ocr page 1
mmmmmm
^^^sm^s^
wmm
m y//j.
DIE
TMCHEALEN INJECTIONEN.
FÜR THIERÄRZTE
VON
Johannes Buch
EEPETITOB AN DEE THIEBÄRZTLICHEN HOCHSCHULE ZU BEÄCIK.
m
m '
v*
I'Jmi
OSTERWIECK/harz.
Verlag von A. W. Zickfeldt.
1887.
Ui
•*#9632;'- —
ocr page 2
ocr page 3
ocr page 4
rJ
BIBUOTHEEK UNIVERSITEIT UTRECHT
2911 013 1
ocr page 5
327?
^
^ #9632; //YJ.
DIE
rr
TRACHEALEN INJECT10NEN.
FUR THIERÄRZTE
VON
V-
- jf
Johannes Buch
KEl'ETITOK AN DER THIEBARZTLIOHBN HOOHSOHüJuB ZU BERLIN.
'#9632;#9632; -
cj
OSTERWIECK/iiarz.
Verlag von A. W. Zickfeldt.
1887.
ocr page 6
ocr page 7
I.
Geschichte, Wesen und Literatur der trachealen
Injectionen.
Ochon seit geraumer Zeit sind zu Heilzwecken die be­treffenden Arzneimittel direct in die Athmungswege gebracht und dadurch mehr oder weniger günstige Resultate bei Er­krankung derselben erzielt worden.
Die Applikation der Arzneimittel war verschieden, je nach­dem es sich um die Einführung fester oder flüssiger Stoffe handelte. In der Thierheilkunde ist schon in den frühesten Zeiten ein Verfahren bekannt gewesen, in Flüssigkeiten lösbare Arzneimittel auf die Weise in die Athmungswege zu bringen, dass die betreffenden Flüssigkeiten, in welchen z. B, Salze ge. löst sind, fein zerstäubt wurden, oder aber die Flüssigkeiten wurden in Dampfform verwandelt, wobei die in ihnen ent. haltenen wirksamen Stoffe mitgerissen und den erkrankten Organtheilen zugeführt wurden. In nachstehenden Ausführungen interessiren uns vornehmlich diejenigen Medicamente, welche sich in irgend einer Flüssigkeit lösen, und welche in dem ge­löstem Zustande der respiratorischen Schleimhaut einverleibt werden können, ohne einen die Gesundheit und das Allgemein­befinden des Thieres störenden Einfluss auszuüben.
Bevor wir jedoch auf die Anwendung der Arzneimittel in flüssiger Form in die Trachea eingehen, wollen wir vorerst einige geschichtliche Bemerkungen betreffs der Anwendung der Arzneimittel in die Trachea vorausschicken, um einen Einblick darüber zu gewinnen, in welcher Weise sich verdiente Forscher um die Methoden der trachealen Injection verdient gemacht haben, und welcher Zeit es bedurft hat, um eine gewisse Klarheit und eine wissenschaftliche Grundlage in den erwähnten Behandlungs­methoden zu erzielen.
l
ocr page 8
Als Erfinder der trachealen Injectionen muss unstreitig der verdienstvolle M. Gohier bezeichnet werden, welcher im Anfang- dieses Jahrhunderts in Lyon eine Professur be­kleidete. Seine Versuche finden sich niedergelegt in seinen „Memoires et observations sur la Chirurgie et la medecine veterinairequot;, Lyon 1816.
Wie so vielfach ganz bedeutende Entdeckungen durch reinen „Zufallquot; gemacht werden, so wurde auch Gohier durch einen eigenthümlichen Zufall auf die Bedeutung der Injectionen in die Trachea des lebenden Thieres aufmerksam. Zwei seiner Schüler sollten ein Pferd mittelst Abstechens tödten, verfielen aber dabei auf den Gedanken, dasselbe dadurch zu tödten, dass sie ihm grosse Mengen Wasser in die Trachea brachten. Gohier, welcher seine Schüler bei dieser gewiss eigenartigen Manipulation überraschte, konnte denselben gerechterweise nur sein Missfallen über diese rohe Behandlung des Thieres aus­sprechen. Nachdem er jedoch entschuldigend von ihnen ver­nehmen musste, dass sie bereits 6—7 Liter Wasser in die Trachea gebracht hatten, ohne dass das Thier irgend welche Beschwerden zeigte, ordnete er zur Untersuchung und Erforschung des Ausganges die Fortsetzung des originellen Verfahrens an, wonach dem Pferde also bis zur endlichen Tödtung fortwährend Wasser in die Trachea injicirt werden sollte. Es wurden darauf dem Thiere in einer halben Stunde ca. 32 Liter Wasser in die Trachea injicirt, bevor der Tod desselben eintrat. Bei der Er­öffnung der Brusthöhle fand Gohier die Lungen stark auf­geblasen und sehr schwer, während aus den Bronchien fast gar kein Wasser floss. Durch diese überraschenden, ganz neuen Thatsachen wurde Gohier zur Wiederholung des Ver­suches veranlasst. Er führte darauf im Jahre 1817 mehrere Versuche aus, der Art, dass er den Versuchsthieren in zeit­lichen Zwischenräumen kleinere Flüssigkeitsmengen durch die Trachea einverleibte. Die Thiere zeigten dabei nicht die ge­ringsten Beschwerden, so dass Gohier sich für berechtigt halten durfte, aus seinen Versuchen practische Schlüsse zu ziehen. Er sprach die Vermuthung aus, dass einige, besonders chronische Lungenkrankheiten, welche La fosse „Pulmoniequot; genannt hat, und zu denen auch die tuberkulöse Schwindsucht der Kühe zu rechnen sei, wenn auch nicht vollständig geheilt,
ocr page 9
- 5 -
so doch wenigstens der Krankheitsprocess eingeschränkt werden könnte, wenn die Heilmittel durch eine Oeffnung direkt in die Trachea gegeben würden. Diese von Gohier angestellten Versuche und die von ihm im Anschluss an dieselben auf­gestellten Hypothesen, waren gewiss dazu angethan, berechtigtes Aufsehen zu erregen. Nichtsdestov/eniger blieben dieselben vollständig unbeachtet, wie es mit so vielen Beobachtungen und Entdeckungen ergeht, welche gewissermassen zu frühzeitig gemacht werden, weil sie nicht in die Schulweisheit der be­treffenden Zeit passen und deshalb nicht recht „günstigquot; er­scheinen, bis dann die dankbaren Epigonen das alte Wissen mit grossem Spürsinn wieder „ausgrabenquot; und der verständniss­vollen Mit- und Nachwelt zum Segen unter Bewunderung der „klugen Vorfahrenquot; zuführen.
Im Jahre 1828 wurde von Segalas und anderen Physio­logen gefunden, dass die Respirationsschleimhaut ein grosses Resorptionsvermögen besitze, in Folge dessen es möglich sei, Flüssigkeit von der Schleimhaut aus dem Körper einzuverleiben. Durch diese wichtige Entdeckung angeregt, verfiel Lelong, Veterinär im 1. Artillerie-Rgmt., auf den gesunden Gedanken, diesen theoretischen Befund praktisch zu verwerthen. Dazu kam noch der Umstand, dass zu jener Zeit in der Menschenheil­kunde Chlor in Gasform und verschiedene Chlorverbindungen für die Behandlung der Lungenschwindsucht verwendet wurden. Lelong wurde ganz besonders auch durch diesen in der Menschenheilkunde eingeführten und verwertheten Behandlungs­modus bestimmt, denselben auch bei Thieren in Anwendung zu bringen, und zwar zunächst beim Rotz der Pferde. In einem Briefe an Prof. Girard theilte Lelong dann seine Versuche mit. Aus diesen Mittheilungen geht hervor, dass er mehreren rotzigen Pferden täglich einmal je 1 Liter gewöhnliches Wasser, in welchem geringe Mengen Chlornatrium gelöst waren, in die Luftröhre brachte. Girard konnte jedoch mit dieser Behand­lung keine Erfolge erzielen; denn er fand nach dem Tode der Versuchspferde, dass sie mit charakteristischen Rotzgeschwüren behaftet waren.
Wenn auch durch diese Versuche ein Erfolg für die Be­handlung rotzkranker Pferde nicht erreicht wurde, so waren dadurch doch neue, interessante Gesichtspunkte bezüglich des
ocr page 10
Einverleihens grösserer Mengen flüssiger Massen in die Luft­röhre kranker Pferde gewonnen. Man hatte immerhin gesehen, dass die Einverleibung grosser Quantitäten Flüssigkeit zuweilen nur einige 1 lustenstösse hervorriefen, welche zumeist mit wenig Auswurf von Flüssigkeiten und Schleim aus den Nasenlöchern und der trachealen Oeffnung begleitet waren. Zuweilen wurden dann auch, besonders aber dann, wenn sehr grosse Quantitäten Flüssigkeiten injicirt worden waren, geringfügige Athemstörungen beobachtet.
Einige Jahre später sah dann Delafond, dass die soeben angeführten Versuche in der Thierarzneischule zu Alfort wieder­holt wurden. Er berichtet darüber in seinem „Traite de thera-peutique gdnerale veterinairequot;, Paris 1843, dass Thiere länger als 1 Monat zu Versuchen benützt worden seien, ohne dass auch nur ein Misserfolg zu verzeichnen gewesen wäre, was Delafond zur Fortsetzung der Versuche für sich allein veran-lasste, wobei er zu folgenden interessanten Resultaten und Schlüssen gelangte:
1.nbsp; Schleimige und harzige Abkochungen bei einer Tem­peratur von 10—200 Cls. in der Dosis von 1 Liter langsam in die Luftröhre injicirt, riefen nur geringe Athembeschwerden während 1—2 Stunden hervor.
2.nbsp; Concentrirte Abkochungen von einheimischen Mohnköpfen bedingten bei gleichem Einverleibungsmodus in weniger als 1l2 Stunde Schläfrigkeit, welche an der Schwere des Kopfes, an einer gewissen Schwäche des Pulses, sowie an einer ziemlich reichlichen Absonderung von Schweiss an dem Halse und an den innern Sekenkelflächen kenntlich war.
3.nbsp; Lösungen von 4 grm. wässrigenOpiumextractes in 1 Liter Wasser bei 15deg; Cls. hatten bei inredestehender Einverleibungs­weise dieselben schlafbringenden Wirkungen im Gefolge. Die­selben traten aber schneller ein als bei der Einverleibung von Abkochungen mit Mohnköpfen und dauerten auch ca. 4—5 Std., ohne dass dabei die Functionen der Lunge alterirt worden wären.
4.nbsp; 2 grm. Aether sulfuric. in 4 Deciliter Wasser suspendirt, verursachten nach der Einverleibung in die Trachea in kurzer Zeit eine Beschleunigung der Athmung, eine gesteigerte Puls­frequenz und einen allgemeinen Schweissausbruch. Jedoch ver-
ocr page 11
7 -
schwanden diese Erscheinungen wieder vollständig in weniger als einer Stunde.
5.nbsp; nbsp;Oele oder ölige Flüssigkeiten erzeugten Andrang von Blut nach den Lungen, der nur langsam wieder verschwand.
6.nbsp; Mineralische und vegetabilische Säuren, selbst in starken Verdünnungen, rieten lebhafte Reizung der Bronchien hervor. Hierbei wurden Absonderungen eines eiweissreichen Schleimes beobachtet, welcher durch die noch nicht absorbirten Säuren zur Gerinnung gebracht wurde und eine dicke Masse bildete, welche die Bronchien verstopfte und auf diese Weise Erstickungs­gefahr hervorrief. Solche Lungen veränderten sich dann bei längerem Bestehen der Ursache derartig, class an ihnen nach dem Tode des Thieres Pneumonic und ein oedematoeser Zustand nachgewiesen werden konnte.
Ausser einigen Anwendungen und weiteren Versuchen von Goodwin, Mayer, Colin „Traite de physiologic comparee des animauxquot;, und Bouley blieben diese gewiss sehr lehrreichen und instruetiven Versuche und Beobachtungen aber leider da­mals völlig unbeachtet und unbekannt.
Es ging aus ihnen unzweifelhaft hervor, dass in Flüssigkeit gelöste Medicamente ohne jede Gefahr für die Gesundheit des Thieres in die Luftröhre injicirt werden können, und dass ferner auch ebensowohl die Möglichkeit vorhanden war, eine allgemeine, als auch eine locale Wirkung durch dieselben zu erzielen.
üelafond bedauerte es lebhaft, dass die Versuche nicht auch bei anderen Krankheiten Anwendung fanden.
Erst 20 Jahre später griff Prof. Perosino in Turin die wieder vergessenen Versuche von Neuem auf. Er behandelte die chronische Bronchitis mittelst trachealer Injectionen, indem er zu diesem Zweck Argent, nitric, in Anwendung brachte. Seine Versuche waren auch von Erfolg gekrönt; denn er er­zielte vollständige Heilungen durch dieselben. Es bleibt immer­hin merkwürdig-, dass auch wiederum diese Versuche in der Folge nicht öfters wiederholt und weiter ausgedehnt wurden, und dass man nur in seltenen Fällen eine wirkliche Behandlung kranker Pferde mittelst trachealer Injection versuchte. Berück­sichtigt man jedoch, dass ganz gewichtige Momente gegen diese Indication sprachen, so wird es einigermassen begreiflich scheinen, warum die Methode nur stiefmütterlich behandelt wurde. Zu-
ocr page 12
- 8 -
nächst war ein Factor ganz besonders in Betracht zu ziehen, nämlich, dass, um das Mittel in die Trachea zu bringen, vor­her erst die Tracheotomie vorgenommen werden musste. Wenn auch diese Operation an und für sich keine Schwierigkeit bietet, so ist dieselbe doch mit mancherlei Umständlichkeiten verbunden. Die Heilung der Wunde an der Trachea bedarf immer einer längeren Zeit, oft einer viel längeren, als die Krankheit selbst gebraucht, so dass oft Thiere, die an irgend einer Krankheit behandelt wurden, in Folge deren die Tracheotomie gemacht wurde, von dieser Krankheit längst genesen waren, während die Tracheawunde das Thier noch längere Zeit arbeits- und ge­brauchsunfähig machte. Als zweites Moment für die Nichtan­wendung der trachealen Injectionen muss der Umstand bezeichnet werden, dass gerade in der damaligen Zeit die Anwendung der Arzneien auf dem Wege der subcutanen Injectionen in die Menschen- und Veterinärmedicin eingeführt wurde, durch welche die Aufmerksamkeit der Betheiligten von den trachealen Injectionen abgelenkt wurde. Erst Prof. Dr. G. Levi von der Universität in Pisa hat später in einer Abhandlung in italienischer Sprache und dann in seinem im Jahre 1883 in Pisa erschie­nenen und in französischer Sprache geschriebenen Werke, „Manuel pratique des injections tracheales dans le cheval (Nouvelle Methode therapeutique pour le traitement des maladies des animaux domestiques)quot;, das alte Verfahren wieder aus seiner Vergessenheit herangezogen und in verbesserter Form wieder an's Licht gebracht und damit die grossen Re­sultate erzielt, welche ihm in der Geschichte der Veterinär-Wissenschaften einen Ehrenplatz sichern; denn er war es, welcher zunächst die Applicationsmethode der Arzneimittel in die Trachea einer grossen Verbesserung unterwarf, indem er die Medika­mente nicht mehr durch eine grosse OefTnung in die Trachea (Tracheotomie) brachte, sondern durch enge Kanülen, die nach ihrer Entfernung keine grösseren Wunden zurücklassen, und die einer besonderen Behandlung nicht mehr bedürfen; denn die Wunde des Einstichs ist ohne alle Bedeutung, wie bei der ge­wöhnlichen subcutanen Injection. Erst durch diesen Fortschritt in der Technik der trachealen Injectionen wurde diese Behand-lungsweise auf den Standpunkt einer derartigen Vollkommen­heit gebracht, dass ihrer allgemeinen Anwendung seitens der
ocr page 13
- 9
Vertreter der Veterinär-Wissenschaft nichts mehr im Wege stand.
War durch diesen Applikationsmodus von Arzneimitteln schon ein grosser Fortschritt gewonnen, so wurde derselbe noch besonders durch die vielen Versuche erweitert, welche Dr. Levi mit Arzneimitteln bei den verschiedensten Krank­heiten zur Ausführung brachte, und welche zu überraschenden Resultaten geführt haben.
Die neue therapeutische Methode der intratrachealen Injec-tionen erfreut sich schon seit Jahren von Seite italienischer, spa­nischer und französischer Veterinäre einiger Beliebtheit. Das er­wähnte Werkchen von Dr. Levi ist auch bereits in französischer, italienischer und spanischer Sprache erschienen und in der Fach­literatur des Auslandes ausführlich besprochen worden, so im „Recueil de Medecine veterinairequot;, im Aide-Memoire du V^te-rinairequot; von Jules Signol 1884 u. v. a. m. Auch in Russland, wo im Veterinärwesen vielfach recht gesunde und nachahmens-werthe Institutionen bestehen, sollen die intratrachealen Injectionen vielfach bekannt sein und in der Praxis ausgeübt werden. Ent­hält doch der russische amtliche Veterinär-Kalender von 1887 von F. Wosnesenski eine sorgfältige Mittheilung der Dosirung der einzelnen Medicamente, wie sie sich zur trachealen Injection in den verschiedensten Fällen beim Pferde am besten eignen. Wir fügen diese Tabelle am Schluss dieser Arbeit im Anhang II bei. Vgl. auch J. Neimann: Ueber tracheale Injectionen im Archiv f. Veterinärwissenschaften, Petersburg 1886.
Höchst eigenthümlich muss es nun in der That erscheinen, dass ein so anerkanntes Verfahren, wie das der trachealen Injectionen, in Deutschland in der Praxis erst nach so langer Zeit Eingang finden konnte. An Hinweisen auf das Verfahren hat es nicht gefehlt, wenn dieselben vielfach auch dürftig sind und nur in kurzen Bemerkungen bestehen. Der älteste deutsche Hinweis ist unseres Wissens Dr. Eduard v. Hering's „Hand­buch der thierärztlichen Operationslehrequot;, Stuttgart 1879, pag. 176. Hier findetsicheinegenügendeDarstellung der intratrachealen Behandlungsweise; sie wird kurz begründet, beschrieben und warm empfohlen; ganz besonders werden ihre Vorzüge hervor­gehoben gegenüber der bisherigen Behandlungsweise, und schliess-lieh wird das Verfahren noch „zu weiteren Versuchen em-
ocr page 14
— IO —
pfohlenquot;. Der erste Hinweis in der deutschen Veterinär-Presse findet sich in Prof. Dr. An acker's „Thierarztquot; 1883, No. 2, pag. 45. Im Jahre 1884 geschieht der trachealen Injectionen Erwähnung im „Jahresbericht über die Leistungen auf dem Gebiete der Veterinär-Medicinquot; etc. von Dr. Kllcnberger und Dr. Schütz, pag. 121:; desgleichen in der „Deutschen Zeit­schrift für Thierheilkundequot;. Das Jahr 1885 zeigte sich dem neuen Verfahren in sofern sehr günstig, als in zwei bedeutenden Werken unserer Literatur sich ausführliche und eingehende Darstellungen des Verfahrens bei der Operation (Ellenberger: „Allgemeine Therapiequot;, Berlin 1885, pag. 286) und ebenso (in v. Hering-Vogel's „Operationslehrequot;, 1885, pag. 202) eine kurze, aber sehr gute Beschreibung der intratrachealen Injectionen mit Angabe der Dosis einiger der am meisten benützten Me-dicamente vorfinden.
Ein entschieden günstigerWendepunkt trat mit dem Jahre 1886 ein. Durch die ziemlich ausführliche, sich an das Lcvi'sche Werk haltende Darstellung der intratrachealen Injection in A. Koch's „Oesterreichischen Monatsschrift für Thierheilkundequot;, No. 1—5, 1886, vom Veterinärzt E. v. Chelchovski in Sofia ist die neue Methode eigentlich erst den deutschen Veterinären näher gebracht worden, besonders durch die practischen Erfahrungen von Chelchovski selbst.
In diesem Jahre (1887) ist der neue Applikationsmodus bereits in ein weiteres Stadium getreten, das beweist die Fach­presse. Den Reigen eröffnet Bezirksthierarzt Josef Vaeth-Neustadt in den badischen „Thierärztlichen Mittheilungenquot; v. Dr. Lydtin (XXII No. 1, pag. 6-11), der sich an die be­kannte Literatur hält, ohne eigene Versuche zu beschreiben. Nun folgte der russ. Mofrath und Regiments-Veterinär J. Neiman in No. 13 (p. 101/102) der „Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicinquot; etc. (Osterwieck) über „Behandlung der Lungen-wurmseuche der Schafe durch tracheale Injectionquot;. Gleichzeitig veröffentlichte Prof. Dieckerhoff-Berlin in Adam's „Wochen­schrift für Thierheilkundequot; etc. in No. 12 u. 13 „die Behand­lung der Blutfleckenkrankheit des Pferdes mit Jodquot; an der Hand seiner praktischen Erfahrungen. Die ungemein günstigen Erfolge, die Prof. Di eck er hoff durch tracheale Behandlung erzielt hat, und wie er das auch in einem Vortrage auf der
ocr page 15
— II
Gen.-Vers. 15. Mai a.
des thierärztl. Ver. der Prov. Brandenburg- am er. (Vergl. „Rundschau auf dem Geb. der Thier-
medicinquot; etc. No. 20) ausgesprochen hat, lassen zuversichtlich hoffen, class der allgemeinen Anwendung der neuen Methode auch bei den deutschen Veterinären nun nichts mehr im Wege steht und dass sie in kurzer Zeit von jedem Tbierarzt in der Praxis gehandhabt werden wird. Erst hinreichende Versuche und Untersuchungen werden die neue therapeutische Methode in ihrem vollen Lichte und Werthe erscheinen lassen, und mancher neue Weg wird ihr gewiesen werden. Das beweist eine Publikation des schon genannten jetzigen Chef-Arztes für das Veterinärwesen im Fürs tenthutn Bulgarien, F. v. Chelchovski in der Juni-Nummer der Koch'schen „Oesterr. Monatschrift für Thiermedicinquot; über „das Hartsclinaufen und die intratracheale Injectionquot;. So wird sich die Praxis das Verfahren mit der Zeit noch in jetzt nicht einmal geahnten Fällen dienstbar, zu machen wissen.
Unser Vorhaben besteht nun darin, eine genaue, eingehende Darstellung des Verfahrens und Wesens der trachealenlnjectionen den deutschen Collegen darzubieten, eine Darstellung, welche sich streng an die bisher erzielten Resultate hält. Da das Werkchen von Prof. Dr. Levi bisher nicht in deutscher Sprache erschienen ist, obwohl sich das Bedürfniss einer deutschen Uebersetzung wiederholt fühlbar gemacht hat und jetzt erst recht das Fehlen einer solchen sich bemerkbar machen wird, und da auch v. Chelchovski wiederholt in seinen Arbeiten die Erwartung ausspricht und der Hoffnung Raum giebt, eine deutsche Ausgabe des Lcvi'schen Büchleins zu sehen, so haben wir das angenehme Gefühl, dass wir durch die Ausgabe dieser Schrift vielen Collegen wenigstens einen Dienst leisten werden.
•vmm-
ocr page 16
— 12 — II.
Instrumente zur trachealen Injection.
Levi empfiehlt für gewöhnlich eine Pravaz'sche Injections-spritze mit einer Capacität von 5—15 gr., oder eine Kautschuk­ballonspritze von 30 gr. Inhalt oder ein Flacon injecteur zu Injectionen grösserer Quantitäten Flüssigkeiten von 300—600 gr. Inhalt.
In den meisten Fällen dürften unsere Pravaz'schen Spritzen genügen. Doch empfiehlt es sich, statt einer Nadel, sogenannte Gallentrokare zu verwenden, da bei Bedürfniss der Trokar in der Trachea gelassen und die Spritze von Neuem gefüllt werden kann, und da die Gallentrokare stärker sind. Das ist deshalb nothwendig, weil beim Durchstechen der Knorpelringe, ins­besondere älterer Pferde, die Spitzen der feinerer Hohlnadeln, oder diese selbst abbrechen, besonders bei brüsker Bewegung .des Thieres, und weil sie sich auch gerne mit Knorpelstücken ver­stopfen.
Wenn man mit einer und derselben Medicin einige Thiere zu gleicher Zeit zu behandeln hat, so ist der Flacon sehr zu empfehlen. Er besteht aus einer starken Glasflasche, einem Gummiblasebalg und Zuleitungsröhre nebst Hohlnadel.
Auch v. Chelchovski empfiehlt aus seiner Erfahrung für gewöhnliche.Fälle ein Etui mit einer graduirten Glasspritze mit Hartgummi-Einfassung von ca. 10—15 Sr- Inhalt, nebst mehreren dazu passenden Gallentrokaren.
Prof. Dieckerhoff hat von dem Instrumentenmacher H. Hauptner in Berlin NW., Louisenstrasse 53, Spritzen mit passendem Trokar anfertigen lassen, welche 10 oder 20 gr. fassen, und deren Einrichtung dem „Gallentrokarquot; ähnlich ist, aber wegen der stärkeren Griffe einige Vortheile gewährten. Mit einem solchen Instrumente lässt sich die Operation leicht ausführen.
-raquo;laquo;MS-
ocr page 17
i3
III. Die Technik der trachealen Injectionen.
Die Operation selbst wird folgendermassen ausgeführt: Dem zu operirenden Thiere wird mit der linken Hand der Kopf in die Höhe gehoben, der Operateur stellt sich auf die rechte Seite des Thieres, fixirt mit zwei Fingern der linken Hand die Trachea in der Mitte des Halses und sticht mit der rechten Hand den Trokar in die Trachea hinein. Sollte der Knorpelring nicht leicht zu durchstechen sein, wie es oft bei alten und robusten Pferden vorkommt, so macht man zunächst mit dem Trokar einen Hautstich und sucht möglichst zwischen zwischen zwei Tracheairingen den Trokar resp. die Nadel in die Luftröhre einzuführen. Alsdann zieht man das Stilet her­vor, und an die zurückgebliebene Kanüle wird die gefüllte Spritze angesetzt und langsam und gleichmässig entleert. Nach der Injection wird die Kanüle entfernt, und die Operation ist be­endet. Nur bei widerspenstigen Thieren ist man gezwungen, die Bremse anzulegen; in den meisten Fällen genügt aber das Festhalten des Kopfes. Diese Art der Operation hat sich als bewährt erwiesen, wie Neiman (Rundschau auf dem Gebiete der Thiermedicin, 1887 No. 13) bestätigt. Auch Ellenberger giebt in seiner „Allgemeinen Therapiequot;, Berlin 1885, pag. 286 eine analoge Darstellung der Operation, auf welche auch Dieckerhoff in seiner Publikation über „die Behandlung der Blutfleckenkrankheit des Pferdes mit Jodquot; (Wochenschrift für Thierheilkunde und Viehzucht, 1887 No. 12 und 13) hinweist.
Der Vollständigkeit halber geben wir auch noch die Dar­stellung der Operation nach Dr. Vogel's „Operationslehrequot;: „Bei gestrecktem Halse wird mit der linken Hand die Luftröhre fixirt und mit der rechten Hand die Kanüle durch die Haut und das Zwischengewebe der Knorpelringe durchgestossen; ein vorheriger Einschnitt in die Haut, um den Zwischenraum zweier Ringe aufzusuchen ist nicht nothwendig, eine gute Hohl, nadel durchsticht selbst den Knorpel. Die Lösung fliesst selbst an den Trachealwänden hinab, gelangt in den Bronchialbaum und dringt selbst in die Alveolen vor.quot;
Nach v. Chelchovski ist die Technik und der Operations­modus etwas verschieden: „Nachdem die Spritze, incl. Nadel
ocr page 18
- 14 -
oder Trokar gründlich gereinigt worden ist, was man nie unter­lassen sollte, füllt man dieselbe mit der betreffenden Arznei­lösung , nimmt darauf die Trokarhülse von dem Spritzenende ab und führt in diese das Stilet ein. Die gefüllte Spritze und den armirten Gallentrokar übergiebt man dem Gehülfen, der in Bereitschaft zu halten ist. Man stellt sich dann neben die rechte Schulter des Pferdes, lässt unter gütlichem Zureden den Kopf des Thieres hochheben und festhalten und, indem man mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Haut über die Trachea gespannt und die letztere entsprechend fixirt hat, sticht man den Trokar in die Luftröhre hinein. Bei sehr alten Thieren und bei etwaiger Verknöcherung der Knorpel­ringe ist es ziemlich schwer, den Einstich zu machen, und zir diesem Zwecke muss man sich eines sehr soliden Trokars be­dienen.quot;
Die Injection geschieht an der auch bei dem Luftröhren­schnitt üblichen Stelle, d. h. also am unteren und vorderen Rande des Halses, an der am meisten hervorragenden und bloss-gelegten Stelle der Trachea, und zwar ungefähr im unteren Tiieile des oberen Drittheiles des Halses. Genau auf die Stelle kommt es natürlich nicht an.
Der richtig gemachte Einschnitt in die Trachea bekundet sich durch den eigenthümlichcn Ton und das eigenartige Ge­fühl, welches ähnlich dem ist, als hätte man einen Pappdeckel mit einer dicken Nadel durchstochen. Ausserdem kann man sich auch dadurch vergewissern, keinen falschen Weg- ein­geschlagen zu haben, dass die richtig eingeführte Nadel sich leicht und frei nach allen Richtungen ohne Widerstand (an der Spitze) bewegen lässt.
Zu vermeiden ist unbedingt das zu tiefe Einstechen der Nadel; denn auf solche Weise verletzt man gerne die hintere Wand der Trachea, und durch die gemachte Einspritzung könnte leicht die kleine Stichwunde ungünstig beeinflusst werden. Für ängstliche Gemüther dürfte es sich empfehlen, die Operation zuvor einige Male am todten Thiere auszuführen.
Die meisten Thiere stehen beim Einstich des Trokars ruhig; nur der Einstich in die Haut ist ihnen schmerzver­ursachend, aus welchem Grunde sie zuweilen zurücktreten oder den Kopf rasch herunterbeugen. Bei manchen Cavallerie-
ocr page 19
15
Pferden genügt oft das einfache Aufsitzen des Reiters. — Doch lassen sich die Thiere nach einmaligem Erleiden der Operation gar nicht mehr ohne Augenklappe und Bremse beikommen und wehren sich mit den Vorderfüssen.
Nachdem der Trokar eingestochen ist, wird das Stilct herausgezogen, die Spritze an den trichterförmigen Theil der Trokarhülse angelegt und die Einspritzung gemacht, welche Beobachtung grosser Sorgfalt bedarf. Die Flüssigkeit darf nicht zu rasch und auch nicht ruckweise einströmen; denn sonst werden die Thiere (sogar mit der Bremse) durch die in die Lunge einströmende Flüssigkeit sehr stark beunruhigt und fangen sofort stark zu husten an und bewegen den Kopf. Je langsamer man die Einspritzung macht und je allmähliger das Einfliessen erfolgt, um so ruhiger verhält sich das Thier, und um so seltener wird Husten zu hören sein. Freilich ist dieser Husten nur von kurzer Dauer und ohne jegliche Bedeutung und verschwindet sofort, wenn das Thier kaltes Wasser zum Getränk dargeboten erhält. Jedenfalls ist es besser, die Lunge nicht zu reizen, und den Husten nicht zu provociren, weil er, wenn auch nicht schädlich, so doch wenigstens unnütz peinigend ist für das Thier und den Eigenthümer beunruhigt.
Bei Anwendung reizender Flüssigkeiten (Jod, Terpentin) zu Injectionen ist es rathsam, wenn auch nicht gerade unbedingt nothwendig, um jede locale Reizung an der Einstichstelle unter der Haut zu vermeiden, die Spritze nach dem Abfliessen der Arznei von der Trokarhülse abzunehmen, mit etwas gewöhn­lichem lauwarmen Wasser oder Spiritus anzufüllen und noch­mals eine Injection (Nachspritzung) zu machen, um die Kanüle abzuspülen und zu dem Zwecke, class die reizenden Substanzen nicht in die Wunde gelangen. Beim Herausziehen der Trokar­hülse leistet man mit den Fingern auf die betreffende Hautstelle einen sanften Widerdruck, um dieselbe nicht gewaltsam ab­zuziehen.
-^mlt;-
ocr page 20
i6
IV.
Allgemeine Beobachtungen und Erfahrungen aus der Praxis der trachealen Injection.
Die Lösungen zur trachealen Injection brauchen nicht mit solcher Sorgfalt bereitet zu werden, wie eine solche zu sub-cutanen Injectionen.
Die mit der eingespritzten Flüssigkeit in die Lunge ge­langten Luftblasen und Staubtheile sollen nach Dr. Levi für Schädigung der Gesundheit des Thieres nicht in Frage kommen. Auch v. Chelchovski meint, „ein bischen Trübung vom feinsten Staub (oder Luftblasen) in der Spritze schaden aus leicht be­greiflichen (?!) Gründen natürlich (?!) nichts.quot; Wir wollen aber demgegenüber doch nicht unerwähnt lassen, das gerade durch die aus der Luft stammenden in die Trachea und von da in die Lunge gelangenden Staubtheile wohl zu örtlichen Störungen Veranlassung gegeben werden kann; denn in den Staubtheilen der Luft sind die verschiedenartigsten Organismen enthalten, welche zuweilen einen pathogenen Charakter besitzen, und die dann als solche leicht Krankheitserscheinungen hervor­rufen können. Wir erinnern nur an die durch Prof. Schütz in neuester Zeit gemachte Entdeckung des Pneumonie-Contagiums der Pferde, welches bei allen Pneumonien, und auch bei den sog. Fremdkörperpneumonien aufgefunden wird. Die Organismen dringen gewiss von Aussen in die Athmungs-wege und rufen in den Lungen gewisse pathologische Ver­änderungen hervor, die sich als solche bei allen Pneumonien in gleicher Form repräsentiren. Dessenungeachtet darf man nun aber in Bezug auf die directe Anwendung von Arznei­mitteln in die Luftröhre durchaus nicht so ängstlich sein. Wendet man bei dieser Applikationsmethode die möglichst grösste Sorg­falt in sofern an, als man die zur Operation erforderlichen Instrumente vor und nach derselben gut desinficirt, so wird man sich sicher vor der Gefahr der Einverleibung schädlich wirkender Organismen schützen können.
Auch Dr. Levi macht auf diese in Frage kommenden Verhältnisse aufmerksam, indem er die Methode zur Des-inficirung der Nadel, mit der die Operation ausgeführt wird,
ocr page 21
- i7 -
näher bespricht. Er glaubt, dass es genüge, die Nadel einige Zeit in absoluten Alcohol zu bringen, oder aber dieselbe in der Spiritusflamme bis zur Rothgluth zu erhitzen, und sie nach dieser letzteren Manipulation in Olivenöl oder Gummiwasser zu tauchen, was den Zweck hat, der Nadel die frühere Härte, welche ihr durch das Erhitzen verloren gegangen ist, wieder­zugeben. Dr. Levi giebt an, dass das Gummiwasser aus 3 Thl. Gummi arabic. und 100 Thl. Aqu. destill, bestehen müsse. Gleichzeitig empfiehlt er auch ein anderes Mittel, welches der Nadel eine vorzügliche Härte geben soll. Dasselbe besteht nach ihm aus einer Mischung von
2 Theilen Fischthran (Walfischöl),
2 Theilen Talg,
i Theil Wachs. Wie bei keiner anderen Krankheit, so ist bei der Druse eine ganz besondere Aufmerksamkeit auf die Desinfection der Nadeln zu verwenden, denn es entstehen an den Einstichstellen sehr leicht Anschwellungen und Abscesse. Hier muss zur Regel gemacht werden, dass die Nadeln bezw. Gallentrokare vor dem Einstiche in .^.Vaprocentiger Carbolwasserlösung liegen müssen. Bei richtiger Befolgung dieser aseptischen Cautelen wird schwerlich je eine solche Complikation am Halse behandelter Pferde vorkommen können.
Man ist lange der irrthümlichen Ansicht gewesen, dass alle fremden Stoffe die in die Respirationswege gelangen, eine heftige Reaction an dieser Stelle erzeugen müssten. Die physio­logischen Untersuchungen haben dagegen gezeigt, dass nur die Schleimhaut des Kehlkopfes eine hervorragende Sensibilität be­sitzt, unterhalb des Kehlkopfs dagegen ist die Schleim­haut aber in dem Grade unempfindlich, dass man ohne weiteres reizende Substanzen auf sie einwirken lassen kann, ohne dass irgend eine entzündliche Reaction darnach entstände.
Nach den Untersuchungen Levi's ist selbst die wieder­holte Einwirkung reizender Substanzen auf die Schleimhaut der Luftröhre und der Bronchien ohne jeden schädlichen Einfluss, und zwar selbst gegen solche Stoffe, die an der Schleimhaut des Digestionsapparates die schwersten Veränderungen bedingen würden. Auf dieser Thatsache, die sich aus der schnellen
2
ocr page 22
-. i8 —
Absorption dieser Stoffe erklärt, beruht die Methode der trachealen Injection beim Pferde. Diese Injectionen sind, selbst wenn man 10—50 gr. Flüssigkeit in die Trachea bringt, von keinerlei übeln Zufällen, selbst nicht von Husten, begleitet.
Diese Unempfindlichkeit an der respiratorischen Schleim­haut ist aber nicht bei allen Individuen die gleiche; zuweilen erfolgt bei reizbaren Pferden nach der Injection ein schnell vorübergehender Husten, worüber wir schon des Weiteren am Schluss des vorigen Capitels bei der „Technik der trachealen Injectionenquot; gesprochen haben. Der Husten kann auch dann zu Stande kommen, wenn zur Injection sehr flüchtige Medika­mente benutzt und diese durch den Exspirationsstrom mit der Kehlkopfschleimhaut in Berührung gebracht werden. Wie weit sich die Unempfindlichkeit der Respirationsschleimhaut erstreckt beweisen folgende von Levi ausgeführten Experimente.
Levy injicirte einem Pferde an ein und demselben Tage und in Zwischenräumen von drei Stunden je eine Lösung von 0,4 gr. Kali bichromicum in 100 gr. destillirten Wassers. Trotz­dem dieses Mittel in i0/o Lösung stark ätzend wirkt, rief diese, wenngleich etwas schwächere Lösung, keinerlei Veränderungen an der Respirationsschleimhaut hervor. Nur am Abend stieg die Körpertemperatur, eine Wirkung, welche diesem Mittel eigenthümlich ist. Die Temperatur des Versuchsthieres stieg zunächst von 37,9deg; auf 40,2deg; Cls., am Abend desselben Tages auf 40,0deg; Cls., und war am nächsten Morgen wieder auf 360 Cls. gesunken. Levi Hess nun das Thier tödten und fand beim Eröffnen der Trachea und der Bronchien, dass die Schleimhaut derselben vollkommen normal war und keinerlei Zeichen einer Entzündung darbot. Daraus resultirt, dass das genannte Me­dikament keine locale Wirkung auf die Respirationsschleimhaut ausgeübt hat.
Noch einen zweiten Versuch machte Levi mit einer Lösung von je 2 gr. Arsenum jodatum und Hydrarg. bi-jodatum in 100 gr. destill. Wassers. Er injicirte einem Pferde 10 gr. dieser Lösung, und nach einer Stunde die gleiche Menge. Husten wurde hierbei nicht beobachtet. Eine Stunde nach der letzten Injection wurde das Thier getödtet, und die Obduction ergab auch in diesem Falle keinerlei Abweichungen an der Schleim­haut der Trachea und der Bronchien.
ocr page 23
- 19 -
Diese auffallende Erscheinung lässt sich, wie bereits oben bemerkt, wohl leicht dadurch erklären, dass die reizenden Sub­stanzen von der Respirationsschleimhaut so ungemein schnell absorbirt werden, dass sie gar keine Zeit haben, ihre schäd­liche Wirkung zu entfalten. Die Resorption geht, wie ex­perimentell nachgewiesen ist, so rapide vor sich, dass man bereits einige Augenblicke nach der Injection die eingeführten Substanzen im Blute nachweisen kann. Daraus folgt ohne Weiteres, dass sich die Respirationswege viel besser zur Application von Arzneimitteln eignen, als die übrigen, und namentlich als die Verdauungswege, weil die Medikamente in den Digestionsorganen relativ lange verweilen und dadurch auch ihre locale Wirkung äussern können.
Ferner hat man auch geglaubt, dass die Fette und fetten Oele von der Schleimhaut der Bronchien nicht resorbirt werden könnten. Der Urheber dieser Ansicht, Delafond, musste aller­dings zu diesem Schlüsse kommen, weil er die öligen Flüssigkeiten literweise der Trachea einverleibte, während es sich bei dem Levi'sehen Verfahren um eine bedeutend geringere* Menge handelt. Die Resorption der öligen Flüssigkeiten ge­schieht sehr rasch nach dem bekannten Grundsatze der Chemie, dass ein Gemisch von Eiweiss mit einem kohlensauren Alkali alle Fette, mit denen es in Berührung kommt, vollkommen emulgirt. Injicirt man also Oel in die Bronchien, so bildet sich durch die alkalische Flüssigkeit, die sich normal stets an der Oberfläche der Schleimhuut befindet, eine Emulsion, die mit Leichtigkeit resorbirt wird, vorausgesetzt, dass die Menge des injicirten Oeles nicht zu gross ist.
Bemerkenswerth ist noch folgende Thatsache, für die es vorläufig an einer ausreichenden Erklärung mangelt. Man be­merkt nämlich nach jeder trachealen Injection, mag man nun medikamentöse Stoffe oder reines destill. Wasser benutzt haben, eine Verminderung in der Zahl der Athemzüge. Die Erscheinung beginnt etwa 10 Minuten nach der Injection und erstreckt sich gewöhnlich auf mehrere Stunden. Bei normaler Athmung beträgt die Verminderung 4—6 Athemzüge pro Minute, bei krankhaft gesteigerter bedeutend mehr, ja zuweilen, wie Levi beobachtet hat, 15 Athemzüge pro Minute. In einem Falle injicirte Levi einem kranken Pferde, welches 25 Athem-
2*
ocr page 24
20
züge pro Minute zeigte, 15 gr. destill. Wassers in die Trachea; 12 Minuten später sank die Zahl der Athemzüge auf 18, blieb nun 6/4 Stunden constant, stieg dann auf 22, und nach 2 Stunden hatte sie die frühere Höhe wieder erreicht. Bei einem gesunden Pferde mit 15 Athemzügen pro Minute sank die Zahl derselben nach einer trachealen Injection von 5 gr. destillirten Wassers auf ix, und erst 2 Stunden später war sie wieder normal.
Worauf dieses Factum beruht, lässt sich, wie bemerkt, vor der Hand nicht erklären. Möglicherweise handelt es sich um eine Reflexerscheinung. Aus der Analogie mit den übrigen Organen lässt sich eine sichere Schlussfolgerung nicht ziehen; denn wenn auch bei diesen jedes Hinderniss für ihre functionelle Thätigkeit ihre Bewegung verlangsamt, so ist die injicirte Menge viel zu gering und wird auch viel zu schnell absorbirt, als dass sie ein mechanisches Hinderniss für die respiratorische Thätigkeit abgeben könnte.
Wenn nun auch die Arzneimittel nach der Einverleibung durch die Respirationswege selbst in sehr kleinen Dosen eine viel intehsivere Wirkung zeigen, als bei der gewöhnlichen Ap­plication, so darf man desswegen doch nicht glauben, dass man damit nun die verschiedensten krankhaften Processe heilen könne und müsse. Allerdings scheint es manchmal, als ob einige Medi­kamente gerade bei dieser Art der Application eine ganz be­sondere Wirkung entfalten, die sie bei ihrer bisher gebräuch­lichen Anwendung nicht zeigen. Hauptsächlich kommt es darauf .nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; an, zu wissen, dass die Arzneimittel, welche durch die Respirations-
wege in die Blutbahn gelangen, selbst in verhältnissmässig sehr kleinen Dosen in ganz kurzer Zeit eine kräftige Wirkung aus­üben. Levi injicirte einem gesunden Pferde, dessen Pulszahl 44 pro Minute betrug, 20 gr. 8o0/o Alkohol in die Trachea. Nach 10 Minuten vermehrte sich die Zahl der Pulse auf 52, nach weiteren 10 Minuten auf 54; nach 25 Minuten sank der Puls auf 48, und eine Stunde später war er wieder normal. Dieses Experiment beweist ebenfalls die schnelle Resorption der Arzneimittel in der Trachea und in den Bronchien und ihre deutliche Wirkung selbst bei niedrigenGaben. Dass die Arzneimittel in der That auch in die Blut­bahn gelangen, davon kann man sich leicht überzeugen, in­dem man eine tracheale Injection von Jodtinktur macht und
ocr page 25
— 21 —
einige Minuten später eine geringe Menge Blut der Jugular-vene entnimmt und in diesem das Jod chemisch nachweist. Statt der Jodtinktur kann man auch Carbolsäure oder jede andere Substanz verwenden, die eine charakteristische und ent­scheidende Reaction giebt. Immer wird man sich dabei über­zeugen können, mit welcher Schnelligkeit die injicirten Sub­stanzen in der Blutbahn erscheinen.
Ueberraschend ist es, dass leider nicht alle Medicamente auf diesem Wege die erwünschte Wirkung entfalten; z. B. bleiben die Laxantia und Drastica bei ihrer Einführung in die Luftwege ganz ohne jegliche Wirkung auf den Organismus. Als Levi einem kleinen Pferde 2,5 gr. Coloquinten-Tinktur mit gleichen Theileh Wasser gemischt, in die Trachea injicirte, konnte er keine Wirkung constatiren. Er wiederholte am nächsten Tage das Experiment mit 4 gr. einer Lösung von 1 gr. Cro-tonoel, je 20 gr. Alkohol und Glycerin und 1 gr. kohlensaurem Natron. Die abführende Wirkung blieb auch hiernach aus. Einem anderen Pferde mittlerer Grosse machte der genannte Autor eine tracheale Injection von 200 gr. einer gesättigten Lösung von Natrium sulfuricum, gleichfalls ohne Erfolg. Ebenso negativ fiel der Versuch aus, den er mit 10 gr. Coloquinten-tinctur anstellte. Die gewünschte abführende Wirkung erreichte Levi erst durch 4'gr. einer 50/o alkoholischen Lösung von Crotonoel. Damit erzielte er allerdings erst gegen Ende des zweiten Tages eine reichliche Darmentleerung. Ein befrie­digendes Resultat hat Levi durch die tracheale Appli­cation der Laxantien, wie er selbst zugesteht, bisher noch nicht erreicht.
Die Wirkung der einzelnen Arzneimittel hängt be­kanntlich davon ab, dass dieselben möglichst schnell und un-zersetzt nach denjenigen Stellen gelangen, auf welche man einzuwirken sucht. Werden die Mittel durch den Digestions­apparat dem Körper einverleibt, so unterliegen sie zunächst der Einwirkung des Magen- und Darmsaftes. Widerstehen sie denselben, so gelangen sie nach der Resorption in die Vena portarum und durch diese in die Leber, wo wiederum die Mög­lichkeit der Zersetzung vorhanden ist, besonders da gerade dieses Organ eine besondere Attraction zu einzelnen Medica­menten äussert. Hat das Arzneimittel dieses Hinderniss über-
ocr page 26
22 —
standen, so gelangt es durch die hintere Hohlvene in das rechte Herz, von da in die Lungen und dann erst in den allgemeinen Kreislauf und kann jetzt erst, wenn es auch die Lungen, ohne sich zu zersetzen, passirt hat, seine heilende Wirkung auf die betreffenden Organe ausüben. Bei der subcutanen Injection ist die Gefahr der Zersetzung schon bedeutend geringer, weil die injicirten Substanzen in die Venen und Lymphgefässe, von da in's rechte Herz und durch die Lungen in den grossen Kreis­lauf gelangen. Bei dieser zweiten Methode besteht die Gefahr der Zersetzung nur in dem Durchgang in den Lungen. Ganz anders verhält es sich bei der trachealen Injection. Hier ge­langen die Substanzen nach ihrer Resorption direct in den linken Ventikel und in den grossen Kreislauf, und somit ist die Möglichkeit ausgeschlossen, dass die Medikamente irgend eine Veränderung oder Zersetzung erfahren können, bevor sie an jhren Bestimmungsort gelangen, und demgemäss auch viel energischer wirken müssen, als wenn sie nach einer der beiden vorher genannten Methoden dem Organismus zugeführt werden.
Wenn trotzdem Gohier, Delafond, Colin bei ihren nach dieser Richtung hin angestellten Experimenten ungünstige und von den Levi'sehen abweichende Resultate erhielten, so erklärt sich dies daraus, dass die genannten Forscher zu grosse Quantitäten Flüssigkeit verwandten. Colin hat z. B. festgestelltraquo; dass man ohne jeglichen schädlichen Einfluss ca. 1,6 Liter Flüssig­keit einspritzen darf, und dass dieselbe schon in 22 Minuten vollständig resorbirt werde (Traits de physiol. comp. des animaux).
Als allgemeine Regeln für die Flüssigkeiten bei der trachealen Injection gelten folgende:
1.nbsp; Die Flüssigkeitsmenge, die auf einmal in die Lunge via Trachea eingespritzt werden darf, ist sehr verschieden: Sie beträgt in der Regel 5—30 gr. pro dosi, und grössere Mengen bis zu 100 gr. gehören zu aussergewöhnlichen Ausnahmen.
2.nbsp; Die Arzneimittel müssen sich unbedingt in völlig ge­löstem Zustande befinden; das ist conditio sine qua non! Immer ist es vortheilhaft, wenn die Lösung womöglich eine neutrale oder alkalische Reaktion zeigt, wenn auch ein geringer Grad von Acitität nicht gerade schädlich ist, und eine schwach sauer reagirende Flüssigkeit von der Lunge gut ertragen wird.
ocr page 27
23
3.nbsp; Am besten eignen sich zur trachealen Injection die Alkaloide wegen ihrer bekannten energischen und sicheren Wirkung, und zwar verdienen ihre leicht löslichen Salze un­bedingt den Vorzug. Nächst diesen sind alkoholische Lösungen, Tincturen, Extracte, Decocte und Infusa zu verwenden. Unter den anorganischen Salzen sind diejenigen immer zu vermeiden, welche eine reizende, locale Wirkung ausüben.
4.nbsp; Betreffs der Dosirung der Medikamente nehme man den 10.—20. Theil derjenigen Menge, welche für die Applikation per os festgesetzt ist. Handelt es sich um sehr kräftig wirkende Substanzen, so muss man sich an die besonders für diese Heil­methode festgesetzte Dosirung halten. In zweifelhaften Fällen ist die individuelle Empfänglichkeit, Alter, Art der Krankheit, Haltung des zu behandelnden Thieres besonders (zu berück­sichtigen.
5.nbsp; Es ist gleichgültig, welche Stelle der Trachea zur Injection benutzt wird, denn dieselbe kann in der ganzen Länge der Trachea vorgenommen werden, wie es auch ohne Belang ist, ob die Operation zur Zeit der Inspiration oder Exspiration aus­geführt wird. Jedoch empfiehlt es sich bei bestehender Dispnoe, die Injection in einiger Entfernung vom Larynx und ausserdem ganz langsam auszuführen, um Husten zu vermeiden. Wird dagegen beabsichtigt, die Medikamente auf die oberen Abschnitte der Trachea einwirken zu lassen, so ist der Trokar möglichst nahe dem Larynx einzustechen, nachdem das Thier vorher einige Zeit im Trabe bewegt worden ist.
-sw^xe-
ocr page 28
24 -
Specielle Erfahrungen aus der Praxis der trachealen
Injection.
L e v i hat mit den verschiedensten Mitteln nach seiner Methode Versuche angestellt, auf die einzugehen nicht verlohnt, zumal die Art der Wirksamkeit derselben in den Compendien der Arzneimittellehre genügend behandelt ist. Wir verweisen deshalb auf das im Anhange I beigegebene Verzeichniss der­jenigen Arzneimittel und ihrer Dosirung, die sich experimentell am besten bewährt haben.
Wie Levi mit grossem Fleiss und mit ebensolcher Ge­nauigkeit die wichtigsten Arzneimittel auf ihre Wirksamkeit bei der trachealen Injection prüfte, so beschäftigte er sich auch mit der Frage, welche von den Innern Krankheiten sich am besten für diese neue Art der Behandlung eigneten; denn so sehr die neue Methode den übrigen, bisher gebräuchlichen, gegenüber im Vortheil ist, so wäre es gewagt, von ihr zu ver­langen, dass sie bei allen innerlichen Krankheiten von absolut sicherem Erfolge begleitet sein müsste. Immerhin ist auch die Zahl dieser Krankheiten, welche durch die tracheale Injection mit Erfolg bekämpft werden können, eine verhältnissmässig grosse. Wir wollen in Kürze die einzelnen Krankheiten, welche Levi durch die tracheale Injection der verschiedensten Arznei­mittel behandelt hat, einzeln anzuführen nicht unterlassen.
Der trockene Catarrh (Acrinie) der Schleimhäute wird je nach der Ursache und dem Sitz mit verschiedenen Medikamenten erfolgreich behandelt. Beim Catarrh der Respirationsschleim­haut sind, wenn er auf Entzündungsvorgängen beruht, die trachea­len Injectionen der Emolientia und Aromatica und namentlich die Lösungen der Alkalien am Platze. Liegen dem Catarrh typhoide Zustände zu Grunde, so ist die Anwendung der Tonica und Stimulantia von grossem Vortheil; ist er eine Begleit­erscheinung schwerer pathologischer Veränderungen, die im Stande sind, die sekretorische Thätigkeit der Schleimdrüsen zu unterdrücken, so ist durch die Expectorantien, wie Terpentinöl und Jodmittel, viel zu erreichen. Beim trockenen Darmkatarrh, der häufig beim Pferde beobachtet wird und im Anschluss an
(
*
ocr page 29
- 25 -
eine bestehende Atonie des Darmes sich entwickelt, sind tracheale Injectionen von Strychnin, und zwar Strychnin sulfat indicirt.
Für die letztere Thatsache spricht deutlich der nachstehende Versuch L e v i' s:
Ein i4Jähriges Pferd litt seit einigen Wochen an Appetit­mangel, zeigte zuweilen Colikerscheinungen und ging im Er­nährungszustand und dementsprechend auch in der Leistungs­fähigkeit zurück. Das Gefühl war abgestumpft; der Hinterleib aufgeschürzt, die Zunge belegt. Puls 34. Faeces farblos, sehr hart, spärlich. Die Diagnose lautete auf Atonie des Dickdarmes. Nachdem Levi täglich eine tracheale Injection von 5 gr. einer wässrigen Lösung von Strichninum sulfuric (1:200) geVnacht hatte, war nach der 4. Injection vollständige Heilung eingetreten. Als Nachkur wurde Nux vomica 1,0 pro die, in Klee gegeben, verordnet.
Bei Schwächezuständen (Adynamie), gleichgültig, wel­ches ursächliche Leiden dabei vorliegt, erweisen sich die verschie-schiedenen Excitantia von grossem Vortheil. Unter diesen sind natürlich diejenigen zu bevorzugen, welche das meiste Duffusions-vermögen besitzen, also Akohol, Aether, essigsaures Ammoniak, Opium etc., und dem Scharfsinn des Einzelnen bleibt überlassen, gerade diejenigen Mittel herauszufinden, welche mit Rücksicht auf die eigentliche Ursache der Schwächezustände sich am vor-theilhaftesten erweisen müssen.
Wiewohl im allgemeinen sich der Milzbrand (Anthrax) durch seinen schnellen Verlauf für die Behandlung wenig eignet, so glaubt Levi doch — gestützt auf die durch die subcutanen Injectionen der Antiseptica, sowie durch den innerlichen Gebrauch von Jod erreichten guten Erfolge — class auch bei dieser Krankheit die tracheale Injection von Jod sich empfehlen würde. Wenigstens spricht dafür ein an einem Schafe angestellter Versuch, bei welchem der Milzbrand durch Impfung künstlich erzeugt worden war.
Behanntlich gelten Rotz und Wurm seit langer Zeit und bei hervorragenden Praktikern für unheilbar. Und alle diejenigen Mittheilungen, nach denen angeblich eine Heilung zustande ge­kommen sein soll, werden dadurch zurückgewiesen, dass es sich entweder um Irrthümer in der Diagnose oder vorüber­gehende Besserung gehandelt hat, oder aber sie werden in das
I V
ocr page 30
26
Reich der Fabel verwiesen. Andrerseits haben gerade hervor­ragende Praktiker, die sich speciell mit dem Studium der Rotz­krankheit beschäftigen, in einzelnen Fällen durch gewisse Arznei­mittel glückliche Resultate erreicht. So empfehlen Lafosse, Bourelat, Chabert, Drouard, Volpi u. A. das Kalkwasser; Hertwig die Canthariden; Coleman, Lew eil, Percivall, Youatt, Morton das Cuprum sulfuricum; Roya, Chabert, Huzard das Ammoniak; Moiroud, Vatel Ammonium aceticum; Ligneau, Carpenter, Rainard das Sublimat; Leblanc, Sage, Bareyre, Thompson das Jod, Sage, Bareyre, Lord das Jodkalium; Hertwig das Chlor; Co Haine den Schwefel; Cros das Spiessglanz; Mavor das doppelchromsaure Kalium; Ercolani, Bassi, Cangee das arsenigsaure Strichnin; Maffei das Kupfersulfat und den Wasserkümmel (Phellandrium); Finlay-Dun Kupfersulfat und Arsenik; Gerlach, Mayer, Brusasco die Carbolsäure; Gluck das Eisenacitat; Kraus die Fowler'-sche Lösung; Dacaisne und Hamair das Aconit.
Diese grosse Zahl hervorragender Thierärzte ist Beweis genug, wie eingehend stets an die Heilbarkeit des Rotzes ge­dacht worden ist, und es ist ferner nicht zu bezweifeln, dass unter gewissen Umständen der Erfolg nicht ausgeblieben ist, diese Krankheit in der That zu heilen; man müsste denn ge­rade [annehmen, dass alle jene Mittheilungen der genannten Forscher auf Selbsttäuschung beruhten. Ausserdem ist es be­kannt, dass die Rotzgeschwüre spontan vernarben, und die rotzigen Erscheinungen zuweilen für eine ziemlich lange Zeit vollkommen zurücktreten können. Diesbezügliche Mittheilungen besitzen wir aus der älteren Zeit von Blanc und Lessona. Auch Levi schliesst sich dieser Ansicht an, zumal er der An­sicht ist, dass es keine andere Pferdekrankheit giebt, die eine Aehnlichkeit mit der ausgebildeten Rotzkrankheit aufweisen könnte. Darnach glaubt Levi, dass der Rotz mit Erfolg durch durch verschiedene Mittel, namentlich wenn dieselben mit den Respirationswegen direct in Berührung gebracht werden, be­kämpft werden könne; ferner, dass er von selbst heilen d. h. unter Anwendung günstiger hygienischer und diätetischer Mass­regeln, wie sie sich bei allen schweren Krankheiten günstig erweisen, zum Verschwinden gebracht werden könne; und end­lich, dass in den ersten Stadien der Krankheit die Aussichten
ocr page 31
- 27 -
auf Erfolg sehr günstig seien. Dementsprechend unternahm Levi die Behandlung der Rotzkrankheit mit Jod und dessen Verbindungen, von der Voraussetzung ausgehend, dass dieses Mittel im Stande sei, den schädlichen Einfluss der Infections-stoffe, welche auch der Rotzkrankheit zu Grunde liegen, zu zerstören.
Bestärkt musste er werden durch die Thatsache, dass auch in der Menschenheilkunde das genannte Mittel mit Vorliebe und mit günstigem Erfolge in Anwendung gekommen ist. Für die Applikation eignet sich gerade bei diesem Heil­mittel die tracheale Injection um so mehr, als das Jod hier­bei direkt in die Blutbahn gelangt, während es per os gegeben, mit den stärkemehlhaltigen Substanzen, an denen die Nahrung des Pferdes bekanntlich sehr reich ist, unlösliche und dem­nach resorptionsunfähige Verbindungen eingeht.
v. Chelchovski hat die locale Wirkung des Jod auf die Schleimhaut der Luftwege geprüft und zu dem Zwecke einen Tag vor der Section bei einem Pferde aus unverdünnter Jod-Jodkali­lösung eine Einspritzung in die Trachea gemacht. Am andern Tage war von der Einspritzstelle an bis zur Bifurcation ein ca. 3 cm breiter, langer, gerötheter Weg wahrzunehmen, und die Ein­stichstelle zeigte sich als kleiner rother Punkt. Die Jodlösungen verhalten sich also doch nicht so indifferent, wie Prof. Levi meint. Es ist also rathsam, immer gut mit Wasser zu verdünnen und niemals reines Jod einzuspritzen. Le v i hat 18 Fälle von Rotz mit trachealen Injectionen behandelt, wovon angeblich 16 in Heilung übergingen, während in zwei Fällen die Behandlung erfolglos blieb. Zu erwähnen bleibt jedoch, dass Levi neben den trachealen Injectionen in den einzelnen Fällen auch die I Inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;lokale Behandlung eingeleitet hat, und er empfiehlt bei starkem
Nasenausfluss und bei ausgedehnter und tiefgehender Ulceration Einspritzungen in die Nase mit Alaun, Zinksulfat, Kupfersulfat etc., welche mit einer gewöhnlichen Spritze von 3—500 gr. Capa-cität ausgeführt werden können. Die Anschwellung der Kehl­gangsdrüsen behandelt er mit Salben von Quecksilberbijodat.
Husten und Bronchialkatarrh lassen sich durch tracheale Injectionen von Jodoform, Terpentinöl etc. beseitigen. Es wird nach diesem nicht verwundern, wenn Levi an der Hand seiner Versuche zu der Schlussfolgerung kommt, dass mittelst der
ocr page 32
- 28 -
trachealen Injectionen von Jod und durch eine sachgemässe lokale Behandlung viele Fälle von Rotz zu heilen seien.
Durch Reichsgesetz ist in Deutschland die Behandlung des Rotz überhaupt verboten, weshalb wir auf die Wiedergabe dieses Capitels — entschieden eins der interessantesten — ver­zichten.
Die Krankheitsgeschichten Levi's und die aufgeführten Symptome sprechen entschieden für Rotz; aber dennoch können seine schönen Beschreibungen und persönlichen Versicherungen uns nicht beweiskräftig genug erscheinen, um uns allen Zweifel zu benehmen. Dieser Zweifel wird genährt durch die relativ kurze Zeitfrist (5, 7, 15, spätestens 28 Tage), in welcher Levi eine sichere Heilung erreicht haben will. Ganz besonders zweifelhaft erscheint die Behauptung, dass schon am zweiten Tage eine Besserung eingetreten sei. Levi behauptet dies mit aller Festigkeit. Diese Behauptung hat auch die franzö­sischen Veterinäre Picheney, Salonne und Ferrand skeptisch gemacht, und auf Grund ihrer eigenen Versuche sind sie zu der Meinung gekommen, dass Levi im guten Glauben gehandelt habe und „das Opfer seiner Erfinder-Illusionquot; geworden sei (Rec. de Mdd. V6t., 1885, No. 22). - Jedenfalls hätte Levi zur Beweisführung vorherige Impfungen nicht unterlassen dürfen.
v. Chelchovski hat ebenfalls Rotzkurversuche gemacht und ist zu folgendem Resultate gekommen. Er hat noch in keinem Falle feststellen können, dass eine auffallende Besserung bereits am zweiten Behandlungstage eingetreten sei, und dass die Kur in einigen Tagen mit Erfolg gekrönt sei. In den meisten Fällen war das Resultat negativ, und in den wenigen mehr fraglich als sicher; denn wenn auch bei einem notorisch, rotzigen (durch Impfung an je 2 Hunden für ein Pferd fest gestellt) Pferde die Symptome verschwanden, so ist es doch nicht endgiltig bewiesen, dass das Rotzvirus im Körper auch definitiv getilgt sei. Im Gegentheile ist es v. Chelchovski's Meinung nach viel wahrscheinlicher, dass durch die substantielle Fütterung, Schonung des Thieres, durch Einverleibung von Jod- und-Arsenikpräparaten der Thierkörper gestärkt, resistenz­fähiger gemacht und die Rotzaffection in ein latentes Stadium überführt worden ist, wie man es ja oft bei syphilitischen und zuweilen auch tuberkulösen Menschen sieht. Wenn aber die
ocr page 33
- 29 -
tracheale Injection bei Rotz denselben nur in ein latentes Stadium überführen sollte, so ist wohl mit dieser Behandlungsmethode nicht viel geholfen, vielleicht viel mehr geschadet, wie uns z. B. die Syphilis bei den Prostituirten täglich zahlreiche Belege liefert.
Wir müssen abwarten, inwieweit es den ausserdeutschen Collegen gelingen wird, durch strenge, genaue Versuche die event. Heilbarkeit des Rotzes festzustellen. Jedenfalls liegen derartige Untersuchungen nicht nur im Interesse der Wissen­schaft, sondern auch im Interesse des Staates als Hüter des Volkswohls und der Nationalgüter.
Der Collaps ist, wie er zuweilen im Anschluss an Koliken, heftigen Fiebern, nach Haemorrhagien und profusen Diarrhoeen beobachtet wird, durch die tracheale Injection leichter zu be­seitigen, als bei Einführung von Medikamenten in die Verdauungs. wege, weil durch die erstere Methode die Arzneimittel unge­mein schnell in's Blut gelangen. Indicirt ist in diesem Falle die erregende Heilmethode: Aeussere Reizmittel, wie Senfbrei und innerlich in Form der trachealen Injection Aether, Alkohol, Moschus, Ammoniak, Opium u. s. w.
Levi behandelte ein Pferd, welches sehr häufig an Kolik­anfällen litt, in einem solchen Anfalle. Der Puls war sehr schwach, sehr vermehrt; die Temperatur betrug 36,8deg; Cls. Patient erhielt stündlich eine tracheale Injection von 10 gr. einer Mischung von verdünntem Weingeist 4 Theilen und von Tinctura crocata 1 Theil. Bereits 15 Minuten nach der ersten Injection stieg die Körpertemperatur auf 57,3 und der Puls wurde kräftiger. Daneben wurden dem Pferde Clystire von Salzwasser gegeben. Eine halbe Stunde nach der zweiten In­jection war der Patient fast vollkommen geheilt, die Kolik­anfälle waren vorüber, die Körpertemperatur 37,6deg; Cls., die Zahl der Pulse 58. Nach innerlicher Verabreichung von Natrum sulfuricum erfolgte ein reichlicher Abgang weicher Faeces, und das Thier war gesund.
In einem zweiten Falle handelte es sich um ein Füllen, das an Druse erkrankt war, und bei dem sich nach Verab­reichung einer Aloöpille ungemein heftige, wässrig-schleimige Entleerungen einstellten. Das Thier war in hohem Grade hin­fällig, der Puls frequent, kaum fühlbar, Haut kalt, Schleim­häute anämisch, die Körpertemperatur 36,3. Dem Thiere wurden
ocr page 34
-So-io gr. einer Mischung, bestehend aus gleichen Theilen Aether, Alkohol und Tinctura opii crocata in die Trachea eingeführt, und dieses Verfahren wurde 3 mal täglich wiederholt. Ausser-dem wurden Stärkemehlklystire verordnet. Bereits am folgen­den Tage war fast vollkommene Heilung eingetreten, worauf die Druse durch tracheale Injectionen von Jodoformöl und Ter­pentinöl zu gleichen Theilen beseitigt wurde. Es ist demnach gleichgültig, welches Leiden dem Collaps zu Grunde liegt, immer kann man gegen denselben durch die Anwendung von Reizmitteln nach der Levi'sehen Methode mit Erfolg vorgehen.
Wenngleich die Anaemie eigentlich mehr ein Symptom einer Krankheit, z. B. chronischer Leiden, starker Blutverluste, als eine selbstständige Krankheit darstellt, und nur in seltenen Fällen als selbstständige Krankheit aufzufassen ist, so wird sie doch sehr häufig Veranlassung zum therapeutischen Vorgehen geben. Die hierbei in Betracht kommenden Arzneimittel sind meist solche, welche die Ernährung verbessern, und ausser diesen das Eisen. Andererseits ist zu berücksichtigen, dass beim Pferd wenigstens die Anaemie sehr häufig der Ausdruck einer chronischen Erkrankung des Respirationsapparates ist, und dass in diesem Falle naturgemäss zunächst die Ursache beseitigt werden muss.
Levi führt einen derartigen Fall von consecutiver Anaemie in Folge überstandener Pleuro-Pneumonie bei einem Pferde an. Dasselbe war ihm zur Behandlung übergeben worden und zeigte noch deutlich die Residuen einer früher überstandenen Lungen-Brustfellentzündung, welche mit Aderlässen, Tartarus emeticus und Vesicantien behandelt worden war. Nachdem dem Pferde während 5 Tagen täglich 10 gr. einer Jod-Jodkali­wasserlösung in die Trachea injicirt, und dasselbe nebenbei intensiv ernährt worden war, trat nach 5 Tagen Besserung und nach 10 Tagen vollkommene Genesung ein.
Die Anwendung der trachealen Injectionen ist auch bei denjenigen Erkrankungen der Pharynx und Larynx von gutem Erfolge begleitet, die mit dem gemeinsamen Namen Angina bezeichnet werden. Je nachdem die Erkrankung eine primäre ist, oder ob die Angina im Anschluss an andere krankhafte Processe, wie Rotz, Druse, Milzbrand etc. auftritt, werden auch die bei der Behandlung in Betracht kommenden Mitteldifferiren.
ocr page 35
-- 3i -
Bei einer katarrhalischen Affection der Pharynx und Larynx sind ausser der Emolientia und Anodyna auf die antikatarr­halischen Mittel, wie beispielsweise des Terpentinoel zur trachealen Application heranzuziehen. Zwei Fälle von Angina-catarrhalis, welche Levi zu behandeln Gelegenheit hatte, ver­liefen nach seiner Heilmethode ungemein günstig und rasch. Dem ersten Pferde applicirte er einen Senfbrei auf die Gegend des Kehlkopfes und injicirte ihm zunächst drei Tage lang täglich je einmal 10 gr. folgender Lösung: Natri bicarbonici 10 gr. Tinctura opii crocatae 5 gr. Aqua destillatae 100 gr. Die nächsten zwei Tage benutzte er zur Injection je 5 gr. Terpentinoel und erreichte auf diese Weise in fünf Tagen vollständige Heilung. — Bei dem zweiten Pferde, welches viel und sehr schmerzhaft hustete, besonders während der Futter­aufnahme, und starke Empfindlichkeit beim Druck auf den Kehlkopf äusserte, mit Schleimausbruch beim Husten, erzielte er durch täglich zweimalige Injection von je 5 gr. einer Lösung von 2 gr. Morphium hydrochlorikum in 50 gr. Aq. destill, ebenfalls nach 5 Tagen dasselbe Ergebniss.
v. Chelchovsky bestätigt aus eigener Erfahrung die besonders rasche Heilung von Angina beim Gebrauch der vorgenannten Mittel auf trachealem Wege. Er empfiehlt auch, als gute Dienste leistend, Carbollösung, Jodtannin, und bei sehr quälendem Husten eine Lösung von
Morphii muriaticinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 1,0
Atropini sulfur.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,10
(oder Extr. Belladonnae 2,0)
Aq. dest.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;100,0
Bei Asthma, das heisst derjenigen Erkrankung der Re­spirationsorgane, bei der eine Athemfrequenz nicht permanent besteht, sondern nur zuweilen auftritt und Stunden bis Tage lang anhält, ist zuweilen ein therapeutisches Eingreifen indicirt, wie die nachstehende Beobachtung von Levi ergiebt. Dem­selben wurde ein Pferd zur Behandlung zugeführt, das seit einem Jahre an Dämpfigkeit litt, und nachdem es bei stürmischem Wetter längere Zeit vor dem Wagen gegangen war, plötzlich einen asthmatischen Anfall bekam. Die Krankheit bestand bereits
ocr page 36
- 32
einen Tag, als Levi die Behandlung übernahm. Die Athem-züge hatten derart an Frequenz zugenommen, dass ihre Zahl gar nicht zu constatiren war; auch der Puls war beschleunigt, die Verdauung dagegen normal. Levi injicirte eine Lösung von i centigr. Atropinum sulfuricum in 5 gr. destillirten Wassers. Die Medikation wurde an demselben Tage noch zweimal wieder­holt, und die Zahl der Athemzüge sank darauf auf 22. Hierauf wurde am folgenden Tage noch die innerliche Behandlung mit Arsenik eingeleitet. Das Pferd zeigte später noch einige der­artige Anfälle, die alle mit der gleichen Behandlungsweise be­kämpft wurden und schliesslich vollständig verschwanden. Interessant ist auch ein anderer Fall, den Levi publicirt. Auch hier handelt es sich um ein dämpfiges Pferd, das einige Mal asthmatische Zufälle bekam, die anfangs nach einigen Stunden wieder verschwanden. Eines Tages trat der Anfall jedoch so heftig auf, dass das Pferd zu ersticken drohte, worauf Levi eine tracheale Injection von 4gr. einer Vz^o Lösung von Strychinum sulfuricum machte. Bereits eine Stunde später war sichtbare Besserung eingetreten, und nach 4maliger Wiederholung dieser Behandlung waren die Anfälle vollständig verschwunden.
v. Chelchovski behandelte vier dämpfige Pferde, von denen zwei öfters an heftigen Asthma-Anfällen zu leiden hatten. Die Dispnoe war so stark, dass man das Keuchen, resp. ein quasi Brüllen schon von weitem im Hofe hören konnte. Er versuchte probehalber Atropini sulfur. 0,10, Glycerini et Aq. destill, ää 50,0 zu 5 — 10,0 pro dosi et die, und der Erfolg war gegen alle Erwartungen überraschend günstig, sodass er viel mehr als Levi für die Atropinlösung spricht. Die Injection wurde täglich einmal während weniger Tage vorgenommen. Nach der Einspritzung bekamen die Pferde während zwei Monaten Solut. arsenic. Fowleri. Die Pferde sind ausser eines geringen Grades von Dämpfigkeit, die gar nicht hinderlich, voll­ständig zur Dienstleistung (Feuerwehr) fähig.
Die acute Bronchitis bietet ebenfalls Gelegenheit, die Nützlichkeit des Levi 'sehen Verfahrens zu erproben. Erleichtert wird hierbei die Behandlung noch durch die Eigenthümlichkeit des Pferdes, dass der Catarrh der grösseren Bronchien fast stets ohne Fieber verläuft, dass die catarrhalische Erkrankung der kleineren Bronchien in der Regel wenig ausgedehnt ist
ocr page 37
- 33 -
und class eine allgemeine Erkrankung- der Bronchioli zu den grössten Seltenheiten gehört. L e v i hat mit verschiedenen Mitteln Versuche angestellt und in allen denjenigen Fällen, die er näher beschreibt, völlige Heilung erzielt.
Den ersten Fall von acuter Bronchitis behandelte er durch tracheale Injection von ig gr. einer folgendermassen zusammen gesetzten Lösung:
Natri carbonici 5 gr. Tinctura opii crocatae 2 gr. Aquae destillatae 100 gr.
Diese Injectionen machte er 6 Tage lang 2 mal täglich und beschloss die Behandlung durch eine einmalige Injection von 5 gr. Terpentinöl. Im zweiten Falle bekämpfte Levi-die acute Bronchitis mit 60 gr. einer Abkochung von Althae-wurzel, der 1 gr. Tincturae opii crocatae zugesetzt war. Der zweiten Injection wurden noch 5 Decigramm Natri bicarbonici zugesetzt. Die ömalige Wiederholung der erwähnten Injection besserte den Zustand des Patienten ganz auffallend, und nach­dem noch eine Mischung von 2 gr. Terpentinöl und 10 gr. Glycerin an 2 aufeinander folgenden Tagen dem Thiere appli-cirt worden waren, war vollkommene Genesung eingetreten. — Den dritten Patienten, bei dem die acute Bronchitis einen un­gemein heftigen Verlauf nahm, bekämpfte Levi durch tracheale Injection von Aconitin, Aqua Lauro-Cerasi und Chininum bisul-furicum.
Im Reconvalescenzstadium wurden dann 50/oige Lösungen von Jodkalium benutzt. Hierbei war der Ausgang völlige Heilung, wie auch in zahlreichen anderen Fällen, die Levi zu behandeln Gelegenheit hatte. Interessant und bedeutsam ist noch die nachstehende Mittheilung:
In einem Pferdestall hatte sich die Streu auf unerklärliche Weise entzündet, war jedoch wegen ihrer grossen Feuchtigkeit nicht vollkommen verbrannt. Das in dem Stalle befindliche Pferd hatte die ganze Nacht in dem mit Rauch gefüllten Stalle verweilen müssen und sich einen heftigen Bronchialkatarrh zu­gezogen. Nach einer trachealen Injection von 5 gr. einer Lösung von 2 gr. Morphium aceticum, 40 gr. Glycerin und 60 gr. Aquae destill. besserte sich das Befinden des Pferdes auffallend. Die Wiederholung dieser Medikation hatte zur Folge, class sich bereits
3
ocr page 38
- 34 -
am nächsten Tage fast alle Erscheinungen der acuten Bronchitis zuriickgebildet hatten, so dass nach 3tägiger Behandlung das Pferd für gesund erklärt werden konnte.
v. Chelchovski bestätigt aus eigenen Erfahrungen die Versicherungen Levi's, doch scheint ihm die Dauer der Be­handlung zu kurz angegeben zu sein.
Auch die chronische Bronchitis lässt sich durch die trachealen Injectionen mit demselben guten Erfolge bekämpfen. Die Expectoranzien namentlich sind es, welche nach dieser Methode dem Organismus einverleibt, nicht allein einen schnellen, sondern auch einen nachhaltigen Erfolg herbeiführen. Jeder Praktiker weiss, wie schwierig die Behandlung dieser Krank­heit nach der gewöhnlichen Methode ist, während tracheale In­jectionen von Terpentinöl, Jod, Tannin u. s. w. von ausgezeich­netem Erfolge begleitet sind. Einen Fall von chronischer Bronchitis, bei dem bereits die verschiedensten Mittel, wie Arsenik, Theerräucherungen, kräftige Ernährung etc. im Stiche gelassen hatten, beseitigte Levi ohne Weiteres, nachdem er .12 Tage lang täglich 2 mal eine Mischung von Terpentinöl und Olivenöl üä 3 gr. der Trachea einverleibt hatte. Ebenso ge­lang es ihm, einen bereits monatelang bestehenden chronischen Bronchialkatarrh zu beseitigen, der bisher jeglicher Behandlung gespottet hatte. Wiederholte tracheale Injectionen der vorher erwähnten Mischung von Terpentinöl besserten das Leiden sehr wesentlich. Die völlige Genesung erlangte das Pferd, nachdem es im Anschluss an die vorige Behandlung noch io gr. Jod-Tannin-Lösung im Verlaufe von 3 Tagen injicirt erhalten hatte. Bei einer nächsten Gelegenheit versuchte der genannte Autor Injectionen von Kali bichromicum (0,2 : 300 Aqua). Bei der Anwendung dieses Mittels beabsichtigte Levi die chronische Entzündung in eine acute überzuführen. Es entstand ein leichtes Fieber, das jedoch bereits am nächsten Tage verschwand, und auch die noch zurückbleibende Absonderung von Schleim wurde durch eine Injection von 5 gr. Terpentinöl beseitigt. Dennoch dürfte es sich empfehlen, diese Behandlung nicht ohne Weiteres zu wiederholen, da man leicht bei Ausserachtlassung der nöthigen Vorsichtsmassregeln mehr Schaden als Nutzen stiften kann. Auch die Carbolsäure, und zwar in 2 quot;/oer Lösung wurde von Levi mit Erfolg angewandt. Es handelte sich um eine chronische
ocr page 39
- 35 -
Bronchitis, bei der ein sehr reichlicher, etwas eitriger und übel­riechender Ausfluss bestand. 5 Tage lang wurden je 10 gr. der genannten Lösung in die Trachea injicirt und hatten eine wesent­liche Besserung herbeigeführt. Nun wurde eine Aenderung in der Behandlung in soweit vorgenommen, als nicht mehr die Carbolsäurelösung allein zur Injection verwandt wurde, sondern eine Mischung von 5 gr. derselben mit 5 gr. Jod-Jodkali­lösung. Viermalige Wiederholung führte zur völligen Heilung. Ergiebige Bewegung bei gutem Wetter unterstützt die Kur wesentlich.
Wie bekannt, sind diejenigen Arten der Bronchitis, welche durch Parasiten, und speciell durch Rundwürmer (Strongylus filaria beim Schaf, Strongylus micrurus beim Rind) durch die verschiedensten Versuche zu heilen erstrebt worden. Andererseits weiss Jeder, dass weder durch die innere Ver­abreichung von Medikamenten, noch durch die directe Ein­wirkung derselben auf die Respirationswege in der Form von blossen Räucherungen ein Heilerfolg bisher nicht erzielt werden konnte. Gerade hier erreicht man durch tracheale Injectionen ungemein viel, weil man im Stande ist, durch antiparasitische Mittel die Schmarotzer direct zu tödten. Levi hat zwar nur einen Versuch mit Jod und Terpentinöl gemacht, der aber von einem durchschlagenden Erfolge gekrönt war. Wir verweisen ausserdem auf eine Mittheilung in No. 13 pro 1887 der „Rund­schau der Thiermedicin und vergleichenden Pathologiequot;, die der Hofrath und kaiserl. russ. Regimentsveterinär J. Nei man über die Behandlung der Lungenwurmseuche der Schafe veröffentlicht hat.
Die bisher angewandte medikamentöse Behandlung der Lungenwurmseuche war bis jetzt von merklichen Erfolgen nicht begleitet, und die ganze Therapie beschränkte sich in diesen Fällen nur auf die Prophylaxis. Die Herren Collegen, die mit dieser Invasionskrankheit zu thun haben, werden über die günstigen Resultate, die durch tracheale Injection bei dieser Krankheit erzielt wurden, erfreut sein.
Im Laufe des Frühjahres 1886 bekam Neiman in russ. Polen bei mehreren Kleingrundbesitzern im Ganzen 384 Schafe zur Behandlung, die an Lungenwurmseuche erkrankt waren, und verfuhr dabei folgendermassen:
3*
ocr page 40
- 36 -
Als Injectionsflüssigkeit benutzte er Anfangs Jod und jod-kalilösung (2 Theile metall. Jod, 10 Theile Jodkali und 100 Theile destill. Wasser) und Terpentinöl. Jedem kranken Schafe in-jicirte er gewöhnlich Jodkalilösung und Terpentinöl ää 0,5—0,8 und fügte noch, um die stark reizende Wirkung dieses Mittels etwas abzuschwächen, oleum olivarum hinzu. Es genügte, wie in den meisten Fällen constatirt wurde, eine zweimalige In­jection an zwei aufeinander folg-enden Tagen; nur bei einigen stark erkrankten Individuen wurde die Injection dreimal gemacht. Schon nach der ersten Injection kann man bemerken, dass die Schafe die durch dieses Mittel getödteten Lungenwürmer aus­husten. Gewöhnlich am dritten Tage nach der ersten Injection sind alle todten Lungenwürmer expectorirt, und die Schafe er­holen sich darauf sehr schnell. Neben der Entfernung der Krankheitsursachen erfüllt die Injection der angeführten Mittel noch einen anderen Zweck; sie beseitigt nämlich auch die stets vorhandene Bronchitis. Von den behandelten 384 Schafen gingen 5 zu Grunde. Der Tod derselben ist wohl darauf zurückzuführen, dass dieselben schon beim Beginn der Behand­lung in hohem Grade kachectisch geworden waren.
Ausser Jodlösung und Terpentinöl hatNeiman auch noch Terpentinöl mit 01. olivarum ää 1,00, ferner Terpentinöl und Ol. cornu cervi foet. ebenfalls ää 1,00 zu den Injectionen an­gewendet. Die Wirkung war stets eine überraschende. Selbst­verständlich kann man noch viele andere Mittel in Gebrauch nehmen, die den Strongylus filaria zu tödten im Stande sind, und es ist dem betreffenden Praktiker selbst überlassen, welches Mittel er zu den Injectionen mit Vorliebe wählen wird. Wenn wir die grossen Verluste, die diese Invasionskrankheit früher verursachte, in Betracht ziehen, so liegt der Werth dieser neuen Behandlungsweise auf der Hand.
Bewährt hat sich die tracheale Injection auch bei den organischen Herzfehlern, wie sie bei unsern Hausthieren so oft angetroffen werden und theils auf Hypertrophie des Herzens, theils auf Insufficienz der Klappen, theils auf Stenose der Ostien beruhen. Auch die rheumatischen Erkrankungen kommen hier­bei in Betracht. Die Mittel, die hierbei mit Vortheil angewendet werden können, sind ziemlich zahlreich. Die bekanntesten sind Digitalis, Morphium, Eisen, Arsenik u. s. w. Es handelt sich
ocr page 41
- 37 -
hauptsächlich doch nur darum, das sonst werthlose Thier durch die Behandlung wieder einigermassen brauchbar zu machen, Levi hatte Gelegenheit, sich von der günstigen Wirkung der trachealen Injection in zwei Fällen, die er zur allgemeinen Kenntniss bringt, zu überzeugen. Im ersten Falle handelt es sich um ein beginnendes Lungenemphysem, das mit Herzklopfen einherging. Er injicirte 5 gr. einer Lösung von 5 ctgr. Aconitin in 100 gr. alkoholhaltigem Wasser, und gleichzeitig verordnete er innerlich Arsenik. Die Behandlung hatte den Erfolg, dass sich bereits am nächsten Tage das Herzklopfen bedeutend ver­mindert hatte. Nach 6 Tagen war der Patient bereits soweit hergestellt, dass die trachealen Injectionen ausgesetzt werden konnten, und die Behandlung auf die innerliche Verabreichung von Arsenik beschränkt wurde. Darnach scheint völlige Heilung eingetreten zu sein, denn innerhalb eines Jahres hatten sich die Zufälle nicht wiederholt. — Im zweiten Falle handelt es sich um ein Pferd, das sehr häufig an Nasenbluten litt, welches regelmässig dann eintrat, sobald das Thier einige Minuten im Trabe bewegt worden war. Die klinischen Erscheinungen Hessen auf einen Klappenfehler oder ein Aneurysma der Aorta schliessen. Die Behandlung begann mit trachealen Injectionen von 2 gr. Tinctura Digitalis. Am nächsten Tage wurde die Injection 2mal (Morgens und Abends) wiederholt; in Folge dessen wurde der Puls kräftig, regelmässig und gleichmässig, setzte jedoch nach 10 Schlägen 2—5 Sekunden lang aus. Die nun­mehr vorgenommene Injection von 10 gr. einer 20/o Lösung von Morphium hydrochloricum beseitigte diese Ab. weichung nach dreimaliger Ausführung fast völlig, so dass der Patient, wenn auch nicht gerade vollkommen geheilt, so doch wesentlich gebessert aus der Behandlung entlassen wurde.
Auch die Koliken sind ein günstiges Feld, um die Wirk­samkeit der trachealen Injectionen zu erproben. Hauptsächlich eignen sich für die Behandlung die Krampfkoliken, die Wind­koliken und die Verstopfungskoliken. Bei den ersteren sind die Morphiumlösungen (0,50 : 50,0 Aq. dest.) wirksam, jede halbe Stunde zu 4 resp, 8 gr. pro Dosis; die zweite Gruppe ist mit günstigem Erfolge durch Strychnin wie auch durch Morphium zu bekämpfen:
1
ocr page 42
- 38 -
Morphii muritatici 0,50 Strychni sulfurici 0,25 Aq. destill.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,50
in drei Einspritzungen in 1li stündigen Intervallen zu je 5 gr.
Selbstverständlich wird man in einzelnen Fällen auch noch zu anderen inneren und äusseren Mitteln seine Zuflucht nehmen, z. B. Salzwasserklystiere und Natr. sulfur, in Mehltränke. Als Beweis für diese Angaben führt Levi einen Fall an von Krampf­kolik, der durch tracheale Injection von Morphium hydrochlo-ricum geheilt wurde, und desgleichen einen Fall von Ver­stopfungskolik , der durch Injection von 0,50 Morphium und 0,25 Strychnin in 50 gr Wasser in Heilung überging.
Die Congestionen sind zwar meist nur das Symptom einer anderen fieberhaften Krankheit, und ihre Behandlung ist um so schwieriger, als uns die eigentliche Ursache des ge­steigerten Blutzuflusses meist unbekannt bleibt; trotzdem kann man in der Voraussetzung, dass eine grosse Zahl von Con­gestionen auf einer Lähmung der vasomotorischen Nerven beruht, durch solche Mittel, welche diese Lähmung beseitigen, wie Chinin, Atropin, Ergotin, das Leiden bekämpfen. Bei Lungen-und Gehirncongestion empfehlen sich tracheale Injectionen von Alkohol, Aether u. drgl.; Aderlass sowie Hautreize, Senfkata-plasma, werden diese Behandlungsweise unterstützen.
Das Kehlkopfpfeifen will Levi bei einem Pferde, bei dem es sich nach mehrmaliger Erkrankung an Angina gezeigt hatte, völlig beseitigt haben. Er hatte eine 1 % Lösung von Strychninum sulfuricum benutzt, von der er zuerst 5 gr. in die Trachea injicirte. Diese Dosis steigerte er täglich um 2 gr. bis zur Gabe von 15 gr. Zum völligen Verschwinden brachte er das Leiden jedoch nicht. Vielleicht empfiehlt es sich aber nach seinem Beispiele in ähnlichen Fällen Versuche anzustellen.
Einen solchen Versuch hat neuerdings der mehrerwähnte Autor v. Chelchovski gemacht, der von günstigem Erfolg begleitet gewesen ist. Wir finden die Publikation in der „Oesterr. Monatsschrift Nr. 6 d. Jhrs. und theilen ihn der Ausführlichkeit halber hier mit.
Es ist bekannt, dass das Hartschnaufen durch sehr viele Ursachen bedingt sein kann, und demnach muss nothwendiger-weise auch die Behandlung sehr verschieden ausfallen. Das
ocr page 43
39
grösste Contingent von Hartschnaufern liefern die chronischen Bronchitiden; aber auch Druse, Angina und Influenza sind stark daran betheiligt. In der Praxis ist am häufigsten die gewöhn­liche Form des Rohrens (bedingt durch eine Läsion des n. laryngeus inferior s. recurrens mit consecutiver Atrophie und Degeneration der Giesskannenknorpelmuskel), welche v. Chel-chovski mittelst trachealen Injectionen behandelt hat. Levi sagt darüber folgendes:
„Ein schönes englisches Fahrpferd, 9 Jahre alt, litt während der kalten Saison vergangener Jahre zu wiederholten Malen an der Halsbräune ohne dass die Krankheit irgend welche sicht­baren Folgen zurückgelassen hätte. Jedoch seit October 1881 bemerkte man im Trabe ein leichtes Rohren, welches aber im Schritt oder kurzen Trabe verschwand. Das Hartschnaufen steigerte sich von Tag zu Tag so sehr, dass es in den ersten Tagen des Decembers schon sehr ausgesprochen war. Dr. Levi visitirte das Thier am 11. December und konnte leicht consta-tiren, dass er es in diesem Falle mit der sogenannten paraly­tischen Form des Pfeiferdampfes zu thun habe. Er wandte deshalb Injectionen von Strychninsulfatlösung 1,0 zu 100,0 Aq. destill, und zwar mit 5,0 pro dosi et die beginnend, jede zwei Tage um 2,0 steigend bis auf 15,0, in die Trachea an. Das Resultat dieser Behandlung war eine bedeutende Modification der Intensität des Athemgeräusches, so dass am 17. December nur ein sehr leiser Ton und nur im stärksten Trabe zu ver­nehmen war. Mit der Zeit erschien bei dem Pferde das Rohren nur in äusserst geringem Grade.quot;
v. Chelchovski hat dieselbe glückliche Erfahrung gemaclit, hat aber die Injectionen viel länger fortsetzen müssen. Einer der Officiere seines Regiments hatte ein 4 Jahre altes, schönes Gestütspferd (aus Russland), zum Reitschlage gehörig (geringe Beimischung vom engl. Blut), gekauft. Es war bekannt, dass der Hengst aus dem Gestüte ausgemustert sei, doch Niemand konnte die Ursache ausfindig machen. Den Hengst kannte er bereits seit einem Jahre und hat nie etwas Krankhaftes an ihm bemerkt. Bei dem hastigen Rückmarsche aus Ostrumelien (Anfang November) fing das betreffende Thier, obgleich äusserlich ganz gesund, plötzlich an zu röhren. Während des serbisch­bulgarischen Krieges steigerte sich das Leiden noch mehr.
ocr page 44
4o -
Schliesslich war das Leiden so hochgradig geworden, dass das betreffende Thier gar nicht mehr im Trabe gebraucht werden konnte. Es schwitzte, keuchte, brüllte, wankte und drohte um­zufallen. Die genaueste und wiederholte Untersuchung ergab, dass man in diesem Falle mit aller Wahrscheinlichkeit eine Affection des n. recurrens mit seinen Folgen annehmen müsse.
v. Chelchovski begann die Behandlung mit Strychnin-sulfat-Injectionen, welche er in folgender Weise fortsetzte:
4.
Januar.
1. Ta
5.
raquo;
2. „
6.
h
3. „
7.
raquo;
4. ,
8.
T
5. „
0,
)1
6. „
10.
f
7. ,
11.
!)
8. „
12.
raquo;
9. ,
13.
1)
10. ,
14.
H
11. ,
15.
_
12. ,
16.
13. ,
Tag- der Behandlung 5,0 in die Trachea eingespritzt
70
70 ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;9,0 Gelinde Besserung
00 ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;10,0 Besserung
10,0 ,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12,0 Das Bohren kaum mehr zu hören,
inbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;12,0 Verschlimmerung des Zustandes
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;14,0 Abermalige Besserung
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;14,0 Besserung
,nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;„nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;15,0 Allg. Erscheinungen der Strychnin-
wirkung
Die Behandlung wurde auf eine Woche unterbrochen. Nach Verlauf dieser Zeit constatirte man eine auffallende Besserung des Zustandes. Das Thier trabte frei, und nur beim längeren Galoppiren hörte man noch ein Auftreten von Hart­schnaufen. Durch diese Erscheinung ermuthigt, nahm v. Chel­chovski die Behandlung abermals auf, beschloss jedoch, die Gabe etwas zu reduciren und nicht über id —120 pro dosi zu steigen. Die Besserung trat deutlich ein. Nach ca. lotägiger Behandlung wurde das Thier als geheilt entlassen. — Bis 17. Mai ds. Jahres war von einer Recidive noch keine Spur.
v. Chelchovski hegt die feste Ueberzeugung, dass die Behandlung des Hartschnaufens mit intratrachealen Injectionen in vielen Fällen und im Anfangsstadiuni, so lange noch keine Degenerationen eingetreten sind, irgend etwas leisten kann. In späteren Stadien wohl kaum. „Da man in der Praxis fast nie den Grad der Veränderungen an den Kehlkokfmuskeln voraus­bestimmen kann, so glaube ich meine Meinung dahin aussprechen zu dürfen, dass es jedem Praktiker doch stets gerathen sei,
ocr page 45
- 4i -
eine kleine Probecur vorzunehmen, umsomehr, als auch die sehr geringen Kurkosten (1,0 Strych. in 100,0 Aq. gelöst) wohl Niemanden abschrecken werden.
In Fällen, wo das Leiden nachweislich als Folgezustand einer überstandenen Druse etc. eingetreten ist, ist eine sehr minutiöse Untersuchung vorzunehmen und die Ursache in einer chronischen Schwellung der Schleimhaut des Kehlkopfes oder in einer Schwellung des Bronchiallymphdrüsenpaquets mit con-secutivem Druck auf den linksseitigen n. recurrens zu vermuthen. Hätte man diese Ueberzeugung gewonnen, so wäre es hier am Platze, mit Jodkali- oder Jod-Jodkalilösungen die Cur zu eröffnen. (Auch Prof. Trasbot-Alfort empfiehlt Jodkali gegen Hart­schnaufen.) v. Chelchovsky verzeichnet zwei Fälle, wo das nach dem genannten Leiden eingetretene Hartschnaufen nur mit Jodkali-Injectionen beseitigt wurde. Es waren aber keine ver­alteten Fälle.
Acute Catarrhe der Nasenschleimhaut erfordern in der Regel keine Behandlung und verschwinden in einigen Tagen von selbst. Chronische Catarrhe, die als besondere Krankheit beim Pferde allerdings zwar selten sind und in der Regel nur als Symptome des Rotzes auftreten, erweisen sich meist sehr hartnäckig. Ihre Beseitigung gelingt dagegen leicht durch tracheale Injection der Lugol'schen Lösung. Leyi behandelte ein Pferd, das ein halbes Jahr an chronischem Catarrh der Nasenschleimhaut litt und Ausfluss aus beiden Nasenlöchern zeigte. Rotzverdacht war nicht gerechtfertigt, weil ausser dem Nasenausfluss kein anderes Symptom, wie Anschwellung der Drüsen, Geschwüre oder Rotzknötchen an der Nasenschleim­haut vorhanden war. Eine zehnmalige Injection der Jod-Jodkali­lösung täglich 2 mal ausgeführt, genügte, um den chronischen Catarrh zu beseitigen.
Auch Dispnoö ist meist nur der Ausdruck verschiedener an­derer krankhafter Processe; trotzdem kann sie bei grosser Intensität die Intervention des Thierarztes erfordern und die Behandlung der eigentlichen Ursache in den Hintergrund drängen. Gewöhnlich tritt sie, wie bekannt, bei der Dämpfigkeit, dem Asthma und der chronischen Erkrankung der Bronchien, der Lungen, der Pleura und des Herzens auf. Will man die eigentlichen Ur­sachen bekämpfen, so verweisen wir auf die betreffenden ein-
ocr page 46
42
zelnen Artikel. Es sei noch hinzug-efügt, dass Dämpfig-keit und Asthma durch tracheale Injectionen von Lösungen des Strychnin-sulfates, des Atropinsulfates vermindert werden können, dass chronische Affectionen der Bronchien, der Lungen und der Pleura nach Injectionen von Jod-Jodkalium, Terpentinöl wesentlich gebessert werden, und dass sich bei der sogenannten Herz­dämpfigkeit Injectionen von Morphiumsalzen sehr nützlich er­weisen.
Die Dämpfigkeit, welche bekanntlich zumeist ein Symptom des Lungenemphysems bildet, erscheint zwar auf den ersten Blick als unzugänglich für jede Behandlung, weil dem ursäch­lichen Leiden keine vorübergehenden Störungen zu Grunde liegen, sondern weil es sich hier um bleibende Veränderungen der Lunge handelt, die einer medikamentösen Behandlung nicht zugänglich sind. Trotzdem will Levi durch tracheale Injectionen von Strychninum sulfuricum Besserung erzielt haben. Es erklärt sich dies dadurch, dass das Strychnin entweder direct auf die durch die Erweiterung der Alveolen gelähmten contractilen Elemente einwirkt, oder dass es durch seine Wirkung auf das Rückenmark oder das Athemcentrum günstig wirkt. Ob das eine oder andere Moment mehr in Betracht kommt, lässt Levi unentschieden. 5 Fälle, welche er mittheilt, sollen dazu dienen die Wirksamkeit der trachealen Injection mit den angeführten Mitteln bei der Dämpfigkeit klar zu legen. Es würde zu weit führen, die Fälle hier einzeln aufzuführen. Von dem Strychnin-sulfat wurden 1 % wässrige Lösungen in einer Dosis von 5—10—15 gr., und von Atropin solche von 0,012 zu 5 gr. Aqu. destill, injicirt. Das Resultat dieser Versuche gipfelt in folgenden 4 Punkten:
1.nbsp; Husten und Dispnoe werden durch Injectionen von Strychnin deutlich vermindert;
2.nbsp; die Dauer dieser Besserung ist mit wenigen Ausnahmen eine verhältnissmässig sehr lange;
3.nbsp; durch diese Behandlung können dämpfige Pferde noch einige Zeit brauchbar erhalten werden, während sie ohne Injection mehr oder weniger untauglich sind;
4.nbsp; muss berücksichtigt werden, dass die Arbeit, welche das Thier zu leisten hat, nicht allzuschwer sei, damit auf diese Weise Rückfälle vermieden werden.
ocr page 47
- 43
DieLungengangraen gehört bekanntlich zu den schwersten Erkrankungen und führt in der Regel zum Tode. Erstreckt sie sich auf grössere Lungenabschnitte, so ist ihre Behandlung vollkommen nutzlos. Etwas anderes ist es, wenn nur kleine, umschriebene Parthien der Lunge davon ergriffen sind. Unter dieser Voraussetzung ist die Behandlung durch tracheale Injection mit Vortheil zu verwenden, während bei der gewöhnlichen Be­handlung der tödtliche Ausgang nur in seltenen Fällen ver­mieden werden kann. Levi wandte mit Erfolg gegen die genannten krankhaften Zustände der Lungen Chininum bisul-furicum in 20/o Lösung an. Er injicirte jedesmal 10 gr. davon und Hess ausserdem die Stallstreu mit Carbolwasser besprengen. Nach siebentägiger Behandlung heilte er 2 Patienten, welche die Symptome der Lungengangraen bekundet hatten.
Beim gewöhnlichen Verlauf der Druse ist eine medikamentöse Behandlung in der Regel nicht erforderlich; nur in denjenigen Fällen, wo der Gang der Krankheit eine abnorme und gefähr­liche Wendung macht, ist die Hilfe des Thierarztes geboten. Wo man derartige Zufälle furchet, ist es gut, beim Beginn der Erkrankung tracheale Injectionen von Aconitin zu machen. Im weiteren Verlaufe der Erkrankung jedoch, wenn bereits Schwäche­zustände bei dem Thiere bestehen, und man eine Vergrösserung derselben durch das Aconit vermeiden will, verwende man zu den Injectionen das Chininbisulfat. Den Husten beseitigt man leicht durch Injection von Morplium oder Atropin; das letztere ist vorzuziehen, wenn man Congestionen nach den grossen Parenchymen vermuthet. Die übermässige Absonderung von Schleim lässt sich durch abwechselnde Injectionen von Morphium und Chinin bekämpfen. Nur in hartnäckigen Fällen sind Ter­pentinöl oder Lugol'sche Lösung vorzuziehen. Stellen sich im Verlauf der Druse Schwächezustände ein, die auf Compli-cationen schliessen lassen, so wird man sich mit Vortheil des Chinins, sowie der leicht diffundirbaren erregenden Mittel be­dienen. Bei der Bedeutung dieses Leidens wollen wir auf die Krankheitsgeschichte dreier Fälle von Druse, welche Levi ausführlich behandelt, näher eingehen.
Ein vierjähriges Pferd zeigte grosse Schwäche, 75 Pulse, 22 Athemzüge und 40,8 Temperatur. Husten häufig und schmerz­haft. Um den Kehlkopf machte sich eine diffuse, ziemlich derbe,
.1
ocr page 48
- 44 —
schmerzhafte Anschwellung bemerkbar. Patient erhielt eine tracheale Injection von 5 gr. einer Aconitinlösung 1:2000 und Mehltränke mit Natrium sulfuricum. Abends zeigte sich bereits Besserung, und die Aconitinjection wurde wiederholt.
Am folgenden Tage trat schleimiger Nasenausfluss auf, der Husten war weniger schmerzhaft, Appetit massig, der Puls sank auf 35, die Temperatur auf 38,2, die Zahl der Athem-ziige auf 15. Von da an nahm die Krankheit ihren regel-mässigen Verlauf und ging in Genesung über. — Im 2. Fall war die Druse mit einer diffusen Bronchitis complicirt; auch hier bestand Fieber (39,2), Athemfrequenz, sehr schmerzhafter Husten, die Auskultation ergab ein rauhes Athemgeräusch und Rasselgeräusche in den grossen Bronchien. Um ein Ueber-greifen des krankhaften Processes auf die Lungen zu verhüten, wodurch die Krankheit einen bösartigen Charakter angenommen hätte, machte Levi eine tracheale Injection von 5 gr folgender Lösung :
Atropini sulfuricinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 0,1
Morphii hydrochlorici 0,5
Aqu. destill.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 50,0.
Daneben wurde auf jede Brustwand ein Senfteig applicirt. An demselben Tage wiederholte Autor die Injection. Darnach sank die Temperatur auf 380, die Zahl der Athemzüge auf 15. Am nächsten Tage zweimalige Wiederholung der Injection. Der Erfolg war ungemein günstig, und die Heilung vollzog sich ohne Schwierigkeit. — Der dritte angeführte Fall behandelt einen chronischen Catarrh der Bronchien, der als Nach­krankheit der Druse aufgetreten war. Das Thier befand sich in schlechtem Nährzustande, zeigte starken schleimig-eitrigen Nasenausfluss und Husten. Fieber bestand nicht. Täglich wiederholte tracheale Injectionen von 5 gr. Terpentinöl, ge­mischt mit ebensoviel Olivenöl, brachten den Catarrh nach ötägiger Behandlung zum Verschwinden, und gleichzeitig besserte sich auch der Nährzustand des Thieres.
Ueber die hier bei der Operation zu befolgende Des-infection der Instrumente ist schon im IV. Cap. gesprochen worden.
Hämorrhagien treten im Allgemeinen ziemlich selten bei Pferden auf und meist nur im Verlaufe anderer acuter und
ocr page 49
45
chronischer Krankheiten, wie bei Typhus (Morbus maculosus) Rotz, bei Degeneration der Leber, Hyperaemieen der Nieren, Lungen, bei den Affectionen des Herzens und der grossen Ge-fässe etc. Die Art und Weise ihres Zustandekommens können wir hier nicht weiter erörtern. Wenn es auch wohl bei der Behandlung darauf ankommt, ihre eigentliche Ursache zu be­kämpfen, so ist es doch nicht in allen Fällen möglich, eine genaue Diagnose zu stellen, und man wird sich bei der Be­handlung folgende allgemeine Regeln zur Richtschnur nehmen müssen. Vermuthet man als Ursache der Haemorrhagie eine Hyperaemie, so bedient man sich mit Vortheil der trachealen Injection des Chininumbisulfats und des Atropinsulfats. Beruht sie dagegen auf' gesteigerten Druckverhältnissen, so empfehlen sich die Injectionen von Tannin, Creosot oder einer anderen adstingirenden Substanz. Veränderungen in der Zusammen­setzung des Blutes sind ebenfalls durchChininbisulfat zu behandeln. Unter Berücksichtigung dieser allgemeinen Regeln wird der Praktiker mit den angegebenen Mitteln im concreten Fall be­friedigende Resultate erreichen.
Erwähnenswerth, wenn auch von untergeordneter Be­deutung, ist die Levi'sche Mittheilung, dass das sogenannte Wechselfieber, wie es beispielsweise beim Menschen beobachtet wird, in gewissen Gegenden Italiens auch bei den Hausthieren vorkomme, er behandelte diese Krankheit bei einem Pferde durch tracheale Injectionen von Chininbisulfat und erzielte da­mit völlige Heilung.
Hydrocephalus acutes und chronicus lassen sich durch tracheale Injectionen mehr oder weniger erfolgreich behandeln. Bei ersterem gelingt es, völlige Heilung herbeizuführen, bei letzterem ist der Erfolg von der Dauer der Krankheit abhängig. Je länger sie besteht, und je grosser die Veränderungen an der nervösen Substanz sind, um so unwahrscheinlicher ist der Erfolg.
Ein zwölfjähriges, seit 6 Monaten mit dem Dummkoller behaftetes Pferd, das bereits vergeblich mit Haarseilen, scharfen Einreibungen und Laxantien behandelt worden war, wurde Levi zur Behandlung übergeben. Er machte zunächst eine tracheale Injection von 0,5 Jodkalium in 10 gr. destill. Wassers gelöst und steigerte diese Dosis alle 2 Tage um 0,5 Jodkalium
II
ocr page 50
46
bis zur Höhe von 4 gr. täglich. Fünf Tage lang wurden nun 4 gr. Jodkalium injicirt und dann die Dosis in demselben Ver-hältniss wieder vermindert. Darnach trat eine deutliche Besserung in dem Befinden des Thieres ein, und dasselbe konnte bei der nöthigen Schonung wieder seine Arbeit verrichten. — In einem Falle von acutem Hydrocephalus (rasender Koller), der seit 14 Tagen bestand, applicirte der erwähnte Autor zu beiden Seiten des Halses einen Senfbrei und injicirte dem Patienten folgende Lösung in die Trachea:
Kali bromatinbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; 2,0
Extract. Belladonnae 0,5 Aqu. destill.nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp; nbsp;20,0.
Am folgenden Tage wurde diese Medication wiederholt, und daran schlössen sich Injectionen von Jodkalium, die in der Weise, wie es oben beim chronischen Hydrocephalus angegeben wurde, zur Ausführung kamen. Der Erfolg war völlige Ge­nesung.
Lymphgefässentzündungen (Lymphangitis) sind bekannt­lich bei Pferden ein ungewöhnlich häufiges Vorkommniss. Meist treten sie an den hinteren Extremitäten auf, doch ist es nicht ausgeschlossen, dass auch andere Theile Sitz dieser Affection werden können. Zuweilen ist es schwierig, die ein­fache Lymphangitis von derjenigen zu unterscheiden, wie sie beim Hautrotz beobachtet wird. Die Behandlung beider ist natürlich eine verschiedene. Für uns kommt nur die einfache Entzündung der Lymphgefässe in Betracht, da einerseits die Behandlung rotzkranker Pferde verboten ist, andererseits eine Heilung der Rotzkrankheit noch nicht mit Sicherheit nach­gewiesen ist, wenn auch Levi in einzelnen Fällen dies erreicht haben will. (Siehe Rotz). Die Behandlung bei der einfachen Lymphangitis ist zunächst eine locale und antiphlogistische und besteht in Bädern, erweichenden Umschlägen u. s. w. Ausserdem macht man tracheale Injectionen von Jodkalium. Bei den chronischen Formen sind ausser den trachealen In­jectionen von Jodkalium auch Scharfsalben am Platze. Levi giebt dafür folgende Beispiele:
Ein Pferd erhielt von seinem Nebenpferde einen Schlag gegen den oberen Theil des linken Vordermittelfusses. Im Anschluss daran hatte sich eine ausgebreitete Phlegmone ent-
ocr page 51
- 47 -
wickelt, gegen welche zunächst mit Leinsamenumschlägen vor­gegangen wurde. Obwohl die Erscheinung zunächst etwas zurückging, zeigte sich in der Folge ein harter, schmerzhafter Strich, der von der Wunde aus bis zur Schulter verlief. Die fortgesetzte antiphlogistische Behandlung beseitigte zwar die Phlegmone, aber die Lymphangitis verschwand erst durch drei­malige tracheale Injection von Jodkaliumlösung i: 10. In einem Falle von chronischer Lymphangitis, die bereits mehrere Wochen bestand, wurden nach vergeblicher lokaler Behandlung Injec-tionen von Jodkaliumlösung gemacht. Die Dosis war zunächst 0,5 zu 10 Wasser und wurde täglich gesteigert bis zu dem Verhältniss 4 : 10. Douschen von kaltem Wasser, kräftige Er­nährung und massige Bewegung unterstützten die Behandlung. Darnach verschwand das Leiden vollkommen. Die anfangs nach der Arbeit noch auftretenden Anschwellungen des erkrankt gewesenen linken Hinterbeines wichen der fortgesetzten Be­handlung mit Kalkwasserdouschen.
Albuminurie (Nephritis albuminosa), welche als Symptom einer Nierenentzündung aufgetreten war, will Levi in einem Falle gleichfalls durch tracheale Injection geheilt haben. Da dieser Fall einiges Interesse bietet, wollen wir ihn etwas aus­führlicher behandeln. Das in Rede stehende Pferd im Alter von 6 Jahren zeigte einen geringen Grad von Fieber (38,6), 55 Pulse, 23 Athemzüge, ausserdem Steifigkeit im Hintertheil, aufgeschürzten Bauch, starke Empfindlichkeit in der Lenden­gegend. Urin vermindert und trüb, dunkel gefärbt, und auf Zusatz von Salpetersäure entstand ein reichlicher Niederschlag von Eiweiss. Diese Symptome liessen im Verein mit dem Vor­bericht auf ein Nierenleiden schliessen.
Nach dem Vorbericht war das Pferd einen Monat vorher an einem kalten und regnerischen Tage sehr lange angestrengt worden und zeigte am nächsen Tage eine fieberhafte Affection, ohne dass jedoch der herbeigerufene Thierarzt dieselbe zu localisiren vermocht hätte. Erst in den nächsten Tagen traten die gewöhnlichen Erscheinungen der acuten Nierenentzündung deutlich hervor, und wurde eine energische Behandlung ein­geleitet. Eine Heilung erfolgte jedoch darnach nicht, sondern die Krankheit ging in ein subacutes Stadium über und trotzte nun jeder Behandlung. Durch den übermässigen Verlust an
ocr page 52
48
Eiweiss ging das Thier natürlich im Nährzustande sehr zurück. Als Levi dasselbe zur Behandlung bekam, machte er ihm zu­nächst Injectionen in die Trachea, und zwar 5 gr. Jod-Jodkali­lösung (1 Jod, 5 Jodkali, 100 Aqu. destill.). Gleichzeitig wurde auf die Lendengegend eine Salbe eingerieben, bestehend aus 5 gr. Canthariden, ig gr. Terpentin und 40 gr. Fett. Zunächst wurde das Fieber hierdurch etwas gesteigert, verschwand jedoch durch eine abermalige Injection von 10 gr. der obigen Lösung. In den nächsten 4 Tagen wurden die Injectionen fortgesetzt. Der Urin war nach dieser Zeit völlig frei von Eiweiss und brauste beim Zusatz von Salpetersäure lebhaft auf, ein Zeichen, dass im Harn viele Carbonate enthalten waren, blieb aber sonst klar. Daraufhin betrachtete Levi das Thier als geheilt.
Aus dieser Wahrnehmung- legt Levi der trachealen Be­handlung des Eiweissharnens eine grosse Bedeutung bei, da er in wenigen Tagen das erreichte, was die vorhergehende Monate lang ausgeführte gewöhnliche Behandlungsweise nicht erzielt hatte. Er schreibt diese auffallend günstige Wirkung lediglich dem Umstände zu, class die Arzneimittel — in diesem Falle das Jod — von der Respirationsschleimhaut sehr schnell und unzersetzt absorbirt werden und nun ihre volle Wirkung zu entfalten im Stande sind.
Selbst bei Nymphomanie hat Levi durch die tracheale Injection Heilung erzielt, und zwar in einem Falle, wo die be­treffende Stute, ein 28jähnges Thier, gleichzeitig an Schwäche des Hintertheils litt. Levi folgerte daraus, dass die abnorme geschlechtliche Erregung mit Störungen des Rückenmarkes im Zusammenhang ständen und versuchte demgemäss Injectionen von je 1 gr. Bromkalium in 5 gr. Wasser. Täglich wurde diese Injection ausgeführt; nach der dritten war bedeutende Besserung zu constatiren, und nach der fünften war die völlige Heilung erreicht. Rückfälle wurden nicht wieder beobachtet.
Während des Geburtsactes kommt der Thierarzt häufig in die Lage, helfend einzuschreiten, und auch hierbei eignen sich die Respirationswege, um in kurzer Zeit eine energische Wirkung der betreffenden Heilmittel zu erzeugen. Beruht die Verzögerung der Geburt darauf, dass das Thier bereits erschöpft ist, so soll man durch tracheale Injection von Alkohol, Aether u. drgl. die Kräfte zu heben versuchen, Liegt die Ursache
ocr page 53
49
der regelwidrigen Geburt dagegen in unregelmässigen und schwachen Contractionen des Uterus, so sind diejenigen Mittel intertracheal anzuwenden, welche speciell die Wehenthätigkeit erregen. Dazu gehören Ergotin, (2 gr. pro Dosi) oder 5—20 gr. einer Lösung von Phosphorsäure (1 : 100 Wasser).
Auch die im Anschluss an die Geburt auftretenden Blu­tungen lassen sich vortheilhaft durch tracheale Injectionen von Ergotin, Phosphorsäure, Opium, Terpentinoel etc. bekämpfen. Der Abgang der Nachgeburt wird hierdurch gleichfalls befördert.
Die Entzündungen der Pleura (Pleuritis) beim Pferde gehören bekanntlich zu den schwersten Erkrankungen, und ihre Behandlung bietet in der Regel wenig Aussicht auf Er­folg. Die innerliche Behandlung hat auf die Entwicklung und den Verlauf der Krankheit fast gar keinen Einfluss, und die äussere Behandlung mit ableitenden Mitteln wird bald gerühmt, bald für werthlos erklärt. Hierdurch ist auch der so häufige letale Ausgang erklärlich, den die Pleuritis beim Pferde nimmt.
Die tracheale Injection bietet nun hierbei gegenüber den sonstigen Behandlung-smethoden grosse Vorzüge. Durch die­selbe gelangen die Arzneimittel direkt in's Blut, und dadurch ist man im Stande, die Pleuritis mit dem gleichen Erfolge zu bekämpfen, wie die Entzündungen der Innern Organe; auch die Exsudation, welche die Entzündungen der Pleura documen-tirt, wird durch die Anwendung des Jodkaliums erheblich beschränkt. Levi beschreibt 2 Fälle, einen von acuter und einen von chronischer Pleuritis, die er beide auf die vorher be­sprochene Weise geheilt haben will. Die acute Pleuritis ver schwand durch eine i2tägige Behandlung mit der trachealen Injection von 1 gr. Jodkalium zu 10 gr. Wasser, die täglich einmal ausgeführt wurde.
Gegen chronische Pleuritis wurden an 5 Tagen 2 mal täglich je 10 gr. der bereits mehrerwähnten Jod-Jodkalilösung intratracheal applicirt.
Für die Behandlung der verschiedenen Arten von Lungenentzündungen bietet die tracheale Injection grosse Vor­züge. Die Arzneimittel auf diese Weise dem Organismus ein­verleibt, wirken nicht allein durch die Blutbahn, sondern es kommt hier ausserdem auch noch ihre locale Wirkung in Be­tracht. Je nach den verschiedenen Indicationen kann man
ocr page 54
- 5deg; -
hierbei die verschiedensten Mittel heranziehen. Hervorzuheben sind namentlich bei congestiver Form Aconitin und Atropin; bei hyperthermischer Form Chininum bisulfuricum (zur Herab­setzung der Temperatur); die Jodmittel, besonders bei den ex-sudativen Formen; bei Hypercrinie und Gangrän Terpentinoel, Tannin; bei irritativem Stadium Morphium. Zum Beweise für diese Angaben führt Levi 4 verschiedene Fälle von Lungenent­zündung auf, die sämmtlich durch seine Behandlung in Heilung übergingen. Wir wollen uns darauf beschränken, nur die einzelnen Mittel aufzuführen, die hierbei zur Verwendung ge­langten. Eine frische Lungenentzündung behandelte Autor durch tracheale Injectionen von 10 gr. einer 20/o Lösung des Chininum bisulfuricum. Die Injectionen wurden 5 Tage lang 2 mal täglich gemacht. Heilung. — Gegen Lungenentzündung im zweiten Stadium bewährten sich sehr gut die trachealen Injectionen mit folgender Lösung: Jodkalium 10 gr., Tinctur. opii crocat. 5 gr., Aqu. destill. 100 gr.; die injicirte Menge be­trug zuerst 5 gr. und wurde am 3. Tage auf 10 gr. erhöht. Nach 6 Tagen erfolgte Genesung.
Bei chronischer Pneumonic und Bronchitis mit starker Ab­sonderung erwies sich folgende Lösung als sehr wirksam: Jodoform 2 gr., Terpentinoel 50 gr., Olivenoel 50 gr.; täglich 2 mal wurden je 5 gr, dieser Mischung in die Trachea injicirt, und nach 5 Tagen wurde dadurch wesentliche Besserung erzielt. Die innerliche Verabreichung von Arsenik trug ausserdem das ihrige dazu bei, völlige Heilung herbeizuführen. Selbst bei der gangraenoesen Lungenentzündung erwies sich die tra­cheale Injection von Chininum bisulfuricum günstig. Es kam eine 30/o wässrige Lösung dieses Satzes zur Anwendung, und zu jeder Injection wurden 10 gr. davon verbraucht. Nach 3 Tagen will Levi damit Heilung erzielt haben. Jedenfalls aber dürfte es sich empfehlen, weitere Versuche nach dieser Richtung hin anzustellen.
Die Polyurie soll gleichfalls durch tracheale Injectionen von 5 — 10 gr. Jod-Jodkalilösung in 2 —3 Tagen zum Verschwinden gebracht werden können.
Bei dem Typhus der Pferde (Morbus maculosus) haben tracheale Injectionen eine ganz hervorragende Wirkung. Be­kanntlich nimmt man an, dass diese Krankheit auf Schädlich-
ocr page 55
- 5i -
keiten zurückzuführen ist, die im Blute sich vermehren und eine Zersetzung desselben bedingen, und class sich hieraus die übrigen Allgemeinstörungen erklären. Nun gelangen aber durch die trachealen Injectionen die Arzneimittel direkt in die Blut­bahn, und man ist daher im Stande, ohne Weiteres die im Blute vorhandenen Stoffe zu parallysiren. Levi selbst hat sehr gute Erfolge von der Anwendung des Chininum bisulfuricum gesehen, und seiner Angabe nach hat sich diese Behandlung auch bei den am Typhus erkrankten Pferden der italienischen Armee, soweit von dem Verfahren Gebrauch gemacht wurde — sehr bewährt.
In ganz neuer Zeit hat Prof. Dieckerhoff seine Erfahrung über die Behandlung des Morbus maculosus mit Jod veröffentlicht in Adams „Wochenschrift für Thierheilkundequot; etc., 1887, Nr. 12 und 13, und wir können nicht umhin, diese interessanten Mittheilungen unsern Lesern vorzuenthalten; wir geben sie deshalb nur wenig gekürzt hier wieder:
„Die Blutfleckenkrankheit (Morbvis maculosus, Typhus, Faul­fieber, Petechialfieber) des Pferdes wird als ein acutes, toxisches Allgemeinleiden geschildert, welches von einem inficirten Primär­herde seinen Ausgang nimmt. Aus dieser Auffassung ergiebt sich der für einzelne Fälle sehr wichtige therapeutische Ge­sichtspunkt, dass, soweit der primäre Erkrankungsherd erreich­bar ist, die unverzügliche desinficirende Behandlung desselben für die Cur des Krankheitsfalles erforderlich wird. Noch im letzten Jahre hat Dieckerhoff hiernach zwei Fälle mit be­friedigendem Erfolge behandelt. Einer derselben betrifft ein Pferd, welches 10 Tage vorher castrirt war. Bei demselben konnte die Entstehung des Morbus maculosus mit Sicherheit auf die geschwollenen und in Eiterung befindlichen aber nicht gleichmässig granulirenden Castrationswunden zurückgeführt werden. Er Hess deshalb gleichzeitig mit der symptomatischen Behandlung des Falles eine desinficirende Lokalcur der Hoden­sackwunden eintreten, worauf sich der Krankheits verlauf günstig gestaltete.
„In dem zweiten Falle lag der Krankheits-Entwickelung ein Retropharyngeal-Abscess zu Grunde, nach dessen Eröffnung und desinficirender Behandlung die in der Haut der Glied­massen und in den Kopf-Schleimhäuten bereits offensichtlich
4*
ocr page 56
- 52
zum Ausdruck gekommene Blutfleckenkrankhcit sich langsam zurückbildete.
„Indess umfasst die Pathogenese der Blutfleckenkrankheit aus solchen Primärherden, welche dem chirurgischen Eingreifen direct zugänglich sind, nur eine kleine Minderheit der Fälle. Auch die grossen Abscesse, welche als Vorkrankheiten des Morbus maculosus in den inneren Organen bestehen können, sind im Ganzen nicht häufig. Sehr oft beruht die Vorkrank, heit in oberflächlichen Prozessen an den Schleimhäuten oder in anderen Organen. Solche Prozesse sind nicht selten so geringfügig, dass sie sich der Wahrnehmung vollständig ent­ziehen, und die Ausbildung der Blutfleckenkrankheit „aus heiler Hautquot; zu erfolgen scheint.
Prof. Dieckerhoff schreibt dann weiter: „Diese Sach­lage rechtfertigt das Bemühen, nach einem Heilmittel zu suchen, welches geeignet ist, die Causa proxima der Blutfleckenkrank­heit, d. h. die im Blute circulirende und mit der Entstehung der „Blutfleckequot; in die Organe eindringende toxische Substanz unschädlich zu machen. Dass dies Problem bisher nicht ge­löst wurde, ist bekannt: „Heilmittel, mit welchen nach Con-statirung der Krankheit die weitere Ausbildung frischer Blut­flecke inhibirt werden könnte, gibt es nach der gegenwärtigen Erfahrung nicht.quot; Seitdem ich diesen Satz schrieb, ist mehr als ein Jahr vergangen. Ich habe während desselben die Ver­suche zur Auffindung eines geeigneten Heilmittels fortge­setzt, so oft ich zur Behandlung der Blutfleckenkrankheit Ge­legenheit hatte. In jüngster Zeit vollführte ich in zwei Fällen die Behandlung des Morbus maculosus mit Jod, und zwar in der bestimmten Absicht, um zu prüfen, ob durch dieselbe eine Entgiftung der mit der Krankheit behafteten Pferde zu er­reichen ist. Der Erfolg war über alles Erwarten günstig. Ich wählte für die Cur mit Aenderung der Concentration die Lugol'sche Jod-Jodkalium-Lösung und zur Einverleibung der­selben die intratracheale Injection. Dass die Trachealschleim-haut des Pferdes eine Jod-Jodkalium-Lösung sehr, gut erträgt, und dass das Jod hiebei schnell resorbirt wird, hat Professor Levi zuerst angegeben und bei den Versuchen zur Heilung der Rotzkrankheit erprobt. Von der Zulässigkeit dieser In­jection der Jodlösung habe auch ich mich in vielen Fällen bei
ocr page 57
53
der Lokalbehandlung der Kehlkopfs- und Rachenschleimhaut überzeugt. Ich wende mich direct zu einer kurzen Berichter­stattung über die beiden Krankheitsfälle.
„i) Fuchsstute, 10 Jahre alt und 1,57 m hoch, leichtes Arbeits­pferd, litt seit 14 Tagen, an einer schmerzhaften Sehnenscheiden­entzündung am Fessel des linken Vorderfusses und hatte seit 5 Tagen Geschwülste in der Haut an den Gliedmassen und an der Nase bekommen. Das Pferd, welches nicht mehr gehen konnte, wurde am 28. Februar d. J. mittelst eines Transport­wagens in die Klinik gebracht. Es war ziemlich gut genährt, zeigte aber eine matte Haltung und aufgebürstetes, rauhes Deck­haar. Die Körperbewegung in hohem Grade erschwert. Beim Stehen im Stalle wird der Kopf gesenkt getragen. An allen Gliedmassen ist die Haut mit der Unterhaut ungleich geschwollen. Beide Vorderschenkel sind oberhalb der Carpalgelenke und auch am Metacarpus ödematös. Am rechten Vorarm enthält die Haut eine mehr als handbreite, scharf abgesetzte, wulstige Beule. Die linke Vordergliedmasse wird nur wenig belastet; an der Fesselregion findet sich eine beim Druck* sehr schmerzhafte Entzündungsgeschwulst in der Sehnenscheide des Kronbein­beugers. An der hinteren Fläche beider Vorderfessel sickert gelbröthliche, klebrige Flüssigkeit aus der Haut. Beide Hinter­gliedmassen enthalten in ihrem ganzen Verlaufe theils flache und diffuse, theils wulstig hervorragende Hautgeschwülste. Be­sonders stark ist die Schwellung an der inneren Schenkelfläche der rechten Hintergliedmasse. Die Haut an der hinteren Fläche beider Fesselgelenke, in der Sprunggelenkbeuge und an der inneren Seite der Tibia beider Gliedmassen ist durch die Schwel­lung stark gespannt und lässt in relativ bedeutender Menge gelbliches, ziemlich klares und klebriges Serum austreten. Die Flüssigkeit haftet an den bezeichneten Stellen theils in Tropfen, theils in Streifen auf der Haut. Am Kopfe sind die Oberlippe, sowie der Lippenwinkel und die Backe der linken Seite be­deutend angeschwollen. Auch die Partie der falschen Nasen­löcher erscheint aufgewulstet. Die Nasenschleimhaut ist an beiden Seiten mit zahlreichen erbsen-bisbohnengrossen Petechien besetzt, die zum Theil untereinander confluirt sind. — Puls 64, Resp. 12 mit schniebendem Nasalgeräusch; Temp. 40,6. Ap­petit fehlt.
ocr page 58
- 54 -
„Diagnose: Blutfleckenkrankheit in hohem Grade der Ausbildung:
Am i. März erschienen die Blutbeulen der Haut noch ver-grössert. Die Schwellung des rechten Hinterschenkels erstreckte sich über die Region der Kniescheibe hinauf. Hinzugekommen war eine starke Schwellung der Haut unter der Brust, die sich nach hinten bis über den Schaufelknorpel fortsetzt. An der Nasenscheidewand der linken Seite ist die Schleimhaut bis auf kleine Reste ganz mit Blut infiltrirt. Das Pferd hat heftige Schmerzen in den Hinterschenkeln und ist zu jeder selbständigen Bewegung derselben unfähig.
Behandlung: Die „Blutfleckequot; der Haut werden alle zwei Stunden gewaschen mit: Camphorae 15,0; Plumbi acetici 100,0; Aluminis 50,0. M. f. p. Dtr. ad ollam griseam. Davon 1 Ess-löflfel voll in Va Liter Wasser.*)
Zur Radicalcur entschloss ich mich, e^e intratracheale Jod-injection zu versuchen. Von nachstehender Lösung: Rp. Jodi 2,0; Kalii jodati 10,0; Aquae destillatae 100,0. Solve. — wurden 3 gr. in die Trachea injicirt.
Am 2. März hatten sich die Hautgeschwülste erheblich verringert. Das Pferd nahm etwas Heu und Wasser. Puls 52; Resp. 10; Temp. 39,0. Der Bauch ist leicht aufgeschürzt. Darmexcremente klein geballt. Mit Wahrscheinlichkeit schloss ich auf das Bestehen von Blutflecken in der Darmschleimhaut, Die äussere Behandlung wurde fortgesetzt. Innerlich erhielt das Pferd 4 gr. der obigen Jod-Jodkalium-Lösung mittels intra-trachealer Injection.
3.nbsp; März: Hautgeschwülste noch mehr verkleinert. Blick freier; Appetit etwas besser; Gang weniger schmerzhaft; auf dem linken Vorderfuss besteht unabhängig vom Morbus macu-losus die Fessellahmheit. Puls 48; Resp. 12; Temp. 38,9. Es wurden 5 gr. der obigen Lösung injicirt.
4.nbsp; März: Besserung fortschreitend. Nasenschleimhaut auf­gehellt. Zur Injection wurden heute 6 gr. verwendet.
5.nbsp; und6. März: Appetit massig gut. Gang frei; das Pferd
*) Diese Misehnng, weldic eines der besten Desinfectionsmit.tel bei der Wundbehandlung ist, hat sich mir zur Behandlung der Haut bei der Blut-ilockenkrankheit .am moisten hewiihrt.
ocr page 59
55
bewegt sich im Laufstall ohne Beschwerde. Puls 48; Resp. 8; Temp. 38,6. Die intratracheale Jodinjection wurde ausgesetzt.
„In den folgenden Tagen machte die Genesung gleich-massige Fortschritte. Ich liess das Pferd nur noch diätetisch verpflegen und die ulcerösen Partien der Haut in den Fesseln und an den Sprunggelenken mit den obenbezeichneten Waschun­gen behandeln. Am 14. Milrz konnte dasselbe aus der Klinik entlassen werden.
„Zur Beurtheilung des vorstehend beschriebenen Krank­heitsfalles möchte ich noch hervorheben, dass derselbe sich am 1. März als ein sehr schwerer charakterisirte, und dass die Er­scheinungen eine schlechte Prognose motivirten. Unmittelbar nach der Einverleibung der Jod-Jodkalium-Lösung sistirte die Tendenz zur Bildung neuer Bluckflecke. Schon 24 Stunden nachher hatten auch die blutigen und entzündlichen Infiltrate der Haut sich durch Resorption sichtbar vermindert. Dass der Appetit sich erst allmählich wieder besserte, erklärt sich aus der Mitaflfection des Darms. Die Beobachtung des Verlaufes ergab auch bei einer rein objectiven und vorurtheilsfreien Wür­digung der Sachlage, dass der günstige Erfolg der Behand­lung nur auf einer specifischen Wirkung des Jod zu der die Blutfleckenkrankheit bedingenden toxischen Substanz beruhen konnte. Die locale Behandlung der Blutbeulen und phleg-monösen Schwellungszustände der Haut und Unterhaut hat — wenngleich ich sie in ihrem Werthe gewiss nicht unterschätzen will — doch nur eine symptomatische Bedeutung, die darin be­ruht, dass sie den gefährlichen Destructionen in der Haut be­gegnet und die Resorption der Infiltrate begünstigt. — Nichts­destoweniger trug ich Bedenken, mich in meinem Urtheil über die specifische Wirkung des Jod gegert die Blutfleckenkrank­heit von dieser einen Beobachtung schon bestimmen zu lassen. Ich beschloss daher, zunächst noch weiteres Erfahrungsmaterial zu sammeln und hiernach erst die Thatsachen öffentlich be­kannt zu machen. Schneller, als ich erwarten konnte, erhielt ich Gelegenheit zur Behandlung eines zweiten Krankheitsfalles.
„2) Von dem Trainer G, in Charlottenburg wurde am 12. März d. J. ein Vollblut-Rennpferd (Fuchsstute, 8 Jahre alt) in die Klinik eingestellt, welches vor 6 Tagen erkrankt war und erhebliche ödematöse Geschwülste an den Gliedmassen
ocr page 60
- 56 -
zeigte. Da die Stute nicht mehr gehen konnte, so musste sie auf einem Transportwagen zur Klinik gefahren werden. Ich untersuchte das Pferd am 12. März Nachmittags, gleich nach der Ausladung. Es zeigte bei der Schrittbewegung schmerz­hafte Empfindung in den Füssen, die nur mit Mühe und in steifer Haltung vorwärtsgebracht werden konnten. Der Kopf wurde gesenkt gehalten. Deckhaar rauh. Beide Sprunggelenke waren ödematös geschwollen, so dass die Contouren derselben sich kaum noch erkennen Hessen. Die Schwellung erstreckte sich nach unten bis auf die Fesselgelenke. Am linken Unter­schenkel erschien die äussere Fläche mit einer starken Schwel­lung behaftet, die nach oben bis zum Kniegelenk reichte und in einer armdicken querverlaufenden Wulst scharf abgesetzt war. Die Schenkelpartie der rechtenHintergliedmassenwar an der vor­deren und inneren Fläche diffus, aber ungleich geschwollen, so dass stellenweise hühnerei- bis faustgrosse Beulen auf der Haut hervorragten. — Aehnlich gestaltete ödematöse Schwellungen fanden sich in der Haut resp. Unterhaut beider Vorarme. Dicht neben dem linken Ellenbogen sass am Brustbein eine faustdicke, längliche ödematöse Geschwulst, welche sich nach hinten an der Sporader entlang auf 30 cm Länge ausdehnte. — In der Oberlippe, welche nach rechts gezogen erschien, befand sich an der linken Seite eine flache, daumendicke Schwellung. Die Nasenschleimhaut der rechten Seite war in der ganzen Aus­dehnung des sichtbaren Theils blutig sugillirt. An der linken Seite trug die Scheidewand in der unteren Partie ein flaches, blutiges Infiltrat, welches den Umfang eines Daumens besass. Die Bindehaut beider Augen erschien in leichtem Grade anämisch. Puls 44; Resp. 12; Temp. 38,9.
„Die Diagnose der Blutfleckenkrankheit war nach diesem Befunde vollkommen gesichert. Zur inneren Behandlung be­stimmte ich folgende Lösung: Rp. Jodi 1,0 Kalii jodati 5,0 Aquae dest. 100,0. Von derselben injicirte ich 10 gr in die Luftröhre. Die Hautgeschwülste Hess ich am Abend des 12. März mehrere Male mit Burow'scher Mischung (Rp. Plumbi acetici 100,0 Alummis 50,0 Mfp. Dr. ad ollam. Davon 1 Esslöffel voll auf Va Liter Wasser) waschen. Im Uebrigen wurde dem in eine Box gestellten Patienten Heu gereicht, wovon derselbe aber nur wenig verzehrte. Trinkwasser nahm das Pferd öfter.
ocr page 61
- 57 -
„Am 13. März Morgens — 15 Stunden nach der intra-trachealen Jodinjection — fand ich das Pferd munter. Die Blut­beulen und resp. die diffusen Infiltrate der Subcutis an den Gliedmassen hatten sich um 2 Dritttheile des am Abend vor­her festgestellten Umfanges vermindert. An der Oberlippe war das Infiltrat fast ganz resorbirt. Die Blutunterlaufungen der Nasenschleimhaut hatten keine sichtbare Aenderung erfahren. Neue Geschwülste waren aber in der Haut resp. Unterhaut nicht entstanden. — Der Gang war ziemlich frei, und das Pferd verzehrte 3 Liter Hafer neben Mohrrüben und Heu mit Appetit. Puls 44; Resp. 10; Temp. 38,7.
„Die Behandlung des gestrigen Tages wurde wiederholt. Am Nachmittage konnte der Patient auf dem Hofraum 5 Minuten lang geführt werden. Die Hautgeschwülste verringerten sich im Laufe des Tages noch mehr.
„Bis zum 14. März Vormittags war die Resorption der blutigen und entzündlichen Infiltrate aus der Unterhaut an den Gliedmassen bis auf einen geringen Rest erfolgt. Die Nasen­schleimhaut erschien an den infiltrirten Partien noch blutig roth'; die in leichtem Grade imbibirten Stellen grauroth. Frische Blutflecke waren nicht entstanden. Puls 42; Resp. 9; Temp. 38,0.
„Um dem möglichen Auftreten neuer hämorrhagischer Herde vorzubeugen, injicirte ich wiederum 10 gr der vorbezeichneten Jodlösung in die Luftröhre. Im Uebrigen beschränkte sich die Behandlung auf die diätetische Pflege.
„Die Symptome der Blutfleckenkrankheit waren bis zum 16. März grösstentheils abgeheilt. Nur an der Nasenschleimhaut liess sich an diesem Tage noch eine blutige und stellenweise bläuliche resp. graugelbliche Färbung nachweisen. Indess wurde das Pferd durch diesen Zustand nicht mehr belästigt. Am 23. März zeigte die Nasenschleimhaut wieder eine vollständig nor­male Beschaffenheit.
„Der in Vorstehendem geschilderte, ausserordentlich gün­stige Verlauf des zweiten Krankheitsfalles ergibt ebenso, wie die erste Beobachtung, dass das Jod ein kostbares Heilmittel gegen die Blutfleckenkrankheit des Pferdes ist. Welche Vor­gänge im Körper der kranken Pferde durch das von der Re­spirationsschleimhaut resorbirte Jod angeregt werden und resp. wie die salutäre Wirkung des Mittels zu Stande kommt, lasse
ocr page 62
58 -
ich in dieser kurzen Mittheilung unberührt. Ich begnüge mich damit, zu constatiren, dass die Behandlung des Morbus macu-losus mit Jod das erste Beispiel darstellt, dass der Organismus des Pferdes bei allgemeinen Krankheiten mit Erfolg entgiftet werden kann. So viel seit einem Jahrhundert bei den ver­schiedensten Krankheiten des Pferdes nach solchen Mitteln ge­sucht worden ist, so war doch — wie ich mich zu wiederholten Malen öffentlich ausgesprochen habe - der Beweis der speci-fischen Wirkung durch thatsächliche Feststellungen von keinem Medikament und resp. bei keiner Krankheit einwandsfrei zu erbringen. Die hier mitgetheilte Leistung der Jodinjectionen ist demnach eine Thatsache von grossem wissenschaftlichem Interesse.
„Für die thierärztliche Praxis dürfte die Behandlung der Blutfleckenkrankheit mit Jod nicht minder von erheblichem Werthe sein. Bei der Häufigkeit des Vorkommens wird dem perniciösen Verlaufe des Leidens oft mit Erfolg entgegenge­wirkt werden können. Das Verfahren der intratrachealen Injection ist wohl etwas complicirter, aber im Ganzen fast ebenso leicht, wie die subcutane Injection.
„Für die Injection der Jod-Jodkalium-Lösung erachte ich den beim zweiten Krankheitsfalle von mir gewählten Con-centrationsgrad für zweckmässig und vollständig ausreichend (Rep. Jodi 1,0 Kalii jodati 5,0 Aquae dest. 100,0. Solve). Von dieser Lösung sind nach der Grosse der Pferde und nach sonstigen Indicationen 10 bis 30 gr. täglich einmal in die Tra­chea zu injiciren, so dass von dem reinem Jod 0,1 bis 0,3 und vom Jodkalium 0,5 bis 1,50 für eine Dosis zur Einverleibung kommen. Mit den Injectionen kann einige Tage hindurch, selbst noch länger fortgefahren, auch an einem oder mehreren Tagen während des Krankheitsverlaufes ausgesetzt werden. In dringenden Fällen würde es zulässig sein, zwei Dosen der Solution innerhalb eines Tages zu injiciren.
„Dass neben dieser Radicalkur bei der Blutfleckenkrankheit auch auf die symptomatische Behandlung ein wesentliches Ge­wicht zu legen ist, dürfte für Jeden, der die Complicationen der Krankheit und ihre Gefahren kennt, selbstverständlich sein. Je früher aber mit den intratrachealen Jodinjectionen begonnen wird, um so weniger werden die lebensgefährlichen Compli-
ocr page 63
59
cationen eintreten und um so sicherer wird die Heilung des Falles ohne Nachkrankheiten erfolgen.
„Da die Blutfleckenkrankheit des Pferdes zuweilen sich mit unheilbaren Krankheiten der inneren Organe verbindet, so wird, wie leicht begreiflich, nicht jedes Pferd, welches die Symptome des Leidens bekundet, durch die Behandlung mit Jod zu retten sein. In der Mehrzahl der Fälle besteht aber keine unheilbare Vorkrankheit. Desshalb dürfte der in dieser Mittheilung vorgeschlagenen Behandlungsweise ein günstiger Erfolg für die thierärztliche Praxis in Aussicht gestellt werden können.quot;
ocr page 64
6o
Sehlusswort.
Es hiesse Eulen nach Athen tragen, wollten wir nochmals auf die Wichtigkeit und Bedeutung der trachealen Injectionen hinweisen. Unzweifelhaft wird mit ihrer allgemeinen Einführung ein ungemeiner Fortschritt in unserer Wissenschaft gemacht sein, und zwar ein Fortschritt, der direkt im Dienste der Praxis steht, und damit auch des allgemeinen Nationalwohl­standes. Schon allein der Hinweis darauf wird diese Angabe bestätigen, dass nämlich mit der Reduktion der Arzneigabe bei trachealer Injection nothwendigerweise auch die Vermin­derung des Preises derselben einhergeht; so sind wir durch diese Methode in den Stand gesetzt worden, in unserer' Praxis, wo der Kostenpunkt der Kur leider so vielmals das Entscheidende über das Schicksal eines erkrankten Nutzthieres ausmacht, viele Kuren, die anzufangen früher niemand das Risiko über­nehmen durfte, jetzt mit Erfolg vorzunehmen. Für den Prak­tiker wird das neue Verfahren auch insofern noch angenehmer, als er nicht mehr grosse Mengen von Medicamenten mitzu­führen braucht, was sich auch in Kriegs- und Friedenszeiten auf weiten Märschen besonders schätzbar zeigen muss.
Mit Einführung des neuen Verfahrens und Bekanntwerden der dadurch erzielten und zu erzielenden Erfolge, wird aber auch unser Ansehen steigen, das Standesbewusstsein wird sich heben; dem einfachsten Landmanne muss es klar werden, welcher Unterschied zwischen einem erbärmlichen Pfuscher und einem wissenschaftlich gebildeten Thierarzte besteht, und wie weit sich dieser über jenen erhebt. Damit wird auch diese elende Institution — wenn nicht ganz — so doch arg, arg in Miskredit kommen.
ocr page 65
6i
Anhang L
Von Levi wurden nachstehende Medicamente anf ihre Wirkung bei den trachealen Injectionen genau geprüft.
1.nbsp; nbsp;Acida: Acid, sulfnricum, Ac. hydrochlor., phosphoric, etc. sind die gebräuchlichsten. Man benützt sie in starken Verdünnungen 1:1000 und zu 1,00-3,00 gr. pro dosi, hei Fieber, bei leichtem Bonchialkatarrhen, Lungen­blutungen etc. etc.
2.nbsp; Acidum boiiieoicnin. Wenig wirksam. Wird verordnet nach Formel: Rp. Acidi benzoici,l,0, Natr. phosphor. 10,0, A(iu. destill. 100,0. M. D. S. zu 10 bis 15 gr. pro dosi 2 mal täglich.
3.nbsp; Acidum carbolicuin. 0,50—1,0 gr. Gegen Infectionskrankheiten un­wirksam. Findet erfolgreiche Anwendung bei fotider Bronchitis, purulentem Catarrh der Luftwege und als Parasiticidum bei Lungenwurmseuche der Schafe. (Acidi carbolici 1,0, Alkohol 85deg; 50,0 et Aqu. destill. 50,0. M. D. S. zu 10-30 gr. pro dosi. Man kann zum Vehikel auch Oel, Q-lycerin u. A. benützen).
4.nbsp; Acidum taiinicuiu. 0,10—0,30. Sehr wirksam bei Diarrhöe, Lungen­katarrh, Wassersuchten, Blutungen des Digestivrohres, Lungen, Nieren und Uterus. Mit Jod wird Tannin bei manchen Bronchial- und Lungenleiden angewendet: Acidi tannici 1,0, Jodi puri 0,25. Glycerini 25,0 et Aqu. destill. 25,0. M. zu 5 bis 10 gr. pro dosi.
5.nbsp; Acouitum et Aconitinum. Erstes wird als Tinct. Aconiti zu 5—10 gr. pro Injection gebraucht, das Zweite zu 0,001 amp; 0,008 in spirituöser Lösung zu 4 ä 10 gr. pro dosi benützt. Nach Levi sehr wirksam als Antiphlogisticura, Temperans, Sedativum etc. und besonders bei Influenza und am Beginne der Krankheit; soll wirksamer als Aderlass, Calomel, Digitalis, Tartar, stibiat. u. A. sein. (Aconitini 0,05, Alkohol i, 85deg; 10,0, Aqu. destill. 90,0.)
6.nbsp; Alkohol. Sehr wirksam als Stimulans, Nervinum, Antipyreticum, Restaurans etc. bei Influenza und anderen acuten Krankheiten, Spiritus rectif. zu 10—30 gr. pro dosi pur oder mit 50 mit 100 gr. Wasser, oder mit 5—10 gr. Ammoniak, oder Aether, Opium, 01. Terbinth. rectiflc. etc.
7.nbsp; Ammoniak und seine Präparate. Sehr wirksam und hochgeschätzt als Excitans, Stimulans etc. besonders bei Schwächekraukheiten, Influenza, Pferde­typhus, chronischen Bronchitiden und Pneumonien, auch als kräftiges Expectorans und zum Theil Resorbens. — (Ammonii liquidi 5,0, Alkohol ä 85deg; 10,0 et Aqu. destill. 100,0, M. D. S. 10-20 gr., ein oder mehrere Male am Tage) — Amm. carbonicum wirkt local schwächer reizend. Amm. chlorat. weniger stimu-
ocr page 66
62
lirend, stärker aber rtissolvirend. A in in. aceticum zeigt iliuretisclie und diaphoretische Eigenschaften, (Ammouii acetici et Aramonii cliiorati 10,0, Alkohol ä 85deg; 20,0, Infus. aromatic. 100 gr. M. Dosis: zu 10-20 gr. pro Inject.) — Um die locale Wirkung auf die Schleimhaut der Bronchien zu beschränken, benutzt man stärkere Gaben und in concentrirteren Lösungen. Will man aber einen allgemeinen Effect erzielen, so verordnet man schwächere Gaben in schwäuheren Lösungen und setzt nach Bedarf Kampher, Aether, Spiritus etc. hinzu.
8.nbsp; SpiesHglan/.-l'riipariiÜ!. Nicht gebräuchlich.
9.nbsp; Argeutum nltricum. Wenig gebräuchlich.
10.nbsp; Arsenicnm albnm eignet sich schlecht zu intratrach. Inject. Da­gegen wird zuweilen Sol. arsenic. Fowleri benützt. Dosis 5—10 gr.
11.nbsp; Belladonna et Atropiunm sind sehr schätzbar als Tonicum für vaso-motorische Centra bei Influenza, im Anfange acuter Krankheiten: wie Angina, Bronchitis, Pneumonie, Enteritis, Peri- et Endocarditis, Adenitis, aber auch Asthma und Emphysema pulmonum, dann als Sedativum, oft mit Morphium ge­geben, zuletzt als Secretion beschränkendes Mittel bei katarrhalischer Diarrhöe, Bronchialkatarrh, Schnupfen und als Antispasraodicum und Anticonvulsivnm bei Kolik, Epilepsi etc. — Zu Injectionen werden benützt auch Extr. Belladonnae von 0,05 bis 0,50 und 1,0 gelöst in Wasser oder Atropinnin sulfuricum zu 0,005 bis 0,03 in 5 gr. Aqu. destill, pro dosi.
12.nbsp; Camphora wirkt erregend, beschleunigt den Puls, erhöht die Tem­peratur, ruft starken Schweiss hervor etc.; wird angewandt von Levi bei chroni­schem Husten, Spasmen, Typhus und Influenza, bei Schwächekrankheiten, bei zögernder Convalescenz und gegen Eeizung der Harn- und Gesohlechtstheile. — Man verordnet: Spiritus camphor. (1 :10) zu 5—20 gr. pro dosi oder Camphorae 10 gr.. 01. Terebinthin. rectif. 25 gr., Olivar. provinc. 75 gr. (gegen chronischen Bronchialkatarrh gerühmt).
18. Chloralum hydratum. Anaestheticum, Sedativum, Antispasmodicum bei zu starken Uteruscontvactionen, Kolik, eingeklemmten Hernien Gh.: Die Gabe ist sehr variabel i kleine Dosen, 0,50 bis 2,0, wirken stiinulirend und anti-spasinodisch; stärkere zu 1,0 bis 5,0 benützt man in geburtshilflichen Fällen und starke zu 10,0 gr. bei convulsiven Leiden, z. B. Tetanus. Als Vehikel wird eine entsprechende Menge Wasser benützt.
14. Chloroformiuiu. Gebräuchliche Formel von Levi: Chlorofonuü 2 gr. Spritus rectif. 20,0, Aqu. destill. 30 gr. M. zu 5 bis 10 gr. mehrmals am Tage zu injiciren. Auch eine Mischung mit Gel wird benutzt. Chloroformii 15—25gr. 01. Olivarum pro 50 gr. M. Mehrmals am Tage zu 5 gr. pro Spritze zu injiciren.
16. Coniam maculatum et (Jicutin noch zu wenig versucht. Man ver­schreibt von Extr. Oonii mao. 1 bis 3 gr., von Tinct. C. m. 0,50—2,0 und von Cicutio 1 bis 10 Tropfen. Gegen Tussis convuls.. Chorea, Nymphomanie und besonders gegen Tetanus.
16.nbsp; Croosotum cfr. Acid, carbolic.
17.nbsp; Digitalis. Auf intratrachealem Wege beigebracht, wirkt es ebenso, wie per os. Wird benützt zu 5 bis 20 gr. Tinct. Digitalis pro Inject, nach In­dication. — Digitalin könnte gegeben werden zu 0,1 bis 0,05 in 5 bis 10 gr. Spiritus rectif.
ocr page 67
63
18.nbsp; Aether sulfuricum erzeugt auf intratraohealem Wege keinen künst-liohen Schlaf (80 gr. sind nach Levi noch ganz ungenügend), wird aber mit Erfolg als Anodyuum bei Koliken, als Stimulans und Antispasmodicum bei Asthma und Schwächezustiinden, bei Influenza, Typhus angewandt.
19.nbsp; Ferrum i. Ferr. sesquichlor. zu 1 bis 3 gr. in 100 bis 200 gr. Ann. als Antihaemorrhagiüum bei Haematurie, Metrorrhagie etc. und als lieconstruenB bei Typhus, Influenza, Druse etc.
Ferrum jodatura (aus gleichen Theilen: Kali jodati u. Ferr. kali tartar.) zu 0,50 bis 1,0 in 50,0 bis 100,0 Aqu. destill.
Ferrum arsenic, zu 0,20 bis 0,50 in 10 bis 20 gr. Aqu. destill., mit Zu­satz von nöthiger Quantität Ammon. Citric.
Ferr. kali tartaric, 1,0 in 10 bis 50 gr. Wasser als wesentliches Recon-stituens besonders zu empfehlen.
20.nbsp; Falm Calabavis et Eserinum wäre bei Tetanus zu versuchen von Extr. fabae calab. spirit, zu 0,01 bis 0,05 pro Dosi in Wasser und Glycerin mehrmals am Tage; von Eserin. sulfuric. 0,01 in 5 gr. Aqu. destill, pro Inject.
21.nbsp; Jod und seine Salze spielen eine sehr hervorragende Kolle in der neuen Methode, und zwar besonders ist es schätzbar zur Eekämpfung hart­näckiger Polyurie; auch bei Rheumatismen, chronischen Hautkrankheiten, Tu­moren u. A. wird es viel benutzt. Die Thiere ertragen auffallend gut die reizenden Jodeinspritzungen, sie äussern stärkereu Appetit, werden wohlbeleibter, und zeigen allgemeines Wohlbefinden. Die gebräuchlichste Formel von Levi ist; Jodi puri 2 gr., Kali jodati 10 gr., Aqu. destill. 100 gr. M. — Man fängt in der Regel mit 2 gr. der genannten Jodlösung, der man noch zur Verdünnung 3 gr. Aqu. destill, zusetzt, an und steigt allmählig alle 2—3 Tage um 2 gr. der Lösung weiter (dabei reducirt man auch die Quantität des zugesetzten Wassers), bis man schliesslich auf die Dosis von 20 ,gr. reiner, obengenannter Jodlösung angelangt ist. Manche sehr reizbare Thiere vertragen die Jodlösung in grösseren Gaben schlecht. In solchem Falle setzt man einige Tage die Be­handlung aus und beginnt mit kleineren Gaben wieder. Man kann auch bei solchen Thiereu das Jod mit Jodoform in Üellösung vertauschen.
22.nbsp; Jodoforinium wird in nämlichen oder etwas stärkereu Gaben wie Jod häufig und mit Erfolg angewandt. (Jodoformii 4 gr., 01. Oliv. prov. 100 gr., 01. Terebinthin. 25—50 gr. MDS. zu 10—15 gr. pro Dosi bei Rotz und chro­nischem Bronchialkatarrh.)
28. Aqu. Laurocerasi, beruhigendes, antispasmodisches Brustmittel bei Palpit. cordis, Tussis convuls., Bronchitis, Pneumonie etc. Mit 5 gr. anfangen und bis 50 gr. pro Dosi steigen.
24.nbsp; Hydrargyrum. Levi benützt: Hydrarg. bichlor. corros. 1,0 Aqu. destill. 100 gr. M. Mit 5 gr. pro Dosi anfangen und bis 20 gr. steigen u. Rp. Jodi puri 1,0, kali jodati 5,0, Hydrarg. bijodat. rubr. 1,0, Liquoris arsenic. Fowlerie 50,0, Aqu. destill. 50,0. M. D. S. Dosis von 5 bis 20 gr. gegen chro­nischen Rotz und Wurm versucht.
25.nbsp; nbsp;Opium uud Morphium. Levi benützt: Laudanum liquid. Lyden-hamii zu 1 bis 10 gr. und Tinct. Opii zu 1 bis 5 gr. pro Dosi. Um die sedative Wirkung des Opiums zu verstärken und zu prolongiren, setzt man noch
ocr page 68
- 64 -
Belladonna oder Atropin hinzu. — Von l0/o Morphium!ösung spritzt man von 5 bis 20 gr. pro Dosi ein.
26.nbsp; Kali nitricum zu 2 bis 10 gr. in 100 bis 200 gr. Aqu. pro Dosi. Nach Bedarf zu wiederholen.
27.nbsp; Kali carbonlcum (besser bicarbonicum) zu 1 bis 5 gr. in 50 bis 100 gr. Wasser.
28.nbsp; Kali chloricuin zu ü,0 :100,0 Aqu. destill, zur Injection 5 oder 10 bis 20 gr. Lösung pro Dosi.
29.nbsp; Kali hypenuangauicnm wird als Antizymoticum, Antisepticum und Desodorans bei purulentem und foetidem Lungenkatarrh, Cavemen etc. zu 1—2 gr. in 100 gr. Aqu. gelöst, zu 5—30 gr. pro Injection verordnet.
30.nbsp; nbsp;Kali bichromicum, wenig gebräuchlich, weil man bessere Mittel I besitzt.
81. Kalium bromatum findet öfters Anwendung zu 0,50 bis 2,0 in 5—10 gr. Aqu. pro Inject.
32. Kalium cyanotum zu 0,02 bis 0,05. Die Gabe wird allmählig bis 0,20—0,30 gesteigert. In Wasser, Spiritus etc.
88. Kalium sulfurntuin wird zu 1—5 gr. in 100—200 gr. Wasser oder mit Glycerin gelöst gegen Hautleiden, veralteten Bronchialkatarrh u. s. w., im Ganzen aber selten benutzt.
34. Cortex Chinae. Rp. Gort, chinae calis 6,0, infunde e. Aqu. 100,0, colatur. adde Aqu. Rabeli 15 gtts. M. D. S. zu 5 bis 20 gr. pro Inject. Mau kann auch Tinct. Chinae zu 5-20 gr. und Extr. Ohinae spirit, zu 1—5 gr. in 5—20 gr. Aqu. gelöst benützen, doch ist das Infus. vorzuziehen; von Alkaloid, wird am häufigsten Chinin bisulfuric. zu 0,10—0,50 in 5—10 gr. Aqu. destill, pro dosi verordnet. Nach Bedarf wird die angegebene Gabe nochmals am Tage wiederholt. — Aeusserst wirksam.
85.nbsp; Natrium arsenicosum wird in 1 0/o Lösung zu 5—10 gr. pro dosi mit besserem Erfolg als Sol. arsenic. Fowl, benützt. Solut. arsenic. Pearsonii kann zu 30 gr. bis 60 gr. pr. d. eingespritzt werden.
86.nbsp; Natr. carbonicum et biearbouicum werden sehr oft benützt: Natr. carbon. 5,0, Aqu. destill. 100,0, Laudani et Extr. Belladonn. aa. 2,0 M. zu 5-20 gr. pro dosi. Als schleimlösendes Mittel ist Natr. carbon, vorzuziehen. Zur Verflüssigung der Exsudate benutzt man mit Erfolg Natr. carb. 5:100 Aqu. und jodati 5,0. Dosis wie oben.
87.nbsp;Natrium subsulfurosum. Zu 5—20 gr. in entsprechender Verdünnung sehr nützlich bei vielen Krankheiten.
88.nbsp; Sulfur. Die Schwefelpräparate werden nur selten benützt.
39.nbsp; Sulfur jodatum, noch wenig benützt, obgleich ein werthvolles Medi­cament, wird zu 1 0/o in 01. amygdal. dulc. verordnet und 5—20 gr. injicirt.
40.nbsp; Stramoniuiu (Datura). Zu intratrach. Inject, werden benützt: In-fusum (aus 1—5 gr. Fol. Stramonii zu 100 gr. Wasser; Dosis 5 Ä, 20 gr. Extr. Str. aquos. 0,20—0.50 und Extr. Str. spirit, zu 0,10-0,30 in 5 gr. Wasser gelöst.
41.nbsp; Strychniuum, und zwar wird mit Vorliebe Str. sulfuricura benützt bei Hartschnaufen, chronischen Bronchiten, Lungenemphysem, Paralysen etc. Zu 0,02-0,06 in 5-10 gr. Wasser pro dosi 1—2 mal am Tage. Gewöhnlich ver­schreibt man 1:100 und fängt mit 5 gr. an
ocr page 69
- 65 -
42. 01. Tereblnthinae rectiilc, ein ausgezeichnetes und sicheres Mittel, in wenigen Tagen die chronischen Bronchialkatarrhe und Ausflüsse zu bekämpfen. Levi benutzt eine Mischung von gleichem Theile mit Olivenöl, indem er mit 5 gr. anfängt und bis 10—15 gr. steigt. Zu dieser Mischung kann mau nach Bedarf auch andere Mittel zusetzen.
48. Rad. Yalerlanae wird in der neuen Methode als Infusum mit Zusatz von Chinin, Nutrium, Atropin, Zink, Bisen etc. sehr oft benützt. Man verordnet auch Extr. Valerianae und Tinctur. rad Valer. zu 5—20 gr. pro dosi in wässe­riger Lösung.
ocr page 70
66
Anhang 11.
Dosirungen von IKIedikamenten zur trachealen Injection
beim Pferde
F. Wosnesenski im russ. Veterinär-Kalender pro 1887.
Apoinorphin. hydrochl........0,05—0,3
Atropinum sulf..........0,06 — 0,1
Morphium acet. hydrochlor......0,1—0,2
Pilocaipinnm muriat........0,05—0,1
Jodum par. (mit Kali jod. zur Listing . 0,05—0,2
Acid, benzoicum........2 0./o — 4 0/o
Acid, boracicum........2 0/o — 4 /o
Acid carbolicum........1 0/o — 2 0/o
Acid, tannicum.........2 0/o — 6 /o
Alumen depur..........1 0/0 — ^ '0
Ammon. chlorat.........2 0/o — 4 /o
Borax............2gt;-4gt;
Cuprum. sulf..........1 0/o — 2 7o
Glycerinum..........10 0/o -20raquo;/o
Gummi arabic..........2 0/o — 4 /o
Hydrarg. bichlor.........O.^/o-0,20/o
Kali bromat........; . 2 0/o - 4 quot;/o
Kali chloricum.........2 0/o — 4 0/o
Kali hypermang.........2 0/o — 4 quot;Zraquo;
Kali jodatum.........20/o—40/o
Liguor l'erri sesquichl.......Vraquo; 'V0 — ^ 0/0
Natrium bicarbon.........2 0/o — 4 quot;/o
Natrium chlorat.........2 0/o — 4 '
Auf 5,00 Wasser zu einer einmaligen Ein­spritzung.
Von solchen Lösungen
injicirt man auch
einmal je nach der
Krankheit
5-30,00.
Plumbum, acet. . Tinct. üpii simpl. Zincum sulf. . •
10gt; - 4 % 5 0/o -15gt; 10/o - 4 gt;
-^reg;-H
j: #9632;'/
ocr page 71
ocr page 72
ocr page 73
ocr page 74