenchlorid, Ammoniak und Essigsäure, eine rothbraune, schwach nach Essigsäure riechende Flüssigkeit. Dosis für Hunde 10 bis 20 Tropfen. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Tinctura Ferri acetici aetherea. ätherische Eisenacetattinctur (Eisengehalt 4 quot;,'„), eine Mischung von Liquor Ferri acetici, Essig-Aether und
Spiritus. Klare, dunkelbraunrothe. nach Essigsäure riechende Flüssig­keit von säuerlichem, herbem Geschmacke. Dosis für Hunde 15—30 Tropfen. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Extractum Ferri pomatum, äpfelsaures Eisene xtract (Eisen­gehalt 5—8%), dargestellt durch Kochen von Eisenpulver mit dem Safte saurer Aepfol. Ein grünschwarzer Syrup. Dosis für Hunde 0,1—0,5 in Pillen.
Tinctura Ferri pomata, äpfelsaure Eisentinctur, ist eine Auflösung des Extractum Ferri pomatum in Aqua Cinnamomi spirituosa. Eine schwarzbraune, nach Zimmt riechende Flüssigkeit von mildem Eisen­geschmacke, mit Wasser in allen Verhältnissen ohne Trübung mischbar. Empfehlenswerthes Präparat für die Hundepraxis. Dosis 10 bis 20 Tropfen. A.P, 10,0 = 15 Pfennig.
Tinctura Ferri chlorati aetherea, ätherische Chloreisentinctur
(Tinctura nervina Hestuscheffii), Eisengehalt 1 %. Dargestellt durch Mischen einer Eisenohloridlösnng mit Aether und Weingeist. Eine klare, gelbe Flüssigkeit von ätherischem tieruche und brennendem Eisongeschmacke. Dosis für Hunde 10 20 Tropfen. A.F. 10,0 = 10 Pfennig.
Liquor Ferri oxychlorati. flüssiges Eisenoxychlorid (Eisengebalt 8)6 0/o), bildet eine neutrale Lösung von Misenoxydhydrat in wässerigem Eisenehlorid und wird dargestellt aus verdünntem Liquor Ferri sesqui-chlorati und Aniinoniak mit Salzsäure. Ist leicht verdaulich und nicht ätzend. Dosis für Hunde 10—30 Tropfen. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
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lileizuekei'.
Ammonium chloratum ferratum, Eisensalmiak (Eisengebalt 2,5 quot;/o),
dargestellt durch Erwilriueu von Salmiak und Eisenehloridlüsung. Ein rothgelbes, hyyroslcopisclics, in Wasser leicht lösliches l'ulver: /.ersetzt sich an der Luft /.u schwer lüslichen Oxydverbindungen, l'osis für Kinder 10-25,0, Pferde 5—10,0, Schafe und Ziegen 2--.r.,o, Schweine 0,5 -2,0, Katzen und Geflügel 0,05 -0,1, Hunde 0,1 0,2 in Pillen,
FeiTiim jodatum, Eisenjodür, PeJj, dargestellt durch Verreiben von Eisen mit Jod, eine grünliche wässerige Lösung, welche sich leicht zu Eisenoxyd und freiem Jod oxydirt und daher ätzend wirken kann. Vereinigt in sich die Wirkungen des Eisens und Jods und wird besonders bei Anämie in Verbindung mit Drüsenschwellnngcn, Leukämie, Scrophulose etc. gegeben. Es wird lediglich angewandt in der Eorm des Syrupus Ferri jodati, Jodcisensyrup (Eisengehalt l0/o), ein farbloser bis gelblicher, schlecht schmeckender Syrup (rothbraune Farbe besagt eine Zersetzung zu Eisenoxyd und Jod). Dosis für Hunde 5—10 Tropfen.
VTon nicht ol'ficin eilen Eisenpräparaten sind endlich zu nennen: Liquor Ferri peptonati. Liquor Ferri albuminati saccharatus, Ferrum oxydatum fuscum, Ferrum oxydulatum nigruni, Perrum oxy datum galactosaccharatum- mannasaccharatum-dextrinatu in, Ferrum suli'uratum, Q-elatina Ferri oxydati, Liquor Ferri glycerinatus, Ferrum chloratum, Liquor Perri ohlorati, Ferrum citricum animoniatum (in Oesterreicli olücinell), Ferrum phospho-lacticum, Ferrum nitricum. Ferrum ph osphoricum oxydatum, Ferrum pyrophosphoricuni oxydatum, Perrum pyrophosphovi-cum oxydatum cum Ammonio citrico, — cum Kalio citrico, — cum Natrio citrico, — cum Natrio py rophospborico, Ferrum hydrooxydatum dialysatum liquidum (dialysirte Eisenflüssigkeit, in Oesterreicli offioinell), Perrum succinicum, tannioum, valerianicum, tartaricum, oleinieum, stearinicum, salicylicum, benzoieum, bromatum, arsenioosum, arsenicioum, chromioum, sulfo-phenyli* cum u. a. — Als „Trefusiaquot; endlich bezeichnet man ein neueres, aus Üchsenblut dargestelltes Hämoglobinpräparat. Ueber Hämol und llämo-gallol vergl, das Kapitel „Pyrogallolquot;,
Plumbum acoticum. Bleizacker.
Pb(QjH302gt;j 8 ir.O.
Pharmaceutische Chemie. Das Blei findet wich in dor Natur sehr verbreitet vor, namentlich in der Form des Schwefelbleis als Bleiglanz, PbS, aus welchem das Blei hüttenmännisch dargestellt wird. Bei Luftzutritt geschmolzen verwandelt sieh das Blei zu gelber Eleiglätte (Lithargyrum), d, h, Bleioxyd, PbO. Durch Auflösen von Bleiglätte in gereinigtem Holzessig wird der rohe Blei­zucker, Plmnlnun aceticum crudum, dargestellt; derselbe bildet farb­lose Krystallaiassen. welche durch Verwitterung weisslieli bestäubt sind.
Der reine Blei/uckcr, Plumbum aceticum (Bleiacetat, neu-
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Blsiossitfi
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fcrales essigsaures Blei, Saooharum Saturni), wird durch lTin-krystiillisi i-cii des rollen dargestellt, Ei'bildet farblose, durch-scheinende, verwitternde odev weisse Krystallmassen von anfangs s ii ss 1 i c li c in . später widerlich metallischem, zusammen* ssiehendem Q-eschmacke, nach Essigsäure riechend, welche sich in 2—3 Theilen Wasser und 30 Theilen Weingeist lösen. Die wäs­serige Bleizuckerlösung wird durch Schwefelwasserstoff schwarz (SPb), dux'ch Schwefelsäure weiss (SOjPb), ebenso durch kohlensaure Al­kalien (weisses COaPb), endlich durch Jodkalium gelb (PbJ8) ge-fäi'bl (Identitätsreaktionen). Beim Erhitzen auf Kohle vor dein Löthrohr entsteh! eine Bleiperle mit gelblichem Beschläge, welche unter dem Ihimmei- dehnbar ist. Die wässerige Lösimg des Blei­zuckers wird an der Luft weisshch gotrtibl in Folge der Aufnahme von Kohlensäure (Bildung von kohlensaurem Blei). Ans diesem Grunde darf zum Lösen des Bleizuckers kein Brunnenwasser ver­wendet werden, weil classelbe Carbonate enthält, — Perrocyankalium soll die wässerige Bleizuckerlösung vein weiss fällen (röthlich-brauner Niederschlag = Kiffer; bläulicher = Eisen). A.P. 10,0= 5 Pfennig; crudura 100,0 = 30 Pfennig; 200,0 = 05 Pfennig.
LiquorPlumbisubacetici, Phnnbuin aceticum basicum solutum, Bleiessig 1st basisch-essigsaure Bl eioxydlüsung (Acetum saturninmn oder plumbicum) von der Porrael:
J,l);ilt;;^'2,|^ - '' Es wird dargestellt ans Bleizucker, Bleioxyd
(Bleiglätte) und Wasser nach der Formel;
•JPb(C,Il:tO.,),-|quot; PbO -J- H.,Ü = Pb;,!(.'.,]r-tO.pjCOH),,. Der Bleiessig bildet eine klare, farblose Flüssigkeit von si'issem, znsamineir/ieliendein Gescbmacko und alkalischer Reaktion, welche bald aus der Luft Kohlensäure anzieht und dann einen weisson Bodensatz von kohlensaurem Blei (Bleiweiss) enthält. Der Bleiessig hat dieselben [dentitätsreaktionen wie der Bleizucker. Er dient nur zu äusserlichein Gebrauche, A.P. 100,0 = 30 Pfennig. Aqua. Plumbi, Bleiwasser, ist eine 20„ige Auflösung von Bleiessig in Wasser (1 ;49), A.P. 100,0= 5 Pfennig, Es bildet eine etwas trübe Flüssigkeit, welche vor der Abgabe zu schütteln ist. (Das früher offlcinelle Aqua Goulardi, (loulard'sches Wasser, bestand aus 1 Theil Bleiessig, 4 Theilen Weingeist und 45 Theilen Brunnenwasser. Dos sogen. Villate'sche Wasser, Liquor Villatii (Liquor corrosivus), ist eine durchaus nnchemische Mischung von Bleiessig, Zinkvitriol und Kupfer-vitriol, in welcher sich die betreifenden Metallsalze zu Bleisulfat zersetzen. Unguontum Plumbi, Bleisalbe (Bleicerat), wird aus Bleiessig und Pa-raffinsalbo (2: 19) dargestellt. Sin ist eine weisse Salbe, A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Uuguentum Plumbi tannici, Tannin-Bleisalbe, wird bereitet aus Bleiessig (2 Theiie), (lerbsilurn il Theil) und Schweine­schmalz (17 Theilo), Sie war früher bekannt unter dem Namen Plum­bum tannicum pultiforme oder Kataplasma ad decubitum und wurde durch Ausfüllen einer Eiohenrindenabkoohung mitBleiessifl darorestellt.
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Bleisalzo.
Lithargyrum, Bleiglätte, ist Bleioxyd, PbO, Plumbum oxydatum, Sie wird lüitteniiuiniiiseh durch Oxydation des Bleies mittelst Gebliiselutt und Schmelzen desselben dargestellt und kommt als Silber-gliltte (hellgelb) und Cloldgliitte (rothgelb) in den Handel. Die Blei-gliltle bildet ein gelbliches oder rüthlicbgelbes, schweres Pulver (S = 9,25], welches in Wasser unlöslich, dagegen in verdünnter Salpetersäure und Essigsäure farblos löslich ist. Hie dient zur Darstellung des Bleiessigs und der Bleipflaster resp. Salben. Von letzteren sind zu nennen: Emplastrum Lithargyri, Bleipflaster, dargestellt aus gleichen Theilen Blei glätte, Olivenöl und Schweineschmalz durch Kochen; ein weisses, zähes, nicht fettiges Pilaster: Unguentum diachylon, Diachylonsalbe (Ilebra'sche Salbe ; Unguentum ad docubitum), durch Zusammenschmelzen von gleichen Theilen Bleipflaster und Olivenöl dargestellt, eine fast weisso Salbe. A.P. 10,(1 = 15 Pfennig. Ausserdem Emplastrum Lithargyri compositum, Gummipflaster, dargestellt aus Bleipflaster, Wachs. Ammoniakgununi, (lalbanum und Terpentin, ein gelbes, dunkler werdendes Pilaster: Emplastrum saponatum, Seifenpflaster, dargestellt aus Bleipflaster, Wachs, Seife und (Jampher, ein gelblich-weisses Pilaster.
Minium, Mennige, ist eine Verbindung von lileioxyd mit Bleisuper-oxyd = Pb;tO|, P lunibiun oxydatum rubrum. Ps bildet ein schweres,
Wasser unlöslich ist. Mit
or anger othes Pulver (S = 9,0), welches Salzsäure bildet es weisses Chlorblei.
Cerussa, Bleiweiss, Plumbum carbonicum ist kohlensaures Blei = COsPb, Es wird dargestellt durch Einwirken von Kohlensäure auf Bleiessig oder auf mit Essig benetzte Bleiplatten. Ein weisses, schweres, stark abfärbendes Pulver, unlöslich in Wasser, löslich in Säuren. Dient zur Darstellung folgender Pilaster und Salben : Unguentum Cerussae Bleiweisssalbe, aus Bleiweiss (8 Theile) und Paraflinsalbo (7 Theilc) be­stehend, eine weisse Salbe; Unguentum Cerussao camphoratum (die vorige mit etwas Campber); Emplastrum Cerussae, Bleiweisspflaster, ans Bleipllaster und Olivenöl; ein weisses, hartes Pilaster.
Plumbum jodatum, .Todblei, PbJo, dargestellt aus Bleizuckcr und Jodkalium, ein hochgelbes, sehweres Pulver, in Wasser fast unlöslich (1 : 2000), leicht dagegen in warmer Salmiaklösung und Aetzlaugen. Erhitzt schmilzt es unter Freiwerden violetter Dämpfe. Das Präparat rereinigt die Wirkung des Bleies mit der des Jods. ( Unzweckmässiges Präparat.)
Plumbum nitricum, salpetersaures Blei PbCNO^, wird dar­gestellt durch Auflösen von Bleioxyd (Bleiglätte) in Salpetersäure. Ein farbloses, krystallinisches, nicht officinelles Salz, in 2 Theilen Wasser vollkommen klar löslich. Wirkt äusserlich stark austrocknend (Anwendung gegen Stahlkrebs etc.).
t Von anderen Bleipräparaten sind zu nennen: Plumbum ohloratum, chromicum, hypophosphorosum, liyposulfurosum, ole'jnicuni, salicylicum, snlfophenylicum, tannicum, sulfuricum u. a. Als Plumbum causticum bezeichnet man neuerdings ein zum Aetzen von Warzen dienendes Geinengo von Bleioxyd Qi.'J) und E30|oiger Kali­lauge (100).
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Bleiwirkiing.
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Wirkung der Bleisalze. 1| Die Salze des Bleies haben, wie alle schweren Metalle, eine grosse Affinität zum Eiweiss, indem
sie mit demüclhcii 1! I cia 1 hu minute bilden. Aus diesem Grunde wirkt der Hlei/.iiekcr und Bleiessig bei ooncentrirter Anwendung ätzend auf Schleimhäute und Wunden, und erzeugt auf den­selben einen weissen, derben, pflasterartigen Aetzschorf von Blei-albuminat, in verdünnten Lösungen wirken die Bleisalze auf Schleimlaquo; häute und Q-eschwüre adstringirend, austrocknend und secretions-beschränkend, indem sie Niederschläge von Bleialbuminaten auf der Oberfläche, Eiweissooagulation in den secernirenden Schleimhautzellen sowie Schrumpfung derselben bedingen.
2) Die kleinen Arterien und Venen der Schleimhäute, Ge­schwüre etc. (nicht alier die Capillaren) werden bei direkter örtlicher Application von Bleilösungen bis zur Hälfte ihres Volums verengert, so dass die Circulation stockt und innerhalb der Gefässe Coagulation auftritt.
;i) Im Verdauungsapparate führen kleinere Dosen nur zu Verstopfung, grosse dagegen erzeugen Verätzung der Schleim­haut und eine schwere Gastroenteritis, Die Bleisalze sind ausser-dein in grossen Dosen starke Erregungsmittel für die moto­rischen Darmganglien und erzeugen verstärkte Peristaltik sowie krampfartige Contractionen des Darmrohrs mit heftigen Kolik­schmerzen („Bleikolikquot;) und Durchfällen.
4) Das oentrale Nervensystem wird durch grosso Gaben der Bleisalze stark erregt. Es treten namentlich in Folge Reizung gewisser centraler motorischer Apparate im Mittel- und Klein­hirn eigenthümliche epileptiforme, ataktische oder chorea-artigo Bewegungen auf (Eclampsia saturnina, Encephalopathia saturnina), bestellend in Zittern, Zuckungen, Krämpfen, Con-vulsionen, welche scldiesslieb in eine Liilimung der betreffenden motorischen Centren mit Tod übergehen. Die Kiiipliudlichkeit ist hiebei vollkommen intact; dagegen ist das Bewusstsein namentlich heim Rinde in Folge Reizung der psychischen Grosshirncentren gestört (Autalle von Tobsucht).
5) Die quergestreiften Körpermuskeln werden durch dio Bleisalze zunächst in der Weise afficirt, dass der thätige Muskel rasch ermüdet und erschöpft wird; später verlieren die Muskeln ihre Erregbarkeit und werden gelähmt (Paralysis saturnina). Man findet sie dann blass und atrophisch; ihre Muskelfasern zeigen Ver-schmälerung, Kernwucherung und Verfettung. Heim Pferde entsteht so u. a. in Folge Atrophie der Kehlkopl'muskeln Rohren,
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Saturnisinus.
ö) Im Oii'oulationsapparate entstellt wahrscheinlich in Folge direkter Erregung der vasomotorischen Nerven eine starke Con­traction der Arterien mit hartem, drahtartigem Pulse und Herz­klopfen. Annlnitrit lieht diese Wirkung auf.
7)nbsp; nbsp;Die Körperdrüsen werden durch grosse Dosen von Blei ebenfalls in einen Boizzustand versetzt, welcher mikroskopisch in Form der veränderten Driisenzellen nachweisbar ist (Darmdrüsen, Leber. Niere etc.).
8)nbsp; Der Stoffwechsel ist bei acutor Bleiwirkung in Folge der Erregung des Dannkanals. des (laquo;ehirns. der Drüsen etc. stark ge­steigert, wobei im Weiteren selbst eine Verfettung der Drüsen hinzukommt. Später ist der Stoffwechsel herabgesetzt.
9)nbsp; Das Körperbindegewebe erfährt durch die Bleisalze eben­falls zuerst eine starke Beizung, Bei chronischer Bleivergiftung führt diese Reizung zur Wucherung und Neubildung von Binde­gewebe in allen wichtigen Organen (Darm. Leber, Nieren, Gehirn, .Rückenmark, Retina. Sympathicus), Diese Bindegewebswucherung beginnt in der Umgebung der Gefässwandungen, Im Darmkanal findet namentlich eine Bindegewebswucherung in der Umgebung der Darmganglien mit Compression und späterer Degeneration derselben statt (Maier), In der Niere hal die Zunahme des Bindegewebes die Ausbildung einer Schrumpfniere zur Folge.
Die Aufnalniie der Bleisalze erfolgt in jeder Komi von allen Schleimhäuten, von Wunden und Geschwüren aus; auch das reine metallische Blei sowie das in Wasser unlösliche schwefelsaure Blei werden vom Körper resorbirt. Im Wesentlichen erfolgt die Resorption als Bleialbuminat im Dünndarme (als sogenannte metallorganisohe Verbindung); zu einem kleineren Theile vom Magen ans als Ohlorblei. Im Dickdarm verwandelt sieh das nicht resorbirte Blei in Schwefel­blei. Alle Körperorgane sind bleihaltig, so die Leber, Nieren. Drüsen, das Gehirn, die Muskeln. Knochen etc. Die Ausscheidung des Bleies ist eine sehr langsame (feste Verbindung mit dem Organeiweiss); sie erfolgt durch die (lalle, den Harn und Speichel; durch Jodkalium wird sie wesentlich beschleunigt.
Bleivergiftung, Saturnismus, Man hat bei der Vergiftung mit Blei eine acute und ohronische Vergiftung wohl von einander zu unter­scheiden.
Die acute Bleivergiftung setzt sich bezüglich ihrer Erscheinungen wesentlich zusammen aus der ätzenden Wirkung auf die Digestionsschleim-lumt und der erregenden auf die Darmwandung und das Gehirn,
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Saturiiisiuus.
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Domunch treten in den Vordergrund die Syniptomo der (iastroenteritis (Erbrechen, Durelifall, Verstoprang), der Darmkolik (Bleikolik) und der
motorischen Gohirnrei/ung (Zittern, Zuckungen, Krämpfe, Convul-sionen, epileptiforme und ohoreaäbnliohe Zufälle, Aufregung, Tobsucht). Dabei ist starke Artoriencontraction und selbst Pulsverlangsamung vor­banden. Der Tod tritt ein in Folge Gehirn- und Muskoll ähinung (ISleililhmung). Bei der Section findet man ontmndliclie Verilnderungen auf der iScbleimhaut des Digestionsapparatos.
Die chronische Bleivergiftung zeigt nicht bei allen Thier-gattungen constanto und übereinstimmende Symptome. Im Allgemeinen iiussert sie sich in Verdauungsstörungen (Verstopfung abwechselnd mit Durchfall, Stomatitis, Bleisaum); zunehmender Abmagerung und Schwäche, chronischem Bronchialkatarrh, Abortus, Sterilität, Hautausschlägen; sowie in Affeotionen des Nervensystems: Bleikolik (Colica saturnina), motorischen Gehirnrei/.ungserscheinungen (Eclampsia saturnina, Encepb alopathia saturnina), Gelenkschmer/.en (Arthral-H'ia saturnina), Zittern und Muskeliähniung (Tremor saturninus, Paralysis saturnina). Hierher gehört beim Pferde auch das satur­nine Kehlkopfpfeifen. Ferner bilden sich Sehstörungen aus, selbst Erblindung (Amblyopia und Amaurosis saturnina). Endlich kommen nicht selten die Symptome einer chronischen in t erstitiellen Ne­phritis hinzu. Der Tod erfolgt unter hochgradiger Abmagerung und Erschöpfung. Bei der Section findet man chronischen Magendarmkatarrh, Atrophie der Darinschleimhaut, Verfettung der Dannwandungen, Verfettung der Leber, Schruinpfniero sowie Entartungszustände der Nierenzellen. In einem Falle fand man beim Menschen Wucherung und Sklerotisirung des Bindegewebes mehrerer Sympathicusganglien (Ganglion coeliacum und cer-vicale supremum).
Die einzelnen Thiergattungen vorhalten sich dem Blei gegenüber verschieden.
1)nbsp; nbsp;Das Rind besitzt von allen Thieren dem Blei gegenüber die grösste Empfindlichkeit. Vergiftungen ereignen sich am häufigsten in Folge der Auf­nahme von Schrotkörnern, Bleifarben, Bleiessig, Bleizucker. Unter den Vergiftungssymptomen treten die cerebralen Erscheinungen (Tobsucht, Kaukrämpfe, sogen. Haukrankheit; epileptiforme Anfälle, sogen, .lamm er) in den Vordergrund. Gewöhnlich besteht ferner Speicheln. Vereinzelt beobachtet man auch das Auftreten eines pustulösen Exan-thems. Die Todesdosis, speciell des Bleizuckers, scheint eine sehr niedere zu sein; sie liegt bei circa 50 g. So sah Fitter 2 Kühe sterben nach der Aufnahme von zusammen 100 g Bleizuckor. Fischer sah eine Kuh auf 48 g Bleizucker sterben, eine andere auf 62 g schwer erkranken. Nach Prinz starben von 10 Kühen, welche zusammen 500 g Bleizucker aufgenommen hatten, 6; die anderen erkrankten schwer.
2)nbsp; nbsp;Pferde zeigen auf 500 g Bleizucker zwar schwere Vergiftungs-erscheinungen, sterben aber nicht (Her twig). Die tödtliche Dosis liegt erst zwischen 500 und 750 g. Die Ursache dieser grossen Ver­schiedenheit zwischen Pferd und Rind ist offenbar wie beim Calomel darin zu suchen, dass das Blei beim Rinde längere Zeit im Verdauungstractus bleibt und daher ausgiebiger resorbirt werden kann. Ein besonders cha­rakteristisches Symptom der Bleivergiftung beim Pferde ist das Kehlkopf­pfeifen (Lähmung der Kehlkopfmuskeln). Giftiger als der Bleizucker scheint das Bleioxyd zu sein; nach Dominik starb ein Pferd auf 360 g Bleiglätte. Intravenös hatten 2 g Bleizucker bei mehreren kräftigen
Früimer, Arzneimittellehre, it. Ann
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322nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bleizuckor.
Pferden innerhalb 5—8 Minuten den Tod zur Folge. (Die Ursache ist hier wohl in Coagulation des Blutes und in Lungenembolie zu suchen.) — Das unter dem Namen , Anticolicumquot; gegen die Kolik der Pferde und des Rindes angepriesene Geheimmittel enthält als Hauptmittel Bleizucker (in 2(J5 g 15 g) und ist in Folge dessen sehr gefährlich und durchaus ver­werflich,
3)nbsp; nbsp;Schafe sterben auf die einmalige Verabreichung von 50 g Blei­zucker nach 8 Tagen (Gerlach). Ellen berger und Hofmeister (Ber­liner Archiv 1884) fütterten 2 Schafe mit kleinen Dosen Bleizucker (0,5—3,0 pro die). Das eine starb nach der Verabreichung von zusammen 150 g nach 8 Monaten, das andere bei einer Gesammtmenge von 164 g nach 4 Monaten an chronischer Bleivergiftung. Die Symptome derselben waren nicht sehr charakteristisch: Abnehmende Fresslust, Traurigkeit, ge­störtes Wiederkauen, trockene Wolle, grosse Muskelschwäche, Unruhe­erscheinungen, verzögerter Kothabsatz, Durchfall, Verringerung der Harn-secretion, Abnahme der Harnstoifausscheidung, zuweilen Albuminurie, jedoch keine Symptome von Encephalopathie, Arthralgie und Bleilähmung. Bei der Section war u. a. eine eigenthümliche Kerndegeneration der Nieren-epitbelien zu constatiren. Die chemische Untersuchung ergab, dass am meisten Blei enthielten die Leber, die Nieren, die Speicheldrüsen, die Milz, die Knochen und das Centralnervensystem.
4)nbsp; nbsp;Schweine zeigten nach der Verabreichung von 8 g Bleizucker schwere Vergiftungserscheinungen, genasen aber wieder nach 4 Tagen.
5)nbsp; nbsp; Hunde sterben von 10—25 g Bleizucker ab an acuter Blei­vergiftung. Ein Hund starb beispielsweise auf 44 g innerhalb 28 Stunden (Orfila); ein anderer starb auf 8 g Bleifeile nach 18 Tagen. Ferner starben Hunde bei täglicher Verabreichung von 0,2—0,5 Bleizucker nach 5—8 Wochen an chronischer Bleivergiftung (Gesammtverbrauch 10 — 30 g). Die Erscheinungen der chronischen Bleivergiftung bei Hunden sind nach den experimentellen Untersuchungen von Heu bei und Mai er: Appetit­losigkeit, Erbrechen, Speichelfluss, Durchfall, hochgradige Abmagerung, namentlich Muskelatrophie am Bücken und an den Hinterschenkeln, vor­übergehende Kolikanialle, Schwäche der hinteren Extremitäten, Zittern (eigentliche Muskellilhmung fehlte), ausgeprägte Eclampsia saturnina (in der 4. oder 5. Woche), verzögerter Kothabsatz und Verstopfung. Bei der Section fand sich in allen Organen (Darm, Leber, Nieren, Gehirn, Rücken­mark) eine starke Bindegewebswucherung, zunächst in den Gefässwandungen mit consecutiver Compression der Gefässe, Atrophie der Darmdrüsen, Darm-follikel und Darmzotten, sowie Atrophie der Darmganglien. — Intravenös sterben Hunde augenblicklich auf 0,6 g Bleizucker.
6)nbsp; nbsp;Das Geflügel ist gegen Blei ähnlich empfindlich wie das Rind. Tauben starben auf 4 g Schrotkörner am S.Tage; Hühner zeigen nach dieser Dosis eine vorübergehende Vergiftung.
Anwendung. 1) Innerlich als Styptioum bei hartnäckigen Durchfällen. Diese rein locale Wirkung des Bleiacetats wird zur Zeit in praxi am häufigsten benutzt.
2)nbsp; Gegen Magen- und Darmblutungen; ausserclem wird der Bleizucker auch empirisch gegen Lungen-, Nieren-, Blasen- und TJ t e r u s b 1 u t u n g o n angewandt.
3)nbsp; Gegen acute Nephritis und nicht ZU weit vorgeschrittenen
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Bleizucker.
;{2;{
Morbus Briglitii, Beim Menschen fand man unter der Einwirkung des Bleizuckers eine Verminderung des Eiweisses, gesteigerte Aus­fuhr der die Harnkanälchen verstopfenden Kibrineylindcr und ver­mehrte Diurese.
#9632;I) Bei hochgradiger Dyspnoö und Lungenödem (Q-efttss-contractioii), sowie bei Bronchoblcnnorrliöe und Lungenbrand.
5)nbsp; nbsp;Aeusserlioh wird der Bleizuoker als Aetzmittei (/. B. bei Strahlkrebs) sowie als Adstringens bei Conjunctiviten, Oystiten. Metriten, Vaginiten, Proctiten, als Mastdarminfusion gegen Diarrhöe, in Forin der Inhalation bei profusem Bronchialkatarrh, in Form der intratraohealen und intralaryngealen Injection etc. angewandt, Contra-indicirt ist derselbe jedoch in der Augenpraxis bei gleichzeitigem Vorhandensein von (Jorneageschwüren, weil dieselben das Blei che­misch binden (Bleialbumiimt), und so Hornhautflecken zurückbleiben. Endlich dient der Bleizucker zur Bereitung der essigsauren Tbon-erde (Burow'sche Lösung). Die letztere wird dargestellt aus 2 Theilen Bleizucker, 1 Theil Alaun und 50 Theilen Wasser.
6)nbsp; nbsp;Der Bleiessig wird ausschliesslich iiusserlich angewandt als Adstringens bei Hautentzündungen, Verbrennungen, Quet­schungen, Decubitus, eiterigen Ekzemen, Gescbwiiren, Strahlkrebs, Blutungen etc. sowie bei Schleimhautkatarrhen, (Conjunctivitis, Metritis, Fluor albus, Vaginitis. Stomatitis, Pharyn­gitis etc.).
7)nbsp; nbsp;\y,xH Bleinitrat in Pulverform eingestreut ist nach Plitz ein gutes Mittel gegen Strahlkrebs.
Form. Man gibt den Bleizucker innerlich in Pillen, Latwergen, Lösungen und Pulvern (mit Zucker etc. stark verdünnt). Hierbei soll man wegen der eintretenden Zersetzung dos Bleizuckers die gleich­zeitige Verabreichung von Alkalien, kohlensauren und schwefelsauren Salzen, Salzsäure und Schwefelsäure sowie von Gerbsäure vermeiden. Den Bleiessig verwendet man entweder concentrirt (leichte Aetz-wirkung) oder verdünnt zu Waschungen in Form des 20/oigen Aqua Plumbi, ferner in '/a—2('/nigen Lösungen gegen Schleimhautkatarrhe. (jegen Ekzeme, Verbrennungen, eiterige Dennatiten, Decubitus (z. B, bei Kolik) etc. kann man auch die Bleisalbe. die Tanninbleisalbe (letztens namentlich als vorzügliche Decubitussalbe) oder die Diachylon-salbe anwenden. Die verschiedenen Bleipflaster werden in der Thier-heilkunde fast gar nicht oder nur zur Bereitung der scharfen Pflaster angewandt.
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Hloizuckcr.
Dosis des Bleizuckers. Mit Recht bat schon Her twig voi­der Verabreichung grössem- Einzeldoaen des Bleizuokers gewarnt. Namenthcb beim Binde ist in dieser Beziehung Vorsicht notliig. Der umstand, dass gesunde Tbiere lungere Zeit hindurch kleine Dosen ohne Naobtheil ertragen, kann nicht beweisen, dass auch kranke Thiere von diesen Dosen nicht heeinflusst werden, da sich bekanntlaquo; lieh der kranke Thierkörper den Arzneimitteln gegenüber anders ver­hält als der gesunde. Aus diesem Grunde sind die alten, erprobten Dosen beizubehalten. Dieselben betragen für
Pferde 2—12,0.
Kinder 1 — 4,0.
Schafe, Ziegen und Sehweine 0,3—1,0.
Hunde 0,05 — 0,:!.
Katzen und Geflügel 0,01—0,05,
Recepto.
1)nbsp; Rp. Plumbi aoetioi 10,0.
Opii pulv. ^,0.
Pulv. Rad. Althaouc qu, B. f. Pil. 1gt;. 8. Für ein Pferd mit Diarrhöe.
2)nbsp; Rp. Plumbi aoetioi 10,0.
Pulv. Rad. Liquirit. 20,0. Pulv, Sem. Lini 100,0. Aim. dcstill. qu. s. f. I'ilccl. D, 8. Für ein Pferd mit Darmblutung (Nierenentzündung).
3)nbsp; Rp. Plumbi acotici 0,05.
Opii pulver. 0,1-Sacohar. 1,0.
M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. X. S. Sstündliob 1 Pulver für einen Hund mit anlialtcndem Durchfall.
4)nbsp; nbsp;Rp. Plumbi acetici 0,1.
Saochar. 0,5.
M. f, Pulv. D. tal. dos. Nr. V. S. S(üiidli(;li 1 Pulver für einen Hund mit Lungenödem.
5)nbsp; Rp. Plumbi acetici 0,5,
Aqu. dcstill. 50,0. M. !gt;. S. Augenwasser.
ü) Rp. Plumbi acetici 0,5.
Aluminis orndi 2,5.
Aqu. destill. 100,0. M. 1). H. Burow'schc Lc'isung.
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Kupfervitriol
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Cuprum sulfiiricuiraquo;. Kupfervitriol.
CuSf), f ß E%i).
Pharmaceutische Chemie. Das Kupfer kommt in dor Natur vor in metallisohem Zustande (am Lake superior in Nordamerika, in Chile, Bolivia, Spanien, Ungarn, im Erzgebirge), als Oxyd (Roth-kupfererz = CujO; Schwarzkupfererz = CuO), als Sulfid (Kupfer-
;lanz = CuaS; Ku pferkies = (Ju8S Fe2S8 etc.)
sowie
in verschie-
dener Form in mehreren Mineralerzen (Silbererze, Eisenerze), end­lich in geringen Mengen im pflanzUchen und thierischen Organismus, Der Kupfervitriol (blauer Vitriol, Vitriolum Cupri, Kupfersulfat, Cuprum sulfuricum) ist in zwei Formen officinell:
1)nbsp; Der rohe Kupfervitriol (Cup r um su 1 f u r i cu m c r ud um) bildet blaue, grosse, durchsichtige Krystalle oder krystallinische Krusten von widrigem, met allisch-adstringirendem Q-e-sohmacke, löslich in 8,5 Theilen kaltem und 1 Theil siedendem Wasser, Seine Lösung reagirt sauer und gibt mit überschüssigem Ammoniak eine klare tiefblaue Flüssigkeit. Der rohe Kupfer­vitriol des Handels ist ziemlich rein und enthält nur eine kleine Menge Eisenvitriol (seltener Zinkvitriol); er genügt daher für die Zwecke der Thierheilkunde, speciell für den äusserlichen Gebrauch,
Die Durstellung des rohen Kupfervitriols ist eine verschiedene: aus schwefelhaltigen Kupfererzen durch Rösten und Auslaugen mit Wasser oder durch Auslaugen verwitterter Kupferkiese; aus den Kupfersulfat enthaltenden (J ruben wässern durch Eindampfen und Krystallisiren; bei der Silbergewinnung aus silberhaltigem metallischem Kupfer und Schwefelsäure; aus kupieroxydhaltigen Abfällen mit Schwefelsäure.
2)nbsp; Der reine Kupfervitriol (Cuprum sulfuricum) bildet lasur­blaue, durchsichtige Krystalle (rhomhoidische Säulen) von unan­genehmem, metallisch-adstringirendem Gcschmacke, in 3,5 Theilen kaltem und in 1 Theil siedendem Wasser löslich. Identitäts­reaktionen sind: weisser Niederschlag mitBariumnitrat(Salfatreaktion): tiefblaue Färbung mit überschüssigem Ammoniak (Kupferreaktion); Scb warzfärbung durch Schwefelwasserstoff (SOu); blutrot hei' Niederschlag mit Ferrocyankaliuui; b lau grüner Niederschlag mit Aetzalkalicn. Zur Prüfung auf fremde Metalle (Zink und Eisen) fällt man das Kupfer durch Schwefelwasserstoff aus; das Piltrat hinter-
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Iviilifcrsalze.
lässt daiUl nacli dem Ahdauipfen einen Rückstand (Eis(Mivitriol, Zinkvitriol).
Der reine Kupfervitriol wird ans reinem Kupfermetuli and Soli wo feisäure dargestellt (zur Beschleunigung der Auflösung dient ein Zusatz von Salpetersäure). A.P. crudum 100,0 = 36 Pfennig; purum = 55 Pfennig,
Cuprum aluminatum (Kupferalaun, Kupfers tut, Blaustift; Lapis divinus, Lapis ophthalinious) wird durch Zusammenschmelzen gleicher Theile Kupfervitriol, Alaun und Kalisalpeter dargestellt mit Zusatz von etwas Campher. Er bildet grünlichblauo, nach Campher riechende Stücke, welche in Wasser leicht löslich sind und zu Aetzzweeken in der Augenheilkunde dienen. A.P, 10,0 =: 10 Pfennig.
Cuprum oxydatum, das ofäoinelle Kupferoxyd, CuO, wird durch Fällen von Kupfersulfat mit Natriumcarbonat dargestellt. Es bildet ein schwarzes, schweres, nicht krystallinisches Pulver, welches in Wasser unlüslich, aber in Säuren löslich ist. Anwendung innerlich gegen Bandwürmer; änsserlich als zertheilendes Mittel in Salben. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Cuprum sulfuricum ammoniatum, Kupferammoniumsulfat,
N.aH6(CuSO|), dargestellt aus Kupfervitriol und Salmiakgeist, ein dunkel­blaues, schwach alkalisch riechendes Krystallpulver, früher statt Cuprum sulfuricum angewandt. Ueberflüssiges, leicht zersetzliches Präparat.
t Cuprum aceticum, G r ü n s p a n , A e r u g o CniC^O^ -f- H^O dargestellt durch Auflösen von Kupferoxyd in Essigsäure, bildet dunkel­grüne, 1:15 Wasser lösliche Krystalle (Grünspanvergiftung = A e r u-ginismus). Früher als Aetzmittel und Adstringens benützt, hauptsächlich in Salbenform in der Wundbehandlung sowie in wässeriger Lösung. Die früherofflcinelle ägyptische Salbe (Unguentum aegyptiacum, Aegyp-tiacsalbe, Oxymel oder Linimentum Aeruginis, Grünspan-Sauer-bonig) wurde aus Grünspan. Essig und Honig dargestellt. Andere ähnliche Wundsalben wurden aus Grünspan, Schweinefett und Honig bereitet. Das früher angewandte grüne Wasser (Aqua viridis) bestand aus Grün­span, Alaun, Honig und Franzbranntwein.
Andere (überflüssige) Kupferpräparate sind der nicht mehr officinelle Liquor corrosivus (Liquor Villatii), bestehend aus Kupfervitriol (ITheil), Zinkvitriol (1 Theil), Bleiessig (2 Theile) und Essig (12 Theile), vergl. auch S. (J17, sowie das Bl au w asser (Aqua coerulea), bestehend aus Kupfervitriol, Salmiak, Kalkwasser etc. Von sonstigen Kupferpräparaten sind dem Namen nach zu nennen: Cuprum arsenicicum, bichloratum, carbonicum, chromicum, cyanatum, nitroprussicum, oleT-nicum, oxalioum, sulf o-phe nyli cum , tartar icum etc.
Wirkung der Kupfersalze. 1) Wie Silber, Blei und Eisen, so hat aucli das Kupfer eine starke Affinität zum Körpereiweiss und wirkt daher unter Bildung von Kupferalbuminat concentrirt ätzend
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Kupfervitriül.
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auf Sohleinahäute und Wunden, in verdünnten Lösungen adstrin-girend (austrocknend, entzündungswidrig, seoretionsbesohränkend). Mit Blut zusammengebracht ooagulirt es dasselbe.
2) Innerlich erzeugt der Kupfervitriol Erbrechen in Folge einer refleetorischen Erregung des Brechcentruins, Appetitstörung und Verstopfung. Grössere Dosen haben eine heftige Gastro­enteritis zur Folge (Erbrechen, Kolik, Durchfall).
;i) Die allgemeine Kupferwirkung ist hauptsächlich auf die quergestreiften Skeletmuskeln und das Herz gerichtet; dieselben werden gelähmt (Unsicherheit im Gehen, Schwäche, Zittern, vollstän­dige Bewegungslähmung). Bei Schafen beobachteten Ellenberger und Hofmeister nach längerer Verabreichung von Kupfer ausser-dem Hänioglobinämie, Icterus, Nephritis und Albuminurie.
4)nbsp; nbsp;Der Kupfervitriol hat ferner eine wenn auch schwache anti­septische AVirkung; er hemmt in einer Verdünnung von 1:300 die Entwicklung der Bacterien.
5)nbsp; Das Kupferoxyd ist ein starkes Gift für B a n d w ii r m e r. (Früher wurden die Kupferverbindungen auch gegen Baude gehraucht.)
Die Aufnahme der Kupfersalze ins Blut tindet in Form des Kupferalbuniinates statt. Alle Organe sind dann kupferhaltig, nament­lich aber die Leber, die Nieren, die Pankreasdrüse, die Nerven, Muskel etc. Da das Kupfer lange Zeit im Körper zurückgehalten wird, ist seine Ausscheidung eine verzögerte; dieselbe geschieht durch die Galle und den Harn.
Anwendung. 1) Innerlich als Brechmittel für Hunde, Schweine und Katzen.
2) Innerlich als Antidot gegen Phosphorvergiftung. Der Phosphor boschlägt sich mit einer Schichte metallischen Kupfers unter Bildung von Phosphor-Kupfer.
8) Innerlich gegen Bandwürmer in Form des Kupferoxyds.
4) Aeusserlich als Aetzmittel in der Augenheilkunde bei granulösen, follikulären, pannösen Wucherungen auf der Conjunc­tiva und Cornea, bei Hornhautgeschwüren etc. Sodann in der Chi­rurgie als Aetzmittel und Adstringens bei Fisteln und Geschwüren (Hufknorpelfistel, Hufgesohwür, Strahlkrebs), als Aetzmittel für Klup­pen. Ausserdem als austrocknendes und desiuHcirendes Mittel bei Klauenseuche, Schleimhautkatarrhen (Fluor albus. Conjunctivitis catarrhalis) etc. Trasbot empfiehlt den Kupfervitriol auch als ganz unschädliches Mittel gegen Herpes in 2—4deg;;raquo;igen Lösungen.
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Kupfervitriol.
Form. Zum Ä.etzeil bedient man sich In der Augenheilkunde des Knpferalaunstiftes (Lapis opbthalmious s. divinus) oder einer concentrirten (100/oigen) Lösung; in der Cliirurgie des Pulvers oder starker Lösungen. Zum Adstriuffiren und Desinficiren benutzt
man 0,5-
voiare
wässerige Lösungen. Innerlich gibt man die Kupfer*
sal/e in Pulvern mit Zucker etc. oder in verdünnter Lösung.
Dosis. 1) Als Brechmittel;
Schweine 0,5—1,0. Hunde 0,1—0,5.
Katzen 0,05—0,2. 2) Als Antidot resp. Bandwurmmittel: Pferd 2-15,0. Rind 2—8,0.
Schaf, Ziege und Schwein 0,5—1,0, Hund 0,05 — 0,1. Katze und Geflügel 0,02—0,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Cupri sulfurioi 1.0.
Ai|u. destill. 50,0. M. f. Sol. D. S. '/Mündlich 1 EssloiM (Theelöffel) voll bis zur Wir­kung'. Brechmittel für Hunde (Katzen).
2)nbsp; ßp. Cupri sulfurici 1,0.
Sacchnri 5,0. M. f. I'ulv. D, S. Auf die Zunge zu streuen, ßreohmittol für Schweine.
8) Rp. Cupri oxydati 0,05. Amyli 0,2.
M. f. I'ulv. D. tal. dos. Nr. III. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit Bandwurm.
4)nbsp; nbsp;Rp. Oupri sulfurici 2,0.
Aqu. destill. 200,0. M. f. Sol. D. S. Augenwasser.
5)nbsp; nbsp;Rp. Cupri sulfurici crud. 50,0.
Aqu. eonimun. 500,0. M. f. Sol. T). S. Aeusserlich zum Einspritzen gegen Hufknorpclfistel.
(i) Rp. Cupri sulfurici crud. pulv.
Ferri sulfurici crud. pulv. aii 100,0. M. Iraquo;. S. Streupulver gegen Strahlkrebs.
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Zinkvitriol.
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ZincHin sulfuricum. Zinkvitriol.
Z11SO4 7 H.,0.
Pharmaceutische Chemie. Das Zink kommt in der Natur immer gebunden vor, so ;ils Carbonat, ZnC08 im Galmei und Zink-spatb, als Sulfid, ZnS in der Zinkblende, als Oxyd, ZnO im Roth­zinkerz und als Silicat im Kieselzinkcr/.
1)nbsp; Der rohe Zinkvitriol (Zinouna sulfuricura orudum, Aveisser Vitriol, weisser Galitzenstein, weisser Augenstein, Zink­butter) wird durch Kosten von Zinkblende (ZnS OJ gewonnen. Er bildet eine weisse, zuck er ähnliche Masse, welche Eisen, Kupier, Mangan etc. enthält. Das Präparat ist nicht mehr ofticinell, wird auch therapeutisch kaum mehr verwerthet.
2)nbsp; nbsp;Der reine Zinkvitriol (Zincum sulfuricum, Zinksulfat) wird entweder aus rohem Zinkoxyd und Schwefelsäure, oder aus metallischem Zink und Schwefelsäure dargestellt. Er bildet farb­lose, nadeiförmige, an der Luft verwitternde Kry stalle von scharf-metallischem, ekelhaftem Q-eschmacke, welche sich in 0,6 Theilen Wasser mit saurer Reaktion lösen, dagegen in Weingeist unlöslich sind. Identitätsreaktionen: 1) weisser Niederschlag von schwefel­saurem Baryt mit Baryumnitrat (Sulfatreaktion); 2) weisser Nieder­schlag von Zinkhydroxyd durch Aetzalkalien (Zinkreaktion). Dieser letztere Niederschlag verschwindet im üeberschusse der Aetzalkalien wieder; durch Einleiten von Schwefelwasserstoff entsteht jedoch ein neuer weisser Niederschlag von Schwefelzink.
Prüfungen sind anzustellen auf Chlorzink (weisser Nieder­schlag mit Höllenstein); auf Kupfer (blaue Farbe mit Ammoniak); auf Blei (die Lösung soll mit Salzsäure und Ohlorwasser erhitzt durch Schwefelwasserstoff nicht schwarz gefärbt werden); auf Eisen (die Ijösung mit Salzsäure und Chlorwasser erhitzt soll mit Sulfooyan-kalium nicht geröthet werden) etc. A.1J. Zincum sulfuricum purum 10,0 .= 5 Pfennig.
Zincum oxydatum, Zinkoxyd, ZnO (Floros Ziuci, Zinkweiss), ist als rohes und reines Präparat oflicinell. 1) Das Zincum oxydatum orudum (Zincum oxydatum venale, Z. 0. ad usum externum) wird fabrikmiissig durch Verbrennen von Zinkdämpfen dargestellt und bildet ein feines, weisses, in Wasser unlösliches Pulver, Es genügt für die iiusserliche Anwendung. A.P. 10,0 = 5 Pfennig. 2) Das Zincum oxydatum purum wird durch Glühen des kohlensauren Zinkoxyds dar-
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Ziuksalze.
gestellt. Es bildet ein zartes, weisses, amorphes, in Wasser unlös-lielies, in der Hitze vorübergehend gelbliches Pulver, das sich in 10 Theilen Essigsäure ohne Aufbrausen löst, ebenso in überschüssigem Ammoniak; Schwefelwasserstoff scheidet aus dieser Lösung weisses Sohwefel-zink. A.P. 10,0 = 15 Pfennig. 1 Theil rohes Zinkoxyd mit 9 Theilen Schweineschmalz gibt die officinelle Zinksalbe, Unguentum Zinci, eine weisse Salbe. In Oesterreich wird die Zinksalbe aus Adeps benzoinatus (10), Wachs (2), Zinkoxyd (2) und Mandelöl (1) officinell dargestellt.
Zincum aceticum, essigsaures Zinkoxyd, Zn(C.iH;iO^)i (oftkinell), wird aus rohem Zinkoxyd und Essigsäure dargestellt. Es bildet weisse, glänzende lilättchen, in 2—3 Theilen Wasser löslich. Eisenchlorid färbt die Lösung roth (essigsaures Eisenoxyd); Kalilauge fällt weisses Zink­hydroxyd.
Von nieht-officinellen Zinkpräparaten sind endlich zu erwähnen: Zincum sulfocarbolicum, carbolschwefelsaures Zinkoxyd durch Mischen von Carbolsäure, Schwefelsäure und Zinkvitriol dar­gestellt, farblose, durchsichtige, leicht verwitternde Tafeln oder Säulen darstellend, 1 : 2 Wasser oder Alkohol löslich, mit Eisonchlorid sich violett färbend (Carbolreaktion). Ferner: Zincum lacticum, valer i an ienm. cyanatum fer r oey an atum , p ermanganicum , p hosphora tu m (mit Phosphorwirkung), phosphoricum, bromatum, jodatum, car-bonicum, olemieum, tannicum, salicylicum, benzoieum, snlfo-ichthyolicum u. a. Das Zinkchlorid wird im Folgenden besonders besprochen.
Wirkung der Zinksalze. 1) Die Zinksalze haben eine mit den Kupfersalzen übereinstimmende, nur etwas schwächere Wirkung. Con-oentrirt ätzen sie unter Bildung eines trockenen Schorfes von Zink-albuminat; in verdünnten Lösungen wirken sie adstringirend auf Schleimhäute und Geschwüre.
2) Alle Zinksalze wirken antiseptisch, wenn auch die ineisten nur schwach, so der Zinkvitriol erst bei einer Verdünnung von 1 : 50. Am stärksten antiseptisch wirkt Chlorzink.
8) Innerlich erzeugt der Zinkvitriol Erbrechen; in grossen Dosen Grastroentcritis. Subcutan eingespritzt verursacht er acute Nephritis.
4) Wie beim Kupfer ist die Allgemeinwirkung der Zinksalze hauptsächlich eine lähmende auf die quergestreiften Skelet-muskeln und das Herz; das Nervensystem scheint unberührt zu bleiben.
Die Aufnahme des Zinks in das Blut erfolgt in der Form des Zinkalbumin at s,
Anwendung. 1) Der Zinkvitriol wird innerlich wie der Kupfer­vitriol als Brechmittel angewandt.
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Ziukvitriol.
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2) Das Zinkoxyd (selten der Zinkvitriol) wird als innerliches Styptioum gegen ohronisohe Diarrhöen, sowie als Adstringens bei chronischem Magendarmkatarrh gebraucht.
8) Zincum sult'iirieum und oxvdatum (ebenso Zineum aceticuni und die übrigen Zinksalze mit Ausnahme des Chlorzinks) werden em­pirisch innerlich gegen Epilepsie und epileptiforme Krämpfe namentlich jugendlicher Individuen verabreicht.
4)nbsp; nbsp;Der Zink vitriol wird äusserlich hauptsächlich als Ad­stringens in der Augenheilkunde gegen katarrhalische und eiterige Conjunctivitis verwendet (0,5—20/oige Lösung). Ausser-dem benütüt man ihn in 1—50/oiger Lösung zu Einspritzungen gegen Prcäputialkatarrh, Vaginitis, Fluor albus, Otorrhöo etc. (beim Menschen Speoiflcum gegen Tripper).
5)nbsp; Das Zinkoxyd wird als Adstringens äusserlich in Pulver­form oder als Zinksalbe gegen eiterige Ekzeme, Dermatiten, Inter-trigo, sowie als leichtes Aetzmittol gegen chronische Coujunctiviten und Keratiten angewandt.
Dosis. 1) Des Zinkvitriols als Brechmittel:
Schweine 0,5 — 1,0. Hunde 0,1—0,3. Katzen 0,05—0,1.
2) Des Zinkoxyds gegen Epilepsie etc.:
Pferde 5—10,0.
Rinder 2—5,0.
Schafe und Schweine 0,5—1,0.
Hunde 0,1 — 0,2.
Katzen 0,05.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Zinci Btilfurioi 1,0.
Aqu. destill. 100,0. Mi i'. Sol. D. S. Augcnwassor.
2)nbsp; Rp, Zinci sulfurici 5—25,0.
Aqu. destill. 500,0. Mi fi Sol. D. S. Zum Einspritzen gegen Prftputialkatarrh beim Hunde.
B) Rp. Zinci snlfurioi 1,0. Sacchari 5,0. M. D. S. Brechmittel für ein Sclnvein.
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832nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ohlorzink.
4)nbsp; Rp. Zinc! aulfuiioi 1)0.
Aqu. destill. 150,0. M, f. Sol. 1). S. Stündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) als Brechmittel für einen Hund (Katze).
5)nbsp; Rp. Zinci oxydiiti orudi 1,0.
Talci 10,0. .M. f. Pulv. S. Streupulver gegen Intertrigo.
(1) Rp. /inci oxydafi 0,1. Sacohari 0,5.
M. f, Pulv. I). tul. dos. Nr. XX. S. Täglich 2—8 l'ulvcr für einen Hund mit Epilepsie.
7) Rp. ünguent. Ziuci 50,0. Greoliui 5,0. M. f. ünguent. S. Aeusserlioh gegen eiteriges Ekzem.
Zinciini eliloratuni. Ghlorzlnk.
ZnOlj.
Pharmaceutische Chemie. Das Clilorzink wird aus rohem Zinkoxyd und Salzsäure dargestellt. Es bildet ein weisses, ausserordentlich leicht an der Luft zerfliessendes Pulver (oder weisso Stängelchen), welches in Wasser und Weingeist leicht löslich ist und sieh beim Erhitzen in weissen Dämpfen ver­flüchtigt. Aus der sauer reagirenden Lösung fällt Silbernitrat weisses Chlorsilber, Schwefelwasserstoff weisses Schwefelzink (Iden­titätsreaktion). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Chlorzink ist eines der stärksten Aetz-mittel; es erzeugt unter Abgabe von Chlor einen tiefgehenden und schmerzhaften Aetzschorf. Die ätzende Ohlorwirkung äussert sich auch ausserhalh des Thierkörpers; es verkohlt nämlich Holz und ver­wandelt Stärkemehl und Papier in eine zuckerartige Verbindung.
2) In schwächeren Lösungen hat Chlorzink eine adstringirende, austrocknende, die Granulationen anregende, die Wunden umstim­mende Wirkung.
;{) Das Chlorzink wirkt antiseptisch; diese Wirkung wird aber gemeinhin überschätzt, Nach Koch vermochte z. 15. eine 50/oige ('blorzinklösung Milzbrandsporen selbst nach einmonatlicher Einwirkung nicht in der Entwicklungsfähigkeit zu hemmen. Eiterkokken worden durch eine 50/oige Lösung etwa nach 1 Minute getödtet (Martens).
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JJrechwoinstoin.
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Anwendung. 1) Als Actzmittel entweder in Substanz, oder in Pastonform (l : 1—3 Mehl), als Aetzstift, in concentrirten Lösungen (10—20 gt; ige) gegen Strahlk relis, (Jarein o m, Fisteln, Ge­schwüre etc. Bekannt ist die Oanquoin'sohe Aetzpaste. Dieselbe besteht aus gleichen Tbcilen Chlorzini und Mehl (oder auch aus 2 Theilen Ohlorzink, 1 Theil Antimonohlorid und 5 Theilen Mehl). Zinn Einführen in Fisteln bedient man sich der Köbner'schen Ohlor-zinkstifte, welche aus Chlorzink und Salpeter zusammengeschmolzen werden.
2)nbsp; Als scliwaclu's Antisepticum und umstimmendes Mittel für Wunden, Q-eschwüre, Fisteln in 2—80/oiger Lösung; ferner als Clilorzinkwerg und -Jute,
3)nbsp; nbsp;Als Conservirungsniittel für anatomische Präparate (Ge­hirne), zum Imprägniren des Holzes etc.
Innerlich wird Chlorzink wegen seiner stark ätzenden Wirkung nicht angewandt.
Reoepte.
1) Rp, Zinci ohlorati
Fariaae seoal. iüi 100,0. A((ii. dostill. qu. s. f. Pasta. D, S. Aetzpaste,
'2) Rp, Zinci ohlorati 2.quot;),0. A(|u. dostill. 500,0. IM. f, 8ol. D. S. Zum Einspritzen gegen HufknorpoKistol.
IJ) i^p. Ziiici ohlorati 5,0. Aqu. dostill. 250,0. M. f, Sol, D. S. Wundwasser,
Tartarus stibiatus. Breclnveinstein.
04H404lt;^Sb0 Vraquo;H20.
Pharmaceutische Chemie. Der Brechweinstein (Tartarus stibiatus, Tartarus emcticus, Stibium Kalio-tartaricum) ist chemisch als weinsaures Antimonoxyd-Kalium aufzufassen. Er wird dargestellt durch Digestion von reinem Antimonoxyd (4 Theilo) mit Weinstein (5 Thcile) und Wasser (10 Theile) nach der Formel:
2 C4H404lt;g| Sb,,0:i = 2 04HAlt;oKSbO H^a
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334nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Breclnveinstein,
Er bildet ein weisses, krystallinisclies, etwas verwitterndes Pulver, welches in 17 Theilon kaltem und 3 Theilen siedendem Wasser löslich, dagegen in Weingeist unlöslich ist und beim Er­hitzen verkohlt. Die Löslichkeit in Wasser wird durch einen Zusatz von ivoclisalz (ää) auf 1 :4 erhöht. Die wässerige Lösung reagirt schwacb sauer und bat einen widerlichen, süsslichen Geschmack.
Identitätsreaktionen sind: weisser Niederschlag in der wässerigen Lösung mit Ka 1 k w asser (weinsaurer Kalk), oranger0ther Niederschlag mit Schwefelwasserstoff (Schwefelantimon). Ausser-dem erzeugen Tannin und gerbsäurehaltige Aufgüsse Niederschläge von gerbsaurem Antimonoxyd.
Der Brechweinstein soll arsenfrei sein; es darf daher eine kalt bereitete Lösung von 0,5 g Brechweinstein in 10 g Salzsäure mit 2 Tropfen frisch gesättigtem Schwefelwasserstoffwasser versetzt selbst nach 4 Stunden keine Gelbfärbung oder einen Niederschlag zeigen (Schwefelarsen). Ausserdem soll sich im Laufe einer Stunde keine Braunfärbung zeigen, wenn 1 g Brechweinstein mit 3 oem Zinn-chlorürlösung geschüttelt wird. (Neue Arsenreaktion)'. A.P. 10,0 = 15 Pfennig; 100,0 = 1 Mark. D.P. 1 Kilo 3 Mark.
Unguentum Tartari stibiati, .Brechweinsteinsalbe, Pocken­salbe, in Deutschland officinell, wird dargestellt aus 1 Tlieil Brechwein­stein und 4 Theilen Paraffinsalbe; eine weisse Salbe. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Vinum stibiatum, Brechwein, ist eine Auflösung von 1 Theil Brecli-weinstein in 250 Theilen Xoreswein; eine klare, brauugelbe Flüssig­keit. Dosis als Expectorans für Katzen und Hunde 5 —10 Tropfen, als Brechmittel thee- bis esslöifelweise. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
t Liquor Stibii chlorati, Spiessglanzbutter, früher officinell, ist eine salzsaure Lösung von Antimonchlorür, SbCl;1. Er bildet eine klare, gelbe, ölige Flüssigkeit, welche früher als Aetzmittel verwendet wurde. Darstellung: aus Stibium sulfnratum nigrum und Salzsäure.
Wirkung. 1) Der Breclnveinstein besitzt äusserlich auf Haut und Schleimhäute als leicht lösliches Antimonsalz eine ätzende Antimonwirknng. Wird er in Lösung oder Salbenform eingerieben, so erzeugt er Pusteln auf der Haut. Diese Pusteln entsprechen dem Sitze der Hautdrüsen, in welchen der Brechweinstein durch das saure Drüsensecret zersetzt und in ein einfaches ätzendes Antimonsalz über­geführt wird (fettsaures Antimon? Antimonchlorid?). In höheren Graden der Aetzung entsteht selbst Nekrose der Haut und Schleim­häute (Stomatitis ulcerosa etc.).
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Breohweinstein.
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2)nbsp; nbsp;Inncrlicli erregt der Breohweinstein Erbrechen. Dasselbe ist die Folge einer direkten Reizung der Magenschleimhaut und tritt auch nach suhoutaner und intravenöser Application sofort ein, wenn der Breohweinstein zur Aussoheidung auf die Magenschleimhaut ge­langt (keine direkte Erregung des Brechccntruins),
3)nbsp; Im Darmkanal bewirkt der Breohweinstein in kleinen Dosen Durchfall, in grossen heftige Gastroenteritis. Bei letzteren sinkt der Blutdruck in Folge Gefilsserweiteruug, so dass namentlich die Lunge und die Broncliialscldeimhaut stark hypcräinisch ist.
4)nbsp; nbsp;AVie alle Antimonsalze steigert der Breohweinstein die Secretion der Körperdrüsen (Schleimdrüsen, Speicheldrüsen, Sohweissdrüsen, Nieren). Bei fortgesetzter Verabreichung kleiner Q-aben äussert sich die Antimonwirkung (ganz ähnlich der Arsenwir­kung) in gesteigertem Eiweissumsatze und in Verfettung der Drüsen und dos Herzmuskels (Herzschwäche und Herzlähmung). Der Kalicomponent kommt im Breohweinstein gegenüber dem Antimon nicht zur Wirkung; Natronbrecbweinstein wirkt wie Kalibrechweinstein.
5)nbsp; Der Brechweinstein ist ein starkes Gift für Eingeweide­würmer (Spul- und Bandwürmer).
Die Resorption des Brecbweinsteins ist wegen der Schwer­löslichkeit des im Magen entstehenden Antimonoxyd eine langsame (als Antimonoxyd-Albuminat?), desgleichen die Ausscheidung aus dem Körper.
Anwendung. 1) Als Brechmittel für Schweine, Hunde und Katzen. Unangenehm ist die besonders bei schwächlicheren Thieren auftretende starke Collapswirkung und das nachherige Laxiren.
2)nbsp; nbsp;Als gutes Ruminatorium gegen unterdrücktes Wieder­käuen bei den Verdauungskrankbeiten des Rindes in mittleren Dosen.
3)nbsp; nbsp;Als Laxans bei Kolik, Verstopfung, Magenüberfüllung, zur Ableitung auf den Darm bei Gehirn-, Lungen-, Rippl'ellentzün-dnngen etc.
4)nbsp; Als Expect or ans bei acuten und chronischen Bronchial­katarrhen, bei Bronchopneumonie u. s. w. in kleineren Dosen.
5)nbsp; nbsp;Als Anthelminthioum gegen Spulwürmer und Bandwürmer beim Pferde in grossen Dosen; am besten 10—20 g pro die im Trink­wasser gelöst.
(i) Als Antipyreticum und Antiphogistioum bei Pneumonic, Entzündung der serösen Häute, Rheumatismus etc. in grösseren Dosen (Vorsicht! Nur bei kräftigen Individuen!).
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lii'coliwoiiistcin.
7)nbsp; nbsp;Als 1) i ti rcticum und Diapliorcticum gegen Hydl'OpS (grössere quot;Dosen).
8)nbsp; Aeusserlioh zu scharfen, ableitenden Einreibungen bei inneren Entzündungen, namentlioh beim Binde und Schweine (Me­ningitis, Pleuritis, Pneumonie, Laryngitis) in Form der ol'licinellcn .Sulbe; seltener als zertheilendes Mittel gegen Hornlmutflceken (^slaquo; l)is T'/oige Salbe).
Contraindicirt ist der Breohweinstein bei Magen- und Darm­entzündung, sowie bei allen schwächlichen, anämischen, sehr alten oder sehr jungen Thieren, bei welchen er leicht Collaps in Folge starken Sinkens des Blutdruckes (Herzschwäche und Herzlähmung) erzeugt. Zu vermeiden wegen der Zersetzung des Brechwoin-Steins ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Ci erbsäure, tanninhaltigen Mitteln, caustiseben und kohlensauren Alkalien, Säuren und Me tu 11 salzen, Alkaloiden. Selbst gewöhnliches Brunnenwasser zersetzt den Brecbweinstein theilweise durch seinen Gehalt an Karbonaten.
Form. Als Brechmittel gibt man den Breohweinstein ge­pulvert mit viel Amylum oder Zucker, sowie in stark verdünnter wässe­riger Lösung; auch der Brechwein ist ein empfehlenswerthes Präparat. Bei sonstigem innerlichem Gebrauche verabreicht man ihn Pferden in Pillen oder Latwergen (hei Wurmleiden auch im Trinkwasser), Rindern, Hunden und Katzen in Lösung. Es empfiehlt sich, die Lösung immer mit destillirtem Wasser anzufertigen, sowie in Latwergen den Brecbweinstein vor der Mischung (wenn nöthig in heissem Wasser) zu lösen, um Anätzungen in der Maulhöhle zu vermeiden.
Dosis. 1) Brechdosis;
Schweine 1—2,0,
Hunde 0,1—0,3.
Katzen und Geflügel 0,05—0,1.
2) Laxirende Dosis:
Pferd 2—10.0.
Bind 10—20,0.
Schaf und Schwein 0,5—2,0.
Hund 0,05—0,1.
Katzen und Geflügel 0,02—0,05.
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Bfochweinstciii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;337
8) Kleinere, expectorirende Dosis: Pferd 0,5—2,0. Kind 2—5,0. Schaf und Schwein 0,2—0,5.
Hund 0,01— (),().quot;). Katzen 0,005—11.01.
Becepte.
1)nbsp; nbsp;H|j. Tartari stibiati 1,0.
A(|U. dostill. 100,0. M. f. Sol. 1). S. Viertelstündlich l Bsslöftel (TheelöM) als Breohmittel für einen llinul (Katze).
2)nbsp; Bp. Tartari stibiati pulv. 1,0.
Had. Epeoaouanh. pulv. 3,0. M. f. Pulv. D. S, Mit 1 Esslöffel Honig- gut gemisoht auf die Zunge y.u streiehen. Ureelimittcl für Schweine,
8) Rp. Vini stibiati
\'iiii Ipeoaonauhae äTT 25,0. M. D. S. 1 Ksslöffol (TheelölVel) als Breohmitte] lür Hunde (Katzen).
4) Rp. Tartari stibiati 8,0.
Solve in Aqu. destill, qu. s. Natrii sulfurio, 200,0. Pulv. Had. Liquirit. 50,0. Pulv. Rad. Althaeae qu, s. ('. Bleotuar, D, S. Für ein Pferd mit Kolik auf 2mal,
6)nbsp; Rp. Tartari stibiati 10,0.
Aqu, destill. 200,0, M, f. Sol, 1). S. Mit 1 Flasche Leinsameuabkocliuny einzuschütten für ein Rind mit Indigestion.
(i) Rp. Tartari stibiati 10—20,0. Aqu. destill. 400,0. M. f. Sol. I). S, Ins Trinkwasser für ein Pferd mit Spulwürmern.
7)nbsp; Rp. Tartari stibiati 0,5.
Ammonii chlorati 5,0. Suoci Liquiritiae 10,0. Aqu. destill. :500,0. jM. f. Sol. I). 8. Sstttndlich 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit aoutor Bronchitis; sog. Mixtura aolvens.
8)nbsp; Rp, Tartari stibiati 0,1.
Aqu. destill. 150,0. Syrnp. Althaeae 20,0. ^1. D. 8. Sstündlich 1 Esslöffel. Expeotorans für kleine Hunde.
Fröhner, Arznelmlttollehre. 8, Aufl.
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338nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Spiessglaiiz.
Stibium siilfuratum nigruni. Hpicssglauz.
Shß3.
Stibium sulfuratum aurautincuui. Ooldsclmefel.
Pharmaceutische Chemie, l) Der Spiessglaiiz (Schwefel-spicssglanz, Q-rauspiessglanz, Stibium sulfuratum nigrum, Antimonium crudum, schwarzes Schwefelantimon) kommt natürlich als Grauspiessglanzerz in den Gängen des Ur- und Uebcr-gangsgobirges vor (Ungarn, Siebenbürgen, Böhmen, Harz, Frankreich, England u. s. w.). Er wird dargestellt entweder durch Ausschmelzen dos natürlich vorkommenden Erzes (Saigerungsverf'ahren) oder durch Zusammenschmelzen von Antimon und Schwefel. Sehr fein ge­pulvertes, gesohlemmtes Schwefelantimon führt den Namen Stibium sulfuratum nigrum laevigatum. A.P. 100,0 = 20 Pfennig.
Der Spiessglanz bildet glänzend grauschwarze, ab­färbende, schwere, strahlig-krystallinisohe,'geruch- und geschmacklose, leiclit schmelzbare Stücke (Unterschied vom Braunstein) vom specifischen Gewichte 4,6—4,7, welche in Wasser unlöslich sind, sich aber in erwärmter Salzsäure unter Entwick­lung von Schwefelwasserstoff lösen nach der Forme]: SbaS8 -|-6C1H= SbsA, 3 SH2.
2) Der Goldschwefel (Stibium sulfuratum aurantiacum, Sulfur auratum Antimonii, Antimonpentasulfid, Fünffach-Sclnvefelantimon) wird durch Zerlegung des Sohlippe'sohen Salzes (Natriumsulfantimoniat, Na8SbS4) mit Schwefelsäure dargestellt nach der Formel:
2 NaBSbS4 -f 3 SO^Hj = SbaS8 f 3 Na2S04 3 SH2. Das Sclilippe'sciie Salz selbst wird dargestellt durch Kochen von Spiessglanz mit Schwefel, Aetzkalk und Soda (die beiden letzteren bilden zunächst Natronlauge, NaOH mit einander):
4 Sb8S8 8 S 18 NaOH = 5 Na8SbS4 -)- 3 NaSbO., -f 9 H20.
Der Goldschwefel bildet ein orangegelbes, feines, geruch-uud geschmackloses Pulver, das sich beim Erhitzen in Spiess­glanz und Schwefel zerlegt: 8b9S6 = Sb2S8 S8. Er ist in Wasser
unlöslich, wird aber durch feuchte Luft allmählich zu Antimonoxyd
oxydirt. Dagegen löst er sich leicht in Schwefelalkalien zu Sulf-
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Goldseliwefel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 33t)
antimoiiiaton, ferner in Aet/alkalien. Heisso Salzsäure löst ihn ZU Äntimonoblorür unter Fi'eiwerden von Schwefelwasserstoff und Sohwefels SbaSfl -h 6C1H = Sl),gt;Cltl 4 3SR, 85,. Ä..P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung. 1) Beide Antimonpräparate liahen wie der Brech-weinstein eine die Seoretion der Drüsen anregende Antimon­wirkung (Schleimdrüsen der Bronchien, Milchdrüse etc.),
2)nbsp; Sie sollen ferner angeblich eine Depression der ästlieso-dischen Theile des Rückenmarkes in der Weise erzeugen, dass die Portleitung einer Hyperästhesie peripherer sensibler Nerven (/. B. beim Husten) durch das Rückenmark erschwert wird.
3)nbsp; nbsp;Hei längerer Anwendung führen sie zu chronischer Anti-monvergiftung, welche sieh wie beim Arsenik in Steigerung des Eiweissumsatzes und in Verfettung der Drüsen und des Herzmuskels äussert.
Beide Präparate werden wegen ihrer ünlösliolikeit in Wasser nur zum kleinsten Theile resorbirt, indem sie durch die Salzsäure des Magens in Antimonchlorid und Schwefelwasserstoff übergeführt werden. Da ausserdem der graue Spiessglanz meist etwas arsenik-haltig ist, so setzt sieh die Wirkung eigentlich zusammen aus Anti­mon-, Schwefel- und Arsenwirkung,
Anwendung. 1) Als E xpeot 0 r anti e n bei Katarrhen des Re­spirationsapparates, Druse der Pferde, Staupe der Hunde etc. 2) Als Milchmittel zur Steigerung der Milchsecretion, :i) Als Pias tic a empirisch zur Besserung der Ernährung (Schwefel- und Arsen Wirkung).
Form. In der Thierheilkunde bedient man sich gewöhnlich des billigeren und (weil arsenhaltig) wirksameren Spiessglanzes, Im All­gemeinen soll man wegen der Sclnverlöslichkeit der Präparate nur kleine Dosen geben. Man hüte sich ferner, das Schwefelantimon mit chlorsaurem Kali zusammen zu reiben (Explosion!).
Dosis beider Präparate.
Pferd und Rind 10 — 25,0. Schaf und Schwein 2— 5,0. Hund 0,05—0,5. Katzen und Geflügel 0,01—0,05.
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g/jQnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Bismutum subnitrioum.
Eocepte.
1)nbsp; Rp. Stibii sulfurati nigri 50,0.
Natrii sulfurioi 250,0. Pulv. 1'Vuct. Juniperi 100,0. M. f. Pulv. D, S. Auf jedes Futtor 1 Esslöffel für ein Pferd mit Druse.
2)nbsp; Rp. Stiliii sulfurati nigri
Sulfur, subl, ää 100,0. Pulv, Fruot, Foenioul. Pulv. Kniet. Oarvi Pulv, Kniet. Juniperi Sä 50,0. Xatrii ohlorati crudi 500,0. M. f. Pulv. D, S. Auf jedes Futter 1 Esslölfel (Thcolöt'fel) für eine Kuh (Ziege). Milohpulver.
3)nbsp; Rp, Stibii sulfurati aurant. 0,05.
Anuuonii ohlorati 0,2. Saoohari 0,5.
M. f. Pulv, 1). tal. dos. Nr. V. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit katarrhalischer Pneumonie,
4)nbsp; nbsp;K)i. Stibii sulfurati aurant. 0,05.
Opü pulverati 0,1.
Saoohari 0.5.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,
M. f. Pulv. 1). tal. dos. Nr. X. S. Tätlich 2 Pulver für einen Hund mit chronisoher Laryngitis.
Blsmntum subnltrlcum. Basisches salpetersaures Wlsmuth.
l!ilt;)(NT0;j) BIO . OH.
Pharmaceutische Chemie. I )as basische Wismuthnitrat (frühor Magisterium Bismuti genannt) wird aus dem krystalüsirten Sal­petersäuren Wisnmtli durch Auswaschen mit siedendem Wasser dar­gestellt. Es bildet ein schnoeweisses, feinkrystallinischesPulver von saurer Reaktion, welches in Wasser unlöslich ist. Die Lösung in Säuren wird von Schwefelwasserstoff schwarz gefällt (Bi^S,). A.P. 1,0 = 5 Pfennig. Aehnliohe Präparate sind das Bismutum saiicylioum, tannicum, gallicum (Dermatol) lind valerianioum.
Wirkung und Anwendung. Das Bismututn subnitricum hat antiseptische und leicht aclstringirende Wirkungen und wird sowohl äusserlich als Streupulver in der Wundbehandlung, als auch innerlich bei Magengeschwüren, Darmgeschwüren, Erbrechen, chronischen Darmkatarrhen, Diarrhöe, sowie abnormen Gährungsproeesscn angewandt. Wahrscheinlich wird es durch die
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Aluuii.
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Salzsäure des Magens dwas gelöst. Der grösete Theil geht jedoch ungelöst oder als sohwarzes Sohwefelwismuth wieder ab.
t Dermatol (Bismutum gallicumj. Unter dem Namen „Dermatol*
hat inuii das basis oli g a 11 u s s a u r o Wismuth von der Formel OeHj(OH)8.OOaBI(OH)3) ein gelbes, geruchloses, unlösliches Pulver, als Trookendesinfioiens für die Haut in Form von Streupulver, entweder allein oder in Verbindung mit Talk etc. empfohlen. Das W1/raquo; Wismutli enthaltende, ziemlieh thoure Präparat soll ähnlich wie das of'ficinelle Bis­mutum subnitrioum starke antiseptische Wirkung besitzen und ein Ersatz­mittel des Jodoforms darstellen. Die angeblich ungiftige Wirkung wird indessen von manchen geleugnet. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 10—25,0.
Pferd 5—15,0. Selmf und Ziege 5—10,0. Schwein 2—5,0. Bunde 0,25—2,0. Katzen 0,25—0,5.
Reoepte.
1)nbsp; Rp. Bismut. subnitr.
Saecliari ää 0,5. M. f, Pulv. 1). S. Für einen Mund mit Magenkatarrh,
2)nbsp; Rp. Bismnt. subnitr. 0,5.
Morphin, muriat. 0,02. Saeeluiri 1,0. M. f. Pulv. D, S. Für einen Hund mit Erbrechen.
3)nbsp; Rp. Bismut. subnitr. 1.0.
Natr. bioarbon. 5,0. M, f. Pulv. J). S. EHlr eine Katze mit Diarrhöe (messerepitzenweise).
4)nbsp; Kp. Bismut. subnitr. 1,0.
Pulv. gummos. 2,0. M. f. Pulv, Iraquo;. tal. Des. Nr, VI. S. Täglich 3 Pulver für einen Hund mit Magen- and Darmgesolrwören.
Alumoii. Aliiun.
KjSO^ Al.2(.S{)j)^ f- 24 aqua.
Pharmaceutische Chemie. Der Alaun ist eine Doppelrerbindung von schwefelsaurem Kalium und schwefelsaurem Aluminium, welche fabrikmHsslg aus den Alaunerzen (Alaunschiefer, Alaunstein, Alaun­erde) dargestelli wird. Die meist eisenhaltigen Alaunerze werden
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342nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Alaun.
dabei geröstet, das Röstproduot ausgelaugt, der entstandene Eisen­vitriol doroh Auskrystallisireu entfernt und die Lauge sodann mit Ohlorkalium versetzt.
Der Alaun bildet Farblose, durebsebeinonde, harte, kry-stallinisebe Stücke, #9632;welche oberfläohlioh bestäubt sind und sieb in 10—15 Tb eilen Wasser, nicht aber in Weingeist lösen. Krystalli'orm: reguläre Oktaeder. Der Geschmack des Alauns ist süsslich, stark zusammenziehend. Die wässerige Alaunlösung gibt mit Ammoniak einen gelatinösen weissen Niederschlag von Aluminiumhydroxyd (Identitätsreaktion). Heim Erbitzen auf 150deg; verliert der Alaun sein Krystallwasser, indem er sieb aufbläht und heisst dann Alumen ustum, gebrannter Alaun; derselbe bildet ein weisses, poröses, schwammiges Pulver, welches sieb in 30 Tbeilen Wasser langsam, aber klar lösen soll.
Prüfung, Die wässerige Alauulösang soll durch Schwefelwasserstoff
nicht getrübt werden (Blei, Kupfer u. a. schwere Metalle), mit Perro-cyankiilium oder Gerbsiiuse keine blaue Farbe geben (Eisen), nnä mit überschüssiger Natronlauge keinen Ammoniakgerueh entwickeln (Amnio-niakalaun), A.P. 101),0 = 20 Pfennig.
Wirkung, 1) Der Alaun wirkt wie alle Aluminiumsalze des-inficirend.
2)nbsp; Auf Schleimhäuten und Wunden wirkt er eiweissgerinnend, soeretionsbeschränkead, oontrahirend und austrocknend; ausserdem ist er, örtlich angewandt, ein blutstillendes Mittel bei parenehymatösen Blutungen, indem er eine Coagulation des Blutes und eine Contraction der Q-efässwände erzeugt. In concentrirten Lösungen wirkt er ätzend, und zwar am meisten der gebrannte Alaun.
3)nbsp; Innerlich bedingt der Alaun in grösseren Dosen Verdauungs­störungen und Verstopfung^ sehr grosse Gaben führen zu Gastro­enteritis mit weisslieber Yerseboriüng der Schleimbaut. Die Auf­nahme des Alauns ins Blut erfolgt in der Form des Alaun-Albuminates; demselben kommen keine contrahirenden Wirkungen mehr zu. Nach Orfila starben Hunde, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden. nach 35—50 g Alaun, Katzen nach 5—10 g,
Anwendung, 1) Der Alaun wird äusserlicb als adstringiren-des und gleichzeitig desinficirendes Mittel angewandt bei allen Schleimhau terkrank ungen, so z. B. der A ugen, dor Mau 1 -h ö hie, der Luftwege, des M a s t d a r m 8, der gt;S c h e i d e, des Uterus, des P rii put ialsaekes u. s. w. Man verwendet ihn in
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Alaun.
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Form der 2—60/oig6n wässerigen Lösung als Ausspülung-, Bad, Be-pinselung, Instillation, Inhalation, intralaryngeale und intratraoheale Injection etc. gegen Stomatitis, Pharyngitis, Ooiyunotivitis, Laryngitis, BronoMtis, Vaginitis, Emlometritis, Fluor albus, Proctitis. Prftputial-katarrh ete.
•J) Als Antiseptieum in der Wundbehandlung für sich allein oder zusammen mit Blei/ucker als sog. Burow'sohe Lösung (Bildung von essigsaurer Tlionerde).
3)nbsp; nbsp;Als Aet/, uüttel dient namentlich der gebrannte Alaun in Pulverform bei Q-eschwüren, llbermässigen Gramdationen, 8tralil-krebs u. s. w.; derselbe wirkt ätzend durch Wasserentziehung, Ausser-dem bedient man sich in der Augenheilkunde des Alaunstiftes zum oberflächlichen Aetzen chronischer Oonjunctiviten,
4)nbsp; Als blutstillendes Mitted bei äusserliohen parenehyma-tösen Blutungen.
5)nbsp; Innerlich gibt man ihn als Stypticum gegen Diarrhöe und Darmblutungen. (Früher wohl auch als Brechmittel bei .Schweinen. Hunden und Katzen.)
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Hind 10—25,0.
Schaf, Ziege und Schwein 2—5,0.
Hund 0,5—2,0.
Katze und Geflügel 0.25—1,0.
Reoepte.
1)nbsp; Rp, Alnminis 5,0.
Aqu. destill. 250,0. Mt 1). S. Aousscrlich gegen Präputialkatarrh beim Hund.
2)nbsp; Rp. Alnminis jmlv. 5,0.
Plumb, aeetici pulv. 10.0. Aqu. destill. 500,0. M. 1). S. Burow'sohe Lösung.
3)nbsp; nbsp;Rp. Aluminis subtil, pulv.
l'ulv. Oort. Quorous iüi 25,0. M. D. S. Aeusserlioh uls .Streupulver gegen Blutung.
4)nbsp; Riraquo;. Aluminis pulv. 15,0.
Pulv. Rad. Althaeae 100,0. Aqu. destill. ()u. s. f. Eleotuar. raolle. I), S, Für ein Pferd mit Durchfall. 6) Rp. Aluminis pulv.
Gort. Qucrcus pulv. ää 25.0. M. I). S. Mit einer Flasche LeinsamenabkoohuDg einzuschütten für ein Rind mit Ruhr.
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Liquor Aluminii aoeiioi.
(J) Rp. Aluminis subtil, pulv. .^O. Gummi anib. pulTi 10,0, M. f. Pulv. Divide in partes aequales Nr. V. 1). S. Täglich 1—2 Pulver für ein Lamm mit Diarrhöe. 7) Rp. Aluminis subtil, pulv.
Tinctur. Opii spl. äTi 2,0. (iummi arab. pulv. 5,0. Aqu. destill. 100,0. M. U. S. Sstündllicli 1 Eselöffel für einen Hund mit Darmkatarrh.
Liquor Aluiniiiii acetici. Essigsaure Tliouerdelösuiig.
A ,(0,11302)4
•^'#9632;'(OH),.
Pharmaceutische Chemie. Der officinelle Liquor Aluminii acetici (Aluminiuiu ucoticuiu solutnni) ist eine etwa 8quot;,0ige Losung von essigsaurer Themerde in Wasser, welche aus Aluminiumsulfat (•500), verdünnter Essigsäure (3ült;)), Oalciumcarbonat (130) und Wiis-ser (1000 Theile) dai'gestellt wird. Audi aus Alaun und Hlei/ucker, Alaun und essigsaurem Kalk, Alunüniutnhydroxyd und Essigsäure ete. lässt sich die essigsaure Thonerdo darstellen (vergl. die Burow'schc Lösung). Sie bildet eine wasserklare, nach Essigsäure riechende Flüssigkeit, welche mit Laugen einen gelatinösen Niederschlag von Thonerdehydrat gibt. Heim Erhitzen bildet sich weisse, steile Gallerte. A.P. 100,0 = 40 Pfennig; 200,0 = 60 Pfennig; D.P. 1 Kilo = 05 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die von Burow zuerst ange­wandte essigsaure Thonerdo ist ein vorzügliches und ungiftiges Antisepticum in der Wundbehandlung. Dieselbe eignet sich in 2—40/oiger wässeriger Lösung insbesondere zur Desinfection von Ge­schwüren, inticirten Wunden, von Wunden in der Maulhöhle und zur Anregung von Granulationen. Sie ist jedoch nur hei feuchten Verbänden wirksam, auch macht sie leicht die Instrumente stumpf und die Hände rauh. Ich habe die essigsaure Thonerdo seit einer Reihe von Jahren (Rcpertorium für Thierheilkunde 1888) als Antisepticum im Gebrauche und habe immer vorzügliche Wirkungen von ihr gesehen,
Recepte.
1) Rp. Liquor. Alumin, acetici Aqu. dostill. iüi 100,0. Mi D. S. 40/o'gt! essigsaure ThonerdelösuDg.
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Aluminium ao8tioo*tartai'ioumi
2) Rp. Liquor, Alumiu, aoet. 100,0. Aqu. destill, :500,0. M, D. S. i^'oiye essigsaure Thouerdelösang,
t Neuere Aluminiumsalze.
1)nbsp; nbsp;Aluminium acetico-tartaricum = A1.j(C.2I1:iO;,)i . (CJljO,;)^. Die essigwein s au rp Thouorde wird dargestellt aus essigsaurer Thonerde und Weinsäure. We soll noch stärkere desinfic iron de Wirkungen haben, als die essigsaure Thonerde, und wird daher neuerdings statt der­selben, in 1 — -'fjoigeu wässerigen Lösungen angewandt. Sie soll sich niiraent-lich auch zum Troekenverliaude eignen. Sie bildet farblose, gUTumiähnliche Stückchen, welche nach Essigsäure riechen und einen sänerlich-süsslichen, adstringirenden Geschmack besitzen. Sie ist leicht löslich in Wasser, un­löslich in Alkohol, Aether und Glycerin. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Aluminium sulfuricum = Al^SOj)., -f- 18 aqua, officiuell zur Darstellung der essigsauren Thonerde. Die schwefelsaure Thon­erde bildet weisse, krystallinische Stücke, welche in Wasser leicht löslich sind. Sie wird dargestellt ans dem Kryolith (Natrium-Alnminiuin-Fluorid) durch Glühen mit Kreide und Behandlung mit Schwefelsäure. Die schwefel­saure Thonerde hat d esi n ficiren de und ad s t r in gir en de Eigen­schaften.
3)nbsp; nbsp;Aluminium chloratum = AljOlg, dargestellt aus schwefelsaurer Thonerde und Ghlorbaryum, in 100/oiger Lösung sowie in Pulverform im Handel. Das Alumininmchlorid heisst in England „Chloralquot; (nicht zu ver­wechseln mit dem deutschen Chloral = CC1,. COH) und wird daselbst in neuerer Zeit in 1—30;'iiigen Lösungen zur Desiufection von Stallungen, Schlachthäusern, Senkgruben etc. benützt.
4)nbsp; Alumina hydrata = Al.^GH),;. Die Th on erde, dargestellt aus Alaunlösung und Pottasche, ein weisses, lockeres, der Zunge anhaftendes, in Wasser unlösliches Pulver, löslich in verdünnten Säuren und concentrirten Alkalien. Es wird angewandt als Exsiccans, Desinficiens, Adstringens, Styp-ticum und Antacidum, ansserdem zur Darstellung der essigsauren Thonerde.
Von älteren Thonerdepräparaten ist schliesslich noch zu nennen der Then, Argilla, Bolus alba, eine mit Kieselerde vermengte kieselsaure Thonerde = ALjSijOy. Ein eisenhaltiger Then war ferner in Gebrauch als rother oder armenischer Bolus. Man benützt den weissen Thon zuweilen noch als Constituens für Pillen mit leicht zersetzbaren Stoffen, Z. B. mit Höllenstein. Der rothe Bolus ist ausserdem ein Bestandthei! des Uobertson'schen Castrirpulvers und mancher Viehpulver. Auch der Thon besitzt schwache desinficirende Eigenschaften, Hierauf bezieht sich die be­kannte günstige Einwirkung des Lehms (eine Mischung von Thon, Sand und Eisenoxyd) auf Wunden, bei Strahlkrebs etc. (Hoffmann u. A.).
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34tgt;
Foboi'maiigiinsaui'os Kali.
Kalimn perntaiigiiiiicuin. UcbermaiigiuisiiuiTS Kail.
KMnO,.
Pharmaceutische Chemie. Das übermangansaure Kalium wird dargestellt duroli Zusaramensohinelzen von Braunstein (MnOlaquo;), mit ohlorsaurem Kali (oder Salpeter) undAetzkali. Ks bildet dunkel-violette, fast schwarze Prismen von stahlblauem (Ihinze. welche sich in ^0 Theilun Wasser mit hlaurother Farbe lösen. Mit leicht verbrennliohen Substanzen znsainineiigerieben explodirt das Salz; Weingeist, Benzin, Schwefelkohlenstoff entzünden sich schon bei Berührung mit dem trockenen Salze. Die wässerige Lösung färbt sich bei Zusatz von Kalilauge und Weingeist grün („Chamäleonquot; = KjjMnO,); sie entfärbt sich iiussorclem hei Zusatz von Eisenvitriol und Schwefelsäure (Identitätsreaktionen). A.P. 10,0=10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das übermangansaure Kali hat
vermöge seines hohen Q-ehaltes an Sauerstoff wie das chlorsaure Kali fäulnisswidrige, antiseptische quot;Wirkungen, ausserdem wirkt es etwas desodorisirend, Eine specifische, besonders stark antisep­tische Wirkung besitzt das Mittel gegen Schlangengift. Auch das Wuthgift wird durch eine l0/oige Lösung nach 'J0 Minuten ge-tödtet. Eine 50/oige Lösung tödtet die Milzbrandsporen in einein Tage, die M ilz bran d ba ci 1 len sofort, eine 100/oige macht das Sohafpookencontagium unwirksam. Die Rotzbacillen gehen in einer .V/oigen Lösung sofort zu Grunde, die Eiterkokken werden durch eine l0/oige Lösung nach 10 Minuten vernichtet.
Das übermangansaure Kali wird innerlich im Allgemeinen selten, sondern meist nur äusserlioh angewandt z. L. in Form der .V'/oigeu wässerigen Lösung zum Desinficiren der Hände (nach der Vor­schrift des Seuchengesetzes) und in '/s—20/oiger Lösung gegen Sto­matitis ulcerosa. Abgesehen von dem sehr unangenehmen (le-schmacke hat das Salz auch in stärkeren Lösungen adstringirende und entzündungserregende Einwirkungen auf Haut und Schleim­häute und wirkt in concentrirtem Zustande selbst ätzend auf die­selben (Metallwirkung). In der Menschenheilkunde gibt man das Mittel vereinzelt auch innerlich gegen Cblorose und Menstruations­anomalien (0,2—0,85).
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Doppcltcliromsaurcs Kali.
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Recept.
i{p. Kalii pormanganiui 2,0. Aqu. destill. 200,0. M. I). S. Acussorlicli als Mundwasser für einen Hund mit Zahnoaries.
t Manganumsulfuricum. Schwefelsaures Manganoxyd. Dasschwefel-sauro Mangan von der Formel MnSOj -(' 7B{0 (nicht zu verwechseln mit der .schwefelsauren Magnesia!) wird aus Braunstein (MnCXj) und Eisen­vitriol (odor Schwefelsäure) dargestellt. Es bildet rosonrothe, rhombischn, verwitternde Krystallo, welche in 0,8 Theilen löslich, in Wein­geist iinlnslich sind. Die wässerige Lösung scheidet mit Schwefelanunonium flei schro th es Schwofolmangan aus und wird durch Bariumnitrat weiss gefällt. Mit Natronlauge geschmolzen bildet sich blaugrünes mangan-saures Natrium. Das früher officinelle Mangansulfat ist als Ersatzmittel des Eisens bei der Behandlung der Chlorose, Anämie, Leukämie etc. in derselben Dosis vorgeschlagen worden, weil es in der Natur regelmässig mit dorn Eisen so auch im Blute zusammen vorkommt und demselben chemisch und physiologisch nahe steht. (Erfolg?)
Die Wirkung der Mangansalze ist in grossen Dosen eine ebenso giftige wie die der anderen Metallsalze. Sie erzeugen Muskoll ähmung, Herzlähiuung, oentrale Lähmung, Abnahme! der Beflexerrogbarkeit, Sinken des Blutdrucks und der Körperwärme, Erbrechen, Durchfall, p a r en chy m a t öse Nephritis, starke Stoffwechselsteigerung etc.
Kalium dichromicum. Doppeltchromsaures Kali.
KjO^Or. Acidinn cliroiiiicnin. Oliromsiiuro.
(gt;();,.
Pharmaceutische Chemie. 1) Das Kalium dichromicum (Ka-liumdiohromat) wird aus dem Ohromeiaenstein (FeO . Or8Oj; in Pemisylvanien, Norwegen, im Banat, im Ural, in Neuoaledonien, Nordgriechenland und [le-ä-Vaches vorkommend) durch Schmelzen mit Salpeter (oder mit Aetzkalk oder Pottasche), Auslaugen und Auskrystallisiren dargestellt. Es bildet grosse, dunkelgelbrothe Sftulenkrystallo, welche in 10 Theilen Wasser löslich sind. Die wässerige, sauer reagirende Lösung (1 : 20) färbt sich beim Erhitzen mit einem gleichen Volum Weingeist unter Zugabe von Salzsäure grün (Reduction zu grünem Ohromcxydsalz). Silbernitrat fällt biutrothes Silberdichromat, Bleizuoker gelbes Bleichromat (Iden­titätsreaktionen). A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
2) Die Chromsäure (Aeidum ohromioum) wird dargestellt aus doppeltchromsaurcm Kali und Schwefelsäure
K^r.O,
2 SO.tH2 = 2 CrO, ! 2 KHSO, |- HjO.
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348nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ohroinsäure,
Sie bildet Boharlaohvothe, glänzende, an der Luft zer-i'liesKe,n(l(! Krystalle (oder eine hellrotlie Masse), welche in Wasser und Weingeist leicht löslicli sind. Mit Salzsäure erhitzt ent­wickelt sie Ohlor unter Grünfärbung der Flüssigkeit (Or801fl). Die Lösungen geben mit Bleiacetat golbes Chromblei. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung. 1) Die Ohromsfture und ihr saures Kaliumsalz wirken concentrirt ätzend, Die Aotzwirkung ist tbeils auf die Bildung von Ohromalburainat, tbeils auf die Abgabe von Sauerstoff zurüek-y.ufübren (vergl. den Hauei'stoffreicbtliuni beider Präparate). Der Aetz-sohorf ist braungelb, hart, trocken und sehr tiefgehend. Die Chrom-saure /.erstört auch andere organische Stoffe (Papier, Kork), indem sie sieb dabei zu Chromoxyd reducirt. In verdünnten Lösungen wirken sie adstringirend, stark austrocknend und antiseptisch (Müller'sche Flüssigkeit).
2) Innerlich erzeugen sie schon in relativ kleinen Dosen heftige Gastroenteritis, Nephritis und allgemeine Lähmung,' Hunde sterben nach 0,5 g, Pferde auf 15—30 g Chromsäure oder Chromsalz.
Anwendung. 1) Die Chromsäure wird ausschliesslich äusser-lieb als Aetzmittel gegen Krebs, Strahlkrebs, Neubildungen etc. in Form von concentrirten Lösungen, Salben oder Pasten angewandt (1 : 1—5). Sehr bequem zum Aetzen ist ferner Aciduni chromicum in bacillis (Stäbchenform, Aetzbougie). Um eine stark adstringirende Wirkung zu erzielen, bedient man sieh schwächerer Lösungen (1:2h '-iO). Auch zum Conserviren und Härten anatomischer Präparate wird die Chromsäure gebraucht. — Neuerdings wird in der Menschenheil­kunde eine 5 — 10quot;/nige Chromsäurclösung gegen den Fussscbweiss sehr gerühmt. Unter 18,000 mit diesem Leiden behafteten Soldaten der preussiseben Armee sind 420/o dadurch geheilt, 500/o ferner gebessert worden. Oft genügte schon eine 1 malige, meist eine 2malige Be­streichung der Solde mit Stägigem Zwischenräume, um eine Besserung herbeizuführen. — In der Physik dient die Chromsäure zum Füllen elektrischer Batterien (vergl. unten).
2) Das doppelt ckromsaure Kali wird ebenfalls ausschliesslich äusserlieh zu scharfen Einreihungen (Scharfsalben) gebraucht. In der Concentration 1 : 10 erzengt das Salz Hautnekrose; 1 : 10—20 wirkt es wie Cantharidensalbe. — In der Menschenheilkunde wird das Kaliumdichromat innerlich als „Cbromwasserquot; gegen Syphilis angewandt.
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riirom.siüii'o.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;340
Recepte.
1)nbsp; nbsp;l\.|). Kalii flichroinici 25,0.
Natrii sulfurici 10,0. Aquae destillatae 1000.0. M. D. S, Müller'sohe Fliissigkoit,.
2)nbsp; nbsp;Kp. Acidi cliromici 100,0.
Äoidi sulfurioi 120,0. Hydrargyri sulfurici 10,0. Ar|iiac destillatae 1000,0. I\I. D. S. Flüssigkeit zur Füllung eleotrisoher Apparate.
t Acidum osmicum, die Osmiumsäure oder Ueberosmiumsäure (Osmiumsftureanhydrid| Acidum hyperosmioum), von der Formel OsOa, nicht (d'ficinell, wird durch Erhitzen von metallischem Osmium an der Lul't oder durch Auflösen desselben in Königswasser oder rauchender Salpetersäure dargestellt. Sie bildet gelbe, durchsichtige, glänzende Nadeln von stechen­dem, chlorähnlichem Gerüche, ist l'l üc h tig, in Wasser leicht löslich. Die farblose Lösung bräunt sich rasch am Lichte (D. in vitro nigro). Die Osmiuinsäure wird in 1 — lO'^iigen Lösungen zu parenchyinatösen Injec-tionen gegen Sarkome, Carcinome, Struma, Lymphome sowie gegen Rheu­matismus und Neuralgien empfohlen (A etz Wirkung, Abgabe von Sauer­stoff). Innerlich wurde sie gegen Epilepsie versucht. Der Preis der Säure ist ein sehr hoher (D.P. 1,0 = 3 Mark). Sodann erfordert ihre An­wendung wegen der reizenden Einwirkung ihrer Dämpfe auf die Schleim­haut der Augen und Bronchien grosso Vorsicht.
f Cerium oxalicum, oxalsaures Cerium, ist in der Menschen-heilkunde als Beruhigungsmittel gegen starkes Erbrechen, Seekrank­heit, Husten, Epilepsie etc. in Dosen von (),(gt; empfohlen worden. Es bildet ein weisses, körniges, in Wasser und Weingeist unlösliches Pulver.
Auro-Natriura chloratum, Natriumgoldoblorid (Aurum ch 1 o-ratum natronatum. Oh 1 orgol d n a tr ium), wird dargestellt aus reinem Gold, Salpetersäure und Kochsalz. Es hat die chemische Eorrnel NaCl, AuOL)-)-2HijO, Das Präparat, welches officinell ist, bildet ein goldgelbes Pulver, das sich in '2 Theilen Wasser vollständig löst und mit Eisenvitriol versetzt metallisches Gold abscheidet; Zinkchlorür erzeugt eine Purpurfarbe. AVie alle Metalle, so bewirkt auch das Gold in löslichen Präparaten Lähmung des Centralnervensystems, der Skeletmuskeln, des Herzens, der Athmung, ausserdem Durch fall, Appetitverminderung sowie Abmagerung. Die Goldpräparato wurden früher als umstimmende Mittel sowie gegen c h roni seh e Rü cken in arkskrankheite n, ähnlich wie das Silber, angewendet. A P. 0,1 = 25 Pfennig. Präparate waren noch: A uru m ch I or a tum . Auro-Kalium chloratum. DasAurum foliatum (Blattgold) dient zum Vergolden der Pillen.
t Strontiumsalze. Von französischen Aeiv.ten ist das Strontium bromatum und lacticum neuerdings gegen Epilepsie, ferner gegen schmerzhafte M agen äff ec t i o n en, sowie gegen X ier enkran kh ei t en empfohlen worden. Neben der narkotischen Wirkung sollen die Strontium­salze die Eiweissausscheidung bei Nephritis beschränken. Die Dosis gegen Epilepsie beträgt beim Menschen 8 -10 g täglich.
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Arsenik,
f Natrium telluricum. Das tellursaure Natrium besitzt wie das Atropin und Agaricin eine lieininende, lähmende Wirkung auf die Schweisssecration. Es wird sogar von Manchen als das beste Anti-hidroticuni erklärt und beim Menschen in Dosen von 0,05 mit grossem Er­folge gegen die Nachtschweisse der Phthisiker neuerdings angewendet.
Acidum ai'iscnicosuiii. Arsenik.
As^Og.
Pharmaceutische Chemie. Der Arsenik (Acidum arsenico-suin, arsenige Säure, Arsenicum album) ist als Arsentrioxyd, As.,0:i, aufzufassen. Er wird hüttenniRnnisch als Nebeaproduot dar­gestellt beim Abrösten arsenhaltiger Erze durch Verdichten der Arsenikdämpfe in langen Kanälen (Giftfängen) als sog. Giftmehl und ümsublimiren. In der Natur findet sich das Arsen theils rein, theils in Verbindung mit Sauerstoff und Schwefel. Die wichtigsten Verbindungen sind: der Scherbenkobalt (natürlich vorkommendes Arsenmetall, welches sublimirt den Fliegenstein liefert), die Arsenikblüthe (natürlich vorkommende arsenige Säure), das Realgar (As2S8) und das O]) er in ent (As^S.,).
Der ofticinelle Arsenik bildet, weisse, porzellanartige oder durchsichtige, glasartige, amorphe Stücke von muscheligem Bruche oder ein weisses Pulver von süsslichem metallischem Geschmaoke, welche auf Kohle erhitzt sich unter Knoblauch­geruch verflüchtigen, lu einem (llasröhrchen erhitzt, verflüchtigt sich der Arsenik vollständig unter Bildung eines weissen, krystal-linischen Anfluges (Sublimats). Der officinelle Arsenik löst sich langsam in etwa 60 Theilen kaltem und 15 Theilen siedendem Wasser, sehr leicht in ätzenden und kohlensauren Alkalien und in Säuren (Salzsäure. Kssigsäure). Die salzsaure Lösung wird durch Schwefelwasserstoff gelb gefärbt (gelbes Schwefel-arsen). Im Glasröhre mit Kohle geglüht bildet der Arsenik in Folge Reduction einen schwarzen Arsenmetallspiegel. Sublimirt krystal-lisirt er in Oktaedern und Tetraedern, A.P. 10,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 Kilo gewöhnlichen Arseniks = 40 Pfennig.
Gepulverter Arsenik soll wegen häufiger Verfälschung mit Kreide, Schwerspat und Gips nicht gekauft werden. Diese Körper werden nachgewiesen durch ihre Nichtflüchtigkeit. und Unlöslichkeit — Der undurchsichtige, krystallinische Arsenik löst sich erst in 500 bis 1000 Theilen kaltem und 500 Theilen kochendem Wasser.
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Arsenik.
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Liquor Kalii arsenicosi, die sog. Powlerisohe Lösung (Solut.io arsenicalis Powleri), ist eine Auflösung der arsenigen Rilure in Pott­asche (1:1) und destillirtem Wasser. Arsenikgehalt = l0/o. Zur Vermeidung der Schiinmelbildung ist Spiritus Melissae compositus zugesetzt. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung. 1) Der Arsenik wirkt ätzend auf die Haut, auf Schleimhäute, Wunden und tiefere Q-ewehe (Subcutis, Organparen-ohyme). Am stärksten ist die Aetzwirkung auf der Magenschleim­haut, deren Salzsäure den Arsenik löst. Die unverletzte, trockene Haut wird durch Arsenikpulver nicht angegriffen. Dagegen tritt bei längerem Einreiben desselben in die Haut, sowie bei der Anwendung von Ar-seniksalben, Arsenikpasten und concentrirten Arseniklösungen eine Ent­zündung der Haut mit Blasenbildung und Verschorfung auf. Unter die Haut oder in Gewebe gebracht, bedingt der Arsenik unter dem Einflüsse der Körperwärme und des Contactes mit lebendem Proto­plasma heftige Entzündung und Nekrose der ihm zunäclistliegcnden Theile mit eiteriger Abstossung.
2) Innerlich gegeben hat der Arsenik je nach der angewandten Dosis eine sehr verschiedene Wirkung, Grosse Gaben erzeugen eine acute Arsenikvergiftung unter dem Pulde einer schweren Magen-darmentzundung mit hervorragender Betheiligung der Drüsen (Gastroenteritis glaudularis), croupösen Auflagerungen, hämorrhagi-scher Infiltration und Gesohwürsbildung, ja selbst mit Perforation des. Labmagens bei den Wiederkäuern. Ausserdera findet man Verfet­tung der Leber, Nieren, des Herzmuskels, sowie der Gefässe mit Ruptur der Gefässwandung und ausgebreiteter Ecohymosen-bildung. Dazu kommen von Seite des Nervensystems schwere Lähmun gszu stände. Mittlere Gaben haben nur eine Steige­
rung der OxydationHarnstoffausscheidunf
mit Vermehrung der und Verminderung des Glykogengehaltes der
Leber zu Folge, Sehr kleine (iahen bedingen bei wiederholter Aufnahme eine Steigerung des gesammten Wachsthums sowie Fettansatz, intensivere Ernährung und Dickenzunahme der Knochen, Vermehrung des Appetits, glänzendes Haarkleid, erhöhte Muskel-
und Nerventhätigkeit.
8) Im Oircillationsapparate erzeugt der Arsenik eine Er­weiterung der Arterien mit Verlangsamung der Circulation nament­lich in den (iefässen der Bauchhöhle. Diese Hyperämie geht schliess-lich in Stillstand des Blutkreislaufes mit starkem Sinken des arteriellen
Blutdruckes sowie Herzlähmung über.
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352nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Arsenik.
1) Dor Arsimik ist ein starkes Gift gegen Hautpai'asiten, namentlich Räudemilben, Läuse, Haarlinge etc.. sowie gegen Ein­geweidewürmer. Er ist ferner ein A-ntiseptioum, indem er dieraquo; Hanifäulniss, Blutftliüniss, Fleischfftulnisa und das Milohsäureferinent in der Entwicklung hemmt, Die Leichen von Thiereu und Menschen. welche mit Arsenik vergiftet wurden, faulen nicht, sondern nimnificiren. Seine Salze, insbesondere das arsenigsaure Kalium (Fowler'sehe Lösung) haben jedoch keine oder nur geringe antiseptische Wirkung.
Die Ausscheidung des Arseniks, welcher sich in allen Organen nachweisen liisst. erfolgt im Gegensatz zu den andern Metallen sehr rasch innerhalli weniger Tage durch die Galle, den Harn, die Milch. den Speichel, Sohweiss etc,
Theorie der Arsenikwirkung. Nach Binz und H. Schul/ ist die Wirkung des Arseniks als eine Sauerstoffwirkung aufzufassen, Die­selben haben experimentell nachgewiesen, dass frisches Körperprotoplasma die arsenige Säure zuerst in Arsensäure und diese später wieder zu arseniger Säure umwandelt nach der Formel:
As203 -f 0.2 = As,0,-, (Arsenige Öäure) (Arsensäure)
As,0,-, — 0, = As.,0:i. Ebenso soll nun in der im Körper als arsenigsaures Kalium resp. Natrium circulirende Arsenik bald Sauerstoff aufnehmen, bald in activer Form ab­geben ;
AsNaoOs, -f 0 = AsNa.O,, (Arsenigsaures Natrium) (Arsensaures Natrium)
Asquot;Na:10.i - 0 = AsNa:)0:). Darnach wäre wie beim Phosphor das Metall Arsen nur der Sauerstoff-träger, welcher bald reducirende, bald oxydirende (activer. frei­gewordener Sauerstoff) Wirkungen auf das Protoplasma der Körperzellen aus­übt. Die abweichenden Wirkungen verschiedener Dosen des Arseniks würden sich dann so erklären, dass kleine Arsenikgaben auch nur kleine Mengen activen Sauerstoffs in Bewegung setzen, wodurch ein formativer Reiz für alle Wachsthums- und E rn ährungsVorgänge geschaffen wird, während mittlere und grosso Gaben entsprechend grössere Sauerstoff­mengen umsetzen, welche eine Stei gerun g der 0 xy d ationsvorgän ge bis zum fettigen Zerfall des K ö r p er ei W ei SS e S und zur (lese h w ü rs-b i 1 d u n g hervorrufen.
[m Gegensätze zu dieser Theorie führt Seh mied ehe rg die Arsenik­wirkung auf die Beei n f lussu n g des Circula tie nsapp arates zurück. Nach ihm sollen kleine Arsenikdosen nur eine massige Gefftsserweiterung mit Hyperämie und vermehrter Nahrungszufuhr, grössere dagegen eine starke Dilatation der Gelasse mit Stagnation der Blutsäulo und ent­sprechenden Ernährungsstörungen zur Folge haben.
Toxikologie. Die Todesdosis des gepulverten reinen Arseniks beträgt bei innerlicher Verabreichung für Kinder l-rgt;—30 g. für Pferde und kleinere Wiederkäuer 10—18 g, für Hunde 0,1—0,2 g. für Schweine 0.5 — 1,0 g,
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Arsenik,
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für Hühner 0,1—0,15 g, für Tauben 0,05 g (tödtliche Dosis für den Men-sohen 0,1 g). Von Wunden aus sind viel kleinere Dosen tödtlich: für Pferde 2,0 g, für Hunde 0,02 g, für Schafe 0,2 g etc.
Anwendung. 1) Als Antiparasitioum gegen Räudemüben, Liiuse und sonstiges Sautimgeziefer in Form von Arsenikwasohungen und Arsenikbädern. Am bftuflgsten wird der Arsenik bei der Der-matocoptesriiude der Schafe und der Sarcoptesräude der Pferde angewandt. Bei letzteren verwendet man gewöhnlich auf einmal nicht über 500 g einer 1 0/oigen Lösung.
2) Als Antlielminthieu m, namentlich gegen Spulwürmer beim Pferde, gepulvert in Dosen von 2—3,0.
#9632;quot;gt;) Als Oonservirungsmittel wissenschaftlicher Präparate, Z.B. in Kenn der Wickers h eimer'schen Flüssigkeit.
4)nbsp; nbsp;Als Aetzmittel gegen Wai'zen, Brustbeulen, Stollbeulen, Strahlkrebs, Oarcinome etc.
5)nbsp; nbsp;[nnerlioh in kleinen Dosen als Mastmittel, l)('i chro­nischen Ekzemen, als Plastkaim bei chronischen Ernährungs­störungen und Inanitionszuständen, Anämie, Leukämie, Ohio­rose, allgemeiner Oarcinomatose und Papillomatose, als for-matives Reizmittel bei Rachitis und Ost eom alacie , als Specifioum gegen Malaria (Wechselfieber), endlich als Nervenmittel hei
Epilepsie, nervösen Zuckungen, Tremor, Rohren etc dieser Fälle muss wohl eine indireote Einwirkung
In den meisten in Form einer
Besserung der Stoffwechsel- und Ernährungsverhältnisse angenommen werden. Der Arsenik wirkt hier offenbar in der Hauptsache durch Kräftigung der Constitution. — Die frühere Anwendung gegen Milzbrand, Lungenseuche, Rotz etc. ist erfolglos geblieben.
Form, flogen Räude und Hautparasiten verwendet man Auf­lösungen von Arsenik in Wasser oder Essig. Wm Bädern gegen Schaf­räude sind zu nennen das Matthieu'sche Arsenikalaunbad (V Kilo Arsenik, (i Kilo Alaun, 100 Liter Wasser für 100 Schafe); das Tessier'sche Arsenik-Eisenviti'iolbad (l1,-1 Kilo Arsenik, 10 Kilo Eisenvitriol, 100 later Wasser); das Trasbot'sche Arsenik-Zink­vitriolbad (1 Kilo Arsenik, 5 Kilo Zinkvitriol, l/laquo; Kilo Aloe, 100 Liter Wasser); das Viborg'sche Bad (1 Kilo Arsenik, 1 Kilo Bottasche, je 100 Liter Wasser und Essig); das Fowler'schc Bad (1 Kilo Arsenik, 1 Kilo Bottasche, 100 Liter Wasser). Zu Waschungen (gegen Räude, Läuse etc.) benützt man meist den Viborg'schen
Arsenikessig (eine 1'
oute
ösung in Essig).
EYÖhner, Arznelmlttellelire. 8. Auii.
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Arsenik.
Die als Conservirmigsmittol dien ende Wickers lioimer'sche' Flüssigkeit wird nach der vom Reiche angekauften und veröffentlichteraquo; Vorschrift folgendermassen zubereitet: In 300 g kochenden Wassers. werden 100 g Alaun, 25 g Kochsalz, 12 g salpetersaures Kali, GO g kohlensaures Kali (Pottasche) und 10 g arsenige Säure (weissei* Arsenik) aufgelöst, Die Flüssigkeit muss dann neutral, farb-und geruchlos sein. Zu je 1 Liter derselben, nachdem sie er­kaltet und flltrirt worden, werden noch 0,1 Liter Glycerin und 0,1 Liter Methylalkohol zugesetzt. Zur Haltbarmachung von Nah-rungs- und Genussmitteln ist diese Flüssigkeit selbstverständlich nicht verwendbar.
Als Aetzniittel wird der Arsenik entweder in Stücken in der Weise angewandt, class man in die Mitte der betreffenden Geschwulst (Brustbeule, Stollbeule etc.) nach vorausgegangenem Einstiche mit dem. Messer oder Trocart ein 1—2 g schweres Stückchen Arsenik einschiebt und liegen liisst, worauf eine uecrotisirende Entzündung mit starker Schwellung entsteht, so dass das abgestorbene Centrum nach 8 bis 14 Tagen herausgenommen werden kann, oder in der Form der Aetz-salbe und Aetzpaste mit Fett bezw. Mehl und Wasser (1 : 1—5). Die früher gegen Strahlkrebs viel gerühmte Babolnaer Krehs-tinctur war eine Auflösung von Arsenik (1) und Aetzkali (1quot;)) in destillirtem Wasser (120) mit etwas Aloepulver (15).
Inn er lieh gibt man den Arsenik zur Aufbesserung der Constitution bei chronischen Hautkrankheiten etc. meist gelöst in Form dos Liquor Kalii arsenicosi in kleinen Dosen, welche man herkömmlich täglich etwas steigert und dann wieder vermindert. So gibt man z. B. Hunden anfangs 5 Tropfen, steigt täglich mit der Dosis um 1 Tropfen bis zu 10 Tropfen und geht dann in gleicher Weise wieder zurück auf 5 Tropfen. Pferden gibt mau am ersten Tage 5 g der Lösung, am zweiten 10, am dritten 15 u. s. w. bis zur Maximahlosis von 50 g. Q-egen Eingeweidewürmer gibt man den Arsenik immer gepulvert in Pillenform, allein oder in Verbindung mit Aloe.
Dosis. 1| Die innerliche Dosis des Arseniks als l'lasticum be­trägt fürnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferde und Kinder 0,1—0,5,
Schafe und Schweine 0,01—0,06, Hunde 0,001—0,005, Hühner 0,0005--0,0002. 2) Die Dosis der Fowler'schen Lösung (1:100) beträgt für Pferde und Rinder 10—50,0,
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Phosphor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;355
Schafe und Sc luv ei no 1—5,0,
Hunde 0,1—0,5 (2-10 Tropfen),
Katzen mul Geflügel 0,05—0,2 (1—5 Tropfen).
Recepte,
1)nbsp; Rp, Liquor. Kalii arsonioosi 150,0.
ü. S. Täglich 1 Esslöfiel für ein Pferd mit Anftmie,
2)nbsp; Rp, Aoid. arsenicos. imlv. 0,2.
Kiilii bioarhon, ^,0. I'ulv. Pruotus Oarvi 10,0. M. f. I'ulv. 1). tul. (los. Nr. X. 8. Tftfflioh 1 I'ulv. für (un Pferd mit schlechter Ernährung. 2) Rp. Aoid. arsenioos. pulv. 0,2. Kalii bioarhon. 5,0. I'ulv. BVuotus Oarvi 10,0. M. f. Pulv. 1). tal. dos. Nr. X. S. Tiinflich 1 i'ulv. für ein l'fcrd mit schlechter Ernährung. S) Rp, Liquor. Kalii arsenioos. lo,0. Aqu. Cinnamom. 25,0. M, D. 8. Täglich 10—15 Tropfen für einen Hund mit chronischem Ekzem.
4)nbsp; Up. Acid, arsenioos. pulv. 2,0.
AloSs pulv. 20,0.
8apon. virid. qu. s. f. Pil. D. tal. dos. Nr. II. 8. Für ein Pferd mit Spulwürmern.
5)nbsp; Rp. Acid, arsenioos. pulv. 2,0.
Hydrargyr. ohiorat. 4,0.
Pulv. Rad. Althaeae
Aqu. destill, qu. s. f. Pil. 1). tal. dos. Nr. IT. S. Für ein Pferd mit Bandwürmern.
0) Rp. Acid, arsenicos. pulv. 0,5.
Piper, nigri 5,0.
Succ. et Pidv. Liquirit. qu. s. f. Pil. Nr. Fj. D. S. Täglich 2 Pillen für einen Hund mit allgemeiner Oaroinomatose.
Phosphorus. Phosphor.
Pharmaceutische Chemie. Der Pllospll0l• kommt in der Natur nie frei, sondern immer an Sauerstoff oder an Metalle gebunden vor. Er wird ausschliesslich dargestellt aus dem Calciumphosphat der Knochen. In der Natur findet er sich als Phosphorit = Ck^PO^ in mächtigen Gesteinslagern an der Lahn und in Estremadura, ferner
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35t)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Phosphor.
in kleinen Mengen als pbosphorsaurer Kalk in der Ackererde, von wo er in die Pflanzen und Thiere (Skelett, Muskel, Oeliirn, Nerven [Lecithin], Harn etc.) gelangt. Ausserdom tindet sich Phosphor im Apatit = Cii;J(lJ01) -j FICa, im AVawelitt (plus Aluminium), im Yivianit (plus Eisen), im Grünbleiorz (plus Blei).
Der iu Deutschland offloinelle Phosphor bildet weisse bis gelb­liche, wachsglän/.ende, durchscheinende, oylinderförmige Stangen, welche an der Luft unter knohlauchähnlichem (le-ruche rauchen, im Dunkeln leuchten und sicii leicht entzünden. Unter Wasser schmilzt er hei 440(!. Er ist unlöslich in Wasser (ein Theil warmes Wasser löst nur 0,000,0027 Theile Phosphor auf), dagegen löslich in fetten und ätherischen Oelen, Weingeist und Aether, und sehr leicht in Schwefelkohlenstoff. Bei sehr langem Stehen wird er allmählich roth (amorphe ungiftige Forin). Salpeter­saures Silber wird durch Phosphor zu metallischem Silber reducirt (Phosphomachweis nach Scherer).
Der Phosphor ist sehr vorsichtig unter Wasser und vor Licht geschützt aufzubewahren. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Darstellung. Der Phosphor wird aus dem Calciumphosphat der Knochen durch ein complioirtes Verfahren dargestellt.
1)nbsp; Die Knochen werden weissgebrannt und zerkleinert, nachdem sie von Fett (durch Schwefelkohlenstoff) und von Lehn (durch überhitzten Wasserdampf) befreit sind. Die Knochenasohe enthält dann 8G quot;jo Ca3(POj)j.
2)nbsp; Das neutrale Ca;t(POj)., wird mittelst Schwefelsäure durch Digeriren in saures Oaloiumphosphat, das sog, „aufgeschlossene Knochenmehlquot; umgewandelt:
Om3(P04).i 280,1-1., = CaH^POj^ 2CaSOi.
3)nbsp; Das saure Calciumphosphat wird nach dem Entfernen des Gypsos geglüht und in Cal ciumme taphos ph a t umgewandelt:
Cal-Ld'O,^ = Ca(PO:,)., 2H20.
4)nbsp; Das Metaphosphat wird mit Kohle geglüht (Weissgluth) und der Phosphor ü b e r d e s t i 11 i r t:
3Ca(FO;!).i -|- 100 = 4P 10 CO -f Ca^PO.^.
Der Bohphosphor wird dann durch nochmalige Destillation oder durch Pressen gereinigt und in Röhren geschmolzen, wodurch er die Stangen-form erhält.
Handhabung. Der Phosphor ist unter Wasser in einem Glasgefässe aufzubewahren, das von einer Düchse aus Weissblech eingeschlossen ist. Am besten stellt man ihn im Koller auf. Beim Dispensiren soll er immer mit Pincette und Scheere angofasst und unter Wasser zerschnitten worden. Behufs Abtrocknens wird er auf Vliosspapior gelogt und damit vorsichtig abgetupft: behufs Schmelz ens wird er in heissos Wasser ge-
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Phosphor.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 357
bracht. Das Pulverisiren geschieht in der Weise, dass man ihn in einer mit heissem Wasser oder besser mit heissnr concontrirtor Kochsalz- oder Zuckerlösung völlig angefüllten Flasche auf dem Wasserbado schmilzt und die wohl verschlossene und mit einem Tuche umwickelte Flasche bis zum Erkalten anhaltend schüttelt, worauf die Flüssigkeit abgegossen wird. Oelige Lösungen werden in der Weise hergestellt, dass man das Glas mit dem Oel und Phosphor in heisses Wasser stellt, bis der Phosphor schmilzt und dann, nachdem zugekorkt ist, bis zum Erkalten schüttelt.
Wirkung. 1) Aeusserlioh wirkt der Phosphor auf Haut, Schleimhäute und Wunden ätzend; wie der Arsenik ist er ein starkes Biweissgift. Eingeathmet führen die reizenden Phosphordämpfe zu Bronchitis und Pneumonie. Ausserdem entstellen bei längerer Ein­wirkung der Dämpfe Schwellungen am Ober- und Unterkiefer, Knochenauftreibungen, Kieferperiostitis und Kiefernekrose (klinische Beobachtungen beim Menschen, experimentelle Beobachtungen beim Kaninchen).
2) Innerlich erzeugen grosse Gaben das Bild der aouten Phosphorvergiftung, Zunächst entstellt locale Entzündung und Verätzung im Digestionsapparate mit gastroenteritisohen Erscheinungen (Erbrechen, Kolik, Durchfall). Vom Magendarmkanale aus wird der Phosphor sodann in Folge Auflösung durch die Darm­fette und die Galle (0,1—0,-2nn/on) resorbirt und erzeugt so eine Allgemeinvergiftung. Die wesentlichsten Erscheinungen derselben sind, wie beim Arsenik, die eines heftigen Stoffwecbselgiftes mit hochgradiger Steigerung des Eiweisszerfalls (fettige Degeneration): Verfettung der Magendrüsenzellen (Gastritis glandularis), der Muskulatur des Magens und Darmes; Leber­schwellung, Leberverfettung, Icterus und Cholämie (die körnig getrübten und fettig degenerirten vergrösserten Leber­zellen comprimiren die feinsten Gallengänge und bedingen so Gallen­stauung); Nierenverfettung mit Albuminurie (der Harn enthält ausserdem Leucin, Tyrosin, Milchsäure, Pepton, Gallenfarhstoffe, Gallensäuren, selbst Hämoglobin); Herzverfettung, Herzschwäche, Herzlähmung; Verfettung der ECxtremitätenmuskel mit Schwäche und allgemeiner Lähmung; Verfettung der Blutgefässe mit Hämorrhagien in allen Organen, namentlich in den Schleim­häuten (Magen, Darm, Nasenhöhle), unter den serösen Häuten und in der Subcutis.
Nach Binz beruhen diese Wirkungen des Phosphors wie beim Arsenik auf einer Activirung und zwar Ozonisirung des Sauer­stoffes mit Reductions vergangen. Der Phosphor hat starke Aftini-
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Phosphor.
täten zum Sauerstoff, welchen er den ö-ewebszellen entzieht (Reduction), Tim Ozon (().,) zu bilden und dünn unter Abgabe von Sauerstoff stark oxydirend auf die Zellen einzuwirken. Dabei wird er zur ungiftigen Phosphorsäure umgewandelt, Bekanntlich erzeugt der Phosphor auch ansserhalb dos Körpers mit Wasser und Luft das stark oxydirende (und daher auch antiseptisch wirkende) Ozon.
#9632;i) Mittlere, andauernd verabreichte Phosphor gaben haben eine entzündliche Heizung dos interstitiellen Binde­gewebes der inneren Organe, wie beim Alkohol, zur Folge. Es ent­steht chronische indurative Gastritis, chronische intcrstitielle Hepa­titis und Nephritis mit Leberoirrhose und Schrumpfniere. Dazu kommen ausgesprochene Erscheinungen von Knochenent­zündung: Erweiterung und Sprossung der (Jelasse mit starker Ein-schmelzung des Knochengewebes, so dass es selbst zur Ablösung der Epiphysen kommt, ferner Entzündung des Markes und Periostes: Osteomyelitis und Periostitis ossificans.
#9632;I) Sehr kleine, andauernd verabreichte Phosphprgaben bilden einen speeifischen fonnativen Reiz für das Knochen­gewebe, welcher eine Steigerung des Knochenwachsthums zur Folge hat; ausserdem steigern sie das 0 esamintwaclistbum des Körpers. Die genaueren Vorgänge hiebei bat Wcgener (Virchow's Archiv IS72) experimentell durch Wochen und Monate hindurch fort­gesetzte milligrammweise Verfütterung von Phosphor an junge Kaninchen, Hübner, Katzen, Hunde und Kälber, sowie an aus­gewachsene Tiiiere festgestellt. Die einzelnen Vorgänge hiebe] sind folgende:
a. An Stelle der aus dem Knorpel normal sicli entwickelnden weitmaschigen spongiösen Substanz mit viel rothem Markgewebe und zahlreichen Gefässen entsteht compaktes, gleichmässig festes und derbes Knochengewebe mit rascher Umwandlung der Knorpel­zellen zu Knochenzellen, namentlich an den Röhrenknochen, Wirbeln, Rippen, am Becken, an den Carpal- und Tarsalknoohen. Die Ursache ist in einer Verengerung (Sklerosirung) der feinsten Knochenkanäle zu suchen; die Folge ist eine dickere, festere, sklerosirte Knochen-rinde.
1). A iicii das p eri os tale Dicken waebsthum ist ein gesteigertes, das Product ein ebenso festes, sklerosirtes.
0, Die intermediären Epipbysenknorpel ossiticireu rascher.
d. Die Markhöhle wird enger und kann selbst ganz ver­schwinden.
-L
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1
Phosphor,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;359
Wintere Experimente Wegener's haben gezeigt, dass l)ei Phos-pliorveriibreiehung auch küustlielie Fractureji, Resectionen und Transplantationen besser heilten, indem (he neugebildete Knochen-Bubstanz reichlicher und fester waiquot; der Callus zeigte nicht selten eine elfenbeinerne Oonsistenz.
Toxikologie. Die Giftigkeit des Phosphors ist eine ausserordeut-liche; sie übertrifft selbst die des Arseniks. Pferde und Rinder sterben auf 0,5—2,0 g, Schweine auf 0,1—0,2 g, Hunde auf 0,05 g, Hühner auf 0,01 bis 0,02 g. (Tödtliehe Dosis für den Menschen, 0,05—0,1 g.) Sehr viel kommt dabei allerdings auf den Füllungs/ustand des Magens an. Die häufigste Vergiftungsnrsache ist die Einverleibung von Mäuse- und Ratten­gift sowie von Züudiiol/.kuppen.
Anwendung. 1) Als Speoificum gegen Rachitis und Osteo-malaoie in kloinen, anhaltend verabreichten Dosen (die von den thierärztlichen Autoren bisher angegebenen Dosen sind entschieden zu hoch). Am besten verschreibt man den Phosphor mit Oel zusammen und gibt die Lösung thee- bis esslöffelvollweise, Pferden mit der Kleie, Schweinen aid's Futter. Ich habe speoiell bei der Rachitis der Hunde in einer sehr grossen Anzahl von Fällen die vorzügliche Wirkung des Phospors kennen gelernt.
2)nbsp; nbsp;Als Antiseptieum gegen Enfectionskrankheiten sowie typhöse Krankheiten mit asthenischem Verlaufe (Degive). Die von Del-wart, Cuusse u. A. angeblich beobachteten günstigen Wirkungen gegen Milzbrand müssen bezweifelt werden.
3)nbsp; nbsp;Als Ratten- und Mäusegift in Form der Phosphorpaste. Dieselbe wird am einfachsten in der Weise bereitet, dass 1 g Phos­phor mit 30 g heissein Wasser übergössen wird, wobei er schmilzt; dann werden 30 g Weizenmehl hinzugerührt. Besser, weil gefahr­loser ist es, den Phosphor zuvor in der oben beschriebenen Weise •y.a pulverisiren.
Dosis. Pferd und Rind 0,01—0,05.
Schaf und Schwein 0.002—0,005.
Hund 0,0005—0,002.
Katze und Geflügel 0,0005—0.001.
Recepte.
1) Rp. Phüephori 0,5.
01. Papav, MO.O. M. f. Sol. D. S. Tätrlioh einen EsslötT'ol für ein Fohlen mit Rachitis.
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3(30nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schwefel.
#9632;2) Rp. Phosplinri 0,05.
01, Jeoor, Aselli 300,0. M. f. Sol, D. S. Tiig'lich 1 Theo- resp, Esslöffel für einen (kleinen — grossen) Mund mit Uaohitis.
Sulfur. Schwefel.
s.
Pharmaceutische Chemie. Der Schwefel ist in der Natur sehr verbreitet. In gediegenem Zustande findet man ihn in der Nähe von Vulkanen, besonders in Sicilien und in der Romagna in Form von ausgedehnten Sohwefellagern (Schwefelerzen) in Verbindung mit Gyps, Kalkstein und Mergel, Der Rohsohwefel wird auf Sicilien (Oaltanisetta, Oatania, Q-irgenti) und in der Romagna (Scrofano, Latero) tlieils aus offenen Schwefellagern („Solfatarequot;), tlieils aus tieferen bergmännisch („Solfarequot;) gewonnen. In der Romagna wird der Schwefel aus gusseisernen Apparaten (Doppioni) iiherdestillirt. Das primitivere sicilianisohe Verfahren beisteht darin, dass man das Schwefel­erz früher in Erdlüchern (Calcarelle), neuerdings in ausgegypsten Gruben (Calcaroni) anzündet und den Schwefel so ausschmelzt, wobei er sich an der tiefsten Stelle der Grube ansammelt; sohliesslich wird er dann in Stangenform umgeschmolzen, sogenannter sicilianischer Stangenschwefel, Ausser in Sicilien findet sicii Schwefel in ge­diegenem Znstande in Spanien, Griechenland, Kalifornien, Südamerika, Teneriffa etc.
In Form der schwefligen Säure (SO,,) und des Schwefel­wasserstoffes (SH2) ist der Schwefel in den vulkanischen Gasen enthalten. Aus dem Zusammenwirken beider entsteht der vulkanische Schwefel: SO,, 2 SHj = 3 S-f-2 H90. Als Sulfid kommt der Schwefel hauptsächlich im Schwefelkies (FeSj) vor, aus welchem er auch mittelst Destillation dargestellt wird; schwedischer Schwefel; 3 FeSs = Fe.jS, -(- Sj,. Ausserdem ist Schwefel im Spiessglanz (Sb^.,), Bleiglanz (PbS), Realgar und Operment (As2S:, und AsgS8), sowie im Kupferkies enthalten (CuaS-|-F68S8). Als Sulfat findet man den Schwefel im Glaubersalz (Na2SO!l), Bittersalz (MgS04), im Gyps (CaSO,4-2H;,0), Anhydrit (CaSOJ, Schwerspath (BaSO,), Kioserit (MgSO, i H80) und Oölestin (SrSO,). Er wird ferner dargestellt aus den Abfällen der Sodafabriken (OaS) und aus der zur Rei­nigung des Leuchtgases verwendeten Laining'schen Masse.
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Schwefel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;{6l
Endlich ist, der SclnvetVI ein wichtiger Bestandtheil di's Ei-weisses bei Thieren und Pflanzen und kommt auch in einigen iithüri-gehen Oelen vor (Senföl, Knoblauohöl, Oel von Asa foetida).
Offieinelie Präparate sind:
Sulfur sublimatum (Flor es Sulfur is, Sohwefelblumen). Dieser für gewöhnlich angewandte Schwefel wird entweder durch Suhl innren des sicilianischen Schwefels oder des Schwefelkieses dargestellt. Er ist ein Gemenge von krystalliniscliem und amorphem Schwefel.
Eigenschaften; Die Sohwefelblumen bilden ein gelbes Pulver von sohwachsäuerliohem G-esohmaoke, etwas klümpernd, unlüslich in Wasser, Alkohol und Aether, löslich in siedender Kali- und Natronlauge; sowie sehr leicht in Schwefelkohlenstoff. In Folge anhaftender Schwefel­säure röthet er Lakmuspapier. Er verbrennt mit blauer Flamme au SO.,; dabei soll er höchstens 1 quot;in lUickstand (erdige Beimengungen) hinterlassen. A.P. 100,0 = 15 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 35 Pfennig.
2) Sulfur depuratum, gereinigter Schwefel (Flores Sulfuris loti), d. h. von Schwefelsäure und Schwefelarsen durch Auswaschen mit einer Ammoniaklösung befreiter Schwefel. Soll Lakmuspapier nicht röthen und beim Erhitzen nur einen geringen Eückstand hinterlassen. Mit dem 20faohen Salmiakgeist digerirt, soll das mit Salzsäure angesäuerte Filtrat keine gelbe Färbung (AsaSs) und bei Znsatz von SH., keinen gelben Niederschlag geben (As.20;j)1. A.P.' 100,0 = -10 Pfennig.
B) Sulfur praeeipitatum, Sohwefelmilch (LacSulfuris), stellt ein gelblichweisses, höchst feines, chemisch reines Pulver dar, welches durch Ueberfüliren des sublimirten Schwefels mittelst gebranntem Kalke in Seh w ef elcalcium und Ausfällen dieser Sulfobase mittelst Salz­säure dargestellt wird:
I. 30aO 128 = 20aS5 OaSo03.
II. 2CaS0 -f 41IC1 = 8S 2CaCl2 -f 2^8.
In Oesterreich ist ausserdem officinell die Schwefelsalbe, Unguen-tum sulfuratum, eine Mischung von Sulfur sublimatum (8), Calcium-carbonat (2), Theer (3), Kaliseife (6) und Schweinefett (6).
Wirkung. 1) Aeusserlich an dor Luft bildet der Schwefel in fein verthciltcm Zustünde kleine Mengen von schwefliger Säure nach der Formel: S-)-Og = S08. Kr wirkt daher unter gewissen Umständen als Antisepticum.
2) Auf der Haut geht der Schwefel namentlich bei gleichzeitiger Anwesenheit von Alkalien (Seife, kohlensauren Alkalien) und in Be­rührung mit organischen Stollen zum Theil in Schwefelwasserstoff über, indem er das Wasser zersetzt: S j H„() #9632;S.hL-f-O. Auf diese AVeise kann er als An ti parasitic um wirken.
8) Innerlich verabreicht geht der Schwefel zum grössten Theile ungelöst mit den Fäces wieder ab, wobei er die Darmsehlehnbaut
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Sohwefeli
iiu'clianiscli reizt. Eine theilweise Lösung findet nur im Dünndarm statt, dessen alkalische Secrete den Schwefel in Natriumsiilfhydrat (NaSH) und Schwefelwasserstoff (SHa) überfuhren. Diese Körper, welche im Wesentlichen die Wirkungen des Schwefels reprftsentiren, bedingen ebenfalls eine Reizung der Darmschleimhaut, vermehrte Peristaltik und Diarrhöe. Sie gehen auch ins Blut über, wobei ein Theil des Schwefelwasserstoffes durch die Lungen und durch die Haut ausgeathmet wird; hiebei erfährt sowohl das Lungengewebe und die Bronchialschleimhaut als die Haut eine Erregung (Hyperämie). Die Ausscheidung des Schwefelwasserstoffs durch Haut und Lungen ist bei den Tlneren deutlieh durch den Geruch wahrzunehmen; hei Sohlaohtthieren zeigt das Fleisch ferner einen deutlichen Sohwefel-wasserstoffgeruch, so dass das Fleisch seihst ungeniessbar werden kann. Der andere Theil wird im Blute zu uutecschwet'l igsaurem und schwefelsaurem Natrium oxydirt und als solches durch den Harn ausgeschieden.
1) Nach seiner Aufnahme ins Blut wirkt der Schwefel ausser-dem nach H. Schulz ähnlich wie der Arsenik stofi'wechselerregend, indem er namentlich die Seeretion der Drüsen (Leber, Darmdrüsen, Hautdrüsen. Bronchialdrüsen etc.) steigert; die Ausscheidung der Stoffweeliselproducte im Harn ist dementsprechend vermehrt.
5) Endlich wirkt der Schwefel nach Schulz und Strübing als Pias tic um. da er ein zum chemischen Aufbau des Körper-eiweisses unentbehrliches Element darstellt (Schwefelgehalt des Ei-weissmoleküls),
Anwendung, ll Als Plasticum in kleinen Dosen bei chroni­schen Ernährungsstörungen. Blutkrankheiten (Anämie. Leukämie, Chlorose) und constitutionellen Leiden (Schulz und Strübing).
2) Als umstimmendes, den Stoffwechsel und die Haut-thätigkeit anregendes Mittel hei chronischen Hautkrankheiten (Dia-pnoieum), chronischen Aft'ectionen der Lymphdrüsen (1 )nise), chronischen Exsudaten, Muskelrheumatismus, Neuralgien etc. (Hertwig).
;5) Als Expectorans bei chronischen Katarrhen des Respirations* apparates.
4)nbsp; Als Milchmittel bei unterdrückter Milchsecretion.
5)nbsp; nbsp;Als Laxana bei Obstipation, Plethora etc. (selten). Die Dosis beträgt für Hunde 5—1quot;),().
(gt;) Als Antidot gegen acute Metall- (Quecksilber-, Blei-) Vergiftungen (Bildung von unlöslichen, daher ungiftigen Sulfiden
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Schwefel.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;{6:i
im Darmkanal); ausserdem gegen chronische Metallvergiftungen (Stei-gernng des Stoffwechsels und der Drtisensecretion).
7)nbsp; Aeusserlioh als Antiparasitiouoi gegen Räude nament­lich für Katzen (Giftigkeit der Cavbolpräparate) in Verbindung mit Seife oder Pottasche (SHj,) als Helmerich'sohe Bäudesalbe, sowie zu anderen Rftudelinimenten,
8)nbsp; Als Antisepticum bei Diphtheriüs als Streupulver oder in Form der Inhalation feingepulverten Schwefels (SO.,).
Oontraindioirt ist der Schwefel in grösseren Dosen bei .Schlachtthieren.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 2—5,0.
Schaf und Schwein 0,5—1,0. Hund 0,05-0,2. 'Katze und Geflügel 0,05- 0,1.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Sulfur. Sublimat. B0,0.
Kalii bioarbcm, 25,0. Natrii ohlorati orudi 500,0. M. f. Sol. D.S. Auf jedes Futter 1 Essloffel für ein Pferd mit Aiiiimio.
2)nbsp; nbsp;Rp. Sulfur, sublimat. 2,0.
Kalii bioarbcm, 10,0. Natrii ohlorati 20,0. M. f. Sol. 1). S. Auf jedes Kutter 1 Messerspitze voll für uinou Hund mit Leukiiiuie.
3)nbsp; nbsp;K|i. Flor. Sulfur.
Stibii sulfur, orud. äü 25,0. Natrii sulfurio. 2.50,0. Pulv. Rad. Liquirit. Pulv. Sem. Küeuug-raeei äi 100,0. Rl. D. S. Auf jedes Futter 1 Bsalöffel für ein Pferd mit Druse,
4)nbsp; Rp, Flor. Sulfur. .r)0,O.
Kidii jodati 10,0. M. f. Pulv. D. tal. dos. Nr. 111. S. Täglich 1 Pulver für ein liiud mit chroiusclier Bleivergiftung.
5)nbsp; R]). Klor, Sulfur. 5,0.
Sapon. virid. 15,0. M. f. ügt. I). S. Räudesalbe.
6)nbsp; Rp. Sulfur, sublimat. 15,0.
Kalii oarbonioi 7,0. Adip. snill. 60,0. M. f. ügt. D. S. Helmerioh'sohe Rftudosalbe.
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SohwefeUeber.
71 Bpi Picis liquid.
Flor. Sulfur, öa 100,0. Sapotli virid. Spiritus aä 200,0. M. f. Linim. I). S. Wiener Tlieerliniment gegen Pferderiiude.
t Schweflige Säure. Die schweflige Säure, SO.^, Aciduiu sulfuro-sum, entsteht beim Verbrennen des Schwefels als farbloses, in Wasser leicht lösliches, bleichendes, stark reizendes'Gas. Nach den älteren Anschauungen sollte sie eines der stärksten Desinficientien sein; aus diesem Grunde ist sie auch in das Viehseucliengesetz vom Jahre 1880 aufgenommen worden (20 g Schwefel sollen 1 qbm Luft desinficiren). Nach den neueren Untersuchungen von Koch, Wolffhligel u. A. hat sie sich aber als ein äusserst unsicheres Desinficiens erwiesen. So blieb die schweflige Säure Milzbrandsporen gegenüber trotz mehrtägiger concentrirter (10o/o) Anwendung wirkungslos. Culturen im Zimmer wurden durch Sohwefeldämpfe nicht gehemmt. Mikro-kokken werden zwar durch einen 1 quot;,'nigen SOj-Gehalt der Luft getödtet, ein derartiger Gehalt ist aber in praxi nicht zu erzielen. Dazu kommt, dass viele Gegenstände unter der Einwirkung der Säure Noth leiden. Aus diesen Gründen hat die schweflige Säure ihre Bedeutung für die Des-infection verloren. Dasselbe gilt für die innerliche Anwendung als Antizymoticum bei Darmgährungen, Infectionskrankheiten und für die äusserliche als Antisepticum in der Wundbehandlung. Auch die unter-schwefligsauren Salze, so das Natrium subsulfurosuin und der unter-schwefligsaure Kalk (Calcium subsulfurosum), welche von Plaut u. A. empfohlen wurden, sind für die oben genannten Zwecke zu schwach. Per-roncito hat sogar 50 quot;/raquo;ige Lösungen von Natrium subsulfurosum nach 48stündiger Einwirkung wirkungslos gefunden gegen die sehr leicht zer­störbaren Bacterien der Hühnercholera.
Kalium sulfiiratuin. Sclnvefelleber.
#9632;K.ß3 -f K^Os.
Pharmaceutische Chemie. Das Kalium sulfuratum oder die Schwefelleber (Hepar Sulfuris, Sohwefelkalium, Kalium sulfuratum pro balneo) wird durch Zusammenschmelzen von Schwefel (1) mit Pottasche (2) dargestellt:
8 S 3 K,C(1. = 2 K2S8 Kß.,0, -f- 3 CO. Sie ist chemisch ein Gemenge von Dreifach-Schwefelkaliu 111(1^,8.,) und Kaliumthiosnlfat (Iv^S^,().,); häufig enthält das Präparat auch noch Kaliumsulfat (Iv^SO,), wenn nämlich stärker erhitzt wird. Die Schwefelleber bildet frisch leberbraune, später gelbgrüne Bruchstücke, welche nach Schwefelwasserstoff riechen und an der Luft zerfliessen. Sie lösen sich in 2 Theilen Wasser zu
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Sobwefelleber.
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einer opalesoireiiden, gelbgrünen, ätzenden, stark alkalisoh reagiren-(lon Flüssigkeit, welche durch verdünnte Sünren tnilobig getrübt wird (Sohwefelnüloh)5 gleiohzeitig entwickelt sicii Schwefelwasserstoff!
K8S8 SO,K, = SO,K, f H3S 2S. Bei längerem Stehen an der Luft zersetzt sich die Sclnvelelleber zu untersohwefligsaurem und kohlensaurem K'ali. Im Gegensatze zu dem gewöhnlichen, für den äusserliohen Gebraueli, namcntlic;li zu Bädern dienenden Kalium sulfur a turn pro balneo hat man früher ein reineres Präparat zu innerlichem Gebrauche: Kalium sulfuratum pro usu interne unterschieden. In Oesterreich sind beide Präpai'ate offioinell. A.I*. Kalium sulfuratum pro balneo 200,0 = 4^ Pfennig.
Wirkung. 1) Aeusserlich wirkt die Schwefelleber auf Haut. Schleimhäute und Wunden in concentrirtem Zustande (his 10n/nig) ätzend in Folge ihres Kaligehaltes, in verdünnter Lösung (5—100/oig) reizend und erweichend.
2)nbsp; nbsp;Wogen gleichzeitiger Entwicklung von giftigem Schwefel­wasserstoff hat sie starke antiparasitäre Eigenschaften; dieselben werden unterstützt durch die chitinauflösende Kraft des Kaliums.
3)nbsp; Innerlich entstehen nach kleinen Dosen (Pferden 5—10 g, Sunden 0,2^ g) aussei' einer Vermehrung der Secrete und einem Schwefelwasserstoffgeruche der ausgeathmeten Luft keine wesent­lichen Veränderungen. Grössere (iahen (Pferd und Rind 30—(50 g, Hund 2—4 g) erzeugen zunächst eine durch das Kalium bedingte corrosive Gastroenteritis (Speicheln, Erbrechen, Kolik). Eiezu kommt das Bild einer Schwefelwasserstoffvergiftung, welches bei sehr grossen Dosen in den Vordergrund tritt. Die Erscheinungen der letzteren bestehen in Athmungslähiu ung, Lähmung des ganzen Nervensystems, Bcwusstlosigkeit, Verlust der Sensibilität und Motilität (an der Nachhand beginnend), sowie in Verände­rungen des Blutfarbstoffs; der Tod erfolgt unter Convul­sion en.
Anwendung. Während früher die Schwefelleber auch innerlich sehr häutig angewandt wurde (hei Kolik, Tympanitis, Darmgährung, Lungenentzündung, Starrkrampf, Milzbrand, als Expectorans, Diapnoi-cum etc.), wird ihr Gebrauch in der neueren Zeit auf die nachfol­genden Fälle beschränkt:
1) Innerlich als An tidot gegen acute Metall Vergiftungen
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Sohwefelleber.
(Hlcsi, Quecksilber, Bi'eohweinstein) zur Bildung unlöslicher Sulfide. Wogen der rascheren Wirkung ist liier die Schwefelleber dem Schwefel vorzuziehen,
2) Aeusserlichgegen Eautpara8iten(Iläudemilben,Läuseetc.). Namentlicli der schwer ZU heilende Acarusaussohlag wird mit Schwefelleber behandelt. Mau verwendet entweder •quot;)—100/oige Wa­schungen oder 0,5—20/oige Bäder (50—200 g KaUum sulfuratum auf ein Vollbad von 100 Litern für einen Hund). Nach Brusasco lässt man zwischen den Bädern ausserdem Cantharidensalbe ein­reiben.
;i) Aeusserlieli als reizendes, erweichendes Mittel gegen chro­nische, squamöse Ekzeme, sowie als zertheilende Salbe gegen Verdickungen der Haut, der Subcutis etc.; sogenannte Thermen­salbe.
Contraindicirt ist die innerliche Anwendung der Sohwefelleber bei Schlachtthieren wegen des ins Fleisch übergehenden Schwefel­wasserstoffgeruches. Ausserdem ist bei der äusserhohen Anwendung zu bedenken, dass die Wolle sowie helle Haare sich grüngelb färben, und dass eine starke Abschuppung der Epidermis mit vorübergehendem Ausfall der Haare eintritt.
Dosis.
Pferd und Rind 5—15,0 Schaf und Schwein ^,5— Hund 0,05—0,2.
0,2.
Beoepte.
1) Rp. Kalii sulfurati 16,0.
Alors pulv. 40,0. Decoct. Semiii. Lini 50,0 : 000,0.
#9632;_') Rp. Kalii sulfurati 10,0. Aqu. destill. 200,0. M. f. Sol. I). S. Zu Räudewasohungen.
8) Rp, Kalii sulfurati 2,0. Ailipis suilli 30,0. M. f. tJsft. Igt;. S. Thermensalbe.
t Schwefelwasserstoff. Der Schwefelwasserstoff (Hydrogenium sul­furatum), SHj, der Hauptfactor der Schwefelleber- und Sohwefelwirkung,
ist ein farbloses Gas von Silurecharaktei-, welches vom Wasser in 2 bis SfacheiD Volum gelöst wird. Als Gas wird SH^ von allen Schleimhäuten und selbst von der Haut aufgenommen. Die Giftigkeit des Schwofel­wasserstoffs ist eine bedeutende. Nach Orfila sterben Hunde bei längerem Verweilen in einer Luft, welche in 800 Theilen einen Theil SIL enthält;
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Schwefel wiissers to ff.
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Vogel sterben schon bei einem Voihilltniss wie 1 : l.r)(;0, Menschen bei 1:1000. Nach Chaussier starb ein Pferd, welchem 10 Liter Schwefelwasserstoff-gas in den Mastdarm eingeführt wurden, im Verlauf einer Stunde. Aus diesem Grunde ist es auch eines der stilrksten lüfte für itäu d emi lb e n, Läuse etc. Die H au pt Wirkung des Schwefelwasserstoffes ist eine die Nervencentren lähmende (namentlich Athiiiungscontrmii und Herz-centrum). Ausserdein wird der L luti'arb st of f reducirt und zersetzt; die Thiere sterben an Erstickung in Folge Lähmung des Athmungs-centrums und an allgemeiner Lähmung unter asphyktischen Krämpfen. Kleine Dosen erzeugen eine gesteigerte Secretion der Schleim- und Schweiss-driisen sowie der Leber, eine Erhöhung des Stoffwechsels sowie eine gewisse Reizung der Darmnerven,
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Pflanzliclie Adstrineentien.
Acidnui tanulouni. Gerbsäure.
Cf,H.,. (()H):,. COO . 06H2 . (OH);,. C( •.
Pharmakognosie. Die Gerbsäure odor das Tannin (G-allus-.gerljsiiuro, Aciduiu gallotannioum) ist der Hauptbestandtheil der pflanzlichen Adstringentien (Eichenrinde, Chinarinde, Weiden­rinde, Galläpfel, Kateohu, Ratanhia, Tormentill, Salbei, üva Ürsi, Wallnussblätter, Kino. Oampechienholz u. s. w.). Sie wird darge­stellt aus den Q-alläpfeln durch Ausziehen derselben mit wasser-und alkoholhaltigem Aether (Ausbeute circa 60n/o), Hirer cliemi-ischen Constitution nach gehört sie zu den Benzol Verbindungen; sie ist nämlich chemisch betrachtet -mal Q-allussäure minus H20: 2CaE2. (0H);,.C0() 11 — II,() = ()„H,, .(OH8).C0().0811 „. (OII),.00.
(i al 1 uss ii ure.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gerbsäure.
Demnach ist die Q-erbsäure chemisch als Digallussäure aufzufassen. Das Tannin bildet ein weisses oder gelbliches, geruchloses, amorphes I'ul vcr von hi ttersüsslicliem, adstringirendem Ge-schmacke, welches sich in gleichen Theilen Wasser, sowie in 2 Theilen Alkohol klar mit gelblicher Farbe löst, ausserdem in 8 Theilen Glycerin. Die Lösung reagirt sauer; Eisenchlorid erzeugt in derselben einen h lausch war zen Niederschlag (gerbsaures Eisen. Tinte), der aul' Zusatz von Schwefelsäure wieder verschwindet. Ausserdem coagulirt die Tanninlösung Eiweiss- und Leim­lösungen. Beim Einäschern im Platintiegel verbrennt das Tannin nahezu ganz (auf I g soll nicht mehr als 0,005 Rückstand bleiben). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung des Tannins und der pflanzlichen Adstringentien. 3) Die Hauptwirkung der Gerbsäure besteht darin, dass sie das Ei-
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Tannin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ;;(;lt;)
weiss und den Leim aus ihren Lösungen ausfüllt; darauf beruht ilire adstringirende and hftmostatisohe Wirkung auf Schleimhäute und Wunden,
2) Die Gerbsäure hat starke fäulniss- und gährungswidrige Kraft.
:?) Die Gefässe werden bei direkter Einwirkung verengert und der Gefässtonus gesteigert (von Anderen bestritten).
1)nbsp; nbsp;imierlieli wird die Verdauung durch kleine Dosen nicht gestört; es tritt im Magen weder eine Fällung des Pepsins noch ein Niederschlag von Tanninalbuminat ein, Grössere Gaben erzeugen Ä.ppetitstörung und Verstopfung, letztere namentlich bei vor­handener Diarrhöe; sehr grosse (Jähen haben eine ulceröse Gastro­enteritis zur Folge.
5) Von entfernteren Wirkungen des Tannins nach seiner Auf­nahme ins Blut sind zu erwähnen: die Verminderung der Hain-secretion und die dos Eiweisses hei Albuminurie; ferner wird von Manchen eine gefii sscon trahirende Wirkung auf das Pur­en eh yni der inneren Organe (Nieren. Leber, Uterus, Schleim­häute etc.) angenommen.
(i| Die Resorption der Gerbsäure geschieht in der Weise, dass sich zunächst im Darme ein Niederschlag von Eiweiss- resp. Leim-tannat bildet. Dieser Niederschlag löst sich jedoch im üeberschusse des Eiweisses oder Leims, sowie in Alkalicarhonatou auf. Das Tannin kann daher indem ei weissreichen, alkalisch roagirenden Blute als Ei-weisstaunat resp. Natriumtannat oirculiren und so in entfernte Organe gelangen, wo es möglicherweise unter dem Einflüsse der da­selbst bei der Thätigkeit entstehenden Säuren wieder frei wird und seine Wirkung ausübt. Die Ausscheidung durch den Harn geschieht grossentheils in unzersetztem Zustande als Tannin; aus diesem (irunde findet sicher eine adstringirende und desinfiei-rende, Einwirkung des tanninhaltigen Harns auf das Nieren-parenehym, die Harnkanälchen und die Blase statt. Ein anderer Theil hat sich in der Niere zu Gallussäure und Pyrogallus-s8 u re zersetzt.
Anwendung. 1) Als Styptioum bei Diarrhöen hauptsäohlicli
infectiösen Ursprungs, sowie gegen Magen- und Darmblutungen, abnormes Erbrechen etc.
2)nbsp; nbsp;Als innerliches Adstringens hei Nephritis, Nierenblutung, lt; 'ystitis.
Pviihncr, Arzneimittellehre. 8, Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;24
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;J70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tannin.
;}) In Form der [ohalation oder intratraohealen Injection gegen Laryngitis, Bronohitis und Pneumonia oatarrhalis.
I) Als Antidot bei Vergiftungen mit Alkaloiden, Metall-salzen, Breohweinstein (Bildung schwer löslioher Tannate),
.quot;gt;) A.eus8erlioh nls lliiniostiiticuiH Iwi parenchyiuatösen Blutungen, sowie als Adstringens bei Schieinihatit katarrhen ((quot;onjunctivitis, Cystitis, Stomatitis, Prootitis), eiterigen Dermatiten, Otorrhoe, nässenden Ekzemen und Geschwüren.
Form. Man gibt das Tannin innerlich in Kunn von Pillen und Latwergen für Pferde, in Lösung für Wiederkäuer, als Pulver, in Pillen und Lösungen für Hunde. I'm zu verhüten, dass das Tannin im Magen vollständig gebunden and so für den Dann unwirksam gemacht wird, empfiehlt es sich, bei Diarrhöen das Tannin mitSohleim y.w verschreiben, welcher das Tannin vor der Einwirkung des Magen­inhaltes schützt (Sohmiedeberg). Zu vermeiden ist die gleich­zeitige Verabreichung von Metallsalzen (namentlich Eisenvitriol Tinte), Brechweinstein, Alkaloiden. Aus diesem 'Grunde soll man beispielsweise Tannin nicht, wie es oft geschieht, mit Morphium oder Opium zusammen verschreiben.
Aeusserlich wird das Tannin in Pulverform (auf blutende Wunden), in Lösung (Wasser, Glycerin), als Salbe, mit Collodium etc. angewandt.
Dosis,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd 5 15,0.
Rind 10—25,0. Schaf und Ziege 2—5,0. Kälber, Schweine 1—2,0. Hund 0,1—0,5. Katze O.O.-)—0,2. (ietliigel 0,01—0,5.
Rocepte.
1)nbsp; nbsp;lip. Aoidi .....nioi 30,0.
I'nlv. Rad. Älthaeae 60,0.
.•\(|u. dostill. qu. s. f. niiissii, e qua forraentur Boli Nr. Ul. D. s. Tftglich 1 Pille für ein Pferd mit Diarrhöe.
2)nbsp; nbsp;Rp. Ariili tannioi 5,0.
Deooct. Sem. Lini 20,0 : 250,0. AI f, Sol. D. S. I'iir ein Kalb mit Kulu- anf 2ma1 einzuschütten,
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Taimin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;^j
3)nbsp; nbsp;Bp, Aoidi ti.....ici 0,86.
I'ulv. gutnniosi 0,5. M. f. I'ulv. Ii. till, dos, Nr. V. S. Satundlioh I Pulver für einen Hund mit Diarrhöe.
4)nbsp; nbsp;Kp. Aoioi tannioi 2,0.
A(|ii. destill. löo,o. (iuiinni orabioi 5)0. M. f. Sol. D. S. Tiifvlich SEsslöffol (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Nephritis.
5)nbsp; nbsp; lv|i. Aoidi laiinici 2,0.
(iinnnii arabioi 5,0. Aipi. destill. qu. s. f. I'iliii. Nr. X. ]). S. Tanninpillen für Hunde.
6)nbsp; nbsp;üp. Acidi tannici 2,0,
Qnguonti Paraif. 20,0. IM. f. ügt. Igt;. S. Tanninsalbe gegen Bozerna impetiginosum.
7)nbsp; nbsp;l!p. Acidi tannioi 5,0.
Spiritus 250,0. M, f. Sol. Igt;. S, Ohrenwasser gegen Otorrhöe der Hunde.
8)nbsp; nbsp;liji. Acidi tannici 5,0.
Collodii cdast. 50,0. M. J). S. Collodiuin styptioum.
9)nbsp; nbsp;Rp, Acidi tannici 5,0.
Glycerini 50,0. M. f. Sol. Iraquo;. S. Aeusserlioh gegen Kcz.....a crustosum.
10) Rp. Acidi tannici 10,(1. Jodoformii 5,0. M. f. l'nlv. I). S. Streupulver auf Wunden, (Jesohwiire, gegen Otor­rhöe etc.
(oilex Qnercus. Elohemiude.
Stammpflanze: Querous Elobur L. a. pedunoulata, ß, sossiliflora, Kami lie: Oupuliferae,
Pharmakognosie. Die Eichenrinde wird von den beiden ge­nannten Varietäten in der Weise gewonnen, dass man im Frühling die jüngeren Stämme (Spiegelrinde) oder die noch nicht alten Ä-este (örobrinde) schält. Die Spiegelrinde ist die beste Sorte; sie ist glatl und silbergrauglänzend, l—3mm dick, l—8om im Durchmesser haltend, mit l2-200/o Gerbsäure; die Grob rinde ist braun, an der
I
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ßioheui'iude
Oberfläche rissig und uneben (Borkenbildung) und enthält auiquot; #9632;quot;gt; bis 100/o Grerbsäare. Charakteristisch für die Eichenrinde sind die Längsstreifen an der Innenfläche, der bandfaserige Bruch und der herbe Q-eschmack; chemisch ist sie durch den schwarz-blauen Niederschlag zu erkennen, welcher EDisenchloridlösung im wässerigen Auszuge erzeugt, A..P, 100,0 = 30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Eichenrinde stimmt in ihrer Wirkung vollkommen mil dein Tannin iiberoin (vergleiche dieses). Sie wird sowohl innerlich (Pulver. Latwerge, Decoot) uls Jiusseriieli (Decoct, Fussbäder, Pulver) angewandt als Adstringens, Hämo-statioum, Stypticum, Antiseptioum, Antidot gegen Aikaloid-und Metall Vergiftungen, sowie als Tonicum. Vielfach wird in der tbierär/tlieben Praxis statt der ot'iiciiiellen Eichenrinde die viel billigere Q-erberlohe angewandt, namentlicli zu Fussbädern, sowie als Streu-inaterial lgt;ei Klauenseuche, Strahlkrebs etc,
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferde und Rinder -ä—.quot;)(),().
Schafe und Schweine .r) —10,0. Munde und Katzen L- •quot;).(gt;. Geflügel 1—2,0.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;K|i. I'ulv. Gort. Querous.
I'ulv. Sem. I.iiii.
I'ulv. Rad, Althaeae :TH 50,0, Aqu. qu. s. f. Bleot. I). S. Auf 2mal fiir ein Pferd mit Diarrhöe.
2)nbsp; Rp, Deoooti Cortio, Quoroua 20,0 i 250,0,
(imnmi arabioi 1U,0. M. D. S. Sstündlich 1 Esslöffel für einen lluml mit Gastroenteritis.
3)nbsp; Rp. I'ulv. Cortio, Quorous 20,0.
Jodoformii 2,0. M. f. I'ulv. 1). S. Streupulver auf Wunden, gegen Otorrhoe, Strahl­krebs, eiternde Ekzeme etc.
Gallae. GallÄpfel.
Staminpflanze: Queraus Lusitanioa. var. infectoria, Fa in i 1 i r: Oupuliferen.
Pharmakognosie. Die Galläpfel (Gallae Turcicae, Levanti-ciie, Haiepenses) sind Auswüchse der in Kleinasien und Syrien
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Ch
llhiplrl
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wachsenden strauchartigen lusitanischen Eiche, welche durcli den Stich der Gallwespe (Cyiiii)s Gallae) hervorgerufen worden sind. Die Gall­wespe bohrt nämlich die jungen Zweige und Knospen dieser Eiche mit ihrem Legestaohel an, indem sie in die Stichöfflnung ein Ei legt, um welches sied: sodann die (Julie entwickelt; die Larven verlassen später die (Julie, nachdem sie sich ein Plugloch gehohrt haben,
Die türkischen Galläpfel (Gallen) sind haselnussgross, kuge­lig oder birnförmig, warzig-stachelig, höckerig, olivengrtin oder röthlichgelb, bald hart und schwer, ohne Plugloch, bald leichter, von einem Plugloche durchbohrt. Das Innengewebe ist dicht und zeigt eine kleine Eöhlung für das Insekt. Der (leschmack der (geruchlosen) Aepfol ist stark zusammenziehend. Sie enthalten 35—Ö50/o Tannin (Gallusgerbsäure, eisenbläuende Gerbsäure), sowie #9632;J% Gallussäure. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Die Tinctura Gallarum wird durch Extraction der Galläpfel mit verdünntem Weingeist dargestellt (1 :5), Sie ist gelblichbraun, von herbem, stark zusammenziehendem Geschmacke, saurer Reaktion und wird durch Eiaenoxydsalze blauschwarz gelallt.
Handelssorten. Am werthvollsten sind die schwarzen Mossul-Gall-ilpfol; überhaupt sind die Galläpfel um so theurer, je dunkelfarbiger sie sind. Andere Sorten sind die olivengrünen bis gelblichen A leppo'schen, sowie die etwas kleineren Smyrnaer Aepfel. Die kleinsten, ausgelesenen Gallen heissen Sorian-Gallen.
Die nicht ottlcinelleu euroiiii ischen GaUäpfelsind zum Unterschiede von den türkischen tanninärmer, leichter, heller, ohne Höcker, glatt (deutsche, ungarische, istrianische. Morca-Gallilpfel).nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Die chinesischen
Galläpfel sind Auswüchse einer Sumachart (Rhus somialata), welche durch den Stich einer Blattlaus (Aphis chinensis) hervorgerufen werden. Sie ent-h.dten 70% Tannin.
Wirkung und Anwendung. Die Galläpfel wirken wegen ihres hohen Tanningehaltes (85—650/o) viel stärker als die Eichenrinde und kommen daher fast der Wirkung des Tannins gleich. Sie werden wie dus Tannin als Adstringens, Stypticum, H äniostatieuni. Tonicuni äusserlieh und innerlich angewandt und zwar in der halben Dosis der Eichenrinde oder der doppelten des Tannins. Kür gewöhn­lich dienen sie jedoch nur zur Darstellung des Tannina.
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Oateohu,
Cat cell u.
s i ii in in pHiui zen; l) l'nciina Orouparia Qambir (Hubiaoee). •_') Acuciii Cateohu (MimosaoBe).
Pharmakognosie. Catechu (Terra japonioa, Caohou) ist ein indisches Pflanzenextmct, wdclics in Ostiiulicn uns zwei ver­schiedenen Pflanzen gewonnen wird:
1)nbsp; nbsp;Ans üncaria Orouparia Q-ambir, einem Klettersta'auohe auf Sumatra und in der Umgebung von Singapore, aus dessen Blättern durch A.uskochen und Eindampfen ein Extract gewonnen wird. Dieses Extract heissl Q-ambir und kommt in Würfeln oder harten, festen, geruchlosen, tnattbraunen, auf dem Bruche erd­farbigen, gepulvert lehmgelben Massen von zusammenziehendem, liittersüsslieliem Geschmaoke in den Handel, welche unter dem Mikroskop sich als ein Haufenweri kleinster Krystallnadeln von Catechin (Catechusäure) erweisen.
2)nbsp; nbsp;Ans Acacia Catechu, einem liehen Baume Hinterindiens (Pegu) mit dornigen Aesten, ans dessen dunkelrothem Kernholze durch A.iiskochen und Hindieken ebenfalls ein Extract gewonnen wird, das als Catechu oder Pegu-Cateohn in grossen Blöcken in den Handel kommt (Catechu indisch = Pflanzensaft). Das Catechu bildet du nkellira une. oft mit Blättern durchsetzte, spröde Massen, welche auf dem Bruche imrös und glänzend sind, adstrin-girend schmecken und mikroskopisch nur wenig Krystalle zeigen. Das Pegu - Catechu enthält amorphes Catechin und Catechu-gerbsä n re,
Catechu enthält bis 5n/n eisengrünende Gerbsäure (Ca­techin oder Catechusäure und Catechugerbsäure). Beim Ver­brennen soll es nicht Über 60/o Asche unterlassen. A.l'. 10,0 = 10 Pfennig,
Die Tinctura Cateclm, Catechutinotur, wird aus Catechu und verdünntem Weingeist dargestellt (l; •quot;gt;). Sie hat eine dunkelroth-brauno Farbe, zusammenziehenden Geschmack und wird durch Eisen­chlorid schmutziggrün, durch Erhitzen mit Kalimucliromat dunkel-kirschroth gefärbt.
Wirkung und Anwendung. Dieselbe wie beim Tannin; die Dosis ist die doppelte des Tannins.
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Kiiilix Iviihuiliiai'.
Itadix Hiitanliiac. Peruanische liniiiiiliia.
S ta m lap flanze: ('rameria triandra. Kamili o: Leguminosen (Oaesalpiniaoeen).
Pharmakognosie. Die Ratanhiawurzel stemmt von einem kleineu Strauche der peruanischen Gebirge und wird über Payta und Oallao ausgeführt (Payta-Batanhia), Sio bildet tlieils kurze, knollige (kurze oder knollige Ratanhia), tlieils lange, schlanke Stücke (lange Ratanhia) von dunkelrothbrauner Farbe mit dünner, sich ab­blätternder Rinde, deren Dicke nur l/() des inneren Holzkörpers ausmacht; letzterer ist blassrötblioh, sehr holzig und last geschmacklos, Dagegen hat die Rinde einen sehr herben Geschmack; sie enthält nämlich 20—400/o eisengrünende Batanhiagerbsäure. Ausserdem enthält, die Rinde einen Karbstoff: das Ratanhiaroth; sie giht daher auf Papier einen braunen Strich. A.F. 10,0 = 15 Pfennig.
Die peruanische Ratanhia soll nicht verwechselt werden mit der 8a vanilla- oder Granada-Ratanhia, welche mehr braunviolett ist und eine dickere Rinde hat (^s des Holzkörpers), ferner mit der Texas-Ratanhia (mit noch dickerer Rinde = Vä des Holzes) und endlich mit der brasilianischen Ratanhia (R. de Oeara) von dunkel­brauner Farbe und ebenfalls dickerer Rinde.
Die Tinctura Ratanhiae wird dargestellt aus I Theil Ratanhia­wurzel und 5 Theilen verdünntem Weingeist. Eine dunkelwcin-rothe Tinotur, verdünnt himbeerroth, geruchlos, von herbem, zu-sammenziehendem Geschmacke, A.P. 10,0 = 15 Pfeimig. Ihre Dosis beträgt die Hälfte der Rinde.
Wirkung und Anwendung. Dieselbe ist die der Eichenrinde resp. des Tannins; Dosis = Cortex Quercus.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Decooti Rad. Ratanhiae 10,0; 150,0.
Tinot. aromat. 5,0. Synipi 10,0. AI. D, S. Sstttndlioh 1 Ksslöttel (Theelöffel) für einen grossen (kkänuii) Hund mit Magen^Darmkatarrhi
2)nbsp; Kp. I.'ulv. Rad. Ratanhiae 20,0.
Di S. Mit '/' I Loinsamenabkoohung auf 2mal einzugeben für ein Kalb mit Ruhr.
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37(1nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Folia Uvae Uisi,
It
Folia llvae Ursi. Bftrentraubeublfttteri
Staluiiipt'liiiizo: Ärotostaphylos üva Ursi (A. offloinalis). Familie: Ericucocn.
Pharmakognosie. 1 )ii'Blätter der Bärentraube, eines auf aord-deutschen Saiden und kalkigen Bergen Buropas wachsenden Halb­strauches mit rothen Beeren und kleinen fleischrothen Blüthen sind starr lederartig, verkehrteiförmig, ganzrandig, beiderseits glänzend und netzadrig, im Maximum 2 cm lang und 0,8 cm breit, geruch­los, von sehr herbem, bitterlichem Q-eschmacke. A.l*. 10,0 - .') Pl'eimig. (Nitdit zu verwechseln mit den am schwach gesägten Hunde umgerollten und unterseits mit braunen Punkten besetzten Preiselbeerblättern und den ovalen, nicht aetzadiigen Buchs­baumblättern.)
DieFolia üvae Drsi enthalten; 1) eisenbläuende Gerbsäure (300/o)', 2) das ölykosid Arbutin (3,5 0/n), ein auch in anderen Pflanzen, /.. 1!. im Wintergrün vorkommender Körper, welcher sieb /mit Verdauungs­fermenten zu Hytlroclünou und Zucker zersetzt und im Harn als Hydroohinon-Sulfonsäure ausgeschieden wird;
(!18Hlt)( gt;7 H3() = C8H4(OH)a -f- 08H1S!( )„;
Arbutin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;II yd rocli i nein.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zucker,
:gt;) Das ölykosid Ericolin, welches im Körper zu Ericiuol und Zucker zerfällt; enclhch das Urson.
Wirkung und Anwendung. Die Bärentraubenblätter sind von jeher als Spec.i l'icnin gegen Nieren- und Blasenkrankheiten angewandt worden. Sie verdanken diese Wirkung zum Tbeil ihrem Oiehalte an (jlerbsäure. zum Tbeil an Arbutin. welches im Körper zu dem stark antiseptisch wirkenden Hydrocbinon umgesetzt und durch die Niere ausgesdiiedeu wird. Das Nierengewebe und die Blase er­fährt so eine doppelte Desi n feetion: durch die Gerbsäure und das Hydroohinon. Auch das Arbutin als solches ist neuerdings gegen Blasenkatarrhe und Nierenentzündungen sowie Nieren-blutungeu empfohlen worden (Dosis für Hunde 2—•'gt; g).
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 20—50,0.
Schaf, Ziege und Schwein 5—15,0. Hund 2—5,0.
Katze und GeHügel 1-2,0.
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Folia Salvlae.
.•177
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Bp. I'ulv. Folioiquot;. Uvae Qrsi 50)0.
Natrii sulfurioi 200,0. ruh-. Rad. Althaeae 100,0. Ai|u. ilcstill. i|ii. s. r. Eleotuar. D. s. Auf 2ina] für ein Pferd mit Nephritis.
2)nbsp; nbsp;lip. I'ulv. Pol, Uvae Ursi.
I'ulv. Kliizijiii. Tonnentillae iiä 00,1). M., Igt;. S. Alii 1 Flasche Leiiisaniciiabkofhunff (Miizuschiitten für ein Kinil ijiii Häniaturio (hämorrhagisohe Nephritis).
;',) Deooot. Fol. Uvae Ursi 10,0 : 150,0. I). S. Sstündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Oystätis.
Folia Salvlae. Salbelblfttter.
Stammpflanze: Salvia offlcinalis. Kii milif: Labiaten.
Pharmakognosie. Die Salbei ist ein in Südeuropn wild wachsen­der (Salvia italica) und bei uns in zwei Arten (angustifolia und liititoliu) cultivirter Balbstrauch (Salvia liortensis). Die Salbei­blätter sind bis 10 cm lang, eiförmig, langgestielt, am Bande fein gekerbt, auf der Fläche sehr runzelig, graufilzig behaart, mit engmaschigem Ä.dernetze, Dor Q-eruch ist eigenthümüch aro­matisch, der Q-eschmack bitterlich-gewürzhaft. (Nicht zu ver­wechseln mit der grünen, am Runde doppelt gekerbten Wiesensalbei und der wolligen Muskatellersiilbei.) Sanunelzeil Mai.
Bestandtheile sind: Gerbsäure, ätherisches Oel und ein Bitterstoff. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. Als leichtes Adstringens in Form des Infuses hei Stomatitis, Pharyngitis, Diarrhöe, Nephritis; iiusserlich ferner zu Kataplasmen. Dosis für Pferd und Kind 25 bis 50,0. Schaf, Ziege und Schwein 5—10,0, Hund 2 — 0,0, Katze und Geflügel 1—2.0.
Recepte.
1) Rp. lufiis. Pol, Salviae 60,0:600,0. Natrii biborac. Syriipi ää 25,0. IM. I). S. Mundwasser für ein Kalb mit Aphthensenohe.
I
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;J78nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Folia Juglandis.
2) Kp. Kill. Salviae coiicis.
Pol, Malvae oonois. an 100,0. I'ulv. Sem. liini 380,0. M. r. Speoies. D. S, Vm Klataplasmen.
Folia Juglandis. Wallnnssblätter.
Statnmpflauüe: Juglans regia. Famillöi Jvxglaudee,
Pharmakognosie. Die Walluussblätter (der ursprünglich mis dem Orient stammende Wallnassbaum wird bei uns allenthalben cul-tivirt) sind mehrpaarige Fiederblätter mit fusslangein Blatt­stiele, liis zu 16 ein lang, ganzrandig, eiförmig, kahl, getrocknet sehr brüchig, im dui'chfallenden Lichte nicht punktirt, mit stinken Mittelnerven, von welchen Seitennerven sehr regelmässig bogen­förmig verlaufen und mit parallelen Adern verbunden sind. Geruch balsamisch, Geschmack kratzend, herbe und bitter. Die Wallnuss blatter sind in Deutschland offlcinell. Bestandtheile; Gerbsäure, ein ätherisches Oel, ein Alkaloid: Juglandin und eine Zuckerart; das Nucit. Einsammlung Juni. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Wallnussblätter wurden früher als innerliches und änsserliches Adstringens, ausserdem gegen Ein­geweidewürmer, als Antiparasiticum gegen Hautungeziefer und endlich als Speciflcum gegen Druse angewandt. Dosis: Pferd und Bind 50—100,0, Schaf und Ziege 10—25,0, Schwein 5—10,0, Hund 1—5.0. Katze und Geflügel 1—2,0.
r Semen (Glandes) Quercus, die Eicheln, werden wegen ihresTannin-gehaltes, namentlich im gerösteten Zustande, bei Schalen und Schweinen als diätetisches Adstringens und Toni cum gegen Durchfall und Ver­dauungsstörungen angewandt (1 2 Hände voll). Die Semina Quercus sind in Oesterreich offlcinell, Die Eicheln können jedoch, namentlich im unreifen Zustande, stark giftig wirken. Englische Thierärzte beobachteten bei Pferden, Rindern und Schafen nach reichlichem Genüsse von Eicheln Ver­dauungsstörungen und selbst schwere Magendarmentzündungen mit Verstopfung und späterem ruhrartigem Durchfalle, so dass die Krankheit grosse Aehnlichkeit mit der Rinderpest hatte.
#9632;\ Cortex Salicis, Weiden rinde, von Salix alba, fraxilis und andern Weidenarten, eine biegsame, zähe, circa 1 mm dicke, glatte, glänzende, aussen braune oder grüne, innen bleich zinimtbraune oder gelbe, im Bruche blätterig-faserige Kinde von bitterem, zusammenziehendem Geschmacke. Sie enthält 5—150/o eisengrünende Gerbsäure, sowie das Saliein. (Vergl. dieses.) Anwendung = Eisenrinde, in Oesterreich offlcinell.
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roniu'ntillwiir/.cl. C'aiiipci-liicnliolz. Ilriii'licnliliil.
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t Rhizoma Tormentillae, Tonuentillvvuiv.el, von Potentilla Tonuen-tilla, einer auf Waldwicscn waobsenden Rosaoee, früher offlcinell, enthält 'JOquot;;raquo; eisenbliluende Oerb.silure.
t Lignum Campechianum, Oaxnpeohienholz (Blanholz, Lignum Hae-matoxyli) ist (Ins von der Rinde befreite Stannnholz einer mexikan isi-hen Uaesalpiiiiaeeo: llaematoxylon Canipcuhianu m. Es ist ein schweres, hartes, aussen blauscliwarzes. innen dunkelbraunrothes Holz von seliwaehem. eigenthümliehein (ieruche, welches in Späne geschnitten im Handel vor­kommt; die Späne haben oft einen goldgrilnliehen Qlanz. Bestandtlieile sind: Gerbsäure, der Farbstoff Hämatoxylin, Harz und ätherisches Oel. Anwendung: mildes Adstringens bei chronischen Diarrhöen als Decoct (Hunden 10:160,0), Aneb ein Ex trac tu in Ligni Canipechiani wird verwendet.
t Kino (Gummi oder Resina Kino) ist der eingedickte Milchsaft von Pteroearpus Marsnpium, einer Papilionacee auf Malabar. Es bildet schwarzbraune, glänzende, am Rande rubinroth durch­scheinende, geruchlose Stückchen, welche ein rOthliches Pulver liefern und das Wasser roth färben. Hestan d th e i 1 e : Kin ogerbsäure und Pektin. Wirkung: äusserliches und innerliches Adstringens und Haem o s tatieum; Anwendung in Form von Streupulvern, Uecocten, Pillen, Pulvern. Dosis für Hunde 0,5—2,0 g. Auch eine Tinctura Kino wurde früher benutzt.
t Resina Draconis, Drachenblut, ist das Harz aus den Früchten einer ostindischen Palme, D a e m o n O r O p s Dr aco. Es enthält das D r ac o-n i ii, ein adstringirendes, rothes Harz. Benzoäsäure und Fett. Es bildet ein b rau n rothes . sprödes, undurchsichtiges, gesebmack- und geruch­loses Harz in Stäbchen- oder Kuchenform, gepulvert ist es zinnober­rot h. Anwendung! früher als Adstringens und Stypticnm, als Zusatz zu Scharfpflastern, Färbemittel (Farbencorrigens) etc.
t Hamamelis ist ein neues Adstringens, welches ans Nordamerika vom „virginisohen Zauberstrauchquot;, Hamamelis virginica, einer Hamame-lidee stammt (der Strauch hat zu gleicher Zeit Blätter im Absterben, Bltttben und Früchte). Es enthält grössere Mengen von Tannin und wird als Fluidoxtract (4-8,0), als eingedicktes Extract (1—2,0) und als „Hain am el in equot; (O.Or)—0,2) gegen Diarrhöe und innere Hin­tun gen (Lungenblutungen) beim Menschen empfohlen.
t Folia Matico, Matikoblätter,
sehen Piperacee, Piper angustifolium. und ätherisches Oel. Sie sind neuerdings empfohlen worden und zwar äusserlicb infuse gegen äusserliche Schleimhautkatar und Ruhr (0,05 2,0).
Von älteren Adstringentien sind e erwähnen die Heidelbeeren (Fructus (Fructus Vitis idaeae), die Vogelbeere Schlehen (Fructus Acaciae germanicae). rötbe (Kadix Rubiae tinetoriae). die Hos
stammen von einer stidamerikaiii-ab und enthalten Tannin. Harz beim Menschen als Adstringens in Pulverform auf Wunden, im rhe sowie innerlich gegen Diarrhöe
ndlich iiocb dem Namen nach zu Myrtilli), die Preiselbeeren n (Fructus Sorbi aueupariae), die die Krappwurzel oder E'ärber-skastanienrinde (Cortex Hippo-
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Ohrysarobin.
kastani, die Pap polrinde (Cortex Populi), die Ulmen rinde (Cortex Dlmi), die Grindwur/.ol (Radix Lapatbi), die Hauheobe] (HerbaH Onouidis spinosae), das Haidekraut (Herba Brioae vulgaris), das Hirtentäsoh-i'heu (Bursa Pastoris) etc.
Clir.vsai'obiiiuni. Cln-ysiirobiii.
.Stam iii|i Ha n/r: Anilira Araroha. Familie! Papilionaoeen (Leguminosen).
Pharmakoguosie. Das ClirysaroMu (Goapulver, Ä.raroba) ist ein gelbes, leichtes, krystallinisches Pulveiquot;, welches in den Höhlungen der Stämme v{)ii Aiulim Äraroba vorkommt, eines hohen Baumes in der brasilianischen Provinz Bahia, Dieses Pulver stellt ein von jenem Baume ausgeschiedenes Secret dar und gelangt als „(ruapul verquot; in den Handel, eine tiefbrauugelbe, erdige, voluminöse, stark abfärbende, mit Kolztheilen verunreinigte Masse, ans welcher durch Reinigung mittelst heissem Benzol das krystallinische Ohrysa­robin gewonnen wird (Ausbeute 800/o). Das Chrysarphin hat chemiscli die Formel C30H2(jO7. Bei Gegenwart von ätzenden Alkalien oxydirt os sich zu Chrysophansäure:
Cii(Ä(10,
1()=:-JC,,H,,(),
3H90.
Ohrysarobin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Chrysophfi nsäure.
Ks löst sieh sehrjeicht in Benzol, Chloroform, Ä.ethei', Schwefel-kohlenstoflf, schwierig in Weingeist, kaum in Wasser (1 :2000 heissem), In Kalilauge sowie beim Schütteln mit Ammoniak löst es sieh all­mählich, im Verlaufe eines Tages, mit schöner purpurner, kannin-rother Farbe (Uebergang in Chrysophansäure).
Behufs Prüfung auf fremde organische Stoffe streue man etwas Ohrysarobin auf Schwefelsäure, in welcher es sich mit roth­gelber Farbe lösen muss (Scliwai'/t'ärhnng - #9632; A'erunreinignng). Ansser-dem muss es sich in 150 Theilen heissem Alkohol sowie in lot) Theilen heissem Benzol vollkommen klar lösen. A.l'. 1,0 lquot; Pfennig.
t Acidum chrysophanicum, Cbrysopliansäuvo (Rliel'nsäure, Paritin-säure) ist nicht, wie man früher meinte, identisch mit Ciiysarohin, sondern ein Oxydationsproduot desselben, Die Chrysophansäure kommt als solche vor im Rhaharher sowie in Parmelia parietina, ans welchen sie durch Extraction mit Ben/ol dargestellt werden kann. Chemisch hat sie die Formel OijHjnC^ (isomer mit dem Methylalizarin); demnach ist sie aufzufassen als Dioxyohinon-Methylanthracen (Dioxmethyl-An-tlirachiuon). Die Chrysophansäure bildet b r o n zege Ib-e, go 1 d gliln zen d e. feine Krystullnadeln mit denselben Liislichkeilsverhältnisseu wie das Chrysa-
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Gbrysarobhi
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robin. Mit Schwefelsäure und mit Alkalien Rlrbt sie sich schön roth. Wi r k n n g und A n w n n d n n g ist, di eselb e, wie die lt;lcgt;.s 0 li ry sar obin8.
f Das Anthrarobin isl eine neue, von Liebermann aus dem Alizarin duroh Beduction niit. Zinkstaub und Ammoniak dargestellte rli ry s a rob i n ii h u li eh c Substanz. Das Alizarin selbst wird durch Oxydation, Erhitzen mil rauchender Schwefelsäure und schliessliohem Schmelzen mit Kali aus dem Anthracen dargestellt. Vom Anthraoen leitet sich auch die Formel der Chrysophansäure (isomer mit Methylalizarin) ab. Das Anthrarobin ist ein gelblich-wei sses, in Wasser unlösliches Pulver, das sich in Alkohol 1 :5 mit gelbbrauner Farbe löst (kann also in alkoholischen Tineturen angewandt werden). In Alkalien löst es sich mit gelbbrauner Farbe, welche beim Schütteln mit Lui't sehr bald durch ilriin und Blau in Alizarin violett übergeht. Es absorbirt 20 0/o seines Gewichts an Sauerstoff (1 g Anthrarobin absorbirt 125 cem Sauerstoff)-Das Anthrarobin wird als Ersatzmittel des Chrysarobins und der Chrysophansäure empfohlen. Seine chemische Zusammensetzung und seine Beziehungen zu anderen Stoffen wird durch die nachstehenden Formeln erläutert:
A nthr acen = Cy,H.ilt;rirrgt;-C,;H j.
AI i z a rin = 06H,lt;qqgt;06H2(01I )..
Anthrarobin = OaH4lt;Q^H)gt;C6Ha(OH)a,
0hryso ph a n s ä u r e = C6H8(CH3)(OH)lt;QQgt;CeH3(OH).
Ohrysarobin = 2 (^II^CH^^HX^ ' OHgt;C8HsOH 0.
quot;Wirkung des Chrysarobins. 1) Aousserlich auf -Haiit und Schleimhäuten wirkt Chrysarobin reizend und entzilndungs-erregend; die Hunt wird dabei rothbraun, bei Anwendung von Seife violett. Die entzündungserregende Wirkung ist auf die reduoirende (Sauerstoff absorbirende) Wirkung des Chrysarobins zurückzuführen; dasselbe wird bei diesem Processe zu Chrysophansäure zersetzt. Das Anthrarobin soll ähnlich, aber schwächer, und nicht entzündungs­erregend wirken. Das Chrysarobin wird von der Maut ans resorhirt und kann daher bei ausgedehnter Anwendung eine innere1 Vergiftung herbeiführen,
2) Innerlich gegeben erzeugt das Chrysarobin Erbrechen,
Durchfall, Gastroenteritis sowie Nephritis und Album inu rie;
letztere wird auch bei ausgedehnter äusserlicher Anwendung beob­achtet. Die Ausscheidung erfolgt durch den Harn als Chrysophan­säure, nachdem es im Körper zersetzt wurde; der alkalische Harn färbl sich deshalb roth (wie auch nach ßheum).
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382nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pyrogallol,
Anwendung. Nur ttusserlich in Salbenform gegen clironischo, squamöso Ekzeme (theei'ähnliche Wirkung), Herpes tonsarans, Kiivus etc. Mau beobachtet oamentlioh bei dem so häufigen chroni­schen Ekzem des Kückens heim Huiule gute EDrfolge von der Einreilmng einer lu—-On/oigen Chrysiirobinsalbe.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Ohrysarobiui 5)0.
ünguent. Paraff. 25,0.
M. f. ügt. D. S. Acusscrlii'li.
2)nbsp; nbsp;Rp. Ohrysarobiui 2,0.
Oollodii elast. 20,0.
M. 1gt;. S, Aciisscrlic'li,
8) Rp. Authrarobini 5,0.
Liinolini 25,0. M. f. ügt, 1raquo;. S. Aeusserlioh.
4| Rp. Anthrarobini #9632;quot;),(). Spiritus .')0,0. M. D. S. Aeusserlioh.
Pyrogallolnm. Pyrogallol.
(:'(1ir:t{()H)3,
Pharmaceutische Chemie. Das Pyrogallol (Pyi-ogallussäure, Brenzgallussäui'cO ist clieniisch ;= Trioxybenzol. 10s wird dar­gestellt durch Erhitzen von Q-allussäure im Blohlensäurestrom. Es bildet sehr 1 eichte, weisse, glänzende Blät teilen oder Nadeln, welche in Wasser, Alkohol und Aether löslich sind. Die wässerigen Lösungen werden durch Alkalien bei Luftzutritt unter SauerstoiTaut'nahiue braun gefärbt, reduciren Silberlösung und werden durch Eisenvitriol schwarzblau, durch Eisen­chlorid braunroth gefärbt. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Wirkung. 1) Das Pyrogallol hat eine stark r ed u c i rende. d. ii. Sauerstoff entziehende Wirkung, weshalb es auf die kranke Haut reizend und zertheilend (aber nicht endzündungserregend) einwirkt.
#9632;Jl Ks ist ein ziemlich kräftiges Antisepticum, indem es in lquot;niger Lösung die Päulniss thierischer Gewebe vollständig verhindert, in 20/oiger Lösung stark faulende und stinkende Stoffe desodorisirl und desinficirl und in derselben Verdünnung die Alkuholgilliriing aufhebt.
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(^allllssHll^c,.
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#9632;''gt;) Inncrlictli erzeugt es in Folge Auflösung der rothen Blut­körperchen Sämoglobinämie. Diese Reduction des Blutes tritt auch ein, wenn Pyrogallol in grosser A-usdehnung auf die Haut ein­gerieben wird.
Anwendung. Nur äusserlioh in 5—100/oigen Salben oder Lü-sungen gegen chronisches, squamöses Ekzem, f-i hitzfleelite etc. \Vquot;(!fgt;;eii der grossen Gefahr der Resorption ist jedoch das (üirvsarobin resp. Anthrarobin vorzuziehen.
t Acidum gallicum, die Gallussitnre, C^H.^OHJdI.'OOH, ist cliomisch als Trioxybeuy.oösäure oder Dioxysalicylsäure aufzufassen, Sie wird aus 'raun in (= „Digallussäure'') dargestellt durch Kochen mit verdünnter Schwefelsäure. Sie bildet färb- und geruchlose, seidenglänzende Nadeln von adstr in given dem Gesohmaoke und löst sich leicht in Alkalien und Glycerin, schwerer in Wasser (1:100). Sie reducirt Metall-lösungen, fällt aber Eiweiss, Leim und Alkaloide nicht. Mit Eisen-chlorid färbt sie sich blau schwarz, mit Alkalien braun. An­wendung: als äusserliches und innerliches Adstringens, welches nament­lich bei innerlichem Gebrauche viel milder wirkt und besser ertragen wird als das Tannin (gegen Diarrhöe, Nephriten, Hlasenkatarrb. Dosis = Tannin,
f Hydroxylaminum, Hydroxylamin von der Formel NH^OH ist eine ammoiiiakähnliche Base, welche durch ihre stark reducirenden Eigen­schaften ausgezeichnet ist. Mit Säuren bildet sie Salze, von welchen das Hydroxylaminum hy d r ochloricum therapeutisch verwendet wird. Das Hydroxylamin erzeugt bei Thieren in grössereu Dosen Methämo-globinämie, ist ferner ein sehr energisches Gift für niedere Orga­nismen und wirkt lähmend auf die Nervencentren ein. Wegen seiner sehr starken reducirenden Wirkung ist es von Biuz an Stelle des Chry-sarobins, Anthrarobins und der Pyrogallnssänre als Mittel gegen Haut­krankheiten empfohlen worden. Das Hydroxylamin eignet sich nach Eichhorst sehr gut zur Behandlung der Psoriasis: es ist etwa gleich wirksam wie die oben genannten Mittel, färbt aber den Körper und die Wäsche nicht. Nachtheile sind seine grosso Giftigkeit, sowie, dass seine Anwendung zuweilen schmerzhaft ist. Fabry empfiehlt theils spiri-tuöse Lösungen zum Bepinseln. theils wässerige zu hydropathischen Um­schlägen.
t Gallacetophenon. Dassel lie bill
n eues E r s a t z p r ä p a r a t für
das Pyrogallol mit ähnlicher antiseptischer und reizender Wirkung auf die Haut, angeblich ungiftig. Es ist wie das Pyrogallol ein Trioxybenzol, enthält aber ausserdein noch eine Ketongruppe (CH, . CD).
t Haemol und Hämog-allol. Unter diesem Manien empfiehlt Kobert 2 leicht resorbirbare Eisen Verbindungen, welche durch Reduction von Hämo­globin mittelst Zinkstanb bezw. Pyrogallol gewonnen werden.
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Bittermittel. Ainura,
Kiulix Genttanae, Elnzianinirzel.
Stamtupflauzen; (iintinnii Intea, pnrpurea, pnnotata, Pannonioagt; Fa mi lie: ÖBntianeen.
Pharmakognosie. Die Enzianwurzel wird von verschiedenen Gentiiinoon dor sclnvoi/crisclicn und österreichischen'Alpen gewonnen. Sie ist auf dem glatten, nicht holzigen Bruche gelbbraun oder rö t hl i ebb r a u n und ihre braune Kinde ist vom Centrum durch einen d n nk len Ciim bium r i n g geschieden. Der Geruch ist charakteristisch süsslich, gewürzhart, der Geschmack sehr bitter. Die Wurzel von (ientiana lutea wird über 1J2 m lang und oben 4 ein dick; die anderen Wurzeln sind schwächer. Alle Enzian­wurzeln sind stark längsrunzelig, oben 411 ergeringelt, tnehr-köpfig, nur schwach verästelt.
Ihre Bestandtheile sind: das Gentiopicriü (Enzianbitter), ein krystalliniseher. glykosidischer Bitterstoff, welcher bei Einwirkung von Fermenten oder Alkalien zu Gentiogeniu und Zucker zerfällt. die Gentiansilure (- Gentisin), ein Farbstoff, Pectin (Pflanzen­schleim), Zucker (- Gentianose). fettes Oel, jedoch kein Stärk­mehl. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Extractum Gentianae, Enzianextraot, enthalt hauptsächlich das öentiopiorin und den Zucker, Ks wird dargestellt durch Muceriren der Wurzel mit Wasser (1 : 10) und Eindampfet) des Filtrates zu einem dicken Extraele. Ein braunes, in Wasser klar lOsliches, sehr bitteres Extract. Ä..P, 1,0 = 5 Pfennig,
Tinetura Gentianae, Enziantinotur, von gelblich braunrother Piirbe, bitterem Uesclimacko und dem charakteristischen Enziangerucbe (1 : 5 Spirit, dibit.). A.P, 10,0 = lä Pfennig.
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Radix (iciitiimuc.
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Tinctura amara, bittere Tinotur, von grünlichbrauner Farbe, aroiuatisoliem Gerüche und gewürzhaftem, bitterem Geschmacke. Sie wird dargestellt aus Enzian Wurzel ('i Theile), 'rausendgülden-krau t (3), Ponimer anzen schalen (2), un r eif en P om m eran zen (1), Zitwerwurzel und Spiritus dilutus (50). A.P. 10,0 ^^ 15 Pfennig.
Elixir amarum, bitteres Elixir, eine dunkelbraune, wenig trübe Flüssigkeit, wird dargestellt aus Tinetura amara (5 Theile), Tinctura aromatica (5 Theile), Extractum Absinthii (10), Elaeosaccharum Piporitae (5) und Wasser (25). A.P. 10,0 = 50 Pfennig.
Wirkung der Enzianwurzel und der Amara überhaupt. Die Bittemittel aus dor Gruppe der Q-lykoside, wio sie im Nachfolgen­den besprochen worden, haben das Q-emeinsame, dass sie boi inner­licher Verabreichung mit wenigen Ausnahmen (Quassia) keine Wirkung auf das Centralnorvensystem und Muskolsystom etc., sondern nur eine locale Wirkung auf den Verdauungsapparat besitzen.
1) Sie regen in kleinen Dosen die Secretion nicht hloss der Speicheldrüsen, dor Magen- und Darmdrüsen, sondern auch die Muskelthätigkeit der Magenwandungeu, sowie das Hungerlaquo; gefühl namentlich dann an. wenn die Verdauung gestört ist (Ver­dauungsschwäche).
Grössoro Gaben wirken Jedoch verdauungsstörend, indem sie eine k ran k ii af te Reiz un g der Mag ensch 1 eimliau t er­zeugen.
2) Alle Amara haben eine antiseptische Wirkung, indem sie namentlich auf Q-ährungspilze hemmend einwirken (Buchheim), Aus diesem Grunde wirken sie als Stoinachica und Darmmittel bei allen IMagon-Darmkatarrhen, welche durch abnorme Gährungs-und Zersetzungsvorgänge hervorgerufen sind.
Anwendung der Bittermittel. In kleinen Dosen als Sto-maohica und verdauungsbessernde Mittel bei Verdauungs­schwäche (Atonic der Darmwandung), Dyspepsie, chronischen Magen-Darmkatarrhen, G-ährungen im Magen und Darm; namentlich bei den Wiederkäuern und Pflanzenfressern.
Form. Man wendet die Bittermittel an gepulvert zu Fress­pulvern, Latwergen und Schüttelmixturen, im Infus und Decoct, sowie in Form der Tincturen und Extraote.
Dosis der Bittermittel. 1) Die Dosis der offioinellen Roh-droguen (Radix Gentianae, Folia Trifolii etc.) beträgt für
Fröinicr, Arzneimittellehre, a. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;25
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38(3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Radix Oeutianae.
Rinder 26—50,0.
Pferde 10—25,0.
Schüfe, Schweine 5—10,0.
Hunde 0,5-2,0.
Katzen und Geflügel 0,2 — 1,0.
2) Die Dosis der Tincturen beträgt für
Hunde 5 — 10 Tropfen. H) Die Dosis der Extracte beträgt für
Hunde 0,1-0,5.
Recepte.
1)nbsp; Ep. Pulv. G-entianae 50,0.
Pulv. Fruot. Carvi 100,0. Natrii chlorati crudi 250,0. M. f. Pulv. I). S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel (Theelöll'el) für ein. Pferd (Fohlen) mit Verclauungssohwtlohe.
2)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. liad. (Jentianae 25,0.
Natrii sulfurioi 250,0. Karin, secalis 100,0. Aqu. oomnuui. qu. s. f. Kleetuar. I). S. Auf 2nial für ein Pferd mit Magenkatarrh.
3)nbsp; nbsp;Rp. Pulv. Had. öentianae 80,0.
Mlagnesiao sulfurioae 300,0. M. 1). 8. In 1 Liter Wasser gelöst einzusohütten für ein Bdnd mit Indigestion.
4)nbsp; nbsp;Rp. Tinctur. G-entian.
Aeid. hydroohl. dil. ää 25,0. AI. I). S. Mit 1 Plasohe Wasser auf Inuil einzuschütten für ein Kind mit Indigestion.
5)nbsp; nbsp;Rp. Had. Gentian, cone, et gr. modo pulv.
Kruct. Juniperi gr. modo pulv. üä 500,0. Kerri sulfurici crudi pulv. 100,0. Natrii chlorati crudi 1000,0. .M. D. S. Blit Hafersohrot vermengt als Lecke für 100 Schafe gegen Bleichsucht.
6)nbsp; nbsp;Rp. Decoot. Rad. Gentian. 10,0:150,0.
Acid, hydrochlor. dil. 10,0. M. D. S. ö.stündlich einen Esslöffel (Tlicelölfel) für einen Hund (Katze) mit Magenkatarrh.
7)nbsp; nbsp;Rp, Tinctur. Gentian. 10,0.
Acid, hydrochlor. dil. 20,0. Aqu. destill. 300,0. M. D. S. 3stündlich 1 Esslöffel für einen Hund mit Dyspepsie.
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Folia Trifolii librini.
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8) Up. Tinctur. amar. 5,0. Viiii Xsreusia 100,0. M, D. S. Sstiiiidlich 1 Theolöllcl für feinere Hunde mit Indigestion.
Folia Trifolii flbrini. Bitterkleo.
Stammpflanze: Menyanthes frifbliata. Familie; Grentianeen.
Pharmakognosie. Der Bitterklee (Fieberklee) ist ein perennirendes
Kraut auf sumpfigen Wiesen mit langgestielten (bis 10 cm langer Stiel), hellgrünen, kahlen, dicklichen Blättern, welche aus 3 ovalen, stumpfen, fast ganzrandigen, 8 cm langen und 4 cm breiten Tlieilblättern bestehen. Die Blätter haben einen rein bitteren (xeschmack. jedoch keinen Geruch. A.P. 100,0=40 Pfennig.
Der Bitterkleo enthält als Bitterstoff das Glykosid Menyanthin. Dasselbe zerfällt zu Menyanthol von der Formel CHH80 und Q-lykose. Extractum Trifolii flbrini, Bittcrkleeextract, ist ein schwarz­braunes, in Wasser klar lösliches Extract, welches durch Infundiren und Digeriren der Folia Trifolii (1) mit Wasser (10) und Eindampfen dargestellt wird.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Gentianae.
Herba Ceutanrei. Tausendgüldenkraut.
Stammpflanze; Erythraea Centanrenm. Familie: Gtantianeen.
Pharmakognosie. Das Tausendgüldenkraut ist ein fusshohes Kraut auf Waldwiesen mit über 20 cm langem, kantigem, auf­rechtem Stengel, der sich nach oben doldenartig verzweigt. Die Blätter sind oval-länglich, kahl, ganzrandig und paarweise gegenständig; die Blüthen roth, trichterig. Die ganze Pflanze ist kahl, von bitterem Geschmacke. Das Tausendgüldenkraut enthält als Bitterstoff ein bitteres Glykosid, das Erythrocentaurin. A.P. 100,0 = 65 Pfennig.
Wirkung, An wendung, Dosirung= Had ix Gentianae. Das Tausendgüldenkraut bildet einen Hauptbestandtheil der in Oestei-reich officinellen Species amaricantes (Bitterthee), welche ausser-dem noch Absinth, Orangenschalen, Pieberkleehlfttter, Enzian, Kalmus und Zimmt enthalten.
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;j8ynbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Hoi'bii Oardui benedioti.
Horba Cardui beuedicti. Kardobenediktenkraut.
Stammpflanze: Onioua benediotus (Oarbenia benediota)lt;
Familie: (.'oinpoaiteu.
Pharmakognosie. Das Kardobenediktenkraut hat fusslange,
länglich - lunzettliehe, l)uchtig fiodorspalti ge, stachelig gezähnte, spinnwebig zottige Blätter. Die Blüthen-köpt'chen sind gross, endständig, ganz eingehüllt in spinnwebig be­haarte Deckblätter; die Blätter des Hüllkelches endigen in einen gefiederten Dorn. Die Bliithen sind gelb, röhrig, zwitterig. Das Kraut hat einen bitteren Grescbmack. Der Hauptbestand-theil des ICaniohenediktenkrautes ist das bittere Cnicin. Ausser-dem enthält dasselbe Kalisalze, Kalksalze und äpfelsaure Magnesia. A.B. 100,0 = 50 Pfennig,
Das Ex tract um Oardui benedicti ist ein braunes, in Wasser trübe lösliches Extract, durch [nfundiren und Digeriren mit Wasser (1:10) und Eindampfen dargestellt. AP. 10,0 = 55 Pfennig.
Wirkung, Anwendung. Dosis = Radix Gentianae.
Ligniim Quasslae. Bitterholz.
Stammpflanzen: li Quassia amara. 2) Pioraena exoolsa. Familie: fimiiniboeii.
Pharmakognosie. Das Quassiakolz (Bitterholz) hat eine z weifache Abstammung:
1)nbsp; nbsp;Von Quassia amara. einem strauchartigen Bäumchen in den Widdern Surinams: iS u r i n a in e n s i s c h e s Q u a s s i a h o 1 z, welches in zoll dicken Ast- und a r m s die k e n Stammstücken mit d ü n n e r, gelblich grauer, sich abblätternder Kinde in den Handel kommt,
2)nbsp; nbsp;Von Pioraena excelsa, einem hohen, mächtigen Baume der westindischen Inseln (Jamaika): J amaikanisches Quassiaholz mit fussdioken Stammstücken und dicker (1 cm), harter, holziger Rinde.
Das Bitterholz beider Bäume ist weisslich, gut spaltbar und zeigt auf dem Querschnitte unter der Lupe Jahresringe und Mark­strahlen. Der (ieschmack ist rein bitter. Das Quassiaholz ent­hält das bittere (ilykosid: Quassiüi. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
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Ufulix Oolombo.
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Wirkung. Das im Bitterholze enthaltene Quassiin hat im All­gemeinen eine stärkere Wirkung, als die übrigen bitteren Glykoside. Es besitzt nänilieb aussei' seiner bitteren und antiseptiscben Wir­kung noch eine antiparasitäre, indem es ein starkes Gift für Spul­würmer darstellt. Bekannt ist es ferner als Fliegengift, indem das sogenannte „Fliegenpapierquot; aus Quassiahol/ fabrieirt wird, Endlich können durch grosse Dosen des Bitterholzes beim Menschen und den kleineren Haustbieren sogar Vergiftungserscheinungen hervor­gerufen werden (Betäubung, Atbmungs- und Herzläbmung).
Anwendung und Dosis = Radix (lentianae. In Oestor-reich ist ausser dem Lignum Quassiae auch noch das Extractum Quassiae ofticinell.
Radix Colombo. Columbowurzel.
Stammpflanze: .lateorrhiza Oalumba. Kami lie: Meiiisjierinei'ii.
Pharmakognosie. Die Columhowurzel (Oalumha-wurzel, Radix Calumbae) wird von einem Kletterstrauclie Ostindiens (Columbo auf Ceylon, Malabarküste gegenüber von Ceylon) und der ostafrikanischen Küstenländer gewonnen. Sie ist charakterisirt durch kreisrunde, grünlich- bis bräunlichgelbe Quersoheiben (5 cm im Durohmesser, 2 cm dick) von markig-mehliger (Kon­sistenz und stark bitterem Geschmacke. Die V8 cni breite, von einem runzeligen, braungrünen Korke bedeckte Rinde wird durch eine dunkle Oambiumzone vom ('entrinn abgegrenzt. Mit Jod-tinetur bläut sich die Wurzel in Folge ihres Stärkmehlgehaltes (zum Unterschiede von der amerikanischen, stärkmehlfreien, da­gegen tanninhaltigen Columhowurzel). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Die Kauptbestandtheile sind das bittere Glykosid: Columbin (Cohunbobitter), ein auch in anderen Pflanzen, z. B. den Berberideen vorkommendes Alkaloid B e r b er in, die 0 o 1 u m b o s ä u r e, sowie Stärkmehl. Dagegen enthält die offioinelle Wurzel keine Gerb­säure.
Wirkung, Anwendung und Dosis #9632; Radix Gentianae.
Die Oolumbowurzel ist ein sehr geschätztes Bittermittel, das sich namentlich zu längerem Gebrauche und bei gleichzeitigem Durchfalle, sowie gegen Erbrecben eignet,
I
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;{9()nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Liehen Tslaudicus.
Becepte.
1)nbsp; nbsp;Kigt;. Ducooti Rad. Colombo 10,0 : 150,0.
Tinct. Opii spl. 5,0. Gumuii arab. 10,0. M. 1). S. 3stundlicli 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Diarrböf.
2)nbsp; Rp. I'ulv. Rad. Oolorabo 10,0.
l'ulv. Rad. Rhoi -2.0. INI. 1). tal. Dos. Nr. V. S. Sstündlioh 1 Pulver mit '/i 1 Oamillentheo für ein Kalb mit Diarrhöe.
Liehen Isliindinis. Isländisches Moos.
Stammpflanze: Oetraria Islandioa.
Familie: biehenes.
Pharmakognosie. Das isländische Moos ist eine auf den mittel­europäischen Q-ebirgen sowie in den nordischen Ebenen massenhaft wachsende Flechte, deren ganzes Trieblager gesammelt wird. Das Moos hat eine knorpelige Bescbaft'enbeit und bildet eine liand-grosse, Y9 cni dicke, blattartige Fläche, welche in breitere und schmälere, bald krause, bald rinnig gebogene, gabelige Lappen ge­spalten ist. Die kahle Oberfläche ist bräunlichgrün oder kasta­nienbraun gefleckt, am Grunde blutrotb angelaufen, die ünter-flächo bellfarbig. Eine Abkochung der Flechte mit Wasser (1:20) bildet beim Erkalten eine steife, bittere Gallerte (Gelatina Licbenis Islandici, officinell).
Hauptbestandtbeile sind das bittere Cetrarin (Oetrarsäure) von der Formel C]sH,(;01(,, welches in der Rinde sitzt, und das Licbenin (Moosstärke), ein Jod nicht bläuendes, cclluloseälmliches Kohlehydrat (700|o). Daneben enthält das Moos Jod bläuendes Dextro-liohenin (10 0/o). A.P. 100,0 = 80 Pfennig.
Entzieht man dem isländischen Moose durch Maceriren mit Pott­asche das Cetrarin, so bekommt man das weitere Präparat: Liehen Islandicus ab amaritie liberatus.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix (xentianae.
Radix Taraxad CUIU licrba. Löwenzahn.
S t a m rn in j] f'l a n ze : 'raraxaenm offloinale. Familie: Oompositen.
Pharmakognosie. Der Löwenzahn ist ein bekanntes Wiesen­kraut mit fingerhohen Schäften (..Pl'aflfenröhrcbenquot;) und Köpfchen
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Cortex Cascurillai;.
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gelber Zungeubliithen; die Wurzel ist braun, fleiscbig, trocken brüchig, unverzweigt und besitzt im frischen Zustande einen bläulicb-weissen, bitteren Milchsaft; die Blätter sind scbrotsiigozäbnig-flederspaltig. Der Hauptbestandtheil des Löwenzahns (im Frühling vor der Bliithe gesammelt) ist der Bitterstoii'Taraxadn; ausserdem ent­hält er besonders im Herbste Inulin und Lovulin (Kohlenhydrate) sowie Zucker. A.J^. 100,0 = 40 Pfennig. Das Extractum Taraxaci ist ein braunes, dickes Extract, durch Maceration des getrockneten, im Frühling gesammelten Löwenzahnkrautes dargestellt. A.P. 10,0 = 40 Pfennig. Pillenconstituens.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Radix Grentianae.
Cortex Cascarillae. Kaskarilliinde.
Stammpflanzo: Croton Eluteria. Farn i 1 i c : Euphorbiaccoii.
Pharmakogiiosie. Die Kaskarillenrinde stammt von einem strauchartigen Büumcben Westindiens (Baluuuainseln). Sie bildet harte Röhren von 10 cm Länge und 1 cm Durchmesser, welche mit einer weisslichgrauen, dünnen Korkschichte bedeckt sind; auch in 1—2 mm dicken Rinnen kommt die Rinde vor. Der Bruch der Kaskarillrinde ist hornartig, ölglänzend, kurz. Grcruch und Geschmack sind bitter aromatisch. A.P. 100,0 = 70 Pfennig. Bestandtheile sind das Cascarillin, ein bitteres GHykosid von der Formel C^H^O^. ferner ätherisches Gel (0,5 n/n) und Harz.
Extractum Cascarillae, ein dunkelbraunes, dickes Extract, wird durch Digeriren und Eindampfen des wässerigen Auszugs dargestellt. A.P. 1,0 = 15 Pfennig. Pillenconstituens.
Wirkgt;ing, Anwendung und Dosis = Radix Grentianae.
Cortex Condnrango. Condiiraiigorinde.
Slammpflanze: Gtanolobtu OondurangOi Fatnilio: Asklejiiadocn.
Pharmakognosie. Die Condurangorinde stammt von einem Schlingstrauclie der südamerikanischen Oordilleren (Ecuador). Sie stellt rinnenförmige Stücke oder verbogene Röhren von 10 cm Länge mit braungrauer, etwas höckeriger und längsrunzeliger Ober-
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;{92nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Cortex OondurangOi
Häclie und hellgrauer Innenfläohe dar. Der Bruch ist grob­körnig, aussen bastfaserig. Die Binde lässt sicli leicht schneiden. Der Geschmack ist bitterlich, schwach kratzend. Die Rinde ent­hält mehrere stark giftige Glykoside (Oomlurangin) und ein Harz. A.P. 10,0 == 10 Pfennig. Officinelle Präparate sind ferner das Ex-tractum Condurango fluidum und Viuum Condurango; letzterer wird durch Maceration fein zerschnittener Condurangorinde mit Xeres-Wein (1 : 10) dargestellt.
Wirkung und Anwendung. Die Condurangorinde ist ein Sto-maohioum amarum, welclics ausserdem ein Specificum gegen Magenkrebs sein soll. Man verschreibt sie beim Menschen ge-WÖhnlich in der Form des Macerationsdecoctes: Rj). Cort. Condu­rango 15,0 macera per horas Xl! cum Aquae destill. 860,0; coque ad remanentiam 180,0. Cola. 1). S. 8maJ täglich einen Esslöffel. Dieses Recept eignet sich in der Dosis auch für Hunde und Katzen (letzteren theelöffelweise); der Condurangowein wird ebenso dosirt.
Das Co nd ii rang in, welches beim Erwärmen'seiner wässerigen Lösung eigentbümlichcr Weise wie Eiweiss gerinnt, erzeugt bei Ver-suchsthieren ataktischen Gang, grosse Unruhe sowie klonische Krämpfe mit consecutiver Lähmung. Die Todesdosis beträgt für Fleischfresser 0,02 pro Kilo Körpergewicht, bei Pflanzenfressern ist sie Bmal grosser.
f Glandulae Lupuli. Hopfendrüsen. Die Hopfendrüsen (Hopfenmehl,
Lupulin) werden von den Hopfenblütlinii (früher ofücinoll als Strobuli Lupuli), an deren innerem Grunde sie als feine, grüngelbe Drüschen sitzen. durch Absieben getrennt (Ausbeute 100/n). In Oesterreich officinell. Das Hopfenmehl oder Lupulin besteht aus mikroskopisch kleinen, halb­kugeligen, kreiselförmigen, von unten eingestülpten Drüsen, welche in frischem Zustande goldgelb und später bräunlichgelb und selbst rothbraun werden, (Aus diesem Grunde sollen sie vor Licht geschützt und nicht über ein Jahr aufbewahrt werden.) Der Geruch ist angenehm aromatisch, der Geschmack bitter. Aeltere Präparate riechen käse­artig wegen der Zersetzung des Valerols zu Baldriansäure. Die beim Ver­brennen zurückbleibende Asche soll weniger als 10 quot;/o betragen. Mit Aether ausgezogen sollen nicht über 30% Rückstand bleiben (Prüfung auf bei­gemischten Sand, Schwefel, Lykopodium, Colophonium etc.). A.P. 10,0 = 15 Pfennig. H a u p t b e s t a n d t h e i 1 e sind die bittere Lupulinsäure (Hopfen-bittersäure, Lupulit) und das ätherische Hopfenöl (Valerol); ausserdem enthalten die Drüsen Harz und Wachs.
Die Hopfendrüsen wirken in erster Linie verdauungsbessernd (Stomachicum amarum). Ausserdem hat die Lupulinsäure, direkt ins Blut gespritzt, eine L ä h m u n g der C e n t r e n des verlängerten Markes
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Olaudulas Lupulii Herba Millet'olli
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zur Folge; vom Magen aus ist sie dagegen fast unwirksam. Die früher be­hauptete hypnotische Wirkung des Hopfenmelils (Hoppeln = Morphin!) be­stellt nicht.
Zweifelhaft ist die diuretisohe, antisp as modische und ant-aphrodisiren de (sedative) Wirkung. Anwendung und Dosis = Radix G e n t i a n a e.
t Herba Millefolii, Schafgarben kraut, von Achillea Millefolium, einer Composite, ist eine bekannte einheimische, krautartige Pflanze mit graubehaarten, doppeltfiederspaltigen Stengelblättern und bittersalzigem Ge-schmacke. Sie enthillt ein bitteres Glykosid: Achille'in, Achilleasäure, Gerbsäure, Harz und ätherisches Oel (in Oestcrreieh officinell). Die Schaf­garben sind ein altes, in Deutschland nicht mehr officinelles Volksmittel, welches namentlich bei den Wiederkäuern (Schaf, Bind) als Stomachicum amarum gegen Indigestionen in denselben Dosen wie die Enzianwurzel angewandt wird. A.l'. 10O.() = 40 Pfennig.
t Herba Polygalae, Kreuzblumenkraut, von I'olygala amara, einer Polygalee. Enthält einen Bitterstoff und wurde früher als Amarum und Expectorans angewand. A.l'. 100,0 = 65 Pfennig.
t Fei Tauri, Och sengalle, wurde früher wegen ihres bitteren Ge­schmackes als Stomachicum angewandt, ün z weckmässiges , die Ver­dauung störendes, pepsinfällendes Mittel. Früher waren nicht weniger als vier Präparate im Gebrauche: Fei tauri recens, depuratum, sicoum und
inspissatum.
f Berberis aquifolium, eine nordamerikanische Berberidee (Californien). ist ein neues Amarum, welches Berberin, Mabonin and Oxyaoanthin enthält und als Extractum tluidum (2—5,0) und spissum (0,1—0,4) beim Menschen als Stomachicum, Tonieum, gegen Syphilis, Skrophulose etc. an­gewandt wird.
f Cortex Angosturae, Angosturarinde, stammt von Oasparia tri-foliata, einer Rutacee Columbions, am Orinoko etc. Sie bildet flache, rinnen-förmige, bis 20 cm lange und 5 cm breite, sowie 1—#9632;quot;! mm dicke Stücke mit blassem, kleienartigem Korke, der sich leicht abreiben lässt. Aussen ist die Kinde ockergelb, innen röthlich braungelb. Der Geruch ist wider­lich aromatisch, der Geschmack angenehm bitter, beissend-gewürzhaft. Die Rinde enthält das Alkaloid Angosturin, ferner Caspar in und ätheri­sches Oel (2 quot;'(i). Sie wird beim Menschen in verschiedenen Zubereitungs­formen als Stomachicum amarum verwendet (Pulver. Latwerge, Decoct, Fnfüs, Syrup, Tinetur, Liqueur).
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AI k alien und S il u v e 11.
Natrium ohloratum. Kochsal/.
Nil 01.
Pharmaceutische Chemie. Das Kochsalz kommt in der IMatur in grosser Menge und Ausbreitung vor und zwar grösstentheils als Steinsalz oder als Seesalü.
Das Steinsalz (Sal gemmae) wird in mächtigen Lagern unter der Erde angetroffen, welche offenbar durch Austrocknen von Salzseen entstanden sind (Stassfurth, Hall, Horclitesgaden, Erfurt, Wieliczkau.a.). Es besteht nahezu aus reinem Clilornatrium (99deg;/raquo;); daneben finden sich kleinere Mengen von Oaloiumsulfat, Calciumcarbonat, Oblorcalcium, Chlorkalium, Cblormagnesium etc. .Durch Auflösen des Steinsalzes in Wasser und Eindampfen oder durch Eindampfen der natürlich vor­kommenden Salzwässer (Soolen) wird das gewöhnliche Kochsalz (Sal culinare, Sal commune, Natrium ohloratum orudum) dargestellt. Sehr dünne Soolen müssen vor dem Eindampfen durch „Gradirenquot;, d. li. durch eine feine, regenartige Yertheilung der Soole in sog. Q-radirwerken, wobei dieselbe aus der Höhe über Uormvände, Leinwanddächer etc. unter starkem Luftzug im Sommer herabrioselt, concentrirter gemacht werden.
Das Seesalz findet sieh im Meerwasser zu 2,4—2,80/o. Es enthält stets Chlormagncsium, Magnesiumsulfat und (Jalciumsulfat. Man stellt es aus dem Meerwasser durch Grefrierenlassen desselben im Norden, oder durch freiwilliges Verdunsten in Becken dar, welche zur Flutzeit gefüllt werden (Südwestfrankroich, Portugal). — Ausser-dem ist Oblomatrium enthalten in allen pflanzlichen und thie-risehen Organismen.
Das officinelle Clilornatrium wird durch Reinigung des ge­wöhnlichen Kochsalzes dargestellt (Auflösen in Wasser, Ausfällen
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Kochsalz.
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des Calciums und Magnesiums durch kohlensaures Natron), Es bildet woisse, würfelförmige Krystalle oder ein krystallinisohes Pulver
von salzigem Geschmacke, welche sich in 2,7 Theilen AVasser lösen. Ohemisoh ist Ohlornatrium durch die G-elbfärbung der Flamme (Natriumreaktion) und den woissen, käsigen, in Ammoniak löslichen Niederschlag mit Silbernitrat (Chlorreaktion) zu erkennen. Das beim Erhitzen des Chlornatriums entstehende Knistern rührt nicht von Krystallwasser, sondern von eingeschlossener Mutterlauge her. Viehsalz ist denaturisirtes Kochsalz (Beimisclmng von Russ, Kohle. I'echglanz, Wermuth etc.) A.P. Natrium chloratum 10,0 = 5 Pfennig; Natrium chloratum crudum 100,0 = 5 Pfennig.
Physiologische Bedeutung und Wirkung. 1) Das Kochsalz gehört zu den wichtigsten plastischen Mitteln: es ist ein sehr noth-wendiger, absolut unentbehrlicher Nährstoff für den Körper, in wel­chem es sowohl in den Flüssigkeiten, als auch in den Geweben und Organen überall vorkommt. Den grössten Kochsalzgehalt besitzt das Blut, und zwar das Blutplasma; derselbe beträgt nämlich 570/o sämmtlicher Blutsal/.e. Der Kochsalzgehalt des Blutes ist constant, er ändert sich auch nach längerer Kochsalzeutziehung nicht, wie Ver­suche von Kemmerich zeigen, welcher einem Kunde 17 Tage lang alles Ghlornatrium entzog.
2) Ein Zusatz von Kochsalz zur Nahrung bessert in Folge Steigerung des Stoffwechsels die ErniihrungsVerhältnisse. So heohachtete Boussingault hei Ü jungen Stieren, welche eine täg­liche Zulage von 34 g Kochsalz zur Nahrung erhielten, im Gegen­satze zu ;! anderen nach 13 Monaten ein besseres Aussehen, glatteres Haarkleid, weichere Haut, grosscre Munterkeit und stärkeren Ge­schlechtstrieb. Diese Stoffwechselsteigerung resull irt aus einer B e-schleunigung des Diffusionsstromes zwischen Blut und Gewebs­zellen, sowie auf einer nutritiven Heizung aller Körperzellen durch das Kochsalz, vorwiegend der Drüsen- und Muskelzellen. Da­durch wird die Leistungsfähigkeit aller Organe, namentlich auch der Körpermuskulatur, erhöht.
8) Kleine Gaben von Kochsalz erregen Appetit und Durst und bessern die Verdauung. Insbesondere für die Pflanzenfresser ist Kochsalz das werthvollste aller Gewürze. Es vermehrt die Se­cretion der Speicheldrüsen, der Magen- und Darmdrüsen, befördert die Peptonbildung, regt die Peristaltik an und steigert durch seinen Gehalt an Chlor die Bilduns der Salzsäure.
1
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:)•)(;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kochsalz.
Sehr grosse Koohsalzgaben bewii'ken starke Reizung derMagen-sohleimliaut und Gastroenteritis,
I) Das Kochsalz wirkt gährungs- und fäulnisswidrig. Es verhindert und bekämpft abnorme Gährungsprocesse im Magen und Darm, und sclnitzt thicrische Organe (Fleisch etc.) vor FäuhÜSS (Ein-pöokeln). Ausserdem vernichtet es Infeotionsstoffe, Diiraquo; desinfleirende Wirkung des Kochsalzes ist indessen nach den Versuchen von Förster eine sehr ungleiche und im Allgemeinen schwache. Die Oholerabacillen gehen zwar beim Bestreuen ihrer Oulturen mit Kochsalz sehr bald zu (laquo;runde. Dagegen bleiben trotz der Einwirkung gesättigter Kochsalzlösungen Typhushacilleu, pyogene Sta.phylokokken, Strepto­kokken des Erysipels, die Baoterien des Sohweinerothlaufs u. s, w, Wochen und Monate am Leben. Tuherkelbacillen in Oulturen bleiben sogar 2 Monate lang entwicklungsfähig. Tuberkulöse Organstücke, welche fein zerhackt 18 Tage lang in Salzlacke gelegen hatten, er­wiesen sich trotzdem bei der Impfung noch int'ectiös. Milzbrand-baciUen gehen in etwa 18—24 Stunden zu Griinde; Sporen enthal­tende Milzbrandculturen dagegen erweisen sich trotz der Behandlung mit Kochsalz noch nach Monaten virulent. Das' Einsalzen des Kleisches von kranken Thiercn hietot demnach keineswegs einen sicheren Schutz gegen die Ansteckung resp. Weiter­verbreitung infectiöser Krankheiten, wie dies bisher irrthüm-licher Weise angenommen worden ist. Auch Trichinen sterben erst nach mehrwöchentlichem Einpöckeln, ebenso werden Pinnen erst nach gründlichem Durchpöckeln getödtet.
5) Es wirkt vermöge seiner grossen Diffusionsfälligkeit schleim­lösend und dieSchleimsecretion anregend bei chronischen Magen-, Darm-, Bronchial-, Kehlkopf-, Uterus-, Blasenkatarrhen etc. Ausserdem befördert es die Neubildung von Epithel bei Katarrhen. Magengeschwüren etc.
(gt;) Es führt feste entzündliche Exsudate in den Körper­höhlen, in der Lunge, in den Nieren, in der Leber etc. vermöge seiner hohen Diffusionskraft in Lösung über.
7) Es vermehrt die Harnabsonderung. Diese diuretische Wirkung erklärt sich zum Theil aus dem gesteigerten Durste, zum Tlieil aus einer direkten Heizung der Nierenzellen. Dabei macht es bei längerer Verabreichung oder nach grösseren Dosen den sauren Pleischfresserharn alkalisch, wie dies experimentell an Hunden nach­gewiesen worden ist. Gleichzeitig wird die Harnstoffanssoheidung erhöh t.
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Kochsalz.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 397
8)nbsp; Aeusserlich roizt das Kochsalz in Bädern, oonoentrlrten Lösungen und flüssigen Einreibungen die sensiblen Hautnerven und ruft dadurch die bekannten Innerlioben Wirkungen äusserer Haut­reize (Stoffweohselsteigerung, Aenderung der Blutrertbeilung, Beein-
Hussung des Nervensystems etc.) hervor.
Anwendung. 1) Als Diätetioum und Plastioum bei allen chronischen Ernährungsstörungen. Anämie. Leoksuoht, Bleichsucht der Scbafo u. s. w.
2)nbsp; nbsp;Als Stomachicum hei acuten und chronischen Magen-Darm­katarrhen namentlich der Pflanzenfresser.
3)nbsp; Als antikatarrhalisches. schleimlösendes Mittel bei chro­nischen Magen-, Darm-, Kehlkopf-. Bronchial-. Lungen-. Uterus-. Blasenkatarrhen etc.
4)nbsp; nbsp;Als Resolvens zur Auflösung geronnener Exsudate in den Körperhöhlen und inneren ()rganen.
quot;)) Als Diuretic,um hei wassersüchtigen Zuständen, Nieren-krankheiten, Blasenleiden, sauren Harnconcrementen (Uratsteine).
(3) Als Stoffwechsel anregendes Mittel hei allen Erschlaf-fungszuständen, [,1ottsu(;lit etc.
7) Als Antidot gegen Höllensteinvergiftung; äusserlich zum Ausfällen vom überschüssiger Höllensteinlösung im Lidsacke nach dem öebrauohe derselben.
5)nbsp; nbsp;Früher als Anthelminthicum zur Unterstützung der Cur. Nach Perroncito und Ercolani soll ein Zusatz von 0,60/o Kochsalz yAim Trinkwasser die Cerkarien (l)istomatose) in demselben tödten.
9)nbsp; Als Brechmittel für Hunde und Katzen (2 — 10.0). wenn kein anderes zur Hand ist.
10)nbsp; Als Hämostaticum bei innerlichen Blutungen, namentlich Lungenblutungen (Hunden 2—3 Theelöffel). Die Wirkung erklärt man sich aus einer reflectorischen (Jefässverengung. ausgelöst durch die starke Reizung der Magenschleimhaut.
11)nbsp; nbsp; Aeusserlich als antikatarrhalisches Mittel zu In­halationen hei Nasen-, Kehlkopf- und Bronchialkatarrhen, zu Ein­spritzungen bei Conjunctivitis, Stomatitis, Vaginitis, Endometritis, Cystitis etc.
12)nbsp; Aeusserlich als hautreizendes Mittel in Form reizender Einreibungen (concentrirte Lösungen. Bestandtheil sogenannter llesti-tutionstluide), zu reizenden Klystieren. suhcutan in concentrirten Lösungen als entzündungserregendes Mittel in der Um-
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Koulisalz.
gebung von Hernien, sowie gegen veraltete Lahmheiten (Bug-lalimlieit).
13)nbsp; nbsp;Als Conservirungsmittel thierischer Organe sowie zur Desinf'ection des Fleisches, der Häute etc. (Einpöokeln). Sehr scliwaches Antisepticuui.
14)nbsp; nbsp;Zu Kältemischungen, am besten in Verbindung mit Eis, Salpeter, Glaubersalz etc.
Dosis und Form. Am bäufigsten wird das Koohsalz den grösseren Hausthieren mit dem Futter gereicht, entweder allein oder mit anderen gewiirzhal'ten resp. salinisclien Älitteln. Kleineren Haus­thieren gibt man es in Lösung. Für alle Fälle genügt bei den Haus­thieren das gewöhnliche Kochsalz (Natrium ohloratum crudum, Sal culinare, Sal commune)-, das oftt'cmelle Natrium ohloratum ist für die Zwecke der Thierheilkunde viel zu thouer. Die Dosis beträgt für
Rinder 50—100,0.
Pferde 25—50,0.
Schafe, Ziegen 10—25,0.
Schweine 5—10,0.
Hunde 1—2,0.
Katzen und Q-eflügel 0.5—1,0.
Kecepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Natrii ohiorat. orud. 260,0.
Pulv. Kniet. Oarvi 50,0. M. D. S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit Magenkatarrh.
2)nbsp; nbsp;Rp. Natrii chlorati ermli #9632;_,50,0.
Kalii bioarbonioi 100,0. Fern pnlverati 10,0. M. I). S. Auf jedes Futter 1 Esslöffel für ein Pferd mit elirouisoher Kniäliruuifsstörung.
3)nbsp; nbsp;lt|). Sal. oulinar. 500,0.
Stibii sulfur, nigr. 100,0. Pulv. Sem. Foenngraeci Pulv. Rad. Diquirit. ää 50,0. M. I). S. Auf jedes Kutter l Esslöffel für ein Pferd mit Bronohialkatarrh.
4)nbsp; nbsp;Rp. Sal. oulinar. 100,0.
Natrii sulfuriei 250,0. M. D. S. Mit 1 Klasehe Leinsamenabkoohung einzugeben für ein Kind mit Indigestion.
5)nbsp; Kp. Natrii chlorati 5,0.
Aqu. destill. 250.0. M. D. S. Zinn hdialireu für Hunde.
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Soda.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;;J99'
6)nbsp; nbsp;lip. Natrii laquo;hlorati 2,0.
Aqu. dostill. 100,0. M. D. S. Augcnwasser.
7)nbsp; nbsp;Rp, Natrii chlorati crudi
Spirit, camphor, ää 50,0. Tiuctur. Arnioae 100,0. Aqu. destill. 800,0. M, D. S. Uestitutionsfluid für Pferde.
8)nbsp; Up. Sal. culimr. 100,0.
Aceti 500,0. M. Ü. S. In 1 Stalloimer Wasser gelöst zum Ausspritzen der INIaul-liöhle für ein Pferd mit Stomatitis.
Natrium curboiiicimi. Soda.
Na.jCü;, f IOH.jO.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Natrium ist in Deutschland in 8 Formen officinell:
1) Natrium cartonicum crudum (Soda. Rohsoda, Sal Sodae, rohes kohlensaures Natron). Die Rohsoda kann auf verschie­dene Weise dargestellt werden:
a.nbsp; nbsp;Nach dem Lehlanc'schcn Verfahren aus Kochsalz und Schwefelsäure. Hierbei wird zunächst schwefelsaures Natron gebildet, welches mit Kohle und kohlensaurem Kalke geglüht die Rohsoda lie­fert. Die rohe Masse wird ausgelaugt, die Lauge eingedampft und das Sodasalz „ausgesoggtquot;, indem die an der Oberfläche der Lauge entstehende Salzbaut abgenommen wird. Die ausgesoggte Soda wird sodann massig geglüht = calcinirtc Soda.
T. 2 CINa -f- S(),lH2 = SO.Na,, ( 2 CiH. 11. S01Na2 2 C = SNa.( 2CO,,. ill. 8Na8 -OaO()„ = Na/JO-|-CaS.
b.nbsp; nbsp;Nach dem Solvay'schen Aiumoniaksoda verfahren, wobei Kochsalz durch Kohlensäure und Ammoniak in Natriumbicarbonat umgewandelt und letzteres durch Erhitzen in Natriumcarbouat (Soda) übergeführt wird:
T. NaOl CO., NH8 H90 = C08HNa-1 NH,C1. 11. 2 COgKNa = lt;!();,Na,, 0O8 4- H80.
C. Aus ivryolith durch Schmelzen mit Aetzkalk und Beban-cleln mit Kohlensäure (Grönland und Island):
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400nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Sodil-
I,nbsp; (AI,V\,-|- ö NaPl) 0CaO = NapAlgC)„ Ö OaFl,
Kryolithnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Aetzkalknbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;aiuminatnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;FlUOroalolum,
II,nbsp; nbsp;Xa^AU)„ 3 00, 8HjO = 8 Nii.CH)., Al^OH),,.
(1. Aus dor Asche von Strandraquo; und Seepflanzen, wenn die-selben auf stark kochsalzbaltigein Moden aufgewachsen sind: Salsola-, Salicornia-, (Mienopodiuin-, Fucus-Arten u. a. (atlantische Küsten Europas, am Mittelmeer, Salzsteppen Syriens und Mittelasiens). Die Asche der genannten Pflanzen enthält 5—300/o Soda, und wii'd oin-fach ausgelaugt. Frühere Handelssorten waren: die Varecsoda (Frankreich), Kelpsoda(Schottland), Barilla-, Alicante-, Malaga­soda (Spanien).
e.nbsp; nbsp;Aus der natürlich vorkommenden Soda (durch Austrock­nung von Natronseen oder durch Auswitterung in regenarmen Gegen­den entstanden)5 hierher gehört die Szeksoda (Szegedin), die Trona-soda(\Vadi Natrun hei Kairo), die Uraosoda (Mexiko) und dieCooll-pasoda (Catainarka in Argentinien) u. a.
f.nbsp; nbsp;Endlich ist Soda ein Bestandtheil vieler Mineralwässer. Die Bohsoda hildet grosse, farblose Krystalle oder krystal-
linische an der Luft verwitternde Massen von stark alkalischer Reaktion und scharfem, laugenartigem (leschmacke, welche mit Säuren stark aufbrausen und die Flamme gelb färben. An der Luft verwittert sie; sie löst sich in 3 Theilen quot;Wasser. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
2)nbsp; Natrium carbonicum depuratum (reines kohlensaures Na­tron, gereinigte Soda), wird dargestellt durch Umkrystallisiren der rohen Soda. Dasselbe hildet farblose, durchscheinende, au der Luft verwitternde und daher weiss bestäubte Krystalle von scharf laugenhaftem Oeschmacke und stark alkalischer Reaktion, mit Säuren aufbrausend, die Flamme gelb färbend, in 1,6 Theilen kaltem und 0,2 Theilen siedendem Wasser löslich. Es enthält ();ino Ivrystallvvasser und gibt im (legensatze zum Natrium hicarbonicum mit Sublimatlösung einen rothen Nie­derschlag (HgO). Es soll frei sein von Metallen (Kupfer, Blei, Eisen), Schwefelsäure und (Jhlornatrium. A.B. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; Natrium carbonicum siecum (Natr. carl), dilapsum, ent­wässerte Soda) wird durch Verwitterung der reinen Soda bei 25deg; und Trocknen bei 50deg; dargestellt. Es ist Soda minus 8 Mol. Krystallwasser und hat die Formel 0O8NaB4-2H2O. Es bildet ein weiss es, feines, hygroskopisches Pulver mit den Eigen­schaften der reinen Soda. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
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Natrium oarbonioaitii
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Natrium bicarbonicum, doppeltkohlensaures Natrium, C03HNa. Darstellung! 1) Nach dem Solvay'sehen Aiiimoniaksodaverfaiiren: NaOl 00, -f NH3 -) H.jO = 008HNa -|- NH.,01.
2) Durch Einleitmi von Kohlensäure in Sodalösung; OOsNa, CO? -f HjO = 200:iIINa.
Eigonschafton; Daraquo; Natriumliicarhoiiut bildet weisse, luftbestiin-dige Krystal Ikrusten oder ein weisses krystallinisdies Pulver von schwach 1 au g enh ait em 0 eschmacke und schwacher alkalischer Reaktion, welche mit Säuren aufbrausen und beim Erhitzen Kohlen­säure abgeben (Uebergang in Soda). Die Flamme wird gelb gefärbt. Mit Sublimat gibt es einen weissen Niederschlag (keinen rothen wie Soda). Es löst sich in 12 Theilen Wasser, nicht in Weingeist.
Es soll frei sein von Kaliumsul/.en (Blaufärbung der Flamme), von Ammoniak (Animoninkentwicklung beim Erwärmen mit Soda), von Ohlor-natrium (Niederschlag mit Silbernitrat), von Metallen (Niederschlag mit Schwofelwasserstoff). von Schwefelsäure (Niederschlag mit Baryumnitrat), von Natriumoarbonat (sofortiger rother Niederschlag mit Sublimat). A.P. 100,0 = SO Pfennig. D.P. 1 Kilo = 80 Pfennig. Das rohe, zum Peinigen benutzte Natriumbicarbonat ist auch bekannt unter dem Namen Bullrich-sches Salz.
Wirkung und Anwendung des Natrium carbonicum. 1) Die Soda wirkt auf Haut und Schleimhäuten in verdünntem Zustande reinigend, die Fette verseifend, den Schleim lösend, in con-centrirter Lösung dagegen ätzend, indem sie die Epithelzellen auf­löst (Dermatitis, Gastroenteritis etc.). 2) Innerlich neutralisirt das Natriumcarbonat die Magensäuren, indem es hierbei tbeilweise zu Ohlomatrium umgewandelt wird. Das übrige kohlensaure Natrium geht im Blute über in doppeltkohlensaures Natrium; seine innere Wirkung ist daher auch identisch mit derjenigen des Na­trium bicarbonicum. 3) Rändemilben werden durch concentrirte Sodalösungen getödtet, weil ihr Ohitinpanzer dadurch aufgelöst wird. 4) Die antiseptisclie Wirkung der Soda ist eine schwache. Nach Jäger wirken zwar Sodalösuugen immerhin desinficirend, und zwar in starken Concentrationen namentlich gegenüber sporenfreien Bacillen, Dagegen ist die Soda den Bacillensporen gegenüber durchaus nicht gewachsen und ist auch zur Vernichtung der Kokken nicht hinreichend zuverlässig.
Die Anwendung der Soda ist meist eine äusserliclie. Sie wird äusserlloh als H au t rein igungsnüttel. zum Aufweichen von Krusten, Schuppen und Rändeborken, als Reizmittel für chro­nische Ekzeme, als zertbeilendes, auflösendes Mittel gegen Epi-dermiswuoherungen und chronische Hautentzündungen, sowie als direktes und indirektes Räudemittel in Form von Bädern, Waschungen und Salben angewandt. Innerlich wird statt der Soda wegen ihrer
Frtthner, ArznoimittnllHn-e. 3. Ann.
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402nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium bioarbonioum.
stiirlv f'oizcndon Wirkung last iillgemein dus Natrium bioarbonicum vonibroicht; vurgl. dieses. Nur'bei Vergiftungen mit Säuren ist die Soda wegen ihrer stärkeren Alkalescenz vorzuziehen.
Wirkung und Anwendung des Natrium bicarbonicum. 1) Das doppeltkohlensaure Natrium ist wie das Kochsalz ein sehr wirksames
Stomaohloum bei allen Magenleiden. Es steigert die Thätigkeit des gesammten Digestionsapparates: es vermehrt die Secretion des Magensaftes, des Pankreassaftes, der Gralle, des Darmsaftes, in Folge einer direkten Erregung der secernirenden Drüsenzellen, be­schleunigt die Peptonisirung des Eiweisses und verstärkt die peri-staltisohen Bewegungen der Wandungen des Verdauungskanales. Der Erhöhung der digestiven Arbeitsthätigkeit geht eine Steigerung der Innentemperatur parallel; 1 g Natriumbicarbonat in den Magen eines Hundes gebracht, erhöht dessen Körpertemperatur um einen Grad.
2)nbsp; Es wirkt als mildes Antaeiduin bei abnormer Säuerung des Magens in Eolge von Glährungs- und Zersetzungsvorgängen im Magen­inhalte. (Bildung von Chlornatrium, milchsaurem, essigsaurem, butter­saurem Natrium.) in solchen Fällen ist es daher auch unter Um­ständen ein Antemoticuin und Stypticum bei (lährungsdiarrhöen. Ebenso kann es als Antidot gegen Säurevergiftungen ange­wandt werden.
3)nbsp; nbsp;Es wirkt s to fl'w ech selanregend . vermehrt die Earn-stofFausscheidung und vermindert die Barnsäureproduction; Anwendung gegen Fettsucht und Gricht.
4)nbsp; nbsp;Es ist ein antikatarrhalisches, schleimvertlüssigendes Mittel, namentlich bei chronischen Katarrhen des Magens und Darmes, der Luftwege, Harnwege, Gallengänge (Cholelithiasis) und Genitalien.
•quot;)) Wie das Kochsalz wirkt es resorbirend auf geronnene. I'ibriuüse Exsudate der Pleura, des Peritoneum, der Lunge etc.
6)nbsp; nbsp;Es ist ein Diureticum, welches den sauren Harn der Fleischfresser ausserdem alkalisch macht und daher bei Nieren­krankheiten und Hamsedimenten im Nierenbecken, in der Blase etc. angewendet wird.
7)nbsp; nbsp;Es steigert, die Milchsecretion und erhöht den Alkali­gehalt derselben, weshalb es nicht nur gegen Milchmangel im Allgemeinen, sondern auch gegen abnorme Säuerung der Milch (sogenannte; schlickerige Milch) angewandt wird.
8)nbsp; nbsp;Kndlich wird Natrium bicarbonicum gegen Diabetes mel-
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Kulinni caHionicuin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4(j;{
litus empfohlen; der Diabetesstioh soll nämlich nach Pavy keine Q-lykosurie mehr erzeugen, wenn vor der Operation Soda ins Blut gespritzt wurde. (Veränderte Stoifwecliselverliiiltnisse.)
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium bioarbouioam. Natrium oarbonioum,
Rind......nbsp; nbsp; 50-100,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10—20,0
Pferd......nbsp; nbsp; 25— 50,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5—10,0
Schaf, Ziege . . .nbsp; nbsp; nbsp; 5— 10,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2— 5,0
Schwein ....nbsp; nbsp; nbsp; 2— 5.0 1__ 20
Hund......nbsp; nbsp;0,5- 2,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,2— 0,5
Katze und Geflügelnbsp; nbsp;0,2— 1,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1— 0.2
Recepte,
1) lt|i. Xatn'i bioarbonioi
Natrii ohlorati orudi iTä 100,0. I'nlv. Kniet. .Iiiiii|i. 50,0. M. Iraquo;. S. Auf jedes Futter 1 Jässlöffel voll für ein Pferd mit Magenkatarrh. '2) Hp. Natrii bicarbon.
Pulv. Kniet. Poenionl. äTi 100,0. M. D. S. Mit 1 Plasohe Leinsamenabkoohung für eine Kuli mit eohlioke-riger Milch.
3)nbsp; Bp, Natrii bioarbon. 20,0.
I'nlv. Rad, Ethei 5,0. M. D. s. Auf 2mal mit je 1 Tasse Kamillenthee einzugeben für ein Kalb mit Indigestion.
4)nbsp; Rp. Natrii bioarbon.
Saoohari Ijaotis irä 0,5. M. Igt;. tal. dos. Nr. VI. S. Täglich 2 Pulver für einen Hund mit Magenkatarrh.
5)nbsp; nbsp;Rp. Kalii oarbonici orudi 50,0.
Aqu, oommun. 500,0. M, 1). 8. Aeusserlioh für einen Hund mit Ekzem, 'i) Rp, Kalii carbon. 5,0. Adipis suill, 50,0. M, f. ügt. D. 8. Aenssei'licli gv'rvu Schwielenbildunjr.
Kalium carbonieum. Pottasche.
KjCOs.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Kali ist in zwei Formen offlcinell:
1) Kalium carbonieumcrudum (Pottasche, Oineresclavellati),
ein weisses, an der Luft zerfliessendcs, körniges Pulver von
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404nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kalium ciu'boiiicum.
stark alkalischer Eeaktion und soharfem laugenhaftem Ge-Bobmaoke, in gleloben Theilen Wasser last vollständig löslich. mit Weinsäure unter Aufbrausen einen weissen, krystallinischen Niederschlag von Weinstein gebend, die Flamme violett färbend. Die Pottasche kann auf verschiedene Weise dargestellt werden;
a.nbsp; Nach dem Leblanc'schen Sodaprocesse aus Chlorkalium (Abraumsalze von Stassfurth) und Schwefelsäure:
1. 01K -f- S04Hä = SO,JK2 2C1H. IT. S04Kj -|- -20quot;= SKa 2COä. 111. SK8 4- 0a008 = K80O8 OaS.
b.nbsp; nbsp;Aas der Holzasche von Landpflanzen (Seepflanzen ent-halten Natrium). Beim Verbrennen derselben bildet sieb aus dem in ihnen enthaltenen pflanzensauren und salpetersauren Kalium kohlen­saures Kalium. Getrocknetes Holz liefert z. B. 1—1 pro Mille Pottasche, Wermuthkraut 70 pro Mille, de nach der Abstammung unterscheidet man russische, illvrische, amerikanische Pott­asche. Die veraschten Bäume, Hölzer, Sträuober werden mit Wasser ausgelaugt, eingedampft und wieder geglüht (calcinirt), um alle organischen Bestandtheile zu zerstören. Das Oalciniren wurde früher in Töpfen, sogenannte „Pöttenquot; vorgenommen, daher der Name ..Pottaschequot;.
e. Aus verkohlter Pübeumela ssen-Schlempe (sehr kalireich).
d. Aus Wollseh wei ss durch Sammeln der Wollwaschwässer, Eindampfen und Verkohlen. Ein Sohafvliess liefert etwa 150 g Pottasche, welche in demselben als fettsaures Kali enthalten ist. A.i'. 100,0 = 40 Pfennig.
2) Kalium carhonicum purum, das reine Kaliumcarbonat, hat die­selben Eigenschaften wie das rohe Präparat: es ist ein weisses, hygroskopisches, an der Luft schliesslich zerf liessendes, stark alkalisch reagirendes und schmeckendes, mit Säuren aufbrausen­des, in gleichen Theilen Wasser lösliches Salz mit violetter Plammeureaktiou. Es wird dargestellt durch Erhitzen von Kalium-bicarbonat: 2COBHK = C08Ka -| • 002 Ha().
Es soll frei sein von Natriumverbindungen (gelbe Flamme), Metallen (Schwefelwasserstoff-Niederscblag), Salpeter etc. Aus diesem Präparate wird dargestellt mit dem doppelten Gewichtstheil Wasser der ebenfalls officinelle Liquor Kalii carbonici (Kalium carhonicum solutum). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
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Natrium sulfiirioui
Kalium bicarbonicum, doppeltkohlensaures Kali, 0O3HK, wird dargestellt durch Einleiten von Kohlensäure in Pottasohei 0O8Kj ! 0Oa HjO = 2 0O8HK.
Es bildet klare, trockene, lui'thestilndige Krystallo von schwacii alkalischer Reaktion, in Säuren aufbrausend, mit überschüssiger Weinsäure einen weissen Niederschlag von Weinstein bildend, die Flamme violett färbend, in 4 Theilen Wasser löslich, in Weinstein unlöslich. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Pottasohe stimmt in ihrer äusseren Wirkung mit der Soda, and das Kalium bioarbonicaiD in seiner innerlichen Wirkung mit dem Natrium bicarbonicum voll­kommen Uberein. Ein Unterschied liegt nur darin:
1)nbsp; nbsp;Uass die Pottasche noch stärkere Alkalescenz besitzt als die Soda und daher auch äusserlioh auf Haut und Schleimhäuten stärker ätzt resp. erweicht.
2)nbsp; Dass das Kalium bicarbonicum, welches allein innerlich an­gewandt wird, als Kalisalz mehr Beziehung zu den rothen Blut­körperchen hat und daher als eigentliches H In t p las tic u m anzu­sehen ist (Specificum gegen Skorbut).
3)nbsp; Dass beide als Kalisalze in sehr grossen Dosen und direkt ins Blut eingespritzt eine speeifische Kaliwirkung (Herzgifte) besitzen.
Im Uohrigen wird in praxi äusserlioh häufiger das Kalium carbonicum, innerlich das Natrium bicarbonicum angewandt.
Natrium sulfuricum. Glaubersalz.
NajSOj lOHf).
Pharmaceutische Chemie. Das schwefelsaure Natrium (Na­trium sulfuricum, Sal mirabile Q-lauberi) bildet farblose, verwitternde Krystalle von kühlend-salzigem Q-eschmaoke, welche die Flamme gelb färben (Natriumreaktion) und mit Barium­nitrat in Lösungen einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt bilden (Sulfatrcaktion). Es löst sich in 3 Theilen kaltem, 0,3 Theilen warmem und 0.4 Theilen siedendem Wasser; in Alkohol ist es unlöslich. Von dem sehr ähnlichen Bittersalze unterscheidet sich das Glaubersalz durch seinen kühlenden, nicht bitteren (le-schmack und dadurch, dass es nicht wie jenes beim Kauen zwischen den Zähnen knirscht. Wird das Glaubersalz hei 26deg; der Verwitte­rung ausgesetzt, so verliert es fast alles Krystallwasscr und bildet dann ein weisses, feines, lockeres Pulver, das Natrium sulfuricum
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4(Minbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium sulfurioum.
siccum (dilapsum), laquo;las getrocknete GHaubersalZ) von der Formel Na88044-H80.
Die Darstellung des Glaubersalzes ist cine vex'sohiedene;
1)nbsp; nbsp;Aus Koolisalz und Schwefelsäure fabrikmässig bei der Sodafabrikation!
2 (JlNii -) SO.jH, --= SO^Na,, - i 2 C1H.
2)nbsp; In Stassfurth aus Kochsalz und schwefelsaurer Mag­nesia (Kieserit):
20LNa -|-S04Mg = SO.Na, -f Mg(Jl,.
3)nbsp; nbsp;Ausserdeni kommt schwefelsaures Natrium als ein Bestand-theil vieler Mineralquellen (Karlsbad, Marienbad, Priedriobshall, Rippoldsau u. s. w.), des Meerwassers, vieler Salzsoolen und ge­diegen als Mineral vor = Thönardit (wasserfrei) und Mirabilit (wasserhaltig). Mit Gyps zusammen bildet es das Glauberit, mil Bittersalz das A stra k an i 1. A .P. 200,0 := 30 Pfennig.
Kalium sulfuricum, Kaliuiusnll'at, Doppelsalz, KiHüi, wird ganz analog dem Natriumsulfat ans Chlorkalium und Schwefelsäure resp. schwefelsaurer Magnesia dargestellt:
1)nbsp; nbsp;2 OIK 4- SOjH.^ = 80)1^ 4- 2 0111.
2)nbsp; nbsp;2 OIK -f SOjMg^ SOjK2 -f MgClj.
Ausserdeni Iconiiiit es im Mineral- und Meerwasser, in Salz-lagern, als vulkanisches Product und in der Asche der Pflanzen vor.
Es bildet harte, weisse Krystallkrusten, welche nicht ver­wittern, in 10 Theilen kaltem und 4 Theilen heissem Wasser löslich sind, die Flamme blau larben und mit überschüssiger Weinsäure all­mählich einen weissen Niederschlag von Weinstein (Kalireaktion), mit Bariumnitrat sofort einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt liefern (Sulfatreaktion). A.P. 200,0 = 70 Pfennig.
Sal Carolinum factitium, künstliches Karlsbader Salü (Sal thermarum Carolinaruin factitium), wird offlcinell dargestellt durch Mi­schen von
22 Theilen Natrium sulfuricum siccum,
1 , Kalium sulfuricum, 18 „ Natrium bioarbonicum, 9 „ Natrium chloratum. Es bildet ein weisses, feines, trockenes Pulver; 6g davon geben mit 1 Liter Wasser ein dem natürlichen Karlsbader Brunnen ähnliches Wasser, A.P. 200,0 = 25 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 80 Pfennig.
Das im liandol boündllcho sehr theure Karlsbader Sprudelsalz (D.P. 1 Kilo = 12 Mark!) enthält in der Hauptsache nur Natrium sulfuri­cum mit geringen Mengen von Kochsalz und Soda und entspricht daher in keiner Weise der Zusammensetzung des Karlsbader Wassers. Bosser ist das im Handel vorkommende Karlsbader Quellsalz, welches alle Be-standtheile des Karlsbader Wassers enthält (Natriumsulfat 42, Natrium-bicarbonat 86, Ohlornatrium 18, Kaliumsulfat 8, Lithiumbicarbonat 0,4,
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Niiti'iimi siilfiiriciiiri.
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Natriuiulluorici 0,1, Natriuinbonit 0,07, Kiamp;sol.silureanliydrid 0,03, Eisen-oxyd 0,01). Das officinelle Sal Carolinum liiutitiiini entspricht in seinen wesentlichen Bestandtlicilen vollkommen diesem (juollsalze.
Wirkung. 1) Das Q-laubersalz regt in kleinen Dosen die Se­cretion der Verdiiuiingssiii'te an. Im Darmkanal wird es zum Tlieil zu Schwefelwasserstoff reduoirt; der grösste Tlieil gelit jedoch unverändert durch den Körper hindurch.
2) Grosse Gaben erzeugen Durchfall, Indem sie nach dem Gesetze der Diosmose eine Transsudation von Flüssigkeit iius dem salzarmeren Blute in die eoncentrirte Salzlösung des Darminhaltes hervorrufen und auaserdem die Peristaltik der Darmwandungen reflectorisoh erregen.
.quot;!) Alle katarrhalisch erkrankten Schleimhäute (Magen, Darm, Respirationsapparat etc.) werden durch Glaubersalz in der Weise beeinflusst, dass der auf ihnen befindhehe zähe Schleim verflüssigt und ihre Secretion in normaler Weise angeregt wird.
4)nbsp; Das Glaubersalz steigert den Gesanimtstoffwechsel des Körpers, erhöht den Sauerstoffverbrauch und vermehrt die Harnstoff­ausscheidung.
5)nbsp; nbsp;Die Galleuabsonderung wird stark vermehrt (Ohol-agogum).
6)nbsp; nbsp;Geronnene, feste Exsudate im Körper werden in Lösung übergeführt.
Kalium sulfuricum und Natrium snlfuricum siecum wirken im Allgemeinen ebenso, nur um das Doppelte stärker („Doppelsalzquot;); die Dosis dieser beiden Präparate beträgt daher nur die Hälfte von der Dosis des Glaubersalzes. Das Karlsbadersalz vereinigt die Wirkung des Glaubersalzes, Kochsalzes und doppelt­kohlensauren Natriums in sich; seine Dosis ist dieselbe, wie die des Glaubersalzes.
Anwendung. 1) Als Laxans bei Verstopfung, Kolik, Ueher-fiitterung, sowie zur Ableitung bei Gehirn-, Lungen-, Pleura-, Leber-, Nieren-, Uterusentzündungen etc. Bei Pflanzenfressern tritt die Wir­kung erst nach l-—2 Tagen ein.
2)nbsp; nbsp;Als Stomachioum, Diäteticum und stoffwechsel­erregendes Mittel bei schlechten Ernährungsverhältnissen, Ver­dauungsstörungen, Magen-Darmkatarrhen, Fettsucht.
3)nbsp; Als Anti katarrhalieum bei chronischen Katarrhen des Magens, Darmes, der Bronchien, der Lunge, der Blase etc.
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408nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Natrium sull'uiieum.
4)nbsp; Als Besorbens bei entzündiichen Aifectionen der serösen Häute, der Lunge, Leber, Niere etc.
5)nbsp; Als OholagOgUU) bei Icterus und Leberleiden, nament­lich gegen Cholelithiasis,
(3) Gregen Diabetes mellitus.
7)nbsp; Als Gegengift gegen (JarbolVergiftung; Bildung von ungiftigem pbenolsullonsiiuiein Natrium.
8)nbsp; Aeusserlicli zu Kältemiscliungen.
Dosis. 1) Als Laxans für
Rinder 500—1000,0.
Pferde 250—500,0. Schafe, Ziegen 50—100,0. Schweine 25—50,0. Hunde 10—25,0. Katzen und Q-eflügel 2—5,0. 2) Als StomaoMcmn, Autikatarrhalicum, Kesorbens etc;, für Pferde und Rinder 25—50-100,0. Scbiife und Ziegen 10—25,0. Schweine 2—6,0, Hunde 1—2,0. Katzen und Q-eflügel 0,2—0,5.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;ftp, Xittrii Bulforioi 500,0.
J'ulv. Rad. Althaeae 200,0. Aqu. iju. s. 1'. Eleotaar, 1). S. Auf 2mal als Laxana für uin Pferd mit Kolik.
2)nbsp; nbsp;Rp, Natrii sulfurioi 750,0.
Aloes pulv. 80,0. M, D. S, Auf imal mit 1 Flasche Leinsatnenabkoohung einznsohtttteii für ein Hind mit Verstopfung,
8) Rp. Natrii sulfurioi 75,0.
Deooot, Sem. Lini 10,0 : 250,0. M. Iraquo;. S, Kür ein Sohaf (Ziege) mit Verstopfung einziiseliiitteu.
4)nbsp; Kj). Natrii sulfurioi
Natrii chlorati erud. iiä, 250,0. Tulv. Rad. Liquirit, 100,0. M, I). 8. Auf jedes Putter 1 Esslöfl'ol für ein Pferd mit ohronisohem Bronohialkatarrh.
5)nbsp; nbsp;Rp. Sal, Carol, factitii 500,0.
I). 8, Auf jedes Kutter 1 Bsslöffel für ein Pferd mit ohronisohem Mairendarmkatarrh.
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Natrium pbosphorioum
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fi) Bp. Sal. Carol, l'actitii 15,(1. Aqu. destill. 800,0. M. D. S. 3stümllicli l Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit ohronisoher Ernährungsstörung.
7) Bp. Natrii sulfurioi 20,0. Aqu. destill. '250,0. M. 1). S, '/#9632;•stüiullicli lEsslöifel für einen Sund mit Garbolsäureverfriftunc'.
Natrium phosplioricum. Natriumphosphatlaquo;
Na,,HP04 12H./).
Pharmaceutische Chemie. Das Natrhimpliospliat bildet farb­lose, durchscheinonde, verwitternde Krystalle von schwach salzigem Greschmacke und alkalischer Reaktion, welche sicii in ti Theilen Wasser lösen. Es färbt die, Flamme gelb (Natriumreaktion) und seine Lösung gibt mit Silbernitrat einen gelben Niederschlag von phosphorsaurem 8ill)er (Phosphatreaktion), Es wird dargestellt aus Phosphorsäure und Soda. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung, Anwendung und Dosirung = Natrium sul-furicum,
Kalium acetlcum. Essigsaures Kali.
CH:j . COOK.
Pharmaceutische Chemie. Das Kalium aceticum bildet ein weisses, glänzendes, schwach alkalisches, an der Luft schnell zerfliessendes, in 0,4 Theilen Wasser und 1,5 Theilen Weingeist lösliches Salz, dessen wässerige Lösung durch Eisencblorid dunkel-roth gefärbt wird (Acetatreaktion) und mit überschüssiger Wein­säure einen weissen Niederschlag von Weinstein gibt (Kalireaktion). Ausserdem färbt es als Kalisalz die Flamme violett. Es wird dar­gestellt aus Essigsäure und doppeltkohlensaurem Kali. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Der Liquor Kalii acetici (Kali um aceticum solutum) stellt eine 330/oige Lösung des Kalium aceticum in Wasser dar, welche aus verdünnter Essigsäure und Kaliunicarbonat dargestellt wird. Es ist eine klare, farblose Elüssigkeit mit den Reaktionen des Kalium aceticum. Es ist das gebräuchlichere Präparat. A.P. 10,0 =10 Pfennig.
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410nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tartarus depuratus.
Natrium aceticum, essigsaures Natron, (JH;,.COONa-|-UI^O, bildet farblose, dni'obsiohtige, verwitternde! Krystallc (Nadeln oder 8j)iesse), welche mit 1'ja Tlunlen Wasser eine alkalische Lösung geben und in 23 Thoilen Alkohol löslich sind. Sio färben die Flamme gelb (Natronsal/) und hinterlassen in der Glühhitze unter Verbreitung eines Acetongeruches kohlensaures Natron als stark alkalischen Hückstand: die wässerige Lösung färbt sich mit Eisenchlorid blutroth (essigsaures Eisenoxyd). Es wird dargestellt durch Umkrystallisiren des lloth salzes (aus Holzessig und Soda dargestellt) oder aus Holzessig, kohlen­saurem Kalk (= essigsaurer Kalk) und Glaubersalz. A.l*. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die essigsauren Alkalien werden zum Theil schon im Darmkanal, vollständig aber im Blute zu kohlen­sauren Alkalien (Natrium und Kalium bioarbonioum) umgewandelt und als solche durch den Harn ausgeschieden, welcher bei den Fleisch­fressern gleichzeitig alkalisch wird. Ihre Wirkung ist daher identisch mit derjenigen des Natrium und Kalium hicarbonicum (vergl. diese). In der Praxis werden sie hauptsächlich als harn­treibende und lösende Salze verschrieben. Die Dosis ist die des Natrium hicarbonicum; die Dosis des Liquor Kalii acetici beträgt das Dreifache.
Recepte.
1)nbsp; Kj). Natrii acetici
Natrii ohiorat. orud. aä 200,0. l'ulv. Kniet. Jnnip. 100,0. M. I). S. Auf jedes Futter 1 Ksslöh'el für ein Pferd mit olironisolier Brustwassersuoht.
2)nbsp; Rp. Liquor. Kalii acetici
Suooi Junip. ins]iissat. aa 20,0. Aqu. Foeniouli 600)0. !\1. D. S. Sstündliofa 1 Esslöffel für einen Hund mit chronisoher Limgen-entzündunir.
Tartarus depuratnsi Weinstein.
Pharmaceutische Chemie. Der Weinstein (Kalium bitartari-cum, Oremor Tartari) ist chemisch == saures, w^insaures Ka­lium. Es wird dargestellt durch Umkrystallisiren des in Weinfässern vorkommenden rohen Weinsteins, welcher B0—80 quot;,0 Kalium bitartariciun neben weinsaurem Kalk enthält. Der Weinstein bildet ein
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Tartarus depuratas,
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weissos, krystalliaisches, zwisohen den Zähnen knirschendes Pulver von säuerlichem Gesohmacke und .saurer Reaktion, welches in Wasser schwer löslich ist (in 200 Tlieilcn kaltem und 20 Theilen siedendem), fgt;iir nicht In Weingeist, dagegen in Aetzalkalien. Beim Erhitzen verkohlt er unter Verbreitung eines Geruches nach verbranntem Zucker (Caramelgeruoh=Weinsäurereaktion) zu einer grauschwarzen Masse (kohlensaures Kali), welche stark alkalisch reagirt, mit Säuren aufbraust, die Flamme violett färbt und mit Weinsäure wieder Weinstein gibt, (Die Schwerlöslichkeit und saure Reaktion unterscheiden den Weinstein vom Kalhun tartaricum und natronatum; vom Brechweinstein unterscheidet er sich dadurch, dass er mit Schwefelwasserstoff keinen Niederschlag gibt). A.W 100,0 = I Mark; D.P, i Kilo 3 Mark,
Kalium tartaricum, neutrales, weinsaures Kali, CjH^O^OK)^, wird dargestellt ans Weinstein und Ival inmbioarbonat. Es bildet farblose, durobsoheinende, luftbeständige, in Wasser leicht lOsliobe (2 : 3), neutrale Krystalle mit den cluirakteristiselien Eeaktionen des Wein­steins (Verkohlen, Caramelgeruch etc). A.P. 10.0 = 15 Pfennig.
Tartarus natronatus, Seignettesalz (Natro-Kali tartaricum, Ka-liumnatriumtarti-at, Natron - Weinstein) = C^H^O^ONaXOK), wird dar­gestellt aus Weinstein und Soda. Es ist leicht zu erkennen an den grossen, durchsichtigen, wasserhellen, rhombischen Säulen. Der Geschmack ist milde salzig. Es löst sich leicht in Wasser (2:3) mit neutraler Reaktion. Säuren (/.. B. Essigsäure) scheiden aus der wässerigen Lösung weissen knstallinisclien Weinstein aus. Beim Erhitzen verkohlt es unter Caramelgernch und hinterlässt Soda (Gelbfärbung der Flamme). A.P. 100.0 = 80 Pfennig,
Tartarus boraxatus, Borax-Weinstein (Kali tartaricum boraxatum. Cremor Tartari solubilis). wird aus Borax und Weinstein dargestellt. Er hat die zusammengesetzte Formel;
CjH40((ONa)(OK) -f 2 C.lHJ04(OK)(0 . HO) und bildet ein weisses, amorphes, hygroskopisches, sauer schmeckendes und reagireudes, in gleichen Theilen Wasser lösliches Pulver. Mit Schwefelsäure befeuchtet färbt das Salz die Flamme grün (Bor-i'eaktion). Es verbrennt unter Caramelgernch zu alkalischer Sohle. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Tartarus stibiatus, B re0h weins tein (Stibio- Kali tartaricum = C^O^OIO. (O.SbO), vcrgi. bei den Antimonsalzen,
Wirkung und Anwendung. Sämmtliche weinsaure Alkalien (mit Ausnahme des Hrechweinsleins) haben wie die essigsauren Al­kalien eine mit den kohlensauren Alkalien übereinstimmende Wirkung, indem sie sich ebenfalls im Körper in Carbonate resp.
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412nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tartarus dspuratus.
Bicarbonate umwandeln. Insbesondere vermehren sie die Harn-seoretion und machen den sauren Pleischfresserharn alkalisch.
Sodann wirken sie alle, naiueutlicli der sclnverlösliche Weinstein, ab­führend.
Sie werden angewandt als milde Laxantien (in Weingegenden wird wohl auch der rohe Weinstein vorwiegend in der Rinderpraxis gegeben), als Diuretica, gegen Nieren- und Blasengries, sowie als rcsolvirende Mittel.
Dosis. 1) Als harntreibende und resolvirende Mittel: Pferd und Rind 25—100,0. Schaf und Ziege 10-25,0. Schwein 5—10,0. Hund 1—2,0. Katze und Geflügel 0,5—1.
2) Als mildes Laxans:
Schal' und Ziege 50—100,0.
Schwein 5—10,0.
Hund 2 10,0.
Katze und Geflügel 1—1,0.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Tartar, ilejiurat. 60,0.
Extract. Aloes 10,0. M. Igt;. S. Mit einer '/' Plasohe Leinsamenabkoohung auf einmal einzu-schiitten für ein Kalb mit Versto])i'iiiiy'.
2)nbsp; nbsp;Rp. Tartar, deparat.
J'ulv. Fol. Sennae Sulfur, subl. ää 10,0. Mellis 40,0. yi. I). S. Abführmittel für ein Schwein.
8) Rp. Tartar, natron.
Liquor. Kalii acetici äü 15,0. Aqu. destill. 300,0. M. 1). S. SstUndlioh 1 Bsslöffel für einen Hund mit Harngries.
4) Rp. Tartar, boraxati 5,0. Maimae 10,0. Aqu. destill. 100,0. M. D. S. Sstttndlioh 1 Bsslöffel für eine Katze mit Verstopftmg.
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Kalium uitrioiim.
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Kiiliimi iiitriciini. KalisalpctcM'. KN08.
Pharmaceutische Chemie. Der Kalisalpeter (Nitrum, prisma­tischer Salpeter) bildet farblose, durchsichtige, luftbestftndige, prismatische Krystalle von kühlend-salzigem Q-esohmacke, welche in 4 Theilen Wasser löslich, in Weingeist unlöshcb sind. Aufglühen­den Kohlen verpufft der Salpeter mit violetter Flamme; Wein­säure scheidet aus seiner liösuiij;- weissen Weinstein aus (Kali­reaktionen); mit Schwefelsäure und Eisenvitriol gemischt färbt sich seine Lösung braunschwarz (Nitratreaktion).
Das Vorkommen des Kalisalpeters in der Natur ist ein ver­breitetes. Er bildet als Product der Zersetzung stickstoffhaltiger Massen in kleinen Mengen mit salpetersaurem Kalke zusammen einen normalen Bestandtheil der Ackererde. Sodann findet er sich in feuchten Ställen zusammen mit salpetersaurem Kalk als Mauer­salpeter, Als natürlichen Salpeter trifft man ihn in Ostindien (Bengalen), Aegypten, Persien, Ungarn, Spanien, Ceylon, Südamerika. Endlieh ist er in manchen Pflanzen (Nicotiana, Datura Stramonium, Rheum, Folia Farfarae) und in vielen Mineralwässern enthalten.
Seine Darstellung ist eine verschiedene:
a.nbsp; nbsp;als Oonversionssalpeter wird er neuerdings in den Salz­werken von Stassfurth und Kaluscz ((lalizien) aus Natronsalpeter und Ohlorkaliura dargestellt: NaN08 KCl —KNOg NaCl;
b.nbsp; als indischer Salpeter wird er namentlich in der Land­schaft Tirhul in Bengalen, wo viele Menschen und Hausthiere zu­sammen wohnen (stickstoffhaltige Abfälle), durch Auslaugen des salpeterreichen Erdbodens dargestellt;
c.nbsp; nbsp;als Plantagensalpeter in sogenannten Salpeteranlagen. Es werden hier thierische, stickstoffhaltige Abfälle mit Holz­asche, Kalk, Kalkerde zusammen locker aufgehäuft, mit Harn und -Tauche begossen und von Zeit zu Zeit umgearbeitet. Nach 2—I! Jahren bat sich analog der Salpeterbildung in der Natur Salpeter gebildet, indem die stickstoffhaltigen organischen Massen faulen und in Folge der Einwirkung der beigemengten starken Basen Ammo­niak liefern, welches durch Ozon resp. unter Mitwirkung von Mikro­organismen zu Salpetersäure oxydirt wird:
2NH3 408 = N08NH4H 80 11,0.
I
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414nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salpoter.
Die hiebei gebildeten Nitrate des Amuumiiuiis, ('jilciums und Mag­nesiums worden durch Pottasohe in Kalisalpeter übergeführt, welcher in den Salpeterrafflnerien gereinigt wird. A.l*. 100.o =z= lo Pfennig,
Natrium nitricum, Natronsalpeter, Chili sal pet er, NiiNO;j. bildet farblose, durchsichtige, rhom boedriscli n (würleliUmlicho, da­her früher = Würfelsalpeter, Nitrum oubioum) Kiystalle von salzig kühlendem, bi11er li o h e m G esoh m ü oke, in 1,2 Theilen Wasser und .K)() Theilen Weingeist löslich. Auf glühenden Kohlen vorpufft er mit gelber Flamme (Natrinmreaktion). Mit Schwefelsäure und Eisen-vitriol färbt sich seine Lösung braunschwarz (Nitratreaktion). A.P, 100,0 = 45 Pfennig.
Der Natronsalpeter kommt in ausgedehnten , ca. 1 m dicken und ca. 30 Meilen langen Lagern an der Westküste Südamerikas im Küsten­gebiete der Staaten Chil e, Peru und Bolivia vor. Besonders ausgedehnte Salpeterfelder (Salitreras) finden sich in den Districten von Atakama und Tarapaka. regenlose Wüsten (Costa secca), in welchen die Salpetererde (Caliche) bergniännisch gewonnen wird, worauf sie in eisernen Kesseln oder in Fabriken ausgelaugt und der Salpeter durch Eindampfen aus-krystallisirt wird; schliesslich kommt er in Säcken in den Handel. Der Jodgebalt der Mutterlauge der Caliche weist darauf hin, dass die Salpeter­felder wahrscheinlich von angeschwemmten Seepfianzen herrühren, und dass sich ein ähnlicher Process wie in den Salpeterplantagen vollzogen hat, indem sich wahrscheinlich zuerst Calciumnitrat und aus diesem mit Chlornatrium Natriumnitrat bildete, Jährliche Ausfuhr Südamerikas = 500,000,000 kg,
Wirkung. Kalisalpeter und Natronsalpeter haben im Wesent­lichen dieselben Wirkungen, nur dass der Erstere als Kalisalz in grossen Dosen giftiger wirkt als der Natronsalpeter, Neben ihrer ÄJlgemeinwirkung als Alkalien kommen ihnen die nachstehenden Eigenschaften zu:
1)nbsp; Beide vermehren in kleineren (niben die Diureso in lAdjje einer direkten Reizung der Nierenepithelien; die Vermehrung des Harns lässt sich experimentell bei Hunden nachweisen.
2)nbsp; nbsp;Q-rössere (iahen erzeugen Durchfall, abwechselnd mit Verstopfung,
3)nbsp; Sehr grosse Dosen wirken tödtlie.h durch eine hämorrha-gische Q-astro en ( eriti s,
Anwendung. Der Salpeter ist früher viel häufiger angewandt worden als heute, wo er von vielen Seiten als überflüssiges Präparat angesehen wird. Es wird namentlich bestritten, dass über seine anti-phlogistische und fieberwidrige, kühlende Wirkung beweis­kräftige Untersuchungen vorliegen und darauf hingewiesen, dass der Salpeter schablonenhaft gegen jede entzündliche Erkrankung, welche mit Fieber verlief, mit anderen wirksamen Mitteln zusammen (Natrium
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Kalilauge,
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siilfiu'iciun, Digitalis, Opium) gegeben wurde. Wenn nun auch gleich der umstand, class der Salpeter bei gesunden Tbieren die Temperatur nicht herabsetzt, noch nicht zu der Schlussfolgeruug berechtigt, dass er auch bei hebernden Tbieren wirkungslos ist, so ergibt sich doch für den Therapeuten die Notliwendigkeit, lediglich von den wissen­schaftlich erwiesenen Eigenschaften des Salpeters Gebrauch zu machen, auf die zweifelhaften, rein empirischen dagegen zu verzichten. Zur Zeit gelten als Tndicationen für die Anwendung des Kali- und Natronsalpeters:
1)nbsp; Die Erzeugung einer gesteigerten Diurese bei Nieren- und Blasenleiden und allgemeiner Wassersucht. Damit mag auch die früher vielfach hervorgehobene resol v irende Wirkung in Verbindung ge­bracht werden.
2)nbsp; Leichte Verstopfungen, sowie die, Absicht, auf den Darm abzuleiten.
3)nbsp; nbsp;Aeuter (lelenkrheuniatismus (Gerhardt, Leube).
4)nbsp; Die Oonservirung von Körperpräparaten, namentlich auch von Fleisch (leicht antiseptische AVirkung).
5)nbsp; nbsp;Endlich wird der Salpeter äusserlieli zu Kältemischungen angewandt. Früher war er auch ein Bestandtheil der sogenannten Schmucker'schen Fomentationen (1 Salpeter, 8 Essig, 80 Wasser).
Das von Laien zuweilen angewandte gewöhnliche Schiesspulver besteht aus Salpeter (75 0/o), Schwefel (11,5raquo; und Kohle (18,5 0/o).
Dosis.
Rind 10-
,0.
Pferd 8—15,0.
Schaf, Schwein 2—5,0.
Hund 0.2—0,0.
Katze und Geflügel 0,1—0,2.
Liquor Kali oaustlcl. Kalilauge.
KHO (157.1 in H.;Ü).
Pharmaceutische Chemie. Die Kalilauge (Kalium hydricum solutum) stellt eine wasserklare, farblose oder schwach gelb­liche, ätzende, stark alkalische Flüssigkeit dar, welche 150/o Kaliumhydroxyd enthält; speciflsches Q-ewicht = 1,127—1,120. Ihre Lösung in Wasser gibt mit Weinsäure einen weissen Niederschlag von Weinstein, ausserdem färbt sie die Flamme violett (Kalircak-
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416nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kalilauge.
tion). Mit einem Tropfen Phenolphtalefnlösung färbt *'w sitih prächtig roth, mit Ooohenilletinctur violett, Sie zieht aus der Luft begierig Kohlensäure an (008Kg), weshalb sie, wenn sie älter ist, mit Säuren aufbraust (Beweis von theihveiser Sättigung).
Die Kalilauge wird dargestellt ans Pottasche uiul Aetzkalk:
OOjKa I OaO -( HäO = 2KOH 0O80a.
Wird Kalilauge zur Trockene verdampft, geschmolzen und in Stäbohenform gegossen, so erhält man das ebenfalls nfticinelle trockene Kali causticum fusum (Aetzkali, Kalium hydrooxydatum, Lapis causticus ohirurgorum). Es ist reines Kaliunihydroxyd, KHO, in Form weis sei', schwor zerbrechlicher, auf dem Bruche krystallinischer, an der Luft zerfliessender. ätzender Stäbchen mit den Reaktionen der Kalilauge. Letztere kann auch aus dem Aetzkali durch Verdünnen mit Wasser dargestellt werden.
Liquor Natri caustici, Natronlauge, wird aus Soda und Aetz­kalk dargestellt, enthält 150/o NaOH, hat ein specifisches Gewicht von 1,168 bis 1,172 und stimmt in allen Punkten mit der Kalilauge überein, nur class sie die Flamme der Natronverbindung gelb fiirbt. Beim Ein­dampfen liefert sie Natrum causticum, Aetznatron, mit denselben Eigenschaften wie das Aetzkali; im Handel mit etwa 60quot;|o Gehalt vor­kommend als Sodastein oder Seifenstein.
Wirkung. 1) Beide Aetzalkalien wirken äusserlicb in ver­dünntem Zustande erweichend, auflösend, conccntrirt ätzend, indem sie den Geweben Wasser entziehen. Der Aetzschorf ist weich und feucht, sehr schmerzhaft und lässt sich nicht streng begrenzen (üiffussion in die Umgebung).
2) Innerlich neutralisiren sie die Magensäuren und machen den Harn der Fleischfresser alkalisch. In grösseren Gaben erzeugen sie eine tödtliche Gastroenteritis. Pferde sterben auf 8 g. Hunde auf 2 g Aetzkali.
.quot;1) In concentrirten Lösungen (bis 1 : lü) wirken sie ausserdem antiseptiseb sowie antiparasitär, namentlich gegenüber von Räude-mühen, deren Chitinpanzer sie zur Auflösung bringen. Ihre anti­septische Wirkung ist früher überschätzt worden; ihr Desinfections-werth ist etwa der des Kalks. Natronlauge, Kalilauge, Soda,
Pottasche sind im Allgemeinen gleichwerthig. Ooncentrirte Lösungen der genannten Stoffe tödten die Bacterien der Hühnercholera, des Schweinerothlaufs, die Rotz- und Milzbrandbacillen; Milz-brandsporon und Tuberkelbacillen bleihon dagegen intakt. Ein Uehel-
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Gebrannter Kalk.
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stand ist die ätzende Wirkung der erforderlichen starken Concen-trationen.
Anwendung. 1) Als Aotzmittol gegen Strahlkrebs, Carci-noni etc. in Substanz oder als Aetzpaste. Am häufigsten wurde früher die Wiener Aetzpaste (Pasta caustica Viennensis) angewandt; sie besteht aus gleichen Theilen Aetzkali und Aetzkalk, mit etwas Wasser zur Paste gemacht.
2)nbsp; Gegen chronische, squamöse Ekzeme und alte Haut­verdickungen, welche entweder einmal mit der reinen Lauge oder mehrere Male mit einer verdünnten (1 : 2—5) eingepinselt werden.
3)nbsp; Als Zusatz zu Räude hadern.
4)nbsp; Zur Desinfection von Seuchestallungen, Geräthscliaften etc. Bezüglich der antiseptischen Wirkung ist hierbei zu bemerken, dass Kali- und Natronlauge nach Jäger die sporenfreien Bacillen zwar schon in verdünnten Lösungen tödten, dass aber ibr Einfluss auf Milzbrandsporen und Tuberkelbacillen auch bei concentrirter Anwen­dung nicht sicher genug ist, um praktisch verwerthet zu worden.
5)nbsp; nbsp;Als Antidot gegen Säurevergiftungen (verdünnt, 1 : 100).
Csilcaria usta.
Gebrannter Kalk.
OaO.
Pharmaceutische Chemie. Der gebrannte Kalk (Calcium oxy-datum, Aetzkalk, Calx viva) wird dargestellt in den Kalkbrenne­reien durch Erhitzen des kohlensauren Kalks: CaCO., = CaO-f-C02. Er bildet dichte weisse Massen, welche, mit dem halben (xewichte Wasser besprengt, sich stark erhitzen, indem sich dabei Cidciumbydroxyd = Oa(OH)j (gelöschter Kalk) bildet. Hierbei zer­fällt der Aetzkalk zu pulverigem Kalkhydrat. An der Luft zieht der gebrannte Kalk bald Wasser und Kohlensäure an und zerfällt unter starker Volumsznnalmie zu Kalkstaub = Ca(OH)a CaCO.,. Mit •ri—4 Theilen Wasser bildet der Aetzkalk einen dicken, gleichmässigen Brei (Kalkmilch). Seine wässerige Lösung, mit Natriumacetat ver­setzt, gibt mit oxalsaurem Ammonium einen woissen Nieder­schlag von oxalsaurem Kalk (Kalkreaktion).
Aqua Calcariae, Aqua Calcis, Kalkwasser, ist eine Auf­lösung von Aetzkalk in Wasser (1:600). Es bildet eine klare, farblose, stark alkalische Flüssigkeit, welche sich an der
Fröhner, Arzncimittelk'lirp. 3. Aud.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;27
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418nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kalkwasser.
Luft (und beim Hineinblasen) trübt unter Bildung von kohlensaurem
Kalk, und mit oxalsaurem Ammoniak einen weis sen Nieder­schlag gibt. Zum Gebrauche werde das Kalkwasser tiltrirt.
quot;Wirkung. 1) Dqv gebrannte Kalk wirkt auf Haut und Schleim­häuten als stark basischer Körper unter Wasserentziehung ätzend, jedoch weniger stark als das Aetzkali, weil er rasch in Folge Um­wandlung zu unlöslichem Kalkhydrat am Eindringen in die Gewebe verhindert wird. Innerlioh erzeugt er Stomatitis und Gastroenteritis ulcerosa; Hunde sterben nach 12 g. Ausserdem wirkt er wie die übrigen Aetzalkalien als Antiparasiticum und in nicht zu ver­dünnten Lösungen als Antisepticum. Der frisch gelöschte Kalk ist ein gutes, billiges und bequemes, leicht zu beschaffendes Des-infectionsmittel für sporenfreie Bacterien. Milzbrand-sporen und Tuberkelhacillen werden durch Kalk nicht getödtet. Man verwendet ihn als Pulver, dicke Kalkmilch (1 : 2) und dünne Kalkmilch (1 : '20), erstere zu Kalkanstrichen, letztere zum Abschwemmen des Fussbodens, sowie als Zusatz zur Jauche. Ein einmaliger dünner Kalkanstrich (1 : 20) tödtet die quot;Bacterien der Hühner cholera, ein dreimaliger (1:20) die Rotz bacillen; ein einmaliger dicker Kalkanstrich (1 : 2) tödtet die Rothlaufbacillen. die Bacterien der Scb weineseucbe, die Milz brand bacillen, Typhusbaeillen etc. Her Kalk verliert seine desinficirende Eigenschaft sofort, wenn er sich mit Säuren bindet; kohlen­saurer, phosphorsaurer, schwefelsaurer, salpetersaurer Kalk ist un­wirksam. Der Kalk muss ferner den zu desinficirenden Flüssigkeiten (Jauche) immer in grössern Mengen bis zur stark alkalischen Reaktion zugesetzt werden, weil er unter Umständen das Wachsthum der Mikro­organismen befördert, wenn er nämlich die Reaktion einer sauren Flüssigkeit neutral oder nur schwach alkalisch macht.
Der gebrannte Kalk wird ausserdem trocken oder in Pasten­form als Aetzmittel gegen Strahlkrebs, Geschwüre, Carcinome, Neu­bildungen etc. angewandt (früher am häutigsten mit gleichen Theilen Aetzkali als Wiener Aetzpaste). Endlich dient er als Zusatz zu Räude hadern. Er kann auch zum Vertreiben des Ungeziefers beim Geflügel in gepulvertem Zustande ins Gefieder eingestreut werdeii. innerlich wird der Aetzkalk nicht angewandt.
2) Das Kalkwasser hat auf Schleimhäute und Geschwüre eine adstringirende, secretionsmindernde Wirkung. Ausserdem löst es fibrinöse Membranen, macht innerlich gegeben den Harn
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Oaloium oarbonioum.
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iilkalisch und neutralisirt, resp. absorbirt die im Digestionsapparate vorhandenen Säuren (Gifte, Milelisäure. Kohlensäure). Es dient äusserlicli als austrocknendes Mittel bei Haut Verbrennungen, nässenden Ekzemen, Hautgescbwüren, indem es mit dein Wund-secrete eine trockene, schützende Decke von Kalkalbuminat und Kalk­seifen hildet; in ähnlicher Weise wird es äusserlicli zu Inhalationen gegen Katarrh der Respirationsschleimhaut sowie zur Auf­lösung croupöser Membranen angewandt. Innerlich wird es als Stypticum gegen die Diarrhöe namentlich der Säuglinge (mit gleichen Theilen Milch), gegen Ruhr und Darmgeschwüre gegeben, auf welch letzteren es eine schützende Kalkhülle bildet. Sodann ist es eines der besten Antidote gegen Säurevergiftungen, sjieciell gegen Oxalsäurevergiftung, und wird wohl auch als gas-bindeudes, absorhirendes Mittel beim acuten Aufblähen der Wieder­käuer benutzt. Endlich wird es innerlich gegen Rachitis und Osteoma-lacie als Plasticum, sowie beim Fleischfresser gegen Säuresedi­mente in den Harn wegen gegeben.
Dosis des Kalkwassers.
Pferde und Rinder 1—2 Liter.
Kälber, Schafe und Schweine ^4 — ^ Eiter.
Hunde 1 Esslöffel.
Katzen und Greflügel 1 Theelöffel.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Aqa. Oaloariae
01. Lini ai 100,0. M. D. S. Vor dem (icbrauohe uiuzuschüttclii. Stalil'solie Brandsalbe.
2)nbsp; nbsp;Hp. Calcariiu' ustae
Pio. lifjuid. aä 200,0. M. D. S. AeuRserlioh gegen Strahlkrebs.
('alcium carboiiicuni. Kohlensaurer Kalk.
OaOOg,
Pharmaceutische Chemie. Das in Deutschland allein ofiicinelle Calcium carbonicum praeeipitatum bildet ein weisses, mikrokry-stallinisches, in Wasser fast unlösliches Pulver, welches sich in Essigsäure unter Aufbrausen zu einer Elüssigkeit löst, die mit Animoniu moxalat einen weis sen Niederschlag gibt. PJs wird dar-
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420nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Calcium carbonicum.
gestellt durch Ueberführen des natürlich vorkommenden Cal-ciumcarbonats mittelst Salzsäure in Chlorcalcium und Ausfällen mittelst Sodalösung. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
In der Natur ist der kohlensaure Kalk ausserordentlich ver­breitet. Er kommt vor amorph als Kreide (Kalkschalen niederster Thiere), Muschelkalk und Kalkstein, körnig krystalliuisch als Marmor, in Uhomhoedern krystallisirt als Kalkspath, in rhombischen Säulen als Arragonit, in Form von Ablagerungen aus kalkhaltigen Gewässern als Tropfstein, Kalktuff, Kalksinter, üolithen-kalk u. s. av. Mit Thou gemischt bildet er den Mergel. Sodann findet er sich als Bestandtbeil des thierischen Organismus in den Eierschalen, Schneckenschalen, Austernschalen, Korallen, in den Sepiasteinen, Krebssteinen, in den Knochen und Zähnen (Hauptbestandtheil ist hier jedoch der phosphorsaure Kalk), im Pflanzenfresserharn, in Speichelsteinen, Harnsteinen, Tuberkeln etc.
Aeltere officinelle Präparate des kohlensauren Kalkes waren: Greta alba = Calcium carbonicum cruduin, Kreide (in Oesterreich offi-cinell): Conchae praeparatae, gemahlene Austernschaleii; Testae ovo-rum, Eierschalen: Ossa Sepiae, Knochenschuppon des Tintenfisches (Sepia officinalis): Lapides cancrorum, Kalkconcremonte am Magen des Fluss­krebses: Lapides Spongiarum, Kalkconcremonte der Badeschwämme, Corallia rubra, zerstossene Korallen. — In Oesterreich ist ausserdem officinell das durch Fällung aus salpetersanrem Kalke dargestellte chemisch durchaus reine Calcium carbonicum purum.
Wirkung und Anwendung. 1) Der kohlensaure Kalk dient als Plasticum bei allen auf Kalkmangel beruhenden Krankheiten, namentlich bei der Rachitis und Osteomalacie, sowie bei der Lecksucht. Ausserdem gibt man ihn bei Eracturen und Lungen­tuberkulose zur Beschleunigung der Verkalkung sowie bei abnorm weichen Eierschalen des Geflügels. Wichtiger für die erst­genannten Krankheiton ist der phosphorsaure Kalk.
2)nbsp; Er ist ein Stypticum bei chronischen Durchfällen und Darmgeschwüren, indem er auf letzteren mit den Fetten des Darm-Inhaltes eine schützende Decke von Kalkseifen bildet.
3)nbsp; nbsp;Er wird gegen abnorme Säuerung im Verdauungs­apparate sowie gegen Säurointoxicationen angewandt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 25-50,0.
Pferd 10—25,0. Scbaf, Ziege und Schwein 5—10,0.
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quot;^
l'hosphorsaurer Kalk.
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Hund 0,5—2,0. Katze 0,2—0,5. Geflügel 0,5-1,0.
Becepte.
1)nbsp; K)raquo;. Calc. carbon.
Oalc. phosphor. Ja 100,0. Kalii Liuarbon. l'ulv. Fruct. Foenio. ää 50,0. M. Di S. Auf jedes Kutter 1 Esslöll'el für ein Pferd mit Rachitis.
2)nbsp; Rp. Oretae albac
Natrii chlorati crud. ää 150,0. Pulv. Had. Gentian. J'ulv. Fruct. Anisi ää 50,0. M. 1). 8. Auf jedes Futter 1 Esslöftel für ein Pferd mit Magendarmkatarrh.
Calcium phosplioricum. l'hospliorsaurer Kalk.
CaHPO., 2H.20.
Pharmaceutische Chemie. Der phospliorsaure Kalk bildet ein leichtes, weisses, krystallinisches, in Wasser unlösliches Pulver, welches in Salzsäure und Salpetersäure leicht löslich ist. Die salpetersaure Lösung gibt mit Silbernitrat nach vorsichtiger Neutralisirung mit verdünntem Ammoniak einen gelben Niederschlag von Silberphosphat, nach Versetzen mit viel Natriumacetat mit Ammoniumoxalat einen woissen Niederschlag von oxalsaurem Kalke. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Der officinelle 2basisclie phosphorsaure Kalk wird darge­stellt aus natürlichem kohlensaurem Kalk (Marmor, Kalk­stein), welcher mit Salzsäure in Ohlorcalcium übergeführt und durch N atriumphospbat gefällt wird:
I. CO.,Ca -f 2 C1H = OaOL
co0
HaO.
11. Oa01s f NajHPO,! = CaHPO, -|- 2Na01. In der Natur kommt der phosphorsaure Kalk vor: 1) Als neutrales oder Sbasischcs Calciumphosphat = Cal­cium triphos ph at Ca1(P01)2 als Hau ptb es tandtheil der Knochen, Hörner, Zähne, Fischschuppen, des Elfenbeins etc., sowie als Bestand-theil des Organeiweisses; ausserdem ist er in kleinen Mengen ein Be-atandtheil der Ackererde und aller Pflanzen. Im Mineralreich findet er sich als Phosphorit oder Osteolith in grossen Lagern
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422nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Phosphorsaurer Kalk.
bei Limburg a. cl. Liilm. Amberg in Bayern, in Spanien, Frankreich, auf den Antillen (als Sombrerit), ferner in Verbindung mit Fluor-calciumchlorid als Apatit. Endlich ist er ein werthvoller Bestand-theil der bei der Entphosphorung des Eisens gebildeten Thomas­se h lack e.
2)nbsp; Als 2basisclies Calciumphospliat -CaHPO, ; 2 aqua (wozu der oflicinolle phosphorsaure Kalk gehört) findet er sich als Brushit im Guano, ferner in Conoretionen ties Störs.
3)nbsp; Als {.basisches oder saures Calciumphosphat = OaH4(PO.i)a kommt er als Hauptbestandtheil der Superphosphate, des aufgeschlossenen Guanos und des mit Schwefelsäure auf­geschlossenen Knochenmehls vor.
t Calcium phosphoricum crudum, rohes Caloiumphosphat, war früher von der Pharmakopöe ebenfalls als officinell (für Veteriiiärzweeke) aufgenommen worden. Es gehören hierher die meist aus Sbasisohem (Jal-ciumpliosphat mit einigen Procenten Calciumcarbonat, Magnesiumcarbonat, und Pluorcalcium bestehenden Präparate: Ossa usta alba, weissge-brannte, gepulverte Knochen: Ebur ustum album oder Spodium, weissgebranntes Elfenbein; Oornu Ocrvi ustum album, weissgebranntes Hirschliorn. Alle diese Präparate bilden weisse bis grauweisse Pulver, welche sich in Salzsäure unter schwachem Aufbrausen fast ganz lösen und sich mit Höllensteinlösung Übergossen gelb färben. Da diese Präparate sämmtlich aus Triphosphat C'a.^PO^ bestehen, welches üusserst schwer resorbirbar ist, so sind sie nicht als emp fehl ans­wer th zu betrachten. Da andererseits der ofiicinelle, chemisch reine 2basische phosphorsaure Kalk zu Fülterungszwecken zu theuer ist (D.P. 1 Kilo = 2 Mark), so empfiehlt sich in der Thierheilkunde die Verfütte-rung des sogenannten aufgeschlossenen Knochenmehls, welches in Folge der Behandlung des Triphosphats mit Schwefelsäure (oder Salzsäure) Ibasisches oder saures Calciumphosphat enthält, das leichter vom Ver­dauungsapparat resorbirt wird. Die Aufschliessung des Knochenmehls geht nach folgender Formel vor sich:
Ca^POj^ 28O4H, = CaHjfPO,,)., -f 2CaS0.1. Calolum triphosphat Öalolummonophosphat Gyps = C'alciumsii pe rph osphat
Dieses aufgeschlossene Knochenmehl enthält, weil keine chemisch reine Schwefelsäure und Salzsäure verwandt wird. Spuren von Arenik (0,02 bis 0,2 quot;/n). So fand Fresenius (Zeitschr. für analyt. Chemie l!S89) in 25 Proben zwischen 0,028 und O.l?0/,, Arsenik. Diese Arsenikspuren schaden indessen nicht, da /,. B. ein Ochse bei einer Tagesdosis von 50 g Knochenmehl lag-lieh dann nur 0,01 0,1 g Arsenik aufnimmt, Gewichtsmengen, welche auch bei anhaltender Verabreichung keine schädliche Wirkung ausüben können. Der Centner aufgeschlossenen Knochenmehls (,phosphorsaurer Kalk für Kuttorzweckequot;) kostet im Handel nur etwa 10 Mark, das Kilo demnach nur 20 Pfennig.
Die physiologische Bedeutung des Calciumphosphats. Da der phosphorsaure Kalk der Hauptbestandtheil der Knochen und
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Fhosphorsaurer Kalk.
423
Zähne ist, welche über a/raquo; ilires Gewichtes an Triphosphat enthalten, und da er ausserdem einen unonthohrlichen Bestandtlioil dos organi-sirtcn Körporeiweisses bildet, so ist derselbe einer der wichtigsten Nährstoffe für den thierischen Organismus und zwar speciell ein Plasticum für das Knochengerüste. Der phosphorsaare Kalk vermittelt durch seine Verbindung mit der Leimsubstanz des Knochens die Festigkeit des letzteren.
Das im Körper in den Knochen abgelagerte Calciumphosphat stammt in erster Linie von dem phosphorsauren Kalke der Nahrung ab. Die einzelnen Nahrungsmittel und Futterstoffe enthalten ver­schiedene Mengen, deren Kenntniss namentlich in diätetischer Be­ziehung sehr wichtig ist.
In 1000 Grewichtstheilen der nachfolgenden wichtigsten Futter­mittel sind enthalten;
I.nbsp; nbsp;Körner und deren Kückstände.
Kalk, l'liosphoi'säure.
Mais.........nbsp; nbsp; nbsp; 0,14nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 5,6
Gerste........nbsp; nbsp; nbsp; 0,40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,9
Roggen........nbsp; nbsp; nbsp; 0,40nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9,8
Weizen........nbsp; nbsp; nbsp; 0,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9,3
Hafer........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 7,6
Enthülster Hafer.....nbsp; nbsp; nbsp; 1,56nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 9,8
Bohnen........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,33nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 11,1
Erbsen........nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,53nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,1
Wicken........nbsp; nbsp; nbsp; 1,70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 8,8
Feuchte Bierträber ....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;1,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4,3
Lufttrockene Bierträber . .nbsp; nbsp; nbsp; 4,60nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,6
Kleie........nbsp; nbsp; nbsp; 2,25nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 15,0
Rapskuchen......nbsp; nbsp; nbsp; 4,90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 18,6
Leinkuchen......nbsp; nbsp; nbsp; 4,90nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 20.0
II.nbsp; nbsp;Knollen und Wurzeln.
Kartoffeln.......0,16nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,0
Runkelrüben......0,54nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,5
Weisse Rüben......0,73nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,8
Gelbe Rüben......0,79nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,8
HL Grünfutter.
Spörgel........2,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,8
Rothklee........3,45nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,9
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424nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Phosphorsaurer Kalk.
IV.nbsp; nbsp;Heu.
KaVk. Phosphorsilure.
Wiesenheu.......nbsp; nbsp; nbsp;10,01nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,3
Esparsettheu......nbsp; nbsp; 16r80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4,9
Rothkleeheu......nbsp; nbsp; 18,08nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4,6
Weisskleeheu......nbsp; nbsp; 20,20nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;8,8
V.nbsp; nbsp;Stroh.
Gerstenstroh......nbsp; nbsp; nbsp; 2,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,4
Weizenstroll......nbsp; nbsp; nbsp; Br10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,5
Roggenstroh......nbsp; nbsp; nbsp; 4.10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0
Haferstroh.......nbsp; nbsp; nbsp; 4,50nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,9
Bohnenstroh......nbsp; nbsp; 12,00nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 4,1
Erbsenstroh.......nbsp; nbsp; 25,10nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3,0
VI.nbsp; nbsp;Milch.....nbsp; nbsp; nbsp; 1,70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,2
Ein anderer Theil des Calciumphosphats der Knochen wird im Körper erst gebildet und zwar aus dem kohlensauren Kalk und phos­phorsauren Kali resp. Natron der Nahrung, wahrscheinlich auch zum Theil aus der bei der Zersetzung des Lecithins im Körper gebildeten Phosphor säure.
Mangel an Galciumphosphat führt, wie die Fütterungs-versuche mit kalkarmer Nahrung von Roloff und Veit bewiesen haben, zu Erkrankungen des Skelets, zu Rachitis und Osteomalacie; beide Krankheiten sind als Kalkinanition aufzufassen. 'Daraus ergibt sich die grosse Bedeutung des phosphorsauren Kalkes vom pathologi­schen Standpunkte aus. Umgekehrt fördern fortgesetzte kleine Zu­gaben von Galciumphosphat sowohl das Knochenwachsthura, wie das allgemeine Gedeihen der Thiere, namentlich aber dasjenige träch­tiger und säugender Thiere.
Die Aufnahme des verabreichten Calciumphosphates, welches in Wasser unlöslich ist, erfolgt in der AVeise, dass es bei gleichzeitig vorhandener Kohlensäure, sowie in einer Lösung von Kochsalz und sauren phosphorsauren Salzen zum Theil gelöst wird. Ausserdem wird angenommen, dass es auch durch eine mit dem Körpereiweiss eingegangene chemische Verbindung löslich gemacht wird.
Anwendung. 1) Als Specificuni bei Rachitis und Osteo-malacie. sowie zur Beschleunigung der Callusbildung bei Practuren-, am besten in der Form des „aufgeschlossenenquot; Knochenmehls.
2) Gegen Lecksucht, chronische Ernährungsstörungen,
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Magnesia usta.
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Abmagerung, Anämie, abnorme Säuerung im Magendarm­kanal etc.
3) Als Diäteticum für trächtige Tliiere und Säuglinge, sowie als Zusatz zu kalkarmem Futter.
Die Art der Anwendung bestellt einfach in der Reiinengung zum Kutter.
Dosis des aufgeschlossenen Enochenmehls:
Rinder 25—50,0.
Pferde 10—25,0.
Kälber, Fohlen, Schafe, Ziegen.
Schweine 5—15,0.
Hunde 0,5—5,0.
Katzen 0.5—2,0.
Hühner 1—2,0.
Tauben 0.5 1.0.
Magnesia usta. (raquo;ebraunto Magnesia. MgO.
Pharmaceutische Chemie. Die gebrannte Magnesia (Magne­sium oxydatum, Talkerde) ist Magnesiumoxyd, MgO, welches durch Glühen der kohlensauren Magnesia dargestellt wird nach der Formel: MgCOB = MgO 0O8. Sie bildet ein sehr leichtes (5mal leichten' als Zucker), weisses, feines, lockeres, in Wasser unlösliches Pulver (es löst sich erst 1:56868 Wasser), das sich in Wasser allmählich in Magnesiumbydrat, Mg(OH),,, umwandelt und dann dem Wasser eine schwache alkalische Reaktion verleiht. An der Luft geht das Magnesiumoxyd in Folge Absorption der Kohlensäure bald in Magnesiumcarbonat über. In verdünnten Säuren löst sich die gebrannte Magnesia leicht; die verdünnte schwefel­saure Lösung gibt übersättigt mit Chlorammonium und Ammoniak mit Natriumphosphat einen weissen krystalliniscben Niederschlag von phosphorsaurer Ammoniakmagnesia (Magnesiumreaktion).
Die Prüfung auf einen Gehalt an kohlensaurer Magnesia wird in der Weise dargestellt, dass 0,2 MgO mit 5 cem Wässer zum Sieden erhitzt und nach dem Erkalten in 5 cem verdünnte Schwefel­säure gegossen nur einzelne wenige Gasbläschen zeigen darf. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
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42(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Gebrannte Magueaia.
Wirkung und Anwendung. 1) Die gebrannte Magnesia ist wogen ihres bedeutenden AbsorptionsYermögena für Kohlen­säure — lg absorbirt 1091 ccm Kohlensäure — ein Mittel gegen acutes Aufblähen beim Kinde, wofern dasselbe durch Kohlensäure hervorgerufen wird (meist sind es jedoch vorwiegend Kohlenwassor-stort'e).
2) Ais basischer Körper neutralisirt sie ferner über­schüssige Magensäuren (Dyspepsia ab aeido; Pyrosis) und dient als wichtigstes Antidot gegen Säurevergiftungen.
;5) Giftige Metallsalze (Quecksilber, Kupfer, Zink, Blei) werden durch die gebrannte Magnesia als unlösliche Hydroxyde resp. Oxyde ausgefällt. Es verbindet sieli namentlich auch der Arsenik mit Magnesia usta im Magen und Darm zu einem weniger leicht löslichen Salze = PeAsOa -f Mg;,(AsO:,)2. Vergl. Antidotum Arsenici S. 306.
4)nbsp; In grösseren (öfachen der gewöhnlichen) oder wiederholten kleineren Dosen wirkt Magnesiuinoxyd als Abführmittel. Auch aus diesem Grunde ist es das beste Antidot für die genannten Ver­giftungen.
5)nbsp; Aeusserlich hat das Magnesiuinoxyd eine austrocknende Wirkung, weshalb es als Streupulver in Verbindung mit Lykopodium oder Amylum gegen nässende Ekzeme, Intertrigo etc. ange­wandt wird.
(i) Die desinficirende Kraft der Magnesia usta ist wegen der Unlöslichkeit in Wasser eine geringe (nicht zu verwechseln mit der Kohlensäure absorbirenden). In Pferdestallungen ist sie ausserdem als Desinfectionsinittel nicht zu gebrauchen, weil sie, wenn auch in geringen Mengen aufgenommen, der Bildung von Darmsteinen (phos­phorsaure Ammoniakmagnesia) Vorschul) leistet.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 10—25,0,
Kälber, Kohlen.
Schafe. Ziegen 5—10,0.
Schweine 2—5,0,
Hund 0,2 — 1,0.
Katze und Geflügel 0,1—0.2.
Recepte.
11 llp. Magnesiae ostae
Pulv. Rhiz. Veratri öS 20,0. M. I). S. Mit 1 Flasche Branntwein einzasohtitten für ein Rind mil acutem aufblähen.
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Kohlensaure Magnesia.
427
2)nbsp; Up. Magnesiae ustao 30,0.
Infus. Flor. Cliainoinill. 25,0 : 250,0. M. D. S. Scliüttelinixlur. Stümllicli 1 KaslöH'el für ein Kalb mit ab iioi'iner Siiunigiiliruiig im Magen.
3)nbsp; nbsp;Up. Magnesias ustae
Oaloii oarbonioi aTi 1,0. M. f, l'ulv. D. tal, dos. Nr. VI. S. Viertelstündlich 1 Pulver für einen Hund mit Stturevergiftang.
4)nbsp; Rp, Magnesiae ustae
Lykopodii iTiT 10,0. M. D. S. Streupulver gegen Intertrigo.
Magncsinin carbonloam. Kohlensaure Msignosia.
4Mg008 Mg(OH)!( (UM).
Pharmaceutische Chemie. Die koMensaure Magnesia (Mag­nesia alba, woisse Magnesia) bildet, sehr leichte, weisse, lose zusammenhängende und leicht zerreihliche, parallelepipedische Massen, oder ein lockeres, weisses Pulver (Omal leichter als Zucker), das in Wasser fast unlöslich ist (1 : 2500 kaltem, 1 : 9000 heissem), demselben jedoch schwach alkalisehe Reaktion verleiht. Es löst sich in verdünnter Schwefelsäure (und anderen Säuren) unter Aufbrausen zu einer farblosen Flüssigkeit, welche mit Ammoniak übersättigt nach Zusatz von Chlorammonium und wenig Natrium­phosphat einen weissen krystallinisehen Niederschlag von phos­phorsaurer Ammoniakmagnesia gibt (Magnesiumreaktion). Che­misch ist das Präparat als basisches Magnesiumcarbonat auf­zulassen; beim Clühen verwandelt es sich unter Abgabe von Kohlen­säure in Magnesiumoxyd. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Die kohlensaure Magnesia wird dargestellt:
a.nbsp; nbsp;Durch Ausfällen einer heissen Bittersalzlösung mit Soda: 5 MgSO., i 5 NagOO,, -f 6 H20 = 4 MgC08 -j- Mg(OH)2 -f (i H80
-fOOj 580^8;
b.nbsp; nbsp;neuerdings aus Dolomit (MgOOg-f-OaCOg) nach dem Ver­fahren von Pattinson, wobei der Dolomit so geglüht wird, dass nur die kohlensaure Magnesia (MgOOs) ihre Kohlensäure abgibt und zu MgO wird, worauf sie unter Behandlung mit Kohlensäure sich in hasisches Magnesiumcarbonat umwandelt.
In der Natur findet sich Magnesiumcarbonat in neutraler Form als Bitterspath, Talkspatb oder Magnesitspath, ferner ingrössoren
I
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428
Kolilensaim! Magnosia.
[^agen .als Magnesit. In Verbindung mit Calciumcarbonat bildet es den Dolomit, den Bestandtheil mächtiger Gebirge = MgCO.l-j-CaCO:(. Das ofticinelle basische Magnesiunicarbonat findet sich als Hydro-magnesit am Vesuv.
Pulvis Magnesiae cum Rheo (Pulvis antacidus, Pulvis infan-tum, llibke's Kinderpulver) ist einlaquo; Mischung von Magnesium car-bonieum (12 Theile), Rhabarber (3 TheileJ und Elaeosaccharum Poeniculi (8 Theile). Es bildet ein trockenes, anfangs gelbliches, später röthlichweisses, nach Penchelöl riechendes Pulver. Dosis für säugende Katzen und Hunde: 0,1—0,5 g (messerspitzenweise), Perkel und Lämmer 2—5,0, Kälber und Fohlen 6 10,0. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Magnesium citricum effervescens, Bransemagnesia, eine Mi-bchung von Magnesiunicarbonat, Natriumbicarbonat, Citro-n an säure und Zucker. Ein weisses, grobkörniges, zu Brauselimonaden dienendes Pulver. — Ausserdera sind von nicht officinellen Magnesium­präparaten im Gebrauche: Magnesium aceticum, tartaricum, citri­cum (in Oesterreich ofiicinell), benzoicum, salicylicum, borocitri-cum, chloratum, bromatum, lacticum, nitricum, phosphori cum, ricinicum etc.
Wirkung und Anwendung. Die kohlensaure ÄJagnesia wirkt als basisches Salz neutralisirend auf Säuren im Verdauungs-apparate, wenn auch nicht so stark wie die gebrannte Magnesia. Man gibt sie daher als Antacidum (kleinen Hausthieren und Säuglingen wohl auch in der Form des Pulvis Magnesiae cum llheo) bei ab­normen Säuerungs- und Gährungsprocessen (Milchsäuregähriing) im Magen und Darme, sowie als Antidot bei Vergiftungen mit Säuren. Arsenik und Metallsalzen. Grosse Dosen wirken ab­führend.
Dosis = Magnesia usta:
Pferd und Bind 10-
-25,0.
Kälber, Schafe 5-
-10,0.
Schwoine 2—5,0.
Hunde 0,2—0,1.
Katzen und GeHügel 0,1—0,2.
Recepte.
1) Rp. Magnesiae carbon.
l'nlv. Rhiz. Calami ää 15,0. Natrii chlorati crudi 50,0. M. L). S. Auf 2inal für ein Pferd mit ÄlagenkataiTh.
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Magnesium sulfarioum.
421raquo;
2)nbsp; nbsp;Rp. Magnosiao oarbou. 5,0.
0|ui palverat. 2,0. Pulv. ffummos. 10,0. M. D. S. .Jo lt;lio Hälfte mit 1 Tasso Cauiillcnthoe eiuzuaohtttten für oin Kalb mit Uuhr.
3)nbsp; nbsp;R]). IVIafruosiao carbon.
Sacohar. Laot. 5ä 1,0. M. 1). tab dos. Nr, V. 8. SstUiidlich 1 Pulver für einen Hunil mit Magendamkatarrh.
4)nbsp; Rp. Pulv. Magnesiao cum lilioo 10,0.
M. D. S. Stündlich 1 Messerspitze voll mit 1 Löffel lUiloh für säugende Hunde (Katzen) mit Brechdurchfall.
Magiiesiuin sulfuriciiin. Bittersalz.
MgS04 7HjO,
Pharmaceutische Chemie. Uns Bittersalz (schwefelsaure Magnesia, Magnesiumsulfat, Sal amarura, 8al anglioum) bildet kleine, farblose, prismatische Nadeln von bitterem, salzigem G-cscbmacke. welche an der Luft langsam verwittern, beim Kauen knirschen (Unterschied vom Glaubersalz) und in gleichen Tb eilen Wasser löslich sind (in beissem Wasser noch viel leichter). Die wässerige Lösung gibt mit Natriumphosphat bei Gegenwart von Cbloramnionium und Ammoniak einen weissen krystallinischen Niederschlag von phosp hör säur er Ammoniak­magnesia (Magnesiumreaktion), mit Bariumnitrat einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Baryt (Sulfatreaktion). A.P. 200,0 = 15 Pfennig.
Die Darstellung des Bittersalzes ist. eine verschiedene:
a.nbsp; Aus Kioserit (MgS04-j-HgO; in den Abraumsalzen des Stassfurter Steinsalzlagers enthalten). Avelches bei längerem Liegen an feuchter Luft oder beim Kochen mit Wasser, namentlich nach vor­hergehendem Glühen noch 6H20 aufnimmt:
MgSO, -f HjO -|- G H2Ü = MgS(), 711,0. Kieseritnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bittersalz
b.nbsp; nbsp;Aus der Mutterlauge Chlormagnesium enthaltender Salz-soolen durch Versetzen mit schwefelsaurem Natron und AI)-dampfen:
Mg01s SO .Na, -f 7 Ha() = MgSO, -! 7HjO i 2 CINa.
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Magnesiam sulfarioum.
c. Aus dem Dolomit (Mg008 -f OaCOJ oder Magnesit (MgCO.,) (lurcli Behandeln mit Schwefelsäure.
(1. Aus den Bitterwässern (Hunyadi Janos, Friedriohshall, Kis-singen, Saidsohütz, Sedlitz, PUlna, Espom), welche 1—20/o Bittersalz enthalten.
Aussei1 im Kicserit und in den Bitterwässern findet sich in der Natur Magnesiumsulfat auch noch als Reichardtit (MgSO, -j 7 H.,0) im Stassfurter Abraumsalz, ferner im Ka'init (MgS04 MgOlj SO.lK,1 CH,0),iniPolyhalit(MgSO.t CaSOl-|-K;,SO[ 2H80), im Schönit (MgSO, 4- K.SO, |- öH80) und Astracanit (MgSO^-j-Xa^SO, 4 H.,0). Endlich ist das Bittersalz ein constanter Bestand-theil des Meerwassers (0,;5n/quot;).
Magnesium sulfuricum siecum, getrocknetes Bittersalz, ist Bittersalz, welchem durch Erhitzen im Wasserbade 5 Krystallwasser ent­zogen sind (Gewichtsverlust = 'j3), das demnach die Formel MgSOj -fquot; 2 H.^O besitzt. Es bildet ein feines, lockeres, weisses Pulver, welches in gut ver­schlossenen Gläsern aufzubewahren ist, da es sich an der Luft unter Wieder­aufnahme von r)H.,0 in Bittersalz umwandelt. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Bittersalz wirkt wie das (llauhersalz durch Biosmose von Flüssigkeit in das Darmlumen, sowie in Folge direkter Erregung der Darmperistaltik abführend und wird daher als mildes Laxans in denselben Krankheitsfällen angewandt wie das Glaubersalz (Kolik, Verstopfung, üeherfütterting, zur Ab­leitung auf den Darmkanal). — Die von verschiedenen Seiten em-pfohlene Anwendung des Bitterwassers (Hunyadi Janos) ist für die Zwecke der Thierheilkunde theils zu umständlich, theils zu theuer.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rinder 500—1000,0,
Pferde 250—500,0, Schafe, Ziegen 50—100,0. Schweine 25—50,0, Hunde 10—25,0, Katzen 2—5,0. Geflügel I -2,0,
Recepte.
1) Kp. Magneaiae sulfur. 500,0. Pulv. Rad, LiquMt, 50,0. I'ulv. Rad. Althaeae 200,0. A(|ii. coininun. (|U. s. f. Electuar. |). 8. Koliklat\viTquot;(! für ein Pferd.
,
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Salmiakgeist.
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2) R\). Magimsiao sullur. 100,0. Aloes pulv. 10,0. M. D. S. Mit 1 Flasche Lüiiisaiiieiiiibkuoliuiijf auf '2iiuil eitizusehütteu für ein Schaf mit. Verstoiifung. 8) Rp. Jlagnosiao sulfur. 130,0. Mollis 50,0. M. D. S. Ahfiihrlatwcrge für ein Schwein.
4) Up. Magnesiae sulfur. 15,0. Aqu. destill. 150,0. Suco. Junip, inspiss. 20,0. M. D. S. Auf 2inal einzuschütten für einen Hund mit Verstopfung.
Liquor Ammonii caustici. Siihniakgoist.
10% NH3 in H./).
Pharmaceutische Chemie. Dur Salmiakgeist (A m mo nia, A m m o-niak) bildet eine klare, farblose, stechend riechende, flüch­tige, die Haut ätzende, brennend urinös schmeckende und stark alkalisch reagironde Flüssigkeit, welche bei Annäherung von Salzsäure dichte weisse Nebel bildet (Einführen eines mit Salzsäure befeuchteten Glasstabes über die Flüssigkeit). Sie enthält 10 quot;/n Ammoniak (NHJ und hat ein specitisches Gewicht von 0,9(30. A.P. 200,0 = 40 Pfennig.
Der Salmiakgeist, welcher in Oesterreich unter dem Namen Ammonia officinell ist, wird dargestellt aus gleichen Theilen Sal­miak (oder Ammoniumsulfat), Kalkhydrat und Wasser durch Er­hitzen in eisernen Cylindcrn nach der Formel:
2 NH ,01 4 Oa(OH)a = 2 NH:l CaCl, -f 2 H ,0.
Liquor Ammonii anisatus ist eine Mischung von Ammoniak (5 Theile), Weingeist (24 Theile) und An is öl (1 Tbeil) und bildet eine klare, gelbe Flüssigkeit, welche als Excitans und Expeotorans in der Hunde­praxis tropfenweise gegeben wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Lmimentum ammoniatum, Li nimentum volatile, flüchtiges Liniment, ist eine Mischung von Ammoniak in Oel (1 : 4), von weisser Farbe und dickflüssiger Consistenz mit dem charakteristischen Am-moniakgeruche. Es bestellt aus Ammoniakseifen und freiem Ammoniak und wird nach der deutschen Pharmakopöe aus 1 Theil Ammoniak, 8 Theilen Olivenöl und 1 Theil Mohnöl dargestellt. (Der Zusatz von Mohnöl bezweckt eine bessere, dichtere Oonsistenz.) A.P. 100,0 = 70 Pfennig,
Linimentum ammoniato-camphoratum, fl tt c h t i g e s C a m p h e r 1 i n i-
niont, ist eine Mischung von Ammoniak mit Campheröl (1:4), A.P. 100,0 = 86 Pfennig.
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Salmiakgeist.
t Linimentum saponato-ammoniatum, flüchtiges Seifenliniraent (früher officinell), ist eine Mischung von Seife (1 Theil), Wasser (30 Theile) Spiritus (10 Theile), Ammoniak (15 Theile). A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Wirkung. 1) Auf der Haut erzeugt der Salmiakgeist in con-centi'irteni Zustande (1 : 1 — 5) Aetzung unter Blasenbildung und Haarausfall; in schwächeren Lösungen (1 : 6—20) bewirkt er Haut-byperiimie, verdünnt (1—B(,/o) löst er die Epidermis auf und verseift die Hautfette.
2)nbsp; nbsp;Auf Schleiiuhäuten wirkt er ebenfalls ent/ümltings-erregend und ätzend und zwar noch in einer Verdünnung von 1 : 10, Deshalb ruft er innerlich in eoncentrirtem Zustande Stoma­titis, Pharyngitis und Grastroenteritis und beim Einatbmen oroupöse Laryngitis, Tracbeitis, Bronchitis und Pneumonie hervor. Kleinero Gaben regen die Secretion der Verdauungs­und Schleimdrüsen, sowie die Thätigkeit des Flimmer-epitbels an.
3)nbsp; Als wichtigste Allgemeinwirkung sind bei grösseren Gaben tetanisehe Muskelkrämpfe vom Charakter des Strychnintetanus mit hochgesteigerter Reflexerregbarkeit hervorzuhehen. Die Wirkung auf das Muskel- und Nervensystem ist demnach eine •excitirende; dasselbe gilt für das Herz, den Oirculationsappa-rat und das Grosshirn.
4)nbsp; nbsp;Als starke Base neutralisirt der Salmiakgeist im Magen und Dann überschüssige Säuremengen (Kohlensäure namentlich).
Die Ausscheidung des Ammoniaks im Harn erfolgt als Harnst so ff.
Anwendung. 1) Innerlich als Excitans bei allen Schwäche­zuständen (mit der 50—lOOfachen Menge kalten Wassers oder einer kalten schleimigen Abkochung); er wird jedoch wegen des stechenden Geruches und der nicht ungefährlichen AppUcation selten benutzt.
2) Innerlich als Stomacbicum und Absorbens beim acuten Aufblähen des Eindes (10—80 g im 50—lOOfachen des kalten Wassers gelöst); Nutzen fraglich, Anwendung nicht ungefährlich.
:{) Als Expectorans in der Form des Liquor Ammonii anisatus bei Bronchialkatarrhen, Lungenentzündung, Staupe; jedoch nur bei kleineren Hausthieren. Es wirkt hier gleichzeitig auch als Excitans.
4) Aeusserlich als Aetzmittel, z. B. gegen Zungenactino-mykom, Strahlkrebs, Papillome (Silvestrini), zur Einspritzung in Speichelfisteln (Haubner) etc.. sowie in der Form des Lim-
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Salmiakgeist.
4.'i3
iiiuntum aiuiiioiiiatum (volatile) zu scharfen E i n i o i b ung en bei ohronisohen Arthriten, Rheumatismen, DrUsenentzUndimgen, Sebnen-entzündungen, Exostosen etc. Die zuerst ausfallenden Haare wachsen spilter wieder nach. Endlich in stärkeren Verdünnungen als anti­septisches und zertheilendes Mittel bei Sohlangenbissen und Insektenstichen, chronischen Hautentzündungen. Muskelrheuma-tismen. Anschwellungen der Extremitäten etc. und als Hautruhe-faoiens in Verbindung mit anderen Mitteln (sogenannte Restitutions-lluide). Die antiseptische Wirkung des Salmiakgeistes ist 3mal schwächer als die der Kalilauge, mithin sehr schwach. Das Wuth-gift wird beispielsweise erst nach 10 Minuten langer Einwirkung ge-tödtet.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 10-30,0.
Pferd 8—16,0.
Schaf. Schwein 1—2.0.
Hund 2—r. Tropfen.
Katze und Greflügel 1—2 Tropfen. (Dosis des Liquor Ammonii anisatus für Hunde 5 bis 10 Tropfen, für Katzen 2—5 Tropfen.)
Recepte.
1)nbsp; Rp, Liquor Ammonii caust.
Tinctur. Vcratri albi ää 20,0. IM. D. S. Mit 1 Flasche kaltem Wasser gut gemischt einznseliütten für ein Rind mit acutem Aufblähen.
2)nbsp; Rp, Liquor Ammonii anisati 5,0.
Vini rubri 100,0. M. D. S. Sstündlich 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund (Katze) mit Staupe.
8) Rp. Decoct. Had. Senegae 10,0 t 150,0. Liquor. Ammon. anisat. 5,0. M. D. S. Sstündlich 1 Ksslöllcl für einen Hund mit clironischein Bron-cliialkatarrh.
4) Rp. Linimenti ammoniati 250,0. 01. Terebinth, 50,0. M. 1). S. Acusserlich zum Einreiben gegen Sohulterrheomatismus bei einem Viertle.
6) Rplaquo; Liquor Ammonii caust. Sjiiritus oamphor, Spiritus aetherei ää 50,0. Spiritus dilut, 500,0. M. 1). S. Restitutionsfluid. Pröhner, Arzncimittcllehie. 3. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; oo
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484nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Ammonium oarbouioum.
6) Kp. Liquor Ammou. canst.
Tinot. Oantharid. iiü 50,0. Spiritus 200,0. yi. D. s. Soharfe Einreibunsr fttr ^iii Pferdi
Aiiimuuiuiu (#9632;arltouiciiiii. Kohlensaures Aminoniak.
008H(NH4) 00 . NH3. ONH4.
Pharmaceutische Chemie. Das kohlensaure Ammoniak (Ani-iiioniuincarl)onat, flüchtiges Laugensalz, Sal volatile siooum, gereinigtes Hirschhornsalz, Sal Oornu Oervi depuratum) bildet farblose, weisslioh bestäubte, dichte, harte, durch­scheinende, faserig-krystallinische Massen von stark ani-moniakalischem Gerüche, welche mit Säuren aufbrausen, beim Erhitzen flüchtig sind, einen laugenartigen Geschmack haben und sieb in 5 Theilen Wasser langsam, aber vollständig lösen. Das an der Luft entweichende Gas ist carbaminsnures Ammonium = CO . NHg. ONH4, das zurückbleibende ist das geruchlose, schwer­lösliche A.mmoniumhioarbonat = C08H.NH4. Deswegen hat das kohlensaure Ammonium die zusammengesetzte Formel: 008H.NH4 CO . NH2 . ONH,. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Dit^ Darstellung des kohlensauren Ammoniaks geschieht durch Sublimation von schwefelsaurem oder salzsaurem Ammoniak mit k 0 h lens a u r e m K a 1 k : SO^Xll,),, OaC08 = CO,(NH,), -f SQ., Ca.
Ammonium carbonicum pyro-oleosum, Hirschhornsalz (Sal t!ornu Cervi), wurde früher durch trockene Destillation thierischer Stoße (Hirsch­horn, Hörner anderer Tliiere, Knochen, Klanen. Hufe etc.) gewonnen. Es ist ein Gemenge von Ammonium carbonium und Oleum animale foetidum, als Arzneimittel jedoch vollkommen überflüssig. Wo es gewünscht wird, stellt man es durch Zusammenreiben von 1 Theil stinkendem Thieröl und :!2 Theilen Annnoniumcarbonat dar. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das kohlensaure Ammonium stimmt in seiner Wirkung im Allgemeinen mit dem Salmiakgeist iiberein; es ist jedoch wesentlich milder. Man benutzt das Salz, welches im Körper freies Ammoniak entwickelt, nur innerlich und zwar wo­möglich in Pillenform oder in viel Wasser gelöst:
1) Als Excitans in allen Sohwäohezuständen zur Belebung der Gehirn- und Herzthiitigkeit, so namentlich im Verlaufe schwerer tn-fectionskrankheiten, nach starken Blutverlusten, bei narkotischen Ver-
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Aimiionimu ohloratum.
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giftungen, bei Oollaps, sowie bei Parese des Pansens und Darm* kanals (Aufblähung, Kolik); endlich angeblich als Specifioum gegen Schlangenbisse und Insektenstiche,
2) Als reizendes Expectorans bei chronischen Bronchial-katarrhen mit Erschlaffung der Schleimhaut, sowie Im dritten Stadium der Pneumonic.
;!) Ais Diuretioum und Diaphoreticum.
Qrosse Q-aben wirken giftig und selbst tödtlich durch Gastro­enteritis und tetanusartige Krämpfe; Hunde sterben so auf 10 g innerhalb 12 Minuten (Orfila), Dagegen ertragen Pferde und Binder (30 g ohne üble Folgen (Hertwig),
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kind 20—50,0.
Pferd 10—25,0. #9658;Schafe, Schweine 2—5,0. Hunde 0,2—1,0. Katzen und Geflügel 0.1—(raquo;.5.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;\\\i. AiMiuoriii oarbon. 15,0.
Camphor, trit. 5,0. I'iilv. Rad. Althaoae qu. s. f. Pilula. D. S. Kiir ein Pferd mit Herzsohwäohe.
2)nbsp; nbsp;Rp. Ainmouii oarbon. '2o,0.
Terebinth, oommun. 30,0. I'ulv. et Suooi Liquirit. i|il. s. fiat massa, e qua formentur Pilnlae Xr. II. D. 8. Für ein Pferd mit Lungenbrand.
3)nbsp; nbsp;H[i. Aiiiiiionii oarbon.
I'ulv. liliiz. Veratri ää 20,0. y\. I). S. Mit 1 Flusche Leinsamenabkoohung einzusohütteti für ein Rind mit aoutem Aufblähen.
4)nbsp; Kp. tnfus. Rad. [pecaouanhae 20,0:250,0.
Aiiiiiionii oarbonioi 5,0. Suooi Liquirit. '2i.gt;,0. AI. D. 8. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöifel) für einen grossen (kleinen) 1 [und mit Staupe.
Ammonlnm chloratnin. Salmiak.
NH4C1,
Pharmaceutische Chemie. Der Salmiak bildet weisse, harte, färb- und geruchlose, faserig-krystallinische Kuchen, resp.
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43lgt;
Ammonium ohloratun
ein wcisses Pulver von stech end em, scharfem (-1 es ch mucke; er ist heim Erhitzen flüchtig und löst sich in 3 Theilcn kaltem Wasser, wäiirend er in Weingeist fast unlöslich ist. Seim; wässerige Lösung gibt mit Silbernitrat einen weissen, käsigen Nieder-schlag (Chlorreaktion) und entwickelt, mit Natronlauge erwärmt. Ammoniak. A.P. 10,0 == 6 Pfennig. 200,0 = 70 Pfennig.
Die gebräuchlichste Darstellung des Salmiaks ist die aus den ammoninmhaltigen Nehcnprodncten der Q-asfabrikation. in den Steinkohlen sind nämlich stiokstoffreiohe Körper als Ueberreste der betreffenden vorweltlichen Pflanzen enthalten, welche sich hei der trockenen Destillation der Steinkohlen (öasbereitung) in Ammonium-verbindungen umwandeln und im sogenannten „Q-aswasserquot; neben dem Theer als kohlensaures Cyan- und Schwefclammonium enthalten sind. Wird das (laswasser direkt mit Salzsäure behandelt, so er­hält man den Rohsalmiak:
5C1H C08(NH4)8 CyNH, 4 S(NH4)g = 501NH4-|-CO., -i CyH (-SHä H20.
Gewöhnlich wird aber der Salmiak nach vorhergehendem Neu-tralisiren des Gaswassers durch Schwefelsäure, also aus schwefel­saurem Ammonium und Chlornatrinm dargestellt: SO.(NH,)., -|- 2 CINa = 2 C1N H, SO.Na,.
.Je nach der Darstellung unterscheidet man hiehei den „suhli-mirtenquot; und „krystallisirtenquot; Salmiak. In ähnlicher Weise können auch kleine Mengen Salmiak als Nebenproducte bei der Knochen­kohle- und Blutlaugensalzfabrikation dargestellt werden. Früher wurde Salmiak durch Verbrennen des Kameelmistes in Aegypten (Tempel des Jupiter Ammon in Lyhien) und Sublimation des dabei entstehenden Kusses gewonnen. Endlich kann man den Salmiak rein
chemisch aus Ammoniak und Salzsäure darstellen; NH,, = C1ND,.
C1H
Ammonium chloratum ferratum, Eisensalmiak, wird dargestellt durch Eindampfen von Salmiak (32 Theile) mit Eisenchloridlösung (9 Theile). Er bildet ein rothgelbes, an der Luft feucht werdendes, in Wasser leicht lösliches Pulver, welches die Wirkung des Salmiaks mit der des Eisens vereinigt.
Wirkung. 1) Der Salmiak ist ein Reizmittel für die Schleim­häute; er regt die Schleimsecretion an und steigert die Thätig-keit des Flimmerepithels auf der Bronchialschleimhaut. Grössere Gaben oder länger fortgesetzte kleinere erzeugen Magendarm-ka t a rrh.
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#9632;ill
Amnioiiimii chlonitiiin.
437
2) Er vermehrt die Harnsecretion in TA)lgo einer direkten Heizung der Nierenepithelien. Im Harne wird er als Harnstoff aus­geschieden.
;!) Die Allgemein Wirkung des Salmiaks ist die des Am­moniaks und kohlensauren Ammoniums. Auch der Salmiak erzeugt in giftigen Dosen Tetanus und psychische Erregungszu-stände.
Anwendung. 1) Als Expectorans in den späteren Stadien von Bronchialkatarrh, Lungenentzündung. Druse, Staupe etc. Der Salmiak erregt die Flimmerhewegung. verflüssigt den ange­sammelten zähen Schleim und vermehrt die Secretion der Schleim­drüsen. Man gibt ihn innerlich in Pillen, Latwergen und in Lösung, am besten mit Liquiritia, seinem Geschmackscorrigens (nicht in Fress-pulvernt); er kann indessen auch in der Form der Inhalation (1 bis 2 0/oige Lösung oder in Substanz über massiger Flamme erhitzt) sowie der intralaryngealen Injection angewandt werden.
2) Ausserdem wird der Salmiak, wenn auch seltener, gebraucht gegen Verschleimung der Magendarmschleimhaut, als Diureti-cum und als Resolvens zur Lösung fester Exsudate (Alkali-wirkung).
• i) Aeusserlich dient er als erregendes, zertheilendes Mittel gegen chronische Hautentzündung, Quetschungen etc., namentlich früher als Oxygratum simples (Auflösung von Salmiak in Essig und Wasser) und Oxycra.tum compositum (das einfache Oxycrat und Spiritus oamphoratus),
1) Endlich wird er benützt zu Kältemischungen als Ersatz von Eis. 250 g Salmiak mit 250 g Salpeter gemischt geben mit 1 later AVasser von 10deg; 0. eine Abkühlung bis auf — 10deg; 0. Be­kannt sind die sogenannten Schmucker'schen Fomentationen, welche aus Salmiak und Salpeter (oder letzterem allein) 30, Essig 500 und Wasser 1500 Theilcn bestanden.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Hinder 10—25,0.
Pferde 8—15,0. Schafe, Schweine 2-Euncle o,2—1,0. Katzen 0,1 — 0,8. Geflügel 0,05—0,2.
-5,0.
I
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438nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salmiak.
Kecepte.
1)nbsp; Bp. Animiinü ohlorati 30,0.
I'ulv. Som. Foeuugraeoi
Pulv. Fruot. Foeoiouli STT 26,0.
i'ulv. Rad. Althaeae 100,0.
A(|u. c|ii. s. f, Electuar. I). 8. Auf 2raal für oiu l'l'cnl mit Bronohitis.
2)nbsp; nbsp;Rp. Amiuiuiii ohlorati quot;jO,!).
Tartar, stibiat. 10,0. Pulv. Rad. Liquirit. 160,0. AI. f. Pulv. Divide in part, aequal. Nr. lil. D. S. Tiilt;gt;lidi I Pulver mit I Flasche Leinsameuabkoohuug für ein Itiiul mit Lungenkatarrh,
8) Rp, Aminoiiii clilcirati 10,0. Natrii sulfurioi 100,0. Pulv. Fruot. Anisi 20,0
M. f. i'ulv. Divide in partes aequal. Nr. III. D. S. Tiiglicli 1 Pulver für i'in Sohaf (Ealb, Ziege) mit '/#9632;-• Flasohe Leinsamenabkoohung gegen katarrhalisohe Pneumonia,
4)nbsp; nbsp;Rp. Aumiouü ohlorati 10,0.
I'ulv. Rad, Liquirit. 80,0. Mellis qu. b. f. Bleot. D. S. Tiiglicli 'Juiiil 1 Esslöffel für ein Schwein mit Katarrh iler oberen Luftwege.
5)nbsp; nbsp;Rp. Ammonii ohlorati 10,0.
Succi Liquirit. 20,0. A(|ii. destill. 300,0. M. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Huml mit Staupe.
(i) Rp. Ammonii ohlorati 10,0. Tartari stibiati 0,5. Suooi Liquirit. 20,0. Aqu. destill. 300,0. M. D. S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Huml mil katarrhalischer Pneumonie; sog. Mixturu solvens.
7)nbsp; Rp. Ammonii ohlorati 2,0.
Natrii ohlorati 5,0. Aqu, destill. 600,0.
M, D. S. Trinkwasser für einen Papagei mit Hronehialkiitarrh.
8)nbsp; nbsp;Rp. Ammonii ohlorati
Natrii sulfurioi
Natrii bioarbon. äii 2,0,
M. D. S. 1 Messerspitze ins Trinkwasser für einen Kauarienvogel mit Heiserkeit.
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1
Essigsaurea Ammonium
430
Liquor Aniinoiili acotici. EssigsaurcN Aiiiinoiiiuiu.
IT)0/,, OH;,. COOXH, ill li.;0.
Pharmaceutische Chemie. Das essigsaure Ammonium (A m mo-Tiium aoetioum solutum, Spiritus Mindereri) wird dargestellt iius Aiumoniiik und verdünnter Essigsäure. Es bildet eine klare, farblose, völlig flüchtige, geruchlose, neutrale oder kaum saure Flüssigkeit von stechend salzigem Q-eschmaoke, welche mit Bisenohloridlösung eine blutrothe Farbe (essigsaures Eisenoxyd; Acetatreaktion) gibt und mit Natronlauge Ammoniak entwickelt. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das essigsaure Ammonium besitzt eine ausgesprochene schweisstreibende Wirkung, wie dies von IVIarme experimentell an Katzenpfoten nachgewiesen worden ist. Ausserdem hat es wie der Salmiak eine reizende, seldeimvertlüssigende Wirkung auf die Schleimhaut des Respirationsapparates, weshalb es als Expectorans angewandt worden kann. Aeussorlicb eingerieben wirkt es leicht reizend auf die Haut. Grosse Dosen wirken giftig, indem sie Totauns erzeugen (AmmoniakWirkung). Im Körper wird das Acetat zu Oarbonat verbrannt. Das Präparat wird im llebrigen nur sehr selten angewandt. Die Dosis ist die des Salmiaks.
Von nicht officiiiellen Ammoniaksalzen sind u. a. noch zu nennen: Ammonium aoetioum orystallisatum, Ammonium bicar-bonicum, sulfuricum, nitricum, phosphoricum, nitricum, va­lerian ieum, t'luoratum, suocinicum, benzoieum, salicylicum etc. Eine ausgesprochene Ammoniumwirkung besitzt auch das Trimethyl-amin = ITfOHAj, ein in dei- lläringslake enthaltenes Ptoma'in, welches in toxischen Gaben Krämpfe erzeugt und beim Menschen in J grammigen Dosen gegen tieberhaf'ten Rheumatismus angewandt wurde, sowie das Q-ua-nidin = 0(NH,2).,NH.
Lithiuiii carbouiciiiu. Kohlensaures Lithinin.
LijOOs,
Pharmaceutische Chemie. Das Lithuimcarbonat wird durch Fällen des Ohlorlithiums mit kohlensaurem Ammoniak dar­gestellt. Es bildet ein weisses, in Wasser schwer lösliches (1:80) alkalisches Pulver, welches mit Salzsäure befeuchtet die Flamme
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Salzsäure.
intensiv kiirminroth färbt (Litbiumreaktion) und mit Säuren auf­braust (Kohlensäurereaktion). Das Lithiununetall ist in der Natur in kleinen Mengen weit verbreitet, so in der Ackererde, in der Ptbinzen-asche, in vielen Mineralquellen (Assmannshausen, Karlsbad, Kreuznach, Eässingen, Salzbrunn, Baden-Baden). Von Mineralien findet es sieb im Lepidolith, Lithionglimmer, Petalit, Triphyllin, Spodu-m en. A.P. 1,0 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das kohlensaure Lithium hat eine speoifisoh lösende Wirkung auf Harnsäure, welche die der Kalium-und Natriumsalze weit übertrifft. Aus Q-iohtknorpehl, welche mit Harnsäure inkrustirt sind, wird letztere durch kohlensaures Lithium viel rascher ausgezogen, als durch kohlensaures Natrium oder Kalium. Deshalb wird Lithiumcarbonat in der Mensohenheükunde als Speci-Hcum gegen (liebt in Dosen von D.l—0.2 angewandt. In der Thier-beilkunde kann es gegen die Gicht des Q-efltigels ('j—D'oige Lö­sungen als Trinkwasser) gebraucht werden.
Nicht offlcinelle neuere Lithiumpräparate sind: Lithium beu-zoioum, bicarbonicum, borocitrienni, bromatum, oitricum, hip-puricum, jodatum, oxalicum, oxydatum. phosphoricum, sulfuri-oum, sulf o-ichtliyolicum , sali cylicum. Namentlich das letztere wird neuerdings vielfach als Giftmittel empfohlen.
Aciduin iiydrocliloricum. Salzsäure.
25% GIB in lip.
Pharmaceutische Chemie. Die Salzsäure ist in drei Formen officinell:
1) Die rohe Salzsäure, Aoidum hydro chlorioum crudum, wird als Nebenproduct der Sodafabrikation aus Schwefel­säure und Kochsalz gewonnen: 201Na-|-SO^Hj = 201H S04Na.,. Sie bildet eine gelbliche, an der Luft rauchende, sauer reagi r ende Flüssigkeit vom speciflschen Gewicht 1.158 und enthält 30—33 nquot; Chlorwasserstoff in Wasser gelöst. Sie ist als Chlor­verbindung durch den weis sen Niederschlag mit Höllenstein charakterisirt. Sie enthältals N eb enb e standt be i le Eisen,Schwefel­säure, Chlor, organische Stoffe, soll aber arson fr ei sein. Die Prüfung auf Arsen wird in der Weise vorgenommen, dass die Säure mit einigen Krystallen Zinnchlorür erhitzt wird; tritt keine.
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Salzsäure.
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helle Lösung ein, sondern bildet sich eine braune Trübung (Reduction /.u Arsen), so ist die Siiure arsenhaltig. A.P. 200,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Die reine Salzsäure, Acidum hydrochlorioum purum (oonoentratum), bildet eine klare, farblose, in der Wärme flüch­tige, sauer roagironde Flüssigkeit vom speeiflsohen Gewichte 1,124. welche 25 0/o Chlorwa.sserstoff in Wasser aufgelöst enthält. Mit Sil­bernitrat gibt sie einen weissen, käsigen Niederschlag (Ohlor-silber). Beim Erwärmen mit Braunstein entwickelt sie Chlor. Sie wird dargestellt durch Rectification der rohen, arsenfreien Salzsäure. Sie soll frei sein von Arsen, Schwefelsäure, schwefliger Säure, Eisenchlorid und Chlor. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
3)nbsp; nbsp;Die verdüunte Salzsäure, Acidum hydroohloricum ililn-tum, ist eine Mischung von gleichen Theileu Wasser und Salz­säure. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit vom speeiflsohen Gewicht 1,061 mit 12,5 gt; C1H.
Prüfung der Salzsäure auf Arsengehalt. Derselbe kann auf ver­schiedene Weise nachgewiesen werden. 1) Die Einleitung von Schwefel­wasserstoff in die Silnre erzeugt eine gelbe Trübung von Schwofelarsen. 2) Das von der deutschon Pharmakopüe vorgeschriebene Verfahren ist nach­stehendes: Wird 1 cem Salzsäure mit 3 con Zinnchlorürlüsung versetzt, so darf im Laufe einer Stunde eine Färbung nicht eintreten.
Wirkung. 1) Concentrirt wirkt die Salzsäure als starkes Actz-mittel auf Haut und Schleimhäute. Der Aetzschorf ist trocken, umschrieben, grau weis s. (Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, Gastri­tis, Enteritis ulcerosa.)
2)nbsp; Innerlich gegeben steigert sie in kleinen Gaben die physio­logische Verdauungskraft des Magensaftes. Bekanntlich ist Salz­säure allein schon im Stande, bei Körportemperatur gekochtes Fibrin allmählich in Pepton überzuführen. Die Pepsinwirkung wird durch die Salzsäure wesentlich unterstützt; am günstigsten ist hierbei ein Säuregehalt von 0,1—0,3 0/o.
3)nbsp; nbsp;Wie alle Säuren ist die Salzsäure in wässeriger Lösung ein, wenn auch sehwaches. Antisepticum. Das Wuthgift wird beispiels-
weise durch eine
#9632;oiffe
Salzsäurelösung nach •quot;) Minuten vernichtet.
4) Grössere Dosen Salzsäure, Ivaninchen innerlich in verdünntem Zustande gereicht, entziehen dem Blute Alkali. Der Tod erfolgt im Momente der Neutralisirung des Blutes in Folge Lähmung der Athmung und der vasomotorischen Centra. Wird in diesem Stadium eine Sodalösung dem Blute zugeführt, so bleibt das
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44-2
Salzsäure.
Thier am Leben (Walter). Bei Sunden und anderen Hausthieren kommt os jedoch zu keiner vollutäiuligen Neutralisirung des Blutes.
Anwendung. Die Salzsäure wird aussohliesslioh innerlich als Stomaeliieuin angewandt, Sitquot; eignet sieh insbesondere für alle Fälle von Magenkatarrhen, welche anfeiner verminderten oder gänzlich aufgehobenen Absonderung der physiologischen Magensalz­säure sowie auf der Ansammlung abnormer (iährungssäuren beruhen. Sehr gute EQrfolge werden namentlicl) mit der Salzsäure bei den
chronischen Verdauungsstörungen der Wiederkäuer und des Geflügels erzielt. Auch bei fieberhaften Allgemeinlaquo; kra u h hei ten ist die Absonderung des Magensaftes unterdrückt und die Verdauung deshalb gestört. Dabei soll die Salzsäure alter nur in kleinen Dosen gegeben werden, da zu viel Säure, z. B. mehr als 0,5 quot;/.) beim Pferde, die Pepsinwirkung stört; auch darf die Salzsäure heim Pferde nicht unmittelbar nach der Futteraufnahme, sondern erst 2—3 Stunden nachher gereicht werden, weil sonst die im Beginne der Verdauung vorwaltende Milohsäui'ewirkung aufgehoben wird (Ellenberger und Hofmeister).
Bezüglich der IViiher iibliclien Anwendung dei' Salzsäure als Prophylactioum gegen Seuchen ist zu bemerken, dass allerdings die Salzsäure dem Magensäfte eine antiseptische Wirkung gegenüber den patbogenen Mikroorganismen (Tuberkel-, C'liolera-Bacillen etc.) verleiht, dass sie aber auf andere Eintrittsstellen der Krankheitserreger. namentlich auf die Lungen, selbstverständlich keinerlei schützende Einwirkung ausüben kann. Sie könnte also höchstens als Prophy-lacticum gegen die K u h r. den S t ä be hen r o t b 1 a u f der Sch w eine. die Hühnercholera, die Qarmtuberkulose etc. vorsucht werden.
Gewöhnlicdi reicht man die Salzsäure im Trinkwasser oder mit viel Wasser verdünnt als EingUSSj wegen der ätzenden Wirkung der reinen Säure verschreibt man gerne entweder die verdünnte Salzsäure oder wässerige Lösungen der reinen.
Contralndicirt ist Salzsäure beim Magengeschwür.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 15—30,0.
Pferd 1(1—20,0. Kälber, Schafe,
Ziegen, Sehweine -......5,0.
Hunde 0,1 -0,5. Katzen 0,1—0,2. C-ieflügel 0,1—0,6,
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I'liospliorsiiiirc.
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Rocepte.
1)nbsp; nbsp;K|i. Axjidi liyili'dclilni'. 60,0.
A(|ii. destill. 250,0. M, Iraquo;. S. Den •quot;.. Theil in jedes Ti-inkwasser für ein Pferd mit Magen­katarrhe
2)nbsp; nbsp;Rp, Aoidi hydroohloii, dilut, 10o,o.
Igt;. 8. Sstündlioh 2 Esslöffel mit 1 Flasche Wasser einzugeben für ein Himl mit, ohronisoher Verdauungsstörung.
S) Rp, Infus. Flor, Chamomill, 5,0! 100,0, Aoidi hydroohlor, 5,0, M.. D, S, Auf 2ma1 für ein Kalb mil abnormer IMagensäuerung, 4) liiJ. Aoidi hydroohlor. 5,0, Äqu, destill, 800,0. M. Iraquo;. S, Bsttindlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen groesen (kleinen) Hund mit Staupe,
Acidiim phosphoiicnm. Phosphorsünre.
25% PO^Hb in lf.,0.
Pharmaceutische Chemie. Die Phospliorsäure wird durch Oxy­dation des Phosphors mittelst Salpetersäure dargestellt nach der Formel:
3 P BN08H 4 2H20 = 3P04H8 5NO.
Sie bildet eine klare, farl)- und geruchlose Flüssigkeit vom speeifischeu Gewichte 1,154 und enthält 25 0/o 1*0,14., in Wasser (die Phosphorsäure der österreichischen Pharmakopöe enthält nur Hi quot;o P04H8). Sie gibt nach dec Neutralisirung mit Soda mit Silber-nitral einen gelben Nierlersclüag von Silberphosphat; ausserdem ^ibt sie mit Ammoniak, Salmiak und schwefelsaurer Mag­nesia einen weissen Niederschlag von phosphorsaurer Ammoniak-magnesia. A.P. 10,0 = 5 Pfennig,
Wirkung und Anwendung. Die Phosphorsäure wirkt in Ver­dünnung angenehm kühlend und verdauungsbessernd (kann die Salzsäure ersetzen), ins Blut aufgenommen, setzt sie wie alle Säuren die Hl u t a I k a lese e n/. und damit den Stoffwechsel und die K örpertem pera tu r herab und wird daher als kühlendes A nti-pyreticum und Stomachicum bei acuten fieberhaften Krankheiten, namentlich im Sommer in denselben Dosen wie die Salzsäure angewandt, Sie ist die mildeste aller Mineralsäuren und unterscheidet sich vor allen anderen dadurch, dass sie das Eiweiss
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444nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Soliwerelsäure.
nicht ooagulirt. Von niunchon wird sie; .uicli uls Heilmittel gegen Rachitis und Osteomalaoie empfohlen. Dosis as Salzsäure.
Acidum sulluriciim. SclnvelVlsiuire.
SOJT,.
Pharmaceutische Chemie. Die Schwefelsäure ist in 3 Formen officinell:
1)nbsp; Acidum sulfuricimi cmdum, die rohe Schwefelsäure (eng­lische Schwefelsäure. Vitriolöl. Oleum Yitrioli), eine klare, farblose bis bräunliche, ölartige, seh were Flüssigkeit vom speoifisohen Q-ewichte 1,830, sauer reagirend, mit Baryumnitrat In wässeriger Lösung einen weissen Niedei'sohlag von schwefelsaurem Baryt bildend, 91 0/o Schwefelsäure enthaltend. Die rohe Schwefelsäure wird fabrik-mässig durch Verbrennen von S ch w e fei (oder Hosten voii Schwefelkies) und Oxydation der gebildeten seh w e f 1 i g e n S ä u r e mittelst Sal p e t e r-Säu re in Bleikammern dargestellt: SO, 2N08H = SOtH2 -j ^NO,. Sie enthält stets Salpetersäure, Bleisulfat. Arsen, organische Ver­bindungen, Wasser. A.P. 200,0 = 25 Pfennig.
2)nbsp; Acidum sulfuricum purum, die reine oder rectificirte Seh w efelsäure. wird durch B ee ti f ic a ti on der rohen Seh wefel-säure dargestellt. Sie bildet eine färb- und geruchlose, ölige Flüssigkeit vom specilischen Crewichte 1,886— l,840 und saurerKeuk-tion, welche 94—98 Ojo Schwefelsäure enthält; ihre wässerige Lösung gibt mit Baryumnitrat einen weissen Niederschlag von schwefel­saurem Baryt. A.P. lu,0 = .-gt; Pfennig. Sie soll frei sein von Blei­sulfat, Salpetersäure, salpetriger und schwefliger Säure, Salzsäure. Eisen. Kupfer und Arsen (Prüfung auf Arsengehalt wie hei Acidum hydrochloricum),
#9632; gt;) Acidum sulfuricum dilutum, die verdünnte Schwefelsäure (1 :0 Wasser), vom specitischen Gewichte 1,110—1,1 14. 1 G 0/n Schwefel­säure enthaltend. Die Verdünnung wird in der Weise hergestellt, dass die Säure langsam in kleinen Portionen ins Wasser gebracht wird (nicht umgekehrt!).
t Acidum sulfuricum fumaus, rauchende Schwefelsäure, Nord-hiluser Vitriolöl, ist Schwefelsäure, welche 80;) = Scbwefelsilureanhydricl enthält. Sie wird durch trockene Destillation von Eisenvitriol dargestellt. Sie bildet eine meist bräunliche, an der Luft rauchende (80:l). ölige Flüssig­keit : früher oftieinell.
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Schwefelsäure.
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#9632;}- Mixtura sulfurica acida, Haller'sohes Sauer, ist eine Mischung von Schwefelsaure und Weingeist (1 : 3), welche neben diesen Bestand-theilen Aetherschwefelsilure entliiilt fC.)H-,HSOj). Früher innerlich statt der Schwefelsäure gegeben.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Schwefelsäur*
ist wegen
ihrer bedeutenden wasserentziehenden und eiweisszerstörenden Wirkung eines der stärksten A etzmittel. welches auf Hunt und Schleimhäuten einen braunen Aetzsohorf erzeugt und innerlich im unverdünnten Zustünde gegeben eine diphtherische Gastroenteritis hervorruft. Sie wird, wenn auch selten, äusserlich als Aetzmittel gegen Neubildungen. Strahlkrebs, Hernien. Stollbenlen etc. ange­wandt, indem die betreffenden Theile damit böpinselt werden (Vorsicht bei Hernien).
2)nbsp; nbsp;Innerlich wird die Schwefelsäure (oder das Halier'sche Sauer) stark verdünnt, grossen Thieren grammweise (das Halier'sche Sauer esslöffelweise), kleinen Thieren tropfenweise (das Halier'sche Sauer grammweise) alsAntipyreticum besonders bei fieberhaften Infections-krankheiten angewandt, indem sie wie die anderen Säuren die Alkales-cenz des Blutes und damit den Stoffwechsel und die Innenteniperatur herabsetzt. Die Verminderung der Blutalkalescenz ist (lurch Lassar experimentell nachgewiesen.
3)nbsp; Als Mineralsäure besitzt die Schwefelsäure antiseptische, res]), desinficirende Wirkung. Dieselbe ist jedoch nicht sehr be­deutend; Koch sah von einer l0/oigen wässerigen Lösung nach 20tägiger Einwirkung auf Milzbrandsporen nur relativ geringen Erfolg. Das Wuthgift wird erst durch ganz concentrirtc Schwefelsäure nach 10 Minuten vernichtet.
4)nbsp; nbsp;Innerlich ist die Schwefelsäure in verdünntem Zustande ein (xegongift gegen Carbolsäurevergiftung (Bildung von Phenol-sulfonsäure).
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp, Acidi sull'ur. orud. 25,0.
Acidi nitr. fum. 10,0. Hydrargi bichlor. 5,0. l'ulv. Oantharid. Rcs. Buphorb. äTT 10,0. M. D. S. Hertwig'sches Aetzmittel gegen StolUieulcn.
2)nbsp; Rp. Mixtur, sulfur, acid, 5,0.
Syrupi 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. 1). S. listiiudlich 1 Esslöffel für einen Hund mit Staupe.
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Salpt'torsäure.
Aciduin iiitriciun. Salpetersäurelaquo;
'25% NO;iM in HjO.
Pharmaceutische Chemie. Die Salpetersäure ist in 3 Formen offloinell:
1)nbsp; Aciduiu nitriciim famaus (Aoidum nitrico-nitrosum), die fauchende Salpetersäure, eine i'othbraune, klare Flüssigkeit, welche gelbrothe, erstickende Dämpfe von NOB (Untersalpeter-sänre) ausstösst, vom specifischen Gewichte 1,450—1,500, Sie wird dargestellt durch Destillation von Salpeter und Schwefelsäure. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
2)nbsp; Acidmn nitricum purum, die reine Salpetersäure, dargestellt durch Rectification dor rohen Salpetersäure. Sie bildet eine klare, farblose, sauer reagirende Flüssigkeit vom specifischen Gewicht 1,153, welche 250/o Salpetersäure enthält. Die Salpetersäure löst metallisches Kupfer in der Wurme unter Bhitwicklung gel brother Dämpfe (N08) zu einer blauen Flüssigkeit; ferner entfärbt sie beim Aufkochen einige Tropfen Indigolösuug (Oxydation) und färbt sich mit Schwefelsäure und Eisenvitriollösung schwarz (Nitrat­reaktion). A.P. 10,0 = 5 Pfennig. In Oesterreich 1st eine Mischung der reinen Salpetersäure mit gleichen Theilen Wasser officinell als Acidum nitricum dilutum.
3)nbsp; Acidum ultricum cnidum, rohe Salpetersäure, Seheide­wasser (Aqua fortis), wird durch Destillation von Natronsalpeter mit Schwefelsäure gewonnen. Sie enthält 50 0/o Salpetersäure (S = 1400), ist also stärker als die oftlcinelle reine; ausserdem enthält sie Unter-sälpetersäure. freies Chlor, Schwefelsäure etc.; sie bildet eine farblose, etwas gelblich gefärbte, stark saure Flüssigkeit.
t Acidum chloro-nitrosum, Salpeter-Sal/sänre. Königswasser (Aqua rogia) bildet eine Mischung von Salzsäure (:-i Theile) und Salpeter­säure (1 Theil) und stellt eine gelbe Flüssigkeit dar, welche ausseiquot; Sal­petersäure und Sal/.säurn freies Chlor, Untersalpetersäure (NO.^) sowie Verbindungen des (Jhlors mit Stickoxyd (NO.^Cl und 1SIOC1) enthält, Stärkstes Aetzmittel (Wirkung zweier Säuren und freien Chlors). Inner­lich gibt man das Mittel gegen Icterus (Cholagognm) zu 0,1—0,8 in starker Verdünnung für Hunde.
Wirkung und Anwendung. Die Salpetersäure bildet das von allen Säuren am häufigsten angewandte Aet/mittel, welches sich vor den linderen auszeichnet durch seine energische Coagulation des
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1
Essigsäure,
447
Eiweisses und seinen trockenen, scharf begrenzten, gelben Aetzsohorf (Bildung von Xanthoprotefnsäure). Sie eignet sich insbesondere zur Behandlung des Strahlkrebses und der unblutigen Entfernung von Warzen und kleineren Neubildungen; früher wurde sie auch zum Bepinseln der Haut in der Umgebung von Hernien benutzt (Vorsicht wegen Perforation), Am stärksten wirkt die rohe und rauchende, schwächer die reine Säure.
Innerlich wird sie in der Menschenheilkunde als Oholagogum
gegen Icterus und Loherleiden, sowie gegeben; Dosis tropfenweise.
tregi
n Nierenentzündungen
Acidiim aoetlcnm. Essigsäure.
0H3. OOOH.
Pharmaceutische Chemie. Die Essigsäure ist in 3 Formen offlcinell:
1)nbsp; nbsp;Acidum aceticum concentratum, Essigsäure, Eisessig (Acetum glaciale oder radicale), officinell 960/oig, bildet eine klare, farblose, ätzende, stechend sauer riechende und stark sauer reagirende und schmeckende, flüchtige, bei-f-2 bis 4deg; 0. zu einer eisartigen, faserigen Masse erstarrende Flüssigkeit (chemisch reine, 1000/oige erstarrt schon bei 16deg; 0.), welche sich in jedem Verhältnisse mit Wasser, Weingeist und Aether mischt. Sie siedet hei 117deg; 0. und hat ein speoifisohes Q-ewicht von 1,064. Bei Zusatz von Alkali wird die Essigsäure durch Eisenchlorid geröthel (Ace-tatreaktion). A.P. 10,0 — 10 Pfennig. Die Essigsäure wird ans essigsaurem Natrium und roher Schwefelsäure dargestellt:
2CH8CO( )Na SO,11., — 2 OHB( )OOH -|- SO,Na2.
2)nbsp; Acidum aceticum dihltum, verdünnte Essigsäure (Acetum concentratum), officinell .'500/nig, wird durch Verdünnen der reinen Essigsäure (1 : ^) dargestellt. Sie ist die gewöhnliche Essigsäure des Handels, hat ein specitisches Gewicht von 1,041 und bildet eine klare, farblose, sauer reagirende Flüssigkeit, welche sich mit einem Tropfen Eisenchlorid bei Zusatz von etwas Sodalösung röthet. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
8) Acetum, Essig (Acetum orudutn, Acetum vini). enthält offi­cinell 60/o Essigsäure. Er wird entweder dargestellt aus verdünntem Branntwein durch die Sohnellessigfabrikation oder durch die Säue­rung von Wein, Bier, Malz etc. Der Vorgang dabei ist der, dass
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448nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Bssigstture.
der Essiggährungspüz, Mykodermn aoeti, den Alkohol unter Sauer-stoffaufnahme zu Aldehyd und Essigsäure zersetzt;
t^inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; i ( ) — ^^3nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;i h ()
OHgOB r 2 OOÖH ' 2 Wu in g ei 8 tinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Essig s il a v c
.Der Essig ist eine klare, farblose oder gelbe Flüssigkeit von Essig-siiuregorucli und saurem (lescluuaeke; er färbt sich mit einem Tropfen Eisonohlorid und einigen Tropfen Sodalösung roth. Er soll frei sein von Blei und Kupfer (Trübung mit Schwefelwasser­stoff), Sulfaten und Chloriden (Trübung mit Earyumnitrat und Silbernitrat), von Nitraten (Bräunung mit Schwefelsäure und Eisen­vitriol), von Pflanzenstoffen und Bxtraotivstoffen (soll beim Ver­dampfen nicht mehr als l,50/n Rückstand hinterlassen) und namentlich von Mineralsäuren (die Asche reagirt nicht mehr alkalisch; ein Tropfen Methylviolett färbt den mineralsäurehaltigen Essig grün).
Acetum aromaticum, aromatischer Essig (Berliner Essig, Vier­räuberessig, Pestessig), ist eine Mischung von EOssig mit ätherischen Oelen (Lavendel-, Pfefferminz-, Rosmarin-. Wacholder-. Zimmt-, Oitronen-, Nelkenöl).
Acidum inonochloraceticum, bichloraceticum und trichloraceticum
sind gechlorte Essigsäuren, welche durch Einwirkung von Chlor auf Essigsaure im Sonnenlichte erhalten werden. Sie haben die chemische Formel 1) OH^Ol . COOK; 2) 0H01S . COOH; 3) CCfjCOOH. Alle Chlor-essigsiluren wirken viel stärker ätzend, als die Essigsäure. Of'ficinell in Deutschland ist Acidum trichloraceticum, Tricblor essigsaure, OOlgOOOH, welche farblose, leicht zor fliesse nde, stark ätzend e Krystalle von schwach stechendem Gerüche bildet, welche in Wasser leicht löslich sind und mit Soda erwärmt Chloroform entwickeln. A.P. 1,0 10 Pfennig. D.P. 100,0 = 2 Mark 40 Pfennig.
Wirkung. 1) Die Essigsäure (und noch mehr die gechlorte Essigsäure) wirkt in concentrirtem Zustande als Aetzmittel auf Haut und Schleimhäute (Dermatitis, Stomatitis, Pharyngitis, Glastro-enteritis)*, der Aetzschorf ist weiss und trocken, in Verdünnung wirkt sie als hautreizendes Mittel (in Form des Essigs) und erzeugt in mittleren Conoentrationen eine Lockerung, Quellung und theil-weise Auflösung der Epidermis und des Bindegewebes der Haut. Fleisch in verdünnte Essigsäure (Essig) gelegt, zeigt eine weichere, mürbe Beschaffenheit in Folge theilweiser Auflösung des Organeiweisses und Förderung der Umwandlung des Oollagens im
Bindegewehe ZU Leim.
2) Wie alle Säuren wirkt auch die Essigsäure antiseptisch.
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Essigsäure.
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weil die pathogeneu Mikroorganismen sich in sauren Lösungen nicht weiter entwickeln können.
'S) Innerlich werden kleinere Dosen zu Kohlensäure verhrannt. In Folge einer Verminderung der Alkalescent des Blutes wird durch Essigsäure (wie durch die übrigen Säuren) der Stoffwechsel und damit die Innentemperatur herabgesetzt.
4)nbsp; nbsp;Grössere Mengen verdünnter Essigsäure anhaltend verabreicht führen zur Ausbildung eines clironischen Magen-Darmkatarrhs; sehr grosse einmalige Dosen erzeugen eine acute Essigvergiftung, welche sich in Schwäche und Lähmung der Athmung sowie des ge-sammten Circulationsapparates äussert.
5)nbsp; nbsp;Essigsäure direkt ins 151 ut gespritzt hat Hämoglobiuämie zur Folge.
Toxikologisches. Die todtlicho Dosis der Essigsäure für Wiederkäuer beträgt nneb meinen Versuchen 0,4 g pro Kilogramm Körpergewicht. Es wurden nilmlich einer 20 Kilo schweren Ziege löO g einer 5quot;/oigen Essig-säureliisung eingegeben, worauf der Tod nach 26 Stunden erfolgte. Schon eine Stunde nach der Verabreichung zeigte die Ziege starke Atbemnoth sowie die Symptome eines beginnenden Lungenödems. Aussordem war der Hinterleib, namentlich die Nierengegend, bei der Palpation sehr schmerz­haft und es wurde blutiger Harn abgesetzt; gleichzeitig bestand starkes Schäumen und Speicheln. Nach (i Stunden trat hochgradige Mattigkeit und Schwäche und zuletzt ein läbmungs artiger Zustand ein. Bei der Section fanden sich die Erscheinungen eines ausgesprochenen Lungen­ödems mit starker Lungeidiyporämie, sowie die Symptome einer ent­zündlichen Heizung der Magen darmschle imhaut (Rölhung der Lab­magenschleimhaut, starke Röthung und Schwellung der Dünndarm- und Dickdarmsohleimhaut mit erhsengrossen Häniorrbagieii, Schwellung der Peyer'sohen Plaques); ausserdem bestand parencbymatöse Nephritis und Hepatitis.
Anwendung. 1) Als Aetzmittelgegen raquo;Strahlkrebs, Warzen, üppige Granulationen etc. Namentlich die Triohloressigsäure
gehört zu den besten Aetzmitteln. welche wir besitzen, und ist der Salpetersäure als ebenbürtig an die Seite zu stellen, wie ich dies in zahlreichen Fällen erfahren habe (Repertorium 1883). Sie ist in­dessen sehr tluuier und daher für gewöhnlich in der thierärztlichen Praxis nicht anwendbar.
2) Als Antidot alkalien (Hausmittel: Essig)
Vergiftung mit Aetz-
;i) Als kühlendes, durstlöschendes, erfrischendes und antipyreti-sclics Mittel in fieberhaften Allgemeinkrankheiten (im Trink­wasser verabreicht).
Kröhnev, Arzneimittellehre, a. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;29
.
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Anicisonsäure. Citronensäiiro.
4)nbsp; Als innerliches Antisepticum bei Tynipunitis, Magen-und Danngiilirung etc.
5)nbsp; Als ft US 8 er lieh es kühlendes Mittel bei Wunden, Con tu-sionen, äusscrlichen Entzündungen in Form von Essigumschlägen,. Essigwaschungen, Lehmanstrichen mit Essig, in Verbindung mit Sal­miak und Wasser (Sclimucker'sche Eoinoutationen).
0) Als hautreizendes und diaphoretisches Mittel in Form warmer Essigwaschungen mit nachfolgendem Priessnitz'schem Um­schlage. Die warmen Essigwaschungen dienen namentlich auch als Unterstütungsmittel für die schweisstreibende Wirkung des Pilocarpins..
7)nbsp; Als Desinficiens bei Stomatitis catarrhalis und. ulcerosa in Verbindung mit Kochsalz.
8)nbsp; nbsp;Als Antiparasiticum gegen Läuse (tödtet als Waschung die Nisse, indem sie ihre Kalkschalen auflöst) und im Klystier gegen Oxyuren im Mastdarm.
9)nbsp; Als Cons er vans für animalische und pflanzliche Produkte.
Dosis des Essigs.
Pferd und Rind 100—250,0. Schaf und Schwein 25—50,0. Hund 5—20,0.
Acidum formicicum, Ameisensäure, ist eine Auflösung von 250|o H . COOK in Wasser. Sie wird dargestellt entweder aus Stilrkemehl durch Destillation mit Braunstein und verdünnter Schwefelsäure oder durch Erhitzen von Oxalsäure und Glycerin. Sie bildet eine klare, farblose Flüssigkeit von stechendem Geruch und stark saurem Ge­schmack, welche Silbernitrat und Quocksilberoxyd reducirt, durch Eisen­chlorid wie die Essigsäure bei Sodazusatz blutroth gefärbt wird und mit concentrirter Schwefelsäure und Weingeist erhitzt einen Arakgoruch ver­breitet. Mit Bleiessig vermischt gibt sie einen krystallinischen Salzbrei von ameisensaurem Blei. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Die Ameisensäure wird verwendet zur Darstellung des Spiritus Formicarum , des Ameisen­spiritus (4 Theile Ameisensäure, 70 Spiritus und 2(i Wasser), welcher zu reizenden Einreibungen auf die Haut benutzt wird (wurde früher aus Ameisen dargestellt). A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Acidum citricum, Citronensäure, C^H^OH) . (OOOH):) -f- H2O, wird aus dem Citron ensafte durch Binden an Kalk und Zerlegen mit verdünnter Schwefelsäure dargestellt. Sie bildet gresse, farblose, luft­beständige Kry stalle,laquo; welche beim Glühen verkohlen und intensiv nach Citronensaft schmecken. Die Lösung mit Wasser gibt mit Kalk­wasser in der Kälte keinen Niederschlag (im Gegensatz zur Weinsäure), sondern erst beim Erhitzen. A.P. 10,0 = 25 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Essigsäure. Sie wird im Körper zu Kohlensäure ver­brannt und steigert etwas die Diurese. Mit Soda zusammen bildet sie'
Hl
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Weinsäure. Milchsäure.
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verschiedene Saturationen, von denen der River'sche Trank, Potio Hiveri, eine Mischung von Citronensäure (4), Soda (9) und Wasser (100), officinell ist. Ausserdem wirkt die Citronensilure antiseptisch. Citronensaft tödtet z, B. das Wuthcontagium schon nach 3 Minuten.
Acidum tartaricum, Weinsäure, Weinsteinsäure, C^O^OH^ = (CH . OH . COOH)._), wird aus dem gereinigten Weinstein durch Aus­ziehen als Kalkverbindung und Zerlegen derselben mit verdünnter Schwefel­säure dargestellt. Sie bildet grosse, farblose, säulenförmige, durch­scheinende, oft in Krusten zusammenhängende Krystalle, welche in Wasser leicht löslich sind und beim Verbrennen unter Caramelgeruch ver­kohlen. Die wässerige Lösung scheidet mit essigsaurem Kali kristallini­schen Weinstein und mit Kalkwasser weinsauren Kalk ab. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Citronensäure resp. Essigsäure. Sie wird beim Menschen zu Saturationen und Brause­pulvern verwendet. Das gewöhnliche Brausepulver, Pulvis aßro-phorus, besteht aus Natriumcarbonat (10 Theile), Weinsäure (9) und Zucker (19); das englische Brausepulver, Pulvis aörophorus anglicus, besteht aus einem Pulver von Natriumbicarbonat (2,0) und einem zweiten von Weinsäure (1,5).
Acidum lactium, Milchsäure (Gährungs- oder Aethyliden-Milch-säure) CHg.CH.OH.COOH, wird durch Gährung des Milchzuckers gewonnen und bildet eine farblose bis gelbliche, geruchlose, syrupöse, sauer reagirende und schmeckende Flüssigkeit, welche beim Erhitzen ver­kohlt, in Wasser, Alkohol, Aether und Glycerin leicht löslich ist. A.P. 10,0 =s 35 Pfennig. Die Wirkung der Milchsäure ist eine antiseptische und eiweisscoagulirende, weshalb sie als leichtes Aetzmittel bei (beschwüren des Kehlkopfes (Tuberkulose, Syphilis) und gegen Crotip beim Menschen angewandt wird. Grein er empfiehlt sie beim Pferd zu Ein­spritzungen gegen Knochen fisteln. Innerlich wird sie gegen Dyspepsie als Stomachic um, ferner gegen tuberkulöse Darmgeschwüre, ausser­dem als Hypnoticum sowie gegen Gicht empfohlen. Dosis für den Menschen 5—10,0 pro die. — Vielleicht lässt sich die nicht zu bezweifelnde günstige Heilwirkung des früher zu Wundverbänden benützten Sauerkohls zum Theil auf seinen Gehalt an Milchsäure zurückführen (zum anderen Theil auf seinen Gehalt an Salzen?).
t Acidum carbonicum, die Kohlensäure, wird beim Menschen in Form der Saturationen (Pflanzensäuren -f- Alkalicarbonaten) als er­frischendes, kühlendes Getränk zur Anregung der Verdauung, als Mittel gegen Erbrechen, im Fieber, sowie als Diureticum angewandt. Wirkung •— Essigsäure. In Bädern wirkt sie hautreizend.
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Ä.ethereo-01eosa. Ä.etherisch-ölii2:e Mittel.
Gninpliora. Kauiplier. 0(oH180.
Sta rampflanzei Oinnamomum Oamphora.
Familie: Laurineen (Lauraoeen).
Pharmakognosie. Der Kamplier ist ein festos ätherisches Oel (Stearopten), welches durch Sublimation aus dem Kaniplierbaume, Cinnaniomuni Oamphora, gewonnen wird. Der Rolikanipher, aus welchem der offlcinelle Kampher durch wiederholte Sublimation in flachen Kolben (Bombolas) dargestellt (raffinirt) wird, ist eine körnig-krystallinische, etwas röthliche, in Kisten oder Oylindern verpackte Masse, welche in 2 Sorten nach Europa gelangt:
1)nbsp; Als Ohinakampher, von der Insel Formosa stammend. Die klein zerschnittenen Theile des Kampherbanmes werden dort nut'einem durchlöcherten Deckel über Tröge mit siedendein Wasser gelegt, so dass der Wasserdampf durchstreicht und den Kampher mit ühersubli-mirt, worauf er in irdenen Töpfen aufgefangen und gepresst wird.
2)nbsp; Als Japa nkam p her, welcher namentlich in der ja.panesischen Provinz Tosa auf Shikoku in der Weise gewonnen wird, dass die Eolzstüoke des Kampberbaumes in hölzerne Tonnen gefüllt werden, worauf durch diese Tonnen Wasserdämpfe hindurchgetrieben werden. Ejine dritte, nicht offlcinelle Sorte ist der Borneokampher vender
abweichenden Formel (J10H1S().
Der offlcinelle Kampher bildet
{rössere, convex-concave, in der
Mitte durchbohrte Kuchen von etwa 1 kg Q-ewicht, welche in hlilt-terig-krystallinische , weisse. g länzende, mürbe, bröcke­lige Stücke von charakteristischem Q-eruche und Geschmacke zerschlagen werden. Aus offener Schale verdampft der Kampher
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Kamphor.
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in kurzer Zeit ohne Rtiokstand; in halbgefüllten Flaschen bedeckt er die Innenwand mit glänzenden Krystallen. Im Wasser ist er fast unlöslich (1 : 1000), dagegen löst er sich in Weingeist, Aether, Chloroform, sowie in ätherischen und fetten Gelen (3 : 8). Mit Weingeist oder Aether besprengt lässt er sich pulvern (Oamphora trita). AP. 10,0 = 25 Pfennig; D.P. 1 Kilo 4 Mark.
Spiritus camphoratus, K umpberspiritus, ist eine 100|o ige Mischung von Kaiüpher (1). Spiritus (7) und Wasser (2) von wasserklarer Bescliafl'en-heit, stark nach Kampher und Alkohol riechend und schmeckend. Bei Zusatz von Wasser wird der Kampher in weissen Flocken ausgefällt. Die österreichische Pharmakopöe stellt das Präparat nur aus Kampher (1) und Weingeist (9) dar. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Oleum camphoratum, Kampheröl, ist eine Auflösung von Kampher (1) in Olivenöl (9). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Vinum camphoratum, Kampher wein, ist eine Emulsion von Kam­pher (1), Weingeist (1), Gummischleim (3). Weisswein (45). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Linimentum saponato-camphoratum, Opodeldok, ist eine farblose, leicht opalescirende, weingeistige Seifenlösung mit Zusatz von Kampher, ätherischen Oelen und Salmiakgeist, welche beim Erkalten gelatinirt, jedoch in Berührung mit dem Körper leicht schmilzt. Sie ist zusammengesetzt aus Kampher (20), mediciniseher Seife (GO), Weingeist (810), Glycerin (50), Thymianöl (4), Rosmarinöl (6) und Ammoniak (50). A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Linimentum saponato-camphoratum liquidum, flüssiger Opo­deldok, ist ein gelbliches, flüssiges Gemenge von Kampherspiritus (120), Seifenspiritus (B'iO), Ammoniak (24), Thymianöl (2), Rosmarinöl (4). A.P. 100,0 = 60 Pfennig.
Linimentum ammoniato-camphoratum, flüchtiges Kampher-liniment, ist ein weisses, dickflüssiges Gemenge von Kampheröl (3), Mohnöl und Liquor Ammon. caust. (aa 1). A.P. 100,0 = 85 Pfennig.
ünguentum Cerussae camphoratum ist Bleiweisssalbe (95) mit Kampher (5). A. P. 10,0 = 15 Pfennig.
f Neuere Kampherprftparate. 1) Camph ora mon obromata, Mono-bromkampher, GjnHijBrO, durch Einwirken von Brom auf gepulverten Kampher dargestellt, bildet farblose Nadeln oder Schuppen von schwachem kampherähnlichem Gerüche, welche luftbeständig sind. Wird als Seda-tivum bei Tetanus, Epilepsie, Chorea, Herzklopfen, Nymphomanie etc. empfohlen. A. P. 1,0 =: 5 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;C a m p h o r a p h e n y 1 i c a, C a r b o 1 k a m p h e r, eine ölige Flüssig­keit von aromatischem Gerüche, gegen juckende Ekzeme und als Anti-septicum in der Wundbehandlung empfohlen.
3)nbsp; Acidum camphoricum, Kamph ersilur e, ChH],(00011);) ==
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454nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kampher.
(J^HujO.!, bildet weisse, färb- und geruchlose, krystallinische Nadeln von säuerlichem Gesflimacke, welche in '[laquo;—20/oJgen alkoholischen Lösungen als Antiseptiicum, Adstringens, Expectorans bei Katarrhen der Respirationsschleiinhaut und als Anticy st iticu in bei Katarrhen der Blase empfohlen werden. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. Aehnlich wird auch das Kalium cam p hör i cum angewandt.
4)nbsp; Kamphocarbo n säure. Dieselbe stellt eine Verbindung von Kampher und Kohlensäure dar, und soll die antiseptischen und anti-pyretischen Wirkungen des Kamphers besitzen, ohne dessen unan­genehmen Geruch und Gesell m aek. Dasselbe wird bezüglich seiner Salze angegeben. Die KamphocarboiKsäure hat die Formel 0jqIL5(0Olt;j)O. Nach neueren physiologischen Untersuchungen scheint indessen das Präparat ganz unwirksam zu sein. Dagegen soll ein aus der Kamphocarbonsäure dargestelltes neueres Präparat, das Kamphopy r azolon, stark wirken. Weitere Beobachtungen sind abzuwarten.
5)nbsp; Thiocamf. Durch Einwirkung von schwefliger Säure auf Kampher wird neuerdings in England eine Flüssigkeit hergestellt, welche an der Luft freie schweflige Säure entwickelt (lt;gt; Unzen sollen 20 Liter SO.2 ent­wickeln). Bei der durch Koch nachgewiesenen sehr geringen Desinfections-kraft der schwefligen Säure sind weitere Veröftentlichungen über Thiocamf abzuwarten.
Wirkung. 1) Der Kampher wirkt reizend aufHnut, Schleim­häute und Wunden. Innerlich gegeben erzeugt er daher,in grös-seren Gaben Verdauungsstörungen. Magenkatarrh und selbst Magenentzündung und kann ferner bei seiner Ausscheidung durch die Nieren eine Nieren- und Blasenentzündung bedingen.
2) Das Nervensystem, namentlich das Gehirn, wird durch den Kampher ebenfalls erregt und zwar wirken kleine Dosen im Allgemeinen leicht anregend, excitirend auf die Gehiruthätigkeit, während grosse Gaben einerseits hochgradige psychische Unruhe und Aufregung, andererseits in Folge Erregung des Krampf cen­trums im Gehirn Krampfaufälle auslösen, welche einen tetani-schen oder epilejiti forme n Charakter haben und zuletzt in Läh­mung übergelien. Bei Kaltblütern tritt sofort ohne vorausgehende Erregung Lähmung ein.
#9632; \) Die Herzthätigkeit wird durch kleine Kampliergaben ge­steigert und dadurch der Luftdruck vermehrt, was sich schon änsserlich durch die höhere Röthung der sichtbaren Schleimhäute, z. B. der Conjunctiva, kundgibt. Die Wirkung herzlähmender Gifte lilsst sich durch Kampher experimentell paralysiren.
4) Die Körpertemperatur sinkt schon bei gesunden, noch stärker aber bei fiebernden Thiercn nach mittelgrossen Gaben. Eine speeifische tieberwidrige Wirkung besitzt der Kampher gegenüber dem septischen Fieber.
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Kampher.
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6) Der Kani[)hei' besitzt emllicli hervorragende antiseptischo Eigenschaften. Er ist ein starkes Gift für alle Fäulniss-, Gährungs-üiitl Entzündungserreger, speoiell für die Infectionsstoffe der Septikämie und Pyäniie. Versuchsthiero, welchen vorher Kampher beigebracht ist, bekommen nach Einspritzung von Jauche kein Fieber mehr (Binz). Auch die weisson Blutkörperchen werden durch Kampher ähnlich wie durch Chinin gelähmt.
Die Auf nah me des Kamphers erfolgt wegen seiner Flüchtigkeit sowohl von der unverletzten Haut, als von den Schleimhäuten, von der Subcutis und von Wunden aus. Die Ausscheidung geschieht theils im unzersetzten Zustande durch die Exspirationsluft und Haut-ausdünstung, zum Theil nach einer vorausgegangenen Zersetzung durch den Haxn als Oamphoglykuronsäure und Üramido-Oamphogly-kuronsilure.
Anwendung. 1) Innerlich in kleinen Dosen als Excitans für Gehirn und Herz in allen Zuständen von Schwäche, Betäubung, Collaps, Erschöpfung im Verlaufe fieberhafter Infectionskrankheiten, acuter und chronischer Herzleiden, schwerer Vergiftungen u. s. w.
2) Innerlich in kleinen Dosen als Fiebermittel, namentlich bei allen septischen und mit starker Herzschwäche verlaufenden Fiebern.
8) Innerlich in grösseren Dosen als reizendes und desinficirendes Expectorans bei chronischen Katarrhen der Luftwege, Bronchi-ektasien etc;. (Kamphergeruch der ausgeathmeten Luft!)
4)nbsp; Aeusserlich als hautreizendes Mittel bei Rheumatismus, chronischen Entzündungen der Haut, der Ihiterhaut, der Sehnen­scheiden, Sehnen, des Periosts, der Gelenke, bei Stauungsödemen.
5)nbsp; Aeusserlich als entzundungswidriges und desinficiren­des Mittel gegen Euter- und Lymphdrüsenentzündung, Ery-sipel. Phlegmone, schlecht granuliremle Wunden, Geschwüre, Fisteln etc.
Endlich wurde der Kampher früher in grossen Dosen empirisch als „Sedativumquot; z. B. gegen Nymphomanie, Satyriasis, sowie gegen Nephritis angewandt. Eine solche quot;Wirkung kommt dem Kampher wahrscheinlich nicht zu, vielmehr dürfte gerade die entgegengesetzte, excitirende zu erwarten sein, weshalb man ihn nicht gegen vermehrten, sondern gegen verminderten Geschlechtstrieb anwenden könnte. Dass Kampher den Geschlechtstrieb nicht herabsetzt, hat Her twig durch Fütterungsversuche bei männlichen Hunden und Hähnen experimentell
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Kumphor.
gezeigt. Bei Nephritis können grössere Dosen scliiullicli wirken, in­dem sie die Entzündung steigern.
Contraindieirt ist der Kiunpher hei Schlaeh tthi eren, weil sieli der (tcühicIi dem Fleische mittheilt.
Form. Innerlich gibt man den Kampher Pferden in Pillen­form, Handon als Emulsion. Im üebrigen empfiehlt sich wegen der ungünstigen Einwirkung des Kamphers auf die Verdauung, namentlich bei der Anwendung des Kamphers als Exeitans, mehr die suboutane Application in der Form des Kampheröls. Die Dosis des Kampher­öls beträgt die quot;dache des Kamphers (Dosis exeitans für Pferd und Rind 5 — 25,0; Schaf, Ziege und Schwein 5—10,0; Hund 2 — 5,0; Katze 0,5—1,0). Audi den Kampherspiritus kann man ohne Nach­theil subeutan injiciren ; derselbe vereinigt die excitirenden Eigen­schaften des Kamphers und des Alkohols und wird in denselben Dosen wie das Kampheröl ordinirt,
Aeusserlich applicirt man den Kampher entweder rein als Campbora trita (z. B. zum Erottiren), oder in Form der Salbe, des Kampherspiritus und Oels sowie der Linimente. Eine sehr feine Vertheilung des Kamphers für Salben erzielt man durch Ausfällen desselben aus coneentrirten ätherischen oder alkoholischen Lösungen mittelst Wasser.
Dosis. 1) Als Exeitans und Expectorans: Pferd und Rind 1 — 5,0. Schaf, Ziege und Schwein 0,5—2,0. Hund 0,2—0,5. Katze und Geflügel 0,1—0,2. 2) Als Antipyreticum: Pferd 5—15,0. Hund 0,5—2,0. Katze 0,1—0,5.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Oamphorae trifac 30,0.
l'ulv. Rad. Althaeae 1.10,0. Aqu. lt;|u. s. f, Pilul. Nr. III. D. S. Täglich 1 Pille für ein Pferd mit septischem Fieber.
2)nbsp; Rp. Infusi (.'offene ustac 5,0 : 100,0.
Campliorae 2,0. (Jummi arab. 10,0. M. f. Emulsio. I). S. Stündlich 1 Esslöffol (Theclöffel) für einen Hund (Katze) mit llerzseliwäche.
^m^m
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Terpentinöl.
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8) Rp. Olei oamphorati 60,0.
D. S. Stüiiillit'h L'inc 5-(iraiiniisi)i'itzc (l-GraiiiHisiiintze) für ein Pferd (Hund) mit Oollapsersoheinnngen BuboutBrii zu Injioiren.
4)nbsp; Hp. Oämphorae tritae 25,0.
I). in oharta oerata. S. Aeusserlioli zum Frottiren.
5)nbsp; Hp. Camphor, trit. 2,0.
Adip. suill. 20,0. Bi. i. Ugt. D. S. Aeusserlioli gegen Mastitis.
6)nbsp; Rp. Spiritus oamphorati i!00,0.
01. Terebinth. 10,0. M. D. S, Aeusserlich t'iir einen Hund mit Elheumatismua (Pferd mit
Kolik).
Oleum Tereblnthlnae. Terpentinöl.
Stammpflanzen: Pinus Pinaster, australis, Taeda. Pamilie: Ooniferen (Abietineen).
Pharmakognosie. Das Terpentinöl ist das im Harze der Coni-feren (Abietineen) enthaltene ütherische Oel, ein Kohlenwasserstoff von der Formel CinH1(.. Es wird aus den Harzsäften (Terpentinen) verschiedener Coniferen durch Destillation dargestellt, so in Nord­amerika aus den Terpentinen von Pinus australis und Pinus Taeda (Weihrauohkiefer), indem dieselben ohne Zusatz, von Wasser in kupfernen Blasen erhitzt werden, ferner in Südfrankreich aus dem Terpentin von Pinus Pinaster, der Strandkiefer, indem in den erhitzten Ter­pentin Wasserdämpfe geleitet werden. Ausserdem unterscheidet man österreichisches, deutsches, schwedisches, venetianisches Terpentinöl.
Das Terpentinöl bildet ein dünnflüssiges, farbloses bis blass-gelbliches, ätherisches Oel von charakteristischem Gerüche, welches in Wasser unlöslich, in Weingeist zum Theil löslich ist. Sein speeifisches Gewicht beträgt 0,855 --0,8(35. Es besteht ehemisch fast nur aus C10H1(. = Pinen. Während es im frischen Zustande neutral ist, 0x3'dirt es sich bei längerem raquo;Stehen an der Luft und reagirt dann sauer (Bildung von Ameisensäure, Essigsäure, Kamphersänre und Wasserstoffsuperoxyd); gleichzeitig wird es dicker, schwerer und mehr gelblich (Verharzung). Ob das alte Terpentinöl Ozon (0.,) enthält, ist nicht sicher entschieden. Das Terpentinöl löst Phosphor, Schwefel, Harze etc. auf; mit Jod zusammengebracht
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Terpentinöl.
verpufft es. Sein Siedepunkt liegt /wischen IM und 100deg; C. A.P.
10U,()
36 P
ennig.
Das Oleuni Terebinthinae rectifloatum ist rectiticirtes, d.
nocli
mals und zwar nach vorausgegangenem Schütteln mit Kalkwasser (zur Bindung etwaiger Säuren) destillirtes und daher ganz neutrales Ter­pentinöl. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Terebinthina, gemeiner Terpentin (Terebinthina communis), der officinelle Harzsaft der Abietineen, ist ein Gemenge von Harz (70 bis Sö^o) mit Terpentinöl (15—a00/o). Das Harz ist als ein Oxydations-product des Terpentinöls aufzufassen, das wahrsubeinlicb identisch mit Abietinsiiuro (Pininsilure, Sj'lvinsilui'G) ist. Der Terpentin wird im Sommer gewonnen durch Anhauen der Bäume und Ablösung der Kinde vmd zwar von Pin us Pinaster (Strandkieler; französischer Terpentin), Pinus Laricis (Schwarzföhre; Niedorösterreich), Pinus silvestris (ge­meine Kiefer; Deutschland und Bussland), Pinus australis und Taeda (amerikanischer Terpentin). Der Terpentin bildet einen dickflüssigen, körnigtrüben, schwaohgelblichen Balsam von eigenthümlichem Ge­rüche und bitterem Geschmacke, welcher in der Ituho einen krystallini-schen Bodensatz von Abietinsänre bildet, der sich jedoch in der Wärme wieder aiiflöst. Mit dem 5facheii Gewichte Weingeist; f,dbt der Terpentin eine klare, sauer reagirende Lösung. A.P. 100,0 = 20 Pfennig. — Als Terebinthina Veneta oder laricina, venetianischen oder Lerchen­terpentin bezeichnet man im Gegensätze zum gemeinen Terpöntin eine feinere, klarere und reinere, sowie besser riechende, aber auch theurere Sorte, welche in Südtirol aus Pinus Larix und Pinus decidua hergestellt wird (Meran, Bozen, Trient) und in Oesterreicb officinell ist. A.P. 100,0 = 70 Pfennig. — Durch theilweises Abdestilliren des Terpentinöls erhält man die Terebinthina cocta. — Offinelle Präparate des Terpentins sind ausserdem Unguentum Terebinthinae, die Harz- oder T e r p e n t i n s a 1 b e, welche aus gleichen Theilen Terpentin, Terpentinöl und Wachs, ferner das Unguentum basilicum, die Königssalbe, welche aus Olivenöl (45), Wachs. Colophonium und Talg (aä 15) und Terpentin (10) besteht und von gelbbrauner Farbe ist, sowie das Linimentum terebinthinatum, das Terpen ti nlin im en t, welches aus Terpentinöl (40), Schmierseife (54) und Pottasche (6) dargestellt wird.
f Resina Pini, Fichtenharz (nicht officinell), stammt von Pinus Abies und unterscheidet sich vom Terpentin nur durch seinen geringeren Gehalt an ätherischem Gel. Es war früher in zwei Sorten im Gebrauch: als Resina Pini communis und als Resina Pini alba oder Bur-gundica (weisses oder Burgunderharz; Pix alba). Sein ätherisches Gel ist bekannt unter dem Namen Kien öl.
Colophonium, Geigenharz, ist das vom ätherischen Gele und Wasser ganz befreite reine Harz der Abietineen, welches meist aus Pinus australis und Taeda in Nordamerika gewonnen wird und in der Hauptsache aus amorpher Abietinsäure besteht. Dient zur Herstellung von Pflastern.
f Fix navalis (nigra, sol ida; Schiffspech, Sehnst er pech) ist kein Harz, sondern der Rückstand bei der Destillation des Theers
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Terpentinäl.
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und besteht liauptstlchlich aus Keten, OigHjg, Dioni zur Herstellung von Pflastern.
Emplastrum adhaesivum, Heftpflaster, wird offloineU aus Blei-pilaster (500), gelbem Wachs, Dainniarhar/,, Geigenharz (je 60) und Ter­pentin dargestellt. Nach Her twig gibt nachstehendes Reoept ein gutes Heftpflaster: Bp. Plumbi oxydati subtil, pulver., Olei Lini iui 150,0. Coque diligenter agitando per horain dimid. Admisce Besin. Burgund., Colophon, aa 30,0. Wird erwärmt auf Leder oder Leinwand gestrichen.
Besiua Dammar, Dammar harz, von Dammara alba und orientalis (Coniforen), Hoppea micrantha und splendida (Dipterocarpea), ein farb­loses, durchscheinendes, hartes Harz südindischer Bäume (Molukken, Philip­pinen). Dient als Zusatz zum Heftpflaster,
t Resina Mastix, Mastix harz, von Pistaoia lentiscus auf der Insel Chios (Cap Mastiko), bildet- rundliche oder längliche, aussen bestäubte, an­fangs grünliche, später gelbliehe oder farblose Körner, welche im Munde gekaut („Mastixquot;) eine zähe Masse bilden. Dient als Zusatz zum Safran-und englischen Scharfpflaster (ist in Oosterreich officinell).
f Elemi, das Harz verschiedener Bursoraceen der Tropenländer, dient zur Lack- und Pflasterfabrikation. In Oestorreich ebenfalls officinell.
Wirkung. 1) Das Terpentinöl und der Terpentin wirken rei­zend auf Haut und Schleimhäute, sowie auf die übrigen (Jewebe des Thierkörpers, wenn sie mit ihnen in Berührung kommen (Wunden, Subcutis, Nieren). Auf der Haut entsteht zunäoht Brennen und Hyperämie, unter Umstünden auch eine starke Schwellung und selbst Entzündung der Haut mit Exsudation und Haarausfall. In Folge dessen werden die Hausthiere nach dem Einreiben von Terpen­tinöl in die Haut je nach der Menge und Concentration mehr oder weniger stark aufgeregt; Pferde schütteln und reiben sich, sind sehr unruhig, werten sich nieder und wälzen sich, scharren und schlagen mit den Vorderbeinen und gerathen in Schweiss, Hunde schreien oft sogar, Hinder erheben sich vom Boden. Innerlicb erzeugt das Terpentinöl in kloinen Dosen eine Hyperämie der Schleimhaut des Verdauungsapparates mit gesteigerter Secretion aller Ver­dauungsdrüsen und vermehrter Peristaltik; die Absonderung des Harns ist vermehrt. Grössere Dosen bedingen Erbrechen und die Erscheinungen einer Magendarmentziindung, insbesondere Kolik und Durchfall; ausserdem entsteht bei wiederholten grösseren (laben eine liämorrhagiscbe Nephritis mit Hämaturie.
2) Das Centralnervensystem wird, und zwar namentlich das vasomotorische Centrum, durch kleine Gaben von Terpentinöl er­regt; in Folge dessen steigt der Blutdruck, die Puls- und Athmungs-
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Terpentinöl.
frequenz und die Beflexerregbai'keit. örössere Dosen erzeugen Narkose und Lähmung. Es entstellt hiebei zimiiclist Eingenom­menheit dos Sensoriums, Schwindel, Taumeln, Betäubung, Sinken des Blutdrucks, der Pulsfrequenz und Temperatur, sodann Verlangsamung und zuletzt Lähmung der Athmung und allgemeine Lähmung. Nach Binz lässt sicli ferner experimentell toxischer Tetanus (Bruoin) durch gleichzeitige, Anwendung von Terpentinöl verhindern (krampfstil-lende Wirkung der ätherischen Oele).
3)nbsp; Das Terpentinöl hat fäulnisswidrige, gährungswidrige und antiparasitäre Wirkungen. Es ist ein starkes Gült für Ein­geweidewürmer (Spulwürmer, Bandwürmer) ferner für Hautpara­siten (Zecken, Läuse, Riiudemilhen). lieber die antiseptische Wirkung des Terpentinöls gehen die Angaben der Bakteriologen aus­einander. Nach Koch tödtet Terpentinöl trockene Milzbrandsporen nach 5—10 Tagen. Nach Q-rawitz und de Bary soll das Terpen­tinöl ein keimtödtendes Mittel ersten Hanges sein, welches noch 1 : 75,000 entwicklungshemmend auf Milzbrandbacillen wirkt und in mancher Beziehung dem Sublimat und der Carbolsäure vor­zuziehen ist, auch namentlich Instrumente in wenigen Minuten sicher steril macht. Eiterkokken werden durch reines Terpentinöl sofort, Botzbacillen nach 1—2 Tagen vernichtet (Martens, Cadeac). Neuere bakteriologische Untersuchungen von dir ist nm s-Dircki-ninck- H olmfeld haben jedoch namentlich bezüglich der Wirkung des Terpentinöls auf Eiterkokken ein entgegengesetztes, negatives Resultat ergeben.
4)nbsp; nbsp;Das Terpentinöl wirkt seoretionsbeschränkend auf die Schleimhaut des Respirationsapparates (Rossbach) und wahrscheinlich auch auf die der Blase.
5)nbsp; nbsp;Das Terpentinöl zeigt zuweilen eine auffallend starke styp-tische, blutstillende Lokalwirkung bei Blutungen aus Wunden und Schleimhäuten.
Die Aufnahme des Terpentinöls erfolgt schon von der unver­letzten Haut aus. Die Ausscheidung geschieht thoils im unzersetzten Zustande durch die Lungen (Terpentingeruch der ausgeathmeten Luft), die Hautdrüsen, die Milch (Kienölgeruch), theils im zersetzten durch die Nieren. Charakteristisch ist hiebei insbesondere der schon nach kleinen Gaben auftretende intensive Veilchengeruch des Harns (gepaarte (J lykuronsäuren).
Anwendung. 1) Als reizendes Stomachicum ist das Ter­pentinöl insbesonders in der Rinderpraxis in kleineren Gaben zu ein-
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Terpentinöl.
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pfehlen gegen ohronisobe Verdauungstörungen, indem es die Rumination stark anregt.
2) Grrössere Dosen erweisen sieli als kräftiges Wurmmittel (Spulwürmer beim Pferde).
8) In kleinen Dosen ist das Terpentinöl ein starkes Diureticura (Anwendung bei Hydrops).
4) Bei chronischen Katarrhen des Respirationsapparates und der Blase wird es ferner in kleinen Dosen als sccretionshcschrän-kendes und desinfioirendes Mittel gegeben; gleichzeitig besitzt es eine reizende, expectorirende Wirkung.
ö) Das alte oxydirte, ozonhaltige Terpentinöl ist ein werth-volles Gegengift gegen Phosphor, indem es denselben zu phos-phoriger und unterphosphoriger Säure oxydirt, welche ungiftig sind. Der Phosphor verliert daher auch nach der Befeuchtung mit altem Terpentinöl die Fähigkeit, im Dunkeln zu leuchten.
(i) Wie viele ätherische Oele kann auch das Terpentinöl inner­lich bei Krampfkolik als krampfstillendes Mittel verabreicht werden. (In der Menscbenbeilkunde wird es ausserdem als Speoifloum gegen die Diphtherie innerlich angewandt),
7)nbsp; Aeusserlich wird das Terpentinöl als hautreizendes, erregendes und ableitendes Mittel angewandt bei chronischem Muskelrheumatismus, Staiuingsödemen der Haut, Schwäche- und Lähmungzuständen, Muskelatrophie, chi'onisohen Gelenks- und Sehnen­lahmheiten, Kolik, beim sogenannten Pestliegen hochtriiehtiger Rin­der etc. Gagny empfiehlt bei rotzverdächtigen Pferden als dia­gnostisches Hilfsmittel subeutane Te rpen tinölinjeetionen (an der rechten und linken Brustwand in je 2 Intcrcostalrämnen zu je 1 Gramm), um durch die starke Bevulsivwirkung dos Terpentinöls den chronischen Rotz acut und dadurch wahrnehmbar zu machen. Er will in einem Falle bei einem verdächtigen Pferde schon innerhalb 18 Stunden den acuten Rotz auf diese Weise herbeigeführt haben.
8)nbsp; Ebenfalls äusserlich als antiphlögistisohes Mittel gegen Peritonitis und Pleuritis in Form der Einreibung auf die Bauch­decken resp. Brustwandungen; ferner gegen E ry s i p e I und P hl eg m o n e.
!•) Als Antisep ticum und Desinficiens wird das Terpentinöl und der Terpentin angewandt namentlich bei älteren, schlecht granulirenden Wunden, um die Granulation anzuregen und die Abstossung abgestorbener Theile (Sehnen, Knorpel, Knochen) zu befördern (Digestivsalbe. Hufsalbe); ferner als Inhalation gegen Lun g eneavernen, putride Bronchitis und Broncbiektasien.
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Terpentinöl.
10)nbsp; Als äusserliobes Antiparasitioum dient Terpentinöl namentlaquo;
lieh zum Tod ten der Zecken und als Zusatz von Räudebädern, ferner intratracbeal oder inhalirt zur Vernichtung der Lungenwürmer und in Form von Clystieren (1:5—10 Oel) gegen Mastdarm* w ü r m e r,
11)nbsp; Als lokales Stypticum kann es in verzweifelten Fällen von Blutungen aus Wunden und Schleimhäuten versucht worden.
12)nbsp; nbsp;Endlieh wird der Terpentin als Constituens zur Herstellung verschiedener Pflaster benützt.
Oontraindicirt ist die innerliche Verwendung des Terpentinöls in grösseren Dosen bei allen Schlachtthi eren und bei Milch-thieren (Geruch des Fleisches und der Milch), ferner bei bestehen­der Gastroenteritis und acuter Nephritis.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kind 25—250,0 (kleine — grosse Dosis).
Pferd 10—100,0. Schaf, Ziege 5—25,0. Schwein 5—10,0. Hund 0,2—2,0. Katze und Geflügel 0,05—0,25.
Form. 1 unerli eh gibt man das Terpentinöl entweder in Pillen (Pferd) odor als Emulsion mit Oel, Gummi arabicum, schleimigen Abkochungen (Wiederkäuer, Hund); Hunden wird es auch zweck-massig in Gelatinekapseln verabreicht.
Aeusserlich verdünnt man das Terpentinöl zu reizenden Ein­reibungen mit Oel, Spiritus, Kampherspiritus etc. (1 : 10—20) oder spritzt es subeutan in unverdünntem Zustande oder mit gleichen Theilen Spiritus resp. Oel ein (1—5,0 bei Muskolrheumatismus der Pferde, 5—10,0 tun Rinder zum Aufstehen zu bewegen). Zu In­halationen benützt man 1—5 0/oige Mischungen mit AVasser, zu intra-trachealen Lnjectionen Mischungen mit Olivenöl (1 : 1—10). In der Wundbehandlung endlich benützt man spirituöse Mischungen (1 : 1—20) oder Salben (Digestivsalbe). Den Terpentin benützt man zur Her­stellung von Pflastern (z. B. Lund'sches Pflaster gegen Widerrist-schaden).
Recepte.
1) Rp. Olei Terebinth. 50,0.
Deooot. Sem. Liiii 25,0 : 300,0. M. 1). S. Auf 2miil einzuscliüttuu für ein Rind mit ohronisclior Indigestion.
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Terpinhydrat.
4(53-
2)nbsp; Kp. Olei Terebinth. 100,0.
Olei Kioini 500,0. M. D. S. Für ein Pferd mit Spulwürmern auf linal einzuschüttou.
3)nbsp; Ep. Olei Terebinth. 10,0.
Gummi arabioi 20,0. Aqu. destill. 300,0. M. f. Emulsio. D. S. 3mal tiiglicli 1 Esslöffcl für einen Hund mit fötider Brünchitis.
4)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 0,25.
Olei Olivar. 0,5.
M. D. tal. dos. in oapsnl. gelatin. Nr. X. S. Täglich 1 Kapsel einzugeben für einen Hund mit Blasenkatarrh. .5) Rp. Terebinth, larie. 30,0. Myrrhae Alofis ää 1,0. Vitella ovorum IV. M. f. Ugt. Ü. S. Alte Digestivsalbc (Unguentum digestivum oder TJnguentum Terobinthinae comjios.).
6)nbsp; Rp. Olei Terebinth. 10,0.
Spiritus camphor. 300,0. M. D. S. Aeusserlioh für einen Hund mit Rheumatismus (Pferd mit Kolik).
7)nbsp; Rp, Olei Terebinth.
Olei Olivar. ää 100,0. M. D. S. Zu suboutanen und Jbatratraohealen Injectionen.
8)nbsp; Rp, Terebinth, eommun.
Picis nigrao ää 250,0. Llquefao et misec in leni oalore. M, ü. S. Auf ein Stück Leder zu streichen (Lund'sohes Pilaster).
Terpinum hydratum, Terpinhydrat, von der Formel ClnH16.2H./)' -|- H^O, bildet sich, wenn man das Terpentinöl mit Wasser zusammen sich selber überliisst. Es wird künstlich aus rectificirtem Terpentinöl, Al­kohol und Salpetersäure (4:3:1) dargestellt. Es bildet grosse, farb-nnd geruchlose rhombische Krystallo von schwach aromatischem Ge­sehmacke, welche in heissem Wasser, Alkohol und Aether leicht löslich sind und sich bei 117deg; C. zu Terpin = C|nH|(1.2 H.,0 verwandeln. Das von Lepine (188f)) zuerst untersuchte, jetzt ot'ficinelle Präparat vermehrt in kleinen Dosen die Secretion dor Bronchialschleimhaut, während es dieselbe in grösseren Dosen umgekehrt beschränkt; ausserdem wirkt es diuretisch und schmerzstillend. Man gibt es beim Menschen in Dosen von 0,2—0,5 entweder in Pillen oder in Lösung. Rp. Terpini hydrati 3,0; Sacchari, Gummi arabici ää 1,0; f. Pil. Nr. 30 oder: Rp. Terpini hydrati 2,0; Spi­ritus, Aquae destill., Syrupi Menth. piper, ää 50,0. A.P. 10,0 = 40 Pfennig.
t Terebenum, T er eben, ist ein mit dem Terpentinöl isomerer Kohlenwasserstoff von derselben Formel C10H)(1; es wird dargestellt durch Destillation einer Mischung von Terpentinöl mit 50/oiger Schwefelsäure bei.
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Sabinakrauti
15()--1(50quot; C. Das Tereben ist, eine schwacligelblicho, naeli Thymian riechende Flüssigkeit, welche in Alkohol und Aethor leicht, in Wasser schwor löslich ist und bei lilngonn- Aufbewahrung unter iiildung von Ameisensäure und Essigsäure verharzt; es roagirt neutral und ist optisch inaetiv. Die Wirkung und Anwendung ist dieselbe wie die des Ter­pentinöls (Antisepticuni, socretionsbeschrilnkendes Mittel). Dabei soll es sich von dem letzteren durch seinen weniger unangenehmen Geruch und Geschmack mit Vortheil unterscheiden.
t Terpinolum, Terpinol, ist ein Gemenge von Terpineol, Terpinen, Terpinolen und Dipenten, welches aus Terpin durch Kochen mit verdünnten Mineralsiüiren dargestellt wird: 2CIII11WÜ) — ;i H.^O =: CwH:liO. Es bildet ein angenehm nach Hyacinthen riechendes Oel, welches nahezu unlöslich in Wasser, dagegen in Alkohol und Aether leicht löslich ist. Es soll die Secretion der 13ron chialschleimh aut anregen (Guelpa und Morra), und wird daher beim Menschen als Kxpectorans in Dosen von 0,5—1,0 an­gewandt. Es ist indessen fraglich, ob das Präparat ein constantes ist.
t Summltates Sablnae. Sabinakraut.
Stammpflnnze: Juniperus Sabina (Sadebaum). Pa milie: Ooniferen
Pharmakognosie. Der Sadebaum oder Sevenbaum, Juniperus Sabina, ist ein immergrünender niedriger Strauch, welcher im si'ul-lichen Europa wild wächst und bei uns oultivirt wird. Seine Zweige oder Spitzen, die Summltates Sabinae (Herba Sabinae), in Oester-reioh officinell, haben A.ehnlichkeit mit Oypressenzweigen; die­selben sind nämlich dicht besetzt oder sell up pig eingehüllt von grünen, rautenförmigen Nadelblättchen, welche vierzeilig ge­ordnet und bald angedrückl und stumpf, bald etwas abstehend und zugespitzt sind und stets auf dem Rücken eine längliche, vertiefte Oeldrtise tragen. Die Zweigspitzen haben einen eigenartigen, kräftig aromatischen Q-eruch und einen bitteren herben Q-eschmack; bisweilen sitzen an ihnen kleine, dunkelblaue oder branngraue ein-geschrumpfte Beeren. Die Sadebaumspitzen enthalten das mit dem Terpentinöl isomere ätlierisclie Sahiuaöl von der Formel ö10T3.w welches in den frischen Spitzen zu 2 -2,5 0/o, in den Beeren bis zu 100/n enthalten ist, ferner einen stark toxischen Bestandtheil, welcher nach Buchheim zu den Säureanhydriden gehört, ausserdem (J erbsäure. Harz und Zucker.
Wirkung. 1) Das die Wirkung des Sabinakrautes im Allge­meinen bedingende ätherische Sabinaöl wirkt ähnlich, aber wesent­lich stärker als das Terpentinöl, reizend und entziindungs-
mm
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Sabinakraut.
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erregend auf Haut, Schleimhäute und Nieren; in grösseren Dosen erzeugt os selbt eine hämorrhagisohe Gastroenteritis. Nephritis und Cystitis. Kleine (lalien regen die Verdauung und die Nierenlaquo; secretion an.
2) Nach den Versuchen von Rölnig an Kaninchen hat die Sahina ausserdem eine speoifisohe tetanisohe Einwirkung auf den Uterus und die Blasenmuskulatur.
IS) Auf Wunden wirken die Sadebaumspitzen desinficirond und anregend.
Anwendung. 1) Ais S to mac hie um bei chronischen Ver­dauungsstörungen der Wiederkäuer.
2)nbsp; nbsp;Als Diuretioum hei Wassersucht.
3)nbsp; nbsp;Als uteruscontrahirendes Mittel bei sehwachen Wehen, fehlender Contraction des Uterus nach der Geburt, Endometritis, Zu­rückbleiben der Nachgeburt. Dagegen eignet sich die Sahina wegen ihrer giftigen Wirkung nicht als Abortivum.
4)nbsp; nbsp;Aeusserlich als Reizmittel und Desinficiens für Wunden, Geschwüre, Eiste In, als Einspritzung in den puer-peralen Uterus und gegen Endometritis, sowie zu reizenden Haut­einreibungen gegen Rheumatismus.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferde und Rinder 26—50,0.
Schafe und Ziegen quot;gt;—10,0.
Schweine 2—6,0.
Hunde 0,5—1,0.
Katzen und GeHügel 0,2—0,5.
Form. Innerlich gibt man die Sadebaumspitzen in Latwergen,
Schiittelmixturen sowie im Tnfus, cäusserlich wendet man sie als Streu­pulver, als Infus, Extract und Salbe an.
Recepte.
I) Hp. Siiinnutat. Sabinae gr. pulv. 50,0. Natrü ohlorati orudi 250,0. M. D. S. Auf 2mal je mit 1 Flasche Loinsamenabkoolnmg einzugeben für ein Rind mit ohronisoher Indigestion.
'2) Hp. Sunnmitat. Sabinae 200,0. D. S, Mit 2 Liter Wasser abgebrüht zur Infusion in den Uterus bei zurückgebliebener Nachgeburt dos Elindes.
I'röhner, Arzneiimltellehre. 3. Aull.
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Waoholdevbeeren.
Fructus Jimipcri. Wacholderbeeren.
Stamrapflatizoi Juniperus oonunanis.
Kaiuiliu: C'Diiifereii (Cnpressinct'ii).
Pharmakognosie, Die Wacholderbeeren sind kugelige, schwiirzbi'iiune, bläulich bereifte. Beeren, welche am Scbeitel drei Xälite und am Grunde 2 Wirtel brauner Deckblätteben /eigen. Das kräftig gewürzhafte und süss sebmeckende Fruchtfleisch urasohliesat 3 harte, kantige, aufrechte Samen, welche mit Oeldrüsen besetzt sind. Die Samen enthalten das ätherische Wacholderöl zu 1—20/n, während das Fruchtfleisch Zucker und zwar bis zu 300/o, ausserdein organische Säuren, Juniperin und Harz entbält. A.P. 200,0 = 45 Pfennig.
Oleum Juniperi, Wacholderöl, wird durch Datupfdestillation aus
den Wacholderbeeren dargestellt. Es ist ein farbloses bis hellgelbes, dem Terpentinöl sehr ähnliches ätherisches Oel, welches aus Pin an (CmH,,;) und Sesquiterpen (OjjHjm) besteht, in Weingeist wenig löslich ist, aber mit .lod sich nicht erhitzt (Gegensatz zum Terpentinöl). Es besitzt einen angenehmen W a c h o 1 d e r g e r u c h und Geschmack ; 1 Tropfen mit Zucker verrieben und mit 500,ü Wasser geschüttelt darf keinen scharfen Geschmack mittheilen. An der Luft wird das Wacholderöl dickflüssig und gelblich, indem es verharzt. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. — Das vorstehende Oleum Juniperi aethereum darf nicht verwechselt werden mit dem Oleum Juniperi ompyrenmaticum. dem „Wacholderholzölquot;, d. h, dem aus Wacholderholz durch trockene Destillation dargestellten The er, dem so­genannten „Kadeölquot;.
Suecus Juniperi inspissatus. Waoholdermus (Roob Juniperi), ist ein eingedickter, dunkelbrauner Fruchtsaft von sttssem, gewürz­haftem, nicht brenzlichem Geschmacke, welcher aus den frischen Wacholder­beeren durch Zerquetschen, üebergiessen mit heissem Wasser, Abpressen und Eindicken des Saftes dargestellt wird. Es enthält Zucker und wenig Wacholderöl. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Spiritus Juniperi, Waohold erspir it us, wird durch Zerquetschen der Wacholderbeeren, Maceriren mit Weingeist und Destillation dargestellt.
Lignum Juniperi, Wacholderholz, ist in Oesterreich officinell als Bestandtlioil der Species Lignorum.
Wirkung und Anwendung. Das Wacholderöl ist dem Terpentinöl in seinen Wirkungen nahe verwandt.
1) Es ist vor Allem ein Diureticum, welches milder wirkt als das Terpentinöl. Die Wacholderbeeren sind daher ein viel benutztes harntreibendes Mittel gegen entzündliche und mechanische Wasser-
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W aoholderbeeren.
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suchten. Insbesondere wird auch der Suoous Juniperi inspissatus ;ds Zusatz zu diuretisohen Mixturen benützt.
2)nbsp; Ausserdem werden die Wacholderbeeren als Stomaohioum, Oarminativum, Expeotorans, Milchmittel, als Bandwurm­mitte] bei Lämmern (Trasbot), sowie endlich als innerliches Anti-septioum namentlich gegen Blasenkatarrh gegeben.
3)nbsp; nbsp;Das ätherische Wacholderöl wird aus s er lieh wie das Terpentinöl zu reizenden Einreibungen gegen Rheumatismus etc. sowie als Desinfioiens in der Wundbehandlung angewandt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rinder 60—100,0.
Pferde 2.quot;)—50,0.
Schafe, Ziegen, Schweine 5—10,0. Hunde 1—r),0. Katzen und Geflügel 0,6—2,0.
Form. Man gibt die Wacholderbeeren entweder als Fress­pulver oder als Zusatz zu Latwergen; den Saft ebenfalls in Latwergen oder Mixturen, das Wacholderöl als Schüttehnixtur oder Emulsion, oder mit Spiritus verdünnt. Die früher üblichen Räucherungen mit Wacholderbeeren zum Zwecke der Desiul'ection sind nutzlos; auch haben sich dieselben gegen Lungenwürmer unwirksam erwiesen.
Recepte.
1)nbsp; Rp, Fnict. Junip. pnlv. 10O,Ü.
Natrii olilorati orudi 250,0. Natrii nitrioi 50,0. M. Igt;. S. Auf jedes Kutter ] Esslöffel für ein Pferd mit Wassersucht.
2)nbsp; nbsp;Rp. Pruot. Juniperi pulv. 260,0.
Natrii sulfurioi 500,0. Ammonii chlorati 50,0. M. 1). S. Täglich lIou 8. Theil mit 1 Flnsclio Leinsamenabkoohung ein­zuschütten für ein Kind mit Langenkatarrh.
'5) Rj). Succi Juniperi inspissati
Liquor. Kalii acetici ää 25,0. Infusi Pol. Digital. 2,0 .- 250,0. M. D. S. Täglicli 2 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit allgemeiner Wassersucht,
#9632;1) Elp. 01. Juniper, aether. 6,0. Spiritus 100,0. M. D. S. Ennerlioh Bstündlioh 10 Tropfen für einen Hund mit Blasen­katarrh.
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Lorbeeren.
Fraotos Lauri. Lorlraquo;ooi'laquo;ii.
Stammpflanze; Lauras ndliilis. Familie: Laurineen (Lauraoeen),
Pharmakognosie. Die Lorbeeren sind braunschwarze, liing-liohrunde oder kugelige, bis l1/laquo; om dicke, stark runzelige Beeren mit dünnem, leicht zerbrechlichem Fruchtgehäuse und flei-schigem, bräunlichem Samenkerne, Sie haben einen aromatischen und gleichzeitig bitteren und herben Q-eschmack. Sie? enthalten /.n l0/o ein ätherisches, dem Terpentinöl verwandtes Oel und Fett, ausser-dem das Laurin, Zucker und Gummi. A.P. 100,0 = 30 Pfennig.
Oleum Lauri, Lorbeeröl, wird dnrcli Auspressen der Lorbeeren in Italien und Grieuhenland dargestellt und bildet, ein grünes, salben­artiges, körnig-krystallinisohes Fett von starkem, aromatischem Ge-ruebe. Dasselbe bestellt 1) aus i'itlieriscbem Oel, L orbeercampber und Nelkensäure, 2) aus einem fetten Oel, dem Laurostearin (Glycerid der Laurinsäure, Oelsilure und anderer Fettsäuren), 3) aus Chloro-pbyll (grüner Pflanzenfarbstoff)• ^ei holier Aussentemperatur wird es flüssig, in der Kälte butterartig lest. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Lorbeeren werden in Folge ihres (Jebaltes an ätherischem Oel als gewürzhaftes Sto-machicum und als Diureticum benützt, Dosis für Pferd und Kind 20,0—50,0, für Schale und Ziegen .quot;i—10,0, für Schweine 2—5,0, für Hunde 0,5—2,0, Katzen und Geflügel 0,2—0,5.
2) Das Lorbeeröl wird äusserlich zu reizenden Einrei­bungen, ähnlich wie Terpentinöl, gegen Rheumatismus, chronische Sehnen-, Gelenks- und Kuoclieiientzüiulungen, Drüsen- und Euter­entzündungen, zur Abhaltung von Fliegen, sowie zur Beförderung des Hufwachsthums als Einreibung auf die Krone angewandt.
Fructns Anisi. Anis.
Stammpflanze: Pimpinella Anisum,
Familie: Umbel liieren.
Pharmakognosie. Der Anis (Knie tu s Anisi vulgar is) ist ein einjähriges, ursprüngheh aus dem Oriente, stammendes Kraut, welches in Spanien, Russland, Prankreich, Italien und Ueutsch-land (Thüringen, Franken. Magdeburg) eultivirt wird. Seine Früchte
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Anis.
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sind gegen 5 mm lang, von matter, grünliohgrauer Form, bi'eit-eiförmig, von reinen Börstohen dicht besetzt, von 10 geraden, glatten, etwas helleren Bippen durchzogen und aus zwei zulaquo; sammenbängenden Theilfrüchtchen bestehend. DerGeruob und Q-eschmaok der Früchte ist in hohem Grade gewtirzhaft süsslioh, Sie enthalten in den unter der Oberfläche gelegenen Oeletriemen das ätherisclie Aiiisöl (2—;i0jn). im Kern Sameneiweiss und fettes Oel. Die beste; Handelssorte ist der spanische Anis. A.1J. 100,0 == 55 Pfennig. Die Anissamen dürfen nicht verwechselt werden mit den ähn­lich wirkenden Kr net us Anetlii. den Di 11s a inen, von Auethum graveolens, einer Umbellifere, sowie mit den Fruotus Anisi stel-lati. dem Ste rnani s, von Illiciuni anisatum, einer Magnoliacee Oochinchinas (in Oesterreich officinell).
Oleum Anisi, Anisöl, das ätherisohe Ool der Anisfrüohte, wird aus denselben durch Dampfdestillation dargestellt. Ks bildet bei 10quot; C. eine weisse, blätterige Krystallmasse von sehr aromatischem Gerüche und
süsslichem Gesclmincke, welche bei 15deg; C, weicher wird und bei 17quot; 0. zu einer farblosen, stark liohtbreoheuden Flüssigkeit vom specitisohen Ge­wicht 0,98—0,99 schmilzt. Das Anisöl ist klar mit Weingeist mischbar; diese Lösung ist neutral und soll durch Eisem-hlorid nicht violett gefärbt werden (Curbolsäure!). 1 Tropfen Anisöl mit Znoker verrieben und mit 500 g Wasser geschüttelt, soll demselben einen süsslichen, angenehmen Anisgeschmaok ertheilon. Das Anisöl besteht aus 80—900/o krystallini-sebem Anethol = Aniscampher von der Formel OmHigO, ausserdem aus flüssigem Anethol und einem mit dem Terpentinöl isomeren Terpen. An der Luft verharzt es allmählich, weshalb es vor Licht geschützt und an einem kühlen Orte in wohlverschlossenen Gefässen aufzubewahren ist. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Liquor Ammonii anisatus ist eine Mischung von Anisöl (1), Wein­geist (24) und Ammoniak (quot;)). A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Elaeosaccharum Anisi, Anisölzuoker, ist eine Mischung von 1 Tropfen Anisöl mit 2 g Zuckerpulver. — Ausserdem ist Anis ein Bestandtheil der .Species laxantes St. Germain und der T. Opii benzoiea.
t Anissäure, von der Formel 06H.| . OOH:1. COOH, wird neuerdings als Ersatzmittel der Salicylsäure empfohlen.
Wirkung und Anwendung. I) Das ätherische Anisöl regt in kleinen Dosen die Secretion der Verdauungsdriisen an, deswegen wird der Anis in kleinen Mengen als ein gewürzhaftes Stumacliicum bei den Verdauungskrankheiten namentlich der Pflanzenfresser sowie als Q-eschmaokscorrigens für schlecht schmeckende Arzneien an­gewandt, (irössere Dosen von Anisöl erzeugen Magendarinkatarrli, (Dosis des Anisöls für Hunde 1—•'gt; Tropfen.)
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Anis.
#9632;J) Das Anisöl bosit/.t gilliviings- und fäulnisswidrige Wir-kungen. Man gil)t daher den Anis Innerlich als Ä-ntizymoticum bei abnormen Q-ährungsprooeasen im Magen und Dannkanal, so insbesondere bei den durch Zersetzung der Milch bedingten Darm­katarrhen der säugenden Thiere.
;{) Das Anisöl steigert, wit' alle ätherischen Oele, die Se­cretion der Schleimdrüsen der Bronchialschleimhaut. Darauf bezieht sieh die Anwendung des Anis sowie des Liquor Ammonii auisatus als EQxpeotorans bei Katarrhen der Bespirationssohleimhaut.
4)nbsp; nbsp;Wegen der krampfstillenden und anästhesirenden Wir­kung des Anisöls wird der Anis bei K raiupl'koli k. Husten u. s. w. angewandt.
5)nbsp; nbsp;Der Anis ist ferner von Jeher empirisch als Milchmittel benutzt worden, da man eine anregende Einwirkung des Anisöls auf die Milchseoretion annahm. Neuere Untersuchungen von Hess, Schaffer und Bondzynski (Landwirthschaftliches Jalrrbuch der Schweiz 1888) haben indess beztigUch der Steigerung der Milchseoretion durch Anis (wie auch durch Fenchel, Kümmel, Oalmus, Wacholder­beeren und Enzian) bei gesunden Thieren ein negatives, Resultat gehabt. Zu demselben Ergebnisse haben meine eigenen Untersuchungen geführt (Monatshefte für prakt. Thierheilkunde 1891),
(gt;) Aeusserlich ist das Anisöl ein kräftiges Antiparasiticum gegen Ungeziefer der Haut, namentlich gegen Vogelmilben. Feder-linge, Läuse. Flöhe, Es darf jedoch bei Vögeln nur in sehr ver­dünntem Zustande (1 : 50—KH) Spiritus) oder in Form schwacher Anisinfuse und als gepulverter Anis zur Anwendung gelangen, da es unverdünnt und in grösseren Mengen aufgetragen bei Kanarienvögeln und Tauben stark hantreizend und giftig wirkt.
Dosis der Fructus Anisi.
Kind 25—50,0,
Pferd 10—25,0.
Schaf. Ziege, Schwein 5—10,0,
Hund 0,5—2,0,
Katze und GeHügel 0,2—0,5,
Recepte.
] i Kp. Kniet. Anisi pulv,
Sal, Oarolin. faotitii äTi IöOjO. M. D. S. Auf Jodes Futter 2 Bsslöffel für ein Pferlt; Bronohialkatarrh. Druae (#9632;!lt;#9632;.
it IMaffenkatarrb,
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Fenchel.
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2) R[). Kructiis A nisi pulv.
Friict. Foeniauli ])ulv. kTT 100.0. Stibii sulfur. iiifgt;Ti Natr. chloral, orud. iüi 200,0. M. D. S. Milclipulvor für Kühe: auf jedes Futter 2 Esslöffel.
8) K]gt;. Olei Auisi 1,0. Spiritus 100,0. M. I). S. Aeusserlich zum Besprengen des öeflügels gegen üngeziefei'lt;
4) Rp. Olei Auisi 2,0. Spiritus 20,0. M. Igt;. S. Sstttndlioll 6—10 Tropfen für einen Mund mit Enteritis.
Fructus Foenlcull. Fenchel.
Staunuiiflanze: Foeuieuluin eapillneeuiu (vulgäre) Fa m il i e: llmliellifemi.
Pharmakognosie. Der Fenchel ist eine Im südlichen Europa vorkommende uml auf Feldern sowie in Q-ärten liberal] in Deutsch­land angebaute Dmbellifere, deren bräunlich grüne, läng Hohe Früchte etwa 8 mm lang und 8 mm breit sind und 5 stark her­vortretende, lielle, strohgelbe, gekielte Rippen besitzen, zwischen denen je ein Oelgang durchschimmert. Der Q-eruch und Q-esohmack ist gewürzhaft und süss. Q-ewöhnhch ist die Frucht in ihre beiden Hälften zerfallen. Der Fenchel enthält das ätherische Fenchelöl (2—8,5raquo;, fettes Gel und Zucker. A.P. 100,0 g = quot;gt;() Pfennig.
Oleum Foeniculi, Fenchelöl. wird aus den Fenchelfrüchten durch .Dainpfdestillation dargestellt. Das Fenchelöl ist im Wesentlichen identisch mit Anisöl, es besteht nämlich aus Anethol, welches sich wie beim Anisöl in der Kälte krystallinisch ausscheidet, Pinen und Dipenten; ausserdem enthält es Fenchon. ein Keton von der Formel 0laquo;)Hlaquo;O. Auch im Geruch und Geschmack stimmt es mit dem Anisöl überein. Es ist ferner farblos, vom speeifischen Gewichte 0,9(). A.P. 10,0 = 5 Pfenniiir.
Aqua Foeniculi, Fenobel wassor, wird durgestellt, indem 1 Theil zerstossener Fenchel mit Wasser Übergossen und 30 Theile abdestillirt worden. A.F. 100,0 = 15 Pfennig. — Ausserdem bilden die Fenchelsamen einen Bestaudtheil der Species laxantes St. Germain, des Pnlvis Liquiritiae compositus und des Syrupus Sennae.
Wirkung und Anwendung. Bei der fast vollständigen Iden­tität des Oleum Foeniculi mit dem Oleum Auisi stimmt der Fenchel
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Kiimmül.
in seinen Wirkungen mit dem Anis vollkommen überein. Wie der Anis ist er ein Stomaehicum und (j! eschniackscorrigens, ein blähungs* und gährungswidriges, krampfstillendes (Ver-suohe von Binz) sowie expeotorirendes und hustenlinderndes Mittel, welches ebenfalls herkömmlich einen Bestondtheil der Milch-pulver bildet. Endlich wird der Fenchel im Infus äusserlioh gegen Augenentzündungen angewandt. (Homersh au sen's Allgen-wasser).
Dosis und Form = Fruotus Anisi.
f Fructus Phellandrii. Wasserfenchel. Der Wasserfenohel (Koss-t'enchel; Stammpflanze : Of n an the Phelhin d r ium ; Familie: ümbelli-feren) bildet braune, unangenehm würzig riechende und schmek-kende, eiförmige Früchte von 5 mm Länge mit 5 stumpfen, wenig hervortretenden Rippen, zwischen denen schmale Thälchen mit je einem Oelgang liegen. Sie enthalten ein ätherisches Oel (l0/o), ferner das Phel-landriol, sowie fettes Oel. Der früher officinelle Wasserfenchel wirkt etwas schärfer als Anis und Fenchel, mit denen er im üebrigen in der Wirkung vollkommen übereinstimmt. Er wird namentlich als Expectorans und leichtes Dinreticum angewandt. Wie Hertwig gezeigt hat, haben auch sehr grosse Dosen des Mittels (860—540,0 bei Pferden und Kühen; 30 bis lt;)0,0 bei Hunden) keine schädlichen Folgen. Dosis und Form = Fruc­tus Anisi. — Fructus Coriandri, Koriander, von Coria'ndrum sativum, ist in Oesterreich offloinell,
Fructus Ciirvi. KiimiiHl.
Stam mpf'l n n/e: Canim Oarvii Familie: Umbellifereu.
Pharmakognosie. Der Kümmel bildet längliche, sichel­förmige, braune Früchte von sehr kräftigem, eigenartigem Ge­rüche und G-esohmacke, welche bis 5 mm lang und 1 mm breit sind und je 5 hellere Rippen mit entsprechenden Thälchen besitzen, welche mit je einem Oelgange versehen sind. Sie enthalten das ätherische Kümmelöl (4—6 0/o) und ausserdem fettes Oel. A.P. 100,0 = 45 Pfennig.
Oleum Carvi, das ätherische K ü m m e 1 ö 1, wird durch Dampf-destination der Kümmelfrüchte dargestellt. Es besteht aus Carvol = CjoHuO , welches dem Kümmelöl den charakteristischen Geruch verleibt, und dem Carven (Limonen), einem Terpen, und bildet eine farblose oder blassgelbliche Flüssigkeit vom speoifisohen Gewicht 0,91, welche sich mit Weingeist in jedem Verhältniss leicht löst und bei 22-1quot; siedet. Mit gleichviel Weingeist verdünnt, wird das Kümmelöl durch einen Tropfen Eisenchlorid schwach violett oder röthlich gefärbt. Das Kümmelöl unter­scheidet sieb von anderen ätherischen Gelen dadurch, dass 10 Theile des-
IJu
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J'etcTsiliensiuium.
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selben mit 8 Thoileu Weingeist und 1 Theil Ammoniak vermischt und mit Schwefelwasserstoff gesattigt, zu einer weissen Krystallmasse erstarren. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Kümmel ist der Hauptreprä­sentant der sogenannten „Oarminativaquot;, lt;1. b, blähungstreiben-den. krampfstillenden und gährungswidrigen Mittel, und findet deshalb hauptsächlich Ihm Kolik, Tympanitis, sowie abnormen Giili-rungen im Darme Anwendung. Ausserdem ist er wie Anis und Fenchel ein Stomachioum und (J esclimackscorrigens, sowie ein Expectorans und Milchmittel.
Das Kttmmelöl wird wie das Anisöl innerlich gegen Ki'ampf-kolik, /.. 15. heim Hunde zu 1—5 Tropfen angewandt.
Dosis und Form = Prixctus Anisi.
f Fnictus Petroselinli Peterslllensameiit
Stammpf'liiuze: Petroselinnm sativum (A|iiiiiii Petroselinum). Kami 11 e: Drabelliferan.
Pharmakognosie. Die Petersiliensamen sind graugrüne, ei­förmige, 2 mm lange Spaltfrüohte mit .quot;gt; fadenförmigen Bippen und eigenthümlich aromatischem Gerüche. Sie enthalten das ätherische Petersilienöl, welches aus dem festen Apiol (dem Petersiliencampher) und einem tiüchtigen Terpen bestellt, sowie fettes Oel. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
t Apiolum crystallisatum, Apiol, Petersilie n o a m p her, hat die Formel OioHuOa, und wird aus dem Petersiliensamen durch Extraction
mittelst Alkohol und Aether dargestellt. Es bildet weisse Krystall­nadeln, welche schwach nach Petersilie riechen und in Wasser fast un­löslich , dagegen in Alkohol, Aether, Fetten und ätherischen Oelen leicht löslich sind und sich in concentrirter Schwefelsäure mit purpurrother Farbe auflösen. Sie schmelzen bei 32quot; 0. und sieden bei 300deg; C, Das Apiol ist ein Antisepticuni, welches ausserdem eine cliini n ä hnlichc Wirkung besitzt und daher in der Menschenheilknncle in Dosen von 0,25—1,0 gegen Wechsel-lieber angewandt wird.
Wirkung und Anwendung. Die Petersiliensamen wurden früher bauptsächlich als harntreibendes Mittel und zwar Pferden in Dosen von 10—25,0. Hindern zu 25—50,0, Schafen, Ziegen und Schweinen zu 5—10,0, Hunden zu 2—ö,0. Katzen zu 1, — 2.0 gegeben, ausser-•lem innerlich wie Anis und Fenchel als Stomachicum und Carmi-nativum. Aeusserlich können sie gepulvert oder im Anfguss gegen
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Kara
Liiiisd sowie namentlich gegen die Hautparasiten des G-eflügels angewandt werden. Auch die Wurzel und das Kraut der Petersilie sind früher ähnlich benutzt worden.
Flores Cliamomiilac. Kamillen.
Stammpflanze: Matrioaria Ohamomilla. Va milie: Oompositeu,
Pharmakognosie. Die Kamillen bilden kahle Blüthenköpf-oben mit kegeligem, nacktem, innen hohlem Blüthenhodcn von 5 nun Höhe und 1 \2 nun Breite. Sie haben 12—18 weisse Rand-hlüthen und /.ahlreiche gelbe SclKahenblüthen und sind durch ihren kräftig aromatischen Q-eruoh und bitterlichen Q-esohmaok charakterisirt. A.P. 200,0 == 1 Mark. Die frischen Kamillen ent­halten das ätherische Kamillenöl zu etwa 0.25 n/o (A.P. 0,1 = 10 Pfennig), einen blauen Kampher (Coeruleiu, Aznlen) von der Formel C10HlliO, ausserdem Bitterstoff und Harz.
Verwechslungen. Die eobten Kamillen, von welchen in Deutschland die gewöhnliche oder deutsche Kamille (Flor. Chanioniillae vulgaris), in Oesterreioh ausserdem noch die römische oder edle Kamille (Flor. Ohamomillae Romanae, die Blütben von Anthemis nobilis) officinell sind, unterscheiden sich von der sogenannten Hundskamille (Anthemis arvensis und Cotula) sowie von Chrysanthemum inodorum durch ihren hohlen, hügeligen Blüthenboden, welcher ausserdem nicht, wie bei der Hunds­kamille, mit Spreublättchen besetzt ist.
J
Wirkung und Anwendung. 1) Das Kamillenöl hat vor allem eine krampfstillende Wirkimg auf den Magen und Darm, sowie auf den Uterus und die Blase. Experimentelle Versuche von Binz haben gezeigt, dass sogar der iStrvchnintetanus durch gleichzeitige Ver­abreichung kräftiger Gaben von Kamillenöl hei den betreffenden Ver-suebstbiereu paralysirt wird. Deshalb werden die Kamillen innerlich hauptsächlich als ('a r m ina t i v u m und A ntispa smodicum bei Krampfkolik, schmerzhaften Darmkatarrhen. Uteruslaquo; und Blasenkrämpfen in der Form des Infuses angewandt. Auch zur Unterstützung des diaphoretischen Kurverfahrens hat man sie innerlich in der Komi des warmen Kamillenthees verabreicht.
2) Aeusserlich verwendet man sie herkömmlich zur Herstel­lung von Kataplasmen, Klystieren, Augenwässern, Wund-wässern etc.
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Pl'i'H'erminz blatter.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Hind 26 -50,0.
Schaf, Ziege 5—10,0. Schwein -—•quot;gt;,*•. Hund 1 — 5,0. Katze und Q-eflüscel 0.2—0.5,
47r,
Recepte.
1)nbsp; Rp. Infusi Flor. Charaomillae 85,0 ; 500,0.
Spiritus iictliürt'i 20,lt;t. I\l. I). S. Bingusa für ein Pferd mit Krampfkolik.
2)nbsp; Rp. I'hIv. Flor. Ohamoraill. 100,0.
Ohlorali hydrati 50,0. M. D. S. Aul' 'Jmal mit je 1 Elasohe Leinsameuabkoohung einzusohütten für ein Rind mit Krarapfwelien.
8) Kp. Infusi Klor. Ohamomillae 10,0 i 150,0. Tinotur. Opii spl. 5,0. IM. D. S. Sstündlich 1 Esslöffel für einen Hund mit sobmerzliafter Diarrhöe.
Foliii Mcntliae plperltae. Pfefferiuinzblftttei\
Stammpflanze: Mentha piperita. Kamilic: Labiaten.
Pharmakognosie. Die Pfeffermiuzblätter sind soharfgesägte, kurzgestielte, spitzeiförmige, kahle Blätter mit starkem Mittel­nerv von kräftig aromatischem Geruch und Q-eschmack, welche auf der Zunge ein Olefüiil von Kulte hinterlassen. Die in England wild wachsende Pflanze wird in Deutschland in Gärten cultivirt. Die Blätter enthalten das ätherische Pfeffeminzöl zu etwa 10/o, ausserdem Gerblaquo; säure. A.P. 100,0=85 Pfennig.
Oleum Menthae piperitae, das ätherische Pfefferminzöl, wird von den Blättern und blühenden Zweigspitzen durch Dampfdestillation dar­gestellt. Man unterscheidet im Handel deutsches, englisches, französisches, amerikanisches und japanisches Oel. Es ist ein farbloses Oel von kühlen­dem, earapherartigem (leschmacke, vom specifischen Gewichte 0,90—0,91, welches sich mit Weingeist klar mischt und bei längerem Stehen verharzt, indem es dabei eine terpentinartige Consistenz annimmt. Mit Jod erhitzt sich das Pfefferminzöl nicht; 1 g Essigsäure wird durch 1 Tropfen Pfeffer­minzöl grünblau gefärbt. Dos Pfefferminzöl besteht aus Menthol (Menthacampher), Menthon und flüssigen Terpenen (Menthen, Limonen, Sesq u it e r pen). A.P. 1,0 = 25 Pfennig.
Menthol, der Pfefferminzoampher oder Menthacampher (auch i, Pip-Mentholquot; genannt), von der Eormel C1(|ll)()0, scheidet sich aus dein deutschen und amerikanischen Pfefferminzöl bei starker Abkühluiiff
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Pri'tt'ermiiizbliittoi'.
(lessrlben ab; aus dem in Japan und China gewonnenen Oelo, welches fast ausschliesslich aus Menthol besteht, scheidet sich das Menthol schon bei gewöhnlicher Temperatur ah. Es bildet farblose Krystallnadoln von stark pi'ofi'ermin/artigeni Gerüche und kühlendem, aromatischem Qesohmaoke, welche in Wasser nahezu unlöslich, dagegen in Alkohol und Aotber leicht löslich sind. Das Menthol wird der Hauptmasse nach in Japan und China dargestellt, wo es seit langer Zeit im (iebrauche ist. A.P. 1,0 = 10 Pfennig. Das Menthol ist in Deutschland officinell.
Spiritus Menthae piperitae, Pfoffermin/.spiritus, ist eine Auf­lösung von Pfeffermin/.öl (1) in Spiritus (9). A.P. 10,0 = W Pfennig.
Aqua Menthae piperitae, Pfefferminzwasser, wird durch Destil­lation von Pfeffornün/blättern mit Wasser dargestellt. In Oesterreich ist ferner officinell das Aqua oarminativa (Windwasser), welches aussei' Pfefferminz noch Kamillen, Kümmel, Koriander, Fenchel etc. enthält. A.P, 100,0 = 25 Pfennig.
Syrupus Menthae piperitae, Pfefferminzsyrup, ist ein grünlich-brauner Syrnp, der durch Maceriren der Blätter mit Weingeist und Wasser unter Zusatz von Zucker dargestellt wird. — Rotulae Menthae piperitae, Pfefferminzplätzchen, werden durch Benetzen von Zuckerplätzchen mit einer weingeistigen Pfefferminzlösung dargestellt.
t Folia Menthae crispae. Krauseminzblätter. Die Kradsem inz-blätter (Stammpflanzen; Mentha aquatica, viridis, arvensis und sil-vestris, Familie: Labiaten) haben einen gekräuselten Band mit scharf eingeschnittenen, verbogenen Sägezähnen, sowie eine runzelige, wellenförmige Oberfläche; dabei sind sie kurzgestielt oder sitzend, zu­gespitzt und von herzförmigem oder rundlich eiförmigem Umrisse. Sie haben einen ähnlichen aromatischen Geruch und Geschmack wie die Pfefferminz­blätter. Sie enthalten das ätherische Kr ausemin zöl, welches aus einem Kohlenwasserstoff und einem carvolähnlichen Körper besteht. Sie waren früher in Deutschland und sind jetzt noch in Oesterreich officinell. Wirkung, Anwendung und Dosis = Folia Menthae piperitae.
Wirkung und Anwendung. 1) Wie das Kamillenöl hat auch das Pfeflfernünzöl eine krampfstillende Wirkung. Die Pfefferminz-blätter werden daher innerlich gegen Krampfkolik, Uterus- und Biiisenkräiupfe angewandt. In ähnlicher Weise wird das Menthol äusserlich als Anftstheticum, z.B. gegen Neuralgien des Menschen in Form des sogenannten Migränestiftes empfohlen.
2) Das Pfefferminzöl und Menthol sind starke Antiseptica, welche angeblich noch bei einer Verdünnung von 1 : :5()0.000 des-intieirend wirken und z. B. in Form der Inhalation gegen Lungen­tuberkulose versucht werden können, Nach Koch tödtet Menthol 1; 2000 die Oholerabacillen.
;i) Grosse Dosen Menthol wirken lähmend auf das Rückenmark,
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Moliascnblättui'.
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indem sie die Reflexerregbarkeit herabsetzen und die Sensibilität ver­nichten, ausserdem lähmen sie das AthmungscentroiDi
I) Wie die Kamillen, so können auch die Pfefferminzblätter wegen ihrer antiseptisohen und seiiniei/iindernden Wirkung als Zusatz ZU Kataplasmen verwendet werden.
Dosis und Form = Flores Ohamomillae.
Folia Mellssac^. Melissenblätter.
Stammpflanzei Melissa offioiualis, Pa mi lie: Labiaten.
Pharmakognosie. Die Melissenblätter stammen von der Citronen-melisse, einem bei uns in Gärten oultivirten Kraute. Sie sind lang­gestielt, breiteiförmig oder herzförmig, am Rande mit rund­lichen Kerbzähnen besetzt, dünn, kahl oder nur unterseits etwas flaumig, höchstens 4 cm lang und 3 cm breit. Ihr Geruch ist oitronenähnlioh. .Sie enthalten das iitlierische Melissenöl sowie Gerbsäure. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Offloinell ist ferner der Spiritus Melissae compositus, der Karmelitergeist, welcher aus Melissen, (Jitronenschalen, Muskatnüssen, Zinunt, Nelken, Weingeist und Wasser durch Destillation gewonnen wird. A.P. 10,0 — 10 Pfennig.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Folia Menthao piperitae.
Uerba Thymi. Thymian.
Stammpflanze! Thymus vulgaris. Kamilie: Labiaten,
Pharmakognosie. 1) Das Thymiankraut bestehtaus dicklichen. a in Rande umgerollten, nadeiförmigen, behaarten, bis Omni langen und bis #9632;'! mm breiten Blättern, welche auf dünnen, ästigen Stengeln sitzen. Die Blumen sind blass violett, zweilippig. Geruch und Geschmack sind sehr gewürzhal't. Das Thymiankraut enthält das ätherische Thymianöl, Thymol, sowie Harz. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
2) Thymolum, Thymol (Thymiancampher), offloinell, wird aus Thymianöl sowie aus einigen anderen Pflanzen (Monarda punotata; Ptychotis coptica = Ajowan) durch Ausziehen mit Natronlauge und Ausfällen mittelst Salzsäure gewonnen. Es hat die chemische Zu-
sammensetzung ('ioquot;!!*^
CjHb.CB
OH.08H7 = Methyl-Pro-
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Thymollaquo;
pyl-Phenol und bildet grosse, farblose, nach Thymian rie­chende, aromatisoh sobmeokende Krystalle, welche bei 51deg; C. sclimel/.en und sich sehr leicht in Weingeist, Aether, Chloroform und Natronlauge (1 : 1—2), weniger leicht in Glycerin, fetten und äthe­rischen Oelen lösen (1 :100). In Wasser löst sich Thymol 1 : 1100. In dem Ifachen Gewichte Schwefelsäure löst sich Thymol bei gelin­dem Erwärmen mit schön rosen rotber Farbe. Giesst man diese Lösung in lo Elaumtheile Wasser und lässt die Mischung bei 155—40deg; mit einer überschüssigen Menge Bleiwciss unter wiederholtem Um-Bohtitteln stehen, so färbt sich das Filtrat mit Zusatz einer gelingen Menge Bisenchloridlösung schön violett. Die Lösung eines KrystäU-chens Thymol in 1 ccm Essigsäure wird auf Zusatz von 6 Tropfen Schwefelsäure und 1 Trofen Salpetersäure schön blaugrün gefärbt. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
Oleum Thymi, Thymianöl, wird aus Blättern und blühenden Trieben des Thymians durch Dampfdestillation dargestellt. Es ist ein fast farbloses oder nur schwach fötbliches, dünnflüssiges, ätherisches Oel von stark aromatischem Geruch und Geschmack, welches aus Thj'mol ---CjoH^O, dem isomeren Carvac.rol, Thymen = 01()H|f) und Oymen = OjoH^ be­steht. A.P. 1,0 = 6 Pfennig. — Ueber Thymoljodid (Aristol) vefgl. S. 264.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Thymol wirkt stark fiiul-niss- und gährungswidiig, wobei es die Oarbolsäure etwa um das lOfache übertrifft. Nach neueren Untersuchungen ist das Thymol weniger ein antiseptisches (keimtödtendes), als ein kolysoptisches (entwicklungshemmendes, den Nährboden für die Bacterien immun machendes) Mittel. Es behindert das Wachsthum der Eiterkokken (Staphylococcus aureus) und das der Milzbrandbaoillen schon bei 1 : 10,000 und hebt es vollständig auf bei 1 ! 8000. Rotzbacillen werden durch Thymol nach IB Minuten vernichtet. Es is ferner noch in einer Verdünnimg von 1 ; 1000 ein gährungs- und fäulniss­widriges Mittel, welches wegen seiner relativen Ungiftigkeit als Ersatzmitted der Oarbolsäure in der antiseptischen Wundbehand­lung empfohlen worden ist, Ausserdem hat es desodorisirende Eigenschaften, beschränkt die Eiterung und befördert die Vernarbung, Nachtheile sind der hohe Preis, die etwas schwache antiseptische Wirkung, das Stumpfwerden der Instrumente und Rauhwerden der Hände. Das Thymol wird ferner angewandt als (Jonservirungs-mittel für Lymphe und anatomische Präparate, ferner äusserlicb gegen Verbrennung, Ekzeme, Stomatitis ulcerosa, Zahn-caries u. s. w.
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Herpa Serpyllii
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Innerlich wirkt Thymol antipyretisoh und ist ein Anti/y-luoticum gegen abnorme Gfthrungs- und Päulniasprocease im ]N[iigen und Darm. Auch als Anthelmintli ieu m ist es unter Anderem gegen O.xyuren empfohlen worden. Die innnrlielie Dosis des Thy­mols für Hunde beträgt 0,5—2,0. (xrosse Gaben Thymol erzeugen Gastroenteritis, Nephritis, Mbuminurie, Hämaturie, cerebrale Lähmung, Sinken des Pulses und der Temperatur, Co 1 laps, sowie fettige Degeneration der drüsigen Organe.
2) Das Thymiankraut wird herkömmlich innerlich als Carmi-nativum und äusserlicli als Zusatz zu Kataplasmen benützt; Dosis = Kamillen. Nach den Untersuchungen von Oadöac und Mounier wirkt das Thymusöl (und Quendelöl) thatsäcblich in kleinen Dosen sedativ, krampfstillend, in grösseren Dosen erzeugt es Schlaf mit totaler Anästhesie. Ausserdem besitzt es stark antiseptische Wirkung.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Thymoli 0,5.
Aqu. destill. 600,0. M. 1). S. Wundwasser.
2)nbsp; nbsp;Rp. Herbae Thymi
Hcrbao Serpylli Feil. Malvae ää 100,0. Oono. M. f. Species. I). S. Zlaquo; Kataplasmen.
Herba Serpylli. Quendel.
Stammpflamzu: Thymus Serpyllum. Kami lie: Labi a ten.
Pharmakognosie. Das Quendelkraut besteht aus beblätterten, blühenden, 1 mm starken Zweigen. Die rundlich eiförmigen bis schmal lancettlichen Blätter sind drüsig punktirt und am Grunde lang-gewimpert. Die kleinen weisslieben oder rötblicben Lippenblüthen stehen in Soheinquirlen in endständigen Köpfchen. Geruch und Ge­schmack sind sehr gewürzhaft, letzterer etwas bitter. Das Quendel­kraut enthält das ätherische Quendelöl, welches aus Thymol, Cymen und Oarvaorol besteht, Gerbsäure und Bitterstoff. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung #9632; Herba Thymi.
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480nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Plores Lavandulad
Eecepte.
I!|i. Herbao Serpylli
Flor. Cliamoniilliic Flor. Verbasoi iTä 100.0. 1!oir'. M. f. Siiecifs. I). S. 7m Kataplasmen.
Floros Lavandiilae. Lavendelblttthen.
Starampflanze: Lavandula vera (officinalis). Familie! Labiaten!
Pharmakognosie. Die Lavendelblüthen haben einen walzig­glockigen, stahlblauen, zottigen, gestreiften Kelch mit 5 Zähnen, von welchen der fünfte (lurch seine Grosse und schwarz-blaue Farbe auffällt. Die Blumenrohre ist bräunlich oder bläulich und zweilippig. Der Geruch ist angenehm würzig, der Geschmack bitter. Sie enthalten das ätherische Lavendelöl zu 1—3n/n. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Oleum Lavandulae, das ätherische Lavendelöl, wird aus den Blüthen durch Dampfdestillation dargestellt. Es bildet ein farbloses oder schwach­gelbliches, sehr angenehm riechendes Oel, welches an der Luft' schnell ver­harzt. Es besteht aus flüssigem Terjien = C10H1(i und festem Lavendel-campher. Ausserdem enthält es Ameisensäure und Essigsäure. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Spiritus Lavandulae, Lavendelspiritus, wird durch Destillation von Lavendelblllthen mit Weingeist und Wasser dargestellt. A.P. 100,0 = 55 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Lavendelöl wirkt örtlich reizend, innerlich krampfstillend und wird daher äusserlich zu reizenden Einreibungen, innerlich in Form der Blüthen gegen Krampf­kolik etc. angewandt. Ausserdem dient es zur Herstellung von Par-(umerien (Geruchscorrigens). Die Lavendelhlüthen werden ferner zu Kataplasmen sowie als Hausmittel gegen Insekten benützt.
Dosis und Form = Flores Chamomillae.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Inl'iisi Plor. I.aviiiulnl.
Eerb. Serpyll. ää 26,0 : 500,0. Acthcris 25,0. M. J). S. Binguss gegen Krampfkolik der Pferde.
2)nbsp; Kp. 01. Lavandul. 5,0.
Spiritus oamphor. 160,0. M. D. s. '/m Einreibungen fttr einen Hund mit Bheumatismus^
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KluiTs Tiliuc.
4SI
Flores Tiliac. Lindeiibliithen.
Stamuipflanzen: Tllia parvifolia und grandifolia. K11 in [He: Tiliauoout
Pharmakognosie. D'w Lindenblütheu sind duroh die Verwaoh-sungdes Blüthenstiels mit einem papierdünnen, häutigen, durch­scheinenden, netzadrigen, blassgelbgrünen Deckblatte charakterisirt. Die Staubgefässe sind unverbunden und zahlreich, die Kelch- iiud Blumenblätter zu je .quot;gt;. Die Lindenbltithen enthalten Spuren von ätkerischein Lindenblüthenöl, ausserdem Zucker. Sohleini und Gerbsäure. A.l'. 10,0 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Lindenbltithen werden her-köminlioh als schweisstreibendes Mittel in Form des Infuses an­gewandt, Ausserdem dienen sie als Zusätze zu Kat a pliismon.
Dosis = Flor. Chamoinillae.
Florcs Sambiu'i. Hollunderblttthen.
Stammpflauzei Sambuoua nisra. Pam i 1 i c: Oaprifoliaceen.
Pharmakognosie. Die Hollunderblüthen (Mederblüthen) sind kleine, weisse, beim Trocknen gelblich werdende und einschrum­pfende, radförmig ausgebreitete Blttthen, welche in einer flachen özweigigen Trugdolde stehen und je 5 Staubfäden, Kronlappen und Kelchzähne besitzen. Sie haben einen schwachen eigenartigen Q-eruch, welcher durch das in geringen Mengen (x/i 00/oo) vorhandene, ütlierische Hollunderöl bedingt wird. A.P. 10,0 lo Pfennig.
Wi rk u ng u nd A u we ndn m
Flor
'iliae
Oleum itosiic. Kosenöl.
Staminpflanzo: Rosa inosohato und Damasoeua. Kii milioi liosiuuM'ii.
Pharmakognosie. Das Rosenöl wird ans den Eosenblftttern von Uosii Damascena und anderen liosaeeen (die officinellen Flores Rosae stammen von der gewöhnlichen Rosa centifolia) durch Destillation mit, Wasser dargestellt. Die namentlich an den Siidahhänyeii des Palkan-
Krühner. Ar/.ni'iiniUi'lli'liro. 8, Aufl.
81
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482nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Oleum -Rosinariui.
gebirgs in Bulgarien (Kisanlik) cultivirten clumiisccnisclion Rosen liefern etwa 0,04quot;/o Rosenöl. Ausserdem wird in Persion und neuer­dings auch in Deutschland (Leipzig) Rosenöl pmlucirt. Das Rosenöl besteht aus Rbodinol, einem riechenden, fhissigen Alkohol von der Formel C]nhllsü und aus einem nicht riechenden, testen Stearopten. Ks bildet eine blassgelbliehe, dickliche Flüssigkeit von ange-nehnicni Hosengeruclie, welche bei 12quot; krystallisirt und in der Kälte Krystallblättohen ausscheidet. 1 Theii Rosenöl mit .quot;) Theilen Ohlprp-form verdünnt, scheidet bei Zusatz von 20 Theilen Weingeist Kry-stallblättchen aus. In Weingeist löst sich Rosenöl 1 : 100. A.P. 1 Tropfen = 10 Pfennig. Eine Mischung von -I Tropfen Rosenöl mit 1000,0 lauwarmem Wasser gibt das Kosenwasser, Acpia Kosae. A.P. 100,0 = 10 Pfennig.
Wirkunlaquo; und Anwendung :=: Co sine tic um.
Oleiuii Uosiiiiiriiii. Hosmariuöl.
Stammpflanze: Rosmarinus ofticiuulis. Familie: Labiatenlt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'
Pharmakognosie. Das ätherische ßosmariuöl wird aus den Rosmarinblättern durch Dampfdestillation dargestellt. Ks bildet ein farbloses oder schwach grüngelb liebes, dünnflüssiges Oel von kampherartigem Gerucb, das sich mit Weingeist in jedem Ver­hältnisse mischt. Es bestebtauö Pinen(O10H18),Oineol=Bukalyptol (O10H]gO) und Borneol. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Unguentum Kosmarini compositum, Kos m ar in salbe (Unguentum
nerviiiuin), wird dargestellt aus Kosmannöl und Waoholderöl (je 1 TLeil), Schweineschmalz (16), Hammeltalg (8), gelbem Wachs (2) und Muskat­butter (2), AP. 10,0 = 15 Pfennig.
Acetum aromaticum, aromatischer Essig (Vierräuber- oder Pest­essig), ist eine Mischung von Itosmarinül, Waoholderöl, Luvendelöl, Pfeffer-miuzöl, /iinintöl (je 1 Theil), Citronenül, Nelkenöl (je 2 Theile), mit ver­dünnter Essigsäure (-150), Weingeist (300) und Wasser (1200). A.P. 10,0 = 35 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Rosmarinöl wirkt äusser-licii auf die Haut stark reizend und wird daher als hautreizendes .Mittel (mit Spiritus oder als Salbe 1 ; 10—20) gegen Rheumatismus und Lähmungen angewandt. Es ist ferner ein Hestandtheil des
Opodeldok. in manchen Gegenden wird es ausserdem zu Einrei-
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-1
Oleum Euciilypti.
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';-Ji ^1
bungen auf das Euter benützt, inn die Milch zu vertreiben (private Mittheilung vonNiebuhr); die Wirkung liielioi erklärt bicli wohl aus einer dadurch erzeugten Mastitis mit Versiegen der Milch.
2)nbsp; nbsp;Das Bosmarinöl kann wegen seiner antiparasitären Wir­kung gegen Hautungeziefer und Räude verwendet werden.
3)nbsp; nbsp;Innerlich wirkt es reizend auf die Schleimhaut des Magens und Darmes und erzeugt in grossen Dosen Gastroenteritis und Nephritis. Nach Cadöao und Meunier wirkt das Hosinarinöl auf das Nervensystem in kleinen Dosen reizend, in grüsseren be­rauschend. Die höchsten Grade der Vergiftung äussern sich durch epileptische Anfälle.
t Oleum Eucalypti. Eukalyptusöl. Das il the rise ho Eukalyp­tusöl wird durch Destillation aus den Eukalyptusblttttern (Stammpflanzen! Eucalyptus globulus und amygdalina; Familie: Myrtaoeen) dargestellt, Es bildet fiin fast farbloses, dünnflüssiges, stechend kainplier-artig riechendes und kühlend-brennend schmeckendes Oel, welches chemisch ein Gemenge von Eukalyptol = O^H^O und Eukalypten = O^H^ ist. Das Eukalyptusöl wirkt wie die mnisten ätherischen Gele reizend .auf die Haut und kann daher als hautreizendes Mittel gegen Rheumatismus etc. angewandt worden. Es besitzt ferner desin fioirende Eigenschaften und vorhindert die Auswanderung der weissen Blutkörperchen, weshalb es in der antiseptischen Wundbehandlung zur Herstellung anti­septischer Verbände, resp. Verbandmaterialien in Form der wässerig-Spirituosen Lösung, sowie zu desinficirenden Inhalationen boi Lungen­gangrän, chronischer Bronchitis, Bronohiektasien etc. Verwendung findet. Neuerdings wird auch das reine Eukalyptol, eine wasserhelle Flüssigkeit, subeutan in Vorbindung mit Vaseline (1—20/„ig) oder in Form der Inhala­tion gegen die Lungentuberkulose beim Menschen empfohlen, [nn er lieh ist os in kleinen Dosen ein Exoitans für den Circulationsapparat und das Gehirn. Mittlere Dosen wirken krampfstillend (Hinz) und anti-pyretisch. Grosse Dosen tödten durch Gehirn- und Rttckenmarkslähmung, Die innerliche Dosis betrügt für den Hund B—15 Tropfen, beim Pferde ebensoviel Gramm. A.P. 10,0 = 25 Pfennisr,
Reoepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Olei Euoalypti 2,0.
.Spiritus 20,0. Aqu, destill. 100,0. M. 1). S. Wundwasser.
2)nbsp; nbsp;Rp. Olci Euoalypti
Aetheris öä 15,0. M. D. S. Mit 1 Khisclir Cliamillenthee einzuschütten für ein Pferd
mit Kolik.
8) Rp. Olei Eucalypti 1,0. Ädipis suilli 10,0. 11. I. Dngnentum. I). S. Enkalyptussalbo.
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IlllLÜX VillcriiUlIU'.
t Myrtolum. Myrtol. DosMyrtol (Stammpflanze! Myrtus com-munis; Familie: Myrtaoeen) ist der bei etwa 170quot; (J. siedende Bestand-tlieil des iltlieriselien Myrtenöls (= rcctilicirtes Myrtenöl) und stellt eine wiissc r k I ure Flüssigkeit von niclit nnangenehmem Gerüche dar, welche ans dem mit Enkidyptol identischen Cineol besteht. Dns Myrtol ist neuerdings als wirksames DesinCicions für die Luftwege bei Lungengangrän, Bronobiektasien etc., .sowie als Anthelmintbioum gegen Banowttrmer /n 0,15 pro die in Gelatinekapseln beim Menschen empfohlen worden. Nach den Versuchen von Bräutigam und Nowak ist übrigens die antiseptisohe Wirkung des Myrtenöls im Vergleich /.u anderen ätheri­schen Oelen keine hervorragende. A.l*. 1,0 - quot;20 Pfennig.
Hiulix Valevianne. Baldrianwnrzol.
Stammpflanze! Valeriana offloinalis, Pamilie! Valerianeen,
Pharmakognosie. Die Baldrianwurzel bildet einen knolligen, kurzen, ovalen, bis 2 cm dicken und 1 cm langen, dunkelgrau-braunen Wurzelstock, welcher ringsum mit zahlreichen finger­langen, dünnen Nebenwurzeln von graubrauner Ins brftunlich-gelber Farbe und höchstens 2 mm Dicke besetzt ist. Der Geruch der trockenen Wurzel ist eigenartig aromatisch, der Geschmack gewürzhaft, süsslich und etwas bitter. Die Baldrianwurzel enthält zu lfl/o das ätherische Baldrianöl. in welchem Terpen, Borneol, Bal­driansäure, Essigsäure und Ameisensäure enthalten sind, ausser-dem Zucker. A..P. 100,0 60 Pfennig,
Tinctura Valerianae, Bald rlan tinct.u r, von rötidichbrauner Farbe und kräftigem Baldriangeruehe. wird bereitet aus Baldrianwurzel (1) und verdünntem Weingelste (5), Ä.P, 10,0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; l'rgt; Pfennig.
Tinctura Valerianae aetherica. ätherische Ha Idriantinctur, wird aus Baldrianwurzel (1) und Aether Weingeist (5) bereitet. A.B. 10,0 = 20 Pfennig,
Wirkung und Anwendung. 1) Die Baldrianwurzel wirk! durch ihren Gebalt an ätherischem Baldrianöl in kloinen Gaben anregend auf laquo;las Nervensystem und wird daher angewandt als Excitans bei Collapsznständen, allgemeiner Schwäche, Betäubung, Lähmung. (Jeliinulepression. Herzschwäche, öebärparesc etc.
2) In etwas grösseren (doppelten) Gaben wirkt die Baldrianwurzel krampfstillend. Nach Binz lässt sich bei Versuchsthieren durch gleichzeitige Kinveileiluing'von Baldrianöl die tetanische Wirkung einer tödtlichen Strychnindosis aufheben. Deshalb wird die Baldrianwurzel
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Plores Aniiciu!.
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lici'köinnilicli gegen Kminpt'kolik, Starrkrampf, epileptiforme Krämpfe, Epilepsie etc. angewandt.
;!) Auch als Stomaohioum bei laquo;leu obronisohen Verdauungs­störungen der Wiedex'käuer eignet sich die Wurzel wegen ihrer er-regenden Kiinvirkung auf die Verdauungsdrtlsen.
4) Weiter wird sie empirisch angewandt gegen Diabetes mel-litus und insipidus und ist auch als Wurmmittel empfohlen worden.
quot;gt;) Acaisserlicli dient sie in der Komi der Tinctur als Zusal/, zu reizenden Hauteinreibungen bei Rheumatismus, Quet­schungen u. s. w.
Dosis und Form. Man gibt die Baldrianwurzel meist im Infus oder als Tinctura Valerianae, und zwar beträgt die gewöhnliche, einfache Dosis der Wurzel für
Rinder BO—100,0.
Pferde 25—50,0.
Schafe, Ziegen 5—15,0.
Schweine 5—10,0.
Hunde 1 — 5,0.
Katzen und Geflügel 0,5 — l.O. Von der Tinctur gibt man Pferden und Rindern 20—50,0, Schafen 5 —10,0, Schweinen 2—5,0. Hunden 0,5—2.0, Katzen und Geflügel 0,1 -0,5.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Up. Infusi Rad. Valerian. 50,0:500,0.
Spirit. .Hint. 100,0. M. I). S. Für ein Rind üls Exoltans,
2)nbsp; Rp. Infusi Rad. Valerian. 60,0 ; 500,0.
Aetheris 25,0. M. Igt;. 8, Kür ein Pferd mit Krampfkolik.
:{) Rp. Tinctur. Valerian, aether. '20,0. 1raquo;. S. Sstttndlioh 20 Tropfen auf Caffee zu g;eben für einen Hund mit nervöser Staupe.
ilores Arnlcae. Arnlkablttthen.
Stamm p f] an ze: Arnica montami. Kamil io: Oompositon.
Pharmakognosie. Die Arnikablütlien (Wolferldhblüthen) sind raquo;rangegelbe Blttthenköpfchen mit weihlichen zungenförmigen.
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481)nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Flores Aruioae,
üehnnervigen Stmblblttthen, zwitterigeü, röhrenförmigen Soheibenblttthen mid borstigen, fünf kantigen Prüobtoben, welchen eine haarförmige Federkrone (Pappus) aufsitzt. Ihr Geruch ist sohwaoh aromatisohi der Geschmack zugleich bitterlich. Sie enthalten zu etwa 0,04 0/o das ätherische Arnikaöl, den Bitterstoff Ärnioin, Gerbsäure und Harz, A.P. 100,0 == 7o Pfennig.
Tinctura Arnicae, A i-n ikatinc tu r, ist eine brtlunliohgelbe Tinotur vom Gerüche der ArnikabliUlicn und bitterlichem (icsclmiucke, welche in Deutschland ans 1 Theil Arnikablllthen und 10 Theilen verdünntem Wein­geist dargestellt wird. In Oesterreich wird auch die Wurzel zur Dar­stellung mitbenutzt. A.P. 100,0 : 85 Pfennig. Dosis = Floris Arnicae.
Wirkung. 1) Das ätherische Oel der Arnikablüthen hat eine sehr scharfe, en tz und ungs er regende Wirkung auf Haut und Schleimhäute. Die Bliitlien und die daraus bereitete Tinctur erzeugen schon äusserlich auf der Haut llötliung und Entzündung, innerlich rufen sie in grösseren Gaben eine Magenda rnientziindung hervor, welclie bei kleineren Haustliieren selbst tödtliob werden kann. Nach Hertwig's Versuchen zeigen Hunde auf 2—4,0, Pferde auf 80—90,0 Arnikablüthen Steigerung der Aussenwärme, Erhöhung der Pulzfrequenz, Speicheln, vermehrte Peristaltik und reichlichere Harnabsonderung. Von 5,0 ab erbrechen sich Hunde; bei Pferden äussert sich die Wirkung höherer Gaben (120—500,o) in starkem Zittern, Speicheln, Kolik, Diarrhöe, Polyurie und Pulssteigerung während li—8 Stunden.
2) Das Nervensystem wird durch kloine (iahen erregt, durch grosse gelähmt, Letzteres beobachtet man namentlich nach intra­venöser Apphcation der Arnikatinctur. Nach den Versuchen von Viborg und Her twig sind Pferde hiebei anfangs etwas munterer, aufgeregt, unruhig und zeigen zuweilen starkes Zittern, später werden sie matt und betäubt, taumeln, liegen schlaff und wie gelähmt am Boden und sind gegen Nadelstiche unömpflndlicji,
Anwendung. 1) Innerlich als N arooticum excitans bei Oollaps, Schwächezuständen, Gehirndepression, Lähmung, Gebärparese, Lungen­ödem, Bronchiolitis, Herzschwäche etc, gewöhnlich in Form des Infuses. 2) Aeusserlich in Form der Tinctur zu reizenden, zertheilen-den Einreibungen gegen Rheumatismus, Quetschungen, Gelenks-contusionen,
Oontraindicirt i^l die Arnikatinctur wegen ihrer reizenden Wirkung bei Wunden (irrthümliohe Anwendung des Laienpublikums).
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licrlia Absinthii.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;4g7
Dosis der Flores Arnicae.
Pferde und Hinder 25—50,0.
Schafe und Ziegen 5—15,0.
Schweine 2—5,0,
Hunde 0.2.quot;)—1,0.
Katzen und Geflügel 0,1—0,2.
Recepte.
1) Rp. Infusi Flor. Amioae 50,0 : 500,0. Tinotur. Vcralri 10,0. Rf, I). S. Für ein Kind mit allgemeiner Sohwttohe.
21 Rp. Infusi Flor. Arnioae 5,0:150,0. Liquor. Ammon. anisat.
Sueci l.if|iiiritiao ää 5,0. M, D. S. Ssttindlioh 1 Esslött'ol (Theelöffel) für einfin grossen (kleinen) Mund mit nervöser Staupe oder Bronohiolitis.
Horba Absinthii. Wermut.
Staniinpflaiize: Artemisia Absintliium. Kami lie: Compositen.
Pharmakognosie. Uns Wermutkraut hat grauseidenhaarige Stengel und Blätter; die Blätter sind gefiedert, mit zungen-oder spatelförmigen Endzipfeln; die kugeligen, nickenden Blüthenkörb-chen enthalten gelbe Eöhrenblllthen. Der Geruch ist sehr aro­matisch, der Geschmack zugleich hitter. Das Wermutkraut enthält laquo;las ätherische Abslnthöl. eine Verbindung von Absinthol (C^Hn-O) und einem Terpen (C10H18) zu '/,—2gt;, den Bitterstoff Ahsinthiin, Gerbsäure, Harz. Salpeter und organische Säuren. A.P. 100.0 40 Pfennig.
Thictura Absinthii, Wermuttinotur, ist eine dunkelbraungrüne Flüssigkeit von sehr bitterem öesohmacke, welche aus 1 Theil Kraut und 5 Theilen Spiritus dargestellt wird. Dosis für den Hund 5—10 Tropfen. A.P. ](),() = 16 Pfennig.
Extractum Absinthii, Wernmtextract, wird durch Maceration des Krautes mit Weingeist und Wasser und Eindampfen der abgepressten Flüssigkeit dargestellt. Das Extract enthält das ätherische Oel und den Bitterstoff. Dosis für den Hund 0,1- 0,5, A.P. 1,0 = 26 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Wermut vereinigt die Eigen­schaften eines Bittermittels mit denen der ätherischen Oele.
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Herbs A.bsinthii.
1)nbsp; Durch seinen Q-ehalt an Absinthiin ist das Wermutkraut ein Storaaohiouni am arum, welches herkömralioli namentlioh bei Schafen angewandt wird gegen ncntc und chronische Verdauungs­störungen, antlmisohe, hydropisohö und kaohektisohe Zustände (soge­nannte „Fäulequot; der Schafe),
2)nbsp;Das ätherische Absintimi ist in kleinen Dosen ein Erregungs­mittel für das Nervensystem, weshalb das Wermutkraut uls Narcoticum exoitans iilinlicli wie das Arnikakraut angewandt werden kann, (xrössere Dosen des Absinthöls erzeugen dagegen Schwindel, Bewusstlosigkeit und Krämpfe. So beobachtete Magnan bei einem 11 Kilo schweren Bunde naoli der Einverleibung von 5 g Ahsinthöl starke psychische Benommenheit, epileptiforme Krämpfe und Hallucinationen (ehrouischer Absinthismus beim Menschen).
3)nbsp; nbsp;Ausserdem hat man früher den Wermut als Antipara-siticum gegen Entozoen (Oxyuris etc.) und Hautparasiten angewandt: seine Wirkung hiebei ist jedoch' eine nur schwache.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 20--50,O.
Schafe und Ziegen 5—-10,0, Schweine 2—5,0. Hunde 0,5—1,0. Kntzen und (rietlügel 0.1—0.5.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Kp. fnfusi Herb. Absinth. 10,0 : 200,0.
N'fitrü bicarbemici '25,0. M, D. iS. Auf quot;Jnml t'iir ein Scliaf mit Indigestion.
2)nbsp; Rp. Pulv. Herb. Alisinthii
I'iilv. liliiz. Oalami ää 100,0. Natrii ohlorati orudi 50.0. Olci Terebinthinae 10,0. Farinae 750,0. M. I). .S, Altes Wa 1 d i nger'sches Recepi gegen Fänle der .Schafe (für 10 Schafe).
8) Rp, Tinotur, Absinth.
Acid, hydroohlor, ää 5,0. Aqu. destill. 300,0. M. D. S, Sstttndlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen grossen (llt;'eineii4 Hund mit Magenkatarrh #9632;
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Radix Angelitiic.
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Radix Angelicae. Eugelwarzel.
Stammpflanzei Arohangelioa offloinalis. Familio; Umbelliforen.
Pharmakognosie. Die Engelwurzel bilde! einen graubraunen, fingerlangen, bis faustdicken Wurzolstook, von wachsartig wei­cher, schwammiger, nicht holziger Consistenz, von welchem zahlreiche zopfartig verschlungene Aeste ausgehen. Die Wurzel rieclit und schmeckt sehr aromatisch. Sie enthält das ätherische Aügelikaöl, Angelikasäure, das kampherähnliohe Angelicin, Zuckov und Gummi. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Spiritus Angelicae compositus, Angelikaspiritus, wird aus Engel-wurzel. Baldrianwurzel. Wacholderhefiren, Kampher, Weingeist und Wasser dargestellt. A.P. 100,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Angelikawurzel dient wegen ihres angenehmen, gewürzhaften Geschmackes als Stomachicum.
2) Innerlich wird sie ausserdetn als Reizmittel für das Nerven­system (Narooticum excitans) in kleinen, sowie ;ds krampfstillen­des Mittel in grösseren Dosen angewandt.
;{) Aeusserlich dient der Angelikaspiritus zu reizenden, be­lebenden Einreibungen iiuf die Haut.
Dosis und Form = Herbn Absinthii.
t Radix Helenii. Alantwurzel. Die Alantwurzel (Stammpflanze:
Inula Heleninm; Familie: Compositen) ist ein hellgrünes, faustdickes Rhizom, welches meist der Lilnge nach zerschnitten ist und in trockenem Zustande eine liornartige, spröde, Consisten/, hat. Sie hat einen eigen-thümlich aromatischen Gerucli und bitterlichen Geschmack. Ihre wirk­samen Bestandtheile sind Helenin (Alantkampher), Alantol, Alant-säure. Inulin (Kohlehydrat) und Schleim. Sio ist nicht mehr offloinell.
t Helenin. Alantkampher, von der Formel GflH|nO rep. G(lHH0. wird durch Dampfdestillation der Alantwurzel dargestellt. Es bildet f'arb-nnd geruchlose Krystallnadeln, welche in Wasser nahezu unlöslich, dagegen in Alkohol, Aether, Fetten und ätherischen Oolen leicht löslich sind. Mit concentrirter Schwefelsäure wird Helenin roth gefärbt, mit rauchendor Salpctersilure bildet es Nitrohelenin, Das Helenin ist ein stark anti­septisch wirkender Körper, welcher noch in einer Verdünnung von 1 : 10,000 die Fäulniss des Harns verhindert und angeblieh die Tuberkel-bacillen vernichtet. Das Helenin ist daher in der Mensclienheilkumle als Antisepticum gegen die Tuberkulose. Malaria, den Keuchhusten etc. in Finzeldosen von 0,01 empfohlen worden. Noch stärker antiseptisch als das
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400
Hhizoma Calami.
Helenin sollen das Alantol und die Alantsäure wirken. Das Helenin wirkt ferner günstig auf die erkrankte Broncliialschleiinluiut; deshalb ist die Alant wurzel von jeher als l1] xpecto r ans bei Bronehialkatarrhen em­pfohlen worden. Ausserdem hat man sie als S t o machicum , Diureti-cum, Uterinum und äiusserlu'h als A n t i p arasit ieum angewandt. Dosis und Form = Her ha Absinthii. D.P. des Helenins 10,0 — 1 Mark 75 Pfennig.
IMii/oniii Cnliiiiii. Iiulniuswurxe).
Stammpflanüe: Aoorus Oalamus.
Familie: Aroideen (Araoeon).
Pharumkognosie. Die Kalmuswui'zel (Radix Calami aromatici) stammt von uiner aus Asien gebürtigen, in Europa, Asien und Nord­amerika einheimisohen, sohilfähnliohen Pflanze, welche beispielsweise in Stettin, Danzig, Liebenwerda a, s. w. angebaut wird. Sie bildet ein fingerdickes, walzenförmiges, plattgedrücktes, scliwaui-miges, leichtes, graubraunes, von Wurzeln, Blattscheiden und Stengeln befreites Rhizom, dessen Oberseite durch Blattnarben in dreieckige, graubraune Felder getheilt ist, welche nrit der eigent­lichen rothgelben Rinde abwechseln. Auf der unteren Seite sind die Narben der Nebenwurzeln in Zickzacklinie geordnet; der Quer­schnitt des Rhizoms ist blassröthlioh bis bräunlich. Die Wurzel hat ein eigenthümliches Aroma und einen gleichzeitig bitteren Geschmack. Das Rhizom enthält das ätheiiclie Kalnmsöl zu etwa 30/o, ausserdem das GUykosid Akoriu und das Alkaloid Calamln, welches mit Methyl­amin (OH8NH2) identisch ist, endlich Stärkmehl, J)as (laquo;lykosid hat die Formed 0uH10O; es zerfällt bei Behandlung mit verdünnten Säuren und Alkalien in das ätherische Kalmusöl und Zucker, oxydirt liefert es ein Harz, das A köret in. A.D. 100,0 80 Pfennig.
Oleum Calami, das ätherische Kalmusöl, wird durch Dampf­destillation aus dem Kalniusrlii/.om gewonnen. Es ist eine gelbbrilunliche, dickliche, stark aromatische, bitterlich schmeckende Flüssigkeit, deren wein-geistige Lösung (1:1) sich mit einem Tropfen Eisenehlorid dunkelroth-iiraun färbt. Ä.P. 1,0 = .r, Pfenniff,
Tinctura Calami, Kalmustinotur, von bräunlichgelber Farbe, wird aus Kalmuswurzel (1) und verdünntem Weingeist (10) dargestellt.
Extractum Calami, Kulmusextract, von rothbrauner Farbe, wird durch Extraction mittelst Weingeist und Wasser und Eindampfen dar-sjestellt.
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Hitilix Lovistioi.
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Wirkung und Anwendung, Uic Kalmuswurzel ist ein gew lirz-liaftes Stomaohioum (aromatisches Bittermittel), welches zu den werthvollsten Magenmitteln, namentlich für die Pflanzenfresser, zu zählen ist. Sie wird Pferden in Pulverform, Wiederkäuern im Infuse oder als Sohüttelmixtur verordnet.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 25—50,0
Pferd 10-25,0.
Schaf, Ziege und Schwein
10,0.
Hund 0,5—2,0.
Katze und Q-eflUgel 0,2—0,5.
Recepte,
1)nbsp; nbsp;Bp. I'ulv. Khiznni. Oalaini 60,0.
Natrii ohlorati orudl 250,0. N'atrii bioarbonioi 100,0. AI. I). S. Aul'jedes Futter 1 Easlöffel fttr ein Pferd mit Magenkatarrh.
2)nbsp; nbsp;Bp. Iiilusi Kliizom. Calami 60,0:600,0.
Acidi hydroohlor. '20,0. AI. D. S. Einsfiiss für ein Kind mil Indigestion.
i Rhizoma Imperatoriae. Meister (Stammpflanze; Imperatoria Ostmthium; Pa s c h w ii r z 1 i c h braunen, f 1 a ohge d v ü o k Wurzelstock mit zahlreichen dünneren Neb Geruch und Geschmack ist sehr stark ätherische Imperatoriaöl, ausserdem einige h das Imperatorin, Ostruthin und Pen Die Wurzel ist nicht mehr officiiiell. Sie gewürzhaftes St omachic um und wur Stimtilans angewandt. Posis und Por
würzet. Die Meisterwurzel milie: Umbel life reu) bildet einen ien, geringelten, warzigen on wurzeln und Ausläufern; ihr
gewürzhaft. Sie enthält das arzartige krystallinische Körper; cedanin, endlich Stärkemehl.
ist wie die Kalmuswurzel ein de früher ausserdem als nervines
in K aim us WU r zel.
Radix Lovisticl. LlebstöckohvurzeL
Stammpflanzei Leviatiounn offloinale (Angelica Levistioum).
Familie: Fmbelliferen.
Pharmakognosie. Die Liebstöckelwurzel bildet eine spindel­förmige, 30—40 cm hinge und I cm dicke, hellbraungraue, 'ängsrunzelige, fleischige, etwas schwammige, oben quer geringelte, meist der Länge nach gespaltene Wurzel mit eigenthümlichem Aroma und bittersüssem Q-esohmacke. Sie. enthält ätherisches Gel, Harz. Balsam, Angelikasäure. Zucker und Q-ummi. A.P. loo.o 40 Pfennilaquo;.
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41)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kadix Onoiiidis.
Wirkung und Anwendung. Die Liiebstöokelwurzel wird wegen ihres ätherischen Oelea als Diuretioum, Antispasmodioum, 8to-maohicuro und Narootioam exoitanB benützt,
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 50 100,0.
Pferd 25—50,0. Sohaf und Ziege 10—25,0, Schwein 5—10,0, Hund 2—5,0. Katze 1—2,0.
Recept.
Rp. [nfusi Rad. Uvistioi oonois. 50,0 ! 500,0. Sjiii-itiis aetherei 15,0. M. It. S. Einoruss für ein Rind oder Pford mit alljüremeiner Schwäche,
Radix Ononldis. Hiuiliecliehvurzel.
S l n in in |) l'l n ii/. o: Ononis spinosa, Fn milie: Papilionacee,
Pharmakognosie. Die Hauhechelwurzel ist eine mehrköpfige, fusslange, um ihre Axo gedrehte. 1—2 em dicke, der hänge nach zerklüftete und /.erfaserte, anssen graubraune, innen weisse Wurzel von zäher, holziger Beschaffenheit, welche sich nach oben in zahlreiche Stengeltriebe auflöst. Sie schmeckt kratzend, etwas herbe und süsslieh, und hat einen süssholziihnliciien Geruch. Sie ent­hält Harz, ein Q-lykosid Ononin, einen glyoyrrhizinartigen Körper Ononid, Gerbsäure und Stärkmehl. A.P, 100,0 = 30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Eauhechehvurzel wirkt ver­wiegend als Diureticuna und wird in derselben Dosis und Form, wie die Liebstöckelwurzel angewandt. Sie ist ein Bestandtheil der Species diureticae (zusammen mit Radix Levistici, Wacholder­beeren und Süssholz).
Recept.
Rp, lnfusi Radio, Ononid. 10,0 ! 200,0, Tartar, depuvat. Succii Junip, inspissat, mi 10,0. M. D, S, Bstiindlich 1 Kssliifiol für einen Hund mit Wassersucht,
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Itiidix Pimpinollae, lililxom:! [ridis.
49;}
iladix Plnipinellao. Blbernell'WttrzeL
S t a in m ji f 1 ü n z c n : Phnpinella SnxilVayii mill iimfiini. Fu in i 1 i !•: IFtnbellifui'uiii
Pharmakognosie. Die Biberuellwurzel bildet uinen braunen, leioht Bohneidbaren, tnehrköpfigen Wui'zelstock von fleischiger Consistenz, |)ockartigein Qei'uolie und brennend scharfem, ge-
\\ iirzMi'tigcni (icsclnnack. welclier sicli iiiicli unten in die runzeligen und höckerigen, bis 20 cm langen und lJ/j cm dicken Wurzeln fort­setzt. Sie enthält ein ätlierisolies Oel. Harz. Zucker und (ierbsilure. .\.iJ. 1()0,() = 30 Pfennig,
Tinctura Pimphiüllae, Bibernelltinotur, bräunliohgelb, von wider­lichem, kratzendem Gesohmaoko, aus 1 :5 Spirit, dilut. bereitet. A.P. 10,0 18 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Biberneilwurzel ist ein volks-tbiiuiiiclies Mittel, welches herkömmlicli u.ls Stomachicum und Ex-pectorans angewandt wird,
Dosis und Kiirni = Radix LeYistici,
Hiii/ointi Iridis. Yoilcheuwttl'zel.
Stammpflanzon: Iris Gcrmanioa, igt;iilliilii und Florontina.
H in I I I i': Inurcii.
Pharmakognosie. Die Veilclieuwurzel (Schwertlilie) bildet einen 12 ein langen, 1 ein dicken, weissen, grub geringelten, braun [mnktirten, flachgedrttckten, eben gabelig verzweigten Wurzelstock, welcher aus 2 —fi durch Einschnürung getrennten #9632; l.ilirestrieben besteht und durch seinenVoilcheiigoruch leicht erkennbar ist. Sie enthält ätherisches Oel, Myristinaäuro, Veilchenkampher, Harz und Stärkmehl. A.P. 100,0= 45 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Als (ieruchs- und Geschinaoks-corrigens, sowie als Expectorans (Bestandtheil der Species pec-torales, welche aus Siissholz. lOibiscbwürze!. N'eihdienwnrzel. Anis, Wollblumen und Huflattichblftttern bestehen). Volksmittel.
Dosis und Komi IJadix Levistici.
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Herba Aleliloti. Seinen (Siimpis.
Herba Moliloti. Steinklee.
S t a in in )) I'l a 11 z e 11: Melilotns ol'tieiimlis mid altissiiiins. Fa in i 1 i e : l'ii|uliciiiaceeii (Leguiuino8en)i
Pharmakognosie. Der Steinklee (Honigklee) hat Szfthlige, längliche, scharf gezähnte Blätter und gellic Schmetterlings-hlüthen, welche in gestreckten Trauben einseitig herabhängen. Sein Geruch ist. kräftig aromatisch, an Waldmeister erinnernd. Er enthält das Cuniarin, eine Kampherarl von der Formel 08H8O8) welclie ausserdem auch im Waldmeister (Asperula odorata), Ruchgras (An-thoxanthum odoratum) und In den Tonkabohnen (Dipterix odorata) enthalten ist. ferner die Melilotsäure.
Wirkung und Anwendung. Das Cumai'in hat im Allgemeinen die Wirkungen der ätherischen Oele; der Steinklee wird jedoch nur äusserlich zu Kataplasmen angewandt, Er ist deshalb auch ein Be-standtheil der Species emollientes (Fol, Althaeae, Kol, Malvae, Herb. Meliloti, Flur. Chamomillae, Sem. Lini ITil).
Semen Sinnpls. Senfsamon.
8tammpflanze: Brassioa nigra, Pa mills: Cruoifsren.
Pharmakognosie.
1) Die Senfsamen sind sehr kleine, etwa
1 mm dicke, t'
ist kugelig e,
dun k elroth braune, fei nnetzig
gruhig
oft grausohilferige Samen, welche heim Kauen anfangs mild
öliiü; und schwach säuerlich, bald aber brennend scharf schmecken. Sie enthalten ausser :i;i quot;;n fettem Oel das myronsaure Kalium, ein (Hykosid, sowie das Myrosiii, ein eiweissartiges Ferment. Bei Körper­temperatur und Anwesenheit von Wasser wirkt das Myrosin auf das myronsaure Kalium zersetzend ein, indem es dasselbe in Senföl, Zucker und saures seb wefel sa.ures Kali spaltet nach der Formel: CVH^O^XK H,() = S . ON . (;;.H, H'J^A SO.HK.
Myronsaurea Kali.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Senföl,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zucker.
saures schwefel-laures Kali.
2) Olenm Sinapis, Senföl, wird dargestellt durch Destillation des in kaltem Wasser eingeweichten und vorher durch Auspressen von fettem Oel befreiten Senfsamens, Ms bildet ein anl'anufs färb
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Scniol.
49laquo;
loses, späterhin jedoch gelbliches Oel von selir scharfem Ge­rüche, welches die Augen zu Thriinen reizt und auf der Haut Blasen zieht. Das Senföl löst sich leicht in Weingeist, dagegen sinkt es in Wasser unter; Siedepunkt 148 nC. Specitisdies (icwicht = 1,016 —1,022. Mit oonoentrirter Schwefelsäure (1 : 2) unter Ab­kühlung gemischt, verliert das Senföl seinen scharfen Q-eruoh unter Bildung einer klaren, gelben Lösung, indem schwefelsaures A I-lylamin entsteht (hochgelbe Karbe der Lösung = künstliches Senföl; braune Farbe = Beimengung von Fett; trübe Lösung = Beimengung von Schwefelkohlenstoff), Mit Aetzammoniak erwärmt, verwan­delt sich das Senföl in farbloses, krystallinisches Thiosinnamin = OS. NHg . NH(08HB), von lau chartigem öeruche (identitäts-reakkionen). A.P. 1,0 = 15 Pfennig; 10,0 = 1 Mark 5 Pfennig, D,P, 1 Kilo = 47 Mark,
Der officinelle Spiritus Sinapis, Senfspiritus, ist tune 20/oige Lösung von Senföl in Weingeist. (Kür die Zwecke der Thierheil-kunde zu schwach.)
Prüfung- des Senföls. Bei dem grossen Verbrauche des Senföls seitens der Tliienlrzto ist es sehr wichtig, eine genaue Prüfung desselben auf etwaige Verfalsclmngen vorzunehmen, umsomehr als das Oel sehr theuer ist. Die neue deutsche Pharmakopöe schreibt Folgendes vor:
Unterwirft man das Senfiil der Destillation, so muss es /.wischen 148 und 150deg; sieden; sowohl die zuerst übergehenden, als auch die zuletzt aufgefangenen Antheile müssen das gleiche spec, (iewicbt zeigen, wie das ursprüngliche Oel. (üesst man zu gt;i g Senföl nach und nach unter guter Abkühlung li g Schwefelsäure, so tritt beim Umschütteln Gasentwicklung ein. die Mischung bleibt hellgelb, zunächst vollkommen klar, wird dann /.ähtliissig, bisweilen krystallinisch und verliert den scharfen Geruch des Senföles (Nelkenöl, Schwefelkohlenstoff, Petroleum). Mit #9632;rgt; Raumtheilen Weingeist verdünntes Senföl wird durch Zutröpfeln von Eisenohloridlösung nicht verändert (Wintergrtinöl),
Schüttelt man 3 g Senföl und 3 g Weingeist mit lt;gt; g Ammoniak­flüssigkeit in einem ICölbchen zusammen, so klärt sich das Gemisch nach einigen Stunden in der Kälte (rasch bei 50deg;) und gibt gewöhnlich ohne Kürbung Krystallo von Thiosinnamin, Von den Krystallcn giesse man die gelbe Mutterlauge ab und dampfe letztere nach und nach auf dem Wasser­bade ein, indem man erst dann wieder eine neue Menge Flüssigkeit zugibt, wenn der Ammoniakgerucb verschwunden ist. Alsdann werfe man auch die Krystalle in das Abdampfschftlohen und erwärme dasselbe, nachdem man auch den letzten Inhalt des Kölbchens noch mit Weingeist in dasselbe gespült hat, im Wasserbade, bis sieh keine (iewichtsabnahme mehr zeigt. Das in dieser Weise erhaltene, 3,25 bis höchstens 3,50 g betragende Thio­sinnamin ist nach dem Erkalten eine bräunliche, bei 70quot; schmelzende Krystallnias.se mit lauchartigem, durchaus nicht scharfem Gerüche, In 2 Theilen warmem Wasser löst sich die Masse zu einer Lakmuspapier nicht verändernden Flüssigkeit von etwas bitterem, aber nicht nachhaltigem Geschmaoke auf.
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K)(inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Scuföl.
Wirkung. I) A-eusaei'lioh auf der Haut wirkt das Seuföl und
diis mit wiirnunn Wasser ongdfsuobtete Sent'sanieii|)iilv(U' reizend und iMit/ündungserregend. Inter grossei' Ihirulie und Aufregung der Thiere entsteht nach 2—;\ Stunden eine starke Schwellung der (Jutis und Subcutis mit Bildung von Blasen auf der Oberfläche der
Haut, welche hei fortgesetzter Anwendung des Sent'üls in Eiterimg und schliesslich in Hautnekrose übergehen können. Die durch das Sent'öl hervorgerufene exsudative Haiitciitzündung bildet sich nach Entfernung desselben relativ rasch wieder zurück.
2)nbsp; nbsp;Innerlich ist der Seid' in kleinen Dosen ein Gewürz, weiches die Secretion der Verdaunngsbäftc anregt. Gleichzeitig wird auch die Barnabsonderung vermehrt. In grossen Dosen erzeugt namentlich das Senföl Gastroenteritis; die Senfsamen seihst werden auch in gepulvertem Zustande in relativ grossen Gaben ohne schäd­liche Wirkung ertragen. Nach Hcrtwig äussern Pferde auf 'i—500, Rinder auf 700 g Senfsanien|)ulver keine auffällige Krankheits-ersoheinungen.
3)nbsp; nbsp;Das Senföl ist endlich ein starkes A ntise]) ticum, welches bei seiner Einreibung in die Haut ausserdem auch anjdpyretisoh wirkt, weil es unter anderem hiebei resorbirt wird und die tieber-erregenden Mikroorganismen im [nnern des Körpers bekämpft.
Anwendung. 1) Die Senfsamen werden innerlich als Sto-machienm und leichtes Diureticuni angewandt. Man gibt Hindern 50—100,0, Pferden 20—50,0, Schafen und Ziegen 5.....10,0, Schweinen
#9632;5,0, Hunden 0,5—2,0. Katzen und Geflügel 0,1—Ü
j.
2) Aeusserlich benützt man den Senfteig (Sinapismns) oder das ätherische Senföl als Epispastibum zur Ableitung auf die Haut bei Entzündungen innerer Organe, so namentlich bei Lungenentzündung, Pleuritis. Brnstseuche. Meningitis n. s. w. Der Sinapismus wird in der Weise bereitet, dass man den pulverisirten Senfsamen mit warmem (aber nicht lieissem) Wasser zu einem Brei anrührt und denselben entweder direct auf die Haut in einer Dicke von 1 2 cm aufträgt. oder zunächst eine Leinwanddeoke mit einer 2—,'5 cm dicken Schichte bestreicht und die Decke dann mit der bestrichenen Fläche nach Innen auf die Haut auflegt. Je nach dem Grade der gewünschten Wirkung bleibt der Sinapismus 2—b Stunden liegen und wird dann wieder abgewaschen.
Einfacher, wenn auch theurer, ist die Einreibung einer Spiri­tuosen Lösung des Senföls auf die Haut (Hertwig, Diecker-
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Herba Ooobleariaelt;
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lioft'). Man benützt hiezu bei Pferden eine 5—80/oige, beim Rinde eine 10—200/oige, beim .Hunde eine 2 — 60/oige Lösung, welche man z. B. bei Brustseuohe einfaob auf Ijeide Bmstwandungen einreibt. l)ie neuerdings von französischen Thierärzten empfohlene suboutane In­jection von Senfspiritus ist wegen des Auftretens von Hautgangrän verwerflich. Zu vermeiden ist die gleichzeitige Anwendung von Salmiakgeist, weil hiedurcb das Senföl unwirksam gemacht wird (Bil­dung von Tliiosinnamin).
Eecepte.
1)nbsp; \{\k l'ulv. Sem, Sinapis 50,0.
I'ulv. Rhizom. Oalami 25,0. Natrii chlorati orudi 250,0. M. D, S. Auf jedes Putter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Magenkatarrh.
2)nbsp; Rp. Olei Sinapis 10,0.
Spiritus 200,0. M. I). S. Zur soharfeu Einreibung für ein Pferd mit Brustseuohe,
Herba Gochlearlae. Löffelkraut.
Stammpflanze: Coohlearia offloinalis. Familie: Oruoiferen,
Pharmakognosie. Das Löffelkraut hat langgestielte, ei­förmige oder herzförmige, stumpfe, 2—3 cm breite AVurzel-blätter; der 20 cm hohe Stengel trägt weisse, kleine Blüthen in Trauben und eiförmige, stengelumfassende Blätter. Beim Zer­drücken riecht das frische Kraut scharf, senfartig, sein Geschmack ist scharf und salzig. Es enthält Sulfocyanbutyl, ein schwefelhaltiges ätherisches Oel von der Formel S.ON.04H9, welches mit dem Senföl nahe verwandt ist und wahrscheinlich analog der Senfölbihlung aus einem Glykosid unter Einwirkung eines myrosinartigen Fermentes entsteht. Ofiicinell ist ferner der Spiritus Cochleariae, Löffelkraut­spiritus. A.P. 100,0 = 75 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Löffelkraut wird innerlich als Stomachicum und Diuretioum in denselben Gaben wie der Senf angewandt. Der Spiritus Cochleariae hat reizende und des-inficirende Wirkung und wird unter Anderem zur Bepinselung von schlecht heilenden Geschwüren der Maulschleimhaut bei Stomatitis nice rosa benützt,
Fi'ühncr, Arzueiiiiittellehie. 3. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 30
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4lt;raquo;S
Pfeffer.
f Radix Armoraciao, dor M oerrottig, von Ooohlearia anuoraciii, besitzt ebenfalls ein schwefelhaltiges ätherisches Oel von iihnliehor Wirkung
(Allylsenföl),
t Piper nlgi'iiin. Sohwarzer Pfeffer.
Stamm pflanze ; Piper nigrum. Pa m 11 i c : Piperaoeeu.
Pharmakognosie. Der nicht offloinelle schwarze Pfeffer enthält in seinen unreifen Früchten nehon ätherischcni Oel, Harz, fettem Oel, Bassorin und Stfia'kmehl das Piperin, einen scharf reizenden Stoff von der Formel C^H^NO,,. Dieses Piperin zerfällt heim Erlützen mit alkoholischer Kalilauge in Piperidin und Piperinsäure. Ferner erhält man als Oxydationsproduot der Piperinsäure das Piperonal, einen aldehydartigen Körper von der Zusammensetzung ('(.,H.; . COH . 0. . OHs. Dieses Piperonal bildet zolllange, glänzende, weisse Kry-stalle von cluirakteristischem Heliotropgeruche (in der Parfümerie als „Heliotropinquot; angewandt), welche in Alkohol und Aether leicht lös­lich sind, schwer dagegen in kaltem Wasser (1 : 500).
Wirkung und Anwendung. 1) Der Pfeffer ist innerlich ein gewürzhaftes, scharf reizendes Stomacliieum, weiches in kleinen Dosen insbesondere gegen chronische Indigestionen der Pflanzenfresser angewendet werden kann. Gleichzeitig soll er als Diureticum und Aphrodisiacum wirken. Q-rosse (iahen erzeugen Magendarmentzttn-dung. Aeusserlioh wurde er früher in Form der Tinetur zu reizenden Einreihungen benutzt.
2) Das Piperonal ist ein stark fäulniss- und gährungs-widriges Mittel, welches ausserdem beim Hunde in Dosen von 0,5—2,0 antipyretische Wirkungen hat, wie dies Wimmer bei seinen Ver­suchen im hiesigen Hundespitale nachgewiesen hat (Untersuchungen über das Piperonal. Inaug.-Dissert. Berlin 1887).
Dosis des Pfeffers.
Kind 10—25,0. Pferd .quot;.—15,0. Schaf 2 -5,0. Schwein 1—2,quot; Hund 0,2—0,5.
Katz
und ö-eflügel 0.1-
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Siianisohet' Pfeiferi
499
Fructus Capslol. Spanischer Pfeffer.
Stammpflanzem Oapsiouin annuum und longnm.
Kumilie: Sulaiiacei'u.
raquo;
Pharmakognosie. Dor spanische Pfetter (Q-uineapfeffer, tür­kischer Pfeffer, ungarischer Pfeffer oder Paprika) bildet kegel­förmige, fingerlange, rothgelbe, glänzende, sohotenähn-licho, gestielte Früchte mit lederartiger, glatter, dünner Fruchtschale, welche hohl sind und nur in der unteren Hälfte zahlreiche scheibenförmige, gelbliche Samen von 0,5 cm Durchmesser enthalten. Die Früchte haben einen scharfen, brennenden Q-e-schmaok; sie enthalten einen scharfen, kampherartigen Stoff: das Capsaicin von der Formel O0H14Os (0,2 pro Mille) und das Gap-s i c u m ro th.
Tinctura Capsici, Spanisoh-Pfeffertinotur, ist eine röthlioh-gelbe Flüssigkeit von brennend .scharfem Gesohmacke, welche aus spanischem Pfeffer und Weingeist (1 : JO) bereitet wird. A.P. 10,0 = 15 Pfennige.
Wirkung und Anwendung. Der spanische Pfeffer wirkt wie der schwarze Pfeffer innerlich nls reizendes Stomachicum, Di-iireticum und Aphrodisiacum, Aeusserlich wird er in Form der Tinctur als Rubefaciens /.n scharfen, ableitendem Einreihungen in die Haut, allein oder in Verbindung mit anderen hautreizenden Mitteln, bei Rheumatismus, Stauungsödemen, chronischen Sehnen-, Ge­lenk- und Knochenkrankheiten etc. verwendet. Es ist ein Hestand-theil der sogen. Restitutionsfluide, Pain-Expeller's etc.
Dosis.
Rind 10—20,0.
Pferd 0—10,0.
Schaf und Ziege 2—5,0.
Schweine 1—2,0.
Hund 0,1—0,2.
Katze und Getlügel 0,05—0.1.
Recept. Uji. Tinotur. Capsici 60,0.
Liquor. Amraon. oaustio.
Spirit, campliorat. spirit, aetherei Spiritus ää 120,0. Niitrii ohlorati 100,0. Aipi. font. 500,0. M. 1). S. Restitutionsflnid nach Hertwig.
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KuliL'ln'ii.
Cubebae. Kuboben.
Stain iinii'lanue: Cubcbii of'ficiualis. Familie: L'ipei'aoecu.
Pharmakognosie. DieKubeben (Kubebonpfeffer) stummen von einem Kletterstrauclie auf .Tuva. Es sind unreife, kugelige, grau­braune, 0,5 cm dicke, runzelige Steinfrüchte, welche sich in ein etwa 1 cm langes, dünnes Stielchen versclimiilern, das länger als die Frucht und niebt abzulösen ist (Unterschied von den Fructus lihamni catbarticae). Sie schmecken durchdringend ge­würzhaft, niebt scharf, aber zugleich etwas bitterlich. Sie ent­halten 10—15n/o ätherisches Oel = Kubeben, 30/o Kubebensäure, Kubebenkampher und das dem Piperin ähnliche Kubebin. A.P. 1U,0 = 30 Pfennig.
Extractum Cubebarum, Kubeben extract, ist ein dünner, spirltuös-ätherischer Auszug der wirksamen Bestandtheile. A.P. 1,0 = 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kubeben können als gewür/.-haftes Stomachicum und Stimulans, ferner als reizendos Expec-torans, endlich gegen Blasen- und Harnröhrenkatarrh ange­wandt werden in Dosen von 50—100,0 beim Pferd und Rind, von 10—25,0 bei Schafen, von 1—5,0 bei Hunden, 5—10.0 beim Schwein. 0,25—1,0 bei Katzen und Q-efltigel. Sehr grosse Gaben erzeugen Gastroenteritis. Der therapeutisch wirksamste Körper ist die Ku­bebensäure.
Kliizonm Zingiberis. Ingwer.
Htamiiiiiflanzc: Zingiber ül'lieinale. Familie: Scitaiiüuooii.
Pharmakognosie. Der Ingwer ist eine scbilfälmliche Gewürz-lilie. welche in Ostindien, Westindien, China und Südamerika culti-virt wird. Seine Nebenrbizome werden ausgegraben und entweder in geschältem oder ungeschältem Zustande getrocknet. Er bildet meist bandförmig verzweigte oder zweizeilig verästelte Stücke, welche mit einer gelblichen, grobrunzeligen Korkschichte bedeckt und an den geschälten Flächen grau sind. Die grauweissc. körnige Bruchfläche zeigt zahlreiche braune Oelräume. Die Stücke
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Zitwerwurzel.
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haben ein sehr kräftiges Aroma. 8ie enthalten zu ao/o ätherisches Oel von der Formel O^Hgj und ein scharfes Harz, ausserdem Stärkmehl und Gummi. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Tinctura Zingiberis, Ingwertinotur, ist eine braungelbe Tinctur (1 : 5 verdünnter Alkohol) vom Gerüche des Ingwers und von brennendem (leschnuicke. A.P. 10,0 =s 15 Pfennig. Ingwer ist ausserdem ein Bestand-theil der Tinetnra aromatica.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Fructus Oapsici.
IMiizouiii Zedoarlae. Zitwerwurzel.
Stammpflanze: Ourouma Zedoaria.
Familie: Soitaminoen.
Pharmakognosie. Der Zitwer ist eine schilfartige Gewürzlilic Ostindiens, deren knolliger Wurzelstock in Querscheiben oder Längsviorteln in den Handel kommt. Seine Binde ist hellgrau, '/a cm dick, der centrale Holzkern ist röthlichgrau, von kornartig harter Consistenz. Der Geruch und Geschmack erinnert an Kampher, Die Wurzel enthält ätherisches Oel und Harz. A.P. 10,0 = 5 Pfennig. Sie ist ein Bestandtheil der Tinctura amara und Tinc­tura Aloes composita.
Wirkung, Anwendung und Dosis = Fructus Oapsici.
Frnctns Cardamoml. Kardainom.
Stammpflanze; Elettaria Cardamomum. Familie: Seitainineen.
Pharmakognosie. Der Kardamom ist eine scliilfartige Pflanze der Malabarktiste (Vorderindien) und wird daher auch als Malabar-Kardamom (kleiner Kardamom) bezeichnet. Seine Früchte bilden strohgelbe, dreikantige, ovale Kapseln von 1—2 cm Länge und 1 cm Breite, welche in 3 Längsreihen 20 braune, runzelige, kantige Samen einschliesson von kräftigem, milde kampberartigem Geruch und Geschmack. Die Samen enthalten ätherisches Oel und Harz. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Kardamom ist ein Stomachi-cum und Oarminativum und als solches ein Bestandtheil der Tinc­tura aromatica und Tinctura Uhei vinosa. Dosis = Frnctns
(
apsioi.
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QaltrantwurzeL Ziminl
Itlii/oma Oalangae. Qalgantwiirzellaquo;
Sta 111 mi) 11 anze: Al|iiiiiii ofticinariun. Familie: Soitamineen.
Pharmakognosie. Der Galgant ist einr schilfartige Gewürzlilie, welche in China und auf der Insel Hainan oultivirt wird. Das roth­braune, oylindrisohe, derbholzige Rhizom ist knieförmig go-bogen und durch ringsumlaufende Blattnarben quergeringelt. Der Querschnitt ist zimmtbraun. Gorucli und Geschmack sind sehr gewürzhaft. Die Wurzel enthält ätherisches Oel, Galangin, Al­pinin, Kämpfend, Harz und Stärkemehl. AP. 10,0 = 5 Pfennig. Sie ist ein Bestandttheil der Tinctura aromatioa.
Wirkung. Anwendung und Dosis = Fructus Oapsici.
Cortex ('iniiiimonri. Chinesischer Zimmt.
Stammpflanzo: Oinnamomum Cassia (('. aromatiourtt). Familiei Laurineen (Lauraooen).
Pharmakognosie. Der Zimmt stammt von dem in China und Coohinchina eultivirten Zimmtbaume, dessen Zweig- und Stammrinde braunrothe, fusslange Röhren oder Halbröhren von '/s—.'5 cm Durohmesser und 1—3 mm Dicke, ebenem Bruche, aromati­schem Gerüche und süsslich gewürzhaftem, herbem C o-schmacke bilden. Sie enthalten das ätherische Zimmtöl, Harz. Gerbsäure und Stärkmehl. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Oleum Cinnamomi, Zimmtöl, wird aus dem chinesischen Zimmt durch Destillation gewonnen. Es bildet ein gelbbraunes, dickliches, nach Zimmt riechendes Oel vom speeifischen Gewichte 1,055 — 1,065, welches sich in jedem Verhältnisse mit Weingeist klar mischt. Mit rauchender Salpetersäure bilden sich Kryställchen von Zimmtsäure. Mit Zimmtöl geschütteltes Wasser schmeckt süss, dann brennend aromatisch. Das Zimmtöl besteht aus Zimmtaldehyd = C,|HH0 mit Spuren von Zimmtsäure und einem Terpen. A.P. 1.0 = 5 Pfennig.
Aqua Cinnamomi, Zimmtwasser, wird durch Destillation von Zimmt mit Wasser und Weingeist dargestellt. A. P. 100,0 = 25 Pfennig.
Tinctura Cinnamomi, Zimmttinctur, ist eine rothbraune Tiuctixr, welche aus Zimmt (1) und verdünntem Weingeist (5) dargestellt wird. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
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Nolkon.
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Syrupus Cinuamomi, Zimiii tsy rup, isl eino Maceration von Zimmt mit Zimmtwasser unter Zusatz von Zucker und Syrup. von rotbbrauner Farbe. A.P. 10,0 = 10 Pfonaig.
Tinctura aromatica, ai'omutisclio Tinotur, ist eine braunrothe Tinotur, mit .stark gewürzhaftera Geruob und Geschmack, welche ans Ziiumt, Nelken, Ingwer, Cardamom, Galgant und verdünntem Weingeist dargestellt wird. A.P, 10,0 = 2u Pfennig.
Wirkung und Anwendung, Dor Zimmt ist vermöge seines Gehaltes an Zimmtöl ein gewürzhaftes Stomaohioum und Ge-schmaokscorrigens und wird wohl auoh als krampfstillendes
Rlittel bei Uterus-, Darm- und Blaseii k rümpfen angewandt, Ausserdem besitzt lt;ler Zimmt starke antiseptische Wirkung; er vernichtet z. B. das Wuthgift schon nach 5 Minuten. Endlich dient er als Zusatz excit Iren der Arzneien bei Schwäcliezuständen im Verlaufe von Geburten beim Rinde (Glühwein, Warmbier etc. mit Zimmt). Die Dosis beträgt für Pferde und Kinder 10—20,0, für .Schafe, Ziegen und Schweine 5—10,0, für Hunde 0,2—1,0, für Katzen 0,1 — 0.25.
Recept.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Iiji. Extract! Secal. cornuti 2,0.
Syrupi 5,0.
Äquae Oinnamomi 150,0. M. I). S. ostümllich 1 Esslöffel für einen Hund mit Uterusblutungen.
Garyophylll. Gewürznelken.
Stammpflanzen! Eugenia oai'yophyllata (Caryophyllus aromatiens). V am 11 i o: Myr)aeecn,
Pharmakognosie. Die Nelken stellen die noch nicht geöffneten Blüthen von Eugenia caryophyllata, einei- in Ostafrika (Sansibar) und Brasilien eultivirten Myrtacee, dar. Dieselben bestehen aus einem 1—1V-' cm langen, bis 4 mm dicken, braunen, gerundet vier­kantigen Fru clit knoten, welcher sich in 4 Kelchzipfel aus­breitet, über welche sich die 4kugelig znsammenschliessen-den, helleren Blumenblätter erbeben. Die Blüthen haben einen kräftigen Nelkengeruch und -Geschmack. Sie enthalten 15—180/o ätherisches Nelkenöl.
Oleum Caryophyllorum, Nelkenöl, wird durch Dampfdestillation aus den OSewürznelken dargestellt. Es ist ein dickliches, gelbbraunes, scharf aromatisch riechendes und schmeckendes ätherisches Oel vom speci-flschen Gewichte 1,041 -1,060, welches sich mit jeder Menge Weingeist
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504nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Vanille. Snfrau.
mischt. Es besteht aus Eugenol (Nelkensilure, phenolartigor Körper), Caryophyllin (Nelkeiikaiii])hor) und einem Tor pen. Mit Aetzaikalien (NH3) krystallisirt es zu einer gelben Krvstallnmsso von nolkensaurem Alkali ; mit Bromdampf fttrbt es sich blauviolett; endlich färbt sich die verdünnte weingeistige Lösung mit einem Tropfen Eiseuobloridlösnng (1 i 20) blau (Identitiltsreaktion en.) A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Species aromaticae, gewürzhafte Kränter, sind zusammengesetzt ans Gewürznelken (1), Pfefferminzbliittern (2), Quendel (2), Lnvendel-blttthen (2), Thymian (2), Kubeben (1).
Wirkung, Anwendung und Dosis
Cortex (J i n n a -
m o m i
Fnu'ius Vttiiillao. Vanille.
Stammpflanze: Vanilla planifolia. Familie: Orchidocn.
Pharmakognosie. Die Vanille ist die noch niclit ausgereifte Schotenfruoht von Vanilla jilanifolia, einer in Mexiko auf Bäumen parasitirenden krautartigen Orchidee, welche in Mexiko und auf den Inseln Bourhon, Mauritius und Java eultivirt wird. Die Früchte bestehen aus 20—30 cm langen, tief längsfurchigen, geschlossenen Schoten, welche sich am unteren Ende in den gekrüminten Stiel ver-schmälern. Die fettglänzende, schwarzbraune Oberfläche ist häufig mit weissen Kryställchen von Vanillin besetzt. Die Innenfläche ist mit zahllosen winzigen Samen ausgefüllt. Die Vanille enthält bis 30/o Vanillin (Vanillekampher) von der Formel 0„H,. OH . 0(CH8). OOH = Mcthylprotocatechu-Aldehyd, neben fettem Oel und Wachs, Dieses Vanillin kann auch künstlich aus Ooniferin, einem Glykosid der Coni-feren, dargestellt werden.
Wirkung und Anwendung = Cortex Cinnamomi.
Crocus. Safran.
Stammpflanz e: Crocus sativus. Familie: Trideen..
Pharmakognosie. Der Safran ist ein orientalisches Zwiebel­gewächs, welches auch in Frankreich (Cltinais bei Orleans) und Spanien (Valencia, Alicante) eultivirt wird. Die blassvioletten Blüthen tragen auf dem Griffel ;{ scharlachrothe Narben, welche in ge­trocknetem Zustande das officinello Präparat darstellen, im Wasser
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Muskiitimss.
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aufgeweicht, erscheinen sic als 3—5 cm lange, braun •orange-rothe, am oberen verbreiterten Rande abgestutzte und ge­zähnte Fäden von kräftigem Gerüche und gewürzhaftem, bitterem Q-eschmacke, welche das Wasser noch 1 : 100,000, Aether und Al­kohol noch 1 :20o,oou gelb färben. Die blassgelben Griffel (Pe-niinell) sollen nur in geringer Menge darunter enthalten sein, ferner soll der Safran beim Verbrennen nicht über 80/o Asche hinterlassen. Der Safran enthält wenig ätherisches Gel und den Farbstoff Poly-chroit (Orocin). A.P. 1,0 = 30 Pfennig.
Die Tinetura Croei, öafrantinetur, wird aus 1 Theil Safran mit 10 Theilen verdünntem Spiritus bereitet und stellt eine dunkel-pomeranzengelbe Flüssigkeit vom Gerüche und Geschmackc des Safrans dar. A.P. 1,0 = 5 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Safran ist ein gewür/.haftes Stomachicum und wird auch als A n ti spasmodi cum gegen Uteruskriimpfo angewandt. Er ist ausserdem ein Bestandtheil der Tinctura Opii crocata. In grossen giftigen Dosen erzeugt er Narkose, Abortus und Temperatursteigerung.
Semen Myristicae. Mnskatmiss.
Stamtnpflauzei Myristica fragrans, P a in i 1 i o: Myristioaoeeu.
Pharmakognosie. Die Muskatmiss (Nux moschata) stammt von einem in Sumatra und Westindien eultivirten, auf den Molukken ein-heimisehen Baume mit gelben Beeren. Die Beeren enthalten einen Samenkern, die Muskatnuss, welcher von einem rotben Samen-mantel, der sogenannten Muskatblüthc (Älacis) umgeben ist und nach Ablösung dieser Samenschale in Form eirunder oder kuge­liger Kerne von bräunlicher, runzeliger, hollgrau be­stäubter (Kalk) Oberfläche und braun marmorirter Schnitt­fläche in den Handel kommt. Sie enthalten ätherisches Gel und fettes Oel.
Wirkung und Anwendung = Zimmt. Nach den Versuchen von (Jadeac und Meunier wirkt das ätherische Muskatnussöl in kleinen Dosen erregend, in grösseren betäubend auf das Nerven­system.
Oleum Macidis, Macisöl, ist das tttherische Oel des Samenmantels
(Macis) von Myristica fragrans. Es bildet ein farbloses oder blass rötlilich-
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50(Jnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Oitronensohalo.
gelbes Ocl, welches aus Maeen, Myi'istiool und anderen Terpenen besteht. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. Es wird innerlicli als Cariiiinativiim. änsserlicli zu reizenden Einreibungen angewandt und bildet einen Bestand-theil der Mixtura o looso-balsam ic u, des sog. Hoffinann'sehen Lebens-balsams (mit /innntöl, Lavendelöl, Citronenöl, Nelkenöl, Thymianöl, Po-inerair/enbliithenül, Perulialsain und Spiritus zusammen). Die Macis seilest ist in Oesterreieh officinell.
Oleum Nucistae, M uskatnussbutter, ist ein talgartiges, roth-brannes Fett, welches durch Auspressen der Muskatnüsse dargestellt wird und den aronmtisehen Geruch dei' Muskatnuss besitzt. Es enthält äthe­risches Muskat nnssiil. Myristicin (ein festes Fett) und einen Farb-stotl'. A.P. 10,0 = 21raquo; Pfennig. Es wird äusserlich zu Einroibungen (z. B. gegen Kolik beim Menschen) angewandt.
t Oleum Cajeputi. Cajeputöl. Das Oajeputöl wird aus den Blättern eines auf den Molukken vorkommenden Baumes; Melalcuca Leucaden-dvon, Familie der Myrtaceen, mit weisser Rinde (Caju Puti = weisser Baum) durch Destillation dargestellt,. Das Oel hat durch Beimengung von Kupfer eine grünliche Farbe; der Geschmack ist kampherartig. Es besteht aus Cajeputöl = OjoHjgO. Das sehr selten angewandte Cajeputol wirkt innerlich als Antispasmodicum, Expectorans, Anticystiticum und Anthelniinthicum und wird äusserlich zu reizenden Einreibungen gegen Rheumatismus etc. benützt.
Cortex Fruclus (Jiiri. Citrononscliallaquo;'.
Starampflanzo: Citrus Limonum. V :i in i 1 i c : Anrantiaceen.
Pharmakognosie. Der Oitronenbamn wird in den Mittelmeer-ländern oultivirt. Die gelben Schalen seiner Früchte werden in Spiralbänder geschnitten und getrocknet. Sie enthalten das ätherisclie Citronenöl und das Hesperidin, einen Bitterstoff.
Oleum Citri, Citronenöl. wird durch Auspressen der frischen Citrononschalen dargestellt. Es ist ein blassgelbes ätherisches Oel von feinem Citronengeruche. Es besteht aus Ci t r en und Oitronenkampber. A.P. 1,0 = B Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Man kann die Citronenschalen als aromatisches Bittermittel benützen. Nach den Versuchen von ('adeae und Meunier wü'kt das Oel in kleinen Dosen erregend, in gi'ossen betäubend auf das Nervensystem. Seine antiseptisclie Wirkung übertrifft die einer 60/Oigeil Carbolsäure.
M
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Ponaeranzensohale.
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Cortex Friutus Aurantii. Pomerauzenschale,
Stammpflanze: Citrus vulgaris. l|1n in il i c : Aunintiact'i'ii.
Pharmakognosie. Der Pomeranzenbaura, welcher in den Mittel­meerländern cultivirt wird, trägt bittere Früchte, dei'en Schalen naeli der Reife in Längsvierteln abgezogen und getrocknet werden. raquo;Sie zeigen eine gelbbraune, höckerige Aussenfläche von bitterem, aromatiscliem Goscliniacko. Sie enthalten ätherisches Pomeranzenöl. Aurantiamarin, Aurantiamarinsäure, Hesperidin und il esperinsfi ure.
Fructus Aurantii immaturi, unreife Pomeranzen , sind kugelige, grünbraune, harte, '/a—l'/a cm messende Früchte von aromatischem Ge­rüche und hitter aromatischem (iesehinaeke, welche ebenfalls ätherisches Pomeranzenöl enthalten.
Syrupus Aurantii Corticis, Po m erair/.enschal ensyrup, wird aus !'. 8., Weisswein und Zucker dargestellt.
Tinctura Aurantii, Pomoranzentin ctur, wird aus P. S. und ver­dünntem Weingeist durgestellt (l : 5).
Elixir Aurantiorum compositum, Pomerauzenelixir, wird aus P. S., Zimmt, Pottasche. Xereswein. Pitterklee-Extract, Enzianextract, Kas-
karillextract und Wermutextract dargestellt.
Oleum Aurantii Florum. Pomeranzenblütheaöl. Das Pomeranzen-
blüthenöl (Oleum Neroli) wird durch Destillation mit Wasser aus den frischen Blüthen von Citrus vulgaris gewonnen. Es bildet eine bräunliche Plüssigkeit von feinstem Wohlgeruche. welche mit gleichviel Weingeist üherschichtet, beim langsamen Neigen des Glases mit schön violetter Farbe fluorescirt. Es ist sehr theuer. A.P. 0,1 = 15 Pfennig.
Aqua Florum Aurantii, Orangeblüthen wasser, wird durch üeber-destillation der Blüthen mit Wasser oder durch Mischen des ätherischen Oels mit Wasser dargestellt.
Syrupus Aurantii Florum, Orangeblüthensyrup, wird durch Mischen des vorigen mit Zuckersyrup dargestellt.
Wirkung und Anwendung = Geschmacks- und Gre-ruch s co rr ig e nti en.
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Insektenpulver.
t Floros l'yretliri. Insektenpulvor.
Stamnip flanzen: Pyrethrum roseuni, earncuni, caucnsicuin und
cinerariaef'oliuui. Familie: Compositen^
Pharmakognosie. Das Insektenpulver (Pulvis Persicus, Pulvis contra Insecta) besteht aus den getrockneten und fein gemahlenen Blüthenkörhohen verschiedener Pyretlirum- (= Clirysanthemuni-j Arten und bildet ein graugelbes, ziemlich feines, eigentliümlicli aroma­tisch riechendes Pulver, Man unterscheidet ein persisches (P. roseuni, carneum und caucasicum) und ein dalmatinisches (P. cinerariae-l'olium) Insektenpulver. Die Blüthen enthalten in den am Fruchtknoten sitzenden Haardrüsen ätherisch-ölige Substanzen, welche als Per-sicin, Porsicein und Persiretin dargestellt worden sind. Nach anderen ist die wirksame Substanz der Blüthen die Pyrothrotoxin-säure. Das Insektenpulver wird zuweilen verfälscht mit Gänseblüm­chen (dieselben sind ohne Pappus und Behaarung).
Wirkung und Anwendung. Das Insektenpulver wirkt durch seinen Gehalt an ätherisch-öligen Stoffen (Persicin) antiparasitär und ist namentlich ein speeihsches Gift gegen Flöhe, weniger für Läuse. Man streut es gewöhnlich zwischen die Haare resp. Federn ein, kann es aber auch in Form eines Infuses odor einer weingeistigen Tinctur anwenden.
Iklsnmum INmmamim. Pernbalsam.
S t a in m ]gt; fl a n z e : Toluifera Pereirae. Familie: Papilionaoeen (Leguminosen).
Pharmakognosie. Der Perubalsam ist ein durch Anbrennen der Stammrinde von Toluifera (Myroxylon) Pereirae, eines im Staate San Salvador in Centralamorika vorkommenden Baumes, gewonnener Bal­sam oder Harzsaft von braunrother bis dunkelbrauner Farbe, sehr angenehmem Gerüche, scharf kratzendem, bitterlichem Ge-schmackc mit dem speeifischen Gewichte 1,135—1,145. in dünner Schicht soll er klar durchsichtig sein, nicht kleben, nicht fadenziehend sein und an der Luft nicht trocknen. Der Perubalsam löst sich klar in gleichen Theilen Weingeist und Aether; bei Zufügung grösserer Mengen von Weingeist trübt sich die Lösung unter Ausscheidung von
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Perubalsanii
i09
Harz. A.P. 10,0 = 80 Pfennig5 100,0 = 2 Mark 50 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 12 Mark 50 Pfennig.
Die wichtigsten Bestandtheile des Perubalsams sind: 1) das Cinnamein (zimmtsaores Benzyl), welches die Hälfte des Perubalsams bildet; 2) das Styracin (zimmtsaures Cinnamyl); 3) Zimmtsäure (6 bis 80/o); 4) Benzoesäure.
Prüfung. Dor sehr tlieuro Fernbalsam wird mit einer Beihe niinder-werthiger Stoffe vori'iiisclit, so namontlich mit Styrax, Gurjunbulsam. Copaivbalsam, Kioinusöl, Terpentin, Ben/.oö, Coloplionium. Alle diese Zusatzproducto bedingen zunächst ein abnorm niedriges specifisclies Gewicht (unter 1,137). Ausserdem schreibt die Pharmakopöo nachstebeado Prüfungen vor:
i) Ein Theil l'erubalsam wird mit 3 Tbeilen Schwefelkohlenstoff gemischt, worauf sich ein braunschwarzes Harz abscheidet. Die davon abgegossene klare Flüssigkeit darf nicht grünlich fluoresciren (Gurjun-bals am).
2)nbsp; 1 g Perubalsam wird mit 5 g Petroleumbenziu kräftig ge­schüttelt. Von der Mischung lässt man 30 Tropfen in einem Porcellan-schälclien freiwillig verdunsten. Hierbei bleibt ein ölartiger, gelblich ge­färbter Rückstand, welcher auch beim gelinden Erwärmen keinen Geruch nach Styrax, Terpentin oder Copaivbalsam zeigen und beim Erwärmen mit 5 Tropfen Salpetersäure keine blaue, violette oder blaugrüne Färbung annehmen soll (Styrax, Gurjunbalsam). Werden ferner 2 g Balsam mit 8 g Petroleumbenzin kräftig durchgeschüttelt und das Eiltrat auf dem Wasserbade von dem Petroleumbenzin vollständig befreit, so muss der erkaltete Rückstand durch einige Tropfen concentrirter Salpetersäure von 1,38 specif. Gewicht rein gelb gefärbt werden.
3)nbsp; Werden 5 Tropfen Perubalsam mit 3 com Ammoniak kräftig durch­geschüttelt, so darf nur ein geringer, bald zerfallender Schaum sich bilden und die Mischung selbst nach 24 Stunden nicht gelatiniren (Coloplionium, Terpentin).
4)nbsp; Reibt man 10 Tropfen Haisam mit 30 Tropfen Schwefelsäure zu­sammen, so muss eine gleichmässige, zähe, kirschrothe Mischung entstehen, welche, nach einigen Minuten mit kaltem Wasser ausgewaschen, einen harzartigen, in der Kälte brüchigen Rückstand hinterlässt (schmieriger Rückstand = Rioinusöl).
I I
Wirkung und Anwendung. Der Pcrubalsam hat eine ähnliche Wirkung wie das Terpentinöl. Er wird deshalb angewandt:
1)nbsp; Als Antiparasitioum namentlich bei der Behandlung der Räude und des Acarusaussohlags.
2)nbsp; Als Antisepticum hei der Wundbehandlung (Wundsalbe) zur Beförderung der Vernarbung auf schlecht granulircnden Wunden. Wie jedoch hacteriologische Untersuchungen von Bräutigam und Nowaok gezeigt haben, wirkt nur der reine Pcrubalsam antiseptisch, Verdünnungen desselben sollen bis zu 20n/oigem Gehalte unwirksam sein (?).
?
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510nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Styrax.
'#9632;'gt;) Als liiiarwiichsbot'ördoriules Mittel bei Alopeoie.
4) Innerlieli uls Kxpoctoran s, Di arc ticu m mul ,Vnti-cystitioum. Grosse Dosen erzeugen jedoch Nephritis, welche zu­weilen aueh bei iiusserlicher Einreibung beobachtet wird.
.quot;)) Neuerdings wird der IVrubiilsam beim Menschen innerlich auch gegen die Tuberkulose empfohlen.
Dosis und Form. Aeusserlich wird der Perubalsara als Antiscabiosum entweder rein oder mit Spiritus verdünnt, sowie in Verbindung mit Fett resp. ünguentum Paraffini oder Lanolin als Salbe angewandt. Innerlich gibt man ihn in Emulsion, in Pillen oder in Kapseln, Die innerliche Dosis beträgt für
Pferde und Hinder 10—26,0.
Schweine 1—3,0,
Schafe und Ziegen 2—•quot;),().
Hunde 0,1 — 1,0.
Katzen und Q-eflügel 0,1- 0,5.
Eecepto,
1)nbsp; Rp. Baisami Peruvian.
Sapon, kal. iui 25,0. Spiritus 260,0. M. D. IS. Aeusserlich gegen Ramp;ude.
2)nbsp; Rp. Balsam. Peruvian. 2,0.
Unguent. Paraffin. 20,0. M. f, Dgt. D. s. Wundsalbe.
3)nbsp; Rp. Balsam. Peruvian. 0,5.
,1). tal. dos. in uapsnl. yelatin. .Nr. \. S. TägUol] I Kapsel für einen Hund mit Bronohitis oder Cystitis.
4)nbsp; Rp. Balsam. Peruvian. 5,0.
Syrupi
(.iuniini arabioi aä 10,0.
Aqu. destill. 150,0.
M. D. S. Sstündlioh 1 TlieelölVel für einen linnd mit clironiseluT
Bronohitis.
Sl.vrax llqnldllS. Sl.vrax.
Stammp flanze: Liquidambar orientalis.
Kaniilie: l'lataneen (Halsamilluae, Mainanielideci)).
Pharmakognosie, Der Styrax (Ilaisamuni Styracis,Storax)stammt
von einem plataneniiliiilichen Baume Kleinasiens, aus dessen Rinde er durch Auskochen und Auspressen gewonnen wird. Er bildet einen
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t'opaivlnilsam.
.11
mausgniueii, sehr zähen, klebrigen, trüben, wohlriechen­den Balsam, welcher mit gleichen Theilen Weingeist eine trllhe, graubraune Lösung von saurer Reaktion giht. EJr löst sieh fast ganz in lieisscm Weingeist, Aether und Benzol, dagegen nur etwa zu einem Drittel in Petroleumbenzin. Der Styrax enthält Styrol (0gH8), Storesia (('..,;H.sO,,), Styracin (zimmtsaures Cinnamyl), Zimmtsäure und Ciniia-iiiei'n (zimmtsaures Benzyl). A.P. 10,0= 15 Pfennig; 100,0 1 Mark 20 Pfennig.
Wirkung und A-nwendung = Balsamum Peruvianum.
Balsamum Tolntanum, Balsamum de Tola, Tolubalsam stammt von Toluifera Halsanmni (Myroxylon toluiferum), einer südameri-kanisohen Papilionacee, uns deren stamm er tlnreh Einsclmitte gewonnen wird. Er bildet oine anfangs dickflüssige, gelbe, später feste, rotlibraunc Barzmasse von angenehmem Gerüche, Er entlullt Tolen (C1()11||;J, Zimmt-satire und Harze, A.P. 10,0 = 15 Pfennig. Wirkt ähnlich, aber viel schwächer als Styrax. 1st in Deutschland und Oepterreich offloinell und dient namentlich zum üeberziehen der Pillen.
Balsammn Copaivne. Copaivabalsam.
Stammpflanze: Copaifera offioinalis, Gnianensis, mnltijaga üte. Familie; Caesalpiniaoeen,
Pharmakognosie. Dor Copaiv balsam ist der Herzsaft südameri­kanischer Copaiferaarten (Westindien, Venezuela, Guyana, BrasiUen), Er bildet eine klare, gclbbräimlichc Flüssigkeit von eigeu-thtimhch ai'omatischem Gerüche und scharfem, bitterem Geschmacke, welche sicii in Alkohol, Aether, fetten und ätherischen Oelen, Schwefelkohlenstoff und AetzalkaUen löst. Er enthält ätherisches Gel und Copaivasäure. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Der Oopaivbalsam wirkt in kleinen Dosen als Diuroticuin, Expectorans, Anticystiticum und wird in der Menschenheilkunde namentlich gegen die Blennorrhöe der Urethra (Tripper) innerlich angewandt. Dosis für Pferd 10—25,0, Rind 25—50,0, Schaf und Ziege 5—10,0, Schwein 2—5,0, Katzen 0,25—1,0, Hund 0,5—2,0. Sehr grosso Gaben erzeugen wie das Terpentinöl, mit welchem der (-'opaivbalsam viel Aehnlichkeit in der Wirkung hat, Gastroenteritis und Nephritis.
t Balsamum Gurjunae, (i u r j u n bals a m, stammt von verseliiedeneu ostindiseben Dipteroearpusarten ab. Er bildet eine dickliche, Huores-eirende, grünlicbbrauno bis n'itldichbraune Flüssigkeit von balsamischem Geruch, welche Gurjunsäure und ätherisches Oel enthält, Wirkung = Copaivabalsam.
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512nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ammoiilukgiimmi.
Amiuoaiacuiii. Ammoniakgiiiniui.
Stammpflanzei Dorema Auunouiacuni. Familie: Umbelliferen.
Pharmakognosie. Das Ammoniakgummi ist ein Gummiharz,
welches von einer Staude Persiens und Turkestiins durch Anlegen von Einschnitten und Austrocknen des ausfliessenden Milchsaftes gewonnen wird. Er bildet lose zusammenhängende Körner und Klumpen von hellbrauner Farbe und milchweissem Bruche. Der Geruch ist eigenartig aromatisch, der Geschmack bitter und unangenehm. Mit Salzsäure übergössen soll es sich nicht violett färben (Beimengung vonGalbanum). Es enthält ätherisches Oel, Xylol, Harz und Gummi. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. D.P. 1 Kilo =•• 1 Mark 50 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. Das Ammoniakgummi hat ähnliche Wirkung wie der Terpentin und wird daher innerlich angewandt als Expectorans, Diureticum und krampf stillendes Mittel* Aeusser-lich wird es zur Darstellung von Pflastern und zur Bereitung des Defays'schen Hufkittes verwandt. Der letztere bildet ein Ersatz­mittel für defectes Hufhorn und wird durch Zusammenschmelzen von Ammoniakgummi (1) mit Guttapercha (l—2) gewonnen. Behufs An­wendung wird dieser Hufkitt zunächst wieder über gelindem Feuer geschmolzen und sodann auf die vorher entfettete (Seife, Aether) und getrocknete Hufstelle aufgetragen. Vergl. das Eeccpt zum Hufkitt beim Guttapercha.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Pferd und Rind 10—25,0.
Schaf und Ziege 5—10,0. Schwein 2 — 5,(1. Hund 0,1 — 1,0. Katze und Gelliigel o.l-—0.5.
Myrrha. Myrrhe.
Stammpflanze; Balsamea Myrrha (Balsamodendrou Myrrha). Fa milic: ßiirscraocen.
Pharmakognosie. Die Myrrhe ist der getrocknete Milchsaft eines in Arabien und an der Somaliküste einheimischen Bäumchens.
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Giillmmii
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Sie bildet Körner oder löcherige Klumpen von gelbröthlioher oder brauner, innen zum Theil weisser Farbe und eigentbiimlich aro­matischem Gerüche. Dampft man den alkoholisclien Myrrlienauszug ab und behandelt den Harzrüokstand mit Aether und Bromdampf, so förbt er sich rotli oder violett; eine ähnliche Reaktion bekommt man durch Betupfen der Myrrhe zuerst mit Alkohol und dann mit Salpeter­säure. Sie enthält ätherisches Oel = Myrrhol, Harz, Q-ummi, Bitter-
stoff. A.W lo.d
tennig.
Tinctura Myrrhae, Myrrhentinotur, ist eine Auflösung der Myrrhe in Spiritus (1 : 5) von föthlioher, klarer Farbe. A.T. 10,0 = l.rgt; Pfennig; 100,0 = 1 Mark.
Wirkung und Anwendung. Die Myrrhe wirkt durch ihren (laquo;ehalt an ätherischem Oel ähnlich wie das Ammoniakgummi inner­lich expectorirend und wurde früher auch als Stomaohicum an­gewandt. Dosis = Ammoniacnm. Aeusserlich wird sie in gepulvertem Zustande oder in Form der Myrrhentinotur, allein oder zusammen mit Aloetinctur, als Reizmittel für schlecht granulirende Wunden und als Antisopticum angewandt.
(ialbanuiu. Miitterharz.
Sta in m p l'l an/o : Ferula igt;allniriiMaa (Feuoedanuil) galbanifluum). K a milie: ümbelliferen.
Pharmakognosie. Das Galbanum ist das Q-ummiharz nord­persischer Doldengewächse. Ks bildet Körner von grünlichgelber oder grünlichbrauner Farbe mit gelbem (nicht weissem) Bruche, oder eine gleichartige braune Masse. Der Geruch ist sehr aromatisch. Es färbt sich zum Unterschiede von anderen Harzen mit Salzsäure violettroth, mit Schwefelsäure blutroth und gibt mit Wasser und einem Tropfen Ammoniak eine bläuliche Fluorescenz. FiS enthält
ätherisches Oel, ümbelliferon, Harz und Q-ummi. = Ammoniacum. A.P. 10,0 == 25 Pfennig.
Wirkung
Olibanum, Weihrauch, ist das Gummiharz von Boswellia papyri-fera, Carteri und Hhau-Dajiana, arabischer Burseraoeen. Wirkung = Gal-banum, In Oesterreioh officinoll.
Fröhnar, ArKnolmtttellehre. B. Aufl.
88
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S14
Kupliorbium.
Euphorbinm. Eiiphorbiuniharz.
Stam m p flmi zo: Bupliorbia rosinii'cra. Familie: Enpliorbiiioeen.
Pharmakognosie. Das Euphorbiumliarz stammt von einer kak-tusartigen, 2 m hohen Wolfsmilch Marokkos (Atlasgebirge). Der Milchsaft Hiesst aus der angeritzten Kinde in Tropfen ab, welche an den Stacheln, ßlüthen und Früchten derselben eintrocknen und da­durch die Formen der letzteren annehmen. Das Euphorbiumharz bildet daher hellgelbe, tropfenähnliche, ästige, hörnige, aus­gehöhlte, oft noch mit einem Doppelstachel versehene, leicht zerreibliche Massen, welchen Elüthentheile, Früchte und Stacheln beigemischt sind. Das Harz ist geruchlos, schmeckt aber brennend scharf; es löst sich zur Hälfte in Weingeist. Bestand-theile sind: ein scharfes Harz von der Formel C2nH..a01 (40n/n) und das Euphorbon von der Formel 0l)aH44O2 (20deg;/raquo;, ohne scharfe Wir­kung); ausserdem Grummi, apfelsaure und anorganische Salze. A.P. lü,o = 10 Pfennig.
Wirkung. Das Kuphorbiumharz wirkt auf Haut und Schleim­haut heftig reizend, entzlln dungserregend (Vorsicht beim Pulveri-siren). Innerlich erzeugt es in grösseren Dosen Erbrechen, Kolik und Diarrhöe (Gastroenteritis); Pferde sterben nach 80—60 g, Hunde nach 4—12 g. Beim Pulverisiren entsteht leicht Conjuncti­vitis und Rhinitis (Niesen). Aeusserlich erzeugt es eine tiefgehende Dermatitis mit Ausfall der Haare, Pustel- und Cieschwürsbildung und bei concentrirter Anwendung Eautnekrose.
Anwendung. Nur äusserlich zu scharfen Einreibungen 1:10—15 oder als Zusatz zur Oantharidensalbe (1:10—20) und zum Can t h a riden p f la s te r, jedoch nur bei dicker, wenig empfindlicher Haut (Rind, gemeine Pferderassen). Das sogenannte Emplastrum acre (scharfes, englisches scharfes, schwarzes Pflaster), welches herkömmlich gegen Spat, Exostosen, Sehnenverdickungen etc. angewandt wird, hat folgende Zusammensetzung: (Jantliariden 18 Theile, Euphorbium 3, Burgunderharz 11, Colophonium, Mastix. Terpentin, Pech, Safranpflaster, armenischer Bolus je (gt; Theile. Vergl. auch das offloinelle Emplastrum Cantharidum.
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Asa foetida.
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Ana foetida. Stinkasant.
S tain mp flanzen : Ferula Soorodosma und Narfhex, Fa mi lid! Umbelliferen,
Pharmakognosie. Der Stinkasant (Tenfelsdreok) ist dasGuninu-hara von Ferulaarten des westlichen Hoohasiens (Persien, Turkestan, Afghanistan), welches durch Ausschneiden der Wurzel und Eintrocknen des ausHiessenden Milchsaftes gewonnen wird. Es bildet Körner oder Klumpen von graubrauner oder grauvioletter Farbe und sehr unangenehmem, knoblauchartigem Gerüche, welche auf dem Bruche zuerst roth anlaufen und dann ins Braune übergehen. Im Handel unterscheidet man zwei Sorten: 1) Asa foe­tida in granis, eine bessere, aus Körnern bestehende Sorte, und 2) Asa foetida in massis, die gewöhnliche, aus Klumpen bestehende Asa foetida.
Der Stinkasant enthält ein sckwefelhaltiges, ätherisches Oel, welches nah verwandt mit dem im Knoblauch vorkommenden Schwefel-a 11 y 1 = S(08H8)8 ist, ausserdem Ferulasäure, Dmbelliferon, Harz und Gummi. A.P. 10,0 = lö Pfennig.
t Tinctura Asae foetidae, Asanttinctur, ist eine gelblich-braun-rothe Auflösung von Asant in Weingeist (1:6), A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. 1) Das schwefelhaltige ätherische Oel des Asants hat vor Allem kr am pf still ende Wirkungen. Der Stinkasant wurde daher früher insbesondere gegen Krampfkolik der Pferde und Krämpfe aller Art, sowie gegen Polyurie angewandt und zwar entweder in Pillen oder als Emulsion. Das Mittel ist jedoch zu vermeiden hei Schlachtthieren, weil sich der unangenehme Geruch desselben dem Fleische mittheilt.
2)nbsp; Das Mittel hat ausserdem eine anthelminthische Wirkung und kann z, B. in Klystierform gegen Oxyuren angewandt werden.
3)nbsp; nbsp;Von Trasbot wird Asa foetida als Stypticum gegen Diarrhöen beim Pferd empfohlen.
4)nbsp; nbsp;Aeusserlich dient die Asanttinctur wegen ihrer Ekel er­regenden Eigenschaften als Mittel, um das Abreissen und Belecken der Verbände, das Ausziehen der Federn etc. zu verhindern.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 10—25,0.
Schaf und Ziege 5-10,0.
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51Qnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; OantharldeA.
Soliwein -—5,0, Hund 0,5—2.0. Katze 0,1—0,25;
Recepte.
li l!|i. Asao foetidae 20,0.
Vitclliun ovuiMim duoi'am. .Aliscc flat Ehnulsio.
Adele Infusi Plor. Cliiiiiioimll. 50,0:000,0. Mi I). iS. Einjiuss für sin Pferd mit Krampfkolik. •J) Rp. Asae foetidae 4,o.
J'idv. Und. Angel. 2,0. Sapou. virid. (ju. 8. f. niiissa, e qua formentur FiluL Nr. XX. Igt;. S, Sstttndlioli 1 l'illc Für einen Hund mit Krämpfen (naoh Hertwig),
Cantliaridies. Spanische Fliegen.
Species: Lytta vesioatoria. Ordnung! Ooleoptera vesioautia.
Pharmakognosie. Die Canthariden sind Käfer, welche in Süd-frankreich, Spanien, Ungarn, Südrussland u. s. w. auf Liguster, Flie­der, Eschen und Pappeln leben. Sie werden in der Morgenfrühe in erstarrtem Zustande herabgeschüttelt, mit Aether oder Ohloroform getödtet und rasch getrocknet. Ks sind 11/3- -3 cm hinge und (i—8 min breite Käfer mit intensiv grünen, metallisch glänzenden, blau­schimmernden, oblongen Flügeldecken. Sie sollen heim Ver­brennen nicht über Hn/n Asche hinterlassen.
Sie entlullten zu etwa 0,5quot;/raquo; das Cantharidiu von der Formel C.HftO., einen kampherartigen Körper von Säurecharakter, welcher neuerdings auch in reinem Zustande in Form von farblosen, vier­seitigen, in Wasser unlöslichen, dagegen in Aether, Chloroform und fetten, sowie ätherischen Oelen löslichen Krystalltafeln dargestellt und angewandt wird, ansserdem fettes Oel, Ameisensäure und Sal/e. A.P. 10.0 25 Pfennig.
Ung-uentum Cantharidum pro usu veterinario, Cantharidensalbe für thierärztlichen Gebrauch, wird am besten durch lüstündiges Digeriren von Oantharidenpulver (2) mit Olivenöl (4), mit folgender Bei­mengung von Wachs (1) und Terpentin (2) sowie von Euphorbium (1) be­hufs Verstärkung der Salbe dargestellt. Die in der M e nschenho il-künde officinolle Cantharidensalbe, welche im Verhiiltniss 1:5 zusammengesetzt ist, erweist sich für die Zwecke der 'i'h i er h e il künde als ZU schwach. Vielmehr braucht man für das
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Oanthariden,
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Pferd ein Verlülltniss wie 1:4, für das Rind wie 1:3; auch ist die Bei-mengling grOsserer Mengen von Wachs wegen Abschwächung der blasen­ziehenden Wirkung womöglich zu vermeiden. Aus diesen (irunden ver­
schreibt man in der Thierheilkunde Cantharidcnsalhen menset/.ung. Aussei- der oben angegebenen alten und Ibrmel gibt es noch andere Zusammensetzungen;
1)nbsp; Man verreibt die Oanthariden mit 1
mit anderev Zusam-
hewiihrten Miigistral-
;:;—4 Theilen F-'ett
(Theer, Terpentin, Seite) direkt zu einer Salbe.
2)nbsp; nbsp;Man digerirt die Cantharidon mit 1 : #9632;')—4 Theilen Fett 10 Stun­den lang und benützt die erkaltete Mischung als Salbe, welche stärker als die erstere wirkt.
8) Man schmilzt im Wasserbad 1 Theil Terpentin mit 4 Theilen Fett und rührt bis zum Erkalten 1—1'/a Tlieile Cantharidenpulver hinzu.
4) Man schmilzt im Wasserbad je 8 Theile Terpentin und Colo-phonium, tiO Theile Fett und 1 Theil Wachs und rührt bis zum Erkalten 20 Theile Cantharidenpulver hinzu.
.r)) Man verstärkt die Wirkung der Canthariden durch die Beimengung von Euphorbium, (Jrotonöl, Sublimat etc. Vgl. die Recepte.
Tinctura Canthai-idum, (Jan th ariden tin ctur, wird aus Oantha­riden und Weingeist 1:10 dargestellt. Sie bildet eine grüngelbe Flüssig­keit von brennendem Q-esohmaoke und dem Gerüche der Canthariden. A.P. 100,0 = 1 Mark.
Oloum cantharidatum, Oantharidenöl, von grünlicher Farbe, wird durch IGstündiges Digeriren von grobgepulverten Canthariden mit Olivenöl (3:10), Auspressen und Filtriren hergestellt. A.P. 100,0 = 1 Mark 00 Pfennig.
Collodium cantharidatum, Oanthnridenoollodium, bildet eine olivengrüne, syrupdicke, klare Flüssigkeit, welche zu einem grünen Häut­chen eintrocknet. Es wird dargestellt durch Ausziehen der Canthariden mit Aether und Hinzufügen von Collodium. A.P. 10,0 = 26 Pfennige; 100,0 = 1 Mark 05 Pfennig.
Emplastrum Cantharidum pro usu veterinario, Canthariden-
pflaster für thierär/.tlichen Gebrauch (ofticinell). Da die beiden oftici-nellen Cantharidenptlnster der alten Fharmakopöe, das E. C. ordinarium und perpetuum, für die Anwendung zu thierärztlichen Zwecken un­geeignet sind, weil sie nicht fest genug kleben und auch zu schwach sind, so ist in die neue deutsche Pharmakopüe ein besonderes Pflaster für thier-ilrztliche Zwecke aufgenommen worden. Es werden 0 Theile Colo­phon ium im Dampfbade mit 6 Theilen Terpentin zusammen­geschmolzen und der halb er k alteten Mischung S Theile grob gepulverte Canthariden und 1 Theil mittelfein gepulvertes Euphorbium gleichmässig beigemengt. Statt dieses officinellen Pflasters kann man auch das sog. englische scharfe oder schwarze Pflaster benutzen. Dasselbe wird durch Zusammenschmelzen von Canthariden (13 Theile), Euphorbium (8), Burgunderharz (11), Mastixgummi, Colo-phonium, Safranpflaster, gemeinem Terpentin, schwarzem Pech, armenischem Rolus (je 6 Theilel hergestellt.
Oantharidinum, Cantharidin (n. o.), wird dargestellt, durch Extra-hiren der gepulverten Canthariden mit Chloroform oder mit verdünnter Kalilauge (als cantharidinsaures Kali, aus welchem das Cantharidin durch
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518nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;OaütharideDi
Zusatz einer Säure wieder frei gemacht wird). Das Canthuridin ist statt der Canthariden zur Darstellung von scharfen Salben und Pflastern em­pfohlen worden. Dietrich verschreibt z. B, das Cantharideneollodium folgendermassen: Cantharidini 0,1; t'ollod. elast. 60,0 (2:1000). Versuche, welche ich beim Pferde mit Concentrationen bis zu 1 :25 in Salbenform anstellte, lieferten kein befriedigendes Uesultat. A.P 0,1 — 45 Pfennige.
Wirkung. 1) Aeusserlioh auf der Haut wirken die Canthariden durch ihmi Gehalt an Oantharidin entzündungserregend und zwar speciell blasenziehend. Am empfindlichsten sind feinhftutige Pferde, weniger Hunde; am schwächsten ist die Wirkung beim Kind und Schwein, Hühner sollen angeblich gegen Canthariden ganz unem­pfindlich sein; so soll das Fleisch von Hühnern, welche ohne zu er­kranken mit Canthariden gefüttert wurden, Katzen nach der Auf­nahme tödten, Auch Igel und Frösche sollen uneinpflndlioh sein. Auf der höher gerötheten Haut bilden sich häutig schon nach 1 Stunde, zuweilen aber auch erst nach 0 —12 Stunden und noch Später (schwache Salben, leichtes Einreiben, harte, unempfindliche Haut, fieberhaftes Allgemeinleiden etc. vermindern und verzögern die Wirkung) Blasen, welche bald platzen, worauf die eingeriebene, von der Oberhaut ent-blösstc Hautstelle sich mit einem gelblichen, zähflüssigeny lymphati­schen Exsudate bedeckt, welches später zu Schorfen vertrocknet. Gleichzeitig findet ein Ausfallen der Haare statt, welche indessen später wieder nachwachsen. Bei sehr concentrirter oder bei öfters wiederholter Anwendung der Canthariden auf eine und dieselbe Stelle kann Hautnekrose eintreten. Beim Einreiben der Canthariden auf sehr grosse Hauttlächen kann feiner in Folge der [Resorption des Oantharidins eine innerliche Cantharidenvergiftung entstehen.
2) Innerlich bewirken die Canthariden in kleinsten Gaben eine Steigerung der Harnsecretion und des Geschlechtstriebs, (irössere Gaben erzeugen bei der innerlichen Verabreichung zunächst die Erscheinungen einer hämorrhagiseben Gastroenteritis mid Sto­matitis: Speicheln, Schlingbeschwerden. Erbrechen, Kolik, blutige Diarrhöe, Tonesmus, Hiezu tritt eine entzündliche Beizung der Nieren, der Blasen- und Harnrölirenschleimhaut, welche sich in Polyurie, Harndrang, Blutharnen, Eiweissharnen, Röthung und Schwellung der Vaginal- und Präputialsehleimlmut und selbst An­schwellung des Präputiums und der Eichel äussert. Diese Wirkung auf den Urogenitalapparat beobachtet man auch hei ausgedehnter äusserlicher Anwendung der Canthariden oder beim Einstreuen der­selben in Wunden; die entzündliche Reizung der Digestionsscbleinihaut fehlt aber in diesen Fällen. Der Tod erfolgt unter den Erschei-
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(Jttiitlmriden.
gt;19
nungon oilier allgemeinen Schwiiclie durch Atlimuiigslälinuing. Die tödtlichen Dosen des Cantliaridenpulvers betragen bei innerlicher Anwendung für Pferde und Rinder 25 — 30 g, für Schafe 5 g, fUr Hunde 0,6—2 g.
Anwendung. 1) In der ('hirurgie zu scharfen Einreibungen meist in der Form der Oantharidensalbe, und zwar am häufigsten beim Pferd und Rind, gegen chronische Knochenauftreibungen (Spat, Schale, Rehbein, üeberbeine an der Innenfläche des Metacarpus etc.), chronische Sehnen- und Sehnenscheidenentzündungen (Sehnen­klapp), chronische Gelenkentzündungen, Gallen, chronische rheumatische Lahmheiten (Schulterrheumatismus, rheumatische Hüftlahmheit), chronische Phlegmonen, Quetschungs-gescliwüiste (Genickbeulen, Brustbeulen, Stollbeulen, Piephacken. Widerrist- und Satteldrücke), chronische entzündliche Neubil­dungen, Lymphadeniten (Druse), gegen Paresen und Paralysen (namentlich Lähmung der Naohhand), Muskelatrophie, sowie end­lich hergebrachterweise in der Umgebung von frischen Gelenk­wunden, um durch die entstehende starke Schwellung der Haut die Wunde zum Verschluss zu bringen (Vorsicht!).
Zu ableitenden Einreibungen gegen Pneumonic, Pleuritis, Brust­seuche, Meningitis, Peritonitis etc. benützt man in der neueren Zeit wegen der Gefährlichkeit der Anwendung der Cantbariden auf grössere EEautflächen und der Langsamkeit der Wirkung vortheilhafter das Senföl.
2) Als hautreizendes Mittel in Form der Cantbaridentinctur zur Beförderung des Haarwachstums bei Alopecie (1 : 5—10 Spi­ritus) sowie als Einreibung auf die Krone zur Anregung des Wachs-tbums des Hufhorns nach Hufoperationen (Hornspalten, Hufknorpel-fisteln).
.quot;5) Als Räudemittel namentlich bei der Behandlung des Akarus-ausschlages in Form der Oantharidensalbe, abwechselnd mit Schwefel­leberbädern (Brusasco).
4) Innerlich als Aphrodisiacum bei vermindertem Geschlechts­triebe*, seltener als Dinreticum und Reizmittel bei Schwächezuständen der Blase-, in Form von Pillen oder als Einguss, Kühen wohl auch als Pulver zwischen Brotschnitten. —- Die Anwendung des Canthari-dins gegen die Tuberculose des Menschen (Liebreich) ist wieder verlassen worden.
Form. Die gebräuchlichste Form bei der äusserlicben Anwendung der Cantbariden ist die Salbenform. Bei Application der Cantharidon-
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('aiitharidüii.
salbe sind jedoch verschiedene Punkte wohl zu berücksichtigen.
Vor
dem Einreiben sind zuniiclist die Haare an der betreffenden Stelle ab-zuscheeren. Das Einreiben selbst soll in der Hegel nur einmal, aber gründlich und zwar 5 — 10 Minuten lang geschehen. Man kann liiezu die blosse Hand benutzen; besser ist es, nur anfangs mit der blossen Hand, später jedoch mit einem Handschuh, Lederlappen, Tuch-lappen etc. einzureiben. Hat die Salbe nach Ablauf von (i —12 Stunden nur schwach oder gar nicht gewirkt, so wird „nachgeriebenquot;, d. b. die auf der Haut befindliche Salbe wird von Neuem eingerieben. Erst wenn nach Ablauf von 24 Stunden gar keine Wirkung eingetreten ist, darf ein neues Quantum Salbe eingerieben werden (wiederholte Einreibung). Die unter der eingeriebenen Stelle befindliche Haut muss durch Wachssalbe oder Paraffinsalbt! vor der Anätzung durch etwa abfliessende Salbe resp. cantharidinhaltiges Secret geschützt werden. Endlich ist ein Ablecken oder Abscheuern der Salbe seitens der eingeriebenen Thiere zu verhüten. Zu diesem Zwecke werden sie einige Stunden nach dem Einreiben beaufsichtigt; Pferde worden ferner über Nacht aufgebunden und mit dem Kopfe kurz angebunden oder sie erhalten eine Seitenstange, iu)thige;ifalls auch einen Maulkorb. — Ist die blasenziehende Wirkung eingetreten, so lässt man das Secret eintrocknen und löst dann die Borken nach vor­hergegangener Erweichung mit Glycerin, Seife etc. ab.
Das Oantharidenpflaster muss vor der Anwendung in einem irdenen oder metallenen Gefässe über schwachem Feuer geschmolzen werden. Dann wird es auf die abgeschorene Hautstelle mittelst eines Spatels in der Dicke eines halben Centimeters aufgetragen, und so lange es noch warm ist, mit kurzgeschnitteneni Werg bestreut, um ein zu frühes Bersten zu verhüten. Ein gut angelegtes Canthariden-pHaster soll erst nach circa 14 Tagen abfallen.
Das C an t h a r i d e n c o 11 o d i u m wird auf die betreffenden Haut­stellen einfach aufgepinselt. Es eignet sich namentlich für Hunde, weil es nicht abgeleckt werden kann.
Die Cantharidentinctur und das Cant h ariden öl werden wie die Salbe eingerieben.
Dosis.
Canthariden.
Cantharidontinctur.
Kind
2-5,0
20,0.
Pferd
0,5—2,0
10,0.
Schaf,
Schwein
(1,2—0,5
2,0.
Hund
. 0,06—0,2
0,25-1,0.
Katze
0,01-0,05
0,05—0,1.
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Canthariden.
gt;21
Becepte.
1)nbsp; nbsp;Up. I'ulv. Oantharid, 6,0.
Adip. suill. 16,0. M. f. LTgt. D. 8. Oantharldensalbe.
2)nbsp; Up. Pulv. Oantharid. 7,6.
Terobinthiu. Adip. suill, ää 10,0. M. f. Ugt. D. S. Oantharidensalbe.
3)nbsp; Bp, Pulv. Oantharid. 20,0.
Olei Olivar. 40,0.
Digere per horas X balneo vaporis, Addo Terebinthinae 20,0. (lerae
ISuphorbii äil 10,0. M. f. Ugt. I). S. Verstärkte Oantharidensalbe (Alte Formel).
4)nbsp; Kp. Pulv. Oantharid. 8,0.
I'ulv. Euphorb. 1,0. Adip. suill. 10,0. .M. f, Ugt. D. S. Verstärkte Oantharidensalbe.
5)nbsp; Kp. Pulv. Oantharid. 3,0.
Pulv. Euphorb. 1,0.
Olei Terebinth. 4,0.
Terebinth. 8,0. M. f. Ugt. I). 8. Verstärkte Oantharidensalbe, 0) l!p. Pulv. Oantharid. 2,0.
Hydrarg, biohlor. 1,0.
Olei Lauri 12,0. M. f, Dgt, Verstärkte Oantharidensalbe iiuoli Hertwig.
7)nbsp; nbsp;Hp. Terebiuthin.
Oolophon. ää 100,0. Pulv. Oantharid, 50,0. I'ulv. Euphorb. 25,0. M. f. 1. a. Ehnplastrum. D. S. Oantharidenpflaster.
8)nbsp; Rp. Adip. snilli 250,0.
Terebinth, (10,0. Colophon. 30,0. Oerae flav. 15,0. Oolliqn, admisoe Oantharid. pulv. 50—100,0. Euphorb. pulv. 10-30,0. M. D. 8. Verstärkte Oantharidensalbe (Berliner Klinik).
9)nbsp; nbsp;Bp. Terebinthin. oommun.
Mast ich. pulv. iiii 90,0.
In Balneo vaporis liqnefaotis ct semirofWgeratis admisoe, Oantharid. gr. pulv. 45,0. Euphorb. pulv. 15,0. M, f, 1. u. Emplastrum, Iraquo;. S. Soharfpflaster naoh Hertwig.
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522nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Moschus.
Anhang zu dm Aethoroo-OIeosa.
Moschus. Der Moschus findet sieh in den Moschusbeutelu der männlichen Mosclmsthiere (Moschus mosehiferas), rehartiger Wiederkäuer auf den Hochgebirgen von China und Tibet, zwischen Nabel und Bathe und ist als Product von Geschlechtsdrüsen aufzufassen. Er bildet eine dunkelbraune, krüm liehe, ganz intensiv riechende Masse, welche in den Beuteln eingeschlossen als tonkinesischer oder tibetanischer Moschus über Kanton, sowie als russischer oder kabardinischer Moschus über Sibirien in den Handel gelangt. Der Moschus entlullt äthei^ische Riechstoffe, welche in ihrer Zusammensetzung noch nicht genau gekannt sind, ausserdem Fett, Wachs, Ammoniuincarbonat etc. A.P. 0,01 = 10 Pfennig. Die Tinctura Moschi wird aus Moschus (1) und verdünntem Alkohol sowie Wasser (ää 25) dargestellt. A.P. 1,0 = 15 Pfennig. Moschus und Oastoreum sind erregende Mittel für das Nervensystem, welche ausserdem kv ampf st illen de Wirkung haben. Sie können beim Hunde (wie beim Menschen) als Exeitantien bei Collaps sowie als Anti-spasmodica bei Kr amp f zustän den in Dosen von 0,1—0,2 angewandt werden, sind aber sehr {heuere Priiparate. Z. B, Bp, Moschi 0,1; Sac-chari 0,5. M. f. Pulvis.
Castoreum, Bibergeil, ein Product der Geschlechtsdrüsen des kana­dischen Bibers, Castor americanus, eines mit Sehwimmhäuten an den Hinterfüssen versehenen Nagethieres. Das Castoreum ist eine in Beuteln enthaltene erdige, braune, trockene Masse von sehr kräftigem Gerüche. Es enthält ein sternförmig krystallisirendes Glykosid als wirksame Sub­stanz, ausserdem Harz, Fett (Castorin), Cholestearin und Spuren von Carbolsäure (Trocknen im Hauche).
Lignum Sassafras, Sassafrasholz (Fonchelholz), ist das zerschnittene Holz der Wurzel von Sassafras officinalis, einer nordamerikanischen Laurinee. Es ist ein leichtes, weiches, schwammiges, fahlröthliches Holz von fenchelartigem Gerüche und süsslichem Geschmacke, welches äthe­risches Gel (1|laquo;0/o), Harz und Gerbsäure enthält. Es wird in der Menschen-heilkunde als Diureticum und sehweisstreibendes Mittel in Form von Species und Tnfusen angewandt. Das Holz ist officinell.
Lignum Guajaci, G u aj a k h o 1 z (Lignum sanctum, Franzosenholz, l'ockholz), officinell, stammt von Guajacum officinale, einer west­indischen Zygophyllee. Das Holz ist geschnitten oder geraspelt, schwer, grünlichbraun und hat einen benzoeähnlichen Geruch. Es enthält Guaj ak-harz (Resina Guajaci), Guajacin, Guajaksäure und Benzofisäure und wird als Diureticum und seh weisstreibendes Mittel in Ab­kochung angewandt; ausserdem bildet es einen Bestandtheil der Species L ig no rum (Holzthee), welche aus Guajakholz, Süssholz, Sassafrasholz und Hauhechelwurzel bestehen.
Radix Sarsaparillae, Sarsaparille, ist die Wurzel einer unbe­kannten Smilaxart aus Honduras (Ostküste Centralamerikas). Sie bildet federkieldicke, hellbräunliche bis röthliche, innen weisse, längsstreifige Wurzeln von schleimigem, kratzendem Geschnmcko, welche in 3 Sorten.
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Cotorindi'.
als Veracru/,-, Caracas- und Para-Sarsaparille im Handel vorkommen. Sie enthalten das Smilacin (Parillin), Pari 1 li n silur e (Salseparin), ein scharfes bitteres Harz und Stilrkemehl. Sie werden beim Mensehen angewandt gegen Syphilis als Abkochung und zwar 1) als Decoctum Sarsaparillae compositum fortius (stilrkeres Deooot) und 2) D. S. c. mitius (schwächer), welche beide officinell sind.
Cardoleum, Cardol, ist ein alkoholisch-iltherisches, theeiartiges Ex­tract dor Samen von Anacardium occidentale, einer westindischen Terebinthacee, welche als „Elepbantenlilusequot; bekannt sind und niorenlormige, 3 cm lange, glatte, hellbraune Samen bilden; dieselben mithalten das kampherartige Cardol von der Formel C^HaoO;, ausserdem Anakardsiiure. Das Cardol bildet eine braune, dicke, eigfinthümlich riechende, in Wasser unlösliche, dagegen in Alkohol, Aether, Benzin und fetten Oelen lösliche Flüssigkeit, welche als Vesicans an Stelle der Canthariden benutzt wird und angeblich ungefährlich ist, weil es nicht resorbirt wird. Nicht officinell.
Oleum Santali, Santalöl, ist das ätherische Gel des Holzes von Santalum album, einer Santalacce. Es hat einen sehr aromatischen Geruch und gewürzhafton Geschmack und wird als Expectorans und Anticy s t iti cum in Dosen von 20 Tropfen beim Menschen empfohlen. In Oesterreich officinell. Ebendaselbst ist officinell Lignum Santali rub rum, rothes Santelholz, von Pterooarpus santalinus, einer Papilionacee Ostindiens, als Bestandtheil der Species Lignorum.
Oleum Pini Pumilionis, das ätherische Gel von Pin us Pumilio, von aromatischem, angenehmem Geruch, ist als Aethereo-Oleosum in Oester­reich officinell.
Kadix Pyrethri, B o r t r a m w u r z e 1, von Anacyclus Pyrethrum. einer Composite des Mittelraecrs, in Oesterreich officinell, wurde früher in der Thierheilkunde als Stomachicum und Excitaiis nervinum, gegen Zungenliihmung sowie zu reizenden Maulwässorn (sogenanntes Kaumittel) angewandt. Die innerliche Dosis betrug für Pferde und Kinder 15—30,0.
Cortex Goto verus und Para, Co tor in den, stammen von 2 unbe­kannten Laurineen Boliviens. Es sind chinarindenähnliohe Rinden, welche neben ätherischem Gel und Gerbsäure das Coto^in und Paracotofn, ausserdem Dicotol'n, Hydrocotoin, Leucotin und Gxyleucotin enthalten. Diese Glykoside haben antizymotische, antisoptische und antidiar-rhoische Eigenschaften und werden gegen acute und chronische Darm­katarrhe, Brechdurchfälle, Ruhr etc. angewandt, wobei sie die Pankroasfäulniss verhindern und deshalb die Bildung der aromatischen Pankreasfäulnisspro-duete (Indol, Skatol) vermindern. Man gibt das Coto'in und Paracotofn beim Hunde in Dosen von 0,1—0,2. A.P. Cotoin. verum 0.01 = 15 Pfennig. Cotofnum Para 0,1 = 10 Pfennig. Nicht officinell.
Radix Asari, Haselwurzel, ist der Wurzelstock von Asarum Euro-paeum, einer Aristolochie (n. o.). Der stumpfvierkantige, graubraune, 2 mm dicke Wurzelstock hat einen kampherartigen Geruch. Er enthält ein ätherisches Oel, As arum kam ph er (Asaron) und einen Bitterstoff (Asarin). Das Pulver wirkt auf Schleimhäute reizend, erzeugt Niesen, Erbrechen und Durchfall. Beim Kinde entstehen auf 90g Gastro­enteritis. Das Mittel wurde früher als Nies mit toi gegen Oestruslarven-
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524nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Damlana. lioldo.
krankheit der Schilfe angewandt und ist. ausscrdein ein volkstlitimliohes lire oh mi t,t(j 1.
Folia Rutae, Rauten blatter, vou Ruta gniveolens, einci' liutacee (n. o.j, enthalten ein iltherisches Ool, und wurden früher als Mittel gelt;,'('n Uteruskriimpl'e sowie als Eninienagogum (inenstruatioiishefürderndes Mittel) angewandt.
Damiana, eine neuere mexikanische Drogue, welche aus den Blattern und Zweigspitzen von Turnera aphrodisiaoa, einer Turneracee, be­steht und ein ätherisches Oei enthillt, das als Aphrodisiaoum und Excitans aethereo-oleosuni bei Schwäche/.ustiinden des Nervensystems in Form des Fluidextracts (2—5,0), des Extractum inspissatnm und siccum (0,i! —1,0) beim Menschen empfohlen wird.
Boldo, eine neuere südamerikanische Drogue, besteht aus den Bliltte.rn von Boldoa fragrans, einer Monimiacee. Die Blätter enthalten ilthe­risches Oßl, Harz und Alkaloid, das Boldin. Sie werden als Fluid-extract (0,1 — 0,3) beim Menschen als Tonieum, Excitans, Antisepticum und Anthelminthicum, sowie gegen Dyspepsie, Leherleiden, Gallensteine und Cystitis angewandt (n. o.).
Cai'oba, Karaiben blätter, stammen von Jacaranda procera, einer Bignomiaeeo Brasiliens und Guianas (n. o.). Sie enthalten ein äthe­risches Harz (Oarabon), ein Alkaloid (Oarobin), Carobasilure, Gerbsäure and Bitterstoff. Sie dienen als Diuret icuni und schvveisstreibend es Aethereo-Oleosum. Dosis des Fluidextracts für den Menschen 1—5,0.
Alstonia constricta, eine Apocynee Australiens, enthillt das bittere Alkaloid Alstonin, welches als Excitans, Antisepticum und Sto-machicum angewandt wird. Die Binde dient als Ersatz des Hopfenbitters im Pale Ale (n. o.).
Muira puama, eine brasilianische Drogue (Liriosma ovata, ÜleineeV). wird beim Menschen in Form des Fluidextracts als ausgezeichnetes Heil­mittel gegen Impotenz und Hheumatisinus neuerdings empfohlen (n. o.).
Pichi-pichi, ein Fluidextract von Fabiana imbricata, einer Solanee. wird beim Menschen esslött'elweise gegen Nierenleiden, Cystitis und Blasen­steine angewandt (n. o.).
Euphorbia pilulifera, eine Euphorbiacee des tropischen Amerikas und Afrikas, enthillt ein Gummiharz und Glykoside und wird neuerdings beim Menschen als Expoctorans in Form des Macerationsdecoctes (80:1000) und des Fluidextractes (30—00 Tropfen) empfohlen (n. o.).
Lippia Mexikana, eine Verbeoacee Mexikos, enthillt iltherisches Oel, Lippiakampher (Lippiol) und Gerbsäure und dient als neueres Expectorans in Form einer coneentrirten Tinctur, zu 1-2,0 beim Menschen (n. o.).
Grindelia, von Grindelia robusta, einer mexikanischen Composite, enthält ä t h e r i s c h e s Oel und Harz und dient als neueres Expectorans und Specificum gegen Asthma beim Menschen (Fluidextract 2 — 4,0; Extr. spissum 0,;i—1,0) (n, o.).
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Vcrlm Siiulii. Simulo.
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Yerba Santa, die Blätter von Kriodictyon glutinosuni, oiner Hydropbjllaoee Mexikos un'd Oalifomiens, finthiilt ein lt;leiii 'J'olubalsam verwandtes Harz, iltlierisehes Oel, Gerbsäure und Ericolin. Es dient :ds Expec toran s beim MenscLen (Fluidoxtraot 1—4,0) (n. o.).
Virga aui'ea, die Blätter von Solidago virga aurea, besitzen /ieiu-lich starke diuretische Wirkung und worden bald allein (25 ; 1000,0 ini'us, glasweise getrunken), bald zusammen mit Digitalis tretren Wasser­
sucht in der Mensohenbeilkunde
angewandt (altes ostpreussisohes Volks-
mitte! gegen Wassersucht).
Simulo (Tin etura Siinulo), eine aus den Erachten von Oapparis coriacoa (Oapland) dargestellte Tinctur wird gegen Epilepsie gerühmt und scheint in einzelnen Fällen günstig zu wirken (Eulen bürg). Die Dosis für den Menschen beträgt 1—2 Theelöffel.
Endlich sind noch in Üesterreich ol't'icinell nachstehende Aethereo-Oleosa: Herba Capilli Veneris, Frauenhaar, von Adiantum Oapillus Veneris (Filices); Herba Chenopodii, mexikanisches Traubenkraut, von Ohenopodium ambrosioides, einer amerikanischen Chenopodiaoee; Herba Qaleopsidis, Hohlzahnkraut, von Q-aleopsis ochroleuca (Labiaten); Herba Hernariae, Brucbkraut, von Hernaria glabra (Caryophyllaceen)| Herba Orig'ani, Dostenkraut, von Origanum vulgäre (Labiate) und Herba Spilanthis, i'arakressenkraut, von Spilantbes oleraoea (Compo-siten). Diese Droguen sind Bestandtheile der Species aromaticae oder dienen zur Eerstelluns tttberisob-ölister Tincturen etc.
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Pllanzliclie Abführmittel.
Aloö, Capaloe.
Stammpflanzen: Aloe ferox und Aloü Alricana. K a im i 1 i e : Liliaceen.
Pharmakognosie. Die Aloe (Aloe oaponsis, A. lucirla) ist der eingekochte Milchsaft dor 1-Uiittcr verschierlener Aloöarten des Oaplandes, vorzüglich von AIoö ferox und A. Africana, ausser-dem von Aloö spioata, rulgaris und A. Lingua. Sie bildet eine harte, dunkelbraune, ins Grünliche schillernde Masse von bitterem Geschmacke und eigentümlichem Q-eruohe, welche in gross­muschelige, glasglänzende, harte, grünbestäubte, scharf­kantige, an den Kanten und Splittern röthllch oder gelblichbraun durchscheinende, in reflectirtem Lichte grünlichschwarze Stücke bricht und gepulvert eine citrongelbe Farbe besitzt. Die Aloe löst sich klar in Weingeist (1:B) und siedendem quot;Wasser (1:2), ausserdem in Alkalien und in G-alle, dagegen nicht in Aether und Chloroform, Unter dem Mikroskop ist die Aloe amorph. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Die Aloe enthält Aloöharz (350/o) sowie als EEauptbestandtheil das amorphe Aloetin (t)0quot;/n') = Aloebitter, welches in anderen Aloearten krvstallinisch als Aloin vorkonimt (Nataloin, Barlialoin, Sansibara loin, Socn loYn), endlich Spuren eines ätherischen Oels.
Neben der zur Zeit allein officinellen OapaloS waren trüber noch im Gebrauche! 1) Die Leberaloe, Aloe hepatioa, von leher-brauner, undurchsichtiger, matter Oberfläche, von Ostindien, Ostafrika und Westindien stammend und als Barbados-Aloe, Sansibar-Aloe und Bombay-AloS im Handel. Diese Leberaloe enthält kein amorphes Aloetin, sondern kristallinisches A lo'i'n (iiarbalom). 2) Die
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Aloü.
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Natal-A loe, von Stidostafrika, mit dem ki'ystallinischon Nataloin. 3) Die Socotora-A loe, von der Insel Socotora, sehr werthvolle, aber seltene Handelssorte mit dem krystalliniselien Socalo in. 4) Als Aloe caballina, Rossaloe, wurden früher niinderwerthige Abfiille verschiedener Aloi'sorten bezeichnet.
Extractum Aloös, Aloeextract, ist ein gelbbrauner, trocke­ner, wässeriger Auszug der Aloe. 1 Theil Alo6 wird in 5 Theilen siedendem Wasser gelöst. Die völlig erkaltete Lösung wird nach 2 Tagen vom Harze abgegossen und zu einem trockenen Extracte eingedampft, welcher bei einer Ausbeute von 500/o ausscliliosslich aus AloVn resp. Aloütin besteht. Er wirkt daher doppelt so stark als die Aloe. A.P. 10,0 = 35 Pfennig.
Tinctura Aloös, Aloetinctur, ist eine früher officinelle dunkel­grünbraune Flüssigkeit von sehr bitterem Geschmacke, welche aus Aloe und Weingeist (l : 5) dargestellt wurde. A.P. 100,0 = 70 Pfennig.
Tinctura Aloäs composita (officinell) wird aus Enzian, Zitwer, Safran und Spiritus dilutus dargestellt.
Aloü, Rhabarber,
Pilulae aloöticae ferratae, eisenhaltige Aloepillen, werden officinell aus Aloepulver und Perrum sulfuricum siccum dargestellt.
Alolnum, Alo'in (n. 0.), wird durch Ausziehen der Barbadosaloe mittelst kochendem, mit Salzsäure angesäuertem Wasser dargestellt. Dieses Harbalofn hat die Formel C^HggOij -f- H.^O und bildet gelbe, in heissem Wasser und Glycerin sowie in Alkohol lösliche Krystalle. A.P. 10,0 = •ri0 Pfennig. Es wird innerlich und subcutan angewandt, eignet sich aber nach Ellen berger bei Pferden und Wiederkäuern nicht zur subeutanen Injection (Berliner Archiv 1887).
Wirkung und Anwendung. 1) In kleinen Dosen wirkt die Aloe vermöge ihres bitteren Geschmackes als Stomachicum amarum und wird daher namentlich bei den ehronischen Verdauungsstörungen
der Pferde und Wiederkäuer angewandt.
2) Grosse Dosen der Aloe erzeugen Laxiren. Diese ab-l'ühremle Wirkung ist bei den einzelnen Thiergattungen eine ver­schiedene. Pferde laxiren auf 25—50 g Aloe nach Ablauf von 18—Uli Stunden (i—24 Stunden lang; der Koth wird hiebei gewöhn­lich mehr oder weniger dünnflüssig, so dass er selbst im Rogen ab­gesetzt wird. Beim Rinde sind grössere Dosen nothwendig und es bleiben in einzelnen Fällen selbst auffallend grosse Dosen ohne Laxir-wirkung (nach Gilbert in einem Falle sogar 180 g). Durchschnitt­lich sind beim Rinde 40 — tiO g Aloe zur Erzeugung einer diarrhoischen Wirkung nothwendig. Die Kothmassen werden jedoch niemals so
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528nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Aloß,
(liinntiiissig wie beim Pferde. Schweine und Schüfe purgiren vm 8 resp. 15 g ab. Am wenigsten empündlich sind Hunde; dieselben brauchen 5—LOmal mehr Alof' zum Laxiren als der Mensch, nämlich (lurchsehnittlicb '2—#9632;gt; g, Die liixiieiide Wirkung der Aloe beruht in #9632; der Hauptsache auf einer Erregung der Darnmerven durch das Alo'in resp. Aloetin. Diese Erregung findet auch bei subcutaner Ap])liciitioTi des Aloins. also vom Blute ans statt.
Die Aloii ist neben dem ISserin das wichtigste Abführ­mittel für Pferde und wird namentlich bei Verstopfungs-koliken, chronischen Darmoatarrhen, sowie als Ableitungs­mittel bei Entzündungen innerer Organe, so /. B. bei Lepto-meningitis, ferner bei Sufrhehe angewandt. Hei den Wieder­käuern wird sie mit anderen Laxantien zusammen gegeben. Beim Hunde wird sie besser durch wirksamere Abführmittel (Calomel etc.) ersetzt,
.}) Die Aloe ist ferner in grossen Dosen ein Cholagogum, d. h. ein die Secretionsthätigkeit der Leberzellen anregendes Mittel (Rutherford). Nach ihrer Verabreichung findet man deshalb bei tier mikroskopischen Untersuchung der 1 jeher die Leberzellen im Zu-stande der Thiltigkeit (Kllenberger). Wegen ihrer cholagogen Wirkung ist die Aloe von Alters her gegen licberkr;inkbeiten (icterus, Hepatitis) im Gebrauche.
4) Aeussei'iicb hat die Aloe auf Wunden und (reschwüre eine anregende, reizende Wirkung. Sie wird daher gepulvert oder in Verbindung mit Weingeist in Form der Aloetinctur als granu-!a tionsbefördernde s Mittel bei schlaffen Wunden, (raquo;eschwüren und Fisteln angewandt.
Form. Die Aloe wird heim Pferde als Laxirmittel gewöhnlich in einmaliger Dosis in Pillenform als sogenannte Aloöpille an­gewandt; diese Pillen werden aus Aloepulver und grüner Seife her­gestellt. Ausserdem wird das Extractum Aloes mit salinischen Mitteln zusammen in Latwergenform verabreicht. Hindern und Schalen gibt man die Aloe gepulvert ids Einguss oder in einer Lösung mit Seifenwasser. Von grosser Wichtigkeit ist bei der Anwendung der Aloe als Laxans das gleichzeitige Hinhalten eines bestimmten diätetischen Verfahrens. Zunächst sind die Thiere womöglich schon einen Tag vor der Ver­abreichung der Aloe auf halbe Ration zu setzen und mit flüssigen Futterstoffen, Pferde namentlich mit Kleientrank, zu füttern; G bis 12 Stunden vor dem Eingeben des Aloe ist die Fütterung überhaupt
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Aloö.
)29
uus/iiset/.i'ii. Sodami müssen dieselben nach drin Eingeben dor Aloö vor Erkältung geschützt im Stalle stehen, bis die Wirkung vorüber ist. und es muss während dieser Zeit jede anstrengende Arheits-leistung streng vermieden werden. Nur ein massiges Bewegen der Thiere im Schritt kann dann vorgenommen werden, wenn sich die Wirkung verzögert. Da ferner eine ausgiebige Laxirwirkung nur dann eintritt, wenn der Körper hinreiehend mit Wasser versehen ist, reicht man dem Thiere öfters Trinkwasser in grösserer Menge.
Contraindioirt ist die Anwendung der Aloe in grössoren Dosen bei Magendarmentzündung und vorgeschrittener Trächtigkeit, sowie bei Milchkühen, indem bei letzteren die Milch einen bitteren Geschmack erhält.
Kleine Jiosis i Aiiumiin) Grosse, Laxirdosis
Dosis.
Kind .nbsp; nbsp; .
Pferd .nbsp; nbsp; . Schal'. Ziege Schwein
Hund .nbsp; nbsp; . Katze .
Geflttco]nbsp; nbsp; .
5 —10,0
40 —60.0
#9632;2 — 5,0
2 — 5,0
1 — 2,0
o.l — 0,5
0,05— 0,2
0,1 — 0,2
25 —50,0 15 —80,0 5 —10,0 2 — 5,0 0,2— 1,0 0,5— 2,0
0,5-10-25-A 1
Die Lixirdosis für Kohlen beträgt bei einem Alter von 1 Woche -1,0. von 4 Wochen 2 — 5,0, von lji Jahr 5—10,0, von lja Jahr
-15,0. von 1 Jahr 15—20,0, von 2 Jahren 20-25,0. von 8 -30,0, von 1 Jahren 25—40,0. — Die Dosis dos Extn
Jahren 'aotum
lös beträgt etwa die Hälfte der Aloedosis.
Recepto.
1)nbsp; nbsp;Rp, Alo8s pulv. 46,0.
Smmn. vii'id. qu, s. f, Pilula (Bolus). D, 8. Aluojiillc für ein Pferd mit Kolik.
2)nbsp; Rp, Bxtraoti AloSs 30,0.
Natrii sulfuvici 250,0. Farin. secal.
Aqu. foutan. lt;|u. s. 1'. Blootuar, 1). S, Auf 'Jnial i'iir ein Pferd mit Verstopfung. :'.) Rp, Alors pulv.
i'ulv. Hhiz. Veratri albi äTi 10,0. M. f, Pulv, D.S, Mit 1 Plasohe Loinsamonabkooliung einzusohtttton für einen Oohseu mit ohronisohor Indigestion. 4) Rp, Tinctm'. Aloes
Tiuotur. Myrrhae ää 00,0. M. D. ,S. AeOSSerlioh zum Ausspritzen einer Fistel. Ki'Ohnnr, Arzneimitlellclii'P. 3. Antl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;34
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',;',(Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Ethabarber.
Kadix Khcl. Hliabarbor.
S t aiu in pi'l a 11/. c n : Uliciiui offloinalo uinl palmatum. F a in i 1 i c: Polygonoen.
Pharmakognosie. Der Rhabarber ist ein Rliizoni, welches von zwei Rbeumarten Hoohasiens (Tibet, cliinesisclio Provinz Kansu) ali-staiuuit und zur Zeit aussobliesslich über China (Schanghai, Kantou, Tientsin) nadi Ehiropa versandt wird. Die Wurzel kommt geschalt (mundirt) mid in onregelmässige Stücke zerschnitten In den Handel. Die Stücke haben eine gelbbraune Farbe und eine markige, harte, dichte, aber nicht holzige Oonsistenz. Die Bruch-l'läclie ist körnig und marmorirt; die glänzend weisse (irund-masse ist nämlich durchzogen von orangegelben bis braunrothen Markstrahlen. In der Nähe der Oberfläche bilden die Mark­strahlen Strahlenkreise in Form flammiger Zeichnungen, die so­genannten Masern. Geruch und Geschmack sind sehr eigenartig; beim Kauen knirscht die Wurzel unter den Zähnen und färbt den Speichel gelb.
Der Rhabarber enthält als wichtigste Bestandtheile zwei Säuren: 1) die Cathartinsäure mit purgirender Wirkung (bis 5n/n); 2) die Rheuni-gerbsäure mit styptischer Wirkung (eisengrünende Gerbsäure), Ausser-dem enthält er das Ohrysophan, einen orangerothen glykosidischen Farbstoff, welcher sich in Zucker und Ohrysophansäure zerlegen lässt. ferner Emodin. Phäoretin. Erytbrorotin, Aporetin (Harze), Spuren von Hheinsäure (= Ohrysophansäure), Stärkemehl und Oxalsäuren Kalk. A.P. 10,0 = 80 Pfennig; 100.0 = 2 Mark .'!quot;) Pfennig.
Tinctura Rhei aquosa, wässerige Rhabarbertiuotur, ist eine (lunkelrotlibiauiiü Flüssigkeit, welche durch Infundiren von E ha barb er (10), Borax (1) und Pottasche (1) mit heissem Wasser (90) und Pei-mengnng von Weingeist (9) und Zimmtwasaer (15) zur Oolatur dar­gestellt wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig; 100,0 = 90 Pfennig.
Tinctura Rhei vinosa, w e i n i g e Eh ab arb er tin c t ur ist eine gelb­braune Tinctur von aromatischem Gerüche und süssem, gewürzhaftem öe-schmacke, welche aus Rhabarber (8), Pomeranzen schalen (2), Car­damom (1) und Xereswein (100) mit Zucker (15) bereitet wird. A.P. 10,0 = 25 Pfennig; 100,0 1 Mark 80 Pfennig.
Extractum Rhei, lihabarberextract, ist ein wiisserig-weingristiges, trockenes Extract von gelbliohbrauner Farbe (Ausbeute 30—400/o). A.P. 1,0 = 20 Pfennig. Dosis = '/j —Va des Rhabarber.
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Rhabarber,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 58]
Extractum Khei compositum (E. oatbolioum), ilus vorige mit, Aloi1-extnu-t, Jalapenhai'z und moaioinisohei' Seile. Abfttbrdosis für Hunde 2 5,0.
Syrupus Rhei, Bhabarbersyrup, Ist ein wässeriger Auszug von Uluibiirlior, /inimt. Pottasche mit Zucker,
Pulvis Magneslae cum Rheo (Pulvisantaoidus, Pulvis in fan-turn), ist ein nelbliehes his Withlieliweisses Pulver, welches aus Rhabarber (3), Magnesiumoarbonat (12) und fenohelölzuoker (8) besteht, A.P. 10,0 _ : 20 Pfennig, Dosis für junge Hunde und Katzen messerspitzenweise,
Wirkung und Anwendung. 1) Dcm' Rhabarber wirkt in kleinen Dosen als gewUrzhaftes Stomaohicum, indem er die Secretion des Verdauungssaftes anregt. Jiv ist insbesondere bei allen Verdauungs­störungen der Pferde und Hunde eines der werthvollsten Magen­mittel.
-) Durch seinen Gehalt an Gerbsäure wirkt der Bbabarber in etwas grösseren Dosen stopfend, adstringirend und wird daher als Styptiouui und Antidiarrhoieum nanientlicli bei Durchfällen der Säuglinge (Kälber. Lämmer, Fohlen, Hunde), vor Allem aber bei der sogenannten weissen Ruhr der Kälber und Lämmer angewandt.
3)nbsp; In grossen Dosen wirkt der Rhabarber abführend durch seinen Gehalt an Oathartinsäure. Er gehört jedoch zu den schwäch­sten Laxantien, auch folgt auf die Abführwirkung gewöhnlich eine langanhaltende Verstopfung (Wirkung der Rheumgerbsäure), Rinder sind durch Rhabarber überhaupt nicht zum Laxiren zu bringen ; auch bei Pferden gelingt dies nur selten und in geringem Masse nach (iaben von 3—600 g. Schweine bedürfen 10O g und mehr, Hunde 5—K)g, Katzen 2—5 g, Deshalb wird Rhabarber gewöhnlich mit anderen Abführmitteln zusammen verschrieben.
4)nbsp; nbsp;Wie die Aloe regt auch der Rhabarber die Gallensecretion in mittleren Dosen an und wird daher von jeher als Cholagogum bei Icterus und Hepatitis angewandt.
Das im Rhabarber enthaltene Ohrysophan zerfällt im Körper zu Ohrysophansäure, dieselbe färbt alle Se- und Excrete (Milch, Schweiss etc.) gelb. Der Harn wird je nach seiner Reaktion (alka­lisch, sauer) gelbroth oder grünlich gefärbt; diese Färbung des Harns verschwindet beim Digcriren mit reducirendem Zinkstaub, während die iilmliclie Santoninfärbung (Semen Cinae) bleibt, (Munk).
Dosis und Form. Am häutigsten gibt man Rhabarber als Sto-inacliicum und Stypticum in kleinen Dosen. Bei Pferden und Wieder­käuern wird er meist gepulvert als Latwerge oder Einguss. bei Hun-
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Folia Sounnc.
den und Katzen dagegen in Povm der Tinoturen angewandt. Dabei
kann er entweder für sieli allein oder mit anderen Mitteln wie Opium, Oalmus, Ingwer, kohlensaurer Magnesia, Oarlsbader Salz etc. ange­wandt werden.
1)nbsp; nbsp;Die Dosis des Rhabarbers beträgt für
Stomaohicuin, Styptioum, Jjuxans.
Pferde und Rinder.....nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10- 25,0 25-50,0
Schweine, Kälber, Fohlen, Schafenbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2— 5,0 5—10,0 50—100,0
Hunde......... 0,6- 1,0 1- 2.0 5..... 15,0
Lämmer. Geflügel und Katzen . 0,1— 0,5 0,5— 1,0 2— 5,0
2)nbsp; Die Dosis der Tiuetura Rhei aquosa und nnosa beträgt für
ids Stomaohioum,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;als Laxaus.
Hunde . , l/raquo;— 1 Theelöffelnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2—5 Esslöffel
Katzen . . 10—20 Tropfennbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;'^—2 „
Recepte.
1raquo; Rp. l'ulv. Rad, JUini 50,0.
Sal. Carol, i'actit. 600,0. M. Ii. S. Auf jedes Futter 2 Bsslöffel für ein Pferd mit Indigestion.
2)nbsp; Jlii- Polv, Bad. Rhei 80,0.
Kxtracti Aloes 15,0. Natrii bioarbon. 50,0. Natrli sulfurio. 200,0.
M. c. Pulv. Rad. Altli. et Aim. qu. B, f. Massa Boli. I). S. Für ein Pferd mit Kolik (Diookerhoff).
3)nbsp; Rp. Pulv. Rad. Rhei 10,0.
Opii pulv. 2,0. Magnes oarb. 5,0. M. 1). S. Auf 2mal mit je 1 Tasse Kaniilloiitlieo für ein Kalb mit weisser Ruhr (modifloirtes Hertwig'aohes Rcuopt).
4)nbsp; nbsp;Rp. Tinotur. Rliei vinos. 25.0.
Tiuet. Opii sj)l. 5,0. M. D. S. Hstündlieli '/2 Theelöffel für einen Hund mit, Magendannkatarrli. B) Rp. Rad. Rhei pulv.
Natrii bioarbonioi iiä 5,0. M. f. Pulv. Igt;. S. Messerspitzenweige für Hunde (Katzen) mit Magen* katarrli.
Folia Sennae. Senuesblätter.
Stammpflanzen: Oassia angustifolia und aoutifolia. Kamilie: Oaesalpiniaoeen.
Pharmakognosie. Die Sennesblätter sind die grünlichgrauen. papierartig dünnen, lanzett for trugen oder ovalen Pieder-
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Kolia Süiinao.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; TjUIj
blättchen zweier Btrauohavtiger Gewäohge des nordöstliuheu Afrikas und Vorderindiena, welche in vei'sohledenen Sorten im Handel sind.
1)nbsp; Die Oassia angustifolia liefert die indische oder Tine-
velly-Senna; dieselbe wird an der Südspitze Vorderindiens in der
Landschaft Tinevelly oultivirt und kommt ausserdem In Arabien wild wachsend vor (Mekkalaquo;Senna). Div indische Senna ist durch ihre lanzettförmig zugespitzten Blätter ausgezeichnet, welche am Grunde am breitesten sind.
2)nbsp; nbsp;Die Cassia acutifolia liefert die alexandrinischeu Sennesldiitter. welche aus Nnbien und Sennaar stammen und über Aegypten in den Handel kommen. Ein anderer Theil kommt aus dem Sudan über Tripolilaquo; in den Verkehr (tripolitanische Senna). Die Cassia acutifolia hat ovale Blätter, welche in der Mitte am breitesten sind; die alexandrinische Senna ist ausserdem gewöhnlich mit Ai'ghe 1blätteni (von dicker, steifer Consistenz), die tripolita­nische mit den verkehrt ovalen Blättern der Oassia obovata ver­mischt.
Die Sennesblätter enthalten als wesentlichen Bestandtheil die Oathartlnsäure theils in freiem Zustande, theils an Calcium und Mag­nesium gebunden, ausserdem Cathartomannit, Sennapikrin und Sennacrol (Harze), ferner einen der Chrysophansäure ähnlichen Farb­stoff, Schleimund pflanzensaure Salze. A.P. 10,0 = 15 Pfennig,
Infusum Sennae compositum, Wiener 'frank (Haustus s. Fötus Viennensis) ist ein Sonnainfus (1 : 7) mit Znsatz von Tartarus natro-natus (1) und Manna (3). A.P. 100,0 = 1 Mark 20 Pfennig.
Syrupus Sennae, Sennasyrup, wird aus Sennesbltlttera, Fenchel, Weingeist, Wasser und Syrup dargestellt.
Electuarium e Senna, Sennalatwerge, ist eine grünliohbraune Mischung von Sennesblilttern (10), Tamarindenmus (50) und Syrup 40).
Aoidum cathartinicum e Senna, Gathartinsilure, eine geschmack­lose, pulverförmige, in Wasser leicht lösliche, Substanz, wird neuerdings heim Menschen innerlich zu 0,2—0,4 angewandt. Nach Ellen berger waren subeutano [njeetionon von 0,1 -0,5 bei Hunden und 0,5—0,7 bei Schafen erfolglos; 2,0 hatten heim Pferde eine leichte diurrhoische Wir­kung, erzeugten jedoch eine starke locale Anschwellung. D.P. 10,0 = 45 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Sennesblätter wirken durch ihren (lebalt an Cathartinsäure abführend, jedoch nur bei den kleineren Hausthieren (Schwein, Hund, Katze, GreHügel). Man gibt sie gewöhnlich als Maceration resp. Infus oder' gepulvert mit,
i
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534nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Fl'UOtUB Uliaiuni entliarticae.
Honig, Manna, Syrup etc. :ils Latwerge. Auch die Seimeshliitter fäl'ben den Harn gelb durch einen der OhrysophansRure älinlieiien Farbstoff.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schweine 10—25,0,
Hunde 5— 15,0. Katzen 2—5,0.
GeMael 1-2,0.
Recepte.
1) Rp. I'ulv. Fol. Seunae Mellis öä 15,0. M, D. S. Für ein Solrwein rail Verstopfung.
•_') J{|i. Inf'usi Süniiiir oompos. 100,0. D. s. Auf 2mal für einen Bund mit Verstopfung.
Fraetns Bhamul oathartlcae. Kreuzdornbeeven.
Staminpflauze: Rharanus oathartioa.
;i Ml I I I I'
liliiniim'i'ii.
Pharmakognosie. Die KreuzdornLeeren (Baooae spinne eer-vinae) stammen von dem in Hecken und Wäldern vorkommenden strauchartigen Kreuzdorn. Sie sind kugelig, glänzend schwarz, erbsengross, vierknöpfig, und besitzen in einem schwarzen (in frischem Zustande violett griinsaftigen) Fruchtfleische vier Stein­kerne. Sie enthalten als pnrgirenden Eestnndtheil das Rhamno-cathartin, einen gelben Farbstoff, das Rhamnin, ausserdem Zucker und organische Säuren,
Syrupus Rhamni catharticae (Syrupus spinae oorvinae; S. do-mestions), wird aus frischen Kreuzdornbeeren durch Abpressen und Beimengen von /ucker dargestellt. Es bildet einen violottrothon, dicken Saft, welcher durch Alkalien gelbgrtin, durch Säuren roth gefärbt wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kreuzdornbeeren sind für kleine Hausthiere, namentlich für Hunde, in Form des Syrups ein ziemlich stark wirkendes Abführmittel. Nach Hertwig purgiren frische Beeren Hunde in einer Dosis von 15 g; nach Popow sollen die getrockneten Beeren auch für Pferde in Dosen von 100—500 g (als Intus) ein wirksames Laxans sein. Q-rössere G-aben können bei Hunden eine h ii m orrhagise h e Gastroenteritis mit tödtlichem
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Cortex I'Vanu'ulac.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 535
Ausgange erzeugen, wie ich dies in einigen Fällen beobachtet babe,
in welchen von Laien der Kreu/donisnl't Hunden in (Jähen von .quot;gt; bis Kl Esslöffeln verabreicht worden war. Das Mittel ist dabei' vor­sichtig zu (losiren. Man gibt gewöhnlich den Syrupus Jiluunni cathartioae und zwar Hunden zu 1—2 Esslöffel, Katzen zu 1 his #9632;2 Theelöffeln.
Cortex Fraiigolae. Faulbauinrlndea
S(iimmjii'lanze: Kliaiiiniis Frangula. Famili e: liliaiiinci'n.
Pharmakognosie. Die Faulbaumrinde bildet braungraue, mit weissen Kork Wärzchen besprengte, ll/8 mm dicke Röhren von braunrother [nnenfläohe und gelbem, faserigem Längsbruche. Die Rinde besitzt einen schleimigen, etwas süsslichen und bitterlichen Geschmack; beim Kauen färbt sie den Speichel gelb. Sie enthält das Glykosid Fraiigulin (Rhamnoxanthin, Avornin). ein Harz (Erao-dini und die Frangulasäure. A.P. 100,0 = 85 Pfennig. Offlcinell ist ferner in Deutschland das Extractum Frangulae fluidum (Paulbamnfluidextraot). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Faulbaumrinde wirkt durch ihren Gehalt an Prangulin abführend. Sie kann /.. B, beim Hunde in Form eines Decoetes 10—25,0 : 250,0 esslöffelweise bis zum Ein­tritt der Ptirgirwirkung angewandt werden. Da sie im frischen Zu­stande brechenerregend wirkt, soll nur eine 2jährige, abgelagerte Rinde benutzt werden.
(jlutti. Gkunmlgutt.
Stammpflanze: Garoiuia Moralla,
Kn in ilio: GuUil'eron (Oluscaccen l.
Pharmakognosie. Das Gutti ist das Gummiharz einer hinter­indischen Guttifere, welches namentlich im Königreich Slam (Kam-bodja) durch Einschnitte in die Kinde und Auffangen des ausfliessenden Harzes in Bambusröhren gewonnen wird. Fs bildet cylindrisohe oder walzenförmige, bis 7 cm dicke, pomeranzengelbe, harte und spröde, bestäubte, geruchlose Stücke mit wachsglänzendem.
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58tgt;nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tubeia JalapaOi
glattem Bruohe; im gepulverten Zustande ist es oitronengelb. Es enthält als Sauptbestandtheil (bis zu SOquot;;raquo;) die purgirende Cambogia-säure, ausserdem Gummi. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 =30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Qutti gehört zu den dra­stisch wirkenden Abführmitteln, welche herkömmlich gegen wassersüchtige Zustände angewandt werden. Die Camhogiasäure löst sich im Dünndarm unter der Einwirkung der Q-allo und des alkalischen Darmsaftes, sowie des Darmfettes. Nach Hertwig lassen sich alle Thlergattungen durch Outti zum Laxiren bringen. Hunde und Schweincopy; erbrechen das Mittel leicht und ertragen daher relativ grosse Dosen ohne Nachtheil. z. 15. Hunde 4—8 g. Bei unterbundenem Schlünde sterben jedoch Hunde nach 8 g an Gastroenteritis; dieselbe Dosis tödtet von Wunden aus. hu Allgemeinen wird Gntti nur bei Sclnveincn. und Hunden in Form von Pillen und Latwergen angewandt. Heim Menschen bilden sie neben Aloe etc. einen Hauptbestandtheil der M orrison'sohen Pillen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind 30—45,0.
Pferd 15—30,0. Schaf und Ziege 5—10,0. Schwein 2—4,0. Hund 0,2—1,0. Katzen und Geflüffel 0.02—0,1,
Tttbertl Jalapac. Jülapcnkiiolloii.
Stamrapflanzo: üpomoea Purga. Fan) i 1 i c: (louvolvulacoen,
Pharmakognosie. Die Jalapenknolleu stammen von einer Schling­pflanze der mexikanischen Anden: sie kommen, nachdem sie über Feuer getrocknet sind, über Jalapa nach Veracruz in den Handel. Sie-bilden birnförmige oder kugelige, zum Theil auch spindelförmige, dunkelbraune, sehr schwere und hornartig harte Knollen mit runzeligen', höckeriger Oberfläche ohne Nebenwurzeln. Der Bruch ist muschelig und zeigt concentrische, dimkelbraune Zonen. Die Knollen schmecken zuerst fade, dann kratzend und riechen oft rauchartig. Sie enthalten als Hauptbestandtheil das purgirende Harz Couvolvuliu {10 —20n/o), das Anhydrid der Convolviilinsäure, von der Kormol,
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C/i'otonöl.
5;'. 7
('#9632;uH,,,,*),,;, fern er das Jalapin (Gammaharz), Zucker, Stärkemehl und Farbstoff. A.P. 10,0 20 Pfennig.
Resiua Jalapao, .1 ulapcnJiarz, wird dui'cli Aus/.irlicn dor gepulverten .liüiijionknollfiii mit Weingeist dargestellt. Es bildet ein graubraunes, sprödes, leicht /.erreibliehes, an den Bruchrilndem dunkelbraun durch-sobeinendes Harz (Oonvolvulin -|-Jalapin), welohes sich leicht in Weingeist und Aetzkalien löst. A.P. 1,0 = ö Pfennig.
Sapo jalapinus, Jalapenseife, von braungelber Farbe wird durch Eindampfen von Juhipenhaiv. l-l), inedieinischer Seife (4) und vordünutoni Weingeist (8) dargestellt. Pilulao Jalapao werden ans Jalapenpnhrer und Jalapenseife dargestellt.
Wirkung und Anwendung. Üie Jalape gehört zu den stärksten drastischen Mitteln, welches ausserdem die Leborsecrotion anregt und duller namentlich gegen Wassersucht und Lelierleideu angewandt wird. 8ie eignet sicii nur für kleinere Etausthiere (Schweine,
Hunde, Katzen) und
wird
auch hier solt(;n benützt. Mertwig Insol)-
aohtete auf 90—120,ü Jalapenpulver bei Pferden zwar Kolikersohei-nungen, aber kein Fui'giren: Viborg u. A. konnten beim Pferde seihst durch Gaben von 180 und 240 g keine laxirende Wirkung erzielen. Ebenso erzeugten grössere Gaben heim Schaf Gastroenteritis ohne Purgirwirkung. Bei Schweinen und Eunden können grössere Dosen der Jalape eine tödtliche Mageudannentziindung bedingen (Vorsicht bei der Dosirung),
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Schweine 5—15,0.
Hunde 0,5—1,0. Geflügel 0,5—2,0, Katzen 0,2—0,5.
Die Dosis des Jalaponharzes und der
alapenseife beträgt
ein Zehntel der Dosis der .lalapenknolleii.
Olenm Crotonisgt; Crotonöl.
St.'i mm |) llanzc : Cl'otoil Tiglium. Ka milioi Euphorbiaooen.
Pharmakognosie. Das Crotonöl ist ein dickflüssiges, fettes Oel von brauner Farbe und saurer Reaktion, welches durch Aus­pressen der Orotonsamen dargestellt wird. Die Crotonsamen ((Jrana.
Tiglii) stammen von einem Büumchen der ostindischen Inseln und
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Orotouöli
der Malabarküste, sie sind eiförmig, gUlnzend bi'aun, oaffeebohheu-gi'osg) stellenweise abgeschabt, 1—1,00111 lang, duroh eine Kandleiste last Kweisobneidig. Das Orotonöl entbält nls wichtigsten Bestaudtheil die stark purgirende Crotouolsäure von der Formel OnH^Oo, welche theils in iVeiem Zustande, theils in Verbindung mit Glycerin als Fett darin enthalten ist, ferner G-lyceride der Stearin-. Palmitin-, Olefn-, liiiarin- and M 3-ris t iusä n re. endlich freie Kettsäaren: Essigsäure, Buttersfture, Baldriansfturo, Tiglinstture. A.P. 1,0 = 5 Pfennig; 10,0 = 20 Pfennig,
Prüfung. Das Orotonöl wird durcli Zusätze indifferenter Oele verfälscht, /ana Nachweise dor letzteren benutzt man die Eigenschaft dos Crotonöls, sich im doppelten Volum absoluten Weingeistes, sowie mit con-centrirter Schwefelsäure klar zu liisen (bei Verfälschung tritt Trübung ein). Ausserdem gehört das Crotoaöl wie das Leinöl zu den trocknen­den Oelen. welche die sogenannte Elaldinprobe nicht geben (Olivenöl, Rapsöl, Mandelöl u. a, nicht trocknende Oele bedingen beim Schütteln mit rauchender Salpetersäure oder mit gleichen Theilen reiner Salpeter­säure und Zusatz einiger ECupferschnitzel nach circa 10 Stunden eine feste oder salbenartige Donsistenz, während das reine Orotonöl dickflüssig bleibt),
Wirkung und Anwendung. 1) Das Orotonöl wirkt äusserlich auf der Haut stark entzlindungserrogend, [Tnter Röthung und bedeutender Schwellung der Haut entstellen Blasen und Pusteln. welche bersten und die Haut in eine eiternde Wundiläelie umwandeln; nach etwa 21 Stunden trocknen die Pusteln zu Borken ein, welche unter Zurllcklassung haarloser Hautstellen abfallen. Die Maare wachsen späterhin wieder nach, wenn das Orotonöl hinreichend verdünnt an­gewendet wurde; concentrirte Lösungen haben jedoch Hautnekrose mit bleibendem Haarausfall zur Folge, Diese äusserliche Wirkung des (Jrotonöls als Epispasticum pustulans wird zu scharfen Einreibun­gen bei chronischen rheumatischen Lahmheiten, chronischen Q-elenk-, Seimen-. Knoclienentzllndungen, Paresen und Paralysen, sowie zur Ableitung innerer Entzündungen (Meningitis etc.) benützt.
•J) [nnerlich wirkt Orotonöl ähnlich reizend auf die Digestions­schleimhaut, weshalb es als das stärkste Drasticum zu bezeichnen ist. Man gibt es namentlich beim Rinde und Pferde und zwar vor­wiegend bei i'obusten, phlegmatischen Thieren, sowie dann, wenn ein durchschlagender und rascher Laxireffect erzielt werden soll. Im üebrigen ist das Orotonöl durch das Eserin sehr in den Hinter­grund gedrängt worden. Pferde und Rinder laxiren durchschnittlich nach 18—24 Stunden; die Dauer des oft sehr starken Durchfalls
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Crotonöl
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beträgt meist mehrere Tage. Hunde /.eigen niclit seilen schon nacli
V* Stunde Durchfall. OontraindiciiM ist Orotonöl bei entzündlichen Processen im Darmkanal.
Form. Bei ftusserlioher A.uwendung des Crotonöls mischt man (l:iss(!il)e mit Terpentinöl, Oel, Spiritus, Kampherspiri-tus, Cantharidensalbe, Oollodium etc. Dabei benutzt man beim Pferde Concentrationen von ] : .'50. beim Rinde; von 1 ;5—10, beim Schweine von 1:2 — 5, beim Hunde von 1 : 50—100. Regel ist, nur kleine Mengen von Orotonöl auf einmal einzureiben, so beim Pferde nicht über 80, beim Rinde nicht über 60 Tropfen. Man benützt z. B. #9632;/Aim Einreiben der seitlichen Brustwancl circa 20 Tropfen Orotonöl, welche mit 30—50 g Oel, Terpentinöl etc. verdünnt werden (1:30 bis 50), zum Einreiben auf das Buggelenk 5—10 Tropfen mit 15 bis 20.0 Oel. Mit Cantharidensalbe wird es im Verhältniss 1 : 80—50 vermischt. Es empfiehlt sich, das Orotonöl nicht mit der blossen Hand, sondern mit einem Leder oder Tuchlappen aufzutragen,
Innerlich soll das Orotonöl womöglich stark mit Oel. Ki-oinusöl oder schleimigen Flüssigkeiten verdünnt eingegeben werden. Pillen und Latwergen sind nicht zu empfehlen, weil die örtliche Minwirkung eine zu starke ist. Will man eine Aloepille heim Pferde durch Orotonöl verstärken, so dürfen höchstens 5—10 Tropfen beigegeben werden, welche mit der Pillenmasse gut gemischt werden müssen. Am besten gibt man Orotonöl zusammen mit Ricinusöl. Wie bei der Aloe gibt man nur eine Dosis, deren Wirkung abge­wartet werden muss. Gleichzeitig ist dasselbe diätetische Ver­fahren einzuleiten, wie bei der Aloe.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind IT)—;!!) Tropfen.
Pferd 10—20 ., Schaf 8—12nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Schwein 5 —10 „ Hund I—5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„
Katze und Geflligel 0,2.quot;)—1 Tropfen.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Oloi Orotonis gutt. XV.
Oloi Rioini 500.0. IM. exaote. D. S. Vüv ein Pferd mit Vorstopfungskolik.
2)nbsp; Rp. Olei Orotonis gutt. XXV.
Olei Lini 500,0. M. IX S. Für ein Rind mit ^^')'st•llll'n^l^#9632;.
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gt;'(()
Kiciimsol.
8) Kj). (raquo;U^i Orotonis gutt. V, Olei Uiuini 20,0. (lUinini umliici 10,0. Aqu. dostill. 200,11. M, I). S. Küi' oinen grosgon Sund mit Verstopfting auf Inml zu geben.
4) Up. Olei Omtonis 1,0.
Olei Terebinthiu. 80,0.
M. P. S. Ai'iisserlicli für sin Pferd /.inn Kiiircilicii ^vji'eu Sohultor-I'licuuiiitismus.
6) Rp. I'ulv. Oantlmrld. 10,0. 01. Oroton, 1,0. Aiiip. suill. 30,0. M. f. Ugt, 1gt;. s. Verstärkte Scharfsalbe fttr ein Pferd.
0) Rp, Olei Orotonis 4,0. Olei Terebinthin. Sapon. virid. all 15,0. M. 1gt;. S. Sehr scharfe Elinreibung für ein Ikiml (Hertwig).
Oleuiii liicini. liicimiKOI.
Stammpflanze: Ricinus oomninnis.
Kivinilie: Enphorbiaoeen,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
Pharmakognosie. Das Ricinusöl (Kastoröl) wird cluroh Aus-pressen dor enthülsten Smneu von Ricinus coinmunis, eines in Ost­indien, Westindien und Norditalien angebauten, bei uns als Zierpflanze eultivirten Strauches gewonnen. Es ist ein fettes, blassgelbliohes, fadenziehendes, in dünner Schicht langsam eintrocknendes Oe] von eigenartigem Gerüche und (Jesclnnacke und dein speeifischen (Je-wichte 0,90—(gt;.iraquo;7. welches sich in Weingeist leicht löst (1 ; ;!). Hei 0deg; O. wird es durch Ahsciieidung krystallinischer Flocken trübe. Schüttelt man :gt; cem Elioinusöl mit #9632;'! cera Schwefelkohlenstoff und I com Schwefelsäure während einiger Minuten, so darf sich das Ge­menge nicht schwarzbraun färben (Verfälschung). Das Ricinusöl be­steht im Wesentlichen aus Ricinolem. dem Triglyceride der Ricinol-säure (C^H.,,(!.,)•, daneben enthält es Palmitin und Stearin. Das in den Schalen der Rieinnssainen enthaltene sehr giftige Ferment llicin hat mit der Wirkung des Uicinusöls nichts zu thun. A.P. 100,0 40 Pfennig; 200,0 = 60 Pfennig,
Wirkung und Anwendung. Das Glycerid der Ricinolsäure (Ricinolei'n) wird im Dünndarm zu licinolsaurem Natrium zerlegt,
^mmm
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PodophylUn.
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wololies eine loiclit reizende und daher abführende Wirkung besitzt. Das Ricinusöl wird daher als mildes Laxans nninentlicli bei kleinen Thioren angewandt. Wegen seiner milden Wirkung kann es auch bei Magendarmentzllndung und bei Ruhr gegeben werden. Hunde erbrechen das Ricinusöl häufig, weshalb es liier besser nicht in reinem Zustande;, sondern in Komi der Emulsion oder mit Fleischbrühe ge­schüttelt angewandt wird. (lt;ewölinlich wird auch vom Ricinusöl nur (line Dosis verabreicht, da bei öfterer Wiederholung Verdauungs­störungen eintreten.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rinder 500—1000,0.
Pferde 260—500,0. Fohlen, Kälber, Schafe. Ziegen 50—250,0. Schweine 50—100,0. Hunde 15—60,0. Geflügel 15—30,0. Katzen IO—20.0.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Rp. Oloi Uicini 60,0.
Gummi arabioi 10,0. Aqu. destill. 300,0. M. Igt;. S. Viiv oincii grosscn Hund mit Verstopfongr.
2)nbsp; nbsp;Rp. Olei Riciiii 600,0.
Aothoris .quot;i0,0. M. D, s. Viiv oin Pferd mit Krampfkolik laquo;Is Künguss.
rodophyllinum. rodopiiyllin.
Stammpflauze: Podophyllum peltatum. Pamilio; Berberideon.
Pharmakognosie. Das Podophyllin (vegetabilischer Calomel) ist ein gelbes, harzartiges, amorphes Pulver, welches aus dem weingeistigen Extracte des Wurzelstockes von Podophyllum peltatum. einem nordamerikanischen Kraute, durch Ausfällen mit Wasser dar­gestellt wird. Es löst sich leicht in Weingeist und Aetzalkalien zu einer dunkelbraunen Flüssigkeit. Das Podophyllin enthält als wirk­same Harze das Podophyllotoxin und Pikropodophyllin, ausserdem Podophylloquercetin, Podophyllinsäuro und Pikropodophyl-linsäure. A.P. 1,0 = 10 Pfennig.
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542nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kuluijuiiitcu.
Wirkung und Anwendung. Das Podophylliü wirkt wie das Jolapeobai'z reizend auf Schleimhäute und ist daher ein starkes Drastioum, welches ausserdem die Lebersecretion anregt und daher auch gegen Lehei'leideii angewandt wird. Wegen seiner Giftig­keit ist es mit Vorsicht und nur in sehr Ideinen Dosen anzuwenden; es erzeugt nämlich schon in relativ kleinen Gaben eine tödtliehe hämorrhagische Q-astroenteritis. So beobachtete ich bei einem kleinen. 0,5 kg schweren Hunde nach innerlicher Verabreichung von (raquo;.ö Podophyllin starkes Erbrechen, blutige Diarrhöe, Sinken der Tem­peratur. Collaps und nach 1lt;gt; Stunden den Tod, Auch Wirt/, sah einen Eund nach 0,6 g sterben. Ein kräftiges Versuehspfcrd. welchem ich 'Jö g Podophyllin eingab, zeigte nach IS Stunden Laxiren und eine sehr heftige Kolik und starb nach 24 Stunden. Die Section ergab diph-theritische Schleimhautentzündung im Colon, Darmblutung, starken Leberioterus, sowie parenehymatöse Entzündung der Nieren und Milz. Die therapeutischen Dosen betragen nach meinen Untersuchungen in Uebereinstimmung mit den Angaben von Wirtz und Howell für
Kinder 8—15,0.
Pferde 5—10,0.
Hunde 0,1—0,25.
Form. Man gibt das Podophyllin in einmaliger Dosis kleineren Thieren in Pulverform mit Zucker, grösseren als Pille, Latwerge oder Einguss. Die subeutane Injection ist nicht zu empfehlen; EUllen-b erg er hatte neben starken örtlichen Reizerscheinungen bezüglich einer Purgirwirkung immer nur negative Erfolge. Dagegen starben 2 Pferde nach der Injection von 1—-2,0 Podophyllin unter den Er­scheinungen einer Lähmung des Darmes und der .Blase, sowie der Extremitäten und der Vasomotoren des Hinterleibs; ausserdem starb ein kleiner Hund nach der subeutanen Injection von l mg Podophvllo-toxin unter Lähmungserscheinungen.
Rocept.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kp. Podophyllini 0,1.
Sacchari 0,5.
M. Igt;. S, Für einen Hund mit. Ictorus.
Krudus Colocynthldis. Koloquinteii.
Stainin pflanze: Citrullus (.'olocyntliis. K a mi lie: CiireiirljiUcoen.
Pharmakognosie. Die Koloquinten stammen aus Syrien, Oypern und Nordafrika von einem ktirbisartigen, rankenden Kraute. Es sind
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Miinnii.
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apfelgrosse, geschälte, runde, sehr leichte Früchte mit welssem, sohwammigena, ftusserst bitter sohmeokendem Fleische, welches in 3 Fächer getheilt ist und zahlreiche bräunliohgelbe Samen enthält. Man unterscheidet egyptisohe, syrische und oyprisohe Kolo-(Quinten. iSio enthalten im Fruchtfleische das harzartige, sturk drastisch wirkende Colocyntlüu. ein gelbes, sprödes, in Wasser und Alkohol lösliches Harz von intensiv bitterem Geschmacke, welches auch für sich innerlich und suboutan angewandt wird. A.P, der Pruct. Colo-cynth. 1,0 = .'gt; Pfennig.
Tinctura Colocynthidis, Koloquintontinctur, ist ein weingeistiger, gelber, selir bitterer Auszug, A.LJ. 10,0 = 15 Pfennig.
Extractum Colocynthidis, Koloquintenextraot, ist ein gelb­braunes, trockenes, weingeist-wftsseriges Extract; Ausbeute: 100/o. A.J'. 1.0 = 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Koloquinten haben eine stark drastische und die Lehersecretion anregende Wirkung, sie eignen sich jedoch nur für Schweine, Hunde und Kat/eu. und werden, wenn auch selten, in kleinen Gaben als Abführmittel bei Verstopfung. Wassersucht etc., sowie als Cholagogum bei Leberkrankheiten ange­wandt. Grosse (laben erzeugen hämorrhagische Gastroenteritis. Pferde zeigen selbst auf 180 g, Schafe auf 15 g keine sichere Purgir-wirkung (Viborg). Die Dosis beträgt nach Hertwig für
Schweine 8,0.
Katzen und Hunde 0,5—-2.0.
f Colocynthin. Dasselbo erzeugt nach E 11 enb erger in Dosen von 0,05- 0,1 innerlich und subeutan bei kleinen Hunden nach (5—8 Stunden Diarrhöe. Pferde zeigten nach der subeutanen Injection von 0,05— 0.25 keine Wirkung, nach 0,8—-0,4 grosse Aufregung, Drang y.um Uriniren, sowie geringes Laxiren; an der Stichstelle trat bei dieser Dosis eine bedeutende Schwellung mit tiefer Eiterung auf. Schafe laxirten nach 0,1—0,2 per clysma angewandt, desgleichen nach 0,05 bei subeutaner injection. Das Colocynthin (Citrullin) erwies sich in Eorm der subeutanen Injection nahezu wirkungslos, dagegen local stark reizend.
Hanna.
Sta m in pf'linizc: Frnxiiins OrnUB. Kam ills; Ulciicccu.
Pharmakognosie. Die Manna ist der durch Einschnitte in die Manna-Esche namentlich auf Sicilien (Gerace) gewonnene, freiwillig
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^t^.\nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tamarinderii
üiugetrooknete Saft. Derselbe ist tlieils uls sogenannte Röliren-manna (M. oannulata) in gerundet dreikantigen, rinnenför-lüigen. welssliohen, trockenen, sii sssoli nicckomlen, lingerlaquo; dicken und fingerlangen Stücken, thcils als sogenannte gemeine Manna (M. oommunis) in Klumpen im Handel, welche aus Kör­nern und Stück eu von obiger Beschaffenheit bestelion, die durch eine bräunliche, klebrige Masse miteinander verklebt sind und einen süss kratzeiulen Geschmack haben. Die schlechteste Sorte ist die fette Manna (M. pinguis). Die Manna enthält als Haupthestand-theil 30--800/o Mannit. ein Kohlehydrat von der Formel 0uHl40u, ausserdem Kraxin. Zucker und Gummi. A.l'. 10,0 = 25 Pfennig.
Syrupus Mannae, Mannasyrup, ist eine filtrirto Auflösung von Manna, in Wasser (10 : 40) mit Zucker (50). A.P. 10.0 10 Pfennilt;?.
Wirkung und Anwendung. Die Manna ist das schwächste Abführmittel, welches nur als versüssender Zusatz zu Laxirfltlssig-keiten bei kleineren Thiere.n Anwendung findet. Es wirkt im Darm reizend und laxirend durch eine theilweise Zersetzung zu Bntter-säure und Metacetonsäure. Pferde zeigen nach 3(50 g keine haxir-wirkung (Hertwig), dagegen Schafe auf 100 —150 g (üa'ubenton).
Dosis.
Schafe 100—150,0. Schweine 50—100,0. Hunde 10—50,0, Katzen 5- 20,0. GeHügel 5 10,0.
Pulpa Taiimrindoi'um cruda. Tamariiidenmus.
Stammpflanzoi Tamarindus Indioa. Va mil le: Cftsalpiniaoeen.
Pharmakognosie. Das Tamarindenmus ist als braunschwarze, zähe, weiche, stark sauer schmeckende Masse in den sichel-tormigen Hülsen der Tamarinde enthalten, eines hohen Baumes in Ostindien. Aegypten, Arabien, Westindien und 'Brasilien. Man unter­scheidet im Handel ostindische, ägyptische (levantinische) und westindische Tamarinden. Das Mus enthält Zucker. Weinsäure, Zitronensäure, Ae])feisäure, Weinstein, Gunimi. Pectin etc. Wird das rohe Mus durch ein Haarsieb getrieben und mit Zucker
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Casoara Sagrada.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;545
•vei'sotzt, so hoisst das Präparat Pulpn Tainarindorum dopurata. A.P. 100,0 50 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Dus Tamarindenmus wirkt theils durch seinen Gehalt an Weinstein, theils an organischen Säuren und Zucker leiclit abführend, wird über in der Thierhoilkunde niclit benutzt; Dosis liir den Menschen 20—30,0.
f Fructus Cassiae Fistulae (Kühronkassie) und die daraus bereitete Pulpa Cassiao sind in Oesterreieh officinell (desgleichen in einer Reihe anderer Lilnder). Die Cassia fistula ist eine ostindische Ciisalpüiiauee mit 3—6 Decimeter langen schwarzbraunen, cylindrischon Hülsen, welche im Innern ein /.ähos, süsses. leicht abführendes Mus enthalten.
t Neuere pflaii/liehe Abführmittel.
Cascara Sagrada, die Rinde von Bhamnus Purshiana (in Oester-reich offlcinell), einer nordamerikanisoben Bhamnee aus der Gegend des Stillen Ozeans, von charakteristischem Gerüche und anfangs süsslichem, spilter bitterem (Jeschmacke, enthält ein rothos, braunes und helles Harz, welche als Cascarin oder Khamnin bezeichnet werden, ausserdem äthe­risches Gel, Chrysophansäure, Oxalsäure etc. Sie wird in der Menschen-heilkunde in der Form des Pluidextractos (1 -4,0) als mildes, sicheres Abführmittel angewandt (Bestandtheil der neuen Schweizerpillen). Nach meinen Erfahrungen ist das Pluidextraot in Dosen von 2 -10 g ein mildes
Laxans für Hunde, schwache Wirkung; pfehlenswerth. A.P. 15 Pfennig.
Ellen berger fand von 1—4,0 beim Hunde nur die subeutano Application ist nach ihm nicht em-des Extraotum Cascarae Sagradae lluidum 10,0 =
Evonymin ist ein harzartiger Auszug der Kinde von Evonymus atropurpurea, einer nordamenkanischen Oelastrinee, welche Evonymin, Evonymit, Mannit, ätherisches Gel sowie Asparagin enthält. Das Evony­min ist ein Drasticum von der Stärke des Podophyllins (Dosis für den Menschen 0,03—U,.'i), sowie ausserdem ein Cholagogum. Bei Hunden, Schafen und Pferden ist das Mittel bis zu 4,0 per clysma. sowie subeutan nach Eilenberger wirkungslos.
Baptisin, das G-lykosid von Baptisia tinetoria (wilder Indigo), einer nordamenkanischen Papilionacee, in welcher es neben B apt in und Baptitosin enthalten ist, soll antiseptische, emetische und namentlich purgirende Wirkung haben (Dosis heim Menschen 0,02-0,04). Nach
Elle nberger trat clysma Laxiren ein.
bei einem Hunde erst nach Anwendung von 2,0 per
Leptandrin, ein harzartiges Extract des Rhizoms von Leptandra virginica, einer nordamerikanischen Scrophnlarinee, wird beim Menschen in Dosen von 0,1 -0,3 als Laxans und Cholagogum angewandt. Ellenberger sah beim Hunde bei rectaler Application von 0,5—2,0, beim Schafe von 6 -10,0 nur geringe Wirkung.
Frülmer, Arznoimiilellehrtquot;. 0. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; .^5
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Neuere pllanzliclic Abfttlu'Ulittel.
Apocynum cannabinum (amerikanisoher Hanf), mit den Glykoslden Apoeynin und A poc-y n el'n, wird beim Menschen als Laxans in Form eines Pluidextraotes (0,3-1,2) empfohlen. Vergl. Apoeynin S. Gli.
Elaterium, der eingedickte Saft der Früchte von Mom or die a Ela-teriiim (Springgurke, Eselsgurke), einer südeuropäischen Cucurbitacee, ist durch seinen Gehalt an Elaterin eines der stärksten bekannten Drastica, welches namentlich in England angewandt wird. Dosis für den Menschen vom Elaterium nigrum = 0,01—0,06, vom Elaterium album (anglicum) 0,005-0,03.
Manaca (Mercurio-vegetal). ist das Eluidextract von Fran eise ea uniflora, einer brasilianischen Scrophularinee. Es enthält ein Alkaloid und wird beim Menschen als Purgans (Diureticum. Antisypbilitieum) zu quot;i 20 Tropfen angewandt.
Oleum Anda-Assu, ein gelbes, klares, fast gesehmaek- und geruch­loses Oel, stammt von den Samen der Johann esia prineeps, einer bra­silianischen Euphorbiacee. Es ist ein mildes Laxans, ähnlich dem Ricinusöl. Dosis für den Menschen 60 Tropfen.
Scammonium, das Gummiharz von Convolvulus Scammouiae, einer kleinasiatischen Convolvulacee, enthält Ja lap in und wird in Dosen von 0,05—0,1 als Abführmittel beim Menschen angewandt.
Herba Gratiolae, Gottesgnadenkraut (Purgirkraut), von Oiratiola officinalis, einer Scrophularinee, enthält das Gratiolin, Grsttiosolin nndGratiolacrin und wurde früher als Drasticuin gegen Hydrops und Leberleiden angewandt, (Pferd und Rind 8—15,0, Schafe und Sehweine 1-2,5, Hi\nde 0,3—0,6). Es wird neuerdings wieder als Abführmittel empfohlen.
Herba Chelidonii, Schöllkraut, von Chelidonium majus. einer Papaveracee, enthält in seinem gelben Milchsaft 2 Alkaloide mit purgirender Wirkung: das Chelidonin und Chelerythrin (Pyrrhopin. Sanguinarin), ausserdem Chelidoxanthin , Chelidonsänre und Chelidoninsäure. Es wurde früher als Purgans, Cholagogum und Diureticum namentlich in Form des frischen Milchsaftes gegeben (Pferd und Bind 80—120,0, Schafen 30—90,0, Schweinen 15 -60,0, Hunden 2—4,0) und wird neuerdings beim Menschen wieder angewandt.
Jurubeba werden von den Eingeborenen Brasiliens verschiedene Sola-nmnarten (S. paniculatnm u. a.) genannt, welche stark drastische und diuretische Wirkung besitzen sollen und auch gegen Blasenkatarrh ver­wendet werden.
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Pflanzliche Anthelminthica.
Flores Cinae. Wurmsanien.
St am mp i'lanze : Ai-toinisia iiiai'itiiiia, var. Stoclimaiiniana. Familie: Compositoii.
Pharmakognosie. Die Wurmsamen (Seinen Cinae, Semen San-tonioi, Seinen sanctum, Zitwersamen, Zitwerblüthen) sind die Blüthen-köpfchen der kahlen turkestanischen Form von Artemisia mari-tima. welche als sogenannter levantiniselier Wurmsamen aus den lviiigisenstci)i)eii Turkestans über Russland in den Handel kommen. Die Bltithenköpfchen sind stumpfeiförmig, länglich, kantig, glänzend-braungrün, kahl, gegen 4 mm lang und 1,5 mm breit, von eigenartigem Gerüche und widerlich bitterem, kühlend gewürz-haftera, kampheräbnlichem Geschmacke. Sie enthalten durchschnittlich 2 quot; (i Sautonin, sowie 1 — 1 ^a 0/o ätlierisches Oel, ausserdem Harz und Bitterstoff. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Santoninum, O^H^Og, ist das Anhydrid der Santonsilure. Es bildet farblose Blättchen oder Tafeln, welehe im Sonnenlichte gelb wer­den, in Wasser fast unlöslich sind (1 : 5000j, dagegen sich in Wein­geist (1 : 44) unter bitterem Geschmacke lösen. In Aetzalkalien löst sich Santonin leicht zu santonsauren Alkalien. Kocht man Santonin mit Wein­geist und kohlensauren Alkalien, so tritt vorübergehend eine gelbrothe Farbe auf. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. Die officinellen Trochisci Santo-nini, Santoninpastillen , enthalten je 0,025 Santonin. Das Santonin wird aus den Wurmsamen dargestellt durch Ausziehen mit verdünntem Wein­geist unter Zusatz von Kalkhydrat. — Das neuerdings aus dem Santonin dargestellte Santinoxin von der Formel CuHisO^NOH soll dieselben anthelminthischen Wirkungen besitzen, wie das Santonin, ohne giftig zu sein.
Wirkung. 1) Die Wurmsamen wirken durch ihren Gehalt an Santonin wurmtreibond namentlich auf Spulwürmer (Ascaridcn), schwächer auf Bandwürmer und Oxyuren. Nach der einen Ansicht werden die Spulwürmer gelähmt oder getödtet, nach der anderen ver­scheucht (convulsivische Bewegungen). Das Santonin wirkt ausserdem antisept isch.
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Santonin.
'J) Im DUnndariu wandelt nidi das unlösliche Santonin in leiolit lösliches santonsaures Natrium am und wird als solches resorhirt. (Irössei-e Gaben können hiebei eine Santoninvergiftung bedingen. I)iescll)o äussert sich beim Menschen (nach 0,8—0,5 Santonin) zu­nächst in VerAvirrung des Farbensinns, Indem anfangs Blausehen, dann Gelbsehen (Xanthopsie) und zuletzt Verwirrung aller Farben
auftritt, sowie in sonstigen Störungen des Ciosichtssinns (Flim­mern vor den Augen. Mydriasis). Dazu kommen Störungen des Geruch- und Geschmacksinns, sowie der Sprache (Aphasie). Das Bewusstsein ist benommen. Endlich ist das Santonin auch ein Krampfgift, welches epileptiforme und tetanisohe Krämpfe der gesammten Körpermuskulatur erzeugt; der Tod erfolgt durch Ath-mungslähinung unter Betäubung und Bewiisstlosigkeit.
Nach der Verabreichung von Wurmsamen oder Santonin färbt sich der saure Harn rothgelb, der alkalische purpurroth („Xanthopsinquot;).
Anwendung. Die Wurmsamen sind in der Form des Santonins das wichtigste Anthelminthicuni gegen die Spulwürmer bei den kleineren Hausthieren; für grössere Hausthiere (Pferd und Hind) sind sie jedoch zu schwach. Am besten gibt man das Santonin in Pulver­form oder mit Oel; die santonsauren Salze (Natrium und' Oaloium santonicum) sind nicht zu empfehlen, weil sie bei ihrer leichten Lös-lichkeit schon im Magen resorhirt werden und daher einerseits nicht in den Darm gelangen, andererseits leicht eine Santoninvergiftung veranlassen. Sehr wirksam ist das Santonin in Verbindung mit Oel (Ricinusöl). weil es hiebei im Magen überhaupt nicht zur Resorption gelangt. Da die Ascariden durch das Santonin häufig nicht getödtet, sondern nur vortiberffehend gelähmt werden, so muss ;{ — (gt; Stunden
nach der letzten Santonindosisnbsp; nbsp;ein Abführmittel gereicht (Calomel, Ricinusöl).
U'den
Semon Oinae.
Dosis. Pferd und Rindnbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100—260,0
Schaf und Ziegenbsp; nbsp; nbsp; nbsp;50—100,0
Schweinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10— 25,0
Hundnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;2— 10,0
Sant
onin.
2 -
-5,0.
0,5 -
-1,0.
0,5 -
-1,0.
0,05-
-0,2.
0,02-
-0,05
Katze und Geflügel I-
2.0
Recepte.
1) Rp. Santonin! 0,1. Saoohari 0,5. M. I). tul. Dos. Nr. m. S. Kür einen Hund mit Helminthiasis, SstQndlioh 1 Pulver zu geben.
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Uliizoinii Filioigi
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8) Itp. Santonini 0,8. Olei EUoini BOjO. Solve luui oaloro, M, D. S. Sstflndlioli 1 Esglöft'el (Theelöffel) für einen grossen (kleinen) Hund mit Spulwürmern.
Hhixoniii Kilicis. Wurmtariiwurzel.
Stammpflanze; Aspidium Filix masi Pa oxilie i Filices.
Pharmakognosie. Die Wurmiarnwurzel stammt von einem bo-kannten oinheiraischen Parnkraute und ist ein ungesohftltei', dunkelbrauner, horizontal verlaufender Wurzelstook mit rost­farbigen SpreuBohuppen, welcher dicht mit dunkelbraunen Wedelresten besetzt ist und auf dem Querschnitte ein hell­grünes, fleischiges oder mehliges Gewebe zeigt. Der Q-eschmaok ist süsslich, etwas lierl) und kratzend. Da das Bhizom allmählich die grüne [nnenfarbe verliert und zimmtbraun wird, muss es jährlich er­neuert werden.
Die Parnwurzel enthält als wirksamen Bestandtheil die Filix-säure (Pilicin) von der Formel C1,1H18Os, ausserdem die Pilixgerb-säure, ätherisches und fettes Oel, Harz. Zucker und Stftrkmehl, A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Extractum Filicis, Wurmfarnextraot, ist ein ätherisches, braun-grünliches, in Wasser unlösliches, dünnes Extract (die Filixsäure löst sicli nur in Aether), welches im October durch Maceriren der irisch getrockneten Karnwurzel mit Aether und Eindampfen gewonnen wird. In Oesterrcioli wird das Extract im Pei'colationsapparate dargestellt. A.P. 1,0 = 25 Pfennig; 10,0 = 2 Mark. D.E. 1 Kilo = 12 Markl
Wirkung und Anwendung. Die Wurmfarnwurzel ist das älteste und beste T5andwurmmittel. welches grösseren Thieren in Form des lihizoins. kleineren am besten in Form des ätherischen Extracts verabreicht wird. Wie bei den meisten Wurmmitteln kann der eigent­lichen Wunncur eine sogenannte Vorbereitungsour, d. h. ein ein­tägiges Fasten vorhergehen; bei Verabreichung des Filixextractes ist dieselbe jedoch wegen der im Hnngerznstande gesteigerten Resorption respi Giftigkeit des Extractes besser zu unterlassen. Ferner muss der Farnwurzel •quot;gt;—(j Stunden nach der Verabreichung ein Abfllhrmittel nachgeschickt werden, weil die Bandwürmer häulig nur vorübergehend betäubt werden und sich dann später wieder an die Schleimhaut an­saugen können. Bndlich darf nicht ausser Acht gebissen werden.
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Kmnala.
dass das Extmctum Filicis in grösserer Uosis sehr giftig ist. Auch aus diesem Grunde empfiehlt es sich, um ein längeres Verweilen des Mittels im Darmcanale zu vermeiden, immer ein Ahführmittel nachzugeben.
Form und Dosis. Man gibt grösseren Hausthieren das Riiizom in Pillen oder Latwergenform, kleineren das Extract in Pillen oder Gelatinekapseln. Letztere sind namentlieh auch deshalb vorzuziehen, weil sich Pillen ans dem ätherischen Extracte schwer formiren lassen.
1)nbsp; Die Dosis des E-hizoma Eilicis beträgt für
Pferde und Kinder 100—250,0.
Schafe und Ziegen 50—100,0.
Schweine 20—50,0.
Hunde 5—15,0.
Katzen und Geflügel 2—5,0.
2)nbsp; nbsp;Die Dosis des Extractum Eilicis beträgt für
Grosse Hunde 2—5,0. Kleine Hunde 0,5 —1,0, Katzen 0,2—0,5.
Recepte.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; '
1)nbsp; Rp. Extract. Filicis 0,5.
D. tal. dos. in oapsul. gelatin. \r. X. S. Auf Imal zu geben für einen grossen Hund mit Bandwurm.
2)nbsp; ßp. Extract. Pilicis 2,5.
Pulv. Rhizom. Pilicis 5,0. Cerae flav. qu. f. Pilul. Nr. X. D. S. Für einen mittclgrosseu Hund mit Bandwurm.
Kam ala.
Stammpflanze: Mallotus Fhilippinensis. Familie: Eupliorbiaceon.
Pharmakognosie. Mit dem Namen Kamala (Glandulae Rottlerae) bezeichnet man den von den Früchten von Mallotus Philippinensis, einem ostindischen Baume, abgebürsteten Ueberzug, welcher aus Drüsen und Härchen besteht. Derselbe bildet ein zicgelrothes, leichtes, geruch- und geschmackloses Pulver, welches mikro­skopisch aus plattkugeligen Drüsen und sternförmig verästelten Haaren zusammengesetzt ist. Die Drüsen werden aus circa 00 keulenförmigen, strahlenartig geordneten Zellen gebildet. Weingeist, Aether und
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ITloroa Koso.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 551
wässoi'ige alkalische Lösungen nehmen aus der Kamala unter Rotli-färbung Hai/ auf. Die bei der Verbrennung der Kamala zurückbleibende Asche soll 6 0/o nicht übersteigen (Verfäl­schung mit Sand, Bolus oder Ziegelmehl),
Die Kamala enthält das Rottleraharz (Rottleraroth), ferner das Mallotoxin (Kamalin, Kottlerin). Diese Bestandtheile finden sich auch in dem alkoholischen Auszuge, der früher als Tinctura Kamala be­zeichnet wurde. A.P. 10,0 = 30 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kamala ist ein vorzügliches Antitänicum, welches gleichzeitig drastisch wirkt, so dass bei ihrer Anwendung die spätere Verabreichung eines Abführmittels er­spart wird. Sie hat ausserdein den Vorzug, dass sie nicht so häutig wie andere Bandwurmmittel erbrochen wird. Auch gegen Spulwürmer kann sie gegeben werden. Der Abgang der Bandwürmer erfolgt #9632;durchschnittlich nach 5 Stunden. Sie wird gewöhnlich mit Milch an­gerührt eingegeben.
Dosis. Grosse Hunde 5—15,0. Kleine Hunde 2—5,0. Katzen und grosses Geflügel 1—2,0. Kleineres Gettügel (Tauben, Papageien) 0,5—1,0.
Flores Koso. KosoblUthen.
Stammpflanze: Hageuia Abyssinioa,
Kumilic: Ucmcocii.
Pharmakognosie. Die Kosoblütliea (Kussoblüthen, Flores Brayerae) stammen von einem abessinischen Baume und bilden röth-liche, weibliche Blüthcnrispcn, welche dicht gedrängt an zotti­gen, viel verzweigten Stielen sitzen. Die Kelchblätter und Dock­blätter sind häutig, netzartig und röthlich. Sie enthalten das Kussin, einen harzartigen, gelben, bitter schmeckenden Körper, welcher durch Alkohol unter Zusatz von Kalkhydrat extrahirt und wohl auch in reinem Zustande angewandt wird (1—2,0 heim Menschen und Hunde, 0,1—0,2 für Lämmer), ein ätherisches Gel, sowie Gerh-säure. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Kosoblüthen sind in frischem Zustande (abgeblasste oder hraungefärhte Blütiien sind wirkungslos) ein sehr geschätztes Band w urm mittel. Vergleichende Unter-
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,r,,r)2nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Cortex (inuuiti.
Buchungen von KUobenmeister liabeu gezeigt, dass die Band­würmer aussei'halb fies Körpers getödtet wurden durch Kosoblütlien nach 'a bis 1 Stunde, Kamala nach 1—2 Stunden, Granatwurzel und Rbizoma Filicis nach 3—4 Stunden. Man gibt sie als Sdiüttelmixtur, im Infus oder als Latwerge und reicht nach 3—6 Stunden ein Ab­führmittel (Calomel, Ricinusöl) nach.
Dosis.
Schafe und Schweine 20—50,0. Lämmer 5—10,0. Hunde 10—25,0. Katzen 2—5,0. Geflügel l—2,o.
Recepte.
1)nbsp; nbsp;Kp. Flor. Kosü pulv. 20,0.
Mellia 50,0. M. f. Lhictus. ü. S. Für einen Hiuul init Bandwurm.
2)nbsp; Rp. Kosini 0,2.
Saoohari 0,5. M. D. H. Für ein Lamm mit Bandwurm.
Cortex Gvanati. OranatriiKlc.
Stammpflanze: Pnnioa Oranatum. Familie; Myi'taooe,
Pharmakognosie. Die Granatrinde stammt von dem am Mittel­meer wachsenden öranatbaume und ist theils Stammrinde, theils Wurzelrinde. Sie ist ausgezeichnet durch die gelbgrüne Farbe der Innenrinde und des Bruches, sowie die matt graue Oberfläche, welche von hellen Korkleistchen der Länge nach durchzogen und gewöhnlich mit schwarzen Flechten (Arthonia- und Arthupyrenia-Arten) besetzt ist. Der Geschmack ist herb, aber nicht bitter; beim Kauen fftrbt sie den Speichel gelb.
Sie enthält das Pelletierin oder Puuiciu. ein flüchtiges, gelbes, ölartiges Alkaloid von der Formel CgH15NO, ferner das 1 so pell e-tievin, Gerbsäure und Mannit. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
f Pelletierinum sulfuricum und tannicum werden als Sal/.e des Al­kaloids Pelletierin namentlich in Frankreich als Antitilnicum beim Menschen (0,3—04 pro dosi) angewandt. A.P. 0,1 = 25 Pfennig. Sie sollen milder wirken als die Granatwurzel, sind aber in grossen Dosen giftig, indem sie Lähmung des Centralnervensystems bedingen. — Nach Sehr öd er stirbt Taenia serrata in einer 0,lno;r)iiigen Pelletierinlösung nach 10 Minuten.
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llcrlia Tanaoeti,
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Wirkung und Anwendung. Die Granatrindo ist ein bei uns seltener benutztes Band Wurmmittel, welches entweder für sich allein in der Form des Macei'ationsdecootes, häufiger jedoch mit an­deren Wurmmitteln zusammen verschrieben wird. Sie wird relativ hänliif ei'brochen,
Dosis.
Grosse Hunde 20—00,0. Kleine Hunde 5—20.0. Katzen 5—10,0.
Recepte.
1)nbsp; Hjk Cort. Granat, cuncis. .r)O,0.
Aquae dostill. 250,0. Maoera per horas XII. Coriue iis(|uo ad muau. 100,0. I). S, Für einen Hund mit Bandwurm auf 2iniil einzugeben.
2)nbsp; nbsp;lip. Pelletierini tannioi 0,8.
Saoohai'i 0,5. M. D. S. Für einen Bund mit Bandwurm.
f Herba Tanocetl. Balnfarakraut.
stammjif 1 anzc; Tanaoetnm vulgäre. Familie: Compositen.
Pharmakognosie. Das Eaiufarukraut ist eine bekannte, 4 his 5 Fuss hohe Pflanze mit goldgelben Blüthen von unangenehm aroma­tischem Gerüche und Geschmacke. Es enthält das ätherische Rain-farnöl, Oleum Tanaceti aethereum,
Wirkung und Anwendung. Das Rainfarnkraut ist durch seinen Gehält an ätherischem Oel ein starkes Gift gegen Spulwürmer und Oxyuren, und wurde von Alters her als Wurmmittel thierärztlich und als Hausmittel angewandt (Bestandtheil der Spinola'sohen Wurni-kuohen). Neuere Untersuchungen haben gezeigt, dass das Tanaoetumöl ausserdem ein starkes Krampfgift für höhere Tliiere ist und namentlich Krampte der Rückenmuskoln sowie des Kidilkopt'es und Schlundkopfes mit gleichzeitiger starker |is_vehischer Aufregung her­vorruft. Diese auch bei anderen Wurmmitteln und ätherischen Oelen zu beobachtenden Erscheinungen sind von Peyraud als „Tanacetum-wnthquot; beschrieben worden. Die hierauf sich stützende Empfehlung des Rainfarnkrauts als Präventivmittel gegen Lyssa ist wohl kaum ernst zu nehmen.
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Dosis.
Semen Arocnt'.
Pferd und Rind 50 —100,0.
Schaf und Ziege 10—25,0.
Seil wein 5—15,0.
Hund 5—10,0,
Katze und Geflügel 1—3,0.
Recept.
Etainfarnkraut,
Kalmuswurzel) Theer je 1 kg, Kochsalz jo Vlaquo; kg werden mit Wasser und Mehl zu Kuchen gcmaclit und getrocknet. Spinola'schc Wiirmkuchcn für 100 Schafe.
Seineu Arecae. Arekamiss.
S tarn m pflanz C' Arcca Oatochu. Familie: Palmas.
Pharmakognosie. Die Arekanüsse (Betelnüsse) sind die taubeneigrossen, kreiselrunden, stumpfspitzigen, braunen, harten und schweren Fruchtkerne der Arekapalme (Ostindien, Philippinen), welche von den Eingeborenen als Genussmittel gekaut werden. Sie enthalten das Arecolin (Arecan), einen mit dem Pelle-tierin verwandten stark giftigen Körper, die Ursache der wurm-treibendenWirkung, sowie andere indifferente Arecabasen: Arecani, Areca'idin, Guvacin, Chol in etc. Sie sind in Deutschland spe-ciell für die Zwecke der Thierbeilkunde officinell geworden. A.P. 10,0 = 10 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Arekamiss ist 18G2 von Hanley als Wurmmittel in Europa eingeführt worden, welches sich sowohl gegen Bandwürmer als gegen Rundwürmer bewährt. In der Thierbeilkunde ist die Arekamiss u. A. von Zürn, Deutl, Mark-graft' und Friedberg er empfohlen worden. Die Würmer gehen nach 1—5 Stunden ab; erfolgt nach 3 Stunden kein Kothabsatz, so •wird ein Abführmittel gegeben. Wie Priedberger mit Eecht hervor­hebt, wird jedoch die Arekamiss noch viel häufiger erbrochen, als die übrigen Wurmmittel. Wir geben daher neuerdings die geraspelte Arekamiss beim Hunde in mit Butter bereiteten Bissen, welche kera-tinirt sind, wobei sie besser ertragen wird. Fuchs empfiehlt die Arekamiss auch bei Bandwürmern des Pferdes; er verschreibt 1000 g und lässt täglich 3mal 2 Esslöfl'el voll im Kleicnscblapp geben.
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Ai'ccnlii
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f Arocolin. Neuere Versuche von Manne mit dem Arecolin, dem wirksamen Uestandtheile der Arekanuss, haben ergeben, dass dasselbe in seiner Wirkung viel Aobnlichkeit mit dem Muscarin besitzt. Es sistirt durch die Erregung dos Vagus die lier/thiltigkeit, lähmt die Athmung. er­zeugt tetanische Krampfanfällo mit nachfolgender Parese, verengt die l'u-pillo und bedingt schon in kleinen Dosen Erbrechen und Durchfall. Hunde zeigen auf 50—75 mg Arecolin. hydrobrom. schwere Vergiftungserschei-nungeii, ohne jedoch immer zu sterben. Kaninchen dagegen werden durch 25—50 mg nach wenigen Minuten getödtet.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferde und Rinder Draquo;0—250.0.
Hunde 10—20,0. Schweine 5—15,0. Lämmer 5—10,0, Katzen 2—5,0. Hühner 2-3,0. Tauben 1,0.
Recept.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Kp. Pulv. Sem. Areoae 15,0.
Butyr. Cacao et
Cerae llavao qu. s. f. Boli Nr. XX. Obduoe Keratino. D. S. Auf einmal zu geben für einen Hund mit Bandwurm.
t Embelia Ribos, das neuerdings beim Menschen empfohlene Band­wurmmittel , hat sich nach meinen Beobachtungen beim Hunde in Dosen von 10 bis 25 g nicht bewährt. — Ob endlich die Cocosnüsse ein gutes Bandwurmmittel sind (Parisi), bleibt abzuwarten.
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Diagnostica.
Diagnostische Mittel.
f Tnbereuliinini. Tubcmilin.
Pharmaceutische Chemie. Das von Koch im Jahre 1890 entdeckte Tuteroulln ist ein flüssiges Extract aus künstlich gezüchteten Tuberkelbacillenoulturen. J)ic in ihm enthaltenen wirksamen Stoffe gehören zur Gruppe der Ei weisskörper, sind jedoch chemisch noch nicht ganz genau bekannt. Festgestellt ist bisher nur, dass das Tuberculin alle Ei Weissreaktionen gibt (Mülou'scbcs Reagens, Biuretreaktion, Adamkiewicz'sche Reaktion, Trübung durch Bleiacetat, Bildung eines Niederschlags mit Wiederauflösung durch Essigsäure). Von den Toxinen (Toxalbuminon, Alhnmosen) unterscheidet sicli das Tuberculin sehr wesentlich durch seine Beständigkeit gegenüber hohen Temperaturen, desgleichen von den Peptonen durch seine Pällbarkeit mittelst Eisenacetat.
Das Tuberculin bildet eine syrupdioke Flüssigkeit von brau­ner Farbe, welche in verdünnten Lösungen gelblich wird und schwach grünliche Fluorescenz zeigt. Der Q-eruch ist süsslioh-aromatisch, hefeartig. Die Reaktion der Flüssigkeit ist neutral. Aussei- den oben genannten Eiweissreaktionen zeigt das Tuberculin nachstehende Eigenschaften. Mit dem öfachen Volum absoluten Alkohols gemischt scheidet es eine braune, harzartige Masse aus. Mischt man Tuber­culin und Alkohol im Verhältniss wie 2:3, so bildet sich ein weissei', flockiger Niederschlag, welcher als gereinigtes Tuberculin be­zeichnet werden kann. Dieses gereinigte Tuberculin löst sich in Wasser und Glycerin; besondere Haltbarkeit zeigen 508/oige Glycerin-lösungen, indem sie ihre specitische Wirkung beispielsweise selbst nach stundenlangem Erhitzen auf 160deg; 0. nicht verlieren. Das gereinigte Tuberculin unterscheidet sich von dem rohen in seiner Wirkung nur
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Tulicrciilin.
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quantitativ, es wirkt nllmlich etwn 40iiiiil stäi'ker mIs das roho. A.P. des Tuberculins 1,0 ö Mark.
Darstellung. Nach Kouh liegt der Schwerpunkt bei der Tuberculin-
gewiiiming in der Herstellung von Massenreinculturen der Tuberkel-i)acillnn. Als Oulturflüssigkeit dient ein schwach alkalisclies Kalb-i'loiscliinfus mit einom Zusatz von l0|o Pepton und 4—6 0/o ölyoerin oder eine l0/oige Pleischextractlösl^n,^#9632;. Die Culturgefassse (Kölbchen mit flachem Boden) werden mir zur Hälfte mit 3()—50 ccm Flüssigkeit gefüllt, gut sterilisirt und dann so geimpft, dass ein nicht zu kleines Stück der Aussaatoultur auf der Oberfläche der Flüssigkeit schwimmt. Die Cul­turen werden am besten bei 38deg; 0. gehalten. Sie müssen, wenn sie zur Extraction verwendet werden, vollkommen reif, also ti—8 quot;Wochen alt und absolut rein sein. Man dampft dieselben dann auf dem Wasser­bade auf den zehnten Theil ihres ursprünglichen Volums ein und filtrirt die Flüssigkeit durch ein Tlion- oder Eieselguhrfilter, um die Tuberkel-bacillen daraus y.u entfernen. Das so gewonnene Tuborcnlin enthält etwa 40 -50quot; ii Glycerin und ist dadurch gegen Zersetzung durch Bacterien ge­schützt, so dass es sich sehr lang, wahrscheinlich jahrelang, in wirksamem Zu­stande erhält. — Klebs empfiehlt als neueres Präparat das 'I'übe reu loci din.
Wirkung und Anwendung. Während sich das Tuberculin in der Menschenheilkunde weder als Heilmittel, imcli als Diagnostioum für die Tuberadose bewährt hat, ist durch die zahlreichen von thier-ärztlicher Seite beim Rinde vorgenommenen Tuberculin-Impfungen als Gesaramtresultat festgestellt worden, dass das Tuberculin für die Rinclertuberculose ein sehr schätzbares, wenn auch nicht absolut sicheres Diagnostioum darstellt. Es lassen sich für die Rindertuberoulose ans den an zahlreichen Orten vorgenommenen [mpfversuchen vorerst die nachstehenden linpfnonnen ableiten. Die zweckmässigsto Dosis des Tuberculins beträgt durchschnitt­lich 0,3—0,5. Das Tuberculin wird dabei mit der lOfaohen Menge einer '/a quot;/quot;igen wässerigen Oarbollösung verdünnt. Kleinere Dosen sind zwar zuweilen ebenfalls ausreichend, in manchen Fällen aber ent­steht darnach eine zu schwache und zu kurz andauernde Reaktion. Die Reaktion der tuberculösen Thiere gegenüber dem Tuberculin be­steht hauptsächlich in einer Tempei'atursteigerung (Impffieber, Reaktions-fieber), welche durchschnittlich 15 Stunden nach der Tubercvüininjection eintritt. Wird bei einem Irapfthier etwa 15 Stunden nach der Impfung eine erhebliche, d, h. 40deg; O. übersteigende, min­destens aber lft betragende Temperatursteigerung constatirt, so ist das Vorhandensein von Tuberculose mit Wahrschein­lichkeit anzunehmen. Dagegen eignen sich Rinder mit schon an sich hoher Eigenwärme, insbesondere solche mit einer Mastdarmtem-peratur von :!!),.quot;0 O. und darüber nicht zu diagnostischen Versuchen.
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558nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tuberculin.
Für gewölmlicli genügt cine einmalige Impfung; iu zweifelhaften Fällen wird nach Ahlauf einer AVoche eine zweite Impfung vorge-nommen. Als eni)Fehlenswertliesto Tageszeit für die Vornahme der Impfungen ist der Abend zu bezeichnen, weil dann am darauffolgen­den Tage die Temperatur bequem stündlich abgenommen werden kann. Eine Schädigung der luipfthiere durch das Tuberculin ist bisher nicht beobachtet worden, nur die Milohmenge verringert sich eventuell wäh­rend der Versuchstage um einige Liter in Folge der fieberhaften Tem-peratursteigerung und der vorübergehend unterdrückten Futterauf­nahme. Die während der Impfreaktion abgesonderte Milch ist vom menschlichen Genüsse auszuschliessen. Als Impfstelle ist mit Vor-theil die seitliche HalsHäche zu benützen.
In einer Anzahl von Fällen haben auf die Einspritzung von Tuberculin auch Hinder reagirt, welche sich bei der Schlachtung als tuberoulosefrei zeigten. Es reagiren hauptsächlich die nachstehenden Krankheiten zuweilen in derselben Weise auf Tuberculin, wie die Tuherculose: Actiuomykose, Lungenahscosse, Lcberahscesse, Abscesse im Anschlüsse an die traumatische Pericarditis, Buterentzündungen, verkäste Echinokokken, Lungen­emphysem. Darnach hat es den Anschein, dass das Tuberculin nicht ausschliesslich ein Reagens auf Tuberkelbacillen, sondern auch gleich­zeitig ein solches auf Eiterstreptokokken und andere Mikroorganismen ist. Als ein speeifisches Diagnosticum für die Tuherculose kann es daher nicht bezeichnet werden.
Aussei- beim Kind hat sich das Tuberculin auch bei der Tuher­culose des Pferdes, Hundes und Geflügels als gutes Diagnosti­cum erwiesen. Die Dosis für Pferde beträgt 0,quot;), für Hunde 0,05. Bei gesunden Thieren wird weder die Temperatur, noch überhaupt das Allgemeinbefinden selbst durch sehr grosse Gaben Tuberculin be-eiutlusst; kleine, 1 kg schwere gesunde Hunde ertragen beispielsweise Injectionen von 1 g Tuberculin ohne jede sichtbare Störung der Ge­sundheit.
Literatur der Tubeixulinimpfungen. Nachdem li. Koch am 14. No­vember 1890 in der deutschen medicinischen Wochenschrift seine Entdeckung des Tuberculins veröfl'entlicht hatte, sind bald darauf die ersten Versuche mit Tuberculin beim Rind von Guttmann in Dorpat mit Erfolg gemacht worden (Baltische Wochenschrift 1890). Es folgten sodann in Deutschland ähnliche Versuche von Sticker, Röckl und Schütz, Johne und Siedam-grotzky, Lydtin, Lothes, Delvos, öensert, Krichels, Buch, Schwarz, Kitt, Pröhner, Malkmus, Penner u.A. In Dänemark sind eingehende Impfversuche von Bang, in Ungarn von llutyra und Ujhelyi, in Prnnkreich von Arloing. Rodet, Courmont. Barrier, Nocard,
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Maliern.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 55ü
in Belgien von Dogive, Dessart und Stubbe, in Schweden von Lind-(juist, Malm, Nilsson, in England von Padyean n. s. w. vorgenonunon worden. Bezüglich der Tuberciilinimpfung grösserer Rindvieh-bestiln de als G riindl age einer veterinilrpolizeiliehen Bekilmpfung der Tub erculos e macht Siedamgrotzky darauf aufmerksam, class sich bei ausgebreiteter Tuberculose die mit Tuberculin erhaltenen diagnostischen Kesultate für den Thierzüchter schwer verwerthen lassen, da eine Ab-schlachtung aller tuberoulös befundener Rinder aus ökonomischen Rück­sichten in der Regel doch nicht durchführbar ist. Es können höchstens die gefährlichsten tnberculösen Thiore als solche erkannt und möglichst frühzeitig geschlachtet werden. Bei derartig ausgedehnten Tuberculinvcr-suchen kann ferner der Thierarzt selbstverständlich nicht alle nothwendigen Handlungen, namentlich nicht die Temperaturabnahme vollziehen, er muss sich vielmehr auf die Injectionen und die Controlle des Ganzen beschränken. Die Kostspieligkeit des Verfahrens (U,5 Tuberculin kosten 8 Mark) wird durch den Verbrauch an Thermometern nach S. noch wesentlich erhöht (wider-spenstige Thiere, ungeübtes Personal)^
t .Hillinnuin. MaIIein.
Pharmaceutische Chemie. Das vonKalning im Jahre 1891 entdeckte Maliern ist ein Extract aus künstlich gezüchteten Rotzlaquo; bacillenculturen. Das Mallem bildet mithin das Analogen zum Tuberculin. Desshalb besitzt es auch ähnliche Bestandtbeile und Reaktionen (Eiweissreaktionen). Im Gegensatze zum Tuberculin ist indessen zur Zeit ein einheitliches Präparat noch nicht vorhanden. Es existiren vielmehr je nach der Darstellung mehrere Präparate mit verschiedener Wirkung. Dieselben stellen zum Tlieil eine braune syrupöse Flüssigkeit (flüssiges Mallein), zum Theil eine trockene, amorphe, weissgelbliche Masse dar (trockenes Mallem).
Mallein nach Kalning. Die von Kalning aus Reinculturen der Rotzbacillen dargestellte Lymphe rief bei 2 rotzigen und 1 rotz-verdächtigen Pferde nach 10—13 Stunden eine Temperatursteige­rung von 2—2,7deg; C. hervor, während 2 gesunde Pferde auf die gleiche Dosis keine wesentliche Erhöhung der Körpertemperatur zeig­ten. An der Fortsetzung seiner Versuche wurde K. durch eine tödt-liclie Rotzinfection verhindert.
Darstellung. Kalning stellte sich seine Lymphe folgendermassen her.. Er nahm 5 g Rotzbacillenreincultur, gab dazu 20 cem sterilisirten destillirten Wassers und brachte diese Mischung auf 20 Minuten in den Thermostaten bei 120deg; G. Innerhalb 48 Stunden wiederholte er 4n]al eine derartige Erhitzung der trüben Flüssigkeit, und setzte letztere dann noch
.#9632;#9632;\
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MalleYn
48 Stunden einor Temperatui' von ^9deg; aus; hierauf illtt'ii'te er sie mit Hilfe der Luftpumpe durch das Posteur'sohe Filter und bekam so 12 com einer durchsichtigen hellgelben Flüssigkeit, die nooh l'rgt; Minuten hei einer Tem­peratur von 120quot; gehalten wurde.
Mallein nach Preusse. Sechs rotssverdächtige Pfex'de erhielten
von Preusse zuerst 0,1—0,3, sowie T1/raquo; Stunden später 0,8—0,5 g Mullein (mit dein lüiaclien einer 20/oigen Cax'bollösung verdünnt). 5 Pferde zeigten hierauf Temperaturerhöhungen von 1,5—2,2quot; ('., Mattigkeit sowie Anschwellungen an der Impfstelle; bei der Section
zeigten sie sieh als rotzkrank, während das (i., auf die Iinpfimg nicht
reagirende Pferd bei der Section IVei von Rotz befunden wurde. Mit der Preusse'scheu Lymphe impften ferner Heyne 23, Schilling 9, Peters und Pelisch 10, Dieokerhoff und Lothes 70 Pferde. Durchschnittlich wurden 0,5 Malletn injicirt (mit der 9faohen Menge eines l0/oigen Carbolwassers verdünnt). Die Mehrzahl dieser 112 Pferde zeigten vor der [mpfung keine charakteristischen Rotz­symptome. Bei (iti derselben trat 9—10 Stunden nach der In-jeetiou eine bedeutende Temperaturerhöhung ein; 63 davon erwiesen sich bei der Ohduction mit Rotz behaftet. Die übrigen 4ti auf die Impfimg nicht reagirenden Pferde erwiesen sjcli frei von Rotz. Aussei' der Temperatursteigerung wurden bei den rotzkranken Pferden Eingenommenheit des Bewusstseins, starke Hinfällig­keit, unterdrückte Fresslust, Puls- und Athmungsheschleuni-gung, sowie vorübergehende Entzündungsgesohwttlste an der Impfstelle beobachtet. Weitere Versuche von Dieckerhoff und Lothes zeigten, dass anderweitig kranke Pferde (Druse, Phlegmone, Lungenbrustfellentzllndung etc.) auf Mallein nicht reagiren.
Darstellung. Preusse benützt zur Bereitung seines Mulleins alte, durch Eintrocknung steinhart gewordene Kartoffelculturon von Rotzbacillen. Diese iibergiesst er mit einer aus gleichen Theilen Wasser und Glycerin zusammengesetzten Flüssigkeit und liisst sie mehrere 'Page im Thermostaten bei 35quot; C. stehen. Aus ihnen gewinnt er dann durch mehrfaches Filtriren und Sterilisiren eine dunkelgelbe, nicht ganz klare, etwas opake, ölige Flüssigkeit von eigenartigem Geruch und neutraler bis schwach saurer Reaktion, welche den die Kartoffelculturen färbenden Stoff enthält.
Mallein nach Gutzeit. Acht rotzige Pferde zeigten auf die Ein­spritzung der Lymphe nach 8—10 Stunden eine Temperatursteigerung von 1,1—2,9deg; O. Weitere Versuche ergaben, dass ein 10 Wochen altes Mallein noch wirksam war, indessen etwas schwächer, als frisch hergestelltes. Cgt;. stellte ferner aus dem flüssigen Mallein durch Ver-
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Malleüi.
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setzen mit absolutem Alkohol einen Niederschlag (trockenes Malle'in) her, welcher in Wasser aufgelöst bei (i rotzkranken Pferden ebenfalls Temperatursteigerungen von 1,7—2,0deg; C. bedingte (Engelen und Willach).
Darstellung. Outzeit gewinnt sein Mallefn aus Bouillonculturen von Rind- und l'ferdetleiscli mit Zusatz von Kochsalz und Pepton, die 14 Tage und darüber bei 37quot; 0. gehalten werden. Er engt sie dann in kleinen Quantitäten nach und nach auf dem Wasserbade ein und Hltrirt, so dass das Filtrat Y1 der ursprünglichen Flüssigkeitsinenge beträgt. Das so erhaltene Mallem ist eine weinrothe klare Flüssigkeit von neutraler Reaktion.
Foth stellt das Mallein ähnlich dar. Am zweckraässigsten erweist sich nach ihm die Herstellung von Bouillonculturen, und zwar zieht er Rindfleischbouillon vor (vergl. die genauere Beschreibung seines Ver­fahrens in der Zeitschrift für Veterinärkunde 181*2 S. 435). Sein Malle'in bildet eine tief dunkelbraune, dunkelflüssige, ganz klare Flüssigkeit. Aus derselben fällt er zunächst durch Behandlung mit absolutem Alkohol einen gelblichen, flockigen Niederschlag, der zuletzt auf dem Filter nach öfterem Durcliwaschen mit absolutem Alkohol sich als eine graue, schmierige Masse erweist, die im Exsiccator über Chlorcalcium oder Schwefelsäure ge­trocknet zu einer grossbröckligen, rein weissen, bezw. schwammig krümme-ligen, leicht cremefarbigen Masse zusammensintert und sich zu einem feinen, gelblichen, in Wasser sehr leicht löslichen Pulver verreiben lässt. Die Aus­beute beträgt circa l'/s^o.
Mallem nach Eoux-Nocard. Mit einem im Pasteur'schen Institute von Roux hergestellten Mallein bat Nocard 48 Pferde ge­impft, von denen sich 34 als rotzig erwiesen. Mit demselben Mallein haben Thomassen (Utrecht), Degive und Laquerriöre (Brüssel), Olivet (G-enf), Pilavios (Griechenland) u. A. erfolgreich geimpft. Beispielsweise wurden in dem Pfordebestande eines Etablissements von 247 Pferden 12(5 durch das Mallein als rotzkrank nachgewiesen. Nocard bat nachstehende Schlussfolgerungen aufgestellt: Wenn die Temperatursteigerung auf die Malleininjection hin über 2deg; geht, kann man durch dies allein das Pferd für rotzkrank erklären; wenn die Temperatursteigerung zwischen 1,5 und 2deg; beträgt, kann man das Thier für rotzig erklären, wenn das örtliche üedem beträchtlich ist und die Temperatur­steigerung 24 Stunden anhält. Beträgt die Temperatur-Steigerung zwischen 1 undl1/raquo;0) so ist das Pferd noch unter weitere Beobachtung zu nehmen. Erreicht die Temperatur-Steigerung nicht 1deg;, kann das Thier als gesund betrachtet werden. Der letztere Satz bedarf übrigens nach neueren Erfahrungen
einer Modification. Es hat sicli herausgestellt, class cine einmalige Fröhner, Amieiiiüttellolire. 3. Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;gi;
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502nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; MalleKn;
Injection nicht für alle Fülle ausreicht, sondern dass namentlich bei geiinggl'adig rotzigen Pfei'den, bei denen die erste injection negativ ausfällt, eine später vorgenommene zweite Malle'inimpfnng eine deut­liche Reaktion ergibt, indem der rotzige Process unterdessen weiter fortgeschritten ist.
Darstellung. Nach No card kann man durch zahlreiche Passagen die Wirksamkeit des llotzbacillus so steigern, dass er Kaninchen, bei denen die Rotzkrankheit Monate lang dauerte, und sogar weisse Mäuse, welch letztere für gewöhnlich ref'ractär sind, in mindestens 30 Stunden tüdtet. Dieser Bacillus wird eingesät in peptonisirte, glycerinisirte Bouillon (Kecopt das gleiche wie für Tuherkelhacillen), dann 1 Monat bei 35deg; C. gehalten; nach Umfluss dieser Zeit sind die Culturen bei 100deg; C. zu sterilisiren, durch Papier zu^filtriren und endlich bei niedriger Temperatur im Vacuum unter Anwesenheit von Schwefelsäure auf den 10. Theil des früheren Vo­lumens einzudicken.
Mallein nach Höflich. Hei mehreren der Rotzkrankheit hezw. der Ansteckung verdächtigen Pferden erwies sich MalleTn als zuver­lässiges Diagnosticum. Auch von Suchanka, Hauptmann u. A. ist die sichere Wirkung des Mittels nachgewiesen worden.
Darstellung. Peptonisirte Bouillon von Pferdefleisch, welcher Glycerin zugesetzt ist, wird mit Rotzbacillen von Kartoöelcultur 1. Generation be­schickt und dieselbe noch durchschnittlich 3 Wochen im Brutofen bei :i70 C. gelassen. Nach Umfluss dieser Zeit nimmt man die inzwischen üppig gewach­senen, vollständig getrübten und einen dicken , gelbgrauen Bodensatz ent­haltenden Culturen heraus, prüft ihre Eeinheit auf Rotzbacillen und kocht sie dann mehrere Stunden im Dampfsterilisirofen, Nach Filtration der­selben durch ein gewöhnliches Papierfilter und Versetzen der Flüssigkeit mit 0,60/oiger Oarbolstture erhält man eine vollständig klar aussehende und eigenthündich riechende Lymphe, welche in dünner Schicht gelb, in dicker brannröthlich gefärbt erscheint,
Mallein nach Johne-Hüppe. Die von Johne, Walther, Schleg und ühlioh vorgenommenen zahlreichen Impfungen ergaben als Resultat, dass bei mit Rotz (in jeder Form) behafteten Pferden regel-mässig eine tieberhafte Temperatursteigerung eintritt. Man ist nach Johne nach den bisher vorliegenden Erfahrungen berechtigt, jede nach der Injection einer entsprechenden Malleindosis eintretende Tem-peratursteigerung, welche die beim betreffenden Pferde vor der Im­pfung constatirte höchste Temperatur um 1,0deg; übersteigt, als eine für das Vorhandensein des Rotzes sprechende Erscheinung aufzufassen. Die veterinärpolizeiliche Bedeutung der diagnostischen MalleTnrotz-impfungen erscheint nach .lohne unbestreitbar festgestellt. Gelingt es mit Hilfe derselben, alle Rotzherde mit nahezu absoluter Siedler-
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Malic
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lieit zu tilgen, so ist bei der geringen Widerstandsfähigkeit, welche der Rotzbiicillus ausserhalb des lebenden Tbierkörpers besitzt, die Ge-wissheit vorbanden, dass bei allgemeiner Anwendung der diagnostischen Impfungen mit MalloTn der Rotz in absehbarer Zeit nahezu getilgt sein wird.
Darstellung. Pleisobwasserpeptonbouillon (ohne jeden oder mit Zusatz von 41/2 0/o Glycerin) wird in Reagensgläser zu Je lU.O Inhalt mit je einer kleinen Dosis vollvirulenter Eotzcultur (von Kartoffeln oder besser noch von Agar-Agar) geimpft und 14 Tage lang im Brutofen bei 37quot; gehalten. Nach 14 Tagen wird dieselbe 3—4mal durch doppelte Fliesspapierfilter filtrirt und die zuletzt ablaufende, vollkommen klare, dunkelweingelbe Flüssigkeit durch mehrere Stunden langes Erhitzen im strömenden Dampfe des Dampfkochtopfes sterilisirt.
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Indifferente Arzneimittel.
Itadix Altliaeae. Eibischwurzel.
Stammpflsinzo: Althaea officinalis. Familie: Malvaccen.
Pharmakognosie. Die Eibischwurzel bildet geschälte, weiss-liche, fingerdicke, walzenförmige, durch abgelöste Bastbündel weichfaserige, mit bräunlichen Narben besetzte, bis 20 cm lange Wurzeläste von fleischig-markiger Consistcnz und schlei­migem Geschmacke. Sie enthält Schleim (35n/o)) Stärkmehl (40gt;), Pektin, Asparagin (=Althaein), Zucker und Salze. A.P. 100,0 = 60 Pfennig.
Folia Althaeas, Eibisch blatter, sind dicke, dxxrch einen grau­grünen Filz auf beiden Seiten sammtartig anzufühlende, eirunde, am Rande gekerbte oder gezähnte, 8—5-lappige Blätter, welche ebenfalls Schleim enthalten. Anwendung und Dosis = Radix Althaeae.
Syrupus Althaeae, Eibischsyrup, ein gelber Syrup, wird durch Maceration der Eibischwurzel mit Weingeist und Wasser und Zusatz von Zucker dargestellt. A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. 1) Die Eibischwurzel wirkt durch ihren Schleimgehalt einhüllend und wird daher innerlich als deckendes Mittel bei entzündlichen Zuständen des Magens und Darmes, Vergiftungen, Durchfällen sowie zu Infusionen bei Proctitis an­gewandt.
2)nbsp; nbsp;Empirisch wird sie ferner als husten milderndes Expec-torans bei schmerzhafton Katarrhen der Luftwege gegeben.
3)nbsp; Aeusserlich werden hauptsächlich die Eibischblättor zu Ka-taplasmen benützt.
4)nbsp; Endlich dient das Eibischwurzelpulver zur Herstellung von Latwergen, Pillen und Emulsionen.
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Folia Malvac,
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Form. Man gibt die Eibischwurzel gepulvert als Schüttel-mixtur, Infus oder Maceration (1 :20). Die Decocte liefern in Folge Umwandlung des Stärkmehls zu Kleister einen trüben Aus­zug, will man dies vermeiden, so darf man nur lauwarm infundiren. Am besten ist die Maceration; die Pharmakopoe schreibt dieselbe geradezu vor, wenn in einem Recepte ein Decoct verlangt wird.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rind 100—250,0.
Pferd 50—100,0. Schaf und Ziege 25—50,0. Schwein 10—25,0. Hund 5—10,0. Katze 2—5,0. Geflügel 1—2,0.
Folia Malvae. Malveublätter.
Stammpflanzen: Malva vulgaris und silvestris. Familie: Malvaceen.
Pharmakognosie. Die Malvenblätter sind grüne, kreisrunde oder nierenförmige, am Grunde ausgeschnittene, lang gestielte Blätter mit gelapptem und ungleich gekerbtem resp. gesägtem Rande. Der Geschmack ist schleimig. Sie enthalten als Haupt-hestandtheil Schleim. A.P. 10,0 = 5 Pfennig.
Floras Malvae, Malvenblttthen, von Malva silvestris (Käsepappel), sind blaue Blüthen mit 5 über 2 cm langen, vorn ausgerandeten Blumen­blättern und einem '/a cm. hohem, öspaltigen Kelche. Sie enthalten eben­falls Pflanzensobleim. In Oesterreich sind ausserdem die Flores Ehöados officinell.
Species emollientes, erweichende Kräuter, bestehen aus Fol. Malvae, Fol. Althaeae, Herb. Meliloti, Flor. Chamomill. und Sem. Lini ü. Sie werden zu Kataplasmen angewandt. A.P. 200,0 = 1 Mark.
Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
Flores Yerbasci. TVollbhimen.
Stammpflauzen: Verbascum phlomoMes und thapsiforme.
Familie: Skropliularineeu.
Pharmakognosie. Die Wollblumeu sind goldgelbe Blüthen von l1^ cm Breite, mit weissen, wolligen Staubfäden. Sie
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5(J0nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Kolia Farfarae.
haben einen fUnflappigen Saum und 5 Staubgefässe, von denen 3 kurz und wollig, 2 lang und kahl sind. Der Geruch ist kräftig, honig­artig, der Geschmack ist schleimig. Sie enthalten Schleim, Zucker, Gummi und Kalisalze. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
Folia Farfarae. Huflattichblütter.
Sta iniii])f lau ze: TussilagO (''arfara. Ka mil ie : üompositeu.
Pharmakognosie. Die Huflattichblütter sind handgrosse, langgesticlte. rundlich herzförmige, bucht ig gezähnte, oben dunkelgrüne, unten weissfilzige Blätter von scliltMinigem, bitterem Geschmacke. Sie enthalten Schleim, Bitterstoff und Gerb­säure. A.P. 100,0 = 35 Pfennig,
Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
Hcrba Violac tricoloris. Stiefmütterchen.
St,am in (ifla uzen: Viola tricolor) vav. vulgaria mid arvensia. Familie: Violacoen.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;''
Pharmakognosie. Das Stiefmüttercheu (Herba Jaceae, Frei­samkraut, Dreifaltigkeitskraut) hat einen kantigen, hohlen Stengel mit langgestielten, länglichen, gekerbten Blättern und hedcrspaltigen, leierförnügen Nebenblättern, Die Blüthe ist dreifarbig; blass­violett, gelb und weiss. Der Geschmack ist schleimig, bitter salzig. Das Kraut entbält Schleim, Spuren von Salicylsäure, einen emetin-ähnliohen Körper und Salze. A.P. 100,0 = 45 Pfennig.
Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
t Rhizoma Graminis. Queckenwurzel, Staiumpflanze: Tritioum repens. Familie: Graniinecn. Die Quecke nwurzol oder Graswurzel (nicht mehr officiuell) ist ein strohgelher, halmartiger, hohler, glat­ter, glänzender Wur/.elstock von schleimig süssliehemGeschmacke. welcher im Frühjahr als Unkraut auf Aeckern gesammelt wird und in zerschnittenem Zustande in den Handel kommt. Sie enthält Schleim, Triticin und Mannit (Kohlehydrate). Durch Ausziehen mit siedendem Wasser wird daraus ein dickes, rothbraunes, schleim/.uckerhaltige.s Extract, das Extractum Graminis dargestellt. Wirkung und Anwendung = Radix Althaeae.
f Radix Bardanae, die Klettenwurzel, von Lappa vulgaris (Composite), enthält Inulin und ist in Oesterreieh officiuell als Bestandtheil dor Species Lignorum.
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Seinen Jiini.
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Semen Uni. Leiusiinieii.
^ t :i min]) f'l n nzc ; Ijiiiinn ii.sitiilissiiimin.
Fa miliei Lineeu.
Pharmakognosie. Die Leinsnmen sind glänzend braune, platte, eiförmige, scharfrandige, '/* c'',n lange Samen mit weissem Sanienkeni uiul brauner Schale. Sie enthalten in der Samenschale Schleim, im Samenkern fettes Oel und Eiweiss. A.P. 200,0 = 30Pfennig. Die Pressrückstände der Leinsamen bilden harte graue Kuchen, welche ausschliesslich aus den schleimhaltenden Samenschalen bestehen und als Placenta Seminis Lini (Farina Lini, Leinkuchen. Leinsamen-mehl) offioinell sind; ihr Pulver gibt mit kochendem Wasser eine schleimige Lösung. A.P. 200,0 raquo;= 30 Pfennig.
Semen Papaveris, Molmsainen (offlcinell), von Papaver soiniiilerum (Papaveracee), bildet kleine, nierenförmige, weissliohe, u nun lange net/.-ruir/.elige Sinnen, welche Sputen von Schleim, in der Hauptsache jedoch fettes Gel enthalten. A.P. 10.0 = 5 Pfennig.
i Semen Cydoniae, Quittensamen (Quittenkerne), von Oydonia vnl-garis (Poinaeee), sind kastanienbraune, keilförmige, kantige, quot;#9632;.• cm. lange Samen, welche mit einem mattweissen , sehr schleimreichen Samenhäut-chen bedeckt sind: sie werden in Oesterreich. wo sie offlcinell sind, zur Bereitung des Quittenschleims (Mucilago Cydoniae) gegen Augenent-zündungen angewandt.
t Semen Cannabis, Hanfsamen, von Oanuabis sativa (Urticacee), enthalten in der Samenschale Schleim, im Innern fettes Oel,
Wirkimg und Anwendung. 1) Die Leinsamen (Quitten-, Hanf'-. Mohnsamen) wirken durch ihren Gehalt an Schleim einhüllend und werden am besten in der Form der Maceration (nicht des Decoctcs) innerlich und rectal, namentlich beim Rinde, gegen Entzündung der Schleimbaut des Di gestionstractus, empirisch auch gegen Nieren- und Dlasenentziindungen angewandt. quot;Die Maceration wird in der Weise vorgenommen, dass man die Leinsamen nach dein Zerquetschen V2 Stunde lang mit kaltem Wasser stehen lässt und dann den schleimigen Auszug trennt. Wird auf einem Recepte ein Decoct verschrieben, so muss der Apotheker nach den Vorschriften der neuen Pharmakopoe eine Maceration bereiten.
2) Die gepulverten Leinsamen und Leinkuchen dienen mit anderen Mitteln zusammen äusserlich zur Bereitung von Kata-
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508nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Semen Foemigraeci.
p 1 a s in e n (Bestandtlieil der Species emollientes), Latwergen und Emulsionen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 50—100,0.
Schaf und Ziege 25—50,0. Schwein 10—25,0. Hund 2—5,0. Katzen und Geflügel 1—2,0.
Semen Focmigraeci. Bockshovnsanieii.
Staminpflanze: Trigonella Foenum Graeoum. Familie: Papilionnceen.
Pharmakognosie. Die Bockshornsamen stammen von einem in Griechenland und im Oriente einheimischen, in Mitteldeutschland an-gebauten Kraute mit langen, sichelförmigen Hülsen. Es sind grau-
o
elbe oder bräunliche, flach rhomhenförmige oder unregelmässig
ii
undliche, sehr harte, 8—5 mm lange und 1—2 mm dicke Samen, welche durch eine oft diagonale Furche in zwei ungleiche Hälften getheilt sind, von eigenartig süsslichem, melilotenähnlichem Gerüche und unangenehmem, schleimigem, bitterlichem Geschmacke. Sie enthalten Schleim, fettes Oel (cholestearin- und lecithinhaltig), ätherisches Oel, Cholin undTrigonellin. A.P. 200,0 = 30Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Die Bockshornsamen wirken durch ihren Gehalt an Schleim und ätherischem Oel expectorirend und werden namentlich beim Pferde als Mittel gegen Katarrhe des Larynx und der Bronchien, bei Druse etc. in Form von Fress-pulvern oder Latwergen angewandt. Sie sind ein Bestandtlieil der sogen. „Viehpulverquot;.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd 10—25,0.
Rind 25-50,0. Schaf. Ziege 5 — 15,0.
Recept.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Rp, Pulv, Sem. Foenugraeci
Pulv. Fruet. Anisi ää 100,0. Natrii chlorati cnidi 250,0. M. D. S. Auf jedes Futter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Druse.
d
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Gummi arabioum.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;560
Gummi arabicum. Arabisches Giiiumi.
Stammpflauze: Acacia Senegal (Acacia Verek). Familie: Mimosacecn.
Fharmakognosie. üas Gummi arabicum (Gummi Acaciae) ist der eingetrocknete Pflanzensaft verschiedener Akazienarten Afrikas und Arabiens; das ofiicinelle stammt speciell von den Ländern des oberen Nilgebietes (Kordofan). Es bildet farblose oder schwach gelbliche, durchsichtige, spröde, muschelig glänzende oder irisi-rende, rundliche oder eckige Stücke und Körner, welche sich mit 2 Theilen Wasser vollständig zu einem klebenden, geruchlosen, schwach gelblichen, fade schmeckenden Schleim auflösen, der durch Weingeist gefällt wird. Es besteht in der Hauptsache aus Arabiu = arabinsaurem Kalke (Arabinsäure = Kohlehydrat), Bassorin u. s. w. A.P. 10,0 = ;{0 Pfennig.
Mucilago Gummi arabici, Gummischleun, ist eine Auflösung voraquo; Gummi arabicum (1) in Wasser (2). A.P. 10,0 = 15 Pfennig.
Pulvis gummosus, zusammengesetztes G ummipul ver, isi ein trockenes gelblichvveisses Pulver, welches aus Gummi (3), Süssholz (2) und Zucker (1) besteht. A.P. 10,0 = 30 Pfennig.
quot;Wirkung und Anwendung. 1) Das Gummi arabicum wirkt als Mucilaginosum deckend und wird innerlich in Lösung als einhüllen­des Mittel gegen Gastroenteritis, Durchfälle und Vergiftun­gen, sowie als Expectorans bei Katarrhen der Respirationsschleim­häute angewandt. Sein Nutzen als Diäte tic um ist fraglich, da es zum grossten Theile im Digestionsapparate nicht resorbirt wird.
2) Aeusserlich verwendet man das Mittel vor Allem zur Her­stellung von Emulsionen, Pillen und Latwergen, ferner als Streupulver zur Blutstillung, auf Wunden und Geschwüre, zum Bestreichen der Kluppen und zu Contentivverbänden; endlich zu Infusionen in den Mastdarm bei Proctitis.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 25—50,0.
Schaf und Ziege 10—25,0. Schwein 5—10,0. Hund 1-5,0. Katze 0,5—2,0.
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,70nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Salop. Tragant.
Tubera Salop. Salcp.
Stn in in pflanz en: Orcliis masculii, militaris, Morlo, ustlllata, Aua-
caiuptis pyramidalis, Platanthera bifolia. Familie: Orchideen.
Pharmakognosie. Die Salepknolleu stammen von versolüedenen einheimischen mid orientalischen Orchideen. Es sind gepaarte, ei-runde oder birnförmige, oft zolllange, bornartig harte, durch­scheinende, schmutzig gclbwcissr oder blassbräunl i cli c, geruchlose Knollen von fadem, schleimigem Gesohmaoke, weiche ge­pulvert mit 50 Theilen Wasser gekocht einen nach dem Erkalten ziemlich steifen Schleim geben. Sie enthalten 500/o Bassoriu (Schleim), 25V Stärkmehl, Eiweiss und Zucker. A.P. 10,0 = 20 Pfennig. Ol'ticinell ist ferner Mucilago Sale]), l0/oiger Salepschleim.
Wirkung und Anwendung = Gummi arabicum.
Tragacautha. Tragant.
Stammpflanzen: Astragalus asoondeus, leioolados, brackj'oalyx,
pyouoolados, gummifer, mikrooephalus, vorus. Fa mi lie; Papilionaocen.
Pharmakognosie. Der Tragant ist der erhärtete Schleimsaft der Stämmchen zahlreicher Astragalusarten Kleinasiens und Vorder-asieus. Es bildet weisse, durchscheinende. 1 — 8 mm dicke und 0,5 cm breite bandartige oder sichelartige, sehr harte Strei­fen, welche mit Wasser Übergössen stark aufquellen und mit 50 Theilen Wasser einen schlüpferigen, farblosen, faden Schleim gelten. A.P. 1,0 = 5 Pfennig. Er besteht aus Sobleim (Bassoiün, Pektase), Gummi
und Stärke.
Wirkung und Anwendung — (lummi arabicum.
Carrageen. Irländisches Moos.
Stammpflanzen: 1) Ohondrus orispus. 2) Qigartina mamillosa. Familie: Algae (Florideae).
Pharmakognosie. Das irländische Moos stammt von Meeres­algen, welche an den Küsten Irlands und Nordamerikas ans Land geworfen werden. Es bildet handgrosse. laubartige, gabelspaltige.
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Radix LiquirltlaOinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; ,r)71
krause, röthliohe, bräunliche oder grünliche Trieblager, welche beim Kochen mit 30 Theilen Wasser einen in der Kälte ziemlich dicken 8cldeim geben. Hauptbestandtheil: Schleiin = Carragiu (lJararal)in). A.P. 100,0 = 55 Pfennig. Offloinell ist ferner die Gelatin a Carrageen, eine durch Eindampfen von Oarrageensohleim bereitete Plüssigkeit,
Wirkung und Ainvenduni' = (-Jinnnii arable am.
Hadix Liquiritiae. Siissliol/.
Stammpflanzen! Glyoyn'hiza glabra (glandulifei'a). Pamilio; Papilionaoeen.
Pharmakognosie. Das Süssholz ist in zwei Sorten im Handel.
1)nbsp; .Das spanische Süssholz stammt von Glycyrrhi/a glabra und wird in Spanien (Tortosa und Alicante), Italien, Frankreich und Deutschland (Bamberg. Schweinfurt) oultmrt. Es bildet ungeschälte, schwere, holzige, langgestielte. 0,5—2 cm dicke, aussen graubraune, längsrunzelige, mit kleinen Knospen versehene, innen schon gelbe Stücke von süsslichem (Jeschmacke.
2)nbsp; nbsp;Das russische Siissliol/,, welches in Deutschland nunmehr allein officinell ist, bildet eine Abart des spanischen Silssholzes und stammt von Q-lyoyrrhiza glabra, rar. glandulit'era. Es ist zum Unter­schiede vom spanischen geschält = Radix Liquiritiae muudata und bildet dickere und leichtere, gelbe;, faserige, sehr süss schmeckende Stücke.
Die Süssholzwurzel enthält das Glycyrrhizin (30/o), Asparagin, Aep fei säure, einen Farbstoff, Stärkmehl etc. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Succus Liquiritiae, Lakriz (Extractum Liquiritiae), ist ein durch Auskochen der Süssholzwurzel gewonnenes trockenes Extract in Eorm glän-xend schwarzer Stangen oder Massen von sehr süssem Qeschmaoke. Das Präparat enthält 10 quot;/o Glycyrrhizin. 15 quot;o Zucker, Qummi, l'ektin, Stftrkmehl. A.P. 10,0 = 15 Pfennig, Der Succus Liquiritiae depu-ratus, gereinigter Lakriz, bildet ein braunes, dickes Extract, welches durch kulte Extraction des Succus Liquiritiae und Eindampfen gewonnen wird. A.P. 10,0 = 20 Pfennig.
Syrupus Liquiritiae, Süssholzsy rup, wird aus russischen) Süss­holz durch Maceriren mit Ammoniak und Wasser, Eindampfen, Zusatz von Spiritus und Syrup dargestellt. A.P. 10,0 = 16 Pfennig.
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572nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Zuoker.
Elixir e Succo Liquiritiae, Brust elixir, ist eine Mischung von gereinigtem Lakriz, Liquor Ammonii anisatus und Fenchelwasser.
Pulvis Liquiritiae compositus, Erustpulver, besteht aus Süss-holz (2), Zucker ((3), Sennesblättern (6), Fenchel und Schwefel (1). Das grüngelbe Pulver ist bekannt als K u r e 11 a'sches Brustpulver (Pulvis pec-toralis).
Species pectorales, Brustthee, bestehen aus Süssholz (3), Eibisch­wurzel (8), Huflattichblilttern (4), Wollblumen und Anis (2), Veilchen­wurzel (1). A.P. 100,0 = 90 Pfennig.
t Glycyrrhizinuin, das saure Ammoniumsalz der Glycyrrhizinsäure, eine in Lamellen ausgegossene schwarze Masse, wird neuerdings statt des Succus Liquiritiae insbesondere als Geschmackscorrigens gebraucht.
Wirkung und Anwendung. Die Wirkung des Süssholzes be­ruht auf seinem Gehalte an Glycyrrhizin. Man benutzt dasselbe:
1)nbsp; als Expeotorans bei Katarrhen der Luftwege;
2)nbsp; als Geschmackscorrigens für schlecht schmeckende Arz­neien, speciell für den Salmiak;
3)nbsp; als Bindemittel für Pillen und Latwergen. Grösseren Tbieren gibt man gewöhnlich das Pulvis Kadicis Liquiritiae, Hunden und Katzen den Succus Liquiritiae. In grossen Gaben hat das Süss­holz bei Hunden auch eine leicht abführende Wirkung.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 25—50,0.
Schaf, Ziege und Schwein 5—10,0. Hund (Succus) 0,5—2,0. Katze ( ,, ) 0,5-1,0.
Recepte.
1)nbsp; Rp. Pulv. Rad. Liquirit. 100,0.
fStib. sulfur, nigr. 50,0. Natr. ohlorat. cnul. 250,0. M. D. S. Auf jedes Putter 2 Esslöffel für ein Pferd mit Husten.
2)nbsp; Rp. Aiimion. chlorati 5,0.
Suoci Liquirit. 10,0. Aqu. destill. 150,0. M. 1). S. Sstündlioh 1 Esslöffel (Theelöffel) für einen Hund mit Staupe.
Saecharum. Zucker.
C'uH.vjOn.
Pharmaceutische Chemie. Der offlcinelle Zucker (Rohrzucker, Saccharose) stammt tbeils vom Zuckerrohr = Kolonialzucker, theils
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Zuokerlt;
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von der Runkelrübe = Rübenzucker. Das oliiciuelle Präparat soll weisse, krystallmische Stücke oder ein wcisses krystallinisches Pulver darstellen. Man benützt entweder die Raffinade (erstes Krystalli-sationsproduct in Hutform) oder den Melis (zweites, weicheres Krystal-lisationsproduct in Hutform). Nicht zu benutzen sind der Kandis- und Krystallzucker (entstehen aus dünneren Lösungen durch langsame Krystallisation; geben unklare, schleimige Losungen), der Farin- oder Lumpenzucker (aus der Mutterlauge des Melis) und der braune oder gemeine Syrup (Melasse, Syrupus communis), welcher den aller­letzten Rückstand der Mutterlaugen darstellt. Ebenfalls nicht officinell ist der Traubenzucker (Glykose, Dextrose, Krümelzucker), welcher in süssen Früchten, im Honig und im Thierkörper vorkommt und auch aus anderen Zuckerarten, Stärkmehl etc. dargestellt wird (For­mel C(.H12Ot.), ferner nicht der Fruchtzucker (Lävulose) von der­selben Formel C(IH1;(., welcher im Safte süsser Früchte und im Honig vorkommt. Dagegen ist aussei' dem Rohrzucker noch officinell der M i 1 c h z u c k e r.
Saccharum Lactis, Milchzucker, Laktose, bildet weisse Kry-stalle oder ein weisses, krystallinisches Pulver von schwachem süssem Geschinacke, welches beim Kauen zwischen den Zähnen knirscht. Der Milchzucker ist in Wasser schwer löslich (1:7; gewöhnlicher Zucker 2:1), in Weingeist unlöslich und bildet keinen Syrup. Er ist in der Milch zu 40/o enthalten und wird durch Abdampfen der süssen Molken dargestellt. A.P. 10,0 = 15 Pfennig (Saccharum 10,0 = 5 Pfennig).
Syrupus simplex, weisser Syrup, ist eine farblose Auflösung von Zucker (3) in Wasser (2). Officinell sind ausserdem noch Syrupus A1-thaeae, S. Amygdalarum, S. Aurantii Corticis, S. Aurantii Plorum, S. Cerasorum (Kirschensyrup), S. Cinnamomi, S. Perri jodati, S. Ferri oxydati solubilis, S. Ipecaeuanhae, S. Liqui-ritiae, S. Mannas, S. Menthae, S. Papaveris, S. Rhamni cathar-ticae, S. Rhei, S. Rubi Idaei (Himbeersaft), S. Senegae, S. Sennae.
Mel crudum und depuratum, Honig, besteht aus Traubenzucker (der auskrystallisirende Theil des Honigs) und Fruchtzucker (der flüssig­bleibende Theil); dient namentlich zur Bereitung von Latwergen und Schlecken. A.P. Mel crud. 100,0 = 50 Pfennig. Mit Rosenwasser zu­sammen entsteht der Rosenhonig, Mel rosa turn. Der Honig ist früher vielfach in der Wundbehandlung angewandt worden. Vielleicht beruht seine desinficirende Wirkung/,. Th. auf seinem Gehalte an Ameisensäure (l00|no).
f Fructus Ceratoniae, Johannisbrot (Siliqua dulcis, Carroba), sind die Früchte von Ceratonia Siliqua. einer Cäsalpiniacee; sie enthalten Zucker, Schleim und Buttersäure. Anwendung früher = Radix Liquiritae.
Wirkung und Anwendung des Zuckers. 1) Innerlich wirkt der Zucker als Geschmackscorrigens für schlecht schmeckende
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,r)74nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Saoohavin.
Arzneien, als Diätetioum und angeblich auch alsExpeotorans. Dosis hclielug. Scli)' grosse Dosen können indessen bei kleineren Tliieren schwaches Laxiren hervorrufen,
2) Aensserlieli dient er in Pulver tonn als Reizmittel für Ge­sell av ii re, besonders der Cornea und des Kehlkopfes, indem er die Granulationen anregt, als Antisepticum (Zuokerverband) und als Bxcipiens für Pulver.
•i) Der Milchzucker soll lerne]' ein ganz, vorzügliches Diure-ticum sein, insbesondere bei Herzkrankheiten (Germain-raquo;See). Beim Menschen soll nach 100,0 Milchzucker die Harnraenge nach einem Tage auf 21/8 Liter, nach 2 Tagen auf41/8 Liter steigen; auch soll die Milchkur l)(gt;i Herzkrankheiten ihre Wirkung denn Milchzucker verdanken. Die Dosirung erfolgt beim Menschen in der Weise, dass etwa eine Woche lang hinter einander täglich 100,0 Milchzucker in 2 Liter Wasser getrunken werden, worauf einige Tage ausgesetzt nnd die Kur von Neuem begonnen wird.
t Sacchaiinum. Saccharin.
*lt; i CO --'i,irl-
Pharmaceutische Chemie. Has Sacchariu ist ein Abkömmling des Benzols, welcher als Sulfaminbenzoesäu reanliy drid oder Reny.oesäuresulfinid zu bezeichnen ist. Das von Fahlberg 1886 entdeckte Mittel wird dargestellt aus Toluol (OeH6.OH8), Schwefel­säure und Ammoniak. Es bildet ein weisses,Vamorphes, leichtes, ganz schwach nach Bittermandelöl riechendes, in Wasser schwer lösliches (1:230) Pulver von intensiv süssem Ge-schmacke, welches sieb leicht löst in heissera Wasser, Alkohol nnd Aether, und mit Alkalien und Alkaloiden ebenfalls süss schmeckende Salze bildet. Mit Natronlauge zusammengeschmolzen liefert es Salicyl-säure (Blaufärbung mit Eisenchlorid; Identitätsreaktion). A.P. 1,0 = 25 Pfennig. D.P. 1 Kilo = 100 Mark. Ein neueres Präparat ist das Methyl-Saccharin,
Wirkung und Anwendung. Das Saccharin schmeckt etwa 30 0 mal so süss als der Rohrzucker nnd besitzt selbst in einer Verdünnung von 1 ; 70,000 noch einen deutlichen süssen Geschmack. Es wird daher als Göschmackscor ri gens nnd als Ersatzmittel
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StHrkmehl,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;575
für Kohlehydrate bei der Zuckerharnruhr empfohlen; die Dosis für den Menschen (und Hund) beträgt 0,1—0,2. Das Saccharin wird nach der Ä.ufnahme im Körper nicht verändert, sondern unzersetzt durch den Hiini ausgeschieden, es besitzt daher auch keinen Nähr-werth. in einigen Ländern hat laquo;ich bereits die Zuckerindustrie des Saccharins bemächtigt; in Amerika /.. B. wird eine Verbindung von Traubenzucker mit Saccharin (1000:1) als Ersatz für Rohrzucker hergestellt. Wegen der Minderwerthigkeit dieses Sacoharinzuokers ist jedoch die Herstellung desselben in manchen Ländern (England, Frankreich) gesetzlich verboten worden. Eine schädliche Neben­wirkung des Saccharins ist bisher nicht nachgewiesen worden; weitere Erfahrungen sind abzuwarten. Neuerdings wird auch eine 20/oige spirituöse Lösung von Saccharin äusserlich gegen Soor empfohlen.
Aiii.vlum Tritici. Stftrkmehl.
Stiiminpl'l iiuni': Triticum vulgäre. Kn in i I i c: Gramineen,
Pharmaceutische Chemie. 1 )as offioinelle Stärkmehl wird durch Auswaschen der Weizenstärke dargestellt und bildet ein weisses, sehr feines Pulver ohne besonderen Geruch und Geschmack, welches bei lOOfacher Vergrösserung unter Wasser betrachtet aus sehr un­gleich grossen, annähernd kreisrunden Körnern ohne Kern und Schichtung zusammengesetzt ist. Beim Verbrennen soll die AVeizen-stärke nicht über 1deg;/quot; Asche hinterlassen (Verfälschung mit Gyps etc.). Mit 50 Theilen kochendem Wasser gibt die Stärke einen dünnflüssigen, trüben Schleim (Kleister), der auf Zusatz eines Tropfens Jodlösung tiefblau gefärbt wird. A.P. 100,0 = 30 Pfennig, Das Stärkmehl hat die chemische Formel (OuH10Oj)x,
t Amylum Marantae, M arantastilrke (Arrowroot, Pfeilwurzelmehl),
wird aus den Wurzelstöoken von Maranta arundinacea und Indica, zweier Canaceen Westindiens und Brasiliens gewonnen. Es ist ein mattweisses. feines, geruchloses Pulver, welches mikroskopisch aus eiförmigen oder rund­liehen, zart geschichteten, mit einer centralen Querspalte versehenen Körnern besteht. A.P. 100,0 = 35 Pfennig. In Oesterreich offieinell.
t Amylum Manihot, Cassawastärke (brasilianisches Arrowroot), wird aus den Knollen von Manihot utilissima und Aipi (Euphorbiaceen) dar­gestellt. Zu Klümpchen geformt, bildet es die Tapioka des Handels.
Wirkung und Anwendung. 1) Das Stärkmehl hat zu­nächst als Kohlehydrat die Bedeutung eines Nahrungsmittels und
4-;
i
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57(5nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Lykopodium.
wird als Diäteticmu hauptsäohlioh bei jugendlichen Thiereu an­gewandt.
2)nbsp; nbsp; Die Eigenschaft des Stärkmehls, mit Wasser schleimigen Kleister zu bilden, bedingt seine einhüllende, deckende Wirkung, auf Grtind deren es innerlich gegen entzündliche Atfectionen des Ver-dauungsapparates, sowie in Form von Klystieren gegen Proctitis an­gewandt wird. Dosis = Gummi arabicum.
3)nbsp; Innerlich ist es ferner ein Antidot gegen Jodvergiftung.
4)nbsp; nbsp;Ausserdem wird es äusserlich als austrocknendes Mittel gegen nässende Ekzeme, Intertrigo etc., in Pulverform allein oder mit Zinkoxyd (10: 1), ferner zu Kleisterverbänden und endlich zuweilen als Bindemittel für Pillen und Latwergen gebraucht.
Lykopodium. Biirlappsamen.
S tnmiii p f 1 anz e : Lykopodium davatum. Familie: Lykopodiaceen.
Pharmakognosie. Das Lykopodium (Semen Lykqpodii, Streu­pulver) besteht aus den Sporen von Lykopodium clavatum, eines moosähnlichen Krautes Mittel- und Nordeuropas, und wird durch Aus-dreschen und Absieben der Aehren derselben gewonnen. Es bildet ein blassgclbes, äusserst bewegliches, sehr feines Pulver ohne Geruch und Geschmack, welches auf dem Wasser ohne sich zu be­netzen schwimmt und in eine Flamme geblasen prasselnd ohne Rauch und Geruch verbrennt, wobei es weniger als 50/o Asche hinter­lassen soll. Unter dem Mikroskope besteht es aus nahezu gleich-grossen, dreiseitigen, pyramidalen Zellen mit stark gewölbter Grund-flüche. Es enthält 500/o grüngelbes, fettes Gel (Myristinsäure, sowie Decyl-Propylacrylsäure enthaltend), 2n/o Rohrzucker und etwa l0/o Salze Das früher sogen. „Polleninquot; hat sich als Zellwandsubstanz erwiesen. A.P. 10,0 = 16 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Meist äusserlich als austrock­nendes Pulver allein oder mit Zinkoxyd zum Aufstreuen auf wunde Hautstellen, ferner zum Conspergiren (Bestreuen) der Pillen; seltener innerlich als deckendes Mittel bei Gastroenteritis, sowie em­pirisch gegen Blasenkatarrh. Dosis für Pferd und Rind 50—100,0, Schaf und Ziege 25—50,0, Schwein 5—10,0, Hund 2-5,0, Katze und Geflügel 1—2,0.
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Sobweinesohmalz,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 577
Adepa sulltus. Schweineschmalz.
Pharmaceutische Chemie. Das Schweinescliinalz (Axungia Poroi)
ist das aus dem Zellgewebe des Netzes und der Nieren dos Schweines, 8us Sorofa, ausgesolimolzene, gewaschene und vom Wasser befreite Fett. Es sei weich, von gleichmässiger Oonsistenz und schmelze bei oiroa 40quot; 0, zu einer farblosen, klaren Flüssigkeit von nicht ranzigem Gerüche. A.F. 100,0 = (50 Pfennig. Das Schweineschmalz besteht vorwiegend iius dem Triglyeorid der Oleinsäure (609/o), daneben ent­hält es in geringerer Menge das Triglycerid der Stearinsäure und Palmitinsäuve; es hat demnach die Formel:
0^(0 . 01?H880)U -f- C;;H,(0 . C^H^O), -|- C(1HÄ(0 . 018HBftO)8 Tnoloinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Tripalmitinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Tristearin.
Sebum ovile, Hammeltalg', ist das weisse, feste, bei 47deg; C. klar schmelzende Fett des Schafes, Ovis Aries. Er besteht vorwiegend aus Tristearin, ausserdem aus Tripalmitin und Trioleln. Er ist ein Be-standtheil der grauen Quecksilbersalbe. Sebum sal icy 1 a turn, Salicyl-talg. enthält '2quot;,, Salicylsäure (officinell).
Cetaceum, Walrat (Sperma Geti), ist das aus den Kopf hohlen der Pottwale, besonders von i'byseter makrocophalus (Mammalia), gewonnene Fett. Dasselbe ist eine weisse, brückelige, festweiche, blätterig-krystallinische, peiinmtterglänzende Masse, welche aus palmitinsaurem Cety 1 besteht. A.P. 10,0 = 16 Pfennig. W. ist ein Bestandtbeil des ünguentum leniens.
Oleum Cacao, Caeaobutter (Butyrum Cacao), ist das aus den ge­schulten Samen von Theobrom a Cacao ausgepresste blassgelbliehe Oel von harter, fester Oonsistenz und angenehmem Cacaogeruche. Schmelzpunkt zwischen 00 und 35quot; C. Es besteht aus Tristearin, Tripalmitin und Tri-oleYn. A.P. 100,0 = 50 Pfennig.
Oleum Cocos, Gocosnussöl, ist das weisse, butterartige Fett der Samenkerne von Cocos nueifera (Cocospalme); es besteht hauptsächlich aus Tripalmitin. neben Triolefn und Tristearin. A.P. 100,0 = 40 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. Das Schweinefett ist das gebräuch­lichste Oonstituens für Salben. Da es in älterem Zustande ranzig wird (Abspaltung reizender freier Fettsäuren), darf es nur in reinem, untersetztem Zustande angewandt werden. Ein derartiges, nach den Arorschriften der Pharmakopöe bereitetes und unter Abschluss der Luft in Glasgefässen aufbewahrtes Schweinefett hält sich Monate lang iinzersetzt und ist als indifferentes, sehr resorptionsfähiges, relativ gut mit Wasser mischbares (4mal besser als die Parafrin-
Fröhner, ArzneimitMMire. 3. Aufl.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 37
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•#9632;gt;!
8nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Olivenöl.
Kalbe), ferner als sehr billiges und in seiner Consistenz gleich­bleibendes Mittel die beste Sulb eng rund läge. Nach den Ver­suchen von Böhm, welcher verschieden bereitete 8tryclininsall)eu bei Mäusen einrieb, zeigte sich das Schweinefett sogar wirksamer als Lanolin und Glycerinsalbe. Bei leicht zersetzlichen Präparaten wird statt des Fettes die gänzlich indifferente Paraffinsalbe verschrieben, so bei Herstellung des Unguentum Hydrargyri album und rubrum, Ugt. acidi borici, ügt. Plumbi und Ilgt. Tartari stibiati. Sodann be­nützt man das Schweinefett zur Herstellung von Bissen (Boli) für Hunde und Greflügel.
Die anderen Fette haben dieselbe Verwendung. Wegen ihrer festeren Consistenz dienen sie auch zur Bereitung von Suppositorien und Stäbchen, z. B. das Oleum Cacao zur Darstellung der Jodo-fonnstäbclien. Das Cetaceum ist ein Bestandtbeil des Unguentum leniens.
Oleum Olivariim. Olivenöl.
Stammpflanze: Olca Buropaea. Familie: Oleaceen.
Pharmakognosie. Das Olivenöl wird aus den Früchten (Oliven) des in Italien und Südfrankreicb cultivirten Oelbaums durch Aus­pressen dargestellt. Je nach der GHlte unterscheidet man verschiedene Handelssorten:
1)nbsp; Oleum Olivarum optimum, das Provenceröl (Oleum Provin-ciale), wird durch kaltes Pressen der Oliven gewonnen. Es ist ein fettes Oel von gelber, oft beinahe grünlicher Farbe, schwachem, eigenthümlichem Gerüche und angenehmem Greschmacke. Bei 10deg; C. beginnt es sich durch krystalliniscbe Ausscheidungen zu trüben, bei 10quot; C. verdickt es sich zu einer salbenartigen Masse. Als fein­stes Provenceröl (Oleum Nizza) bezeichnet man ein blassgelbes, aus ganz frischen Oliven dargestelltes Oel; das erst nach einigen Tagen aus den Oliven ausgepresste Provenceröl ist mehr gelb und. dient als sogenanntes Baumöl zu Speiseöl. A.P. 200,0 = 00 Pfennig.
2)nbsp; nbsp;Oleum Olivarum commune, gemeines Olivenöl, wird aus den Oelkuchen der ersten, kalten Pressung durch beisses Pressen oder Auskochen mit Wasser, ferner aus kalten Oliven dargestellt, welche in Gährung übergegangen sind. Es unterscheidet sich vom Provenceröle durch seine gelbbräunliche oder grüne Farbe
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Fette Oele.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 679
(Chlorophyll) und seinen unangenehmen Geruch und Q-eBchmack. A.P. 200,0 = 70 Pfennig.
Das Olivenöl besteht zu 750/o aus Triolein = (J,H,(O.C18H,1:)0),„ daneben enthält es Tripalmitin. Es gehört zu den nicht trock­nenden Oelen, welche jedoch durch Untersalpetersäure erstarren (Elaidinprobe).
Oleum Raparum, RübOl, wird durch Auspressen der Kapssamen, von Brassica Napus und Rapa (Cruoit'eren) gewonnen. Es ist ein dick­flüssiges, braungelbes, etwas unan genehm riechendes und schmecken­deraquo;, nicht trocknendes fettes Ool, welches aus Triolefn besteht und etwas schwefelhaltig ist. Bei 0quot; C. erstarrt es zu einer gelben Krystall-masse (n. o.). A.P. 200,0 = 60 Pfennig.
Oleum Amygdalarum, Mandelöl, durch Auspressen der Samen von Prunns Amygdalus gewonnen, ist ein bellgelbes, milde schmecken­des, dünnflüssiges, geruchloses, nicht trocknendes, fettes Gel, welches bei — 10deg; C. flüssig bleibt und erst bei — 20deg; C. erstarrt. Es besteht aus Trio lein. Es wird leicht ranzig und nimmt dann einen scharfen Geruch und Geschmack an. A.P. 100,0 = 1 Mark 30 Pfennig.
Officinell sind auch die süssen Mandeln, Amygdalae dulces, die Samen von Prunus Amygdalus (Amygdalee), welche fettes Gel (500|o), Zucker, Emulsin und Gummi enthalten und zu Emulsionen benützt werden, sowie ein aus süssen und bittern Mandeln dargestellter Syrupus Amyg­dalarum. Endlich wird aus Mandelöl (32), Walrat (6), Wachs (4), Wasser (IC) und Rosenöl das Unguentum leniens (Cold-Cream) dar­gestellt. A.P. 10.0 = 20 Pfennig.
Oleum Lini, Leinöl, wird durch kaltes Auspressen der Leinsamen (Linum usitatissimuni) dargestellt. Es ist ein lie 11 gelbes, trock­nendes, fettes Gel von mildem Gerüche und Geschmacke, welches bei —20deg; noch flüssig ist und durch üntersalpetersilure (rauchende Salpetersäure) nicht fest wird (negative Elaidinprobe). Es besteht hauptsächlich aus Linolefn (Triglycerid der Leinölsilnre) neben Trio lein und Tripal­mitin. A.P. 200,0 = 4.r. Pfennig.
Oleum Papaveris, Mohnöl, ist das aus dem Samen von Papaver somniferum gepresste blassgelbe, dünnflüssige, trocknende, an­genehm süsslich schmeckende fette Gel, welches bei 0deg; C. klar bleibt. Es besteht vorwiegend aus Linole'in (Triglycerid der Leinölsäure) neben wenig Laurostearin. A.P. 100,0 — 50 Pfennig.
Wirkung der fetten Oele. T) Im reinen Zustande wirken die Fette und fetten Oele auf der Haut einhüllend, deckend und durch Verhinderung der Wasserverdunstung erweichend, erschlaffend.
Ranzig gewordene fette Oele wirken durch ihren Grehalt an freien Fettsäuren reizend auf die Haut und bedingen Rötlmng, Ex­sudation und H a a r a u s f a 11.
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.-,80nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Fette Oele.
•J) Innerlich werden die fetten Oele im Darmkanal emulgirt, verseift und resofbiit, wenn kleinere Mengen verabreicht werden. Bei grösseren Gaben wird durch den unverseift bleibenden Theil die .Schleimhaut des Darmes eingehüllt und schlüpfrig gemacht, gleichzeitig wird die Resorption des flüssigen Darminhaltes vermindert. Dadurch, sowie durch eine schwach reizende Wirkung der bei der Verdauung aus den Fetten abgespaltenen Fettsäuren entsteht ein leichter diarrhoischer Effect.
()b eine erweichende, einhüllende Einwirkung der Fette auch auf entfernte Organe (Lunge, Respirationsschleimhäute, Blase, Nieren etc.) stattfindet, ist zweifelhaft.
;]) Intravenös bedingen die fetten Oele eine Fettembolic der Lungen mit nachfolgendem Erstickungstode.
Anwendung. 1) Aeusserlich als reiz mildernde, deckende und erweichende Mittel bei Hautentzündung, Ekzemen, Verbrennungen, Euterentzündungen, Wunden der Zitzen, Otitis, als Olysma bei Proc-titis etc. Bekannt ist namentlich die Verbindung des Leinöls mit gleichen Theilen Kalkwasser als Liniment gegen Verbrennung (Lini-mentum contra combustiones). Ferner zur Darstellung von Salben, Linimenten und anderen pharraaceutischen Präparaten als Consti-tuentien und die Resorption befördernde Mittel; endlich als mecha­nische Antiparasitica speciell gegen Zecken (Verstopfung der Luftwege).
•2) Innerlich als einhüllende Mittel für sich allein oder als Emulsion bei Magendarmentzündungen und Vergiftungen mit ätzenden Metallsalzen, kaustischen Alkalien, Säuren etc. Contra-Indioirt sind jedoch die Oele speciell bei Phosphor- und Canthariden-vergiftung, weil sie Lösungsmittel für den Phosphor und das Cantha-ridin darstellen. Ausserdem können die Oele als schwache Abführ­mittel bei Verstopfung, sowie zum Zwecke des Schlüpfrigmachens von Fremdkörpern im Digestionstractus angewandt werden. Endlich iiaben sie die Bedeutung von diätetischen Mitteln, sie wirken je­doch bei längerer Anwendung bald störend auf die Verdauung.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 100-^-500,0.
Schafe, Ziegen, Schweine 50—150,0, Hunde 10—50,0. Katzen .',— 10,0. G-eflüffel 2—5.0.
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Lebertlirau.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 581
Oleum Jccoris Asclli. Lebertlirau.
Abstammung! G-ftdus Morrhua, Gattung: Pisoos, Qadoideii
Fharmakoguosie. Der Lebei-thrau ist ein fettes Oel, welches uns den Lebern von Ciladus Morrhua (Kabeliau, Schellfisch, Stockfisch) gewonnen wird. Derselbe wird gegenwärtig gewöhnlich dargestellt durch Erhitzen der zerschnittenen Lebern im Wasserbacle oder mittelst eingeleiteten Dampfes. Officinell ist zur Zeit nur der bei gelindester Wärme gewonnene, hellblanke, weisseoder hlassgelbe, klare, schwacb, aber nicht ranzig riechende, milde schmeckende Dainpfleberthran. Der durch stärkeres Erhitzen und Auspressen gewonnene braunblanke, dunkelbraune, stärker riechende und etwas bitter, kratzend schmeckende, sowie der durch Auskochen der rückständigen Lebern mit Wasser ge­wonnene braune Leberthran von dunkelbrauner, trüber, beim Durch­sehen grünlicher Farbe und unangenehmem, brenzliohem Gerüche und (lescluuacke ist nicht officinell. Früher wurde der Leberthran durch Aufschichten der zerschnittenen Lebern in hohen Fässern gewonnen; das oben ungesammelte Fett lieferte den hellblanken Leberthran, wäh­rend das nach eingetretener Päulniss und Gährung und längerem Lagern ausfliessende Oel den braunblanken Leberthran lieferte.
Der Leberthran enthält verschiedene Fette, vorwiegend TrioleVn neben Tripalmitin und Tristearin, freie Fettsäuren, namentlich Oleinsäure, Gall ehe stand the 11 e, Choi es tear in, Spuren von Brom, Jod und Bisen (0,05% im Maximum), 2 Basen: das Aseilin (Ca5H82N,1) und das Morrhuin (O^HjfNg), sowie das Morrhuol, ein durch Extraction mit Alkohol gewonnenes bitteres, scharfes, aromatisches Oel, welches Phosphor. Jod und Brom enthält und neuerdings als Morrhuinsäure bezeichnet und als lecithinartige Substanz aufgefasst wird; endlich einige alkaloidartige Stott'e (Butylamin, Amylamin, Bexylamin etc.). Der Gehalt an Fettsäuren bedingt die saure Reak­tion des Leberthrans; derselbe ist in den dunklen Sorten grosser als im bellblanken Leberthran, welch letzterer deshalb auch nur schwach sauer reagirt. Der Gehalt an Gallebestandtheileii (Lipochromen) be­dingt charakteristische Farbenreaktionen. Ein Tropfen Leberthran, in 20 Tropfen Schwefelkohlenstoff gelöst, wird beim Schütteln mit einem Tropfen Schwefelsäure vorübergehend schön violettroth; auch rauchende Salpetersäure gibt mit Leberthran eine Rosafftrbung, Als
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Wuchs.
trocknendes Oel gibt der Leberthmn die Elaidiaprobe nicht (Nach­weis nicht trocknender Oele in demselben). A.P. 200,0 — 55 Pfennig.
t Lipaniu, ein Gemenge von feinem Olivenöl mit 60|o freier Fett­säure (Oelsäure), ist von v. Mering als Ersatzmittel des Leberthrans vor-
gesclilagon worden.
Wirkung und Anwendung. Der Leberthran hat die Bedeu­tung eines leicht verdaubaren Fettes. Diese im Gegensatze zu den anderen Fetten grössere Verdaubarkeit beruht auf seinem Gehalte an freien Fettsäuren, welche sich im Dünndarm zu Seifen um­wandeln und dadurch eine Emulsion und leichtere Resorption der im Leberthran enthaltenen Neutralfette bewirken. Ob dem Leberthran ausserdem noch eine speoifisohe Wirkung zukommt (Gallebestand-theile, Jod, Cholestearin, Asellin, Morrhuin, Morrhuol), ist fraglich. Da der officinelle hellblanke Leberthran nur geringe Mengen von Fettsäuren enthält, wird der braunblanke, an freien Fettsäuren in Folge des Eintritts von Fäulniss reichere von vielen vorgezogen.
Anwendung findet der Leberthran fast ausschliesslich als Diäteticuiu bei chronischen Ernährungsstörungen, wie sie im Ver­laufe von Rachitis, Anämie, Tuberculose, Carcinoma tose', nach er­schöpfenden, schwächenden Krankheiten etc. auftreten. Häutig wird er innerlich in Verbindung mit Phosphor, namentlich gegen Rachitis gegeben. Regel ist liiebei, ihn nur bei intacter Verdauung zu ver­abreichen. Die frühe)' übliche äusserliche Anwendung gegen Haut­krankheiten, Hornhauttrübungen etc. findet selten mehr statt.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;Pferd und Rind 100—500,0.
Schaf. Ziege 50—150,0. Schwein 50—100,0. Hunde 10—50,0. Katzen 5 — 10,0. Geflügel 2—5,0.
Cera flava. Oelbcs Wachs.
Abstammung! Apis mclliüca. Gattung': Uyinoiiopteren.
Pharmaceutische Chemie. Das Wachs, das von der Honig­biene gelieferte Secret, ist eine gelbe, feste Masse mit körniger, matter Bruchfläche, welche bei 63—04deg; C. zu einer klaren, angenehm
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Seife.
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rieohenden, gelbrotben Flüssigkeit schmilzt und nach dem Erstarren unter dem Mikroskop verworren krystallinisch erscheint. Das in der Sonne gebleichte Wachs giht das ebenfalls ol'ficinelle weisse Wachs, Cera alba. Das Wachs besteht aus Cerin (Corotinsäure) und Myrioin (palmitinsaures Melissyl), A.P. lü,() = 15 Pfennig. Durch Zusammenschmelzen mit Olivenöl (8 : 7) entsteht die Wachssalbe, Unguentum cereum. Die österreichische Pharmakopöe enthält statt derselben eine Mischung von Schweinefett und Wachs, die sogenannte einfache Salbe, Unguentum simplex.
Wirkung und Anwendung. Das Wachs dient äusserlich in 4er Form der Wachssalbe als deckendes Mittel, welches z. B. in der Umgebung einer Scharfsalbe zum Schütze der Haut eingerieben wird, ferner zur Bereitung von Salben, Pflastern (Ceraten), Pillen etc.
Sapo Kalinus, Kaliseife.
Fharmaceutische Chemie. Die Kaliseife ist eine weiche Seife (Sapo mollis) von bräunlichgelber, durchsichtiger Farbe und schlüpf­riger Consistenz, welche durch Erhitzen von Leinöl mit Kalilauge und Wasser unter Zusatz von Weingeist vom Apotheker dargestellt wird. Ohemisch besteht sie im Wesentlichen aus ölsaurem Kalium; durch das Kochen mit Kalilauge wird nämlich das im Leinöl ent­haltene liinole'i'n und Triolein gespalten in Glycerin und fettsaures Kali (Process der Verseifung). Die Kaliseife, welches etwas freies Alkali enthält, löst sich in Wasser und Weingeist. A.P. 100.0 =s ;{.quot;) Pfennig.
Neben der in der Apotheke aus Leinöl und Kalilauge darge­stellten Kaliseife ist ferner officinell die im Handel befindliche ge­wöhnliche Schmierseife unter dem Namen Sapo Kalinus venalis (Sapo #9632;viridis, Sapo niger, Schmierseife, grüne oder schwarze Seife). Auch die Schmierseife ist eine Kaliseife und besteht im Wesentlichen aus fettsaurem Kali. Sie wird jedoch nur aus geringwerthigen, theil-#9632;weise ranzigen üelen und Fetten, aus billigen Thranen, Harzen, Ab-fallstöffen etc. dargestellt und bildet daher ein ganz verschiedenartiges, unreines Product, welches häufig noch grössere Mengen überschüssigen Kalis enthält und daher leicht reizend wirkt. Aus diesem Grunde ist sie bei feinhäutigen Thieren zu vermeiden. Sie ist etwas, aller-
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Seife.
dings nicht bedeutend billiger als die Kaliseife. Ä..P. 100,0=30 Pfennig. Ausserdem hatte man früher noch eine renetianisohe und spanische Seife (Sapo venetus und hispanious), sowie die aus Provenceiöl her­gestellte Sapo oleaoeus.
Sapo medicatus, medioinisobe Seife, ist eine weisse, neutrale, fegte Natronseife, welche aus Natronlauge, Schweineschmalz und Olivenöl. Wasser und Weingeist durch Erliitzen dargestellt und durch einen Zusatz, von Kochsal/, und Soda gereinigt (ausgesalzen) wird. A.P. 10,0 = 10 Pfennig. Die früher officinelle Sapo domesticus war die gewöhnliche Hnus- oder Kernseife des Handels, eine Natronseife, welche aus Talg und Natronlauge gewonnen wird. Neuerdings benutzt man zur Darstellung möglichst neu­traler Seilen Centrifngirmaschinen, welche den Korn von der Lauge trennen, sogenannte con tri f ugirte Seife. Die centrifugirte Seife eignet sich all ein wegen ihrer Neutralitat zur Aufnahme von Arzneimitteln, also zur Herstellung der sogenannten medicinischen Seifen: Jodkalium-, weisse Prileipitat-, Kampher-, Theer-. Creolin-, Kreosot-, Schwefel-, Naphthol-, Ich­thyol-, Zink-, Tannin-, Bonzoe-, Borax-, Perubalsam-. Styrax-, (ilycerin-,. Ghrysarobin-, Quecksilber-, Terpentinöl-, Salicylsilure-, Jod-. Brom-, Chlor­kalk-, Veratrin-, Coca'i'n-, Lanolin-Seife etc.
Spiritus saponatus, Seifenspiritus, wird nach der Pbamakopöe durch Verseifung von Olivenöl (60) mit Kalilauge (70), Weingeist (300) und Wasser (170) dargestellt. A.P. 100,0 = 'lt;0 Pfennig. Für, thierärzt-liche Zwecke genügt indess eine einfache Seifenauflösung in Spiritus (1:1 bis fi). — Als Saponlmente bezeichnet man seifenhaltigo Linimento.
t Mollinum, Mollin, ist eine Mischung von Kaliseife mit Pott (Coeosöl) und zwar eine um 17 quot;o überfettete Kaliseife. Diese „Salbenseifequot; soll sich namentlich zur Aufnahme von Medicamenten eignen, weil sie sich nicht zersetzt und auch die Medicamente unsersetzt lässt.
t Solvin oder Poly solve, wird aus Schwefelsäure und RicinusÖl (Rüböl, Mandelöl etc.) dargestellt und besteht in der Hauptsache aus Ri-cinoläthersch wefelsiiure, C1sH;I:jO .SO;lH, neben ricinolsaurem Natron und unverMndertem RicinusÖl. Es bildet eine klare, gelbe, ölige Flüssig­keit, welche mit Wasser, Alkohol, Oelen etc. leicht mischbar ist und auch die schwer löslichen Körper (Jodoform, Salicylsiiure, Kampber, Alkaloide etc.) bis zu einem gewissen Grade löst. Ausserdem dringt das Solvin leichter in die Haut ein als Seife, und wird daher neuerdings als Salbenconstituens empfohlen. Kobert hat jedoch bei der Anwendung des Mittels Vorsicht angerathen, weil er nach innerlicher Verabreichung desselben bei Fröschen und Hunden Methiünoglobinäinie sowie eine giftige Einwirkung auf Ge­hirn, Rückenmark, Herz und Körpermuskulatur beobachtete.
t üebersäuerte Seifen (Sapo superaeidosus) sind Neutralseifen mit einem Zusätze freier Fettsäuren. Sie dienen zur Darstellung der Subli­mats ei fe, weil die gewöhnlichen Neutralseifen mit viel Wasser trotzdem alkalisch reagiren (Bildung basischer fettsaurer Salze) und so den Subli-
mat zerlegen. (Q eissler).
was durch den Zusatz der freien Fettsilure verhindert wird
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Seife.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;585
f Harzseife. Wie die Fettseifen haben aucli die Harzseilbn du-Fähigkeit, in Wasser unlösliche Körper zu onmlgiren und dadurch löslich und resorbirbar, also wirksam zu machen. Diese Bedeutung der Fett- und Harzseifen ist zuerst beim Creolin praktisch verworthet worden, welches eine Lösung aus derartigen Seiten und Theeröl bildet. Man kann aber diese Seifen, namentlich die Harzseifen, auch als Salbenconstituens für die meisten Arzneimittel benützen, wobei die Harzseife vor allen anderen Salbengrundlagen den Vorzug der grüsseren Billigkeit besitzt und sich daher hauptsächlich für thierilrztliche Zwecke eignen dürfte. Die Harzseife wird aus Colophonium und Pottasche durch Kochen mit Wasser in einem geräumigen Kolben dargestellt und zu beliebiger Consistenz eingedampft. Die einzelnen Ingredienzien sind: Colophonium 100,(1, Kalium carbonieum :i0,0, Aqua destillata 300,1).
Wirkung und Anwendung. 1) Die Seife wirkt theils durch ihren Gelullt an freiem Alkali (grüne Seife), theils durch ihre Zer­legung im Wasser zu freiem Alkali und sauren fettsaiiren Alkalien, endlich durch ihre Fähigkeit, Fette zu eimilgiren, reinigend und auflösend auf die Epidennisoberflftche der Haut. Sie dient daher zur Reinigung, Erweichung und Zertheilnng bei Hautkrank-iieiten, namentlich bei Ekzemen und chronischen Derniatiten, in Form des Liniments, der Salbe, der Bäder, sowie1 von Waschungen, Ausser-dem dient die Seife in Verbindung mit Massage als Resorhens bei Schwellungen der Sehnenscheiden. Sehnen, Gelenke, Lymphdrüsen und wird- selbst zur Beförderung der Resorption pleuritischer und peri-tonitischer Exsudate äusserlich angewandt.
2) Bei längerem Liegen auf der Haut wirkt auch die neutrale Seife in Folge Auflösung der Epidermis reizend und entzündungs­erregend; die grüne Seife kann je nach ihrem (rehalto an freiem Alkali schon sehr bald nach dem Einreiben eine Hautentzündung mit Haarausfall und oberflächlicher Exsudation zur Folge haben, sie ist daher bei feinhäutigen Thieren überhaupt zu vermeiden. Diese rei­zende Wirkung beobachtet man auch auf Schleimhäuten; die Seife wird daher als reizender Zusatz zu Klystieren gegen Verstopfung benützt. Früher diente sie auch innerlich als leichtes Laxans.
•'{) Die Seife hat antiseptische und antiparasitäre Eigen­schaften. Sie hemmt noch in einer Verdünnung von 1 : B000 die Entwickelung der Milzbrandsporen und hebt dieselbe 1 : 1000 auf (Koch). Ihr desinficirender Werth hängt von ihrem Alkali­gehalte ab; am stärksten wirkt daher die gewöhnliche Schmierseife. Die Wirkung wird gesteigert durch Anwendung heissen Seifen­wassers. Dasselbe tödtet die leicht zerstörbaren InfectioiisstoiVe sicher und wirkt gleichzeitig reinigend und dadurch die Wirkung der stiir-
I:'
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ülyceriu.
keren Antiseptioa unterstützend. 100/oige Lösungen der gewöhn­lichen Schmierseife (oder die gewöhnliche Seifensieder-Wasohlauge) tödten Milzbrandsporen innerhalb 10 Minuten, wenn sie auf 85deg; 0. erhitzt werden. Die Seife wird daher als Hauptreinigungsmittel und vorbereitendes Desinticiens bei der Des-infeotion fester Gegenstände verwendet. Die antiparasitäre Ein­wirkung der Seife auf lläudemilben etc. heruht auf der chitin-auflösenden Wirkung der freien Alkalien; gleichzeitig erleichtert .sie das Eindringen anderer lläudemittel. Aus diesen Gründen ist sie ein wichtiger Zusatz vieler liäudeniittel, insbesondere der vor­bereitenden.
4) Dadurch, dass sie sich sowohl mit Wasser als mit Fetten mischen lässt, befördert sie die Resorption von Arzneimitteln durch die Haut und dient daher als Constituens für Salben und Linimente (Saponimente). Ausserdem ist sie ein gutes Lösungsmittel für Harze, welche sich mit Seife leicht zu Pillen machen lassen (Aloepille).
ü) Innerlich wird die Seife zur Zeit nur als Antidot gegen Säure Vergiftungen angewandt (Gehalt an Alkali). Man gibt sie gewöhnlich in der Form des Seifenwassers, Pferden und Rindern 50—100,0:500—1000,0, Hunden 5,0:100,0.
Glycerinum. Glycerin.
C3H5(OH)3.
Pharmaceutische Chemie. Das Grlycerin wird entweder als Nebenproduot bei der Verseifung der Fette gewonnen, welche durch Einwirkung von Laugen in fettsaure Alkalien (Seifen) und Glycerin zerfallen, oder durch Einwirkung von überhitztem Wasserdampf auf Fette unter Druck nach der Formel:
C:,H5(0 . C18H,,0),, 3HgO = C.(H5(OH):. -)- 3HO . C1?H.,Ü.
Stearinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Glycerinnbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Stearinsäure.
Es bildet eine klare, neutrale, färb- und geruchlose, süsse, syrupartige Flüssigkeit, welche sich in jedem Verhältnisse in Wasser, Weingeist und Aetherwoingeist, nicht aber in Aether, Chloroform und fetten Oelen löst. Es soll frei sein von Metallsalzen, namentlich von Blei (Trübung durch Schwefelwasserstoff), von Salzsäure und lt;Jhlornatrium (Höllensteinreaktion), von Schwefelsäure (weisse Trü­bung durch Baryumnitrat), Oxalsäure (weisse Trübung durch Chlor-caloium), von Kalk (Trübung durch Ammoniumoxalat), von Zucker
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Glycerin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 587
(verkolilt; reines Glycerin soll ohne Rückstand verbrennen), von Akrolein (reducirt und bräunt ammoniakiilische Silberlösung inner­halb Vlaquo; Stunde) u. s. w. A.P. 100,(raquo; s= 40 Pfennig.
Unguentum Glycerini, Grlycerinsalbe, wird durch Erwärmen von Glycerin (100), Weizenstärke (10), Tragant (2), Wasser (15) und Weingeist (5) im Dampfbade dargestellt. A.P. 100,0 — 1 Mark 30 Pfennig, Sein-gutes Pillenconstituens und Salbengrundlage.
t Glycerinum saponatum. Als Analogon zum Spiritus saponatus hat Hebra für derm atologischo Zwecke das Glycerinum saponatum eingeführt. Es wird dargestellt durch Auflösen getrockneter Kernseife in Glycerin auf dem Wasserbade im VerhiUtniss 2:8 (80quot;'laquo; Glycerin und 20 0/o Seife). Die heiss filtrirte Lösung stellt nach dem Erkalten eine leicht gelb­lich gefärbte, durchsichtige, elastische, geruchlose Masse dar, welche bei Körpertemperatur schmilzt und in Wasser vollkommen löslich ist, so dass es ausserdem auch als Waschmittel Verwendung finden kann. Als Salben-constituens soll es sich vorzüglich eignen, da es grosse Mengen von Arzneimitteln (Theer, Kreosot, Salicylsilure, Resorcin) auflöst, ohne dass seine Consistenz geändert wird.
Wirkung und Anwendung. 1) Das reine Glycerin ist ein stark hygroskopisches Mittel. Es wirkt daher in Folge Wasserent­ziehung auf Wunden und Schleimhäuten reizend und wird als aus­trocknendes Mittel bei der chirurgischen Behandlung von Schleim-hautkatarrhen (Uterus, Scheide) benutzt. Bei Wunden und Verbren­nungen ist das Glycerin wegen seiner reizenden Wirkung nicht an­
g
.-gt;
ezeigt. Da auch das Hufhorn durch Glycerin ausgetrocknet wird,
eignet es sich ebenfalls nicht als Hufsalbe (Zschokke).
2) Das Glycerin besitzt gab rungs- und fäulnisswidrige, sowie anti parasitäre Eigenschaften. Die ersteren verwerthet man z. B. bei der Conseivirung der Pockenlympbe; antiparasitär wirkt Glycerin namentlich gegen Gregarinen, weshalb es ein Hauptmittel bei der Behandlung der Gregarinose des Geflügels ist.
8) Als erweichendes Mittel verwendet man Glycerin ferner zur Auflösung und Erweichung von Borken und Schuppen auf der Haut. Ausserdem dient es als Lösungsmittel für sehr viele Arznei­körper: Sublimat, Jod, Brom, Jodsalze, Bromsalze, Borsäure, Tannin. Alaun. Brechwoinstein, Borax, Bleizucker, Chlorzink etc., sowie für alle Alkaloidc.
4) In Klystierform reizt das Glycerin ähnlich wie die Seife die Mastdarmsohleimhaut und regt dadurch retlectorisch die Peri-staltik an. Diese Wirkung bat man schon früher und neuerdings wieder in der Menschonhcillnmde (H ansen, Oidtmann, Anacker)
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Q-lyoerin.
in der Form der sogenannten Q-lyoerinklystiere gegen Verstopfung benutzt. Sohindelka, Kattner, Vogel u. A. luiben die Glycerin-klystiere mich als evacuirendes Mittel gegen lt;lic Kolik der Pferde, die Verstopfung der Rinder und Hunde etc. empfohlen; Pferden werden 3—5 g Glycerin, Rindern ein Esslöffel, Hunden 0.5—1 g in das Kec-tmn gespritzt. Die nach quot;• Minuten erfolgende eocoprotische Wirkung des Glycerins ents])richt liieboi etwa der eines Seit'enklystiers, für schwerere Verstopfungszustände ist es jedoch entschieden xu schwach. Ich habe wenigstens nach zahlreichen Versuchen bei Hunden, welche an Koprostase litten, für gewöhnlich mit den Glycerinklystieren keine Wirkung erzielt. — Bezüglich der Application der (laquo;lycerinklystiere ist zu bemerken, dass man hei Pferden das lange Ende des Ansatz­stückes einer besonders construirten Spritze über den Sphincter ani extemus in den Mastdarm einführt. Es genügt indessen beim Pferd und Rind eine einfache Wundspritze. Hei Hunden bedient man sich am einfachsten der Pravaz'schen Spritze.
quot;)) Innerlich kann das Glycerin wegen seine)' Süssigkeit als Gescbmackscorrigens für schlecht schmeckende Arzneien verwendet werden. Ob das Glycerin einen Nährwerth besitzt, ist fraglich (Munk, Lewin). In mittleren Dosen mit Wasser verdünnt wirkt es schwach abführend, indem es die Darmschleimhaut reizt; reines Glycerin in denselben Dosen erzeugt Gastroenteritis.
Grössere Dosen Glycerin vom Magen aus, sowie nach subeutaner Application bedingen eine charakteristische Vergiftung. Dieselbe ilussert sich nach Lllchsinger in Polyurie und Hämoglobinurie in Folge einer Auflösung der rothen Blutkörperchen.
Dosis.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; Rind 100—250,0.
Pferd 50—100,0. Schaf und Ziege 25—50,0. Schwein 25—50,0. Hund 10—25,0. Katze 5 — 10,0. Geflügel 2—5.(1.
Becepte.
II Rp. Qlyoerini
Aiju. destillat. ää 100,0. M. D. s. Aensserlioh gegen Stomatitis gregarinosa beim Geflügel.
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Parafrtnsalbe,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;589
2) ftp, (ilycerini 15,0.
Kalii oblorioi 7,quot;gt;-Acid, raquo;alioyl. 1,5. A(|ii!ie succo viridi tinctac 180,0. M. 1raquo;. S. Kicliiu'dson'schcs Geheimmittel gegen Hübnerdiphtherie.
Unguentum l'urafflni. Paraftinsalbe.
Pharmaceutische Chemie. Die Parafflusalbe ist eine weisse, durchscheinende, indifferente Salbe, welche aus festem und flüssi­gem Paraffin (1 : 4) durch Zusammenschmelzen dargestellt wird. A.P. 100,0 = 85 Pfennig.
Parafflnum solidum, festes Paraffin (C'eresin, Belmontin), ist eine feste, weisse, geruchlose, niikrokrystallinische, bei 74—80deg; C. schmel­zende Masse, welche theils aus Petroleum, theils aus Erdwachs (Ozo-kerit). einem in den Karpathen vorkommenden Mineral dargestellt wird. Es besteht aus festen Kohlenwasserstoffen der Methan­reihe (OnHan-f-s) und Aethylenreihe (OnHm).
Parafftnum liquidum, Hüssiges Paraffin (Paraffinöl, Vaselinöl), ist eint! farblose, wasserlielh;, ölige Flüssigkeit von 0,84 specifischem Q-ewioht, welche aus den Rückständen des Petroleums gewonnen wird. fijs besteht aus flüssigen, hochsiedenden Kohlenwasserstoffen der Methanreihe (Craquo;^,!.^).
Die Paraffinsalbe ist an Stelle der früher angewandten Vase­line eingeführt worden. Letztere ist eine weiche, gelbliche oder weisse Masse, welche ebenfalls aus den Rückständen des Petroleums dargestellt wird und ein Gemenge verschiedener hoehatomiger Kohlen­wasserstoffe von der Formel OjiHgn 2 bildet. Eine gute Vaseline ist ebenso indifferent wie die Paraffinsalbe und derselben gleiehwerthig; schlechte Sorten wirken aber reizend und bedingen namentlich beim Pferde nach der Einreibung Haarausfall. Die Vaseline ist in Oester-reich officinell.
Wirkung und Anwendung. Die Paraffinsalbe dient als decken­des Mittel für die Haut, sowie als indifferentes, nicht reizendes, niemals sich zersetzendes oder ranzig werdendes Constituens für Salben an Stelle des Schweinefettes. Als Salbenconstituens hat sie jedoch den Hauptnachtheil, dass sie fast gar nicht resorbirt wird, wesentlich theurer ist, als das gut resorbirbare Schweinefett, und dass sie wegen ihres sehr geringen Aufnahmevermögens für Wasser
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Ijiinolin.
Salzlösungen wieder ausscheidet. Officincll wird Parafiinsalbe statt Schweinefett verwendet zur Bereitung der rothen und weissen Prä-cipitatsalbe, der Bor-, Blei- und Brechweinsteinsalbe.
Wie Versuche vonMeunier n. A. gezeigt haben, kann Pferden das flüssige Paraffin in sehr grossen Mengen, nämlich bis zu l Kilo, ohne jede sichtbare Reaktion unter die Haut gespritzt werden.
t Liinolimim. Lanolin.
Pharmaceutische Chemie. Das Lanolin ist ein Cholestearin-fett (Cholestearinäther der höheren fetten Säuren), welches aus dem Wollschweisse der Schafe gewonnen wird. Nach Liebreich wird es aus dem rohen Wollfett (Oesypum) durch Verseifen der fetten Säuren desselben mit Alkalien und nachheriges Centrifugiren in rahmartigem Zustande abgetrennt. Aus dem so erhaltenen wasserfreien Lanolin (Lanolinura anhydl'ioum) wird durch Einkneten von etwa 250/o Wasser das Lanolin hergestellt. Es bildet eine fast woisse, salbenartige, indifferente Masse, welche im Gegensätze zu den Glycerinfetten sehr beständig und ausserdem keimfrei ist. Beim Veraschen soll es nicht mehr als lon/oo Asche hinterlassen. A.P. 100,0 = 1 Mark 30 Pfennig; 10,0= 15 Pfennig.
t Adeps lanae. Unter diesem Namen wird neuerdings ein billigeres Wollfett empfohlen, welches nach Fr e sen ins mit dem Lanolin in seiner Wirkung und seinen übrigen Eigenschaften vollkommen übereinstimmt.
t Thilanin. Ein neues Salbenconstituens, welches durch Ein­wirkung von Schwefel auf Lanolin gewonnen wird, und eine braune, salbenartige Masse darstellt, deren Gehalt an Schwefel 3(,;o beträgt. Das Thilanin soll bei leichteren Hautkrankheiten die gebräuchlichen indifferenten Salben durch seine etwas energischere Wirkung ersetzen.
Wirkung und Anwendung. Das Lanolin ist 1885 von Lieb­reich als Salbengrundlage eingeführt worden. Die damit be­reiteten Salben werden wohl auch Lanolimente genannt. Die An­gaben über den AVerth dieses neueren Constituens gehen in einzelnen Punkten sehr aus einander. Nach Liebreich unterscheidet sich das Lanolin von den (rlycerinfetten vor allem dadurch, dass es nicht ranzig wird und sich sehr leicht mit AVasser mischen lässt, indem nämlich 1O0 Theile Lanolin 105 Thcile AVasser aufnehmen. Diese Eigenschaften sind unbestreitbar. Auch ist das Lanolin, wie
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Lanolin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;591
übrigens alle Fette, keimfrei. Die weitere Eigenschaft lies Lanolins, die nahe, chemische Verwandtschaft mit den natürlichen Fetten der thierisclien und menschlichen Haut, bat dem Entdecker die Annahme nahe gelegt, dass es in Folge dessen auch eine grössere Resorptionsfähigkeit für die Haut besitze als andere Fette und Salhen-grundlagen. Diese Annahme seinen durch weitere Untersuchungen von Liebreich, Lassar und Bachmann bestätigt zu werden. Da­gegen gelang es Ritter in 17 Versuchen nicht, nach Einreiben von .Todkalium und Natrinmsalicylatsalben im Harne der betreffenden Thiere Jod oder Salicylsäure nachzuweisen. P. (riittmann fand bei seinen Versuchen mit Jodkaliiun-, Jod-Jodkalium-, Salicylsäure- und Natriumsalioylatsalben, dass die Resorption dieselbe oder sogar noch eine grössere war, wenn statt Lanolin Schweinefett als Excipiens genommen wurde.
Böhm, welcher das Lanolin bei seinen Versuchen ohne Zusatz von Fett oder üel, der wegen der starken Klebrigkeit des reinen Lanolins in einer Menge von 25—800/o üblicli und nothwendig ist, angewandt hat — ein Umstand, der möglicherweise die Richtigkeit seiner Schlussfolgerungen in Frage stellt und eine Nachprüfung em-ptiehlt —, berichtet über folgende Resultate der von ihm an Mäusen vorgenommenen Einreibungen. Das Lanolin verzögerte zunächst bei der subeutanen Injection von Lanolin-Strychninsalbe die Resorption des Strychninsalzes im Vergleiche zum Schweinefett, zur Paraffin­salbe und Glycerinsalbe. Bei der epidermatischen Application von Strychnin-Lanolinsalben auf die unversehrte Haut verhielt sich das Lanolin in Bezug auf die Allgemeinwirkung des ihm beigemischten Arzneikörpers ebenso ungünstig als die Paraffinsalbe und noch viel ungünstiger als Schweinefett und GTycerinsalbe. Versuche mit Cantha-ridensalbe ergaben, dass die massige resorbirende Wirkung des Lanolins auch vom Schweinefett und der Glycerinsalbe erreicht wurde. Nur die Lanolin-Veratrinsalbe wirkte etwas stärker, als die mit an­deren Constitucntien bereiteten Veratrinsalben; doch war der Unter­schied nicht sehr gross. Böhm ist der Ansicht, dass das Lanolin in etwas höherem Grade als die genannten übrigen Grund­lagen die Fähigkeit besitzt, in die Haarbälge einzudringen und so die reizenden Stoffe mit lebenden Zellen und ner­vösen Organen der Cutis in Berührung zu bringen, womit nicht nothwendig ein Uebergang ins Blnt verbunden ist. Er sucht die Ursache der ralativ guten Localwirkung der Lanolin­salben nicht in der Absorption von Wasser, sondern in der Fähigkeit
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Collodium.
und Klebrigkeit des Lanolins, wodurch beim Einreiben die Haut und die Haare stärker irritirt werden. Böhm hält das Lanolin nur als ein vorzügliches Exei [liens für Uecksalben und reizende Salben, wenn namentlich ein Ablaufen der letzteren sicher vermieden werden soll, und weisst scliliesslich auf den im Verhältnisse zu anderen Salben-grundlagen theuren Preis des Lanolins hin.
Recepte. (Naoh Liebreiok).
1) Kj). Acid! salioylioi 2,0. Adipis suilli 4,0. Lanolini 10,0. At. 1'. b'nguontuni.
#9632;J) Rp. Balsam Peruviaui 1,0. Lanolini 9,0. M, f. Lunolinu'ntnin.
8) KiJ. Hydrarg. oxyd. Hav. 1—10,0.
Unguent, oerei 20,0. Lanolini 7o,o. M. f. Unguontuni.
4) Rp. Kalii jodati 2,0. Aqu. destill, 1,0. Adipis suilli 2.0. Lanolini 16,0, M. i'. Lanolimentum (Unguentum).
Collodlnm.
Pharmaceutische Chemie. Das Collodium ist eine Auflösung von Dinitrocellulose oder Oollodiumwolle, 0lgH18(NOä)2O1(M in
Aether. Scbiessbaumwolle ist Trinitrocelluloso, (^„Hj^NO.,)/),,,. Man stellt zunächst aus Baumwolle (55), roher Salpetersäure (400) und roher Schwefelsäure (1000) die (Jollodiumwolle dar, und löst die letz­tere (2) dann in Aether (42) und Weingeist (G). Das Collodium bildet eine farblose oder nur schwach gelblich gefärbte, neu­trale, syrupartige Flüssigkeit, welche in dünner Schichte verdunstet und ein farbloses, fest zusammenhängendes Hautchen zurücklässt. A.P. 10,0 = 10 Pfennig, 100,0 == 00 Pfennig.
Collodium elasticum, elastisches Collodium, ist eine Mischung von Collodium (94), Terpentin (6) und Kicinusöl (1). Beim Eintrocknen übt es keine Contraction aus wie das gewöhnliche Collodium, sondern wirkt nur deckend. A.P. 10, = 10 Pfennig.
mm^mm
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#9632;1-
(inttaiieirliit.
S93
Collodium cantharidatum, Oantbaridenoollodium, wird aus einem ätherischen Auszüge der Canthariden unter Zusatz von Collodium dargestellt und bildet eine klare, olivengrüne, syrupöse Flüssigkeit, welche ein grünes Hilutchen hinterlilsst. A.P. 10,0 s= 25 Pfennig; 100,0 = 1 Mark 96 Pfennig.
Wirkung und Anwendung. l)us Oollodiura wirkt (leckend und zusiimnienziehend und wird daher einerseits als indifferentes Deckmittel auf Wunden und Geschwüre (Ohrgeschwür, Geschwür an der Sohweifspitze), andererseits als Constringens hei Mastitis. Oreliitis, Lymphadenitis, Erysipel etc. angewandt. Ausserdem dient es als Lösungsmittel für eine Reihe von Arzneikörpern, so namentlich Jodo­form. Tannin, Liquor Ferri. Oreolin, Sublimat, OarboMure etc.
. r
Recepte.
1) Rp, Liquor Perri sesquiohlor. 6,0. Collodii 50,0. M. D. S. Collod. styptiemn.
8) Rp. Oreolini 2,0.
Collod. olast. 20,0. M. D. S. Creolinoollodlnin.
Guttapercha^
Stamm pflanze: Diohopsis Gutta. Familie; Sapotaoeen.
Pharmakognosie. Die Guttapercha ist der eingetrocknete Milch­saft verschiedener Sapotaceen der ostindisohen Inseln (Sumatra, Borneo, Malacca) und zwar von verschiedenen Arten der Gattungen Dichop-sis, Ceratophorus, Bassia, Ochrosia, Palaquium, Isonandra, Cocosmanthus, Sideroxylon undPayena. Die rohe Guttapercha, welche für thierärztliche Zwecke (Hufkitt) in die neue deutsche Pharraakopöe aufgenommen worden ist, bildet dunkelbraune, leder-artig elastiselie, feste Massen oder Stücke, welche in Chloroform. Benzol, Schwofelkohlenstoff und Terpentinöl löslich sind und bei 100deg; C. weich und plastisch werden. Die Guttapercha erweicht in heissem Wasser und wird dann knetbar; nach dem Erkalten erhärtet sie wieder. In heissem Wasser umgesohmolzen und gereinigt, sodann papierdünn ausgewalzt, bildet sie die Percha lamellata, das Gutta­perchapapier, rothbraune, durchscheinende, glatte, glänzende, weiche, elastische Blätter. Guttapercha depurata, gereinigte Guttapercha, Krohner, Avznelinittollehrlaquo;, :). Aull.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 3g
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Giittapcroha.
bildet spiöde, gclblicliweisse Stangen oder Stengelchon (Zahnkitt). Eine Auflösung von Guttapercha in Chloroform (1 : Ö) war früher als Traumaticin in Verwendung (Ersatz für Collodium). Chemisch ist die mit dem Kautschuk verwandte G-uttapercha als Kohlen­wasserstoff „Gruttaquot; von der Formel (O10Hlfl)j aufzufassen. A.P. Guttapercha depur. 10,0 = 80 Pfennig. D.P. 1 Kilo Guttapercha = 8 Mark 50 Pfennig.
Kautschuk (Gummi elasticum) besteht aus den Milchsäften ver­schiedener tropischer Pflanzen, welche durch Einschnitte in den Stamm der­selben gewonnen werden. Der amerikanische Kautschuk stammt hauptsächlich von Siphonia-, Hevea-, Castilloa- und Hancornia-Arten, der asiatische von Ficus- und Urceola-Arten, der afrikanische von Vahea-, Landolphia- und Ficus-Arten. Ausserdem unterscheidet man den P a r a-kautschuk, Piaschenkautschuk, M an gab ei r ak au t s chu k,. Speckgummi, Borneokautschuk, Java-, Sumatra-, sowie den chinesischen Kautschuk. Der Kautschuk ist eine elastische, eigenthümlich riechende Masse, welche sich am besten in Terpentinöl und Steinkohlen-benzin löst und bei der trockenen Destillation das Kautschucin (Kaut-schuköl) liefert, ein Gemenge von Kohlenwasserstoffen, welches unter anderen das Kautschin von der Formel O^qH.^, ausserdem Isopren und Heven enthält. Die Einführung von Schwefel in den Kautschuk nennt man Vii 1 k anisiren; biezu gehört auch der H ar tk autschuk und Ebonit. Das Kautschukleder bestellt aus einem Gemenge von Kautschuk und Korkpulver. Balenit (künstliches Fischbein) ist ein Gemenge von Kaut­schuk, Schellack, gebrannter Magnesia, Schwefel, Goldschwefel und wird unter anderem zu elastischen Schienen in der Chirurgie verwendet. Der Hartkautschuk dient zur Herstellung verschiedener chirurgischer In­strumente und Schalen.
Wirkung und Anwendung. Das Guttaperchapapier dient zur Herstellung undurchlässiger Verbände, Priessnitz'scher Um­schläge, Eisbeutel. Die rohe Guttapercha bildet in Verbindung mit Am-moniakgummi (2 : 1) den Defays'schen Hufkitt, welcher durch Zu­sammenschmelzen beider Harze über gelindem Feuer dargestellt wird. Endlich dient die rohe Guttapercha zu Einlagen gegen Strahlkrebs und zur Herstellung anschliessender Schienen bei Knochenbrüchen.
Kecepte.
1) Rp, Kesin. Guttaperchac 100,0. Disseca in frustul., admisco Gummi ammoniaci 50,0. Lüiuefac leni igne diligontor agitando, usque massa perfeota unita sit. ü. S. Hufkitt nach Defays.
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Wasserglas.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 595
2) Rp. öuttaperohae 500,0. Adipis suilli 200,0. |{esin. Pini 150,0. Liquefao igno et iiiisce. D. S. Masse zu anscliliessonden Schieiiou liei Knoelionbriielien, auf Loin-wancl aufzutragen (Frioker),
Huflederkitt. An Stelle des Defays'schen Hufkitts hat Dominik (Auszug aus den Rapporten über die Krankheiten bei den Dienstpl'erden der preussisohen Armee 1887, IV. Quartal) einen Huflederkitt em­pfohlen, welcher als Patentartikel im Handel zu beziehen ist (M. Rotten, Berlin, Sehitfbauerdnmm 29a) und wahrschoinlich in der Hauptsache aus Guttapercha (oder Balatagummi) besteht (Geissler). Seine genauere Zu­sammensetzung und Darstellung wird geheim gehalten. Dieser Hufleder­kitt hat eine dunkelbraune Farbe und eine lederartige, elastische Be­schaffenheit. In heissem Wasser erweicht er zu einer zähen, elastischen, klebrigen Masse, welche in kaltem Wasser nach 1/lt;~1l' Stunde wieder lederartig wird. Beim Schmelzen über gelindem Feuer wird er wie der Defays'sche Hufkitt dickflüssig und sehr klebrig; in dieser Form wird er auf den vorher entfetteten Huf als Ersatz fehlender Wandtheile, zur Her­stellung eines geeigneten Tragrandes bei losen und hohlen Wänden, als Huf­eisen und Hufeinlage zur Verhütung des Ausgleitons etc. angewandt (auf­gestrichen oder eingegossen). Der Huflederkitt soll sich vor dem Defays-schen Hufkitt durch schnelleres Erkalten, festere und innigere Verbindung mit der Hornwand, grössere Elasticität, sowie wesentlich billigeren Preis auszeichnen (?), Der einmal benützte Hufkitt kann mittelst Einschmelzens wieder verwendet werden. Grabensee (Zeitschr. für Veterinärkunde 1889, S. 20) empfiehlt den Huflederkitt als Schutzmittel für verschiedene Huf­krankheiten, und lässt, um Sohle und Strahl mit in die Belastung herein­zuziehen, die ganze Sohlenfläche damit ausgiessen.
f
Liquor Natrii silicici. Natroinvasserglas.
NajSi08.
Fharmaceutische Chemie. Das Natronwasserglas ist kiesel­saures Natron, welches durch Zusammenschmelzen von Quarzsand (45), calcinirter Soda (23) und Holzkohle ((}) bereitet wird. Es bildet somit eigentlich flüssiges Glas. Es stellt eine klare, farblose oder schwach gelbliche, in der Kälte dickliche, in der Wärme dünn­flüssige, stark alkaliscli reagirende Flüssigkeit dar, vom speeifischen Gewichte 1,3—1,4, welche durch Säuren gallertig gefällt wird (Kiesel-säurehydrat). An der Luft zieht das Wasserglas Kohlensäure an und scheidet Kieselsäure ab (Erhärtung). Durch Schmelzen von Quarzsand, Pottasche und Kohle erhält man das Kali Wasserglas, KgSi08.
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m
Talk.
Calcium sulfuricum ustum, gebrannter Gyps, ist der durch Er­hitzen auf 160—160deg; C. von Krystullwasser (2H.p) befreite Gtyps = CaSO,. Er bildet ein weisses, amorphes Pulver, welches die Fähigkeit hat, beim Anrühren mit der Hälfte Wasser das verlorene Krystallwasser wieder auf­zunehmen und dadurch zu erstarren. Ueber 200deg; C. erhitzter, sogenannter „todtgebran n terquot;, sowie feuchter Gyps verlieren die Fähigkeit des Er­starren s.
t Tripolith ist eine Verbindung von Gyps (760/o), kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, Kohle, Sund etc. Er soll schneller erstarren und leichter sein als Gyps (?).
Wirkung und Anwendung
Herstellung fester Verbände bei Knucheiibriiclien.
yps diouen zur
Der Wasser-
glasrerband ist leichter, erstarrt aber erst im Verlaufe von 12 bis 25 Stunden, der Gypsverband ist schwerer, erstarrt jedoeb schon nach 5 Minuten. Das Erstarren wird beschleunigt durch Zusatz von war­in em. alaunhaltistem Wasser.
Talcum. Talk.
SMgSiOs HjSiOg.
Pharmaceutische Chemie. Der Talk {Magnesium silicicum, Talcum venetum) ist gepulvertes Magnesiumsilioat und bildet ein weisses, fettig anzufühlendes, krystallinisches Pulver vom speciK-schen Gewichte 2,7, welches in Säuren unlöslich ist. Mit Salicylsäure (3) und Stärkmehl (10) zusammen gibt Talk (87) das Pulvis sali­cylic u s c u m Tale o.
Wirkung und Anwendung: xVls Streupulver allein oder in Verbindung mit anderen austrocknenden Pulvern, z. B. Zinkoxyd, Magnesia usta, Lykopodium, Stärkmehl etc. Neuerdings wird der Talk ferner in der Menschenheilkunde als Stypticum gegen die Diarrhöen der Phthisiker empfohlen (200,0 pro die mit Milch).
Laminaria. LaminariaHtiele.
S t a m in p fl a n z e: Latninuria Oloustoni, F a in i li o : Algae.
Pharmakognosie. Die Laminariastiele sind die graubraunen. ',2—1 m langen, bis 1 cm dicken, eylindrischen. längsrunzeligen, hornartig harten Stiele des blattartigen Trieblagers von Laminaria. Cloustoni, des in allen Meeren an felsigen Orten wachsenden Riemen-
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Keratin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; f)fl7
tangs. Man drechselt aus ihnen Stifte von 5-—10 cm Länge und 2—10 nun Dicke, welche in Berührung mit den Geweben des Körpers aufquellen und daher zur blutlosen Erweiterung von Kanälen, Fisteln etc. dienen.
Die Tupelostifte (Quellstifte), welche ebenfalls zur Erweiterung von Kanälen, des Cervix uteri etc. dienen, werden aus dem Holze eines amerikanischen Baumes, Nyssa aquatica, durch Compression gewonnen.
Gossypium deparatum. bereinigte Baumwolle.
Stammpflanzen: GosBypiuin herbaoentn, arboreum eto. Familiet Slalvaoeen.
Pharmakognosie. Die Baumwolle besteht aus den Haaren der Samen der in den Tropenländern kultivirten Baumwollstaude. Sie dient mit Soda entfettet und von Beimengungen gereinigt als Ver­bandwolle. Im Unterschiede zu der nicht entfetteten Wolle nimmt sie, auf Wasser gelegt, dasselbe sofort auf und sinkt unter. Man imprägnirt sie mit den verschiedensten Desinfectionsmitteln.
Kernlin. Hornstoff.
Pharmaceutische Chemie und Anwendung. Das Keratin (Hornstoff) wird aus den verhornten Epidermiszellen der Nägel, Klauen, Hufe, Federn, Hörner, Haare etc. gewonnen, indem dieselben mit geeigneten Lösungsmitteln: verdünnten Säuren, sieden­dem Wasser, Alkohol oder Aether behandelt werden. Der in diesen Flüssigkeiten als unlöslich zurückbleibende Rückstand heisst Keratin. Dasselbe bildet hornartig harte, glasartige oder hellgelbe La­mellen oder Sohttppohen. Pillen, welche mit diesem Keratin über­zogen werden, lösen sich im Magen nicht auf, sondern erst im alka­lisch reagirenden Darmsafte; man benützt daher die „keratinirten Pillenquot;, um Arzneistoffe, welche den Magen reizen, oder in demselben zersetzt werden, mit üebergehung des Magens direkt auf den Darm einwirken zu lassen (Lnna). Zum Zwecke des lleberziehens der Pillen mit Keratin wird dasselbe entweder in Essigsäure oder in Salmiakgeist gelöst; die Pillen werden dann mit der Lösung unter fortwährendem {{ollen so lange befeuchtet, bis der Ueberzug stark genug und das Lösungsmittel verdunstet ist. Bei zu schwachem Keratinüberzuge lösen sich die Pillen schon im Magen, bei zu dichtem
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iVpsin.
bleiben sie aucb im JJarm ungelöst. Bei der Herstellung der Pillen-masse sind wässerige Zusätze womöglich zu vermeiden; am besten bedient man sich als Pillenconstituens eines geschmolzenen Gemisches von Wachs und Oacaobutter (1 : 10).
Zur Anwendung in keratinirten Pillen eignen sich namentlich Wurmmittel, Abführmittel, Quecksilberpräparate, Creolin, Naphthalin, Tannin, Opium etc.
Darstellung- des Keratins. Das Keratin wird nach der deutschen Pharmakopöo folgendonnassen hergestellt: 10 Theile geschabte Federspulen werden mit einer Mischung aus 50 Theilen Aether und 50 Theilen Wein­geist 8 Tage hindurch unter öfterem Unischütteln in einem geschlossenen Kolben ausgezogen, nach dem Abgiessen der Flüssigkeit mit lauem Wasser gut ausgewaschen, mit einer Lösung von 1 Theile Pepsin und 5 Theilen Salzsäure in 1000 Theilen Wasser einen Tag lang bei etwa 40deg; unter häu­figem Bewegen in Berührung gelassen, abermals gut ausgewaschen und nach dem Trocknen mit 100 Theilen Essigsäure 30 Stunden lang im Kolben mit Eückflusskühler gekocht, worauf man vom ungelösten Theile durch Glaswolle abfiltrirt, das Filtrat in Porzellan zur Syrupsdicke einengt und diesen Rückstand auf Glasplatten gestrichen, zur Trockne verdunstet.
Das officinelle Keratin bildet ein bräunlichgelbes Pulver oder ebenso gefärbte durchscheinende Blättchen ghne Geruch und Geschmack, beim Erhitzen unter Verbreitung des Geruches nach ver­branntem Horn eine schwierig veraschbare Kohle gebend, in den ge­wöhnlichen Lösungsmitteln und verdünnten Säuren unlöslich, dagegen löslich in concentrirter Essigsäure, Alkalien und Ammoniak.
Prüfung des Keratins. Der Hornstoff darf weder an Wasser, Weingeist, Aether und verdünnte Säuren, noch an mit Salzsäure angesäuerte wässerige Pepsinlösung etwas abgeben. 100 Theile desselben dürfen beim Veraschen nicht mehr als 1 Thoil, 24 Stunden lang mit dem 15fachen Gewichte Essigsäure oder Ammoniakflüssigkeit bei 35 -40ü hingestellt, nicht mehr als 8 Theile Küekstand hinterlassen.
Pfpsimmi. Pepsin.
PhamaceutiscKe Chemie. Das Pepsin ist ein feines, fast weisses, nicht hygroskopisches Pulver von eigenthümlichem, brot­artigem (leruche und süsslicbem, hinterher etwas bitterem Ge-schmacke, welches mit Wasser eine trübe, avif Zusatz von Salz­säure jedoch eine etwas klarere Lösung gibt. 0,1 g Pepsin in lOU g AVasser und 0,5 g Salzsäure gelöst muss 10 g gekochtes und fein zerriebenes Eiweiss bei oft wiederholtem, kräftigem Schütteln in einer Stunde bei 45n O. zu einer schwach opalescirenden Flüssigkeit
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Pepsin.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 599
lösen (1000/o Pepsin). Die neuere deutsche Fbarmakopöe schreibt diese PrUfung folgendormasson vor:
Von einem Ei, welches 10 Minuten in kochendem Wasser ge­legen hat, wird das erkaltete Eiweiss durch ein mittelfeines Sieh verriehen. 10 Gramm dieses fein üertheilten Eiweisses werden mit 100 com warmem Wasser von 50deg; und mit 10 Tropfen Salzsäure gemischt und dann 0,1 Pepsin hinzugefügt. Wird dann das Gemisch unter wiederholtem Durchschütteln bei 45deg; eine Stunde stehen ge­lassen, so muss das Eiweiss bis auf wenige weissgelbliche Häutchen verschwunden sein. — Bei längerem Aufbewahren zersetzt sich das Pepsin.
Das Pepsin wird nach verschiedenen Methoden aus der Magen­schleimhaut dargestellt. Man unterscheidet deutsches, französisches, englisches, amerikanisches Pepsin, Das deutsche Pepsin wird ge­wonnen durch Abschaben der Schleimhaut des Kälberlabmagens, Ex­traction mit Wasser und Ausfällung mit Kochsalz (Aussalzen). Nach wiederholtem Lösen in Wasser und Aussalzen wird es vorsichtig ge­trocknet und mit Milchzucker verrieben (leicht süsser Geschmack). Das französische Pepsin wird aus der Magenschleimhaut der Schweine durch Ausziehen mit Wasser und Ausfällen mit Bleiessig dargestellt; nach dem Trocknen wird es mit Stärkmehl verriehen. Auch Glycerin-ausziige der Labschleimhaut wurden früher als Pepsin bezeichnet. A.P. 10,0 = JO Pfennig.
Vinum Pepsinl, Pepsinwein, wird aus Pepsin, Glycerin, AVasser, Xereswein, Syrup, Poinmeranzontinctur und Salzsäure dargestellt.
t Peptonum, Pep ton, entsteht durch Verdauung von Eiweiss mit­telst Pepsin oder Pankreatin. Je nach der Darstellung bildet es eine syrupöse Flüssigkeit (Kemmerich, Koch, San der set) oder ein amorphes gelbliches Pulver (Adamkiewicz). Pepton ist ein Ersatz für Eiweiss. Dosis für Hunde 10—25,0, für Katzen 5 — 10,0.
t Pankreatinum, Pankreatin, das Ferment des Pankreassaftes, kommt theils in festen (eingetrocknete wässerige oder mit Alkohol aus­gefällte Extracte der frischen Bauchfelldrüse des Schweines und Rindes), theils in flüssigen (Glycorinauszüge) Präparaten im Handel vor,
t Papalnum ist ein eiweissverdauondes Ferment des Milch­saftes (Papayotin) eines südamerikanischen Melonenbaumes, Carica Papaya. Es bildet ein amorphes, weisses, leicht zersetzliches Pulver, welches das 2000fache seines Gewichts (Pepsin das lOOfache) an Fibrin verdauen soll. 6 quot;/oige Lösungen von Papayotin sollen Muskelfleisch und Croupmombranen in 2 Stunden zu einem Brei verdauen. Anwendung: als Storaachicum und Anthelinintlncum, als Aufli3sungsmittel für diphtheritische und crou-
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600
IliilnuTciweis
jjose Membranen, subentan und parenfbymatös zur Auflösung von Neu­bildungen (quot;gt;0;oige Pnpaj-otiniösungen). A.P. des Papnyotin, pur. 0,1 = 10 Pfennig.
t Jequiritin (Abrin), das Ferment der Paternostererbsen (Jequi-rity), einer in allen Tropenlilndern als Zierpflanze kultivirten Papilionacee: Abrus precatorius, deren scbarluchrothe, kugelige, etwa erbsengrosse Samen zu Rosenkränzen, Papparbeiten etc. benützt werden. Das Jequiritin ist ein Ferment mit stark entzündungserregender Wirkung, welches nament­lich gegen chronische Conjunctiviten empfohlen worden ist, in Form eines '/j quot;'nigen Infuses der enthülsten Samen mit 24stündiger Maceration. Das Infus wird so lange auf die erkrankte Schleimhaut aufgepinselt, bis eine starke glasige Schwellung derselben entsteht. Ich habe bei der Con­junctivitis follicularis der Hunde relativ günstige Wirkungen durch Jequi-rity erzielt (Berliner Arohiv 1888).
Wirkung und Anwendung des Pepsins. Das Pepsin ist ver­möge seiner Fälligkeit, bei Anwesenheit von Säuren Eiweiss zu leicht resorbirbamn Pepton zu verwandeln, ein sehr wichtiges Stomachi-cum bei den Verdauungsstörungen namentlich der Fleischfresser. Man gibt es entweder in Pulverform oder als Lösung mit .Salzsäure. Die Dosis beträgt für Pferde .',—10.0, Schweine 2—5,0, für Hunde 0,1 bis 1,0, Katzen 0,1—0,5.
Recepte.
1)nbsp; K|gt;. IVpsini 0,ö.
Saoohar. Lactis 1,0. M. I). tul. dos. Nr. V. S. Täglich 1 Pulver für einen Hund mit Magenkatarrh.
2)nbsp; ftp. Pepsini
Acidi hydrochlor. iTä 5,0. Aqu. destill. ^00,0. M. D. S, Sstttndlioh 1 EsslöfTel für einen Hund mit Indigestion.
Albumen ovl sicemn. Trockenes Hülmereiweiss.
Pharmaceutische Chemie. Das Hühnereiweiss bildet durch­scheinende, hornartige, dem arabischen Gummi ähnliche Massen oder ein gelbliches, geruch- und geschmackloses Pulver. Mit Wasser gibt es eine trübe neutrale Lösung, in Weingeist und Aether ist es unlöslich. Aus 5 cem einer wässerigen Lösung (1 — 1000), welche mit 10 Tropfen Salpetersäure versetzt sind, scheiden sich bei vorsichtigem Erwärmen reich lieh Flocken von geronnenem Ei­weiss ab.
mm
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Pleisobextraot.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;UO]
Prüfung. Werden 10 ccin der wttsserigen Lösung (I = 100) mit 5 ccm Oarbolsäurelösnna gemischt, und darauf 5 Tropfen Salpetersäure hin-zugefügt, so muss die Mischung nach dem Durchschütteln ein klares Filtrat geben. Werden 5 ccm dieses I'iltrats vorsichtig mit 5 com Weingeist über­schichtet, so darf letzterer nicht milchig trübe werden, 6 ccm des klaren Filtrats dürfen, mit 1 ccm Zehntel-Norraal-Jodlösung versetzt, nur rein gelb, nicht aber roth gefilrbt werden.
Anwendung. Das Hiilineruiwciss dient zur Darstellung des Liquor Ferri ulbuminati und anderer Metalliilhuminate. — In Oesterreich ist ausserdem officinell die Hausenblase, lohthyocolla, die getrocknete Schwimmblase verschiedener Accipenserai'ten (Berei­tung des englischen Pflasters); ferner Serum Lactis, die Molken (Diäteticum).
Extractum Carnls. Fleischextract.
Pharmaceutische Chemie. Das Fleischextract wird in Süd­amerika aus Bttffelfleisch, in Australien aus Hammelfleisch nach Ent-femung des Eiweisscs, Fettes und Leimes auf verschiedene Weise dargestellt. Es bildet eine körnige, braune, festweiche, nach gebratenem Fleische riechende, in Wasser leicht lösliche Masse, welche namentlich Kiilisalze (7—S0/raquo;), Phosphate und Kreatinin (2—80/o) enthält. Daneben findet man Kroatin, Sarcosin, Xanthin, Hypoxantbin, Carnin, inosit, Milchsäure, sowie geringe Mengen von Natrium, Magne­sium, Kalk, Eisen, Chlor und .Schwefelsäure. Im Handel sind ver­schiedene Sorten vorbanden (Liebig, Kemmerich, Buscbentbal, Buenos Ayres, australisches Extract).
Wirkung und Anwendung. Das Fleischextract bildet durch seinen Gebalt an Blutsalzen (phosphorsaures Kali) ein Blutplastioum, welches bei chronischen Blutkrankheiten (Anämie, Leukämie) und all­gemeinen Ernährungsstörungen Anwendung findet; Nährwerth besitzt es jedoch bei dem vollständigen Mangel an Eiweiss, Fett- und Kohle­hydraten nicht. Ausserdem bat das Fleischextract erregende Wirkungen auf die Verdauung, auf Herz und Gehirn (Kalisalze, Kreatinin) und wird daher als Stomachicum und Excitans bei Schwächezuständen der Fleischfresser angewandt. In grossen Dosen wirkt es durch seinen Gehalt an Kalisalzen tödtlich durch Herzlähmung,
Die Dosis beträgt für Hunde 2—10 g, mit warmem Wasser (50—100,0) gelöst oder der Fleisch brühe beigemengt.
^
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602
Destillirtes Wasser.
Aqua destilliita. Destillirtes Wasser.
H,0.
Pharmaceutische Chemie. Bus destillirte Wasser ist cine klare Flüssigkeit laquo;line öeaohmaok, Geruch und Farbe, welche ohne Rück­stand vordampft (Fehlen fester Bestandtheile) und sich weder trüben soll mit Sublimat (Ammoniakgelullt), noch durch Silbernitrat (Ohlor-natrium; organische Körper), noch durch Kalkwasser (kohlensaurer Kalk). A.P. 100,0 = 5 Pfennig.
Anwendung: Als Lösungsini ttel für Ar zneiprä parate.
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1
'i.
Alphabetisches Sachregister.
Abictinsilure 457. Absinth 487. Acetal 156. Acetanilid 37. Aceton 150. Acetpbenetidin 40. Acetum 447.
—nbsp; nbsp;aromatioum 448. 482.
—nbsp; Digitalis 48.
—nbsp; plnmbicum 1517.
—nbsp; pyrolignosum orudnm 222.
—nbsp; nbsp;saturninum 317.
—nbsp; Soillae 54. Achillein 393. Acidum acetioum 447.
-------aromatioum 448.
-------monochloratura 448.
—nbsp; anisicum 469.
—nbsp; arsenieosum 350.
—nbsp; asepticum 250.
—nbsp; benzoicum 28.
—nbsp; biohloracetioum 448.
—nbsp; boricnm 274.
—nbsp; borussicum 105.
—nbsp; camphoricura 453.
—nbsp; oarbolioum 210.
—nbsp; carbonicum 451.
—nbsp; cathartinicum 530. 533.
—nbsp; chloro-nitrosum 446.
—nbsp; chromicum 347.
—nbsp; clirysophanicuin 380.
—nbsp; citricum 450.
—nbsp; cresotinicuni 31.
—nbsp; cyanicum 105.
—nbsp; fluoricum 272.
—nbsp; formicicum 450.
—nbsp; gallicum 383.
—nbsp; gallotannicum 368.
Acidum byd i'obromioom
255.
—nbsp; bydroohlorioum 440.
—nbsp; hydroej'anatum 101.
—nbsp; hydrofluoricum 272.
—nbsp; hyperosmicum 349.
—nbsp; laoticum 451.
—nbsp; monoobloracetioum 448.
—nbsp; muriaticum 440.
—nbsp; niti'icum 446.
—nbsp; olfii'nicum 579.
—nbsp; osmioum 349.
—nbsp; oxynapbthoicum 244.
—nbsp; pbenylicum 210.
—nbsp; phonyloaceticum 250.
—nbsp; phenylo-propioiiicum 250.
—nbsp; pbospboricum 443.
—nbsp; picrinicum 249.
—nbsp; pioronitrioum 249.
—nbsp; pyrogallicum 382.
—nbsp; salicylicum 14.
—nbsp; sklerotinicum 203.
—nbsp; sozolicum 249.
—nbsp; spirieum 14.
—nbsp; Bulfurioum 444.
—nbsp; sulfurosuni 864.
—nbsp; tannicum 368.
—nbsp; tartaricum 451.
—nbsp; trichloraoetioum 448. Aconitin 163.
Acorin 490. Adeps suillus 577. Adomdin 65. Adoniskraut 65. Aegyptiacsalbe 320. Aeruginismus 327. Aerugo 326. Aether 126.
—nbsp; aceticua 127.
—nbsp; bromatua 131.
Aether ehloratus 154.
—nbsp; jodatus 155.
—nbsp; Petrolei 144.
—nbsp; suli'uricus 126. Aetherweingeist 127. Aethylalkobol 119. Aetbylbromid 131. Aethylcblorid 154. Aethylenbromid 131. Aethylencblorid 155. Aetliylidencldorid 154. Aetliyljodid 155. Aetbylum bromatum 131.
—nbsp; nbsp;jodatum 155. Aetzammoniak 431. Aetzbougies 294. Aetzkali 416. Aetzkalk 417. Aetzligaturen 294. Aetznatron 41(gt;. Aetzpaste, Canquoin'sche
333.
—nbsp; Wiener 417. Aetzsublimat 289. Agaricin 149. Agaricinsiiure 149. Agathin 27. Akonitin 163. Akonitknollen 163. Akonittinctur 103. Akorin 490. Alnntol 489. Alantwurzel 489. Alaun 341. Albumen ovi 600. Aldehyd 110. Alkohol 119. Allylsenföl 494. Aloe 526. Aloeextract 527. Aloetinctur 527.
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604
AlphabetUohes SaohrBgistei'.
Aloötiu 520. Aloin 526.
Alstonia consti-ictn 524. AltMabltttter 505. Altliilawurzol 565. Alumon ;!4l. Alumina hydnita ;{45. Aluminium aceticum 1)45. - acetieotaitarieiuu 345.
—nbsp; nbsp;ehloratum H45.
—nbsp; sulfuricmn 845. Amanita muscarin 203. Amanitin 203. Ameisensäure 450. Ameisenspintus 450. Amerikan. Pfeilgift 151. Ammonia 432. Ammoniacum 512. Ammoniak 4152. Ammoniakgnmmi 512. Ammonium aceticum 4l!9.
—nbsp; benzoicum 4;Ji). ~ bicarbonicum 439.
—nbsp; bromatum 132.
—nbsp; nbsp;carbonicum 434. ------pyrooleosutn 134.
—nbsp; nbsp;caustieum 432.
—nbsp; nbsp;chlovatum 435. ------ferratum 3)16.
—nbsp; citrioura 439.
—nbsp; fluoratum 439. - niti'icum 439.
—nbsp; phosphoncum 489.
—nbsp; nbsp;salicylicum 439.
—nbsp; succmioutn 439.
—nbsp; Bnlfoiohthyolicnm 216.
—nbsp; sulfui'icum 439.
—nbsp; valerianieum 439. Amygtlalae amaiao 101.
—nbsp; nbsp;dulces 579. Amygdalin 101. Amyleiihydiat 143. Amylenum hydratum 143. Amylium nitrosum 141. Amylnitrit 141. Amylum 575.
—nbsp; nbsp;Manihot 575.
—nbsp; Marantae 575.
—nbsp; 'I'ritici 575. Analgen 44. Anethol 409. Angelioawnrzel 4S9. Angerer'sche Pastillen 294. Angosturabittei- 3)93. Anilinfarben 278.
Anis 468. Anisöl 469. Anissiture 409. Anthra robin 380. Antiarin 66.
Antidotum Arsenici 305. Antit'ebrin 37. Antimonium erudum 388, Antinonnin 251. Antipyrin 34. Antiseptol 265. Antitbermin 44. Apiol 473. Apochinamin 2. ApocodeVn 170. Apocynin 66. Apomorphin 172. Aqua Amygdalarnni ama-rarum 101.
—nbsp; nbsp;Aurantii Flornm 507.
—nbsp; Bronii 136.
—nbsp; nbsp;Calcariae 417.
—nbsp; nbsp;carbolisata 211.
—nbsp; nbsp;chlorata 252.
—nbsp; nbsp;Cinnamomi 502.
—nbsp; nbsp;eoerulea 320.
—nbsp; nbsp;Creosoti 215.
—nbsp; nbsp;destillata 602.
—nbsp; nbsp;Foenieuli 471. I — tbrtis 446.
j — Goulardi 317.
—nbsp; nbsp;Kreosoti 216.
—nbsp; nbsp;Laurocerasi 102.
—nbsp; nbsp;Menthae piporitae 476.
—nbsp; nbsp;phagedaenica 295. 300.
—nbsp; nbsp;Picis 219.
—nbsp; nbsp;Plumbi 317.
—nbsp; nbsp;regia 446.
—nbsp; nbsp;Rosae 481.
—nbsp; nbsp;salium Hromi 136.
—nbsp; viridis 320. Arabinsiiure 560. Arabischer (Jurnmi 560. Araroba 380. Arbutin 376. Arecanuss 554. Arecolin 555. Argentum ehloratum 281.
—nbsp; nbsp;cyanatum 281.
—nbsp; nbsp;tbliatum 281.
—nbsp; nbsp;nitricum 280.
— — crystallisatuin 280.
-------cum kalio nitrieo 280.
--------fusum 280.
Argilla 345. Argyriasis 282. Aristol 264.
Armenischer Bolus 339. Arraoracia 498. Arnikabliithen 485. Arnikatinctur 486. Aromatische Tinctur 503. Aromatischer Essig 482. Arrowroot 575. Arsenik 350.
Asa i'oetida 515. Asant 515. Asarumkamphei' 523. Aseptinsiiure 250. Aseptol 249. Aspidospermin 154. Atropa Belladonna 87. Atropin 87. Augenstein 3)26. Aurantiamarin 507. Auronatrium ehloratum
349. Aurum ehloratum 349. — foliatum 349. Axungia porci 577.
BabolnaerKrel)stinctur350. Bacoae Spinae cervinae 534. Bärentraubenblätter 376. Bärlappsamen 570. Baldriantinctur 484. Baldrianwurzel 4^4. Balsamum Copaivae 511.
—nbsp; nbsp;de Tolu 511.
—nbsp; nbsp;Gurjunae 511.
—nbsp; nbsp;Peruvianum 508.
—nbsp; nbsp;Styracia 510.
—nbsp; nbsp;Tolutanum 511. Baptisin 545. Barraenit 277. Baumwolle 597.
Baumwollwurzel 209. Belladonnabliitter 87. Beluiontin 589. Benzanilid 45. Benzinum I'otrolei 144. Ben/.oe 28. Benzoesiiure 28. Benzoesaures Natrium 28. Benzol 144. 248. Benzonaphthol 245. Berberin 208. 393. Berberis acjuifolinm 393. Bertrarawurzel 523. Besenginster 64. Beta-Naphthol 242. Betelnuss 554. Betol 25. Bibergeil 522. Biberneilwurzel 493. Bier 120. Bijodatsalbe 302. Bilsenkraut 95. Bilfieukrautöl 97. Birkenholztheer 219. Bismuthmu gallicura 341.
—nbsp; nbsp;subnitricum 340. Bitterholz 388.
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Alphabetisches Sachregister
üorgt;
Bittei-klee iiST. Bittere Mandela 101. BittennandelwasKer 101. Bittersalz 429. Bittersüasstengel 154. Bitterthee 387. Blausäure 101. Blaustift 326. Blauwasscr 320. Bleiaoetat 816. Bleicarbonat 318. Bleioerat 317. Bleiessig 317. Bleiglfttte 318. Bleioxyd 318. Bleipflaster 318. Bleisalbo 317, Blei, salpetersaures 318. Bleivergiftung 320. Bleiwasser 317. Bleiweiss 318. Bleizuoker 316. Blistern 302. Bockshornsamen 568. Boldo 524. Boletus Lariois 149. Uolus 345. Borax 276. Borkresolwasserstott'suiior-
oxyd 250. Borsäure 274. Borsalbe 275. Branntwein 12Ü. Brausumagnosia 428. Brausepulver 451. Brecliuuss 158. Breohwein 334. Brechweinstein 333. Hrechweinsteinaalbe 334. Brechwarze] 176. Brenzgallussilure 382. Brenzkatechin 249. Brom 255. Bromäther 131. Hronülthyl 131. Bromalhydrat. 155. Bromammonium 132. Bromcalcium 188. Bromchlorid 255. Bromismus 134. Bromkalium 132. Bromkampher 155. 453. Bromnatrium 132. Bromoform 155. Bromaalze 132. Bromum ohloratum 255. — solidificatum 256. Bromwasser 136. Bromwasseratoffsäure 255. Bruciii 158.
Brustelücir 572. Brustthee 572. Buohenbolztheer 219. Hulbus Scillae 54. Bulliich'sches Salz 401. Burow'sohe Lösung 344. Bursa Pastoris 380. Butylohloral 155. Butyruiu Caciio 577.
c,
Cacaobobuen (10. Cacaobutter 577. Cactus grandifloius 65. Oadeöl 219. Catt'ee 55. 60. Catteol (iO. Cajeputol 50(). Calabarbohne 186. Calamin 490. Calcaria carbonica 419.
—nbsp; chlorata 251. phosphorica 421.
—nbsp; sulfurica 596.
—nbsp; nbsp;usta 417.
Calcium carbonicum 419. ohloratum 251.
—nbsp; hypochlorosum 251.
—nbsp; nbsp;oxydatum 417.
—nbsp; phosphoricum 421.
—nbsp; salicylicum 27.
—nbsp; subsulfurosum 364.
—nbsp; sulfuricum 596. Calmuswurzel 490. Calomel 296. Calx chlorata 251.
—nbsp; nbsp;viva 417. Camhogiasäure 586. Camillen 474. Campechienholz 379. Campher 452. Campheröl 453. Camphersäure 453. Campherspiritus 453. Camphora monobromata
155. 453.
—nbsp; phenylica 453. - trita 453.
Canadin 208. Caunaben 152. Cannabin 152. Cannabinou 152. Cannabis sativa 152. Canquoin'sohe Aetzpaste
333. Cauthariden 516. Cantharidencollodium 517 Cantharidenöl 517. Cantharidenpflaster 517.
Gantharldeiisalbe 516.
C'apaloe 526. Capita Papaveris 69. Gapsioin 499. Capsicol 499. Capsicum 499. Garbo animalis 277.
—nbsp; Ligni 277. GarboTsäure 210. Cardamom 501. Cardobenedictenkraut 388. Cardol 523.
Caroba 524. Carpain 60. Carroba 573. Carrageen 570. Carven 472. Carvol 472. C'aryophylli 503. Casoara saorada 545. Casoarillenrinde 891. Cassawastärke 575. Cassia fistula 545. Castoreum 522. Castrirpulver 300. Cataplasma ad decubitum
317. Catechu 374. Cathartinsäure 530. Cayennepfeffer 499. Cera 582.
Cereoli sublimati 294. Ceresin 589. Cerium oxalioum 349. Cerussa 318. Cetaceum 577. Cetrarin 390. Cevadin 166. Chabert'sches Oel 224. Charta sinapisata 495. Chelidonium 546. Chilisalpeter 414. Chinaextract 3. Chinagerbsäure 2. Chinarinde 1. Chinasäure 2. Chinatinctur 8. Chinawein 3. Chinidinum 2. Chinidinum sulfuricum 8. Chininsalze 6. Chininum 2.
—nbsp; aceticum 8.
—nbsp; arsenioicum 8.
—nbsp; arsenicosum 8.
—nbsp; bimuriaticum carbami-datum 8.
—nbsp; bisulfuricum 8.
—nbsp; borioum 8.
—nbsp; broinatum 8.
i
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(JUG
Alphabotisclios Sachregister.
Chinimuu iliinicnin 8.
—nbsp; nbsp;eitricum 8.
—nbsp; feiTOeitrieum 8.
—nbsp; nbsp;ferroliydroeyanieum 8.
—nbsp; ferrobydrojodicuiu 8.
—nbsp; nbsp;ferrohydi'olacticuni 8.
—nbsp; t'crrohydrovaloriani-eum S.
—nbsp; bydroohlorioucn (J.
—nbsp; bydrojodlcum 8.
—nbsp; hypopbosphoricnm 8.
—nbsp; jodohydrojodiouiu 8.
—nbsp; nbsp;liieticura 8.
—nbsp; inui'iaticura (i.
—nbsp; nbsp;phosphoricum 8.
—nbsp; salioylioum 8.
—nbsp; sulfoaethyliouiii 8.
—nbsp; sulfophenylicum 8.
—nbsp; sulfurioum (3.
—nbsp; nbsp;tannicuni 8.
—nbsp; valerianicum 8. Chiiiioidinum 2. 8.
—nbsp; boracicum 8.
—nbsp; nbsp;eitricum 8.
—nbsp; Bulfuricum 8.
—nbsp; tannicuni 8. Chinoidintinctur 8. Cbinolinum 44.
—nbsp; salioylicum 44.
—nbsp; tartarieum 44. Chinovasiiure 2. Chinovin 2. # Chlor 252. Chloral 115. Chloralamid 119. Chloraleyanhydrat 105. Chloraltorinamid 119. Chloralhydrat 115. Chlorammonium 435. Chlorbrom 255. Chloressigsäure 448. Chlorgas 252. Chlorgold 349. Chlorkalk 251. Chlormethyl 154. Chlornatrium 394. Chloroform 100. Chlorsaures Kali 272. Chlorsilber 281. Chlorwasser 252. Chlorwasserstotf'siUire 440. Chlorzink 332. Chromsäuro 347. Chromsaures Kali 347. Chrysophansäure 380. Chrysarobin 380. Cinchona Calisaya 1.
—nbsp; succirubra 1. Cinchonidinutn 1.
—nbsp; salicylicum 13.
Cinchonidinum .sulfurieum 13.
—nbsp; tannicum 13. Cinchoninum 1.
—nbsp; hydrochlorioum 13.
—nbsp; sulfurieum 13.
—nbsp; nbsp;tannicum 13. Cinnamem 509. Cinnamoiuum 502. Citroncnöl 500. Citronenschalo 500. Citronens'aure 450. Cnicin 388. Cocabasen 82. Coeablättcr 82. Cocam 82.
CoeaTnum muriaticum 82. Cocamin 82. Cochleariakraut 497. Cocosnüsse 555. Coeosnussöl 577. Codamin 08. Code'in 07. 81. C'odeiniimphosplioricum81. Coffea usta 60. Colfe'inum 55.
—nbsp; benzoicum 50.
—nbsp; nbsp;eitricum 50.
—nbsp; nbsp;hydrobromicum 56.
—nbsp; nbsp;hydrochloricum 57.
—nbsp; lacticum 56,
—nbsp; natriobenzoioum 56.
—nbsp; nbsp;natriobromatum 57.
—nbsp; nbsp;natriocinnamylicum 56.
—nbsp; nbsp;natriosalicylicmn 56.
—nbsp; nitricum 56.
—nbsp; sulfurieum 56.
—nbsp; nbsp;tannicum 56.
—nbsp; nbsp;valerianicum 50. Cognac 120. Colanüsse 56. Colchicin 181. Colohicumtinctuv 182. Cold-Cream 579. Collodium 592.
—nbsp; nbsp;cantharidatum 517.
—nbsp; nbsp;eausticum 294.
—nbsp; nbsp;elasticum 592.
—nbsp; nbsp;stypticum 314. Colocynthin 543. Colombowurzel 389. Colophonium 458. Coloquinthen 542. Columbin 389.
Conohae praeparatao 420.
Condurangin 392.
Condurangorinde 392.
Conhydrin 99.
Coniin 99.
Conium macidatum 99.
Convallamarin 05. Convallaria majalis 65. Convallarin 65. Convolvulin 536. Copaivbalsam 511. Corallia rubra 420. Coriander 472. Cornu Corvi ustum 422. Cornutin 205. Cortex Aurantii 507.
—nbsp; Angosturae 393.
—nbsp; Cascarillae 391.
—nbsp; nbsp;Chinae 1.
—nbsp; nbsp;Cinnamomi 502.
—nbsp; nbsp;Condurango 392.
—nbsp; nbsp;Coto 523.
—nbsp; Frangulao 535.
—nbsp; nbsp;Fruotus Aurantii 507. --------Citri 506.
—nbsp; Granati 552.
—nbsp; nbsp;Hippocastani 379.
—nbsp; Pisoidiae 153.
—nbsp; Populi 379.
—nbsp; nbsp;Quebracho 154.
—nbsp; Quereus 871.
—nbsp; nbsp;yuillajae 180.
—nbsp; nbsp;Kadieis Gossipii 209. #9632;— — Qranati 552.
—nbsp; nbsp;Salicis 378.
—nbsp; nbsp;Ulmi 379. Cotarnin 08. Cotoin 523. Cotorinde 523. Cremor Tartar! 410. Creolin 225. Creosot 215. Cresol 225. Cresotinsäurc 31. Greta alba 419. Crocus 504. Crotonöl 537. Cryptopin 08. Cubehae 500. Cumarin 494. Cuprum aeeticum 326.
—nbsp; nbsp;aluminntum 326.
—nbsp; nbsp;arsenioioum 326.
—nbsp; nbsp;bichloratum 326.
—nbsp; nbsp;carbonicum 326.
—nbsp; nbsp;chromicum 326.
—nbsp; nbsp;cyanatum 326.
—nbsp; nitroprussicum. 326.
—nbsp; nbsp;olei'nicum 32G.
—nbsp; nbsp;oxalicum 326.
—nbsp; nbsp;oxydatum 326.
—nbsp; nbsp;sulfophenylicum 326. -- sulfurieum 325.
—nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;ammoniatum 320.
—nbsp; tartarieum 326. Curare 151.
mmam
mttm
mmm
ocr page 629
Alpbabetisobes Saohreglsteri
607
C'usso 551. Cyankalium 105. (JyanwasHerritoft' 105. Cystisin 05.
I).
Damiana 524. Dammarhaiz 459. Daturin 99.
Defays'scher Hufkitt 512. Delphinin 165. Dermatol 341. Diachylonsalbe 318. Diaphtherin 250. Digitalin 47. Digitalisbliltter 47. Digitalistinctur 48. Digitoxin 47. Dihydromothylphenylpyra-
cin 46. Dijodthioresorcin 265. Dillsamen 468. Dimethylacetal 156. Dinifci'okresolnatrium 252. Dippel'scheK Oel 224. Dithiosalicylsaures Natrium
27. Diuretin 60. Doppelsulz 406. Doppeltchromsaures Kali
347. Doppeltkohlensaures Kali
405. — Natron 401. Dower'sclies Pulver 68. 177. Drachenblut 379. Duboisin 99. Dulcamara 154. Dynamit 142.
E.
Kbur ustum 422. Kibischbliltter 564. Eibischwurzel 564. Eicheln 378. Eichenrinde 371. Eisen 304. Bisenacetat 315. Eisen, äpfelsaures 315. Eisenalbuminat 314. Eisenchlorid 312. Eisen, essigsaures 315. Eisenfeile 305. Eisenhutknollen 163. Eisenjodür 316. Eisonkarbonat 315. Eisen, milchsaures 315. Eisenoxychlorid 315.
Eisenoxyd, äpfelsaures 315. Eisenpeptonat 316. Eisenpulver 305. Eisen, reducirtes 305. Eisonsalmiak 316. Eisensyrup 314. Eisenvitriol 310. Eisenzucker 314. Eisessig 447. Ekbolin 206. Ekgonin 82. Elaoosaccharum 469. Elaterium 545. Eleotuarium e Senna 533. Elemiharz 459. Elixir amarum 385.
—nbsp; Aurantiorum 507. Embelia Ribes 566. Emetin 177. Einplastrum acre anglicum
514.
—nbsp; adhaosivum 459.
—nbsp; cantharidum 517.
—nbsp; C'erussae 318.
—nbsp; ad decubitum 318.
—nbsp; Hydrargyri 287.
—nbsp; Lithargyri 318.
—nbsp; saponatum 318.
—nbsp; vesicatorium 517. Eraulsin 101. Engelwurzel 489. Enziantinctur 384. Enzianwurzel 384. Ergotin 205. Ergotinsäure 205. Ergotismus 206. Erythrocentaurin 387. Erythrophloe'in 149. Erythroxylon Coca 82. Eschscholtzia californial 54. Eserenüsse 186. Eseridin 194.
Eserin 187. Essig 447.
—nbsp; aromatischer 448. Essigilther 127. Essigsäure 447. Essigsaures Kali 409.
—nbsp; Natron 410.
—nbsp; nbsp;Thonerde 345. Eugeuol 503. Eukalyptol 483. Eukalyptusöl 483. Euphorbia pilulifera 524. Euphorbiumharz 514. Euphorbon 514. Euphorine 46. Europhen 264. Evonymin 66. 545. Exülgin 43.
Extractum Absinthii 4.S7.
—nbsp; Aconiti 164.
—nbsp; Aloes 527.
—#9632; Belladonnae 89.
—nbsp; Cacti grandiflor! laquo;5.
—nbsp; Calami 490.
—nbsp; Cannabis Indicae 152.
—nbsp; Carnis Liebig 601.
—nbsp; Chinae 3.
—#9632; Colocynthidis 543.
—nbsp;Condurango fluidmn 392.
—nbsp; Cornutinosphacelini-cum 205.
—nbsp; Cubebarum 500.
—nbsp; Digitalis 48. ,
—nbsp; Ferri pomatum 315.
—nbsp; Filicis 549.
—nbsp; Frangulae fluidum 535.
—nbsp; Gentianae 384.
—nbsp; Glycyrrhizae 571.
—nbsp; nbsp;Gossipii 209.
—nbsp; nbsp;firarainis 566.
—nbsp; Hydrastis fluidum 208.
—nbsp; Hyoscyami 96.
—nbsp; Licpiiritiae 571.
—nbsp; Opii 68.
—nbsp; Rhei 530.
—nbsp; Scillae 64.
—nbsp; Seealis cornuti 204. -----------fluidum 204.
—nbsp; Strychni 159.
—nbsp; Taraxaci 391.
—nbsp; Trifolii'387.
F.
Faba Calabarica 186.
—nbsp; nbsp;Ignatii 158. Färberwurzel 379. Faulbaumriucle 535. Fei Tauri 393. Fenchel 471. Fenchelöl 470. Fenchelwasser 471. Ferrum 304.
—nbsp; aceticum 315.
—nbsp; albuminatum 314.
—nbsp; arsenicosum 316.
—nbsp; benzoieum 316.
—nbsp; nbsp;bromatum 316.
—nbsp; carbonicum sacchara-tum 316.
—nbsp; chromicum 316.
—nbsp; citricum 314.
—nbsp; glycerinatum 316.
—nbsp; hydricum in aqua 305.
—nbsp; hydrooxydat. dialysa-tum 316.
—nbsp; jodatum 316.
—nbsp; lacticum 316.
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(308
Alpkabetisohes Saohregistet.
Ferruiu oloinicum :!l(i,
—nbsp; oxydatum t'uHoum 810.
—nbsp; oxydat. saccharat. 314.
—nbsp; (ixycUilatuinnigrum;Jl(j. peptonatum 'tia.
—nbsp; phosphoiioum ölii.
—nbsp; pomatum ;515.
—nbsp; pulveiatum ;i05.
—nbsp; nbsp;pyrophosphoDicuin 310.
—nbsp; reduetum 806.
—nbsp; salicylicum iillj.
—nbsp; sosquichloratum '.',12.
—nbsp; steai'inicum 816.
—nbsp; succinicum ;:!1(gt;.
—nbsp; suli'uratum Ülü.
—nbsp; sulfunoum 810.
- sulibphenylicum 816.
—nbsp; tannieum Ulli.
—nbsp; toi'tariouin 816.
—nbsp; valerianicum 816. Fichtenharz 458. Fieberklee :iS7. Filioin 649. Kilixsi'uire 649. Fingei'hutblätter 47. Fingerhutextraot 48. Fingerh uttinctur 48. Fleoksohierling !)ö. Flelsohextraot 601. Fliederthee 481. Fliegensohwamtn 20;!. Floras Amicae 485.
—nbsp; üeiizoes 28.
—nbsp; Chamomillae 474.
—nbsp; Oinae 547.
—nbsp; ('onvallariae Majalis 05. Koso 551.
—nbsp; nbsp;ICusso 551.
—nbsp; nbsp; Lavandulae 480.
—nbsp; nbsp;iMalvae 505.
—nbsp; Fyrethri 508.
—nbsp; nbsp;Rhoeados 565.
—nbsp; Rosae 481.
—nbsp; Sambuoi 481.
—nbsp; Sulfaris 861.
—nbsp; Tiliae 481.
—nbsp; Verbasci 505.
—nbsp; Zinci 32!).
Flüchtiges Laugensalz 434. Fluorwassorstotfsiuire 272. Flusssilure 272. Foenmn graecum 508. Folia Althaeae 504.
—nbsp; nbsp;Belladonnae 87.
—nbsp; Coca 82.
—nbsp; Digitalis 47.
—nbsp; Farfarae 500.
—nbsp; .laborandi 196.
—nbsp; Jaglandla 878. Malvae 505.
Folia Matioo 371*.
—nbsp; Melissae 477.
- Menthae oispae 470.
—nbsp; nbsp;— piperitae 475.
—nbsp; nbsp;Nicotianae 182.
—nbsp; Rutae 524.
—nbsp; Salviae 377.
—nbsp; Sonmic 532.
—nbsp; Stramonii 98.
—nbsp; Tritblii fibrini 387.
—nbsp; nbsp;Uvao Ursi 370. Foinentationen.Schmucker-
sehe 415. Fowler'sihe Lösung 351. Frangularinde 535. Fructus Acaoiao Germani-
cae 379.
—nbsp; Anothi 408.
—nbsp; A nisi 408. -------stellati 408.
—nbsp; Aurantii immaturi 507.
—nbsp; Capsioi 499.
—nbsp; Cardamomi 501.
—nbsp; Carvi 472.
—nbsp; Ceratoniae 507.
—nbsp; Oolocynthidis 542.
—nbsp; Coriandri 472.
—nbsp; nbsp;Foeniculi 471.
—nbsp; .luniperi 400.
—nbsp; l.auri 468.
—nbsp; nbsp;Myrtilli 379.
—nbsp; Papaveris immaturi 09.
—nbsp; Petroselini 475.
—nbsp; Phellandrii 472.
—nbsp; Rhamnicatharticae 534.
—nbsp; Sorbi aucupariae 379.
—nbsp; nbsp;Vanillae 504.
—nbsp; Vitis idaeae 379. Fuligo splendens 224. Fumigationes chlori 252. Fungus Lariois 149.
G.
Galbanum 513. Galgantwurzel 502. Galitzenstein 329. Gallaoetophenon 383. Gallae 372. Galläpfel 372. Gallusgerbsilure 308. Gallussäure 383. Gartensohierling 99. Gaultheria procumbens 15. Gebrannter Kalk 417.
—nbsp; Knochen 422.
—nbsp; Magnesia 425. Geigenharz 458. Gelatina Carrageen 571. Gelber Jasmin 163.
Gelber Präoipitat ;')00. Gelseminin 153. Gentiana 384. (Jontiopikrin 384. Gerbsäure 308. Gewürznelken 503. Qiftlattiohsaft 168. Gips, gebrannter 590. Githagin 180. Glandes Querous 378. Glandulae Lupuli 392. Glanzruss 224. Glaubersalz 405. Glycerin 586. Glyoerinsalbe 587. (ilyeyrrhizin 572. Gnoskopin 68. Goapulver 380. (Iold 349. Goldsohwefal 338. Gossypiin 209. Gossypium depuratum 597. Gottesgnadenkraut 388. Goulard'sches Wasser 317. Grana Tiglii 537. Granatrinde 553. Gratiolin 54(3. (iraue(juecksilber.salbe287. Grauspiessglanz 338. Grindelia 524. Grindwurzel 380. Grünspan 320. Guaranapaste 56. 61. Guajakholz 522. Guayukol 216. Guineapfeffer 499. Gummi Ammoniaoum 512. Gummi, arabisches 509. Gummi elastioutn 594. Gummigutti 535. Gurjunbalsam 511. Guttapercha 593. Gutti 535.
(iyps, gebrannter 596. Gypsophila Struthium 180.
H.
Ilämatoxylin 379. Hämogallol 383. llämol 383. Haidekraut 380. Haller'sches Sauer 445. Hamamelis 379. Hammeltalg 577. Hanf, indischer 152. Hanfsamen 507. Haschisch 152. Haselwurzel 523.
ocr page 631
AlphabetisoheB SaohreglBter.
(509
Hauhechelkraut 380. Miiuheclielwui'z 492. llauntus Viennensis 688. Ifobra'solio Salbe ;U8. Heftpflaster 459. Heitlolbeeren 379. Helenin 489. Helleboroin 167. Helleborin 66. 107. Helleborus 167. Helmerich'sche Salbe 363. Hepar Sulfuris 364. llerba Absinthii 487. —• Atlonis vernalis 65. #9632;
—nbsp; Cannabis Indicao 152.
—nbsp; Capilli Veneriä 525. —#9632; Cardui benedioti 888.
—nbsp; Centaurei 387.
—nbsp; Cholidonii 546. •— Chenopodii 525.
—nbsp; Cochloariae 497.
—nbsp; Conii 99.
—nbsp; Kricao vulgaris 380.
—nbsp; Galeopsidis 525.
—nbsp; nbsp;Gratiolae 546.
—nbsp; Hernariae 525.
—nbsp; Hyoscyami 95.
—nbsp; Lobeliae 153.
-nbsp; Meliloti 494. - Millefolii 3Ü3.
—#9632; Ononidis spinosao 880.
-nbsp; nbsp;Origani 525.
—nbsp; Polygalae 393.
—nbsp; Serpylli 479.
—nbsp; Spilanthis 525,
—nbsp; Tanaceti 554.
—nbsp; Thymi 477.
—nbsp; Violae trieoloris 566. Herbstzeitlose 181. Hesperidin 505. Himbecrsyrup 573. llirschhornöl 223. Birsobhomsalz 434. Ilirteutilschohon 380. Höllenstein 280. Hoffmann's Tropfen 127. Hollunderblttthen 4SI. Holzessig 222. Holzkohle 277. Holztheor 218. Ilomntropin 94. Honig 573. Hopfen 392. Hoptenbitter 303. Ilufkitt, Defaya'schor 512. Huflattich 566. Ilydrauotin 43. Hydrargyrum 284.
—nbsp; nbsp;aethylochloratura 304.
—nbsp; nbsp;alaninicum 304. 7''rfill nor, Arzneiinittelloliro
Hydrargyrum amidato-bichloratum 304.
—nbsp; nbsp;bichloratum 289.
—nbsp; bichloratum-oarbaraida-tum 303.
—nbsp; nbsp;bijodatum 302.
—nbsp; chloratum 296.
-nbsp; nbsp;citricum 304.
-nbsp; nbsp;cyanatum 303.
—nbsp; nbsp;diphenylicum 304.
—nbsp; formamidatum 304.
—nbsp; nbsp;gynokardicum 304.
—nbsp; jodatum 302.
-nbsp; naphtholioum 304.
-nbsp; nitricum 304.
-nbsp; oloinicum 304.
—nbsp; nbsp;oxycyanatum 304.
—nbsp; nbsp;oxydaturn 300.
—nbsp; nbsp;oxydulatum 304. — peptonatum 303.
-- praeoipitatum album 303.
—nbsp; nbsp;— rubrum 300.
—nbsp; nbsp;salicylicum 304.
—nbsp; nbsp;sulfo-ichthyolicum 240.
—nbsp; nbsp;sulfuratum ;'04.
-nbsp; nbsp;sulfuricum 304.
—nbsp; nbsp;tannicum 303. tliymolo-acetieum 304.
-nbsp; nbsp;— -nitricum 304.
—nbsp; — -sulfuricum 304. Hydras Chlorali 116. llydrastin 208. llydrastinin 209. llydrastiswurzel 208. Ilydratum Chlorali 115. llydrochinon 249. 376. Ilydrocotarnin 68. I lydrogenium sulfuratum
306. llydroxylamin 383. Hyoscyamin 96. Uyoscin 96. I lypcrmangimsanrcs Kali
346. I lyperosmimusiiure 34!). Ilypnal 157. Ilypnon 147.
I.
Ichthyol 245. Ignatiusbohne 158. Iiiiporatoriaol 491. Imperiitorin 491. Indischer Hanf 152. Infusum Sennao compos.
533. Ingwer 500. Insektenpulver 508. Aufl.
Ipecacuanha 17(i. Iriswurzel 493. Irlllndisclios Moos 570. Isländisches Moos 390. IsococaVn 82.
.T.
.laborandiblätter 195. Jalapenharz 537. .lalapenknollen 33G. Japakonitin 163. Javanisches Pfeilgift 158. Jequirity 600. .lervin 166. Jod 257. .lodilther 155. Jodilthyl 155.
Jodblei 318. .lodcyan 265. Jodeisen 316. Jodismus 259. Jodkalium 269. Jodnatriuni 269. Jodoform 263. Jodol 263. Jodopyrin 37. Jodquecksilbor 302. Jodsäure 205. Jodtinctur 257. Jodtricblorid 204. Johannisbrot 573. Juglandin 378. Juniperin 406. Jurubeba 546.
K.
Kadeo] 219, Kairin 45. Kajeputol 50(). Kakaobutter 577. Kalabarbohne 186. Kalilauge 415. Kalium aceticum 409.
—nbsp; nbsp;bicarbonicmu 405. bichromicum 347.
—nbsp; bitartaricum 410.
—nbsp; bromatum 132.
—nbsp; carbonicum 403.
—nbsp; nbsp;cansticum 415.
—nbsp; nbsp;chloricum 272.
—nbsp; nbsp;cyanatum 105.
—nbsp; nbsp;dichromicuin 347.
-nbsp; jodatum 269.
-nbsp; iiatrio-tartarieum 411.
-nbsp; nbsp;nitricum 413.
—nbsp;- penuanganicum 346. - sulfuratum 364.
sulfuricum 406. 39
ocr page 632
(510
•Aliiliabetisdies Suclireuislcr.
Kalium taiiaricuni 411. Kalk, gebrannter 417.
—nbsp; kohlensaurer 41!(.
—nbsp; nbsp;phosphorsaurer 421.
—nbsp; nbsp;schwefelsaurer 59(1. Kalkmilch 417. Kalkwasser 417. Kalmuswurzel 490. Kamala quot;iSl. Kamillen 474. Kamillenöl 474. Kampechionholz .'!7iraquo;. Kampher 452. Kampherliniment 4ä:{. Kampheröl 453. Kamphersalbe 458. Kamphersäure 45;i. Kampherspiritus 458. Kamphocarbonsiiure 454. Kanadische Gelbwmv.cl 2( 18. Kantharideo 616. Karbolsäure 210. Kardamom 501. Eardobenediotenkraut 888. Kardol 523. Karlsbadcvsalz 4Ü(gt;. Karmelitergeist 477. Kaskarillrinde 891. Kastoröl 540. Kataplasma ad deoubitam
317. Katechu 874. Kautschuk 504. Kawa-Kawa 158. Kefir 120. Keratin 597. Kerosolen 144. Kino 379.
Kirschlorbeerwasser 102. Klettenwurzel 559. Knochenmehl, n ufgesoblos-
senes 422. Kochsalz 894. Königswasser 440. Kohle 277. Kohlensäure 451. Kohlensaurer Kalk 419. Kohlensaures Ammonium
434.
—nbsp; nbsp;Blei 318.
—nbsp; nbsp;Calcium 419. - Kalium 403.
Lithium 439.
—nbsp; nbsp;Magnesium 427. Natrium 399.
Kokkelskörner 165. Kokosnussöl 577. Kollodium 592. Kolombowurzel 389. Kolophonium 458.
Koloquinthen 542. Kopaivbalsam 511. Koriander 472. Kosin 552. Kosoblüthen 552. Kotorinde 522. Krähenaugen 158. Krappwurzel 879. Krauseminze 470. Kreide 420. Kreolin 225. Kreosol 216. Kreosot 215. Kresalol 26. Kresole 225. Kresotinsäure 31. Kreuzdornbeeren 584. Krotonöl 587. Kubeben 500. Kümmel 472. Kumys 120. Kupieralaun 320. KupftTammoniumsulfal
326. Kupt'eroxyd 826. Kupferstift 326. Kupfersulfat 325. Kupfervitriol 325. Kussin 552. Kussoblüthen 552.
L.
Labarraque'sche Flüssig­keit 252. Lac Sulfuris 8(11. Lactose 578. Lactucarium. 158. Lactucin 158. Lärchenschwanmi 149. Lärchenterpeutin 45 V. Läusckörner 166. Läusesamen 166. Lakritzensaft 572. Laminaria 596. Landschiorling 99. Lanolin 590. Lanthopin 68. Lapides canororura 420.
—nbsp; nbsp;spongiarum 120. Lapis causticus ohirurg.416.
—nbsp; nbsp;divinus 326.
—nbsp; nbsp;infemalis 280.
—nbsp; nbsp;ophthalmicus 826. Laudanin 67. Laudanum. 67.
—nbsp; nbsp;liquidum 68. Laugensalz, flürhliges 481. Lauriu 468. Laurustearin 468.
Lavendelblüthen 480. Ijeberthran 581. Leinöl 579. Leinsamen 567. Leptandrin 545. Levisticum oflic. 491. Liehen Irlandicus 570.
—nbsp; Islandicus 390. Liebstöckelwurzel 491. LignumCampechianum879.
—nbsp; nbsp;Guujaci 522.
—nbsp; Juniperi 466.
-nbsp; nbsp;Quassiae 388. 5 Sassafras 522.
Ligro'ine 144. Limatura Ferri 305. Lindenblüthen 481. Linimentum ammouiatum 481.
—nbsp; camphoratum 453.
—nbsp; nbsp;saponato-ainmonialum 432.
—nbsp; nbsp;— -camphoratum 458.
—nbsp; terebinthinatum 457.
—nbsp; nbsp;volatile 431. Lipanin 582. Lippia Mexicanu 521. Liquiritia 572.
Liquor Aluminii acetici 845.
—nbsp; nbsp;Ammobii acetici 439.
—nbsp; nbsp;— anisatus 431. 469.
—nbsp; — caustici 431.
—nbsp; nbsp;corrosivus 317. 326.
—nbsp; nbsp;Ferri acetici 315. -------albuminati 314.
-nbsp; nbsp;— oxychlora.ti 315.
-nbsp; — peptonati 816.
—nbsp; nbsp;— sesquichlorati 812.
-nbsp; nbsp;hollandious 154.
-nbsp; Kalii acetici 409.
—nbsp; nbsp;— arsenicosi 851. #9632;— carbonici 404.
-nbsp; nbsp;— caustici 415. Natrii caustici 416.
—nbsp; nbsp;— hypoohlorosi 252.
-nbsp; nbsp;— silicici 595.
—nbsp; Plumbi subacetioi :ilT.
-nbsp; nbsp;Stibii chlorati 834.
—nbsp; Villati 317. 326. Lithargyrum 818. Lithium carbonicum 439. Lobelienkraut 168. Lobelin 153. Löffelkraut 497. Löwenzahn 391. Lorbeeren 468. Lorbeeröl 468. Losopban 265. Lugol'sche Lösung 257. Lupulinsäure 893.
ocr page 633
Alpbabetisohes SaohregiBtor.
(ill
1-upulit 303. Lykopodium •'iTG. Lysol 239.
M.
Macis 505. Mncisöl 505.
Miigistcrium lÜsmutlii 040 Magnesia carbouica 427.
—nbsp; nbsp;geh rannte 425.
- sohwefolsaure 420.
—nbsp; nbsp;usta 425. Magnesium oarbouicutn427
—nbsp; nbsp;ciirioum 42H.
—nbsp; sullnricum 420. Maiblume 65. Malaohitgrttn 279. Mallein 559. Mallotoxin 551. Malvenblätter 665. Malvenbliitlien 505. Manaca 546. Mandeln, bitten' 101.
—nbsp; siisse 570. Mandelöl 570. Mangauum Bulfaricuui :MT. Manna 513. MarantastiU'ke 575. Mannit 543.
Martialia foi'tioi'D SOU.
mitiom 300. Mastix 450. Maticoblätter 370. Meconium 07. Meerrottig 408. Meeriswiebel 54. Meisterwurzel 401. Mekonidin 07. Mekonin 67. Mekonium ()7. Mekonoiosin 08. Mekonsänrc 68. Mel 573. Melilotus 404. Melissen 477. Mennige 318. Mentliol 475. Menyantbin 387. MerkurialismuB 285. Merkurius 284.
—nbsp; dulcis 296. Metamorpbin 07. Methaoetm 42. Methylal 150. Methylenbicblorid 164. Methylenblau 270. Methylfluorid 272. Methylsaccharin 574. Methyl violett 278.
Mikioeidin 245. Milchsfture 451. Milchzucker 573. Minium 818.
Mixtura oleoso-balsainica 505.
—nbsp; nbsp;sulfurica acida 445. Mohnköpi'e, unreife oo. Mohnöl 570. Mobnsaft 07. Mohnsamen 570. Mollin 584. Monesiarinde 180. Monobromkampher löö.
453. Monotropa Hypopitys 15. Moos, irländisches 570.
—nbsp; isländisclies 390. Morphin 07. Morphinuin aceticum 73.
—nbsp; bydrochloricum 72. umriaticuin 72.
—nbsp; Bulforicum 73. Morphiumreaktionen 73. Moirhuol 581. Morveau'sche Chlorrlluche
rungen 252. Moschus 522. Mucilago Cydoniao 507.
—nbsp; nbsp;Gunnni arabici 569.
-nbsp; nbsp;Salop 570.
-nbsp; nbsp;Tragacantbae 570. jMuira puama 524. Muskann 203. Muskatnuss 505. Muskatnussbutter 500. Mutterharz 518. Mutterkorn 203. Myristicin 500. Myrosin 404. Myrrhe 512. Myrrhentinctur 518. Myrrbol 513. Myrtol 484.
N.
Napellin 108. Naphthalin 240. Naphthalol 26.
Naphthocsiiurcn 214. Naphtliol 242. Narcein 67. Narcotica 07. Narkotin 67. Nataloin 526. Natrium aceticum 410.
—nbsp; nbsp;benzoieum 28.
—nbsp; biboracioum 270. ...... bicarbonicum 401.
Natrium bromatum 132. carbonicum 390. causticum 416.
-nbsp; chloratum 394.
— chloroborosum 277.
-nbsp; nbsp;dithiosalicylicmu 27.
—nbsp; jodatum 200. krosotiniemn 31. ß-napbtbolicuni 2)5. nitricuni 414. nitroaum 143. oxynapbthoicum 244. phosphoricum 409. salioylioum 14. Bubsulfnrosum 304. sulfo-ichthyolicum 240.
~ sulfurioum 405.
-nbsp; nbsp;tartaricum 411.
—nbsp; telluricum 350. Natronlauge 416. Natronsalpeter 414. Natronseife 584. Natron Wasserglas 505. Nelken 603. Nelkenöl 503. Nicotin 182. Nieswurzel 107. Nikotin 182. Nitroglycerin 142. Nitrum 413.
Nordhäuser Vitriolöl 244. Nuces Colae 50.
Nux Arecae 554.
—nbsp; mosebata 505. -— vomica 168.
0.
Ochsengalle 393. Oele, ätherische 452.
—nbsp; nbsp;fette 578. Oleandrin 00. ülein 578.
Oleum Absintbii 487.
-nbsp; nbsp;Amygdalarum 570.
—nbsp; nbsp;Anda-assu 546.
-nbsp; nbsp;Angelicae 480. animale aethereum 224.
------footidum 223.
-nbsp; nbsp;Anisi 469.
-nbsp; anthetminthicum 224. Arnicae 485. Aurantii florum 507.
— Aurantiorum corticis 507.
-nbsp; betulinuni 219.
-nbsp; nbsp;Cacao 577. cadinum 210.
-nbsp; nbsp;Cajeputi 500. - Calami 400.
'
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61!
Aliilialietisches Saobcegisteri
Oleum Oiunphoratmn 45;!.
—nbsp; Cantliaridum 517.
—nbsp; Carvi 472.
—nbsp; Caryopliylloruni 5U;!. - Chaberti 224.
—nbsp; Chamomillae 474.
—nbsp; oinereum 287.
—nbsp; Cinnamomi 502.
—nbsp; Citri 505.
—nbsp; Cocos 577,
—nbsp; contra Taeniam 224.
—nbsp; Cormi Cervi 223.
—nbsp; Cvotonis 537.
—nbsp; Dippelii 224.
—nbsp; Eukalypti 488.
—nbsp; Foeniouli 471.
—nbsp; Hyoscyanii 07.
—nbsp; Jecoria Asclli 581. - hupei-atoriao 4!)1.
—nbsp; Iridis 403.
—nbsp; Juniperi aethereutu466.
—nbsp; — onipyreuinatieum 210.
—nbsp; Lauri 4C8.
—nbsp; Lavandulae 480.
—nbsp; Lini 570.
—nbsp; Lithantracis 210.
—nbsp; Maoidis 505.
—nbsp; Melissae 477.
—nbsp; Mentliao crispae 47(5.
—nbsp; Menthae pipei'itae 475.
—nbsp; Myrti 484.
—nbsp; Neroli 507.
—nbsp; Nucistae 500.
—nbsp; Olivarum 578.
—nbsp; nbsp;Papavcris 570.
—nbsp; Petrae 145.
—nbsp; nbsp;phosphoratum 357.
—nbsp; Fimpinellae 403.
—nbsp; Pini Pamillion. 523.
—nbsp; provinciale 578.
—nbsp; Bapae 570.
—nbsp; Bicini 540. #9632; Bosae 481.
—nbsp; Bosmaiini 482.
-nbsp; Husci 219.
-nbsp; Sabinae 404.
—nbsp; Sambuoi 481.
—nbsp; Santali 528.
—nbsp; Serpylli 479.
—nbsp; Sinapis 404.
—nbsp; Tanacetiaetheiquot;ouin551.
—nbsp; TerobinthinaG 457. —#9632; Thymi 477.
—nbsp; Tiliae 481.
—#9632; Valovianae 484.
—nbsp; Vitrioli 444. Olibanum 513. Olivenöl 578. Ononin 102.
Opianin 67. Opiansiuire 68. Opium 67. Opiumtinctuv 68. Opodeldok 453. OrangenblttthenOl 507. Osmiumsäuro 349. Ossa Sopiae 420.
—nbsp; usta alba 422. Oxychiiuiseptol 250. Oxykrat 437. Oxymol Soillae 54. Oxynaplitlioösänro 244. Oxynaplitlioüsaures Na­trium 244.
P.
I'aliiiitinsihu'o 57S. Panamarinde 180. I'ankroatin 599. Papato 599. Papaveviti 67. Papaver somnil'crum 67. Papayotin 599. Pappelrinde 380. Paprika 499. Paracotoln 523. Paraffin 589. Paraffinsalbe 589. Paraguaytlioe 55. Paraklohyd 139. Pasta caustica vieunensis 117.
—nbsp; Q-uarana 61. Paternostererbsen 600. Paullinia sorbilia 61. Pooh 458. Pclletiorin 553. Pontal 157.
Pepsin 598.
Pepton 599.
Percha lamellata 593.
Porsicin 508.
Persisobes Insektenpulver
508. Perubalsam 508. Potorsilionsaracn 473. Potrolilther 144. Petroleum 145. Petrolouinätbor 144. Petroloumbon/.iu 144. Petroleunmapbtha 144. Pfeffer, schwarzer 498.
—nbsp; spanischer 499. Pt'ortermin/.blilttcr 475. PfefferminzOl 475. Pfeilgift, afrikanisches 62.
—nbsp; amerikanisches 151.
—nbsp; javanisches 158.
Phagodanischcs Wasser
300. Plienaootin 40. Phonocoll 42. Phenol 210. Plienylborsiluro 277. Plionylossigsäure 250. Phonylpropionsäure 250. Phonylsilurc 210. Phenylurethan 46. Phosphor 355. Phosphoröl 357. Phosphorsäure 443. Phosphorsaures Eisen 310.
—nbsp; Kalk 421.
—nbsp; Natron 400. Physostigmin 187. Pichi-Piohi 524. Pikrinsäure 249. Pikrotoxin 165. Pilocarpin 195.
Pilulae aloötioao l'orratac 527.
—nbsp; Jalapae 537.
Pimpinolhvuiv.ol 493.
Pininsäuro 457.
Piper hispaniouiu 409.
—nbsp; mothysticuiu 153.
—nbsp; nigrum 498. Piperazin 157. Piperidin 150. Piperin 498. Piperonal 498. Pisoidiarindo 158. Pix liquida 218.
—nbsp; navalis 219. 458.
—nbsp; solida 219. 458. Placenta Seminis Lini 567. Plumbinn acoticum 316.
—nbsp; carbonicum 318.
—nbsp; eausticum 318.
—nbsp; chloratum 318.
—nbsp; ohromicum 318.
—nbsp; jodatum 318.
—nbsp; nitricum 318.
—nbsp; olcinioum 318.
—nbsp; salicylicum 318.
—nbsp; subacetioum 317.
—nbsp; sulfb-phenylicuin 318.
—nbsp; sulfuncum 818.
—nbsp; tannicum pultii'orino 317.
Pockensalbe 3;'i4. Podophyllin 541.
Polygala amara 393. Polygalasäure 179. Polysove 584. Pomeranzenblttthenö] 507. Pomeranzenscbale 507. Porphyroxin 68.
ocr page 635
Alphabetisohes Saohrsgister.
618
Polio liivori 451. Pottasohe 408. Potus Vionnensis 533. Präoipitat, rother 300.
—nbsp; weissur 303. Preiselbeeren 37iJ. Protopin 08. Provenoeröl 578. Psciuloacünitin 168. Psoudojcrvin 16ö. Pseudomorpbin 67. Pulpa Tamarindorum 544. [Julvis ad oastrandum 800.
—nbsp; aSropborus 451.
—nbsp; antacidus 428.
—nbsp; contra ineceta 508. ~ Dowerl 68. 169.
—nbsp; gummosus 5()lt;J.
—nbsp; inf'antum 428.
—nbsp; Ipecacuanhae opiatus 68. 177.
—nbsp; Liquiritiae compositus 572.
-nbsp; Magnesiae cum lihoo 428. 581.
—nbsp; Persious 508.
—nbsp; salicylicus cum Taloo 21. Punicin 558. Pyoktaain 278.
Py rid in 151. Pyridinbasen 151. PyrogaUol 382. Pyrogallusstlure 382.
Quattia araara 388. Quassiin 388. Quebrachin 154. Quebraohorinde 154. Queokenwurzel öUO. Quecksilber 284.
—nbsp; -iübuminat 296.
-nbsp; -chlorid 289.
-nbsp; -chloriir 296. - -cyaniil 803.
-formaraid 804. •glykokoll 804. -jodid 302.
-nbsp; -jodttr 302.
—nbsp; -oxyd 300.
-nbsp; •pepton 803.
-nbsp; -prftcipitat, rother BQü, -präoipitat, weissor 80.quot;, -salbe, graue 287.
-nbsp; -salbe, rothe 300.
#9632;— -salbe, weisse 303. -- -sublimat 289. Quendel 479. Quillajarinde 180
Quillajasiiiire 180. Quittensohleim 567.
R,
Radix Althaeae 664.
—nbsp; Angelicae 489.
—nbsp; Armoraciac 498.
—nbsp; Asari 523.
-nbsp; Bardanae 566.
-nbsp; Colombo 389.
—nbsp; Enulae 489.
—nbsp; (ieutianae 384. #9632;— Glyoyrrhizae 571.
—nbsp; Helena 489.
—nbsp; Hellobori albi 1U6.
—nbsp; — nigri 167. ------viridis 107.
—nbsp; Ipecacuanhae 176.
—nbsp; Lapathi 880.
—nbsp; Levistici 491.
—nbsp; Liquiritiae 571.
-nbsp; nbsp;Ononidis 492.
—nbsp; Pimpinellae 198.
-nbsp; Pyrethri 523.
-nbsp; Ratanhiae 375.
-nbsp; Rhei 530.
-nbsp; Rubiae tinetoriae 879.
—nbsp; Saponariae 180.
—nbsp; Sarsaparillae 522.
—nbsp; Senegae 179.
—nbsp; Taraxaci 391.
—nbsp; Valerianae 484.
—nbsp; Veratri albi 166. Rainfarukraut 554. Rapsöl 579. RatanMawurzel 375. Rautenbli'itter 524. Repsöl 579. Resina Bciikocs 28.
—nbsp; Dammar 459. - Draconis 879.
-nbsp; Elemi 459.
—nbsp; Euphorbii 514.
-nbsp; Jalapae 537.
—nbsp; Mastix 459.
—nbsp; Pini 458. Resorcin 248. Rhabarber 530. Bhabarbertinctur 530. lihamnokathartin 534. Rlieumgerbsiiure 530. Bhizoma Calami 490.
-nbsp; Filicis 549.
—nbsp; Qalangae 502. —• Qraminis 5()6.
—nbsp; Hydrastia 208.
—nbsp; Iinpcratoriac 491.
-nbsp; India 498.
-nbsp; Tormenidllao 37iraquo;.
Rbizoma Veratri 166.
Zedoariae 501. — Zingiberis 500. Rhodinol 482. Rlioeadin 67. Ricinolem 540. Ricinusöl 540. River'schcr Trank 451. Robertson'sohes Cnatrir-
pulvcr 300. Rohe Karbolsäuii' 211. Roller Holzessig 222. Rohrzuoker 573. Roob Juniperi 466. Rosenöl 481. RosmarinOl 482. Rosskastanie 871). Rother Präoipitat 300. Kotterin 277. Rottleraharz 551. Rotulae Menthae piperitae
475. Rubidium •Ammonim bro-
inatum 138. Rubijervin 166. Riiböl 579. Russ 22 I.
S.
Sabadillsamen 166. Sabinakraut 1()4. Saccharin 574. Saccluuum 572.
—nbsp; lactis 573.
—nbsp; Saturni 817. Sadebaumspitzen 461. Safran 504.
Sal amarum 42!t.
—nbsp; anunoniacum 135.
—nbsp; auglioum 429.
—nbsp; Carolinuni fact itiuni4 06.
—nbsp; coiiiimiue 895.
—nbsp; Cornu Cervi 434. culinare 895.
-nbsp; mirabilo Qlauberi 405,
—nbsp; volatile 434. Salbeiblätter 377. Salepknollen 570. Salepschleim 570. Salicin 28. Salicylaldehyd 28. Salicylamid 27. Salioylsäure 14. Salioylsaures Natrium II Saligeuin 28. Salipyrin 26. Saliretin 28.
Salmiak 485. Salmiakgeist 481.
ocr page 636
til I
Alphabetiaolies Saohroglster.
R *
Salol 28. Salophen 26. Salpeter 418.
SalpetergeisigVerstlsBiei'lSII Salpetersäure 44(). Salzgeist, versüsster 1A7. Salzsäure 440. Santelöl 523. Santonin .quot;)47. Siintoninexin ö IT.
Sapocarbol 24i).
SapO domesticus 588.
-nbsp; hisponieus .r)S4. jalapinus quot;iHT.
—nbsp; kalinus 588.
-nbsp; nbsp;— venalis 5S;!.
—nbsp; niger 588.
-nbsp; vcnetus 583.
—nbsp; viridis 588. Saponaria offloinal, 180. Saponin ISO. Sapotoxin ISO.
Saprol 240. Sarsaparille 522. Sassafrasholz 522. Saturationen 461. Saturnismus 820. Sauerkohl 451. Scammonium 546. Schafgnrbenkmut 898. Scheidewiisser 446. Schierlingskraut 99. Sehiesspulver 415. Schiffspech 45.^. Sohlehen 879. Schmierseife 588. Scbmucker'sche Fomenla-
tionen 415. Schöllkraut 546. Schwefel 860. ------äther 126.
-nbsp; -antimon 888. • -blumen 361.
—nbsp; nbsp;-kalium 864.
-nbsp; nbsp;-lober 864.
—nbsp; nbsp;-milch 861.
—nbsp; -salbe 861.
-nbsp; -säure 444.
—nbsp; nbsp;raquo;spiessglanz 88.-!.
—nbsp; nbsp;-Wasserstoff 866. Schweflige Säure 364. Schweinefett 577. Scilla marithna 54. Scillam 54. Scillipikrin 54. Scillitoxin 64. Sclcrotinsäure 206. Sebum ovile 577. Seeale cornutnm 203. Seife 588.
Seifenptlaster Hlx. Seifenspiritus 5S4. Seifenrinde ISO. Seifenstein 416. Seifenwur/.el InO. Seignettesalz 411. Semen Abri precatorii 600.
—nbsp; nbsp;Arecae 554.
—nbsp; nbsp;Cannabis 567.
-nbsp; nbsp;Cinae 547.
-nbsp; nbsp;Colchici 181.
-nbsp; nbsp;Cydoniae 567.
-nbsp; nbsp;Foenugraeci 668.
-nbsp; nbsp;Lini 567.
—nbsp; nbsp;Lykopodii 576.
—nbsp; nbsp;iMyristicae 505.
-nbsp; nbsp;l'apaveris 579.
-nbsp; Physostigiuatis 186.
-nbsp; Querous 878. --- Sabadillae 167.
-nbsp; sanctum 547.
—nbsp; nbsp;Santonid 547.
—nbsp; nbsp;Sinapis 494.
—nbsp; nbsp;Staphisagriae 165.
—nbsp; Strophanthi 62.
—nbsp; Strychni 168. Senegawurzel 179. Senegin 179. Senföl 494. Senfsamen 4,.l4. Senfspiritus 495. Sennesblätter 582. Sepiasteine 420.
Silber, salpetersaures 280. Siliqua dulcis 578. Simulo 525. Sinapismus liraquo;(i. Sklerotinsäure 206. Soda 399. Solanin 154. Solntio arseniculis Fcwleri
851. Solutol 289. Solveol 289. Solvin 584. Somnal 155. Sozojodol 249. Sozolsfture 249. Spanische Fliegen 516. Spanischer Pfeffer 499. Spiirtein 64. Species aiiiaricaiites ;'gt;.S7.
aromaticae 504.
diureticae 492.
—nbsp; cmollientes 494.
—nbsp; pectovales 498. Sperma Ceti 577. Spenuio 157.
1 Sphacelinsilure 205. I Spiessglanz 388.
Spiessglanzbutter 334. Spiraea Ulinaria 15. Spiritus 119.
—nbsp; aethereus 127.
—nbsp; Aetheris chlorati 157.
-nbsp; #9632;— nitrosi 157.
—nbsp; nbsp;Angelicae compos. 189.
—nbsp; nbsp;camphoratus 453.
—nbsp; Goohleariae 197.
—nbsp; e vino 126.
—nbsp; Forniicarum 450. Frumenti 120.
—nbsp; Juniperi 466.
-nbsp; Lavandulae 480. - Molissao 477.
—nbsp; Menthae piperitae 476.
—nbsp; nbsp;Minderen 489.
—nbsp; saponatus 584.
—nbsp; nbsp;Sinapis 494.
—nbsp; nbsp;Vini 119. Spirsäure 14. Spodium 422. Springgurke 545. Starkmehl 575. Staphisagrin 165. Stechapfelblätter 98. Steinklee 494. Steinkohlenbemin 144. Steinkohlentheer 219. Stephan.skffrner 165. Sternanis 469. Stibium Kalio-tartaric-iuii
338.
—nbsp;sulfuratnm aurantiaenm 338.
—nbsp; — cruduin 338.
—nbsp; — nigrutn 388. Stiefmütterchen 566. Stinkasant 515. Stinkendes Tieröl 223. Stipites Dulcamarae 154. Storax 510. Stramonium 98. Strontiumsalze 849. Strophanthin 62. Strophanthussainen 62. Strophanthustinotnr 62. Strychnin 158. Strychnossamen 158. Sturmhut 163. Styptisohe Wolle 313. Styracin 510.
Styrax 510. Sublimat 289. Succus Juniperi inspissatua 466.
—nbsp; nbsp;Liquiritiae 571. Süssholz 571. Sulfaminol 251. Sulfonal 137.
ocr page 637
Alphabetlsohea Saohrsgistei
615
Sulfur ;i(iO.
Sulphur 3ß0. .Suinmitates Sabinne 4(i U Sylvinsii-uro 457. Syrupus Altliaeae 573.
-nbsp; nbsp;Amygclalarnm 57;5.
—nbsp; nbsp;Aurantii oortiois .r)07.
-nbsp; nbsp;— florum 507.
•— (.'erasorum 573.
—nbsp; nbsp;Cimiamomi 50iJ.
—nbsp; nbsp;domesticus 534.
#9632; Perri jodati 816.
—nbsp; nbsp;— oxydati sol. 314.
—nbsp; [peoaouanhae 177.
—nbsp; Liquiritiae 573.
-nbsp; Mannae 544. Meuthae piperitae 476. i'apaveris 573.
—nbsp; - Rhamni oartharfcicae
534.
—nbsp; Rhci 531.
—nbsp; nbsp;Rubi Idaei 573. • - Senegae 180.
—nbsp; nbsp;Sennao 533. simplex 573.
~ Spinae cervinae 534.
Thebolaotinsllure 08. Thee 55. Th(Vin 56. Theer 218. Tliecrwasser 219. Theobroma Oaoao 60. Theobromin 00. Thermensalbe 360. Thevetin 66. Thierkohle 277. Thieröl, stinkendos 223. Thiocamf 454. Thinl 246,
Thiophendijodid 264. Thioresorcin 249. Thon 345. Thonerde 340.
—nbsp; nbsp;essigsaure 345. Thymacctin 43. Thymian 477. Thymol 477. Tinotura Absinthii 487.
—nbsp; nbsp;Aconiti 164.
—nbsp; nbsp;Aloes 527.
—nbsp; nbsp;amara 385.
—nbsp; nbsp;Arnicae 480.
—nbsp; nbsp;aronmtica 503.
—nbsp; nbsp;Asae foetidae 515.
—nbsp; nbsp;Aurantii 507.
-nbsp; nbsp;Benzoes 28.
-nbsp; Calami 490.
—nbsp; nbsp;Canabis Indicae 162.
—nbsp; nbsp;Cantharidum 517.
—nbsp; nbsp;Capsici 499.
—nbsp; nbsp;Castorei 522.
-nbsp; Catechu 374.
-nbsp; nbsp;Chinae 3.
—nbsp; Chinioidini 13.
—nbsp; nbsp;Cinnamomi 502.
-nbsp; nbsp;Colehici 182.
-nbsp; nbsp;Colocynthidis 543.
-nbsp; nbsp;Croci 505.
-nbsp; nbsp;Digitalis 48.
-nbsp; nbsp;Perri ohlorati aetherea 315.
-nbsp; nbsp;#9632;— oxychlorati aetherea 315.
-nbsp; nbsp;— pomata 315.
-nbsp; nbsp;Gallarum 373.
-nbsp; nbsp;Gontianae 384.
-nbsp; Jodi 257.
-nbsp; nbsp;Ipecacuanhae 177.
-nbsp; Kateobu 374. Moschi 522.
-nbsp; nbsp;Myrrhae 513.
-nbsp; Opii benzoioa 68.
-nbsp; nbsp;— crocata 08.
-nbsp; nbsp;— simplex 68.
-nbsp; nbsp;Pimpinellae 493.
-nbsp; Ratanhiae 375.
Tinotura Rhei aquosa 680.
—nbsp; nbsp;— vinosa 530. - Scillae 54.
—nbsp; nbsp;Strophanthi 02.
—nbsp; nbsp;Strychni 159.
—nbsp; nbsp;thebaica 08.
—nbsp; nbsp;Valerianae 484.
—nbsp; nbsp;Veratri 167.
—nbsp; nbsp;Zingiberis 501. Tollkirsche 87. Tolubalsam 511. Tormentillwurzel 370. Traganth 570. Trefusia 816. Trichlor-essigsiiure 44^. Trigonellin 508. Trimethylamin 430. Trional 156. Tripolith 590. Tropasilure 87. Tropin 87.
Tubora Aconiti 168.
—nbsp; Jalapae 536.
—nbsp; nbsp;Salep 570. Tuberculin 656. Türkischer Pfeffer 499, Tumonol 246. Tupelostifte 597.
U.
Uebermangansaures Kali
346. Ueherosmiumsiiure 349. ülmenrinde 380. Umbclliferon 515. Ungarischer Pfeffer 499. önguentum acidi borici 275.
—nbsp; nbsp;acre 510.
—nbsp; nbsp;aegyptiacum 320.
—nbsp; nbsp;basilicum 458.
—nbsp; camphoratum 453.
—nbsp; nbsp;Cantharidum 516.
-nbsp; nbsp;ceratum 583.
-nbsp; Cerussae 318.
-nbsp; nbsp;— camphoralum 453.
-nbsp; nbsp;diachylon 318.
—nbsp; nbsp;digestivum 462.
—nbsp; nbsp;Glycerini 587.
—nbsp; Hydrargyri 287.
-nbsp; nbsp;— album 303.
—nbsp; nbsp;— cinereum 287.
—nbsp; nbsp;— rubruin 300.
—nbsp; nbsp;Kalii jodati 270.
—nbsp; nbsp;leniens 579.
-nbsp; nbsp;mercuriale 287.
-nbsp; Neapolita.iiuin 287. nervinum 482. Paraffmi 589.
—nbsp; nbsp;Plumhi 317.
T,
Tabak 182. '1'alouiu .quot;i9{i. Talg 577. Talk 59laquo;. Talkerde 425. Tamarindenmus 544. Tanacetum 553. Tannin 3(58. Tapioka 575. Taraxacin 391. Tartarus boraxatns #9632;
—nbsp; nbsp;dopuratus 410.
—nbsp; nbsp;emetieus 333.
—nbsp; nbsp;natronatus 411.
—nbsp;- stibiatus 333. Tausendgiildonkraut Tellursaures Natriun Tereben 403. Terebinthina 457. Terpentin 457. Terpentinöl 457. Terpinhydrat 4(33. Terpinol 464. Testae ovonnn 420. Totanocannabin 152. Tetronal 156. Teufelsdreck 515. Tlialleiochinreaktion Thallin 82. Tballinum sulfuricun Tlicba'in 67.
11.
387. i 350.
I. i 32.
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V
\
616
Alplmbetisolies Sachregister.
^nguentnm Plumbi tannici quot;' 317.
—nbsp; Rosinarini 482.
—nbsp; Tartari stibiati 884.
—nbsp; Terebiuthinae 458.
—nbsp; Zinci 330. Urethan 14,5. TJrson 376. Uva Ursi 37fgt;.
V'iviers'scho Aetzfliissigkeit
294. Vogelbeeren 379.
Wurmfarn 549. Wurmfarn(jxtract 54!). Wurmsamcn 547.
Y.
ferba Santa 525.
Z.
Zedoaria 501. Zeitlosensiimen 181. Zimmt 502. Zimmtöl 502. Zimmtwasser 502. Zincum aceticum 330. —- bromattitn 330.
—nbsp; chloratum 332.
—nbsp; oxydatum 329.
—nbsp; salicylicum 330.
—nbsp; sulfocarbolicum 330. - sulfoichthyolieum 241)
—nbsp; sulfuricum 329. -- tannicvun 330.
—nbsp; valerianicum 330. Zingiber 500. Zinkblumen 329. Zinkoxyd 329. Zinksalbe 330. Zinkvitriol 329. Zinkweisa 329. Zitwersamen 547. Zitwerwurzel 501. Zucker 572.
W.
VVaclioklerbecren 400. Wachs 582. Wallnussblätter 378. Wallrath 577. Wasser, destillirtes 002. Wasserglas 595. Wasserschierling 99. Weidenrinde 23. 378. Weihrauch 513. Wein 119. Weingeist 119. Womsilure 451. Weinsaure Alkalien 410. Weinstein 410. Weinsteinsäure 451. Weisse Nieswurz 160.
—nbsp; Präoipitatsalbe 303. Weisser Trilcipitat 303. Weizenstärke 575. Wermuth 487. Wickersheimor'sche Flüs­sigkeit 354.
Wiener Aetzpaste 417.
-nbsp; Trank 533. Wismuth, salpotersaurcs
340. Woblverleihblumen 485. Wollblumen 565.
Valeriana 484. Vanille .504. Vanillin 504. Vaseline 589. Veilchonkampber 493. Voilcliemvurael 493. Veratralbin 166. Veratrilaquo; 166. Villate'sohePlüssigkeitSl?. Vinum 119.
-nbsp; campboratum 453.
—nbsp; Chinae 8.
—nbsp; Colcliici 182.
-nbsp; Condurango 392.
-nbsp; emeticum 177.
—nbsp; Ipeeacuanliae 177.
—nbsp; Pepsini 599.
—nbsp; stibintum 334. Viola tricolor 14. Virga aurea 525. Vitriol) blauer 325.
—nbsp; weisser 329. Vitriolöl 444.
Berichtigung:
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